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Mohikanerin

Thowra van Ghosts | Gekört

10 Jahre | by Mohikanerin | P1 - W1

Thowra van Ghosts | Gekört
Mohikanerin, 26 Juli 2016
Zion gefällt das.
    • Mohikanerin
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      Pflegeberichte (1)

      Umzug nach Schottland
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      Unbekannt | (c) Ravi
      4804 Zeichen | - Sarah

      Nachdem ich eine Woche auf gepackten Koffern gehockt , mich von allen hier auf Heartland verabschiedet - Jack, dessen Kochkünste ich vermissen würde, Ty der mir in meinem Wissen um Pferde Haltung und Pflege sosehr geholfen hatte und vor allem auch von Amy. An jenem Abend waren sehr viele Tränen gefallen - doch alles in allem hatten sie mir viel Glück gewünscht.
      Nun hockte ich auf diesem Frachtschiff fest - ich hätte mich entscheiden können mit all meinen Pferden zu fliegen, doch wollte ich keinem von ihnen dies antun. Also hatte ich mich nach Schiffreisen nach Schottland erkundigt - durch Zufall hielt einer der Frachter genau im Hafen von Port Appin um dort Medikamente und Lebensmittel abzuliefern. Von dort würden wir per Auto nach Eriska fahren und von dem kleinen Ort aus war es nicht mehr lang bis zu dem Hof den Cayden von seinen Großerltern geerbt hatte. Eine entfernte Cousine – wohnte dort bereits. Nach vielem Mailkontakt hatten wir beide beschlossen gemeinsam auf Caed Crevan eine Zucht für Highlandponys und Connemaras aufzubauen. Genauso wie auch ich hatte sie einige Pferde anderer Rassen, die auf dem Gut jedoch auch ein wunderschönes zu Hause finden würden. Einige meiner Schätze befanden sich nun also bei mir an Bord - darunter Thowra - ein Isländermix aus Vinis Zucht, meine recht neue Stute Willow Maiden, Stormy – denn er vertraute mir von allen am meisten und der frisch kastrierte Araber Golden River. Die anderen waren bereits vor gut einem halben Monat mit Cayden nach Eriska aufgebrochen. Dort in der Nähe gab es einen See – oder vielmehr ein zu großer Teich namens Logan Dubh, dieser befand sich direkt auf dem Gutsgelände und ich hatte schon ein erstes Foto von Cayden erhalten auf dem Moon zu sehen war wie er Knietief im Wasser stand. Da hatte ich erst gemerkt wie sehr ich meine Lieblinge vermisste. Cayden und ich hatten in unserer alten Heimat alle Zelte abgebrochen um einer noch recht ungewissen Zukunft entgegen zu blicken – Cayden hatte Call an ein junges Mädchen verkauft, die mit dem jungen Friesen sicher viel Spaß haben würde. Minou hatte sich gemeinsam mit Gwen auf den Weg nach Kanada begeben, doch hatte ich ein Foto von deren Imbolc-Feier erhalten. Wie es der Zufall so wollte fand dieses keltische Fest genau an meinem Geburtstag statt, dies war mein letzter Tag auf Heartland gewesen…
      Einige Stunden später, zog ich meine Sachen an, torkelte ein wenig über das Deck und hinunter in den Frachtraum um nach den letzten Pferden zu gucken – Thowra hatte leichte Beruhigungstropfen in ihr Futter bekommen, damit die Reise nicht allzu anstrengend für sie wurde. River hatte die Tropfen aufgrund seines Temperamentes erhalten, obwohl er durch die Kastration schon ruhiger geworden war. Eigentlich hatte ich nie vorgehabt zu Kastrieren, sollte er doch mal in eine Zucht gestellt werden, doch eine Hodenentzündung hatte diesen Wünschen einen Riegel vorgestellt – nun gut, dennoch würde ich ihn nicht einfach aufgeben. Von Anfang an stand fest – River kommt mit!
      Auf dem Hof selbst gab es ein kleines Shetlandfohlen, welches dem Großvater gehört hatte. Zusammen mit der anderen Jungstute Striga würden dies Thowras neue Gefährten werden – mal davon abgesehen, das Cayden berichtet hatte Kürbis sei wieder tragend! Also konnten wir uns auf einen tollen Nachwuchs dieses Jahr freuen.
      Nach drei Tagen auf dem Wasser wieder Boden unter den Füßen zu haben war mehr als nur herrlich! Ich musste mich schon zusammen nehmen um nicht auf die Knie zu fallen und den Boden zu küssen. Stattdessen rannte ich Cayden entgegen und küsste ihn mehr als nur einmal auf die Lippen. Während die Männer die einzelnen Boxen aus dem Frachter luden, stellte er mir „Vämp“ vor, wie ihr Spitzname war. Nachdem alle Boxen aus dem Frachter waren, holten wir die erschöpften Pferde heraus, stellten sie in die Hänger auf das ihre Reise bald ein Ende haben würde. Die zweistündige Fahrt über hatte ich mir vorgenommen, alles zu erzählen und erzählt zu bekommen, doch wegen des mangelnden Schlafes razte ich bei dem stetigen Brummen des Motors sofort ein. Erst als wir auf den Parkplatz kamen – zu dieser Zeit war es gerade 3 Uhr morgens, wurde ich kurz wach. Am Rande nahm ich wahr wie die restlichen Pferde in die Boxen gebracht wurden.

      Als ich das nächste Mal wach wurde – in einem Bett – schreckte ich auf, ich benötigte meine Zeit ehe ich wusste wo genau ich war….Eriska…Schottland. Ich schwang die Beine aus dem Bett – die Seite neben mir war leer, dann musste Cayden bereits draußen sein. Als ich ein Blick aus dem Fenster erhaschte hielt ich einen Moment die Luft an – es schien als gehöre ich hierher. „Welcome to Scotland“ murmelte ich vor mir her. Mein Blick war auf die Ovalbahn gerichtet, zwischen der kleinen Baumgruppe hindurch sah ich wie gerade Varulv trainiert wurde.

      Pflegebericht
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      Unbekannt | (c) HL Trainingszentrum
      9634 Zeichen | - Unbekannt

      Der Wagen hielt mit einem leichten Ruck auf dem staubigen Weg von Frau Kyrens Hof. Bewaffnet mit einer Box kleinerer Naschereien und einer Flasche Wasser, machte ich mich auf den Weg zur Weide. Am Gatter erwartete mich eine Frau, die auf eine Gruppe spielender Fohlen schaute. „Frau Kyren? Guten Tag, ich kümmere mich heute um Noomie, My Hope Nymeria, Thowra und Aesi.“ Frau Kyren lächelte mich an. „Natürlich. Bitte fangen Sie doch an.“, sie zeigte auf eine Auswahl an Halftern, jeweils beschriftet mit den jeweiligen Namen der Pferde. Zunächst begann ich mit Noomie.
      Nachdem Frau Kyren mir zeigte, wo das Fohlen war, schwang ich mich auf die Weide und lief auf die Braune zu. Sie spielte gerade mit einem anderen Fohlen, wieherte und bemerkte mich dann. Stocksteif verharrte sie auf einem Stück Gras, schnaubte und beäugte mich leicht argwöhnisch. „Hey Kleine. Willst du mitkommen?“, fragte ich, und bückte mich ein Stückchen. Nach wenigen Sekunden lief sie auf mich zu, wieherte und ließ sich ruhig das Halfter anlegen. Sie zuckte, als ich den Karabiner einhakte, doch folgte sie mir, als ich das Gatter ins Visier nahm. „Ich werde Ihnen beim Training zuschauen, das ist doch kein Problem, oder?“, fragte Frau Kyren, als sie hinter mir das Gatter schloss und anschließend auf den Putzplatz folgte. „Ihr Fohlen scheint schon gut mit Fremden und Halftern zurecht zu kommen. Mit anderen Pferden scheint sie kein Problem zu haben?“ „Mit meinen anderen hat sie keine Probleme, nein.“ Ich streichelte dem Fohlen den Kopf, und band sie an einen Pfosten fest. Neben dem Pfosten stand bereits ein Putzkasten. „Zunächst werde ich das Fohlen putzen, es an die Utensilien gewöhnen.“, erklärte ich, als ich den Hufkratzer nahm und an Noomie heran trat. Mit der rechten Hand strich ich über ihren rechten Vorderlauf, erfasste dabei ihre Fessel und sagte leise: „Na, komm, Kleine. Gib Huf.“ Noomie wieherte und zuckte unruhig mit ihrem Huf. Beim dritten Versuch hob sie ihn sanft an. Ihr Huf war leicht verdreckt, Gras und Erdklumpen waren anschließend vorsichtig entfernt worden. Nun ließ ich ihren Huf los. Lobend streichelte ich ihren Hals. „Super, Kleine. Gut gemacht.“, sagte ich. Einen Blick über die Schulter werfend, sah ich Frau Kyren mir bei der Arbeit zusehen. Wenige Minuten später waren die Hufe gesäubert, Noomie hatte sich noch ein wenig gesträubt, doch hatte sie beim letzten Huf ohne Widerstreben meiner Aufforderung gefolgt. Dann nahm ich die Kardätsche (ihr Fell war nicht allzu sehr verschmutzt und diese Bürste war nicht zu hart) und säuberte ihr Fell. Die junge Stute beobachtete mich neugierig, wandte sich dann um die eigene Achse und wieherte. Frau Kyren lachte leise auf. „Noomie scheint Spaß zu haben.“, sie grinste. Mit einem bestimmten Griff sorgte ich dafür, dass Noomie stehen blieb. Mit einem letzten Bürstenstrich warf ich die Bürste in die Putzkiste und ergriff den Kamm. Dabei hatte die Kleine Probleme; trotz meiner Bemühungen, vorsichtig ihre Mähne und Schweif zu kämmen, zuckte sie unruhig hin und her und warf den Kopf herum. „Noomie, ganz ruhig! Ich tue dir nichts.“, sagte ich und hielt inne. Beruhigend fuhr ich mit meiner Hand durch ihr seidiges Fell. Das schien sie zu beruhigen. Einen zweiten Versuch startend, kämmte ich lose Haare aus ihrer Mähne und ihrem Schweif. Zur Belohnung erhielt sie eine Möhre. Nachdem die Putzkiste weggeräumt war, wiederholte ich die Prozedur des Hufehebens. Diesmal klappte es.
      Dann löste ich den Strick, und ging eine Runde mit dem Fohlen. Ihr schienen Hummeln im Hinterteil zu schwirren. „Das Fohlen ist bestimmt der Renner unter den Pferden. Das Beste wäre es, einige Showübungen und Longierübungen zu machen. Das kann man super mit Führen kombinieren.“ Der kleinen Shetty etwas Lauffreiheit bietend, schnalzte ich mit der Zunge, damit sie neben mir her traben konnte. Dabei warf sie ihren Hintern in die Luft. Um dies zu vermeiden, sorgte ich dafür, dass sie näher an mir laufen würde, um das Buckeln zu lassen. Doch das schien nicht zu klappen. Erst nach zwei Runden war sie gelassener und trabte neben meinem Schulschritt her, ihre Beine waren so klein, dass sie locker mit meinem strammen Schritt Schritt halten konnte. Frau Kyren sagte kurz Bescheid, dass sie sich um ein anderes Pony kümmern musste, mich mit der ‚Patientin‘ alleine lassend. „So, machen wir deine Besitzerin stolz?“, flüsterte ich in ihr Ohr und kraulte ihre Nüstern. Wiehernd sah mich Noomie an. Ihr braunes Fell glänzte schön. Im flotten Trab hielten wir nun auf den Zwischengang, der sich zwischen Hauptgebäude und Stall befand, zu und sahen dann einen Hänger. Das würde interessant werden…
      Eine Viertelstunde später war sie nun einigermaßen gewöhnt an die Enge des Hängers, doch das Klappern der Rampe ließ sie immer noch zur Seite springen. Doch das war normal, bei vielen Pferden war dieses Verhalten nicht ungewöhnlich. Doch zumindest ließ sie sich anbinden, für einige Minuten alleine lassen und anschließend wieder aus dem Hänger führen lassen. Dazu konnte jetzt auch nach einer Trabphase ruhig neben mir stehen bleiben und ihren kleinen hübschen Kopf beugen. Auch mit den ansässigen Hofkatzen war sie gut Freund. Als nun Frau Kyren wieder auftauchte, war sie stolz auf ihren Schützling. Zum Schluss gab es eine Möhre und einen klein geschnittenen Apfel, die sie sofort vernichtete. Nachdem Frau Kyren mit der Shettystute verschwunden war, kam sie nun mit Thowra. Thowra, eine hübsche kleine Isländer-Mix-Stute mit einzigartiger Fellzeichnung, schien ein aufgewecktes und munteres Fohlen zu sein. Sie trabte locker neben ihrer Besitzerin her, schnaubte und sah mich anschließend genau an. „Das hier ist unser kleiner Sonnenschein. Sie ist eigentlich an vieles gewöhnt. Was mir Sorgen macht ist Folgendes: Sie stänkert ein wenig, wenn es ums Hufeheben geht oder wenn sie ruhig neben einer Fremden laufen soll. Keine Ahnung, weshalb.“, erklärte Frau Kyren, während sie das Isländerfohlen anband. Um zur Routine zurückzukommen, stellte ich mich vor die Kleine, und streichelte sie. Wache Augen studierten mein Verhalten, und als sie wieherte, ging ich beruhigt zum Putzen über. Sie war eindeutig dreckiger als Noomie, was zur Folge hatte, dass die Scheckige deutlich länger geputzt werden musste, nun kam der etwas schwierigere Part: das Hufe kratzen. Mit einem Hufkratzer in der rechten Hand, machte ich mich auf zu Thowras Vorderhufen. Es stimmte, sie war unruhig. Ihren Huf schien sie nach langem Zureden nur widerwillig zu heben, doch dann setzte sie ihn abrupt wieder auf den Boden. Ich hockte mich hin, und spürte, dass etwas am Fell ihres Fesselgelenkes hing. Vorsichtig schob ich die Strähnen zur Seite, bis eine dornige Klette zu Tage kam. „Frau Kyren? Ihr Fohlen hat eine Kleinigkeit im Fell, deswegen gibt sie ihren Huf nicht!“, mit spitzen Fingern zupfte ich die Klette aus dem Fell. Dies führte zu einem leisen Protest des Fohlens, doch danach (und nach einer kleinen Möhre) ließ sie ihre Hufe problemlos auskratzen.
      Als Thowra fertig geputzt war, nahm ich sie am Strick und führte sie mehrere Runden über den Platz. Dabei warf sie immer scheue Blicke zu mir und versuchte, aus der Reihe zu tanzen. „Macht sie das immer?“, fragte ich. „Ja.“, erwiderte Frau Kyren. Nun trat ich näher an das Fohlen heran, zog es praktisch in meine linke Seite hinein, und sorgte für einen festen Griff um den rauen Strick. Diesen Vorgang wiederholte ich solange, bis sich die etwas störrische junge Stute einfach die Aktion über sich ergehen ließ. In einen langsamen Trott verfallend, sorgte ich für etwas Bewegung. Schnalzend brachte ich uns in einen leichten Lauf – sie trabte, ich joggte – und achtete dabei darauf, ihr genug Beinfreiheit zu geben. Dann lobte ich sie, streichelte ihr helles seidiges Fell und lief mit ihr zum Hänger. Dort taten sich auch keine Probleme auf, ihr schien das metallische Klonk zu gefallen, weswegen sie stetig kleine Schritte tat, um das Geräusch immer zu hören. Leider musste ich sie etwas scheuchen, damit sie dann in den Hänger stieg und anschließend wieder heraustrat. Das war relativ einfach. Zum Abschluss lobte ich das Fohlen. Nun kam Frau Kyren mit den letzten beiden Fohlen. Nymeria, eine scheue kleine Shettystute, und einen weiteren jungen Isländer, Aesi. „Nymeria ist schüchtern. Aesi ist nicht die Beste Wahl für ein Fohlen wie sie, aber es geht nicht anders. Beide brauchen Training an der Longe und haben Probleme mit Gattern.“
      Beide Fohlen waren bereits geputzt und ich sollte mit Aesi beginnen. Die noch junge Stute war neugierig und schnupperte ständig in meiner Jackentasche herum. Frau Kyren und ich gingen mit den Fohlen zur Weide. Nun öffnete ich das Gatter, darauf bedacht, keine Geräusche zu machen und kein Pferd von der Weide zu lassen. Zunächst ging ich mit Nymeria am Tor vorbei. Anschließend ging ich mit dem Fohlen auf die Weide, wieder runter und immer weiter. Nach Runde sieben schien sie etwas mehr Vertrauen gefunden zu haben, und lief etwas fröhlicher neben mir her. Nach einer Streicheleinheit und einer Möhre wiederholte ich diese Prozedur mit dem Isländerfohlen. Bei ihr funktionierte es nicht ganz. Sie beschnupperte das Gatter misstrauisch, zog den Kopf ein und wieherte. Mit einem Zuckerstück in der verschlossenen Hand führte ich das Fohlen immer wieder am Gatter vorbei, auf die Wiese, einige Schritte machend bevor wir die Weide wieder verließen. „Nehmen Sie immer etwas zum Naschen mit, ja? Hilft manchmal richtig gut.“, sagte ich zu Frau Kyren.
      Eine Viertelstunde später waren die beiden Jungspunde fertig. Zu guter Letzt hatte ich sie noch etwas an der Longe laufen lassen, und sie dann auf die Weide entlassen.

      Abenteuer Highlands
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      Unbekannt | (c) Ravi
      8522 Zeichen | - Sarah

      Der Morgen begann mit Nebel über den Highlands, wie ich diesen Ausblick aus dem Fenster genoss! Mit einem schnellen Frühstück befanden wir uns nur eine Dreiviertelstunde später auch schon vor unserer extra abgesteckten Weide. Einen Teil der Jungpferdekoppel hatten wir abgezweigt um darauf unsere vier Turteltauben zu platzieren, in einem Teil befanden sich mein Moon und Kürbis auf der anderen Seite Finlay und die Stute dessen Name ich immer wieder vergaß. Natürlich waren die Fohlen mehr als interessiert an dem Geschehen auf ihrer Weide, waren dieser Tage jedoch eher unten am Strand anzutreffen, denn oben auf den Wiesen. Nymeria und Noomie passten zu unserem bedauern unter dem abgesteckten Zaun hindurch, zwar gab es keine Probleme mit den beiden jedoch sollten sich Cayden und Aiden – Kathis Stallpfleger- darum kümmern damit dies nicht mehr geschah. Später am Nachmittag wollte sich eine Freundin auf dem Hof „blicken lassen“ um sich mit der Stute Scylla bekannt zu machen, sie wollte diese eventuell als Reitbeteiligung haben. Zusammen mit Kathi , zwei weiteren Pflegern machten wir uns auf den morgendlichen Rundgang über die Koppeln, durch den Stall und allgemein über den Hof um zu schauen ob überall alles in Ordnung war. Vor etwas mehr als einer Woche war eine Trainerin auf dem Hof gewesen um sich die Fohlen ein wenig vorzunehmen, da der Frühling immer näher rückte waren sie mit der Weide genug ausgelastet. Thowra und Aesi hatten mit ihren knapp zwei Jahren noch Zeit, doch die beiden Shettystuten hatte ich vor demnächst ein wenig intensiver zu arbeiten. Zwar waren auch die beiden erst zwei Jahre alt, sollten jedoch schon etwas mit dem „Einfahren“ konfrontiert werden. Dies bedeutete erstmal die Bodenarbeit im Round Pen, Spaziergänge um sie an die Umgebung zu gewöhnen sowie erste Erfahrungen mit dem Geschirr. Doch zunächst durften sie ihren Sommer auf der weitläufigen Weide genießen, erst im Herbst würde ich diesem Plan folgen.
      Auf dem Rundgang folgten uns Gamhain und Corvus quer über den Hof, der kleine Parson Russel hatte sich schnell mit der Bearded Collie Dame angefreundet, gemeinsam schliefen sie nun in einer der Boxen – vorsichtshalber hatte ich Corvus per Chip „kastrieren“ lassen um keine Welpenüberraschung zu erhalten. Zusammen mit dem Rundgang brachte ich gleich Varulv und Cayden Willow Maiden mit hoch an den Putzplatz. Mit etwas Abstand zueinander banden wir die beiden an, um anschließend ihr Sattelzeug zu holen. Die beiden wollten wir ein wenig auf dem Platz bewegen. Während unseres Gesprächs kam auch Kathi dazu, erzählte das einige ihrer Pferde nun ebenfalls verkauft werden würden, da sie sich ganz auf die Zucht konzentrieren wollte, wenig später stand sie mit ihrer Stute Green Tea ebenfalls neben uns am Anbindeplatz. Einer der Pfleger beschäftigte sich bereits mit dem Isländerhengst Uprising der nun bald eingeritten werden sollte. Die einfachen Dinge des Longierens hatte der nette Hengst bereits begriffen, eine Trense trug er ebenfalls schon. Um ihn nicht zu überfordern wollten wir mit dem Sattel und dem Reitergewicht noch ein wenig warten, doch im Grunde machte sich Uprising besonders gut. Desweiteren gefiel es mir zu sehen wie er und mein Dülmenerhengst Sturmwind einander zu gefallen schienen. Vielleicht lag dies daran, dass beide Hengste erst neu auf dem Hof waren. Nachdem die Pferde alle gesattelt waren machten wir uns zu dritt auf den Weg zum Platz, dort begannen wir zunächst recht unabhängig voneinander unsere Pferde warm zu reiten. Später als wir gemeinsam ritten hatten wir viel zu lachen, korrigierten einander und sprachen über all die möglichen Dinge die noch vor uns lagen oder getan werden mussten. Aiden war noch nicht ganz mit dem Ausmisten der Ställe fertig weswegen sie den Zaun noch nicht erledigt hatten, dafür hatten sie aber Nymeria und Noomie von der Jungpferdeweide geholt. Als Cayden sich nicht sicher war ob er das Tor geschlossen hatte zur Futterkammer gab er Willow einen ordentlichen Stupser in den Bauch, verließ im Galopp den Platz und ich schaute ihm Kopfschüttelt mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach. Auch Kathi musste ein wenig lachen, fragte bald darauf ob wir nicht ein paar Cavaletties mit aufbauen wollten. So stieg ich von Varulvs Rücken, stellte die ersten beiden an den Rand und eines etwa in die Mitte des Platzes. Etwa zur selben Zeit kehrte auch Cayden zurück – er hatte das Tor zwar nicht verschlossen, jedoch hatte Aiden daran gedacht und so waren die vorwitzigen Shettys nicht in die Futterkammer gelangt. Somit gesellte sich auch Cayden zu den Sprüngen hinzu. Bald darauf musste ich jedoch schon wieder hinunter vom Pferd, da mein Besuch nun bald auftauchen würde. Während ich nun Varulv also absattelte, ihm einen Eimer hinstellte und derweil bereits Scylla von der Koppel zu holen – dauerte bei der Größe der Wiesen auch „nur“ eine Viertelstunde, der Rückweg konnte zumindest auf dem nackten Rücken der Stute zurück gelegt werden. Dann brachte ich fix den Rapphengst Varulv noch auf die Wiese, dort wurde er bereits von meinem Wish Sehnsüchtig erwartet. Wish hatte heute eine Pause, denn er hatte erst vor zwei Tagen einen langen Ausritt zusammen mit Cayden und mir unternommen. Cayden war dabei meinen neuen alten Hengst Cap geritten, damals hatte ich ihn bereits einmal in meinem Besitz, seit nunmehr vier Tagen stand er wieder bei mir. Cap hatte sich schön in die Hengstgruppe integrieren lassen und zeigte ein vorbildliches Verhalten, sodass auch er heute eine Pause einlegen durfte. Ich wollte sie, falls es die Zeit denn dann noch erlaubte später vielleicht noch ein wenig auf dem Platz laufen lassen, anderseits mangelte es ihnen auf den Wiesen nicht unbedingt an Bewegung, da das Heu oben verfüttert wurde, die Tränke sich jedoch weiter hinten in den Hügeln befand hatten die Hengste immer eine bestimmte Strecke zurück zu legen. Auf dem Rückweg erwartete mich bereits Julie, in der Eigeninitiative hatte sie bereits begonnen Scylla zu putzen. Mit einer Umarmung begrüßten wir uns einander, während ich ihr ein wenig von der jungen Stute erzählte, doch im Grunde sollte es mit Scylla keine weiteren Probleme geben. Erst am Vortag hatte ich mich der jungen Stute beschäftigt, denn bald wollte ich auch erste Springturniere mit Scylla gehen. Vom Longieren kannte die Schimmelstute bereits die Trabstangen, sodass die kleinen Hindernisse für sie keine weiteren Probleme dargestellt hatten. Wir unternahmen nur einen ersten Spaziergang, da sowohl Julie als auch ich nicht viel Zeit hatten. Im Grunde zeigte ich ihr nur wo alles war, hatte ihr gezeigt wie Scylla gern gekrault wurde und wir hatten besprochen was sie alles mit ihr vor hatte. Da ich Julie schon lange kannte, machte ich mir da weniger Sorgen, ihr vertraute ich Scylla nur zu gern an.
      Gegen Abend unternahmen wir dann noch alle einen schönen Ausritt, ich saß dabei auf dem Dülmenerhengst Sturmwind, Cayden hatte sich für Stormwind entschieden. Kathi gesellte sich auf dem Schimmelhengst mit der eigenwilligen Narbe dazu, Gwynnbleid war im Allgemeinen eine imposante Erscheinung. Um Finlay eine Pause zu gönnen von seinen Pflichten entschied Aiden sich für den etwas in die breite gegangenen Highlandhengst. So mit der ganzen „Familie“ in den Sonnenuntergang der Highlands zu reiten hatte etwas unheimlich entspannendes, auch kleine Galoppstrecken bauten wir ein, die Wettrennen die dabei entstanden waren immer mit dem selben Ergebnis – Gwynnbleidd gewann die Sache haushoch. Dahinter tauschten Stormy, Sturm und Finlay öfters die Plätze, nach mehr als drei Stunden – bereits im Dunkeln kamen wir zurück. Kathi und ich sagten den Jungs sie sollten die Pferde uns überlassen, mit wenigen Handgriffen war dieser Teil erledigt, jeder bis auf Finlay erhielt sein Futter. Danach brachten wir alle Hengste wieder auf ihre Wiesen, mit dreckigen Sachen huschten wir an den Jungs vorbei entledigten uns den Reitklamotten, wuschen uns ein wenig ehe wir aus der Küche alle Sachen für den Lagerfeuerabend hervor kramten. Neben ordentlich viel Gemüse, etwas Obst und dem Fleisch für die „Kerle“ hab es auch Marshmalows für uns alle. Aiden hatte aus dem Stall das Radio geholt, steckte den Musikstick hinein…bei den Klängen von Saltatio Mortis im Hintergrund ließen wir einen ereignisreichen Tag auspendeln. Dabei durfte gute Musik, Freunde und ein guter Met natürlich nicht fehlen! Im Flackern des Feuers war meine Zeit auf Heartland beinahe vergessen…hier lag nun mein neues Leben. Nach zwei Monaten hier fühlte ich mich endgültig angekommen.

      Fohlen-ABC
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      Unbekannt | (c) AliciaFarina
      8983 Zeichen | - Unbekannt

      Fohlen ABC II für Throwa, Noomie und Nymeria
      Heute war es soweit, ich würde nach Irland fliegen um mich um die Ausbildung von Throwa, Noomie und Nymeria, drei von Sarah' Kyren's Jungpferden kümmern. Sarah hatte mir versprochen zwischendurch etwas zu helfen, da sie aber mit dem Aufbau ihrer und vampyrins Zucht war hatte sie nicht genügend Zeit alle auszubilden. Sie begrüßte mich herzlich als ich ankam. Während sie mit zeigte wo ich in der nächsten Zeit wohnen würde erzählte sie mit das Throwa, Noomie und Nymeria bereits von einer anderen Trainerin die Grundlegenden Sachen bei gebracht wurden. Ich würde daher zuerst Spaziergänge machen, später mit dem Handpferd längere Strecken reiten und zwischendurch etwas Bodenarbeit mit Stangen auf dem Platz. Dann zeigte sie mir den Hof, er war sehr schön gelegen. Anschließend zeigte sie mir die drei Fohlen. Noomie und Nymeria standen nebeneinander auf der Fohlenwiese und grasten. Throwa tobte über die Wiese und versuchte die beiden Fohlen zu animieren mit zumachen aber die beiden Shettys fraßen weiter. Ich beobachtete die beiden noch eine Weile und ging dann zurück in das Haupthaus und richtete mich häuslich ein.
      Der erste Tag
      Heute war es so weit ich würde meine erste Trainingseinheit mit den drei Stuten machen. Sarah und ich trieben die Jungpferde zusammen in den Laufstall damit ich nicht jedes Mal auf die Wiese laufen muss. Ich bedankte mich bei Sarah und fing an mit dem Training. Zuerst setzte ich mich in eine Ecke des Laufstalls und ließ die drei sich an mich gewöhnen, ich beobachtete sie und beschloss mit Throwa anzufangen. Die junge Islandstute schien das aufhalftern bereits zu kennen daher bereitete uns dies keine Probleme. Ich befestigte einen Strick an ihrem Halfter und führte sie aus dem Stall. Throwa versuchte mich umzurennen und machte ihrem Namen alle Ehre. Offensichtlich wurde sie lange nicht mehr gearbeitet. Ich rief sie zur Ordnung, Sie war nicht darauf gefasst und wich zurück. Beim nächsten Mal wurde ich energischer. Danach machte sie es nicht mehr. Ich band sie an und putzte sie über. Dann ging ich mit ihr auf den Reitplatz, dort übte ich das brave antreten und wieder anhalten auch das neben mir her traben übte ich. Nach und Nach wurde sie ruhiger und achtete mehr auf mich. Nach einer halben Stunde hörte ich auf und brachte sie zurück. Dann schnappte ich mir Noomie und Nymeria, Sarah hatte mir erzählt das die beiden Stuten sehr an einander kleben würden sodass ich sie zusammen trainieren sollte. Die beiden ließen sich ohne Probleme aufhalftern und aus dem Stall führen. Ich putzte sie und ging dann auf den Platz. Ich teilte mit ein Paar Hindernissen eine Ecke ab und stellte dort Nymeria rein sodass noch Sichtkontakt herrschte aber sie nicht direkt neben einander waren. Noomie fiel es schwer sich zu konzentrieren und wäre viel lieber zu ihrer Freundin Nymeria gelaufen aber ich ließ sie nicht und schon bald reagierte sie deutlich besser auf meine Hilfen. Nach einer halben Stunde tauschte ich die Ponys und Nymeria hatte größere Probleme auf mich zu achten. Ich blieb sehr konsequent und sie reagierte mit der Zeit immer besser. Nymeria achtete auf meine Körpersprache und ich musste kaum noch eingreifen. Als auch für sie eine halbe Stunde um war ließ ich die beiden zurück in den Stall. Am Nachmittag wollte ich erneut eine Einheit machen.
      Es war nun so weit ich startete meine Zweite Einheit an diesem Tag. Zuerst sollten dieses Mal Noomie und Nymeria an der Reihe sein. Ich handhabte es wie am Morgen und fing mit Noomie an während Nymeria im Abgetrennten Teil des Platzes stand. Noomie konzentrierte sich deutlich schneller auf mich als am Vormittag und wir erreichten das langsame nebeneinander traben von ihr und mir und auf Finger-Zeig Stehen bleiben. Nachdem dies alles klappte tauschte ich und Nymeria war an der Reihe mit übte ich ebenfalls alles was ich auch mit Noomie geübt hatte. Nach einer Stunde mit den Beiden waren sie fertig ich entließ sie auf einen Paddock und dort durften sie spielen. Dann war Throwa an der Reihe. Ich holte sie mir und dieses Mal ging sie gesitteter aus dem Stall, wieder putzte ich sie und fing dann an mit ihr auf dem Platz zu arbeiten. Zu erst ließ ich sie laufen und baute einen kleinen Parcours auf bestehend aus einem Stangen L, einem Labyrinth und einer Reihe aus Stangen über die man laufen konnte und zwischen denen man anhalten konnte. Ich fing Throwa wieder ein und fing an ihr alles zu zeigen. Throwa arbeitete fleißig mit und hatte keine Angst vor den Stangen. Auch als ich eine große Plastik Plane auf dem Boden ausbreitete und ein paar Stangen darüber legte damit sie nicht wegflogen. Die Plane machte ihr keine Angst und wir konnten zum Schluss der Einheit nebeneinander herüber traben. Damit war für heute Schluss und ich entließ sie zu ihren Freundinnen.
      Die nächsten Tage
      In den nächsten Tagen wiederholte ich die Übungen der ersten Tage bis sie sicher saßen. Als alles sicher saß erklärte ich Sarah was ich als nächstes mit den Stuten machen möchte, denn für diese Aufgabe benötigte ich ein Reitpferd und ich hatte mir keines mitgenommen. Sarah sagte das mir alle ihrer Pferde zur Verfügung stehen würden und ich mir nur eines aussuchen müsste. Ich entschied mich für Willow Maiden da sie mir vom Charakter am besten dafür geeignet schien. Ich holte die Junge Stute von der weide und machte mich mit ihr bekannt. Nachdem ich sie gesattelt hatte setzte ich mich kurz auf sie und testete ob wir zusammen passen. Willow reagierte sehr fein auf meine Hilfen und ich beschloss mit Throwa anzufangen. Ich stieg vor dem Laufstall der Stuten ab und ließ Willow stehen während ich Throwa einfing. Dann führte ich beide zusammen auf den Platz. Ich setzte mich auf Willow und ließ sie antreten, Throwa war verblüfft das ich auf einmal so groß war und blieb stehen. Ich spielte am Strick und Throwa beschloss doch zu folgen. Im Schritt blieb mein Gespann entspannt nebeneinander. Aber im Trab wurde es schwieriger, Throwa trabte oder töltete in einem langsamen Tempo neben uns her und Willow war zu schnell oder Throwa rannte vor und Willow war zu langsam. Aber nach einer Weile klappte es immer besser und wir konnten einfache Hufschlagfiguren reiten. Damit hörte ich für den Vormittag auf und holte zusammen mit Sarah Noomie und Nymeria. Ich blieb bei Willow da wir uns sehr gut eingespielt hatten. Sarah entschied sich dazu Yael zu nehmen einen Hengst der vor Kurzem zu ihr gezogen war. Ich übernahm Nymeria und Sarah Noomie. Ich erklärte ihr was ich vorhatte und sie machte das selbe mit Noomie wie ich. Bei den beiden Shetland Stuten klappte es besser. Wir ritten schon nach kurzer Zeit in allen Gangarten über den Platz. Da dies ein großer Erfolg war hörten wir für heute auf und entließen die beiden in den Stall. Am Nachmittag schnappten Sarah und ich uns zuerst die beiden Shetlandponys Noomie und Nymeria. Nachdem wir sie angebunden hatten holten wir unsere eigenen Reitpferde, wir sattelten unsere Pferde und nahmen dann Noomie und Nymeria als Handpferde mit. Sarah zeigte mir eine kurze Strecke um den Hof den ich später mit Throwa reiten könnte. Auf der Strecke klappte alles was wir auch schon auf dem Reitplatz geübt hatten. Auch als wir trabten blieben die beiden Jungpferde neben uns und selbst im Galopp ließen sie sich Händeln und blieben neben unseren Führpferden. Als wir wieder am Stall angekommen waren lobten wir unsere Hand-und Reitpferde, während Sarah Yael absattelte brachte ich Noomie und Nymeria weg und holte Throwa. Ich stieg direkt wieder auf Willow und ritt kurz auf den Platz. Auf dem Platz wiederholte ich noch einmal die Übungen vom Vormittag und entschied mich dann mit ihr raus zu gehen. Throwa war aufgeregt als ich mit ihr den Hof verließ da Willow ruhig blieb beruhigte sie sich schnell und ich konnte in Ruhe weiter reiten. Ich trabte mit Throwa die selbe Strecke wie vorher mit Noomie und Nymeria. Wieder am Stall angekommen entließ ich Throwa in die Herde mit einem Leckerchen. Dann sattelte ich Willow ab und brachte sie auf die Wiese zu ihren Freunden.
      In den nächsten Tagen ritten Sarah und ich Vormittags und Nachmittags mit den Jungpferden aus und die Strecken wurden nach und nach länger sodass wir nach einer Weile bis zu Drei Stunden unterwegs waren. Während der letzten Ausritten ritt auch Sarahs Freund Cayden mit und übernahm Nymeria. Sarah hatte nun Noomie, Cayden übernahm Nymeria und ich nahm Throwa.
      Der letzte Tag
      Am letzten Tag an dem ich bei Sarah auf dem Gestüt war, mussten die Jungpferde die ultimative Prüfung ablegen. Sarah, Cayden und ich machten einen Tagesritt rund um Sarah und vampyrins Hof. Wir starteten am Morgen und kamen am frühen Abend wieder. Zwischendurch wechselten wir immer wieder die Handpferde sodass jedes Jungpferd neben jedem der Reitpferde ging und auch ohne Probleme neben dem Reitpferd blieb. Nach dem Ritt feierten wir das es so hervorragend geklappt hat und ich dachte daran, dass es bereits am nächsten Tag wieder nach Hause gehen würde.

      Schatten über Caed Crevan
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      Unbekannt | (c) Ravi
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      Meine Finger folgten den seichten Wirbeln, die ich so sehr kannte und dabei rannen mir Tränen die Wangen hinunter. Meine Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt von den Stunden des Weinens, es kostete mich meine gesamte Kraft noch auf den Füßen zu bleiben. Mit beiden Händen hielt ich mich an seiner Mähne fest, das Gesicht an seinen Hals gelegt und dabei blieb der Hengst so Bewegungslos als wolle auch er mir Trost spenden. Heute morgen war allgemeiner Tierarztbesuch auf dem Hof gewesen, Maren hatte dabei alle Pferde untersucht – Bucks hatte sie dabei mit einem Blasrohr lahm legen müssen, doch zumindest würde er wohl eines Tages wieder reitbar sein. Draki sah noch immer schlecht aus – schlechtes Fell, er war dünn geworden und schien Schmerzen zu haben. Maren hatte mir dafür eine Packung Schmerztabletten dagelassen, doch der eigentliche Grund wieso ich hier wie ein Häufchen Elend im Stall stand war mein geliebter Moon. Bereits seit einigen Wochen hatte er sich beim reiten unwillig gezeigt, enge Wendungen schienen ihm zu missfallen und so hatte ich Maren ihn ganz besonders untersuchen lassen. Moon besaß „nur“ Arthrose, doch im Grunde war alles was ihn je ausgemacht hatte irgendwie verloren gegangen….nie wieder würden wir an einem Distanzrennen teilnehmen..nicht länger durch die Wälder preschen und genau diesen Erinnerungen trauerte ich nach. Wir würden weiterhin beieinander sein, Spaziergänge sowie kleinere Schrittausritte waren im Grunde sogar genau das richtige. Dennoch hatte mich diese Nachricht allzu sehr getroffen, wütend hatte ich Cayden von mir gewiesen mich zu Moon in den Stall gesellt und ließ erst dort meinen wahren Gefühlen freien Lauf. Nun fühlte ich mich irgendwie einem Fisch in der Wüste gleich…viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, doch ein Entschluss stand nun beinahe fest.. Meine Tränen wischte ich mit dem Ärmel meiner Jacke fort, hauchte meinem Hengst einen Kuss auf die Nüstern ehe ich mit wackligen Beinen ins Haus zurück lief. Dort wurde ich von Kathi aufgeschnappt, diese zog mich auf einen Stuhl setzte bestimmt ein Glas Wasser vor meine Nase „Trink!“ ihre Stimme hatte einen klaren Befehlston, der keine Widerrede duldete. Erst als das kühle Nass meine Kehle hinab lief bemerkte ich wie durstig ich tatsächlich war. „Als nächstes schwingst du deinen Arsch unter die Dusche, du hast nasse Sachen, du stinkst nach Pferd und siehst schrecklich aus.“ Erneut dieser Ton, den ich nicht gewohnt war, doch fühlte ich mich noch immer Elend und gehorchte ohne Probleme.
      Eine halbe Stunde später hockte ich etwas besserer Laune mit dem Handtuch in meinen Haaren auf der Couch unseres gemeinsamen Wohnzimmers. Neben mir saß Kathi, auf dem Sessel gegenüber saß Cayden und ich hatte ihnen soeben meine Pläne berichtet – der wie folgt aussah. Wir hatten in den letzten Monaten eine ganze Menge an Pferden aufgekauft..darunter einige der besondere Pflege zuteil werden musste – dabei handelte es sich um Stormy, Sturmwind, Bucks und Draki und nun auch Moon. Deswegen würden wir jene Pferde verkaufen die einen tollen Platz mit exzellenter Förderung verdient hatten. Thowra und Uprising konnte ich nicht abgeben, letzterer war ein Sohn von meinen einstigen Hengst Blettur und ein würdiger Nachfahre. Thowra hatte ich von Lena beinahe geschenkt bekommen, also lag sie mir somit ebenfalls am liebsten. Desweiteren würden einige meiner Connemaras bleiben Varulv, der ein ausgezeichneter Springer war außerdem vom Charakter meinem Hengst Moon sehr ähnlich. Kürbis würde ebenfalls bleiben, denn jetzt brauchte Pumpkin noch ihre Mutter, außerdem hatte ich ihrer alten Besitzerin einen Endplatz bei mir versprochen. Doch die Liebe zu der eigenartigen Connemarastute ging über dieses Versprechen hinaus. Willow ebenfalls bleiben, denn an meiner zweiten schwarzen Perle hing ebenfalls mein Pferd. Mit „nur“ 10 Pferden würden wir mehr Zeit haben um sie alle zu fördern und einzeln je auf sie eingehen zu können. Cayden hatte diesen Gedanken ebenfalls bereits geteilt, doch bisher noch nicht dazu geäußert.

      Innerhalb einer Woche hatten wir beinahe alle Pferde an verantwortungsvolle Besitzer vergeben…gerade bei Scylla freute es mich besonders, denn die Besitzerin hatte zugesagt sie würde falls die Stute gekört wäre in unsere Zucht kommen. Genauso Moons Sohn Wish würde einen tollen Platz bei Gwen finden – genau jene die damals bei Amy gewesen war und der ich zu Weihnachten Minou gegeben hatte – eine lange Reise nach Kanada würde ihm nun bevor stehen. Noomie und Nymeria würden gemeinsam einen Platz bei einer Shettyzucht finden, die von medy organisiert wurde – in einem Monat konnten sie etwa ausreisen. Meine beiden Islandstuten Aesi und Luna hatten ebenfalls einen gemeinsamen Platz bekommen, mit ihnen dorthin war die kleine Stute Lunara gekommen. Jetzt waren einzig noch River und Cap auf der Suche nach einem tollen Platz, doch bis dahin wurden sie von uns weiter in verschiedene Anzeigen gesetzt.
      Moon wurde jeden Tag von einem von uns beiden bewegt, seine Unwilligkeit blieb vorerst noch bestehen, doch stolperte er weniger und jeden Abend bekommt er die auf Naturbasis gelegenen Medikamente von Maren. Bucks machte bisher keine Sichtbaren Fortschritte, wobei er dennoch zumindest mehr als freudig über die Koppel preschte und dabei sogar schon wieder zu buckeln begann. Es freute mich das es ihm zumindest körperlich wesentlich besser zu gehen schien, doch es würde sicher noch eine ganze Weile dauern ehe sich ihm wieder jemand nähern würde und noch um einiges länger ehe jemand auf seinem Rücken sitzen würde. Das Leben ging weiter, doch die Trauer nach dem alten spülte um mich herum wie die Wellen an die Klippen meines neuen Heims. So saß ich also nun hier auf der Bank nur drei Schritte weiter und die Klippe erstreckte sich unter mir…als ich hinter mir Schritte vernahm. Im Halbdunkeln drehte ich meinen Kopf sah Cayden auf mich zukommen..langsam beinahe zögernd. Ich hatte ihn die letzten Tage beinahe abgewiesen, doch als er sich neben mich auf die Bank saß schenkte er mir unendlichen Trost. Schon allein seine Hand auf meinem Oberschenkel, ließ mich vor Glück erschauern…er schien nicht wütend auf mich, durch seine Hand pulsierte pures Einverständnis in mich hinein. Wie froh ich sein konnte einen solchen Mann an meiner Seite zu wissen…

      Vom Regen in die Traufe
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      Die Tage strichen schnell dahin, die Autofahrt dauerte nicht allzu lang als ich vor der Haustür meiner Eltern stand – ein paar Pferde standen noch auf den mir einst so bekannten Wiesen. Pferde der Leute aus dem Ort, es tat gut dies alles wieder zu sehen. Meine Mutter fiel mir sofort um den Hals, mein Vater nickte mir bedächtig zu „Schöne Reise gehabt?“ Langsam löste ich mich aus der Umarmung meiner Mutter „Oh ja…ein schönes Training gehabt…und dann in zwei Tagen zu euch gefahren. Nichts auf der Straße gewesen – wenn man mal von den Kolonen der LKWs absieht, aber das hab ich ja früher auch schon geschafft.“ erwiderte ich ihm grinsend. Nach einer ersten Tour über den Hof, ging es in den Garten der da hinter lag – meine Großeltern waren ebenfalls da. Nun tat es mir beinahe Leid seit fast einem Jahr nicht mehr zu Besuch gewesen zu sein…erst auf Heartland und dann der Umzug. Wir hatten einander viel zu erzählen…von den vergangenen Monaten, meinem neuen Beruf und natürlich auch wie die Zukunft aussehen würde. Durch die Blume ließen sie verlauten das sie alle auf eine Hochzeit warteten, doch waren Cayden und ich erst seit Weihnachten ein richtiges Paar – so schnell gingen wir es längst nicht an. Am Abend erhielt ich dann noch einen Anruf von Alicia, sie hatte wieder einen Auftrag für mich. „Oh, das passt ja gerade. Zurzeit bin ich bei meinen Eltern, am Wochenende könnte ich vorbei kommen. Geht das klar?“ Es herrschte eine kurze betretende Stille, ehe sie mit „Okay, ja das bekommen wir hin. Ich muss ja nicht die ganze Zeit dabei sein. Kennst den Dicken ja auch schon ne Weile“. Damit verlängerte sich mein Aufenthalt zwar noch ein wenig hier in Deutschland, doch die lieben Viechers daheim mussten ja irgendwie auch versortg werden. Zunächst fiel ich jedoch vorn über in mein Bett und erst hier wurde mir so richtig bewusste wie einsam es doch war allein in seinem Bett zu liegen. Die Hitze war natürlich ein wenig anstrengen, versursachte mir wieder Kreislaufprobleme, bei uns zu Hause hatte ich damit beinahe keine Probleme. Es wehte immer eine frische Brise, selbst wenn das Thermometer nach weit oben kletterte und es gab nichts besseres als warmen Sommerregen.

