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Tweekay | 0 Punkte

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Tweekay | 0 Punkte
Sosox3, 16 Nov. 2019
Mohikanerin gefällt das.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      Dezember 2017
      by Loulou
      Aus der Sicht von Mazikeen Gwynedd
      „In nicht mal zwei Wochen hat sie es geschafft, dass er halbwegs läuft. Sie hat Talent.“, hörte ich Williams Stimme vom Zaun. „Ja, nur verschwendet sie es mit ihrem neuen Spielzeug, anstatt die Zeit in ein richtiges Pferd zu investieren.“, sagte Harvey trocken. „Harvey wie wäre es, wenn du dich um King kümmerst, anstatt um meine Angelegenheiten?“, zischte ich. Tweekay spielte mit den Ohren, als er meine Stimme hörte und schnaubte laut. Am Zaun war es still. „Ich mein ja nur.“, sagte ich Schultern zuckend. „Vielleicht schafft ihr es das nächste Mal ja einen anderen Platz zu belegen als den Vorletzten.“, fügte ich bissig hinzu. „Sei still, Weib.“, brummte mein Bruder missmutig und ich unterdrückte ein Grinsen, während ich hörte, wie er Kehrt machte und ging. Kopfschüttelnd schnalzte ich mit der Zunge und der graue Hengst galoppierte prompt an. „Guter Junge.“, lobte ich ihn. „Ihr macht wirklich Fortschritte.“, hörte ich Will sagen. William war der einzige meiner Brüder, mit dem ich gerne Zeit verbrachte, der nicht überheblich und arrogant auf mich herabblickte. Ich seufzte und brachte den Hengst zum Stehen, ehe ich ihn zu mir rief. „Ich weiß es nicht, Will. Er ist sicher nicht das geborene Turnierpferd, das in Vaters Stallungen passt.“, sagte ich in Gedenken an die schicken Warmblüter. Tweekay hatte ich auf einer Auktion aufgegriffen. Er war zwar gesundheitlich in Ordnung, aber verwahrlost, untrainiert und ungeliebt. Dennoch sah man das Feuer in seinen Augen blitzen und ohne lange nachzudenken hatte ich mich ihm angenommen. Er kannte Halfter, Strick und eine grobe Hand, mehr nicht. Umso überrascher war ich, dass er in zwei Wochen gelernt hatte, es zu dulden wenn ich ihn putze und einfache Kommandos an der Longe. Jedoch hatte er heute einen guten Tag, er zeigte sich längst nicht immer von dieser Seite. Kurz klopfte ich ihm den Hals, Tweekay sah mich nur missmutig an. „Komm Dicker.“, sagte ich schmunzelnd und ging mit ihm zu Will, welcher uns das Tor aufhielt. Der Mustang folgte mir artig und ich ließ die Longe locker herabhängen, wie ich es gewohnt war, wenn ich mit unseren Pferden arbeitete. Doch als wir an meinem Bruder vorübergingen, legte er die Ohren an, riss abrupt den Kopf hoch und schnappte nach ihm. Will reagierte schneller als ich und wich aus, sodass seine Zähne laut aufeinander klackten, ihn jedoch nicht erwischten. „Spinnst du?!“, fauchte ich und rupfte ihn zurück. Tweekay sah mich empört an und schnaubte. Kopfschüttelnd festigte ich meinen Griff und zog den Hengst hinter mir her zurück zu seiner kleinen Weide mit dem Unterstand. „Na hau schon ab.“, murmelte ich, nahm ihn das Halfter ab und er verschwand sogleich durch das Tor. Seufzend schloss ich es wieder und rieb mir die kalten Finger. „Entschuldige Will. Wir haben wohl mehr Arbeit vor uns, als ich dachte.“, sagte ich und sah ihn entschuldigend an. „Wenn es einer schafft Maze, dann du.“ Er lächelte. Ein warmes Lächeln, aufrichtig. Eine nette Geste, die man hier nicht oft zu sehen bekam. „Lass uns reingehen.“
    • Sosox3
      Tierarztbericht
      Dezember 2017
      by Loulou
      Aus der Sicht von Mazikeen Gwynedd
