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Rhapsody

Vaffanculo *

Lewitzer -- im Besitz seit 05/2015 -- gekört -- aa ee FF

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Vaffanculo *
Rhapsody, 24 Juli 2016
    • Rhapsody
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      Von Waffeln und Waffen
      | 13. Mai 2015
      Medeia hatte sich gerade erst eingelebt und war das erste Mal mit den Mädels auf der Weide gewesen, als schon das nächste Pferd auf dem Weg war.

      „Der Hengst heißt Waffel?“ fragte Elena, als ich es ihr, Elena und Gwen (und Matthew, der die ganze Zeit ‚zufällig‘ um uns herumschwänzelte) beichtete. Elena hatte sich auf dem Sofa breitgemacht und hatte sich eingebildet, sie müsste keinen Schluck rutschen. Das bedeutete, dass wir anderen uns auf Elisas Sessel quetschen mussten.

      Ich rollte die Augen. „Als ob irgendjemand ein Pferd Waffel nennen würde.“ Bei dem Namen bekam ich Gänsehaut. Besser als jeder Horrorfilm.

      Elena zuckte Schultern. „Ich trau manchen Züchtern nicht. Hab schon zu viel Schlechtes in der Welt gesehen.“ Und mit diesen Worten legte sie sich dramatisch eine Hand an die Stirn und seufzte laut.

      „Also eigentlich,“ murmelte ich und fingerte (ja. Lustig was. Fingern.) an einem Loch im Knie meiner Jeans herum, „eigentlich heißt er ja Vaffanculo. Und das ist italienisch.“ Das letzte war vor allem an Elena gerichtet, die skeptisch die Augenbraue hochzog. „Und bedeutet?“

      „Naja…“
      ***
      Also hatten wir ihn kurzerhand Val getauft. Und als Val (den Elena immer noch hartnäckig Waffel nannte) dann ankam, saßen meine Freundinnen in meinem Haus und futterten Waffeln während ich mich mit schmierigen Fahrern abgeben musste. Ein paar Unterschriften hier, ein paar Unterschriften da und schon gehörte der schöne Fuchshengst mir.

      Das Abladen verlief ein wenig holprig, da Val sich vom Geräusch, das seine Hufe auf der Rampe machten, erstmal erschreckte und am liebsten wieder in den Hänger gerannt wäre. Da ging mein Finger drauf, aber mehr als eine Quetschung war es wohl nicht. Val wurde kurzzeitig zwischengeparkt, damit ich sein Sattelzeug und restliches Zubehör verstauen konnte.

      Und währenddessen saßen meine Freunde in meiner Küche und futterten selbstgemachte Waffeln. Nett.

      Es schien fast, als würde Val vor Energie nur so strotzden, also schmiss ich ihn zu aller erst einmal auf den Reitplatz, damit er sich die Fahrt und den Flug aus den Beinen schütteln konnte. Das tat er dann auch zu genüge – bis er die Stuten auf dem Paddock entdeckte und nur noch wie ein Spanier durch die Gegend trabte und ihnen zuwieherte.

      Beim Probereiten war mir schon aufgefallen, dass Val ziemlich dominant war, und so hatte er die Box gekriegt, die am weitesten von Muraco entfernt war. Hoffentlich würde er sich wenigstens mit Paramour verstehen.

      Seine neue Box beschnupperte er sofort ausgiebig, ehe er sich dann – Gott sei Dank! – ans prall gefüllte Heunetz machte. „Ich sehe schon, wir verstehen uns,“ sagte ich, eher zu mir selbst als an irgendjemand anderen.

      Und dann war es endlich Zeit für Waffeln.
    • Rhapsody
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      Die Neuen
      | 18. Mai 2015
      Der einzige Grund, warum der Mai nervte, war, dass ich nun offiziell viel zu früh von der Sonne geweckt wurde. Es war gerade einmal 10 vor 6, da kitzelten mich die ersten Sonnenstrahlen und ließen mich einfach partout nicht mehr einschlafen. Mit einem lauten Seufzer schlug ich die Bettdecke zurück und warf der Sonne, die durch mein Fenster lachte, einen bösen Blick zu. Ich war vor ein paar Tagen erst heimgekommen, was bedeutete, dass das Jetlag immer noch ein bisschen nervte. Deswegen war ich gestern Nacht erst um halb vier eingeschlafen.

      Und gerade einmal zweieinhalb Stunden wieder wach. Wie ein Zombie tappte ich in die Küche und machte mir erst einmal eine Tasse Tee – schwarz, mit ein bisschen Milch und reichlich Zucker, damit ich wenigstens ein bisschen wach wurde. Nebenbei nahm ich mir den Block aus dem Regal, der als Kalender diente. Und für heute standen allerlei Sachen darin.

      Zum einen war heute endlich der Tag, an dem Zoe und Adèle kommen würden. Die Zimmer waren gestern fertig geworden (irgendetwas muss man ja machen, wenn man um 2 Uhr nachts wach ist) und da das Flugzeug ziemlich früh kommen würde, hatten wir genug Zeit, einen Rundgang zu machen. Natürlich mit Besuchen auf Crown Hills, Sanssouci und der Nahanni Rivers Ranch. Das würde super werden. Dann mussten natürlich die Zäune geprüft werden, ehe die Pferde auf die Weide durften – das würde ich wohl gleich morgens machen, während sie ihr Frühstück futterten (man, ich sollte öfters weniger schlafen, da war ich ja glatt ein produktives Genie!).
      Weiter auf der Liste standen ein Spaziergang mit Symbolic Splash und Cìola, Training mit Newt (mal wieder) und ein entspannter Ausritt mit Medeia.

      Doch bevor ich das alles anging, fütterte ich die Pferde und brachte sie zusammen auf die Weiden. Zusammen mit Outside Girl, Bacia und Chepa kam Flea auf ihr Grasquadrat, während Medeia, Lashy, Cíola, Favorita und Star auf die andere Stutenweide durften.

      Bei den Hengsten gestaltete sich das dann schon schwieriger; Val war immer noch der Neue und sollte so auf eine Einzelkoppel. Muraco und Paramour waren beste Freunde, aber Newt sah Paramour als seinen großen Bruder an.
      Am Ende standen Muraco und Paramour, Newt und Attonito und schließlich Vaffanculo auf ihren Koppeln.

      Und dann bemerkte ich, dass ich fast schon zu spät war. Es war keine Zeit mehr, ein Schild mit Zoe & Adèle drauf zu basteln, aber ich hoffte einfach, sie würden mich erkennen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich dann, dass das Bett in einem Zimmer noch nicht überzogen war – super.
      Trotzdem sollten die beiden Mädels mich erkennen können, wir hatten in den letzten Wochen oft geskypet (teilweise um 3 Uhr nachts – verdammtes Australien).

      Natürlich hatte an einem Tag wie diesem der Flug Verspätung. Das bedeutete, dass es dann nochmal eine extra Stunde dauerte, bis der erste Flug angekündigt wurde. Ich stand keine fünf Minuten in der Halle bis mir auf einmal ein feuerroter Lockenkopf entgegensprang und mich sofort umarmte, als würden wir uns schon ewig kennen.
      Trotz des langen Flugs war Zoe immer noch voller Energie und plapperte ununterbrochen. Dabei strahlten ihre grünen Augen – wieso hatten Rothaarige immer grüne Augen? Das war so fies! – fast so sehr, wie ein ganzer Sternenhimmel. Ja, wir würden wohl gut auskommen.

      Als Adèle dann ankam – Zoe hatte sich gerade einen Kaffee in der kleinen Starbucksfiliale geholt und vibrierte nun scheinbar – wirkte sie abgeschlafft und müde. Sie war hochgewachsen, bestimmt 10+ Zentimeter größer als ich, hatte dunkelblondes, langes Haar, große Augen mit vollen Lippen.

      „Man, du erfüllst das ganze wunderschöne-Französin-Klischee,“ bemerkte Zoe mit einem Grinsen, was Adèles Wangen nur so aufflammen ließ. Trotzdem sah sie aus, als würde sie gleich im Stehen einschlafen, also schlug ich vor, langsam aufzubrechen. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Zeit, bis das ganze Gepäck verstaut war und wir endlich auf dem Highway waren. Selbst Zoe wurde langsam ruhiger, kommentierte nur alle paar Minuten die Landschaft. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass Adèle eingeschlafen war.

      Zurück auf dem Hof wollten die beiden Mädels am liebsten einen Einführungsausritt (okay, Zoe wollte einen Einführungsausritt), aber mit den Worten „Die Pferde sind auch noch da, wenn ihr euren Jetlag ausgeschlafen habt“ zeigte ich den beiden ihre Zimmer und half Zoe noch, ihr Bett zu überziehen.

