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Mohikanerin

St. Pauli's Amnesia

Trakehner | Stute | Ungekört | (c) Sadasha

St. Pauli's Amnesia
Mohikanerin, 18 Feb. 2020
Bracelet, Wolfszeit, Zion und 2 anderen gefällt das.
    • Mohikanerin
      Nationalteam I | August 2020 (eingefügt 05.02.2021)
      Herkules // HMJ Divine // WHC' Ahvani // Curly Lure // Doo Wop // WHC' Candela // WHC'Mitena // WHC' Mimithe // WHC'Minya // Minnie Maus // British Gold // Miss Leika // (Beastly Domina) Mijou// Sunny Empire // Briair // Lancasters Peppermint //Nathalie

      Glymur // Kempa // Snúra // Snotra // Satz des Pythagoras // HMJ Holy // St. Pauli's Amnesia


      Was bisher geschah … Vriska und Max hatten es in das Schwedische Nationalteam geschafft. Die erste Woche am Standort in Stockholm haben sie erfolgreich gemeistert in ihren Expertenteams. Nun steht die erste Studienreise an nach Kanada, was sie erst am Vortag erfahren haben. Ziel ist es zu lernen und das ganze schwedische Team kennenzulernen und auch die Gegner?

      Vriska
      Nach Kanada? Wie aufregend! Mit meinen Eltern war ich damals schon ein paar mal in Toronto, aber reiten in Kanada ist etwas neues für mich. Völlig übermüdet kommen wir am Flughafen an, die Pferde sind bereits abgegeben und wir besprechen mit unserem Trainer wie der weitere Verlauf ist.
      “Bitte versucht alle zusammen zu bleiben hier, wir müssen alle das Flugzeug bekommen. Genau das gleiche bei der Ankunft. Also bitte, ihr seid fast alle Volljährig. Ihr schafft das.”, sagt Frau Wallin, meine Gangtrainerin. Wir sind 5 Leute im Gangpferdeteam und ich bin froh das es nicht so viele sind.
      “Sind das die Anderen”, tuschelt mich Milena von der Seite an.
      “Ich denke ja”, flüstere ich zurück. Sie zeigt vorsichtig mit dem Finger auf einen Typen, den sie offenbar ganz gut findet. “Denkst du, dass ich den kennenlernen kann.”, fragt sie mich neugierig. Ich zucke nur mit den Schultern. “Versuch es doch einfach, aber ich weiß nicht so recht was Englischreiter mit uns Isländer Reiter anfangen sollen. Unsere Pferde laufen deren Meinung nach ja eh nur gequält und überhaupt nicht durch den Rücken.”, antworte ich. “Mhm, du hast recht. Vielleicht ist es in der Freizeit dann einfacher, als hier gestresst am Flughafen”, versucht Milena einsichtig zu sein doch guckt immer zu ihm rüber.
      “Weißt du was? Wir gehen da jetzt einfach rüber. Erst in 20 Minuten müssen mir zum Flieger zumal sie ja auch mit kommen”, antworte ich. Dann ziehe ich meiner neuen Freundin am Arm rüber zu den Jungs. Verlegen steht sie neben mir. “Hey ihr. Ich wollte uns einfach mal ganz Spontan vorstellen. Das ist Milena und ich bin Vriska. Wir gehen mit zu den Gangsalatreitern. Wer seid ihr?”, frage ich neugierig. Alle wirken sehr erstaunt über unseren Mut. “Wir sind Matts, Niklas, Björn, Chris, Filey, Erik und Hannes. Einer ist gerade noch unterwegs. Ursprünglich hatten wir uns alle für Dressur oder Springen beworben, doch unser Team wurde immer Kleiner, deswegen machen wir jetzt Eventing.”, erzählt der Große, den Milena gut findet. “Und was ist das?”, fragt Milena vorsichtig. “Hahaha, mit unseren Pferden reiten wir drei Disziplinen in einem Wettbewerb - Geländespringen, Dressur und Springreiten. Je nachdem was auch auf Turnieren ist, reiten wir die Arten auch einzeln.”, erklärt er. “Wer bist du von den Aufgezählten?”, frage ich dann neugierig nach. In Milenas Augen sehe ich, dass sie am liebsten aus ihrer Haut heraus möchte, doch ich halte sie weiterhin am Arm. “Ich bin der Niklas”, antwortet er und zwinkert mit einem Auge mir zu. Ich hoffe er versteht es nicht falsch, mein Typ ist er aber überhaupt nicht. “Na gut, wir gehen dann wieder. Man sieht sich dann in Edmonton”, verabschiede ich mich von den Jungs. Als wir wieder bei unserer Truppe sitzen, Max der mich noch immer vollkommen ignoriert, stößt der Abtrünnige zu der Jungsgruppe. Unsere Blicke treffen uns kurz und schaue schnell weg wieder zu Milena. Sie sieht meinen Blick und zieht mich Beiseite.
      “Ach also doch?”, fragt sie kichern.
      “Ey lass das. Der sieht einfach nur gut aus!”, antworte ich leicht genervt.
      “Aber die anderen sind doch viel heißer?”, fragt sie dann extrem schockiert.
      “Komm wir müssen zum Check-in”, sage ich zu ihr und versuche vom Thema abzulenken. Zum Glück ist sie manchmal etwas dümmlich und springt drauf an. Auf dem Weg zum Terminal gucke ich immer mal wieder kurz zu ihm, auch er scheint ab und an drüber zu gucken. Jedes mal versuche ich mir nichts anmerken zu lassen und schaue dann schnell weg. Hoffentlich denkt er nichts oberflächliches von mir. Mal sehen.
      Nach schon 2h ist der erste Zwischenstopp - In Frankfurt. Der Anschlussflug ist erst in eineinhalb Stunden, in der Zeit sollen wir wieder so gut wie es geht zusammen bleiben und am besten auch was essen, da wir danach erstmal 7,5h fliegen.
      “Man ich hasse fliegen”, beschwere ich mich bei Milena, die schon wieder nur Augen für die Jungs hat.
      “Hallo, hörst du mir überhaupt zu?”, frage ich sie und fuchtle mit meiner Hand vor ihrem Gesicht herum.
      “Ähm … es hast du gesagt?”, gibt sie zu nicht zugehört zu haben.
      “Ich sagt, dass ich fliegen hasse. Das ist so lästig. Warum fliegen wir so extrem weit nur zum üben und kennenlernen?”, jammere ich.
      “Ach reiß dich zusammen. Wir sind doch da fast zwei Wochen, ist doch voll cool. Wir sind alle volljährig und keine Eltern. Dann noch mit den Pferden - Besser kann es nicht sein. Nicht mal irgendwas bezahlen müssen wir.”, freut sie sich. Wenn Milena könnte, würde sie den ganzen Flughafen zusammen schreien, aber dafür fehlen ihr auch einfach die Eier.
      “Die haben hier überhaupt nichts veganes”, beschwere ich mich wieder bei meiner Freundin, die fröhlich ein Salami Brötchen nach dem anderen neben mir verschlingt.
      “Ja dann musst du dir halt was anderes aussuchen”, sagt sie mit vollen Mund. Ich rolle nur mit den Augen und entscheide mich dann für einen blöden Salat mit Falafel. Besser als gar nichts. Dann geht es auch schon weiter ins Flugzeug. Die längste Strecke liegt nun vor uns.
      Im Flugzeug versuche ich die Strecke zu verschlafen, immer wieder wenn ich wach werde ist Milena nicht da. Wo ist die Bloß? Dann schlafe ich wieder ein.
      Völlig übermüdet steige ich aus. Wo wir sind, weiß ich nicht. Auch Milena ist nicht da, also folge ich einfach Max, der nicht ganz so begeistert ist. “Was willst du?”, fragt er genervt.
      “Schlafen”, antworte ich halbtot. Er nickt nur und zeigt mir kurz wo wir warten sollen, auch Frau Wallin ist da.
      “Und wie war’s bisher?”, fragt sie mich total fröhlich und wach.
      “Anstrengend, ich will einfach nur weiter schlafen”, antworte ich ihr ganz trocken und lege meinen Kopf auf meine Hände, die über die Lehne des Stuhles hängen.
      “Vriiiiiska”, kreischt es in mein Ohr.
      “Alteeer, was los?”, erhebe ich mich langsam und höchst genervt. Dann bemerke ich Milena mit den Abtrünnigen. Direkt ändert sich mein Gesichtsausdruck. Hoffentlich sehe ich nicht so furchtbar aus wie ich mich fühle.
      “Müde oder?”, fragt er und lacht kurz. Ich nicke. “Komm ich helf dir”, sagt er und reicht mir seine Hand um mir hoch zu helfen.
      “Danke”, bedanke ich mich.
      “Wir müssen rein, Frau Wallin will auch noch mal kurz zählen und irgendwas sagen”, berichtet mir Milena. Der Abtrünnige winkt mir zur Verabschiedung und geht zurück in seine Gruppe. Aufmerksam versuche ich Frau Wallin zu folgen aber meine Gedanken sind ganz woanders. Im Flugzeug werde ich nochmal Milena fragen was wir bei Ankunft machen sollen. Man könnte sagen, dass ich einen Jetlag habe.

      Während das Schwedische Nationalteam ziemlich fertig sich noch 300km auf dem Weg zum Gestüt macht, laufen dort die Vorbereitungen auf Höchsttouren.

      Jace
      “Samu, sind die Boxen alle fertig”, rief ich durch den Stall während ich die letzte Schubkarre mit Stroh heran fuhr. Bis auf die Tunierpferde waren die meisten unserer Pferde auf den Sommerkoppeln, sodass genug Boxen frei waren für unsere Gäste. Denn auf dem Whitehorse Creek Stud wurden zwei Nationale Teams erwartet, weshalb schon die ganz Woche der Hof auf Hochglanz gebracht wurde.
      “Ja, wenn du mit dieser hier fertig bist schon”, antwortete der blonde Mann aus der Nachbarbox. “Uff, da müsste es gewesen sein”, sagte ich wenig später. Der Stall war nun blitz blank und alle Boxen waren frisch eingestreut. “Es kann nicht mehr allzulange dauern bis das schwedische Team ankommt, meinte Luchy”, sagte der blonde Finne der gerade aus der Sattelkammer kam. “Das kanadische Team kommt erst heute Abend”, sprach Samu weiter.
      Es war gerade erst einmal 11 Uhr und wegen den ganzen Vorbereitungen waren meine Trainingspferde diese Woche ganz schön kurz gekommen.
      “Ich schnapp mir gleich noch Herkules und kontrolliert die Koppelzäune, ich glaube auf der Sommerkoppel war irgendwo etwas kaputt”, sagte ich zu Samu und verschwand in Richtung Koppel wo der Buckskinhengst friedlich graste. Eigentlich war es nur eine Ausrede gewesen um noch schnell eine Runde Ausreiten zu gehen bevor der ganze Trubel beginnen würde. Ich schnappte mir den großen Hengst, packte eine Trense drauf und schon ging es in Richtung der Sommerkoppeln. Ich ritt tatsächlich die Zäune ab fand aber natürlich nichts, weil wir die Zäune ungefähr 20mal diese Woche kontrolliert hatten. An der Fohlenkoppel hielt ich Herkules einen Moment an und genoss einen Moment die Ruhe.
      “Riiiing, Riiiing”, unterbrach mein Handy die Ruhe. “WAS?”, meldete ich mich leicht genervt. “Das Schwedische Team kommt an und du sollst herkommen”, meldete sich Samu. “Ok. Bin in 5 Minuten da”, nuschelte ich genervt und legte auf.
      “Na dann Großer zurück zum Hof”, sagte ich zu dem Buckskin und drückte sanft meine Schenkel gegen seinen Bauch. Im Trab ging es zurück zum Hof, wo ich gerade noch Rechtzeitig ankam. Allerdings hatte ich keine Zeit mehr mein Pferd weg zu stellen. “Sieht so aus als wärst du jetzt das vierbeinige Begrüßungkomitee”, sagte ich zu dem Hengst. Ich bemerkte wie Lina mich ein wenig böse anfunkelte. Sie war wohl immer noch sauer, dass ich sie gestern mit Divine allein gelassen hatte, aber ich konnte schließlich nichts dafür das Luchy beschlossen hatte, dass Samu und ich die neuen Deppen vom Dienst waren. “Jace, dass du auch immer so trödeln musst”, zischelte Samu mir zu und setzte danach gleich ein lächeln auf, da das Shuttel vorfuhr. Brav stand wir nun dort aufgereiht Luchy, als Hofbesitzern und dann Lina, Samu und ich als Gästebetreuung. Das schwarze Shuttel hielt an und die Türen öffneten sich. Der Hengst neben mir begann mein T-Shirt anzuknabbern. “Lass das Herkules”, flüsterte ich dem Hengst zu und schob seinen Kopf zu Seite. Gespannt beobachte ich nun wie die Leute austiegen.

      Vriska
      „Das soll ein Hof sein auf dem ein Nationalteam trainiert“, beschwert sich ein männliches Geschöpf aus der hinteren Reihe.
      „Jetzt reiß dich mal zusammen Chris. Du weißt ganz genau, dass wir noch jeder Zeit rausfliegen können.“, antwortet ein Anderer und da muss ich kurz schlucken. Für mich war das etwas festes, was mir niemand mehr nehmen kann, doch jetzt können wir immer noch jeder Zeit aus dem Team gehen. Der Flugstress hat mich schon ans Ende getrieben, was soll das jetzt erst werden? Auch Milena ist zum Glück langsam zur Ruhe keimen und vorsichtig wecke ich sie im Bus: „Schlafpudel, wir sind da.“
      Ein kleiner Sabberfaden tropft auf ihr Shirt herunter und sie wischt ihn weg. „Was wir sind da?“, schreit sie aus alter Gewohnheit heraus. Ich nicke. Komm wir müssen heraus.
      „Hey hier Lieben. Die Islandreiter kennen mich bereits, ich bin Frau Wallin und die Trainerin für die Islandtruppe. In den 14 Tagen gehöre ich zu den Haupttrainern und werde auch Unterricht geben für alle anderen.“, stellt sich unsere Trainerin vor. Wir jubeln. Auch die Jungs machen sich einen Spaß heraus.
      “Männer, wenn ihr ein Problem habt, dann könnt ihr auch direkt wieder umdrehen!”, tadelt sie die Truppe. Stille.
      “Geht doch, also wo waren wir … ach ja. Als erstes macht ihr eure Pferde, dann habt ihr erstmal Freizeit. Um 18 Uhr beginnt dann ein gemeinsamer Grillabend mit Tanz und Musik. Und ja Vriska. Ich habe veganes Zeug für dich besorgt”, lacht sie. Was für Veganes Zeug frage ich mich, weil mir reicht doch auch Gemüse. Na gut. Nett von ihr.
      Milena und ich sind nun abgelenkt von den Jungs. Jetzt stehen die Pferde wieder im Mittelpunkt. Aus dem Transporter holt Milena und Max ihre Pferde raus. Ganz hinten steht dann mein Glymur, der mich mit einem grummeln begrüßt. “Na du”, sage ich zu ihm und streiche ihm über die Nase, dann führe ich ihn langsam aus dem Transporter. Leider können Milena und ich nun nicht zusammen zum Stall da ihre Stute Kempa rossig ist, darauf reagiert Glymur sehr gern. “Komm jetzt”, ziehe ich am Strick. Nervös reißt er seinen Kopf nach oben, kurz danach ist er wieder ruhig. Was ein Stress denke ich mir.
      “Die Pferde kommen auf die Weide”, sagt ein junger Mann im Stall zu mir.
      “Oh danke, das hatte man uns noch nicht mitgeteilt.”, bedanke ich mich und er zeigt mir wo ich lang muss. Schnell finde ich die Weide, löse den Strick und beobachte noch eine Weile, als mich plötzlich jemand auf der Schulter antippt. Hektisch drehe ich mich um - der Abtrünnige steht neben mir. Innerlich kocht es in mir hoch und gefühlt steigt meine Körpertemperatur auf 55° hoch. “Oh hey”, begrüße ich ihn.
      “Ist das dein Pferd?”, fragt er mich neugierig.
      “Ja, das ist Glymur. Meiner ist es nicht, den habe ich von meinem Chef gestellt bekommen um am Team teilnehmen zu können”, erzähle ich ihm. Ganz ruhig, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Dann atme ich kurz durch. Verwundert guckt er mich an mit einem leicht skeptischen Blick.
      “Ach aber ist doch cool. Ich hab mein Pferd endlich abkaufen können, im Team bin ich ja schon fast zwei Jahre.”, berichtet er. Ich nicke und dann verabschiedet sich wieder.
      Als er aus der Reichweite ist, kommt Milena angerannt.
      “Und was hat er gesagt? Hat er dir gesagt wie er heißt? Will es sich mit dir heute treffen?”, bewirft sie mich mit Fragen.
      “Ganz ruhig! Wir haben uns nur kurz über die Pferde unterhalten. Nein, keine Ahnung wie er heißt”, antworte ich ihr.
      “Sonst hast du doch auch immer eine große Schnauze. Warum nicht jetzt?”, stichelt Milena mich. Ich winke ab und wir gehen zusammen unsere Sachen holen um das Zimmer zu beziehen.
      “Halbpension ist das hier oder?”, stellt Milena mir eine Frage. Mit meinen Gedanken bin ich aber noch an der Weide und überlege, wie ich hätte das kurze Gespräch besser führen können. Offenbar scheint ja doch Interesse an mir zu haben. Mhm. “Vriiiiska”, nervt Milena weiter. Ich gucke zu ihr. “Mh?”, erkundige ich mich.
      “Ich habe dich gefragt, ob das hier Halbpension ist oder nicht”, wiederholt sie.
      Ich zucke mit den Schultern: “Ja, ich denke schon.”
      “Ach gut, dann hast du Kochdienst für immer”, sagt sie und lacht. Ich nicke und lachte mit ihr. Ihren Frass möchte niemand zu sich nehmen.
      “Ist Linh gar nicht bei uns mit ihm Zimmer?”, erkundige ich mich bei Milena, die immer mehr Plan von allem hat.
      “Ne, die hat ein Zimmer mit Anna, die sind doch beide schon im Jugendkader gewesen. Best Buddys und so”, erklärt sie. Wieder nicke ich nur.
      “Na gut, schade.”, erwidere ich.
      Für die nächsten zwei Wochen ist das unsere neue Heimat und ich bin gespannt was noch auf uns zukommt. Am liebsten würde ich mich jetzt in meinen Laden setzen und mehr Zeug für die Pferde machen, aber ich habe hier weder Material noch sonst irgendwas. Also Freizeit ist schon was blödes, wenn man sonst sowas nicht hat. Milena sitzt vorm Fernseher und lackiert sich ihre Nägel neu. Im Gegensatz zu einer Tussi ist Milena sehr grobmotorisch und versucht sich der Gesellschaft anzupassen. Ich hingegen bin nichts davon, weil ich mache was ich möchte und für gut befinde. Das wird wohl einer der Gründe sein, wieso ich bis vor dem Team außerhalb des Hofes keine Freunde hatte. Also klar, als ich noch in London bei meinen Eltern gewohnt habe, war ich schon eher eine Tussi und mir war sehr wichtig was andere von mir denken. Nach dem ersten Dreck auf meiner Kleidung auf dem Pferdehof hat es Klick gemacht in meinem Hirn, wen juckt es. Auf dem Pferdehof sehen wir alle aus wie Sau, wenn man gearbeitet hat. Am Abend wird dann geduscht und noch eine Waschmaschine angemacht - fertig. Sauber.
      “Vriiiiiiska. Wo bist du schon wieder?”, nervt Milena wieder.
      “Ey, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du meine kleine Schwester bist und nicht meine beste Freundin. War wieder in den Gedanken fest gehangen. Was wollen wir denn jetzt machen?”, frage ich sie.
      “Ich würde gern Shoppen gehen.”, sagt sie und lacht. Um ihr hoffentlich den Wunsch erfüllen zu können, nehme ich mein Handy aus der Tasche um nach zu gucken.
      “Also ich muss dich leider enttäuschen. Das Internet ist super langsam und auch ist hier nichts als Wald”, berichte ich ihr. Enttäuschung macht sich breit in ihrem Gesicht.
      “Na gut, dann gucken wir uns halt mal den Hof an.”, schlägt sie vor.
      Noch immer habe ich meine graue Jogginghose an und dazu meine Badelatschen und wunderschöne Reitsocken drüber gezogen. Hübsch ist anders. Milena hingegen hat sich aus der Tasche meine Hotpant gezogen und dazu Reitstiefeletten.
      “Sattelst du jetzt auf Western um?”, frage ich sie scherzend.
      “Vielleicht finde ich dann einen Sexy Cowboy”, lacht sie und macht komische Cowboyartige Bewegungen.
      “Du bist doch völlig durch”, sage ich nur und wir verlassen das Zimmer. Die Sonne ist die Welt mittlerweile sehr erwärmt und die Wahl einer langen Hose war nicht so gut.

      Jace
      Während Samu dafür sorgte, dass die Pferde unserer Gäste auf den richtigen Weiden landeten, waren Lina und ich damit beschäftigt alle ihre Zimmer zu zeigen. Zum Glück waren die meisten von ihnen schnell und Aufmerksam, sodass die Zimmer schnell verteilt waren. So hatte ich vielleicht endlich ein wenig Zeit um mich meinen Pferden zu widmen. Als ich über den Hof lief sah ich, dass Samu und Lina an einer der Koppeln standen und ein kleines Pferdchen bewunderten. “Wen bewundert ihr denn da?”, fragte ich und blieb stehen. Das Pferd war dunkelbraun und hatte eine auffällige Zeichnung, allerdings war es für meinen Geschmack definitiv zu klein. Ich fand meine Tinker ja schon nicht so groß, aber dieses hier war eigentlich schon ein Pony. Zudem lief es auch sehr seltsam. Es lief etwa in der Geschwindigkeit vom Trab auf und zu, aber es sah ganz seltsam aus. Der Hengst schmiss seine Vorderbeine ganz seltsam hoch als wäre der Boden heiß oder so. “Warum läuft der so seltsam, ist der Kaputt?”, fragte ich die beiden neben dir. “Maaaan Jace hast du noch nie einen Isländer gesehen?”, erwiderte Samu lachend. “Der ist nicht kaputt der soll so laufen. Das nennt man Tölt”, erklärte Lina so gleich. “Der Tölt ist wie der Schritt auch ein Viertakt, weshalb Tölt echt bequem sein soll”.“Und ihr starrt das Pony da an, weil ….?”, fragte ich immer noch ein wenig irritiert davon warum man wollen sollte das sein Pferd so seltsam lief. Der Hengst war inzwischen ein paar Meter von uns entfernt stehen geblieben und beäugte uns neugierig. “Das Kopfabzeichen sieht fast aus wie, das von Alecs neuem Fohlen”, murmelte ich. “Das liegt ja auch daran ,dass er hier Ahvanis Papa ist.”, sagte Lina so gleich. “Das ist dieser Glym…. Glym…. Glymur? … Ich dachte irgendwie er sei kein Pony und würde laufen wie ein normales Pferd”, sagte ich. “Heißt das Ahvani läuft dann auch so komisch? Ich sollte Alec definitiv besuchen und das Überprüfen”,sagte ich heroisch und wollte in Richtung Hof verschwinden. “Du geht nirgendwo hin! Du kannst mir gefälligst helfen Mina und Empires Koppeln abzuäppeln. Du hast dich vorhin ja schon davor gedrückt”, protestierte der Finne. “Außerdem hast du mir eigentlich schon gestern versprochen,dass du mir mit Divine hilfst”,murmelte Lina. Verdammt sie war wohl wirklich noch beleidigt, weil ich sie gestern vergessen hatte. “Ok, ok ich helf dir mit der dämlichen Koppel”, gab ich klein bei. Mit Samu zusammen machte ich mich also auf den Weg zur Scheune um den Weidemann und Mistgabeln zu holen. Doch wir kamen nicht bis zur Scheune denn auf dem Hof standen zwei junge Frauen und sahen ein wenig ratlos aus in welche Richtung sie zuerst gehen sollten. “Hallo Ladies, kann man euch irgendwie helfen?”, bot ich sogleich meine Hilfe an. “Jace, benimm dich”, flüsterte mir Samu zu und boxte mir gegen den Arm. “Oh, richtig vielleicht sollte ich mich ersteinmal vorstellen. Ich bin Jace und der nette junge Mann hier neben mir ist Samu”, sagte ich und setze ein charmantes Lächeln auf. “mhmhm”,räusperte sich Samu neben mir. “Das ist nicht was ich meinte”, raute er mir zu.

      Vriska
      “Ähm, ich weiß gar nicht. Meine Freundin hier wollte Shoppen gehen, was sich auf Grund der Lage jetzt erledigt hat, deswegen wollten wir einfach mal alles angucken”, antworte ich und ziehe am Arm von Milena die mit einem breiten Grinsen winkt.
      “Ich bin Milena und die garstige Ziege hier ist Vriska”, fügt sie noch hinzu. Einen bösen Blick werfe ich ihr zu.
      “Sag ich ja”, kommt dann direkt. Am liebsten würde ihr jetzt in den Arm boxen, aber ich sollte mein Temperament mal in den Griff bekommen.

      Jace
      “Soll ich euch den Hof zeigen”, bot ich mich sogleich an. “Das Highlight hier sind Momentan definitiv die Fohlenkoppeln”, erwähnte ich nebenbei. “Jace”, tadelte Samu mich. “Sorry Bro, wir sind für die Zufriedenheit der Gäste verantwortlich, also sorg ich dafür. Ich fürchte du musst allein deine Koppel abäppeln”, raunte ich ihm mit einem Verschmitzten Grinsen zu. “Schon euch kennenzulernen ihr zwei. Ich geh dann mal weiter arbeite, ihr seid bei meinem Charmarten Kollegen sicher gut aufgehoben”, verabschiedete Samu sich und der ironische Unterton in seiner antwort blieb mir nicht verborgen.

      Milena
      „Ach Mensch komm doch mit? Wir müssen uns doch alle hier besser kennenlernen wenn wir so lange euch auf dem Nacken liegen. Vriska ist sicher auch dabei dir dann nach der Tour rasch zu helfen. Sie ist eh Hobbylos.“, lache und halte ihm am Arm fest. Von Vriska ernte ich wieder böse Blicke.
      „Fohlen würde ich gern sehen! Auf dem Hof von dem ich komme gibt es keine. Wir haben nur Sportpferde, die wir zu reiten und dann wieder verkaufen. Nur meine beiden Stuten kommen aus einer Zucht, das eine Fohlen steht sogar bei Vriska. So haben wir uns kennengelernt, auch schon vor dem Nationalteam. Zusammen waren wir auch in der Ausbildung in der Akademie bei Kalmar.”, erzähle ich wie aus einem Wasserfall.
      “Ach die Kría meinst du? Die ist schon ziemlich cool. Aber die Kleine ist ja mittlerweile schon verkauft aber muss noch abgeholt werden. Ansonsten ja klar, ich helfe gern beim Abäppeln, muss ich sonst ja auch im Alltag machen”, erzählt Vriska.
      “Jetzt versuch doch mal etwas freundlicher zu sein”, tadel ich sie. Langsam nervt ihre Laune nur noch. Auch ich bin ziemlich müde, aber ich hatte langsam kein Urlaub mehr.
      “Ignoriert sie einfach, Vriska ist ziemlich untervö….”, dann unterbricht sie mich.
      “Milena, langsam reicht es”, kommt es genervt aus ihr.
      “Ist ja okay, aber dann versuch doch mal etwas netter zu sein. Deine Augenringe schreiben zwar gerade eine dritte Staffel, aber meine sind auch schon bei der zweiten. Wir machen uns jetzt coole zwei Wochen und dann gucken wir weiter”, versuche ich sie zu erziehen. Sie winkt ab und wir gehen los zur Hoftour.

      Jace
      “Also das Gebäude hier wo wir gerade vorstehen ist der Stall für unsere Privatpferde, allerdings werdet ihr aktuell nur wenige Pferde auf dem Hof selbst finden”, erklärte ich und deute auf den Torstall. “In dem Stall hinter euch, wo jetzt eure Stuten und Wallache wohnen, sind normalerweise die Zucht- und die Reitschulpferde untergebracht.” ergänzte Samu und zeigt auf das Gebäude hinter uns, bevor wir um das Unterhaus herum gingen. Im Auslauf standen die Haflingerstute und Doo Wop. “Das hier sind Curly Lure und Doo Wop. Die beiden stehen nicht auf der Sommerkoppel, weil sie auf Diät sind”, sagte ich und zeigte auf den runden Kugelbauch der Criollo Stute. “Deshalb kommen sie nur halbtags auf die Koppel” Die beiden Stuten waren an den Zaun gekommen um sich ein Leckerlie zu erbetteln. “Eigentlich wohnen hier noch mehr Stuten, aber die sind Babybedingt auf der Fohlenkoppel”, erläuterte ich weiter. “Was habt ihr eigentlich für Pferde mitgebracht?”, fragte Samu die Beiden.

      Vriska

      “Wir sind mit Isländern unterwegs. Ich hab einen Hengst, den Glymur. Milena hat zwei Stuten.”, antworte ich darauf hin.
      “Ich kann für mich selbst reden. Meine beiden Pferdchen sind wie schon gesagt auch Isländer und Stuten. Kempa ist 10 Jahre alt und die habe ich vor ungefähr 3 Jahren von meiner Mutter bekommen. Vergangenes Jahr habe ich in im Urlaub mich in Snúra verliebt und sie direkt mitgenommen. Sie ist 8 jahre alt und deutlich mehr Potenzial als Kempa, aber ich hab beide total gern.”, fügt Milena noch hinzu.
      “Seid ihr im Kanadischen Team?”, frage ich gespannt.

      Samu
      “Ah, cool Glymur haben wir schon entdeckt. Er ist ja auch der Papa von Alecs Fohlen, echt hübsch geworde die kleine Maus”, sagte ich freundlich. “Nein, wir sind nicht im kanadischen Team, wobei sie glaub ich Nachwuchs suchen.”, antwortete ich Vriska freundlich. “hier hinter dem Auslauf folgen noch die Hengstboxen, die kleine Reithalle, die Longierhalle und die Führmaschine, aber ihr werdet den Hof schon noch früh genug genauer kennenlernen. Wer will Fohlen sehen”, grätsche Jace voll im Flirtmodus dazwischen.

      Milena
      „Iiiiiich will Fohlen sehen“, springe ich aufgeregt auf der Stelle.
      „Ach ja Glymur, der war schon lange ein Traum von mir seit dem ich reite und den auf einem Turnier gesehen habe. Mein Chef und sein Bruder haben den Gottseidank im Verkauf entdeckt, dazu kam dann noch das Angebot von Schweden. Zwei Fliegen auf einem Schlag. Bis jetzt kann ich es immer noch nicht fassen“, schwärmt Vriska.
      „Niemand interessiert deine One Love Glymur Geschichte. Den kannst du ja nicht mal richtig reiten“, faucht Max sie an, als er mit Snotra an uns vorbereitet.
      „Überfordere dein armes Pony nur weiter. Du bist doch nur eingeschnappt, weil ihr Beide die Quali bekommen habt und Tyrell sie eher als Hofvertretung sieht als dich“, verteidige ich meine Freundin.
      „Das denkst wohl auch nur du“, schnaubt er zurück und treibt Snotra vorwärts. Ich schüttle mit dem Kopf. Vriska sagt nichts dazu und ignoriert ihn vollkommen.
      „Ohne mich könnte er sie nicht mal mehr reiten“, flüstert sie leise vor sich her.
      „Mach dir nichts daraus. Du und Glymur werden die T4 rocken.“, versuche ich sie ein wenig auf zu muntern. In ihrem Blick sehe ich die Enttäuschung, da sie ihn eine Zeitlang echt gut fand und jetzt ist er so extrem Anti. Manche Menschen verstehe ich echt nicht.
      „Können wir dann weiter?“, frage Heiter noch mal nach.

      Jace
      “Meine Güte ist der immer so schlecht drauf?”, fragte ich die Mädels, während wir in Richtung Fohlenweide schlenderten.
      Wie immer kamen Candela und Mitena sofort geschlendert. In den letzten Wochen hatte Mitena sich echt entwickelt und wurde von Tag zu Tag mutiger. “Ihr müsst mal vom Tor weg ihr zwei”, sagte Samu zu den Stuten und schob sie zu Seite. “Das hier sind die beiden ältesten Fohlen Candela und Mitena. Gerade Mitena ist Luchys ganzer Stolz”, begann ich ein wenig von meinem Schützlling zu schwärmen. Die Dappels glänzen goldig auf der kleinen Palominostute.
      Candela war gerade dabei sich den beiden Frauen anzunähern, als ein kleines Fuchsfohlen angeflitzt kam und es nur knapp schaffe vor uns zu bremsen.
      “Wer bist du den?”, fragte Milena das kleine Fohlen ganz entzückt. “Das ist Mimithe, eine der Zwillinge”, sagte Samu grinsend. “Da hinten kommt auch ihre Mama mit ihrer Schwester”, ergänzte er noch und deutete auf die braune New Forest Stute die wiehernd auf uns zu trabte.

      Milena
      “Also eigentlich ist der ziemlich cool. Aber als damals dann alle Azubis gemustert wurden, wurden Vriska und Max für die Quali gewählt. Sie sind beide vom gleichen Hof und er scheint das nicht so gut zu verkraften.”, erzähle ich offen. Wieder wirft Vriska mir böse Blicke zu.
      “Ich hab doch nichts schlimmes erzählt, ist doch so”, füge ich hinzu.
      “Aber es gibt noch mehr Gründe, denke ich”, sagt Vriska noch.
      “Ich find es voll lustig, dieses Jahr gibt es total viele Zwillinge. Bei Vriska am Hof sind auch Zwillinge, Stute gesund und auch die beiden Fohlen. Ein Kumpel von mir in Deutschland hat auch gesunde Zwillinge”, erzähle ich weiter, dann hocke ich langsam hin und Mimi kommt neugierig wieder zu mir. Vorsichtig streiche ich ihr über den Kopf.

      Jace
      “Ja, wir waren auch ein wenig Überrascht, als es zwei Fohlen wurden und dann auch noch so hübsche”, erzählte Samu um das Thema zu wechseln.
      Mimi hatte schnell beschlossen, dass von Milena keine Gefahr ausging und begann auch so gleich sie anzuknabbern. “Bei der kleine musst du Aufpassen, sie ist ganz schön frech” warnte ich sie noch. Minnie Maus war inzwische bei uns angekommen. Die verschmuste Stute forderte auch sofort ein Streicheleinheit bei Vriska ein, während die kleine Minya sich hinter ihr versteckte.
      “Es ist echt erstaunlich, wie unterschiedlich die Fohlen doch sind”, sagte ich während ich Mitena ein wenig streichelte. Candela fand uns langweilig und war schon wieder dabei Gras zu fressen.

      Währenddessen bei den Jungs …

      Niklas
      Gemeinsam sitzen wir mit kalten Bier vor unseren Bungalows und halten unsere Gespräche über die neuen Mädchen ab. Anna und Linh sind gerade gegangen um ihre Pferde zu besuchen.
      “Leute, ihr wisst was heute Abend wieder ansteht”, beginne ich zu sagen.
      “Jauu, wir müssen den Mädls zeigen wer der Chef ist”, antwortet Chris.
      “Richtig. Deswegen: Wer zuerst sich eine klärt, darf dieses Jahr Kapitän der Mannschaft sein.”, schlage ich vor. Die letzten Jahre habe ich immer Gewonnen, allerdings habe ich dieses Jahr echt ein Problem. Zur Zeit habe ich mit Anna was am laufen, deswegen zählt es nicht und ich muss eine von den neuen bekommen.
      “Warum müssen wir das jedes Jahr aufs neue machen?”, fragt mein bester Kumpel.
      “Brudi, wir müssen den Weibern klar machen, dass nur wir die Punkte für die Mannschaft holen können und sie zu machen haben, was wir sagen.”, erkläre ich ihm noch mal und Boxe ihm in den Arm. Er nickt und ist wieder Still. Alle feiern wie jedes Jahr die Aktion, nur ist offenbar dieses Jahr nicht ganz so bei der Sache. Nachher werde ich mal etwas ergründen wieso.

      Jayden
      Ich war gerade mit British fertig geworden und hatte die Stute weggebarcht, als ich die Jungs Entdeckte. Ich könnte eine Pause ganz gut gebrauchen. “Hey darf man sich zu euch setzen?”, fragte ich nach. Ich war schon ein wenig neugierig, wie die Jungs in einem Nationalteam so drauf sind. Scheinbar hatten sie sehr fragwürdige Traditionen, soweit ich aus dem Gespräch entnehmen konnte.

      Niklas
      “Selbstverständlich, willst du auch mitmachen? Den Kapitän können wir dir zwar nicht anbieten, aber wenn du gewinnst, kannst du dir aussuchen was du willst oder wir machen sollen.”, schlage ich dem neuen vor.
      “Wer bist du denn?”, frage ich ihn darauf hin. “Stell dich doch mal kurz vor”, füge ich hinzu.

      Jayden
      “Ne, lass mal”, antworte ich dem jungen Mann, der sich nicht vorgestellt hatte. “Also ich bin Jayden und arbeite hie als Bereiter in der Sparte der Vielseitigkeit. Wer seid ihr alle?”, stellte ich mich vor.

      Niklas
      “Schade, ist jedes Jahr ziemlich lustig”, antworte ich ihm. Offenbar scheint er nicht so offen für unsere Scherze zu sein, aber nicht schlimm. “Also ich bin Niklas und seit 4 Jahren im Team. Die anderen sind Chris, Björn, Erik, Finley, Hannes, Matts und ..”, da stoppe ich mit der Vorstellung der Jungs, weil mein Kumpel schon wieder weg ist. “Gut und mein besten Kumpel kann ich dir nicht vorstellen, weil er sich schon wieder aus dem Staub gemacht hat. Seit dem wir die Reise am Flughafen in Stockholm begonnen haben, ist er andauernd weg. Es nervt langsam”, beschwere ich mich.
      “Ganz ruhig, ich glaub er hat sich schon wen ausgeguckt”, antwortet Björn.
      “Du wirst recht haben”, antworte ich wieder gelassener.
      “Sollten wir dann nicht langsam mal Alk für den Abend besorgen? Der Kasten ist fast leer. Aber sag mal, wie ist es hier bei euch in Kanada? Wie kauft man hier am besten Alkohol, weil bei uns in Schweden ist es extrem teuer und es gibt auch nur in ausgewählten Läden welchen. Meistens holen wir den mit der Fähre in Deutschland und dann direkt richtig viel”, erkundige ich mich bei Jayden.

      Jayden
      “Also bei uns kauft man den Alkohol ganz normal im Getränkeladen. Hier muss man eher darauf achten wo man trinkt, da das trinken in der öffentlichkeit strengsten untersagt, genauso wie in Fahrzeugen”, erklärte ich den Jungs.

      Niklas
      “Ah wie Krass, hast du Bock mit uns in die Stadt zu fahren was kaufen?”, frage ich ihn.
      “Ihr vom Hof seit natürlich alle herzlich eingeladen zum Grillabend”, lade ich ihn ein.

      Jayden
      “Klar, warum nicht ich bin gerade eh fertig mit meinen Pferden”, antworte ich den Jungs. “Ich denke wir werden alle gerne kommen”, meinte ich noch. “Nur eine frage, wie gedenkt ihr in die Stadt zu kommen, hier fährt kein Bus”, wies ich die jungs darauf hin.

      Niklas
      “Ihr habt doch sicher ein Auto oder so?”, frage ich ihn etwas entblüft. “Ansonsten nehmen wir halt die Pferde.”, schlage ich vor.

      Jayden
      “Natürlich haben wir ein Auto”, sagte ich lachend. “Allerding ist mit dem einen Jamie gerade unterweg und mit dem anderen Luchy und eure Trainerin, die wollte noch irgendetwas einkaufen gehen”, erläuterte ich den Jungs die Lage.. “Na, dann sattelt eure Pferde”,sagte ich noch und stand auf.

      Niklas
      “Jungs, ihr habt den Chef gehört - Auf Auf!”, sage ich lachend, “Denkt an festes Schuhwerk - Sicherheit geht vor!”, füge ich noch hinzu. In der Hütte ziehe ich Reitstiefel an und halte noch das T-Shirt in der Hand, dennoch entscheide ich mich dagegen. Noch kurz vorm rausgehen greife ich meine Handschuhe und den Helm, dann geht es zu Smoothie, die mit den anderen Stuten auf der Weide steht.
      “Smooth, kommst du bitte”, rufe ich meine Schimmelstute und pfeife einmal. Im Trab und gespitzten Ohren kommt sie auf mich zu. Kurz führen wir ein sehr intimes Gespräch und laufen zum Stall, damit ich sie dort noch putzen kann.
      “Ey Jungs mit oder ohne Sattel?”, frage ich in die Truppe.

      Jayden
      “Also ich werde ohne reiten”, antworte ich Niklas und putzte meiner Perlinostute den Kopf, bevor ich begann die Hufe auskratzen. Miss Leika kratze mit den Hufen ungeduldig über den Boden. “Lass, das Leika du machst dir doch nur deine Eisen kaputt”, schimpfte ich mit der Stute und klopfte ihr auf die Schulter damit sie aufhörte.

      Niklas
      “Ihr habt gehört, Eier Quetschen!”, rufe ich in die Runde. Völlig gelassen steht Smoothie da bis es los geht. Sollte ich meinem Kumpel Bescheid sagen, dass wir jetzt Alk besorgen? Pech, er wird sehen was er davon hat.
      “Also Cheffe, du weißt uns ein, wir folgen dir”, sage ich zu Jayden und klopfe ihm auf die Schulter. Dann gehe ich zu meiner Stute, die ich aus der Stallgasse führe und steige auf. Lange habe ich nicht mehr solche Schmerzen verspürt. Nach einigen Minuten wird es besser.

      Jayden
      Vor dem Stall hatte ich mich auf meine Stute geschwungen. Ich war ein wenig amüsiert über Niklas der scheinbar nicht sonderlich oft ohne Sattel ritt. Ich hatte das Glück das Leike kein sonderlich ausgeprägten Widerrist hatte. “Mir nach”, rief ich der Truppe zu und ritt zur Hofeinfahrt. “Passt auf euren Kopf auf”, warnte ich sie noch kurz bevor wir die niedrige Durchfahrt des Torstalls passierten.

      Niklas
      “Zu Spät”, rief ich Jayden zu nachdem Chris sich schön den Kopf gestoßen hat. “Du Trottel”, kommentierte ich seine erste Erschütterung. Er winkte nur ab.
      “Ihr Dorfmenschen, reitet ihr oft ohne Sattel?”, frage ich neugierig.

      Jayden
      “Ja, klar besonder die Ausritte im Sommer, wenn es zum Bach runter geht machen wir ohne Sattel, der würde sonst Nass werden”, antwortete ich ein wenig belustigt. “Im Winter hat das auch manchmal Vorteile, der Po bleibt schön warm”. Es dauerte nicht lange da kamen wir in den Wald. “Wie trittsicher sind eure Pferde? Entweder wir nehmen den kurzen Weg, der ist allerding sehr steil und steinig, da hat sich so manche unerfahrenes Pferd auch schon mal hingepackt oder wir nehmen den etwas längeren Weg der flacher ist.”, fragte ich die Jungs als wir an die Stelle kamen, wo der schmale Trampelpfad abzweige.

      Niklas
      „Das sollten die hinbekommen. Die Pferde sind alle im Training zum Geländespringen, da ist so ein bisschen Hügellandschaft kein Problem“, sage ich selbstsicher und folge Jayden auf seiner hellen Stute.
      „Was reitest du mit ihr für Turniere?“, frage ich.

      Jayden
      “Ich reite hauptsächlich Spring- und Geländetuniere mit ihr”,antworte ich dem Reiter hinter mir. “Achtung, dieses Stück ist besonder Steil, am besten lasst ihr eure Pferde einfach laufen”. Am Ende des Weges würde das Flusstal sein. Von dort aus müssen wir nur noch dem Fluss folgen und dann würden wir in der Stadt sein.

      Als die Mädchen sich die Fohlen angeguckt haben, das Kanadische Team nun auch ihren Weg zu Whitehorse Creek gefunden hat und die Jungs so viel Alkohol gekauft haben, das man damit Bayern für 8 Jahre versorgen kann, beginnt nun allmählich der Grillabend. Selbst die Trainer haben schon die ersten Schlückchen zu sich genommen. Die Stimmung ist locker und spaßig. Als DJ agieren verschiedene Musikboxen die miteinander verbunden sind und alle können jeder Zeit Musik zur Playlist hinzufügen. Mittlerweile liegt auch schon Essen auf den Grill und das Beilagen Buffet ist angerichtet.

      Vriska
      „Los sprich ihn doch mal an. Stell dich nicht so an. Ich komme auch mit“, sagt Milena zu mir, die in weniger als 10 Minuten schon zwei Bier sich hinter gekippt hat. Mein Radler ist noch immer verschlossen, weil ich den Deckel nicht aufbekomme. Fröhlich schubst sie mich vor sich her und tippt den mir noch unbekannt an. „Heyo, das ist Vriska. Sie findet sich mega heiß. Ach ja, kannst du ihr Radler auf machen? Sonst hat sie noch weiter schlechte Laune und ich denke, dass können wir hier alle nicht gebrauchten“, Quatscht sie wie aus einem Wasserfall den Abtrünnigen voll. „Öhm, klar“, antwortet er und ich reiche ihm meine Flasche. Mit einem gezielten Schlag seiner Hand auf dem Tisch mit der Flasche ist der Deckel offen. In der Zeit ist Milena verschwunden ich stehe sehr unbeholfen da. Wenn es nicht so warm wäre, würde ich sagen, dass ich aussehe wie ein im regenstehender Pudel.
      „Danke“, antworte ich kurz gebunden.
      „Und was jetzt?“, fragt er mich freundlich.
      „Gute Frage“, erwidere ich.

      Lina
      “Wow, was du da mit der Flasche gerade gemacht hast ist verdammt cool”, sagte ich zu dem jungen Mann. “Hallo, ich glaube ich hab mich bei euch noch garnicht vorgestellt. Ich bin Lina”, sprach ich weiter.

      Vriska
      „Hey du, ich muss jetzt leider wieder rüber“, sagt er und haut ab. Lina und ich schauen uns.
      „Hashtag Unangenehm?“ sage ich mit leichten Fragezeichen in den Augen. Wir lachen.
      „Wir können uns gern später unterhalten aber ich muss Milena suchen. Die trinkt immer so viel auf Partys und wird dann super unangenehm. Das versuche ich zu verhindern.“, erkläre ich ihr und winke ich zur als ich die kleinen Grüppchen abklappere. Man wo steckt die bloß. Wie kann man so schnell sein. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Sie hängt bei den Jungs ab und wer sitzt da auch bei? Natürlich Max. Mir bleiben nun nur zwei Sachen - Abhauen und Zimmer oder Milena retten. Bei beiden Möglichkeiten stehe ich wie der Idiot da, obwohl das tue ich auch so. Im Gegensatz zu allen anderen sehe ich aus wie frisch von der Couch aufgestanden. Zwar habe ich noch immer eine Jogginghose an, aber natürlich eine andere, wer hat schon nur eine Jogginghose. Zum Glück ist das eher eine Sportjogginghose und nicht eine Baumwolle wie vorhin. Dann hätte Milena mich vermutlich geköpft. Auf dem ersten Blick tragen alle anderen Kurze Hosen oder ein Kleid, alle sehr elegant - und dann ich. Kein Wunder das er nicht mit mir reden wollte. Auch ihn bemerke ich in der Truppe bei den Jungs, immer wieder gucke zu ihm rüber bis ich bemerke das er mich erwischt hat. Er winkt mich zu sich. Gewappnet mit einem großen Schluck aus meinem Radler gehe ich rüber.
      „Warum guckst du immer nur, du kannst doch auch mit mir sprechen?“, sagt er und legt ziemlich cool seinen Arm um meine Schulter, dann zieht er mich an sich heran in die Truppe hinein.
      „Siehst du Vriska, war das jetzt so schlimm?“, scherzt Milena und kippt von der Bank.
      „Mein Gott, wie viel habt ihr noch in die hineingefüllt? Der Abend ist nicht einmal eine Stunde jung“, sage ich empört ich möchte zu Milena, doch der heiße Kerl hält mich fest. Einen bösen Blick werfe ich ihm zu, doch er geht nicht drauf ein und hält mich weiter fest. Ich gebe auf. Niklas beugt sich zu ihr und hilft ihr hoch, dann bin ich wieder entspannt.
      „Guck Vriska, es läuft auch ohne dich alles glatt“, scherzt sie wieder.
      „Na dann, kann ich ja zurück ins Zimmer“, sage ich und freue mich innerlich wirklich schon auf mein Bett, doch ich werde wieder festgehalten.
      „Nein, Fräulein, du bleibst“, sagt er zu mir und hält mich an der Hüfte. Ich verstehe die Welt nicht mehr, was gteht hier ab?
      „Ach hast du schon wen?“, scherzt Niklas der nun zu uns stößt.
      „Neee, aber Milena meinte, dass sie mal etwas Spaß vertragen könnte, deswegen versuche ich sie am Gehen zu hindern.“ erklärt mein heißer Typ seinem Kumpel.
      „Viel Erfolg. Ich gehe mit Milena erstmal Tanzen“, sagt Niklas und haut mit meiner Freundin im Arm ab.
      „Jetzt lass mich los“, langsam werde ich sauer.
      „Ja ja alles gut. War doch nur ein Scherz“, entschuldigt er sich.
      Wir setzen uns auf die Bank und beobachten das Geschehen.
      „Warum trinkt sie immer gleich so viel? Es hat doch nicht mal richtig angefangen“, jammere ich mich bei ihm aus.
      „Du hast echt keine Ahnung. Ich kenne sie auch nicht länger als dich und du beschwerst dich nur. Da ist mir deine Freundin lieber“, sagt er ehrlich zu mir.
      Wieder springe ich sauer auf, dann realisiere ich erst, was er gesagt hat. Natürlich hat er recht und setze mich wieder.
      „Sag ich ja“, fügt er dann hinzu.
      „Sorry, mich nervt das einfach nur mit Milena. Wir wollten uns zusammen einen lustigen Abend machen und dann ist sie jetzt schon Sturzbetrunken und Angelt sich den ersten Typen den sie findet. Bei meinem Glück darf ich dann auch heute draußen Schlafen“, sage ich zu ihm und bemerke, dass ich schon wieder jammere.
      „Lehn dich zurück und entspann dich“, sagt er zu mir und Streicht mir über den Oberschenkel. Irgendwie fühlt es sich gut an, aber wenn ich es nicht besser wüsste, scheint er auch genauso oberflächlich zu sein wie seine Kumpels.
      „Können wir es beim Reden belassen?“, bitte ich ihn. Er nickt.
      „Das Pony vorhin ist dein Partner im Team oder?“, fragt er interessiert.
      „Für Euch mag das ein Pony sein, aber Glymur ist ein Islandpferd. Sie mögen körperlich nicht die größten sein, doch im Herzen sind die Größten.“, sage ich zu ihm. Irgendwie sollte es aber klüger klingen als es dann war. Blöd. Aber er muss lachen.
      „Dann war das halt dein Pferd fürs Team“, korrigiert er sich.
      „Ach du bist doch doof“, sage ich zu ihm und setze mich auf seinen Schoß. Er legt seine Arme um mich.
      „Was geht denn hier ab?“, fragt Milena, die mit Niklas wieder kennt.
      „Ju, können wir kurz mal“, sagt Niklas mit ernster Miene zu ihm. Er nickt und beide gehen. Milena zieht mich auf die Tanzfläche und allmählich fange ich doch an Spaß zu haben.

      Niklas
      „Was soll denn der Mist?“, frage ich meinen Kumpel sehr ernst.
      „Wir haben uns doch nur unterhalten und du hast sogar mit ihrer Freundin getanzt, obwohl du was mit Anna zu laufen hast. Also eigentlich müsste ich dich voll schnauzen.“, beschwert er sich bei mir.
      „Du weißt ganz genau, dass dich das nichts angeht. Zumal du eh nicht in der Lage bist das Team zu leiten, also behalte deine Finger schön bei dir!“, erkläre ich ihm nochmal und dann gehen wir zurück.

      Vriska
      Ich sehe die Beiden zurückkommen und er scheint nicht glücklich zu sein, wird wohl ein scheiss Gespräch gewesen zu sein.
      „Geh lieber zu ihm“, sagt Milena ernst und ich laufe rüber.
      „Was denn“, mault er mich an.
      „Sorry das ich mich bei dir erkundigen wollte was los ist. Du wirkst so wütend“, sage ich vorsichtig zu ihm, schließlich möchte ich mir die Chance nicht verspielen.
      „Ja, Niklas ist nicht so begeistert, dass du auf meinem Schoß saßt. Wir haben da so eine blöde Wette im Team, wer zuerst sich ein Mädchen krallt von den neuen, darf Kapitän sein für die nächste Saison. Sonst hat Niklas immer gewonnen aber jetzt wollte ich meine Chance mal nutzen …“, sagt er eh ich ihn unterbreche.
      „Bitte was. Du hast dich nur mit mir unterhalten wegen eurem blöden Spiel? Es reicht, ich gehe“, völlig aufgelöst will ich los gehen, doch er hält mich Arm fest und zieht mich fest an ihm.
      „Ne bitte bleib, ich möchte wirklich nur ein Gespräch mit dir führen. Ich finde dich nett und Milena meinte ja auch, dass du mich gut findest. Also lass uns doch einfach gucken, wo uns das hinführt“, schlägt er vor und guckt extrem niedlich.
      „Na gut, unter einer Bedienung“, sage ich verschmitzt zu ihm.
      „Die wäre?“, fragt er gespannt.
      „Wir essen jetzt erstmal was“, lache ich und wir gehen zum Buffet.

      Lina
      Jace hatte ich den ganzen Abend noch nicht gesehen, aber eigentlich will ich ihn auch gar nicht sehen. So hatte ich mich mit einigen Leuten unterhalten, doch so langsam verschwanden die ersten ins Bett. Also saß ich allein am Feuer und starrte in die Flammen. Auf einmal setzte sich jemand neben mich. “Ach Samu du bist es”, sage ich ein wenig enttäuscht. “Wow, wenn das nicht eine freundliche Begrüßung ist”, antworte er mit ironie in der Stimme. “Du bist doch blöd”, sagte ich zu meinem besten Freund und boxte ihn gegen den Arm. “Wen hast du denn eigentlich erwartet?”, fragte er nun etwas gefühlvoller nach. “Du weißt genau wen ich erwartet hab”, antworte ich und rollte mit den Augen. “Jaja, deinen Jace hast du erwartet. Tja da muss ich dich leider enttäuschen, den habe ich vorhin irgendwo mit einer Gruppe Mädels gesehen, voll im Flirtmodus”, antwortete mir der Finne. “Ach man ich versteh diesen Mann einfach nicht”, sagte ich und lehnte mich an seiner Schulter an “Einmal ist er total süß und nett und dann ist aufeinmal wieder so… so Jace halt”, jammerte ich ein wenig vor mich in. Samu nahm mich in den Arm und sagte” Du vergisst jetzt mal deinen Herzensbrecher und wir genießen den restlichen Abend. Ich geh und Marshmallow und Kekse holen, dann gibt es erst einmal leckere S'mores”. “Vergiss die Schokolade nicht”, rief ich ihm noch hinterher als er verschwand um die Zutaten zu holen.

      Vriska
      “Warte mal bevor wir essen.”, unterbreche ihn bevor er sich setzen kann. “Guck Lina sitzt dort alleine herum, wollen wir uns nicht dazu setzen?”, frage ich rhetorisch und laufe mit meinem Teller. In meinem Kopf rollt er mit den Augen aber folgt mir.
      “Na du, sorry das ich so schnell weg musste. Wie ist dein Abend bisher?”, frage ich sie gespannt.

      Lina
      “Naja, geht so”, antworte ich Vriska. “Aber jetzt kommt der bessere Teil. Kennst du Smores?”, fragte ich Vriska und ihre Begleitung. Samu kam gerade auch wieder um die Ecke, beladen mit einer großen Packung Kekse,Marshmallows und Schokolade. “Oh, da ist Samu ja schon”, sagte ich und ging Samu entgegen um ihn etwas von seiner riesen Ladung abzunehmen.

      Vriska
      “Nein sagt mir gar nichts, aber ich möchte erst mal was richtiges essen. Auf dem Flug hier war es einfach unmöglich etwas veganes zu finden.”, erzähle ich fröhlich und schiebe mir eine Gabel voll mit dem Gemüse in den Mund.
      “Du sei mir nicht böse, aber ich werd mal rüber gehen zu den Jungs”, sagt er zu mir. Ich gucke ihn verwundert an und nicke dann. Dann geht er.
      “Also wo waren wir? Ach ja, S’Mores. Nein kenne ich nicht. Was ist denn da drin?”, frage ich Lina.

      Lina
      “Eigentlich ganz simpel. Man nimmt ein Marshmallow brät ihn gut durch und packt ihn zwischen zwei Kekse. Je nach Geschmack kann man auch noch Schokolade oder ähnliches dazu packen”,erklärte ich Vriska. “Wie war euer Flug denn, es ist ja ganz schön weit von euch hierher. Ich kann dir sagen du kannst dich schon darauf vorbereiten, das dein Pferd morgen ganz schön müde sein wird. Divine war ganz schön fertig als wir ankamen. Ihr habt doch den Tinker bei euch, wie Läufte es denn so mit ihr?”, erzählte ich schon deutlich besser gelaunt.

      Vriska
      “Ja das denke ich auch, aber morgen haben wir am Nachmittag auch erst Training, wenn ich Frau Wallin richtig verstanden habe. Allerdings wollen die auch irgendwelche Spiele zur Teambildung machen. Mal gucken.”, fange ich an zu erzählen. Dann fragt Lina mich nach Holy.
      “Ach Holy meinst du? Vor meiner Abreise habe ich noch bis zum letzten Tag mit ihr gearbeitet, damit Hedda und Folke weniger zutun haben. Für die drei tut mir es leid, dass ich nun nur noch im Normalfall am Wochenende dort bin. Aber ich denke, dass sie Holy auch ohne mich in eine gute Richtung lenken. Bei ist das Weiße Pferdchen oder?”, erkundige ich mich.

      Lina
      “Das ist schön das es bei euch so gut Läuft. Ja, genau ich trainiere Divine. Wir haben vor zwei Wochen angefangen ihn zu reiten. An sich macht er das auch echt brav, aber das Problem ist dass er alleine nicht Läuft. Er läuft nur wenn ein anderes Pferd neben ihm läuft. Wir haben den Verdacht, dass es dadurch kommt, dass es vermutlich nur zweispännig gefahren wurde”, erzählte ich munter. “Du hast aber auch ein echt schicken Kerl mitgebracht”, kommentierte Samu der gerade dabei war die ersten Marshmallows zu rösten.

      Vriska
      “Freut mich zu hören! Holy durfte aktuell nur den Reiter als Gegenstand am Boden kennenlernen, aber ich denke sie fangen jetzt auch an mit dem Reiten. Hedda saß ja schon mal drauf, was wohl ganz gut geklappt hat.”, erzähle ich weiter.
      “Vriiiiisiiiii!”, brüllt Milena zu mir und kommt angerannt.
      “Sach ma’. Wie alt bist du eigentlich? 8 Jahre? Ich unterhalte mich gerade”, tadel ich sie und merke, dass ich wie meine Mutter klinge.
      “Sorry aber dein Dude knutscht ne Andere”, erzählt sie mir belustigt.
      “Also erstens kann man das freundlicher erzählen und zweitens ist es nicht mein Dude. Ich fand ich bisher nur ganz gut, aber wenn er wen anderes hat, freut mich das natürlich. Dann kann ich mich nun besser auf unser Team konzentrieren”, sage ich zu Milena, die schon wieder abhaut. Ich schüttle nur meinen Kopf und drehe mich zurück zu den anderen Beiden. In meinem Kopf tausende Bilder von dem kurzen Moment mit ihm und auch die Vorstellung, dass er offenbar schon jemand hat. Es schüttelt sich in mir und ich brülle: “STOP!” Alle gucken zu mir. “Entschuldigung”, füge ich dann hinzu und alle machen weiter. Man, jetzt mache ich mich hier auch noch zum Affen.
      “Ich würde mich gern gleich weiter unterhalten, aber ich muss mal kurz weg. Bin gleich wieder da.”, sage ich zu Lina und Samu. Dann stehe ich auf und renne weg. Genau, Rennen ist gerade das richtige. Mitten auf dem Hof stehe ich und überlege wohin, in den Wald? Zur Straße? Oder nur zu Glymur. Die Entscheidung fällt auf Glymur, der genüsslich in seiner Box das Heu knabbert.
      “Auch wenn wir uns noch nicht lange kennen, hoffe ich, dass du nicht so Idiot bist wie alle anderen Kerle in meinem Umfeld”, erzähle ich meinem Hengst als er hektisch den Kopf hoch reißt. Bitte nicht schon wieder der Kerl, denke ich, als dann Max im Eingang steht.
      “Was willst du denn hier?”, frage ich ihn entsetzt.
      “Eigentlich wollte ich nur zu den Stuten, aber hab dann hier Licht gesehen und war neugierig. Da du jetzt hier bist, wollte ich eigentlich den Moment nutzen, um mich bei dir zu entschuldigen. Die letzten zwei Wochen war ich echt ein Arsch und das ist nicht richtig, du hast hier den Platz genauso verdient wie ich.“, sagt Max mit einem imaginären eingezogenen Schwanz.
      „Schon gut, aber geh jetzt bitte. Ich brauche meine Ruhe“, würge ich ihn ab. Er nickt und verlässt den Stall. Endlich bin ich allein. Erschöpft lehnte ich mich an die Box von meinem Pferd und genieße die fast Stille. Aus dem Hintergrund hört man nur die Feier, die immer noch kein Ende findet.

      Milena
      “Hast du nicht gemacht!”, grölt Niklas als ich zurückkomme.
      “Highfive”, sage ich zu ihm und hebe meine Hand. Er und seine Kumpel bis auf Ju schlagen ein.
      “Krasse Aktion”, sagt der eine.
      Mittlerweile denke ich schon, dass es nicht nett gegenüber meiner besten Freundin war aber ich wollte auch mal coole Freunde haben. Wie auch Vriska gehörte ich immer zu der komischen Randgruppe, die zwar da sind aber nur wirklich existieren, wenn man was braucht. Aber jetzt darf ich auch mal was machen.
      “Hast du Lust mit zum Wasser zu kommen?”, reißt mich Niklas aus meinen Gedanken
      “Ja klar sehr gern. Wollen wir die anderen auch noch fragen?”, frage ich ihn. Er nickt. Ich laufe die kleinen Grüppchen ab und lande am Ende wieder am Feuer, wo Vriska vorhin noch war. Doch sie ist mal wieder nicht da. Dennoch frage ich die anderen Beiden vom Hof: “Habt ihr Lust mit ans Wasser zu kommen?”

      Samu
      “Du bist scheinbar nicht die einzige, die die Männerwelt nicht versteht”, meine ich lachend zu Lina nachdem Vriska verschwunden war. Mittlerweile waren die ersten Smorese fertig. “Für heute bis du mein Lieblingsmann”, neuschte Lina während sie ihre Smores verspeißte. “Ich fühle mich sehr geehrt”, antworte ich ein wenig gespielt hochnäsig, was dazu führte, dass Lina so sehr lachen musste dass sie sich fast verschluckte. “Willst du mich eigentlich umbringen”, sagte Lina lachend, als sie wieder Luft bekam.

      Währenddessen bei Jace.

      Jace
      Ich hatte mich zu einer Gruppe gutaussehender Mädels gesellt von denen einige schon eine Menge intus hatten, wobei ich zugegebenermaßen auch ganz gut dabei war. Ich saß neben einer hübschen Blondine die sich mir als Abigail vorgestellt hatte. Mit der Gruppe hatten wir eine ganz Weile Bierpong gespielet, das hatte allerding ein Ende gefunden als eins der Mädels mit irgendeinem Jungen verschwunden war und ein paar andre Hunger bekommen hatten. “Wie gefällt es dir bisher hier?”, frage ich Abigail. “Mit dir gefällt es mir sehr gut hier”, antwortete sie und platzierte sich auf meinem Schoß. “Echt du hast echt wundervolle Augen, dieses blau und dieses braun, einfach Wow”, flüsterte sie mir zu und strich mir durchs Haar. “Das bekomm ich öfters zu hören”, raunte ich zurück und setzte meinen Flirtblick auf.

      Lina
      “Einfach göttlich diese Dinger”, sagte ich fröhlich vor mich hin mapfent zu Samu. Mein bester Kumpel hatte es mal wieder geschafft den Abend zu retten. “Ganz schön klebrig das Zeug. Ich geh mal meine Finger waschen”, sagte ich nachdem ich alle Smores erfolgreich verputzt hatte und stand auf um in Richtung Haus zu laufen. Auf dem Weg begegnete ich Milena, die uns fragte ob wir schwimmen gehen wollte. “Später vielleicht”, antwortete ich im vorbeigehen. Auf dem Weg zu Haus kam ich an den Tischen vorbei und entdeckte ihn. Jace saß dort mit einem Mädchen auf dem Schoß und sah nicht gerade abgeneigt aus. War ja klar typisch Jace. Ich spürte wie eine Mischung aus Enttäuschung und Wut in mir hochstieg. Ich spürte wie sich Tränen an bahnten und dann übernahmen meine Füße die Kontrolle. Zielstrebig trugen sie mich zur Sommerkoppel. Meine Augen suchten die Koppel nach etwas bestimmten ab und am Waldrand fand ich was ich suchte. Das weiße Fell leuchtete nahezu im Mondlicht. “Divine”, rief ich leise über die Koppel und schon sah ich wie der weiße Fleck am Waldrand sich in Bewegung setzt. Eine halbe Minute später stand der weiße Freiberger vor mir. “Warum ist er nur so? Ich dachte er hätte es endlich kapiert, aber kaum kommt ein hübsches Mädchen schaltet er sein verdammtes Gehirn ab.”, schrie ich den Hengst schon fast an während mir die Tränen über das Gesicht rannen. Der Hengst schnupperte mir übers Gesicht und pustete mir freundlich seine warme Luft ins Ohr. “Sorry, du kannst ja nix dafür mein großer”, sagte ich nun etwas sanfter und strich dem Hengst durch die wuschelige Mähne. Auf Einmal knackt es irgendwo in der Entfernung und Divine richtete Aufmerksam die Ohren auf. “Was war das denn?”, flüsterte ich. Nervös begann Divine nun mit dem Schweif zu schlagen.


      Vriska
      Noch genießte ich die Ruhe, eh ich durch weinenartige Geräusche gestört werde. Langsam öffne ich meine Augen und merke nur im Augenwinkel das jemand vorbei rennt. Da steigt in mir meine Helfersucht wieder hoch, ich erhebe mich und werde der Person folgen um zu gucken, ob ich etwas tun kann. Der Weg führte mich zu einer großen Weide auf der offensichtlich Lina bei dem Freiberger ist.
      „Erschreck dich nicht!“, rufe ich ihr flüsternd zu. Schnell dreht sie sich um.
      „Alles gut bei dir? Willst du reden?“, frage ich sie freundlich als ich auf ihr zu gehe. Vorsichtig strecke ich dem Hengst meine Hand entgegen und werde beschnuppert.

      Lina
      “Naja, es ist wegen Jace er ist einfach ein Idiot”, sagte ich zu Vriska. Nachdem der weiße Hengst Vriska inspiziert hatte beruhigte er sich auch wieder ein wenig. “Ein Idiot der scheinbar nur mit seinem Schw... denkt”, fügte ich noch hinzu. “Scheinbar sind die Pferde die einzigen Männer den man trauen kann”, sagte ich während ich Divine den Schopf aus der Stirn strich.

      Vriska
      So traurig das auch ist, ich musste Lachen. „Dem habe ich nichts weiter hinzufügen. Ich dachte echt, dass ein Kerl an mir interessiert ist, den ich heute früh das erste mal in meinem Leben gesehen habe. Irgendwie hat es in mir ein total wohlfühlendes Gefühl auslöst als ich ihn sah, naja blöd. Hoffentlich entpuppt sich mein Glymur nicht als so derartig Schwanzgesteuert.“, erzähle ich ihr um sie auf zu muntern.
      „Ich hab ne Idee! Irgendwie habe ich mitbekommen das die jetzt alle wohl Baden gehen. Wollen wir da auch mal hingehen und denen einen Streich spielen oder sie schockieren?“, schlage ich vor und während ich es ausspreche geht die Idee in meinem Kopf offenbar durch eine Tür.

      Lina
      “Oh ja, das klingt nach einer super Idee”, sagte ich begeistert und wir machten uns auf den Weg zum Fluss. “Gegen eine hübsche Stute wirst du kaum eine Chance haben”, erwiderte ich lachend. “Hier in der Nähe steht ein Fohlen von deinem hübschen Kerl. Ich wollte die Tage eh Alec besuchen, wenn du willst nehm ich dich mit, dann kannst du dir die kleine mal Ansehen”,fügte ich noch hinzu. Nach ein paar Meter zog ich sie auf einen Pferd zwischen den Büschen “Hier, entlang”, flüsterte ich. “Wenn wir von hier kommen können sie uns nicht sehen”

      Vriska
      „Ah cool! Sehr gern, machen wir.“, flüstere ich ihr zu. Als wir bei der Truppe ankommen fällt die Ultimative Idee ein.
      „Guck mal die sind alle Baden, du müsstest Jace Kleidung erkennen oder? Lass und die richtig nach Kindermanier mit nehmen und irgendwo hinpacken. Niemand weiß das wir hier waren. Schließlich hat es keiner mitbekommen, außer das wir bei unseren Pferden waren.“, schlage ich Lina vor und halte meine Hand vor meinem Mund, damit ich nicht lache.

      Lina
      “Oh, super Idee. Praktischerweise ist es gleich der Haufen da vorne”,flüsterte ich und deutet auf einen kleinen Kleiderhaufen. Die badenden waren ein ganzes Stück weiter Flussabwärts, sodass es kein Problem sein würde die Klamotten unbemerkt zu stibitzen. Leise schlichen wir zu dem Kleiderhaufen und sammelten ihn auf, bevor wir genauso lautlos wie wir gekommen waren wieder im Gebüsch verschwanden. “Lass uns die Sachen auf dem Hof irgendwo verstecken, soll er mal sehen wie er zurück kommt”, schlug ich vor und musste mich echt zusammenreißen um nicht zu kichern.

      Vriska
      „Sehr gut! Machen wir. Aber bevor wir am Hof sind müssen wir noch den Sand von unseren Schuhen entfernen, das fällt sich vielleicht auf!“, sage ich noch zu ihr und nehme mir das T-Shirt aus dem Haufen, den sie auf dem Arm hat und wische meine Schuhe ab.
      „Waschen wird er wohl schaffen“, füge ich schelmisch hinzu.

      Lina
      Auch ich säuberte meine Füße und es ging zurück zum Hof, wo wir im Stall auch einen Ort fanden, wo Jace so schnell nicht suchen würde. “Das war eine super Idee”, sagte ich zu Vriska und gab ihr ein high five. “Wie wärs wenn wir zurück zum Feuer gehen?”.

      Die Stimmung von Vriska und Lina war nun wieder besser, nachdem beide innerhalb von kurzer Zeit von ihren Typen sehr enttäuscht wurden. Dennoch gab es für Vriska keinen Grund dafür, schließlich hatte Ju nichts falsch gemacht, lediglich ihre beste Freundin hat nun keine weiße Weste mehr. Nach ungefähr einer Stunde war der Pegel der Badenden nicht mir auf hochtouren, weswegen schnell der Entschluss gefasst wurde zurück zu gehen und sich wieder auf höhere Zahlen zu bringen. Doch für Jace gab es eine böse Überraschung. Alle konnten sich wieder ankleiden, schließlich war der größte Teil nackt in den Fluss gegangen, so wie er auch. Nur fand er seine Sachen nicht mehr. Freundlicherweise stellte Niklas ihm seine Hose zur Verfügung, damit er nicht gänzlich unbekleidet zurück muss. Für alle war es dennoch sehr lustig - Jace’ Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen.
      Zur gleichen Zeit am Hof konnten Vriska und Lina sich nicht zusammenreißen und mussten Samu von der Aktion erzählen. Anfangs war er sehr negativ demgegenüber gestimmt, doch als Jace wütend zurück kam, musste er auch ziemlich lachen und war auf der Seite der Mädels.

      Jace
      Ein wenig sauer stapfte ich den Weg zum Hof zurück. Irgendein Idiot hatte meine Klamotten versteckt. Am Feuer saßen Samu, Lina und Vriska und schienen sich zu Unterhalten. “Warum hast du kein T-Shirt an?”, fragte Samu mich. “Weil irgendein Idiot meine Klamotten versteckt hat”, knurrte ich. “Habt ihr gesehen wer es war?”. “Nein, wir waren die ganze Zeit hier”, antwortete Lina unschuldig und Vriska nickte bestätigend. “Ich werde mir jetzte erstmal neue Klamotten und ein Bier holen”, brummte ich bevor ich im Haus verschwand. In meinem Zimmer zog ich Jeans und T-Shirt aus der Kommode und zog mich an. Danach begab ich mich auf die Suche nach Niklas um ihm seine Hose zurück zu bringen. “Danke nochmal, du bist echt ein Ehrenmann”, bedankte ich mich immer noch sehr schlecht gelaunt.

      Niklas
      “Kein Problem, Diggi. Immer wieder gern. Setzt du dich dann wieder zu uns?”, antworte ich Jace, der mir meine Hose zurückgibt. “Wir wollen jetzt noch eine Runde ‘ich habe noch nie’ spielen. Werde jetzt auch noch die Loser am Feuer davon überzeugen mit zu machen, vielleicht steckt in denen ja auch was cooles”, füge ich noch hinzu und gehe zum Feuer.
      “Hey ihr, habt ihr Lust ein Trinkspiel mitzuspielen. Alle anderen machen auch mit, also wird ziemlich lustig”, begrüße ich die Drei am Feuer. Fragend guckt Vriska die Beiden abwechselnd an.
      “Was sagt ihr?”, fragt sie dann.

      Samu
      “Warum eigentlich nicht”, antwortete Lina drene Lauen um einiges besser zu sein schien als vorher. Ich für meinen Teil konnte zwar drauf verzichten, aber es war vermutlich besser wenn ich mitging. Nicht das Lina noch irgendwelche Dummheiten anstellt. Zudem befürchte ich auch, dass sie noch eine emotionale Stütze gebrauchen konnte, denn ich hatte mitbekommen, dass Jace mit einer von den Mädels nicht ganz erfolgreich geflirtet hatte. “Ich mach auch mit”, schloss ich mich Lina also an.

      Niklas
      “Willkommen bei der ersten Ich-habe-noch-nie Runde auf dem Whitehorse Creek. An alle unter 18 Jahren, bitte verlasst nun die Runde, alle über 18, lasst euch aus. Bitte seid ehrlich!”, beginne ich das Spiel einzuleiten. Die Gruppe jubelt.
      “Dann beginnen wir nun. Reihum, darf jeder eine Frage bzw Aussage treffen. Mit Abstimmung kommen auch Wahrheit oder Pflicht Aufgaben dazwischen. Los gehts”, rufe ich.

      Etwas Zeit vergeht ... (gekürzt)

      “Finde ich gut”, sage Ju und zieht überzeugt seine Schuhe aus.
      “Leute, wir haben alle großen Spaß, aber ich hab gerade mal auf die Uhr geschaut. Es ist schon halb 4 Uhr und morgen müssen wir sicher früh aufstehen.”, sage ich und mache die Musik aus. Alle stimmen mir zu. Milena ist in der Zeit schon auf mir eingeschlafen. Ich ziehe meinen Kumpel an mich heran: “Ich würd gern Milena mitnehmen. Ist für dich Okay zu Vriska mit zu gehen?”
      Mal wieder setzt er seinen Blick auf, der einem direkt verrät, dass er unzufrieden ist mit der Situation aber aus der Freundschaft heraus es akzeptiert.
      “Ich würde dann nur gern noch frische Sachen raus holen und mein Zahnputzzeug”, antwortet er bloß und geht vor. Vriska scheint schon auf dem Zimmer zu sein, da ich sie nirgendwo mehr sehe. Milena habe ich auf den Arm genommen und trage sie in Richtung meines Zimmer.

      Samu
      Endlich erlöste Niklas uns von dieser Runde. Ich sah , dass Jace sich schnell verpisste um mir nicht zu begegnen, aber heute hatte ich auch gar keine Lust mehr ihm Vorzuhalten was für ein bescheuerter Idiot er eigentlich war. Ich begleitet Lina noch bis auf ihr Zimmer “Dir sind die Hormone heute auch ganz schön zu Kopf gestiegen oder?”, fragte ich sie. Ich hatte sie noch nie so stur erlebt. “Mmmm.. Jace ist einfach so ein Vollidiot”, murmelte ich nur noch. “Schlaf gut Lina”,verabschiedete ich mich und ging in mein eigenes Zimmer. Ich putze mir noch schnell die Zähne und zog mich um bevor ich schließlich müde ins Bett fiel. Morgen würde ich Jace eine ordentliche Standpauke halten.

      Vriska
      Endlich ins Bett, dachte ich nur noch bis es klopfte. “Milli, du wirst doch wohl noch in der Lage sein eine Tür zu öffnen”, stieß ich nur noch genervt aus. Langsam öffnet sie sich “Ähm, genau deswegen bin ich hier. Sie will wohl lieber bei Niklas drüben schlafen und wie vorhin schon befürchtet muss ich jetzt hier schlafen”, sagt Ju verlegen und steht mit Badelatschen und einer kleinen Tragetasche in der Tür. Völlig schockiert und wütend gucke ich zu ihm. “Grundsätzlich stellt das kein Problem dar, aber wir haben offenbar das einzige Zimmer mit Doppelbett und nach dem Abend bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich mit jemanden der solche Freunde hat in einem Bett schlafen möchte”, sage ich.
      “Du kein Problem, ich würde auf dem Boden schlafen. Bitte schick mich nur nicht darüber”, bettelt er mich fast an. Er tut mir schon irgendwie leid wie er dasteht, obwohl er mehr als ein Kopf größer ist als ich.
      “Na gut, du kannst mit ins Bett. Aber nicht berühren, dann sind deine Finger ab!”, drohe ich ihm. Er nickt und geht noch ins Bad. Ich habe mich in der Zeit in mein viel zu großes WM T-Shirt geschmissen und es mir im Bett bequem gemacht.
      “Achtung”, warnt Ju ich als er dazu kommt.
      Einige Minuten liegen wir Schweigend nebeneinander, als er dann doch noch ein Gespräch anfängt: “Ich muss jetzt einfach Fragen, vielleicht liegt es auch am Alkohol, aber was Milena vorhin gesagt hat, dass war schon ihr Ernst oder?” Etwas überrascht gucke zu ihm, da ist dunkel ist, kann er aber sicherlich mein Gesichtsausdruck nicht wahrnehmen. “Die viel wichtigere Fragen ist ja, ob Milena recht hatte mit dem, was sie mir gesagt hat”, erwidere ich etwas nervt.
      “Nein. Ganz Klar. Niklas hat so eine blöde Wette gemacht um zu gucken wie weit sie für ihn gehen würde.”, fängt er an zu erzählen.
      “Die kleine Kuh. Die braucht morgen gar nicht ankommen”, sage ich zu ihm und innerlich fällt mir ein Stern vom Herzen, dass er offenbar doch nicht so wie seine Freunde ist. Im ersten Moment.
      Noch einige Minuten unterhalten wir uns, bis sich jeder zur anderen Seite dreht um versucht zu schlafen. Aber ich kann nicht schlafen, irgendwie ist mir warm und kalt gleichzeitig, schließlich liegt gerade ein ziemlich toller Typ neben mir der scheinbar auch interessiert an mir ist. Ich drehe mich und uns bemerke, dass er sich auch zurück auf den Rücken gelegt hat. Vorsichtig lege ich meinen Kopf auf seine Brust. Ich glaube, noch nie habe ich eine so bemuskelte Brust unter meinem Kopf gesprüht. Auch kann ich nicht wiederstehen meine Hände auf seinen Oberkörper zu legen. Als ich mich sicher fühle atme ich tief durch und schließe die Augen, aber ich merke das Ju doch noch wach ist und seinen Arm um meine Taille legt. Mit der anderen Hand streicht er mir durchs Haar. “Gute Nacht. Hoffentlich darf ich dennoch meine Finger behalten”, sagt er noch. Ich schmunzle nur und schlafe endgültig auf vermutlich dem besten Platz der Welt ein.

      Lina
      Zusammen mit Samu, Luchy und Jayden war ich gerade dabei das Frühstücksbuffet aufzubauen. Weil die Sonne so schön schien hatten wir beschlossen das ganze draußen auf zu bauen. Eigentlich hätte Jace auch helfen sollen, doch der war einfach nicht aufgetaucht. “Wo ist eigentlich Jace?”, fragte Jayden nachdem wir fertig waren mit Aufbauen. “Ohh, den gehe ich holen”, sagte Samu freudig und verschwand ins Haus. “Warum ist Samu denn so gut drauf?”, fragte Luch ein wenig erstaunt. Normalerweise gehörte Samu zu der Sorte Mensch die vor dem ersten Kaffee zu nichts zu gebrauchen waren. “Ich glaub der hat heute besonders gut geschlafen”, antworte ich schmunzelnd. Jayden und ich wussten natürlich warum Samu so gut gelaunt heute war, aber Luchy hatte von der Aktion gestern natürlich nichts mitbekommen.

      Jace
      Ich wurde davon wach, dass irgendwer gegen meine Tür hämmerte und kaum eine Sekunde später stand Samu im Zimmer. “Du dämlicher Vollidiot”, schnauze er mich an und in meinem Kopf meldete sich ein pochen zusammen mit Kopfschmerzen. “Kannst du ein wenig leiser sein?”, wenig verwirrt zu Samu und blinzelte in das helle Sonnenlicht. “Nein kann ich nicht. “, schimpfte er weiter und zog die Vorhänge auf. “Ahhh, mach das wieder zu”, sagte ich empört und kniff die Augen zusammen. “Nein, den Kater hast du dir verdient. Was ist in deinem dämlichen Gehirn falsch gelaufen, dass du erst jemanden abfüllst und wenns ihm schlecht geht lässt du ihn einfach allein, du dämlicher Esel”, schimpfte er weiter. “Und eigentlich hättest du uns heute morgen helfen sollen. Herzlichen Glückwunsch du darfst die Koppel heute komplett allein abäppeln”, sagte er noch bevor er endlich verschwand. Diese Kopfschmerzen würde mich noch Umbringen. Ich warf erst einmal ne Aspirin um irgendeinen Art von Gedanken fassen zu können. Langsam rollte ich aus dem Bett und begab mich ins Bad. Auf dem Weg dahin fiel ich erst einmal fast über den Kleiderhaufen auf dem Boden. In meinem Schränkchen wurde ich zum Glück auch fündig. Ich warf mir eine Aspirin ein und spritze mir erst einmal Wasser ins Gesicht. Was war gestern Abend nur passiert ich konnte mich nur noch daran Erinner ,dass ich mit Abigail geflirtet hatte und dann waren wir Schwimmen gewesen. Nach dem Schwimmen waren mein Klamotten auf einmal weg gewesen und Niklas hatte mir seine Hose geliehen. An mehr Erinnerte ich mich nicht mehr. Ich fuhr mir durch die Haare und stellte fest das ich roch wie ein Brauerei. “Jetzt brauch ich erst einmal eine Dusche”, sagte ich zu meinem Spiegelbild. Gesagt getan. 10 Minuten später stieg ich halbwegs wach aus der Dusche. Das es heute noch wärmer war als gestern, entschied ich mich nur ein Tanktop zu meiner Reithose an zu ziehen, bevor ich mich runter begab.

      Milena
      “Guuuuten Morgen”, begrüßt mich Niklas, neben dem ich offenbar liege. An viel erinnere ich mich, war wohl doch etwas viel. Müde gucke ich unter die Decke - Fuck.
      “War es wenigstens gut?”, frage ich ihn noch völlig verschlafen. Er nickt und streicht mir die Haare aus dem Gesicht. Langsam raffe ich mich auf und möchte nach meiner Unterwäsche greifen, als die Tür auffliegt.
      “Was geht denn hier ab?”, ruft Anna wütend. In Niklas Gesicht sieht man schon eine Art Bestätigung, aber auch scheint es ihm sehr unangenehm sein. Auch Hannes kommt.
      “Ach Diggah”, sagt sein Bruder nur und geht mit seiner nun wahrscheinlich Ex-Freundin wieder.
      “Bevor ich's vergesse, Herr Holm kommt gleich und er hat ziemlich schlechte Laune”, kommt er nochmal zurück und sagt uns bescheid.
      “Los schnell”; sagt Niklas hektisch zu mir. So schnell wie ich kann ziehe ich mich an und verlasse das Zimmer, doch dann steht schon Herr Holm vor mir.
      “Ich hoffe, dass ich nicht das wonach es aussieht.”, sagt er verärgert. Ich entschuldige mich und laufe rüber zu meinem Zimmer. Doch Vriska liegt noch im Bett mit … warte mal, ist das Ju.
      “Als ob du dir auch gegönnt hast”, lache ich als ich rein gehe. Offenbar haben sie noch geschlafen.
      “Was willst du?”, fährt sie mich verärgert an.
      “Eigentlich ist das auch mein Zimmer, aber ich kann auch rüber zu Linh ziehen, die ist wenigstens nicht so eklig wie du”, reagiere ich gekonnt, obwohl es nicht so gut ist, mit meiner eigentlich besten Freundin zu sprechen. Ohne noch etwas zu sagen, gehe ich kurz Duschen und haue ab zu meinen Pferden, da wir schließlich selbst die Boxen sauber machen müssen.

      Vriska
      Als Milena dann wieder weg ist, versuche ich Ju zu wecken, der noch schläft wie ein Stein. Langsam kommt er zu sich.
      “Hatten wir … ?”, fragt er vorsichtig.
      “Nein nein, alles gut. Wir haben nur zusammen in einem Bett geschlafen, aber du musst jetzt so schnell wie möglich gehen. Vor einer Stunde hätten wir alle schon im Stall sein müssen um sauber zu machen. Offenbar sind nun auch unsere Trainer schon auf Tour”, erkläre ich ihm und muss etwas lachen. Direkt ist er entspannt, zieht sich an und geht Richtung seines Zimmer. Kurz schaue ich ihm nach und höre schon Herrn Holm ziemlich laut werden. Hoffentlich nimmt er mir das nicht übel, aber eigentlich ist sein Kumpel schuld. Dank mir hatte er wenigstens einen Platz im Bett.
      “Vriska?”, kommt dann Frau Wallin in mein Zimmer, als ich mich gerade anziehe. Erschrocken drehe ich mich um und nicke.
      “Denk dran, du bist noch in der Probezeit. Nur mit einiger Überzeugung konnte ich dafür Sorgen, dass du im Team konntest. Eigentlich sollte ich dir das nicht sagen, aber ich muss dir den Ernst der Lage vermitteln. Direkt die erste Nacht mit einem der höheren Klassen zu verbringen mag reizvoll sein, aber es geht um deine Zukunft”, versucht sie mir freundlich zu sagen, aber ich höre nur das negative heraus.
      “Er hat nur …”, möchte ich mich zur Situation äußern, aber sie unterbricht mich.
      “Mir ist egal was passiert ist und was nicht. Denk nur an meine Worte und jetzt flott. In 30 Minuten gibt es frühstück”, sagt Frau Wallin und verlässt mein Zimmer. Irgendwie ist in meinem Zimmer mehr Verkehr als auf der Autobahn. Schnell hüpfe ich noch in meine Hose und mache mich auf die Suche nach Lina. Vielleicht kann sie mir helfen was das Saubermachen angeht. Es ist noch immer erst der erste richtige Tag, also keine Ahnung wo was ist. Ich bin froh zu wissen, wo mein Pferd ist. In dem Moment wird mir auch klar, dass er nicht eingedeckt ist. Also nochmal zurück ins Zimmer um die Decke zuholen und wieder raus nach Lina suchen.

