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Cascar

tc Annakiya

Stute | Pintoaraber | * 06.08.2013 | im Besitz seit 07.12.2020| gekrönt: nein | gechippt: nein | geimpft: nein | Decktaxe/Leihgebühr: - (4 Punkte + HS + TA + Bild)

tc Annakiya
Cascar, 7 Dez. 2020
Eddi, Mohikanerin und Stelli gefällt das.
    • Cascar
      Alte Berichte I
      [2014 - 2018]

      Fohlenberichte
      Willkommen kleine Annakiya!
      06.08.2014
      „Hallo Pepe, Yamaha Spirit hat gefohlt, dein Oak ist wieder Papa geworden!“
      Die schönste Nachricht am frühen Morgen. Aufgeregt vereinbarten wir einen Termin und die kleine Annakiya würde bald bei mir einziehen.
      19.08.2014
      Der blaue Transporter der Tc Perfomance bog um die Ecke. Voller Aufregung sprang ich auf und lief auf den Hof. Die Züchterin Huhn stieg aus dem Wagen und wir begrüßten uns. „Ich bin schon ganz aufgeregt!“; grinste ich. Huhn nickte und entgegnete „dein Oak hat da auch ganz große Arbeit geleistet.“ Gemeinsam ließen wir die Ladeklappe herunter und ich erblickte eine kleine Scheckstute. Ich konnte ein Quietschen nicht unterdrücken, Annakiya sah uns schüchtern entgegen. „Denke es wird einige Zeit brauchen, sie ist sehr schüchtern und fremdelt stark.“, sagte Huhn zu mir und klinkte den Strick in das Halfter der Stute ein. „Aber ich bin zuversichtlich, dass du das schaffst!“ Sie lief mit der Stute die Rampe hinunter und drückte mir den Strick in die Hand. Ich ließ Annakiya an meiner Hand schnuppern und brachte sie auf einen abgegrenzten Paddock neben meinen anderen Fohlen und Jährlingen. Einen Eimer Wasser hatte ich schon bereitgestellt, gleich war Fütterungszeit und ich überlegte noch, was ich ihr geben würde.
      Ich klärte mit Huhn noch einige Kleinigkeiten, bekam die Papiere der Stute und wenig später fuhr die Züchterin dann vom Hof.
      19 Aug. 2014 (c) Pepe

      Heute hatte ich einen Termin bei Pepe. Es sollten zwei Jungpferde eine Hufkontrolle erhalten. Als ich mit meinem Wagen auf den Hof einbog, sah ich bereits eine junge Frau mit einem Isländerfohlen um die Ecke kommen.
      „Hallo, schön, dass du da bist! Das hier ist Dynur, unser erster Kandidat für heute. Er kennt bereits das Hufe geben, allerdings ist es sein erster richtiger Hufschmiedbesuch“, begrüßte sie mich freundlich, als ich aus dem Auto stieg.
      „Hallo, danke für euren Auftrag. Dann bereite ich alles vor. Du brauchst Dynur nicht anbinden, Jungpferden lasse ich gerne etwas mehr Bewegungsspielraum“, antwortete ich. Dann ging ich zu meinem Kofferraum und nahm die Lederschürze heraus. Nachdem ich diese angezogen hatte, holte ich das nötige Werkzeug aus der Kiste und steckte es in die Taschen.
      Mit einer kleinen Möhre begrüßte ich den jungen Hengst. Aufgeregt schnupperte Dynur an meiner Schürze. Behutsam hob ich alle vier Hufe nacheinander an und kontrollierte den Zustand. „Die Hufe sind in gutem Zustand, allerdings ein wenig lang. Ich würde sie gerne etwas kürzen“, erklärte ich Pepe. Dann nahm ich das Hufmesser zur Hand, hob Dynurs Vorderhuf und schnitt das lose Sohlenhorn weg. Dabei blieb der Hengst brav stehen. Auch die anderen Hufe konnte ich so schnell bearbeiten. Ab und an hatte der kleine Isländer noch ein paar Probleme mit dem Gleichgewicht, aber ich half ihm beim Ausbalancieren.
      Dann holte ich den Hufbock und die Raspel aus dem Auto. Etwas skeptisch beäugte Dynur den Hufbock, doch dann siegte die Neugierde und er begann daran zu schnuppern. Ich wartete in Ruhe und ließ ihm die Zeit, sich mit dem ungewohnten Ding auseinanderzusetzen, bevor ich seinen Vorderhuf drauf hob. Schnell, aber vorsichtig, ging ich mit der Raspel über den Huf. Dabei lobte Pepe den Hengst, weil er den Huf brav auf dem Bock ließ. So konnte ich die anderen drei Hufe auch ohne Probleme bearbeiten.
      „Das hast du super gemacht“, lobte ich Dynur und gab ihm zur Belohnung noch ein Stückchen Möhre. Pepe brachte den Hengst zurück und kam mit der Stute tc Annakiya zurück.
      „Sie ist noch nicht so lange bei mir und kennt erst Berührungen an Beinen und Hufen. Du musst mal schauen, was du machen kannst“, sagte Pepe. Zuerst begrüßte ich auch dieses Fohlen mit einem Leckerli und ließ der Stute genug Zeit, sich an mich und die Situation zu gewöhnen. Dann begann ich vorsichtig damit, ihren linken Vorderhuf anzuheben. Als sie ihn kurz hergab, stellte ich ihn sofort wieder ab und lobte sie. Dann versuchte ich es erneut und ging flott mit der Raspel darüber. Hierzu klemmte ich den Huf kurz zwischen meine Beine, sodass wir den Hufbock erst einmal nicht benötigten. Bei kleinen Fohlenhufen konnte man so etwas ganz gut machen, hatte ich in der Ausbildung zum Hufschmied gelernt. Wieder wurde das Stütchen kräftig gelobt. Die Hinterbeine wollte Annakiya nicht so gerne geben und man merkte, dass sie hier auch noch arge Gleichgewichtsprobleme hatte. Doch so ein Fohlen konnte sich noch gegen mich lehnen, ohne dass ich umfallen würde.
      Nach einiger Zeit hatten wir es geschafft und alle Hufe waren geraspelt. Überschwänglich lobte Pepe die kleine Stute und auch sie erhielt noch ein Leckerli zur Belohnung. „Wir werden das Hufe geben auf jeden Fall kräftig üben, damit es beim nächsten Mal besser klappt“, sagte Pepe.
      Während Pepe die Stute weg brachte, räumte ich mein Werkzeug zusammen. Dann erledigten wir anschließend noch das Geschäftliche. Ich bedankte mich für den Auftrag und machte mich auf den Weg zum nächsten Kunden.
      [3527 Zeichen, lettercount.com, Text: Rasha]
      19 Aug. 2014

      Pflege, 15.11.2014
      Etwas Bodenarbeit und ein gemütlicher Spaziergang
      Fit und ausgeruht, machte ich mich auf den Weg zu Pepe´s Hof. Sie hatte mich gefragt, ob ich Zeit hätte, mich um eines ihrer Fohlen zu kümmern. Als ich auf ihrem Hof ankam, stieg ich aus und ging auf den Stall zu. In der Sattelkammer holte ich Halfter, Führstrick und Putzbox von tc Annakiya. An ihrer Box angekommen, stellte ich die Putzbox ab und öffnete die Boxentür. Ich begrüßte die Stute und legte ihr dann das Halfter an. Nachdem ich den Führstrick befestigt hatte, führte ich die kleine Stute aus der Box heraus und band sie davor an. Nun öffnete ich die Putzbox, holte Striegel und Kardätsche heraus und fing an sie zu putzen. Als ihr Fell sauber war, legte ich die Bürsten wieder zurück und nahm eine weichere Bürste heraus. Mit dieser putzte ich ihre Beine und ihr Gesicht. Anschließend nahm ich die Mähnenbürste heraus und kämmte damit vorsichtig ihr Langhaar. Zum Schluß reinigte ich noch ihre Hufe und schloss dann die Putzbox wieder. Ich überlegte kurz was ich mit ihr machen sollte und entschied mich dann, etwas mit ihr Bodenarbeit zu machen und anschließend einen kleinen spaziergang. Ich band die Stute nun los und ging mit ihr auf den Außenplatz, da das Wetter heute ausnahmsweise mal mit spielte. Auf dem Platz übte ich mit ihr einige Übungen wie Führtraining, über Stangen laufen und Rückwärtsrichten an der Hand. Die Stute machte von Anfang an sehr toll mit. Nach einer Stunde entschied ich mich dann, aufzuhören und mit ihr spazieren zu gehen. Man musste das Wetter ja mal ausnutzen, solange es so toll war. Ich ging mit der Stute richtung Wald, dort war es richtig angenehm. Die Stute schaute sich aufgeregt um, entdeckte hier was neues, da was neues. Als wir an einer Waldlichtung ankamen, machte ich eine kleine Pause und setzte mich auf eine Bank und genoss das drumherum. Nach ein paar Minuten lief ich wieder weiter. Wir begegneten ein paar anderen Leuten, die mit ihren Hunden oder alleine unterwegs waren. Die Stute wollte jedes mal an die Jackentaschen der Leute. Wahrscheinlich hoffte sie, dort ein Leckerlie zu finden? "Wart es doch mal ab", sagte ich schmunzelnd zu ihr, "nachher bekommst du eines." Wir liefen noch eine Weile im Wald herum und machten uns dann langsam auf den Weg zurück zum Hof. Dort kraulte ich sie noch ein wenig, gab ihr dann das Leckerlie und lies sie auf die Weide zu den anderen Fohlen. Ich kehrte noch den Boden vor ihrer Box und fuhr dann wieder nach Hause.
      2420 Zeichen (C) Ranjit

      Schwere Zeiten
      „Ben?“, rief ich durch die Stallgasse. In einer der Stallecke hörte ich ihn. „Hier bist du. Das Amt hat gerade angerufen…“ Ben stockte in der Bewegung und sah mich an. „Der Transport geht klar, allerdings nicht alle auf einmal.“, informierte ich ihn. Ben nickte nur und füllte weiter die Futterrationen auf. „Dann werden wir uns für einige Wochen trennen müssen, du fliegst schon nach England und ich bleibe hier.“, sagte er trocken und kurz. Ich schluckte, aber was hatte ich erwartet? „Wann kommt der Transporter?“, fragte er mich. „Morgen denke ich. Mein Flug geht am Sonntag.“ Ben nickte und schloss die Futtertonnen. Er blickte auf und umarmte mich. Es tat gut, seine Nähe noch einmal zu spüren. „Ich werde dich vermissen Ben…“, flüsterte ich ihm zu. „Aber die Vorstellung mit dir in England neu anfangen zu können ist wunderbar.“ Wir lösten uns und verteilten gemeinsam das Abendbrot für die Pferde, bevor wir selbst in unsere Küche gingen.
      Ich wärmte das Essen von gestern auf und Ben deckte den Tisch. „Wenn wirst du mitnehmen, Lea?“, fragte er mich. Ich seufzte, darüber hatte ich mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht. „Wollen wir gemeinsam nach dem Abendessen überlegen?“, fragte ich Ben und er nickte.

      Früher Morgen am nächsten Tag
      Ich war früh wach und blickte aus dem Fenster. Dichter Nebel lag über dem Wald und unserem kleinen See, irgendwie würde ich das schon alles vermissen. In der Küche hörte ich Geschirrgeklapper, Ben war wohl schon wach. Ungewöhnlich für ihn, aber ich war froh, dass wir die letzten gemeinsamen Tage noch etwas genießen konnten. Ich zog mich an und stieg die Treppe hinunter. „Guten Morgen Ben!“, rief ich ihm entgegen. Ben brummte nur etwas und sah mich nicht an. „Ist was passiert?“, erkundigte ich mich und trat neben ihn. „In der Tat. Die Bank hat angerufen. Die Zinsen sind ihnen zu niedrig und sie wollen den Kredit für den Hof auflösen.“ Ich starrte ihn nur an. In meinen Ohren rauschte das Blut, das konnte doch nicht wahr sein! „Lea, wir müssen hierbleiben. Wir können uns nicht noch mehr verschulden.“ Ich nickte und versuchte meine Tränen zurückzuhalten. Ich sah ihn an: „Wir werden uns von einigen unseren Lieblingen trennen müssen, das weißt du, oder…?“ Ben nickte. „Ich habe sogar schon in England angerufen und unsere Situation erklärt. Wir können zurzeit nicht hin, aber eines Tages sicherlich schon.“ Wie froh ich doch war ihn zu haben! Die gleichen Gedanken hatte wohl auch Ben und sah mir tief in die Augen wie noch nie. Und dann küsste er mich und flüsterte: „Gemeinsam schaffen wir das.“ Ich drückte ihn fest und ließ meinen Tränen freien Lauf.

      Nachmittag am gleichen Tag
      Durch die offene Küchentier hörte ich das Telefon klingelt. Ben nahm ab und ich hörte ihn nur etwas leise murmeln. Als er aufgelegt hatte, kam er zu mir ins Wohnzimmer. „Die Bank. Wir haben 8 Wochen Zeit die Tilgung zu bezahlen, ansonsten haben wir alles verloren.“ Erneut kullerten mir die Tränen über die Backen. Ben setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. Vor mir verstreut lagen Fotos, Pferdepässe und Kaufverträge. „Hast du schon einige Entscheidungen getroffen?“ Ich nickte. Ich wollte das schlimmste was ich je befürchtet hatte, möglichst schnell hinter mich bringen. „Lass uns die Anzeigen aufgeben.“

      Abend am gleichen Tag
      Traurig ging ich durch die Ställe. Viele konnten wir nicht behalten, aber vorerst waren wir hoffentlich gerettet. Bei Oak blieb ich stehen. „Hey mein Süßer! Manchmal möchte ich dein unbeschwertes Leben haben, wenn du wüsstest was hier los ist…“, raunte ich ihm zu. Der Araber prustete in meine Haare und legte seinen Kopf auf meine Schultern. „Er bleibt bei dir, oder?“ Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Ben ebenfalls im Stall war und die Abendfütterung vorbereitete. Ich nickte. Niemals konnte ich den Hengst weggeben, gleichgültig wie viel er eigentlich wert war.
      „Hoffentlich haben wir es bald geschafft.“
      [3889 Zeichen]
      12 Dez. 2014 (c) Pepe

      Ruhe
      Endlich war Ruhe eingekehrt. Durch den Verkauf einiger Pferde konnten wir mehr Zeit gewinnen, von der Bank hatten wir vorerst unsere Ruhe. Gedankenverloren saß ich mit meinem Kaffee am Küchentisch und blickte hinaus. Ich bemerkte nicht, dass Ben das Haus betrat und mich von hinten umarmte. Es war viel passiert in den letzten Wochen und Ben wich mir in keiner Sekunde von der Seite, egal wie schwer sie war. „Was denkst du?", fragte er mich und drückte mir einen Kuss in die Haare. Ja, Ben und ich waren nun ein Paar. „Vielleicht sollten wir doch das Angebot aus England annehmen. Sieh dir mal an, wie viel Platz wir nun auf dem Hof haben, bald wird der nächste Brief von der Bank kommen..." Ben setzte sich und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. „Vielleicht hast du Recht." Wir sahen uns an und ich begann zu weinen. Ich hatte so viele Pferde gehen lassen müssen, der Verkauf von einigen stand mir noch bevor. „Hey Liebes, nicht weinen...", flüsterte Ben und drückte mich fest.
      Nach dem Mittagessen ging ich in den Stall um mich etwas abzulenken. „Na Oak?", sanft strich ich dem Araberhengst über die weiche Nase. Er schnaubte und schloss die Augen. Ich hatte erst gestern mit ihm einen langen Ausritt gemacht, heute würde er eine Pause bekommen. Von draußen hörte ich ein helles Wiehern. Annakiya, eine Tochter von Oaklands Cloudbreaker. Ich nahm das Halfter der jungen Stute vom Harken und betrat ihren Paddock. Mit etwas Zucker lockte ich sie an, wie wenig ich mit ihr in den letzten Tagen doch gearbeitet hatte... Geschwind streifte ich ihr das Halfter über, bisher machte sie keine großen Probleme. Ich öffnete die Boxentür und zupfte am Strick. Vor der Box band ich Annakiya an und nahm den Hufauskratzer zur Hand. „Huf!", rief ich ihr zu und strich sanft am zierlichen Vorderbein der Stute gen Boden. Das Bein zuckte, doch der Araber machte keine Anstalten den Huf auch nur ansatzweise zu heben. Ich wiederholte den Befehl, diesmal etwas energischer. Annakiyas Ohren spielten und sie wusste, dass der Spaß bald ein Ende hatte. Ich drückte sanft gegen das Bein und die Stute hob den Huf. „Fein gemacht!", raunte ich ihr zu. „Lea?" Es war Ben der mir entgegen kam. „Da ist jemand für dich am Telefon..."
      Die Abendfütterung übernahm Ben. Ich fing währenddessen an, unsere Zukunft zu planen...
      [2311 Zeichen]
      11 Jan. 2015 (c) Pepe

      Teilnahme Fohlenschau
      Araberfohlen tc Annakiya und ich warteten am Hänger auf unseren Auftritt. Ben steckte der Stute ein kleines Leckerli zu und umarmte mich. Mit Kamera zog er los, um sich einen guten Platz in der Halle zu sichern. Kurz darauf löste ich den Strick und wir gingen in Richtung Schauhalle.

