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Rhapsody

Sikari -- Lewitzer

im Besitz seit 09/2015 - Aa Ee Toto

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Sikari -- Lewitzer
Rhapsody, 22 Sep. 2015
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      alte Berichte
      Ich hatte das Projekt „Lewitzerzucht“ nun aktiver ins Auge gefasst und war seit längerem auf der Suche nach potenziellen Zuchtpferden. Auf einem kleinen Lewitzerhof schien ich auch fündig zu werden. Es war mehr ein Familienbetrieb und die Kleinzüchter waren wirklich sehr nett. Sie gaben sich sehr viel Mühe und jedes ihrer Pferde war individuell und etwas besonderes!
      Es hatte nicht lange gedauert und ich hatte schon von weiten zwei wunderschöne Hengste entdeckt! Ein bunter Fuchsschecke und ein großer Braunschecke. Anfangs war ich von beiden begeistert, doch der Fuchsschecke war mir mit seinen 2 Jahren dann doch zu jung. Umso toller fand ich jedoch den Braunschecken Cheveyo, welcher auf mich wie ein wahrgewordener Mädchentraum wirkte!
      Ihn zu reiten war einmalig und es stand schnell fest, dass ich ihn nehmen würde. Und als ich die ganzen tollen Pferde sah, wollte ich auch unbedingt noch eine Stute mit nach Hause nehmen, also ließ ich mir auch diese vorführen und vorreiten.
      „Das ist Bella. 10 Jahre alt, hatte schon ein Fohlen und ist wirklich eine Liebe!“, erklärten mir die Besitzer und die kleine Rappstute war auch wirklich süß, nur fiel sie leider so gar nicht in mein Wunschschema. Auch die darauffolgenden Stuten waren nicht das wahre. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, durfte ich Sikari kennenlernen. „Sie ist allerdings schon 12 Jahre.“, warnten mich die Besitzer vor, doch ich fand die Stute von Anfang an perfekt.
      „Cheveyo und Sikari!“, rief ich glücklich und besiegelte den Kauf per Handschlag. Schon in ein paar Wochen würden zwei neue Schecken auf dem Gestüt einziehen dürfen und die Zucht voran treiben!
      „Leute? Das Teil habe ich nicht umsonst „Trainingsstall“ getauft“, seufzte ich und schaute Kat und Ethan genervt an. Ich gebe ja zu, ein richtiger Stall war unsere Ranch nicht, aber trotzdem sollten die Stuten und Hengste auf die Leistungsprüfungen vorbereitet werden! Und was ich am wenigsten leiden konnte, waren Menschen, die sich mit mir um die Bedeutung eines blöden Wortes stritten, anstatt einfach ihre Arbeit zu machen.
      Ich beendete diese Diskussion einfach, indem ich ihnen wortlos den Rücken zukehrte, ein Halfter schnappte und nach draußen verschwand. Der Tag hatte eindeutig zu wenig Stunden ich und ich wollte diese zumindest ein wenig nutzen. Als erste sollte Animby an der Reihe sein. Die junge Stute hatte ich in letzter Zeit arg vernachlässigt, dementsprechend wurde es wieder Zeit, mit ihr zu arbeiten. Doch erst einmal putzte und sattelte ich sie ausgiebig.
      Dann gingen wir in die Halle, wo ich sie aufwärmte und mich dann in den Sattel schwang. Wir trainierten die Grundlagen, übten bessere Gangwechsel, das Anhalten und Antraben. Animby lernte schnell und gab sich alle Mühe und wenn sie mich nicht verstand, gab sie mir das vorsichtig zu verstehen und so konnte ich es ihr noch einmal in Ruhe erklären. Zufrieden beendete ich dann die Stunde und versorgte Animby.
      Nun holte ich erst Sir Benny Miles und dann Deadly Ambition von der Weide, um beide im Stall anzubinden. Kat sollte Miles ordentlich putzen, ihm dann die Transportdecke und die Gamaschen anlegen. Das Gleiche tat ich auch mit Ambition, während Ethan für uns den Hänger vorbereitete und vor den Stall fuhr. Dann lud ich die beiden Vollblüter ein und wir machten uns auf die fast einstündige Fahrt zur nächstgelegenen Rennbahn.