      Lina
      “Lina” kam Vriska rufend auf mich zugelaufen, als ich gerade über den Hof lief um Mina und Briair noch schnell ihr Frühstück zu bringen, bevor es für die beiden wieder auf die Koppel ging. “Guten Morgen Vriska, du siehst ja aus wie aus dem Bett gefallen”, begrüßte ich die junge Frau die auch noch eine Decke unterm Arm trug.

      Vriska
      “Lange Geschichte, aber dazu später. Jetzt ist erstmal was anderes wichtig. Wir müssen alle in einer halben Stunde beim Frühstück sein und ich muss Gylmis Box noch sauber machen. Wo finde ich das ganze Equipment. Oder kannst du mir helfen? Weil wie du siehst, muss ich ihn noch eindecken, wegen des Exzem”, sage ich so schnell wie ich sprechen kann, hoffentlich hat sie mich verstanden.

      Lina
      “Natürlich helf ich dir. Komm mit”, sagte ich und zog Vriska hinter mir her. “Und wegen des Ekzems stellst du ihn am besten auf eine der Hof nahen Koppel, da sind weniger Mücken”, erklärte ich ihr und holte Schubkarre und Mistgabel aus der Lagerkammer.

      Vriska
      “Boah danke, kannst du schon mal anfangen mit Misten? Dann decke ich ihn ein und stelle ihn schnell raus.”, sage ich und warte nicht auf die Antwort. Stattdessen ziehe ich ihn am Halfter aus der Aussenbox, schmeiße ihm die Decke über den Kopf und springe schnell raus. Nur mit meinem Gewicht lenke ich ihn zu Weide. Gekonnt öffne ich vom Rücken meines Pferdes das Tor, reite ein und springe wieder runter.
      “Gut gemacht Dicker. Wir sehen uns später nochmal, aber ich muss jetzt echt weiter.”, lobe ich Glymur und schiebe ihm ein Leckerchen in den Mund.
      “Elegant”, sagt Hannes zu mir.
      “Ich kann jetzt nicht”, antworte ich nur und renne wieder zurück zur Box.

      Lina
      Ich hatte bereits angefangen die Box zu misten, während Vriska ihren Hengst auf die Koppel brachte. Als sie um die Ecke kam war ich schon fast fertig mit der Box. “Muss nur noch wieder ein bisschen Stroh rein”, sagte ich zu Vriska. “Das findest du da um die Ecke, ich bring die Schubkarre schonmal weg”, sagte ich zu ihr und schob die Schubkarre Richtung Misthaufen.


      Vriska
      “Boah, ich bin dir was schuldig. Danke!”, sage ich und hole mit der Forke etwas Heu für die Ecken. Dann warte ich auf Lina, die gerade wieder kommt.
      “Frühstückt ihr eigentlich mit uns?”, frage ich sie erleichtert.

      Lina
      “Jep, wir haben extra schon geschuftet damit ihr ein schönes Frühstück bekommt”, sagte ich fröhlich zu Vriska. “Komm lass uns zum Frühstück gehen ich hab echt hunger”, sagte ich und deutete mit dem Kopf in die Richtung wo das Buffet aufgebaut war.

      Vriska
      “Danke dir. Wie viel hast du denn gestern noch mit bekommen? Na auf jeden Fall hat Niklas Milena mit zu sich genommen, dementsprechend musste Ju mit zu mir. War bei den beiden gelaufen ist, will ich lieber nicht wissen aber ich kann es mir halt echt schon denken. Ich bin so unglaublich enttäuscht von ihr. Aber bevor du jetzt fregst, nein, bei uns ist nichts gelaufen. Man könnte sagen, wir haben gekuschelt, aber das war’s.“, berichte ich ihr aufgeregt, weil Milena kann ich es ja nicht erzählen. Irgendwie macht es mich auch traurig, weil ich sonst niemanden wirklich im Team habe und die Zeit hier am Hof ist leider endlich.

      Lina
      “Das klingt ja als hätte der Abend für dich das gewünschte Ende genommen”, meinet ich fröhlich zu Vriska. Inzwischen war wir bei den anderen angekommen. Jace saß mit Sonnenbrille im Gesicht am Tisch. “Hat der Herr auch mal den Weg hierher gefunden”, stichelte ich. Von Jace kam nur ein brummen, scheinbar hatte er einen fetten Kater. “Das hat er definitiv verdient”, raunte ich Vriska zu während wir uns ein Platz am Tisch suchten. Auch Samu sah sehr schadenfroh aus und saß mit einem breiten lächeln im Gesicht am Tisch. Vom kanadischen Team waren schon fast alle da. Nur Ella gab gerade um die Ecke und ich hörte wie sie zu Mr. Cunningham etwas sagte:” Abigail geht es nicht gut, sie lässt das Frühstück ausfallen”.

      Vriska
      “Eigentlich hätte ich lieber gehabt, dass er nicht bei mir gewesen wäre. Ich hab da so ein schlechtes Gefühl”, antworte ich noch als wir uns setzen.
      “So leider müssen wir nochmal über die vergangene Nacht sprechen. Es war zu lang, zu laut und zu aktiv. Habt ihr eure Triebe nicht im Griff? Offenbar ist die Hälfte von euch nicht in der Lage das eigene Verhalten zu reflektieren und was weiß ich noch. Heute Abend bitten ich Namen von allen Trainern um etwas mehr Diskretion. Wir machen hier keine Klassenfahrt, sondern wir sind hier zum Training um eure Leistung zu verbessern. Nun aber zum Tagesprogramm. Bis zum frühen Nachmittag habt ihr erstmal noch Ruhe und Zeit zum Aufräumen, dann habt ihr in kleinen Gruppe alle Dressurtraining. Die Gruppen werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Frau Wallin erstellt gerade einen Zeitplan, wer also wenn ihr irgendeine Zeit oder Konsultation bevorzugt, wendet euch an sie. Und heute Abend kommt noch mal eine Aktion zur Festigung eure Beziehung, aber nicht so wie ihr es gestern definiert habt. Nun guten Appetit.”, macht Herr Holm eine Ansage und mir ist das richtig unangenehm dazu zu gehören. Während er spricht schiele ich immer wieder zu Ju rüber und auch er guckt immer wieder zu mir. Milena sitzt auch mit an dem Tisch der Jungs und scheint ziemlich viel Spaß zu haben. Niklas versucht allerdings ihn daran zu hindern hier her zu blicken. Der ist so ein Idiot.
      “Ich hab irgendwie gar keinen Hunger”, sage ich Lina und blicke auf meinen leeren Teller, während sie nicht genug in sich hinein stopfen kann.

      Lina
      “Willst du nicht mal einen Kaffee trinken?”, fragte ich Vriska die bis jetzte noch garnichts gegessen hatte. Ich hingegen verschlang mit Vergnügen meinen Obstsalat. “Lina, Samu, Jace, Jayden nach dem Frühstück kommt ihr mal bitte zu mir in Büro”, sagte Luchy noch und sie schien nicht gerade begeistert. Vermutlich bekamen wir nochmal unsere ganz persönliche Standpauke. Nun sah Samu nicht mehr ganz so fröhlich aus, aber auch meine gute Laune war ein klein wenig getrübt. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf den Tag, da ich echt gespannt war wie denn das Training von einem National Team aussehen würde.

      Vriska
      Als ich noch mal rüber gucke, treffen sich aber nun mein Blick und der von Niklas. Irgendwie bin ich total schockiert als er aufsteht mit Milena und zu uns an dem Tisch kommt. Das kann doch nichts werden …
      “Was ist eigentlich dein Problem?”, fragt Niklas provokant.
      “Grundsätzlich nicht, aber ich kann Typen, die nicht mit ihren Gehirn denken nicht leiden und dann auch noch der Meinung sind, Ihnen gehört die Welt.”, antworte ich genervt. Der einzige Weg das hier zu unterbinden ist zu verschwinden, doch das wird mir verwehrt. Aggressiv zieht er mich am Arm zurück in den Stuhl
      “Was auf Mädchen, du lässt Ju in Ruhe, sowie alles was sich in meinem Umfeld befindet. Dann hast du kein Problem.”, sagt er und geht wieder. Wie ein Schosshund folgt Milena im.
      “Ach ja, ich hole nachher noch meine Sachen. Ich hab kein Bock auf dich”, fügt sie noch hinzu.
      Schockiert gucke ich Lina und drehe verwirrt meinen Kopf.
      “Hast du ne Ahnung was ich getan habe?”, fasse ich den Mut Lina zu fragen.

      Lina
      “Was für ein Arsch” sagte ich Kopfschüttelnd zu Vriska. “Ich glaube sie ist machofiziert. Die beruhigt sich schon irgendwann wieder”, sagte ich nur. Während die eine hälfte der Leute sehr gut gelaunt waren und ausgelassen vor sich hin plapperten, während die andre hälfte deutlich mitgenommen von gestrigen Abend waren. “Wenn deine tolle Freundin da nichts mehr von dir wissen willst, darfst du mich gerne heute begleiten”, meinet ich nur zu Vriska. “Die kleinen Fellknäuel sind viel netter als deine Freundin” sagte ich lächelnd. Damit meinte ich vor allem die kleinsten Bewohner hier auf dem Hof.

      Vriska
      “Danke für das Angebot, vielleicht komme ich da später darauf zurück, aber ich brauche jetzt erstmal etwas Zeit für mich.”, sage ich zu ihr, stehe auf und gehe. Mir ist das gerade alles zu viel. Im Zimmer setze ich mich auf das Bett, das Bett in dem in der Nacht noch alles gut war und ich mich extrem gut gefühlt habe. Allerdings wird das Thema nun durch sein, weil ich kein Interesse daran habe mich mit dem Typen anzulegen. Niklas hat einfach eine zu hohe Stelle im Nationalteam, das möchte ich keinesfalls riskieren.

      Lina
      Nach dem Frühstück war es nun an der Zeit unsere Standpauke ab zu holen. Zähneknirschend stand ich auf und ging zusammen mit Samu zu Luchy. Jayden und Jace warteten dort bereits. “Na dann los”, sagte Jace und klopfte an der Tür. “Kommt rein”, kam die Antwort von drinnen. Wir vier traten ein und standen aufgereiht und fast alle mit einem Unschuldigen Blick vor unserer Chefin. “Leider muss ich mich den Worten Herrn Holm anschließen. Gerade von euch hätte ich das nicht erwarten”, sagte sie und sah uns alle mit ernstem Blick an.” In Zukunft erwarte ich von euch, dass ihr vernünftiger seid. Aber ich hab auch noch ein kleine Überraschung für die meisten von euch . Lina, Samu und du Jayden ihr dürft heute Nachmittag an dem Dressurtraining teilnehmer unter der Bedinung ,dass ihr vorher alle eure Stallarbeiten erledigt habt. “, sagte sie zu uns. “Wow, danke für diese Chance”, bedankte ich mich bei meiner Chefin. “Jace, was dich angeht habe ich gehört du hast gestern wohl nicht deine Stallarbeiten erledigt, deshalb musst du die nächsten zwei Tage allein die Koppeln und Paddock abäppeln und zwar auch die der Gäste. Wenn ich sehe das du dich anstrengst darfst du heute auch mit reiten”, beendete sie ihre Rede. Mit gemischten Gefühlen verließ ich das Büro. Einerseits freute ich mich auf das Training, andererseit fand ich echt echt unfair, dass Jace diese Chance auch bekommen sollte. Schließlich war er nicht ganz unschuldig an diesem Desaster. Aber ich wusste genau ,dass man bei Luchy garnicht erst anfangen brauchte zu Diskutieren. Also begann ich wohl oder übel damit die Pferde auf die Koppel zu bringen.

      Ju
      “Milena, kannst du mal bitte gehen. Ich würde gern mit Niklas alleine sprechen”, sage ich zu seiner neuen kleinen Freundin, die eingeschnappt dann geht.
      “Danke”, rufe ich ihr noch nach aber sie hat bereits die Tür hinter sich zugeknallt. Die scheint ja ganz schöne Komplexe zu haben.
      “Was ist denn dein Problem mit Vriska? Ich mein, du hast doch jetzt aktiv deinen Posten als Kapitän verteidigt.”, frage ich ihn mit ernster Miene.
      “Bruder, die ist nichts für dich. Sich auf so jemanden einzulassen, wäre ein Fehler. Du hast schon so viele komische Weiber gehabt und jedes mal habe ich dich dabei unterstützt darüber hinweg zu kommen. Diesen Schritt möchte ich überspringen. Wir haben hier so viele neue coole Mädchen im Team, da musst du dir echt nicht den größten Außenseiter wählen. Du bist cool und beliebt, nutze das doch als Chance.”, sagt er zu mir. Direkt springen mir Schlagworte wie jemand und Außenseiter ins Ohr, was ich überhaupt nicht verstehe. Niklas war schon immer etwas abgehoben aber erst in den letzten Jahren hat er sich so seltsam entwickelt. Bisher dachte ich immer, dass es nur eine Phase ist und es wieder besser wird. Scheinbar aber nicht.
      “Ich bin alt genug die Entscheidung selbst treffen zu können”, ranze ich ihn an.
      “Selbstverständlich, aber dann musst du am Ende nicht wieder ankommen, weil sie Schluss gemacht hat oder plötzlich einen anderen Typen hat. Ich bin dann nicht mehr für dich da. Also Entscheide selbst was dir wichtiger ist. Wir kennen uns seit dem Kindergarten und ich glaube langsam echt, dass ich dich besser kenne als du dich selbst.”, sagt er genervt und geht ins Badezimmer.
      “Jetzt bleib doch mal hier. Immer wenn es für dich unangenehm wird, gehst du. Das ist jetzt aber keine Lösung. Ich möchte wegen ihr nicht unsere Freundschaft aufs Spiel setzen, doch im gleichen Gedanken möchte ich nicht, dass du einen Keil zwischen uns treibst, nur weil du ein persönliches Problem hast.”, sage ich zu ihm und folge ihm.
      “Weißte was, mach was du willst, aber belaste mich nicht weiter mit der. Ich kann die einfach nicht ab. Jeden bevormundet sie und macht ein auf Obermutter, aber das ist sie nicht. Die scheint irgendwelche Komplexe zu haben, die wahrscheinlich auf familiäre Probleme beruhen. Das soll sie aber nicht an uns auslassen, sondern selbst mit klar kommen”, beleidigt er sie dann noch. Dann schiebt Niklas mich aus dem Badezimmer. Nun muss ich mich erstmal setzen und mir Gedanken machen. Vriska finde ich schon sehr nett und ich mag die Art, dass sie sehr offensiv interessiert an mir ist. Bisher habe ich immer alles getan um einem Mädchen zu gefallen, diesmal ist das gar nicht notwendig, auch wenn es sehr Oberfläch zu sein scheint.

      Jace
      Irgendwie hatte ich es ja schon verdient, dass ich jetzt allein die Koppel abäppeln durfte. Beim Frühstück hatte mich Jayden über den Verlauf des gestrigen Abends aufgeklärt und ich verstand warum Samu so sauer gewesen war. Ich sollte mich bei Abigail entschuldigen meine Verhalten war echt nicht ok gewesen. Also ging ich noch bevor ich mit der Arbeit anfing zu Abigail Bungalow und klopfte. Es dauerte ein paar Minuten bis jemand öffnete. "Was willst du?", ranzte mich ein zierliche braunhaarige Frau an. "Ich möchte mich bei Abigail entschuldigen", antwortete ich dem unfreundlichen Mädchen. "Ahh dann bist du also der Typ der sie abgefüllt hat. Ich sag dir nur eins verpiss dich", sagte sie böse und knallte mir die Tür vor der Nase zu. Wow war dies Mädel unfreundlich gewesen. Im Moment würde das mit dem Entschuldigen also nichts werden. Also machte ich mich Kopfschmerzen geplagt auf den Weg Schubkarre und Mistgabel zu holen um damit zu beginnen die Koppeln ab zu äppeln. Die wenigen Pferde, die die Nacht in der Box verbracht hatten standen inzwischen auf der Koppel die andern drei scheinen sich echt Mühe zu geben mit ihren Aufgaben bis heute Nachmittag fertig zu sein. Wobei auch ich zugeben musste, dass ich alles geben würde um an dem Training teilzunehmen zu nehmen. Es war schon immer ein Traum von mir gewesen ein Teil des internationalen Team zu sein. Jetzt wo ich so kurz davor stand zumindest für ein paar Tage dazu zu gehören verbockt ich es natürlich mal wieder. "Warum bist du eigentlich immer so dämlich Jace", sagte ich zu mir selbst. "Ja, das wüsste ich auch gern", ertönte eine Stimme hinter mir. Ich brauchte mich nicht um zu drehen um zu wissen wer da stand. "Alec, was machst du hier?". Ich war erstaunt meinen besten Freund hier an zu treffen, da er eigentlich seit einem. Jahr die Außenstelle des WHC leitet. Ich dreht mich um und da stand er. Im Gegenlicht wirkte er noch ein wenig größer als sonst. "Ich bin hier um dein Gehirn zu waschen du Idiot. Lina hat mich angerufen und mir von deiner unehrenhaften Schantat erzählt. Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht?" fragte Alec in einem strengen Tonfall. Alec war für mich immer wie ein großer Bruder gewesen und er kannte mich besser als ich mich selbst." Ich hab gar nicht gedacht", murmelte ich resigniert." Naja, so wie Lina es erzählt hat klang es als hätte du auf jeden fall nicht mit deinem Hirn gedacht", erwiderte Alec. Er hatte ja Recht und ich wusste es auch. "Wir haben ein ähnliches Gespräch schon einmal geführt und ich möchte ungern schon wieder den Scherbenhaufen hinter dir wegräumen. Ich will doch nur vermeiden, daß das gleiche passiert wie damals", ermahnte er mich. Damals war ein Kapitel, was ich so nie wieder erleben wollte.



      Ein komisches Gefühl lag in der Luft, die Energie vom gestrigen Abend habe hatte sich angestaut und schien nicht verschwinden zu wollen. Während sich Vriska mit Folke und Tyrell telefonierte und versuchte sich Tipps zum Umgang mit der Situation zu holen. War Milena dabei sich ihr neues Zimmer, alleine, einzurichte. Sie wirkte glücklich, doch etwas reue schien sie schon zu haben. Doch wie auch Ju wird sie von Niklas unter Druck gesetzt und in ihrem Alter fehlt es noch an der Erfahrung das zu erkennen. Wir können nur hoffen, dass es besser wird.
      Frau Wallin hatte nun auch den Zeitplan aufgehangen und Erika schrie dies auch quer über den Hof. Aufgeregt kamen alle zum Schwarzen Brett uns Musterten ihre Gruppen.

      Vriska
      “So jetzt mal ganz ruhig. Gruppe jetzt geht dann jetzt los, Pferd holen und dann auf zum Reitplatz oder in die Halle. Bitte achtet darauf, dass besonders die Springreiter die Steigbügel lang machen, heute ist Dressurunterricht. Zugucken dürft ihr gern, viel Erfolg!”, sagt Frau Wallin die sich aus der Traube von Menschen gekämpft hat.
      Mit Niklas und Ethan in der Halle bei Herrn Holm, na toll. Ich denke ich echt, dass sie mir was rein drücken will. Doch das ist zum Glück nun nicht mehr so wichtig. Endlich reiten. Mit Herr Holm hatte ich bisher noch nie Training gehabt aber schon oft beobachtet, er scheint sehr Ernst zu sein aber man lernt viel.
      Aufgeregt laufe ich raus um Glymur zu holen, der Schlafend auf dem Boden liegt. Langsam gehe ich auf ihm zu, weil ich ihn nicht erschrecken möchte.
      “Gaaaanz ruhig! Wir gehen jetzt in die Halle”, drohe ich ihn an. Neugierig spitzt der Isländer die Ohre und steht auf. Zufrieden lobe ich ihn und gehe zum Anbinder, an dem ich ihn fertig mache.

      Lina
      Ich hatte es locker geschafft alle Stallarbeiten zu erledigen und da Jace für die nächsten Tage die Koppeln machen musste, hatte ich auch schon die ersten Pferde geschafft. Ich hatte gerade den Junghengst Lancasters Peppermint zurück auf die Weide gebracht und sah auf einmal eine riesigen Menschnetraube vor dem schwarzen Brett. Samu stand ein wenig abseits und ich Gesellte mich zu ihm. “Wow, wie schnell man alle mit einem Zeitplan aus dem Häuschen bringen kann”, sagte ich erheitert zu Samu. Es dauert ein paar Minuten bis die Menschenmenge sich zerstreute. “Samuuuuu ich darf mit Chloe reiten”, quietsche ich aufgeregt als ich auf den Plan gesehen hatte. Chole und ihr Fuchswallach waren super bekannt in Kanada, weil sie als jüngste Reiterin im Team gleich zweimal Gold bei Olympia geholt hatte. Wie ein Flummi hüfte ich vor Samu auf und ab.”Jetzt beruhig dich doch mal”, sagte der Finne und hielt mich fest damit ich aufhörte zu hüpfen.

      Vriska
      Aufgeregt mache ich mich auf dem Weg zur Halle bei der ich auch auf Niklas treffen, ein junger anderer Mann ist auch da, ebenso Herr Holm.
      „Ich freue mich, dass jetzt wenigstens Pünktlich seid. Dann setzt euch mal auf eure Pferde, dann geht es erstmal mit dem Warmreiten los“, sagt Herr Holm.
      Ich gurte noch einmal nach und Steige auf. Das Niklas diese schöne Stute gehört, hätte ich nicht gedacht. Auf dem Gelände von unserer Akademie hatte ich sie bereits mehrfach bewundert, so dass ich jetzt noch viel schockierter bin. Aber auch die Stute von dem anderen Typen hat es mir sehr angetan, eine wunderschöne Scheckin.
      “Vriska, achte mehr auf eine Beine, du klammerst dich zu sehr an Glymur, deswegen läuft er auch viel zu schnell im Schritt. Atme tief durch und dann geht es weiter”, ruft Herr Holm mir zu. Ich pariere meinen Hengst durch in den Stand, schließe die Augen und denke an die vergangene Nacht. Direkt merke ich, dass ich ein lächeln aufsetze und meine Muskelatur sich löst. In dem Moment schnaubt auch Glymur ab.
      “Siehst du, direkt ist auch dein Pony mehr bei dir und entspannt.”, sagt Herr Holm und muss tatsächlich auch lächeln. Das bestätigt sich nur in meiner Gedankenwelt und ich werde daran festhalten. Als ich im Schritt wieder anreite, ist Glymur entspannt und läuft deutlich langsamer als vorher. Immer wieder schaue ich zu Niklas rüber, der wirklich gut reiten kann. Seine Stute aktiv vorwärts ohne so rennig zu sein wie mein Hengst. Auch ignoriert sie vollkommen, dass ein Hengst mit in der Halle ist. Nur mit wenigen Einwirkungen scheint er sie zu reiten, was mich auch wieder sehr schockiert. Nach dem wie er zu mir ist, dachte ich wirklich, dass er einer von diesen vermeintlich guten Reitern ist, die aber einfach nur ein gutes teures ausgebildetes Pferd haben und nur darauf herum sitzen.
      “So Vriska, wie ist das mit Glymur. Kannst du mit ihm auch im Trab arbeiten, oder wäre Tölt für ihn einfacher”, erkundigt sich unser Trainer.
      “Ähm, ich würde ihn erstmal etwas auf dem Zirkel etwas tölten, dann sollte er für den Trab lockerer sein.”, antworte ich. Er nickt und ich lege los. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass wir nun Publikum haben und einen erkenne ich direkt. Ju sitzt dort. Direkt fällt meine Entspannung in eine Unsicherheit um. Auf dem Zirkel fällt mir Glymur in den Trab und lässt sich nicht mehr bremsen. Hektisch versuche ich ihn wieder umzustellen was mir nicht gelingt. Überzeugt stellt sich Herr Holm vor meinen Hengst, der direkt bremst. Unerwartet kippe ich nach vorn und falle ihm unsanft auf den Rücken.
      “Was war denn das?”, fragt Herr Holm mich nun etwas sauer.
      “Sorry, ich war unaufmerksam”, entschuldige ich mich. Von weitem sehe ich Niklas schelmisch Grinsen.
      “Konzentriere dich auf dein Pferd und nicht wer noch hier ist. Das hilft dir nicht”, rät unser Trainer mir und nicke zustimmend. Als ich wieder im Schritt anreite, schließe ich immer wieder die Augen um mich an die schöne Nacht zu erinnern. Glymur schnaubt wieder ab. Meine Konzentration liegt nun wieder bei meinem Pferd, diesmal klappt der Tölt auch deutlich besser. Herr Holm ist in der Zeit mit Ethan beschäftigt, der offenbar auch einige Probleme mit seinem Pferd hat. Im Vergleich zu der Stute von Niklas scheint sie sehr wohl zu merken, dass ein Hengst mit in der Halle ist und versucht immer wieder ihm zu imponieren. Niklas hingegen steht an der Bande und unterhält sich mit Ju. Eigentlich sollte ich jetzt ganze Bahn reiten aber da möchte ich nicht lang, also gehe ich auf den mittleren Zirkel und muss mir erst mal etwas von Herrn Holm anhören, der davon nicht sonderlich begeistert ist.
      “Vriska, Sie können auch gehen wenn sie ein Problem mit Anweisungen haben”, sagt er zornig zu mir. Niklas lacht.
      “Und Sie hören auf mit Ju zu flirten. Es wird jetzt geritten. Traben sie Smoothie erst mal auf dem Zirkel und ... “, ermahnt Herr Holm dann auch ihn. Etwas Schadenfreude macht sich in mir Breit. Dann reite ich auch ganze Bahn entlang und Ju lächelt mir zu. Wieder fällt die Anspannung von mir. Glymur bietet sich heute im Tölt extrem gut an. Er setzt sich auf die Hinterhand, ist locker im Rücken und zeigt eine hohe Aufrichtung.

      Lina
      Da wir noch eine ganz Menge Zeit hatten bis wir unsere Pferde holen mussten, schlug ich Samu vor in die Halle zu gehen und den drei dort zu zusehen. “Wow, sind das schöne Pferde”, sagte ich zu Samu als wir die Halle betraten. “Ja, die sind ganz nett”, erwiderte er nur. Ju stand bereits an der Bande und wir gesellten uns zu ihm.

      Vriska
      Es wurden immer mehr Zuschauer und wieder wurde ich unsicher. Aber Glymur blieb gelassen. Dieses Pferd ist einfach unglaublich.
      “So, Ihre Pferde müssten nun Warm sein. Dann können wir anfangen. Erstmal bilden Sie eine Abteilung mit Vriska an der Spitze, gefolgt von Niklas und Ethan. In der zweiten Ecke wird angetrabt, aussitzen”, weist Herr Holm uns ein. Böse Blicke ernte ich von Niklas, der wohl lieber vorn geritten wäre.
      Gefolgt von vielen Bahnfiguren, reiten wir auch verschiedene Seitenweisende Lektionen, die Glymur und mir besonders schwer fallen, doch Herr Holm gibt uns gute Tipps, die mir sehr geholfen haben. Am Ende reiten wir noch einige Runden ab bevor wir wieder zurückgehen, da die nächste Gruppe am Tor steht. Ich sehe das auch Milena da ist, als ich zu ihr gehe, dreht sie sich weg von mir zu Finley. Na gut, offenbar schein ich doch ein super furchtbarer Mensch zu sein. Als ich dann weiter laufe mit Glymi kommt Niklas mit seiner Stute an mir vorbei.
      “Ich hätte nicht gedacht, dass dein kleines Pony so viel Power hat”, scheint Niklas mich zu loben. Verwirrt gucke ich zu ihm.
      “Danke?”, frage ich vorsichtig, aber dann beachtet er mich schon wieder nicht mehr. Zusammen mit Ju gehen sie die Stute wegbringen. Einmal dreht er sich zu mir um aber Niklas unterbindet das direkt. Versteh das mal einer.
      Glymur dusche ich nach dem absatteln einmal ab um ihm sein Ekzem zu behandeln. Dann bekommt er wieder seine Decke um.

      Lina
      Ein wenig aufgeregt stand ich neben meiner Stute Nathalie vor der Halle und wartet auf die anderen beiden. Da sah ich auch schon Chloe mit ihrem Fuchswallach Diamond um die Ecke kommen. Die Tür der Halle öffnete sich und Max und Jace ritten mit ihren Pferden hinaus. Der Buckskin Hengst begann sich auch gleich ein wenig aufregung, als er an Nathy und mir vorbei ging. Chloe führte ihren Wallach auch schon in die Halle, sobald auch Max hinausgegangen war.”Wo bleibt denn nur Ju” murmelte ich leise vor mich hin, als ich Nathalies Sattelgurt nach zog. Kaum hatte ich den Gedanken fertig gedacht stand er auch schon in der Hallentür. “Warum bist du zu spät?”, fragte Herr Holm.


      Fortsetzung folgt ...

      © Mohikanerin & Wolfszeit | 98031 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam II | 07. Februar 2021
      St.Pauli’s Amnesia // Glymur // Satz des Pythagoras // Snotra // Kempa // Snúra // Blávör // HMJ Holy //
      Nathalie // (Beastly Domina) Mijou // Briair // Legolas // HMJ Divine // LMR Fashion Girl // Black Lady // Flanell D’Egalité // Farena van Hulshóf // Cleavant ‘Mad Eye’// Nurja // Vakany // British Gold
      Checkpoint // Oline // Windrose // Caja


      Ju
      “Tut mir Leid, aber Amnesia wollte nicht mitkommen. Sie ist seit dem Flug total komisch”; sage ich wehmütig zu meinem Trainer. Er nickt und ich gehe rein. In der Halle sind schon Lina und Chloe. Während ich mich noch etwas um Amy kümmere und sie etwas vom Boden Aus noch arbeite, kommt Niklas dazu und setzt sich zielstrebig an die Seite. Hoffentlich kann er sich etwas zusammen reißen.
      “Ist das eine Sankt Pauli Stute?”, fragt mich Chloe überrascht als sie an mir vorbereitet.
      “Tatsächlich ja. Sieht man es ihr an?”, stelle ich ihr eine Rückfrage. Sie lacht.
      “Ja, die haben alle so einen speziellen Kopf. Tolle Stute hast du da.”, flirtet sie offenbar ein wenig mit mir.
      “Deiner ist aber nicht schlecht”, steige ich darauf ein.
      “Weiter so”, brüllt Niklas vom Rand zu. Doch das passt Herrn Holm mal wieder gar nicht.
      “Ihr seid zum Training hier, wenn ihr euch unterhalten wollt, dann später. Und Niklas, wenn Sie sich nicht zusammenreißen, dann können sie gehen. Und zwar nach Hause”, macht unser Trainer eine Aussage. Chloe reitet weiter und ich steige auf. Amnesia ist heute wieder besonders zickig. Ich gebe ihr den ganzen Zügel und trotzdem schlägt sie mit ihrem Kopf herum. Erst nach einigen Runden ganze Bahn ist sie wieder sie selbst und ich kann den Zügel aufnehmen.

      Lina
      Chloe ritt auf ihrem Wallach als würde es nichts einfacheres geben. Der Fuchswallach schritt schön voran und wenn man ihn so ansah bekam das Wort Schritt gleich eine ganz neue Bedeutung. “Lina, lass deine Stute mehr vorwärts gehen”, rief Herr Holms mir zu. Ich versuchte mich wieder auf die Scheckstute unter mir zu Konzentrieren und trieb sie ein wenig an. “Nimm deine Zügel ein wenig mehr auf und lass sie nicht so auseinander fallen”, kam es sogleich hinterher. “Lina konzentrier dich”, sagte ich zu mir selbst. Doch daraus wurde nichts denn ich nahm Nikals abfälligen Blick wahr den er mir zuwarf. Auch wenn es nur ein paar wenige Sekunden waren, die ich mich nicht konzentrierte rechte es schon aus, dass meine Stute fast über ihre eigen Füße fiel. “Na, los Nathy dem Iditot zeigen wir was wir können”, flüsterte ich meiner Stute zu und nahm meine Zügel wieder vernünftig auf und Konzentrierte mich nur noch auf mein Pferd. Es zeigt tatsächlich Wirkung, denn so gleich nahm Nathalie eine ganz andere Haltung ein und begann aktiv mit der Hinterhand untertreten. “So ist es besser”, lobte Herr Holm mich. “Denk auch jetzt schon daran eure Pferde ein wenig zu biegen”, fügte er an alle Gewandt hinzu und ich lenkte meine Stute auf den Zirkel.

      Niklas
      Natürlich musste ich mal wieder ne große Fresse haben, aber was solls. Hoffentlich nimmt sich Ju die, die passt deutlich besser zu ihm - bekannt, gutaussehend und kann richtig gut reiten. Aber auch Lina machte auf dem Pferd eine gute Figur, auch wenn es nicht lassen konnte sie böse anzugucken, entschied ich mal etwas freundlicher zu sein.
      Während Ju immer wieder Probleme mit seiner neuen Stute hatte, musterte ich Lina auf ihrer Scheckstute. Als sie vorbei ritt musste ich einfach was sagen: “Du kannst besser reiten als ich dachte. Dein Pferd macht aus echt was her.”

      Lina
      “Danke”, erwiderte ich nur kurz angebunden und blieb mit den Gedanken bei meiner Stute. Wow, Niklas konnte ja scheinbar auch nette Dinge sagen. “Eure Pferde sollten nun genug vorbereitet sein. Ich möchte von euch mal ein wenig Seitengänge sehen und zwar im Trab”, rief der Trainer. Die Aufgabe freute mich, denn Seitengänge waren die Spezialität meiner Stute. Ich trieb sie in den Trab und nach ein paar lockeren Runden begann ich erst einmal langsam ein wenig Stellung und schließlich sogar das Schulterherein dazu zu nehmen. Nathalie war heute besonders fein an den Hilfen, sodass ich kaum Schwierigkeiten hatte.

      Vriska
      Nach dem ich mit dem Fahrrad in der Stadt etwas einkaufen war, stellt ich fest das noch Lina und Ju reiten, also führte mich der Weg geradewegs zur Großen Reithalle in der vorhin schon war mit Glymur. Als ich reinkam sah ich dass sie schon am Abreiten waren. Leider sah ich auch, das Ju und Chloe sich sehr intensiv unterhielten, als sie nebeneinander her ritten.
      “Tja Vriska, da bist du wohl zu spät”, piesackt mich Niklas. Ich ging aber nicht weiter drauf ein, sondern wandte mich an Lina.
      “UUUUnd wie war’s?”, rief ich ihr zu. Ihre Stute war völlig durchgeschwitzt aber Beide strahlten förmlich, was auch meine Laune direkt wieder verbesserte.

      Lina
      “Es war super”, antwortete ich Vriska, die inzwischen auch in die Halle gekommen war. “Die Zuschauer scheinen sie nur noch Angesport zu haben”, erzählte ich und strich Nathy über den verschwitzen Hals. “Ich glaube ich werde draußen noch ein paar Runden Schritt reiten. kommst du mit?”, fragte ich Vriska. “Wie war es bei dir, Glymur scheint ja als wäre er ein wahres Powerpaket”, plappert ich fröhlich vor mich hin.

      Vriska
      “Ja klar, können wir machen”, antwortete ich ihr und wir verließen die Halle. Beim rausgehen warf ich noch eine Blicke in seine Richtung, aber er schien mich nicht mal gesehen zu haben.
      Unerwartet höre ich Schritte hinter uns, als wir uns weiter über den Unterricht unterhalten. Neugierig drehe ich mich um.
      “Was willst du denn hier?”, frage ich Niklas genervt, der offenbar uns verfolgt.
      “Ich möchte mit euch reden”, sagt er dann.
      “Warte mal Lina. Hast du das auch gehört?”, frage ich schockiert und gucke suchend in der Luft herum.

      Lina
      “Was, meinst du etwa dieses Säuseln des Windes?”, sagte ich nur zu Vriska und ließ meine Stute weiter trotten. Doch sie blieb stehen um sich zu Schütteln.

      Niklas
      Irgendwie muss ich meinen Ruf verbessern, also muss ich mich bei den Außenseitern versuchen etwas einzuschleimen.
      “Es tut mir leid, wenn ich so eklig zu euch war. Manchmal habe ich mich nicht unter Kontrolle.”, sagte ich, obwohl die beiden offenbar versuchten mich zu ignorieren.
      “Wenn ihr Lust habt, heute Abend machen wir noch mal eine kleine Runde mit ein Paar auserwählten. Ihr seid herzlich eingeladen, diesmal wird nicht so übertrieben wie gestern”, lud ich die Beiden ein, eh mich wieder umdrehte um zurück zu Ju zu gehen, der sich offenbar sehr gut mit Chloe verstand.
      “Und ist sie was für dich?”, fragte ich neugierig nach, als er allein mit Amnesia die Halle verließ.
      “Das kann ich schlecht einschätzen. Sie ist sehr nett aber auch etwas eingebildet. Mal gucken was sich hier noch entwickelt, aber nach der letzten Trennung habe ich eigentlich keine Lust auf was festes”, sagte er zu mir.
      Wir reden noch weiter über was heute Abend stattfinden soll, bevor wir uns gedanken um Mittagessen machen, dass wir selbst machen müssten. Aber weder ich noch Ju können Kochen, vielleicht kann man sich was organisieren bei den anderen.
      +
      Lina
      “Der glaubt auch er könnte uns verarsche oder?”, sagte ich zu Vriska, als Niklas wieder verschwunden war. Inzwischen waren wir am Waschplatz angekommen und ich war abgestiegen. “Kannst du sie mal kurz halten”, sagte ich und drückte ihr die Zügel in die Hand. Ich sattelte Nathalie ab und verschwand kurz um ihr Halfter zu holen. Als ich zurück kam, war meine Stute geradewegs dabei Vriska voll zu sabbern und versuchte sich an ihr zu schubbern.

      Jace
      Nach dem Training kam ich endlich dazu mich mit Alec zu Unterhalten. Wir saßen auf der Bank vor der Hauskoppel und beobachteten Mina und Briair die friedlich in der Sonne dösten. “Warum bist du denn eigentlich immernoch hier. Hast du Zuhause nichts zu tun?”, fragte ich meinen Kumpel. “Na, ich hab schon genug zu tun, aber dich kann man ja scheinbar nicht unbeaufsichtigt lassen”, tadelte er mich. “Ja, du hast ja recht”, gab ich zerknirscht zurück. “Hast du dich wenigsten bei dem Mädel entschuldigt?”. Alec sah mich scharf an. “Ich habs versucht, aber ihr Freundin hat mich gar nicht erst reingelassen”. “Verständlich. so einen Deppen wie dich würde ich auch nicht rein lassen”, sagte er lachend.

      Vriska
      “Ich weiß nicht, vielleicht meint er es wirklich ernst? Hingehen werde ich auf jeden Fall, wenn das die einzige Möglichkeit ist Ju näher kennen zu lernen.”; sagte ich leicht in mich selbst versunken. Immer wieder sagte ich mir, dass er ein gutes Mensch sein wird und nur ein normales Gespräch mit Chloe geführt haben wird.
      “Langsam bekomme ich echt Hunger. Hast du Lust mit Samu zu mir rüber zu kommen? Ich war vorhin einkaufen und würde jetzt was kochen.”, lud ich Lina ein.

      Lina
      “Naja, wir werden sehen. Ich denke mal ich werde auch kommen“, mir war aufgefallen wie Gedankenversunken sie war. Ich nahm ihr die sabbernde Stute ab und begann sie ab zu trensen. “Klar kommen wir vorbei. Vorher bringe ich aber noch diese Schönheit hier auf die Koppel”,antwortete ich während ich begann die Stute abspritzen. “Was kochst du denn leckeres?”, fragte ich sie.

      Vriska
      “Okay dann werde ich gleich rüber gehen, lasst euch ruhig Zeit, dauert ungefähr eine Stunde bis es fertig ist. Ich werde Gemüse mit Reis machen, dazu Soja Sauce”, sage ich zu ihr und gehe still zurück in meinem Zimmer. Dort wasche ich mit zunächst die Hände und setze mich hin.
      Am liebsten wäre ich nun Zuhause, dann könnte ich weiter mit Songbird arbeiten oder Lulu wieder zu reiten. Die Zeit hier mit neuen Leuten finde ich gut, aber ich habe zu viele Möglichkeiten nach zu denken und das zieht mich schon ganz schön wieder runter.
      Langsam hatte ich wieder die Kraft und Motivation gefasst etwas zu essen zu zubereiten. Also stand ich auf, holte die Aubergine, Zucchini, Paprika und Möhren aus dem Kühlschrank. “Ach mist”, sagte ich. Ich hab vergessen den Brokkoli heraus zuholen, als dann schon das ganze Gemüse kleingeschnitten in der Pfanne war. Also nochmal schneiden. Als ich mich endlich wieder hingesetzt hatte und mir meinen Skizzenblock genommen hatte, Klopfte es an der Tür. Ich guckte hoch, da die Tür offen ist. Niklas und Ju.
      “Na was wollt ihr schon wieder? Unruhe Stiften?”, fragte neugierig.
      “Nee wir haben Hunger, können wir etwas mit Essen?”, erkundigte sich Niklas. Ich stand auf.
      “Mh könnte noch für euch reichen”, antwortete ich. “Aber es dauert noch einen Moment”, fügte ich noch hinzu. Völlig selbstverständlich kommen sie in mein Zimmer und setzen sich mit an den Tisch.

      Lina
      Auf dem Weg zu den Koppeln entdeckte ich Jace der mit Alec zusammen an der Hauskoppel saß. Also war er wirklich gekommen. Es war schon immer so gewesen, dass Alec derjenig war der Jace entweder den Arsch rette oder ihn wieder zu Vernuft brachte. Zwischen den beiden herrschte so etwas wie eine magische Verbindung und es war faszinierend wie anders Jace war, wenn Alec in der Nähe war. Nichts desto trotz war ich immer noch böse auf Jace, also ging ich wortlos an den beiden Vorbei.
      “Hey Samu. Da steckst du also”, rief wenige Minuten später als ich Samu gefunden hatte. “Hast du mich etwa gesucht?”fragte er und schloss die Tür der Box die er gerade gemistet hatte. “Vriska lädt uns zum Essen ein, kommst du mit?”, fragte ich den jungen Mann. “Klar klingt nach einer super Idee”, sagte er und wir machten uns auf den Weg zu Vriskas Hütte.

      In der Hütte von Vriska war nun reges treiben und auch gab es keine weiteren Anfeindungen. Doch das der Abend nun so verlaufen würde, damit hatte keiner Gerechnet. Die Trainer hatten alle wieder Schwarzen Brett versammelt um eine Ansage zu machen.

      Vriska
      “Schön das ihr alle hier seid. Damit der heutige Abend nicht genauso verläuft wie der gestrige haben wir uns eine schöne Sache überlegt um nun euren Kampf- und Teamgeist zu fördern. In vierer Teams werdet ihr um einen großen Preis kämpfen - Neben einem Taschengeld in Höhe von 2000 Dollar bekommt ihr einen Maßsattel sowie einen Wunsch frei. Damit ihr aber nicht miteinander Arbeiten könnt, gibt es für jedes Team andere Rätsel. Ich sage nun die Teams an, also hört gut hin. Team 1: Samu, Max, Milena und Jace. Team 2: Linh, Chloe, Chris und Hannes. Team 3: Emilia, Jayden, Finley und Abigail. Team 4: Vriska, Lina, Ju und Niklas. Team 5: Ethan, Anna und Jacob Team 6: Noha, Raphael und Ella.
      Also findet euch zusammen, nehmt euch die von uns vorbereiteten Rucksäcke. Bitte macht euch den GPS Tracker in die Hose, damit wir euch wiederfinden können wenn was ist. So und nun lasst die Spiele beginnen.”, sagt Frau Wallin an, die mit Herrn Holm und Luchy vor uns allen steht. Schnell laufe ich zu Lina rüber.
      “Musste ja wieder klar sein, denkst du die Trainer machen das mit absicht?”, frage ich sie skeptisch.

      Lina
      “Irgendetwas werden sie sich schon dabei gedacht haben”, erwiederte ich Schulterzuckend. Nikals und Ju hatten sich schon unseren Rucksack geschnappt und kamen auf uns zu. “Und da kommt auch schon der Rest”, sagte ich und deutete auf die beiden Jungs.

      Samu
      “Ich hoffe du hast aus gestern Gelernt”, meinte ich zu Jace. “Ja, und du hast Recht die Aktion heute morgen hab ich definitiv verdient. Danke”. “Wo sind eigentlich die anderen beiden?”, frage er sogleich und sah sich ein wenig ratlos um.

      Vriska
      “Na Mensch, die Herren der Schöpfung”, sage ich sarkastisch.
      “Wir freuen uns auch sehr euch wieder zu sehen”, antwortet Niklas ironisch.
      “Das ist schön, dann macht mal eure Pferde fertig, wir treffen uns dann hier”, sage ich überzeugt und Jogge zur Box. Je schneller wir vom Hof kommen, umso besser sind unsere Chancen. Das Geld könnte ich ziemlich gut gebrauchen, weil dann könnte ich Anfangen Glymur abzuzahlen.

      Milena
      “Boah, zum Glück bist du hier”, sage ich zu Jace als ich mit Max auch dazu stoße.
      “Und was jetzt? Ich hab sowas von keine Lust drauf”, nörgel ich.

      Lina
      Auch ich beeilte mich zu meiner Stute zu kommen da sie nicht wie die Pferde der anderen drei in der Box stand, hatte ich den weitesten Weg. Um auf dem Rückweg Zeit zu sparen schwang ich mich kurzerhand auf ihren Rücken. "Na los Nathalie", sagte ich zu der Stute und im Trab ging es zum Hof. Kaum auf dem Putzplatz angekommen sprang ich von der Stute runter und rannt in die Sattelkammer um mir ihre Trense zu schnappen.

      Jace
      "Ich vermute hier bleiben dürfen wir nicht", sagte ich zu der Gruppe und schnappte mir den Rucksack.

      Niklas
      “Ich hoffe einfach, dass wir schnell sind. Wirklich Lust den ganzen Abend nur mit den zu verbringen habe ich nicht”, sage ich genervt zu Ju, während wir zu den Pferden eilen.
      “Ach das wird bestimmt lustig”, versucht er mich aufzumuntern.

      Vriska
      Als die Gruppe wieder vollständig ist, ziehe ich die Helmlampe auf und ziehe unseren Rätselzettel aus dem Rucksack.
      “So Leute, hier steht ‘Wir haben kleine grüne Hüte, und wir leben hoch auf den Kronen.
      Im Herbst fallen wir auf den Boden, Kinder sammeln uns und basteln niedliche Figuren.’ Darunter ist dann geschrieben ‘Schon gelöst? Das ging ja schnell. Jeder nimmt 5 Stück mit und dann geht es weiter mit 5 Galoppsprüngen Richtung Süden’ Habt ihr eine Idee?”, lese ich vor und frage in die Gruppe, den allen Fragezeichen im Gesicht geschrieben sind.
      “Vielleicht irgendwas das an Bäumen wächst im Wald?”, schlägt Niklas überraschend vor.
      “Gute Idee, vielleicht Tannenzapfen? Halt, die haben keine Hüte”, wirft Ju dann etwas ratlos ein. Erwartungsvoll blicke ich zu Lina, die bisher nichts gesagt hat.

      Lina
      “Es sind Eicheln”, sagte ich enthusiastisch. “Ich weiß auch wo wir welche finden”,fügte ich hinzu trieb meine Stute in Richtung des kleinen Wäldchens, wo die alte Eiche stand. “Kannst du die Eicheln sammeln du kommst besser auf dein Pferd wieder rauf”, sagte ich zu Vriska als wir dort angekommen waren.

      Vriska
      “Das war richtig gut”, sage ich zu Lina und steige ab. Auch die Jungs sind nicht bemüht abzusteigen also sammle ich 20 Stück und gebe jeden ihre 5 Eicheln.
      “So aber 5 Galoppsprünge? Ich mein, mein Glymi hüpft ja ganz anders als eure Pferde. Zumal wer kann aus dem Stand einfach mal 5 Sprünge abzählen?”, rege ich mich leicht auf, als ich wieder aufs Pony steige.
      “Smoothi sollte das hinbekommen”, kommt Niklas aus dem verborgenen. Er holt aus dem Rucksack den Kompass und richtet die Stute aus. Dann springt Smoothie 5 Mal und er holt sie zurück in den Stand.
      “So angekommen, was jetzt?”, fragt er gespannt. Offenbar kommt langsam das kleine Kind aus ihm heraus.
      “Also ich bei mir steht, gucke auf Zettel 3. Den hat bestimmt einer von euch”, sage ich.

      Lina
      Ich sah in meinen Rucksack “Ich hab nur Zettel 4”, stellte ich kurz darauf fest. Nathalie machte den Hals lang um sich einen Snack von einem Ast über ihr zu holen. “Lass das, Nathi “, sagte ich empört zu der Stute und trieb sie ein Stück vor, sodass der ast außer Reichweite war. ”Ju, hast du den Zettel”, frage ich den jungen Mann der uns bisher einfach gefolgt ist ohne aufzufallen.

      Ju
      “Öhm ja sieht so aus. Ich lese mal vor. Hier steht: ‘Mensch, ihr seid ja schon weit gekommen.’ Leute. Da ist einfach ein Gedicht. Die Mädels können sicher damit mehr anfangen. Also ich lese weiter ‘Ich kenn ein Haus, gar wohl erbaut, das klingt und tönet hell und laut, du hörst von fern sein Rauschen. Viel Gäste spielen drin umher, von diesen wirst du nimmermehr nur einen Ton erlauschen. Es wandelt stets von Ort zu Ort, die Gäste wandeln mit ihm fort - dies Haus sollst du mir nennen.’ - Alter das ist voll schwer. Darunter steht noch ‘Dort angekommen, findet ihr an eine, kleinen Fels mit dem nächsten Rätsel. Gute Reise’.”, lese ich aufmerksam und ruhig vor.
      Natürlich regt es mich ein wenig auf, dass ich keinen Plan habe worum es geht. Doch noch viel mehr verwundert mich Niklas, der seit dem wir unterwegs total komisch ist.
      Während die Mädchen sich beraten reite ich zu Niklas, der verzweifelt nach Internetempfang sucht.
      “Und schon was gefunden?”, scherze ich.
      “Ne Mann. Hier ist voll das Loch”, echauffiert er sich.
      “Sag’ mal, was denn los? Du bist so … normal?”, frage ich ihn dann doch.
      “Ach nichts. Alles gut. Irgendwie habe ich doch voll Lust drauf. Der Abenteuerfaktor fehlt aber noch”, sagt er.

      Lina
      “Meinen die vielleicht ein Bach oder einen Fluss oder sowas”, dachte ich laut. “Ich glaube ich habe eine Idee wo wir hinmüssen. Und falls du Internet suchst, das wirst du hier nicht finden”, sagte ich im vorbereiten zu Niklas. Im Trab hielt ich auf den Wald zu bevor ich nach einem Busch meine Stute durch parierte.Im dunkeln kaum zu sehen begann dort ein schmaler Pferd “Ich hoffe eure Pferde sind alle trittsicher und passt auf eure Köpfe die Äste hängen hier tief”, sagte ich noch bevor ich auf den kleinen schmalen Trampelpfad abbogt. In steilen engen Serpentinen führte er eine Böschung hinab. Es war gar nicht so leicht den Weg zu sehen, doch Nathalie kannte den Weg gut genug um und sicher entlang zu führen.

      Niklas
      “Das wird wohl der Bach sein”, sagte ich zu Lina, der Wir alle fleißig nach Ritten. Nach einigen Minuten suchen fand ich den Zettel versteckt in einer Felsspalte, an die man nur zu Pferd kommen konnte. So gut ich in der Schule gelernt hatte, las ich das kleine Gedicht auf dem Zettel vor. Da kam Lina direkt wieder der nächste Einfall, dass damit nur ein kleines Häuschen mitten im Wald sein kann in dem Jäger oder Reisende übernachten können im Schutz vor Bären oder schlechtem Wetter. Der Weg dorthin war deutlich angenehmer als zum Fluss, den wir vorher überqueren mussten, was für Smoothie beinah eine Herausforderung war. Sie wehrte sich vehement gegen das Wasser und nur mit Biegen und brechen gelang es mir meine Stute vom Sprung aus dem Stand. Begeistert klatsche Ju und wir mussten lachen. Das war meine Chance. Vriska und mein bester Freund blieben einige Meter zurück, schwiegen sich dennoch an.
      “Deine Stute ist deutlich besser gesprungen als meine”, sagt ich zu Lina, als ich einige Meter vor trabte. Sie gucke nur zu mir und nickte.
      “Ich merk schon, du hast keine Lust auf ein Gespräch. Aber ganz ehrlich, es tut mir furchtbar Leid wie ich bisher war. Das war nicht cool. Ich hoffe wir können nochmal bei Null anfangen, da du doch ziemlich cool bist. Mit Menschen habe ich echt immer Startschwierigkeiten und versuche dann mehr zu sein als ich bin. Tut mir leid. Echt.”, versuchte ich es mich bei ihr zu entschuldigen. Wieder traf ein Schweigen in der Gruppe ein, da sie meine Worte offenbar wieder ignoriert hatte. Auch als ich mich umdrehte, schüttelte Vriska nur völlig entsetzt mit dem Kopf. Was stimmt bloß nicht mit dem Weibern immer. Jetzt versucht man schon wieder nett zu sein und wird dann trotzdem wie der letzte Idiot behandelt.
      Angekommen an der Hütte warteten schon zwei Trainer.
      “Ihr seid schon da, super. Das ging viel schneller als gedacht. Wir haben für alle hier einen Checkpoint gemacht und ihr seid die ersten. Bisher also, herzlichen Glückwunsch. Die Pferde könnt ihr dort drüben hinstellen und dann in die Hütte kommen zu einem Mitternachtssnack. Netterweise haben wir für jeden auch ein Bier, der möchte”, sagte uns der Trainer vom Kanadischen Team.
      “Ach cool, dankee”, bedankte ich mich sehr herzlich und war extrem froh endlich etwas Alkohol zur Verfügung zu haben.

      Lina
      Ich band meine Stute an dem Hochseil neben der Schimmelstute von Niklas an. Die beiden Stuten bummelten sich freundlich an. Scheinbar verstanden die Pferde sich deutlich besser. Ich betrachte sein Pferd. Die Stute scheint ein edle Abstammung zu haben. Freundlich blickte sie mich mit ihren dunklen Augen an. “Na, du”, ich hielt der Stute meine Hand hin und ließ sie an mir schnuppern, bevor ich ihr über den Hals strich. “Du scheinst ja recht freundlich zu sein”, sagte ich zu der Schimmelstute. Konnte jemand mit so einem netten Pferd wirklich so ein Idiot sein? Etwas nachdenklich blieb ich neben meinem Pferd stehen bis Vriska ihr Pferd auch angebunden hatte. “Bis jetzt läuft es für uns ja super”, sagte ich zu ihr als wir gemeinsam die Hütte betraten. Drinnen war ein kleines Buffet aufgebaut mit allerlei Snacks..

      Vriska
      Nach einer halbstündigen Pause ging es für uns weiter. Die Trainer berichteten uns erneut worauf wir achten sollen, dann ging es weiter. Wieder formierten wir uns in die klassische Verteilung, wir Mädels vorn und die Jungs folgen uns unauffällig. Schon nach einigen Metern wurde klar, war sie uns noch mal eingewiesen haben. Mehrere Baumstämme liegen auf dem Weg und können nicht umritten werden. Für die drei mit ihren Warmblütern stellt das kein Problem da, aber für mich mit Glymur ist das dann doch äußerst schwierig. Niklas und Ju warten bereits auf der anderen Seite, während Lina und ich noch Rätseln wie es weiter geht. Dann hatten wir eine Idee, ich versuche mit meinem Hengst einfach im Schritt rüber, vielleicht hüpft er von sich selbst rüber. Auch Lina ist schon vor mit Nati und die Drei warten nun auf mich. Doch mein Hengsti wirkt nicht sonderlich motiviert den Baumstamm zu überqueren.
      “Und jetzt, hat einer von euch noch eine Idee?”, frage ich in die Runde. Ju zuckt mit den Schultern, aber Niklas kommt näher und macht einen Vorschlag.
      “Willst du mal absteigen und ich versuche mit ihm rüber.”, sagt er zu mir. Ich nicke und steige ab. Niklas drückt Ju seine Stute in die Hand und steigt über den Baumstamm. Die Steigbügel stellt er nicht mal ein, sondern steigt direkt auf und ich halte noch gegen.
      “Mensch, ich hätte nicht gedacht, dass man auf dem Kleinen so bequem sitzt. Dann gucken wir mal”, sagt er und ich gehe zur Seite. Erst mal schnaubt Glymur zufrieden ab eh Niklas kurz mit ihm warm wird. Dann versucht er meinen Hengst anzutraben was nicht so gut klappt, da er Hilfen für den Tölt gibt.
      “Wo ist der Schalter für Trab? Das geht nicht”, flucht Niklas.
      “Wenn du galoppieren willst, geht das auch aus dem Tölt.”, rufe ihn zu.
      Darauf hin galoppiert auch schon Glymur und meistert mit bravour die im Weg liegenden Baumstämme.
      “Siehste, da müssen einfach mal Profis ran”, scherzt Niklas.
      “Jaja ist klar. Was würden nur ohne dich machen”, gehe ich darauf ein. Wir lachen. Dann steigt er wieder ab und begebe mich zu meinem Pferd. Wir reiten ein wenig weiter bis mir einfällt, dass wir gar nicht wissen wohin.
      “Lina, du müsstest den nächsten Zettel haben. Kannst du mal gucken?”, frage ich sie.

      Lina
      Ich kramte kurz in meinem Rucksack und fand den Zettel. “Jep”, sagte ich und faltete den Zettel. “Ääähhh, Leute…? Hier sind nur komische Symbole auf dem Zettel. Ich hab keine Ahnung was das bedeuten soll”. Ich sah den Zettel nochmal an. “Hier ist noch ein Hinweis. Unser Gold klimpert nicht, es glänzt in der Sonne und wiehert in der Nacht. Hat jemand von euch eine Idee was das Heißen soll?”

      Ju
      “Oh Symbole, das kann ich immer recht gut.”, sage ich halte neben Lina an, die mir den Zettel gibt.
      “Vermutlich wird damit ein Pferd gemeint sein, vielleicht sogar noch im Bezug auf dem Fellfarbe, also ein Fuchs. Aber was sollen wir damit anfangen?”, frage ich irritiert in die Gruppe.
      “Eventuell ist damit ein Fuchsbau gemeint?”, fällt Niklas ein und wir beide gucken zu Lina, die sich hier besser auskennt.

      Lina
      “Fuchsbau….”, mumelte ich vor mich hin, während ich überlegte. “Ahh.. ich glaub ich weiß wo wir hinmüssen”, ich trieb meine Stute in den Trab.Ich folgte einem Waldweg und hielt an einer kleinen Hütte an. Am Eingang der Hütte stand groß zum Fuchstanz geschrieben. “Das hier ist eine Wildtierauffangstation. Hier in der Gegend sind sie bekannt für einen kleinen Fuchs den sie von Hand aufgezogen haben und der ihnen folgt wie ein Hund. In der Touristensaison ist hier ein Campingplatz und ein Restaurant, was besonders beliebt ist, weil es hier Abends eine Wildfütterung gibt. Als Highlight darf man den kleinen zahmen Fuchs am Ende streicheln. Nur dann ist noch die Frage was wir hier sollen. Ju hast du vielleicht noch etwas auf dem Zettel gefunden?”. Nahe am Weg stand eins der Wildtier gehege wo es auf einmal raschelte. Nathalie begann mit den Ohren zu spielen und neugierig in die Richtung des Geräusches zu blicken. Jus Stute begann ein wenig zu tänzeln. Von einem der Pferde kam ein nervöses wiehern, als es erneut raschelte. Auf Einmal hüpfte ein kleiner dunkler Fellball an das Gitter. Meine Scheckstute zuckte zusammen und ein paar der Pferd machten sogar einen hüpfer zur Seite. Frech keckerte der kleine Waschbär uns sah uns mit seinen Knopfaugen an. “Ganz ruhig Nathy das ist nur ein Waschbär”, redete ich meiner Stute zu und strich ihr über den Hals. Nach ein paar Minuten beruhigten sich die Pferde wieder und Ju berichte was auf dem Zettel stand.

      Für die Truppe ging die Reise noch einige Zwischenstopps weiter und gemeinsam kamen sie als erstes am Hof zurück. Da die Schnitzeljagd insgesamt länger gedauert hat, als gedacht entscheiden alle Trainer, dass die Pferde in den Stall sollen und die Teilnehmer ins Bett. Am nächsten Tag ist der Treffpunkt wieder am Schwarzen Brett um 10 Uhr. Die Müdigkeit steht allen im Gesicht, doch so ist das. Das Leben mit Pferden ist hart und kurze Nächte sind vorprogrammiert.

      Lina
      “Guten Morgen, alle zusammen. Im Gegensatz zu gestern seht ihr heute ja alle sehr Munter aus”, begrüßte Herr Holm alle Teilnehmer. In der Hoffnung, dass wir heute wieder am Training teilnehmen dürfen, lungerten Samu und ich in der Nähe der Gruppe rum. “Heute steht folgendes auf dem Plan: Da wir ja gestern eine Dressureinheit hatten, steht heute das Springen auf dem Plan. Für alle die keine Springpferd haben oder nicht mit ihrem Pferd am Training teilnehmen wollen, besteht die Möglichkeit ein Pferd geliehen zu bekommen, dafür meldet ihr euch bei Frau Montrose. Das Training ist für alle verpflichtend. Egal, ob ihr eigentlich Springt oder nicht. Das Training heute soll das gegenseitige Verständnis für die Disziplinen der anderen fördern. Heute Nachmittag, dürfen dann die Gangreiter dann mal zeigen, was sie darauf haben. Wir haben hier zwar keine Ovalbahn, aber eine längere Galoppstrecke rund um den Vielseitigkeitsplatz. Dabei sind alle die nicht selber reiten verpflichtet sich das ganz anzusehen.” Er sagte noch wann und wo sich getroffen wird und danach stürzen sich wie immer alle, auf das Schwarze Brett um zu sehen wann sie mit wem reiten. “Duu, ich glaube Jace wollte sich gestern bei mir entschuldigen”, erzählte ich Samu müde und gähnte herzhaft. “Das hat mich einfach nicht schlafen lassen, ich hoffe ich fall nicht vom Pferd”, jammerte ich Samu an.

      Vriska
      ‘Det är lite för tidigt för mig. (Es ist zu früh für mich)’, denke ich mir, als ich mit meinem Kaffee in der Hand und noch in der Freizeitkleidung zur Besprechung komme. Herr Holm hat bereits angefangen zu sprechen und mustert mich, als ich mit der Kapuze über den Kopf mich in die Truppe stelle. Dann redet er weiter.
      “Dann kannst du heute mal zeigen, was du nicht kannst”, muckt Max auf. “Mh?”, hinterfrage ich nur und dann verstummt er wieder. Offenbar wollte er wieder eine Diskussion beginnen, doch darauf habe ich jetzt gerade echt keine Lust.
      Während alle zum Brett gehen, um zu gucken in welche Gruppe sie sind, warte ich deutlich Abseits von allen. Frau Wallin kommt zu mir.
      “Wie siehst du den aus? Hättest du dir nicht wenigstens was richtiges anziehen können. Wenn es so weitergeht mit dir, muss ich deinen Chef anrufen.”, droht sie mir und erwartet eine Erklärung. Ich murre sie an und sage nichts.
      “Vriska, ich meine das Ernst. Du bist keine 15 mehr.”, fügt sie hinzu und geht. Jeder Schluck Kaffee scheint mir mehr Energie zu geben, die ich jedoch bei jedem Atemzug wieder verliere.
      Alle haben auf dem Zeitplan geguckt, nur ich stehe in der Gegend herum. “Allvarligt (Ist das dein Ernst)”, schreie ich. Frau Wallin dreht sich wieder zu mir um. Ihre Blicke scheinen mir einen Dolchstoß zu geben. “Skynda dig, Vriska (Beeil dich)”, zischt sie mich an.
      “Behöver du hjälp? (Brauchst du hilfe?)”, fragt mich jemand und ich merke eine Hand auf der Schulter. Blitzartig drehte ich mich um. Niklas steht hinter mir und funkelt mich mit seinen Augen an.
      “Klar, warum nicht”, sage ich aus der Leere meines Gesichtes heraus. “Aber ich muss mich erst mal umziehen”, füge ich hinzu. Er folgt mir. Vor dem Bungalow schlage ich Niklas die Tür vor der Nase zu. Ich höre ein mürrisches Knurren, aber davon nicht beeinflusst wechsle ich die Kleidung. Wenige Minuten später laufen wir in den Stall zu Glymur, der noch immer in seiner Box steht. Sauber machen, kann ich nach dem Unterricht.
      “Bist du schon mal gesprungen?”, fragt Niklas mich neugierig, während ich meinem Hengst das Halfter umlege und aus der Box heraus führe. An seinem Schweif zieht er das Stroh hinter sich her. Ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen, binde ich ihn an.
      “Ja, schon einige male. Mit Glymi allerdings noch nicht. Ich weiß allerdings, dass er es bis A kann.”, erkläre ich ihm, als ich an der Sattellage das Fell reinige.
      “Wenn du mir schon helfen willst, kannst du das Sattelzeut holen. Das muss da vorn sein, es steht mein Name dran”, sage ich abfällig zu ihm und zeige Richtung Sattelkammer. Er nickt und geht los. Wenig später haben wir zusammen mein Pferd fertig gemacht und laufen zum Reitplatz. Damit Glymur sich schon etwas aufwärmen kann, laufe ich mit beiden Zügeln in der Hand über seinen Hals dorthin. Er begreift schon worum es geht.
      “Hast du auf die Uhr geguckt?”, werde ich von Frau Wallin angefahren.
      “Ja, aber ich bin jetzt da.”, antworte ich genervt und steige auf. Niklas hält mir gegen und gurtet noch mal nach.
      “Tack (Danke)”, antworte ich und reite im Schritt los.
      “Ach Niklas. Vergreif dich doch nicht immer an den Erstis”, ruft sie Niklas zu, der sich an den Rand setzt und nicht weiter drauf eingeht.
      “So, da jetzt endlich alle da sind, können wir anfangen. Als erstes wärmt ihr eure Pferde noch etwas auf. In der Zeit wende ich mich jedem Einzeln zu.”, erklärt sie und guckt durch die Gruppe.

      Lina
      Ich war mit Nathalie schon am Schritt reiten als Vriska, auch endlich auftauchte, in der Begleitung von Niklas. Heute Morgen war sie schon zu spät bei der Ansprache gewesen. Sie sah weder besonders wach noch besonders begeistert aus. Nathalie stolperte und erinnerte mich somit daran mich auf sie zu konzentrieren. So schwer es mir auch fiel, wandte ich mit meine Gedanken von Vriska ab und konzentrierte mich auf die Scheckstute. Sanft treib ich Nathy an, sodass sie in den Trab fiel. Die Stute war heute relativ nervös und hitzig. Das sie heiß wurde, war normal bei Springen, doch so nervös hatte ich sie noch nie erlebt. “Ruhig Nathy, alles gut meine süße”. “Locker sitzen, Lina”, kam es von der Trainerin. Ich hatte gar nicht gemerkt wie angespannt ich war. “Und gib ihr mehr Zügel”. Ich versuchte mich ein wenig zu lockern und ließ den Zügel länger. Schon gleich hörte Nathalie auf mit dem Kopf zu schlagen und lief gleich ein wenig entspannter. Kurz darauf merkte ich auch was, besser gesagt, wer der Grund dafür war. Jace stand mit ein paar anderen Jungs zusammen am Zaun. Er war mit gestern Abend bei der letzten Heufütterung im Stall begegnet und hatte irgendwas von Entschuldigung und er sei ein Idiot gefaselt. Ich hingegen hatte ihn ignoriert, weil ich ihn zur Zeit lieber so wenig wie möglich sehen möchte. Natürlich hatte meine sensible Stute mein Stimmungsumschwung noch vor mir gemerkt. Die Scheckstute schnaubte, als wollte sie mich beruhigen. Um mich nicht weiterhin zu blamieren, weil es so schien, als sei ich zu blöd zum Reiten, fokussierte ich mich vollständig auf meine Stute. Ich begann Biegungen zu reiten damit sie lockerer wurde und nach ein paar Handwechseln begann sie abzuschnauben. Ich war so sehr auf Nathalie fokussiert, dass ich fast in Chris und seinen Wallach hineinritt. “Pass doch auf”, patzte er mich an. “Sorry”, murmelte ich zurück. “Was ist denn heute los mit euch. Der eine zu spät, der andere schafft es nicht mal geradeaus zu reiten”, schnautze Frau Wallin uns an. “Jetzt reißt euch zusammen und reitet vernünftig”. Scheinbar hatte nicht nur ich heute schlecht geschlafen.

      Vriska
      Es war nicht leicht, mich zusammenzureißen ohne Frau Wallin für ihre blöden Sprüche fertig zu machen. So gut es ging, konzentriere ich mich auf mein Pferd. Glymur spielt sich heute besonders auf, weil nur eine Stute mit auf dem Platz ist, die ihm offenbar immer wieder schöne Augen macht. “So mein Junge, entweder wir sind jetzt mal wieder ein normales Pferd oder ich lass dich hier alleine stehen”, ranze ich ihn an. Nervös schüttelt er mit seinem Kopf. Kurz gucke ich mich - niemand hat das kleine Gespräch mit meinem Pferd mitbekommen und ich treibe ihm vorwärts, damit er etwas aktiver vorwärts geht.
      “Okay Vriska, ich fange mit dir an. Als erstes trabst du mit deinem Pferd einige male über die Cavalettis. Danach gehen wir über zur Kombination. Dort trabst du über die zwei Cavalettis, galoppierst an und über den Oxer. Also los”, sagt meine Trainerin zu mir. Ich nicke und trabe Glymur an. Mit einer hohen Aufrichtung schwingt er seine Beine nach vorn und federt bei jedem Sprung gut ab. Mit meinem Gewicht lenke ich ihn zu den Cavalettis. Geland schwebt er über diese. Ich höre bestätigende Rufe von den Jungs. Ein kleines Lächeln erstrahlt mein Gesicht. Mehrere male haben die Cavalettis gut funktioniert und ich bereite mich mit Glymur auf die Kombination vor, deswegen galoppiere ich ich zunächst zwei Runden auf dem Zirkel, um seine Aufmerksamkeit zu testen. Alles gut, somit pariere ich ihn zurück in den Trab durch und peile die Kombination. Die beiden Stangen nimmt er mit bravour, ich galoppiere an, der Hengst macht einen kleinen Sprung, verfängt sich mit den Vorderbeinen im Oxer. Wir stürzen. Unkontrolliert fallen wir vorn’ über und er begräbt mich unter seinem Körper. In meiner Vorstellung liegen wir einige Minuten bewegungslos auf dem Boden. Ich spüre wie die Jungs zu uns gerannt kommen, Frau Wallin ruft bereits den Notarzt. Mit der wenigen Luft, die ich bekomme, taste ich die Beine von Glymur ab. Es scheint alles okay zu sein und er steht auf. Nur ich komme nicht hoch, doch Niklas kommt mir zu Hilfe. “Bleib’ liegen”, ruft er.

      Lina
      Ein krachen reißt mich aus meiner Konzentration und ich sehen nur noch wie Glymur seinen Reiter unter sich begräbt. “Oh, Gott Vriska”, rufe ich nur noch und bin im gleich Moment von der noch traben Nathalie gesprungen. Dies war so verdutzt, dass sie stehen blieb, wo sie war. Wie paralysiert laufe ich rüber zu der Unglücksstelle, wo sich die Jungs bereits versammelt hatten. “Vriska, geht es dir gut?”. Ich zitterte vor Aufregung und wollte mich durch die Jungs zu ihr vor wühlen, doch etwas hielt mich auf, jemand. Jemand hatte seine arme um mich geschlungen und hielt mich fest. “Lina, beruhig dich. So bist du nicht hilfreich”, redet jemand auf mich ein. “Beruhig dich”, sagte die Stimme. Ich atmete tief durch und braucht ein paar Augenblick um die Situation zu begreifen. Jace hielt mich fest umschlossen, denn ich zitterte wie Espenlaub. Glymur war inzwischen Aufgestanden und stand mit gesenktem Kopf etwas abwesend daneben. Nathalie stand immer noch verwirrt in der Ecke, nur dass sich inzwischen einer der Jungs zu ihr gesellt hatte. “Lina, hör mir zu. Du musst dich beruhigen, wenn du ihr helfen willst”. Jace hielt mich immer noch fest. Vom Hof her kam Luchy angelaufen um zu sehen, was passiert war. Ich sah wie Samu und Melina gerade aus der Halle kamen und ihr Pferde schnell in die Box brachten. Scheinbar hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. “Der Notarzt wird erst in 10 Minuten da sein. Solang darf sie sich nicht bewegen”, sagte Frau Wallin, die gerade das Gespräch beendet hatte.

      Nachdem der Krankenwagen samt Notarzt war, konnte kurze Zeit später Entwarnung gegeben werden. Vriska hat sich nur die Schulter ausgekugelt, eine Rippenprellung und einen Schocken. Über die Nacht muss sie noch im Krankenhaus bleiben. Währenddessen am Hof …

      Milena
      “Was ist denn passiert”, frage ich neugierig in die Gruppe.
      “Sei ruhig, das Thema hatten wir in den letzten Minuten so oft. Die Beiden haben den Abstand zwischen Cavaletti und Oxer unterschätzt und sind zusammen im Hindernis gelandet.”, entgegnet Niklas genervt.
      “Ist ja gut”, sage ich widerwillig.
      “So Leute, das ist schrecklich aber es ist nichts weiter schlimmes passiert. Wenn es euch emotional nicht allzusehr trifft, schnappt euch eure Pferde wieder und wir machen weiter im Plan. Etwas positives hat die Sache jedoch. Seid euch immer bewusst, was passieren kann und wie Schlimm ein Unfall enden könnte. Bleibt aufmerksam und denkt nicht, dass euer Pferd das alles regelt. Das Tier vertraut euch.”, sagt Herr Holm und geht zurück in die Reithalle. Mein Training ist bereits so gut wie zu Ende und ich bringe Kempa zurück in den Stall. Dort nehme ich den Beinschutz ab, bringe den Sattel zurück und gebe meiner Palomino Stute noch etwas zur Stärkung. Danach kann sie zurück auf die Weide. Zufrieden wälzt sie sich im trockenen Gras und trabt zu den anderen Stuten.
      Im nächsten Moment befinde ich mich in meinem Zimmer und überlege wie was ich in meiner freien Zeit machen kann. Nachher werde ich mit Snúra am Gangreiten teilnehmen, weil Kempa gestern schon genug tun musste. Es klopft. Neugierig gehe zur Türe, öffne. Vor mir steht Niklas vor mir.
      “Was machst du hier?”, frage ich überrascht.
      “Ich wollte dich sehen”, erwidert er und drückt mich in den Raum.

      Lina
      Nachdem Vriska versorgt war, hatte ich mich immerhin so weit beruhigt, um wieder auf mein Pferd zu steigen. Ich muss mich zusammenreißen, auch wenn das Gefühlschaos in meinem Kopf das recht schwierig machte. Das Training verlief sehr gut und ich hatte das Gefühl, dass Nathalie heute zu Hochform auflief. Nachdem Training versorgte ich die Gescheckte Stute und entließ sie auf die Weide. Nach der ganzen Aufregung beschloss ich mich meiner Lieblingstätigkeit, neben dem reiten zu widmen, allerdings nicht hier. Hier war zu viel los, besser gesagt hier ist zu viel Jace. Der Vorfall eben hatte mich reichlich verwirrt, nachdem er sich die letzten Tage zu genug demonstriert hatte, dass er weder ein Gewissen noch Interesse an mir hatte, war er heute so anders.
      Ich war auf mein Zimmer gegangen, um einen Rucksack zu holen, darin mein Zeichenzeug. Auf den Weg nach unten begegnete mir Samu. “Hey, alles ok bei dir?”, fragte er besorgt. “Ja, alles gut ich brauch nur etwas Zeit für mich”. “Kann ich dir irgendwie helfen?”, fragte der Finne. “Eigentlich nicht…. Könntest du vielleicht Legolas übernehmen?, der Rest ist versorgt”, fragte ich ihn zögerlich. Zielsicher schlug ich den Weg zu den Koppel ein und erblickte am Waldrand einen weißen Fleck. Leise betrat ich die Wiese und ging auf das weiße Pferd zu. Sobald er mich kommen hörte, hob er den Kopf. “Na komm mein kleines Einhorn”, flüsterte ich eher als ich reif. Der Hengst setzte sich in Bewegung und kam auf mich zu getrottet. Ich zog mich auf seinen Rücken, ritt von der Weide runter und schloss das Tor hinter mir. “Na los mein hübsche, du weißt wohin”, flüsterte ich dem Freiberger zu. Zuverlässig schlug der Hengst den richtigen Weg ein. Allein seine weiche Mähne unter meinen Fingern beruhigten meine Gefühle soweit, dass ich das alles für eine Weile vergessen konnte.

      Vriska
      Langsam erwachte ich. Aber wo bin ich. Für mich verging eine Ewigkeit bis ich realisiert habe, dass ich im Krankenhaus liege. Rechts neben mir stehen einige Maschienen, die immer wieder komische Piep-Geräusche von sich geben.
      “Hallo?”, rufe ich in der Hoffnung, dass jemand kommt. Wenig später kommt ein Arzt rein, er stellt sich als mein behandelter Arzt vor. Dann erzählt er mir, was passiert ist. “Kann ich jemanden anrufen?”, frage ich erschöpft. Er nickt und zeigt auf das Telefon neben meinem Bett, daraufhin verlässt er den Raum. Kurz dreht sich mein Arzt noch mal um. “Wenn was ist, drück den Knopf neben deinem Bett. Dann kommt eine Schwester. Und Essen gibt es in einer Stunde”, fügt er hinzu. Dann schließt er die Tür.
      Ich versuche mich aufzurichten, aber meine Schulter schmerzt stark und auch das Atmen fällt mir schwer. Langsam bewege ich meinen rechten Arm zum Telefon und wähle die Nummer vom Büro. Tut. Tut. Tut. Stille. “Lindö Dalen Stuteri, Vad kan jag göra för er? (Was kann ich für Sie tun)”, höre ich Tyrell sagen.
      “Tyrell … ich bin’s”, flüstere ich. Meine Erschöpfung hört man deutlich raus.
      “Gut, dass du anrufst. Weißt du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe?”
      “Tut mir Leid. Skit händer, va? (shit happens)”
      “Jetzt erzähl’ mir bitte, woran du dich noch erinnerst und wie es dir geht.”
      “Ich kann nicht so gut atmen und mir tut die Schulter weh. Was passiert ist. Mhm. Glymur und ich haben den Abstand zwischen Oxer und Cavaletti zu Lang eingeschätzt, er hat mir vertraut und wir sind gefallen. Dann wachte ich im Krankenhaus auf. Der Arzt sagte, dass ich mir meine Schulter ausgekugelt hatte und einige meiner Rippen geprellt sind. Ich habe keine Gehirnerschütterung. Jag börjar bli trött. (Ganz ehrlich, ich bin einfach nur müde)”, erläutere ich ihm. “Gå till sängs. (Leg dich schlafen)”, antwortet er mir.
      Ich lege den Hörer beiseite und schlafe ein.
      “Miss Isaac! You’re food is ready”, weckt mich eine nette Dame. “Ah, thank you”, bedanke ich mich und richte mich langsam auf. Noch immer liegt er Hörer neben mir. Ich hänge ihn zurück in die Halterung und beginne an zu Essen.

      Lina
      Zuverlässig hatte Divine mich an mein Ziel gebracht. Wir waren gerade aus den Vorhang aus Pflanzen geglitten. Dahinter lag die wunderschöne Lichtung, an die ich mich gerne zurückzog. Das hier ist mein Refugium. Sacht glitt ich vom Rücken des Weißen Hengstes und meine Füße berührten das weiche Gras. Ich blieb einen Moment stehen und atmete durch, während ich den Stab beobachte wie er glitzern durch die Sonnenstrahlen flirrte, lauschte den Geräuschen um mich herum. Divines leises atmen, der Wind der sacht durch die Blätter fuhr und etwas entfernt, der Bach der gurgelnd über die Steine floss. Ich merkte wie das Gefühlschaos in mir endgültig abebbte und sich mein Körper entspannt. Ich ließ mich auf dem alten bemoosten Baumstumpf nieder und nahm meinen Zeichenblock aus dem Rucksack. Ein zerknittertes Blatt fiel heraus und blieb auf dem Gras liegen. Neugierig stapfte Ivi näher und stupste das Blatt an. Ich wusste was drauf war und sogleich kam das Gefühlschaos in mir wieder hoch. Zitternd streckte ich meine Hand danach aus. Ich hob es auf und strich es glatt. Die Zeichnung zeigte einen jungen Mann auf einem Pferd. Da war er wieder Jace, wie ein Geist der mich heimsucht. Wütend zerknüllte ich das Blatt und warf es fort. “Muss er mich denn überallhin verfolgen?”, fragte ich … ja wen eigentlich mich, das Pferd was vor mir stand und mich fragend und freundlich aus seinen großen braunen Augen anstarrte. “Tut mir leid mein hübsche, du kannst ja nichts dafür”, wehmütig strich ich dem Freiberger den Schopf aus der Stirn. Freundlich rieb er den Kopf an meiner Schulte und schubste mich fast von meinem Baumstumpf. Gedankenverloren streichelte ich den Kopf des Pferdes. Nach einer Weil löste ich mich von dem Hengst und begann zu zeichnen.

      Am Nachmittag bereiten sich die Gangreiter mit ihren Pferden auf das besondere Training vor, während alle anderen herzlich Eingeladen sind das Geschehen mitzuerleben. Vriska liegt im Krankenhaus unter Beobachtung. In der Zeit hatten Milena und Niklas einen gemeinsamen, sehr intensiven, Nachmittag. Er hat sein Springtraining verpasst und die Trainer haben ziemlich schlechte Laune. Wirklich schlechte Laune.

      Milena
      Im Stall stehen wir bereit und bekommen erste Einweisungen von Frau Wallin, die mich konstant ignoriert und somit meine Frage nicht beantwortet, ob wir frei reiten sollen, um die Rasse zu präsentieren oder ernsthaftes Training vor uns steht. Es fällt mir ziemlich schwer ihrem Gesprochenen zu Folgen. Auch meine Stute Snúra scharrt nervös mit dem Huf. In meinem Kopf schweben tausend andere Dinge herum, als an das zu denken, was gleich passiert.
      “Ich wette mit dir, dass Vriska sich nur vor der Blamage bewahren wollte, die ihr jetzt passiert wäre”, flüstert Max mir zu, der mit Blá an mir vorbei läuft. Zu langsam begreife ich, was er wollte, um zu antworten. Linh kommt zu mir.
      “Denkst du Vriska geht es gut?”, fragt sie mich freundlich.
      “Ich weiß es nicht. Wir hatten vor zwei Tagen einen Streit und haben seitdem nicht viel miteinander gesprochen. Aber ich denke ja, sonst wäre die Stimmung eine andere und die vom Rettungsteam haben ja gesagt, dass sie nochmal Glück gehabt hat.”, antworte ich ihr.
      “Håll käften! (Halt die Klappe)”, mault mich Frau Wallin an, als ich kichern mit Linh ankomme. Die hat echt ein Problem mit mir. Linh entfernt sich mit Móra direkt von mir und steigt etwas weiter weg auf ihre braune Stute auf.
      “So ihr lieben. Ich freue mich, dass alle da sind. Wir beginnen erstmal mit etwas einfachen - Warmreiten. Unsere Gangreiter zeigen euch jetzt, wie sie die Gangpferde auf die nachfolgende Prüfungssituation erwärmen. Als erstes Starten wir mit einer Viergangprüfung und danach folgt eine Fünfgangprüfung. Darum bitte ich, dass alle mit einem Fünfgänger während der V3 in die Mitte kommen. Zum Ende, nach einer kleinen Pause, reitet ihr eine T3. Bei Fragen aus dem Publikum stehe ich gerne zur Verfügung. Ich werde die Prüfungen kommentieren, damit ihr einen Eindruck habt, wer richtig mit seinem Pferd umgeht und wer nicht. Am Ende werde ich auch Noten verteilen. Als Hinweis für die Teilnehmer - die Note wird bereits in eurem Portfolio eingetragen, also strengt euch an. Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an und stellt sich an den Rand.
      Ich merke jetzt erst, dass wir nur Linh für die V3 haben, da Kempa und Blávör Fünfgänger sind.

      Jace
      Seit heute Vormittag hatte ich Lina nicht gesehen. Auch bei der Gangvorführung sah ich sie nicht, so langsam mache ich mir Sorgen um sie. Samu stand etwas abseits mit Jayden und Luchy. Auch wenn ich mir Sorgen um Lina machte, mit ihm wollte ich heute lieber nicht reden. Ich wusste, dass er immer noch sauer war wegen der Sache, die am ersten Abend vorgefallen war. Nervös stand ich an der Bande und spielte mit meinen Fingern.