      „Pepe und tc Annakiya, Startnummer 1, bitte an der Halle bereit machen!“ Es ging also los. Ich umarmte die Stute und sie kommentierte meine Geste mit einem leisen Schnauben. ich ging los und das Fohlen folgte mir brav zur Halle.
      Annakiya prustete laut, als sie die bunten Blumen sah. „Ruhig meine Schöne, die fressen kleine Pferde wie dich nicht!“, versuchte ich sie zu beruhigen. Als die Stute meine leise Stimme hörte entspannte sie sich.
      Ich grüßte freundlich die Richter und Annakiya lief im Schritt einen Kreis um mich. Auf Kommando blieb er wieder brav stehen und ich klopfte sie am Hals. Nun ging es auf den Hufschlag und Annakiya galoppierte neben mir her. Ich musste schnell laufen, da die kleine Stute mächtig viel Power hatte. Sie ging eben total nach ihrem Vater. Annakiya schnaubte kurz und erschrak sich vor einem Blumenkübel, fing sich dann aber wieder schnell. Weiter ging es im Trab auf dem Zirkel. Die Araberstute schien Gefallen an der Rennerei zu bekommen und bockte kurz. „Anni! Lass das. Benimm dich!“ Als hätte sie mich verstanden, dass der Spaß jetzt besser vorbei sein sollte, ließ sie sich im Stand schön aufstellen, damit man ihr komplettes beeindruckendes Interieur begutachten konnte. Nach einigen Augenblicken ließ ich Annakiya wieder im Schritt antreten und wechselte mit ihr durch die ganze Bahn. Dabei forderte ich sie mit leisem Schnalzen dazu auf, fleißiger zu laufen. Der Araber folgte meinen Anweisungen und präsentierte einen tollen, raumgreifenden Schritt. Ich lobte sie kurz dafür und trabte mit ihr wieder an, indem ich etwas schneller lief und etwas am Strick zupfte. Annakiya wieherte kurz und schrill und schlug mit dem Kopf. „Nein!“, rief ich scharf und die Stute stellte ihre Selbstschau ein. Annakiya ließ sich kontrolliert im Trab langsamer und schneller führen, ich war stolz auf sie! Ich parierte Annakiya wieder in den Schritt zurück und stellte sie nochmals vor den Richtern auf.
      „Ich möchte noch einige Worte über die Stute hier verlieren. tc Annakiya stammt vom bekannten Hengst Oaklands Cloudbreaker. Ich würde mich freuen, wenn sie diese Schau gewinnen würde, denn sie besticht nicht nur durch ihre tollen Gänge sondern einen wunderbaren, gleichmütigen Charakter, den sie ihrem Vater zu verdanken hat.“
      Dann verabschiedete ich mich strahlend von den Richtern. Toll hatte sie die Schau gemeistert. Die Zuschauer in den Rängen applaudierten und Annakiya verabschiedete sich mit einem lauten Wiehern.
      Vor der Halle wartete bereits ein lächelnder Ben. „Die Fotos sind klasse geworden, Annakiya hat sich wirklich von ihrer besten Seite gezeigt.“, entgegnete er mir. Gemeinsam brachte wir das Stutfohlen zurück zum Hänger.
      [2961 Zeichen]
      17 Jan. 2015 (c) Pepe

      Die letzten Tage in Kanada

      Es war kalt geworden in Kanada, der Winter war noch nicht vorbei. Ich kuschelte mich in die Bettdecke und öffnete langsam die Augen und sah neben mich. Ben war bereits aufgestanden, wie spät war es schon? Ich setzte mich auf und hörte nur Stille. Ben war sicher im Stall und ich hatte verschlafen. Ich stand auf und zog meine Stallsachen an. Dabei entdeckte ich die Kaffeetasse neben meinem Bett, mit einem Zettel nebendran ‚Kuss‘. Ich lächelte, hob die Tasse an und nahm sie mit in die Küche. In dem Moment hörte ich ein Auto auf den Hof fahren.
      „Lea?!“, kam es aus dem Stall. „Alles gut, ich mach das schon.“, rief ich ihm zurück und ging aus dem Haus. Ich wusste, wen der nette Herr aus dem Transporter dabei hatte - unseren Neuankömmling. Ich konnte ihn nicht in Kanada lassen, zu sehr schmerzten noch die Notverkäufe. Der Fahrer nickte mir zu und öffnete die Ladeklappe. Ich hörte Hufgetrappel und aus dem Hänger stieg eine Welshstute. „Birdy!“, rief ich begeistert und lief zu ihr. Die Stute brummelte und rieb sich an mir. Ben kam aus dem Stall und blieb wie angewurzelt stehen. „Alles gut, Süßer, sie wird mit nach England kommen.“ Ben’s Miene bliebt hart, aber er nickte mir zu. Ich führte die Stute in die frisch eingestreute Box, in der etwas Heu auf sie wartete. „Danke für die schnelle Abwicklung.“, bedankte ich mich bei dem Mann und nahm Birdys Papiere entgegen. Dann verabschiedete ich mich von ihm.
      „Ben?“ Es brummelte aus der Futterecke. „Alles okay?“ Er nickte, fragte mich aber gleichzeitig, wieso ich wieder ein Pferd gekauft hatte. Ich erzählte ihm die Geschichte von Birdy und mir. Scheinbar taute Ben’s liebevolle Herz auf und nahm mich in den Arm. „Tut mir Leid, das wusste ich alles nicht…“ Ich küsste ihn und gemeinsam bereiteten wir das Futter für die nächsten zwei Tage zu.
      Als ich aus dem Stall trat, um zurück ins Haus zu gehen, fing es an zu schneien. Besorgt blickte ich zum dunkelgrau-verhangenen Himmel. ‚Hoffentlich hält der Schnee sich in Grenzen, nicht, dass der Umzug gefährdet werden könnte…‘, dachte ich und bereitete ein Mittagessen zu.
      Ben schlang gierig die Nudeln hinunter. „Gibt’s was Neues, wegen dem Transport?“, fragte ich er mich mit vollem Mund. Ich nickte. „Wir haben den Sondertransport genehmigt bekommen, am Donnerstag werden alle abgeholt und sind pünktlich mit uns in England.“
      „Wenigstens etwas klappte.“, murmelte Ben und räumte den Tisch ab.
      Nach dem Abwasch ging ich in den Stall. Es hatte sich eingeschneit, wie ich leider feststellen musste. Ich ging zu Oaklands Cloudbreaker und streichelte ihn auf der Stirn. „Na Hübscher?“ Oaks große, dunklen Augen sahen mich ruhig an. Ich öffnete die Boxentür und warf dem Hengst einen Strick um den Hals. „Komm raus Großer, lass mich sehen, wie es dir geht.“, flüsterte ich ihm zu und er folgte mir aus der Box. Ich lief einige Schritte und hörte hinter mir den gleichmäßigen Huftakt. Ich blieb stehen und Oak folgte meiner Bewegung und stand ruhig. Ich ging um ihn herum und tastete alle Beine ab. Sie waren normal warm. Ich seufzte. Der Hengst brauchte noch seine Sonderbeschläge, erst dann wollte ich ihn wieder anfangen zu bewegen. Ich putzte den Hengst kurz über, dreckig war er ja nie und brachte ihn mit einer Möhre zurück in seine Box.
      Weiter ging es zu seiner Tochter, dem Stutfohlen Annakiya. Als sie mich hörte steckte sie neugierig die Nase über die Boxentür. Ich lächelte und knuffte die Stute in die Schnauze. Sie quietschte kurz und sah mich dann ruhig an. Wie Oak. Wie wenn beide eine Seele wären. Ich putzte sie in der Box, Annakiya stand mittlerweile ruhig und brav auf einer Stelle, manchmal beobachtete sie mich. Ich nahm ihr Halfter von der Boxentür und führte sie hinaus. Ben hatte vorsichtshalber alle Paddockboxen geschlossen, wer weiß, wie das Wetter in ein paar Stunden werden würde. Ich schon die Stalltür auf und zeigte Annakiya den Schnee. Mit geblähten Nüstern und großen Augen stand sie an der Schwelle. „Na komm, das macht Spaß!“, rief ich ihr zu und nahm eine handvoll Schnee und warf es in die Luft. Das Araberfohlen erschrak sich kurz, zeigte aber Neugierde und ging einen Schritt auf mich zu. Sie steckte die Nase in den Schnee und begann zu prusten. Ich lachte und streichelte sie. Ob es in England auch wieder so viel Schnee gäbe? Annakiya scharrte im Schnee und ließ sich daraufhin eine kleine Runde über den Hof führen. Der Wind war eisig und schneereich, eine Runde reichte und ich brachte die Stute wieder zurück in ihre Box.
      Ich suchte Ben und fand ihn neben Kvest. Er putzte bereits den Hengst und ich steckte ihm eine Möhre zu, Ben bekam einen Kuss. „Mit Dynur bin ich schon fertig, der fand den Schnee total langweilig. Ach und Jaela und Abigail keifen sich etwas an. Scheinen wohl schon rossig zu sein. Hab beiden nur eine Möhre reingeworfen, da wollte ich nicht dazwischen stehen.“ Ben grinste. Ich drückte ihn und holte den Futterwagen. Alle Pferde bekamen Mittags eine kleine Schippe Hafer oder Müsli, Ben hatte schon alles vorbereitet. Nachdem auch das Wasser überall aufgefüllt war, vorsichtshalber in Eimern, die Tränken waren zwar beheizt, aber wer weiß.
      Den Nachmittag verbrachten Ben und ich mit Ausmisten der Boxen. Danach wollte ich nochmal nach England telefonieren.
      [5228 Zeichen]
      23 Jan. 2015 (c) Pepe

      Es wird ernst

      Ben’s Freunde wuselten durch den Stall. Ich war so froh, dass sie mit anpackten, alleine hätten Ben und ich das nie geschafft. „Hier ist noch Putzzeug!“, rief einer quer durch den Stall. Hektisch deutete ich auf eine Kiste.
      Auf dem Hof parkten 3 Transporter. Sie würden die Pferde zum Quarantänestall bringen und von dort aus nach England fliegen. Ein Tierarzt war auch anwesend. Ben half ihm die Pferde fertig zu machen, jedes einzelne musste kurz durchgecheckt werden. „Oak übernehme ich!“, rief ich, als ich den Araberhengst erblickte. Ben nickte und drückte mir den Strick in die Hand.
      „Oak hat eine kleine Lahmheit, die neuen Beschläge warten in England.“, informierte ich den Tierarzt.
      Er nickte und strich alle vier Röhrbeine ab, Oak zuckte kein bisschen.
      Guter Kerl!
      Der Tierarzt nickte wieder und ich brachte ihm die Transportgamaschen und -Decke an. „Los geht’s, Kleiner.“, flüsterte ich ihm zu und lief mit ihm Richtung Hänger. Ich band ihn sicher an und knuddelte ihn noch einmal kurz.
      2 Stunden später waren alle Pferde gut und sicher in den Transportern. Die Transportkisten mit allem Möglichen Kleinkram waren gepackt, der Stall war leer.
      Ben und ich verabschiedeten uns von den Fahrern und schauten nochmal bei jedem Pferd vorbei. Bald würden wir sie ja wieder sehen!
      [1300 Zeichen]
      29 Jan. 2015 (c) Pepe

      Der große Umzug

      Die Zeit vergeht wie im Flug. Der Umzug war stressig und hektisch, so langsam sammeln wir uns aber alle und kommen zur Ruhe. Ben und ich hatten unser Hab und Gut zusammen gesammelt, die letzte Hofmiete auf den Tisch gelegt und den Schlüssel eingeworfen. 2 Flüge später kamen wir müde und er schöpft in England an.
      Flair war so lieb und hatte uns vom Flughafen aufgesammelt. Sie fuhr uns auf den Hof und zeigte uns kurz das wichtigste - nämlich unser neues Haus mit Dusche und einem Bett.

      5 Tage später rollten Transporter auf den Hof. So langsam hatten wir uns an die Zeitverschiebung gewöhnt und krochen aus den Betten. Flair nahm die Männer schon in Empfang, sie hatte bereits für uns so viel getan und half uns wo es nur ging. Gemeinsam öffneten wir die Tür des ersten Transporters und ich erblickte unsere Stuten.
      „Jaela sieht ganz schön verschlafen aus, findest du nicht?“, grinste ich zu Ben.
      Er nickte und nahm die Führstricke in die Hand. Jeder von uns nahm ein Pferd und so bezogen Hermelin Jaela, Abigail und Birdy ihre neuen Boxen mit angrenzendem Paddock. Neugierig beschnupperten die Stuten das Heu und die Tränken.
      Weiter ging es mit den Fohlen. Dynur fra Frelsi und Annakiya bekamen eine Doppelbox mit großem Paddock. Etwas verängstigt blickten sie sich um, doch wir hatten die sanftmütige Jaela daneben gestellt, welche die Kleinen sorgfältig im Blick hatte.
      Zum Schluss stiegen Oaklands Cloubreaker, Kvest, Yakari und Realités aus dem letzten Transporter. Auch sie bekamen Paddockboxen, in denen etwas Begrüßungsheu lag.
      Es war geschafft. Ein neuer Abschnitt würde für uns beginnen, diesmal sollte alles mit Erfolg laufen…
      [1642 Zeichen]
      19 Feb. 2015 (c) Pepe

      Rund-um-Pflege
      13.07.2015

      Mit der Umbenennung unseres Teilstückes des Hofes war auch wieder ein neuer Pflegetag nötig. Wärend Ben sich um den Stall, das Futter und die Stallarbeit kümmerte, erledigte ich die Pferde.
      Ich begann mit Annakiya, unserer Jährlingsstute. Wir hatten viel gearbeitet, Halfter und Hufe geben ging mittlerweile problemlos. Heute schnappte ich mir ihr neues Halfter und holte sie vom Paddock. Die kleine Stute war sehr pingelig und oftmals nur etwas staubig. Schnell war sie geutzt, die Hufe hatte sie heute morgen neu gefeilt bekommen. Neugierig schnupperte Anna an mir herum, wie immer erwartete sie ein Leckerchen. „Jetzt noch nicht, meine Süße!“, grinste ich und löste den Strick. Ich wollte heute etwas mit ihr spazieren gehen, manchmal war sie noch etwas ungestüm und ließ sich schwer bremsen. Mit spielenden Ohren verließen wir den Hof. Nach etwa einer Viertelstunde kamen wir beide entspannt am langen Strick zurück. Annakiya hatte erstmals nicht gezickt oder sonst irgendwelche Gespenster gehen. Ich war stolz auf die und brachte sie zu den anderen,die Ben gerade reinstellte, in den Stall.
      „Lässt du mir die Jungs grade noch draußen?“, bat ich Ben und schnappte mir einige Stricke. Kvest Halsnaes, Oaklands Cloudbreaker, Osita, Fajir El Assuad, Blettur und Soul Dance durften sich gemeinsam in der Halle austobene; die kleine Herde genoss diese Stunde einmal in der Woche sehr. Rangeleien gab es bisher noch keine, ausgelassen tobte und spielten sie immer miteinander.
      In der Zwischenzeit sattelte ich mir Cylon Blue und brachte den Hengst auf den Reitplatz, lange hatten wir nichts mehr getan. Ich stieg auf, gurtete nach und ritt los. Der Hengst war sehr sensibel, er ließ sich auch bisher nur von mir reiten. Etwas Druck im Zügel und der Trakehner kaute zufrieden auf seinem Gebiss.
      „Brauchst du Hilfe?“ ertönte es plötzlich am Zaun. Es war Ben, der zur untergehenden Sonne zeigte. Mist. Ich hatte ganz vergessen wie spät es schon war. „Kannst du Joy longieren? Nur bisschen in den Gangarten, das reicht schon…“, rief ich ihm zu.
      Zehn Minuten später kam Ben mit Hope of Joy auf den Reitplatz. Ich befand mich mit Blue bereits im lockeren Trab und versammelte ihn leicht. Ben schickte die Stute auf einen etwas kleineren Zirkel und begann mit ihr zu arbeiten. Während ich mit Cylon Blue zu Trab-Galopp-Übergängen anfing, gab ich Ben immer wieder mal ein paar Tipps. Die Stute lief nach kurzer Zeit sehr locker, Ben kam mit ihr auch mehr als gut zurecht, so unkompliziert wie sie war. Ich ließ Blue im Schritt am langen Zügel etwas entspannen, und ließ Ben mit Joy an der Longe galoppieren. Die Stute hatte etwas viel Energie, etwas musste ich meinen Hengst bremsen. „Okay, das ist gut so. Bringst du sie zurück und sammelst die anderen aus der Halle zusammen? Ich schwing mich noch kurz auf Yorick.“ Geschwind war Cylon Blue abgesattelt und versorgt.
      Yorick Halsnaes war erst seit wenigen Tagen aus dem Training zurück. Von der ersten Minute an hatte ich eine besondere Beziehung zu dem Junghengst. Er brummelte mir bereits entgegen und nahm das Gebiss sanft an. Ich führte das Fjord auf die Stallgasse, putzte mit einer Kardätsche kurz über und lief mit ihm zur Halle. Dort machte ich etwas lockere v/a-Arbeit, die letzten Tage hatte er sich wegen Muskelkaters kaum selbst bewegt, so wollte ich ihm etwas Lockerung verschaffen. Yorick schnaubte nach zehn Minuten im Trab locker ab und streckte sich. Ich klopfte ihn glücklich und drehte noch einige Schrittrunden durch die Halle. Zurück im Stall versorgte ich ihn und brachte ihn in seine Box für die Nacht.
      Ben hatte die Abendfütterug bereits vorbereitet und zu zweit war die letzte Arbeit des Tages schnell erledigt.
      13 Juli 2015 (c) Pepe

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      Durchchecken, Impfen & Entwurmen

