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Rhapsody

Tautou *

Lewitzer -- im Besitz seit 06/2015 -- Staatsprämienstute -- von Muraco -- Aa EE Crcr

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Tautou *
Rhapsody, 14 Aug. 2016
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      Tautou und Quixoticelixers Ankunft
      | 14. Juni 2015
      Man könnte denken, für vier Menschen mit Ställen voller Pferde würden Gwen, Elisa, Elena und ich noch andere Dinge machen außer irgendwo zu faulenzen. Das war auch nicht komplett falsch – aber nur, weil wir Pferde besaßen, hieß das nicht, dass wir uns nicht in irgendeinem Wohnzimmer einnisten, lästern und neuste Neuigkeiten (die noch so komplett neu waren, dass sie noch diesen Neu-Geruch hatten) austauschen konnten.

      Heute zum Beispiel waren wir in Gwens Haus versammelt, weil Elisa es vermasselt hatte, einkaufen zu gehen und Gwen Muffins gebacken hatte. Zwar waren sie low-carb-irgendwas, aber für ein Diätessen schmeckten sie sogar ganz gut (so gut, dass sogar Elena welche aß).

      Gerade hatte ich ihnen allen eröffnet, dass ich vielleicht schon wieder ein Pferd gekauft hatte. Langsam fühlte ich mich fast schon wie Elisa – je mehr Pferde desto besser.

      Nur mit dem Namen des besagten Pferdes hatte Elisa mal wieder Schwierigkeiten.

      „Qui... quo – was?“

      „Quixoticelixer,“ wiederholte ich, langsam und deutlich und schnappte mir noch einen Muffin, bevor Elena sich das Gesicht damit dekorierte.

      Gwen sah auch nicht sehr überzeugt aus. „Kannst du ihn nicht irgendwie umbenennen?“

      „Du solltest ihn in Tony Hawk umnennen,“ meinte darauf Elena. Man verstand nur die Hälfte, da sie sich den nächsten Muffin in den Mund geschoben hatte, aber das waren wir mittlerweile gewohnt und konnten Elena-isst-isch fast fließend sprechen und verstehen.

      Auf den Kommentar hin seufzte Gwen, verdrehte die Augen – sie fand Elenas und meinen Spitznamen für ihr Barbie-Waldpferd immer noch total bescheuert – und stand schließlich auf, um das Geschirr abzuräumen. Für ein paar Momente hörte man nichts außer Elenas Kauen und Geschirrgeklimper, dann drehte Elisa sich zu mir um.

      „Solange ich ihn Q nennen darf, ist Quixoquaxo genehmigt.“

      „Quaxo,“ stimmte Elena zu.

      ***

      So wie es aussah hatte ich mal wieder perfekt geplant – Quixoticelixer sollte nämlich wohl am gleichen Tag landen wie eine Stute, von der meine Freundinnen schon lange wussten. Tautou hieß sie, benannt nach Audrey Tautou, und war eine Tochter Muracos. Er hatte zwar in Kanada erst kürzlich seine Zuchtbestätigung erhalten, doch in Deutschland hatte er schon den ein oder anderen Nachkommen.

      So auch Tautou, die ihm wohl ziemlich ähnlich sein sollte. Ich hatte es persönlich nicht zum Probereiten geschafft, doch meine Schwester hatte sich darum gekümmert und die Stute als gut befunden. Und als die Besitzer hörten, dass ich die Besitzerin von Muraco war, war es wohl schon beschlossene Sache.

      Tautou sollte also am selben Tag kommen wie Quixo. Was aber keiner vermutete war, dass dieser selbe Tag um drei Uhr morgens begann.

      Es fühlte sich an als wäre ich gerade erst eingeschlafen, als ich wieder geweckt wurde. Mein erster Instinkt war natürlich, mich umzudrehen und jeden Aufweckversuch scheitern zu lassen. Doch als ich Adèles Worte verstand – manchmal vergaß sie, dass ich kein Französisch verstand und sprach einen Mix aus Englisch und Französisch – war ich zu verwirrt um wieder einzuschlafen.

      „Ein – ein Transporter ist grad vorgefahren? Und … äh, der Fahrer hat geklingelt.“

      Ich war zwar wach, aber mein Gehirn noch nicht so ganz. „Whu?“

      Adèle war zwar nett und zuvorkommend, aber es passierte nicht selten, dass sie ihre Augen rollte. Das passierte sogar so häufig, dass ich mir Sorgen machte, sie würden irgendwann einmal stehen bleiben. So auch jetzt, doch nebenbei zog sie mich aus dem Bett und schubste mich in Richtung Schrank. „Ich lade jetzt schonmal das Pony aus. Du ziehst dich an,“ sagte sie und klang dabei fast schon wie meine Mutter.

      Als ich knapp 10 Minuten später auf dem Hof erschien, war das Pony schon ausgeladen und wirkte im Mondschein fast schwarz. Ich wusste natürlich, dass sie kein Rappe war – ihre Mutter war ein Palomino gewesen, was Tautou zu einem aufgehellten Braunen machte. Somit hatte sie wenig gemein mit Muraco – bis auf ihr Temperament anscheinend. Auch jetzt tänzelte sie um Adèle herum und brummelte vor sich hin. Ich verdrehte die Augen. Aufmerksamkeitsgeiles Stück.

      Die Papiere waren schnell unterzeichnet, das Sattelzeug im dafür vorhergesehenen Spind verstaut und der Fahrer schnell verabschiedet. Dann brachte Adèle Tautou in den Stall und ich konnte wieder ins Bett kriechen, für mindestens weitere drei Stunden.

      ***

      Der Tag zog sich wie Kaugummi. Es schien fast so, als würden die Boxen von selbst wieder dreckig werden, sobald man dachte, man wäre fertig. Dabei wurde ich ständig von zwei hellbraunen Augen beobachtet – auch nicht gerade förderlich für meine Arbeitsmotivation.

      Tautou verbrachte den Tag heute noch im Stall – demnächst sollte der Tierarzt noch vorbeigucken, sie abchecken und dann sollte sie langsam an die Herde gewöhnt werden. Bis dahin wurde sie von Zoe betüddelt, von Adèle fast schon ignoriert – sie nahm es mir anscheinend übel, dass ich komplett ahnungslos heute Nacht gewesen war und ließ das an dem armen Pony aus – und von mir aus sicherem Abstand erst einmal begutachtet.