      Milena
      Im Schritt bereite ich Snúra auf den Tölt vor, immer wieder halte ich sie an und reite dann an. An der kurzen Seite Stelle ich sie mit der Schulter herein, um die Vorderhand elastischer zu machen und die Hinterhand aktiver. Meine Blicke schweifen immer wieder zu Linh, die mit Móra auch Übungen macht, jedoch ist ihre Stute deutlich interessierter und engagierter als Snúra, die jeden Schritt als eine Qual empfindet. Obwohl sie sehr arbeitswillig ist, zeigt schon jetzt nicht ihre Höchstform.
      “So ihr lieben. Linh zeigt nun die V3 mit Móra.Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an. Max und ich steigen von unseren Pferden und gehen in die Mitte.
      “Für alle, die die Prüfung nicht kennen, werde ich kurz diese Spezielle Prüfung erklären. Die V3 wird normalerweise in einer Gruppe von 3 bis 5 Reitern geritten. Es gibt 5 Aufgabenteile, wobei die schlechteste Note aus Aufgabenteil zwei bis vier gestrichen wird, sodass die Gesamtnote sich aus vier Einzelnen Noten zusammensetzt. Die Noten werden direkt nach der Prüfung präsentiert. Genaueres kann auf dem Notenzettel bei der Meldestelle eingesehen werden. Auf einem Turnier richten drei Sportrichter. Heute bin ich allein.”, erklärt sie. Das Publikum klatscht.
      Gespannt beobachte in Linh. Móra steht und sie atmet tief durch. Aus dem Stand tölten die Beiden an.
      “Die Prüfung beginnt”, sagt Frau Wallin an.
      “Wir sehen nun das ruhige Tempo Tölt, im vergleich zum langsamen Tempo kann das Pferd etwas schneller vorwärts. Das schwierige an den langsamen Bewegungen ist, dass der Reiter mit seinen Hilfen den Isländer im Takt hält, ohne Steif dabei zu werden. Für das Pferd ist es eine große Anstrengend. Die Hinterhand sorgt für den nötigen Schwung, um die hoch weiten Bewegungsabläufe der Vorderhand zu unterstützen und den Reiter dementsprechend zu tragen.
      Linh du machst das Super. Weiter so.”, lobt die Trainerin.
      Vorsichtig gucke ich zu Max, der Linh die ganze Zeit ziemlich komisch nachschaut. Aber das geht mich nichts an. Als ich durch die Zuschauer gucke, fällt mir auf, dass Niklas nicht da ist. Anna auch nicht. In meinem Kopf eröffnen sich plötzlich tausende Szenarien, wo die Beiden sind und warum er vorhin mit mir im Zimmer war.
      “So, nun folgt Aufgabenteil zwei. *Pause* Langsames bis mittleres Tempo Trab. Bevor ich dazu komme, möchte ich noch Anmerkungen zum ersten Teil geben. Móra war an einigen Stellen, besonders beim Wechsel von der kurzen zur langen Seite, zu schnell und verlor den Takt. Nichtsdestotrotz konnte Linh sie immer wieder gut Auffangen. *Pause* Im Aufgabenteil zwei, kann der Reiter selbst entscheiden, ob er aus dem Tölt in den Trab umstellt oder vorher noch einmal in den Schritt durchpariert. Jedoch sind nur wenige Schritte im Schritt zulässig. Bevor ihr euch fragt: Die Prüfung wird nur auf einer Hand geritten, bei der Nennung kann der Reiter selbst entscheiden, ob er auf der linken Hand oder rechten Hand vor reitet. Linh stellt Móra rechts vor. Der Vorteil dabei ist, dass die meisten Nennungen auf der linken Hand, somit ist es wahrscheinlicher das man rechts alleine die Prüfung reiten kann.”, erzählt Frau Wallin.
      Die restliche Zeit höre ich nur noch wenig zu. Linh reitet Móra natürlich hervorragend vor und es ist nur mit einer sehr guten Note zu rechnen. Sogar den schnellen Tölt meistern die Beiden, als wäre es das leichteste auf der Welt.
      “So, nun kommen wir zum Ende. Linh und Móra haben euch heute eine großartige Leistung gezeigt. Ich vergebe hierfür eine 7,9. Wie schon am Anfang gesagt, ist Móra teilweise im Tölt zu schnell geworden und im schnellen Tempo ging der Takt stellenweise verloren. Im Trab war so gut wie alles perfekt, aber du klammerst dich noch zu sehr am Zügel, sodass der Kontakt immer wieder zu stark am Pferdemaul war. Der Schritt war sehr gut gefedert mit einer schönen Haltung deiner Stute. Der Galopp ist noch ausbaufähig. Doch wir wissen Beide, dass das euer Problem ist. In den Kurzen wurde sie immer zu schnell und es schien, als hättest du die Kontrolle über ihr Tempo verloren. Aber im Großen und ganzen eine sehr gute Leistung. *Pause* Du kannst noch einige Runden Schritt reiten und dann folgen die Fünfgänger. Bitte reitet eure Pferde auch noch etwas im Schritt. Ich sage dann wann es los geht.”, unterbricht mich Frau Wallin in meinen Gedanken. Ich beobachte, wie sie sich dem Publikum zuwendet und einige Fragen beantwortet. Währenddessen gurte ich den Sattel von Snúra noch einmal nach und steige auf. Komischerweise hält Max mir gegen und ich nicke ihm freundlich zu. Es scheint, als würde er merken, dass etwas nicht stimmt.

      Jace
      Mir ließ das ganze keine Ruhe. Nachdem die erste Reiterin die Vorführung beendet hatte, verließ ich die Halle. Nervös tippe ich eine Nummer in mein Telefon. “Na los Alec, nimm schon ab”, raunte ich während ich nervös auf und ab lief. Es tutute zweimal dann nahm er endlich ab. “Alec”,rief ich in das Gerät. “Was ist los Jace, warum bist du so aufgeregt?”, kam es ruhig wie immer von der anderen Seite. Alec hatte das Talent total gelassen zu bleiben. “Es ist wegen Lina, ich habe sie seit heute Morgen nicht gesehen”, sagte ich und fuhr mir durch die Haare. “Jace, jetzt beruhig dich erst mal. Hast du einen von den Anderen gefragt?”, sagte er mit ruhiger Stimme. “Divine fehlt, Alec was ist, wenn ihr etwas passiert ist”. “Ganz ruhig Jace, ich bin eh auf dem Weg zu euch. Beweg’ dich nicht vom Fleck bis ich da bin, verstanden! Ich bin in 10 Minuten da”, kam es nur recht gelassen von ihm zurück. “Ok”, sagte ich kurz angebunden und legte auf. Ich rannte zur Koppel um Fashion Girl und Black Lady von der Koppel zu holen. Im Trab ging es mit den Stuten zurück wo ich sie vor dem Torstall anband. Gerade als ich mit den Tresen in der Hand aus der Sattelkammer kam, rollte Alecs Wagen vor, was mich zum Stehen brachte. “Jetzt mal ganz ruhig Jace”, sagte Alec während er ausstieg. “Hast du überhaupt überall auf dem Hof geschaut?”, fragend sah er mich an. “Ja, hab ich, also ich gebe ja zu manchmal bin ich ein Idiot, aber nicht Grenzdebil”, antwortete ich ihm ein wenig patzig. “Ok, ist ok Kleiner”, mit einem Grinsen klopfte er mir auf die Schulter. Du bleibst hier und ich gehe mal Samu fragen, ob er weiß, wo sie ist und mach’ keine Dummheiten bis ich wieder da bin ja. ich habe keine Lust dich zum hunderstenmal aus der Scheiße zu ziehen”. Für meinen Geschmack war sein dämliches Grinsen viel zu breit. Natürlich dachte er mal wieder ich übertreibe nur. Etwas grummelig wartete ich also auf meinen vielleicht nicht mehr besten Freund. Um nicht aus zu rasten, kraulte ich Fashion Girl die weiße Stirn und entspannte mich einen wenig.
      Nicht mehr ganz so entspannt war ich allerdings, als Alec, Samu und Jayden zusammen zurückkamen. “Was ist los, ihr wisst auch nicht wo sie ist?”, fragte ich und blickte Samu an. “Nein Jace, aber Ersten ist sie alt genug um allein zu entscheiden, was sie tut und zweitens wollte sie etwas Abstand von dir”, sagte er, wobei den letzten Teil betonte. “Und genau deshalb, wirst du hier bleiben während Alec, Jay und ich sie suchen gehen. Verstanden!” grummelte mich der Finne an. “Da müsst ihr mich hier schon anbinden”, ranzte ich ihn an. “Jace!”, ermahnte mich Alec und warf mich einen scharfen Blick zu. “Ist ja ok”. Somit verkrümelte ich mich also, da ich ja gerade von der Suche, die ich angezettelt hatte ausgeschlossen wurde.

      Alec
      Nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass Jace blieb, wo er war, Stieß ich wieder zu Jayden und Samu, die bereits Girly, Lady und Flanell fertig gemacht hatten. “So wen von den drei bekomme ich”, fragte ich neugierig. “Du hast heute die Ehre Flany zu reiten”, sagte Jayden. “Na dann los”, sagte ich fröhlich. Ich bin mir ziemlich sicher, Jace hat heute mal wieder übertrieben und Lina ist einfach nur gemütlich ausreiten und hat die Zeit vergessen. Ist mir auch schon öfters passiert.

      Zur gleichen Zeit im Krankenhaus …

      Vriska
      Das Essen war ziemlich gut, sogar richtig Knorke. Als ich es mir wieder bequem machen wollte in dem Krankenbett klingelt das Telefon.
      “Isaac?”, gehe ich neugierig an’s Telefon.
      “Hej Kleine, hier ist Folke. Der alte Sack vom Hof”, scherzt er am andere Ende der Leitung.
      “Freut mich dich zu hören, was ist los?”
      “Tyrell meinte, dass du die Aufmunterung gebraucht kannst, deswegen dachte ich, dass ich anrufe und dir vom Terrortinker erzähle. Also, Hedda und Eorann machen ziemliche Fortschritte …”, ich unterbreche Folke.
      “Halt, Stop. Wer ist Eorann?”, frage ich schockiert.
      “Ach, ich hatte dir noch nicht erzählt, das ich eine Freundin habe? Sorry. Wird wohl untergegangen zu sein. Wir sind seit ungefähr zwei Wochen zusammen”, klärt er mich auf.
      “Ich bin seit knappen vier Tagen nicht da und gefühlt bricht die ganze Welt auseinander?”
      “Du weißt doch, dass ich nicht der Typ bin, der das allen unter die Nase hält. So wo waren wir, ach ja. Eorann und Hedda arbeiten täglich mit Holy. Besonders das longieren, bei dem du geholfen hast, dass ihr Nahezubringen, macht meiner Schwester besonders viel Spaß. Die Stute lernt extrem schnell und verlangt sogar jeden Tag neue Übungen zu machen. Wir müssen jedes Training anders gestalten, damit sie nicht auf blöde Gedanken kommt. Schön ist auch, dass wir mit ihr üben in der Box zu stehen. Heute stand sie bereits eine Stunde ohne Aufsicht. Erst als wir wieder kamen, wollte Holy die Box zerlegen. Auf der Weide hat sie etwas Futter bekommen. Morgen wollen wir dann zum See gehen, etwas Schwimmen, weil ihr das so gefällt im Aquatrainer.”, erzählt Folke mit viel Freude.
      “Toll, ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich macht das toll. Leider muss ich dann auch auflegen, dass Atmen fällt mir schwer und möchte gern wieder zum Hof.”, antworte ich ihm. Er verabschiedet sich und legt auf. Vorsichtig packe ich den Hörer beiseite. Innerlich geht mir einer ab, weil Holy sind in den wenigen Tagen immer besser entwickelt. In mir geht wieder die Hoffnung auf, dass die Stute noch ein gutes Reitpferd wird für Hedda.

      Zurück auf dem Hof, machen sich Milena und Max für die Fünfgangprüfung bereit. Doch Vriskas beste Freundin ist sehr nervös und das überträgt sich natürlich auch auf Snúra, die entspannt im Schritt vorwärts rennt. Dabei fällt sie immer wieder auf die Vorderhand.

      Milena
      “Diese F2 ist auch eine spezielle Prüfung, da die Noten vom Aufgabenteil Tölt und Rennpass verdoppelt werden. Allerdings wird nur zweimal Pass gezeigt. *Pause* Hier im Tölt sieht man gut, wer ein besseres Team mit dem Pferd bildet. Max sitzt entspannt auf Blávör, die ein aktives Ohrenspiel hat und konzentriert im guten Takt vorwärts läuft. Snúra von Milena hingegen schlägt hektisch den Kopf von links nach rechts und möchte sichtlich der Situation entfliehen. Für sowas gibt es bei der Benotungen ein Minus, bei besonders guten Leistungen wie Linh mit Móra im Trab, gibt man ein Plus. Sollte es einem Noten Gleichstand im Finale geben, wird nach solchen Faktoren geguckt, um den ersten Platz ermitteln.”, klärt meine Trainerin das Publikum auf. Es ist mir unangenehm, dass ich es nicht schaffe Snúra gerecht zu werden. Aus dem Frust heraus bremse ich ab, steige ab und verlasse die Reithalle. Das will ich mir nicht mehr geben. Im Paradeschritt schreite ich mit Snúra zum Stall. Aus der Halle höre ich nur irgendwas von Disqualifiziert und einer 6, aber das nehme ich so hin. Im Stall lasse ich mich mit dem Rücken an einer Box fallen. Der kalte Boden kühlt förmlich meinen ganzen Körper ab. Ich bin komplett durchgeschwitzt. Das war zuviel für mich. Snúra schubert sanft an mir. “Alles gut meine Hübsche, es liegt nicht an dir. Ich bin das Problem”, sage ich und streiche ihr langsam über den Nasenrücken.

      Alec
      “Mal abgesehen davon ,dass Jace heute ein aufgekratztes Huhn ist. Was ist denn so bei euch auf dem Hof los?”, fragte ich die beiden Jungs, während wir Seite an Seite durch den Wald ritten. “Ziemlich viel Trubel”, antwortete Samu. “Naja und ein paar hübsche Mädels schwirren hier auch rum, aber da bist du ja zum Glück keine Konkurrenz”, fügte Jayden fröhlich hinzu.
      “Jay, sei kein Jace, das sind unsere Gäste”, ermahnte ihn Samu. “Ach, die Jungs sehen auch nicht schlecht aus”, kommentierte ich lachend. “Aber der hübscheste von allen wartet Zu Hause auf mich”. Flanell schüttelte den Kopf und schnaubet. “Entschuldigt eure Majestät, ihr seid natürlich der Hübscheste”, fügte ich lachend hinzu und strich ihm über den grauen Hals.

      Lina
      Meine Finger zeichneten von ganz allein, bis Divine den Kopf hob und ein leises Wiehern Ausstoß.”Was ist mein großer, was hörst du?”, fragend beobachtete ich den Hengst und lauschte. Ganz entfernt hörte ich Hufgetrappel. Wer könnte da bloß sein? Außer mir und Samu kennt keiner diesen Ort. Auf einmal merkte ich, dass die Sonne verschwunden war. Wie lange hatte ich hier gesessen. Das Hufgetrappel kam näher und mischte sich nun mit Stimmen. Schnell packte ich meine Sachen ein und wollte schon gehen, als Ivi das Zerknüllte Papier anstupsen. Schnell warf ich auch das in meinen Rucksack. Niemand durfte das finden, vor allem nicht Jace. Ich lauschte einen Moment, ich kannte die Stimmen. Alec und Samu waren definitiv dabei und noch ein weiterer, aber das konnte ich nicht ganz zuordnen.

      Alec
      “Wartet wir sind fast da, weiter reiten wir nicht”, sagte Samu. “Wo sind wir fast?”, fragte ich. “An ihrem Lieblingsort”, antwortete der blonde Finne kurz angebunden und wollte gerade an mir vorbeireiten. “Nein, ihr zwei wartet hier. Ich weiß, du bist ihr bester Freund Samu, aber wenn sie nicht Mal dir gesagt hat, wo sie ist, war das vermutlich Absicht. Ich gehe”, sagte ich und trieb Flanell an Samus Pferd vorbei. Ich folgte einem kleinen Trampelpfad, bis zu einer Stelle, wo ein Pflanzenvorhang war. “Lina, bist du da?”, rief ich. “Wenn du Jace dabei hast, könnt ihr euch direkt wieder verpissen”, kam es als Antwort. “Nein, nur ich”, antworte ich ihr, dann war es einen Moment still.
      Nach ein paar Minuten kam erst ein weißer Pferdekopf und dann auch Lina durch den Vorhang aus Efeu. “Oh, wer ist denn der hübsche Kerl?”, fragte ich sie um sie nicht gleich mit dem eigentlichen Grund der Suche zu konfrontieren. “Das ist HMJ Divine, hat dir nicht irgendeiner von diesen Hirnis schon von ihm erzählt?”, fragte sie brummig. “Ja, .. einer von den Hirnis, hat mir bereits von ihm Berichtet. Darf ich erfahren, warum sie Hirnis sind?”, fragte ich vorsichtig. “Wenn du mir eine Umarmung gibst und die anderen beiden weg schickst, erzählt ich es dir vielleicht auf dem Rückweg”, murmelte sie.

      Milena
      “Alles gut bei dir?”, fragt Herr Holm, der den Stall betritt.
      “Nein, nichts ist gut. Niklas ist ein Arsch, ich kann nicht reiten und meine eigentlich beste Freundin will nichts mehr von mir wissen. Ich will das nicht mehr”, antworte ich offen mit einigen Tränen in den Augen. Er setzt sich zu mir.
      “So ist das mit den Älteren, die denken nur das eine, wenn sie euch jungen Mädchen seht. Und wegen Vriska. Morgen sollte sie eigentlich wieder hier sein, dann braucht sie sicher auch deine Hilfe. Mach’ dir nicht so einen Stress. Ich werde mit Frau Wallin auch noch mal reden, ob du später noch mal einen Leistungstest machen kannst”, bietet er mir an und reicht mir die Hand zum aufstehen.
      “Tack”, bedanke ich mich. Er nickt mir freundlich zu und geht. In mir ist neuer Mut geschöpft, vielleicht auch, weil ich mit jemanden drüber sprechen konnte. Zufrieden schnaubt Snúra ab.Ich nehme ihr das ganze Reitzeug ab und bringe sie auf die Weide. Dort steht Niklas. Das hat mir gerade noch gefehlt. Gekonnt versuche ich ihn zu ignorieren, aber als ich das Tor öffnen möchte, hält er mich am Arm.
      “Vorhin war schön”, sagt er und zieht mich an ihn heran. Ich versuche mich zu befreien aber er hält mich fest.
      “Was willst du?”, entgegne ich ihm genervt.
      “Dich”, antwortet er und küsst mich. In mir schaltet sich alles ab.
      Im nächsten Moment lässt er mich los und geht.
      “Va fan, din jävel? (Was soll das, du “Mistkerl”?)”, rufe ich ihm zurück. Kurz dreht er sich um und streckt die Zunge heraus, dann geht Niklas weiter. Das soll mal einer verstehen. Snúra hat sich in der Zeit neben der Weide einige Grashalme gesucht.
      “Komm’, geh’ lieber bei deinen Kameraden fressen”, sage ich zu ihr und löse den Strick vom Halfter. Im Trab geht sie zu den Anderen. Pferd müsste man sein, denke ich und setze mich an den Rand. Ich stelle meine Beine auf und lege meine Arme um diese. Es fühlt sich nicht richtig an, was macht der mit mir. In dem einen Moment, ist er der beste Mensch der Welt und im anderen zieht er mich alles unter den Beinen weg, ich stürzte in ein Loch.
      “Milena?”, höre ich jemanden meinen Namen sagen. Ich drehe mich um. Linh kommt mit Móra. Direkt an der Weide nimmt sie das Zeug vom Pferd runter und lässt sie zu den Anderen.
      “Was war denn heute los mit dir? Du bist doch sonst so gut mit Snúra unterwegs”, fragt sie und stellt sich neben mich.
      “Ach … Männer”, antworte ich trocken.
      “Milena, wir sind wegen der Pferde hier. Nicht wegen der Typen. Die haben alle nichts im Hirn außer … ihren primären Geschlechtsorganen.”, sagt sie und lacht.
      “Du drückst dich immer so gediegen aus”, antworte ich ihr.
      “Wenigstens lachst du jetzt. Komm, wir gehen zu dir auf’s Zimmer. Zu mir wäre doof, da ist Anna”, sagt sie. Zusammen gehen wir und machen etwas zu essen.

      Alec
      Ich hatte die beiden Jungs weg geschickt und noch einen Moment mit Lina gewartet, bevor wir aufstiegen. “So, jetzt sind wir allein”, sagte ich zu der Frau auf dem weißen Hengst. “Mmmm, also das wichtigste weißt du ja schon, aber eigentlich ist da noch viel mehr”, druckste die junge Frau rum. “Also genaugenommen hat das ganze angefangen, als ich mit Divine aus Schweden zurückgekommen bin. Ich fasse es mal kurz zusammen. Ich habe ihn meine Lebensgeschichte und Ängste offenbart. Er hat mit mir geflirtet. Ich hab ihm gesagt ich liebe ihn, aber ich brauche Zeit. Dann war alles soweit gut und naja den Rest kennst du, dann hat er mit einer Anderen rumgemacht und sich wie ein Arsch benommen”, alles kam aus ihr wie ein Wasserfall. “Mmm .. ok ich kann eindeutig verstehen, warum du nichts mit ihm zu tun haben willst. Weißt du was, wir beide machen uns einen schönen Abend und morgen, werde ich mir mal Jace vornehmen”, sagte ich zu Lina. “Das klingt nach einer grandiosen Idee”, nach dem Gespräch wirkte Lina schon gleich ein wenig fröhlicher und begann mir von Divines Training zu erzählen.

      Jace
      “Wir haben deine angebetet gefunden”, rief Jayden als er die Stallgasse betrat in der ich gerade mistete. “Aber wie es aussieht, möchte sie gerade mit niemandem außer Alec reden. Also viel Spaß, allein”, sagte er und verschwand sogleich wieder. Immerhin hatten die drei sie gefunden. Irgendwie war ich erleichtert, aber gleichzeitig war ich auch ein wenig enttäuscht, dass ich wohl keine Chance haben würde, mein Fehler wieder gut zu machen.

      In der Halle war das Training wirklich zu Ende und die Sonne untergegangen. Das gemeinsame Abendessen steht nun auf dem Plan. Langsam aber sicher trudeln alle an und Herr Holm möchte der ganzen Truppe was ansagen. Während dessen im Krankenhaus bei Vriska.

      Vriska
      Das halte ich nicht mehr aus. Ich will hier weg. Spontan fasse ich die Entscheidung mich selbst zu entlassen.
      “Hello?”, rufe ich. Eine Krankenschwester betritt den Raum. Ich erkläre ihr die Situation und sie holt den Arzt.
      “Frau Isaac, sie müssen noch beobachtet werden.”, versucht er mir einzureden.
      “Nein, ich möchte hier weg. Wenn es mir nicht gut geht, komme ich wieder”, versichere den Arzt. Er nickt. Zur Kontrolle sieht er sich alle Werte noch einmal an und tastet mich ab. Nach dem Gespräch mit Folke bin ich nochmal eingeschlafen, seit dem geht es mir besser.
      “Wen sollen wir Anrufen? Sie haben Betäubungsmittel im Blut und können deshalb nicht alleine gehen”, erklärt er mir. Ich nicke und suche aus meinem Handy die Nummer von Frau Wallin.
      “Ich bin gleich wieder da”, sagt er und verlässt den Raum.

      Niklas
      Milena denkt wirklich, dass ich mich so schnell auf jemanden Einlasse. Umso mehr Spaß macht es mir, sie wie ein Fisch am Haken wackeln zu lassen. Mit Ju und Chris laufe ich zum Abendmahl.
      “Ich freue mich, dass alle Gesichter da sind. Einige habe ich heute bei dem Gangtraining vermisst.”, fängt er an zu reden. Natürlich merke ich die Blicke, die er mir zu wirkt. Arrogant lehne ich mich in den Holzstuhl.
      “Wo war ich? Ach ja. Morgen kommt der Rest aus dem Schwedischen Team, die es nicht geschafft haben bei dem ersten Flug mit zu kommen. Also seid freundlich!”, er stoppt zu sprechen. Das Handy von Frau Wallin klingelt.
      “Ja, das bin ich. .. mh .. Muss das sein? … ja … ja … ja, okay. Ich fahre los. Wiederhören”, höre ich. Herr Holm guckt sie neugierig an.
      “Ich soll Vriska abholen, sie möchte nicht weiter im Krankenhaus bleiben. Es geht ihr schon deutlich besser”, höre ich sie flüstern. Mein Trainer nickt und sie verlässt die Runde.
      “Diggah, deine Ische kommt wieder”, sage ich zu Ju und Boxe ihn in den Oberarm.
      “Aua. Was soll dis? Und es ist nicht meine Ische. Ich fand’ sie ganz Nett, das war’s.”; antwortet mein bester Freund.
      “Jetzt stell’ dich nicht so an”
      “Wer stellt sich denn hier an? Du hast gerade mit Zwei was am Laufen und machst beiden Mädls Hoffnungen. DU solltest dir Gedanken machen.”, pöbelt Ju.
      “Håll käften! (Verdammt noch mal, Ruhe!)”, meckert Herr Holm mit uns.
      “Ihr könnt nach her den Schwanzvergleich weiter machen. Jetzt bin ich dran. *Pause* Gut, also morgen kommt der Rest, seid Nett und habt heute noch viel Spaß. Morgen gibt es keinen Tagesplan, erstmal. Am Abend machen wir ein Training mit Flutlicht, ein Teamtraining. Es werden von uns Punkte vergeben, eure Partner könnt ihr euch selbst aussuchen. Und jetzt: Guten Appetit!”, spricht er zu Ende. Natürlich lasse ich mir nichts anmerken, aber das ich wieder so laut gesprochen habe, wusste ich nicht. Eigentlich sollte das nicht so laut sein. Hoffentlich haben Milena und Anna nicht mitbekommen.

      Hannes
      Während gefühlt alle Teilnehmer des Abendbrotes mitbekommen hatten, dass mein großer Bruder also know as das größte Arschloch wieder mal mehrere sogenannte “Ischen” am Start hatte, beschäftigte ich mich mehr mit meinem Essen als den dämlichen Tischgesprächen. Gott sei Dank war nach Herr Holms Ansprache etwas Ruhe eingekehrt, doch man hörte es an jeder Ecke tuscheln. Ob Menschen auch Probleme hatten, die nichts mit ihrer Fortpflanzung und ihren Trieben zu tun hatten? Während ich auf meinem Teller herum stocherte ließ ich den Blick durch den Raum schweifen und nahm Blickkontakt zu Max und Finley auf, die anscheinend ähnlich genervt von der Situation waren wie ich. Um mich etwas abzulenken, ließ ich das heutige Springtraining in meinem Kopf Revue passieren; Checkpoint und ich waren selbst in so kurzer Zeit zu einem guten Team zusammengewachsen und ich war gespannt, was die restliche Zeit hier in Kanada noch bringen würde. Niklas riss mich aus meinen Gedanken “Na wen hast du dir geklärt, Kleiner?”. “Skit på dig, diggih!” (Fick dich!), entgegnete ich ihm angepisst.

      Jace
      Nach der Stallarbeit freute ich mich wenigstens auf mein Abendessen. Ich war etwas nach den Anderen angekommen, weshalb ich natürlich auffiel als ich den Raum betrat. “Hey Jungs, ist bei euch noch Platz?”, fragte ich Niklas. “Klar, setz dich dazu”, bekam ich als Antwort und somit setzte ich mich. “Hab ich was verpasst, warum sind alle so ruhig hier?”.

      Niklas
      “Nichts. *Pause* Na gut. Also Herr Holm hat erzählt, dass wir morgen quasi den ganzen Tag frei haben. Am Abend gibt es ein Partnertraining auf dem Platz mit Flutlicht. Unseren Partner dürfen wir uns aussuchen. Vermutlich wird das ‘Wir geben einander Reitunterricht Ding’ und Pferdetausch. Zumindest haben wir das letztes Jahr so gemacht. Ach und Vriska kommt gleich wieder, die Wallin holt sie aus dem Krankenhaus ab. Scheint es wohl nicht lange ohne Ju auszuhalten”, sage ich am Ende scherzhaft zu meinem Kumpel und stoße ich leicht an. Damit er nicht wieder herum heult.
      Unauffällig suche ich Milena, die nicht dazusein scheint. Auch Anna ist nicht da. Hoffentlich streiten sich die Beiden nicht.

      Hannes
      Als Niklas fast schon panisch durch die Gegend schaut, wahrscheinlich um seine Herzensdame für den Abend auszuwählen, muss ich mein Lachen unterdrücken und stattdessen stoße ich etwas Luft aus, was mir komische Blicke des ganzen Tisches einbringt. In diesem Moment hallten Niklas’ Worte in meinem Kopf “Partnertraining” und ich überlegte mir, mit wem ich gerne ein Team bilden wollen würde - vielleicht Max oder Finley oder doch Linh? Nun schaute ich ebenfalls in der Gegend rum, um verzweifelt mit jemandem Blickkontakt aufzunehmen. Junge mach doch einfach deine Klappe auf, sagte ich zu mir im Stillen. Schließlich drehte sich Finley um und ich fragte ihn durch wildes Herumfuchteln mit den Händen und einer seltsamen Mimik, ob wir ein Team bilden wollten, also Jace mich ablenkte und fragte “Jo Hannes, weißt du schon mit wem du das ‘tolle’ Partnertraining absolvieren willst?”. “Ähhh… ähhhh.. was? Achso ähm ich dachte eigentlich an Finley wieso?”, antwortete ich verdutzt.

      Lina
      “Naja, ich vermute, das ich es mit meinen üblichen Trainingspartnern für heute ordentlich verkackt habe”, antwortete Jace auf Hannes frage, bevor er weiter mein Essen mampfte. “An deiner Stelle würd ich es mir überlegen, du hast nicht häufig eine Chance auf ein so cooles Pferd”. Da war er ja wieder, der alte Jace. Im vorbeilaufen funkelte ich ihn böse, bevor ich mich wieder zu Alec in die Ecke verkrümelte. Wie schaffte es dieser Mann denn nur immer so Großkotzig zu sein. Am liebsten wurde ich jetzt etwas nach ihm Werfen. “Lina, mach hier keine Szene, das ist nicht zu empfehlen. Freu dich lieber auf das beste Springtraining, deines Lebens”, redete Alec auf mich ein. “Wo wir schon dabei wären, wo nehme ich ein Pferd dafür her”, fragte er scherzhaft. Das brachte mich zum Lächeln “Ach, Alec wir haben einen Stall voller Pferde. Am besten nimmst du Farena, das passt doch größenmäßig perfekt”, begann ich nun mit ihm rumzublödeln.

      Hannes
      “Ach ja? Meinst du deiner ist so viel hochkarätiger? Auf jeden Fall hätte ich dann mal mehr Farbe unterm Sattel.”, scherzte ich mit Jace. “...achja ich helfe einem Bruder gern aus der Patsche.”, ergänzte ich noch auf seinen ersten Satz. Er lächelte und konterte sofort “Das werden wir ja sehen, ist das dann ein Ja zum Team der absoluten Perfektion?”. Ich konnte nicht anders als zu lachen, aber schließlich lächelte ich und nickte zustimmend.

      Vriska
      “Danke, dass sie mich abgeholt haben.”, sage ich zu Frau Wallin als wir am Hof aussteigen.
      “Bitte benimm dich den restlichen Tag. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele graue Haare ich wegen dir bekomme”, antwortet sie. Ich nicke und gehe in den Essenssaal. Natürlich sind die Jungs wieder ziemlich laut und somit nicht zu übersehen. Allerdings halte ich ausschau nach Milena - nicht da. Aber Lina sitzt auch dort. Kurz seufzte ich und mache mich auf den Weg dorthin. So eine kurze Strecke hat mir noch nie so schwer gefallen wie heute.
      “Ach unser Unfallopfer ist wieder da. Wie geht es dir?”, fragt Niklas erstaunlich freundlich.
      Perplex antworte ich: “Eigentlich ganz gut. Die Atmung fällt mir noch schwer durch die Rippenprellung. Tack för att du frågar. (Danke der Nachfrage)”, antworte ich ihm und schmunzel. Ich gucke zu Ju, der Wortlos am Tisch sitzt. Aber Männer können mir echt den Buckel herunterrutschen.
      “Ist hier noch Platz?”, frage ich Lina und setze ich mich ganz frech zu ihr. “Habe ich irgendwas verpasst?”, füge ich noch hinzu.

      Lina
      “Klar, setzte dich. Naja… viel verpasst hast du nicht. Morgen ist Training mit Partnertausch. Wie gehts dir eigentlich?”, fasst ich zusammen. “Naja und weil Jace ein Idiot ist, ist diese hübsche Mann morgen mein Partner. Das ist Alec. Alec das ist Vriska.”, vermittelte ich.

      Vriska
      Ich mustere Alec von oben bis unten. Nicht schlecht denke ich. “Passiert heute noch was?”, frage ich sie dann.
      “Saufen natürlich”, höhnt es aus der Ecke.
      “Du irriterar, Niklas (Du nervst, Niklas)!”, rufe ich ihm zu.
      “Dafür, dass du vorhin fast gestorben bist auf dem Weg, hast du ne ganz schön große Fresse auf einmal”, droht er mir.
      “Man alter, setz’ dich wieder hin.”, ruft Ju ihn zurück. Mit einem Zähneknirschen geht er zurück.
      “Wollen wir uns nach draußen setzen? Hier sind mir zu viele Leute und eine entspannte Runde am Lager hat doch was. Denkst du nicht?”, frage ich Lina, die ziemlich abwesend zu sein scheint.

      Lina
      Vriskas fragen, riss mich aus meinen Gedanken. “Ja, gerne”, antworte ich ihr. “So ihr zwei ich lass euch mal kurz allein, ich ruf mal grad Zuhause an “, meldete Alec sich ab und verschwand in die andere Richtung. Die kühle Nachtluft tat gut und brachte ein wenig mehr Klarheit in meine Gedanken.

      Hannes
      “Kann nicht einfach mal Ruhe sein…Niklas halt doch einmal deine Klappe und lass alle in Frieden”, murmelte ich vor mich hin und hoffte, dass es niemand hören würde. Wieder abgelenkt durch die Mitmenschen am Tisch, die allesamt ihre Köpfe umdrehten, als Vriska und Lina den Speisesaal verließen. Niklas schien irgendwas zu Ju zu tuscheln und ich verdrehte bloß die Augen, dämlicherweise hatte Nik das mitbekommen und starrte mich genervt an. “Was denn Kleiner? Neidisch? Du kannst doch ne Frau nicht von nem Kerl unterscheiden”, feixte er arrogant. Mir fehlten die Worte und ich hielt nur meinen Mittelfinger hoch - was ein Arsch. Jace stupste mich lachend an und und signalisierte durch seinen Blick, dass er Niklas genauso lächerlich fand. So stopfte ich das letzte Bisschen Essen in meinen Mund und stand noch kauend auf und lief zum Stall, um Checkpoint noch einen Besuch abzustatten.
      Im Stall war bereits das Licht an, was mich etwas verwunderte, dennoch ging ich schnurstracks auf den lackschwarzen Hengst zu, der seinen Kopf hob und leise brummelte. “Na Dicker, gar nicht so schlecht hier, was?”, fragte ich ihn und tätschelte seinen schönen Kopf, mit der ungewöhnlichen Blesse. Sein Interesse an mir weichte aber seinem Hunger, weshalb er den Kopf wieder ins Heu tauchte. Da ich unter keinen Umständen wieder in den Speisesaal wollte, beobachtete ich ihn noch eine Weile.

      Vriska
      Ein laues Lüftchen weht und lässt das Feuer tanzen. Gespannt beobachte ich die kleinen Funken, die in der Luft schweben und verglühen. Es ist besser wieder am Hof zu sein, auch wenn es nicht meine gewohnte Umgebung ist, fühle ich mich mit den Menschen hier sehr wohl, denn auch wenn einige von ihnen, nicht unbedingt freundlich sind, versuchen sie etwas zu verstecken. Warum verstecken Menschen etwas? Ist es ihnen peinlich? Wollen sie die Wahrheit nicht erkennen? Oder fehlt es an Empathie?
      Schritte kommen von hinten. Nur eine Person kenne ich, die solche Bewegungen macht - Milena.
      “Ach schon wieder da?”, fragt sie neugierig und setzt sich dazu.
      “Offenbar, ja”, antworte ich abwesend. Ich wende ihr keinen Blick zu, sondern beobachte noch immer die Flamme gespannt.
      “Schön”
      “Ja.”
      “Willst du dich nicht unterhalten oder was ist?”, kommt nun etwas genervt von meiner besten Freundin.
      “Ich … ich brauche Ablenkung”, antworte ich und wende mich zu ihr.
      “Oh okay. Dann ist alles gut? Ich hab’ mit Niklas geschlafen”, offenbart sie mir.
      “Wer hätte es gedacht, sonst hättest du dir auch kein Einzelzimmer geben lassen”, entgegne ich trocken.
      Milena schweigt. Ruhe. Endlich Ruhe.
      “Lina, soll ich dir was von Holy erzählen?”, frage ich wenig später Lina, die auch mit am Feuer sitzt.

      Der Abend endet ohne weitere Vorkommnisse, so dass der Tag ruhig beginnt. Alle kommen pünktlich zur Besprechung und die restlichen aus dem Schwedischen Team erscheinen, der dritte Jahrgang aus dem auch Niklas und Anna sind. Aufgrund eines großen Turnier in Schweden, war es für sie nicht möglich früher zu erscheinen.

      Niklas
      “Schön, dass ihr alle heute pünktlich sein. Wie gestern schon gesagt, habt ihr freies Training mit euren Pferden aber denkt dran, dass heute Abend noch ein Training ist. Strapaziert die Tiere nicht zu sehr am Vormittag. Der Rest des Teams ist vor weniger als einer Stunde am Hof angekommen. Also wer sie noch nicht kennt das sind Emilia, Mika, Ambrose und Darya.”, stellt Herr Holm. Freundlich winke ich dem rest zu. Endlich sind die normalen Menschen da.
      “Bevor ihr sie nun überfordert, esst erst mal in Ruhe. Bis später.”, sagt er und geht aus dem Raum.

      Mika
      Wir hörten Herr Holm aufmerksam zu, auch wenn mein Blick durch die Traube von Personen schweifte, viele Typen und ein paar Mädels zwischen ihnen, sah nach Drama aus. Ehe wir uns aufteilten ergriff ich kurzer Hand das Wort “Ähm Hej, ja ich bin Mika, der Nigga hier ist Ambrose, sorry warn Spaß Bro, und die süße Russin hier ist Darya, nennt sie einfach Dasha.”, Ambrose boxte mich auf den Arm und wir beide lachten, während Dasha nur schüchtern lächelte und “Hej” murmelte. “Um uns noch etwas weiter vorzustellen…”, fuhr Ambrose fort, “Wir kommen vom gleichen Hof wie Vriska und Max, okay vorher waren wir woanders, aber jetzt sind wir ebenfalls auf dem LDS, da ein neuer Trainer des Vereins Collin Jones uns auf den Hof geholt hat. Joa meine schöne Grulla Stute Oline seht ihr später, der zickige Fuchs aka Caja gehört zu Mika hier und die hübsche braune Winnie wird von Dasha geritten. Aber wir gehören alle zum Verein im Fältrittklubben. Auf eine schöne Zeit!”, beendete Ambrose seine Rede und gestikulierte eine Bierflasche, die er imaginär zum Anstoßen in die Luft streckte. Ich lachte und “stieß mit ihm an”. Auch wenn ich nicht der Fan von öffentlichen Liebesbekundungen war, hatte ich das Gefühl Darya als mein Eigen zu markieren und zog sie in meinen Arm und drückte ihr sanft einen Kuss aufs Haar, was mir von Ambrose Seite ein Kotzgeräusch einbrachte. Aus der Gruppe gegenüber kamen Jubelrufe und seltsame Geräusche, weshalb ich die Augen verdrehte und Dasha nur noch fester hielt. Mein Held des Tages war ein Mann namens Jace, der uns aus der unangenehmen Situation befreite und uns den Weg zum Stall zeigte. Gezwungenermaßen musste ich Dasha loslassen und holte Olli vom Transport und führte sie zusammen mit den anderen in den Stalltrakt. Glücklicherweise hatten die Pferde die lange Reise echt gut weggesteckt und durften sich nun etwas erholen und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Bevor wir uns zum Frühstück los machten, räumten wir noch schnell unser ganzes Gerümpel in die Sattelkammer.


      Lina
      Gut gelaunt hatte ich heute Morgen die morgendliche Heurunde gemacht und bei der Gelegenheit auch gleich die Pferde der Nachzügler bewundert. Am besten gefiel mir die Fuchsstute. Freundlich hatte sie, mich aus ihrer Box beobachtet und sich noch ein wenig extra Heu geklaut. Der Abend war gestern noch sehr schön gewesen und es hatte mich gefreut noch einiges über Holy zu erfahren. Fröhlich ging ich zum Frühstück und sah auch schon gleich Vriska und Milena an einem Tisch sitzen. “Guten Morgen ihr zwei”, begrüßte ich sie fröhlich.

      Vriska
      “Guten Morgen”, begrüßt Milena Lina fröhlich. Ich nicke mal wieder nur. Die Nacht war blöd. Egal wie ich mich hingelegt habe, schmerzte meine Schulter oder mein Brustkorb. Irgendwann schlief ich im Sitzen ein. Im Spiegel hatte ich bereits meine Augenringe betrachtet. Da hat nicht mal Make-Up was gebracht.
      “Lina! Siehst du die drei? Das sind die neuen”, versucht Milena ihr zu zuflüstern. Jedoch spricht sie so laut, dass sogar Niklas vom Nachbartisch es hören konnte. Mit prüfenden Blicken guckt er zu ihr.
      “Schlecht geschlafen oder warum sagst du nicht irgendwas, worauf ich eingehen kann?”, fragt er mich dann verwundert. Ich knurre zurück und stochere müde in dem Gurkensalat herum. Es scheint mir, als würden die Schmerzmittel aus dem Krankenhaus nun Nebenwirkungen ausbilden. Meine Stimmung ist noch gedrückter als sonst, alles tut mir weh und alles was ich möchte ist nach Hause zu fahren. Doch den Flug würde ich sicher auch nicht schaffen.
      “Alles gut bei dir?”, fragt nun auch Milena. Offenbar muss ich nun doch antworten. Sonst bildet sich noch eine Traube um mich herum und ALLE werden fragen, was mit mir los ist.
      “Ich habe beschießen geschlafen, mir tut alles weh und ich glaube, dass mein Gurkensalat mit mir spricht. Reicht das für’s erste?”, sag ich genervt und stehe auf.

      Darya
      Als wir vom Stall zurückgekommen waren, wurden wir Niklas, zum Tisch gewunken und setzten uns dazu. Auch wenn ich diesen Kerl nicht kannte, war ich froh, dass ich am weitesten von ihm weg sitzen konnte. Mika schien meine Anspannung zu merken und drehte sich zu mir um und lächelte mich beschwichtigend an und drückte sanft meinen Oberschenkel unter dem Tisch - ich bedanke ihn mit einem kleinen Grinsen. Wie immer gliederten sich Ambrose und Mika super in die Gruppe ein und ich saß nur still da, starrte in die Leere und stocherte im Frühstück herum. Am anderen Ende des Tisches saß eine junge Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam, ich beneidete sie um die coole Haarfarbe, doch irgendetwas stimmte mit ihr nicht, sie sah noch anteilnahmsloser aus als ich und auch irgendwie traurig, weshalb mir rausrutsche “Was ist mit ihr?”, leider hatten es alle am Tisch mitbekommen - na toll.

      Niklas
      “Ach, beachte sie gar nicht. Sie hatte gestern einen Reitunfall, war im Krankenhaus und wollte am Abend unbedingt wieder zurück kommen. Bestimmt wollte sie Ju einfach wieder sehen”, scherze ich noch.
      “Ja klar, ganz bestimmt. Wir haben gestern nicht einmal miteinander gesprochen”, wirft er direkt ein.
      “Das war doch nur ein Witz”, merke ich an und rolle mit den Augen.
      “Habt ihr Lust eine Runde auszureiten? Kanada ist schöner als ich dachte, aber nichts ist so schön wie Schweden!”, frage ich in die Runde und stehe auf. Ju folgt mir.

      Vriska
      Müde schleppe ich mich zu Glymur, den Lina mir freundlicherweise schon auf die Weide gestellt hat. Sogar mit seiner Decke. Aufmerksam schnalze ich ihm zu. Neugierig hebt er seinen Kopf, schüttelt sich und kommt gemütlich auf mich zu. Seine Blesse ist bedeckt mit einigen Kratzern.
      “Tut mir Leid”, sage ich zu ihm und streiche über die Wunden. Er schnuppert an meinem Arm, mit seinen Lippen knuspert er an meinem Ärmel. Ich muss lachen.
      “Nein, dass kannst du nicht essen.”, entgegne ich in dem Moment.
      “Weißt du, ich kann heute sicher nichts mit dir machen. Wenn ich könnte, würde ich gern ausreiten mit dir, einfach nach Hause.”, flüstere ich und lehne mich mit dem Rücken am Zaun an. Er streckt den Hals durch diesen und scheint mir einfach zuzuhören.

      Lina
      “Dann kennst du noch nicht die schönsten Ecken”, grölte Jace und verließ zusammen mit den beiden Jungs den Raum. “Tja, sieht so aus als wären wir nur noch zwei”, sagte ich zu Milena, die mir gegenüber saß. “Wie ist das eigentlich ein Islandpferd zu reiten”, fragte ich neugierig. “Naja, im Prinzip ist es nicht anders als bei jedem anderen Pferd”, antworte mir das blonde Mädchen.“Eure Vorführung gestern hab ich leider verpasst. Darf ich dir vielleicht beim Training zusehen?”.

      Jace
      “Du hast da ein echt hübsches Pferd”, sagte ich zu Ju, der gerade mit seiner Rappscheckstute um die Ecke kam. “Sieht echt edel aus“, sagte ich noch bevor ich mir Girlys Halfter schnappte, um sie von der Koppel zu holen. Ich hatte mich heute Gegen Herkules entschieden, der Buckskin hatte in den letzten Tagen schon genug getan. Wie als könne die Stute Gedanken lesen, stand sie schon am Tor und wartete. “Na Süße, Wartes du schon”, begrüßte ich sie und strich ihr über die hübsche weiße Stirn. Freundlich schnaubte sie und genoss die kleine Streicheinheit. Nachdem ich sie gehalftert hatte, ging es mit der Stute im Schlepptau zurück zu den beiden Jungs, die schon dabei waren ihre Pferde zu putzen.

      Milena
      “Ähm … wollen wir nachher drüber reden? Ich würde gern mit Ausreiten gehen, außer du kommst auch mit. Pass auf, wir machen das so. Wir machen nachher das Partnertraining, dass zeige ich dir was und du kannst dann gern auch Kempa nehmen”, sage ich hektisch zu Lina und stehe auf ohne auf ihre Antwort zu warten.
      “Niklas warte, ich komme auch mit”, rufe ich ihm nach.
      “Dann mach Lack”, sagt er mit seiner Schimmelstute am Halfter. Ich nicke und renne weiter zur Stutenweide, auf der ich Snúra mit dem Halfter nehme.
      “Komm’ wir müssen uns beeilen”, treibe ich die Stute vorwärts. In der Gasse angekommen, sehe ich wie Jace sich mit Ju unterhält über Amnesia. In dem Moment merke ich, dass ich ziemlich neidisch bin. Natürlich sind meine beiden Mädels auch hübsche Pferde, doch wenn Ju mit Amnesia einen Raum betritt leuchtet alles.
      Ohne meine Stute anzubinden, steht sie entspannt in der Gasse bei den anderen Stuten. Noch putzen alle anderen ihre Pferde, doch ich habe Snúra schon fertig.
      “Wie hast du das gemacht?”, fragt Niklas überrascht.
      “Wir machen unsere Pferde nicht schickimicki sauber. Hauptsache der Dreck ist weg, wo das Zubehör liegt. Schließlich geht es hier um nichts”, scherze ich und setze meinen Helm auf.

      Ambrose
      Gerade als die anderen herauseilten, um ihre Pferde für den Ausritt fertig zu machen, schlenderten wir gemütlich hinterher und schlossen uns der Truppe an. „Ey chillt doch mal, was eine Eile!“, rief ich den anderen belustigt zu und grinste. Dasha meldete sich bedenklich zu Wort „Wartet mal, unsere Pferde sind gerade nach einem langen Flug angekommen, das wäre doch doof jetzt ihnen auch noch den Stress anzutun.“ Wie immer hatte sie recht und wir stimmten ihr geknickt zu. Gerade in diesem Moment stieß Miss Montrose zu uns und unterbreitete ein Angebot, dass wir nicht ablehnen konnten. Sie begleitete uns zum Stall und zeigte uns drei Pferde, welche sich über einen Ausritt freuen würden. Royal Champion, ein Hengst aus der Hofeigenen Zucht, der wirklich etwas hermachte, den sich natürlich Mika als erstes schnappte. Dasha konnte sich nicht von ihren Trakehner trennen und griff zu Vakany, die ein wirklich außergewöhnliche Zeichnung hatte. „Haben sie einfach ein entspanntes Pferd für mich?“, fragte ich Miss Montrose. „Luchy, Bitte. Ich denke British Gold könnte gut zu dir passen.“, antwortete sie lächelnd und drücke mir das Halfter der Stute in die Hand. Nachdem jeder nun sein Pferdchen hatte, beeilten wir uns die drei hübschen Warmblüter fertig zu machen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Fertig gestriegelt und geschniegelt standen wir mit den anderen vor dem Stall und warteten darauf, dass es losgeht.

      Lina
      Pff, auf den Ausritt kann ich gerne verzichten. Aber ich hatte heute Vormittag eh etwas anderes vor. Ich hatte nämlich Luchys Tochter versprochen mit ihr heute den Vielseitigkeitsplatz zu erkunden, zu Pferd versteht sich natürlich. Also machte ich mich auf dem Weg zum Haupthaus und klopfte. Colin öffnete mir die Tür. “Hey, ich wollte mir mal euer Kind ausleihen”, sagte ich zur Begrüßung. “LIINA”, kam da auch schon das kleine Mädchen angerannt. “Gehen wir jetzt auf den Geländeplatz?”, fragte mich die kleine.”Ja, genau. Hol deine Reitsachen dann gehts los”, sagte ich ihr und schon flitzte sie davon. “Meinst du ich kann mir Nurja ausleihen?”, fragte ich Colin während ich wartete. “Ja klar, das sollte kein Problem sein”, meinte er nur.
      Ein paar Minuten später war ich mit Aleen im Schlepptau auf dem Weg die Pferde zu holen. “Wen darf ich heute reiten?”, fragte sie neugierig. Normalerweise ritt die kleine ihr Shetty Farena, doch da ich befürchtet, dass die kleine vermutlich im Wassergraben versinken würde, durfte sie heute wen anders reiten. “Du, meine süße darfst heute Mad Eye reiten”, sagte ich und deutete auf den grasenden Schecken. “Möchtest du ihn rausholen?”.”Ja”, rief die kleine und nahm sein Halfter entgegen.

      Milena
      Mittlerweile hat sich die Gruppe deutlich vergrößert. Einige der Teilnehmer sind mit neu.
      “Ach, ich bin Milena”, stelle ich mich kurzer Hand vor. Im Vergleich zu den Anderen komme ich mir mit Snúra ziemlich klein vor.

      Mika
      „Jo ich bin Ambrose, Bitte keine Spitznamen, danke.“, stellte sich mein bester Kumpel vor und lachte sie etwas flirty an. Sie grinste und schaute danach fragend zu uns. „Hej, ich bin Mika und das hier neben mir ist meine Freundin Darya“, stellte ich nun uns beide auch vor. Höflich wie sie ist antwortete Darya die Hand ausstreckend, „Dasha, freut mich dich kennenzulernen!“.

      Milena
      “Ich freue mich auch euch kennenzulernen”, antworte ich. Aktiv treibe ich Snúra vorwärts, da sie einige Probleme hat hinterher zukommen.
      “Leute, ich drehe um”, sage ich gefrustet, während die Anderen sich unterhalten. Niklas hält Smoothie an wartet auf mich.
      “Ach, setzt dich bei mir mit rauf und nimm dein Pony als Handpferd. Passt schon”, sagt er und gibt mir die Hand. Vorsichtig steige ich auf den Rücken von Snúre und schwinge mich auf den Rücken seiner Stute. Kurzer Hand schnelle ich die Zügel an das Reithalfter. Plötzlich kann sie das Tempo mithalten.
      “Und besser?”, fragt er schelmisch.
      “Natürlich.”, antworte ich.
      “Halt dich ruhig fest”, fügt er noch hinzu und trabt Smoothie an.
      Angekommen an bei der Gruppe pariert er sie wieder durch. Verwirrt mustert Ju uns.
      “Was wird das denn, wenn’s fertig ist? Ich dachte schon, dass ihr im Busch verschwunden ist”, kommentiert er unsere Ankunft.

      Jace
      “Naja, siehste doch. Das wird ein romantischer Ausritt”, antwortete ich neckisch auf Jus frage. “Ein paar gute Pferde hab ihr euch da geben lassen“, sagte ich nun an die drei neuen gewandt. “Gerade der kleine Champ hat ordentlich etwas darauf”.

      Lina hat inzwischen zusammen mit Aleen Mad Eye und Nurja fertig gemacht und war am Vielseitigkeitsplatz angekommen. Nach einer kurzen Aufwärmphase für die Pferde ging es an die Erkundung des Platzes.

      Lina
      “Was möchtest du als erstes Probieren?”, fragte ich das kleine rothaarige Mädchen. “Das da”, sagte sie und deutete auf den vorderen Teich mit dem Wassereinsprüngen. “Na gut, dann lass uns mal schauen ob Mad Eye Wasser mag”, sagte ich und ging mit Nurja Richtung Wasserloch. Zuverlässig lief die Freibergerstute hinein. Als das Wasser ihr bis zu den fessel ging, drehte ich sie um und hielt sie an. “Na los, komm einfach her. Lass den Zügel schön lang, damit Mady sehen, kann was unter ihm ist”, erklärte ich der kleinen. Der Ponywallach trottet brav bis zum Ufer, wo er sich erst einmal einen Drink genehmigte, bevor er weiter in Wasser ging. Als der Ponymann etwa bis zu den Knien drin stand, begann er im Wasser zu planschen. “Super macht ihr zwei das. Pass nur auf das er sich nicht hinlegt”, lobte ich Aleen und ließ auch Nurja ein Stück weiter hinein. Gut das es heute recht warm, war denn Mad Eye sorgte gerade dafür, dass wir alle ziemlich nass wurden.

      Mika
      “Achja, stattlich sieht er ja aus, hab gehört der hat nen hohen Blutanteil? Und wie testen wir jetzt am besten, was er so alles drauf hat?”, fragte ich Jace und war stolz wie Oskar, da ich auf einem solch krassen Pferd saß, wobei mir im gleichen Moment meine kleine Zicke fehlte. Ich drehte mich im Sattel um und hielt Ausschau nach Dasha, die nur kurz hinter ritt. Ihre Stute Vakany schien sich nur wenig für die Hengste der Gruppe zu interessieren und Darya grinste bis über beide Ohren, “Na freust dich wohl über die bunte Trakistute? Deine ist ja auch echt langweilig mit dem Einheitsbraun”, stichelte ich sie. Wie zu erwarten setzte sie sofort eine entsetzte Miene auf und fing an zu protestieren. “Ey lass meine Winnie in Ruhe! Dein fetter Fuchs ist auch nicht besser, zumal meine auch kein Biest ist!”, polterte Dasha los, sodass ich nur noch lachen musste. Um sie zu besänftigen gab ich klein bei und sendete ihr einen Luftkuss, worauf Jace gleich reagierte “Jaja romantisch, sag ich doch.”. Ambrose steckte etwas weiter hinten in der Gruppe und versuchte British nach vorne zu bringen, die Stute überinterpretierte seine Hilfen und galoppierte freudig los, wobei sich Ambrose etwas erschrak und im Sattel rumhüpfte, wie ein Reitanfänger. Die gesamte Gruppe verfiel in Gelächter und Niklas kommentierte die Situation recht passend “Jaja die reiterliche Elite von Schweden”, was das Gelächter nur noch vertiefte.

      Milena
      Ich hätte wirklich zurück reiten sollen. Die Älteren sind eine ganz andere Nummer, als Vriska oder Max. Gespannt folge ich den Gesprächen, kann jedoch nicht genau Nachvollziehen, worum es sich handelt. Um das Eis zu brechen stelle ich eine Frage in die Runde: “Wie seid ihr denn dazu gekommen, ein Teil im Nationalteam zu werden?”
      “Gute Frage, das weiß ich tatsächlich von euch noch gar nicht. Also fange ich einfach mal an. Mein Opa ist im Sommer 1956 bei den Reitspielen in Schweden mitgeritten und hat den zweiten Platz gemacht, da sich seine Stute nach dem vorletzten Sprung vertreten hat und eine Fesselverletzung zugezogen hat. In seine Fußabdrücke ist jedoch mein Onkel getreten, weil mein Vater nichts mit Pferden anfangen konnte. Als ich aufwuchs verbrachte ich mehr Zeit mit ihm als mit Vater, sodass ich früh auf dem Rücken eines Pferdes saß. Mit 6 Jahren habe ich mein erstes Pony von Onkel bekommen. So ging es immer weiter, bis ich mit 15 Jahren plötzlich nichts mehr hatte, was ich im Turniersport erreichen konnte. Nur noch die Großen Veranstaltungen hatte ich nicht besucht, was allerdings an meinem Alter lag und nicht an der Leistung. Als ich mit der Schule fertig war, reiste ich um die Welt und bekam das Angebot mit zur Elite zu kommen. Jetzt bin ich hier mit Smoothie.”, erzählt Niklas.
      In mir macht sich eine Traurigkeit breit, weil meine Geschichte total unspektakulär und langweilig ist. Deswegen halte ich mich zurück und warte gespannt auf die nächste Story.

      Darya
      Niklas Geschichte hörte sich an wie eine Filmstory, doch er konnte gut erzählen und zog so alle in seinen Bann. Erstaunt von meinem eigenen Mut fing ich an zu erzählen “Bei mir war es wenig spektakulär, allerdings reite ich schon eine ganze Weile, eigentlich von der Pike an. Ich bin mit meinen Eltern erst vor ein paar Jahren nach Schweden gezogen, wir lebten im europäischen Teil Russlands auf dem Anwesen meiner Großeltern. Unsere Familie züchtete Trakehner von Beginn ihrer Entstehung an, deshalb auch meine persönliche Gebundenheit zu dieser Rasse, ein Stück Heimat eben. Allerdings fokussierten sich alle primär auf die Zucht und nicht auf Leistung oder ähnliches, weshalb ich recht spät erst zur klassichen, gesunderhaltenen Dressur fand, zugegebenermaßen mit dem Pferden ohne Sattel durch die Wälder zu heizen war schon cool.”, beendete ich lächelnd meine Rede. Mika, der offensichtlich erstaunt war, dass es aus mir wie ein Wasserfall sprudelte setzte nun ebenfalls zum Wort an, “Meine Family hat nichts mit Pferden am Hut, doch sie haben mich immer unterstützt, auch wenn meine Hobbys besonders in der Pubertät sehr schwankten, von Rocker über Skater bis hin zum heutigen Pferdenarr. Ich hatte Glück, dass wir finanziell sehr gut aufgestellt waren und ich so früh neben der Gitarre und dem Skateboard schon das erste Pferd besaß. Als Action liebender Kerl, fand ich mich früh in der Vielseitigkeit zu Hause und heizte deshalb mit meinem damaligen Buschpony durch die Gegend, obwohl mir die Dressur auch liegt und ich wert darauf lege meine Pferde gesunderhaltend zu trainieren. Caja kam Anfang des Jahres in meine Hände und sie hat ordentlich Feuer unter dem Hintern, eigentlich auch schöne Gänge, aber langsam mag sie nicht so gern.”. Auch wenn ich es unhöflich fand, dass nun auch Ambrose das Wort ergriff und nicht die anderen der Gruppe zu Wort kommen ließ, erzählte er nun auch seine Story. “Jo, ich weiß eigentlich gar nicht mehr wie ich zu den Pferden gekommen bin, bestimmt durch ein Chick, was ich mal geil fand”, lachte er und setzte fort “jedenfalls habe ich Talent und keine reichen Eltern oder gar ein eigenes Gestüt, so arbeitete ich hart, um mir durch Turniergewinne und Stallarbeiten ein eigenes Pferd zu finanzieren, damals hatte ich einen süßen Mixwallach, den ich selbst bis zu den S-Lektionen der Dressur zusammen mit meinem Trainer ausbildete. Leider mussten wir ihn bereits Anfang 2019 einschläfern lassen. Olli stammt genau wie Caja, Checkers und Winnie vom Gut Naundorf und gehört seit Januar zum Team ‘Entspannung pur’”, kam er zum Ende.

      Fortsetzung folgt ...

      © Mohikanerin, Wolfszeit & Zion | 99345 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam Teil III | 28. Februar 2021
      Satz des Pythagoras // St.Pauli’s Amnesia // Snúra // Glymur // HMJ Holy // Alfred’s Nobelpreis // Schneesturm // Outer Space // Rainbeth // Kempa
      Checkpoint // Oline // Caja // Windrose
      HMJ Divine // LMR Fashiongirl // LMR Royal Champion // British Gold // Vakany // Rumkugel // Miss Grisella Braun


      Jace
      “So,genug gequatscht”, unterbrach ich die Vorstelllungsrunde, als Girly ein wenig anfing zu tänzeln. “Wer hat Lust auf ein kleines Wettrennen?”, fragte ich und lenkte die braune Stute auf eine Wiese die sich neben dem Weg erstreckte. Aus der Gruppe gab es von den meisten Zustimmung. Ich ließ Girly weiterhin im Schritt, bis alle auf der Wiese waren. “Na, dann zeigt mal was ihr so drauf habt”, rief ich und ließ die Zügel meiner Stute lang. Sofort schoss sie los und gab Vollgas. Für einen Moment waren wir an der Spitze. Doch die anderen besonders Mika mit Champ holten relativ schnell auf.

      Niklas
      “Ich muss leider passen, hab schließlich einen Gast auf dem Pferd”, sage ich Jace ab.
      “Aber ich kann doch auch … “, fängt Milena an.
      “Nein, alles gut”, flüstere ich ihr zu.
      Wir trennen uns von der Gruppe, Ju folgt uns.
      “Kommt noch jemand mit uns?”, fragt er. Alle verneinen und wir machen uns zu dritt durch den Wald. Wo wir genau lang können oder nicht, weiß ich allerdings auch nicht so recht.
      “Wieso macht ihr nicht mit?”, ruft mein Bruder mir nach.
      “Weil unsere Pferde was Wert sind im Vergleich zu euren”, rufe ich zurück. Was er darauf antwortet, kann ich nicht mehr verstehen.
      Nach ungefähr einer Stunde sind wir endlich am Hof zurück.

      Hannes
      Ob das nen Dreier im Busch wird, dachte ich im Stillen, als Niklas, Milena und Ju davonritten, allerdings musste ich mich wieder auf Checkers konzentrieren, da er ein ordentliches Tempo vorlegte und schnaubend an Royal Champion mit Mika anschloss, der mich schelmisch angrinste. Darya sah etwas verloren aus, kein Wunder eine Dressurprinzession auf einem Springgaul, so ein Tempo war sie gar nicht gewöhnt, lachte ich in mich hinein. Allerdings schien der Schein zu trüben, denn in null komma nichts stritt sie mit mir, Mika und Jace um den ersten Platz. Sie drehte sich einmal kurz nach Ambrose um, der auf British Gold entspannt hinterhertrottete und ich nutze den Moment der Unaufmerksamkeit und drängte mich frech vor sie.

      Jace
      Zusammen mit Mika und Hannes erreichte ich den Rand der Wiese. “Gar nicht so schlecht”, sagte ich anerkennend zu den anderen, während ich Girly wieder in den Schritt brachte. Wir warteten auf Ambrose, bevor wir unsere Tour fortsetzen. “Was reitet ihr eigentlich für Disziplinen”, fragte ich den Rest der Truppe interessiert. “Ich komme ja eigentlich aus dem Fahrsport, bin aber inzwischen in der Vielseitigkeit Zuhause”, führte ich aus.

      Ambrose
      “Warum muss bei euch immer alles so hektisch sein, können wir nicht einmal chillen und es langsam angehen?”, drückte ich zwischen tiefen Luftzügen raus und tätschelte British, die wahrscheinlich gern noch schneller gelaufen würde, den Hals und pariere sie durch. “Ach cool, ja ich fühle mich auch im Eventing zu Hause”, antwortete Mika auf Jace’ Frage. Als auch ich wieder zu Luft gekommen war, sprach ich für Dasha und mich, “Wir beide mögen es eher gemütlich und diszipliniert, wir sind die Dressurcracks, natürlich nicht auf Droge oder so.”

      Vriska
      Offenbar war ich am Zaun auf der Weide eingeschlafen. Unsanft weckt mit Niklas, der zusammen mit Milena auf Smoothie sitzt.
      „Na du Schlafmütze. Ohne richtige Männlichkeit findest du wohl nicht in den Schlaf“, scherzt er. Milena steigt ab und führt Snúra in die Stallung. Auch Ju mit Amnesia folgt ihr. Nur der hochnäsige steht noch da und betrachtet mich.
      „Ich dachte, du wolltest netter sein. Vor zwei Tagen hast du dich noch bei mir entschuldigt“, merke ich provokant an.
      „Dann verzeihen Sie mir, min älskade (meine Liebste)“, sagt er und verbeugt sich.
      „Nicht mal im Traum“, entgegne ich entschlossen und möchte aufstehen. Doch durch die Überbelastung der anderen Schulter, schaffe ich nicht die nötige Kraft aufzubauen um mich hochzudrücken.
      „Komm‘ ich helfe dir“, sagt Niklas plötzlich vollkommen freundlich, lässt seine Stute an Ort und Stelle stehen, kommt zu mir und greift mir vorsichtig unter die Arme.
      „Tack, aber wäre nicht nötig gewesen“, bedanke ich mich. Plötzlich steht er sehr nah vor mir, erst jetzt begreife ich, wie groß der Kerl eigentlich ist. Für einen Moment gucken wir uns ganz tief in die Augen, eh ich einen Schritt zurück setze um dieser unangenehmen Situation zu entfliehen. Zum Glück ruft ihn Milena in dem Moment: „Wo bleibst du? Ist dein Pferd betoniert oder was?“
      „Tack“, bedanke ich mich erneut und laufe zu meiner Hütte. Ich komme mir warnsinnig schnell vor, doch selbst eine Schnecke könnte mich gerade überholen. Wo ist eigentlich der Rest Gruppe, überlege ich, doch verschwende keinen weiteren Gedanken mehr an die.

      Jace
      “Ich glaube wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen”, sagte ich zu der Truppe und wendete die Stute. Da der Weg durch den Wald deutlich kürzer war, schlug ich diesen Weg ein. Nach ungefähr einer halben Stunde hatten wir den Hof wieder erreicht. “So, da wären wir wieder”, sagte ich und schwang mich von meinem Pferd.”Ihr seid echt cool drauf. Hat echt Spaß gemacht mit euch”. Ich begann die Stute abzusatteln und hängte die nasse Schabracke in die Sonne.

      Darya
      Nachdem uns Jace über den kürzesten Weg wieder zurück zum Gestüt brachte, begannen wir die Pferde abzusatteln, um sie anschließend wieder auf die Weide zu bringen. Eigentlich wollte ich mich nochmal bei Miss Montrose bedanken, aber sie war gerade nicht in Sichtweite. Stattgdessen widmete ich mich wieder Vakany, die heute ganz wundervoll war. Mika riss mich aus den Tagträumen, “Min älskade” (meine Liebste) und umarmte mich von hinten und schlang seine Arme um mich, wobei er mich kurz kitzelte und mir ein grelles Kichern entwich. Er küsste mich sanft auf den Hals, als ich hörte, dass noch jemand den Stalltrakt betrat, drehte ich mich panisch und etwas peinlich berührt um. Es waren Milena, Niklas und Vriska, die uns etwas verwirrt anschauten, aber nur lächelten und sich den Kommentar verkniffen. Flüchtig drückte ich Mika einen Kuss auf die Wange und brachte endlich die hübsche Stute weg. Ambrose schien schon wieder auf Weibersuche zu sein.

      Lina
      Inzwischen war der Ausflug zum Wasser mit Aleen beendet und die beiden Pferde standen wieder glücklich auf der Koppel. Die Anderen waren vom Ausritt zurückgekehrt. Auf dem Weg zurück von den Koppel zum Stall begegnete ich Vriska, die sich furchtbar langsam in Richtung Hof bewegte. “Vriska, kann man dir irgendwie helfen?”, fragte ich sie, als ich sie eingeholt hatte, was bei ihrem Tempo nicht sonderlich schwierig war.

      Vriska
      “Nein, alles gut. Niklas hat mir gerade schon hochgeholfen”, erzähle ich.
      “Obwohl … Ich hab hunger, denkst du ich kann noch was vom Frühstück bekommen?”, füge ich hinzu.

      Lina
      “Vom Frühstück eher nicht mehr. Hast du mal auf die Uhr geschaut”, sagte ich lachend. “Aber ich weiß, wo ein Kühlschrank, voll mit Essen steht”, sagte ich und deutet Richtung Mitarbeiterunterbringungen.

      Vriska
      “Das wäre richtig Knorke”, antworte ich lachend und zusammen gehen wir zur Unterbringung.
      “Kommt keiner”, flüstere ich ihr zu, während Lina für mich etwas Reis von gestern rausholt. Zusammen laufen wir in mein Zimmer, in dem ich den Reis in der Mikrowelle noch mal warm mache. In meinem Kopf schwebt schon wieder der kurze Moment, in dem Niklas so extrem dicht vor mir stand. Es schien, als hätte er irgendwelche Zeichen gesendet. Vermutlich bilde ich mir das aber auch nur ein. Einbildung. Alles nur Einbildung. Ich atme Tief ein und wieder aus. Ganz ruhig. Er ist nur das kleine reiche verwöhnte Kind aus der Nachbarschaft, dass direkt heult, wenn er was nicht haben kann. Schon allein aus diesem Grund kann der Typ mich kreuzweise. Meine Hände formen sich zu einer geballten Faust voller Wut. Ich bemerke wie Lina mich beobachtet, als würden meine Augen die Gedanken an die Wand projizieren. In mir schreit alles, es ist so laut, dass ich es nicht mehr trage. Ich schreie, nun wirklich.

      Lina
      “Alles Ok”, fragte ich etwas perplex. Doch Vriska wütet einfach weiter. “Egal, warum du dich so fühlst lass es einfach raus”. Ich konnte sie nur zu gut verstehen. Ich hätte Jace gestern gerne selbst zerfetzt, doch leider hatte Alec mich davon Abgehalten. Vermutlich war es besser so. Somit saß ich einfach nur da und beobachte Vriska.

      Ambrose
      All die Turteltäubchen hier kotzten mich dermaßen an, dass erstmal kurz etwas Luft brauchte und über den Hof spazierte, doch schon an der nächsten Ecke traf ich auf ein Girl, EMilia glaube ich. Untervögelt war ich ja schon dachte ich im Stillen und ging bewusst auf sie zu. “Hej Hübsche”, begrüßte ich sie etwas provokant. Sie lachte und winkte sofort ab. Aha hard to get also, weshalb ich mich so dicht vor sie stellte, dass sie verwundert nach hinten stolperte und ich sie geradezu auffangen musste - Plan hat funktioniert. Sie schaute verlegen zur Seite, aber bedankte sich trotzdem. “Vielleicht nochmal von vorn, ich bin Ambrose und du gefällst mir.”, sagte ich wieder etwas zu forsch. “Du siehst aber auch nicht schlecht aus.”, gab sie zu, während sie immer noch in meinen Armen hing und sich langsam aufrappelte . “Hi, ähm Emilia, also Emi, hab schon viel von dir gehört.”, erwiderte sie nun etwas selbstsicherer. Warum auch immer musste ich lachen und fragte Emi anschließend, ob sie noch etwas mit mir machen wollte vor dem Training.

      Vriska
      „Mehr oder weniger okay. In meinem Körper ist Krieg. Es schreit in mir, es schmerzt, aber ich weiß nicht was das ist.“, murmle ich teilweise etwas undeutlich vor mich her.
      „Ich erzähle dir mal was. Erst seit 2,5 Jahren reite ich. Vorher war ich ein typisches Stadtkind, jedes Wochenende bin ich mit meiner Clique feiern gegangen in diversen Clubs in London. Und natürlich gab es nicht nur Alkoholexzesse. Je mehr ich genommen habe, umso weniger ich selbst. Doch genau darauf war ich auf. Meine Mutter musste mich oft von der Polizei abholen, weil ich mal wieder in irgendeiner Gasse herum lag. Trotzdem war sie mir nie böse, vermutlich, weil meine kleine Schwester das sonst mitbekommen hätte. Mein Vater kenne ich nicht persönlich, aber ihm gehört eins der größten Finanzunternehmen in England. Zu meinem 18. Geburtstag hat er mich zu sich in die Firma eingeladen. An mehr erinnere ich mich nicht, nur das Mama mich am nächsten Tag aus dem Krankenhaus abholen musste. Sie hat auch die folgenden zwei Jahre alles versucht um mich aus dem Umfeld heraus zu bekommen. Der letzte Schritt war, dass ich mit meiner Schwester zu meiner Tante nach Deutschland gehe über die Sommerferien. Tante Eva hat ein Pferd - einen Isländer. Natürlich sollte ich mich als Erziehungsmaßnahme um dieses Pferd kümmern. Zu dem Zeitpunkt waren Pferde für mich einfach nur dreckig und ich hatte Angst. Doch Bruce und Tyrell haben mich dabei unterstützt. Im Anschluss bin ich bei Eva geblieben und jetzt sitze ich hier. Die Gedanken, die ich damals in London hatte, waren genau die gleichen, die ich jetzt habe.“, erzähle ich ihr offen. Meine Geschichte gehört zu mir und wenn jemand fragen würde, würde ich auch jeder Zeit die Story erzählen. Aber es fragt nie jemand. Es musste raus aus meinem Kopf. Wirklich.

      Lina
      “Wow. Das waren eine Menge Informationen”, sagte ich und musst einen Moment darüber nachdenken. Vriskas Geschichte, ist so anders als meine, aber auch wieder nicht. “Ich werde jetzt nicht sagen, dass ich weiß wie du dich fühlst, weil das nicht Wahr wäre. Aber ich kenne das Gefühl, wenn die Vergangenheit einen einholt”, sagte ich, um die Stille im Raum zu unterbrechen. Ich zögerte einen Moment, ob ich es ihre erzählen sollte. Immerhin hatte der letzte dem ich es erzählt hatte, sich von mir abgewandt. “naj…”, begann ich zögerlich. “... ich bin auch ohne Eltern aufgewachsen. Meine Mutter verließ mich und meine Geschwister als wir noch klein waren. Mein Vater hat uns dann bei unserer Tante abgestellt und ein neues Leben ohne uns angefangen. Wir hatten zwar noch Kontakt, aber nur sehr wenig, weil ich mich mit meinen Halbgeschwistern nie verstanden habe. Meine Tante hatte ein paar Kutschpferde. Naja und so verbrachten meine Schwester und ich jede frei Sekunde im Stall und natürlich ließen wir uns das auch nicht nehmen zu reiten. Ich kann sagen ich hatte eine gute Kindheit bis zu dem einen Tag an dem der Unfall passierte. Bei dem Unfall kamen meine Tante und mein Lieblingspferd ums Leben. Du musst wissen er war alles für mich. An dem Tag verlor ich alles, was ich hatte. Mein Vater wollte uns nicht. Er sorgte für das nötigste, aber da war keine Art von Beziehung. So verbrachte ich viel Zeit, bei Samu auf dem Hof seiner Eltern, bis ich zusammen mit ihm hierherkam. Naja und dann kam Divine der mich an all das Erinnerte”, erzählte ich. “Vermutlich fragst du dich jetzt, Warum erzählt sie mir das alles?. Die Antwort ist, ich weiß es, nicht”, endete ich. Seltsam irgendwie war es einfach aus mir rausgeflossen. Tja, scheint so, als hätten wir beide jemanden gebraucht, der einfach nur Zuhört. Ein seltsame Stimmung lag in der Luft.

      Mika
      Zurück von den Weiden schlenderte wir gemütlich zurück zum Hof, um uns dann zum Mittag im Speisesaal zu versammeln. Im Vergleich zu sonst waren wir mal nicht die letzten, obwohl ich mit “wir” diesmal auch nur mich und Dasha meinte, keine Ahnung wo sich Ambrose wieder umher trieb. Kurzerhand entschied ich mich für einen recht kleinen Tisch, Drama brauchte ich nicht beim Essen, und setzte mich hin und zog Dasha auf meinen Schoß solang noch keiner da war. Sie lehnte sich entspannt und auch etwas erschöpft zurück, sodass ich den Duft ihrer Haare aufsaugen konnte und erst jetzt merkte ich, wie müde ich auch war, Jetlag war nicht zu unterschätzen dachte ich. “Kleines Mittagsschläfchen bis zum Training nachher?”, flüsterte ich ihn ihr Ohr, sie nickte gähnend. Im selben Moment betraten Ambrose und ähh ich war mir nicht sicher wer sie war in den Saal, könnte Emilia sein. Die beiden strahlten wie Tschernobyl und ich hoffte sehr, dass sie keine Strohreste in der Unterwäsche hatten. “Na ihr Schlafmützen? Das hier ist Emilia, aber ihr kennt sie ja eigentlich.”, stellte er uns euphorisch vor, doch mehr als ein gutgemeintes Lächeln brachten wir nicht hervor. Nun nahmen auch die beiden am Tisch Platz und es war noch ein Platz übrig. Hannes, mit dem ich mir gerade den zweiten Platz des Rennens teilte, gesellte sich zu uns.

      Niklas
      Milena war ziemlich schnell zusammen mit Snúra aus dem Stall heraus. Wo sie sich herum trieb, wusste ich allerdings auch nicht mehr. Hoffentlich kommt sie gleich zum Essen, da alle anderen kaum noch was haben, habe ich einige von ihnen eingeladen bei uns zu essen. Ju sollte schon vor der Hütte im Freien einige Sitzgelegenheit errichtete. Meiner Stute Smoothie gebe ich zum Abschied noch einen Kuss auf die Stirn.
      Mein Weg zurück führt mich am Essenssaal vorbei, aus dem ich Stimmen wahrnehmen konnte.
      “Hannes? Du solltest doch wissen, dass es kein Mittagessen gibt.”, sage ich zu ihm und stehe in der Tür mit verschränkten Armen. Es dann sehe ich, dass Ambrose, Darya und Mika ebenfalls am Tisch sitzen. Einen Moment überlege ich, ob die Menge an Essen reicht.
      “Wenn ihr wollt, kommt mit. Ich koche gleich für so gut wie den ganzen Verein”, biete ich den anderen an und mache eine passende Armbewegung.

      Jace
      “Was macht ihr denn hier für eine Party?”, fragte ich die Gruppe, die sich im Essensaal versammelt hatte. “Hat euch keiner gesagt das es ihr euch selbst um euer Mittagessen kümmern müsst”, sagte ich grinsen. “Naja, ich gehe jetzt einkaufen, soll ich euch vielleicht etwas mitbringen”, bot ich an.

      Darya
      “Oh entschuldigung, das wussten wir nicht.”, stammelte ich peinlich berührt herum. Die Herren der Schöpfung waren mal wieder etwas lapidarer unterwegs und bettelten förmlich nach Essen, weshalb ich mich gezwungen sah noch einmal höflich zu antworten, “Das ist lieb Jace, Niklas hatte angeboten für uns zu kochen, wenn er noch etwas braucht, wären wir dir echt dankbar, wenn du uns was mitbringst.”. Ambrose mal wieder durch meine gute Erziehung belustigt lachte mich aus, was ihm aber einen bösen Blick von Mika einbrachte - die Genugtuung reicht mir. “Jace soll dich vielleicht jemand begleiten?”, fragte ich unschuldig noch.

      Jace
      “Na, wie siehts aus Nikals, braucht ihr noch was?”, wandte ich mich an den jungen Mann neben mir. “Wenn du so charmant fragst, sag ich nicht Nein”, antwortete ich dann Dasha auf ihre Frage.

      Niklas
      “Oh, dann kann ich ja was richtiges Kochen. Ich bräuchte drei Gläser Preiselbeeren und noch eine weitere Packung Pilze, welche ist egal.”, antworte ich erst mal und denke laut weiter: “Sahne müsste noch reichen, weitere Pilze habe ich bestellt, das Hack ist auch noch genug, Mehl ist in der Küche, Zitronensaft auch, Dill habe ich vorm Haus gesehen.” Ich überlege. “Ach ich bräuchte noch 2kg festkochende Kartoffeln”, sage ich. Aus meiner Tasche ziehe ich ein Bündel Geld und weiß nicht so genau, wie viel man beim Einkaufen bezahlt. 50 C$ sollten reichen und drücke Jace den roten Schein in die Hand. “Falls was übrig bleibt, kauf dir was schönes”, sage ich etwas flirty und lache.

      Jace
      “Natürlich, mein liebster”, antwortete ich säuselnd. “Also wer mit will, bitte folgen”, sagte ich noch und stiefelte lachend aus dem Raum. Jayden, der vorhin noch mal auf dem SMA war um Alec dort zu helfen, hatte das Auto freundlicherweise direkt auf dem Hof stehen lassen. Ich stieg schonmal in den schwarzen Jeep und warte auf meine Mitfahrer. “Wow, es sind ja gefühlte 100 Grad hier drin”, schimpfte ich ein wenig als ich mich auf dem Sitz niederließ und ließ die Fenster runterfahren.

      Ambrose
      “Dude wir kommen mit!”, rief ich Jace, der bereits kehrt gemacht hatte, hinterher. Emilia ließ ich um ehrlich zu sein etwas links liegen und eilte los und sah, dass Mika und Dasha mir folgten. “Ach wenn’s ums Essen geht ist er ganz vorn dabei!”, rief Mika mir zynisch zu. Ich lachte und zeigte ihm den Mittelfinger. Gemeinsam stiegen wir in den schwarzen Jeep und Jace zündete den Motor an. “Dude ich bin zwar schwarz, aber kochende Hitze feier ich jetzt nicht so. Schmeiß doch mal die Klimaanlage an!”, befahl ich Jace und boxte ihm lachend gegen die Schulter. “JA Gebieter”, gab er ironisch zurück und lachte ebenfalls. Obwohl die Fahrt zum Supermarkt nicht sonderlich lang war, schienen Dasha und Mika eingeschlafen zu sein; belustigt stupste ich Jace an und gestikulierte, dass er mal in den Rückspiegel schauen sollte. Bei der angenehmen Ruhe im Auto ließ ich mein Blick über die Landschaft schweifen, die sogar ziemlich ähnlich zu Schwedens war. “Wirklich wundervoll”, murmelte ich schläfrig, bis mir schließlich auch die Augen zu fielen.

      Niklas
      Während Jace für mich die restlichen Zutaten holt, bereite ich in der Küche die Füllungen vor. Als erstes schneide ich ungefähr 1 kg Zwiebeln, damit ich das Hack sowie die Pilze darin anbraten kann. Die Pilze schneide ich dafür ebenfalls klein und packe die in eine andere kleine Schüssel.
      “Ju?”, rufe ich nach draußen, wo er bereits mit Chris sitzt und sich unterhält.
      “Ja?”, antwortet er wenig später.
      “Kannst du mir bitte Dill, Petersilie und Majoran reinbringen”, frage ich ihn.
      In der Zeit hole ich das Hackfleisch aus dem Kühlschrank und lege es in eine große Schüssel. Bevor ich ein Ei, die Gewürze und Brötchenreste hinzufüge, wasche ich noch einmal die Hände. Dann kommt auch schon mein bester Freund in die Küche und legt mir die gewünschten Kräuter hin, ich bedanke mich und er geht wieder raus zu den Anderen. Also schneide ich noch die die Petersilie und den Majoran klein, werfe es mit zum Hackfleisch. Dann schlage ich das Ei dazu, füge die Brötchenkrümel hinzu und die Gewürze wie Salz und Pfeffer. Natürlich darf der Senf nicht fehlen. Nun kann ich kneten. Aus der Masse forme ich kleine Bällchen, die im ersten Moment eher an Köttbullar erinnern aber keine werden. Für Kroppkakor habe ich von meinem Opa ein eigenes Rezept gelernt. Dafür erhitze ich eine große Pfanne mit Olivenöl auf dem Gasherd. Während die Pfanne heiß wird, mache ich mit der vegetarischen Füllung weiter. Die nächste Pfanne steht bereits auf auf dem Herd und ist warm. Ich schmeiße eine große Handvoll Zwiebeln in das Öl. “shite (Mist)”, rufe ich durch den Raum, als das heiße Öl an meine Hand spritzt. Außerdem habe ich den Knoblauch vergessen zu schneiden. Also halte ich kurz die Hand unter kaltes Wasser, trockne sie ab und nehme den Knoblauch aus dem Kühlschrank. In Lichtgeschwindigkeit ist der Knoblauch kleingeschnitten und ich nehme einen Esslöffel Knoblauch, werfe ihn mit zu den Zwiebeln. Für einige Minuten lasse ich die Zwiebeln glasig werden und tue die kleingeschnittenen Pilze dazu.
      “Lieferservices”, sagt Jace und kommt rein.
      “Oh danke! Genau im richtigen Moment”, antworte ich ihm und nehme die Lebensmittel entgegen. Als er den Raum wieder verlassen hat, kommt Anna. Auf sie hätte ich wirklich verzichten können.
      “Brauchst du noch Hilfe?”, fragt sie. Ich nicke und stelle ihr die Packung Kartoffeln hin.
      “Die müssen alle geschält werden”, kommentiere ich und hole aus der Schublade einen Kartoffelschäler. Ohne was zu sagen, fängt sie an die Kartoffeln zu schälen. Ich schneide die restlichen Pilze und packe alle zusammen in die Pfanne. Nachdem sie schön braun gebraten sind, nehme ich einige Löffel dieser heraus und wollte sie mit zum Hack machen. Erst dann bemerke ich meinen Fehler. Ich habe bereits die Bällchen gemacht, obwohl die Pilze und Zwiebeln fehlen. Genervt werde ich alle wieder in die Schüssel und knete erneut alles durch. Ich prüfe noch einmal, ob wirklich alles drin ist. Diesmal ja.
      “Warum hast du mit Milena geschlafen?”, reißt mich Anna aus meinem Flow.
      “Weil ich Lust hatte, betrunken war und es verlockend war”, antworte ich ihr, ohne sie anzugucken. Dabei drücke ich in der Schüssel voller Hackfleisch herum.
      “Also liebst du mich nicht?”, fragt sie. Ich überlege. Soll ich ehrlich sein? Für mich ist Liebe ein großes Wort, mit viel Bedeutung. Je öfter man es sagt, desto weniger bedeutet es. Anna ist noch zu Jung, um das wirklich nachvollziehen zu können.
      “Doch”, antworte ich kurz und lege die fertigen Bällchen in die heiße Pfanne. Ich brate sie scharf an und nehme sie wieder heraus.
      Nach einer Überlegungspause antwortet sie mir: “Warum guckst du mich dann nicht an?”
      “Förlåt, men jag är upptagen. (Sorry, ich bin beschäftigt)”, fahre ich sie an. Dann gucke ich doch zu ihr. Sie legt den Schäler beiseite, steht auf und geht nach draußen zu den Anderen. Endlich kann ich in Ruhe weiter machen. Die Pfannen nehme ich alle vom Herd und stelle den Topf voller Kartoffeln darauf, dass sie kochen können.
      “Ju, ich geh’ duschen. Kannst du zwischen durch nach den Kartoffeln gucken?”, rufe ich ihm zu und gehe ins Bad.

      Jace
      Nachdem ich mit meiner sehr hilfreichen Begleitung vom Einkaufen zurück war und wohlgemerkt alleine, die Einkäufe zu Niklas brachte, weil die Schlafmützen noch pennen, kehrte ich zum Auto zurück. “Wir sind zurück, ihr Schlafmützen”, rief ich und riss die Autotür auf. Keine Reaktion von den Insassen. “Uff, wie können die bei den Temperaturen nur Pennen”, murmelte ich. Ich habe da schon eine Idee. Ich ließ die Tür offen und ging zu den anderen vor dem Haus. “Wer von euch hat denn, Lust den Schlafmützen da drüben eine kleine Abkühlung zu verschaffen”, sagte ich und deutete auf das Auto.

