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Mohikanerin

* Snotra

Isländer | Stute | Ungekört | (c) Sadasha

* Snotra
Mohikanerin, 7 Dez. 2019
    • Mohikanerin
      Nationalteam II | 07. Februar 2021
      St.Pauli’s Amnesia // Glymur // Satz des Pythagoras // Snotra // Kempa // Snúra // Blávör // HMJ Holy //
      Nathalie // (Beastly Domina) Mijou // Briair // Legolas // HMJ Divine // LMR Fashion Girl // Black Lady // Flanell D’Egalité // Farena van Hulshóf // Cleavant ‘Mad Eye’// Nurja // Vakany // British Gold
      Checkpoint // Oline // Windrose // Caja


      Ju
      “Tut mir Leid, aber Amnesia wollte nicht mitkommen. Sie ist seit dem Flug total komisch”; sage ich wehmütig zu meinem Trainer. Er nickt und ich gehe rein. In der Halle sind schon Lina und Chloe. Während ich mich noch etwas um Amy kümmere und sie etwas vom Boden Aus noch arbeite, kommt Niklas dazu und setzt sich zielstrebig an die Seite. Hoffentlich kann er sich etwas zusammen reißen.
      “Ist das eine Sankt Pauli Stute?”, fragt mich Chloe überrascht als sie an mir vorbereitet.
      “Tatsächlich ja. Sieht man es ihr an?”, stelle ich ihr eine Rückfrage. Sie lacht.
      “Ja, die haben alle so einen speziellen Kopf. Tolle Stute hast du da.”, flirtet sie offenbar ein wenig mit mir.
      “Deiner ist aber nicht schlecht”, steige ich darauf ein.
      “Weiter so”, brüllt Niklas vom Rand zu. Doch das passt Herrn Holm mal wieder gar nicht.
      “Ihr seid zum Training hier, wenn ihr euch unterhalten wollt, dann später. Und Niklas, wenn Sie sich nicht zusammenreißen, dann können sie gehen. Und zwar nach Hause”, macht unser Trainer eine Aussage. Chloe reitet weiter und ich steige auf. Amnesia ist heute wieder besonders zickig. Ich gebe ihr den ganzen Zügel und trotzdem schlägt sie mit ihrem Kopf herum. Erst nach einigen Runden ganze Bahn ist sie wieder sie selbst und ich kann den Zügel aufnehmen.

      Lina
      Chloe ritt auf ihrem Wallach als würde es nichts einfacheres geben. Der Fuchswallach schritt schön voran und wenn man ihn so ansah bekam das Wort Schritt gleich eine ganz neue Bedeutung. “Lina, lass deine Stute mehr vorwärts gehen”, rief Herr Holms mir zu. Ich versuchte mich wieder auf die Scheckstute unter mir zu Konzentrieren und trieb sie ein wenig an. “Nimm deine Zügel ein wenig mehr auf und lass sie nicht so auseinander fallen”, kam es sogleich hinterher. “Lina konzentrier dich”, sagte ich zu mir selbst. Doch daraus wurde nichts denn ich nahm Nikals abfälligen Blick wahr den er mir zuwarf. Auch wenn es nur ein paar wenige Sekunden waren, die ich mich nicht konzentrierte rechte es schon aus, dass meine Stute fast über ihre eigen Füße fiel. “Na, los Nathy dem Iditot zeigen wir was wir können”, flüsterte ich meiner Stute zu und nahm meine Zügel wieder vernünftig auf und Konzentrierte mich nur noch auf mein Pferd. Es zeigt tatsächlich Wirkung, denn so gleich nahm Nathalie eine ganz andere Haltung ein und begann aktiv mit der Hinterhand untertreten. “So ist es besser”, lobte Herr Holm mich. “Denk auch jetzt schon daran eure Pferde ein wenig zu biegen”, fügte er an alle Gewandt hinzu und ich lenkte meine Stute auf den Zirkel.

      Niklas
      Natürlich musste ich mal wieder ne große Fresse haben, aber was solls. Hoffentlich nimmt sich Ju die, die passt deutlich besser zu ihm - bekannt, gutaussehend und kann richtig gut reiten. Aber auch Lina machte auf dem Pferd eine gute Figur, auch wenn es nicht lassen konnte sie böse anzugucken, entschied ich mal etwas freundlicher zu sein.
      Während Ju immer wieder Probleme mit seiner neuen Stute hatte, musterte ich Lina auf ihrer Scheckstute. Als sie vorbei ritt musste ich einfach was sagen: “Du kannst besser reiten als ich dachte. Dein Pferd macht aus echt was her.”

      Lina
      “Danke”, erwiderte ich nur kurz angebunden und blieb mit den Gedanken bei meiner Stute. Wow, Niklas konnte ja scheinbar auch nette Dinge sagen. “Eure Pferde sollten nun genug vorbereitet sein. Ich möchte von euch mal ein wenig Seitengänge sehen und zwar im Trab”, rief der Trainer. Die Aufgabe freute mich, denn Seitengänge waren die Spezialität meiner Stute. Ich trieb sie in den Trab und nach ein paar lockeren Runden begann ich erst einmal langsam ein wenig Stellung und schließlich sogar das Schulterherein dazu zu nehmen. Nathalie war heute besonders fein an den Hilfen, sodass ich kaum Schwierigkeiten hatte.

      Vriska
      Nach dem ich mit dem Fahrrad in der Stadt etwas einkaufen war, stellt ich fest das noch Lina und Ju reiten, also führte mich der Weg geradewegs zur Großen Reithalle in der vorhin schon war mit Glymur. Als ich reinkam sah ich dass sie schon am Abreiten waren. Leider sah ich auch, das Ju und Chloe sich sehr intensiv unterhielten, als sie nebeneinander her ritten.
      “Tja Vriska, da bist du wohl zu spät”, piesackt mich Niklas. Ich ging aber nicht weiter drauf ein, sondern wandte mich an Lina.
      “UUUUnd wie war’s?”, rief ich ihr zu. Ihre Stute war völlig durchgeschwitzt aber Beide strahlten förmlich, was auch meine Laune direkt wieder verbesserte.

      Lina
      “Es war super”, antwortete ich Vriska, die inzwischen auch in die Halle gekommen war. “Die Zuschauer scheinen sie nur noch Angesport zu haben”, erzählte ich und strich Nathy über den verschwitzen Hals. “Ich glaube ich werde draußen noch ein paar Runden Schritt reiten. kommst du mit?”, fragte ich Vriska. “Wie war es bei dir, Glymur scheint ja als wäre er ein wahres Powerpaket”, plappert ich fröhlich vor mich hin.

      Vriska
      “Ja klar, können wir machen”, antwortete ich ihr und wir verließen die Halle. Beim rausgehen warf ich noch eine Blicke in seine Richtung, aber er schien mich nicht mal gesehen zu haben.
      Unerwartet höre ich Schritte hinter uns, als wir uns weiter über den Unterricht unterhalten. Neugierig drehe ich mich um.
      “Was willst du denn hier?”, frage ich Niklas genervt, der offenbar uns verfolgt.
      “Ich möchte mit euch reden”, sagt er dann.
      “Warte mal Lina. Hast du das auch gehört?”, frage ich schockiert und gucke suchend in der Luft herum.

      Lina
      “Was, meinst du etwa dieses Säuseln des Windes?”, sagte ich nur zu Vriska und ließ meine Stute weiter trotten. Doch sie blieb stehen um sich zu Schütteln.

      Niklas
      Irgendwie muss ich meinen Ruf verbessern, also muss ich mich bei den Außenseitern versuchen etwas einzuschleimen.
      “Es tut mir leid, wenn ich so eklig zu euch war. Manchmal habe ich mich nicht unter Kontrolle.”, sagte ich, obwohl die beiden offenbar versuchten mich zu ignorieren.
      “Wenn ihr Lust habt, heute Abend machen wir noch mal eine kleine Runde mit ein Paar auserwählten. Ihr seid herzlich eingeladen, diesmal wird nicht so übertrieben wie gestern”, lud ich die Beiden ein, eh mich wieder umdrehte um zurück zu Ju zu gehen, der sich offenbar sehr gut mit Chloe verstand.
      “Und ist sie was für dich?”, fragte ich neugierig nach, als er allein mit Amnesia die Halle verließ.
      “Das kann ich schlecht einschätzen. Sie ist sehr nett aber auch etwas eingebildet. Mal gucken was sich hier noch entwickelt, aber nach der letzten Trennung habe ich eigentlich keine Lust auf was festes”, sagte er zu mir.
      Wir reden noch weiter über was heute Abend stattfinden soll, bevor wir uns gedanken um Mittagessen machen, dass wir selbst machen müssten. Aber weder ich noch Ju können Kochen, vielleicht kann man sich was organisieren bei den anderen.
      +
      Lina
      “Der glaubt auch er könnte uns verarsche oder?”, sagte ich zu Vriska, als Niklas wieder verschwunden war. Inzwischen waren wir am Waschplatz angekommen und ich war abgestiegen. “Kannst du sie mal kurz halten”, sagte ich und drückte ihr die Zügel in die Hand. Ich sattelte Nathalie ab und verschwand kurz um ihr Halfter zu holen. Als ich zurück kam, war meine Stute geradewegs dabei Vriska voll zu sabbern und versuchte sich an ihr zu schubbern.

      Jace
      Nach dem Training kam ich endlich dazu mich mit Alec zu Unterhalten. Wir saßen auf der Bank vor der Hauskoppel und beobachteten Mina und Briair die friedlich in der Sonne dösten. “Warum bist du denn eigentlich immernoch hier. Hast du Zuhause nichts zu tun?”, fragte ich meinen Kumpel. “Na, ich hab schon genug zu tun, aber dich kann man ja scheinbar nicht unbeaufsichtigt lassen”, tadelte er mich. “Ja, du hast ja recht”, gab ich zerknirscht zurück. “Hast du dich wenigsten bei dem Mädel entschuldigt?”. Alec sah mich scharf an. “Ich habs versucht, aber ihr Freundin hat mich gar nicht erst reingelassen”. “Verständlich. so einen Deppen wie dich würde ich auch nicht rein lassen”, sagte er lachend.

      Vriska
      “Ich weiß nicht, vielleicht meint er es wirklich ernst? Hingehen werde ich auf jeden Fall, wenn das die einzige Möglichkeit ist Ju näher kennen zu lernen.”; sagte ich leicht in mich selbst versunken. Immer wieder sagte ich mir, dass er ein gutes Mensch sein wird und nur ein normales Gespräch mit Chloe geführt haben wird.
      “Langsam bekomme ich echt Hunger. Hast du Lust mit Samu zu mir rüber zu kommen? Ich war vorhin einkaufen und würde jetzt was kochen.”, lud ich Lina ein.

      Lina
      “Naja, wir werden sehen. Ich denke mal ich werde auch kommen“, mir war aufgefallen wie Gedankenversunken sie war. Ich nahm ihr die sabbernde Stute ab und begann sie ab zu trensen. “Klar kommen wir vorbei. Vorher bringe ich aber noch diese Schönheit hier auf die Koppel”,antwortete ich während ich begann die Stute abspritzen. “Was kochst du denn leckeres?”, fragte ich sie.

      Vriska
      “Okay dann werde ich gleich rüber gehen, lasst euch ruhig Zeit, dauert ungefähr eine Stunde bis es fertig ist. Ich werde Gemüse mit Reis machen, dazu Soja Sauce”, sage ich zu ihr und gehe still zurück in meinem Zimmer. Dort wasche ich mit zunächst die Hände und setze mich hin.
      Am liebsten wäre ich nun Zuhause, dann könnte ich weiter mit Songbird arbeiten oder Lulu wieder zu reiten. Die Zeit hier mit neuen Leuten finde ich gut, aber ich habe zu viele Möglichkeiten nach zu denken und das zieht mich schon ganz schön wieder runter.
      Langsam hatte ich wieder die Kraft und Motivation gefasst etwas zu essen zu zubereiten. Also stand ich auf, holte die Aubergine, Zucchini, Paprika und Möhren aus dem Kühlschrank. “Ach mist”, sagte ich. Ich hab vergessen den Brokkoli heraus zuholen, als dann schon das ganze Gemüse kleingeschnitten in der Pfanne war. Also nochmal schneiden. Als ich mich endlich wieder hingesetzt hatte und mir meinen Skizzenblock genommen hatte, Klopfte es an der Tür. Ich guckte hoch, da die Tür offen ist. Niklas und Ju.
      “Na was wollt ihr schon wieder? Unruhe Stiften?”, fragte neugierig.
      “Nee wir haben Hunger, können wir etwas mit Essen?”, erkundigte sich Niklas. Ich stand auf.
      “Mh könnte noch für euch reichen”, antwortete ich. “Aber es dauert noch einen Moment”, fügte ich noch hinzu. Völlig selbstverständlich kommen sie in mein Zimmer und setzen sich mit an den Tisch.

      Lina
      Auf dem Weg zu den Koppeln entdeckte ich Jace der mit Alec zusammen an der Hauskoppel saß. Also war er wirklich gekommen. Es war schon immer so gewesen, dass Alec derjenig war der Jace entweder den Arsch rette oder ihn wieder zu Vernuft brachte. Zwischen den beiden herrschte so etwas wie eine magische Verbindung und es war faszinierend wie anders Jace war, wenn Alec in der Nähe war. Nichts desto trotz war ich immer noch böse auf Jace, also ging ich wortlos an den beiden Vorbei.
      “Hey Samu. Da steckst du also”, rief wenige Minuten später als ich Samu gefunden hatte. “Hast du mich etwa gesucht?”fragte er und schloss die Tür der Box die er gerade gemistet hatte. “Vriska lädt uns zum Essen ein, kommst du mit?”, fragte ich den jungen Mann. “Klar klingt nach einer super Idee”, sagte er und wir machten uns auf den Weg zu Vriskas Hütte.

      In der Hütte von Vriska war nun reges treiben und auch gab es keine weiteren Anfeindungen. Doch das der Abend nun so verlaufen würde, damit hatte keiner Gerechnet. Die Trainer hatten alle wieder Schwarzen Brett versammelt um eine Ansage zu machen.

      Vriska
      “Schön das ihr alle hier seid. Damit der heutige Abend nicht genauso verläuft wie der gestrige haben wir uns eine schöne Sache überlegt um nun euren Kampf- und Teamgeist zu fördern. In vierer Teams werdet ihr um einen großen Preis kämpfen - Neben einem Taschengeld in Höhe von 2000 Dollar bekommt ihr einen Maßsattel sowie einen Wunsch frei. Damit ihr aber nicht miteinander Arbeiten könnt, gibt es für jedes Team andere Rätsel. Ich sage nun die Teams an, also hört gut hin. Team 1: Samu, Max, Milena und Jace. Team 2: Linh, Chloe, Chris und Hannes. Team 3: Emilia, Jayden, Finley und Abigail. Team 4: Vriska, Lina, Ju und Niklas. Team 5: Ethan, Anna und Jacob Team 6: Noha, Raphael und Ella.
      Also findet euch zusammen, nehmt euch die von uns vorbereiteten Rucksäcke. Bitte macht euch den GPS Tracker in die Hose, damit wir euch wiederfinden können wenn was ist. So und nun lasst die Spiele beginnen.”, sagt Frau Wallin an, die mit Herrn Holm und Luchy vor uns allen steht. Schnell laufe ich zu Lina rüber.
      “Musste ja wieder klar sein, denkst du die Trainer machen das mit absicht?”, frage ich sie skeptisch.

      Lina
      “Irgendetwas werden sie sich schon dabei gedacht haben”, erwiederte ich Schulterzuckend. Nikals und Ju hatten sich schon unseren Rucksack geschnappt und kamen auf uns zu. “Und da kommt auch schon der Rest”, sagte ich und deutete auf die beiden Jungs.

      Samu
      “Ich hoffe du hast aus gestern Gelernt”, meinte ich zu Jace. “Ja, und du hast Recht die Aktion heute morgen hab ich definitiv verdient. Danke”. “Wo sind eigentlich die anderen beiden?”, frage er sogleich und sah sich ein wenig ratlos um.

      Vriska
      “Na Mensch, die Herren der Schöpfung”, sage ich sarkastisch.
      “Wir freuen uns auch sehr euch wieder zu sehen”, antwortet Niklas ironisch.
      “Das ist schön, dann macht mal eure Pferde fertig, wir treffen uns dann hier”, sage ich überzeugt und Jogge zur Box. Je schneller wir vom Hof kommen, umso besser sind unsere Chancen. Das Geld könnte ich ziemlich gut gebrauchen, weil dann könnte ich Anfangen Glymur abzuzahlen.

      Milena
      “Boah, zum Glück bist du hier”, sage ich zu Jace als ich mit Max auch dazu stoße.
      “Und was jetzt? Ich hab sowas von keine Lust drauf”, nörgel ich.

      Lina
      Auch ich beeilte mich zu meiner Stute zu kommen da sie nicht wie die Pferde der anderen drei in der Box stand, hatte ich den weitesten Weg. Um auf dem Rückweg Zeit zu sparen schwang ich mich kurzerhand auf ihren Rücken. "Na los Nathalie", sagte ich zu der Stute und im Trab ging es zum Hof. Kaum auf dem Putzplatz angekommen sprang ich von der Stute runter und rannt in die Sattelkammer um mir ihre Trense zu schnappen.

      Jace
      "Ich vermute hier bleiben dürfen wir nicht", sagte ich zu der Gruppe und schnappte mir den Rucksack.

      Niklas
      “Ich hoffe einfach, dass wir schnell sind. Wirklich Lust den ganzen Abend nur mit den zu verbringen habe ich nicht”, sage ich genervt zu Ju, während wir zu den Pferden eilen.
      “Ach das wird bestimmt lustig”, versucht er mich aufzumuntern.

      Vriska
      Als die Gruppe wieder vollständig ist, ziehe ich die Helmlampe auf und ziehe unseren Rätselzettel aus dem Rucksack.
      “So Leute, hier steht ‘Wir haben kleine grüne Hüte, und wir leben hoch auf den Kronen.
      Im Herbst fallen wir auf den Boden, Kinder sammeln uns und basteln niedliche Figuren.’ Darunter ist dann geschrieben ‘Schon gelöst? Das ging ja schnell. Jeder nimmt 5 Stück mit und dann geht es weiter mit 5 Galoppsprüngen Richtung Süden’ Habt ihr eine Idee?”, lese ich vor und frage in die Gruppe, den allen Fragezeichen im Gesicht geschrieben sind.
      “Vielleicht irgendwas das an Bäumen wächst im Wald?”, schlägt Niklas überraschend vor.
      “Gute Idee, vielleicht Tannenzapfen? Halt, die haben keine Hüte”, wirft Ju dann etwas ratlos ein. Erwartungsvoll blicke ich zu Lina, die bisher nichts gesagt hat.

      Lina
      “Es sind Eicheln”, sagte ich enthusiastisch. “Ich weiß auch wo wir welche finden”,fügte ich hinzu trieb meine Stute in Richtung des kleinen Wäldchens, wo die alte Eiche stand. “Kannst du die Eicheln sammeln du kommst besser auf dein Pferd wieder rauf”, sagte ich zu Vriska als wir dort angekommen waren.

      Vriska
      “Das war richtig gut”, sage ich zu Lina und steige ab. Auch die Jungs sind nicht bemüht abzusteigen also sammle ich 20 Stück und gebe jeden ihre 5 Eicheln.
      “So aber 5 Galoppsprünge? Ich mein, mein Glymi hüpft ja ganz anders als eure Pferde. Zumal wer kann aus dem Stand einfach mal 5 Sprünge abzählen?”, rege ich mich leicht auf, als ich wieder aufs Pony steige.
      “Smoothi sollte das hinbekommen”, kommt Niklas aus dem verborgenen. Er holt aus dem Rucksack den Kompass und richtet die Stute aus. Dann springt Smoothie 5 Mal und er holt sie zurück in den Stand.
      “So angekommen, was jetzt?”, fragt er gespannt. Offenbar kommt langsam das kleine Kind aus ihm heraus.
      “Also ich bei mir steht, gucke auf Zettel 3. Den hat bestimmt einer von euch”, sage ich.

      Lina
      Ich sah in meinen Rucksack “Ich hab nur Zettel 4”, stellte ich kurz darauf fest. Nathalie machte den Hals lang um sich einen Snack von einem Ast über ihr zu holen. “Lass das, Nathi “, sagte ich empört zu der Stute und trieb sie ein Stück vor, sodass der ast außer Reichweite war. ”Ju, hast du den Zettel”, frage ich den jungen Mann der uns bisher einfach gefolgt ist ohne aufzufallen.

      Ju
      “Öhm ja sieht so aus. Ich lese mal vor. Hier steht: ‘Mensch, ihr seid ja schon weit gekommen.’ Leute. Da ist einfach ein Gedicht. Die Mädels können sicher damit mehr anfangen. Also ich lese weiter ‘Ich kenn ein Haus, gar wohl erbaut, das klingt und tönet hell und laut, du hörst von fern sein Rauschen. Viel Gäste spielen drin umher, von diesen wirst du nimmermehr nur einen Ton erlauschen. Es wandelt stets von Ort zu Ort, die Gäste wandeln mit ihm fort - dies Haus sollst du mir nennen.’ - Alter das ist voll schwer. Darunter steht noch ‘Dort angekommen, findet ihr an eine, kleinen Fels mit dem nächsten Rätsel. Gute Reise’.”, lese ich aufmerksam und ruhig vor.
      Natürlich regt es mich ein wenig auf, dass ich keinen Plan habe worum es geht. Doch noch viel mehr verwundert mich Niklas, der seit dem wir unterwegs total komisch ist.
      Während die Mädchen sich beraten reite ich zu Niklas, der verzweifelt nach Internetempfang sucht.
      “Und schon was gefunden?”, scherze ich.
      “Ne Mann. Hier ist voll das Loch”, echauffiert er sich.
      “Sag’ mal, was denn los? Du bist so … normal?”, frage ich ihn dann doch.
      “Ach nichts. Alles gut. Irgendwie habe ich doch voll Lust drauf. Der Abenteuerfaktor fehlt aber noch”, sagt er.

      Lina
      “Meinen die vielleicht ein Bach oder einen Fluss oder sowas”, dachte ich laut. “Ich glaube ich habe eine Idee wo wir hinmüssen. Und falls du Internet suchst, das wirst du hier nicht finden”, sagte ich im vorbereiten zu Niklas. Im Trab hielt ich auf den Wald zu bevor ich nach einem Busch meine Stute durch parierte.Im dunkeln kaum zu sehen begann dort ein schmaler Pferd “Ich hoffe eure Pferde sind alle trittsicher und passt auf eure Köpfe die Äste hängen hier tief”, sagte ich noch bevor ich auf den kleinen schmalen Trampelpfad abbogt. In steilen engen Serpentinen führte er eine Böschung hinab. Es war gar nicht so leicht den Weg zu sehen, doch Nathalie kannte den Weg gut genug um und sicher entlang zu führen.

      Niklas
      “Das wird wohl der Bach sein”, sagte ich zu Lina, der Wir alle fleißig nach Ritten. Nach einigen Minuten suchen fand ich den Zettel versteckt in einer Felsspalte, an die man nur zu Pferd kommen konnte. So gut ich in der Schule gelernt hatte, las ich das kleine Gedicht auf dem Zettel vor. Da kam Lina direkt wieder der nächste Einfall, dass damit nur ein kleines Häuschen mitten im Wald sein kann in dem Jäger oder Reisende übernachten können im Schutz vor Bären oder schlechtem Wetter. Der Weg dorthin war deutlich angenehmer als zum Fluss, den wir vorher überqueren mussten, was für Smoothie beinah eine Herausforderung war. Sie wehrte sich vehement gegen das Wasser und nur mit Biegen und brechen gelang es mir meine Stute vom Sprung aus dem Stand. Begeistert klatsche Ju und wir mussten lachen. Das war meine Chance. Vriska und mein bester Freund blieben einige Meter zurück, schwiegen sich dennoch an.
      “Deine Stute ist deutlich besser gesprungen als meine”, sagt ich zu Lina, als ich einige Meter vor trabte. Sie gucke nur zu mir und nickte.
      “Ich merk schon, du hast keine Lust auf ein Gespräch. Aber ganz ehrlich, es tut mir furchtbar Leid wie ich bisher war. Das war nicht cool. Ich hoffe wir können nochmal bei Null anfangen, da du doch ziemlich cool bist. Mit Menschen habe ich echt immer Startschwierigkeiten und versuche dann mehr zu sein als ich bin. Tut mir leid. Echt.”, versuchte ich es mich bei ihr zu entschuldigen. Wieder traf ein Schweigen in der Gruppe ein, da sie meine Worte offenbar wieder ignoriert hatte. Auch als ich mich umdrehte, schüttelte Vriska nur völlig entsetzt mit dem Kopf. Was stimmt bloß nicht mit dem Weibern immer. Jetzt versucht man schon wieder nett zu sein und wird dann trotzdem wie der letzte Idiot behandelt.
      Angekommen an der Hütte warteten schon zwei Trainer.
      “Ihr seid schon da, super. Das ging viel schneller als gedacht. Wir haben für alle hier einen Checkpoint gemacht und ihr seid die ersten. Bisher also, herzlichen Glückwunsch. Die Pferde könnt ihr dort drüben hinstellen und dann in die Hütte kommen zu einem Mitternachtssnack. Netterweise haben wir für jeden auch ein Bier, der möchte”, sagte uns der Trainer vom Kanadischen Team.
      “Ach cool, dankee”, bedankte ich mich sehr herzlich und war extrem froh endlich etwas Alkohol zur Verfügung zu haben.

      Lina
      Ich band meine Stute an dem Hochseil neben der Schimmelstute von Niklas an. Die beiden Stuten bummelten sich freundlich an. Scheinbar verstanden die Pferde sich deutlich besser. Ich betrachte sein Pferd. Die Stute scheint ein edle Abstammung zu haben. Freundlich blickte sie mich mit ihren dunklen Augen an. “Na, du”, ich hielt der Stute meine Hand hin und ließ sie an mir schnuppern, bevor ich ihr über den Hals strich. “Du scheinst ja recht freundlich zu sein”, sagte ich zu der Schimmelstute. Konnte jemand mit so einem netten Pferd wirklich so ein Idiot sein? Etwas nachdenklich blieb ich neben meinem Pferd stehen bis Vriska ihr Pferd auch angebunden hatte. “Bis jetzt läuft es für uns ja super”, sagte ich zu ihr als wir gemeinsam die Hütte betraten. Drinnen war ein kleines Buffet aufgebaut mit allerlei Snacks..

      Vriska
      Nach einer halbstündigen Pause ging es für uns weiter. Die Trainer berichteten uns erneut worauf wir achten sollen, dann ging es weiter. Wieder formierten wir uns in die klassische Verteilung, wir Mädels vorn und die Jungs folgen uns unauffällig. Schon nach einigen Metern wurde klar, war sie uns noch mal eingewiesen haben. Mehrere Baumstämme liegen auf dem Weg und können nicht umritten werden. Für die drei mit ihren Warmblütern stellt das kein Problem da, aber für mich mit Glymur ist das dann doch äußerst schwierig. Niklas und Ju warten bereits auf der anderen Seite, während Lina und ich noch Rätseln wie es weiter geht. Dann hatten wir eine Idee, ich versuche mit meinem Hengst einfach im Schritt rüber, vielleicht hüpft er von sich selbst rüber. Auch Lina ist schon vor mit Nati und die Drei warten nun auf mich. Doch mein Hengsti wirkt nicht sonderlich motiviert den Baumstamm zu überqueren.
      “Und jetzt, hat einer von euch noch eine Idee?”, frage ich in die Runde. Ju zuckt mit den Schultern, aber Niklas kommt näher und macht einen Vorschlag.
      “Willst du mal absteigen und ich versuche mit ihm rüber.”, sagt er zu mir. Ich nicke und steige ab. Niklas drückt Ju seine Stute in die Hand und steigt über den Baumstamm. Die Steigbügel stellt er nicht mal ein, sondern steigt direkt auf und ich halte noch gegen.
      “Mensch, ich hätte nicht gedacht, dass man auf dem Kleinen so bequem sitzt. Dann gucken wir mal”, sagt er und ich gehe zur Seite. Erst mal schnaubt Glymur zufrieden ab eh Niklas kurz mit ihm warm wird. Dann versucht er meinen Hengst anzutraben was nicht so gut klappt, da er Hilfen für den Tölt gibt.
      “Wo ist der Schalter für Trab? Das geht nicht”, flucht Niklas.
      “Wenn du galoppieren willst, geht das auch aus dem Tölt.”, rufe ihn zu.
      Darauf hin galoppiert auch schon Glymur und meistert mit bravour die im Weg liegenden Baumstämme.
      “Siehste, da müssen einfach mal Profis ran”, scherzt Niklas.
      “Jaja ist klar. Was würden nur ohne dich machen”, gehe ich darauf ein. Wir lachen. Dann steigt er wieder ab und begebe mich zu meinem Pferd. Wir reiten ein wenig weiter bis mir einfällt, dass wir gar nicht wissen wohin.
      “Lina, du müsstest den nächsten Zettel haben. Kannst du mal gucken?”, frage ich sie.

      Lina
      Ich kramte kurz in meinem Rucksack und fand den Zettel. “Jep”, sagte ich und faltete den Zettel. “Ääähhh, Leute…? Hier sind nur komische Symbole auf dem Zettel. Ich hab keine Ahnung was das bedeuten soll”. Ich sah den Zettel nochmal an. “Hier ist noch ein Hinweis. Unser Gold klimpert nicht, es glänzt in der Sonne und wiehert in der Nacht. Hat jemand von euch eine Idee was das Heißen soll?”

      Ju
      “Oh Symbole, das kann ich immer recht gut.”, sage ich halte neben Lina an, die mir den Zettel gibt.
      “Vermutlich wird damit ein Pferd gemeint sein, vielleicht sogar noch im Bezug auf dem Fellfarbe, also ein Fuchs. Aber was sollen wir damit anfangen?”, frage ich irritiert in die Gruppe.
      “Eventuell ist damit ein Fuchsbau gemeint?”, fällt Niklas ein und wir beide gucken zu Lina, die sich hier besser auskennt.

      Lina
      “Fuchsbau….”, mumelte ich vor mich hin, während ich überlegte. “Ahh.. ich glaub ich weiß wo wir hinmüssen”, ich trieb meine Stute in den Trab.Ich folgte einem Waldweg und hielt an einer kleinen Hütte an. Am Eingang der Hütte stand groß zum Fuchstanz geschrieben. “Das hier ist eine Wildtierauffangstation. Hier in der Gegend sind sie bekannt für einen kleinen Fuchs den sie von Hand aufgezogen haben und der ihnen folgt wie ein Hund. In der Touristensaison ist hier ein Campingplatz und ein Restaurant, was besonders beliebt ist, weil es hier Abends eine Wildfütterung gibt. Als Highlight darf man den kleinen zahmen Fuchs am Ende streicheln. Nur dann ist noch die Frage was wir hier sollen. Ju hast du vielleicht noch etwas auf dem Zettel gefunden?”. Nahe am Weg stand eins der Wildtier gehege wo es auf einmal raschelte. Nathalie begann mit den Ohren zu spielen und neugierig in die Richtung des Geräusches zu blicken. Jus Stute begann ein wenig zu tänzeln. Von einem der Pferde kam ein nervöses wiehern, als es erneut raschelte. Auf Einmal hüpfte ein kleiner dunkler Fellball an das Gitter. Meine Scheckstute zuckte zusammen und ein paar der Pferd machten sogar einen hüpfer zur Seite. Frech keckerte der kleine Waschbär uns sah uns mit seinen Knopfaugen an. “Ganz ruhig Nathy das ist nur ein Waschbär”, redete ich meiner Stute zu und strich ihr über den Hals. Nach ein paar Minuten beruhigten sich die Pferde wieder und Ju berichte was auf dem Zettel stand.

      Für die Truppe ging die Reise noch einige Zwischenstopps weiter und gemeinsam kamen sie als erstes am Hof zurück. Da die Schnitzeljagd insgesamt länger gedauert hat, als gedacht entscheiden alle Trainer, dass die Pferde in den Stall sollen und die Teilnehmer ins Bett. Am nächsten Tag ist der Treffpunkt wieder am Schwarzen Brett um 10 Uhr. Die Müdigkeit steht allen im Gesicht, doch so ist das. Das Leben mit Pferden ist hart und kurze Nächte sind vorprogrammiert.

      Lina
      “Guten Morgen, alle zusammen. Im Gegensatz zu gestern seht ihr heute ja alle sehr Munter aus”, begrüßte Herr Holm alle Teilnehmer. In der Hoffnung, dass wir heute wieder am Training teilnehmen dürfen, lungerten Samu und ich in der Nähe der Gruppe rum. “Heute steht folgendes auf dem Plan: Da wir ja gestern eine Dressureinheit hatten, steht heute das Springen auf dem Plan. Für alle die keine Springpferd haben oder nicht mit ihrem Pferd am Training teilnehmen wollen, besteht die Möglichkeit ein Pferd geliehen zu bekommen, dafür meldet ihr euch bei Frau Montrose. Das Training ist für alle verpflichtend. Egal, ob ihr eigentlich Springt oder nicht. Das Training heute soll das gegenseitige Verständnis für die Disziplinen der anderen fördern. Heute Nachmittag, dürfen dann die Gangreiter dann mal zeigen, was sie darauf haben. Wir haben hier zwar keine Ovalbahn, aber eine längere Galoppstrecke rund um den Vielseitigkeitsplatz. Dabei sind alle die nicht selber reiten verpflichtet sich das ganz anzusehen.” Er sagte noch wann und wo sich getroffen wird und danach stürzen sich wie immer alle, auf das Schwarze Brett um zu sehen wann sie mit wem reiten. “Duu, ich glaube Jace wollte sich gestern bei mir entschuldigen”, erzählte ich Samu müde und gähnte herzhaft. “Das hat mich einfach nicht schlafen lassen, ich hoffe ich fall nicht vom Pferd”, jammerte ich Samu an.

      Vriska
      ‘Det är lite för tidigt för mig. (Es ist zu früh für mich)’, denke ich mir, als ich mit meinem Kaffee in der Hand und noch in der Freizeitkleidung zur Besprechung komme. Herr Holm hat bereits angefangen zu sprechen und mustert mich, als ich mit der Kapuze über den Kopf mich in die Truppe stelle. Dann redet er weiter.
      “Dann kannst du heute mal zeigen, was du nicht kannst”, muckt Max auf. “Mh?”, hinterfrage ich nur und dann verstummt er wieder. Offenbar wollte er wieder eine Diskussion beginnen, doch darauf habe ich jetzt gerade echt keine Lust.
      Während alle zum Brett gehen, um zu gucken in welche Gruppe sie sind, warte ich deutlich Abseits von allen. Frau Wallin kommt zu mir.
      “Wie siehst du den aus? Hättest du dir nicht wenigstens was richtiges anziehen können. Wenn es so weitergeht mit dir, muss ich deinen Chef anrufen.”, droht sie mir und erwartet eine Erklärung. Ich murre sie an und sage nichts.
      “Vriska, ich meine das Ernst. Du bist keine 15 mehr.”, fügt sie hinzu und geht. Jeder Schluck Kaffee scheint mir mehr Energie zu geben, die ich jedoch bei jedem Atemzug wieder verliere.
      Alle haben auf dem Zeitplan geguckt, nur ich stehe in der Gegend herum. “Allvarligt (Ist das dein Ernst)”, schreie ich. Frau Wallin dreht sich wieder zu mir um. Ihre Blicke scheinen mir einen Dolchstoß zu geben. “Skynda dig, Vriska (Beeil dich)”, zischt sie mich an.
      “Behöver du hjälp? (Brauchst du hilfe?)”, fragt mich jemand und ich merke eine Hand auf der Schulter. Blitzartig drehte ich mich um. Niklas steht hinter mir und funkelt mich mit seinen Augen an.
      “Klar, warum nicht”, sage ich aus der Leere meines Gesichtes heraus. “Aber ich muss mich erst mal umziehen”, füge ich hinzu. Er folgt mir. Vor dem Bungalow schlage ich Niklas die Tür vor der Nase zu. Ich höre ein mürrisches Knurren, aber davon nicht beeinflusst wechsle ich die Kleidung. Wenige Minuten später laufen wir in den Stall zu Glymur, der noch immer in seiner Box steht. Sauber machen, kann ich nach dem Unterricht.
      “Bist du schon mal gesprungen?”, fragt Niklas mich neugierig, während ich meinem Hengst das Halfter umlege und aus der Box heraus führe. An seinem Schweif zieht er das Stroh hinter sich her. Ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen, binde ich ihn an.
      “Ja, schon einige male. Mit Glymi allerdings noch nicht. Ich weiß allerdings, dass er es bis A kann.”, erkläre ich ihm, als ich an der Sattellage das Fell reinige.
      “Wenn du mir schon helfen willst, kannst du das Sattelzeut holen. Das muss da vorn sein, es steht mein Name dran”, sage ich abfällig zu ihm und zeige Richtung Sattelkammer. Er nickt und geht los. Wenig später haben wir zusammen mein Pferd fertig gemacht und laufen zum Reitplatz. Damit Glymur sich schon etwas aufwärmen kann, laufe ich mit beiden Zügeln in der Hand über seinen Hals dorthin. Er begreift schon worum es geht.
      “Hast du auf die Uhr geguckt?”, werde ich von Frau Wallin angefahren.
      “Ja, aber ich bin jetzt da.”, antworte ich genervt und steige auf. Niklas hält mir gegen und gurtet noch mal nach.
      “Tack (Danke)”, antworte ich und reite im Schritt los.
      “Ach Niklas. Vergreif dich doch nicht immer an den Erstis”, ruft sie Niklas zu, der sich an den Rand setzt und nicht weiter drauf eingeht.
      “So, da jetzt endlich alle da sind, können wir anfangen. Als erstes wärmt ihr eure Pferde noch etwas auf. In der Zeit wende ich mich jedem Einzeln zu.”, erklärt sie und guckt durch die Gruppe.

      Lina
      Ich war mit Nathalie schon am Schritt reiten als Vriska, auch endlich auftauchte, in der Begleitung von Niklas. Heute Morgen war sie schon zu spät bei der Ansprache gewesen. Sie sah weder besonders wach noch besonders begeistert aus. Nathalie stolperte und erinnerte mich somit daran mich auf sie zu konzentrieren. So schwer es mir auch fiel, wandte ich mit meine Gedanken von Vriska ab und konzentrierte mich auf die Scheckstute. Sanft treib ich Nathy an, sodass sie in den Trab fiel. Die Stute war heute relativ nervös und hitzig. Das sie heiß wurde, war normal bei Springen, doch so nervös hatte ich sie noch nie erlebt. “Ruhig Nathy, alles gut meine süße”. “Locker sitzen, Lina”, kam es von der Trainerin. Ich hatte gar nicht gemerkt wie angespannt ich war. “Und gib ihr mehr Zügel”. Ich versuchte mich ein wenig zu lockern und ließ den Zügel länger. Schon gleich hörte Nathalie auf mit dem Kopf zu schlagen und lief gleich ein wenig entspannter. Kurz darauf merkte ich auch was, besser gesagt, wer der Grund dafür war. Jace stand mit ein paar anderen Jungs zusammen am Zaun. Er war mit gestern Abend bei der letzten Heufütterung im Stall begegnet und hatte irgendwas von Entschuldigung und er sei ein Idiot gefaselt. Ich hingegen hatte ihn ignoriert, weil ich ihn zur Zeit lieber so wenig wie möglich sehen möchte. Natürlich hatte meine sensible Stute mein Stimmungsumschwung noch vor mir gemerkt. Die Scheckstute schnaubte, als wollte sie mich beruhigen. Um mich nicht weiterhin zu blamieren, weil es so schien, als sei ich zu blöd zum Reiten, fokussierte ich mich vollständig auf meine Stute. Ich begann Biegungen zu reiten damit sie lockerer wurde und nach ein paar Handwechseln begann sie abzuschnauben. Ich war so sehr auf Nathalie fokussiert, dass ich fast in Chris und seinen Wallach hineinritt. “Pass doch auf”, patzte er mich an. “Sorry”, murmelte ich zurück. “Was ist denn heute los mit euch. Der eine zu spät, der andere schafft es nicht mal geradeaus zu reiten”, schnautze Frau Wallin uns an. “Jetzt reißt euch zusammen und reitet vernünftig”. Scheinbar hatte nicht nur ich heute schlecht geschlafen.

      Vriska
      Es war nicht leicht, mich zusammenzureißen ohne Frau Wallin für ihre blöden Sprüche fertig zu machen. So gut es ging, konzentriere ich mich auf mein Pferd. Glymur spielt sich heute besonders auf, weil nur eine Stute mit auf dem Platz ist, die ihm offenbar immer wieder schöne Augen macht. “So mein Junge, entweder wir sind jetzt mal wieder ein normales Pferd oder ich lass dich hier alleine stehen”, ranze ich ihn an. Nervös schüttelt er mit seinem Kopf. Kurz gucke ich mich - niemand hat das kleine Gespräch mit meinem Pferd mitbekommen und ich treibe ihm vorwärts, damit er etwas aktiver vorwärts geht.
      “Okay Vriska, ich fange mit dir an. Als erstes trabst du mit deinem Pferd einige male über die Cavalettis. Danach gehen wir über zur Kombination. Dort trabst du über die zwei Cavalettis, galoppierst an und über den Oxer. Also los”, sagt meine Trainerin zu mir. Ich nicke und trabe Glymur an. Mit einer hohen Aufrichtung schwingt er seine Beine nach vorn und federt bei jedem Sprung gut ab. Mit meinem Gewicht lenke ich ihn zu den Cavalettis. Geland schwebt er über diese. Ich höre bestätigende Rufe von den Jungs. Ein kleines Lächeln erstrahlt mein Gesicht. Mehrere male haben die Cavalettis gut funktioniert und ich bereite mich mit Glymur auf die Kombination vor, deswegen galoppiere ich ich zunächst zwei Runden auf dem Zirkel, um seine Aufmerksamkeit zu testen. Alles gut, somit pariere ich ihn zurück in den Trab durch und peile die Kombination. Die beiden Stangen nimmt er mit bravour, ich galoppiere an, der Hengst macht einen kleinen Sprung, verfängt sich mit den Vorderbeinen im Oxer. Wir stürzen. Unkontrolliert fallen wir vorn’ über und er begräbt mich unter seinem Körper. In meiner Vorstellung liegen wir einige Minuten bewegungslos auf dem Boden. Ich spüre wie die Jungs zu uns gerannt kommen, Frau Wallin ruft bereits den Notarzt. Mit der wenigen Luft, die ich bekomme, taste ich die Beine von Glymur ab. Es scheint alles okay zu sein und er steht auf. Nur ich komme nicht hoch, doch Niklas kommt mir zu Hilfe. “Bleib’ liegen”, ruft er.

      Lina
      Ein krachen reißt mich aus meiner Konzentration und ich sehen nur noch wie Glymur seinen Reiter unter sich begräbt. “Oh, Gott Vriska”, rufe ich nur noch und bin im gleich Moment von der noch traben Nathalie gesprungen. Dies war so verdutzt, dass sie stehen blieb, wo sie war. Wie paralysiert laufe ich rüber zu der Unglücksstelle, wo sich die Jungs bereits versammelt hatten. “Vriska, geht es dir gut?”. Ich zitterte vor Aufregung und wollte mich durch die Jungs zu ihr vor wühlen, doch etwas hielt mich auf, jemand. Jemand hatte seine arme um mich geschlungen und hielt mich fest. “Lina, beruhig dich. So bist du nicht hilfreich”, redet jemand auf mich ein. “Beruhig dich”, sagte die Stimme. Ich atmete tief durch und braucht ein paar Augenblick um die Situation zu begreifen. Jace hielt mich fest umschlossen, denn ich zitterte wie Espenlaub. Glymur war inzwischen Aufgestanden und stand mit gesenktem Kopf etwas abwesend daneben. Nathalie stand immer noch verwirrt in der Ecke, nur dass sich inzwischen einer der Jungs zu ihr gesellt hatte. “Lina, hör mir zu. Du musst dich beruhigen, wenn du ihr helfen willst”. Jace hielt mich immer noch fest. Vom Hof her kam Luchy angelaufen um zu sehen, was passiert war. Ich sah wie Samu und Melina gerade aus der Halle kamen und ihr Pferde schnell in die Box brachten. Scheinbar hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. “Der Notarzt wird erst in 10 Minuten da sein. Solang darf sie sich nicht bewegen”, sagte Frau Wallin, die gerade das Gespräch beendet hatte.

      Nachdem der Krankenwagen samt Notarzt war, konnte kurze Zeit später Entwarnung gegeben werden. Vriska hat sich nur die Schulter ausgekugelt, eine Rippenprellung und einen Schocken. Über die Nacht muss sie noch im Krankenhaus bleiben. Währenddessen am Hof …

      Milena
      “Was ist denn passiert”, frage ich neugierig in die Gruppe.
      “Sei ruhig, das Thema hatten wir in den letzten Minuten so oft. Die Beiden haben den Abstand zwischen Cavaletti und Oxer unterschätzt und sind zusammen im Hindernis gelandet.”, entgegnet Niklas genervt.
      “Ist ja gut”, sage ich widerwillig.
      “So Leute, das ist schrecklich aber es ist nichts weiter schlimmes passiert. Wenn es euch emotional nicht allzusehr trifft, schnappt euch eure Pferde wieder und wir machen weiter im Plan. Etwas positives hat die Sache jedoch. Seid euch immer bewusst, was passieren kann und wie Schlimm ein Unfall enden könnte. Bleibt aufmerksam und denkt nicht, dass euer Pferd das alles regelt. Das Tier vertraut euch.”, sagt Herr Holm und geht zurück in die Reithalle. Mein Training ist bereits so gut wie zu Ende und ich bringe Kempa zurück in den Stall. Dort nehme ich den Beinschutz ab, bringe den Sattel zurück und gebe meiner Palomino Stute noch etwas zur Stärkung. Danach kann sie zurück auf die Weide. Zufrieden wälzt sie sich im trockenen Gras und trabt zu den anderen Stuten.
      Im nächsten Moment befinde ich mich in meinem Zimmer und überlege wie was ich in meiner freien Zeit machen kann. Nachher werde ich mit Snúra am Gangreiten teilnehmen, weil Kempa gestern schon genug tun musste. Es klopft. Neugierig gehe zur Türe, öffne. Vor mir steht Niklas vor mir.
      “Was machst du hier?”, frage ich überrascht.
      “Ich wollte dich sehen”, erwidert er und drückt mich in den Raum.