      Nach dem Auftrag von Annabell trieb es mich zu Pepe, ihr Pintabian-Fohlen sollte einmal das komplette Paket bekommen. Impfen, entwurmen und natürlich durchchecken! So war ich nun auf dem Hof angekommen und stellte mein Auto auf dem Parkplatz ab, ehe ich dann auch schon Richtung Stalltrakt lief. Auf halben Wege kam mir Pepe entgegen und sie führte mich zu dem Fohlen. ,,Das ist meine kleine Maus Annakiya.'',stellte sie mir die kleine Stute vor, ehe ich sie dann begrüßte. Ich ließ mich etwas abschnuppern und streichelte sie damit sie sich etwas an mich gewöhnte. Fohlen waren noch einen Ticken komplizierte als überhaupt Pferde.. Die Scheckstute schien mich nach einer kleinen Weile uninteressant zu finden also begann ich damit mir die Augen anzuschauen. Diese waren nicht trüb und tränten auch nicht, welch ein gutes Zeichen. Ich schaute mir das Zahnfleisch an und lobte die Stute danach. Hier war schonmal alles okay, also tastete ich sie weiter ab - den ganzen zierlichen Körper der Kleinen. Sie hob die Beine als ich an diesen war, als würde sie denken das ich die Hufe auskratzen wollen würde. Kurz lobte ich sie und machte auf der anderen Seite weiter doch ich konnte nichts Auffälliges feststellen. Ich nahm mir mein Stethoskop zur Hand und demonstrierte das Instrument am Hals, ehe ich sie dann wirklich abhörte. Die Atemfrequenz und auch der Puls lagen im Normbereich, sie hatte nicht einmal Angst vor mir. Sanft lobte ich sie und steckte ihr ein Möhrchen zu, ehe ich das Stethoskop weg legte und mir mein Thermometer zu Hand nahm. Ich lief zur Kruppe und stellte mich an die Hinterhand, Pepe blieb vorne und redete ihr gut zu. Das Messen an sich war relativ einfach, auch hier machte sie keinen Mucks als würde sie das ganze schon kennen und hätte es schon tausendmal durch machen müssen. Nach dem Piepsen schaute ich auf das Thermometer - 38,4°C, erhöht wie vermutet, denn die Körpertemperatur von Fohlen lag etwas höher als die von einem ausgewachsenem Pferd. Sanft lobte ich das Stütchen erneut und mixte dann den Impf-Cocktail zusammen. Alle Impfungen in einer Spritze, so war das angenehmer für die Pferde und die Impfungen unter sich machten keine Probleme. Ich suchte mir die Stelle am Hals wo ich die Spritze injizieren würde, desinfizierte dieses und injizierte dann die Spritze. Hier gab das Scheckfohlen ein kleines Quicken von sich und zuckte kurz, aber sonst war danach alles wieder in Orndung. ,,So ist's fein.'',lobte ich und drückte einen trockenen Tupfer auf die Einstichstelle. Nach einem kleinem Moment packte ich den Tupfer weg und nahm dann die Wurmkurpaste aus meiner Tasche heraus. Ich bat Pepe die Stute festzuhalten, während ich ihr dann die Paste in das Maul drückte. Sie schmatzte und anscheinend gefiel ihr der Geschmack und die Konsistentz nicht besonders. Wir entließen die Stute in ihre Box wo sie Wasser trinken durfte und auch noch einen Apfel fressen konnte. ,,So das war's für mich. Dein Stütchen ist kerngesund, geimpft und hat die Wurmkur bekommen. Verschone sie die nächsten Tage etwas, also nicht zu viel arbeiten mit ihr. Aufgrund der Impfungen und ihrem Immunsystem.'',erklärte ich und Pepe nickte. So machte ich mich dann auch schon wieder auf den Heimweg.

      [3213 Zeichen by Sevannie / Tierklinik Briar Cliff]
      8.September 2015

      Pflege - 06.01.2016
      Auf in's neue Jahr!

      "Guten Morgen!", rief Ben fröhlich aus der Küche. Ich brummelte zurück; wie konnte ein Mensch so früh morgens schon so fit sein? Bevor ich drüber nachdenken konnte, drückte er mir eine warme Tasse Kaffee in die Hand und gab mir einen Kuss. "Ich muss los.", flüsterte er und drehte sich um in Richtung Tür. Ben hatte seit einigen Wochen eine neue Arbeit in der Stadt und musste früh los, die Stallarbeit blieb komplett an mir alleine hängen. Ich nahm einen großen Schluck warmen Kaffees, stellte die Tasse auf den Tisch und griff nach meiner Jacke. Frühstück würde ich verschieben.
      Draußen war es kalt, aber geschneit hatte es bisher noch nicht. Im Stall wurde ich bereits erwartet und jeder meiner Fellnasen bekam sein Frühstück. Ich setzte mich in die Mitte des Stalls auf einen dort abgestellten Heuballen, schloss die Augen und genoss das friedliche Kauen der Tiere.
      Chestnut war natürlich als erstes fertig, steckte seinen kleinen Kopf über die Tür und krümelte die Stallgasse voll. Ich ging zu ihm und kraulte ihn am Ohr. „Lust was zu machen, Kleiner?“, raunte ich ihm zu und griff zum Halfter. Der Hengst trug eine leichte Stalldecke, so wie die meisten am Stall, war sehr praktisch kaum putzen zu müssen. Ich bürstete kurz mit der Kardätsche über, trenste ihn auf und wir gingen hinaus auf den Hof. Ich schwang mich ohne Sattel auf das Reitpony und wir verließen den Hof. Es war noch etwas neblig auf den Felder, wir beschränkten uns auf einen gemütlichen Schrittausritt. Bevor wir am Hof wieder eintrafen kam die Sonne heraus und tauchte die Welt in wundervolles Zauberlicht. Zurück auf dem Hof trenste ich Chestnut ab und brachte ihn so wie alle anderen auf den Paddock. Der Ausritt hatte mich hungrig gemacht und ich beschloss, erst gemütlich zu frühstücken, bevor es weiter ging.
      Nach dem Frühstück gab es heute Freilaufen in der Gruppe. Ich holte Yorick Halsnaes, Kvest Halsnaes und Soul Dance vom Paddock, putzte beide kurz über und brachte beide auf den Winterauslauf, den ich zum Toben mitbenutzte. Ein kurzer Blick in die Halle - sie war ebenfalls frei. Dort durften sich Annakiya, My Lovely Horror Kid und Laheeb al Amara austoben. Ich schaute den Stuten einige Minuten zu, wie sie ausgelassen durch die Halle rannten und miteinander spielten. Es war schön mit anzusehen, dass alle meine Pferde sich prima verstanden. In der Zeit in denen sich die beiden Gruppen austobten, mistete ich die Boxen und die Paddocks. Anschließend kamen alle 6 wieder zurück auf ihre Paddocks, Annakiya, Horror Kid und Laheeb bekamen ihre Decken auf, für das wenige Fell war es doch zu kalt.
      Auch die Hengste sollten heute nicht zu kurz kommen. Fajir el Assuad und Oaklands Cloudbreaker konnte ich gefahrenlos zusammen in der Halle laufen lassen, die beiden verstanden sich prima und rauften sich immer freundschaftlich, ohne aggressiv zu werden. Oak liebte es auch, den Vollblüter in sich rauszulassen, da war Fajir der ideale Spielgefährte.
      Osita hatte heute ihren freien Tag, ich putzte sie ausgiebig. Vor ein paar Tagen hatte sie eine leicht warme Sehne gehabt, sie lahmte aber nicht. Vermutlich hatte sie sich nur vertreten, aber ich wollte sicher gehen und sie keiner großen Belastung aussetzen.
      Cylon Blue war der letzte, der heute an die Reihe kam. Der Trakehnerhengst war seit einigen Tagen etwas ungeduldig, die Kälte ließ ihn immer etwas aktiver werden. Ich zog ihm die Stalldecke ab, putzte ihn und ging mit ihm in die Halle. Dort longierte ich ihn eine halbe Stunde, in einem flotten Mix aus Trab und Galopp, nachdem ich ihn im Schritt aufgewärmt hatte. Cylon buckelte im ersten Galopp ein paar Mal, das ließ ich ihm aber durchgehen, weil ich wusste, dass er es brauchte. Danach lief er flüssig und entspannt und ließ sich auch leicht biegen. Nachdem ich die Arbeit mit ihm beendet hatte, kam er mit Decke zurück auf seinen Paddock.

      Nachmittags traf ich mich mit einer Freundin, als Ben von der Arbeit nach Hause kam, half er mir bei der Abendfütterung und steckte einigen Pferden, mal wieder heimlich, eine Möhre zu.
      Ich war glücklich so wie unsere Situation momentan war und freute mich auf das neue Jahr.

      Pflege - 22.04.2016
      Einen Versuch ist es wert

      Schon länger war ich auf der Suche nach einer passenden Reitbeteiligung, doch inzwischen verzweifelte ich schlichtweg. Da meine Eltern nicht sonderlich viel von meinem Hobby hielten, musste ich alles selbst auf die Beine stellen und so auch finanzieren. Aus diesem Grund war es mir schlichtweg nicht möglich, um die 40 Pfund im Monat auszugeben. Aber kaum jemand interessierte sich für eine Sechszehnjährige, welche sich möglichst nur mit Stallhilfe beteiligen konnte.
      Eigentlich wollte ich meine Suche schon aufgeben und weiterhin einmal in der Woche meine mehr schlechte als rechte Gruppenstunden für immerhin nur 5 Pfund nehmen, bis ich dank einer schulischen Exkursion auf einen neuen Hof traf. Wir fuhren zwar nur mit dem Bus vorbei, aber man konnte es ja zumindest versuchen und so kehrte ich am folgenden Tag mit dem Rad zurück.
      Weit war der Weg nicht gewesen, ich hatte knappe zehn Minuten gebraucht, dementsprechend keimte schon wieder Hoffnung in mir auf, welche ich jedoch erstickte. Wahrscheinlich würde ich auch hier wieder streng abgewiesen werden, weil ich nicht gebraucht wurde. Doch der Hof sah zu verlockend aus.
      Den Toreingang zierte ein modernes Schild mit der Aufschrift „Privatstall Willmore Stud“ und schon sanken meine Hoffnungen. Privatstall klang auf keinen Fall nach den typischen 0815-Höfen die Reitbeteiligungen vergaben, dennoch fuhr ich weiter. Die Weiden waren riesig und gepflegt, ebenso wie die Pferde, die sichtlich zufrieden die Frühlingssonne und das Gras genossen.
      Der Stall war genauso groß und gepflegt, aber es wirkte sehr leer. Während ich mich umschaute, sah ich, dass dieser Hof nur ein Teilstück von einem viel größeren Hof war und plötzlich war mir mehr als unwohl. Ich wollte auch schon umdrehen und gefühlt fliehen, als ein großer, junger Mann aus dem Stall trat und mich herzlich begrüßte.
      „Hey! Ich bin Ben, kann ich dir helfen?“, kam er mir entgegen und streckte seine Hand aus. Zögernd nahm ich die Begrüßung entgegen. „Äh, vielleicht…“, stotterte ich mir etwas unbeholfen zusammen. „Ich heiße Evelyn Blake, bin 16 Jahre alt und schon lange auf der Suche nach einer Reitbeteiligung“, sprudelte es dann aus mir heraus. Zu meiner Enttäuschung bekam ich als Antwort nur ein Stirnrunzeln. „Warte mal hier“, meinte Ben knapp und verschwand in den Stall. Kurz überlegte ich, einfach abzuhauen, aber das wäre wohl genauso doof gewesen.
      Ein paar Minuten später kam er mit einer Frau an seiner Seite zurück. „Hallo Evelyn, ich bin Pepe! Ben hat mir von deinem Wunsch erzählt und ich muss sagen, bei der Anzahl an Pferden wäre eine helfende Hand sicherlich nett, je nachdem wie souverän du dich anstellst.“
      Innerlich machte mein Herz Freudensprünge bis mir der finanzielle Aspekt wieder einfiel. Doch als ich das ansprach, winkte die Hofbesitzerin nur ab. „Da ist mir die aktive Hilfe im Stall lieber und wenn du es richtig anstellst, bist du sogar bei der Ausbildung eine gute Hilfe“, meinte sie lächelnd und lud mich zu einem kleinen Rundgang über den Hof ein.
      Ich war fasziniert von der Anlage, immerhin gab es hier einen ordentlich befestigten Reitplatz und sogar eine Halle. Das war nichts im Vergleich zu dem matschigen Viereck, was es im alten Reitstall gegeben hatte. Und auch die Pferde wiesen eine andere Qualität auf als die Schulpferde, die einen oftmals mit angelegten Ohren begrüßt hatten.
      „Für jemand bestimmten würde ich mir ja gerne jemanden wünschen, denn sie kommt momentan einfach immer zu kurz. Das wäre Annakiya, unsere dreijährige Pintabianstute, aber eben leider noch nicht angeritten“, erklärte Pepe und blieb an einer Weide stehen. Eine schlanke, große Scheckstute drehte uns den Kopf zu und kam dann ruhigen Schrittes zum Zaun, um uns zu begrüßen.
      Ich muss ja ehrlich sein, ich war von Anfang an hin und weg. Die Stute war nicht nur äußerlich wunderschön, sondern strahlte auch eine sensible Ruhe und Aura aus, welche mir von Beginn an mehr als gut gefiel. „Darf ich gleich ja sagen?“, fragte ich schüchtern und Pepe grinste mich nur an. „Natürlich!“ und damit hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Reitbeteiligung. Gut, vorerst eine Pflegebeteiligung, aber irgendwann, in einem Jahr, würde das Ganze sicherlich anders aussehen. Auf dem Weg zurück zum Stall klärten wir die Formalien, ich sollte aber sowieso noch einmal vorbei kommen wegen eines Vertrages, damit ich auch versicherungstechnisch abgesichert war. Auf dem Weg kam uns der junge Mann von vorhin mit einem Pony an der Hand entgegen. Sofort war ich neugierig, denn der Hengst sah so traumhaft schön aus, dass er einfach irgendeine bekannte Abstammung haben musste.
      Tatsächlich setzten die Hofbesitzer große Hoffnungen in den fünfjährigen Kerl und auch wenn es unlogisch war, fragte ich einfach: „Er wäre nicht auch zufällig zu haben?“. Diesmal runzelte Pepe die Stirn und erklärte, dass sie an sich nichts dagegen habe, aber mich das nächste Mal erst einmal besser kennenlernen wolle und dann könnte man schauen, was man mit Chestnut’s Bailey noch machen würde.
      Ich dankte ihr herzlich für alles und war ehrlich überglücklich. Ein wenig verwirrt lächelte sie mich an, aber wenn man Besitzer von solchen tollen Pferden war, war es vermutlich auch eher seltsam, wenn jemand sich so darüber freute. Dennoch tat ich es und konnte mich guten Gewissens auf den Heimweg machen. Ein halbes Jahr Suche hatte sich gelohnt. Das erste was ich machte war direkt meine Reitstunde für diese Woche abzusagen, denn die würde ich jetzt nicht mehr brauchen, das Geld sparte ich lieber für neue Reitsachen, denn da würde ich auch dringend wieder etwas Neues brauchen. Leider hatte ich mir nicht das günstigste Hobby herausgesucht, aber jetzt hatte ich einen Grund für den es sich mehr als lohnte.