      Hannes
      Jace, der gerade vom EInkauf zurückgekehrt war, schlug vor die Neuankömmlinge anständig aufzuwecken. Meine Idee mit Eimern auf sie zu schütten, war nicht sonderlich schlau, da sie nach wie vor im Jeep saßen. “Hat jemand Wasserpistolen?”, fragte ich in die Runde und erntete ordentlich Gelächter, “Rich kids ey, das macht man mit nem Wasserschlauch!”, “Nimm doch Pistole aus deiner Hose!” kam lachend zurück. Jace deutete auf einen Schlauch in der Ecke, den ich übermütig zum Auto zog, leise den anderen ein Zeichen gab den Wasserhahn aufzudrehen. Das Wasser schoss geradezu aus dem Schlauch, sodass ich ihn fest packen musste, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Aus dem Auto ertönten quietschende und erschrockene Töne und die drei sprangen wie angestochen in die Luft und fingen danach an heftig zu gackern. Ambrose und Mika rannten auf mich zu und hoben mich hoch, während Dasha den Schlauch griff und mich ordentlich einseiften. Nun kamen auch die anderen mit Wassereimern dazu und wir lieferten uns eine legendäre Wasserschlacht. So viel Spaß hatte ich nie in meiner Kindheit…
      Niklas
      Die Dusche tat gut. Nicht nur, dass es draußen furchtbar warm ist, koche ich zusätzlich ein ziemlich deftiges Gericht. Die Kartoffeln waren mittlerweile fertig und Ju hatte sie schon abgegossen sowie abgeschreckt. Mit nur einem Handtuch am Leib stehe ich in der Küche und stampfe die Kartoffeln mithilfe eines Kartoffelstampfers. In die Masse gebe ich zwei Eier, etwas Muskat und Salz. Auch das Mehl darf nicht fehlen. Ich forme zwei ungefähr gleichgroße Rollen und schneide sie jeweils in 12 Scheiben. Darin drücke ich mit meinem Daumen ein Loch, lege entweder ein Fleischbällchen oder etwas … Mist. Ich habe vergessen, die Pilzfüllung fertig zu machen. Da ich für die Soße eh noch mal die Pfannen erhitzen muss, kommen die Pilze zurück ihre Pfanne. Aus dem Kühlschrank nehme ich den Gorgonzola und schneide ihn so gut es geht in würfel, die mit in die Pfanne kommen. Nach dem der Käse geschmolzen ist, nehme ich sie runter und befülle weiter die Kartoffelklöße. Den Topf mit Wasser habe ich erneut aufgesetzt, um dort die Klöße ziehen zu lassen. Damit ich sie unterscheiden kann, haben die mit Fleisch Kräuter in der Kartoffelhülle. Sie müssen noch mal 20 Minuten ziehen, sodass ich in Ruhe die Soße zubereiten kann. Doch als erstes muss ich die Preiselbeer Beilage machen.
      “Und wie weit bist du?”, fragt mich Ju, der fast Liebevoll mit seinen Händen an der Hüfte anfasst und mir über die Schulter ins Ohr flüstert.
      “20 Minuten noch”, antworte ich lachend. Er lässt mich natürlich direkt wieder los und stellt sich neben mich.
      “Willst du dir nicht mal was anziehen?”
      “Es ist so warm draußen. Gefällt dir mein Handtuchrock etwa nicht? Soll ich für meinen Liebsten ein anderes Outfit wählen?”
      Wir lachen und blödeln einige Minuten weiter herum. Ich nehme mir seinen Rat zu Herzen und ziehe mir eine Unterhose sowie Kurze Hose drüber.
      “T-Shirt ziehe ich trotzdem nicht an”, rufe ich Ju zu, der das Essen beobachtet.
      “Mach’ was du willst. Aber nicht das ich wegen dir noch meine sexuelle Gesinnung ändere”, antwortet er schelmisch.
      Die Klöße sind fertig, die Preiselbeermasse mit etwas Rotwein und Vanille mittlerweile abgekühlt und die Soße mit Sahne, etwas Mehl und Milch angedickt in dem Sud aus den Fleischbällchen. Zusammen mit meinem Kumpel servieren wir das Gericht.
      “Essen ist fertig.”, rufen wir raus.
      “Was das”, fragt jemand.
      “Kroppkakor.”

      Jace
      Nass, kamen wir rübergelaufen, sobald Niklas verkündete, dass das Essen fertig ist. “Das sieht ja grandios aus”, lobte ich Niklas. “Wo hast du so kochen gelernt?”, fragte ich ihn. “Warte bis du es probiert hast bevor du urteilst”, kam es von einem der Jungs frech. “Ey, Jace du Faulpelz”, kam es von Jayden der gerade aus dem Stall trat. “Denk dran, du bist heute dran das Wasserfass auf der Sommerkoppel aufzufüllen. Viel ist nicht mehr drin. Und abäppeln musst du auch noch”, sagte er während es rüber kam. “Jaja, keine Sorge das mach ich gleich noch. Jetzt komm her und chill erstmal n bisschen”, erwiderte ich. Jayden setzte sich seufzend und betrachte das was Inzwischen auf dem Tisch stand. “Wer von euch kann denn so gut kochen?”, fragte er etwas verwundert.

      Niklas
      “Mein Opa hat mir beigebracht zu kochen .. und unsere Hausdame, die sonst für uns kocht. Man könnte behaupten, dass es eins meiner kleineren Hobbys ist neben der Pferde.”, erzählte ich stolz. Dann wendete ich mich Jayden zu. “Ich habe natürlich gekocht. Das ist Kroppkakor ein schwedisches Kartoffelklöße Gericht mit einigen Veränderung meinerseits. Die mit den Kräutern haben eine Fleischfüllung und die ohne sind mit einer Pilz-Gorgonzola Füllung. Dazu serviert eine Sahnesoße und Preiselbeeren”, erkläre ich ihm.
      “Wenn du willst, nimm dir auch einen Teller. Es ist genug für alle da”, füge ich noch hinzu. Von weiten sehe ich auch Lina und Vriska anschleichen.

      Lina
      “Der hat mir heute noch gefehlt”, mumelte ich vor mich hin. Nachdem unangenehme Stille im Zimmer geherrscht hatte, hatte Vriska vorgeschlagen, mal zu sehen, was die anderen so machen. Wo sie waren, war nicht sonderlich schwierig herauszufinden, denn sie unterhielten sich lautstark über Niklas tolle Kochkünste. Ich versuchte einen Platz möglich weit Weg von Jace zu finden, was sich aber als relativ schwierig gestaltet, da er natürlich in der Mitte des Tisches saß. Die einzigen freien Plätze waren zwischen Ju und Niklas, direkt gegenüber von Jace. Etwas hilflos sah ich mich nach einer Alternative um.

      Niklas
      “Willkommen in der Runde”, begrüße ich die beiden Mädchen, die dazu kommen. Vriska knurrt mich nur an.
      “Keiner hat dich gezwungen hierher zu kommen”, zische ich sie an. Ich sehe wie sie mich von unten nach oben mustert.
      “Wenn du mit kommst, kannst du gern noch mehr sehen”, sage ich schelmisch zu ihr.
      “Ich verzichte, danke.”, winkt sie ab.
      “Wollt’ ihr was essen?”, biete ich einen Moment später an. Keine Antwort also gehe ich zurück zu Ju, aber auch sie nehmen den Weg dorthin. Ich bemerke, dass Lina sich schwer tut, sich mit an den Tisch zu setzen. An Ju scheint es wohl nicht zu liegen, der hat eigentlich keinen Stress mit irgendwen, also kann es nur Jace sein. Vorsichtig ziehe ich sie zur Seite und flüstere ihr zu: “Soll ich den woanders hinbringen?” In meinem Ton schwingt etwas ernsthaftes mit und kann mir auch nicht erklären, wieso mir das gerade so wichtig erscheint.

      Lina
      Ich sah Niklas einen Moment verwirrt an, bevor ich registrierte, dass er mir eine Frage gestellt hatte. “Ich fürchte, wenn du ihn nicht auf den Mond schießen kannst, kannst du mir leider nicht helfen”, antwortete ich ihn leicht zynisch. Ich hatte durchaus gemerkt, dass er mir ernsthaft helfen wollte. Bisher hatte ich, gedacht er, sei genauso hoffnungsvoll in sich selbst verliebt wie Jace, doch scheinbar musste ich diesen Gedanken nochmal überdenken. Niklas schien immerhin ein Fünkchen Empathie zu besitzen, im Gegensatz zu Jace, der dämlich grinsend mit den anderen Jungs rum scherzte.

      Niklas
      “Dabei kann ich leider nicht helfen, soweit ist Elon noch nicht Menschen im Weltall auszusetzen”, antworte ich lachend. Sehr wohl habe ich seit dem ersten Abend mitbekommen, dass da was im argen ist.
      “Jace, komm’ mal bitte. Hilf mir mal beim Aufräumen”, rufe ich den Kerl zu mir. Die Mädchen nehmen sich einen kleinen Teller mit etwas vom Essen und können nun in Ruhe essen. Doch in mir herrscht eine Ruhe ein und will unbedingt wissen, was los ist.
      “Du sag mal. Was stimmt den bei euch Beiden nicht? Ihr seid ihr zusammen auf einem tollen Hof und geht einander ziemlich aus dem Weg. Das ist doch keine gute Atmosphäre. Pferde nehmen das war und das tut niemanden gut”, sage ich ernst zu ihm.
      Ich muss wieder an Opa denken, der vor einigen Jahren verstorben ist, dem immer wichtig war, dass am Hof eine gewisse Freundlichkeit herrscht. Natürlich muss man sich nicht um den Hals fallen, aber der Respekt sollte vorhanden sein.

      Lina
      “Danke”, mumelte ich noch Niklas zu, bevor ich mich an den Tisch setzte. Ein wenig erleichtert, das ich zu mindesten Jace nicht ertragen muss. Das essen schmeckte einfach fantastisch und erst jetzt bemerkte ich wie riesig mein Hunger eigentlich war.So schaufelte ich fröhlich mein Essen in mich rein.

      Jace
      In der Küche angekommen, stellte mir Niklas eine Frage, die so ähnlich vor ein paar Tagen schon mal gehört hatte. Sofort verschlug es mir meine Gute Laune. “Naja… mmm… Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht so ganz sicher”, druckste ich herum. “Jonathan Cristopher Sherwood, wer hat dir eigentlich ins Hirn geschissen”, hörte ich die Stimme meines besten Freundes in meinem Kopf. Alec war weitaus unentspannter gewesen als Niklas jetzt gerade und er hatte mich auch am Leben gelassen, also beschloss ich es zu erzählen.“Ok….Ich fasse es mal kurz. Eigentlich dachte ich Lina hätte mich gefriendzoned, dann war auch eine ganze Weile alles gut zwischen uns… Naja und dann hab ich vor ein paar Tagen vergessen da ich ihr mit Divine helfen wollte. Und was an euren ersten Abend passiert ist, weißt du ja.” Erzählte ich zögerlich. “Und seitdem geht sie mir aus dem Weg”, endete ich. Das Blut war mir in die Wangen geschossen. Sehr konzentriert wischte ich an der Pfanne rum. Irgendwie war es mir Mega unangenehm, dass es Scheinbar auch den anderen auffiel, das etwas zwischen mit und Lina nicht stimmte.

      Mika
      Gegen Niklas kann man sagen was man will, aber kochen und reiten kann der Kerl vom feinsten, er zauberte eine meiner Lieblingsspeisen Kroppkakor. Da wir pitschnass waren, zog ich das triefende T-Shirt aus und hängte es in die Sonne, viele der anderen taten es mir gleich, was vielen Mädels der Runde gefiel, Dasha guckte mich schockiert an und zog dann provokant auch ihr Shirt aus und mir fiel fast die Kinnlade runter. Ich war froh, dass sie so einen ollen cockblocker Sportbh anhatte, der ihre Boobies, die mir gehörten, gut verdeckte. Beeindruckt griff ich ihren Teller und meinen und befüllte beide mit sowohl vegetarischen, als auch normalen Klößen. Mein Magen knurrte und ich schaufelte mir viel zu große Bissen in den Mund, sodass meine Backen prall gefüllt waren. Niklas schaute mich grinsend an und neckte mich, “Na Hamsterbäckchen schmeckt’s?”. Da ich nicht in der Lage war zu sprechen, hielt ich nur einen Daumen nach oben, es war wirklich verdammt lecker. “Er möchte sagen es schmeckt ihm hervorragend, es ist eine seiner Lieblingsspeisen.”, antworteten Dasha und Ambrose im Chor und verfielen ins Lachen. Ich verdrehte die Augen, die beiden kannten mich wohl doch zu gut. Zu meinem Erstaunen drehte sich Dasha weg und widmete sich der Gruppe um Ju, Lina und Vriska, wie mutig sie doch auf einmal war, solang Ju seine Finger bei sich behält, machte mir das auch nichts aus, denn es war wichtig, dass sie neue Freunde fand, sonst war ich immer der Einzige mit Ambrose, der für sie da war.

      Darya
      “Hej, sorry ich wollte euch nicht unterbrechen, aber ich würde euch auch gern ein bisschen kennenlernen.”, sagte ich etwas verlegen. Lina, die etwas abwesend schien bedankte mich sofort mit einem Lächeln und lud mich sozusagen in die Gruppe ein, während Vriska einfach still dasaß. “Vriska und Lina ihr macht doch beim diesjährigen HMJ mit oder? Hab das über Social Media etwas verfolgt, Divine ist ja wirklich ein Prachtstück”, versuchte ich ins Gespräch zu kommen.

      Lina
      “Danke, das war ja auch ein Haufen Arbeit”, bedankte ich mich bei Dasha. “Wenn du möchtest, kannst du ihr später kennenlernen”, bot ich ihr an und sie nickte zustimmend. “Tatsächlich war sein Training bis es ans Reiten ging relativ unkompliziert”, begann ich fröhlich vor mich hinzuplappern. Über Divine könnte ich stundenlang reden.

      Darya
      “Oh ich würde gern mehr über das Training hören!”, sprudelte es förmlich aus mir heraus, “also natürlich wenn die anderen nichts dagegen haben.”, fügte ich fix hinzu. Ju musste kurz lachen über meine wahrscheinlich etwas zu korrekte Art. “Interessiert dich denn etwas bestimmtes, weil ansonsten sitzen wir wahrscheinlich noch morgen hier?”, fragte sie daraufhin lachend. “Naja eigentlich alles, aber um es genauer zu machen, vielleicht in welcher Richtung ihr unterwegs seid und wo du mit ihm vielleicht mal hin möchtest? Wie ihr die Mähne so lang und dick bekommen habt, würde mich auch sehr interessieren, Winnies kurze Fusseln sehen leider nicht so schön aus.”, plapperte ich weiter.

      Lina
      “Aktuell sind wir sehr viel Ausreiten. Denn der kleine Mann bewegt sich in Hallen oder auf Reitplätzen nur sehr spärlich, oder wenn ein zweites Pferd dabei ist. Ansonsten versuche ich aktuell herauszufinden wie ich ihn auch in der Halle reiten kann. Mein Ziel ist es eigentlich ein Vielseitigkeitspferd aus ihm zu machen. Ich habe nämlich selten ein Pferd erlebt, was so zuverlässig überall hingeht”, erzählte ich . “Naja, das mit der Mähne hat viel Zeit und Liebe benötigt. Einerseits hat uns unter Tierarzt mehrere Nährstoffmängel festgestellt. Und dann ist er auch noch Ekzemer. Zum Glück nicht so krass. Naja, wegen seinem Ekzem wird er ein bis zweimal die Woche gewaschen und seitdem wir das fleißig machen, wächst die, Mähne. Vielleicht solltest du bei Winnie mal eine Blutanalyse machen lassen”,riet ich Dasha

      Darya
      “Danke für den Tipp! Ich habe sie auch noch nicht lange, sollte ich wirklich mal in Betracht ziehen.”, bedankte ich mich bei Lina und unterhielt mich noch ein bisschen mit ihr über Divine.

      Niklas
      Kurz musste ich nachdenken, weil ich zwar verstand, was er mir da gesagt hat aber irgendwas muss noch fehlen.
      “Schwierig”, fing ich an.
      “Viele Möglichkeiten hast du nicht, es ist zumindest einfacher für euch Beide, wenn ihr nichts miteinander habt. Sollte nämlich das dann enden, wird es noch schlimmer. Am Hofen haben wir dafür eigentlich eine Regel, ein Quasi jeder kann jeden wann er will. Nur … Anna hat das noch nicht so wirklich geschnallt, entweder man teilt sich Gegenseitig oder man lässt es. Sonst gibt es nur Stress”, erzähle ich ihm dann. Jetzt wo ich es ausspreche klingt es ziemlich makaber, als wären wir eine Sekte. Doch wir haben alle das gleiche Ziel, also müssen wir gemeinsam daran arbeiten.

      Vriska
      Gespannt folgte ich dem Gespräch, aber wirklich konnte ich nichts dazu beitragen. Innerlich zog es mich irgendwie zu Niklas, doch das geht nicht. Dennoch richtete ich immer wieder mein Blick zur Hütte in der er ist mit Jace. Jetzt begreife ich erst, dass die sich darin unterhalten und ich bin total neugierig worum es da geht.
      “Lass dich nicht täuschen”, sagt Ju ruhig zu mir.
      “Wenn der was will, dann tut er alles dafür.”, fügt er noch hinzu.
      “Ja … nein. Alles gut”, lenke ich ab. Doch er scheint schon gemerkt zu haben, dass meine Blicke immer wieder zu seinem Oberkörper gehen.
      “Warte mal”, sagt er nun und zieht selbst sein Shirt aus.
      “So, jetzt kannst du zu mir gucken und dich nicht von einem Idioten kontrollieren lassen.”, lacht Ju.

      Jace
      Ich schwieg eine Weile. Es gab da nämlich einige Dinge, die im ihn nicht erzählt hatte.Nicht nur das Seine Regel klang als würde sie in eine Kommune leben, sondern auch, weil ich genau wusste, dass mich solche Regeln wieder zu jemandem machen würden, der ich nie wieder sein wollte. Als ich noch mit Alec in der Stadt wohnte, war ich ähnlich wie Niklas gewesen. Jedes Mädchen was ich haben wollte bekam ich eigentlich immer. S** bedeutet für mich nichts. Das und ein paar andere Dinge machte mich irgendwann zu einem gewissenlosen Arsch. Nicht nur den Mädels gegenüber, die ich verführte, sondern auch meinen Freunden gegenüber, bis ich niemanden mehr hatte außer Alec. Alec hatte auch nur zu mir gehalten, weil er zu der Zeit in mich verliebt war. Doch ich war natürlich zu dämlich, um das zu kapieren. Naja, irgendwann hat auch er mich im Stich gelassen. Naja, das er mich auch im Stich gelassen hatte war ich selber schuld, immerhin hatte ich seiner kleinen Schwester irgendwann das Herz gebrochen. Und dann hatte ich nichts mehr, keine Freunde, kein Zuhause, absolut gar nichts.”Naja, ich kann Anna verstehen, für manche ist S** halt mehr als nur ein körperliches Verlangen”, sagte ich nach einer Weile zögerlich. “Außerdem, … hat Lina mich nicht direkt gefriendzoned… sie hat um Zeit gebeten”, flüsterte ich schon fast. Ich ließ nicht viele hinter meine Fassade blicken, weshalb ich auch wenig echte Freunde hatte, denn durch irgendetwas hatte ich auch meisten diese vergrault. Umso mehr wunderte ich mich jetzt drüber, das ich hier in diese Küche stand und mit Niklas überhaupt über solche Dinge redete.

      Niklas
      “Na also, lass ihr Zeit. Aber deswegen muss man einander nicht ignorieren. Aus eigener Erfahrung heraus geht es ihr nur um das ganze Gefühlezeug, was sie gerade nicht gebrauchen kann. Sei normal zu ihr, als wäre sie eine gute Klassenkameradin. Am besten suchst du das Gespräch. Wenn du willst, kann ich das einleiten .. ich geh dann auch. Aber so ist nicht gut. Für ein Beide nicht.”, antworte ich mitfühlend und klopfe ihm auf die Schulter.

      Jace
      “Nein, schon gut. Ich schaff das schon selbst”, sagte ich zu ihm. Das Geschirr war inzwischen sauber, sodass ich den Raum verließ. Das Gespräch war mir unangenehm gewesen.
      Ich sah zu dem Platz, wo ich vorher gesessen hatte. Lina unterhielt sich angeregt mit Dasha und Ju hatte sich inzwischen auch das Shirt ausgezogen. “Ihr scheint ja Spaß zu haben”, sagte ich lachend an Ju und Vriska gewandt und setzte mich wieder dazu.

      Vriska
      “Ach, die Kleine kommt mit ihrem Blick von Nik nicht weg.”, sagt Ju zu Jace und deutet dabei auf seinen Körper.
      “Ha ha lustig.”, füge ich genervt hinzu und will aufstehen.
      “Du machst Situationen nicht besser, wenn du immer gehst.”, sagt Niklas der Jace offenbar gefolgt ist. Mit seiner einen Hand berührt er einen meinen Hals und wie unter Kontrolle setze ich mich wieder.
      “Geht doch”, antwortet er.
      “Wie sieht es eigentlich mit deiner Schulter aus, kannst du wieder reiten?”, fragt Ju.
      “Ich kann nicht mal richtig reiten, denke nicht, dass ich überhaupt aufs Pferd raufkomme”
      “Dann helf’ ich dir halt hoch”, kommentiert Niklas und legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. Nervös gucke ich zu ihm, sage nichts und versuche auch nicht die Hand beiseite zu packen.
      “Wir können es gern probieren”
      “Na dann machen wir nachher das Training zusammen.”
      “Deal”, antworte ich Niklas.
      Ich bemerke jetzt erst, wie schockiert Ju und Lina zu mir gucken. Niklas hat immer noch sein Hand auf meinem Oberschenkel.

      Lina
      “Ähhh Vriska… du konntes vorhin nicht mal schnell als eine Schnecke gehen und willst auf ein Pferd steigen? Du bist sicher nicht auf deinen Kopf gefallen”, sagte ich und starrte sie weiterhin schockiert an. Und ganz ehrlich, Niklas war mir immer noch ein wenig suspekt. “Ju, sagt doch auch mal was”, sagte ich empört und boxte leicht gegen seinen Arm. “Au”, kam es nur von Ju und er rieb sich den Arm. “Vriska, das ist vollkommen verrückt!”, schloss ich aufgebracht an.

      Jace
      Etwas verwirrt, sah ich zwischen den beiden Parteien hin und her. “Ähhh….ich glaube, das solltest du nochmal überdenken, Vriska”, trug ich wenig hilfreich zum Gespräch bei. “Danke Jace, du bist ja doch für etwas gut”,kam es von Lina. Scheinbar war sie so perplex, dass sie wohl keine Zeit hatte mich zu hassen.

      Vriska
      Ich gucke ernst zu Ju und erwarte ihn bei meiner Idee.
      “Ähm … Eigentlich soll man sich nach dem Fall auf jeden Fall wieder auf’s Pferden setzen aber einen Tag später mit Schmerzen, halte ich auch nicht unbedingt für die beste Idee”, kommentiert er, was die Anderen auch gesagt haben.
      “Zum Glück kann ich Entscheidungen selbst treffen. Außerdem kann ich auch wieder Absteigen, wenns nicht geht”, verteidige ich meine Idee. Niklas hält sich aus der Diskussion heraus und rutscht mit einer Hand weiter rein. Sein Griff ist fest und in mir wird es warm. Ehrlich gesagt fühlt es sich gut an. Er hat es mir schon angetan.
      “Ich dachte wir wären Freunde”, schnaube mich meine eigentliche beste Freundin an. Niklas zieht ruckartig seine Hand von meinem Oberschenkel.
      “Warte”, rufe ich ihr nach, doch sie ist schon weg. Natürlich versuche ich ihr nachzugehen, doch schon das aufstehen funktioniert nicht so richtig.
      “Merkste selbst, wah?”, merkt Ju an und geht Milena nach. Abfällige Blicke kommen zu mir und Niklas von ihm, bevor er meiner Freundin nach geht.

      Lina
      “Ihr seit doch alle gleich”, schrie ich Jace und Niklas an. “Ihr denkt alle nur an das eine!”. Auf einmal war es gespenstisch ruhig, denn alle Gespräche am Tisch waren verstummt. Alle starrten zu uns rüber. Ich überlegte kurz, ob ich aufhören sollte, doch ich entschieden mich dagegen. “Habt ihr noch nie was von Gefühlen gehört, Ihr Steinzeitmenschen”, damit war mein Vortrag beendet und ich stapfte wütend davon.

      Jace
      Wow, so wütend habe ich Lina noch nie erlebt. Naja ein Vorteil hatte es, es hatte mich in meinem Verdacht bestätigt, was genau ich falsch gemachte hatte.
      “Das ist genau der Grund, warum wir solche dämlichen Regeln nicht haben”, zischte ich Niklas noch zu, bevor ich aufsprang und mich auf die Suche nach Lina machte. Ich rannte, als erstes in die Sattelkammer um nachzusehen, ob sie sich schon wieder ein Pferd geschnappt hatte um zu verschwinden.
      Alle Sättel waren da, die Trensen auch. Ich drehte mich um zu den Spinden. Alle zu, doch… aus Lina Spind lugte etwas vor. Die Tür des Spindes, war nicht ganz geschlossen, sodass
      ich ihn öffnete. Ein zusammengeknülltes Stück Papier purzelte mir entgegen.

      Vriska
      “Jetzt drehst du auch noch durch”, schreie ich Lina nach. Doch sieh dreht sich nicht mal um. Für mich ist nun auch der richtige Moment zu gehen, als Niklas das merkt, hilft er mir wieder. Ich bedanke mich und schleppe mich zum Zimmer. In meiner Tasche suche ich nach meiner Notfallschachtel.
      “Tack gode Gud (Gott sei dank)”, spreche ich mit mir selbst. Ich nehme die Schachtel, stecke auch noch das Feuerzeug in die Hosentasche und gehe nach draußen. Hektisch suche ich nach einem Platz zum Rauchen. Das Gras ist trocken und ich möchte natürlich nicht den Hof anzünden. Auf einem Tisch auf einem gepflastert Stück erblicke ich einen Aschenbecher und mache mich auf den Weg.
      Befreiend brennt meine Lunge. Ich huste.
      “Vielleicht solltest du aufhören”, sagt Milena und setzt sich zu mir. Ohne zu fragen, nimmt sie sich ebenfalls eine und zündet sie an.
      “Jag är verkligen ledsen, Milena. (Es tut mir wirklich leid)”, entschuldige ich mich bei meiner Freundin.
      “Ach alles gut. Ich hatte nur schlechte Laune. Wir haben alle unsere Bedürfnisse.”, antwortet sie und pustet den Rauch in die Luft.
      “Aber …”, versuche ich mich heraus zu reden, oder möchte die Situation erklären. Doch sie hat mich gar nicht danach gefragt.
      “Nichts aber, ich bin auch nicht besser. Komm’ mit zur Reithalle. Ich will mit Snúra etwas trainieren. Du bist jetzt meine Trainerin”, sagt sie und lacht. Nachdem wir aufgeraucht haben, geht Milena in ihr Zimmer und ich gehe schon mal in den Stall. Wenig später kommt sie mit der Isländer Stute in den Stall.
      “Es ist echt Warm, hoffentlich ist es kühl in der Halle”, merkt sie an und beginnt die Stute zu putzen.

      Jace
      “Lina?”, fragte ich und klopfte an ihrer Zimmertür. “Verpiss dich Jace”, kam die Antwort. “Ich muss mit dir reden”, sagte ich und öffnete die Tür. Prompt flog mir ein Buch entgegen.”Jace, raus”, kam es nochmal von Lina. “Lina, hör mir zu”, ich trat in das Zimmer und schloss die Tür hinter mir. “Ich weiß, ich war blöd”, begann ich. Sie stand am geöffneten Fenster und sah nach draußen. “Ich hätte nichts mit Abigail anfangen sollen und schon gar nicht hätte ich sie abfüllen und dann alleine lassen sollen es tut mir leid”,sagte ich. Mit Tränen in den Augen drehte sie sich zu mir um. Wütend blickte sie mich an. “Jace, du bist sie ein verdammter Idiot”, fauchte sie mich an. “Und ein Feigling bist du auch”, schrie sie weiter und boxte mir vor die Brust. Sie warf mir weitere Dinge an den Kopf und boxte weiter auf mich ein. Ich stand einfach nur da und ließ sie machen. Nach einer Weile hörte sie auf und weinte nur noch. Ich nahm sie in den Arm. “Es ist ok. du bist verdammt süß wenn du wütend bist”, schrezte ich. Ich war mir nicht sicher ob sie weinte oder lachte. “Und du ein verdammt süßer Idiot”, nuschelte sie kurz darauf und löste sich von mir. Plötzlich kam mir eine Idee. “Lina, was hältst du davon, wenn wir noch mal von vorne Anfangen. Ein Neustart sozusagen. Wir vergessen alles und beginnen ganz von vorn”, erläuterte ich meine Idee. “Das klingt nach einer verdammt guten Idee, sagte sie und hatte ein breites Lächeln im Gesicht. Ich verließ den Raum und schloss die Tür hinter mir. Kurz atmete ich durch, bevor ich an die Tür klopfte. “Herein”, kam es kichernd von der anderen Seite. “Hallo, ich bin Jace”

      Vriska
      “Na dann los”, sagt Milena zu mir und zusammen liefen wir in die Halle. Also ich schleppe mich her dorthin.
      “Setz’ dich erst mal”, schlägt sie und reicht mir einen Stuhl. Ich bedanke mich und beobachte die Beiden zunächst.
      “Versuche Snúra auch beim Warmreiten mehr auf die Hinterhand zu bringen. Auch das Warmreiten hat einen Effekt”, rufe ich ihr zu. Milena bremst die Stute, richtet sie einige Schritte rückwärts und reitet wieder an.
      “Viel Besser”, schmunzel ist. Weiter konzentriert sie sich auf ihr Pferd.
      Unbeachtet nehme ich mein Handy aus der Hosentasche und scrolle durch die Instagram Timeline. Nur langweilige Beiträge, bis ich ein Bild von Folke und seiner Freundin Eorann sehe. Bisher wusste ich nicht, wie sie aussieht. Doch nun ein Bild. Misstrauisch betrachte ich das Bild. Gern würde ich es liken, aber Tyrell meinte, dass ich mein Handy in der Tasche lasse. Also scrolle ich weiter. Da tauscht er schon auf mit Nobel.
      “Ach Zuschauer”, ertönt es von Milena. Erschrocken drehe ich mich um. Niklas und Ju stehen am Eingang.
      “Wollt ihr euch nicht mal was anziehen?”, sage ich zu den Beiden. Im Kontrast zu zwei halbnackten Kerle und ich mit Hoodie und Kapuze auf dem Kopf.
      “Vielleicht solltest du dich lieber mal ausziehen”, antwortet Niklas.
      “Das geht dich gar nichts an”, schnaubt Milena ihn an.
      “Jetzt lass die Kerle und tölte Snúra an. Achte darauf, dass sie nicht direkt los sprintet. Sie muss erst versammelt sein und die Hinterhand aktivieren”, rufe ich ihr zu. Über ihren Sitz bremst sie die Stute ab und baut mit den Hilfen mehr Kontakt auf. Dann töltet sie los.

      Lina
      “Hallo, Jace ich bin Lina”, antwortete ich den jungen Mann der in meiner Tür nach. “Verstehst du was von Pferden, Jace”, fragte ich ihn. “Na, klar ich bin der beste Pferdeflüsterer der Welt”, sagte er mit stolz aufgerichteter Brust. “Na, dann komm mal mit und ich Zeig dir mein Problem”, sagte ich und schlüpfte kichernd an ihm vorbei. “Ey, warte auf mich”, rief Jace mir nach und das spornte mich nur an schneller zu laufen. “Du musst wohl schneller werden, du lahme Ente”, rief ich ihm zu und rannte die Treppe nach unten.

      Milena
      “Hallo, hier bin ich”, rufe ich meiner Freundin zu, die schon wieder mit ihrem Handy beschäftigt ist.
      “Sorry”, antwortet sie abgelenkt. Ich bremse mit Snúra vor ist.
      “Du musst mir nicht helfen, aber ich dachte das könnte mir helfen, nach dem ich gestern so elendig verkackt habe”, erzähle ich ihr.
      “Wie du hast verkackt?”, fragt sie.
      “Ach ja, du warst ja in der Klinik. Wir hatten eine Prüfungssituation. Ich war unkonzentriert, Snúra nervös und dann kam das eine zum anderen und ich hab abgebrochen.”, erläutere ich kurz.
      “Okay, mach’ mal noch ein wenig mit ihr, dann wechseln wir das Pferd”, schlägt Vriska vor.
      “Wie, wir wechseln das Pferd?”, frage ich verdutzt.
      “Ich lasse einen der Kerle Glymur fertig machen und sollen den her bringen. Dann kannst du den Champ mal nehmen.”, erzählt sie.
      “Wie einer der Kerle”, kommentiert Niklas.
      “Los hop, ihr habt gehört was zu tun ist. Macht das Pferd fertig”, kommandiert sie herum. Ohne noch was zu sagen, gehen Niklas und Ju.
      “Na hoffentlich wird das was”, sage ich zu Vriska und lache. Mit Snúra tölte ich an.

      Jace
      Am Ende der Treppe hatte ich sie eingeholt. “Hab ich dich”, rief ich triumphierend und hielt sie fest. “Tja, du bist wohl doch keine lahme Ente”, kam eine freche Antwort. “Wo geht's hin?”, fragte ich neugierig. “MMM… du hast doch bestimmt vom HMJ gehört, oder?”, fragend sah sie mich an. “Naja, eins dieser Pferde steht hier auf dem Hof und ist zufälligerweise mein Schützling. Auf dem Weg dahin erzählte sie mir was sie mit Ivi die letzten Tage gemacht hatte. Bei dem Hengst angekommen, halfterte Lina ihn und dann ging es zurück zum Putzplatz. Friedfertig und brav trottete der Freiberger uns hinterher.

      Niklas
      “Oh Hallo, Wer seid ihr und was habt ihr mit Lina und Jace gemacht?”, scherze ich und binde Glymur an. Ju hat schon eine bürste geholt und putzt den Hengst.
      “So ein Pony ist schon seltsam”, kommentiert er.
      “Da hast du vollkommen recht.”, stimme ich ihm zu. Hektisch guckt uns der blauäugige an. Um nochmal zu prüfen, ob der Hengst wirklich geritten kann, überprüfe ich die Beine und die Reaktion der Muskulatur. Es scheint wirklich alles gut zu sein, doch als Ju den Sattel holt, springt er panisch Beiseite.
      “Ich glaube, dass wird nichts”, sagt er dazu.
      “Jetzt stell’ dich nicht so an, als würdest du Pferde überhaupt nicht kennen”, fauche ich ihn an und nehme ihm den Sattel ab. Vorsichtig gehe auf Glymur zu und streiche ihm mit einer Hand über den Kopf. Neugierig beschnuppert er den Sattel. Langsam nähere ich mich dem Rücken. Diesmal streiche ich ihm mit der Hand über den Rücke und lege meinen Arm ab. Zufrieden schnaubt er ab und lässt mich den Sattel ablegen. Bevor ich weiter mache, nehme ich den Sattel erneut ab und beginne von vorn, etwas schneller. Glymur ist vollkommen entspannt auch das schließen des Gurtes stellt kein Problem dar.
      “Jetzt doch mal die Trense”, weise ich Ju zusammen. Widerwillig geht er in die Sattelkammer und kommt zurück mit der Trense.
      “Tack”, sage ich und lege dem Hengst diese an. Zusammen gehen wir zurück zur Reithalle.
      “Dein Pferd hat ein Problem”, sage ich zu Vriska, die schon wieder am Handy ist. Ungezügelt nehme ich es ihr weg.
      “Ey”, beschwert sie sich.
      “Dein Pferd hat ein Problem”, wiederhole ich.
      “Was ist denn mit dem?”, fragt sie.
      “Er hatte Angst vor dem Sattel, aber ich hab’s jetzt erstmal regeln können.”, erkläre ich ihr. Milena ist noch mit Snúra beschäftigt, also beschließe ich Kurzerhand die Steigbügel auf meine Länge einzustellen und mich auf das Pony zu setzen.

      Lina
      Während Jace den weißen Hengst putzte, widmete ich mich seiner Mähne. Unter der dicken langen Mähne tendierte er bei diesem Wetter immer zu schwitzen. “So, Jace jetzt will ich dir mal unser Problem zeigen”, sagte ich und führte Ivi zur Aufstiegshilfe. Jace hielt mir freundlicherweise gegen, sodass ich aufsteigen konnte. “Hier draußen läuft er wunderbar”, sagte ich und drückte dem Hengst meine Schenkel gegen die Flanken. Ich ritt ihn bis zu Halle. “Tür frei bitte”, rief ich und bekam gleich ein “Ist Frei “, als Antwort. Ich durchschritt das Tor mit Divine. “Und hier drinnen, passiert das”, sagte ich. Brav ging Divine genau eine Runde außen rum, bevor er wie von Zauberhand auf der Mittellinie einparkte. “Und genau das passiert, jede einzelne Runde”, sagte ich resigniert. Aufmerksam beobachtete Divine die anderen Pferde und der Halle. Als Niklas mit den Isländer Hengst relativ nah an uns vorbei ritt, lief er von alleine los und lief perfekt neben Glymur her. “Ja, und da wären wir auch schon bei dem zweiten Problem”.

      Vriska
      Schon waren wir zu dritt in der Halle. Noch immer kann ich nicht fassen, dass er sich auf mein Pferd gesetzt hat, doch begreife warum er das tut. Sein Umgang mit den Tieren ist großartig und auch Milena bewundert ihn gerade dafür. Sie hat sich mit Snúra in die Mitte gestellt, da sie noch sehr unsicher mit zwei Hengsten in der Halle. Milena steigt ab und wartet, bis Nik das Pferd frei gibt. Mein erster Gedanke ist der Stallburschen Kalender, der bei in Schweden im Aufenthaltsraum hängt.
      “Nimm’ ihn nicht so eng. Der braucht seinen Freiraum”, rufe ich ihm zu. Natürlich diskutiert er nicht mal sondern wendet das gesagt an.

      Jace
      Divine zog sein üblichen Verhalten ab. “Niklas könntest du zu Demonstrationszwecken bitte mal ein paar Bahnfiguren reiten?”, bat ich den jungen Mann auf Glymur. Lina ließ demonstrativ die Zügel von Divine lang. Wie immer, blieb der weiße Hengst in perfektem Tempo neben dem anderen Pferd egal in welche Richtung es ging. Zirkel, Schlangenlinien, Handwechsel alles kein Problem. “So, hat einer von euch vielleicht eine Lösung dafür?”, fragte Lina. “Wir haben schon alles Mögliche versucht. Alleine in der Halle parkt er nach einer Runde und bewegt sich dann keinen Meter mehr. Ist ein anderes Pferd dabei klebt er an ihm und macht einen auf perfektes Quadrille Pferd, das ist zwar manchmal ganz cool, aber sehr unpraktisch, wenn man zukünftig Turniere reiten möchte”, ergänzte ich.

      Niklas
      “Dein Pferd hat Trennungsängste aus der Fohlenzeit”, sage ich kurz angebunden zu Lina, die neben mir her reitet. “Wenn du das wegbekommen willst, bleibt dir nur Bodenarbeit. Viel Bodenarbeit. Du musst mit sein Kopf umprogrammieren, aber nicht dass er sich dann auf dich fokussiert sondern auf die Arbeit. Also jedes mal, wenn er neben einem anderen Pferd ist, wendest du ab und trabst an. Nicht vorher, nicht danach, sondern genau daneben. Das Ziel ist, ihn positiv zu verstärken. Am besten verbindest du es mit Clickern.”, erkläre ich ihr trocken. Lina sagt nichts und hört gespannt zu. Also erkläre ich weiter: “Am besten übt ihr auf dem Platz. Eine Freundin stellt sich mit einem Pferd an den Rand. Erst am Boden, dann auch vom Sattel aus. Dann sollte das was werden. Aber überfordere ihn nicht, bestrafe ihn nicht. Das ist sein Fluchtinstinkt.”

      Lina
      “Klingt als würde das eine Menge Arbeit werden”, kommentierte ich Niklas Tipp. “Na, dann werden wir wohl mal üben gehen”, sagte ich und lenkte den Freiberger auf die Mittellinie. Irgendwie sahen Niklas und Glymur ziemlich gut zusammen aus. Ich war so abgelenkt, da ich vergaß abzusteigen. “Sieht der auf jedem Pferd so gut aus”, wollte ich eigentlich denken, doch scheinbar hatte ich es laut ausgesprochen. Denn von Milena und Vriska, bekam ich ein lautes Ja, als Antwort. Egal wie blöd ich ihm am Anfang fand, Ahnung von Pferden und vom reiten hatte er definitiv. “Lina, bis du da festgewachsen oder kommst du jetzt mal”, riss mich Jace aus meiner Faszination. “Noch nie nen Kerl auf nem Pferd gesehen oder was?”, kam es feixend von Ju.

      Darya
      In der Luft schwebte eine unangenehme Stille, alle waren entweder wütend oder entschuldigend weggerannt und nun saß ich hier etwas allein in der Runde und entschied mich wieder zu Mika und Ambrose zu gesellen. Emilia war mittlerweile dazugestoßen und saß provokant auf Ambrose‘ Schoß, der ihre Schenkel eng umfasste - wie schön dünn ihre Beine waren dachte ich und verglich sie mit meinen Kloppern und starrte sie dabei an, was sie natürlich merkte. „Ist was?“, fragte sie etwas verunsichert. „Nein nein alles gut, ich war grad bloß in Gedanken versunken, tut mir leid.“, gab ich beschämt zurück. Mika, der mich aus meiner unangenehmen Situation befreien wollte, zog mich auf seinen Schoß, er war immer noch nass, aber bei der Hitze war es ganz angenehm. „Jo wo sind denn eigentlich alle hin?“, fragte Ambrose, der anscheinend mal wieder nichts gecheckt hatte. Mika und ich lachten gemeinsam und schüttelten herablassend die Köpfe. „Wollen wir vielleicht mal in der Reithalle nachsehen?“, schlug ich nun vor. Emilia waren Gruppenangelegenheiten immer sehr zuwider, weshalb sie sich ins Zimmer verabschiedete, Ambrose schien einen Moment lang zu überlegen, ob er ihr folgen sollte, aber entschied sich dagegen und schloss sich uns an.
      In der Reithalle schien Hochbetrieb zu sein und Jace und Lina standen plötzlich mit Divine da, so konnte ich den schönen Hengst auch mal sehen, dachte ich. „Noch mehr Zuschauer.“, sagte Vriska, aber ich konnte nicht sagen, ob sie Genervt war, oder es ihr egal war. Ich fühlte mich etwas fehl am Platz und gab hektisch zurück, „Oh wir können auch wieder gehen, wir wollten nur gucken, wo …“. „Ach Püppchen entspannt dich mal, klar könnt ihr zugucken.“, unterbrach Niklas der da so oben ohne auf dem Pferd saß, er gab eine gute Figur mit dem Isländer ab, also nur reittechnisch natürlich.

      Lina
      Als nun noch mehr Leute die Halle betraten, stieg ich dann doch mal von meinem Pferd ab. “Wenn dir hier zu viel los ist, kannst du gerne mit mir kommen. Ich geh mit dem hübschen hier jetzt auf den Platz”, verkündete ich und stiefelte aus der Halle. Am liebsten wäre ich ja da geblieben und hätte Niklas weiter beim Reiten zu geschaut, doch jetzt forderte Divine erst mal meine Aufmerksamkeit. Vor dem Stall nahm ich Sattel und Trense ab und ließ Divine einfach so da stehen. Der würde eh nicht weggelaufen. In der Sattelkammer tauschte ich das Reitzeug gegen, ein Knotenhalfter und warte auf Jace, der ein weiters Pferd holen wollte.
      Kurz darauf kam Jace mit Rumkugel zurück und wir gingen zum Reitplatz.

      Alle am Hof kämpften mit den heißen Temperaturen, doch mittlerweile ist die Sonne untergangen. Eine romantische Stimmung liegt in der Luft. Bevor es zu Pferd geht, gibt es Abendessen. Spontan haben die Trainer beschlossen den Grill anzuheizen.

      Vriska
      „Heute Abend steht was besonderes an. Hoffentlich hat jeder von euch einen Partner gewählt, denn das Partnertraining steht an. Das besondere ist, dass ihr die Pferde tauscht. Es werden immer drei Paare gleichzeitig auf dem Platz im Flutlicht reiten. Doch bevor wir anfangen, könnt ihr euch stärken. Da es heute
      bestimmt etwas länger wird, ist morgen frei. Außerdem sollen die Temperaturen auf 32 Grad ansteigen. Und nun: Guten Appetit!“, sagt Herr Holm an. Unmotiviert betrachte ich den Grill. Nur Fleisch steht zur Auswahl, im Kartoffelsalat ist Ei und im Nudelsalat Mayonnaise. Ich wähle somit nur eine kleine Auswahl von Gurken und Mais. Spannend. Bei der Wahl meines Platzes ist die Auswahl genauso groß wie vom Essen. Entweder ich setze mich zu Max und Hannes, oder neben Niklas, der gerade mit Anna rum macht. Doch lieber das Pärchen als Max. Unauffällig setze ich mich an den Tisch und fange an die Gurken in meinen Mund.
      „Da passt sicher noch mehr herein“, kommentiert Niklas. Offenbar hat er mich doch bemerkt. Anna ignoriert mich.

      Lina
      Um mich etwas abzukühlen, war ich nach dem Training mit Divine erst mal Duschen gegangen. Somit kam ich jetzt beim Abendessen mit noch tropfenden Haaren an, was aber eigentlich angenehm kühl war. Mit meinem voll beladenen Teller machte ich mich dann auf die Suche nach einem Sitzplatz. Schließlich entdeckte ich Hannes, der zusammen mit Jace und ein paar anderen an einem großen Tisch saß. “Hey Jungs ist bei euch noch ein Plätzchen frei?”, fragte ich, bevor ich mich auf einen freien Stuhl setzte. “Na, eigentlich war das ja mein Platz”, beschwerte sich einer der Jungs. “Sei ein Gentleman Chris und hol dir einen neuen Stuhl”, bekam er sogleich von den anderen zu hören.

      Ambrose
      Mittlerweile hatten wir uns alle beim Abendbrot versammelt und ich hatte für unsere Dreier Clique ein lausches Plätzchen zwischen den anderen gefunden. „Jo Männers, wir haben noch keine Partner, lässt dich da ne entspannte Lösung finden.“, fragte ich in die Runde und sofort meldete sich Anna, die Niklas einen Todesblick schenkte und mich dann anschließend charmant anlächelte und sagte „Ich mach mit dir, mein Pferd ist glaube ich nicht so entspannt wie deins, das wird interessant.“. Na super Beziehungsstress, da ist ja so gar nicht meins. Anschließend fragte Ju, ob Dasha mit ihm ein Team bilden wollte, wobei sich Mika sofort dafür einsetzte, dass er zeitgleich mit den beiden auf dem Platz sein wollte. „Alles gut, sie gehört zu dir, aber ich dachte sie würde gern mal Amnesia reiten.“, besänftigte Ju ihn entspannt. Er schenkte ihm ein ehrliches Lächeln. „Und mit wem mach ich jetzt?“, fragte Mika nun gekünstelt beleidigt. Gerade in diesem Moment lief Samu mit Jayden an uns vorbei und wendete sich uns zu. „Wenn du magst, machen wir. Briar soll auch mal neue Reiter kennenlernen.“, schlug er freundlich vor, sodass Mika nur zustimmen konnte und mit ihm einschlug. Jetzt wo alles geklärt war verschlang ich gierig das geile Gegrillte Zeugs, also das Essen in Kanada lässt nichts zu wünschen übrig.

      Vriska
      Mein Teller ist leer, alles was Essen könnte an der Auswahl ebenfalls. Besorgt kommt Frau Wallin zu mir und sagt: “Du hast doch nicht wirklich vor heute mit zu reiten.”
      “Doch, wenn’s nichts wird, steige ich halt ab”, antworte ich gelassen.
      “Bitte sei vorsichtig”, antwortet sie. Natürlich überdenke ich direkt, wer ihr das gesagt haben könnte, da bleibt Ju nur übrig. Irgendwie versucht er immer die Welt zu verbessern, aber das wird nichts. Das Ziel ist zu groß.
      “Also, die ersten drei Paare können ihre Pferde fertig machen.”, sagt Herr Holm.
      “Hier”, ruft Niklas direkt und guckt zu mir. Ich nicke ihm zustimmend zu.

      Lina
      Als die Trainer verkündeten, dass die ersten sich fertig machen können, begann ich mich nach meiner Partnerin umsehen. Es dauerte nicht lange und ich fand sie zusammen mit Vriska und Niklas ein paar Tische weiter. “Hey Milena, gehen wir auch mit?”, rief ich ihr zu.
      “Ja, können wir gern machen”, antwortet sie. “Wir gehen auch mit”, teilte ich den Trainern mit. “Na, dann zeige ich dir mal dein Pferdchen für heute, ich hoffe, du bist Bereit für eine Herausforderung”, sagte ich und ging zusammen mit Milena in Richtung Hauptstall. Ich hatte die Stute schon vorhin von der Koppel geholt. Kaum betraten wir den Stall, kam auch schon ein Kopf über die Boxentür. “Ah, da ist sie ja auch schon”, sagte ich und deute auf ihre Box. “Das ist Miss Griselda Braun. Entschuldige ihr misstrauische Art, sie war mal ein Tierschutzfall”, erklärte ich. Wie immer schaute Griselda mir angelegten Ohren aus ihrer Box und guckte vor allem Melina sehr böse an.

      Milena
      “Es ist jetzt nicht dein Ernst?”, frage ich Lina geschockt, die mir offenbar einen Teufel geben will. Sie lacht. “Bitte, bitte nicht. Die kommt sicher nicht mal raus aus der Box”, flehe ich. Sie verneint und drückt mir das Halfter der gescheckten Stute in die Hand. Also eine Herausforderung. Na gut. Langsam gehe ich zur ihr, misstrauisch schnappt sie nach mehr.
      “Jetzt mal ganz ehrlich. Warum machen wir direkt jetzt das Training, in zwei Stunden hätte ich sie bestimmt aus der Box draußen.”, sage ich verärgert zu Lina, die sich ziemlich schlapp lacht. Warum ist Vriska nicht an meiner Stelle? Die konnte durch Bruce so viel über Problempferde lernen. Ich hingegen hatte immer die tollen Reitschulpferden. Aber Angst und mein Fluchtgedanke hilft der Stute auch nicht. Selbstsicherheit ist der Plan. Ich laufe im Stall auf und wieder ab. Dann atme ich tief durch ich kralle mir ein Leckerli aus der Hosentasche und halte es ihr hin. Die Ohren von bewegen sich minimal nach vorn und ich weiß, dass auf dem richtigen Weg bin. Während sie abgelenkt das Genussmittel genießt, lege ich ihr vorsichtig das Halfter um. Lina öffnet mir die Box und die Stute stürmt heraus. “Ruhig”, sage ich zu Ihr. Als würde sie sich Gedanken macht, bleibt sie stehen und ich kann sie anbinden.
      “Siehste, ist gar nicht so schwer”, scherze ich und Lina beobachtet uns gespannt.

      Lina
      Etwas belustigt schaute ich Milena dabei zu wie sie Grisi aus der Box holte. “Du weißt aber schon ,dass das ein Pferd ist und kein Löwe?”, fragte ich leicht ironisch. Ich brachte ihr Griselda Putzbox und stricht der Scheckstute sanft über den Hals und begann sie zu kraulen. “Siehst du sie kann ganz freundlich sein”, sagte ich während die Stute begann den Hals langzumachen. “Wen darf ich eigentlich heute reiten?”, fragte ich die junge Frau die sich gerade mit Striegel und Kardätsche bewaffnete.

      Ambrose
      Bei der Frage, wer in der ersten Trainingsgruppe sein wollte, lehnte ich mich entspannt zurück und versuchte mich etwas zu entspannen, bis Anna sich hektisch meldete und fast schon kreischte “Ambrose und ich machen auch noch mit!”. Genervt verdrehte ich meine Augen und hievte mich aus dem Stuhl hoch und versuchte Anna auf dem Weg zum Stall einzuholen. Das wird ja ein Spaß mit Anna, die die ganze Zeit abgelenkt ist und nur kontrollieren will, was Niklas macht. Deshalb beschloss ich sie vorerst zu ignorieren und mich ausschließlich mit Oline zu beschäftigen und trat gelassen an ihre Box. “Na Olli, hast du die Reise gut überstanden?”, fragte ich die hübsche Falbstute, die ihren Kopf rausstreckte, um mich zu begrüßen. Soweit sah sie ganz fit aus und ich denke ein bisschen Bewegung könnte ihr guttun. Schnell griff ich das Halfter heben der Box und holte sie anschließend raus, um sie dann anzubinden. “Ganz schön fett geworden, Dicki.”, neckte ich meine Stute und strich ihr über den ziemlich runden Bauch, während sie mich mit einem argwöhnischen Blick bedachte. Während ich Olli putze, führte Anna ihre Stute vorbei, die ich noch gar nicht gesehen hatte - hochgewachsen, dressurbetont, samtiges braun und glänzte wie verrückt, natürlich war auch die Mähne eingeflochten. Meine Fresse müssen die Eltern reich sein, so wie das Pferd und sein Zubehör aussah. Die beiden kamen neben mir zum Halten, sodass Anna ihre Stute anbinden konnte und sie mir anschließend vorstellte, “So das hier ist meine Lubumbashi oder einfach Lubi, schwedisches Warmblut und ebenfalls Dressur geritten.”. Kurz ließ ich von Oline ab und begrüßte die außerordentlich hübsche Stute. “Das da...”, ich deutete auf mein Dickerchen, “...ist Oline oder einfach Olli oder Dicki, dänisches Warmblut und auch dressurbetont.”, stellte ich die beiden nun auch miteinander vor und Anna tätschelte sofort ihren Kopf. Gemeinsam bereiteten wir die Pferde vor und ich musste schlucken, als Anna mit ihrem Kram ankam: Glitzer, alles personalisiert und, wie sollte es auch anders sein, teuer. Etwas verlegen schaute ich auf mein einfaches Zeug, welches teilweise noch von meinem Wallach Piko stammte.

      Jace
      Während die ersten zu ihren Pferden verschwanden, saß ich noch zusammen mit den anderen gemütlich beim Essen. “Sagt mal Jungs, wie seit ihr eigentlich so zu euren Pferden gekommen?”, fragte ich neugierig in die Runde.

      Milena
      “Lach’ nicht so doof”, sage ich zu Lina, die immer noch einfach nur da stand. Gekonnt greife ich nach einer Bürste, um Grisi zu putzen, die natürlich in die Bürste beisst. Ich gehe einen Schritt zurück und lasse sie die Bürste betrachten, die Grisi neugierig inspiziert. Dann darf ich sie weiter putzen. So mache ich weiter, bis es zum satteln geht. Lina hat mir bereits alles gebracht.

      Vriska
      “Du bist mir auf vielen Ebenen heute klar im Vorteil”, sage ich zu Niklas, als wir die Pferde putzen.
      “Warum?”, fragt er dümmlich mit einem dreckigen Grinsen.
      “Ich bin teilzeit behindert und auf meinem Pferd hast du auch schon gesessen”, erkläre ich ihm. Über meine Wortwahl muss er lachen und stimmt mir zu. Mein Satteln muss Niklas mir helfen, nicht nur, weil ich so klein bin sondern auch meine Arme nicht helfen kann.
      Am Platz angekommen, sind wir die ersten. Frau Wallin ist mittlerweile auch dabei und beachtet kritisch, als Niklas mir auf’s Pferd hilft. Ich spüre einen Schmerz, doch als ich sitze, ist wieder alles gut. Ungewöhnlich zuhause fühle ich mich auf dem Rücken von Smoothie. Auch er hat sich schon auf meinen Hengst gesetzt und zusammen reiten wir die Pferde warm.

      Mika
      Als die anderen eine ganze Weile verschwunden waren, entschieden Dasha und ich, dass wir unserem Zimmer mal einen Besuch abstatten, unsere Sachen auspacken und vielleicht auch noch eine Runde schliefen. Da Dasha keine Anstalten machte aufzustehen, beschloss ich kurzer Hand sie einfach über meine Schulter zu werden und sie eben so ins Zimmer zu bringen. “Wollen wir nicht mal nach den Pferden sehen?”, fragte sie etwas beunruhigt, da sie sich wie immer Sorgen um ihren ‘geliebten Schatz’ machte. “Ach quatsch, wir befinden uns hier auf einem äußerst renommierten Hof, auf dem die Pferde gefühlt 24/7 verwöhnt werden.”, wehrte ich den Vorschlag freundlich ab und setzte sie vor den Treppen zu den Zimmern ab.

      Ambrose
      Kurz nachdem Niklas und Vriska sich zum Reitplatz begaben, waren auch wir fertig mit dem Vorbereiten der Pferde, zumindest dachte ich das, bis Anna aus der Sattelkammer mit Bandagen zurückkam und mühsam begann sie Lubi anzulegen. “Du weißt schon, dass die Teile nichts bringen oder? Mit einer Bandagierunterlage vielleicht noch ein bisschen Schutz, aber ansonsten unterbrichst du so eher die Blutzufuhr.”, belehrte ich sie etwas verwundert darüber, dass sie wirklich mit vollem Ernst die Teile da ranklatschen wollte. “Okay.”, gab sie leise, aber auch etwas genervt zurück und feuerte die weißen Stoffteile in die Ecke und ergänzte schließlich noch “aber sie neigt dazu sich vorne in die Fesselbeugen zu treten.”. Etwas belustigt verschwand ich in der Sattelkammer und kam mit einem Paar Hufglocken zurück, “Hier versuchs mal damit, ich schau mir das im Training gleich mal an.” Anna bedankte sich und legte die Teile an, sodass wir endlich auch zum Reitplatz gehen konnten.
      Gentleman wie ich bin, bat ich ihr an sie aufs Pferd zu setzen oder ihr zumindest zu helfen, eigentlich wollte sie bereits abwehren, doch als sie Niklas und Vriska zusammen reiten sah, griff sie nach meinen Händen und packte sie auf ihre Hüfte und zählte von drei runter. Sie machte ein gutes Bild auf Oline, die noch gar nicht zu merken schien, dass dort oben jemand anderes saß. Mit der Aufsteigshilfe schwang ich mich nun auch auf Lubis Rücken, die doch größer, aber vor allem schlanker als Olli war.

      Lina
      Nachdem Milena es geschafft hatte Grisi fertig zu machen, ohne gefressen zu werden und ich auch noch schnell Kempa fertig gemacht hatte, trudelt auch wir endlich auf dem Reitplatz ein. “Warte, ich halte dir gegen”, sagte ich zu Melina die der Scheckstute einen nervösen Blick zu warf. “Keine Sorge, du kannst das. Ich habe die gesehen wie du mit deinen beiden Umgehst, ich stell dir doch kein Pferd hin, was du nicht reiten kannst. Im Grunde ist Grisi sehr fein geritten, doch sie kann manchmal echt stur sein. Du darfst ihr nur nicht zuviel Druck machen”, erklärte ich Ihr. Auch wenn Grisela ein wenig schwierig sein konnte, im Grunde genommen ist sie ein kluges Pferd. Melina stieg auf die Aufsteighilfe und kletterte auf die Stute.
      Vriska
      Natürlich hatte ich mitbekommen, wie Anna zu uns geguckt hat und versuchte Niklas eifersüchtig zu machen mit Ambrose. Doch er hatte das gar nicht gesehen und war auf Vollkommen auf Glymur konzentriert. Lina und Milena sind auch am Platz angekommen. Wirklich gut gelaunt scheint das Pferd, welches sie bekommen hat, nicht zu sein.
      Im Schritt reite ich zum Ambrose, der gerade mit Lubi unterwegs ist. “Du Ambrose.”, spreche ich ihn an. “Mh?”, antwortet er entspannt. “Ich brauch’ was. Du weißt was ich mein”, erkläre ich ihm. “Alles klar, machen wir nachher”, kommt von ihm und er wendet die Stute ab.
      “Vriska, versuch’ dich mehr in den Sattel zu setzen, wenn es geht”, sagt Herr Holm zu mir. Dann halte ich Smoothie an und er kommt zu mir. Er richtet meine Beine hin. Irgendwie es anders als auf den Isländern. Vermutlich sitze ich für die richtigen englischen Reiter wie der letzte Kartoffelsack auf dem Pferd.
      “Niklas, setze dich weiter nach hinten in den Sattel. Der Schwerpunkt bei einem Islandpferd ist etwas weiter hinten im Sattel. Deswegen sattelst du etwas weiter hinten.”, erklärt Frau Wallin ihm. Direkt setzt er sich anders hinten ohne zu diskutieren. Das bewundere ich an ihm, einerseits ist er immer in Abwehrhaltung, doch sobald er auf dem Pferd sitzt, scheint es diesen Niklas nicht mehr zu geben.
      “Konzentriere dich auf Smooth und nicht auf dein Pferd. Niklas macht den nicht kaputt”, ruft Herr Holm mir zu.

      Lina
      Auch ich war inzwischen aufgestiegen. Kempa machte keinerlei Probleme. Mit der größe der Isländerstute hatte ich keinerlei Probleme, einzig die Gangart war ein wenig seltsam. Typisch kurze Ponyschritte, aber irgendwie auch nicht. “Melina, lass den Zügel länger, dann rennt Grisi auch nicht so”, rief ich dem Mädchen auf der Scheckstute zu. Sogleich befolgte sie meine Anweisung und schon wurde Grisi und auch ihre Ohren lagen gleich nicht mehr ganz so fest an ihrem Kopf. Ich trieb Kempa ein wenig an damit sie ein wenig fleißiger Vorwärts ging.
      “Lina, auch wenn wir gerade die Pferde warmreiten, sollte Kempa und auch du ordentlich arbeiten. Gib’ ihr etwas mehr Zügel, Schultern zusammendrücken, und Hände weiter nach Oben. Und du schiebst keinen Kinderwagen, sondern sitzt auf dem Pferd. *Pause* Achte auch auf deine Beine. Deine Haken sind zu weit unten, versuch deine Fußsohle locker nach außen zu lehnen. Dann sind sie automatisch richtig.”, kommentiert Frau Wallin und läuft neben mir her. Sogleich versuchte ich die Kritik der Trainerin anzuwenden. Wow, jetzt erst merkte ich wie lange ich keine richtige Reitstunde hatte. Wenn wir hier auf dem Hof Stunde hatten, wärmten wir in der Regel alleine auf. Und gerade ich ließ es da häufig erst mal gemütlich angehen. Das hier war definitiv eine andere Nummer. “Schon besser”, kam es von der Trainerin als Kommentar.

      Ambrose
      Während ich bemüht war Lubi anständig warm zu reiten, ließ Anna Oline nur so vor sich hin stolpern - kein Wunder, dass ihr Riesengaul sich in die Fesselbeugen tritt. Durch die paar extra Zentimeter war ihr Schritt aber deutlich bequemer als der von Olli, obwohl ich doch zu tun hatte mich selbst beisammen zu halten, um auch ordentlich die Hilfen geben zu können.
      “Ambrose, Lubi bewegt sich in Zeitlupe. Treibe sie mehr vorwärts, verlagere dein Gewicht mehr nach hinten. Sie stolpert die ganze Zeit, weil du ihr kaum Raum gibst sich zu strecken und fällt dadurch auf die Vorderhand.”, kommentiert Herr Holm. Vielleicht war ich doch generell etwas zu entspannt, weshalb ich mich aufrichtete und sofort die Anweisungen von Herrn Holm umsetzte und die Stute vorwärts trieb und tatsächlich suchte sie nun den Weg nach unten und in die Länge. “Hui warum ist die denn so schnell im Schritt?”, rutsche es mir dann heraus, was den Anderen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Tatsächlich war ich mehr besorgt um mein eigenes Pferdchen und schaute deshalb oft zu Anna, die irgendwie abwesend schien. “Anna, so bezaubert du auf dem Pferd aussiehst, musst du Olli nicht dermaßen versammeln. Außerdem muss dein Blick durch die Ohren gehen und nicht auf deine Hände. Du solltest spüren, was die machen, ansonsten wäre ein Besuch beim Arzt angebracht. Komm’ dann bei A mal auf den Zirkel, wir müssen an deinem Sitz arbeiten”, ruft Herr Holm Anna zu, die nicht mal guckt oder überhaupt so wirkt als würde sie zuhören. Natürlich habe ich damit recht. Sie erreicht A und reitet einfach weiter. “Hallo, hörst du mir zu? Wenn du nicht mal schaffst die einfachsten Anweisungen zu begreifen, steig’ ab und geh’”, kommt nun von ihm empört.

      Milena
      Stolz reite ich mit Grisi über den Platz, die hektisch zu jedem Pferd gibt. Sogar nach Smoothie schnappt sie, aber Vriska ignoriert es gekonnt. “Milena. Du musst nicht jeden Schritt vom Pferd treiben. Das ist eine super schlechte Angewohnheit von dir. Setz’ dich still hin und arbeite mit dem Gewicht, nicht mit dem Haken im Pferdebauch”, sagt Frau Wallin zu mir, die merkt, dass ich etwas überfordert mit der Scheckstute. Gern würde ich mit meinen Beinen aufhören doch jedes mal, wenn ich mich nicht darauf konzentriere, beginne ich wieder. Doch Grisi erinnert mich jedes mal daran, dass sie es blöd findet. Wenn ich anfange dreht sie sich hektisch zu mir und schlägt mit dem Schweif. Also lege ich mein Augenmerk auf die Beine. Ich erwische mich dabei, auf die Beine zu gucken, statt zu Grisi zu gucken. Im Schritt binde ich einige Bahnfiguren ein, damit ihr nicht langweilig wird.

      Lina
      “So, eure Pferde sollten jetzt warm sein, nehmt den Trab dazu. Bei den Isländer dürft ihr auch tölten wenn es euch einfacher fällt”, sagte Herr Holm. Tölte, äh ja richitg ich saß ja auf einem Isländer. Doch wie sollte das denn bloß funktionieren? Am besten versuche ich es erstmal die Stute in den Trab zu bekommen. Ich setzte mich also ein wenig tiefer in den Sattel und nahm den Zügel minimal nach, bevor ich der Stute die Hilfen für den Tab gab. Doch die kleine Palominostute machte mir einen Strich durch die Richtung. Kempa hob den Kopf nach oben und töltete los. Auch wenn das Tölt war, war ich mir ziemlich sicher, dass sich das so nicht anfühlen sollte. “Ähhh, kann mir mal jemand erklären wie das funktioniert mit dem Tölt?”, fragte ich während ich die Stute wieder in den Schritt brachte. Da wandte sich Frau Wallin an mich: “Also, so schwer ist das nicht. Setz dich in Vollsitz, also tief im Sattel, Arme locker, Schenkel nach innen. Nun musst du mehr Spannung bekommen, dann reagiert auch Kempa. Verkürze langsam und sanft die Zügel, verlagere das Gewicht mehr nach hinte, damit der Motor startet. Mit einigen halben Paraden vermittelst du ihr, dass gleich was kommt. Mit dem Unterschenkel drückst du leicht, um sie vorwärts zu bekommen. Nun müsste sie im Tölt sein und du musst die Spannung halten, mit leichten Paraden ihre Haltung aufrecht behalten. Wenn du die Spannung verlierst, dann stellt sie in den Trab um, da Kempa kein Naturtölter ist und viele Hilfen benötigt.” Mit der Hilfe von Frau Wallin, hatte ich es tatsächlich geschafft, die Stute in den Tölt zu bekommen. Doch nach einer halben Runde, musste ich sie in den Trab umstellen. Der Tölt der Stute war verdammt bequem. “Wow, jetzt verstehe ich warum alle Isis wollen”, murmelte ich ein wenig erstaunt vor mich hin. Ich trabte die Stute ein paar Runden, bevor ich es erneut versuchte anzutölten. Dieses Mal schaffte ich es auch schon den Tölt länger zu halten. Es macht richtig Spaß mit der Stute zu rumzudüsen.

      Niklas
      Ich hatte Glymur bisher nur getrabt, weil ich nicht wirklich Interesse hatte Gangsalat unter mir zu haben. Umso besser konnte ich mit ihm Traben. Auch wenn die Schritte ziemlich kurz waren, erschien mit der Schwung so viel größer als bei Smoothie. Dann bemerkte ich, dass Vriska als einzige im Schritt ist. Also bremste ich ihren Hengst ab und reite auf dem zweiten Hufschlag neben ihr her. “Du musst nicht schneller, wenn du nicht willst”, versuchte ich sie aufzumuntern. Ihr Gesicht sah aus, als wäre nicht ansatzweise alles gut.
      “Passt schon”, antwortet sie kurz gebunden. Beim erreichen des Hufschlags, trabe ich Glymur wieder an.

      Vriska
      Emotionen und Gefühle verstecken liegt mir nur bedingt. Traben wollte ich nicht. Schon bei dem Gedanken daran, schüttelt sich mein Körper. Dann viel mir etwas interessantes ein. Smoothie ist ein Standardbred, ein edler Standardbred. Deswegen kann es sein, dass sie tölten kann. In mir fasst sich neuer Mut, also bereite ich sie vor, wie jedes Jungpferd, dass ich bisher unter dem Sattel hat. Anfangs beginne ich erste Temposchübe aus dem Halt und eine höheren Haltungen. Dann baue ich Spannung auf und Smoothie töltet einige Schritte. Mein Gesicht strahlt vor Freude. “Wow”, sagt Frau Wallin und auch Herr Holm ist überrascht.
      “Bitte was?”, fragt Niklas schockiert, der gerade nicht begreifen kann, was seine Stute da gemacht hat. “Nochmal”, fordert er direkt. Also versammle ich sie erneut, baue Spannung auf und Smooth töltet wieder an. Diesmal kann sie einige Schritte mehr halten und ich pariere sie direkt in den Schritt durch.

      Alle Teilnehmer hatte ein erfolgreiches oder zumindest Aufschlussreiches Training. Während die letzten noch dabei waren ihre Pferde wegzubringen, waren die anderen dabei, ein Lagerfeuer anzuzünden.

      Lina
      “Ey Jungs, macht euch mal nützlich und holt nochmal ein bisschen Holz”, sagte ich zu Jace, Ju und Niklas die es sich gerade bequem machen wollten. “Das da sieht ganz schön traurig aus”, ergänzte ich und deute auf das recht kleine Feuer. Die drei murrten zwar ein bisschen, aber machten sich dann doch auf den Weg zum Holzlager. Kurz darauf, kamen sie dann mit ein paar weiteren Jungs und einer großen Ladung Holz zurück.

      Vriska
      Ambrose hatte mir nach dem Training den Brokkoli übergeben und am Feuer entschied ich nun für uns alle eine Aufmunterung zu schaffen. Auch Milena hat es nun auch mitbekommen. Bis auf Lina und sie kennt niemand meine Story, weswegen sie kurz hinterfragt: “Denkst du, dass eine gute Idee?”
      “Ja”, sage ich kurz und schließe das Blatt wie es sich gehört - holländisch. Den Rest wackel ich ab.
      “Will jemand anfangen?”, frage ich freundlich in die Runde. Niemand meldet sich, aber die Jungs kommen mit neuem Holz wieder.
      “Was wird denn das hier?”, kommt von Niklas und setzt sich zu Milena.
      “Wonach sieht es denn aus?”, antwortet meine beste Freundin gernevt. Also nehme ich den ersten Zug, den zweiten, den Dritten und gebe weiter. Motiviert nimmt Niklas das Brokkoli Papier entgegen. Auch er zieht zweimal kräftig und gibt weiter zu Ju. Dann macht er die Runde.

      Jace
      Inzwischen war der Brokkoli bei mir angekommen und auch ich hatte ein paar Züge genommen. So wünscht man sich doch einen Tagesabschluss. Nun war nur noch Lina übrig, die noch etwas skeptisch dreinblickte. “Lin, sei kein Frosch, ich weiß, dass es nicht dein erstmal ist”, neckte ich sie ein wenig. Ein paar erstaunte Blicke richten sich auf sie.”Na los”, sagte ich nur und drückte ihr den Brokkoli in die die Hand. Einen Moment lang zögerte sie noch und schien zu überlegen, ob das eine Gute Idee war. “Ach, Scheiß drauf”, kam es dann nur noch von ihr und zum Erstaunen der meisten, nahm sie auch einen kräftigen Zug, bevor sie den Brokkoli wieder an Vriska reichte.

      Ambrose
      „Jo Diggi wenn ihr schon mein Zeug raucht, hätte ich doch auch schon gern einen Zug davon.“, protestierte ich lachend und zerrte ihn förmlich aus Vriskas Hand und nahm einen tiefen Zug. Gutes Zeug haben die Schweden, nicht zu harzig, einfach perfekt und vor allem nicht gepunscht. „Respekt, wusste gar nicht, dass du bauen kannst!“, lobte ich Vriska, als ich mir das Teil nochmal näher anschaute. Entspannt ließ ich mich tiefer in den Stuhl sinken und reichte den Blunt weiter. Plötzlich packte mich jemand an den Schultern und griff nach dem Brokkoli. „Ey!...“ - „Ganz ruhig Dicker, kein Zug hier ohne mich, muss aber gleich zum Training.“, antwortete Mika, der sich nun zu erkennen gab. Er warf einen Blick in die Runde und blieb auf Ju stehen, „Kommst du mit? Die zweite Gruppe ist dran und du machst doch mit Dasha. Ich hab auch noch was von dem Zeug, dann verpasst du nichts.“, fragte er ihn schließlich.

      Niklas
      „Ich hatte schon zwei Züge“, sagt Ju zu Mika und folgt ihm zum Stall. Das kann nichts werden denke ich. Dann schweift mein Blick und Anna, die nach dem Vriska erneut zwei Züge genommen hat, auch tief inhaliert. Offenbar waren alle schon ziemlich breit. Besonders die Kleine, die Aktion imitiert hat, schien gut dabei zu sein.
      „Wisst ihr warum es so viele Verschwörungstheorien gibt?“, fragte sie nachdenklich in die Runde.
      „Nein, aber du wirst uns sicher gleich aufklären“, Scherze ich.
      „Also gut. Ich denke, dass die mehr wissen als wir. Deswegen gibt es auch die Diagnose Gotteskomplexe. Wir wurden erschaffen von Göttern, also sind ein Teil von denen. Und die, die das haben, sind quasi mehr von denen. Die Verschwörungstheorien sind also Erinnerungen von der Welt, unserer Götter, weil kein Mensch war jemals so intelligent Pyramiden bauen zu können. Sonst gäbe es ja noch mehr. Ägypten war quasi der Ort, an dem die ersten Menschen wieder gelassen wurden“, fängt sie an. In Gruppe sieht man nachdenkliche Gesichter, die den Sternenhimmel betrachten.
      „Irgendwie macht das total Sinn“, antwortet Anna. Auch ich machte mir meine Gedanken darüber. In mir kamen fragen auf, die sie sicher beantworten kann. Oder jemand anderes.
      „Aber warum führen wir dann miteinander Krieg?“, frage ich ohne jemanden anzugucken.
      „Das ist total einfach. Wir haben uns weiter entwickelt und es liegt in unserer Natur. Schließlich sind wir nur da, um für die Götter eine Bewohnbare Welt zu schaffen. Damit sie uns, ihre Kinder, nicht umbringen müssen, haben sie in die Genetik gelegt, dass wir es von selbst tun“, wirft Milena ein. Ich brumme zustimmend.

      Lina
      "Ich glaube eher da liegt ein Konstruktionsfehler in den Menschen vor", sagte ich nachdenklich. "Ich glaube nicht, daß die Götter vorgesehen habe das wir irgendwann schlau genug werden um das Weltall zu erkunden", murmelte ich vor mich hin. Nachdenklich betrachte ich den Mond der inzwischen am Himmel erschienen war und ein silbriges Licht auf uns warf. Der Mond faszinierte mich sodass meine Gedanken abschweiften. "Ich sag euch Freunde, irgendwo da draußen sitzt irgendwer der uns beobachtet", kam es von irgendwem.

      Jace
      Es herrschte eine sehr entspannte Stimmung am Lagerfeuer und die Flammen tanzen lustig im Feuer. Während die andern Irgendwas über Götter faselten was ich nicht ganz peilte gingen meine Gedanken wo ganz anders hin. Mein Blick schweift über die Gruppe bis sie bei Lina hängen blieb. Nachdenklich blickte sie in den Himmel. So entspannt wie jetzt hätte ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Über was sie wohl Nachdenkt?

      Vriska
      „Natürlich werden wir beobachtet und nicht nur von den Göttern“, werfe ich ein. „Ach ja?“, fragt Milena, die offenbar beim düppeln ziemlich dumm wird.
      „Ja klar, ich hab da so zwei Theorien und bin mir nicht sicher, ob sogar beide Stimmen. Situation eins. Ihr geht irgendwo hin und wisst nicht mehr was ihr wolltet, stimmt’s?“, vergewissere ich mich. Ein zustimmendes Raunen geht ums Feuer.
      „Ihr alle habt schon mal Sims gespielt und eine Aktion abgebrochen. So ist das dann, aber das geht noch viel tiefer. Und zwar sind wir Teilnehmer einer TV-Show. Jeder Mensch ist ein Sender und wenn wir hier gemeinsam sitzen, ist es ein Crossover das inszeniert wurde aus Werbezwecken. Deswegen denken wir auch nach. In dem Moment reden wir zum Publikum. Wenn also was vergessen wird, dann haben die das entschieden, um die Serie zu steuern.“, erkläre ich.
      „Und deswegen ist Niklas so ein Arsch?“, fragt Milena.
      „Ja fast. Das sorgt halt dafür, dass mehr Klick generiert werden von deinen und seinen Fans. Deswegen haben Lina und Jace auch so eine komplizierte Beziehung miteinander. Das bringt Klicks, ein Haufen Klicks. Und Klicks sind Geld oder wie auch immer die das in den anderen Dimensionen machen. Vielleicht verlängern die Zuschauer auch ihr Leben mit unseren Leid, wetten oder sowas.“, sprudelt es aus mich heraus.

      Lina
      "Ey unsere Beziehung ist gar nicht kompliziert", beschwerte ich mich. "Aber wenn deine Theorie stimmt bin ich wenigstens der insgeheime Publikumsliebling",sagte ich mir einem breiten Grinsen. "Bei den Komplizierten Beziehungen wollen nämlich alle immer wissen wie es ausgeht und egal wie sehr sich die Parteien zu Streiten, am Ende bleiben sie doch aneinander kleben", plappete ich weiter. "Na ja, dachte ich weiter nach, aber das heißt auch,... Dass Niklas gaaanz tief in sich drin" dabei deute ich mir auf die Brust," eigentlich ein ganz lieber ist", endete ich stolz. Das war das Ergebnis meiner Analyse aller Serien die ich so kannte.

      Ambrose
      “Junge junge, wart ihr noch nie breit? Ist ja anstrengend mit euch, genießt doch einfach die Ruhe und das Gefühl von vollkommener Schwerelosigkeit.”, maulte ich wegen der tiefgründigen Gespräche. Ich hatte es schon oft erlebt, dass die Menschen sehr verrückte Sachen von sich gaben, wenn sie ein paar Zügen genommen hatten. “Sagt mal wo sind hier eigentlich die Süßigkeiten? Ich bekomme immer solchen Hunger vom Brokkoli.”, fragte ich nun in die Runde und wurde komplett ignoriert, da alle den Gesprächen und Theorien lauschten.

      Darya
      Das Gras war auf dem ganzen Hof zu riechen und ich war etwas neidisch gerade keinen Zug nehmen zu können, allerdings freute ich mich auch das Pferd von Ju zu reiten. Gemeinsam holten wir die Stuten aus ihren Boxen und begannen sie fertig zu machen, wobei mein Blick immer wieder auf Amnesia fiel, eine wahnsinnig anmutige Stute. Mika hatte Caja etwas entfernt angebunden, da sie doch manchmal etwas zickig werden konnte, dennoch versuchte er sich mit ins Gespräch einzubringen. Winnie schien noch etwas schläfrig von der Reise zu sein, da sie deutlich empfindlicher war als sonst. “Oh na da wünsche ich dir viel Spaß mit ihr, pass auf, dass du deine Schenkel nicht zu stark anlegst.”, warnte ich Ju, der aber lachte und antwortete gelassen, “Ich reite nicht zum ersten Mal und auch unsere Pferde waren nach der Anreise erschöpft.” Aus der Ecke tönte ersticktes Gelächter, Mika krümmte sich vor Lachen und wir guckten ihn verwirrt an, als er wieder zu Luft kam erklärte er sich selbst, “Sorry, aber ihr habt Probleme, wollt ihr mal die Zicke hier reiten? Auch wenn du deine Schenkel von ihr weg hast, rennt sie los.”. Ich verdrehte die Augen und lachte, da Caja ihm wirklich schon manchmal unter dem Arsch wegrannte. “Wo bleibt denn Samu?”, fragte Ju um das Thema zu wechseln. “Komme schon!”, rief es am Stalleingang. Er führte eine weiße Stute mit sich, die ein sehr interessantes Mal im Gesicht hatte, welches ich so noch nie gesehen hatte. “Das ist Briair. Das da in ihrem Gesicht ist übrigens ein Bloodmark, weil ihr so seltsam schaut. Keine Sorge das ist ne ganz liebe und geduldige”, stellte er uns die hübsche Stute war. “Na dann wünsche ich dir viel Spaß mit dem Fuchstier hier.”, entgegnete Mika und klopfter der Stute auf den Po.

      Samu
      “Na, mit der werde ich schon fertig”, sagte ich und band die Stute auf der Stallgasse an. “Hübsche Tierchen habt ihr da mitgebracht”, sagte ich anerkennend, als ich ein Blick auf die beiden neuen Pferde warf. Mikas Stute war ein hübscher Fuchs mit einer breiten Blesse. Sie sah meiner Sally recht ähnlich, doch charakterlich schien sie eher das komplette Gegenteil zu sein. Sie blickte ziemlich zickig drein und deute ab und zu auch an irgendwo reinzubeißen. Auch Dashas Stute wirkte nicht besonders glücklich über die nächtliche Trainingseinheit. Einzig Bri döste entspannt vor sich hin und genoss die Putzeinheit.

      Mika
      So sehr ich meine Stute zwar liebte, war ich äußerst froh mal ein gelasseneres Pferd zu reiten, das es mit Caja doch immer ein kleiner Kampf war. Selbst der Osteopath konnte nichts finden, weshalb wir nun aufs Training setzen, um sie ruhiger und gelassener zu bekommen. Hoffentlich kommt Samu mit ihr klar und denkt nicht, dass wir dieses Pferd versaut haben. Am Boden hatte sie aber mittlerweile ausreichend Vertrauen gesammelt und ließ sich zumindest von mir gut händeln. “Wa Dicke?”, fragte ich sie und genoss eine kleine Kuscheleinheit mit ihr.

      Niklas
      „Natürlich bin ich ein lieber Kerl“, stimme ich Lina zu.
      Mittlerweile ist Ambrose dazu gekommen und schiebt seine typische schlechte Laune, schließlich sind nicht alle so still wie er, sondern genießen den Zustand auf ihre eigene Art und Weise.
      “Süßigkeiten haben wir nicht”, wendet sich Milena ihm zu. Ich habe gar nicht mitbekommen, was er zu sagen hatte. Langsam merkte ich auch, wie die Stimmung kippte und es der richtige Moment war zu gehen.
      “So ich werde mich dann zurückziehen. Es gibt noch einiges zu tun.”, merke ich an und gucke zu den Beiden, die mich seit Minuten intensiv betrachtet haben.

      Vriska
      “Also wie immer?”, fragt Ju genervt als Niklas den Platz verlässt. Mit Anna. Und Milena. Erschrocken schüttel ich mit dem Kopf und Ju guckt zu mir.
      “Ja klar, aber du bleibst auf deiner Seite”, sage ich zu ihm und lache. Gekonnt setzt er sich zu mir und legt seinen Arm um meine Schulter. Perplex bleibe ich an der Stelle sitzen und bewege mich kein Stück mehr.

      Lina
      Gedankenverloren sah ich in den Himmel. Die Sterne leuchteten inzwischen Hell am Himmel und auch die Wolken, die sich vor den Mond geschoben hatten, verzogen sich nun. Ein klares kühles Licht fiel auf uns. In meinen Gedanken versunken hatte ich gar nicht gemerkt, dass Niklas, Anna und Milena gegangen waren. Zufällig streifte mein Blick Vriska und Ju neben mir. Er hatte seinen Arm um sie gelegt, doch Vriska sah abgespannt aus. “Hat eigentlich sonst noch einer von euch hier Hunger?”, fragte Jace auf einmal und kam mit einer Tüte voll mit Süßigkeiten vom Hof her.

      Vriska
      “Nein, danke”, antworte ich Jace und betrachte dabei die Tüte intensiv. In mir kommt ein Verlangen hoch, jedoch kann ich schwer einschätzen, ob es die Süßigkeiten sind oder der hübsche Typ neben mir. Zur Ablenkung krame ich mein Handy aus der Hosentasche. Erst jetzt sehe ich, dass Folke mir eine Nachricht gesendet hat. Sie ist lang, sehr lang. “Hej Vriska. Jag hoppas du mår bra. (Ich hoffe, es geht dir gut.) Henne war heute da, der Sohn von meinem Chef aus Kalmar. Zusammen haben wir mit Alfi, Nobel, Snow und Betti gearbeitet. Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass die Gurte der Sulky ungeeignet sind, sondern das Alfi eine schiefe Hüfte hat. Der Arme hatte heftige Schmerzen aber mit einem kräftigen Ruck konnte er das Hüftgelenk wieder an die richtige Stelle drücken. Er hat nun erstmal Pause und dann werden wir langsam mit ihm Anfangen. Eorann möchte mit ihm am Boden weiterarbeiten. Nobel braucht etwas mehr Erziehung, aber ist auf einen guten Weg. Snow muss braucht mehr Sicherheit und Ausdauer zum Fahren, sonst fehlt es ihr an nichts. Betti ist ebenfalls unerzogen, dadurch möchte sie Dinge auf ihre eigene Art regeln. In den nächsten Tagen kommt der Zahnarzt, um ihr die Zähne zu machen. Und jetzt fragst du dich sicher was mit Holy ist? Sie kommt ebenfalls mit zum Zahnarzt. Henne hat auch bei ihr sich alles mal angeschaut. Der Rücken ist super, die Beine sind in Ordnung. Leider gibt es auch Probleme. Ihr Sprunggelenke weisen Ansätze von Spat auf, da er aber kein Tierarzt ist, muss das näher untersucht werden. Grundsätzlich schränkt es die Arbeit mit ihr nicht ein, sie sollte nur mehr Zeit bekommen zum Warm werden, sodass ihre Sprunggelenke mit Gelenkflüssigkeit gefüllt werden und die Bewegungen fließender sind.”, lese ich konzentriert, als Ju mich aus dem Lesefluss bringt.
      “Was liest du da so lange?”, flüstert er mir zu.
      “Folke hat mir ein Update geschickt vom Hof”, berichte ich ihm und muss grinsen. Es ist komisch, wenn sich jemand dafür interessiert. Er nickt und zieht mich näher an sich.
      “Ich möchte mit lesen”, sagt er darauf hin. Ich halte mein Handy anders, sodass Ju ebenfalls alles sehen sollte.
      “... fließender sind. Hedda habe ich davon bisher nichts gesagt, ich möchte sie nicht enttäuschen. Eorann hat schon Erfahrung mit solchen Problemen und möchte noch mehr helfen. Außerdem: Sie hat schon wieder ein Halfter kaputt gemacht. Aus dem Shop habe ich mir ein neues genommen, für Nobel gab es ein neues Gebiss und Henne hat ebenfalls was gekauft. Nur damit du dich nicht wunderst. Ich habe dabei etwas Unordnung zurückgelassen aber versuche es die nächsten Tage wieder zu sortieren. Ansonsten liebe Grüße vom ganzen Team und wir freuen uns, wenn du wieder da bist. Varma hälsningar, (liebe Grüße) Folke.”, lese ich zu Ende. Auch Ju scheint schon fertig zu sein und fragt mich, wer Holy ist. Ich erzähle ihm von dem Terrortinker, der im Zuge einer Rettungsaktion zu uns kam. Nun ist es eine Art Wettstreit, wer in einer bestimmten Zeit am meisten mit einem Pferd schafft mit Blick auf Tierschutz. Anfangs konnte ich noch mit ihr arbeiten, dann kam das Team und nun ist Folkes Freundin und Hedda dabei.