      Lina
      Nachdem Vriska versorgt war, hatte ich mich immerhin so weit beruhigt, um wieder auf mein Pferd zu steigen. Ich muss mich zusammenreißen, auch wenn das Gefühlschaos in meinem Kopf das recht schwierig machte. Das Training verlief sehr gut und ich hatte das Gefühl, dass Nathalie heute zu Hochform auflief. Nachdem Training versorgte ich die Gescheckte Stute und entließ sie auf die Weide. Nach der ganzen Aufregung beschloss ich mich meiner Lieblingstätigkeit, neben dem reiten zu widmen, allerdings nicht hier. Hier war zu viel los, besser gesagt hier ist zu viel Jace. Der Vorfall eben hatte mich reichlich verwirrt, nachdem er sich die letzten Tage zu genug demonstriert hatte, dass er weder ein Gewissen noch Interesse an mir hatte, war er heute so anders.
      Ich war auf mein Zimmer gegangen, um einen Rucksack zu holen, darin mein Zeichenzeug. Auf den Weg nach unten begegnete mir Samu. “Hey, alles ok bei dir?”, fragte er besorgt. “Ja, alles gut ich brauch nur etwas Zeit für mich”. “Kann ich dir irgendwie helfen?”, fragte der Finne. “Eigentlich nicht…. Könntest du vielleicht Legolas übernehmen?, der Rest ist versorgt”, fragte ich ihn zögerlich. Zielsicher schlug ich den Weg zu den Koppel ein und erblickte am Waldrand einen weißen Fleck. Leise betrat ich die Wiese und ging auf das weiße Pferd zu. Sobald er mich kommen hörte, hob er den Kopf. “Na komm mein kleines Einhorn”, flüsterte ich eher als ich reif. Der Hengst setzte sich in Bewegung und kam auf mich zu getrottet. Ich zog mich auf seinen Rücken, ritt von der Weide runter und schloss das Tor hinter mir. “Na los mein hübsche, du weißt wohin”, flüsterte ich dem Freiberger zu. Zuverlässig schlug der Hengst den richtigen Weg ein. Allein seine weiche Mähne unter meinen Fingern beruhigten meine Gefühle soweit, dass ich das alles für eine Weile vergessen konnte.

      Vriska
      Langsam erwachte ich. Aber wo bin ich. Für mich verging eine Ewigkeit bis ich realisiert habe, dass ich im Krankenhaus liege. Rechts neben mir stehen einige Maschienen, die immer wieder komische Piep-Geräusche von sich geben.
      “Hallo?”, rufe ich in der Hoffnung, dass jemand kommt. Wenig später kommt ein Arzt rein, er stellt sich als mein behandelter Arzt vor. Dann erzählt er mir, was passiert ist. “Kann ich jemanden anrufen?”, frage ich erschöpft. Er nickt und zeigt auf das Telefon neben meinem Bett, daraufhin verlässt er den Raum. Kurz dreht sich mein Arzt noch mal um. “Wenn was ist, drück den Knopf neben deinem Bett. Dann kommt eine Schwester. Und Essen gibt es in einer Stunde”, fügt er hinzu. Dann schließt er die Tür.
      Ich versuche mich aufzurichten, aber meine Schulter schmerzt stark und auch das Atmen fällt mir schwer. Langsam bewege ich meinen rechten Arm zum Telefon und wähle die Nummer vom Büro. Tut. Tut. Tut. Stille. “Lindö Dalen Stuteri, Vad kan jag göra för er? (Was kann ich für Sie tun)”, höre ich Tyrell sagen.
      “Tyrell … ich bin’s”, flüstere ich. Meine Erschöpfung hört man deutlich raus.
      “Gut, dass du anrufst. Weißt du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe?”
      “Tut mir Leid. Skit händer, va? (shit happens)”
      “Jetzt erzähl’ mir bitte, woran du dich noch erinnerst und wie es dir geht.”
      “Ich kann nicht so gut atmen und mir tut die Schulter weh. Was passiert ist. Mhm. Glymur und ich haben den Abstand zwischen Oxer und Cavaletti zu Lang eingeschätzt, er hat mir vertraut und wir sind gefallen. Dann wachte ich im Krankenhaus auf. Der Arzt sagte, dass ich mir meine Schulter ausgekugelt hatte und einige meiner Rippen geprellt sind. Ich habe keine Gehirnerschütterung. Jag börjar bli trött. (Ganz ehrlich, ich bin einfach nur müde)”, erläutere ich ihm. “Gå till sängs. (Leg dich schlafen)”, antwortet er mir.
      Ich lege den Hörer beiseite und schlafe ein.
      “Miss Isaac! You’re food is ready”, weckt mich eine nette Dame. “Ah, thank you”, bedanke ich mich und richte mich langsam auf. Noch immer liegt er Hörer neben mir. Ich hänge ihn zurück in die Halterung und beginne an zu Essen.

      Lina
      Zuverlässig hatte Divine mich an mein Ziel gebracht. Wir waren gerade aus den Vorhang aus Pflanzen geglitten. Dahinter lag die wunderschöne Lichtung, an die ich mich gerne zurückzog. Das hier ist mein Refugium. Sacht glitt ich vom Rücken des Weißen Hengstes und meine Füße berührten das weiche Gras. Ich blieb einen Moment stehen und atmete durch, während ich den Stab beobachte wie er glitzern durch die Sonnenstrahlen flirrte, lauschte den Geräuschen um mich herum. Divines leises atmen, der Wind der sacht durch die Blätter fuhr und etwas entfernt, der Bach der gurgelnd über die Steine floss. Ich merkte wie das Gefühlschaos in mir endgültig abebbte und sich mein Körper entspannt. Ich ließ mich auf dem alten bemoosten Baumstumpf nieder und nahm meinen Zeichenblock aus dem Rucksack. Ein zerknittertes Blatt fiel heraus und blieb auf dem Gras liegen. Neugierig stapfte Ivi näher und stupste das Blatt an. Ich wusste was drauf war und sogleich kam das Gefühlschaos in mir wieder hoch. Zitternd streckte ich meine Hand danach aus. Ich hob es auf und strich es glatt. Die Zeichnung zeigte einen jungen Mann auf einem Pferd. Da war er wieder Jace, wie ein Geist der mich heimsucht. Wütend zerknüllte ich das Blatt und warf es fort. “Muss er mich denn überallhin verfolgen?”, fragte ich … ja wen eigentlich mich, das Pferd was vor mir stand und mich fragend und freundlich aus seinen großen braunen Augen anstarrte. “Tut mir leid mein hübsche, du kannst ja nichts dafür”, wehmütig strich ich dem Freiberger den Schopf aus der Stirn. Freundlich rieb er den Kopf an meiner Schulte und schubste mich fast von meinem Baumstumpf. Gedankenverloren streichelte ich den Kopf des Pferdes. Nach einer Weil löste ich mich von dem Hengst und begann zu zeichnen.

      Am Nachmittag bereiten sich die Gangreiter mit ihren Pferden auf das besondere Training vor, während alle anderen herzlich Eingeladen sind das Geschehen mitzuerleben. Vriska liegt im Krankenhaus unter Beobachtung. In der Zeit hatten Milena und Niklas einen gemeinsamen, sehr intensiven, Nachmittag. Er hat sein Springtraining verpasst und die Trainer haben ziemlich schlechte Laune. Wirklich schlechte Laune.

      Milena
      Im Stall stehen wir bereit und bekommen erste Einweisungen von Frau Wallin, die mich konstant ignoriert und somit meine Frage nicht beantwortet, ob wir frei reiten sollen, um die Rasse zu präsentieren oder ernsthaftes Training vor uns steht. Es fällt mir ziemlich schwer ihrem Gesprochenen zu Folgen. Auch meine Stute Snúra scharrt nervös mit dem Huf. In meinem Kopf schweben tausend andere Dinge herum, als an das zu denken, was gleich passiert.
      “Ich wette mit dir, dass Vriska sich nur vor der Blamage bewahren wollte, die ihr jetzt passiert wäre”, flüstert Max mir zu, der mit Blá an mir vorbei läuft. Zu langsam begreife ich, was er wollte, um zu antworten. Linh kommt zu mir.
      “Denkst du Vriska geht es gut?”, fragt sie mich freundlich.
      “Ich weiß es nicht. Wir hatten vor zwei Tagen einen Streit und haben seitdem nicht viel miteinander gesprochen. Aber ich denke ja, sonst wäre die Stimmung eine andere und die vom Rettungsteam haben ja gesagt, dass sie nochmal Glück gehabt hat.”, antworte ich ihr.
      “Håll käften! (Halt die Klappe)”, mault mich Frau Wallin an, als ich kichern mit Linh ankomme. Die hat echt ein Problem mit mir. Linh entfernt sich mit Móra direkt von mir und steigt etwas weiter weg auf ihre braune Stute auf.
      “So ihr lieben. Ich freue mich, dass alle da sind. Wir beginnen erstmal mit etwas einfachen - Warmreiten. Unsere Gangreiter zeigen euch jetzt, wie sie die Gangpferde auf die nachfolgende Prüfungssituation erwärmen. Als erstes Starten wir mit einer Viergangprüfung und danach folgt eine Fünfgangprüfung. Darum bitte ich, dass alle mit einem Fünfgänger während der V3 in die Mitte kommen. Zum Ende, nach einer kleinen Pause, reitet ihr eine T3. Bei Fragen aus dem Publikum stehe ich gerne zur Verfügung. Ich werde die Prüfungen kommentieren, damit ihr einen Eindruck habt, wer richtig mit seinem Pferd umgeht und wer nicht. Am Ende werde ich auch Noten verteilen. Als Hinweis für die Teilnehmer - die Note wird bereits in eurem Portfolio eingetragen, also strengt euch an. Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an und stellt sich an den Rand.
      Ich merke jetzt erst, dass wir nur Linh für die V3 haben, da Kempa und Blávör Fünfgänger sind.

      Jace
      Seit heute Vormittag hatte ich Lina nicht gesehen. Auch bei der Gangvorführung sah ich sie nicht, so langsam mache ich mir Sorgen um sie. Samu stand etwas abseits mit Jayden und Luchy. Auch wenn ich mir Sorgen um Lina machte, mit ihm wollte ich heute lieber nicht reden. Ich wusste, dass er immer noch sauer war wegen der Sache, die am ersten Abend vorgefallen war. Nervös stand ich an der Bande und spielte mit meinen Fingern.

      Milena
      Im Schritt bereite ich Snúra auf den Tölt vor, immer wieder halte ich sie an und reite dann an. An der kurzen Seite Stelle ich sie mit der Schulter herein, um die Vorderhand elastischer zu machen und die Hinterhand aktiver. Meine Blicke schweifen immer wieder zu Linh, die mit Móra auch Übungen macht, jedoch ist ihre Stute deutlich interessierter und engagierter als Snúra, die jeden Schritt als eine Qual empfindet. Obwohl sie sehr arbeitswillig ist, zeigt schon jetzt nicht ihre Höchstform.
      “So ihr lieben. Linh zeigt nun die V3 mit Móra.Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an. Max und ich steigen von unseren Pferden und gehen in die Mitte.
      “Für alle, die die Prüfung nicht kennen, werde ich kurz diese Spezielle Prüfung erklären. Die V3 wird normalerweise in einer Gruppe von 3 bis 5 Reitern geritten. Es gibt 5 Aufgabenteile, wobei die schlechteste Note aus Aufgabenteil zwei bis vier gestrichen wird, sodass die Gesamtnote sich aus vier Einzelnen Noten zusammensetzt. Die Noten werden direkt nach der Prüfung präsentiert. Genaueres kann auf dem Notenzettel bei der Meldestelle eingesehen werden. Auf einem Turnier richten drei Sportrichter. Heute bin ich allein.”, erklärt sie. Das Publikum klatscht.
      Gespannt beobachte in Linh. Móra steht und sie atmet tief durch. Aus dem Stand tölten die Beiden an.
      “Die Prüfung beginnt”, sagt Frau Wallin an.
      “Wir sehen nun das ruhige Tempo Tölt, im vergleich zum langsamen Tempo kann das Pferd etwas schneller vorwärts. Das schwierige an den langsamen Bewegungen ist, dass der Reiter mit seinen Hilfen den Isländer im Takt hält, ohne Steif dabei zu werden. Für das Pferd ist es eine große Anstrengend. Die Hinterhand sorgt für den nötigen Schwung, um die hoch weiten Bewegungsabläufe der Vorderhand zu unterstützen und den Reiter dementsprechend zu tragen.
      Linh du machst das Super. Weiter so.”, lobt die Trainerin.
      Vorsichtig gucke ich zu Max, der Linh die ganze Zeit ziemlich komisch nachschaut. Aber das geht mich nichts an. Als ich durch die Zuschauer gucke, fällt mir auf, dass Niklas nicht da ist. Anna auch nicht. In meinem Kopf eröffnen sich plötzlich tausende Szenarien, wo die Beiden sind und warum er vorhin mit mir im Zimmer war.
      “So, nun folgt Aufgabenteil zwei. *Pause* Langsames bis mittleres Tempo Trab. Bevor ich dazu komme, möchte ich noch Anmerkungen zum ersten Teil geben. Móra war an einigen Stellen, besonders beim Wechsel von der kurzen zur langen Seite, zu schnell und verlor den Takt. Nichtsdestotrotz konnte Linh sie immer wieder gut Auffangen. *Pause* Im Aufgabenteil zwei, kann der Reiter selbst entscheiden, ob er aus dem Tölt in den Trab umstellt oder vorher noch einmal in den Schritt durchpariert. Jedoch sind nur wenige Schritte im Schritt zulässig. Bevor ihr euch fragt: Die Prüfung wird nur auf einer Hand geritten, bei der Nennung kann der Reiter selbst entscheiden, ob er auf der linken Hand oder rechten Hand vor reitet. Linh stellt Móra rechts vor. Der Vorteil dabei ist, dass die meisten Nennungen auf der linken Hand, somit ist es wahrscheinlicher das man rechts alleine die Prüfung reiten kann.”, erzählt Frau Wallin.
      Die restliche Zeit höre ich nur noch wenig zu. Linh reitet Móra natürlich hervorragend vor und es ist nur mit einer sehr guten Note zu rechnen. Sogar den schnellen Tölt meistern die Beiden, als wäre es das leichteste auf der Welt.
      “So, nun kommen wir zum Ende. Linh und Móra haben euch heute eine großartige Leistung gezeigt. Ich vergebe hierfür eine 7,9. Wie schon am Anfang gesagt, ist Móra teilweise im Tölt zu schnell geworden und im schnellen Tempo ging der Takt stellenweise verloren. Im Trab war so gut wie alles perfekt, aber du klammerst dich noch zu sehr am Zügel, sodass der Kontakt immer wieder zu stark am Pferdemaul war. Der Schritt war sehr gut gefedert mit einer schönen Haltung deiner Stute. Der Galopp ist noch ausbaufähig. Doch wir wissen Beide, dass das euer Problem ist. In den Kurzen wurde sie immer zu schnell und es schien, als hättest du die Kontrolle über ihr Tempo verloren. Aber im Großen und ganzen eine sehr gute Leistung. *Pause* Du kannst noch einige Runden Schritt reiten und dann folgen die Fünfgänger. Bitte reitet eure Pferde auch noch etwas im Schritt. Ich sage dann wann es los geht.”, unterbricht mich Frau Wallin in meinen Gedanken. Ich beobachte, wie sie sich dem Publikum zuwendet und einige Fragen beantwortet. Währenddessen gurte ich den Sattel von Snúra noch einmal nach und steige auf. Komischerweise hält Max mir gegen und ich nicke ihm freundlich zu. Es scheint, als würde er merken, dass etwas nicht stimmt.

      Jace
      Mir ließ das ganze keine Ruhe. Nachdem die erste Reiterin die Vorführung beendet hatte, verließ ich die Halle. Nervös tippe ich eine Nummer in mein Telefon. “Na los Alec, nimm schon ab”, raunte ich während ich nervös auf und ab lief. Es tutute zweimal dann nahm er endlich ab. “Alec”,rief ich in das Gerät. “Was ist los Jace, warum bist du so aufgeregt?”, kam es ruhig wie immer von der anderen Seite. Alec hatte das Talent total gelassen zu bleiben. “Es ist wegen Lina, ich habe sie seit heute Morgen nicht gesehen”, sagte ich und fuhr mir durch die Haare. “Jace, jetzt beruhig dich erst mal. Hast du einen von den Anderen gefragt?”, sagte er mit ruhiger Stimme. “Divine fehlt, Alec was ist, wenn ihr etwas passiert ist”. “Ganz ruhig Jace, ich bin eh auf dem Weg zu euch. Beweg’ dich nicht vom Fleck bis ich da bin, verstanden! Ich bin in 10 Minuten da”, kam es nur recht gelassen von ihm zurück. “Ok”, sagte ich kurz angebunden und legte auf. Ich rannte zur Koppel um Fashion Girl und Black Lady von der Koppel zu holen. Im Trab ging es mit den Stuten zurück wo ich sie vor dem Torstall anband. Gerade als ich mit den Tresen in der Hand aus der Sattelkammer kam, rollte Alecs Wagen vor, was mich zum Stehen brachte. “Jetzt mal ganz ruhig Jace”, sagte Alec während er ausstieg. “Hast du überhaupt überall auf dem Hof geschaut?”, fragend sah er mich an. “Ja, hab ich, also ich gebe ja zu manchmal bin ich ein Idiot, aber nicht Grenzdebil”, antwortete ich ihm ein wenig patzig. “Ok, ist ok Kleiner”, mit einem Grinsen klopfte er mir auf die Schulter. Du bleibst hier und ich gehe mal Samu fragen, ob er weiß, wo sie ist und mach’ keine Dummheiten bis ich wieder da bin ja. ich habe keine Lust dich zum hunderstenmal aus der Scheiße zu ziehen”. Für meinen Geschmack war sein dämliches Grinsen viel zu breit. Natürlich dachte er mal wieder ich übertreibe nur. Etwas grummelig wartete ich also auf meinen vielleicht nicht mehr besten Freund. Um nicht aus zu rasten, kraulte ich Fashion Girl die weiße Stirn und entspannte mich einen wenig.
      Nicht mehr ganz so entspannt war ich allerdings, als Alec, Samu und Jayden zusammen zurückkamen. “Was ist los, ihr wisst auch nicht wo sie ist?”, fragte ich und blickte Samu an. “Nein Jace, aber Ersten ist sie alt genug um allein zu entscheiden, was sie tut und zweitens wollte sie etwas Abstand von dir”, sagte er, wobei den letzten Teil betonte. “Und genau deshalb, wirst du hier bleiben während Alec, Jay und ich sie suchen gehen. Verstanden!” grummelte mich der Finne an. “Da müsst ihr mich hier schon anbinden”, ranzte ich ihn an. “Jace!”, ermahnte mich Alec und warf mich einen scharfen Blick zu. “Ist ja ok”. Somit verkrümelte ich mich also, da ich ja gerade von der Suche, die ich angezettelt hatte ausgeschlossen wurde.

      Alec
      Nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass Jace blieb, wo er war, Stieß ich wieder zu Jayden und Samu, die bereits Girly, Lady und Flanell fertig gemacht hatten. “So wen von den drei bekomme ich”, fragte ich neugierig. “Du hast heute die Ehre Flany zu reiten”, sagte Jayden. “Na dann los”, sagte ich fröhlich. Ich bin mir ziemlich sicher, Jace hat heute mal wieder übertrieben und Lina ist einfach nur gemütlich ausreiten und hat die Zeit vergessen. Ist mir auch schon öfters passiert.

      Zur gleichen Zeit im Krankenhaus …

      Vriska
      Das Essen war ziemlich gut, sogar richtig Knorke. Als ich es mir wieder bequem machen wollte in dem Krankenbett klingelt das Telefon.
      “Isaac?”, gehe ich neugierig an’s Telefon.
      “Hej Kleine, hier ist Folke. Der alte Sack vom Hof”, scherzt er am andere Ende der Leitung.
      “Freut mich dich zu hören, was ist los?”
      “Tyrell meinte, dass du die Aufmunterung gebraucht kannst, deswegen dachte ich, dass ich anrufe und dir vom Terrortinker erzähle. Also, Hedda und Eorann machen ziemliche Fortschritte …”, ich unterbreche Folke.
      “Halt, Stop. Wer ist Eorann?”, frage ich schockiert.
      “Ach, ich hatte dir noch nicht erzählt, das ich eine Freundin habe? Sorry. Wird wohl untergegangen zu sein. Wir sind seit ungefähr zwei Wochen zusammen”, klärt er mich auf.
      “Ich bin seit knappen vier Tagen nicht da und gefühlt bricht die ganze Welt auseinander?”
      “Du weißt doch, dass ich nicht der Typ bin, der das allen unter die Nase hält. So wo waren wir, ach ja. Eorann und Hedda arbeiten täglich mit Holy. Besonders das longieren, bei dem du geholfen hast, dass ihr Nahezubringen, macht meiner Schwester besonders viel Spaß. Die Stute lernt extrem schnell und verlangt sogar jeden Tag neue Übungen zu machen. Wir müssen jedes Training anders gestalten, damit sie nicht auf blöde Gedanken kommt. Schön ist auch, dass wir mit ihr üben in der Box zu stehen. Heute stand sie bereits eine Stunde ohne Aufsicht. Erst als wir wieder kamen, wollte Holy die Box zerlegen. Auf der Weide hat sie etwas Futter bekommen. Morgen wollen wir dann zum See gehen, etwas Schwimmen, weil ihr das so gefällt im Aquatrainer.”, erzählt Folke mit viel Freude.
      “Toll, ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich macht das toll. Leider muss ich dann auch auflegen, dass Atmen fällt mir schwer und möchte gern wieder zum Hof.”, antworte ich ihm. Er verabschiedet sich und legt auf. Vorsichtig packe ich den Hörer beiseite. Innerlich geht mir einer ab, weil Holy sind in den wenigen Tagen immer besser entwickelt. In mir geht wieder die Hoffnung auf, dass die Stute noch ein gutes Reitpferd wird für Hedda.

      Zurück auf dem Hof, machen sich Milena und Max für die Fünfgangprüfung bereit. Doch Vriskas beste Freundin ist sehr nervös und das überträgt sich natürlich auch auf Snúra, die entspannt im Schritt vorwärts rennt. Dabei fällt sie immer wieder auf die Vorderhand.

      Milena
      “Diese F2 ist auch eine spezielle Prüfung, da die Noten vom Aufgabenteil Tölt und Rennpass verdoppelt werden. Allerdings wird nur zweimal Pass gezeigt. *Pause* Hier im Tölt sieht man gut, wer ein besseres Team mit dem Pferd bildet. Max sitzt entspannt auf Blávör, die ein aktives Ohrenspiel hat und konzentriert im guten Takt vorwärts läuft. Snúra von Milena hingegen schlägt hektisch den Kopf von links nach rechts und möchte sichtlich der Situation entfliehen. Für sowas gibt es bei der Benotungen ein Minus, bei besonders guten Leistungen wie Linh mit Móra im Trab, gibt man ein Plus. Sollte es einem Noten Gleichstand im Finale geben, wird nach solchen Faktoren geguckt, um den ersten Platz ermitteln.”, klärt meine Trainerin das Publikum auf. Es ist mir unangenehm, dass ich es nicht schaffe Snúra gerecht zu werden. Aus dem Frust heraus bremse ich ab, steige ab und verlasse die Reithalle. Das will ich mir nicht mehr geben. Im Paradeschritt schreite ich mit Snúra zum Stall. Aus der Halle höre ich nur irgendwas von Disqualifiziert und einer 6, aber das nehme ich so hin. Im Stall lasse ich mich mit dem Rücken an einer Box fallen. Der kalte Boden kühlt förmlich meinen ganzen Körper ab. Ich bin komplett durchgeschwitzt. Das war zuviel für mich. Snúra schubert sanft an mir. “Alles gut meine Hübsche, es liegt nicht an dir. Ich bin das Problem”, sage ich und streiche ihr langsam über den Nasenrücken.

      Alec
      “Mal abgesehen davon ,dass Jace heute ein aufgekratztes Huhn ist. Was ist denn so bei euch auf dem Hof los?”, fragte ich die beiden Jungs, während wir Seite an Seite durch den Wald ritten. “Ziemlich viel Trubel”, antwortete Samu. “Naja und ein paar hübsche Mädels schwirren hier auch rum, aber da bist du ja zum Glück keine Konkurrenz”, fügte Jayden fröhlich hinzu.
      “Jay, sei kein Jace, das sind unsere Gäste”, ermahnte ihn Samu. “Ach, die Jungs sehen auch nicht schlecht aus”, kommentierte ich lachend. “Aber der hübscheste von allen wartet Zu Hause auf mich”. Flanell schüttelte den Kopf und schnaubet. “Entschuldigt eure Majestät, ihr seid natürlich der Hübscheste”, fügte ich lachend hinzu und strich ihm über den grauen Hals.

      Lina
      Meine Finger zeichneten von ganz allein, bis Divine den Kopf hob und ein leises Wiehern Ausstoß.”Was ist mein großer, was hörst du?”, fragend beobachtete ich den Hengst und lauschte. Ganz entfernt hörte ich Hufgetrappel. Wer könnte da bloß sein? Außer mir und Samu kennt keiner diesen Ort. Auf einmal merkte ich, dass die Sonne verschwunden war. Wie lange hatte ich hier gesessen. Das Hufgetrappel kam näher und mischte sich nun mit Stimmen. Schnell packte ich meine Sachen ein und wollte schon gehen, als Ivi das Zerknüllte Papier anstupsen. Schnell warf ich auch das in meinen Rucksack. Niemand durfte das finden, vor allem nicht Jace. Ich lauschte einen Moment, ich kannte die Stimmen. Alec und Samu waren definitiv dabei und noch ein weiterer, aber das konnte ich nicht ganz zuordnen.

      Alec
      “Wartet wir sind fast da, weiter reiten wir nicht”, sagte Samu. “Wo sind wir fast?”, fragte ich. “An ihrem Lieblingsort”, antwortete der blonde Finne kurz angebunden und wollte gerade an mir vorbeireiten. “Nein, ihr zwei wartet hier. Ich weiß, du bist ihr bester Freund Samu, aber wenn sie nicht Mal dir gesagt hat, wo sie ist, war das vermutlich Absicht. Ich gehe”, sagte ich und trieb Flanell an Samus Pferd vorbei. Ich folgte einem kleinen Trampelpfad, bis zu einer Stelle, wo ein Pflanzenvorhang war. “Lina, bist du da?”, rief ich. “Wenn du Jace dabei hast, könnt ihr euch direkt wieder verpissen”, kam es als Antwort. “Nein, nur ich”, antworte ich ihr, dann war es einen Moment still.
      Nach ein paar Minuten kam erst ein weißer Pferdekopf und dann auch Lina durch den Vorhang aus Efeu. “Oh, wer ist denn der hübsche Kerl?”, fragte ich sie um sie nicht gleich mit dem eigentlichen Grund der Suche zu konfrontieren. “Das ist HMJ Divine, hat dir nicht irgendeiner von diesen Hirnis schon von ihm erzählt?”, fragte sie brummig. “Ja, .. einer von den Hirnis, hat mir bereits von ihm Berichtet. Darf ich erfahren, warum sie Hirnis sind?”, fragte ich vorsichtig. “Wenn du mir eine Umarmung gibst und die anderen beiden weg schickst, erzählt ich es dir vielleicht auf dem Rückweg”, murmelte sie.

      Milena
      “Alles gut bei dir?”, fragt Herr Holm, der den Stall betritt.
      “Nein, nichts ist gut. Niklas ist ein Arsch, ich kann nicht reiten und meine eigentlich beste Freundin will nichts mehr von mir wissen. Ich will das nicht mehr”, antworte ich offen mit einigen Tränen in den Augen. Er setzt sich zu mir.
      “So ist das mit den Älteren, die denken nur das eine, wenn sie euch jungen Mädchen seht. Und wegen Vriska. Morgen sollte sie eigentlich wieder hier sein, dann braucht sie sicher auch deine Hilfe. Mach’ dir nicht so einen Stress. Ich werde mit Frau Wallin auch noch mal reden, ob du später noch mal einen Leistungstest machen kannst”, bietet er mir an und reicht mir die Hand zum aufstehen.
      “Tack”, bedanke ich mich. Er nickt mir freundlich zu und geht. In mir ist neuer Mut geschöpft, vielleicht auch, weil ich mit jemanden drüber sprechen konnte. Zufrieden schnaubt Snúra ab.Ich nehme ihr das ganze Reitzeug ab und bringe sie auf die Weide. Dort steht Niklas. Das hat mir gerade noch gefehlt. Gekonnt versuche ich ihn zu ignorieren, aber als ich das Tor öffnen möchte, hält er mich am Arm.
      “Vorhin war schön”, sagt er und zieht mich an ihn heran. Ich versuche mich zu befreien aber er hält mich fest.
      “Was willst du?”, entgegne ich ihm genervt.
      “Dich”, antwortet er und küsst mich. In mir schaltet sich alles ab.
      Im nächsten Moment lässt er mich los und geht.
      “Va fan, din jävel? (Was soll das, du “Mistkerl”?)”, rufe ich ihm zurück. Kurz dreht er sich um und streckt die Zunge heraus, dann geht Niklas weiter. Das soll mal einer verstehen. Snúra hat sich in der Zeit neben der Weide einige Grashalme gesucht.
      “Komm’, geh’ lieber bei deinen Kameraden fressen”, sage ich zu ihr und löse den Strick vom Halfter. Im Trab geht sie zu den Anderen. Pferd müsste man sein, denke ich und setze mich an den Rand. Ich stelle meine Beine auf und lege meine Arme um diese. Es fühlt sich nicht richtig an, was macht der mit mir. In dem einen Moment, ist er der beste Mensch der Welt und im anderen zieht er mich alles unter den Beinen weg, ich stürzte in ein Loch.
      “Milena?”, höre ich jemanden meinen Namen sagen. Ich drehe mich um. Linh kommt mit Móra. Direkt an der Weide nimmt sie das Zeug vom Pferd runter und lässt sie zu den Anderen.
      “Was war denn heute los mit dir? Du bist doch sonst so gut mit Snúra unterwegs”, fragt sie und stellt sich neben mich.
      “Ach … Männer”, antworte ich trocken.
      “Milena, wir sind wegen der Pferde hier. Nicht wegen der Typen. Die haben alle nichts im Hirn außer … ihren primären Geschlechtsorganen.”, sagt sie und lacht.
      “Du drückst dich immer so gediegen aus”, antworte ich ihr.
      “Wenigstens lachst du jetzt. Komm, wir gehen zu dir auf’s Zimmer. Zu mir wäre doof, da ist Anna”, sagt sie. Zusammen gehen wir und machen etwas zu essen.

      Alec
      Ich hatte die beiden Jungs weg geschickt und noch einen Moment mit Lina gewartet, bevor wir aufstiegen. “So, jetzt sind wir allein”, sagte ich zu der Frau auf dem weißen Hengst. “Mmmm, also das wichtigste weißt du ja schon, aber eigentlich ist da noch viel mehr”, druckste die junge Frau rum. “Also genaugenommen hat das ganze angefangen, als ich mit Divine aus Schweden zurückgekommen bin. Ich fasse es mal kurz zusammen. Ich habe ihn meine Lebensgeschichte und Ängste offenbart. Er hat mit mir geflirtet. Ich hab ihm gesagt ich liebe ihn, aber ich brauche Zeit. Dann war alles soweit gut und naja den Rest kennst du, dann hat er mit einer Anderen rumgemacht und sich wie ein Arsch benommen”, alles kam aus ihr wie ein Wasserfall. “Mmm .. ok ich kann eindeutig verstehen, warum du nichts mit ihm zu tun haben willst. Weißt du was, wir beide machen uns einen schönen Abend und morgen, werde ich mir mal Jace vornehmen”, sagte ich zu Lina. “Das klingt nach einer grandiosen Idee”, nach dem Gespräch wirkte Lina schon gleich ein wenig fröhlicher und begann mir von Divines Training zu erzählen.

      Jace
      “Wir haben deine angebetet gefunden”, rief Jayden als er die Stallgasse betrat in der ich gerade mistete. “Aber wie es aussieht, möchte sie gerade mit niemandem außer Alec reden. Also viel Spaß, allein”, sagte er und verschwand sogleich wieder. Immerhin hatten die drei sie gefunden. Irgendwie war ich erleichtert, aber gleichzeitig war ich auch ein wenig enttäuscht, dass ich wohl keine Chance haben würde, mein Fehler wieder gut zu machen.

      In der Halle war das Training wirklich zu Ende und die Sonne untergegangen. Das gemeinsame Abendessen steht nun auf dem Plan. Langsam aber sicher trudeln alle an und Herr Holm möchte der ganzen Truppe was ansagen. Während dessen im Krankenhaus bei Vriska.

      Vriska
      Das halte ich nicht mehr aus. Ich will hier weg. Spontan fasse ich die Entscheidung mich selbst zu entlassen.
      “Hello?”, rufe ich. Eine Krankenschwester betritt den Raum. Ich erkläre ihr die Situation und sie holt den Arzt.
      “Frau Isaac, sie müssen noch beobachtet werden.”, versucht er mir einzureden.
      “Nein, ich möchte hier weg. Wenn es mir nicht gut geht, komme ich wieder”, versichere den Arzt. Er nickt. Zur Kontrolle sieht er sich alle Werte noch einmal an und tastet mich ab. Nach dem Gespräch mit Folke bin ich nochmal eingeschlafen, seit dem geht es mir besser.
      “Wen sollen wir Anrufen? Sie haben Betäubungsmittel im Blut und können deshalb nicht alleine gehen”, erklärt er mir. Ich nicke und suche aus meinem Handy die Nummer von Frau Wallin.
      “Ich bin gleich wieder da”, sagt er und verlässt den Raum.

      Niklas
      Milena denkt wirklich, dass ich mich so schnell auf jemanden Einlasse. Umso mehr Spaß macht es mir, sie wie ein Fisch am Haken wackeln zu lassen. Mit Ju und Chris laufe ich zum Abendmahl.
      “Ich freue mich, dass alle Gesichter da sind. Einige habe ich heute bei dem Gangtraining vermisst.”, fängt er an zu reden. Natürlich merke ich die Blicke, die er mir zu wirkt. Arrogant lehne ich mich in den Holzstuhl.
      “Wo war ich? Ach ja. Morgen kommt der Rest aus dem Schwedischen Team, die es nicht geschafft haben bei dem ersten Flug mit zu kommen. Also seid freundlich!”, er stoppt zu sprechen. Das Handy von Frau Wallin klingelt.
      “Ja, das bin ich. .. mh .. Muss das sein? … ja … ja … ja, okay. Ich fahre los. Wiederhören”, höre ich. Herr Holm guckt sie neugierig an.
      “Ich soll Vriska abholen, sie möchte nicht weiter im Krankenhaus bleiben. Es geht ihr schon deutlich besser”, höre ich sie flüstern. Mein Trainer nickt und sie verlässt die Runde.
      “Diggah, deine Ische kommt wieder”, sage ich zu Ju und Boxe ihn in den Oberarm.
      “Aua. Was soll dis? Und es ist nicht meine Ische. Ich fand’ sie ganz Nett, das war’s.”; antwortet mein bester Freund.
      “Jetzt stell’ dich nicht so an”
      “Wer stellt sich denn hier an? Du hast gerade mit Zwei was am Laufen und machst beiden Mädls Hoffnungen. DU solltest dir Gedanken machen.”, pöbelt Ju.
      “Håll käften! (Verdammt noch mal, Ruhe!)”, meckert Herr Holm mit uns.
      “Ihr könnt nach her den Schwanzvergleich weiter machen. Jetzt bin ich dran. *Pause* Gut, also morgen kommt der Rest, seid Nett und habt heute noch viel Spaß. Morgen gibt es keinen Tagesplan, erstmal. Am Abend machen wir ein Training mit Flutlicht, ein Teamtraining. Es werden von uns Punkte vergeben, eure Partner könnt ihr euch selbst aussuchen. Und jetzt: Guten Appetit!”, spricht er zu Ende. Natürlich lasse ich mir nichts anmerken, aber das ich wieder so laut gesprochen habe, wusste ich nicht. Eigentlich sollte das nicht so laut sein. Hoffentlich haben Milena und Anna nicht mitbekommen.

      Hannes
      Während gefühlt alle Teilnehmer des Abendbrotes mitbekommen hatten, dass mein großer Bruder also know as das größte Arschloch wieder mal mehrere sogenannte “Ischen” am Start hatte, beschäftigte ich mich mehr mit meinem Essen als den dämlichen Tischgesprächen. Gott sei Dank war nach Herr Holms Ansprache etwas Ruhe eingekehrt, doch man hörte es an jeder Ecke tuscheln. Ob Menschen auch Probleme hatten, die nichts mit ihrer Fortpflanzung und ihren Trieben zu tun hatten? Während ich auf meinem Teller herum stocherte ließ ich den Blick durch den Raum schweifen und nahm Blickkontakt zu Max und Finley auf, die anscheinend ähnlich genervt von der Situation waren wie ich. Um mich etwas abzulenken, ließ ich das heutige Springtraining in meinem Kopf Revue passieren; Checkpoint und ich waren selbst in so kurzer Zeit zu einem guten Team zusammengewachsen und ich war gespannt, was die restliche Zeit hier in Kanada noch bringen würde. Niklas riss mich aus meinen Gedanken “Na wen hast du dir geklärt, Kleiner?”. “Skit på dig, diggih!” (Fick dich!), entgegnete ich ihm angepisst.

      Jace
      Nach der Stallarbeit freute ich mich wenigstens auf mein Abendessen. Ich war etwas nach den Anderen angekommen, weshalb ich natürlich auffiel als ich den Raum betrat. “Hey Jungs, ist bei euch noch Platz?”, fragte ich Niklas. “Klar, setz dich dazu”, bekam ich als Antwort und somit setzte ich mich. “Hab ich was verpasst, warum sind alle so ruhig hier?”.

      Niklas
      “Nichts. *Pause* Na gut. Also Herr Holm hat erzählt, dass wir morgen quasi den ganzen Tag frei haben. Am Abend gibt es ein Partnertraining auf dem Platz mit Flutlicht. Unseren Partner dürfen wir uns aussuchen. Vermutlich wird das ‘Wir geben einander Reitunterricht Ding’ und Pferdetausch. Zumindest haben wir das letztes Jahr so gemacht. Ach und Vriska kommt gleich wieder, die Wallin holt sie aus dem Krankenhaus ab. Scheint es wohl nicht lange ohne Ju auszuhalten”, sage ich am Ende scherzhaft zu meinem Kumpel und stoße ich leicht an. Damit er nicht wieder herum heult.
      Unauffällig suche ich Milena, die nicht dazusein scheint. Auch Anna ist nicht da. Hoffentlich streiten sich die Beiden nicht.

      Hannes
      Als Niklas fast schon panisch durch die Gegend schaut, wahrscheinlich um seine Herzensdame für den Abend auszuwählen, muss ich mein Lachen unterdrücken und stattdessen stoße ich etwas Luft aus, was mir komische Blicke des ganzen Tisches einbringt. In diesem Moment hallten Niklas’ Worte in meinem Kopf “Partnertraining” und ich überlegte mir, mit wem ich gerne ein Team bilden wollen würde - vielleicht Max oder Finley oder doch Linh? Nun schaute ich ebenfalls in der Gegend rum, um verzweifelt mit jemandem Blickkontakt aufzunehmen. Junge mach doch einfach deine Klappe auf, sagte ich zu mir im Stillen. Schließlich drehte sich Finley um und ich fragte ihn durch wildes Herumfuchteln mit den Händen und einer seltsamen Mimik, ob wir ein Team bilden wollten, also Jace mich ablenkte und fragte “Jo Hannes, weißt du schon mit wem du das ‘tolle’ Partnertraining absolvieren willst?”. “Ähhh… ähhhh.. was? Achso ähm ich dachte eigentlich an Finley wieso?”, antwortete ich verdutzt.

      Lina
      “Naja, ich vermute, das ich es mit meinen üblichen Trainingspartnern für heute ordentlich verkackt habe”, antwortete Jace auf Hannes frage, bevor er weiter mein Essen mampfte. “An deiner Stelle würd ich es mir überlegen, du hast nicht häufig eine Chance auf ein so cooles Pferd”. Da war er ja wieder, der alte Jace. Im vorbeilaufen funkelte ich ihn böse, bevor ich mich wieder zu Alec in die Ecke verkrümelte. Wie schaffte es dieser Mann denn nur immer so Großkotzig zu sein. Am liebsten wurde ich jetzt etwas nach ihm Werfen. “Lina, mach hier keine Szene, das ist nicht zu empfehlen. Freu dich lieber auf das beste Springtraining, deines Lebens”, redete Alec auf mich ein. “Wo wir schon dabei wären, wo nehme ich ein Pferd dafür her”, fragte er scherzhaft. Das brachte mich zum Lächeln “Ach, Alec wir haben einen Stall voller Pferde. Am besten nimmst du Farena, das passt doch größenmäßig perfekt”, begann ich nun mit ihm rumzublödeln.

      Hannes
      “Ach ja? Meinst du deiner ist so viel hochkarätiger? Auf jeden Fall hätte ich dann mal mehr Farbe unterm Sattel.”, scherzte ich mit Jace. “...achja ich helfe einem Bruder gern aus der Patsche.”, ergänzte ich noch auf seinen ersten Satz. Er lächelte und konterte sofort “Das werden wir ja sehen, ist das dann ein Ja zum Team der absoluten Perfektion?”. Ich konnte nicht anders als zu lachen, aber schließlich lächelte ich und nickte zustimmend.

      Vriska
      “Danke, dass sie mich abgeholt haben.”, sage ich zu Frau Wallin als wir am Hof aussteigen.
      “Bitte benimm dich den restlichen Tag. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele graue Haare ich wegen dir bekomme”, antwortet sie. Ich nicke und gehe in den Essenssaal. Natürlich sind die Jungs wieder ziemlich laut und somit nicht zu übersehen. Allerdings halte ich ausschau nach Milena - nicht da. Aber Lina sitzt auch dort. Kurz seufzte ich und mache mich auf den Weg dorthin. So eine kurze Strecke hat mir noch nie so schwer gefallen wie heute.
      “Ach unser Unfallopfer ist wieder da. Wie geht es dir?”, fragt Niklas erstaunlich freundlich.
      Perplex antworte ich: “Eigentlich ganz gut. Die Atmung fällt mir noch schwer durch die Rippenprellung. Tack för att du frågar. (Danke der Nachfrage)”, antworte ich ihm und schmunzel. Ich gucke zu Ju, der Wortlos am Tisch sitzt. Aber Männer können mir echt den Buckel herunterrutschen.
      “Ist hier noch Platz?”, frage ich Lina und setze ich mich ganz frech zu ihr. “Habe ich irgendwas verpasst?”, füge ich noch hinzu.

      Lina
      “Klar, setzte dich. Naja… viel verpasst hast du nicht. Morgen ist Training mit Partnertausch. Wie gehts dir eigentlich?”, fasst ich zusammen. “Naja und weil Jace ein Idiot ist, ist diese hübsche Mann morgen mein Partner. Das ist Alec. Alec das ist Vriska.”, vermittelte ich.

      Vriska
      Ich mustere Alec von oben bis unten. Nicht schlecht denke ich. “Passiert heute noch was?”, frage ich sie dann.
      “Saufen natürlich”, höhnt es aus der Ecke.
      “Du irriterar, Niklas (Du nervst, Niklas)!”, rufe ich ihm zu.
      “Dafür, dass du vorhin fast gestorben bist auf dem Weg, hast du ne ganz schön große Fresse auf einmal”, droht er mir.
      “Man alter, setz’ dich wieder hin.”, ruft Ju ihn zurück. Mit einem Zähneknirschen geht er zurück.
      “Wollen wir uns nach draußen setzen? Hier sind mir zu viele Leute und eine entspannte Runde am Lager hat doch was. Denkst du nicht?”, frage ich Lina, die ziemlich abwesend zu sein scheint.

      Lina
      Vriskas fragen, riss mich aus meinen Gedanken. “Ja, gerne”, antworte ich ihr. “So ihr zwei ich lass euch mal kurz allein, ich ruf mal grad Zuhause an “, meldete Alec sich ab und verschwand in die andere Richtung. Die kühle Nachtluft tat gut und brachte ein wenig mehr Klarheit in meine Gedanken.