      Es war nicht so, dass sie total unberechenbar und bösartig war, doch ich kannte Muraco. Sollte Tautou wirklich so sehr nach ihm geraten sein, wie meine Schwester und die Besitzerin mir erzählt hatten, dann war erst einmal Vorsicht geboten. Mir tat heute noch der Hintern weh, wenn ich an meine erste Reitstunde mit Muraco dachte. Doch Tautou sollte erst einmal noch ein wenig Selbstvertrauen gewinnen, ehe wir an ernstes Training dachten. Zwar war sie bereits 6 Jahre alt, aber doch noch ziemlich unsicher unterm Sattel. Aber dafür hatte ich ja zwei Freundinnen, die das beruflich machten.

      ***

      Ich kam gerade von einem Spaziergang zurück, als ich den Teufel auf meiner Haustreppe sah. Der Teufel im Sinne von Elena, Elisa und Gwen, die sich natürlich gemerkt hatten, wann Quixoticelixer kommen sollte und ihn erstmal gebührend empfangen wollten.

      Als ich ihnen von unserem nächtlichen Abenteuer erzählte, machten sie sich alle auf den Weg, um Tautou zu begrüßen. So hatte ich ein wenig Zeit, die Box für Quixo einzustreuen und auf Hochglanz zu bringen. Vor einer halben Stunde hatte ich die SMS bekommen, dass der Transporter nur noch etwa zwanzig Kilometer vor sich hatte (was ich meinen Freunden natürlich nicht gesagt hatte, schließlich war ich fies und hinterlistig) und deswegen wohl jede Minute eintreffen würde.

      Und das tat er auch. Gerade verließ ich die Box neben Vals (und hoffte noch einmal, dass sich die beiden verstanden – Quixo hatte einen sehr ruhigen, etwas weniger dominanten Eindruck auf mich gemacht und sollte sich so perfekt mit unserer schnellsten Maus von Kanada verstehen), als man von außen kreischen und quieken hörte. Als ich aus dem Hengststall getreten war, sah ich, dass sich zu meinen Freunden auch noch Zoe und Adèle gesellt hatten, die genauso quiekten als der azurblaue Transporter vor ihnen anhielt.

      Ich übernahm wieder den Papierkram weil ich die Beste war und ließ Adèle das Sattelzeug verstauen. Elisa hatte sich währenddessen geopfert, den Hengst auszuladen und so stand er in seiner ganzen Pracht vor mir, als ich mich vom Fahrer verabschiedete.

      Naja, groß war er nicht, wohl etwa Siddys Größe. Dafür machte seine Farbe umso mehr her: ein schönes Creme, an den Beinen und an der Schulter ein paar dunklere Flecken und natürlich den Aalstrich, sonst wäre er ja kein Falbe.

      Gwen und Elisa stritten sich, wer ihn ein wenig herumführen durfte („Ich hab seinen Spitznamen ausgesucht!“ – „Dafür kann ich seinen Namen wenigstens aussprechen!“ – „Aber mich mag er viel mehr!“) und Quixo stand total gelassen daneben, als würde ihn der ganze Trubel nicht stören. Kurzerhand schnappte ich Gwen den Strick aus der Hand weg und machte mich auf den Weg zu einem kleinen Rundgang.

      Zwar hatte Quixo keinen Flug hinter sich und somit noch einmal extra Stunden in einer kleinen sich bewegenden Box verbracht, doch trotzdem war er mehrere Stunden auf dem Highway unterwegs gewesen. Er kam von einem kleinen Gestüt in der Nähe von Calgary, auf dem Lewitzer eher Nebensache waren. Kanada war wohl auch eines der Länder, in denen diese deutschen Ponys auch mit Sonderlackierung auftreten durften – Quixoticelixer hatte vollständige Papiere und durfte somit auch später zur Zucht zugelassen werden. Aber das waren erst einmal lose Gedankenspiele. Er sollte sich erst einmal einleben und hoffentlich mit Val Freundschaft schließen, ehe wir überhaupt ans Training dachten.

      Natürlich waren meine Freunde noch immer an Ort und Stelle als ich Quixo in seine Box gebracht hatte. Als ich näher kam, hörte ich auch, worüber sie angeregt diskutierten – Trashfilme. Elisa, Gwen und Elena waren totale Fans davon während Zoe und Adèle sich so weit wie möglich davon fernhielten.

      Kaum hatte Elisa mich gesehen, schlich sich ein böses Grinsen auf ihr Gesicht. „Wie wäre es mit einem Marathon?“
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      | 24. Juni 2015
      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
    • Rhapsody
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      Klinik Caen - © Eddi
      | 25. Juni 2015
      Meine nächsten Patienten erwarteten mich auf dem Pine Grove Stud und so war ich schon wieder bei Jojo zu Besuch. Der Beruf als Tierarzt hatte den Vorteil, dass man sich kaum um seine Freundschaften kümmern musste, man traf sie sowieso regelmäßig an, wenn mal wieder ein Check bei den Pferden anstand. So verblieben Jojo und ich auch erstmal wieder in einem knappen Smalltalk, ehe es in den Stall ging, wo die beiden Patienten schon auf mich warteten.
      Erstere war natürlich ein Lewitzer - eigentlich waren beide Lewitzer und was anderes traf man bei Jojo sowieso kaum noch an - und hieß Tautou. Anfangs hatte ich einige Probleme mit dem Namen und ließ es dann auch schnell bleiben. "Spitzname: Tatzi", meinte Jojo lachend und ich dankte ihr grinsend. Tautou ließ ich mir erst einmal vorführen, ehe ich sie direkt vom Genick an, entlang der Wirbelsäule nach hinten, abtastete. Sie blieb vollkommen entspannt, dementsprechend besaß sie keine Verspannungen.
      Als nächstes schaute ich mir Augen und Maul an. Die Schleimhäute wiesen eine gesunde Farbe auf und auch die Zähne der Stute standen in Reih' und Glied. Also konnte ich beruhigt Herz und Lunge abhören und dann noch die Körpertemperatur kontrollieren. Wie ich es bei jojo gewohnt war, war auch Tautou topfit und machte einen sehr guten Eindruck, also konnten wir direkt Impfen.
      Es gab für die Stute vier Impfungen: Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut. Alle vier hielt sie brav aus und danach gab es auch nur noch die Wurmkur zu schlucken und sie durfte zurück in ihre Box.
      Als nächstes war ein schicker Hengst an der Reihe, dessen Namen ich absolut schrecklich fand. "Qui-xo-tic-eli-xer", versuchte Jojo ihr Glück zum gefühlten tausendsten Mal, half aber trotzdem nicht. "Spitzname?", fragte ich stattdessen und nannte den Grullo ab da Quixo. Auch ihn ließ ich mir vorführen, ehe ich ihn gründlich unter die Lupe nahm.
      Ich tastete ihn von unten bis oben ab, hörte Herz und Lunge ab und kontrollierte Schleimhäute und Körpertemperatur. Auch er war topfit, also gab es vier Spritzen und eine Wurmkur und schon war auch er fertig. Typisch Mann, war er da natürlich besonders empfindlich und zuckte bei jeder Impfung zusammen. Hach ja. Danach waren beide Pferde fertig und ich verschwand auch schon wieder.
    • Rhapsody
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      Klausurenphase - © Gwen
      | 23. Juli 2015
      „Gwen?“
      „Hm?“
      „Schreibst du Morgen nicht deine Klausur?“
      „Hm?“
      „Musst du da nicht lernen?“
      „Hm?“
      „GWEN!“
      „Hm?“