      Besuch von Canyon

      Zwei Tage vor Sommerbeginn! Ich seufzte tief, als ich daran denken musste. So schnell verging die Zeit!
      Da man leider mit einem eigenen Gestüt keine Ferien hatte, hatte ich mir etwas frei genommen und die tägliche Arbeit bei meinen Freunden und Gehilfen abgeladen, welche sich um alles kümmern würden, solange ich etwas in England verweilte.
      Ja genau, England. Ich hatte mich dafür entschieden, einen kleinen Abstecher zu einer Bekannten zu machen, welche etwas Hilfe auf ihrem Gestüt benötigte.Ich würde nicht lange bleiben, immerhin warteten zu Hause genug Arbeit auf mich, aber ein bisschen konnte ich meine Unterstützung ja anbieten.Ich fand auch einen verhältnismäßig billigen Flug, welcher mich in kurzer Zeit aus meinem geliebten Süden in den verregneten Norden brachte.Ich hatte nicht viel mitgenommen, immerhin würde ich gleich morgen früh den nächsten Flieger zurück nehmen.
      England, ich roch es schon, als ich aus dem Flieger stieg. Es hatte etwas ganz besonderes an sich und jetzt war die Stimmung hier noch wärmer.Das einzige, was mich störte, war, dass es unentwegt regnete! Vielleicht hatte ich mich bei meinem Ausflug für den Norden entschieden, weil ich gehofft hatte, dass ich dieses Jahr schon die erste Hitze erleben würde. Aber so wie es jetzt aussah, hatte ich mir dafür das falsche Land ausgesucht.
      Ein schwarzes Taxi mit einem ebenso trist dreinschauenden älterem Fahrer brachte mich vom Flughafen zu dem Gestüt, zu dem ich wollte.
      Ich wollte es schon immer mal besuchen und nun hatte ich die Chance ergriffen und es endlich mal getan.
      Als ich auf dem Gestütsgelände aus dem kleinen Wagen stieg, wurde ich sofort herzlich von Lea begrüßt, einer weit entfernten Bekannten.Sie schien sich wirklich darüber zu freuen, dass ich mir Zeit für sie und ihre Pferde nahm und zeigte mir sogleich mein kleines Gästezimmer, wo ich die heutige Nacht verbringen würde.
      „Möchtest du dich erst noch ein bisschen ausruhen, oder soll ich dir die Pferde zeigen?“, fragte sie mich, sobald ich meinen Rucksack auf mein Bett geworfen und meine Regenjacke heraus gekramt hatte. Warum die auch ganz unten drin war, vielleicht hatte ich gehofft, damit den Regen zu vertreiben?
      Meine Antwort darauf war eindeutig. „Pferde!“
      Immerhin war ich ja nicht hier um zu schlafen, sondern um die vielen tollen Pferde kennenzulernen, von denen ich schon so viel gehört hatte.Lea nahm mich also mit in den Stall, wo mich sofort der Duft von frischem Stroh und Heu umschwebte und ich mich gleich wie zu Hause fühlte.
      Das erste Pferde was mir gezeigt wurde, war Oaklands Cloudbreaker, welcher mir wohl bekannt war.
      Den Namen des Zuchthengstes hatte ich schon auf vielen Tafeln gesehen und es überraschte mich nicht, dass er noch viel schöner und stattlicher war, als ich gedacht hatte. Ich streichelte dem hübschen Araber das Gesicht, was ihm sichtlich zu gefallen schien.Lea stellte mir natürlich auch noch im Schnelldurchgang die anderen Zucht- und dann Privatpferde vor, wobei jeder schöner war als der andere.
      „Hilfst du mir, sie mit auf ihre Weiden zu bringen?“, fragte mich Lea, als wir die Vorstellungsrunde beendet hatten.
      Ich nickte freudig. „Klar! Deswegen bin ich ja hier!“
      „Ok, dann fangen wir am besten mit den Hengsten an, die warten schon ungeduldig.“
      Ich hatte sechs Hengste gezählt und diese brachten wir nun nach draußen. Wir fingen natürlich mit Oaklands Cloudbreaker an, dann kamen Cylon Blue, in welchen ich mich sofort wegen seiner besonderen Farbe verliebte, Kvest Halsnaes, Chestnut's Bailey, Yorick Halsnaes und zum Schluss Fajir El Assuad.
      Jeder von ihnen hatte etwas ganz besonderes an sich und es machte mir sichtlich Spaß, sie alle endlich mit all ihren Macken kennenzulernen. Die Hengste erfreuten sich, trotz des Dauerregens, an ihrer Freiheit und es war ein Genuss dabei zuzusehen, wie sie über die schlammige Erde galoppierten.
      Die Stuten, welche alle viel geduldiger gewartet hatten, mussten natürlich auch noch aus ihren Boxen auf die Weiden.
      Wir fingen hier mit Annakiya an, Oaks Tochter, welche ich zur Koppel bringen durfte. Dann folgten die restlichen Stuten: Osita, Laheeb al Amara, Soul Dance und My Lovely Horror Kid. Lea schien erstaunt, wie schnell wir alle auf ihren Weiden hatten und ich freute mich, hier aushelfen zu können.
      Als nächstes stand, wie wohl jeden Tag, das ausmisten auf dem Plan. Lea zeigte mir schnell die wichtigsten Dinge und die nächste Zeit verbrachten wir damit, in den geräumigen Boxen zu stehen und die Hinterlassenschaften der nach draußen zu befördern.
      Stetig prasselte der Regen immer noch auf das Dach und gab der Arbeit einen kaum merklichen Rhythmus. Als alle Boxen sauber waren, lud mich Lea ein, einen Tee mit ihnen zu trinken und natürlich stimmte ich freudig zu. Obwohl es nicht allzu kalt war, konnte ich eine Erwärmung echt gebrauchen. Die Pause tat echt gut und nachdem wir uns ordentlich erwärmt hatten, ging ich wieder mit Lea nach draußen.
      „Was steht nun an?“, fragte ich sie interessiert.
      „Ich hatte vor, etwas mit Cylon Blue in die Halle zu gehen. Vielleicht möchtest du uns ja dabei zu schauen?“
      „Gerne! Das klingt gut.“
      Zusammen holten wir den Hengst wieder von der Koppel, putzten und sattelten ihn anschließend. Dann führte Lea ihn in die Halle und ich ließ mich, eingehüllt in eine wollige Decke, am Rand nieder und schaute zu, wie die Frau mit viel Gefühl den Hengst durch die Gangarten führte. Es sah fantastisch aus uns fast hatte ich die Kälte schon aus meinen Gliedern verdrängt, als sie nach etwa einer Stunde Arbeit von dem Rücken des Hengstes abstieg.
      Schwerfällig stand ich von meinem Platz auf und folgte ihr in den Stall, wo wir zusammen den Hengst absattelten und überputzten, bevor wir ihn wieder in seine Box stellten. Mittlerweile war es später Nachmittag und somit auch schon dämmrig draußen, als wir auch die anderen Pferde wieder von ihren Weiden einsammelten und zurück in ihre Boxen brachten. Zusammen mit Lea bereitete ich für sie das Futter zu und verteilte es dann unter den wartenden Pferden. Die ursprüngliche Farbe vieler der Pferde war unter der dicken Schlammschicht kaum noch zu erkennen, was mir einige Mühe bereitete, allen das richtige Futter zu geben. Bei Oak war es nicht schwer. Der hübsche Hengst sah fast noch perfekt sauber aus, wo ich mich fragte, wie so etwas ging, da draußen das Wetter nicht gerade dazu einlud, sauber zu bleiben.
      Nachdem alle Pferde versorgt waren, verzogen wir uns wieder nach drinnen, wo wir den Abend gemütlich zusammen vor dem Fernseher verbrachten und lustige Geschichten austauschten. Ich kam erst recht spät in Bett, was nicht gerade gut war, in Anbetracht dessen, dass mein Flug schon in früher Frühe zurück nach Hause ging.
      Mein Wecker schmiss mich noch lange vor dem hell werden aus meinem gemütlichen Gästebett und wohl oder übel musste ich wohl aufstehen und mich anziehen, bevor ich mir ein Taxi rief, welches mich zurück zum Bahnhof bringen würde. Ich verabschiedete mich von Lea und bedankte mich herzlich dafür, dass sie mich aufgenommen und liebevoll umsorgt hatte. Dann stieg ich, mit meinem Rucksack beladen, in ein weiteres schwarzes Taxi und fuhr Richtung Flughafen.
      (c) Canyon

      Alltag

      "Guten Morgen zusammen!", pfiff ich in die Stallgasse. Einige Pferde hörte auf am Stroh zu knabbern und blickten mir über der Tür entgegen. Ich streichelte einige Nasen und ging sofort in die Futterkammer, bevor die Meute noch laut wurde. Jedes Pferd hatte seinen Eimer, in dem ich am Abend das Morgenfutter vorbereitet hatte. In Windeseile kippte ich jedem Pferd seinen Eimer in die Futterkrippe und trank meinen Kaffee zu Ende, während ich im Stall stand und den Kaugeräuschen lauschte.
      Ich ging zurück ins Haus und erledigte einige Hausarbeiten die anfielen. Nach einer Stunde zog es mich wieder zurück in den Stall. Es hatte angefangen zu schneien! 'Vielleicht sollte ich langsam mal weihnachtlich dekorieren', überlegte ich. Seitdem ich mich von Ben getrennt hatte, war alles sehr trostlos. Ich beschloss den Jungs eine kleine Freunde zu machen und führte nacheinander Yorick Halsnaes, Kvest Halsnaes, Cylon Blue, Dreaming of Revenge, Chestnut's Bailey und Oaklands Cloudbreaker auf den großen Springplatz. Ich hatte so großes Glück, dass sich meine Jungs zusammen so gut verstanden, selten kam es schwere Zankereien. Etwa zehn Minuten schaute ich der Gruppe beim Toben durch den immer stärker einsetzenden Schneefall, es war so schön anzusehen! Zurück im Stall mistete ich die Boxen, das wärmte auf und stimmte mich in so gute Stimmung, dass ich anfing Melodien zu summen. Anschließend kamen alle in ihren Gruppen auf den Paddock, es schneite immer noch und der Hof war bereits weiß.
      Eigentlich wollte ich heute reiten, doch angesichts des Wetters beschloss ich, meine Mädels ebenfalls nur laufen zu lassen. Und so kamen Soul Dance, My sweet little Secret, Motte, Laheeb al Amara, Annakiya und Osita auch auf den Platz und tobten wild durcheinander auf dem verschneiten Sand. Die Pferde machten auch hier keinen Unterschied zwischen klein oder groß, ich hatte einfach tolle Pferde. Leider musste ich mich wegen zeitlicher Gründe bald von einigen Trennen, eine zweite Hand fehlte dringend am Hof und ich kann alleine einiger Ziele nicht mehr umsetzen. Ich mistete die Boxen der Stuten und brachte sie dann auch raus auf die Weiden. Nachdem ich das Futter für den Abend gerichtet hatte, ging es zurück an den warmen Kamin; die Zukunft musste geplant werden.

      Ab in den Urlaub!

      "Morgen gehts los!", rief ich freudig ins Telefon. Meine Freundin erzählte mir nun schon zum dritten Mal, wie neidisch sie auf meine Tour ist. Ich legte auf und machte mich bis Juli das letzte Mal auf den Weg in den Stall.

      In der Futterkammer kontrollierte ich die Futterlisten für meine Abwesenheit und mischte das Abendfutter. Wie sehr ich meine Tiere doch trotzdem vermissen werde!
      Da ich daheim noch mit Packen beschäftigt war, wollte ich alle in Gruppen laufen lassen. Ich begann mit der Stutengruppe. Von der Koppel holte ich Osita, Soul Dance, Annakiya und My sweet little Secret. In der Halle konnten sich alle austoben, Osita und Soul Dance tobten wie immer wild umher. Ich schaute gerne zu, ließ die Gruppe jedoch alleine in der Halle und machte ihre Boxen fertig. Danach durfte alle in den Stall zurück.
      Als nächstes kamen die beiden Fohlen Motte und Dreaming of Revenge an die Reihe. Die zwei Jungspunde verstanden sich gut und teilten sich auch einen Paddock zusammen. Die beiden ließ ich jedoch nicht alleine in der Halle sondern spielte etwas mit. Danach schauten sie mir aufmerksam zu, wie ich ihr Zuhause wieder schön sauber machte.
      Danach kam die erste Hengstgruppe an die Reihe. Chestnut's Bayile, Oaklands Cloudbreaker, Yorick Halsnaes und Kvets Halsnaes. Die vier Männer konnte man alleine lassen und so durften sie sich austoben und ich konnte mit der Stallarbeit weiter machen.
      Zum Schluss war die zweite Hengstgruppe an der Reihe. Meine Urlaubsvertretung hatte bereits die restlichen Pferde reingeholt und so holte ich Cylon Blue, Ezio Auditore da Firenze und I'm an Albatraoz dran. Nachdem auch deren Boxen gesäubert waren und alle wieder im Stall standen; verteilte ich unter grummelnden Pferden das Abendheu sowie individuelles Zusatzfutter. Ich ließ mir viel Zeit und steckte jedem Pferd noch einen Apfel oder eine Karotte zu und knuddelte jedes Einzelne.
      Bis bald!

      Kurzer Besuch

      Die Zeit rennt. Die Jahre gehen vorbei - es ist einfach verrückt. Ich wurde älter und mein Leben veränderte sich einfach. Genauso veränderten sich auch meine Pferde. Ich hatte heute mal wieder kaum Zeit, also entschied ich mich, alle laufen zu lassen.
      Zuerst begann ich mit der Jungsgruppe. Kvest Halsnaes, I'm an Albatraoz, Cylon Blue, Ezio Auditore da Firenze, Oaklands Cloudbreaker, Chestnut's Bailey und Yorick Halsnaes. Ich schaute allen einige Minuten beim Toben zu, ehe ich mich um den Stall und ums Misten kümmerte.
      Die Mädelsgruppe bestand nur noch aus Osita, Motte und tc Annakiya. Auch die drei ließ ich eine Stunde lang frei in die Halle und kümmerte mich um Box und Paddock.
      Nachdem alle Pferde wieder in ihren Boxen standen und frisches Heu malmten richtete ich noch das Abendfutter, eine Freundin würde die Abendfütterung heute Abend übernehmen.
      Bevor ich wieder ins Haus ging, bekam noch jeder persönlich eine Möhre von mir. Ich musste weiterlernen - so Leid es mir auch tat. Die Zeit würde bald besser werden!

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 04. Januar 2017 | 15647 Zeichen

      Neubau für die Anwärter des Gestüts
      Uranium Fever | Occani | tc Annakiya | Orchidee´s Nikita | Take a Bow | Chocolate Chip Cookie | CM´s Meilenstein | Valentine´s Candy Fireflies | Al Aasiyah ox | Aquentino | Caja | Checkpoint | Reykja | Solsikke | Taciturn | Webster

      Hauptstall der Zucht
      Cadoc´s Rohdiamant | Amber | EBS Mon Amie | Heros | Medivh | Dante | Fleming | Zarin

      Fohlenweide auf der Lichtung
      SPN Harvey | Thor | Scamander | Painted Minimalistic Art | Elfenlied | Lillifee | Capona | Aufgepasst, hier kommt Arcada | Symphonie de la Bryére

      Gnadenweide
      Efeumond | Oline

      "Hallo Cleo"

      „Du hast was?“ Dave starrte erst mich an und dann auf die Papiere, die ich ihm unter die Nase hielt. „Viel Spaß mit ihr.“ „Luisa, ich…“ „Gern geschehen!“ Ich lachte und ließ ihn gar nicht mehr zu Wort kommen. Unser Verhältnis zueinander hatte sich nach seiner Rückkehr zwar etwas abgekühlt, weil Dave zu mir wieder etwas auf Distanz ging. Aber es war deutlich besser als vor dem Unfall, wir hatten uns seitdem kein einziges Mal mehr gestritten. Ich stand im Büro und ging nachdenklich ein paar Briefe durch, während Dave in der Tür stand und auf die Papiere in seiner Hand starrte. Er lehnte sich mit seiner gesunden Schulter leicht an den Türrahmen und runzelte die Stirn. Von meinem Platz aus sah ich ihm heimlich dabei zu und konnte den Blick kaum abwenden. Was er da studierte war der Kaufvertrag und die Eintragungen, sowie Tierarztbescheinigungen von Uranium Fever. Die Stute war meiner Meinung nach eine unserer besten Errungenschaften in diesem Jahr, die auch ein stolzes Sümmchen gekostet hatte. Aber da sich Dave langsam vom aktiven Reitsport zurückziehen wollte und mehr und mehr Interesse an einer Sportzuchtlinie entwickelte, hatte ich zugeschlagen. Ich wollte ihn unterstützen, wo ich nur konnte. Nach dem Unfall, als er zurück auf den Hof kam, hatte sich eine ganze Weile eine leichte Depression bei Dave eingestellt. Er kämpfte verbittert in der Physiotherapie, hielt sich an die Ratschläge, übte fleißig und brachte sich in das Hofleben ein, wo er nur konnte. Doch obwohl er Tom und mir so viel Arbeit abnahm, irgendwann war auch die erschöpft, während wir anderen mit dem Training der Pferde, dem Misten und den restlichen Arbeiten auf dem Hof schier absoffen. Dave fühlte sich also nach drei Wochen zurück auf Naundorf nutzlos. Er ließ sich dann die ersten Oktoberwochen hängen. Seine Arbeit erledigte er natürlich immer noch und auch zur Physiotherapie ging er regelmäßig, doch jeder von uns sah ihm an, dass es ihm nicht gut ging. Seine Haare wurden immer länger und er ließ sich immer öfter einen Drei-Tage-Bart wachsen. Von mir ließ er sich in dieser Zeit nur bedingt helfen, so richtig ließ er mich nicht an sich heran. Bis Tom die brillante Idee hatte, eine eigene Zuchtlinie aufzubauen.

      Dave und ich saßen an einem Novemberabend zusammen im Büro, während ich das Hoftagebuch für den Tag ausfüllte, als Tom zu uns ins Zimmer kam. Er hatte das Auktionsheft dabei und warf es Dave zu. Dann eröffnete er uns seine Idee, wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und unterhielten uns. Ich war glücklich zu sehen, dass diese neue Veränderung Dave wieder ein Leuchten in die Augen zauberte. Er blieb an dem Abend zwar sehr rational und blätterte scheinbar uninteressiert das Heft durch, aber schon am nächsten Tag zeigte er mir eine Stute und fragte, was ich von ihr halten würde. „Die hat keine belegte Abstammung, ist wohl eine gefundene Stute. Aber scheint in Topform zu sein. Als Basis wäre sie vom Exterieur ja genau das, was du und Tom suchen würdet. Aber sie hat damit auch einen sauberen Startpreis“ Er diskutierte noch eine Weile mit mir das für und wider, als er sich dann aufrappelte und an die Büroarbeit machen wollte. Im Flur blieb er am Spiegel stehen und sah sich einen Moment erschrocken an. „Wie seh ich denn aus?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen und musste lachen. „Ich fahr später zum Friseur.“ Damit war er aus dem Haupthaus. Ich zog das Heft an mich heran, wählte die Nummer und hatte den Besitzer an der Leitung. Ich sollte an dem Tag das Höchstgebot abgeben und die Stute zwei Tage später unser Eigen nennen.

      Und nicht nur Uranium Fever zog mit zu uns auf den Hof. Anfang Dezember erhielten wir einen Anruf, nachdem ausgerechnet Cadoc´s Rohdiamant aus einer nachlässigen Haltung gerettet wurde. Also fuhren Willi und Tom am selben Tag zu dem einen Hof, an dem Dave und ich Fever holten. Allgemein hatten wir jetzt viele neue Pferde auf Naundorf. Kurz bevor Dave mit Medivh im Sommer gestürzt war, hatte er Chocolate Chip Cookie zu uns geholt. Das Sportpony mit seiner hübschen Färbung wurde jetzt von Leo übernommen und ausgebildet, der mit Candy Fireflies weiterhin unfassbar viele Schleifen und Erfolge sammelte. Die Beiden waren zu einem unglaublich guten Team geworden. Zum Einkreuzen von Vollblut wollten wir uns neben Aasiyah noch eine zweite Vollblutstute holen. Wir hatten jetzt nur noch Interesse an Stuten, da wir mit unseren Hengsten Fleming, Dante, Checkpoint, Aquentino, Webster und Heros genügend Starter hatten, um unseren Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch unsere Newcomer wie Painted und Scamander würden auf dem Hof bleiben. Wir überlegten auch, Efeumond zurück auf den Zuchtplan zu holen, um einen Engländer mit einfließen zu lassen. Jedenfalls freuten wir uns, als wir eine zweite Chance erhielten und Anfang Dezember auch Annakiya nach Naundorf holten. Die hübsche Scheckstute war ein wahrer Traum und zeigte sich mit ihrem liebevollen Wesen und ihrem ansprechenden Exterieur von ihrer besten Seite. Mia war ganz hingerissen, die sich um unsere Araber und Vollblüter kümmerte. Tom bildete weiter Reykja und Webster aus, die diese Saison so ihre Probleme mit Erfolgen hatten. Wir konnten uns das nur mit einer sehr starken Konkurrenz in der Dressur erklären, die uns aber nicht daran hinderte, stehts weiter zu machen und weiter auszubilden. Denn die Bestätigung in unseren Leistungen erhielten wir durch die Rückmeldung unserer Kunden und durch den Durchbruch im Springreitsport. Dort hatten wir uns 2017 einen Namen gemacht. Vor den Boxen hingen teilweise so viele Schleifen, dass wir kaum mehr zählen konnten. Vor allem an der von Medivh. Der Hengst hatte in den letzten Tagen seiner Genesung Anzeichen fürs Weben gezeigt. Auch er war wohl vor einer Depression nicht gefeit. Da Dave noch immer in Behandlung war und noch bis ins Frühjahr „Reitverbot“ hatte, übernahm ich Medivhs Beritt. Ich hatte mit einer Freundin lange Telefonate geführt, deren Friesenhengst vor vielen Jahren wegen einer Krankheit erblindet war. Mir ihrer Hilfe drang ich recht schnell zu Medivh durch. Erst vom Boden, dann aus dem Sattel gab ich ihm nach und nach sein Selbstwertgefühl und seinen Mut zurück. Er vertraute darauf, dass er mit seinen Sinnen die einseitige Blindheit ausgleichen konnte und ihm nichts geschah. Er war dennoch etwas schreckhafter seitdem und brauchte viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ab dem Moment, als er seit dem Unfall das erste Mal wieder unter dem Sattel ging, stellten sich die Anzeichen des Webens sofort ein. Dave fiel ein Stein vom Herzen.