      Die Woche flog schnell dahin – wir besuchten den Tierpark in dem ich einst das Geld für meine Fahrerlaubnis besorgt hatte, ich schaute bei meinem ehemaligen Pflegehund vorbei der nun selbst ziemlich alt war. Dennoch sprang er an mir hoch, freute sich über meinen Besuch als gäbe es kein Morgen mehr. Verschiedene Freunde aus alter Zeit wurden abgeklappert und meine alte Schule besucht um zu sehen wer von den Lehrern noch da war. Jetzt jedoch saß ich im Auto Richtung Alicias Hof, der irgendwo bei Paderborn liegen musste. Eine halbe Stunde nachdem mein Navi mich - wie eigentlich immer – in eine falsche Richtung gebracht hatte, kam ich endlich auf den Hof. Alicia hatte ich bereits mitgeteilt ich würde später kommen. Auf dem Hof sah ich direkt in Richtung des Platzes – dort ritt einer der Pfleger – oder war es eine Frau, auf die Entfernung war dies schlecht zu sagen – Give, sodass ich nur noch in den Sattel steigen musste. Ich schüttelte innerlich den Kopf, manche meiner Kunden waren in dieser Hinsicht zwar sehr zuvorkommend, doch machte ich die Pferde oftmals lieber gern selbst zurecht. Nunja..so ging es aber auch einen Zacken schneller, wobei ich ja sowieso die nächsten zwei bis drei Tage hier bleiben würde. Im Gästezimmer zog ich mir fix meine Jeansreithose an, lockeres schwarzes Top und meine grünen Chucks, dann ging es zu meinem nächsten „Patienten“ ich dankte dem Pfleger den ich bereits vom letzten Mal kannte und schwang mich auf ihn hinauf. Erst gewöhnten wir uns wieder aneinander ehe es im Schritt in Richtung der Millitärystrecke ging. Im Grunde gab es kaum etwas neues an der Strecke mit einem Unterschied – Höher und Weiter, sodass ich nun nicht die Probleme haben würde Give noch an neue Dinge zu gewöhnen. Wobei in der Hinsicht der Hengst sogar sehr unkompliziert war, sobald er eines verstanden hatte, man ihm zeigte wer ihr das sagen hatte ging alles gut von der Hand. Zum Üben gab es noch ein paar kleine Sprünge, Trabstangen sowie den Wassergraben, ehe es an die wirklich großen Baumstämme ging. Einer von ihnen besaß eine Dicke von sicher einem Transporterreifen, doch dies sollte uns nicht weiter stören. Ich konzentrierte mich erst einmal auf die Bergauf und ab Sprünge, dabei ging es auf eine Plattform hinauf, wenige Galoppsprünge darauf um auf der anderen Seite wieder hinunter zu gehen. Dann gab es noch welche die erst nach unten gingen über einen schmalen Baumstamm oder ein paar Heuballen ehe es wieder nach oben ging. Dabei ließen wir es langsam angehen, manchmal zeigte sich Give als unwillig, dann gab es gutes Zureden oder einen leichten Klaps mit der Gerte – sollte es gar nicht gehen stieg ich vom Pferd. An diesem Tage hatte der goldene Hengst genug geleistet, bekam sein Fressen eine kühle Dusche und wurde dann von mir in seine Box geleitet.

      Die nächsten Tage verliefen ähnlich wie auch bereits mein erster – es ging auf den Platz um warm zu werden oder aber eine kurze Runde ins Gelände uns anschließend auf die Strecke. Give lernte die höheren Hindernisse kennen, nahm die weiteren ohne Probleme an. Der Wassergraben stellte beinahe überhaupt gar keine Probleme dar – Give nahm alles an. Die Höhenunterschiede waren ihm ab und an nicht ganz geheuer doch mit weiterer Übung würde er dabei routinierter werden. Am Sonntagabend verabschiedete ich mich also von Alicia um mich auf den Weg zum Flughafen zu machen.

      Im Flug hatte ich wieder mein ein super spannendes Buch welches ich in den Stunden des Fluges nur zu fressen begann – the demon circle war sowieso eine meiner liebsten Bücherreihen momentan! Es dauerte eine halbe Ewigkeit ehe ich meinen Koffer aufgeklaubt hatte, dann mein Handgepäck auch noch im Flieger hatte liegen lassen – also nochmal alles abgeben an der Information, der Dame hinter und schließlich den Ausweis vorzeigen, sodass man auch ja die Person wäre die auf dem Handgepäck verzeichnet wäre. Mit der Dame ging es dann auch wieder zurück. Dort rief ich auch gleich Cayden an, denn ich hatte ihm vergessen zu schreiben wann ich ankommen würde. „Hey, also ich bin wieder in der Heimat – werde hier im Flughafen mich in das Café setzten und einfach warten bis du hier bist?“ *Klar, ich setzt mich jetzt in den Jeep und dann sollte ich in einer Stunde da sein – hast du noch Zeit zum Lesen“ Oh ja er kannte mich sehr wohl! Ich grinste breit auch wenn Cayden dies in diesem Moment nicht sehen konnte… „Ja..habe noch ein paar Seiten vor mir. Ist zu Hause alles in Ordnung?“ Cayden schwieg einen Moment „ Hansi hat einen ziemlichen blauen Fleck von Bucks erhalten, er wollte ihn auch mal probieren aufzuhaltern..erst hat er sich Sturm geholt um Bucks ein wenig anzulocken, doch als der kam und Hans das Halfter anlegen wollte gab es einen gewaltigen Tritt gegen die Schulter – er ist ausgewichen, sodass er nur gestreift wurde aber er belässt es jetzt erstmal bei der Fohlenpflege.“ Das Lächeln wich aus meinem Gesicht…mit dem Hengst hatte ich mir ganz schön was aufgehalst, aber irgendwie liebte ich ihn ja schon. „Dann kann ich ihn ja auch bald bemitleiden“ begann ich herum zu witzeln. Dann legten wir beide auf, ich takelte zum Empfangsbereich um hinaus zu gehen – dort wurde ich noch einmal kontrolliert. Der Mann schaute mich an „Sarah Kyren?“ sagte er in gebrochenen Englisch – auch er schien nicht aus der Gegend zu kommen. „Wir müssen sie leider in den nächsten Flieger zurück nach Deutschland schicken. Ihr Visum ist abgelaufen!“ ….

      Vier Wochen bei Vina
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      Langsam zirkelte ich quer durch das Bad, das Handy fest an mein Ohr gedrückt mit der anderen mein Badehandtuch gegen den Körper gepresst. Das nasse Haar klebte in meinem Nacken als ich mit Cayden telefonierte „Ja, das Visum ist beantragt, die meinten aber es könnte einen Monat dauern.“ Ich seufzte leise auf „Ich kann so froh sein, dass ich erstmal bei Vina bleiben durfte, ich werde hier bei ihr ein paar der Pferde trainieren. Desweiteren wird Moon wohl erst einmal eine Weile hier bleiben – in der Ausbildung zum Therapiepferd macht er sich wohl recht gut.“ Auf der anderen Seite wurde es kurz ruhig „Ich wünschte ich könnte jetzt bei dir sein. Aber ich weiß das der Hof ja weiter geleitet werden muss.“ Auch ich verstummte einen Moment lang – jetzt war ich schon zwei Tage hier vermisste meine Pferdebande zu Hause ziemlich arg. „Ja…ich weiß. Nächstes Mal muss ich mit dem Visum besser aufpassen. Aber ich muss jetzt Schluss machen, es gibt gleich Frühstück.“ Nachdem ich aufgelegt hatte trocknete ich mich zu Ende ab, umschlang meine Haare mit einem Handtuch und gesellte mich dann zu Thor, Vina und Georgio. Die drei besprachen gerade wie der tag heute ablaufen würde – „Denk daran Vina, du musst dich noch schonen wegen dem Unfall“ warf ich dabei kritisch ein, sie rollte ein wenig die Augen lächelte dann jedoch „Jaja..immer besorgt. Mit wem möchtest du denn anfangen, wegen dem Training? Als ich mir ein Stück Salat auf mein Käsebrötchen legte dachte ich einen Moment lang nach…Ghosts hatte es mir schon immer angetan, er konnte schon eine ganze Menge was die Dressur anging, weshalb für mich nicht mehr allzu viel zu tun blieb. „Ich werde mit Ghosts anfangen, dann Skymir und mal schauen ob ich dann noch einen von deinen schaffe oder ob ich mich ein wenig mit Braum beschäftige.“ Thor nickte bedächtig „Naja, wenn du mit Ghosts auf den Platz gehst, werde ich dich zusammen mit Marsi begleiten – der kann das auch mal wieder gebrauchen.“. „Dann lass uns mal anfangen?“ Damit erhoben wir uns alle vom Tisch, Riley schoss hinter mir her – die Hündin schien irgendwie einen Narren an mir gefressen zu haben und schlich mir bisher immer hinterher.

      Im Stall suchte ich mir die Sachen des Rappen zusammen, holte ihn aus einem der Stalltrakte – der Weg bis zur Sattelkammer und den Putzplatz an dem ich die Sachen abgestellt hatte waren…um es mit einem Wort zu sagen weit. Ich hatte von Vina deswegen einen Plan bekommen, da ich etwas zu Faul zum laufen war – schwang ich mich auf den schmalen Rücken des Hengstes. Laut hechelnd folgte die etwas ältere Hündin Riley dem schwarzen Pferd – schon jetzt war es beinahe ätzend heiß außerhalb des Schattens. Im entspannten Schritt folgten wir den Wegen, angekommen wurde der Hengst gründlich geputzt, dann gesattelt und nur einige Minuten später befanden wir uns auf dem Platz. Es gab nur wenige Unterschiede zwischen der A und E Dressur – es gab nur verschiedene Tempounterschiede. Vina hatte mir erzählt, dass Ghosts mit dem Trab im Allgemeinen einige Probleme hatte, wie es viele Isländer hatten, also begann ich erst einmal mit einer konstanten Anlehnung gearbeitet wurde auch an der Biegung und Stellung alles zunächst im Schritt. Mit Volten, Zirkeln und Schlangenlinien hielt ich den Hengst unter Beschäftigung, gerade als ich begann mit dem Traben rief eine Stimme „Tür frei Bitte“, ich parierte in den Schritt „Tür ist frei“, damit betrat Thor mit Marsimoto den Platz. Beide Hengste bebrummelten sich gegenseitig als sich unsere Wege kreuzten, Thor machte eine gute Figur auf dem Pferd, dabei fiel mir auf das ich ihn zum ersten mal reiten sah. Danach konzentrierte ich mich wieder auf den Hengst den ich schließlich trainieren sollte. Zum zweiten Mal trabte ich nach einer Runde Tölt auf dem Zirkel an, klappte schon mal besser als zuvor, doch parierte ich wieder durch, denn Ghosts sollte aus dem Schritt antraben. Ich blieb wieder eine Weile im Schritt, töltete auch ein wenig auf der ganzen Bahn um ihn zunächst ein wenig aufzuwärmen. Dann machten wir uns wieder an die Arbeit mit dem Trab – dieses Mal lies ich es nicht zu das er versuchte anzutölten, auf kleinen Volten gelang es mir ihn schließlich immer wieder in den Trab zu bewegen. Auch Thor und Marsi arbeiteten gemeinsam an den verschiedenen Tempowechseln, sodass wir sehr aufeinander aufpassen mussten um nicht einander in die Quere zu geraten. „Das sieht doch schon viel harmonischer aus, Ghosts will ja immer dazu lernen.“ Rief Thor mir einmal zu. Als der Hengst und auch ich durchgeschwitzt waren ging ich vom Platz hinunter, dicht gefolgt von Thor und Marsi – „Sag mal wollen wir noch eine kleine Schrittrunde zur Entspannung drehen?“ Erst wollte ich das Angebot abschlagen, aber eine kleine Ablenkung konnte sicher nicht schaden. „Gern, dann kannst du mir die Gegend zeigen“ Seine gepiercten Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Hintereinander ging es im Schritt in Richtung Gelände, bald wurde der Weg breiter so ritten wir nun neben einander her. Zunächst nur schweigend ehe Thor das Wort ergriff „ Wie ist es in Schottland so?“ Ich sah mich ein wenig um „Gar nicht so anders als hier, klar wir haben immer den Wind in der Nähe da es eben nur eine kleine Insel ist, aber ich bin vollkommen glücklich dort. Gerade die Isländer haben dort wirklich Glück, denn Uprising hat ja eigentlich Ekzem aber wegen dem Wind wird er beinahe unberührt davon. Auch wenn es hier wundervoll ist, die Pferde und mir die Arbeit Spaß macht – ich vermisse meine neue Heimat.“ Seine Hand überbrückte die Distanz zwischen uns und er drückte mir die Schulter sanft „Wenn du die Pferde trainierst wird die Zeit schneller vergehen als du es dir vorstellen kannst“ Ich fand diese Berührung auf eine Art verwirrend, doch so wie ich es komisch fand nahm Thor seine Hand auch schon wieder fort. Wir ritten in einem Bogen um den Hof, kamen aus der anderen Richtung wieder am Putzplatz an, machten beide Hengste fertig ehe wir uns zum Mittagessen wieder im Haupthaus einfanden. Es gab eine leckere Spinatlasagne, ich bekam dieses Mal den Platz genau neben Thor zugewiesen und noch immer war mir die eigenartige Begegnung beim Ausritt in Kopf. Unwillkürlich schüttelte ich meinen Kopf, griff nach einem Stück Brot in der Mitte des Tisches und begann langsam darauf herum zu kauen. Geistesabwesend griff ich nach einer Gabel, beteiligte mich kaum an den Gesprächen bei Tisch – es waren Vina, Georgio, Thor und ein paar Pfleger deren Namen ich nicht kannte mit von der Partie. Mit fahrigen Fingern begann ich zu Essen mir fiel die Gabel aus der Hand, ich wollte noch nach ihr greifen es gelang mir zu meiner eigenen Überraschung auch – und noch jemand anderes…Thor hatte mein Handgelenk gepackt, denn mit ihm hatte ich die widerspenstige Gabel vor dem Sturz den Tisch hinunter gewahren können. Mir war dabei unwohl, ich zog meine Hand hastig weg, die Gabel fiel mit einem klirren auf den Boden. Ich verkniff es mir gleich nach dem Ding zu greifen, denn Thor hatte sich schon die Mühe gemacht dies zu tun. In einem Impuls wollte ich irgendwie sagen das ich bereits einen Freund besaß, doch hielt ich lieber meinen Mund. Ich ignorierte den Blick den Vina und Georgio sich dabei zuwarfen…Das restliche Essen verlief ohne weitere Vorfälle – dann ergriff Vina wieder das Wort „Thor, ich war vorhin bei den Fohlen, eine der Holzlatten ist kaputt, wäre Klasse wenn du dich darum kümmern würdest?“ Thor erhob sich im Gespräch mit einem der anderen Pfleger und Vina stützte ihren Kopf in die Arme und begann breit zu grinsen. „Sarah?“…ich schaute sie über den Tisch hinweg an „Jaa?“ Vina tauschte einen Blick mit Geogio – „Er ist Schwul“ waren die einzigen Worte die ihr in diesem Moment von den Lippen gingen. Ich war…verdattert? Ich schaute in die Richtung in der Thor gerade verschwunden war, dann wieder zum Tisch und zu Vina. „Okay, das ist jetzt überraschend..dann brauch ich mir also gar keine Sorgen machen?“ Vina schüttelte lächelnd den Kopf. „Guuut, dann geh ich jetzt mal mit Skrýmir arbeiten“ ….DAS war peinlich gewesen…Also lief ich in den Stall um mir den Hengst zu holen, der hatte Einzelhaft, denn wenn sich einer „seiner“ Menschen auf die Weide begab schirmte er sie ab gegen die anderen Pferde, zwar kannte er mich nicht, doch war es so auch einfacher für mich – ich musste nicht ewig zur Weide laufen. Skrýmir brummelte mir entgegen, denn eigentlich würde bald die Fütterungszeit anbrechen und er hoffte darauf wohl bereits „Tut mir Leid mein Kleiner, heute heißt es erst die Arbeit dann das Vergnügen. In deinem Falle ist es das wohl dein Fressen.“ Damit holte ich ihn aus der Box, sein Schweif war eingeflochten – eine Maßnahme wegen des enorm langen Schweifhaares, das Vina einfach nicht über das Herz brachte abzuschneiden. Gerade auf einer Körung würde das feine, leicht gewellte Haar die Blicke auf sich ziehen. Wie schon am Vormittag machte ich den Hengst fertig – zog mich jedoch in die etwas kühlere Halle zurück um dort zu reiten, denn sie Sonne brannte schon erbärmlich. Leider hatte sich einer der Reitschüler ähnliches gedacht und er und Little Grey stiefelten quer durch die Halle. Die Stute nahm hin das er kaum eine richtige Hilfe gab, doch einer der Pflege war dabei und korrigierte ihn dabei. Ich schmunzelte, die Stute war wirklich sehr brav – sie war die Mutter von Thowra, also erhoffte ich mir ähnliches von meiner Stute. Ich schwang mich in den Sattel des Hengstes, machte mich in einigen Schrittrunden mit ihm bekannt holte ihn ein wenig an die Hand. Er besaß einen schwungvollen Trab, ich hätte mir vielleicht doch die Stiefeletten statt der Chucks anziehen sollen, denn ich rutschte falls er zu hastig wurde aus den Steigbügeln. Kurzerhand zog ich mir einfach die Schuhe aus, sodass ich wenigstens besser in den Steigbügeln unterwegs war – der Pfleger schaute ein wenig verquer, doch es war ja meine Sache. Skrý besaß von sich aus eine klare Gangtrennung zwischen denen ich mit ihm wechseln konnte wie beinahe bei einem Auto – wow jetzt ließ ich mich schon auf so etwas hinab. Die Tempounterschiede stellten für den jungen Hengst schon ein paar Probleme dar, sobald ich im Schritt begann energischer zu Treiben wollte er gleich in die nächste Gangart. So parierte ich ihn immer wieder durch falls dies passierte, stellte ihn ein wenig mehr an die Hand, da er manchmal dazu neigte im Trab sich hinaus zu hebeln. Der Hengst arbeite wundervoll mit ganz so als wolle er mir unbedingt gefallen. Als ich mit der Galopparbeit anfing, verließ der Schüler auf Grey die Halle, sodass ich nun die ganze Halle nutzen konnte. Die Unterschiede im Galopp lernte der Hengst schnell, wenn man mal davon absah das er sowieso eine ganze Menge bereits konnte – der einfache Galoppwechsel zum Beispiel hatte Vina bereits mit ihm trainiert. Das Verkleinern des Vierecks und dessen Vergrößern waren für ihn nicht weiter schwer, in der 10 Meter Volte war er noch etwas unbalanciert, doch würden wir daran arbeiten. Für heute machte ich dann erstmal Schluss, denn wir waren beide ordentlich am schwitzen. Am Putzplatz spritzte ich dem Hengst noch die Beine ab, auch Riley war wieder mit dabei und schlabberte begeistert Wasser aus dem Schlauch. Von der Hündin begleitet lief ich durch die hübschen Gärten des Geländes, doch die Blumen ließen bereits ihre Köpfe hängen – jemand musste heute noch die Blumen gießen. Also lief ich schneller in Richtung des Haupthauses, betätigte den Hahn und das Wasser verteilte sich in die verschiedenen Wasserschläuche. Aus meiner Tasche sammelte ich mein eBook, setzte mich in den Rasen – Riley als meine Rückenstütze…zwar hatte ich vorgehabt duschen zu gehen, doch so ließ sich der Tag beinahe viel besser ausklingen.Beinahe drei Wochen befand ich mich nun schon auf dem Hof von Vina und Thor, trotzdem kannte ich mich auf dem Gelände noch immer nicht aus – ohne den Plan war ich wohl so gut wie aufgeschmissen. Denn hier stand ich nun, mit der vollkommen verschwitzen, fertigen Pögn und hatte mich verlaufen – vor über einer Viertelstunde hatte ich das zweite Training mit der jungen Stute beendet, wir erarbeiteten ähnlich wie mit Marsimoto ein Niveau A in der Dressur. Pögn stellte sich immer besser dabei an, aufgrund ihres Alters würde auch Vina noch eine Menge Arbeit vor sich haben. Ich konzentrierte mich dabei auf eine konstante Anlehnung, sowie anständige Biegung und Stellung. Bahnfiguren wie die 10 Metervolte bereiteten der jungen Stute keine sonderlichen Schwierigkeiten, die einfache Schlangenlinie hatte sie bereits vorher gekannt. Für den einfachen Galoppwechsel fehlten ihr einfach noch die nötige Versammlung, die aber sicher im Laufe der nächsten Monate und Jahre folgen würde. Vina und auch Thor wollten die Stute nicht überfordern, was ich sehr unterstützte. Heute hatte sie etwas der Übermut gepackt, sie war unaufmerksam gewesen – also war ich nach einem ersten Erfolg in der Bahn noch eine Runde ins Gelände, dabei hatte ich einen der anderen Eingänge zum Hof genommen und fand nun nicht mehr wirklich zum Stall. Ich hatte Thor angerufen, der meinte ich solle an Ort und Stelle bleiben – er würde mich aufgabeln. Als er dann endlich da war führte er gerade Moon am Strick „Ich dachte der bräuchte auch mal wieder ein wenig Bewegung.“ sagte Thor grinsend „Ja, klar…gestern hatte ich ihn als Handpferd mit zum Ausritt und am Nachmittag hat er wieder einen Rotlichttermin gehabt“ Moon ging es hier erheblich besser, die Gegend war einfach mehr Wiese als bei uns auf Eriska – zwar gab es unmengen an Gras, welches jedoch durchsetzt war mit unzähligen kleineren Steinchen. Die anderen Pferde kamen damit klar – Moon nicht wirklich. Hier aber konnte er auch mal über die Wiese rasen mit den anderen zusammen und gerade diese Bewegung tat ihm unheimlich gut. Zwar verlor er die Muskeln die er all die Jahre gehabt hatte, da wir ihn selten ritten, doch wurde er jeden Tag irgendwie bewegt damit die Gelenkschmiere geschmeidig blieb. Dazu hatte mir Maren geraten als sie es festgestellt hatte. Die beiden Pferde beschnupperten sich eingehend Pögn quietschte einmal laut auf, schnappte in Moons Richtung und mein Hengst ließ sie in Ruhe. Nur wenige Minuten Fußweg und wir kamen wieder in einen Bereich der mir bekannt vor kam. „Danke für´s Abholen“ murmelte ich betreten als ich Pögn wieder absattelte und sie in der Nachmittagssonne trocknen ließ während sie genüsslich ihr Müsli vertilgte. Thor winkte ab, gab auch Moon seine Portion an Futter und verschwand bald darauf wieder mit ihm als mein Handy zu klingeln begann Cayden….Mein Herz tat einen Satz „Hey Schatz“ klang seine Stimme am anderen Ende „Hey, wie geht’s dir?“ Es herrschte einen Moment Stille…“Cayden?“ „Mir geht es gut, bin nur etwas erschöpft.“ Ein seufzen an der anderen Leitung „Hans hat es am Bauch erwischt – eine Rippe ist angebrochen und einige geprellt“ mein Gesicht war in diesem Moment sicher aschfahl „Was habt ihr getan?!“ fragte ich verdutz „Wir hatten ein Sommergewitter vor drei Tagen, die Pferde draußen auf den Weiden, als der Strom ausfiel. Als wir sie wieder reinbringen wollten raste Bucks gleich durch den Holzzaun am nördlichen Bereich der Weide. Mit ihm sind auch Stormy und Braum hinaus gelaufen. Am nächsten Tag stand unser Stormy etwas nass und verwirrt am Stall, doch Braum und Bucks wurden nicht gesichtet.“ Wir haben alle Sachen zusammen gepackt, den Zaun repariert und sind dann auf die Suche nach den Hengsten gegangen. Braum ist wieder auf dem Paddock, aber Bucks hat nach Hans ausgetreten. Jetzt ist er erstmal noch im Krankenhaus auf dem Festland, aber Bucks bekommen wir denke ich so schnell nicht wieder.“ Das war erstmal eine Menge zu schlucken, mich ärgerte es zutiefst das ich jetzt nicht da war – mir fehlte die Kontrolle über das ganze Geschehen zu Hause. „Dann lasst ihn am besten da draußen allein, sagt nur Blue und Julie bescheid das sie ihre Stuten besser an den Stall stellen sollen, wir wollen ja keine Unfallfohlen. Legt an einigen Stellen Futter aus – am besten um den Hof herum, sodass er sich daran gewöhnt. Wenn ich wieder da bin werden wir uns irgendwie um ihn kümmern. Bis dahin ist es ja ein Glück nicht mehr lang hin“ Das Gespräch ging nun nicht mehr länger, danach brachte ich Pögn wieder in den Stall um anschließend mit Marsi wieder heraus zu kommen. Auch mit dem Hengst arbeitete ich bereits eine Weile, wobei mir auch Thor unter die Arme dabei griff. Oftmals ritt er sogar den hübschen Fuchsschecken, dann gab ich ihm einige Tipps oder er erklärte mir einige Dinge. So lernten wir beide von einander und ich genoss den Erfahrungsaustausch. Auch heute würde Vina´s Freund Marsi wieder reiten – mir war heute nicht mehr danach.
      Eine gute Stunde später saß ich mit einem Glas Wasser, leichtem Muskelkater im Gras des Platzes und sah dabei zu wie Thor sich mit dem Hengst „abmühte“. Marsi und er verbrachten nun bereits den zweiten Tag im Training damit den einfachen Galoppwechsel zu meistern, der junge Hengst hatte ein paar Probleme damit vom Galopp in den Schritt zu fallen, denn meistens war es eher Trabtölt als der gewünschte Schritt. Nach drei Versuchen gab Thor wieder kurz auf, ging nur in den Schritt um ein paar andere Übungen mit dem Hengst zu vollführen. „Und wenn du es auf der anderen Hand probierst? Das ist immerhin seine bessere Hand, wenn es auf der funktioniert kannst du es auf der anderen machen. Geh vielleicht auch etwas in den leichten Sitz…?“ Thor hielt mit Marsi bei mir an, schüttelte dabei bereits mit dem Kopf „Nein, das würde eher zum Gegenteil führen“ Also machte er weiter mit seiner leichten Schrittarbeit, derweil kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Bevor ich aufstand, eine der roten Stangen am Rand des Platzes holen ging. „Wir legen eine Stange in die Diagonale, denke nicht das er im Tölt über die Stange geht, und wenn nicht ist es immerhin einen Versuch wert.“ Thor hielt erneut bei mir an, wartete ab bis ich die Stange platziert hatte „Mal sehen was das wird, Marsi kann die Stangen nicht unbedingt leiden.“ Also begann Thor wieder zu galoppieren, brach auf die Diagonale ab um anschließend vor der Stange durch zu parieren – im Tölt. Marsi riss den Kopf hoch und seine Schritte wurden langsamer der Hengst verfiel in den Schritt, doch vor der Stange stemmte Marsi die Beine in den Sand, stieg vorn nach oben und drehte nach rechts ab. Dafür wurde natürlich nicht gelobt, aber es folgten noch zwei weitere Versuche „Leg den Schenkel nicht allzu weit nach hinten, halt ihn ruhiger.“ riet ich ihm nach dem dritten Mal, dann ließ er ihn angaloppieren auf die Stange zu, parierte den Hengst – zum Schritt – noch in ihm ging er an der Stange vorbei um den Hengst erst danach umzustellen und wieder zu galoppieren. Danach wurde er kräftig gelobt „Machen wir am besten Schluss für heute, es hat ja jetzt geklappt“
      In den nächsten Tagen ritten wir Pögn und Marsi oftmals gemeinsam auf dem Platz, übten klarere Gangübergänge gerade die Jungstute konnte sich so an dem etwas erfahreneren Hengst konzentrieren. Während ich also mit Pögn an Stellung, Biegung und sanften Übergängen pfeilte, stand für Thor und Marsi der einfache Galoppwechsel an der Tagesordnung. Tatsächlich gelang es bereits den Hengst ohne Stange in den Schritt zu parieren, auch wenn die Schrittphase noch ein wenig zu lang war – ein erster Erfolg im Training war erreicht. Die beiden Pferde von Vina würden noch eine kleine Weile an Training ordentlich gebrauchen können, doch ihre ersten Turniere zu Übungszwecken würden sie ohne Probleme bestreiten können.
      Fünf Tage bevor die vier Wochen um waren, bekam ich endlich die errettende Post – ich durfte endlich wieder zurück nach Schottland. Die letzten Tage verbrachte ich zusammen mit Vina, wir ritten aus, waren noch im Kino und erfreuten uns einfach an der Gegenwart des anderen. Zwar war ich unheimlich froh wieder zurück zu kehren, doch ich hatte mich auf dem Hof hier sehr wohl gefühlt. Als ich auf der Fähre an der Reling stand, musste ich innerlich grinsen….Cayden hatte Recht behalten, ich konnte einfach nicht von Vina zurückkehren ohne mit einem Pferd zurück zu kehren….Braum war mit mir auf die Reise gegangen, sowie Little Grey Braums und Thowra´s Mutter, eine Stute die ich schon lange ins Auge geworfen hatte.

      Einreiten
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      Unbekannt | (c) Angy
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      Zum Einreiten befand sich Thowra auf dem Gestüt von Maren und Angy in Polen, ein erstes Longentraining hatte sie durch mich bereits erhalten, jedoch fehlte mir die Zeit um sie dahin gehend besser zu fördern, deswegen empfahl mir meine Tierärztin Maren Angy als Trainerin.
      *aus Sicht von Angy*
      Das erste mal Reiten
      Heute arbeitete ich wieder mit Thowra. Die letzten Tage hatten wir an ihrer Balance gefeilt. Ich bat Maren heute mir dabei zu helfen, denn ich wollte mich zum ersten mal auf Thowra setzen. Maren erklärte sich bereit. „ Ach übrigens ich hab noch 2 Aufträge für dich angenommen, ich hoffe es passt dir!“. Sagte mir Maren. „ Na klar Danke!“ Wir richteten alles für den ersten Ritt her. Thowra hatte ich schon geputzt und gesattelt als ich Maren gefragt hatte, wegen der Aufträge. Ich zäumte sie auf und wir gingen gemeinsam in die Halle. Zuerst ließen wir sie warm laufen. Da Thowra ruhig war, übergab ich die Longe an Maren und bereitete mich vor. „ Was muss ich machen?!“ fragte Marenn mich, die so etwas nicht allzu oft tat. „ Nicht viel, nur halten, und nach treiben falls sie es noch nicht von oben versteht!“ gab ich zurück. Ich strich Thowra kurz über den Hals begann damit mir die Steigbügeln ein zu stellen. Ich stieg auf und wartete erstmal auf ihre Reaktion. Thowra stand ruhig da und wusste zuerst nicht was ich da auf ihrem Rücken machte sanft drückte ich die Schenkel zu und gab ihr so zu verstehen das sie in den Schritt zu gehen hatte.Maren half ein wenig mit der Peitsche und der Stimme nach. Sobald sie in den Schritt gegangen war, lobte ich sie ausgiebig. Thowra zog ruhig ihre Runden. Sie spielte etwas mehr mit den Ohren,jetzt hielt ich sie an, in dem ich mich tief in den Sattel setze, Beine weg von ihrem Bauch nahm und als kleine Verstärkung mein leises „Brrr“. Thowra blieb nach mehreren Schritten stehen, trotzdem lobte ich die Stute. Dann wiederholte ich die Übung mehrmals und es wurde immer besser. Nun wechselten wir die Seite wiederholten auch da die gleiche Aufgabe. Morgen wollten wir uns das erste Mal ans traben wagen. Als Thowra alles brav mitgemacht hatte lobte ich die Stute und beendete das Training für heute.

      Festigung des Gelernten, Trab und Galopp
      Heute wollte ich mit Thowra weiter arbeiten. Wir hatten Schritt und Stehen bleiben in den letzten Tagen sehr geübt und Thowra konnte dies nun nahezu perfekt. Heute standen Trab und Galopp an zuerst in ganzer Bahn und dann auf dem großen Zirkel. Diesmal longierten wir sie nicht mehr davor. Ich holte die Stute aus ihrer Box und säuberte ihr Fell. Nach dem diese nun sauber war kratzte ich die Hufe aus und begann damit ihr die Ausrüstung anzulegen. Ich lobte die junge Stute und ging mit ihr auf den Reitplatz. Die Sonne brannte herunter also plante ich heute nur eine halbe Stunde ein, denn bei der Hitze war an adäquate Arbeit beinahe nicht zu denken. Ich schwang mich sanft auf ihren Rücken und ritt sie im Schritt und an dem langen Zügel warm. Nachdem ich sicher bin das ihre Gelenke warm sind trieb ich sie an. So lang bis sie etwas schneller wurde, als sie dann trabte fand ich schnell ihren Takt, begann sie zu Leichtraben während ich immer wieder sanft ihren Hals tätschelte. Thowra lief entspannt in der gewünschten Gangart. Ich nützte die ganze Bahn und ritt aber auch schon auf dem Zirkel Thowra sollte sich ja nicht langweilen. Nun wechselte ich die Seite und auch dort klappte es ganz gut. Nun gönnte ich ihr eine kleine Schrittpause. Ich überlegte mir ob ich sie auch schon galoppieren sollte. Also trabte ich sie an und sofort wechselte die Stute gehorsam die Gangart. Nun legte ich meinen äußeren Schenkel kurz nach hinten und gab die Galopphilfe. Thowra verstand zunächst nichts und blieb im Trab. Erst als ich es noch mal verdeutlichte und Maren mit der Peitsche hinten noch einmal Druck ausübte verfiel sie in einen Galopp. Sofort lobte ich die Stute. Im Galopp wechselte ich auch die Seite und auch auf der anderen Seite tritt sie Korrekt und Brav unter. Nun verlangsamte ich sie und lies sie im Schritt auslaufen. Immer wieder klopfte ich ihr liebevoll den Hals. Dann sattelte ich sie ab und ließ sie in der Halle wälzen. Thowra wälzte sich genüsslich. Dann brachte ich sie trocken und sauber in ihre Box und rief ihre Besitzerin an. Ich erzählte ihr den Fortschritt. Dann ging ich zum nächsten Pferd.

      Thowra wird immer besser!
      Gestern war ein super Tag für Thowra gewesen. Sie hatte Trab und Galopp gelernt. Thowra wurde heute früh auf die Koppel gebracht, damit sie etwas Gras fressen konnte. Also machte ich mich auf dem Weg zur Gastweide. Thowra stand unter einem großen Apfelbaum und graste friedlich. Ich beobachtete kurz doch meine Arbeit ruft wie immer. Also marschierte ich los um die Stute einzufangen. Thowra erhob ihren hübschen Kopf und blickte mir entgegen. „Na Süße! Wenn du so weiter machst dann bist du das Aushängeschild meiner Schützlinge!“ lachte ich und klickte den Strick ein. Die junge Isländerstute folgte mir brav. Ja sie war einfach auszubilden und lernte viel mit. Am Putzplatz angekommen band ich sie fest und fing an ihr Fell zu säubern. Sie war richtig eine Matschkuh!. Ich putzte sie ausgiebig sauber. Kratzte ihr die Erdklumpen aus den Hufen, kontrollierte die Beine , kämmte Schweif und Mähne. Dann legte ich ihr ihren Sattel auf, gurtete fest, zäumte sie auf und stieg auf. Ich hatte beschlossen sie heute mal ins Gelände zu gehen. Als kleine Belohnung, und so konnte ich testen ob sie sich im Gelände benahm. Auf dem Ausritt musste Thowra sich nicht so sehr bemühen. Wir ritten also im Schritt vom Hof heraus und wir mussten kurze Zeit an der Straße entlang reiten bevor wir in einen Feldweg abbiegen konnten. Ich war Gott froh das gerade kein Auto kam. Thowra spielte aufgeregt mit den Ohren, aber trotzdem hatte sie ein Ohr nach mir gerichtet. „ Ist gut süße!“ redete ich auf die Stute ein. Ihr schritt war holprig wohl gesagt zaghaft. Auf dem Feldweg fühlte sich Thowra schon wesentlich wohler, zwar noch guggig, aber besser als auf der Straße. Nun trabte ich die Stute an. Sie brauchte einige Zeit um anzuspringen. Doch heute war es schon wesentlich schneller. Mit einem streichle im Mähnenkamm lobte ich die Stute. Der Feldweg führte zu einem kleinen Wald. Diesen ich heute aber nicht nehmen wollte.. Darum ritt ich auf die Wiese. Diese Wiese gehörte zu unserem Land. Dort Galoppierte ich sie schließlich an. Und jetzt merkte ich wie entspannt sie unter mir lief und wie kraftvoll sie galoppierte und das in ihren jungen Jahren. Sarah hatte da wirklich ein tolles Stütchen. Irgendwie war ich neidisch, etwas. Aber es war mir eine Ehre sie auszubilden dürfen. Thowra schnaubte ab. Dann ließ ich sie herauskopieren. Ich bremste sie dann in den Trab und Schritt. An langen zügel ritten wir zurück auf den Hof. Auf dem Hof angekommen, sattelte ich die Stute ab und brachte sie in ihre Box. Sie bekam noch ihr Schippe Hafer und nun verließ ich den Hof.

      Trabstangen und Dressurarbeit
      Nach dem kleinen Ausritt gestern mussten wir heute wieder an die Arbeit gehen, Thowra´s Besitzerin würde übermorgen kommen und sich auf sie setzen. Ich baute in der unteren Hälfte in der Halle einige Stangen am Boden auf. Natürlich in der richtigen Abstand zu einander und ging in den Stalltrakt. Thowra lag noch im Stroh und döste. „ He Schlafmütze! Aufstehen, ran an die Arbeit!“ lachte ich und halfterte sie auf. Wiedermal säuberte ich sie gründlich bevor ich sie Sattelte und zäumte. Als ich fertig war stieg ich auf und ritt in die Halle ein. Dort am Eingang schaltete ich noch das Radio an, damit es nicht so arg still war. Ich wärmte die Stute auf und bald nahm ich die Zügel auf. Immer wieder ging ich über die Trabstangen. Thowra zögerte etwas aber ging brav drüber. Ich lobte sie. Dann ritt ich einige Volten, Schlangenlinien. Thowra arbeite gut mit. Ich wechselte öfters die Seiten und das Tempo. Es machte richtig Spaß mit der kleinen. Ich würde sie vermissen Ich ritt einige Runden im Arbeitstrab, machte Schlangenlinien im Trab, verstärkte ihren Trab, nahm sie zurück, hielt bei A , baute auch die Stangen wieder ein. Ich lobte die kleine. Morgen würde ich sie nur noch longieren denn übermorgen kam ihre Besitzerin Sarah um das Ergebnis testen zu können.
      Nun galoppierte ich auf der Großen Uhr. Immer wieder machte ich Tempowechsel und baute ihn im Stops ein. Nach einer drei viertel Stunde beendete ich das Training.

      Wellness und Longentag
      Heute war der letzte Tag für Thowra und mir. Die kleine war genau 2 Monate bei mir um ausgebildet zu werden. Der Rückblick war wirklich ein toller. Die Stute hat alles Gelernt um jetzt weiter gefördert zu werden. Sarah hatte heute angerufen, das sie gegen Nachmittag sich auf dem Weg macht und wäre bei guter Fahrt morgen früh um 7 auf dem Hof. Die Sonne brannte herunter und darum beschloss ich Thowra zu waschen nachdem ich sie etwas Longiert hatte. Also putzte ich sie nur grob über und zäumte sie auf. Ich ging mit ihr in die Reithalle klickte die Longe ein und schickte sie auf den Zirkel. Im Schritt wärmte ich sie auf, und als sie warm war trabte ich sie an. Folgsam wechselte sie die Gangart. Die junge Isländerstute senkte den Kopf und lief schön Vorwärts abwärts. Auch da lobte ich sie. Nach dem sie einige Runden im Trab gelaufen war, galoppierte ich sie an. Ihr Galopp war raumgreifend und Taktvoll. Dann parierte ich sie zum Schritt und wechselte die Seite. Dort longierte ich sie auch noch etwas . Nun halfterte ich sie um und ging mit ihr auf den Putzplatz. Ich schaltete das Wasser an und beginne vorsichtig an den Hufen die Stute. Thowra blieb ruhig und gelassen. Als die Stute den Nass war shampoonierte ich sie ein. Dann spülte das Shampoo wieder runter. Mit dem Schweißmesser holte ich so gut wie es geht und legte ihr eine Abschwitzdecke über. Und brachte sie in die Box. Und ging ins Haus.

