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Findu

Tibor

| Trakehner | Wallach | *1999 | Box II

Tibor
Findu, 19 Apr. 2018
Cooper, sadasha und Lye gefällt das.
    • Findu
      Alte Berichte:
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      09. August 2017 | 63.334 Zeichen | Canyon
      Göttliches Eintreffen

      Malte » »Warum erzählst du mir sowas immer erst, wenn es bereits zu spät ist?» Eingeschnappt blickt Petyr auf mich herab. Locker fallen ihm seine blonden Haare ins Gesicht und umranden seine weichen Zügen ziemlich vorteilhaft. Mittlerweile sieht er viel jünger aus, als er wirklich ist, während ich, trotz meiner geringen Größe, in den letzten Jahren immer mehr gealtert bin.
      »Nichts ist zu spät. Du hast noch genau zwölf Stunden Zeit, dich mit diesem Gedanken anzufreunden.«
      »Super, und wie lange weißt du es schon?«
      »Zwei Monate.«
      »DAS hättest du mir jetzt nicht auch noch aufbinden müssen!«
      »Du wolltest es doch wissen?«
      »Argh!» Petyr rauft sich die Haare. Ich schließe die Augen und lasse die Mittagssonne mein Gesicht erwärmen. Als sich etwas Dunkles vor meine Augen schiebt, öffne ich sie blinzelnd und schaue in das stets freundliche Gesicht von Logi.
      »Hey du«, flüstere ich. »Du freust dich auf die beiden Neuen, stimmt‘s?« Logi schnaubt und wuschelt mit seinem Maul auf meinem Kopf herum.
      »Jaja, stelle du dich auch nur auf seine Seite, war ja klar Logi.« Meint Petyr eingeschnappt und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er leicht angepisst Modjos gelocktes Haar aus der Bürste zieht. Ich lächle zufrieden. Der Tag ist schön, denke ich, hebe dann meine Hand und wuschle Óslogi durch die dicke Mähne. »Die beiden passen zu euch.«
      »Das ist die erste Stute, die du dir je in deinem Leben anschaffst, bist du dir sicher, dass du dafür bereit bist?« Wieder hört Petyr mit seiner Arbeit auf und blickt auf mich herab.
      »Selbst wenn mir jetzt einfallen würde, dass ich doch keine Stute haben will, wäre es zu spät.«
      »Malte, das sollte ein Scherz sein.«
      »Oh, achso, wusste ich nicht.« Ich richte mich auf, löse das Band aus meinem Haar und mache mir dann, da Logi ihn zerstört hatte, einen neuen Zopf. Logi dreht sich währenddessen von mir weg und läuft, nein schlurft zurück zu den anderen.
      »Irgendwas stimmt mit deinem Ironiedetektor nicht.«
      Umständlich stehe ich auf und klopfe mir das Gras von der Hose. »Wie meinst du das?«
      »Du bist der einzige, der nie meine Witze versteht.«
      »Vielleicht sind sie ja nicht witzig?«
      »Den Gedanken hatte ich auch schon und habe versucht, diese Theorie anhand und Eycǘind zu belegen.« Petyr verstummt und räumt die Bürste zurück in die Tasche.
      »Und?« Erwartungsvoll blicke ich ihn an.
      »Hat nicht geklappt.«
      »Und daraus schließt du, dass es an mir legen muss?«
      »Viel andere Möglichkeiten bleiben ja nicht mehr.« Ich belasse es dabei, greife auch zu einer Bürste und mache mich auf den Weg zum Offenstall. Félagi und Dynur dösen im kühlen Schatten, richten sich jedoch beide auf, als ich näher komme. Es tut gut zu sehen dass die beiden zufrieden
      schienen. Der einzige der mir von meiner Bande Sorgen bereitet, ist Logi. Er versteckt es gut, jedoch merke ich ihm an, dass er sein Blackys Tod nur noch spärlich den Kontakt zu anderen sucht. Acapulco Gold, Dynur und Félagi machen es ihm jedoch nicht allzu leicht und obwohl Angus stets versucht von Kontakt aufzubauen, schüchtert er Logi mit seiner Größe, Kraft und Ungeschicktheit ein.
      Dynur und Félagi werden von mir kurz begrüßt, bevor ich aus den Tiefen meiner Hosentaschen einen Hufauskratzer zaubere. »Huf-Time!« Sage ich und kraule beiden nochmal den Kopf. Félagi hat keine Lust. Er versucht sich abzuwenden, jedoch komme ich ihm zu vor und stelle mich in seinen Weg. »So nicht Dicker. Das ist eine gute Übung, auch unangebunden stehen zu können.« Meine ich und bringe ihn wieder zu seinem alten Platz. Felli schnaubt und versucht sich mit flinken Bewegungen unter meinem ausgestreckten Arm hindurch zuwinden. Nach weiteren fünf Minuten haben wir beide es ausdiskutiert. Félagi steht. Dynur hält sich natürlich gekonnt heraus. Warte nur, bis du dran bist, denke ich und beginne damit, Félagi die Hufe auszukratzen. Dynur hat jedoch Glück, ich komme nicht mehr dazu. Mein Telefon klingelt. Umständlich versuche ich mir es, noch in der einen Hand Félagis Huf haltend, es zwischen Schulter und Ohr zu klemmen, erkenne jedoch bereits nach wenigen Sekunden, dass das wohl nichts mehr wird.
      »Tordenværson.« Sage ich leicht genervt.
      »Ebenfalls, schön, dich mal wieder zu hören!« Sagt die mir sehr gut bekannte Stimme einer Frau.
      »Schwesterchen! Wie komme ich zu dieser Ehre?« Erfreut richte ich mich auf und lasse dabei Félagis Huf los. Dieser nutzt die ihm gegebene Freiheit schamlos aus, zwickt seinem Freund Dynur kurz ins Ohr und macht sich mit buckelnden Galoppsprüngen aus dem Staub. Ich versuche ein Stöhnen zu unterdrücken, ich stöhne in letzter Zeit viel zu oft.
      »Ich dachte, ich melde mich mal wieder, vor allem da ich vorhabe, dich besuchen zu kommen. Hast du gerade Zeit?« Dringt es aus dem Telefon.
      »Jetzt schon.« Sage ich und entferne mich schlendernd noch ein Stückchen weiter von Petyr, welcher nun gerade auch Brock putzt. »Du willst mich besuchen kommen? Wann denn?«
      »Das klingt ja nicht so, als würdest du dich sehr freuen.« Sie klingt enttäuscht.
      »Doch! Natürlich freue ich mich! Es gibt nur viel Arbeit und ich habe Angst, zu wenig Zeit für dich zu haben.« Ich bleibe am Weidezaun stehen. Vor mir liegt das Wäldchen, dahinter erstreckt sich das Wasser des Fjords. »Bitte komme. Es wäre wunderbar, dich endlich mal wieder zu
      sehen.«
      Juli lacht. »Ich wäre sowieso gekommen. Ich brauche nämlich dringend eine Unterkunft und selbst ein Hostel ist mir bei euch viel zu teuer.«
      »Du bist nur auf Durchreise? Wohin geht‘s?«

      »Ich muss auflegen.« Sage ich wenig später. Petyr kommt auf mich zu, an seine Fersen hat sich Saga geheftet. Sie grinst, wie immer.
      »Klar kein Problem, Brüderchen. Pass‘ auf dich auf!« Sie legt auf. Mir fällt ein, dass ich immer noch nicht weiß, wann sie kommen wird. Ich schreibe es mir auf meine To-Know-Liste.
      »He Malte!« Ruft Petyr mir zu. »Wer ist denn dein heimlicher Anrufer?«
      »Juli, sie will mich besuchen kommen.«
      »Juli?« Petyr lässt Sagas Hand los. »Die habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen.«
      Ich werfe einen kurzen Blick zu Saga. Sie beobachtet Petyr. Ich wähle meine Worte gut, bevor ich antworte. »Sie ist nur auf Durchreise. Sie freut sich auch, alle wieder zu sehen. Ich soll dir auch schöne Grüße ausrichten.«
      »Danke. Weißt du schon, wann-« Saga fällt Petyr ins Wort.
      »Also eigentlich sind wir nur gekommen, um dich zu fragen, ob du Lust auf einen Ausritt hast.« Auf ihrem Gesicht erscheint ein erzwungenes Grinsen.
      Ich schüttle erleichtert den Kopf. »Danke, aber die Arbeit wartet.«
      »Schade«, Saga zuckt mit den Schultern. »Kommst du, Petyr?« Mit einem eisigen Lächeln wendet sie sich zu Petyr, welcher wohl auch begriffen hatte, dass es nicht der beste Zeitpunkt war, sich über Juli zu erkundigen. Saga winkt mir kurz zu und macht sich dann mit Petyr im Schlepptau auf den Weg zu den Pferden.

      Ich bin wieder allein. Seit Petyr und Saga mit Modjo und Brock zu einem Ausritt aufgebrochen sind, habe ich niemanden mehr gesehen. Die Boxen sind sauber und zwei weitere vorbereitet. Wieder einmal schleicht die Zeit und während alle anderen in dieser kurzen freien Zeit etwas mit
      ihren Liebsten unternehmen oder anderweitigen Hobbys nachgehen, sitze ich, Malte, alleine vor dem Stallgebäude, esse eine Banane und beobachte Chlochard dabei, wie er sich einen Kampf mit einem Blatt liefert. Er ist ein hübscher Kater. Seine Scheckung ist bunt und abwechslungsreich, aber vor allem seine hellblauen Augen ziehen die Blicke auf ihn. Capucine und ihr Wurf gehören auf den Hof und auch wenn sie nur ein kleiner Teil des Ganzen sind, wäre das Leben hier ohne sie noch ein bisschen trister. Dabei vermute ich, dass nicht einmal die Hälfte der Hofbewohner jeden Namen kann. Clochard, Voleur, Ciel, Fleur und Déchiré.

      Ich sehe niemanden. Bis ich am Abend in meinen Wagen steige, den Hofanhänger ankuppel und die Insel verlasse, verbringe ich meine Zeit mit den Tieren. Ich fühle mich so einsam wie noch nie zuvor. Ich dachte immer, ich bin gerne allein. Mittlerweile lernte ich jedoch den Unterschied zwischen allein und einsam zu sehen und ich begreife nun, dass nur eines der Dinge mich unglücklich macht. Der Wagen brummt. Das alte Gefährt arbeitet kräftig unter der Last des Hängers, dabei war er noch nicht einmal beladen. Ich schalte das Radio an und lasse mich von der Musik beschallen, die daraus hervor dringt.
      Trotz des langsamen Tempos erreiche ich eine Stunde zu früh den Flughafen. Mich stört es nicht, ich suche mir einen stillen Platz und beobachte sie, die Menschen. Eine halbe Stunde vor der Ankunft stehe ich schließlich auf und mache mich auf den Weg zu der großen Anzeige über
      den Köpfen der hektischen Menschen. Bei meinem gesuchten Flug stoppe ich abprupt. Hinter dem Flugzeugsnamen ist eine Info eingeblendet: Auf Grund technischer Probleme kommt es zu Verzögerungen. Super, denke ich. Ich hätte es nicht anders erwarten sollen. An der anderen Seite des Flughafens finde ich die Information. Bei einer jungen Frau erkundige ich mich, wie viel Verspätung der Flug haben würde. »Es sind zwei Pferde für mich an Bord.«
      Sie tippt in ihrem Computer, blickt kurz zu mir und fragt dann: »Ihr Name, bitte?«
      »Tordenværson, Malte.« Sage ich und versuche einen Blick auf den Bildschirm zu erfassen.
      Sie tippt wieder. »Sie sollten eigentlich eine Nachricht erhalten haben.«
      »Ok», sage ich. »Habe ich noch nicht gesehen. Können sie mir trotzdem sagen, wie lange es ungefähr noch dauert?«
      »Das Flugzeug musste leider in Amsterdam zwischenlanden. Der Weiterflug ist für morgen früh um acht angesetzt.«»Um acht?!« Ich bin entsetzt. »Die Pferde werden die ganze NACHT im Flugzeug verbringen?!«
      »Es tut mir Leid, aber Sicherheit geht vor. Es werden genügend Experten an Bord sein, die sich um die Pferde kümmern. Seien Sie unbesorgt, ich versichere Ihnen, dass beide gesund und munter ankommen werden. Haben sie ansonsten noch Fragen?«
      »Nein«, knurre ich und wende mich vom Infopult. »Zwölf Stunden später!« Das erste Mal in meinem Leben ärgere ich mich, mein Handy als angenehmer im ausgeschalteten Zustand zu erachten.
      Anstatt wieder nach Hause zu fahren, wende ich in Richtung Stadt ab. Oslo ist voll um diese Jahreszeit und das gute Wetter lockt natürlich all jene an, die noch nicht mit Fotoapparat und Sonnenhut durch die breiten Gassen laufen. Ich bin nicht gerne hier. Der Trubel der Stadt
      stört meine Gedankengänge, aber vielleicht suche ich genau heute nach einer Auszeit, ohne die wilden Sprünge und Ideen. Eine Bar am Hafen soll ganz gut sein, meint Charly. Ich folge ihrer Einschätzung und betrete wenig später eben jene.

      Jora » Sie haben mich mitgeschleift, mir blieb keine andere Möglichkeit, ist die Ausrede zu mir selbst, als ich den vollen Pub am Hafen betrete. Halla und Emma brauchen nicht lange und sitzen kurz darauf mitten im Trubel an der Bar. Es ist kurz vor Mitternacht. Normalerweise liege ich um diese Zeit im Bett und genau dort würde ich jetzt auch gerne sein. Ein Schauder läuft mir über den Rücken, als ich meinen Blick über die vielen Menschen werfe.
      »Jora!« Schallt es von der Bar. »Wenn du noch länger am Eingang stehen bleibst, bildet sich hinter dir eine Schlange.«
      Ich wage einen weiteren Schritt, nichts passiert. Der Weg bis zum Barhocker ist unendlich weit oder fühlt sich jedenfalls so an. Ungekonnt hieve ich mich schließlich neben Halla und Emma, welche bereits wieder in ein Gespräch vertieft sind.
      »Auch was zu trinken?« Grölt der Typ mich hinter der Bar an. Stumm schüttle ich den Kopf und lächle kurz. Nach zehn Minuten ist mein Hals von der stickigen und verrauchten Luft jedoch so trocken, dass ich doch noch ein Glas Wasser bestelle. Der Barmann scheint mich jedoch falsch verstanden zu haben, vielleicht ist es auch Absicht, aber er stellt mir ein Glas Whisky vor die Nase. Ich will mich natürlich beschweren, als Halla mir beschwichtigend eine Hand auf den Arm legte.
      »Los Süße, ein Glas trinkst du mit uns!« Brüllt sie gegen den Lärm an. Entschlossen schüttle ich den Kopf, jedoch lässt sie nicht locker, sodass ich schließlich doch einen Schluck nehme. Es ist genauso scheußlich wie erwartet. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, lächle und zeige Halla den Daumen. Jedoch weiß ich zu genau, dass heute Abend kein weiterer Tropfen davon über meine Lippen kommen wird.
      »Gehe mal auf Toilette!« Brülle ich.
      »Was?« Trinkt es durch den Lärm zu mir zurück.
      »Toilette!« Schreie ich nochmal und zeige auf das erleuchtete Schild über den Köpfen der Besucher. Halla scheint mich verstanden zu haben, jedenfalls nickt sie.
      Die Toilette ist jedoch auch kein Ort der Erholung und ich beeile mich, jedenfalls eines meiner Bedrängnisse zu stillen. Als ich den vollen Ort wieder betrete, bleibt mir die Luft weg. Ich will raus hier, denke ich und beginne damit, mir hektisch einen Weg in Richtung Ausgang zu bahnen.
      Die frische Luft tut gut. Ich schließe die Augen, versuche den Gestank des Rauchs an meinen Kleidern zu ignorieren und mich nur auf den Klang der Wellen zu konzentrieren, welche gleichmäßig gegen den Beton des Hafens schlagen.