      Unschuldig schlürfte ich an meinem Eistee, bis Elena mir den Strohhalm entzog, anscheinend hatte ich zu laut geschlürft, ups. Aber Jojo schlürfte viel lauter! „Erde an Gwen, hallo?“, ertönte plötzlich Elenas Blondchenstimme direkt neben meinem Ohr. Entnervt blickte ich auf und konnte gerade noch zur Seite springen, als ich sah, wie sich der Inhalt ihres Glases über mich ergießen wollte.
      „Was ist denn los mit euch?“, fragte ich vorwurfsvoll und schon setzte Jojo ihr fachmännisches Gesicht auf – oh nein!
      „Gwen? Kennst du die fünf Phasen des Lernens?“ – „Nein, kennt sie ja anscheinend nicht!“, warf Elisa genervt ein, wurde aber mit einem Blick von Jojo zum Schweigen gebracht. War ich hier in einer Sekte oder was?
      „Also“, begann Jojo und faltete den Zettel auseinander, den Elisa ihr gegeben hatte „1. Leugnen, 2. Wut, 3. Verhandeln, 4. Depression, 5. Akzeptanz“, sagte sie mit professioneller Stimme an. Elena und Elisa nickten im Takt dazu. Und ich verdrehte im Takt dazu die Augen.
      „Aber bei dir fehlen eindeutig vier! Das ist doch keine Lösung bei der 5. anzufangen!“, ereiferte sich Elisa direkt und drückte mir ihren Zeigefinger auf die Nase. Ich versuchte ihm zwanghaft auszuweichen, aber er folgte mir überall hin. „Was ist denn daran so schlimm? Ich schaff das“, meinte ich zufrieden und schlürfte an einem neuen Glas Eistee.
      „Ich schiebe keinen Stress. Ich schiebe Klausuren“, trug ich philosophisch vor, zum Glück gab es das Internet! Elena klatschte begeistert, bekam aber sofort eine von Elisa drauf. „Als ob du lernen würdest!“, bekam die nur zurück und schon entfachte ein Streit zwischen Elena und Elisa, der so aussah, dass Elena schon wieder den Inhalt ihres Glases missbrauchen wollte – was war heute nur los mit ihr? Sonst war sie doch auch nicht so verschwenderisch?
      Ich erhob mich mühsam und winkte den anderen zum Abschied. „Ich gehe jetzt eine Runde ausreiten“, meinte ich knapp.
      Natürlich folgte mir der restliche Trupp, auch wenn ich Elisa erst einmal Ersatzklamotten leihen musste und Elena sich einen Vortrag über ihre Umgangsweise mit Mitmenschen anzuhören hatte.
      Eine halbe Stunde später saßen wir dann endlich alle auf Pferden. Jojo auf Tautou, ich hatte immer noch keinen Plan wie man das Aussprach. Elisa bockend auf Diggin‘ in the Dirth und Elena hatte sich eiskalt Levi ausgesucht („Aber den wollte ich heute reiten?“ – „Na und, jetzt reite ich ihn“). Und ich hatte mir Minou ausgesucht. Meine junge Connemarastute. Als wir losritten, flüsterte ich ihr leise ins Ohr:
      „Herzlich Willkommen im Club der Bekloppten!“
    • Rhapsody
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      Schnarch-Men
      | 02. September 2015
      „Elisa. Elisa, der Film läuft. Elisa, du hast das Marvel-Logo verpasst.“

      Elisa interessierte das nicht. Elisa starrte nur auf das Tablet, ignorierte Elena, die sie mit Flips bewarf und Gwen, die ihr ununterbrochen in den Fuß piekte. Elisa hatte nur Augen für ihr blödes Zellteilspiel. Das einzige, was darauf hindeutete, dass sie doch noch verstand, was um sie herum geschah, war ein gemurmeltes „Gleich. Ich bin Platz 2 im Leaderbord,“ in einer Monotonie, die jeden Mathelehrer dahinschmelzen ließ.

      Warte mal. Hatte ich gerade einen Mathewitz gemacht?! Bevor noch jemand sah, dass ich mich selbst innerlich zerfetzte, drehte ich mich wieder dem Fernseher zu. „Oh. Elisa, du hast … wieder irgendwas verpasst.“

      Dann war Stille, denn immerhin guckten wir einen Film. Die Lichter waren aus, nur der Fernseher war erleuchtet (und das Tablet weil Elisa ein verdammter Suchti war). Überall roch es nach Pizza, die wir nun endlich essen konnten – Gwen war strikt dagegen, zu essen bevor der Film begonnen hatte und da Gwen die meiste Selbstkontrolle hatte, hatte sie die Pizzen in Gewahrsam genommen.

      Vor etwa einer Stunde kamen wir zurück von einem Ausritt, pitschnass, hungrig und in manchen Fällen (also meinem) ein wenig angepisst. Dieses Mal hatten meine Freunde ausnahmsweise meine Pferde geritten – das ging nämlich auch. Mit Tautou, Parvati, Bacia, Chepa und Star war es dann losgegangen. In den ersten fünf Minuten schlossen wir noch Wetten über das Wetter ab – danach hatte uns ein lautes Grollen begrüßt und keine zehn Minuten später begann es, zu regnen. Zoe, die uns begleitet hatte und auf Chepa gesessen war, nannte uns Memmen und Schönwetterreiter. Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen und waren so mit knirschenden Zähnen weiter geritten. Den Stuten hatte es auch nicht sonderlich gefallen; vor allem Parvati unter Gwen hatte sofort angefangen, zu tänzeln. Früher oder später waren wir dann doch zurückgekehrt, nämlich als Zoe kleinlaut zugegeben hatte, dass ihr das Wasser in den BH lief und sie dann doch ganz gern wieder trocken wäre.