      Abschiedstag und Sarah´s erstes mal Reiten
      Punkt um 8 Uhr rollte Sarah nun auf dem Hof an. Ich war gerade dabei die Stute herzurichten. Ich hatte gerade die letzte Bandagen um ihr Bein gewickelt als ich das Auto bemerkte. Ich ging kurz hin um Sarah zu begrüßen. Sarah war schon fertig angezogen. Stürmisch redete sie auf mich ein. „ Ist sie wirklich fertig? Ich kann wirklich reiten? Mach ich da nichts kaputt?“ fragte sie mich. „ Ja klar kannst du sie reiten, Thowra ist mental stark genug und sie wird ihr gelerntes nicht vergessen, sie wird dir nur zeigen wenn du was falsch machst. Thowra ist gleich fertig!“ beruhigte ich sie und gemeinsam gehen wir zu Thowra. Nun legte ich ihr vorsichtig den Sattel auf. Thowra hatte ihren Kopf an ihre Besitzerin gelehnt. Nun trenste Sarah ihre Stute auf und wir gingen in die halle. „ Sie hatte es schön hier!“ bemerkte Sarah. In der Halle gurteten wir nach und Sarah stieg auf. Ihr Mulmiges Gefühl sah man ihr zuerst im Gesicht. Doch nach einige Runden verschwand die Unsicherheit von Sarah und ich beobachtete die zwei gespannt. Thowra und sie waren sichtlich ein Dreamteam. Sarah´s grinsen im Gesicht bestätigte mir das sie mit der soliden Grundausbildung von Thowra zufrieden war. Nach dem sie alle Gangarten und das gelernte ausgetestet hatte. Stieg sie ab und sattelte sie ab. Sie verstaute ihr Zubehör ins Auto. Ich legte die rote Abschwitzdecke, die ich Thowra hatte über. „ Das ist doch nicht meine!“ sagte Sarah. „ Das weiß ich, das ist ein kleines Abschiedsgeschenk von mir!“ sagte ich. Sarah bezahlte mich und fuhr los. Mit einem wehenden Herzen winkte ich den Zweien nach und kümmerte mich um meinen nächsten Auftrag.
    • Mohikanerin
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      Pflegeberichte (2)

      Körungsbericht
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      Unbekannt | (c) Ravi
      2572 Zeichen | - Sarah

      Ein stetiges "Schrr,schrr" war zu vernehmen während ich hin und her geschüttelt wurde. Beruhigend legte ich meine Hand auf die Schulter meiner wilden Stute lehnte mir vor "Ganz ruhig meine Kleine“ murmelte ich in Thowra´s Ohr, die Stute kannte zwar bereits Aufgrund einer Fohlenschau mit dem Trubel bekannt. Menschen war sie gewohnt, der herrschende Trubel interessierte sie wenig,sie war ihrer Mutter Grey in dieser Hinsicht wirklich ähnlich. Doch erst seit knapp drei Wochen wurde Thowra regelmäßig geritten, denn einen Reiter auf dem Rücken hatte sie bisher nicht getragen.Schlussendlich wurde sie ruhiger als sie von Cayden Streicheleinheiten erhielt. Auch Amy und Ty nahmen an der Krönung mit Meike teil, sie wünschten mir ebenfalls Glück. Als es in den Lautsprechern begann zu rauschen und zu knacken begann hoch mein Ismix aufmerksam den Kopf. "Sarah Kyren mit Thowra van Ghosts!" Die Zügel etwas annehmen, ein letztes beruhigendes tätscheln des Mähnenkammes und los geht es. Im schwungvollen Schritt brachte Thowra uns dem Mittelpunkt der Halle immer näher, egal in welcher Gangart – Thowra bewegte sich schnell vorwärts. Es war als würde sie ihrem Namen „Wind“ alle Ehre machen. In der Distanz würde uns dies sicher einmal viel einbringen, doch bisher mussten wir ordentlich an Ausdauer dazu gewinnen. Angekommen bleiben wir stehen, nicht geschlossen, aber wir standen zumindest am rechten Fleck, für mich war es eher wichtig die Stute an solche Situationen zu gewöhnen. Würde tatsächlich ein positives Ergebnis erzielt werden, wäre ich noch stolzer auf meinen Wirbelwind. Vor der Kür die Richter gegrüßt und wieder auf das Pferd unter mit konzentriert. Von der Mittellinie bog ich nach rechts ab trabte in der folgenden Ecke an. Aufgrund ihres hohen Anteils des Isländers, besaß sie wunderschöne Gänge, die sich ohne weiteres Sitzen ließen. Sobald sie mehr Routine besaß würde Vina sie auch eintölten. Angekommen auf einem Zirkel lies ich Thowra nun angaloppieren, wobei dieser doch schon recht Tölt lastig war. Wir vergrößerten jedes Mal den Zirkel, bis wir auf der ganzen Bahn waren. Dann ließ ich Thowra im Schritt durch die Bahn wechseln, um anschließend wieder anzutraben und in der nächsten Ecke anzugaloppieren. Die Anlehnung war noch nicht perfekt, gerade im Trab ließ ich Thowra noch viel die Zügel damit sie nicht begann mit dem Kopf zu schlackern, da sie eine lange Annahme der Zügel nicht mochte. In den Ecken bauten wir kleine Volten ein um ihr Tempo zu regulieren. Kurz danach parierte ich zum Trab durch ein aus der Ecke kehrt folgte um erneut die Hand zu wechseln. Somit hatten die Richter die Chance uns von allen Seiten zu betrachten. Schließlich hieß ich Thowra wieder auf die Mittellinie und wie bereits viele Male vorher blieb ich bei X stehen. Grüßte die Richter mit einem unverhohlenen Grinsen. Für die erste gemeinsame Stutkrönung war alles sauber von der Hand oder eher dem Huf gegangen. Freudig gestimmt auf die Auswertung der Krönung verlies ich die Halle. Wir würden sehen wie die Punkte am Ende für oder gegen uns Sprachen.


      Konfrontation

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      Unbekannt | (c) Ravi
      16102 Zeichen | - Sarah

      Nachdem die Arbeiten an der Halle nun endlich beendet waren, hatte ich mir Greentea geschnappt um mit ihr ein wenig in der „neuen“ Halle zu trainieren. Die Stute selbst war ein wenig schwer davon zu überzeugen gewesen, die saftige Wiese wieder zu verlassen, hatte dann jedoch ihre Herde hinter sich gelassen und sich von mir ausgiebig putzen lassen. Bei der Gelegenheit schnippelte ich ihren Schweif wieder auf eine normale Länge, denn auf dem Boden zu hängen brauchte er nicht. Das Training, wenn es auch eines hatte werden sollen absolvierten sowohl Stute als auch ich irgendwie nur mit der halben Arschbacke – weder das Schritte verlängern im Trab noch der einfache Galoppwechsel wollten heute so richtig klappen. Frustriert brach ich das Training dann einfach ab, brachte Greentea schlurfenden Schrittes zurück zum Putzplatz, in der Sattelkammer landete der Sattel etwas lauter als gewollt auf der dafür vorgesehenen Aufhängung.

      Ein Kopf streckte sich aus der Futterkammer, der zu Kathi gehörte, die an diesem Morgen die Pferde hatte versorgen wollen. „Huch, was ist denn mit dir los?“ Innerlich wollte ich ihr erzählen was gerade in mir vor ging, doch kannte ich sie einfach noch nicht lang genug um ihr das anvertrauen zu können. Also winkte ich mit der Hand ein wenig ab, zuckte mit den Schultern „Streit mit Cayden, aber das wird schon wieder irgendwie.“ Kathi kam nun etwas mehr aus der Futterkammer „Wow, ich dachte immer so was passiert bei euch gar nicht.“ Ob diese Aussage jetzt aufmunternd gewesen sein sollte, vermochte ich nicht genau zu sagen, also schenkte ich Kathi ein Lächeln. „Naja, die nächsten Tage bin ich nicht hier, da haben wir eine kleine Pause, die uns sicher ganz gut tun wird. Ich werde zu Maren nach Polen fliegen um einen ihrer Hengste zu trainieren, vielleicht auch noch ein Besuch bei Vina, der neue Hof ist wohl bereits bezogen.“

      Außerdem benötigte ich wen zum Reden….zwar hatte ich Vina noch nicht gefragt, doch war ich mir sicher meine langjährige Freundin würde es mir nicht verübeln. Zwar hatte ich auch Amy im Kopf gehabt, doch die schwebte mit Ty gerade irgendwo in den Wolken und diese Glückseligkeit war es nicht unbedingt die ich jetzt gebrauchen konnte. „Ja, hab den Termin schon im Kalender eingetragen gesehen, war ja alles schon vor deinem Krankenhaus Aufenthalt geplant gewesen, da wird es jetzt ja höchste Zeit. Dieses Mal werd ich ein Adlerauge auf Bucks gerichtet haben, nicht das er wieder ausreißt wenn du fort bist!“ Da fiel mir noch etwas ein, „Kathi, besorgt bitte noch einen Hufschmied der sich so bald wie möglich an seine Hufe macht, die sehen schon gang schön arg aus.“ Kathi nickte und notierte es sich gleich in ihrem Handy, ehe sie sich wieder ihrer Aufgabe widmete und ich zurück zu Greentea ging. Die Stute hatte ihr Mahl beendet, also band ich sie los und schwang mich auf ihren Rücken um sie zur Weide zu reiten.
      Dort entließ ich sie wieder in die Freiheit und beobachtete wie sie der kleinen Gruppe von Stuten entgegen galoppierte. Ich hoffte sie bald gekrönt zu bekommen, sie und auch Willow, denn dann konnte die Zucht in eine weitere Runde gehen. In diesem Jahr hatten wir keine der Stuten bisher decken lassen, dafür war es uns gelungen Ikarus und Varulv kören zu lassen. Auf dem Weg zurück von den Weiden begegnete ich niemandem, kümmerte mich dann persönlich um die Futterration von Bucks.
      Der Hengst schien sich immer besser zu erholen, auch wenn ich es noch immer bedauerte ihm seine Mähne und auch den Schweif SO kurz geschnitten zu haben, aber es war nun mal sehr verfilzt gewesen. Mit zurückgelegten Ohren beobachtete Bucks, wie ich das Futter aus dem Eimer von außen in den Trog füllte, erst als ich einen Schritt von der Boxentür wegtrat bewegte sich der Hengst nach vorn. Da würde noch einige Zeit vergehen müssen, wenn Bucks freiwillig zu mir kommen sollte „Guten Hunger“ wisperte ich ihm zu ehe ich den kleinen Ponyhengst wieder verließ.
      Sollte es je soweit sein, so war ich mir bereits jetzt sicher – einen Reiter würde er vielleicht nie auf seinem Rücken dulden, aber vielleicht würden wir es mit einem Sulky versuchen können.

      Am Abend saß ich gerade in der gemeinsamen Küche nahm einzig ein Mahl aus Tomatensalat zu mir, trank ein Glas Bier als Cayden zur Tür hinein kam. Seine Schultern waren nass, auch aus seinem Bart troffen einige Tropfen des Regens der draußen fiel. Erst ging sein Blick auf das beinahe leere Glas mit dem Bier auf dem Tisch, zuckte dann zu mir und nachdem dies einige Male geschehen war zogen sich seine Augenbrauen in einem gequälten Ausdruck zusammen. Ein Sinn der leichten Erkenntnis schien in seinem Blick zu liegen, langsam ohne sich auch nur darum zu kümmern das er den Boden voll tropfte kam er zu mir herüber, ließ sich schwer auf den Platz vor mir sinken. Mit forschenden Augen sah er mich über den Tisch hinweg an, es fiel mir so unheimlich schwer den zornigen oder eher schmerzvollen Blick seiner grau-grünen Augen zu erwidern.
      Als nach mehreren Sekunden, die mir eher wie Stunden erschienen, seine zornige, laute Stimme an meine Ohren drang erschrak ich so sehr das mir der Löffel aus der Hand fiel. Seine Hände, die noch zuvor sein Kinn gestützt hatten prallten laut auf dem Tisch auf, der Stuhl war etwas nach hinten gerutscht, Cayden sprach laut, schrie jedoch nicht „Diese Entscheidung lag nicht allein bei dir, auch ich hatte ein Recht darauf, das war unser Kind!“ seine Stimme zitterte, ob es vor Zorn auf mich war oder der Schmerz den seine Augen zu versprühen begannen war mir nicht ganz klar.
      „Ein Kind das ich bereits begann in mir zu hassen, ich habe die gesamte Zeit im Krankenhaus darüber nachgedacht, mir eingeredet ich könnte wenn ich den Mann liebte auch das Kind lieben. Aber sieh uns doch an, sie mich an! Ich lebe zusammen mit einem Mann den ich nicht einmal ein Jahr kenne, auf einem Hof der nicht der meinige ist mit Pferden die ich abgeben müsste, wenn wir uns eines Tages nicht mehr verstehen würden. Die Zeit für ein Kind war nicht reif, wird es auch nie sein.“
      Auch ich hatte meine Stimme erhoben, war näher an ihn heran getreten. Cayden lachte auf, dabei wirkte er beinahe wie Irr „Deswegen tötest du etwas das auch meinem Blute entstammte – ohne es mit mir abzusprechen!?“ jetzt wurde seine Stimme lauter, energischer.
      „DU bist nicht mein Mann, also obliegt diese Entscheidung noch immer bei mir“ es war raus, Worte im Zorn gesprochen, niemals wahrhaftig so gemeint und doch konnte ich sie in diesem Moment nicht mehr zurück nehmen. Da spürte ich plötzlich ein heftiges Brennen auf der Wange, hörte Caydens Worte in meinen Ohren „Egoistin“ und sah wie er aus dem Raum verschwand. Meine Wange brannte an der Stelle an der seine Hand mich getroffen hatte, der Widerhall seiner Worte in meinen Ohren mochte nicht weichen. Das war nicht Cayden gewesen, das war das Monster gewesen das ich aus ihm gemacht hatte als ich seinem Kind das Leben genommen hatte.
      Mit dem Rücken prallte ich gegen die Tür des Kühlschrankes, als hemmungslose Tränen begannen meine Wangen hinab zu laufen und mein schluchzen die Küche erfüllte. Dann hörte ich das Quietschen der Tür, ein Kopf in der dunklen Öffnung, den ich durch den Schleier meiner Tränen nicht erkennen konnte. Erst als ich in eine Umarmung genommen wurde, die Wange an der mich Caydens Schlag getroffen hatte Nass wurde und der unverkennbare Duft meines Partners mir in die Nase drang wusste ich, dass es Cayden war. Im ersten Moment verspürte ich den Drang ihn mit wilder Macht von mir zu stoßen, auf seine Brust einzuhämmern bis auch mein Zorn verpufft war, doch dieser rumorte schon längst nicht mehr durch mich hindurch. „Es tut mir so unendlich Leid“ murmelte Cayden, dessen Stimme brüchig klang, da hockten wir also Arm in Arm auf dem Boden unserer Küche und weinten beide um etwas das wir im Inbegriff waren aus den Augen zu verlieren – unsere Beziehung.

      Wir hatten uns am Abend irgendwann ohne weitere Worte von einander gelöst, jeder auf seiner Schlafstatt verbracht, die Bettseite neben mir fühlte sich ohne seinen Körper noch immer so leer an. Heute Morgen hatte ich einen zügigen Ausritt mit Thowra unternommen, beinahe viel zu sehr hatte ich die Stute unten am Strand zu einem Galopp getrieben. Thowra wollte sich danach kaum beruhigen, tänzelte etwas hin und her und blieb noch eine ganze Weile schwer zu bremsen. Erst nachdem wir einen weiteren, dieses Mal kontrollierteren Galopp gewagt hatten mit einer langen folgenden Trab oder eher Töltphase schien Thowra sich zumindest soweit beruhigt zu haben das ich am langen Zügel mit ihr zurück kehren konnte.
      Danach folgte meine morgendliche Runde zu Bucks an die Box, heute schien er weniger aggressiv was das Anlegen seiner Ohren betraf, der Blick seiner Augen schien beinahe Neugierig zu sein. Als ich die Box verließ sah ich gerade Cayden und Ikarus als kleine Punkte, den Hof in Richtung unserer Geländestrecke verlassen, mit einem Schimmel hintendrein der Gwynn sein musste.
      Zwar konnte der Schimmel im Springen nicht unbedingt punkten, doch ein paar Sprünge und Geschicklichkeitshindernisse würden für Abwechslung im Training sorgen. Nach der Runde durch den Stall, in dem ja zur Zeit nur Bucks und Braum standen, letzterer um dem anderen Hengst Gesellschaft zu leisten, musste ich mich auch schon auf den Weg zum hiesigen Flughafen machen.

      Der Flieger landete mit einiger Verspätung, dann endlich am Flughafen von Warschau von hier aus würden mich Maren und vielleicht auch Alex abholen. Am Gate unten erwartete mich jedoch nicht Maren sondern Angy, die mich in Richtung des Gestütes mitnahm – sie erzählte um den Trubel den es zum derzeitigen Zeitpunkt um Peeta gab und Maren es vorzog den Hof so wenig wie möglich zu verlassen. „Na, da bin ich nicht die einzige die im Moment viel um die Ohren hat.“ Die Fahrt ging schnell dahin, am Hof wurde ich wie üblich freundlich begrüßt. „Na da haben sich aber schon wieder einige neue Farbflecke dazu gesellt, oder?“ fragte ich als ich den Blick meiner Augen über die Weide der Stuten gleiten ließ.
      Eine Stute mit schwarzem Kopf und auch so wunderschönen Abzeichen stand nahe des Zaunes und beobachtete uns eingehend „Das da ist Walinka, die erst seit kurzem bei mir ist, aber jetzt führ ich dich mal zu meinem Counterpart zu Katniss – dem Peeta:“ Ich verzog etwas das Gesicht in ihre Richtung „Na Klasse ich nehme an du bist auch so ein Peeta- Fan, bei dem Namen?! Dabei war Gale einfach geil!“ Maren blieb einen Moment stehen, „Gale? Der ist immerhin für den Tod von Prim verantwortlich!“, „Also das die da rein rennt konnte Gale ja wohl schlecht sehen?“ verkündete ich in halb sarkastischem Tonfall. Noch den ganzen Weg bis zu dem wunderschönen Braunwindfarbenen Hengst stritten wir im Spaß über das Buch, bis ich doch kurz inne halten musste.
      „Okay, in Pferdeform gefällt mir Peeta dann doch besser als der aus dem Film“ dabei streckte ich dann seitlich die Zunge zu Maren aus, die mein Grinsen auch etwas schief erwiderte. „Wie er so von Charakter ist brauch ich dir ja nicht mehr zu sagen, haben wir ja alles am Telefon bereits besprochen. Soll ich gleich helfen ihn mit fertig zu machen, dann siehst du wo alles steht für morgen.“ Für dieses Angebot bedankte ich mich bei Maren, schwatzend machten wir uns also daran den Hengst für ein erstes Springtraining vorzubereiten. In der Rittigkeit war Peeta um einiges einfacher als Katniss, sodass ich eine vorherige Bodenarbeit jetzt nicht in den Raum gestellt hatte. Sollte es zu Problemen kommen, konnte ich dies noch immer nachholen.
      Bereits eine halbe Stunde später machte ich mich an den ersten Kreuzer heran – nicht das Peeta nicht schon auf Niveau A war, ich für meinen Teil kannte seine Springmanier jedoch nicht und war auch in letzter Zeit nicht mehr gesprungen. Deshalb begannen wir auch mit kleinen Sprüngen, Trabstangen auf den Boden damit sich Pferd und auch Reiter aneinander gewöhnen konnten. Erst dann half Maren dabei die Hindernisse auf eine Höhe von knapp 1,15 Meter zu bringen – diese Höhe war nur bedingt höher als die Sprünge die der Hengst ohnehin schon kannte. Mit einer mir beinahe unbekannten Kontrollierbarkeit bewegten wir uns auf die erste Kombination heran, ein schneller Rein-raus Sprung.
      Mit einem kräftigen Absprung hievte Peeta uns beide über den ersten Sprung, dabei verlor ich einen meiner Steigbügel, begann etwas zu klammern mit den Beinen und Peeta brach den nächsten Sprung ab. „Woooow“ beruhigte ich den Hengst, oder eben auch mich. Maren kam heran getrabt „Alles okey bei dir?“ „Oh ja, aber mit so einem kräftigen und hohen Absprung hab ich jetzt nicht gerechnet.“ Maren kratzte sich am Hinterkopf „Joa, der war viel Höher als er hätte gemusst.“
      Also sortierte ich mich wieder ein bisschen, nahm die Kombination erneut, war jetzt jedoch mehr vertraut mit dem Absprung des Hengstes und wir kamen ohne weitere Probleme durch den Parcours. Da es hier doch sehr warm noch war, Peeta schon beträchtlich am Schwitzen war brach ich das Training nach dem ersten erfolgreichen Parcours ab und gesellte mich zu Angy in den Schatten.

      Die nächsten Tage beschäftigte ich mich morgens und in den späten Abendstunden mit Peeta, einmal als er vor einem Wassergraben doch mal verweigert hatte warf es mich seitlich aus dem Sattel, ich trug nur einen Schrecken und einen blauen Fleck davon.
      Also widmete ich mich am Abend dieses Tages dem Freispringen am Wassergraben, damit Peeta zu einer gewissen Routine an diesem Sprung gelangte. Dabei nahm ich sogleich die Maximalweite von 3 Metern für den Wassergraben, der aus nichts als einer Plane mit davor gestellten Hindernissen bestand – erst bei wirklichen Turnieren würde sich in ihnen Wasser befinden.
      Ein Training mit Wasser hatte der Hengst jedoch schon öfters mit Maren und Angy gemacht, sodass ich dies nicht zu übernehmen brauchte.Zumal er erst kürzlich von einem Extrem Trail aus Kanada zurück gekehrt war. Am vierten Tag erklärte ich meine Arbeit mit Peeta für vorläufig beendet „Die Hindernishöhe kennt er nun, der weitere Wassergraben stellt keine Probleme dar – jetzt könnt ihr ihn auf weiteren Turnieren vorstellen.“ Maren bedankte sich bei mir, wir nahmen ein gemeinsames Essen ein, dann fuhr in Zurück in mein Hotelzimmer.

      Ursprünglich hatte ich von hier aus vorgehabt zu Vina zu fahren, da Kathi jedoch angerufen hatte der Typ sei aufgetaucht der den Brief vor einiger Zeit geschickt hatte wegen Stormbringer, schnappte ich mir meine Sachen und buchte den nächsten Flieger Richtung Schottland. Am Flughafen schließlich rief ich Vina einfach an, schilderte ihr nun doch meine derzeitige Lage – der Schlag jedoch den Cayden mir versetzt hatte verschwieg ich auch ihr, in diesem Moment war er einfach nicht er selbst gewesen.
      Vina jedoch ließ mich nicht vollkommen ausreden
      „Sarah, an deiner Stelle hätte ich GENAU das selbe getan. Ich kann Kinder auch einfach nicht leiden, sie sind laut, rauben dir nicht nur den Schlaf sondern auch irgendwann nach und nach das Leben, die sabbern und manche von ihnen sind auch einfach dumm wie Stroh – ehe die wieder zu ertragen sind hätten sie mir mehrere Male den Verstand geraubt. Ich bewundere jede Mutter, die das auch nur irgendwie aushält!"dann beruhigte sich Vina wieder, doch ich vernahm noch so etwas wie *nichts als menschliche Affen* und musste dann doch mit dem Grinsen kämpfen.
      Vina ließ mich schlussendlich doch noch Ausreden, kommentierte nicht länger jedes meiner Argumente das gegen ein Kind gesprochen hatten und sprach mir auch Mut zu das Cayden sich wohl auch wieder beruhigen würde. Von Hansi wurde ich dann abgeholt, der mir auch gleich erzählte wie der Typ, der sich mit dem Namen Theodor Quarvel vorgestellt hatte vor zwei Tagen aufgetaucht war.
      “Wir haben ihm erstmal eines der Gästezimmer zugewiesen, ein Glück konntest du so schnell zurück kommen, jetzt wo Cayden weg ist“ Ich riss meine Augen auf, drehte den Kopf Ruckartig in seine Richtung „Weg?“ hauchte ich leise. „Naja nicht für immer, er hat sich kurzfristig Willow geschnappt und ist mit ihr auf einem Wanderritt durch Kanada, veranstaltet von dieser Gwen die auch hier war.“ Ich nickte bedächtig…ja Abstand würde wohl auch ihm gut tun.

      Probereiten
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      Unbekannt | (c) BluePearls
      2486 Zeichen | - Marie

      Heute war ich zu Besuch bei unseren Nachbarn. Neben der Arbeit auf dem Hof hatte ich mir etwas Zeit genommen, da Sarah hatte mir angeboten mit einem ihrer Pferde bei dem Mitternachtstölt mitzumachen. Damit ich dort nicht zum ersten Mal auf dem Pferd saß, war ich heute vorbeigekommen um Thowra Probe zu reiten. Da es tagsüber noch recht warm war, standen die Pferde draußen, sodass ich sie am Halfter rein führte. Ich putzte die mausfalbende Stute ausgiebig. Dann sattelte ich sie und trenste sie auf. Dann gingen wir zum Reitplatz, wo ich nochmal nachgurtete und aufstieg. Thowra blieb beim Austeigen brav stehen und so drehten wir erstmal ein paar Runden im Schritt. Ich fand ihren Schritt sehr angenehm. Es war nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell. Sie reagierte gut auf die Zügelhilfen. Bevor es mit dem Tölt los ging, wollte ich noch ein paar Runden traben. Ich musste mich an die kleinen Trabschritte gewöhnen, da ich sonst immer nur Großpferde ritt und selbst Was immer du tust große Schritte machte. Schnell hatte ich den Rhythmus gefunden und die Stute schnaubte ab. Ihr schien es gut zu gehen. Das war erfreulich. Schließlich war das hier die Probestunde für eine Turnierteilnahme. Da war es schön zu sehen, wenn die Stute sich unter mit wohl fühlte. Wir verließen den platz nach einigen gymnastizierenden Aufgaben und ritten zur Ovalbahn um zu tölten. Ich war gespannt, wie gut es klappen würde, da ich schon lange nicht mehr auf einem Gangpferd gesessen hatte. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass ich nicht als zu viel verlernt hatte und Thowra gut mitarbeitete. Sie verstand schnell was ich von ihr wollte und töltete los. Es war wirklich eine traumhafte Gangart. So schön zu sitzen. Ich konnte gut verstehen, dass man so lange Strecken zurücklegen konnte. Ich klopfte den Hals der Stute. Wir schienen uns ganz gut zu verstehen, sodass ich sie auch auf dem Mitternachtstölt reiten wollen würde. Natürlich würde ich Sarah nochmal Bescheid sagen und ihr von dem Ritt berichten. Ich ritt am losen Zügel ein paar Runden im Schritt., damit sie sich wieder strecken konnte. Danach stieg ich ab und führte sie zurück zum Stall. Ich putzte die Sattellage und kontrollierte die Hufe. Als Belohnung für die gute Arbeit gab ich ihr ein Apfelstück. Daraufhin fing sie an mich zu durchsuchen und zwickte mir in die Jacke, woraufhin ich sie ermahnte. Etwas entsetzte sah sie mich an, als wollte sie fragen, was daran verkehrt war. Ich brachte die Stute zurück zur Herde.


      Täglicher Arbeitswahnsinn oder "Wie Smaug wie die Kutsche kommt"

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      Unbekannt | (c) Ravi
      7899 Zeichen | - Sarah

      „Hab Smaug heute morgen nochmal ein wenig im Training gehabt“ kam Hansi herein und gesellte sich zum Mittagstisch – ich war in der Planung eines Besuches von Vina, dort würde ich eine ihrer Stuten zu mir nehmen und ihre beiden neuen Pferde trainieren. Hansi derweil wollte sich um den Gelderländer kümmern, damit dieser eingefahren wurde. „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen ja auch schon dabei getragen.“ Hansi grinste mich dann über den Tisch hinweg breit an „Ich hab ihm heute einfach mal einen Reifen hinter ihn gemacht“ ich schluckte hart – Smaug war brav, aber erst seit zwei Wochen im Training für die Kutsche, jetzt schon ein Gewicht zu ziehen? „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Dabei kratzte er sich leicht an Kind und grinste unverfroren in meine Richtung. Ich rollte ein wenig die Augen, nickte dann „Ich vertraue darauf ,dass er bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an, wenn er auch so brav ist – man kann schließlich nie wissen.“
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      Mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Sarah entgegen gehalten wurde. Natürlich war sie berechtigt in ihrer Sorge um den Hengst, aber ich hatte ja mittlerweile Erfahrung im Training der Pferde. Aiden und ich beeilten uns mit dem Mittag zusehends, denn wir hatten noch den Paddock der Hengste zu reinigen und eine Box vorzubereiten. Sarah hatte sich während des Filmdreh´s in eine der mitgebrachten Stuten verliebt, nach langem hin und her mit Theo hatte der sie schlussendlich verkauft. Argo - dem Pferd aus der Serie Xena nachbenannt, war seit frühsten Jahren ein Filmpferd der extra Klasse, in einigen Serien und ein paar Filmen war sie mit von der Partie gewesen, sogar als das Pferd eines Lakotahäuptlings war sie schon dabei gewesen. Heute würde sie im Laufe des Nachmittags ankommen, da gab es noch eine Menge zu tun.
      Argo mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Kürbis aus Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken in der Box – natürlich, sie war es auch gewöhnt. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich auch von Kürbis und kehrte zu meinem eigentlichen Job – Smaug zurück. Gemeinsam mit Aiden wollten wir erst einmal die Kutsche mit dem Transporter bei Julie abholen, wo sie noch immer stand. Anschließend die Stute Willow einspannen, mal sehen wie Smaug auf die Stute, die Kutsche und das mitnehmen reagieren würde, dann konnten wir ihn daran ein wenig gewöhnen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky, welches wir auch für Willow zu Anfang genommen hatten. „Los Komm, wir müssen los.“ Drängte Aiden bereits, also schwang ich mich hinter das Steuer, legte den ersten Gang ein und wir rollten die Einfahrt des Hofes hinaus. Die Fahrt würde nur knapp 5 Minuten dauern, also würde das kalte Auto sich nicht so schnell erwärmen. „Wirklich kalt geworden in den letzten Tagen“ murrte ich – ich hasste den Winter, zu allem Übel war hier auf der Insel auch noch der Nebel – momentan hatte man manchmal nicht mal Sicht auf 50 Meter, wenn überhaupt. Über Weihnachten hatte ich ursprünglich vorgehabt nach Deutschland zu meinen Eltern zu fliegen, doch hatte mich Sarah zu einem Ausritt zusammen mit Siobhan und Ty eingeladen, sodass ich meinen Eltern abgesagt – es war das einfach nicht wert…weder den Stress noch den Rest. „Tja…du hast Glück den letzten Winter nicht gesehen zu haben, da lag jetzt schon sehr hoch Schnee, dieses Jahr haben wir wirklich Glück.“ Aiden war hier geboren, oder zumindest in Schottland – er sprach Deutsch mit deutlichem Akzent, lernte jedoch außerordentlich schnell, wobei wir auch oftmals ins Englische sprangen, damit auch ich lernen konnte.
      Mit der Stute am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her – Smaug zeigte sich mal wieder wunderbar diszipliniert, beäugte nur Willow von Zeit zu Zeit. Diese jedoch ignorierte den Hengst weitestgehend, suchte ihr Heil in der Arbeit womit die Arbeit sehr gut von der Hand ging. „Lass und eine kleine Runde um den Hof drehen mit den beiden“ schlug Aiden vor, also setzte sich mein Freund auf den Kutschbock, ich stieg hinten auf und führte Smaug um die Kutsche herum damit er dahinter laufen konnte. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann zu dämmern – zumindest vermutete ich dies, denn der Nebel verdeckte die Sonne. Im Trab trottete Smaug hinterher, nahm ein wenig an Tempo zu und befand sich nun neben der Kutsche – mir gelang es nicht den Strick schnell genug herum zu dirigieren und quetschte mir dabei den Daumen ein. Mir gelang es nur knapp einen Laut des Schmerzes zu unterdrücken, leicht schüttelte ich die Hand – die Stelle puckerte und begann bereits ein wenig blau zu werden. Na Klasse…..
      Zumindest hatten wir das Training von Smaug ein ganzes Stück weiter angekurbelt, Aiden und ich wollten nun jeden Tag eine solche Tour machen – denn auch für Willow war es Training für ihre Distanzturniere.
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      Betreten senkte ich den Kopf – „Verdammt!“ murmelte ich. Cayden sah mich verwirrt an, legte den Kopf schief wie er es so oft tat. „Meine Eltern wollen zu Weihnachten hier her kommen!“ Auch Cayden schwieg einen Moment, während Kathi ungerührt in die Runde fragte „Was ist daran so schlimm?“ Erst rangen wir beide ein wenig an Worten „Naja, sie wissen noch nicht das wir uns verlobt haben, außerdem sind sie manchmal ein wenig anstrengend. Zudem feiern wir beide ja Weihnachten als Paganisten gar nicht offiziel – wir feiern bereits am 21.12 Yule und das haben sie bis heute nicht verkraftet.“ Meinte Cayden etwas zerknirscht. Wir berichteten vom letzten Jahr, dass wir beide bei ihnen verbracht hatten – als frisches Paar gemeinsam. Wir hatten keinerlei Geschenke mitgebracht, keine erwartet und das war etwas…naja weniger gut angekommen. „Im Grunde müssen sie es nun akzeptieren, dass hab ich auch schon am Telefon gesagt. Nur muss ich Vina Bescheid geben, dass es in diesem Monat wegen des Besuches nicht klappt.“
      In der Zwischenzeit beendeten wir unser gemeinsames Frühstück – heute waren Kathi und ich an der Reihe die Pferde zu versorgen, während sich Aiden und Cayden der Bewegung von Darym und Ikarus kümmern wollten, da noch kein Schnee lag wollten sie auf die Militarystrecke. Ich freute mich so unfassbar, dass sich Cayden so mit seinem neuen Hengst verstand. Hansi würde sich wieder dem Training mit Smaug widmen – nach über einer Woche lief der Hengst nun vollkommen sicher vor der Kutsche. Gerne hätte ich den Hengst mit einem der anderen zusammen angespannt, doch waren sie von der Größe her ziemlich unterschiedlich. 2Hansi? Was hast du heute vor mit Smaug?“ Der große Blonde Mann war noch beschäftigt unseren Abwasch zu erledigen und drehte mir bei seiner Antwort nicht den Kopf zu. „Da der Kleine jetzt so gesehen als Eingefahren gilt, hab ich auch gestern schon mit dem ersten Parcours für Turniere begonnen, wenn er in der A starten will.“ Ich nickte, dass würde Salera sicher freuen, denn der Hengst war jetzt bereits das November wieder hier in Schottland bei uns. „Sehr schön! Dann werde ich mich heute mal ein wenig Argo widmen und Bucks ein wenig bewegen. Die Mädels kommen später und wollen Little Grey und Kürbis auf dem Platz reiten, hast du da vielleicht ein Auge drauf?“ Hansi trocknete sich die Hände ab, nickte ebenfalls und damit verstreuten wir uns wieder in alle Richtungen auf dem Hof. Jeder ging seiner heutigen Arbeit nach – vom Stress her ließen wir uns wegen Weihnachten überhaupt nicht einnehmen. Am Nachmittag schaute ich nochmal bei Siobhan und ihrem kleinen Fionn vorbei – wahnsinnig, wie das Baby nun doch langsam nach einem Menschen ansah.

      Die Sache mit der Stallgasse
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      Unbekannt | (c) Ravi, Vampyrin
      25282 Zeichen | - Sarah, Kathrin, Hansi

      Wir hatten die etwas stressigen Weihnachtsfeiertage mit meinen Eltern wunderbar hinter uns gebracht, am zweiten Feiertag hatten wir gemeinsam Siobhan und den kleinen Fionn besucht. Die Mutter von Ty und meine hatten der Mutter kaum eine Chance gegeben ihn zu halten – dabei hatte ich beinahe Tränen in den Augen gehabt. Nie würde meine Mutter einen eigenen Enkel in den Armen halten, das tat mir irgendwie dann doch Leid. Silvester war hier auf der Insel und in näherer Umgebung nicht viel los gewesen – umso besser war es für die Pferde gewesen. Zwar hatten wir gemeinsam ein wenig gefeiert, aber nicht sonderlich groß, die Arbeit musste weiter gehen.
      Freudig stand ich nun am Rande des Offenstalles beobachtete die Hengste, die mit dem gerade zu ihnen gelassen Gwyn umher tobten, sich aber nach wenigen Minuten schon wieder beruhigten. Es freute mich besonders, dass sich Draki und auch Moon so Klasse in unsere recht große Hengsttruppe integriert hatten – klar durch ihre kleinen Verletzungen standen sie nachts lieber drinnen in den Boxen, aber jeden Morgen kamen sie zu den anderen raus. Zwar hatte ich Moon eine Decke für den Winter geben wollen, doch Cayden winkte ab, da dies nur den Wärmehaushalt des Hengstes stören würde, Recht hatte er ja dabei. Gwyn hatte ich heute morgen leicht lahmen sehen, also hatte ich ihn aus dem Offenstall geholt und das rechte Vorderbein untersucht – da es jedoch weder heiß war oder geschwollen hatte er sich vielleicht erstmal nur vertreten. An die Pinnwand im Stall hatte ich gleich einen Zettel gepinnt, dass Gwyn beobachtet werden sollte, dann hatte ich die Zeit gleich genutzt um den Hengst ein wenig zu putzten.
      Ein Blick auf das Display meines Handys verriet mir die Uhrzeit – fast 9 Uhr – bedeutete unser Frühstück stand gleich an! Somit bewegte ich mich durch den feinen, aber zutiefst nervigen Nieselregen hinein ins Haus – das schlimme war gar nicht die Nässe an sich, aber wenn es mehrere Tage nur durchregnete, man durch den Nebel fast nichts sah und der Wind einem um die Ohren pfiff – machte die Arbeit im freien kaum Spaß. Zumindest ging es mir so…manchmal auch Hansi, diejenigen unter den Mitgliedern des Hofes die sich schon ewig in Schottland aufhielten oder gar hier aufgewachsen waren, tja die schienen dieses Wetter vollkommen zu ignorieren. Im Vorflur entledigte ich mich meiner gefütterten Gummistiefel, sprang ein wenig auf der Stelle um die innere kälte meiner Glieder loszuwerden, da ging die Tür erneut auf und Aiden kam mit nassen Haaren hinein. Zusammen mit ihm hatten wir seit um sieben den Paddock von den gröbsten Pferdeäpfeln befreit und die Pferde mit frischem Heu versorgt. Hansi hatte sich dazu bereit erklärt Moon und Draki zu den anderen zu stellen, während Cayden und Kathi sich heute um unser Frühstück kümmerten. Ich mochte diese Art der Aufgabenverteilung, rieb mir ein letztes Mal die Hände aneinander und hielt Aiden dann die Tür zum Rest des Flures auf. „Hinein in die gute Stube“ meinte ich und folgte ihm auf dem Fuße in die gemeinsame Küche des geräumigen Haupthauses. Mit einem plumpsen ließ ich mich an meinem Platz nieder, legte die Hände wohltuend um die Warme Tasse Tee und versuchte nippender Weise ihn mir einzuflößen. „Also…ganz ehrlich, wenn wir bei der Stallgasse nicht bald etwas tun, dann brech ich mir bei den dämlichen Holpersteinen noch den Hals!“ murrte ich ein wenig in die Tasse. Die anderen hatten sich auch bereits an den Tisch gesetzt, sodass sie auch mitbekamen wovon ich rede. Hansi warf ebenfalls eine Tirade gegen die Stallgasse ein – klar sie und der ganze Stall war noch aus der Gründungszeit des Hofes und man hing an der Nostalgie. Die alten Holzbalken, die Mauern aus Stein ließen einen an das Mittelalter denken, wenn man darin stand – aber nicht nur wir hatten Probleme mit den holprigen Steinen der Stallgasse, auch die Pferde eierten darüber hinweg. „Bevor wir hier im Haus neue Möbel besorgen, will ich erst die Stallgasse ordentlich haben – da ist mir die Nostalgie ehrlich gesagt egal!“ meinte Hansi – zwar war er mittlerweile ein Angestellter und durfte viele Entscheidungen treffen, doch die höchste Entscheidungsgewalt lag bei Kathi und Cayden, nach unserer Hochzeit auch bei mir.
      „Glaubst du wirklich ich hätte etwas dagegen? Diese Steine sind eine verdammte Todesfalle!“, murrte ich und streckte meine Hände aus um die verkrusteten Stellen zu zeigen, die ich mir am Vortag eingefangen hatte, als ich mich lang auf die Nase gelegt hatte.
      „Von dem Azubi den wir bald kriegen hatte ich euch erzählt richtig?“
      Schweigen.
      Alle in der Küche sahen mich ratlos an und ich meinte im Hintergrund die Grillen zirpen zu hören.
      „Es ist Winter, es gibt keine Grillen!“, murmelte ich. Obwohl ich nicht gedacht hätte, dass dies überhaupt möglich war, wurden die Blicke noch ratloser.
      „Oh.. also, wir kriegen vermutlich bald einen Azubi zugeteilt, ich habe letztens die Prüfung abgelegt und wir sind jetzt offiziell ausbildungsberechtigt. Hatte ich das echt nicht erzählt?“
      Schweigen.
      „Leute?!“
      Ich sah wie Hansi langsam den Kopf schüttelte. „Jetzt wisst ihr jedenfalls Bescheid!“, schmollte mich und vergrub mich hinter meiner Kaffeetasse.
      Den Rest des Frühstücks unterhielten wir uns nur noch über Belanglosigkeiten, dann sahen alle so schnell es ging zu, dass sie an die Arbeit kamen.
      Eigentlich hatte ich den Auftrag einen Handwerker zu finden, der die Stallgasse ausbessert, gerade an Cayden abschieben wollen, da war er auch schon an mir vorbeigehuscht und hatte die Tür hinter sich zugeworfen.
      „War ja klar, jetzt darf ich mich wieder um den langweiligen Mist kümmern“, zischte ich leise, schenkte mir noch einen Kaffee ein und begab mich dann Richtung Büro um die Arbeit rasch hinter mich zu bringen.