      Dort luden wir beide Pferde aus, gönnten ihnen eine kurze Pause, ehe sie auch schon vorbereitet wurden. Ich hatte nur einen Jockey engagiert, denn die Stute würde ich selbst reiten. Vorsichtig legte ich Deadly Ambition den Trainingssattel auf und machte sie fertig. Danach half Ethan mir hinauf und ich ritt sie auf der Ovalbahn warm. Der Jockey, Joe, ritt des Öfteren Pferde für mich und verstand sich sofort mit Miles.
      Nachdem wir uns aufgewärmt hatten, ritten wir die Pferde nebeneinander im leichten Galopp und als wir den 800er Pfosten erreichten, ließen wir ihnen mehr Freiraum. Deadly Ambition hatte schon die ganze Zeit widerwillig das Tempo zurückgehalten und stob nun sofort los. Miles ließ sich das aber nicht zweimal sagen und jagte direkt hinterher. Meine Stute konnte sehr gut beschleunigen, aber ihr fehlte es noch an Ausdauer und Erfahrung, die Miles hingegen in Massen besaß.
      Dementsprechend endete das Rennen äußerst interessant Kopf an Kopf und wir verloren nur knapp. Beide Zeiten waren aber ideal und so machten wir uns zufrieden auf den Heimweg. Dort wurden die Vollblüter von Kat versorgt, während ich mir bereits The Unwritten Performance fertig machte und mit der Stute in die Halle ging. Ich wärmte sie ausgiebig auf und dann widmeten wir uns der Stangenarbeit, damit ich ihre Hinterhand besser aktivieren konnte. Außerdem sollte Unwritten mehr auf ihre Beine achten und diese besser koordinieren, denn manchmal stolperte die Stute tatsächlich über ihre eigenen Hufe.
      Danach waren die beiden neuen Lewitzer an der Reihe, welche eigentlich wirklich noch aufgebaut werden mussten, Dementsprechend longierte ich Sikari ausgiebig und nahm auch die Stangen hinzu um die Stute aufzulockern. Danach schwang ich mich noch in Cheveyos Sattel und wärmte ihn erst einmal ausgiebig für unsere Dressurarbeit auf. Mit diesem Schecken zu arbeiten war ein Traum und ich war überglücklich, dass er in meinem Stall stand und ich mit ihm arbeiten durfte.
      Das Gleiche galt für den Oldenburger Café au Lait. Der heute allerdings für Ethans Reitunterricht herhalten musste. Ethan konnte reiten, aber nicht besonders gut. Aber Café war das perfekte Pferd für ihn und die beiden lernten gemeinsam ziemlich schnell, so dass auch die heutige Stunde schon wesentlich besser aussah als die letzten, dafür dann aber Pferd und Reiter auch echt k.o. waren. Während Ethan seinen geliebten Warmblüter versorgte, holte ich Talya aus der Box.
      Ich liebte diese kleine Lewitzerstute abgöttisch und hätte mir kein besseres Fohlen aus Fiorina vorstellen können als sie. Talya war aufmerksam, liebenswürdig und lernte dermaßen schnell, dass ich mich jetzt schon auf die Zeit freute, wenn sie selber als Zuchtstute agieren würde. Heute stand für meine Hübsche aber nur ein lockeres Longentraining an, da wir die letzten beiden Tage unter dem Sattel gearbeitet hatten und sich ihre Muskeln natürlich nicht überarbeiten sollten. Dennoch machte Talya wie immer motiviert mit und hatte sich so ihren morgigen freien Tag schnell verdient.
      Stirnrunzelnd holte ich Ehawee von der Weide und putzte die Traberstute in aller Ruhe. Dann massierte ich sie ausgiebig und löste die eine oder andere Verspannung der Stute, ehe ich sie seufzend betrachtete. Ich fand Ehawee wundervoll, aber ich konnte mich noch nicht so ganz entscheiden, in welche Richtung ich die Stute nun fördern wollte. Dementsprechend sattelte ich sie heute und arbeitete nur die Grundlagen heraus, um zu schauen, was Ehawee alles konnte und wo es noch fehlte. Tatsächlich schien die Stute eine große Begabung für die Dressur zu haben und das würde ich weiterhin im Auge behalten.
