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Samarti

Tenacious, DRP

*2008, im Besitz seit dem 08.09.2015

Tenacious, DRP
Samarti, 22 Feb. 2017
Möhrchen, Tassila und sadasha gefällt das.
    • Samarti
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      Eine ganze Menge Arbeit
      09/2015 | 2464 Zeichen
      „Tenacious.“
      „Tenacious?“
      „Ja.“
      „Und was heißt das?“
      Ich verdrehte die Augen. „Ist das wichtig?“
      „Ja.“ Elena tat es mir gleich und rollte mit den Augen, bevor sie ihr Gewicht auf das rechte Bein verlagerte und die Hand in die Hüfte stemmte.
      „Zäh.“
      „Das geht nicht.“
      „Wieso geht das nicht?“
      „Du kannst kein zähes T-Bone-Steak kaufen … davon halte ich gar nichts. So wirklich nichts. Also, null. Wirklich nichts. So ganz wir-“
      „Ich hab verstanden, was du mir sagen willst, Elena“, erwiderte ich nur trocken und schnitt ihr so das Wort ab, was der Blondine aber so gar nicht gefiel.
      Tenacious – aka Mr. T., weil ich einfach ständig über seinen Namen stolperte – war ein neu importierter Reitponyhengst, der tatsächlich aus Deutschland kam. Dass mich in der nächsten Zeit dann wohl noch ein weiterer Brauner erwartete, verschwieg ich sicherheitshalber, als Joline und Matthew mir einen Vortrag darüber hielten, dass es ja alles immer enger auf dem Gestüt werden würde. Solange wir noch mit dem Pflegen hinterherkamen und es allen immer gut ging, sah ich da jedoch eher weniger ein Problem drin.
      „Elisa, was ist das für ein Pony, das da steht?“, grummelte Gwen schließlich, die auf mich zugelaufen kam und eine nicht so erfreute Miene aufgesetzt hatte.
      „Das ist Tenacious.“ Stolz, dass ich den Namen in diesem bedeutenden Moment hatte richtig aussprechen können, grinste ich und machte eine ausschweifende Handbewegung zu dem Braunen. „Schick, oder?“
      „Ja, eine wunderschöne Tentakel hast du da. Was ich aber eigentlich fragen wollte: Wieso steht da ein Araber auf dem Hof?“
      „Araber? Die müssen sich bei der Adresse vertan haben“, schlussfolgerte Elena mit einem verwirrten Blick, nickte dann aber bestätigend, um ihre Aussage zu bekräftigen.
      „Da wäre ich mir gar nicht so sicher …“ Unsicher deutete Gwen in die Richtung, in der besagter Araber stand, und Elis Blick folgte ihrem Zeigefinger. Elenas Kopf rauchte förmlich; man konnte sehen, wie alles in ihrem Kopf auf Hochtouren arbeitete, bis sie schließlich einfach wegrannte und zu dem schwarzen Hengst sprintete.
      „Babyyyyyy“, rief sie schon auf dem Weg und fiel Shakoor dann erst einmal um den Hals, als sie ihn endlich erreicht hatte. Gwen und ich sahen uns nur kurz an, gingen dann aber auch zu Shakoor und blieben nun stehen.
      „Elisa, jetzt hast du mir aber einiges zu erklären“, murmelte Eli nur und streichelte sanft über das samtene Maul des Rabicanos. „Aber um ganz vorne anzufangen … Was macht er hier?“
    • Samarti
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      Dressur E-A
      09/2015, von Samanta | 6000 Zeichen
      "Trainingsstall Project Second Chance, Samanta Thomsen am Apparat. Was kann ich für Sie tun?"
      "Schönen guten Tag, mein Name ist Elisa Cranfield. Ich habe ihre Anzeige gesehen und würde gerne eines meiner Pferde bei Ihnen in Beritt geben." Mein erster Auftrag in meinem neuen Trainingsstall und ich freute mich wirklich darüber. Es hatte nicht lange gedauert, bis ich doch wieder einen Trainingsstall eröffnet hatte. Dieses Mal für einen guten Zweck, aber auch für private Kunden. Mein erster Auftrag entsprang privatem Ursprung. Ich machte mich also auf den Weg ins schöne Kanada. Es war beinahe eine Odysee, aber was tat man nicht alles für seine Kunden, nicht wahr? Ich war froh, dass ich so kompetente Mitarbeiter auf meinem Hof hatte, denen ich meine Pferde ohne Probleme anvertrauen konnte. Nach über 9 Stunden Flug kam ich am Flughafen an, wo ich freundlicherweise abgeholt wurde."Hi, ich bin Samanta",stellte ich mich der jungen Frau vor, die sich als Elisa vorstellte. Nach einer Autofahrt, kamen wir am Hof an und ich richtete mich erst einmal ein. Anschließend zeigte mir Elisa den Hengst. Tenacious war ein Deutsches Reitpony und eine wirkliche Schönheit. "Na du Süßer",sagte ich sanft. Er schnupperte an meiner ausgestreckten Hand und ich kraulte ihn sanft.Lächelnd wandte ich mich an Elisa und sagte, dass ich gerne heute bereits mit dem Training anfangen wollte. Sie erkundigte sich, ob ich vorher noch etwas trinken wollte, aber ich schüttelte den Kopf und so zeigte sie mir, wo ich die Sachen für den Hengst finden würde. Gemeinsam und mit viel Spaß putzten wir den Hengst und danach sattelte und trenste ich ihn. Ich ließ mich auf dem Weg zur Halle von Elisa ein bisschen über den Charakter des Hengstes aufklären. Er schien ein ruhiger Zeitgenosse zu sein. Während er brav neben mir herging, unterhielt ich mich ein bisschen mit Elisa. Schließlich waren wir in der Halle und ich gurtete nach. Da er sehr entspannt wirkte, verzichtete ich auf das Ablongieren und stieg direkt auf. Der Hengst blieb auch weiter cool und ich ritt ihn im Schritt an. Nach einer 10 minütigen Aufwärmphase trabte ich an und stellte schnell fest, dass er fleißig, aber nicht ungestüm war. Seine Gänge waren weich und federnd, sodass er gute Anlagen für die Dressur zeigte. Er trat schon gut an den Zügel heran, was auf eine solide Grundausbildung schließen ließ. Mit ihm würde ich sicherlich keine Probleme haben. Ich wollte ihn heute nicht zu sehr fordern, weshalb ich mich ausschließlich auf die Lektionen konzentrierte, der er bereits können sollte und die klappten wirklich einwandfrei. Er war ein netter Kerl und versuchte mitzuarbeiten, so gut er es vermochte. "Er ist wirklich gut ausgebildet worden bisher", sagte ich zu Elisa. Der Hengst hatte einen flotten, aber regulierbaren Galopp, man merkte aber schnell, dass er doch eher schneller vom Gemüt her war, was an sich auf keinen Fall schlecht war, jedoch würde es später schwieriger werden ihn korrekt versammelt zu bekommen. Dennoch sah ich da nicht komplett schwarz für ihn, eigentlich sah es sogar recht gut aus mit seinen Fähigkeiten in der Dressur. Er würde keinerlei Probleme damit haben, wenn er richtig trainiert werden würde. Nachdem ich ihn in allen drei Gangarten geritten war, beschloss ich für heute Schluss zu machen. Ich ritt den Hengst trocken und versorgte ihn dann gemeinsam mit Elisa. Wir setzten uns am Abend noch zu einem gemütlichen Abendessen zusammen, bevor ich todmüde ins Bett fiel. Am nächsten Morgen wachte ich früh, aber erfrischt auf. 10 Stunden Schlaf waren ein Luxus, den ich mir nur selten erlauben konnte und auch nur, wenn ich sowieso früh zu Bett gegangen war, wie auch gestern schon. Acht Uhr dreißig war ich fertig angezogen, hatte etwas gefrühstückt und mich soweit fertig gemacht, dass ich mit Tenacious arbeiten konnte. Elisa hatte ich nur kurz gesehen, die mir erklärt hatte, dass sie mir ihren Hengst ohne weiteres auch alleine anvertrauen würde, nachdem sie sich gestern von meinen Reitfähigkeiten überzeugen hätte können. Ich hatte gegrinst und gesagt:"Es ehrt dich, dass du so offen bist. Andere überlassen mir ihre Pferde einfach so, was ja eigentlich auch nicht richtig ist."Ich betrat den Stall und begrüßte den Hengst freundlich. Nachdem ich ihn für das Training bereit gemacht hatte, ging ich erneut mit ihm in die Halle und begann nach de Aufwärmen dann die Lektionen mit ihm zu reiten. Ich wollte mich heute auf die Gangarten, die Galopp-Schritt Übergänge und das Rückwärtsrichten konzentrieren und erst später im Training die anspruchsvolleren Lektionen hinzunehmen. Er machte sich während meines Trainings wirklich gut, trat immer besser an den Zügel heran und arbeitete fleißig mit. Mit den stärkeren Versammlungen hatte er anfangs ein paar Schwierigkeiten, die wir jedoch in den Griff bekamen und am Ende meines Trainings konnte Tenacious eine solide A-Dressur gehen.Ich rief am letzten Tag meines Trainings Elisa mit dazu - die sich immer wieder auch schon während den einzelnen Schritten von unserem Vorankommen überzeugt hatte - und zeigte ihr, was ich ihm gelernt hatte und wo er noch etwas Schwierigkeiten hatte. Da sie selbst Trainerin war, ging ich davon aus, dass sie mit ihm auch weiter trainieren würde und dass er bei ihr auf jeden Fall in guten Händen war, wenn es um die Verbesserungen der Lektionen ging. "Am Mitteltrab und Mittelgalopp solltest du immer wieder feilen", riet ich ihr,"außerdem auch an den Übergängen, die müssen jetzt einfach immer wieder trainiert werden, sowie alle anderen Lektionen natürlich auch, damit er solide im Training bleibt."Schließlich hatte ich den Hengst versorgt und verabschiedete mich von ihm. Anschließend verabschiedete ich mich von Elisa und wünschte ihr viel Erfolg bei dem Training mit dem Hengst.Außerdem bot ich ihr an, mich jederzeit zu kontaktieren, wenn sie Fragen bezüglich des Trainings hatte. Sie brachte mich noch zum Flughafen und nach neunstündigem Flug war und einer kurzen Autofahrt, war ich auch schon wieder zu Hause.
    • Samarti
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      Dressur A-L
      10/2015, von Gwen | 3937 Zeichen
      „Du hast WAS? Aber ich wollte Tentakel trainieren!“, jaulte ich enttäuscht auf und schaute Elisa vorwurfsvoll an. „Wie heißt mein Pferd?!“ – „T-e-n-t-a-k-e-l.“ – „Wie alt bist du?“ – „Neun!“
      „…zehn“, warf Elena gelangweilt ein. „Nu lass sie doch T-Bone-Steak trainieren, wenn sie das unbedingt will“, meinte sie knapp und schob sich langsam in Richtung Küche. „Wie heißt mein Pferd?!“ – „T-B-o-n-e-S-t-e-a-k.“ – „Wie alt bist du?“ – „Mama hat gesagt, ich bin eins.“