      Nachdem Kathi die Sache mit dem Azubi erwähnt hatte, hatten es seltsamerweise alle sehr eilig an die Arbeit zu kommen. Ich begleitete Aiden schnell in den Stall um mir Gwyn zu sichern, bevor jemand anderes die Möglichkeit hatte. Auch wenn ich es niemals zugeben würde bedeutete mir der Hengst verdammt viel, man konnte ihn fast als mein Lieblingspferd bezeichnen. Ach, streichen wir das 'fast'.
      'Gwyn's Bein beobachten', entzifferte ich aus der schnell hingekrakelten Notiz an der Pinnwand mit etwas Mühe. „So'n Mist!“, fluchte ich, dabei hatte ich eigentlich mit ihm auf den Geländeparcours gewollt.
      „Viel Spaß dabei Gwyn zu putzen!“, hörte ich Aiden aus einer der Boxen lachen. „Wieso?“, gab ich zurück, „ich dachte Sarah hätte das vorhin gemacht?!“
      „Mag schon sein, aber davon ist nicht mehr allzu viel übrig!“
      Wieder hörte ich ihn Lachen.
      „Du bist so ein schadenfrohes Ekel!“, zog ich ihn auf und seufzte laut als ich den (ehemals) schneeweißen Hengst sah, der mir freudig zuwieherte.
      „Du ebenfalls!“
      Er hatte sich offensichtlich gerade genüsslich im eigenen Dreck gewälzt und hätte so locker als Brauner durchgehen können. „Nein, nimm den Kopf weg!“, warnte ich, als er seinen großen, schmutzigen Schädel gerade an meiner Schulter reiben wollte. „Du bist 'ne elende Drecksau, weißt du das?“, murrte ich, trat einen Schritt zur Seite und gab ihm den Befehl aus der Box zu treten. Ein wenig stolz war ich schon darauf, dass er mir auf's Wort gehorchte, bei den anderen klappte das nie so gut. Gwyn stubste mir die Nase in den Bauch und ich musste unwillkürlich grinsen. „Abmarsch jetzt.“, befahl ich wieder etwas gefasster und der Hengst stellte sich mitten in die Stallgasse um sich nochmals gründlichst schrubben zu lassen.
      Gerade kämpfte ich mit einem großen Fleck auf Gwyn's Hinterteil, als Cayden mit Ikarus im Schlepptau den Stall betrat. Eine Weile gingen wir schweigend unserer Arbeit nach während im Hintergrund 'Heidevolk' aus den Boxen trällerten.
      „Könnt ihr diesen Krach nicht mal aus machen?“, knurrte Cayden, woraufhin er mit einen finsteren Blick von Aidan und mir bestraft wurde. Dennoch ging ich nach einem längeren Zögern zur Musikanlage und drehte sie leiser, aber nicht aus. Cayden konnte mit diesem 'Holländischen Käse', wie er es gerne nannte einfach nichts anfangen.
      Ich widmete mich wieder Gwyns Hintern und erneut herrschte Schweigen. Aiden räusperte sich. Wir blickten uns vielsagend an, die gleiche Frage auf den Lippen.
      „Uuund?“, sprach ich sie als erster aus „was hältst du von der Sache mit dem Azubi?“
      Einen Augenblick dachte ich er hätte mich gar nicht gehört und wollte die Frage gerade wiederholen.
      „Ich weiß nicht.“, murmelte er. Schweigen.
      Ich trommelte ungeduldig mit einer Hand auf Gwyns Rücken.
      „Ich weiß nicht.“
      „Du wiederholst dich.“, warf Aiden ein, allerdings so leise, dass nur ich ihn hören konnte.
      „Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich schon wieder jemand neues hier haben müssen.“, dann fing er an zu grinsen. „Immerhin haben wir dich gerade erst halbwegs anständig erzogen.“ Die Bürste verfehlte Cayden nur knapp und fiel hinter ihm scheppernd zu Boden. Ikarus spitzte kurz die Ohren und verfiel dann wieder in seinen Halbschlaf.
      „Och ich weiß nicht, eine heiße Blondine die mir ein wenig zur Hand geht, hätte schon was.“, hörte ich Aiden lachen. Wir stimmten ein. Cayden verstummte als erstes und verfiel wieder in seine nachdenkliche Stimmung. „Aber was soll das heißen, wir kriegen einen zugewiesen? Nachher taucht irgendein Schwachkopf hier auf und bringt alles durcheinander..“
      „Wäre es dir lieber, wenn ich wieder den erstbesten Besoffenen vom Festival anschleppe, so wie Hansi?“, rief ich etwas lauter als beabsichtigt und sah belustigt wie Cayden zusammenzuckte. Hansi wollte wohl gerade zu einer Gegenwehr anstimmen, verstummte dann aber mitten im 'Eh', als er feststellte, dass er dem nichts entgegenzusetzen hatte. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht klopfte ich Cayden auf die Schulter. „Keine Sorge, das wird schon und es ist nicht so, dass wir den erstbesten Deppen von der Straße angedreht kriegen, das letzte Wort haben immer noch wir und die ein oder andere helfende Hand mehr kann wohl kaum schaden, allmählich wächst uns die Arbeit doch allen über den Kopf.“ Das schien seine Sorgen zumindest ein wenig zu zerstreuen. Gut gelaunt klatschte ich in die Hände. „Die Handwerker kommen übrigens in 2 Wochen.“ Mit diesen Worten auf den Lippen machte ich mich auf den Weg nach draußen um Argo einzusammeln, nicht ohne vorher die Musik wieder aufzudrehen wohl wissend was Cayden von dem 'Holländischen Käse hielt'.
      Ich kam gerade mit dem Hengst Bucks am Strick den Weg zum Stall hinauf – es regnete immer noch, dabei zog sich die Kälte bis in die Tiefe meiner Kleidung, sodass auch irgendwie das Gefühl hatte mir in die Hose gemacht zu haben. Ich seufzte betreten, froh gleich diesem Nebel – Nieselregen Gemisch aus dem Weg gehen zu können. Ich hatte bereits mit Braum ein wenig in der Halle longiert – der Kleine würde im Verlauf dieses Jahres ganz schonend angeritten werden und konnte sich bereits jetzt mit dem Gewicht eines Sattels anfreunden. Außerdem wollte ich später irgendwann mit dem Stutfohlen Primo Victoria ein kleines Führtraining für unsere nächste Fohlenschau machen. Bucks hingegen wollte ich ein wenig putzten – nachdem ich fast eine gute halbe Stunde damit zugebracht hatte ihn vom Paddock zu holen. Einerseits hatte es mich gefreut ihn wieder mit allen Hengsten in den Offenstall entlassen zu können nach seiner Genesung – er hatte ein Hufgeschwür gehabt, welches langsam aber sicher doch abgeklungen war. Auf der anderen Seite ließ er sich zwar mittlerweile „recht gut“ händeln, aber in vielen Situationen keilte er ohne ersichtlichen Grund aus. Aus diesem Grunde hatte ich auch den beiden Mädchen Maeve und Lia geraten von ihm Abstand zu halten, zumal sich Lia noch immer von ihrem gebrochenen Arm erholte. In letzter Zeit hatte ich mich oft in den Büchern wieder gefunden, im Internet geschaut und auch befreundete Trainer angeschrieben wegen dem „Problem“ mit Bucks. Im Grunde ging es ihm gut unter den Hengsten, er hatte seine Kumpels, genoss es draußen zu sein, sogar die Leckerli und Streicheleinheiten schien er zu genießen. Wir konnten alle nicht verstehen was in dem kleinen Pottockhengst so vor sich ging, klar war nur – er würde wahrscheinlich nie wie jedes andere Pferd werden, darin bestand aber auch ein Risiko für mich und jeden der ihn versorgte. Erst letzte Woche hatte er einen saftigen Tritt in Richtung Kathi ausgeteilt, dem sie nur knapp entgehen konnte. So in Gedanken versunken erschrak ich plötzlich als der Hengst gegen meine Schulter prallte – die Ohren tief angelegt. Kathi kam gerade aus dem Stall, in dem deutlich hörbar Musik drang, ich liebte die Tatsache,dass wir dort Boxen hatten! Bucks schien sich offenbar tierisch vor Kathi erschreckt zu haben, zappelte nun an der Hand und zeigte deutliche Ansätze vorn hoch zu gehen. Quietschend bewegte er sich plötzlich deutlich in meine Richtung, was mich dazu veranlasste den Strick sofort durch den Ring des Halfters gleiten zu lassen und aus der Bahn zu gehen. Wir nutzten nie einen Panikhaken, sondern nutzten einfach eine einfache Schnur, die problemloser durch den Ring zu ziehen war um aus dem Weg zu gehen. Im unruhigen Stechtrab bewegte sich der Hengst aus unserer Reichweite, drehte uns dann deutlich die linke Seite seines Körpers zu – nur allmählig schien die Fassung zurück zu kommen. Kathi war stehen geblieben, blickte zerknirscht lächelnd zu mir herüber – unser Sorgenkind! „Das fällt mir immer öfter auf….du bist von rechts gekommen….und schau er dreht uns seine linke Seite zu.“ Nachdenklich begann ich an meiner Unterlippe zu kauen, dachte an all jene Momente an denen er so reagierte. „Was sagst du dazu?“

      Wir sollten da dringend ‘nen Tierarzt drüber gucken lassen“. In Gedanken versunken beobachtete ich den Hengst, der immer noch etwas hin und her tänzelte. „Wollte Eddi nicht eh die Tage mal vorbeischauen? Dann kann sie ihn ja vielleicht gleich ein bisschen genauer untersuchen.“
      „Stimmt wohl.“
      „Gut, fragst du sie dann noch eben? Ich wollte gerade mit Argo ein wenig ausreiten, willst du mitkommen? Vielleicht kriegen wir die anderen Chaoten ja auch noch mit.“, grinste ich. „Jetzt mach dir keinen Kopf, so schlimm wird das mit Bucks schon nicht sein“, versuchte ich sie zu trösten, obwohl ich mir selber nicht sicher war, was ich von der Sache halten sollte.
      „Ja bitte, bringst du mir Yoomee mit?“
      „Klar.“
      Gut 10 Minuten später trat ich mit den beiden Ponys im Schlepptau wieder in den Stall und legte mich prompt lang über die Stallgasse.
      Argo legt die Ohren an, tänzelte ein paar Schritte zur Seite und sprang noch im selben Moment wieder zurück um Ikarus‘ Zähnen zu entgehen, wobei sie Yoomee gefährlich nahe in Richtung Wand stieß. Cayden reagierte zum Glück blitzschnell und trennte die Streithähne bevor schlimmeres passieren konnte.
      Hansi lachte.
      „Vollidiot!“, rief ich zu ihm rüber, murmelte Cayden ein zerknirschtes ‚Danke‘ zu und rappelte mich auf.
      „Sarah und ich wollen gleich ausreiten gehen, will wer mitkommen?“, fragte ich in die Runde und vergewisserte mich, dass die Pferde sicher angebunden waren.
      Eine Weile später verließen Cayden, Sarah, ich und Hansi, der etwas zerknirscht auf Ikarus saß, weil Gwyn leider noch nicht wieder ganz klar lief, den Hof. Eine Weile ritten wir schweigend den Trampelpfad entlang der von unserem Hof weg führte. Cayden eilte mit Darym ein ganzes Stück voraus, gefolgt von Sarah und Yoomee. Ich hatte schwer zu kämpfen mit Ikarus Schritt zu halten, offenbar war heute nicht Argo’s bester Tag.
      „Na, haste Angst dich nochmal auf die Nase zu legen wenn du zu schnell reitest?“, grinste Hansi zu mir herunter. Kurz darauf hatte er meine Gerte in der Seite. „Ich weiß schon warum ich die mitgenommen habe!“, lachte ich, als Hansi mich irritiert anschaute. „Und jetzt mal ein bisschen Respekt vor deiner Chefin, mein Lieber! Bevor du an mir rumkrittelst lern lieber mal das Einflechten!“
      „Da muss ich ihr allerdings rechtgeben, ich glaub die Knoten in Thowras Mähne krieg‘ ich nie wieder raus.“, grinste Sarah, die sich hatte zurückfallen lassen und nun neben mir ritt. Hansi öffnete den Mund und beschloss, dass es doch besser war nicht gleich ZWEI seiner Chefs gegen sich aufzubringen.
      „Cayden, wo willst du eigentlich so schnell hin?“, rief er stattdessen nach vorne, denn Pferd und Reiter waren bereits fast vollständig im langsam aufsteigenden Nebel verschwunden. Wir ließen die Pferde antraben um aufzuholen.
      „Also, wo wollen wir hin?“, fragte Sarah in die Runde.
      „Lasst uns die Runde am Meer lang nehmen, ich war schon ewig nicht mehr da!“, rief Hansi aufgeregt.
      „Och nööö..“, doch leider wurde meine fehlende Begeisterung einstimmig ignoriert und so schlugen wir den Weg Richtung Küste ein.
      Cayden – noch immer gut drei Pferdelängen vor uns – führte die Truppe hinunter zur Küste, auch wenn sich Kathi von dieser Idee nicht begeistern ließ. Für Yoomee und auch für Argo würde dies der erste Kontakt zum Meer werden. Ikarus wurde sichtlich schneller, kein Wunder, denn im Sommer hatten sich die Jungs hier unten Rennen geliefert. Zwar wurde der Vollbluthengst nun mehr auf Military trainiert, aber seine einstige Rennkarriere steckte ihm natürlich noch immer in den Knochen. Darym und Cayden hatten auch ihren Spaß am Sprung, denn der Hengst zeigte dafür wahrliches Talent darin. „Komm schon Kathi, zieh nicht ein solches Gesicht, oder hast du Angst nass zu werden?“ neckte sie Hansi von irgendwo weiter vorn und Kathi streckte ihm nur die Zunge raus. Ich beobachtete derweil unsere Umgebung, ganz anders als im letzten Winter in dem wir im Schnee versunken waren, gab es dieses Mal zwar eine Schweinekälte aber keinen Schnee. Noch jetzt lagen auf den Gräsern gefrorene Tautropfen, die den Eindruck von Schnee gaben. Erst in der letzten Nacht hatten wir Temperaturen von -10 Grad gehabt, sodass ich mich in meinen vielen Schichten von Sachen etwas ungelenk auf dem Pferd fühlte. Während allerdings mein Oberkörper wunderbar warm war, begannen meine Füße bereits in den Eisklumpenmodus zu gehen. Zwischen den Gräsern lagen mit ihrer dichten, weißen Wolle einige Schafe, die als solche beinahe nicht zu erkennen waren, sondern eher aussahen wie Nester. Als die Pferde den ersten Huf auf den etwas ungewohnt, tiefen Sand des Strandes setzten, senkten sie den Kopf um zu sehen was das denn genau war. Yoomee trabte etwas voran, ein kleiner Stechtrab mit hoher Beinaktion, da sie ganz offensichtlich den Sand nicht ganz Geheuer fand. Die anderen blieben stehen, bis ich mein Pferd etwas beruhigt hatte, dann ging es im Schritt weiter. „Langsam friert mir das Gesicht ein und meine Hände und Füße spür ich auch nicht mehr, dabei sind wir gerade mal ne Viertelstunde unterwegs“ stöhnte ich in Richtung Kathi, die mir nur einen erwidernden Blick zuwarf. Dann deutete sie nach vorn zu Ikarus, bei dem Hansi offensichtlich Probleme hatte ihn vom Schritt zu überzeugen. Gemeinerweise galoppierte sie nun an, preschte dicht zwischen Darym und Ikarus vorbei und rief irgendetwas das ich nicht mehr verstehen konnte. Auch ich gab Yoomee die Zügel und eine leichte Galopphilfe, folgte den anderen im rasenden Galopp. Argo und Kathi gelang es nicht lang an der Spitze zu bleiben, denn Ikarus holte sie in Windeseile ein, dahinter folgte Argo, die auch ordentlich Versengeld gab, dann kam Cayden auf Darym während ich das Schlusslicht bildete. Nach einer ordentlichen Runde im gestreckten Galopp parierten wir alle wieder zum Trab und anschließend zum Schritt durch. „Gewonnen“ feixte Hansi, grinste breit und hob die Faust in die Höhe – Ikarus stand bis knapp zu den Knöcheln im Wasser, während sich Kathi auf Argo von hinten nährte und ihm einen Stoß an der Schulter gab. Eigentlich nicht im bösen gemeint, verlor Hansi ein wenig das Gleichgewicht, dass Ikarus in dem Moment nervös zur Seite ging trug dann nicht gerade dazu bei das ihm wieder mehr Gleichgewichtssinn dazu kommen zu lassen. Da landete Hansi also im – wortwörtlich arschkalten Wasser und schneller als wir hätten „Achtung“ sagen hören können, war er auch schon wieder am Stand – seine komplette linke Seite war nass und einiges hing in seinen Haaren. „Okay, dann ist der Ausritt hier beendet – zurück zum Hof!“ kommandierte Cayden, der dem nun bereits ruhigeren Ikarus an den Zügeln hielt während Hansi mürrisch aufstieg. Ich jedoch wandte mich mit erhobenem Zeigefinger an Kathi „Lass solche Späße in Zukunft!“ befahl ich wobei ich mir ein fettes Grinsen ja doch nicht von den Lippen wischen konnte.
      Zurück am Hof versorgten wir die Pferde, gaben ihnen ein wenig Futter und schickten Hansi ins Haupthaus vor den Kamin. Anschließend teilten wir uns wieder auf, ich brachte die beiden Stuten zurück und Cayden die Hengste, während Kathi den Schmutz aus der Stallgasse etwas beseitigte – dieses Mal hatte sich keiner von uns auf die Nase gelegt. Cirilla und Primo befanden sich in einer der geräumigen Boxen, während wir den älteren Camilero zusammen mit Braum in einer anderen Box zu stehen hatten. Ansonsten befand sich kein Pferd in den anderen Boxen, morgen würde Smaug nun endgültig den Hof verlassen. Für heute jedoch hatten wir die Nase voll und gingen drinnen.

      Zwei Wochen später werkelten die Handwerker fleißig in der Stallgasse, der Termin für den Tierarzt war gelegt und Gwyn lahmte noch immer ab und an. Hansi jedoch war wegen einer Bronchitis erst einmal an das Bett gefesselt, da der Landarzt befürchtete daraus könnte eine Lungenentzündung werden. Kathi hatte ihm eine Tafel Schokolade als Entschuldigung geschenkt, sodass sie sich nun von neuem gemeinsam in die Pfanne hauen konnten. Braum machte im Round Pen mit dem baumlosen Sattel auf dem Rücken wirkliche Fortschritte und auch Aesi kam dem Thema einreiten immer näher. In der Arbeit vom Boden aus hatte sie etliche Erfahrung, Sattel und Trense waren ihr bereits geläufig und nach und nach würde ich mich auf ihren Rücken schwingen. Braum hatte jedoch noch eine ganze Weile Zeit bevor sich jemand auf seinen Rücken setzten würde. Argo hatte sich mittlerweile super eingelebt, wenn auch das Training etwas haperte, die Stute hatte in ihrer Filmzeit keine richtige Reitweise kennengelernt und die Dressur schien nicht ihr Steckenpferd zu sein. Kathi und ich spielten deshalb mit dem Gedanken, sie wie Stormbringer Western umschulen zu lassen. Aiden beschäftigte sich in der letzten Zeit besonders mit dem etwas fettleibigen Yael, damit dieser nicht noch weiter auseinander gehen würde und vor allem fitter. Zumindest zeigte der Hengst reges Interesse in der Dressur und wir wollten ihn einfahren in diesem Jahr um ihn für die kommende Turnier und Körungssaison vorzubereiten. Besonders legten wir auch Wert auf das weitere Training unserer Stuten, besonders der Connemaras damit wir bald mit ihnen auf geeigneten Krönungen starten konnten. Im Grunde jedoch legten wir nicht den kompletten Tag darauf aus, die Stuten und Hengste sollten einfach ihr Leben bei uns genießen können. Maeve und Lia waren jetzt in der Unterrichtsfreien Zeit oft auf dem Hof – kümmerten sich um ihre Lieblingsstute Soul Dance, gingen zusammen mit Draki und Moon spazieren und ritten fast jeden Tag. Noch mussten sie eine Menge lernen, das taten sie fleißig auf Kürbis und Eisblume, die als Lehrpferde wunderbar waren und lernten auch mit Soul Dance die Arbeit mit der Kutsche näher kennen. „Na wenn das so weiter geht, werden die beiden bald die Nachfolge hier antreten“ witzelte Cayden. Ich erwiderte darauf nichts weiter und biss in mein Toast belegt mit Käse, welches ich mir von drinnen mit gebracht hatte. Die Temperaturen waren noch immer kalt, aber man hielt es ganz gut draußen aus. Gamhain und Corvus erfreuten sich derweil an den Futterresten die Soul Dance rechts und links neben dem Futtereimer verteilte. „Mensch, fressen nicht ständig daneben schütten“ tadelte ich sie leicht und scheuchte die Köters beseite….ulkige Angewohnheit, die sie sich da angeeignet hatte. Ich strich ihr über die Rückenparte, flauschte durch das dicke Fell und erfreute mich einfach an der kleinen Stute. Es war Zufall gewesen, das ich ihre Verkaufsanzeige gesehen hatte und sofort ihre Besitzerin angeschrieben gehabt – ich und Amy waren es damals gewesen, die Soul eingeritten hatten. Das sich unsere Wege noch einmal kreuzen würden nachdem sie mit Pepe nach Kanada gegangen war, hielt ich zunächst gar nicht für möglich und nun befand sie sich in meinem Besitz. Sie war noch jung, hatte jedoch schon eine ganze Menge an gutem Training genossen. Es stand zur Debatte, sie vielleicht eine kleine Weile zu Vina ins Training zu geben zum Zirkuspony, doch so schnell wollte ich sie nun auch nicht wieder fort schicken – eine Reise nach Prag würde ziemlich lang für sie werden. Im Grunde konnte ich ihr einige Dinge auch selbst beibringen, oder Maeve und Lia würden dies sicher auch gern ausprobieren. Wundersam wie ich diese beiden Mädchen schon zum Inventar den Hofes zählte….
      Nach einer weiteren Woche sahen wir uns einer vollkommen erneuerten Stallgasse gegenüber in der weder wir noch die Pferde stolpern konnten. Kathi und ich „hüpften“ vor Freude durch die Gasse, grinsten uns beide Gegenseitig vollkommen dümmlich an und waren einfach nur froh. „So ist´s wirklich viel besser als der alte Zustand!“ sagte Hansi, der dick eingepackt, die Taschen mit etlichen Taschentüchern bestückt, noch immer heiser neben uns stand. Unmerklich hielt ich Abstand von ihm, da ich keinerlei Interesse daran hatte ebenfalls krank zu werden.

      Willkommen Auszubildener!
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      Unbekannt | (c) Ravi, Vampyrin, BluePearls
      20020 Zeichen | - Sarah

      "Fertig!" seufzt Cayden, lehnt sich in dem Stuhl weiter zurück, beginnt das Haarband um seine Haare herum zu lösen. In sanften Wellen fallen sie ihm den Rücken herunter. Auf nackten Füßen lief ich zu ihm hinüber über den Parkettboden, vor einem Jahr war dieser Dachboden noch nicht ausgebaut worden. Zwar waren es damals schon Dielen gewesen, doch musste man aufpassen das man sich ohne Schuhe keine Splitter in den Fuß jagte. Der Boden war das erste gewesen, dass renoviert worden war. Ansonsten hatte dieses Zimmer seinen Look behalten - graue Steine des Hauses zwischen den Steinen gab es einige Halterungen für Kerzen. Der große, aber vorallem alte Schreibtisch der darin stand diente Cayden als Arbeitsplatz. Auf ihm gab es etliche Kratzer seiner Vorbesitzer, auch an dieser Wand gab es Kerzen, die den Raum in heimeliges Licht tauchte. Zwar stand direkt neben ihm eine altersschwache Lampe, die jedoch selten brannte. Sacht ließ ich mich auf Caydens Schoß nieder, bis eben hatte ich auf der Chaiselounge gelegen mit einem Buch. Das geräumige Büro war an den Wänden nicht nur bedeckt mit einigen Kerzenleuchtern, sondern mit einer ansehnlichen Buchsammlung, die Dank mir auch immer größer wurde. "Was hast du da eigentlich gemacht? " fragte ich ihn leise flüsternd. "Ach ich hab Kathi die Abrechnung für das Futter und die Rechnung wegen der Stallgasse abgenommen. Außerdem alles geklärt damit Marens Caiphi hier unbeschadet auf dem Hof ankommt, sie kommt in zwei Tagen hier an." Ich nickte, ich hatte zugesagt die Stute von Maren einzureiten... erst vor ein paar Tagen war die da gewesen um sich wieder einmal Bucks zu widmen. Periodische Augenentzündung hatte die Diagnose gelautet... ihm die Arznei einzuflößen war nicht einfach gewesen. Ein leises Winseln ließ uns beide auf den Boden zu schauen, zu unseren Füßen hockte Corvus, wollte offenbar bei der Runde mitmachen. Mit seinen Rehbraunen Augen schaute er zu uns hinauf, im Sommer hatten wir eine Hundeklappe eingebaut, sodass sich nun beide Hunde entscheiden konnten ob sie im Stall oder Haus schlafen wollten. Gamhain jedoch schaffte es mit ihrer HD nicht mehr die Treppen hinauf, während Corvus also hier oben war hörte man Gamhain unten jammern. "Holst du sie hoch?" fragte ich an Cayden gewandt. Der Tag war angenehm gewesen, noch immer hing der Nebel in der Luft, es war kalt aber für wenige Stunden hatte die Sonne unsere Leiber beschienen. Argo befand sich bei Hansi im Training, meine Hilfskraft hatte mehr Erfahrung mit Westernlektionen. Aufgrund ihres bisherigen Daseins als Filmpferd war sie sowohl Western als auch Englisch "geritten", sie konnte auf Kommando halten und in jede Gangart wechseln, Dinge wie Versammlung, Haltung und Anlehnung waren ihr fremd. Da Argo eher an den Westernsattel gewöhnt gewesen war, hatten wir beschlossen sie ebenso wie Stormbringer Western auszubilden. Nun arbeitete Hansi fast jeden Tag mit der Palominostute, langsam gewann sie immer mehr an Muskeln dazu. Außerdem hatten wir in der letzten Woche zwei Neulinge dazu bekommen - Black Lemontree und Corry. Black hatte sich bei meinen Eltern schon einmal in meinem Besitz befunden...war der Vater von Blettur und somit Großvater von Uprising. Damit hatte ich nun drei Generationen an Islandhengsten bei uns, irgendwie freute ich mich daran. Corry war ebenso wie Soul Dance ein Exmoorpony, begabt vor der Kutsche und für sein Alter recht gelassen. Maeve kümmerte sich liebevoll um den jungen Hengst, im Round Pen hatte sie bereits auf seinem Rücken gesessen. Erst hatte ich die Überlegung gehabt ihn Kastrieren zu lassen, das Thema jedoch erstmal beiseite gepackt. Vor der Kutsche mit Soul wollte ich ihn dennoch mal probieren laufen zu lassen. Gemeinsam mit Cayden hatte ich begonnen die Lerneifrige Yoomee vor die Kutsche zu bringen - mit Willow im Gespann orientierte sie sich wunderbar an der erfahrenen Rappstute. Thowra hatte heute einen freien Tag gehabt, ebenso wie Kürbis. Letztere befand sich langsam im Aufbau Training nach ihrem Fohlen...für dieses Jahr hatten wir kein weiteres Fohlen mit ihr geplant. Ganz anders Greentea, die bereits tragend von Finlay war. Mit Yael hatten wir leider einen kleinen Rückschlag was das Gewicht anging, beim Holen seiner Sachen hatte sich der verfressene Hengst losgerissen und wahrhaftig den Weg in die Futterkammer gefunden. Erst bei meiner Rückkehr hatte ich sein Fehlen bemerkt und eine halbe Stunde mit suchen verbracht - ich hatte vermutet er sei zur Hengstkoppel gelaufen. Kathi hatte den Hengst schließlich in der Kammer entdeckt, seit dem Vorfall befand er sich in Boxenhaltung neben Bucks, seine Fütterung wurde kontrolliert und täglich ging es für ihn in die Führanlage, falls niemand die Zeit fand ihn zu longieren bis der Sattelgurt wieder ordentlich passen würde. Finlay dagegen hatte langsam eine schlankere Linie bekommen, was alle versammelten freute. Auch Gwyns Lahmen hatte sich verbessert, sodass Hansi auch ihn endlich wieder reiten konnte. Damit gingen Aiden, Hansi und auch Cayden fast jeden Abend noch in die Halle um ein wenig über die Hindernisse zu jagen, da die Geländestrecke noch etwas gefroren war. Cayden erhob sich aus dem Sessel, ich hörte wie er die knarzende Treppe hinunter lief und ein wenig schnaufend mit Gamhain auf dem Arm wieder hinauf kam. Corvus trappelte Rute wedelnd aus dem Raum und kam hinter der Bearded Collie Hündin hüpfend wieder hinein. Die beiden waren wirklich ein niedliches Pärchen geworden. "Ich staune das die beiden im Haus sind." sagte Cayden, da sie sonst lieber im Stall schliefen. Ich zuckte mit den Schultern "Wer weiß, vielleicht zu kalt draußen?" Cayden wuschelte Gamhain durch das Rückenfell, kam dann wieder zu mir an den Sessel. "Wollen wir ins Bett?" dabei sah ich wie er ein Gähnen nicht unterdrücken konnte. Sehnsüchtig starrte ich noch auf mein zugeschlagenes Buch hinüber, nickte dann jedoch, folgte ihm den Flur hinunter zu unserem Zimmer. Auch dieses Zimmer war eher rustikal als modern, doch genau dieser Stil gefiel mir besonders, zwar fehlten hier die Decken hohen Bücherregale unseres Büro´s , aber ein offener Kamin und das Bett in seiner Nähe sorgten für eine ähnliche bequeme Atmosphäre. Da ich vor knapp zwei Stunden Holz hinauf gebracht hatte, konnten wir nun ein Feuer in dem Kamin entfachen und ich schlüpfte unter die dicke Federdecke. „Morgen kommt der neue Azubi, ich bin wirklich gespannt auf ihn… auch wenn ich lieber auf eine weibliche Verstärkung gehofft hatte. Die anderen Bewerber haben aber einfach nicht so eine gute Figur gemacht wie Killian.“ Bemerkte ich zu Cayden, der sich gerade seiner Hose entledigte und anschließend zu mir unter die Decke kroch. Als seine kalten Füße meine berührten zog ich die meinen ein wenig weg, kuschelte den Rücken jedoch näher an seinen Oberkörper. „Wir werden es sehen, wann wollte er noch mal kommen?“ fragte er flüsternd irgendwo in meinen Haaren. „Puuh… irgendwie gegen Mittag, aber sicher bin ich nicht genau. Wir werden es beim Frühstück erfahren, denke ich.“ Setzte ich dazu, denn manchmal schlief Kathi doch etwas länger als Cayden und ich, die einfach Frühaufsteher waren – gegen 7 Uhr war unsere Nacht einfach vorbei. „Denke ich auch, aber er schien wirklich recht anständig und beim Probearbeiten hat er sich ja sowohl mit den Hengsten als auch den Stuten gut angestellt.“ Bemerkte Cayden, während ich bereits langsam dem Schlaf entgegen sank.

      Noch im Halbschlaf öffnete ich ein Auge und blickte auf meinen Wecker. „Verdammt!“, rief ich und war sofort hellwach. Es war fast halb 10, ich hatte mal wieder verpennt und um 11 sollte der neue Azubi hier aufkreuzen, was ich natürlich mal wieder vergessen hatte weiterzuleiten.
      In Rekordzeit war ich aufgestanden, geduscht und angezogen und hätte mich fast an meinem Toast verschluckt, während ich in den Stall hetzte. Keuchend stand ich in der Stallgasse und blickte mich um. Keiner da. „Hallooo?“, rief ich zaghaft ins Blaue hinein. Keine Antwort. „Na super, wo sind denn wieder alle?!“ murmelte ich und eilte in Richtung der Offenställe.
      „Wow, endlich mal etwas Leben hier“, rief ich Aiden zu der gerade mit der Schubkarre in einer Schlammpfütze steckengeblieben war. Nachdem wir sie mit vereinten Kräften hinaus gehievt hatten, verriet er mir, dass wohl zumindest Hansi und Sarah sich in der Reithalle aufhalten sollten.
      Ich bedankte mich für den Tipp und bald darauf hatte ich sie endlich gefunden.
      „Morgen!“, rief ich und die beiden wandten sich mir zu. Keiner schien sonderlich begeistert, dass ich mal wieder so spät dran war. „Hey, jetzt rück endlich mit der Sprache raus, wann genau soll Killian jetzt hier aufkreuzen?“
      „Um 11.“
      „Verdammt, so früh schon? Dann sollte ich mich wohl beeilen.“
      Jetzt wirkte sie noch weniger begeistert.
      „Wo ist Cayden, der muss doch bestimmt auch Bescheid wissen?“
      „Der ist grad erst weg, wollte ein wenig ins Gelände mit Darym. Aber wir brauchen den armen Kerl ja nicht gleich mit alle Mann belagern, dann kommt er halt später nach..“
      Damit war ich wohl knapp einer Kugel entgangen, ich wollte nicht noch mehr Ärger stiften und wandte mich an Hansi.
      „Ich wollte jetzt noch schnell sein Zimmer herrichten, wie sieht’s aus, kann ich mich in eure Wohnung trauen?“
      „Ach, über das bisschen Unordnung kannst du wohl hinwegsehen oder?“, grinste er zurück. Ich verdrehte die Augen und stieg die Treppe zur Wohnung hoch, die direkt über der Reithalle lag.
      Da Kathi noch einen Anruf bekommen hatte musste ich nun den Sitter spielen für unseren Jungspund auf dem Hof, Aiden hätte lieber ein Mädchen in unserer lustigen WG gehabt...aber man konnte ja nicht alles haben,was?
      Die Straße hinauf, Richtung Fähre in Craighnure führte mich die holprige Straße – nun parkte ich auf dem Platz, nahm das alberne Schild von Kathi entgegen auf dem in Gaelic und Englisch die Begrüßung von „Killian McKenzi“ stand. Also ging es nun zum Anleger, in der Ferne konnte ich bereits die Fähre kommen sehen, na immerhin war ich dieses Mal pünktlich. Eine kleine Flut von Menschen ergoss sich über den Anlegeplatz, ich präsentierte das Schild und wartete also bis ich ihn wieder erkannte oder er das Schild sehen konnte. Ob ich mich lächerlich fühlte? Und ob! Wie ich da also so mit dem Schild stand sah ich den leicht schlaksigen Jungen auf mich zukommen – er sah aus wie jemand der noch nie richtig hatte arbeiten müssen in seinem Leben. Mit Pferden konnte er umgehen, dass stand außer Frage – aber die Mistgabel konnte er noch nicht sonderlich schwingen. Auf Caed Crevan jedoch musste jeder seinen Teil beitragen, also würde aus dem schlaksigen vielleicht doch noch ein wirklicher Mann werden. Wobei nicht gesagt werden konnte, das er nicht ein hübsches Gesicht aufzuweisen hatte...irgendwie erinnerte er mich an jemanden. Genau das war mir bereits beim Vorstellungsgespräch und dem späteren Probearbeiten aufgefallen. Als wir an der Bushaltestelle vorbei zum Wagen liefen, sah ich das schwarzehaarige Mädchen von Siobhan dort stehen. Mit dem Handy in der Hand stand sie da, schaute auf die Anzeige der Buszeiten und verzog das Gesicht. „Die Kleine ist mir schon auf der Fähre aufgefallen, heißes Teil oder?“ meinte Killian zu mir, hatte mir in die Magengegend gestupst dabei. Mit hochgezogener Augenbraue sah ich ihn an „Heißes Teil, eh?“ meinte ich, schüttelte den Kopf...grün hinter den Ohren..Ich stiefelte zu ihr hinüber „Lost the bus?“ fragte ich sie, da ich nicht wusste wie viel Deutsch sie sprach. Mein Englisch war...nunja bescheiden, aber zumindest konnte ich es überhaupt!
      Na toll. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde kommen. Und natürlich keinen Empfang. Das passt ja mal wieder gut zusammen. Ich könnte die Strecke laufen oder ich warte einfach. Zum Warten war es mir aber zu kalt. Ein Mann kam auf mich zu. Ich kannte ihm vom sehen her. Er gehörte zum Caed Crevan. „Yes. Can we speak german?“ Er nickte und so fragte ich: „Du fährst doch zurück zum Hof. Könntest du mich mitnehmen?“ Hätte ich nicht gewusst, dass er einer von Sarahs Angestellten war, hätte ich so etwas nicht gefragt. Für mich wäre es super, da ich so nicht warten musste. Meine Shoppingtour hatte ich beendet und es waren auch nur zwei Tüten. Ich brauchte mehr Reitklamotten.
      Durch das tägliche reiten brauchte ich öfters neue Handschuhe und auch mehr als zwei Reithosen. Vor allem, wenn es an die Turniersaison ging.
      „Natürlich, dann lernst du gleich unseren neuen Auszubildenden kennen – das ist Killian, soeben auch mit der Fähre hier angekommen“ stellte ich dem jungen Mädchen, den jungen Mann rechts von mir vor. Zusammen ging es dann also zum Auto, da auf dem Beifahrersitz der eigenwillige Russelrüde Corvus seinen Platz eingenommen hatte – verfrachtete ich die beiden Grünschnäbel auf die hinteren Sitze und machte mich auf die Heimreise – erst Richtung Classical Harmony und dann zu unserem Hof zurück. „Auf geht´s“
      „Wie lange bist du schon Auszubildende?...Ist die Schule eigentlich direkt hier auf der Insel oder wie läuft das hier?“ Hatte ich eine Planung? Nicht wirklich, Hauptsache ich musste nicht mehr bei meiner Mutter in der Wohnung in Edinburgh verbringen, langsam wurde es mir da zu eng. Meine Schule hatte ich fast 6 Jahre in Deutschland, bei meinen Großeltern absolviert, da meine Mutter gemeint hatte ich sollte so viele Sprachen lernen wie möglich. Zugegeben eine Sprachbegabung hatte ich wirklich, aber lies das jetzt nicht gern raus hängen. Aus blauen Augen sah sie mich, vollkommen frei von Unsicherheit von der Seite her an.
      „Ich bin Mittem im zweiten Lehrjahr, aber ich bin erst seit Ende Oktober hier. Mein alter Hof musste Insolvenz anmelden und da die Leiterin gut mit meiner jetzigen Chefin befreundet ist, hat sie sich darum gekümmert, dass ich hier meine Ausbildung beenden kann. Wenn du zur Grundschule möchtest, dann bist du hier richtig. Wir haben hier keine Schule. Es gibt Unterricht per Internet und ab und an müssen wir aufs Festland um Prüfungen abzulegen“, antwortete ich ihm. Er wusste aber schon, wie das mit der Ausbildung laufen sollte, oder? Er wirkte auf mich etwas verplant. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass das gerade alles neu für ihn war. Ich glaube, ich war nicht viel besser als ich das erste mal gesehen habe wo ich arbeiten werde.
      Ich beugte mich ein wenig zu ihr herüber, der Typ vorn am Steuer sollte ja nicht gleich mitbekommen, dass ich oft ziemlich verpeilt und dazu noch faul war um irgendwas zu lesen „Ich hab die Unterlagen irgendwie im Zug liegen gelassen“ ich zuckte unbekümmert die Schultern. Irgendwie hatte ich mich immer durchgeschlagen, selbst durch die Schule – dabei war ich nicht mal ein schlechter Schüler, nur fehlte es mir bei vielem an Durchhaltevermögen. Ging es jedoch um die Pferde, da war ich sofort Feuer und Flamme, weshalb es mich freute die Ausbildung auf einem Hof wie Caed Crevan zu beginnen!
      Etwas besorgt schaute ich im Rückspiegel den beiden Grünschnäbeln zu, die sich wegen der vielen Sachen auf dem Rücksitz, eng aneinander quetschen mussten. Dieser Killian würde sich doch nicht etwa als einer dieser Womanizer herausstellen? Doch schätzte ich das junge Mädchen als Bodenständige Natur ein, zumindest machte sie diesen Eindruck auf mich. Ich zuckte leicht mit den Schultern, konzentrierte mich weiter auf die Straße – in knapp 5 Minuten würde ich das Mädchen eh auf ihrem Hof absetzten….verdammt das ich mir nie ihren Namen merken konnte.
      „Oh. Das ist ja blöd“, antwortete ich ihm. Kann ja mal passieren. Ich war anfangs auch etwas durch den Wind, als ich hier angekommen war. Es war alles so neu und schön gewesen. Auch die Begrüßung von Ty und Cayden war herzlich ausgefallen und man hat sich sofort wie Zuhause gefühlt. Anfangs hatte ich etwas Zweifel, dass es mit der Sprache schwer wird, aber das war unbegründet. Wir waren schon kurz vor Lochdon, sodass ich gleich auf dem Hof sein würde. Das wäre gut. Erstmal die neuen Sachen waschen und dann schnell einweihen. „Ich denke mal, dass sie dir bestimmt nochmal alles erklären werden, wie es ablaufen wird.“
      Gerade als ich ihr antworten wollte, hielt der Wagen an einem anderen Hof – dem Hof auf dem sich wohl wohnte - „Das denke ich auch“ bleibe versonnen sitzen, ehe ich merke...sie kann gar nicht aussteigen, wenn du es nicht tust. Mit der Hand fummelte ich an der Türklinke, gehe hinaus um ihr den nötigen Platz zu geben. „Wir werden einander sehen?“ stellte ich ihr offen eine Frage. Zumindest hätte ich dann jemanden, den ich auf dieser Insel kennen würde – in meinem Alter.
      „Wer weiß. Ich bin eigentlich immer hier auf Classical Harmony. Sarah besucht uns öfters. Du weißt ja, wo du mich finden kannst, wenn man sich nicht so mal sehen sollte“, antwortete ich ihm und nahm meine Einkaufstüten auf dem Kofferraum. Ob wir uns wiedersehen würden? Bestimmt irgendwann mal. Die beiden Höfe feierten öfters mal zusammen. Von daher würden wir uns schon über den Weg laufen. „Danke Hansi fürs mitnehmen.Das war echt nett von dir. Tschüss“, sagte ich zu dem Mann und schlenderte den Weg hoch zum Hof.
      Auf dem Weg zurück schien der junge Kerl recht dünn angebunden, doch mein Blick auf die Uhr verriet mir – ich musste mich langsam beeilen! Wir würden in weniger als einer halben Stunde besprechen wollen wer zum Distanzrennen kommen würde.

      Zusammen mit Cayden, Hansi(der etwas zu spät kam) und auch Julie,Kathi und natürlich Siobhan hockte ich mit der Liste der Anmeldungen am großen Küchentisch - wir hatten uns noch nicht 100% entschieden wen wir hatten nehmen wollen. Auch der neue Auszubildende hockte gleich mit bei dieser Veranstaltung. In den letzten zwei Stunden waren wir alle gründlich durchgegangen, hatten verglichen und schließlich schon zwei Entscheidungen getroffen. Auf unserer Liste standen bereits Django und Maren "Der Kleine ist zwar nicht sonderlich ängstlich, aber um ihn an die andere Umgebung hier zu gewöhnen, könnten wir ihn und Siobhans Falabellastute zusammen vor den Trainingssulky spannen - zumindest für´s erste." schlug ich dabei vor und bekam keinerlei Einwände. Da erhob Siobhan die Stimme "Ich dachte es sei eine gute Idee, Meg das Training mit Was immer du tust absolvieren zu lassen und später am Rennen teilzunehmen?" "Wunderbar! Dann kann unser Grünschnabel vielleicht gleich bei ihr mitmachen - als Zusammenarbeit?" warf Kathi fragend in die Runde. Siobhan überlegte kurz, nickte dann aber "Fänd ich gut" - auch Killian legte kein Veto ein.
      "Zurück zur Liste" ermahnte ich dann aber wieder - sonst wäre der Abend vorrüber und noch immer keine Entscheidung getroffen.
      Wir einigten uns auf Alicia und Nienke - sie würde einen eigenen Wagen mitbringen, was die Sache für uns erleichterte.
      Bei den Reitern und ihren Pferden knobelten wir eine Weile, dabei stand dort auch schon jemand fest "Vina kommt definitiv - sie war lange nicht hier und als Trainerin braucht sie nur eine Art der Anweisung, denn sie weiß auch wie man Ausdauer mit dem Pferd üben kann. So können wir uns auf die oder den letzten im Bunde sehr gut konzentrieren. Wobei eh jeder von uns einen der Teilnehmer betreut." warf ich bittend in die Runde. "Sieht aber ganz schön nach Freundschaftsbonus aus" murmelte Hansi leicht spöttisch(offensichtlich lauter als gedacht) zu Cayden. Trotzdem wurde der Vorschlag nicht abgelehnt und Vina und Wolfi landeten auf der Liste. "Dann darf ich jetzt aber auch entscheiden,ja?" kam Kathi in die Runde zurück, mit einer Tasse Kaffee, die dampfte und einen angenehmen Geruch verbreitete. In der anderen Hand trug sie eine weitere Tasse des schwarzen Gesöffs, die Hansi froh entgegen nahm. "Battle Scars - kommt zwar jetzt doof, wenn noch ein Tinker dabei ist, aber da entscheid ich jetzt in Symphatie für den Namen!" meinte sie leicht lachend, wobei Hansi und auch Julie sofort Partie ergriff. Ich schlug die Hände in die Luft "Ganz ehrlich reizen mich alle...aber so viel kann ich uns nicht zumuten und ehe wir jetzt per Los entscheiden, gut dann eben nach dem Namen. Wer nen anderen Einwand?" allgemeines Kopfschütteln - also wurden Joyce und Battle Scars ergänzt in der Liste.
      "Damit haben wir´s - wer bleibt zum Essen?"

      Korrektureiten (Tölt)
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      Dezember 2014 | (c) Mohikanerin
      3087 Zeichen | - Vina

      Mitte November hat Sarah mich darum gebeten, dass ich zu ihr kommen soll um ihre Thowra Korrektur zureiten. Da ich die Einzige bin, die das, ihrer Meinung nach, kann. Für Anfang Dezember hatte ich mein Ticket.
      Der erste Morgen auf diesem großen Hof war entspannt, ein ruhiges Frühstück und kein Stress. Ich konnte danach Duschen gehen und auch langsam mich anziehen. Gegen 14 Uhr war ich dann bereit mit Thowra zu arbeiten. Mit ihrem Halfter bewaffnet gehe ich auf die Stutenweide und lasse mein Blick schweifen. Eine riesige Weide und überall nur kleine Gestalten am Horizont. Mein erster Einfall ist einfach mal rufen. Plötzlich gehen alle Köpfe nach oben und ich höre Pferdegetrabel. Da kommt mir der Gedanke, lieber hinterm Zaun geblieben zu sein. Doch jetzt lohnt sich das auch nicht mehr. Viele verschiedene Pferde und Ponys stehen vor mir und ich suche nach Thowra, als sie von hinten durch kommt. Ich lege ihr das Halfter über und zusammen gehen wir zum Stall. Gefühlt, ist das Wetter auf der Insel besser als bei uns auf dem Hügel. Ich binde die Stute an und putze in Ruhe. Der ganze Dreck aus dem Winterfell fällt auf den Boden und ich hole dann den Sattel mit Pad. Doch ich finde kein Pad, nur Schabbracken. Augenrollend sattle ich die Stute und befästige auch die Trense an ihr.
      Auf dem Weg zur Ovalbahn fange ich schon mit einfachen Bodenarbeitsübungen an wie Biegen und Stehen. Aktiv kaut Thowra im Maul und schielt mich immer wieder an. Scheinbar ist das eine ihrer Schwachstellen. Auf der Bahn darf sie erst mal am langen Zügel laufen. In einem ruhigen Tempo Schritt gehen wir vorwärts. Es fühlt sich gut an ein freundliches Pferd unterm Po zu haben. Nach einer Runde fange ich auf der anderen Hand an mit einfachen Biegungsübungen. Rechts ist ihre Schwäche. Als Thowra dann etwas weicher war, fange ich sofort mit Tölt an. Sarah war zwar so weit, dass sie einigermaßen gut vorwärts geht, aber sie rollt noch immer, wenn es schneller gehen soll. Im langsamen Tempo ist Tölt aber auch nur mit innen Stellung möglich. Also geht es jetzt darum grade aus zu Tölten. Doch es fällt ihr schwerer. Mit dem Gewicht bringe ich die Rolle auf der innen Seite weg. Immer wieder mache ich kleine Strecken, dass die Kleine nicht so überfordert ist. Auch Handwechsel sind dazwischen und Pausen. Am Ende darf Thowra noch abgaloppieren. Ich reite zum Stall langsam zurück. Die Stute ist müde. Stütchen wird abgesattelt und bekommt noch einen Apfel. Ich lege ihr eine Abschwitzdecke rauf und lasse sie noch stehen. In der Zeit räume ich das Zeug weg und bringe sie weg. Vorher packe ich noch die Decke wieder weg.
      Die nächsten zwei Tage verlaufen ähnlich. Doch vor meiner Abfahrt setzte ich mich noch einmal rauf. Heute rollt sie schon kaum noch ist schon viel besser drauf. Besonderes das Schlangelinien reiten fällt ihr leicht und hilft beim grade laufen ohne Rollen. Immer wieder bleibe ich stehen und schiebe ihr ein Leckerlie zu. So schleime ich mich immer bei Pferden ein. Auch die Tölt Galoppübergänge passieren mit nur einer Rolle, die Normal ist. Grundsätzlich haben es geschafft.

