1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Mohikanerin

// Trotaholic [1]

a.d. Unbekannt, v. Lu'lu'a

Tags:
// Trotaholic [1]
Mohikanerin, 11 Juli 2022
    • Mohikanerin
      Rennen E zu A | 12. Juli 2022

      Drivblesa / Trotaholic / Just A Bear

      “Wir fahren mit Bear nach Kalmar, weil er dort drei Stuten decken soll. Kommst du mit?”, fragte mich Nour, als ich Drivblesa zurückbrachte. Sie hatte mir die Stute heute überlassen, was eine ziemlich große Ehre darstellte. Meine Kollegin gab ungern ihre Trainingspferde ab, aber sie wollte, dass ich Erfahrungen sammle. Blessa wechselte binnen Sekunden ihre Stimmung. Wenn man nicht aufmerksam den Blick auf das Pferd und Umgebung hatte, sprang sie panisch zur Seite oder riss einem die Leinen aus der Hand. Dennoch begriff ich schnell, wie ich mit der Fuchsstute umging. Leckerlis waren ebenfalls eine Hilfe.
      “Was soll ich da?”, hakte ich nach und bürstete währenddessen das Gurtzeug ab, das von Matsch Sprenkeln übersät war. Ich sah nicht besser aus, aber mit dem nächsten Pferd, wäre alles wie zuvor.
      “Manchmal bist du wirklich schwer von Begriff. Was sollst du da wohl?”, grinste sie und nahm mir die Bürste weg.
      Ich seufzte.
      “Sag’ es mir, ich habe keine Ahnung”, zuckte ich mit den Schultern.
      “Man! Du bist blöd”, stöhnte Nour sich auf der Stelle drehend, “Basti, natürlich.”
      In meiner Brust legte sich eine Schwere ab, die mich fesselte und erdrückte. Noch immer war seine bloße Anwesenheit schwierig, da auch noch sinnlos herumstehen, würde es nicht besser machen.
      „Du musst nicht“, lief Nour schließlich los nach minutenlangen Schweigen.
      „Warte“, säuselte ich unentschlossen. Freudig drehte sie sich um.
      „Ich wusste es“, triumphierte sie und half dabei Blessas Zeug aus dem Weg zu räumen. Zeitgleich packte Bruno den Hengst ein und hängte einen Sulky an. Vorher sollte dieser noch einen Heat fahren, ein Wunsch der Stutenbesitzer.
      Schließlich in Kalmar angekommen, putzte ich Bear, während die anderen Beiden ein Gespräch führten. Ich bekam davon nicht viel mit, nur, dass Basti plötzlich mit einem hübschen Rappen am Stall vorbeikam. Er bemerkte mich nicht, umso mehr Sicherheit legte sich auf meine Brust. Von meiner Position sah man die Bahn und immer wieder huschte mein Blick zu ihm. Der Hengst Ole war ungezügelt, beinah verspielt. Er biss in die Leine und versuchte diese in der Luft zu wirbeln, aber sein Fahrer hatte ihn fest im Griff. Verärgert zog er am Gebiss.
      “Vriska, kommst du bitte?”, sagte Bruno. Ich löste die Stricke und führte Bear heraus. Der Trainer trug bereits seinen Helm, um den Hengst zu zeigen. Sie wollten auf die Bahn, was erneutes Herzrasen auslöste.
      Mir wurde schlecht.
      Wir standen am Geläuf. Nour säuselte offen über den hellen Hengst, der mit keuchenden Geräuschen über die Bahn fegte. Viel mehr bekam ich nicht mit. Zu sehr vertiefte ich mich in den Rappen, oder eher Basti, der versuchte das Pferd in seine Schranken zu weisen. Es gelang ihm eher schlecht als recht. Jedes Mal, wenn Bear an dem Paar vorbeikam, legte auch Ole an Tempo zu. Was sein Fahrer davon hielt, interessierte das junge Pferd nur wenig. Er wollte sich mit seinem Artgenossen messen. Kopf an Kopf zogen sie über den Sand. Der Bauch schon vollkommen bedeckt mit Matsch, die Sulkys ebenfalls eine reine Schlammschlacht. Ich hoffte inständig, im Boden zu versinken, als alle bei uns hielten. Den Blickte senkte ich sogleich zu Boden. Hatte er mich bemerkt? War ich zu offensiv? Tausende Fragen durchlöcherten meine Gedanken und plötzlich schienen die Pferde, als Grund meiner Anwesenheit, so marginal.
      Einer der Stutenbesitzer klopfte Bears Hals, der mit pulsierenden Nüstern vor uns stand. Auch Ole, der Rapphengst, atmete schnell.
      “Ein Prachtstück”, murmelte der Mann, “der passt gut zu meiner Stute. Ihr fehlt es an Anmut.”
      Schlagartig drehte es sich in mir. Diese Oberflächlichkeit in der Zucht widerte mich an. Obwohl, ich wählte auch meine Pferde anhand ihrer Niedlichkeit aus, aber ich fand alle niedlich. Deshalb züchtete ich nicht. Anklang mit einem Fohlen von Humbria, auch als mögliche Geldanlage, fand ich in meinem Kopf trotzdem.
      „Wir sind auch sehr stolz“, gab Bruno zu verstehen, klopfte dabei Bears Po. Der Hengste zuckte zusammen.
      Basti versuchte währenddessen Ole von uns wegzubekommen, aber weder die ziehende Leine am Gebiss noch die Peitsche interessierten ihn dabei sonderlich. Mir gefiel das Bild so gar nicht und ohne groß darüber nachdenken, stieg ich durch den weißen Zaun auf die Bahn. Ich zupfte dem Rappen zart am Gebiss und er folgte mir. Einige Meter lief ich mit, ließ dann aber los. Weit kamen die zwei nicht, denn der Hengst drehte sich unbeeindruckt wieder mit dem Sulky und trottete zurück. In Bastis Gesicht zeichnete sich klare Verärgerung. Nach Hilfe fragen, wirkte allerdings ebenso unmöglich, wie das Pferd von der Gruppe zu lösen. Ole hatte ein dickes Fell. Wer weiß, was das arme Tier schon alles ertragen musste, auch wenn es mir kaum vorstellbar, dass Basti ein schlechter Mensch war. In meinen Gedanken strahlte er wie ein Stern am Nachthimmel, durch nichts zu erschüttern und weist jedem den Weg. Nun musste ich sein Stern sein.
      „Komm‘ mein Kleiner“, flüsterte ich dem Pferd zu und zupfte ein weiteres Mal am Gebiss. Dem folgten wieder Meter, bis wir von der Gruppe entfernt waren. Gerade, als ich wieder zurücklaufen wollte, rief mir Basti zu: „Warte, kannst du noch ein Stück weiterlaufen?“
      Mit einem Lächeln, das ich versuchte zu unterbinden, kam ich die fehlenden Schritte zum Pferd und lief auf der linken Seite mit. Interessiert knabberte Ole an meiner Schulter, zwischendurch kam sogar die Zunge auf den Stoff. Das Pferd war niedlich, vielleicht sogar mehr mein Fall als Netflix. Bewirkte ihr Fahrer diese Wirkung, oder gefielen mir die Hengste wirklich? Gefangen in Gedanken versuchte ich eine Entscheidung zu treffen, aber ich fand keine.
      “Du bist schon wieder … du”, stellte Basti lachend fest.
      „Tut mir leid“, murmelte ich verschlossen. Er hielt den Hengst an, der wie von Zauberhand seinem Fahrer wieder Beachtung schenkte.
      „Geh besser wieder zu den Anderen. Ich sollte ihn im Griff haben.“ Stechen traf mich in der Brust. Nickend zog ich mich wie ein verletztes Tier zurück, blickte ihm dabei für einen Moment sehnsüchtig nach.
      „Hast du toll gemacht“, zischte ich mich selbst an und kam bei der Gruppe an. Sie hatten Bear bereit hinuntergeführt und Bruno war damit beschäftigt, ihn zu entkleiden. Nour erklärte mir den Vorgang, aber trat dabei aufgeregt auf der Stelle. Ihr Blick huschte zwischen Basti, auf dem Geläuf, und mir Hin und Her. Es plagte sie buchstäblich, nicht zu wissen, was gesprochen wurde. Der Inhalt war ohnehin belanglos, deshalb sah ich keinen Grund, überhaupt zu erwähnen. Aber ihre Aufregung platzte. Sie stellte tausende Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Glücklicherweise endete das alles, als Bear decken sollte an der Hand und wir dabei halfen.

      © Mohikanerin // Vriska Isaac // 6674 Zeichen
      zeitliche Einordnung {März 2021}
      Sosox3 und Wolfszeit gefällt das.
    • Mohikanerin
      Ausdauer / Rennen A zu L | 30. September 2022

      Meltdown / Trotaholic / Drivblesa / Nobelium

      Zum heutigen Training fuhren wir zur Rennbahn. Seit Wochen war es zu kalt, um auf der eigenen Trainingsbahn zu trainieren und die Bahn in Kalmar täglich mehrfach abgefahren wird. Somit war der Boden deutlich geschmeidiger. Blessa und Noby liefen problemlos in den Hänger, sodass wir binnen vierzig Minuten die Pferde anspannen konnten. Parallel fuhren bereits Meltdown und Ole durch den Sand. Besonders der Schimmel hatte sich in der seiner Form gebessert, aber hatte ohnehin nicht mehr lange die Karriere auf der Bahn, zumindest wurde es an uns herangetragen. Mit Geduld trabten wir zehn Runden mit allen Pferden, die bei den tiefen Temperaturen zu kämpfen, aber nahmen die Aufgabe auf sich. Im Stall wartete eine große Portion Futter auf sie.

      © Mohikanerin // 745 Zeichen
    • Mohikanerin
      Heat / Rennen L zu M | 30. Oktober 2022

      Meltdown / Sisko / Fire to the Rain LDS / Trotaholic

      Gemeinsam legten wir den Pferden ihr Geschirr an, klickten den Sulky fest und bewegten sie zum Geläuf. Einige Tiere waren bereits im Heat, sodass Sisko hektisch um hersahen. Der Franzose tänzelte auf den Hufen, bevor er sich gleichmäßig voranbewegte. Ini hingegen nahm die Situation gefasst, die in ihrer Blüte des Lebens stand. So waren es auch Ole und Meltdown, die ihre Runden verschwitzt drehten, bis ihre Pfleger den Strick einhängten im Gebiss und die Pferde hinunterführten.

      © Mohikanerin // 481 Zeichen
    • Mohikanerin
      Renntag / Rennen M zu S | 30. November 2022

      Mockup
      Nobelium
      Eichkatze
      Trotaholic


      Schnee lag auf den Grünflächen der Rennbahn, als ich entspannt auf der Tribüne saß, mit meinem Rennheft in der Hand. Einige Highlights würden heute laufen, so hatte ich mir schon Kreuze gesetzt, wer meine Favoriten in den Rennen waren. Aktuell war Pause und mit Trotaholic, einem Rappen aus Kalmar, lag ich bereits Gold richtig. Überlegen holte er den Sieg. Schon am Start legte der Hengst einen gewaltigen Vorsprung hin und die verteidigte damit seine Position den ganzen Verlauf über. Eichkatze hingegen, die in ihrer Klasse die älteste Stute war, konnte nicht überzeugen und belegte lediglich den dritten Platz. Damit war mein Geld dahin.
      Als Nächstes stand das Trabreiten auf dem Plan, was ich mit Spannung genoss. Auf den letzten Metern erkämpfte sich die Startnummer fünf auf den zweiten Platz, nach dem er mit großem Abstand als letzter nachlief. Ich setzte einen Vermerk auf den Zettel, bevor ich mir etwas zum Trinken holte.
      Das letzte Rennen war die Bronzeliga, in der ein Fuchs mit großer Blesse als Geheimtipp galt. Dieser Hengst wurde verkauft, mit schlechten Leistungen, doch aus unerklärlichen Gründen fuhr seine junge Fahrerin ihn problemlos einen Sieg nach dem anderen ein. Ich setzte auf ihn, jedoch nicht als einziger. Die Quote war anfangs besser. Im Verlauf zeigte er tatsächlich die von mir erwartete Leistung und siegte.

      © Mohikanerin // 1346 Zeichen
    • Mohikanerin
      Ausbildung / Dressur E zu A | 28. Februar 2023

      Eichkatze / Nobelium / Anthrax Survivor LDS / Friedenszahlung LDS / Trotaholic

      "Großartig", drang aus der Halle zu mir vor. Wie gewöhnlich wurden die Rennpferde trainiert, nur dieses Mal im Sattel – oder zumindest an der Doppellonge. Anti, der demnächst einen weiteren Probelauf gehen sollte, verstand mittlerweile seine Beine zu sortieren, was angesichts seiner Größe ziemlich erstaunlich war. Gefühlt bestand dieses Pferd nur aus Beinen und einem riesigen Kopf, einen Dickkopf um genauer zu werden. Der gescheckte Hengst wusste genau, wie er einer Aufgabe entgehen konnte, weshalb gerade die Arbeit an der Longe und Doppellonge einen gelungenen Ausgleich bot, damit er den Dickschädel mal verwendet. Noby hingegen lief wie ein junger Gott durch den Sand. Der Braune kannte das alles schon, auch Dressurarbeit am Zügel. Aktuell stand seine Haltung auf dem Plan, den der Takt in allen drei Gängen stand. Eichi war mit ihrem hohen Alter auch bereits geritten. Bei ihr legten wir den Schwerpunkt ebenfalls auf's Gleichgewicht. Wie fast jedes Rennpferd gelang es ihr nicht, sich auf den Beinen zu halten, sondern rannte lieber davon. Zu Besuch war Ole. Der Rapphengst war schon öfter zum Training hier und machte augenscheinlich Fortschritte. Später kam noch Lulu in die Halle. Die helle Stute konnte bereits geritten werden, dennoch wurde sich für die Arbeit an Doppellonge entschieden, mit vielen Hand- und Tempowechseln.

      © Mohikanerin // 1341 Zeichen
    • Mohikanerin
      [​IMG]

      kapitel fyratioett | 15. März 2023

      Maxou / Northumbria / Planetenfrost LDS / Astronaut in the Ocean LDS / Outer Space / Moonwalker LDS / Millennial LDS / Eifellust / Harlem Shake LDS / Trotaholic / Pay My Netflix / Meltdown / Fieberglas / Henade / Mockup / May Bee Happy