      Hannes
      “Kann nicht einfach mal Ruhe sein…Niklas halt doch einmal deine Klappe und lass alle in Frieden”, murmelte ich vor mich hin und hoffte, dass es niemand hören würde. Wieder abgelenkt durch die Mitmenschen am Tisch, die allesamt ihre Köpfe umdrehten, als Vriska und Lina den Speisesaal verließen. Niklas schien irgendwas zu Ju zu tuscheln und ich verdrehte bloß die Augen, dämlicherweise hatte Nik das mitbekommen und starrte mich genervt an. “Was denn Kleiner? Neidisch? Du kannst doch ne Frau nicht von nem Kerl unterscheiden”, feixte er arrogant. Mir fehlten die Worte und ich hielt nur meinen Mittelfinger hoch - was ein Arsch. Jace stupste mich lachend an und und signalisierte durch seinen Blick, dass er Niklas genauso lächerlich fand. So stopfte ich das letzte Bisschen Essen in meinen Mund und stand noch kauend auf und lief zum Stall, um Checkpoint noch einen Besuch abzustatten.
      Im Stall war bereits das Licht an, was mich etwas verwunderte, dennoch ging ich schnurstracks auf den lackschwarzen Hengst zu, der seinen Kopf hob und leise brummelte. “Na Dicker, gar nicht so schlecht hier, was?”, fragte ich ihn und tätschelte seinen schönen Kopf, mit der ungewöhnlichen Blesse. Sein Interesse an mir weichte aber seinem Hunger, weshalb er den Kopf wieder ins Heu tauchte. Da ich unter keinen Umständen wieder in den Speisesaal wollte, beobachtete ich ihn noch eine Weile.

      Vriska
      Ein laues Lüftchen weht und lässt das Feuer tanzen. Gespannt beobachte ich die kleinen Funken, die in der Luft schweben und verglühen. Es ist besser wieder am Hof zu sein, auch wenn es nicht meine gewohnte Umgebung ist, fühle ich mich mit den Menschen hier sehr wohl, denn auch wenn einige von ihnen, nicht unbedingt freundlich sind, versuchen sie etwas zu verstecken. Warum verstecken Menschen etwas? Ist es ihnen peinlich? Wollen sie die Wahrheit nicht erkennen? Oder fehlt es an Empathie?
      Schritte kommen von hinten. Nur eine Person kenne ich, die solche Bewegungen macht - Milena.
      “Ach schon wieder da?”, fragt sie neugierig und setzt sich dazu.
      “Offenbar, ja”, antworte ich abwesend. Ich wende ihr keinen Blick zu, sondern beobachte noch immer die Flamme gespannt.
      “Schön”
      “Ja.”
      “Willst du dich nicht unterhalten oder was ist?”, kommt nun etwas genervt von meiner besten Freundin.
      “Ich … ich brauche Ablenkung”, antworte ich und wende mich zu ihr.
      “Oh okay. Dann ist alles gut? Ich hab’ mit Niklas geschlafen”, offenbart sie mir.
      “Wer hätte es gedacht, sonst hättest du dir auch kein Einzelzimmer geben lassen”, entgegne ich trocken.
      Milena schweigt. Ruhe. Endlich Ruhe.
      “Lina, soll ich dir was von Holy erzählen?”, frage ich wenig später Lina, die auch mit am Feuer sitzt.

      Der Abend endet ohne weitere Vorkommnisse, so dass der Tag ruhig beginnt. Alle kommen pünktlich zur Besprechung und die restlichen aus dem Schwedischen Team erscheinen, der dritte Jahrgang aus dem auch Niklas und Anna sind. Aufgrund eines großen Turnier in Schweden, war es für sie nicht möglich früher zu erscheinen.

      Niklas
      “Schön, dass ihr alle heute pünktlich sein. Wie gestern schon gesagt, habt ihr freies Training mit euren Pferden aber denkt dran, dass heute Abend noch ein Training ist. Strapaziert die Tiere nicht zu sehr am Vormittag. Der Rest des Teams ist vor weniger als einer Stunde am Hof angekommen. Also wer sie noch nicht kennt das sind Emilia, Mika, Ambrose und Darya.”, stellt Herr Holm. Freundlich winke ich dem rest zu. Endlich sind die normalen Menschen da.
      “Bevor ihr sie nun überfordert, esst erst mal in Ruhe. Bis später.”, sagt er und geht aus dem Raum.

      Mika
      Wir hörten Herr Holm aufmerksam zu, auch wenn mein Blick durch die Traube von Personen schweifte, viele Typen und ein paar Mädels zwischen ihnen, sah nach Drama aus. Ehe wir uns aufteilten ergriff ich kurzer Hand das Wort “Ähm Hej, ja ich bin Mika, der Nigga hier ist Ambrose, sorry warn Spaß Bro, und die süße Russin hier ist Darya, nennt sie einfach Dasha.”, Ambrose boxte mich auf den Arm und wir beide lachten, während Dasha nur schüchtern lächelte und “Hej” murmelte. “Um uns noch etwas weiter vorzustellen…”, fuhr Ambrose fort, “Wir kommen vom gleichen Hof wie Vriska und Max, okay vorher waren wir woanders, aber jetzt sind wir ebenfalls auf dem LDS, da ein neuer Trainer des Vereins Collin Jones uns auf den Hof geholt hat. Joa meine schöne Grulla Stute Oline seht ihr später, der zickige Fuchs aka Caja gehört zu Mika hier und die hübsche braune Winnie wird von Dasha geritten. Aber wir gehören alle zum Verein im Fältrittklubben. Auf eine schöne Zeit!”, beendete Ambrose seine Rede und gestikulierte eine Bierflasche, die er imaginär zum Anstoßen in die Luft streckte. Ich lachte und “stieß mit ihm an”. Auch wenn ich nicht der Fan von öffentlichen Liebesbekundungen war, hatte ich das Gefühl Darya als mein Eigen zu markieren und zog sie in meinen Arm und drückte ihr sanft einen Kuss aufs Haar, was mir von Ambrose Seite ein Kotzgeräusch einbrachte. Aus der Gruppe gegenüber kamen Jubelrufe und seltsame Geräusche, weshalb ich die Augen verdrehte und Dasha nur noch fester hielt. Mein Held des Tages war ein Mann namens Jace, der uns aus der unangenehmen Situation befreite und uns den Weg zum Stall zeigte. Gezwungenermaßen musste ich Dasha loslassen und holte Olli vom Transport und führte sie zusammen mit den anderen in den Stalltrakt. Glücklicherweise hatten die Pferde die lange Reise echt gut weggesteckt und durften sich nun etwas erholen und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Bevor wir uns zum Frühstück los machten, räumten wir noch schnell unser ganzes Gerümpel in die Sattelkammer.


      Lina
      Gut gelaunt hatte ich heute Morgen die morgendliche Heurunde gemacht und bei der Gelegenheit auch gleich die Pferde der Nachzügler bewundert. Am besten gefiel mir die Fuchsstute. Freundlich hatte sie, mich aus ihrer Box beobachtet und sich noch ein wenig extra Heu geklaut. Der Abend war gestern noch sehr schön gewesen und es hatte mich gefreut noch einiges über Holy zu erfahren. Fröhlich ging ich zum Frühstück und sah auch schon gleich Vriska und Milena an einem Tisch sitzen. “Guten Morgen ihr zwei”, begrüßte ich sie fröhlich.

      Vriska
      “Guten Morgen”, begrüßt Milena Lina fröhlich. Ich nicke mal wieder nur. Die Nacht war blöd. Egal wie ich mich hingelegt habe, schmerzte meine Schulter oder mein Brustkorb. Irgendwann schlief ich im Sitzen ein. Im Spiegel hatte ich bereits meine Augenringe betrachtet. Da hat nicht mal Make-Up was gebracht.
      “Lina! Siehst du die drei? Das sind die neuen”, versucht Milena ihr zu zuflüstern. Jedoch spricht sie so laut, dass sogar Niklas vom Nachbartisch es hören konnte. Mit prüfenden Blicken guckt er zu ihr.
      “Schlecht geschlafen oder warum sagst du nicht irgendwas, worauf ich eingehen kann?”, fragt er mich dann verwundert. Ich knurre zurück und stochere müde in dem Gurkensalat herum. Es scheint mir, als würden die Schmerzmittel aus dem Krankenhaus nun Nebenwirkungen ausbilden. Meine Stimmung ist noch gedrückter als sonst, alles tut mir weh und alles was ich möchte ist nach Hause zu fahren. Doch den Flug würde ich sicher auch nicht schaffen.
      “Alles gut bei dir?”, fragt nun auch Milena. Offenbar muss ich nun doch antworten. Sonst bildet sich noch eine Traube um mich herum und ALLE werden fragen, was mit mir los ist.
      “Ich habe beschießen geschlafen, mir tut alles weh und ich glaube, dass mein Gurkensalat mit mir spricht. Reicht das für’s erste?”, sag ich genervt und stehe auf.

      Darya
      Als wir vom Stall zurückgekommen waren, wurden wir Niklas, zum Tisch gewunken und setzten uns dazu. Auch wenn ich diesen Kerl nicht kannte, war ich froh, dass ich am weitesten von ihm weg sitzen konnte. Mika schien meine Anspannung zu merken und drehte sich zu mir um und lächelte mich beschwichtigend an und drückte sanft meinen Oberschenkel unter dem Tisch - ich bedanke ihn mit einem kleinen Grinsen. Wie immer gliederten sich Ambrose und Mika super in die Gruppe ein und ich saß nur still da, starrte in die Leere und stocherte im Frühstück herum. Am anderen Ende des Tisches saß eine junge Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam, ich beneidete sie um die coole Haarfarbe, doch irgendetwas stimmte mit ihr nicht, sie sah noch anteilnahmsloser aus als ich und auch irgendwie traurig, weshalb mir rausrutsche “Was ist mit ihr?”, leider hatten es alle am Tisch mitbekommen - na toll.

      Niklas
      “Ach, beachte sie gar nicht. Sie hatte gestern einen Reitunfall, war im Krankenhaus und wollte am Abend unbedingt wieder zurück kommen. Bestimmt wollte sie Ju einfach wieder sehen”, scherze ich noch.
      “Ja klar, ganz bestimmt. Wir haben gestern nicht einmal miteinander gesprochen”, wirft er direkt ein.
      “Das war doch nur ein Witz”, merke ich an und rolle mit den Augen.
      “Habt ihr Lust eine Runde auszureiten? Kanada ist schöner als ich dachte, aber nichts ist so schön wie Schweden!”, frage ich in die Runde und stehe auf. Ju folgt mir.

      Vriska
      Müde schleppe ich mich zu Glymur, den Lina mir freundlicherweise schon auf die Weide gestellt hat. Sogar mit seiner Decke. Aufmerksam schnalze ich ihm zu. Neugierig hebt er seinen Kopf, schüttelt sich und kommt gemütlich auf mich zu. Seine Blesse ist bedeckt mit einigen Kratzern.
      “Tut mir Leid”, sage ich zu ihm und streiche über die Wunden. Er schnuppert an meinem Arm, mit seinen Lippen knuspert er an meinem Ärmel. Ich muss lachen.
      “Nein, dass kannst du nicht essen.”, entgegne ich in dem Moment.
      “Weißt du, ich kann heute sicher nichts mit dir machen. Wenn ich könnte, würde ich gern ausreiten mit dir, einfach nach Hause.”, flüstere ich und lehne mich mit dem Rücken am Zaun an. Er streckt den Hals durch diesen und scheint mir einfach zuzuhören.

      Lina
      “Dann kennst du noch nicht die schönsten Ecken”, grölte Jace und verließ zusammen mit den beiden Jungs den Raum. “Tja, sieht so aus als wären wir nur noch zwei”, sagte ich zu Milena, die mir gegenüber saß. “Wie ist das eigentlich ein Islandpferd zu reiten”, fragte ich neugierig. “Naja, im Prinzip ist es nicht anders als bei jedem anderen Pferd”, antworte mir das blonde Mädchen.“Eure Vorführung gestern hab ich leider verpasst. Darf ich dir vielleicht beim Training zusehen?”.

      Jace
      “Du hast da ein echt hübsches Pferd”, sagte ich zu Ju, der gerade mit seiner Rappscheckstute um die Ecke kam. “Sieht echt edel aus“, sagte ich noch bevor ich mir Girlys Halfter schnappte, um sie von der Koppel zu holen. Ich hatte mich heute Gegen Herkules entschieden, der Buckskin hatte in den letzten Tagen schon genug getan. Wie als könne die Stute Gedanken lesen, stand sie schon am Tor und wartete. “Na Süße, Wartes du schon”, begrüßte ich sie und strich ihr über die hübsche weiße Stirn. Freundlich schnaubte sie und genoss die kleine Streicheinheit. Nachdem ich sie gehalftert hatte, ging es mit der Stute im Schlepptau zurück zu den beiden Jungs, die schon dabei waren ihre Pferde zu putzen.

      Milena
      “Ähm … wollen wir nachher drüber reden? Ich würde gern mit Ausreiten gehen, außer du kommst auch mit. Pass auf, wir machen das so. Wir machen nachher das Partnertraining, dass zeige ich dir was und du kannst dann gern auch Kempa nehmen”, sage ich hektisch zu Lina und stehe auf ohne auf ihre Antwort zu warten.
      “Niklas warte, ich komme auch mit”, rufe ich ihm nach.
      “Dann mach Lack”, sagt er mit seiner Schimmelstute am Halfter. Ich nicke und renne weiter zur Stutenweide, auf der ich Snúra mit dem Halfter nehme.
      “Komm’ wir müssen uns beeilen”, treibe ich die Stute vorwärts. In der Gasse angekommen, sehe ich wie Jace sich mit Ju unterhält über Amnesia. In dem Moment merke ich, dass ich ziemlich neidisch bin. Natürlich sind meine beiden Mädels auch hübsche Pferde, doch wenn Ju mit Amnesia einen Raum betritt leuchtet alles.
      Ohne meine Stute anzubinden, steht sie entspannt in der Gasse bei den anderen Stuten. Noch putzen alle anderen ihre Pferde, doch ich habe Snúra schon fertig.
      “Wie hast du das gemacht?”, fragt Niklas überrascht.
      “Wir machen unsere Pferde nicht schickimicki sauber. Hauptsache der Dreck ist weg, wo das Zubehör liegt. Schließlich geht es hier um nichts”, scherze ich und setze meinen Helm auf.

      Ambrose
      Gerade als die anderen herauseilten, um ihre Pferde für den Ausritt fertig zu machen, schlenderten wir gemütlich hinterher und schlossen uns der Truppe an. „Ey chillt doch mal, was eine Eile!“, rief ich den anderen belustigt zu und grinste. Dasha meldete sich bedenklich zu Wort „Wartet mal, unsere Pferde sind gerade nach einem langen Flug angekommen, das wäre doch doof jetzt ihnen auch noch den Stress anzutun.“ Wie immer hatte sie recht und wir stimmten ihr geknickt zu. Gerade in diesem Moment stieß Miss Montrose zu uns und unterbreitete ein Angebot, dass wir nicht ablehnen konnten. Sie begleitete uns zum Stall und zeigte uns drei Pferde, welche sich über einen Ausritt freuen würden. Royal Champion, ein Hengst aus der Hofeigenen Zucht, der wirklich etwas hermachte, den sich natürlich Mika als erstes schnappte. Dasha konnte sich nicht von ihren Trakehner trennen und griff zu Vakany, die ein wirklich außergewöhnliche Zeichnung hatte. „Haben sie einfach ein entspanntes Pferd für mich?“, fragte ich Miss Montrose. „Luchy, Bitte. Ich denke British Gold könnte gut zu dir passen.“, antwortete sie lächelnd und drücke mir das Halfter der Stute in die Hand. Nachdem jeder nun sein Pferdchen hatte, beeilten wir uns die drei hübschen Warmblüter fertig zu machen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Fertig gestriegelt und geschniegelt standen wir mit den anderen vor dem Stall und warteten darauf, dass es losgeht.

      Lina
      Pff, auf den Ausritt kann ich gerne verzichten. Aber ich hatte heute Vormittag eh etwas anderes vor. Ich hatte nämlich Luchys Tochter versprochen mit ihr heute den Vielseitigkeitsplatz zu erkunden, zu Pferd versteht sich natürlich. Also machte ich mich auf dem Weg zum Haupthaus und klopfte. Colin öffnete mir die Tür. “Hey, ich wollte mir mal euer Kind ausleihen”, sagte ich zur Begrüßung. “LIINA”, kam da auch schon das kleine Mädchen angerannt. “Gehen wir jetzt auf den Geländeplatz?”, fragte mich die kleine.”Ja, genau. Hol deine Reitsachen dann gehts los”, sagte ich ihr und schon flitzte sie davon. “Meinst du ich kann mir Nurja ausleihen?”, fragte ich Colin während ich wartete. “Ja klar, das sollte kein Problem sein”, meinte er nur.
      Ein paar Minuten später war ich mit Aleen im Schlepptau auf dem Weg die Pferde zu holen. “Wen darf ich heute reiten?”, fragte sie neugierig. Normalerweise ritt die kleine ihr Shetty Farena, doch da ich befürchtet, dass die kleine vermutlich im Wassergraben versinken würde, durfte sie heute wen anders reiten. “Du, meine süße darfst heute Mad Eye reiten”, sagte ich und deutete auf den grasenden Schecken. “Möchtest du ihn rausholen?”.”Ja”, rief die kleine und nahm sein Halfter entgegen.

      Milena
      Mittlerweile hat sich die Gruppe deutlich vergrößert. Einige der Teilnehmer sind mit neu.
      “Ach, ich bin Milena”, stelle ich mich kurzer Hand vor. Im Vergleich zu den Anderen komme ich mir mit Snúra ziemlich klein vor.

      Mika
      „Jo ich bin Ambrose, Bitte keine Spitznamen, danke.“, stellte sich mein bester Kumpel vor und lachte sie etwas flirty an. Sie grinste und schaute danach fragend zu uns. „Hej, ich bin Mika und das hier neben mir ist meine Freundin Darya“, stellte ich nun uns beide auch vor. Höflich wie sie ist antwortete Darya die Hand ausstreckend, „Dasha, freut mich dich kennenzulernen!“.

      Milena
      “Ich freue mich auch euch kennenzulernen”, antworte ich. Aktiv treibe ich Snúra vorwärts, da sie einige Probleme hat hinterher zukommen.
      “Leute, ich drehe um”, sage ich gefrustet, während die Anderen sich unterhalten. Niklas hält Smoothie an wartet auf mich.
      “Ach, setzt dich bei mir mit rauf und nimm dein Pony als Handpferd. Passt schon”, sagt er und gibt mir die Hand. Vorsichtig steige ich auf den Rücken von Snúre und schwinge mich auf den Rücken seiner Stute. Kurzer Hand schnelle ich die Zügel an das Reithalfter. Plötzlich kann sie das Tempo mithalten.
      “Und besser?”, fragt er schelmisch.
      “Natürlich.”, antworte ich.
      “Halt dich ruhig fest”, fügt er noch hinzu und trabt Smoothie an.
      Angekommen an bei der Gruppe pariert er sie wieder durch. Verwirrt mustert Ju uns.
      “Was wird das denn, wenn’s fertig ist? Ich dachte schon, dass ihr im Busch verschwunden ist”, kommentiert er unsere Ankunft.

      Jace
      “Naja, siehste doch. Das wird ein romantischer Ausritt”, antwortete ich neckisch auf Jus frage. “Ein paar gute Pferde hab ihr euch da geben lassen“, sagte ich nun an die drei neuen gewandt. “Gerade der kleine Champ hat ordentlich etwas darauf”.

      Lina hat inzwischen zusammen mit Aleen Mad Eye und Nurja fertig gemacht und war am Vielseitigkeitsplatz angekommen. Nach einer kurzen Aufwärmphase für die Pferde ging es an die Erkundung des Platzes.

      Lina
      “Was möchtest du als erstes Probieren?”, fragte ich das kleine rothaarige Mädchen. “Das da”, sagte sie und deutete auf den vorderen Teich mit dem Wassereinsprüngen. “Na gut, dann lass uns mal schauen ob Mad Eye Wasser mag”, sagte ich und ging mit Nurja Richtung Wasserloch. Zuverlässig lief die Freibergerstute hinein. Als das Wasser ihr bis zu den fessel ging, drehte ich sie um und hielt sie an. “Na los, komm einfach her. Lass den Zügel schön lang, damit Mady sehen, kann was unter ihm ist”, erklärte ich der kleinen. Der Ponywallach trottet brav bis zum Ufer, wo er sich erst einmal einen Drink genehmigte, bevor er weiter in Wasser ging. Als der Ponymann etwa bis zu den Knien drin stand, begann er im Wasser zu planschen. “Super macht ihr zwei das. Pass nur auf das er sich nicht hinlegt”, lobte ich Aleen und ließ auch Nurja ein Stück weiter hinein. Gut das es heute recht warm, war denn Mad Eye sorgte gerade dafür, dass wir alle ziemlich nass wurden.

      Mika
      “Achja, stattlich sieht er ja aus, hab gehört der hat nen hohen Blutanteil? Und wie testen wir jetzt am besten, was er so alles drauf hat?”, fragte ich Jace und war stolz wie Oskar, da ich auf einem solch krassen Pferd saß, wobei mir im gleichen Moment meine kleine Zicke fehlte. Ich drehte mich im Sattel um und hielt Ausschau nach Dasha, die nur kurz hinter ritt. Ihre Stute Vakany schien sich nur wenig für die Hengste der Gruppe zu interessieren und Darya grinste bis über beide Ohren, “Na freust dich wohl über die bunte Trakistute? Deine ist ja auch echt langweilig mit dem Einheitsbraun”, stichelte ich sie. Wie zu erwarten setzte sie sofort eine entsetzte Miene auf und fing an zu protestieren. “Ey lass meine Winnie in Ruhe! Dein fetter Fuchs ist auch nicht besser, zumal meine auch kein Biest ist!”, polterte Dasha los, sodass ich nur noch lachen musste. Um sie zu besänftigen gab ich klein bei und sendete ihr einen Luftkuss, worauf Jace gleich reagierte “Jaja romantisch, sag ich doch.”. Ambrose steckte etwas weiter hinten in der Gruppe und versuchte British nach vorne zu bringen, die Stute überinterpretierte seine Hilfen und galoppierte freudig los, wobei sich Ambrose etwas erschrak und im Sattel rumhüpfte, wie ein Reitanfänger. Die gesamte Gruppe verfiel in Gelächter und Niklas kommentierte die Situation recht passend “Jaja die reiterliche Elite von Schweden”, was das Gelächter nur noch vertiefte.

      Milena
      Ich hätte wirklich zurück reiten sollen. Die Älteren sind eine ganz andere Nummer, als Vriska oder Max. Gespannt folge ich den Gesprächen, kann jedoch nicht genau Nachvollziehen, worum es sich handelt. Um das Eis zu brechen stelle ich eine Frage in die Runde: “Wie seid ihr denn dazu gekommen, ein Teil im Nationalteam zu werden?”
      “Gute Frage, das weiß ich tatsächlich von euch noch gar nicht. Also fange ich einfach mal an. Mein Opa ist im Sommer 1956 bei den Reitspielen in Schweden mitgeritten und hat den zweiten Platz gemacht, da sich seine Stute nach dem vorletzten Sprung vertreten hat und eine Fesselverletzung zugezogen hat. In seine Fußabdrücke ist jedoch mein Onkel getreten, weil mein Vater nichts mit Pferden anfangen konnte. Als ich aufwuchs verbrachte ich mehr Zeit mit ihm als mit Vater, sodass ich früh auf dem Rücken eines Pferdes saß. Mit 6 Jahren habe ich mein erstes Pony von Onkel bekommen. So ging es immer weiter, bis ich mit 15 Jahren plötzlich nichts mehr hatte, was ich im Turniersport erreichen konnte. Nur noch die Großen Veranstaltungen hatte ich nicht besucht, was allerdings an meinem Alter lag und nicht an der Leistung. Als ich mit der Schule fertig war, reiste ich um die Welt und bekam das Angebot mit zur Elite zu kommen. Jetzt bin ich hier mit Smoothie.”, erzählt Niklas.
      In mir macht sich eine Traurigkeit breit, weil meine Geschichte total unspektakulär und langweilig ist. Deswegen halte ich mich zurück und warte gespannt auf die nächste Story.

      Darya
      Niklas Geschichte hörte sich an wie eine Filmstory, doch er konnte gut erzählen und zog so alle in seinen Bann. Erstaunt von meinem eigenen Mut fing ich an zu erzählen “Bei mir war es wenig spektakulär, allerdings reite ich schon eine ganze Weile, eigentlich von der Pike an. Ich bin mit meinen Eltern erst vor ein paar Jahren nach Schweden gezogen, wir lebten im europäischen Teil Russlands auf dem Anwesen meiner Großeltern. Unsere Familie züchtete Trakehner von Beginn ihrer Entstehung an, deshalb auch meine persönliche Gebundenheit zu dieser Rasse, ein Stück Heimat eben. Allerdings fokussierten sich alle primär auf die Zucht und nicht auf Leistung oder ähnliches, weshalb ich recht spät erst zur klassichen, gesunderhaltenen Dressur fand, zugegebenermaßen mit dem Pferden ohne Sattel durch die Wälder zu heizen war schon cool.”, beendete ich lächelnd meine Rede. Mika, der offensichtlich erstaunt war, dass es aus mir wie ein Wasserfall sprudelte setzte nun ebenfalls zum Wort an, “Meine Family hat nichts mit Pferden am Hut, doch sie haben mich immer unterstützt, auch wenn meine Hobbys besonders in der Pubertät sehr schwankten, von Rocker über Skater bis hin zum heutigen Pferdenarr. Ich hatte Glück, dass wir finanziell sehr gut aufgestellt waren und ich so früh neben der Gitarre und dem Skateboard schon das erste Pferd besaß. Als Action liebender Kerl, fand ich mich früh in der Vielseitigkeit zu Hause und heizte deshalb mit meinem damaligen Buschpony durch die Gegend, obwohl mir die Dressur auch liegt und ich wert darauf lege meine Pferde gesunderhaltend zu trainieren. Caja kam Anfang des Jahres in meine Hände und sie hat ordentlich Feuer unter dem Hintern, eigentlich auch schöne Gänge, aber langsam mag sie nicht so gern.”. Auch wenn ich es unhöflich fand, dass nun auch Ambrose das Wort ergriff und nicht die anderen der Gruppe zu Wort kommen ließ, erzählte er nun auch seine Story. “Jo, ich weiß eigentlich gar nicht mehr wie ich zu den Pferden gekommen bin, bestimmt durch ein Chick, was ich mal geil fand”, lachte er und setzte fort “jedenfalls habe ich Talent und keine reichen Eltern oder gar ein eigenes Gestüt, so arbeitete ich hart, um mir durch Turniergewinne und Stallarbeiten ein eigenes Pferd zu finanzieren, damals hatte ich einen süßen Mixwallach, den ich selbst bis zu den S-Lektionen der Dressur zusammen mit meinem Trainer ausbildete. Leider mussten wir ihn bereits Anfang 2019 einschläfern lassen. Olli stammt genau wie Caja, Checkers und Winnie vom Gut Naundorf und gehört seit Januar zum Team ‘Entspannung pur’”, kam er zum Ende.

      Fortsetzung folgt ...

      © Mohikanerin, Wolfszeit & Zion | 99345 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam VI | 14. März 2021
      Jora // Fraena von Hulshóf// Miss Monty// Nurja//Ursel- die Bäringöttin// Amigo// Cremella // Songbird// Little Buddy//What’s Happend In The Dark
      St.Pauli’s Amnesia // Satz des Pythagoras // Snotra



      Samu
      Mit einem nicken nahm ich den Kommentar meines Mitreiters zur Kenntnis, denn ich musste mit meiner Konzentration dringen bei Jora blieben. Die braune Stute hatte eindeutig nicht das Dressurtalent von ihrer Mutter geerbt, denn sie neigte dazu über ihre eigenen Füße zu fallen, wenn man nicht aufpasste. Nicht nur einmal war ich deswegen mit Pferd im Sand gelandet. Auch wenn sie sich immer Mühe gab, war sie nicht gerade der schnellst Lerner, weshalb sie für ihr alter noch Recht wenig konnte. Dazu kommt auch noch, dass sie wegen einer Weideverletzung erst recht spät angeritten wurde. “So ist gut”, lobte ich die Stute als sie meinen Hilfen zum Anhalten sofort folgte. Auch ich überschlug meine Steigbügel, der Stute würde es nicht schaden, mal ein wenig anders als sonst geritten zu werden. Mit Absicht ließ ich Jora ein wenig länger stehen als, nötig, da ruhiges Stehen auch nicht gerade ihr Paradedisziplin war. Ich musste sie zweimal korrigieren, bevor sie so lange stehen blieb, wie ich es wollte.
      Irgendwie war mein Pferd heute äußerst unkonzentriert, dann kaum war ich wieder losgeritten, stolperte sie fast über ihre eigenen Füße. “Aufpassen süße”, murmelte ich der Stute zu und nahm die Zügel wieder ein wenig kürzer.

      Juha
      “So, ich denke ihr und vor allem eure Pferde habt heute genug geschafft.”, sagte Herr Holm und verließ schneller als man gucken konnte die Halle. Offenbar wollte er eine Pause machen, bevor die letzte Gruppe in die Halle kam. Nach dem Warmreiten stieg ich ab und ging ebenfalls.
      “Du Samu? Hast du vielleicht etwas Hafer für Amy?”, fragte ich den Blonden, als er seine Stute absattelte.
      “Ja, klar. Die Futterkammer ist die vorletzte Tür links vor der Sattelkammer, du kannst dir einfach ein Futterschüssel aus dem Regal nehmen. Den Hafer findest du im Futterwagen”, erklärte er mir.
      “Okay, super danke dir”, bedankte ich mich und ließ Amy bei Niklas stehen.
      “Sehe ich heute aus, als würde ich der Pferde-Halter sein?”, hörte ich ihm aus der Gasse rufen, aber ignorierte es. Mit einem Trog gefüllt mit Hafer stellte ich Amy hin, doch auch Smoothie steckte ihren Kopf mit rein.
      “Sag’ mal, wie siehst du eigentlich aus?”, fragte ich ihn, während unsere Pferde fraßen.
      “Es ist alles weg, meine Reithose lag nicht mehr im Schrank, meine Kontaktlinsen nicht mehr im Bad und von meinem Handy spreche ich gar nicht erst. Als hätten wir irgendwelche Diebe am Hof.”, antwortete Niklas verärgert.
      “Ich denke nicht, dass hier jemand klaut”, merkte ich an.
      “Sicher, dass du deinen Kram nicht einfach verlegt hast? Denn hier vom Hof stiehlt ganz gewiss niemand, dafür würde ich die Hand ins Feuer legen”, mischte sich Samu ein.
      “Mein erster Gedanke war auch keiner vom Hof”, murmelte er, zog seine Stute vom Trog und stampfte aus dem Stall heraus.
      “Ich glaub, ich lass den mal für sich. Der scheint einiges verarbeiten zu müssen”, wendete ich mich zu Samu und zuckte mit den Schultern. Dann guckte ich zu Amy, die wie immer in Slow Motion fraß.

      Samu
      Scheinbar war Niklas heute ein wenig schlecht gelaunt, was ihm allerdings nach dem Vorfall gestern nicht zu verdenken war. Meine Stute begann ungeduldig mit den Hufen über den Boden zu kratzen, weil sie auf ihr Futter wartete. Also holte ich das ganze aus der Futterkammer und stellte es der Stute vor die Nase. “Du scheinst da eine echte Genießerin zu haben”, sagte ich zu Ju, als ich das Tempo sah, indem seine Stute kaute.
      „Eher eine Mäkeltante“, antwortete er belustigt.

      Lina
      Neugierig, wie der kleine Hengst war, war er an den Zaun gekommen. Freundlich steckte er den kleinen Kopf durch den Zaun und begann Vriska auszuschnüffeln.
      „Wir hatten auch mal Minis am Hof, aber unsere Traber fanden die ziemlich uncool. Jedes Mal erschraken sie panisch, deswegen mussten sie leider wieder in ein anderes zu Hause“, erzählte sie, während der kleine Hengst ausgiebig in der Mähne gewuschelt wurde.
      “Unsere großen, kommen zum Glück sehr gut mit den kleinen aus”, sagte ich und deute auf Amigo der fröhlich zwischen den großen an der Heu raufe stand und futterte. “Übrigens ich hätte da noch eine kleine Dame, die noch gerne beschäftigt werden, würden. Hättest du Lust mir dabei zu helfen?”, fragte ich freundlich.
      „Ohja, Ausreiten.“, schrie sie plötzlich wie eine Vierjährige, die das erste Mal auf einem Pferd durfte. “Na dann, werde ich dich mal mit der kleinen bekannt machen”, sagte ich lachend über ihre plötzlich aufflammende Euphorie.
      Mit Vriska im Schlepptau ging ich auf die andere Seite des Hofes, wo die kleinen Stuten wohnten. Auf dem Auslauf war es recht ruhig, denn die beiden Kleinpferde, Ursel und Nurja standen gemütlich am Heu, während die ganze Ponybande gemütlich im warmen Sand lag und ein wenig schlief. “Tja, sieht so aus als wären hier alle schon beim Mittagsschlaf”, scherzte ich.
      Ein kurzer Pfiff meinerseits genügte allerdings, dass eines der Ponys die Augen aufmachte und sich in Brustlage rollte. “Das da”, sagte ich und deutete ich auf die kleine Fuchsstute “Ist die kleine Fraena und sie würde sich bestimmt sehr über einen Ausritt freuen”. Das Shetty war inzwischen aufgestanden und begann sich nun zu strecken, was auch die anderen Ponys dazu brachte langsam die Augen zu öffnen. “Du kannst dich ja schon mal mit ihr anfreunden, während ich die Halfter hole”, fügte ich noch hinzu und ließ Vriska bei den Ponys stehen, um die Halfter von Fraena und Miss Monty zu holen.

      Vriska
      „Du hast aber eine schicke Frisur“, sprach ich mit der Shetlandpony Stute. Interessiert zupfte sie an meinem T-Shirt, denn unter ihm in meiner Hosentasche befanden sich Leckerlis fanden. Lina kam mit den Halftern zurück und drückte mir das von Fraena in die Hand. Aufgeregt tippelte sie mir nach.
      Obwohl es noch mitten im Sommer war, begann die Fuchsstute ihr Fell zu wechseln. An der Brust war noch die letzte Rasur zu erkennen, die scheinbar noch nicht so lange zurückliegt.
      „Hat sie eine Krankheit oder wieso hat sie so viel Fell?“, fragte ich Lina, die gerade Miss Monty putzte.
      “Sie hat Cushing. Doch, außer dass sie super viel Fell schiebt, hat sie keine Probleme damit”, erklärte sie mir.
      „Ah okay“, murmelte ich und putzte die Kleine Stute weiter. Hervorkommend brachte Lina die Trense von Fraena, sodass ich ihr das Halfter abnehmen konnte und auf diese wechsle. Bevor es losging, warf ich noch mal das Halfter über, um meinen Helm zu holen, den ich bei Glymur an der Box angehängt hatte.

      Lina
      Währen Vriska noch ihren Helm holte, machte ich mir die kleine Pintostute fertig. Da sie durch ihren zierlichen Körperbau recht unbequem ist, holte ich mir ein Reitpad aus der Sattelkammer. Gerade als ich die Sattellage putzte, entdeckte ich eine fette Beule in der Sattellage. Scheinbar war die empfindliche Stute, mal wieder den Bremsen zum Opfer gefallen.
      “So kann ich dich nicht mitnehmen, Monty”, sagte ich zu der Stute und beschloss sie wieder wegzubringen. Vorher versorgte ich allerdings noch ihren Stich und zog ich eine Fliegendecke über, um sie vor weiteren Insektenangriffen zu schützen.
      “Na, dann darfst du heut wohl etwas Spaß haben, Melly” meinte ich zu der kleinen Palominostute, die bereit neugierig angetrottet kam. Vriska kam gerade mit ihrem Helm zurück, als ich die Shettystute anband.
      “Kleine Planänderung, Monty hat leider einen fetten Bremsenstich in der Sattellage, deshalb kommt die kleine hier jetzt mit”, erklärte ich ihr während ich begann die kleine Dame zu putzen.
      “Zur Not können wir die restlichen Kleinen in der Halle laufen lassen, wenn die noch Bewegung bräuchten”, schlug sie vor und nahm Fraena das Halfter wieder ab.
      “Ja, das stimmt, aber jetzt sind erst mal die beiden hier dran”. Ich hatte Cremella grob über geputzt und verschwand noch mal kurz, um ihre Trense zu holen.
      “So, fertig wir können los”, sagte ich, während ich noch den letzten Riemen der Trense schloss. Mein Pony schien von dem Plan noch nicht ganz überzeugt, denn sie schüttelt sich erst einmal kräftig.

      Vriska
      Im Schritt machten wir uns auf den Weg zum Wald. Die Sonne brannte meine Hose förmlich in mein Bein. Vom Schmerz erfüllt, zog ich immer wieder meine Oberschenkel nach Oben und rieb mit meiner Hand auf meiner Hose. Die Wahl zur Schwarzen schien heute auf jeden Fall die Falsche zu sein. Jedoch hatte ich keine Andere mitgenommen. Ein Blick in den Horizont verriet mir, dass etwas Großes auf uns zu kommen wird.
      “Lina, ich habe ein ungutes Gefühl”, murmelte ich.
      “Heute ist es viel zu wenig los. Aber nicht im Sinne von - heute ist ein ruhiger Tag, sondern eher die Ruhe vor dem Sturm”, setzte ich fort. Eigentlich irre ich mich nie, wenn ich solch ein Bauchgefühl hatte. Unter mir trappelte die Stute fröhlich vor mir her.
      Auch Lina warf einen Blick in den Himmel. “Ich denke, du hast recht, das Wetter hier kann recht schnell umschlagen. Wir sollten die Runde heute kurzhalten”, antwortete sie mir dann.
      “Dabei meine ich nicht nur das was da kommt, sondern auch die anderen”, murmelte ich.
      “Wie meinst du das? Kannst du etwa in die Zukunft sehen?”, scherzte sie.
      “Mutti dachte das auch immer, aber ich weiß es auch nicht. Ich habe da so ein Bauchgefühl und bisher hatte ich mich noch nie geirrt”, antwortete ich Lina und trabte Fraena an, die höchst motiviert vorwärtsging. Dabei hängten wir Lina und Melly ziemlich ab.
      Etwas später im Wald hörte ich ein Grummeln, was mich Ungutes erahnen ließ.
      “Können wir umdrehen?”, fragte ich Lina, die ziemlich konzentriert mit ihrer Stute voranritt. Fraena schien die ganze Sache auch nicht koscher zu sein und ihr Fluchtinstinkt fragte immer mal wieder nach, ob die andere Richtung nicht die bessere wäre.
      “Wir nehmen eine Abkürzung, dann sind wir am schnellten”, kam es von Lina und sie bog mit ihrem Pony auf einen kleinen Trampelpfad ab.
      Schnell folgte die kleine Fuchsstute, ohne dass ich etwas machen konnte. Im nächsten Moment krachte es Hinter uns. Das Grummeln war nun extrem laut und wie aus Eimern schütte es. Ein Wolkenbruch schien direkt über uns zu sein. Ich guckte an mit herab. Meine Hose sog sich voll mit Wasser und ein Gefühl von Enge kam in mir auf. Es fiel mir immer schwerer, mich auf die kleine Stute zu konzentrieren. Mein Shirt war zum Glück locker, hing jedoch ebenfalls wie ein nasser Sack an mir. Lina schien das alles nicht zu stören und bewegte sich rasch mit der Stute voran. Von weiten konnte man schon den Stall sehen und Fraena entschied kurzerhand in den Galopp umzuschlagen. So schnell sie konnte, rannte sie zurück. Ein Blick nach hinten verriet mir, dass Lina nur mit Mühe hinterherkam. Im nächsten Moment krachte es schon wieder. Ein Baum fiel auf den Weg. Erschrocken stiegen die Kleine und ich stand hinter ihr.
      “Alles gut bei dir?”, fragte ich Lina, die Melly gerade noch bremsen konnte.
      “Ja, alle gut, ist bei dir auch alles in Ordnung? Ich fürchte nur wir haben jetzt ein Problem”, antwortete sie.
      Unruhe machte sich in mir breit. Wenn ich etwas noch weniger Leiden kann als Regen, dann ist es Gewitter. Früher habe ich mich dann im Keller versteckt, zwischen den Waschmaschinen. Doch mitten im Nirgendwo wird es keinen Schutz geben. Nervös kratze ich an meinem Unterarm.
      “Seh’ ich und jetzt?”, pflaumte ich Lina unsanft an.
      “Irgendwo dahinten, müsste eine alte Scheune sein, doch dafür müssen wir querfeldein durchs Unterholz, ich weiß nicht, wie sicher das ist”, antwortete sie besorgt und deute links von uns in den Wald.

      Juha
      Amy hatte es dann endlich geschafft ihr Futter aufzufressen und stand auf der Weide. Der Himmel war unruhig, weswegen ich mich lieber zum Zimmer bewegte. Frustriert saß Niklas auf seinem Bett und schaute ins nichts.
      “Alles gut bei dir?”, fragte ich besorgt.
      “Nein, eigentlich nicht. Ich werde verrückt. Nichts finde ich mehr, obwohl ich überall gesucht habe. Verstehst du? Das macht alles keinen Sinn”, murmelte er.
      Ich versuchte ihn aufzumuntern und setzte mich dazu. Dann wollte ich das leidige Thema ansprechen, was mir immer ziemlich unangenehm war. “Hast du deine Tabletten genommen?”, fragte ich vorsichtig.
      “Ich weiß es nicht”, schwafelte er vor sich hin. Also stand ich wieder auf und ging zu seiner Kommode auf dem sein Medikamentendosierer lag. Die letzten zwei Tagen waren unberührt. Besorgt wendete ich mich zu ihm und zeigt es ihm. Leer guckte Niklas zu mir. Ich hatte recht gehabt, dass irgendwas mit ihm nicht stimmt. Umso mehr ließ es mich nicht los, dass das mit Lina gestern eine falsche Entscheidung war. Doch für heute werde ich das Thema ruhen lassen. Er griff nach dem Schieber und der Flasche Wasser, die neben ihm stand. Rasch schluckte er die heutige Dosierung und legt sich hin.
      Als ich den Raum wieder verlassen wollte, um mal wieder mit den anderen zu sprechen, knallte es nicht weit weg vom Hof und der Regen rasselte herunter. Vielleicht sollte ich doch lieber hierbleiben.
      “Wollen wir Karten spielen?”, fragte mich Niklas plötzlich und setzte sich an den Tisch. Das war eine gute Idee und setzte mich dazu.

      Samu
      Nachdem ich mein Pferd auf die Weide gebracht, hatte ich mich daran gemacht mein Sattelzeug zu putzen. Da ich in letzter Zeit nur wenig Zeit dafür gehabt hatte, war es auch dringend nötig. Das laute krachen draußen ließ mich aufschrecken. Ein Gewitter war aufgezogen und so wie es sich anhörte, war es ziemlich nahe. Hoffentlich waren alle schlau genug gewesen um am Hof zubleiben. Vielleicht sollte ich besser nachschauen, wo Lina steckte, ich hatte sie nämlich seit dem Training heute Morgen nicht mehr gesehen. Ich legte mein Putzzeug beiseite und als sich am Fenster vorbeilief, entdeckte ich das zwei Ponys fehlten und ein böser Verdacht beschlich mich. Auf der Koppel konnten sie nicht sein, dass die kleinen Ponys erst späte auf die Koppel, kamen damit sie nicht zu viel Gras fraßen und da Lina die Einzige war, die die Ponys ritt, musste sie mit ihnen Weg sein.
      Insgeheim hoffte ich, dass sie die Ponys in der Longierhalle einfach nur laufen ließ. Also beschloss ich, als Erstes in der Longierhalle nachzusehen, wo sie für gewöhnlich die Ponys liefen. Als ich den Kopf aus der Stalltür musste ich leider feststellen, dass es in Strömen regnete. Egal wohin ich jetzt gehe, ich würde pitschpatschnass werden.
      Einen Moment überlegte ich, was der trockenste Weg war. Leider gab es keinen, also musste ich wohl schnell sein.
      So schnell wie ich konnte, rannte ich zu Halle rüber. “Verdammt hier ist sie nicht”, fluchte ich als ich dort ankam. Da zwei Ponys fehlten, war es eigentlich unmöglich, dass sie mit den Ponys trainierte. Mit dem letzten bisschen Hoffnung, dass sie vielleicht einfach in einem anderen Halle war, kramte ich mein Handy aus der Tasche und versuchte sie anzurufen.
      Hektisch wählte ich ihre Nummer und wartete. Er klingelte lange, bis ihr Anrufbeantworter ran ging. In der großen Halle konnte sie nicht sein, denn dort trainierte noch die letzte Gruppe und in die kleine Halle wurde um diese Uhrzeit in der Regel gefahren.
      Doch wo konnte sie dann noch sein. Hatte ich mich vielleicht einfach die Ponys übersehen und sie war irgendwo anders?
      Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Wenn sie in ihrem Zimmer war, würde sie wohl an ihr Handy gehen, also blieb mir nur ein Schluss, wo sie noch sein könnte. Sofort rannte ich los und stand nur wenig Minuten später vor der Hütte von Niklas und Ju. Es brannte Licht, das war ein gutes Zeichen, das hieß das irgendjemand hier war und hoffentlich auch Lina.
      Nervös klopfte ich an die Tür.
      “Offen” rief Ju. Ich öffnete die Tür und trat ins Zimmer. Leider fand ich dort nur Ju und Niklas vor, die Karten spielten und mich ein wenig verwundert ansahen, wie ich Tropfnass in ihrer Tür stand. Sofort wurde ich noch nervöser. “Habt ihr zwei Lina, irgendwo gesehen? Zwei von den Ponys fehlen und ich konnte sie nirgendwo finden. Ich hatte gehofft sie sei vielleicht bei euch”, erklärte ich. Hektisch wedelte Ju mit seiner Hand an seinem Hals herum, offenbar schlechtes Thema.
      “Als ich Smoothie auf die Weide brachte, habe ich beiden auf zwei Shettys Richtung Wald reiten sehen”, sagte Niklas und legte eine Karte auf den Tisch. Dabei guckte er nicht mal zu mir.
      “Oh, verdammt”, fluchte ich leise. Auch, wenn mich Niklas Reaktion ein wenig verwundert hatte ich jetzt keine Zeit das groß zu hinterfragen. Lina und Vriska waren tatsächlich ausreiten gegangen, bei dem Wetter. Nervös überlegte ich was ich jetzt machen konnte. Da Gelände um den Hof war riesig und sie konnten ungefähr überall sein und jetzt bei dem Wetter nach ihnen zu suchen war lebensmüde. Allerdings bei dem Wetter im Wald zu sein war genauso lebensmüde, gerade weil durch die lange Trockenheit einige Bäume sehr instabil waren.
      “Ich würde dir gern helfen, aber ich muss bei Niklas bleiben. Der hat gerade erst seine Medikamente genommen.”, merkte Ju an und bekam einen bösen Blick von seinem Kumpel zu geworfen. Offenbar war das ein sensibles Thema.