      Dann waren die beiden verstaut und ich brauchte selbst erstmal eine Pause.
      ***

      Als ich mit Lashy und Cíola zurück kam, sah ich, dass die beiden Mädels immer noch tief schliefen – die Rolläden waren nach wie vor fest verschlossen. Auch nach einem Besuch bei Elisa und einer Spielstunde mit Pax, einer Bodenarbeitsübung mit Bacia (langsam klappte es immer mehr – hoffentlich waren wir bald soweit, dass wir uns an das erste Training unterm Sattel wagen konnten) und einer dreiviertel Stunde Training mit Newt regte sich noch nichts hinter den Fenstern der Gästezimmer.

      Erst, als ich nach einem weiteren Ausritt mit Medeia zurück kam, waren die Rolläden des linken Zimmers oben und ich traf Adèle dann bei den Weiden. Sie wirkte nicht wirklich wacher, sondern eher noch müder – wenn das überhaupt möglich war. Mit einem Leckerli auf der Handfläche versuchte sie, eine der Stuten anzulocken, doch keine der Pferde interessierte sich für viel mehr als das Gras direkt vor ihren Nasen.

      Als sie mich bemerkte, lächelte sie. „Ich hoffe das ist okay, dass ich mich ein bisschen umgeguckt hatte,“ sagte sie. Ihre Stimme war leise, weich, akzentfrei. Ich war ein wenig überrascht, dass sie keine Karriere als Synchronsprecherin verfolgte, sondern mir helfen wollte, Pferdehufe instand zu halten.

      Lächelnd zuckte ich mit den Schultern. „Natürlich, immerhin lebst du hier ja jetzt.“

      Sie sah auf den Boden, fast ein wenig beschämt. Als sie mich wieder ansah, sah sie fast ein wenig … geschockt? aus. „Sollten wir irgendwie nerven, darfst du uns das ruhig sagen, ja? Das ist wohl das letzte, was ich erreichen will.“

      Jetzt musste ich mit den Augen rollen. „Bist du immer so neurotisch?“ Und das brachte ein Lächeln auf Adèles Lippen. Dann bemerkte sie die Connemarastute neben mir und bot Medi das vergessene Leckerli an. Während die Stute es genüsslich zerkaute, wurde ich ins Kreuzverhör genommen; wie lang ich schon hier lebte, wie viele der Pferde vom alten Hof kamen, wo meine ganzen Freunde hier wohnten, etc. Viele Fragen drehten sich aber vor allem über Medeia und, als Adèle langsam wieder ruhiger wurde, drückte ich ihr kurzerhand den Strick in Hand. Erst wusste sie nicht, was sie damit anstellen sollte, doch als ich ihr das Tor öffnete, führte sie die Stute mit einem Grinsen hinein. Danach entschuldigte sie sich da sie sich wieder hinlegen wollte – das war wohl das Beste. Unausgeschlafen konnte man nicht gut misten, und je öfter sie schlief, desto schneller war sie ihren Jetlag los.

      Also machte ich mich mit Schubkarre und Mistgabel bepackt auf den Weg in den Stall.
      ***

      Das nächste Mal sah ich die zwei Mädels, als ich vom Stall hereinkam, weil ich einen Bärenhunger hatte. Draußen war es immer noch wunderschön und warm – danke, Mai! – also wollte ich mir nur noch schnell eine Pizza in den Ofen schieben, duschen und essen.

      Als ich jedoch die Tür aufschloss, saßen Adèle und Zoe in der Küche, schnatterten über Gott und die Welt während auf dem Herd ein Topf vor sich hin köchelte.

      Ein wenig verdutzt blieb ich in der Tür stehen, blieb jedoch nicht lang unentdeckt. Ella, die neben Zoes Stuhl auf dem Boden gelegen war, sprang nämlich lauthals bellend auf und rannte mir entgegen.

      Zoe grinste mich ein wenig beschämt an. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen weil wir dir nicht geholfen haben. Und Adèle kennt so ein tolles Rezept für Spargelcremesuppe –“

      „Sorry für’s Verwüsten?“ sagte Adèle und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich mich in der Küche um; das Waffelessen zur Feier meines neuen Hengstes hatte meine Küche verwüstet, aber von den „Kocheskapaden“ meiner neuen Mitbewohner war rein gar nichts zu sehen.

      „Also,“ sagte ich und löste mich vom Türrahmen, um an den Herd zu gehen. Die Suppe roch genial – ganz anders, als ich sie von daheim gewohnt war, irgendwie … nach anderen, fremderen Gewürzen (was jetzt aber nicht gerade schlecht war, im Gegenteil). „Wenn eure Definition von Verwüstung so aussieht, dürft ihr gern öfters meine Küche verwüsten.“ Mit einem breiten Grinsen drehte ich mich zu den beiden Mädels um und holte dann drei Suppenteller aus dem Schrank.

      „Und zur Feier des Tages essen wir draußen. Hopp hopp!“
      ***

      Nach dem Abendessen hätten Zoe und Adèle mir zwar gern beim Reinholen und Füttern geholfen, doch ich scheuchte sie nur wieder in ihr Zimmer. Diesen Elan durften sie sich für morgen aufheben, da wurden sie dann ordentlich herumgeführt.

      Fürs erste führte ich aber alle Pferde erstmal selbst in ihre Boxen zurück und füllte die Futtertraufen auf.
    • Rhapsody
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      | 24. Juni 2015
      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen A-L - © Gwen
      | 30. Juni 2015
      Der Monat Juni neigte sich dem Ende und unglaublich, aber wahr: Es wurde noch wärmer. Während unsere Verwandten in Deutschland mal wieder über einen kalten, verregneten Sommer jaulten, konnten wir uns hier in Kanada nicht beschweren. Es waren täglich immer gut über 25°C und das reichte mir eigentlich auch, mir fehlte jetzt schon die Motivation, aufs Pferd zu steigen. Nun wurde es noch schwerer sich zu motivieren und bei Kritikerin Elena konnte man nicht mal die Reithose hochkrempeln, ohne sich beinahe eine Ohrfeige zu fangen.

      Dementsprechend unmotiviert schleppte ich mich auch heute in den Stall, denn Jojo hatte mir natürlich noch zwei ihrer Lewitzer für Juni aufgebrummt und ich hatte weder Elisa noch Matthew dazu überreden können, mir zu helfen. Tja. Also war ich schon sieben Uhr auf den Beinen und holte Flea aus ihrer Box. Die kannte mich ja sowieso schon und war genauso motiviert wie ich.
      Gähnend putzte ich sie und machte sie für unser Training fertig. Da ich um die Uhrzeit nicht mit Elena rechnete, krempelte ich brav die Reithose hoch und ließ die Chucks an. Lächelnd stieg ich so aufs Pferd und wärmte Flea auf. Unser Gebiet war diesen Monat die Dressur und ich wollte/sollte Flea auf L-Niveau bringen. Das war bei der hübschen Stute auch nicht sonderlich schwer.
      Viel Neues kam nicht dazu, nur der einfache Galoppwechsel, Überstreichen und Kurzkehrt. Natürlich auch die versammelten Gangarten, aber da hatte Jojo selbst schon Hand angelegt und Flea war schon recht weit. Natürlich konnte sie da nicht mit Elenas Toppferden mithalten, aber sie kam ein winziges, kleines Bisschen an diese heran.
      Seit einer Woche ritt ich nun wieder Flea und die Tempiwechsel und Galoppwechsel klappten einwandfrei. Nur mit der Kurzkehrt taten wir uns noch etwas schwer, aber Übung machte ja schließlich den Meister.

      Halb neun waren wir fertig und ich ehrlich gesagt auch der Meinung, dass Flea so weit war. Also gabs die Trainerbestätigung und fertig. Die Woche hatte locker gereicht und Flea hatte heute so gut mitgemacht, da konnten wir uns das Training bei über 30°C doch sparen.
      Als zweites hatte ich Vaffanculo bei mir. Der Name war einfach nicht aussprechbar, deshalb schloss ich mich Elisa und Elena an und der Hengst hieß einfach Waffel. So rief ich ihn auch, als ich ihn von der Weide holte, um ihn zu putzen und zu satteln. Um etwas Abwechslung zu haben, hatte ich Waffel im Springen trainieren wollen.
      Da war er momentan auf A-Niveau und unser Ziel war eine L. Also eine Ähnlichkeit mit Flea hatte er zumindest, aber das wars auch. Im Gegensatz zur ruhigen, fleißigen Flea war Waffel typisch Kerl: Macho hoch drei. Ich weiß gar nicht wie oft ich auch heute wieder beim Training die Augen verdrehte. Jede auch nur noch so weit entfernte Stute machte den Dunkelfuchs verrückt und da war das Trainieren gar nicht so leicht.
      Dementsprechend lange dauerte es, bis ich endlich einmal seine Aufmerksamkeit für mich hatte und er sich auf die Hindernisse konzentrierte, die schrumpften nämlich nicht so wie sein männliches Gehirn.
      Am Ende konnten wir dann einmal den L-Parcours durchspringen und gut war. Auch wenn Waffel gerne lieber bei Elisas Reitponystuten gestanden hätte (hrhr, das Theater erst!), hatte er dann doch eingesehen, dass er lieber mitmachen sollte, ehe es sich noch mehr in die Länge zog.
      So war ich um zehn dann auch mit beiden Berittpferden fertig und konnte ihnen pünktlich auf den letzten Tag des Monats genau ihre Bescheinigungen ausstellen und die tollen Vierbeiner an ihre eigentliche Besitzerin zurückgeben.
      Ob sich der Aufwand überhaupt lohnte, war fraglich, immerhin erahnte ich eh schon, dass ich die beiden schon den nächsten Monat wieder an der Backe haben würde und der nächste Monat war Morgen. Wuhu!