      „Konntest du inzwischen etwas über seine Herkunft herausfinden?“, fragte Will und musterte mich neugierig. Gähnend lehnte ich mich im Stuhl zurück, streckte mich und schüttelte gleichzeitig den Kopf. „Unmöglich. Er scheint tatsächlich ein echter Wildfang zu sein und kam ohne Papiere her. Wie er sich auf die Isle verirren konnte ist mir immer noch ein Rätsel.“, erwiderte ich und stand auf. „Aber ich werde ihn jetzt erst einmal durchchecken und impfen. Damit er endlich zu den Artgenossen kann.“, erklärte ich und verließ das Wohnhaus meines Vaters. Wir lebten auf einem großen Anwesen auf der Isle of Man, Stallungen, Weiden, Hallen, Plätze, mehrere Wohnhäuser, großes Gelände. Nie hatte es uns an etwas gemangelt. Außer an der Liebe, die ein Kind vielleicht erfahren sollte. Verächtlich schnaubte ich bei dem Gedanken und nahm mit einem Kopfschütteln meine Tasche, als ich in meinem kleinen Praxisraum angekommen war. Alles war noch spartanisch eingerichtet. Ein Büro, mit Regalen an den Wänden, voller Bücher und Ordner, ein großer Schreibtisch und im Nebenraum ein kleines Labor, in dem noch lange nicht alles an Gerätschaften war, was ich mir wünschte. Doch hatte ich abgelehnt, dass Vater mich auch dabei unterstützte.
      Mit der dunklen Ledertasche ging ich zu der Weide, auf der Tweekay aktuell untergebracht war. Als ich kam, trabte er zum Tor herüber. Überrascht huschte ein Lächeln auf mein Gesicht, welches jedoch sogleich wieder verflog. Denn er hatte mich noch gar nicht wahrgenommen. Als er dies jedoch tat, wieherte er laut, machte kehrt und buckelte in die andere Ecke seines Heimes. Seufzend nahm ich sein Halfter und schwang mich über den Zaun. „Versuch es gar nicht erst.“, ermahnte ich den Hengst, als ich auf ihn zuging, um ihn einzufangen. Er legte die Ohren an, riss den Kopf hoch und starrte mich auf großen Augen mit geweiteten Nüstern an. Ohne Umschweife schnitt ich ihm den Weg ab, halfterte ihn auf und schnalzte mit der Zunge. „Jaja, so schnell geht das.“, sagte ich belustigt und führte ihn zu dem kleinen Unterstand, wo ich ihn anband, um ihn zunächst körperlich zu untersuchen. Ich hörte Herz und Lunge ab, beides frei von pathologischen Geräuschen. Keine Atemgeräusche, keine Herztöne. Missmutig ließ Tweekay die Untersuchung über sich ergehen. Ich tastete seinen Bauch ab, seine Lymphknoten, bewegte seine Gelenke durch und warf einen Blick in Maul, Nüstern, Augen und Ohren. „Du bist ja ein kleiner Prachtkerl.“, sagte ich mit einem Schmunzeln und klopfte seinen Hals. Tweekay war nicht ganz so angetan von meiner Feststellung, wie ich es war. Schon gar nicht, als ich seine Temperatur maß. „So, gleich hast du es geschafft.“, murmelte ich, ging zu meiner Tasche, zog meinen Kombiimpfstoff auf und injizierte ihn dem Hengst. Tweekay legte die Ohren an und quiekte entsetzt, als ich mit der Kanüle seinen Muskel punktierte. „Ganz ruhig.“, murmelte ich und nahm ein Butterfly sowie einige Röhrchen aus meiner Tasche. „Ich muss nochmal ran, Pony.“, sagte ich und suchte eine geeignete Vene. Der Hengst hatte immer noch die Ohren angelegt und ließ die Blutentnahme nur widerwillig über sich ergehen. Zu guter Letzt bekam er noch seine Wurmkur. Ich nahm die Paste mit einer Einmalspritze ohne Kanüle und drückte sein Maul auf. Missmutig schmatzte er sie herunter und ich klopfte ihm den Hals, ehe ich eine Möhre aus meiner Winterjacke nahm. Sogleich spitzte er die Ohren und geierte auf das Gemüse. „Vergeben und vergessen?“, lachte ich und gab sie ihm in zwei Stücken. Zufrieden malmte er auf der Karotte herum und ich nahm ihm den Halfter ab. „Ab mit dir.“ Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Rasch entfernte Tweekay sich von mir und ich packte meine Sachen, um im Labor sein Blut zu untersuchen. Eine Probe seines Kots hatte ich bereits einige Tage zuvor eingesammelt, diese war frei von Parasiten. Auch das Labor war in Ordnung, wie ich überrascht feststellte. Für das, was ich über ihn wusste, war er in einem einwandfreien Zustand. Zumindest körperlich.
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      Hufschmiedbericht
      Dezember 2017
      Dezember 2017, by Snoopy