      Wir hatten uns zum Mittag getroffen, wie immer bei Elisa. Es gab Pommes und Spare Ribs, woher Elisa die auch immer hatte, aber sie machte uns damit sehr glücklich. Nach dem guten Essen und einer Verdauungspause auf dem Sofa, machte ich mich direkt auf den Weg in den Stall, nämlich zu Tentakel.
      Gut, eigentlich hieß der Hengst Tenacious, was auch ein schöner Name war, aber der Faulheit halber nannten ihn alle T und ich eben Tentakel! Er war süß und hübsch und lieb und seit heute hatte ich entschieden, seine Privattrainerin zu sein. „Wow Elisa, deine Pferde wickeln jeden um den Finger“, meinte Elena ironisch, nachdem sie den Stall betreten hatte und in Richtung Levi lief. Elisa verdrehte nur genervt die Augen und kommentierte das Ganze mit einen: „Ihr müsst mir nicht täglich sagen, wie doof ihr seid.“

      Tentakel war geputzt und gesattelt und wir marschierten gerade in Richtung Reithalle (es war nämlich kalt), als uns Matthew mit hochgezogenen Augenbrauen entgegen kam. „Du trainierst ein Elisa-Pferd? Bin ich in einer Parallelwelt?“, fragte er ironisch und marschierte schweigend weiter. Pff, als ob ich sonst nie etwas für Elisa tat! Von wegen.
      Tentakel ritt ich in aller Ruhe warm, während ich mir Gedanken über unser Training machte. Die relativ bekannte Trainerin Samanta Thomsen hatte ihn bereits in der Dressur trainiert, deshalb wollte ich dort direkt anknüpfen. Uns stand nun der Sprung von A auf L bevor. Ich bezweifelte jedoch, dass das mit Tentakel sonderlich schwer werden würde.
      Heute machte ich mich erst einmal ein wenig mit Tentakel bekannt, ehe wir in Richtung Lektionen gingen. Grundlegend waren die neuen Gangarten, beziehungsweise was hieß neu: den versammelten Trab und den versammelten Galopp schien Tentakel schon grob zu kennen und sein Gemüt spielte mir dabei auch positiv in die Hände. Es war nicht sehr schwer, den Hengst unter sich zu versammeln, denn Tentakel reagierte sauber auf jede Hilfe und so waren Hinterhand und Vorderhand schnell im Einklang.
      Zwar würde das trotzdem noch ein wenig Übung bedürfen, aber er war ein DRP von Townsend Acres, es wäre ein komisches Wunder, wenn er es nicht hinbekommen würde. Elisa würde schon dafür sorgen, dass er am besten vor jeder Trainingsstunde schon das konnte, was ich mit ihm durchnehmen wollte. Oder sie musste nicht mal etwas tun, weil Tentakel schon von selbst so klug und talentiert war.
      Am nächsten Tag erarbeiteten wir uns den Außengalopp und den einfachen Galoppwechsel. Dabei hatten wir Elena als Zuschauerin, die hatte heute aber andere Sorgen, als uns dauerhaft zu kritisieren. „Gwen. Wusstest du schon, dass alle Dressurprüfungen mit Bandagen geritten werden?“, seufzte sie und schaute mich dann entgeistert an: „Wo sind deine Bandagen?! Wie kannst du nur! Ich bin zutiefst enttäuscht“, grummelte sie mit erhobenen Zeigefinger. Ich seufzte nur genervt auf und verschwand mit Tentakel auf den hinteren Zirkel.
      Dort übten wir die Kehrtwendung auf der Hinterhand und die Kurzkehrt. Viel mehr würde es eigentlich auch gar nicht mehr zu tun geben. Das Überstreichen im Trab stand noch an, aber das waren für Tentakel Peanuts und die Bahnfiguren, bestehend aus Volten und Schlangenlinien, waren sowieso kein Problem.
      Also übte ich eigentlich mit Tentakel nur noch das bereits gelernte und vertiefte es. So blieb mir immer viel Zeit, mich mit Elena und Elisa über das kürzlich stattgefunden Jolympia zu unterhalten. Es war wirklich sehr unterhaltsam, das mussten wir alle zugeben.
    • Samarti
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      Ausritt zu dritt
      10/2015, von Gwen | 3983 Zeichen
      „Wir haben uns hier versammelt…“ – oha, das wurde langsam zu einem Running Gag und trotzdem begann Elisa bevorzugt jedes unserer Treffen genau mit diesem Satz. Dementsprechend hatte sich Elena schon ein Schild gebastelt, auf dem „UNLUSTIG“ stand und dieses hatte sie auch heute mit und hielt es gerade in die Höhe. Dazu schrie sie ein: „Wir protestieren, auf allen vieren!“
      Ich hatte versucht sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie aber nur auf zwei Beinen stand, dann hatte sie mir eine mit dem Schild runtergehauen und ich war still gewesen. So konnte man Konflikte natürlich auch lösen… Elisa hatte uns zu sich geschleppt, weil sie der Meinung war, dass wir dringend mal wieder einen gemeinsamen Ausritt machen mussten. Das machten wir nämlich äußerst selten und dementsprechend wurde es laut ihr dringend mal wieder Zeit. Elena und ich waren sofort dabei.
      „Ich nehme Sackhaar!“ – „Und ich Tentakel!“ und schon rannten Elena und ich in Richtung Hengstweide und ließen Elisa auf ihrem Hof stehen. Ich konnte noch ein „Ihr sollt nicht immer ihre Namen verunstalten“ vernehmen, aber wen interessierte so etwas, wenn man sich das süßeste Pony greifen konnte, was es gab. Elena schien mit ihrem Porzellanschecken mindestens genauso zufrieden zu sein.
      Da wir super tolle Freundinnen waren (Jojo kann das bezeugen!) brachten wir Elisa Zottel mit. Mit Zuchtnamen hieß er Zott Monte von Danone, was ich – nun ja – ein bisschen lachhaft fand. Da war sein Spitzname schon wesentlich würdiger. Elisa dankte uns knapp mit einem „Ihr seid blöd“ und dann machten wir uns auch schon daran, die drei Hengste ordentlich zu putzen und dann zu satteln.
      Theoretisch hatten Elena und ich noch nie auf den beiden DRPs gesessen, aber wir vertrauten da auf unsere Reitkünste (Elena vertraute da nicht nur drauf, sie wusste es) und dementsprechend konnte nicht viel schiefgehen und so machten wir uns auf den Weg zu einem herrlichen Herbstausritt.
      Vorher parkten wir unsere Pferde aber noch einmal vor dem Reitplatz, wo Matthew gerade mit Jungspund Unbriddle trainierte. „Er heißt Dajun!“, knurrte Elisa, die anscheinend Gedanken lesen konnte oder nur an meinem blöden Grinsen erkannte, was ich mir mal wieder dachte. Die schlechte Laune bekam direkt Matthew ab, der von einer Sekunde auf die andere plötzlich miserabel longierte, hinter der Bewegung des Pferdes war und viel zu viel mit Dajun redete. Mal ganz davon abgesehen, dass er den jungen Hengst ja gar nicht fördern würde!
      Irgendwie schafften es Elena und ich, Elisa von dem Reitplatzzaun loszureißen uns aufs Pferd zu packen, damit wir endlich von Townsend Acres verschwinden konnten und unseren gemütlichen Ausritt fortsetzen konnten.
      Wir waren noch keine ganzen zehn Minuten vom Gestüt entfernt, da fitzelte Elena an ihrer Jackentasche herum. Ein paar Sekunden später holte sie zwei Schokoriegel heraus und während Elisa und ich noch verwirrt aus der Wäsche schauten, knurrte sie uns schon an und ritt davon, um ihre Schokoriegel ganz für sich alleine zu haben. "Ich hoffe es waren Snickers…“, murmelte Elisa, die ihr ein wenig verwirrt nachstarrte. Das war eben Elena, total typisch.
      Wir holten sie irgendwann im Verlaufe des Ritts wieder ein und machten sie darauf aufmerksam, dass ihr Mund schokoladenvermiert war. Grummelnd wischte sie es ab und lud uns dann zu einem Wettrennen ein. Dazu sagten wir natürlich nicht nein, sondern jagten verhältnismäßig ungestüm über eine der herrlichen Wiesen hinweg. „Also ehrlich, ich verstehe nicht, was alle immer mit ihren Stoppelfeldern haben…“, meinte Elisa und schüttelte den Kopf. „Braucht man!“, philosophierte Elena mit erhobenen Zeigefinger, was wir schweigend zur Kenntnis nahmen.
      Wieder auf Townsend Acres angekommen, planten wir schon unser Vesper für den Nachmittag und gerieten erneut in eine Diskussion, wann Vesper überhaupt stattfand. Aber die Tatsache, dass Jojo gerade per Skype anrief, brachte uns dazu, die Pferde in Matthews Obhut zu geben und eilend in Richtung Haus zu rennen.
    • Samarti
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      Tierarztkontrolle
      11/2015, von Eddi | 12.283 Zeichen
      Naiv wie ich war, hatte ich Elisa zugesagt, mir ein paar Tage frei zu nehmen und sie auf Townsend Acres zu besuchen. Als Tierarzt. Ein Tierarztbesuch also. Ich hatte mich außerdem bereit erklärt, gleich alle Vierbeiner durchzunehmen, die es brauchten – großer Fehler! Rückgängig konnte ich es aber nicht mehr machen und nachdem ich gestern relativ spät angekommen und dann direkt ins Bett gefallen war, warf mich Elisa heute schon kurz nach sieben aus den Federn. Wenigstens mit der guten Begründung, dass ich sonst das Beste vom Frühstück verpasste.
      Nachdem ich mich gestärkt hatte, wurde ich auch direkt hinaus in den Stall geschleppt. Elisa koordinierte kurz ihr Team (eigentlich wusste jeder, was er zu tun hatte, aber sie machte es trotzdem, aus Prinzip) und erstellte dann mit mir den Plan, für welches Pferd was anstand. Da ich relativ weit weg von zu Hause war, hatte ich mich dementsprechend auch mit allen nötigen Dingen versorgt, auch wenn ich bei Elisas Pferden sowieso nur Impfungen und Wurmkuren benötigen würde.
      „Ach! Am besten fangen wir mit Jojos an, sonst vergesse ich die noch!“ – „Jojos?!“ – „Ja, sie ist momentan leider nicht da, deshalb hat sie Newt und Q von Zoe heute Morgen bringen lassen. Brauchen beide einen Grundcheck und Quixo hat irgendwas im Rücken.“
      Im Rücken… Das klang beinahe so, als wäre der Hengst ein Rentner, der einen Hexenschuss bekommen hatte, während er in die Badewanne gestiegen war. Bei dem Vortraben auf dem Hof stellte sich auch schnell heraus, dass es in der Nähe der Lende war, eine besonders beliebte Stelle für Ausrenkungen. Elisa hielt den Hengst ordnungsgemäß fest, während ich vorsichtig die Wirbelsäule hinab fuhr. An der besagten Stelle zuckte Quixo stark zusammen und legte die Ohren an. Elisa wollte schon zur Seite springen, bis ich sie daran erinnerte, dass sie ihn festhalten musste.
      Mit kreisenden Bewegungen näherte ich mich der empfindlichen Stelle, denn die Muskeln rund um den Wirbel mussten erst einmal gelockert werden und sich entspannen, vorher würde ich gar nichts machen können. Quixo war davon gar nicht angetan, hielt aber einigermaßen still. Nach einer Weile kam ich an besagter Stelle an und tat mein Bestes, um den Urzustand seines Wirbels wieder herzustellen.
      Außerdem führte ich kurz darauf einige Dehnübungen für sein Hinterbein aus, welche der Verspannung entgegen wirken sollten und der Einrenkung helfen sollten. Diese schrieb ich Jojo beziehungsweise Zoe auch noch auf, damit sie diese täglich machen konnte. Ansonsten hieß es für Quixo erst einmal Boxenruhe, maximal Schrittspaziergänge und Paddock waren erlaubt, nicht dass er sich den Wirbel gleich wieder durch wilde Tobereien heraushauen würde.