      Geistesabwesend und in Gedanken versunken spritzte ich Waffels Beine am Waschplatz ab, als mich plötzlich ein „WAS FÜR EIN DESASTER!“ aus den Gedanken riss. Erschrocken drehte ich mich um und blickte inmitten von Elenas Gesicht. Na ach du Schreck.
      Dummerweise hatte sich auch der Schlauch in meiner Hand mitgedreht und zeigte nun genau auf Elena. Erst auf ihr Gesicht, weil ich vor Schreck die Arme hochgerissen hatte und als ich mich entspannte, machte ich auch noch ihr T-Shirt und ihre Hose nass. Ups.
      „Irgendwie wirkst du erhitzt“, mutmaßte ich anlässlich ihrer glühend roten Wangen. „Noch eine Abkühlung?“, fragte ich lächelnd und zielte noch einmal in ihr hübsches Gesicht. Jetzt war Elena nicht mehr zu halten und ich sah meine letzte Chance lebendig aus der Sache zu kommen.
      Den Schlauch warf ich Elisa zu, die gerade den Stall verließ und dann rannte ich so schnell ich konnte. Hey, da hatte sich das ganze Training doch einmal ausgezahlt. Aber warum musste Elena trotz Nichtstun immer noch schneller sein als ich? Und das auch noch mit diesem ominösen Eimer voller Wasser in den Händen.
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      101 Peinliche Dinge - © Elii, Gwen, Samarti, Rhapsody
      | 17. Juli 2015
      Man konnte Elisa alles aufzählen, was sie jemals falsch gemacht hatte, und die Kuh würde trotzdem noch eine Party des Jahrhunderts feiern. Und genau deswegen war sie gut.

      Sie hatte es nämlich geschafft, mehr als nur die Handvoll Leute einzuladen, die sie wollte. So fiel es nicht auf, dass ich mir für ein paar Minuten ein ruhiges Plätzchen suchte. Ich war nicht nüchtern, aber als Elena auf mich zuwankte kam ich mir so vor.
      Soviel zum Thema ruhiges Plätzchen.
      Ein wenig unbeholfen plumpste sie auf die Mauer neben mir und starrte eine Weile in die Sterne hoch. Ich tat es ihr gleich; Sternkonstellationen hatten mich schon immer irgendwie fasziniert, auch wenn ich nichts weiteres sah als helle Punkte auf dunklem Untergrund.
      „Ich seh da nichts,“ sagte Elena und sie schaffte es sogar, nicht zu lallen. Vielleicht hatte sie doch nicht so viel gehabt.
      Doch dann drehte sie sich zu mir um und hatte ein wenig Probleme, mich richtig zu fokussieren. Okay, sie war betrunken. Aber das hatten wir alles schon gehabt.
      Nach ein paar Sekunden Starren sagte sie dann, in einem viel zu nüchternen Ton, „Ich mag eigentlich gar kein Spongebob.“
      „Ich respektiere das,“ sagte ich mit ernster Miene (oder, so ernst wie ich in diesem Augenblick eben gucken konnte). Doch Elena interessierte das gar nicht weiter.
      „Ich will nicht den Spongebob-Film gucken.“
      „Das lässt sich bestimmt umgehen,“ versicherte ich Elena und klopfte ihr auf die Schulter weil ich eine so tolle Freundin war. Soweit ich wusste, hatte Elisa eh schon eine ganze Liste. Die Filme-die-wir-gucken-müssen-während-wir-trinken-und-irgendwie-nicht-so-mitkriegen-weil-wir-eher-trinken-und-uns-über-den-Betrunkensten-lustig-machen-Liste.
      Elena weinte mich noch eine Weile voll mit den Dingen, die sie nicht mochte – war sie schon immer so weinerlich gewesen, wenn sie betrunken war? Das war ja nicht mehr normal – was für mich bedeutete, dass ich Leute stalken konnte und nur ab und zu mhm-en musste, um sie glücklich zu machen.
      Ich kannte … niemanden. Nichts und niemanden. Klar, ab und zu erhaschte ich einen Blick auf Matthew und für ein paar Minuten hatte ich mich vorhin auch mit ihm unterhalten (über Muraco natürlich) und Joline lief mir die ganze Zeit über den Weg, aber das wars dann auch. Wahrscheinlich kannte nicht einmal Elisa die ganzen Leute. Obwohl es eigentlich nicht so aussah – sie unterhielt sich ausgesprochen ernst mit einem Mann im Anzug und sie hatte, wie es aussah, auch nur ein Glas Cola in der Hand.

      „Elisa ist verrückt,“ sprach Elena meinen Gedanken aus. Dann sah sie mich für ein paar Sekunden an (das sah ich aus dem Augenwinkel). „Wo ist eigentlich Declan?“
      Ich machte ein Keine-Ahnung-wieso-fragst-du-mich-Gesicht, was Eli mit einem Laber-keinen-Mist-du-bist-eine-schlechte-Lügnerin-Blick strafte. (Unsere Augenbrauen sind sehr expressiv.)
      Aber ich war schließlich nicht die Ansprechperson in allen Dingen, die irgendwie mit Declan zu tun hatten. Auch wenn er mir gestern gesagt hatte, dass er wohl für die nächsten Wochen heim fahren würde (Ja, wir waren ausgeritten. Nein es war kein Date. Wir hatten eine nette Unterhaltung, während Paramour und Vaffanculo – Para war der einzige Hengst, mit dem Val momentan lief, ohne auszuticken – und waren dann wieder heimgegangen) und erst wieder kommen würde, wenn die Stute seiner Mutter Training brauchte.
      Und das war jetzt total unromantisch und 100% freundschaftlich gemeint: Irgendwie hoffte ich, dass das nicht allzu lange dauern würde. Wir hatten Handynummern ausgetauscht (was ich den anderen nicht erzählt hatte) und das war cool. Alles cool. Total cool.
      Elena erzählte ich eine abgespeckte Version, nur irgendwie, dass er eben nicht mehr da war und vielleicht irgendwann mal wieder kommen würde. Ihren total blöden, betrunkenen Blick („ALLITERATION!!“ hörte ich in Elisas Stimme in meinem Kopf) ignorierte ich einfach und beobachtete die Menge weiter. (Und das klingt irgendwie krimineller als es eigentlich war, okay.)
      Und gut, das würde jetzt wie ein totaler Antiklimax klingen. Aber man kennt ja diese Geschichte aus der Bibel, mit Moses und dem roten Meer, wie sich das teilt und so und dann läuft er einfach durch auf die andere Seite. So … ungefähr liefen die nächsten Sekunden (oder Minuten?) ab.
      Irgendjemand bewegte sich drei Zentimeter nach rechts, ein anderer verließ die Terrasse ganz und dann hatte ich vollen Blick auf etwas, was ich nicht gedacht hätte, jemals zu sehen.
      Vor allem, weil ich kaum noch daran gedacht hatte.
      Anscheinend hatte ich meinen Mhm-Einsatz bei Elis Geschichte verpasst, denn sie hörte auf, herumzumurmeln, und sah mich mit blanker Miene an. „Was ist?“
      Ich sah wahrscheinlich aus wie ein Schaf aber meine Fresse. „Weißt du noch, als wir Beilight geguckt haben und du russisch gesprochen hast?“
      „…Ja. Und wir haben über Spongebob geredet. Aber ich mag kein Spongebob, also gucken wir Spongebob ni—“
      Bevor Elena sich noch ganz verrannte, ließ ich sie mit einer wilden Handbewegung verstummen. „Jaja, du magst Spongebob nicht, ist okay. Aber – weißt du noch als ich euch von dem komischen Traum erzählt habe? Von dem wir dann erst auf Spongebob gekommen sind?“
      „Mit der bösen Meerjungfrau über deren Traumdeutung wir nicht sprechen dürfen?“ Eli schwankte kontinuierlich zwischen überraschend nüchtern und unüberraschend … nicht nüchtern. Gleich würde sie anfangen, russisch zu sprechen.
      „Okay. Also – also. Frag mich nicht wie das geht, okay. Aber … ich glaub da vorne steht die Meerjungfrau?“
      „Es gibt keine Meerjungfrauen,“ sagte Eli, „Нет русалки.“
      Super, jetzt fing das wieder an. Genervt rollte ich mit den Augen – ich war viel zu nüchtern dafür. „Dem bin ich mir bewusst, Schlaumeier,“ zischte ich. „Was ich damit meine –“
      „Ich bin betrunken, nicht blöd,“ protestierte Elena und sah dann in die etwaige Richtung in die ich vorhin gestarrt hatte. „Ich seh keine Meerjungfrau. Oder Meerjungfraumann. Und Blaubarschbube ist auch ziemlich … unblau.“
      Ich rollte nochmal mit den Augen. Gerade wollte ich dazu noch meinen Mund aufmachen, um Elena einen kleinen Anstupser zu geben, da nahm sie mir die Arbeit schon ab. „Der in diesem … rot … roten? komischen T-Shirt?“
      „Das heißt Henley,“ korrigierte ich sie ein wenig grummelig und starrte nochmal (total unauffällig) zu meinem (haha. Haha.) Traumtypen. Meerjungfraumann … typ.
      Mittlerweile war ich mir nicht mal mehr sicher, immerhin hatte ich nur ungefähr zehn Sekunden lang sein Gesicht gesehen und aus der Entfernung und bei der Dunkelheit konnte ich die Augenfarbe nicht erkennen. Aber, um ganz ehrlich zu sein – und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich für diesen Gedankengang hasse – es war mal wieder der Kiefer der mich überhaupt an etwas erinnerte.
      Sollte Elena das jemals erfahren, würde ich wohl den Rest meines Lebens mit irgendwelchen Kommentaren rechnen. Das war zwar jetzt schon so, aber es waren nur Kommentare über harmlose Dinge, nicht über … Kiefer.
      Je länger ich darüber nachdachte, desto komischer wurde es. Ich war wirklich glücklich, dass Elena keine Gedanken lesen konnte (so viel ich wusste zumindest).
      Elena machte ein undefinierbares Geräusch und ein not-bad-Gesicht. „Ich kann zwar nicht viel sehen, aber ich glaub – oh hey!“ Und dann hob sie die halbleere Vodkaflasche, wie in einem Gruß. Warte, was?! Als ich meinen Blick wieder in Richtung Meerjungfraumann – MJFM ab jetzt – schwenkte, musste ich, zu meinem Entsetzen feststellen, dass er auf uns zu kam.
      „Ich bin weg,“ flüsterte ich, wurde aber mit einem harten Ruck an meinem Plan gehindert.
      „Nicht so schnell Freundchen. Du brauchst dringend einen Kerl, das ist die Chance!”, gackerte Elena lautstark und nahm noch einen kräftigen Schluck aus der Flasche Vodka, die sie noch immer in ihrer Hand hielt. Dass die Flasche schon beinahe leer war, schien auch der (ganz leicht) angetrunkenen Elena aufgefallen zu sein. Sie gab mir einen sanften Klaps auf den Rücken und wollte gerade von der Mauer hüpfen, als sie das Gleichgewicht verlor und kopfüber (?) nach hinten kippte. Mit einem hilflosen Aufschrei und wildem Herumwedeln mit ihren Armen versuchte sie, sich noch irgendwie zu retten, aber so ganz klappen wollte das dann doch nicht wirklich.