      Die Fahrt im strömenden Regen hätte nicht schlimmer laufen können. Schon als wir uns zur Fernstraße begaben, eröffnete sich das reinste Chaos auf der Straße – Montage halt. Überall standen LKW und ich musste wirklich in Millimeterarbeit mich einscheren. Hinter uns versuchte Bruno zu bleiben, was ihm nicht immer gelang. Er fuhr allein.
      „Euch jungen Leute möchte ich am Abend nicht stören“, sagte er bei der Abfahrt am Hof. Zudem begründete er seine Entscheidung damit, dass er ungern im Transporter schlief. Verübeln konnte ich es ihm nicht, die Matratzen waren unglaublich unbequem.
      Trotz des Staus kamen wir gut voran. Das integrierte Navigationssystem steuerte uns von der Straße hinunter und wir durchquerten kleinere Dörfer, bis schließlich das Eingangsschild auf der rechten Seite erschien.
      “Können wir bitte endlich was essen?”, quengelte Nour, als alle Pferde in ihren Boxen standen und am Heu zupften. Wir hatten einen eigenen Stallbereich zugeteilt bekommen, den wir mit einem Schloss sichern konnten. Eine Box blieb frei, in der wir das Futter lagerten, Sulky hineinstellten. Gurte und Zubehör hingen im Gang.
      “Ja, bitte, ich verhungere gleich”, übertriebt Lina ein wenig, bei ihrer Zustimmung.
      “Dass ihr immer hunger habt”, scherzte ich leicht genervt, aber nahm ihre Bedürfnisse ernst.
      “Geht ihr beiden doch etwas holen. Wir müssen gleich mit den Heats beginnen”, erläuterte Lars näher und sagte seiner Schwester, was er gern hätte.
      “Damit ihr euch nicht verlauft, komme ich mit”, scherzte Bruno. Mit einem prüfenden Blick sah er zu seinem Sohn, der zuversichtlich nickte. Wir schaffen das zusammen.
      “Soll man dir auch etwas mitbringen?”, fragte Lina mich freundlich.
      “Kaffee, schwarz”, erklärte ich. Beim Aussteigen dachte ich für einen Atemzug über Nahrung nach, doch als ich den weißen Transporter mit blauem Print vor unserem Stallgebäude sah, verging es mir. Nicht nur im Magen lag ein bitteres Gefühl, sondern auch mein Herz trommelte wie Urvolk im Kriegsmodus.
      “Alles klar, wird geliefert”, bestätigte sie, bevor sie mit den anderen beiden verschwand. Als sie außerhalb der Sichtweise waren, lief ich vor den Stall. Lars folgte mir. Bei der Ankunft gehörten wir zu den Ersten, mittlerweile tummelten sich immer mehr Leute auf dem weitläufigen Gelände. Bellend liefen Hunde zwischen den Fahrzeugen und wurden im selben Atemzug von den Besitzern zurückgezogen.
      “Du kannst auch im Raum rauchen”, kam Lars mir nach, als er mein Fehlen bemerkte, “oder wartest du auf etwas?”
      Frech grinste er.
      “Ist doch eklig für euch und nein, ich warte auf rein gar nichts”, versuchte ich mich selbstsicher zu geben. Je öfter ich es mir sagen würde, umso schneller könnte es die Realität werden. Ich warte nicht auf ihn, flüsterte ich mir selbst und zog kräftig an der Zigarette.
      “Na gut, aber ich bleibe besser hier”, lächelte er und begann, mit mir den Tagesplan zu erarbeiten. Genauer gesagt, gingen wir die Rennen durch, schrieben uns genau auf, wann welches Pferd in den Heat sollte und ein Rennen begann. Wichtig hierbei, dass wir nicht davon ausgingen, dass es zum Verzug kam.
      „Lina kann nicht Shaker trocken führen. Das endet in Desaster“, merkte ich an.
      „Wirklich nicht? Aber du magst recht haben, dann mache ich das selbst. Ich habe genügend Zeit, bis Eifel an der Reihe ist“, gab Lars nach und tippte auf seinem Handy die Einigung ein.
      “Was denkst du, Humbria einen Heat oder zwei?”, überlegte ich weiter. Die letzten Trainingseinheiten hatte die Stute mit Bravour absolviert, aber wir kannten diese Bahn noch nicht und gerade in Anbetracht ihres Alters, könnte zwei deutlich angenehmer für sie sein.
      “Zwei, eindeutig. Du kannst im Ersten locker bleiben und im zweiten anziehen, oder noch mal gemütlich außen herum, wenn du das Gefühl hast”, schlug er vor. Damit kam die nächste Planung in den Zeitplan und wir bemerkten, dass wir fertig waren. Im selben Augenblick kam auch das Essen angeflogen. Fröhlich tunkte Bruno Pommes in Mayonnaise und Nour grinste über beide Ohren, mit einer Pizza in den Händen.
      “Einmal Flüssignahrung für dich”, lächelte Lina und drückte mir den Pappbecher in die Hand. In der anderen Hand trug sie eine große Portion Pommes.
      “Tack”, bedankte ich mich und nippte an dem schon abgekühlten Lebenselixier. Ein kräftiger gerösteter Geschmack breitete sich von der Zunge im ganzen Körper aus. Die Wärme brachte eine gelungene Abwechselung.
      “So, aber wir dürfen jetzt nicht Trödeln. Wie weit ist Mill?”, ließ Bruno und nicht einen Augenblick der Ruhe.
      “Eingeflochten, einbandagiert, aber das war es”, erklärte Lars seinem Vater. Gemeinsam stiefelten sie in den Stall und ich verblieb mit den beiden Mädels vor dem Stall.
      “Wir haben sechs Schlafplätze, vier im Transporter und zwei im Hänger. Wo wollt ihr hin?”, brachte ich das nächste wichtige Thema voran, ohne den Blick vom Becher in meiner Hand zu lösen.
      “Transporter”, äußerte Lina sich knapp. Zu beschäftigt war sie damit, die Kartoffelstreifen in sich hineinzustopfen.
      “Planst du etwa etwas, um den Anhänger zu bekommen?”, scherzte Nour und bediente sich bei dem Zwerg. Mit vollem Mund brummte sie eingeschnappt, zog die Pappe aus ihrer Nähe.
      “In einem Hochbett? Klar, immer”, schmunzelte ich.
      “Ich glaube, wenn Vriska Zweisamkeit wünscht, gäbe es schönere Orte”, nuschelte die Kleine.
      “Ach, glaubst du das? In der voll gestellten Box oder den Aufenthaltsraum, der rein optisch seit den Achtzigerjahren nicht mehr renoviert wurde?”, hackte ich weiter nach.
      “Ich denke, die Optik der Räumlichkeit ist im Zweifel irrelevant”, entgegnete sie.
      „Ihr habt wirklich Probleme, hat das euch schon mal jemand mitgeteilt?“, schüttelte Nour belustigt mit dem Kopf, „wir sind wegen anderen Dingen hier. Also Hop.“
      Gerade als sie sich umdrehte und in den Stall laufen wollte, kam Bruno herausgelaufen mit Mill, die eine von den grünen Gesichtsmasken über den Kopf gezogen hatte. Die glänzende schwarze Stute erinnerte an ein Alien, dass den Weg nach Hause nicht mehr fand.
      „Du hättest wenigstens die Schwarze nehmen können“, rief ich ihm nach, aber er reagierte gar nicht darauf, sondern fuhr den Weg zur Bahn hoch.
      “Er beabsichtigt wohl aufzufallen”, lachte Lina.
      “Meine Güte, als würde ein Schecke nicht schon genug Aufmerksamkeit auf sich ziehen”, schüttelte ich den Kopf und folgte schließlich auch in den Stall. Lars saß in dem hässlichen Raum, mit dem Handy in der Hand und grinste.
      “Lina, noch einer, der nach Zweisamkeit sucht”, rief ich durch die Stallgasse und lachte diabolisch. Meine Neugier war heute besonders groß. Ich versuchte ihm das Gerät aus der Hand zu ziehen, aber im selben Augenblick sperrte er es und damit verlor jede Chance auf mehr Informationen.
      “Bist du etwa ansteckend mit deinen Zielen?”, scherzte sie und trat von Neugier getrieben in den Raum ein.
      “Warum denn jetzt ich? Nour hat mir die Worte in den Mund gelegt und du hast dich zuvor bereits nach schöneren Orten umgesehen”, stellte ich empört klar.
      “Habt ihr etwas genommen? Das fängt schon gut an”, packte er sein Handy in die Hosentasche, als würde mich das aufhalten. Spitz grinste Lars und verschränkte die Arme vor der Brust, dass sich der Stoff an den Schultern spannte.
      “Nein, nur der normale Wahnsinn”, sprach die Brünette mit engelsgleichen Grinsen.
      “Also ich weiß, was bei ihm läuft”, kam Nour zur Tür hinein. Natürlich wusste sie es. Nur ihr Bruder entgleisten die Gesichtszüge.
      “Kannst du gar nicht wissen”, verhaspelte er sich beim Sprechen und verlor an Selbstsicherheit.
      “Die junge Dame befindet sich, ich vermute mal ganz stark, in der Nähe und würde dich gern wieder sehen”, wirkte es sehr überlegt, wie sie die Worte wählte. Zur Sicherheit blickte ich zu Lina, ob sie auch bemerkte, wie Lars rot anlief und sein Gesicht versuchte in den Händen zu verstecken.
      “Oha, sag’ nicht, dass du so etwas wie Verliebtheit verspüren kannst”, staunte ich aus vollem Herzen.
      “Dabei bist doch du die mit den Hexenkräften”, scherzte Lina, schien aber ebenso beeindruckt wie ich von Nours Informiertheit.
      “Ihr seid lästig”, beschwerte er sich und sprang beinahe panisch vom Stuhl auf.
      “Wenn du etwas sagst, bist du heute das letzte Mal Walker gefahren”, hörte ich Lars seine Schwester einschüchtern.
      “Zum Glück, darfst du das nicht allein bestimmen”, klärte ich ihn auf, aber er ignorierte uns ab dem Punkt konsequent.
      “Eine Zicke”, schüttelte sie den Kopf und nahm auf dem vorgewärmten Stuhl Platz.
      “Bestimmt die Hormone”, kicherte Lina in sich hinein und wirkte bestens unterhalten.
      Die Geschwister machten ihre Pferde fertig, mit der einfachsten Ausstattung, um möglichst als die Ersten im Heat zu sein. Aus den Gesprächen faste ich auf, dass Lars nicht auf die Bahn wollte, sondern die Trainingsstrecke plante zu nutzen.
      “Wie sieht mein Plan für heute aus, wann soll ich wo sein?”, nutzte Lina die Gelegenheit ihre Aufgaben in Erfahrung zu bringen. Aus meiner Tasche holte ich das Handy heraus und zeigte ihr die sehr lange Notiz. Dabei erläuterte ich möglichst genau, wo sie wann sein sollte. So begleitete sie Bruno und Mill von der Bande aus, sollte er Hilfe benötigen, denn ich musste mit dem mächtigen Falben fahren. Zwischendrin wechselte sie mit Nour ihre Position und bekam die Pferde zum Duschen, so wie in dem Moment. Bruno kam mit dem Alien zurück, das mit weit aufgerissenen Augen und Nüstern zu mir sah.
      Ich zeigte Lina, auch wenn es vermutlich nicht nötig war, wie man die Startnummern löste und den Sulky. Diesen schob Bruno an das Ende des Gangs. Gleichzeitig machte ich die Stute in der Waschbox fest, entfernte auf Zehnspitzen den Gurt und schließlich die Trense. Mit dem Schlauch spülte ich den Schweiß aus dem Fell und übergab Lina das Schweißmesser, um die Abschwitzdecke von Mill zu holen – oder zu suchen.
      “Wir hatten doch Mills Decke eingepackt, oder nicht?”, fragte ich Bruno und wühlte währenddessen in der durchsichtigen Kiste herum.
      “Eigentlich schon, zumindest hatten wir die gestern noch in der Hand”, erklärte der ältere Mann.
      “Hab sie”, hob den Fleece triumphierend in die Luft und legte ihn über das Pferd.
      “Du führst sie jetzt so lange, bis sie normal atmet und abgehustet hat”, drückte ich meiner Kollegin den Strick in die Hand.
      “Okay, bekomme ich hin”, nickte sie und setzte sich mit dem Schecken in Bewegung.
      Es fühlte sich an, wie die Ruhe vor dem Sturm. Auf dem Gelände der Rennbahn begann reges Treiben. Aus den roten Ställen rollte ein Fahrer nach dem anderen und erst, als ich den Rapphengst am blauen Sulky aus dem Trakt nebenan bemerkte, wurde ich mir bewusst, dass der Transporter nicht einfach abgestellt wurde, weil hier genügend Platz war. Wie von einer Tarantel gestochen, sprintete ich zum Tor hinein, um möglichst unbemerkt zu bleiben.
      „Was denn mit dir los?“, wunderte sich Lars, der gerade sein Dress überzog.
      „B-Basti“, brummte ich verwirrt und ließ mich auf der Eckbank fallen.
      Er grinste.
      „Was hast du erwartet? Dass er sich nach der Aktion zurückzieht?“
      Lars hatte recht, aber ich dachte nicht einmal darüber nach, wie es weitergehen würde, sondern verspürte einzig den stechenden Schmerz in der Magenregion.
      „Ich weiß auch nicht“, gab ich zu.
      “Na also, aber bitte entspann dich. Atme tief durch, rauche noch eine und dann machst du Shaker fertig”, schlug er vor, bevor er selbst mit Lina und Bruno zur Bahn lief.
      Das Rennen begann und im Fernseher des Raumes tönte der seltsame Ansager, der diese kleine Veranstaltung deutlich zu ernst nahm. Neben mir zitterte der Fuchsfalbe, den Nour von Anfang an mit Watte ausgestattet hatte. Beruhigend strich ihm über die Brust, aber das Pferd stand vollkommen unter Strom, kaum möglich, den ruhiger zu bekommen. Immer stand er, und tänzelte nicht wie die Stute zuvor von einer Seite zur anderen. Lars kehrte zurück, als ich gerade die Trense anlegte.
      “Vergiss das Capi nicht”, sagte er und reichte mir das Stück Stoff. Bis heute hatte ich den Sinn dieser Dinger nicht verstanden, aber er wusste schon, wieso ich es benutzen sollte. Beim Anspannen des Sulkys half er mir noch, dann schloss ich den Helm und führte das nervöse Pferd hinaus. Mit weit aufgespannten Augen sah sich der Hengst um. Mittlerweile sank die Sonne Richtung Horizont, stand allerdings noch hoch genug, um das Gelände zu erhellen. Kaum saß ich im Sulky, verflog die Aufregung und ich lenkte den Weg zur Bahn ein. Zusammen mit anderen Fahrern bewegte ich ihn im mäßigen Trab über das Geläuf auf der rechten Hand in der äußersten Spur. Einige Gesichter und Pferde kamen mir bekannt vor, aber genaue Namen fielen mir dabei nicht ein. Lina und Bruno waren wohl schon am Stall, zumindest traf ich sie nicht mehr.
      > Parad om tre minuter.
      “Parade in drei Minuten”, hämmerte es durch die Lautsprecher und ich lenkte den mittlerweile ruhigen Fuchs zum Ausgang. Stolz auf ihn klopfte ich seinen Po.
      “Viel Erfolg”, rief ich Lars noch zu, der mir einige Meter entgegenkam.
      Der stressigste Teil folgte nun. Bruno spannte für mich Humbria an, die von allen Pferden am ruhigsten wirkte. Ihre Augen schlossen sich langsam und die Ohren drehten nur bei besonders lauten Geräuschen. Lina nahm mir den Hengst ab, als der Sulky ab war, den ich bei meiner Stute im Gurt einklinkte.
      „Toots“, jammerte ich, dass sie zum wiederholten Mal sich in die Leinen drückte und mir das Leder durch die Finger zog. Lange war nicht mehr derart dankbar, dass ich Handschuhe trug. Eigentlich nahm ich mir vor, erst etwas Schritt zu fahren, aber von meinem Vorhaben hielt sie gar nichts. Wie auf Autopilot geschaltet, trabte sie nach der zweiten Kurve an. Ohne auf jegliche Hilfen zu reagieren, ging es für mehrere Runde voran. Verzweifelt sah ich mich auf dem Geläuf um, aber im Gegenlicht war es schwierig, jemanden zu finden, der mein Pferd stoppen könnte. Humbria raste nicht, ganz im Gegenteil, der Takt war klar und das Tempo entspannt. Dennoch fühlte ich mich hilflos ausgeliefert auf dem Sitz. Zeitgleich zur Ansage des nächsten Rennens konnte ich mich durchsetzen. Als wäre nichts gewesen, lief Humbria die letzten Meter zum Ausgang im Schritt, wartete sogar geduldig, als die Teilnehmer hineinfuhren.
      Mit einem Kopfnicken signalisierte ich Nour, dass sie es schaffen würde. Sie zog sich den Schlauchschal über den Mund und trabte an. Die Parade begann. Kaum verließen das Geläuf, hörte ich meinen Namen hinter mir.
      „Du siehst toll aus im Wangen“, strahlte Alexa und umarmte mich kurz. Zum Glück begegnete ich sie nicht mit Shaker, der hätte weniger gelassen auf jemand Fremdes reagiert.
      „Danke dir, und, was ist mit eurem Pferd?“, fragte ich freundlich, nach dem ich bereits wusste, dass Mads demnächst mit Meltdown starten würde. Ich hatte die beiden auf dem Geläuf bemerkt. Das Tier war ein hübscher Schimmel, viel weiß, mit ein paar dunklen Sprenkeln im Fell.
      „Der war so toll im Heat, aber so sehr ich die beiden Jungs auch liebe – gegen Netflix werden sie keine Chance haben“, lachte sie.
      „Sag‘ das nicht. Wir haben Alfi im Rennen und der ist ein mächtiges Tier“, stachelte ich.
      Ein diabolisches Grinsen lag auf ihren Lippen.
      „Über euren Hengst aus Neuseeland wird tatsächlich viel gesprochen. Denkst du wirklich, dass er den Rappen schlagen kann? Ich meine, seine letzten Formen waren nicht so vielversprechend“, konterte Alexa wissend. Mist, sie hatte sich offenbar mehr mit dem Starten befasst als ich.
      „Wir werden sehen“, lächelte ich und klopfte Humbria den Po. Noch immer stand sie still, musterte nur aufmerksam die Umgebung, als wäre nichts vorgefallen beim Heat.
      „Aber lass die Rennpferde für einen Augenblick ruhen. Ich will Happy!“, platzte es aus ihr heraus.
      „Super, da freue ich mich sehr für euch, aber ich muss in den Stall. Shaker will angespannt werden“, drängelte ich, schließlich begann gleich das dritte Rennen.
      „Ich wollte dich nicht weiter aufhalten. Viel Erfolg! Wir reden später weiter, habe gehört, du hast nachher Geburtstag“, sprach sie freundlich, konnte natürlich nicht ahnen, wie schwer das Thema für mich war.
      „Das stimmt, aber keine große Sache“, winkte ich ab und setzte die Stute schließlich in Bewegung.
      Aus der Kammer hörte ich lautes Schimpfen. Lars saß wieder auf dem Stuhl und schaute zum Fernseher. Das Rennen seiner Schwester begann im selben Moment. Wenn ich richtig erkannt, drängte ein anderer Fahrer sie direkt nach dem Start ab. Moonwalker lief besser, wenn er die erste Position hatte.
      „Sie schafft das“, munterte ich ihn auf, aber er hörte nicht zu. Stattdessen keifte Lars weiter, als würden wichtige Dinge davon abhängen. Lina stand ebenfalls in der Tür, fieberte mit deutlich weniger Elan dem Rennverlauf mit. Genauer gesagt blickte sie auf den Bildschirm, die Arme verschränkt und schwieg.
      „Komm schon“, donnerte es im Raum und nach einem Atemzug der Ruhe, brach Freude aus. Sieg. Lars griff sich seine Jacke und sprang hinaus, lief mich dabei beinah um. Aber ich konnte mich noch an den Halteseilen festhalten.
      Meinen Sulky stellte ich vor dem Gebäude ab, holte den anderen bereits rein. Glücklicherweise dachte Lina mit und duschte Humbria bereits ab, auch wenn ich das selbst machen wollte.
      “Scheint heute gut zu laufen für euch”, lächelte Lina, den Wasserstrahl auf das dunkle Fell der Stute gerichtet.
      „Bisher schon, das stimmt“, nickte ich. Shaker nahm ich die Decke ab und putzte die Gurtlage noch einmal über, bevor ich ihm alles anlegte. Freudestrahlend kam Nour an, in der Hand zwei Schleifen – eine für den Züchter und eine für sie.
      „Herzlichen Glückwunsch“, sagte ich, bevor eine wilde Umordnung der Pferde begann. Wie bei einem Basar tauschten wir einander die Stricke aufs, eins lief raus, während das andere angebunden wurde. Mittlerweile schätzte ich den Luxus im heimischen Stall mit den breiten Gängen und separaten Putzbereichen. Jeden Tag so einem Gewusel ausgesetzt zu sein, würde auch die Tiere stressen.