      Dennoch rettete ihn das nicht vor seinen Impfungen. Stattdessen erhielt der Hengst nun noch vier Spritzen und war so kurz darauf gegen Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut geimpft. Abschließend gab es noch die Wurmkur und schon konnte er mich verlassen. Sichtlich unzufrieden folgte er Elisa zurück in seine Gastbox. Dort würde er jetzt noch so lange warten müssen, bis auch Newt fertig war.
      Newt war ein schicker Lewitzerhengst, der den Tierarzt bereits kannte und selten Probleme machte, dementsprechend würden wir auch schnell fertig sein. Doch zuerst musste Elisa mir auch den Hengst vorführen, erst im Schritt und dann im Trab. Danach warf ich einen Blick in Augen und Maul. Dabei kontrollierte ich erst den Pupillenreflex, ehe ich auch noch die Zahnstellung überprüfte.
      Als nächstes war das Abhören an der Reihe, ich kontrollierte die Werte von Herz und Lunge und hörte auch noch kurz die Darmgegend ab. Nun tastete ich nur noch die Wirbelsäule und die Beine entlang und kontrollierte die Körpertemperatur. Bei Newt war alles im grünen Bereich, dementsprechend bekam auch er seine vier Impfungen und die Wurmkur und schon war er offiziell bereit für seine Körung.
      Die wurde auch direkt bei Quixo nochmal Gespräch, denn Zoe kam pünktlich zum Abholen der Hengste, als ich mit Newt fertig war. „Keine Sorge, in einer Woche sollte das Ganze schon viel besser aussehen. In drei Tagen darf Quixo dann auch wieder auf die Weide und leicht bewegt werden. Die Kür schafft er mit links“, beruhigte ich Jojos Freundin, ehe sie TSA auch schon verließ.
      „So. Nun zu meinen“, meinte Elisa zufrieden und ich kreuzte kurz beide Finger und hoffte inständig darauf, dass wir schnell fertig sein würden. Elisa hatte einen festen Plan, mit wem wir begannen und wer danach an der Reihe war und natürlich hatte ich die besten Absichten, diesen Plan auch einzuhalten.
      Aus diesem Grund begannen wir mit Namida – potenzielle Zuchtanwärterin und für Elisa schon so gut wie gekrönt. „Die packt das locker“, meinte sie zufrieden, während sie mir die dunkle Stute im Schritt und Trab vorführte. Danach kontrollierte ich die allgemeinen Dinge, ehe ich Namida abhörte und abtastete. Auch wenn sie den Tierarzt nicht mochte, hielt sie still und konnte kurz darauf als kerngesund aus der Untersuchung gehen. Nur die Impfungen und die Wurmkur musste sie noch ertragen. Vier Spritzen waren nicht ohne für eine zickige Namida, aber wir schafften es.
      Als nächstes war Adona an der Reihe und ich war sehr gespannt darauf, dieses berühmt berüchtigte Pferd kennenzulernen. Elisa schwärmte zu gerne von der inzwischen schon 27-jährigen Stute, welche sich auch als wahrer Engel entpuppte. Für ihr Alter war sie auch noch mehr als fit, so dass ich sie guten Gewissens impfen und entwurmen konnte.
      Danach gab ich Elisa nur noch ein paar altersgerechte Tipps in Bezug auf Bewegung und Fütterung der Stute, ehe ich ihr versprach, dass die Stute sicherlich noch gut weitere zehn Jahre an ihrer Seite bleiben könnte. Das war tatsächlich gut möglich, wenn auch selten, aber Adona erfüllte alle nötigen Aspekte dafür.
      Nun kamen wir zu der wesentlich jüngeren Never look back. Die hübsche Stute kannte mich noch und ich musste grinsen, als ich sie wiedersah. Schweif und Mähne waren ordentlich geschnitten und Never sichtlich herausgeputzt, außerdem nahm Elisa sie allmählich ins Training und das machte sich bei der Stute deutlich bemerkbar. „Feuervogel könnte es auch so gut haben!“, raunte Elisa mir zwinkernd zu.
      Ich rollte genervt die Augen und schickte Elisa zum Vorführen, ehe ich auch Never genau unter die Lupe nahm. Alles war in bester Ordnung, zufrieden füllte ich fix das Formular aus, ehe ich die Impfungen aufzog und nacheinander verabreichte. Never hielt vorbildlich still und bekam dafür auch ausreichend Lob von ihrer Besitzerin.
      Die nächste Patientin kannte ich auch und ich war überrascht, Raunchy’s Limited wiederzusehen. Irgendwie erinnerte sie mich jedes Mal an ihren Vater, aber irgendwie auch nicht. Limo war eben doch ein anderes Pferd und nicht haargenau Raunchy. Während Elisa mich damit aufzog, schaute ich in Limos Augen und ins Maul, hörte und tastete sie ab und desinfizierte dann die zu impfende Stelle am Hals. Nacheinander setzte ich die Impfungen und klopfte dann leicht die besagte Stelle ab, ehe es für Limo auch noch die Wurmkur gab.
      Die hübsche Fuchsstute hatte es also schnell hinter sich gebracht und durfte gehen. Während Elisa die Stute wegbrachte, stand Matthew schon mit dem nächsten Kandidaten am Putzplatz. Elisa begann zu kombinieren, damit es schneller vorwärts ging. Interessant!
      Ihr Konzept funktionierte aber tatsächlich und als sie wiederkam, hatte Matthew mir Filly bereits vorgeführt und ich hörte die Stute ab. „Apropos Filly… Joyce würde fantastisch zu ihr…“ – „Nein.“ – „Aber…“ – „Nein. Elisa. Nein.“
      Damit war das Gespräch beendet. Ich beeilte mich mit den Impfungen und der Wurmkur, damit ich Elisa wieder wegschicken konnte. Die verließ den Putzplatz samt Filly mit einem leicht bockenden Ausdruck. „Wie kannst du es nur wagen, Elisa Cranfield Pferde vorzuenthalten!“, meinte Matthew tadelnd, während er mit Azrael im Schlepptau die Stallgasse entlanggeschlendert kam. „Tja, ich kann es mir leisten!“
      Azrael war ein Vorzeigehengst. Seine Gänge waren fantastisch und taktrein, seine Augen klar und aufmerksam und seine Zähne eindeutig weißer als die anderer Pferde. „Hey, ist das der neue Cardillac?“, meinte ich neckend, doch Matthew schüttelte nur den Kopf. „Den neuen Cardillac wirst du heute noch kennenlernen, aber der hört auf Ted“, warnte er mich nur vor. Oh je.
      Das „neue Cardillac“ bezog sich mehr auf das Verhalten von Elisa als auf das Verhalten des Pferdes. Denn Ted – eigentlich Intoxicated – lernte ich kennen, nachdem Azrael geimpft und entwurmt war. Ted war der Inbegriff eines perfekten Deutschen Reitponys, ich spürte Cardillacs neidische Aura bis hierher und der Hengst stand irgendwo draußen auf der Weide.
      Und da Ted so ein Inbegriff von Perfektion war, war auch Elisa hin und weg. Eine gefühlte halbe Stunde lang durfte ich mir anhören, wie viele Schleifen ihr Prachtkerl schon mit nach Hause gebracht hatte und das, obwohl er erst einen Monat auf TSA war! „Tja, Aussehen ist alles“, murmelte ich nur und kontrollierte Teds Pupillenreflex. Danach warf ich einen Blick in sein Maul, ehe ich ihn abhörte und abtastete.
      Auch gesundheitlich war Ted der Inbegriff von Perfektion (ich wiederhole mich), denn seine Werte lagen allesamt im Idealbereich. Dementsprechend konnte ich ihn guten Gewissens impfen und entwurmen. Die vier Impfungen hielt er auch locker flockig aus und dann ging es für ihn auch zurück auf die Weide. Begleitet wurde er dabei von einer immer noch schmachtenden Elisa. „Das ist eindeutig ein neues Level an DRP-Sucht“, mutmaßte ich.
      Das hörte leider auch nicht wirklich auf, denn Kandidat Nummer zwei der „DRP-Sucht“ näherte sich bereits: Tenacious, kurz T. Auch er war so ein Schmacht-Kandidat, wobei er da eher mit seinem dunklem Gesicht und der Süßheit punktete. Nebenbei war er vollkommen unproblematisch im Umgang, so dass wir die Tierarztuntersuchung schnell hinter uns gebracht hatten. Es gab noch vier Impfungen und die Wurmkur zum Schlucken, ehe mich Prachtkerl Nummer zwei wieder verlassen durfte.
      Danach traf ich erneut auf ein bekanntes Gesicht, wie viele DRPs hatte ich eigentlich an Elisa abgetreten?! Dead Memories war ein prachtvoller junger Hengst geworden und konnte sich wirklich sehen lassen. Das kam natürlich alles nur von Elisas bestens auf DRPs abgestimmter Haltung! Den Tierarzt mochte der Hengst trotzdem noch nicht. Dementsprechend war es mit Memo wesentlich anstrengender als mit seinen Vorgängern.
      Schaffen taten wir es dennoch relativ schnell und schon war der Rotfalbe geimpft und entwurmt und bereit, ein nächstes halbes Jahr ohne Tierarzt auszukommen. Das galt eine Viertelstunde später auch für Sacramento, der kommende Körungsanwärter in Elisas Stall. Seine Anmeldung war sogar schon eingegangen, der Porzellanschecke wartete also nur noch darauf, sich in feinster Manier zu präsentieren.
      Dafür brauchte er jedoch erst einmal frische Impfungen und eine kürzlich gemachte Wurmkur und beides erhielt er von mir. Genauso wie das Gesundheitszertifikat für seine Körung, was ich Elisa direkt ausfüllte, da es bei Sacramento mehr als nur eilte. Ich wünschte dem Hengst alles Gute, ehe er mich verließ.
      Oh. Und dann traf mich der Schlag: Vor mir stand ein Araber. Ein ARABER. Gut, er war ein Zuchtfohlen des Gestüt Sanssouci, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass er ein Araber war. Oder war das jetzt zu rassistisch? „Voll hetero, Eddi!“, wies Elisa mich zurecht und hielt mir einen Vortrag über Gleichberechtigung und Weltoffenheit von Townsend Acres. Klaro.
      Der Hengst hörte im Übrigen auf den Namen Shakoor und wurde witzigerweise sogar Western geritten. Woran ich das sah? Gar nicht, Matthew drückte es mir direkt aufs Auge. Shakoor war drei Jahre und ein schicker Rabicano, der nebenbei kerngesund war. Leider hatte Elisas geliebter Babyhai ein kleines Wehwehchen im Maul, denn er hatte sich ein Stück Zahn abgebrochen, also musste ich mit der Feile dran. Für das kleine Sensibelchen der absolute Hass.
      Überstanden hat er es aber trotzdem, auch wenn Elisa beinahe den Tränen nahe war, so sehr hatte sie mitgelitten. Geimpft und entwurmt war der Araber (ARABER) am Ende auch und durfte mich beleidigt wieder verlassen. Ich wollte schon das Zeug fürs nächste Pferd bereitlegen, bis Elisa mich kurz umarmte und feierlich erklärte, dass wir für heute fertig waren.
      „Und Morgen machen wir die Jungpferde!“
    • Samarti
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      Dressur L-M
      11/2015, von Occulta | 7515 Zeichen
      „Canada“, murmelte ich nachdenklich. „Lewis heads to Canada, Manitoba“ – that sounds good! Grinsend fuhr ich mit dem Packen fort. „The handsome cowboy rides through the endless forests, on his shiny buckskin pony, out into the canadian wilderness, far away from any chance to get a cup of nice warm tea – that’s exactly why he takes some bags of earl grey with him“; ich schmiss ein Pack Teebeutel in den Koffer. „Do you think they don’t have this in Canada?“ „One never knows. Maybe all the stores have been eaten up by a giant Tyrannosaurus Rex, so it’s better to be prepared.“ „Besides, I thought the cowboys live rather south.“ Ajith sah mich skeptisch an, aber ich liess mich nicht beirren. Ich war noch nie zuvor in Kanada gewesen, dementsprechend aufgeregt war ich, aber natürlich liess ich mir nichts anmerken und schlenderte einige Stunden später mit dem Koffer Richtung Terminal, wo das Flugzeug bereits wartete.