      „Jojo?“ - „Hm?“ - „Weißt du, was ich mich gerade frage?“ Ein wenig irritiert blickte ich die Mauer herab zur Blondine, die wie ein verlorener Käfer im Gras lag. Irgendwie musste ich (warum auch immer) in dem Moment an Kafkas Die Verwandlung denken, da war schließlich auch irgendein Typ, der sich in einen Käfer verwandelte - oder zumindest irgendwie so in der Art.
      „Wo sind eigentlich Nate und Colin abgeblieben? Ich vermisse siiiii-hiiiiie“, lallte der Käfer und versuchte mit verzweifeltem Rumgefuchtel wieder auf die Beine zu kommen. „я хочу обнять!“
      Meine ausdrucksstarken Augenbrauen zogen sich zusammen und ich schenkte Elena nur einen halbherzigen Blick. Wer wusste schon, was das jetzt wieder heißen sollte.
      „Daaaa!“, quietschte Elena begeistert und deutete auf etwas oder jemanden hinter uns. Das Ganze geschah in einer Tonlage, die mir bisher vollkommen unbekannt war. Ein bisschen erinnerte es mich daran, wenn man sich weigerte, den Gurt im Auto anzulegen, das Auto aber wiederum fest der Meinung war, dass dies von enormer Bedeutung wäre. Auch bei Elena schien es gerade höchste Priorität zu haben, auf die zwei Menschen, die sie gerade entdeckt hatte, aufmerksam zu machen.
      Mit einem Mal rollte sich Elena auf den Bauch, rammte sich bei ihrem Aufspringversuch fast das Knie ins Gesicht und lief dann (mal auf vier, mal auf zwei Beinen) auf Nate und Colin zu. „я хочу обнять!“, kreischte sie in einer Tonlage, die dem Störsignal des Fernsehers glich.
      Völlig verstört starrten Nathan und Colin in die Richtung, aus der Elena wie ein Fangirl quiekend angesprintet kam, bemerkten vermutlich viel zu spät, dass sie ihre letzte Chance vertan hatten und wurden dann in eine gefährlich feste, fast luftabschnürende Umarmung gezogen. Während Nathan das Ganze noch nicht so wirklich verstanden hatte, drückte Colins Blick so etwas wie „Friss mich bitte nicht!“ aus. Dazu passte dann auch seine inzwischen etwas ungesund aussehende Gesichtsfarbe ganz gut. Ich konnte mir gut vorstellen, dass Elena ihre Umarmung als „liebevoll“ und „atemberaubend“ beschrieben hätte, aber irgendwie konnte (und wollte) ich ihr diesmal nur im zweiten Punkt komplett zustimmen.

      Kopfschüttelnd wendete ich meinen Blick von dem Geschehen hinter mir ab und wollte gerade wieder damit beginnen, die Partygäste zu stalken, als ich im wundervoll tiefen Meeresblau seiner glasklaren Augen versank. Eigentlich hatte ich nur das Muttermal genauer untersucht, das sich direkt unter seinem rechten Auge befand. Und während ich dessen Bedeutung versuchte zu identifizieren, bekam ich gar nicht mit, dass er mich ansprach. Das war wohl der unsanfte Ruck, von dem man in Büchern so oft las und der einen rücksichtslos zurück in die Gegenwart katapultierte.
      Eigentlich stellte er sich sogar vor. Ich hatte beinahe das Gefühl, er hätte schon seit fünf Minuten mit mir gesprochen und erwartete nun eine Antwort.
      „Und, was verschlägt dich hierher?“ Wenn man mich fragte, war das wohl die erste und einzige Pause, die er zwischen seinem schier unendlichen Gelaber eingebaut hatte, und die wollte er wohl dazu nutzen, mich auch mal zu Worte kommen zu lassen - oder um sich einfach einen Schluck aus dem Plastikbecher in seiner Hand zu nehmen.
      „Guck mal, siehst du das Sternbild da oben? Das ist mein Sternzeichen, ich bin nämlich Löwe, weißt du?“, setzte ich an und blickte eine Weile stur gen Himmel, weil ich mich noch nicht so ganz wagte, ihm ins Gesicht zu sehen. Nicht, dass ich wieder in seinen schönen Augen versin-, äh, wieder so fasziniert vom Muttermal sein würde.
      Dann allerdings merkte ich, was ich gerade gesagt hatte. Und es war mir schon fast ein bisschen peinlich, wenn ich nicht so angetrunken gewesen wäre.
      Insgeheim schwor ich mir, davon nicht den anderen zu erzählen, besonders Elisa nicht. Die würden sich nur wieder darüber aufregen, dass ich nicht in der Lage war, mit (halbwegs) attraktiven Typen in ein Gespräch zu kommen.
      „Löwen sind sehr schnelle Trinker, wusstest du das schon?“, versuchte ich die Situation einigermaßen zu retten. „Auf jeden Fall siehst du bestimmt, dass mein Glas schon leer ist. Ich meine, du bist ja nicht blind oder so, oder? Deswegen sollte ich das am besten gleich mal auffüllen.“
      „JOJO!“ Oh nein, diese Stimme kannte ich nur zu gut - und sie bescherte oftmals nichts weiter als Ärger. Auch dieses Mal sollte Gwen mich nicht enttäuschen. „Ich hole dir ein Glas! Dann musst du dein Gespräch mit dem verdammt heißen Kerl nicht unterbrechen!“, grinste sie und zwinkerte meinem Gegenüber zu - das verstärkte mein unbändiges Bedürfnis, ihr umgehend eine Ohrfeige zu verpassen (Elena hätte das ohne Zögern getan). Leider konnte ich dem Drang bisher noch ganz gut widerstehen.