      „Vivi, du kommst doch mit hoch, oder?“, sprach Nour, als Lars bereits den Fuchs hinausführte und auf den Sulky sprang.
      “Aber es ist so kalt und wir haben hier doch die Übertragung”, jammerte ich.
      “Du klingst, als sei es tiefster Winter, was ist denn mit dir los?”, runzelte Lina die Stirn.
      “Alfi geht gleich in den Heat”, erklärte ich kurz gebunden.
      “Ach, den schaffe ich allein. Der Lars freut sich sicher, wenn du da bist”, mischte sich auch Bruno ein, der im Raum am Tisch saß und vom Apfel abbiss. Seine Tochter stand weiterhin am Ausgang und sah mit stechendem Blick in meine Richtung.
      “Ich fürchte, Nour wächst da fest, wenn du nicht mitkommst”, unterstütze Lina sie nach Kräften. Flüchtend huschten meine Augen durch den Raum. Innerlich zerriss es sich. Sosehr ich Basti sehen wollte, so sehr schmerzte auch der Gedanke, noch weiter in Nellys Radar zu rutschen. Die Gefahr war groß, dass über uns gesprochen wurde, mehr Leute von meinem Interesse an ihm wussten und ich das Gespött der ganzen Bahn darstellte. Zu gleichen Teilen wollte ich den Hengst im Rennen sehen, aber die Angst klammerte an mir.
      „Sie ist betreut die Kinder im Stall“, sprach Nour die richtigen Worte aus, als hätte sie meine Gedanken lesen können. Wie ferngesteuert, bewegte ich mich aus dem Stall, folgte ihr bis zum Geländer. Tatsächlich sah ich niemanden aus dem Stall nebenan, generell schwebte eine gespenstische Leere am Geläuf. Die Fahrer fuhren gerade die Parade und Lars war der nächste. In wenigen Worten wurde unsere Nachzucht vorgestellt.
      “Ganz ruhig, das wird schon“, stupste mich die große Dame an und grinste dabei breit. Hinter uns kamen Schritte näher. Panisch drehte mich um, rechnete mit dem Schlimmsten, aber es war Lina, die wohl nicht allein mit dem älteren Herrn im Stall bleiben wollte.
      “Bin nur ich, kein Grund zur Beunruhigung”, sprach sie freundlich und gesellte sich zu uns.
      Bevor ich auf sie eingehen konnte, erblickte ich ihn. Aus dem Kurvenbogen trabte Basti, ein hübsches, tiefschwarzes Pferd am Wagen. Am Schweif hingen einige weiße Strähnen, die auf einem winzigen Fleck herauskamen. Seine hohen Beinabzeichen waren hinter Beinschutz versteckt. Ole kannte ich bisher nur aus Erzählungen und Bildern. Er trug viel Potenzial im Blut.
      Meine Augen hingen an den beiden und Basti bemerkte es auch. Mit leichtem Zupfen bremste er Ole ab, trabte etwas näher an uns vorbei. Auf seinen Lippen zuckte ein minimalistisches Lächeln, aber ich sah es. Peinlich berührt drehte ich ihm den Rücken zu und senkte den Kopf zu Boden, um Gefühle zu verschleiern.
      “Deshalb so nervös, verstehe”, murmelte die Kleine leise, konnte das Schmunzel auf den Lippen nicht verbergen, obwohl sie noch auszumachen schien, ob diese Begegnung als positiv oder negativ zu kategorisieren war. Die Fahrer wurden durch die Lautsprecher zum Startwagen gebeten und stellten sich der Startnummer entsprechend auf. Für Shaker war die Position vorteilhaft. Kaum fuhr das Fahrzeug vor den Startern davon, setzte unser Fuchs wie eine Rakete voran. Nach einer Runde verlor er seinen aufgebauten Vorsprung binnen Sekunden. Ein Brauner mit auffälliger braun-grüner Ausstattung überholte ihn, dann folgten zwei weitere Pferde, aber noch war die Chance auf Sieg nicht vertan. Die letzte Runde begann und das Renngeschehen wurde interessanter. Nour neben mir schrie wie ein abgestochenes Schwein und andere Leute feuerten ebenfalls ihre Fahrer an. Dann setzte plötzlich Basti an, der bisher die vorletzte Position einnahm. Er wechselte in dritte Spur und flog wie auf Autopilot an allen vorbei, gewann mit Weile. Lars erkämpfte sich den zweiten Platz, auch eine hervorragende Leistung.
      „Das war mal wirklich ein spannendes Rennen“, resümierte Lina ihren Eindruck, die in der Regel eher schwer von dem Geschehen auf dem Geläuf zu begeistern war. Allerdings hatte keiner von uns sie dazu gezwungen hier draußen bei knapp zehn Grad Celsius zu stehen und dem Wind im Gesicht. Alle Fahrer beendeten ihre angefangene Runde, selbst Basti, der eigentlich zum Winners Circle sollte. Tatsächlich fuhr er verdächtig nah in unsere Richtung und stoppte aus nicht ersichtlichen Grund vor uns. Von Panik überkommen, schnappte ich nach Luft und fiel beinah um, als er meinen Namen sagte.
      „Los geh“, tippte mich Nour an. Ich wusste nicht, was er noch formuliert hatte, aber stieg pflichtbewusst über die Bande.
      „Kannst du bitte den Scheck abmachen?“, bat er mich freundlich. Im wahrsten Sinne des Wortes wäre Nour dieser Aufgabe eher gewachsen als ich. Wie ein Äffchen angelte ich mich zum Gurt hinauf, um den Karabiner zu lösen und am äußeren Gebissring zu befestigen.
      „Danke dir, bis gleich“, grinste Basti mir zu, bevor er Ole antrabte und Richtung Tribüne manövrierte. Angewachsen stand ich auf dem Geläuf, blickte ihm verwirrt nach und wusste nicht, wie es weiterging. Die Gefühle überschlugen sich, denn offenbar sollte ich auf ihn warten, aber ich hatte nicht die Zeit, schließlich wollte ich in wenigen Minuten Humbria für den nächsten Heat anspannen. Lars, der sehr zufrieden mit der Leistung wirkte, fuhr vom Geläuf, begleitet von Nour, die ausgiebig den Hengst lobte.
      „Kommst du mit?“, fragte Lina, die ein wenig unschlüssig am Rand herumstand und den anderen beiden hinterher schielte.
      „Basti hat gesagt, dass ich warten soll“, formulierte ich seine Worte etwas um. Skeptisch sah mein Kollege zu mir.
      „Vivi, bitte lass ihn in Ruhe“, appellierte dieser, die Stimme deutlich.
      „Hau ab, du hast keine Ahnung“, zischte ich zunehmend verärgert. In meinen Ohren klang es, als wäre ich diejenige gewesen, die auf ihn zukam, was in der Form falsch war.
      Lars schüttelte den Kopf und setzte Shaker in Bewegung. Dicht gefolgt von seiner Schwester, verlor ich beide aus den Augen, bemerkte nur, dass Lina noch immer bei mir blieb. Sicherheitshalber prüfte ich, ob sich Gesichter aus dem Nachbarstall, aber fand niemanden. Generell waren wir die letzten beiden am Geläuf.
      Vollgepackt kam Basti zurück. Ich nahm ihm die Sachen ab, die er mir gab. Über beide Ohren grinste er und auch mir fiel es schwer, den Blick abzuwenden. Wie an allen anderen Tagen auch raubte er mir den Atem. Sein Gesicht war frisch rasiert und ich konnte einen Rest Geruch von Aftershave wahrnehmen, der mir bei der kurzen körperlichen Nähe entgegenkam.
      „Es tut mir leid“, sagte Basti nach kurzen Schweigen und hielt Ole an, „das hätte in der Form nicht passieren dürfen.“
      „Wovon sprichst du?“, stellte ich mich blöd.
      „Generell“, seufzte er und spielte offenbar auf etwas ganz anderes an.
      „Wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben willst, hättest du mich auch weiter ignorieren können“, schlug ich verärgert vor, im Begriff, ihm seine Sachen wiederzugeben, aber er runzelte die Stirn.
      “Es ist nicht so einfach, wie du dir das vorstellst”, sagte Basti. Ole setzte sich wieder in Bewegung und schnaubte dabei ab. Im Licht der untergehenden Sonne glänzte das verschwitzte Fell in verschiedenen Farben. Sanft tätschelte ich seinen Hals und folgte den beiden bis zum Stall. Den gesagten Worten gegenüber schwieg ich. Alexa stand bereits mit ihrem Mann am Eingang, musterte uns ausgiebig. Ich überreichte ihr die Sachen, versuchte dabei möglichst neutral zu schauen. Mads begleitete sein Bruder ins Innere.
      “Du bist auf sehr dünnen Eis unterwegs”, stellte Alexa gedrückt fest.
      Zustimmend nickte ich. Ohne weiter nachzudenken, drehte ich ihr den Rücken zu, um in den eigenen Stall zu gehen. Lina folgte mir noch immer, ebenso still. Der Tagesplan lüftete sich langsam. Alfi war im Heat mit Bruno, dann folgte das fünfte Rennen, in dem wir keine Pferde hatten und darauf mein Heat mit Humbria. Die Stute hatte ihren Kopf auf der Box abgelegt und ihre Augen drehten verschlafen.
      “Ich denke, ich fahre keinen zweiten Heat”, sagte ich zu Lars, der im Gang stand und seine Schwester beobachtete.
      “Wenn du meinst”, murmelte er desinteressiert.
      “Du machst das sicher richtig”, zeigte wenigstens Lina Interesse an meinen Worten.
      Als wäre die Gesamtsituation nicht weit genug im Keller, stand im nächsten Moment Nelly in der Tür. Freundlich grinste sie und alle an. Selbst mich, die sie am liebsten umgebracht hätte. War das Thema geklärt oder hatte sie auch Stimmungsschwankungen? Etwas in mir, wollte dem auf den Grund gehen, aber dazu kam es nicht.
      „Lars, hast du einen Moment? Mads benötigt deine Hilfe“, fragte sie meinen Kollegen, der sofort reagierte und nickte. Ohne weitere Nachfragen folgte er. Ich sah den beiden interessiert nach, während Humbria aus dem Schlaf erwachte und an einer meiner Dreadlocks zog.
      „Aua“, meckerte ich und drückte das Pferd weg. Die Stute richtete sich auf, blickte mich vollkommen unschuldig an.
      „Ja, ja. Du bist dir auch keiner Schuld bewusst“, merkte ich pikiert an.
      “Das sind sie immer”, lachte Lina und bewegte sich neugierig in Richtung des Stalleingangs, als könne man dort mehr sehen. Aber auch ich konnte nichts erkennen. Vermutlich waren sie schon im Stall verschwunden. Eingeleitet von schrillen Wiehern und Hufen am Holz galoppierte ein nervöser Fuchs aus dem Tor. Wie Ameisen strömten Leute hinaus und versuchten das verängstigte Tier einzufangen. Doch das trieb ihn nur noch mehr in Richtung Bahn und Ausgang.
      “Oh, das ist nicht gut. Da sollten wir helfen”, sprach Lina aufgeregt und zog mich hinaus.
      „Wir wirken nicht so, als könnten wir viel tun“, merkte ich an. Der Fuchs verfing sich mit dem Strick unter seinem Huf, begann noch panischer den Kopf hochzureißen. In seinen Augen lag Schmerz und Todesangst. Von der Seite kamen Menschen dazu, als wüsste er, dass er zurück in die Box musste, sprang er zur Seite und wieder los. Es wirkte nach einem sieglosen Kampf, ihn zu fassen zu bekommen.
      “Sagst gerade du mit deinen magischen Fähigkeiten”, entgegnete sie und beobachte mit sorgenvoll die ungeschickten Versuche der Umstehenden. Viel zu hektisch sprangen sie um das nervöse Tier herum, wodurch es nur noch mehr in Stress geriet.
      „Bestimmt, ich pfeife einmal und dann kommt er her“, lachte ich. Um ihr zu demonstrieren, wie blöd die Idee war, steckte ich mir Daumen und Zeigefinger in den Mund. Ein helles Pfeifen huschte über meine Lippen. Aufmerksam drehte der Hengst die Ohren nach vorn. Er stand wie eine Eins und blickte in unsere Richtung. Im Trab kam er an. Ganz im Ernst, es wirkte vollkommen surreal, als wäre ich die Hauptfigur in einem Kinderfilm. Der abgerissene Strick hing noch am Halfter, diesen griff ich. Fuchsi stammte den Kopf nach oben. Er wich meiner Hand aus, aber er folgte ruhig.
      “Wow, cool”, staunte Lina. Dass es so simpel war, lag wohl nicht in ihrer Erwartung.
      „Damit habe ich nicht gerechnet“, gab ich offen zu und bewegte ihn möglichst ruhig zum Nachbarstall, vor dem bereits das ganze Team stand. Mit halb offenem Mund schaute mich Basti an, als hätte ich ein Wunder bewirkt. Für einen Augenblick standen wir einander gegenüber. Ich wartete darauf, dass er mir das Tier abnahm.
      “Möchtet ihr euer Pferd nicht zurückhaben? Er sieht soweit unverletzt aus”, übermittelte ich ihm mein Urteil.
      “Äh, Danke. Ja”, nahm er ihn am Halfter. Kaum hatte ich losgelassen, legte er wieder die Ohren an und schnappte. Basti machte sich nichts daraus, sondern stellte ihn in der Box ab. Wenn ich schon mal hier war, warf ich einen flüchtigen Blick durch den vollen Stall. Der Aufbau ähnelte dem unseren, aber es gab zwei Zugänge. Das Team hatte deutlich mehr Pferde dabei und trennte dabei die Aufgänge nach Geschlecht. Als ich den Stall verließ, kamen mir Nelly und Lars entgegen, die sich einander etwas zuflüsterten und lachten. Dabei warf sie mir einen Blick von oben nach unten zu. Mein Kollege schob sie ein Stück von mir weg.
      “Das siebte Rennen beginnt jetzt, also kannst du Humbria anspannen”, rief er mir noch zu. Ich prüfte nicht einmal, was er mit der blonden Kuh unternahm, sondern lief direkt in unseren Stall.
      „Du bist ein Wunder“, war Lina noch immer hellauf begeistert und folgte mir wie eine Motte dem Licht, „Wie machst du das nur immer? “
      „Ich denke daran, was ich möchte und gehe auf die Bedürfnisse ein. In seinem Fall gab ihm Raum und Ruhe. Vermutlich war er auf der Suche nach Sicherheit“, erläuterte ich meine Annahme.
      Humbria döste wieder in der Box und ich entschied, darin ihre Sachen anzulegen. An der Brust löste ich die Decke, um die über den Rücken hinweg wegzuziehen. Sie zuckte, als das Metall ihr Bein berührte. Die Brünette murmelte etwas Unverständliches, dann seufzte sie: “Das klingt so einfach.”
      Sie reichte mir den Gurt und Vorzeug, auf dem unser Stallname stand. Noch immer war ich von dem Ding nicht überzeugt, denn grün sah auf ihrem Fell nicht gut aus.
      “Es war nur Glück”, stellte ich nüchtern fest. Im Kopf hatte ich weiterhin den Moment, in dem Nelly Lars zuflüsterte und beide lachten. Worüber sprachen sie und was war so lustig? Der Hengst hatte mächtige Angst vor dem Team, da wollte ich besser nicht wissen, was im Stall passierte. Ich schüttelte mich. Humbria wurde wacher und schaute aufmerksam auf meine Handgriffe, bis ich sie schließlich hinausführte und den Sulky anhing.
      “Dann nimm dein Glück mal mit ins Rennen”, sprach sie und tätschelte der dunklen Stute den Hals.
      “Ich versuche es”, versuchte ich meine fehlende Motivation zu überspielen.
      Kaum saß ich im Sulky, fuhr ich zum Start. Humbria lief gut an, hatte aber in der Parade zuvor Schwierigkeiten im Takt. Sie berührte mit dem Hinterbein das Gestell. Im richtigen Augenblick beruhigte ich sie. Kaum setzte sich das Startauto ab, legte die kanadische Stute einen kurzen Sprint ein, um den ersten Platz zu erobern. Ihre Hufe setzten mit Schmatz-Geräuschen durch den feuchten Sand. Die Schilder vom Gurt rattern, wie auch die Räder unter mir. Fahrer schrien ihre Pferde an, wovon Humbria nur noch mehr an Geschwindigkeit gewann. In der ersten Runde gab ich mehr Paraden, aber als die letzte anstand und wir im letzten Bogen ankamen, durfte sie selbst entscheiden. Bedrohlich nah kam mir im Stutenrennen ein braunes Pferd, das ich vorhin bereits als Konkurrenz ansah. Prüfend sah ich zur Seite, Angst davor, dass mir jemand zu nah kam. Stattdessen erblickte ich etwas anderes. Einen kräftigen Stich spürte ich in der Magenregion – mein Ein und Alles stand bei Lina, lachte herzlich. Plötzlich fühlte es sich an, als wiederholte sich die ganze Geschichte. Wieder würde ich in den Hintergrund rücken, nur, weil sie mehr zu bieten hatte als ich. Gefangen im Karussell realisierte ich nicht, dass der Braune mir bedrohlich nah kam. Auf Humbrias Po schnellten die Leinen, da legte sie noch etwas mehr an Tempo zu und holte damit den Sieg. Jeder würde sich darüber freuen, schließlich war es nicht wenig Geld, aber die blinde Eifersucht vernebelte meine Sicht. Im Winnercircle beantwortete ich geduldig alle Fragen, bekam Lob, dass die Stute vorbildlich stand. Das alles nutzte nicht viel, denn der Tag war versaut.
      Mit grimmigem Blick setzte ich mich zurück in den Sulky, versuchte dennoch, nett zu schauen. Am Tor hatten sich mittlerweile auch Nour und Lars dazu gesellt, nur unsere blonde Freundin fehlte.
      “Einwandfrei”, grinste mein Kollege und lobte Humbria am verschwitzten Hals.
      “Glückwunsch, scheint, als sei das Glück dir heute mehr als wohl gesinnt”, strahlte auch Lina.
      „Ja, passt“, sagte weniger begeistert. Basti ignorierte ich konsequent, aber sagte auch nichts, sondern folgte wie der Rest der Truppe zum Stall.
      Mit einer Erwartungshaltung standen sie in der Tür, beobachten meine Handgriffe, als sei ich ein Außerirdischer. Selbst Humbria war die Situation nicht ganz koscher und legte die Ohren an. Sanft nahm ich die Trense ab, wissend, dass sie an den Ohren sehr empfindlich war. Die Watte zog ich selben Handgriff hinaus. Sie schüttelte sich und schnaubte ab.
      „Was ist denn mit euch?“, fragte ich schließlich, als Basti schon verschwunden war. .
      “Man fragte, ob du Zeit für ein Trainingspferd hättest”, sprach die Kleinste der Dreien undefiniert.
      “Nicht auszuschließen, aber einen Hengst nehme ich nicht mehr”, dachte ich laut nach. Die Arbeit mit Happy war nervenaufreibend und Lars verstärkte mich in der Sicht, dass ich mit Stuten besser klarkam. Natürlich konnte man es nicht pauschalisieren, Charakterzüge auf das Geschlecht beziehen, aber bisher begegneten mir viele launische Stuten, die ich sehr mochte.
      “Da wird Basti aber enttäuscht sein, wenn er das hört, aber wenn du nicht willst”, zuckte sie mit den Schultern.
      “Tja, wenn er lieber mit anderen über mich spricht, muss er damit leben”, zickte ich vollkommen übergeschnappt und begann die Stute abzuspritzen. Lars holte zur gleichen Zeit Eifel heraus, mit der er im vorletzten Rennen antreten würde. Wenn das Pferd geschafft war, endete der Renntag bereits. Bruno hatte schon das Auto genommen und fuhr nach Hause.
      „Ist ja okay, kann ich ja nichts für“, murmelte sie verstimmt und verzog sich in den Aufenthaltsraum.
      Super Vriska, wieder jemanden vergrault, dachte ich. Der Stute legte ich die Decke um und verschwand mit ihr am Strick, um sie zum Abhusten zu animieren. Humbria war nicht mehr die Jüngste. Aus der Vergangenheit spürte man deutlich, dass der Umgang nicht ganz fair war. Manchmal hörte man ein Rasseln der Atmung und sie schnappte nach Luft. Deswegen überließ ich es ihr, wie sie das Tempo im Rennen einlegte. Dass sie umkippt, wollte ich nicht.
      Über den ganzen Platz führte ich Humbria. Viele der Teilnehmer verluden bereits ihre Pferde, während andere nach Hause fuhren. Ich entdeckte einen Stall, in dem getrunken und gefeiert wurde. Die würden wohl auch über Nacht bleiben. Der Transporter davor verriet mir, dass sie aus Göteborg kamen. Hoffentlich wusste Erik nichts davon. Ich schmunzelte in mich hinein, schließlich war der Gedanke absurd, dass es ihn oder mich in einer Weise beeinflussen würde.