      Ich bin ruhiger, als ich den Pub abermals betrete. Ich weiß, was auf mich zukommt und es überrollt mich nicht wie noch beim ersten Mal. Entschlossen will ich den Weg zurück zur Bar einschlagen, als mir ein junger Mann ins Auge fällt. Zusammengesackt lehnt er über dem Tresen,
      vor ihm stapeln sich einige leere Flaschen. Ich bleibe stehen. Selbst ich kann nicht sagen, was mich in diesem Moment innehalten ließ. Ein Gefühl sagte mir, dass er nicht der typische Gast ist. Seine alte Jeans Hose und das karierte dunkle Hemd, sowie die rötlichen Haar und das Lederband mit der Glaskugel gefallen mir. Ich will mich davon abhalten, jedoch zieht es mich zu ihm hin. Ich bin es nicht selbst, die mich abhält, sondern die kräftige Hand Emmas. Sie zieht mich energisch zurück und grinst. »Falsche Richtung Jora, hier sind.«
      Ich schüttle mich kurz und reise mich dann von dem Typen los und blicke zu Emma. Die kräftige Frau ist bereits betrunken, wie stark, das kann ich nicht einschätzen. Ich seufze. »Der Typ da drüben«, sage ich und zeige in Richtung der Bar. »Der hat schon ziemlich viel getrunken.«
      »Tja, nich jeder is bereits scho erwachschen wie wir.« Keilt Emma laut lachend und nimmt noch einen Schluck aus ihrer Flasche. Ich will gar nicht wissen, was da drinnen ist. »Wir wischen wanns jut is, stimmt‘s?«
      Ich nicke spöttisch. »Das sehe ich.« Emma lacht wieder und dreht sich dann in die andere Richtung.
      »Looos, komm Jora, dahinten jibts hübsche Männer!« Ich beobachte sie noch, wie sie durch die Menge zurück zur Bar stolpert und wende mich dann wieder dem Mann an der Bar zu. Er sitzt immer noch am gleichen Fleck. Langsam drücke ich mich zwischen den tanzenden Köpern hindurch, irgnoriere die vielen Berührungen von schweißnasser Haut an mir und lande schließlich an der Bar. Der Hocker neben ihm ist noch frei. Ich lasse mich darauf nieder und betrachte ihn von der Seite. Jetzt wo ich einmal hier bin, weiß ich nicht mehr weiter. Alle Ansprechmethoden erscheinen mir kindisch und ich weiß selbst nicht mehr, was ich von ihm will. Ihn nach Hause fahren etwa? Am besten noch mit meinem Fahrrad, denke ich und wende für einen Moment den Blick von ihm.
      »Hey«, sagt plötzlich eine Stimme. Erschrocken wende ich mich um. Er hat sich aufgerichtet, schwankt jedoch erheblich.
      »Hey.« Sage auch ich.
      »Willste was?« Fragt er und schiebt mir eine volle Flasche mit irgendetwas alkoholischem zu.
      »Nein danke, ich trinke nicht.« Wehre ich dankend ab und frage mich wieder, was für Hirngespinste mich hier her gelockt haben. Der Typ scheint nicht nur besoffen, er ist es auch.
      »Gut so, ich auch nicht.« Sagt er niedergeschlagen und gießt sich selbst noch ein Glas ein.
      Meine Augenbraue zieht sich nach oben. »Ähm, doch, gerade trinkst du und das anscheinend nicht zu knapp.« Ich deute auf die leeren Flaschen. Er hält in seiner Bewegung inne, schwenkt seinen Kopf leicht von einer Seite zur anderen und zuckt dann die Schultern. »Egal, alles egal.«
      Er tut mir Leid. Mir tun oft Menschen leid, aber ich sehe, dass er es nicht verdient hat. »Soll ich dich nach Hause bringen?« Frage ich deshalb nervös.
      Er blickt kurz auf. Ich mag seine grünen Augen, auch wenn sie nun vor Schmerz verzogen sind. »Ist das eine billige Anmache? Danke ich komme gut alleine zurecht!« Meint er abweisend und nimmt noch einen Schluck.
      »Nein, ich dachte nur-«
      »Dann dachtest du eben falsch. Lasse mich gefälligst in Ruhe!«
      Ich sage nichts mehr. Ich hätte wissen müssen, dass es eine dumme Idee ist, hilfsbereit in einer Bar zu sein, das sollte ich mir fürs Altenheim aufheben. Ich rutsche vom Hocker und ohne noch etwas zu sagen mache ich mich zurück auf den Weg zu meinen beiden Begleiterinnen. Er hat mich verletzt und das schadet meinem sowieso schon geringen Selbstbewusstsein. Ich versuche mir jedoch nichts anmerken zu lassen und setze mich wieder neben Halla und Emma.
      »Wo warst du denn solange?« Erleichtert stelle ich fest, dass jedenfalls Halla noch ordentlich sprechen kann.
      »Ich habe versucht einem Typen da vorne zu helfen, der kippt gleich vom Hocker. Dieser unfreundliche Typ wollte sich jedoch nicht helfen lassen.«
      »Du konntest es mal wieder nicht sein lassen, wa?« Halla boxte mir an die Schulter. »Wer war‘s denn? Sah er jedenfalls gut aus?«
      »Ganz vorne an der Bar.« Unauffällig auffällig hängt sich Halla weit über den Tresen der Bar und
      versucht an den vielen Köpfen vorbei zu schauen. »Ich glaube, ich sehe ihn. Witzig.«
      »Was ist daran denn witzig. Siehst du nicht, wie besoffen der aussieht?« Verärgert lehne ich mich ein Stück zurück.
      »Jetzt sei mal nicht so pingelig, das meinte ich gar nicht. Ich kenne den Typen.«
      »Was? Du kennst ihn?« Erstaunt wende ich mich wieder zu ihr um.
      »Ja, ist aber schon ewig her. Verwundert mich, ihn hier anzutreffen.«
      »Sag‘ schon, woher kennst du ihn?«
      »Sei nicht so ungeduldig, ich habe schon eine Menge getrunken, mein
      Gehirn arbeitet da langsamer.« Meint Halla und lächelt schief. »Ich habe ihm mal zwei Pferde bringen müssen. Vor drei Jahren, oder so? Der ist irgendwie Trainer oder so.«
      »Trainer? Weißt du denn noch, wie er heißt?« Versuchte ich Halla die Informationen zu entlocken.
      Sie lässt sich Zeit. »Mhm.« Sie überlegte. »Irgendwas mit M. Mario, Mattes, Matheo. Kein Plan, frage mich morgen nochmal.«
      Das reicht mir nicht. »War er denn nett?«
      »Nett? Was ist das denn für eine Frage. Ja, glaube schon, wir haben zusammen einen Kaffee getrunken.« Halla steht auf. »So Süße, ich suche mir mal ein paar betrunkenere Leute als dich. Ich bin schließlich hier um Spaß zu haben.« Meint sie und schwankt ziemlich elegant zu in die Masse. Ich drehe mich wieder zur Bar. In Gedanken versunken blicke ich auf das Glas vor mir, in welchem sich die tanzenden und bunten Lichter sammelten.
      »‘Tschuldigung, darf ich mich setzen?« Erschrocken fahre ich um. Neben mir steht der Mann. Trotz des vielen Alkoholkonsums steht er fest auf beiden Beinen. Einige Haare haben sich aus seinem Zopf gelöst und fallen ihm nun ins Gesicht. Er weicht meinem Blick aus.
      »Klar«, sage ich trocken und wende mich wieder von ihm ab. Das wäre jetzt ein schlechter Zeitpunkt, um hilfsbereit und freundlich zu sein.
      Er setzte sich. »Tut mir wirklich Leid, dass ich dich gerade so angefahren habe. Das war ziemlich unfair.« Ich blicke zu ihm. Diesmal wendet er seinen Blick nicht ab. Oh Gott, lasse dich nicht von deinen Gefühlen leiten! Er sieht ziemlich gut aus, ich kann es nicht verleugnen.
      »Kein Problem,« sage ich leise. Irgendetwas steckt mir in der Kehle und nimmt mir die Luft.
      »Doch ist es, deswegen tut es mir auch sehr Leid, dich das nun zu fragen. Aber du hattest Recht.« Erwartungsvoll und ziemlich verängstigt blicke ich ihn an. »Kannst du mich nach Hause fahren? Ich habe auch ein Auto.«
      Mir verschlägt es nun ganz die Stimme. Das hatte ich nicht erwartet. Mir ist es nicht möglich geplante Bewegungen auszuführen, deswegen zucke ich mit den Schultern und nicke schließlich. »Natürlich, dass hatte ich dir ja angeboten.«
      »So natürlich ist es nicht, nach meiner Abfuhr.« Er schwankt. »Soll Alkohol nicht glücklich machen? Ich fühle mich so dreckig wie noch nie.«
      Ich lächle leicht. »Ich suche schnell meine Freundinnen und sage ihnen Bescheid, dann komme ich zurück, ja?« Er nickt dankbar. Ich lasse mich vom Hocker gleiten, schnörkle mich durch die Menge, bis ich schließlich auf Emma und Halla treffe. Sie sind nicht schwer zu übersehen; Emma
      benötigt um ihren schwingenden Körper jede Menge Platz und Halla hat alle freien Jungs aus ihrem Umkreis angelockt. Verwundert mich nicht, bei ihrem Haar und ihrem Gesicht.
      Ich bahne mir einen Weg zu ihr hindurch. Sie hört auf zu tanzen, als sie mich sieht und folgt mir netterweise aus dem Treiben heraus.
      »Ich fahre den Typen jetzt doch nach Hause!« Sage ich laut.
      »Was?« Brüllt Halla.
      »Ich fahre den-« Wollte ich wiederholen.
      »Ich habe dich schon verstanden, ich wollte eher wissen, ob du jetzt vollkommen gaga bist?«
      »Warum?«
      »Weil der Typ höchst besoffen ist, du ihn nicht kennst und alles mögliche passieren könnte!« Sagt Halla eindringlich. »Bist du dir da wirklich sicher?»
      „Er braucht meine Hilfe!“ Rechtfertige ich mich.
      Halla schnaubt verächtlich. „Und du würdest wohl auch einem Vergewaltiger oder Terroristen die Hand reichen, wenn er sie braucht? Das ist doch Unfug. Lass den Typen alleine mit seinen Problemen zurecht kommen und amüsiere dich lieber noch ein bisschen!“
      Ich merke, wie ihre Worte mich zum Nachdenken bringen. Sie hat Recht, die Gefahr ist ziemlich groß, dass etwas passiert. »Ich bin selten leichtsinnig-«, fange ich an, werde jedoch abermals unterbrochen.
      »Dann solltest du es auch jetzt nicht sein!« Sagt Halla eindringlich.
      »-aber diesmal werde ich es sein. Ich sehe das Risiko und werde es bewusst eingehen.«
      Halla schnaubt wieder und winkt dann ab. »Ich sehe schon, ich kann dich nicht überzeugen. Dann mach halt, aber komme nicht im Nachhinein heulend zu mir zurück. Von der Polizei oder aus dem Krankenhaus will ich dich auch nicht abholen müssen.« Dann dreht sie sich um und verschwindet zurück in der Masse. Ich stehe alleine vor der Tür zur Toilette, aus welcher in diesem Moment eine kreischende Gruppe von Mädchen gestolpert kommt. Halb fasziniert, halb angeekelt sehe ich zu, wie eine betrunkener als die andere anfängt, sich auf der Tanzfläche gegen den Takt zu bewegen. Tanzen würde ich es nicht nennen. Ich muss hier raus, denke ich und suche mir den Weg zurück zur Bar.