      Dressur war ein tolles Stichwort für Touchdown! Der siebenjährige Hengst hasste die Dressur, denn sie bedeutete Arbeit. Er war jetzt schon ein wahres Talent darin, sich jeglichen Mühen zu entziehen und momentan arbeitete ich daran, dass so gut wie möglich zu vermeiden, auch wenn das leider gar nicht so leicht war, wie gehofft. Ganz im Gegensatz dazu stand Heart of Ocean. Dieser Reitponyhengst war jedem Reiter eine pure Freude. Auch heute zeigte er sich wieder von der besten Seite und arbeitete motiviert mit, so dass ich ihn nach einer Stunde zufrieden auf die Weide entließ.
      Als letztes stattete ich den neusten Pferden einen kurzen Besuch ab. Die Criollostute Chepi nahm ich auf einen kleinen Spaziergang mit, um ihr die Ranch zu zeigen und ihr ein wenig Abwechslung zu verschaffen, ansonsten hatte sie aber ein wenig Ruhezeit. Danach holte ich mir Strigoi und putzte die Stute ausgiebig, ließ sie kurz in der Halle toben und brachte sie dann wieder zurück. Die Welshstute sollte mich erst einmal kennenlernen dürfen, ehe sie irgendwas machen musste. Und gleiches galt auch für Hugo Boss, auch wenn es mich schon jetzt in den Fingern juckte, mit dem Reitponyhengst zu arbeiten und am liebsten hätte ich ihn schon auf einer Körung vorgestellt, aber mein Herz sagte mir, dass das einfach noch zu früh war und so wollte ich noch ein wenig abwarten, ehe dann wirklich für ihn die Zeit kommen würde.
      Die letzte die heute versorgte war Acacia. Ich hatte sie von Soso zurück gekauft und nun stand meine Schwere Warmblutstute wieder bei mir in den vier Wänden. Ich putzte sie ausgiebig und zeigte ihr während ein bisschen Bodenarbeit die neue Halle. Noch hatte Acacia sich noch nicht so wirklich eingelebt, aber es wurde langsam, natürlich wollte ich der Stute aber auch genügend Zeit lassen und so brachte ich sie danach wieder zurück in ihre Box. Alle Pferde bekamen noch ihr abendliches Futter, ehe auch ich müde in mein Haus verschwand, duschte und mich dann auf die Couch bequemte.
      Müde stampfte ich in Richtung Weide, vor mir die Schubkarre mit den acht Heunetzen herschiebend. Erst hatte man wochenlang Hitze, dann gewöhnte man sich allmählich daran und änderte seinen Tagesrhythmus und urplötzlich wurde es kalt. Richtig kalt, denn die 15-20°C waren nichts gegen die 36°C der letzten Woche. Bewölkt war es auch immer noch, aber wenigstens regnete es nicht mehr. Nicht, dass ich etwas gegen den Regen hatte. Den brauchten wir ja sogar, wenn ich nicht wollte, dass die gesamten Weiden weggebrutzelt wurden, aber eigentlich sollte ein Sommer aus einem gesunden Wechsel aus Sonnenschein und Regen bestehen und nicht zwei Wochen lang Grillen und danach zwei Wochen lang die Sintflut nachspielen.
      So wirklich konnte man da mit den Pferden nämlich auch nichts machen und das motivierte mich allmählich immer mehr dazu, die Ranch zu überdenken. Ich war eigentlich nicht der Mensch, der so leben konnte und wollte. Vor einem Jahr war es eher eine Flucht gewesen aus meinem alten Leben, eine zwanghafte Pause. Die aber nun mal nicht so einfach von Statten ging, wenn an einem selbst noch fast hundert Pferde dranhingen, dementsprechend die spontane Idee mit der Ranch. Was Besseres war mir ehrlich gesagt nicht eingefallen.
      Inzwischen verfügten wir ja immerhin über richtige Betten und eine nutzbare Küche. Sogar einen Fernseher hatten wir. Aber ich wurde nicht glücklich, denn das, was mir fehlte, war nicht da! Keine große Reithalle, keine gigantischen Reitplätze, keine Führanlage und keine großen schicken Stallgassen. Leise seufzte ich, während ich die Stimme meiner guten Freundin Elisa im Kopf widerhallen hörte „WAS? Schon wieder umziehen? Aber das kannst du doch nicht tun!“, hm ja, ein bisschen Recht hatte sie, aber ich musste, ich war nicht mehr glücklich.