      In dem Moment, in welchem Gwen mir das Glas aus der Hand reißen wollte, schien sie aus den Augenwinkeln Colin entdeckt zu haben, denn nur Millisekunden später ertönte es (viel zu laut!) direkt neben meinem Ohr: „COLIN! Du verdammtes Arschloch!“
      Mit diesen Worten sprang sie mit einem Satz über die Mauer (dass sie dabei hinflog und sich erst wieder aufrappeln musste, ignorierten wir alle mal gekonnt) und stürmte dann wie eine wilde Furie - es sah eher aus wie ein hüpfender Dodo - auf die beiden Kerle zu, welche sich immer noch in der innigen Umarmung von Elena befanden.
      Colins Blick ging von verstört zu „Oh Gott, ruft die Polizei!“ über, was ihn dazu brachte, sich mit voller Kraft aus Elenas Todesgriff zu befreien. Das führte dazu, dass Gwens Kopf mit voller Wucht gegen Elenas prallte und beide vor Schmerz laut aufschrien.
      Womit in diesem Moment aber niemand gerechnet hatte, war, dass Gwen anfangen würde, jämmerlich zu weinen. Dann hob sie ihren Zeigefinger in die Höhe und wedelte damit anklagend vor Colins Gesicht - oder zumindest dort, wo sie es vermutete - herum. „Co-ho-liiiin, was tust du mir da immer an?!“ Theatralisch sank sie auf die Knie und vergrub ihr Gesicht weinerlich in ihren Händen, was mich dazu brachte, beschämt meinen Blick abzuwenden und MJFM anzusehen (oder eher die Pflanze, die hinter ihm ganz einsam und allein stand - sie erweckte schon fast mein Mitleid).
      Mit der ganzen Situation restlos überfordert, winkte ich dem Typen noch ein letztes Mal unheimlich lächelnd zu, dann ahmte ich Elena nach (danke für den Tipp!) und ließ mich einfach rückwärts von der Mauer fallen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

      Zwei Worte: Nie. Wieder. Ich fiel beschissener als Elena und landete mit einem Bauchklatscher im Gras, das leider nicht annähernd so weich war, wie es aussah. Aus den Augenwinkeln sah ich MJFM bereits die Mauer umgehen, jetzt hieß es also schnell handeln! Gekonnt begann ich auf dem Bauch davon zu robben. So hatte ich das auch in der Tiersendung letzte Woche gesehen. Das machten Robben wohl immer so - außerdem war es bei ARD? CNN? NTV? (ne, NTV war Hitler) oder so ausgestrahlt worden. Und wir wissen ja alle: Das ist Bildungsfernsehen.
      Leider schien MJFM das nicht so zu sehen; der sah mir nämlich mit einer Mischung aus Verwirrung und Erstaunen in den (tiefblauen!) Augen hinterher.
      Aber so wichtig war mir das letztendlich auch nicht. Viel wichtiger war es mir jetzt, dass mir irgendjemand half, aus dieser bescheuerten Situation wieder zu entkommen. Und das sollten bitte nicht Gwen oder Elena sein.
      Wo wir beim Thema wären: Wo war eigentlich Elisa abgeblieben? Die Frage beantwortete sich aber schon bald selbst - und zwar genau an dem Zeitpunkt, an dem ich das Haus betrat und mich umsah.

      Nachdem ich die Situation abgecheckt hatte, konnte ich Elisa in der hintersten Ecke des Wohnzimmers ausfindig machen. Sie saß, zusammen mit Matthew, auf einem Sessel - dass es verdammt unbequem sein musste, machte den zwei liebestollen Verrückten anscheinend nichts aus.
      Was dann geschah war allerdings mehr als nur verstörend, was taten die beiden da überhaupt? Matthews Grinsen verriet nichts Gutes und dass Elisa ihn an die Hand nahm und die Treppe nach oben zog, machte es nicht besser. Sie würden doch nicht ... oh Gott, nein.
      OH. MEIN. GOTT!
      Urplötzlich stand Gwen neben mir und schmunzelte: „Davon hat Elisa schon den ganzen Abend geredet...“ Was ging auf diesem Hof eigentlich alles ab, wenn ich nicht da war?
      Und dann überkam es mich: Ich war der Blitz! Wie bei How I Met Your Mother - die Person, die immer zu früh geht und dann passiert etwas völlig Verrücktes. Alles deutete darauf, dass ich der Blitz war!
      Ich wurde allerdings jäh aus meinen Gedanken gerissen, weil Elena und Colin viel zu laut zu irgendwas motiviert und übertönend angefeuert wurden. Eigentlich wollte ich da gar nicht hingehen, aber meine Beine taten mal wieder, was sie wollten.
      Es wäre aber auch zu schade gewesen, hätte ich das hier verpasst. Die Masse hatte sich in einem Kreis um die beiden Blondinen (war Colin nicht eigentlich brünett?) versammelt, die sich anscheinend ein Battle lieferten und wissen wollten, wer wohl mehr Shots vertrug. Eli sah aber schon so aus, als würde ihr Untergebener sie schon bald unter den Tisch trinken - was dann auch der Fall war. Zum Ende hin hing Elena also schon nur noch halb auf dem Stuhl, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen halb geschlossen und den Mund weit aufgerissen. Fehlte nur noch die Sabberspur, die sich in ihrem Mundwinkel bilden würde.
      Aber Elena war hart im Nehmen und nach ein paar Sekunden raffte sie sich erneut auf, mit diesem siegessicheren Blick, um Colin den letzten Rest zu geben (oder eher sich, aber pscht).

      Das famose Ende des Abends war, dass Elisa und Matthew sich gar nicht mehr blicken ließen, Gwen (in eine Decke eingemümmelt) auf dem Sofa einschlief, Elena den nächsten Wettkampf bestritt und ich tapfer vor MJFM flüchte.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur E-A - © Gwen
      | 29. Juli 2015
      „Wisst ihr, was total magisch ist?“, fragte ich Elena und Elisa. Bis gerade eben hatten wir schweigend auf dem Sofa rumgegammelt. Nun erhob ich mich und lief zur Eingangstür von Elisas Haus. „Wenn man die Tür aufmacht…“, und genau das tat ich jetzt, „steht eine Jojo davor! Tada!“, meinte ich und wer stand vor der Tür? Jojo!
      Elena und Elisa klatschten und lobten mich für diesen tollen Zaubertrick. „Und wisst ihr was Jojo mithat? Ein Pferd!“ – Noch einmal Applaus, denn ich behielt Recht. Jojo grinste derweil fröhlich. „Welche Disziplin?“, fragte ich hingegen seufzend und Elisa warf ein „DRESSUR!“ ein und antwortete so zeitgleich mit Jojo das Gleiche. Dressur. Toll.
      „Oh Mist. Eigentlich wollte ich Dressur sagen, damit Jojo das eben nicht sagt“, erklärte Elisa traurig. „Tja doof gelaufen, ich habe es aber schon gedacht gehabt“, meinte Jojo und tippte sich mit dem Zeigefinger an ihren brünetten Kopf. Okay, Schluss mit Haarfarben.
      Vorsichtig lugte ich um die Ecke, um zu sehen, um welches Pferd es sich handelte. „OH WAFFEL!“, freute ich mich tatsächlich einmal. Der einfarbige Lewitzerhengst von Jojo war mir eines der sympathischsten Pferde von ihr. Vielleicht, weil er zur Abwechslung mal gescheckt war?
      Ich handelte den Deal aus, dass Jojo mir aber wenigstens den Hengst fertig machte, während ich mich umzog. Grummelnd stimmte sie zu und während wir uns an die Arbeit machten, sah ich schon aus den Augenwinkeln, wie Elena ihre sieben Sachen packte (es waren wirklich sieben: Stuhl, Sonnenschirm, Sonnenbrille, Eistee, Hütchen für den Eistee, Popcorn und Elisa) und damit nach draußen zum Reitplatz wanderte. Doofe Blondine.