      In all dem Trubel, brachte Amber still und leise etwas früher als erwartet ihr erstes Fohlen zur Welt. Es war das schönste Zeichen für uns alle, dass es jetzt wieder bergauf ging. Leo hatte den dunklen Hengst, den wir später mit unserem Kürzel SPN Harvey nennen sollten, entdeckt. Er kam in die Küche gelaufen, hechelte und grinste übers ganze Gesicht. „Amber hat gefohlt, es steht grad!“ Dave und ich sahen uns erschrocken an, dann sprangen wir alle auf und liefen hinüber. Willi kam auf dem Weg dorthin auf uns zu. „Wasn hier für ne Hektik?“

      „Oh ist der niedlich!“ flüsterte Mia, die rechts neben mir stand. Links von mir Dave, der lächelnd die halbe Portion in der Box betrachtete. Amber schleckte ihn immer noch sauber, während Tom vorsichtig auf Amber zuging und sie kurz durchcheckte. „Wir sollten später noch einen Tierarzt holen lassen. Aber es sieht alles gut aus.“ „Auch im Abfohlen ist sie ein Naturtalent. Hast du schon nen Namen Dave?“ fragte Leo. Zusammen liefen wir zurück zum Frühstücken, bevor sich Dave um den Tierarzt für Amber und Harvey kümmerte und der Rest von uns den Stalldienst verrichtete. Dabei hatte ich mich an dem Morgen endlich mal wieder für die Fohlen eingetragen. Ich bekam von den Kleinen viel zu wenig mit und sie wuchsen auch viel zu schnell. Scamander hatte schon seine erste Fohlenschauschleife an der Box hängen, Thor war mittlerweile auch zu einem Riesen geworden, Symphonie und Arcada waren mittlerweile auch keine Babys mehr. Die hübschen Stuten würden ebenfalls auf dem Hof bleiben und bald in ihre Grundausbildung starten. Ebenso wie Lillifee, Elfenlied und Capona. Ihr streichelte alle gefühlt stundenlang, putzte ihr Fell, mistete ihre großen Gemeinschaftsboxen und ging die Weiden ab. Es hatte die Tage immer mal wieder geschneit, aber wirklich lange liegen geblieben ist davon nichts. Wir hatten diesen Winter noch nicht wirklich Probleme mit eingefrorenen Wasserleitungen oder Eisschollen auf den Weiden zu tun.

      Als ich bei den Fohlen fertig war, holte ich mir Meilenstein. Die schwarze Stute machte gute Fortschritte bei ihrer Ausbildung. Ich longierte sie am frühen Nachmittag, als Dave wieder aus dem Haupthaus kam. Er hatte einen ziemlich geknickten Gesichtsausdruck. Ich gab Meilenstein ein kurzes Kommando, auf dem sie zu mir herkam, dann liefen wir gemeinsam zum Zaun, an dem Dave jetzt stand und lehnte. „Was ist los?“ „Die Stute, von der ich dir erzählt habe, erinnerst du dich?“ „Ja. Wieso?“ „Sie wurde am selben Tag verkauft. Ich hätte nicht warten sollen.“ „Ach Dave, dann hat es nicht sein sollen.“ Ich war froh, dass er mich in dem Moment nicht ansah, weil ich mich sonst verraten hätte. Willi, Tom und Mia wussten Bescheid, Leo weihten wir noch nicht ein, weil er sich gerne mal verplapperte. Wir sollten sie am nächsten Tag abholen und ich ihm die Papiere in die Hand drücken. „Danke Luisa.“ Dave kam plötzlich auf mich zu und umarmte mich. Als er mich losließ, sahen wir uns kurz in die Augen. Es war eine spontane Umarmung, die so gar nicht zu Dave passte. Er war zwar immer gern auf „Kuschelkurs“, wie es Mia gern nannte, aber eine Umarmung hatte er sich mir gegenüber noch nie getraut. Ich löste das Ganze, indem ich lachte und ihn fragte, was er sich zum Mittagessen überlegt hätte. Er grinste, aber er war dankbar für die Vorlage.

      Mitte Dezember hatten wir endlich wieder Luft für einen gemeinsamen Ausritt. Normalerweise machten wir das immer an einem Sonntagvormittag nach dem Stalldienst im Monat, aber wir hatten einfach zu viel zu tun. Leo ritt auf seiner Solsikke, die sich immer besser mit ihm machte. Tom hatte sich Zarin genommen, Mia auf Mon Amie und ich auf Fleming. Die beiden Hengste waren trotz ihres Deckeinsatzes sehr umgänglich und ließen sich gut führen. Fleming war unter mir sowieso ein kleines Schäfchen. Dave lag in der Woche nach Leo flach. Willi ritt sowieso nicht mit und da er auf dem Hof blieb, hustete Dave so lange, dass wir Spaß haben sollten, bis wir alle aufbrachen. Er fehlte trotzdem, obwohl ihn Leo nacheiferte. „Bis zur Tanne!“ rief er, da stob Tom mit Zarin schon an ihm vorbei. Ich hatte lange nicht mehr über so einen verdutzten Blick gelacht. Als wir zurückkamen, trabte Take a Box einmal quer über den Hof. Dann Willi direkt hinterher. Tom schnitt ihm mit Zarin gleich den Weg ab und packte sich den Hengst. Wir anderen mussten nochmal herzlich lachen. Er hatte sich gerade um Taciturn und den wilden Ausreißer gekümmert. „Wie geht’s Dave?“ „Der hat sich vorhin hingelegt.“ meinte Willi, schnaufte schwer und kam dann mit uns zurück zum Stall, Take im Schlepptau.

      Und natürlich feierten wir dann auch Weihnachten. Wir machten ein richtig fettes Raclette, jeder hatte eine Kleinigkeit für jeden und wir stießen zusammen an. Tom und Mia zogen sich im Laufe des Abends dann irgendwann zurück, Willi hatte zu unser aller Überraschung eine geheimnisvolle Verabredung und Leo fuhr hinüber zu seinen Eltern. Dave und ich blieben dann natürlich als Einzige in der Küche zurück. Es war das erste Weihnachten ohne Idefix, der mir in den letzten Tagen so unglaublich fehlte. „Sollen wir nochmal eine Runde über den Hof gehen?“ fragte er und so liefen wir nebeneinander über den dunklen Weg der Weide zu den Fohlenställen. Wir sahen auch noch einmal nach Harvey. Doch die Lücke schloss sich einfach nicht. „Luisa…“ Mir kullerte eine Träne über die Wange, die ich sofort wegwischte. Jetzt kam er gewollt auf mich zu und nahm mich fest in den Arm. „Danke.“ murmelte ich. Gemeinsam gingen wir zurück zum Hof.

      „Luisa!“ Es war Silvester und ich saß gerade im Büro, als Leos Ruf vom Hof schallte. „Ist was passiert?“ rief ich aus dem Fenster. „Schau mal!“ Im selben Moment fuhr Dave in einer kleinen Kutsche um die Ecke. Über die letzten zwei Nächte hat es richtig ordentlich geschneit. Er hatte Occani und Nikita angespannt. „Komm raus aus dem Büro, wir machen ne Spritztour!“ Tom kam im selben Moment hinter mir rein. „Raus mit dir.“ Er lächelte. „Also keine Wahl?“ „Nö“ Ich zog mir meine warme Jacke und die Lammfellstiefel an. Dave grinste übers ganze Gesicht, als ich mich zu ihm setzte und mit der Zunge schnalzte. Die Kleinen hatten ziemlichen Spaß dran, uns hinter sich her zu ziehen und sahen auch echt knuffig aus. „Wo hast du bitte die Welsh-Kutsche her? Sowas hatten wir zu Hochzeiten der Zucht nicht.“ „Ach, hab da ein wenig telefoniert.“ feixte er. „Gehört der dir jetzt?“ „Ja, kann man so sagen. Müssen wir leider öfter fahren jetzt.“ „Was für eine Schande.“ Wir sahen uns an und lachten.

      Mitten auf der Lichtung hinter halb der Rennbahn hielten wir kurz an. „Magst du ne Tasse Tee?“ Dave drehte sich um und deckte die Ablage ab. Darunter kam ein kleiner Korb mit einer Thermoskanne und einer Schachtel meiner Lieblingskekse zum Vorschein. „Oh, was für ein Luxus! Jetzt mal ehrlich, was hast du ausgefressen.“ Ich lachte, weil er mich verdutzt ansah. „Du kennst mich langsam etwas zu gut, befürchte ich.“ „Kann sein ja.“ Ich grinste immer noch. „Naja, ich dachte, ich räche mich mal für die Aktion mit Uranium Fever.“ „Rächen, ja?“ „Ja, das war echt gemein!“ „Stell dir vor, du hättest es viel eher erfahren und wärst viel länger geknickt gewesen, war ja nur ein Tag.“ „Trotzdem, ihr wusstet alle Bescheid!“ „Na dann… Jetzt bin ich gespannt.“ Da tauchte hinter uns plötzlich ein schwarzer Geländewagen auf und hielt mit einigen Metern Abstand. Eine Frau stieg aus, die ich von irgendwoher kannte, aber mir fiel nicht sofort ein, woher. „Warte hier.“ Er drückte mir die Zügel in die Hand und lief auf die Frau zu. In mir machte sich ein komisches Gefühl breit. Die Frau lief hinter den Wagen und holte etwas aus dem Wagen. Sie drückte das Packet in Decken gewickelt in Daves Arme, schloss die Klappe und verabschiedete sich wieder. Langsam ging Dave auf mich zu und erst nur noch einige Meter von mir entfernt begriff ich, was er da trug. Ein hübscher, hellbrauner Hundekopf sah aus der Decke heraus und da legte mir Dave die Jack Russel Hündin schon in den Schoß. Die sah erst Dave an, dann mich und versuchte mir das Gesicht abzuschlecken. „Ihh, lass das doch, du Süße! Hi! Wer bist du denn?“ Ich sah Dave verwirrt an, der sich jetzt wieder neben mich gesetzt hatte. „Ihr Name ist Cleo. Eigentlich müsste sie einen mit „I“ tragen, wie ihre Mama… Ida.“ „Verarsch mich.“ „Nein, ist so.“ Ida war im letzten Wurf von Idefix Welpen die einzige Tochter. Sie hatte ihrem Papa sehr ähnlich gesehen. Nach seinem Tod musste ich immer wieder an sie denken und hatte es sehr bereut, keinen seiner ganzen Welpen für mich behalten zu haben. Jetzt erkannte ich auch im Nachhinein die Frau, sie hatte Ida damals gekauft. „Oh Dave…“ Ich streichelte Cleos Fell und wischte mir die Freudentränen aus den Augen. Die Kleine war herzzerreißend niedlich. „Dankeschön.“ flüsterte ich und sah ihn an. „Damit du 2018 wieder mehr lächelst. Ich hab gemerkt, wie sehr dir Idefix fehlte an Weihnachten. Cleo ist kein Ersatz, das weiß ich, aber…“ Weiter kam er nicht. Ich hatte mich zu ihm rüber gelehnt und ihn auf die Backe geküsst. „Danke, wirklich.“ Er wurde rot, sah mich direkt an – und küsste mich dann richtig.
    • Cascar
      Alte Berichte II
      [2018 - 2020]

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 02. Juli 2018 | 12894 Zeichen


      Hengstweide
      Take a Bow | Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Checkpoint | Webster | Heros | Medivh | Dante | Fleming | Zarin

      Stutenweide
      Amber | EBS Mon Amie | Uranium Fever | Occani | tc Annakiya | Orchidee´s Nikita | CM´s Meilenstein | Al Aasiyah ox | Caja | Reykja | Solsikke | Taciturn | Chocolate Chip Cookie | Oline | Forever Yours | Cara Mia

      Fohlenweide
      SPN Harvey | Thor | Scamander | Painted Minimalistic Art | Elfenlied | Lillifee | Capona | Aufgepasst, hier kommt Arcada | Symphonie de la Bryére | Efeumond


      "Morgendliche Stoppelfelder"