      Und weil wir hungrig gewesen waren, hatten wir Pizza bestellt und nach einem Film geguckt. Das war mit Netflix und vier verschiedenen Personen, die alle ihre Meinung durchsetzen wollten, schwierig, aber schließlich hatten wir die ersten zwei Filme der X-Men-Reihe gefunden und Elisa, zu dem Zeitpunkt noch hundertprozentig in der Realität, hatte begeistert „DIE GUCKEN WIR, KEINE WIDERREDE!“ gerufen und das war es dann gewesen. Doch dann hatte sie mein Tablet gefunden und war abgetaucht.

      Erst, als Rogue und Logan von irgendwelchen Leuten („DAS IST THOR!“ – „Thor ist Marvel“ – „X-Men auch“ – „JA ABER NICHT SO WIE THOR“) angegriffen wurde, hörte Elisa etwas zu – auch nur, um uns mitzuteilen, dass sie Wolverine nicht mochte.

      „Ich mein, muss der wirklich Zigarren rauchen? Kann der sich mal die Haare ordentlich schneiden? Und kann mal jemand mit dem shoppen gehen?“

      Dann war sie wieder in ihr Mitosis-Game vertieft. So tief, dass sie nicht spürte, wie Elena sie alle paar Minuten mit gesalzenen Erdnüssen bewarf.

      „Mach doch das W-LAN aus,“ schlug Gwen flüsternd vor, als Elisa wieder irgendetwas von Leaderbord redete. Elena hatte das gehört und schnalzte genervt mit der Zunge. „Ehrlich, Gwen?“

      „Was?!“

      „Netflix braucht W-LAN,“ murmelte ich, meine Augen auf den Fernseher fixiert. Aber Professor X hatte gerade erklärt, was dieser Magneto alles mit der Menschheit anstellen wollte, da durfte ich das!

      Hinter mir quietschte das Sofa leise, ein paar Augenblicke später zischte Elena: „Sie hat nur noch 2% Akku.“

      Und dann, nur etwa zwei Minuten später – Magneto hatte gerade irgendeinen Mutantengegner entführt und redete in einem ewigen Monolog – schrie Elisa auf einmal auf. Gwen und ich warfen uns nur vielsagende Blicke zu, dann drehte ich mich leicht um, um Elisas Schmach zu sehen. Mit verschränkten Armen saß sie in der Ecke des Sofas, schmollend, immer noch nicht bewusst, dass in ihren Haaren um die zehn Erdnüsse steckten.

      „Ich war auf dem ersten Platz! Erster!!“

      Ich hob eine Augenbraue und drehte mich dann wieder Richtung Fernseher.

      Die nächsten paar Minuten waren alle still, als wir sahen, wie sich Magnetos komischer Gefangener aus seiner Zelle quetschte, da er ja jetzt auch ein Mutant war und aussah wie ein ekelhafter Fisch.

      „Magento ist ein blöder Name,“ meldete sich Elisa schließlich. „Er trägt ja nicht mal lila!“

      „…Ist das dein Ernst?“ fragte ich und drehte mich wieder zu Elisa um. Die sah mich nur mit weitaufgerissenen Augen an, als wolle sie sagen ‚Ja … natürlich?!‘

      „Das kommt davon, wenn man einen Film schauen will aber dann von einem dämlichen Kreisespiel abgelenkt wird,“ kommentierte Elena und griff sich das allerletzte Stück Pizza aus einem Karton, der definitiv nicht ihrer war. Und sie kam durch damit! Wie unfair war das denn bitte?!

      Um mich von meinem Schmerz, Elena beim Essen des letzten Pizzastückes zusehen zu müssen, abzulenken, erklärte ich Elisa, dass der nervige Bösewicht eigentlich Magneto hieß. Sie beschloss, dass das noch blöder war und blieb bei Magento.

      Solange es sie glücklich machte.

      Auf dem Bildschirm ließ Rogue sich gerade von „ihrem Freund“, der natürlich „absolut real“ war und „absolut kein Mutant namens Mystique, die sich in alles und jeden verwandeln konnte und für Magneto arbeitete und Rogue von der Akademie weglocken sollte, damit Magneto diesmal sie kidnappen konnte, um alle UN Senatoren in Mutanten zu verwandeln“ und endlich, endlich verstummten alle. Das einzig Geräusch war das Kauen von Elena.

      Magneto kidnappte also Rogue, die Freiheitsstatue wurde für den finalen Kampf zwischen Professor X und Magneto (oder: pro-Menschen-Mutanten und anti-Menschen-Mutanten) missbraucht und Rogue natürlich wieder befreit. Magneto kam in ein Gefängnis ohne Metall (haha.) damit er nicht ausbrechen konnte, Mystique tat so, als wäre sie ein Senator und Wolverine machte sich auf den Weg nach Kanada, um sich selbst zu finden oder irgendein anderer Hippiescheiß. Alle waren glücklich oder tot oder in einem Gefängnis „ohne Metall“.

      Wir spulten die Credits vor, fanden keine Post-Credit-Szene und waren natürlich enttäuscht (oder wohl eher: ich war enttäuscht). Gwen und Elena boten sich an, ein wenig Ordnung zu schaffen, und gerade, als wir aufstehen wollten, sah ich aus den Augenwinkeln, wie Elisa mit den Armen schlug und sich ruckartig aufsetzte.

      „Ich bin wach, was hab ich verpasst?“

      Ein paar Sekunden lang sagten wir alle gar nichts. Elisa blinzelte uns fragend an, dann ergriff Elena das Wort.