      Er sitzt immer noch hier. Unruhig schweift sein Blick über die Menge, entspannt sich jedoch, als er mich erblickt.
      »Sorry«, keuche ich. »Hat leider etwas länger gedauert.«
      »Ich äh-« Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. »Kein Problem.«
      Ich bin kurz verwirrt und stehe etwas unschlüssig vor ihm. »Wollen wir dann gehen?«
      Er nickt und rutscht ungeschickt vom Hocker, knickt auf seinen Beinen ein, die ihn nicht mehr zu tragen vermögen. Meine Hand ist schnell bei ihm, greift ihn am Arm und versucht ihn zu stützen. Er keucht. Gebückt bleibt er stehen. »Alles, alles dreht sich.« Sagt er schwach. Alkohol scheint auf ihn eine andere Wirkung zu haben, wie bei allen anderen, denke ich. Langsam richtet er sich auf, nickt mir kurz zu und zusammen machen wir uns auf den Weg durch die undurchringliche Menschenmasse, welche sich lachend, wirbelnd und ungeschickt ständig uns in den Weg stellt. Ich bin froh, nichts getrunken zu haben. Ich sehe es ihm an, dass sie ihn noch mehr verstören.
      Umso dankbarer sind wir über die klare, salzige Luft. Sie erfüllt meine Kehle mit neuem Leben und gibt auch dem Kerl, der immer noch an meinem Arm klammert, neue Kraft. Er atmet tief ein und richtet sich dann ein Stückchen auf.
      »Mein Auto, es steht gleich da vorne.« Meint er und deutet auf einen spärlich beleuchteten Parkplatz. »Der Volvo, grün.«
      Ich nicke wieder und ziehe ihn fast hinter mir her, als ich mich auf den Weg zum Parkplatz mache. Den Volvo erkenne ich schnell, jedoch sehe ich noch mehr, als nur das alte Gefährt.
      Ich keuche. »Da ist ein Pferdehänger hinten dran!«
      Er blickt auf. »Was? Ja, nein, alles gut.«
      »Da ist aber kein, du weißt schon, da ist nichts drinnen oder?« Frage ich ängstlich.
      Er schüttelt den Kopf. »Nein nein.«
      Ich bin nicht befriedigt. Seine Antwort klingt zu unsicher, vielleicht weiß er es selber nicht mehr genau. »Hast du deinen Autoschlüssel?«
      »Autoschlüssel.« Nuschelte er und kramte ungeplant in seiner Tasche. »Ja hier irgendwo-«
      Ich komme nicht herum, trotzdem noch einen kurzen Blick in den Hänger zu werfen, nachdem ich ihn auf den Beifahrersitz gesetzt habe. Zu meiner großen Erleichterung, finde ich nichts weiter im Hänger, als frisches Heu und Stroh in beiden Boxen. Als ich mich wieder zu ihm in den Wagen setze, hat er seinen Kopf gegen das Fenster gelehnt und die Augen geschlossen. Es bereitet mir Sorgen, dass er sich so komisch verhält. Trotzdem stecke ich den Schlüssel ins Auto und starte den lauten, kränklich klingenden Motor. Ich bin selten mit einem Hänger gefahren und die Furcht wächst, als ich merke, dass der Volvo das Gewicht des Hängers nicht ohne Probleme ziehen kann. Trotzdem will ich mich nun nicht zurückziehen. Ich weiß, dass Halla eine um vielfach sichere Fahrerin solch großer Gespanne ist, weiß aber auch, dass ich es schaffen kann.
      Ich verlasse den Parkplatz und setze den Blinker, um auf die Hauptstraße abzubiegen. Es raschelt. Erschrocken blicke ich zu dem Mann hinüber. Mit ungeschickten Handbewegungen sucht er im Handschuhfach nach etwas. Ich merke, wie meine Hände zittern. Nein, nicht nur meine Hände, mein ganzer Körper scheint zu beben. Jedoch fühle ich nichts. Keine Angst, keine Scheu, keine Furcht.
      Es dauert lange, bis er das gefunden hat, was er zu suchen scheint. Er hält es mir unsicher hin. »Kannst du mich hier hin bringen?«
      Ich nehme ihm die Karte ab. Es ist eine Visitenkarte, wie ich nun erleichtert erkenne. Im flackernden Licht der Straßenlampen versuche ich diese zu entziffern. »Tyrifjord Horse Training«, murmle ich. »Malte Tordenværson.« Außer seinem Namen, finde ich noch seine Adresse. »Du
      wohnst auf einer Insel?«
      Malte nickt. »Das Gestüt meiner Arbeitgeber steht dort.«
      »Ist in Ordnung. Ich bringe dich hin.« Sage ich freundlich. Ich habe Glück, ich kenne die Insel. Der Tyrifjord ist der größte Fjord bei Oslo und Storøya seine größte Insel.
      Wir sprechen nicht mehr. Malte scheint eingeschlafen zu sein oder tut zumindest so. Erst als die Lichter Oslos schon weit hinter uns liegen, macht er sich bemerkbar. Ich denke erst, er murmelt etwas im Schlaf, bis ich einen Blick zur Seite werfe und sehe, dass eine Träne über seine Wange läuft. Er schluchzt leise. Ich bin überfordert mit der Situation, weiß nicht, was ich tun, oder ob ich ihn trösten soll. Ich entschließe mich dazu, vor allem weil ich zu unsicher bin, das falsche zu tun, einfach nichts zu tun. Es bewegt mich jedoch, ihn so zu sehen. Solange hatte ich schon keinen Mann mehr weinen sehen. Es scheint unmodern zu sein, seine Gefühle zu zeigen.
      Nach ein paar Minuten hört das Schluchzen auf. Wieder blicke ich zur Seite. Diesmal bin ich mir sicher, dass er eingeschlafen ist. Eine Träne hängt noch in seinem Augenwinkel.
      Die Landstraße führt mich direkt am Tyrifjord entlang. Rechts sitzen einige Häuser, umgeben von den typischen Birken und Fichten Norwegens, links erstreckt sich das dunkle Wasser, welches in der Dunkelheit endet. Mit dem Anhänger brauche ich etwas länger, bis ich kurz vor der Ortschaft Sundvollen auf die Brücke abbiegen. Es macht mir Angst, im Dunkeln mit einem so wackligen Gefährt umgeben von Wasser fahren zu müssen. Mein Puls steigt, sodass ich sogar überlege, auszusteigen und den Rest zu laufen. Ich bleibe sitzen und schaffe die Überfahrt. Malte schläft immer noch. Ich will ihn nicht wecken. Im Dunkeln erkenne ich viele Weiden und als die ersten Häuser am Straßenrand auftauchen, parke ich etwas abseits auf einem kleinen Parkplatz und steige aus. Ich habe Angst davor, an einer der Türen zu klingeln, sodass ich untätig am Wagen stehen bleibe.
      »Hey.« Ertönt es hinter mir. Erschrocken fahre ich herum und blicke in ein sacht lächelndes Gesicht. Seine helle Haut schimmert fast im seichten Licht der Mondstrahlen. Ich weiß nicht, ob es an der Dunkelheit liegt, aber seine Augen erscheinen mir grau. Kein trauriges Grau, es
      ist ein helles, freundliches Grau, welches in mir sofort das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit hervorruft.
      »Hey«, sage auch ich. Gleichzeitig mache ich mich auf eine Sturmflut von Fragen bereit, die jeden Moment über mich hereinbrechen müsste. Ich bin jedoch ein weiteres Mal an diesem Abend überrascht.
      »Komm, ich bringe dich zu seinem Haus.« Sagt er und steigt unhörbar leise wie selbstverständlich auf den Fahrersitz. Ich hadere noch einen Moment mit mir, nehme dann aber hinter ihm Platz.
      »Ich bin übrigens Eyvind.« Sagt er, während er den Motor langsam in Bewegung bringt.
      »Jora«, sage ich und lehne mich ein Stück zwischen den Sitzen vor, um besser sehen zu können, wohin die Fahrt gehen würde. Sie dauert nicht lange an. Zwei Minuten später parkt Eyvind den Wagen an einer Lichtung im Wald. Im Dunklen erkenne ich nur ein kleines Haus oder eher eine Hütte. Wie alles in dieser Gegend ist auch dieses mit einem warmen, aber sehr intensiven Rot angestrichen. Eyvind parkt den Wagen direkt vor der Haustür. Wir steigen im gleichen Moment aus. Über das Problem, wie ich jetzt wieder nach Hause komme, hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht.
      Fast zärtlich weckt Eyvind auf. Er flüstert ihm etwas zu, schnallt ihn mit geschickten Griffen ab und hilft dem total erschöpften Malte aus dem Wagen. Ich biete ihm meine Hilfe erst gar nicht an, ich wäre nur im Weg. Eyvind schafft es, Malte alleine zur Veranda zu bringen. Ich folge den beiden jedoch. Die Erstaunung überfällt mich, als ich das kleine Haus betrete. Es ist modern und hell eingerichtet, auch wenn der wenige Platz nicht viel Spielraum übrig lässt. Ich erkenne im Dunkeln einen Kamin, eine weiße Küche mit Kochinsel, ein bequemes braunes Sofa und viele Bücherregale bis zur Decke. Eyvind hievt Malte auf eben jenes Sofa und versucht ihn so bequem wie möglich auszurichten. Malte hatte wieder angefangen zu weinen und kauert sich erbärmlich trostlos auf seinem heimischen Sofa zusammen. Es dauert jedoch wieder keine zwei Minuten und Malte fällt in einen tiefen, aber unruhigen Schlaf.
      »Ich bleibe die Nacht wohl lieber hier. Ihm geht es wirklich nicht gut.« Sagt Eyvind mit ruhiger Stimme. »Kannst du mir noch einen Gefallen tun?« Fragt er und wendet sich an mich.
      Ich nicke hektisch und sage dann mit brüchiger Stimme: »Klar!«
      »Danke. Ich muss noch einmal zum Haupthaus und etwas Wichtiges klären. Könntest du solange hier bleiben und ein Auge auf ihn haben?«
      Wieder nicke ich. Jedoch kommt mir der Gedanke, dass er das im Dunkeln nicht genau erkennt und so gebe ich ihm noch eine mündliche Bestätigung.
      »Ich bin in zehn Minuten wieder da«, sagt er noch, bevor er die Eingangstür hinter sich zuzieht. »Tee ist im ersten Schubfach von links.« Ich beobachte ihn noch durchs Fenster, wie er fast schwebend den Waldweg zurück geht, nehme dann sein Angebot an und koche mir einen Pfefferminztee. Malte muss eben so sehr ein Teefanatiker sein, wie ich einer bin, denke ich und setze Wasser auf. Aber wahrscheinlich gibt es nicht viel anderes, was einen Gestütsarbeiter im Winter warm halten kann, außer eine Flasche mit duftendem, warmen Tee. Der Tee schmeckt gut. Der Geruch der von ihm ausgeht erinnert mich an Zuhause. Der kleine Hof mit den vielen bunten Sträuchern, dem wilden Salbei und der unaufhörlich wuchernden Melisse. Meine Mutter hatte mir früher immer Tee aus all den verschiedenen Pflanzen gekocht, der dampfende Pfefferminztee war jedoch stets mein Liebster. Ich fühle mich wohl. Eine innere Ruhe hat mich ergriffen. Entspannt lasse ich mich auf einem Sessel nieder, ziehe die Beine an und beobachte mit der warmen Tasse den schlafenden Malte. Die Frage lässt mich nicht aus ihrem Griff und so frage ich mich wieder, was der Grund für Maltes nächtlichen Ausflug in den Pub gewesen ist. Ich kenne die Antwort nicht und so entscheide ich mich dafür, dem Bad einen Besuch abzustatten, bevor Eyvind wiederkommt.
      Mein Spiegelbild schreit mir ins Gesicht, was ich bereits befürchtet habe. Meine Haare stehen ab, die Schminke ist verlaufen und mein T-Shirt ist mit etwas Klebrigem bekleckert. Ich will gar nicht erst wissen, um was es sich handelt. Ich versuche in dem ganzen Chaos etwas Ordnung zu schaffen, erziele jedoch nur kleinste Erfolge.
      Pünktlich zehn Minuten später öffnet Eyvind wieder sacht die Haustür. Unterm Arm trägt er eine dicke Decke, die er gleich auf der Lehne eines Stuhls ablegt. Dann verschwindet er, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, im Bad hinter der Küche. Für einen Mann braucht er erstaunlich lange. Erst fünf Minuten später kommt er wieder und winkt mich bestimmend in die Küche.
      »Weißt du genaueres, was passiert ist?« Fragt er mich mit seiner tiefen und so weichen Stimme.
      Ich schüttle wieder den Kopf. »Nichts, nein. War er schonmal so betrunken?«
      Eyvind überlegt kurz. Sein Blick schweift durch die Küche zu Malte. »Nein, seit ich ihn kenne nicht. Ihm geht es zur Zeit nicht so gut, ich hatte Angst davor, dass dann noch etwas Schlimmeres passiert. Danke, du warst wie ein Engel zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«
      Ich werde rot. Beste Lösung: Noch einen Schluck Tee nehmen und darauf hoffen, dass mein Gegenüber nichts bemerkt. Ich lerne Eyvind allerdings gerade als einen jungen Mann kennen, welcher alles zu wissen schien, ohne je danach gefragt zu haben. Unter seinem Blick fühle ich mich wie eine nackte Gurke, erkenne ich mit einem leichten Lächeln.
      »Möchtest du die Nacht auf dem Hof übernachten oder soll ich dir ein Taxi rufen?«
      »Ein Taxi wäre super,« sage ich hastig und lächle flüchtig. »Ich bin ziemlich müde und möchte in mein Bett.«
      Sein Blick geht zur Uhr über der Tür. »Bist du dir sicher? Es ist mittlerweile kurz vor drei.«
      Ich nicke selbstsicher. »Ja, bin ich.« Eyvind zuckt kurz mit den Schultern und holt sein Handy hervor.

      Malte » »So eine Scheiße!« Rufe ich wütend und schleudere ein weiteres Kissen vom Sofa auf den Boden. »So eine verdammte SCHEIẞE!« Ich halte mir die Stirn. Ich bin glühend heiß. Ich schließe die Augen als sich mein eigenes Wohnzimmer vor meinen Augen auf den Kopf stellt. Erschöpft lasse ich mich wieder aufs Sofa fallen und schließe die Augen. »Eyvind, was läuft bei mir zur Zeit nicht richtig? Was soll ich hier noch? Macht das Leben überhaupt Sinn?«
      Eyvind ist wie immer die Ruhe selbst. Genüsslich trinkt er einen dampfenden Tee, während er es sich auf dem Sessel seitlich von mir bequem gemacht hat. »Malte, lerne aus deinen vergangenen Fehlern und mache die gleichen nicht erneut. Gestern das war ein kleiner Ausrutscher, der ein gutes Ende genommen hat.«
      »Ich bin so ein Idiot!« Schimpfe ich wieder. »Mein Leben lang habe ich vom Alkohol Abstand gehalten, was war nur mit mir los? Was sagtest du? Ich habe geheult? Was bin ich nur für ein verdammter Mann, ohne Ehre und Stolz.«
      »Du bist ein sehr angenehmer Betrunkener.«
      »Weil ich heule?« Böse blicke ich zu Eyvind. »Würdest du gerne vor einem jungen Mädchen weinen, die dich gerade nach Hause fährt? Sie wird wahrscheinlich sonst was gedacht haben. Weißt du was das Schlimmste ist? Ich weiß noch nicht mal ihren Namen, geschweigedenn wie sie aussah!« Ich vergrabe mein Gesicht in der kühlen Sofawand. »Was ist nur aus mir geworden«, jammere ich wieder.
      »Jora hieß sie. Ein sehr schöner Name, wie ich finde.« Sagt Eyvind. Ich blicke zu ihm auf. Erwartungsvoll blickt er mich an und nimmt noch einen Schluck aus seiner Tasse.
      »Jetzt brauchst du mir nur noch zu sagen, dass sie sehr hübsch war und mein Leben ist zerstört.«
      »Sie sah aus wie ein Engel und ich denke, sie hat sich gestern auch genauso verhalten. Ohne sie lägest du bestimmt in irgendeinem Straßengraben, mit einem kaputten Auto und einem geschrotteten Anhänger.«
      Ich fahre auf. Der Anhänger. Die Pferde. Der Flughafen. Wieder schreie ich laut eine unnennbare Beschimpfung, dass sogar Eyvind kurz innehielt mit Teeschlürfen. »Scheiße Eys, die Pferde! Wie spät ist es?!«
      »Kurz vor halb eins.«
      »Was? Nein, nein, das kann nicht sein.« Ich hechte aus dem Bett, taumle jedoch und kann mich gerade noch so an der Lehne von Eyvinds Sessel festhalten. »Meine Sachen«, murmle ich. »Eyvind, wo sind meine Sachen?« Sage ich diesmal lauter.
      »Malte, beruhige dich«, sagt Eyvind und klingt leicht ärgerlich. »Du benimmst dich, als wärst du immer noch besoffen.«
      »Du verstehst nicht, die Pferde!« Schluchze ich und versuche nun am Sofa entlang zu krabbeln.
      »Doch, ich verstehe sehr wohl. Denn wenn du kurz die Ruhe bewahrst und mir zuhörst, kann ich dir sagen, dass Vuyo und Tjarda heute morgen losgefahren sind und beide Pferde am Flughafen gesund und munter abgeholt haben.«
      »Was?« Mir stockt es den Atem. »Aber woher sollten sie wissen, dass-«, Eyvind unterbricht mich.
      »Dass sie heute morgen um zehn ankommen würden?« Eyvind steht auf und hilft mir vom Boden vor dem Sofa zurück auf das Sofa, wo ich kraftlos zusammenbreche. »Malte, ich weiß, dass du im neuen Jahrhundert noch nicht ganz angekommen bist, aber es gibt so etwas das nennt Internet. Ich habe gleich heute Nacht geforscht und schnell gefunden, wonach ich gesucht habe.«
      »Und die beiden sind jetzt wo?« Frage ich schwach.
      »Im Stall. Die Boxen hattest du ja bereits vorbereitet.«
      Ich nicke schwach und lasse mich dann nach hinten gleiten. »Danke«, schaffe ich noch zu sagen, bevor mich der Schlaf überrollt.