      Vermutlich hörte man schon von Weitem das Donnern der Hufe auf dem trockenen Feldboden. Es war in den frühen Morgenstunden, als wir unsere Pferde fertig machten und direkt nach dem ersten Füttern in den Wald aufbrachen. Morgens war es noch kühl, was man vom Rest des Tages nicht behaupten konnte. Leo hatte einen richtigen Sonnenbrand beim Heumachen davongetragen und auch Dave und ich waren deutlich dunkler geworden die letzten Wochen. Dafür war er jetzt fast schon hellblond und machte damit Mia ziemlich Konkurrenz.
      Wir hatten uns die letzten Monate ganz schön abgerackert. Der Hof wurde ja teilweise immer noch umgebaut und saniert, Dave und ich sind in meine Wohnung zusammen gezogen und Leo hatte die größere Zwei-Zimmer Wohnung von ihm übernommen. Dort war also auch einiges neu gemacht worden, Wände wurden gestrichen, Koppelzäune erneuert, Wege neu gezogen und der Eingangsbereich des SPN neu bepflanzt. Überall gab es neue Baustellen. Und dann natürlich die verdammte Heuernte. Wir hatten immer noch niemanden neu einstellen können und waren wirklich unterbesetzt. Aber irgendwie hatten wir es auch dieses Mal wieder geschafft. Im Zuge dessen haben wir aber nach langem Überlegen die Betreuung der Fahrturniere abgegeben. Dave war etwas weh zumute, denn es war ja auch seine absolute Leidenschaft neben dem Militaryreiten. Letzteres traute er sich auch nach fast einem Jahr nach dem Unfall nicht wieder so wie früher. Doch er ging in den neuen Aufgaben total auf. Und auch die Beziehung zu mir gab ihm den Halt, den er gebraucht hatte. Er war endlich in einem Zuhause angekommen.
      Tom hatte erst mich und dann Dave lachend umarmt, als wir im Januar von unserem Schlittenausflug zurückkamen. Er hatte als Einziger natürlich vorher von Cleo gewusst, Dave hatte ihn um Rat gefragt und Tom für ihn den Kontakt mit der Züchterin hergestellt. Und dass wir uns gegenseitig heimlich lieben war durch unsere offenen Zankereien sowieso kein Geheimnis mehr. Leo klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und zwinkerte mir ganz frech zu, was auf dem Hof plötzlich zu einer Schneeballschlacht führte. Die letzten Anspannungen, die noch aus dem Horror im Sommer 2017 übrig waren, waren auf einmal wie weggeblasen. Ich war seit diesem Tag so sorglos wie schon lange nicht mehr.
      Und so hatten wir die Kraft, alles anzupacken, was wir uns für dieses Jahr bis hierhin vorgenommen hatten. Wir zogen alle so gut an einem Strang, dass wir sogar mit unserem Trainingsprogramm allein schwarze Zahlen schrieben und auch unser Zuchtprogramm als zweites Standbein weiter ausbauen konnten. Wir strukturierten unsere Organisation der Pferdepflege um und fingen langsam damit an, die Fohlen aus den letzten Jahrgängen auszubilden. Scamander und Painted Minimalistic Art sollten später als Springpferde Karriere machen bzw. dort ihre Hauptspezialisierung besitzen. Deswegen wurden diese beiden speziell mir zugewiesen. Außer leichter Bodenarbeit und einigen Tricks, sowie den allerersten Standartdingen wie Halftern, Putzen, Hufe geben und auf den Hänger gehen wurde aber noch nichts gemacht. Ich merkte bei beiden schnell, dass sie sehr spritzig und eifrig waren, manchmal aber natürlich auch noch etwas ungehalten. Es würde viel Arbeit werden, aber wir hatten hier zwei tolle Fohlen mit gutem Stammbaum. Tom, Mia und Dave hatten ebenfalls jeweils zwei Fohlen in die Ausbildung übernommen. Tom würde sich um Symphonie de la Bryére und Capona kümmern. Die hübschen Mädels würden dann natürlich weiter im Dressursport gehen. Und dafür war Tom unser erster Mann. Dave durfte sich natürlich um sein Amberfohlen Harvey kümmern. Was wir mit ihm machen würden, wussten wir eigentlich noch nicht genau. Er war noch so klein und verspielt, dass dafür noch genügend Zeit blieb. Bis dahin hatte Dave auch die Chance, sich weiter zu erholen, denn ich hoffte doch, dass er in Daves Spezialgebiet des Military oder je nach Körperbau in die Distanz gehen könnte. Da Harvey noch so klein war und erst nur das Halftern lernte, bekam Dave zusätzlich Thor an die Hand. Der war mittlerweile zu einem stattlichen Jugendlichen herangewachsen und machte ordentlich Eindruck, auch wenn er noch sehr schlaksig war für einen Friesenmix. Doch sein Wesen war des eines liebevollen, friedlichen Kuschelbärs. Er hatte schon auch seine fünf Minuten, doch er schien anscheinend zu merken, dass Dave aus Reflex seine Schulter noch immer wegdrehte oder nicht ganz belastete, obwohl der Physiotherapeut die Behandlung schon vor drei Monaten erfolgreich abgeschlossen hatte. Jetzt war Thor eben sein neuer Therapeut. Der schwarze Hengst mit den blauen Augen lernte schnell und verdiente sich damit eine Karotte oder Apfelschnitze nach der anderen und forderte seinen Ausbilder so, dass der irgendwann gar nicht mehr an die Auswirkungen des Unfalls dachte. Eines Abends kam er pfeifend in unsere Wohnung, drückte mir grinsend einen Kuss auf die Stirn und zog sich ohne jede Mühe das T-Shirt über den Kopf, um dann weiter pfeifend unter der Dusche zu verschwinden. Ich kann nicht sagen, was mich in dem Moment mehr umhaute – der Anblick an sich oder die Tatsache, dass es jetzt alles gut war.
      Und weil alles gut war, alles so wunderbar lief und es uns so gut ging wie noch nie auf dem SPZ Naundorf, jagten wir jetzt mit einem Affenzahn über das frisch abgemähte Weizenfeld am nördlichen Waldrand. Dave saß auf Heros, der ein absolutes Verlasspferd im Gelände war, dicht gefolgt von Leo auf seinem Fireflies, der noch dieses Jahr zur Körung gemeldet werden würde. Mia hatte sich ihren Checkpoint ausgesucht, da wir ohne große Reibereien nur mit Hengsten reiten wollten. Tom nahm sich Webster, dem etwas Geländeerfahrung nicht schaden konnte. Der Erfolgshengst unseres Zentrums in Sachen Dressur hatte schon einige Schleifen gesammelt und würde wohl auch bald in unser Zuchtprogramm überwechseln. Mia und Tom galoppierten auch über das Feld, allerdings nicht so schnell wie wir anderen drei. Ich klopfte Dante den immer heller werdenden Hals, als wir am unteren Rand des Feldes ankamen. Im Trab ritten wir weiter, bis Tom und Mia aufgeschlossen hatten.
      Die beiden waren natürlich auch noch ein wahnsinnig glückliches Paar und wir saßen oft abends noch nach dem gemeinsamen Abendessen zusammen draußen auf der Veranda. Dort trugen wir wichtige Daten und Ereignisse des Tages zusammen, besprachen bevorstehende Termine und alberten nach getaner Arbeit miteinander herum. Während der Heuernte waren wir aber oft auch so platt, dass es nur dabei blieb, ab und an eine Flasche Rotwein miteinander zu trinken und dem Hof zuzuhören, wie es nach dem Tag langsam ruhiger wurde. Denn Mia hat mit Tom und mir die meisten Pferde zu betreuen. Neben den beiden Fohlen Efeumond und Arcada, waren in ihrer Obhut neben Checkpoint bei den Hengsten vier Stuten: Annakiya, Mon Amie, Al Aasiyah und Caja. Mit Mon Amie arbeitete sie derzeit nicht wirklich, außer einige Dehnarbeiten. Sie war wieder tragend von Dante. Daher lag ihre Aufgabe hauptsächlich auf die Ausbildung der Distanz. Annakiya und Aasiyah vertrugen sich so gut, dass sie abwechselnd auf einer der beiden ritt und die andere angebunden mitführte. So drehte sie um den Hof ihre Runden, wenn sie alleine unterwegs war, alternativ kam ich mit Aquentino mit. Dieser, sowie meine Hengste Fleming und Dante, die Stuten Cara Mia und Amber und die beiden Fohlen Scamander und Painted waren meiner Betreuung zugefallen. Daher hatten wir nach dem Stalldienst am Vormittag bis zum Mittagessen, bei dem wir uns alle abwechselten, immer genug zu tun. Wir hatten uns auch die freien Tage, die jedes Pferd hatte, auch so eingeteilt, dass Mia und ich dann gegebenenfalls anfallende Arbeiten im Haupthaus oder ähnliches zusammen machen können oder unsere Trainigseinheiten eben aufeinander abgestimmt waren. Tom und Dave fanden das gut und holten Willi und Leo mit ins Boot. Willi kümmerte sich um die Kurzen auf dem Hof und hatte daher bei den Fohlen die kleine Lillifee, den charmanten aber manchmal etwas eigensinnigen Take a Bow und die drei Süßen Nikita, Occani und Taciturn übernommen. Letztere war neben Lillifee als Welshfohlen die Kleinste auf dem Hof und unsere Herzensdame. Neben Cleo, die gerne mit ihr auf der Weide spielte, war sie sozusagen unser „Maskottchen“. Unsere Besucher liebten sie und regelmäßig wurde sie mit Leckerchen und Streicheleinheiten überhäuft. Mittlerweile war sie ja auch schon 17 Jahre und wurde zu allen anderen Pferden auf dem Hof wenn nur spazieren geführt. Auf die Gnadenweide wollten wir sie aber noch nicht stellen, da der Ausbau für die Kleineren noch nicht fertig war und wir sie doch gerne im Stutenstall sahen, wie sie neugierig den süßen Kopf gerade so über die Tür streckte.
      Hier standen natürlich auch noch die Stuten, die Tom und Leo betreuten. Neben seiner Solsikke, die neben Fireflies Leos absolute Turnierpferdchen geworden waren, kümmerte sich Leo auch noch um die hübsche Lewitzerstute Chocolate Chip Cookie, sowie um die Dänin Oline. Er hatte an diesen ebenfalls einen besonderen Narren gefressen und arbeitete regelmäßig und fleißig mit ihnen. Cookie war etwas spritziger als Oline, aber genau das hatte meiner Meinung nach nur Vorteile für Leo. Er sollte mit verschiedenen Charakteren arbeiten und sich nicht zu sehr auf eine Verhaltensart spezialisieren. Neben den erwachsenen Stuten hatte er deshalb auch Elfenlied als Fohlen bekommen. Wir unterstützen ihn dabei natürlich, bis jetzt macht er seine Sache wirklich sehr sehr gut. Neben den bereits genannten betreut Tom mit insgesamt sieben Pferden zusätzlich im Stutenstall Forever Yours, Meilenstein und seine Reykja. Erstere haben wir lange nicht so gefordert, da wir sie ja aus schlechter Haltung übernommen haben. Sie soll höchstens noch zwei Fohlen tragen, bevor wir sie wohl doch auf die Gnadenweide entlassen. Dagegen machen Meilenstein und Reykja von Tag zu Tag weiter Fortschritte. Meilenstein wird mittlerweile geritten, Anfangs saßen hauptsächlich Mia, Leo und ich auf ihr, da wir vom Gewicht her etwas leichter sind als Tom. Doch mit dem richtigen Training konnte sich Meilenstein bald so gut ausbalancieren, dass sich Tom mittlerweile von unten in den Sattel ziehen kann und sie sauber unter ihm austritt. Reykja ist parallel dazu mit Webster unser Dressurass geworden. Ich liebe es, Tom und ihr in der Halle zuzusehen. Er hat dafür einfach das richtige Gespür und gibt uns allen immer noch Korrekturunterricht oder reitet unsere anderen Pferde zur Kontrolle regelmäßig auf dem Platz. Der Rest von uns will immer nur über Hindernisse oder ins Gelände, worauf ja unser Zentrum hauptsächlich ausgelegt ist, aber die Dressur ist eben die Basis und darauf achtet Tom zum Glück.
      So hat er auch Dave unterstützt, der mit der Arbeit mit Thor und Zarin langsam auch wieder vermehrt Zugang zu Medivh bekam. Bei beiden waren die körperlichen Wunden verhältnismäßig schnell verheilt, aber was blieb ist, dass die beiden jetzt nicht mehr genau wussten, auf was sie ausweichen sollen. Military würde vermutlich nie wieder gehen, obwohl Medivh im Gelände ein erstaunlich gelassenes Verhalten zeigt. Auch vor den Hindernissen hat er an sich keine Angst, aber verweigert doch deutlich häufiger bei den ersten kleinen Versuchen auf dem Sandplatz, wenn er es durch Drehen des Kopfes nicht ganz sieht. Wir haben angefangen uns durch die Turnierwelt zu fragen und auch zwei Fälle gefunden, in denen einseitig blinde Pferde wieder springen. Ein Versuch mit dem Abdecken des blinden Auges durch eine Maske zeigte erste Erfolge. Vielleicht brauchte er einfach die Bestätigung, dass er das jetzt ganz sicher einseitig blind machen wird und deshalb auf seinen Reiter vertrauen muss. Oder aber es ist die Angst, sich erneut zu verletzen. Wir können es uns nicht erklären, aber mit zunehmendem Training fasste Medivh mehr und mehr Vertrauen. Viel über Stimmtraining, Toms Erfahrungsschatz und gute Bodenarbeit hörte Medivh nach einigen Wochen wieder auf zu Weben. Wir entließen ihn auf Anraten von den Besitzern der anderen blinden Pferde voll und ganz in den Herdenverband der Hengste. Anfangs rumpelte er noch ein bis zweimal an andere an, aber irgendwann bemerkte man nichts mehr. Dennoch überlegten wir uns, ihn eher in die Distanz und ins Fahren zu bringen. Dort hatte er mittlerweile auch Erfolge eingeheimst und ging dort genauso auf. Ein weiterer Grund, warum der pfeifende Dave nicht wieder verschwand hinter jemandem, der keine Perspektive mehr für sich sah. Und mit Harvey, sowie der flinken Uranium Fever hatte er zwei weitere Pferde, mit denen er nach meiner Einschätzung das Military eben nicht verlieren würde. Ich denke, das weiß Dave für sich auch und fand mit dem Unfall seinen Frieden.
      So ritten wir also nebeneinander her, alle fünf außer Willi und Cleo, die wie immer den Hof hüteten- ausgelassen, zufrieden, den Sommer genießend. Die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht und die dampfenden Pferde unter uns.

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 02. Dezember 2018 | 9910 Zeichen


      Hengstweide
      Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Webster | Checkpoint | Take a Bow | Joschi | Medivh | Heros | Dante | Zarin | Fleming

      Stutenweide
      Caja | Reykja | CM´s Meilenstein | Uranium Fever | Chocolate Chip Cookie | Solsikke | Occani | Cara Mia | Orchidee´s Nikita | Al Aasiyah ox | tc Annakiya | Taciturn | Tassila | Oline | Forever Yours | EBS Mon Amie | Ambie

      Fohlenweide
      Efeumond | Thor | Lillifee | Painted Minimalistic Art | Symphonie de la Bryére | Aufgepasst, hier kommt Arcada! | Elfenlied | Capona | Scamander | SPN Harvey


      "Glück pur"

      „Luisa! Wir müssen los!“ Daves Stimme schallte durch den Flur und das Treppenhaus hinauf in unsere Wohnung. Er stand unten in der Eingangstüre und blickte zu mir hinauf, als ich eben diese Treppe hinunterstolperte. „Sorry, bin schon fertig.“ Er grinste, während ich in meine Jacke schlüpfte und die Stiefel anzog.

      Der Sommer war so schnell vorbei gegangen, dass ich mich jetzt gefühlt unvorbereitet im Dezember mit nasskaltem Wetter wiederfand. Wir hatten einen superschönen Herbst gehabt, mit vielen bunten Blättern und sonnigen Ausreittagen. Dave und ich hatten uns nach der stressigen Zeit der Heuernten und der Tuniersaison, die außer für Dave und Willi für uns alle noch im vollen Gang war, Zeit für uns genommen. Medivh hatte sich mittlerweile vollständig erholt und wir uns alle an den etwas seltsamen Anblick seines linken, blinden Auges gewöhnt. Er ging jetzt vermehrt in der Dressur und Dave hatte Heros mehr in die Ausbildung des Springens genommen. Aber wir hatten gemeinsam beschlossen, dass er diese Saison noch nicht wieder im Turniersport mitmischen würde. Dave ging jetzt dafür eher in der Aufgabe auf, mich und den Hof bei allem zu unterstützen. Ich war richtig beeindruckt von seinen Ausbilderfähigkeiten, die er bei den Kutschpferden, den Springern und den Militärygängern zeigte. Die Sportpferde unseres Zentrums blühten regelrecht auf und unsere Kunden lobten Dave zufrieden für seine Arbeit. Allgemein bemerkte ich, dass ihm das Leben hier auf Naundorf richtig guttat. Es gab im Frühsommer ein kurzes, unschönes Aufeinandertreffen mit seinem Vater auf einem der Trabrennen, die wir uns in Zusammenhang mit Uranium Fever ansahen. Er hatte sie zur Probe mal vor einen Sulky gespannt und war auf der Sandbahn oben im Wald eine kurze Runde gefahren. Auch an ihr hatte Dave ganze Arbeit geleistet und wir wollten sie daher in der Saison 2019 in ein paar Fahrturnieren laufen lassen. Die hatten wir bereits vor einigen Monaten schon als Organisatoren aufgegeben und erst da gemerkt, wie sehr uns das eigentlich belastet hatte, auch wenn es eine Leidenschaft für uns alle war. Kaum war das vorbei, kam mit der Tatsache, dass Dave jetzt mit mir, Eine der Teilhaber Naundorfs zusammen war, Stunk von Seiten seiner Verwandschaft. Daves Dad war schon immer schwierig gewesen und hatte sich schon früh einen guten Ruf im Fahrsport gemacht. Er war aber auch für sein Cholerisch-Sein bekannt und konnte es sich mit dem zunehmenden Erfolg Naundorfs, das ihm mitunter den ein oder anderen Kunden abgeworben hatte, nicht verkneifen auf Dave zu zielen. Dieser ließ sich das nach außen hin nicht anmerken, aber mir gegenüber gab er zu, dass es ihn immer noch schwer traf, wenn sein Vater ihn als „Nichtsnutz“ und „Schnorrer“ hinstellte. Da konnte auch seine wundervolle Mutter, mit der ich mittlerweile gut befreundet war und regelmäßig Kontakt hatte, nichts ändern. Es führte sogar zu noch mehr Ärgernis, da wir sie natürlich auf Naundorf immer willkommen geheißen hatten – seinen Vater allerdings auf Daves Wunsch nicht. Ich mischte mich da nicht ein, da das Daves Sache war. Ich konnte ihn nur unterstützen und für ihn da sein. Um uns also zusätzlich eine Auszeit zu gönnen, waren Dave und ich eine Woche nach London und zu Freunden, die Sportpferde in Großbritannien züchteten gefahren. Es war einfach nur wunderschön dort und wir haben diese eine Woche in vollen Zügen genossen. Ich hatte schon immer eine Schwäche für das satte Grün der Weiden und die alten Gemäuer der Herrenhäuser gehabt. Doch nichts würde mir je so viel bedeuten, wie unser Naunhofer Gestüt, bei dem ich mich mittlerweile so viel mehr zu Hause fühlte, als ich es damals im alten jemals getan hatte. Und das galt eben auch für Dave.

      So stürzten wir uns mit neuer Energie wieder in die Arbeit und in die Ausbildung unserer Jungpferde. Thor war mittlerweile so groß, dass man ihn langsam unter den Sattel nehmen konnte. Der Gute wurde im Januar jetzt 3 Jahre alt und würde demnächst auf die große Hengstweide wechseln. Auch Efeumond hatte seine Ausbildung hinter sich und kam jetzt zum Beritt in Mias Hände. Der spritzige Hengst sollte aufgrund seines höheren Alters nicht mehr in anderweitigen Rennen, als denen im Amateursport laufen und uns als guter Springer und Vererber in der Zucht dienen. Auch Painted nahmen wir in der Fohlenausbildung weiter in Beschlag, er war mittlerweile ein Jahr von seiner Mutter abgesetzt und ordentlich gewachsen. Wir würden ihm aber noch mindestens ein Jahr geben, bevor wir mehr mit ihm trainieren würden, als über das Absolvieren einer Fohlenschau hinausgehen würde. Auch die Stutfohlen Symphonie de la Bryére, Arcada, Capona und Lillifee durften noch ganz Fohlen sein. Sie standen alle zusammen auf einer Weide und hatten bei dem matschigen Wetter bis zum ordentlichen Bodenfrost erstmal nur Ausgang auf den großen Sandpaddock. Auch Scamander und Harvey waren noch etwas zu jung und tollten um mich herum, als ich zum Misten kam. Elfenlied allerdings war ähnlich wie Thor langsam groß genug, um auf die Stutenweide zu wechseln und in eine reiterliche Ausbildung über zu gehen. Den Sattel nahm sie schon gut an und lief auch unter ihm an der Longe recht gut. Nur mit einem reiterlichen Gewicht hatte sie noch Schwierigkeiten, was wir regelmäßig mit Sandsäcken und kurzen Ritten an Muskulatur aufbauten.