      Zehn Minuten später (ja, wir waren eben schnell) trafen wir uns alle am Reitplatz und Elisa versuchte eine Moderation a la „Wir haben uns hier alle versammelt, um“, wurde aber von Jojo unterbrochen, die sie eiskalt zur Seite schob, um mir Waffel zu übergeben. Seufzend gurtete ich nach und schwang mich dann in den Sattel des Dunkelfuchses.
      Gemütlich ritt ich ihn warm, in der Hoffnung, dass es dem Fanclub (Fangemeinschaft war uns zu lang geworden) langweilig wurde und er verschwand. Das tat er aber leider nicht. Schade. Stattdessen motzte Elena rum, dass endlich mal etwas Spannendes passieren solle.
      Genervt ließ ich Waffel antraben und ging dann im Kopf durch, was wir alles für eine A-Dressur können mussten. Da Elena ja anscheinend Gedanken lesen konnte und mir das Training eh nicht zutraute, rief sie zwei Sekunden später: „Mitteltrab, Mittelgalopp, Schritt-Galopp-Übergang, Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern/vergrößern und Kehrtwendung auf der Vorhand!“
      Also widmeten wir uns zuerst den zusätzlichen Gangarten. Waffel arbeitete fleißig mit und schnell hatten wir die erste Hürde geschafft. Das Rückwärtsrichten und das Zügel aus der Hand kauen konnte der Hengst bereits, ebenso wie die Kehrtwendung auf der Vorderhand. Zufrieden lobte ich ihn nach dieser Einheit und übte zuletzt nur noch die Schritt-Galopp-Übergänge. Bis die wirklich sitzen würden, würden noch einige Tage vergehen, aber wir hatten ja Zeit.

      Auch am nächsten Tag war Waffel motiviert wie eh und je und wir widmeten uns dem Schenkelweichen. Anfangs hatten wir arge Probleme damit, also half uns Elisa vom Boden aus etwas nach, so dass es am Ende der Stunde gar nicht mehr so schlecht aussah. Mit dem guten Ergebnis beendete ich diese Einheit auch, denn die nächsten würden schon noch folgen.
      Zweimal am Tag belästigte ich Waffel, aber wie immer war er fröhlich dabei und lernte schnell das Schenkelweichen und das Überstreichen im Galopp. Zuletzt erarbeiteten wir uns noch die 10-Meter-Volte im Trab und die Schlangenlinie. Beides kein Problem für den Hengst und so hatten wir auch das schnell geschafft.
      Ich lobte Waffel ausgiebig, ritt ihn ab und versorgte ihn dann. Am Nachmittag kreuzte natürlich mal wieder Jojo auf (mit ihrem Pacco im Schlepptau) und so konnte ich ihr die tolle Nachricht direkt überbringen. Nämlich, dass ihr Hengst nun endlich A-Fertig war und sie die nächsten Turniere melden konnte.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur A-L - © Gwen
      | 21. August 2015
      „Neeeee… Ach komm schon! Nicht noch einmal!“, und dieses Mal war tatsächlich ich diejenige, die genervt die Augen verdrehte und Jojo die, die den Dackelblick aufsetzte, weil sie was wollte. Ne, eigentlich war es kein Dackelblick, sondern viel mehr ein „Mach jetzt“-Blick, der mir gar keine andere Wahl ließ, als der Waffel eine Gastbox bei mir im Stall anzubieten.
      Zufrieden stellte Jojo ihren Hengst hinein, kontrollierte das Heunetz auf was auch immer und nahm Waffel dann noch das Halfter ab. „In zwei Wochen hole ich ihn wieder ab, so lange hat es ja auch bei Quixoticelixer gedauert“, meinte sie nur noch und winkte mir dann zum Abschied. Toll. Noch einmal Dressur von A auf L, das hatte ich ja erst die letzten zwei Wochen mit dem Q-Pferd durchgenommen, da hätte ich auch gleich beide parallel machen können – verdammt!
      Aber es nützte nichts, auch Waffel wollte trainiert werden, also holte ich den Fuchs wieder aus der Box, putzte und sattelte ihn und dann machten wir uns auch schon auf den Weg zum Reitplatz. Im Kopf spulte ich bereits die Aufgaben und Lektionen ab, die ab der L neu dazu kamen: Versammelter Trab, Versammelter Galopp, Außengalopp, Hinterhandwendung, Kurzkehrt, einfacher Galoppwechsel und noch einmal Volten und Schlangenlinien. Innerlich freute ich mich ja schon toootal.
      Wir begannen mit den neuen Tempi und obwohl Waffel am Anfang sehr unmotiviert war, kamen wir dann doch zu einem guten Ergebnis, nämlich einem gesetzten, versammelten und doch kraftvollen Trab. Lang genug hatte es dafür gebraucht und da ich bezweifelte, das Gleiche auch noch im Galopp zu schaffen, arbeitete ich heute direkt lieber an den Wendungen, für die brauchte Waffel nicht so viel zu machen und dementsprechend klappten sie auch viel schneller.
      Also hatten wir am ersten Tag schon viel geschafft und konnten am zweiten Tag direkt daran anknüpfen. Das hieß dann also versammelter Galopp und Außengalopp. Waffel war heute wesentlich wacher (ein Glück für ihn!) und so kamen wir im Training tatsächlich voran. Zu meiner Freude kreuzten Elisa und Elena auch erst auf, als ich bereits dabei war, den Lewitzerhengst abzureiten. So brauchte ich mir keine unnötigen Sachen anhören, die mich lediglich vom Training ablenkten.
      Leider war mir dieses Glück nicht ewig vergönnt, denn Waffel zog spontan von mir zu Elisa und schon hatte ich tagtäglich Zuschauer. Der Umzug war Elisas Idee gewesen, „weil man mich ja sonst kaum noch zu Gesicht bekommen würde“, tolle Idee. Waffel ließ sich von den Zuschauern nicht beeindrucken, ganz im Gegensatz zu mir. So lange hatte ich noch nie gebraucht, um einem Pferd den einfachen Galoppwechsel beizubringen, aber irgendwann war auch das geschafft.
      Nun hatten wir also nur noch die Volten und die Schlangenlinien vor uns, die waren mit Waffel einfach, immerhin konnte er sie schon besser als gedacht. Motiviert arbeitete er mit, bog sich fleißig um meinen inneren Schenkel, brach aber nie über die äußere Schulter aus. Die Bahnfiguren waren anscheinend das einfachste für Waffel und siehe da, schon waren wir fertig. Stolz konnte ich Jojo auch ihren zweiten Hengst aushändigen, der nun L-fertig war. „Jetzt brauche ich aber erst einmal eine Pause“, meinte ich seufzend und verschwand im Haus, um mir zur Genugtuung und als Belohnung eine Pizza in den Ofen zu schieben.
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      Überraschungen
      | 19. September 2015
      Der Trubel in und um Townsend Acres wurde immer schlimmer, genauso wie die Temperaturen. Diese Woche hatten wir einen neuen Tiefpunkt erreicht – gerade einmal 6°C – und die Motivation nahm, zumindest bei mir, immer mehr ab (auch Adèle und Zoe waren nicht gerade begeistert, kamen sie doch beide aus ziemlich warmen Gegenden).

      Elisa rannte natürlich trotzdem noch rum wie ein verrücktes Huhn, obwohl Jolympia (einer der blödesten Namen für eine seriöse Sportveranstaltung seit dem Iron Man) erst in einem knappen Monat überhaupt stattfinden sollte. Gwen, Elena und ich hingegen verkrochen uns, wenn wir nicht gerade im Stall waren, lieber im Haus, drehten die Heizung auf und zogen die wärmsten Pullis, die wir finden konnten, an. („Was wollt ihr denn dann im Winter machen?!“ – „Winterschlaf.“)

      Doch heute war es ausnahmsweise einmal fast 10°C warm und Elisa mit irgendetwas anderem beschäftigt. Also zwang ich Adèle und Zoe in ihre Reithosen und beschloss schließlich, dass wir einen Ausritt unternehmen würden.

      „Kommt drauf an, mit wem,“ meinte Zoe und baute sich vor mir mit verschränkten Armen auf. Darin lag dann aber auch das Problem.

      „Also einmal Newt, der hat das verdient,“ fing ich an und versuchte, so unschuldig wie möglich auszusehen, komplett mit großen Augen und einer leichten Schmolllippe. „Und … Paramour! Ach und dann hab ich mir noch gedacht, dass ich ja rein theoretisch,“ ich räusperte mich, hielt ihrem Blick aber stand, „vaffanculomitnehmenkann.“

      Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich so genuschelt hatte, dass weder Adèle mit ihren Fledermausohren, noch Zoe, die direkt vor mir stand, es gehört hatten. Trotzdem seufzten und verdrehten beide die Augen.

      Aber sie stiegen beide in ihre Stallschuhe, also hatte ich doch gewonnen.

      ***

      Das Problem mit Vaffanculo war, dass er ziemlich unkooperativ war. Er war aufgeregt, unkonzentriert und stichelte gerne, vor allem, wenn er mit anderen Hengsten unterwegs war. Mit Quixo verstand er sich jedoch prächtig – und ich dankte Gott, Buddha und Spongebob jeden Tag dafür – aber mit den anderen Hengsten hatte ich es noch nicht wirklich ausprobiert. Para war da wohl das kleinste Problem, er ließ sich kaum von irgendwelchen Rowdies anstecken. Am meisten machte ich mir da doch Gedanken, wie Newt und Val zusammenarbeiten würden. Newt war doch noch ein bisschen im Flegelalter, guckte sich schnell Sachen ab. Da war es echt noch Glück, dass Cap zwar auf der Weide doch der dominantere Part war, trotzdem aber verhältnismäßig leicht zu händeln war.