      © Mohikanerin, Wolfszeit, Zion | 97.659 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam V | 11. März 2021
      HMJ Divine // Fanya HMJ 7469 // Legolas // WHC’Avahni // PFS’ Arctic Tiger // Jora
      Glymur // St. Pauli’s Amnesia // Blávör // Satz des Pythagoras


      Niklas war zur Kontrolle im Krankenhaus aber konnte noch am gleichen Tag zurück. Natürlich gab es für Jace aber auch Anna ein Gespräch.

      Jace
      Natürlich hatte es eine ordentliche Standpauke gegeben. “Schöne scheiße”, murmelte ich vor mich hin. Nach dem Gespräch hatte ich mich draußen auf den Hof gesetzte. Ich war nicht verwundert, dass ich ganz allein hier saß. So im Nachhinein betrachtet hatte ich überreagiert. Dennoch hatte Niklas das verdient, vor allen, wenn das stimmte, was Anna erzählt hatte. Aber was hatte er gesagt, dass er kein Bock auf ihren Kindergarten hatte. Irgendwie konnte ich da nicht ganz glaube, pff.
      Und wie er dann noch Lina im Arm hatte, ich könnte Kotzen, das Schrie doch nur so nach Verführung. Warum sah das eigentlich keiner außer mir, waren die alle so blind?

      Niklas
      Meine Nase war gebrochen und ein Teil meines Wangenknochens angerissen. Jedoch konnten die Ärzte nicht viel machen, außer die Nase zu richten. Auch wenn es nicht unbedingt die beste Aktion von Jace war, konnte ich die Reaktion nachvollziehen. Um ihn nicht noch mehr in die Scheiße zu reiten, entschied ich mich dazu das Gespräch zu suchen und klopfte an sein Zimmer. Samu hatte mir gezeigt, wo ich genau hinmuss, wollte mich aber davon abbringen. Dafür habe allerdings einen zu großen Dickschädel.
      “Bevor du was sagst oder mich wegschickst, wollte ich dir nur Bescheid sagen, dass ich im Krankenhaus gesagt habe, dass mich ein Pferd getreten hat. Schließlich muss Körperverletzung angezeigt werden. Ob ich will oder nicht.”, sagte ich zu ihm.
      “Danke, womit habe ich die Ehre verdient”, sagte ich zynisch.
      “Ich hatte keine Lust dich da mit hereinzuziehen, nur weil Anna dir mal wieder die halbe Wahrheit erzählt hat. Interessiert es dich oder soll ich gehen?”, fragte ich ihn.
      “Mmm, würde mich mal schon interessieren”, brummte ich.
      “Okay”, sagte ich, betritt den Raum und schloss die Tür hinter mir.
      “Ich weiß natürlich nicht genau, was sie dir erzählt hat, aber ich mache einen Rundumschlag. Also Ju hatte sie mir vorgestellt aber aus verschiedenen Gründen hat es halt nicht funktioniert. Vermutlich hing das auch mit mir zusammen, weil Anna und ich viel miteinander telefoniert hatten. Darum geht es aber nicht wirklich. Ju und ich sind cool damit, wir haben mehrfach drüber gesprochen. So worauf ich aber hinauswill.”, fing ich an zu sprechen. Natürlich merkte ich, wie wild ich versuchte die richtigen Worte zu finden, um ihn nicht wieder zu provozieren, da mir das mit Lina bisher wirklich war.
      “Also, ich war ungefähr 8 Monate mit ihr zusammen und … vor 3 Monaten wurde sie 18.”, machte ich vorsichtig weiter.
      “Ja, und was hat das jetzt damit zu tun?”, fragte Jace ein wenig irritiert. Kurz musste ich an seinem Verstand zweifeln, aber fuhr fort.
      “Junge, ich bin 26. So und genau aus dem Grund haben wir uns darauf geeinigt, solange eine offene Beziehung zu führen. Sprich, wir sind zwar zusammen auf Partys gegangen, aber wenn ich jemanden ansprechend fand, dann lief da auch was über Nacht. Das galt auch für sie. Ihre Eifersucht wurde aber immer schlimmer, sie dachte sich jede Woche neue Dinge aus mit den sie mich erpresst. Irgendwann wurde es mir zu viel und begann, Abstand zu nehmen. Deswegen bin ich froh, dass Milena sie jetzt an der Backe hat.”, sprach ich zu Ende und stellt mich an die Tür.

      Jace
      “Oh, da hat Anna aber ein paar Details ausgelassen”, sagte ich. “So betrachtet, hast es nicht verdient. Tut mir leid, manchmal habe ich mich nicht so ganz unter Kontrolle”, versucht ich mich zu entschuldigen. “Aber weißt du, wenn es um Menschen geht, die mir nahestehen, reagiere ich manchmal ein wenig über”, erklärte ich noch.

      Niklas
      “Alles cool. Du bist nicht der Erste, der mir die Fresse poliert hat”, antwortete ich ihm und machte mich auf die Suche nach Lina, um Bescheid zu sagen, dass alles gut ist. Noch nicht lange bin ich zurück aus dem Krankenhaus und wichtiger war mir erst mal, dass mit Jace zu klären. Es scheint mehr oder weniger gut funktioniert zu haben. Ich guckte noch mal zur Sicherheit auf die Uhr. Es ist noch Zeit, bis die Theorie beginnt.
      “Lina, bist du da?”, rief ich in den Stall. Natürlich antwortete sie nicht, aber aus ihrer Geschichte wusste ich, dass sie nur bei Divine sein kann. Von Vriska wusste ich, wo der Hengst steht und ich machte mich auf die Suche. Von weiten sehe ich den Po des Hengstes und seinen Hals nach unten gestreckt hat. Vorsichtig trat ich an die Box und blickte herunter zu Lina, die in der Box bei ihrem Pferd saß.
      “Ich kann verstehen, warum du so gern bei ihm bist. Er strahlt so eine Ruhe aus, eine Gelassenheit, die nicht leicht zu beschreiben ist”, sagte ich zu ihr. Neugierig drehte er sich zu mir und knuspert vorsichtig an meinem Hemd. An meinem weißen Hemd. Ich guckte mir den Fleck genauer an. Bevor es in den Saal geht, müsste ich noch mal das Oberteil wechseln.

      Lina
      “Weißt du, für mich sind Pferde wie göttliche Spiegel, sie reflektieren alle Gefühle. Und er ist da irgendwie besonders”, antworte Niklas und strich den Hengst durch die Mähne. “Ja, dass solltest du definitiv”, sagte ich mit einem Blick auf sein Shirt. Ich für meinen Teil hatte mir etwas Trockenes angezogen. “Na, komm”, sagte er und reicht mir seine Hand, um mir aufzuhelfen. “Ich würde mir was anderes anziehen wollen, kommst du mit? Danach wäre etwas essen sicher nicht schlecht, oder hast du mittlerweile was anderes gegessen als das Eis?”, fügte er freundlich hinzu. “Mmm, nein. Essen klingt nach einer guten Idee”, antworte ich ihm. “Gute Nacht, mein kleiner Prinz “wandte ich mich an mein Pferd, bevor ich Niklas aus der Box folgte.

      Niklas
      “Ich habe mit Jace gesprochen.”, tastete ich mich vorsichtig an das Thema heran. Mit einem prüfenden Blick guckte ich zu ihr. “Ja, und hat er sein Hirn wiedergefunden?”, fragte sie ein wenig grimmig. “Mehr oder weniger. Im Krankenhaus habe ich gesagt, dass ich vom Pferd getreten wurde, damit er keine Anzeige bekommt. Das empfand ich nicht als fair, schließlich hatte Anna ihn angestachelt. Dann habe ich ihm noch meine Version davon erzählt, was mit ihr abgelaufen ist. Ich weiß allerdings nicht so ganz, wie das hier bei euch ist, denn er hatte nicht ganz so richtig verstanden, worauf ich hinauswollte, schließlich waren wir knapp 8 Monaten zusammen und erst vor 3 wurde sie volljährig. Also naja”, versuchte ich das ganze normal klingen zu lassen. Auf der einen Seite wollte ich ehrlich sein zu Lina, auf der anderen aber sie auch nicht verunsichern. “Und deswegen war sie so … grumpy. Ich wollte vorher nicht mit ihr schlafen und wir hatten uns auf etwas Offenes geeinigt”, fügte ich vorsichtshalber hinzu. “Wow, und deshalb hat sie Jace dazu angestachelt dich zu schlagen? Nur weil sie Eifersüchtig war, auf etwas, was abgesprochen war? Das ist ganz schön verrückt”, kommentierte sie.
      “Offenbar, ja. Allerdings wollte sie auch unbedingt, nun”, sagte ich und nahm beide verbildlichend an die Lenden. “Aber das war mir zu riskant. Auch wenn ich nicht so. Nog, lassen wir das”, lenkte ich ein.
      Als ich den Raum betrat, guckte ich mich etwas paranoid um. Keiner da. Von Ju lag Zettel auf dem Tisch “Jag sitter i middagen. (Ich bin am Abendessen)”, las ich. Tatsächlich hatte er sich Mühe gegeben beim Schreiben, schließlich konnte man die Worte voneinander unterscheiden. Unsicher stand Lina noch immer vor der Tür. Als nahm ich ihre Hand und brachte sie zu meinem Bett. Das Zimmer war im Vergleich zu heute früh nicht nur sauberer, sondern sogar ordentlich. Demonstrativ stellte ich mich vor sie und zog mein Shirt über den Kopf herunter, jedoch ziemlich ungeschickt. Den Kragen des Poloshirts hatte ich vergessen aufzuknöpfen und bei dem Zug kam ich an meine Verletzung. Das war dann wohl nichts mit sexy ausziehen.

      Lina
      “Also wenn du im Zirkus anfangen willst, kannst du so weiter machen”, sagte ich lachend. Das war definitiv nicht die erwünschte Reaktion gewesen, da war ich mir sicher. Natürlich hatte ich auch gemerkt, dass das Zimmer kein Vergleich zu heute Morgen war. Ju musste ein echt guter Freund sein, denn ich war mich ziemlich sicher, dass Niklas nicht selbst aufgeräumt hatte. Doch ich konnte nicht lang das Zimmer bewundern, denn Niklas zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich ließ meinen Blick über seine Körper wandern und erst jetzt registrierte ich seine Tattoos. “Hübsche Körperkunst hast du da”, sagte ich und beobachte fasziniert wie sich die Muskeln unter der tätowierten Haut bewegten.
      “Ja, die sind aus dem Knast”, sagte er mit ernster Miene und fing an zu lachen.
      “Das ist natürlich ein Scherz. Bei jedem Turnier lasse ich mir Eins stechen, so als Erinnerung. Dabei ist nicht relevant, ob ich einen Platz belegt habe und wie gut dieser war. Allerdings … hier diese Karte, da habe ich nur den zweiten Platz mit ihr belegt.”, zeigte es mir an seinem Unterarm. “Da ist eine echt coole Tradition”, sage ich und fahre mit meinen Fingern fasziniert die Umrisse des Motivs entlang. “Ich habe ja viel zu viel Schiss vor so was. Tut das nicht weh?”, fragte ich und blickte zu ihm hoch.
      “Ach es geht. Was dein kleiner eifersüchtiger Freund mit meinem Gesicht fabriziert hat, schmerzt eindeutig mehr.”, begann er zu erklären. “Wenn du willst, können wir ja zusammen zum Studio. Ich habe hier in der Nähe in einigen Tagen ein Termin.”, fügte Niklas noch hinzu. “Da würde ich gerne mit gehen”, hatte mein Mund dann auch schon schnelle ausgesprochen, als dass ich drüber nachdenken konnte. “Und das tut mir echt leid, was Jace mit deinem Gesicht veranstaltet hat, mich gibt es scheinbar nicht ohne Chaos”, fügte ich noch hinzu.
      Ein Magengrummeln erinnerte mich auf einmal daran, dass ich seit heute Morgen, noch nichts außer einem Eis zu mir genommen hatte. “Ich glaube allerdings, jetzt sollten wir erst mal zum Essen gehen”, kommentierte ich das Geräusch.

      Niklas
      Ich ging in die Knie, um mit ihr auf Augenhöhe sein zu können, legte meine Hänge auf ihre Oberschenkel und begann zu sprechen: “Kleines, du kannst doch nicht ansatzweise dafür, dass Chaos um dich herum ist. Das, was du gerade erlebst, sind nur die Ausläufe der Pubertät. Zudem haben wir alle dieses Chaos. Ich mein, guck dir mich an. Anfangs warst du nicht mal in der Lage meine kleinen Sticheleien wertlos entgegenzunehmen und jetzt kannst du deine Blicke nur schwer von meinem Oberkörper abwenden. Da könnte ich mich natürlich auch hinsetzen und fragen ‘Warum gucken mich alle immer nur so oberflächlich an?“ stattdessen mache ich mir Gedanken drüber, warum sie denn nicht gucken sollen. Schließlich sehe ich wirklich gut aus”, erklärte ich und stand auf, um meine Muskeln zu präsentieren.
      “Sicher, dass du was essen gehen willst? Dann muss ich mir wieder was drüberziehen.”, stichelte ich etwas weiter herum.
      “Da hast du natürlich recht, schöner Mann, aber ich fürchte, dass ich bald verhungere, wenn wir hier noch länger herumsitzen”, erwiderte sie mit einem lächeln auf dem Gesicht.
      “Naaaaa gut”; knickte ich ein und holte aus meiner Tasche das weiteste Tanktop, dass ich besaß. Wirklich etwas bedeckt, wird mit dem Ding nicht.
      Mit etwas Schwung warf ich sie mir wieder um die Schulter, dann gingen wir gemeinsam zu Saal. Kurz vor der Tür durfte sie die letzten Meter allein laufen. Das Jace mir das Gesicht neu dekoriert hat, war natürlich nicht zu übersehen, aber meine Hoffnung war es, dass der Grund noch nicht alle anwesenden erreicht hat. Beim Betreten sah ich wild eine Hand in der Luft wedeln. “Komm mit”, sagte ich zu Lina und stiefelte zu meinem besten Freund an den Tisch an dem Samu und Vriska ebenfalls saßen.

      Lina
      “Du hast echt schön aufgeräumt”, wandte ich mich an Ju, während ich mich setzte. Samu warf mir einen Blick zu, von dem ich nur genau wusste, was er bedeutet. Er schien noch nicht ganz von Niklas überzeugt zu sein. Ich signalisierte ihm nur, dass alles ok sei und wir später darüber redeten. Immerhin war mein bester Freund zivilisiert genug mich vorher zu fragen, bevor er versucht irgendwen zu schlagen.” Was steht heute eigentlich noch so an”, fragte ich dann in die Runde, weil ich schon wieder vergessen hatte, was Vriska heute Morgen gesagt hatte.
      „Also bevor ich das verrate, möchte wissen, was ihr schon wieder zusammen in unserem Zimmer gemacht habt und ob mein Bett daran beteiligt war“, scherzte Ju.
      „Du hast die letzten zwei Nächte bei mir verbracht und denke das Milena und Anna sicher dein Bett beschmutzten“, fügte Vriska hinzu.
      “Keine Sorge, deinem Bett ist nicht passiert. Niklas wollte nur ein sauberes Shirt anziehen”, beantworte ich Jus Frage und musste ein wenig drüber grinsen. “Außerdem scheinst du ja schon ein neues Bett in Aussicht zu haben”, fügte ich noch ein wenig schelmisch hinzu.

      Niklas
      “Ich weiß ja nicht, ob ich das heute zulasse. Schließlich wollen wir in 10 Jahren heiraten”, scherzte ich noch einmal. Lina und Vriska guckten mich mit dem gleichen Gesichtsausdruck fragend an.
      “Wir haben da so ein Deal, wenn wir in 10 Jahren niemanden passenden gefunden haben, dann heiraten wir. Und deswegen Schatzi müssen wir leider getrennt schlafen. Du weißt ja, kein Sex vor der Ehe und so”, fügte Ju noch hin.
      “Ach und gleich beginnt der Theorieunterricht”, sagte er noch. Dann beobachtete ich Lina, wie sie sich was zum Essen holte. Durch die Schmerzmittel hatte ich nicht wirklich Hunger und wartete deswegen noch ab. Stattdessen merkte ich was ganz anderes, was sicher auch von den Medikamenten kam, denn seit Jahren hatte ich kein Ständer mehr in der Öffentlichkeit gehabt. Geschickt versuchte ich diese zu verstecken, was jedoch bei der Wahl meiner Kleidung nicht so leicht war.
      “Freust du dich schon so sehr darauf?”, wandte sich nun mein bester Freund zu mir.
      “Ja, sieht man doch.”, antwortete ich geschickt und versuchte das Beste daraus zu machen. Kurz kam mir Gedanke jemanden zu fragen, ob er mit mir das Problem beseitigen möchte, doch das wäre unangebracht. Lina würde sicher ablehnen und weiteren Damen das Angebot zu offerieren, würde sie sicher auch nicht so gut finden. Dennoch fiel mir direkt eine Person ein, die ich mit nur wenigen Worten dazu bringen konnte, die schönsten 40 Sekunden ihres Lebens zu haben. Je mehr ich drüber nachdachte, umso mehr spürte ich wie er mehr anschwoll. Verärgert kreuzte ich die Beine übereinander.

      Lina
      Mit einem voll beladenen Teller kehrte ich zum Tisch zurück. “Du willst wirklich nichts essen?”, fragte ich Niklas, doch der lehnte ab. Na gut, wenn er nicht wollte. Ich für meinen Teil hatte einen riesigen Hunger. Wie konnte ich nur den ganzen Tag so herumlaufen und es nicht merken? Ok, doofe Frage es war definitiv nicht das erst mal, dass ich vergaß zu essen. Immerhin war es heute mal nicht mit einer Unterzuckerung geendet, das wäre heute definitiv alles andere als hilfreich gewesen. “Sagt mal, wie lang kennt ihr euch eigentlich schon?”, fragte ich Ju und Niklas neugierig, bevor ich mir einen bissen in den Mund schob. Schließlich hatte ich recht selten so eine gute Männerfreundschaft erlebt.
      “Ich muss mich entschuldigen, bin in 5 bis 10 Minuten wieder da, aber Ju hilft dir dabei gern weiter”, verschwand Niklas schneller als der Wind.
      “Okay, wo waren wir? Ach ja. Wir kennen uns schon ziemlich lange. Gemeinsam sind wir in der gleichen Gemeinde gelebt, die gleiche Grundskola besucht. Doch als Nik hat diese ein Jahr früher beendet und war noch früher fertig mit dem Studentexamen als ich. In der Zeit haben wir uns etwas aus den Augen verloren, doch nach seiner Rückkehr aus dem Ausland, trafen wir uns im Verein wieder. Durch Zufall wurden wir zur gleichen Zeit zugelassen. Nach dem sich Joanna 2018 von ihm getrennt hat, ging es immer weiter mit ihm Bergab und ich bin bis heute sein Fels in der Brandung”, erklärte Ju, als wäre es das normalste auf der Welt. Zwischendurch nahm er etwas von seinem Teller. “Ja, das merkt man”, kommentierte ich Jus letzten Satz. Niklas verschwinden wundere mich zwar ein wenig, aber ich beschloss es nicht weiter zu hinterfragen. “Samu und ich kennen uns auch schon ziemlich lange”, erzählte ich dann. “Und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, wo ich heute ohne ihn stehen würde”, fügte ich noch hinzu.
      “Ja, das Internat, das waren nicht unbedingt die einfachsten Zeiten”, sagte Samu, während er an die alten Zeiten zu denken schien. “Damals war noch vieles anders und ich kann euch sagen, wir gehörten damals definitiv nicht zu den coolen Kids”, sagte Samu lachen.
      “Warum?”, fragen Ju nach.
      “Naja, wir waren die Oberstreber. Gerade Lina war kaum vom Lernen abzuhalten gewesen”, fügte mein bester Freund lächelnd hinzu.
      “Dann könnt’ ihr euch ja gleich nach Vorne setzen, wenn Nik wieder da ist”, kommentierte Ju unsere kleine Geschichte.
      “Wo ist der eigentlich hin? Und auf was für einem Internat wart ihr? Bis zum Abschluss war ich auch auf einem. Allerdings würde ich sagen, dass es rundum die beste Zeit meines Lebens war.”, hinterfragte nun Vriska.
      “Auf einem ziemlich guten. Es war auch weniger das Internat, es waren eher die Umstände, die es für mich nicht leicht machten”, antworte ich und hoffte ein wenig, das Vriska nicht weiter nachfragte. Die Umstände wie ich dort gelandet war, waren ein Kapitel was ich gern aussparte.
      “Vriska, um deine Frage zu beantworten, die sich sicher sonst nachher nicht ein schlafen lässt. Er holt aus der Hütte und wird noch Masturbieren.”, antwortete Ju ohne großes Umschweifen. Vriska schien darauf hin, keine Fragen mehr stellen zu wollen und brachte stattdessen ihren Teller weg. Natürlich kam in dem Moment auch Nik wieder.
      “Das ging ja heute schnell, hattest du was im Lesezeichen?”, scherzte sein bester Freund.
      “Nein, tatsächlich nicht”, antwortete Niklas.
      Ich beschloss auf Jus Kommentar nicht weiter einzugehen, schließlich war es vollkommen natürlich, jeder hatte schließlich seine Bedürfnisse.

      Niklas
      Die Vier am Tisch waren tief in einem Gespräch verwickelt, in dem ich mich nicht einmischen wollte. Stattdessen half ich Herrn Holm beim Umstellen der Tische, auch wenn er sich immer wieder absicherte, ob ich wirklich in der Lage dazu bin. Wie gewohnt, setzte ich mich direkt in die erste Reihe und wartete ab, dass es losging. Auch meine Brille hatte ich aufgesetzt, die sonst wirklich meide aufzusetzen.
      “Ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid. Gibt es noch Fragen bevor wir mit dem Theorieunterricht beginnen?”, stellte sich Herr Holm vor uns. Niemand sagte etwas.
      “Okay, gut. Wir setzen heute das Thema Feines Reiten fort. Jeder von euch ist gewillt, sein Pferd auf die bestmögliche Art und Weise zu reiten, doch wie sollte das Aussehen? Dafür greifen wir den Gedanken von der letzten Stunde noch einmal ab. Wenn ihr jetzt auf eure Pads guckt, seht ihr ein Zitat. Ihr habt nun fünf bis acht Minuten Zeit euch darüber Gedanken zu machen. Vor allem, weil noch nicht jeder diese Unterrichtseinheit besucht hat. Ach, und an die Lieben vom WHC, setzt euch doch bitte zu jemanden mit Pad, damit ihr auch den Unterricht multimedial Verfolgen könnt’”, sagte er und setzte sich zurück in seinen Stuhl. Leise las ich vor mich her ‘Beginne jede Einheit damit selbst losgelassen zu sein’.

      Lina
      Natürlich setzte ich mich neben Niklas, in der ersten Reihe war natürlich auch noch Platz. Auch wenn ich mich etwas zusammenreißen musste, keinen neckischen Kommentar zu Niklas Brille abzugeben, sorgte der Streber in mir dafür, dass ich mich gleich konzentriert der Aufgabe zu wand.
      “So dann wollen wir mal mit dem Austausch beginnen. Teilt eure Gedanken mit uns”, kündigte Herr Holm nach einer Weile an.
      “Das erste Problem, dass dem ein Hergeht ist, dass vor der Losgelassenheit in der Ausbildungsskala ein Pferd Takt haben sollte. Natürlich ist die Frage, wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Meiner Meinung nach, sollte ein Pferd erst losgelassen sein, eh man weiter im Training machen kann.”, warf Vriska als Erste in den Raum.
      “Da hast du vollkommen recht, aber ließ den Satz noch einmal genauer. Um wen geht es? Das Pferd oder dem Reiter?”, erwiderte der Trainer der Schweden.
      “Na um den Reiter. Man kann von seinem Pferd keine Losgelassenheit erwarten, wenn man selbst angespannt ist “, antwortete ich.
      “Ganz richtig, Lina. So Niklas, magst du dann den Inhalt der letzten Stunde noch einmal zusammenfassen?”, sprach er nun Niklas an, der neben mir nicht ganz konzentriert war. Stattdessen guckte es sich irgendwas auf seinem Handy an, was ich nicht erkennen konnte.
      “Hm? Ja, kann ich machen. Der Grundgedanke ist es, dass man dem Pferd nicht abverlangen kann, sich zu lösen, wenn man von meinem stressigen oder anstrengenden Tag seinen Gefährten besucht. So beobachtet man häufig eine gewisse Unachtsamkeit auf vielen Höfen. Man muss sich vor Augen führen, dass das Pferd die letzten 20 bis 22 Stunden sein eigenes Leben geführt hat und dann kommt der Mensch, verlangt Höchstleistungen oder sogar noch mehr. Dabei trägt die Person so viel Last auf den eigenen Schultern, die das Pferd auch noch auf sich nehmen soll, va? So kann die beste Ausbildung des Tieres nicht die Fähigkeiten des Reiters ersetzen. Die Voraussetzung ist der eigene physische und psychische Zustand. Um dem Vorzubeugen kann man Rituale einführen, wie eine 5-Minuten Meditation, bevor man aus dem Auto steigt und sein Pferd holt.”, erklärte er.
      Wow, scheinbar sah er nicht nur klug aus, sondern war es auch tatsächlich. Nicht dass ich das angezweifelt hätte, aber ich habe auch nicht erwartet, dass er gleich das Lehrbuch verschluckt hatte.
      “Danke dafür, man kennt dich nicht anderes. So wo waren wir. Ach ja, feines Reiten. Heute setzen wir uns mit dem Gedanken von Salomon de la Broue auseinander, der einmal das sagt, was nun auf euren Pads erscheint. Hoffentlich muss ich euch allen nicht noch mal erklären, wer er ist und welche Rolle er spielt.”, begann Herr Holm fortzusetzen. Mein Blick richtete sich zum Tablett, dass mittig auf dem Tisch lag. “Die vollkommene Leichtigkeit des Pferdes beginnt schon im Maul”, las ich.
      “Zu Beginn möchte ich euch ein kleines Video zeigen mit typischen Bildern eines Abreiteplatzes zeigen. *Filmende* Neben der offensichtlichen Hyperflexion sieht man Pferde, die nervös auf ihren Kiefer anspannen, deren Reithalfter zu eng sind und keinen Ansatz der Losgelassenheit zeigen. Generell wirken die Tiere gestresst und benehmen sich wie eine Maschine, die nur funktionieren soll. Den Richtern fällt heutzutage nicht einmal mehr auf, wie falsch die Tiere unter den Reitern laufen.
      Nun kommen wir zurück zu dem Zitat. Warum denkt, ihr gibt es so einen großen Zusammenhang vom Kiefer des Pferdes und dem Rest des Körpers?”, fragte Herr Holm nun in die Runde.
      “Der Pferdekörper ist eine Einheit. Ist ein Teil wie der Kiefer angespannt, wird sich der komplette Körper anspannen und versteifen”, meldete ich mich zu Wort.
      “Du bist auf dem richtigen Weg, aber welcher anatomische Aspekt spielt dabei eine Rolle? Weißt du das? Oder jemand anderes?”, fuhr er fort. Ich schüttelte den Kopf. Diesmal meldete Ju zu Wort.
      “Am Schädel des Pferdes gibt kleine Öffnungen, die Blutgefäße und Nerven nach Außen führen. Ein permanenter Druck durch das Reithalfter sorgt für große Schmerzen am Kopf. Diese Nerven und vor allem Muskeln verbinden den ganzen Körper.”, erzählt er.

      Niklas
      Obwohl ich dem Unterricht verfolgen wollte, fiel es mir heute wirklich schwer. Nicht nur meine Nase tat extrem weh wieder, sondern auch der Rest meines Kopfes pumpte ganz schön. Dazu kommt, dass ich immer wieder zu Lina guckte, die interessiert dem Unterricht folgte. Ich wollte sie aber nicht ablenken, weswegen ich lieber auf meinem Feed auf Instagram herum scrollte. Unerwartet sehe ich ein Bild von Joanna, die scheinbar schon wieder irgendwo im Urlaub ist. Mit ihrem neuen Freund. Um mir das Elend nicht weiter anzugucken, legte ich mein Handy wieder weg.
      “Ich hab’ Kopfschmerzen. Kann ich ins Zimmer?”, fragte ich dann Herrn Holm. Er stimmte zu, ich ließ Lina das Pad da und machte mich auf den Weg.
      Draußen ging die Sonne unter und eine abendliche Stimmung kam auf. Ich machte mir Gedanken über das, was ich gesehen habe. Das Joanna wieder einen Freund hatte, wusste ich von Ju, der ab und zu noch Kontakt mit ihr hatte.

      Lina
      Natürlich hatte ich gemerkt, dass Niklas nicht ganz bei der Schache zu sein schien. Ich machte mir ein wenig Sorgen, dass er vielleicht doch mehr Schmerzen hatte, als er zugab. Also beschloss ich ihm zu folgen, auch wenn ich gerne noch mehr gelernt hatte. “Ich muss noch mal nach den Pferden sehen”, entschuldigte ich mich und stand auf. Natürlich registrierte ich Samu fragenden Blick beim Verlassen des Raumes.
      Ich fand Niklas, draußen, wo er sich auf einer Bank niedergelassen hatte. Die Sonne stand bereits tief am Himmel und tauchte den Hof in ein rötliches Licht. In seinem Gesicht war ein trauriger Ausdruck zu erkennen.
      “Alles ok?”, fragte ich ihn ein wenig besorgt und setzte mich zu ihm.

      Niklas
      “Vor zwei Jahren, war ich noch jemand anderes”, begann ich Lina zu erzählen, die mir natürlich gefolgt ist. Aus meiner Hosentasche zog ich mein Handy und zeigte ihre alten Bilder von mir. Auffällig war, dass ich mehr als 30 kg weniger Gewicht hatte auf 190 cm. Das alles ist nun verteilt in meinem Rücken, Schultern, Brust und vor allem Oberschenkel. Außerdem war ich noch komplett blond, heute nur noch die Spitzen.
      “Damals als mich Joanna verlassen hatte, musste ich irgendwas tun, um sie zu beeindrucken. Ich hoffte, dass sie mich zurückkommt, wenn ich mir neue Ziele gesetzt habe. Wie du aber merkst - hat nicht funktioniert.”, schwafelte ich vor mich hin.
      “Willst du nicht vielleicht vorne anfange und mir erst einmal überhaupt erzählen, wer Joanna ist?”, fragte Lina, die mich ein wenig verwirrt ansah.
      “Du hast recht. Also Joanna ist die Stieftochter von meinem Onkel, der den Hof von Opa übernommen hat. 2008 kamen wir zusammen, da war ich 14 Jahre. Fast auf den Tag genau verließ sie mich nach 10 Jahren. Es war nicht nur ein Schock für mich, als ich erfuhr warum, sondern verstarb mein Opa eine Woche zu vor. Sie sagte zu mir, dass es nicht an mir liegt, aber sie im Leben gern noch was erleben möchte. Doch eine Pause wollte sie auf keinen Fall, weil ich ein Jahr zuvor auf Weltreise war - ohne sie. Ich denke, das hat uns beide kaputt gemacht. So zieht sich das nun immer durch für mich. Irgendwie vermisse ich sie, irgendwie aber auch nicht. Leider sehe ich sie öfter als es mir lieb ist, denn Joanna führt eine Beziehung mit einem Arbeitskollegen.”, erzählte ich ihr. Dann pausierte ich und gucke zu ihr. Wieder machte sich das Gefühl bereit, dass jemand geht.
      “Ich habe Angst, verstehst du? Du löst viel Gutes in mir aus, aber ich habe Angst, dass es endet wie mit Joanna. Allerdings hatte ich das immer, deswegen verstecke ich mich hinter meinen blöden Sprüchen oder versuche eine Bindung so kurz wie möglich zu halten.”, gab ich ihr schlussendlich zu. Vorsichtig griff ich nach ihren Händen und hoffte, dass Lina nichts Schlechtes von mir dachte. Ein tätowierter Sadist mit Trennungsangst gehört nicht unbedingt auf die Wunschliste einer Frau, allerdings würde ich gerade alles für sie tun.

      Lina
      Einen kurzen Moment sah ich ihn nur an. Ich konnte spüren wie nah ihm, das ganz ging. Ich konnte ihn nur zu gut Verstehen, denn meisten stieß ich selbst die Menschen von mir fort, bevor sie mir zu viel Bedeuteten. Bei ihm war irgendwie alles anders, noch nie hatte ich jemanden so schnell so nah an mich herangelassen. Eigentlich hatte ich noch nie jemanden so nah herangelassen.
      “Ich kann dich nur zu gut verstehen”, sagte ich etwas zögerlich. Ich hatte ein wenig Angst jetzt alles mit ein paar Worten alles zu versauen. “Ich verspreche dir, ich werde alles mir Mögliche tun, dass es nicht so enden wird. Egal was du denkst, du bist da beste was jemanden passieren kann, denn ich habe noch nie jemand erlebt, der so ehrlich ist wie du”, sagte ich, während ich ihm in seine traurigen Augen blickte.

      Niklas
      “Wenn ich könnte, würde ich dir das gern glauben. Aber in 9 Tagen geht es für mich und den Rest zurück nach Schweden. Jeder von uns lebt sein Leben weiter. Ich habe meinen Job, du hast deine Pferde. Das funktioniert so nicht. Weißt du?”, sagte ich zu ihr und guckte weg. Direkt kamen mir wieder Gedanken, was ich machen könnte, um mich besser zu fühlen.
      “Ja... verstehe ich… ”, nuschelte sie mehr als dass es wirklich aussprach. Sie schien noch etwas hinzufügen zu wollen, doch sprach es nicht aus.
      “Das soll hier keine Trauerfeier werden. Lass’ uns die Zeit genießen, Spaß haben.”, begann ich und stand auf.
      “Du meintest, du hättest auch gern ein eigenes Pferd. Hast du denn da was in Aussicht?”, versuchte ich sie nun abzulenken und vor allem mich, denn ich musste mich daran gewöhnen in wenigen Tagen wieder in den Alltag zurückzukehren.

      Lina
      Seine Worte versetzten mir einen kleinen Stich, doch er hatte ja recht. In 9 Tagen würde sich unsere Wege wieder trennen. Ich hätte es nur so gern glaubt, dass es funktionieren könnte. Für den Moment schien es so nah, so greifbar gewesen zu sein.
      Er hatte recht, ich sollte den Moment genießen, solange er anhielt. Also schluckte ich den bitteren Beigeschmack des nahenden Endes runter und konzentrierte mich auf seine Frage.
      “Ja, ich würde es so sehr wünschen, dass ich Divine nie wieder hergeben muss”, antworte ich ihn und versuchte zu lächeln. Der Gedanke an den Freiberger ließ meine Trauer tatsächlich ein wenig in den Hintergrund rücken. Er war vermutlich der einzige Mann, den ich nie wieder gehen lassen muss, wenn ich es irgendwie schaffte ihn zu kaufen.
      “Wieso kommst du darauf, dass du ihn wieder hergeben musst?”, hinterfragte er meine Antwort.
      “Naja das Ding ist Divine ist nur hier, weil ich förmlich drum gebettelt habe, dass er herkommen darf. Eigentlich wollte Luchy keine neuen Pferde auf dem Hof und schon gar nicht einen Hengst. Das letzte HMJ Pferd Fanya, ist mit Alec aufs SMA gezogen und auch nur deshalb, weil Eva, Anu und Alec quasi ihre Seele dafür verkauft haben, dass sie nicht zur Auktion geht. Doch was kann ich denn tun, ich habe keine Eltern, die mich dabei unterstützen würden”, beantworte ich seine Frage.

      Niklas
      Wenn ich nicht bei ihr bleiben kann, musste ich zumindest dafür sorgen, ihr eine Freude zu machen.
      „Lass uns zurück gehen, der Filmabend beginnt gleich. Oder wollen wir was anderes machen?“, fragte ich sie darauf hin.
      “Was für ein Film läuft heute denn?”, fragte Lina.
      „Du, das weiß ich nicht mal. Aber ich bin ehrlich. Ich habe keine Lust einen Film zu sehen, Ju sicher auch nicht.“, machte ich ihr klar.
      Zusammen mit ihr lief ich zurück in den Saal, in die Tische bereits wieder an Ort und Stelle standen. Schnell entdeckte ich Vriska, Ju und Samu.
      „Und wie war’s?“, fragte ich interessiert.
      „Wirklich gut. Aber du hast nichts verpasst“, versicherte Ju mir.
      „Wärst du so freundlich und würdest Lina ein wenig beschäftigen?“, flüsterte ich Vriska zu. Sie nickte.
      „Also es läuft gleich Human Centipede, alle Teile. Aber Ju und ich wollen lieber ans Wasser die Natur genießen. Du begleitest uns doch sicher?“, sagte sie zu Lina und nahm sie zur Seite.
      „Samu, können wir mal kurz reden?“, bot ich ihn und ging vor zur Tür.

      Lina
      Ein wenig überrumpelt ließ ich mich von Ju und Vriska mitschleppen. Ich versuchte gar nicht zu protestiert, denn die beiden sahen nicht so aus als würden sie Widerstand dulden. “Darf ich fragen, was ihr vorhabt? Ich mein Kanadas Sommernächten sind schön, aber meint ihr nicht wir sind zu viele für ein romantisches Date?”, scherzte ich.
      “Guck’ ihn dir doch an. Ich möchte nicht allein sein, verstehst du?”, flüsterte sie mir kichernd ins Ohr.
      “Da hast du recht, er sieht sehr gefährlich aus”, erwiderte ich mit stark ironischem Unterton und musste auch kichernd.
      “Weiber”, murmelte Ju nur vor sich hin und schüttelte den Kopf.

      Samu
      “Ähh, klar”, antworte ich Niklas und folgte ihm nach draußen. “Ich hoffe du möchtest mir nicht mitteilen, dass du was Dummes gemacht hast?”, fragte ich ihn ein wenig Misstrauisch. Auch wenn Lina ihm zu vertrauen schien, ich tat es noch nicht.

      Niklas
      “Noch ist sie nicht schwanger”, scherzte ich. Für Samu schien es nicht der passende Augenblick zu sein, so etwas zu sagen, denn seine Miene verzog sich direkt.
      “Keine Sorgen, mehr oder weniger alles gut. Ich muss mit Luchy sprechen. Jetzt. Sofort.”, antwortete ich kurz und hoffte, dass er sie zu bringt. Doch wie ein Felsen stand Samu vor mir und schien noch mehr auf der Seele zu haben.

      Samu
      “Warum das denn jetzt?”, fragte ich Begriffsstutzig. “Egal was du in deinem verrückten Hirn ausheckst ich hoffe, ich muss danach keinen Scherbenhaufen zusammenkehren”, fügte mich noch hinzu und bewegte mich immer noch keinen Zentimeter. Erst wollte ich wenigstens eine Ahnung davon haben, was er vorhatte. Dann würde ich mir vielleicht überlegen, ob ich ihm helfe oder nicht, schließlich stand hier das Seelenheil meiner besten Freundin auf dem Spiel.

      Niklas
      “Okay, dann jetzt in kurz und in ehrlich. Eigentlich wollte ich ihr zeigen, wie sie sich mir gegenüber zu verhalten hat, doch. Ich weiß auch nicht. Nach meinem Nervenzusammenbruch kam altes hoch und ich merkte, dass meine Abneigung ihr gegenüber einer Zuneigung zu sein scheint. Dann unterhielten wir uns, bemerkten die Gemeinsamkeiten und ich muss ihr helfen. Vorhin haben wir auf einer Bank gegessen und gemerkt, dass wir uns nach dem gleichen Sehnen. Aber das funktioniert so nicht. Deswegen habe ich beschlossen ihr das Einzige zu geben, was sie braucht. Divine.”, öffnete ich mich Samu und hatte wirklich Mühe die richtigen Worte zu finden. Denn das Letzte, was ich nun brauche, ist eine weitere Faust im Gesicht.

      Samu
      Ich spürte wie sich meine Muskeln anspannten, als er begann zu reden. Genau das war es, wo vor ich Lina schützen wollte. Doch als er weitersprach, merkte ich, dass es tatsächlich ernst mit ihr meinen Schien.
      “Irgendwo in dir drin, scheint doch eine Seele zu existieren”, sagte ich trocken. Er konnte echt froh sein, dass ich nicht war wie Jace, denn er hätte ihm vermutlich gleich noch mal mit seiner Faust bekannt gemacht.
      “Wenn du es tatsächlich so ernst meinst, werde ich dir helfen”, sagte ich ein wenig freundlicher und setzte mich in Bewegung. Divine war definitiv nicht das Einzige, was sie brauchte, doch der Hengst bedeutete ihr mehr als jedes andere Pferd auf diesem Planeten, das wusste ich. Ich hatte schon viele Nächte lang darüber nachgedacht, wie ich es anstellen konnte, dass sie für immer an seiner Seite bleiben konnte, doch mir fehlten einfach die Mittel dazu.
      Vor Luchys Bürotür blieb ich stehen und klopfte. “Luchy, da möchte jemand mit dir sprechen”, kündigte ich Niklas an und gab die Tür für ihn frei.

      Niklas
      “Hej, wir kennen uns gar nicht aber ich muss Ihnen sprechen. Ich habe von Lina erfahren, wie schwierig es am Hof ist, dass Divine hierbleibt und würde ihr, und dem Hof, eingefallen tun. Das alles hier ist so liebevoll gemacht, aber ich merke das es immer wieder am nötigen Kleingeld gefehlt. Mir fehlt es Herzlichkeit, Liebe und Familie. Wenn ich ihnen einen Scheck in Höhe von 500.000 SEK, also ungefähr 70.000 CAD, kann Lina dann Divine haben?”, platzte es aus mir heraus. Es nach dem ich zu Ende sprach, merkte ich wie abwertend das ganze klang. Hoffentlich verstand sie mich nicht falsch.
      “Also, mal ganz langsam junger Mann, was genau willst du mit dem Pferd überhaupt?”, fragte sie mich ein wenig irritiert.
      “Lina soll ihn bekommen”, antwortete ich überzeugt.
      “Na, wenn das so ist, da kann ich einfach schlecht nein sagen. Ich habe selten ein Pferde- Reiterpaar gesehen, das so perfekt harmoniert”, antwortete sie ruhig.
      Erleichtert zog ich aus meiner Hosentasche das Scheckheft, trug den Betrag ein und unterschrieb. Zum Glück hatte die Hofbesitzerin auch noch einen Vertrag da, den auch direkt unterschrieb. Mit der Eigentumsurkunde bewaffnet, lief ich mit Samu zum Bach an dem Vriska, Ju und Lina ein kleines Feuer im Sand entzündet hatten. Einige leere Bierflaschen standen ringsum.

      Samu
      “Egal, was du tust, warte noch einen Moment, ich muss erst noch mit ihr sprechen”, raunte ich Niklas zu, bevor ich auf Lina zuging.
      “Lina, was hältst du davon, wenn wir mal kurz spazieren gehen?”, sagte ich zu meiner Freundin. Sie schien zu ahnen, worum es ging und folgte mir ein Stück von dem anderen Weg. “Ich vermute du weißt, worüber ich mit dir reden will?”, fragte ich sie und sah ihr in die Augen.
      “Ja, ich denke, du willst mit mir über Niklas reden. Es ist wirklich ok Samu, du brauchst mich nicht vor ihm beschützen, er ist nicht das, was du denkst”, sagte sie recht überzeugt. Doch ich überhörte auch nicht den winzigen Hauch von Beben in ihrer Stimme. Ich nahm ihre Hände in meine und sah sie noch mal an. Ich sah immer noch das kleine zarte Mädchen, auf das ich damals zuging, als es weinend im Schulflur saß. Doch das war sie nicht mehr, ich musste wohl akzeptieren, dass sie nun ihre eigenen Entscheidungen traf und ich sie nicht mehr vor allem beschützen konnte. So musste es sich anfühlen, wenn die kleinen Geschwister Erwachsen wurden. “Und du bist dir ganz sicher, kleines?”, fragte ich sie noch einmal.
      “Ja, Samu ich möchte das, das hier der beste Sommer meines Lebens wird, auch wenn das Opfer erfordert”. Ich spürte, dass sie es tatsächlich ernst meinte und gleichzeitig wie viel Gefühl in der Antwort mitschwang. “Ich werde dir nicht im Weg stehen. Du weißt, ich bin für dich da, wenn du mich brauchst”, erweiterte ich sanft und umarmte sie freundschaftlich. “Ich weiß Samu, ich weiß”, flüsterte sie mir zu. Ich drückte sie noch einmal, bevor ich sie Sprichwörtlich in die große, weite Welt entließ.
      Ich sah ihr einen Moment lang hinterher, wie sie fröhlich zurück zu den andern ging, bevor ich ihr folgte.

      Niklas
      Erst jetzt wurde mir klar, was innerhalb eines Tages als passiert war. Aus der Verzweiflung heraus versuche ich mir ein Mädchen zu erkaufen, dass so viel zu ertragen bisher hatte. Egal was ich nun noch tue, es wird nicht gut enden. Außerdem schwang in meinem Kopf noch immer Vriska mit, die ich mit wenigen Worten zu allem bringen kann. Etwas, dass ich seit Jahren immer erträumt hatte. Doch ich möchte auch Ju nicht noch einmal enttäuschen. Aus dem Augenwinkel erblickte ich Lina, die mit Samu zurückkam. Glücklich setzte sie sich zu mir.
      “Ich finde es gibt nichts, was du jetzt mehr verdient hättest”, sagte ich zu Lina und drückte ihr etwas herzlos die Eigentumsurkunde in die Hand. Ju blickte schockiert zu mir, sagte jedoch nichts.

      Lina
      “Was ist das?”, fragte ich ein wenig verdutzt als mir Niklas etwas in die Hand drückte.
      Eigentumsurkunde, stand in großen Buchstaben darauf. HMJ Divine stand etwas weiter unten. Das konnte nicht wahr sein, dass alles hier musste ein Traum sein. Ich kniff kurz die Augen zu und sah mir das Stück Papier noch einmal an. Doch es war immer noch da, und es stand immer noch dasselbe drauf.
      Eine Welle von Emotionen überkamen mich, sodass ich kaum noch klar denken konnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich registrierte, was tatsächlich gerade geschehen war.
      “Das kann nicht dein Ernst sein”, sagte ich mit einem zittern in der Stimme. Ich spürte wie mir Tränen in die Augen stiegen und konnte beim besten Willen nicht sagen, ob es Freudentränen waren oder ob es die bittere Erkenntnis war, dass dieser Tag kein Traum gewesen war. All das, was heute geschehen war, war echt. Tatsächlich hatte ich mich innerhalb eines einzigen Tages in einen Mann verliebt, den ich nie würde haben können. Und oben darauf hatte genau dieser Mann mir gerade das Pferd meiner Träume Geschenk.
      Ich wusste absolut nicht, ob ich jetzt lachen oder heulen sollte.
      Seit ich Divine begegnet war, war das mein einziger Wunsch gewesen.
      “Nein das kann nicht wahr sein”, flüsterte ich und eine Träne lief mir über die Wange.
      Das Glücksgefühlt hatte den Kampf der Emotion nun doch gewonnen und ich konnte nicht anders, als Niklas um den Hals zu fallen.

      Niklas
      “Nicht so stürmisch, junge Dame.”, scherzte ich.
      “Jetzt mal ehrlich, hast du den ganzen Hof gekauft?”, fragte nun Ju kritisch.
      “Juha, dein Ernst? Was soll ich mit einem ganzen Hof in Kanada, der nicht danach aussieht, dass er schwarze Zahlen schreibt? Also No Front, euer Hof ist schön”, versuchte ich meine Aussage. Jedoch werde ich nicht ganz so falsch liegen.
      “Na, wenn das so ist Lina. Dann stoßen wir jetzt an”, forderte Vriska alle auf. Ich setzte Lina zur Seite und holte für uns alle ein Bier, dass im Bach zum Kühlen lag.
      Ehrlich gesagt, war mir das gerade alles zu viel. Alles, was ich wollte, war das sie glücklich ist. Nun ist sie es, aber zu welchem Preis? Ein Pferd, das sie jeden Tag daran erinnern wird, dass ich existiere und ihr auf lang oder kurz das Herz brach. Schließlich wird das Leben ohneeinander weiter gehen und darüber dachte ich nur noch nach.
      “Entschuldigt mich”, sagte ich, zog mein Shirt, Hose und Schuhe aus. Diese stellte zur Seite und sprang in Wasser.

      Samu
      Auch wenn ich kein gutes Gefühl bei der Sache hatte, hatte ich es zugelassen. Doch ich kann sie nicht ewig Beschützen. Und was ich wusste war, wenn Lina sich was in den Kopf gesetzt hatte, war es dort nicht mehr wegzubekommen, egal was es kosten würde.
      Für den Augenblick schien sie glücklich und ich freute mich auch für sie, doch was würde danach kommen.
      Was würde kommen, wenn sie endgültig merkt, dass er weg war. Würde ihr kleines, zartes Herz in tausend Stücke zerspringen? Würde sie das wirklich verkraften?
      Ehrlich gesagt ich weiß es nicht. Vielleicht hatte Jace zumindest in dem Punkt recht, dass Niklas nicht gut für sie war, nur dass es nicht aus dem Grund war, den ich zuerst angenommen hatte.
      Nachdenklich beobachte ich die Flammen, wie sie im Feuer tanzten und verfolgte den Flug der Funken. Wo würde das ganze hier nur hinführen?
      “Vriska, kannst du mir bitte sagen, dass das hier kein Traum ist?”, riss mich Linas Stimme aus meinen Gedanken. Meine beste Freundin hatte sich inzwischen ein wenig beruhigt, konnte scheinbar immer noch nicht ganz glaube, was passiert war.

      Vriska
      “Nein, Lina das ist kein Traum und wenn doch, dann kein guter”, platzte es aus mir heraus. Natürlich machte es mich auch glücklich, dass sie nun ihr Seelenpferd haben konnte, aber ich musste an den Stall zurückdenken.
      Auch Ju schien sichtlich unzufrieden mit der Situation zu sein
      “Bitte höre mir jetzt ganz genau zu. Erst mal herzlichen Glückwunsch zum Pferd, aber sieh ein das Niklas für genau den Moment als der Richtige erscheint”, begann er zu sprechen und setzte sich zu ihr. Aufmerksam hörte nun auch ich zu.
      “Aber genau dieser Typ wird spätestens in Schweden wieder in diverse Clubs mit mir gehen und anderen diese Hoffnungen machen, die er dir gegeben hat. So ist er halt und das wird sich nicht ändern. Vermutlich hat er dir auch von Joanna erzählt und dass sie 10 Jahre zusammen waren. Jedoch wird Nik dir gesagt haben, wie oft er sie hintergangen hat, besonders in seinem Auslandsjahr. Nie habe ich ihn derartig erlebt. Ich sage dir das jetzt nicht, damit du weinst oder die nächsten Tage nicht genießen kannst. Ich möchte nur, dass du das im Hinterkopf behältst. Also sollte er dir erzählen wollen, dass das als Fernbeziehung funktionieren wird. Dann bildet er sich das ein. Ich kann nicht immer darauf aufpassen, was er tut, denn ich habe ebenfalls ein Leben. Seitdem er letztes Jahr seine Ausbildung abgeschlossen hat, wurde er so oft versetzt, dass ich nicht mehr mitgezählt habe. Versteh das bitte und versuche nicht in irgendeinen Heiligen zu sehen, denn das ist er nicht und wird es auch nie sein.”, erklärte Ju nun ihr. Es war still geworden und alle schienen in dem Moment darüber nachzudenken, wieso er das ausgerechnet jetzt erzählen musste. Besonders, weil Niklas gerade nicht dabei war.

      Lina
      Jus Worte holten mich wieder auf den Boden der Tatschen zurück und mein kleiner naiver Traum zerplatze wie einer Seifenblase. Tief in mir drin wusste ich, dass er vermutlich... nein, dass es ziemlich sicher nicht funktionieren würde. Doch ich wollte es einfach noch nicht wahrhaben. Ich wollte so sehr daran glauben, dass ein einziges Mal funktionierte.
      Meine bisherigen Beziehungen, waren immer an dem Punkt gescheiter, wo ich mein tiefstes inneres offenlegte. Die meisten stießen mich dann weg, als hätten sie sich verbrannt. Keiner wollte ’beschädigte Ware’. Meine längste Beziehung endete in einem Nervenzusammenbruch meinerseits, womit mein damaliger Freund nicht klarkam. Seitdem hatte ich Männer gemieden und vor allem hatte ich mich nie getraut zu zeigen, wer ich eigentlich wirklich bin. Bei Niklas hatte sich alles richtig angefühlt und ich wollte zumindest für ein kurzen naiven Moment daran glauben, das es möglich war. Nur einen kurzen Augenblick.
      Umso schmerzlicher wurde mir gerade genau das bewusst, was Ju sagte.
      In 9 Tagen würde dieser Mann wieder nach Schweden verschwinden und ich wäre wieder allein. Samu hatte mich gewarnt und ich war trotzdem das Risiko eingegangen.
      So schnell wollte ich nicht aufgeben, ich würde darum kämpfen.
      “Lasst es mich wenigstens versuchen”, flüsterte ich mehr, als dass ich es wirklich sagte, “wenigstens ein paar wenige Tage”. Die letzten Worte gingen im Knistern des Feuers unter. Ich blickte die anderen nicht an, sondern zeichnete kleine Muster in den Sand. Ein Tick, den ich irgendwann entwickelt hatte, um emotional nicht vollkommen außer Kontrolle zu geraten.

      Niklas
      Erst als ich aus dem Wasser kam, wurde mir klar, dass keiner mit gefolgt war.
      “Was ist denn hier für eine Trauerstimmung?”, fragte ich zunächst scherzhaft. Dann bemerkte ich Lina, die irgendwas in den Sand kritzelte. Das kam mir bekannt vor. Als Hannes noch jünger war, hat er das auch immer gemacht. Etwas ernster fragte ich nun: “Ist irgendwas passiert? Ich war doch nur 10 Minuten weg und hatte was ganz anderes erwartet, wenn ich wieder komme.”
      “Du bist ein Arsch”, kommentierte Vriska. Unüberlegt trat ich näher an sie heran.
      “Wärst du so freundlich, dass zu wiederholen”, sagte ich klar und legte meine Hand fest an unter ihren Unterkiefer am Kinn.
      “Du bist ein Arsch”, wiederholte sie und begann zu grinsen.
      “Überleg’ dir ganz genau was du sagst”, flüsterte ich zu ihr und zog die Braue hoch. Eh ich weitersprechen konnte, stoppte Ju mich.
      “Beruhigt euch mal wieder’, das ist das Letzte, was wir heute noch gebrauchen können”, ging jetzt auch Samu dazwischen.
      “Ach Samu, mach’ dir da mal keine Gedanken. Das Einzige, was er gerade provoziert ist, dass ich mich aufrege. Aber ich bin’s wirklich langsam satt. Und genau deswegen habe ich Lina auch erklärt, wie es nach 9 Tagen weiter geht”, erzählt mir mein bester Freund nun. Natürlich hatte er auf eine Art recht mit Vriska, aber das gibt ihm nicht das recht so über mich zu urteilen.
      “Und was ist 9 Tagen? Vielleicht hilft mir das auch weiter, dann weiß ich, was ich nicht machen sollte”, fragte ich interessiert und setzte mich zu Lina, die es offenbar nicht mitbekam. Vorsichtig tippte ich sie an der Schulter an, damit sie sich nicht erschrak. “Was willst du jetzt? Hierbleiben oder gehen?”, flüsterte ich ihr zu, da Ju nicht wirklich motiviert war, es mir ins Gesicht zu sagen.

      Lina
      Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich wieder in der Gegenwart angekommen war. Sofort bemerkte ich die angespannte Stimmung. “Können wir bitte gehen, das ist alles viel zu viel heute”, antwortete ich Niklas, der auf einmal wieder da war. Er half mir auf, schnappte sich seine Klamotten und dann verließen wir das Feuer. “Warte bitte kurz”, sagte ich, als wir uns ein Stück entfernt hatten. Ich brauchte einen Moment durchzuatmen, jetzt in diesem kurzen Augenblick war schon wieder so viel passiert. Ich schloss meine Augen einen Moment und amtete die kühle frische Nachtluft ein. Auch wenn ich es eigentlich nicht hören wollte, ich musste ihn trotzdem fragen, also sammelte ich all meinen Mut und stellte ihm diese Frage: “Ju, hat recht, oder? Es wird kein gutes Ende nehmen...”. Mit großen Augen sah ich ihn an und wappnete mich schon mal für die Antwort, denn vermutlich würde sie hart werden. “Und das hier...”, ich wedelte mit der Eigentumsurkunde “.... soll ein Abschiedsgeschenk sein, oder?”, fügte ich noch hinzu.

      Niklas
      Ich erwischte mich bei dem Gedanken, wie viel wohl ein Taxi in Kanada kostet, um ihr dieses zu zahlen. Während sie einen Moment für sich brauchte, entschied ich mich dennoch dazu mich vor sie zu stellen. Ich konnte mir gerade nichts besseres Vorstellen, als mit ihr allein zu sein, unter dem Sternenhimmel.
      “Es kommt darauf an, was du bereits bist zu opfern”, begann ich zu ihr zu sagen und legte meine Hänge an ihre Taille.
      “Ich bin bereit darum zu kämpfen”, antworte sie und sah mich weiter mit großen Augen an.
      Unbedacht, dies Mal, ohne zu fragen, legte ich nun meine Hände an ihren Kopf und küsste sie. Einige Minuten vergehen eh sie mich weiter sprachen ließ.
      “Es gibt nur eine Möglichkeit, na gut eher anderthalb. Die für uns beide schmerzhafteste Lösung wäre die Tage miteinander zu nutzen.”, eh ich weitersprach, versicherte ich mich, dass wirklich richtige zu sagen. “Die weniger schmerzhafte wäre es, wenn du mitkommst. Denn, Kanada ist für mich wirklich keine Alternative. Bisher hatten wir noch nicht drüber gesprochen, aber ich bin bei der Polizei in Schweden. Weißt du? Sobald ich wieder zu Hause bin, habe ich Nachtschicht”, erklärte ich ihr und lass sie los. Ich musste einige Schritte zurückgehen, denn ich konnte nicht von ihr verlangen in ein anderes Land auszuwandern.

      Lina
      Dieser Moment war zwar weit entfernt von perfekt, doch bei dem Kuss fühlte ich mich für einen Wimpernschlag als würde ich schweben. Hoffnungsvoll lauschte ich seinen Worten und betrachte ihn im schwachen Mondlicht. Wollte ich den Moment genießen und mich auf ein bitteres Ende vorbereiten oder wollte ich tatsächlich kämpfen und nichts unversucht lassen? Jetzt lag es an mir abzuwägen. Würde ich hierbleiben, wäre ich in meiner gewohnten Umgebung, doch ob ich da emotional verkraften würde, wieder allein dazustehen, mit einem Pferd was mich jeden Tag daran erinnerte? Ob ich so eine Chance einfach verstreichen lassen konnte?
      Den Hof zu verlassen, würde mir sicherlich schwerfallen schließlich hatte ich hier so was wie eine zweite Familie gefunden. Doch Schweden würde auch bedeuten, dass ich näher an meiner Heimat war. Näher an meiner Schwester, von Schweden aus war es sogar denkbar, dass ich die mal wieder Besuchen konnte. Jahrelang hatte ich sie nur über einen Bildschirm gesehen und ich vermisste sie schon sehr, in letzter Zeit immer mehr.
      In ein anderes Land zu ziehen war ein großer Schritt, was wenn es nicht funktionieren sollte zwischen Nik und mir? Fand ich dort wieder einen Job? Was würde aus meinen Freunden hier werden?
      All diese Gedanken und noch einige mehr ratterten mir gerade durch den Kopf. Auch wenn ich fest entschlossen war, alles zu versuchen, war dies eine Entscheidung, die nicht leichtfertig getroffen werden sollte. “Ich denke, ich brauche ein paar Tage Zeit darüber nachzudenken. Das ist eine große Entscheidung,” antworte ich, auch wenn mein Herz bereits die Antwort kannte.

      Niklas
      Dass darüber nachzudenken schien, weckte Zweifel in mir. Ihren Traum zu zerstören, wollte ich jedoch auch nicht.
      “Klar, aber bedenke, dass das nichts Endgültiges sein muss. Du kannst es erstmal versuchen in Schweden Anschluss zu bekommen und bevor du beginnst, wie schön es wäre …”, verstummte ich. Dass ich mit 26 Jahren noch bei meinem Vater lebte, gehörte auch zu den Gründen, wieso ich zögerte. Eh die anderen uns erwischen, nahm ich sie hoch auf meinem Rücken und trug sie zu ihrem Zimmer. Bei dem Weg füllten sich meine Schuhe voll mit weichem Sand, was das Gehen mit einem menschlichen Rucksack nur bedingt leichter machte. Vor ihrer Zimmertür setzte ich sie ab und sprach weiter: “Was hältst du davon, wenn wir später mit Vriska drüber sprechen? Das LDS ist nur 20 Minuten entfernt vom Trainingszentrum und dort hättest du den ganzen Tag was zu tun. Ich weiß, dass Tyrell nicht viel zahlen kann, aber du kannst am Hof leben, bekommst die Nahrung finanziert und vor allem keine festen Arbeitszeiten. Und wenn dir das in paar Wochen oder erst Monaten wirklich zusagt, dann holen wir Divine her. Okay?”, versuchte ich ihre Gedanken in eine bestimmte Richtung zu lenken, besonders vom ‘ich sitze bei ihm zu Hause herum und warte, dass er kommt’.

      Lina
      ‘’Okay, du hältst es also für möglich?’’, murmelte ich leise. Der Flur, in dem mir standen, war dämmrig, das einzige Licht kam vom Mond, welches durch das Fenster am Ende fiel. Ich betrachtete Niklas, so wie er vor mir stand. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich in jemanden wie in Verlieben könnte, doch jetzt war es geschehen und auch noch so schnell.
      Wie konnte ein einziger Tag so viel in einem verändern? Mein Gehirn schrie mich förmlich an, dass ich diesen Gedanken lieber ganz schnell wieder vergessen sollte, doch da gab es noch die andere Seite. Die Seite in mir den Glauben und Hoffen wollte, die Seite, die heute so viele Entscheidungen heute getroffen hatte, die Seite, die diese ganze Kette an Ereignissen ausgelöst hatte.
      Nur zu gut spürte ich gerade die Wand in meinem Rücken. Flucht schien also kein Ausweg zu sein. Ich musste mich jetzt mit den Dingen auseinandersetzen. Ich konnte nicht mehr Weglaufen wie es sonst getan hatte, denn selbst wenn ich es Versuchte, die Ereignisse würden mich wieder einholen.
      Ich fragte mich was in Niklas gerade vorging. Bereute er seine Entscheidung? Die Frage viel mir schwer, aber ich musste sie einfach stellen.
      “Was denkst du wirklich über das hier? Und bitte sei ehrlich”. Ich hatte Angst davor ihn anzusehen, und die Antwort bereits zu erkennen, also wandte ich mein Gesicht von ihm Weg.

      Niklas
      “Ich versuche so ehrlich zu sein, wie ich kann.”, flüsterte ich vor mich hin und musste tatsächlich einen Moment darüber nachdenken.
      “Es fällt mir schwer zu beurteilen, ob das für uns beide in die richtige Richtung geht. Aber das können wir nur wissen, wenn wir es versuchen. Noch haben wir einige Tage vor uns. Sollte es länger dauern, dann bleibe ich erstmal und versuche meine Schicht zu tauschen. Ich möchte nicht, dass du allein fliegst. Aber ich gehe jetzt rüber. Vermutlich hat Ju mir noch ein paar Sachen zu sagen.”, flüsterte ich ihr zu und gab Lina einen Kuss auf die Stirn, dann bewegte ich mich in Richtung Zimmer.
      “Okay”, hauchte sie nur und blieb dort stehen.
      Der Weg erschien mir unendlich lang. Immer wieder flackerte der Mond durch die Bäume und ich spürte wie mein Herz ins unermesslich stieg. Ich kann dem nicht entfliehen, dachte ich mir und stand zum Glück vor der Tür. Ju war da. Allein. Tatsächlich legte sich meine Anspannung etwas ab, denn ein Flashback könnte jeden Moment kommen. Schnell zog ich mein Handy aus der Hosentasche, besser gesagt, ich wollte es herausziehen. Denn es war nicht da.
      “Was suchst du?”, fragte mich mein Kumpel.
      “Eigentlich mein Handy, aber es ist nicht mehr in meiner Tasche.”, antwortete ich verwirrt, aber machte mir keine Gedanken weiter drüber.
      “Wollen wir draußen gucken gehen?”, bot er seine Hilfe an. Ich schüttelte den Kopf. Meine Sachen warf ich in die Ecke, holte aus dem Kühlschrank ein weiteres Bier und setzte mich zu Ju an den Tisch.
      “Was hast du auf dem Herzen?”, fragte ich ihn wenig später.
      “Du machst es mir nicht leicht, weißt du das? Ich habe dich mit Lina reden gehört. Vielleicht solltest du dir auch die ganze Sache noch mal durch den Kopf gehen lassen. Denk dran, bald kehren wir zurück in die Normalität. Du musst zur Arbeit, das Training und dann noch eine Freundin. Wie willst du das alles stemmen? Wenn wir nicht zusammen trainieren würden, sähen wir uns gar nicht.”, versuchte Ju an meine Vernunft zu appellieren.
      “Ich werde nächstes Jahr 27 Jahre und habe gerade mal meine Ausbildung fertig. Den Leistungssport werde ich sicher auch nicht mehr lange machen können, also muss ich mich doch vorbereiten.”, wollte ich ihm klarmachen, aber verstummte dann. Das Bier war innerhalb kurzer Zeit schon leer und ich machte mich fertig fürs Bett. Auch Ju schien geschafft vom Tag zu sein.
      “Also meinst du es ernst mit ihr?”, fragte er, als wir im Bett lagen. Ich antwortete ihm nicht.

      Lina
      Ich hatte Niklas noch nachgeschaut, wie er den Flur runterlief, bis er am Ende der Treppe verschwunden war. Wie angewurzelt Stand ich da. Erst als er verschwunden war, war ich in der Lage mich wieder zu bewegen. Erschöpft stolperte ich in mein Zimmer. Ohne Licht anzumachen, legte ich Divines Eigentumsurkunde auf die Kommode und ließ mich auf mein Bett fallen. Ich hatte heute so viel gefühlt, dass ich mich jetzt nur noch leer fühlte. Ich war nur noch eine leere Hülle. Mechanisch streifte ich mir noch die Schuhe von den Füßen, bevor ich einschlief.

      Nachdem auch die letzten den Weg ins Bett gefunden hatte, kehrte Ruhe auf dem Hof ein. Allmählich wich die Nacht dem Tag und die ersten Sonnenstrahlen locken die Bewohner wieder aus ihren Betten.

      Samu
      Schon bei Sonnenaufgang, war ich aufgestanden, um ein Runde joggen zu gehen. Gestern war so einiges geschehen, was ich nicht gutheißen konnte, doch ich brauchte dringend einen klaren Kopf, bevor ich Lina wieder gegenübertrat. Was auch immer sie sich gedacht hatte, als sie sich auf Niklas einließ. Ich konnte jetzt nur noch versuchen ihr, als Freund beizustehen.
      Da ich Lina seit gestern Abend am Bach nicht mehr gesehen hatte, machte ich mich nach einer Dusche auf die Suche nach ihr.
      Vorsichtig klopfte ich an die Zimmertür, “Darf ich reinkommen?”, fragte ich. Von drinnen kam keine Antwort. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Lina stand vor dem Spiegle und starrte sich selbst an. Sie trug immer noch die Klamotten von gestern und die Schuhe lagen achtlos neben dem Bett.
      “Alle ok, Kleines?”, sprach ich sie an, als ich in das Zimmer trat. “Bin das noch ich”, fragte sie mich sah aber weiterhin in den Spiegel. Sie war definitiv noch sie selbst, wenn nicht sogar mehr als sie selbst als sie die letzten Jahre gewesen war, denn die Fassade des immer fröhlichen Mädchens war verschwunden.
      “Ja, du bist mehr du denn je. Du kannst nicht ewig vor dir selbst wegrennen, du musst es zulassen”, sagte ich sanft und legte meine Hand auf ihre Schulter. Jahrelang hatte sie sich versteckt und ihr Probleme in sich reingefressen. Doch jetzt, wo sie sich endlich jemandem anvertraut hatte, der sie verstand, schien sie daran zu zerbrechen. Endlich drehte sie sich um und sah mich an. “Lina, egal wie du dich entscheidest, ich werde dich bei allem Unterstützen”, sagte ich sanft zu ihr und nahm sie in den Arm. “Danke, Samu” flüsterte sie in mein Shirt.
      “Weißt du, du gehst jetzt duschen, ziehst dich um und dann gehen wir erst einmal Frühstücken. Das bringt dich vielleicht auf andere Gedanken, schlug ich ihr vor. Sie schon gleich ein wenig zuversichtlicher zu sein. “Ich hol dich in 20 Minuten ab”, sagte ich noch und verschwand aus dem Raum.

      Vriska
      So schnell wie Lina und Niklas verschwanden, kann er nichts Gutes im Schilde haben. Doch ich konnte nicht weiter meine Gedanken an den Kerl verschwenden, denn es ist bald vorbei. Bevor ich mich auf den Weg zum Essen machte, stand Duschen auf dem Plan.
      “Guten Morgen”, kam ich in den Raum und setze mich an einen freien Tisch. Weder Lina war da noch Ju oder gar Niklas. Stattdessen kam Milena zu mir.
      “Und ist was gelaufen mit euch?”, fragte sie aufgeregt.
      “Selbst wenn, dann erzähle ich es dir nicht.”, knurrte ich sie an und warf einen Blick über das Buffet. Schnell wurde ich fündig und stapelte das Frühstück auf meinem Teller. Damit setzte ich mich zurück an den Tisch. Dann kam endlich Ju wieder, allein.
      “Wo ist denn deine bessere Hälfte?”, scherzte ich, als er sich dazu setzte.
      “Godmorgon, der schläft noch und scheint nicht so fit zu sein, deswegen habe ich ihn im Bett gelassen.”, erklärte er mir, eh Ju sich selbst was zum Essen organisierte.

      Lina
      Samu hatte recht. Ich lief schon mein ganzes Leben lang vor mir selbst weg und das musste endlich aufhören. Auch wenn das nicht einfach werden wird, gehört auch meine Geschichte dazu.
      Nach einer heißen Dusche fühlte ich mich schon um einiges besser und auch die trüben Gedanken waren ein wenig in den Hintergrund gerutscht.
      Als ich meine Klamotten, raussuchte fiel mein Blick auf Divines Eigentumsurkunde und das heiterte mich ein wenig auf. Egal was passieren mag, dieser Hengst würde mich ab jetzt für immer begleiten.
      Es klopfte an der Tür und Samu steckte seinen Kopf durch die Tür. “Bist du fertig”. Bei seinem Anblick musste ich unwillkürlich grinsen. Wie schaffte es mein bester Freund eigentlich jeder Situation, doch noch etwas Positives zu finden? Er strahlte jetzt schon wieder so eine Zuversicht aus, das ist einfach unglaublich.
      “Ja, aber bevor wir zu Frühstück gehen, muss ich noch mal kurz woanders hin”, sagte ich mit einem kurzen Blick auf das Papier auf der Kommode.
      “Na, klar, dein kleiner Prinz wartet bestimmt schon auf seine Möhre, die du ihm immer bringst”, sagte der Finne. Er hatte mich bisher immer damit aufgezogen, dass ich morgens als Erstes zu Divine ging, doch heut schien er sich tatsächlich darüber zu freuen.
      “Na dann los”, sagte ich und quetschte mich an Samu vorbei.
      Im Stall angekommen lief ich, als Erstes in die Sattelkammer um etwas aus dem Spind zu holen.
      Der Spind sah wohlgemerkt wieder wunderschön aus, da hatte Niklas ganze Arbeit geleistet. “Na, wo ist denn…”, sagte ich zu mir selbst und begann im Spind zu suchen. “Ohhhh, da ist es ja”, rief ich triumphierten, als ich endlich die Leckerlipackung fand und aus dem Fach zog. Dabei fiel noch etwas anderes heraus. Ein kleiner Schutzengel. Meine Schwester hatte ihn mir damals Geschenk und eigentlich war er für Vijami vorgesehen gewesen.
      Lange hatte ich ihn den kleinen Engel in der Schublade gelassen.
      “Ich glaube, heute ist der Tag gekommen, wo du einen Job bekommst”. Jeder der mich sah, wie ich gerade mit einem kleinen Anhänger redete, musste mich vermutlich für vollkommen verrückt halten. Gut, dass mir keiner zusah.
      Samu war in der Stallgasse geblieben und kraulte Divine ausgiebig, der natürlich seinen Kopf über die Boxentür steckte.
      “Guten Morgen, mein kleiner Prinz”, begrüßte ich den Freiberger als ich seine Box betrat. Natürlich begann er gleich nach einem Leckerli zu suchen, welches er auch bekam. Ausgiebig kraulte ich den Hengst an seine Lieblingsstellen. Freundlich begann er mich anzuknabbern. Das war unser allmorgendliches Ritual und diese Momente gehört nur meinem Pferd und mir. Irgendwann trat ich aus der Box heraus und Samu wollte schon gehen, doch ich hielt ihn noch kurz auf. “Warte, ich muss noch eine Kleinigkeit erledigen”, sagte ich, während ich nach Ivis Halfter griff. Mit ein paar Handgriffen befestigte ich den kleinen Anhänger an seinem Halfter. Die blauen Perlen und die silbernen Flügel passen einfach perfekt zu seinem blauen Halfter, wie als wäre das schon immer so gedacht gewesen.
      “So, jetzt können wir gehen”, sagte ich mit einem Lächeln auf den Lippen.
      Auf dem Weg zum Frühstücksraum wurde ich ein wenig nervös, weil ich nicht abschätzen konnte was mich dort erwarten würde. “Das wird schon”, sagte Samu zu mir, der meine Anspannung bemerkt hatte. Mit einem mulmigen Gefühl betrat ich den Raum.

      Vriska
      Endlich erblickte Lina. Zusammen mit Samu betrat sie den Raum.
      “Hier” winkte ich die Beiden aufgeregt zu uns.
      “Na, gut geschlafen?”, fragte Ju die Ankömmlinge.
      “Naja, geht so, war ein wenig unbequem”, antwortete Lina.
      “Also ich habe wunderbar geschlafen”, schloss sich Samu an.
      “Wieso unbequem?”, fragte ich Lina etwas ungläubig, den von Ju wusste ich, dass Niklas nicht bei ihr geblieben ist. Demnach musste sie sich das Bett niemanden teilen und hatte alle Freiheiten.
      “Es empfiehlt sich eindeutig nicht in Jeans zu schlafen”, antwortete Lina knapp.
      Ich lachte.
      “Guten Morgen! Nach dem Theorieunterricht am gestrigen Tag wollen wir das nun am Pferd einmal anschauen. Deswegen findet euch in kleinen Gruppen zusammen und wir treffen uns alle am Stall. Dann werden wir heute die Ausrüstung kontrollieren und in der Reithalle Lockerungsübungen für das Genick machen. Wir sehen uns später”, sprach Herr Holm zu uns und kam an unseren Tisch.
      “Ju, sag’ mal wo ist denn Niklas. Der kommt doch sonst nie zu spät.”, fragte er offensichtlich besorgt.
      “Dem geht es nicht so gut, offenbar sind die Schmerzen größer als er wartet.”, sagte Ju. Der Trainer des Teams nickte nur und Verstand.
      “Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber ich will jetzt reiten”, gab ich zu stand auf.

      Lina
      “Reiten klingt gut”, stimme ich Vriska zu. Als Ju erwähnt hatte, dass Niklas heute Morgen wohl nicht kommen würde machte ich mir zwar ein paar Gedanken, doch ich vermute, dass ich in dem Punkt gerade nicht viel helfen konnte. Also blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich auf die kommende Stunde zu konzentrieren.
      Da kam mir gleich die Frage, welches Pferd ich nehmen sollte. Divine, könnte ein bisschen Arbeit gut vertragen, aber da war ja immer noch das Problem, das er klebt. Das war keine Gute Voraussetzung für eine Gruppenstunde. Also musste ich mich wohl oder über für ein anderes Pferd entscheiden. Während ich darüber nachdachte, folgte ich den andern, die bereits aufgestanden waren und gerade den Raum verließen.

      Niklas
      Geplagt von den schlimmsten Kopfschmerzen, die ich je hatte, suchte ich nach meinem Handy, dass ich zuletzt am Wasser hatte. Also zog ich mir rasch eine Hose und ein dünnes Shirt drüber, um mich auf die Suche zu machen. Es gibt nichts Schlimmeres, als im Ausland zu sein, ohne Handy. Seit der Ankunft konnte ich kein Back-Up machen, weswegen es mir umso wichtiger war, das blöde Ding wiederzufinden. Draußen war es nahezu still. Einige Pferde hörte man in seinen Boxen, andere fraßen auf den Weiden und Vögel sangen ihre Lieder. Das Licht stach mir in die Augen, weswegen ich noch einmal umkehrte, um meine Sonnenbrille zu holen.

      Vriska
      “Kommst du auch mit?”, fragte ich Ju, der bereits aufgegessen hatte.
      “Öhm ja, aber ich gucke nur zu. Amy war gestern nach dem Baden fertig”, antwortete er. Also nahm ich seinen Teller mit und stellte beides in die Schüssel, in der das dreckige Geschirr abgelenkt werden sollte.
      Ich hatte mir am Morgen bereits meine Reitsachen angezogen, um mir nicht den Stress zu machen, den Ju nun hat. Er verabschiedete sich kurz von mir und zog sich etwas anderes an. In der Zeit holte ich Glymur von der Weide, auf der zur Sicherheit wieder ein Strick zusätzlich herumgebunden wurde am Tor.
      “Na du Strolch. Heute musst du arbeiten.”, begrüßte ich den Hengst und bot ihm ein Stück Möhre an, dass ich vom Frühstück mitgenommen hatte. Freundlich prustet er mich an und schleckt meine Hand ab.
      Im Stall stand bereits Lina mit einem schicken Rappen.
      “Oh, was hast du denn da ausgepackt? Willst du jemanden beeindrucken etwa?”, scherzte ich, als ich Glymur einige Meter weiter anband.
      “Das ist Legolas. Also bitte, ich kann nicht dafür das, ich für diesen schicken Kerl verantwortlich bin”, antwortete sie grinsend.
      “Na dann bin ich mal gespannt, wer von euch beiden in der Halle eine bessere Figur macht”, neckte ich sie und begann meinen Hengst fertig zu machen, der nicht wirklich begeistert von Legolas zu sein scheint. Mit angelegten Ohren schnappt mein Isländer nach dem etwas größeren Hannoveraner, der sich davon überhaupt nicht beeindrucken lässt. Gelassen steht dieser da und beobachtet Lina beim Putzen. Vermutlich hofft er eine Leckerei zu bekommen.
      “Ach schön, ihr seid schon so weit”, sagte Herr Holm und kam näher.
      “Anna ist schon vorgegangen mit Lubi. Bei ihr war das Reithalter zu eng, weswegen ich es einfach entfernte”, setze er fort und präsentierte dieses.
      “Gut, dass das Ding eh keiner braucht”, ging Lina auf den Kommentar des Trainers ein.
      “Das kommt darauf an, du bist ja leider früher gegangen, deswegen Zeige ich dir mal kurz was oder noch besser, erklärst du Lina doch einmal wieso ein schwedisches Reithalfter nur mit bedacht genutzt werden sollte”, sagte er dann zu mir und drückte mit Lubis Reithalfter in die Hand. Da Legolas noch nicht getrenst war, zog ihm das Halfter über den Hals und das Ding an den Kopf.
      “Ähm, grundsätzlich ist mit dem Reithalfter alles gut. Auch an deinem Hengst sitzt es zwei Finger entfernt vom Jochbein. Leider ist das Verschließen ein großes Problem. Immer weniger achten darauf, dass zwischen Halfter und Nasenbein mindestens 2 Finger drunter passen sollten. So passiert es auch schnell bei diesem Verschluss. Einmal gezogen und fester wird es nicht mehr. Die Umlenkrolle verändert die Krafteinwirkung so, dass man nicht merkt, wie doll es drückt.”, erkläre ich ihr und demonstriere es vorsichtig am Kopf des Hengstes. Obwohl ich zum Schutz meine Finger dazwischen gelegt habe, legt Legolas seine Ohren an, als ich am Riemen ziehe zum fest machen.
      Herr Holm lobt uns beide und guckt sich noch an, wie wir gesattelt haben und vermittelt uns freundlich, aber diskret, dass wir zur Halle kommen sollen.
      “Also eigentlich ist das nicht so mein Ding, aber ich will wissen was das mit dir und Niklas ist”, tastete ich mich langsam an Lina ran, als wir uns auf dem Weg zur Halle befanden.

      Lina
      “Das ist… ein wenig kompliziert”, zögerte ich ein wenig ihr zu antworten. Naja, eigentlich konnte ich es ihr auch erklären. Ich vermute früher oder später wurde sie es eh mitbekommen, dennoch hatte ich ein wenig Schiss vor ihrer Reaktion. “Ok, du solltest wissen, ich hatte es nicht immer einfach. Niklas … gibt mir einfach das Gefühl etwas Besonderes zu sein und das alles an mir ok ist”, erklärte ich Vriska. Inzwischen waren wir fast an der Halle angekommen.
      “Ja … Das kann ich nachvollziehen.”, murmelte sie, aber ich konnte es noch hören.
      “Naja ... dieses Gefühl hatte ich noch nie bei einem Außenstehenden, der meine Geschichte nicht miterlebt hat”, erzählte ich weiter. “Und wenn ich ehrlich bin…, bin ich selbst ein wenig überrascht, dass das ausgerechnet hier und jetzt passiert”, fügte ich hinzu. Ich spüre wieder den Drang Muster zu malen, da dass hier nicht möglich war, begann ich automatisch die Zügel in meiner Hand durchzukneten.
      Mit einem schnipsen holte sich mich zurück. “Lina? Aber wie geht es den weiter, weil naja. 8 Tage sind schneller vorbei als man denkt.”, wiederholte sie leise, damit Anna es nicht mitbekam, die an uns im Schritt vorbeiritt.
      “Konzentration bitte, aufsteigen!”, motzte Herr Holm.
      “Ich weiß es nicht”, flüsterte ich Vriska zu, bevor ich mich meinem Pferd zu wand und aufstieg. Seit gestern Abend hatte ich nicht weiter darüber nachgedacht, wie es weitergehen sollte. Legolas stolpern, erinnerte mich daran, dass ich mich jetzt auf etwas anderes konzentrieren muss. Ich amtete einmal tief durch und fokussierte mich auf mein Pferd. Jetzt gerade musste meine volle Aufmerksamkeit dem Rapphengst gehören.

      Vriska
      “Du Idiot”, flüstere ich zu mir und meinte mich damit. Was hatte ich eigentlich erwartet von den Fragen? Vermutlich spricht sie gerade jeder Zweite darauf an, wieso sie jetzt was mit dem hat. Niemanden geht das was an. Ich sah das auf der Tribüne Samu, Milena und Ju sitzen.
      “Tief durchatmen”, sagte ich mir und blieb mit Glymur zunächst in der Mitte stehen. Wenn ich mich nicht fallen lasse, dann kann ich es auch nicht von meinem Hengst erwarten.
      “Är du rädd? (Hast du Angst?)”, wird Anna frech. Ich beachtete sie nicht weiter, aber die Worte trafen mich dennoch. Sie schien es mitbekommen zu haben und freute darüber. Herr Holm maßregelte sie.
      Im Schritt ritt ich an und wärmte den Hengst zunächst auf.
      „Anders, ich schätze mit Isländer wirst du nicht viel Anfangen können“, merkte Frau Wallin an, die die Reithalle betrat. Er lachte und bot sie dazu.
      Es war deutlich zu spüren, dass Glymur ziemlich kurz ist in seinen Tritten, sich deswegen nicht fallen lässt. Mit einigen Übungen hoffte ich, dass er seinen Rücken etwas mehr aufwölbt. Damit er sich auch ein bisschen mehr fallen lässt und Schritte vergrößert. Als Erstes achtete ich darauf, dass er gleichmäßigere Schritte machte. Da es für Glymur aber sehr anstrengend war, gab er nicht auf sich dem zu entziehen. Er schüttelte seinen Kopf und wurde immer kürzer. Zur Hilfe stellte ich ihn ein wenig nach Innen, damit er Außen etwas mehr Luft hatte. Dabei dehnte er sich schon etwas mehr. In seiner guckigen Art, weil Lubi mit in der Halle war, stolperte er mehrfach. In meinem Kopf kam die Angst vom Sturz wieder. Panisch hielt ich den Hengst an.
      “Vriska, wenn Glymur gleichmäßiger laufen soll, musst du ihm auch die Möglichkeit dafür geben. Selbst wenn er stolpert, wirst du nicht direkt herunterfallen. Und wenn doch, dann solltest du deinen Sitz einmal mehr kontrollieren. Also bremse ihn nicht andauernd und wenn es dir hilft, lass die Zügel noch länger. Dann klammerst du dich nicht mehr so denen”, merkte Frau Wallin an, nachdem ich den Hengst wieder einmal in den Halt durchparierte. Ich atmete noch einmal tief durch und setzte mein Pferd wieder in Bewegung. Je mehr ich mich in den Sattel setzte, umso mehr richtete sich Glymur auf. Einen Naturtölter zu haben ist Segen und Fluch zugleich. Mit ihm wird man die Schwierigkeiten haben den Takt im Tölt zu finden, doch einen ordentlichen Trab zu haben oder gar Galopp bedarf so viel mehr Training. Doch ich kann mich nicht beschweren. Noch immer freute ich mich sehr dieses Pferd zu haben und wir kennen uns einander auch noch nicht so gut, da ich nur einige Tage vorher ihn geritten bin am Hof, dann ging es schon wieder weiter nach Kanada. So könnte man sagen, dass Glymur und ich gerade eine Kennenlernfahrt haben. Mit diesem Gedanken flutschte das Aufwärmen direkt viel besser. Ich gewann mehr Sicherheit und seine Ohren vermitteltet mir ebenfalls, dass er gut zuhörte.