      Ein bisschen ahnungslos war ich zudem, wohin ich wollte. Hier war es mir zu trocken, dass hatte Elisas Co-Trainerin Gwendolyn bereits korrekt angemerkt und wirklich Lust hatte ich auf diese Trockenheit nicht mehr. Erst war von dem Fluss gar nichts mehr übrig geblieben, nun überschwemmte er ein Drittel meiner Weiden – klasse. Undankbares Land, kein Wunder, dass ich es mir hatte leisten können. Apropos, der nächste Punkt: Ich hatte wieder Geld.
      Einige Pferde hatten erfolgreich ihre Körung bestanden und andere hatten uns verlassen, auf jeden Fall reichten meine Rücklagen dafür, um neu anzufangen. Mal wieder. Nur wo? Am liebsten, ehrlich, in Deutschland. Zurück zu den Wurzeln. Aber ich glaube dafür würde mich jeder meiner Bekannten lynchen, zumindest glaubte ich das, vielleicht hatte ich ja auch Glück – vielleicht auch nicht.
      Inzwischen war ich an der Weide angekommen und begann, die Heunetze zu verteilen. Durch die Hitze war das Gras eh schon mau geworden und nun war das, was es gegeben hatte, auch noch überschwemmt. Also musste ich zufüttern und deshalb warteten meine gescheckten Ungetüme auch schon ungeduldig auf ihr Frühstück. Die Kleinen hatten natürlich die größte Klappe und dementsprechend zwang sich Calimero II durch die großen Hengste hindurch und reservierte sich ein Heunetz. Das teilte er aber immerhin sozial mit seinem Kumpel Panta Rhei, aber man sollte es sich ja auch immerhin nicht mit allen versauen.
      Die beiden Junghengste machten sich toll und würden sich als würdige Nachfolger ihrer Papas erweisen. Besonders bei Calimero war ich auf seine Vererbung gespannt, einen Falbschecken hatte ich schon öfters in der Zucht haben wollen. Die anderen Hengste begannen auch in Ruhe zu fressen und ich machte mich daran, die Unterstände und die Weide abzumisten. Bei dem Schlamm war das leider unumgänglich, wenn ich Mauke vermeiden wollte. Noch ein Minuspunkt für die Ranch.
      Die Stuten hatte ich vorhin schon gemacht, also zumindest etwas hatte ich schon geschafft und nachdem ich dann endlich mit dem Abmisten fertig war (drei Schubkarren, hatte ich zum Misthaufen kutschieren dürfen), sammelte ich mir Elliot, Niyo und Caillou ein. Ich nahm die drei Hengste direkt mit und stellte sie erst einmal in die Boxen. Ich würde sie nacheinander abhandeln. Piccolos Blaze und Vertigo hatten heute frei, die beiden waren erst gestern auf einen längeren Ausritt mitgewesen und dementsprechend abgehandelt.
      Als erstes begann ich mit Elliot, der Hengst sollte so langsam auf die Körung vorbereitet werden und eigentlich sollte ich für ihn auch mal noch einen Trainer besorgen, damit dieser Monat nicht umsonst verstrich, aber na ja, man kannte mich ja. Also putzte ich den Schecken erst einmal gründlich, ehe ich ihn mir sattelte und dann marschierten wir raus zum Reitplatz. Dort wärmte ich ihn gründlich auf und dann arbeiteten wir nur ein wenig vorwärts-abwärts.
      Ich hatte Elliot ehrlich gesagt schon länger nicht mehr unter dem Sattel gehabt und deshalb wollte ich wieder langsam anfangen. Außerdem kannten der Hengst und ich uns noch nicht so gut, denn so lange war es noch gar nicht her, dass ich ihn von Jual übernommen hatte. Aber er war fleißig und arbeitete gut mit, das war mir direkt sympathisch.
      Nachdem Elliot versorgt war, putzte ich Caillou und machte ihn mir longierfertig mit Kappzaum und Longe. Ein bisschen Bodenarbeit würde dem Zuchthengst nicht schaden, damit er nicht zu kugelig wurde, aber das würde bei den momentanen Weiden ja sowieso nicht passieren. Pluspunkt für die Ranch. Caillou arbeitete gut an der Longe mit und zur Abwechslung baute ich auch ein bisschen Stangenarbeit an. Als das geschafft war, durfte er zurück in seine Box und bekam Belohnungsmüsli.
      Als letztes war Niyo an der Reihe. Meinen Scheckhengst wollte ich ein wenig Springen. Eigentlich hatte ich dafür auf unsere Geländestrecke gehen wollen, aber wie die aussah, musste ich ja nun niemanden erklären. Also erst einmal eine halbe Stunde draußen einen Parcours aufbauen – juhu!