      Vriska
      Lina schien auch nervös zu sein.
      “Ich habe eine blöde Idee, da hier draußen Schutz zu finden, wird wohl schwierig”, versuchte ich stark zu sein. Nervös guckte sie mich an und sagte nichts.
      “Wir lassen die Ponys drüber springen und reiten dann so schnell es geht”, rief ich ihr zu. Der Regen wurde immer stärker und wir verstanden einander nicht mehr so gut.
      “Ich weiß nicht, ob die beiden das Schaffen so hohe und undurchsichtige Hindernisse kennen sie nicht”, rief sie und griff nervös in die Mähne der Stute.
      “Mehr als es zu versuchen bleibt uns nicht. Du steigst jetzt rüber und ich treibe die beiden”, sagte ich. Lina stieg über den Baum. In der Zeit band ich die Zügel so dicht es ging an den Hals der beiden Stuten. Auch sie waren sichtlich nervös.
      “Ihr schafft das, schneller schaffen wir es sonst nicht zurück”, versuchte ich die Stuten zu motivieren. Ich zeigte ihnen noch, was auf sie zukommen wird und atmete tief durch. In der Lunge spürte ich ein Stechen, dass wohl von der Rippenprellung kommen muss. Immer wieder peitschte mir der Regen unsanft ins Gesicht und langsam wurde es schwieriger etwas zu sehen.
      Fraena nahm allen Mut zusammen und sprang wie ein Kleiner Champion über den ca. 70 cm breiten Baumstamm. Nur Melly war noch immer unsicher. “Vielleicht solltest du dich mit ihr für Kanada bewerben”, scherzte ich und versuchte das Beste aus der Situation zu machen. “Mutig war sie schon immer”, kam es nur angespannt von der anderen Seite des Baumstamms zur Antwort, wo Lina die Fuchsstute abfing.
      Mit Melly hatte ich deutlich mehr Probleme, also blieb nur noch ein Versuch - ich werde mit ihr zusammen springen. Mit etwas Anlauf rannte ich mit Melly los, wozu hatte ich in der Schule Hochsprung, überlegte ich dabei. Wenig später hatten wir es geschafft. Beide Ponys waren auf der anderen Seite des Baumstammes und nichts lag mehr im Weg.

      Lina
      Genau in dem Moment als Vriska mit Melly auf meiner Seite landeten, zuckte ein Blitz über den Himmel dicht gefolgt von einem lauten Donner. Bilder von Funken schlagenden Hufeisen kamen mir in den Kopf und ich fühlte mich in der Zeit zurückgesetzt. Nein, das durfte jetzt nicht passieren, das war ein denkbar schlechter Zeitpunkt.
      Weiter Bilder spielten sich vor meinen Augen ab und ich war wie eingefroren. “Nein, da ist nicht real”, sagte ich laut zu mir selbst und kniff die Augen zusammen, um die Bilder aus meinem Kopf zu vertreiben. Der Regen prasste weite hin unaufhörlich auf uns nieder und zusammen mit dem Rauschen der Blätter wurde es immer lauter um und herum. Fest klammerte sich meine Finger um die Zügel der Shettystute neben mir, der nervös auf der Stelle tänzelte.
      “Lina, komm. Wir müssen weiter”, lenkte sich mich ab und zog mich am Arm.
      Ich amtete noch einmal tief durch, Vriska hatte recht wir haben jetzt keine Zeit für Nervenzusammenbrüche. “Ok, dann los”, sagte ich und schwang mich auf den Rücken des Ponys. Auch Vriska hatte sich wieder auf ihr Pony begeben. “Bring uns Nachhause”, flüsterte ich der kleinen Stute noch zu, bevor es in vollem Galopp zurück zum Hof ging.

      Samu
      “Dann lass ich euch mal wieder allein”, sagte ich und verschwand eilig aus dem Zimmer. Weil ich nicht wusste, was ich tun sollte, lief ich wie ein Löwe im Käfig nervös die Stallgasse hoch und runter in der Hoffnung, dass den beiden Mädchen nichts passierte. Draußen wütete das Gewitter immer heftiger und der Wind peitsche den Regen gegen die Fenster. Blitze zuckten über den Himmel und erleuchtet immer wieder alles in einem grellen weißen Licht.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit glaubte ich Hufgetrappel durch den ganzen Lärm hindurchzuhören und keine Minute später, betraten zwei tropfnasse Mädchen samt Ponys die Stallgasse.
      “Oh, Gott seid ihr eigentlich komplett wahnsinnig bei dem Wetter da draußen herumzulaufen?”, brach es aus mir heraus.

      Vriska
      “Schön, dass ihr lebend wieder da seid, wäre eine deutlich freundlichere Begrüßung gewesen”, raunte ich Samu an, der offensichtlich nicht ganz Herr seiner Sinne war.
      “Sorry”, murmelte er darauf nur “Geht es euch gut?”, fügte er dann ein wenig sanfter hinzu und sah dabei vor allem Lina an.
      “Vielleicht nimmst du Lina mal mit, ich schaff das schon mit den Kleinen”, antwortete ich und verstand wieder im Regen. Auch wenn es für eine sichtliche unangenehme Situation war, sollte ich auch mal zurückstecken. Noch immer peitsche der Regen in mein Gesicht und die Ponys waren ebenfalls wenig begeistert. Doch auf dem Paddock begaben sie sich direkt in den Unterstand und zupften fröhlich am Heu. Natürlich war der Ausritt am Ende ein einziger Horrorfilm, doch ich hatte ihn genossen. An der anderen Ecke entdeckte ich auch Songbird, die Tyrell vor einigen Monaten leihweise auf den Hof befrachtet hatte. Freundlich kam sie auf mich zu.
      “Schön, dass es dir gut geht”, begrüßte ich sie. Im Hintergrund schepperte immer wieder der Regen gegen die Hütte und eine Latte schien nicht mehr ganz fest zu sein. Vielleicht sollte sich das jemand man angucken, doch ich bin sicher nicht die richtige Person. Einige Minuten verbrachte ich noch bei den Ponys, eh ich mich zum Zimmer bewegte, um mich umzuziehen.

      Lina
      Vriska nahm mir die Zügel aus der Hand und verschwand mit den Ponys im Regen. Ich war auf einmal nicht mehr in der Lage mich zu rühren und stand einfach nur da. Auf einen Schlag schien das komplette Adrenalin aus meinem Körper zu weichen und ich begann zu zittern. “Alles ok”, fragte mich mein bester Freund sofort und nahm mich in den Arm. “Ja, ich glaube schon. Ich hatte nur im Wald ein Flashback”, antwortete ehrlich und genoss die Umarmung. Allmählich entspannten sich meinen Muskeln wieder und das Zittern ebbtet ab. Erst jetzt fiel mir auf das Samu patsche nass war. “Und warum bist du eigentlich so nass?”, fragte ich ein wenig verwundert. “Na, weil ich euch gesucht habe und du ja nicht an dein Handy gehst”, sagte Samu ernst. “Ich habe mir Sorgen gemacht!”
      “Oh, ja mein Handy hatte ich gar nicht mit”, sagte ich.
      “Lina, du weißt, dass ich es nicht mag, wenn du ohne Ausreiten gehst”, scharf sah Samu mich dabei an. “Jaaa, weiß ich”, murmelte ich. Samu machte sich meisten viel zu schnell Sorgen um mich. “Es ist doch nichts passiert”, fügte ich noch leise hinzu. “Aber es hätte was passieren können”, rief er empört. “Genug davon erstmal, ich glaub, ich brauch ne Pause von meinem Leben”, sagte ich erschöpft.
      Samu verstand natürlich, dass damit das Thema erst einmal beendet war. “Ok, dann lass uns mal etwas Trockenes anziehen”, entgegnete er widerwillig und zusammen gingen wir rüber zum Haus, wo ich mich in mein Zimmer verkrümelte.
      Meine nassen Sachen ließ ich im Badezimmer einfach auf den Boden fallen und wickelte mich in ein Handtuch. Ich brauchte erst einmal einen Moment um wieder ich selbst zu werden.

      Vriska
      Als ich mich im Spiegel betrachtete, fiel mir auf, dass ich noch mehr abgenommen hatte. Der Stress tat mir nicht gut, weswegen die Entscheidung den Verein wieder zu verlassen, gar keine schlechte Sache ist. Statt mich wieder unter die Menschen zu mischen, holte ich mein Pad aus der Tasche. Dort öffnete ich die App der Ausbildung, in der unsere Unterlagen zur Verfügung stehen. Bald sind meine Abschlussprüfungen für den Pferdewirt und langsam musste ich anfangen zu lernen. Im Gegensatz zu allen anderen komme ich nicht aus einer Pferdefamilie und saß nicht auf dem Rücken eines Pferdes bevor laufen konnte. Meine Voraussetzungen waren deswegen von Anfang an schlecht. Also nahm ich mir das Thema vor, dass mich an meine Grenzen bringt - Fütterung und Pflanzenkunde.
      “ … wird das Pferd besonderen Belastungen wie starkem Training o.Ä. ausgesetzt, müssen entsprechende Kraftfuttermengen zugefüttert werden.”, murmelte ich, während ich die Dokumente las.
      “Nach der Fütterung braucht ein Pferd zwei bis drei Stunden Ruhe bekommen zum Verdauen”, kam es von Niklas plötzlich, der nass an meiner Tür stand.
      Verwirrt guckte ich zum ihm, da ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte.
      “Ju hatte mir gesagt, dass du noch lernen musst aber er selbst nicht so die Leuchte ist, dachte ich, dass ich mal rüberkomme”, sagte er zu mir, schloss die Tür und setzte sich mit seiner nassen Hose auf den Stuhl.
      “In wie viele Portionen sollte die tägliche Ration geteilt werden?”, fragte er mich direkt. Darüber musste ich erst mal nachdenken und wischte verzweifelt auf dem Pad. Er stoppte mich bei der Suche, in dem er meine Hand vom Pad nahm und mir dieses abzog.
      “Sag’ mir jetzt bitte nicht, dass du das nicht weißt”, veralberte er mich. Doch ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, weil wir am Hof feste Zeiten hatten. Also dachte ich darüber nach.
      “Also auf dem Hof gibt es im Sommer morgens und mittags Heu und am Abend geht es auf die Weide. Die Hengste bekommen noch einmal Kraftfutter. Also schätze ich mal 3 bis 4 Rationen.”, antwortete ich unsicher. Begeistert klatscht er.

      Lina
      Ich war gerade dabei durchzugehen, was in den letzten Tagen passiert war, als mich das Klingen meines Handys aus den Gedanken riss. Genervt stand ich vom Boden auf, auf dem ich saß und folgte dem Klingen. Meine Schwester rief an. Normalerweise freute ich mich über ihre Anrufe, doch jetzt war einfach nicht der richtige Moment dafür.
      “Was ist?”, sagte ich mürrisch in mein Telefon. “Alles ok bei dir, Lina?”, kam es aus dem Hörer. “Warum fragt das eigentlich Momentan jeder?”, ranzte ich sie unfreundlich an. Langsam hatte ich echt keine Lust mehr, dass jeder immer wissen wollte wie es mir ging. “Und bevor du weiterfragst, Nein es ist nichts OK”, schimpfte ich weiter und begann im Zimmer herumzulaufen. “Jace verhält sich wie testosterongesteuerter Idiot, ich habe mich einen Mann verliebt, mit dem ich vermutlich niemals eine Zukunft haben werden und ich bin bei einem super Gewitter durch den Wald geritten und hatte nichts Besseres zu tun, als fast einen Nervenzusammenbruch zu bekommen. Also NEIN es ist alles andere als OK, Juliet”, sprudelte es so aus mir heraus. “Ach und was ich vergessen hab, dieser Mann hat mir dann auch noch ein Pferd für ein halbes Vermögen geschenkt!” Wütend trat ich gegen meine Mülleimer, der laut scheppernd umfiel. Die ganze Szene wurde durch einen Blitz, der draußen über den Himmel zuckte, dramatisch untermalt. “Langsam, langsam so versteht doch keiner, möchtest du mir nicht vielleicht erst einmal erzählen, was los ist?”, hörte ich die Stimme meiner Schwester aus dem Handy sagen. Wie immer, wenn ich extrem wütend war, begannen mir nun Tränen über die Wangen zu rollen und ich ließ mich auf den Boden sinken.
      “Also… wir haben hier aktuell das kanadische und das schwedische Nationalteam auf dem Hof, ... und dann ist da Niklas. Am Anfang dachte ich er sei voll der Arsch, denn er hat immer so dämliche Bemerkungen gemacht und quasi jeden Abend ein andere mit aufs Zimmer genommen”, schniefte ich nun. “ Und dann ist da noch Vriska mit der er nur spielt… und seine Exfreundin, die einfach nur eifersüchtig ist. Jace hat dann am ersten Abend ein abgefüllt und das fand ich scheiße, denn du weißt ja was ich ihm gesagt hatte. Dann war da Niklas, der ihn dazu bracht sich zu entschuldigend. Auf einmal war Niklas total nett und hilfsbereit und dann ist Jace auf einmal getobt und hat Niklas geschlagen” erzählte ich weiter. “Stopp Lina, ich glaube, du vergisst da irgendwas, denn so macht das gerade alles keinen Sinn”, stoppe ich meine Schwester. “Na, doch. Nachdem Jace sich entschuldigt hatte, war da erst einmal alles ok. Niklas war gestern auf einmal so ganz anders als zu Beginn und hat mir zugehört und er ist nicht wie alle anderen weggelaufen, sondern hat mich Verstanden. Es fühlte sich alles so richtig an. Wir waren dann gestern alle zusammen am Fluss und ich habe mit ihm noch mal geredet. Auf einmal ist Jace getobt und hat Niklas die Nase gebrochen. Niklas hat mir dann später noch von sich erzählt und dann hat er mir auf einmal Divine geschenkt”, sagte ich und schwieg einen Moment. “Ja und wo genau ist jetzt das Problem?”, fragte Juliet ein wenig verwirrt. “Na, das Problem ist, das mir jeder verdammte Mensch hier auf dem Hof ständig sagt, dass es falsch ist und keine Zukunft hat, weil er auf kurz oder lang das Herz brechen wird” sagte ich leise. “Das Traurige daran ist, dass sie recht haben. In 7 Tagen ist das Trainigscamp vorbei und er zurück nach Schweden und ich bleibe dann hier allein zurück. Es gibt zwar auch eine andre Möglichkeit, doch das würde bedeuten, dass ich mit ihm nach Schweden gehe”, dass alles musste für sie einfach nur verrückt klingen.

      Vriska
      “Der, der Futterpläne erstellt hat, muss wohl ein Genie sein. Da sie Abendration immer die größte des Tages sein. Weißt du auch warum?”, schwärmte er von Tyrell und baute natürlich die nächste Frage mit ein. Wieder kamen mir Zweifel, warum ich diesen Beruf lerne. Lieber würde ich in einem Büro sitzen und irgendwelche Formeln berechnen und Theorien ausarbeiten, als mir Gedanken über die Fütterung meines Pferdes zu machen. Schließlich steht der fast nur auf der Weide und macht sein eigenes Ding.
      “Frag mich doch bitte was Leichteres … Vielleicht, weil sich abends eh niemand um die Pferde kümmert?”, jammerte ich.
      “Mehr oder weniger, ja. In der Zeit können die Pferde ungestört fressen und haben somit mehr Zeit zu verdauen. Außerdem sollte die erste Mahlzeit des Tages kein Kraftfutter sein, da sonst der Magen aufblähen könnte.”, erklärte Niklas mir und fuhr direkt fort mit der nächsten Frage. “Wenn es dann aber keine Weide mehr gibt, wie viel Grundfutterration insbesondere Heu sollte das Pferd bekommen ungefähr?”
      “Das ist leicht. 5-6 kg also ungefähr 2,5 % des Körpergewichts.”, antwortete ich gekonnt.
      “Wenn du den Prozentsatz schon weißt, dann sollte dir Auffallen, dass 5 bis 6 Kilogramm etwas wenig sind.”, merkte er etwas arrogant an.
      “Nej, du Leuchte. Ich mache den Pferdewirt in speziellen Reitweisen mit Fachgebiet Gangreiten bzw. Isländer. Sprich 5 bis 6 kg sind schon richtig. Wenn du dir das mal auf Pad vorher angeguckt hättest, wüsstest du das.”, duellierte ich. Hochmut kommt vor dem Fall, sagt man so schön. Dazu äußerte er dann nicht mehr und fuhr mit den Giftpflanzen fort. Dabei erklärte er mich auch, welche insbesondere in Schweden auftreten und bei welchen es bei der Prüfung Zusatzpunkte gibt.
      Das Lernen mit Niklas hatte wirklich etwas Gutes. Er kann Dinge erklären, die sogar Dummies verstehen. Kurz dachte ich darüber nach, ob er das wegen seines Bruders konnte oder Ju der Grund dafür war.

      Lina
      Einen kurzen Moment herrscht stille am anderen Ende. “Ach Süße, da hast du ja einiges Erlebt. Aber ich sag dir eins, lass dein Leben nicht von anderem Bestimmen”, sagte sie verständnisvoll. “Hör auf dein Herz und wenn das beinhaltet nach Schweden zu gehen, dann tue es”.
      “Meinst du wirklich?”, schniefte ich ins Telefon. “Aber hier ist doch mein ganzes Leben. Meine Freunde, meine Arbeit, einfach alles, bis auf dich. Das ist alles schön viel immerhin ist es ein andres Land, eine andere Sprache und was ist mit dem finanziellen Aspekt. So ein Flug ist überaus teuer und ich kann doch auch nicht einfach mein Pferd hierlassen. Und dann brauche ich ja auch einen Job...”, gab ich zu bedenken. “Lina, hör mir zu, für alles gibt es eine Lösung! Und ich für meinen Teil werde dich bei deiner Unterscheidung Unterstützen egal wie sie ausfällt”, sagte sie. “Danke, Juli”, sagte ich erleichtert darüber, wenigsten meine Schwester auf meiner Seite zu haben. “Danke für das Gespräch, ich ruf dich noch mal an”, beendete ich das Gespräch und ließ mein Handy zu Boden sinken. Draußen regnete es immer noch in Strömen.

      Vriska
      “Wäre es okay, wenn ich wieder gehe?”, fragte er dann plötzlich.
      “Nichts lieber als das”, antwortete ich stumpf. Entgeistert verzog Niklas sein Gesicht und stürzte sich zurück in den Regen. Erst einige Minuten später, stellte ich fest, dass ich mich nicht mal bedankt habe. Eigentlich würde ich nun gern rüber gehen und dies nachholen, doch der Regen brachte mich wieder dazu, dass es eine schlechte Idee ist. Mein Gepäck war nicht sinnvoll verpackt. Da kam es mir. Geld ausgeben. Jetzt sofort. Ich suchte nach meinem Telefon und schrieb Lina eine Nachricht: “Denkst du wir können in die nächste größere Stadt fahren? Ich habe das dringende Bedürfnis Geld aus dem Fenster zu schmeißen.”
      “Ok. In 10 Minuten vor dem Haus”, bekam ich so gleich als Antwort. Erleichtert rannte ich ins Bad, um mein Make-up aufzufrischen. Durch den Regen war mein Eyeliner vollkommen verwischt. Also musste das alles erst mal wieder runter. Nervös guckte ich auf die Uhr - 15 Minuten später war ich fertig, nahm einen Schirm und stürzte mich in zum Haus, vor dem Lina bereits im Auto wartete.
      “Super, dass das so spontan geklappt hat”, bedankte ich mich bei ihr.
      “Darf man wissen woher, diese Laune auf einmal kommt?”, frage sie.
      “Ach weiß auch nicht, aber hier nur herumzusitzen, ist ja auch doof”, sagte ich und entschied ihr nicht davon zu erzählen, dass ich mit Niklas zusammen gelernt hatte. Schätzungsweise ist das Thema gerade nicht so angebracht, da ihre Augen offensichtlich verweint waren. Immerhin hatte sie keine Panda-Augen wie ich vor 20 Minuten.
      “Da hast du recht, also los”, sagte sie und startete den Motor.
      “Willst du drüber reden?”, fragte ich kurz. Denn die Antwort wird vermutlich nein sein, aber klingt besser als zu hoffen, dass alles gut ist. Den das wird es sicher nicht sein. Seit Tagen haben wir alle am Hof eine Persönlichkeitskrise, als wären wir wieder 16 / 17 Jahre.
      “Ich habe mit meiner Schwester telefoniert, den Grund kannst du dir sicher selber denken”, antwortete sie nur angebunden und konzentrierte sich auf die Straße.
      Kurz musste ich drüber nachdenken, ob es nicht, doch besser wäre ihr zu sagen. Später vielleicht. Stattdessen lenkte ich das Thema in eine andere Richtung.
      “Wann hast du dir zuletzt mal was gegönnt?”, fragte ich dann und hoffte, dass sich nicht wieder an den Kerl denkt.
      “Mmm, das ist schon eine ganze Weile her”, sagte sie, nachdem sie kurz nachgedacht hatte.
      “Na dann ist ja heute der richtige Tag, um dir was Schickes auszusuchen. Ich will nach einer Jacke gucken und neuen Schuhen, vielleicht auch einer Hose.”, antwortete und dachte weiter darüber nach, was ich gerne hätte. Besonders wann ich das alles mal anziehen sollte, denn auf dem Hof sind neue Sachen immer direkt dreckig und bis ans Ende ihres Lebens Hofkleidung.
      “Da hast du aber große Pläne ich denke, ich werde mal sehen, was mit so zuläuft”, sagte Lina und ich konnte ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht entdecken.
      Die nächsten Kilometer dachte jeder für sich über irgendwas nach. Ich gucke interessiert aus dem Fenster und was verwundert darüber, wie Tod die Gegend zu sein scheint. Am Horizont sah man immer mal wieder ein Getreidesilo emporragen oder mal ein Bauernhaus. Doch die klassischen Einfamilienhäuser, die man bei uns findet, wenn man Richtung Stockholm fährt, sucht man hier vergebens. Es machte mich etwas traurig, dass diese Fahrt bisher so verlaufen war. Eigentlich wollten Milena und ich zusammen eine großartige Zeit haben, doch nun hatte sie Anna. Seit dem Ausritt haben wir beide kein einziges Wort miteinander mehr gewechselt, allerdings irgendwo tief in mir, war ich auch froh darüber. Stattdessen musste ich auch wieder an Glymur denken. Was wird Tyrell machen, wenn ich ihm davon erzähle? Werde ich es ihm überhaupt erzählen? Wäre es klüger erst einmal mit Bruce darüber zu sprechen? Schätzungsweise wird das der richtige Weg sein. Er reagierte für gewöhnlich entspannter als sein großer Bruder.

      Lina
      Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wird endlich Hinton. Es war eine für die Gegend hier typische Touristenstadt. Vor allem Restaurants und Hotels reichten sich hier aneinander. Auch Souvenirshops fand man hier in großer Zahl. Aber natürlich gab es auch hier eine Mall.
      “Ich hoffe, du erwartest nicht zu viel. Wir sind hier nicht gerade in einer Shoppingmetropole”, warnte ich Vriska, während ich das Auto parkte.
      “Krass, es regnet nicht mehr. Und nein, natürlich erwarte ich das nicht. Trotzdem wird man doch was Schönes finden. Was hältst du davon, wenn wir erst mal was zum Essen suchen?”, schlug sie vor.
      “Das klingt nach einem hervorragenden Plan”, stimmte ich Vriska zu. Der Himmel war deutlich aufgeklart und nur die Pfützen auf dem Asphalt zeugten von dem vorherigen Regen. “Was hältst du von Pizza?” wandte ich mich an sie und deutete auf die Pizzeria auf der anderen Straßenseite.
      “Gute Idee, hoffentlich haben die welche ohne Käse”, antwortete sie und lief in dir Richtung des Restaurants. Provokant nahm Vriska eine Speisekarte und suchte direkt, erst als sie fündig wurde, setzte sie sich hin und ich mich dazu. Auch ich warf einen Blick auf die Speisekarte, schnell wurde ich fündig. Ein wenig Gedankenverloren begann ich auf die Serviette zu kritzeln, während wir auf die Bedingung warteten. Schnell entstand eine kleine Möwe und sie erinnerte mich an Zuhause.
      “Wie lange zeichnest du eigentlich schon?”, fragte Vriska, nach dem meine Kritzelei sah.
      “Ich habe als Kind schon immer gerne gezeichnet, doch so richtig angefangen habe ich dann auf dem Internat. Da ich nicht viele Freunde hatte, müsste ich mich häufig allein beschäftigen und so habe ich angefangen zu Zeichen”, erzählte ich ihr.
      “Klingt traurig, aber förderlich für dich selbst. Wie kommt es eigentlich, dass ihr Pferdemenschen auf dem Internet wart?”, fragte sie dann verwundert.
      “Mmm, was du nicht sagst. Also Samu war dort freiwillig, denn er wollte schon früh unabhängig sein und er hätte irgendwann keine Lust mehr mit drei Geschwistern Zuhause zu wohnen. Meine Schwester und ich wurde von unserm ‘’ Vater’’ dahin abgeschoben, als er sich eine neue Familie gesucht hat.”, antwortete ich Vriska ehrlich.
      “Willst du irgendwann noch mal mit dem sprechen?”, wurde sie nun wieder etwas tiefsinniger.
      “Eigentlich habe ich geschworen, dass ich nie wieder mit ihm sprechen möchte, deshalb bin ich ja hier, aber vielleicht gebe ich ihm irgendwann noch mal eine Chance” antwortete ich nachdenklich.
      “Für deinen inneren Seelenfrieden wäre es sicher besser, wenn du dem mal richtig deine Meinung geigst. Danach kannst du ihn immer noch auf den Mond schießen”, murmelte Vriska und begann an unsere Bestellung aufzugeben.
      “Mmm, das sagt sich immer so leicht”, sagte ich und begann eine weitere Möwe auf die Serviette zu malen.

      Vriska
      Als sich Lina wieder ihrer Serviette zuwendete, guckte ich durch die Gegend. Dann sah ich etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Anna und Milena liefen auf der anderen Seite vollbepackt mit Einkaufstüten von ziemlichen teuren Marken. Irgendwie dachte ich mir bereits, dass keiner von den beiden das Geld dafür hatte, also lauschte ich ihnen mit meinen Fledermausohren. Plötzlich wurde mir einiges klar.
      “Lina, ich muss kurz telefonieren. Bin gleich wieder da”, sagte ich hektisch zu ihr und verschwand wohin, wo die Beiden mich nicht hören konnten.
      Zum Glück ging Ju direkt an sein Handy und ich bot ihn, dass Niklas nach seinem Portemonnaie gucken solle. In diesem fehlte, wie gedacht, seine Kreditkarte. Außerdem erfuhr ich, dass er seit gestern sein Handy nicht mehr gefunden hatte und dieses benötigt wird, um Zahlungen zu autorisieren. Hoffentlich kann er nun noch alles sperren.
      “Du wirst es nicht glauben”, kam ich zurück zum Tisch, an dem schon unsere beiden Pizzen standen. Überrascht schaute Lina mich an und sagte: “Was werde ich nicht glauben?"
      “Okay, in ganz kurz. Anna ist richtig am Arsch. Sie hat das Handy und die Kreditkarte von Niklas gestohlen. Damit offenbar ein Haufen Geld verbraten.”, flüsterte ich ihr zu und lehnte mich dafür über den Tisch. Dann zeigte ich auf die andere Straßenseite, wo die Beiden noch saßen mit mehr als 10 großen Einkaufstüten.
      "Wow, also mir ist ja schon aufgefallen, dass sie extrem eifersüchtig ist, aber dass sie so eine hinterhältige B**** ist hätte ich nicht erwartet", antwortete Lina ein wenig fassungslos.
      “Ich finde, dafür dass wir zusammen das Rätsel gelöst haben, genießen wir unsere Pizza und geben dann unser eigenes Geld aus”, sagte ich begeistert und biss von der viel zu heißen Pizza ab.

      Lina
      "Naja, eigentlich hast du das Rätsel ja allein gelöst, aber genießen klingt super", sagte ich und biss triumphieren in meine Pizza in gleich darauf das sie noch viel zu heiß war.
      In Ruhe genossen Vriska und ich unsere Pizzen, bevor wir zahlten und zur Mall rüber schlenderten.
      Auf dem Weg dorthin, kamen wir an einem kleinen Geschäft vorbei, welches allerlei Souvenirs verkaufte. Im Schaufenster waren klassische Touriartikel wie Shirts und Schlüsselanhänger, aber auch die für die Gegend typischen Figuren und den Schmuck aus der hübschen dunkelgrünen Kanada-Jade. "Wusstes du das hier Jade mystische Fähigkeit haben soll?", fragte ich Vriska neugierig und deutete auf das Schaufenster.
      "Jade soll angeblich die Selbstentwicklung fördern. Außerdem soll es ausgleichend und harmonisierend wirken, wie auch die Kreativität fördern", erzählt ich die Mythen, die sich um diesen Stein ranken. "Vielleicht haben wir ja einfach zu wenig Jade auf dem Hof", scherzte ich fröhlich.
      “Oh, dass will ich für Glymur mitnehmen.”, sagte Vriska und stürmte in den Laden herein.
      “Ok” sagte ich belustigt über ihren Überschwung und folgte ihr in den Laden. Drinnen war es recht gemütlich, überall waren Regale und Ständer mit Sachen. An den Wänden hingen verschiedene Bilder und Schilder. Angenehm fiel die Sonne durch das große Schaufenster und erzeugte eine fast magische Stimmung. Schneller als man gucken konnte, durchsuchte Vriska nach dem richtigen etwas. Was wie wirklich suchte, wusste ich nicht.
      “Ich habe das richtige!”, rief sie dann plötzlich, sogar die Verkäuferin erschrak sich.
      “Was genau hast du überhaupt gesucht?”, fragte ich neugierig und versuchte zu sehen, was sie in der Hand hielt.
      “Das hier”, sagte Vriska triumphierend und zeigte einen kleinen Jade-Anhänger in Form eines Pferdekopfes in die Höhe.
      “Ein wirklich schönes Stück”, murmelte ich und betrachtete den Anhänger.

      Währenddessen am Hof …

      Niklas
      Nach dem Ju mir sein Handy gab um meinen Bankmitarbeiter anrufen, den ich wirklich zu jeder Tageszeit telefonisch erreichen kann, schließlich ist es gerade 0 Uhr in Schweden, ließ ich alle Zahlungen meines Kontos einfrieren sowie alle Schecks sperren. Bis auf den für das WHC, bei der ich die Nummer des Scheckes durchgab. Nur wenige Minuten dauerte dieser Vorgang und nun würde ich meinen Vater anrufen. Im strömenden Regen lief ich rüber zum Zimmer, in dem Herr Holm war. Genau genommen Herr Holm und Frau Wallin, denn jeder wusste, dass die Beiden seit Jahren ein Verhältnis miteinander hatten. Doch niemand sprach darüber.
      “Anders, ich brauche dein Handy. Ich muss mit meinem Vater sprechen.”, sagte ich zu ihm, als er oberkörperfrei die Tür öffnete. Auf dem Bett lag Frau Wallin, die sich Kurzerhand die Decke überzog. Da ich normalerweise nie meinen Vater kontaktieren würde, wusste Herr Holm, dass es etwas Ernstes sein würde. Er stellte keine Fragen und gab mir das Telefon. Ich konnte die Nummer nicht auswendig, sonst hätte ich bereits im Zimmer mit Jus Handy ihn kontaktiert. Unsere Eltern, egal im welchen alter wir sind, müssen die Bürgschaft für uns übernehmen, deswegen hatte mein Trainer die Nummer für ihn.
      Ohne tiefsinnige Fragen zu stellen, sprach ich mit meinem Vater über die Situation. Dieser Verstand, dass das nun kein Spaß mehr ist und unverzüglich ein Strafantrag über den Anwalt an Anna gestellt wird. Da ich mich jedoch nicht im Heimatland befand und die Mühlen der Justiz langsam mahlen, muss die Sache über die Botschaft laufen. So versicherte mir mein Vater, dass er unverzüglich jemanden vorbeischicken wird, um Beweise zu sichern. Von meiner gebrochenen Nase und dem damit verbundenen Zwischenfall mit Jace erzählte ich ebenfalls nichts. Dass ich kurzerhand ein Pferd gekauft habe und direkt wieder verschenkt, auch nichts. Zufrieden gab ich meinem Trainer das Handy zurück. Da er das Gespräch belauscht hatte, musste ich zum Glück nichts weiter erklären und lief zurück zur Hütte. Natürlich war ich wieder komplett Nass. Dich fühlte mich gut, wirklich gut. Um das Geld geht es mir auf keinen Fall, da es sich nicht um mehr als 200.000 SEK handeln wird, kann ich das Verkraften, aber mich zu Hintergehen und meine Familie hat Grenzen.
      “Wie war dein Vater drauf?”, fragte mein bester Freund mich, als ich zurück im Zimmer ankam.
      “Er war wirklich müde, aber in einigen Stunden wird einer von der Botschaft kommen.”, sagte ich kurz und nahm mir zur Belohnung ein Bier aus dem Kühlschrank.

      Zurück in der Stadt …

      Vriska
      Auch Lina zeigte mir, was sie sich ausgesucht hatte. Es war auch ein kleiner Grizzly aus Jade. Zusammen scherzten wir und liefen weiter. An der Ecke sah ich einen Schuhladen und hoffte darauf neue zu finden. Interessiert lief ich durch den Laden und entdeckte genau das, wo nachsuchte. Ich zeigte Lina die weißen Sniker mit schwarzer Sohle und Swoosh.
      “Guten Geschmack hast du da”, sagte sie anerkennend.
      Kurz musste ich über den Preis nachdenken, da er deutlich höher war, als ich ausgeben wollen würde. Doch ich musste sie haben, also ging ich zur Kasse, ohne mich weiter umzugucken und zahlte. Lina schaute sich zwar um, schien aber nicht so richtig fündig zu werden.
      “Wollen wir weiter?”, fragte ich dann lieber noch nach.
      “Ja, ich vermute Samu würde nur schimpfen, wenn ich schon wieder mit einem neuen paaren Schuh ankomme. Er ist eh der Meinung zwei paar wären ausreichend”, antwortete sie lachen.
      “Ich denke, dass wir Kerle gerade am Hof haben, die mehr haben als du”, scherzte ich und verließ mit ihr den Laden. Freundlich verabschiedete ich mich noch von den Verkäufern.
      Ohne weitere interessante Läden zu liefen, trödelten wir durch die Stadt. Dann sah ich etwas, wo nach ich nicht suchte - ein Reitfachgeschäft.
      “Lina. Pferdeladen”, sagte ich stumpf und steuerte darauf zu.
      “Definitiv einer meiner Lieblingsform von Laden. Vielleicht finde ich je was Hübsches für Divine”, sagte ich begeistert und folgte Vriska.
      Eigentlich wusste ich nicht genau wonach ich suchte, aber entgehen lassen war ebenfalls nicht möglich. Lina guckte sich noch um.

      Lina
      Neugierig stöberte ich durch den Laden. “Vriska, was hältst du von dieser Schabracke?”, fragte ich und hielt ihr eine bordeauxfarbene Schabracke hin. “Oder von der”, deutet ich begeistert auf eine dunkele Purpurfarbene. In Sachen Pferdeoutfits bin ich leider ein absolutes Shoppingopfer. Meine Pferde laufen meistens modischer rum als ich selbst.
      “Dann eher die Rote”, antwortete sie verwirrt. Da wurde mir bewusst, dass sie auf Glymur nur mit einem Gummipad saß.
      “Ja, ich glaube, du hast recht”, stimmte ich zu ihr und begann weiter durch den Laden zu schlendern. Als ich an dem Regal mit den Fliegenmasken vorbeikam, fiel mir ein, dass Divine seine leider auf der Koppel zerstört hatte. Da er ohne allerdings Sonnenbrand bekommt, muss wohl eine neue mit. Also machte ich mich dran nach einer stabilen Maske mit Nüsternschutz zu suchen, was sich wie immer recht schwierig gestaltete. Ich warf noch einen Blick zu Vriska, die zur anderen Ecke des Ladens lief. Sie schien noch etwas entdeckt zu haben.
      “Nehme ich mit”, sagte sie zu mir überzeugt mit einem komischen Gebiss in der Hand und in der anderen ein Trensenzaum.
      “Was genau ist das?”, fragte ich und deutete auf das Gebiss.
      “Ähm?”, fing sie etwas irritiert an. “Das ist eine isländische Kandare - in Schwarz. Sieht man doch”, feigste Vriska dann. “Interessant ich habe noch nie so ein Teil gesehen”, kommentierte ich. Bevor ich noch mehr unnötiges Zeug entdecken konnte, was ich am Ende großartig finden würde, beschloss ich den Einkauf abzuschließen. “Also ich bin fertig”, sagte ich zu Vriska und machte mich auf den Weg zu Kasse. Als ich zahlte, stellte ich fest, dass ich wieder viel zu viel Geld mal für eine Schabracke ausgegeben hatte. Geduldig wartete ich dann noch bis auch Vriska gezahlt hatte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir nun schon drei Stunden hier waren. “Ich denke, wir sollten uns langsam mal auf den Rückweg machen”, schlug ich Vriska dann vor und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Auto.

      Vriska
      Wie üblich schlief ich nach einigen Kilometern ein. Erst vor der Hofeinfahrt wachte ich auf. “Habe ich was verpasst?”, murmelte ich frisch aufgewacht und schaute Lina verträumt an.
      “Nein, absolut nichts, außer dass wir jetzt da sind”, antwortete sie mir. Zustimmend murmelte ich und stieg aus dem Wagen. Wann es aufgehört hatte zu regnen, war schwer zu beurteilen. In den Löchern stand das Wasser. Doch am Hof war es ruhig. Es schien auch niemand auf uns gewartet zu haben.
      “Irgendwas stimmt hier nicht”, merkte ich das zweite Mal heute an.
      “Dann sollten wir mal herausfinden, ob du heute diesbezüglich noch ein zweites Mal recht hast”, antwortete Lina, die gerade die Autotür zuschlug.
      “Vermutlich wird es nicht schön”, sagte ich noch und holte aus dem Kofferraum meine beiden Tüten. Dann verließ ich Lina erstmal und brachte meine Sachen ins Zimmer. Dort fiel ich ins Bett und könnte direkte wieder einschlafen. Es kam nicht dazu, weil es an der Tür klopfte. Manchmal fragte ich mich wirklich, wieso jeder so großes Interesse an mithatte. Müde trat ich an die Tür. Ein mir Unbekannter stand davor.
      “Vriska Isaac?”, fragte er dann. Von oben nach unten warf ich ein Blick auf den Herrn, der im Anzug, Lackschuhen und Gel in Haaren vor mir stand. Ein eher ungewöhnliches Bild für jemanden auf einem Pferdehof.
      “Ja und fragt mich das?”, gab ich etwas verwundert von mir.
      “Erik Löfström von der schwedischen Botschaft und ich würde gerne eine Zeugenaussage mit Ihnen aufnehmen.”, stellte er sich dann vor. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass er gerade mal 5 Jahre älter als ich war und gerade neu dort war. Nervös zupfte er an dem Bund seiner Hose. Freundlich bat ich ihn in die Hütte und erzählte ihm, was ich im Gespräch in der Stadt gehört hatte, als ich mit Lina unterwegs war. Im gleichen Zuge erzählte ich auch, dass sie die beiden zwar gesehen hatte aber nichts davon hörte. Zumindest sagte sie nichts. Genauso schien Herr Löfström das auch aufzuschreiben. Er lobte mich ebenfalls dafür, dass ich es direkt meldete und nicht auf Komfortration ging. Dass der Mann mir nichts über die aktuellen Fakten sagen durfte, aufleuchtete mir ebenfalls auf. Doch ganz gegen meine Erwartungen erzählte er, was bisher bekannt ist und auch, dass die Bank bereits bestätigt hatte, dass die Zahlungen getätigt wurden. Ich war mir mittlerweile nicht mehr ganz wohl und ein Gefühl der Verzweiflung machte sich in mir auf. Davon erzählte ich ihm auch, doch Herr Löfström versicherte mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Die Dame wird heute noch vom Hof entfernt und muss in der Botschaft bleiben. Der Rückflug wird darauf hin von denen organisiert. Auf Nachfrage, was mit dem Pferd sei, sagt er, dass sich ihr Trainer darum kümmere. Wenig später war das Gespräch beendet und verabschiedete sich von mir, dabei bedankte er sich noch einmal für die Aussage und verschwand. Schnell zog ich mein Handy aus der Hosentasche und schrieb Lina: “Hier war eben ein Typ von der schwedischen Botschaft, der übrigens ziemlich heiß ist, der vermutlich noch zu dir kommen wird. Ich habe ihm nur gesagt, dass wir zusammen in der Stadt waren und du sie auch gesehen hast. Wusste aber nicht, was du diesbezüglich weißt. Nur damit du dich nicht wunderst. PS: Er wirkte nicht wirklich was mit Pferden zu tun zu haben :(

      Lina
      Ich hatte mich gerade daran gemacht einen geeigneten Platz für den Grizzly zu suchen, als mein Handy mir den Eingang einer Nachricht mitteilte. Es war eine Nachricht von Vriska. “Ok, danke fürs Mitteilen. PS. Du weißt aber schon der er hier zum Arbeiten ist nicht zum Flirten :D” antworte ich ihr und keine 5 Minuten später klopfte es an der Tür.
      Freundlich öffnete ich die Tür und ein junger Anzugträger stand vor mir. Hätte Vriska nicht mich vorgewarnt, wäre ich vermutlich ziemlich verwundert gewesen. “Lina Valoo?”, fragte er.
      “Ja, genau die steht vor ihnen”, antwortete ich. Kurz darauf stellte er sich und den Grund seines Kommens vor. Auch wenn es mich kaum betraf, war es kein Thema für den Flur, weshalb ich ihn hineinbat. Ich bestätigte ihm das, was Vriska ihm bereits erzählt hatte und so kam es, dass er genauso schnell wieder verschwand, wie er gekommen war.
      “Wer weiß, vielleicht versuchte er nur mehr Infos über mich zu bekommen :D”, hatte Vriska mir geantwortet.
      “Also, darum ging es eben eindeutig nicht, aber wer weiß vielleicht wollte er nur professionell wirken;)”, schrieb ich ihr zurück und es klopfte schon wieder an der Tür. “Offen” rief ich und Samu steckte seinen Kopf durch die Tür. “Wer war denn der Schlipsträger im Flur? Haben wir jetzt schon den Geheimdienst im Haus”, fragte er ein wenig misstrauisch.
      “Das? Ach, der wollte sich nur als Vriskas neuen Freund vorstellen”, scherzte ich und Samus blick wurde noch misstrauischer. “So sah er aber nicht aus”, kommentierte er.
      “Ach Samu, manchmal hast du aber echt eine Lange Leitung. Natürlich ist das noch nicht Vriskas Freund. Herr Löfström ist von der schwedischen Botschaft und war nur wegen einer Zeugensage hier”, erklärte ich, was ihn nicht gerade zu beruhigen schien. “Keine Sorge nichts wildes”, sagte ich und verdrehte die Augen.
      “Wo ist er hin?”, kam Vriska plötzlich angelaufen und störte unser Gespräch. Wenn ich sie so betrachtete, schien sie sich neu geschminkt zu haben. “Ich muss dich enttäuschen, aber dein Traumprinz ist gerade gegangen, auch wenn du dir offensichtlich sehr viel Mühe gegeben hast”, antworte ich Vriska leicht amüsiert.
      “Dann warte ich an seinem Auto. Der BMW steht noch im Matsch.”, sagte sie und verschwand wieder.
      “Wow, sich scheint es ja echt erst zu meinen” kommentierte Samu das ganze amüsiert. “Ja, sag ich doch, dass das Vriskas fast Freund ist”, lachte ich ihn an.