      Jora » Obwohl ich tot müde war, habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich lag in meinem Bett, den Blick auf die Decke über mir gerichtet und in Gedanken versunken. Ich dachte an Malte, das Gestüt und natürlich mein Leben. Erst als die Sonnenstrahlen durch die Vorhängen schienen, fand ich endlich etwas Schlaf. Jetzt sitze ich am Küchentisch, eine Tasse Kaffee zwischen meinen Händen und blicke betrübt ins Nichts. In Gedanken stelle ich mein gesamtes Leben in Frage, bereue jede Entscheidung, die ich je getroffen habe und frage mich, in welche Richtung es nun gehen sollte und das alles nur wegen meinen gestrigen Erlebnissen. Ich frage mich, wie es Malte gerade geht und was er wohl gerade tut, ob er sich noch an mich erinnert und ärgere mich gleichzeitig, dass ich meine Nummer nicht hinterlassen habe. Jetzt würde ich wohl nie erfahren, was ihn aus der Bahn geworfen hatte.
      Ich holte meinen Laptop, klappte ihn auf und google nach dem Gestüt. Einige Verkaufsanzeigen und Artikel über Turniergewinne springen mir ins Gesicht, aber auch die Website der Ranch. Ich weiß selbst nicht warum, aber ich schreibe mir Maltes E-Mail Adresse und die Telefonnummer der Gestütsleitung auf. Vielleicht würde ich sie doch irgendwann einmal gebrauchen. Dann lasse ich mich lustlos auf mein Bett fallen und ziehe ein Fotoalbum zu mir heran. ich hatte es gestern aus einer der viele Kisten gesucht, jedoch noch nicht die Kraft gehabt, es mit anzuschauen.
      Die Bilde rmeiner Vergangenheit springen mich förmlich an, als ich die erste Seite aufschlage. Ich sehe meine Eltern, meine Geschwister und natürlich das, was meine Kindheit so Maßgebend bestimmt hat. Pferde. Pferde, die Natur, unser altes Gestüt und jede Menge Tiere. Ich habe es geliebt, mein altes Leben. Mit seinen Höhen und seinen Tiefen, denn ich wusste, dass es irgendwann wieder bergauf geht. Jetzt war ich mir da nicht so sicher. Dann ändere es, suche deinen Weg, versucht mich mein eigenes Gehirn zu überreden. Ich schüttle den Kopf. Nein, das Kapitel in meinem Leben habe ich abgeschlossen.

      Am späten Nachmittag mache ich es doch. Ich gebe die Telefonnummer von Frau von Eylenstein in mein Handy ein und drücke auf das grüne Symbol. Es ist ja nicht verboten, sich zu erkundigen.
      Sie ist nett, klingt jedoch etwas gestresst. Ich kann mir vorstellen wie schwer es ist, den Überblick bei einem so großen Gestüt zu behalten. Sie freut sich darüber, dass ich ihr meine Hilfe anbiete und eventuell auch eine Reitbeteiligung suche. Sie fragt mich, ob ich heute noch kommen kann und obwohl es draußen bereits dämmert, steige ich in meinen Wagen und nehme den Weg ein weiteres Mal auf mich. Ich habe Angst. Nicht vor Frau von Eylstein oder dem Gestüt, sondern davor, Malte über den Weg zu laufen. Ich weiß nicht, wie er auf mich reagiert oder ob er mich überhaupt erkennt, aber ich versuche selbstsicher auszuzehen, als ich meinen Wagen auf dem Parkplatz abstelle. Ich frage mich unwillkürlich, warum ich das Gestüt immer nur im Dunklen zu Gesicht bekommen.
      Frau von Eylstein hat mir ihre Adresse genannt und ich mache das schicke Herrenhaus in Weiß auch schnell ausfündig. Einen Moment bleibe ich verdutzt stehen, als ich lautes Geschrei aus dem Innern höre, drücke dann aber trotzdem auf die Klingel. Keine zwei Sekunden später wird die Tür aufgerissen und ich stehe einer jungen Frau mit einem schreienden Kleinkind auf dem Arm gegenüber. Sie hat dunkle, schulterlange Haare und wilde grüne Augen, aber auch tiefe Augenringe und ein gestresster Ausdruck liegt in ihrem weichen Gesicht.
      »Jora Cederblom?« Fragt sie mich und als ich vorsichtig nicke dreht sie sich um und ruft mit lauter Stimme: »Nico!« Und als niemand antwortet, schreit sie das zweite Mal noch ein Bisschen lauter. Ich bin leicht eingeschüchtert und als das Kind auf ihrem Arm abermals zu schreien anfängt und immer noch keine Antwort aus dem Haus dringt, dreht die Frau sich wieder um und verschwindet in der Wohnung. Ich stehe noch in der offenen Wohnungstür und frage mich verzweifelt, ob ich hier richtig bin. Aus dem Haus tönen laute Gespräche und ich habe für einen Moment das Bedrängnis, mich umzudrehen und zurück in mein Auto zu steigen. Die Frau kommt allerdings in diesem Moment zurück, zieht schroff die Tür hinter sich zu und bleibt seufzend stehen. Aller Ärger und Stress weicht ihr aus dem Gesicht und zurück bleibt nur die Erschöpfung.
      »Es tut mir unheimlich Leid«, sagt sie und reicht mir ihre Hand. »Charly, ich freue mich sehr, dass du dich gemeldet hast.« Sie lächelt kurz.
      Ich ergreife die Hand. »Ich kann auch wann anders wiederkommen«, sage ich und deute mit einem Nicken aufs Haus. »Wenn es heute unpassend ist.«
      »Ach quatsch«, lacht Charly gequält. »Es ist alles gut, wirklich! Komm, ich bringe dich zum Stall.«
      Ich sage nichts weiter und hoffe inständig, dass es wirklich in Ordnung ist, aber immerhin wares ihr Wunsch, dass ich heute noch komme. Auf dem Weg zum Stall stellt mir Charly einige Fragen und erkundigt sich danach, was ich bereits für Erfahrungen habe. Ich versuche nichts allzu überheblich zu klingen, erzähle ihr aber trotzdem von dem Gestüt, auf dem ich früher gewohnt habe, aber auch, dass ich nun seit längerer Zeit aus persönlichen Gründen den Kontakt zu Pferden abgebrochen habe. Sie fragt nicht genauer nach, denn sie scheint zu merken, dass ich nicht darüber reden will. Noch nicht.
      »Ich freue mich sehr, dass du aushelfen willst. Gerade heute hat sich einer meiner Mitarbeiter für längere Zeit frei genommen und es ist sowieso schon genügend Arbeit auf dem Hof.« Wir betreten den Stall. Ich liebe das Geräusch von kauenden Mäulern, gleichmäßigen Atmen und raschelnden Stroh noch genauso wie vor vielen Jahren und doch erinnert es mich an all die Dinge, die damit zusammen hängen, die ich versuche zu verdängen.
      »Wenn du sagst, du bist früher viel geritten, in welche Richtung denn? Eher klassisch Turnier oder doch etwas anderes?« Fragt sie mich.
      Ich bin einen Moment hin und her gerissen und würde gerne wissen, was sie für eine Antwort haben möchte. »Eher Freizeit«, sage ich dann. »Mein Vater war eher der Turnierreiter. Er hat mit seiner Stute einige Plätze in der Dressur geholt. Meine Mutter und ich haben uns mit schwierigen Pferden beschäftigt. Aber ich kann im Dressursattel genauso gut sitzen wie im Westernsattel, denn das war immer mein Ziel, so weitgreifend wie möglich zu arbeiten und nicht nur eines zu erlernen und alles andere zu verachten, wie es oft der Fall ist.« Füge ich hinzu.
      »Mit schwierigen Pferden sagst du?« Fragt mich Charly und kneift die Augen zusammen.
      Ich nicke vorsichtig. »Ja, aber wie gesagt, es ist schon lange her und ich weiß nicht, wie sicher ich noch im Umgang mit Pferden bin.«
      »Dann finden wir das mal heraus«, murmelt Charly und geht zu einer der Boxen weiter hinten. »Wir haben hier einige schwierigere Pferde und wie du vielleicht auch schon weißt, auch ein breites Feld an allen möglichen Pferden, welche vor allem für den Freizeitsport, aber auch den leichten Turniersport gedacht sind. Die einzige Zucht bei eins besteht aus den Sportpferden, welche wir allroundermäßig ausbilden und im mittleren Sport auf die Bühnen schicken. Ich würde mich freuen, wenn du uns bei der täglichen Arbeit unterstützt, aber genauso wichtig ist es auch, dass die Pferde reichlich Bewegung bekommen.« Sie öffnet das Tor und ein tragisches Wiehern erscheint, das mich kurz zusammenzucken lässt. »Komm her!« Meint Charly und winkt mich lächelnd zu sich. »Das ist unsere Grenzfee«, sagt sie und streichelt einer großen Stute in dunkelbraun den breiten Kopf. Unruhig spielen ihre Ohren hin und her und die Nüster bläht sich immer wieder auf. Ich weiche einen Schritt zurück als sie aggressiv mit dem Schweif peitscht, Charly redet jedoch beruhigend auf sie ein, sodass sich die Stute schnell beruhigt. »Unsere Grenzfee. Sie hat schon einen langen Leidensweg und ist nun seit einigen Jahren bei uns. Vielleicht findet ihr beide ja zusammen.« Als sie mein unsicheres Gesicht sieht, fügt sie hinzu: »Du brauchst keine Angst zu haben, du bist neu und das lässt Fee vorsichtig sein. Ich bin mir aber sicher, dass sie dich schnell akzeptiert.«
      Ich schaue Fee in die klaren, braunen Augen und sehe den weichen Schimmer und diese Gutmütigkeit in ihrem Blick. »Sie hat bestimmt viel Schlimmes erlebt«, flüstere ich und gehe mit ausgestreckter Hand einen Schritt nach vorne.
      Charly nickt und will etwas sagen, jedoch kommt ihr die Stimme einer anderen Frau dazwischen. »Charly, was soll das? Du weißt, dass das auch nach hinten losgehen kann.« Wütend kommt eine weitere Frau auf uns zu. Auch sie ist etwa im gleichen Alter wie wir, rote Locken umspielen ihr gebräuntes Gesicht und die leuchtenden Augen. Charlys Blick verhärtet sich, als die Frau sich an uns vorbeidrängelt und vor uns die Boxentür schließt.
      »Was soll das Mio?« Fragt Charly und hält die junge Frau am Arm fest. Diese entwindet sich jedoch barsch und faucht zurück. »Grenzfee ist meins! Meins allein und nur weil du auf sie aufgepasst hast, heißt das nicht, dass du alles mit ihr machen kannst, was du willst!«
      Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück und lehne mich an die Boxentür. Wo bin ich hier gelandet? Warum ist hier jeder sauer auf den anderen? Ich hasse Streit, Arroganz und Feindschaft, die nicht begraben werden kann. Schon mein ganzes Leben stoße ich immer wieder auf diese unzufriedenen Menschen, die meinen, ihren Ärger und ihre Wut an anderen auszulassen, die nur versuchen ihnen zu helfen. Mio schmeißt Charly noch eine Beschimpfung an den Kopf, welche ich jedoch nicht mehr hören kann, weil ich mir meine Finger in die Ohren gesteckt habe. Ich schließe meine Augen und versuche all den Zoff und die unschönen Dinge aus dieser Welt zu verbannen. Ich will das nicht hören, ich wollte das nicht wieder ertragen müssen.
      Eine Hand legt sich auf meinen Unterarm. Ich versuche sie abzuschütteln, ich will den Kontakt zu solchen Personen nicht, ich brauche Abstand von solchen Gefühlen.
      »Jora», sagt eine Stimme an meinem Ohr. »Alles ist gut, komm mit mir.« Ich kenne diese Stimme und ein Gefühl von Vertrauen durchfließt mich. Blind folge ich ihm, verliere die Zeit und den Ort aus den Augen und komme erst wieder zu Bewusstsein, als mir eine warme Tasse Tee hingehalten wird.