      Aber Niyo dankte es mir, er sprang außerdem wirklich gerne und sehr motiviert. Es machte Spaß den Hengst zu springen und dementsprechend fiel es mir auch ein wenig schwer, mich doch irgendwann von ihm zu trennen, denn so wirklich toll passten wir auch nicht zusammen, aber das hatte ja noch Zeit.
      Nach den Hengsten machte ich mich nun noch an die Stuten. Mit Rosewell und Korah arbeitete ich weiterhin am Fohlen-ABC, denn heute stand das Hängertraining an der Reihe für meine beiden ältesten Stutfohlen. Für die etwas jüngere Amadahy blieben wir bisher noch beim Putzen und Führen, aber da zeigte sie sich auch wirklich gut. Frozen Bubble und Nabiri hatten noch ein wenig Ruhe. Sie waren die jüngsten und erst kürzlich ans Halfter und Führen gewöhnt worden und bei dem Wetter wollte ich sie eh nicht nerven.
      Stattdessen sammelte ich mir Talya, Amazed Marlin und Sikari ein und machte mich auf den Weg hoch zum Stall. They call her Fiorina hatte frei. Momentan hatte sie sowieso genug um die Ohren turniertechnisch und auch Donatella ließ ich heute in Ruhe. Momentan war sie in der Krönungsvorbereitung, welche bald stattfinden würde und heute war ihr einziger freier Tag in der Woche.
      Stattdessen beschäftigte ich mich mit den anderen Stuten. Talya longierte ich ordentlich, damit wir weiterhin an ihrer Selbsthaltung arbeiten konnten und sie motivierter untertrat. Amazed Marlin ritt ich heute in der Dressur, denn auch für sie stand eventuell bald eine Krönung an. Mit Sikari machte ich heute einen längeren entspannten Ausritt, das tat uns beiden gut und danach hatte ich es auch schon so gut wie geschafft. Jetzt hieß es erst einmal Mittagessen für mich und dann ging die Stallarbeit weiter.
      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.
      Früh am Morgen klingelte mein Wecker. Momentan standen wir alle gut mal zwei Stunden eher auf, denn es gab allerhand zu tun. Der Umzug war langsam im vollen Gange und ich konnte immer noch nicht glauben, wie schnell nun alles ging. Die Ranch hatte schnell Interessenten gefunden und der Kaufvertrag war inzwischen unterzeichnet. Ebenso war natürlich auch ich fündig geworden, was unser neues Heim betraf.
      Anfangs hatte ich vollkommen zurück zu unseren Wurzeln ziehen wollen, nämlich nach Deutschland. Aber während ich auf dem Weg nach Deutschland war, durchquerte ich zufällig die Niederlande und verliebte mich sofort in eine Immobilie. Ein älteres Gestüt, was frisch renoviert worden war und nun nur auf uns zu warten schien. Es hatte alles, was man sich wünschen konnte und ich hatte sofort zugeschlagen.
      Die Niederlande waren herrlich und sie hatten einfach alles! Riesige Wiesen, Wälder und selbst das Meer war beinahe um die Ecke. Ich war sofort hin und weg. Der Vertrag war schnell unterschrieben und nun ging für uns der Ernst des Lebens wieder los.
      Heute würden uns Kat und Ethan verlassen, deshalb stand auch ich eine Stunde eher auf. Für die beiden würde es zurück nach New York gehen, endlich wieder ins Stadtleben. Wir frühstückten in aller Ruhe gemeinsam und ich bedankte mich noch einmal ehrlich bei beiden für ihre Hilfe. Zwar war alles immer ohne sie geplant gewesen, aber es war doch schön gewesen, nicht alleine zu sein.
      Ab heute würden sich jedoch unsere Wege trennen und während die beiden von der Ranch fuhren, schaute auch ich mich noch einmal um. Die Hälfte der Pferde hatte bereits die Quarantäne hinter sich und war auf dem Weg in die Niederlande. Dort erhielt ich die wunderbare Hilfe der Vorbesitzer, welche gerne das Willkommenskommitee für meine Pferde spielten.