      Vriska
      Was mache ich hier eigentlich, überlegte ich, als ich Knöcheltief im Matsch stand. Mit meinen Reitstiefeletten. Und kurzer Hose. Oversized-Pullover, obwohl es gefühlt wieder 25 Grad Celsius waren. Typisch schwül war es nach diesem heftigen Sommergewitter. An einigen Stellen blinzelte auch die Sonne durch die grauen Wolken.
      “Ach, ist noch was?”, fragte Löfström überrascht.
      “Jein, hast du - äh … Sie noch eine Visitenkarte für mich, falls mir noch was einfällt?”, fragte ich gekonnt und versprach mich natürlich.
      “Klar” antwortete er fröhlich und griff in seine Brusttasche des Mantels. Bisher dachte ich, dass nur amerikanische Filme und Serien sich das als Thing überlegten. Doch nun traf ich den ersten Anzugträger damit. Unglaublich. Einige Minuten blieb ich noch wie angewurzelt stehen und wirkte nicht unbedingt klug dabei.
      “Kann ich dir sonst noch helfen oder hast du einen Schlaganfall?”, lachte er. Einen Moment brauchte ich, bevor eine Antwort aus meinem Mund kam.
      “Hoffentlich hast du keinen”, fügte Löfström nun deutlich ernster hinzu.
      “Oh tut mir leid, ich war gerade irgendwie woanders.”, antwortete ich kurz und drehte mich um, um zu gehen.
      “Du kannst auch so mal anrufen”, rief er mir noch nach und stieg in seine viel zu große schwarze Karre. Die Pfützen spritzten gegen den bis dahin sauberen Lack.
      Was war den hier passiert? Schnell musste ich wieder zu Lina, um ihr das zu erzählen. Noch immer war sie mit Samu in ihrem Zimmer. Als ich reinplatzte, konnte ich nicht verstehen, worum es gerade ging. Unhöflich fiel ich dazwischen: “Ha! Ich habe seine Nummer!”, triumphierte ich und hielt die Visitenkarte in die Hand.
      “Aww super”, quietschte sie aufgeregt. “Und Samu du musst hier jetzt verschwinden wir haben Mädchenkram zu besprechen”, wandte sie sich an den Finnen und schob ihm aus dem Zimmer.
      “So, jetzt sag mal, wie hast du das angestellt”, fragte sie neugierig als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte.
      “Der hätte auch bleiben können, hätte ihn sicher auch interessiert. Aber gut. Ich habe einfach mein Pulli hochgezogen - fertig.”, scherzte ich. Lina warf mir verwirrte Blicke zu.
      “Spaß, ich habe ihn nach seiner Visitenkarte gefragt, falls ich mir noch was einfällt. Stand dann gedankenverloren einige Minuten an seinem Auto. Da sagte er mir zu mir, dass ich auch so mal anrufen kann”, antwortete ich und ließ mich rückwärts auf ihr Bett fallen.
      “Scheint ja, als wäre das quasi perfekt für dich gelaufen” antwortete sie begeistert und setzte sich neben mich aufs Bett.
      “Ach, als ob ich den anrufe. Ich weiß auch nicht, was das sollte. Vielleicht wollte ich einfach gucken, ob ich es noch kann”, sagte ich zu ihr und starrte an die Decke ihres Zimmers.
      “Also irgendwie kann ich das nicht so ganz glauben, dass du ihn nicht mehr anrufst, so wie du gerade aussiehst”, sagte Lina und ich konnte das Grinsen quasi hören. Ich zog das Pappkärtchen aus meiner Hosentasche und betrachtete es genauer.
      “Guck mal”, kam es nun völlig verwirrt aus mir. Ich deutete darauf, dass es seine private Karte sei und nicht die aus dem Büro. Entweder war er ein ziemlich Creep oder auch in ihm sind die jungen Pferde durch gegangen.
      “Sieht so aus, als wäre er doch zum Flirten hier gewesen”, kam es ein wenig neckisch von ihr.
      “Habe ich doch geschrieben. Ich habe immer recht”, lachte ich und stand auf. Dann zog ich sie an der Hand ebenfalls hoch aus dem Bett.
      “Vielleicht solltest du zu Nik. Der hat sicher einen harten Tag gehabt”, merkte ich an und nahm Lina mit raus.

      Lina
      “Na, da hast du wohl Recht”. So genau hatte ich bisher nicht darüber nachgedacht. Zusammen mit Vriska ging ich also zu den Hütten, in denen die Gäste untergebracht waren. Ich blieb vor Niklas Tür stehen, während Vriska sich zu ihrem eigenen Zimmer begab. “Niklas, bist du da?”, fragte ich und klopfte sacht an die Tür.
      “Nein, ich tarne mich als Bettdecke”, hörte ich es leise aus dem Zimmer.
      “Darf ich reinkommen?”, fragte ich und öffnete vorsichtig die Tür.
      “Du bist doch quasi schon da, jetzt kann ich dich auch nicht mehr wegschicken”, antwortete er und lachte. Also trat ich in den Raum und schloss die Tür hinter mir. “Dieser Tag heute ist ganz schön verrückt”, versuchte ich ein Gespräch zu starten.
      “Wie kommst du darauf? Ist doch ein normaler Dienstag”, scherzte Niklas und schien heute positiv zu sein. “Naja, ich bekomme nicht jeden Tag Besuch von einem Botschafter”, scherzte ich ebenfalls. “Möchtest du vielleicht über den Grund dafür reden?”, fragte ich und ließ mich auf einen Stuhl sinken.
      “Ach, Erik ist doch ein Netter. Ich bin mit dem zur Schule gegangen”, begann er und schien nachzudenken.
      “Ich mach’s kurz. Für Anna habe ich nie wirklich viel Geld ausgegeben, weil ich das als nicht wichtig empfand. Doch irgendwie hat sie mitbekommen, dass ich dir deinen Traum vom Pferd erfüllt habe. Das war wohl ihr Grund, dass alles nachzuholen. Allerdings wird das nun teuer für sie und unangenehm. Herr Holm will nachher beim Essen noch mal drüber reden”, erzählte Niklas dann doch noch.
      “Dieses Mädchen ist doch einfach nur verrückt”, kommentierte ich und schüttelte den Kopf. “Ist das also der Grund warum du so gut gelaunt bis oder gibt es da noch etwas?”, fragte ich und sah ihn an.
      “Du bist da”, antwortete er kurz und guckte mich an.
      Unwillkürlich musste ich lächeln und mir wurde ganz warm ums Herz. “Schön, dass du dich über mich freust,” sage ich und ging zu ihm rüber, “Ich freu mich nämlich auch dich zu sehen, vor allem nach dem Abenteuer heute Morgen”.
      “Abenteuer? Weil ich halb blind mit dir durch Gegend gelaufen bin?”, neckte er mich.
      “Das war zwar sehr lustig, aber nicht das was ich meinte”, sagte ich lachend und erst dann fiel mir ein, dass er vermutlich gar nicht mitbekommen hatte, wo Vriska und ich während des Gewitters gesteckt hatten. “Weißt du ich glaube, ich bin heute ein wenig über mich selbst hinausgewachsen”, begann ich zu erzählen “Obwohl ich mitten in einem Gewitter in einem Wald gestanden hab, hatte ich nur fast einen Nervenzusammenbruch”.
      “Herzlichen Glückwunsch” Aber fast klingt trotzdem nicht so schön”, sprach Niklas berührt und legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. Schlagartig wurde mir warm und ein angenehmes Ziehen, breitet sich in mir aus. “War es auch nicht, aber wie du siehst habe ich es überlebt”, murmelte ich.
      “Zum Glück”, flüsterte er dann.
      “Ja, zum Glück, sonst hätte ich nie wieder diesen schönen Kerl hier betrachten können”, flüsterte ich lächelnd und legte meine Hand auf seine.
      “Ist hier noch jemand?”, schockiert suchte Niklas nach einem ungebetenen Gast.
      “Oh, du bist doch blöd”, sagte ich und ohne groß weiter darüber nachzudenken, küsste ich ihn.
      “Nicht so stürmisch, junge Dame. Das könnte gefährlich enden.“, antwortete er und hatte offenbar noch viel mir in seinem Kopf herumzuschwirren.
      “Alles ok?”, fragte ich und sah Niklas nachdenklich an.
      “Wollen wir reiten? … Okay, die Frage erscheint falscher, als ich sie meine. Ich meine natürlich auf Pferden.”, kam es verlegen. Was auch immer in seinem hübschen Köpfchen vorging, er schien es nicht mit mir teilen zu wollen.
      “Pferde klingen gut”, antwortete ich ihm ein wenig frech.
      “Na dann los. Ich habe auch meine Hose wieder, dann bin ich nicht wieder so peinlich für dich. Es gibt bestimmt eins, dass mal wieder richtig geritten werden muss”, kam es typisch männlich von ihm. Dann zog er provokant seine Shorts runter und wechselte zur Reithose, die über einem Stuhl lag. “Na, da findet sich sicherlich jemand”. Kurz sah ich an mir runter, um zu überlegen, ob ich mich auch noch umziehend wollte. Nach unserem ziemlich nassen Ausritt hatte ich mir nur schnell Jeans und Shirt übergeworfen. “Doch bevor wir uns ein paar Pferde suchen, sollte ich mich glaub ich noch mal umziehen, denke ich „und sprang vom Bett auf.
      Verfolgt von Niklas lief ich rüber zum Haus. “Warte hier, ich bin gleich zurück”, meldete ich mich ab und ließ ihn vor der Zimmertür stehen. Im Zimmer tausche ich meine Jeans, gegen eine Reithose und angesichts des schwülen Wetters entschied ich mich auch noch dazu ein Top anzuziehen. Schnell schrieb ich Samu noch eine Nachricht, welche Pferde noch bewegt werden müssten und bekam auch sogleich eine Antwort.
      “So, ich bin wieder da”, verkündete ich und trat aus dem Zimmer. “Und ich habe gehört Little Buddy und Darky würden sich noch über ein bisschen Bewegung freuen.”
      “Wenn ich mich umziehe, spannerst du, aber ich darf nicht mal mitkommen?”, sagte Niklas eingeschnappt und begann zu schmollen. “Aber gut, dann ran da”
      “Ich kann mich für dich auch noch mal umziehen”, antwortete ich schnippisch und stolzierte in Richtung Außenboxen, wo die beiden Hengste wohnten. “Darf ich Vorstellen, da sind die beiden”, sagte ich und deutete auf die beiden Pferde. Während der Braunfalbe freundlich aus seiner Box schaute, drehte Darky uns nur den hinter zu.
      “Gut, ich nehme den Hellen”, entschied Niklas fix, nahm ein Halfter und führte den Hengst aus der Box. Auch ich holte Darky heraus. Gemeinsam putzten wir die Pferde. Mittlerweile war er deutlich stiller geworden und mit einigen Sätzen, versuchte ich wieder ein Gespräch in die Bahn zu lenken, was mir nicht gut gelang. Ich hielt kurz inne und beobachte wie Niklas mit kräftigen Strichen, das Fell des Hengstes striegelte. Er sah einfach verdammt heiß aus, egal was er tat, dazu fühlte ich mich in seiner Gegenwart einfach nur super. Jede Sekunde, die ich mit ihm verbrachte, war es Wert und auf einmal musste ich an das Gespräch mit meiner Schwester zurückdenken. ’Hör auf dein Herz’, hatte sie gesagt. Auf mein Herz zu hören würde bedeuten, dass ich am liebsten nie wieder eine Sekunde ohne diesen Mann verbringen. Doch ist das tatsächlich das Richtige? Mein Verstand sagte eindeutig Nein, doch mein Herz…

      Niklas
      Lina dachte über irgendetwas war, aber ich wollte sie danach nicht fragen. Stattdessen wandte ich mich an sie, um das Sattelzeug zu holen. Da der Hengst, den sie sich nahm, nur etwas größer als war, brauchte sie eindeutig keine Hilfe beim Satteln. Wenn auch unvernünftig setzte ich keinen Helm auf. Gemeinsam führten wir die Pferde in die Halle, sollte es wieder anfangen zu regnen, wären wir somit geschützt.
      “Wo sind die denn alle? Hier am Hof ist echt toten Stille”, versuchte ich das Schweigen zu brechen.
      “Mmm, das ist echt eine gute Frage. Vielleicht haben die vergessen aus dem Fenster zu gucken?”, antwortete sie, während des Nachgurtes. Ich nickte nur zustimmend und tat ihr gleich.
      Im Schritt ritt in den Hengst an und begann mich mit ihm anzufreunden. Schon nach einigen Metern merkte ich, dass sich ziemlich viel Pferd unter mir befand. Mit einem Tempo stolzierte er bereits im Schritt voran und nur mit etwas Geschick gelang es mir ihn deutlich langsamer vorwärts zu schicken. Der lange Zügel empfand er, als Aufforderung schneller zu werden, auch der Kontakt zum Bein wirkte eher als Gaspedal, statt ihm eine Hilfe zu sein. So brauchten wir einige Runden und Bahnfiguren, um uns aufeinander einzustimmen. Dabei stellte ich fest, dass Buddy unsicher war und alles so schnell wie möglich hinter sich haben wollte. Durch einen verstärkten Einsatz der Stimme und kurzen, aber klaren Hilfen, begann er mir besser zuzuhören und aktiver in der Hinterhand zu werden. Ein kurzer Blick zu Lina verriet mir, dass sie ihr Pferd deutlich besser unter Kontrolle hatte. Allerdings erschien es mir auch kein Wunder zu sein, warum ich dieses Pferd zugeteilt bekommen habe. Kostenlosen Beritt nimmt jeder dankend an. So setzte ich die Lockerungsphase mit kurzen Trabeinheiten auf dem Zirkel fort, um seine Elastizität im Genick zu fördern. Das Stellen und Biegen fiel im deutlicher leichter im Trab als im Schritt, auch legte er sich nicht mehr auf den Zügel. Nach jeder kurzen Einheit merkte ich eine Veränderung im Rücken des Pferdes und immer häufiger schnaubte er ab. Das war mit ihm der richtige Weg.

      Lina
      Auch wenn ich schon ein paar wenige male auf Darky gesessen hatte, brauchte ich dennoch einen Moment, um mich an den Hengst zu gewöhnen, denn bisher hatte ich ihm nur beim Springen geritten und da war er quasi ein anderes Pferd. Fleißig schritt er vorwärts und achtete gut auf die Hilfen, die ich ihm gab. Dark ist ein äußerst launisches Pferd, doch heute schien er mal ausnahmsweise gut gelaunt zu sein. Als ich antraben wollte, musst ich leider feststelle, dass der Hengst ein wenig zu gut darauf war denn die Hilfe interpretierte lieber, als Zeichen, laut quietschend einen ordentlichen Bocksprung hinzulegen. Unfreiwillig landete ich so vor dem Sattel. “Benimm dich Dark”, schimpfte ich und sortierte mich wieder und traben ihn erneut an. Diesmal war ich allerdings vorbereitet und reagierte schnell als der Schecke, der schon zu einem erneuten Bocksprung angesetzt hatte. Meinetwegen sollte der Hengst sich freuen dürfen, aber bitte, ohne mich dabei zu verlieren. Damit der Hengst erst einmal seine überschüssige Energie loswerden konnte, ließ ich erst einmal in einem recht hohen Tempo durch die Halle traben, bevor ich damit begann ihn im Trab zu lösen. Ein Blick auf Niklas verriet mir, dass er natürlich auch auf diesem Pferd einfach nur unverschämt gut aussah, wie macht er das nur? Den einen Moment, in dem ich nicht aufmerksam war, nutze der Schecke aus um aus einem vollkommen unerklärlichen Grund losschießen wie eine Rakete. Natürlich ließ der Hengst sich nicht wieder durch Parieren, weshalb ich ihn in eine recht große Volte, brachte und begann diese zu verkleinern. Tatsächlich wurde es dem Hengst irgendwann zu eng und er war gezwungen in den Trab zu wechseln.

      Niklas
      „Alles gut bei dir?“, fragte ich nach dem sie wieder den Schecken wieder im Schritt hatte.
      “Ja, alles Gut. Darky schient heute nur nicht so kooperationsbereit zu sein”, antwortete sie mir. Beruhigt setzte ich die Einheit mit dem Falben fort, der schon ruhiger unter mir lief als zu Anfang. Da ich mit ihm kein wirkliches Ziel außer einer erfolgreichen Einheit entschied ich mich dazu, weiter am Tempo zu arbeiten. Schnell sollte kein Problem sein, aber die Versammlung fiel im deutlich schwer. Buddy reagierte zuverlässig auf den Schenkel, auch wenn er diesen immer mit mehr Geschwindigkeit verband. Mit etwas Durchsetzungsvermögen funktionierte es.

      Max
      Bisher hatte nur Blávör etwas getan und Snotra brauchte dringend mehr Bewegung. In den letzten Tagen und vor allem Monaten hatte sie mehr fett angesetzt. Nachdem ich sie im Stall geputzt hatte und auch gesattelt, lief ich zur Halle, in der ich hoffte, allein zu sein. Doch, bevor ich dort ankam, hörte ich stimmen, die mir verrieten, dass ich nicht ohne Beobachtung trainieren konnte. Ich gurtete noch nach und rief Tor frei. Aufmerksam wartete ich auf eine Reaktion, die kam nach dem Niklas am Tor vorbeitrabte mit einem schicken Falben. Um niemanden zu stören, stellte ich mich mit der Stute in den Mittelpunkt des Zirkels bei A. Dort stieg ich auf und ritt im Schritt an. Unentspannt tippelte Snotra vorwärts, warf den Kopf nach oben und unten, legte diesen auf die Zügel. Ich bemerkte, dass Niklas immer wieder kritische Blicke auf uns warf, verkniff sich aber einen Kommentar. Einige Runden später schnaubte sie unter mir ab. Da die anderen Beiden in der Halle wieder im Schritt waren, töltete ich auf dem Zirkel an und aktiv rollte sie vorwärts.

      Lina
      Nach dem Abreiten verließen Niklas und ich die Halle. Darky hatte mich heute echt fertig gemacht, denn er hatte noch ein paar mal zu testen, ob ich denn auch wirklich wach war. Das Fell des Arabers war verschwitzt und auch mir war ordentlich warm geworden. Die Temperaturen trugen auch nicht gerade zu Abkühlung bei. “Der war heute vielleicht anstrengend, ich könnte mich auf der Stelle ausziehen”, sagte ich während ich den Hengst abtrenste. “Warum muss es heute denn auch so ein ekliges Wetter sein?”, jammerte ich ein wenig vor mich hin.
      “Na dann los, aber bedenke, dass dich dann jeder hier sehen wird”, kommentierte er und guckte nervös auf die Uhr.
      “Hast du heute etwa noch was vor?”, fragte ich ein wenig neugierig.
      “Herr Holm wird vor dem Essen noch eine kleine Rede halten, bei der alle vom Verein anwesend sein müssen. Das ist in 20 Minuten”, verriet Niklas.
      “Na dann musst du dich wohl ein bisschen beeilen”, stellte ich fest. “Geht es um die Sache mit Anna?” fügte ich noch neugierig hinzu, während ich den Sattel von Darkys Rücken zog.
      “Denkbar, er hat nichts weiter in der Gruppe geschrieben.”, antwortete und guckte noch mal auf sein Handy, dass Niklas wieder hatte.
      “Soll ich die mitnehmen?”, fragte ich und deutet auf die Trense, die er bereits über den Putzbalken gehängt hatte. Da ich von ihm keine Antwort bekam, schnappte ich mir auch noch seine Trense und trug mein Sattelzeug in die Sattelkammer, wo ich alles wegräumte.

      Niklas
      “Willst du mitkommen?”, fragte ich hektisch, als die Uhr mir verriet, dass noch 5 Minuten verblieben.
      “Gerne” antwortete sie mir, “wir müssen nur die beiden gerade noch schnell auf Paddock stellen. Das liegt aber auf dem Weg”, fügte sie dann noch schnell hinzu.
      Ich rannte mit dem Hengst los, der mir im Trab folgte. Lina öffnete das Tor und wir stellten die Pferde darauf. Gerade noch pünktlich setzten wir uns an einen freien Tisch.
      “Schön, dass nun alle da sind. Wie ihr sicher alle mitbekommen habt, konnte Anna ihre Emotionen nicht im Griff halten. Da wir jegliche Strafarten im Verein nicht dulden, wurde sie ohne Umwege entlassen. Ebenfalls hat sie Hausverbot am Hof bekommen. Ihre Stute wird in der Zeit versorgt, wofür Anna bzw. ihre Familie aufkommen muss. Aufgefallen wird euch sicher auch sein, dass Milena nicht mit im Raum ist. Aktuell wird noch geklärt, welchen Anteil sie dazu beigetragen hat. Bitte grenzt sie nicht aus, sie hat selbst entschieden jetzt nicht hier zu sein. Außerdem wollen wir euch noch berichten, dass Vriska ebenfalls gehen muss, da sie eine der Bestimmungen im Vertrag nicht erfüllt. Sie bekommt aber in 6 Monaten eine weitere Chance wieder zu uns kommen zu dürfen. Wenn ihr noch Fragen habt, stellt sie ruhig. Aber jetzt guten Appetit!”, erzählte unser Trainer. Meine Erwartungen hatte er damit nicht erfühlt. Etwas enttäuscht stand ich auf und bediente mich am Buffet. Normalerweise achte ich darauf, was ich esse, doch heute hatte ich einfach Hunger. Schon als ich auf Buddy saß, schwebten mir alles Fettige durch den Kopf. So griff ich nach den Pommes und türmte sie auf dem Teller. Dazu einige Hackbällchen und eine große Kelle braune Soße. Auch Lina nahm sich etwas auf den Teller und zusammen liefen wir zurück zum Tisch.

      Lina
      “Du scheinst heute ziemlich hungrig zu sein”, sagte ich zu Niklas, als einen Blick auf seinen voll beladenen Teller warf. Ich für meinen Teil hatte nicht allzu viel Hunger, weshalb ich mich nur mit ein paar Pommes begnügte. In der Ansprache der Trainer hatte ich kaum etwas Neues erfahren, denn das meiste wusste ich bereits. Nachdem das schwedische Team bereits anwesend war, trudelten nun auch langsam alle anderen ein, auch Samu.
      “Warum ist hier denn schon so viel los, sonst sind doch nicht alle zu früh da?”, fragte er ein wenig verwundert.
      “Die Schweden hatten noch was zu besprechen” antwortete ich ihm.
      Eine Hand spürte ich an meiner Schulter und schockiert schaute ich hinter mir. Herr Holm stand dort.
      “Niklas, denk dran. Ab Morgen beginnt das Erarbeiten der Kür”, sagte er und ging wieder.
      “Wofür müsst ihr denn eine Kür erarbeiten?”, fragte ich Niklas dann neugierig.
      “Das Training ist natürlich nicht zum Spaß, auch wenn du das sicher anderes siehst. Die Kür wird die erste Note, um zu gucken, auf welchen Leistungsstand wir sind und wie es für die nächste Saison weiter geht. Danach werden wir platziert. Es entscheidet somit darüber, ob wir nächstes auf großen Veranstaltungen mit reiten können oder nicht.”, erklärte Niklas mir.
      “Natürlich denke ich nicht, dass ihr nur zum Spaß um die halbe Welt geflogen seid, schließlich sind wir hier nicht in einem Ferienlager”, sagte ich und verdrehte die Augen.
      “Also haben wir keinen Spaß zusammen? Okay.”, erwiderte Niklas eingeschnappt und war im Begriff aufzustehen.
      “Halt, wir haben nur keinen Spaß, wenn du jetzt verschwindest”, protestierte ich und weil mir nichts Besseres einfiel, um ihn effektiv aufzuhalten, setzte ich mich kurzerhand auf seinen Schoß.
      “Nehmt euch doch bitte ein Zimmer”, merkte Chris an, der uns gegenüber am Tisch saß.
      “Am besten deins?”, fragte Niklas ihn dann und gab mir einen Kuss.
      Im ersten Moment war ich ein wenig überrascht, aber irgendwie gefiel es mir, sollten die anderen doch denken, was sie wollten. Chris murmelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin und widmet sich wieder seinem Essen.
      “Also muss die Kür alles Wichtige zeigen, was ihr könnt?”, kam ich wieder auf das ursprüngliche Thema zu sprechen.
      “Ja genau. In unserem Fall ist es S-Dressur. Nur bin ich lange keine hohen Lektionen mehr mit ihr geritten, da sie seit Wochen eine Verspannung in der Hüfte hat. Das zieht sich bis in das Sprunggelenk. Also müsste ich innerhalb von 6 Tagen mit ihr das Problem lösen eh ich mir überhaupt eine Kür ausdenken kann.”, erklärte Niklas.
      “Unser Osteopath wollte morgen wegen Divine vorbeikommen. Ich könnte fragen, ob er sich Smooth dann auch gleich mal anschaut”, bot ich ihm an.
      “Sie ist aktuell schon in Betreuung, aber ja, wieso nicht. Ansonsten kann ich das ich noch immer abbrechen”, erklärte er und stand auf, um den Teller wegzubringen. Auch meinen nahm er mit.
      “Wer bist du und was hast du mit Lina gemacht”, fragte Samu nun, der die ganze Zeit mit am Tisch gesessen hatte. Als wäre ich etwas Sonderbares stupste er mich an. “Was heißt das denn jetzt’”, fragte ich empört. “Es ist ja jetzt nicht so, als hätte ich noch nie eine Beziehung geführt hätte”.
      “Ja, aber irgendwie bist du heute anders”, sagte er und betrachtete mich nachdenklich. “Bist du dir sicher, dass du nicht vielleicht vom Blitz getroffen wurdest?”, scherze er weiter.
      “Niklas, gehen wir? Dann können wir mal den Abend miteinander verbringen”, brachte sich Ju nun auch noch mit ein und verschwand mit meinem Kerl.
      “Gut gemacht, jetzt hast du ihn vergrault, du Nervensäge. Und nein, ich wurde nicht vom Blitz getroffen”, sagte ich ein wenig pikiert. Neugierig wurde ich nun von einigen der anderen beobachtet, was mir auf einmal echt unangenehm wurde. “Und jetzt genug davon, vielleicht sollte ich mir lieber einen neuen besten Freund suchen”, gespielt beleidigt antwortete ich und verließ den Raum.

      Niklas
      Zusammen mit Ju machte ich es mir am Tisch im Zimmer bequem. Bevor wir uns eine Kür beginnen würden zu überlegen unterhielten wir uns über den heutigen Tag. Mit den Gedanken war ich nicht beim Thema, sondern musste schon jetzt an den Rückflug denken und wie viel in den wenigen Tagen passierte. Auffällig dabei war meine Beteiligung an so viele Aktionen oder auch eine Mitschuld trug. Aus den Gedanken riss mich mein Handy, dass in der Hosentasche vibrierte. Diesmal war es die Chatgruppe meiner Arbeit. Gespannt öffnete ich die Nachrichten und lass etwas, was mich wirklich verärgerte. Morgen werden die Dienstpläne fertig gemacht und wir sollen unsere Wunschschichten angeben. Außerdem waren bereits einige Demonstrationen angesagt, an denen ich auf jeden Fall mit reiten soll.
      “Wir müssen reden, oder schreiben. Wie du willst, ist wichtig”, schrieb ich Lina eine Nachricht.
      “Ok, soll ich rüberkommen?”, bekam ich auch sogleich eine Antwort.
      “Ju ist aber hier, der sicher nicht gehen wird. Also sag du …”
      “Möchtest du dann vielleicht zu mir rüberkommen? Wenn es wichtig ist, würde ich lieber persönlich mit dir sprechen”
      “Okay, ich bin gleich da”, antwortete ich Lina kurz.
      “Ju, ich muss kurz was mit Lina besprechen. Ich bin gleich wieder da”, sagte ich zu ihm und verließ den Raum, eh er was dazu sagen konnte.
      Ohne weiter nachzudenken, klopfte ich an der Tür und ging rein.
      “Worum geht es? Klingt echt wichtig”, fragte sie und blickte von ihrem Handy auf.
      Eh ich was antwortete, gab ich ihr mein Handy mit der Nachricht im Chat. “Hej kollegor, tills i morgon bitti har du fortfarande tid i några dagar att ange önskat skift. Om du behöver en viss servicedag, vänligen ange.”, war zu lesen.
      “Ähh Niklas, du weißt aber schon, dass ich kein Schwedisch kann? Das, was ich nämlich verstehe, macht nicht gerade viel Sinn”, sagte sie ein wenig verwirrt, nachdem sie auf den Bildschirm geschaut hatte.
      “Oh, Sorry. Habe ich im Eifer des Gefechts nicht dran gedacht. Wir sollen bis morgen früh unsere freien Tage und Dienstwünsche abgeben. Morgen früh ist in 20 Minuten. Ich will dich ungern zu irgendeiner Entscheidung zwingen, aber ich muss wissen, ob du mitkommst oder nicht. Weil 50h Flug will ich dir nicht allein zumuten.”, erklärte ich kurz und ließ mich auf ihr Bett fallen. In meinem Magen krampfte es und ich hatte wirklich Angst, was sie nun antworten würde.
      “Ich habe heute Morgen lange darüber nachgedacht”, begann sie zu Sprechen, “Und auf die Gefahr hin das mich alle für vollkommen Bescheuert halten, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mitkommen werde. Es wird Zeit ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen.”, beendete sie ihre Antwort.
      “Das freut mich”, sagte ich etwas trocken und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann stand ich auf, ohne was zu sagen und ging zurück ins Zimmer.

      Lina
      Ein wenig perplex beobachtete ich wie er das Zimmer verließ. Ein wenig mehr Begeisterung hatte ich schon erwartet.
      “Habe ich das gerade wirklich getan”, fragte ich mich dann einen Moment später und musste mich kneifen. Ja, das hier war die Wirklichkeit und kein Traum, eindeutig.
      Einerseits freute ich mich, dass es kein Traum war, andererseits hieß das, dass ich jetzt ein paar unangenehme Gespräche führen musste. Das Erste würde mit Samu sein. Ich hatte ihm nämlich bisher nicht erzählt, dass ich nur daran dachte mit Niklas nach Schweden zu gehen. Vermutlich hätte er mir das ausgeredet, aber bevor ich zu Samu ging musste ich dringend mit meiner Schwerster reden, zum Glück müsste sie schon wach sein.
      Schnell wählte ich ihre Nummer und wartete ungeduldig, bis sie endlich ran ging. “Womit habe ich die Ehre schon so früh mit dir zu sprechen, müsste es bei dir nicht mitten in der Nacht sein?”, kam es aus dem Hörer.
      “Juliet, ich habe es getan!”, sagte ich kurz angebunden. “Lina kleines, was genau hast du getan?”, scheinbar war Juliet nicht ganz bei der Sache, denn sie peilte mal wieder nichts.
      “Juli, ich habe getan, was du gesagt hast. Ich habe auf mein Herz gehört, ich werde nach Schweden gehen!”, verkündete ich aufgeregt.
      “Wow, das ging schnell”, nuschelte meine Schwester am anderen Ende. “Lina, ich weiß ich habe gesagt, du sollt auf dein Herz hören und ich unterstütze dich bei jeder Entscheidung, aber hast du dir das wirklich gut überlegt? Ich meine, unser letztes Gespräch ist gerade mal einen halben Tag her?”.
      “Natürlich habe ich mir das gut überlegt und jetzt sein nicht so ein Moralapostel und freu dich lieber, dass ich dich dann öfter besuchen kann”, antwortete ich genervt. Das war typisch Juli, immer war sie die vernünftige von uns beiden, das hat sie definitiv mit Samu gemeinsam. In der Hinsicht würden die beiden ein wunderbares Pärchen abgeben.
      “Ok, ok ich freu mich ja Schon. Aber eine Frage hätte ich noch, wann soll das ganze dann passieren?”, gab sie klein bei und brachte mich zugleich zu etwas, worauf ich die Antwort nicht kannte, zumindest noch nicht. “Ähh ... Vermutlich ziemlich bald schließlich muss Niklas arbeiten und er will mich nicht allein Fliegen lassen”, antwortete ich.
      “Klingt ganz so als hättest du mal wieder nicht bis zum Ende gedacht”, antwortete meine Schwester ein wenig abschätzig.
      “Entschuldige, dass wir mitten in der Nacht besseres zu tun haben. Aber genug fürs Erste ich muss jetzt erst mal Samu, beichten, was ich vorab. Ich teile dir dann mit, ob ich noch lebe”, scherzte ich, denn ich konnte absolut nicht einschätzen wie Samu reagieren würde, nur begeistert würde er definitiv nicht sein.
      “Ok Lina, wir reden dann noch mal drüber, wenn du einen genaueren Plan hast”, sagte sie noch bevor ich mich von ihr verabschiedete. Das war das einfache Gespräch gewesen, auch wenn meine Schwester immer alles ein wenig pessimistisch sah, wusste ich, dass sie mich immer unterstützen würde. Außerdem war sie diejenige die mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, dass es gar nicht so unmöglich war, wie es schien.
      Ein leicht mulmiges Gefühl breitet sich in mir aus, wenn ich daran, dachte zu Samu rüberzugehen. Früher oder später muss ich dieses Gespräch allerdings ohnehin führen, denn eine Abreise würde wohl kaum unauffällig sein. Dann lieber früher als später.
      Ich atmete noch einmal tief durch und trat in den Flur. Unter seiner Tür war noch ein schwacher Lichtschein zu sehen, dass musste heißen, dass er noch wach sei. Leise klopfte ich an.
      “Komm rein”, kam es als Antwort und ich trat in das Zimmer. Samu saß mit einem Buch auf dem Bett und sah mich darüber hinweg an. Er schien sich keineswegs darüber zu wundern, was genau ich so spät noch von ihm wollte.
      “Du Samu… ich muss dir was sagen”, druckste ich ein wenig herum und starrte auf meine Füße. “Ich werde mit Niklas nach Schweden gehen”, flüsterte ich schon fast. Einen Augenblick lang sagte er nicht.
      “Lina, das ist ein Scherz, oder?”, fragte er ernst.
      “Nein, ist es nicht”, sagte ich ein wenig kleinlaut. “Und bevor du etwas sagst, ja ich habe mir das gut überlegt”.
      “Und wie genau stellst du dir das ganze vor? Du kannst nicht einfach da rüber fliegen und erwarten, dass das Leben alles Regelt”. Er war deutlich ruhiger als ich erwartet hatte, ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist.
      “Naja, ... Niklas meinte, ich könnte vermutlich auf dem LDS wohnen und arbeiten. Das Ganze ist zwar noch nicht geklärt, aber…”.
      “Und du meinst, das klappt einfach so?”. Samu sah mich streng an.
      “ääää… wir können Vriska fragen, immerhin arbeitet sie dort?”, sagte ich und warf ihm einen schrägen Blick zu.
      “Na, dann Los“. Samu sprang bereits auf und wollte zur Tür gehen.
      “Warte, ich weiß nicht ob sie noch wach ist”, stoppe ich ihn und schrieb eilig eine Nachricht an Vriska, ”Bist du noch wach?”.
      “Japp. Ich erwarte dich.”, ploppte es einige Sekunden später auf.
      “Ok, wir können rüber, aber ich gehe vor”, sagte ich zu meinem besten Freund und quetschte mich an ihm vorbei.
      Leise schlichen wir die Treppe hinunter und gingen über den Hof, der nur noch vom Mond beleuchtet wurde.
      “Vriska, ich bin es”, sagte ich und öffnete ihre Tür.
      Ein ungewöhnliches Bild erblickte ich. Mit offenen Haaren, die sie sonst immer im Zopf trug, saß sie am Tisch. Rechts lagen ihr Handy und links die Visitenkarte. Sie guckte nicht einmal, als wir hineingingen.
      “Ähh, Samu hat da eine ganz wichtige Farge die er unbedingt jetzt beantwortet haben möchte”, sagte ich ein wenig genervt. “Und was genau, machst du da?”, fügte ich ein wenig verwirrt hinzu.
      “Das ist die Frage, die ihn so quält?”, antwortete sie verwundert und guckte zu uns.
      “Naja, ich habe gerade beschlossen mit euch nach Schweden zu kommen. Samu möchte nun wissen, ob das möglich wäre, dass ich bei euch auf dem Hof arbeite. Ich habe zwar versucht zu erklären, dass jetzt nicht die richtige Uhrzeit dafür ist, aber er hört sonst nicht auf zu nerven”. Beim letzten Teil sah ich Samu absichtlich ein wenig böse an.
      “I don’t get it. Du fragst gerade für Samu, ob DU etwas tun kannst, was davon abhängig ist, was ich sage? Warum fragst du mich nicht direkt?”, stellte sie als Gegenfrage ohne sie zu beantworten.
      “Vielleicht weil ich diesen Entschluss sehr spontan getroffen habe, ohne daran zu denken, zuerst mit dir zu reden?”, versuchte ich mich zu erklären, doch es klang nach einer eher kläglichen Ausrede.

      Vriska
      “Einen Moment, ich rufe kurz den heißesten Chef an auf diesem Planten”, sagte ich kurz zu den Beiden.
      “Godmorgon, geht schnell”, begrüßte ich Tyrell am Telefon.
      “Bevor du weiteres sagst. Warum antwortest du nicht? Was stimmt mit dir nicht?”, regte er sich direkt auf.
      “Du sorry, viel zu tun. Brauchen wir noch eine billige Arbeitskraft, die wir ausbeuten können, für alles was keiner machen will?”
      “Sag’ nicht, dass du wen für den Papierkram gefunden hast”, Hoffnung war in seinem Ton. Ein Blick zu Lina verriet mir, dass das wohl nichts werden würde.
      “Solang es nach Farben sortiert werden müsste, schafft sie das. Alles was Zahlen angeeht, wäre schwiiiierig.”, antwortete ich lachend. Lina wirkte nicht nur verwirrt, sondern vorwiegend verärgert. Wer um die Zeit in mein Zimmer kommt, hatte in meinen Augen aber nichts anderes verdient.
      “Also eher Bad putzen und vor allem putzen?”, stieg er mit auf die Schiene.
      “Genau, damit du nicht immer mit dem Staubwedel durch die Halle rennst.”, wir lachten.
      “Worauf auch immer du hinauswillst, trag sie einfach in der App ein und teile ihr eine Hütte zu, alles andere werden wir dann sehen. Außerdem solltest du schlafen.”, antwortete Tyrell und legte auf. Ich hatte seine Stimme wirklich vermisst, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte wieso. Schließlich war er wie ein Bruder für mich.
      “So Lina, du musst jetzt mit kurzem Rock und Staubwedel die Halle jeden Tag putzen”, sagte ich zu ihr so ernst wie möglich und öffnete die Stall-App, um ihr ein Profil anzulegen.
      “Wow, das ging jetzt aber schnell”, sagte Lina nur staunend.
      “Bei euch rennt jemand mit einem Staubwedel durch die Reithalle?”, fragte Samu dann ein wenig verwirrt.
      “Samu weiß nicht wie unsere Halle aussieht, oder?”, flüsterte ich Lina zu, die vom HMJ bereits das Gelände kannte.
      “Nein ich denke, er geht von einer normalen Halle aus”, erwiderte sie und lachte.
      „Okay Samu, dann setz‘ dich mal lieber“, bat ich ihn zu Tisch und wechselte auf meinem Handy zu Fotos. Vor geraumer Zeit hatten Bruce und ich aus der Laune heraus ein kleinen Imagefilm gemacht. Ich legte ihm das Phone vor die Nase. Gespannt verfolgte er das Bild. Das Video startete mit einem Blick vom Pferd im Dunkeln, in der die große Glasfront und die innere Beleuchtung die Nacht erhellte. Danach eine Blende zu einer B-Roll die in Bewegung von links nach rechts ein laufendes Pferd im Hallensand zeigte. Die nächste Szene war ein Top-Down Aufnahme einer Drohne durch die Halle, auf der Vintage geritten wurde auf dem 80x40m Reitplatz. Zu sehen waren auch die 12 Partnerboxen zur Linken mit Solarium ganz hinten. Am Ende der Drohnenaufnahme kamen die beiden Häuschen in der Halle und der Aquatrainer. Weitere B-Rolls folgten mit Aufnahmen der Innenansicht der Häuser. Dort gab eine große Gemeinschaftsküche mit einigen Tischen und einer Art Balkon-Terrasse, von der aus man das Geschehen auf dem Platz betrachten konnte. In der oberen Etage waren ebenfalls einige Räume für Seminare. Das andere Haus war die Sattelkammer und Futterkammer. Alle Sättel hingen ordentlich an den Wänden wie einem Einbauschrank. Dazu kleine Fächer in die Helme lagen, Schabracken auf Bügel hingen. Ganz oben türmten sich Pokale und Schleifen. Die Trensen hingen an einer anderen Wand und in der Mitte stand ein Sofa. Weitere Aufnahmen gab es vom Rest des Hofes.
      “Wow, das ist unglaublich”, kam es erstaunt von dem Finnen.
      “Lässt sich gut leben, aber die Wege sind immer ziemlich weit. Wir denken aktuell darüber nach Segways anzuschaffen.”, lachte ich und nahm mein Handy zurück.
      “Dann haben wir alles geklärt, oder?”, fügte ich noch hinzu und bereitete gedanklich vor mich endlich schlafen zu legen.
      “Ja, fast”, antwortete Lina. “Aber du Samu kannst schon mal gehen ich finde mein Zimmer auch alleine”, wandte sie sich an Samu und schob ihn einfach aus dem Raum.
      “Ach ich habe nur überlegt Erik eine Nachricht zu schreiben, da es eine Handynummer ist und kein Telefon. Ich habe es bisher aber nicht gemacht. Kurz dachte ich ihm auch freizügige Bilder zu schicken aber den Gedanken hatte ich recht schnell verworfen”, erzählte ich Lina offen.
      “Besser das du letzteres verworfen hast. Aber ich finde, du solltest ihm trotzdem schreiben”, sagte sie grinsend.
      “Mal sehen. Schließlich ist er hier in Kanada und ich will eigentlich nicht hierbleiben”, begann ich zu scherzen.
      “Wenn du meinst, aber er wird bestimmt traurig sein, wenn du ihn nicht ein einziges Mal schreibst”, erwiderte sie lachend.
      “In meiner ersten und einzigen Beziehung wurde ich geschlagen, verprügelt. Ich weiß nicht, ob ich bereit bin für irgendwas”, wechselte ich plötzlich das Thema. Dann drehte ich mich und schob mein T-Shirt hoch. Auf meinem Rücken waren diverse Narben von Peitschenhieben und Verbrennungen, die lange Vernarbt waren.
      “Tut mir leid, ich wollte keinen wunden Punkt bei dir treffen”, sagte Lina vorsichtig.
      “Ach alles gut, ich wollte nur das gesagt haben. Deswegen bin ich mir unsicher. Deswegen habe ich heute auch so gut wie kein Wort mit Ju gewechselt.”, lachte ich nun.
      “Ob du bereit bist, kannst nur du selbst wissen, aber denk dran dafür musst du dir auch selbst eine Chance geben, das herauszufinden”, antwortete Lina.
      “Du hast recht, ich werden dann auch schlafen gehen”, sagte ich zu ihr bat sie zu gehen. Freundlich verabschiedete ich mich von ihr, ging nochmal kurz Duschen, dass wie vielte mal an diesem Tag auch immer und legte mich ins Bett. Dort musste ich über Linas Worte nachdenken. Natürlich konnte ich nachvollziehen, was sie meinte. Ich musste nur auf den richtigen Moment abwarten, doch ich wusste, dass er kommen wird. Auch wenn es ihr nicht gefallen wird, musste ich es tun. Einmal muss ich etwas wirklich durchziehen. Dann schlief ich ein.