      Aber nicht nur unsere Fohlen veränderten sich, indem sie immer größer wurden. Auch unser Team hatte sich vor kurzem geändert. Lange hatten wir gesucht und wussten nicht, wie wir die nächste Saison überwinden sollten, ohne jetzt langsam jemanden einzustellen. Und gerade Leo hatte dann die Lösung. Nach dem Unfall auf Medivh kamen einige Artikel dazu heraus und die Erblindung eines Sportpferdes war wieder mehr im Gespräch in der Reiterwelt der Region. Da Leo damals direkt mitten im Geschehen war, hatte eine junge Reiterin, die schon länger für ihn geschwärmt hatte, die Möglichkeit, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Denn sie hatte sich bisher nicht getraut, ihn anzusprechen. Sie meinte später, dass Dave immer mit Leo rumhing und das deshalb unmöglich für sie war. Leo war nach dem Unfall selbstverständlich länger nicht im Turniersport aktiv gewesen und Sophie, die ebenfalls als junge Reiterin viele Erfolge gefeiert hatte, hatte seinen Namen in einem der Artikel gesehen. Über Facebook hatte sie ihn dann angeschrieben und die beiden sich getroffen. Dass sie ihn über die Berichte gefunden hatte, erzählte sie natürlich erst sehr viel später, aber da waren die beiden schon einige Wochen zusammen. Wir auf dem Hof bekamen das offiziell erst im Sommer mit. Da brachte Leo Sophie das erste Mal mit. Die junge Reiterin war mit ihrem Deutschen Reitpony Tassila uns voher schon etwas bekannt, aber je öfter sie hier war, desto mehr gehörte sie mit zum Hof. Sie war eine hübsche, schlanke Frau mit schwarzen Haaren und seltenen grünen Augen, die für ihre gerade mal 19 Jahre einen sehr erwachsenen und reifen Eindruck machte. Sie hatte ihr Abitur abgeschlossen und war ein paar Monate im Ausland gewesen, bevor sie sich entschied, ihr Hobby doch zum Beruf zu machen. Nur der richtige Betrieb fehlte noch. Und da waren wir als Betrieb richtig dankbar. Dave und ich erklärten ihr aber, was damals mit Susan, die sich mit Dave überworfen hatte passiert war. Und dass wir sie gerne auf dem Hof mit ihren beiden Ponys Tassila und Joschi willkommen heißen würden, sofern es keine Streitigkeiten geben würde. Doch als wir alle sahen, wie die beiden zusammen arbeiteten und sich Sophie machte, verschwanden unsere Zweifel. So zog Sophie erstmal in ihr eigenes Zimmer im Haupthaus. Denn mittlerweile lebten auch Mia und Tom zusammen. Die beiden waren fast noch glücklicher als Dave und ich und nach allem, was uns auf Naundorf passiert war, konnten wir das Glück zwar kaum fassen, aber vollends genießen.

      So steuerten wir also mit dem ersten Advent auf die Weihnachtszeit zu, während langsam eine gemütliche Routine auf Naundorf einkehrte. Wir hatten genügend Zeit unsere Pferde zu trainieren und auch die von Kunden zu betreuen, den Hof an einigen Stellen zu sanieren und endlich die gesamten Zäune auf Vordermann zu bringen. So kamen bei Tom, Webster, Reykja, Forever Yours und Meilenstein ordentlich voran und zeigten in der Dressur erstaunliche Fortschritte. Auch Tom lebte jetzt nach dem ganzen Stress auf und hatte richtig Spaß an der Arbeit. Auch Mia konnte ordentlich trainieren und sich um ihre Schützlinge Checkpoint, Annakiya, Mon Amie, Aasiyah und Caja kümmern. Sophie half Leo mit Oline, die wir ihr bei der Einstellung fest zuteilten. Sie sollte mit einem Großpferd arbeiten, da sich Willi um Joschi kümmern würde. Der Beistellshetty hatte jetzt mit Occani, Taciturn, Nikita und Take a Bow neue Weidengenossen und verstand sich vor allem mit Bow sehr gut. Leo hatte also mehr Zeit, sich auf seine Solsikke und auf Cookie zu konzentrieren. Die beiden Damen hatten sich auf dem Hof wirklich gut gemacht und so langsam konnte es auch bei ihnen in die Turniere gehen. Candy allerdings hatte sich wirklich super gemacht und einige Schleifen eingeheimst. Er würde demnächst mit Aquentino zur Körung eingeschrieben werden. Auch meine Pferde machten sich gut. Ich hatte endlich wieder genügend Zeit, um mit Fleming und Dante richtig lange Ausritte zu machen und eine Parcour abzureiten. Auch Cara Mia und Amber kamen wieder zum Zuge, vor allem Amber hatte nach Harvey wieder ihre alte Form und sprang besser denn je. Dave sah immer mal wieder neidisch rüber, als er gerade mit Zarin trainierte.

      Und wie gesagt, konnten wir uns endlich wieder auf andere konzentrieren. Um unsere Zuchtpläne weiter zu verfolgen, hatte Dave einen Großverkauf entdeckt und auch zum Trainieren und Pflegen der Pferde dort brachen wir heute auf. Dave grinste immer noch, als er vorne ums Auto herumlief und einstieg, während ich mich auf dem Beifahrersitz niederließ. „Bis später!“ rief uns Tom zu und winkte zum Abschluss.

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 28. Mai 2019 | 5095 Zeichen


      Hengstweide

      Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Webster | Checkpoint | Take a Bow | Joschi | Medivh | Heros | Dante | Zarin | Fleming | Joschi

      Stutenweide
      Caja | Reykja | CM´s Meilenstein | Uranium Fever | Chocolate Chip Cookie | Solsikke | Occani | Cara Mia | Orchidee´s Nikita | Al Aasiyah ox | tc Annakiya | Taciturn | Tassila | Oline | Forever Yours | EBS Mon Amie | Amber | Windrose | Paminta | Skittles

      Fohlenweide
      Efeumond | Thor | Lillifee | Painted Minimalistic Art | Symphonie de la Bryére | Aufgepasst, hier kommt Arcada! | Elfenlied | Capona | Scamander | SPN Harvey | Rabano | HGT´s Royal´s Daydream

      „Regentage und anderes Alltägliches"

      „Es regnet wieder!“ Willi schüttelte sich die gröbsten Regentropfen aus den Haaren und grinste Dave und mich im Hausflur an. „Kaffee steht in der Maschine, ist grade fertig geworden.“ meinte Dave zu ihm. Willi verschwand in der kleinen Küche, in der Mia noch saß. Tom war recht früh zu einem Dressurkurs aufgebrochen, Mia war mit ihm aufgestanden und hatte bereits die Fohlenstallungen ausgemistet. Neben unseren Großen Thor, Efeumond, Painted Minimalistic Art, Lillifee, sowie den Halbstarken Scamander und Harvey, standen immer noch unsere Eigenzuchten Symphonie de la Bryére, Arcada, Elfenlied und Capona bei uns. Auch Royal´s Daydream hatte sich gut eingelebt, eine Enkelin meines Hannoveraners Red Diamond II, der nicht unweit auf der Gnadenweide friedlich sein Leben genoß. Und erst vor ein paar Tagen kam Rabano zu uns zurück, ebenfalls ein Nachkomme unserer Gnadenweidenpferde – Ravallo und Zingara. Wir hatten vor, Rabano neben Thor auf dem Hof zu behalten, um die beiden später als Kutsch- und Dressurpferde als Besonderheiten zu führen. Vor allem Rabano war mit seiner Farbe ein wahrer Hingucker.

      Willi, Mia, Dave und ich frühstückten zusammen und brachen dann auf, um den Rest der Pferde zu versorgen. Willi und Mia gingen hinüber zu den Stuten, Dave und ich zu den Hengsten. Auch unser Stutenstall hatte in den letzten Wochen nochmal Zuwachs bekommen. Das lag auch an der hübschen Sophie, die wir im März eingestellt hatten. Sie hatte Leo öfters auf Turnieren getroffen und eines Tages hatte er sie mit auf den Hof gebracht. Sie hatte ihre Ausbildung nicht unweit von Naundorf vor einem Jahr abgeschlossen und war mit 22 Jahren in Leos Alter. Uns gefiel sofort ihre liebe und geschickte Art, mit Pferden umzugehen und als sie mehr und mehr ihre Freizeit auf Naundorf verbrachte, baten wir ihr an, ganz zu uns zu wechseln. Somit brachte sie mit Skittles und Joschi zwei neue Vierbeiner zu uns. Unser Haupthaus war jetzt nach fast 5 Jahren seit dem Kauf des Gestüts fertig renoviert und sie hatte dort ihre eigenen zwei Zimmer bekommen. Leo und sie verstanden sich fast besser als Dave und ich, ihre Verliebtheit steckte uns richtig an. Obwohl das gar nicht nötig war.

      Dave und ich waren immer noch wahnsinnig glücklich miteinander. Zusammen leiteten wir mit Tom und Mia Naundorf so erfolgreich, dass wir mit dem Training mittlerweile langsam anfingen, über Brandenburg hinaus bekannt zu werden. Ich war vor kurzem mit Heros, Dante und Fleming nach München und Stuttgart gefahren, hatte unsere besten Zuchthengste dort präsentiert und Werbung für Naundorf gemacht. Mittlerweile hatten die drei zusammen um die 250 Fohlen. Medivh und Zarin waren ebenfalls in der Region überaus beliebt, wir wollten sie aber aufgrund ihrer Verfassungen nicht gar so weiten Reisen aussetzen. Dave führte gerade Webster, Fireflies, Aquentino und Checkpoint hinaus, während ich mit den ersten Boxen anfing. Zusammen brauchten wir für den Hengststall mit Säubern, Füttern und Einstreuen eine knappe Stunde. Dave brachte die restlichen Hengste auf die Weide, Take a Bow und Joschi auf eine eigen abgesteckte. Die beiden verstanden sich prächtig und waren wirklich toll anzusehen. Sophie war total hin und weg von Take a Bow, der von seinen Vorbesitzern eine ganze Reihe von Tricks zeigen konnte. Zusammen übte sie jetzt in ihrer Freizeit mit ihm und Joschi, was uns alle mehr zur Bodenarbeit brachte. Tom ließ sich davon sogar so inspirieren, dass seine ruhige und sanfte Reykja es irgendwann auf Kommando sehr beeindruckend schaffte zu steigen und sich zu verbeugen. Auch ich dehnte Aquentino und Amber mehr, achtete mehr auf die Ausbildung der Fohlen.

      Als Dave und ich fertig waren, gingen wir hinüber in den Stutenstall. Dort standen natürlich mittlerweile mehr Pferde als im Hengststall. Meilenstein war mittlerweile voll ausgewachsen, Uranium Fever hatte sich gut eingelebt, Solsikke und Chocolate Chip Cookie tobten mit Skittles und Cara Mia schon auf der Stutenweide. Occani, Nikita und die alte Taciturn standen wie Bow und Joschi auf einem eigenen abgetrennten Teil der Weide, während Mia und Willi, Tassila, Oline, Paminta, Annakiya, Aasiyah, Mon Amie, Ronja und Forever Yours brachten. Die beiden hatten die Weiden vorher abgesteckt und kontrolliert, die Tröge draußen geputzt und die Fohlen nach draußen gelassen. Zusammen brauchten wir jetzt nur noch eine halbe Stunde, bis alles Boxen gemistet und die Stallgasse gekehrt waren.

      „Mit wem willst du ausreiten?“ Dave grinste mich am Nachmittag an, als wir mit den ersten Trainingspferden fertig waren. Er wollte gerade Uranium Fever holen, als ich ihm Windrose nannte. Die hübsche Braune hatte mitunter mein Herz erobert, seit sie seit Ende letzten Jahres ebenfalls zu unserer Stutenherde gehörte. Sie war als sehr sehr junge Stute mal in meinem Besitz, kam aber auch glücklicherweise irgendwie wieder zurück in unsere Hände. Als reinrassige Trakehnerin würde sie unsere Zucht gut unterstützen, wenn sie vollends im Training angekommen war. Pfeifend schlenderte Dave davon und ich ging in die Sattelkammer, um grinsend das Reitzeug zu holen.

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 13. November 2019 | 4817 Zeichen

      Hengstweide

      Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Webster | Checkpoint | Take a Bow | Medivh | Heros | Dante | Zarin | Fleming | Joschi

      Stutenweide
      Caja | Reykja | CM´s Meilenstein | Uranium Fever | Chocolate Chip Cookie | Solsikke | Occani | Cara Mia | Orchidee´s Nikita | Al Aasiyah ox | tc Annakiya | Taciturn | Tassila | Oline | Forever Yours | EBS Mon Amie | Amber | Windrose | Paminta | Skittles

      Fohlenweide
      Efeumond | Thor | Lillifee | Painted Minimalistic Art | Symphonie de la Bryére | Aufgepasst, hier kommt Arcada! | Elfenlied | Capona | Scamander | SPN Harvey | Rabano | HGT´s Royal´s Daydream


      Ohne Auf und Ab


      Das Leben auf dem Gestüt Naundorf war ein ruhiges, fast schon langweiliges geworden, wenn wir nicht so glücklich damit wären. Ein Tag folgte dem nächsten und wir hatten immer noch gut zu tun. Seit mehreren Monaten schrieben wir jetzt schon schwarze Zahlen, konnten die letzten größeren Renovierungsarbeiten am Hof abschließen und uns kleineren Baustellen widmen. Im Sommer gönnten wir uns alle eine längere Auszeit – Mia und Tom fuhren gemeinsam in den Urlaub, Leo verbrachte seine Zeit bei seiner Freundin Sophie und auch Dave und ich fuhren als Paar in die bayerischen Alpen. Natürlich blieben die Trainingsbegleitungen im gesamten August damit liegen, das Treiben auf dem Hof ging abwechselnd natürlich weiter. Unseren Pferden ging es gut und wir hatten auch in diesem Jahr einige Erfolge einholen können. Da wir uns aber vermehrt auf das Training anderer konzentriert hatten und auch die Aus- und Weiterbildungen von Leo, Sophie und Tom als Ausbilder selbst im Fokus standen, war das kein Vergleich zur vorherigen Saison.

      Auch kamen unsere Kleinsten langsam in den Genuss, dass wir sie unter den Sattel nehmen konnten. Thor war fast ausgewachsen und ging nun regelmäßig unter Toms Anleitung im Dressurviereck. Auch Efeumond, den ich nicht auf die Rennbahnen schicken wollte, weil ich diesem Sport nicht mehr zugeneigt war, bekam eine Ausbildung und war aufgrund seines hitzigen Temperamentes eine Aufgabe für sich. Die kleine Lillilfee hingegen verzauberte uns alle, wie sie im Einspänner vor uns her lief und so unkompliziert ihre Aufgaben meisterte. Sie war glücklich, in dem was wir von ihr wollten und das freute uns umso mehr. Mir kam es vor als wäre es erst eine Woche her, als La Luna sie auf die Welt gebracht hatte. Und doch war schon so unglaublich viel passiert seither. Sie war eines der ersten Fohlen, dass hier auf Naundorf geboren worden war, zu einer Zeit, in der ich mir niemals unseren Erfolg erträumt hätte und so vieles noch so unsicher schien. Erwachsen wurden jetzt auch Rabano und Royals Daydream, die Mia und ich unter den Sattel nahmen. Wir hatten beschlossen, erstmal keine Fohlen mehr zu ziehen, bei all der Arbeit, die wir mit den Kleinen hatten. Fohlen bleiben durften aber erstmal weiterhin Painted Minimalistic Art, Symphonie de la Bryére, Arcada, Elfenlied, Capona, Scamander und der kleine Harvey. Sie waren natürlich auch ordentlich in die Höhe geschossen, aber noch deutlich zu jung, um sie einzureiten.

      In den anderen Ställen hatte sich seit dem Frühjahr nichts mehr getan. Bei den Hengsten standen immer noch dieselben Verdächtigen. Mein hübsches Söckchen, alias Aquentino streckte mir die Nüstern entgegen, als ich zum Putzen in den Hengststall ging. Links von ihm Dante, rechts von ihm Fleming. Mein Herz machte jedes Mal einen riesen Satz, wenn ich meine Buben so zusammen sah. Ich hoffte, dass sich das auch für eine lange Zeit nie ändern möge. Ein ähnliches Gefühl hatte ich, wenn ich Dave mit Medivh und Heros zusammen sah. Von dem damaligen Unfall war nichts mehr zu spüren, ihre Vertrautheit und ihre gemeinsame Arbeit war wieder zu altem Standard zurückgekehrt. Und nichts machte mich in solchen Momenten glücklicher, als diese schlimmen Zeiten hinter mir zu wissen. Auch Joschi und Take a Bow waren noch Teil des „Suicide Squads“ und mischten immer noch gut den Laden auf. Sie teilten sich immer noch eine gemeinsame große Box und waren mittlerweile beste Freunde geworden. Dass ich zwei kleine Hengste zusammenstecken konnte, wunderte mich manchmal immer noch, aber niemals kam es bei den beiden zum Streit. Sie ließen es sich aber nicht nehmen, die Großen über die Weide zu scheuchen. Meine anfänglichen Bedenken, Joschi wäre zu klein, lösten sich ebenso schnell auf, wie sie gekommen waren. Webster stellte sich schon total genervt in die weitest entfernte Ecke der Weide, gefolgt von Checkpoint, Zarin und Fireflies. Währenddessen fetzten Dante, Fleming, Heros und der kleine Joschi um die Wette.

      Da war es dann fast egal, dass die Stutenweide nicht weit war und dann wurde auch nicht mehr geguckt. Cara Mia, Caja, Reykja, Amber, Mon Amie, Meilenstein, Uranium Fever, Windrose und Oline standen auf dem ersten abgesteckten Weidestreifen zusammen. Solsikke, Paminta, Skittles, Tassila, Cookie, Annakiya, Aasiyah, Forever Yours und Ronja auf dem zweiten, Occani, Nikita, Taciturn auf dem dritten, etwas Kleineren. Die Mädels waren wirklich hübsch anzusehen und wir ritten mit ihnen so oft es ging aus. Dafür hatten wir diesen Sommer mehr Zeit, als noch im Jahr zuvor. Skittles und Sophie waren fast so unzertrennlich wie Amber und ich, Leo und Solsikke, Dave und Uranium Fever, Tom und Reykja. Gemeinsam flogen wir über die Weiden, zwischen den Wäldern hindurch, über Bäche und Flüsse – hinein in eine gemeinsame, ruhige und glückliche Zukunft.