      Lina
      “Bevor wir hier auch mit dir richtig anfangen, wollte ich noch fragen, ob du kurz was zu dir und deinem Pferd sagen kannst, damit ich einen besseren Eindruck von euch bekomme. Wie lange reitest du schon? Wie alt ist dein Rappe? Was fällt ihm schwer, was besonders gut?”, begann Herr Holm den Unterricht mit mir.
      “Also ich reite jetzt ungefähr schon knapp 14 Jahre, aber erst seit knapp 5 Jahren mit Unterricht. Legolas hier reite ich jetzt ca. seit ca. 4 Monaten. Er ist 12 Jahre alt. Besonders schwerfallen ihm Seitengänge, vor allem auf der linken Hand. Übergänge und Tempowechsel sind dafür sein Spezialgebiet”, beantwortete ich den Trainer die Fragen, während ich auf dem Zirkel um ihn herumritt. Da ich vorher immer bevorzugt, kleiner Pferde geritten bin, fiel mir die Umstellung auf diesen großen Hengst damals gar nicht so leicht, denn er brachte sehr viel Schwung mit sich, was mir auch heute teilweise Probleme bereitet.
      “Gut, dann erstellen wir jetzt wohl noch einen Fahrplan für euch Beide. Du möchtest also das die Seitengänge besser funktionieren?”, fragte er mich. “Ja, genau”, antwortete ich.
      “Supi. Dann reite ihn zunächst so warm, wie du es sonst machst, denk auch dran ihn auch zu versammeln. Wenn was ist, wirst du es schon mitbekommen”, lachte er und wendete sich zu Anna mit Lubi ab. Ich begann also damit, den Hengst erst einmal im Schritt aufzuwärmen. Wie immer startete ich dabei erst mit größeren und dann immer kleineren gebogenen Linien. Legolas war kooperativ, auch die anderen Pferde störten ihn nicht. Nachdem ich ihn ausreichend im Schritt vorbereitet hatte, nahm ich auch den Trab dazu. Auch diesen ritt ich mit vielen gebogenen Linien. Ab und zu ließ ich ihn an der langen Seite ein wenig an Tempo zulegen, bevor ich ihn wieder einfing. Der Hengst war heute schon aufmerksam und gab sich Mühe, meine Hilfen umzusetzen. Solang ich noch Leichtraben konnte klappe es so weit auch ganz, gut doch als ich begann das Aussitzen dazu zunehmen, stieß ich mal wieder an meine Grenzen.
      „Lina, wenn du nicht sicher bist im Aussitzen dann Trab lieber leicht. Ansonsten kann Anna dir das sicher erklären.”, sagte Herr Holm zu mir und ich schaute zu Anna, die gerade mit ihrer Stute versammelt trabte. Ihr Gesichtsausdruck drückte keine Begeisterung aus, doch sie schien mir helfen zu wollen.
      “Wenn’s sein muss, okay. Also deine Beine müssen entspannt parallel zum Pferd liegen. Achte darauf, dass du nicht verkrampfst, sondern die Bewegung deines Pferdes fühlst. Deine Beinmuskelatur zieht? Dann ist es richtig. Setz’ dich so tief wie möglich in den Sattel, ohne dich nach Hinten zu lehnen, schließlich bist du nicht Vriska mit ihrem Kartoffelsacksitz. Denk’ auch daran zu atmen. Was mir damals geholfen hat, war die Steigbügel über den Sattel zu legen und dann den Gedanken zu haben, dass ich Wasserkanister an den Füßen habe. Deine Hüfte muss leicht nach vorne bewegt sein.”, erklärte sie mir dann. Natürlich war mir ihr Kommentar zu Vriska nicht entgegen, aber ich hatte definitiv keine Lust noch jemanden da zuzubringen mir wegen irgendetwas auf die Nerven zu gehen.
      Ich versuchte ihre Tipps so gut wie möglich umzusetzen, auch wenn ich mich ein wenig wie ein Reitanfänger fühlte, als ich die Steigbügel über den Sattel legte.
      Aus dem stand heraus ich meinen Hengst wieder an und konzentrierte mich auch meinen Sitz. Ok, Lina tief in den Sattel und vor allem, weiteratmen, dachte ich mir. Und siehe da es funktionierte tatsächlich. Da das bei einem Pferd mit so viel Schwung allerdings recht anstrengend war, ging ich doch recht schnell wieder zum Leichttraben über.
      Auch, wenn ich mich auf mein Pferd konzentrierte waren, mir Milenas spöttische Blicke Vriska gegenüber nicht entgangen.

      Niklas
      Das Ding war es nicht Wert weiter meine Zeit mit der Suche zu verschwenden. Meine Hoffnung beruhte darauf, dass es keiner gefunden hat, denn ich Idiot habe keinen Pin zum Entsperren drin. Im Zimmer zog ich mir etwas anderes über und warf noch eine Schmerztablette ein, denn die vorherige schien langsam ihre Wirkung zu verlieren. Über der Tür hing eine Uhr, die mir zeigte, dass ich fast zwei Stunden damit verbracht hatte mein Handy zu finden. Auch Schuldgefühle kamen in mir hoch. Lina dachte nun bestimmt, dass ich sie verarscht habe oder irgendwas. Kurz musste ich innehalten, eh mich auf die Suche nach dem Viergespann machte. Ich begegnete niemanden, denn ich hätte fragen können, wo alle sind. Es schien, als seien alle vom Erdboden verschluckt worden sein. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen zu lassen, mal ‘mein’ Pferd zu besuchen. Da Lina ihn selbst auf die Weide brachte, kam es nicht viele Möglichkeiten, wo Divine steht. Tatsächlich entdeckte ich ihn im Stall.
      “Guten Morgen. Ich hoffe, du kannst dich besser um sie kümmern als ich. Schließlich musst du nicht damit rechnen jeder Zeit was Falsches zu sagen”, führte ich einen Monolog mit dem Schimmel, der mich freundlich anstupste.
      “Was denn los?”, versuchte ich von ihm zu erfahren, was sich als eher schwierig herausstellte. Sogar Smoothie antwortete mir nie auf diese Frage.
      “Denkst du, Lina ist sauer, wenn wir mal gucken gehen, was sie gerade macht?”, fragte ich ihn, doch nun schien er mir was zeigen zu wollen. Divine hob sein Kopf, als würde er darauf warten mitzukommen. Also schnappte ich mir das Halfter, dass an der Box hing. Ein kleiner Engel hing dran.
      “Oh, was hast du denn da dran?”, zeigte ich ihm. Keine Reaktion. Pferde halt. Vorsichtig zog ich ihm das Halfter um und führte ihn heraus. Beim Herausgehen griff ich noch nach einer Gerte, die am Eingang herumlag. Schnellen Schrittes versuchte er vorauszulaufen, doch mit der Gerte an der Brust bremste ich ihn. Sein Blick richtete sich zur Reithalle, da er vermutlich gerade mehr sehen konnte als ich, entschied ich ihm diesen Willen zu lassen. Schon von weiten konnte ich Herrn Holm hören. Neugierig stellte ich mich an den Eingang der Halle, während der Hengst fröhlich ein paar Grashalme verschlang.
      “Was hast du denn da mitgebracht?”, fragte Anna abwertend, was ich nur an ihrer Stimme erkennen konnte.
      “Das wohl wertvollste Pferd hier in der Halle”, antwortete ich stumpf.

      Lina
      Ich war etwas irritiert, als ich die Antwort auf Anna Frage hörte, denn es war ganz klar Niklas’ Stimme. Neugierig lenkte ich meinen Rappen zum Tor, wo Anna mit ihrem Pferd stand, denn die Antwort hatte mich Neugierig gemacht. War Smoothie so wertvoll? Doch der Anblick vor der Tür überraschte mich. Vor der Tür stand Niklas mit Divine am Strick, der gemütlich ein paar Grashalme rupfte. “Was machst du denn hier?”, fragte ich ein wenig erstaunt und wusste nicht genau, ob ich, damit mein Pferd oder Niklas meinte.
      “Ich kann auch wieder gehen, wenn dir das lieber ist!”, scherzte er, ohne meine Frage wirklich zu beantworten. “Nein, nein bleib ruhig da, aber meinst du nicht ich hätte mein Pferd auch selbst gefunden? Auch und es ist ja schön, dass du dieses Pferd so sehr zu schätzen scheints, aber… so wertvoll ist er jetzt auch nicht. Nur weil er so heißt, ist er trotzdem noch kein Gott”, antworte ich immer noch ein wenig verwirrt. Ich hatte mit Legolas die Reitbahn, verlassen um nicht allen im Weg zustehen, der Unterricht war ohnehin beendet.
      “Doch ich glaube ganz fest daran, dass du dein Pferd selbst gefunden hättest. Nur ich hätte dich wohl ohne ihn nicht gefunden. Und doch schon, wenn wir es materiell betrachten. Ich habe einen Jahreslohn auf den Tisch gepackt für ihn.”, flüsterte Niklas mir zu und schien die letzten Worte eher verschlucken zu wollen. Erst jetzt, als ich abgestiegen war, merkte ich das Niklas mich anblinzelte, wie ein Maulwurf, doch das war mir gerade egal.
      “Bitte was hast du?”, fragte ich ein wenig geschockt. “Nicht dein erst!”. Ich musste mir sehr viel Mühe geben, meine Lautstärke zu zügeln, damit es nicht die ganz Halle mitbekam. Divine hob den Kopf und sah mich verständnislos an.
      “Jetzt beruhig dich, das geht die alle nichts an.”, begann er zu sprechen und führte den Hengst ein Stück weiter weg von der Halle.
      “Ich wollte dir eigentlich nicht sagen, wie viel ich dafür hingeblättert, da das Geld alles abdecken sollte. Und ganz ehrlich? Geld ist da, um es auszugeben. Denkst du wirklich, dass ich Arbeiten gehe, um welches zu verdienen?”, fragte Nik neckisch und versuchte mich zu kitzeln. Ich versuchte ihm auszuweichen, doch da stand mein Hannoveraner Hengst im Weg. Lachend musste ich mich ihm ergeben.
      “Entschuldigen sie Majestät, das ich nicht von jedem erwarte, dass er in Geld schwimmt”, erwiderte ich nun auch in der Stimmung für Späße, als ich wieder etwa Luft bekam und deute einen Knicks an.
      “Aber wo wollte ihr zwei denn eigentlich hin”, fragte ich Niklas, denn so ganz genau hatte ich noch nicht gepeilt, warum er mit meinem Pferd über den Hof spazierte.
      “Was heißt hier, Majestät? Wenn ich ein Teil des Königshauses wäre, dürfte ich gar nicht arbeiten oder gar hier sein, allein. Und wo wir hinwollten, dass weiß ich so genau nicht. Es war eine impulsive Handlung. Ich suchte nach dir, da war meine erste Vermutung, dass du bei ihm bist oder im Stall am Arbeiten bist. Stattdessen trafen wir uns beide und er beschloss mit mir zu Halle zu gehen. Vielleicht hätte er sich dann was abgucken können, wenn er sieht, dass die anderen Pferde nicht so aneinanderkleben”, antwortete er fürsorglich und griff nach meiner Hand. “Na, dafür wart ihr leider ein bisschen spät, fürchte ich”, antwortete ich lächelnd. Legolas schnaubte mir in den Nacken und begann seinen Kopf an mir zu schubbern, offensichtlich ein Zeichen, das er jetzt die Trense loswerden wollte. “Ich glaube, da möchte jemand nach Hause”, sagte ich entschuldigen und wollte loslaufen.

      Vriska
      Frau Wallin hatte mit mir und Glymur viel im Schritt gearbeitet. Besonders wichtig war die Vorbereitung im Schritt, bevor ich Tölten möchte, denn mein Hengst machte es sich selbst nicht so ganz leicht. Selbstständig verkürzte er immer wieder seine Schritte, um ein höheres Tempo heraufzubeschwören. Am Ende konnte Glymur noch ein paar Runden tölten, eh ich ihn locker im Schritt abritt.
      Lina hatte irgendwann plötzlich die Halle verlassen, aber ich konnte nicht genau sehen wieso. Erst als Ju mir vom Pferd half und erzählte, dass Niklas von einem auf den anderen Moment am Tor stand, wusste ich Bescheid. Ohne etwas zu sagen, liefen wir vorbei.
      “Ich muss dann Amy holen gehen”, verabschiedete sich Ju, um seine Stute zu holen. Plötzlich stand ich allein im Stall, wirklich wohlfühlte ich mich nicht damit.
      “Jetzt musst du wohl mit mir alleine klarkommen”, scherzte ich mit meinem Hengst.
      “Das ist mir aber eine Ehre.”, ertönte es hinter mir. Das konnte eine Person sein, Max. Zusammen mit Blávör stand er hinter mir.
      “Wie lief das Training?”, fragte er dann unerwartet nach.
      “Ganz gut, denke ich. Glymur muss noch mehr schreiten im Schritt, Tölt war gut”, beantwortete ich seine Frage und er ging wieder. Männer sind komisch, außer mein Pferd. Freundlich wuschelte ich ihm durch die Mähne und nahm den Sattel ab, um ihn in der Sonne trocknen zu lassen. Pony brachte ich samt Trense raus, den womit ich ihn führte, war am Ende des Tages Jacke wie Hose.

      Ju
      Seitdem Niklas Vriska am Strand ziemlich unsanft am Hals gepackt hatte, schien sie nicht mehr dieselbe zu sein. Ihre Freude schien wie erlosch und irgendwas trug sie mit sich. Allerdings hatte ich kein Recht dazu, sie danach zu fragen. Außerdem: The show must go on. Ganz einfach. Bevor ich meine Stute von der Weide holte, machte ich noch eine Atemübung, die Niklas und ich sonst zusammen machte. Nur hat er wieder andere Interessen. In letzter Zeit musste ich viel allein machen, aber so ist er eben. Nach einigen Minuten war mein Kopf frei von negativen Gedanken, sodass ich nun unbeschwert meine Stute holen konnte.

      Lina
      Hand in Hand lief ich zusammen mit Niklas zu Stall rüber. “Ich fürchte du wirst mich jetzt loslassen müssen”, sagte ich zu Niklas und zog meine Hand aus seiner.” Dafür kannst du ihn mal halten”, sagte ich und drückte ihm den Rappen in die Hand, um das Pferd abzusatteln. Mit Sattel in der Hand lief ich in die Sattelkammer.
      Zurück kam ich ohne Sattel, dafür aber mit dem Halfter des Rapphengstes und trenste ihn ab.
      “Schaffst du es zu laufen, oder soll ich dir hoch helfen?”, scherzte Niklas. “Sehe ich so aus, würde ich es nicht schaffen?”, sagte ich gespielt empört und wollte mit Legolas an ihm vorbeigehen.
      “Schon, mit solch kurzen Beinen”, begann er zu begründen, eh er mich hochhob und auf den Rappen setzte.
      “Und wie findest du jetzt den Weg zu Koppel?”, fragte ich, denn mir war durchaus nicht entgangen, dass er momentan nicht besonders gut sah.
      “Na, du kannst doch noch sprechen, oder müssen wir das zusammen jetzt lernen?”, neckte er mich und lief mit Divine voran. “Na dann pass mal auf, dass du nicht gleich über die Aufstiegshilfe fällst”, warnte ich ihn lachend, denn er verfehlte sie nur knapp.
      “Achtung, du musst weiter links laufen”, rief ich ihn zu, denn er marschierte geradezu auf den Koppelzaun zu.
      Immerhin hörte er mich zu, denn er befolgte die Anweisung. “So uns jetzt Stopp, wir sind da. Du musst nur noch das Tor öffnen”, sagte ich zu ihm und rutsche von Legolas runter.

      Niklas
      Wie ein Gentleman öffnete ich ihr das Tor und ließ sie gewähren.
      “Wärst du dann so lieb Smoothie zu holen, ich denke, es wäre besser, wenn ich auch gleich zum Training gehe. Doch ich sollte vorher noch was anderes anziehen und vor allem Kontaktlinsen reinmachen”, erklärte ich ihr, während ich mein Outfit betrachtete. Meine ehemals weißen Nikes, bei denen sich auch die Sohle bereits löste, waren nicht optimal für ein Training. Eben so wenig die kurze Jeans, nur mein Muskelshirt war okay.
      "Ja klar hol ich sie, aber verlauf dich nicht auf dem Weg", neckte Lina mich.
      Ohne was zu sagen, ging ich los zum Zimmer, dass ich zum Glück fand. Panisch suchte ich meine Verpackung der Kontaktlinsen, jedoch schien sie nirgendwo zu sein. Also blieb mir nichts, als meine Brille aufzusetzen. Im Spiegel versuchte ich meine Frisur noch etwas zu richten, eh mein Helm wieder alles versaute. Auch meine Reithose konnte ich nicht finden. Irgendwas unterschied den heutigen Tag von den anderen. Denn das Zimmer war bis vor meiner Suche beliebiger Gegenstände noch ordentlich. Meine Chaps schienen noch in meiner Tasche zu sein, deswegen nahm ich sie mit und zog meine Jogginghose an, besser als nichts.
      “Lina?”, rief ich durch den Stall, doch konnte sie nicht finden. Vor mehr als 20 Minuten lief sie los, um Smoothie zu holen.
      "Hier bin ich doch und dein Pferd ist auch schon fertig", kam sie um die Ecke mit meinem fertig gesattelten Pferd.
      “Du bist ein Engel, was würde ich ohne dich nur tun!”, sagte ich erleichtert zu ihr, gurtete nach und stieg auf. Vorher hatte ich noch meine Chaps rumgemacht. Smoothie reagierte direkt auf meine Unruhe mit hektischen herumtänzeln, doch ich war wirklich gerade nicht in der Stimmung für dieses Kindertheater und trieb sie energischer vorwärts. In der Halle waren bereits Max, Ju und Sam am Warmreiten. Offenbar wird das nun eine Männerrunde.

      Lina
      Niklas hatte heute ein interessantes Outfit zum Reiten gewählt. Doch ich hinterfragte das nicht weiter, vermutlich hatte das Chaos einfach das Zimmer schon wieder übernommen. Da ich nichts besseres Zutun hatte, beschloss ich meine Zeiten Hobby neben den Pferden nachzugehen. Also holte ich mir mein Zeichenzeug aus meinem Zimmer und begab mich in die Reithalle um währenddessen beim Unterricht zusehen. Über das Motiv hatte ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht, aber da würde mir ziemlich sicher etwas einfallen.
      Die Sonne stand inzwischen hoch genug, dass ihr Licht durch die großen Hallenfenster viel und eine angenehme Lichtstimmung erzeugte.

      Vriska
      Eh ich den Rückweg antrat, warf ich noch einen Blick auf Glymur, der sich nicht wirklich vom Zaun entfernen wollte. Als ich ihn so betrachte, ärgere ich mich ziemlich darüber, dass meine Kamera in Schweden geblieben ist. Da ich aber wusste, dass Ju in wenigen Minuten Training haben wird, entschied ich mir das ganze Mal anzusehen.
      Das Training hatte bereits begonnen, stille setzte ich mich zu Lina, die gerade am Zeichnen war. Kurz guckte ich rüber, aber war mir noch nicht sicher, was das werden sollte. Da sie sehr konzentriert war, störte ich sie nicht. Stattdessen warf ich einen Blick auf Instagram. Hedda hatte wieder eine Reihe von Holy-Bildern gepostet. Ich vermisste immer mehr den Hof.

      Lina
      Eine Weile hatte ich den Jungs bei Training zugesehen, doch als ich Max und seinen Isländer erblickte, fiel mir auf einmal ein Motiv ein. Neulich als ich bei Alec auf dem Hof war, hatte ich das inzwischen nicht mehr so kleine Stutfohlen fröhlich über die Wiese tölten sehen. Schnell kritzelte ich eine grobe Skizze aufs Papier, bevor ich an die feinere Ausarbeitung ging. Da meine Skizzen häufig recht wüst waren, musste es für einen Außenstehenden, sehr verwirrend aussehen. Ich war so konzentriert gewesen, dass ich nicht gemerkt hatte wie Vriska sich neben mich gesetzt hatte, die auf ihrem Handy rumscrolle. “Oh hi Vriska”, sprach ich sie an. “Ich habe dich ja gar nicht kommen gehört”, fügte ich freundlich hinzu.
      “Ich wollte niemanden stören”, sprach sie zu mir. “Du störst doch niemanden, die da sehen so konzentriert aus, dass sie es eh nicht merken”, sagte ich und deute mit einem Kopfnicken an wen ich meinte.

      Vriska
      “Die Testosteron gesteuerten Dödel meine ich doch nicht, sondern vor allem dich.”, murmelte ich vor mich hin, als ich mir alte Bilder auf dem Account von meinem Chef ansah. Dabei wurde mir klar, dass ich mir jemanden reden muss. Milena fiel dabei auf jeden Fall raus.
      “Kann ich dir was im Vertrauen sagen?”, fragte ich sie leise, da Max gerade vorbeiritt. Unverschämt gut saß er auf Blávör, die ohne mich nicht mal Tölten würde. Bis heute habe ich keinen Dank von ihm bekommen, nur irgendwelche Phrasen, die eine Selbstverständlichkeit ausdrückten. Schließlich gehörte ich zum Personal. Schon bei dem Wort Personal lief es mir kalt den Rücken herunter.
      “Ja, klar”, antwortete mir Lina und sah von ihrer Zeichnung auf.
      “Ich habe nie darauf hingearbeitet, um ein Teil vom Verein zu werden. Es war ein Zur-Richtigen-Zeit-Am-Richtigen-Ort Moment. Zurzeit mache ich meine Ausbildung zum Pferdewirt in Kalmar. Diese Akademie gehört mit zum Verein, aber jeder kann dort lernen. Frau Wallin hatte alles in die Wege geleitet und empfand es als eine gute Idee, wenn frischer Wind zu den Isländern kommt. Doch auch Max konnte sich auf diesem Wege, dafür Qualifizieren. Nur, dass er bleiben kann. In 8 Tagen ist für mich das ganze schon wieder vorbei”, wurde ich immer Stiller zum Ende hin. Einige Tränen flossen an meiner Wange herunter, denn meine größte Angst dabei ist es, darüber zu Hause zu sprechen.
      “Ich bin mir sicher, was auch immer der Grund dafür ist, es wird sicherlich eine Lösung, dafür geben”, sagte sie und reichte mir ein Taschentuch.
      “Danke … Ich hatte dir ja erzählt, was alles in London abgegangen. Dadurch das Milena beim Frühstücken gestern herumgebrüllt hat und ich mich dann sozusagen geoutet hat, musste Frau Wallin es melden. Denn jede gesundheitlich schädigende Sucht muss in der Akte stehen und 5 Jahre zurückliegen. Jetzt brauche ich ein Attest von meinem Arzt und bin für mindestens 6 Monate erstmal gesperrt. Dann beginnt die ganze Prozedur wieder von vorne mit Vorreiten, schriftliche Tests und das ganze”, sprudelte es aus mir. Zwischendurch schnaubte ich meine Nase.
      “Kommt ihr beiden klar?”, fragte plötzlich Niklas, der mit Smoothie stehen blieb.
      “Ja, wir kommen klar. Es gibt hier kein Problem, bei dem du helfen könntest”, sagte sie zu ihm und schien in davon überzeugen zu wollen, dass er verschwinden sollte.
      “Ich bin überzeugt, davon dass du das Schaffen wirst. Immerhin hast du es schon einmal geschafft und du bist seitdem besser geworden, allein heute fand ich dich genial mit Glymur”, wand sie sich wieder an mich.
      “Ich hatte vorher sowas nicht direkt, sondern es wurden meine Leistungen aus der Ausbildung genommen und jedes Jahr steigen die Anforderung. Zudem wird dieser Platz nun jemand Anderes angeboten”, versuchte ich ihr die Lage klar zu machen.
      “Na dann musst du wohl einfach alle so aus den Socken hauen, dass sie keine andere Wahl haben, als dich wieder zu nehmen. In 6 Monaten kann man noch sehr viel erreichen”, versuchte sie mich aufzumuntern.
      “Vielleicht hast du recht, oder der Verein ist gar nichts für mich. Denn ich muss auch wieder mit den Hengsten zu den Rennen. Eigentlich habe ich so viel mehr zu tun, als durch die Welt zu Reisen und Schweden zu vertreten”, gab ich als Einsicht heraus.
      “Denkst du nicht, dass du das Zeug für größere Turniere hast? Mit etwas mehr Übung könnten du und Legolas echt was erreichen”, fragte ich Lina nach einer Pause. Sie begann gerade wieder zu zeichnen, aber ich wollte mir nicht die Männer auf den Pferden ansehen. Dafür sind meine Hormone nicht gemacht.

      Lina
      “Darüber habe ich bisher noch nie nachgedacht”, gab ich Vriska nachdenklich als Antwort, während ich weiterzeichnete. “Worüber ich allerdings nachgedacht habe...”, sagte ich und sah sie an, “...ist, dass du so aussiehst als könntest du jetzt eine Ablenkung gebrauchen. Was hältst du davon, wenn ich dir mal den kleinsten Hofbewohner vorstelle?”
      “Wie kann das denn sein, dass du deinen Kerl allein lässt? Offenbar schafft er es nicht mal sich selbst anzuziehen?”, antwortete Vriska und schien vom Thema ablenken zu wollen.
      “Ich bin doch nicht sein Babysitter. Er ist alt genug, um auch mal zwei Sekunden allein zu Recht zu kommen. Auch, wenn du recht hast, dass seine Outfitwahl für heute sehr interessant ist. Aber wenn du meine Anwesenheit nicht brauchst, kannst du dir auch jemand anderen suchen”, antworte ich ein wenig schnippisch, denn seit gestern schienen alle zu glauben, dass ich an ihm festgekettet war. Ein wenig eingeschnappt, wand ich mich wieder meiner Zeichnung zu.
      “Aber einen Babysitter könnte er trotzdem gebrauchen”, lachte sie und versuchte mich zum Aufsteigen zu bewegen. Offenbar wollte sie nun doch los.
      Da Jace gerade die Halle betrat, packte ich dann doch bereitwillig mein Zeichenzeug zusammen. Er war der letzte den ich heute sehen wollte, denn ich war immer noch sauer auf ihn. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, dass es einen vernünftigen Grund für die gestrige Aktion gegeben hatte.
      Ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, ging ich an ihm vorbei.
      “Oh, wo willst du denn jetzt so schnell hin?”, rief Vriska und stürzte mir nach.
      “Egal wohin, Hauptsache der Idiot da hinten ist da nicht”, antwortete ich ihr und schlug den Weg Richtung Hof ein. Auf dem Hof war einiges los, da die nächste Truppe, bereits dabei war ihre Pferde zu putzen.
      “So und wo willst du jetzt mit mir hin?”, fragte sie mich neugierig. Einen Moment musste ich darüber nachdenken. “Magst du Ponys, ich weiß, wo ein paar zuckersüße Exemplare hier wohnen”, kam ich wieder auf meinen eigentlichen Plan zurück.
      “Ist gerade nicht dein hellster Moment, va?”, scherzte sie. “Natürlich, sonst würde ich einen der Riesen mithaben und nicht Glymi”, fügte Vriska an.
      “Na dann komm mal mit”, antwortete ich lachend und ging mit Vriska zum Auslauf der Hengstgruppe. “Darf ich vorstellen, das ist Arctic Tiger, einer unserer kleinsten Bewohner hier”, präsentierte ich den Miniature Horse Hengst, dem mal wieder die anderen Pferde als Sonnensegel nutzte. Der kleine silberne Hengst hatte die lustige Angewohnheit einfach unter einem seiner Kumpels zu parken, wenn er ein Dach braucht.

      Juha
      “Wenn du Amnesia einfach mal machen lassen würdest, könnte sie ihren Rücken wölben. Jeden Schritt treibst du bei ihr und verunsicherst dein Pferd damit”, bemängelte Herr Holm meine Reitweise. Also gab ich ihr etwas mehr Zügel und versuchte meine Beine ruhiger zu halten. Einfacher gesagt als getan, denn meine Gedanken waren viel mehr dabei, wieso Vriska so schnell die Halle wieder verließ. Als wir vorhin Glymur wegbrachten, war sie so aufgeregt die heutige Stunde zu sehen. Etwas hintergangen fühlte ich mich, obwohl es gar keinen Anlass dafür gab. Also raufte ich mich wieder zusammen.
      “So Leute, ihr scheint heute alle nicht wirklich gut im Sattel zu sitzen, also alle Mann Steigbügel überschlagen”, weißte Herr Holm an. Schlagartig bremste ich Amy in den Stand, lobte sie und legte die Steigbügel vor mich auf den Sattel. Dann ritt ich im Schritt wieder an. In meinen Oberschenkel zog es in der Muskulatur. Auch in meiner Hüfte merkte ich eine Veränderung, da sie deutlich weicher in der Bewegung des Pferdes mitging. Zufrieden lobte ich meine Stute erneut. Dann warf ich einen Blick zu Niklas, der lange nicht mehr so schlecht ritt wie heute. Außerdem war ich sehr verwundert darüber, dass er in der Öffentlichkeit seine Brille trug. Normalerweise vermied er es sich so zu zeigen, was ich bis heute nicht nachvollziehen konnte. Im Vergleich zu anderen Leuten hat mein bester Freund ein Brillengesicht, außerdem machte es ihn intelligenter.
      “Ey Samu, du sitzt auf deiner Stute wie angewachsen. Sieht super aus”, lobte ich ihn, denn das konnte ich mir wirklich nicht nehmen lassen. Seine Beine lagen ruhig und parallel zum Pferd, seine Hände setzte er kaum ein und den größten Teil steuerte er mit der Stimme. Mir persönlich war es unangenehm mit meinem Pferd zu sprechen, da es sonst niemanden anging.


      © Mohikanerin & Wolfszeit | 98.759 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam VI | 14. März 2021
      Jora // Fraena von Hulshóf// Miss Monty// Nurja//Ursel- die Bäringöttin// Amigo// Cremella // Songbird// Little Buddy//What’s Happend In The Dark
      St.Pauli’s Amnesia // Satz des Pythagoras // Snotra



      Samu
      Mit einem nicken nahm ich den Kommentar meines Mitreiters zur Kenntnis, denn ich musste mit meiner Konzentration dringen bei Jora blieben. Die braune Stute hatte eindeutig nicht das Dressurtalent von ihrer Mutter geerbt, denn sie neigte dazu über ihre eigenen Füße zu fallen, wenn man nicht aufpasste. Nicht nur einmal war ich deswegen mit Pferd im Sand gelandet. Auch wenn sie sich immer Mühe gab, war sie nicht gerade der schnellst Lerner, weshalb sie für ihr alter noch Recht wenig konnte. Dazu kommt auch noch, dass sie wegen einer Weideverletzung erst recht spät angeritten wurde. “So ist gut”, lobte ich die Stute als sie meinen Hilfen zum Anhalten sofort folgte. Auch ich überschlug meine Steigbügel, der Stute würde es nicht schaden, mal ein wenig anders als sonst geritten zu werden. Mit Absicht ließ ich Jora ein wenig länger stehen als, nötig, da ruhiges Stehen auch nicht gerade ihr Paradedisziplin war. Ich musste sie zweimal korrigieren, bevor sie so lange stehen blieb, wie ich es wollte.
      Irgendwie war mein Pferd heute äußerst unkonzentriert, dann kaum war ich wieder losgeritten, stolperte sie fast über ihre eigenen Füße. “Aufpassen süße”, murmelte ich der Stute zu und nahm die Zügel wieder ein wenig kürzer.

      Juha
      “So, ich denke ihr und vor allem eure Pferde habt heute genug geschafft.”, sagte Herr Holm und verließ schneller als man gucken konnte die Halle. Offenbar wollte er eine Pause machen, bevor die letzte Gruppe in die Halle kam. Nach dem Warmreiten stieg ich ab und ging ebenfalls.
      “Du Samu? Hast du vielleicht etwas Hafer für Amy?”, fragte ich den Blonden, als er seine Stute absattelte.
      “Ja, klar. Die Futterkammer ist die vorletzte Tür links vor der Sattelkammer, du kannst dir einfach ein Futterschüssel aus dem Regal nehmen. Den Hafer findest du im Futterwagen”, erklärte er mir.
      “Okay, super danke dir”, bedankte ich mich und ließ Amy bei Niklas stehen.
      “Sehe ich heute aus, als würde ich der Pferde-Halter sein?”, hörte ich ihm aus der Gasse rufen, aber ignorierte es. Mit einem Trog gefüllt mit Hafer stellte ich Amy hin, doch auch Smoothie steckte ihren Kopf mit rein.
      “Sag’ mal, wie siehst du eigentlich aus?”, fragte ich ihn, während unsere Pferde fraßen.
      “Es ist alles weg, meine Reithose lag nicht mehr im Schrank, meine Kontaktlinsen nicht mehr im Bad und von meinem Handy spreche ich gar nicht erst. Als hätten wir irgendwelche Diebe am Hof.”, antwortete Niklas verärgert.
      “Ich denke nicht, dass hier jemand klaut”, merkte ich an.
      “Sicher, dass du deinen Kram nicht einfach verlegt hast? Denn hier vom Hof stiehlt ganz gewiss niemand, dafür würde ich die Hand ins Feuer legen”, mischte sich Samu ein.
      “Mein erster Gedanke war auch keiner vom Hof”, murmelte er, zog seine Stute vom Trog und stampfte aus dem Stall heraus.
      “Ich glaub, ich lass den mal für sich. Der scheint einiges verarbeiten zu müssen”, wendete ich mich zu Samu und zuckte mit den Schultern. Dann guckte ich zu Amy, die wie immer in Slow Motion fraß.

      Samu
      Scheinbar war Niklas heute ein wenig schlecht gelaunt, was ihm allerdings nach dem Vorfall gestern nicht zu verdenken war. Meine Stute begann ungeduldig mit den Hufen über den Boden zu kratzen, weil sie auf ihr Futter wartete. Also holte ich das ganze aus der Futterkammer und stellte es der Stute vor die Nase. “Du scheinst da eine echte Genießerin zu haben”, sagte ich zu Ju, als ich das Tempo sah, indem seine Stute kaute.
      „Eher eine Mäkeltante“, antwortete er belustigt.

      Lina
      Neugierig, wie der kleine Hengst war, war er an den Zaun gekommen. Freundlich steckte er den kleinen Kopf durch den Zaun und begann Vriska auszuschnüffeln.
      „Wir hatten auch mal Minis am Hof, aber unsere Traber fanden die ziemlich uncool. Jedes Mal erschraken sie panisch, deswegen mussten sie leider wieder in ein anderes zu Hause“, erzählte sie, während der kleine Hengst ausgiebig in der Mähne gewuschelt wurde.
      “Unsere großen, kommen zum Glück sehr gut mit den kleinen aus”, sagte ich und deute auf Amigo der fröhlich zwischen den großen an der Heu raufe stand und futterte. “Übrigens ich hätte da noch eine kleine Dame, die noch gerne beschäftigt werden, würden. Hättest du Lust mir dabei zu helfen?”, fragte ich freundlich.
      „Ohja, Ausreiten.“, schrie sie plötzlich wie eine Vierjährige, die das erste Mal auf einem Pferd durfte. “Na dann, werde ich dich mal mit der kleinen bekannt machen”, sagte ich lachend über ihre plötzlich aufflammende Euphorie.
      Mit Vriska im Schlepptau ging ich auf die andere Seite des Hofes, wo die kleinen Stuten wohnten. Auf dem Auslauf war es recht ruhig, denn die beiden Kleinpferde, Ursel und Nurja standen gemütlich am Heu, während die ganze Ponybande gemütlich im warmen Sand lag und ein wenig schlief. “Tja, sieht so aus als wären hier alle schon beim Mittagsschlaf”, scherzte ich.
      Ein kurzer Pfiff meinerseits genügte allerdings, dass eines der Ponys die Augen aufmachte und sich in Brustlage rollte. “Das da”, sagte ich und deutete ich auf die kleine Fuchsstute “Ist die kleine Fraena und sie würde sich bestimmt sehr über einen Ausritt freuen”. Das Shetty war inzwischen aufgestanden und begann sich nun zu strecken, was auch die anderen Ponys dazu brachte langsam die Augen zu öffnen. “Du kannst dich ja schon mal mit ihr anfreunden, während ich die Halfter hole”, fügte ich noch hinzu und ließ Vriska bei den Ponys stehen, um die Halfter von Fraena und Miss Monty zu holen.

      Vriska
      „Du hast aber eine schicke Frisur“, sprach ich mit der Shetlandpony Stute. Interessiert zupfte sie an meinem T-Shirt, denn unter ihm in meiner Hosentasche befanden sich Leckerlis fanden. Lina kam mit den Halftern zurück und drückte mir das von Fraena in die Hand. Aufgeregt tippelte sie mir nach.
      Obwohl es noch mitten im Sommer war, begann die Fuchsstute ihr Fell zu wechseln. An der Brust war noch die letzte Rasur zu erkennen, die scheinbar noch nicht so lange zurückliegt.
      „Hat sie eine Krankheit oder wieso hat sie so viel Fell?“, fragte ich Lina, die gerade Miss Monty putzte.
      “Sie hat Cushing. Doch, außer dass sie super viel Fell schiebt, hat sie keine Probleme damit”, erklärte sie mir.
      „Ah okay“, murmelte ich und putzte die Kleine Stute weiter. Hervorkommend brachte Lina die Trense von Fraena, sodass ich ihr das Halfter abnehmen konnte und auf diese wechsle. Bevor es losging, warf ich noch mal das Halfter über, um meinen Helm zu holen, den ich bei Glymur an der Box angehängt hatte.

      Lina
      Währen Vriska noch ihren Helm holte, machte ich mir die kleine Pintostute fertig. Da sie durch ihren zierlichen Körperbau recht unbequem ist, holte ich mir ein Reitpad aus der Sattelkammer. Gerade als ich die Sattellage putzte, entdeckte ich eine fette Beule in der Sattellage. Scheinbar war die empfindliche Stute, mal wieder den Bremsen zum Opfer gefallen.
      “So kann ich dich nicht mitnehmen, Monty”, sagte ich zu der Stute und beschloss sie wieder wegzubringen. Vorher versorgte ich allerdings noch ihren Stich und zog ich eine Fliegendecke über, um sie vor weiteren Insektenangriffen zu schützen.
      “Na, dann darfst du heut wohl etwas Spaß haben, Melly” meinte ich zu der kleinen Palominostute, die bereit neugierig angetrottet kam. Vriska kam gerade mit ihrem Helm zurück, als ich die Shettystute anband.
      “Kleine Planänderung, Monty hat leider einen fetten Bremsenstich in der Sattellage, deshalb kommt die kleine hier jetzt mit”, erklärte ich ihr während ich begann die kleine Dame zu putzen.
      “Zur Not können wir die restlichen Kleinen in der Halle laufen lassen, wenn die noch Bewegung bräuchten”, schlug sie vor und nahm Fraena das Halfter wieder ab.
      “Ja, das stimmt, aber jetzt sind erst mal die beiden hier dran”. Ich hatte Cremella grob über geputzt und verschwand noch mal kurz, um ihre Trense zu holen.
      “So, fertig wir können los”, sagte ich, während ich noch den letzten Riemen der Trense schloss. Mein Pony schien von dem Plan noch nicht ganz überzeugt, denn sie schüttelt sich erst einmal kräftig.

      Vriska
      Im Schritt machten wir uns auf den Weg zum Wald. Die Sonne brannte meine Hose förmlich in mein Bein. Vom Schmerz erfüllt, zog ich immer wieder meine Oberschenkel nach Oben und rieb mit meiner Hand auf meiner Hose. Die Wahl zur Schwarzen schien heute auf jeden Fall die Falsche zu sein. Jedoch hatte ich keine Andere mitgenommen. Ein Blick in den Horizont verriet mir, dass etwas Großes auf uns zu kommen wird.
      “Lina, ich habe ein ungutes Gefühl”, murmelte ich.
      “Heute ist es viel zu wenig los. Aber nicht im Sinne von - heute ist ein ruhiger Tag, sondern eher die Ruhe vor dem Sturm”, setzte ich fort. Eigentlich irre ich mich nie, wenn ich solch ein Bauchgefühl hatte. Unter mir trappelte die Stute fröhlich vor mir her.
      Auch Lina warf einen Blick in den Himmel. “Ich denke, du hast recht, das Wetter hier kann recht schnell umschlagen. Wir sollten die Runde heute kurzhalten”, antwortete sie mir dann.
      “Dabei meine ich nicht nur das was da kommt, sondern auch die anderen”, murmelte ich.
      “Wie meinst du das? Kannst du etwa in die Zukunft sehen?”, scherzte sie.
      “Mutti dachte das auch immer, aber ich weiß es auch nicht. Ich habe da so ein Bauchgefühl und bisher hatte ich mich noch nie geirrt”, antwortete ich Lina und trabte Fraena an, die höchst motiviert vorwärtsging. Dabei hängten wir Lina und Melly ziemlich ab.
      Etwas später im Wald hörte ich ein Grummeln, was mich Ungutes erahnen ließ.
      “Können wir umdrehen?”, fragte ich Lina, die ziemlich konzentriert mit ihrer Stute voranritt. Fraena schien die ganze Sache auch nicht koscher zu sein und ihr Fluchtinstinkt fragte immer mal wieder nach, ob die andere Richtung nicht die bessere wäre.
      “Wir nehmen eine Abkürzung, dann sind wir am schnellten”, kam es von Lina und sie bog mit ihrem Pony auf einen kleinen Trampelpfad ab.
      Schnell folgte die kleine Fuchsstute, ohne dass ich etwas machen konnte. Im nächsten Moment krachte es Hinter uns. Das Grummeln war nun extrem laut und wie aus Eimern schütte es. Ein Wolkenbruch schien direkt über uns zu sein. Ich guckte an mit herab. Meine Hose sog sich voll mit Wasser und ein Gefühl von Enge kam in mir auf. Es fiel mir immer schwerer, mich auf die kleine Stute zu konzentrieren. Mein Shirt war zum Glück locker, hing jedoch ebenfalls wie ein nasser Sack an mir. Lina schien das alles nicht zu stören und bewegte sich rasch mit der Stute voran. Von weiten konnte man schon den Stall sehen und Fraena entschied kurzerhand in den Galopp umzuschlagen. So schnell sie konnte, rannte sie zurück. Ein Blick nach hinten verriet mir, dass Lina nur mit Mühe hinterherkam. Im nächsten Moment krachte es schon wieder. Ein Baum fiel auf den Weg. Erschrocken stiegen die Kleine und ich stand hinter ihr.
      “Alles gut bei dir?”, fragte ich Lina, die Melly gerade noch bremsen konnte.
      “Ja, alle gut, ist bei dir auch alles in Ordnung? Ich fürchte nur wir haben jetzt ein Problem”, antwortete sie.
      Unruhe machte sich in mir breit. Wenn ich etwas noch weniger Leiden kann als Regen, dann ist es Gewitter. Früher habe ich mich dann im Keller versteckt, zwischen den Waschmaschinen. Doch mitten im Nirgendwo wird es keinen Schutz geben. Nervös kratze ich an meinem Unterarm.
      “Seh’ ich und jetzt?”, pflaumte ich Lina unsanft an.
      “Irgendwo dahinten, müsste eine alte Scheune sein, doch dafür müssen wir querfeldein durchs Unterholz, ich weiß nicht, wie sicher das ist”, antwortete sie besorgt und deute links von uns in den Wald.

      Juha
      Amy hatte es dann endlich geschafft ihr Futter aufzufressen und stand auf der Weide. Der Himmel war unruhig, weswegen ich mich lieber zum Zimmer bewegte. Frustriert saß Niklas auf seinem Bett und schaute ins nichts.
      “Alles gut bei dir?”, fragte ich besorgt.
      “Nein, eigentlich nicht. Ich werde verrückt. Nichts finde ich mehr, obwohl ich überall gesucht habe. Verstehst du? Das macht alles keinen Sinn”, murmelte er.
      Ich versuchte ihn aufzumuntern und setzte mich dazu. Dann wollte ich das leidige Thema ansprechen, was mir immer ziemlich unangenehm war. “Hast du deine Tabletten genommen?”, fragte ich vorsichtig.
      “Ich weiß es nicht”, schwafelte er vor sich hin. Also stand ich wieder auf und ging zu seiner Kommode auf dem sein Medikamentendosierer lag. Die letzten zwei Tagen waren unberührt. Besorgt wendete ich mich zu ihm und zeigt es ihm. Leer guckte Niklas zu mir. Ich hatte recht gehabt, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt. Umso mehr ließ es mich nicht los, dass das mit Lina gestern eine falsche Entscheidung war. Doch für heute werde ich das Thema ruhen lassen. Er griff nach dem Schieber und der Flasche Wasser, die neben ihm stand. Rasch schluckte er die heutige Dosierung und legt sich hin.
      Als ich den Raum wieder verlassen wollte, um mal wieder mit den anderen zu sprechen, knallte es nicht weit weg vom Hof und der Regen rasselte herunter. Vielleicht sollte ich doch lieber hierbleiben.
      “Wollen wir Karten spielen?”, fragte mich Niklas plötzlich und setzte sich an den Tisch. Das war eine gute Idee und setzte mich dazu.

      Samu
      Nachdem ich mein Pferd auf die Weide gebracht, hatte ich mich daran gemacht mein Sattelzeug zu putzen. Da ich in letzter Zeit nur wenig Zeit dafür gehabt hatte, war es auch dringend nötig. Das laute krachen draußen ließ mich aufschrecken. Ein Gewitter war aufgezogen und so wie es sich anhörte, war es ziemlich nahe. Hoffentlich waren alle schlau genug gewesen um am Hof zubleiben. Vielleicht sollte ich besser nachschauen, wo Lina steckte, ich hatte sie nämlich seit dem Training heute Morgen nicht mehr gesehen. Ich legte mein Putzzeug beiseite und als sich am Fenster vorbeilief, entdeckte ich das zwei Ponys fehlten und ein böser Verdacht beschlich mich. Auf der Koppel konnten sie nicht sein, dass die kleinen Ponys erst späte auf die Koppel, kamen damit sie nicht zu viel Gras fraßen und da Lina die Einzige war, die die Ponys ritt, musste sie mit ihnen Weg sein.
      Insgeheim hoffte ich, dass sie die Ponys in der Longierhalle einfach nur laufen ließ. Also beschloss ich, als Erstes in der Longierhalle nachzusehen, wo sie für gewöhnlich die Ponys liefen. Als ich den Kopf aus der Stalltür musste ich leider feststellen, dass es in Strömen regnete. Egal wohin ich jetzt gehe, ich würde pitschpatschnass werden.
      Einen Moment überlegte ich, was der trockenste Weg war. Leider gab es keinen, also musste ich wohl schnell sein.
      So schnell wie ich konnte, rannte ich zu Halle rüber. “Verdammt hier ist sie nicht”, fluchte ich als ich dort ankam. Da zwei Ponys fehlten, war es eigentlich unmöglich, dass sie mit den Ponys trainierte. Mit dem letzten bisschen Hoffnung, dass sie vielleicht einfach in einem anderen Halle war, kramte ich mein Handy aus der Tasche und versuchte sie anzurufen.
      Hektisch wählte ich ihre Nummer und wartete. Er klingelte lange, bis ihr Anrufbeantworter ran ging. In der großen Halle konnte sie nicht sein, denn dort trainierte noch die letzte Gruppe und in die kleine Halle wurde um diese Uhrzeit in der Regel gefahren.
      Doch wo konnte sie dann noch sein. Hatte ich mich vielleicht einfach die Ponys übersehen und sie war irgendwo anders?
      Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Wenn sie in ihrem Zimmer war, würde sie wohl an ihr Handy gehen, also blieb mir nur ein Schluss, wo sie noch sein könnte. Sofort rannte ich los und stand nur wenig Minuten später vor der Hütte von Niklas und Ju. Es brannte Licht, das war ein gutes Zeichen, das hieß das irgendjemand hier war und hoffentlich auch Lina.
      Nervös klopfte ich an die Tür.
      “Offen” rief Ju. Ich öffnete die Tür und trat ins Zimmer. Leider fand ich dort nur Ju und Niklas vor, die Karten spielten und mich ein wenig verwundert ansahen, wie ich Tropfnass in ihrer Tür stand. Sofort wurde ich noch nervöser. “Habt ihr zwei Lina, irgendwo gesehen? Zwei von den Ponys fehlen und ich konnte sie nirgendwo finden. Ich hatte gehofft sie sei vielleicht bei euch”, erklärte ich. Hektisch wedelte Ju mit seiner Hand an seinem Hals herum, offenbar schlechtes Thema.
      “Als ich Smoothie auf die Weide brachte, habe ich beiden auf zwei Shettys Richtung Wald reiten sehen”, sagte Niklas und legte eine Karte auf den Tisch. Dabei guckte er nicht mal zu mir.
      “Oh, verdammt”, fluchte ich leise. Auch, wenn mich Niklas Reaktion ein wenig verwundert hatte ich jetzt keine Zeit das groß zu hinterfragen. Lina und Vriska waren tatsächlich ausreiten gegangen, bei dem Wetter. Nervös überlegte ich was ich jetzt machen konnte. Da Gelände um den Hof war riesig und sie konnten ungefähr überall sein und jetzt bei dem Wetter nach ihnen zu suchen war lebensmüde. Allerdings bei dem Wetter im Wald zu sein war genauso lebensmüde, gerade weil durch die lange Trockenheit einige Bäume sehr instabil waren.
      “Ich würde dir gern helfen, aber ich muss bei Niklas bleiben. Der hat gerade erst seine Medikamente genommen.”, merkte Ju an und bekam einen bösen Blick von seinem Kumpel zu geworfen. Offenbar war das ein sensibles Thema.

      Vriska
      Lina schien auch nervös zu sein.
      “Ich habe eine blöde Idee, da hier draußen Schutz zu finden, wird wohl schwierig”, versuchte ich stark zu sein. Nervös guckte sie mich an und sagte nichts.
      “Wir lassen die Ponys drüber springen und reiten dann so schnell es geht”, rief ich ihr zu. Der Regen wurde immer stärker und wir verstanden einander nicht mehr so gut.
      “Ich weiß nicht, ob die beiden das Schaffen so hohe und undurchsichtige Hindernisse kennen sie nicht”, rief sie und griff nervös in die Mähne der Stute.
      “Mehr als es zu versuchen bleibt uns nicht. Du steigst jetzt rüber und ich treibe die beiden”, sagte ich. Lina stieg über den Baum. In der Zeit band ich die Zügel so dicht es ging an den Hals der beiden Stuten. Auch sie waren sichtlich nervös.
      “Ihr schafft das, schneller schaffen wir es sonst nicht zurück”, versuchte ich die Stuten zu motivieren. Ich zeigte ihnen noch, was auf sie zukommen wird und atmete tief durch. In der Lunge spürte ich ein Stechen, dass wohl von der Rippenprellung kommen muss. Immer wieder peitschte mir der Regen unsanft ins Gesicht und langsam wurde es schwieriger etwas zu sehen.
      Fraena nahm allen Mut zusammen und sprang wie ein Kleiner Champion über den ca. 70 cm breiten Baumstamm. Nur Melly war noch immer unsicher. “Vielleicht solltest du dich mit ihr für Kanada bewerben”, scherzte ich und versuchte das Beste aus der Situation zu machen. “Mutig war sie schon immer”, kam es nur angespannt von der anderen Seite des Baumstamms zur Antwort, wo Lina die Fuchsstute abfing.
      Mit Melly hatte ich deutlich mehr Probleme, also blieb nur noch ein Versuch - ich werde mit ihr zusammen springen. Mit etwas Anlauf rannte ich mit Melly los, wozu hatte ich in der Schule Hochsprung, überlegte ich dabei. Wenig später hatten wir es geschafft. Beide Ponys waren auf der anderen Seite des Baumstammes und nichts lag mehr im Weg.

      Lina
      Genau in dem Moment als Vriska mit Melly auf meiner Seite landeten, zuckte ein Blitz über den Himmel dicht gefolgt von einem lauten Donner. Bilder von Funken schlagenden Hufeisen kamen mir in den Kopf und ich fühlte mich in der Zeit zurückgesetzt. Nein, das durfte jetzt nicht passieren, das war ein denkbar schlechter Zeitpunkt.
      Weiter Bilder spielten sich vor meinen Augen ab und ich war wie eingefroren. “Nein, da ist nicht real”, sagte ich laut zu mir selbst und kniff die Augen zusammen, um die Bilder aus meinem Kopf zu vertreiben. Der Regen prasste weite hin unaufhörlich auf uns nieder und zusammen mit dem Rauschen der Blätter wurde es immer lauter um und herum. Fest klammerte sich meine Finger um die Zügel der Shettystute neben mir, der nervös auf der Stelle tänzelte.
      “Lina, komm. Wir müssen weiter”, lenkte sich mich ab und zog mich am Arm.
      Ich amtete noch einmal tief durch, Vriska hatte recht wir haben jetzt keine Zeit für Nervenzusammenbrüche. “Ok, dann los”, sagte ich und schwang mich auf den Rücken des Ponys. Auch Vriska hatte sich wieder auf ihr Pony begeben. “Bring uns Nachhause”, flüsterte ich der kleinen Stute noch zu, bevor es in vollem Galopp zurück zum Hof ging.

      Samu
      “Dann lass ich euch mal wieder allein”, sagte ich und verschwand eilig aus dem Zimmer. Weil ich nicht wusste, was ich tun sollte, lief ich wie ein Löwe im Käfig nervös die Stallgasse hoch und runter in der Hoffnung, dass den beiden Mädchen nichts passierte. Draußen wütete das Gewitter immer heftiger und der Wind peitsche den Regen gegen die Fenster. Blitze zuckten über den Himmel und erleuchtet immer wieder alles in einem grellen weißen Licht.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit glaubte ich Hufgetrappel durch den ganzen Lärm hindurchzuhören und keine Minute später, betraten zwei tropfnasse Mädchen samt Ponys die Stallgasse.
      “Oh, Gott seid ihr eigentlich komplett wahnsinnig bei dem Wetter da draußen herumzulaufen?”, brach es aus mir heraus.

      Vriska
      “Schön, dass ihr lebend wieder da seid, wäre eine deutlich freundlichere Begrüßung gewesen”, raunte ich Samu an, der offensichtlich nicht ganz Herr seiner Sinne war.
      “Sorry”, murmelte er darauf nur “Geht es euch gut?”, fügte er dann ein wenig sanfter hinzu und sah dabei vor allem Lina an.
      “Vielleicht nimmst du Lina mal mit, ich schaff das schon mit den Kleinen”, antwortete ich und verstand wieder im Regen. Auch wenn es für eine sichtliche unangenehme Situation war, sollte ich auch mal zurückstecken. Noch immer peitsche der Regen in mein Gesicht und die Ponys waren ebenfalls wenig begeistert. Doch auf dem Paddock begaben sie sich direkt in den Unterstand und zupften fröhlich am Heu. Natürlich war der Ausritt am Ende ein einziger Horrorfilm, doch ich hatte ihn genossen. An der anderen Ecke entdeckte ich auch Songbird, die Tyrell vor einigen Monaten leihweise auf den Hof befrachtet hatte. Freundlich kam sie auf mich zu.
      “Schön, dass es dir gut geht”, begrüßte ich sie. Im Hintergrund schepperte immer wieder der Regen gegen die Hütte und eine Latte schien nicht mehr ganz fest zu sein. Vielleicht sollte sich das jemand man angucken, doch ich bin sicher nicht die richtige Person. Einige Minuten verbrachte ich noch bei den Ponys, eh ich mich zum Zimmer bewegte, um mich umzuziehen.

      Lina
      Vriska nahm mir die Zügel aus der Hand und verschwand mit den Ponys im Regen. Ich war auf einmal nicht mehr in der Lage mich zu rühren und stand einfach nur da. Auf einen Schlag schien das komplette Adrenalin aus meinem Körper zu weichen und ich begann zu zittern. “Alles ok”, fragte mich mein bester Freund sofort und nahm mich in den Arm. “Ja, ich glaube schon. Ich hatte nur im Wald ein Flashback”, antwortete ehrlich und genoss die Umarmung. Allmählich entspannten sich meinen Muskeln wieder und das Zittern ebbtet ab. Erst jetzt fiel mir auf das Samu patsche nass war. “Und warum bist du eigentlich so nass?”, fragte ich ein wenig verwundert. “Na, weil ich euch gesucht habe und du ja nicht an dein Handy gehst”, sagte Samu ernst. “Ich habe mir Sorgen gemacht!”
      “Oh, ja mein Handy hatte ich gar nicht mit”, sagte ich.
      “Lina, du weißt, dass ich es nicht mag, wenn du ohne Ausreiten gehst”, scharf sah Samu mich dabei an. “Jaaa, weiß ich”, murmelte ich. Samu machte sich meisten viel zu schnell Sorgen um mich. “Es ist doch nichts passiert”, fügte ich noch leise hinzu. “Aber es hätte was passieren können”, rief er empört. “Genug davon erstmal, ich glaub, ich brauch ne Pause von meinem Leben”, sagte ich erschöpft.
      Samu verstand natürlich, dass damit das Thema erst einmal beendet war. “Ok, dann lass uns mal etwas Trockenes anziehen”, entgegnete er widerwillig und zusammen gingen wir rüber zum Haus, wo ich mich in mein Zimmer verkrümelte.
      Meine nassen Sachen ließ ich im Badezimmer einfach auf den Boden fallen und wickelte mich in ein Handtuch. Ich brauchte erst einmal einen Moment um wieder ich selbst zu werden.

      Vriska
      Als ich mich im Spiegel betrachtete, fiel mir auf, dass ich noch mehr abgenommen hatte. Der Stress tat mir nicht gut, weswegen die Entscheidung den Verein wieder zu verlassen, gar keine schlechte Sache ist. Statt mich wieder unter die Menschen zu mischen, holte ich mein Pad aus der Tasche. Dort öffnete ich die App der Ausbildung, in der unsere Unterlagen zur Verfügung stehen. Bald sind meine Abschlussprüfungen für den Pferdewirt und langsam musste ich anfangen zu lernen. Im Gegensatz zu allen anderen komme ich nicht aus einer Pferdefamilie und saß nicht auf dem Rücken eines Pferdes bevor laufen konnte. Meine Voraussetzungen waren deswegen von Anfang an schlecht. Also nahm ich mir das Thema vor, dass mich an meine Grenzen bringt - Fütterung und Pflanzenkunde.
      “ … wird das Pferd besonderen Belastungen wie starkem Training o.Ä. ausgesetzt, müssen entsprechende Kraftfuttermengen zugefüttert werden.”, murmelte ich, während ich die Dokumente las.
      “Nach der Fütterung braucht ein Pferd zwei bis drei Stunden Ruhe bekommen zum Verdauen”, kam es von Niklas plötzlich, der nass an meiner Tür stand.
      Verwirrt guckte ich zum ihm, da ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.
      “Ju hatte mir gesagt, dass du noch lernen musst aber er selbst nicht so die Leuchte ist, dachte ich, dass ich mal rüberkomme”, sagte er zu mir, schloss die Tür und setzte sich mit seiner nassen Hose auf den Stuhl.
      “In wie viele Portionen sollte die tägliche Ration geteilt werden?”, fragte er mich direkt. Darüber musste ich erst mal nachdenken und wischte verzweifelt auf dem Pad. Er stoppte mich bei der Suche, in dem er meine Hand vom Pad nahm und mir dieses abzog.
      “Sag’ mir jetzt bitte nicht, dass du das nicht weißt”, veralberte er mich. Doch ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, weil wir am Hof feste Zeiten hatten. Also dachte ich darüber nach.
      “Also auf dem Hof gibt es im Sommer morgens und mittags Heu und am Abend geht es auf die Weide. Die Hengste bekommen noch einmal Kraftfutter. Also schätze ich mal 3 bis 4 Rationen.”, antwortete ich unsicher. Begeistert klatscht er.

      Lina
      Ich war gerade dabei durchzugehen, was in den letzten Tagen passiert war, als mich das Klingen meines Handys aus den Gedanken riss. Genervt stand ich vom Boden auf, auf dem ich saß und folgte dem Klingen. Meine Schwester rief an. Normalerweise freute ich mich über ihre Anrufe, doch jetzt war einfach nicht der richtige Moment dafür.
      “Was ist?”, sagte ich mürrisch in mein Telefon. “Alles ok bei dir, Lina?”, kam es aus dem Hörer. “Warum fragt das eigentlich Momentan jeder?”, ranzte ich sie unfreundlich an. Langsam hatte ich echt keine Lust mehr, dass jeder immer wissen wollte wie es mir ging. “Und bevor du weiterfragst, Nein es ist nichts OK”, schimpfte ich weiter und begann im Zimmer herumzulaufen. “Jace verhält sich wie testosterongesteuerter Idiot, ich habe mich einen Mann verliebt, mit dem ich vermutlich niemals eine Zukunft haben werden und ich bin bei einem super Gewitter durch den Wald geritten und hatte nichts Besseres zu tun, als fast einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Also NEIN es ist alles andere als OK, Juliet”, sprudelte es so aus mir heraus. “Ach und was ich vergessen hab, dieser Mann hat mir dann auch noch ein Pferd für ein halbes Vermögen geschenkt!” Wütend trat ich gegen meine Mülleimer, der laut scheppernd umfiel. Die ganze Szene wurde durch einen Blitz, der draußen über den Himmel zuckte, dramatisch untermalt. “Langsam, langsam so versteht doch keiner, möchtest du mir nicht vielleicht erst einmal erzählen, was los ist?”, hörte ich die Stimme meiner Schwester aus dem Handy sagen. Wie immer, wenn ich extrem wütend war, begannen mir nun Tränen über die Wangen zu rollen und ich ließ mich auf den Boden sinken.
      “Also… wir haben hier aktuell das kanadische und das schwedische Nationalteam auf dem Hof, ... und dann ist da Niklas. Am Anfang dachte ich er sei voll der Arsch, denn er hat immer so dämliche Bemerkungen gemacht und quasi jeden Abend ein andere mit aufs Zimmer genommen”, schniefte ich nun. “ Und dann ist da noch Vriska mit der er nur spielt… und seine Exfreundin, die einfach nur eifersüchtig ist. Jace hat dann am ersten Abend ein abgefüllt und das fand ich scheiße, denn du weißt ja was ich ihm gesagt hatte. Dann war da Niklas, der ihn dazu bracht sich zu entschuldigend. Auf einmal war Niklas total nett und hilfsbereit und dann ist Jace auf einmal getobt und hat Niklas geschlagen” erzählte ich weiter. “Stopp Lina, ich glaube, du vergisst da irgendwas, denn so macht das gerade alles keinen Sinn”, stoppe ich meine Schwester. “Na, doch. Nachdem Jace sich entschuldigt hatte, war da erst einmal alles ok. Niklas war gestern auf einmal so ganz anders als zu Beginn und hat mir zugehört und er ist nicht wie alle anderen weggelaufen, sondern hat mich Verstanden. Es fühlte sich alles so richtig an. Wir waren dann gestern alle zusammen am Fluss und ich habe mit ihm noch mal geredet. Auf einmal ist Jace getobt und hat Niklas die Nase gebrochen. Niklas hat mir dann später noch von sich erzählt und dann hat er mir auf einmal Divine geschenkt”, sagte ich und schwieg einen Moment. “Ja und wo genau ist jetzt das Problem?”, fragte Juliet ein wenig verwirrt. “Na, das Problem ist, das mir jeder verdammte Mensch hier auf dem Hof ständig sagt, dass es falsch ist und keine Zukunft hat, weil er auf kurz oder lang das Herz brechen wird” sagte ich leise. “Das Traurige daran ist, dass sie recht haben. In 7 Tagen ist das Trainigscamp vorbei und er zurück nach Schweden und ich bleibe dann hier allein zurück. Es gibt zwar auch eine andre Möglichkeit, doch das würde bedeuten, dass ich mit ihm nach Schweden gehe”, dass alles musste für sie einfach nur verrückt klingen.

      Vriska
      “Der, der Futterpläne erstellt hat, muss wohl ein Genie sein. Da sie Abendration immer die größte des Tages sein. Weißt du auch warum?”, schwärmte er von Tyrell und baute natürlich die nächste Frage mit ein. Wieder kamen mir Zweifel, warum ich diesen Beruf lerne. Lieber würde ich in einem Büro sitzen und irgendwelche Formeln berechnen und Theorien ausarbeiten, als mir Gedanken über die Fütterung meines Pferdes zu machen. Schließlich steht der fast nur auf der Weide und macht sein eigenes Ding.
      “Frag mich doch bitte was Leichteres … Vielleicht, weil sich abends eh niemand um die Pferde kümmert?”, jammerte ich.
      “Mehr oder weniger, ja. In der Zeit können die Pferde ungestört fressen und haben somit mehr Zeit zu verdauen. Außerdem sollte die erste Mahlzeit des Tages kein Kraftfutter sein, da sonst der Magen aufblähen könnte.”, erklärte Niklas mir und fuhr direkt fort mit der nächsten Frage. “Wenn es dann aber keine Weide mehr gibt, wie viel Grundfutterration insbesondere Heu sollte das Pferd bekommen ungefähr?”
      “Das ist leicht. 5-6 kg also ungefähr 2,5 % des Körpergewichts.”, antwortete ich gekonnt.
      “Wenn du den Prozentsatz schon weißt, dann sollte dir Auffallen, dass 5 bis 6 Kilogramm etwas wenig sind.”, merkte er etwas arrogant an.
      “Nej, du Leuchte. Ich mache den Pferdewirt in speziellen Reitweisen mit Fachgebiet Gangreiten bzw. Isländer. Sprich 5 bis 6 kg sind schon richtig. Wenn du dir das mal auf Pad vorher angeguckt hättest, wüsstest du das.”, duellierte ich. Hochmut kommt vor dem Fall, sagt man so schön. Dazu äußerte er dann nicht mehr und fuhr mit den Giftpflanzen fort. Dabei erklärte er mich auch, welche insbesondere in Schweden auftreten und bei welchen es bei der Prüfung Zusatzpunkte gibt.
      Das Lernen mit Niklas hatte wirklich etwas Gutes. Er kann Dinge erklären, die sogar Dummies verstehen. Kurz dachte ich darüber nach, ob er das wegen seines Bruders konnte oder Ju der Grund dafür war.

      Lina
      Einen kurzen Moment herrscht stille am anderen Ende. “Ach Süße, da hast du ja einiges Erlebt. Aber ich sag dir eins, lass dein Leben nicht von anderem Bestimmen”, sagte sie verständnisvoll. “Hör auf dein Herz und wenn das beinhaltet nach Schweden zu gehen, dann tue es”.
      “Meinst du wirklich?”, schniefte ich ins Telefon. “Aber hier ist doch mein ganzes Leben. Meine Freunde, meine Arbeit, einfach alles, bis auf dich. Das ist alles schön viel immerhin ist es ein andres Land, eine andere Sprache und was ist mit dem finanziellen Aspekt. So ein Flug ist überaus teuer und ich kann doch auch nicht einfach mein Pferd hierlassen. Und dann brauche ich ja auch einen Job...”, gab ich zu bedenken. “Lina, hör mir zu, für alles gibt es eine Lösung! Und ich für meinen Teil werde dich bei deiner Unterscheidung Unterstützen egal wie sie ausfällt”, sagte sie. “Danke, Juli”, sagte ich erleichtert darüber, wenigsten meine Schwester auf meiner Seite zu haben. “Danke für das Gespräch, ich ruf dich noch mal an”, beendete ich das Gespräch und ließ mein Handy zu Boden sinken. Draußen regnete es immer noch in Strömen.

      Vriska
      “Wäre es okay, wenn ich wieder gehe?”, fragte er dann plötzlich.
      “Nichts lieber als das”, antwortete ich stumpf. Entgeistert verzog Niklas sein Gesicht und stürzte sich zurück in den Regen. Erst einige Minuten später, stellte ich fest, dass ich mich nicht mal bedankt habe. Eigentlich würde ich nun gern rüber gehen und dies nachholen, doch der Regen brachte mich wieder dazu, dass es eine schlechte Idee ist. Mein Gepäck war nicht sinnvoll verpackt. Da kam es mir. Geld ausgeben. Jetzt sofort. Ich suchte nach meinem Telefon und schrieb Lina eine Nachricht: “Denkst du wir können in die nächste größere Stadt fahren? Ich habe das dringende Bedürfnis Geld aus dem Fenster zu schmeißen.”
      “Ok. In 10 Minuten vor dem Haus”, bekam ich so gleich als Antwort. Erleichtert rannte ich ins Bad, um mein Make-up aufzufrischen. Durch den Regen war mein Eyeliner vollkommen verwischt. Also musste das alles erst mal wieder runter. Nervös guckte ich auf die Uhr - 15 Minuten später war ich fertig, nahm einen Schirm und stürzte mich in zum Haus, vor dem Lina bereits im Auto wartete.
      “Super, dass das so spontan geklappt hat”, bedankte ich mich bei ihr.
      “Darf man wissen woher, diese Laune auf einmal kommt?”, frage sie.
      “Ach weiß auch nicht, aber hier nur herumzusitzen, ist ja auch doof”, sagte ich und entschied ihr nicht davon zu erzählen, dass ich mit Niklas zusammen gelernt hatte. Schätzungsweise ist das Thema gerade nicht so angebracht, da ihre Augen offensichtlich verweint waren. Immerhin hatte sie keine Panda-Augen wie ich vor 20 Minuten.
      “Da hast du recht, also los”, sagte sie und startete den Motor.
      “Willst du drüber reden?”, fragte ich kurz. Denn die Antwort wird vermutlich nein sein, aber klingt besser als zu hoffen, dass alles gut ist. Den das wird es sicher nicht sein. Seit Tagen haben wir alle am Hof eine Persönlichkeitskrise, als wären wir wieder 16 / 17 Jahre.
      “Ich habe mit meiner Schwester telefoniert, den Grund kannst du dir sicher selber denken”, antwortete sie nur angebunden und konzentrierte sich auf die Straße.
      Kurz musste ich drüber nachdenken, ob es nicht, doch besser wäre ihr zu sagen. Später vielleicht. Stattdessen lenkte ich das Thema in eine andere Richtung.
      “Wann hast du dir zuletzt mal was gegönnt?”, fragte ich dann und hoffte, dass sich nicht wieder an den Kerl denkt.
      “Mmm, das ist schon eine ganze Weile her”, sagte sie, nachdem sie kurz nachgedacht hatte.
      “Na dann ist ja heute der richtige Tag, um dir was Schickes auszusuchen. Ich will nach einer Jacke gucken und neuen Schuhen, vielleicht auch einer Hose.”, antwortete und dachte weiter darüber nach, was ich gerne hätte. Besonders wann ich das alles mal anziehen sollte, denn auf dem Hof sind neue Sachen immer direkt dreckig und bis ans Ende ihres Lebens Hofkleidung.
      “Da hast du aber große Pläne ich denke, ich werde mal sehen, was mit so zuläuft”, sagte Lina und ich konnte ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht entdecken.
      Die nächsten Kilometer dachte jeder für sich über irgendwas nach. Ich gucke interessiert aus dem Fenster und was verwundert darüber, wie Tod die Gegend zu sein scheint. Am Horizont sah man immer mal wieder ein Getreidesilo emporragen oder mal ein Bauernhaus. Doch die klassischen Einfamilienhäuser, die man bei uns findet, wenn man Richtung Stockholm fährt, sucht man hier vergebens. Es machte mich etwas traurig, dass diese Fahrt bisher so verlaufen war. Eigentlich wollten Milena und ich zusammen eine großartige Zeit haben, doch nun hatte sie Anna. Seit dem Ausritt haben wir beide kein einziges Wort miteinander mehr gewechselt, allerdings irgendwo tief in mir, war ich auch froh darüber. Stattdessen musste ich auch wieder an Glymur denken. Was wird Tyrell machen, wenn ich ihm davon erzähle? Werde ich es ihm überhaupt erzählen? Wäre es klüger erst einmal mit Bruce darüber zu sprechen? Schätzungsweise wird das der richtige Weg sein. Er reagierte für gewöhnlich entspannter als sein großer Bruder.

      Lina
      Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wird endlich Hinton. Es war eine für die Gegend hier typische Touristenstadt. Vor allem Restaurants und Hotels reichten sich hier aneinander. Auch Souvenirshops fand man hier in großer Zahl. Aber natürlich gab es auch hier eine Mall.
      “Ich hoffe, du erwartest nicht zu viel. Wir sind hier nicht gerade in einer Shoppingmetropole”, warnte ich Vriska, während ich das Auto parkte.
      “Krass, es regnet nicht mehr. Und nein, natürlich erwarte ich das nicht. Trotzdem wird man doch was Schönes finden. Was hältst du davon, wenn wir erst mal was zum Essen suchen?”, schlug sie vor.
      “Das klingt nach einem hervorragenden Plan”, stimmte ich Vriska zu. Der Himmel war deutlich aufgeklart und nur die Pfützen auf dem Asphalt zeugten von dem vorherigen Regen. “Was hältst du von Pizza?” wandte ich mich an sie und deutete auf die Pizzeria auf der anderen Straßenseite.
      “Gute Idee, hoffentlich haben die welche ohne Käse”, antwortete sie und lief in dir Richtung des Restaurants. Provokant nahm Vriska eine Speisekarte und suchte direkt, erst als sie fündig wurde, setzte sie sich hin und ich mich dazu. Auch ich warf einen Blick auf die Speisekarte, schnell wurde ich fündig. Ein wenig Gedankenverloren begann ich auf die Serviette zu kritzeln, während wir auf die Bedingung warteten. Schnell entstand eine kleine Möwe und sie erinnerte mich an Zuhause.
      “Wie lange zeichnest du eigentlich schon?”, fragte Vriska, nach dem meine Kritzelei sah.
      “Ich habe als Kind schon immer gerne gezeichnet, doch so richtig angefangen habe ich dann auf dem Internat. Da ich nicht viele Freunde hatte, müsste ich mich häufig allein beschäftigen und so habe ich angefangen zu Zeichen”, erzählte ich ihr.
      “Klingt traurig, aber förderlich für dich selbst. Wie kommt es eigentlich, dass ihr Pferdemenschen auf dem Internet wart?”, fragte sie dann verwundert.
      “Mmm, was du nicht sagst. Also Samu war dort freiwillig, denn er wollte schon früh unabhängig sein und er hätte irgendwann keine Lust mehr mit drei Geschwistern Zuhause zu wohnen. Meine Schwester und ich wurde von unserm ‘’ Vater’’ dahin abgeschoben, als er sich eine neue Familie gesucht hat.”, antwortete ich Vriska ehrlich.
      “Willst du irgendwann noch mal mit dem sprechen?”, wurde sie nun wieder etwas tiefsinniger.
      “Eigentlich habe ich geschworen, dass ich nie wieder mit ihm sprechen möchte, deshalb bin ich ja hier, aber vielleicht gebe ich ihm irgendwann noch mal eine Chance” antwortete ich nachdenklich.
      “Für deinen inneren Seelenfrieden wäre es sicher besser, wenn du dem mal richtig deine Meinung geigst. Danach kannst du ihn immer noch auf den Mond schießen”, murmelte Vriska und begann an unsere Bestellung aufzugeben.
      “Mmm, das sagt sich immer so leicht”, sagte ich und begann eine weitere Möwe auf die Serviette zu malen.

      Vriska
      Als sich Lina wieder ihrer Serviette zuwendete, guckte ich durch die Gegend. Dann sah ich etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Anna und Milena liefen auf der anderen Seite vollbepackt mit Einkaufstüten von ziemlichen teuren Marken. Irgendwie dachte ich mir bereits, dass keiner von den beiden das Geld dafür hatte, also lauschte ich ihnen mit meinen Fledermausohren. Plötzlich wurde mir einiges klar.
      “Lina, ich muss kurz telefonieren. Bin gleich wieder da”, sagte ich hektisch zu ihr und verschwand wohin, wo die Beiden mich nicht hören konnten.
      Zum Glück ging Ju direkt an sein Handy und ich bot ihn, dass Niklas nach seinem Portemonnaie gucken solle. In diesem fehlte, wie gedacht, seine Kreditkarte. Außerdem erfuhr ich, dass er seit gestern sein Handy nicht mehr gefunden hatte und dieses benötigt wird, um Zahlungen zu autorisieren. Hoffentlich kann er nun noch alles sperren.
      “Du wirst es nicht glauben”, kam ich zurück zum Tisch, an dem schon unsere beiden Pizzen standen. Überrascht schaute Lina mich an und sagte: “Was werde ich nicht glauben?"
      “Okay, in ganz kurz. Anna ist richtig am Arsch. Sie hat das Handy und die Kreditkarte von Niklas gestohlen. Damit offenbar ein Haufen Geld verbraten.”, flüsterte ich ihr zu und lehnte mich dafür über den Tisch. Dann zeigte ich auf die andere Straßenseite, wo die Beiden noch saßen mit mehr als 10 großen Einkaufstüten.
      "Wow, also mir ist ja schon aufgefallen, dass sie extrem eifersüchtig ist, aber dass sie so eine hinterhältige B**** ist hätte ich nicht erwartet", antwortete Lina ein wenig fassungslos.
      “Ich finde, dafür dass wir zusammen das Rätsel gelöst haben, genießen wir unsere Pizza und geben dann unser eigenes Geld aus”, sagte ich begeistert und biss von der viel zu heißen Pizza ab.

      Lina
      "Naja, eigentlich hast du das Rätsel ja allein gelöst, aber genießen klingt super", sagte ich und biss triumphieren in meine Pizza in gleich darauf das sie noch viel zu heiß war.
      In Ruhe genossen Vriska und ich unsere Pizzen, bevor wir zahlten und zur Mall rüber schlenderten.
      Auf dem Weg dorthin, kamen wir an einem kleinen Geschäft vorbei, welches allerlei Souvenirs verkaufte. Im Schaufenster waren klassische Touriartikel wie Shirts und Schlüsselanhänger, aber auch die für die Gegend typischen Figuren und den Schmuck aus der hübschen dunkelgrünen Kanada-Jade. "Wusstes du das hier Jade mystische Fähigkeit haben soll?", fragte ich Vriska neugierig und deutete auf das Schaufenster.
      "Jade soll angeblich die Selbstentwicklung fördern. Außerdem soll es ausgleichend und harmonisierend wirken, wie auch die Kreativität fördern", erzählt ich die Mythen, die sich um diesen Stein ranken. "Vielleicht haben wir ja einfach zu wenig Jade auf dem Hof", scherzte ich fröhlich.
      “Oh, dass will ich für Glymur mitnehmen.”, sagte Vriska und stürmte in den Laden herein.
      “Ok” sagte ich belustigt über ihren Überschwung und folgte ihr in den Laden. Drinnen war es recht gemütlich, überall waren Regale und Ständer mit Sachen. An den Wänden hingen verschiedene Bilder und Schilder. Angenehm fiel die Sonne durch das große Schaufenster und erzeugte eine fast magische Stimmung. Schneller als man gucken konnte, durchsuchte Vriska nach dem richtigen etwas. Was wie wirklich suchte, wusste ich nicht.
      “Ich habe das richtige!”, rief sie dann plötzlich, sogar die Verkäuferin erschrak sich.
      “Was genau hast du überhaupt gesucht?”, fragte ich neugierig und versuchte zu sehen, was sie in der Hand hielt.
      “Das hier”, sagte Vriska triumphierend und zeigte einen kleinen Jade-Anhänger in Form eines Pferdekopfes in die Höhe.
      “Ein wirklich schönes Stück”, murmelte ich und betrachtete den Anhänger.

      Währenddessen am Hof …

      Niklas
      Nach dem Ju mir sein Handy gab um meinen Bankmitarbeiter anrufen, den ich wirklich zu jeder Tageszeit telefonisch erreichen kann, schließlich ist es gerade 0 Uhr in Schweden, ließ ich alle Zahlungen meines Kontos einfrieren sowie alle Schecks sperren. Bis auf den für das WHC, bei der ich die Nummer des Scheckes durchgab. Nur wenige Minuten dauerte dieser Vorgang und nun würde ich meinen Vater anrufen. Im strömenden Regen lief ich rüber zum Zimmer, in dem Herr Holm war. Genau genommen Herr Holm und Frau Wallin, denn jeder wusste, dass die Beiden seit Jahren ein Verhältnis miteinander hatten. Doch niemand sprach darüber.
      “Anders, ich brauche dein Handy. Ich muss mit meinem Vater sprechen.”, sagte ich zu ihm, als er oberkörperfrei die Tür öffnete. Auf dem Bett lag Frau Wallin, die sich Kurzerhand die Decke überzog. Da ich normalerweise nie meinen Vater kontaktieren würde, wusste Herr Holm, dass es etwas Ernstes sein würde. Er stellte keine Fragen und gab mir das Telefon. Ich konnte die Nummer nicht auswendig, sonst hätte ich bereits im Zimmer mit Jus Handy ihn kontaktiert. Unsere Eltern, egal im welchen alter wir sind, müssen die Bürgschaft für uns übernehmen, deswegen hatte mein Trainer die Nummer für ihn.
      Ohne tiefsinnige Fragen zu stellen, sprach ich mit meinem Vater über die Situation. Dieser Verstand, dass das nun kein Spaß mehr ist und unverzüglich ein Strafantrag über den Anwalt an Anna gestellt wird. Da ich mich jedoch nicht im Heimatland befand und die Mühlen der Justiz langsam mahlen, muss die Sache über die Botschaft laufen. So versicherte mir mein Vater, dass er unverzüglich jemanden vorbeischicken wird, um Beweise zu sichern. Von meiner gebrochenen Nase und dem damit verbundenen Zwischenfall mit Jace erzählte ich ebenfalls nichts. Dass ich kurzerhand ein Pferd gekauft habe und direkt wieder verschenkt, auch nichts. Zufrieden gab ich meinem Trainer das Handy zurück. Da er das Gespräch belauscht hatte, musste ich zum Glück nichts weiter erklären und lief zurück zur Hütte. Natürlich war ich wieder komplett Nass. Dich fühlte mich gut, wirklich gut. Um das Geld geht es mir auf keinen Fall, da es sich nicht um mehr als 200.000 SEK handeln wird, kann ich das Verkraften, aber mich zu Hintergehen und meine Familie hat Grenzen.
      “Wie war dein Vater drauf?”, fragte mein bester Freund mich, als ich zurück im Zimmer ankam.
      “Er war wirklich müde, aber in einigen Stunden wird einer von der Botschaft kommen.”, sagte ich kurz und nahm mir zur Belohnung ein Bier aus dem Kühlschrank.

      Zurück in der Stadt …

      Vriska
      Auch Lina zeigte mir, was sie sich ausgesucht hatte. Es war auch ein kleiner Grizzly aus Jade. Zusammen scherzten wir und liefen weiter. An der Ecke sah ich einen Schuhladen und hoffte darauf neue zu finden. Interessiert lief ich durch den Laden und entdeckte genau das, wo nachsuchte. Ich zeigte Lina die weißen Sniker mit schwarzer Sohle und Swoosh.
      “Guten Geschmack hast du da”, sagte sie anerkennend.
      Kurz musste ich über den Preis nachdenken, da er deutlich höher war, als ich ausgeben wollen würde. Doch ich musste sie haben, also ging ich zur Kasse, ohne mich weiter umzugucken und zahlte. Lina schaute sich zwar um, schien aber nicht so richtig fündig zu werden.
      “Wollen wir weiter?”, fragte ich dann lieber noch nach.
      “Ja, ich vermute Samu würde nur schimpfen, wenn ich schon wieder mit einem neuen paaren Schuh ankomme. Er ist eh der Meinung zwei paar wären ausreichend”, antwortete sie lachen.
      “Ich denke, dass wir Kerle gerade am Hof haben, die mehr haben als du”, scherzte ich und verließ mit ihr den Laden. Freundlich verabschiedete ich mich noch von den Verkäufern.
      Ohne weitere interessante Läden zu liefen, trödelten wir durch die Stadt. Dann sah ich etwas, wo nach ich nicht suchte - ein Reitfachgeschäft.
      “Lina. Pferdeladen”, sagte ich stumpf und steuerte darauf zu.
      “Definitiv einer meiner Lieblingsform von Laden. Vielleicht finde ich je was Hübsches für Divine”, sagte ich begeistert und folgte Vriska.
      Eigentlich wusste ich nicht genau wonach ich suchte, aber entgehen lassen war ebenfalls nicht möglich. Lina guckte sich noch um.

      Lina
      Neugierig stöberte ich durch den Laden. “Vriska, was hältst du von dieser Schabracke?”, fragte ich und hielt ihr eine bordeauxfarbene Schabracke hin. “Oder von der”, deutet ich begeistert auf eine dunkele Purpurfarbene. In Sachen Pferdeoutfits bin ich leider ein absolutes Shoppingopfer. Meine Pferde laufen meistens modischer rum als ich selbst.
      “Dann eher die Rote”, antwortete sie verwirrt. Da wurde mir bewusst, dass sie auf Glymur nur mit einem Gummipad saß.
      “Ja, ich glaube, du hast recht”, stimmte ich zu ihr und begann weiter durch den Laden zu schlendern. Als ich an dem Regal mit den Fliegenmasken vorbeikam, fiel mir ein, dass Divine seine leider auf der Koppel zerstört hatte. Da er ohne allerdings Sonnenbrand bekommt, muss wohl eine neue mit. Also machte ich mich dran nach einer stabilen Maske mit Nüsternschutz zu suchen, was sich wie immer recht schwierig gestaltete. Ich warf noch einen Blick zu Vriska, die zur anderen Ecke des Ladens lief. Sie schien noch etwas entdeckt zu haben.
      “Nehme ich mit”, sagte sie zu mir überzeugt mit einem komischen Gebiss in der Hand und in der anderen ein Trensenzaum.
      “Was genau ist das?”, fragte ich und deutete auf das Gebiss.
      “Ähm?”, fing sie etwas irritiert an. “Das ist eine isländische Kandare - in Schwarz. Sieht man doch”, feigste Vriska dann. “Interessant ich habe noch nie so ein Teil gesehen”, kommentierte ich. Bevor ich noch mehr unnötiges Zeug entdecken konnte, was ich am Ende großartig finden würde, beschloss ich den Einkauf abzuschließen. “Also ich bin fertig”, sagte ich zu Vriska und machte mich auf den Weg zu Kasse. Als ich zahlte, stellte ich fest, dass ich wieder viel zu viel Geld mal für eine Schabracke ausgegeben hatte. Geduldig wartete ich dann noch bis auch Vriska gezahlt hatte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir nun schon drei Stunden hier waren. “Ich denke, wir sollten uns langsam mal auf den Rückweg machen”, schlug ich Vriska dann vor und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Auto.