      Malte » Ich habe Charly gesagt, dass ich Urlaub brauche. Nicht nur drei Tage, länger. Ich bin mir nie sicherer bei etwas gewesen, als ich vor ihrer Tür stand und ihr klar und deutlich erklärte, dass ich Ruhe brauchte. Ich fühle mich seit langer Zeit endlich mal wieder frei und kann atmen wie schon lange nicht mehr. Ich besuche meine neuen Pferde erst nachdem ich mit Charly geredet habe und die Entscheidung erscheint mir unheimlich schlau. Mit einer neuen mir schon unbekannten inneren Ruhe betrete ich den kleinen Nebenstall und stecke aufgeregt wie ein kleines Kind meine Hand über die Box hinweg, um sie endlich anschauen, anfassen, greifen zu können. Es ist schon recht lange her, dass ich mir Angus gekauft habe und nun kamen noch diese beiden dazu. Ginnungagap schaute mich aus seinen aufmerksamen braunen Augen an und ich wusste, dass er so schnell nicht wieder gehen würde. Sein Fell glänzte seiden, bestimmt hatte Vuyo es heute Morgen geputzt. Es ist schwarz, aber kein gefährliches, einsames Schwarz, sondern tiefgründig und warmherzig. Ginnus Beschreibung im Internet war nicht die einfachste, aber das gefiel mir. Ginnu schaut mich an und ich blicke zurück, fast wie ein stummes Gespräch zwischen zwei Wesen, die sich darauf einigten zusammenzuleben. Ich hatte überlegt, ihn kastrieren zu lassen, doch dann fiel mein Blick auf Ursel und ich wusste, dass ich das nicht übers Herz bringen würde.
      In meinem Kopf höre ich bereits Petyr, wie er sich über den Namen von Ursel lustigmachen wird. Er findet solche Pferdenamen albern, doch ich werde mich diesmal nicht provozieren lassen, denn vor mir sehe ich das ehrliche und freundliche Bild meiner kleinen Bärengöttin, denn genau das bedeutet der Name für mich. Ursel ist die erste Stute in meinem Besitz. Mit seidenem rötlichen Fell, einer langen wehenden Mähne und den hochbeinigen weißen Abzeichen. Eyvind hatten sie gefallen und auch Vuyo hatte mir vor wenigen Stunden einen Besuch abgestattet und mir zu diesen beiden Pferden beglückwünscht.
      Als Ginnu unruhig wird, bringe ich erst ihn, dann auch Ursel auf eine Weide nahe des Stalls. Es ist mir lieb, die beiden etwas im Auge behalten zu können und doch will ich sie nicht alleine im Stall zurücklassen. Ich bin mir selbst noch nicht sicher, zu wem die beiden auf die Weide kommen sollen, will jedoch am Abend ein erstes Kennenlernen ausprobieren. Bis kurz vor sechs ziehe ich mich deswegen in meinen kleinen Wagen im Wald zurück und schaue das erste Mal seit langer Zeit wieder etwas Fernsehen. Ich brauche Ablenkung. Auch koche ich mir mit den Resten aus meinem Kühlschrank einen Auflauf und lasse mir diesen auf meinem Sofa schmecken.
      Am Abend gehe ich erneut zum Offenstall. Logi begrüßt mich wie immer mit einem sanften Stupsen, während Félagi noch eingeschnappt ist, dass ich ihn heute Morgen geärgert habe. Ich lächele kurz und wuschle ihm dann durch seine dichte Mähne, während Dynur sich hinter ihm zurückhält. Dynur werde ich erst einmal zurücklassen. Sollte Félagi der Verpaarung zustimmen, wird auch Dynur nichts mehr dagegen haben. Zusammen mit Félagi verlasse ich die Weide und machte mich auf den Weg zu Ginnungagap. Dieser hört uns schon von Weiten und stößt ein lautes Wiehern aus. Wie erwartet bleibt Feli stehen, spitzt die Ohren und bläht die Nüstern. So sieht er noch viel hübscher aus, wenn er so aufrecht steht. Dann wird er unruhig, tänzelt leicht auf der Stelle und stupst mich an. Er weiß selbst noch nicht, ob er das Pferd kennenlernen möchte und ich merke wieder, dass er noch sehr jung und unerfahren ist, was das angeht. Das stört mich nicht, ich will ihm sowieso noch Zeit lassen, bis ich ihn unter den Sattel zwinge. Er liebt seine Freiheit und das versteh ich nur zu gut.
      Am Zaun von Ginnu angekommen wird Feli wieder ruhig. Ginnu steht an der anderen Seite des Zauns und beobachtet uns. Ich hätte gedacht, dass er offensiver vorgehen wird. Doch kaum kam mir dieser Gedanke, schüttelt der Rappe seinen muskulösen Kopf und kommt auf uns zugeprescht. Erschrocken weicht Feli einen Schritt zurück und versteckt sich leicht hinter mir. »Alles gut!« Sage ich liebevoll und ziehe aus meiner Hosentasche eine kleine Möhre. Das lässt sich Feli nicht entgehen, schnappt zu und hat mit wenigen Bissen das Leckerli hinuntergeschluckt. Auch Ginnu bekommt ein Stück, dich kaum ist es verschwunden, wiehert er wieder laut und trabt elegant den Zaun auf und ab. Feli hat nun doch die Scheu gepackt und er versucht mich zurück in Richtung Stall zu ziehen. Auch wenn ich sehe, dass es viel Arbeit mit den beiden werden wird, so sehe ich doch das Potenzial. Es wäre ein Traum, meine jungen Hengste zusammen halten zu können und vielleicht endlich eine Grenze zwischen den Kaltblütern und den Ponys ziehen zu können, welche nun noch auf einer Weide stehen.

      Jora » Ich öffne die Augen und blicke in das Gesicht von Eyvind. Er lächelt. Ich habe das Gefühl, dass er immer lächelt. Diesmal bin ich mir jedoch nicht sicher, ob er sich über mich lustig macht. »Tut mir Leid«, murmle ich beschämt und richte mich auf dem Sofa etwas auf. »Es war einfach nur zu viel für mich.«
      Er nickt und reicht mir eine Tasse Tee und ein Stück Schokolade. »Hier, iss. Das hilft bestimmt.« Vorsichtig nehme ich es ihm ab, beiße jedoch noch nicht hinein.
      »Wer war das?« Frage ich. »Das rothaarige Mädchen?«
      »Mio«, meint er und steht seufzend auf. »Komm, iss, wenn es etwas gibt, was dir nun helfen kann, ist ein Tee und eine Schokolade.« Er geht in die Küche der kleinen Wohnung und stellt sich ans Fenster. Ich beiße einmal ab und merke, wie sich der süße Geschmack der Schokolade in meinem Mund und meinem Magen ausbreitet. Er hat Recht, es hilft wirklich. Meine Frage hat er trotzdem noch nicht beantwortet. Bevor ich jedoch dazukomme, unterbricht er mich. »Mio hat es zur Zeit auch nicht leicht. Früher hat sie zusammen mit Charly ein Gestüt geleitet, bevor sie nach dem tragischen Tod ihres Freundes in die USA geflohen ist. Der Kontakt brach fast vollständig ab und erst zwei Jahre später lernten sie sich wieder kennen. Mittlerweile ist Mio wieder hier. Sie hat ihre neuen Freunde und einen Haufen Pferde mitgebracht. Sie vermisst es, Nevada. Sie vermisst die Wildnis, die Wüste, die wilden Pferde.« Er seufzt. »Nimm es ihr nicht übel. Sie hat sich oft schwere Vorwürfe gemacht, dass sie so viele Pferde zurückgelassen hat und Grenzfee ist eines von ihnen.«
      Ich nehme einen Schluck Tee. Ich schmecke den süßen Honig und die Melisse und ich glaube auch einen Schuss Orange erkennen zu können. »Ich wollte nicht, dass sie sich streiten.«
      »Das glaube ich dir.« Eyvind wendet sich wieder vom Fenster ab. »Du hast schon schlechte Erfahrungen gemacht, was Streit angeht?« Ich nicke nur. Mein Hals ist trocken und ich nehme noch einen Schluck. Eyvind möchte jedoch gar nicht mehr wissen.
      »Ich habe dir ein Bett vorbereitet, du bleibst heute bei mir. Morgen schauen wir uns zusammen das Gestüt bei Tageslicht an und ich zeige dir all die schönen Seiten.«
      Ich bin einverstanden, er hätte mich sowieso nicht gehen lassen und ich vertraute ihm. Bevor ich ins Bett gehe, frage ich noch: »Eyvind, wie geht es Malte?«
      Er lächelt mich kurz an, meint dann aber ernst: »Besser. Er hat sich Urlaub genommen und ich glaube, das braucht er jetzt auch. Wenn du willst, gehen wir ihn morgen gemeinsam besuchen.« Ich zucke nur kurz mit den Schultern und ich glaube, er versteht, dass ich mir nicht sicher bin, ob das eine gute Idee ist.

      Malte » Der nächste Morgen beginnt für mich in aller Frühe. Kurz nach Sonnenaufgang kann ich mich nicht länger im Bett halten und gehe hinaus in den Stall. Ich setzte mich einige Minuten auf die grüne Bank davor, genieße die Sonnenstrahlen und denke an gestern Abend. Ich hatte Vuyos und Charlys Vorschlag angenommen und versucht, meine Ursel mit zu den Ponystuten und Excelsior zu stellen. Jeanie mit Anhängsel Jelda hatte jedoch deutlich gezeigt, dass sie keinen weiteren akzeptieren will, denn anscheinend gehen ihr Vuyos beiden Stuten Nayela und Blazing Flame schon genug auf den Geist. Eine Stunde habe ich versucht, dass die Stuten sich näher kommen, war jedoch nur auf eine Mauer aus Beton gestoßen. Mit einem kurzen weiteren Gespräch mit Charly hatte ich mir jedoch eine vollkommen neue Konstellation überlegt. Ursel, zusammen mit der jungen Striga und meinem geliebten Óslogi. Ich hatte es nicht geglaubt, aber Logi und Ursel verstanden sich von Anfang an und auch Striga schien Freude an den beiden viel kleineren Pferden gefunden zu haben. Schon nach kurzer Zeit hatte sie ihre neue Freundin über den Zaun hinweg die Mähne gekrault und gezeigt, dass sie bereit dafür war.
      Gegen Mittag habe ich mich mit Charly verabredet. Sie will gerne dabei sein, wenn ich ihren Liebling und meine beiden Pferde zusammenführe.
      Im Stall miste ich das erste Mal in meinem Leben nur die Boxen der Pferde aus, die mir gehören. Ginnu, Ursel, Logi, Dynur, Feli und Angus. Ich brauche nicht lange, meine geübte Hand fidend im Handumdrehen die Dreckstellen, entfernt diese und streut neues Heu auf die Stellen. Bevor die anderen den Stall betreten, bin ich längst fertig mit meiner Arbeit und mache mich auf den Weg nach Hause.

      Jora » Am Morgen werde ich sanft von Eyvind geweckt. Er hat bereits den Tisch fürs Frühstück gedeckt und ich frage mich, ob er immer so lecker isst, oder das nur für mich tut. Wir sprechen nicht viel und es ist auch eine stumme nächste Stunde, bis wir den Stall betreten.
      »Das ist der Nebenstall«, erklärt mir Eyvind. »Die meisten der Pferde stehen im Sommer ganztägig auf den Weiden.« Der Stall ist hell und geräumig und anscheinend erst vor kurzem erbaut wurden. Nicht nur Sattelkammer und die kleine Küche sind modern, sondern auch die Tränken und der weiche Gummibelag in den Boxen. Es wurde kein Geld gespart, um den Pferde eine helle und freundliche Atmosphäre bieten zu können.
      Am anderen Ende der Stallgasse erscheint ein junger Mann. Rechts und links führt er zwei große Vollblüter. Das eine braun, das andere von einem hübschen und leicht geappelten Grau. Der Mann selbst hat dunkle Haut, kurze Haare und leuchtende Augen. Als er vor uns zum Stehen kommt, nimmt er beide Stricke in eine Hand und reicht mir die andere. Er blickt kurz grinsend zwischen Eyvind und mir hin und her und ich merke wie ich Rot werde. Eyvind reagiert jedoch gar nicht darauf und stellt mich vor. »Das ist Jora, sie möchte hier wahrscheinlich etwas aushelfen. Jora, das ist Vuyo. Er ist vor allem für die Vollblüter da, aber natürlich auch für jegliche andere Arbeit, die hier anfällt. So wie wir alle.« Ich ergreife nun Vuyos Hand und lächle kurz.
      Vuyo deutet auf die beiden artig wartenden Hengste. »Das ist Valentines Alysheba und sein Freund Osgiliath.« Er zeigt auf den Helleren. »Sehen wir uns heute zum Mittagessen Eys?« Fragt er an Eyvind gewandt. Eys, auf den Spitznamen wäre ich nie gekommen.
      »Ich weiß noch nicht, mal schauen.« Sagt Eyvind nur. Vuyo winkt uns noch kurz zu und macht sich pfeifend mit den beiden auf dem Weg aus dem Stall. Ich mache mich auf den Weg zu Grenzfees Box. Sie steht noch drinnen und blickt mich nachdenklich an. »Grenzfee hast du gestern ja bereits kennengelernt.« Ich blicke auf. Eyvind steht wieder neben mir. »Da neben dir in der Box, das ist Teufelstanz. Du kannst die beiden glücklich machen, in dem sie einfach immer in Sehweite bleiben dürfen. Sie lieben sich, wie man es nicht für möglich halten kann.« Erklärt mir Eyvind begeistert.
      »Gehen sie nicht auf die Weide?«
      »Doch doch, Vuyo wird sie gleich holen. Sie stehen auf einer Magerweide am See. Beide Stuten hatten schwere Hufrehe und ich bin froh zu sehen, wie gut sie sich entwickelt haben. Mittlerweile sind sie wieder reitbar, aber weder im Turniersport, noch auf der Rennbahn. Vuyo hat sich trotzdem zum Ziel gesetzt, die beiden im Rennen fitter zu bekommen und übt mit ihnen mehrmals auf unserer kleinen Bahn.« Er machte eine kurze Pause. »Hilfst du mir die restlichen Pferde auf die Weiden zu bringen?«
      »Klar«, sage ich und wende mich von Grenzfee ab. Eyvind zeit mir die fünf verbliebenen Pferde im Stall und gibt mir schließlich die Aufgabe, mich um zwei Trakehner Wallache zu kümmern. »Die gehören zwei Verwandten von Charly, eigentlich haben wir nur wenige Einsteller, aber die beiden haben sich uns nahezu aufgedrängt. Tibor und La Paz heißen die beiden.« Eyvind nahm zwei Stuten und ein dunkles Fohlen, das zu einer grauen Stute gehörte. Artig tippelte es ihr hinterher und ich lachte laut auf, als es über eine Bürste stolperte und erschrocken in die Luft sprang. »Ja, der kleine Mytos, der hat leider die Eleganz von seiner Mutter noch nicht geerbt.« Lacht auch Eyvind und blickt mir in die Augen. Ich wende meinen Blick ab und achte darauf, dass meine beiden Pferde nicht auch stolpern. Als Raja, Rubina, Mytos, Pas und Tibor auf ihrer Weide stehen, lädt mich Ey dazu ein, Malte zu besuchen. Ich zögere, stimme dann jedoch zu.
      »Hast du eigentlich auch Pferde?« Frage ich interessiert, als wir den Waldweg zu Maltes Haus gehen. Eyvind schüttelt jedoch nur den Kopf und sagt nichts dazu. Auch er hat also Dinge, über die er nicht reden möchte.