      Heute stand ein etwas schwieriger Patient an. Ein Pferd von Mazikeen Gwynedd bekam zum ersten Mal Eisen, er sollte ein schwerer Fall werden also hatte ich mir alles bereit gelegt und rollte wenig später auf dem Hof von Mazikeen ein. Ich wurde sogleich begrüßt und sie führte mich zu dem Pferd. Vor mir stand nun ein kleiner Graufalben Mustanghengst der sturer nicht schauen konnte. Doch ich kümmerte mich nicht darum und stellte mein Werkzeug auf. Dann begann ich auch schon mit meiner Arbeit, hängte Hufmesser, Hufraspel sowie Nägel und das erste Eisen in meinen Gurt. Denn die Maße hatte ich schon vor kurzem bekommen und musste somit nur noch die Eisen ran nageln. Mazikeen hatte mir früh genug Bescheid geben, dass es sonst vor Ort schwer werden würde und niemand kannte seine Pferde besser als die Besitzer.
      Also legte ich los und versuchte das erste Bein anzuheben, man merkte sofort dass der Kerl sein Gewicht auf dieses legte, ich warnte James schon mal vor und die Besitzerin wand sich dem Hengst zu. Ich lehnte mich nun mit meinem Gewicht gegen diesen und brauchte nur zwei Anläufe und packte den Huf sofort auf den Schoß. James blieb in der Nähe um beim kleinsten Zucken des Graufalben zur Stelle zu sein. Ich begann derweil mit dem Ausschneiden des Innenhorns, begradigte den Strahl und bockte dann den Huf auf, welchen James nun festhielt da Tweekay ihn schon wegziehen wollte. Die Besitzerin hielt derweil den Kopf in Schach, damit er nicht nach mir schnappen würde. Also schnitt ich in kürzester Zeit das Außenhorn zurecht und raspelte es dann glatt, nun nahm James den Huf des Hengstes und ich nahm mir das Eisen zur Hand, klemmte die ersten Nägel zwischen meine Lippen und begann es festzunageln. James hielt dem Wegziehen des Hengstes stand und blieb genauso stur. Ich befestigte die Nägel im Huf und bog sie um, knipste das Lange weg und nietete den Rest ein. Der erste Huf war nun fertig und ich erklärte kurz Mazikeen, wie sie die Stollen rein machen musste, ehe ich ihr alle für die Hufe gab und zum nächsten Vorderhuf ging. Dort zickte der Hengst erstmal wieder herum, sodass James sein Bein zwischen seine klemmte und mit ein paar schnellen aber gründlichen Schnitten das Innenhorn ausschnitt, dann bockte er den Huf auf und schnitt mit ein paar geschickten Bewegungen das Außenhorn zurecht, mit der Raspel verfeinerte er die Kanten, während ich das Bein nebenbei fest hielt. Dann kümmerte ich mich um das befestigen des Hufeisens. Hier hielt nebenbei James wieder das Bein fest, damit ich in Ruhe arbeiten konnte. Ich machte meine Arbeit gründlich aber auch schnell, denn dieses Pferd wurde schnell mies gelaunt. Ich nagelte also das Eisen am Huf fest und musste plötzlich nach seinem Huf schnappen, da er ihn mit einem Satz wegziehen wollte, dies aber nicht gut war mit den raus stehenden Nägeln. James packte das Bein fester und ich machte mit ein paar gekonnten Schlägen die Nägel unschädlich, nietete sie ein und das zweite Eisen war dran. ,,Ich denke bei den Hinterbeinen, müssen sie ihn sedieren, das wird sonst zu gefährlich und für ihn zu stressig.", musste ich dann leider feststellen, auch wenn wir ungerne sowas machten, aber es wäre das Beste fürs Pferd. Die Besitzerin nickte und begab sich an die Arbeit, wir warteten ca. 10 Minuten und dann wurde Tweekay ruhiger, sodass wir nun die Hinterhufe angingen. Hier schnitt ich den ersten aus, entfernte abgestorbenes Horn und begradigte das Innenleben, ehe ich seinen Huf aufbockte, wo James wieder fest hielt, damit er nicht den Huf wegnahm, was er noch konnte aber nicht mehr so wie vorher. Ich beeilte mich und schnitt das Horn außen also zurecht, begradigte die Kanten mit der Hufraspel und nahm den Huf dann zwischen meine Beine. James gab mir das Eisen und ich befestigte die Nägel mit 6 einzelnen Schlägen, dann kam sein Huf auf den Boden, wo überstehende Nägel weggeknipst wurden und der Rest eingenietet, sodass sie nicht mehr raus gingen. Dann hatte er nur noch einen Huf, welcher sich diesmal James annahm und das Innenhorn gründlich verbesserte und zurecht schnitt. Dann bockte er sein Huf auf und