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    • Mohikanerin
      Dressurtraining | 14. März 2021
      Gruppe 1
      St.Pauli's Amnesia mit Juha // Dressur E zu A
      Snúra mit Milena // Dressur E zu A
      Caja mit Mika // Dressur E zu A
      Oline mit Ambrose // Dressur E zu A

      Gruppe 2
      Satz des Pythagoras mit Niklas // Dressur A zu L
      Snotra mit Max // Dressur A zu L
      Acerado mit Samu //Dressur A zu L

      Gruppe 3
      Checkpoint mit Hannes // Dressur E zu A
      Windrose mit Darya // Dressur E zu A
      HMJ Divine mit Lina Valoo // Dressur E zu A
      Nurja mit Vriska Isaac // Dressur E zu A


      Das diese Trainingsfahrt dermaßen eskalieren würde, das hätte keiner vermutet. Meine Karriere als Berufsreiter und Trainer der Nationalmannschaft in der Dressur und Springen hatte ich mir so nicht vorgestellt. Hier in Kanada mutierte ich zum Kindergärtner und versuchte alle Schäfchen im Stall zu halten, was mir offensichtlicher eher schlecht als Recht gelang. Der Tag startete entspannter. Kristine hatte sich rechtzeitig aus meinem Zimmer verkrümelt und im Saal zum Frühstück saßen bereits alle.
      “Godmorgon, an der Tür habe ich euch die Liste gehängt, wer in welcher Gruppe reiten wird. Bitte seid pünktlich. Pro Gruppe sind ungefähr 45 Minuten bis 60 Minuten eingeplant. Als Erstes machen sich Ju, Milena, Mika und Ambrose bereits. Danach Niklas, Samu und Max. In der letzten Gruppe sind dann Hannes, Darya, Lina und Vriska. Ich freue mich auf euch alle und wünsche euch bekömmliches Frühstück”, sagte ich zu den Halbstarken und nahm mir ebenfalls etwas. Im Anschluss entschied ich noch Zähne putzen zu gehen und mich dann langsam auf dem Weg zur großen Reithalle zu machen. Heute wäre ich lieber auf den Platz gegangen, doch die Pfützen vom Unwetter waren überall verteilt und das, obwohl es wieder sonnig war und Temperaturen um die 30 °C erwartet wurden.
      Entgegen meiner Erwartung ritt die erste Gruppe bereits die Pferde im Schritt am langen Zügel warm. “Milena, soweit mir bekannt können Isländer auch vorwärtslaufen, ohne das Gewicht auf die Vorderhand zu verlagern”, scherzte ich. Snúra trampelte unmotiviert immer auf der ganzen Bahn herum, während Ju mit Amnesia bereits Volten und Zirkel ritt. Mika, der auf Caja saß, schien noch damit beschäftigt zu sein, die Steigbügellänge richtig einzustellen und arbeitete zum Warm werden mit einer Stute vom Boden aus. Dann warf ich einen Blick zu Ambrose. “Denkst du nicht, dass dein Sitz auch beim Warmreiten dein Pferd unterstützen sollte? Du bist doch kein nasser Sack”, bemängelte ich seinen Sitz und er setzte sich ordentlich auf sein Pferd.
      Alle waren mittlerweile im Trab, dabei fiel mir auf, dass Amnesia immer die Handbremse zog, wenn ihr Reiter aussitzen wollte. Dabei machte sie sich steif, legte sich auf den Zügel und fiel auf die Vorderhand. “Ju versuch Amy mal im Schritt mehr am Schenkel zu arbeiten. Sie ist noch jung und versteht nicht. was du von ihr willst. Bleib mal auf der Volte und trabe dort in der Biegung an, während du sitzen bleibst”, rief ich ihm zu. An der kurzen Seite bremste er seine Stute zurück in Schritt. Mit leichtem Druck am Bein schob er sein Pferd weichend am Schenkel vorwärts. Auch Ambrose arbeitete mit seiner Mausfalbstute noch am Schenkel. Dazu richtete er sie mehrfach Rückwärts und trabte sie direkt an, um den Schwung aus der Hinterhand zu verbessern.
      “Mika, steig doch mal auf”, sagte ich zu ihm, da er noch immer neben seinem Pferd herlief und sie arbeitete die einige Seitengänge, die heute gar nicht gefragt sind. Für heute wollen wir noch mal die A-Dressur durcharbeiten. Die Grundbausteine müssen bei allen im Verein sitzen. Milena arbeitete mit Snúra bereits einige Lektionen der Dressur ab, so verkleinerte und vergrößerte sie das Viereck im Schritt und Trab. Ihre Stute reagiert sensibel auf den Schenkel und ließ sich mit wenig Hilfen sehr gut stellen. Auch auf dem Zirkel konnte der Isländer mit Takt und Schwung galoppieren.
      “Ambrose, bitte reite eine Kehrtwendung auf der Vorderhand”, befahl ich ihm. Er ritt Oline auf den zweiten Hufschlag und stellte sie geschlossen hin. Dabei stellte Ambrose nach rechts, damit sich die Hinterhand nach links bewegt. Dafür legte er seinen äußeren Schenkel verwahrend an das Pferd, der Innere trieb verstärkt. Den inneren Zügel verkürzte er etwas und begrenzte mit dem anderen, damit seine Stute mit der Schulter nicht ausbricht. Langsam, aber korrekt kreuzte das innere Hinterbein vor das äußere bei jedem Schritt und die Vorderhand trat auf der Stelle. Lösend schnaubte Online ab. Ich lobte beide und wendete mich zu Mika, der endlich auf seinem Pferd saß. Im Vergleich zu den anderen Dreien war seine Stute bereits sehr gut warm und er konnte mit dem Galopp beginnen. So ließ ich ihn Caja auf dem Zirkel angaloppieren. Zunächst sollte Mika mehrere einfache Galoppwechsel machen und an der langen Seite überstreichen. Dabei traten keine Probleme auf.
      “Milena, ich weiß, dass es dir schwerfällt, aber setze dich tiefer in den Sattel, um auszusitzen. Dann reitest du bitte eine einfache Schlangenlinie und bei Erreichen der nächsten langen Seite lässt du dir die Zügel aus der Hand kauen. Dann nimmst du die Zügel vorsichtig wieder auf, gehst auf den Zirkel und galoppierst an.”, sagte ich ihr. Snúra wurde entspannter, nach dem sie mehr Zügel bekam und der Galopp schien ihr beim Lockern zu helfen. Auch den einfachen Galoppwechsel sprang sie richtig.
      Ju mit seiner Stute ließ ich ebenfalls eine Vorderhandwendung machen, daraus sollte seine Stute rückwärtsrichten und direkt antraben. Die Abfolge mehrere Lektionen half Amy dabei losgelassener zu werden und besser auf ihren Reiter zu konzentrieren. So schafften es alle am Ende der Reitstunde die Bahnfiguren und Lektionen der A Dressur abzurufen. Auch die Rahmenerweiterungen in das mittlere Tempo stellte kein Problem für die Reiter und ihre Pferde dar. Eh die nächsten kommen würde, setzte ich mich kurz an die frische Luft und trank etwas. Mein Mund war vom ganzen Reden schon trocken geworden und ich bräuchte mehr Augen, um alle so zu fördern, wie sie es brauchten. Doch am nächsten Tag wird es ein Einzeltraining für alle geben, überlegte ich dann. Dann kam schon die nächsten.
      Im Schritt ritt Niklas mit Smoothie in die Halle, auch Samu mit Acerado und gefolgt von Max mit der Isländer Stute Snotra.
      “Ich hoffe ihr seid bereit. Es steht Dressur L auf dem Plan”, versuchte ich die Jungs zu motivieren, die ohne Freunde im Gesicht auf den Pferden saßen. “Na dann beginnen wir mal mit dem Aufwärmen”, sagte ich zu den Jungs und sie setzten ihre Pferde in Bewegung.
      “Lass deinen Hengst nicht so wegrennen“, rief ich Samu zu. Sein Brauner war schon beim Stehen rumgehampelt und scheinbar geht es ihm hier zu langsam. Von Samu versuch ihn auszubremsen schien der Hengst nicht viel zu halten, denn nun begann er mit dem Kopf zuschlagen. “Gibt ihm mehr Zügel und setz dich mehr hin”, korrigierte ich ihn und schon ging Acerado ein wenig ruhiger.
      Bei Smoothie beobachtete ich, dass sie immer wieder mit ihrem Sprunggelenk wegbrach. Das Problem hatte die Stute einige Wochen schon, aber mir wurde berichtet, dass eine Osteopathin es sich näher angucken wird noch am selben Tag. Was mir noch auf fiel war, dass Niklas seine Hänge im Trab nicht ruhig halten konnte. Mit einigen Tipps sah es nach einigen Minuten bereits besser aus. Gemeinsam entschieden wir, dass seine Stute heute mehr im Schritt gearbeitet werden sollte. Da die L-Dressur für die Beiden kein Problem mehr darstellen sollte. Smoothie kann bereits alle Gangarten versammelt laufen und auch alle Übergänge.
      Snotra unter Max hingegen hatte große Schwierigkeiten bei der Versammlung im Trab, da sie in den Tölt ging, um die Balance zu halten. So machten sie zusammen einige Wendungen auf der Vorderhand und Hinterhand, um die Muskeln durch die einseitig wirkende Hilfe besser zu entspannen. Die Stute reagierte gut auf den Schenkel und konzentrierte sich genau darauf, was sie tun sollte. Snotra läuft zu viel auf der Vorhand und nimmt zu wenig Last auf. Im Galopp hingegen fiel es ihr leichter, weswegen die beiden nun darin erst mal weiterarbeiten sollen, eh wir im Verlauf dieser Trainingseinheit noch die Versammlung im Trab uns näher anschauen.
      Samu konnte mittlerweile mehr Ruhe in seinen Hengst einbringen und somit auch schon erste Versammlung im Trab und Galopp reiten, in Verbindung mit Handwechseln und kleineren Volten. Der Braune hörte ihm genau zu, um die Lektionen auf den Punkt genau zu laufen. Wenn auch nicht gefordert, ritt Niklas im Schritt mit Smoothie verschiedene Seitengänge und besonders schön sah die Traversale aus, an der sie zusammen monatelang arbeiteten.
      Zum Ende der Einheit ist Niklas mit Smoothie noch einige Runden locker getrabt und das Knacken ihres Sprunggelenks trat ebenfalls nicht mehr auf, da das Gelenk sich mit Flüssigkeit gefüllt hatte. Für einige Hufschlagfiguren wie der Schlangenlinie mit vier Bögen oder Handwechsel auf der Ecke kehrt auf 8 Meter, war die Stute genug vorbereitet. Auch Max schaffte es noch seine Stute genügend im Trab zu versammeln durch viele Übergänge vom Schritt in den Trab, vom Trab in den Halt und immer weniger einige Galoppsprünge, damit die Energie etwas abgelassen wurde. Ace unter Samu fehlte es vorrangig an der Geduld, was sein Reiter von ihm wollte. So müssen die Beiden noch etwas mehr miteinander Arbeiten und keine Routine in die Einheiten einbringen. So wird sein Pferd ihm zuhören müssen und aufmerksam bleiben. In den Lektionen an sich gab es keine Probleme, nur die Versammlung müsste noch mehr erarbeitet werden, wenn Ace mehr auf seinen Reiter achtet.
      Die Dritte Gruppe ließ mir keine Verschnaufpause, sondern kam direkt in die Halle für das Dressur-A Training. Dominant war, dass Divine unter Lina den anderen Pferden einfach nur nachlief, ohne dabei auf seine Reiterin zu achten. So forderte ich sie auf, vom Pferd zusteigen, um zunächst den hübschen Hengst von der Hand aus aufzuwärmen. Hannes und Checkpoint machten ein gutes Bild, weswegen ich mich Darya auf Windrose widmen konnte. Sie hat ihre Stute noch nicht so lange, deswegen wollte sie mir mit gemeinsam die Lektionen mal abrufen. Vriska saß auf einer braunen Stute, die nicht zum Verein gehörte. Aber Kristine hatte mir bereits berichtet, dass Glymur wieder ein dickes Bein hatte und deswegen heute eine Pause brauchte. So saß sie auf einer Freiberger Stute, die grundsätzlich ein gutes Bild machte. Nurja reagierte auf den Schenkel, war weich im Genick und kaute aktiv auf dem Gebiss.
      Ich zeigte Lina, wie sie besser ihren Hengst vom Boden ausführen kann und die Gerte als Schenkelhilfe einsetzen konnte. Dieser schielte immer wieder etwas hektisch zu den anderen Pferden, wenn einer der anderen Reiter vorbeiritt. Doch mit einem leichten ziehen am äußeren Zügel, wandte Ivy sich schnell wieder zurück zu uns. Aufmerksam hörte er auf Lina, die mit ihm auch schon in Seitengängen arbeitete, was in meiner klassischen Ausbildung viel später es kommen würde. Der Hengst jedoch schien genau das zu benötigen, um überhaupt gerade laufen zu können und genug Takt zu entwickeln. Auch die Rahmenerweiterung konnte sich am Boden sehen lassen. Dann ließ ich die Beiden erst mal selbstständig weiter machen, um mich Hannes und seinem Hengst zu widmen. Er war bereits im Trab unterwegs und ritt einige Bahnfiguren. Der Rappe lief fleißig unter ihm und hörte auf die Hilfen, die ihm gegeben wurden. Dazu hatte er eine konstante Anlehnung und Hannes saß ruhig im Sattel. Seine Haltung der Zügel könnte jedoch noch verbessert werden. Man könnte meinen, dass Niklas und Hannes sich heute abgesprochen hätten. Es war deutlich sichtbar, dass sie Brüder waren, wenn auch von der Persönlichkeit komplett unterschiedlich. Ohne etwas zu ihm sagen zu müssen, ritt er Volten im Trab. Schlangenlinien und ließ sich die Zügel aus der Hand kauen. Im Galopp konnte er überstreichen und auch der fliegende Galoppwechsel war ein Kinderspiel für die Beiden.
      Vriska und Nurja machten ein schönes Bild zusammen. Besonders empfand ich sie auf einem Warmblüter auch deutlich eleganter als auf ihren Isländer. Vriska war körperlich genau richtig gebaut, um hohe Dressurklassen mitzureiten. Wer weiß, vielleicht schafft einer der Jungs sie davon zu überzeugen, das Fahrzeug zu wechseln.
      Am Ende setzte sich Lina doch noch auf ihren Hengst und ich lief immer wieder ein Stück mit, damit er sich an kein anderes Pferd hängen konnte. Je mehr sie mit Divine sprach, umso weniger klebte er.
      Auch Darya auf Windrose konnte den Rahmen ihres Pferdes erweitern und sogar einige fliegende Galoppwechsel reite. Mit einigen Wochen mehr intensiven Training, wird es beiden gelingen schon mit L-Lektionen zu beginnen.
      Hannes und Checkpoint waren auf einem ganz anderen Level unterwegs. Der Hengst lief aufmerksam vorwärts, stellte sich wunderbar im Genick und konnte alle geforderten Lektionen der A-Dressur bereits auf den Punkt genau laufen.
      Vriska und Nurja hatten heute das erste Training miteinander, doch sie konnte der Braunen ziemlich viel Sicherheit geben und so schon die ersten Lektionen der A reiten. Besonders der Galopp war noch ausbaufähig der Stute aber mit etwas Geduld, würde das etwas werden.

      © Mohikanerin (Anders Holm) | 12.581 Zeichen

    • Mohikanerin
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      Beschlag und Hufpflege für Snotra, Blávör, Briair, Elf Dancer, Acerado und Nurja
      15. April 2021 // Mohikanerin

      Ein kurzfristiger Auftrag erreichte mich von meinem Partner Mr. Wellik AB. Auf dem Gestüt Whitehorse Creek brauchten einige Pferde neue Eisen und eine weitere Stute müsste ausgeschnitten werden, wenn ich schon mal da bin.
      “Sie müssen Luchy sein”, sagte ich zu einer jungen Dame, die auf mich zu kam.
      “Nein, Hallo. Ich bin Lina.”, stellte sie sich vor. Zusammen gehen wir zum Stall in dem bereits Elf Dancer stand.
      Ich entfernte als Erstes die alten Eisen. Die Dame erzählte mir, dass er zwischendurch Schwierigkeiten beim Laufen hatte, eine Art Knacken zu hören sei und ich mir das genauer anschauen sollte. Der Schmied, der sonst kam, machte wohl einfach nur die Eisen darauf und das war's. Ich ließ mir den Hengst vor dem Stall einige mal Vorführen, als die Eisen ab waren. Es fiel deutlich auf, dass er fühlig lief.
      “Vielleicht wäre es besser, wenn wir ihn auch hinten Beschlagen”, merkte ich bei der ersten Runde an. Später war auch das Knacken zu hören, dass sie ansprach.
      “Ich denke, dass das Hufbein länger ist und durch die Bewegung knackt es. Jedoch wäre es besser mit einem Tierarzt zu sprechen”, erklärte ich ihr. Sie stimmte mir zu.
      “Zur Erleichterung beim Abrollen kann ich ihm spezielle Eisen vorne ran machen und eine Gummischicht dazwischen, damit die Federung mehr unterstützt wird.”
      “Das klingt super. Machen wir so”, antwortete Lina begeistert.
      In meinem Auto begann ich zu kramen nach den Gummis. “Gefunden”, rufe ich triumphierend und lief in den Stall. Die Eisen hatte ich bereits zurecht geschliffen und geformt, sodass nur die Gummis noch fehlten. Ich befestigte diesen am Eisen und nagle alles zusammen an den Huf von Elf Dancer. 20 Minuten später lief er schon viel Besser mit den NBS an den Vorderhufen.
      “Und was sind das für ein Eisen?”, fragte Lina, nach dem sie den Hengst zurückgestellt hatte. Ich zeigte ihr das Eisen genauer und erkläre: “Diese Hufeinsen sollen es ermöglichen, dass das Pferd damit so locker und natürlich laufen kann wie möglich. Der Huf kann so seinem natürlichen Abrollpunkt folgen und somit bleibt die Hufform während der gesamten Beschlagsperiode unverändert.”
      Als Nächstes waren Acerado und Briair an der Reihe. Den Hengst hatte Lina aus der Box geholt und kraulte engagiert seinen Kopf. Sie erklärte mir, dass er sonst sehr ungeduldig herumzappeln würde und ich hackte nicht weiter nach. Stattdessen ging ich meinem Beruf nach, entfernte die Eisen und machte den ersten groben Schnitt am Huf. Der Zeh ragte merklich über dem alten Eisen und hatte teilweise die Form des Hufes verändert. Kopfschüttelnd lief ich zum Auto, um nach anderen Eisen zu schauen. Schnell fand ich die richtige Größe für alle vier Hufe und begann sie in die richtige Form zu schlagen. Zur gleichen Zeit führte die kleine Dame den Hengst auf und ab, da er immer ungeduldiger in der Gasse stand und nicht weiter stillhalten wollte. Immer wieder warf ich einen prüfenden Blick auf das Gangbild des Braunen, doch konnte keine Unstimmigkeiten entdecken, bis auf die ungünstige Form des Hufes.
      Nach 40 Minuten konnte sich Acerado wieder sehen lassen. Imposant trabte Lina den Hengst vor und er zeigte keine weiteren Fehler. Er rollte sehr gut ab und ließ sich dabei im ganzen Körper locker. Die Zehen hatte ich an die Eisen angepassten und die Trachten minimal gekürzt, da sie nicht plan zum Boden waren. Bevor sie ihn zurück auf die Weide brachte, hatte Lina bereits Briair eine interessante Schimmelstute in die Gasse gestellt. Die Eisen hatte ich bereits von den Hufen entfernt und begann zu raspeln, als die Mitarbeiterin wieder kehrte und mir die Stute auf dem festen Boden vorführen konnte. Ungewohnt hob sie die Beine weit weg vom Boden und tippelte neben ihr her. Generell lief sie aber richtig. Auch für sie konnte ich die Standardeisen verwenden und suchte mal wieder nach diesen. Ich musste das Auto mal wieder aufräumen dachte ich und stolperte haarscharf über einen Eimer, den ich zur Seite schieben wollte.
      “Alles okay?”, rief Lina aus dem Stall.
      “Ja, noch mal gut gegangen”, scherzte ich und kam mit den Eisen wieder. Prüfend legte ich sie an die Hufe der Stute und markierte einige markante Stellen, die ich an dem Eisen ändern musste. Am Auto schlug die vier Eisen wieder zurecht, schliff mit dem Nassschleifer mehrere Stellen. Erneut legte ich die Eisen an die Hufe der Stute, eh ich sie fest machte. Zufrieden führte Lina sie noch einmal vor und brachte dann auch Briair zur Weide.
      Ein junger Mann kam mit zwei Stuten auf mich zu. Auf den ersten Blick wusste ich, dass das die besagten Isländer sein. Wortlos band er sie an, zeigt zuerst auf die Braune und lehnte sich an die Wand.
      „Ich bräuchte sie vorher erst mal vorgeführt, um die Bewegungsabläufe zu sehen und mögliche Fehler ausgleichen zu können”, erklärte ich ihm.
      “Die hat keine Fehler”, murmelte er, band sie ab und führte sie den Weg entlang. Dann drehte Max sie wieder um und trabte ein Stück. Offensichtlich trabte Snotra jedoch nicht, sondern es war Tölt. Ich guckte es mir noch einige Minuten an, eh ich sie zurück in den Stall kommen ließ und begann die alten Eisen zu entfernen. Natürlich zeigte die Stute Fehler im Gangbild, die aus X-Beinen bestanden und in keiner Weise angepasst wurden. Die Hufe waren normal geschnitten und die Eisen Standardgemäß genagelt. Kaum stand sie direkt auf dem Steinboden in der Stallgasse begann die Stute herumzuhampeln und fühlte sich offensichtlich nicht wohl auf dem Boden. Der Besitzer stellte sich an den Kopf von ihr und beruhigte sie. So konnte ich ungestört die Hufe korrigieren und im Anschluss die Eisen im Auto auswählen. Auf Wunsch des Kunden bekam sie an die Vorderhufe und Hinterhufe die gleichen Gewichtsklassen, da auf der Zuchtprüfung in einigen Wochen kein unterschiedlicher Beschlag zugelassen ist.
      “8ter in 1, richtig?”, fragte ich noch einmal nach aus dem Auto. Er stimmte zu und bewaffnet mit Stift sowie Eisen kam ich zurück zum Pferd, um die richtigen Maße zu nehmen. Die Stege waren zu lang und an den Trachten zu breit. Mit roher Gewalt schlug ich am Amboss mit dem Hammer auf die Vordereisen ein. Mehrmals prüfte ich die Form, bis sie endgültig passten. Snotra hatte sich mittlerweile an den Untergrund gewöhnt, dennoch wirkte sie erleichtert, als endlich wieder an ihren Hufen waren. Nach einem erneuten Vorführen stellte sich eine leichtere Verbesserung des Gangbildes heraus und im geschlossenen Stehen war auch die Stellung, um einige Millimeter besser.
      Bevor Nurja ausgeschnitten wurde, sollte Blávör noch die Eisen entfernt bekommen. Der Kunde erzählte mir, dass sie ständig die Eisen verlor und die Hufwände sehr brüchig wurden. Ich guckte mir im Schritt die kleine Katastrophe an, eh ich sie wieder anbinden ließ und direkt mit dem Entfernen begann. Ihre Hufen waren wirklich sehr trocken und rissig. Von den Hufnägeln aus durchzogen klitzekleine Risse die Hufwand. Behutsam entfernte ich die Nägel und Eisen. Im Vergleich zu ihrem Kameraden entspannte die Stute sich auf dem Untergrund und wirkte erleichtert, die Eisen los zu sein. Ich feilte die Hufen und kürzte sie mit dem Messer. Aus dem Auto habe ich bereits den Hufkleber geholt, um die Risse zu befestigen. Es musste verhindert werden, dass die Risse sich in den weißen Rand hochzogen. Nach 20 Minuten waren wir fertig und Max brachte seine beiden Stuten zurück auf die Weide.
      Lina wartete bereits mit Nurja, führte sie vor und befestigte die Stute für mich. Freundlich begrüßte ich sie und betrachtete die Hufe. Wirklich gut gepflegt waren sie, benötigten nur eine Nacharbeitung. Zuerst schnitt ich den Strahl aus und die Hufwand. Die Trachten waren an den Hinterhufen deutlich zu lang, sodass ich ein paar Zentimeter entfernte. Am Ende schnitt die Hufe eben zum Boden. Dann führte die Kleine Nurja erneut vor. “Sehr gut, sie ist fertig”, rief ich ihr zu. Sie nickte und verabschiedete sich. Max kehrte bereits zurück. Eh er sich verabschieden konnte, rechnete ich noch ab. Die Rechnung steckte er unsanft in seine Tasche und ging. Nicht gesprächig der Kerl, um so freundlicher war der Kontakt zu Lina, die mir sogleich das Geld gab, als sie zurückkehrte
    • Mohikanerin
      Nationalteam XI | 08. Mai 2021
      Nabuko// El Pancho// HMJ Divine // Legolas // Herkules // Elf Dancer
      Blávör // Snotra // Satz des Pythagoras // Glymur // Northumbria


      Lina
      Irgendwo traf mich ihr Kommentar ein wenig, auch wenn es mir bei Niklas um viel mehr ging. Es war viel mehr die Tatsache, dass Niklas scheinbar irgendetwas an ihr gefunden hatte und irgendwo hoffte ich, dass es eine Geschmacksverirrung war.
      “Sag mal sehe ich wirklich so aus, als würde ich mit jedem schlafen?”, lenkte mich Samu von meinen Gedanken ab. Diese Frage brachte mich zum Lachen. Es erstaunte mich immer wieder, dass mein bester Freund gar nicht zu registrieren schien, wie gut er eigentlich aussah.
      “Ach Samu, du bist putzig. Hat dir eigentlich noch nie jemand erklärt, dass du ein gutaussehender Mann bist?”, versuchte ich ihm zu erklären. Er sah mich ein wenig verwirrt an, bevor er nachfragte: “Und was hat das mit meiner Frage zu tun?”
      “Na, das ist doch ganz einfach. Männer, die aussehen wie du verhalten sich in den meisten anders. Zwar auch durchaus freundlich, aber auf einer ganz anderen Ebene, wenn du verstehst”, versuchte ich ihm zu erklären und musste mir schon sehr Mühe geben, um mich nicht allzu sehr über seine Unwissenheit zu amüsieren. Mir war ja klar, dass er nicht gerade der Womanizer ist, aber dass er so ahnungslos ist, hätte nicht mal ich erwartet.
      Diese Botschaft hatte er offensichtlich verstanden, dennoch schien er es nicht nachvollziehen zu können.
      “Aber das ist doch scheiße, wenn es immer nur um Sex geht”, stellte er fest.
      “Ja, das ist richtig und deshalb ist es schön zu sehen, dass es auch Männer wie dich gibt”, sagte ich lächelnd.
      “Ich hoffe mal, das sollte ein Kompliment sein”, antwortete er und zog den Sattel von seinem Hengst.
      “Ja, sollte es. Du solltest trotzdem mehr rausgehen und Leute kennenlernen. Aber genug Lebensweisheiten fürs Erste auf mich warten noch ein paar Pferdchen. Könntest du Legolas bitte gleich für mich in die Führanlage stellen?”, fragte ich und deutete auf den lackschwarzen Hengst, der freundlich den Kopf über die Boxentür streckte.
      “Ja, klar ich muss eh noch Sky da reinstellen”, bekam ich eine freundliche Antwort von Samu.
      “Danke, du sparst mir wertvolle Zeit”, verabschiedet mich und verschwand zum Paddock auf dem Nabuko und El Pancho ihr Heu genossen.
      Da ich dank des Chaos in meinem Zimmer und Hazels Reitstunde heute schon viel, zu viel Zeit verschwendet, hatte, beschloss ich die beiden Pferde einfach nur laufen zu lassen. Ein Blick auf den Hallenbelegungsplan verriet mir, dass die Longierhalle frei war. Somit schnappte ich mir als Erstes den Haflinger, der mir ein wenig aufgedreht zu Halle folgte. Auf dem Weg dorthin, begegnet ich Jace, der gerade mit Herkules die Halle verließ. Er ignorierte mich immer noch vollkommen. Sollte er doch, eigentlich hatte ich zwar vor mit ihm befreundet zu bleiben, aber wenn er nicht wollte…
      Sobald ich Nabuko in der Halle frei ließ, begann er auch schon energiegeladen durch die Halle zu flippen.
      “Laaangsaam Blondie”, bremste ich den Hengst mit der Stimme aus, denn er sollte sich erst einmal im Schritt aufwärmen, bevor er bocken durch die Halle sprang.

      Juha
      Eine nervige Stimme trat mir entgegen, die mich um meinen Schlaf brachte. Ich schaute nach oben, um zu prüfen, wer einen Schatten auf mich warf. Milena stand vor mir und wollte etwas.
      “Hast du was verloren, oder was brauchst du?”, fragte ich und setzte mich aufrecht auf.
      “Ich suche nach Informationen”, begann sie. Irgendetwas stimmte nicht, denn Milena führte bisher keine Gespräche mit mir, vor allem nicht ohne Zeugen. Ohne mir die Möglichkeit überhaupt darauf zu antworten, sprach sie weiter: “Mit wem hat Vriska geschlafen?”
      War das ihr Ernst? Sie wäre wirklich die letzte, der ich das sagen würde. Ich wusste es natürlich, nichtsdestotrotz war das nicht meine Suppe.
      „Ich habe kein Schimmer, wovon du sprichst“, antwortete ich mit nach oben gezogenen Brauen.
      „Verraten! Du warst das, deswegen geht ihr euch auch aus dem Weg. Ich wusste es!“, triumphierte Milena. Noch immer konnte ich nicht fassen, dass sie überhaupt danach fragte.
      „Du hast eine blühende Fantasie“, wollte ich das Thema beenden, doch sie hielt ihre Hand dicht vor mein Gesicht und verlangte etwas.
      „Gib mir dein Handy, ich will in der Gruppe gucken“, forderte sie.
      „In deinen kühnsten Träumen nicht.“ Abfällig schüttelte ich meinen Kopf, bis auch sie entdeckte, dass es im Gras lag. Noch eh ich danach greifen konnte, hatte sie es in ihren zarten Fingern und versuchte hektisch es zu entsperren.
      „Tja, es ist halt gesichert und nicht wie Niklas mit seinen Informationen umging“, prahlte ich und entriss es aus ihren Händen. Dann landete es in meiner Hosentasche. Direkt ging Milena in den Angriff über und versuchte vehement, es wiederzubeschaffen. Dabei griff sie auch mehrfach daneben und landete geradewegs zwischen meinen Beinen.
      “Was stimmt mit dir nicht?”, empört schlug ihre Griffel beiseite und stieß sie zur Seite. So unsanft, dass sie im Gras landete. Schmerzerfüllt rieb Milena das knie und stand nicht wieder auf.
      “Jetzt steh auf”, sagte ich und bot meine Hand an, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Einschnappt, weigerte sie sich und verschränkte die Arme. Nicht mal der Sohn meiner Schwester verhielt sich so, was mich stark an ihrem Auffassungsvermögen zweifeln ließ.
      “Na gut, wenn du dann glücklich bist”, entsperrte ich mein Handy und reichte es ihr. Hektisch griff sie danach und scrollte wild durch den Verlauf der Nachrichten. Viel dürfte sie dabei nicht entdecken, denn Niklas hatte nicht mal damit geprallt, dass sie sich an ihn heranmachte. Das erste Mal könnte man behaupten, dass er ein Gentleman war, doch allein, dass sie es taten, zeugte wenig für eine menschliche Seite ihn ihm. Milenas Gesichtszüge entglitten immer mehr, als sie feststellte, dass der größte Teil aus Bildern bestand, die Chris seit Tagen reinschickte und um Beratung bat.
      “Pff”, zischte sie und stand auf. Dann gab sie mir das Gerät zurück.
      “Zufrieden?”, fragte ich verärgert und sie nickte. Da es nicht mal einen Nachrichtenverkehr zwischen Vriska und mir gab, würde wohl diese Theorie ihrerseits im Sande verlaufen.
      “Aber du weißt es?”, fragte Milena erneut, was ich mit einem leichten Nicken bestätigte. Das schien ihr zu reichen und sie verschwand. Wirklich dicht war sie nicht mehr und eher ein Fall für eine Therapie als einer Nationalmannschaft. Man konnte viel über uns alle sagen, doch sogar Vriska verhielt sich normaler als Milena in dem Moment. Wenn wir darüber abstimmen dürften, würde ich gerne Tauschen. Dann könnte sie sich zumindest mit ihrer gestörten Freundin zusammensetzten und irrsinnige Rachepläne schmieden. Als ich mich an meinem Rücken kratzte, vernahm ich einen stechenden Schmerz. Es fiel mir wieder ein. Bevor Milena kam, schlief ich. In der Sonne. Das konnte nur heißen, dass ich einen schönen Sonnenbrand hatte. Ich bückte mich nach meinem Buch und lief ins Zimmer, um die Schäden an meiner Haut zu inspizieren. Im Spiegel leuchteten die freien Stellen meines Rückens in einer roten Farbe, die nicht mal meine farbigen Tattoos hatten. Auch spürte ich eine Wärme, ohne meine Haut zu berühren. Zum Kühlen stellte ich mich für mehrere Minuten unter die Dusche und merkte bereits eine Erleichterung. Im Schrank stand von Niklas ein After Sun, dass ich auftrug und mit einem Shirt bedeckte. Großartig gemacht, dachte ich und setzte mich an den Tisch. Die nächsten Tage würde es schlimmer werden und mich bei meiner Kür beeinträchtigen. Doch ich bin ein Mann, dass sollte ich aushalten können. Deswegen setzte ich mich wieder daran und suchte im Internet nach Elementen, die ich einbauen könnte. Bis die ersten Ergebnisse der Suchmaschine geladen hatten, verging einiges an Zeit. Also musste ich wohl doch weiter nachdenken und auf Niklas warten, der sicher schon fertig war.

      Einige Stunden später …

      Niklas
      Wenigstens ein Begrüßungskomitee erwartete ich bei der Rückkehr meinerseits, doch niemand stand da und wartete auf mich. Natürlich waren der Gedanke und die kleine Vorfreude darauf fernab der Realität, nichts mehr als ein Wunschtraum. Bevor ich ausstieg, erhielt der Taxifahrer noch einen großen Bonus bekommen, da es nicht leicht war jemanden zu finden, der den Weg ins Nirgendwo antrat. Ein leichter Windstoß wirbelte entlang meiner Kleidung. Wenige Wolken zogen am Himmel vorbei, warfen einen Schatten über das Land. Ein Schläfchen würde mir sicher guttun, doch ich hatte noch eine Stute, die Bewegung benötigte. Auf dem Tisch lagen die Aufzeichnungen, die Ju sich zur Kür bisher gemacht hatte. Es war wirr, eine richtige Reihenfolge nicht nachvollziehbar und unsauber noch dazu. Kaffeeflecken übersäten das Papier und die Schrift verschwamm an einigen Stellen. Sollte Ju die Zettel so abgeben wollen, würde Herr Holm ihn geradewegs vor die Tür setzen. Mein Recht war es nicht darüber ein Urteil zu bilden, schließlich stapelte sich meine Kleidung auf oder auch in meinem Koffer. Genauer konnte man das nicht erkennen. Lieblos warf ich getragenes und auch sauberes ineinander und wählte nach Geruch das passende des Tages aus. Das Vereinstrikot roch normal und wurde in Handumdrehen gegen das aktuelle Shirt gewechselt. Während ich das Alte über meinen Kopf zog, blieb es an dem Folienverband hängen und schmerzte an der Wunde. Der unschöne Teil eines Tattoos war der Heilungsprozess. In wenigen Tagen wird es anfangen zu jucken und an der Folie würden sich Hautschichten abbilden, die sich lösen. Doch erst in einer Woche konnte ich diese entfernen und die Wunde reinigen. So lang blieb es wie es war. Ich wusste nicht, ob Ju heute noch mit mir ein Wort wechseln würde, denn ich hatte noch genug vor, so schreib ich einen kleinen Zettel mit den Worten “Det är bäst att börja om framifrån :D” und klebte ihn auf seine Aufzeichnungen. Dann schloss ich die Tür hinter mir und lief zu meiner Stute. Auf dem Weg schrieb ich auch noch Lina eine Nachricht, denn noch konnte man das Tattoo gut erkennen und sie würde sicher gern ihre Zeichnung vollendet sehen wollen. Ich sagte ihr Bescheid, dass ich mit Humbria auf den Platz gehen würde und steckte das Handy zurück in meine Hose.
      “Det var länge sen”, begrüßte ich meine Stute, als ich die Weide betrat. Aufmerksam spitzte sie die Ohren und grummelte als ich meine Hand nach ihr streckte. Ein paar Schritte machte Humbria auf mich zu und senkte den Kopf. Auch wenn sie mich diesbezüglich nicht unterstützen musste, war ich äußerst froh über ihre Arbeitsbereitschaft. Zusammen liefen wir in den Stall. Am Himmel zogen immer mehr Wolken vorbei, die kaum noch die Sonne zuließen. Die Luft war trocken und unangenehm. Neugierig beobachtete Humbi alles, was ich tat, besonders Bürsten waren ihre Leidenschaft. Die Putzkiste stand ziemlich nah neben ihr, was sie dazu aufforderte, die Schnauze hineinzustecken und kräftig auszuatmen. Der Staub tanzte in den Lichtstrahlen und ihr Maul war dreckig. Auf nahm sie die Kardätsche und warf sie durch die Gasse.
      “Måste du spela apa?”, scherzte ich und sammelte das Putzequipment wieder ein. Doch immer wieder stecke Humbria ihre Nase rein und warf es durch die Gegend. Bis ich endlich auf die Idee kam, ihn zur Seite zu stellen, bückte ich mich mehrfach und brachte es zurück.
      “Vielleicht solltest du daraus einen Trick machen”, ertönte auf einmal Lina stimme am Ende der Stallgasse. Überrascht drehte ich mich zu ihr. Mein Pferd nervte mich weiter und zupfte an meinem Handy herum, dass in meiner Hose steckte. Sie bekam einen Klaps aufs Maul doch dachte nicht mal daran aufzuhören.
      „Wäre eine Idee, dann könnte sie mein Zimmer aufräumen“, scherzte ich.
      “Da würde sich Ju sicher freuen, wenn er dir nicht mehr hinterher räumen muss”, antworte sie fröhlich.
      “In einigen Tagen wird es vorbei sein, dann hat er erstmal Ruhe vor mir. Dann mach Fjona das wieder”, erklärte ich ihr und wandte mich meinem Pferd wieder zu. Sie scharte abwechselnd mit den Vorderhufen und schnappte nach dem Strick. Bisher hatte sie nie solches Verhalten gezeigt und mit ruhigen Worten versuchte ich sie zu besänftigen, vergeblich. Humbria schaukelte sich immer mehr hoch, bis sie hysterisch den Kopf nach oben riss und stieg. Ich löste den Strick vom Halfter und griff nach diesem. Zusammen liefen wir nach draußen und noch immer tänzelte sie aufgeregt neben mir her. Immer wieder ließ ich sie um mich herum kreisen und rückwärtslaufen, doch die Stute beruhigte sich kein Stück. Noch immer trippelte sie neben mir her, doch es beeindruckte mich nicht. Angekommen am Reitplatz löste ich meinen Griff am Halfter und mit aufgestelltem Schweif trabte sie wie vom Blitz getroffen auf und ab. Etwas passte ihr ganz und gar nicht. Vor mir galoppierte sie immer wieder ein Stück an, eh Humbria wieder bremste und weiter trabte. Ihre Energie erschien endlos zu sein und so konnte sie erst mal etwas ablassen.
      “Kann man dir irgendwie helfen?”, fragte Lina die das ganze vom Zaun aus beobachtet.
      “Ich wüsste nicht wie, muss selbst erst mal überlege, wie ich die wieder bekomme”, überlegte ich und blickte meinem Pferd nach, dass sich immer weiter von mir entfernte und nicht einmal Anstalten machte, sich auf mich zu konzentrieren.
      “Für mich sieht das fast so aus als würde dein Pferd dich absichtlich ignorieren. Hast du heute vielleicht etwas anders gemacht als sonst?”
      “Es gab kein Leckerli, als ich sie begrüßte. Ich hätte mir aber in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass Humbria deswegen nun so eingeschnappt ist. Die benimmt sich ja fast wie Milena”, rügte ich mein Pferd. Als hätte sie genau verstanden, was ich sagte, bremste sie schlagartig ab und blickte mich an. Ihr Blick fesselte mich.
      “Kom, Humbria”, rief ich nach ihr, was sie wieder in Rage brachte. Die Stute stellte den Schweif wieder auf und trabte mit viel Schwung und federnd in den Fesseln vorwärts. Wenn sie sich so unter dem Sattel präsentieren würde, hätte ich einen Sechser im Lotto.
      “Immerhin scheint deine kleine Diva zu wissen, wie man sich bewegt”, kommentierte Lina, die ein wenig belustigt von dem Verhalten der Stute zu sein schien.
      “Erfreue dich ruhig weiter am Leid der Anderen!”, schimpfte ich mit Lina, während ich mir aufgeregt durch die Haare fuhr. Meine Frisur hatte ich mir sicherlich schon versaut, denn das Gel klebte bereits an meinen Fingern. Ich warf die Handschuhe zur Seite, die ich bereits ausgezogen hatte und ließ mich in den Sand fallen. Humbria hingegen trabte fröhlich weiter und pruste laut. So stellte ich mir das heutige „“Training nicht vor, als Zuschauer meines eigenen Pferdes. Ich verschränkte meine Arme und hoffte darauf, dass sie wieder zu mir kam, vergebens.
      “Vielleicht solltest du es mal mit Bestechung versuchen? Das überzeugt eigentlich fast jedes Pferd”, sagte Lina, die nun den Platz betrat und ein paar Leckerlis aus ihrer Hosentasche zauberte.
      “Ich belohne sie doch nicht dafür. Wo leben wir denn bitte?”, regte ich mich weiter auf. Schließlich forderte das Pferd genau danach, aber so lernte sie nur weiter, dass sie ausflippen musste, um ihren Willen zu bekommen.
      “Also, wenn du dich weiter aufregst, wird sie bestimmt nicht zurückkommen. Aber wenn du keine Hilfe möchtest, kann ich auch wieder gehen”, murmelte Lina und ließ die Leckerlis wieder verschwinden.
      “Det ger jag fan i”, murmelte ich und guckte nicht zu ihr rüber. Es ärgerte mich, dass ich die Situation nicht unter Kontrolle hatte und es mir auch an Ideen fehlte damit umzugehen. Opa hatte bereits Hengste, die sich aufspielten, doch es war zu lange, um mich daran erinnern zu können. Mir fehlte die Erfahrung, obwohl ich immer eine Antwort hatte, war ich dieses Mal sprachlos.
      “Na, wenn du mich nicht brauchst, kann ich auch gehen”, antworte Lina und wandte sich zum Gehen. “Und so nebenbei nur, weil ich kein Schwedisch lesen kann, heißt das nicht, dass ich es nicht verstehe”, fügte sie noch hinzu und schloss das Tor hinter sich.
      „Ach jetzt auf einmal“, rief ich vollkommen sinnlos und bedeutungslos nach. Sie drehte sich nicht mal nach mir um und verschwand. Zwei eingeschnappt Weiber in meinem Umfeld konnte ich nicht gebrauchen und machte mich daran mein Pferd wieder einzufangen. Humbria pumpte wie ein Maikäfer und stand erschöpft am Zaun. Ich nutze den Moment aufzustehen, meine Handschuhe wieder über meine klebrigen Finger zu ziehen und zu ihr zulaufen. Sie bewegte sich kein Stück mehr und konnte nach ihrem Halfter greifen. Freundlich strich ihr über den Hals und gab ihr ein Leckerli. Ihre Augen begannen zu funkeln, als ich mit meiner rechten Hand in meiner Hose wühlte. Sie fraß es gierig und folgte mir. Mehrmals schnaubte das Pferd ab. Für heute würde es reichen, sie würde eh nicht mehr viel leisten können und ich brachte Humbria am Halfter zurück zur Weide. Dort warf sie sich in den Dreck und blieb liegen. Alle Viere streckte sie von sich und besorgt lief ich zum Pferd. Sie stand nicht auf und ich tastete vorsichtig ihren Bauch ab. Es fühlte sich alles normal an, dennoch zog ich sie am Halfter nach oben, um einige Meter mit ihr im Schritt zu laufen. Sie äppelte. Dann ließ ich wieder so los und die Stute streckte den Hals zu Boden, um am Gras zu zupfen. Hatte ich wieder übertrieben? Längere Zeit beobachtete ich sie noch, jedoch machte sie keine Anstalten sich erneut hinzulegen und beruhigt verließ ich sie, um die Stallgasse aufzuräumen. Ich hoffte Lina dort wiederzutreffen, denn ich wäre ihr eine Entschuldigung schuldig, oder nicht? Eigentlich sollte sie sich entschuldigen, denn sich bei meinen Pferden einzumischen, mochte ich überhaupt nicht. Überzeugt davon, verrichtete ich meine Arbeit.

      Lina
      Mein Weg führte mich geradewegs zur Koppel, wo Divine stand. Es ärgerte mich ein wenig, dass ich für Niklas scheinbar nur ein Pferdemädchen war, welches keine Ahnung hatte, dabei wollte ich doch nur helfen. Sicherlich fehlte mir einiges an Erfahrung, gerade mit schwierigen Pferden, doch das war doch kein Grund gleich so unfreundlich zu werden.
      “Hei Prinssi”, begrüßte ich den Freibergerhengst, der auf mich zu getrottet kam, sobald ich die Koppel erreicht hatte. Freundlich prustete er mich an und ich begann durch die dicke Mähne zu wuscheln. Wie ich denn Hengst so betrachte, kam mir die Fragen in den Sinn, warum ich die Aufgaben bekommen hatte, das WHC dieses Jahr beim HMJ zu vertreten. Hatte es den Grund, dass die Pferde im Vorhinein bekannt waren, oder hätte ich auch teilnehmen dürfen, wenn die Pferde unbekannt gewesen wären?
      Immerhin war Divine ein besonders einfacher Fall. Der Freiberger unterbrach mich sehr unsanft in meinen Gedanken, als er mir ungeschickt, wie er nun mal war, bei dem Versuch an die Leckerlis zu kommen, auf den Fuß trampelte.
      “Autsch, was soll das du kleiner Tollpatsch”, beschwerte ich mich bei meinem Hengst und schob ihn wieder von meinem Fuß runter. Ivy interessierte das Ziemlich wenig, denn er versuchte lieber weiterhin in meine Hosentasche zu kriechen.
      “Nein, dafür gibt es bestimmt nichts”, schimpfte ich leise und schob seine Schnauze von mir Weg. “Wenn du was willst, musst du es dir erst verdienen”. Ich sammelte den Strick vom Zaun, um ihm in Divines Halfter einzuhaken, doch mein Pferd schien einen anderen Plan zu haben, denn er wollte den Strick viel lieber voll sabbern. Kurzentschlossen zog ich ihm den Strick wieder aus dem Maul und befestigte ihn am Halfter.
      Als ich ihn aus dem Tor führte, passte ich diesmal besser auf meine Füße auf, denn ein schmerzender Zeh reichte mir für heute. Da die Sonne immer noch vom Himmel brannte, beschloss ich den empfindlichen Hengst lieber auf der Stallgasse zu putzen, wo ich dann auch wieder auf Niklas traf.
      “Dürfte ich da mal bitte vorbei”, fragte ich ihn denn er stand Mitten im Weg.
      “Jovisst”, murmelte er und tritt zur Seite.
      “Danke”. Ohne ihn weiter zu beachten, führte ich Divine auf den Putzplatz und band ihn dort an, bevor ich in die Sattelkammer ging, um meinen Putzkasten zu holen. Als ich zurück machte sich mein Pferd, erneut den Spaß den Strick abzukauen.
      “Statt kluge Ratschläge zu geben, solltest du dich um dein Pferd kümmern”, haute Niklas plötzlich heraus und schaute mich erwartungsvoll an.
      “Was glaubst du, du tue ich gerade”, antwortete ich ihm, ohne näher darauf einzugehen und zog dem Hengst den Strick aus dem Maul.
      “Funktioniert offensichtlich nicht so gut”, brummte er und ließ nicht locker von uns. Offensichtlich wollte er irgendetwas, doch mir leuchtete nicht wirklich ein, was.
      “Was genau möchtest du von mir?”, fragte ich deshalb nach, während ich meine Bürsten aus dem Putzkoffer holte. Divine fand inzwischen den Strick langweilig und versuchte lieber den Hals lang genug zu machen, um an irgendetwas anderes dranzukommen. Da allerdings nicht in seinem Umkreis war, wollte er sich schon wieder dem Strick widmen, doch dieses Mal reagierte ich schneller und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. Das schien zumindest für den Moment Wirkung zu zeigen, denn er gab auf und begann lieber den Boden nach etwas fressbarem abzusuchen.
      „Hast du mir nicht etwas zu sagen?“, zog Niklas die Augenbrauen hoch und erwartete etwas. Währenddessen wippte er mit seinem Bein und schränkte die Arme. Jetzt war ich erst recht verwirrt. Hatte ich irgendwie ein Teil des Gespräches verpasst?
      “Ich glaube nicht? “, antwortete ich zögerlich und sah ein wenig unsicher zwischen ihn und meinem Pferd hin und her, in der Hoffnung dadurch schlauer zu werden.
      ”Ni är alla likadana”, zischte er und verschwand, ohne auf meine Frage einzugehen. Sein Abgang wurde begleitet mit einem Kopfschütteln und unverständlichen Worten, die er vor sich hinmurmelte. Von weitem sah ich, dass er sein Handy aus der Tasche zog und irgendwas hinein brummelte.
      Ein wenig perplex blieb ich neben meinem Pferd stehen, welches den Kopf gehoben hatte, als Niklas aus dem Stall stürmte.
      "Habe ich was falsches gesagt?", fragte ich meinen Hengst, doch natürlich antwortete dieser nicht, sondern sah mich nur freundlich aus seinen großen dunklen Augen an.
      Auch wenn ich jetzt absolut nicht mehr in der Stimmung war, zu reiten musste Divine nun mal noch bewegt werde, weshalb ich mich trotzdem wieder seiner Fellpflege zuwandte.