      Nun würde ich mich bald auch um die ganzen organisatorischen Sachen kümmern müssen, insbesondere um die Mitarbeiter, alleine würde ich das nicht schaffen. Ich hatte schon einige Internetanzeigen geschalten, allerdings wollte ich auch noch Zeitungsannoncen eröffnen, nur musste ich dafür erst einmal in die Niederlande. Heute mussten wiederum noch die Jungpferde in Richtung Flughafen verschifft werden und wer half mir dabei? Richtig! Meine liebste Elisa!
      Die kam auch wie immer pünktlich an, als ich mit der Fütterung fertig war. „Gut, legen wir los!“, meinte sie motiviert wie eh und je und stiefelte vorneweg zur Jungpferdeherde. Sie hatte ihren großen Transporter und Matthew als Fahrer mit. Wir würden also nur zweimal fahren müssen, da jeweils immer zehn Pferde reinpassten, immerhin waren die Fohlen noch Zwerge.
      Ich warf Elisa die Halfter von Paddington und Outlaw Torn zu, andere hätte sie wohl auch nicht akzeptiert. Stattdessen hüpfte Elisa nun fröhlich zu dem kleinen DRP-Hengstchen und knuddelte ihn erst einmal ausgiebig, ehe dann auch der Schecke an der Reihe war. „Komm, Outlast!“, meinte sie fröhlich und schleppte die beiden Fohlen hinter sich her. Matthew und ich warfen ihr nur einen zweifelnden Blick hinterher, schwiegen aber.
      Matthew reichte ich stattdessen Prazzy’s Goldbell und Caruso, währenddessen ich verzweifelt versuchte Abendprinz einzufangen. Der Halbwüchsige schien sich einen Spaß daraus zu machen, mir tierisch auf die Nerven zu gehen. Wenigstens kamen Cruel Twist of Fate und Unitato direkt und dann waren alle Hengste auch schon verladen. „Bringt sie mir heile dort hin!“, rief ich noch Elisa hinterher, als sie losfuhren.
      In zwei Stunden würden sie in etwa wieder da sein, ich hatte derweil genug zu tun, denn als erstes galt es nun, die Stutfohlen auf eine der kleineren Weiden zu schaffen, denn so würden wir sie nachher wesentlich schneller eingefangen haben. Daran hatte ich bei den Hengstfohlen leider nicht gedacht.
      Als dann vermutlich alle auf der kleinen Weide hinter dem Stall standen, zählte ich noch einmal durch und als ich bei neun ankam, konnte ich sie zufrieden alleine lassen. Stattdessen musste ich mal bei den Lewitzern vorbeischauen. Meine allgemeinen Hengste und Stuten hatte ich bereits vor einer Woche auf die Reise geschickt und meine Ausbildungspferde sogar noch eine Woche davor. Die meisten waren relativ jung und dementsprechend wollte ich ihnen Zeit geben, denn sie hatten ein paar Zwischenstops mehr als der Rest.
      Von den Lewitzern waren nicht mehr alle da. Die vier Zuchthengste waren bereits umgezogen. Für Vertigo und Piccolo’s Blaze war das nichts Neues und dementsprechend locker nahmen sie auch alles auf. Bei Elliot und Caillou machte ich mir ein wenig mehr Gedanken, sie waren noch jung und erst kürzlich von Jual zu mir umgezogen, aber überstehen würden sie es hoffentlich auch.
      Ich war froh, dass ich mir keine Gedanken um Cheveyo machen musste, denn der stand momentan bei Sarah in Schottland und wurde für seine Körung trainiert. Bisher machte er sich auch ganz gut. Wahrscheinlich würde ich ihn von den Niederlande aus dann auch einmal besuchen kommen.
      Nach den Hengsten hatte ich dieses Mal die Fohlen auf die Reise geschickt, beziehungsweise eher die Jährlinge, denn unsere jüngste: Nabiri stand noch bei ihrer Mutter Nesquik auf Kiras Gestüt. Gemeinsam waren wir bereits dabei, die kleine Stute zu entwöhnen und dann würden sie auch in die Niederlande reisen. Das Gleiche galt für Sacre Fleur, die auch erst noch entwöhnt werden musste, aber erst vier Monate alt war. Rosewell, Panta Rhei, Frozen Bubble, Korah und Calimero II waren schon fast in den Niederlanden angekommen. Für alle fünf war es die erste große Reise und ich würde drei Kreuze in den Kalender machen, wenn sie heile ankamen.