      In Kanada angekommen, begab ich mich mit Hilfe diverser öffentlicher Verkehrsmittel auf die Suche nach dem berühmten Gestüt Townsend Acres. Zum Glück hatten Occu und Rosie mir aufgeschrieben, wo genau es sich befand, so dass ich bloss den Zettel dem Taxifahrer vor die Nase schieben musste. „So that’s the place where Jolympia was held“, stellte ich fest, als ich ausstieg. Das riesige Gelände überblickend murmelte ich bloss „not bad, I could get used to that.“ Ich begab mich auf die Suche nach einer Ansprechperson und wurde rasch fündig. Der Kerl vor mir, etwa in meinem Alter, dunkelhaarig und gut gelaunt, stellte sich als Matthew Dawson vor. „Well, I assume I’m at the right adress then“, stellte ich fest und schüttelte dem Stellvertretenden Gestütsleiter die Hand. „Lewis Asbury, I’m here for Tenacious‘ training.“ Er zeigte mir den Weg zur Box des Hengstes, wofür ich sehr dankbar war, denn ich fühlte mich ein klein wenig verloren zwischen all den fremden Pferden und Menschen. Zudem sahen die meisten nicht mal aus wie Cowboys, aber ich beschloss im Stillen, diese Erkenntnis nicht mit Ajith zu teilen. „This is Mr T’s residence“, meinte Mat, den ich auf dem Weg schon etwas näher kennengelernt hatte, als wir stoppten. Tatsächlich stand ein hübscher, dunkelbrauner Ponyhengst vor mir. „Mr T? Well, hopefully rather t-remendous than t-errible, right?“ Well, he’s not a buckskin, but that brownish fur is okay as well. Ich begann, den Hengst gründlich zu putzen, was kaum Zeit in Anspruch nahm, da er bloss etwas staubig war. Dann sattelte und führte ich ihn auf den Dressurplatz. Zunächst musste er eingewärmt werden, doch auch diese Phase nutzte ich bereits, um ihn dehnen zu lassen und ihm das über-den-Rücken-gehen schmackhafter zu machen. Ich versammelte Tenacious immer wieder, dann liess ich ihn erneut die Tiefe suchen und trieb ihn unterstützend in die langen Zügel. Zufrieden spürte ich, wie sich seine Tritte jeweils verlängerten und er immer etwas länger in der gewünschten Haltung lief. Als es Zeit zum Antraben wurde, fuhr ich gleich mit Tempowechseln fort. Anfangs wurde der Hengst bloss schneller und fiel auf die Vorhand, doch ich korrigierte ihn. Nach ein paar Versuchen klappte es schon besser und er verlängerte die Tritte. Um ihn wieder etwas ruhiger werden zu lassen, machte ich einen Schrittübergang und begann damit, das Schulterherein zu üben. Ich musste dabei aufpassen, dass er auf dem Hufschlag blieb und nicht einfach abbog oder über die Schulter fiel. Damit ich die Biegung leichter abfragen konnte und er richtig verstand, was ich von ihm wollte, ritt ich jeweils am Anfang der langen Seite eine kleine Volte. So war er schon in der richtigen Stellung. Dennoch musste ich mit dem äusseren Zügel dafür sorgen, dass nicht nur sein Kopf nach innen gerichtet war, sondern er sich in der Körpermitte bog und der Hals mehrheitlich gerade blieb. Nach einer Weile trabte ich wieder an und versuchte dasselbe im Trab. Das fiel ihm noch deutlich schwerer, denn er musste zuerst die nötige Balance finden und vermehrt Gewicht mit der Hinterhand aufnehmen. Ich verfluchte mich, dass ich nicht in die Halle gegangen war, denn Spiegel wären jetzt praktisch gewesen um zu überprüfen, ob er tatsächlich dreispurig lief. Zum Glück war da noch Mat, der mir mittlerweile zusah und mit einem Daumenhoch zeigte, dass alles stimmte. Eine weitere Lektion, die enorme Biegung verlangte, war das Travers. Hier erfolgte die Bewegung des Pferdes sogar auf vier Spuren. Wiederum übte ich die Grundlage im Schritt. Erstaunlicherweise stellte sich Tenacious hierbei geschickter an als beim Schulterherein. Vielleicht war er jetzt auch einfach besser vorbereitet. Jedenfalls versuchte ich es kurz darauf im Trab und stellte fest, dass es einigermassen klappte. Ich bog auf die Mittellinie und wollte noch einen draufsetzen: Traversale. Ich nahm das äussere Bein deutlich zurück und führte ihn mit dem inneren Zügel in die gewünschte Richtung, gleichzeitig begrenzte ich ihn mit dem äusseren. Er überkreuzte zwar noch nicht ganz richtig, aber wir waren auf dem richtigen Weg.

      Ich lockerte ihn mit einem flotten Galopp auf der ganzen Bahn wieder auf, ehe ich ihn auf die Volte lenkte und wieder etwas versammelte. Dann liess ich die Zügel etwas aus den Fingern gleiten, und als er nicht schneller wurde sogar noch etwas mehr. Wir drehten zwei lockere Runden, bevor ich wieder aufnahm, bis wir Sprung für Sprung in einem versammelten Schaukelgalopp vorankamen. Da das für Tenacious anstrengend war, zumal er seine Hinterhand wiederum vermehrt benutzen musste, schien er beinahe froh, als ich eine vorbereitende halbe Parade gab, mit meinem ganzen Körpergewicht in den Sattel sass und die Beine schloss. Ganz Anhalten klappte trotzdem noch nicht; Wie durch übermässigen Schwung getrieben machte er noch zwei Schritte, bis wir endlich standen. Ich tätschelte trotzdem seinen Hals und liess ihn etwas strecken, ehe ich wiederum angaloppierte. Er war wirklich ausdauernd und leistungsbereit, das gefiel mir sehr gut an Tenacious. „Only one more lesson my friend“, murmelte ich ihm trotzdem beruhigend ins Ohr. Dann Bog ich auf die Mittellinie, wechselte seine Stellung, nahm das innere Bein nach hinten und das äussere treibend nach innen. Zusammen mit meiner Gewichtsverlagerung und der Hilfe der kleinen Volte, auf die ich nun bog, verstand der clevere Hengst, was ich beabsichtigte und wechselte in den für ihn bequemeren Linksgalopp. Ich ritt um die Kurve und gab ein letztes Mal die Hilfen für einen Halt. Wieder machte er noch einen Schritt, aber es war bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich trieb ihn nochmal in den Trab um ihn noch etwas auslaufen zu lassen. Der Hengst zeigte langsam, dass er genug hatte und wollte in den Schritt fallen, aber ich blieb auch in den letzten Minuten noch hartnäckig, ehe ich ihn lobend durchparierte. Mat kam zu uns rüber und tätschelte Tenacious stolz. „I guess it’s now T for pretty t-ired“, scherzte ich und klopfte dem Hengst auf den Hals.