      Vriska
      Wie üblich schlief ich nach einigen Kilometern ein. Erst vor der Hofeinfahrt wachte ich auf. “Habe ich was verpasst?”, murmelte ich frisch aufgewacht und schaute Lina verträumt an.
      “Nein, absolut nichts, außer dass wir jetzt da sind”, antwortete sie mir. Zustimmend murmelte ich und stieg aus dem Wagen. Wann es aufgehört hatte zu regnen, war schwer zu beurteilen. In den Löchern stand das Wasser. Doch am Hof war es ruhig. Es schien auch niemand auf uns gewartet zu haben.
      “Irgendwas stimmt hier nicht”, merkte ich das zweite Mal heute an.
      “Dann sollten wir mal herausfinden, ob du heute diesbezüglich noch ein zweites Mal recht hast”, antwortete Lina, die gerade die Autotür zuschlug.
      “Vermutlich wird es nicht schön”, sagte ich noch und holte aus dem Kofferraum meine beiden Tüten. Dann verließ ich Lina erstmal und brachte meine Sachen ins Zimmer. Dort fiel ich ins Bett und könnte direkte wieder einschlafen. Es kam nicht dazu, weil es an der Tür klopfte. Manchmal fragte ich mich wirklich, wieso jeder so großes Interesse an mithatte. Müde trat ich an die Tür. Ein mir Unbekannter stand davor.
      “Vriska Isaac?”, fragte er dann. Von oben nach unten warf ich ein Blick auf den Herrn, der im Anzug, Lackschuhen und Gel in Haaren vor mir stand. Ein eher ungewöhnliches Bild für jemanden auf einem Pferdehof.
      “Ja und fragt mich das?”, gab ich etwas verwundert von mir.
      “Erik Löfström von der schwedischen Botschaft und ich würde gerne eine Zeugenaussage mit Ihnen aufnehmen.”, stellte er sich dann vor. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass er gerade mal 5 Jahre älter als ich war und gerade neu dort war. Nervös zupfte er an dem Bund seiner Hose. Freundlich bat ich ihn in die Hütte und erzählte ihm, was ich im Gespräch in der Stadt gehört hatte, als ich mit Lina unterwegs war. Im gleichen Zuge erzählte ich auch, dass sie die beiden zwar gesehen hatte aber nichts davon hörte. Zumindest sagte sie nichts. Genauso schien Herr Löfström das auch aufzuschreiben. Er lobte mich ebenfalls dafür, dass ich es direkt meldete und nicht auf Komfortration ging. Dass der Mann mir nichts über die aktuellen Fakten sagen durfte, aufleuchtete mir ebenfalls auf. Doch ganz gegen meine Erwartungen erzählte er, was bisher bekannt ist und auch, dass die Bank bereits bestätigt hatte, dass die Zahlungen getätigt wurden. Ich war mir mittlerweile nicht mehr ganz wohl und ein Gefühl der Verzweiflung machte sich in mir auf. Davon erzählte ich ihm auch, doch Herr Löfström versicherte mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Die Dame wird heute noch vom Hof entfernt und muss in der Botschaft bleiben. Der Rückflug wird darauf hin von denen organisiert. Auf Nachfrage, was mit dem Pferd sei, sagt er, dass sich ihr Trainer darum kümmere. Wenig später war das Gespräch beendet und verabschiedete sich von mir, dabei bedankte er sich noch einmal für die Aussage und verschwand. Schnell zog ich mein Handy aus der Hosentasche und schrieb Lina: “Hier war eben ein Typ von der schwedischen Botschaft, der übrigens ziemlich heiß ist, der vermutlich noch zu dir kommen wird. Ich habe ihm nur gesagt, dass wir zusammen in der Stadt waren und du sie auch gesehen hast. Wusste aber nicht, was du diesbezüglich weißt. Nur damit du dich nicht wunderst. PS: Er wirkte nicht wirklich was mit Pferden zu tun zu haben :(

      Lina
      Ich hatte mich gerade daran gemacht einen geeigneten Platz für den Grizzly zu suchen, als mein Handy mir den Eingang einer Nachricht mitteilte. Es war eine Nachricht von Vriska. “Ok, danke fürs Mitteilen. PS. Du weißt aber schon der er hier zum Arbeiten ist nicht zum Flirten :D” antworte ich ihr und keine 5 Minuten später klopfte es an der Tür.
      Freundlich öffnete ich die Tür und ein junger Anzugträger stand vor mir. Hätte Vriska nicht mich vorgewarnt, wäre ich vermutlich ziemlich verwundert gewesen. “Lina Valoo?”, fragte er.
      “Ja, genau die steht vor ihnen”, antwortete ich. Kurz darauf stellte er sich und den Grund seines Kommens vor. Auch wenn es mich kaum betraf, war es kein Thema für den Flur, weshalb ich ihn hineinbat. Ich bestätigte ihm das, was Vriska ihm bereits erzählt hatte und so kam es, dass er genauso schnell wieder verschwand, wie er gekommen war.
      “Wer weiß, vielleicht versuchte er nur mehr Infos über mich zu bekommen :D”, hatte Vriska mir geantwortet.
      “Also, darum ging es eben eindeutig nicht, aber wer weiß vielleicht wollte er nur professionell wirken;)”, schrieb ich ihr zurück und es klopfte schon wieder an der Tür. “Offen” rief ich und Samu steckte seinen Kopf durch die Tür. “Wer war denn der Schlipsträger im Flur? Haben wir jetzt schon den Geheimdienst im Haus”, fragte er ein wenig misstrauisch.
      “Das? Ach, der wollte sich nur als Vriskas neuen Freund vorstellen”, scherzte ich und Samus blick wurde noch misstrauischer. “So sah er aber nicht aus”, kommentierte er.
      “Ach Samu, manchmal hast du aber echt eine Lange Leitung. Natürlich ist das noch nicht Vriskas Freund. Herr Löfström ist von der schwedischen Botschaft und war nur wegen einer Zeugensage hier”, erklärte ich, was ihn nicht gerade zu beruhigen schien. “Keine Sorge nichts wildes”, sagte ich und verdrehte die Augen.
      “Wo ist er hin?”, kam Vriska plötzlich angelaufen und störte unser Gespräch. Wenn ich sie so betrachtete, schien sie sich neu geschminkt zu haben. “Ich muss dich enttäuschen, aber dein Traumprinz ist gerade gegangen, auch wenn du dir offensichtlich sehr viel Mühe gegeben hast”, antworte ich Vriska leicht amüsiert.
      “Dann warte ich an seinem Auto. Der BMW steht noch im Matsch.”, sagte sie und verschwand wieder.
      “Wow, sich scheint es ja echt erst zu meinen” kommentierte Samu das ganze amüsiert. “Ja, sag ich doch, dass das Vriskas fast Freund ist”, lachte ich ihn an.

      Vriska
      Was mache ich hier eigentlich, überlegte ich, als ich Knöcheltief im Matsch stand. Mit meinen Reitstiefeletten. Und kurzer Hose. Oversized-Pullover, obwohl es gefühlt wieder 25 Grad Celsius waren. Typisch schwül war es nach diesem heftigen Sommergewitter. An einigen Stellen blinzelte auch die Sonne durch die grauen Wolken.
      “Ach, ist noch was?”, fragte Löfström überrascht.
      “Jein, hast du - äh … Sie noch eine Visitenkarte für mich, falls mir noch was einfällt?”, fragte ich gekonnt und versprach mich natürlich.
      “Klar” antwortete er fröhlich und griff in seine Brusttasche des Mantels. Bisher dachte ich, dass nur amerikanische Filme und Serien sich das als Thing überlegten. Doch nun traf ich den ersten Anzugträger damit. Unglaublich. Einige Minuten blieb ich noch wie angewurzelt stehen und wirkte nicht unbedingt klug dabei.
      “Kann ich dir sonst noch helfen oder hast du einen Schlaganfall?”, lachte er. Einen Moment brauchte ich, bevor eine Antwort aus meinem Mund kam.
      “Hoffentlich hast du keinen”, fügte Löfström nun deutlich ernster hinzu.
      “Oh tut mir leid, ich war gerade irgendwie woanders.”, antwortete ich kurz und drehte mich um, um zu gehen.
      “Du kannst auch so mal anrufen”, rief er mir noch nach und stieg in seine viel zu große schwarze Karre. Die Pfützen spritzten gegen den bis dahin sauberen Lack.
      Was war den hier passiert? Schnell musste ich wieder zu Lina, um ihr das zu erzählen. Noch immer war sie mit Samu in ihrem Zimmer. Als ich reinplatzte, konnte ich nicht verstehen, worum es gerade ging. Unhöflich fiel ich dazwischen: “Ha! Ich habe seine Nummer!”, triumphierte ich und hielt die Visitenkarte in die Hand.
      “Aww super”, quietschte sie aufgeregt. “Und Samu du musst hier jetzt verschwinden wir haben Mädchenkram zu besprechen”, wandte sie sich an den Finnen und schob ihm aus dem Zimmer.
      “So, jetzt sag mal, wie hast du das angestellt”, fragte sie neugierig als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.
      “Der hätte auch bleiben können, hätte ihn sicher auch interessiert. Aber gut. Ich habe einfach mein Pulli hochgezogen - fertig.”, scherzte ich. Lina warf mir verwirrte Blicke zu.
      “Spaß, ich habe ihn nach seiner Visitenkarte gefragt, falls ich mir noch was einfällt. Stand dann gedankenverloren einige Minuten an seinem Auto. Da sagte er mir zu mir, dass ich auch so mal anrufen kann”, antwortete ich und ließ mich rückwärts auf ihr Bett fallen.
      “Scheint ja, als wäre das quasi perfekt für dich gelaufen” antwortete sie begeistert und setzte sich neben mich aufs Bett.
      “Ach, als ob ich den anrufe. Ich weiß auch nicht, was das sollte. Vielleicht wollte ich einfach gucken, ob ich es noch kann”, sagte ich zu ihr und starrte an die Decke ihres Zimmers.
      “Also irgendwie kann ich das nicht so ganz glauben, dass du ihn nicht mehr anrufst, so wie du gerade aussiehst”, sagte Lina und ich konnte das Grinsen quasi hören. Ich zog das Pappkärtchen aus meiner Hosentasche und betrachtete es genauer.
      “Guck mal”, kam es nun völlig verwirrt aus mir. Ich deutete darauf, dass es seine private Karte sei und nicht die aus dem Büro. Entweder war er ein ziemlich Creep oder auch in ihm sind die jungen Pferde durch gegangen.
      “Sieht so aus, als wäre er doch zum Flirten hier gewesen”, kam es ein wenig neckisch von ihr.
      “Habe ich doch geschrieben. Ich habe immer recht”, lachte ich und stand auf. Dann zog ich sie an der Hand ebenfalls hoch aus dem Bett.
      “Vielleicht solltest du zu Nik. Der hat sicher einen harten Tag gehabt”, merkte ich an und nahm Lina mit raus.

      Lina
      “Na, da hast du wohl Recht”. So genau hatte ich bisher nicht darüber nachgedacht. Zusammen mit Vriska ging ich also zu den Hütten, in denen die Gäste untergebracht waren. Ich blieb vor Niklas Tür stehen, während Vriska sich zu ihrem eigenen Zimmer begab. “Niklas, bist du da?”, fragte ich und klopfte sacht an die Tür.
      “Nein, ich tarne mich als Bettdecke”, hörte ich es leise aus dem Zimmer.
      “Darf ich reinkommen?”, fragte ich und öffnete vorsichtig die Tür.
      “Du bist doch quasi schon da, jetzt kann ich dich auch nicht mehr wegschicken”, antwortete er und lachte. Also trat ich in den Raum und schloss die Tür hinter mir. “Dieser Tag heute ist ganz schön verrückt”, versuchte ich ein Gespräch zu starten.
      “Wie kommst du darauf? Ist doch ein normaler Dienstag”, scherzte Niklas und schien heute positiv zu sein. “Naja, ich bekomme nicht jeden Tag Besuch von einem Botschafter”, scherzte ich ebenfalls. “Möchtest du vielleicht über den Grund dafür reden?”, fragte ich und ließ mich auf einen Stuhl sinken.
      “Ach, Erik ist doch ein Netter. Ich bin mit dem zur Schule gegangen”, begann er und schien nachzudenken.
      “Ich mach’s kurz. Für Anna habe ich nie wirklich viel Geld ausgegeben, weil ich das als nicht wichtig empfand. Doch irgendwie hat sie mitbekommen, dass ich dir deinen Traum vom Pferd erfüllt habe. Das war wohl ihr Grund, dass alles nachzuholen. Allerdings wird das nun teuer für sie und unangenehm. Herr Holm will nachher beim Essen noch mal drüber reden”, erzählte Niklas dann doch noch.
      “Dieses Mädchen ist doch einfach nur verrückt”, kommentierte ich und schüttelte den Kopf. “Ist das also der Grund warum du so gut gelaunt bis oder gibt es da noch etwas?”, fragte ich und sah ihn an.
      “Du bist da”, antwortete er kurz und guckte mich an.
      Unwillkürlich musste ich lächeln und mir wurde ganz warm ums Herz. “Schön, dass du dich über mich freust,” sage ich und ging zu ihm rüber, “Ich freu mich nämlich auch dich zu sehen, vor allem nach dem Abenteuer heute Morgen”.
      “Abenteuer? Weil ich halb blind mit dir durch Gegend gelaufen bin?”, neckte er mich.
      “Das war zwar sehr lustig, aber nicht das was ich meinte”, sagte ich lachend und erst dann fiel mir ein, dass er vermutlich gar nicht mitbekommen hatte, wo Vriska und ich während des Gewitters gesteckt hatten. “Weißt du ich glaube, ich bin heute ein wenig über mich selbst hinausgewachsen”, begann ich zu erzählen “Obwohl ich mitten in einem Gewitter in einem Wald gestanden hab, hatte ich nur fast einen Nervenzusammenbruch”.
      “Herzlichen Glückwunsch” Aber fast klingt trotzdem nicht so schön”, sprach Niklas berührt und legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. Schlagartig wurde mir warm und ein angenehmes Ziehen, breitet sich in mir aus. “War es auch nicht, aber wie du siehst habe ich es überlebt”, murmelte ich.
      “Zum Glück”, flüsterte er dann.
      “Ja, zum Glück, sonst hätte ich nie wieder diesen schönen Kerl hier betrachten können”, flüsterte ich lächelnd und legte meine Hand auf seine.
      “Ist hier noch jemand?”, schockiert suchte Niklas nach einem ungebetenen Gast.
      “Oh, du bist doch blöd”, sagte ich und ohne groß weiter darüber nachzudenken, küsste ich ihn.
      “Nicht so stürmisch, junge Dame. Das könnte gefährlich enden.“, antwortete er und hatte offenbar noch viel mir in seinem Kopf herumzuschwirren.
      “Alles ok?”, fragte ich und sah Niklas nachdenklich an.
      “Wollen wir reiten? … Okay, die Frage erscheint falscher, als ich sie meine. Ich meine natürlich auf Pferden.”, kam es verlegen. Was auch immer in seinem hübschen Köpfchen vorging, er schien es nicht mit mir teilen zu wollen.
      “Pferde klingen gut”, antwortete ich ihm ein wenig frech.
      “Na dann los. Ich habe auch meine Hose wieder, dann bin ich nicht wieder so peinlich für dich. Es gibt bestimmt eins, dass mal wieder richtig geritten werden muss”, kam es typisch männlich von ihm. Dann zog er provokant seine Shorts runter und wechselte zur Reithose, die über einem Stuhl lag. “Na, da findet sich sicherlich jemand”. Kurz sah ich an mir runter, um zu überlegen, ob ich mich auch noch umziehend wollte. Nach unserem ziemlich nassen Ausritt hatte ich mir nur schnell Jeans und Shirt übergeworfen. “Doch bevor wir uns ein paar Pferde suchen, sollte ich mich glaub ich noch mal umziehen, denke ich „und sprang vom Bett auf.
      Verfolgt von Niklas lief ich rüber zum Haus. “Warte hier, ich bin gleich zurück”, meldete ich mich ab und ließ ihn vor der Zimmertür stehen. Im Zimmer tausche ich meine Jeans, gegen eine Reithose und angesichts des schwülen Wetters entschied ich mich auch noch dazu ein Top anzuziehen. Schnell schrieb ich Samu noch eine Nachricht, welche Pferde noch bewegt werden müssten und bekam auch sogleich eine Antwort.
      “So, ich bin wieder da”, verkündete ich und trat aus dem Zimmer. “Und ich habe gehört Little Buddy und Darky würden sich noch über ein bisschen Bewegung freuen.”
      “Wenn ich mich umziehe, spannerst du, aber ich darf nicht mal mitkommen?”, sagte Niklas eingeschnappt und begann zu schmollen. “Aber gut, dann ran da”
      “Ich kann mich für dich auch noch mal umziehen”, antwortete ich schnippisch und stolzierte in Richtung Außenboxen, wo die beiden Hengste wohnten. “Darf ich Vorstellen, da sind die beiden”, sagte ich und deutete auf die beiden Pferde. Während der Braunfalbe freundlich aus seiner Box schaute, drehte Darky uns nur den hinter zu.
      “Gut, ich nehme den Hellen”, entschied Niklas fix, nahm ein Halfter und führte den Hengst aus der Box. Auch ich holte Darky heraus. Gemeinsam putzten wir die Pferde. Mittlerweile war er deutlich stiller geworden und mit einigen Sätzen, versuchte ich wieder ein Gespräch in die Bahn zu lenken, was mir nicht gut gelang. Ich hielt kurz inne und beobachte wie Niklas mit kräftigen Strichen, das Fell des Hengstes striegelte. Er sah einfach verdammt heiß aus, egal was er tat, dazu fühlte ich mich in seiner Gegenwart einfach nur super. Jede Sekunde, die ich mit ihm verbrachte, war es Wert und auf einmal musste ich an das Gespräch mit meiner Schwester zurückdenken. ’Hör auf dein Herz’, hatte sie gesagt. Auf mein Herz zu hören würde bedeuten, dass ich am liebsten nie wieder eine Sekunde ohne diesen Mann verbringen. Doch ist das tatsächlich das Richtige? Mein Verstand sagte eindeutig Nein, doch mein Herz…

      Niklas
      Lina dachte über irgendetwas war, aber ich wollte sie danach nicht fragen. Stattdessen wandte ich mich an sie, um das Sattelzeug zu holen. Da der Hengst, den sie sich nahm, nur etwas größer als war, brauchte sie eindeutig keine Hilfe beim Satteln. Wenn auch unvernünftig setzte ich keinen Helm auf. Gemeinsam führten wir die Pferde in die Halle, sollte es wieder anfangen zu regnen, wären wir somit geschützt.
      “Wo sind die denn alle? Hier am Hof ist echt toten Stille”, versuchte ich das Schweigen zu brechen.
      “Mmm, das ist echt eine gute Frage. Vielleicht haben die vergessen aus dem Fenster zu gucken?”, antwortete sie, während des Nachgurtes. Ich nickte nur zustimmend und tat ihr gleich.
      Im Schritt ritt in den Hengst an und begann mich mit ihm anzufreunden. Schon nach einigen Metern merkte ich, dass sich ziemlich viel Pferd unter mir befand. Mit einem Tempo stolzierte er bereits im Schritt voran und nur mit etwas Geschick gelang es mir ihn deutlich langsamer vorwärts zu schicken. Der lange Zügel empfand er, als Aufforderung schneller zu werden, auch der Kontakt zum Bein wirkte eher als Gaspedal, statt ihm eine Hilfe zu sein. So brauchten wir einige Runden und Bahnfiguren, um uns aufeinander einzustimmen. Dabei stellte ich fest, dass Buddy unsicher war und alles so schnell wie möglich hinter sich haben wollte. Durch einen verstärkten Einsatz der Stimme und kurzen, aber klaren Hilfen, begann er mir besser zuzuhören und aktiver in der Hinterhand zu werden. Ein kurzer Blick zu Lina verriet mir, dass sie ihr Pferd deutlich besser unter Kontrolle hatte. Allerdings erschien es mir auch kein Wunder zu sein, warum ich dieses Pferd zugeteilt bekommen habe. Kostenlosen Beritt nimmt jeder dankend an. So setzte ich die Lockerungsphase mit kurzen Trabeinheiten auf dem Zirkel fort, um seine Elastizität im Genick zu fördern. Das Stellen und Biegen fiel im deutlicher leichter im Trab als im Schritt, auch legte er sich nicht mehr auf den Zügel. Nach jeder kurzen Einheit merkte ich eine Veränderung im Rücken des Pferdes und immer häufiger schnaubte er ab. Das war mit ihm der richtige Weg.

      Lina
      Auch wenn ich schon ein paar wenige male auf Darky gesessen hatte, brauchte ich dennoch einen Moment, um mich an den Hengst zu gewöhnen, denn bisher hatte ich ihm nur beim Springen geritten und da war er quasi ein anderes Pferd. Fleißig schritt er vorwärts und achtete gut auf die Hilfen, die ich ihm gab. Dark ist ein äußerst launisches Pferd, doch heute schien er mal ausnahmsweise gut gelaunt zu sein. Als ich antraben wollte, musst ich leider feststelle, dass der Hengst ein wenig zu gut darauf war denn die Hilfe interpretierte lieber, als Zeichen, laut quietschend einen ordentlichen Bocksprung hinzulegen. Unfreiwillig landete ich so vor dem Sattel. “Benimm dich Dark”, schimpfte ich und sortierte mich wieder und traben ihn erneut an. Diesmal war ich allerdings vorbereitet und reagierte schnell als der Schecke, der schon zu einem erneuten Bocksprung angesetzt hatte. Meinetwegen sollte der Hengst sich freuen dürfen, aber bitte, ohne mich dabei zu verlieren. Damit der Hengst erst einmal seine überschüssige Energie loswerden konnte, ließ ich erst einmal in einem recht hohen Tempo durch die Halle traben, bevor ich damit begann ihn im Trab zu lösen. Ein Blick auf Niklas verriet mir, dass er natürlich auch auf diesem Pferd einfach nur unverschämt gut aussah, wie macht er das nur? Den einen Moment, in dem ich nicht aufmerksam war, nutze der Schecke aus um aus einem vollkommen unerklärlichen Grund losschießen wie eine Rakete. Natürlich ließ der Hengst sich nicht wieder durch Parieren, weshalb ich ihn in eine recht große Volte, brachte und begann diese zu verkleinern. Tatsächlich wurde es dem Hengst irgendwann zu eng und er war gezwungen in den Trab zu wechseln.

      Niklas
      „Alles gut bei dir?“, fragte ich nach dem sie wieder den Schecken wieder im Schritt hatte.
      “Ja, alles Gut. Darky schient heute nur nicht so kooperationsbereit zu sein”, antwortete sie mir. Beruhigt setzte ich die Einheit mit dem Falben fort, der schon ruhiger unter mir lief als zu Anfang. Da ich mit ihm kein wirkliches Ziel außer einer erfolgreichen Einheit entschied ich mich dazu, weiter am Tempo zu arbeiten. Schnell sollte kein Problem sein, aber die Versammlung fiel im deutlich schwer. Buddy reagierte zuverlässig auf den Schenkel, auch wenn er diesen immer mit mehr Geschwindigkeit verband. Mit etwas Durchsetzungsvermögen funktionierte es.

      Max
      Bisher hatte nur Blávör etwas getan und Snotra brauchte dringend mehr Bewegung. In den letzten Tagen und vor allem Monaten hatte sie mehr fett angesetzt. Nachdem ich sie im Stall geputzt hatte und auch gesattelt, lief ich zur Halle, in der ich hoffte, allein zu sein. Doch, bevor ich dort ankam, hörte ich stimmen, die mir verrieten, dass ich nicht ohne Beobachtung trainieren konnte. Ich gurtete noch nach und rief Tor frei. Aufmerksam wartete ich auf eine Reaktion, die kam nach dem Niklas am Tor vorbeitrabte mit einem schicken Falben. Um niemanden zu stören, stellte ich mich mit der Stute in den Mittelpunkt des Zirkels bei A. Dort stieg ich auf und ritt im Schritt an. Unentspannt tippelte Snotra vorwärts, warf den Kopf nach oben und unten, legte diesen auf die Zügel. Ich bemerkte, dass Niklas immer wieder kritische Blicke auf uns warf, verkniff sich aber einen Kommentar. Einige Runden später schnaubte sie unter mir ab. Da die anderen Beiden in der Halle wieder im Schritt waren, töltete ich auf dem Zirkel an und aktiv rollte sie vorwärts.

      Lina
      Nach dem Abreiten verließen Niklas und ich die Halle. Darky hatte mich heute echt fertig gemacht, denn er hatte noch ein paar mal zu testen, ob ich denn auch wirklich wach war. Das Fell des Arabers war verschwitzt und auch mir war ordentlich warm geworden. Die Temperaturen trugen auch nicht gerade zu Abkühlung bei. “Der war heute vielleicht anstrengend, ich könnte mich auf der Stelle ausziehen”, sagte ich während ich den Hengst abtrenste. “Warum muss es heute denn auch so ein ekliges Wetter sein?”, jammerte ich ein wenig vor mich hin.
      “Na dann los, aber bedenke, dass dich dann jeder hier sehen wird”, kommentierte er und guckte nervös auf die Uhr.
      “Hast du heute etwa noch was vor?”, fragte ich ein wenig neugierig.
      “Herr Holm wird vor dem Essen noch eine kleine Rede halten, bei der alle vom Verein anwesend sein müssen. Das ist in 20 Minuten”, verriet Niklas.
      “Na dann musst du dich wohl ein bisschen beeilen”, stellte ich fest. “Geht es um die Sache mit Anna?” fügte ich noch neugierig hinzu, während ich den Sattel von Darkys Rücken zog.
      “Denkbar, er hat nichts weiter in der Gruppe geschrieben.”, antwortete und guckte noch mal auf sein Handy, dass Niklas wieder hatte.
      “Soll ich die mitnehmen?”, fragte ich und deutet auf die Trense, die er bereits über den Putzbalken gehängt hatte. Da ich von ihm keine Antwort bekam, schnappte ich mir auch noch seine Trense und trug mein Sattelzeug in die Sattelkammer, wo ich alles wegräumte.

      Niklas
      “Willst du mitkommen?”, fragte ich hektisch, als die Uhr mir verriet, dass noch 5 Minuten verblieben.
      “Gerne” antwortete sie mir, “wir müssen nur die beiden gerade noch schnell auf Paddock stellen. Das liegt aber auf dem Weg”, fügte sie dann noch schnell hinzu.
      Ich rannte mit dem Hengst los, der mir im Trab folgte. Lina öffnete das Tor und wir stellten die Pferde darauf. Gerade noch pünktlich setzten wir uns an einen freien Tisch.
      “Schön, dass nun alle da sind. Wie ihr sicher alle mitbekommen habt, konnte Anna ihre Emotionen nicht im Griff halten. Da wir jegliche Strafarten im Verein nicht dulden, wurde sie ohne Umwege entlassen. Ebenfalls hat sie Hausverbot am Hof bekommen. Ihre Stute wird in der Zeit versorgt, wofür Anna bzw. ihre Familie aufkommen muss. Aufgefallen wird euch sicher auch sein, dass Milena nicht mit im Raum ist. Aktuell wird noch geklärt, welchen Anteil sie dazu beigetragen hat. Bitte grenzt sie nicht aus, sie hat selbst entschieden jetzt nicht hier zu sein. Außerdem wollen wir euch noch berichten, dass Vriska ebenfalls gehen muss, da sie eine der Bestimmungen im Vertrag nicht erfüllt. Sie bekommt aber in 6 Monaten eine weitere Chance wieder zu uns kommen zu dürfen. Wenn ihr noch Fragen habt, stellt sie ruhig. Aber jetzt guten Appetit!”, erzählte unser Trainer. Meine Erwartungen hatte er damit nicht erfühlt. Etwas enttäuscht stand ich auf und bediente mich am Buffet. Normalerweise achte ich darauf, was ich esse, doch heute hatte ich einfach Hunger. Schon als ich auf Buddy saß, schwebten mir alles Fettige durch den Kopf. So griff ich nach den Pommes und türmte sie auf dem Teller. Dazu einige Hackbällchen und eine große Kelle braune Soße. Auch Lina nahm sich etwas auf den Teller und zusammen liefen wir zurück zum Tisch.

      Lina
      “Du scheinst heute ziemlich hungrig zu sein”, sagte ich zu Niklas, als einen Blick auf seinen voll beladenen Teller warf. Ich für meinen Teil hatte nicht allzu viel Hunger, weshalb ich mich nur mit ein paar Pommes begnügte. In der Ansprache der Trainer hatte ich kaum etwas Neues erfahren, denn das meiste wusste ich bereits. Nachdem das schwedische Team bereits anwesend war, trudelten nun auch langsam alle anderen ein, auch Samu.
      “Warum ist hier denn schon so viel los, sonst sind doch nicht alle zu früh da?”, fragte er ein wenig verwundert.
      “Die Schweden hatten noch was zu besprechen” antwortete ich ihm.
      Eine Hand spürte ich an meiner Schulter und schockiert schaute ich hinter mir. Herr Holm stand dort.
      “Niklas, denk dran. Ab Morgen beginnt das Erarbeiten der Kür”, sagte er und ging wieder.
      “Wofür müsst ihr denn eine Kür erarbeiten?”, fragte ich Niklas dann neugierig.
      “Das Training ist natürlich nicht zum Spaß, auch wenn du das sicher anderes siehst. Die Kür wird die erste Note, um zu gucken, auf welchen Leistungsstand wir sind und wie es für die nächste Saison weiter geht. Danach werden wir platziert. Es entscheidet somit darüber, ob wir nächstes auf großen Veranstaltungen mit reiten können oder nicht.”, erklärte Niklas mir.
      “Natürlich denke ich nicht, dass ihr nur zum Spaß um die halbe Welt geflogen seid, schließlich sind wir hier nicht in einem Ferienlager”, sagte ich und verdrehte die Augen.
      “Also haben wir keinen Spaß zusammen? Okay.”, erwiderte Niklas eingeschnappt und war im Begriff aufzustehen.
      “Halt, wir haben nur keinen Spaß, wenn du jetzt verschwindest”, protestierte ich und weil mir nichts Besseres einfiel, um ihn effektiv aufzuhalten, setzte ich mich kurzerhand auf seinen Schoß.
      “Nehmt euch doch bitte ein Zimmer”, merkte Chris an, der uns gegenüber am Tisch saß.
      “Am besten deins?”, fragte Niklas ihn dann und gab mir einen Kuss.
      Im ersten Moment war ich ein wenig überrascht, aber irgendwie gefiel es mir, sollten die anderen doch denken, was sie wollten. Chris murmelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin und widmet sich wieder seinem Essen.
      “Also muss die Kür alles Wichtige zeigen, was ihr könnt?”, kam ich wieder auf das ursprüngliche Thema zu sprechen.
      “Ja genau. In unserem Fall ist es S-Dressur. Nur bin ich lange keine hohen Lektionen mehr mit ihr geritten, da sie seit Wochen eine Verspannung in der Hüfte hat. Das zieht sich bis in das Sprunggelenk. Also müsste ich innerhalb von 6 Tagen mit ihr das Problem lösen eh ich mir überhaupt eine Kür ausdenken kann.”, erklärte Niklas.
      “Unser Osteopath wollte morgen wegen Divine vorbeikommen. Ich könnte fragen, ob er sich Smooth dann auch gleich mal anschaut”, bot ich ihm an.
      “Sie ist aktuell schon in Betreuung, aber ja, wieso nicht. Ansonsten kann ich das ich noch immer abbrechen”, erklärte er und stand auf, um den Teller wegzubringen. Auch meinen nahm er mit.
      “Wer bist du und was hast du mit Lina gemacht”, fragte Samu nun, der die ganze Zeit mit am Tisch gesessen hatte. Als wäre ich etwas Sonderbares stupste er mich an. “Was heißt das denn jetzt’”, fragte ich empört. “Es ist ja jetzt nicht so, als hätte ich noch nie eine Beziehung geführt hätte”.
      “Ja, aber irgendwie bist du heute anders”, sagte er und betrachtete mich nachdenklich. “Bist du dir sicher, dass du nicht vielleicht vom Blitz getroffen wurdest?”, scherze er weiter.
      “Niklas, gehen wir? Dann können wir mal den Abend miteinander verbringen”, brachte sich Ju nun auch noch mit ein und verschwand mit meinem Kerl.
      “Gut gemacht, jetzt hast du ihn vergrault, du Nervensäge. Und nein, ich wurde nicht vom Blitz getroffen”, sagte ich ein wenig pikiert. Neugierig wurde ich nun von einigen der anderen beobachtet, was mir auf einmal echt unangenehm wurde. “Und jetzt genug davon, vielleicht sollte ich mir lieber einen neuen besten Freund suchen”, gespielt beleidigt antwortete ich und verließ den Raum.

      Niklas
      Zusammen mit Ju machte ich es mir am Tisch im Zimmer bequem. Bevor wir uns eine Kür beginnen würden zu überlegen unterhielten wir uns über den heutigen Tag. Mit den Gedanken war ich nicht beim Thema, sondern musste schon jetzt an den Rückflug denken und wie viel in den wenigen Tagen passierte. Auffällig dabei war meine Beteiligung an so viele Aktionen oder auch eine Mitschuld trug. Aus den Gedanken riss mich mein Handy, dass in der Hosentasche vibrierte. Diesmal war es die Chatgruppe meiner Arbeit. Gespannt öffnete ich die Nachrichten und lass etwas, was mich wirklich verärgerte. Morgen werden die Dienstpläne fertig gemacht und wir sollen unsere Wunschschichten angeben. Außerdem waren bereits einige Demonstrationen angesagt, an denen ich auf jeden Fall mit reiten soll.
      “Wir müssen reden, oder schreiben. Wie du willst, ist wichtig”, schrieb ich Lina eine Nachricht.
      “Ok, soll ich rüberkommen?”, bekam ich auch sogleich eine Antwort.
      “Ju ist aber hier, der sicher nicht gehen wird. Also sag du …”
      “Möchtest du dann vielleicht zu mir rüberkommen? Wenn es wichtig ist, würde ich lieber persönlich mit dir sprechen”
      “Okay, ich bin gleich da”, antwortete ich Lina kurz.
      “Ju, ich muss kurz was mit Lina besprechen. Ich bin gleich wieder da”, sagte ich zu ihm und verließ den Raum, eh er was dazu sagen konnte.
      Ohne weiter nachzudenken, klopfte ich an der Tür und ging rein.
      “Worum geht es? Klingt echt wichtig”, fragte sie und blickte von ihrem Handy auf.
      Eh ich was antwortete, gab ich ihr mein Handy mit der Nachricht im Chat. “Hej kollegor, tills i morgon bitti har du fortfarande tid i några dagar att ange önskat skift. Om du behöver en viss servicedag, vänligen ange.”, war zu lesen.
      “Ähh Niklas, du weißt aber schon, dass ich kein Schwedisch kann? Das, was ich nämlich verstehe, macht nicht gerade viel Sinn”, sagte sie ein wenig verwirrt, nachdem sie auf den Bildschirm geschaut hatte.
      “Oh, Sorry. Habe ich im Eifer des Gefechts nicht dran gedacht. Wir sollen bis morgen früh unsere freien Tage und Dienstwünsche abgeben. Morgen früh ist in 20 Minuten. Ich will dich ungern zu irgendeiner Entscheidung zwingen, aber ich muss wissen, ob du mitkommst oder nicht. Weil 50h Flug will ich dir nicht allein zumuten.”, erklärte ich kurz und ließ mich auf ihr Bett fallen. In meinem Magen krampfte es und ich hatte wirklich Angst, was sie nun antworten würde.
      “Ich habe heute Morgen lange darüber nachgedacht”, begann sie zu Sprechen, “Und auf die Gefahr hin das mich alle für vollkommen Bescheuert halten, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mitkommen werde. Es wird Zeit ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen.”, beendete sie ihre Antwort.
      “Das freut mich”, sagte ich etwas trocken und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann stand ich auf, ohne was zu sagen und ging zurück ins Zimmer.

      Lina
      Ein wenig perplex beobachtete ich wie er das Zimmer verließ. Ein wenig mehr Begeisterung hatte ich schon erwartet.
      “Habe ich das gerade wirklich getan”, fragte ich mich dann einen Moment später und musste mich kneifen. Ja, das hier war die Wirklichkeit und kein Traum, eindeutig.
      Einerseits freute ich mich, dass es kein Traum war, andererseits hieß das, dass ich jetzt ein paar unangenehme Gespräche führen musste. Das Erste würde mit Samu sein. Ich hatte ihm nämlich bisher nicht erzählt, dass ich nur daran dachte mit Niklas nach Schweden zu gehen. Vermutlich hätte er mir das ausgeredet, aber bevor ich zu Samu ging musste ich dringend mit meiner Schwerster reden, zum Glück müsste sie schon wach sein.
      Schnell wählte ich ihre Nummer und wartete ungeduldig, bis sie endlich ran ging. “Womit habe ich die Ehre schon so früh mit dir zu sprechen, müsste es bei dir nicht mitten in der Nacht sein?”, kam es aus dem Hörer.
      “Juliet, ich habe es getan!”, sagte ich kurz angebunden. “Lina kleines, was genau hast du getan?”, scheinbar war Juliet nicht ganz bei der Sache, denn sie peilte mal wieder nichts.
      “Juli, ich habe getan, was du gesagt hast. Ich habe auf mein Herz gehört, ich werde nach Schweden gehen!”, verkündete ich aufgeregt.
      “Wow, das ging schnell”, nuschelte meine Schwester am anderen Ende. “Lina, ich weiß ich habe gesagt, du sollt auf dein Herz hören und ich unterstütze dich bei jeder Entscheidung, aber hast du dir das wirklich gut überlegt? Ich meine, unser letztes Gespräch ist gerade mal einen halben Tag her?”.
      “Natürlich habe ich mir das gut überlegt und jetzt sein nicht so ein Moralapostel und freu dich lieber, dass ich dich dann öfter besuchen kann”, antwortete ich genervt. Das war typisch Juli, immer war sie die vernünftige von uns beiden, das hat sie definitiv mit Samu gemeinsam. In der Hinsicht würden die beiden ein wunderbares Pärchen abgeben.
      “Ok, ok ich freu mich ja Schon. Aber eine Frage hätte ich noch, wann soll das ganze dann passieren?”, gab sie klein bei und brachte mich zugleich zu etwas, worauf ich die Antwort nicht kannte, zumindest noch nicht. “Ähh ... Vermutlich ziemlich bald schließlich muss Niklas arbeiten und er will mich nicht allein Fliegen lassen”, antwortete ich.
      “Klingt ganz so als hättest du mal wieder nicht bis zum Ende gedacht”, antwortete meine Schwester ein wenig abschätzig.
      “Entschuldige, dass wir mitten in der Nacht besseres zu tun haben. Aber genug fürs Erste ich muss jetzt erst mal Samu, beichten, was ich vorab. Ich teile dir dann mit, ob ich noch lebe”, scherzte ich, denn ich konnte absolut nicht einschätzen wie Samu reagieren würde, nur begeistert würde er definitiv nicht sein.
      “Ok Lina, wir reden dann noch mal drüber, wenn du einen genaueren Plan hast”, sagte sie noch bevor ich mich von ihr verabschiedete. Das war das einfache Gespräch gewesen, auch wenn meine Schwester immer alles ein wenig pessimistisch sah, wusste ich, dass sie mich immer unterstützen würde. Außerdem war sie diejenige die mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, dass es gar nicht so unmöglich war, wie es schien.
      Ein leicht mulmiges Gefühl breitet sich in mir aus, wenn ich daran, dachte zu Samu rüberzugehen. Früher oder später muss ich dieses Gespräch allerdings ohnehin führen, denn eine Abreise würde wohl kaum unauffällig sein. Dann lieber früher als später.
      Ich atmete noch einmal tief durch und trat in den Flur. Unter seiner Tür war noch ein schwacher Lichtschein zu sehen, dass musste heißen, dass er noch wach sei. Leise klopfte ich an.
      “Komm rein”, kam es als Antwort und ich trat in das Zimmer. Samu saß mit einem Buch auf dem Bett und sah mich darüber hinweg an. Er schien sich keineswegs darüber zu wundern, was genau ich so spät noch von ihm wollte.
      “Du Samu… ich muss dir was sagen”, druckste ich ein wenig herum und starrte auf meine Füße. “Ich werde mit Niklas nach Schweden gehen”, flüsterte ich schon fast. Einen Augenblick lang sagte er nicht.
      “Lina, das ist ein Scherz, oder?”, fragte er ernst.
      “Nein, ist es nicht”, sagte ich ein wenig kleinlaut. “Und bevor du etwas sagst, ja ich habe mir das gut überlegt”.
      “Und wie genau stellst du dir das ganze vor? Du kannst nicht einfach da rüber fliegen und erwarten, dass das Leben alles Regelt”. Er war deutlich ruhiger als ich erwartet hatte, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.
      “Naja, ... Niklas meinte, ich könnte vermutlich auf dem LDS wohnen und arbeiten. Das Ganze ist zwar noch nicht geklärt, aber…”.
      “Und du meinst, das klappt einfach so?”. Samu sah mich streng an.
      “ääää… wir können Vriska fragen, immerhin arbeitet sie dort?”, sagte ich und warf ihm einen schrägen Blick zu.
      “Na, dann Los“. Samu sprang bereits auf und wollte zur Tür gehen.
      “Warte, ich weiß nicht ob sie noch wach ist”, stoppe ich ihn und schrieb eilig eine Nachricht an Vriska, ”Bist du noch wach?”.
      “Japp. Ich erwarte dich.”, ploppte es einige Sekunden später auf.
      “Ok, wir können rüber, aber ich gehe vor”, sagte ich zu meinem besten Freund und quetschte mich an ihm vorbei.
      Leise schlichen wir die Treppe hinunter und gingen über den Hof, der nur noch vom Mond beleuchtet wurde.
      “Vriska, ich bin es”, sagte ich und öffnete ihre Tür.
      Ein ungewöhnliches Bild erblickte ich. Mit offenen Haaren, die sie sonst immer im Zopf trug, saß sie am Tisch. Rechts lagen ihr Handy und links die Visitenkarte. Sie guckte nicht einmal, als wir hineingingen.
      “Ähh, Samu hat da eine ganz wichtige Farge die er unbedingt jetzt beantwortet haben möchte”, sagte ich ein wenig genervt. “Und was genau, machst du da?”, fügte ich ein wenig verwirrt hinzu.
      “Das ist die Frage, die ihn so quält?”, antwortete sie verwundert und guckte zu uns.
      “Naja, ich habe gerade beschlossen mit euch nach Schweden zu kommen. Samu möchte nun wissen, ob das möglich wäre, dass ich bei euch auf dem Hof arbeite. Ich habe zwar versucht zu erklären, dass jetzt nicht die richtige Uhrzeit dafür ist, aber er hört sonst nicht auf zu nerven”. Beim letzten Teil sah ich Samu absichtlich ein wenig böse an.
      “I don’t get it. Du fragst gerade für Samu, ob DU etwas tun kannst, was davon abhängig ist, was ich sage? Warum fragst du mich nicht direkt?”, stellte sie als Gegenfrage ohne sie zu beantworten.
      “Vielleicht weil ich diesen Entschluss sehr spontan getroffen habe, ohne daran zu denken, zuerst mit dir zu reden?”, versuchte ich mich zu erklären, doch es klang nach einer eher kläglichen Ausrede.

      Vriska
      “Einen Moment, ich rufe kurz den heißesten Chef an auf diesem Planten”, sagte ich kurz zu den Beiden.
      “Godmorgon, geht schnell”, begrüßte ich Tyrell am Telefon.
      “Bevor du weiteres sagst. Warum antwortest du nicht? Was stimmt mit dir nicht?”, regte er sich direkt auf.
      “Du sorry, viel zu tun. Brauchen wir noch eine billige Arbeitskraft, die wir ausbeuten können, für alles was keiner machen will?”
      “Sag’ nicht, dass du wen für den Papierkram gefunden hast”, Hoffnung war in seinem Ton. Ein Blick zu Lina verriet mir, dass das wohl nichts werden würde.
      “Solang es nach Farben sortiert werden müsste, schafft sie das. Alles was Zahlen angeeht, wäre schwiiiierig.”, antwortete ich lachend. Lina wirkte nicht nur verwirrt, sondern vorwiegend verärgert. Wer um die Zeit in mein Zimmer kommt, hatte in meinen Augen aber nichts anderes verdient.
      “Also eher Bad putzen und vor allem putzen?”, stieg er mit auf die Schiene.
      “Genau, damit du nicht immer mit dem Staubwedel durch die Halle rennst.”, wir lachten.
      “Worauf auch immer du hinauswillst, trag sie einfach in der App ein und teile ihr eine Hütte zu, alles andere werden wir dann sehen. Außerdem solltest du schlafen.”, antwortete Tyrell und legte auf. Ich hatte seine Stimme wirklich vermisst, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte wieso. Schließlich war er wie ein Bruder für mich.
      “So Lina, du musst jetzt mit kurzem Rock und Staubwedel die Halle jeden Tag putzen”, sagte ich zu ihr so ernst wie möglich und öffnete die Stall-App, um ihr ein Profil anzulegen.
      “Wow, das ging jetzt aber schnell”, sagte Lina nur staunend.
      “Bei euch rennt jemand mit einem Staubwedel durch die Reithalle?”, fragte Samu dann ein wenig verwirrt.
      “Samu weiß nicht wie unsere Halle aussieht, oder?”, flüsterte ich Lina zu, die vom HMJ bereits das Gelände kannte.
      “Nein ich denke, er geht von einer normalen Halle aus”, erwiderte sie und lachte.
      „Okay Samu, dann setz‘ dich mal lieber“, bat ich ihn zu Tisch und wechselte auf meinem Handy zu Fotos. Vor geraumer Zeit hatten Bruce und ich aus der Laune heraus ein kleinen Imagefilm gemacht. Ich legte ihm das Phone vor die Nase. Gespannt verfolgte er das Bild. Das Video startete mit einem Blick vom Pferd im Dunkeln, in der die große Glasfront und die innere Beleuchtung die Nacht erhellte. Danach eine Blende zu einer B-Roll die in Bewegung von links nach rechts ein laufendes Pferd im Hallensand zeigte. Die nächste Szene war ein Top-Down Aufnahme einer Drohne durch die Halle, auf der Vintage geritten wurde auf dem 80x40m Reitplatz. Zu sehen waren auch die 12 Partnerboxen zur Linken mit Solarium ganz hinten. Am Ende der Drohnenaufnahme kamen die beiden Häuschen in der Halle und der Aquatrainer. Weitere B-Rolls folgten mit Aufnahmen der Innenansicht der Häuser. Dort gab eine große Gemeinschaftsküche mit einigen Tischen und einer Art Balkon-Terrasse, von der aus man das Geschehen auf dem Platz betrachten konnte. In der oberen Etage waren ebenfalls einige Räume für Seminare. Das andere Haus war die Sattelkammer und Futterkammer. Alle Sättel hingen ordentlich an den Wänden wie einem Einbauschrank. Dazu kleine Fächer in die Helme lagen, Schabracken auf Bügel hingen. Ganz oben türmten sich Pokale und Schleifen. Die Trensen hingen an einer anderen Wand und in der Mitte stand ein Sofa. Weitere Aufnahmen gab es vom Rest des Hofes.
      “Wow, das ist unglaublich”, kam es erstaunt von dem Finnen.
      “Lässt sich gut leben, aber die Wege sind immer ziemlich weit. Wir denken aktuell darüber nach Segways anzuschaffen.”, lachte ich und nahm mein Handy zurück.
      “Dann haben wir alles geklärt, oder?”, fügte ich noch hinzu und bereitete gedanklich vor mich endlich schlafen zu legen.
      “Ja, fast”, antwortete Lina. “Aber du Samu kannst schon mal gehen ich finde mein Zimmer auch alleine”, wandte sie sich an Samu und schob ihn einfach aus dem Raum.
      “Ach ich habe nur überlegt Erik eine Nachricht zu schreiben, da es eine Handynummer ist und kein Telefon. Ich habe es bisher aber nicht gemacht. Kurz dachte ich ihm auch freizügige Bilder zu schicken aber den Gedanken hatte ich recht schnell verworfen”, erzählte ich Lina offen.
      “Besser das du letzteres verworfen hast. Aber ich finde, du solltest ihm trotzdem schreiben”, sagte sie grinsend.
      “Mal sehen. Schließlich ist er hier in Kanada und ich will eigentlich nicht hierbleiben”, begann ich zu scherzen.
      “Wenn du meinst, aber er wird bestimmt traurig sein, wenn du ihn nicht ein einziges Mal schreibst”, erwiderte sie lachend.
      “In meiner ersten und einzigen Beziehung wurde ich geschlagen, verprügelt. Ich weiß nicht, ob ich bereit bin für irgendwas”, wechselte ich plötzlich das Thema. Dann drehte ich mich und schob mein T-Shirt hoch. Auf meinem Rücken waren diverse Narben von Peitschenhieben und Verbrennungen, die lange Vernarbt waren.
      “Tut mir leid, ich wollte keinen wunden Punkt bei dir treffen”, sagte Lina vorsichtig.
      “Ach alles gut, ich wollte nur das gesagt haben. Deswegen bin ich mir unsicher. Deswegen habe ich heute auch so gut wie kein Wort mit Ju gewechselt.”, lachte ich nun.
      “Ob du bereit bist, kannst nur du selbst wissen, aber denk dran dafür musst du dir auch selbst eine Chance geben, das herauszufinden”, antwortete Lina.
      “Du hast recht, ich werden dann auch schlafen gehen”, sagte ich zu ihr bat sie zu gehen. Freundlich verabschiedete ich mich von ihr, ging nochmal kurz Duschen, dass wie vielte mal an diesem Tag auch immer und legte mich ins Bett. Dort musste ich über Linas Worte nachdenken. Natürlich konnte ich nachvollziehen, was sie meinte. Ich musste nur auf den richtigen Moment abwarten, doch ich wusste, dass er kommen wird. Auch wenn es ihr nicht gefallen wird, musste ich es tun. Einmal muss ich etwas wirklich durchziehen. Dann schlief ich ein.


      © Mohikanerin & Wolfszeit | 91.922 Zeichen

    • Mohikanerin
      Dressurtraining | 14. März 2021
      Gruppe 1
      St.Pauli's Amnesia mit Juha // Dressur E zu A
      Snúra mit Milena // Dressur E zu A
      Caja mit Mika // Dressur E zu A
      Oline mit Ambrose // Dressur E zu A

      Gruppe 2
      Satz des Pythagoras mit Niklas // Dressur A zu L
      Snotra mit Max // Dressur A zu L
      Acerado mit Samu //Dressur A zu L

      Gruppe 3
      Checkpoint mit Hannes // Dressur E zu A
      Windrose mit Darya // Dressur E zu A
      HMJ Divine mit Lina Valoo // Dressur E zu A
      Nurja mit Vriska Isaac // Dressur E zu A


      Das diese Trainingsfahrt dermaßen eskalieren würde, das hätte keiner vermutet. Meine Karriere als Berufsreiter und Trainer der Nationalmannschaft in der Dressur und Springen hatte ich mir so nicht vorgestellt. Hier in Kanada mutierte ich zum Kindergärtner und versuchte alle Schäfchen im Stall zu halten, was mir offensichtlicher eher schlecht als Recht gelang. Der Tag startete entspannter. Kristine hatte sich rechtzeitig aus meinem Zimmer verkrümelt und im Saal zum Frühstück saßen bereits alle.
      “Godmorgon, an der Tür habe ich euch die Liste gehängt, wer in welcher Gruppe reiten wird. Bitte seid pünktlich. Pro Gruppe sind ungefähr 45 Minuten bis 60 Minuten eingeplant. Als Erstes machen sich Ju, Milena, Mika und Ambrose bereits. Danach Niklas, Samu und Max. In der letzten Gruppe sind dann Hannes, Darya, Lina und Vriska. Ich freue mich auf euch alle und wünsche euch bekömmliches Frühstück”, sagte ich zu den Halbstarken und nahm mir ebenfalls etwas. Im Anschluss entschied ich noch Zähne putzen zu gehen und mich dann langsam auf dem Weg zur großen Reithalle zu machen. Heute wäre ich lieber auf den Platz gegangen, doch die Pfützen vom Unwetter waren überall verteilt und das, obwohl es wieder sonnig war und Temperaturen um die 30 °C erwartet wurden.
      Entgegen meiner Erwartung ritt die erste Gruppe bereits die Pferde im Schritt am langen Zügel warm. “Milena, soweit mir bekannt können Isländer auch vorwärtslaufen, ohne das Gewicht auf die Vorderhand zu verlagern”, scherzte ich. Snúra trampelte unmotiviert immer auf der ganzen Bahn herum, während Ju mit Amnesia bereits Volten und Zirkel ritt. Mika, der auf Caja saß, schien noch damit beschäftigt zu sein, die Steigbügellänge richtig einzustellen und arbeitete zum Warm werden mit einer Stute vom Boden aus. Dann warf ich einen Blick zu Ambrose. “Denkst du nicht, dass dein Sitz auch beim Warmreiten dein Pferd unterstützen sollte? Du bist doch kein nasser Sack”, bemängelte ich seinen Sitz und er setzte sich ordentlich auf sein Pferd.
      Alle waren mittlerweile im Trab, dabei fiel mir auf, dass Amnesia immer die Handbremse zog, wenn ihr Reiter aussitzen wollte. Dabei machte sie sich steif, legte sich auf den Zügel und fiel auf die Vorderhand. “Ju versuch Amy mal im Schritt mehr am Schenkel zu arbeiten. Sie ist noch jung und versteht nicht. was du von ihr willst. Bleib mal auf der Volte und trabe dort in der Biegung an, während du sitzen bleibst”, rief ich ihm zu. An der kurzen Seite bremste er seine Stute zurück in Schritt. Mit leichtem Druck am Bein schob er sein Pferd weichend am Schenkel vorwärts. Auch Ambrose arbeitete mit seiner Mausfalbstute noch am Schenkel. Dazu richtete er sie mehrfach Rückwärts und trabte sie direkt an, um den Schwung aus der Hinterhand zu verbessern.
      “Mika, steig doch mal auf”, sagte ich zu ihm, da er noch immer neben seinem Pferd herlief und sie arbeitete die einige Seitengänge, die heute gar nicht gefragt sind. Für heute wollen wir noch mal die A-Dressur durcharbeiten. Die Grundbausteine müssen bei allen im Verein sitzen. Milena arbeitete mit Snúra bereits einige Lektionen der Dressur ab, so verkleinerte und vergrößerte sie das Viereck im Schritt und Trab. Ihre Stute reagiert sensibel auf den Schenkel und ließ sich mit wenig Hilfen sehr gut stellen. Auch auf dem Zirkel konnte der Isländer mit Takt und Schwung galoppieren.
      “Ambrose, bitte reite eine Kehrtwendung auf der Vorderhand”, befahl ich ihm. Er ritt Oline auf den zweiten Hufschlag und stellte sie geschlossen hin. Dabei stellte Ambrose nach rechts, damit sich die Hinterhand nach links bewegt. Dafür legte er seinen äußeren Schenkel verwahrend an das Pferd, der Innere trieb verstärkt. Den inneren Zügel verkürzte er etwas und begrenzte mit dem anderen, damit seine Stute mit der Schulter nicht ausbricht. Langsam, aber korrekt kreuzte das innere Hinterbein vor das äußere bei jedem Schritt und die Vorderhand trat auf der Stelle. Lösend schnaubte Online ab. Ich lobte beide und wendete mich zu Mika, der endlich auf seinem Pferd saß. Im Vergleich zu den anderen Dreien war seine Stute bereits sehr gut warm und er konnte mit dem Galopp beginnen. So ließ ich ihn Caja auf dem Zirkel angaloppieren. Zunächst sollte Mika mehrere einfache Galoppwechsel machen und an der langen Seite überstreichen. Dabei traten keine Probleme auf.
      “Milena, ich weiß, dass es dir schwerfällt, aber setze dich tiefer in den Sattel, um auszusitzen. Dann reitest du bitte eine einfache Schlangenlinie und bei Erreichen der nächsten langen Seite lässt du dir die Zügel aus der Hand kauen. Dann nimmst du die Zügel vorsichtig wieder auf, gehst auf den Zirkel und galoppierst an.”, sagte ich ihr. Snúra wurde entspannter, nach dem sie mehr Zügel bekam und der Galopp schien ihr beim Lockern zu helfen. Auch den einfachen Galoppwechsel sprang sie richtig.
      Ju mit seiner Stute ließ ich ebenfalls eine Vorderhandwendung machen, daraus sollte seine Stute rückwärtsrichten und direkt antraben. Die Abfolge mehrere Lektionen half Amy dabei losgelassener zu werden und besser auf ihren Reiter zu konzentrieren. So schafften es alle am Ende der Reitstunde die Bahnfiguren und Lektionen der A Dressur abzurufen. Auch die Rahmenerweiterungen in das mittlere Tempo stellte kein Problem für die Reiter und ihre Pferde dar. Eh die nächsten kommen würde, setzte ich mich kurz an die frische Luft und trank etwas. Mein Mund war vom ganzen Reden schon trocken geworden und ich bräuchte mehr Augen, um alle so zu fördern, wie sie es brauchten. Doch am nächsten Tag wird es ein Einzeltraining für alle geben, überlegte ich dann. Dann kam schon die nächsten.
      Im Schritt ritt Niklas mit Smoothie in die Halle, auch Samu mit Acerado und gefolgt von Max mit der Isländer Stute Snotra.
      “Ich hoffe ihr seid bereit. Es steht Dressur L auf dem Plan”, versuchte ich die Jungs zu motivieren, die ohne Freunde im Gesicht auf den Pferden saßen. “Na dann beginnen wir mal mit dem Aufwärmen”, sagte ich zu den Jungs und sie setzten ihre Pferde in Bewegung.
      “Lass deinen Hengst nicht so wegrennen“, rief ich Samu zu. Sein Brauner war schon beim Stehen rumgehampelt und scheinbar geht es ihm hier zu langsam. Von Samu versuch ihn auszubremsen schien der Hengst nicht viel zu halten, denn nun begann er mit dem Kopf zuschlagen. “Gibt ihm mehr Zügel und setz dich mehr hin”, korrigierte ich ihn und schon ging Acerado ein wenig ruhiger.
      Bei Smoothie beobachtete ich, dass sie immer wieder mit ihrem Sprunggelenk wegbrach. Das Problem hatte die Stute einige Wochen schon, aber mir wurde berichtet, dass eine Osteopathin es sich näher angucken wird noch am selben Tag. Was mir noch auf fiel war, dass Niklas seine Hänge im Trab nicht ruhig halten konnte. Mit einigen Tipps sah es nach einigen Minuten bereits besser aus. Gemeinsam entschieden wir, dass seine Stute heute mehr im Schritt gearbeitet werden sollte. Da die L-Dressur für die Beiden kein Problem mehr darstellen sollte. Smoothie kann bereits alle Gangarten versammelt laufen und auch alle Übergänge.
      Snotra unter Max hingegen hatte große Schwierigkeiten bei der Versammlung im Trab, da sie in den Tölt ging, um die Balance zu halten. So machten sie zusammen einige Wendungen auf der Vorderhand und Hinterhand, um die Muskeln durch die einseitig wirkende Hilfe besser zu entspannen. Die Stute reagierte gut auf den Schenkel und konzentrierte sich genau darauf, was sie tun sollte. Snotra läuft zu viel auf der Vorhand und nimmt zu wenig Last auf. Im Galopp hingegen fiel es ihr leichter, weswegen die beiden nun darin erst mal weiterarbeiten sollen, eh wir im Verlauf dieser Trainingseinheit noch die Versammlung im Trab uns näher anschauen.
      Samu konnte mittlerweile mehr Ruhe in seinen Hengst einbringen und somit auch schon erste Versammlung im Trab und Galopp reiten, in Verbindung mit Handwechseln und kleineren Volten. Der Braune hörte ihm genau zu, um die Lektionen auf den Punkt genau zu laufen. Wenn auch nicht gefordert, ritt Niklas im Schritt mit Smoothie verschiedene Seitengänge und besonders schön sah die Traversale aus, an der sie zusammen monatelang arbeiteten.
      Zum Ende der Einheit ist Niklas mit Smoothie noch einige Runden locker getrabt und das Knacken ihres Sprunggelenks trat ebenfalls nicht mehr auf, da das Gelenk sich mit Flüssigkeit gefüllt hatte. Für einige Hufschlagfiguren wie der Schlangenlinie mit vier Bögen oder Handwechsel auf der Ecke kehrt auf 8 Meter, war die Stute genug vorbereitet. Auch Max schaffte es noch seine Stute genügend im Trab zu versammeln durch viele Übergänge vom Schritt in den Trab, vom Trab in den Halt und immer weniger einige Galoppsprünge, damit die Energie etwas abgelassen wurde. Ace unter Samu fehlte es vorrangig an der Geduld, was sein Reiter von ihm wollte. So müssen die Beiden noch etwas mehr miteinander Arbeiten und keine Routine in die Einheiten einbringen. So wird sein Pferd ihm zuhören müssen und aufmerksam bleiben. In den Lektionen an sich gab es keine Probleme, nur die Versammlung müsste noch mehr erarbeitet werden, wenn Ace mehr auf seinen Reiter achtet.
      Die Dritte Gruppe ließ mir keine Verschnaufpause, sondern kam direkt in die Halle für das Dressur-A Training. Dominant war, dass Divine unter Lina den anderen Pferden einfach nur nachlief, ohne dabei auf seine Reiterin zu achten. So forderte ich sie auf, vom Pferd zusteigen, um zunächst den hübschen Hengst von der Hand aus aufzuwärmen. Hannes und Checkpoint machten ein gutes Bild, weswegen ich mich Darya auf Windrose widmen konnte. Sie hat ihre Stute noch nicht so lange, deswegen wollte sie mir mit gemeinsam die Lektionen mal abrufen. Vriska saß auf einer braunen Stute, die nicht zum Verein gehörte. Aber Kristine hatte mir bereits berichtet, dass Glymur wieder ein dickes Bein hatte und deswegen heute eine Pause brauchte. So saß sie auf einer Freiberger Stute, die grundsätzlich ein gutes Bild machte. Nurja reagierte auf den Schenkel, war weich im Genick und kaute aktiv auf dem Gebiss.
      Ich zeigte Lina, wie sie besser ihren Hengst vom Boden ausführen kann und die Gerte als Schenkelhilfe einsetzen konnte. Dieser schielte immer wieder etwas hektisch zu den anderen Pferden, wenn einer der anderen Reiter vorbeiritt. Doch mit einem leichten ziehen am äußeren Zügel, wandte Ivy sich schnell wieder zurück zu uns. Aufmerksam hörte er auf Lina, die mit ihm auch schon in Seitengängen arbeitete, was in meiner klassischen Ausbildung viel später es kommen würde. Der Hengst jedoch schien genau das zu benötigen, um überhaupt gerade laufen zu können und genug Takt zu entwickeln. Auch die Rahmenerweiterung konnte sich am Boden sehen lassen. Dann ließ ich die Beiden erst mal selbstständig weiter machen, um mich Hannes und seinem Hengst zu widmen. Er war bereits im Trab unterwegs und ritt einige Bahnfiguren. Der Rappe lief fleißig unter ihm und hörte auf die Hilfen, die ihm gegeben wurden. Dazu hatte er eine konstante Anlehnung und Hannes saß ruhig im Sattel. Seine Haltung der Zügel könnte jedoch noch verbessert werden. Man könnte meinen, dass Niklas und Hannes sich heute abgesprochen hätten. Es war deutlich sichtbar, dass sie Brüder waren, wenn auch von der Persönlichkeit komplett unterschiedlich. Ohne etwas zu ihm sagen zu müssen, ritt er Volten im Trab. Schlangenlinien und ließ sich die Zügel aus der Hand kauen. Im Galopp konnte er überstreichen und auch der fliegende Galoppwechsel war ein Kinderspiel für die Beiden.
      Vriska und Nurja machten ein schönes Bild zusammen. Besonders empfand ich sie auf einem Warmblüter auch deutlich eleganter als auf ihren Isländer. Vriska war körperlich genau richtig gebaut, um hohe Dressurklassen mitzureiten. Wer weiß, vielleicht schafft einer der Jungs sie davon zu überzeugen, das Fahrzeug zu wechseln.
      Am Ende setzte sich Lina doch noch auf ihren Hengst und ich lief immer wieder ein Stück mit, damit er sich an kein anderes Pferd hängen konnte. Je mehr sie mit Divine sprach, umso weniger klebte er.
      Auch Darya auf Windrose konnte den Rahmen ihres Pferdes erweitern und sogar einige fliegende Galoppwechsel reite. Mit einigen Wochen mehr intensiven Training, wird es beiden gelingen schon mit L-Lektionen zu beginnen.
      Hannes und Checkpoint waren auf einem ganz anderen Level unterwegs. Der Hengst lief aufmerksam vorwärts, stellte sich wunderbar im Genick und konnte alle geforderten Lektionen der A-Dressur bereits auf den Punkt genau laufen.
      Vriska und Nurja hatten heute das erste Training miteinander, doch sie konnte der Braunen ziemlich viel Sicherheit geben und so schon die ersten Lektionen der A reiten. Besonders der Galopp war noch ausbaufähig der Stute aber mit etwas Geduld, würde das etwas werden.

      © Mohikanerin (Anders Holm) | 12.581 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam X | 12. April 2021
      HMJ Divine // All Hope Is Gone // Crystal Sky //Legolas // Elf Dancer // Saturn // Mas’uda // Sunny Empire // LMR Ice Rain// Nathalie
      Satz des Pythagoras // Northumbria // St. Pauli’s Amnesia // Kempa // Glymur
      Checkpoint


      Hannes
      Ist es eigentlich so schwer einfach mal keine Probleme oder Drama zu haben? Alles, was ich die letzten Tage mitbekommen habe, war mir einfach zu viel. Immer war irgendwo Stress und wenn nicht, lag eine unangenehme Stille in der Luft, aber niemand wollte so wirklich mit der Sprache rausrücken - eigentlich ist es mir doch egal, oder? Jaja da kommt es wieder der kleine unbeachtete Bruder, der zwar von den Eltern, sofern man sie so nennen kann, geheiligt wurde, aber dem Rest ziemlich am Arsch vorbeiging. Niklas kleiner Anhänger, nett waren sie immer zu mir, doch wirklich mit mir zu tun haben oder geschweige mir etwas anvertrauen wollten sie nie. Die einzigen Ablenkungen von dem ganzen Trubel waren die Pferde, weshalb ich mich morgens meistens gleich zu den Pferden begab, doch heute war es bereits hier schon voll. “Morgen”, grummelte ich, um zumindest höflich zu sein und verschwand in Checkpoints Box. “Na Dicker, haste auch so gute Laune wie ich heute?”, fragte ich ihn ironisch. Vriska und Lina habe ich bereits gesichtet, da kann Niklas ja nicht weit weg sein, dachte ich im Stillen und wollte mich schon fast selbst für diesen bösen Gedanken ohrfeigen.

      Niklas
      „Godmorgon. Vakna, älskling”, hörte ich Chris im Halbschlaf zu mir sagen, eh ich sein verschwitztes Shirt ins Gesicht geworfen bekam.
      „Det är bra“, murmelte ich genervt und warf ihm zielsicher sein Oberteil ins Gesicht. Er lachte und ging ins Bad. Mein erster Blick widmete sich meinem Handy. Es war kurz vor 8 Uhr und müde ließ ich mich wieder auf das Kissen fallen, dann zog ich die Decke hoch und wünschte mich in den Schlaf zurück. Unverständlich erzählte er etwas aus dem Nebenzimmer und hinderte mich intensiv daran, wieder im Land der Träume zu landen. Genervt warf ich die Decke von mir und betrachtete die morgendliche Überraschung.
      “Vielleicht solltest du rüber zu deiner Angebeteten”, scherzte Chris, während er seine Zähne putzte.
      “Nej, jag tror inte det”, antwortete ich ihm und zog mir die Sachen vom Vortag über. Ich verabschiedete mich von Chris und lief zu Ju. Im Zimmer waren die Beiden ziemlich beschäftigt einander Komplimente zu machen und wach zu küssen. Ungeachtet dessen, nahm ich mir Kleidung von der, die ich gestern wusch. Die Wahl fiel auf das graue Polo und meiner dunkelgrauen Reggings, darüber zog ich helle Strümpfe. Bis zum Frühstück blieben noch fast zwei Stunden, so könnte ich eine Runde durch den Wald mit Smoothie. Ich wollte gerade die Tür schließen als Ju noch etwas sagte. Drehte mich um und blickte zu den Turteltauben in dem deutlich zu schmalem Bett.
      „Holmi hat geschrieben, dass die Pferde heute jeder selbst auf die Weide bringt. Könntest du dann Amy mit rausstellen?“, fragte er freundlich. Ich stimmte zu, drehte mich um und wollte wieder die Tür schließen als Linh mich dieses fragte für Móra. Auch das bejahte ich und ging endgültig. Somit hatte ich jetzt vier Pferde zu verpflegen. Humbi steht eh dauerhaft draußen, brauchte, aber sicher neues Heu. Also würde ich erst die anderen beiden rausbringen, bevor ich die geplante Runde mit meiner Schimmelstute drehen würde. Am Anfang der Stallgasse stand der Heuballen, an dem ich mich großzügig bediente. Ich hörte meine Stute bereits aufgeregt wiehern, nach dem ich das Heunetz an mich nahm zum Befüllen. Wenn’s um Futter ging, konnte Humbria wirklich aufdringlich sein, obwohl sie Leckerlis bis heute eher skeptisch betrachtet. Doch dieses Heu schien etwas Magisches zu haben. Innerlich hoffte ich, dass der sie den Flug in einigen Tagen gut überstehen würde, denn bisher kannte sie nur Kanada. Schweden war klimatisch ähnlich, aber qualitativ anders. Besonders spannend zeigte sich Smoothie. Die Weide in der Heimat wachsen großartig mit saftigem Gras, doch hier explodierte sie förmlich, was mit erklärte, warum einige Pferde hier am Hof ziemlich wohlgenährt aussahen. Im Stall vernahm ich Stimmen, die mir bekannt waren. Doch vor mir standen einige Aufgaben, die ich zu erledigen hatte. Als Erstes bekam mein Zappelphilipp sein Heu und dann holte ich Amy und Móra aus den Boxen. Zickig schnappten sie zueinander.
      „Benehmt euch. Eure Besitzer finden einander großartig“, tadelte ich die Pferde führte sie energisch raus aus dem Stall. Mit der einen zur linken und der anderen zur rechten lief ich den sandigen Weg herunter, der zur Koppel führte. Der feine Sand fand sein Weg in die Schuhe und vor allem in meine Strümpfe, was alles andere als angenehm war. Nach meiner Ansage entspannten sich komischerweise die Pferde und ich konnte sie getrost auf die Weide lassen. Mit den Stricken in der Hand lief ich zurück zum Stall. Beide fanden ihren Platz an der Box und vor dem Stallgebäude entleerte ich meine Schuhe und Socken. So konnte ich wohl kaum eine Runde mit meinem Pferd drehen. Außergewöhnlich fröhlich kam Vriska zum Stall ebenfalls mit einem Strick in der Hand. Ihr breites Lächeln und auch das durchaus auffällige Outfit lenkten meine Aufmerksamkeit auf die. Von oben bis unten musterte ich sie, eh Vriska mich ebenfalls sah.
      „Godmorgon. Ziemlich früh bist du heute schon am Stall“, scherzte sie und blieb vor mir stehen. Dabei nahm die Kleine ihre Sonnenbrille von den Augen und steckte sie in ihr Haar.
      „Gibt auch einiges zu tun. Und wo willst du hin? Auf den Schönheitsball?“, stieg ich mit ein und wedelte noch immer mit meinem Strumpf, um den Sand zu entfernen.
      „Ich denke eher nicht. Mir ist einfach nur warm“, entgegnete Vriska.
      „Meine Stimme hättest du“, lobte ich sie und zog mir den Strumpf über Fuß und Wade.
      „Lieb von dir aber denkst du nicht, dass du noch zu viel anhast, um solche Aussagen treffen zu dürfen?“, begann sie zu provozieren.
      „Nog, du möchtest also das sehen?“, nutzte ich dieselben Mittel und hielt mein Shirt mit einer Hand hoch, sodass man meinen Bauch sehen konnte, den ich präsentierend anspannte. Ein Funkeln erleuchtete ihre Augen und sie antwortete: „Hebe die das für später auf.“ Dann setzte sie die Sonnenbrille wieder auf und verschwand im Stall. Wo war ich gerade noch mal? Überlegte ich, bis ich festgestellte, dass noch Sand im anderen Schuh war. Schnell entfernte ich auch diesen und ging ebenfalls zurück in den Stall. Hannes stand bei seinem Hengst, mit einer Handbewegung begrüßte ich ihn und bekam nur stechende Blicke zurück. Ich dachte mir nicht weiter dabei und holte meine Stute aus der Box. Aufmerksam spitzte Smoothie ihre Ohren beschnupperte meine Schulter, offenbar nahm sie den Geruch der anderen Pferde wahr. Provisorisch putzte ich sie über und legte Gamaschen um, damit die sich bei der Runde nicht verletzen konnte. Das Fitnessarmband, dass ich zusätzlich zu meiner Uhr trug, stellte ich auf Sport um und lief mit meinem Pferd heraus. Locker wärmten wir uns beim Verlassen des Hofes auf. Smooth schnaubte entspannt ab. Zur Erleichterung band ich den Strick um ihren Hals

      Lina
      Als ich von der Koppel zurückkehrte, musste ich leider feststellen, dass die Ruhe auf dem Hof nicht lang angehalten hatte, denn als ich die Stallgasse wieder betrat, um nun auch noch Legolas zu holen war doch schon einiges los auf der Stallgasse. Neben ein paar anderen, die dabei waren ihre Pferde auf die Koppel zu bringen, war auch Samu inzwischen da, der anfing das Heu zu verteilen und er sah für meinen Geschmack viel zu gut gelaunt aus.
      “Guten Morgen Lina. Ist heute nicht einfach hervorragendes Wetter?”, begrüßte er mich fröhlich.
      “Was genau macht das Wetter heute Morgen besser als die letzten Tage? Und willst du mir verraten, warum du so gut gelaunt bist?”, fragte ich ihn und sah ihn skeptisch an. Dafür das wir und gestern gestritten hatten, war er eindeutig zu fröhlich.
      “Die Frage ist eher, warum du nicht gut gelaunt bist”, antworte er, während er dem Tinker Hengst in der Box vor uns eine Ladung Heu gab.
      “Was ich nicht gut darauf? Ich bin doch wie immer, immerhin steht meine Pferde schon fast alle auf der Koppel im Gegensatz zu deinen”, protestierte ich.
      “Also ehrlich, ich weiß ja nicht wem du erzählen willst, dass du bist wie immer, aber ich kaufe dir das nicht ab. Du hast mir nicht mal einen guten Morgen gewünscht”, sagte Samu und drehte sich zu mir um.
      “Ja, ok du hast ja recht. Aber es ist alles ok, ich nur nicht gut geschlafen”, gab ich klein bei. Samu machte ich nichts vor, dafür kannte er mich zu gut. Dennoch hoffte ich, dass ihm diese Antwort fürs Erste ausreichte und er nicht weiter nachhacken würde.
      “Na gut, wenn das so ist, kannst du zum wach werden ja auch noch meine Pferde auf die Koppel bringen, ich habe hier nämlich noch zu tun”, antwortete er und begann weiter das Heu zu verteilen.
      “Ok, also wären das dann Elf, Sky und Saturn, oder?”, fragte ich noch einmal nach.
      “Ja, fast Masu und Empire müssten eigentlich auch noch raus. Die beiden hatte ich gestern reingeholt, weil Empire ihr Eisen verloren hat, da müsste auch noch irgendwer suchen, dann nagle ich es wieder auf”, erklärte er noch bevor er, um die Ecke verschwand, um neues Heu zu holen.
      “Natürlich kann ich auch noch dein Eisen suchen, hab ja sonst nichts zu tun”, murmelte ich und wandte mich Legolas zu. Der große Rappe wartete bereits und streckte mir freundlich seinen Kopf entgegen. Ich halfterte den Hengst und parkte in auf der Stallgasse, damit ich auch noch Crystal Sky aus der Box holen konnte. Zum Glück zeigte sich der Schimmel recht kooperativ, sonst hätte ich vermutlich ein Problem gehabt ihn zu halftern. Mit den beiden Hengsten wollte ich mich gerade auf den Weg zur Koppel machen, als ich Jace in den Stall kommen sah. Ohne mich zu beachten, spazierte er an mir vorbei, als wäre nie etwas gewesen. Dieses Bild erstaunte mich sehr, nachdem er sich die letzten zwei Tage nicht mal hatte Blicken lassen.
      “Guten Morgen Jace”, grüßte ich ihn, doch ich bekam keine Reaktion, stattdessen begrüßte er den Buckskin Hengst in der Box gegenüber. Na ja, wenn er meint, soll er mich ignorieren, hätte ich an seiner Stelle vermutlich auch getan. Somit machte ich mich mit den beiden Hengsten auf den Weg zur Koppel, wo sich beide gleich mit viel Freude auf den Boden warfen und sich durchs Gras rollten. Noch bevor Crystal Sky wieder aufgestanden war, konnte ich deutlich die grünen Flecken in seinem Fell entdecken. Wie gut, dass das nicht mein grünes Pferd ist.

      Vriska
      Teilnahmslos blickte ich durch den Stall und wollte den anderen helfen, doch die meisten liefen kommentarlos an mir vorbei und gaben mir nicht einmal die Möglichkeit eine Frage zu stellen. Schnell verunsicherte ich mich selbst und hatte Probleme damit, jemanden zu unterbrechen. Schließlich arbeitete ich auf diesem Hof nicht und war am Ende des Tages nichts mehr Besuch mit Pferd. Glücklicherweise rettete mich mein Handy aus dieser Situation und half mir dabei wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Es vibrierte noch immer auf dem Bildschirm erschien “Jenni”. Schnell entfernte ich mich aus dem Stall und fand eine ruhige Ecke, wo kein Echo entstand.
      “I’m glad you’re going straight to your phone. I was amazed that you did not get in touch anymore. That is why I would call you. I was worried, because you had told me, you know. But now, how are you?”, sprach Jenni besorgt.
      „Hej! I am great and you? “, antwortete ich fröhlich und setzte mich ins Gras. Der Boden war noch feucht vom Morgentau und meine Hose saugte direkt die Flüssigkeit auf.
      „Vriska. You do not have to lie to me. “
      “No, no. Really. It is great. We … we talked about it and…”, setzte ich an und guckte durch die Gegend. Niemand war in der Nähe, doch da halte Jenni direkt nach: „And what? I told you that you should not tell her. “
      „Oh, Jenni. I talked to him about it, not her. And we repeated it last night. That is what I wanted to say “, freute ich mich und merkte ein leichtes Kribbeln im Bauch als ich daran dachte, vor allem an Niklas. Auch nach dem, was vor einigen Minuten passiert war, machte mich glücklich.
      “Stop. Before you think about it, he does not want you. He only wants what you offer him. So please do not start to imagine something. After all, you said he wants your friend. Think About what you're doing”, ermahnt Jenni, als könnte sie meine Gedanken lesen. Doch es war die Wahrheit. Ich machte mir wieder Gedanken über etwas, wo es nicht viel gab. Das schlechte Gefühl vom Vortag kam wieder in mir hoch.
      “Maybe, but I just feel so good with him. I don't want to stop this because he even proposed to come again tonight.”
      “Then I am glad you feel good, but please keep that in mind. When that is over, you are going to feel bad. Very bad. But I am here, promised.”
      “Thank you. I appreciate that.”
      “But now I want a picture of him and tell something about him”.
      “I don’t know what to tell because I honestly don’t know that much. I try. He’s big, heavily muscled, tattooed, well-groomed and on a wavelength from the beginning, not like Tyri “, begann zu schwärmen.
      „All right. In the first moment I thought you were describing the idiot, but apparently you have a type of guy “, scherzte sie. Ich lachte kurz und bemerkte wirklich die Ähnlichkeiten der Beiden.
      “But he pays attention to me, asks if it is okay and does not pull through, va? “, erklärte ich Jenni, die gefesselt zu hörte.
      „Unfortunately, I have to say goodbye now, so please send me a picture, I absolutely want to get an impression of him. But Marc is coming, if there is anything else, write me “, verabschiedete sie sich plötzlich und legte auf. Offenbar war sie noch immer mit dem zusammen. Das müssten mittlerweile 4 Jahre schon sein. Ich verstand bis heute nicht, was sie an Marc fand, weil er extrem einbildet, war und so überzeugt von sich, dass jede Zelle seines Körpers es herausbrüllte.
      Nachdenklich legte ich mein Handy zur Seite und überlegte, was nach der Reise passieren würde. Nur noch zwei Wochen werde ich an der Akademie sein, nach einer Pause beginnen die Prüfungen. Wirklich vorbereitet fühlte ich mich bis jetzt nicht. Auch, wenn ich durch Niklas schon deutlich schneller das ganze Lernen konnte, hatte es ziemlich viel von meiner Essstörung vor einigen Jahren.

      Jace
      Na großartig, das fehlte mir heute, dass ich als Erstes heute Lina begegnete, denn ich war noch sehr weit davon entfernt zu vergessen, dass sie mich abserviert hatte. Ich machte mir gestern Abend noch sehr viele Gedanken über den Grund dafür. Um ehrlich zu sein, wollte ich einfach nicht so ganz glauben, dass sie keine Gefühle für mich hatte, das hatte sich damals doch sehr anders angehört. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass sie glücklicher sein würde, wenn sie einfach hierbleibt, aber vielleicht hatte ich das einfach verdient so bescheuert wie ich mich verhalten hatte.
      Angespannt ging ich einfach wortlos an ihr vorbei und flüchte in die Box zu Herkules. Der Hengst schien meine Anspannung zu spüren, denn statt sich brav halftern zu lassen, lief er im Kreis um mich rum.
      “Jetzt bleib doch mal stehen großer, so wird das nichts”, beschwerte ich mich bei dem Hengst. Zum Glück hörte ich trotzdem wie sich das Hufgetrappel von zwei Pferden entfernte, Lina hatte die Stallgasse verlassen. Erleichtert amtete ich aus und schon entspannte sich mein Hengst auch und blieb stehen. Kaum hatte ich den Hengst gehalftert hörte ich eine Stimme hinter mir: “Bist du auch wieder unter den Lebenden Jace”. Es war Samu der gut gelaunt in der Boxentür stand.
      “Ja, siechste doch”, murmelte ich genervt und schloss das Halfter des Buckskins vor mir.
      “Wie kann man den an so einem schönen Morgen schon so schlechte Laune haben. Hat dir etwa jemand dein Spielzeug gestohlen?”, scherzte er ausgelassen.
      “Würdest du eh nicht verstehen”, brummte ich ihn an. “Wenn du dann jetzt aus der Tür gehen würdest ich würde da gerne durch”
      “Ok du Brummbär, lass ich dich mal lieber allein, bevor du mich noch anfällst”, scherzte Samu immer noch beschwingt und machte sich wieder an seine Arbeit. Warum hatte ich mich noch mal von Alec überreden lassen aus meinem Zimmer zu kommen? Die Tatsache, dass er heute Morgen angerufen hatte und angedroht hatte, noch mal vorbeizukommen konnte es jedenfalls nicht gewesen sein, sollte er doch kommen.
      Ach ja, da kam der Grund gerade in den Stall gewirbelt, Hazel. Nicht das sie nicht nett ist, aber mit ihrer quirligen Art konnte sie einem ziemlich auf die Nerven gehen. Alec hatte, nachdem ich doch sehr unbeeindruckt von seiner Drohung gewesen war, nämlich noch angefügt, dass er dafür sorgen würde, dass Hazel mir den ganzen Tag auf die Nerven ginge, wenn ich nicht aufstehen würde. Bevor ich das zuließ, lasse ich mich doch lieber freiwillig ein paar Stunden blicken.
      “Oh, du bist ja schon da! Schade”, begrüßte sie mich ein wenig enttäuscht, als sie mich erblickte.
      “Dir auch einen guten Morgen Hazel”, kommentierte ich trocken und führte Herkules an ihr vorbei. Offenbar hatte Alec das ernst gemeint und auch Hazel von seinem Plan in Kenntnis gesetzt.
      “Kann man dir bei irgendwas heute helfen?”, fragte sie und lief auf einmal neben mir her.
      “Nein, kann man nicht und du schon gar nicht. Ich komm ganz wunderbar allein zurecht”. Sollte sie ruhig wissen, dass ich schlechte Laune hatte, dann ließ sie mich vielleicht in Ruhe. Die Tatsache, dass ich fast über Samu Schubkarre fiel, unterstrich meine Aussage wohl eher nicht.
      “Das sieht aber nicht so aus, als kämst du allein zurecht”, lachte Hazel nun die stehen geblieben war.
      “Du hättest aber auch mal was sagen können”, maulte ich und rieb mir das Schienbein, welches die Bekanntschaft mit der Schubkarre gemacht hatte.
      “Ach, ich dachte du kämst allein klar”, kicherte Hazel immer noch.
      “Komm ich auch und jetzt verschwinde endlich”, murrte ich noch und führte den Hengst nun aus der Stallgasse, diesmal mit mehr Aufmerksamkeit auf den Weg.
      Ohne nervige Begleitung und ohne weitere Hindernisse erreichte ich dann tatsächlich die Koppel. Scheinbar war Herkules der Erste aus seiner Weidegruppe, denn die Koppel war noch leer. Das einzige Tier, welche zu sehen war, war einer der Füchse, die man ab und zu mal am Waldrand entdecken konnte.
      Ich entließ Herkules auf die Koppel und sofort begann er aufgeregt über die Wiese zu traben. Ich machte mir allerdings relativ wenig Gedanken darüber, denn der Hengst präsentiert sich gerne, vielleicht witterte er auch die Stute auf der entfernteren Koppel, das kann schon mal vorkommen, wenn der Wind entsprechend steht. So genoss ich also einen Moment die Ruhe hier draußen, bevor ich zurück zum Stall ging, schließlich wollte All Hope Is Gone auch noch auf die Koppel.