      Ergebnis: Die Stute braucht zwar etwas länger beim Warm werden und braucht viel Biegungsarbeit, besonderes rechts, aber dann geht es. Schlangenlinien sind eine gute Übung. Wenn du selber noch etwas übst kriegt sie noch bessere Töltphasen, insbesondere im starkem Tempo.

      Rechte Hände
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      30.Mai 2015 | (c) BellaS
      16102 Zeichen | - Bella, Jonas, Linn, Tabea, Sarah, Finlay

      Ich ließ mich auf die Bank vor unserem Haus fallen und beschloss mich von jetzt an bis Morgen meinen Zentimeter mehr von der Stelle zu rühren. Immer öfter war ich nach der getanen Arbeit des Tages zu Müde und gestresst für Entspannungen wie Lesen oder einem Ausritt, geschweige denn, dass ich genug Zeit dafür habt hätte.

      Seit Linn auf Colles Virides eingezogen war hatte sie zwar einen kleinen Teil meiner Aufgaben übernommen und auch Tabea war nicht untätig, doch 12 Pferde waren einfach zu viel für drei Personen.

      Ich hatte mich bisher nicht mit der unbequemen Frage beschäftigen wollen, doch nun wurde ich von allen Seiten dazu gedrängt mich nach mindestens einem weiteren Helfer für den Hof umzusehen.

      Während ich so meinen Gedanken nachhing, ließ Jonas sich neben mich auf die Bank fallen. Obwohl Jonas nicht viel mit Pferden am Hut hatte, half er doch wo er konnte, gerade in Situationen wie der Jetzigen.

      „Bella, so kannst du doch nicht weitermachen.“, sagte er und strich mir eine Lockige Haarsträhne aus dem Gesicht, „Du machst dich damit selber kaputt. Du überarbeitest dich.“

      „Nein, ich will keinen Neuen einstellen, die machen doch noch viel mehr Arbeit und Linn hilft mir doch.“

      „Mensch, sei doch nicht so stur. Du weißt doch selber was Sache ist, handle gefälligst. Ich weiß, dass du darüber Nachdenkst.“

      Im meinem Kopf befand sich, nach aktuellsten Meldungen nur noch Chaos. Einerseits wollte, und brachte ich Hilfe, andererseits wollte ich die Zügel selber in der Hand behalten und nur Leute haben von denen ich wusste, dass sie mich ebenso schätzten wie ich sie.

      „Du kochen ja irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe hoch.“, ärgerte ich mich über mich selbst und blieb grübelnd auf der Bank sitzen.

      Langsam erhob ich mich von der Bank. Meine Freundin machte mir in den letzten Wochen wirklich Sorgen. Bella gehörte leider zu dem Typ Mensch, der allen Neuerungen äußerst skeptisch gegenüber steht. Diese Neigung konnte ihr jetzt zum Verhängnis werden, und ich hatte nicht die Absicht dies zu zu lassen.

      Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung von Pferde, Zuchten und der Führung eines Hofes hatte, doch Ahnung vom Zustand der Überarbeitung, ja des Burnouts hatte ich.

      „Hör auf so schwarz zu malen.“, ermahnte ich mich selbst, „Annabell ist ebenso erwachsen wie du und muss wissen was ihr gut tut.“

      „Aber auch Erwachsene sind zuweilen unvernünftig.“, raunte eine Stimme in meinem Kopf und das schlimmste war, ich wusste, dass sie Recht hatte.



      „Ein Schlachtplan muss her.“, witzelte ich. Jonas saß mir gegenüber am Küchentisch, neben mir Linn. Bella war schlafen gegangen, ich hatte jedoch den Verdacht, dass sie heimlich an der Tür stand um zu lauschen.

      Der Freund meiner Schwester hatte uns soeben seine Sorgen gebeichtet und wir waren völlig seiner Meinung.

      „Stallarbeiter brauchen wir. Soviel ist sicher.“, stimmte auch Linn bei und sprach damit aus was uns allen auf dem Herzen brannte.

      „Aber über Bellas Kopf hinweg?“, wand Jonas ein.

      „Sie hat selber Pech wenn sie nicht merkt wann das Maß voll ist.“, stellte ich klar. „Nur wie kommen wir an brauchbare Leute?“

      „Internetanzeige?“, ließ sich nun wieder Linn vernehmen.

      „Nein, da gucken Hinz und Kunz rein. Strolche sollten wir Bella nicht zumuten.“

      „Anzeige in der hiesigen Zeitung?“

      „Besser, vielleicht können wir bei Ravi fragen?"

      „Das ist eine gute Idee. Ich hab gar keine Ahnung wo ihre ganzen Stallhelfer herkommen.“, nahm auch ich wieder am Gespräch teil. „Ich reite Morgen hin. Oder besser anrufen?“

      „Das ganze ist doch eilig oder? Ruf an!“, meinte Linn.

      Gesagt getan. Alle verschwanden auf ihre Zimmer und ich griff zum Handy um die Nummer unserer Freundin zu wählen.



      Ich wollte gerade noch einen Spazierritt mit Ghost machen als mein Handy einen Anruf erhielt - Tabea - stand dort auf dem Bildschirm

      "Hey, was gibt´s?

      "Wir haben da mal eine generelle Frage - wie seit ihr zu euren Pflegern gekommen?"

      Kurz stockte ich, wieso sollte sie das denn jetzt so dringend interessieren? "Naja...Aidens Familie wohnt in Craighnure und schon der Vater hat hier gearbeitet, als der Hof noch der Oma von Kathi und Cayden gehörte, die drei sind sozusagen zusammen aufgewachsen. Hansi...Naja den hat Kathi wohl von einem Festival auf gegabelt...allerdings war das vor der Zeit als ich hier gewohnt hab. Ansonsten könntet ihr in den hiesigen Zeitungen schauen oder im Internet...Cayden kam damals durch ein Auslandspraktikum nach Österreich zu Amy auf den Hof.



      Ich bedanke mich herzlich für diese Auskunft und verließ mein Zimmer. Ich klopfte an Linns Wohnungstür und fand auch Jonas bei ihr. Die beiden hatten wohl meinen Anruf abwarten wollen und saßen mit besorgten Gesichtern auf Linns Sofa.

      „Also Ravi sagt ihre Stallarbeiter haben da schon in der Nähe gewohnt. Wir sollten in die Zeitung schauen oder selber eine Anzeige aufgeben.“



      Ich hatte meinen Laptop schon auf dem Schoß, kaum das Tabea ausgesprochen hatte.

      „Also eine Anzeige im Internet und eine in der Zeitung? Soweit ich weiß geht das auch über die Webseite... oder erst mal gucken?“

      „Wollen wir das wirklich ohne Bella machen?“, fragte Jonas zweifelnd.

      „Hey, wir tun das nur zu ihrem besten!“, meinte Tabea. „Jetzt nicht kneifen hier.“

      „Streitet nicht! Ich suche schon mal!“

      Ich traktierte die Tasten meines Laptops ungefähr eine Stunde lang ehe ich etwas vielversprechendes fand. Die beiden anderen hatten nicht zu Bett gehen wollen, jetzt saßen sie mit Bier auf dem Sofa und warteten gespannt.

      „Hey, hier ist etwas.“, riss ich die beiden aus ihrem Schweigen. Kaum hatte ich die Worte gesprochen, waren Jonas und Tabea neben mir und lasen die Internetanzeige.

      'Zwei fleißige Stallarbeiter suchen eine neue Arbeitsstelle. Finley McLean und Arran McTavish aus Morvern suchen eine Arbeit mit Wohngelegenheit in der Nähe...'

      „Das klingt perfekt. Aber was war nochmal 'payment'?“, fragte Tabea resigniert. Das englisch fiel ihr manchmal noch etwas schwer, dementsprechend war sie froh, dass wir auf dem Hof zumeist Deutsch sprachen.

      „'Bezahlung'.“, kläre Jonas sie schnell auf und studierte die Anzeige weiter. „Könnte das etwas für uns sein?“



      „Jetzt reicht es aber.“, ich öffnete die Tür und trat ein. „Ihr wollt mir jetzt ehrlich zwei Stallarbeiter aufdrücken?“

      Ich hatte Wut im Bau. Durfte ich denn nicht mehr mit entscheiden? Auf meinem Hof?

      „Ich wusste, dass du lauschst.“, sagte Tabi ruhig. „Und du weißt ganz genau, dass das notwendig ist und keinerlei Problem darstellt. Also beruhige dich gefälligst und lies dir das hier durch.“

      Wutschnaubend trat ich zum Laptop und setzte zu einer wenig netten Rede an, als mein Blick auf das Gesicht meines Freundes fiel. Erst jetzt fiel mir die ehrliche Besorgnis daran auf und die ließ den Zorn verschwinden.

      Wie ein Häuflein Elend sank ich aufs Sofa und fühlte gleich darauf Jonas Arm um meine Schultern.

      „Nein, ich weiß ja das ihr Recht habt.“, gab ich zu. „Ich will nur nicht.... will nur nicht...“

      „Jemanden der dich nicht respektiert.“, beendete Tabea den Satz. „Jetzt komm mal runter. Du BIST eine Respektsperson, und sei es nur wegen deines abnormen Streberschädels gefüllt mit Pferdewissen.“

      Sie hatte den Bann gebrochen und ich begann zu lachen. All die Anspannung und der Stress der letzten Wochen brach aus mir heraus und ich konnte meine Gefühle nicht länger unter Kontrolle halten, ja ich versuchte es auch nicht länger. Ich lachte und dabei liefen mir die Tränen über die Wangen. Kaum hatte ich mich einigermaßen beruhigt, drückte meine kleine Schwester mir mein Handy in die Hand.

      „Und jetzt rufst du da an!“

      Zwei Tage waren vergangen und die beiden sollten am nächsten Tag anfangen. Ich hatte mit Linns Hilfe die freie Wohnung im Haupthaus bezugsfertig gemacht, während meine Freundin und ihre vorlaute Schwester einen Ausritt unternahmen. Ich wusste genau, sie machte sich noch immer Sorgen und hatte eine Heiden Angst vor dem nächsten Tag, doch sie verstand es gut ihre Gefühle zu verstecken.

      Ich wollte ihr mal wieder eine Freude machen und schlug Linn vor den beiden nachzureiten. Erst erntete ich nur einen Ungläubigen Blick, dann hatte ich den Tatendrang der jüngeren Frau geweckt.

      „Du reitest besser Vidja.“, rief sie mir entgegen und kam mir mit zwei Pferden entgegen. Sie machte eine Handbewegung hinüber zu dem gepunkteten Pferd.

      „Äh, war Vidja nicht dein Lieblingspferd?“, fragte ich, mich wage erinnernd.

      „Ja, aber die ist brav. Im Gegensatz zu den andren und bei....“

      „Und bei meinen Reitkünsten wird das wohl besser sein.“

      Ich war froh Bella wieder in einem einigermaßen Beruhigenden Zustand zu wissen. Die langen Haare im Wind flatternd preschte sie auf ihrer Stute Laufey vor mir her. Ich wusste, dass sie das Rennen gewinnen würde. Ich hatte das bereits gewusst, als ich sie herausgefordert hatte doch der beste Sieg war das strahlende Lächeln, welches sie mir nun schenkte.

      Wir wendeten unsere Pferde und ritten in gemächlichem Schritt zurück in Richtung Hof als Vinkona unruhig wurde.

      Meine Stute hatte etwas bemerkt und nun sahen auch wir zwei Reiter am Horizont. Wir tölteten ihnen entgegen und ich erkannte bald zwei Menschen auf Vidja und Blossi.

      Als ich mich gerade zu fragen begann wer zum Henker denn auf Blossi saß, konnte ich auch die Reiter erkennen.

      „Nein, du reitest freiwillig?“, rief eine Schwester ihrem Freund entgegen. Unterdessen bemerkte ich zu Linn, dass es eine kluge Entscheidung gewesen war ihm Vidja zu überlassen.

      Ich hatte meine Sorgen für eine Weile vergessen können, doch als ich Abends neben Jonas im Bett lag, kamen sie mit aller Macht zurück. Ich wurde noch lange von immer absurderen 'Was wenn...' Gedanken geplagt, bis ich endlich zur Ruhe kam.

      Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und ging hinunter in die Futterkammer. Ich lud das 'Frühstück' in Form von Heu für meine Vierbeiner auf eine Schubkarre und machte mich auf den Weg zu den Koppeln.

      Ich versuchte extra lange zu brauchen und als ich schließlich wieder am Hauptgebäude anlangte, standen zwei junge Männer dort etwas verloren in der Gegend herum.

      Sowohl ich als auch mein Kumpel Arran waren glücklich über den Anruf und das Stellenangebot gewesen, die uns Gestern erreicht hatten. Es kam von der Besitzerin einer Islandpferde Zucht in der Nähe. Sie war wohl vor kurzem von Deutschland hier her gezogen und benötigte nun Hilfe bei allen anfallenden Arbeiten. Wir hatten nicht lange überlegen müssen. Was konnte schon schiefgehen? So machten wir uns auf den Weg zur angegebenen Adresse, nicht weit von unserem jetzigen Wohnort um uns alles anzusehen.

      Der Hof machte einen freundlichen und gepflegten Eindruck, doch man ließ uns warten. Schließlich kam eine besorgt wirkende Frau auf uns zu.

      „Finley McLean.“, stellte ich mich vor. „Und das ist mein Kumpel Arran McTavish. Er ist leider auf den Mund gefallen.“

      „Annabell Schmiedemann.“, sagte die blonde Frau vor mir und reichte uns beiden die Hand. Als sie mein leicht entsetztes Gesicht sah fügte sie hinzu: „Bella reicht... ja ja. Deutsche Namen.“

      Erleichtert grinsend folgten wir ihr auf einen Rundgang über den ganzen Hof. Die Isländer Stássa, Laufey, Vinkona, Vidja, Slaufa, Faera, Vin, Thowra, Blossi, Sólfari, Uprising und Topar gefielen mir, und meinem Freund schien besonders den, von Bella als Zickig bezeichneten, zuletzt genannten Hengst zu gefallen.

      Ich mochte den Hof. Hier zu arbeiten stellte ich mir als guten Job vor. Auch die anderen Bewohner des Hofes und unsere zukünftige Wohnung bekamen wir zu Gesicht.

      Ich hatte bereits jetzt für mich entschieden, ich würde den Job annehmen und auch Arran schien dazu geneigt zu sein.

      Ich war positiv von den beiden Überrascht worden. Während Arran mir eher wieder schweigsame Typ vorkam, der seine Arbeit ohne viel Federlesens erledigte, schien Finley geneigt die Stimmung hier etwas aufzulockern.

      Alles in allem fand ich in den beiden tüchtige Arbeiter, die ich in den nächsten Wochen wirklich zu schätzen lernte. Das ging so weit das ich eines Abends beim gemeinsamen Grillen sagte:

      „Ich weiß nicht was ich ohne euch machen würde.“

      Daraufhin glitt ein triumphierendes Lächeln über Tabeas Gesicht als wollte sie sagen: 'Hab ich's doch gewusst.'
    • Mohikanerin
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      Pflegeberichte (3)

      Aber das Leben geht weiter
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      21. Juni 2015 | (c) BellaS
      17351 Zeichen | - Bella ... (Zu viele x.x)

      Als ich an diesem morgen erwachte, zeigte mein Wecker wie immer 4:00 Uhr. Meine, zugegeben, leicht seltsame, innere Uhr hatte mich auch heute nicht im Stich gelassen. In der Erwartung die erste auf dem nächtlichen Hof zu sein, schälte ich mich aus dem Bett und verließ meine Wohnung.

      Ich wollte als erstes den Offenstall der kleinen Stute Brött aufsuchen, denn sie schien es mir als einzige nicht übel zu nehmen bereits am frühen Morgen arbeiten zu müssen. Kaum hatte ich allerdings die Haupttür nach draußen geöffnet, stutzte ich. Bella saß auf ihrer Bank neben dem Haus und sie saß schrecklich aus. Offensichtlich hatte sie geweint und war schließlich draußen, auf ihrem Lieblingsplatz, eingeschlafen. Ich hatte keinen blassen Schimmer was passiert sein können, aber es musste etwas gewesen sein, das meine Freundin traurig und wütend zugleich hatte werden lassen. Zumindest zeugten davon die benutzten, zerknüllten und zu kleinen Fetzen verarbeiteten Taschentücher, welche teils neben ihr auf der Bank, teils vom Wind über den ganzen Hof verteilt, lagen. Während ich noch überlegte, was ich nun tun sollte, schlug Bella ihre Augen auf und sah sich verwundert um, als erinnerte sie sich nicht an den Umstand, der sie auf ihren derzeitigen Platz befördert hatte. Verwundert schaute sie zu den Taschentüchern, dann zu mir. Wenige Sekundenbruchteile darauf schienen die, mir unbekannten, Ereignisse vom Vortag wieder auf sie einzustürmen und sie sackte auf ihrer Bank in sich zusammen. Vorsichtig nährte ich mich meiner Freundin und ließ mich neben ihr nieder. Was war passiert? Hatte es etwas mit mir zu tun? Ich legte ihr unsicher den Arm um die Schultern, doch es verging noch eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich traute sie zu fragen was denn passiert sei.

      Ich konnte nicht klar denken. Ständig verschwamm alles vor meinen Augen und ich konnte die gestrigen Ereignisse noch immer nicht fassen. „Er ist weg, Linn. Dieser... Dieser...“, doch mir fiel kein passendes Schimpfwort ein, mit dem ich meinen Freund, nein, Exfreund treffend beschreiben konnte. „Er ist weg. Weg. Einfach weg. Hat sein Zeug genommen und ist abgehauen.“, ich brach in ein seltsam irres Gelächter aus, aber ich erfasste mein Verhalten überhaupt nicht. Ich redete einfach. „Und dann hat er mich angeschrien und dann ist er weggefahren und... und..“, ich brach wieder in Tränen aus, obwohl ich es gar nicht wollte. Immerhin verdichtete sich mein Blickfeld langsam wieder und die Fähigkeit logisch zu denken kehrte zurück. Mich zusammenreißend versuchte ich meiner Freundin, die jetzt neben mir saß, mir halt gab und keine Fragen stellte die Ereignisse vom Vorabend zu erklären. „Ich weiß nicht mehr, warum wir uns gestritten haben. Auf jeden Fall lief es darauf hinaus, dass wir jetzt hier waren, in Schottland. Und dann hat er gesagt er will nach Hause, hier sei es scheißen und solche Sachen. Dann haben wir uns angeschrien und dann, dann hat er gesagt er packt sein Zeug und fährt nach Hause. Und das hat er dann gemacht.“, wieder versuchte ich einem Heulkrampf zu entgehen. Linn sagte nichts, ich spürte nur, wie ihr Arm sich etwas fester um meine Schultern legte. Gegen sechs Uhr morgens stieß auch Tabea zu uns und ich fasste mich langsam. Ein Gefühl sagte mir, dass ich etwas Zeit für mich brauchte. Schließlich erhob ich mich wacklig von der Bank und marschierte Kommentarlos in Richtung Offenstall. Laufey stand am Zaun und bemerkte meine Stimmung sofort. Zwar waren auch Vin und Faera dort, doch ich sehnte mich nur nach der Gesellschaft meiner kleinen, frechen, treuen und sensiblen Stute. Ohne zu putzen, zu satteln oder mich sonnst in irgendeiner Form aufzuhalten erfasste ich Laufeys Mähne, öffnete das Gatter, lotste die Stute hinaus ohne den Rest meines Chaos-Trios auf freien Fuß zu setzen und kletterte mit Hilfe des Eisengatters auf ihren Rücken. Sie schien ganz genau zu wissen was ich wollte, denn Laufey galoppierte aus dem Stand an und trug mich in den Wald. Ich lenkte sie nicht, mir war egal wohin es ging.

      Während des ganzen Tages machte ich mir Sorgen um Bella. Sie war mit Laufey einfach abgehauen, ohne Sattel, ohne Zaumzeug, ohne nichts. Ich wusste zwar, sie war eine exzellente Reiterin, doch in diesem Zustand machte sie mir Sorgen. Ich besuchte Arran und Finley und berichtete den Beiden in knappen Sätzen vom Vorfall. Im laufe des vergangenen Monats waren die zwei Stallarbeiter mehr und mehr in unsere Familie hineingewachsen und so sah ich es als meine Pflicht an, die beiden zu informieren. Natürlich hatten sie die Szene auf der Bank längst mitbekommen, wenn man in einem Haus lebt und auf einem Hof arbeitet bleibt nicht viel geheim, doch ich wollte sichergehen, dass alle Bescheid wussten um Bella nicht auf dem falschen Fuß zu erwischen. Immer noch in Gedanken bei Bella machte ich mich auf den Weg zum Fohlenstall um mein Vorhaben von heute Morgen in die Tat umzusetzen und Brött ein wenig zu beschäftigen. Ich holte die kleine, jetzt schon bald große, Stute von ihrer Koppel und ging mit ihr in den Roundpen. Bella hatte mir die Geschichte ihres ersten Pflegepferdes, Crimetime, erzählt und damit die Idee wach gerufen, den großen roten Gymnastikball auf für das Training von Brött einzusetzen. Seit ich diesen Ball vor einigen Tagen ins Training eingebracht hatte, konnte Brött die üblichen Übungen des Fohlen ABC fast nicht mehr abwarten, so sehr liebte auch dieses Fohlen das Spiel mit dem Ball. Lächelnd sah ich zu wie Brött die Kugel durch den Roundpen kickte, verdutzt stehen blieb als sie feststellte, dass der Ball hüpfen konnte, nur um ihn dann um so mehr zu jagen. Ich stand an der Band, schob den Gymnastikball ab und zu von mir weg, wenn Brött mich aufforderte mitzuspielen und hing meinen Gedanken nach.

      Meine Schwester hatte es gestern echt erwischt. Ach ich machte mir Sorgen, verständlicherweise. Ich meine, erst macht der Freund Schluss und haut ab und dann schmeißt sie sich auf das nächst beste Pferd und reitet planlos in den Wald, wer macht sich da keine Sorgen? Schließlich beschloss ich meine Vinkona zu nehmen und, natürlich völlig zufällig und ohne jegliche Hintergedanken, in den Wald zu reiten. Meine Stute benahm sie wunderbar, wie immer, doch leider war ich mit meinen Gedanken überall, sodass ich Bella auf meinem Ausritt nicht fand, wie ich ursprünglich geplant und gehofft hatte. Vielleicht war sie vom Pferd gefallen und lag jetzt irgendwo im Wald? Aber nein, bis Bella vom Pferd fiel musste schon ein Wirbelsturm kommen. Ich saß auf dem Hof ab, band meine Stute an und befreite sie vom Sattelzeug, ehe ich in die Futterküche ging. Irgendein kreativer Anfall und eine Packung bunter Permanent Marker hatte mich vor einiger Zeit dazu getrieben die Futterschalen mit den Namen der Pferde, natürlich in Form von Graffitis, zu bemalen. Nun suche ich die Futterschale mit dem Schriftzug 'Vinkona' und füllte sie mit einen Hand voll Pellets und ein wenig Gerste. Lächeln sah ich zu wie meine Stute ungeduldig den Kopf über ihr Essen senkte.

      Ich war mittlerweile abgesessen und Laufey graste friedlich an einem Bächlein, von dem ich auch noch nicht gewusst hatte, dass es es gab. Ich gab mir alle Mühe und langsam gelang es mir die Gedanken zu ordnen, die sich bisher nur wirr im Kreis gedreht hatten. Seltsamerweise fühlte sich der Platz in meinem Herzen, von dem ich bis gestern geglaubt hatte Jonas würde ihn ausfüllen, gar nicht leer an. Hatte ich die Grundlage für dieses abrupte Ende etwa selbst gelegt? Wie lange ging das denn schon so? Vermisste ich ihn überhaupt? Auf diese Fragen fand ich keine befriedigenden Antworten, doch ich schaffe es mich zu sammeln. Natürlich, seine gewohnte Gegenwart fehlte, aber es war nicht so schlimm wie es hätte sein können. Er hatte mir nicht 'das Herz gebrochen', wobei ich mich fragte, warum nicht. Langsam wandte ich mich wieder meiner Stute zu und kletterte auf ihren bloßen Rücken. Jetzt, wo die schlimmsten Gefühlsausbrüche nicht länger von mir Besitz ergriffen hatten, war es schwieriger Laufey zurück zum Hof zu lenken. Ich würde mich nicht verkriechen, ich würde heute Nachmittag,... Wie spät war es überhaupt? Vielleicht drei, oder vier? Egal, ich würde einfach reiten, denn der Umgang mit Pferden ist etwas das bei allen Verletzungen hilft, gerade bei solchen am Herzen.



      Nächster Tag

      Es fühlte sich komisch an in einem leeren Bett aufzuwachen, doch nicht unbedingt schlecht. Es machte mir schon Sorgen wie schnell ich diesen Schlag ins Gesicht überwunden hatte, doch – nicht drüber nachdenken! Ich stand auf, stieg in meine Klamotten und schnappte mir auf dem Weg nach draußen ein Brötchen vom Vortag, welches ich im gehen verspeiste. Auf meinem Weg zu Weide grüßte ich Arran, der gerade dabei war Linns Offenstall zu säubern. Gapur stand zusammen mit Blossi und Uprising auf dem Hengstpaddock und auch Vidja fehlte. Scheinbar war Linn gerade dabei sie irgendwo zu reiten. Nun ja, mich sollte das ganze nicht stören, denn ich würde mich heute Morgen ein wenig mit Thowra beschäftigen. Die Stute hatte eine Runde Dressur schon länger nötig. Unwillig folgte Thowra mir zum Putzplatz, wo ich ihr grau weißes Fell, das momentan eher grau-grün war, gründlich mit verschiedenen Striegeln bearbeitete. Ich holte ihren Sattel von ihrem Platz und entfernte entnervt etwas Vogelkot von ihrer Trense. Ich würde bald nicht nur die Sättel abdecken müssen, denn die Schwalben, die an den Dachbalken des Stallgebäudes nisteten, wurden immer dreister. Ich holte mir Helm und Handschuhe, doch bevor ich aufsitzen konnte wurden meine Nerven wieder auf die Probe gestellt. Tabea hatte sich scheinbar auf meine Stute gewagt, denn die Bügel waren viel zu kurz eingestellt und dazu nicht anständig hochgezogen sondern völlig wirr verknotet. Jetzt wirklich entnervt löste ich die Riemen, stellte die Bügel ein und nahm mir vor Tabea einmal mehr gründlich zu erklären was sie NICHT machen sollte. In einer flüssigen, geübten Bewegung legte ich die Zügel auf Thowras Hals und schwang mich in den Sattel. Das Dressurviereck war frei, doch auf der Ovalbahn erblickte ich Finley. Mein wunderbarer Stallhelfer, eigentlich Helfer bei allem, lieferte sich seinen täglichen Kampf mit Topar. Der sture Hengst hatte mal wider seine 5 Minuten und meinte wie ein wilder über die Bahn rasen zu müssen. Grinsend sah ich zu wie Finley versuchte den Hengst mit verschiedensten Mitteln zu Raison zu bringen. Leider half nicht viel. Erst als der dunkelhaarige Mann resigniert die Gerte fallen ließ, die er in der Hand gehalten hatte, beruhigte sich Topar. Für ihn war alles was mit Gerten zu tun hatte fies und gemein, doch Finley ließ sich nicht davon abbringen ihn mit Gerte zu reiten. Immer wieder schaute ich zu den beiden hinüber und rief Finley Tipps zu, eigentlich nur um ihn etwas zu Triezen während ich die graue Stute im Dressurviereck warm ritt. Da Thowra in Dressur noch nie wirklich trainiert worden war, aber die meisten Übungen aus anderen Zusammenhängen bereits kannte, würde ich heute Morgen nicht viel Arbeit haben. Wir begannen mit dem Mittelschritt, welchen Thowra für das Viergang Training sowieso beherrschen musste. Sie schritt zugig aus, hob alle Hufe gleichmäßig vom Boden ab und blieb dabei wunderbar weich und gebogen auf der Zirkelline. Es versprach wirklich entspannt zu werden. Beim Versuch rückwärtszurichten meinte sie kurz Zicken zu müssen, doch alles in allem verlief das kleine Dressurtraining wunderbar. So beschloss ich das ganze einfach mal als Stufenerhöhung durchgehen zu lassen.



      Ich hatte mich mal wieder mir diesem sturen Bock von Hengst herumgeärgert, doch ich wollte nicht aufgeben. Arran sagte manchmal – sofern er überhaupt mal etwas sagte, dass ich eh nie aufgeben würde, zumindest nicht bis ich mir an der Wand den Schädel eingeschlagen hätte beim versuch mit dem Kopf durchzugehen. Irgendwie hatte er ja recht. Ich brachte also Topar in seinen Offenstall zurück und überlegte was als nächstes zu tun war. Irgendeine kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüsterte etwas von 'nichts zu tun' und 'Pause', aber ich ignorierte sie – auf einem Hof wie diesem gab es immer etwas zu tun das getan werden musste. Ich überlegte. Eine Boxentür im großen Stall war kaputt. Zwar stand dort nie ein Pferd, aber sie zu reparieren konnte nicht schaden. Auf dem vom Offenstall zum Hauptstall traf ich auf meinen Kumpel Arran. Er machte ein komisches Gesicht. Das Gesicht, das er immer machte wenn er jemanden etwas fragen musste und es am liebsten vermeiden wollte. „Hey, was's los?“, fragte ich ihn und schnitt eine komische Grimasse. „Nichts.“ „Nichts sieht anderes aus.“ „Ich will nicht drüber reden, ja.“ „Dann nicht, ich will dir nur helfen.“ „Na gut. Hab ärger mit Mila.“ „Warum?“, ich fragte mich was in aller Welt los war. Erst war bei Bellas Familie Land unter und jetzt zoffte sich Arran mit seiner Freundin. „Sie will, dass wir zusammen ziehen. Aber ich wohn' ja mit dir hier.“ Okay, das war wirklich ein Problem. Arrans Freundin, Mila Weston hatte gerade ihre Ausbildung zur Pferdewirtin fertig und suchte Arbeit in der Gegend, aber Arran konnte hier vom Hof auch nicht so einfach weg. Bis nach Morvern war es ja noch ein ganzes Stück – zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Auf einmal machte es 'klick'. „Mila sucht immer noch Arbeit?“ „Joa, warum?“ „Mila Weston und Arran McTavish, Gestüt Colles Virides 1, Postleitzahl vergessen, Morvern. Klingelt's? Mila ist Pferdewirtin.“



      Nachdem Thowra ihr Futter aufgefressen hatte, kam sie zurück auf den Stutenpaddock, denn mit Gras reichte es erst mal für Heute. Wieder ein Pferd auf meiner Trainingsliste weniger. Jetzt waren noch Slaufa, Sólfari und Stássa an der Reihe. Ganz schön viel Arbeit für einen Tag. Nun ja, vielleicht würde ich auch Stássa auf Morgen verschieben, mal sehen. Ich holte die kleine, westerngerittene, Stute von der Weide und machte sie fertig. Ein wenig Gangtraining war angesagt. „Hoffentlich ist die Ovalbahn frei.“, dachte ich und saß auf. Die Bahn war frei. Das reiten im Westernsattel fühlte sich noch immer ungewohnt an, wenngleich in Slaufa in letzter Zeit oft geritten war. Die Stute ging auf ihre Krönung zu und so widmete ich ihr viel Zeit. Wir begannen in langsamem Tempo. Ich hatte mir eine gute Stunde für Viergang eingeplant und hoffte meinen Plan halten zu können. Schlangenlinien, Volten, Slaufa reagierte prima auf meine, manchmal etwas unbeholfenen Kommandos. Veija hatte die Stute wirklich fein geritten und ich war froh über jede Stunde Training zu der ich die Stute ihn ihre Hände gegeben hatte. Nachdem sich Slaufas Muskulatur ausreichend aufgewärmt hatte, begannen wir mit ordentlichem Tölt. Nicht zum ersten Mal stellte ich fest, dass Westernsättel für diese Gangart mehr als gut geeignet waren, dafür konnte man im Trab nur schwer bis gar nicht entlasten. Genau hier lag das Problem. Slaufa konnte zwar traben, aber es war schwer ihr verständlich zu machen was man wollte. Mehr schlecht als recht beugte ich mich nach vorne um den Rücken des gescheckten Pferdes zu entlasten und, siehe da, Slaufa trabte. Leider schaffte ich ich es, auch nicht zum ersten Mal, mir das Sattelhorn in die Magengrube zu bohren. Aua! Ach dieser, eher ungemütlichen, Trabrunde blieb als letztes noch der Galopp. Hier war alles ganz einfach, denn Slaufa galoppierte auch als dem Tölt. Nach einer Runde Galopp bemerkte ich, dass sich Zuschauer an der Bahn eingefunden hatten. Es waren Arran und Finley, dir mir Sicherheit etwas von mir wollten. Ich parierte Slaufa durch und lobte sie. Sie hatte ihre Sache gut gemacht, also saß ich auf und ging zu den Beiden. „Irgendwas kaputt, Pferd ausgebrochen, fehlt was?“, fragte ich scherzhaft. „Witzig.“, schnaubte Finley. „Arran hier hat ein Anliegen.“



      Ich fühlte mich in keinster Weise wohl in meiner Haut. Warum musste man immer mit den Leuten reden? „Ähm, also ich. Also ich wollte. Also ich habe eine Freundin.“ Super, damit hatte ich schon mal falsch angefangen, denn Bellas Gesicht verdüsterte sich. Wahrscheinlich dachte sie an Jonas. „Ja?“, fragte sie, „Weiter.“ „Nun ja, Mila und ich haben uns gestritten. Sie will, dass wir zusammen ziehen aber von hier bis nach Morvern ist es zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren.“ Warum faselte ich so einen weit schweifenden Blödsinn? Finley schien sich das auch zu fragen, denn jetzt wurde er ungeduldig und schaltete sich ein. „Mila Weston ist Pferdewirtin auf Arbeitssuche und würde gerne mit ihrem Freund zusammen ziehen. Nun, hier gibt es eh zu viel Arbeit und das hier ist ein Gestüt. Zudem...“ „Zudem ist eine Wohnung im Haupthaus frei und jetzt wollt ihr wissen ob ich sie einstellen kann?“ „Äh, ja.“ Das war nun wieder ich. „Das würde mir helfen und vielleicht allen etwas Arbeit ersparen.“





      Eine Woche darauf



      „So kommt es immer wieder, dass der Hof Zuwachs bekommt.“, stellte ich fest als ich Morgens aus dem Fenster sah. Mila war vor zwei Tagen eingezogen. So waren jetzt alle Wohnungen hier im Haupthaus belegt und ich verstand mich recht gut mit der, nur wenig jüngeren, Frau. Mila Weston war aufgeschlossen, freundlich und hatte ein gutes Gespür für Pferde. Gerade sah ich zu wie sie mit Arran vom Hof ritt. Die beiden wollten mit Faera und Blossi einen Distanzritt unternehmen. „Wahrscheinlich wird das ganze eher ein romantisches Ausritt zu zweit.“, stellte ich mit einem bitteren Beigeschmack fest. Jonas hatte sich nicht ein mal mehr gemeldet.

      Tierarzt
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      09. August 2015 | (c) Sevannie
      4374 Zeichen | - Unbekannt

      Diese Islandstute verbirgt etwas Feuer, wie mir Sarah gesagt hatte. Sie wäre manchmal etwas frech, jedoch nur auf die spielerische Art und Weise, somit rechnete ich gerade bei ihr mit sehr vielem Jackenzerren um an die Möhren zu kommen, welche sich in meiner Jackentasche verbergen. Ich ließ auch diese Stute mich erst einmal etwas abschnuppern, ehe ich dann mit dem Abtasten begann, kaum hatte ich ihr den Rücken zu gekehrt da wandte sie sich auch schon an meine Jacke und zerrte sanft daran. ,,Hey..'',murmelte Tyler und ich hörte das Grinsen aus seinem Tonfall heraus. Ich zog die Stute am Halfter etwas weg und ich konnte mich dem Abtasten weiter widmen. Ich war mit dem Abtasten fertig und holte mein Stethoskop wieder heraus, dieses durfte die Stute auch abschnuppern, bevor ich dann es etwas an den Hals drückte und sie spürte wie es sich anfühlte. Kurz legte sie die Ohren an, doch sie stellte diese wieder auf. Anscheinend kannte sie dies schon. Nachdem ich sie dann abgehört hatte, bemerkte ich das ich Puls leicht erhöht war, doch dies konnte einfach die Aufregung sein, ein Tierarztbesuch war ja auch nicht ohne. Somit schloss ich Krankheiten aus und lobte die Stute, denn sonst schien sie mir auch einen guten Eindruck zu machen. ,,So Thowra, nun kommt wahrscheinlich einer der schlimmsten Teile für dich.'',meinte ich und holte dann mein Thermometer wieder heraus und stellte mich an die Kruppe, vorher gab ich Tyler einige Möhrchen. Eines gab er ihr und sie kaute genüsslich darauf herum, als sie fertig gekaut hatte begann ich die Körpertemperatur zu messen. Der Mausfalbschecke neben mir begann zu zucken und etwas Terz zu machen, so brach ich das Messen ab und ließ die Stute zur Ruhe kommen. ,,Alles gut, kleine Maus.'',murmelte ich und streichelte ihr über die Blesse. Schnell hatte sie sich anscheinend beruhigt, da sie schon wieder an meiner Jackentasche zerrte. ,,Na!'',mahnte ich nun und entfernte mich einen Schritt. ,,So noch einmal.'',meinte ich dann und stellte mich erneut an die Kruppe. Erneut begann ich zu messen und diesmal führte sich die Stute nicht so auf. Als ich die Gradzahl hatte lobte ich die Stute. ,,38,6°C ist völlig okay.'',meinte ich dann und lobte die Stute und sie bekam auch eine Möhre. ,,So Kleine, ich will keinen Aufstand bei den Spritzen!'',meinte ich lachend und gerade kam Sarah wieder zu uns. ,,Na, wie läuft es?'' - ,,Naja bis jetzt ist alles gut aber Thowra passt das ganze nicht so sehr.'' - ,,Verständlich, soll ich denn mal kurz dabei bleiben?'' - ,,Wenn du Lust hast.'', Sarah nickte und ich schmunzelte, Tyler wandte sich also der Connemarastute zu, welche wir als Unterstützung hier hatten. ,,Vielleicht ist sie ja bei mir etwas ruhig.'' - ,,Bestimmt, ist meistens so das die Tiere ruhiger sind wenn der Besitzer dabei ist.'',erklärte ich als ich gerade die Spritzen aufzog und mir einen Tupfer schnappte. ,,So dann mal aufgepasst.'',meinte ich und suchte mir die Ader und injizierte vorsichtig die Spritze, wobei die Stute einen Hüpfer zur Seite tat, aber ich alles noch durchführen konnte. ,,So damit wäre das Impfen dann auch erledigt.'',erklärte ich und lobte die Stute, drückte dabei den Tupfer mit der anderen Hand auf die Stelle, wo ich gerade die Spritze injiziert hatte. ,,Ich hab noch Kuchen für euch, ihr seit bestimmt hungrig, habt ja schon einiges geleistet.'',erklärte sie und ich nickte schmunzelnd. ,,Das ist lieb, Danke. Wir machen schnell Thowra fertig und dann können wir die beiden auch schon auf die Weide bringen.'',meinte ich und Sarah nickte zustimmend. ,,Das ist schön.'',bestärkte sie ihr Nicken und ich nahm mir die Wurmkurpaste heraus. ,,Das ist jetzt dein Kuchen, liebe Thowra.'',erklärte ich lächelnd und Sarah konnte sich ihr Lächeln auch nicht verkneifen. Ich drückte ihr die Paste in das Maul und sie verzog das Gesicht, Sarah hielt zur Sicherheit den Eimer mit Müsli unter ihr Maul, da die Stute die Hälfte ausspucken wollte. Danach jedoch vermischten wir das bisschen Paste mit Müsli und die Stute fraß alles vorbildlich auf. Erneut lobte ich sie und Sarah löste den Strick, Tyler löste den von Kürbis und die Beiden führten die Stuten auf die Koppel. Ich packte derweil alle Utensilien erst einmal etwas zusammen und wartete auf beide. Sarah brachte uns in das Haupthaus und wir aßen etwas Kuchen, zur Stärkung für die nächsten Pferde. Alle würden wir heute nicht schaffen.

      Ein Sommer auf Rømø
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      26. August 2015 | (c) BellaS
      7134 Zeichen | - Bella

      „Das ist doch nicht dein Erst?!“, klang Linns Stimme aus dem Lautsprecher meines Handys. Ich konnte förmlich sehen wie sie sich die Hand vor den Kopf schlug. „Wie lange sind wir jetzt in Schottland? Ein Jahr? Anderthalb? Höchstens!“ Wieder flackerte ein Bild vor meinem geistigen Auge auf. Diesmal tiegerte meine langjährige Freundin mit dem Handy in der Hand auf dem Hof auf und ab. „Nein Bella, ich weiß noch nicht was ich davon halten soll. Ich hoffe du hast noch nicht für uns alle entschieden?“ „Ich habe nicht einen Moment daran gedacht dich nicht zu fragen.“, erwiderte ich ehrlich. „Ich würde eingehen, müsste ich allein wieder anfangen.“ „Gut.“, ihre Stimme klang erleichtert. „Aber glaub nicht, dass ich jetzt hier alles stehen und liegen lasse um freudig mit dir nach Dänemark zu fahren, Annabell Schmiedemann.“ Wenn sie mich bei meinem vollen Namen nannte, wusste ich, dass es ernst wurde. „Gut. Überlege es dir bitte. Ich hole jetzt Hnakki,wir sehen uns, wenn alles glatt geht heute Abend.

      Hnakki war ein stattlicher junger Hengst, den ich bei einer Zuchtauflösung erstanden hatte. Ein Vertreter der bekannten „van ghosts“ Zucht, aus der auch die Stute Thowra stammte. Es hatte eine Weile gedauert, aber nun konnte er endlich zu uns nach Colles Virides ziehen. Die Frage war nur, wie lange er dort wohl bleiben würde, er und all meine anderen Pferde.

      Aus dem Urlaub nach Hause zu kommen hatte immer etwas bedrückendes. Ich vermisste die Insel, das Meer, alles. Der kleine Anhänger schaukelte hinter meinem Auto her und Laufey hatte endlich aufgehört zu randalieren, kaum war Hnakki neben ihr eingeladen worden. In wenigen Stuten würde ich Morvern erreichen und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause.

      Ich parkte den Wagen. Es war spät und so war niemand mehr auf dem Hof um mir mit dem Ausladen meiner vierbeinigen Begleiter zu helfen. Ich ließ die Rampe herunter, entfernte die Stange hinter Laufey und stieg durch die kleine Tür an der Front des Hängers wieder ein, um sie loszubinden. Wie immer sprang sie förmlich rückwärts aus dem Gefährt. Hnakki benahm sich wesentlich manierlicher. Er wartete bis ich alle Sicherheitsmaßnamen entfernt hatte, dann schritt der ohne zu zögern aus dem Transporter.

      Ich klopfte an Linns Wohnungstür. Sie öffnete mir und machte ein verdrießliches Gesicht, begrüßte mich aber trotzdem. „Hast du die Bilder bekommen?“ „Ja.“ „Himmel. Du bist immer noch sauer?“ Ich kannte meine Freundin al einen wirklich lieben Menschen dem es fern lag überhaupt sauer zu sein, geschweige denn länger als ein paar Minuten. „was denkst du dir eigentlich? Überfällst mich mit solchen Plänen am Telefon! Und überhaupt, wenn du ständig umziehen willst, solltest du keine Pferde züchten. Die mögen das nämlich nicht.“ Ein wenig überrumpelt setzte ich mich. „Ich glaube ich muss mal versuchen dir meinen Standpunkt zu erklären.“ „Schieß los. Ich bin wirklich gespannt.“ Sie setzte sich neben mich aufs Sofa und ich begann.