      „Was hast du alles verpasst?“

      „Äh … das letzte, an das ich mich erinnern kann, ist … ähm. Ro-Rogue? Glaube ich.“

      Gwen, Elena und ich sahen uns alle genervt an, dann gingen Gwen und Elena mit Abfall bepackt in Richtung Küche, während ich mich neben Elisa setzte und ihr den Film nochmal erklärte.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen E-A - © Gwen
      | 29. September 2015
      Wenn jemand behaupten würde, wir wären theatralisch, dann würde dieser jemand natürlich lügen. Aber … um ehrlich zu sein, wir waren doch ziemlich dramatisch.
      Zum Beispiel sank Jojo gerade vor mir auf die Knie und griff nach meiner rechten Hand, als wolle sie mir einen Heiratsantrag machen. Mit einer absolut ernsten Mine sah sie mir in die Augen – anscheinend machte es ihr nichts aus, dass sie gerade auf einer Matschweide kniete – und fragte total aufrichtg: „Gwen … willst du die Erste sein?“
      Ich nahm mir ein paar Augenblicke, um ihren Gehirnsprüngen hinterherzukommen. Gerade hatten wir noch über den Winter in Kanada geredet – wollte sie von mir, dass ich die Erste war, die ihre Auffahrt vom Schnee befreite?
      „…Kommt drauf an, bei was.“
      Jojo verdrehte die Augen. „Tautous Ausbildung natürlich, was dachtest du denn?“ Als hätte es mir auffallen müssen weil es so offensichtlich war – aber gut, manchmal kam keiner bei Jojos Gedankensprüngen hinterher. „Also? Was sagst du?“
      Jetzt verdrehte ich die Augen (und versuchte, nicht umzufallen, denn Jojo benutzte mich, um sich wieder aus dem Matsch hochzuziehen). „Jaja, natürlich – ich bin verwundert, dass sie noch nicht im Stall steht.“
      „Oh, das tut sie!“ sagte Jojo grinsend. „Zoe bringt sie gerade her. Viel Spaß!“
      ***
      Auf dem Weg zum Stall kratzte ich jedes bisschen Information über Tautou aus meinem Gehirn wie möglich. Sechs Jahre, Buckskin. Vater Muraco, deswegen schon ein bisschen springvorbelastet. Und verrückt. Na das würde ein Spaß werden.
      Die dunkelbraune Stute hatte es sich wohl gerade in der Box gemütlich gemacht, denn als ich die Boxentür aufzog, hatte sie Stroh und Heu en masse in jedem Langhaarbereich – am schlimmsten aber der Schopf. Also musste ich mich erstmal mit dem Putzen ausgiebig beschäftigen, bevor es an das richtige Training ging.
      Schon auf dem Weg zum Reitplatz – die Halle war belegt und außerdem war das Wetter ganz okay – spürte ich, wie unruhig Tautou wirklich war. Tänzeln, dann stoppen, dann zur Seite springen und wieder tänzeln, rinse and repeat. Das konnte ja heiter werden. Auch beim Longieren dauerte es ein bisschen, bis sie mit der Konzentration wenigstens halbwegs bei mir war. Aber selbst dann sah man ihr an, dass sie am liebsten rennen würde; nicht unbedingt, weil sie angestaute Energie hatte, sondern einfach nur, weil sie rennen wollte. Heimlich, still und leise verfluchte ich Jojo, dann holte ich Tautou zu mir, um sie aus dem Sattel beurteilen zu können.
      Um ehrlich zu sein hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Vom Rücken aus hatte ich mehr Kontrolle über die Stute und so lief sie dann nach kurzer Zeit schon schön im vorwärts/abwärts. Die ersten Cavaletti und Trabstangen meisterten wir auch problemlos, auch, wenn sie spürbar beschleunigte, sobald sie eine Stange sah. Der echte Bewährungstest würde dann das kleine Kreuz sein. Doch schon kurz nach dem Aufbauen, als wir im Schritt nur eine Volte um das Hindernis ritten, zog die junge Stute schon ordentlich an. Das konnte ja interessant werden.
      Wie befürchtet nahm ich mir dann nach ein paar Probesprüngen vor, erst einmal an Tautous Ruhe zu arbeiten, ehe ich an das eigentliche Training kam. Aber hier überraschte mich die Stute; zwei Tage nach Beginn des Trainings ließ sie sich fallen, wölbte den Rücken auf und fing nicht mehr unnötigerweise an zu rennen. Das bedeutete, dass ich sie nun langsam an richtige Hindernisse führen konnte.
      Trotzdem blieb die Boden- und Dressurarbeit ein wichtiger Teil des Trainings, denn ohne Versammlung würde ich die kleine Stute wohl kaum heil durch einen Parcours bringen. Da schien auf jeden Fall ihr Vater hervor – soweit ich wusste war Muraco nämlich gern genauso stürmisch und unüberlegt. Oder zumindest gewesen, denn laut Jojo war er jetzt erwachsen geworden.
      Beim Freispringen an Tag 4 fielen dann die letzten Sorgen von mir ab, denn Tatze ließ ordentlich Luft zwischen ihrem Bauch und dem Hindernis auf E-Höhe. So musste ich keine Angst haben, dass wir auf einmal ins Hindernis krachen würden, sobald ich die Höhe ein wenig veränderte. Und daran arbeiteten wir dann seit dem: Weite und Höhe. Zum Glück hatte Tatze auch ihren Lerneifer von ihrem Vater geerbt und somit waren wir schon recht schnell auf A-Höhe.
      Beim letzten Training besuchte uns dann Jojo und fragte prompt, ob ich das Pferd ausgewechselt hatte. „Die ist nie so ruhig, wenn ich mit ihr trainiere! Nie! Nie und nimmer!“
      Dann schlich sich ein fieses Grinsen auf ihr Gesicht. „Du weißt hoffentlich, dass das bedeutet, dass die nächste Session bei dir schon gebucht ist, oder?“
      Meine Antwort war nur ein Augenrollen.
    • Rhapsody
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      Jolympia
      | 10. Oktober 2015
      „Dir ist aber klar, dass Tautou schon auf einem Turnier war …?“

      Ich rollte mit den Augen. „Danke, Adèle, das hatte ich ja ganz vergessen. Aber sie war noch nie auf einem solchen Turnier. Und Parvati und Blurry auch nicht –“

      Ich wurde unterbrochen von Zoe, die, wie jedes Mal, wenn jemand den Namen des Holsteinerhengstes erwähnte, anfing, zu singen (sing-murmeln). „My name is Blurryface and I care what you think.”

      Am liebsten hätte ich ihr das aufgeschlagene Stalltagebuch ins Gesicht geschleudert, aber Adèle übernahm die Strafe, indem sie der Rothaarigen auf die Füße stieg.

      „Auf jeden Fall,“ fuhr ich fort, „finde ich, die drei könnten es durch aus vertragen, sich das Getümmel einfach mal anzugucken. Schaden wird es ihnen bestimmt nicht. Und, bevor sich noch jemand äußert, ich übernehme Blurry.“

      Sofort protestierten beide – Blurry hatte sich innerhalb der zwei Monate, die er jetzt hier lebte, schon zum allgemeinen Liebling gemausert. Jeden Tag wurde Schere-Stein-Papier gespielt und der Gewinner hatte dann das Privileg, den Hengst zu beschäftigen (aber ich hatte trotzdem des Öfteren die Chef-Karte ausgespielt. So wie heute).