      Eifel hatte einen guten vierten Platz eingefahren, nicht besonders schlecht angesichts ihres mittelmäßigen Trainingstandes. Ihre Besitzer hatte Lars am Telefon gesprochen, diese waren zufrieden und freuten sich. Wir saßen mittlerweile im Transporter, hatten den kleinen Ofen eingeschaltet und Getränke gereicht. Wieder einmal jammerte die Truppe über Hunger. Nur ich, die bisher nur von Kaffee und Zigaretten lebte, hatte diesen nicht. Die gähnende Leere in meinem Magen war allgegenwärtig, aber mir mein bester Freund. Ich brauchte die Krämpfe im Bauch, Druck auf dem Unterrücken und einen unangenehmen Geschmack im Mund. Das Grummeln hörte ich schon gar nicht mehr.
      “Wie wäre Pizza?”, fragte Nour, die auf ihrem Handy scrollte und schaute, was in der Nähe war und lieferte.
      “Das essen wir andauernd”, wendete ihr Bruder ein, der kritisch zu mir sah. Ich schwieg schon eine gewisse Zeit, hatte zu keinem Thema etwas zu sagen.
      „Pizza wäre schon cool“, äußerte sich auch Lina dazu.
      „Gut, Vivi es liegt an dir. Was willst du essen?“, versuchte Nour mir eine Antwort zu entlocken, aber ich zuckte mit den Schultern. Mittlerweile hatte ich auch mein Handy in der Hand, scrollte meine Timeline durch, bis ich abrupt anhielt. Wieder wurde mir Erik empfohlen und natürlich tippte ich darauf. Sein neues Bild war von Maxou – auf der seine Freundin saß. In mir kochte es. Meine einzige Bedingung in der gemeinsamen Haltung des Ponys war, dass sie nichts mit ihr zu tun haben dürfe. Nun passierte es doch und ich konnte mich nicht zurückhalten. Ich schrieb ihm. Ohne überhaupt eine angemessene Begrüßung zu formulieren, oder auf all die unbeantworteten Nachrichten zu antworten, hielt ich ihm jene Abmachung vor.
      „Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du lebst damit oder du übernimmst sie komplett“, antwortete Erik knapp auf meine Nachricht. Lina, die meine Wut offenbar riechen konnte, schaute mich mit trübem Blick an, hielt ihrer Neugier allerdings Einhalt. Ich musste mich entscheiden, aber was wäre das richtige? Auf den ersten Blick wirkte Moa sehr sanft im Umgang mit dem Pony, aber das war nur, was man online präsentierte. Auf dem Hof könnte es ganz anders sein.
      „Wie geht es dir?“, schrieb er als Nächstes. Seine Versuche, ein Gespräch zu führen, blockte ich direkt ab und schloss den Messengerdienst.
      „Was willst du essen?“, fragte Nour erneut.
      „Nichts“, zischte ich.
      „Was eine Laune“, murmelte Lars gerade so laut genug, dass ich es hören konnte.
      „Wie bitte?“, hakte ich nach und zog die Augenbrauen zusammen.
      „Du solltest dich wieder auf einen Kerl einlassen, so bist du unerträglich“, spezifizierte er seine Aussage.
      „Lars, das ist unfair“, sprach Lina forsch. Ihre sonst zurückhaltende Art war von ihr gewichen und die Verärgerung war deutlich.
      “Das Leben ist unfair und ich nutze die mir gegebenen Hilfsmittel”, zuckte er wenig getroffen mit den Schultern.
      „Das ist noch lange kein Grund, anderen das Leben schwerer zu machen“, brummte sie.
      “Schwer macht sie es sich nur selbst”, diskutierte Lars weiter.
      “Entschuldigung? Ich bin anwesend”, erinnerte ich ihn, aber das berührte ihn nur wenig.
      „Ah, ja und du kannst das so gut bewerten, weil du so gut über ihr gesamtes Leben Bescheid weißt … “, fragte sie sichtlich genervt von seiner unerheblichen Art. Schreiten die beiden ernsthaft darüber, wer mehr über mich weiß, faszinierend.
      „Mädels, kriegt euch ein“, mischte auch Nour sich ein, berührte ihren Bruder am Arm, „sie ist alt genug, um ihr Leben selbst zu regeln. Wenn sie niemanden an sich heranlässt, ist das ihre Sache.“
      „Danke“, murmelte ich.
      „Zurück zu den wichtigen Sachen, Essen“, warf sie ein und legte das Handy in die Mitte, „Lars wurde überstimmt, also gibt es Pizza.“ Lina sagte nichts weiter, teilte nur ihre Bestellung mit, damit schien das Thema für sie erledigt.
      Skeptisch sah der Kerl neben mir auf den Bildschirm, aber wählte schließlich etwas aus.
      Zwanzig Minuten später klopfte es am Transporter.
      „Sie sollten doch anrufen, wenn sie da sind“, rollte Nour mit den Augen und öffnete die Tür, „oh, hallo.“
      Alexa schaute hinein und grinste mich an.
      „Hast du einen Moment?“, frage sie. Ich nickte und holte meine Jacke. Nachdem wir am Tage bereits zweistellige Temperaturen hatten, waren die Minusgrade in der Nacht, ziemlich eisig. Aus Tasche zog ich meine Schachtel.
      „Wegen Happy“, sagte sie und lief weiter. Wir spazierten über das leergefegte Stallgelände, das nur minimalistisch beleuchtet war. Auf den Paddocks zur Rechten standen einige Pferde mit Winterdecke.
      „Wie ist denn die Stallmiete bei euch?“, fragte Alexa, nach dem wir die Konditionen des Beritts besprochen hatten.
      „Wir bieten verschiedene Pakete an, je nachdem, wie viel man nutzen möchte. Dadurch, dass du eine Chipkarte bekommst, lassen sich darüber die Leistungen buchen“, erklärte ich.
      „Ziemlich cool, aber das ist der Grundpreis?“, hakte sie nach.
      „4800 Kronen für Laufstall und Weidegang“, beantwortete ich, „darin enthalten ist bereits die große Reithalle und alle Reitplätze. Wir füttern auch nach Bedarf.“
      „Und wenn ich ihm lieber im Offenstall hätte?“
      „3500 Kronen, auch mit Weidegang und Reithalle. Fütterung muss separat gebucht werden“, erklärte ich weiter, aber seufzte dann, „Happy eignet sich nur zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Wir hatten es versucht, aber in Anwesenheit anderer Pferd frisst er schlecht und steht in der Ecke herum.“
      „Ach so, dann soll er bleiben, wo er ist. Da sah er gut aus“, lächelte sie verstanden. Sie hielt an und zog etwas zur Seite, als würde das Gespräch nun ernster werden. Nervös schluckte ich.
      „Aber jetzt sag‘ mal, wie hast du das gemacht? Mit dem Hengst meine ich“, spielte sie auf Linas Lieblingsthema an.
      „Einfach Glück, mehr nicht“, zuckte ich mit den Schultern.
      „Ich denke nicht. Basti war begeistert, was mir einige Sorgen bereitet“, kaum verließen diese Worte ihren Mund, kamen mir auch welche. Mir blieb die Luft weg, denn ich wusste exakt, was kommen würde – und das passierte auch. Alexa begann mir zu erzählen, wie glücklich er mit seiner Freundin wäre und ich mich zum Frieden aller, etwas zügeln sollte. Sie könnte meinen jugendlichen Leichtsinn nachvollziehen, aber ich sollte den Ernst des Lebens erkennen, dass er Vater werden würde und sie bald heiraten würden. Natürlich brach in dem Moment eine weitere Welt für mich zusammen. All das hatte ich mir im Kopf schon vorgestellt, doch nie, wie ich darauf reagieren würde.
      „Deswegen wäre es schön, wenn du ihn nicht ins Training nimmst, außer du bist wirklich auf das Geld angewiesen“, lächelte sie noch, versuchte wohl freundlich zu sein, obwohl ich heulend vor ihr stand. Es war nicht fair, dass sie darüber mit mir sprach, Basti hätte es mir selbst sagen sollen und nicht seine Schwägerin. Insgesamt fühlte es sich so an, als wüssten alle anderen besser, was gut für den anderen wäre und überließen niemanden selbst eine Entscheidung. Ich bereute, dass sie Happy bekam.
      “Nimm es mir bitte nicht übel, aber er traut sich nicht, mit dir zu sprechen”, fügte Alexa zum Schluss noch hinzu und verabschiedete sich schließlich. Es war eine ziemliche Frechheit, dass sie sich das herausnahm. Aber ich hatte eine Idee. Hastig zog ich mein Handy heraus, tippte Basti eine Nachricht. Sofort las er sie.
      „Training fällt weg, wir geben den ab. Papa möchte das Pferd nicht mehr“, antwortete er.
      „Okay, dann nehme ich den“, schrieb ich ohne große darüber nachzudenken. Es dauerte eine Weile, bis er zurückschrieb. Also tippte, schön es dann wieder zu löschen, bis schließlich „Sicher?“ auf dem Bildschirm leuchtete. Dann folgte noch: „Wir reden gleich persönlich.“
      „Ich sage dir Bescheid, wenn ich Zeit habe. Wie lange bist du noch wach?“, tippte ich in Windeseile, so schnell wie mein Herz in der Brust pochte.
      „Na, ich möchte dir mindestens noch zum Geburtstag gratulieren.“ Mit dieser Mitteilung war es endgültig um mich geschehen. Wie auch immer, ich wollte ihn, egal, wie groß der Preis sein würde.
      Ich klopfte an unserer Tür, bevor ich eintrat. Alle drei saßen am Tisch. Mit entgleisenden Gesichtszügen sahen mich die Geschwister an, vermutlich sah ich so furchtbar aus, wie ich mich fühlte.
      „Lina, Krisengespräch, jetzt“, schrie ich förmlich, meine Stimme nur schwer unter Kontrolle zu halten. Wie ein aufgeschrecktes Reh, sprang sie unmittelbar auf, griff ihre Jacke und schlüpfte in einer flüssigen Bewegung hinein, um sogleich neben mir zu stehen.
      „Was ist passiert?“, fragte sie besorgt. Wie ein Wasserfall betete ich die gesamte Story herunter, bis wir schließlich an dem Punkt ankamen, dass ich den Fuchs haben wollte. Ich atmete tief durch. Der Druck auf meiner Lunge fühlte sich an, als hätte ich vergessen zu atmen.
      „Du bist dir sicher?“, mit ihren großen blauen Augen, sah sie mich an, als wolle sie mich durchleuchten, in mein tiefstes Innerstes vordringen, um die Antwort darin zu finden.
      “Sehe ich so aus”, seufzte ich nasal. Es war nicht klug, aber aus mir unbeschreiblichen Gründen, wollte ich das Pferd. Gleichzeitig holte ich mein Handy heraus und schrieb Basti, dass ich draußen stehe.
      „Nein“, betrachte Lina mich eingehend. Gleichzeitig schien sie meine Worte erneut durchzugehen. Stillschweigend standen wir eine Weile beieinander, während ich wie ein hungriger Tiger meine Kreise lief. Wo blieb der Kerl nur? Alexa war in Richtung Stall gelaufen, doch dort war das Licht aus und das Tor zu.
      „Er hat gesagt, er kommt?", hinterfragte Lina die uns umgebende Dunkelheit, die nicht von einem einzigen Funken durchdrungen wurde.
      „Zumindest gefiel ihm die Nachricht“, sagte ich forsch und prüfte zum wiederholten Mal den Chat. Endlich leuchteten Scheinwerfer auf. Ein Transporter kam angefahren und hielt neben uns an. Am liebsten wollte ich ihn mit all meinen Gefühlen überfallen, aber entschied, dass es nicht der richtige Augenblick war.
      „Kaum zu glauben, dass du den Bock haben willst“, lachte Basti und wuschelte mir durchs Haar.
      „Ey“, rief ich empört. Im selben Atemzug stahl ich ihm sein Cap und setzte es mir auf. Wenn er versuchte, es zurückzubekommen, wich ich ihm aus wie ein Fisch in den Fingern.
      „Na gut, dann behalte es“, gab er es auf, mir nachzujagen. Lina stand an der Seite und beobachtete uns verwundert. Ja, ich hatte damit auch nicht gerechnet, aber mein Gehirn war auf Autopilot.
      „Was soll ich groß sagen? Mockup ist ein Maharaja Sohn und mütterlicherseits aus Sharif di Iesolo, so einem guten Italiener“, erzählte Basti, während er die knarrende Stalltür öffnete und das Licht anschaltete. Müde Pferde blickten uns an, wenig begeistert von dem späten Besuch. An einem Haken hingen diverse Stricke, wovon er einen Griff und zur Box lief.
      „Geh lieber einen Schritt zurück, er könnte wieder rausspringen“, warnte er. Meine Kollegin ergriff sofort die Flucht zur Seite.
      „Ach, quatsch“, schüttelte ich unbekümmert den Kopf, nahm ihm das Seil ab. Verblüfft zog er mich ein Stück zur Seite.
      „Was ist mit dir los?“, fragte Basti skeptisch und schaute mir tief in die Augen. Das Braun, so dunkel wie meine Seele, erhellte meine Stimmung wie nichts Vergleichbares auf dieser Welt.
      „Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich tue und was nicht. Was bilden sich andere ein?“ Hintergründig hörte ich Lina nach Luft schnappen.
      „Ach Mäuschen, die machen sich doch nur Sorgen“, er nutze die Chance, um mir das Cap abzunehmen, doch ich reagierte Blitzschnell. Mockup zuckte zurück.
      „Sie sind doch nicht meine Eltern, wenn es ein Problem gibt, soll man bitte selbst mit mir sprechen“, deutete ich indirekt an. Über bloßen Augenkontakt stellten wir fest, dass jeder wusste, wovon wir sprachen.
      „Veränderung ängstigt Menschen, erst recht, wenn sie nicht alles wissen“, bedachte er.
      „Mag sein, dennoch kein Grund, sich in das Leben fremder einzumischen. Schließlich habe ich besseres zutun.“
      „Und das wäre?“, grinste Basti.
      „Ich möchte ein Pferd kaufen“, klimperte ich mit den Wimpern und öffnete die Box. Der stämmige Fuchs an. Prustend tippelte er mit den Vorderhufen.
      „Sei vorsichtig. Wir übernehmen nicht die Haftung“, sagte Basti und hielt die Tür ein Stück enger. Ich blieb auf Abstand, aber Mockup drehte sich um und schnupperte an mir. Warmer Atem kitzelte an meiner freiliegenden Haut. Den Strick hakte ich am Halfter unten ein und führte das Pferd hinaus.
      „Okay, und was ist so dramatisch an ihm, dass ihr ihn verkaufen wollt?“, fragte ich kritisch nach.
      „Es sind diverse Dinge. Mocki stresst sich selbst, ziemlich schnell, dann wird er panisch und läuft weg, so wie gestern. Auf dem Geläuf springt er manchmal grundlos zur Seite oder erschreckt sich. An guten Tagen zeigt er mordmässiges Potenzial, aber seit dem wir ihn haben, werden es immer weniger dieser Tage“, berichtete er, „im Umgang ist er für gewöhnlich nett.“
      „Und dann sollte er ein B-Trainerrennen laufen? Ist das nicht sehr gewagt?“, wunderte ich mich. Ich selbst hatte auch nur eine B Lizenz, aber darf A Rennen mitfahren, aufgrund der hohen Gewinnsumme der Stute und ich in einem Rennbetrieb arbeitete.
      „Die beiden kamen bisher gut miteinander klar, aber als er ihr gestern zum wiederholten Mal entwischte, hatte sie keine Lust mehr und Papa sah nie einen Wert in ihm“, erklärte er. Der Fuchs folgte mir die Stallgasse auf und ab, was mir sofort auffiel: Die Hinterbeine fußten flach ab, links dabei deutlich nach innen. Basti drückte ich den Strick in die Hand und tastete behutsam seine Kruppe ab.
      „Wann wurde er eingefahren?“, fragte ich nach und spürte die Muskeln zucken, als ich nur ganz sanft ihn berührte.
      „Mit anderthalb“, beantwortete er.
      „Wow. So spät“, zischte ich ironisch. Unglaublich. Das erklärte mir einiges. Mocki war vollkommen verspannt und schief. In streichender Bewegung hing die Enden der Rückenmuskulatur ab, bis es knackte. Der Hengst erschreckte sich selbst davor, aber stand im nächsten Atemzug. Von hinten konnte man deutlich sehen, dass die Hüfte der Waage näher kam.
      „Was war das?“, fragte Basti besorgt und sah über die Schulter hinweg zu mir.
      „Eine Verspannung und ein Wirbel, der jetzt wieder in der korrekten Position ist“, seufzte ich getroffen von den physischen Baustellen des Pferdes. Basti führte ihn mit ein weiteres Mal im Gang auf und ab. Sichtbar wurde, dass er besser abfußte und auch der Takt zunahm.
      „Okay, danke“, sprach ich nachdenklich.
      „Kannst du das richtig?“, sagte er beeindruckt.
      „Physio? Nur ein paar Handgriffe.“
      „Dann könntest du dir auch mal Netflix anschauen?“ Mit einem Funkeln in den Augen sah er zu mir hinunter, ich spürte, dass ihm viel an dem Pferd lag. Dennoch erinnerte ich mich daran, dass der hübsche Rapphengst demnächst nach Frankreich gehen sollte.
      „Natürlich, aber nicht jetzt“, holte ich ihn auf den Boden der Tatsachen zurück und begutachtete weiter den Fuchs. Besonders auffällig an ihm war auch das schmerzverzerrte Gesicht. Muskeln waren angespannt und die Augen aufgerissen, obwohl es keinen Grund dafür gab. Schließlich standen alle nur herum.
      „Okay, dann lade ich dich ein für einen Pferde-Wellness-Tag“, grinste Basti breit und strich dem Fuchs über den Hals.
      „Wir werden sehen, schließlich soll ich mich doch fernhalten“, blickte ich über das Brillengestell zu ihm hinüber.
      „Oh ja, stimmt. Da war was“, lachte er, „aber mir ist es egal. Wir sind doch nur Freunde, verstehe nicht, welches Problem alle damit haben.“
      Mir blieb die Luft weg. In meinem Kopf spielte der Satz wie auf einer kaputten Schallplatte ab, der Versuch Untertöne der Ironie zu finden, aber Basti es mit einer Selbstständigkeit aus. Die Übelkeit kam wieder.
      „Genau“, scherzte ich den Tränen nah und drehte mich kurz weg. Ich atmete tief durch.
      „Also nimmst du ihn nicht?“, wurde er ernster, im Begriff, das Pferd wegzustellen.
      „Stopp, davon war nie die Rede“, revidierte ich seine Intention.
      “Du kaufst ihn also?”, fragte Lina nach dem offensichtlichen und in ihren Augen leuchtete bereits die Freude.
      „Ja, wieso nicht“, zuckte ich mit den Schultern.
      „Verrückt, aber wenn du willst. Ich gehe den Vertrag holen“, sagte er und verschwand. Mittlerweile hielt ich den Strick wieder in der Hand, strich meinem Pferd über die Blesse.
      „Ich bin nicht verrückt“, murmelte ich dem hellhörigen Fuchs zu, der wie erstarrt zur Tür sah.
      “Nicht verrückter als alle anderen”, scherzte Lina ein Grinsen auf den Lippen.
      “Aber er ist auch niedlich”, richtete ich den Blick nach oben und zupfte Strohhalme aus der Mähne. Er wippte mit der Unterlippe, die Augen weiter zur Tür.
      “Ja, einen schönen hast du dir da ausgesucht”, entgegnete sie und nahm den Fuchs genauer in Augenschein. Im Licht des Stalls schimmerte sein Fell in einem schönen Kupferton. Dann kam Basti zurück, in der Hand ein Stapel Papier. Zunächst kommt Mocki in seine Box und wir setzen uns zusammen in den Raum. Dieser war größer als bei uns, aber um alles genauer zu besprechen, reichte es.
      “Preis”, seufzte Basti, als nur noch ein paar Angaben fehlten. Lina sah die Zettel genauer an, als hätte sie zuvor nie einen Kaufvertrag gesehen.
      “Wie viel braucht ihr?”, fragte ich, anstelle den Wert des Pferdes genauer zu beleuchten.
      “Brauchen?”, lachte er, “das wäre einiges.”
      “Nenne mir eine Zahl”, sprach ich, ohne mit der Braue zu zucken. Gleichzeitig holte ich mein Handy heraus. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Zahl auf meinem Konto signifikant gesunken war. Nervös scrollte ich hinunter. Harlen hatte wirklich viel ausgegeben, von Kleidung bis Auto war tatsächlich alles dabei, selbst Pferdewetten, zwischendrin fand ich meine Spenden für die Tierheime. Eine mittlere sechsteilige Summe in fünf Monaten auszugeben, ohne dass etwas nachkam, schockierte mich.
      “Alles okay?”, hakte Basti skeptisch nach.
      “Ja, nein, aber nichts, was dich betrifft”, seufzte ich. Ich bemerkte, dass Vater vor Ewigkeiten jegliche Zahlungen eingestellt hatte.
      “Problematisch? Kann man dir behilflich sein?”, zog Lina fragend die Augenbrauen zusammen.
      “Du kannst Harlen sagen, er soll zum Mond fliegen”, äußerte ich genervt und legte das Handy weg, “oder im Meer versinken, das ist günstiger.”
      “Sage ich ihm, allerdings fürchte ich, er wird dem nicht Folge leisten”, entgegnete sie und zog rätselnd über den Grund dafür die Stirn in Falten.
      “Zurück zum Thema. 350 000 Kronen?”, bot ich an, auch wenn der Gedanke daran schmerzte.
      “Bist du des Wahnsinnes? Normalerweise würde ich direkt zustimmen, aber ich habe dich zu gern, um dir reines Papier zu berechnen. 220 000 Kronen und du machst Netflix sowie Ole wieder schick”, schlug er vor. Ich atmete tief durch, froh, dass auch Happys Anteil mein Konto wieder füttern würde.
      “Gut, machen wir”, grinste ich und unterschrieb den Zettel, auf dem Basti den Betrag eintrug.
      “Glückwunsch, dann bist du jetzt wohl Besitzer eines Rennpferdes”, grinste meine Kollegin.
      „Bleibt er eins?“, wunderte er sich.
      „Abwarten, aber wäre cool, wenn er mit nach Finnland kommt“, überlegte ich laut, auch wenn es unrealistisch wirkte, ein Pferd in einem furchtbaren physischen Zustand direkt in Rennen zu schicken.
      “Was, wieso Finnland?”, rief die Kleine aus und ihre Stimme überschlug sich vor Überraschung, “Warum weiß ich davon nichts?” Mit ihren aufgerissenen Bambi-Augen starrte sie mich an.
      “Weil du nie in den Kalender schaust?”, lachte ich und stand auf.
      “Mittlerweile fühle ich mich verfolgt von dir”, stupste mir Basti in den Arm, als wir langsam zum Ausgang liefen.
      “Warum sagt mir so was keiner?”, beschwerte sich die kleine Brünette, ungeachtet des dritten Anwesenden, “Schon mal daran gedacht, dass es mich interessieren könnte, wenn ihr in meine Heimat reist?”
      “Es steht doch noch nicht mal zu hundertprozent fest, weil Lars sich nicht für ein Pferd entscheiden kann”, versuchte ich den Spatzen zu besänftigen.
      “Weil wir ja so wenige davon im Stall haben”, rollte sie mit den Augen, “Wenn ihr fahrt, will ich mit.” So spontan wie sie ihre Forderung stellte, hatte sie nicht eine einzige Sekunde darüber nachgedacht, was es eher wie eine Trotzreaktion wirken ließ. Nicht, dass ich sie verurteilen würde, schließlich hatte ich gerade ein Pferd gekauft aus demselben Grund.
      “Ich glaube”, murmelte ich und zog mein Handy hervor. Wild huschten die Finger über den Bildschirm, bis ich bei der Arbeitsplanung ankam.
      “Was ist das?”, schielte Basti mit auf die leuchtende Oberfläche.
      “Unser Stallsystem”, erläuterte ich wenig betroffen und suchte das Datum des Rennens.
      “Wo habt ihr das her?”, hakte er weiter nach.
      Ich hörte auf zu suchen und blickte zu ihm.
      “Wir haben das selbst gemacht, die Vorbereitung hat ewig gedauert und die Entwicklung noch länger, aber es läuft”, lächelte ich freundlich.
      “Sucht ihr noch Mitarbeiter?”, lachte Basti.
      Wieder startete das Kriegsdonnern in meiner Brust und ich musste Schlucken, um nicht anzufangen zu husten.
      “Immer”, sprach ich mit zittriger Stimme und suchte weiter. Dann fand ich endlich die Finlandia.
      “Hier Lina. Tyrell hat ohnehin geplant, dass du uns begleitest”, reichte ich ihr das Telefon als Beweis. Zufrieden blickte sie auf den Bildschirm, überflog die dort notierten Daten.
      “Oh, da in der Nähe habe ich früher gewohnt”, stellte sie nun wieder munterer gestimmt fest.
      “Siehst du, müssen wir nur Mockup hinbekommen”, grinste ich Basti an, der leicht den Kopf schüttelte.
      “Achtzehn Tage. Sehr mutig”, sprach er anerkennend, “wenn du das schaffst, dann komme ich zu euch. Wirklich.”
      Wieder schluckte ich.
      “Teilnehmen oder gewinnen?”, erforschte ich genauere Rahmenbedienungen.
      “Platzierung reicht schon”, spezifizierte er. Ich reichte ihm die Hand, ungeduldig den Blick nach oben gerichtet. Für mehrere Atemzüge überlegte er, aber schlug ein.
      “Da hast du aber was vor”, warf Lina ein, wobei ein Schmunzeln über meine Lippen zuckte.
      “Dann wünsche ich euch viel Erfolg”, prüfend blickte er auf sein Handy, “leider muss ich mich verabschieden, sonst gibt es Ärger. Packt ihr den Großen dann ein?”
      “Ist er hengstig?”
      “Nein, überhaupt nicht. Manchmal zweifle ich sogar, ob er sich seiner Hoden bewusst ist”, lachte Basti, die Autotür öffnend. Zum Abschied lief ich ein paar Schritte näher, wollte ihn umarmen, aber ich wusste nicht genau, ob es angebracht sei. Deshalb bot ich es durch meine reine Präsenz an.
      “Aber eine Bedingung habe ich auch”, flüsterte er kaum hörbar, “du arbeitest mich ein.”
      “Natürlich, das schaffe ich.”
      Mit einem Lächeln auf den Lippen sah ich dem Transporter nach, als er vom Platz fuhr. Die Kälte in den Gliedmaßen war allgegenwärtig und erst jetzt spürte die schlotternden Knie. Leises Rauschen zog durch Baumkronen am Rande der Ställe. Nour kam an die frische Luft.
      “Was habt ihr so lange getrieben?”, musterte sie uns beide.
      “Unter Umständen … ein Pferd gekauft”, antwortete die Kleine, als sei es etwas vollkommen Normales.
      „Bitte, was?“, in hohen Tönen rief Nour die Worte hinaus, dass auch ihr Bruder aufmerksam wurde.
      „Das ist jetzt ein Scherz, oder?“, fragte dieser, ich verzog das Gesicht und zuckte mit der Schulter, „oder?“
      „Nein, ist es nicht“, scherzte ich verhalten.
      „Ihr kommt sofort rein, unglaublich“, schüttelte Lars den Kopf und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Ich rauchte noch auf, dann folgte ich seiner Bitte.
      Im Inneren des Transporters begann die Erzählstunde, nicht komplett, denn den Irrsinn von Alexa verschwieg ich sowie den Inhalt des Deals mit Basti. So schnell wie mein Herz schlug, purzelten die Fakten heraus und im Nachhinein wusste ich nicht, wie viel genau erzählt wurde, aber genug, dass Lars aus allen Wolken fiel.
      „Meine Güte, dich kann man nicht allein lassen“, schüttelte er aufgelöst den Kopf, „du hast doch kaum Ahnung. Wie kommst du nur darauf?“
      Es verletzte mich zutiefst, dass er meine Kompetenz kleinredete. Für meinen Geschmack hielt er viel zu viel von sich selbst, als dass er objektiv beurteilen konnte, wie ich mich verhalten sollte. Seine Anschuldigungen und niederträchtigen Worte belastenden mich so sehr, dass ich erneut begann zu weinen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, hoffte darauf, dass er mich unterstützen würde.
      „Vivi, beruhige dich. Ist doch schön“, versuchte Nour die Situation zu entschärfen, aber scheiterte auf erster Linie. Wie Schlosshund hing ich in meinen Arm, brachte Töne heraus, die jedem Meerjungfrauengesang Konkurrenz machten.
      „Lass dir von dem nichts einreden“, sprach Lina leise zu mir und legte fürsorglich ihren Arm um mich, „Denke nur daran, was du entgegen aller Erwartungen bereits alles gemeistert hast. Mocki und du schaffen das locker, auch ganz ohne den aufgeblasenen Typen da.“ Vorsichtshalber hatte sie die Sprache gewechselt, falls die Geschwister ihre Worte trotz gesenktem Lautstärke wahrnehmen konnten. Allem Anschein nach wollte sie sich heute kein zweites Mal mit Lars anlegen.
      “Danke”, schluchzte ich. Prüfend warf ich einen Blick zu ihm, aber er schenkte mir nicht einen Hauch von Aufmerksamkeit. All die Freude über Basti und das Pferd löste sich in Luft auf.
      In Windeseile kippte sich Lars zwei Bier hinter. Interessanterweise bot er auch uns eins an, dass ich dankend entgegennahm. Anstelle mich weiter mit Missachtung zu strafen, legte er seinen Arm um mich und zog mich an sich.
      “Weißt du, es ist faszinierend”, brabbelte er.
      “Mh?”, hakte ich verwirrt nach und legte den Kopf an seiner Brust ab. Wie immer war es ziemlich bequem auf ihm, auch, wenn er ziemlich nach Schweiß roch.
      “Du machst einfach, ohne abzuwägen, ob es klug ist, sondern du glaubst an deine Leistungen”, schmeichelte er mir.
      “Okay”, hielt ich mich zurück.
      „Ach, jetzt auf einmal …", murmelte Lina missfallend vor sich hin und rollte mit den Augen.
      “Der hat einfach eine lange Leitung”, redete Nour ihr gut zu. Ich nahm es so hin, wie es war, andere Möglichkeiten gab es nicht. Mittlerweile kannte ich seine Art, wenn er schlechte Laune hatte und meistens wurde es besser, wenn wir uns nah waren – wie jetzt. Seine Zweifel und Unzufriedenheit kam aus dem Inneren, tief versteckt hinter einer stählernen Fassade. Zudem missfiel ihm jeglicher Kontakt mit Basti, was ich bis heute nicht nachvollziehen konnte. Vielleicht war es dem ähnlich, worum Alexa mich gebeten hatte, allerdings schätzte ich seine moralische Verfassung als ähnlich bedenklich wie die meine ein. Aber er war ein lieber Kerl, mit Ecken und Kanten.
      Mein Handy vibrierte. Es war noch nicht Null Uhr, aber die ersten Glückwünsche trudelten ein. Dankend nahm ich sie an, obwohl mir all die flüchtigen Kontakte egal waren. Jedoch entdeckte ich zwischen den ganzen Nachrichten bei Instagram auch Basti. Eilig öffnete ich den Chat, den Lars war in dem Gespräch eingetaucht, mit Nour und Lina. Dabei ging es um das Rennen in Finnland. Sie war noch immer pikiert, dass wir nicht früher etwas gesagt hatten, doch auch mir wurden solche Informationen erst vor wenigen Tagen zugetragen.
      „Es ist ziemlich cool von dir, dass du Mocki übernimmst. Damit hilfst du uns sehr“, schrieb er. Steckten sie etwa in Geldsorgen? Zumindest würde dies einige seiner Aussagen erklären und die Tatsache, dass er, laut Alexa Nelly heiraten wird.
      „Ich freue mich auf die Arbeit mit ihm. Schließlich will ich mich an unsere Abmachung halten ;)“, antwortete ich scherzhaft, zumindest sollte es weniger ernst an ihn herantreten. Mittlerweile konnte ich mir nicht mehr sicher sein, ob er sich meiner Gefühle bewusst war, dennoch musste ich an den Zwischenfall im Stall zurückdenken. Seine zärtliche Berührung brachte so viel Gefühl mit sich, dass er wissen musste, wie sehr ich ihn wollte.
      „Haha, wir werden sehen“, trudelte es als Antwort ein.
      „Tut mir leid, falls ich seltsam war. Mir hat Gespräch sehr zu schaffen gemacht“, entschied ich ihm zu schreiben. Es dauerte ein Moment, bis schließlich eine Nachricht ankam.
      „Verständlich. Ich habe mit ihr ein weiteres Mal gesprochen und ihr erklärt, dass sie sich nicht in meine Angelegenheiten einmischen soll. Es ist nicht okay, Leuten etwas zu unterstellen. Des Weiteren bin ich alt genug, um Dinge selbst zu klären. Ihr tat es leid, aber sie würde es dir auch noch selbst sagen“, las ich den kleinen Roman. Dennoch wusste ich nicht genau, was er mit Unterstellung meinte, schließlich beruhten einige ihrer Aussagen auf der Wahrheit. Aber ich ließ ihn im Glauben, dass es nur Unterstellungen waren, denn so blieb mir die Hoffnung. Hoffnung darauf, ihn zumindest als einen Freund an meiner Seite zu haben.
      „Oh, und alles Gute zum Geburtstag. Wir sehen uns nachher“, schrieb er noch. Ich bedankte mich, dann stimmte Lina auch schon voller Elan ein Geburtstagslied an.