      Manchmal fragte ich mich, was für ein Himmelfahrtskommando ich hier nun schon wieder leitete, immerhin wollte ich circa hundert Pferde von Wyoming in die Niederlande verfrachten, beziehungsweise tat es ja bereits. Um mich ein wenig von meinen wirren Gedankengängen abzulenken, wollte ich mich mit den Lewitzerstuten beschäftigen. Für diese würde es erst Morgen zum Flughafen gehen, deshalb wollte ich allesamt heute noch einmal bewegen.
      Zuerst begann ich mit Amadahy. Die hübsche junge Stute folgte mir aufmerksam zum Putzplatz und genoss dort dann das Wellnessprogramm. Danach machten wir uns auf den Weg zum Roundpen, wo ich ein bisschen vom Boden aus mit ihr arbeitete. Sie arbeitete motiviert mit, auch wenn ich merkte, dass sie leicht abgelenkt war. Sie ahnte wahrscheinlich bereits, was sie erwarten würde. Deshalb machten wir heute auch nicht so viel und beendeten das Training nach einer Viertelstunde.
      Da an richtige Arbeit eh nicht zu denken war, sattelte ich mir stattdessen Donatella und nahm Fiorina als Handpferd mit auf den Ausritt. Ein letztes Mal durch die Wildnis von Wyoming reiten. Es war ein komisches Gefühl, aber wenn ich ehrlich war, hatte ich mich nie wirklich wie zu Hause gefühlt, es war immer mehr wie ein Urlaub gewesen. Ein Urlaub mit hundert Pferden, wie unlustig.
      Seufzend ließ ich Donatella antraben und versuchte an nichts zu denken. Ich hasste Entscheidungen und große noch mehr und dieser Umzug war eine verdammt große, dementsprechend wuselten auch tausende Gedanken in meinem Kopf herum und es war fast unmöglich sie abzustellen. Aber jetzt gab es sowieso kein Zurück mehr, von daher war das eigentlich auch egal.
      Nachdem Donatella und Fiorina wieder auf der Weide standen, kamen Elisa und Matthew wieder. Beide mit einem zufriedenen Gesicht, also ging es nun an die Stutfohlen. Während Elisa Acariya und Herbstmond aufhalfterte, fragte sie: „Sag mal, du nimmst dann vermutlich nicht an der Jolympia teil?“ und schaute mich traurig an. Aber ich konnte nur den Kopf schütteln. „Nein tut mir leid, das wird zu stressig mit den ganzen Vorbereitungen. Aber sie wird ja nun nicht das letzte Mal stattfinden!“, meinte ich lächelnd und Elisa nickte seufzend.
      Ich halfterte Destiny Horror und Siberia für Matthew auf, ehe ich mir selbst Mon petit écrou und Shawnée einfing. Nun mussten nur noch die beiden Hollybrookfohlen auf den Hänger und dann waren wir auch schon mit den Fohlen fertig. Tiny Girl und Fairy Bluebird stiegen brav als letzte hinauf und ich verabschiedete mich von Elisa und Matthew. Inzwischen war auch gefühlt der dreiviertelste Tag um und die Ranch noch leerer.
      Lächelnd besuchte ich Amazed Marlin auf der Weide. Die Gute hatte heute frei, denn statt in die Niederlande würde es für sie nächste Woche erst einmal auf eine Prämierung gehen. Das hatte ich zugegebenermaßen etwas schlecht getimed, aber ändern ließ es sich nicht mehr. Stattdessen longierte ich heute dann noch Sikari und ritt Talya auf den Platz, damit die beiden ein wenig ausgepowert wurden, ehe es Morgen auf eine lange Reise für die beiden gehen würde.
      Ich war inzwischen hundemüde, aber es stand noch einiges an, denn für die neuen Besitzer sollte die Ranch schließlich wirklich ordentlich aussehen und das tat sie meines Erachtens noch nicht. Aber vielleicht suchte ich auch gerade nur ein wenig Beschäftigung, um nicht meinen Gedanken freien Lauf lassen zu müssen. Also kontrollierte ich noch einmal die Zäune des Reitplatzes und des Roundpens und ging dann noch einmal den Stall ab, ehe es für mich unter eine heiße Dusche und dann vor den Fernseher gehen würde.
      Eddi und Samarti gefällt das.
    • Rhapsody
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      Geschenke?
      22. September 2015