      Val … nicht so. Er war jetzt nicht schlimm, doch zumindest nicht rassetypisch ruhig und gelassen. Wenn einer wirklich immer auf Achse war, dann er.

      Aber hey, vielleicht war ja irgendwie heute einer seiner Ausnahmetage.

      Das Putzen an sich verlief ohne große Zwischenfälle, aber auch nur, weil Paramour und Newt schon fast fertig waren, als ich endlich mit dem Dunkelfuchs am Putzplatz aufkreuzte. Adèle thronte dann bereits schon auf Para und gerade, als ich Val das Gebiss in den Mund schob, saß Zoe auf.

      „Dann wollen wir doch mal sehen,“ murmelte ich, verschloss meinen Helm und stieg schließlich auf. Bis jetzt hatte Val einen ziemlich ruhigen Eindruck gemacht und die zwei Schecken gar nicht beachtet – aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben.

      Hinter den beiden Schecken zu reiten wäre wirklich blöd gewesen und wäre hundertprozentig in einem Drama geendet, deswegen setzte ich mich kurzerhand an die Spitze und zu dritt ritten wir schließlich vom Hof.

      Trotz meiner Anspannung lief Val doch recht entspannt und ignorierte Para und Newt hinter ihm völlig, als wäre das Hufgeklapper nur sein eigenes. Auch im Wald war alles wichtiger als die Pferde hinter ihm – der Boden, dieser spezielle Ast, der Vogel, der 300m vor uns auf dem Weg landete. Alles in allem war er wirklich so entspannt wie schon lange nicht mehr – beim Antraben gab es nur ein kleines Gezicke und das Buckeln beim Angaloppieren blieb auch bei einem Minimum.

      „Ich glaub, der ist krank,“ kommentierte Zoe das Ganze schließlich, als wir wieder zurück am Hof waren und die drei Lewitzerhengste friedlich nebeneinander standen.

      „Das werden wir ja morgen sehen,“ sagte Adèle. „Du bist dann diejenige, die ihn morgen bewegen darf.“

      Dann flogen ein paar Dinge und ich nahm das als Chance, Vaffanculo auf seine Koppel mit Quixo zu bringen.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Military E-A - © Gwen
      | 29. September 2015
      „Und ihr meint, ihr kriegt zwei Pferde hin?“ fragte ich misstrauisch. Gwen und Elisa sahen sich kurz an, dann antworteten sie im Kanon mit einem lauten und herzlichen „Natürlich!“
      „Jojo traut euch nicht,“ sagte Elena, die selbst gerade nicht besonders überzeugt aussah.
      „Aber wir haben das schon öfters hingekriegt!“ protestierte Elisa daraufhin und rutschte auf die Kante des Sofas vor. „Und es hat immer gereicht.“
      „Habt ihr das mit Waffel schon mal hingekriegt?“ fragte ich daraufhin und nahm mir noch ein paar (eine gehäufte Handvoll) Chips.
      Gwen sah langsam aber sicher nicht mehr ganz so sicher aus, aber Elisa war zu stolz, um die Herausforderung nicht anzunehmen. „Natürlich, auch mit Waffel.“
      „Aber nur, wenn Quixo dabei ist,“ warf Gwen zögerlich ein. Daraufhin zuckte ich nur mit den Schultern. „Von mir aus – dann sind wenigstens beide irgendwie beschäftigt.“
      **
      Am nächsten Tag gleich holten die beiden Vaffanculo und Quixoticelixer ab. Während Elisa sich mit Val auf der Geländestrecke rumärgern durfte, sollte Gwen Q auf A-Level im Springen bringen. Zwar war er durch und durch dressurbesessen, aber ich legte großen Wert auf eine ausgewogene Ausbildung.
      Die beiden putzten die Hengste noch auf meinem Hof, ehe sie sich auf den Weg zu Townsend Acres machten. Doch das konnte ich natürlich nicht so stehen lassen – ohne groß nachzudenken ließ ich den Eimer Müsli in meiner Hand fallen und rannte ihnen hinterher. „Das kann ich mir doch auf keinen Fall entgehen lassen!“ meinte ich grinsend.
      Zum Aufwärmen gingen beide erst einmal auf den Platz und bauten dann dort Sprünge auf – nichts großartiges, nur etwas zum Einspringen. Ein Kreuz, ein paar Cavalettis und ein Rick – trotzdem dauerte es ein paar Versuche, bis Quixo wirklich mit Anmut drüberkam. Val hingegen machte es sichtlich Spaß und ich nahm mir jetzt schon vor, ihn und Elisa auf der Geländestrecke zu beobachten.
      Daraus wurde aus den nächsten Tagen aber erst einmal nichts; es regnete in Strömen und war windig, sodass Elisa und Gwen jeden Tag Schnick-schnack-schnuck um die Reithalle spielten. Und ich sah demjenigen zu, der eben gerade in der Halle war – wer hatte schon großartig Lust, sich bei so einem Sauwetter rauszustellen? Niemand, genau.
      So bekam ich aber von beiden genug mit, denn auch Val musste sich erst einmal an die höheren Hindernisse gewöhnen. Jeden Tag vor dem Training durfte ich die beiden aufwärmen und über Cavalettis und Trabstangen scheuchen, wofür mir Quixo wohl noch in Wochen böse sein würde. Trotzdem lernte er schnell, schneller als Val – „Wenn ich nicht gucken müsste, dass er nicht vor jedem Hindernis stehen bleibt, würde ich fast sagen, ihm gefällt’s!“ lautete Gwens Kommentar dazu – und war somit schon A-fertig, als es mit Vaffanculo zum ersten Mal auf die Strecke ging.
      Die letzten Tage hatte Elisa kein einziges Mal nervös gewirkt; wie ein Profi – der sie ja auch war und blablabla, zum Glück würde sie solche Kommentare nicht hören, das wäre ein zu großer Egobooster – aber als wir zusammen auf den Weg zur Geländestrecke waren, merkte ich doch, dass sie nervös war. „Wenn ihr bis jetzt keine größeren Probleme gehabt habt, wird das schon nicht schiefgehen,“ versuchte ich, sie zu beruhigen, doch es klang nicht mal in meinen Ohren überzeugend.
      Aber da musste Elisa dann wohl durch.
      Erst ritt sie den Dunkelfuchs noch ein paar Volten, um ein Gefühl für ihn zu kriegen. Das war total verständlich – schließlich hatte sie sonst nur passiv mitgekriegt, wie Val sich so im Gelände anstellte und musste sich jetzt ihr eigenes Bild machen. Doch dann sah man fast schon, wie sie sich zusammennahm und letzten Endes in den Parcours ging.
      Als die beiden dann im Wald verschwunden waren, entspannte ich mich auch langsam. Ich hatte Val oft genug selbst miterlebt und wusste, dass er jetzt voll bei der Sache war. Keine Bocksprünge oder sonstige übertriebenen Machoaktionen, nur volle Konzentration auf die Sprünge.
      Die Wolken zogen sich gerade wieder zusammen und ich verfluchte mich selber dafür, dass ich keinen Regenschirm mitgenommen hatte, da kamen die beiden aus dem Wald zurück. Die letzten beiden Hindernisse, dann ließ Elisa Val ausgaloppieren und parierte ihn schließlich vor mir durch.
      „Ich glaub, der ist fertig soweit,“ meinte sie grinsend. „Und du schuldest mir 10$.“
      „Wir haben nicht gewettet!“
      „Ich hab aber trotzdem gewonnen!“
    • Rhapsody
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      Aftermath
      | 22. Oktober 2015
      Mehr oder weniger gesund und munter (Elisa: gesund und munter; der Rest: nicht so), unendlich froh, dass Jolympia vorbei war, lümmelten wir alle bei Elisa (wem sonst) auf dem Sofa herum. Gwen und ich hatten gerade einen Spaziergang mit Pacco und Andvari unternommen und waren zusammen mit den zweien und Chesmu zu Elena rübergelaufen. Die hatte gar nicht viel zu sagen sondern wurde einfach mitgeschleppt.

      Es war arschkalt gewesen, und weil die Ponys eh wieder auf Elisas Weide („Kindergarten“) mussten, quartierten wir uns einfach bei ihr ein. Dass Elisa gar nicht da war, störte uns wenig – immerhin hatten wir Matthew zur Belustigung (und als denjenigen, der für uns Elisas megateure Kaffeemaschine bediente).

      Als Elisa dann endlich heim- beziehungsweise reinkam, diskutierte ich gerade mit Gwen und Elena über Integrale und ihre absolute und relative Unnötigkeit.