      © Mohikanerin, Wolfszeit // Vriska Isaac // 63.858 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende April 2021}
    • Mohikanerin
      Gymnastizierung / Dressur A zu L | 31. März 2023

      Eichkatze / Nobelium / Moonwalker LDS / Planetenfrost LDS / Fire to the Rain LDS / Trotaholic / Sisko

      Ob an der Doppellonge, am langen Zügel oder geritten – auch die Rennpferde bekamen ein- bis zweimal die Woche Einheiten in der Dressur. In dieser Woche hatten wir ein Gastpferd bei uns, Trotaholic. Der Rapphengst lief erfolgreich im Sport, deshalb bekam er ein kleines Wellenessprogramm auf unserem Gestüt. Während Vriska sich mit unserem Gast beschäftigte an der Doppellonge auf dem großen Platz, bewegte Nour ihren Noby und hatte vorher bereits Walker unter dem Sattel. Nebenbei wurde noch Sisko bewegt und Eichi. Rundum wirkten die Pferde rund und losgelassen. Einer klassischen Ausbildungsskala konnte man mit den Tieren nicht nachgehen, aber dennoch versuchten wir uns daran zu orientieren. Plano, der demnächst verkauft werden sollte, wurde genauer ausgebildet, um in seinem nächsten Leben ein ausgezeichnetes Reitpferd zu sein.

      © Mohikanerin // 834 Zeichen
    • Mohikanerin
      [​IMG]

      kapitel fyrtiotvå | 4. April 2023

      Maxou / Anthrax Survivor LDS / Sign of the Zodiac LDS / Fire to the Rain LDS / Astronaut in the Ocean LDS / Millennial LDS / Mockup / Schleudergang LDS / Mondlandung LDS / St. Pauli’s Amnesia / HMJ Divine / Ready for Life / Northumbria / Blávör / May Bee Happy / WHC' Humanoid Crashtest / Eichkatze / Sisko / Meltdown / Pay My Netflix / Trotaholic / Crazy Love