      Bevor ich mich verabschiedete besprach ich mit Mat, wie nun am besten mit Tenacious weitergearbeitet werden sollte. Ich schlug vor, Biegung und Galoppwechsel mit Hilfe einer grosszügigen Schlangenlinie zu verbinden, um beides zu festigen. Natürlich wusste Mat aber schon selbst genug über die Ausbildung, sodass da Gespräch am Ende zu einer Diskussion über Hilfszügel ausartete. Jedenfalls hatte mir der Aufenthalt in Kanada hervorragend gefallen und ich konnte mir gut vorstellen, wieder mal zu Besuch zu kommen, vorausgesetzt ich wurde auf Pineforest Stable gerade nicht gebraucht.
    • Samarti
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      Vom Babyhai und dem Tentakelschatz
      11/2015 | 4031 Zeichen
      „Long Island Iced Tea haut aber mega rein. Die Jungs kommen da bestimmt immer noch nicht drüber hinweg“, erzählte ich Jojo diesmal beim Skypen und sie zog (weil sie es so gut konnte) eine Augenbraue hoch.
      „Der haut nicht rein.“
      „Ja, doch.“
      „Also mich hat der nicht umgehauen.“
      „Reinhauen! Nicht umhauen.“
      „Bei mir hat der auch nicht reingehauen.“
      „Doch, schon. Also das war bei denen wohl krass.“
      Stille. Dann wechselte ich das Thema. „Aber der Person, die meinen Killercocktail so genannt hat, bin ich immer noch böse.“
      „Wieso? Das war ich.“
      „Ja, wegen des Fehlers im Namen.“
      „Weil es 'Iced Tea' heißt?“
      „Nein, weil es 'Long Island Ice Tea' heißt. Nicht 'Long Island Icetea'.“
      „Jetzt wirst du aber pingelig.“ Eine Diskussion mit Pro- und Kontra-Argumenten, warum ich denn pingelig wäre (oder eben nicht) entstand und so schweiften wir immer weiter vom Thema ab.

      Nachdem ich mich mit Jojo darauf geeinigt hatte, dass ich es ein bisschen war, aber die anderen auch, wurde es irgendwann Zeit, sich zu verabschieden. Natürlich platzten Gwen und Elena in dem Moment in den Raum und laberten Jojo voll, sodass ich dieser einen entschuldigenden Blick schenkte und die zwei gackernden Hühnchen aufscheuchte. „Wir müssen noch mit den Pferden raus, also beruhigt euch!“
      Schmollend ließen die beiden sich von mir aus dem Haus schmeißen und zum Stall schicken. Elena setzte ich auf Never look back, Gwen bekam Raunchy's Limited zugeteilt. Und ich? Ich schnappte mir Ocean Water und nahm Valentine's Vendetta als Handpferd mit, damit die junge Fuchsstute auch mal wieder etwas Bewegung bekam.
      Dank des Schnees drehten wir keine sonderlich große Runde – hatten uns aber trotzdem allesamt auf dem Kieker. Oder zumindest hatten Elena und Gwen mich auf dem Kieker, weil ich sie von Jojo getrennt hatte. Genau das war auch der Grund, weshalb ich ständig Schneebälle in den Rücken, ins Gesicht oder an so ziemlich jede andere Stelle meines Körpers bekam. Dass es mir irgendwann eiskalt den Rücken herunterlief, war dann wohl auch vollkommen nachvollziehbar.

      Als wir wieder auf dem Townsend Acres ankamen, war es schon fast wieder dunkel. Die Dämmerung setzte gerade ein (es war noch nicht mal fünf!) und so hatten wir es recht eilig damit, die Pferde wieder in den Stall zu bringen und uns selbst ins warme Haus zu schaffen. Vielleicht schlief Jojo noch nicht. Die Zeitverschiebung hatte ich noch immer nicht ganz drauf, aber in Deutschland sollte es wohl auch noch nicht Mitternacht sein.
      „Wie geht es eigentlich meinem Babyshark?“, wollte Elena wissen und stopfte sich eine weitere Handvoll Popcorn in den Mund, während sie den Film, der gerade auf dem Fernsehbildschirm abgespielt wurde, mit den Augen verfolgte. Jojo hatten wir tatsächlich auch an Bord – aber per Skype.
      „Der heißt Shakoor.“
      „Nein, Babyshark.“
      „Geh doch gucken.“
      „Später.“
      Kopfschüttelnd widmete ich mich wieder dem Geschehen auf dem TV.

      Um Mitternacht waren wir alle mehr als fertig. Jojo war schon lange schlafen gegangen, wir drei hingegen lagen noch immer auf dem Sofa und kuschelten uns in die Decken. „Ich will nur noch schlafen“, nuschelte ich, doch Gwen hatte ganz andere Pläne.
      „Elena nimmt Rapsoul, ich Dark Memories und Elisa Cardillac!“
      „Wieso?“, fragten Elena und ich zeitgleich und betrachteten Gwen kritisch.
      „Mitternachtsausritt!“
      „Yaaaaay …“ Sonderlich begeistert sahen wir beide nicht aus, aber als Gwen uns so niedlich anstrahlte, konnten wir nicht anders, als Ja zu sagen.