      „Ich hab zwei Fragen,“ fing Elisa an. „Erstens, warum seid ihr in meinem Wohnzimmer. Zweitens, warum zur Hölle regt sich ein Hufschmied über Integrale auf?“

      „Weil sie unnötig sind,“ brummelte ich in meine heiße Schokolade hinein. Wenn man schon unbedingt aussehen wollte wie ein S aber kein S war, war man unnötig.

      Eine Antwort auf die erste Frage bekam sie nicht; ich war mir auch ziemlich sicher, dass sie keine erwartete. Stattdessen holte sie sich auch eine heiße Schokolade (weil Kaffee einfach eklig war) und setzte sich vor uns auf den Boden.

      „Nächste Frage –“

      „Wird das jetzt ein Q&A?“ unterbrach Elena sie. „Wenn ja, dann möchte ich bitte erst mit meinem Agenten telefonieren, ich mach so was Öffentliches nicht ohne Rücksprache.“

      Und Elisa ignorierte sie einfach, während Gwen ihr ein Kissen ins Gesicht schlug. Leider war die Tasse im Weg und somit saute Elena das schöne Sofa mit Kaffee voll.

      Ignorance is bliss oder so, zumindest sagte Elisa sich das wohl gerade, denn sie starrte Elena kurz an und wandte sich dann wieder an alle. „Habt ihr nichts Besseres zu tun als auf der Couch zu sitzen – meiner Couch – und zu trinken? Vor allem du, mit deinen Integralen?“

      „Мы не можем пить. Водка пуст,“ schaltete sich das mittlerweile nasse Sprachgenie ein. Aber wieder wurde sie ignoriert – die Arme.

      „Alles schon erledigt,“ sagte ich grinsend. „Deswegen hab ich Angestellte.“ Daraufhin zog Elisa nur eine Augenbrauen (das würde sie zwar nur schaffen, wenn sie eine Monobraue hätte, aber ich gönnte ihr den „Erfolg“).

      „Schieß los.“

      Ich verdrehte die Augen, aber mein Gehirn setzte sich in Gang und ich erinnerte mich an die Teambesprechung (Frühstück) heute Morgen.

      „Wir waren mit Pax, Andvari und Chesmu spazieren. Danke übrigens, haben wir gern gemacht. Dann war ich noch mit Chepa auf den Platz, ein bisschen Springen, und später muss ich noch mit Vaffanculo und Quixoticelixer was machen. Zoe hat Newt und Outside Girl übernommen weil Zoe klasse ist und auf Dressur steht, was man ihr vielleicht gar nicht ansieht. Oh, und Adèle hat sich um Cíola, Symbolic Splash und Sikari gewundert weil Adèle ein Schatz ist.“

      Ein paar Augenblicke sah Elisa mich nur an, dann grinste sie. „Du hast dein liebes Katapult vergessen.“

      „Dann eben Sternchen nach ‚vielleicht gar nicht ansieht‘: Joline ist supertoll und die einzige, die freiwillig mit Capulet ins Gelände geht, also hat sie das heute übernommen.“ Jetzt durfte ich sie angrinsen. „Ich hab das alles im Griff, vertrau mir.“

      ***

      Das Training mit Quixo und Val war zwar mehr als anstrengend gewesen – sogar Quixo hatte sich heute gegen alles gesträubt – aber dafür hatte ich mir die Lasagne, die Adèle bereits im Ofen hatte, als ich hereinkam, mehr als verdient.

      Das Abendessen, das offiziell auch Abendbesprechung hieß, verlief ziemlich ruhig. Abgesehen von Quixo war wohl jedes andere Pferd normal gewesen, mit Cíola und Lashy gab es sogar große Fortschritte – beide trabten jetzt auf Sprachkommando an, was bedeutete, dass wir einen Schritt näher am Anlongieren waren.

      „Ich will ihnen natürlich genug Zeit geben,“ meinte ich. „Aber andererseits kann ich’s kaum erwarten, die beiden zu richtigen Turnierpferden zu erziehen.“

      „Später natürlich,“ sagte Adèle grinsend. In dem Moment klingelte prompt mein Handy und ein kurzer Blick aufs Display verriet mir, dass es meine Mutter war.

      Es war zwei Uhr nachts in Deutschland.

      „Sorry, Leute, ich glaub, ich muss da rangehen.“

      ***

      Etwa eine Stunde später beendete ich das Gespräch und saß für ein paar Augenblicke einfach nur still auf meinem Bett. Es gab wohl keinen anderen Ausweg; ich musste zurück nach Deutschland. Zumindest für ein paar Monate.

      Nur wie verklickerte ich jetzt Zoe und Adèle, dass sie die nächsten Monate auf sich allein gestellt waren? Bestimmt würde Declan ihnen auch helfen, wenn Not am Mann war, und Gwen, Elena und Elisa waren ja auch noch da. Und sie würden es natürlich verstehen. Trotzdem begann ich mich sofort schlecht zu fühlen. Noch schlechter.

      Auf leisen Sohlen ging ich zurück ins Esszimmer/Wohnzimmer/Küche, wo meine beiden Kolleginnen immer noch freundlich miteinander quasselten. Adèle sah mich als erstes und bemerkte wohl sofort meinen Gesichtsausdruck. „Ist was passiert?“

      Ich hatte eigentlich gedacht, dass es schwer sein würde, so etwas zu sagen. Aber meine Stimme wackelte nicht einmal, als ich von meiner Schwester erzählte, die auf dem Heimweg von einem Freund einen Autounfall hatte und jetzt im künstlichen Koma lag.

      Machte mich das jetzt zu einem schlechten Menschen?

      Es dauerte dann doch noch mal ein bisschen, bis ich den beiden – die mich übrigens sofort umarmt hatten und versucht hatten, mich zu trösten – gestehen musste, dass ich in den nächsten Tagen wohl nach Deutschland abreisen würde, eben so schnell wie möglich. Doch anstatt zu meckern oder zu verzweifeln, versicherte Zoe mir, dass sie das schon irgendwie hinkriegen würden. „Immerhin haben wir ja noch Declan. Und Elisa. Und Elena und Gwen. Das kriegen wir schon hin.“

      Keine zwei Tage dauerte es, bis ich schließlich mit Koffern bewaffnet auf dem Weg zum Flughafen war. Ich hasste Abschiede wie die Pest, deswegen durfte keiner mit und mir vom Gate aus zuwinken oder so einen sentimentalen Bullshit veranstalten. Elisa, Elena und Gwen hatte ich es am gleichen Abend noch gebeichtet und auch sie hatten natürlich gleich ihre Hilfe angeboten. Wie gute Freunde das eben machten.

      Um ehrlich zu sein vermisste ich den Hof schon, als der Flieger in die Luft abhob.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
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    Rhapsody
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    24 Juli 2016
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  • Vaffanculo


    Von: Velocity Boy
    Von: unbk
    aus der: unbk


    Aus der: Puppet
    Von: unbk
    aus der: unbk



    Rasse: Lewitzer
    Geschlecht: Hengst
    Stockmaß: 145cm
    Geburtsdatum/Alter: 05. Dezember, 11 Jahre
    Fellfarbe/Genotyp: Dunkelfuchs [aa ee FF]


    Zuchtzulassung: [HK 477]
    Decktaxe: nicht für die öffentliche Zucht vorgesehen
    Nachkommen: -


    Letzter Tierarztbesuch: 18. November 2015 [Klinik Caen]
    Letzter Hufschmiedbesuch: 15. Dezember 2016 [Hufschmiede Pine Grove Stud]


    Vaffanculo ist, entgegen seines Aussehens, ein durchaus hengstiger und dominanter Hengst, der gerne die Leitung der Gruppe übernimmt. Dies zeigt er jedoch bevorzugt nur in Gegenwart seiner Artgenossen, insbesondere der männlichen, dann spielt er sich tierisch gerne auf und zeigt seine volle Pracht.
    Gegenüber dem Menschen ist er wesentlich aufgeschlossener und lieber. Er arbeitet gerne mit und versucht immer sein Bestes, um seinen Menschen zufrieden zustellen. Dementsprechend kollidieren seine Wünsche gerne einmal, wenn er mit anderen Pferden in der Halle oder auf dem Platz ist. Dann spürt man sichtlich den Gewissenskonflikt, für welchen Charakterzug er sich nun entscheidet.
    Dennoch zeigt Vaffanculo großes Potenzial als Sport- und Zuchtpony. Gerade durch seine Einfarbigkeit (die zwar bei den Lewitzern erlaubt, aber nicht sonderlich verbreitet ist) bringt er frisches Blut in die Zucht und ist für viele ein toller Hingucker.


    Qualifikationen & Erfolge
    Fohlen ABC – eingeritten – eingefahren – Englisch
    Eignung: Military

    Dressur L – Springen M – Military L – Distanz L

    308. Springturnier
    215. Militaryturnier
    221. Distanzturnier
    322. Springturnier
    222. Distanzturnier
    95. Synchronspringen
    330. Springturnier



    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: Elii

    Offizieller Hintergrund