      Vriska
      „[...] Zukunftsfähiges Wirtschaften bedeutet, kommenden Generationen ein intaktes ökonomisches, ökologisches und soziales Umfeld zu hinterlassen. Wie kann ein Reitbetrieb nachhaltig wirtschaften?“, las ich gelangweilt die Aufgaben auf meinem Arbeitsblatt durch, dass Niklas mir auf das Pas übertragen hatte. Wer hatte sich diese Aufgaben ausgedacht. Ich sollte bis heute Abend alle 20 Aufgaben fertig haben, aber konnte bisher nur fünf wirklich nachvollziehbar formulieren. Unser Hof wäre sicher ein gutes Beispiel für nachhaltig Wirtschaften, obwohl die Kosten eindeutige die Einnahmen überstiegen, so zumindest mein letzter Stand, als Tyrell Hilfe brauchte bei der Abrechnung. Aktuelle Zahlen aus der Buchführung lagen mir nicht vor, doch im Faktor ökologisch lagen wir sehr weit Vorne. Darauf würden auch die einzigen weiteren staatlichen Förderungen der EU liegen, denn das gewünschte Freizeitareal, dass sich das Land wünscht, stand zwar, warf nur keine Gewinne ab oder begeisterte Besucher. Vor meiner Abreise standen einige Fahrradfahrer am Hof und fragten nach einem Ort zum Verweilen und den Genuss von Gebäck. Ein Hofcafé führten wir nicht, wie auch. Natürlich war eins der Häuser in der Reithalle mit einer gastronomischen Küche ausgestattet, doch Personal hatten wir nicht und niemand hatte dafür Zeit. Die wenigen Einnahmen gab es durch Wetten auf unser Pferd, bei denen besonders Vintage gute Quoten einbrachte. Tyrell verfiel unbewusst in eine Spielsucht, die Folke schnell beenden konnte. Leider bedeutete das auch, dass die Einnahmen sanken. Um was machte ich mir einen Kopf? Diese Aufgaben vernebelten mir meinen Verstand. Ich schrieb einige Stichpunkte dazu und scrollte einige Fragen weiter: „Sie planen einen Tag der offenen Tür. Das Ergebnis ist eine umfassende Checkliste.“ Das klang spannend und könnte ich sogar als mein Fachgebiet bezeichnen. Ich organisierte vieles am Hof unter anderen wollte mein Chef tatsächlich so etwas schon mal haben. Also begann ich fleißig aufzuschreiben, was mir durch den Kopf schwirrte. Feuerlöscher, Erstellung eines Fluchtplanes, Einrichtung von Sammelplätzen, Organisation von Zelten … Tatsächlich sprangen mir zuerst jegliche Horrorszenarien durch den Kopf, die bei solchen Großveranstaltungen passieren könnten. Das bei einem Tag der offenen Tür deutlich weniger Menschen kommen würden als zu einem Slipknot Konzert, beeinflusste meine Denkweise kein Stück. Fleißig schrieb ich die Liste weiter und kannte keinen Halt, bis mein Handy mich aus den Gedanken riss. Genervt davon, dass ich wieder vergaß es auf Bitte nicht stören zu stellen, warf ich einen Blick auf dem Display. „Kung, 3 Notification“, leuchtete auf. Neugierig stand ich auf und warf mich mit dem Bauch voran ins Bett. Meine Beine winkelte ich nach oben an. In meiner Brust spürte ich eine schnelle Abfolge, die gleichmäßig pulsierte. Wie konnte ich mich so darüber freuen, dass er mir drei Nachrichten geschickt hatte? Die erste beinhaltete lediglich meinen Namen, die zweite war eine kurze Sprachnachricht und die dritte „snälla“. Wollte ich mir das wirklich anhören? Mein Herz schlug immer schneller und verunsichert lief ich auf und ab. Dann warf ich mein Handy ins Bett und setzte mich zurück an die Aufgaben. Diese Anspannung fühlte sich nicht richtig an, besonders wenn ich das hier noch fertigbekommen wollte. Die Checkliste wurde länger, länger und immer länger. Dinge auf dieser verkomplizierten sich und entwickelten eine Eigendynamik, die ich unterschätzt hatte. Meine Hand hörte nicht auf zu schreiben, bis ich mich zurück in die Realität holte. Fühlte es sich so an den Boston Marathon zu laufen und einige Meter vor dem Ziel zu stolpern, wobei man sich das Bein brach? Ich wusste es nicht, woher auch. Marathon laufen war nicht meine Stärke, vor allem auch nichts, woran ich interessiert war. Die übrigen Fragen wurden schwerer und befasst sich mit Trainingsplänen für Pferde, die ich mir ausdenken sollte und für weitere Aufgaben weiter nutzen sollte.
      Ich habe kein Bock mehr, dachte ich mir und lehnte mich zurück in den Holzstuhl. Das Handy lag noch immer im Bett und ich stand auf, um mir nun doch die Nachricht anzuhören. Seine raue Stimme brabbelte unverständlich aus den Lautsprechern und ich brauchte mehrere Ansätze, um einige Teile davon entschlüsseln zu können. Schlüsselworte waren für mich: ikväll, knulla, tala, Lina und hjälp. Hatte er mit ihr gesprochen darüber, oder sollte ich mit ihr das Thema besprechen? Oder meinte Niklas, dass ich ihre Hilfe brauchte zum Sprechen?
      “Vad menar du?”, schrieb ich ihm und wartete auf eine Antwort. So schnell wie ich hoffte, kam nichts, stattdessen kamen wegen genau dieser Schlüsselworte wieder Zukunftsängste auf mich zu. Was tat ich hier? Ich lernte mit einem Typen zusammen, der nicht nur außergewöhnlich gut aussah, nein, sondern auch noch extrem viel Wert darauflegte, dass ich sicher in die Prüfungen gehe. Und mit mir zweimal geschlafen hat. Natürlich wusste ich, wie lange mich die Trennung von Tyri beschäftigte und das wird in geraumer Zeit mit Niklas nicht anderes sein. Es gab dafür nur eine Person, die mir wirklich helfen konnte - Harlen, mein großer Bruder. Im Gegensatz zu mir und meiner Schwester wuchs er bei Papa auf, was unseren Kontakt relativ minimal hielt. Zu Geburtstagen sah und hörte man einander. Doch als es mir schlecht ging und ich wochenlang im Krankenhaus lag, war Harlen Tag und Nacht da. In der Zeit wuchsen wir zusammen und sind seitdem unzertrennbar. Ob er noch wach sei? Niklas gab keine Antwort ab und ich wählte die Nummer meines Bruders. Bereits nach zwei Tut-Geräuschen hörte ich seine Stimme aus dem Lautsprecher schallen.
      “Good morning, what’s on your mind, sis?”, begrüßte er mich mit schläfriger Stimme.
      “I’m Sorry! Did I wake you?”, nervös fummelte ich an meinen Fingern herum und begriff erst jetzt, dass es 2 Uhr morgens in England war. Jenni hätte mit großer Wahrscheinlichkeit nicht reagiert.
      “Yes, you did. But you can always call, no matter what time of day”, beschäftige Harlen mich in seiner ruhigen Art und Weise.
      “Then I’ll be brief. Can you come to Sweden for a while in five or six days? I’ll tell you why later, but I really need you”, erklärte ich und musste mehrfach tief ein- und ausatmen, um die Tränen zu unterdrücken.
      “I’ll be there, no matter which airport in Stockholm?”
      “Yes, it is not important”, fügte ich noch hinzu, eh wir uns verabschiedeten und Harlen legte sich wieder schlafen. Ich konnte jetzt noch nicht schlafen gehen, denn heute Abend stand nicht nur Essen und Niklas an, sondern auch ein kleiner Spieleabend. Chris hatte die Idee, da ab morgen alles wohl sehr stressig wird. Warum ausgerechnet morgen, wusste ich nicht, aber akzeptierte diese Aussage.

      Lina
      Nachdem ich eine dreiviertel Stunde versucht hatte mich auf mein Pferd zu konzentrieren, was nur mäßig Erfolg hatte, gab ich auf und brachte den Hengst zurück auf die Koppel. Mein Gehirn wollte einfach nicht aufhören darüber nachzudenken, womit ich Niklas so verstimmt hatte. Gedankenverloren schlug ich den Weg zum Haus ein, denn am liebsten würde ich mich jetzt mit einem Tee auf mein Sofa kuschle und in einem Buch verschwinden.
      “Was schleichst du denn so durch die Gegend. Irgendetwas geht doch schon wieder vor in deinem Köpfchen.” Ich erschrak, als ich auf einmal Samu Stimme hinter mir hörte. Wo kam er denn jetzt auf einmal her?
      “Samu! Du kannst dich doch nicht einfach so anschleichen, ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen”, beschwerte ich mich bei ihm und dreht mich zu ihm um.
      “Würdest du auf deine Umgebung achten, hättest du mich schon lange bemerkt und vor allem ihn da”, erklärte er lachend und deutete auf den Dalmatiner, der nun mit fliegenden Ohren auf mich zu gerannt kam. Kurz vor mir stoppe Bubbles ab und sah mich freundlich an.
      Ich streckte, meine Hand nach seinem Kopf aus kraulte ihm die weichen Ohren.
      “Kerro nyt, Mitä sinä ajattelet?”, fragte er nun noch mal nach. Manchmal verfluchte ich ihn doch echt für seine gute Menschenkenntnis, oder eher für seine hervorragende Lina Kenntnis.
      “Ei mistään, luulisin”, versuchte ich ihn davon zu überzeugen, nicht weiter darüber zu reden.
      “Jos et ajattele, haluat varmasti käydä kavalilla minun ja Bubbelsin kanssa”, schlug er nun vor, vermutlich in der Hoffnung ich würde ihn doch noch erzählen, was mich beschäftigte.
      “Hyvä on, tulen mukaasi”, willigte ich ein und folgte Samu, der schon losgelaufen war.
      “Komm Bubbles”, rief nach dem Hund, der noch Schwanzwedeln dastand.
      Während wir den Waldweg entlang schlenderten, machte Bubbles immer mal wieder einen Abstecher ins Gebüsch, um irgendeiner Fährte zu folgen. Samu erzählte mir währenddessen, dass er auf dem Ausritt mit Elf Dancer eine Herde Wapitis gesehen hat und Elf, das ganze wohl äußerst seltsam fand. Ich hörte ihm nur mit halbem Ohr zu, denn mich beschäftigte immer noch dasselbe Thema.
      “Et kuuntele minua, tai? Mitä on tekeillä, Lina?”, fragte nun Samu, der meine mangelnde Aufmerksamkeit wahrgenommen hatte. Er war stehen geblieben und sah mich an.
      “Niklas on vihainen minulle, mutta en tiedä mitä tein väärin”, murmelte ich ihm als Antwort.
      “Kysyitkö häneltä siitä?”, fragte Samu einfühlsam.
      “Välillisesti. Hän sanoi sellaista jotain kuin: Olette kaikki tasa-arvoisia”, antwortete ich ihm und inzwischen schien auch Bubbles meine Stimmung bemerkt zu haben, denn der Dalmatiner stupste mich an und rieb seinen Kopf an mir.
      “Luulen, että hän haluaa sanoa sinulle täsmälleen saman asian kuin minä…”, sagte er und sah den Hund dabei an. “Älä huolehdi siitä niin paljon, Ehkä Niklaksen päivä oli huono.” Keine Gedanken machen, er hatte leicht reden.
      “En voi vain viedä sinua mukanani, niin maskottina?”, fragte ich meinen besten Freund hoffnungsvoll. Irgendwie fand er doch immer die richtigen Worte.
      “Luulen, että Divine on jo ottanut tämän roolin haltuunsa”, antworte dieser nur schmunzelnd. “Tule, Seuraava”, fügte er noch hinzu und setzte sich wieder in Bewegung. Bubbles wartete noch einen Augenblick, bis ich auch weiterging, bevor er wieder fröhlich neben mir her trabte. Diesen unfassbaren Optimismus hatten Samu und der Hund offenbar gemeinsam. Minimal besser gelaunt folgte ich den beiden durch den Wald und versuchte immerhin noch ein wenig den Spaziergang zu genießen.

      Während Lina, Samu und Bubbles im Wald spazieren sind, wird am Hof das Abendessen eingerichtet. Mal wieder wurde das Feuer angemacht und die Tische nach draußen gestellt. Die nächsten Tage würden noch intensiv genug werden, weswegen für heute Abend noch einige Festlichkeiten stattfinden, denn: Herr Holm hat Geburtstag.

      Niklas
      “Und du denkst wirklich, das reicht als Kür?”, fragte Ju als wir die letzte Bahnfigur notieren.
      “Vollkommen. Es ist doch nur eine L-Dressur. Du und Amy seid doch wunderbar darauf vorbereitet. Morgen laufen wir alles gemeinsam ab und dann nehmen wir die Pferde dazu. Am Abend üben wir dann erneut”, schlug ich ihm vor. Meine Laune hatte sich merklich verbessert, dennoch konnte ich darauf verzichten sie am Abend zu sehen. Das würde sich allerdings schwierig gestalten. Deswegen musste ich mir etwas einfallen lassen.
      “Kommt Linh heute Abend wieder?”, fragte ich und zog mich um. Ju, der hinter mir stand und sich ebenfalls umzog, sagte nichts. Erst einige Sekunden später kam eine Antwort.
      “Das weiß ich noch gar nicht. Seit ihrer Reitstunde vorhin mit Milena haben wir uns nicht gesehen, nur sie hat mal wieder genervt”, dann stoppte er. Ich kniff meine Augen zusammen und eine Falte bildete ich sich auf der Stirn. Mein Shirt hielt ich noch in der Hand und nervös zuckte meine Brustmuskulatur.
      “Und was wollte sie?”, hinterfragte ich und zog das Shirt über meinen Kopf.
      “Na ja … wie soll ich dir das sagen, ohne das du wieder schlechte Laune bekommst”, begann Ju und verzerrte den Mund von links nach rechts.
      “Jetzt sag schon, sonst frag ich sie selbst”, ungeduldig wippte mein Bein auf und ab.
      “Nein, das lässt du schön bleiben. Sonst weiß sie es. Irgendwie hat Milena mitbekommen, dass Vriska … du weißt schon”, stotterte er weiter. Ich rollte mit den Augen und lief zum Bad, um mir die Haare zu machen. Einen Geburtstag feiert man schließlich nicht jeden Tag, vor allem keinen, an dem man ein halbes Jahrhundert als wird.
      “Sie wollte in der Gruppe gucken, wer mit Vriska geschlafen hat, aber du hast ja nichts reingeschrieben. Deswegen weiß sie das noch nicht”, rückte Ju endlich heraus.
      “Okay, aber was war daran jetzt so schwierig? Und besonders, was wäre so schlimm daran? Irgendwann weiß es eh jeder”, rief ich aus dem Bad. Schritte nährten sich und ich drehte mich zu Ju um, der nun wieder neben mir stand.
      “Gestern hast du noch ein Geheimnis draus gemacht und heute ist es dir egal? Was ist denn mit Lina?”, seine Augen riss Ju dabei ziemlich weit auf, ihm missfiel, was gesagt hatte. Doch das war die Realität.
      “Ach, die kann mir den restlichen Tag fernbleiben. Sie wollte sich bei Humbria einmischen und”, er unterbrach mich.
      “Und Bla bla bla. Ja logisch. Du bist der einzige Mensch auf dem Planeten, der schlechte Laune bekommt, wenn man ihm helfen möchte”, seine Mimik wurde ernster.
      “Wieso, du darfst mir doch helfen. Aber ehrlich. Das übersteigt ihre Kompetenzen”, sagte ich und legte den Kamm wieder beiseite. Im Spiegel erblickte ich eine gute Frisur und verließ das Bad. Ju schob ich mit der Schulter zur Seite, da er unpässlich in der Tür stand. Mit einem kurzen Seufzen kommentierte er es. Dann antwortete Ju: “Das mag sein, aber du hättest es dir trotzdem anhören können, anstatt sie in deiner Art zu überrumpeln.”
      “Hörst du mir nicht zu? Es ist mir egal, soll sie jetzt mit Leben. Morgen klebt sie eh wieder an mir”, rollte ich wieder mit den Augen. Vom Stuhl nahm ich mir noch ein Hemd, da für den Abend starke Windböen angesagt waren, laut meinem Handy. Auf dem Weg zur Feier sagt Ju nichts mehr, aber schüttelte immer wieder unverständlich den Kopf, während er etwas brabbelte. Getrampel hörte ich vom Weiten, das näherkam und sich als Linh entpuppte. Erfreut sprang sie auf Jus Rücken und seine schlechte Laune verflog. Ich ließ die beiden Verliebten allein und setzte mich an den Tisch, an dem bereits Chris und Milena auf mich zu warten schienen. Man wurde die auch echt nicht los, das sagte mir sein Gesichtsausdruck sogar. Er wollte mir etwas mitteilen, doch ich verstand nicht was.
      “Du hast dich ja heute schick gemacht, noch was vor?”, Milena begann direkt zu nerven, als hätte man ihr irgendwas ins Getränk geschüttet. Vielleicht sollte jemand Chloroform besorgen, dann wäre sie ruhig. Ein schweifender Blick durch die Anwesenden verriet mir, dass wohl keiner so etwas griffbereit hatte, schade. Dann wendete ich mich ihr zu.
      “Ja, Geburtstag feiern und im Gegensatz zu dir, ziehe ich keine Jogginghose an dafür”, tadelte ich sie. Ihre Augen wurden größer.
      “Waaas für einen Geburtstag? Ich wusste nicht …”, verteidigte sie sich.
      “Herr Holm hat heute und wir wollen darauf etwas anstoßen, feiern. Was man halt, so macht”, erklärte Chris es ihr, denn so wie sie sprach, könnte Milena gerade die achte Klasse abgeschlossen haben.
      “Dann gehe ich mich mal lieber umziehen und noch duschen. Danke für die Information”, sagte sie und verschwand endlich.
      “Endlich” sagte Chris und seine Anspannung fiel von ihm.
      “Was du nicht sagst”, murmelte ich und sah Vriska, die endlich kam. Sie machte sich geradewegs zu dem freien Platz zu Chris, doch hielt sie auf und zeigte mit meiner Hand zu mir. Wie immer, wenn Vriska nachdachte, biss sie auf ihrer Unterlippe herum, eh sie zu mir kam. Mit Abstand nahm sie Platz neben mir und ich zog sie mit einem Griff in die Taille zu mir.
      “Was wird das?”, murmelte Vriska und blickte zum Tisch.
      “Ich will dich bei mir haben”, sagte ich erst zu ihr und hob mit meinem Finger ihren Kopf nach oben mir. Ihre Augen begann wieder zu funkeln. Chris mischte sich ein: “So ist das also.” Als wäre es etwas Neues, schließlich hatte ich ihm davon. Wieder mal setzte er sein breites Grinsen auf, aber sagte nichts. Meine Hand legte ich auf ihren Oberschenkel und nahm mein Handy zur Hand, um mir einige Bilder auf Instagram anzuschauen. Neben mir hörte ich die Beiden ein Gespräch führen über den Reitunterricht und was heute Abend gefeiert werden würde. Erst als ich meinen Namen hörte, guckte ich auf und schaute die Beiden an.
      “Da ist er direkt wieder bei uns”, scherzte Chris und fragte Vriska erneut: “Du nimmst Niklas sicher wieder mit zum Lernen, va?” Begleitet wurde das ganze mit einem sehr offensichtlichen Augenzwinkern. Das beherrschte er noch nie. Vriska und ich guckten einander an, eh ich die Frage beantwortete: “Das möchte ich so. Natürlich.”
      Von hinten hörte ich Ju und Linh zu uns an den Tisch kommen. Chris rutschte auf der Bank ein Stück beiseite, damit sich die beiden dazu setzen konnten. Linh hatte offenbar ebenfalls die Zeichen gespürt und sagte: “Ihr beide? Das hätte ich ja im Leben nie gedacht.” Mit rotem Kopf senkte Vriska diesen wieder. Auch biss sie wieder auf ihren Lippen herum, dass ich mit einem streichen meines Fingers an ihrer Wange unterband. Ein kleines Lächeln zauberte sich in ihr Gesicht. Auch Linh lächelte.
      “Mir war das schon klar”, brummte Ju und guckte Vriska genau an.
      “Ach, jetzt stell dich nicht so an. Sie sind doch süß zusammen”, lachte Linh. Zusammen? Das wäre genau der Moment, dass ich Veto einlege, denn das waren wir nicht. Mein Mund öffnete sich, aber Worte kamen nicht heraus. Stattdessen übernahm Chris das: “Die schlafen nur miteinander.” Er lachte wieder. Wie konnte man so viel positive Energie mit sich herumtragen, ohne davon erschlagen zu werden? Linh hörte kurz auf zu lächeln, während Chris sprach. Dann sagte sie: “Ach, aber ist doch auch schön.” Ju rollte mit seinen Augen und griff nach seinem Handy. Es hatte keine Hülle mehr um, an der Rückseite erkannt ich viele Risse und als er es leicht in meine Richtung kippte, sah das Display nicht besser aus.

      Jace
      Ich hatte es erfolgreich den ganzen Tag über geschafft möglichst wenig Leuten zu begegnen und vor allem Lina aus dem Weg zu gehen. Eigentlich hatte ich heute Abend deshalb auch nicht vorgehabt, mit den anderen zu essen, doch als ich um die Ecke vom Stall kam, sah ich etwas was mich ein wenig stutzig machte, Niklas saß mit Vriska zusammen am Tisch und für mich sah das ziemlich eindeutig aus. Das musste wohl heißen, was auch immer zwischen Lina und Niklas lief konnte nicht allzu Ernstes sei, oder? Das würde doch Bedeuten… Ich könnte doch noch eine Chance bei Lina haben. Diese Erkenntnis ließ meine Laune sofort deutlich besser werden. Ich wusste zwar noch nicht genau wie ich das anstellen wollte, Lina wieder für mich zu Gewinnen, aber es gab wieder Hoffnung.
      Innerlich einen kleinen Freudentanz aufführend, setzte ich mich zum Rest des Hofteams.
      “Oh, da ist ja unser Sonnenschein”, witzelte Jayden als ich mich dazusetzte. “Irgendwo Spaß gehabt, oder woher kommts?”, stichelte er weiter.
      “Wenn ich du wäre, wäre ich mal lieber still, ist ja nicht so als würden die Ladys bei dir Schlage stehen”, gab ich schlagfertig zurück. Jayden wollte gerade etwas erwidern, doch Sheena schnitt ihm das Wort ab.
      “Jungs könntet ihr auch mal über was anderes reden? Euer Macho gehabt geht nicht nur mir auf die Nerven”, sagte sie genervt und verdrehte die Augen. “Redet doch lieber über schöne Dinge, wie zum Beispiel, dass die Ergebnisse der Körnung endlich da sind. Keks hat bestanden”, teilte sie dann mit uns.
      “Na, wenn das kein Grund für gute Laune ist”, antwortete ich ihr, während ich in meine Hosentasche griff, um mein Handy herauszuholen. Doch da war kein Handy, ich musste es wohl in der Sattelkammer vergessen haben. Ich war gerade aufgestanden, um es zu holen, als Bubbles auf einmal angerannt kam und bellend an mit hochsprang. In der Ferne kannte ich auch den Grund entdecken, warum er so aufgeregt war. Lina und Samu waren scheinbar mit ihm gerade spazieren gewesen.
      “Na, mein Junge, war es schön im Wald”, begrüßte ich den Hund und streichelte ihm über das gepunktete Fell. Während ich dem Dalmatiner noch die Ohren kraulte, blieb mein Blick auf Lina und Samu hängen. Ich konnte sogar von hier aussehen, wie Samu Blick auf etwas fiel und dann von erstaunt in verärgert überging. Offenbar wollte er Näher kommen, doch Lina stellte sich ihm in den Weg und fing an auf ihn einzureden.


      Lina
      Der restliche Spaziergang war recht locker gewesen und so kam es, das sogar ich mich ein wenig entspannen konnte. Zurück am Hof lief Bubbles direkt zu den anderen, die bereits beim Abendessen saßen. Samu folgte dem Hund mit seinem Blick und schien dort etwas zu entdecken, was ihn beunruhigte, denn ich konnte wahrnehmen, wie er sich plötzlich anspannte und stehen blieb.
      “Lina, Tiedätkö sinä siitä?”, fragte er mich argwöhnisch, ohne mich dabei anzusehen.
      “Mistä sinä puhuu?”, fragte ich und folgte seinem Blick. Ich brauchte einen Moment, bis ich sah, was er meinte.
      “Tiesin, ettei hän ollut rehellinen”, fügte er ärgerlich hinzu und ich spürte wie seine Anspannung größer wurde und er gerade zu rüber marschieren wollte.
      “Lopeta, Kaikki hyvin”, versuchte ich ihn aufzuhalten und ihn dazu Zubringen mir zuzuhören.
      Zu mindesten blieb er stehen und ich hatte ein paar Sekunden Zeit zu überlegen, was ich ihm jetzt sagen wollte, immerhin war ich selbst ein wenig überrascht. Ja, Niklas hatte mir gesagt, dass er nicht für etwas Festes bereit war, aber dass er sich so schnell eine Alternative suchte, fand ich schon krass. Wobei wenn ich ehrlich bin, wäre es schon ziemlich naiv gewesen zu glauben, dass das nicht passieren würde. Also muss ich jetzt wohl versuchen damit umzugehen, und zwar wie ein Erwachsener.
      “Samu kuuntele minua. Minä ja Niklas puhuimme siitä ja se on aivan okei, kyllä! Olemme aluksi vain ystäviä”, erklärte ich Samu den Sachverhalt und immerhin hörte er nun auf böse zu den anderen zu starren. Stattdessen schaute er mich nun ein wenig verwundert an.
      “Kuten vain ystävät? Nyt en ymmärrä sinua enää.”
      “Kuten alussa sanoin, vain ystäviä. Hän voi tehdä mitä haluaa kenen, kanssa haluaa, enkä välitä.” Hoffentlich klang das überzeugend, denn irgendwas in mir war definitiv nicht davon überzeugt, dass es mir egal sei. Während ich das sagte, begann auch noch etwas in meinem Kopf zu arbeiten. Niklas zerkratzter Rücken vorgestern und dann heute noch die nervige Frage von Milena mit wem Vriska geschlafen habe. Natürlich konnte ich eins und eins zusammenzählen. Und im mir bildete sich der Verdacht, dass ich nun auch wusste, warum Vriska sich neulich so seltsam Verhalten hatte.
      Innerlich verfluchte ich mich ein wenig dafür, dass ich es nicht früher erkannt hatte und im selben Augenblick überlegte ich, ob Samu vielleicht doch bereits davon gewusst hatte und deshalb gestern sogar einen Streit mit mir angefangen hatte. Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen, dafür wirkte er immer noch viel zu überrascht.
      “Rauhoitu viimein, en todellakaan välitä”, betonte ich noch einmal und versuchte damit auch das Gedankenkarussell in meinem Kopf zum Stehen zu bringen.
      “Okei, mutta olen siellä puolestasi, jos jotain muuta löytyy”, murmelte er nun schon etwas versöhnlicher.
      “Gut, dann lass uns erst einmal zu den anderen gehen, ich verhungere nämlich gleich”. Gemeinsam gingen wir nun zu den Tischen rüber.
      “Ah, da seid ihr zwei ja, hat ihr schon gesehen, Jace hat seine gute Laune wiedergefunden”, begrüßte Sheena fröhlich uns.
      “Schön, wie ist das den passiert?”, fragte ich nach und hoffte insgeheim, dass es nicht mit mir bzw. mit der Situation am Nachbartisch zu tun hatte.
      “Keine Ahnung, ist mir auch egal. Hauptsache er hört auf so ein Grouch zu sein”, antworte sie Schulterzuckend.
      “Wo ist der überhaupt hingekommen?”, fragte Samu nun nach.
      “Bestimmt geflüchtet, so wie die letzten zwei Tage”, gab Jayden einen blöden Kommentar ab.
      “Ach, Jayden jetzt sei mal nicht so blöd und freu dich lieber, dass man ihn wieder zu Gesicht bekommt”, tadelte ihn Sheena so gleich.

      Vriska
      Wenn er seine Hand nicht auf meinem Oberschenkel hätte und ich meinen Puls hören könnte, wäre ich mir unsicher, ob ich hier richtig säße und wach bin. Es fühlte sich surreal an und auch als ich Lina im Augenwinkel sah, wie sie zu guckte, wäre ich verschwunden. Natürlich hatte ich es versucht, doch er drückte seine große Hand noch stärker in meine Haut, dass es sich anfühlte, als würde er meinen Oberschenkelknochen herausziehen wollen. Nur Hunde spielen mit Knochen. Was? Lieber Kopf, bitte reiß dich zusammen.
      “Jag måste hålla med Linh”, scherzte unser Trainer und trat näher an den Tisch heran. Zugleich stimmten am Tisch alle mit “Ja må han leva” an und ich versuchte zumindest meinen Mund zu bewegen. Bisher reichte meine Schwedisch Kenntnisse aus, um mich sicher zu unterhalten, doch Geburtstagslieder fanden in meinem Vokabular bisher keinen Platz. Die anderen aus dem Verein stiegen ebenfalls mit ein. Frau Wallin kam mit einer großen Torte, auf der 50 Kerzen hell leuchteten. Er blies diese aus und alle Klatschen. Die Freude von allen war riesig, sogar ich lachte mit. Ein kurzer Moment der Lebendigkeit erfüllte meinen Körper.
      “Önska dig något, Anders!”, sagte Chris. Unser Trainer strahlte vor Freude und von allen Seiten gratulierten ihnen die Leute. Auch einige Geschenke gab es. Wenig später setzte er sich zu Tisch und es wurde wieder ruhiger. Nach dem Jubel überkam es mich wieder mit dem Unwohlsein.
      “Jag vill göra”, flüsterte ich Niklas ins Ohr.
      “Nej, vi stannar. Låt oss ge dig något åt äta”, schlug er dann vor und stand mit mir zusammen auf. Am Büfett lief ich wie ein hungriger Tiger im Zoo hinter Gittern auf und ab, eh ich eine Entscheidung traf, was ich essen wollte. Gefüllte Süßkartoffeln vom Grill sprangen mich förmlich an und ich konnte nicht anderes, als mir eine kleinere auf den Teller zu legen. Nachholen konnte ich mir immer noch. Da bediente ich mich an den kleinen Gürkchen und auf eine Scheibe Aubergine konnte ich auch nicht verzichten. Niklas überlegte noch aber sagt: “Jag tar inget kött från dig idag får kärlekens skull.”
      Ich runzelte mit der Stirn, dabei hoben sich auch die Augenbrauen mit an. Hat er eine neue Tierliebe entwickelt oder so etwas wie ein Gewissen? Erstaunlicherweise war Niklas heute ganz anderes zu mir, so offen auch gegenüber allen anderen, die vor Ort waren. Das musste ich ausnutzen.
      “På grund av mig?”, fragte ich und legte mir doch noch eine weitere Scheibe Aubergine auf. Ein Blick auf meinen Teller verriet mir, dass ich heute lange brauchen würde, um den leer zu bekommen. Aber ich hatte wirklich großen Hunger. Plötzlich kam er näher und legte eine Hand um meine Taille, in der anderen balancierte der leere Teller.
      “Jovisst”, flüsterte er. Ich spürte, dass sich an meinem Körper eine Gänsehaut bildete und meine Hände schwitzig wurden. Was war heute mit ihm los? Hat er irgendetwas zu sich genommen und wenn ja, bekomme ich davon auch etwas? Ich entriss mich seinen Fängen und packte ihm auch Auberginenscheiben auf den Teller, da keine Beschwerde kam, fuhr ich mit der Entscheidung was er heute essen würde. Dann drehten wir uns um und liefen zurück an den Tisch.
      “Nicht mal selbst Entscheidungen treffen, kann der noch. Was machst du nur mit ihm”, scherzte Chris prompt. Ich atmete laut aus und setzte mich wieder Niklas, der bereits anfing zu essen. Ganz tief in meinem Kopf hörte ich Harlens Stimme, die ihn für das unhöfliche Verhalten tadelte. Doch ich war natürlich nicht Harlen und auch niemand, der anderen vorschreibt, wie er zu essen hätte. Ju und Linh waren bereits verschwunden, um sich ebenfalls etwas zu holen. Nur Chris saß mit einem leeren Platz mit am Tisch.
      “Willst du nichts essen?”, fragte ich ihn und stopfte mir eine viel zu volle Gabel mit Süßkartoffel in den Mund.
      “Nein, so wie dein Teller aussieht, schaffst du das eh nicht. Den Rest esse ich dann einfach”, erklärte er mir. Ich nickte nur und aß weiter. Es wurde still, als Ju und Linh zurückkamen. Vom Nachbartisch versuchte ich das Gespräch zwischen Lina und Samu mitzuhören, was mir aufgrund der sprachlichen Barriere nicht gelang. Doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass es sich um mich drehte. Die innere Unruhe kam wieder in mir auf und ich fragte Niklas erneut, ob wir gehen können. Ich bekam dieselbe Antwort erneut.
      Tatsächlich hatte ich schneller aufgegessen, als ich dachte. Chris Hoffnung verflog somit, doch mir kam eine Idee in den Kopf: “Soll ich dir noch was holen?”
      “Wenn du so lieb bist”, blickte er mich an. Seine Augen funkelten und ein breites Grinsen erstrahlte wieder sein Gesicht.
      “Skynda dig”, murmelte Niklas. Irgendwas stimmte nicht. Warum war er so besessen davon, dass ich in seiner Kontrolle bleiben sollte? Später musste ich dem nachgehen, doch jetzt vor allen anderen, war es nicht der richtige Augenblick. Einige Minuten später brachte ich Chris und gute Auswahl an Essen, worauf ich natürlich auf das Fleisch verzichtete. Er nahm das Besteck in die Hand und freute sich über die Bedienung. Dann setzte ich mich brav wieder zu Niklas, der sogleich wieder sein Revier markierte und seine Hand auf meinen Oberschenkel legte. Zur Feier des Tages trug ich eine kurze Hose und auch mein geliebter Hoodie blieb im Zimmer, denn ich hatte wieder ein Tank Top an. Obwohl ich keinen BH brauchte, wegen der fehlenden Oberweite, trug ich einen. Es war mir schon unangenehm genug, und so sah es wenigstens so aus als ob. Ju saß wieder am Handy und ich bemerkte die großen Schäden an diesem. Vor mehreren Tagen sah es noch nicht so aus, oder irrte ich mich? Vielleicht würde es die unangenehme Ruhe auflösen, wenn ich danach fragte: “Ju, was ist mit deinem Handy passiert?”
      “Das geht dich wohl überhaupt nichts an”, grummelte er mich direkt an. Von Linh kassierte er eine Faust in den Oberschenkel. Schmerzerfüllt verzog er das Gesicht und erklärte mir: “Ich war sauer auf dich und hab das durch die Stallgasse geworfen.” Meinetwegen? Warum drehte sich plötzlich alles nur noch um mich? Einer verrückter als der andere …
      “Wieso?”, fragte ich ungläubig.
      “Weil du mit ihm hier verkehrst”, beschwerte er sich so laut, dass jeder es mitbekam. Dabei zeigte er auf seinen besten Freund. Ich senkte meinen Kopf Richtung Tisch.
      “Fan! Menar du allvar”, beschwerte sich nun Niklas lautstark.
      “Vielleicht sollte ich doch besser gehen”, murmelte ich und versuchte erneut die Flucht einzuschlagen. Doch Niklas hinderte mich diesmal deutlich daran. Er drückte mein Bein nach unten, was mit einem kräftigen Schlag auf meinen Oberschenkel verbunden wurde. Ich verspürte ein Brennen auf der Haut, aber sagte nichts dazu. Gefiel es mir?
      “Du bleibst, wo du bist, da müssen wir jetzt beide durch”, zischte er mich kaum hörbar an. Seine Intention war deutlich gediegener, als ich vermutete. Dazu sagte ich nichts weiter, sondern konzentrierte mich darauf, keine Gespräche der anderen zu hören. Mein Herz pulsierte signifikant schneller in meiner Brust als sonst, wenn ich aufgeregt war.

      Lina
      Irgendwann während des Essens war Jace wieder aufgetaucht und Sheena hatte recht gehabt, er hatte eine grandiose Laune. Woher auch immer diese Laune kam, ich war ganz froh drüber, dass es mich nicht mehr, wie Luft behandelte. Außerdem war gerade jeder eine willkommene Ablenkung, denn so egal wie es versuchte Samu weiß zu machen, war es mir doch nicht.
      Meine und die Aufmerksamkeit von allen anderen wurde unweigerlich auf den Nachbartisch gelenkt, als es dort lauter wurde. Natürlich ginge es um Niklas bzw. um Niklas und Vriska.
      Langsam könnte man echt glauben, dass das alles hier eine mordende Version des Sommernachtstraums ist, nur dass es viel mehr auf eine Tragödie hinauslief. Da nun die ganze Aufmerksamkeit auf Niklas, Vriska und Ju lag, wurde mir die Situation nun auch allmählich unangenehm. Spätestes jetzt würde auch dem letzten Deppen auffallen, was für ein Theater sich hier in den letzten Tagen abspielte.
      “Luulin, että et välittänyt”, flüsterte mir Samu zu, der meine Anspannung zu spüren schien.
      “En myöskään välitä, minun ei kuitenkaan tarvitse katsoa sitä koko illan”, nuschelte ich als Antwort und stand auf, um mich den Moment zu nutzen, wo alle noch auf das Drama am Nebentisch konzentriert waren, um zu verschwinden. Ich nahm wahr, dass Jayden es mitbekam und schon einen blöden Spruch auf den Lippen hatte. Ich warf ihm einen bösen Blick zu, was bewirkte, dass er seine Klappe hielt.
      Schnellen Schrittes entfernte ich mich von der Gruppe und verschwand so schnell wie es ging um eine Ecke. Die Sonne begann bereits unterzugehen und die umliegenden Schatten wurden immer länger.
      Etwas abseits der Gebäude ließ ich mich unter einem Baum nieder und sah den Wolken zu, wie sie über den rosa gefärbten Himmel zogen.
      Wie war es eigentlich möglich, dass sich so viel in so kurzer Zeit ändern konnte?
      Gestern war alles noch so anders gewesen. Wobei war das wirklich so? Und dann war da auch noch gestern Abend. Der Abend, wo meine Gefühle, das Erste mal einen heftigen Dämpfer bekommen hatten. Einerseits war ich froh drüber, dass Niklas aufrichtig genug gewesen war, um das ganze aufzuhalten, bevor es richtig wehtun würde. Worum es bei den Beiden ging, war mir eigentlich egal, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass er mir davon erzählt hätte. Sicherlich hätte ich keine Freudensprünge vollführt, aber es wäre allemal besser gewesen als es selbst herauszufinden.
      Abgesehen davon, konnte ich mir auch immer noch nicht erklären, was ich falsch gemacht hatte, dass er auf einmal so abweisen war.
      Erstaunlicherweise verspürte ich bei diesem letzten Gedanken deutlich mehr Unbehagen. Da, wo heute Morgen noch leere gewesen war, breiteten sich auf einmal Verwirrung und Unsicherheit aus. Auf einmal war ich mir nicht mehr ganz so sicher, ob nach Schweden zu gehen, die richtige Entscheidung war.
      Wen ich jetzt brauchte, war der einzige Mensch, der mich immer bei allen Dingen Unterstützte hatte. Zum Glück verriet mir der Blick auf die Uhr, dass es relativ wahrscheinlich war, dass ich dieser Mensch auch erreichte, denn in Finnland müsste es jetzt ungefähr halb 6 sein. Ich wählte den Kontakt von Juliet und drückte auf Anrufen, es tutete.
      Es tutete lange, doch dann hörte ich eine verschlafene Stimme am anderen Ende: “Hyvää huomenta. Mitä tein tämän kunnian hyväksi?”
      “Juliet, niin paljon tapahtuu taas täällä”, fing ich an. “Mutta ensin vastaan eiliseen kysymykseesi: kyllä, lähden Ruotsiin. Ainakin kaksi tuntia sitten olin ainakin varma siitä.”
      “Mitä tämä tarkoittaa: olitko varma? Mitä tapahtui “, fragte meine Schwester nun besorgt nach.
      “Paljon on tapahtunut, Juliett. Mistä aloittaisin?... “, antworte ich mit ein wenig Verzweiflung in der Stimme. Dann begann ich ihr die Ereignisse der letzten zwei Tage zusammenzufassen, inklusive dem Drama um Jace und allem was dazu gehört. “Niklas osti uuden hevosen kaksi päivää sitten ja se puhkesi. Se on todella merkityksetöntä. Joten joka päivä tämän tapauksen jälkeen olimme vielä väsyneitä, koska oli vielä hyvin aikaista, ja sitten laitoimme itsemme takaisin sänkyyn yhdessä”. Ich endete nach dem Streit mit Samu gestern Abend. Nur das was ich inzwischen über Vriska und Niklas herausgefunden hatte, ließ ich absichtlich weg.
      “Jossain vaiheessa Niklas tuli luokseni ja me juttelimme. Hän sanoi, mitä hän ajatteli minusta... Että hänen lapsuudessaan on vielä ongelmia, joita hänen on vielä käsiteltävä…
      Keskustelun loppu on se, että hän ei ole valmis suhteeseen ja että olemme vain ystäviä.” versuchte ich Juliet dann noch die aktuelle Lage zwischen mir und Niklas zu erklären.
      „Ymmärtää. Mutta miksi sitten epäilet päätöstäsi, kun näytät pystyvän selviytymään siitä?”, antwortete meine Schwester.
      “Tänä aamuna kaikki oli hieman outoa, mutta toistaiseksi hyvin. Mutta sitten tein jotain väärin iltapäivällä, koska Niklas on ollut hapan siitä lähtien, mutta en tiedä miksi.”, berichtete ich ihr von den heutigen Ereignissen.
      “Lina, kerrotko vakavasti, että soitit minulle 5.30, koska riitelit ystäväsi kanssa?”, fragte meine Schwester und in ihrer Stimme konnte ich hören, dass sie sich Mühe geben musste nicht zu lachen.
      “Hän ei ole ystäväni!”, protestierte ich.
      “Okei, hän ei ole ystäväsi”, bekam ich als Antwort und ich konnte das grinsen ihn ihrer Stimme immer noch hören.
      “Sinusta ei ole apua!”, murmelte ich in das Telefon. Natürlich fiel meiner Schwester nichts Besseres ein, als mich auszulachen.
      “Voi suloisuutta. Samu on oikeassa, älä huoli siitä liikaa. On täysin normaalia, että se ei aina toimi täydellisesti. Tiedätkö kuinka, monta kertaa olen mistä riitelimme Taavi kanssa? Loppujen lopuksi olemme yhä yhdessä”, antwortet sie schon gleich ein wenig einfühlsamer. Sie hatte gut reden, bei normalen Menschen mit normalen Beziehungen, mag das vielleicht zutreffen, doch von normal ist das alles hier sicherlich sehr weit entfernt. “Sinulla ja poikaystävälläsi on myös kuvakirjasuhde.”
      “Olet söpö, jos uskot niin. Mutta nyt on kyse sinusta ja siitä, miten voin auttaa sinua”, lenkte Juliett das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema.
      “Pelkään, ettei kukaan voi todella auttaa minua. En tiedä, mitä tein väärin”, sagte ich traurig und fuhr mir mit der freien Hand durch die Haare.
      “Haluaisin viedä sinut sylissäni nyt, pikkusisko.” Bei diesen Worten wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr ich sie vermisste. Zuhause hätte sie mir jetzt einen Kakao gebracht und mich in den Arm genommen. Doch seit fast drei Jahren habe ich sie nun nicht mehr persönlich gesehen. Das ist eine ganz schön lange Zeit und so glücklich wie ich hier auch immer gewesen war, ich vermisste sie die ganze Zeit über. Ganz besonders in solchen Momenten wie jetzt.
      “Kiitos, että kuuntelit minua Juliett. Kaipaan sinua”, murmelte ich leise in das Telefon.
      “Kaipaan myös sinua, pieni, mutta lupaan, että tapaamme pian uudelleen”, versuchte sie mich aufzumuntern. Wenn ich tatsächlich nach Schweden gehe, würden keine 4000 Km und ein Ozean zwischen uns liegen, dann wäre es tatsächlich denkbar sie wiederzusehen. Allein das reichte schon für mich, um die Sache durchzuziehen. Vielleicht hatten Samu und meine Schwester ja recht und ich machte mir wirklich zu viele Gedanken.
      “Kiitos, että olet aina tukenani”, sagte ich noch bevor ich mich von meiner Schwester verabschiedete. Wirklich viel hilfreicher als das Gespräch mit Samu vorhin, war das hier auch nicht wirklich gewesen, aber es hatte gutgetan mit Juliet zu reden.
      Mit einem seufzen ließ ich mich gegen den Stamm sinken. Hoffentlich werde ich die Entscheidung nicht doch noch bereuen.