      Malte » Charly ist mir zum Glück nicht sauer, dass ich Hals über Kopf freigenommen habe. Besser gesagt dankt sie mir sogar, für meine jahrelange treue Arbeit und umarmt mich ein weiteres Mal. Es verwundert mich nicht, das auch das Zusammenführen unserer Pferde so gut funktioniert wie gedacht und nach nur einer halben Stunde stehen Striga, Logi und Ursel glücklich auf der Weide vor meinem Haus. Es ist mein Wunsch gewesen, dass die Pferde so nah wie möglich bei mir stehen und Charly hat nichts dagegen gehabt, dass ich ihre Striga etwas im Auge behielt. Die Vögel zwitschern über unseren Köpfen und im seichten Wind wanken die Bäume hin und her, als ein lautes Wiehern aus dem Wald erdringt. Während ich auffahre, bleibt Charly ruhig. »Das ist Marid, kein Zweifel.« Und tatsächlich. Wenige Sekunden später taucht Nico auf, unter ihm der wilde Hengst. Striga, Ursel und Logi preschen an die andere Seite des Zauns und es freut mich zu sehen, dass nicht nur Logi den Hengst nicht ausstehen kann.
      Nico bremst vor uns seinen Hengst ab und lässt sich von dessen Rücken gleiten. Ich muss zugeben, dass ich ihn für seine Reitkunst bewundere und auch, dass Nico eher nach Gefühl, als nach Regeln reitet. Trotzdem mag ich ihn nicht. Seine arrogante und herablassende Art stört mein Selbstvertrauen jede Mal aufs Neue. Er kommt jedoch kaum dazu etwas zu sagen, als zwei weitere Gestalten aus dem Wald auf uns zukommen. Marid hört sie als erste und so wenden auch wir drei den Kopf in die Richtung. Eyvind ist mit seinen weißen, kurzen Haaren und der Sonnenbrille nicht schwer zu verwechseln und das Mädchen neben ihm, wie mir bewusst wird, ist sie. Elend lange Engelslocken, einen zierlichen Sidecut und weiche Gesichtszüge. Neben Eys sieht sie erstaunlich klein aus, neben mir würde es genau passen.
      »Jora«, sagt Eyvind, als sie neben uns zum Stehen kommen. »Charly kennst du ja bereits und Malte auch. Das ist Nico.« Überheblich verbeugt sich Nico, ergreift dann Joras Hand und meint: »Zu euren Diensten, junge Frau.« Jora wird Rot und lächelt peinlich berührt, zieht die Hand jedoch nicht aus Nicos Griff. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Charly sich wütend auf die Lippe beißt, sagt jedoch nichts dazu. Ich weiche Joras Blick aus, nicke nur kurz freundlich. Anscheinend sind nun alle verstummt und zu fünft stehen wir am Zaun der Weide und blicken auf Ursel, Striga und Logi, während jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt.
      Leben ist Erfahrung von Wirklichkeit und wer lebt, tauscht Zeit gegen Erfahrung aus, denke ich, bevor ich mich Jora zuwende. »Hast du Lust auf einen kleinen Spaziergang?«

      Canyon Pflegebericht
      Heute organisierte ich, dass alle Pferde beschäftigt waren. Addison machte sowieso immer nur was er wollte, also überließ ich ihm Cloud, Zonta, Quisquilloso und My Canyon, während Heather mit den Zwillingen und Morrigans Hidalgo, Aquena und Anaba, sowie als Handpferd den beiden Jüngsten, Imagine There‘s No Heaven und Varys, einen Ausritt machte. Für mich blieben dann nur noch Raised from Hell, Flotten von Mutanten und Chosposi. Chosposi bewegte ich eine zeitlang in der Halle und holte danach Raised und Flotte einzeln zu mir in den Roundpen, um weiter an unserem Vertrauen zu arbeiten.
      Eyvind beauftrage ich damit, die beiden Pensionspferde Tibor und La Paz auf eine etwas entfernte Weide zu bringen, wo auch Belmonts Brock und Modjo standen. Die beiden waren jedoch sehr wetterfest und ihnen reichte der Offenstall. Petyr und Jora hatten sich um die beiden gekümmert und auch wenn Petyr die tägliche Arbeit im Stall vernachlässigte, liebte er seinen Modjo zumindest über alle Maßen.
      Für Braum van Ghosts hatten wir leider immer noch keine ordentliche Reitbeteiligung gefunden, aber Saga hatte Freude an den Ponys entwickelt und bewegte auch Valentines Jeanie und ihre Tochter Mios Jelda mehrmals wöchentlich, sowie auch heute. Zusammen mit Tjarda, die sich gut mit GH‘s Acapulco Gold angefreundet hatte, machte sie einen Ausritt.
      Für Vuyo blieben dann vor allem noch seine beiden Stuten Nayela und Bella Donna O Sole Mio und auch um Ocarina of Time, die mit den beiden auf einer Weide stand, kümmerte er sich.
      Am Abend traf ich noch Jora, die gerade Betty von der Weide holte, und Ike, der Pitu neben sich führte. Die beiden wollten noch einen kleinen Spaziergang machen und so nutze ich die Chance und ging mit der immer noch verletzten A Touch of Peace spazieren.
      So langsam pegelte sich der Alltag ein, ich merkte jedoch, wie uns allen Charly, Nico und Malte fehlten und ich wünschte mir ein weiteres Mal, dass noch alles so sein könnte, wie früher.
    • Findu
      Bericht über die Ankunft von Tibor und NWS Nessaya



      Die letzten Wochen vergingen wie im Flug. Das Leben als Hofbesitzerin, 3-fache Hundehalterin und 3-fache Pferdebesitzerin und eine Beziehung nahmen meine ganze Freizeit in Anspruch. Zudem war meine Anstellung in einer zweiten Klinik war so umfassend gewesen, dass ich meine eigene Praxis die letzten Wochen völlig zurückgezogen hatte. Nachdem die dortige Personalkrise jedoch überwunden war, konnte ich mich wieder auf meine Klinik konzentrieren. Und das bedeutete auch wieder mehr Zeit für meinen Hof und für Finn. Glücklich, dass ich nach meinen Niederlagen in den letzten Jahren endlich wieder angekommen zu sein schien, stand ich meiner Zukunft gespannt entgegen.



      Heute war Freitag und ich hatte nach einigen Wochen Dauerdienst endlich mal wieder ein Wochenende völlig frei für mich. Finn war gerade arbeiten und hatte Diesel deshalb bei mir gelassen, weshalb ich mich nach dem Aufstehen und der Morgenfütterung erst einmal aufmachte und mit den 4 Rabauken eine große Runde zu drehen. Anschließend aß ich ein Marmeladenbrot und trank eine Tasse Eiskaffee, ehe ich mich umzog und ich den Stall marschierte. Da ich derzeit nur 3 Pferde besaß, war das Misten relativ schnell erledigt. Zuvor hatte ich die Stuten auf die Koppel gestellt und Trafalgar Law auf die Hengstweide gebracht. Ein bisschen Mitleid hatte ich mit dem Knopf schon, da er im Gegenzug zu meinen beiden Mädels keine Gesellschaft genießen konnte. Dies sollte sich jedoch bald ändern.



      Nachdem ich also die Boxen entleert und neu eingestreut hatte, setzte ich mich mit Balou, Diesel, Nicky und Little Luna noch eine Weile zu Trafalgar Law um ihm ein wenig Gesellschaft zu leisten. Bereits nach einiger Zeit schien ich eingeschlafen zu sein, denn erst als mich etwas kitzelte, erwachte ich. Trafalgar Law stand neben mir und prustete mir sanft ins Gesicht. Kichernd erhob ich mich und streichelte den Braunschecken ausgiebig. Als mein Handy in der Hosentasche zu vibrieren begann, unterbrach ich jedoch die Streicheleinheiten. Finn erzählte mir aufgeregt, dass er ein Pferd für mich gefunden hatte und es soeben erworben hatte. In gut einer Stunde, so erzählte er es mir, sollte der Pferdehänger auf dem Hof sein. Aufgeregt vergaß ich sogar Finn zu belehren, dass ich mir meine Pferde eigentlich selbst aussuchen wollte.

      Etwas verwirrt, beschloss ich gleich die Box für den Neuankömmling vorzubereiten. Da Finn mir gnädigerweise verraten hatte, dass das Tier männlich war konnte Trafalgar Law aus dem Stutenstall in den Hengststall umziehen. Deshalb schnappte ich mir die bereits eingestreute Menge Stroh aus Trafalgar Law´s Übergangsbox und karrte diese mit der Schubkarre in den Hengststall. Als das Stroh aufgeschüttelt war, folgte die nächste Box für den Neuankömmling. In der Zwischenzeit verfrachtete ich Trafalgar Law in den Roundpen und brachte Aphonise und Sweet Prejudice wieder in ihre Paddockboxen. Kaum waren die beiden Stuten versorgt, hörte ich bereits einen näherkommenden Motor. Keine zwei Minuten später erstummten die Motorgeräusche und als ich gerade aus dem Schatten des Stutenstalls trat, wurde die Fahrertür geöffnet und eine junge Dame stieg aus. „Guten Tag ich suche eine Frau….Sophia Galway“ teilte sie mir mit und las meinen Namen von einem Schriftstück ab. „Herzlich Willkommen auf dem Gutshof Crownfield. Ich bin Sophia Galway.“ Begrüßte ich meinen Gast und reichte ihr die Hand. Mein Gegenüber teilte mir mit, dass Sie Canyon hieß und aufgrund einer Bestandsverkleinerung das Tier namens Tibor leider verkaufen musste. Ich nickte und erkundigte mich nach dem Preis, da ich Finn erfolgreich davon abhalten konnte, das Geld selbst zu zahlen. Sie nannte mir den Betrag und ich nickte erneut. Ich schlug vor, Tibor gleich auszuladen und in die Box zu stellen und danach den restlichen Papierkram zu erledigen. Canyon stimmte zu. Also öffneten wir gemeinsam die Heckklappe des Pferdehängers und luden das Tier ab.

      Im Hänger befand sich ein wunderschönes braunes Kleinpferd. Soviel konnte ich im gedämpften Licht erkennen. Als das Tier ausgeladen war, erkannte ich dass es sich um einen Braunen mit einem Stern und 3 Abzeichen handelte. Ich fand den kleinen Mann wunderschön. Zärtlich kraulte ich das Tier am Kopf und lies die ersten Annäherungen zu. Anschließend gab ich Canyon den Strick und lief voraus in den Hengststall. Dort zeigte ich ihr das künftige Zuhause von Tibor. „Trafalgar Law, mein Hengst ist momentan auf der Weide, ich würde später die Weide abtrennen und die beiden vorsichtig zusammen führen“ gab ich bekannt. Canyon nickte zustimmend und führte den Braunen in seine Box. Anschließend verschlossen wir diese und siedelten in mein Büro um. Dort unterzeichnete ich den Kaufvertrag und händigte den Kaufpreis aus. Abschließend verabschiedetete ich mich von Canyon und ging danach wieder zu Tibor. Dieser stand aufgeregt prustend in der Box. Ich beschloss den hübschen Wallach erst einmal in Ruhe ankommen zu lassen und schnappte mir daher einige Zaunpfähle aus Kunststoff und Zaunband. Circa eine halbe Stunde später war meine Stirn schweißbedeckt und die Koppel in zwei gleich große Bereich abgesteckt. Nach einer kurzen Pause lief ich also wieder in den Hengststall und schaute nach dem Neuzugang. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit erholt und deutlich abgeregt. Ich ging langsam und bedächtig in die Box, zog ihm Gamaschen an und legte zum Schluss Halfter samt Strick an. Dann öffnete ich die Box und brachte den Wallach auf die Hengstkoppel. Kaum war der Strick offen, starrte Tibor Trafalgar Law an und trabte an den Zaun. Nach einigem Steigen, Gequietsche und Bocken war die Situation jedoch entspannt und ich konnte endlich ins Haus um mein Mittagessen zuzubereiten.



      Nachdem ich meinen knurrenden Magen gestillt hatte, schnappte ich mir „meine“ 4 Hunde und lief nochmals eine ausgiebige Runde Gassi mit ihnen. Anschließend longierte ich Sweet Prejudice und ging mit Aphonise die ersten Seitengänge an der Hand durch. Als ich gerade Trafalgar Law von der Weide holen wollte, um ihn ein wenig zu reiten, standen die beiden Männer Seite an Seite am Zaun und fraßen. Ich holte mein Smartphone aus der Tasche, hielt diesen Moment fotografisch fest und sendete ihn Finn zu. Anschließend beschloss ich dass der Braunschecke heute Pause hatte. Dafür nahm ich mir eine Decke und ein Buch und machte es mir am Rande der Hengstkoppel gemütlich. Als es etwas kühler wurde und die Pferde bereits 3 Stunden auf der Koppel standen, holte ich zuerst Trafalgar Law rein, anschließend kam Tibor an die Reihe. Da sich die beiden Herren so gut verstanden, konnte ich bereits beide wieder den Zugang zum Paddock ermöglichen. Anschließend durften auch die Stuten in ihre Boxen. Zum Schluss bekamen alle 4 noch ihr Kraftfutter und anschließend ihre Heurationen. Als ich dabei war die letzte Boxentüre zu schließen, stand Finn auf einmal neben mir.



      Wir saßen gerade am Esstisch und erzählten uns von unserem Tag, als Finn´s Handy klingelte. Überrascht sah ich ihn an und registrierte eher verdutzt, dass er aufstand und das Esszimmer verlies. Kaum dass er wieder am Tisch saß, klingelte mein Telefon im Büro und kurz darauf, dank der Rufumleitung auch mein Handy. Neugierig sah ich auf die Nummer, konnte diese jedoch keinem meiner Kunden oder anderen Geschäftskontakte zuordnen. „Sophia Galway am Apparat, Crownfield Medical Center“ begann ich das Gespräch. „Hallo hier spricht Isabell Neyer. Ich wollte einen Wildunfall melden. Das Reh lebt noch und ich kann den Jagdpächter nicht erreichen.“ Drang eine aufgeregte Stimme an mein Ohr. Ich notierte mir die Adresse und schilderte Finn in Kurzfassung was passiert war. Um gleich los zu können, bot Finn mir an, seinen Wagen zu nehmen. So flitze ich in den Flur, holte meine Notfalltasche und machte mich auf den Weg.



      Nach circa einer halben Stunde erreichte ich die vermeintliche Unfallstelle, jedoch stand ich vor dem Gestüt Nordwacht und nicht an einem Unfallort. Ich fuhr die Auffahrt hinein und parkte vor dem Wohnhaus. Schnell stieg ich aus und lief an die Haustür. Als ich bereits zweimal erfolglos geklingelt hatte, öffnete sich gerade in dem Moment die Haustüre, als ich mich umdrehen wollte. „ Miss Galway?“ erkundigte sich eine junge Frau nach mir und ich nickte ihr zustimmend zu. „ Mein Name ist Isabell Neyer. Das ist mein Gestüt. Ich begleite Sie in den Aufzuchttrakt und ich glaube Finn müsste auch jeden Moment hier sein“ schloss sie ihre Begrüßung ab. Verwirrt sah ich die junge Frau an und folgte ihr verplex. Kaum waren wir vor dem Stallgebäude angekommen, sah ich bereits meinen VW Tiguan samt Pferdehänger die Auffahrt entlang fahren. Bis Finn in meinem Blickfeld erschien, hatten Frau Neyer und ich bereits das Stallgebäude betreten und waren vor eine Box getreten. In dieser stand ein kleines schwarzes Fohlen und schaute mir neugierig entgegen. „Na wen haben wir denn da?“ fragte ich und streckte dem kleinen Köpfchen meine Hand entgegen.