      ***

      Jolympia – nein, ich würde mich jetzt nicht über den blöden Namen aufregen – war mittlerweile mitten in den Prüfungen, also war heute einer der besten Tage für das Youngster-Experiment.

      Ausgiebig wurden alle drei Ponys (ja, Painted Blur war durchaus ein Pony.) geputzt und geschniegelt – man sollte sie ja durchaus für Teilnehmer halten. Adèle ging sogar so weit, dass sie Tautous Löwenmähne mit einer Schere viel zu nahe kam – zum Glück konnte ich mich noch dazwischen werfen. Widerwillig flocht sie ihr dann doch nur Zöpfe.

      Ich hätte gerne einen absolut dramatischen Auftritt gemacht, komplett mit Sonnenbrillen und Slow-Mo, aber laut den anderen beiden wäre das „too much“ gewesen. Also legten wir den Ponys nur ordentliche Halfter an, die entweder frisch gewaschen oder noch nicht benutzt gewesen waren, und schleusten uns ganz unauffällig auf das Turniergelände (das natürlich nur Elisas Hof war aber wen interessierte das schon?).

      Wir trennten uns schon bald und machten auf eigene Faust das Areal unsicher. Okay, nicht wirklich unsicher – das wildeste, das Blurry machte, war einmal zusammenzuzucken, als es einen Knall aus dem Stall gab. Mir wurde von irgendwelchen Teilnehmern aber sofort versichert, dass ein Pferd wohl nur ausgeschlagen hatte und dabei eine Boxentür getroffen hatte, als ich nachfragte.

      Und der Rest des Experiments war … eher langweilig. Eine Zeit lang sah ich bei den Springprüfungen zu, dann machte ich noch einen Rundgang mit Blurry, ehe ich mir die nächste Prüfung anguckte. Irgendwelche bekannten Gesichter sah ich auch nicht; einmal dachte ich, ich hätte Declans Gesicht gesehen, aber das stellte sich dann auch nur als optische Täuschung heraus.

      „Du bist langweilig,“ meinte ich schließlich zu Blurry, als ich den anderen kurz per SMS Bescheid sagte, dass wir zurückgehen würden. „So langweilig. Wieso bist du so langweilig?“

      Der Hengst guckte mich nur mit großen Augen an.

      ***

      Der Lagebericht an dem Abend war auch äußerst unspektakulär. Tautou – die ja schon auf mehreren Turnieren gewesen war und deshalb heute vielleicht eher was Richtiges hätte machen sollen, sagte eine Stimme, die verdammt nach Adèle klang, in meinem Kopf – war, ähnlich wie Blurry, durchgehend entspannt gewesen. Mit Parvati hatte es anscheinend ein paar mehr Situationen gegeben, bei denen sie beruhigt werden musste, aber letzten Endes war auch sie ganz souverän übers Gelände gegangen.

      „Wir haben einen schlimmen Fall von Streberismus,“ murmelte ich, während ich das Experiment ins Stalltagebuch schrieb. „Wieso haben wir immer Streber?“

      „Wie der Herr, so’s Gscherr,“ antwortete Zoe in einem astreinen Deutsch. Bayerisch. Fränkisch? Was auch immer. Auf jeden Fall sahen Adèle und ich sie beide entgeistert an.

      Während bei mir aber erst einmal die Realisation einsackte, was die Gute wirklich gesagt hatte, liefen Adèle und Zoe beide aus dem Zimmer – und Adèle flehte Zoe an, ihr das auch beizubringen.