raspelte die kleinen Kanten im Außenhorn zurecht, schnitt in die gesunde Hufform und nahm sich dann das Eisen zur Hand. Hier nahm er Tweekay's Huf wieder zwischen die Beine und begann mit den befestigen, langsam wurde er wieder bockig also beeilte sich James, damit er es schnell hinter sich hatte. Als auch das letzte Eisen dran war, baten wir Mazikeen eine Runde mit ihm zu drehen. Sein Gang war in Ordnung, auch wenn er noch etwas staksig lief, da er ja zum ersten Mal sowas bekommen hatte: ,,Keine Sorge das wird sich legen, er muss sich erstmal daran gewöhnen, also die nächste Zeit nicht sehr viel bewegen und schauen wann er sicher geht, da er sonst zu schnell zum Stolpern neigen würde!", riet ich der Besitzerin welche mir dankte und dann ihren Mustang zurück in den Stall brachte.
      Wir kehrten unseren Dreck zusammen, warfen ihn weg und verabschiedeten uns dann von der netten Dame.
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      Pflegebericht
      Februar 2018
      by Veija
      Octavia
      Der Nebenstall war ein Stall, mit dem ich nicht wirklich zufrieden war. Durch einen unschönen Zufall hatten wir nun vier statt drei Mustangs, drei Hengste und eine Stute. Nahimana war ein wunderschönes Pferd und kam im Gegensatz zu den anderen Mustangs super mit ihrer Box zurecht. Ich streichelte ihr kurz über die Nase und öffnete dann ihre Paddocktür, damit sie nach draußen konnte. Zufrieden brummelte sie und ging ihren Weg nach draußen, um die ersten Sonnenstrahlen zu genießen. Tweekay, Sparkled Wings und Silent Bay sah ich gerade noch um die Ecke herum flitzen, ehe sie auf der großen Koppel verschwunden waren. So richtig kamen wir noch an keines der Tiere dran. Mustangs brauchten ihre Zeit, es würde auch noch eine ganze Weile dauern, bis sie soweit waren, von Menschen wirklich angefasst zu werden. Sie hatten jedoch schon verstanden, dass sie morgens auf die Koppel durften und abends auf den kleinen Reitplatz gesperrt wurden, da Box bei ihnen unmöglich war. Sie machten sich also.
      Ein ebenfalls altes neues Gesicht war Chocolate Dream. Seit kurzem war er wieder bei uns und erfreute sich seines Lebens. Ihm ging es auch inzwischen wieder viel besser, so dass wir bald wieder mit seinem Training anfangen konnten. Auch ihn ließ ich nach draußen, ehe ich zu den Stuten ging, die in einem kleinen Offenstall lebten. Ceara Isleen, Væna fra glæsileika eyjarinar, Bree, Blazing Flame und Náttdís van Ghosts lagen allesamt in der Sonne und ignorierten mich irgendwie. Ich rollte kurz mit den Augen und schaute dann nach den letzten drei Pferden, die auch zusammen draußen auf einer kleinen Koppel standen. Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr und Myrkvidr. Die drei hatten sich irgendwie von Anfang an verstanden und so hatten wir sie gleich zusammen gestellt. Bald wollten wir Chocolate Dream noch mit ihnen vergesellschaften, doch das dauerte noch eine Weile, denn erst sollte er wieder richtig fit sein.
      Kurz sah ich auf meine Uhr. Gleich würden die Vollblüter trainiert! Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und machte mich auf den Weg zum Nordstall.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      März 2018
      März 2017, by Veija
      Fast ein halbes Jahr waren wir nun schon in New Mexico und es ging noch immer alls drunter und drüber. Eine komplette Ranch umziehen zu lassen, war doch mehr Arbeit, als wir mit gerechnet hatten. Ich fing heute im Hauptstall an und brachte zunächst alle Pferde auf die Koppel. Es waren ein paar neue Pferde dazu gekommen, weshalb wir uns nun wirklich bald überlegen sollten, neue Mitarbeiter einzustellen.
      Nach dem Hauptstall folgte der Nordstall. Hier waren schon fast alle Pferde nach draußen gebracht worden und ich half meiner Schwester nur gerade, die letzten beiden Tiere nach draußen zu bringen. Es folgte der Südstall, in dem zur Zeit nur 8 Pferde standen, die schon alle von den Mitarbeitern nach draußen gebracht worden waren. Ebenso war es bei der Weststallung. Diese war auch leer.