      „Ich bin von meinen Eltern weg gezogen, als ich mich Stássa meine erste Isistute bekam. Ich wollte machen können was ich wollte, frei sein, das erste Mal in meinem Leben. Früher habe ich es sogar in Erwägung gezogen nie von zu Hause wegzuziehen, aber das gehört hier nicht hin...“ Ich musste mich sammeln, ehe ich fortfuhr. „Mit dem Gut Muschelsand hatte ich mein erstes richtiges und vor allem eigenes zu Hause und eine bunte Sammlung Pferde jeder Rasse. Ich war glücklich, aber auch überfordert. Dann kam Catalina und wir taten uns zusammen. Das UHAP Ocean Wave war super, aber es ging nicht lange gut. Cata lernte Sahra kennen und zog nach Schottland. Ich hatte mich an Teamarbeit gewöhnt und schlug alles in den Wind. Ich zog nach Schottland.“ „Jaaa.“ Soweit kannte sie meine Geschichte als Pferdezüchterin nur von Erzählungen. „Jetzt sind wir ein Team. Ein super Team. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen eine große, bekannte und gute Isländerzucht auf die Beine zu stellen. Zusammen. Als Team. Ich möchte raus aus der Legacy und ich liebe das Meer. Rømø ist ein Traum und ich glaube das diese Insel ein Ort ist, an den Islandpferde wirklich gehören.“ ich beendete meine Ausführungen. „Das war ja ein historischer Roman.“ Linn versuchte ihr böses Gesicht zu wahren, schaffte es aber nicht. „Nun ja, ich glaube, ich kann dich verstehen. Gib mir Zeit, ja?“

      Ich gab ihr Zeit. Am nächsten Morgen, nachdem Hnakki von allen ausgiebig bewundert wurde, rief ich das Team zusammen. „Ich will, dass ihr wisst was Sache ist. Da keine Entscheidung gefallen ist, müsst ihr euch noch keine Sorgen machen, aber es ist besser wenn man von Anfang an weiß was Sache ist.“ Ich erzählte von meinen Plänen. Mila, Arran und Finley runzelte die Stirn, dann ergriff Finley das Wort. „Ich mag deine Pferde, ich mag den Arbeitsplatz hier. Ich wollte eh immer weg, warum nicht nach Dänemark?“ Er räusperte sich. „Egal ob ihr geht oder hier bleibt, ich kann nur für mich entscheiden aber ich bleib bei euch.“ Ich war gerührt. „Ich erwarte keine so schnelle Entscheidung, noch ist ja nichts klar, versuchte ich die beiden Anderen abzuwürgen, doch Mila hatte schon das Wort ergriffen. „Ich werde ich Schottland bleiben, und das gilt auch für Arran. Sie sah ihren Freund bestimmt an. „Wenn ihr hier bleibt, bleibt alles wie immer.“

      „Okaaay, das war doch recht deutlich, von beiden Parteien.“ Linn und ich ritten durch den Wald, meine Lieblingsroute die ich immer dann wählte wenn ich nachdenken musste. Normalerweise ritt ich dann Laufey, aber ich hatte ihr eine Pause von der Fahrt gegönnt. Die Stute stand auf der Weide. Dafür saß ich jetzt auf Vin, Linn hatte ihren Garpur gewählt. „Ich hätte nicht erwartet, dass sie so schnell sein würden.“ Ich starrte auf die Blätter der Brombeerpflanze, die am Weg wucherte. „Wenn du jetzt fragst: Nein, ich brauche noch Zeit.“ Gab Linn mir zu Verstehen das Thema fallen zu lassen, welches sie erst angeschnitten hatte. „Na gut. Was macht Finleys Projekt?“ Meine Freundin grinste. „Die Kutsche, die er aufgetrieben hat ist nicht besonders vertrauenerweckend, aber Topar macht es Spaß. Die Beiden waren gestern das erste Mal im Gelände unterwegs, wobei ich mir mehr Sorgen um den Wagen gemacht habe, als um Topar.“ Wir lachten. Der einstige Stallarbeiter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Topars Ausbildung im Bereich Fahren einmal auszunutzen. Er machte dabei ungefähr genauso schnell Fortschritte, wie das Bild mit dem bockigen Hengst und der klapprigen Kutsche Erheiterung auslöste. „Und, was ist sonst noch passiert während ich im Urlaub war?“, verlangte ich einen Lagebericht. „Arran kümmert sich vorbildlich um Blacky, ich glaube er mag ihn. Auf jeden Fall ist er das einzige Wesen mit dem er hin und wieder redet.“ Ich grinste, konnte mir aber trotzdem nicht vorstellen, dass Arran sprach wenn es nicht unbedingt notwendig war. „Mila trainiert alle Pferde quer -beet. In letzter Zeit vor allem Faera und Stássa. Tabea hat sich mit Vinkona ernsthafte Ziele gesetzt und Thowra und Blossi habe ich versorgt. Alles zu deiner Zufriedenheit?“ Natürlich war ich zufrieden mit meinem fleißigen Team, und dann begann ich Linn von meinem Urlaub zu erzählen...

      Umzug nach Rømø
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      22. September 2015 | (c) BellaS, Seimura
      12265 Zeichen | - Bella, Linn

      Das schrille Klingeln meines Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich haute ein paar mal auf das Mistding drauf, bis es endlich Ruhe gab. Dann schlug ich die Decke zurück und wuchtete mich von der Matratze, die mir für diese Nacht als Bett gedient hatte. Mit noch geschlossenen Augen irrte ich ins Bad, wobei ich gegen einen noch leeren Karton stieß. Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, schlang ich ein kleines Frühstück hinunter und begann dann damit, meine Bettwäsche in den letzten noch leeren Karton zu quetschen. Gestern hatte ich schon alles andere in den Pappdingern verpackt, die jetzt in der Wohnung herum standen. Heute musste ich die Kartons in einem der drei Transporter verstauen, mit denen wir morgen nach Rømø aufbrechen würden. Ich begann damit, die Kartons auf den Hof zu tragen und sie dort abzustellen. Nachdem ich dort alle aufgestapelt hatte, öffnete ich die Tür des Transporters und begann, die Kartons in den "Kofferraum", der mehr einer zu klein geratenen Lagerhalle glich, zu wuchten. Ein paar Kartons musste ich auch auf dem Boden des Wohnabteils abstellen. Als ich aus dem Transporter kam, tauchte in der Haustür ein Umzugskarton auf, dem ein mürrisch dreinschauender Finley folgte. Ich wünschte ihm einen guten Morgen, woraufhin er mich ansah, als würde ich vor Ironie nur so strotzen. Auch Bella kam mit einem Karton aus dem Haus, sah aber sehr viel besser gelaunt aus. "Kannst du die Sattelkammer ausräumen? Ich denke, es sollte alles in den jeweiligen Transporter, in dem auch das Pferd steht, sonst gibts nur wieder Unordnung." Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Bella die Hengste, ich Vidja, Meyja, Garpur, Fjara, Snót und Faera und Finley die übrigen Stuten nach Rømø kutschieren würde. Brött würden wir auch noch irgendwo unterbringen können. Ich lief also los, um zuerst einmal die Sättel zu verladen. Ich dachte mir eine Taktik aus: Ich trug auf jedem Arm zwei Sättel, was mich zwar im Gehen etwas verlangsamte, jedoch immer noch schneller ging, als immer nur einen Sattel zu tragen. Als ich mit meiner ersten Ladung Sättel auf den Hof kam, hatte Bella gerade einen weiteren Karton im Transporter verstaut. Als sie mich sah, lachte sie, zog ihr Handy aus der Tasche und fotografierte mich. "Eine spitzen mäßige Sattelschlepperin!", rief sie, ehe sie mir zuwinkte und im Haus verschwand. Ich hängte die Sättel in den kleinen Sattelkammern, die sich zwischen dem Laderaum und dem Pferdebereich befanden.Nachdem ich alle Sättel aufgehängt hatte, und auch Finley und Tabea Erinnerungsfotos geschossen hatten, hängte ich mir alle Trensen und Halfter über den Arm, um dann im Transporter vor dem Rätsel zu stehen, welche Trense zu welchem Sattel gehörte. Mit Hilfe von Fotos, auf denen die Pferde die Trensen und Sättel trugen, konnte ich sie schließlich zuordnen. Als nächstes kam ich auf die Idee, die Putzboxen in die Futterschüsseln zu stecken und diese dann in der Schubkarre zu transportieren.

      Ich war wach, lange bevor mein Wecker mich aus meinen Träumen reißen konnte. Um genau zu sein hatte ich kaum geschlafen. Wie immer kamen mir Zweifel, aber ich verbot mir, die getroffene Entscheidung zu bereuen. Ich schaltete die Weckfunkion meines Handys ab, damit sie nicht gleich in meiner Hosentasche losgehen würde, und rollte mich von der Matratze, die mir als Bett gedient hatte. In den letzten drei Tagen war alles Schlag auf Schlag gekommen. Wir hatten geräumt, gepackt und weggeworfen, hatten Kisten gestapelt und alles organisiert. Tabea war gestern nach Deutschland zurück gefahren, sie hatte ihr freiwilliges Jahr beendet und wollte sich nun ihrer Berufswahl widmen. Vinkona hatte sie schweren Herzens und mit der Aussicht auf baldigen Besuch bei uns zurück gelassen. Auf einmal standen wir zu dritt über einem Berg von Arbeit. Draußen erblickte ich Linn, die verschlafen zum Stall wanderte. Auch ich betrat den Hof und begann, den Inhalt unserer Futterkammer ins Gepäckabteil meines LKW zu räumen, nachdem ich auf dem Weg nach unten schon einen Karton mitgenommen hatte. An der Tür war ich auf Linn getroffen und hatte ihr, mit aller guten Laune die ich aufbringen konnte, die Aufgabe gegeben die Sattelkammer auszuräumen. Jetzt rollte ich eine Tonne Futtergerste über den Hof und scheiterte an der Stufe, die die Tonne vom Innenraum des LKW trennte. „Ich dir helfe.“, erklang Finleys Stimme hinter mir. Er war mittlerweile dazu übergegangen Deutsch zu sprechen, was leider manchmal in grammatikalischem Chaos endete. „Danke.“ Gemeinsam hoben wir die Tonne an und hievten sie in das Fahrzeug. „Hilfst du mir auch noch bei den Pellets und dem Hafer?“ „Klar.“ Finleys Laune schien sich gebessert zu haben. Gemeinsam räumten wir alle Dinge aus der Futterkammer, die ein einzelner nicht heben konnte, dann ging Finley zurück ins Haus, um den Rest der Kartons zu hohlen. Ich schaute auf mein Handy, denn meine innere Uhr war ein wenig durch den Wind. „11:23 Uhr.“, verkündete diese. „Mir müssen sehen, dass wir los kommen. Die Fährte geht heute Abend, und wir brauchen fünf Stunden mindestens nach Newcastle, außerdem müssen wir uns dann dort um einen Guten Platz für die Pferde kümmern.“ „Es fehlt nur noch das Heu für die Überfahrt.“, stellte Linn in Aussicht. „Das kann in den letzten Platz bei mir.“ Ich hatte den einzigen LKW für acht Pferde übernommen, da wir sonst für Brött keinen ordnungsgemäßen Platz gehabt hätten. „Da ist ja ein Platz frei. Am besten packen wir das zwischen Brött und die Hengste, dann gibt’s keinen Radau.“ Gesagt getan. Eine dreiviertel Stunde später war sämtliches Zeug eingepackt und die Pferde samt und sonders verladen. Nach einem letzten Rundgang über Colles Virides stiegen wir in die LKWs, winkten Arran und Mila, die gekommen waren um uns zu verabschieden und traten dann aufs Gas. Ein Fahrzeug nach dem anderen verließ den Hof und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Gefühl des Verlusts in mir breit machte.

      Wir fuhren über immer größer werdende Straßen bis nach Glasgow, wo wir auf die Autobahn fuhren. Als wir bei Carlisle auf die A689 wechselten waren wir erstaunlich gut in der Zeit und hatten schon über die Hälfte des Weges nach Newcastle, wo wir auf die Fähre fahren würden geschafft. Bei Bramton fuhren wir dann auf die A69. Kurz vor Newcastle fuhren wir über die A1 auf die A167, dann auf die Jesmond Road und die A1058, die A19 und die A187 und schließlich auf die Coble Dene, an dessen Ende sich der Fähranleger befand. Das Einchecken dauerte ziemlich lange, da nicht nur unsere Papiere, sondern auch die der Pferde kontrolliert werden mussten. Schließlich fuhren wir durch die Schranke und fanden uns auf einem riesigen Parkplatz wieder, der aber noch fast leer war. Wir stellte die Transporter nebeneinander auf drei freie Plätze und stiegen aus, um uns ein bisschen die Beine zu vertreten. Wir aßen eine Kleinigkeit und schauten nach den Pferden, die alle nicht so begeistert von der Idee schienen, sechs Stunden lang im Transporter zu stehen, sich aber benahmen. Allmählich füllte sich der Parkplatz mit Lastern und PKWs und wir beschlossen, uns schon einmal in die Autoschlange einzureihen, damit wir morgen früh nicht als Letzte von der Fähre fahren mussten. Wir bekamen drei Stellplätze hintereinander zugewiesen und stiegen aus, um Heu aus Bellas Transporter zu holen und den Pferden ihr Abendessen zu geben. Zum Abendessen gingen wir ins Bordrestaurant, wo wir uns die Bäuche vollschlugen und dann wieder runter aufs Autodeck, wo wir in meinem Transporter kletterten. Finley verabschiedete sich in seinen Transporter. Bella würde in meinem Transporter schlafen, da ihr Wohnteil vollkommen mit Kisten zugestapelt war.

      Ich erwachte mitten in der Nacht und schlich mich leise aus der Kabine um Linn nicht zu wecken. Draußen bemerkte ich was mich geweckt hatte, Laufey trat ungeduldig gegen die vordere Wand ihres Transportabteils. Ich stieg ein und quetschte mich durch den schmalen Gang an der Seite bis zu Laufey. Leise sprach ich auf sie ein, streichelte sie und staunte nicht schlecht als Linn mich wach rüttelte. Hab lag ich halb saß ich ein einer unbequemen Haltung am Boden, ich musste eingeschlafen sein. „Sag mal, bist du wahnsinnig?! Ich habe einen Schreck bekommen als ich sah, dass du weg warst.“ „Ich hätte ja auch auf'm Klo sein können, und Guten Morgen erst mal.“ „Ja, guten Morgen. Wir legen gleich an.“ Stunden später saßen wir endlich in einem kleinen Café am Hafen und frühstückten. „Vier Stunden bis Hannover.“, stellte ich fest. „Und dann noch 5 Stunden bis Dänemark.“, ergänzte Finley. „Bis Rømø.”, meinte Linn. Ich hatte schon als Kind lange Autofahrten immer gehasst. Als ich dann irgendwann groß genug war um auf dem Beifahrersitz zu sitzen, war es besser geworden, aber selbst zu fahren machte mir immer noch keinen Spaß. Verkrampft steuerte ich den großen LKW durch den Verkehr und folgte Finley, der sichtlich Spaß an der Fahrt hatte. Als wir uns schließlich auf der A2 in Richtung Hannover befanden, fühlte es sich seit langem einmal wieder an wie nach Hause kommen. Ich sah das Gestüt Sólin vom weitem. Pferde lebten hier keine mehr, aber Mamas Hühner, gerne als „Puschelhühner“ bezeichnet, bevölkerten den ganzen Hof. Als meine Mutter die Haustür öffnete, musste ich mir Mühe geben nicht in Tränen auszubrechen. Schnell wurden die Pferde ausgeladen. Als Finley mit Stássa am Strick aus dem LKW kam, hob die Stute den Kopf und wieherte. Sie schien ihr altes zu Hause zu erkennen. Die Nacht zu Hause war zu kurz, aber sie hatte den Pferden gut getan. Wir standen um 4:30 Uhr auf, aßen ein paar Brote, luden die Pferde ein und verabschiedeten uns. Wenn meine Rechnung aufging, würden wir gegen 11 Uhr auf Rømø sein.

      Um sechs Uhr brachen wir auf. Auf der A7 war es noch relativ leer, wenn es das überhaupt einmal war. Wir fuhren über Hamburg, Neumünster, Rendsburg, Schleswig, Flensburg und schließlich über die Grenze nach Dänemark. Zur Küste brauchten wir noch eineinhalb Stunden. Die Fahrt über den Rømøvej, die Brücke, die nach Rømø rüber führt, kam mir ewig lang vor. Endlich fuhren wir auf die Insel.

      Der Rømøvej, endlich. Ich kramte in meinen Sachen, die neben mir auf dem Beifahrersitz standen, bis ich eine CD hervorzog. „The Magic 5“, verkündete der Titel, auf dem Cover befand sich ein Islandpferd. Schnell und ohne den Blick von der Straße zu nehmen, schob ich die CD in den Player und drückte auf Start. Es war eine Tradition die ich schon seit meinem ersten Urlaub auf Rømø fortsetzte: Spätestens auf dem Damm diese Islandpferdelieder anzuhören. „Celebrate our livetime, come together and we'll ridin' like the wind.“, sang ich mit und war froh, dass niemand mit mir im Auto saß, dem ich auf die Nerven fallen konnte. Wie immer schien der Damm endlos, aber als er in die, gerade mal 22 km lange, Insel mündete, hatte ich das Gefühl nach Hause zu kommen. Ich übernahm die Führung und steuerte zielsicher über die einzige befestigte Straße und über einen ziemlich langen und holprigen Pfad, bis wir eine, von Unkräutern und sonstigem Grünzeug zugewucherte, Einfahrt passierten und schließlich auf dem Hof anhielten, unserem neuen Zuhause. Beinahe übermütig sprang ich aus dem Führerhaus und schaute kurz darauf in die Gesichter von Linn und Finley. „Links ist unser Wohnhaus, rechts ist der große Stall, geradeaus die Scheune, die als Unterstand für die große Wattweide dient...“, zählte ich mit bestem Fremdenführer Tonfall auf. „Willkommen zu Hause.“
      ~
      Die nächsten Tage waren ein völliges Durcheinander und die Pferde lebten sich schneller ein als wir Menschen. Ich ertappte mich noch einige Male dabei, die Sattelkammer links vom Wohnhaus zu suchen und in meiner neuen Wohnung stapelten sich noch immer die Kisten, aber wieder erwarten hatte ich nichts bereut. Nach einem gemeinsamen Strandritt war sogar Finley überzeugt und als dann die Nachricht kam, dass Thowra und Stássa die Körung bestanden hatten, war ich von der Richtigkeit meines Schrittes Überzeugt. Die neue Isländerzucht trug den Namen glæsileika eyjarinnar, Eleganz der Insel. Ein Name der nicht nur die Pferde und ihre eigentliche Heimat, sondern auch unserer neues zu Hause perfekt beschrieb. Wir waren angekommen, und ich hatte meinen großen Traum endlich ich greifbarer Nähe. Bald schon würde mein erstes Zuchtfohlen das Licht der Welt erblicken.

      Decken von Stássa und Thowra
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      22. September 2015 | (c) BellaS
      1998 Zeichen | - Bella

      Lange waren wir noch nicht in Dänemark, als endlich die ersehnte Antwort kam: Stássa und Thowra waren gekört. Für beide Stuten hatte ich ihr erstes Rendevouz mit den entsprechenden Zuchthengsten schon geplant. Ich hatte Thowra über die letzte Zeit genau beobachtet und endlich eindeutige Anzeichen der Rosse bemerkt. Ich holte Thowra von der Weide, Finley sollte das selbe mit Uprising tun, denn Hengste entwickelten beim Anblick rossiger Stuten eine unglaubliche Kraft. Kaum hatte ich Thowra an der Longe auf den Hof gebracht, kam Finley auch schon mit dem tänzelnden Uprising heran. Der Hengst zögerte keinen Moment sondern besprang Thowra schnell und sicher. Sie schaute etwas verdutzt auf Uprising, ließ sich das ganze aber gefallen. „Nun denn.“, meinte Finley grinsend. „In elf Monaten sehen wir was bei herauskommt.“

      Für Stássa mussten mehr Vorbereitungen getroffen werden, denn mit ihr musste ich zum Hengst fliegen. Kjarkur stand, genau wie die Stute Slaufa, die eine Zeit lang in meinem Besitz gewesen war, auf der Barrier Cliff -Ranch in New York. Trotz der Unannehmlichkeiten wollte ich einen natürlichen Decksprung und keine künstliche Besamung für Stássa, aus diesem Grund würden wir fliegen. Die Reise verlief problemlos, wobei ich feststellte, dass ich das Fliegen noch weit mehr hasste als meine Stute es tat. Rachel Wincox, Kjarkurs Besitzerin holte uns am Flughafen ab. Es war nicht einmal eine weite Fahr vom Stadtzentrum bis zur Ranch. Wir hatten Glück, denn meine Stute zeigte schon nach kurzer Zeit eindeutige Anzeichen der Rossigkeit. Anders als Uprising brauchte Kjarkur etwas mehr Zeit. Er beschnüffelte Stássa ausgiebig, die ihm fordernd das Hinterteil entgegenstreckte, den Schweif zur Seite gelegt. Schließlich tat auch dieser Hengst was von ihm verlangt wurde. Zur Sicherheit wiederholten wir das Ganze am nächsten Tag noch einmal, ehe ich mit Rachel über die Decktaxe verhandelte. Mit etwas Glück würden Thowra und Stássa bald für etwas Zuwachs in unserer Herde sorgen.

      Fliegen lernen
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      30. Oktober 2015 | (c) BellaS, Seimure
      16364 Zeichen | - Bella, Linn

      Der neue Tag schien schon einmal gut anzufangen: der Akku von meinem Wecker hatte in der Nacht seinen Geist aufgegeben, und so kam ich erst um sieben aus dem Bett. Als ich in die Küche kam, wurde ich von Flóki, der erst seit ein paar Tagen bei mir wohnte, begrüßt. Flóki war ein Isländischer Schäferhund, also auch ein „Isländer“, womit er super auf den Hof passte. In den letzten Tagen hatte ich ihn erfolgreich stubenrein bekommen und übte nun mit ihm an den grundlegenden Befehlen wie Sitz und Platz.Der Welpe bekam sein Futter und war dadurch eine kurze Zeit beschäftigt, die ich nutzte, um eine Schüssel Müsli zu essen, ohne das er mir zwischen den Füßen rumwuselte. Dann zog ich mich an und Flóki bekam sein Halsband um den Hals, an dem ich ihn festhalten konnte, wenn er auf die Pferde losging oder anderen Unsinn im Kopf hatte. Als wir auf den Hof kamen, trafen wir auf Finley. Finley hatte Flóki schon fast adoptiert, während man das von Bella, die gerade aus dem Stall kam, nicht sagen konnte. Das lag wohl daran, dass Flóki ihr gerne bei der Arbeit zwischen den Beinen rumlief, während er Finley akzeptierte und auf ihn hörte. Wir gingen in die Sattelkammer und teilten die Arbeit zwischen uns auf. An diesem Wochenende wollten wir mit Peppy, Brött und Vina das Fohlen-ABC machen, da Brött und Peppy schon in ein paar Monaten angeritten werden sollten, und es bei Vina auch nicht mehr lange hin war. Da wir gerade den Fohlenschub hatten, würde auch der kleine Vákur beim Führ- und Putzteil mitmachen. Wir einigten uns darauf, dass Bella Brött übernehmen würde, Finley Vina und ich Peppy. Bella würde danach noch mit Vákur ein bisschen üben.

      Ich war angenervt, musste aber auch mit der 'niiiiiiiiiedlich'-Stimme in meinem Kopf ringen, als Linns Welpe vor ihr aus der Tür hüpfte. Der kleine Flóki war zwar goldig, hatte aber ein ausgesprochenes Talent dafür, immer dann aufzutauchen, wenn man ihn in keinster Weise gebrauchen konnte. Zudem war ich noch nie ein Hundemensch gewesen. Ich war mit Katzen aufgewachsen und somit eher ein Liebhaber der kleinen, leisen und unaufdringlichen Tiger. Allerdings ging es ja nicht wirklich um Katzen oder eben Hunde, die Pferde standen im Mittelpunkt und da waren Linn und ich und absolut einig. Zu dritt betraten wir die Sattelkammer, holten die kleinen Fohlenhalfter und machten uns auf den Weg zum Offenstall der Fohlen. Während Brött eigentlich ein Jährling, eher noch ein Jungpferd war und nur noch aufs Anreiten vorbereitet werden würde, war der kleine Vákur gerade erst vollständig entwöhnt worden. Linns Stutfohlen Peppy, von mir spaßhaft PPA genannt, war nur wenig jünger als Brött, und Vina lag irgendwo dazwischen. Durch Zufall hatten Linn und ich in den letzten Tagen außerdem eine erstaunliche Entdeckung gemacht: unsere vier Fohlen waren jeweils zwei Vollgeschwister. So stammten Brött und Vákur von unserem Blettur und der bekannten Zuchtstute Milka Luflee ab, Vina und Peppy waren Nachkommen von einem Hengst namens Maxi und der Stute Palimé. Ich würde mich zu aller erst Brött widmen und belegte den Roundpen mit Beschlag. Finley und Linn gingen mit Vina und Peppy in die Reithalle.
      Ich führte Brött in den Roundpen. Wir hatten vor kurzem mit den Grundübungen zum Longieren begonnen. Sie akzeptierte nun Longe und Kappzaum und hatte verstanden was ich von ihr wollte, wenn ich sie mit einer langen Longierpeitsche zum Gehen aufforderte. Allerdings hatten wir das langweilige 'im Kreis laufen' bisher nur frei und ohne diese 'komische Ding am Kopf' probiert. Heute würde ich also beides kombinieren und Brött das erste Mal klassisch longieren.

      Finley und ich banden Vina und Peppy auf den Hof an und putzten sie schnell. Dann gingen wir in die Reithalle, da Bella mit Brött im Roundpen war. Vina und Peppy hatten auch schon die Grundlagen des Longierens gelernt, aber heute stand ein Anti-Schreck-Training an. In der Halle ließen wir die Beiden vom Strick, damit sie sich schon einmal umsehen konnten, während wir einen kleinen Pacours aufbauten. Dieser startete damit, dass die Fohlen mit verbundenen Augen über eine Regenplane laufen mussten, danach bewarfen wir sie mit kleinen Schaumstoff-Tennisbällen und einem Gymnastikball. Zum Schluss mussten die Beiden noch mit bunten Regenschirmen und Besen bekannt gemacht werden. Finley und Vina legten vor. Die Augenbinde fand Vina schon nicht so toll, aber als Finley sie dann auf die Plane führte, fand sie das zu gruselig. Nach ein paar Runden Trab und Galopp und einigen wilden Bocksprüngen, konnte sich Vina jedoch beruhigen, und Finley führte sie erst ein paar Mal ohne Augenbinde über die Plane, dann auch mit, was sie nach einigem zögern auch meisterte. Während Finley Vina mit den kleinen Schaumstoffbällen bewarf, und sie einige Fluchtversuche machte, durfte auch Peppy erst ohne, dann mit Augenbinde über die Plane zu laufen. Glücklicherweise war sie ruhiger als Vina, und wir schafften es beim ersten Anlauf. Vina hatte auch schon den Gymnastikball hinter sich gebracht, und so begann ich, Peppy mit den Tennisbällen zu bombardieren. Sie fand es nicht gerade toll, war aber auch hier ruhiger als Vina. Auch den Gymnastikball überstand sie gut. Finley und Vina hatten währenddessen Regenschirme durch die Gegend gewirbelt und sich gegenseitig mit dem Besen geärgert. Während auch Peppy und ich dies machten, gingen Finley und Vina den Pacours noch einmal durch, was sehr viel besser ging, als beim ersten Mal. Finley und ich bauten alles wieder ab, während die Fohlen die Halle untersuchten. Dann führten wir Vina und Peppy wieder auf den Hof, wo auch Bella und Brött schon waren.

      Brött hatte fast aufgefressen, als Linn und Finley ihr Fohlentraining ebenfalls beendeten. Den Utensilien zufolge, die der kräftige Schotte schleppte, hatten die beiden heute Anti-Schreck Training gemacht. Linn versorgte nun auch Peppy und Vina mit Fohlengerechten Portionen Geste. Als ich sah, wie die kleinen Mäulchen in den Futterschüsseln verschwanden, rebellierte auch mein Magen. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es war bereits 14 Uhr und ich hatte seit dem Frühstück um sieben nichts vernünftiges gegessen. Schnell brachte Brött wieder in ihren Offenstall und verschwand im Haus, um mir etwas zu essen zu machen.
      Nach einer halben Stunde und einer ordentlichen Portion Nudeln machte ich mich gut gelaunt und gesättigt auf zum Stall. Das ganze Fohlentraining hatte lange gedauert, länger als erwartet, und meine Motivation noch Bäume auszureißen hielt sich auch in Grenzen, also sah ich mich gezwungen meinen Tagesplan etwas zu ändern. Ich holte Faera von der Weide und putze und sattelte sie. Die fuchsfarbene Stute würde bald zur Körung gehen, und ich wollte die Kür noch einmal üben. Auf dem Weg zum Reitplatz begegnete ich Linn, die gerade mit Garpur von der Ovalbahn kam. Ich blieb kurz stehen. „Ich übe jetzt nochmal die Kür mit Faera. Garpur ist offensichtlich auch geritten worden. Was hast du noch geplant?“ „Nur ein bisschen Tölttraining mit Meyja und vielleicht Bodenarbeit mit Lykkja, wenn ich dann noch 'nen Nerv dafür frei habe.“ „Okay, dann müssen ja noch einige raus. Was macht Finley?“ „Der? Ich glaube er ist gerade mit Topar raus. Außerdem hatte er vorhin eine handfeste Meinungsverschiedenheit mit Blettur auf der Ovalbahn.“ Linn grinste. „Wenn andere draufsitzen ist sowas eine ganz wunderbare Art der Unterhaltung.“ „Ja, ja.“, lach nur. Auch ich hatte vor einigen Tagen mit besagtem Hengst eine nicht ganz freiwillige Show abgezogen. „Hast du Lust auf einen Ausritt? Nachher? Strand? Ohne Sattel?“ Jetzt war es an mir zu grinsen, denn mit 'ohne Sattel' Ausritten zum Strand hatte Linn ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. „Nur wenn ich Sólfari kriege!“ „Abgemacht.“

      Nachdem ich Garpur mit Gerste, Pellets und Brot versorgt hatte, brachte ich ihn zurück in den Offenstall und holte Meyja von der Weide. Mit der Stute würde ich heute Tölt trainieren, da es wegen ihres einfachen, aber guten Tölt am sinnvollsten war, sie darin zu fördern. Ich putzte und sattelte sie schnell, setzte meinen Helm auf und zog statt der Stiefel Stiefeletten und Chaps an. Ich saß auf und trieb Meyja in Richtung Ovalbahn. Nach dem Aufwärmen übten wir Tölt im Arbeits- und Mitteltempo auf beiden Händen. Als wir etwa eine halbe Stunde auf der Ovalbahn waren, stießen Bella und Fjara zu uns. Fjara schien über das Training nicht sehr begeistert zu sein, und nachdem ich einige Zeit zugesehen hatte, wie Bella sich mit ihr rumschlug, überließ ich ihnen die Ovalbahn, damit sich Fjara wieder beruhigen konnte. Ich ritt mit Meyja noch eine kleine Runde durchs Gelände, wo wir auf Finley und Topar trafen, mit denen wir uns ein kleines Rennen lieferten. Natürlich gewann der Hengst das Rennen, aber Bella würde sagen: „Dafür ist Meyja süß!“ Auf dem Rückweg schwärmte Finley von Snót, deren Western-Kenntnisse er vorhin in der Halle gründlich ausgenutzt hatte. Auf dem Hof mussten wir erst einmal Bella beruhigen, der Fjara wirklich den allerletzten Nerv genommen hatte. Bella brachte Fjara wieder auf die Weide und wir gaben Meyja und Topar ihr Fressen. Während sie fraßen, versuchte ich Finley zu erklären, was es mit der deutschen Zeichensetzung und Rechtschreibung auf sich hatte, denn er sprach Deutsch schon recht gut, wenn er aber etwas schrieb, musste man stundenlang davor sitzen und versuchen, auch nur ein Wort zu verstehen. Nach einiger Zeit brachten wir die Pferde wieder auf die Weide und holten Lykkja. Da Finley nichts mehr zu tun hatte, erklärte er sich dazu bereit, mir mit der Stute etwas zu helfen. Wir hatten Lykkja erst vor ein paar Tagen von ihrer Vorbesitzerin abgeholt, und so war dies ihr erstes Training mit uns. Wir putzten sie schnell und gingen dann in den Roundpen. Zuerst longierte ich sie auf beiden Händen im Schritt, Trab und Tölt, schließlich auch im Galopp. Dann nahm ich Finleys Platz auf dem Gatter ein, und er brachte ihr einige Tricks bei, die ich noch nie einem Pferd hatte beibringen können. Schließlich waren wir fertig und ließen Lykkja wieder zur Herde auf die Weide.

      Irgendwie war die Zeit zu schnell vergangen und der Tag neigte sich bereits seinem Ende entgegen. Ich hatte mich gerade vergewissert, dass es Thowra und Stássa an nichts fehlte. Die werdenden Mütter bekamen jetzt öfter noch etwas Extrafutter und das Reiten hatten wir auf Grund der fortgeschrittenen Trächtigkeit bereits eingestellt. Außerdem hatte ich einen Termin mit Joyce vereinbart, die die beiden als Tierärztin noch einmal begutachten sollte. Normalerweise brauchten Isländer keine so große Aufmerksamkeit wenn es um Fohlen ging und auch diese Stuten sollten ihre Fohlen traditionell alleine auf der Weide bekommen, allerdings wollte ich mir sicher sein, dass dabei nicht zu Schwierigkeiten kam. Stuten und Fohlen waren zu wertvoll.Wieder einmal zog ich meine Uhr zu Rate und erschrak. Es war eindeutig zu spät für einen längeren Ausritt, gerade ohne Sattel und Sicherheit. „Es ist zu spät.“ Stellte ich auch für Linn, die sich gerade zu mir gesellt hatte, fest. Machen wir das Morgen. Ich gehe jetzt allerdings noch mal schnell mit Hnakki an den Strand, der muss ein bisschen rennen sonst wird der Wahnsinnig. „Er hat sich selbst zuzuschreiben, dass er in der Box stehen muss! Hätte er sich nicht unbedingt kloppen müssen...“, muffelte Linn. „Ja. Das zeigt nur, dass er viel Potenzial zum Zuchthengst hat.“ Ich versuchte Hnakki zu verteidigen, aber Linn schien die Lust am Streiten auf einmal verloren zu haben. „Ich nehme Vinkona und komme noch mit zum Strand. Ein Rennpassfoto macht sich bestimmt gut auf unserer Website.“ Linn verschwand im Haus um ihre Kamera zu holen, ich holte die Pferde.
      Es wurde ein flotter Ausritt und es entstanden traumhafte Fotos mit einem Junghengst im Rennpass, den Sonnenuntergang im Hintergrund. Schließlich hatten wir genug. Die Pferde wurden versorgt und wir beschlossen uns noch in meiner Wohnung zu treffen um einen Film zu gucken. Kaum war dieser allerdings vorbei, verschwand Linn nach unten und ich fiel ins Bett.

      Am Sonntagmorgen hatte ich mit Bella und Finley ein üppiges Frühstück, unter anderem mit isländischem Skyr, selbstgebackenen schwedischen Semlor und – auf Bellas Wunsch hin – Musik von den 'Magic 5'. So sehr ich die Musik verabscheute, so sehr machte es Spaß, mit Finley ein Kakaowetttrinken zu veranstalten. Währenddessen untersuchte Bella einen Semla. „Was – ist – das, Linn?“ Ich erklärte ihr, was es mit dem schwedischen Fastengebäck, das ich schon seit meiner Kindheit buk und aß, auf sich hatte. Der untere Teil des kugelförmigen, süßen Brötchens war mit Marzipan gefüllt, darauf tat man dann noch ordentlich Schlagsahne, dann noch den Deckel und viel Puderzucker drauf.
      Nach dem Frühstück mit viel staubendem Puderzucker holten wir Laufey und Sólfari, mit denen wir einen Strandausritt geplant hatten. Wir ritten an der Ovalbahn entlang und über die Passbahn zum Strand, wo wir angaloppierten. Sólfari jagte mir einen riesigen Schreck ein, als er mit einem riesigen Satz Laufey und Bella nachjagte. Wir ritten ohne Sattel, und der Pferderücken war rutschig, was durch das Meerwasser, das uns überall hinspritzte, nicht verbessert wurde.

      Die Sonne war noch mich lange aufgegangen und es war kühl. Bis eben hatte ich noch gefröstelt doch jetzt wärmte die Bewegung mich von innen heraus. Laufey flog förmlich über den Strand, und ich musste mein Gewicht ein Stück weiter mach hinten verlagern, um sie ohne Sattel unter Kontrolle zu behalten und mich auf ihrem Rücken zu halten. Schließlich gab ich meine Versuche die Geschwindigkeit zu drosseln auf und griff in die Mähne meiner Stute. Eiskaltes Meerwasser und Sand spritzte unter den Hufen der galoppierenden Pferde auf und versah Linn und mich mit einer feuchten Kruste. Um nicht alles von mir abzubekommen, gab Sólfari mächtig Gas und lief schließlich eine Nasenlänge vor Laufey. Er wandte den Kopf zu ihr und wieherte freudig, was Linn einen kleinen Herzanfall zu bescheren schien. Als wir die Pferde wieder durchparierten und uns auf den Rückweg machen wurde mir bewusst, dass ich eine gute Entscheidung darin getroffen hatte, Laufey das erste Mal von Sólfari decken zu lassen. Dass die beiden Pferde sich gern hatten war mehr als offensichtlich und so freute ich mich, so entschieden zu haben. Das Verhalten von Laufey und Sólfari erinnerte mich aber nicht nur an den bekannten Pferdefilm 'Spirit', sondern leider auch an meinen Exfreund und unsere Trennung im Streit. Man hätte meinen können, dass genug Zeit vergangen war, um diese Szene für immer aus meinem Gedächtnis zu verbannen, doch in Situationen wie jetzt geisterte sie mir gerne wieder im Kopf herum. „Bella! Nicht verkniffen gucken und vor allem nicht grübeln!“ Linn wusste manchmal wirklich zu genau, was in mir vorging. „Wo ist das Problem?“ „Ach, nichts.“ Diese obligatorische Phrase nervte zwar, gab meiner besten Freundin allerdings zu verstehen, dass ich nicht reden wollte. „Wenn du nicht redest rate ich!“, drohte sie mir an. „Also?“ „Ich will nicht reden! Ich brauche keinen Seelenklemptner in Form meiner besten Freundin!“ „Aha. Schon wieder Jonas?“ „Hmpf.“ Das war ihr offensichtlich Antwort genug und Linn sagte erst einmal eine Weile gar nichts, was mir recht gelegen kam. „Du musst da endlich mal drüber hinweg kommen. Vergiss dieses Arschloch!“ Damit war die Sache für sie offensichtlich erledigt und wir spornten die Pferde nochmals zum Galoppieren an. Unser Ausritt zog sich in die Länge, doch als wir endlich wieder beim Hof ankamen, erwartete uns Finley mit guten Neuigkeiten. „Zwei Mal Hengstkörung bestanden und zur Zucht freigegeben.“, rief er uns entgegen. Ab jetzt gab es kein Halten mehr. Lange hatte ich geplant was nun endlich möglich wurde. Wir befreiten Laufey und Sólfari von Trense beziehungsweise Knotenhalfter und putzen sie. Anschließend ging es aber nicht zurück auf die Weide, sondern auf ein kleines, eigens für diesen Zweck abgestecktes Koppelstück. Wir ließen die beiden laufen und warteten gespannt in einiger Entfernung. Es dauerte nicht lange bis Sólfari zur Tat schritt und ich hatte meine selbstbewusste Stute noch nie so überrascht, glücklich und entspannt zugleich gesehen. „Auf das bald eine ganze Herade wunderhübscher Fohlen auf unserer Weide herumtollt.“, grinste Linn. Wir gönnten dem Pferdepärchen noch etwas Zeit zusammen und ließen sie stehen. Dann trennten sich unsere Wege und jeder ging seiner Arbeit nach.

      Vorahnung
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      17. Januar 2016 | (c) BellaS, Seimure
      11376 Zeichen | - Bella, Linn

      Mitten in der Nacht schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Ein Albtraum? Dann musste ich ihn direkt wieder vergessen haben. „Na ganz toll.“ Ich grummelte und drehte mich auf die andere Seite, aber irgendetwas ließ mich nicht mehr einschlafen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, schlüpfte in Reitstiefel und Kapuzenpulli und ging hinaus. Irgendwas stimmte doch nicht. Es war stockdunkel und empfindlich kalt. Kein Wunder, der Hebst war hier oben an der See bereits dabei in den Winter überzugehen. Langsam wanderte ich an den Boxen der Hengst vorbei. Die meisten lagen schlafend auf ihrem Strohbett, nur Hnakki streckte mir seine Nase entgegen und schnaubte leise. „Na Süßer. Auch wach?“, flüsterte ich und schob meine klammen Finger unter die üppige Mähne des Hengstes und sie zu wärmen. Herrlich. Ich hätte Stunden so verharren können, doch eine seltsame innere Unruhe trieb mich weiter. Seltsam, absolut seltsam. Ich schaute noch bei den Fohlen vorbei und ging ein Stück am Zaun der großen Weide entlang, aber mit den Pferden schien alles in Ordnung zu sein. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg zurück ins Bett.

      Am nächsten Morgen beim Frühstück erzählte ich Linn von meiner seltsamen nächtlichen Unruhe, doch sie tat es achselzuckend ab. Trotzdem beharrte ich darauf die Pferde alle einmal anzusehen, es bestand ja die Möglichkeit, dass doch etwas passiert war. Zwar schüttelten sowohl Linn als auch Finley den Kopf über mich, aber sie halfen mir doch. Mit Hnakki, Blossi und Topar ritten wir über die Wattweide und trieben unsere Stutenherde zurück zu Hof, wo wir sie alle gründlich absuchten. Mit Ausnahme einer kleinen Wunde an Fjaras Flanke, die ich schnell versorgte, fand sich überhaupt nichts. Allen Stuten ging es gut und auch Fohlen und Hengste zeigten keine Auffälligkeiten. „Bella. Könntest du jetzt bitte aufhören dir Sorgen zu machen? Hier ist nichts.“ Linn schüttelte den Kopf und ich grummelte halb zustimmend. Natürlich konnte ich nicht einfach aufhören mir Sorgen zu machen. Wer konnte das schon? Doch als ich sah wie Finley und Linn sich einvernehmlich angrinsten, verzog ich das Gesicht und verschwand in der Sattelkammer um mit meinem Tagewerk zu beginnen.

      Seit dieser seltsamen Nacht waren Wochen vergangen. Es war Dezember geworden, Weihnachten stand vor der Tür und es hatte geschneit. Thowra, Stássa und auch Laufey wurden mittlerweile nicht mehr geritten und trugen ihre dicken Fohlenbäuche stolz über die Wattweide. Außerdem war meine Stute Faera durch die Körung gekommen und Linns Meyja hatte gute Chancen das Selbe zu erreichen. Eigentlich lief alles wunderbar nach Plan, doch etwas trübte unser Glück. Nur wenige Tage nach jener seltsamen Nacht erreichte uns eine schwarz umrandete Karte. Ein schrecklicher Todesfall. Unsere Freundin Sarah, die Vorbesitzerin von Uprising und Thowra und gute Freundin würde das erste Fohlen ihrer Stute nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn Thowra nach Hause hohlen. Sie und ihre gesamte Familie waren einem Gasleck in ihrem Haus zum Opfer gefallen. Wie viele andere in der Reiterwelt dachten auch wir an Sarah und ihre junge Familie, die ein so tragisches Ende gefunden hatte. Trotzdem, wir konnten nur unsere Anteilnahme ausdrücken und weiter machen – etwas anderes konnte sowieso niemand gebrauchen. Resigniert stütze ich den Kopf in die Hände und starrte in meinen heißen Tee. Draußen tobte ein regelrechter Schneesturm und ich kam gerade völlig durchgefroren vom Distanztraining mit Snót zurück. Linn ritt in der Halle und Finley stand wahrscheinlich dabei und sah ihr zu anstelle seine Arbeit zu erledigen. Weiter starrte ich resigniert und wütend in meine Tasse. Meine Trauer über Sarah war nur ein Vorwand, in Wahrheit war ich einfach nur eifersüchtig auf die beiden die sich in der letzten Zeit unaufhaltsam näher kamen. Ich und Männer, das war ein Paradox. Einerseits wollte ich einen neuen Freund, mehr als vieles andere, andererseits plagten mich immer noch Sorgen und düstere Vorahnungen über die Trennung von meinem letzten dieser Art. Ich musste mich dringend ablenken und so setzte ich mich an den Computer. Dafür hatte ich schon so lange nicht mehr die Zeit gehabt, obwohl ich Technikkrams jeglicher Art liebte. Erst spät in dieser Nacht fiel ich ins Bett.