      „Ich bin umzingelt von Idioten,“ stellte ich schließlich fest. „Umzingelt.“
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Military A-L - © Gwen
      | 30. Oktober 2015
      Halb verschlafen betrat ich den Stall von Townsend Acres, dabei war ich auf der Suche nach Elisa, weil ich dringend einige organisatorische Dinge mit ihr besprechen musste. Dabei ging es eigentlich um kommende Turniere, die bald anstehen würden, aber stattdessen blieb mein Blick an einem Pferd hängen, was nicht in Elisas Stall gehörte. Und zwar schlichtweg aus der Tatsache, dass es kein DRP war.
      Es war Tautou, die kleine Tatze von Jojo, die dort in der Box stand und zufrieden ihr Heu zupfte. An der Boxentür klebte ein Umschlag und da ich nicht viel vom Briefgeheimnis hielt, schnappte ich ihn mir. Leider musste ich das Briefgeheimnis nicht mal achten, weil der Text mit einem „Liebste Gwen…“, begann und der Brief somit eindeutig für mich bestimmt war. Lang war auch nicht…
      „… ich wusste, dass du den Brief einfach öffnen würdest. Damit hast du dich nun freiwillig zum Training von Tautou bereit erklärt! Elisa war nicht so doof und hat den Brief von mir angenommen, aber ich wusste doch, dass du auf meiner Seite stehst. Also viel Spaß! Deine Jojo“
      Grummelnd wollte ich ihn zusammenknüllen, ehe ich sah, dass auf der Rückseite noch was stand: „P.S.: Sikari kommt Morgen zu euch, Zoe hatte heute keine Zeit mehr sie zu holen, aber um sie kann sich ja auch Elisa kümmern.“
      Seufzend hob ich den Blick und schaute Tatze an. Na ja, nützte nichts, wenn sie einmal hier stand, musste sie auch trainiert werden. Da ich mich weigerte, schon wieder in Dressur zu trainieren, wählte ich Military. Tatze war dort bereits auf A-Niveau und die letzten schönen Herbsttage musste man schließlich nutzen! Später würde man nur noch durch tiefen Schnee reiten können.
      Heute begannen wir mit einem lockeren A-Parcours, der einfach nur als Test diente, wie weit Tatze war. So wie Jojo kannte, war sie mit ihr schon höher gesprungen und Tatze schien dafür sowieso ein großes Talent zu besitzen, auch wenn sie manchmal schrecklich nervig war. Tatze war ein wahrer Frechdachs, ob sie das von ihrem Vater hatte? Ich sah jedoch drüber hinweg, denn dafür war die Stute einfach zu talentiert.
      Schon nach dem ersten Training war ich sehr motiviert, was die kommenden Wochen betraf und natürlich betete ich für gutes Wetter. Am nächsten Tag durfte ich übrigens auch Sikari kennenlernen. Elisa war natürlich vom Erdboden verschluckt und so blieb auch diese Arbeit an mir hängen. Nachdem ich mit Tatze fertig war und die Stute mit Abschwitzdecke in ihrer Box stand, machte ich mich mit Sikari bekannt. Die Stute war bereits 13 Jahre und sehr ruhig.
      Dementsprechend lieb war sie auch während des Putzens und Sattelns. Auch mit ihr würde das Training schnell von Statten gehen. Gemächlich wärmte ich sie auf, ehe wir in die Halle gingen, denn draußen dämmerte es bereits. Erst einmal wollte ich schauen, wie weit Sikari war. Zwar lief sie in der Dressur angeblich erst auf E-Niveau, aber bei ihrem Alter war ich mir sicher, dass sie schon mehr konnte.
      Tatsächlich waren der Mitteltrab und der Mittelgalopp kein Problem, genauso wenig wie die Volten und Schlangenlinien. Rückwärtsrichten beherrschte die Stute auch schon und dementsprechend war einiges aus unserer Liste bereits abgehakt. In der ersten Stunde erarbeitete ich den Übergang vom Schritt in den Galopp. Da Sikari sehr fleißig und motiviert war, klappte das auch sehr gut. Natürlich würde sie noch weicher anspringen müssen und mit mehr Vorwärtsdrang, aber das würde schon noch werden.
      Ab sofort ritt ich Tautou vormittags und Sikari nachmittags. Immerhin brauchte ich das knappe Tageslicht für die Geländestrecke, denn die konnte ich nicht einfach in eine beleuchtete Halle packen. Tautou arbeitete fleißig mit und wir erarbeiteten uns schnell neue Hindernisse. Erst ein breiterer Wassergraben, dann einen Hang.
      Auch bei Sikari lief es wunderbar. Nach der dritten Stunde konnten wir mit dem Viereck verkleinern/vergrößern beginnen und arbeiteten nebenbei auch schon an weiteren Seitengängen, da Sikari sich mir so herrlich anbot. Die Zeit verging wie jedes Mal im Flug. Am Ende konnte Sikari auch die Kehrtwendung auf der Vorderhand und reagierte richtig auf das Überstreichen im Galopp.
      Tatze war am Ende der zweiten Woche auch so gut wie fertig. Wir waren den L-Parcours nun schon fast täglich gesprungen und hatten zur Abwechslung auch das ein oder andere M-Hindernis mit eingebaut. Beide Stuten waren bereit, um ihrer eigentlichen Besitzerin wieder Freude zu machen.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Military L-M - © Gwen
      | 30. November 2015
      Es war November und es wurde kalt. Die erste dünne Schneeschicht lag bereits und so wollte ich die letzten sonnigen Herbsttage für ein wenig Geländetraining mit Jojos Lewitzerstute Tautou nutzen. Zwar würden wir schon große Teile in die Halle verlegen müssen, aber wenigstens konnte man ab und an noch die große Geländestrecke benutzen, ehe diese dann endgültig unter einer dicken Schneedecke verschwand.
      Tautou ritt ich nun schon länger und hatte sie auch schon im Gelände trainiert. Inzwischen waren sie dort auf Stufe L und wir würden den Schritt zur M wagen. Springen liebte Tautou, sowohl in der Halle als auch im Gelände und so hatte ich es auch diesen Monat wieder leicht, die Stute zum Training zu motivieren. Schon am ersten Tag machte sie fleißig mit.
      Da es regnete, verzogen wir uns jedoch in die Halle, wo ich die Geländesprünge aufgebaut hatte und Tautou über diese hinüber jagte. Für die Halle war sie zu schnell, also musste ich sie viel zurücknehmen, damit sie zumindest ein bisschen gesetzter laufen würde. Ich freute mich ja schon auf den Winter, in welchen ich zum Dressurtraining mit Tautou verknackt worden war, das würde ein Spaß werden!
      Doch nun galt es sich weiterhin auf Tautou zu konzentrieren. In der Halle erarbeiteten wir vor allem den passenden Anritt und Absprung vor dem Hindernis. Ein bisschen musste das auch von Tautou selbst kommen, auch wenn ich jederzeit eingreifen konnte und ihr auch allerhand Hilfe gab. Es klappte wir gut, nur die Wendungen waren mir noch zu schräg, da musste Tautou sich unbedingt aufrichten, sonst würden wir im rutschigen Gelände eiskalt auf dem Po landen.
      Dort ging es dann auch die kommenden Tage hin: ins Gelände. Die kommenden Tage waren nämlich sonnig, auch wenn es immer mehr schneite. Noch war es lockerer Pulverschnee durch welchen man wunderbar galoppieren konnte, weshalb die Geländestrecke auch riesigen Spaß machte. Beim Geländespringen veränderte sich nicht sonderlich viel mit den Klassen, es gab schließlich keine neuen Lektionen.
      Stattdessen trainierte ich Tautous Kraft und Ausdauer. Dazu gingen wir auch für Ausritte viel ins Gelände und arbeiteten auch dressurmäßig ein wenig. Alles auf E-Niveau, aber Tautou gab sich auch bei der Dressur Mühe, wenn auch sie ein wenig lustloser war. Die Tage gingen auf jeden Fall schnell rum und schon bald sprang die Stute ihren ersten M-Parcours. Ein paar Fehler waren noch dabei, doch ansonsten sah das Ganze schon sehr passabel aus.
      Wir widmeten uns noch ein paar Tage den Feinheiten, ehe Tautou meiner Meinung nach bereit war. Nun würde sie wieder zurück zu Jojo kehren können und ihre Pause genießen dürfen, ehe wir dann bald mit dem Dressurtraining beginnen würden. Tautou würde sicherlich ganz viel Spaß dabei haben! Und ich erst.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen A-L - © Gwen
      | 31. Dezember 2015
      Weihnachten war endlich vorbei und so langsam ließ der gesamte Stress nach. Leider viel zu langsam, denn Neujahr stand eigentlich schon so gut wie direkt vor der Tür und da ging der Stress ja bekanntlich wieder von vorne los. Trotz der Festtage hatte ich aber auch Berittpferde, mal wieder. Im Winter blieben diese vorzugsweise auf den Gestüten ihrer Besitzer, was für mich ja nun kein großes Problem war. Zu Jojo brauchte ich zehn Minuten, wenn es hoch kam und so konnte ich oftmals direkt nach dem Training von Elenas Pferden bei Jojo vorbeischauen.
      Jojo hatte beschlossen, auch Weihnachten und Neujahr noch zu Hause in Deutschland zu verbringen. Natürlich verstanden wir das, aber vermissen taten wir sie trotzdem. Auch Zoe und Adele waren manchmal schon ein wenig verzweifelt, wenn sie die Hausherrin nicht direkt um Rat kümmern konnten und teilweise waren beide auch sehr unwissend. So begrüßte mich heute nämlich eine bereits geputzte und gesattelte Tautou im Stall, welcher von Zoe noch Gamaschen und Streichkappen angelegt wurden.
      "Euren Parcours habe ich auch schon aufgebaut!", meinte sie lächelnd und ich starrte sie nur verwirrt an, ehe ich sie aufklärte, dass sie das echt nicht machen brauchte, das konnte ich alles selbst machen. Natürlich war ich ihr dennoch sehr dankbar für ihre Mühen und deshalb bedankte ich mich auch noch gefühlte fünfmal bei ihr, ehe ich Tautous Zügel nahm und mich auf den Weg in die Halle machte. Der Parcours, welcher dort stand, war echt klasse.
      Doch erst einmal musste Tautou in aller Ruhe warmgeritten werden. Im Winter dauerte es doppelt so lange, weshalb ich mir auch einiges an Zeit ließ, damit sich ihre Muskeln wirklich lockerten. Erst dann begann ich mit Trabstangen und Cavaletti, ehe es nach fast einer halben Stunde an den Parcours ging. Heute machten wir nicht viel, denn ich musste mir erst einmal wieder einen Überblick verschaffen, wie es um Tautous Können im Parcours aussah. Sehr gut im Übrigen, die Stute war ein absoluter Springcrack. Sie hatte eine traumhafte Manier und das richtige Gespür für den Absprung, manchmal fragte ich mich, was ich überhaupt noch auf ihrem Rücken machte, aber dann fiel mir ein, dass sie ohne Reiter nicht an Turnieren teilnehmen konnte.
      Motiviert arbeiteten wir nun täglich im Parcours und verbesserten ihre Technik und Ausdauer. Ebenso erhöhten wir auf L-Niveau, das war jedoch nicht viel mehr als 20-30cm mehr. Für Tautou war das ein Klacks und selbst ich konnte mich nicht beschweren. Mit der einfarbigen Lewitzerstute ging das Training wie selbst von der Hand. Ab und an bauten wir auch Ausritte ein, um einen freien Kopf zu schaffen oder die Kondition zu stärken. Tautou war da immer sofort dabei. Sie liebte das Gelände und das Springen.
      Nur im Winter hatte ich eher weniger Lust auf Geländespringen, weshalb wir dann eher zu dem normalen übergingen. Laut Jojo war das aber auch vollkommen in Ordnung und sie war begeistert von den Fortschritten, welche ihre Stute in zwei Wochen gemacht hatte. Das Zertifikat war dann auch schnell ausgestellt und schon war Tautou für L-Turniere zugelassen. Zoe und Adele wollten das unbedingt mit Sekt feiern, so dass ich ihnen erklären musste, dass ich a. keinen Alkohol trank und b. es sowieso viel zu viel geworden wäre, wenn ich das bei jedem fertig trainierten Pferd gemacht hätte.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
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    Rhapsody
    Datum:
    14 Aug. 2016
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  • Tautou