      Zott Monte von Danone verfolgte uns mit seinem Blick skeptisch, als wir durch die Stallgasse schlürften. Auch Burnin' Unbridled Dreams und Capriciasso sahen nicht so aus, als wären sie von der Störung sonderlich angetan. Tenacious schlief einfach weiter, auch, als Gwen vor seiner Box stand und laut „Tentakelschatz!“ rief.
      Und die drei Vierbeiner, die mit uns ins Gelände sollten? Die starrten mehr als mürrisch Löcher in die Luft, aber sie waren anscheinend zu müde, um irgendwas zu realisieren.
      Und so schliefen wir fast zu sechst auf dem Ritt ein, aber hey, das war schon okay.
    • Samarti
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      Neues Jahr, neues Glück
      02/2016 | 1369 Zeichen
      Mit Sicherheit hatte ich schon wieder über die Hälfte meiner Pferde aussortiert. Was am Anfang ziemlich gemein klang, war allerdings gar nicht so gemeint.
      Viele geblieben waren allerdings nicht. Von Ace of Clubs hatte ich mich nicht trennen können, genauso wie von Audio Delite at Low Fidelity, Romantica, Trés Jolie und auch Ocean Water. Die Damen würden auf jeden Fall erst einmal bleiben, ebenso wie Liluye und Hall of Fame CU.
      Bei den Hengsten sah das da schon anders aus: Hier hatte ich nur noch sechs, und bei zweien war ich mir nicht einmal mehr ganz sicher. Momentan bestand der Hengststall allerdings nur noch aus Avanti, Azrael, Intoxicated, Tenacious, Levi und Cardillac. Besonders letzterer würde es mir wahrscheinlich nicht wirklich verzeihen, würde ich ihm Umzugsstress antun.
      Die Kleinen fielen mir besonders schwer. Aponi und Pamuya blieben auf jeden Fall, genau wie Nessaja. Von Beverly und Pina könnte ich mich auch nicht trennen, Chesmu würde auch dort bleiben, wo er hin gehörte. English Love Affair war zwar noch nicht so lange hier, aber bei ihr war ich mir schon wieder nicht mehr so sicher. Auch Vendetta müsste ich mir noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
      Alles in allem war es schon wieder eine ziemliche Bestandsverkleinerung gewesen, die ich hier hatte über mich ergehen lassen. Aber hey, anscheinend brauchte ich das einmal im Jahr.
    • Samarti
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      Military E-A
      04/2016, von Gwen | 5865 Zeichen
      Heute hatte ich eine lange Liste an Aufgaben abzuhaken, weshalb mein Wecker schon kurz nach sechs klingelte. Ausnahmsweise war ich auch sofort hell wach, das war sonst nicht der Fall. Da ich auch die erste in der Küche war, setzte ich für den Rest der Familie Kaffee auf und heizte den Ofen vor, ehe ich mich mit einem Apfel in den Stall verzog. Dort begrüßte mich der Geruch von Pferden und Heu und vereinzelt wurde ich auch angeblubbert oder angebrummelt, zum Teil sicherlich auch wegen meines Apfels, aber der würde auf mein Konto gehen.
      Damit aber auch meine Pferde auf ihre Kosten kamen, ging es direkt in die Futterkammer, wo ich in aller Ruhe alle Futterschüsseln füllte und dann einmal durch die Stallgasse lief und schon waren alle versorgt. Nachdem alle mit dem Frühstück fertig waren, halfterte ich sie nacheinander auf und es ging direkt auf die Weide. Ich überlegte die Pferde dieses Jahr im Sommer vierundzwanzig Stunden draußen zu lassen, aber ganz sicher war ich mir noch nicht, denn wir waren umgeben von purer Natur und hier tummelten sich doch auch das ein oder andere Raubtier, da waren mir meine Pferde im Stall theoretisch besser aufgehoben.
      Doch nun musste dieser erst einmal ordentlich ausgemistet werden, ehe ich frisch einstreute und schon die Heunetze für den Abend befüllte. Als das geschafft war, kehrte ich kurz die Stallgasse durch und dann musste ich mich auch schon fertig machen, denn heute ging es zum Geländetraining auf Townsend Acres. Die Saison hatte offiziell begonnen und so sollten auch meine Pferde fit sein. Trotz der Tatsache, dass ich selbst Trainerin war und das seit gut fast vier Jahren auch wirklich erfolgreich war, wollte ich gerne, dass auch mir jemand auf die Finger schaute.
      Aus diesem Grund holte ich mir Papermoon’s Yakari von der Weide und band ihm am Putzplatz an. Durch unser regelmäßiges Training hatte Yakari schon gefühlt sein gesamtes Winterfell verloren, er hatte aber dieses Jahr sowieso gar nicht so viel geschoben. Ich putzte meinen Hengst gründlich und sattelte ihn dann schon einmal. Während Yakari noch wartete, holte ich fix Tawny Bawny von der Weide und putzte nur kurz über meine hübsche Stute drüber. Sie sollte direkt als Handpferd mit, denn sie erwartete heute auch noch ein bisschen Abwechslung.
      Am Ende trenste ich noch Yakari und schwang auch mich in meine Reitsachen und schon konnte es losgehen. Auf Townsend Acres lud ich Tawny am Stall ab, wo sie auf einen Paddock durfte und machte mich dann mit Yakari auf zur Geländestrecke. Dort wurden wir schon ungeduldig erwartet, obwohl wir sogar überpünktlich waren. Anzutreffen war auch Elisa auf Intoxicated. Wie ich erfahren hatte, trainierte sie ihn momentan für die Körung und da sollte ihr geliebter Hengst natürlich topfit sein.
      Matthew würde uns heute coachen und dafür saß er auf Tenacious, welcher momentan auch im Training war, aber noch nicht so weit wie Ted. „Dann los“, meinte Matthew knapp und gab uns Aufgaben zum Erwärmen, welche wir auch brav befolgen, während er sein eigenes Pferd aufwärmte. Zum Glück machte Yakari trotz der beiden DRPs um ihn rundrum eine wirklich gute Figur, so dass ich mich für mein New Forest keineswegs schämen musste. Und dann ging es auch los:
      Es war eine unserer ersten Springstunden wieder draußen, weshalb die Pferde übermotiviert waren, aber auch noch nicht bereit für die großen Sprünge. Wir begannen deshalb mit einfachen Baumstämmen und Hecken, die alle drei Hengste mit Leichtigkeit übersprangen. Alle drei waren sowieso absolute Lebensversicherungen unter dem Sattel.
      Ted zeigte wie immer selbst im Gelände seine elastischen Gänge und ließ keinen Grund, um an seine Abstammung zu zweifeln. Tenacious war bei den In-Out-Sprüngen ein wenig unsicher, dass kompensierte Matthew jedoch zu 120 Prozent und so waren die Hindernisse schnell wieder kein Problem mehr. Yakari hingegen tat sich manchmal ein wenig schwer mit den Wassersprüngen, so ganz traute er dem Schein nicht, aber wie es war, alle drei sprangen alles.
      Die heutige Stunde lief dementsprechend einwandfrei ab. Wir ritten die Hengste zufrieden mit einer Abschlussrunde ins Gelände ab. Am langen Zügel im Schritt ging es bei frühlingshaften Sonnenschein durch die Wälder Kanadas. „Also ich glaube Ted und Tenacious sind bald bereit für die nächste Stufe“, meinte Elisa stolz und fragte mich nach meiner Meinung. Trotz Matthews kritischem Blick war ich mir sicher, dass auch er stolz auf seine Arbeit war und dementsprechend gab auch ich mein Okay. Die beiden Hengste waren heute sehr sicher auf A-Niveau gesprungen, mehr konnte man sich nun wirklich nicht wünschen.
      Am Stall versorgten wir die Pferde und Yakari durfte sogar noch ein Stündchen auf den Weiden von Townsend Acres verweilen, denn nun war Tawny an der Reihe. Da Elisa von uns beiden die Fahrerin war und Tawny das Fahren liebte, hatte ich sie mitgebracht. Ich würde Beifahrer sein und das reichte mir auch vollkommen, mehr Adrenalinkicks brauchte ich wirklich nicht. Elisa kümmerte sich um die Ausrüstung und ich putzte Tawny fix und machte sie dann fertig.
      Kurze Zeit später war die Stute vor den Einspänner gespannt und es konnte losgehen. Tawny war schon erfahren was das Fahren betraf und da es Elisas Königsdisziplin war und das Wetter es endlich wieder zuließ, ging es zum Geländefahren. Auch Tawny liebte das abwechslungsreiche Training und war nach kurzer Zeit voll in ihrem Element. Motiviert jagte sie an der Kutsche voran und ich war wirklich stolz, als ich sah, was meine Stute da leistete.
      Dementsprechend hatte sie sich ihren Feierabend nach den letzten 10 Kilometern Galopp wirklich verdient. Sie wurde kurz abgeduscht und dann unter das Solarium gepackt, ehe ich auch schon Yakari fertig machte und mich mit meinen beiden Pferden auf den Heimweg machte. Elisa dankte ich für den schönen Tag auf Townsend Acres, aber es stand noch einiges mehr an.
    • Samarti
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      Springen E-A
      06/2016, von Gwen | 24.321 Zeichen
      Aus privaten Gründen hatte ich den Kurs bezüglich der Stangenarbeit leider zwei Wochen verschieben müssen und so rutschte er nun in den Juni. Zu meinem Glück hatte das aber meine Teilnehmer nicht gestört, da ich sie auch früh genug informiert hatte und so jeder umplanen konnte. Heute war es dann aber endlich so weit: Die Boxen und Gästezimmer waren bezugsbereit und für ein Gastpferd hatten wir einen kleineren Offenstall hergerichtet.
      Nun war es inzwischen nach 15 Uhr und so langsam würden wohl alle nacheinander eintrudeln. Als erstes durfte ich Verena begrüßen, welche auch einen weiteren Gast mitgebracht hatte: Octavia. „Herzlich Willkommen auf Townsend Acres!“, meinte ich grinsend, denn die beiden waren schon so etwas wie Dauergäste. Ich begrüßte beide kurz und half dann beim Ausladen der mitgebrachten Paintstute. My sweet little Secret hieß sie und war an sich ein Engel auf vier Hufen, hatte aber so ihre Problemchen.
      „Was wäre auch ein Kurs ohne Problempferd“, lachte und ich und führte die drei zu der Gastbox, wo Sweet sich wie zu Hause fühlen konnte. Als das Pferd angekommen war, waren auch die Zweibeiner dran. Für Verena und Octavia hatte ich ein Zwei-Mann-Zimmer vorbereitet, welches ich ihnen nun zeigte. „17 Uhr ist Besprechung und 18 Uhr gibt es Abendessen, bis dahin könnt ihr erst einmal ankommen!“, verabschiedete ich mich und eilte schon wieder hinunter, denn Cooper schien anzukommen.
      Auch sie nahm ich herzlich in Empfang und half ihr bei ihrem Prachtstück an Berberhengst namens Aldaire. Cooper hatte immer den kürzesten Weg, wobei Verena es auch gut getroffen hatte. Beide lebten auch in Kanada und das war nichts im Vergleich zu der guten Kira, die aus Deutschland anreisen würde.
      Ich begleitete Cooper gerade samt Pferd in den Stall, als dann auch tatsächlich Kira schon auf den Hof fuhr, deshalb tippte ich Elisa an und bat sie, Gast Nummer vier in Empfang zu nehmen. „Zanaro hat die Box ganz vorne und Kira hat Gästezimmer acht“, meinte ich knapp und zeigte dann Cooper die Box ihres Hengstes. Alle Pferde hatten einen großen Paddock an der Box und konnten auch morgen theoretisch den gesamten Tag auf die Weiden. Für heute sollten sie aber ruhig erst einmal ankommen und sich ausruhen dürfen, ehe noch mehr Aufregung anstand.
      Als letztes traf ein ganz neues Gesicht in der Reiterszene ein: Svejn Álfarsson. Er hatte sich keine Mühe machen müssen, sich mit allen bekannt zu machen, denn durch den Tod der Alistairs, hatte sich alles wie ein Lauffeuer verbreitet. „Herzlich Willkommen auf Townsend Acres!“, begrüßte ich ihn herzlich und zeigte ihm den Offenstall für seinen Riesen Thjalfe. Also an sich war das Pferd nicht zwingend riesig, aber er war schlichtweg sehr robust und breit.
      Nachdem der Hengst sein neues Heim betrachtet hatte, zeigte ich Svejn sein Gästezimmer. Dabei trafen wir auch auf Verena und Octavia, die nach ihrem Pferd schauen wollten und siehe da, unsere Gäste kannten sich sogar schon! „Na ja, also theoretisch sind wir zusammengereist, aber es gab da jemanden, der vergessen hatte zu tanken“, meinte Verena grinsend und klärte mich auf, dass Svejn samt seinen Pferden sogar auf der Gips Reminder Ranch stand.
      „So klein ist die Welt“, meinte ich lachend und ließ dann alle erst einmal in Ruhe, es würde gar nicht mehr lange bis zur Besprechung dauern und bis dahin wollte ich noch den Saal vorbereiten. Die Mappen mussten noch ausgeteilt werden und jeder bekam wie immer ein kleines Präsent und natürlich Wasser. Pünktlich um 17 Uhr trafen alle ein und nahmen Platz.
      Die Neugierde gewann schnell die Überhand und alle blätterten begeistert durch die Mappen, welche gefüllt waren mit Trainingsvorschlägen und vor allem vielen Zeichnungen zur Stangenarbeit. Ich hörte öfters ein „Oh!“ oder ein „Ah!“, bis ich dann doch um Aufmerksamkeit bat, denn ich hatte auch extra eine kleine Präsentation vorbereitet.
      „Also den Inhalt werdet ihr euch noch früh genug anschauen dürfen und reiten dürft ihr das auch alles mal, aber vorerst eine kurze Erklärung…“ und schon legte ich mit meinem Vortrag los. Der ging jedoch nur eine Viertelstunde und klärte meine Teilnehmer darüber auf, was das Ziel des Kurses war und womit sie rechnen konnten. Ich versprach auch Verena, dass ich versuchen würde, möglichst gut auf ihre Stute einzugehen, dieser Kurs jedoch an die Arbeit vom Sattel aus angeglichen war.
      Dennoch sah ich da generell kein Problem, wir würden das mit Sweet schon hinbekommen. Auch der Rest wirkte sehr motiviert und war gespannt auf Morgen. Für heute hieß es dann aber erst einmal Abendessen und Ruhe für alle, sie würden sicherlich mit der Mappe beschäftigt sein. Ich hingegen studierte noch einmal die Anmeldungen, um im Voraus schon etwas über die Pferde zu erfahren.