      Als vorletztes folgte nun der Nebenstall, aus dem ich noch einige Pferde nach draußen führte, ehe die Oststallung folgte, wo die Pferde schon alle genüsslich das kurze Gras fraßen. Mit allen Pferden schien alles in Ordnung zu sein, weshalb ich wieder nach drinnen ging und mich um die Einstellung neuer Mitarbeiter kümmerte.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      Juni 2018
      Juni 2018, by Veija
      Bellamy
      Ich starrte auf die Namensliste der 9 Pferde, die heute mittag abgeholt werden würden. Wie der Zufall es so wollte, hatten zwei Brüder unser altes Gelände in Kanada gekauft und sich die Pferde hier angesehen. Sie wurden sogleich fündig und hatten uns besagte neun Pferde abgekauft. Darunter Pferde, bei denen es mir nicht so leicht fiel, sie gehen zu lassen. Andere Pferde widerum waren noch gar nicht lange hier, hatten aber noch keine wirkliche Verwendung hier gefunden. An Affair to Remember, Above the Sky, Absolute Bullet Proof, Kunis und Dakota waren fünf der Tiere, die heute mittag in ihr neues altes Zuhause ziehen würden. Außerdem hatten die Brüder uns für Tweekay, Silent Bay, Nahimana und Sparkled Wings einen sehr guten Preis gezahlt, dass es fast unmöglich gewesen war, nein zu sagen.
      Besonders bei Dakota fiel es mir schwer, sie ziehen zu lassen. Aber ich wusste, dass sie auf der Broke Jar Ranch ein gutes Leben führen würde. Dakota und Kunis hatten Troy und Nick Lahey wegen ihrer Rasse mitgekauft. Nick war nämlich leidenschaftlicher Polo- Spieler und hatte sich sehr darüber gefreut, dass wir die fünf Tiere abgaben. Für seinen Bruder Troy waren die Mustangs. Er wollte sie zu soliden Freizeitpferden mit Turnierambitionen ausbilden, denn er wollte in Kanada Wanderritte mit ihnen abhalten.
      Ich stand von meinem Schreibtisch mit den sortierten Unterlagen auf und ging in den Stall, um die Tiere fertig zu machen. Es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis die Brüder mit dem Hänger ankamen- und so war es dann auch. Kaum hatte ich die Pferde eingedeckt und ihnen die Transportgamaschen angezogen, kamen sie auch schon die Stallgasse entlang. "Hallo.", sagte ich freundlich und schüttelte ihre Hände. "Papiere liegen im Haus, die gehe ich holen wenn alle Pferde eingeladen sind, das sollte Vorrang haben.", sagte ich und die beiden nickten. Sie hätten wirklich unterschiedlicher nicht sein könne, zumindest was ihr Aussehen anging. Charakterlich waren sie sich sehr ähnlich, ihren Humor konnte nicht jeder verstehen.
      Wir fingen mit der Fuchstute Savage an, die ohne mit der Wimper zu zucken auf den Hänger ging. Es folgte unsere Schimmelstute Sky, die auch gut rauf ging. Dann kam Dakota, die sichtlich verwundert war, dass ich sie aus der Hand gab. Sie wiehrte einmal kurz, schaute sich wieder zu mir um, ging dann aber willig dem fremden Mann hinterher. Sie wäre ja nicht aus der Welt, und wir wollten mit den neuen Besitzern Kontakt halten. Und besuchen könnte ich sie auch jederzeit. Als letzte Stute ging Nahimana die Rampe hoch. Sie würde auf der neuen Ranch aufblühen können, da war ich mir sicher.
      Nun schlossen die Jungs eine leere Box, so dass zwischen den Stuten und den Hengsten ein wenig Platz lag. Es folgte zu erst Absolute Bullet Proof, ein ruhiger Vertreter seiner Rasse. Danach erklomm Kunis die Rampe. Jetzt würde es etwas schwieriger werden. Silent Bay konnte noch ohne Sedierung verladen werden, Tweekay und auch Sparkled Wings mussten wir jedoch sedieren, anders ging es nicht. Doch dann machten sie ihre Sache gut und wir konnten den Hänger schließen. Das wars also.
      Im Haus übergab ich noch die Papiere und die Ausreisebescheinigungen und begleitet die Beiden zum Wagen. Ich wank ihnen zum Abschied und machte mich dann wieder an die Arbeit.