      Seit dem Renntag, und meinem ziemlich irrelevanten Geburtstag, verflogen die Tage wie im Flug. Mein Pferd – immer noch kaum zu glauben, dass ich vollkommen allein eins besaß – beanspruchte viel Zeit, schließlich hatten wir ein ziemlich kurzfristiges Ziel. Glücklicherweise war Mocki bereits angeweidet, konnte somit in der Nacht, wie alle anderen Pferde, auf die Weide. Für ihn war es noch alles neu auf dem Hof, also zeigte ich ihm erst einmal alles. Der Osteopath hatte kurzfristig einen Termin frei und kam am Tag nach der Ankunft. Gleichzeitig zeigte er mir weitere Handgriffe, die ich täglich durchführen sollte. Es waren reine Wellenessmaßnahmen, um die Vielzahl von Verspannungen zu lösen. Besonders in der Schulter, im Genick zeigte Mockup seine schmerzlichen Stellen. Zur Unterstützung kam er trocken unter das Rotlicht für eine halbe Stunde und am Nachmittag longierte ich ihn an der Doppellonge. Bereits nach zwei Tagen konnte ich eine Verbesserung feststellen, obwohl ich die Einheiten Schrittarbeit begrenzte. Wenn er von selbst ein paar Meter traben wollte, ließ ich es zu.
      Heute war der vierte Tag unserer Arbeit. Neugierig stand er bereits an der Boxentür, als ich die Stallgasse betrat und ein neues Halfter in der Hand hielt. Bevor mein Arbeitstag begann, war ich zum Reitgeschäft nach Kalmar gefahren. Neben einem Lammfellhalfter in Grau und Blau kamen mir noch passende Gamaschen, Glocken und Bandagen zwischen die Finger, die ich natürlich auch mitnahm.
      „Na schau mal“, begrüßte ich den Fuchs in hohen Tönen. Mit aufgeblähten Nüstern nahm er den Gegenstand unter die Lupe und ließ sich brav auf halftern. Der Weg an den Boxen vorbei, war das einzige, woran wir noch, vom Boden aus, arbeiten mussten. Auf dem Untergrund rutschte er mit den Hufeisen, aber ich wollte diese ohnehin entfernen. Zufälligerweise war Lars gerade Schlendrine beschäftigt.
      „Laaaars?“, fragte ich mit großen Augen, als wir an ihm vorbeikamen. Die Pferde schnupperten interessiert aneinander, aber fanden einander nur wenig relevant für weitere Interaktionen.
      „Jaaaa?“, wiederholte er in derselben Tonart und stellte das Bein ab.
      „Würdest Mocki die Eisen vorn abnehmen?“, formulierte ich freundlich.
      „Solltest du das nicht selbst schaffen?“, wunderte er sich. Ganz Unrecht hatte er mit dieser Annahme nicht, schließlich war es ein Teil meiner Ausbildung. Jedoch stellte sich ziemlich schnell heraus, dass ich nur wenig begabt darin war.
      „Schon ja, aber ich bin doch zu doof dafür“, gab ich kleinlaut zu.
      „Na gut, in zwanzig Minuten“, ließ er sich überzeugen und setzte die Arbeit fort. Hintergründig hörte man die Schläge auf das Eisen, aber Mocki beirrte dies keines Wegs. Er folgte mit dem Blick jeden meiner Schritte, als ich die Weidedecke vom Rücken nahm und an dem Haken an der Putzbucht anhing. Kaum hatte ich die Bürste weggebracht, kam Lars dazu. Freundlich hielt er dem Pferd die Hand entgegen. Dieser blähte einmal die Nüstern auf, dann stieß Mocki die Luft hörbar aus.
      “Warum sollen die Eisen ab?”, musterte Lars den Beschlag.
      “Er rutscht und das ängstigt ihm”, erklärte ich kurz gebunden.
      „Hast du dir Gedanken gemacht, wie es dann weitergeht? Ich meine, der Gute läuft seit zwei Jahren nur auf Beschlag und wenn er mit nach Finnland soll, könnte es ungewohnt werden“, klärte er auf. Ehrlich gesagt, war die Idee auch nur von mäßigem Erfolg geprägt. Wir diskutierten Alternativen, die ebenso wenig von Erfolg gepriesen waren. Ich wollte ihn Barhuf, aber Lars riet mir davon ab. Zwischenzeitlich kam Lina dazu, mit Mola. Die Pferde waren sich zuvor schon begegnet, dennoch war der Junghengst der Artgenossin skeptisch gegenüber. Dabei machte die Stute nichts, sie stand nur da und kratzte den Kopf am Holzbalken.
      „Aber wenn du keinen Kunststoff willst, bleibt nur noch Gummi“, seufzte Lars, dem mittlerweile die Ideen ausgingen.
      „Was wäre denn so schlimm daran, wenn er nichts an den Hufen hat?“, rollte ich mit den Augen.
      “Der wird dir in spätestens zwei Tagen lahm gehen bei dem harten Boden hier am Hof. Etwas muss er gegen die Stöße bekommen, sonst kannst du dein Ziel vergessen.”
      Zunehmend war Lars genervt und machte seinen Unmut meiner Sturheit gegenüber klaren Ausdruck. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, tänzelte wie auf heißen Kohlen über den Beton.
      “Ich schätze Lars könnte recht damit haben”, wand Lina zurückhaltend ein, “vielleicht solltest du das probieren mit dem Gummi, zumindest für den Übergang.”
      “Meinst du? Seine Hufe sehen doch super aus“, sprach ich nach unten gebeugt und fuhr mit meinem Daumen über das Horn. Die Struktur war fest, kein Riss in der Wand. Wer auch immer ihm vorher beschlug, sollte eine Auszeichnung bekommen.
      „Vivi, am Ende ist es deine Entscheidung, aber sprich mit Basti, der kennt das Pferd schon länger und du fährst doch nachher ohnehin zu ihm“, seufzte Lars. Er hatte sich auf die Zwischenwand gesetzt, wissend, dass es noch eine Weile dauern würde, bevor eine Entscheidung fiel.
      “Nein, Vriska, ich bin kein Hufschmied”, entgegnet meine Kollegin ehrlich, “aber ich denke ich jetzt komplett vom Beschlag zu nehmen, könnte ihn erheblich beeinflussen. Stell dir vor, du läufst jahrelang dauerhaft mit Eisenschuhen an den Füßen herum, das ist ein ganz anderer Bewegungsablauf.”
      “Na so ein wenig kenne ich mich auch aus”, erklärte ich wahrheitsgemäß, auch wenn ich mich häufig blöd stellte, “wäre Gummi eine ernstzunehmende Alternative oder ist eine blöde Idee, die jemand auf dem Markt hatte, um Geld zu verdienen?”
      Unterhalten stieß Lars Luft aus und schüttelte leicht den Kopf.
      “Es wirkt beinah so, als hättest du nichts mit den Pferden am Hof zu tun. Ini kam mit Gummischuhe zurück und wir haben angesichts der Erfolge nichts am Beschlag geändert. Seitdem haben wir es auch bei Mill und Enigma am Huf. Besonders für junge Pferde wird es empfohlen, denn sie dämpfen die Last maximal und sollen die Durchblutung fördern”, legte er die Vorteile nah. Nebenbei hatte mein Handy hervorgezogen und überlegte, auch bei Basti mir Informationen zu holen, denn das Internet selbst, sagte genau das, was Lars mir mitteilte.
      “Sorry, wenn ich störe, aber ich brauche deine Meinung”, tippte ich. Natürlich antwortete er direkt, hatte er sonst keine Hobbys?
      “Hau raus.”
      “Was denkst du von Gummi? Sinnvoll, oder nicht?”, flogen meine Finger die Tastatur. Es dauerte. Die drei Punkte bebten in der Ecke und eine Sprachnachricht kam an. Wie immer grinste ich breit, wenn wir miteinander schrieben. Um den Unmut seiner Belegschaft nicht zu befeuern, hielt ich es bei den nötigsten Nachrichten, obwohl ich ihm jede Sekunde schreiben wollte.
      “Klingt nach ganz schön coolem Zeug, Beschlag, der die Durchblutung fördert”, überlegte Lina.
      “Ähm, was?”, horchte ich auf, bemerkte, dass ich nur halb dem Gespräch folgte. Dann tippte ich auf die Sprachnachricht, zu blöd, es allein zu hören.
      „Ach Harley“, seitdem er auf dem Kaufvertrag ermitteln konnte, dass ich einen Zweitnamen hatte und diesen im Leben mied, zog er mich damit auf, „das Gespräch über Bienchen und Blümchen sollten doch deine Eltern mit dir führen. Grundsätzlich befürworte ich die Nutzung von Gummis, außer du hast andere Vorstellungen.“ Mit hochroten stand ich in der Putzbox und wollte am liebsten im Abfluss versinken, aber eine nächste Nachricht folgte sofort: „Ich schätze jedoch, dass du Gebiss, Gurt oder Eisen meintest, aber ja, alles hat sein für und wider. Mocki kommt mit Gummi jeder Art gut zurecht.“
      “Upsi, da sollte sich jemand differenzierter ausdrücken”, lachte die kleine Brünette reichlich amüsiert über die Angeleinheit.
      “Maaaaaan”, beschwerte ich mich zutiefst in Pein gehüllt.
      “Du musst dich nicht dafür schämen, scharf auf ihn zu sein”, munterte mich Lars ungewöhnlicherweise auf.
      „Damit machst du es nicht besser“, echauffierte ich mich und lief nervös Kreise.
      „Aber er scheint dem auch ganz offen gegenüber, was man ihm nicht verübeln kann“, rief er mir noch nach, aber ich versuchte mir die Ohren zuzuhalten.
      „Vriska, ist doch nichts dabei. Beruhige dich“, versuchte Lina, zu mir durchzudringen, „du machst alle noch ganz verrückt.“
      “Okay, okay, okay”, stammelte ich losgelöst.
      Ich atmete tief durch.
      “Danke für deine Hilfe, aber so genau wollte ich deine Präferenzen nicht wissen”, tippte ich grinsend und steckte schließlich das Handy zurück in die Jackentasche.
      “Dann bekommt Mockup nun Gummi an die Hufe”, beschloss Lars. Er richtete sich auf und verschwand für einen Moment, um den gewünschten Beschlag aus dem Lager zu holen. Hintergründig hörte man ihn fluchen und krachen, als würde er die Ware nicht finden. Schließlich kehrte er zurück, als ich selbstständig begonnen hatte, die Nieten zu öffnen und hielt bereits das erste Hufeisen in der Hand in der Hand.
      “Ach, jetzt schaffst du es selbst?”, schmunzelte Lars.
      Den Rest übernahm er. Meinem Pferd ging es nicht schnell genug. Er versuchte den Huf abzustellen und erst, als ich wieder an den Kopf kam und langsam die Finger hinter den Ohren kreisen ließ, entspannte er. Lina brachte Mola weg, aber setzte sich interessiert dazu. Von der Arbeit mit meinem Fuchs bekam sie nur peripher etwas mit. Ich bemühte mich früh im Stall zu sein, wenn die anderen noch mit dem Abäppeln beschäftigt waren und am Abend sehr spät, wenn jeder in der Hütte saß.
      „Soll heute wieder nur für mich kochen?“, fragte ich Lars, als er fertig war mit dem Beschlag. Nur im Stand sah ich bereits Besserungen am Fuchs. Seine Schulter war entspannt und der Rücken weicher – Faszinierend, dieser Gummibeschlag.
      „Ich weiß es noch nicht, kommt darauf, an, ob sich noch jemand meldet“, sagte er grinsend.
      „Ach, stehen die Damen wieder Schlange?“, lächelte ich.
      „Wer weiß das schon, ein Gentleman genießt und schweigt.“ Selbst sicher stolzierte er an mir vorbei, um das Werkzeug an seinen Platz zu bringen. Ich ging meiner Routine mit dem Pferd nach. Einen Schmerzpunkt nach dem anderen behandelte ich mit unterschiedlichen Druckstärken. Die Stricke hatte ich gelöst, denn er stand ruhig und sollte sich strecken können. Das tat Mocki auch. Genüsslich kaute er, gähnte und kam der Entspannung nah.
      „Immer wieder faszinierend“, staunte Lars, der wohl schon ein paar Minuten an der Seite stand.
      „Hattest du es nicht in der Ausbildung?“, hakte ich nach und drückte etwas stärker an den Muskel am Hinterbein.
      „Doch schon, aber was du nicht gut warst beim Schmieden, war ich in Physio.“
      „Verstehe, soll ich dir was zeigen?“, bot ich an. Interessiert nickte er und ich erklärte zunächst die unterschiedlichen Druckstärken, dabei auch der Einsatz von Arm und Handfläche ein wichtiges Thema. Wie ein Kleinkind verschlang mein Kollege das Wissen und versuchte sich selbst an Mockup. Der Hengst war anfangs irritiert, aber nach einigen Wiederholungen gelang es auch ihn, das Pferd in Trance zu versetzen.
      „Ziemlich cool, danke dir“, lächelte Lars und blickte mit seinen grünen Augen zu mir hinunter, als würde er etwas erwarten.
      „Ist etwas?“, beäugte ich ihn, ohne den Augenkontakt zu lösen.
      „Kannst du das auch beim Menschen?“
      „Ein wenig, aber Pferde sind einfacher“, sprach ich.
      „Okay, dann essen wir heute zusammen“, beschloss Lars, bevor er ein Halfter holte und sich einen der aktiven Trabern fürs Training schnappte. Die Pferde vom gestrigen Renntag hatten Pause und standen noch immer auf der Weide. Sie hatten es sich verdient.
      „Mich beschleicht das Gefühl, Lars möchte mehr als nur mit dir Essen“, schmunzelte Lina, die alles interessiert, von ihrem Sitzplatz aus mitverfolgt hatte.
      „Da stößt er auf taube Ohren“, sprach ich und befestigte den Pulsmesser am Pferdebauch. Mocki wachte nur langsam aus der Entspannung auf, mit dem Gefühl des Gurtes riss er die Augen auf. Hektisch setzte er einen Schritt zurück. Ich hielt ihm noch ab Halfter.
      „Ganz ruhig“, flüsterte ich ihm gut zu und tätschelte den angespannten Hals.
      „Wie hältst du das eigentlich aus, ist das nicht anstrengend, ihm ständig Widerstand leisten zu müssen?“, erkundigte sie sich.
      “Du meinst Lars gegenüber?” Sie nickte.
      “Sagen wir es mal so”, ich atmete einmal durch, denn bisher hielt ich kommenden Informationen verschlossen, “wir haben Bedürfnisse und an manchen Tagen gibt es keinen Grund, ihm Widerstand zu leisten. Er hört sofort auf, wenn ich es ihm sage.“
      „So habe ich das nie betrachtet, aber durchaus nachvollziehbar“, entgegnete sie verständnisvoll.
      “Ich mag ihn, aber Nour hat mir von Anfang an glaubhaft gemacht, dass Lars nur auf kurzfristige Dinge aus ist. Außerdem, Basti”, die letzten Worte verschluckte ich, nicht wissend, wie ich die vorherrschende Situation formulieren sollte. Er bedeutete mir unglaublich viel, aber, wie er selbst sagte, war ich nur eine Freundin.
      „Ist aber auch immer komplex bei dir, als würdest du es geradezu anziehen“, sprach die Kleine mitleidig.
      „Es ist okay, gibt Schlimmeres“, winkte ich ab, „immerhin den Pferden geht’s gut.“
      Ich führte Mockup zur Führanlage. Er durfte sie bereits von außen kennenlernen und begutachtete das klapprige Ding. Sie war in keinem guten Zustand mehr, musste andauernd repariert werden, aber im Zuge des Umbaues hatte Tyrell bereits angekündigt, dass wir eine neue bekamen. Wann das genau sein würde, stand noch in den Sternen, aber bisher kamen die Bauarbeiten voran. Teile neuen Gebäude waren schon ausgehoben und ein Fundament gegossen. Im Wald – wo eine weitere Stallanlage entstand – konnte man schon Wände erkennen, aber ich war nicht oft dort.
      “Aber dir sollte es doch genauso gut gehen“, seufzte sie, doch gab es gleichzeitig auf, dies weiter infrage zu stellen, “aber jetzt mal wirklich, ich bin erstaunt, wie schnell du Pferde wieder hinbekommst. Erst Happy und jetzt bei Mocki auch wieder.”
      “Ich kenne die Vergangenheit der beiden nicht und fasse sie nicht mit Samthandschuhen an, insbesondere Mocki scheint mir, bis auf die Verspannungen, kerngesund. Er soll nur unglaublich langsam sein”, erklärte ich meinen Eindruck.
      “So langsam sieht er gar nicht aus”, sagte sie und betrachtete die langen Beine des Fuchses.
      “Sehr oberflächlich von dir”, schmunzelte ich. Parallel änderte ich die Richtung der Anlage. In Zeitlupe wendete er auf der Hinterhand und stieß mit dem Kopf gegen das Metall. Perplex sah er sich aber, aber begriff nur so halb, dass er selbst dagegen gekommen war. Im Schritt lief Mocki voran. Das klügste Pferd war er nicht.
      “An etwas muss man das doch festmachen”, zuckte sie mit den Schultern.
      “Die haben alle lange Beine”, stellte eine bekannte Stimme von der Seite fest. Bevor ich begriff, wer plötzlich bei uns war, bekam ich einen schwarzen Pferdekopf ins Gesicht. Mit der Oberlippe fummelte Amy das Brillengestell von meiner Nase, erst dann zog Ju sein Pferd zur Seite.
      “Ja, da hast du nicht unrecht”, nickte Lina nachdenklich, “Woran erkennt man es dann?” Neugierig inspizierte die Stute nun auch sie und begann verspielt an ihren Zöpfen zu knabbern.
      “Training und Charakter. Das Pferd muss im Aufbau Sauerstoff im Blut speichern können, oder so. Ich weiß es nicht mehr so genau, wie die physischen Belange sind, aber dafür ist Lars da. Ansonsten, es braucht diesen Funken an Lust, schwer zu erklären”, sagte ich nachdenklich. Für einen Moment wurde mir klar, dass meine Ausbildung im Islandpferdebereich die dümmste Idee von allen war, denn bis auf die zwei Berittpferde, hatte ich nichts mehr mit den Tieren zu tun. Dabei begann die Ausbildung im Trabrennsport, bevor ich Hals über Kopf wechselte.
      “Klingt kompliziert. Gut, dass das für meine Ponys irrelevant ist”, lacht sie.
      “Was machst du eigentlich mit deinen?”, mischte auch Ju sich in das Gespräch ein.
      “Sie rollen auf Vierbeinen durch den Wald”, übernahm ich kurzerhand die Antwort. Böse Blicke trafen mich.
      “Wir rollen nicht!”, entgegnete sie trotzig, bevor sie mit einem freundlicheren Ton fortsetzte, “Mit Ivy versuche ich aktuell die Basics zu verfeinern, bevor es in der Dressur weitergeht. Redo steht theoretisch ebenso im Dressurtraining, aber ich habe aktuell nicht das Gefühl, dass sie Spaß daran hat, deshalb sind wir viel im Wald.”
      “Vielleicht braucht sie nach der Dienstzeit eine richtige Pause, mit einem Baby oder so”, schlug Ju vor. Während die beiden sich über ihre Pferde unterhielt, erhöhte ich die Geschwindigkeit der Anlage. Einmal knatterte es laute, aber dann bewegte sich doch noch der Motor schneller.
      „Haustechniker wäre eine Investition wert“, dachte ich insgeheim, aber war froh, dass der Hengst nur zusammen schreckte und trabte. Auf dem Handy warf ich einen Blick auf seine Herzfrequenz, trotz der geringen Geschwindigkeit zeigte er einen hohen Wert, für ein trainiertes Rennpferd nicht zufriedenstellend. Skeptisch sah ich ihn an, aber würde es weiterhin beobachten. Hoffentlich fällt Finnland nicht ins Wasser, schließlich stand viel auf dem Spiel.
      „So, Mädels, ich muss weiter“, verabschiedete sich Ju grinsend und führte Amy in den Stall.
      Ich seufzte.
      „Er ist schon ziemlich hot“, gab ich Lina in leisen Tönen zu verstehen. Ein breites schmunzelt, trat auf ihr Gesicht: “Du stehst also noch auf ihn.”
      “Jetzt übertreiben wir mal nicht, aber ich wäre nicht abgeneigt”, holte ich sie auf den Boden der Tatsachen zurück.
      “Ja ja, nicht abgeneigt”, grinste sie, “aber kann man dir auch nicht verübeln.”
      “Du willst mich offenbar fest in den Armen eines Typen sehen”, schüttelte ich unterhalten den Kopf.
      “Ich möchte nur, dass du glücklich bist und wenn ein paar starke Arme dabei helfen, unterstütze ich das”, setzte sie ein Statement.
      “Aber nur ein paar starke Arme wären mir eine Hilfe”, grinste ich, in Gedanken wieder bei Basti.
      “Eines Tages wird er erkennen, was er gutes verpasst”, antwortete sie und es klang beinahe wie eine Versprechung.
      “Für eine Affäre wäre er offen, aber ich schaffe das emotional nicht”, seufzte ich. Allein, dass ich immer wieder auf das Thema mit ihm zurückkam, verdeutlichte mir, wie schwer die Situation war. Mit gesenktem Kopf blickte ich zum Fuchs, der schnaubend im Kreis lief.
      “Das kann ich verstehen, das könnte ich auch nicht”, stimmte sie zu, “Aber verliere die Hoffnung nicht, wenn du mich fragst, ist an Nelly etwas seltsam.”
      “Aus dem Buschfunk hörte ich, dass sie wohl nicht so treu ist, wie sie sich gibt”, zuckte ich mit den Schultern.
      In der Führanlage schepperte es, dann stand die Anlage.
      “Seriously?”, keifte ich und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Weit und breit war keiner der Männer zu sehen, also musste ich das panische Pferd selbst aus dem Käfig bekommen. Mockup stieg und trat heftig gegen die Gitter. Beruhigend sprach ich auf das Tier ein, bis er sich schüttelte und die Hufe auf dem Boden behielt. Langsam schob ich die Abteilung. Angekommen am Aus- und Eingang, befestigte ich den Strick. Wir liefen hinaus. Der Fuchs zitterte am ganzen Körper, schnaufte, als wäre er vor dem Teufel davongelaufen. Sanft tätschelte ich den Hals und führte ihn im Schritt auf dem Vorplatz.
      “Armer Mocki, wir benötigen dringend ein neue Führanlage, das ist ja eine Zumutung”, schüttelte sie den Kopf, “aber ja, was Nelly angeht, habe ich so etwas auch gehört.”
      “Aha, du bist im Buschfunk der Traber unterwegs?”, staunte ich nicht schlecht. Das Chaos um die Anlage ignorierte ich, schließlich lag das außerhalb unserer Entscheidung. Gehorsam folgte Fuchs, schaute sich in der Gegend um. Erneut lobte ich.
      “Indirekt”, lachte sie, “ viel mehr dem des weniger rasanten Fahrsports.”
      “Sie fährt Kutsche?”, fiel ich immer weiter aus allen Wolken, wieso wusste sie so viel?
      “Ja, sogar gar nicht so schlecht, habe ich gehört”, führte Lina weiter aus.
      Hörbar atmete ich aus.
      “Also eine bessere Freundin für dich”, sprach ich eher zu mir, als zu ihr gerichtet. Ihr Blick sagte mir jedoch, dass sie jedes einzelne Wort genau vernommen hatte.
      “Rede keinen Quatsch”, schüttelte sie entschieden den Kopf.
      Ein paar undeutliche Worte verließen meine Lippen, dann bogen wir in den Stall ein. Am Anbinder befestigte ich nur einen der Stricke und entfernte den Frequenzmesser. Ungeduldig wartete der Fuchs auf sein Futter. Bevor ich dieses aus der Futterkammer holte, schaltete ich das Solarium an. Mocki scharrte mit den Hufen, hörte erst auf, als Lina ihn maßregelte.
      “So, guten Appetit”, stellte ich ihm die Schüssel hin. Vorbeugend mischte ich Tonerde an, um seine Beine und Kruppe zu teilen, einzuschmieren. Lars hatte mir empfohlen – als wir mit Mockup am Stall ankamen – ihn damit zu behandeln. Lina stand an die Wand gelehnt daneben und scrollte auf ihrem Handy umher. Den Bewegungen zu Urteil hing sie auf Instagram herum. Dabei veränderte sich ihren Gesichtsausdruck von freudig, über amüsiert, bis zu genervt.
      “Menschen sind doch blöd”, rollte sie mit den Augen und steckte das Gerät wieder weg.
      „Was tun sie denn Böses?“, hakte ich nach, wissend, dass es vermutlich ähnliches war, was ich seit Wochen bekam. Statt einer Antwort zog sie das Gerät wieder hervor und zeigte mir die Kommentare ihres letzten Posts, indem sie, neben den Fortschritten ihres Hengstes, auch offen über die Motivationsprobleme von Redo berichtete. Im ersten Anblick schienen die Kommentare übersäht mit positivem, doch bei genauerem Hinsehen, tauchten immer negative Dinge auf. Einige Kommentare kamen von naseweisen Kindern, die sich aus ihrer Weltanschauung heraus bereits an Gebiss und Sattel störten. Doch was Lina vermutlich viel mehr der Dorn im Augen war, waren jene Personen, die ihre Kritik nicht nur äußerst unfreundlich ausdrückten, sondern über das eigentliche Thema hinaus, ziemlich persönlich wurden. Kritik fanden sie an eigentlich allem und zwei recht schreib freudige Damen, gingen sogar so weit über sie herzuziehen und ihr gesamtes Umfeld herzuziehen. Teilweise konnte ich die Negativität nachvollziehen, denn einige Dinge missfielen mir ebenfalls, aber kein Grund, dies zu äußern oder gar zu veröffentlichen. Vielmehr war es „wir haben unterschiedliche Ansichten“, weshalb ich mich zurückhielt.
      „Blockieren und löschen“, sagte ich distanziert und begutachtete mein Werk an den Pferdebeinen, „die werden immer so weiter machen, weil sie persönliche Differenzen haben und dich als geeignetes Opfer betrachten, schließlich bist du für sie nur Pixel und nicht aus Fleisch und Blut.“
      „Mhm, blöd nur, dass Pixel Gefühle haben“, murmelte sie unbestimmt und ließ das Handy in der Jackentasche verschwinden. Ihre sonst übertrieben gute Stimmung war von ihr gewichen.
      „Je mehr Menschen du erreicht, umso mehr mit wertlosen Charakterzügen finden dich. Du kannst es nicht jedem recht machen. Solang du hinter deiner Arbeit stehst, ist doch alles gut“, versuchte ich ihr einen anderen Standpunkt zu vermitteln. Es war unglaublich, wie Menschen es als ihr Recht erachteten, jedem die eigene Meinung im Internet zu unterbreiten. Am Ende betitelten sie es als Meinungsfreiheit, die sich allerdings auf die Straffreiheit und politischen Verfolgung bezieht.
      „Soll ich mir mal deine unmotivierte Tonne anschauen?“, schlug ich aus der Stille heraus vor, die sich im Putzbereich gelegt hatte. Mockup schlief abermals und Lina schaute undefiniert ins Nichts. Es dauerte einen Moment, bis eine Reaktion kam, doch dann nickte sie langsam: “Ja, bitte.“
      Dass sie dem zustimmte, machte mir die Dummheit dahinter bewusst. Auch wenn Lina ebenso klein wie ich war, konnte ich mir nur schwer vorstellen, dem Pferd eine klare Hilfe geben zu können.
      Ich brachte den Fuchs mit Decke zurück in seinen Laufstall, dort stürzte er sich auf seine Heulage. Zur gleichen Zeit holte Lina den Rappen. Sie befreite den Rappen vom Schmutz und ich wechselte meine Kleidung, zumindest zog ich Stiefel über die Arbeitshose und vorsichtshalber befestigte ich meine Sporen. Aus dem Schrank funkelte mich die Schutzweste an, die ich ebenfalls überwarf.
      “Du siehst aus, als hättest du großes vor”, betrachte meine Kollegin mich interessiert. Die dunkle Stute hatte bereits Gamaschen an den Beinen und ließ entspannt die Unterlippe hängen.
      „Ich möchte es nicht riskieren, schließlich steht Großes auf dem Plan“, erläuterte ich meine Intention.
      “Ich denke nicht, dass da notwendig sein wird, aber deine Sache”, sprach sie und verschwand mit einem winzigen Schmunzeln auf den Lippen in die Sattelkammer. Wenig später kehrte sie zurück, mit Sattel und Trense. Mit dem Schließen des Gurtes erwachte die Stute langsam aus ihrer Ruhephase, stellte alle vier Hufe wieder auf den Boden und streckte sich vom Hals zum Rücken.
      „Wirklich gut sieht der Sattel nicht aus“, stellte ich auf ersten Blick fest und löste den Gurt wieder. Eher teilnahmslos stand Lina daneben und beobachtete, wie ich mit der Hand am Polster entlangfuhr. Bereits in der Mitte bildete sich eine Brücke. Zudem kippte der Sattel leicht nach hinten, was ihr ebenfalls Schmerzen bei Belastung bereitete. Einzig mit einem Kopfschütteln kommentierte ich das vor mir liegende und nahm ihn herunter. Aufgrund der kurzen Sattellage sowie vergleichbar breiten Kammer würde so schnell keinen Ersatz in der Sammlung finden, stattdessen holte ich eins der dicken Korrekturpads. Hinsichtlich der Situation würde es der Stute Erleichterung bringen, aber war ganz klar, keine Lösung auf Dauer. Ich legte das Pad zwischen Sattel und Schabracke. Gebiss und Trense passten aus meiner Sicht, also schloss ich den Helm und führte das Pferd zum Reitplatz hinaus.
      Der Sand war frisch abgezogen. Ein leichter Wind wehte den Duft von Frühling an uns heran. Zum Beginn wärmte ich Redo vom Boden aus auf. Sie arbeitete konzentriert, wenn auch holprig. Vermutlich kamen ihr die Hilfen spanisch vor, aber sie versuchte es nach ihren möglichen Kräften. Dann zog ich den Gurt ein Loch fester und schwang mich in den Sattel. Wie vermutet, saß ich wie Prinzesschen auf der Erbse und um Längen breiter als auf anderen Pferden. Obwohl ich mich nicht wohlfühlte auf dem Kaltblüter, nahm ich mich dem Problem an. Von Anfang an trieb ich aktiv, hörte jedoch auf, wenn sie das geforderte Tempo erreichte. Dann lobte ich ausgiebig. Zumindest ergab sich mir, warum Lina so geschafft war, wenn sie von Redo abstieg.
      „Jetzt siehst du, was ich meine und du hast noch Glück, dass sie heute nicht auch noch die Stute raushängen lässt“, seufzte Lina, „so extrem treibig ist sie fast nur in der Bahn.“ Die Kleine wirkte ziemlich unglücklich darüber, dass sich die Rappstute bei mir nicht wirklich anders verhielt. Allerdings wärmte ich das Pferd noch auf, welche große Veränderung sollte dabei auftreten?
      „Mit Stuten kann ich umgehen, allerdings kennen wir uns nicht“, versuchte ich sie mit den Fakten etwas zufriedener zu stimmen, was keinerlei Veränderung bewirkte. Nach einem Handwechsel begann ich die Zügel kürzer zufassen und auf gebogenen Linien, die Rittigkeit zu fördern. Zwischendrin stoppte ich, richtete rückwärts und versuchte jede folgende Lektion unvorhersehbar zu gestalten. Damit kam ich voran. Redo hielt ihre Ohren bei mir und war leicht in der Hand. Je schneller die Wendungen und Figuren wechselten, umso genauer reagierte sie auf meine Schenkelhilfe. Durch das vermehrte Untertreten kam sogar ein annehmbares Tempo zustande. Schließlich trabte ich an. Energisch trieb ich sie voran und schob im Sattel das Pferd voran. Der erste Tritt ohne Hilfe folgte und ich parierte wieder durch in den Schritt, um die Hand aus der Ecke heraus zu wechseln und den Schenkel anzulegen. Es wurde deutlich besser. An meine Vorstellung von der korrekten Umsetzung der Hilfen kam das schwarze Pferd jedoch nicht heran, aber es war mein Problem. Lobend holte ich sie zurück und ließ sie abkauen. Gerade einmal zwanzig Minuten arbeiteten wir intensiv. Redo blähte aufgebracht ihre Nüstern, kam allerdings der Losgelassenheit nahe. Lina beobachte das Ganze von der Bande aus, betrachte jeden Tritt mit Argusaugen, wobei sich ihr Gesichtsausdruck nur geringfügig veränderte. Nach wie vor wirkte sie mit der Gesamtsituation nicht glücklich.
      “Ach Lina, was stört dich denn so?”, seufzte ich, den Hals der Stute tätschelnd.
      “Wozu mache ich das eigentlich …”, murmelte sie, ”das hat doch alles keinen Sinn.” Wie sie das so sagte, bekam ich das Gefühl, dass das Problem nicht allein bei der Stute lag.
      „Muss alles einen Sinn ergeben? Grundsätzlich verdienst du Geld auf dem Hof und die hier, sind deine Freizeitbeschäftigung, etwas eintönig, aber ist doch schön, wenn dich etwas begeistert“, versuche ich gewählt mich auszudrücken. Die Sorgen und Ängste anderer zogen sich durch mehrere Generationen und aus irgendwelchen Gründen suchte jeder nach einem Sinn. Vielleicht war der Sinn, Spaß zu haben und das sollte doch reichen.
      Sie seufzte: “Vielleicht hast du recht.”
      „Dann reitest du mal deine Tonne ab, ich habe noch zu tun“, sagte ich schließlich und sprang aus dem Sattel. Lina drückte ich die Zügel in die Hand, um schließlich im Stall wieder meine Ausrüstung abzulegen und in die bequemeren Stallschuhe zu steigen. Alles andere fand seinen Platz zurück in den Schrank.