      Der nächste Tag ging entspannt mit dem Frühstück los und um 10 Uhr fand die erste Trainingseinheit statt. Diese würden wir zusammen machen, denn ich wollte meine Reiterpaare erst einmal kennenlernen, ehe es dann heute Nachmittag an die Einzelarbeit gehen würde. Für die erste Stunde hatte ich mir auch eine ganz spezielle Idee ausgedacht: Das Nikolaushaus.
      Von mir stammte dieser Aufbau nicht, aber er war ideal als Einleitung in die Stangenarbeit. So baute ich also das Haus vom Nikolaus zweimal in der Halle auf, während die Kursteilnehmer ihre Pferde sattelten. Pünktlich um zehn standen alle vier Gäste plus Elisa auf Tenacious in der Halle. Letztere sollte als mein lebendes Beispiel dienen. Wir hatten schon vor einer Woche alles geübt und so würde es den Teilnehmern leichter fallen, meinen Erklärungen zu folgen.
      Zuerst stellte ich das Nikolaushaus vor, welches aus insgesamt sechs Stangen bestand. Einem Quadrat, das Haus, und den zwei restlichen Stangen als Dach, welches oben eine kleine Öffnung besaß, aus welcher durch drei Pylonen der „Rauch“ aufstieg. Meine Teilnehmer schienen sehr angetan von der Idee zu sein.
      Ich hatte das Haus zweimal aufgebaut, da wir zum einen genügend Platz bei Elisa in der Halle dafür hatten und so auch die Teilnehmer besser arbeiten konnten. Dafür spannte ich indirekt Elisa ein, welche mit Cooper und Svejn eine Gruppe bildete, während ich mir zuerst einmal Verena und Kira vornahm. Octavia schaute dem ganzen Spektakel von der Bande zu, sie würde ich später eventuell in der einzelnen Stunde einbauen, je nachdem wie Sweet sich machte.
      Zu Beginn bestand unsere Arbeit daraus, dass das Haus von allen Seiten einfach einmal im Schritt durchritten wurde. Nichts großartig kompliziertes, aber die Pferde sollten es kennenlernen. Zanaro machte das auch wirklich wunderbar mit, obwohl er erst seit kurzem unter dem Sattel war. Aus diesem Grund stellte er auch schnell für Sweet das Leitpferd dar, denn er ging vor und sie sollte direkt hinterher. Maximal zwei Stangen hintereinander klappten auch bei ihr ganz gut.
      Ich bat meine Gruppe, dass sie noch einmal alle Seiten durchgingen, so dass Sweet Vertrauen in die Stangen gewann, während ich kurz zur anderen Gruppe lief. Dort zeigten sich die Teilnehmer auch sehr aufmerksam. Coopers Berberhengst schien sichtlich Spaß an den Stangen zu haben, auch wenn er teilweise seine Beine noch etwas übertrieben anhob, aber lieber so, als dass er sie schleifen ließ. Das tat nämlich Thjalfe und haute gerne mal eine Stange um.
      „Erhöhe das Tempo, treib ihn also mehr vorwärts und wirklich auf die Stange zu und über sie drüber“, erklärte ich und motivierte Thjalfe noch durch meine Stimme. Sobald der Hengst ein wenig fleißiger wurde, bekam er auch seine Beine über die Stange. Bisher sah das auch noch sehr gut aus, Svejn warnte mich nur, dass der Hengst sehr grobmotorisch sei. „Deshalb seid ihr ja hier, wir machen das schon“, beruhigte ich ihn lachend und sprach mich kurz mit Elisa ab.
      Denn nun kamen die richtigen Übungen. Wir begannen einfach mit dem Einreiten ins Quadrat über die Türschwelle (die unterste Stange) und dann über die Dachrinne hinaus durch die Pylonen. Zanaro machte es vor und Sweet nach, theoretisch. Die beiden Stangen waren kein Problem, aber von den Pylonen war die Paintstute nicht sonderlich angetan und sprang lieber zur Seite. Also schickte ich sie wieder zusammen mit Zanaro durch. Das Ganze zweimal, bis ich sie alleine durchschickte.
      Ich merkte aber, wie Sweets Konzentration allmählich nachließ. „Gehst du mit ihr mal auf den hinteren freien Zirkel? Einfach ein bisschen Schritt-Trab-Übergänge und ein paar Volten und Handwechsel einbauen, damit sie wieder wach wird“, bat ich Verena und sie nickte nur bestätigend. Sweet mussten wir eine Pause von den Stangen gönnen, so viel Konzentration besaß das junge Pferd noch nicht.
      Zanaro konnte sich stattdessen nun an den beiden Volten durch die Hausecken beweisen. Das erste Mal klappte gar nicht, er war zu motiviert und raste im Schritt förmlich durch die Stangen. Beim zweiten Mal war er aber direkt klüger und konzentrierte sich auf Kiras Hilfen. Die engen Wendungen verhinderten außerdem, dass er zu schnell wurde und so konnte Kira die Aufgabe auch schon schnell im Trab durchreiten.
      Elisa erklärte es den anderen beiden ähnlich, machte es mit Tenacious vor und der Rest machte es nach. Aldaire zeigte sich bisher von seiner besten Seite, doch auch Cooper bat ich, ihm die Abwechslung zu geben, ab und an auf den Zirkel zu gehen und ihn zu beschäftigen, sonst wurde dem doch sehr klugen Hengst schnell langweilig.
      Wie zu erwarten fielen Thjalfe die engen Wendungen schwer, weshalb Svejn erst einmal eine große Volte reiten sollte, in der er einfach zwei Stangen mitnahm und dem Hengst so viel Platz zum Ausbalancieren gab, wie er benötigte. Dann verkleinerten wir den Kreis immer mehr, bis auch die vorgesehene Volte klappte. Svejn hatte lediglich allerhand zu tun, denn er musste seinen Hengst aufmerksam an den Hilfen halten und durfte keinen Moment unaufmerksam werden.
      Ich kehrte zurück zu den anderen beiden und arbeitete mit Sweet. Tendenziell sollte sie auch über Stangen geritten werden, der Vorteil des Kurses war jedoch, dass ich auch vom Boden aus mit ihr arbeiten konnte, während Verena im Sattel saß. Wir beschäftigten Sweet intensiv und ließen ihr gar keine Gelegenheit, sich auf etwas Anderes zu konzentrieren als die Stangen.
      Ich lief vorne weg und Verena ritt mir nah hinterher. Sweet konzentrierte sich auf mich und folgte mir. Dennoch blieben wir bei ihr bei den einfachen Aufgaben, welche maximal zwei Stangen beinhalteten und so entließ ich Verena auch schon etwas eher. „Das hat sie schon super gemacht und wir arbeiten dann in der Einzelstunde weiter“, meinte ich lächelnd.
      Für den Rest war noch eine Viertelstunde Trab- und Galopparbeit eingeplant, die würde Sweet gnadenlos überfordern und da sie bisher ihre Aufgabe so gut gemacht hatte, hatte sie eine Pause verdient. Ich bildete hingegen eine Abteilung, was lachend zur Kenntnis genommen wurde. Bei allen Reitern war es ewig her, dass sie in einer Abteilung geritten waren.
      Den Anfang machte Elisa mit Tenacious. An zweite Stelle packte ich direkt Thjalfe, damit der Kaltblüter eine Motivation hatte, weiter hinten würde er irgendwann nur noch langsamer werden. Dann folgte Zanaro und das Katzenauge am Ende bildete Aldaire. Da Zanaro noch so frisch eingeritten war, wollte ich ihn nicht komplett hinten laufen lassen.
      Als Abteilung ging es nun im Trab los, ich sagte an, was geritten wurde und Elisa führte es aus und der Rest musste hinterher. Ich hatte noch einige Trabstangen in der Halle aufgebaut, so dass die Pferde durchaus beschäftigt waren mit normalen Trabstangen und dem Nikolaushaus. Auch den Slalom ließen wir im Trab nicht aus.
      Dann wechselten wir in den Galopp, testweise ließ ich die Abteilung erst einmal eine Zirkelrunde galoppieren, um zu schauen, ob das Tempo von allen passte. Der Vorteil einer Abteilung war, dass sich alle noch viel mehr auf Tempo und Abstand konzentrierten, als wenn sie alleine unterwegs wären. Auch so ging es noch einmal über die Stangen.
      Als Abschluss gab es eine kleine Runde, die jeder einzeln durchreiten musste und was bisher die Abteilung an Problemen verschleiert hatte, zeigte sich nun. Da Thjalfe kein Pferd mehr vor ihm hatte, musste Svejn ihn deutlich mehr motivieren. Es war nicht so, als besäße der Große keinen Vorwärtsdrang, faul war er definitiv nicht, aber er brauchte ein Ziel, denn sonst hatte er schlichtweg keine Lust.
      Durch die Routine bekam er seine vier Hufen aber ganz gut über die Stangen. Hier und da machte es noch „Klong!“ aber für die erste Einheit konnte er sich doch sehen lassen, Wunder bewirken konnten wir schließlich auch nicht. Bei Zanaro und Kira reichte allein der Hinweis, dass Kira den Weg vor Augen haben musste. Sobald einer von beiden einen Plan hatte, machte der Hengst einwandfrei mit.
      „Wenn er dir zu schnell wird, bau einfach eine Volte ein, wir haben alle Zeit der Welt!“, erklärte ich lächelnd, denn vor manchen Stangen zog Zanaro mächtig an. Wenn Kira dann aber abbog, schwächte die Motivation ein Stück weit ab. Und so kamen auch sie gut durch den Parcours. Nun nur Cooper mit Aldaire.
      „Ha, das sind also unsere Vorzeigeschüler“, meinte ich lachend, als Cooper den Parcours fehlerfrei durchritt. „Wenn man weiß, was man alles mit Stangen machen kann, ist das total genial“, grinste Cooper mit an und lobte ihren Braunen. Für den Vormittag beendete ich nun diese Einheit und schickte alle in ihre verdiente Pause. Um 12 Uhr würde es sowieso Mittagessen geben und danach gingen ab 13 Uhr schon die einzelnen Einheiten los. Ich hatte für jedes Paar circa eine halbe Stunde eingeplant, eh noch einmal eine gemeinsame Stunde folgen würde.