      - vier Wochen später -

      Troy
      "Die haben sich alle wirklich super eingelebt.", sagte ich zu meinem Bruder Nick und er nickte. "Hätte nicht gedacht, dass die so schnell wieder so fit wären, aber das liegt mit Sicherheit daran, dass sie sich untereinander noch kennen." "Ja, da hast du Recht.", antwortete ich ihm und schaute unserer Stutentruppe zu. Die Mustanghengste wollten wir vermutlich kastrieren, denn wir brauchten hier keine Hengste und dann könnten wir eine große Gruppe machen, die immer zusammen auf der Koppel stehen konnte. Aber wer wusste schon, was die Zukunft bringen würde.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      November 2018
      November 2018, by Veija
      Troy
      Etwa ein halbes Jahr hatten die 9 Pferde nun Zeit gehabt, sich einzugewöhnen. Mehr oder weniger war ihnen das auch gelungen, auch wenn die Mustangs es nicht so wirklich mochten, wenn sie abends in die Box kamen. Den ganzen Sommer über durften die Stuten Above the Sky, An Affair to Remember, Dakota und Nahimana das Leben in der Gruppe auf den weiten Koppeln genießen. Sie kamen gut miteinander zurecht, standen und grasten immer zusammen und schienen sich wohl zu fühlen. Jetzt über den Winter standen sie näher am Haus, nicht mehr so weit weg und kamen eben nachts in die Box. Nahimana schien damit keine Probleme zu haben, doch sie war auch schon länger in Menschenhand, als die anderen Mustangs. Mit dem Polo Argentino Hengst Absolute Bullet Proof hatten wir auch keine Probleme. Er stand mal auf der Koppel, mal auf dem Paddock, mal in der Box. Für ihn schien es keinen Unterschied zu machen, wo er war, hauptsache er sah die anderen Pferde. Kunis ging es ähnlich, wobei er die Koppel auf jeden Fall bevorzugte. Er lief dort auch mehr, als auf dem Paddock, wo er meist nur in der Ecke stand und zu den Koppeln hinüber sah. Aber auch er war händelbar, wenn auch manchmal etwas sehr stur.
      Nun wurde es schwieriger. Aber Bellamy hatte uns beim Verkauf der Mustanghengste auch schon gewarnt gehabt, dass sie nicht ganz einfach sein würden. Mit Tweekay hatten wir die meisten Probleme. Ganz lange Zeit hatten wir ihn nicht einmal in die Nähe einer Box bringen können, ohne dass er sie komplett auseinandergenommen hätte. Mit viel Arbeit hatten wir es geschafft, ihn daran zu gewöhnen. Er braucht allerdings eine große Box, weshalb wir im Stall eine einfach auf das doppelte Maß vergrößert haben. Wenn er nur im Stall steht, wenn es draußen stürmt und schneit, dann ist er zufrieden. Steht er allerdings dort, und die Welt geht draußen nicht unter, geht die Welt im Stall unter. Bis aus ihm ein Reitpferd wird, das dauert noch ganz ganz lange.
      Sparkled Wings... auch so ein Kandidat, der besser in die Wildnis, als in Gefangenschaft gehört. Der Hengst hat sich gut erholt bei uns, ist ein wenig zur Ruhe gekommen, doch auch ihm machen beengte Räume Angst. Deshalb haben wir bei seiner Box einen Durchbruch gemacht, so dass er nach belieben nach draußen gehen kann, bis wir seine Angst im Griff haben. Die erste Zeit stand er nur draußen und drehte sich im Kreis, vermutlich hatte er einen Ausweg aus den Penals gesucht... gefüttert wurde er, wenn er im Stall stand, nur drinnen, weshalb er reinkommen musste. Nach anfänglichem Zögern hatte dies auch funktioniert, das wollen wir jetzt mit viel Ruhe fortführen. Denn jetzt kommt der Winter, und wenn es hier -25 Grad sind und Wind aus allen Richtungen, können die Pferde nicht auf der Koppel erfrieren, dann sollten sie schon im Stall stehen.
      Silent Bay dagegen ist ein Schatz. Er ist brav im Umgang, lässt sich easy händeln. Mit ihm hatte ich auch meine ersten Ausritte hier gemacht. Ein wunderbares Pferd, allerdings kommt er mit den anderen Hengsten gar nicht klar. Aber das nehmen wir so in Kauf, wir wissen um das Manko der Hengsthaltung.
      Seit ein paar Tagen ist es nun am Schneien. Der Schnee taut zwar immer wieder weg, kommt aber doch ziemlich schnell wieder zurück. Weihnachten ist nun auch genau noch einen Monat entfernt, Mensch, was die Zeit rennt.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      Mai 2019
      Kurzer Pflegi für Above the Sky, An Affair to Remember, Dakota, Nahimana, Kunis, Absolute Bullet Proof, Silent Bay, Sparkled Wings und Tweekay