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 12. Mai 2020 | 7372 Zeichen

      Hengstweide

      Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Webster | Checkpoint | Take a Bow | Medivh | Heros | Dante | Zarin | Fleming | Joschi

      Stutenweide
      Caja | Reykja | CM´s Meilenstein | Uranium Fever | Chocolate Chip Cookie | Solsikke | Occani | Cara Mia | Orchidee´s Nikita | Al Aasiyah ox | tc Annakiya | Taciturn | Tassila | Oline | Forever Yours | EBS Mon Amie | Amber | Windrose | Paminta | Skittles | Silmpy´s Ronja

      Fohlenweide
      Efeumond | Thor | Lillifee | Painted Minimalistic Art | Symphonie de la Bryére | Aufgepasst, hier kommt Arcada! | Elfenlied | Capona | Scamander | SPN Harvey | Rabano | HGT´s Royal´s Daydream


      Corona lässt grüßen

      Da lag er. Der Hof, inmitten hüfthoher Gräser, die sich wiegend im leichten Wind schaukelten, in absoluter Stille. Nebelschwaden zogen langsam über die Wiesen, lösten sich auf und wichen den ersten Sonnenstrahlen. Das Wetter wechselte sich die Tage ab. Gestern hatte es noch in Strömen geregnet, heute schien es wieder dampfig warm zu werden. Ich reckte das Gesicht in den Himmel und sah die letzten Wolken über dem Kiefernwald verschwinden, bevor die Sonne über die Wipfel zog und alles in helles Licht tauchte. Cleo sah mich auffordernd an, als ich am Treppenabsatz des Haupthauses saß und mir die Stiefeletten anzog. Sie saß neben mir und war ungeduldig wie immer. „Die Wiesen werden noch ziemlich matschig sein.“ Willi stand hinter mir, blickte hinüber zu den Stutenstallungen und dann zu mir runter. „Warten wir den Vormittag ab, ich werde morgens die Weidezäune abgehen.“ antwortete ich ihm, stand auf und nahm Cleo mit auf die Felder. Zwischen den Stutenstallungen und den Freilaufboxen der Gnadenweide führte ein schmaler Pfad zu den hinteren Koppeln. Cleo jagte Mäuse im hohen Gras, während ich einen kurzen Blick auf Caja, Reykja, Meilenstein, Uranium Fever, Solsikke, Cara Mia, Tassila, Oline, Forever Yours, Mon Amie, Amber, Windrose, Paminta, Skittles und Ronja warf. Diese standen in zwei Freiläufen in zwei größeren Gruppen zusammen und sahen mich vorwurfsvoll an. Solange es aus Eimern schüttete, konnten wir keine Pferde auf die Weiden lassen, die sich in der leichten Senke komplett vollsogen. Um die Grasnarbe zu schützen, waren die Regentage also Tage im Freilauf, auf dem Sandplatz und unter dem Sattel in der Halle. Doch lange dauerte es nicht, bis die Wiesen all das Wasser gezogen hatten und die oberen Schichten wieder trocken genug waren. Die Natur hatte das Wasser so nötig wie lange nicht, einige unserer Futterzulieferer hatten richtige Bedenken im Bezug auf die diesjährige Ernte. Mir schien es manchmal, als wäre die Zeit stehen geblieben auf Naundorf. Ein autarkes Flecken Erde, das nichts ahnen ließ von dem Chaos der restlichen Welt und niemals ein Gefühl des Gefangenseins vermittelte, auch wenn wir mehr oder weniger auf dem Hof eingesperrt lebten.

      Corona hatte uns nur dahingehend beeinflusst, dass einige Kunden ihre Pferde nicht ohne weiteres zu uns bringen konnten, einige sogar Aufträge stornierten und natürlich die komplette Turniersaison ins Wasser fiel. Dave, mit dem ich immer noch glücklich zusammen war, hatte das natürlich extrem geärgert, da er nach seinem Unfall wieder vollständig hergestellt war und diese Saison richtig loslegen wollte. Auch waren wir dieses Jahr finanziell soweit, den Hof weit in schwarzen Zahlen führen zu können und dachten über den Bau eines Pferdeschwimmbades nach. Doch die Situation ließ auch das bis auf Weiteres in der Planung allein feststecken. Ich lief am Zaun entlang, in dem alle paar Meter einige Zweige vom Sturm der letzten Nacht hingen. Die Kiefern und Eichenbäume hatten sich tief geneigt unter der Regenlast und bogen sich erst nach und nach dem Himmel entgegen zurück.

      Nach einer halben Stunde kehrte ich über den Schleichweg zurück zum Hof, bog links ab und ging direkt in die Stutenstallungen. Aus Taciturns Box kam ein helles Wiehern, als das Tor ins Schloss fiel und Cleos Tatzen über den gepflasterten Boden tapsten. „Hey Kleine, guten Morgen!“ murmelte ich und streckte ihr lächelnd eine Möhre über die Box hinweg zu. Mit großen Augen nahm die Shettystute das Leckerchen. Ich liebte die Kleine, die nicht nur aufgrund ihrer Scheckung langsam weiß um die Nase wurde. Als ältestes Pferd auf dem Hof hatte sie fast schon Narrenfreiheit, ihr lieber Charakter wickelte jeden um den Finger. Nicht weit entfernt standen Occani und Chocolate Chip Cookie und lugten über deren Boxen. Dave kam mir jetzt entgegen, lächelte mich an und arbeitete dann weiter an der morgentlichen Routine. Mia hatte sich die beiden Stuten Al Aasiyah und Annakiya schon geholt, um sie in den Führstand zu bringen. Diese waren gestern von ihr trainiert worden und sollten sich vor dem Weidegang ihren Muskelkater etwas auslaufen. Ich streichelte Orchidee´s Nikitas Nüstern, der ich ebenfalls eine Möhre zugesteckt hatte und ging dann in die Sattelkammer. Wir hatten uns vorgenommen, die ausfallende Turniersaison zu nutzen, das Reitzeug auf den neuesten Stand zu bringen, einige neue Satteldecken und Zaumzeuge anzuschaffen und die Kammer nochmals zu putzen. Die Tage hatten wir schon ordentlich was geschafft, ich kehrte die letzten Reste hinaus und putzte das Fenster, bevor ich für den Stalldienst in den Hengststall hinüberging.

      Dort musste ich auch erstmal bei meinen zwei Lieblingen Aquentino und Fleming halt machen, um die beiden ordentlich zu streicheln. Ich hatte ihnen in letzter Zeit viel Training zukommen lassen und eine noch stärkere Verbindung mit ihnen aufgebaut. Aquentino war jetzt richtig kräftig geworden im Gelände und ging mit mir durch Dick und Dünn. Fleming sprang weiter und höher als je zuvor und hatte ordentlich an Tempo aufgenommen. Wir nutzten Corona voll für uns aus und investierten in unsere Zuchthengste, auch wenn wir diese gerade nicht zur Körung anmelden konnten. Candy Fireflies machte unter Leo genauso gute Fortschritte, der neben seiner Stute Solsikke mit ihm gefühlt ununterbrochen arbeitete. Dave trainierte weiterhin mit Medivh, der jetzt in der Dressur deutlich mehr zeigen konnte, während Heros Aquentino und Fleming ordentlich Konkurrenz machte. Mia jagte Dave und mir auf unseren Pferden mit Checkpoint über die Felder, während Tom mit Webster und Reykja auf dem Sandplatz eine Figur nach der anderen übte. Dave und ich nutzten unser mehr an Zeit neben dem Training der übrigen Kunden-Sportpferde auf Naundorf mit Dante und Zarin, um ihnen Komplimente und Tricks bei zu bringen. Beide Schönheiten fingen schnell an sich zu langweilen und wollten mit Köpfchen und Aufmerksamkeit gefordert werden. Selbst dem etwas störrischen Joschi konnten wir nach und nach überzeugen für uns auf Kommando zu steigen, nachdem mit Take a Bow vor dem Gespann gehen nicht alles für ihn war.

      Auch unser Nachwuchs kam nicht zu kurz. Thor war jetzt körperlich ausgewachsen und konnte unter dem Sattel gehen, genauso wie Rabano, Royal´s Daydream, Efeumond und Lillifee. Auch meine Cadoc Nachzucht Painted Minimalistic Art hatte einen ordentlichen Schub hingelegt und würde demnächst zu den Großen gehören. Mit den Stuten Symphonie de la Bryére, Aufgepasst hier kommt Arcada, Elfenlied und Capona würden wir uns noch etwas Zeit lassen. Scamander war auch noch nicht ganz so weit und würde noch etwas brauchen. Der Nachzügler Harvey hingegen erntete jeden Tag Daves durchdringende Blicke, ob er jetzt mal endlich soweit wäre. Derweil war er das Küken in dem Kinderhaufen und wäre wirklich erst ganz am Ende soweit, dass wir mit ihm Turniere gehen würden können. Selbst von mir bekam Dave dafür schmunzelnde Blicke zugeworfen, ich liebte ihn ja für seine Ungeduld bezüglich der ersten Nachzucht aus Amber.

      „Und? Wie sehen die Weiden aus?“ rief Willi, der merkte, wie die Pferde unruhig wurden. „Wenn wir hier fertig sind…“ fing ich an, sah die Hengste an und dann wieder Willi „… können sie wieder wie immer raus.“ Alles wie immer für sie, immerhin, dachte ich mir und genau das gab uns in der kleinen Welt Naundorf jeden Tag ein Stück Normalität zurück.
    • Cascar
      Ankunft von tc Annakiya in Neuseeland
      [07.12.2020]

      Der Regen hatte gerade aufgehört, als Kaisa mit dem Trailer auf den Hof fuhr. Inferiority neben mir zuckte zusammen, als der Wagen mit einem Quietschen zum Stehen kam. Ich beeilte mich, den Rappen auf den Paddock zu bringen, denn ich wusste, welch wertvolle Fracht mein Partner geladen hatte - eine Araberstute, die ich schon lange im Auge hatte!
      Knappe 20 Minuten später stand sie in Winterdecke und Transportgamaschen gekleidet vor uns, etwas zerzaust, aber bildhübsch: tc Annakiya. Ich wusste, dass Kaisa ein kleines Vermögen für sie bezahlt hatte. Meiner Meinung nach war er nun Besitzer von zwei der hübschesten Pferde im WCS! Ich gratulierte im in diesem Zug und streichelte "Anni's" weichen Hals. Ein Weihnachtspferd.

      Die Idee war, Anni mit Omega und Earl Grey's Darjeeling zu vergesellschaften, da diese Stuten zurzeit ein ähnliches Trainingspensum hatten. Am Tag ihrer Ankunft durfte die Sheckstute aber erstmal Auslauf, reichlich Futter und eine Bürstenmassage von Kaisa genießen!
    • Cascar
      Stufenerhöhung Dressur (E/A)
      [18.12.2020]

      Begonnen als Reiterin des mittlerweile großen Dressurpferdes Yacedor Gepir ist Ann England nun offiziell die erste Ansprechpartnerin und Ausbilderin für Dressur am WCS. Diese Disziplin ist nach wie vor eine der am wenigsten leistungsmäßig ausgeführten, zum Glück in den Grundlagen aber hervorragend zur Schulung des Körpergefühls und Förderung des Muskelaufbaus für alle Pferde. So auch für die vier neusten Schützlinge Anns: Taste of Desire, Cyclone, Altyn und tc Annakiya. Einzig Altyn zeigt eine deutliche Veranlagung für den Sport und der Hengst geht deswegen nun auch dauerhaft in ihren Beritt. Im Training helfen Marc und ich fleißig mit, sind aber ungefähr so sehr Schüler wie die Pferde.
      Heute satteln wir deswegen Tasty und Anni. Marc hat sich schon mächtig in Kaisas neue Stute verguckt und lässt sich deswegen Zeit. Einen angepassten Sattel hat die Gute nur leider noch nicht, deswegen bekommt sie Devris. Tasty hat ihren Vielseitigkeitssattel, mit dem ich heute in der ersten Stunde Vorlieb nehmen werde. So betreten wir etwa zwanzig Minuten später den Reitplatz, auf dem Ann geduldig und in eine dicke rote Winterjacke gepackt auf uns wartet. Nach ein paar Runden des Führens sitzen wir auf und reiten die Stuten sorgfältig warm, besonders mit Bahnfiguren im Trab und Gangartwechseln. Schließlich gibt Ann uns Anweisungen, welche Bahnfiguren wir wie und vor allem wie exakt wir auszuführen haben. So üben wir Schlangenlinien, das Verkleinern und Vergrößern des Vierecks und korrekte 10m-Volten. Während Tasty dazu neigt heizulaufen und immer mal kleine Schrittpausen braucht, harmonieren Marc und Anni ganz fein. Das Bild wandelt sich etwas, als wir auf den Mitteltrab zuarbeiten. Die Araberin tut sich schwer mit der Anlehnung und scheint vor allem mit ihrem Gleichgewicht zu kämpfen zu haben. Tasty schneidet da besser ab - sie hat ja auch ein bisschen mehr Dressurerfahrung.
      Die Hengste Altyn und Cyclone erfahren am selben Tag das gleiche Trainingsprogramm. In dieser Woche wiederholen wir immer wieder die neu gelernten Lektionen und Cyclone und Anni werden zusätzlich beinahe täglich am Hang longiert, um die Rücken- und Halsmuskulatur zu stärken. Eine weitere Hürde ist dann der einfache Galoppwechsel, den wir zunächst an einer Stange in der Platzmitte üben. Altyn hat kaum Probleme damit, ebenso Tasty, die den Wechsel als Springpferd ständig praktiziert. Cyclone tut sich am Anfang schwer und sieht heute noch etwas bemüht aus, beim Umspringen. Ähnlich verhält sich das bei Anni. Marc bringt ihr sehr viel Geduld, Ruhe und Vertrauen entgegen und so lässt sich die Scheckin zwar Zeit, meistert die Lektion aber schließlich.
      Nicht so einfach für unsere Vollblüter ist das Erlernen des Mittelgalopps, tendieren unsere Pferde doch zum Renngalopp und Aufgeben der Anlehnung. Auch hier war und ist viel Geduld gefragt und das Honorieren von kleinen Schritten. Ann steht uns die ganze Zeit über helfend zur Seite und Ende Dezember ist es dann endlich so weit: die vier Pferde beherrschen alle geforderten Lektionen des E- und A-Niveaus!
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    WCS - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Cascar
    Datum:
    7 Dez. 2020
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    EXIF Data

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  • [​IMG]

    Zuchtname des Pferdes: tc Annakiya

    Rufname: Anni

    Besitzer: Kaisa Scoresby
    Vorbesitzer: Muemmi
    Vorkaufsrecht: Tassila

    Tierarzt: Eddi Caen
    Hufschmied: Rolf Martens
    Ausbilder: Kaisa Scoresby
    Reitbeteiligung: keine

    Stall: Hauptstall
    Weide: mit Earl Grey's Darjeeling
    oder Omega

    Einstreu: Stroh
    Futter: Heu, Saftfutter;
    Kraftfutter 1x täglich
    Anmerkungen: keine


    Anni's Spind folgt

    Portrait folgt

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    Von: Oaklands Cloudbreaker
    Oaklands Caraboun Boy x Valentines Day


    Aus der: Yamaha Spirit

    Yamaha Ocean x Spirit's Favorite

    Zur Zucht zugelassen:

    Züchter: Huhn
    Zucht:

    Gencode: Ee aa nCr Gg TT
    Vererbung: Tobiano

    Nachkommen: keine

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    Geschlecht: Stute (weiblich)
    Geburtsdatum: 06.08.2013
    Rasse: Pintoaraber
    Herkunft: Frankreich

    Stock-/Endmaß: 154 cm
    Art: Pferd
    Typ: Vollblut


    Fellfarbe: Schimmelschecke

    Langhaar: weiß-grau
    Abzeichen: Schnippe, Keilstern
    Sonstige Erkennungsmerkmale:
    Scheckung

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    ausgeglichen ◆◆◆◆ unausgeglichen
    aufmerksam ◆◆◆◆ unaufmerksam
    introvertiert ◆◆◆◆ extrovertiert
    intelligent ◆◆◆◆ unintelligent
    selbstbewusst ◆◆◆◆ unsicher
    temperamentvoll ◆◆◆◆ ruhig
    geduldig ◆◆◆◆ ungeduldig
    streitlustig ◆◆◆◆ friedlich
    freundlich ◆◆◆◆ bösartig
    arbeitsfreudig ◆◆◆◆ faul
    nervös ◆◆◆◆ beständig
    sozial ◆◆◆◆ unsozial
    naiv ◆◆◆◆ dominant
    loyal ◆◆◆◆ untreu



    Charakterbeschreibung: Annakiya ist eine sehr sensible junge Stute, die ihre gesamte Umgebung stets
    aufmerksam beobachtet und die Stimmung der sie umgebenden Menschen widerspiegelt. Dabei ist sie
    Fremden gegenüber aufgeschlossen, aber häufig temperamentvoll und dominant.
    Lediglich ihren Bezugspersonen zeigt sie sich von ihrer weichen Seite, die Schmusereien genießt und
    ausgesprochen loyal agiert, bis hin zu einem gewissen Beschützerinstinkt gegenüber ihrem Reiter.
    Annakiya hat Potential für ein echtes Seelenpferd.



    Geschichte: Annakiya stammt aus einer beschaulichen privaten Zucht und besticht schon durch ihre
    Erscheinung. Im Alter von nunmehr sieben Jahren ist sie allerdings bis auf die Grundlagen völlig
    unausgebildet. In Neuseeland soll sich das nun ändern.

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    Eignung: Distanz, Military




    Distanz: E A L M S S*
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN**




    Military: E A L M S S* S**

    -

    Dressur: E A L

    -

    Wendigkeit: E A L M S

    Turnierbedingter Aufstieg | Trainingsaufstieg | Potential


    Auszeichnungen:

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    1. Platz; 461. Militaryturnier


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    Fohlen ABC:
    Longiert:
    Eingeritten:
    Eingefahren: ✘

    Reitweise: Klassisch
    Beurteilung: Vertrauensvoll
    im Umgang mit Bezugspersonen

    Gelassenheitstraining:
    Hindernisgewöhnung:
    Hängergewöhnung:
    Startboxgewöhnung:

    Roundpen: aufmerksam, locker
    Reitplatz/Reithalle: keine Erfahrungswerte
    Gelände: keine Erfahrungswerte

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    Gechippt:
    Geimpft:
    Bekannte Krankheiten: keine
    Anmerkungen: kerngesund



    Hufzustand: gut
    Prüfstand: verfallen
    Beschlag vorn: keiner
    Beschlag hinten: keiner
    Anmerkungen: schmiedtauglich