    Von: Muraco
    Von: Monaco
    aus der: Rosendahls Fanny


    Aus der: Tameera
    Von: unbk
    aus der: unbk



    Rasse: Lewitzer
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 147cm
    Geburtsdatum/Alter: 30. März, 8 Jahre
    Fellfarbe/Genotyp: Buckskin [Aa EE Crcr]


    Zuchtzulassung: [SK 440]
    Leihmutterschaft: nicht für die öffentlichen Zucht vorgesehen
    Nachkommen: -


    Letzter Tierarztbesuch: 10. März 2016 [Klinik Caen]
    Letzter Hufschmiedbesuch: 14. Dezember 2016 [Hufschmiede Pine Grove Stud]


    Leichtfüßig, durchlässig, traumhaft zu reiten – das alles könnten Attribute sein, mit denen man Tautou beschreiben könnte. Denn sie ist alles andere als durchlässig und traumhaft zu reiten, und um Leichtfüßigkeit lässt sich bekanntlich streiten. Ein Trampel ist sie nicht, so viel sei gesagt. Doch ihre Gänge sind für Anmutigkeit und Grazilität viel zu schnell, hektisch. Für eine gediegene, grazile Dressur ist Tautou also nicht besonders zu haben.
    Dafür wurde ihr das Talent zum Springen in die Wiege gelegt. Für Arenaspringturniere ist sie noch zu unruhig und zu ungestüm, doch auf der Geländestrecke sieht man sofort, wer ihr Vater ist, auch, wenn Muraco und seine Tochter aus Deutschland sind wirklich kaum ähnlich sehen. Das Entscheidende jedoch ist der Charakter; Tautou ist sehr ungeduldig, kommandiert gern Mensch und Tier herum und ist ein kleiner Frechdachs. Somit ist sie ziemlich unpassend für Kinder, da sie die nötige Geduld nicht mitbringt. Doch zum Anschauen allein ist Tautou eine Augenweide – das Creme-Gen wurde ihr von ihrer Mutter vererbt, eine wunderschöne Palominostute. Man hätte zwar nicht unbedingt damit gerechnet, dass aus einem Rappschecken und einem Palomino eine einfarbige Buckskinstute kommen würde, doch beschwert hat sich keiner. Die Farbe macht sie natürlich auch für die Zucht interessant – doch bis dahin muss sie erst einmal ihre Leistungsprüfung absolvieren, und bis dahin muss mit der jungen Stute noch ausgiebig trainiert werden, damit sie in die Hufabdrücke ihres Vaters treten kann.


    Qualifikationen & Erfolge
    Fohlen ABC – eingeritten – eingefahren – Englisch
    Eignung: Military

    Dressur A – Springen M – Military M – Fahren L – Distanz A

    307. Galopprennen
    225. Militaryturnier
    228. Militaryturnier
    344. Springturnier
    237. Militaryturnier
    263. Fahrturnier
    241. Distanzturnier
    239. Militaryturnier
    267. Fahrturnier
    437. Schönheitswettbewerb
    347. Galopprennen



    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: Elii

    Offizieller Hintergrund