      Der Winter hatte Kanada noch immer nicht verlassen. Immer wieder fielen vereinzelte Schneeflocken vom Himmel und erschwerten uns unsere Arbeit. Für die nächste Woche waren jedoch zweistellige Plusgrade gemeldet, worauf wir uns nun endlich freuten. Der Winter war zwar nicht sonderlich hart gewesen, dafür aber lange. So langsam war es Zeit, dass der Frühling einkehrte und die Weiden endlich wieder grüner wurden. Wir wollten auch das Training wieder aufnehmen, wozu wir uns in diesem Jahr eine Reithalle bauen wollten, damit wir die Möglichkeit hatten im kommenden Herbst und Winter das Training beibehalten, und nicht abbrechen zu müssen.
    • Sosox3
      Pflegebericht
      November 2019
      Ylvi
      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.
      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.
      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.
      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!

      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?
      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”
      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.

      Caleb
      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?
      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.
      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.
      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”
      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.
      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.

      Ylvi
      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?
      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.
      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?
      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.
      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.

      Caleb
      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“

      Ylvi
      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.
      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.
      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.

      Caleb
      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.
      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”

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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”
      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.

      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
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  • Album:
    Evergreen Acres
    Hochgeladen von:
    Sosox3
    Datum:
    16 Nov. 2019
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  • Tweekay
    [​IMG]

    sire: Unknown
    dam: Unknown

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    Rasse: Mustang
    Hengst| 4Jahre (2015)|
    145cm
    Farbe: Grullo | Graufalbe
    EE aa Dd

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    Tweekay ist ein echter Wildfang und ebenso eine echte Herausforderung. Über seine Vergangenheit ist nicht viel bekannt. Er stammt aus Amerika und wurde illegal nach England gebracht, wo Mazikeen Gwynedd sich seiner angenommen hat.
    Der Hengst wirkt, als würde er vor Energie platzen und könnte sturer kaum sein. Eine schwierige Kombination, die viel Geduld erfordert. Im Grunde ist er jedoch gutherzig und treu, lässt jedoch keine Gelegenheit verstreichen die Autorität seiner Bezugsperson in Frage zu stellen. Er erschrickt vor nichts, stellt sich jedoch liebend gerne an. Er provoziert und schnappt gerne. Nirgendwo fühlt er sich wohler als im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit.

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    Besitzer: Tiara Everdeen
    Zucht: -
    Reitbeteiligung: -
    VKR: flair


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    Trainingsstand



    Platzierungen: 0/0/0
    Training: active

    Western LK5 LK4 LK3
    Distanz E A L M

    Reining + Trail

    Klasse E - LK5

    -

    LK 4
    -

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    Zuchtinformation
    Zuchtverfügbarkeit: [​IMG]Geschlossen[​IMG]

    Zuchtbedingungen

    -


    HK Schleife
    Gewonnene HK

    Nachkommen: -

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