      Vor Stunden überlegte ich noch, ob ich wirklich die Lust und Energie hatte, erneut nach Kalmar zu fahren. Allerdings fiel die Entscheidung recht schnell, als Lina begann an mir zu hängen wie eine Klette. Ihr fehlte die Beschäftigung, also schob ich ihr Blávör zu, die ich seit Monaten mit ritt. Max war ohnehin egal, wer seine Stute bewegte, solang sie mal vom Paddock konnte. Für Humbria stand schnelles Fahren auf dem Trainingsplan und erstaunlich gut, konnte Lina im Galopp mithalten. Zwischendurch verlor sie den Anschluss und kürzte dann ab. Auch bei den nächsten Trainingspferden wurde ich sie nicht los. Es war ein Tag, an dem auch Nour wenig Zeit für sie übrighatte und die kleine Brünette nur schwer selbstständig eine Beschäftigung fand. Im Wald trafen wir auf Alexa, die, mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, auf Happy einen Ausritt veranstaltete.
      Mit den Worten „ich fahre gleich zu Basti“ wurde ich schließlich meinen Anhang los. Sie interessierte sich blendet dafür, was ich auf dem Hof wollte, aber konnte sich nicht dazu durchringen, danach zu fragen, ob sie mitdürfte. An der Fernstraßenauffahrt rauschte Niklas in seinem Porsche an mir vorbei, was mir zumindest beantwortete, wieso sie nicht gefragt hatte. Vor den Ställen parkte ich das Auto ab und begab mich auf die Suche nach Basti.
      „Vriska, oder?“, fragte ein junger Herr, wenige Jahre jünger als ich.
      Zustimmend nickte ich. Er stellte sich als Timo vor. Binnen kürzester Zeit ergab sich eine nette Unterhaltung. Seit ungefähr einem Jahr war er auf dem Hof, pflegte die Pferde und übernahm den Großteil der anfallenden Stallarbeit. Dabei hatte er überhaupt keine Erfahrung im Umgang, benötigte einzig etwas Geld zum Leben.
      “Basti müsste gleich so weit sein, wollen wir noch eine rauchen?”, fragte Timo und hielt mir seine Schachtel Zigaretten entgegen. Dankend nahm ich das Angebot an.
      „Über dich wird viel gesprochen“, sagte er plötzlich, als kurzzeitiges Schweigen eintrat.
      „Das passiert mir häufiger“, schmunzelte ich, um die Verlegenheit zu überspielen. Je häufiger ich es hörte, umso schlechter kam ich mir dabei vor.
      „Also kaufst du viele Pferde?“, wunderte sich Timo.
      „Nein, das nicht“, ich wollte gerade zum ‘aber’ ansetzen, als Basti hinter einem Stallgebäude hervorkam und mich angrinste. Obwohl ich versuchte, meinen Gesichtsausdruck möglichst neutral zu halten, spürte ich den Widerstand im Kiefer. Bis zum Hals schlug mein Herz, so sehr, dass die Finger aufgrund der fehlenden Durchblutung begannen zu kribbeln.
      „Schön, dass du es einrichten konntest“, begrüßte er mich. Seine Augen wanderten unentschlossen über meinen Körper, als wüsste er ebenso wenig, ob eine Umarmung angebracht wäre. Ich zog einen Mundwinkel nach oben.
      „Danke für deine Hilfe, Timo, wenn du möchtest, darfst du Feierabend machen. Den Rest schaffen wir allein“, verabschiedete er seinen Angestellten und zusammen liefen wir in den Stall. Kaum hatte Basti einen schweren Schritt auf den Beton gesetzt, hörte man das Brummen mehrere Pferde. Einige drehten sich, um den Kopf über weiß gestrichene Fronte zu strecken. In jeder Box stand eins, hauptsächlich Braune, zwischendurch ein Rapp oder Fuchs. Meltdown konnte ich nirgendwo entdecken, allerdings gab es noch zwei weitere Gebäude.
      „Dann erzähl doch mal“, wir setzten uns in einen kleinen Aufenthaltsraum. Die Wände waren mit rötlichem Holz vertäfelt, darüber hingen Bilder. Sie zeigten allerlei Erfolge der Familie und auch welche von ihm entdeckte ich dazwischen. Aktuell waren diese nicht, das aktuellste war von 2013, also lagen acht Jahre zu heute dazwischen. Basti zündete sich darin eine Zigarette an. „Wie läuft es mit Mockup?“
      “Ich dachte, dass ich hier sei, um deine Pferde zu begutachten?”, fragte ich eingeschüchtert, noch immer überwältigt von dem, was mich umgab. Auf einem Schrank standen unordentlich Pokale und Decken übereinandergestapelt, die vermutlich zu den Auszeichnungen gehörten.
      “Hast du es eilig? Abhalten von deinen Plänen, möchte ich dich natürlich nicht”, grinste er im Begriff, sich aus dem Plastikstuhl zu erheben.
      „Nein, ich habe Zeit mitgebracht“, stoppte ich sein Vorhaben. Er legte den Arm wieder locker auf die Lehne und drückte sich in das bedrohlich knackende Plastik. Leicht bogen sich die Beine nach hinten.
      Ich begann zu erzählen vom Stress in der Führanlage, aber dass er sonst, gute Fortschritte machte. Dass ich ihn bisher noch nicht gefahren war, verschwieg ich Anfangs. Durch seine immer spezifischer werdenden Fragen kam diese Tatsache zügig ans Tageslicht.
      „Also startet ihr nicht in Visby?“, hakte er skeptisch nach.
      „So genau habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Bruno fährt bestimmt samt Familie hinüber, aber wir haben bisher keine Nennung gemacht“, erklärte ich. Vorsorglich schaute ich im System nach, das meine These bestätigte.
      „Hoffentlich entscheidest du dich noch dazu. Ich würde gern Mocki mit dir sehen.“
      Basti drückte die Zigarette aus und stand auf. Interessiert folgte mein Blick, um zu erfahren, was er vorhatte. Er öffnete den kleinen weißen Schrank und holte einen dunkelblauen Fleecepullover heraus. Wie eingefroren starrte ich ihn an, als Basti den dicken Pullover über den Kopf zog und oberkörperfrei im Raum stand. Unbewusste schnappte ich nach Luft, denn obwohl er nicht dem Katalogmann in meinem Kopf entsprach, regte sich deutlich etwas in mir. Seine eher schmale Silhouette schmeichelte mir sehr und dem kurzen Blick zu mir entnahm ich, dass sich bewusster war, was er tat, als er zugeben wollte.
      Ich schluckte.
      „Wollte mich noch entschuldigen“, stammelte ich überfordert.
      „Wofür?“ Basti runzelte die Stirn, dabei zog er die Arme in die Ärmel.
      „Für die komische Nachricht vorhin“, kam es wie Balsam für die Seele von den Lippen. Meine Augen richtete ich Richtung Boden, um seinem Gesichtsausdruck zu entkommen. Ich spürte den strengen Blick förmlich auf der Haut brennen. Noch deutlicher formte sich ein Kribbeln in der Körpermitte. Langsam hob ich mein Kinn nach oben. Bedrohlich nah stand er bei mir, zumindest so nah, dass ich hätte meine Arme ausstrecken können, um ihn zu berühren.
      „Es muss dir nicht leidtun. Ich habe deine Nachricht bereits verstanden“, schmunzelte Basti und ich meine, in der Tonlage etwas Verführerisches zu entdecken. Mittlerweile hatte er den Stoff über den Körper geführt, obwohl ich mir wünschte, einen längeren Anblick auf seine freiliegende Haut gehabt zu haben. Dennoch war jeder Moment mit ihm ein inneres Blumenpflücken.
      „Gut, ich wollte das nur klarstellen, denn“, kaum hörbar, kam ein Seufzen hervor und verschluckte die letzten Worte.
      „Mh? Denn was?“, hakte er sogleich nach.
      „Nicht wichtig. Also, bei wem soll ich Hand anlegen?“, wechselte ich das Thema. Ich wusste bisher nur von Netflix, allerdings konnte ich mir vorstellen, dass mir direkt weitere Pferde zugeschoben werden, wenn ich schon mal da bin. Ebenso war es bei dem letzten Mal.
      „Du provozierst es aber auch, dass man dich falsch versteht, oder?“, scherzte Basti. Peinlich berührt schlug das Herzklopfen um und flutete mein Gesicht mit Blut. Für einen Moment vergrub ich es in meinen Händen.
      “Man, du machst mich irre”, jammerte ich und folgte ihm in den Stall.
      „Ich dachte an Netflix und Ole. Nelly wollte, dass du dir Crazy anschaust, aber ich brauche dich lebend“, sprach er ohne auf meine Aussage einzugehen. Die Worte ließen mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war die bloße Erwähnung ihres Namens ein Messerstoß ins Herz, andererseits fühlte ich mich geschmeichelt, dass er mich brauchte.
      Aus der Box führte Basti den ersten Rappen heraus, putze ihn und ich fühlte ihm auf den Zahn. Gedanklich versuchte ich mich von dem mich umgebenden zu distanzieren, obwohl ziemlich schwer war, wenn er neben mir saß und jeden Handgriff beobachtete. Zwischendurch zog er das Handy hervor und tippte darauf herum. Was darauf genau geschah, sah ich nicht. Aber Basti grinste. Neugier brannte bis zu Nägeln, jedoch hatte ich die Baustellen des Pferdes zu begutachten. Die Praktik brachte Netflix bereits nach zehn Minuten Entspannung. Langsam schlossen sich seine Augen und er kaute genüsslich.
      “Meine Güte. Auf den Luxus deiner Zauber-Fingerchen kann man nur neidisch sein”, sprach Basti aus der Stille heraus, mit einem Grinsen auf den Lippen.
      “Wieso sollte man darauf neidisch sein? Jeder kann das lernen”, stellte ich mit leichter Irritation fest.
      Amüsiert schnappte er nach Luft.
      “Diese Unschuld in deinem Verständnis finde ich bemerkenswert”, gab Basti offen zu verstehen. Vermutlich war Linas Naivität ansteckend, dabei versuchte ich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, um mich ins rechte Licht zu rücken.
      „Sag‘ doch, was du möchtest, dann kann ich dir besser behilflich sein“, schlug ich vor, ohne den Blick vom Pferd abzuwenden.
      „Woran denkst du denn?“
      „Das steht hier nicht zur Debatte“, knackend löste sich eine Verspannung im Rücken und Netflix schüttelte sich schnaubend, „ich möchte wissen, worauf du anspielst.“
      “Wir verschieben das Gespräch”, seufzte Basti überraschend distanziert und stand auf.
      “Ich warte ungern und nicht lange”, stellte ich zum Schluss noch fest.
      Es trat Schweigen ein. Mit gekonnten Bewegungen löste er den Strick und brachte Netflix zurück in die Box, um schließlich Ole zu holen. Für den Großteil meiner Beschäftigung war Basti verschwunden und kehrte erst zurück, als die letzten Griffe an der Kruppe machte. An dem Schecken war weniger verspannt, sodass wir schnell in den Zustand der Losgelassenheit kamen. Die angesprochene Stute wurde mir nicht bereitgestellt. Wir rauchten gemeinsam eine Zigarette bei mir am Auto, tauschten Floskeln und Vermutungen zum Renntag in Visby auf, bevor ich gekränkt in den Stall fuhr. Niklas’ Fahrzeug stand tatsächlich auf dem Parkplatz, also hatte ich Ruhe vor Lina.