      Und schon wieder meinte die Zeit rennen zu müssen. Weihnachten war gekommen und gegangen, mit Mayalie war ein neues Pferd eingezogen. Auch ein neues Jahr war angebrochen und unsere Zuchtstuten zeigten die ersten Anzeichen, dass ihre Fohlen bald das Licht der Welt erblicken würden. Mal wieder hatten man mich mit Aufträgen bombardiert und ich war in der letzten Zeit so viel in der Welt unterwegs gewesen, dass ich so ziemlich alles andere verdrängt hatte. Jetzt standen noch zwei Körungen an, die Geburten von zwei Zuchtfohlen und dann würde ich wieder durchatmen können. Hoffte ich zumindest.

      Der Signalton, der eine neue Whatsappnachricht meldete, riss mich aus dem Schlaf. Die Nachricht war von Bella.
      Lust auf einen Austritt? Mayalie braucht Bewegung. :3
      Verschlafen tippte ich eine Antwort und stand dann auf. Was um Himmels Willen machte Bella um diese Zeit draußen? Es war gerade einmal halb fünf, und meistens war ich die einzige, die vor sechs Uhr auf dem Hof war. Ich machte mich schnell fertig und ging dann mit Flóki raus. Der schwarz-weiße Hund war schnell gewachsen und hatte nun fast seine Endgröße erreicht. Seinen Dickkopf hatte er zwar nicht verloren, aber er durfte seit ein paar Tagen alleine auf dem Hof rumlaufen. Draußen fiel mir gleich Mayalie ins Auge, was bei dem Koloss von einem Pferd auch nicht schwierig war. Ich mochte Kaltblüter nicht besonders gerne, aber ein Shire Horse war immer ein großer Traum von Bella gewesen, der sich mit Mayalie nun erfüllt hatte. Jetzt kam Bella mit Mayalies Putzzeug aus der Sattelkammer. Sie winkte mir fröhlich zu und machte sich dann ans Putzen. Ich überlege derweil, welches Pferd ich für den Ausritt nennen könnte. Vidja nicht, weil sie seit einer Woche nicht mehr geritten wurde, da sie von dem Leihhengst Ljóski ein Fohlen erwartete und ich bei meiner Lieblingsstute keine Risiken eingehen wollte. Schließlich entschied ich mich für meine Stute Vínd, welche genau wie Mayalie noch ein Neuzugang auf dem Hof war. Die kleine Stute war wie ich eine Frühaufsteherin und so dauerte es nicht lange, bis ich sie gesattelt hatte. Wie immer sah es ungemein lustig aus, als sich Bella auf Mayalies Rücken schwang. Wir schlugen den Weg zum Strand ein, den längsten und zugleich schönsten Weg für einen Ausritt. "Was ist eigentlich in dich gefahren?", fragte ich Bella, während wir durch den leise knirschenden Sand hinunter zum Wasser ritten "Sonst bist du doch immer erst um halb sieben bei den Pferden. Frühstens." "Ach, ich weiß nicht. In letzter Zeit bist du den ganzen Tag immer mit Finley zusammen, und irgendwie wollte ich dich mal wieder so richtig für mich haben", sagte sie, während wir mit den Pferden durch das flache Uferwasser platschten. "Bella, so ist das nunmal, wenn man einen Menschen gefunden hat, den man liebt und mit dem man seine Zeit verbringen möchte. Was meinst du, wie es mich manchmal genervt hat, wenn Jonas anwesend war, und du dich nur für ihn interessiert hast", sagte ich beschwichtigend. Bella warf mir einen düsteren Blick zu. "Das war anders. Finley gehört zum Team und wir sind ja auch befreundet. Und wenn die zwei Freunde, die als einzige in der erreichbaren Umgebung sind, plötzlich nur noch Augen für einander haben, dann fühlt man sich so... alleine. Du hattest wenigstens noch Tabea, und mit der warst du ja auch gut befreundet. Ich würde einfach gerne ein bisschen mehr Zeit mit dir verbringen." Nach einer kurzen Pause sah sie mich von der Seite her an. "Aber ich weiß, dass Finley mit dir den allerbesten Mensch gefunden hat, den er finden konnte", fügte sie mit einem kleinen Lächeln hinzu. Wir wechselten einen kurzen Blick und mussten lachen. Wie auf Kommando galoppierten wir an und jagten über den Strand. Nur für Augenblicke waren wir wieder die beiden Mädchen, zehn und dreizehn Jahre alt, die sich beim gemeinsamen Reitunterricht zunächst ignoriert hatten und schließlich aber zu den besten Freundinnen die man sich vorstellen konnte geworden waren.

      Ich hatte mir alles aus der Seele geredet und Linn hatte zugehört. Zwar nicht alles wirklich nachvollzogen, aber was solls? Das meiste war eh nur dämliches Selbstmitleid. Noch immer lag Schnee, der sich mittlerweile in einen ekligen, grau braunen Matsch verwandelt hatte. Nur am Strand und in der Halle konnte man vernünftig reiten, ohne das die Pferde ohne Wintereisen sich Schnee in die Hufe traten oder ausrutschten. Ach der Strand, wie ich ihn liebte. Wie ich Rømø liebte, meine neue Heimat. Ich war wirklich angekommen, hatte mir hier eine Exestenz und ein Zuhause aufgebaut. Jetzt, mit einem glücklichen Pärchen an meiner Seite, fehlte mir nur noch eins… „ES REICHT!“ Energisch verdrängte ich den leidigen Gedanken und konzentrierte mich auf meine heutige Arbeit. Mayalie reiten, erledigt. Mit Nátti tölten üben, weiter mit Sattel und Zaumzeug bei Brött und Kylja, Bjatur anlongieren, noch ein paar Pferde reiten. Alles mögliche stand noch auf meiner To-Do, aber ich würde mit Náttdís anfangen. Ich sattelte meine zweite Lieblingsstute und da ich die Halle heute wohl noch oft genug von innen sehen würde, entschied ich mich für die einzig weitere Option. Es ging zum tölten an den Strand. Er war es schwierig Nátti vom galoppieren abzuhalten und überhaupt in den Tölt zu bekommen, dann hatte ich ein Problem mit wirklich üblem und passigem Takt. Gerade als ich zufrieden war, tauchte hinter mir ein Reiter auf. Finley liebte Topar und seitdem er unter dem Westernsattel ging, waren die beiden nur noch schwer zu trennen. „Rennen gefällig?“ Er grinste. Obwohl ich eigentlich sinnvolleres zu tun hatte, konnte ich nicht widerstehen. So kam ich zu einem zweiten, wunderbaren Galopp am Sønderstrand.

      In der nächsten Zeit passierte nichts weiter aufregendes. Wir kümmerten uns um unsere Pferde, begannen mit den Sattel- und Zaumzeugtraining von Kylja und Brött, die bald eingeritten werden würden, bereiteten uns mit Lykkja, Garpur und Vinkona auf die anstehenden Körungen vor und fieberten den Fohlen von Thowra und Stássa entgegen, die nun bald das Licht der Welt erblicken sollten. Auch Laufeys Bauch wurde allmälich sichtlich rund. Und trotzdem hoffte ich, dass sich der Tag in dem ich meine Stute nicht mehr würde reiten können noch etwas verzögerte. Außerdem begrüßten wir mal wieder Neuankömmlinge. Ein junger Hengst und eine hübsche Stute aus meiner Zucht, Bjatur und Tilviljun, kehrten zu uns zurück. Bjatur würde eines Tages wieder auf Wanderschaft gegen, doch für Juni sollte es hier ein längerfristiges zu Hause geben. Für unsere bereits gekörten Zuchthengste gab es nicht ganz so viel Arbeit, allerdings hatten wir auch noch eine weitere Stute gedeckt. Faera trug nun von Black Lemontree, eine gewagte aber aussichtsreiche Kombination. Blettur machte Deckpause. Auch Sólfari und Blossi warteten sehensüchtig auf den Frühling, mit dem wohl auch unsere Fohlenherde an Zuwachs gewinnen würde. Zu allem Überfluss hatte ich mich auch noch in eine gekörte Zuchtstute verliebt und Frejka kurzerhand gekauft. Linn gefiel das zwar nicht unbedingt, doch das störte mich seit ehher sowieso nicht. Bald würde der Frühling auf glæsileika eyjarinnar Einzug halten.

      Wiedersehen macht Freude
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      27. Januar 2016 | (c) BellaS
      8164 Zeichen | - Bella

      Als mich die Nachricht erreichte, dass Rachel wieder einmal Pferde verkaufte, war ich nicht besonders interessiert. Rachel hatte so einiges im Stall stehen. Trotzdem schaute ich mir wenig später an um welche Pferde es ging. Ich entdeckte Morgaine, eine Barockpinto Stute die einst mir gehört hatte, dann aber zu Gunsten meiner Isländerzucht ausziehen musste. Die anderen Pferde schaute ich nur flüchtig an, bis ich mit einem mal hängen blieb. Kjarkur stand zum Verkauf, der Vater meines ungeborenen Zuchtfohlens Silfurtoppa. Ein gekört Isländer allererste Güte. Schon rechnete ich im Kopf meine Finanzen durch und schaute was ich würde ausgeben können, da fiel mein Blick auf eine weitere Anzeige. Slaufa, eine hübsche Scheckstute und kein unbekanntes Gesicht. Kurz vor unserem Umzug nach Rømø hatte ich sie, eigentlich zu Zuchtzwecken, an Rachel verkauft. Von diesem Moment an stand fest, wir würden wieder einmal Zuwachs bekommen. Beide Pferde waren zuchtfertig und gekört, hatten gute Voraussetzungen und waren keine Problemfälle, es sprach nichts gegen ihren Einzug. Selbst für meinen Geldbeutel lief das Geschäft verhältnismäßig schonend ab, auch wenn dieser seit den letzten Käufen sowieso nicht mehr besonders voll war. Schon in den nächsten Tagen würden die neuen Pferde ankommen. Ich erledigte die restliche Büroarbeit in fliegendes Eile und suchte nach Linn um ihr von dem schnell getätigten Kauf zu erzählen. Sie hatte nichts dagegen, zeigte sich aber auch nicht übermäßig begeistert. „Wann hörst du wohl auf Pferde zu kaufen?“, fragte sie mich etwas später während eines gemütlichen Ausrittes durch den Wald. Ich saß auf Vin, meinem besten Turnierpferd, das ich dank der Zucht in der letzten Zeit sträflich vernachlässigt hatte. Linn hatte ihre Vidja nicht reiten können, denn der Fohlenbauch gestattete mittlerweile nur noch Bodenarbeit. Da sie aber die Stute Tilviljun, genannt Juni, bald ins Training nehmen würde, hatte sie sie für diesen Ritt ausgewählt. Seit der Schnee verschwunden war, hatte auch das tägliche Leben auf unserem Hof wieder an Normalität gewonnen. Finley betüddelte die Hengste, kümmerte sich um die Boxen, Heu und was sonst noch alles anfiel, Linn und ich ritten den halben Tag und halfen ihm so gut wir kommen. Trotzdem wurde es immer anstrengender. Mehr Pferde bedeuteten mehr Arbeit und wir waren eben nur zu dritt. Schließlich stellten wir gemeinsam eine Anzeige ins Internet, in der wir nach einem vierten Teammitglied suchten. Jemandem der anpacken und Isländer reiten konnte. Zum Glück war mein Dänisch mittlerweile gut genug für solcherlei Aktionen, auch wenn ich zugeben musste, dass ich von uns dreien die war, die die Sprache noch am schlechtesten beherrschte. Finley lernte gern Sprachen und Linn hatte auch noch ein echtes Talent für so was – kein Wunder also, dass ich hinterher hing. Ich ließ meine Gedanken wandern und unser Gespräch verstummte, als wir beide uns in unsere Parallelwelten zurückzogen. Den Weg kannten wir sowieso im Schlaf. Im laufe des Nachmittags hatte ich noch Laufey an der Longe, deren Bewegungsdrang trotz ihrer Trächtigkeit ungebrochen blieb. Abends ging es noch schnell mit Frejka auf den Platz, denn wir waren noch immer in der Gewöhnungsphase. Erst morgen würde es wirklich interessant werden, denn dann durfte Brött das erste Mal das Gewicht eines Reiters auf dem Rücken tragen.
      Es war doch spät geworden, denn am Abend hatten wir zu dritt einen Filmabend veranstaltet. Als ich erwachte, bekam ich einen Schreck. Es war bereits halb neun. Normalerweise stand ich um sieben Uhr auf um mit der Arbeit des Tages zu beginnen, heute hatte ich gehörig verschlafen. Ein Blick auf meinen Radiowecker zeigte mir auch warum, der Stecker war nicht eingesteckt und somit ging hier nichts mehr, mit ausnehme der Uhr, die mit ''Notfallbatterien'' ausgestattet waren. Warum die nur die Uhr versorgten und nicht auch die Weckfunktion, hatte ich bisher nicht nachvollziehen können. Missmutig steckte ich den Stecker wieder ein, zog mich an und verschwand im Bad. In der Küche schnappte ich mir ein Brötchen von gestern und einen Apfel zum Frühstück, die ich auf dem Weg über den Hof aß. Brött war erst heute Nachmittag an der Reihe, jetzt bekam Hnakki erst mal den Rest meines Apfel und dann einen Sattel auf den Rücken. Wir gingen auf die Passbahn. Rennpass mit Hnakki machte immer gute Laune und eignete sich gut zum Start in den Tag. Jetzt kam noch eine kleine Runde Training mit Vina, denn sie war auch schon bald alt genug für ernsthaftes Longieren und ähnliches. Schließlich war es Zeit für Brött. Sattel und Zaum waren längst Routine, nun würde nur noch das Gewicht eines Reiters dazu kommen. Heute allerdings erst mal in Form eines Sandsacks. Der würde sich nicht wehtun wenn er fiel und ich konnte alleine arbeiten. Allerdings kannte ich meine Stute und so folgte dieser Part erst nach genügend Bodenarbeit um sämtliche überschüssige Energie abgebaut zu haben. Dann wuchtete ich den Sandsack, dem ich im Scherz ein Smileygesicht verpasst hatte, auf ihren Rücken. Einen Moment gab ich ihr Zeit die ungewohnte Situation zu registrieren, dann forderte ich sie auf ein paar Schritte zu gehen. Zögerlich folgte mir Brött. Nach und nach wurde sie sicherer und ich begann sie an der Longe im Kreis zu schicken. Im Schritt kein Problem, doch traben oder galoppieren mit diesem schweren Ding kam nicht in Frage. Ich nötigte sie mittels einer Gerte dazu, woraufhin Brött begann den Sandsack irgendwie loswerden zu wollen. Um den heutigen Tag mit einem positiven Ereignis abzuschließen, beließ ich es dann beim Schritt. Ich konnte mich auch morgen noch mit Trab und Galopp herumschlagen. Zum Abschluss des Tages machte ich einen Strandritt mit Sólfari. Erst hatte ich ohne Sattel reiten wollen, dann reizte mich einer schneller Galopp doch mehr und ich sattelte ihn. Erst ging es im Schritt den Strand hinauf, dann im Galopp zurück nach hause. Immer eine Motivation für die Pferde noch schneller zu werden. Leichtsinnig und glückstrunken wie ich war, ließ ich die Zügel fallen und breitete die Arme aus. Sólfari wusste genau wo es nach Hause ging und er genoss die Kopffreiheit. Mein Hengst ließ ein volltönenes Wiehern ertönen und schüttelte den Kopf. Das typische Bild des wilden Mustangs in der Prärie, nur in unserem Fall des wilden Isländers mit Sattel und Reiter am Strand. Am solchen Tagen ging ich mit ''Ich liebe mein Leben'' im Kopf ins Bett.
      Geweckt wurde ich von einem lauten Hupen. Es war mitten in der Nacht doch ein Transporter stand auf dem Hof. Wahrscheinlich Kjarkur und Slaufa. „Herr im Himmel. Muss das sein?“ Genervt schälte ich mich aus dem Bett, kramte nach irgendwas zum anziehen und und ging nach unten um die Tür zu öffnen. „Frau Wincox konnte ihre Pferde nicht persönlich bringen.“ Ein übermüdeter Fahrer stand auf dem Hof und sprach mich direkt an. „Warten sie, ich bringe nur schnell die Pferde weg. So fahren sie mir nicht wieder los.“ Der Fahrer sah das ein und ich brachte Kjarkur und Slaufa schnell in die, seit gestern vorbereiteten, Boxen. Einige Minuten später hatte ich mich mit den Fahrer bekannt gemacht und ihn in einem des Gästezimmer über den Stallungen einquartiert. Dann ging ich wieder ins Bett um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen, ehe die Arbeit wieder losging. Als ich wieder erwachte, klemmte ein zettel an meiner Tür. Der Fahrer hatte ihn dagelassen. Er bedankte sich und teilte mir mit, dass er bereits abgefahren sei. Tatsächlich zeugten nur noch die Reifenspuren im Kies von seiner Anwesenheit. Der restliche Tag verlief normal. Gemeinsam mit Linn und Pricess Peppy Ann arbeitete ich mit Vina, dann half mir Finley mit Brött. Heute klappte es auf einmal problemlos, auch im Trab und Galopp. Bald schon würde sich eine echte Person auf ihren Rücken setzen können. Slaufa kam auf die Wattweide, wo Stássa, Laufey, Vinkona und alle Stuten die sie noch kannten freudig begrüßten. Finley ritt Blossi, ich mistete aus, Linn arbeitete mit Vínd. Schließlich kam noch eine lustige Einheit gebisslos reiten mit Snót und ein Ausritt mit Mayalie rundete meinen Tag ab. Alle Pferde täglich zu bewegen war unmöglich, den Versuch hatten wir bereits aufgegeben.
    • Mohikanerin
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      Pflegeberichte (4)

      Tierarzt
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      02. Februar 2016 | (c) Sevannie
      19106 Zeichen | - Unbekannt

      Nach einer längeren Zeit hatte ich heute wieder einen Anruf von Annabell Schmiedemann erhalten. Ich sollte mir ihre beiden tragenden Stuten anschauen. Ebenso wollte sie, dass ich die Stuten mitnehmen sollte in die Klinik, da sie bald ihren Abfohltermin hatten. Natürlich tat ich ihr den Gefallen gerne und machte mich auch samt Hänger sofort los. Ich hatte diesen schon recht gut ausgestattet mit Futter und Stroh. Ich wollte ja das es den tragenden Stuten gut ginge.
      Auf dem Hof von Annabell angekommen, stellte ich den Wagen so nah wie möglich an den Putzplatz, damit die beiden Stuten es heute etwas bequemer hatten. Hochtragend war das alles ja nicht ganz so einfach. Ich stieg aus meinem Auto und begrüßte Annabell freundlich, wie es mir auch dann entgegen kam. Die Stuten standen schon auf dem Putzplatz, nebeneinander. ,,So, ich wollte sie zuerst etwas durchchecken und ihnen das Blut abnehmen, ehe wir sie verladen. Ich würde dich dann anrufen wenn es los geht, ich meine so lange brauchst du ja nicht von hier bis zu mir.'',erklärte ich ihr und sie nickte kurz. ,,Oder du verbleibst die Zeit bei uns, jedoch hast du das sicherlich nicht mit eingeplant oder?'' - Annabell schüttelte achtsam den Kopf. ,,Nein, hab ich nicht. Es reicht auch wenn ich vorher angerufen werde.'',erklärte sie und ich nickte nun. Ich öffnete den Kofferraum meines Autos, nahm meine Tasche heraus und stellte diese neben Thowra. Mit dieser Stute wollte ich nun beginnen und bevor ich alles andere machte, checkte ich erst einmal die Atmung der Stute. Diese war ruhig und relativ gelassen. Die sensible Stute kannte mich natürlich auch etwas besser und schien mittlerweile zu wissen das ich ihr nichts böses wollte. Nachdem die Atemfrequenz, sowie der Puls in Ordnung waren, tastete ich die Stute ab. Hier und da legte sie die Ohren an, vor allem als ich beim Bauch war, doch das blieb alles in Grenzen. Hier war auch nichts Auffälliges festzustellen, also schnappte ich mir das Thermometer. ,,Also hier wird sie vielleicht etwas zickiger sein wie sonst.'',murmelte ich und sah zu Annabell, welche nickte und die Stute am Halfter fest hielt. Ich stellte mich neben das Hinterbein und hob die Schweirübe an, ehe ich begann die Körpertemperatur zu messen. Auch diese lag im Normbereich. ,,So, da es empfohlen wird Stuten zu impfen im 9. Monat, werde ich diese Impfungen och verabreichen. Dadurch werden die Antikörper dann durch die Muttermilch auch später an das Fohlen weiter gegeben. Geimpft wird heute dann gegen Tetanus und auch gegen Stutenabort. Für beide Stuten natürlich.'',erklärte ich Annabell, doch nahm zuerst den Katheter zur Hand. ,,Ich werde ihr einen Katheter legen und vorher Blut abnehmen, dies wird auf bestimmte Mängel überprüft, an sich mache ich eigentlich ein großes Blutbild, danach kommen die Impfungen und dann geht es weiter mit Stássa.'',fügte ich dann hinzu und desinfizierte die Stelle am Hals mit einem Tupfer. ,,Ist okay. Alles solange es ihnen und den Fohlen dann gut geht.'',meinte Annabell und ich schmunzelte. Ich legte den Katheter und nahm, wie abgesprochen, Blut ab. Ich zog die zwei Spritzen auf und injizierte diese, ehe ich den Katheter heraus zog. Ich drückte noch einige Sekunden einen Tupfer auf die Einstichstelle, bevor ich dann die Tupfer in den Müll warf. ,,So nun zu Stássa.'',schmunzelte ich und lief samt Tasche einen Platz weiter zu dieser Stute. Im Prinzip machte ich bei ihr das gleiche wie bei Thowra. Zuerst horchte ich sie ab, auch hier war nicht Außergewöhnliches. Danach ging es an das Abtasten und das Messen der Körpertemperatur. Auch hier war alles in bester Ordnung. Abgesehen von den kleinen Stänkereien die sie ab und zu machte, was aber voll und ganz verständlich war. Ebenso wie Thowra war sie ja auch hochtragend und ihr Verhalten somit akzeptabel. Die Strawberry-Roan-Scheckstute war jedoch beim Katheter legen sehr brav und umgänglich, ebenso bei der Blutabnahme und auch bei der Injizierung von den zwei Impfungen. ,,Das wär's dann. Legen wir ihnen das Transportset an und dann geht's zu mir.'',schmunzelte ich und half Annabell bei der 'Ankleidung' der Pferde, ebenso beim Verladen. Zum Glück ging dieses stressfrei von statten. ,,Ich rufe dich noch einmal an, um dir die Blutergebnisse mitzuteilen und später dann wenn bei der ersten Stute die ersten Anzeichen da sind.'',sagte ich zu der Besitzerin beider Stuten, welche nun in meinem Hänger standen. ,,Ist okay.'',lächelte sie und wir verabschiedeten uns für's erste von einander, ehe ich dann auch schon los fuhr.

      Auf meinem Hof angekommen lud ich die Stuten zusammen mit Tyler aus und brachten diese in die zwei bestimmten Abfohlboxen. Diese waren geräumiger als die normalen Boxen, auch wenn diese bei uns ja schon groß waren. Ebenso hatten wir vor einigen Tagen den kompletten Klinikstall gereinigt und desinfiziert, da dies auch noch einmal das Risiko verringert, dass das Fohlen krank werden könnte. Bei keiner der Stuten waren Anzeichen vorhanden, dass sie bald abfohlen würden. Also hieß es noch warten. In den beiden Boxen wurden die Kameras angeschaltet, damit ich immer einen Blick auf beide Stuten werfen konnte. Doch für heute hatten sie noch etwas Weidegang, ehe sie dann am Abend reingeholt wurden.

      Nach zweieinhalb Wochen war Thowra soweit, sie zeigte die ersten Anzeichen zum Abfohlen. Der Euter war dicker geworden, ebenso hatten sich Ödeme gebildet. Dies waren nichtentzündliche Schwellungen des Unterbauches. Beide Stuten waren auch vom Blut her kern gesund und hatten keinen Mangel, was ich Annabell schon vor einer Woche mitgeteilt hatte. Ich schnappte mir mein Handy und wählte ihre Nummer. ,,Guten Mittag, Annabell. Deine liebste Thowra scheint ein Fohlen los werden zu wollen. Die ersten Anzeichen sind eingetroffen, deswegen würde ich sagen pack deinen Koffer und komme zu uns. Ich denke bei Stássa wird es auch bald los gehen. Noch zeigt sie keine Anzeichen.'',erklärte ich ihr und blickte auf die beiden hochtragenden Stuten. ,,Ja. Genau. Am besten gleich vorbei kommen, wenn du dabei sein willst. Ich kann natürlich für nichts garantieren.'',erklärte ich ihr noch und sie sagte mir das ich natürlich keinen Einfluss darauf hätte. Wir legten auf und ich streute noch etwas Stroh in die Box der Falbscheckstute. Ich legte das Stroh an den Wänden eher hoch, damit sie sich mit höherer Wahrscheinlichkeit in die Mitte der Box legte. So hatte ich genügend Platz, falls ich eingreifen musste. Es sollte eine natürliche Geburt werden, ohne das ich eingreife, jedoch konnte es natürlich auch Komplikationen geben, was ich nicht erhoffe. Die Kruppenmuskulatur der Stute war mittlerweile auch regelrecht 'eingefallen' wie es 'üblich'. Nach den zweieinhalb Wochen sah sie doch etwas anders aus, aber auf keinen Fall schlecht. Im Gegenteil. Ich lief in die Box hinein, Tyler stand am Kopf der Stute und sprach auf sie ein, hielt sie fest, während ich die Stute sanft abtastete. Auch Thowra war heute in diesem Sinne sehr zickig und versuchte mich zu verscheuchen. ,,Na, meine Liebe.'',murmelte ich und streichelte sie kurz, ehe ich dann die Schweifrübe anhob und mir die Schamlippen anschaute. Auch diese waren gedehnt. Ich schaute noch einmal nach dem Euter und erblickte Harztropfen an diesem. ,,Na dann wird es bald los gehen, hoffen wir das Annabell noch dabei sein kein.'',murmelte ich und lobte die Stute, ehe ich mit Tyler die Box verließ. ,,Ich bereite noch einige Sachen vor, für so gut wie jeden Fall der vielleicht auftreten könnte. Passt du solange hier auf und rufst mich dann?'' - ,,Sicher.'',murmelte Tyler und nickte dann. Ich schmunzelte und machte mich rasch auf den Weg und bereitete einige Instrumente vor.

      Mittlerweile hatte ich schon alles vorbereitet. Nun hieß es warten bis das Fohlen, ja das Fohlen und nicht die Mutter, die Geburt einleiten würde. Annabell war immer noch nicht da, umso mehr hoffte ich sie könnte doch noch rechtzeitig zu ihrem ersten Zuchtfohlen kommen. Während Thowra sich in der Box umschaute und versuchte die derzeitige Situation zu überblicken, war Stássa gelassen und ruhig. Stássa stand nicht direkt neben an, sondern einige Meter weiter entfernt. Die Boxen der Klinik hatten immer etwas Abstand. Ich blickte kurz in die Box von Thowra hinein, ehe ich dann auf die Uhr schaute. 18:36 Uhr. ,,Ich geh mal rein und mache uns eine Kanne voll Kaffee.'',hörte ich Tyler auf einmal sagen und ich nickte. ,,Ist okay, Danke.'',murmelte ich leise und setzte mich wieder auf den Stuhl. Ab und zu hörte man die Stute, wie sie in der Box etwas herum lief und dann wurde es wieder still. Ihre Atmung war noch sehr entspannt, abgesehen von wenigen Passagen. Vielleicht waren das ja die ersten Wehen. Um sicher zu gehen stand ich auf und zog mir Handschuhe an, ehe ich im nächsten Moment vorsichtig die Box betrat und nach ihrem Muttermund schaute. Dieser war etwas mehr geöffnet. Ich verließ die Box wieder und schmiss das Paar Handschuhe in den Müll. Anscheinend zögerte sie die Geburt noch etwas hinaus, vielleicht wusste sie ja das Annabell noch nicht hier war. Dieser Gedanke brachte mich zum schmunzeln. Ich lief kurz aus dem Stalltrakt, da ich eine Autotür hörte. Doch ich irrte mich. Tyler kam mit dem Kaffee. Kurz schaute ich auf mein Handy, welches mit den Kameras in der Box verbunden war. Alles gut. Kaffee gab es leider nur draußen, wer weiß welche - für das Fohlen - gefährliche Keime an der Kanne und den Tassen war. So schenkte ich mir eine halbe Tasse ein und blickte immer wieder zu der Hofeinfahrt. ,,Das könnte eine lange Nacht geben.'',murmelte ich leise und blickte wieder in die Kaffeetasse. ,,Könnte... Es könnte aber auch nun alles sehr schnell von statten gehen.'',fügte Tyler hinzu und ich nickte. ,,Stimmt, da hast du recht. Der Muttermund ist auch schon etwas mehr geöffnet, nur wenn sie die Geburt noch etwas hinauszögert dann dauerts nur um so länger. Wir haben zwar erst kurz vor sieben, aber trotzdem. Solange Stássa nicht meint noch heute oder gleich die Nacht zu bekommen. Aber bei ihr sind noch nicht solche Anzeichen da.'', erklärte ich und nun war Tyler der, der nickte. Kurz biss ich mir auf die Lippen - wie ich es immer tat wenn ich nachdachte. Oh weh.

      Nach gut einer Stunde hatte sich immer noch nicht mehr getan, Thowra scharrte etwas in der Box, doch hingelegt hatte sie sich immer noch nicht. Annabell war auch noch nicht da, dabei wünschte ich mir für sie ebenso, dass sie das kleine Wunder mit erlebte. Geburten waren für mich sensationell und auch nicht gerade an der Tagesordnung, doch wenn sie einmal anstanden dann war ich immer wieder hin und weg. Kurz blickte ich wieder auf mein Handy, da ich nicht ständig aufstehen und Thowra somit wieder verunsichern wollte. Ein Platschen war zu hören, so stand ich auf und stellte fest, dass die Fruchtblase geplatzt ist. Also könnte es nicht mehr allzu lange dauern. ,,Tyler gehst du bitte nochmal kurz raus und machst das Licht an, damit Annabell auch gleich hier her findet. Sollte es gleich los gehen können wir nicht noch raus und sie zu uns holen.'',murmelte ich und blieb kurz noch an der Boxentür stehen, ehe ich mir meinen Stuhl schnappte und mich etwas näher an die Box ran setzte. Ebenso ließ ich die Tür einen kleinen Spalt offen, damit ich im Notfall diese nicht noch erst öffnen müsste. Kurz blickte ich zur Tür als Tyler gerade wieder hereinkam. Er schüttelte mit den Kopf - Annabell war immer noch nicht da. Hoffentlich stand diese nicht noch in einem Stau! Mit einem kleinem Rumps schreckte ich jedoch auf und blickte hastig zu der Stute in der Box vor mir. Thowra hatte sich gelegt, zwar nicht gerade auf die Lady-Like-Masche aber sie lag. Okay dann würde es sicherlich auch bald los gehen. Ich gab Tyler mein Handy, denn ich konnte ja nun alles aus der Nähe sehen. Die Wehen schienen nun ganz eingesetzt zu haben, denn sie atmete mehr als unruhig und auch etwas verkrampft. Ein kurzer Blick auf die Uhr genügte nur um mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zu zaubern. 20:06 Uhr. Der kleine Herr wollte anscheinend dann doch noch unbedingt heute raus. Thowra schien jedoch nicht so erfreut und legte die Ohren immer wieder an, wenn die Wehen wieder begannen. Nach einer guten Viertelstunde begann sie auch zu pressen. Wie immer ging alles relativ schnell, ich zog mir gerade noch hastig die Handschuhe an, ehe ich in die Box ging. Ich wollte dem Fohlen das Atmen erlauben. Es war Thowra's erstes Fohlen und sie schien mir auch noch etwas unbeholfen. Klar passte es ihr auch nicht das ich hier war. Ich entfernte die Eihaut von den Nüstern und den Augen des Fohlens, ehe ich mich auch schon wieder aus der Box zurückzog. Nun hieß es noch etwas abwarten. Thowra drehte sich etwas und beleckte etwas ihr Fohlen, vor allem Nüstern und Mundpartie sparte sie nicht aus. Okay, ein gutes Zeichen doch lieber reiße ich die Eihaut auf. Diese lag mittlerweile etwas weiter weg. Die Tür ging auf und ich drehte mich um. Tyler lief zu Annabell und erklärte ihr die Vorsichtismaßnahmen, ehe sie mit passender Kleidung zu uns trat. ,,Och nein, ich hab's verpasst.'',murmelte sie leise und ich seufze. ,,Bis jetzt ist es gesund und munter.'', erklärte ich und bat um Ruhe, Annabell sah sich zusammen mit Tyler das ganze auf dem Handy an, ehe ich weiterhin in unmittelbarer Nähe blieb. Das Fohlen legte sich nach den ersten paar Minuten anders, so das die Vorderhufe schon unter ihm lagen. Es atmete ruhig und auch reibungslos. Ich atmete auf und schmunzelte. Dann würde es ja nicht mehr lange dauern bis es aufsteht und auch den Euter suchte. Nach einer guten halben Stunde stand auch Thowra auf den Beinen und blickte ihr Fohlen an. Dies machte es seiner Mutter nach und stand wackelig auf den Beinen. ,,Herzlichen Glückwunsch zum gesunden Palominoschecken. Wenn ich es richtig sehe ist es sogar ein er.'',lächelte ich und in wenigen Sekunden später lief auch der Kleine an das Euter der Mama. Er begann zu trinken und Thowra ließ dies auch brav zu. ,,So dann gönn' ich mir solange noch eine Tasse Kaffee. Dann schauen wir nach der Nachgeburt..'',erklärte ich und Tyler, sowie Annabell blieben drin. Ich trank derzeit meinen Kaffee vor der Türe...

      Nachdem mein Kaffee wieder ausgeschlürft war, schnappte ich mir Annabell und lief mit ihr zur Box der Stute. Ich schaute nach der Nachgeburt, welche nun auch draußen war. Sanft lobte ich Thowra, ehe ich sie auf irgendwelche Geburtsverletzungen untersuchte. Das Hengstfohlen strampelte neben ihr her und begann dann erneut zu trinken. ,,Also mit der Stute ist alles gut und auch dem Fohlen scheints bestens zu gehen.'',erklärte ich ihr und sie streichelte weiterhin die Nüstern der Stute. Als nächstes bat ich Tyler um einen Tupfer der voll mit Desinfektionsmittel war. Der Nabelbruch sollte etwas desinfiziert werden. Also bat ich Annabell ihr Fohlen fest zu halten, während ich vorsichtig den Nabelbruch antupfte. Das kleine Fohlen windete in den Armen von Annabell doch als es entlassen wurde schoss es einmal durch die Box. ,,Etwas viel Enerigie der Kleine.'',lächelte ich und lobte Thowra, ehe wir uns wieder aus der Box machten. Nun hieß es weiter warten bis Stássa denn soweit wäre.

      Ich war auf dem Stuhl eingeschlafen, Tyler anscheinend auch. ,,Sie liegt!'',murmelte Annabell als sie mich weckte.. ,,Komm auf.''. Sofort sprang ich auf und machte mich erneut fertig. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriert mir das es 4 Uhr morgens war. Oh weh. Ich lief in die Box hinein und Stássa stellte kurz die Ohren auf. ,,Alles gut.'',murmelte ich leise und sah das die Blase schon gesprungen. Sanft lobte ich sie und entfernte mich wieder. Sie schien mit den Wehen zu kämpfen. Nach einer Viertelstunde konnte man den Kopf schon sehen und innerhalb weniger Sekunden auch den Rest des Fohlen. Kurz verschnaufte die junge Mutter, ehe sie sihc reflexartig umdrehte und dann die Eihaut ableckte. Man erkannte wie das Fohlen sie anstrengte zu atmen und nach wenigen Minuten war dies auch für das Fohlen reibungslos und 'gewöhnlich'. ,,Deine Stuten schaffen das auch ganz ohne mich.'',lächelte ich und beobachtete das Fohlen weiterhin, langsam richtete es sich etwas auf und hob den Kopf an. ,,Da wäre nun auch dein zweites Fohlen.'',schmunzelte ich und betrat die Box. Ich schaute mir den Abbruch der Nabelschnur an und auch dieser sah hervorragend aus. Natürlich passte es der Stute gar nicht das ich wieder in der Box war, doch da musste sie nun durch. Ich checkte das Fohlen auch grob durch, danach die Mutter, ehe ich die Box wieder verließ. ,,Beiden geht es gut. jetzt schauen wir nur ob die Nachgeburt noch kommt und ob es anfängt zu trinken.'',ergänzte ich und setze mich wieder auf einen Stuhl. Annabell blieb bei der Box und schaute neugierig hinein. Nach einer guten Viertelstunde kam dann der Ruf von Annabell. ,,Es steht!'' - ein paar weitere Minuten: ,,Es trinkt auch schon!'',lächelnd stand ich wieder auf und sah dem ganzen zu, Tyler hatte sich kurz frisch gemacht im Hause und begann derzeit im nebnliegendem Stall die Pferd zu füttern. Wir hatten ja mittlerweile auch schon 6 Uhr in der früh.
      Nach einer weiteren halben Stunde kam dann auchd ie Nachgeburt der zweiten Stute. Ich eilte in die Box und schaute nach Verltzungen, hier waren auch keine zu sehen. Sanft lobte ich Stássa und machte mich mit Annabell aus dem Stall. ,,Die vier brauchen erst einmal etwas Ruhe, nachher lassen wir sie dann mal auf das große Paddok und da können sich die Fohlen auch etwas austoben.'',erklärte ich und sie nickte. Ich machte mich erst einmal daran Tyler zu helfen, ehe ich mich noch einmal für ein paar Stunden schlafen legte, natürlich schaute Tyler währenddessen immer wieder nach den vier Pferden.

      Am späten Nachmittag ging es also auf die besagten Paddoks, vorher hatte ich alle vier Pferde genaustens durchgecheckt nach Atmung, Herz und des weiteren. Tyler hatte sich nun schalfen gelegt, er hatte es ja schließlich auch verdient. Ich machte derweil den Gang bereit, damit die Stuten durch diesen auf die Paddoks konnten. Als die erste Boxentür aufigng stürmte das Hengstfohlen von Thowra sofort hinaus, achtete gar nicht auf die Mama die regelrecht besorgt hinter her trabte. Zum Glück war der Boden mit einer leichten Gummischicht überzogen und verhinderte so das Rutschen. Nachdem die ersten beiden draußen waren, ließ ich die andere Boxentür auf und Stássa trottete gemütlich vorne Weg, das Stutfohlen gemächlich hinter her. Als das Stufohlen jedoch die Wärme der Sonnenstrahlen erreichte trabte sie auch fröhlich umher. ,,Annabell passt du kurz auf, ich schaue nach den Boxen.'', Annabell nickte und ich mistete das nötigste aus den Boxen heraus und streute sie neu ein. Bei beiden Fohlen war das Darmpech ausgetreten. Das war doch wieder ein gutes Zeichen. Ich lief wieder hinaus und sah mir weiterhin das Spektal der beiden Fohlen an, wie sich freuten laufen zu können, während die Mütter froh waren in Ruhe fressen zu können. ,,So ich schalge vor so eine bis zwei Wochen behalten wir die vier hier und dann kommen sie wieder zu dir?'' - ,,Das klingt super.'',lächelte sie und ich nickte. Annabell beäugte das ganze noch etwas, während ich dann mich um meine anderen Pferde kümmerte.

      Sternzeichen Islandpferd
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      31. März 2016 | (c) BellaS, Seimure
      18072 Zeichen | - Bella, Linn

      Mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" und einem Kuss auf die Wange weckte ich Finley, welcher sich jedoch nur demonstrativ die Decke über den Kopf zog. In Sachen Aufstehen waren wir beide ganz anderer Ansicht, denn während ich es liebte, um fünf in den Tag zu starten, bevorzugte Finley es, lieber spät aufzustehen. Während er noch vor sich hin döste, frühstückte ich und machte mich fertig für den Tag. Heute stand nicht sehr viel auf dem Plan, denn die Pferde hatten am Wochenende schon trainiert, aber natürlich mussten sie trotzdem versorgt und geritten werden und zudem würde sich heute unser neuer Bereiter vorstellen, der, wenn alles gut lief, auch bald auf dem Hof einziehen würde. Das war auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung im Erdgeschoss geräumt hatte und nun bei Finley im zweiten Stock wohnte. Während ich noch darauf wartete, dass mein Freund aufstand, spielte ich mit Flóki, der sich genau wie ich sehr schnell an die neue Wohnung gewöhnt hatte und Finley nun als vollständiges Rudelmitglied ansah. Mittlerweile war Flóki ausgewachsen, benahm sich aber nach wie vor wie ein Welpe. Um sieben schaffte es auch Finley aus dem Bett und es dauerte nicht lange, bis er seinen Morgenmuffel-Modus ausschaltete und sein übliches Grinsen auf seinem Gesichtseinen Platz einnahm. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo uns Bella begrüßte und die Aufgaben für den Tag verteilte. Bevor Robin kam, mussten wir nur die Hengste füttern, weshalb wir zu dritt in den Stall gingen, wo wir bei Kjarkur, Garpur, Uprising, Sólfari, Hnakki, Blossi, Blettur und Black Lemontree die Heunetze füllten und die Boxen ausmisteten. Sólfari und Black Lemontree brachten wir dann auf den Paddock und sahen noch kurz nach den Stuten, bevor ein Hupen vom Hof uns aufschrecken ließ. Robin schien etwas überpünktlich zu sein, aber das machte ja nichts. Wir stellten uns ihm alle vor und begannen dann damit, ihm den Hof zu zeigen.

      Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich mir nicht vor der Anstellung unseres neuen Bereiters tagelang den Kopf zerbrochen. Ob das eine gute Entscheidung war, fragte ich mich und ob der Mann, den ich ausgesucht hatte auch eine gute Wahl gewesen war. Am Morgen seiner Ankunft kümmerten wir uns zu dritt um die Hengste, wo ich mich allerdings beeilte um den Mutterstuten und ihren winzigen Fohlen zuzusehen, die erst seit wenigen Tagen auf die Weide durften. Sleipnir, der ältere, war quicklebendig und tobte über die Weide. Thowras Sohn war bereits Mio versprochen und würde umziehen sobald er sechs Monate alt und entwöhnt war. Silfurtoppa hingegen erwies sich als ruhiger, aber offensichtlich klug. Das Stutfohlen war Windfarben. Eine echte Schönheit.
      So lehnte ich am Zaun der Weide und beobachtete meine jüngsten Zöglinge, als Robin ankam. Das Auto parkte neben der Auffahrt und mein Magen machte einen dämlichen kleinen Hüpfer. "Was soll das, Bella? Das ist nur der neue Bereiter!" Ich kramte mein Selbstbewusstsein als Chefin zusammen, drehte mich um und ging um Robin zu begrüßen.
      Er machte einen guten Eindruck und zu dritt zeigten wir dem Dänen den Hof und unsere Pferde. Freundlich war er, offen, aber nicht übermäßig redselig, großmäulig oder nervig. Tatsächlich hatte ich mich schon fast entschieden. Ich musste ihn nur noch reiten sehen.
      Da er in Zukunft einige der Hengste übernehmen sollte, wählte ich Blacky für Robin. Er zeigte sich sofort souverän. Sattelte den Hengst und schwang sich in den Sattel. Er ritt selbstverständlich mit Helm, was ich, Asche auf mein Haupt, zu Hause nicht immer tat. Auch auf der Bahn war ritt er entspannt aber bestimmt.
      Jetzt war alles klar. Robin würde in Linns Erdgeschosswohnung einziehen.