      Eine halbe Stunde später war der Kaufvertrag in einem Handschuhfach und ich bekam den Strick für mein neues Fohlen in die Hand. Finn stand schon bereit neben dem Hänger und wartete darauf, dass ich NWS Nessaya einlud. Nach einigen Minuten Zögern stand die kleine Stute im Hänger. Als wir die Rampe schlossen und einstiegen hörte man noch das herzzerreisende Wiehern von Nessaya wie sie sich von ihren alten Freunden verabschiedete. Nach einer Stunde Fahrt kamen Finn und ich gleichzeitig auf Crownfield an. Schnell parkte ich das Gespann vor dem Stutenstall und schaltete die Zündung ab. Als Finn sein Auto auf dem Parkplatz geparkt hatte, kam er mir beim Herunterlassen der Rampe zur Hilfe. Als die Rampe unten war, lief ich über die leere Hälfte des Hängers nach vorne und löste den Führstrick vom Hänger. Anschließend nickte ich Finn zu und er öffnete hinten den Ausgang des Hängers. Schritt für Schritt führte ich mein Nachwuchspferd nach unten. Als die hübsche Stute mit allen Hufen auf dem Boden stand, lobte ich sie ausgiebig und dann begann die Kleine auch schon aufgeregt zu prusten und zu rufen. Aus dem Stall kam zugleich die Antwort. Während Finn die Box vorbereitete, lief ich mit NWS Nessaya die Stallgasse entlang und hielt vor den Boxen von Sweet Prejudice und Aphonise an. Als die Box fertig war, durfte die Kleine ihr neues zu Hause kennen lernen und als Ruhe eingekehrt war, parkten wir den Hänger und das Auto um und verbrachten den restlichen Abend mit unseren Hunden.
    • Sissicat
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      Mein Wecker schreckte mich aus meinem Schlaf. Müde rieb ich meine Augen und sah auf meinem Kalender. Sofort war ich hell wach und beeilte mich, mich fertig zu machen. Ich hatte beinahe verschlafen! Schnell steckte ich mir eine Scheibe Brot in den Mund und fuhr los, hoffentlich hatte ich alles in meinem Wagen gepackt! Ich hatte heute einen Großauftrag bei dem Gutshof Crownfield, 8 Pferde sollte ich heute behandeln. Ich verkniff mir ein Gähnen als ich neben einer Weide herfuhr und bei dem Hof ankam. Die Besitzerin wartete bereits bei dem Haupthaus auf mich und winkte mir als ich zu ihr fuhr. "Sie können dort hinten parken, ich hole schon einmal Treebeard!", rief sie mir zu und deutete in eine Richtung, ich nickte freundlich und tat wie mir gehießen. Ich war gerade mit dem Aufbauen fertig als Sophia Galway mit einem kleinen Falabella Hengst zu mir kam. "Oh wie süß!”, meinte ich und strich dem kleinen über seinen Schopf. Bei fast allen Pferden, die ich heute behandeln musste, musste ich nur die Hufe durchchecken und korrigieren sowie ausschneiden. So auch bei dem kleinem Pferde-Dalmatiner. Das Pony schnupperte suchend an mir und wirkte etwas enttäuscht als er nichts fand. "Vielleicht wenn du brav ruhig stehst.", versprach ich ihm und kraulte ihn auf seiner Stirn. Als hätte der Hengst meine Worte verstanden hielt er die ganze Behandlung über still und sah mich danach wartend an. Ich lachte und holte aus meinem Auto einen kleinen Apfel, dem ich ihm gab. Mein nächster Patient war ein schöner schwarzer Hannoveraner Hengst, namens Burnout. Der Hengst musterte mich anfangs etwas unsicher, beruhigte sich aber schnell und gab mir brav seine Hufe. Seine Hufe waren wie auch die von Treebeard in einem gutem Zustand und so hatte ich nicht viel zu korrigieren. So war auch mein zweiter Patient schnell versorgt und Sophia brachte das nächste Pferd, den Haflinger Janosch aka. Jamiro. Sophia teilte mir sogleich mit, dass der Hengst früher schlecht behandelt wurde. Dadurch konnte ich meinen „Check“ einfacher durchführen. Seine Hufe hatten sich auf jeden Fall sehr gut entwickeln, man merkte beinahe nichts mehr von schlechter Haltung. Mit ein wenig schneiden hier und da hatte ich das letzte bisschen jedoch auch behandelt. „Das ging auch wieder schnell.“, lächelte ich zufrieden und strich dem verschmusten Haflinger über seinen Hals. Während Sophia das nächste Pferd holte, trank ich ein Glas Saft welches sie mir davor gebracht hatte. Ich war bereits vorgewarnt worden daher reagierte ich nicht über als Sophia ein kleines Fohlen auf mich zu führte, aber dennoch stand in meinem Gesicht geschrieben wie süß ich das kleine Ding fand. „Michelle das ist unsere jüngste, NWS Nessaja.“, stellte die Besitzerin das Fohlen vor und führte es auf den vorhergesehenen Platz. Ich wusste bereits, dass Nessaja noch nie zuvor einen Hufschmied gesehen hatte – oder gespürt – darum fing ich ruhig an. Ich streichelte das Tier und gab ihr ein Leckerli, Sophia hielt Nessaja fest am Strick während ich mich bückte um ihr Huf zu heben. Das kleine machte dies brav mit und wirkte auch nicht unruhig als ich began den Huf zu untersuchen und zu korrigieren. Manchmal kam es vor dass sie den huf wegzog oder verwirrt zu mir zurück sah, jedoch sprang sie nie weg. Schauen wir mal wie das wird, wenn sie Hufeisen bekommt… dachte ich mir, aber vielleicht würde sie ja auch später barhuf laufen. „Gut gemacht, Süße.“, sagte ich und tätschelte den Hals des Fohlens. Als nächstes wurde ein stolzer brauner Trekehner zu mir geführt. Sein Name war – wie Sophia mir verrat – Tibor. Ich wollte ihn eigendlich wie alle anderen streicheln, doch der Hengst wich ein wenig zurück und musterte mich misstrauisch. Es dauerte eine Weile, doch mit Sophias Hilfe gelang es mir nach einer Weile von Tibor akzeptiert zu werden. Als er verstanden hatte was ich tat, schien er auch keine Probleme damit zu haben. Er blieb die ganze Zeit über gelassen stehen und lies mich so meine Arbeit tun. Nach Tibor – dem fünften Patienten an dem heutigen Tag – war ich schon ziemlich müde, jedoch schwor ich mir das ich die anderen drei auch noch schaffen würde. Ein Braunschecke war der drittletzte Patient auf dem Hof, sein Name war Trafalgar Law. Der Hengst kam mit schweren Schritten hinter Sophia her und suchte auf dem Platz erstmal nach etwas zu Essen – was er aber zu seinem Bedauern nicht fand. „Keine Sorge, wenn du brav bist bekommst du einen Apfel oder Leckerli.“, erklärte ich ihm und machte mich dann auch schon an die Arbeit. Trafalgar Law dazu zu bringen seine Beine zu heben war an dem allem das schwierigste. Sobald ich sein Huf hatte konnte ich jedoch ungestört arbeiten. So war auch Trafalgar schnell fertig und konnte zurück auf die Weide. Sweet Prejudice, war der Name der schönen Sportpferd Stute welche mein vorletzter Patient war. Die Stute wirkte etwas eigenwillig und zeigte schonbald ihr Temperament – denn ihr Huf gab sie nur wenn SIE wollte, nicht wenn ich wollte – jedoch schafften Sophia und ich es nach einer Weile die Stute unter Kontrolle zu bringen. Zuerst tat ich die Kunststoff Hufeisen von ihren Hufen und checkte die Beschaffenheit durch, ich bestätigte Sophia das die Stute keine Eisen brauche und began dann die Hufe auszuschneiden. Als ich fertig war musste ich ein Gähnen unterdrücken, die Arbeit als Hufschmied machte sehr müde! Überhaupt ohne den morgendlichen Kaffee… Mein letzter Patient an dem heutigen Tag war eine gepunktete Sportpferde Stute namens Aphonise. Die ruhige Stute war das erste – und einzige – Pferd, welches ich heute beschlagen musste. Die Eisen hatte ich bereits hergerichtet und so dauerte auch dieser Auftrag nicht alzulang. Man konnte Aphonise ihre Erfahrung auf jeden Fall ansehen, denn die große Dame zuckte kein einziges Mal auch nur mit einer Wimper. Als Aphonise fertig korrigiert und beschlagen – nur auf den vorderhufen – war, führte Sophia sie zurück in ihre Box. Danach regelten wir das geschäftliche und ich fuhr nach Hause, wo ich mich sofort auf meine Kaffeemaschine stürzte.
      6022 Zeichen | Sissicat
    • Findu
      Zuwachs auf dem Gutshof Crownfield


      Der Sommer hatte sich dem Ende geneigt und auch auf dem Gutshof Crownfield begann nun der Einstieg in den Herbst bzw. den Winter. Vor einigen Tagen hatte ich mir ein Angebot für einen neuen Belag in der Reithalle geben lassen und nach kurzem Zögern das Angebot bestätigt. Am nächsten Tag würden somit mehrere Tonnen Reithallenbelag abgeholt und gegen eine neue, bessere und für die Pferde wesentlich gelenkschonendere Variante ausgetauscht werden. Zugegeben dies war ein kleiner Luxus jedoch wollte ich bei der Reaktivierung des Gutshofes nicht wirklich zurückstecken – schon gar nicht auf Kosten der Pferde. Ich war gerade in der Buchhaltung vertieft, als es an der Tür klingelte. Die Hunde spitzten die Ohren und standen dann auf, um eilig an die Tür zu rennen. Ich folgte dem bunten Trupp und öffnete die Tür.


      Circa 10 Minuten später stellte ich die volle Kaffeetasse auf den Tisch und setzte mich zu meinem Besuch. Die junge Frau hatte sich mir als Lara Bischoff vorgestellt, Finns Halbschwester. Finn war gerade einkaufen und somit bat ich den Besuch ins Haus. Ich blickte kurz aus dem Küchenfenster und sah wie Aphonise in Richtung Wald galoppierte. Ich stand eilig auf und entschuldigte mich bei Lara. „Sorry aber ich muss mal kurz eine meiner Stuten einfangen“ rief ich und war bereits halb aus der Tür, als eine Antwort erklang. „Pferde ? Kann ich vielleicht helfen?“ erklang es vom Esstisch und schon stand die Frau hinter mir. Hastig nickte ich und verließ das Haus. Keine zwei Schritte hinter mir kam der Besuch mit.

      Gerade in dem Moment, als ich Finn mit meinem SUV die Einfahrt entlangkam, drehte Aphonise sich um und kam mir entgegen. Ich machte mich groß und gerade als die Stute an mir vorbeisausen wollte, griff eine Frauenhand an meiner linken Schulter vorbei und stoppte das Pferd am Halfter. Als Finn den Wagen geparkt hat und ausgestiegen war, übernahm ich meine Tigerscheckenstute und brachte sie zurück auf die Koppel. Dort hatte sie es irgendwie geschafft die obere Litze zu öffnen und ist über die verbleibenden beiden Litzen gesprungen.


      Nachdem endlich wieder Ruhe eingekehrt war, begrüßte ich Finn und machte mich an die Stallarbeit um die beiden Geschwister alleine zu lassen. Da die Pferde auf den Wiesen waren, mistete ich zuerst alle Boxen. Da heute einige Neuzugänge eintrafen, richtete ich noch die Boxen für die neuen Pferde. Anschließend schnappte ich mir Sweet Prejudice und longierte sie ausgebunden in der Halle. Gerade als ich Tibor für eine Reiteinheit richten wollte, kamen Finn und seine Schwester zu mir. „Du..Sophia wir würden gerne ausreiten wollen“ kam es von meinem Freund. Ich nickte und holte gemeinsam mit den beiden Aphonise und Trafalgar Law von der Koppel. Ich nahm dem Falbschecken, Finn die Tigerscheckenstute und seine Schwester durfte auf Tibor reiten. Wir ritten eine Stunde aus. Anschließend versorgten wir die Pferde. Finn bot an, mit seiner Schwester NWS Nessaya zu bewegen. Die kleine durfte zur Zeit noch ein wenig das Kindesalter genießen und wurde nur spielerisch in der Halle laufen gelassen. Gerade als ich mit den Hunden die Koppeln kontrollieren wollte, kam ein Transporter auf den Hof gerollt.

      Eine Stunde später stand der Haflinger, welchen ich durch Zufall per Facebook fand und aus schlechter Haltung übernommen hatte, in seiner Box und frass genüsslich das Heu. Zuerst war der Hengst so begeistert von der neuen Gesellschaft gewesen, dass an Fressen nicht zu denken gewesen war. Nun hatte er sich aber doch beruhigt. Das war auch gut so, denn gerade kam der nächste Schwung. Somit fanden auch Burn Out und Treebeard ihr Zuhause auf dem Gutshof Crownfield.

      Im Laufe der nächsten Woche würden die Pferde nun alle ihr Training aufnehmen.
    • Findu
      Riding through a winter wonderland


      „A wonderful dream of love and peace for everyone“ schallte es aus dem Radio. Der Winter war in Deutschland angekommen. Der erste Schnee hatte uns kurz nach Heiligabend heimgesucht und die Landschaft des Gutshofes Crownfield in eine weiße Märchenlandschaft verwandelt. Inzwischen hatte sich der Pferdebestand kaum verändert. Es war lediglich eine Haflingerstute dazugekommen. Toffifee 45, war ihr Name. Ich hatte die Stute von einer entfernten Cousine übernommen, da diese den Bauernhof ihrer Eltern verkaufte und niemand Interesse an der Stute gehabt hatte.

      Zugegeben, die Stute war bereits fast 9 Jahre alt und noch immer nicht geritten, jedoch dafür top am Boden ausgebildet worden. Ich hatte mir vorgenommen die Stute anzureiten und sie dann auf dem Turnier vorzustellen. Gemeinsam mit dem Haflinger welchen ich aus schlechter Haltung übernommen hatte, würde sie eine weitere Zuchtrichtung für Crownfield darstellen.

      Lara hatte inzwischen laufend Kontakt zu uns und half uns wann immer sie freie Zeit übrig hatte mit dem Hof. Seit der neue Reithallenboden auf Crownfield war, machte das Trainieren der Pferde mehr Spaß. Die mittlerweile niedrigen Außentemperaturen machten eine Hallennutzung unumgänglich. Sofern es nicht so kalt war, regnete es den ganzen Tag in Strömen. Ich war in der Zwischenzeit dazu übergegangen, die Pferde anstelle auf die Koppel, während dem Misten in die Führanlage zu stellen. Sofern das Wetter es erlaubte, durften die Pferde jedoch auch ihre Energie auf den Weiden auslassen. Ansonsten waren Finn, Lara und ich damit beschäftigt, die Pferde jeden Tag zu bewegen. Heute hatten wir uns die 9 Pferde aufgeteilt. Finn würde Treebeard, Tibor und Trafalgar Law übernehmen, während sich Lara um Sweet Prejudice, Burn out und Aphonise kümmern würde. So blieben mir noch Toffifee 45, NWS Nessaya und Janosch.