      © Mohikanerin, Wolfszeit // Vriska Isaac // 38.552 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende April 2021}
    • Mohikanerin
      Einfahren / Fahren E zu A | 30. April 2023

      Financial Secret / Nobelium / Three Miler / Khonshu Tröt / Calendar Girl / Leave Me Alone / Crazy Love / Trotaholic / Selva / Ardehel

      Als ich den weitläufigen Stall betrat, fiel mir sofort die lebhafte Atmosphäre auf. Die Boxen waren voll mit Pferden, die auf dem mit Span bedeckten Boden umhertrotten und dabei ein dumpfes Klopfen erzeugten. Der Rhythmus ihrer Hufe erfüllte die Luft und wurde begleitet von leisem Schnauben und dem gedämpften Rascheln ihrer Mäuler beim Kauen.
      Ich konnte die Hufschmiede hören, die ihr Geschick an den Hufen der Pferde demonstrierten. Es war erstaunlich, wie ruhig und geduldig die Pferde dabei blieben, obwohl sie offensichtlich unruhig waren. Einige von ihnen waren noch nicht mit dem Sulky vertraut, so dass wir uns in den letzten Wochen darauf konzentrierten, ihr Verständnis der Hilfen zu verfeinern.
      Immerhin gab es einige Herausforderungen zu überwinden, besonders bei den Hengsten Findus und Leave, die noch lernen mussten, in getrennten Gruppen gefahren zu werden. Auch Crazy, die Stute, die sich gerne ablenken ließ, versuchte immer wieder, ihren vierbeinigen Kollegen Noby von der Arbeit abzubringen. Zum Glück gab es in jeder Gruppe ein oder zwei »alte Hasen«, die durch ihre Ruhe für Entspannung sorgten.
      Neben den Rennpferden gab es auch Selva und Ardehel, die zum regulären Fahrtraining auf das Gestüt gebracht wurden. Die beiden hatten eine andere Aufgabe, denn sie sollten ihr Können auf dem Reitplatz im Sand unter Beweis stellen. Das Training war intensiv und anspruchsvoll, doch die beiden Pferde zeigten sich von ihrer besten Seite und machten große Fortschritte.
      Während der Vorbereitung auf den nächsten Renntag lag der Schwerpunkt zunächst auf Gleichgewicht und Koordination. Wir arbeiteten hart daran, die Geschwindigkeit und Ausdauer der Pferde zu verbessern und die Schwierigkeiten in den Kurven zu überwinden. Wir gestalteten die Einheiten abwechslungsreich, indem wir mal in den Wald gingen, mal auf die Trainingsbahn oder vom Boden aus an der Doppellonge arbeiteten. Ebenso versuchten wir, soweit es möglich war, Stangen und unebene Geländestrecken zu integrieren.
      Insgesamt machten die Pferde innerhalb von vier Wochen einen großen Sprung in ihrem Trainingsstand. Die Fortschritte waren deutlich zu sehen und wir waren zuversichtlich, dass sie auf dem nächsten Renntag in Top-Form sein würden.
      Die Vorbereitungen auf den Renntag waren erfolgreich und die Pferde waren in Top-Form. Doch der Renntag selbst war noch eine Herausforderung, da die Aufregung und das Adrenalin der Pferde auf ihrem Höhepunkt waren. Wir sorgten dafür, dass die Pferde genug Zeit hatten, sich aufzuwärmen und sich an die Umgebung zu gewöhnen, bevor sie an den Start gingen. Und es zahlte sich aus, denn am Ende des Tages konnten wir einige Siege feiern und waren stolz auf die Leistungen unserer Pferde.

      © Mohikanerin // 2710 Zeichen
    • Mohikanerin
      Wendigkeit / Fahren A zu L | 31. Mai 2023

      Anthrax Survivor LDS / Financial Secret / Drivblesa / Minelli / Alfa Flamel / Trotaholic / Selva / Ardehel / Songbird

      Die frische schwedische Frühlingsluft umhüllte den Pferdehof, als ich gemeinsam mit meinen Arbeitskollegen die neun Pferde für das Training vorbereitete. Die Sonne schien golden auf die saftig grünen Weiden und die Knospen an den Bäumen begannen zu sprießen. Es war ein perfekter Tag, um mit den Pferden zu arbeiten und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
      Ich begann mit einer ersten Analyse des aktuellen Leistungsniveaus jedes Pferdes. Mit einem wachsamen Blick erkannte ich ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf Versammlung, mittleres Tempo, Galopp und engere Wendungen. Einige konnten bereits gut den Hilfen folgen, zeigten dabei vielversprechende Versuche, den ungewohnten Anforderungen zu folgen.
      Klare Ziele wurden gesetzt, um den Weg des Trainings zu lenken. Ich definierte klare Meilensteine, die erreicht werden sollten. Einige Pferde benötigten eine verbesserte Versammlungsfähigkeit, während andere eine gleichmäßige Geschwindigkeit im mittleren Tempo erreichen sollten. Jedes Ziel wurde mit Bedacht gewählt, um das Training gezielt auszurichten.
      Mit einem progressiven Aufbau im Trainingsplan legte ich den Grundstein für den Erfolg. Wir begannen mit einfachen Übungen, um die Grundlagen zu festigen, und steigerte allmählich die Schwierigkeit und Komplexität der Lektionen. Das Vertrauen und die Fähigkeiten der Pferde entwickelten sich Schritt für Schritt.
      Die Versammlungsarbeit war ein Schlüsselaspekt des Trainings. Ich integrierte Übungen wie Übergänge innerhalb der Gangarten, Halten und Wiederantraben, Schulterherein und Travers, um die Versammlungsfähigkeit jedes Pferdes zu entwickeln. Es war wichtig, dass sie mehr Gewicht auf die Hinterhand verlagerten und eine bessere Durchlässigkeit erreichten. Vieles davon erarbeiteten wir an der Doppellonge, denn mit einer Kutsche oder dem Sulky würden diese neuen Maßstäbe deutlich schwieriger sein. Besonders für die Rennpferde reduzieren wir die Lektionen auf das Einfachste.
      Das Arbeiten im mittleren Tempo war eine weitere wichtige Komponente. Ich forderte die Pferde auf, eine gleichmäßige und kontrollierte Geschwindigkeit zu erreichen. Übergänge zwischen den Gangarten, geschmeidige Biegungen und Schlangenlinien wurden Teil ihres Trainings, um sie geschickt und reaktionsschnell zu machen.
      Der Galopp spielte eine entscheidende Rolle, und ich legte besonderen Fokus auf die Entwicklung eines ausbalancierten und kontrollierten Galopps. Die Pferde übten auf geraden Linien, Volten und gebogenen Linien. Übergänge zwischen Galopp und anderen Gangarten förderten ihre Durchlässigkeit und Geschmeidigkeit.
      Um die Wendigkeit und Geschmeidigkeit zu verbessern, konzentrierten wir uns auf engere Wendungen. Präzise Wendungen um Pylonen oder auf dem Hufschlag schärften ihre Flexibilität und ihr Gleichgewicht. Das Gefühl der Leichtigkeit, wenn sie sich um die Kurven bewegten, war ein Zeichen für ihren Fortschritt. Während des Trainings spürte ich die Energie der Rennpferde.
      Um die Motivation aufrechtzuerhalten und die Lernkurve zu steigern, variierte ich das Training regelmäßig. Wir arbeiteten an verschiedenen Übungen, nutzten unterschiedliche Bahnfiguren und stellten immer wieder neue Herausforderungen. Die Pferde wurden neugierig, aufmerksam und waren bereit, ihr Bestes zu geben.
      Während des mehrwöchigen Trainingsplans war es mir wichtig, Pausen und Regenerationszeiten einzuplanen. Physische und mentale Überlastung musste vermieden werden. Ich sorgte dafür, dass die Pferde genügend Zeit zur Erholung hatten und ihnen ausreichend Bewegung und Weidegang ermöglicht wurde.
      Der Pferdehof in Schweden war ein Ort des Fortschritts und der Zusammenarbeit. Meine Kollegen und ich teilten unsere Leidenschaft für Pferde und arbeiteten als Team zusammen, um das Beste aus jedem Pferd herauszuholen. Gemeinsam schufen wir eine Atmosphäre des Wachstums und der Unterstützung.
      Während der Frühlingstage in Schweden blühten nicht nur die Blumen, sondern auch die Fähigkeiten und Talente der Pferde. Jeder Tag brachte neue Erfahrungen und Fortschritte. Und ich fühlte mich dankbar und erfüllt, dass ich Teil dieser wunderbaren Reise war, die die Pferde zu ihrem Potenzial führte.

      © Mohikanerin // 4152 Zeichen
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    kalmar.
    Hochgeladen von:
    Mohikanerin
    Datum:
    11 Juli 2022
    Klicks:
    1.328
    Kommentare:
    14

    EXIF Data

    File Size:
    54,7 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • Ole ist 4 Jahre alt.

    Aktueller Standort: Kalmartravet Stuteri, Kalmar [SWE]
    Unterbringung: Box [9 h], Paddock [15 h]


    –––––––––––––– s t a m t a v l a

    Aus: Kora's Trotter (US) [Standardbred]
    MMM: Misty Giggles (US) ––––– MM: Misty Tickles (US) ––––– MMV: Jurgy Hanover (US)
    MVM: Akdov (US) ––––– MV: Veeba Rova (US) ––––– MVV: Speedy Somolli (US)


    Von: Lu'lu'a [franz. Traber]
    VMM: Unbekannt ––––– VM: Après la Pluie (FR) ––––– VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt ––––– VV: Majd (Araberpinto) ––––– VVV: Unbekannt



    –––––––––––––– h ä s t u p p g i f t e r

    Zuchtname: Trotaholic
    Rufname: Ole
    Farbe: Rappschecke
    [Ee aa nTo]
    Geschlecht: Hengst
    Geburtsdatum: 10. Juli 2018
    Rasse: Standardbred [STB]
    Stockmaß: 164 cm

    Charakter:
    geschickt, einfallsreich, kreativ

    * Ole hängt sich zur Sicherheit an andere Pferde
    * hat ein dicke Fell, interessiert sich nur wenig für Hilfen


    –––––––––––––– t ä v l i n g s r e s u l t a t

    [​IMG]

    Dressur L [M] – Springen E [A] – Military E [E] – Fahren A [L] – Rennen S* [S+] – Western E [A] – Distanz E [E] – Gangreiten E [L]

    Juli 2022 Training, Rennen E zu A
    September 2022 Ausdauer, Rennen A zu L
    Oktober 2022 Heat, Rennen L zu M
    November 2022 Renntag, Rennen M zu S
    Februar 2023 Ausbildung, Dressur E zu A
    März 2023 Gymnastizierung, Dressur A zu L
    April 2023 Einfahren, Fahren E zu A
    Mai 2023 Wendigkeit, Fahren A zu L
    Juli 2023 Siegreich, Rennen S zu S*

    Ebene: International
    Einsatz: Trabrennen
    Distanz: Flieger

    Januar 2023
    2. Platz, 371. Gangturnier
    1. Platz, 372. Gangturnier

    Juni 2023
    3. Platz, 380. Gangturnier

    Juli 2023
    3. Platz, 621. Rennen
    2. Platz, 381. Gangturnier


    –––––––––––––– a v e l

    [​IMG]

    Gekört durch HK 520 im Januar 2024.

    Zugelassen für: Traber aller Art; Barock-Reitpferd; Speed Racking Horse
    Bedienung: -
    DMRT3: AA [fünfgänger]
    Lebensrekord: 1:09,1 /1690 m
    Decktaxe: 377 J. [Verleih auf Anfrage]

    Fohlenschau: 0,00
    Materialprüfung: 0,00

    Körung
    Exterieur: 7,27
    Gesamt: 7,70

    "Ein mittelgroßer, gut proportionierter, quadratischer Hengst. Ausdrucksstarkes Kopfprofil mit konkaver
    Nasenrücken, langer, gut angesetzter Hals mit natürlicher Aufrichtung. Hoher, langer Widerrist, liegende,
    tiefe Schultern, tiefer Rumpf, langes, abfallendes, gut bemuskeltes Kreuz und gut bemuskelte
    Oberschenkel. Linkes Vorderbein ist knickig. Das rechte Hinterbein ist gerade mit langen, schwachen
    Fesseln. Die Hufe haben unterentwickelte Strahlfurchen hinten. Die Bewegungen im Schritt sind kurz und
    eng. Das rechte Hinterbein wird gestreckt und getreten."

    Gangpferd: 7,36


    –––––––––––––– a v k o m m e r

    Trotaholic hat 0 Nachkommen.
    • 20xx Name (aus: Name)


    –––––––––––––– h ä l s a

    Gesamteindruck: gesund, im Training
    Krankheiten: keine
    Röntgen: Ohne Befund

    "Starke Gabelbandverletzung (?) am rechten Hinterbein und leichte Schwellungen in den Sprunggelenken."

    Beschlag: Falzeisen [Stahl], Voll


    –––––––––––––– s o n s t i g e s

    Eigentümer: Kalmartravet [50 %]; Sebastian Göransson [50 %]
    Pfleger: Timo Sövik
    Trainer: Sebastian Göransson
    Fahrer: Sebastian Göransson
    Züchter: Knut Trotting AB, Gothenburg [SWE], B. Knutsson
    VKR / Ersteller: Mohikanerin

    Punkte: _gekört

    Abstammung [3] – Trainingsberichte [9] – Schleifen [5] – RS-Schleifen [0] – TA [2] – HS [0] – Zubehör [2]

    Spind – HintergrundVorschauKörung