      Während Bella noch mit Robin den geschäftlichen Teil besprechen wollte, machten Finley und ich uns wieder an die Arbeit. Ich holte Princess Peppy Ann von der Weide, um mit ihr weiter an der Longe zu trainieren. Bald würde die Stute fünf Jahre und damit alt genug fürs Einreiten sein. Ich freute mich schon darauf, denn sie würde mein erstes eigenes Pferd sein, das ich einritt. Mittlerweile konnte man gut an der Longe mit ihr arbeiten und täglich trainierten wir eine halbe Stunde, seit neuestem auch schon mit Sattelzeug. Peppy war heute nicht so konzentriert wie sonst, aber das lag vielleicht auch an mir, denn ich war heute auch eher im Standby-Modus. Dafür konnte ich heute gut mit Tilviljun arbeiten, mit der ich mich seit gestern ans Tölten wagte. Sie machte sich in dieser Gangart schon sehr gut, allerdings bisher erst an der Longe und an der Hand, was wir auch heute wieder üben wollten.
      Während ich bei Juni auf dem Anbindebalken saß und darauf wartete, dass sie ihr Futter auffraß, kam auch Finley mit Topar, seinem Lieblingshengst, mit dem er gerade im Dressurviereck gewesen war. Er gab mir einen leichten Kuss und setzte sich neben mich, während Juni versuchte, Topar das Futter streitig zu machen. Finley legte einen Arm um meine Schulter. "Wie wäre es mit einem Ausritt nachher? Nur wir beide?", fragte er mich leise. Ich lächelte. Das allein konnte er schon als Ja deuten, er kannte meine Art halt. Wir küssten uns noch einmal, dann brachte er Topar auf den Paddock und ging wieder in den Stall. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihm nach. In dem nun schon fast einem Jahr, in dem wir zusammen waren, hatte ich unsere Beziehung zu schätzen gelernt und Finley war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Mit ihm fühlte ich mich komplett.
      Bella kam mit Robin aus dem Büro und rissen mich aus meiner Träumerei. Auch Juni hatte ihr Futter aufgefressen und sabberte nun auf meine hell-lilane Reithose. Scheiße. Bella und Robin kamen nun zu mir rüber und ich versuchte, den grau-grünen Sabber so gut es ging zu verdecken. "Darf ich dir unseren neuen Bereiter vorstellen?", fragte Bella grinsend. Ich lächelte etwas verunsichert. Robin verabschiedete sich von uns - auf Deutsch, was mich, ehrlich gesagt überraschte. Als er weg war, fing Bella sofort an zu plappern: "Er kommt aus Kopenhagen, ist aber in Rødby aufgewachsen. Er hat in Kopenhagen studiert und danach die Ausbildung zum Bereiter gemacht. Außerdem hat er in der Schule Deutschland gelernt. Ist das nicht toll? Er reitet schon seit seiner Kindheit auf Isländern und ist schon auf vielen Turnieren geritten..."
      Ich grinste. Gefühlt erzählte sie mir gerade Robins gesamte Lebensgeschichte, die sie offenbar genauestens kannte. "Bella?", unterbrach ich sie. "Ja?", fragte sie verdutzt. "Du bist hochkant in ihn verknallt", sagte ich lachend. "Das stimmt doch gar nicht!", sagte sie empört, aber ich konnte den unsicheren Unterton in ihrer Stimme hören. "Jonas ist seit mehr als zwei Jahren Geschichte", erinnerte ich sie. Bevor sie sich umdrehte, warf sie mir noch einen unsicheren Blick zu und ging dann in Richtung Weide.

      Linns Worte klangen in meinen Ohren nach. Verdammt. Ich hatte diesem Typen vor gerade Mal zwei Stunden kennen gelernt und direkt warf mir meine beste Freundin die Feststellung an den Kopf, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Das schlimmste daran war, es stimmte. Hatte ich das ganze letzte Jahr mit Neid auf Linn und Finley gesehen, waren mir die Beiden mit einem Mal völlig egal. Solange Robin mich beachtete, war ich zufrieden. Zwei Jahre war es her, dass ich mich so gefühlt hatte. Verliebt gefühlt hatte. Seltsam. Manchmal traf einen das aus heiterem Himmel. Robin hatte sich in seine neue Wohnung zurück gezogen. Sein Zeug würde wohl auch bald ankommen und ich hatte mir schon fest vorgenommen ihm beim schleppen und aufbauen zu helfen. Finley und Linn waren mit Meyja und Slaufa auf einem gemeinsamen Ausritt am Strand. Ich konnte mir jetzt aussuchen ob ich mich lieber um Brött und Vina, die Jungpferde, kümmern wollte, einen der Hengste oder eins der Trainingspferde reiten wollte. Ich entschied mich für etwas Ovalbahntraining mit Náttdís und schloss dann eine Dressureinheit mit meinem dicken Plüsch Mayalie an. Während sie am Putzplatz mit der Nase in ihrer Futterschale wühlte, kam auch Robin wieder hinunter. Wir hatten schon besprochen für welche Pferde er zu ständig sein würde, doch eigentlich hatte er heute noch frei um anzukommen. „Wollen wir noch ausreiten?“ Er ging zielstrebig auf mich zu. Es dämmerte bereits und die Sonne würde bald untergehen. Egal, klar wollte ich. Ich bejahte und wir sattelten uns zwei der Hengste. Ich ritt Sólfari, Robin hatte sich Kjarkur ausgesucht. Am liebsten hätte ich jetzt auf Laufey gesessen, doch meine Lieblingsstute war hochträchtig und wurde nicht mehr geritten. Ich freute mich schon auf die Fohlen, die noch auf die Welt kommen würden. Faera zum Beispiel war überfällig. Seit Tagen kam sie Abends in die Geburtsbox, doch noch war nichts passiert. Jetzt ging es erst mal mit Robin an den Strand. Im Sonnenuntergang. Ich hoffte inständig, dass ich Linn nicht begegnen würde, sonst würde ich mich nicht mehr vor ihrem Spott retten können.

      In der Sache mit Bella war ich mir absolut sicher. Allerdings erzählte ich Finley nichts davon, denn ich wusste, dass Bella mich dafür gekillt hätte. Nachdem ich mit Garpur fertig war schaute ich noch kurz nach Vidja. Sie war merklich runder geworden und ich freute mich schon riesig auf ihr erstes Fohlen. Finley war noch mit Snót in der Halle, weshalb ich Færa von der Weide holte. Da die Sonne schon tief stand, musste sie bald in die Box. Sie fand es dort zwar nicht besonders schön und wehrte sich jeden Abend, in den Stall zu gehen, aber wir wollten, dass das Fohlen geschützt auf die Welt kam, da es ihr erstes war. Bis Finley das Training beendete unterhielt ich mich mit Robin, der wirklich gut Deutsch sprach, aber noch sehr zurückhaltend wirkte. Bald zog er sich in seinen Wohnung zurück und ich holte die Halfter von Meyja und Slaufa, um sie von der Weide zu holen. Natürlich musste die Herde ganz am anderen Ende der Weide stehen. Meyja begrüßte mich mit einem freundschaftlichen Schnauben und begann, mich nach Leckerlis zu durchsuchen, während Slaufa sich eher zurück hielt. Ich halfterte die beiden Stuten und schwang mich auf Meyjas Rücken. Wenn die Pferde zu weit draußen standen, ritt ich oft zurück zum Hof, das ging schneller als Laufen. Ich ließ Meyja antölten und Slaufa, die ich als Handpferd nebenher führte, tat es ihr gleich. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Hof erreicht. Finley war mittlerweile mit Snóts Training fertig und sattelte sie gerade ab. Ich putzte Meyja und Slaufa, während Finley Snót versorgte. "Wollten wir mit Sattel oder ohne ausreiten?", fragte ich ihn. "Ohne, das ist viel lustiger", grinste er. Ich trenste die beiden Stuten noch schnell, dann saßen wir auf und ritten gemeinsam vom Hof.

      Linn und Finley waren mit zwei der Stuten weg, ohne Sattel. Robin und ich hatten uns für zwei Hengste entschieden. Seltsam. Noch seltsamer war allerdings der Mix meiner widerstreitenden Gefühle. Schon beim Satteln und Trensen machte sich unsicheres Schweigen breit, das ich nicht wie sonst brechen konnte. Robin sagte nichts. Ich sagte nichts. Schließlich gurteten wir nach und saßen auf. Jetzt bestand das erste Mal die Notwendigkeit zu reden. „Strand oder Wald?“, fragte ich knapp und traute mich endlich Robin anzusehen. Himmel, er sah so gut aus! Schnell wandte ich den Blick wieder ab, es reichte aber noch um sein Grinsen zu sehen, das mit der Antwort einher ging. „Wir haben Strand, das ist wohl keine Frage.“ Sein Grinsen. „Nein Bella, lass das. Du kennst ihn erst ein paar Stunden.“ „Aber er ist so toll.“ „Du benimmst dich als wärst du ein verliebter Teenie.“ „Egal, bei ihm lohnt sich das!“ „Woher willst du das wissen. Denk an Jonas… Denk an Jonas… Denk an Jonas...“ Die Worte hallten in meinem Kopf. Schlimm genug, dass ich mich nach ein paar Stunden Hals über Kopf verliebt hatte, jetzt stritten auch noch meine Gefühle. „Ausblenden, Bella.“ Ich ignorierte die Achterbahnfahrt und ritt an. „Dann komm.“ Es war einfach schön am Strand. Die Sonne versank im Meer und wir begegneten Linn und Finley nicht. Irgendwann brach Robin das Schweigen und das Antworten wurde immer leichter, bis ich mich einfach wohl fühlte. Den Galopp ließen wir zwar auf Grund der Dämmerung ausfallen, doch auf dem Rückweg ritten wir entspannt nebeneinander und redeten über Gott und die Welt. Nachdem wir die Hengste gefüttert und ich meine restliche Arbeit des Tages erledigt hatten, ließ ich mich in meiner Wohnung aufs Sofa fallen. Ich wollte einen Film sehen. Das meine Wahl heute auf den kitschigsten Liebesfilm fiel, den ich besaß, war auch nicht weiter verwunderlich.
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      Die nächsten zwei Tage verliefen völlig normal. Robin fügte sich in den Hofalltag ein, als hätte er schon immer zum Team gehört. Gemeinsam kontrollierten wir die trächtigen Stuten, die inzwischen alle vier Geburtsboxen belegten. Faera, überfällig mit ihrem Fohlen und Vidja, Laufey und Frejka, die noch etwas Zeit hatten, aber ihr erstes Fohlen erwarteten. Währenddessen scheuchte Linn ihre Stute Lykkja über die Ovalbahn und Finley bespaßte die Junghengst Glanni im Roundpen. Ich würde heute noch mit Brött, Blaer, Vina und Klyja arbeiten. Die jungen Stuten standen alle auf verschiedenen Stuten des Einreitens. Brött kannte schon das Gewicht eines Reiters und lernte nun die Hilfen, die drei anderen gewöhnten sich noch an Sattel und Zaumzeug. Dieses Training nahm immer eine Menge Zeit in Anspruch. Ich schaute außerdem eine Weile bei Robins Training mit Alvari zu, während ich mein Mittagessen verspeißte und gönnte mir gegen Abend eines Ausritt mit Hnakki. Ungefähr so sah meine tägliche Routine aus. Viel Arbeit, viel zu organisieren und doch immer wieder schön.
      Wir konnten sogar ein neues Pferd begrüßen. Eine fünf Jahre junge Stute namens LR Pieaches, die wir kören und vielleicht in der Zucht einsetzten wollten. So verstrichen zwei normale Tage, ehe wieder etwas passieren sollte, das ich so schnell nicht vergessen würde.
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      Mitten in der Nacht erwachte ich unruhig. Mehrere Versuche einzuschlafen liefen ins Leere und so zog ich mir schließlich etwas über und wanderte auf den Hof. Nachdem ich eine Weile Hnakkis Nase gekrault hatte, die aus der Boxentür lugte und sah, dass Sólfari sich bei meiner Ankunft vertrauensvoll zum schlafen hinlegte, kam ich schließlich auf die Idee bei Faera, Laufey, Frejka und Vidja vorbei zu schauen.
      Leise öffnete ich die Stalltür. Sofort fiel mir ein kleines Licht auf, das im Stall brannte. Ich trat vorsichtig und misstrauisch ein. Vidja lugte mir entgegen und verlangte direkt mit einem auffordernden Blick nach Streicheleinheiten, doch die Szene, die sich in Faeras Box abspielte, verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Eine einzelne Taschenlampe spendete spärliches Licht, doch es reichte um die Gestalt zu erkennen, die am Kopf der liegenden Stute kniete. „Robin?“ Mein flüstern war heiser und besorgt. „Was um Himmels Willen…?“ „Psst. Komm her. Hilf mir. Das Fohlen...“ Ich hatte es gewusst, nein, ich hatte es gespürt. Und er auch. Ich öffnete mit fahrigen Fingern die Boxentür und kniete mich neben Robin ins Stroh. Eigentlich hätte Faera alles problemlos meistern müssen, es war bereits ihr zweites Fohlen, doch hier lief irgendetwas gewaltig schief. Ich ahnte böses und sah Robin an. „Liegt irgendwie falsch?“ „Höchstwahrscheinlich.“ „Scheiße.“, und einen Moment später „Wir brauchen einen Tierarzt!“ „Klar, aber der kommt unter Garantie zu spät.“ Ich bewunderte ihn für sein ruhiges und besonnenes Handeln. „Faera muss aufstehen. Manchmal korrigiert sich das Fohlen dann selbst. Wir können nur hoffen und ihr Platz machen.“ Er sprach leise und in ruhigem Ton. Ich wusste nicht, ob er mich oder Faera beruhigen wollte, aber in jedem Fall funktionierte es. Wir zogen uns in eine Ecke zurück und warteten darauf, dass Faeras natürliche Instinkte griffen. Ich konnte sehen wie sich die Muskeln bei den einzelnen Wehen verkrampften. Noch lag sie im Stroh. Die folgenden zehn Minuten waren die längsten meines Lebens. Ein zittern durchlief die Stute und sie begann sich hochzustämmen. Ich glaubte nicht daran, dass das Fohlen sich von selbst in seiner Lage korrigieren würde. Warum hatte ich bloß keinen TA zum Check-Up bestellt, dann wäre so etwas gar nicht erst passiert. Während ich mir noch Selbstvorwürfe machte, war Robin schon aus der Boxenecke aufgestanden. „Wir können ihr nur noch helfen das Fohlen raus zu bekommen und hoffen, dass es nicht erstickt.“ Langsam kehre mein Verstand zurück und auch ich richtete mich auf. Jetzt kam der Teil bei dem ich wenigstens halbwegs wusste was zu tun war. Die nächste Stunde blieb mir nur noch mit Schweißgeruch und Blut in Erinnerung, aber dann war es geschafft. Ein zitterndes, kleines Wesen lag im Stroh. Nicht erstickt, nicht missgestaltet, ein wunderschönes, kleines Stutfohlen mit einer breiten, weißen Blässe. Auch Faera schien wohlauf, denn sie war sofort bei ihren Fohlen und machte einen gesunden Eindruck. Ohne etwas zu sagen verließen wir die Box. „Væna.”, meinte ich schließlich. „Die Liebliche, die Hoffnungsträgerin.“ Damit stand der Name fest. Robin sah mich an. Nicht flüchtig. Er sah mir in die Augen. Ich war Müde, ich konnte dem Blick nicht standhalten ohne mich völlig zu zu blamieren. Verdammt, drei Tage hatten gereicht mir den Rest zu geben. Er stand einfach nur da, sah mir mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht an. Sein Hemd war verschmiert mit dem Blut der fohlenden Stute und ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Zwei Schritte Distanz trennten uns. Er überbrückte sie im Bruchteil einer Sekunde, doch für mich lief alles in Zeitlupe ab. Zwei Schritte, kein Zögern. Und dann küsste er mich. Einfach so. Keine Liebeserklärungen, keine hochroten Gesichter. Einfach nur ein Kuss, der reichte um alles zu sagen.
      Ich wusste nicht wie spät es war. Ich hatte die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Wir hatten nicht gesprochen, nur nebeneinander gearbeitet und versucht das bestmögliche aus der Situation zu machen. Jetzt viel die ganze Anspannung von mir ab und ich fing einfach an seiner Schulter an zu heulen. Etwas unbeholfen tröstete er mich. Als wir den Stall schließlich verließen um uns um einen Tierarzt zu kümmern und noch etwas zu schlafen, ging über Rømø Die Sonne auf.
    • Mohikanerin
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      Trainingsberichte

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      Ich hatte von Sarah Kyren den Auftrag bekommen ihren Islandmix Thowra im Springen zu trainiere.Da sie mir gesagt hatte,dass die junge Stute gerade erst eingeritten worden war und dass sie sich erst an die Sprünge gewöhnen musste,beschloss ich sie zunächst einmal zu longieren und über Stangen gehen zu lassen.Ich kam auf Sarah's Hof an und klingelte,begrüßte sie freundlich,als sie mir die Tür öffnete und ließ mich dann von ihr über den Hof führen und mir alles wichtige zeigen.Ich bat sie mir heute beim Training zu helfen und sie stimmte zu.Gemeinsam gingen wir zu Thowra und ich holte Halfter und Strick.Lächelnd fragte ich,ob Sarah Lust hatte,mir beim Putzen zu helfen und gemeinsam putzten wir die Stute.Es schien ihr zu gefallen.Als ich mich daran machte,ihr die Hufe auszukratzen,zog sie zunächst den Huf fort,ganz normal für ein junges Pferd,aber sie ließ sich überzeugen,dass sie den Huf oben ließ und ich kratzte alle Hufe aus.Nachdem das geschehen war,holte ich Sattel und Trense,zog ihr beides auf und ging dann gemeinsam mit ihr in die Halle.Sarah folgte mir und ich bat sie eine Stange bei X hinzulegen,sobald ich sie aufgewärmt hatte.Ich ließ Thowra zunächst auf beiden Händen im Schritt gehen,was gar nicht so einfach war,da sie - ganz einem jungen Pferd üblich - ziemlich stürmisch war.Ich musste sie immer wieder ermahnen,da sie antrabte oder sogar angaloppierte.Nachdem sie jedoch auf beiden Händen einige Runden im Schritt gegangen war,ließ ich sie anhalten und bat Sarah jetzt die Stange auf X zu legen.Sie legte sie nach meinen Anweisungen dorthin und ich bedankte mich.Zunächst ließ ich Thowra auf beiden Händen im Schritt über die Stange gehen.Es klappte gut und mit der Zeit lernte sie,dass sie ihre Hufe zu heben hatte.Auch im Trab klappte es gut und ich lobte sie für ihre gute Mitarbeit.Schließlich ließ ich sie angaloppieren und sie parierte mehrere Male vor der Stange durch.Schließlich jedoch schien sie auch das zu begreifen und ich lobte sie.Sarah räumte die Stange wieder fort und ich bat sie ein Cavaletti aufzustellen.Auch mit diesem übte ich mit Thowra erst einmal an der Longe.Sie machte ihre Sache gut und ich beschloss,dass sie bereit dafür war,es auch mit dem Reiter zu probieren.Ich bat Sarah auf jeder langen Seite ein Cavaletti aufzustellen.Zunächst in der niedrigsten Stufe,damit sich die Stute daran gewöhnen konnte.In der Zwischenzeit gurtete ich noch einmal nach und legte Longe und Peitsche beiseite.Dann stieg ich auf und ließ sie erst einmal im Trab über die beiden Cavaletti gehen.Sie stellte sich gut an und so probierte ich es auch im Galopp.Da auch das ganz gut klappte,bat ich Sarah die Stufe des Cavalettis zu erhöhen und sie erhöhte es.Wieder trabte ich erst einmal darüber und nachdem das klappte,ließ ich sie angaloppieren.Es klappte gut und ich lobte die junge Stute.Sarah erhöhte das Cavaletti auf seine höchste Stufe und ich übte es auch damit.Sie war auf jeden Fall talentiert und ich lobte sie wieder.Für heute hatte sie es gut gemacht und ich ritt sie trocken.Ich teilte Sarah mit,dass es sein könnte,dass ich einen Tag länger dauern würde,da die junge Stute sich erst einmal an die Hindernisse gewöhnen musste.Sicher war ich mir jedoch nicht.Nachdem ich die Stute trocken geritten hatte,brachte ich sie zurück in ihren Stall.Dort versorgte ich sie und gab ihr ein Leckerli zur Belohnung."Bis morgen",verabschiedete ich mich von Sarah und machte mich dann auf den Nachhauseweg.

      Ich hatte mir heute extra viel Zeit für das Training von Sarahs Islandmix-Stute Thowra genommen,denn ich wollte,dass das Training auch erfolgreich war.Sie hatte es beim letzten Mal sehr gut gemacht und deshalb ging ich davon aus,dass sie es auch heute gut machen würde.Ich kam am Hof an,wo ich direkt auf Sarah traf und sie bat,gleich in die Halle zu kommen,damit sie mir bei den Hindernissen helfen konnte.Nachdem das geklärt war,machte ich mich auf den Weg zu Thowra.Ich begrüßte die hübsche Stute und kraulte sie sanft.Sie ließ es sich gefallen und blieb auch beim Aufhalftern und Anbinden entspannt.Sie war sowieso kein sehr schreckhaftes Tier.Nachdem ich sie gründlich geputzt hatte,kratzte ich noch ihre Hufe aus,wobei sie ein paar Mal versuchte nach mir zu schnappen.Nicht bösartig,sondern eher wie ein Fohlen,das noch nicht wusste,dass man das nicht tat.Ich ermahnte sie und zeigte ihr deutlich,dass sie das nicht tun durfte und ich konnte schließlich ungehindert ihre Hufe auskratzen.Schließlich sattelte und trenste ich sie.Danach ging ich mit ihr in die Halle und bat Sarah wieder zwei Cavalettis aufzubauen.Ic wollte dort einsteigen,wo ich beim letzten Mal aufgehört hatte.Nachdem ich Thowra aufgewärmt hatte,begann ich sie zu traben und ließ dabei zunächst die Cavaletti außenvor.Schließlich jedoch band ich sie mit ein und Thowra schien sich an letztes Mal zu erinnern und sprang brav über die Cavaletti.Auch aus dem Galopp klappte es schon so gut,dass ich beschloss,dass sie für ein paar höhere E-Sprünge bereit war.Gemeinsam mit Sarah baute ich ein Kreuz und einen Oxer auf.Thowra wurde in der Zeit von einem Angestellten herumgeführt,damit sie nicht wieder auskühlte.Nachdem die beiden Hindernisse aufgebaut waren,stieg ich wieder auf und ritt im Schritt an den beiden Hindernissen vorbei,damit sie sich die Hindernisse anschauen konnte.Dann erst trabte ich wieder an und ließ sie aus dem Trab über das Kreuz gehen.Ich spürte,dass sie kurz davor etwas zögerlicher wurde,aber sie ließ sich durch leichten Schenkeldruck dazu bringen,wieder schneller zu gehen und tatsächlich sprang sie über das Hindernis.Ich lobte sie überschwänglich und ging das Hindernis mehrere Male aus dem Trab an,bevor ich zum Galopp wechselte.Auch hier merkte man,dass sie sich nicht ganz sicher war,aber mit leichtem Schenkeldruck ließ sie sich brav über das Hindernis bringen.Das gleiche tat ich mit dem Oxer und dieser schien ihr zunächst etwas mehr Probleme zu machen,aber mit der Zeit wurde sie besser und ich lobte sie,ließ sie erstmal verschnaufen,bevor ich Sarah bat den Oxer soweit zu erhöhen,dass er zu einem kleinen A-Sprung wurde.Ich hatte hierbei ein gutes Gefühl,denn Thowra schien begabt im Springen zu sein.Nachdem Sarah den Sprung erhöht hatte,sprang ich zunächst einmal aus dem Trab über das Kreuz und wiederholte diese Übung mehrere Male.Da sie immer wieder nach dem Sprung in Galopp verfiel ließ ich sie beim nächsten Mal weitergaloppieren und steuerte auf den Oxer zu.Sie sprang tatsächlich,riss aber eine Stange.Vermutlich hatte sie nicht damit gerechnet,dass der Sprung höher war.Ich lobte sie und wiederholte das ganze mehrere Male.Bei den nächsten Malen merkte man schon,dass sie besser wurde.Ich beendete das Training schließlich und lobte sie.Da ich davon überzeugt war,dass Pferd und Reiter Training nötig hatte,bat ich Sarah es selbst einmal zu versuchen.Sie willigte ein und ich gab ihr von unten Tipps,wie sie die Stute motivieren und ihr Sicherheit geben sollte.Die beiden machten es gut.Während Sarah Thowra trocken ritt,riet ich Sarah,dass sie die Stute weiter trainieren sollte.Falls sie es sich nicht zutraute,der Stute die nötige Sicherheit zu geben,riet ich ihr,sich jemanden zu suchen,der ihr und der Stute Reitunterricht geben konnte.Thowra war durchaus in der Lage einen A-Pacours zu springen,brauchte aber nach meinem Training noch viel Übung,die sie hoffentlich erhalten würde.Ich machte die Stute nach dem Trockenreiten fertig und versorgte sie,bevor ich mich von ihr und ihrer Besitzerin verabschiedete.

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      Heute ging es zu Ravenna, der ich ihre Isi-Mix Stute Thowra ausbilden sollte. Die Stute war mir als gangfreudig, quirlig und schnell beschrieben worden, ganz der Typ Pferd bei dem das reiten eine Herausforderung war der man sich sehr gern stellte. Ich parkte mein Auto und stieg aus, froh bereits erwartet zu werden. Thowra stand bereits fertig geputzt am Putzlatz und ihre Besitzerin war mit Sicherheit den Sattel holen gegangen. Ich fand diese Vermutung bestätigt als ich hinter mir eine Stimme hörte, sie gehörte einer Frau die einen Sattel trug. Ich wurde sehr freundlich begrüßt und begann meine übliche Methode zu erklären: „es wäre schön wenn sie mir Thowra erstmal vorführen könnten. Dann bekomme ich einen guten Eindruck vom Pferd und ihrer üblichen Reitweise.“
      Gesagt, getan. Es dauerte nur noch ein paar Minuten bis die junge Stute reitfertig war und sich Ravenna in den Sattel schwang um mir eine kleine Vorführung zu geben.
      Für mich war schnell klar, die Stute hatte Talent und wurde hier gut gefördert, also bat ich Thowras Besitzerin ihr Pferd nun mir zu überlassen. Sie ließ sich aus dem Sattel gleiten und übergab mir das gescheckte und etwas übermütige Pferd.
      Ravenna hatte die Stute bereits gut aufgewärmt, sodass ich nur noch ein paar Volten auf der großen Ovalbahn ritt um die Beweglichkeit der Stute zu testen. Schließlich verlagerte ich mein Gewicht, setzte mich tief in den Sattel, nahm die Zügel kurz und drosselte das Tempo. In ihrer Ungeduld begann Thowra zu trippeln und konnte es kaum erwarten endlich zu tölten. Als ich schließlich zu treiben begann, schoss sie los. Zwar waren die ersten paar Schritte Tölt gewesen, doch durch ihren Übermut und die angestaute Energie verfiel sie in den, für Viergänger typischen Schweinepass. Ich parierte sofort wieder durch, hatte aber doch ihre Qualitäten bemerkt. „Dieser Schweinepass war sehr nah an der echten Gangart.“ sagte ich zu Ravenna als ich bei ihr stehen blieb. „Ist sie schon einmal im Passtraining gewesen?“ Diese Frage verneinte Ravenna, woraufhin ich kundtat das ich glaubte, dass Thowra durchaus Qualitäten als Fünfgänger aufwiese. „Das ist bei Isländer Mixen ziemlich selten.“ meinte ich, ehe ich wieder anritt. Bei meinem zweiter Versuch zum Antölten klappte es und Thowra ging ein gutes Stück Tölt, allerdings wurde sie zum Ende hin hektisch und ich musste sie ausbremsen um zu verhindern das die Stute in den Trab umsprang. „Typisch.“ murmelte ich und griff zu meinem bewährten Rezept zum Abbau überschüssiger Energie. Ich ließ die Stute angaloppieren, was sie zu begrüßen schien. Sofort legte sie ein ordentliches Tempo vor und ich ließ sie laufen bis ich den Eindruck hatte das sie nun genug Energie abgelassen hatte. Nach dem kurzen Galopp ließen sie die Übungen zum Tölt viel besser reiten und Thowra konnte länger laufen ohne in den Trab zu springen. „Sehr gut.“ lobte ich die Stute nach einem gelungenen Stück Tölt und klopfte ihr den Hals. Schließlich töltete ich wieder an und begann mit Variationen in der Geschwindigkeit. Das ganz langsame Tölten fiel ihr zunehmend leichter, und nach anderthalb Stunden saß ich befriedigt ab. Die Stute trottete Müde neben mir her als ich zu Ravenna ging. „Sie ist sehr schön gegangen und jetzt sicherlich bereit für A Niveau.“ sagte ich und klopfte der Stute den Hals die diesen nun nach ein paar Büscheln Gras verrenkte. „Falls sie sich entschließen sie zur Fünfgängerin zu trainieren, würde ich mich anbieten.“sagte ich freundlich, denn ich hatte die junge Stute schon ins Herz geschlossen. Schnell fügte ich noch hinzu: „Sofern ihnen mein Training zusagt.“
      Ich half noch beim absatteln und stieg schließlich wieder in mein Auto, gespannt was Ravenna zum Thema Passtraining sagen würde.

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      Ich parkte mein Auto auf dem Parkplatz vor Caed Crevan. Ich freute mich bereits auf Thowra, denn ich und die Stute waren schon relativ gut bekannt.
      Man begrüßte mich herzlich und wie auch bei meinem ersten Besuch hier traf ich Thowra schon fertig gesattelt auf dem Putzplatz an.
      „Ich denke das Vorführgedönz können wir uns sparen, ich kenne die Stute ja.“ meinte ich und ließ Thowra an meiner flache Hand schnuppern, in der Hoffnung die Stute würde mich wiedererkennen.
      Sie zeigte allerdings kein großes Interesse an der Hand, eher interessierte sie sich für die Tasche meiner Reithose in der sich scheinbar doch zu häufig etwas fressbares befunden hatte.
      Lachend stieß ich ihren Kopf sanft zur Seite und machte sie los.
      Ravenna war heute nicht persönlich anwesend, aber ein Auszubildener lehnte an der Bande des Reitplatzes. Ich hatte mir für heute vorgenommen meine Hypothese zu testen. Ich wollte sie weiter im Tölt fördern und probieren ob sie erste Ansätze vom Rennpass zeigen würde.
      Nachdem ich die Bügel auf meine Länge eingestellt hatte, saß ich auf und begann mit dem gründlichen Aufwärmen.
      Während ich mit Volten, Zirkel und Schlangenlinien die 'Weicheit' von Thowra verbesserte, nahm ich die Zügel immer weiter auf, bis die Stute den Kopf heben musste. Eigentlich wollte ich sie behutsam wieder an das vorherige Training erinnern, doch ich stellte erfreut fest das Thowra sofort wusste was ich von ihr wollte. „Meine Tipps sind eindeutig beherzigt worden.“ dachte ich zufrieden und ließ die Stute antölten. Anfangs war Thowra noch unsicher und sprang ein oder zwei Mal in den Trab, doch mit der Zeit wurde sie wirklich selbstsicher und trug mich schließlich nach einigen Versuchen unbeirrt in flottem Tempo über die Bahn.
      Auch von ihrer Hektik war nicht mehr viel übrig. Außerdem gab mir noch ein weiter Umstand das Bewusstsein mich in der Stute nicht getäuscht zu haben.
      Anfangs war ihr Tölt noch recht weich gewesen, doch mit zunehmendem Tempo wurde sie passig und regelrecht unbequem. Ich probierte etwas aus, das ich von meinem alten Trainer gelernt hatte um begabten Isländern den Passgang das erste Mal abzurufen.
      Ich beschleunigte den Tölt auf eine Geschwindigkeit die fast schon zu hoch für diese Gangart war und gab dann die Hilfe zum angaloppieren.
      Das Kunststück aus dem Tölt in den Galopp zu wechseln ohne vorher in den Trab zu fallen war beinahe unmöglich. Nur wenige Islandpferde beherrschten es, und das waren ausschließlich Naturtölter die wenig mit dem Trab zu schaffen hatten.
      Automatisch versuchte Thowra meinen Befehl auszuführen, und musste dabei zwangsläufig ein paar Schritte Pass gehen, wenn sie nicht zum Trab wechseln wollte.
      Und siehe da, es klappte, zwei drei ungewollte Schrittchen Rennpass und dann fiel sie in den gewohnten Galopp.
      Schnell parierte ich durch und lobte die Stute ausgiebig. Wir hatten heute gute Erfolge erzielt und die Isistute durfte nun auf L Niveau gehen.
      Ich saß ab und übergab mein Pferd dem leicht ungeduldigen Azubi, der sie ohne ein Wort davon führte. Zehn Minuten später war ich bereits auf dem Weg nach Hause.

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      Heute besuchte ich Sarah Kyren und ihre Stute Thowra bereits zum dritten Mal. Ich parkte mein Auto und ging den, mir bereits bekannten Weg zum Putzplatz hinunter. Sarah erwartete mich, ein Halfter in der Hand. Sie war offensichtlich gerade dabei gewesen ihre Stute zu holen, als sie das Geräusch meines Autos gehört und gewartet haben musste. Wir begrüßten uns herzlich und ich folgte ihr und sah zu wie sie Thowra einfing und anband. Kurzerhand griff ich mir ebenfalls einen Striegel, als die rothaarige Frau begann ihre Stute zu putzen und half ihr.
      Es dauerte zu zweit nicht lange bis Thowra hübsch sauber und gesattelt am Anbinder stand. Obwohl ich beim letzten Training etwas Pass versucht hatte, sollte ich Thowra laut Sarah lieber als Viergängerin ausbilden. Ich stellte also die Bügel auf meine Länge ein und führte die Stute zum Ovalbahn auf welcher wir heute trainieren würden. Dort angekommen gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel.
      Nach der langen Fahrt bis zu Sarah Kyrens Hof genoss ich es wieder im Sattel zu sitzen. Ich ritt einige Runden im Schritt zum warm werden und wechselte allenthalben die Hand. Während ich langsam begann die Zügel immer ein Stückchen mehr aufzunehmen, baute ich zunehmend engere Volten ein.
      Als sich das Pferd unter mir zunehmend zu sammeln begann, verlangsamte ich den Schritt auf ein Minimum. Thowra begann mir ungeduldig zu verstehen zu geben das sie das gar nicht bräuchte, doch ich wollte ihren Tölt verbessern und ihn nicht einfach abrufen, deshalb blieb ich eine Weile hart ehe ich die Stute mit einem leichten Stups zum laufen brachte. Zu ihrer Empörung durfte sie noch immer nicht so schnell wie sie es gerne gehabt hätte. Ich verlangsamte den Tölt soweit wie möglich und trieb weiterhin im Takt ihrer Schritte damit sie nicht in den Schritt fiel. Als sie endlich aufhörte sich gegen den Zügel zu stemmen und einfach begann vorwärts zu gehen, wurde der Tölt mit einem Mal beinahe noch ordentlicher als er es bereits war. Thowra begann die Vorderbeine höher zu heben und nachdem sie ihre Sturheit fürs erste fallen gelassen hatte, war ihr Tölt Showreif. Um die Stute nicht noch weiter anzustrengen, nur weil ich ihren schönen Tölt genießen wollte, parierte ich durch zum Schritt. Ich lobte Thowra ausgiebig für ihre gute Leistung und ließ sie zur Belohnung Galoppieren. Freudig sprang sie vorwärts, ohne das ich die Stute treiben musste.
      „Eine Dressurlektion wäre vielleicht gar nicht schlecht für sie.“, rief ich Sarah zu und meinte im vorbei reiten zu sehen wie sie nachdenklich nickte.
      Auch mit dem Galopp der Stute war ich mehr als zufrieden. Meine Erfahrung hatte mir zudem gezeigt, dass sie den Trab ebenso beherrschte wie den Tölt. Eigentlich hätte die kurze Zeit als Training bei dieser Stute bereits gereicht, doch ich hatte mir in den Kopf gesetzt etwas auszuprobieren. Ich ließ Thowra antraben und begann sanft im Trab zu treiben. Ich achtete sehr darauf nichts zu tun was die junge Stute mit der Galopphilfe verwechseln konnte. Ich wollte nur das sie im Trab schneller wurde und ich wollte Wissen ob sie diesen 'Renntrab' halten konnte oder in Galopp, Tölt oder sogar den Pass fallen würde. Erstaunlich lange hielt sie das Tempo durch, ehe sie in ein seltsames Pass-Galopp-Trab-Tölt Gemisch fiel das sich im Großen und Ganzen anfühlte wie Pass ohne Schwebephase. Schnell ließ ich Thowra zurück in den Schritt fallen und parierte bei Sarah angekommen durch zum Halt. „Jetzt experimentiere ich schon mit deinem Pferd.“, grinste ich. Wenig später, nach einem herzlichen Abschied von der Stute und ihrer Besitzerin Sarah Kyren, hatte ich bereits die Heimreise angetreten. Natürlich nicht ohne geklärt zu haben, dass das Training seinen Zweck erfüllt und Thowra jetzt auf M Niveau gehen durfte. Der Abschied war nicht schwer gefallen und ich war mir recht sicher die beiden schon bald wieder zu sehen.

      Dressur E - A
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      21.Juni 2015| (c) Ravi
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      Es fühlte sich komisch an in einem leeren Bett aufzuwachen, doch nicht unbedingt schlecht. Es machte mir schon Sorgen wie schnell ich diesen Schlag ins Gesicht überwunden hatte, doch – nicht drüber nachdenken! Ich stand auf, stieg in meine Klamotten und schnappte mir auf dem Weg nach draußen ein Brötchen vom Vortag, welches ich im gehen verspeiste. Auf meinem Weg zu Weide grüßte ich Arran, der gerade dabei war Linns Offenstall zu säubern. Gapur stand zusammen mit Blossi und Uprising auf dem Hengstpaddock und auch Vidja fehlte. Scheinbar war Linn gerade dabei sie irgendwo zu reiten. Nun ja, mich sollte das ganze nicht stören, denn ich würde mich heute Morgen ein wenig mit Thowra beschäftigen. Die Stute hatte eine Runde Dressur schon länger nötig. Unwillig folgte Thowra mir zum Putzplatz, wo ich ihr grau weißes Fell, das momentan eher grau-grün war, gründlich mit verschiedenen Striegeln bearbeitete. Ich holte ihren Sattel von ihrem Platz und entfernte entnervt etwas Vogelkot von ihrer Trense. Ich würde bald nicht nur die Sättel abdecken müssen, denn die Schwalben, die an den Dachbalken des Stallgebäudes nisteten, wurden immer dreister. Ich holte mir Helm und Handschuhe, doch bevor ich aufsitzen konnte wurden meine Nerven wieder auf die Probe gestellt. Tabea hatte sich scheinbar auf meine Stute gewagt, denn die Bügel waren viel zu kurz eingestellt und dazu nicht anständig hochgezogen sondern völlig wirr verknotet. Jetzt wirklich entnervt löste ich die Riemen, stellte die Bügel ein und nahm mir vor Tabea einmal mehr gründlich zu erklären was sie NICHT machen sollte. In einer flüssigen, geübten Bewegung legte ich die Zügel auf Thowras Hals und schwang mich in den Sattel. Das Dressurviereck war frei, doch auf der Ovalbahn erblickte ich Finley. Mein wunderbarer Stallhelfer, eigentlich Helfer bei allem, lieferte sich seinen täglichen Kampf mit Topar. Der sture Hengst hatte mal wider seine 5 Minuten und meinte wie ein wilder über die Bahn rasen zu müssen. Grinsend sah ich zu wie Finley versuchte den Hengst mit verschiedensten Mitteln zu Raison zu bringen. Leider half nicht viel. Erst als der dunkelhaarige Mann resigniert die Gerte fallen ließ, die er in der Hand gehalten hatte, beruhigte sich Topar. Für ihn war alles was mit Gerten zu tun hatte fies und gemein, doch Finley ließ sich nicht davon abbringen ihn mit Gerte zu reiten. Immer wieder schaute ich zu den beiden hinüber und rief Finley Tipps zu, eigentlich nur um ihn etwas zu Triezen während ich die graue Stute im Dressurviereck warm ritt. Da Thowra in Dressur noch nie wirklich trainiert worden war, aber die meisten Übungen aus anderen Zusammenhängen bereits kannte, würde ich heute Morgen nicht viel Arbeit haben. Wir begannen mit dem Mittelschritt, welchen Thowra für das Viergang Training sowieso beherrschen musste. Sie schritt zugig aus, hob alle Hufe gleichmäßig vom Boden ab und blieb dabei wunderbar weich und gebogen auf der Zirkelline. Es versprach wirklich entspannt zu werden. Beim Versuch rückwärtszurichten meinte sie kurz Zicken zu müssen, doch alles in allem verlief das kleine Dressurtraining wunderbar. So beschloss ich das ganze einfach mal als Stufenerhöhung durchgehen zu lassen.
    • AliciaFarina
      Kurzer Besuch bei Vriska



      Heute statte ich Vriska einen kurzen Besuch ab, sie hatte momentan viel um die Ohren, sodass ihre Pferde derzeit etwas kurz kamen.

      Nachdem ich angekommen war suchte ich die Isländer. Auf der einen Weide sah ich schon von weiten viele Isis mit ihren typischen voluminösen Langhaar. Auf der Stuten Weide standen: Willa, Òfeig, Throwa, Fjara, Grima, Kvika und Aska. Die hübschen Stuten standen einträchtig auf der Wiese und fraßen, sie kuckten hoch als ich sie alle kurz unter die Lupe nahm, aber fraßen schnell weiter. Nun besuchte ich die Hengte, hier standen: Mökkur, Dáti und Hervir. Die drei Herren machten ebenfalls einen guten Eindruck, sodass ich mich wieder auf den Weg nach Hause machte.



      717 Zeichen by AliciaFarina
    • Eddi
      Verschoben am 20.07.2017
      Grund:
      6 Monate Pflege.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    Mohikanerin
    Datum:
    26 Juli 2016
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    Kommentare:
    7

    EXIF Data

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    Thowra van Ghosts
    Stute

    Isländer-Mix, *2011, 06.06
    Mausfalbschecke, eeAaDdnT
    153 cm

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    Thowra ist das Aborigine Wort für Wind - ganz getreu dem neuen Heimatland ihres Vaters, doch geboren wurde sie in einer stürmischen Gewitternacht. Das tapsige Fohlen schlug mir sofort ins Auge - als ich hörte die kleine habe noch immer kein zu Hause holte ich sie zu mir. Thowra ähnelt der Farbe her eher ihrem Vater Freki - jetzt als Jungspund ist sie natürlich noch unerfahren, bisweilen etwas frech. Dies jedoch niemals böswillig, denn im Grunde ist an sie eine kleine Ausgabe ihrer Mutter - aufgeschlossen, freundlich. Eine Stute mit der sich leicht arbeiten lässt, doch ihr Name verbirgt etwas in ihrem inneren, ein Geheimnis das Thowra hütet und nur manchmal im Spiel beweist. Der Wind ist auch in ihr - auf der Weide lässt sie die anderen Fohlen manchmal hinter sich, Noomie hat Schwierigkeiten mit ihren kurzen Beinen mitzuhalten und selbst Striga! Diese Eigenschaft ließe sich gerade für den Distanzsport einmal nutzten, denn durch ihre Abstammung der Isländer zeigt sie bereits jetzt weiche Gänge.
    Thowra gehört mit in die unterste Schicht der Rangordnung, doch wehrt auch sie sich bereits gegen Tritte. Manchmal zeigt sich die junge Stute sogar als recht zickig, wenn sie nämlich etwas will ist sie sehr beharrlich. Willow scheint dabei ihr Fels in der Brandung zu sein, denn nach aufgeregtem Spiel kuschelt sie auch mal mit der älteren Stute. Mit Willow bricht sie nie einen Streit vom Zaun, quietscht sie nicht an - was bei den anderen nicht immer der Fall zu sein scheint.

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    Freki
    Faire Prince | Palimé

    Valentins Little Grey
    Grey Storm | Laufa

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    Sleipnir frá G.E. | Uprising
    Nachkommen | Vater

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    SK 434

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    Gangreiten M | M
    Dressur A | L

    Springen A | A

    Ganveranlagung 4 Gänge

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    SW 400 | GT 18 |

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    Ausbildungsdaten
    Führen | Anbinden | Sattel | Trense | Hufe geben
    Reiter | Grundgänge | Tölt | Verstärken | Versammeln

    Zirkuslektionen
    x |

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    Tierarzt | 2. Februar 2016
    Influenza Ja
    Tetanus Ja
    Herpes Ja

    keine Beschwerden

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    Hufschmied | Unbekannt
    Hufeisen Nein

    keine Beschwerden

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    PSD | Weide | Tagebuch