      Zuerst einmal mistete ich die Boxen meiner 3 Schützlinge und ging dann kurz mit NWS´Nessaya in die Halle. Dort hatte ich bereits vor dem Frühstück einige „gruselige“ Dinge aufgebaut. Unter anderem lag in der Halle eine Plane, ein kleiner Flattervorhang war ebenso vorhanden wie 2 Hindernisständer mit Poolnudeln daran. Nessaya fand die Plane eher uninteressant, so lief sie neugierig mit der Nase am Boden entlang auf die Plane. Der Flattervorhang war jedoch sehr gruselig, sodass wir erst nach einigen Minuten und mehrern Leckerlies und Streicheleinheiten hindurch kamen. Zum Abschluss meisterten wir auch den Durchgang durch die Poolnudeln. Gemeinsam mit dem Stutfohlen räumte ich die Utensilien auf. Ich brachte die kleine Stute zurück in die Box und gab ihr eine kleine Portion Kraftfutter. Anschließend schnappte ich mir Toffifee 45 und machte Sie für eine kleine Dressureinheit fertig. Zeitgleich mit mir ging Lara mit Sweet Prejudice in die Halle. Während ich mit der Haflingerstute noch an der Ausbildungsskala arbeitete, lies Lara Judy in einem lockeren Tempo immer wieder zulegen und versammeln, während sie eine Bahnfigur und einen Wechsel nach dem anderen ritt. Ich jedoch konzentrierte mich auf die hübsche Karamellfarbene Stute unter mir. Damit die Stute den Weg in die Tiefe besser fand, ritt ich einige Zirkel und Achten. Als die Stute einige Runden gut am Zügel und in einem gleichmäßigem Tempo gelaufen war, ließ ich sie jeweils auf jeder Hand noch einige Runden galoppieren und beendete dann das Training mit einem kurzen Trab bei dem ich die Zügel aus der Hand kauen lies. Gerade als ich aus der Halle ritt, kam Finn mit Tibor an der Hand in meine Richtung gelaufen. Ich machte Toffifee fertig, legte ihr noch eine Abschwitzdecke auf und gab ihr eine Schippe Hafer. Nun stand noch der Haflingerhengst Janosch auf dem Plan. Dieser würde heute nur longiert werden. Daher nahm ich mir noch ein wenig die Zeit und schaute Lara und Finn beim Reiten zu. Als Lara mit Sweet Prejudice fertig war, begann Finn sein Training. Ich baute ihm einige Cavalettis auf. Diese nahm der Wallach mit Bravour. Als der Wallach gemeinsam mit Finn aus der Halle lief, kam Lara mit Aphonise. Während die Tigerscheckstute ebenfalls ein wenig gymnastizierend über die Cavalettis gearbeitet wurde, wandte ich mich dem Putzen und Satteln von Janosch zu. Gerade als Lara um die Ecke aus meinem Blickwinkel verschwand, folgte Finn mir aus dem Hengststall mit Trafalgar Law. Da das Wetter nicht gemütlicher wurde und sich nicht aufklärte, beschlossen wir wieder in die Halle zu gehen. Janosch war gerade dabei, wieder richtig antrainiert zu werden. Derzeit widmeten wir uns viel der Bodenarbeit und der Longenarbeit, auch wenn man ihm anmerkte, dass er beim Reiten und bei der Bodenarbeit wesentlich motivierter war. Doch um Muskeln aufzubauen war das Training an der Longe wichtig. Ich arbeitete den Hengst ca. 30 Minuten und brachte ihn dann zurück in den Stall. Ich war nun mit den mir zugewiesenen Pferden fertig. Finn hatte noch Treebeard und Lara hatte noch Burn Out zu versorgen. Beide waren in der Halle und ließen die Pferde an der Doppellonge gymnastizierend vorwärts abwärts laufen. Im Anschluss schnappten wir uns nochmal Aphonise, Sweet Prejudice und Tibor und machten einen kleinen Schneeausritt um den Gutshof. Die Stimmung zwischen den Menschen und den Pferden war ausgelassen.
    • Findu
      Der Herbst naht...


      Der Sommer hatte Einzug gehalten in Deutschland und auch die Bauern hatten mittlerweile alle Hände voll zu tun um ihre Felder abzuernten, das Heu und das Stroh zu machen und ganz nebenbei noch die Tiere zu versorgen. In einigen Tagen würde die Stoppelfeldsaison starten und darauf freute ich mich.

      So langsam stellte sich ein Alltag auf dem Gutshof Crownfield ein. Finn hatte seinen Job gewechselt und konnte nun 3 Tage die Woche Homeoffice nutzen. Das machte die Arbeit um einiges einfacher, da so die Versorgung der Tiere trotz meines Jobes als Tierärztin gesichert war. Auch Lara, seine Schwester hatte sich ein kleines Apartment auf dem Gelände des Hofes errichtet und war somit zum Hofpersonal „mutiert“.


      Gemeinsam standen wir jeden Morgen zwischen 6.30 und 7.30 Uhr im Stall und misteten, fütterten und streuten ein. Es war einfach schön die Zeit gemeinsam und mit einem Lachen zu erledigen. Den aktuellen Pferdebestand hatte ich gehalten. Seit Toffifee und Janosch eingezogen waren, hatte kein Neuzugang den Weg nach Crownfield geschafft. Unglücklich war darüber keiner, denn auch die Hunde forderten neben den Pferden ihre Aufmerksamkeiten. Und auch wenn es sich beim Gutshof um ein eher kleines, ländlichen Anwesen handelte, so war doch immer etwas zu tun. Hier musste mal ein Zaun geflickt werden, dort musste außer der Reihe Futter geordert oder die Wiesen gedüngt werden. Derzeit waren Finn, Lara und ich dabei ein Solarium zu kaufen. Da wir uns jedoch nicht einig wurden, fassten wir schnell den Beschluss, dieses selbst zu bauen. Auch wenn die Temperaturen in den nächsten Wochen den zweistelligen Bereich nicht unterschreiten würden, sollte rechtzeitig das Solarium fertiggestellt werden.


      So kam es, dass wir den Trainingsplan der Pferde an unseren Tagesablauf anpassten. In den Fällen, in denen das Thermometer die 30 Grad bereits morgens um 08.00 Uhr überstieg, schnappten wir uns jeweils 2 Pferde und fuhren mit diesen nacheinander zum See. Auch hier stellte sich die Anwesenheit von Lara als ein wahrer Glückstreffer heraus. Während Janosch so seine Schwierigkeiten mit dem Verladen hatte, wollte Aphonise gar nicht erst ins Wasser.


      Heute begannen Lara und ich den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück, gefolgt von einem schnellen Ausritt auf Toffifee und Sweet Prejudice. Dabei hatten wir die Hunde mitgenommen. Anschließend brachten wir alle Pferde auf die Koppel und widmeten uns der Stallarbeit. Im Anschluss schnappte ich mir Aphonise und übte mit ihr an der Doppellonge. Burn Out lies ich anschließend frei springen. Unterdessen hatte Lara Nessaya laufen lassen und Trafalgar Law locker in der Dressurarbeit bewegt. Tibor durfte etwas Langzügelarbeit genießen. Treebeard wurde derweil in der Bodenarbeit von Lara gefordert. Als Lara die Einheit mit dem kleinen Pony abgeschlossen hatte, betrat ich mit Janosch die Halle. Lara rief mir zu, dass sie den Parcour gleich aufräumen würde. Ich jedoch schüttelte den Kopf und beschloss das heutige Training mit Bodenarbeit auszufüllen. So lernte der neugierige aber sture Haflingerwallach einiges neues kennen. Er zeigte sich stets erst einmal stur, hatte man ihn von seiner Meinung jedoch überzeugt, ging er bereitwillig überall hindurch. Nur dem Wasser traute er, ebenso wie Aphonise, nicht über den Weg.


      Gegen Abend fuhren Lara, Finn und ich ins Kino. Dort sahen wir uns den neusten Trashfilm an und verbrachten noch einige schöne Stunden, ehe wir alle 3 totmüde in die Betten fielen.
    • Findu
      Von Regendepressionen und Sturzbächen



      So schön der vergangene Herbst auch war und so mild dieser Winter auch gewesen sein mag, aber dieser ständige Regen nervte mich. In meiner Praxis war ich gefühlt nur am behandeln von hustenden Pferden und anderen Tieren. Selbst auf meinem eigenen Hof hatte es 2 Tiere erwischt.

      Treebeard und Burn Out hatten sich (woher auch immer) eine verschleimte Lunge und trockenen Husten eingefangen. Doch nach etwas Ventiplus für beide und regelmäßiges leichtes Longieren waren beide wieder fit. Vor allem um Nessaya hatte ich mir Sorgen gemacht. Sie wuchs so prächtig, da wollte ich keine Entwicklungsstörung hervorgerufen haben.

      Da die Tage von endlosem Regen gesäumt waren, war der generelle Hofbetrieb etwas zum erliegen gekommen. Oftmals reichte meine Zeit nach der Praxis nur dafür, die Pferde zu putzen und sie nacheinander oder zum Teil miteinander in der Halle laufen zu lassen.

      Lara und ich hatten uns vorgenommen dieses Jahr wieder aktiver in den Turniersport einzusteigen. Vorallem mit Aphonise und Sweet Prejudice. Aber auch Trafalgar Law sollte so langsam in den Turniersport gehen. Für die beiden Haflinger Janosch und Toffifee hatten wir uns überlegt, diese in die Working Equitation schnuppern zu lassen. Tibor sollte weiter im Springen gefördert werden und Burn Out sollte seinen Erfolg im Military weiter ausbauen. Nessaya sollte weiter das Fohlen ABC erlernen und Treebeard wurde gerade durch eine ehemalige Bekannt auf das Einfahren vorbereitet.

      Daher wurden die Pferde in Laras Zuständigkeitsbereich eifrig trainiert und auch Finn griff mir unter die Arme. An den Wochenenden schaffte ich es dann auch mal „meine“ Pferde zu trainieren.
      Alles in allem waren die Tage derzeit gleich. Wir standen früh auf, misteten die Pferde und fütterten diese und anschließend ging es für mich in die Praxis.

      Vor ca. 6 Wochen hatte ich mich für die Errichtung einer Führanlage entschieden, damit die Pferde selbst bei den anhaltenden Sturzbächen wenigstens während des Mistens bewegt wurden.



      In den nächsten Wochen sollten der Bagger und die Firma anrollen um mit den Bauarbeiten zu beginnen…
    • Findu
      Von erfüllten Träumen und dem Wunsch nach Veränderungen



      Der Bau der Führmaschine hatte den Alltagsstress ein klein wenig kompensiert, dennoch war ich mir bewusst, dass der Job als Tierärztin und der Betrieb eines Gutshofes zu viel für eine Person war. Ich hatte daher schon länger mit dem Gedanken gespielt, meinen Job als freie Tierärztin auf eine Anstellung in einer Klinik umzuwandeln. Nun hatte ich endlich die Chance dazu.



      Keine 15 Minuten mit dem Auto wurde in der nächsten Tierklinik eine OP-Chefin gesucht. Gerne auch in Teilzeit. Nach einem angenehmen Gespräch hatte ich wenige Tage später die Zusage. Finn freute sich, denn dies bedeutete auch für uns mehr Zeit als Paar. Er genoss die Arbeit auf dem Hof mit seiner Schwester, dennoch kam die Zeit zu Zweit zu kurz. Vor allem da Laura inzwischen auch einen Freund hatte und manchmal über Nacht nicht auf dem Gehöft anwesend war.



      Heute durften Janosch, Toffifee und Aphonise in der Führanlage laufen, während Laura und ich Trafalgar Law und Burn Out longierten. Im Anschluss durften sich Treebeard und Nessaya noch in der Halle im Freilauf austoben. Danach machten Laura, Finn und ich Tibor und Sweet Prejudice fertig. Den Abend läuteten wir mit dem Ausritt auf Tibor und Sweet Prejudice ein, während die Hunde uns begleiteten.
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  • Album:
    GutshofCrownfield
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    19 Apr. 2018
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  • _________________________________

    Zuchtname des Pferdes: Tibor
    Rufname(n): Ti, Tibor
    Besitzer:
    Findu (Sophia Galway)
    Reitweise: Englisch
    Vorbesitzer: Canyon
    Vorkaufsrecht: Canyon


    Tierarzt: Sophia Galway
    Hufschmied:
    Ausbilder:
    Reitbeteiligung:

    Stall: Hengststall (derzeit)
    Weide: Hengstweide (derzeit)
    Einstreu:
    Stroh
    Futter: Heu, Saftfutter;
    Kraftfutter 2 x täglich
    Anmerkungen: sehr genügsam,
    neigt zum Dickwerden,
    leicht futterneidisch


    Portrait:


    Abstammung
    _________________________________



    Von: unb.
    - x -

    Aus der: unb.
    - x -

    Zur Zucht zugelassen:

    Gencode: n. g.
    Vererbung: n. g.
    Nachkommen:


    Exterieur
    _________________________________


    Geschlecht: Wallach
    Geburtsdatum: 01.01.1999 (Genaues Datum unbekannt)
    Rasse: Trakehner
    Herkunft:
    Deutschland

    Stockmaß/Endmaß: 157 cm
    Art:
    Pferd
    Typ: Warmblut

    Fellfarbe: Bay
    Langhaar:Schwarz
    Abzeichen: Flocke | 2x weiße Krone | weiße Fessel
    Sonstige Erkennungsmerkmale:-



    Interieur
    _________________________________


    freundlich ◆◆◆◆◆ bösartig

    introvertiert ◆◆◆◆◆ extrovertiert

    intelligent ◆◆◆◆ unintelligent

    selbstbewusst ◆◆◆◆◆ unsicher

    sozial ◆◆◆◆◆ unsozial

    beständig ◆◆◆ nervös

    ausgeglichen ◆◆◆◆ unausgeglichen

    temperamentvoll ◆◆◆◆◆ ruhig

    aufmerksam ◆◆◆◆◆ unaufmerksam

    friedlich ◆◆◆◆◆ streitlustig

    naiv ◆◆◆◆ dominant

    loyal ◆◆◆◆◆ untreu

    arbeitsfreudig ◆◆◆ faul

    geduldig ◆◆◆◆◆ ungeduldig


    Charakterbeschreibung:
    Tibor ist der zweite im Bunde und zusammen mit La Paz bildet er, nicht nur vor der Kutsche, ein unglaublich gut eingespieltes Team. Er ist ziemlich erfahren, aber auch recht stur und wenn er einer anderen Meinung ist, dann zeigt er dies auch gerne. Eine grobe Hand kann er gar nicht leiden und vergisst deswegen auch schnell seine sonst sehr guten Manieren. Tibor zeigt seine Kraft und Energie und ist immer schwungvoll unterwegs, achtet jedoch immer auf seinen Reiter. Tibor liegt vor allem das Springen und die Schnelligkeit im Blut, ist leider jedoch ziemlich verfressen. Mit seinem Freund Paz teilt er gerne, andere Pferde und auch Menschen möchte er beim Fressen jedoch nicht um sich haben. Tibor genießt auch die Zeit in der Box, wenn ihn seine vier Wände schützen und er richtig entspannen und loslassen kann. Er wird ungerne ständig angefasst, ist aber hin und wieder auch auf der Suche nach einer Streicheleinheit.

    Geschichte: Nichts bekannt


    Qualifizierungen & Erfolge
    _________________________________


    Eignung:

    Springen: E A L M
    Military: E A L M
    Western:
    Distanz: ✘

    Galopprennen:
    Fahren:

    Dressur: E A L
    Gangreiten:
    Wendigkeit: E A L M S


    Turnierbedingter Aufstieg | Trainingsaufstieg | Potential

    Auszeichnungen: ✘


    Ausbildungsstand
    _________________________________


    Fohlen ABC:
    Longiert:
    Eingeritten:
    Eingefahren:

    Beurteilung:

    Gelassenheitstraining:
    Hindernisgewöhnung:
    Hängergewöhnung:
    Startboxgewöhnung:

    Roundpen: Sensibel an der Hand, fleißig, sehr an Umgebung orientiert
    Reitplatz/Reithalle: Sensibel an der Hand, schwungvoll, geht gut vorwärts
    Gelände: Sehr an Umgebung orientier, zuverlässig, unerschrocken, schnell


    Gesundheitszustand
    _________________________________


    Gechippt:
    Geimpft:
    Bekannte Krankheiten:
    Anmerkungen: keine Auffälligkeiten

    Hufzustand: gut
    Prüfstand: verfallen
    Beschlag vorn:
    Beschlag hinten:
    Anmerkungen: schmiedtauglich,
    nicht beschlagen