      Den Beginn machten am Nachmittag Verena mit Sweet. Da die Stute doch noch ein Ticken komplizierter war als gedacht und eine feste Hand brauchte, blieb Octavia auf dem Boden. Ich zeigte ihr jedoch, wie sie die Stute vom Boden aus unterstützen konnte. In der Einzelstunde begannen wir mit einer Gasse aus zwei Stangen.
      Sweet sollte vorwärts und rückwärts durch. Bei dem Rückwärts unterstützte ich Verena vom Boden aus, damit die Stute wirklich gerade blieb. Wir fingen auch ganz klein an, wenn Sweet nur schon andeutete, dass sie verstand was wir wollten, gab Verena komplett nach und lobte. So hatten wir bald ein Pferd, was nur schon auf die kleinste Gewichtsverlagerung nach hinten und das leichte Annehmen der Zügel einen Schritt nach hinten machte und dass trotz der Stangen.
      Dann sollte Sweet seitlich über eine Stange gehen. Verena zeigte mir anfänglich noch den Vogel, aber die Übung war sehr einfach für Pferde. Durch die Stange unter ihrem Bauch hatte, Sweet eine gute Orientierung und erledigte die Aufgabe mit Bravour. Also baute ich eine Aufgabe aus sieben Stangen auf. Zwei Gassen und in der Mitte drei Trabstangen.
      Hier hieß es nicht nur über die Stangen reiten, sondern diese mit richtigen Bahnfiguren zu verbinden. Es ging mal durch die Gassen und mal über die Stangen. Da Sweet bei den Gassen nicht direkt mit den Stangen konfrontiert wurde, aber trotzdem mit ihnen arbeitete, verlor sie dort schon schnell die Angst und auch die simplen Stangen waren nach einigen routinierten Durchgängen ein Problem mehr, weder im Schritt, noch im Trab.
      Durch den Aufbau gab es auch die Möglichkeit, über zwei Stangen zu traben, dann einige Schritte Pause zu haben, ehe noch einmal zwei kamen. Das forderte Sweets Nachdenken und gab ihr dennoch eine Pause zwischen den Stangen. „Also mehr als zwei bis drei Stangen hintereinander würde ich bei ihr bisher vermeiden bis das nicht einwandfrei klappt. Ansonsten braucht sie auch einfach die Routine und jemanden, der ihr klar sagt wo es langgeht und dass das alles kein Problem ist“, meinte ich lachend.
      Ich möchte nicht behaupten, dass ich Sweet von ihrer Stangenphobie befreit hatte, natürlich war sie regelmäßig zur Seite gehüpft oder an eine Stange gekommen, aber es hatte auch Durchgänge gegeben, da hatte es schlichtweg geklappt und an den Erfolgen musste auch Verena festhalten, denn das waren die wichtigsten, den Rest konnte man hinten runterfallen lassen.
      Da sowohl Pferd als auch Reiter sichtlich mit den Nerven am Ende waren, entließ ich sie. Wir hatten auch etwas überzogen, so dass Kira bereits mit Zanaro aufgewärmt war und wir direkt loslegen konnte. Für jedes Paar hatte ich eine andere Stangenkombination für die halbe Stunde gewählt, jeweils auf Leistungsniveau und Pferd zugeschnitten. In den Mappen fand jedoch jeder alle Übungen.
      Da Zanaro sehr talentiert war, hatte ich ihm eine etwas schwierigere Aufgabe herausgesucht, welche ihn jedoch im Tempo bremste. Kira wirkte erst einmal etwas geschockt, als sie die insgesamt elf Stangen sah, welche ich in eine höchst interessante Form gepackt hatte. „Man kann da ideal eine Acht durchreiten, beziehungsweise generell viele Wendungen, so dass Zanaro gar nicht auf Unsinn kommt“, meinte ich begeistert. Jedoch durfte kira alle Aufgaben erst einmal im Schritt und Trab einzeln durchreiten, ehe wir uns an kompliziertere Abläufe machen.
      Damit sie mit besser folgen konnte, lief ich immer die Runde vor und erklärte ihr auch direkt, worauf sie wo achten musste. Dann erarbeiteten wir uns den kompletten Ablauf einzeln. Erst einmal über die drei Stangen, durch die Gasse und über die letzte Stange. Als nächstes nahmen wir die darauffolgende Wendung und die drei Trabstangen hinzu.
      Das wiederholten wir circa zwei- bis dreimal und dann folgte wieder eine Wendung, um erneut über eine Stange und durch die Gasse zu reiten. Es wiederholte sich theoretisch nur der Anfang. Kira hörte nur auf mich und dachte nicht sonderlich viel nach. Umso überraschter war sie, als sie den Ablauf fehlerfrei durchritt, obwohl sie am Anfang nur mit dem Kopf geschüttelt hatte.
      „Wow! Und Zanaro war so locker an der Hand!“, meinte sie glücklich und ich musste grinsen. Ja, der Hengst wurde dadurch einmal komplett aktiviert, sowohl die Hinterhand als auch die Vorderhand. Automatisch kam der Rücken hoch und er schwang einmal durch den gesamten Körper, so dass er auch vorne schön an den Zügel herantrat.
      Die ganze Aufgabe durchritten wir auch noch einmal im Trab, ehe ich Kira noch einige Tipps für die Stangenarbeit im Galopp gab und die beiden dann entließ. Dass was eindeutig genügen Input für heute gewesen. Ich verabschiedete die beiden und ließ Svejn mit Thjalfe in die Halle. „Jetzt bin ich gespannt“, meinte er neugierig, doch ich musste ihn vertrösten, denn erst einmal sollte er warmreiten, während ich die Stangen umlegte.
      Bei Thjalfe kamen vier Cavalettis zum Einsatz, diese sollten den Hengst motivieren, aufmerksamer über die Stangen zu gehen. Außerdem ließen sich seine Aufgaben gut in Zirkel und Volten einbauen, so dass wir seinen Bewegungsablauf schulten. Drei Kombinationen bestanden nur jeweils aus zwei Stangen, aber in der Mitte fanden sich noch einmal drei normale Trabstangen, welche Thjalfe auch einmal eine Pause gönnen sollten.
      Zu Beginn sollte Svejn alle Stangen einmal locker durchreiten, ohne großartige Wendungen. Einmal im Schritt und einmal im Trab. Dann gab ich ihm bestimmte Abläufe vor und kombinierte die Stangen immer mehr. Das Schöne an Stangenarbeit war, dass bei so etwas Mensch und Pferd automatisch aufmerksamer wurden und mitmachten. Deshalb hatte Stangenarbeit auch so eine schöne Wirkung im Training.
      Sehr vieles wurde dem Reiter abgenommen. Pferde wurden fleißiger, streckten sich mehr und man musste nicht auf alles achten, denn Takt und Losgelassenheit kamen ganz alleine durch die Stangen. Ich bat Svejn auch, seinem Hengst ruhig mal längere Zügel zu lassen. Der Reiter kannte sein Pferd und dessen Stolpern, aber Thjalfe musste die Abstände auch einmal alleine einschätzen können, der Einfluss des Reiters, wenn auch nur als Hilfe gedacht, verwirrte das Pferd einfach nur.
      Dennoch ließ es mit den beiden wirklich gut und am Ende konnte sich das Paar wirklich sehen lassen. Das meinten auch unsere neugierigen Zuschauer Verena und Octavia, die diese Stunde beobachtet hatten. Lächelnd entließ ich Svejn, der zwar total fertig war, aber doch glücklich über den Erfolg.
      Nun war nur noch Cooper an der Reihe. Diesmal hatte ich aber auch noch meine eingeplanten zehn Minuten zum Umbauen, ehe sie eintreffen würde, also machte ich mich direkt ans Werk. Da sowohl Cooper als auch Aldaire Vorzeigeschüler waren, hatten die beiden in ihrer Einzelstunde allerhand zu tun, die Kombination würde nicht einfach werden.
      Auch bei ihr kamen mehrere Cavaletti zum Einsatz, welche aber auch schon der Galopparbeit dienen sollten. Auch wir begannen bei ihr mit mehreren Trabstangen, welche durch Volten oder Achten miteinander kombiniert wurden. Am aufwendigsten würde der doppelte In-Out sein und Cooper zweifelte auch anfangs, ob sie das wirklich packen würden, aber Aldaire enttäuschte sie nicht.
      Fleißig ging er erst im Trab über die Stangen und auch im Galopp konnte sich das Paar sehen lassen. Aldaire verfügte über ein sehr gutes Grundtempo und hatte auch seinen Wohlfühltakt schnell gefunden. Auch Cooper kam sehr gut mit ihrem Pferd klar und so wusste ich gar nicht so recht, was ich den beiden beibringen konnte, außer eben neue Möglichkeiten mit den Stangen.
      Da sie diese Aufgabe so schnell erfolgreich gelöst hatten, durften sie auch noch einmal die Aufgabe durchreiten, welche ich für Kiras Zanaro geplant hatte und auch da machten sie eine gute Figur, auch wenn sie erst einmal nachdachten mussten, wie der Ablauf direkt noch einmal war.
      Cooper schien die Stangenarbeit aber sichtlich Spaß zu machen und zufrieden ritt sie ihren Hengst dann ab, während ich die Halle wieder aufräumte. „17 Uhr ist dann noch einmal eine Stunde für alle!“, meinte ich lächelnd und Cooper versprach mir, es noch einmal allen zu sagen. Theoretisch hatte ja jeder einen Ablaufplan, aber so manches geriet dann wegen wichtigerer Dinge doch mal in Vergessenheit.

      Wir trafen uns alle 17 Uhr wieder in der Halle. Auch Elisa war von der Partie und diesmal saß auch ich auf dem Pferd. Grund hierfür war die kleine Überraschung für meine Teilnehmer. Zu sechst würden wir eine kleine Choreo reiten, welche natürlich mit Stangen und Cavalettis gespickt waren. Da auch Verena mit Sweet von der Partie war, hatte ich es recht simpel gelassen, so dass auch Sweet im Trab und Galopp mitkommen konnte.
      Wie es bei Quadrillenritten üblich war, würden wir uns auch aufsplitten und damit jeder wusste, was er zu tun hatte, führte ich eine Dreier-Gruppe an und Elisa eine. Wir beide kannte den Ablauf und damit es etwas peppiger wurde, hatte ich Octavia die wertvolle Aufgabe der Musik übergeben. Gespielt geritten wir ein, stellten uns alle einmal auf und dann reihten wir uns im Trab ein. An der kurzen Seite splitteten wir uns auf und dann ritten wir unterschiedliche Zirkel, Volten und Achten. Manchmal kamen wir wieder zusammen zu einer großen Abteilung oder unsere Wege kreuzten sich. Es machte allen sichtlich Spaß und da wir nach circa 10 Minuten durch waren, lud ich jeden noch zu einem kleinen Ausritt um das Gestüt ein.
      Entspannt ließ ich Yakari den langen Zügel, während er unsere Gästegruppe anführte, Elisa hatte sich wieder von uns getrennt, denn sie hatte noch zur Genüge mit den Vorbereitungen bezüglich Jolympia zu tun. „Apropos! Also wer Lust hat, kann gerne dieses Jahr wieder zur Jolympia teilnehmen!“, weihte ich meine Teilnehmer direkt ein und der ein oder andere schien richtig begeistert von der Idee zu sein.
      Der Ausritt endete damit, dass alle Pferde wieder in die Boxen durften und zum Abschied gegrillt wurde, so wie wir es gerne bei den Kursen machten. Dabei kamen alle noch einmal ins Gespräch und der Kurs endete so wie er sollte: Locker und fröhlich.

      Am kommenden Morgen war die Aufregung groß, zumindest nach dem entspannten Frühstück und der kleinen Feedbackrunde zwischen mir und meinen Teilnehmern. Denn danach ging es für alle nach Hause. Mit der Unterstützung unseres Teams bekam aber jeder sein Pferd verladen und konnte sich auf die Heimreise machen.
      Ich verabschiedete jeden persönlich und bedankte mich noch einmal ganz herzlich für den Besuch, es war eine schöne Gruppe gewesen, ich konnte mich wirklich nicht beschweren. Gegen Mittag waren dann aber auch alle entschwunden und ich atmete erleichtert aus. Kurstage waren toll, aber anstrengend und nun mussten trotzdem noch die Gästezimmer und Gästeboxen wieder auf Vordermann gebracht werden, aber zum Glück hatte ich ja eine tolle helfende Hand an meiner Seite: Matthew (weil Elisa keine Lust hatte).

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  • Album:
    2.2 - Südstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    22 Feb. 2017
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    Rufname: (Mr.) T.
    geboren: Mai 2008


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst

    Farbe: Dunkelbrauner (Ee Ata)
    Stockmaß: 148 cm

    Beschreibung:

    Schon einmal ein Westernpferd als Deutsches Reitpony gesehen? Nein? Dann ist man wohl noch nie Tenacious begegnet. Der Hengst wird von allen für seine Ausgeglichenheit und Geduld geliebt (Westernsättel mag er übrigens trotzdem nicht!). Das macht ihn aber noch lange nicht zu einer Schlafmütze, im Gegenteil, denn Tenacious liebt jeden Sport, in dem es ein wenig schneller vorwärts geht und dabei ist er die absolute Lebensversicherung.

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    Besitzer: Samarti
    Ersteller: sweetvelvetrose

    Dressur M - Springen M - Military A - Fahren E
    327. Westernturnier
    328. Westernturnier
    157. Synchronspringen
    162. Synchronspringen
    168. Synchronspringen
    371. Westernturnier
    362. Galopprennen
    372. Westernturnier
    365. Galopprennen


    Offizieller Hintergrund

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