      Vriska
      „Und in diesem Moment zerbrach ihr kleines Herz“, murmelte Chris zu uns am Tisch und unterbrach die Stille.
      „Ich dachte wirklich noch an das Gute in euch beiden, aber jetzt seid ihr beide wirklich gestorben für mich“, beschwerte Milena sich, die gerade mit nassen Haaren dazustieß. Besser hätte es wirklich laufen können. Vor versammelter Mannschaft ließ Ju uns auffliegen, doch schämte ich mich dafür? Ehrlich gesagt nicht, denn ich wieso war es meine Aufgabe die Gefühle zu schützen? Es belastete mich immer die Erwartung von allen erfüllen zu müssen, so wollte und konnte ich nicht leben. Regungslos stand Milena noch einige Minuten mit am Tisch, Chris aß währenddessen weiter und ich beobachtete jeden Bissen in seinem Mund. Nach ungefähr 16 Bissen schluckte er die Nahrung runter, dabei schnitt er die nächste Portion zurecht und hielt sie mit der Gabel vor seine Lippen.
      “Ihr seid so furchtbare Menschen”, stammelte Milena aufgebracht, warf die nassen Haare über ihre Schulter und stampfte davon. Ihr Shirt war am Rücken vollkommen durchnässt, was sich bis in ihre kurze Hose zog. Mir fehlten noch immer die Worte, würde es weiter gehen wie zu vor? Erstmal gab es wichtigeres, wie die Kür oder dem Bestehen meiner Abschlussprüfung.
      “Ich werde mal die Unterlagen holen”, sagte ich, stand auf und lief zum Zimmer. Es gab keine Beschwerden des Kerls neben mir, so konnte die Idee nicht falsch sein. Hektisch sammelte ich alles zusammen und stürzte mich wieder heraus. Ich verlor einige Blätter, bückte mich nach ihnen und immer mehr fliegen durch die Luft. Geschafft schlug der Haufen auf dem Holztisch auf und musste frische Luft schnappen. Statt auf dem Pad zu arbeiten, hatte ich mir wieder zu viele Notizen auf dem Papier gemacht und mir Videos im Internet angeguckt zum Lernen. Wusstet ihr, dass man im Internet nicht wirklich findet zu den Ausbildungsthemen als Pferdewirt in speziellen Reitweisen oder auch Rennen? Als wären es nur ein paar ausgewählte, die diese Ausbildungsunterlagen lesen dürften.

      Milena
      Lina versuchte so unauffällig wie möglich zu verschwinden, doch ich sah sie. Vorher waren Jus Worte nicht zu überhören, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt die Runde nicht einmal erreicht hatte. Keiner machte Anstalten sie zu unterstützen, denn Niklas hatte seine Masche bei ihr wirklich gut anwenden können, doch aus welchem Grund? Wieso musste er sich eine verwundbare junge Dame aussuchen, die am anderen Ende der Welt lebte? Normalerweise wäre es der Weg ins Schlafzimmer gewesen, den er suchte, doch war Lina für ihn etwas Besonderes, etwas Ernstes? Kaum vorstellbar. Langsam ging zu dem Baum zu, an dem sie lehnte.
      “Hey”, sprach ich Lina leise an, um sie nicht zu erschrecken. Es gab keine Rückmeldung, so setzte ich mich im Schneidersitz vor sie, keinen Blick würdigte Lina mir.
      “Bevor du weggehst, oder mich wegschickst, möchte ich mich bei dir Entschuldigen. Wenn ich vorher gewusst hätte, worauf das alles hinausläuft, wäre ich nicht so zu dir gewesen. Es war nicht richtig, aber ich weiß auch nicht. Ich habe Spaß dabei Leute zu ärgern, aber meine das wirklich nicht persönlich”, vermittelte ich ihr ruhig und senkte meinen Kopf.
      “Schon ok, nervige Leute sind hier Standard, da macht einer mehr oder weniger auch nicht den Unterschied”, antworte sie gleichgültig.
      “Möchtest du darüber reden, was gerade in deinem Kopf abläuft?”, fragte ich freundlich.
      “Weißt du... manchmal frage ich mich, warum ich ausgerechnet so weit weg von meiner Heimat gelandet bin. Was genau hat mich hierhergeführt?”, begann sie indirekt meine Frage zu beantworten, wobei sie ein paar Grashalme ausrupfte. “Ich meine, die unfassbare große Auswahl an Karrieremöglichkeiten wird es wohl nicht gewesen sein”, fügte sie sarkastisch hinzu.
      “Das weiß ich leider auch nicht, der Hof ist schön, aber in Finnland gibt es sicher auch viele schöne Höfe. Und …”, stotterte ich. Der Psychokram fiel mir bis heute nicht leid, aber dass sie ihre Heimat vermisste, konnte ich gut nachvollziehen. Dann sprach ich weiter: “Und in Schweden wirst du mehr Möglichkeiten haben.”
      “Das weiß ich doch. Ansonsten wäre es vermutlich noch unvernünftiger als es eh schon ist, von heute auf morgen auszuwandern.” Offenbar schien sie sich ein wenig über sich selbst zu amüsieren, denn auf ihrem Gesicht, war der Ansatz eines Lächelns erkennbar.
      “Falls du nicht mit auf das LDS zu Vriska willst, kann ich dir anbieten mit zu mir und Linh zu kommen, oder wir gucken nach einem anderen Hof”, munterte ich Lina etwas mehr auf. Schließlich gab es noch deutlich mehr Höfe in Schweden, sogar in der Umgebung von Kalmar.
      “Das ist wirklich ein nettes Angebot, aber ich denke, ich werde erst einmal sehen, wie es so läuft dort. Immerhin ist das LDS nicht komplettes Neuland für mich”, antwortete sie und hörte auf den Boden anzustarren.
      “Okay, dann musst du eins wissen”, begann ich und stand auf. Dann schaute ich zu Lina runter und setzte fort: “Die Kleine erliegt einer regelrechten Obsession zu eurem Chef. Also falls du da mal ein Druckmittel brauchst. Ach, und wegen Niklas. Mach’ dir da keine Gedanken, ich habe das Gefühl, dass ihm das mit euch beiden wirklich wichtig ist. Deswegen hat er sich nicht direkt mit dir Vergnügt. Das ist aber rein spekulativ, Linh hatte die Vermutung schon vor ein paar Tagen, als Anna euch erwischt hat.”
      “Meinetwegen kann Vriska anbeten, wen sie möchte, aber ich werde es mir merken und vielen Dank für deine Zuversicht.”
      “Du schaffst das schon, nimm es dir nicht so zum Herzen. Wird schon werden, und sonst: Schweden hat noch einiges mehr zu bieten als den Typen”, lachte ich und verließ sie wieder. In meinem Magen grummelte es ziemlich laut, was nur mit Essen gestillt werden konnte. Obwohl mich das Gespräch mit Lina überhaupt nicht weiter gebrachte, fühlte mich gut, jemanden helfen zu können. Oder es zumindest versucht zu haben. Am Büfett legte ich mir verschiedene Speisen auf den Teller und setzte mich zu Linh, die zwar mit am Tisch der Dämlacks saß, aber allein sitzen, fand ich auch blöd. Vriska und Niklas bemerkten mich gar nicht, denn sie waren beschäftigt irgendwelche Aufgaben zu lösen. Vielleicht sollte ich auch demnächst beginnen für den Abschluss zu lernen, deswegen folgte ich dem Gespräch der Beiden auf einem Ohr, während ich aß.

      Jace
      “Soll ich mal nach ihr gucken gehen?”, fragte ich Samu leise, als Lina nun schon eine ganze Weile verschwunden war.
      “Tu, was du nicht lassen kannst, aber ich glaube nicht, dass sie derzeit Gesellschaft wünscht”, sagte er schulterzuckend. Ich wunderte mich ein wenig über seine Antwort, da normalerweise er derjenige war Lina hinterherdackelte. Aber vielleicht hatte sie ihm ja auch etwas dazu gesagt. Immerhin hatte ich mitbekommen wie Lina und Samu einen kurzen Wortwechsel hatten, bevor sie verschwunden war. Dennoch ließ ich mich von Samu Worten nicht abhalten, denn ich hatte das Gefühl, dass dies hier eine Chance sein könnte mich bei Lina wieder gut zustellen. Ihr Essen hatte sie kaum angerührt bevor sie verschwand, als beschloss ihr etwas mitzubringen. Sicherlich hatte sie Hunger.
      Mit einem Teller, der meiner Meinung nach Lina gerecht beladen war, machte ich mich auf die Suche nach ihr. Es dauerte nicht lange bis ich sie fand, denn sie war nicht sonderlich weit weggegangen. Hinter dem Stall saß sie unter einem Baum und tippte auf ihrem Handy herum.
      “Was machst du denn hier so?”, fragte ich vorsichtig, während ich mich näherte.
      “Alleine, sein oder es zu mindesten versuchen”, murmelt sie und tippe weiter auf ihrem Handy rum.
      “An einem so schönen Abend sollte man doch nicht alleine sein”, lenkte ich ein. Lina ignorierte meine Aussage und sah mich ein wenig verärgert an: “Jace, was genau willst du hier eigentlich? Heute Morgen war ich doch noch Luft für dich.” Offenbar schmollte sie noch, weil ich sie heute Morgen ignoriert hatte. Auch wenn das nicht die besten Voraussetzungen für mein Vorhaben waren, ließ ich mich nicht davon abbringen.
      “Ich dachte… du könntest vielleicht Hunger haben. Du hast schließlich kaum etwas gegessen”, sagte ich freundlich, während ich den Teller neben ihr abstellte. “Außerdem, dachte ich, du könntest jemanden zu reden gebrauchen.”
      “Danke, aber für heute habe ich schon genug geredet”, lehnte sie mein Angebot ab, nahm sich allerdings den Teller und begann zu essen. Na gut, wenn sie nicht reden möchte, werde ich sie trotzdem mit meiner Anwesenheit beehren. Ich setzte mich mit ein wenig Abstand zu ihr auf die Wiese, schließlich wollte ich ihr nicht gleich zu nahetreten. Eine Weile war nicht viel zu hören, außer den Geräuschen, die von drüben zu uns rüber wehten. Auch, wenn ich mir heute Morgen noch gewünscht hatte Lina nicht zu begegnen, jetzt betrübte mich das ganze, dass sie nicht nur den Hof verlassen würde, sondern auch gleich noch das Land. So wie es jetzt war, blieben mir nur noch wenige Tage wieder gutzumachen, was ich verbockt hatte. Während ich so darüber nachdachte, kam mir eine Frage in den Sinn: “Sag mal, wer wird sich eigentlich um Divine kümmern? Du wirst ihn ja wohl kaum direkt mitnehmen.” Lina hatte den Teller inzwischen fast leer gegessen und zur Seite gestellt.
      “Ja, da hast du recht ich werde ihn nicht direkt mitnehmen. Samu wird sich um den kleinen Prinzen kümmern, schließlich muss das jemand Kompetentes tun”, antwortete Lina, ohne mich wirklich dabei anzusehen.
      “Willst du etwa sagen hier gäbe es nicht genug Kompetenz?”, fragte ich ein wenig empört.
      “Also aktuell, gibt es hier sehr viel Kompetenz, aber das wird nicht mehr lange so sein”, antworte sie und ich konnte einen Hauch von einem schelmischen grinsen in ihrem Gesicht erkennen.
      “So ist das also…Das sollte ich mir merken, falls du jemals noch mal Hilfe brauchen solltest.” Es freute mich, dass sie offenbar zum Scherzen aufgelegt war. Das konnte nur bedeuten, dass sie nicht ganz so nachtragen war, wie sie mir zu beginnen suggerieren wollte, gut für mich.
      “Vielleicht darfst du Samu ja helfen, wenn du nett zu ihm bist”, alberte sie weiter herum.
      “Ja ja, mach du dich nur lustig darüber. Warte nur ab, was dein Pferd alles kann, wenn du es wiedersiehst!”, sagte ich überzeugt.
      “Ist das etwa eine Drohung?”, fragend sah sie mich an und grinste breit.
      “Kommt drauf an, immerhin läuft kein Pferd besser vor der Kutsche als meine Tinker”, antworte ich und grinste auch.
      “Etwa die Tinker, die du eigentlich nicht trainieren wolltest?”
      “Ja, genau die”, gab ich zu. Tatsächlich hatte ich es anfangs abgelehnt die beiden Tinker zu trainieren, dass sie mir persönlich viel zu klein waren, aber wie es der Zufall wollte, blieb es doch an mir hängen. Tatsächlich stellten die beiden sich als Ideale Kutschpferde heraus, was bei einem Tinker natürlich nicht wirklich erstaunlich ist.
      “Na, da ist dir Divine sicherlich auch zu klein, du willst den bestimmt gar nicht trainieren”, neckte Lina mich.

      Vriska
      Menschen gingen an unserem Tisch vorbei, warfen fast abfällige Blicke auf uns, während Niklas mit mir die Aufgaben besprach, die vorhin löste. Seine Brille rutschte immer wieder ein Stück von der Nase. Automatisch schob er sie wieder nach oben. Dabei kaute er auf dem Stift herum, den Niklas in seiner Hand hielt. Immer mehr Zeit verging, in der er nichts sagte, nur unverständlich vor sich hinmurmelte und die Unterlagen durchblätterte.
      “Die Trainingsmethoden solltest du dir in nächster Zeit noch weiter durchlesen, aber sonst sehr gut formuliert und reflektiert. Dein Arbeitgeber wird froh sein, über jemanden mit dem Wissen”, lobte Niklas und legte alle Blätter ordentlich zusammen.
      “Danke für deine Hilfe”, schmunzelte ich und betrachtete ihn sehr genau. Aus dem Augenwinkel heraus, sah ich, dass Chris ebenfalls alles genau beobachtete. Linh und Ju saßen auch noch am Tisch, jedoch sehr beschäftigt miteinander. Blöde Kommentare gab er nicht mehr von sich. Doch leider änderte sich es schneller, als es mir lieb war.
      “Und deine Kür? Vermutlich hast du dir darüber noch keine Gedanken gemacht”, griff er mich an. Ju schien irgendein schwerwiegendes Problem mit mir zu haben, was ich mir nicht erklären konnte. War ihm die kleine Flirterei wirklich so wichtig, um so einen Aufstand machen zu müssen? Der Abend begann bereits unschön, dass ich nicht weiter auf seine Provokation einging. Ich wollte die übrige Zeit noch guten Erinnerungen im Kopf behalten, doch es näherte sich der nächste Grund, wieso ich das vergessen konnte. Max kam zum Tisch und stütze sich mit den Händen auf der Kante ab. Erwartungsvoll blickte er zu mir.
      “Du hast ja gerade nichts zu tun, willst du heute Blávör noch bewegen. Sie hat gestern wieder angefangen herumzuzicken und du kommst so gut mit ihr klar”, fragte er freundlich. Eh ich etwas sagen konnte, wandte sich Niklas mir zu und flüsterte: “Was will der?”
      “Er fragt, ob ich seine Stute bewegen würde”, erklärte ich ihm.
      “Sie wird deine Stute bewegen und wir holen deine Andere auch direkt mit rein”, bot Niklas Max an und stand auf. Verdutzt blickte ich zu ihm hoch. Wir? Muss der mich vor irgendwas beschützen, oder was stimmt mit ihm gerade nicht? Unweigerlich guckte ich über den Tisch, neben meinem Haufen an losen Blättern standen fünf leere Bierflaschen, die er nebenbei offensichtlich getrunken hatte. Einige meiner Fragen waren damit geklärt und ich nahm meine Unterlagen hoch, um sie im Zimmer zu verstauen. Max bedankte sich bei ihm und lief freudig zu Björn und Erika, die am Feuer saßen. Auch Finley befand sich dort.
      “Was ist heute mit dir los?”, fragte ich vorsichtig im Zimmer, als ich mein Outfit wechselte.
      “Nichts”, würgte er das Gespräch ab und konzentrierte sich wieder auf sein Handy. Offenbar gab es dort etwas interessanteres. Ohne weitere Worte zu wechseln, liefen wir zur Weide mit drei Stricken. Niklas verschwand direkt, um seine Stute zu holen, die am anderen Ende der Weide stand. Durch den Mond leuchtete sie beinah und der Schimmer legte sich über den Rasen. Snotra stand ziemlich weit vorn und kam direkt mit gespitzten auf mich zu. Eh ich sie wieder einfangen müsste, nahm ich die Stute an den Strick und lief mit ihr zu Blávör. Weniger begeistert schlug sie mit dem Schweif und trat einige Schritte von mir weg. Als Niklas mit Smoothie wiederkam, konnte ich auch endlich die Bunte einfangen und mitnehmen. Noch immer sprach er kein weiteres Wort zu mir und ich kämpfte damit die Stute gleichmäßig neben mir zu führen. Blá legte mehrfach die Ohren an und zickte Smoothie an, die sich nicht beirren ließ von der Stute. Niklas legte im Tempo etwas zu, was die Isländer Dame nur noch mehr aufregte. Nervös tänzelte sie neben mir her und erst durch mehrmaliges Anhalten sowie rückwärtsrichten bekam ich sie wieder unter Kontrolle.
      “Hast du es auch endlich mal geschafft?”, schmunzelte Niklas, als ich deutlich später ankam. Seine Stute stand bereits in der Box und mümmelte im Heu. Ich gab keine Antwort, sondern drückte ihm nur die Zicke in die Hand, um Snotra wegzustellen. Kaum zu glauben, dass sie heute mal die Ruhige war. Natürlich bedeutete Blávör Hexe, dem sie heute alle Ehre machte. Er hatte sie bereits angebunden und begann sie zu putzen. Neben dem Pony wirkte er noch größer und ziemlich verloren. Ihn zu beobachten im Umgang mit Pferden beruhigte mich ungemein und hatte etwas Meditatives. Es zu beschreiben, fiel mir schwer, doch es kribbelte in mir und den Blick abzuwenden funktionierte nicht.
      “Warum beobachtet ihr mich immer, wenn ich mich mit einem Pferd beschäftige?”, unterbrach Niklas meine innerliche Ruhe.
      “Das hat was Meditatives. Du strahlst dabei so eine anziehende Ruhe aus”, wendete ich meine Blicke von ihm und half beim Putzen. Das weiße Fell der Stute färbte sich an einigen Stellen ziemlich grün und auch braun.
      “Sowas hat noch nie jemand zu mir gesagt. Sonst wollen mich alle immer nur ausziehen”, scherzte er und schien etwas überspielen zu wollen. Das Lachen klang unecht, beinah einstudiert. Ihn danach zu fragen, wirke für mich falsch.
      “Ach, das kenne ich schon. Langweilig”, stieg ich mit ein und lachte. Blá stand noch immer ruhig da, als würde sie sich genauso wohl gerade fühlen wie ich.
      “Was heißt denn hier bitte langweilig?”, beschwerte er sich lautstark. Ich lachte nur und begann die Hufe auszukratzen, als ich seine Hände an meiner Hüfte spürte.
      “Immer noch langweilig?”, provozierte Niklas weiter. Kalt lief es mit am Rücken herunter, das Kribbeln wurde wieder stärker und ich spürte, dass etwas an meinem Bein. Mit dem Huf war ich fertig und schnellte nach oben, da die Stute noch zwei weitere hatte, die gerne sauber sein wollten. Doch er ließ mich nicht los, sondern drängte mich an das Pferd. Sie legte die Ohren an und schlug wieder mit dem Schweif.
      “Oh, ich hatte nicht erwartet hier jemanden anzutreffen”, vernahm ich auf einmal eine Stimme, die aus Richtung der Tür zu kommen schien und so wie es sich anhörte, gehörte sie eindeutig zu einer Frau. Niklas ließ sofort von mir los und trat zwei Schritte zurück.
      “Ähm … ich … wir auch nicht”, stammelte ich berührt vor mir her. Es fühlte sich an, als wären wir bei irgendwas wirklich Schlimmes erwischt worden sein, doch war es das denn? Ich wollte mir darüber keine Gedanken mehr machen, aber das fiel mir wirklich schwer. Denn er fühlte sich offensichtlich auch nicht wohl dabei, sonst hätte sich nicht direkt von mir entfernt. Ich dachte zu viel. Viel zu viel. Die Unsicherheit kam wieder, meine Atmung wurde schneller und meine Hände zitterten.
      “Ähm, ich wollte eigentlich nur nach meinem Pferd sehe, aber ich kann das wohl auch später machen”, redete die junge Frau leicht irritiert weiter und wandte sich wieder zum Gehen.
      “Ach ist doch alles gut, wir wollten eh gerade die Stute satteln”, antwortete Niklas nun und legte kurz seine Hand an meinen Arm. Ich bewegte mich direkt auf die andere Seite von Blávör, um die rechten Hufe auszukratzen. Er holte schon mal das Sattelzeug, doch kam wenig später wieder aus der Sattelkammer. Offenbar wusste er nicht genau, was ihr gehörte. Doch meinen Helm hatte er bereits in der Hand.
      “Okay, dann geh ich mal zu meinem Pferd”, antwortete die blonde Frau und verschwand in einer Box, in der ein Haflinger stand. Ich wusste nicht, was ihr sagen sollte, meine Gedanken waren ganz wo anderes. Es wirkte so surreal alles. Aus der Kammer holte ich das Sattelzeug und machte die Stute fertig. Als ich den Helm aufsetzte und in der einen Hand die Zügel hielt und in der anderen die Gerte, wollte ich nach draußen. Dann fiel mir ein Problem auf. Die Dame schien hier zu arbeiten. Ich drückte Niklas alles wieder mal entgegen.
      “Du? Vielleicht kannst du mir helfen? Ich wollte mit ihr auf den Reitplatz, aber ich weiß gar nicht, wie das Flutlicht angeht”, fragte ich freundlich und leise, denn sie war vertieft mit ihrem Pferd.
      “Klar, kein Problem. Das kann ich euch zeigen, der Schalter ist direkt am Platz”, antwortete sie freundlich und trat aus der Box heraus. Niklas und ich folgten ihr zum Reitplatz, wo sie uns einen Schaltkasten an der Seite zeigte. “Der Knopf hier ist für das Licht, macht es einfach wieder aus, wenn ihr dann fertig seid.”
      Ich sah nicht, was ich erwartet hatte. Das Flutlicht war eine wirklich lange Schlauchlichterkette, die sich um den ganz Zaun wickelt. Auch die Barken vom Dressurplatz erleuchteten in einem warmen Licht. An den Ecken des Platzes standen große Flutlichter, aber spendeten nur wenig Helligkeit.
      “Danke dir”, antwortete ich und nahm Niklas wieder das Pferd ab. Er kam mit auf den Platz, hielt mir gegen und schwang mich auf den Rücken der Stute. Direkt kaute sie auf dem Gebiss herum und senkte den Kopf. Dann ritt ich im Schritt los. Dabei setzte ich mich mehrfach um. Obwohl ich mich auf das Pferd konzentrieren sollte, wich mein Blick immer wieder zu Niklas, der es sich auf einer Bank bequem gemacht hatte. Untypisch hielt er sein Handy nicht in der Hand, sondern beobachtete auch mich. Keiner von uns sagte etwas, doch ich spürte, dass sich unsere Augen mehrfach trafen. Das Kribbeln kam wieder, doch auch Jennis Worte hallten durch meinen Kopf. Auch was er am Vortag sagte, vergaß ich nicht.
      “Bleib locker und verkrampfe deine Hände nicht so sehr, das macht Bla nervös”, sagte er.
      “Wird das jetzt Unterricht, oder was ist genau dein Plan? Nur zur Information, das spricht man Blá”, protestierte ich und betonte die letzte Silbe wie ein Au, denn es war kein kurzes beinah stummes a. Obwohl Isländisch Schwedisch ziemlich nahekam, gab es einige wichtige Silben, die anderes gesprochen wurden und die Bedeutung vollkommen veränderten.
      “Bla bla bla. Jetzt mach’ was ich dir sage”, befahl er mir. Ich rollte mit den Augen und versuchte mich mehr auf die Stute zu konzentrieren. Meine Gedanken wanderten wieder an den kurzen Moment im Stall, meine Beine wurden lockerer und hingen entspannt parallel zum Pferd. Schon schnaubte Blávör ab und streckte sich. Er lobte uns beide und ich bekam ein besseres Gefühl im Sattel. Das von Max erwähnte zickige Verhalten, dass sie sonst an den Tag legte, spürte ich nicht. Erst als wir mit dem Trab begannen, legte sich Blávör auf den Zügel, schüttelte wild mit dem Kopf und bremste abrupt ab. Vorwärts wollte sie nicht mehr und lief hektisch zurück.
      “Provoziere sie nicht, sondern gebe ihr Freiraum. Blá muss darüber nachdenken und das Vertrauen mit dem Reiter finden. Körperlich scheint auf den ersten Blick als in Ordnung zu sein, also braucht sie Ruhe”, vermittelte Niklas mir. Ich ließ die Stute stehen, bis sie auf die halben Paraden reagierte und den Kopf senkte. Mit meinem Schenkel arbeite ich langsam daran, dass sie einen Schritt vorwärtslief. Dann lobte ich direkt und hörte mit dem Druck auf. Ich blieb hartnäckig, bis Blávör normal im Schritt wieder lief. Freundlich lobte ich sie, dabei spürte ich, dass die Stute davon sehr erschöpft war. Es hinderte mich nicht daran nach einigen Runden Schritt wieder in den Trab zu wechseln. Diesmal folgte Blávör meinen Hilfen und zickte nicht mehr herum. Am Ende konnten wir auch noch etwas tölten. Niklas half mir dabei meinen Sitz noch zu verbessern und meine Hände ruhiger zu halten. Ich hatte Probleme dabei mich im Sattel zu halten. Bei dem Ändern des Tempos wackelte ich im Sattel und das nahm die Stute mir übel.

      Lina
      Jace und ich hatten uns noch eine ganze Zeit unterhalten, überwiegend darüber, was Jace und ich glaubten, was Divine bereits alles konnte. Immerhin war der Hengst gerade einmal 4 Monate hier. Bei einem Pferd, welches in einem so schlechten Zustand gewesen ist wie Divine, war das eine ziemlich kurze Zeit. Wobei wir für so eine kurze Zeit schon weit gekommen waren, immerhin hatte ich Ivy im Juli auf einer Zuchtschau vorgestellt.
      “Habe ich eigentlich mal erzählt, dass Divine schon als Einhorn bezeichnet wurde”, fragte ich Jace beiläufig. Wie ist so an die Zuchtschau zurückdachte, musste ich unwillkürlich lächeln.
      “Nein, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das öfter vorkommt”, antworte Jace.
      “Ohh, das war richtig niedlich. Nachdem ich Ivy vorgestellt hatte, kam ein kleines Mädchen an. Sie war total begeistert von meinem Hengst, Divine natürlich auch von ihr, du weißt ja er liebt Kinder”, begann ich von der Begegnung mit den kleinen Mädchen zu erzählen. “Naja, auf jeden Fall meinte die kleine irgendwann, dass Divine ja aussähe wie ein Einhorn, da würde nur noch eine Menge Glitzer fehlen. Ich habe danach tatsächlich überlegt, ob ich ihm ein Glitzerhalfter kaufe.”
      Auf einmal unterbrach Samu unser Gespräch: „Lina, denkst du auch noch daran Legolas von der Koppel zu holen.” Er stand mit Elf Dance am Weg, den er offenbar gerade von der Koppel geholt hatte. Bisher war mir gar nicht aufgefallen, dass die Sonne inzwischen gänzlich untergegangen war.
      “Oh ist es schon so spät?”, fragte ich ein wenig verwundert und griff gleichzeitig nach meinem Handy, welches immer noch neben mir im Gras lag.
      “Joo”, bestätigte Samu das was ich auch schon auf meinem sah. 21:15 leuchtete mir auf dem Display entgegen. “Ja, dann sollte ich den armen Kerl mal lieber reinholen, bevor er noch ganz allein draußen steht.“
      “Ich komm mit, ich muss Herkules auch noch holen”, steuerte Jace bei und reichte mir die Hand, um mir beim Aufstehen zu helfen.
      “Hast du mir etwa heute noch nicht lang genug das Ohr abgekaut”, scherzte ich und ließ mich von ihm hochziehen.
      “Also für mich sieht das aus...als wären deine Ohren noch dran”, stellt er nach ausreichender Betrachtung fest und grinste breit. Es freute mich, dass Jace wieder normal war, ansonsten hätte ich wohl mit dem schlechten Gewissen, einen Trauerkloß zurückgelassen zu haben nach Schweden fliegen müssen.
      “Schön, dass ihr so viel Spaß habt, aber wenn ihr in dem Tempo weitermacht, kommt ihr nie an der Koppel an”, ließ sich Samu vom Wegesrand entnehmen, bevor er seinen Hengst in Bewegung setzte.
      “Ja ja, ist ja gut”, rief ich ihm noch hinterher und machte mich mit Jace zusammen auf den Weg zur Koppel. Auf einer der vorderen Koppel stand ein schwarzer Umriss am Zaun und wartete bereits. Das Einzige, was mir verriet, dass dieser Umriss Legolas war, war seine Blesse, die mir weiß im Mondlicht entgegen leuchtete.
      “Ich gehe gerade noch Herkules holen, wartest du hier?”, fragte Jace. Damit die Stricke immer in der Näher der Pferde waren, banden wir sie an die Koppeltore. Somit löste ich Legolas Strick vom Tor, während ich Jace antwortete: ”Klar, wird ja nicht lange dauern.”
      Jace verschwand in der Dunkelheit und ich öffnete das Tor zur Koppel. Lego streckte mir schon freundlich seinen Kopf entgegen. “Na mein hübscher, bald wirst du sicher pünktlich in den Stall gebracht”. Sanft strich ich dem Hengst über die weiche Nase, bevor ich den Strick in sein Halfter einklinkte. Brav folgte mir der große Hengst aus dem Tor.
      “Der braucht ganz schön lange, Lego”, sagte ich zu dem Pferd, nachdem ich schon gefühlte 5 Minuten auf Jace wartete.
      “Ich habe da noch wen auf der Koppel gefunden”, rief mit Jace zu, der endlich kam. Neben Herkules leuchtete noch das helle Fell eines zweiten Pferdes. Natürlich Divine, wie konnte ich nur so dämlich sein. Ich hatte ihn nach dem Reiten noch mal rausgestellt.
      “Kann mir irgendwer verraten, warum ich immer ausgerechnet ihn immer vergesse?”, fragte ich Jace, de inzwischen neben mit stand und nahm den Strick entgegen.
      “Keine Ahnung”, antwortete Jace Schulterzucken. “Vielleicht ist dein kleines Köpfchen mit zu vielen anderen Dingen beschäftigt.” Damit hat er sehr wahrscheinlich ins Schwarze getroffen, doch das wollte ich jetzt nicht weiter evaluieren. “Möglich, aber jetzt gerade ist mein Hirn damit beschäftigt, dass diese beiden Pferde hier in den Stall kommen, also lass uns gehen”, versuchte ich vom Thema abzulenken. Statt auf eine Antwort von Jace zu warten, lief ich los mit den beiden Pferden im Schlepptau. Da Hufgetrappel eines dritten Pferdes verriet mir, dass er mir folgte.

      Vriska
      „Was würdest du eigentlich ohne deine Pferde machen?“, unterbrach ich die Stille. Im Stall fraß Blávör ihr Kraftfutter, dass sie nach dem Absatteln von mir hingestellt bekam.
      „Wie, was würde ich machen?“, zog Niklas die Augenbrauen hoch, als hätte er meine Frage inhaltlich nicht verstanden und steckte das Handy zurück in die Tasche, an dem er schon wieder hing.
      „Na ja, so arbeitstechnisch“, kam es kleinlaut aus meinem Mund. Würde jemand wie er überhaupt arbeiten?
      „Ich arbeite bei der Polizei“, zuckte er mit den Schultern und kam einige Schritte näher. Sonst war niemand in der Nähe.
      „Jetzt wo du das sagst, ergibt das Sinn“, schämte ich mich, ihm vorgeworfen zu haben, auf dem Reichtum seiner Familie zu sitzen. Natürlich verdiente man auf den Turnieren, die er mit ritt, ziemlich hohe Summen. Doch so wie ich es bisher verstand, hatte Niklas nur Qualifikationen und noch nichts wirklich sehr Großes in seinem Lebenslauf.
      „Jetzt bist du mir eine Erklärung schuldig“, schmunzelte er und legte seine Hände wieder mal an meine Hüften. Ich fühlte mich unwohl dabei, denn aus sehr weiter Ferne hörte ich Linas Stimme. Mit jemanden unterhielt sie sich, doch ich konnte die andere Stimme niemanden auf Anhieb zuordnen. Ungeschickt versuchte ich mich ihm zu entreißen, was mir nicht gelang. Hinter mir stand die Stute von Max, die noch immer sehr langsam ihr Futter kaute.
      „Könntest du bitte deine Hände wegnehmen“, sagte ich ihm und senkte meinen Kopf, um seinen Blicken zu entkommen.
      „Was ist, wenn ich es nicht tue?“, sagte Niklas in ruhige Stimme. Ein Lächeln kam über seine Lippen.
      „Dann muss ich dich leider anzeigen und du weißt sicher selbst, welche Folgen das haben würde“, lachte ich. Er ließ von mir und tätschelte meinen Kopf.
      „Dann beantworte wenigstens meine Frage, wenn ich dich nicht spüren darf“, schmollte er. Es fühlte sich wirklich echt an, als wollte Niklas in meiner Nähe sein, mich berühren und Glücklichsein. Das stand mir nicht zu. Gestern erklärte er noch, dass das mit uns beiden nur Liebschaft wäre. Ohne Zukunft. Ohne, dass ich mir darauf etwas einbilden sollte. Mein Lächeln verschwand wieder und Blávör war endlich fertig. Seine Frage musste für den Moment ohne eine Antwort verbleiben, denn die Hübsche wollte in ihre Box zurück. Er folgte mir, als gäbe es etwas zu verpassen, doch meine Konzentration blieb bei Blávör. Ungeschickte stolperte sie mehrfach und trat mir dabei in die Schuhe. Froh darüber, heute ausnahmsweise die Chaps angezogen zu haben, zog ich das Halfter über ihren Schopf und schloss die schwere Boxentür.
      „Mein Mann möchte noch rein, kommst du mit?“, fragte ich.
      „Hoffentlich bekommt er das mit uns nicht raus, sonst gibt es noch Streit“, antwortete er scherzhaft und legte seinen Arm um meine Schulter.
      „Er weiß es schon, aber wir führen eine glückliche offene Beziehung“, lachte ich und lief mit Niklas raus. Am Ende des Weges konnte man Lina klar identifiziere. Divine trottete neben ihr her, sowie Legolas und ganz gegen meine Erwartung, gehörte Jace die Männerstimme. Das hatte mir jetzt noch gefehlt. Niklas trug noch immer die Schiene an seiner Nase von dem Zwischenfall der Beiden. Ich nahm seinen Arm von meinen Schultern und senkte den Kopf. Sollte ich mich entschuldigen? Sie ignorieren? Nervös biss ich auf meinem Lippenpiercing herum und öffnete den Ring immer wieder. Ich spürte, dass die Innenseite meiner Unterlippe bereits wund war. Bei Nervosität tat ich das immer und letzten Tage statt ich dauerhaft unter Strom.

      Lina
      “Was hast du eigentlich morgen vor?”, fragte Jace, der den Wink mit dem Zaunpfahl offenbar verstanden hatte.
      “Viel, sehr viel außer Nathalie sind die Pferde heute die Pferde zu kurz gekommen. Hazel war ja überaus freudig, damit beschäftigt mich von meiner eigentlichen Arbeit abzuhalten”, antwortete ich Jace. Dieser sah mich zwar ein wenig verwirrt an, weil er anscheinend keine Ahnung hatte, wovon ich redete, fragte aber: “Soll ich dir morgen vielleicht ein wenig helfen?” Herkules, den neben Jace herlief, spitzte auf einmal die Ohren. Dieses Verhalten ließ meinen Blick nach vorne wandern. Vriska und Niklas kamen uns entgegen. Sofort spannte sich alles in mir an. Einerseits hatte ich ein wenig bedenken, dass Jace mal wieder irgendetwas Dummes tun würde, dieser Mann war nicht leicht einzuschätzen und andererseits, weil mein Unterbewusstsein der Meinung war, Flucht sei die beste Entscheidung. Da das nicht nur seltsam, sondern absolut bescheuert wäre, entschied ich mich dagegen.
      “Ne, schon gut. Ihr werdet noch genug zu tun haben, wenn ich nicht mehr da bin. Außerdem ist morgen eh Freispringen für Nathy und Masko.” Ich hoffte inständig, dass man mir die Anspannung nicht ansah. Aus dem Augenwinkel heraus nahm ich wahr, dass Niklas und Vriska an uns vorbeiliefen. Da mein Blick starr geradeaus ging, konnte ich nicht genau sagen, ob sie uns beachteten oder nicht.
      “Wie du meinst. Falls du es dir doch anders überlegen solltest, kannst du ja Bescheid sagen”, antwortete mir Jace schulterzuckend. Divine schnaubte laut und blieb stehen, um sich zu schütteln, was natürlich dazu führte, dass ich auch stehen bleiben musste.
      “Na komm Ivy, dein Abendbrot wartet”, mit einem leichten Zug am Strick versuchte ich meinen Hengst zum Weitergehen zu bewegen. Tatsächlich setzte sich der Freiberger in wieder in Bewegung.
      Im Stall angekommen stellte ich die beiden Hengste in die Box.
      “Soll ich Herkules Futter auch mitbringen?”, rief ich Jace über die Stallgasse zu.
      “Ja bitte. Steht schon fertig in der Futterkammer”, antwortete er. In der Futterkammer nahm ich als Erstes die Schüsseln von Divine und Legolas. Jeder bekam seine Portion Hafer in die Schüssel. Dazu gab es für jeden noch eine klein geschnitten Möhre, für Divine gab es noch ein paar Minerale, da er leider immer noch leichte Mangelerscheinungen hat. Das Öl füllte ich wie immer erst einmal in ein kleines Becherchen. Ich hatte mir angewöhnt es erst in der Box über das Futter zugeben, damit das Öl auch wirklich im Pferd landete und nicht in dem Futterschüssel. Zuletzt schnappte ich mir noch Herkules Schüssel und trat wieder auf die Stallgasse. Herkules begann in seiner Box ungeduldig im Kreis zu laufen, ab und zu stehenzubleiben und mit den Vorderhufen gegen die Tür zu schlagen.
      “Den Lärm da solltest du ihm mal abgewöhnen.” Mit diesen Worten drückte ich Jace seinen Futterschüsseln in die Hand und ging zu Legolas Box. Der Hannoveraner Hengst schaute mir bereits neugierig entgegen und brummelte leise. Divines Futter stellte ich in sicherer Entfernung zu hungrigen Pferdenasen auf dem Boden.
      “So mein großer, du musst da mal weggehen”, sprach ich den Hengst an und öffnete die Boxentür. Wohlerzogen trat der Hengst beiseite, als ich ihn an der Brust anstupste und wartete bis sein Futter im Trog war.
      Ich schütte das Öl über sein Futter und trat zu Seite: “Jetzt darfst du, Lego.” Hungrig steckte er seine Schnauze in den Trog und begann zu fressen. Aus der Nachbarbox meldete sich nun auch Divine, der auch endlich sein Fressen haben wollte, mit einem Wiehern.
      “Ich komm ja schon, Kaunokaiseni “, rief ich meinem Pferd zu, während ich die Box von Legolas hinter mir schloss.
      “Was bedeutet... Kaunokasi eigentlich, mir ist aufgefallen, dass du ihn öfter so nennst”, fragte Jace, der gerade aus der Box von Herkules heraus trat.
      “Kaunokaiseni heißt das”, wiederholte ich noch mal langsam und lachte. Was auch immer Jace da gesagt hatte, war meilenweit von dem Wort entfernt. “Es bedeutet, meine Schönheit.” Jace kam zu mir herüber geschritten und hob auf dem Weg dahin, Divines Futterschüssel auf.
      “Schönheit also? Ja, das passt zu ihm”, mit diesen Worten reichte er mir die Futterschüssel. “Soll ich die von Legoals schon mal mitnehmen? Dann mach ich die schon mal sauber.” Statt auf eine Antwort zu warten, nahm er mir einfach die leere Schüssel aus der Hand.
      “Kiitos”, antwortete ich ihm und öffnete Divines Box.
      “Und was heißt das?”. Mit einer Mischung aus Verwirrung und Neugier sah mich Jace an.
      “Sorry, kurz vergessen, dass du dieser Sprache nicht mächtig bist. Es heißt Danke. Ich dachte, das hättest du vielleicht schon einmal mitbekommen in den letzten 2 Jahren, Samu und ich sind ja nicht seit gestern hier”, erklärte ich ihm ein wenig amüsiert.
      “Ja schon, … aber ich habe das bisher nie hinterfrag und es kommt noch dazu, dass ihr mit uns tatsächlich meistens Englisch redet, sogar bei solchen Kleinigkeiten”, schilderte mir Jace. Der Sprachwechsel war für mich schon seit der Schule so selbstverständlich, dass es mir meistens gar nicht auffiel welche Sprache ich gerade sprach.
      “Oh tatsächlich, ich merk das schon gar nicht mehr”, sagte ich schmunzelnd. Ivy wollte schon seine Nase in die Futterschüssel stecken, doch ich schubste diese weg. Divine war leider noch nicht ganz so gut erzogen wie Legolas, vor allem wenn es um Futter geht. Jace verschwand derzeit in der Futterkammer. Mein Pferd belästigte die Schüssel und mich weiterhin, sodass ich ihn noch ein paar mal korrigieren musste, bevor ich an ihm vorbei an den Trog kam. Auch Divines Futter landete im Trog und ich gab es dem Hengst frei. Ich verließ die Box, um auch diese Futterschüssel noch sauberzumachen. Jace war bereits fertig mit den anderen Schüsseln und wenn ich nicht aufgepasst hätte, wäre ich ihn wohl in ihn reingelaufen. Kurz vor ihm kam ich zum Glück gerade noch so zum Stehen.
      “Immer schön langsam, Lina”, entgegnete Jace mir und sah zu mir runter. Für meinen Geschmack war das hier eindeutig zu nah, immerhin kann ich nicht leugnen bis vor ein paar Tagen noch irgendetwas von ihm gewollte hatte. Wohlgemerkt bevor er sich aufgeführt hatte wie ein vorkommender Idiot.
      “Ähh, ja…”, murmelte ich und ging ein ganzes Stück zur Seite, um aus dieser Situation zu entkommen.
      “Soll ich noch auf dich warten?”, fragte er und sah nicht so aus, als wolle er aus der Tür gehen. Denn statt Anstalten zu machen sich zu bewegen, lehnte er sich gemütlich an den Türrahmen. Da war er wieder, ganz der alte Jace.
      “Ne brauchst du nicht. Ich komm dann nach, vorausgesetzt du lässt mich da mal rein.” Mit einem Kopfnicken deutete ich auf die Futterkammer.
      “Also bitte Lina, so dick bin ich jetzt nicht, als dass du da nicht vorbeikämst”, scherzte er. Als ich nicht versuchte mich an ihm vorbeizuquetschen, bewegte er sich doch aus der Tür.
      “Danke”, murmelte ich und verschwand in der Futterkammer. Während die Tür hinter mir zu fiel, konnte ich wahrnehmen wie sich seine Schritte tatsächlich entfernten. Ich säuberte Divines Schüssel und stellte sie ins Regal. Als ich die Futterkammer wieder verließ, sah ich, dass mein Pferd mit dem Kopf aus der Box hing und dabei die Hälfte seiner Futter aus dem Maul fallen ließ. “Ach, Ivy du möchtest auch, nur dass ich gut beschäftigt bin, oder?”, sagte ich seufzend zu dem Pferd. Bevor ich zu einem Besen griff, warf ich einen Blick in den Trog des Hengstes, er war noch halb voll, also würde ich wohl warten, bis er aufgefressen hatte. Ungern würde ich die Stallgasse zweimal fegen wollte. Somit setzte ich mich vor die Box und beobachtete den Freiberger dabei, wie er vor sich hin krümelte.


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  • Zuchtname: Snotra
    Rufname: Snoti

    Aus der: Unbekannt
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
    Den: Unbekannt
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
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    Geschlecht: Stute
    Rasse: Isländer
    Geburtsdatum: 23. April 2007
    Farbe: Dunkelbraunfalbe Splash
    Abzeichen: Scheckungsbedingt (Kopf und Beine)
    Stockmaß: 132 cm

    Charakter:
    Snotra ist unter dem Sattel ein nervöses Pony mit viel Temperament und ist nicht leicht zu bremsen, da sie schnell die Balance verliert. Viele Biegungen sind am Anfang der Arbeit notwendig, um sie ruhig zu bekommen. Dennoch ist sie einfach im Umgang und liebt die Arbeit vom Boden aus. Manchmal kann Snoti ein Taschenpony sein und sogar betteln.
    ____________________________________

    Gencode: Ee Aa DD StySty nSpl
    Zuchtzulassung: Nein
    Gesamtnote: -
    Nachkommen: -

    [Schleife]
    Prüfung
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    Dressur: L / L
    Springen: -
    Military: -
    Fahren: E / A
    Rennen: E / M
    Gangreiten: L / S
    Western: -
    Distanz: E / A

    Gänge: 5

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    Besitzer: Mohikanerin
    Zucht: Unbekannt, Deutschland
    VKR: Sadasha
    Ersteller: Sadasha
    Punkte: 16 (+2 Bewegung // + 2 Hufschmied)
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