      Niklas
      Abrupt bremste Smoothie ab und ich brauchte einige Meter bis realisierte, dass sie mit weit aufgerissenen Augen und Nüstern in den Wald blickte. Als ich wieder zu ihr lief, sah ich nichts.
      „Kom nu, Smooth“, sagte ich zu ihr, nahm den Strick zur Hand. Mein Handy sagte mir, dass nur noch 5 km fehlten, also noch eine knappe halbe Stunde, dann hätten wir die Strecke geschafft. Mit weiteren gut zu reden, konnte ich meine Stute davon überzeugen mit mir zu kommen. Locker trabte sie wieder an und lief frei neben mir her. Es war für sie nicht üblich Gespenster im Wald zu sehen, weswegen ich mir einige Gedanken machte, was da wohl wo. So schafften wir die Strecke in sogar 20 Minuten.
      Als ich die ersten Zäune sehen konnte, bremsten wir langsam ab, um den Rest des Weges zum Ablaufen zu nutzen. 2 Stunden für 25 km waren keine neue Bestzeit für uns aber durchaus eine Zeit, die sich sehen lassen konnte. Natürlich auch im Hinblick auf ihre Verletzung am Bein war ich sehr stolz auf sie. Das Frühstück würde in einigen Minuten beginnen, deshalb brachte ich Smoothie direkt zur Weide, auf der sie sich in das nächste Sandloch legte und wälzte. Der Dreck blieb am ganzen Körper der Stute hängen und es war schwer zu sagen, ob sie wirklich beinah ausgeschimmelt war oder noch mal anfangen würde. Die Wahl zur Reithose heute früh war sicherlich nicht die Beste.
      Im Zimmer hüpfte ich schnell unter die Dusche, um den Schweiß abzuwaschen. Erst als ich erfrischt wieder herauskam, stellte ich fest, dass Ju nicht nur aufgeräumt hatte, sondern sogar die Betten. “Var fan är du”, las ich auf meinem Handy. Chris hatte mir eine Nachricht geschickt. Ich antwortete ihm nicht, sondern ging direkt zum Frühstück, dass wieder draußen stattfand. Am Himmel zogen immer mehr Wolken vor die Sonne, was die Temperaturen erträglicher machten. Nach Regen sah es nicht aus, aber nach dem Unwetter vor einigen Tagen, war es nicht auszuschließen.
      “Fan … wo warst du so lange?”, fragte Chris, als ich mich zu ihm setzte. Direkt am Nebentisch saß Lina. Sie wirkte heute anderes als die Tage zu vor. Ihre Stimmung schwankte zwar wie das Wetter, jedoch schien sie so losgelöst, leer.
      “Ich habe deine Nachricht gelesen. Also erst habe ich Pferde auf die Weiden gebracht und dann habe ich mal wieder eine große Runde mit Smoothie gedreht. Ohne offensichtliche Schmerzen hat sie die 25 km durchgehalten”, erzählte ich ihm.
      “Ach das klingt doch super. Wenn du morgen wieder gehst, dann würde ich mitkommen”, antwortete er. Ich nickte und trank einen kräftigen Schlug vom Apfelsaft.
      Am Nachbartisch hielt Lina, Samu der sich gerade dazu setzte ein Hufeisen vor die Nase. "Hier ich habe dein blödes Eisen übrigens gefunden. Es ist ja nicht so als sei so ein Eisen nicht schon schwer genug auf einer riesigen Koppel zu finden, Nein, dein Pferdchen hat es natürlich im Bach verloren, wie auch immer sie das Geschafft hat, das nächste Mal kannst du dir selbst nasse Füße holen", beschwerte sie sich bei ihm.
      "Na, bei mir brauchst du dich da nicht beschweren, meinst du, dass ich freue mich, wenn ich die Dinger suchen darf", kam es nur von Samu den die Beschwerde nicht wirklich zu stören schien.
      “Vielleicht solltet ihr den Schmied wechseln, bei uns musste in den letzten Jahren niemand Eisen suchen”, schlug ich vor und war mir bereits einen Moment sicher, dass es mich weder etwas anging noch wirklich freundlich klang. Suchend warf ich einen Blick über die Tische, aber Vriska fehlte mal wieder. Doch es ging mich natürlich nichts an, obwohl gleich wieder die Besprechung für den heutigen Tag beginnt.
      "Vielen Dank für diesen hilfreichen Tipp. Nur ist es hier schon schwer genug überhaupt einen Schmied zu finden. Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, sind wir hier nämlich so ziemlich im nirgendwo", erklärte Lina.
      „Jag är ledsen … war nicht meine klügste Idee heute“, murmelte ich verschämte und drehte mich wieder zu Chris, der mich belustigt anblickte. Es schien so, als wüsste er genau was gerade passierte. Natürlich wusste er es, mehr oder weniger. Mit einer Kopfbewegung deutete Chris zu Vriska, die sich unseren Tischen näherte. Hektisch begann er zu winken, was die Situationen in keiner Weise verbesserte. Ihr breites Grinsen verblich im Vergleich zu vorhin, wo sie vor Freude noch hätte explodieren können. Irgendwas war heute anderes, aber was?
      „Heute schon an Gott gedacht?“, scherzte Chris, als sie sich neben ihn setzte.
      „Ihr seid doch heute alle nicht mehr ganz dicht. Das Springen gestern schien euch allen nicht so gut zu bekommen? Eiersalat in der Hose?“, entgegnete sie schlagfest.
      "Am Springen kann es nicht liegen. Die Beiden da sind nicht die einzigen, die hier heute komisch drauf sind", fügte Lina hinzu und deute mit einer Kopfbewegung auf Jace der gerade stillschweigend vorbeilief.
      „Aber der ist doch schon seit einigen Tagen nicht mehr er selbst“, murmelte Vriska und blickte auch mich dabei ein. Sie hatte natürlich recht. Die letzten Tage waren für alle nicht leicht, obwohl das eher an uns allen lag, als an etwas bestimmten. Wir benahmen uns wie 15-jährige, die das erste Mal länger als 8 Uhr abends raus dürfen. Ich hätte die vergangene Woche öfter Runden mit Smoothie drehen sollen. Die Gedanken in meinem Kopf waren deutlich sortierter und vor allem klarer.
      „Guten Morgen! Bald ist der Intensivkurs vorbei und einige von euch haben sich deutlich verbessert mit ihren Pferden. Doch heute geht es nur um euch. Wir machen heute Sitzschulungen mit jeweils zwei Leuten in der Halle. Ihr, unsere großzügigen Gastgeber, seid dazu herzlich eingeladen. Also findet euch zusammen, um 11 Uhr geht’s los”, riss mich Herr Holm mit seiner Ansprache aus den Gedanken. Chris blickte mich von unten nach oben, sein Grinsen wurde immer breiter. Zustimmend nickte ich und war innerlich ziemlich froh, dass die Mädchen nun keinen Zickenkrieg auslösen konnten. Bis mir einfiel, dass ich heute überhaupt nicht teilnehmen konnte.
      “Chris, geht leider nicht. Ich habe gleich einen Termin”, sagte ich kurz, stand auf und ging zu unserem Trainer, um ihm Bescheid zu sagen.
      “Niklas, du brauchst dir darüber auch am wenigstens Gedanken machen”, antwortete Herr Holm noch, als ich mich zurück zum Tisch aufmachte.
      “Lina, kommst du dann nachher trotzdem mit? Dir würde das Training sicher heute viel bringen”, versuchte ich ihr freundlich zu vermitteln, lieber am Training teilzunehmen.
      "Mmm, ich weiß nicht so recht, ich wäre ja schon irgendwie neugierig. Aber sicherlich hast du recht, dass mir ein wenig Training nicht schaden könnte", schien sie laut zu überlegen.
      “Okay, dann fahre ich gleich allein los. Holen wir zusammen noch die Skizze?”, fragte ich.
      "Da du oben alleine nicht hereinkommen wirst, werden wir das wohl zusammen holen", antwortete sie.
      Zusammen liefen wir los und ich musste einfach nachfragen, denn ihre Antwort erschien mir seltsam. “Hast du was auf dem Herzen? Du bist so … abwesend”, fragte ich vorsichtig und guckte zu Lina herunter.
      "Also… Wenn ich ehrlich bin, bin ich irgendwie ein wenig verwirrt von der Situation… Beziehungsweise eher von mir selbst. Ich kann nicht so ganz einordnen, was ich fühle… Es ist irgendwie alles so… Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll", versuchte sie mir zu erklären.
      “Soll ich dich dann erst einmal in Ruhe lassen, oder was möchtest du?”, zitterte es in meiner Stimmte.
      "Nein, ich verbringe gerne Zeit mit dir", antwortete sie und zögerte kurz bevor sie weitersprach. "Aber… plötzlich sind da alle möglichen Leute, die wollen das ich hierbleibe… Und dann will jeder irgendetwas Wichtiges von mir… Seit der Entscheidung, dass ich gehe, scheinen alle hier besser zu wissen, was gut für mich ist und die, die das nicht tun, machen sich darüber lustig und sagen, dass ich da eh nicht durchziehen werde. Außer Alec scheint mich keiner zu verstehen und so möchte ich meine Freunde nicht in Erinnerung behalten…
      Ich möchte eigentlich nur die letzten Tage hier genießen und Spaß haben mit allen… Auch mit dir", endete Lina und ihr war anzusehen, wie sehr sie innerlich aufgewühlt war.
      „Man merkt erst was einem wichtig ist, wenn es nicht mehr da ist. Ich schätze, sie haben Angst, dass sie es nicht ohne dich schaffen. Als wärst du das Glied in der Kette, dass euch alle am Hof zusammenhält“, versuchte ich ihr zu erklären. Was Klügeres fiel mir in dem Moment nicht ein, denn mir fehlte als eigene Empfinden für so eine Situation. Meine Familie unterstützte uns immer bei aller Entscheidung, so blöd sie auch scheinen mögen. Den nur aus Fehlern konnte man lernen. Besonders ich kam in meiner Jugend mit den verrücktesten Ideen zu Papa, seine Begeisterung hielt sich in Grenzen, doch ich bekam immer was ich wollte. Dann dachte ich wieder an Neuseeland und den warmen Sand zwischen meinen Zehen am Strand am Abend. Es fehlte mir wirklich.

      Lina
      “Vermutlich hast du recht, aber das macht es für mich nicht einfacher.” Inzwischen standen wir vor der Wohnungstür, die ich nun seufzend aufschloss. Drinnen hatte sich seit gestern Abend nicht viel verändert, die Teetasse stand noch in der Spüle und auch meine Zeichnungen lagen noch wild verteilt auf dem Esstisch.
      Niklas schien mit den Gedanken schon wieder woanders zu sein, denn ein sehnsüchtiger Ausdruck war auf sein Gesicht getreten und er bleib abwesend vor der Tür stehen.
      “Woran denkst du gerade?”, fragte ich vorsichtig, um nicht zu neugierig zu wirken.
      „An die Sommerabende in Neuseeland als ich 20 war. Es war eine schöne Zeit, jetzt komme ich der 30 immer näher und habe das Gefühl, dass nicht mehr viel Schönes kommen, wird“, antwortete er bedenklich.
      “Warum denkst du, dass nichts Schönes mehr kommen wird? Sowas ist doch nicht altersabhängig”, fragte ich einfühlsam.
      “Dafür gibt es einige Gründe. Zum einen erlebe ich mit wie meine Kollegen ihr Leben gestalten. Einer von ihnen bekommt jetzt schon seine zweite Tochter und ich kann mich nicht mal einig werden, was ich überhaupt möchte. Zum anderen könnte jeder Arbeitstag der letzte sein und wüsste nicht, was ich großartig für die Existenz der Menschen erreicht habe. Aber lass und an anderes denken, schließlich hast du noch schöne Jahre vor dir”, versuchte er positiver sein, was ihm aber nicht wirklich gelang. Seine Worte stimmten mich ein wenig nachdenklich. Ich musste daran denken, wie ich mir früher immer gewünscht hatte einfach nur normal zu sein, ein normales Mädchen mit einer normalen Familie. Doch wo stände ich dann jetzt? Sicher nicht hier.
      “Weißt du, ich finde du solltest dich nicht mit anderen Vergleichen, nicht jeder von uns kann ein Superheld sein. Außerdem finde ich, sein Leben für die Sicherheit von anderen zu riskieren kommt schon nah ran an einen Superhelden”, versuchte ich ihn ein wenig aufzumuntern.
      “Lieb von dir und ich verstehe, was du meinst. Aber trotzdem wird es irgendwann an den Punkt kommen, dass jemand das Unternehmen von Papa übernehmen muss. Ich denke nicht, dass Hannes das tun wird, aber ich möchte die Familie nicht enttäuschen … Also abwarten”, murmelte Niklas und nahm die Zeichnung entgegen. “Vielleicht sollte ich jetzt wieder, du hast offensichtlich noch einiges zu tun”, fügte er hinzu und warf einen Blick durchs Zimmer und lächelte sanft.
      “Ähh, ja sieht so aus”, antworte ich ein wenig überrascht von den plötzlichen Themen wechseln. So bei Tageslicht betrachtet sah das Zimmer sogar noch chaotischer aus als in meiner Erinnerung, normalerweise sah es hier nicht so aus, doch die letzten Tage hatten meinem Ordnungssinn wohl ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht.
      “Dann wünsche ich dir viel Spaß beim Tätowierer, falls man da überhaupt Spaß haben kann”, verabschiedete ich mich von Niklas, der bereits wieder auf dem Weg zur Tür war.
      “Natürlich macht es Spaß, irgendwann wirst du es nachvollziehen kann”, grinste er breit und winkte noch einmal, bevor er aus meinen Augen verschwand.
      Ob ich das jemals nachvollziehen werde, bezweifle ich, dachte ich mir und schloss die Tür. Ein wenig überfordert blicke ich durch den Raum und überlegte, wo ich eigentlich anfangen sollte. Genau in den Moment, fiel mir nämlich auch noch ein, dass es nur noch knapp 3 Tage waren, bis ich die Reise nach Schweden antreten würde. Das bedeutete, dass ich nicht nur aufräumen musste, sondern auch überlegen sollte was ich mit nach Schweden nehmen werde und auf was ich erst einmal verzichten konnte. Hektisch begann ich im Zimmer rumzurennen und sagen von A nach B zu tragen.
      “Halt, Stopp, so funktioniert das nicht”, stoppte ich mich selbst als ich den Haufen vor mir betrachtete ich brauche definitiv einen Plan.

      Vriska
      “Da unser Schätzchen keine Zeit für mich hat, würdest du dich erbarmen?”, fragte Chris mich als Niklas mit Lina verschwand. Mit großen Augen blickte ich ihn an und viele Fragen schossen mir durch den Kopf, doch Samu saß auch mit am Tisch und ich musste mir genau überlegen, was ich nun sagen würde.
      “Unser Schätzchen? Du meinst wohl deinen Verstand”, feigste ich. Er zog seine Brauen hoch und war im Begriff zu gehen, um seinen Wallach fertig zu machen.
      “Warte, ich komme mit. Ich möchte nur aufessen und mich umziehen”, holte ich ihn zurück an den Tisch. Mit einem breiten Grinsen setzte er sich wieder. Na großartig. Jetzt wussten es schon zwei Leute, wie vielen wollte er es noch erzählen? Das nahm Dimensionen an, die ich nicht bedacht hatte. Ich hatte es nur Jenni erzählt, die mehr als 6000 km entfernt wohnte und niemanden davon erzählen könnte. Während ich mich darüber ärgerte, dass Chris es offenbar lustig fand, dass es mir unangenehm war, aß ich den Gurkensalat auf meinem Teller. Samu schien es nicht mit bekommen zu haben, zumindest bekam ich keine musternden Blicke, die sonst von ihm kamen. Am Tisch wurde es zunehmender still. So still, dass es einem Friedhof glich. Triumphierend nahm ich den Teller, stellte ihn weg und lief zum Zimmer. Chris folgte mir, ohne etwas zu sagen. Als wir am Zimmer kamen, schloss ich die Tür vor seiner Nase.
      “Ich will nicht erpressen, aber ich würde es sonst jeden erzählen”, sagte er. Genervt öffnete ich die Tür.
      “Aha, und was wird das sonst gerade?”, fragte ich skeptisch.
      “Auch wenn er dir das nie sagen wird, aber er mag dich mehr als sich eingesteht”, begann er. Noch immer war ich skeptisch und empfand das alles als eine große Verschwörung. Nebenbei suchte ich nach meiner Reithose, die ich unter dem Shirt von gestern fand.
      “Wenn du es nicht unterbindest, könnte es in nächster Zeit so weiter gehen wie bisher”, setzte Chris fort.
      “Na dann ist das wohl so. Oder was genau willst du mir gerade damit vermitteln?”, fragte ich desinteressiert. Im Badezimmer zog ich mich um, während er auf dem Bett Platz genommen hatte. Somit konnte er mich nicht sehen aber zumindest hören und anderes herum genauso.
      “Du sollst dir dem nur im Klaren sein, damit eventuelle Konsequenzen nicht zu hart werden”, erklärte er. Ich fand wirklich nicht, was er mir sagen wollte. Wäre es idiotisch, wenn ich fragen würde?
      “Jetzt hör auf in Rätseln zu mir zu sprechen. Was ist bitte deine Intention und wieso sollte das alles jetzt gerade wichtig sein?”, traute ich mich zu fragen. In meinem Ton kam die Ernsthaftigkeit durch. Es machte mich verrückt, dass wirklich jeder seine Meinung zu Niklas hatte und offenbar auch kundtun musste.
      “Du sollst dich nicht wundern, wenn er plötzlich immer mehr von dir abverlangt und auch unmögliches möglich haben möchte. Er hat Freude über dich zu erzählen, aber wusste genau wie du, dass es beliebigen Gründen nicht geht. Die anderen Kleine ist aber keiner davon”, sagte er und wir verließen das Zimmer. Noch einige Minuten weiter faselte er irgendwas von Glück, Versagen und weiß Gott was. Ich hörte nicht mehr wirklich zu, sondern empfand es als reines bevormunden. Das Gleiche machte Lina auch gerade durch. Was geht es die alle an? Immerhin machte mir niemand Vorwürfe, dass ich es getan habe. Da unsere Pferde auf der gleichen Weide standen, holten wir sie zusammen. Chris hatte mittlerweile das Thema gewechselt und sprach mit mir, als würden wir uns seit Jahren kenne. Doch genau genommen, ist das unser erstes Gespräch überhaupt. Spricht der immer so viel, oder nur heute? Zwischendurch antwortete ich mit ja oder Nej. Auf meiner Stirn stand nicht hoffentlich nicht “Kummerkasten”, denn so fühlte ich mich gerade. Als ich Glymur aus der letzten Ecke der Koppel holte, hatte ich endlich meine Ruhe für einen Moment.


      Samu
      Nach dem Frühstück machte ich mich, als allererster auf den Weg Sunny Empire ihr verlorenes Eisen wieder darauf zu nageln. Die blinde Stute stand noch mit ihrem Begleitpferd Mas’uda in der großen Doppelbox.
      “Hyvää huomenta, te kaksi makeaa”, begrüßte ich die beiden Stuten freundlich, um vor allem Sunny nicht zu erschrecken, wenn ich die Box betrat. Freundlich stellte die helle Stute ihre Ohren auf und kam vorsichtig auf mich zugelaufen.
      “Gutes Mädchen”, lobte ich die Stute und strich ihr langsam über den Hals, bevor ich ihr das Halfter über steifte. Ich führte sie aus der Box und band sie auf der Stallgasse. Mas’uda, schnaubte leise und streckte den Kopf über die Boxentür. Während Sunny ruhig auf der Stallgasse stehen blieb, holte ich mein Werkzeug. Mit viel Ruhe war das Eisen dann auch relativ schnell wieder am Huf der Stute. Da ich gerne vermeiden möchte, dass Sunny ihre Eisen erneut verliert, beschloss ich ihr dieses Mal Hufglocken anzuziehen. So verschwand ich also erneut in der Sattelkammer. Als Sunny fertig war, holte ich auch noch die Araberstute aus der Box und brachte die beiden Stuten auf ihre Koppel. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es nicht mehr sonderlich lange dauern würde, bis zum Training. Wenn ich also bereits an der Koppel war, konnte ich auch gleich schon mein Pferd mitnehmen, da Lina bestimmt noch mit irgendetwas beschäftigt war, schrieb ich ihr eine kurze Nachricht: “Millä hevosella ratsastat? Tuon sen heti.” Es dauerte nicht mal eine Minute, bis sie mir antwortete: “Nathalie, kiitos.”
      Praktisch, Nathalie steht nämlich auf der gleichen Koppel wie Ice Rain. So machte ich mich also auf den Weg zu den Sommerkoppeln. An der Koppel angekommen, war weit und breit kein Pferd zu sehen, vermutlich stand die Herde bei dem Wetter hinten am Waldrand zwischen den Bäumen. Also schnappte ich mir die Halfter der beiden Stuten vom Zaun und machte mich auf die Suche nach den beiden Pferden.
      Tatsächlich fand ich die kleine Herde zwischen den Schatten spendenden Bäumen. Ice Rain hob gleich den Kopf als sie mich sah. Ich halfterte erst meine Stute, bevor ich mit ihr im Schlepptau zu Nathalie rüberging, die etwas abseits graste.
      Am Stall stellte ich die beiden Stuten in ihre Boxen und beschloss Lina zu suchen, da sie auf dem Hof und im Stall nicht zu entdecken war.
      Zielstrebig steuerte ich ihr Zimmer an und klopfte.
      “Tür ist auf, komm rein”, kam die Antwort von drinnen und ich öffnete die Tür. Im Zimmer empfing mich ein riesiges Chaos und Lina stand mittendrin.
      “Minkälainen varten sumu oli tässä?”, fragte ich verwundert. Lina war zwar nicht der aller ordentlichste Mensch, aber so ein Chaos war nicht typisch für sie.
      “Keiner, ich versuche aufzuräumen… Und zu überlegen, was ich in Schweden wirklich brauche!”, verkündete Lina.
      “Na, so wird das, glaube ich, nichts”, sagte ich und versuchte das System hinter dem Chaos zu erblicken, langsam schien ihr diese ganze Situation ganz schön viel Stress zu bereiten.
      “Ach was, da habe ich auch bereits gemerkt. Magst du mir vielleicht lieber helfen, anstatt so schlaue Feststellungen zu machen?”
      “Nach dem Training kann ich dir gerne bei deinem Chaos hier helfen, aber jetzt sollten wir erst einmal unsere Pferde putzen”, wies ich sie auf unser anstehendes Training hin.
      Sie schien mir nicht so recht zugehört zu haben, denn sie war schon wieder damit beschäftigt einen Stapel Klamotten quer durch den Raum zu tragen.
      “Hei, Lina hast du mir überhaupt zugehört?”, fragte ich und hielt sie auf, indem ich ihr den Stapel aus der Hand nahm.
      “Ey, das wollte ich gerade aufräumen”, protestierte sie.
      “Nein, du räumst jetzt gar nichts weg, du kommst jetzt mit dein Pferd putzen”, sagte ich entschieden und legte den Stapel auf ihr Bett.
      “Okei, ich komm ja schon mit, aber wo ist denn jetzt mein Schlüssel?”, gab sie klein Bei und sah sich nun suchend im Zimmer um.
      “Meinst du den hier?”, fragte ich und zog ihren Schlüsselbund unter einem Block hervor.
      “Ja genau, danke.” Gemeinsam verließen wir das Zimmer und sie war gerade auf dem Weg nach draußen, als ich sie schon wieder stoppen musste.
      “Hast du da nicht etwas vergessen?”, fragte ich sie und war einen bedeutungsvollen blick auf ihre Füße, die immer noch in Sneakers steckten.
      “Nein, zieh ich später an. Es ist viel zu warm dafür”, erklärte Lina.
      “Aber solltest du sie dann nicht wenigstens mitnehmen?”, fragte ich und drückte ihr ihre Reitstiefel in die Hand.
      Fünf Minuten später standen wir dann auch endlich auf dem Putzplatz und ich begann meiner Stute den Staub aus dem Fell zu bürsten.

      Vriska
      „Bist du dann bereit?“, fragte ich Chris, der seinen Helm aufsetzte.
      „Jovisst“, antwortete er und folgte mir mit seinem Wallach. Freundlich beschnupperten sich beide Kerle. Glymur war deutlich ruhiger als gestern und zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Mit hoch aufgerichtetem Kopf und hochweiten Bewegungen in der Vorderhand lief er prustend neben mir her. In der Nähe musste eine rossige Stute sein, denn sonst führt er sich nie so auf. Das breite Grinsen auf Chris Gesicht wird wohl sein normaler Ausdruck sein. Dennoch musste ich fragen: „Hast du irgendwas genommen oder warum grinst du noch immer so blöd?“
      „Ich freue mich einfach“, antwortete er und rollte mit den Augen. Nun gut, dachte ich. In der Halle gurteten wir nach und stiegen auf.
      „Direkt die Steigbügel überschlagen“, wies Herr Holm an und tat dem gleich. Etwas wackelig und instabil in der Hüfte ritt ich im Schritt an und bekam direkt einige Anweisungen von ihm. Während ich auf dem Pferd saß, verspürte ich immer noch schmerzen zwischen meinen Beinen und nur mit Mühe konnte ich mich besser hinsetzen. Glymur schritt entspannt vorwärts und seinen Hals streckte er weit nach vorn, achtete auf meine Zügellänge. Ein prüfender Blick durch die Halle offenbarte mir, dass Milena am Rand Platz genommen hatte und mich genau beobachtete. Bevor ich die kurze Seite vor ihr passierte, wendete ich meinen Hengst auf der Ecke kehrt.
      „Vriska, zum Wenden nutze doch bitte dein Gewicht und vor allem Hilfen mit den Beinen. Ziehe nicht das Pferd mit Zügel in die Richtung“, tadelte mich Herr Holm, der zu mir lief.
      “Geht nicht. Mir tut immer noch alles weh”, haspelte ich herum und versuchte mich herauszureden. Er hob misstrauisch die Augenbrauen und musterte mich.
      “Mädchen, du bist nicht die erste Person, die von einem Pferd gefallen ist, besonders nicht die Erste, die so auf einem auf dem Sattel klemmt. Deine Körperhaltung sagt mehr aus über deine Schmerzen als du denkst”, kritisiert er mich. Ich pariere mit einem Druck in der Hüfte Glymur durch und gucke zu ihm.
      “Ach ja? Vielleicht sollte ich mich lieber ausruhen, als auf dem Pferd zu sitzen”, antwortete ich schlagfertig. Im Inbegriff wieder abzusteigen, hielt der Trainer mein Bein fest am Sattel und hinderte mich dabei, den Rücken meines Pferdes zu verlassen.
      “Ich denke nicht. Du solltest dein Augenmerk darauflegen, lieber auf dem Pferd zu reiten. Wer fummelt, kann auch reiten”, merkt er an und ich trieb augenrollend Glymur wieder an. Im ruhigen Tempo versuche ich mich in der Bewegung meines Pferdes Mittreiben zu lassen im Sattel. Meine Schultern drückte ich locker nach hinten, um Aufrecht zu sitzen. Mit einem Kopfnicken bestätigte Herr Holm, dass ich besser saß und mit einer tiefen gleichmäßigen Atmung verbesserte sich meine Konzentration auf das Pferd.
      “Na siehst du, geht doch. Und jetzt traben”, lobte er mich.
      Mit großen Augen blicke ich den Trainer an. Das sagte er nicht wirklich? Ich konnte mich dazu durchringen im Schritt ordentlich im Sattel zu sitzen, aber im Trab? Meine Schulter machte mir immer zu schaffen und Intensivtrainingscamp war das auf vielen Ebenen nicht mehr. Es versetzte mich auf beliebige Klassenfahrten zurück, in denen man zu Aktivitäten gezwungen wurde, die nicht einmal interessant waren. Natürlich machte mir das Reiten Spaß aber mit dem Hintergedanken, den Verein nicht mehr wiederzusehen und somit auch Niklas, bestürzte mich. Vermutlich würde ich ihn öfter sehen, aber nur im Verbund mit Lina. Schon der Gedanke versetzte mir einen Stoß in mein Herz. Konnte ich so dumm sein? So dumm zu glauben, dass das eine Zukunft hätte oder zumindest spurlos an mir vorbeigehen würde.
      “Schaffst du es selbst ihn anzutraben, oder muss ich dich an die Longe nehmen?”, riss mich Herr Holm mal wieder aus den Gedanken. Ich dachte zu viel nach.
      “Nej, jag klarar det”, antwortete ich, gab meinem Hengst mehr Zügel und treibe ihn. Mit einem kleinen Hüpfen trabte Glymur los. Seinen Kopf senkte er und achtete selbstständig auf die Zügellänge. Dieses Pferd war perfekt, aber auch zu gut für mich. Er wäre besser aufgehoben bei Linh, die mit Móra bereits den Extrempunkt erreicht hatte. Mit Spannung in den Beinen schaffte ich es gleichmäßig der Bewegung meines Pferdes zu folgen und den Halt im Sattel zu behalten. Gleichzeitig bemühte ich mich, dass Glymur ruhiger vorwärts trabte, die Schritte verlängerte und mehr Schwung aus der Hinterhand mitbrachte.
      “Vriska, lehne dich weiter nach hinten, dass deine Sitzbeine tief im Sattel liegen. Mit mehr Stimmeneinsatz würde Glymur sicher auch besser reagieren”, half der Trainer mir weiter. Dankbar über diese Hilfestellung lehnte ich mich noch weiter nach hinten und spürte den Schmerz in besagten Bereich meines Beckens. Ich biss mir auf die Unterlippe, um das stechende Gefühl in meiner Hüfte auszugleichen. Es zog sich hoch bis zu meiner Schulter, die ebenfalls pulsierte. Meine Atmung wurde schwerer und krampfhafte schnappte ich nach Luft. Glymur bremste schlagartig ab, als merkte er, dass seine Reiterin Probleme hatte. Herr Holm kam näher und führte bis dahin kommentarlos meinen Hengst weiter. Noch immer panisch durchtrieben von der Angst zu sterben rang ich nach Luft. Immer wieder krampfte mein Rücken und mit einer Atemübung, die mein Trainer mit mir machte, wurde es erträglicher.
      “Wieder besser? Ich hätte nicht so hart zu dir sein sollen.” Herr Holm fand nicht die richtigen Worte, doch ich wusste, was er meinte.
      “Schon in Ordnung, es war meine eigene Entscheidung”, erklärte ich ihm, um weitere Schuldgefühle seinerseits zu verhindern. Er lächelte wieder und gab mir die Zügel des Hengstes zurück. Stolz lobte ich Glymur, der genüsslich auf dem Gebiss kaute und den lockeren Zügel vollständig ausnutzte. Entspannt streckte er den Kopf nach unten und im Schritt ritt ich ihn ab. Lina und Samu warteten mit ihren Pferden bereits darauf, als nächste an der Reihe zu sein. Chris holte im Schritt uns ein und ritt nebenher.
      “Je mehr du versucht zu verstecken was passierte, umso auffälliger bist du. Herr Holm konnte mit einigen Blicken wissen, was los ist”, merkte Chris an.
      “Der hat auch genug Menschenkenntnisse”, zischte ich zurück. Ich hatte mein sehr wohl allein unter Kontrolle, dachte ich bis zu diesem Zeitpunkt. Denn Milena saß noch immer am Rand und ich hatte sie wieder vergessen. Herr Holm sprach vorhin nicht leise, somit hatte sie seinen blöden Spruch auch gehört. Chris steig als erstes von seinem Wallach ab und half mir dabei von Glymur abzusteigen. Er legte seine Hände an meine Hüfte und hob mich in der Bewegung des Pferds.
      “Tack”, sagte ich und klemmte mir einen blöden Kommentar. Chris hatte eine ähnliche Art wie Niklas, nur weniger überzeugt von sich mit einem Hauch Menschlichkeit und Empfindsamkeit sich in dem Gegenüber hineinzuversetzen. Er war jedoch nicht mein Typ, sondern eher ein guter Freund. Wieder einmal dachte ich über Dinge nach, die meinem allgemeinen Gefühl nicht halfen.
      “Ihr beide also? Das hätte ich nicht vermutet”, schlich Milena von der Seite sich zu uns. Chris und ich guckten verwirrt zu ihr. Auch wenn er sich wieder sein Grinsen nicht verkneifen konnte, fand ich es angenehmer, als es direkt auf Niklas zu lenken. Vermutlich wäre er sogar der Letzte, den sie in Betracht ziehen würde.
      “Nein Mäuschen, schön wäre es aber nein”, antwortete Chris ihr freundlich. Die richtigen Worte fand er. Ich schwieg und wollte sie keinesfalls den Ball zu spielen. Sie folgte uns, aber sagte nicht mehr. Es schien, als wollte sie nicht glauben, dass es nicht wir beide waren, sondern ich mit jemand anderes geschlafen hatte.

      Hannes
      Am Mittagstisch hatte ich mich zu Dasha, Mika und Ambrose gesellt, da mir dieser Trupp noch fast am sympathischsten von allen war, da sie von Drama fernblieben. Als ich meinen Blick durch den Raum schweifen ließ, entdeckte ich Linh und Ju die an einem der anderen Tische herummachten, was bei mir ein reflexartiges Augenrollen auslöste und ich lieber wieder in meinem Essen herumstocherte. “Dude bist du eigentlich immer so unentspannt?”, fragte Ambrose, der offenbar meine Stimmung gedeutet hatte; daraufhin wurde er von Dasha in die Schulter geboxt, die versuchte mich zu beschützen, tonlos formte ich ein “Lass gut sein, aber danke” mit meinem Mund. “So war es nicht gemeint, sorry Hannes, vielleicht geht es dir ja nach einer Tüte besser?”, setzte Ambrose erneut an und ich bedankte ihn mit einem schmalen Lächeln und stand auf vom Mittagstisch. Als ich mich entfernte, hörte ich noch Mika und Dasha, die beide versuchten Ambrose zu belehren im Umgang mit Menschen - was ein Spast. Da noch etwas Zeit bis zu meiner Team-Sitzschulung blieb, schlenderte ich über den Hof und zurück ins Wohnhaus, von dem ich mir erhoffte, etwas Ruhe zu finden.
      “Gut, dass ich finde”, begann Niklas zu sprechen, der aus einer Ecke hervorkam und geradewegs zu mir lief. “Wieso, was los Bruderherz?”, entgegnete ich im offensichtlich ironisch desinteressierten Ton. Es war fast beängstigend, wie dicht er an mir dran war, irgendetwas musste vorgefallen sein.
      „Du warst die letzten Tage so … ich weiß auch nicht, abweisend mir gegenüber und heute früh im Stall beinah aggressiv. Was ist los?“, fragte er und schien sich wirklich um mein Wohlbefinden zu sorgen. “Das geht mir hier alles irgendwie ordentlich auf den Sack, das ganze Drama und das Rumgehure. Ich meine, wo sind wir? Bei einer billigen Reality TV-Show ‘Wer wird als erstes flachgelegt’? Was ist eigentlich mit dir los Niklas, ich dachte du wärst wieder halbwegs stabil.”, antwortete ich ihm nun freundlicher.
      “Aber es geht dich doch nichts an, was alle anderen machen? Es geht hier um Leistungen und jeder hat sein eigenes Umgehen damit. Was mit mir los ist? Ich habe Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Wenn sich es die Situation fordert, dann stehe ich meinen Mann. Solltest du vielleicht auch mal versuchen. Und stabil, nun. Vor ein paar Tagen hatte ich wieder einen Anfall in der Dusche, weil ich offenbar meine Tabletten nicht mehr nahm”, schnaubte er wie ein kleines Kind, dem sein Lieblingsspielzeug weggenommen wurde.
      “Niklas ich bin’s, du stehst ja völlig neben dir. Du brauchst dich vor mir nicht zu rechtfertigen! Abgesehen davon geht es mich nichts an, ja, aber ich werde irgendwie immer mit hineingezogen und soll ständig für eine Seite Partei ergreifen und das ist anstrengend. Ich bin wegen der Pferde hier, um etwas zu lernen und Spaß zu haben, aber den habe ich absolut nicht. Aber gerade geht es ja nicht um mich, warum zur Hölle hast du denn die Tabletten abgesetzt?”, versuchte ich ihn zu beruhigen und Antworten zu bekommen.
      “Ich habe sie nicht abgesetzt, nur vergessen vor lauter Stress”, gab Niklas kleinlaut nach. In geduckter Haltung mit gesenktem Kopf stand er vor mir und war in dem Moment der kleinste Riese, den man sich vorstellen konnte. Plötzlich empfand ich das Bedürfnis ihn zu umarmen, was ich letztlich auch tat. Es war seltsam, wir waren nicht solche touchy best friend Brüder, aber die Situation hatte es eben angeboten. “Junge, warum redest du denn nicht? Du setzt immer ein Pokerface auf, woher soll denn jemand ahnen, dass es dir nicht so gut geht, wie es scheint?”, hakte ich während der Umarmung nach.
      “Weil … ach ich weiß auch nicht. Mein Hirn ist gerade mit so vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt, dass ich vermutlich den nächsten Krieg anzetteln werde. Aber davon wird kaum einer noch etwas mitbekommen”, murmelte er. Seine Stimme zitterte leicht und ein Hauch von Unsicherheit drang aus ihm hervor. Niklas war sonst immer der Gefühllose, die niemanden an sich heranließ, doch nun lag er zerbrechlich in meinen Armen. In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich etwas sagen sollte oder vielleicht doch nicht - irgendwie fehlten mir die Worte, denn nichts was ich sagen würde, würde ihn aus dieser Situation retten. “Lass uns etwas zusammen unternehmen, einfach mal raus hier und weg von allem. Was hattest du denn eigentlich vor, bevor du auf mich gestoßen bist?”, brachte ich schließlich doch hervor.
      “Ach bin ich jetzt auf einmal nicht mehr der peinliche große Bruder? Mein Taxi kommt gleich für das weitere Tattoo”, antwortete er und ließ mich endlich los. “Eher die große peinliche männliche Hure, aber heute kann mein Stolz auch diesen harten Schlag vertragen.”, feixte ich und boxte gegen seine Schulter, um die Situation aufzulockern. “Was soll’s denn diesmal werden?”, fragte ich neugierig und überlegte gleichzeitig wo an seinem Körper überhaupt noch Platz für weitere Tattoos war.
      “Ach du bist doch nur neidisch, dass ich beliebter bin bei den Mädels als du. Ähm, hier”, sagte Niklas und zog ein Blatt aus seiner Hosentasche. Es war ein geometrisch gezeichnetes Pferd mit einigen Partikeln herum. Von ihm konnte das nicht sein, denn zeichnen gehörte zu den wenigen Dingen, die er nicht beherrschte. “Hat Lina für mich gemacht. Kommt auf die Schulter, schließlich sind meine Arme beinah voll”, setzte mein Bruder fort. “Tatsächlich sieht das echt gut aus.”, gab ich zu und lief mit ihm gemeinsam nach draußen. “Außerdem lieben mich die Mädels bedingungslos, sie reden mit mir über ihre Probleme und man muss ja nicht mit jedem Vögeln, den man mag.”, antwortete ich mit einem Zwinkern. “Bist du schwul oder was, Bruderherz?”, entgegnete Niklas lachend und ich schaute ihn böse von der Seite an, was uns beide unangenehm verstummen ließ.
      “Es wäre nicht schlimm, also wirklich. Wenn du reden willst, gern später, aber ich muss los”, fügte er hinzu und lief zu dem Taxi, dass den Hof hochfuhr. Also würden wir beide heute wohl nichts gemeinsam unternehmen, realisierte ich etwas enttäuscht, aber winkte ihm zum Abschied.

      Ambrose
      Nachdem ich beim Essen ordentlich von den Turteltauben gemaßregelt worden war, hatte ich mich verpisst, um etwas Abstand zu gewinnen. Was war eigentlich mit mir los? Warum bin ich zu allen ein Arschloch und warum spiele ich immer diesen beschissenen stoned Typen? Ich bin kein Stück besser als meine Junkie-Eltern! Plötzlich empfand ich das Bedürfnis mir selbst weh zu tun, um die Stimmen in meinem Kopf verstummen zu lassen. Kurz bevor ich mir mit einem scharfkantigen Stein einen Schnitt verpassen wollte, vibrierte mein Handy - “Nana” stand auf dem Display. “Hey.”, antworte ich kurz, um meine Wut und den Frosch im Hals zu verstecken. “Honey, is everything okay? You sound strange”, gab sie besorgt zurück, natürlich wusste sie, dass etwas nicht in Ordnung war. Plötzlich strömten die Tränen heraus und ich begann zu schluchzen, “I’m… I… I don’t know Granny. I feel damn worthless like I should have died with them in that car. Why am I alive? I’m such a ridiculous bastard who couldn’t overcome his parent’s toxic habits…”, brachte ich stotternd hervor. Nana versuchte mich zu beruhigen, doch ich hörte ihr gar nicht richtig zu, doch ich wollte nicht, dass sie sich schlecht fühlte, weshalb ich mich zusammenriss und schließlich einlenkte.”Thanks, Nana. I suppose it is just all that stress around here. I will pay you a visit as soon as I am back home - I promise. Love you, bye.”, würgte ich das Gespräch ab. Als ich meinen Kopf wieder nach oben bewegte, entdeckte ich Hannes, der genauso erschrocken war wie ich. Eigentlich wollte ich ihn ankacken, warum er mich belauscht hat, doch auch ihn schien etwas zu beschäftigen, weshalb ich mit der Hand auf den Platz neben mir deutete. Hannes setzte sich vorsichtig neben mich und traute sich wohl auch nichts zu sagen. “Sorry für vorhin und generell”, lenkte ich bedrückt ein. “Schon okay, es hat wohl jeder seine eigenen Päckchen zu tragen”, gab er freundlich zurück und streckte die Hand aus, um die Entschuldigung zu besiegeln. In diesem Moment trafen sich unsere Augen und auf eine komische Art und Weise verharrten wir in dieser Position. “Du hast wunderschöne Augen”, rutschte es mir mit kehliger Stimme heraus und wie durch eine magische Hand gesteuert lehnte ich mich leicht vor. Hannes fixierte mich nach wie vor mit seinen grau-grünen Augen, die zu leuchten schienen. Mittlerweile konnte ich meinen Herzschlag deutlich hören, das durch meine Brust pulsierte, weshalb ich nicht anders konnte, als meine Hand an seinen Hals zu legen und ihn zu mir heranzuziehen. Nun konnte ich auch sein Herz spüren, er wehrte sich keineswegs gegen meine Berührung, im Gegenteil, er lehnte sich nur weiter vor, weshalb ich ihn erst langsam und sanft küsste. Meine Lust ließ sich nicht zügeln und ich küsste ihn leidenschaftlich, meine Zunge berührte seine und er begann mich zu necken und an meiner Lippe zu knabbern. Auf einmal schien all der Kummer verflogen zu sein und meine Gedanken kreisten nur noch um Hannes. Von Lust erfüllt packte ich ihn an der Taille und zog ihn hoch, während ich aufstand und drückte ihn an Wand des Gebäudes neben und stemmte meine eine Hand in die Wand, während die andere sein Gesicht liebkoste. Für einen kurzen Moment war ich sehr froh, dass wir uns an einer abgelegenen Stelle des Hofes befanden und ich deshalb mein Shirt bedenkenlos ausziehen konnte. Sofort strichen Hannes’ Hände über meine Brust und mein Sixpack und fanden schließlich ihr Ziel. “Langsam, Großer, genieß die Spannung”, raunte ich in sein Ohr und presste meine Schwellung an seine Lende, was ihm ein Stöhnen entlockte. Er schien noch unerfahren im Umgang mit Männern, weshalb ich die Führung übernahm und langsam seinen Hals hinunter küsste und sein Shirt auszog. Nun langsam auf die Knie ging, um seine Hose zu öffnen und ihn befreite. Hannes reckte seine Hüften mir entgegen und gab mir so das Okay weiterzumachen, weshalb ich seinen Phallus sanft anfasste und quälend langsam anfing daran zu saugen. Erstaunlicherweise packte er meinen Kopf und zog leicht an meinen Haaren, was mich nur noch mehr antrieb.

      Chris
      Im Stall beobachtete uns Milena und kontrollierte jeden Schritt, den wir machten. Vriska guckte immer wieder zu ihr und verkrampfte wiederholend den Kiefer. In der Sattelkammer hatten wir einen Moment Ruhe vor unserer Staatsbeamtin. “Ist etwas zwischen euch vorgefallen?”, fragte ich vorsichtig und bemühte mich nicht neugierig zu klingen.
      “Das kann man so nicht sagen, aber das mit dem Dreier weißt du?”, hinterfragte Vriska und nahm den Sattelgurt vom Sattel, als er an der Wand hing. Dabei blickte sie nicht zu mir.
      “Natürlich, jeder weiß es. Jetzt im Nachhinein stört es dich?”
      “Ich ärgere mich mehr über mich selbst und will ihr gegenüber nicht eingestehen, dass ich es nachvollziehen kann. Doch es spielt auch mit rein, dass sie mir versprach mit mir die Zeit zu verbringen. Stattdessen hat sie die ersten Abende alles dafür getan, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Es hatte nichts mit Ernst zu tun.”
      “Ihr seid doch seltsam. Also dein Problem ist, dass sie dich vernachlässigt hat und das mit Nik nicht das Gleiche ist wie mit dir?”
      “So ungefähr, außerdem spricht sie schlecht über mich vor anderen.”
      “Das mit euch beiden ist auch nichts Ernstes, das hast du vorhin selbst gesagt. Den anderen Grund kann ich besser nachvollziehen. Vriska, bitte sei dir im Klaren, was du möchtest”, meine Stimme wurde ernster. Er hatte sie wirklich in seinen Bann gezogen und ihren Verstand verdreht. So fing es mit Anna auch an, nur das Niklas sich mehr bemühte. Irgendwas stimmte mit ihm nicht.
      “Ich weiß es nicht. Ich brauche ihn”, sagte sie wehmütig und senkte den Kopf. Den vorherigen Augenkontakt verloren wir und spielte sich in den Haaren herum.
      “Dann nimm ihn dir”, ermutigte ich Vriska. Es fiel mehr schwer das zu sagen, denn es bedeutete, dass einige Probleme den Beiden auf dem Weg gelegt werden würde.
      “Denkst du das wirklich?”, ihre Augen funkelten und sie schaute hoch zu mir. Mit einem sanften Lächeln nahm ich sie in den Arm und hoffte, dass sie die richtige Entscheidung treffen würde.
      “Wenn soll Vriska sich nehmen? Sie weiß doch nicht mal wie eine richtige Beziehung funktioniert”, provozierte Milena, die dazu kam. Verärgert schubste Vriska sie zur Seite, als sie die Kammer verließ. Dann drehte sie sich um und fügte hinzu: “Das geht dich nichts an, mein Leben, meine Regeln.” Ein freches Grinsen legte sich auf ihrem Gesicht. Aufrecht im Gang führte sie Glymur aus dem Stall und hatte bereits die Decke wieder um ihn gelegt. Etwas stolz schaute ich der kleinen Blonden nach und band meinen Wallach ab. Milena verschwand wortlos aus dem Stall mit dem Halfter ihrer Palomino Stute.
      “Jetzt sind wir wieder allein”, merkte ich meinem Pferd gegenüber an und lief Vriska nach, die bereits kleiner wurde am Horizont. Dass sie nicht einmal wartete, um zusammen die Pferde wegzubringen, bestätigte meine Vermutung, dass ihr die Situation zu viel war. Als ich die Weide erreichte, kam sie mir bereits entgegen und sagte nichts. Stattdessen blickte Vriska gespannt auf ihr Handy. Aus dem Augenwinkel sah ich Bilder von Niklas, es hätte mir klar sein müssen, dass in ihrem Kopf niemand anderes einen Platz hatte.
      Eine Dusche würde mir guttun, dachte ich nach dem ich meinen Arm hob und an mir roch. An meinem Shirt dominierten großen Schweißflecken und mein Pferd hatte auch seine Spuren hinterlassen. Ein ungewöhnliches Bild ereignete mich auf dem Weg zu meinem Zimmer. Klein Olof und unser Kiffer standen gemeinsam an der Wand und blendeten vollständig den Rest ihrer Umwelt aus.
      “Ich würde fragen, was das hier wird, wenn es nicht so offensichtlich wäre. Macht, was ihr wollt, aber könntet ihr das in eurem Zimmer vorsetzen? Kinder leben hier am Hof und ich schätze, sie sollten das nicht sehen. Also egal in welcher Konsultation. Vriska und dein Bruder können sich auch zusammenreißen … Fan”, rutschte es mir heraus. Wenn Niklas das erfährt, bringt er mich um. Meine Augen richtete ich in den Himmel, denn das, was die Beiden taten, überschritt deutlich dem, was ich mir sonst anschaute. Erschrocken gingen die beiden auseinander und Hannes hielt die Hände vor seinen Schwanz wie bei einem Freistoß. “Ich Ähh… wir… also”, stammelte er vor sich hin. “Diggi mach keine Szene, halt bloß deine Klappe und wir sind fine. Nächstes mal treiben wir es auf deinem Bett, wenn’s dir lieber ist.”, antwortete Ambrose keck mit einem Zwinkern.
      “Szene? Vermutlich hätten andere ganz anderes reagiert, also entspann dich. Und klar, ich stelle euch mein Bett gerne zur Verfügung”, rümpfte ich die Stirn. Einige falten bildeten sich. Hannes stand angespannt da und brachte kein weiteres Wort heraus. Er erinnerte mich in dem Moment stark an seinen Bruder, als wir in Neuseeland waren und ich ihn mit unserer Chefin erwischte unter der Dusche. Die Dame war mehr als 20 Jahre älter als wir, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. “Du hast ja recht. Danke.”, gab Ambrose kleinlaut zu und beide Herren der Schöpfung gingen wortlos mit einem riesigen Abstand zueinander weg.
      Verspürte auf dem Hof jemand Pheromone oder wieso konnte niemand seinen Trieben widerstehen? Kopfschüttelnd lief ich zu meinem Zimmer. Björn war nicht da, also konnte er nur wieder mit Erika beschäftigt sein. So zog ich mein Shirt über den Kopf, warf es in die Ecke und nahm mir neue Kleidung. Mit ihnen im Arm marschierte ich in die Dusche, schloss die Badezimmertür zu und genoss, dass Wasser, dass über meinen Körper floss.

      Hannes
      Wow. Was war das gerade? Ein Ausrutscher, der nicht wieder vorkommen würde, ich bin ja nicht schwul, das wäre ja völlig absurd. Ich musste bei dem Gedanken fast lachen, ich und schwul, ja bestimmt, meine Eltern würden mich achtkantig aus dem Haus werfen und mich als ekelhaften Unzüchtigen abstempeln. Dennoch drängten sich Gedanken von Ambrose in den Vordergrund, dieser trainierte Körper mit glänzender weicher Haut, die Milchschokolade ähnelte und danach bettelte berührt und geschmeckt zu werden. Was zur Hölle ist mit meinen Gedanken? Ich stehe ganz normal auf Frauen, Brüste, ja schöne Brüste und ein knackiger Arsch, Männer lieben und den Akt wie ein Tier vollziehen, sowas ist unnatürlich. Ganz in meinen Gedanken versunken stolperte ich so vor mir hin und rempelte Mika und Dasha, die mich augenblicklich verwirrt ansahen und fragten, ob alles okay sei, ich nickte, lächelte und ging weiter, aber wohin. Checkpoint. Kurzerhand entschied ich mich dafür meinem Hengst einen Besuch abzustatten und schlug den Weg zu seiner Weide ein. “Checkers! Na, komm dicker!”, rief ich, als ich nahe der Weide war, aber meinen lackschwarzen Rollmops nicht finden konnte. Anscheinend war es ihm auch zu heiß, da er nur langsam im Schritt auf mich zu dackelte ohne große Begeisterung. Glücklicherweise hatte ich noch ein Leckerli bei mir, welches ich ihm zur Begrüßung vor die Nase hielt. Checkers grummelte und freute sich über die kleine Belohnung und forderte dann seine Streicheleinheiten ein.

      Lina
      “Setz dich jetzt mal vernünftig auf dein Pferd, wenn du so weiter machst, fällt sie noch über ihre eigenen Füße”, holte mich der Trainer aus meinen Gedanken. Die waren nämlich immer noch mit dem Chaos in meiner Wohnung beschäftigt. Kaum hatte Herr Holm zu Ende gesprochen stolperte meine Stute, wie als wolle sie seine Worte unterstreichen. Während ich mich auf mein Pferd und mich fokussierte hörte ich wie Samu natürlich wieder Lob einheimste. Ice Rain lief entspannt unter ihm und er sah mal wieder aus als würde er den ganzen Tag nichts anderes machen.
      “Ah, scheinbar hast du ja doch schon mal auf einem Pferd gesessen, das sieht doch gleich viel besser aus”, bekam ich nun zu hören. Ich hatte meine Zügel ein Stück weit aufgenommen und mich tiefer in den Sattel gesetzt, was sich auch sogleich im Schritt meiner Stute widerspiegelte. Sie schritt nun zwar immer noch entspannt, aber stolperfrei durch die Halle.
      “Trab deine Stute mal auf dem Zirkel an”, bekam ich nun eine Anweisung von Herrn Holm.
      Ich lenkte meine Stute auf den Zirkel, setzte mich tiefer in den Sattel und nahm die Zügel ein Stück nach zum Antraben. Brav trabe die Stute an, doch schon nach ein paar Trab Tritten, verspannte ich mich und sie fiel mir wieder aus.
      “Bleib locker in der Hüfte und klemm nicht so mit dem Knie, so blockierst du dich nur selbst”, korrigierte mich der Trainer. Ich trabte Nathalie erneut an und versuchte locker zu bleiben, das klappte allerdings eher so Semi-Gut, denn kaum war Nathalie eine halbe Runde getrabt, ging mein Knie wieder zu.
      “Deine Beine sollen locker am Pferd hängen”, erinnerte mich Herr Holm. Das Aussitzen im Trab war noch nie meine Spezialität gewesen und das zeigte sich jetzt deutlich. Während Nathalie sich alle Mühe gab, es mir leicht zu machen konzentrierte ich mich noch mehr darauf locker zu bleiben uns nun funktionierte es tatsächlich so wie es sollte nur das mein Pferd eher ein Osterei lief anstatt eines Kreises.
      “Auch wenn du locker sitzen sollst, vergiss nicht die Schenkelhilfe. Lass dein inneres Bein dran”.
      Nach weiteren 5 Minuten, verschonte mich Herr Holm erst mal und ich durfte eine kurze Schrittpause einlegen, während er sich Samu Galopp ansah.
      “Glaub nicht ich sehe, dich nicht”, ermahnte mich Herr Holm als meine Gedanken für einen kurzen Moment wieder abschweiften, was sich natürlich sofort im Gangbild meiner Stute spiegelte. Sofort setzte ich mich wieder gerade hin und war schon ein wenig beeindruckt davon, dass Herr Holm scheinbar sogar Augen im Hinterkopf hatte.
      Nach ein paar Minuten wendete er sich dann wieder mir zu. Der Galopp funktionierte um Längen besser, was sicherlich auch daran lag, dass es die Paradedisziplin meiner Stute war. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, hatte Herr Holm kaum etwas auszusetzen und so verließen Samu und ich die Halle.
      “Weißt du Lina, wir zwei werden jetzt noch eine kleine Runde um den Hof drehen, bevor ich die wieder in dein Chaos lasse. Du solltest dir jetzt erst mal einen Moment der Entspannung gönnen. Wenn dann die Pferde versorgt sind, helfe ich dir lieber beim Packen. Nicht das du noch Teil des Chaos wirst”, scherzte Samu gut gelaunt.
      “Ich bin schon lange ein Teil davon”, antwortete ich ihm erschöpft. Obwohl die Sitzstunde nur 20 Minuten lang war, hatte sie mir doch einiges abverlangt. Für gewöhnlich schummelte ich mich um das Aussitzen im Trab herum, was auch im normalen Alltag recht funktionierte.
      “Also für mich siehst du noch sehr eigenständig und real aus. Und...”, sagte er und begann mich anzustupsen “du fühlst dich auch eindeutig noch so an”, bestätigte Samu.
      “Schön, dass ich noch keine Einbildung bin. Dachte schon, ich wäre nur in deinem Kopf und du würdest nun langsam verrückt werden”, kommentierte ich das ganze. “Wundern würde es mich nicht”.
      “Was wills du denn jetzt damit sagen?”, fragte mein bester Freund ein wenig beleidigt.
      “Gar nicht. Wobei…, wenn du nicht bald anfängst, dir weitere Freunde zu suchen brauchst du vielleicht wirklich noch eingebildete Freunde, denn ich werde bald nicht mehr da sein”, antworte ich ihm unschuldig.
      “Also bitte, ich habe Freunde”, protestierte er entrüstet.
      “Und warum sieht man die hier so selten?”, fragte ich nach. Daraufhin sagte er nichts mehr.
      “Aber jetzt mal ehrlich Samu, du solltest mal herausgehen und Leute kennenlernen und damit meine ich näher kennenlernen. Wie kann es sein, dass ein so netter Kerl wie du gerade mal eine einzige Beziehung in 25 Jahren hatte”
      “Vielleicht weil ich genug damit zu tun hatte, dich vor Dummheiten zu bewahren?”, gab er nun schlagfertig zurück. Damit hatte er zwar irgendwo recht, aber wenn man es genau nehmen wollte, hatte ich ihn nie darum gebeten.
      “Dann ist es ja gut, dass du das jetzt nicht mehr tun musst. Aber jetzt lass uns noch ein wenig Spaß haben, wer als Erstes Oben ist”, beendete ich das Thema und ließ meine Stute antraben. Wir hatten unsere Lieblingsgaloppstrecke erreicht, den Wiesenweg den Hügel hinauf. Nathalie wusste schon was nun kommen würde, denn mit gespitzten Ohren fiel sie erst in den Trab, bis sie dann schließlich in einen fetzigen Galopp überging.
      “Ey, das ist unfair”, hörte ich Samu rufen, der seine Stute nun auch an treib. Obwohl Ice Rain sich echt Mühe gab Nathalie einzuholen, erreichte ich als erste den Hügel. Oben hielt ich meine Stute an und blicke die Anhöhe hinunter. Unter uns erstreckte sich der Hof und es war einfach ein wunderschöner Ausblick.

      Juha
      Linh und ich holten zusammen ihre Stute wieder hoch zum Stall, da sie mit Milena gleich zum Training wollte. “Bist du dir sicher, dass ich gehen soll?”, fragte ich sie erneut, als Linh ihre Stute in der Stallung anband. “Denke ja, schließlich schien ich die vergangene Woche nicht mehr aktuell zu sein und lebe immer noch”, antwortete sie, ohne mich anzuschauen. Stattdessen putzte sie ihre Stute und sagte nicht mehr. Ich verabschiedete mich und verschwand wieder ins Zimmer. Es fehlte mir die Beschäftigung, denn irgendwem hinterherzulaufen gehörte normalerweise nicht zu meinen Hobbys. Meinen Computer konnte ich schlecht mit hernehmen, außerdem hatten wir es alle fast wieder geschafft in das alte Leben zurückzukehren. Obwohl Kanada wirklich schön war, vermisste ich Schweden und besonders die Leute. Alle handelten komisch, als würde die Welt untergehen, wenn man sich alltäglich verhielte. Natürlich nahm ich mich dem auch an, um nicht zu dem anderen Teil des Vereins zu gehören, die sich nach hinten zogen und keinesfalls das Rampenlicht des Erfolgs genossen.
      Eh ich mir weiter Gedanken machte über das Leben und wieder im Strudel des Selbstmitleids landete, musste ich mich ablenken. Kaum schlief Niklas wo anderes, sah das Zimmer aus wie ein Hotelzimmer. Seine Sachen schmiss ich vergangenen Abend einfach zusammen in den Koffer und stellte ihn in den Schrank. Sogar sein Bett machte ich, um Linh nicht wieder in der Unordnung zu begrüßen. Auf dem Tisch lagen die ersten Entwürfe meiner Kür mit Amy. Da die junge Stute noch nicht allzu lange im Training ist, musste ich mir etwas einfaches Ausdenken. Im Vergleich zur A-Dressur, die wir bisher immer ritten, wollte Herr Holm, dass ich langsam mal zur L wechselte. Versammlungen im Trab und Galopp beherrschte sie bereits, auch der einfache Galoppwechsel war keine Neuheit. Allerdings lag mein Augenmerk mit ihr im Springen, was ihre Abstammung auch deutlich mehr hergab. Umso schwieriger erschien es mir, eine Kür auszudenken, die auf den Punkt passend zur gewählten Musik passte. Zum Glück bestand die Wertung darin, die Balance, Harmonie und Durchlässigkeit des Pferdes, was Amy bisher sehr zuverlässig zeigte. Ihre Konzentration lag darin, sich auf meine Hilfen zu verlassen. Selbst denken wäre eine Schwierigkeit für Scheckstute, denn schon beim Einreiten achtete ich stets darauf, dass sie meinen Hilfen genau folgte. So wurden wir zu einem guten Team, in dem jeder sich auf den anderen verlassen konnte. Früher hätte ich das noch über Niklas sagen können, doch mittlerweile zweifelte ich daran. Wir saßen gemeinsam bereits einige Stunden an der Kür für mich und Amy, dennoch fehlte er gerade. Im Springen hätte ich einen wunderbaren Parkour aufbauen können inklusive Galoppsprüngen, die zwischen den einzelnen Hindernissen sein sollten, sowie Dekoration oder einem Motto. Doch danach fragte natürlich niemand. Obwohl wir das Eventing Team waren, empfand ich das Gleichgewicht des Trainings als fragwürdig. Erst zweimal besuchten wir bisher den Springplatz, doch täglich mussten wir uns in der Dressur abrackern. Als wir uns entscheiden sollten, ob wir mitkommen oder nicht, sprachen die Veranstalter noch ganz anderes über das Training. Von einer individuellen Ganztagsbetreuung von Pferd und Reiter war die Rede, sowie kontinuierlicher Weiterentwicklung in der Beziehung zueinander. Wer auch immer diesen Flyer erstellt hatte, sollte sich schämen. Das Einzige, was sich weiterentwickelte waren, wohl die Beziehungen untereinander, die teilweise uns in Gruppen drängten und andere sogar fallenließ. Jetzt konnte ich das auch nicht mehr ändern. Bevor ich mich wieder an die blöde Dressur setzte, entschied ich erstmal wieder herunterzukommen. Ich wechselte meine Hose wieder, warf auch mein Shirt zur Seite und verließ samt meinem Buch das Zimmer, um mich in die Sonne zu legen. Eine Decke legte ich auf den Rasen, stütze mich mit meinen Unterarmen ab und begann das Kapitel erneut zu lesen. Die Sonne brannte auf meinem Rücken, was meinen aktuellen seelischen Zustand ziemlich gut widerspiegelte.

      Lina
      “Na, woran denkst du gerade?”, fragte mich Samu der nun auch auf dem Hügel angekommen war.
      “Irgendwie vermisse ich unsere Heimat, auch wenn es hier durchaus sehr schön ist. Hier fehlt aber so viel. Das Meer, die salzige Luft und sogar die nervigen Möwen”, erklärte ich nachdenklich.
      “Ja, das kann ich verstehen. Aber nervige Möwen und Meer sollten in Schweden zu finden sein”, versuchte mich ein Freund von mir aufzumuntern.
      “Niin on”. Einen Moment lang standen wir noch schweigend auf dem Hügel und ich genoss den Ausblick. Die Sonne brannte vom Himmel und nicht eine einzige Wolke war zusehen.
      “Ich möchte dich ja nicht in deiner Ruhe stören, aber so langsam sollten wir zurückreiten, sonst schmelzen wir hier oben noch”. Samu deutete auf das dunkle Fell meine Stute, wo sich langsam kleine Rinnsale bildeten.
      “Na gut, genug geschaut.” Ich wendete meine Stute und ließ die den Hügel hinabgehen, Samu folgte mir mit Ice Rain.
      Zurück auf dem Hof stieg ich von meiner Stute ab und zog ihr den Sattel vom Rücken, dunkel zeichnete sich die Stelle ab, auf der er gelegen hatte.
      “Ich bringe sich direkt auf die Koppel, kommst du mit?”, fragte ich Samu, der noch auf Ices Rücken saß.
      “Jap. und wenn die zwei hübschen hier auf der Koppel sind, werde ich dir mal bei deinem Chaos helfen, sonst sieht man dich heute wohl nie wieder”, scherzte er und ließ sich aus dem Sattel gleiten.
      “Erinnere mich bloß nicht daran”, seufzte ich.
      Gemeinsam brachten wir die beiden Stuten auf die Koppel und räumten ihr Sattelzeug weg, bevor wir 10 Minuten später wieder in meiner Wohnung standen.
      Leider hatte es sich nicht von selbst aufgeräumt.
      “Was genau sollte das eigentlich werden?”, fragte Samu als er hinter mir durch die Tür trat.
      “Naja, erst wollte ich nur aufräumen … und dann ist mir eingefallen, dass ich in 3 Tagen das Land verlasse. Also habe ich versucht zu überlegen, was ich einpacke, … Aber du siehst ja das hat eher so semi-gut funktioniert”, erklärte ich.
      “Und dieser Stapel da soll darstellen, was du mitnehmen möchtest?”, fragte er und betrachtete den Haufen auf dem Bett mit einem kritischen Blick.
      “Ja?”, bestätigte ich und sah ihn unsicher an.
      “Also, die hier”, sagte Samu nun und nahm einen Stapel Bücher vom Stapel runter, “wirst du schon mal hierlassen, es gibt E-Books.”
      ”Aber echte Bücher sind viel schöner zum Lesen”, protestierte ich.
      “Aber erstens, ist dein Koffer voll, wenn du die alle Einpackst und zweitens sind sie ja nicht für immer verloren”, ließ sich Samu nicht davon abbringen die Bücher wegzulegen. “Du solltest packen als würdest du in den Urlaub fahren, solltest du dich dann tatsächlich dazu entschließen in Schweden zu bleiben, werden wir schon einen weg finden dir deinen Kram hinterherzuschicken, also packe als würdest du für einen Urlaub packen.” Mein bester Freund machte nicht den Eindruck als würde nachgeben und irgendwo hatte er ja recht.
      “Ok, darf ich dann wenigstens mein Lieblingsbuch mitnehmen? “, sagte ich und griff nach dem obersten Buche auf dem Stapel. Samu protestierte nicht, also nahm ich das als Ja.
      “Du solltest beim Koffer packen immer mit dem wichtigen Anfangen und ich denke, sofern du nicht nackt herumlaufen möchtest, sollte das wohl die Kleidung sein.” Samu stellte sich vor meinen Kleiderschrank und sah mich erwartungsvoll an.
      “Na los, oder willst du, dass ich das mache?”, forderte er mich auf als ich mich nicht bewegte. Nein, besser sollte ich das selbst machen. Ich wollte ja nicht sagen, dass Samu nicht stilvoll war, aber sein modisches verständiges wich doch ein wenig von dem Meinen ab. “Nein, das mache ich lieber selbst”, antworte ich ihm und begann in meinen Kleiderschrank zu wühlen und die Kleidung, die ich mitnehmen wollte auf dem Boden zu stapeln.
      “Na, da will, ich mal sehen, wie du das alles in deinen Koffer bekommen willst”, murmelte Samu ließ mich aber erst einmal machen. Neben Reitklamotten wanderten auch noch Shirt, Tops, Hosen und weitere wichtige Klamotten auf den Stapel. Als ich gerade dabei war einen weiteren Pullover dazuzutun, hatte Samu allerdings wieder etwas einzuwenden: “Pysähdy! Du glaubst auch, in Schweden gibt es keine Waschmaschinen, oder? Außerdem ist es Sommer, du brauchst keine 5 Pullover Lina.”
      Ich wollte schon protestieren, doch er sah mich mit einem Blick an, der keinen Widerstand duldete, somit legte ich den Pullover also wieder weg.
      “Ich glaube, das reicht so”, verkündete ich einen Moment später. Auf dem Stapel befanden sich nun alle Klamotten, die ich für wichtig hielt, natürlich mit Ausnahme der, die ich noch brauchten, würde.
      “Ok, dann ist der nächste Punkt, die Sachen die noch so brauchst. Deinen Laptop solltest du auf jeden Fall mitnehmen und denke auch an so was wie Kopfhörer, Ladekabel all so ein Zeug”, wies er mich an.
      Also ging ich als Erstes ins Wohnzimmer, wo mein Laptop und mein Tablet waren. Neben den beiden Geräten sammelte ich auch noch das nötige Zubehör ein. Es wanderten noch solche Dinge wie ein Handtuch, meine kleine Reiseapotheke, die nötigsten Schuhe, auch hier verbot mir Samu unnötig viel einzupacken, und natürlich folgte auch mein Zeichenzeug.
      “Ich glaube das müsste dann alles sein, von dem was ich nicht mehr brauche”, verkündete ich, als ich alles zusammengetragen hatte.
      “Ja fast. Etwas Wichtiges hast du noch vergessen.”
      “Was den bitte?”, fragte ich verwundet und sah mir den Haufen noch einmal ganz genau an, aber ich kam nicht darauf.
      “Na deine Papiere, sonst werden sie dich werde hier aus dem Land lassen noch dort ins Land”, sagte Samu erheitert.
      “Lachst du etwa über mich?”, fragte ich vorwurfsvoll.
      “Nein, ich lache mit dir, nicht über dich”, sagte er unschuldig und das Grinsen auf seinem Gesicht wurde nur noch breiter.
      “Ich finde das nicht nett, dass du mich an meinen Problemen erfreust”, sagte ich ein ganz klein wenig beleidigt, während ich meine Papiere aus der Schublade zog.
      “Wie soll das alles eigentlich in diesen Koffer da passen?”, fragte ich dann kurz darauf, denn mir leuchtete noch nicht ein, wie diese ganzen Dinge dort hineinpassen sollten.
      “Ganz einfach, mit der richtigen Technik”, antworte Samu und setzte sich neben meinem Koffer auf den Boden, wo er begann die ersten Dinge hineinzupacken.
      “Gerade so was hier”, er hielt einen Pullover in der Hand ”kannst du wunderbar klein machen, wenn du es zusammenrollst”, erklärte er und demonstrierte das ganze auch so gleich. Mit Erstaunen musste ich eine halbe Stunde später feststellen, dass dieser und andere Tipps, die er mir noch gab, tatsächlich dazu führte, dass alles in den Koffer passte. Ein paar Sachen waren zwar auch ins Handgepäck gewandert, doch das meiste hatte seinen Platz im Koffer gefunden.
      “So, wenn du jetzt noch unbedingt ein weiters Buch einpacken möchtest, kannst du das gerne noch tun”, verkündete er und verstaue noch ein Socken paar.
      Doch statt zu einem weiteren Buch griff ich nach der Shadowbox die auf dem Regal stand. Darin einige Bilder und Erinnerungstücke an das Pferd was mir damals so viel bedeutete.
      “Damit ich mich wenigstens ein wenig heimisch fühlte”, ergänzte ich erklärend als ich den Gegenstand in den Koffer legte.
      “Eindeutig eine bessere Entscheidung als ein weiters Buch”, lobte Samu mich. “Und jetzt räumen wird noch den Rest auf und dann solltest du dich um deine restlichen Pferde kümmern”, fügte er hinzu.
      Nach einer halben Stunde hatte ich es mit Samus Hilfe dann auch noch geschafft das Zimmer wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Ich wollte mich gerade auf den Weg nach unten machen, als ich Hazel ins Haus kommen hörte: “Äh Jayden, hast du Lina irgendwo gesehen?” Am liebsten wäre ich geradewegs wieder in mein Zimmer gegangen, aber Samu hatte bereits den Weg die Treppe runtergenommen.
      “Sie wollte gerade herunterkommen”, hörte ich seine Antwort. Jetzt hatte ich wohl kaum eine andre Wahl als ihm zu folgen.
      “Ahh, da bist du ja”, kam es direkt von Hazel, als sie mich erblickte. “Du wolltest mir noch mal das Reitschulzeug erklären”, ergänzte sie fordernd.
      “Natürlich” murmelte ich ergeben und ging voran in das kleine Büro. Dort erklärte ich ihn noch mal das gesamte Konzept der Reitschule, das Abrechnungssystem und alles, was sie wissen musste. Nach einer Stunde, in der sie unendlich viele Fragen gestellt hatte, hatte sie endlich genug.
      “Ok, ich glaube, ich habe alles verstanden. Aber jetzt musst du noch dein zweites Versprechen einlösen”, verkündete sie und stand auf. “Ich geh schon mal vor, ich erwarte dich in 20 Minuten im Stall.” Schon war sie aus dem Büro verschwunden. Uff, dann würde ich heute wohl wirklich auf ein Westernpferd steigen.

      Auf der Stallgasse erwarte mich bereits Hazel, die Blue Heart auch bereits gesattelt hatte. “Na, Trensen schaffst du wohl selbst, denke ich mal”, sagte sie und drückte mir Blues Trense in die Hand. Ich begrüßte die Stute, bevor ich sie auftrenste und dann ging es auch schon auf den Reitplatz.
      “Und wie muss ich sie jetzt reiten?”, frage ich Hazel ein wenig verwirrt, als ich auf der Stute saß.
      “Wir fangen erst mal mit deiner Zügelhaltung an. Blue hat jetzt ein Snaffel Bit drin, das wird eigentlich immer zweihändig geritten, das machst du schon ganz richtig. Aber du musst deine Hände viel weiter auseinandernehmen”, erklärte sie und schob meine Hände ein ganzes Stück weiter auseinander. “Und nimm den Finger da Weg, im Western machen wir eine Faust um den Zügel.” Aufmerksam befolgte ich ihre Anweisungen.
      “Wenn du jetzt losreiten möchtest, gibt du einen kurzen Impuls mit dem Bein und schnalzte dabei, dann läuft sie los, anhalten tust du dann wieder, wenn du Woha sagst.”
      Nachdem Hazel mir die Bedienungsanleitung für die Stute geliefert hatte, probierte ich sie loszureiten, was auch fast funktionierte.
      “Lass deinen Schwerpunkt ein bisschen weiter vorne, sonst läuft sie Rückwärts”, korrigierte Hazel mich und diesmal lief das Quarter Horse wirklich los.
      “Genau gut so, aber treib nicht jeden Schritt das Pferd soll selbstständig, so lange weiterlaufen, bis du etwas anderes sagst.”
      Es war ziemlich ungewohnt nicht jeden Schritt zu treiben und auch das Tempo der Stute, kam mir recht langsam vor.
      “Ist das richtig, dass mein Pferd gefühlt einschläft”, fragte ich deshalb nach.
      “Ja, das Tempo ist vollkommen korrekt so. Das ist Trail Pferd kein Rennwagen”, antwortete Hazel lachend. Da ich nun bestimmt schon drei Runden am Zaun entlang geritten war, wollte ich nun versuchen die Stute auf einen Zirkel zu lenken. Ich versuchte es mit den normalen Hilfen, doch an Blues Ohren konnte ich sehen, dass das nur zur Verwirrung der Stute beitrug.

      Milena
      „Ihr wart wieder super zusammen“, sagte ich zu Linh mit der von der Reitstunde zurücklief. Kempa konnte sich auch sehen lassen. Sie brauchte immer ihre Zeit, um sich in neue Umgebungen einzufinden, deswegen war es schade, dass wir bereits in wenigen Tagen wieder nach Hause flogen. Im Gegensatz zu Vriska hatte ich mich auch schnell in die Gruppe integriert und neue Kontakte geknüpft, auch wenn es den Effekt hatte, dass ein Messer sich zwischen uns trieb.
      „Wie geht’s es Anna?“, tippte mich Linh an. Sie fragte eindringlich, als hätte ich es beim ersten Mal nicht gehört.
      „Ganz gut, schätze ich. Zumindest so gut, wie es einem in der Situation gehen kann. Ich versuchte sie davon abzuhalten, aber du kennst Anna ja. Das ist gar nicht so leicht. Sie vermisst ihr Pferd“, antwortete ich ihr. Anna und ich telefonierten jeden Abend, obwohl mir davon abgeraten wurde. Sie fehlt mir, besonders nach dem sie mir das ein Gefühl von zu Hause gab, endlich etwas gefunden zu haben das man bedingungslos liebte. Doch war es bereits Liebe? Wenn ich Nacht zurückdachte, stellten sich meine Haare hoch und eine wohltuende Wärme breitete sich im ganzen Körper aus. Ein Kribbeln durchzog meinen Bauch und es fühlte sich an, als würde kleine Schmetterlinge um meinem Kopf herumfliegen. Es war so echt, echter als alles was ich je fühlte.
      “Du vermisst sie auch, oder?”, fragte Linh vorsichtig. Ich nickte und blickte leer in den Himmel. Die Sonne brannte in meinen Augen und ließ mich den Blick wieder zu meinem Pferd richten. Kempa schubberte ihren Kopf am Holz, nach dem ich die Trense entfernte. Sie schwitzte und die Haare verfärbten sich Dunkel um ihre Augen herum. Wenn ich sie mit Móra verglich, hatte meine Stute viel mehr Fell und bereitete sich schon auf niedrige Temperaturen vor. Zum Rasieren war es zu spät, denn dann würde sie im Herbst kaum noch nach treiben.
      “Komm wir bringen die Pferde weg und dann setzen wir uns an den Reitplatz, ich habe da jemand auf einem Westernsattel entdeckt. Das konnte ich bisher nie sehen so nah”, freute sich Linh und lief mit ihrer Stute los. Kempa brauchte einige Sekunden, eh sie mir folgte.
      “Und ihr beide? Was läuft da”, grinste ich die Schwarzhaarige an, auf dem Weg zur Weide.
      “Ju und mich meinst du? Das fing bereits vor dem Camp an, aber wir wollten dann erst mal gucken. Irgendwas war dann und er kam wieder an”, erzählte sie mir mit einem Lächeln.
      “Weißt du nicht was passiert ist?”, hinterfragte ich und wollte unbedingt wissen, ob es mit Vriska zu tun hatte. Denn vor einigen Tagen lief es zwischen den Beiden noch ziemlich gut und jetzt sprachen sie nicht einmal mehr miteinander. Ich würde sogar behaupten, dass sie sich auf dem Weg gingen. Allerdings nahm sich Vriska überall heraus und hielt nur den nötigsten Kontakt zu allen.
      “Nein, ich habe auch nicht gefragt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es mir auch egal ist. Dass er mit Vriska kurz was hatte, nehme ich ihm auch nicht übel. Schließlich sehen wir die ja eh nicht mehr”, gab sie zynisch zu. Linh verdrehte dabei die Augen und öffnete das Tor des Zauns. Ich zog das Halfter meine Stute ab und sie trabte weg. Móra lief einige Schritte und warf sich in den Dreck.
      “Ich werde sie wohl schon noch sehen, aber sagt mal. Denkst du die beiden haben miteinander geschlafen? Weil naja. Nicht nur ich sah, dass etwas nicht stimmt und Herr Holm hat in der Halle auch gescherzt. Im Stall verschwand sie mit Chris und ich konnte nicht wirklich was verstehen”, fragte ich hartnäckiger nach. Mir kam das alles komisch vor.
      “Milena, sei doch nicht immer so neugierig. Aber tut mir leid, ich weiß es nicht aber kann es mir auch nicht vorstellen. Er ist nicht der Typ dafür. Mit Chris hatte sie sicher auch nichts, vielleicht fragst du sie einfach mal, anstatt dich bei allen nach ihr zu erkundigen. Das wäre menschlich auch freundlicher”, tadelte Linh.
      “Du hast recht, aber ich habe keine Lust mit ihr zu sprechen.”
      “Trotzdem interessiert dich noch, was sich in ihrem Leben abspielt. Also spring über dein Schatten oder ignoriere sie vollkommen.”
      Linh nahm mir das Halfter ab und brachte beide in den Stall. Ich wartete auf sie. Zusammen setzten wir uns an den Reitplatz, auf dem Linh mit einem Quarter beschäftigt war. Wirklich elegant wirkten beide nicht, das Pferd wollte sich entfalten aber hatte Schwierigkeiten dabei, da seine Reiterin es daran hinderte. Ich selbst würde vermutlich nicht besser im Sattel sitzen, deswegen klemmte ich mir weitere Kommentare. Linh blickte interessiert und fieberte förmlich mit.
      “Wenn du fragst, darfst du sicher auch mal rauf”, sprach ich zu ihr leise, damit wir dem Unterricht nicht störten.
      “Denkst du wirklich?”, fragte Linh. Ich nickte und zog gleichzeitig nicht wissend meine Schultern hoch. Dann band ich mein Shirt mit einem Knoten durch meinen BH nach oben. Der Schweiß lief meinem Rücken herunter, was bei solchen Temperaturen auch nicht unüblich war.

      Lina
      Inzwischen hatte ich die grundlegende Lenkung der Stute halbwegs verstanden, aber trotzdem war ich noch weit entfernt davon entfernt eine einwandfreie Kommunikation mit der Stute zu haben. Beim Vorbeireiten sah ich, dass Milena und Linh am Zaun standen.
      Das machte mich ein wenig nervös, denn ich sah ziemlich sicher nicht gerade elegant aus, wie ich so mit der Stute über den Platz ritt.
      “So da das mit dem Traben doch schon ganz gut aussieht, probieren wir doch mal den Galopp aus. Reite mal hier auf den Zirkel und galoppiere sie an, die Hilfe ist im Prinzip dieselbe wie beim englischen Reiten. Wichtig ist nur, du musst den Zügel komplett vorgeben und zusätzlich zur Schenkel- und Gewichtshilfe musst du das noch mit einem Küsschen unterstützen. Denk dran, wenn sie galoppiert, nicht weitertreiben, aber das Bein bleibt dran”, erklärte Hazel, während ich im Trab um sie herumritt. Entsprechend ihrer Anleitung Konzentrierte ich mich auf die Hilfe. Tatsächlich reagierte die Stute auf den Impuls und galoppierte brav an. Auch in dieser Gangart wurde mir vor allem das langsame Tempo bewusst. Der Galopp war ebenfalls ungewohnt flach und hatte recht wenig Schwung, was allerdings den Vorteil hatte, dass es erstaunlich leicht zu sitzen war.
      “Gut machts du das. Du kannst sie jetzt auch ruhig ganze Bahn galoppieren”, lobte Hazel. Mithilfe des Zügels und des Gewichtes stellte ich die Stute wieder gerade und galoppierte sie ganze Bahn. Wir hatten zwar nur den dritten Hufschlag getroffen, aber dennoch war ich schon froh darüber die Stute wieder aus dem Zirkel bekommen zu haben.
      “So ich denke, das reicht für den Anfang du darfst wieder durch Parieren”, rief Hazel mir nach 3 Runden um den Platz zu.
      “Woha”, sagte ich zu Blue, um sie anzuhalten, wie Hazel es mir erklärt hatte, doch scheinbar hatte ich irgendetwas nicht ganz richtig gemacht, denn statt in den Trab zu fallen ging die Hinterhand der Stute runter und sie legte eine Vollbremsung hin.
      “Oh, das hätte ich dir vielleicht noch sagen sollen, dass Woha stehen bleiben heißt, nicht durch Parieren”, sagte Hazel und lachte. “Aber du hast gerade einen einwandfreien Sliding Stopp gemacht, nicht schlecht für ‘n Anfänger. Reite sie noch ein paar Runden Schritt und dann darfst du absteigen.”
      Nachdem ich mich wieder sortiert hatte, nach dies sehr plötzlichen Anhalten, trieb ich die Stute in den Schritt.
      “Das ist ja gar nicht so leicht wie es immer aussieht”, sagte ich anerkennend zu Hazel. „Ist ja doch ganz schön anstrengend”.
      “Da siehst du mal, es ist nämlich nicht einfach nur draufsitzen”, antworte Hazel fröhlich.
      “Ich denke ich werde trotzdem beim Englischen reiten bleiben, das hier kommt, mir vor wie eine Fremdsprache”. Tatsächlich war ich mir, während dieser Reiteinheit wie ein Anfänger vorgekommen, der das erst mal ohne Longe reiten darf. Offensichtlich war diese halbe Stunde für mich anstrengender gewesen, als für die Stute, denn mir der Schweiß den rücken hinunterlief, war das Fell der Quarterstute noch nahezu trocken. Entspannt schritt Blue Heart noch ein paar Runden mit mir über den Platz, bevor ich sie neben Hazel anhielt und aus dem Sattel glitt.
      “Soll ich sie wegbringen?”, fragte ich sie und zog der Stute die Zügel vom Hals. Milena schubste Linh nach vorn, die offenbar etwas zu sagen hatte: “Ich würde gern mal, wenn ich darf.”
      “Klar, gerne die Maus kann noch ein wenig Bewegung gebrauchen”, antwortete Hazel ihr freundlich und nahm mir die Zügel aus der Hand. Ich verließ den Platz, denn ich konnte Samu entdecken, der gerade mit Elf Dancer von einem Ausritt zurückkam. Er hatte mich scheinbar auch entdeckt, denn er hielt den Hengst an und wartete, bis ich zu ihm gestoßen war.
      “Na, hast du auf einmal die Sparte gewechselt?”, fragte er scherzend.
      “Nein, das war eine der Bedingungen, dass Hazel aufhört mir auf die Nerven zu gehen. Irgendwie hat es Spaß gemacht, aber es war echt anstrengend”, antwortete ich ihm.
      “Dann wollen wir mal hoffen, dass es nicht zu anstrengen war, denn soweit ich weiß, warten da noch ein paar Pferde auf deine Aufmerksamkeit”, erinnerte er mich und trieb seinen braunen Hengst wieder in den Schritt.
      “Ja, ich weiß doch”, erwiderte ich und begleitete ihn zum Stall.

      Milena
      Linh stieg auf die Stute und machte direkt eine gute Figur. Locker hingen die Beine in den Bügeln und ich konnte mich darauf verlassen, dass Hazel und Linh das ohne mich schafften. Ich hoffte darauf, dass Lina zu mir kam, doch stattdessen kam Samu mit einem braunen Hengst wieder. Dem Zustand des Pferdes zufolge, waren sie ausreiten, denn in der Halle war noch betrieb und auf dem Platz waren wir. Springen auf dem anderen Platz würde bei dem Wetter sicher niemand. Mit großen Schritten und leichter gebeugten Haltung schlich ich mich zum Stall, um keinen der Beiden zu erschrecken. Bevor ich fragte, atmete ich tief durch und machte mit einem Räuspern auf mich Aufmerksam.
      “Samuuuuuu? Sag mal. Hast du mit Vriska geschlafen?”, fragte ich fest überzeugt auf der richtigen Spur zu sein.
      “Nein! Wie kommst du denn da drauf”, antworte er ein wenig erschüttert und ließ beinahe das Halfter fallen, welches er seinem Pferd gerade überstreifen wollte. Lina, die immer noch danebenstand, warf ihm einen fragenden Blick zu.
      “Ach man, ich spürte da so etwas zwischen euch. Sie saß heute echt komisch auf dem Pferd, genau wie ich vor ein paar Jahren als ich das erste Mal mit meinem Freund schlief. Ich will unbedingt wissen, wem sie die Ehre erwiesen hat. Sagen würde sie es mir sicher nicht. Aus dem Verein konnte ich bisher eine Vielzahl ausschließen, deswegen dachte ich an dich. Na gut, danke für deine Ehrlichkeit. Lina, weißt du was?”, wendete ich mich dann der noch immer schockiert blickenden Lina zu, die weit die Augen aufgerissen hatte.
      “Nein ich höre das heute zum ersten Mal”, antworte sie. Der Wortwitz brachte mich zum Lachen.
      „Na gut, dann werde ich weiter fragen“, verabschiedete ich mich.
      “Warum möchtest du das überhaupt wissen? Meinst du nicht Vriska ist alt genug selbst zu entscheiden, was sie tut?”, frage Samu tadelnd. Ich drehte mich wieder um, um ihm eine Antwort zu geben: „Sagen wir es mal so, ich bin wie Wikipedia. Ich muss alles wissen. Sie kann machen was sie will, aber ich will’s einfach wissen. Damit ich weiß, wer tabu ist. Ich will nicht mit ihr irgendwann im Leben den gleichen Kerl teilen. Chris scheint es zu wissen, dementsprechend muss es doch jemand aus dem Verein sein. Da er sich mit eigentlich jedem gut versteht, ist es schwer daraus Schlüsse ziehen zu können“, erklärte ich.
      “Ah ja, du scheinst ja viel von Vriska zu halten. Na, dann geh mal deine Forschungen weitermachen, aber an deiner Stelle würde ich mich nicht wundern, wenn niemand mit dir reden will. Die meisten schätzen es nicht besonders, wenn man in der Privatsphäre von anderen herumschnüffelt”, kommentierte Lina zynisch.
      “Ich recherchiere. Wenn ich der Messengergruppe der Jungs wäre, wüsste ich sicher schon wen. Schließlich teilen die alles miteinander”, erklärte ich den Beiden. Lina sollte auch Wissen, worauf das mit Niklas hinlaufen würde. Dass sie einander damit angeben, wer wen hatte, wird sich nicht innerhalb kürzester Zeit ändern.
      “Ja und mit dir wollen sie es offensichtlich nicht teilen” antworte nun Sam. Lina war anzusehen, dass sie noch über den letzten Satz nachzudenken schien.
      “Offensichtlich hat das mehr mit meinem Geschlecht zu tun als mit mir”, verteidigte ich mich gegenüber Samu. Ob er auch in der Gruppe war? Vorstellen konnte ich es mir beim besten Willen nicht.
      “Da wäre ich mir nicht so sicher”, hörte ich Lina murmeln, die gerade dabei war die Gamaschen von den Beinen des Pferdes zu entfernen.
      “Ach jetzt sei doch nicht so unverschämt, nur weil Niklas dich noch nicht rangelassen hat”, fauchte ich und verschwand aus dem Stall. Weiteres wollte ich mir nicht anhören, denn ich hatte eine Aufgabe. In der Vereinsgruppe guckte ich alle Kontakte durch, um evaluieren zu können, wenn ich als nächstes ansteuern würde. Klein Olof, Finley und Björn schloss ich kategorisch aus, auch Ambrose war nicht ihr Typ. Somit bliebe noch Max, der allerdings nicht viel mit Chris zu tun hatte. Es konnte nur Chris sein und ich machte mich auf den Weg zu seinem Zimmer.


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  • Zuchtname: St. Pauli's Amnesia
    Rufname: Amy

    Aus der: Takada
    Mutter: Kalympia Vater: Donnerschall (FS1 | FS2)
    MM: Unbekannt MV: Unbekannt / VM: Marah VV: Don Calandrio (FS1 | FS2)

    Den: Sankt Pauli
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
    ____________________________________

    Geschlecht: Stute
    Rasse: Trakehner
    Geburtsdatum: 16. August 2016
    Farbe: Rappschecke Splash
    Abzeichen: Blesse, Scheckungsbedingt (Beine)
    Stockmaß: 169 cm

    Charakter:
    /
    ____________________________________

    Gencode: Ee aa nT nSpl
    Zuchtzulassung: Nein
    Gesamtnote: -
    Nachkommen: -

    [Schleife]
    Prüfung
    ____________________________________

    Dressur: A / L
    Springen: E / S
    Military: E / M
    Fahren: E / E
    Rennen: -
    Gangreiten: -
    Western: -
    Distanz: -

    Gänge: 3

    ____________________________________

    Besitzer: Mohikanerin
    Zucht: Atomics Valley, Deutschland
    VKR: Sadasha
    Ersteller: Sadasha (Fohlen von Mohikanerin)
    Punkte: 5 Punkte
    ____________________________________

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