      Flea war die letzte Stute der „Generation 1“ – jedes Pferd, das vor Tautou und Parvati gekommen war – und nun auch zur Zucht zugelassen. Das bedeutete für mich natürlich, dass ich einen guten Grund hatte, mir weitere potentielle Zuchtpferde zuzulegen. Gut, dass ich bei solchen Unterfangen immer Freunde hatte, die hinter mir standen.


      Aber diesmal waren es nicht Gwen, Elisa und Elena, auch nicht Zoe und Adèle (letztere wussten noch gar nichts davon).


      Was beide Gruppen noch nicht wussten: es war nicht nur ein weiteres Pferd, dass hier bald für Tumult sorgen würde. Dank Ella hatte ich so richtig Lust auf Hunde bekommen und kurzerhand einen neuen Hund gekauft, den ich heute aus dem Tierheim abholen würde (Khaleesi, 3 Jahre alt und eine französische Bulldogge – ich war sofort verliebt gewesen).


      Die Nachricht, dass Eddi Canary aus Wyoming herfahren würde, um mir eine Lewitzerstute zu bringen, schockte meine zwei Mitarbeiterinnen nicht wirklich; Zoe starrte weiter in ihre Tasse Kaffee, als würde sie die Antworten allen Lebens enthalten, und Adéle sah nicht von ihrem Tablet auf.


      „Ihr seid ja sehr unterstützend,“ sagte ich und schmollte. „Dann habt ihr bestimmt nichts dagegen, wenn ihr heute Nachmittag mal allein seid, Eddi und ich fahren ins Tierheim.“


      „Was willst du denn im Tierheim,“ fragte Adèle, obwohl es mehr Aussage als Frage und mehr freundlicher Smalltalk als richtiges Interesse war.


      „Ich hol mir einen neuen Hund,“ erwiderte ich genauso monoton, während ich das letzte Stück Semmel in den Mund schob. Somit war ich leider ein wenig beschäftigt und konnte die genauen Reaktionen der beiden nicht mitkriegen, aber Zoes Tasse knallte etwas unsanft auf den Tisch und Adèle war ganz still geworden.


      „Wie?“ fragte Zoe schließlich, als ich wieder aufblickte. „Das sagst du uns erst jetzt?!“


      „Ihr mögt Ella, da mögt ihr den Neuen auch.“


      „Aber wir kennen den neuen Hund doch gar nicht!“


      Ich grinste beide breit an. „Das können wir ändern.“


      ***


      Zusammen mit Anhänger war ich schon lange nicht mehr an den Flughafen gefahren. Als ich ihn angekuppelt hatte, hatte sich die erste Vorfreude breitgemacht – auf Eddi natürlich auch, aber vermehrt auf Sikari. So hieß die neue Stute nämlich, und wenn Elena das mitbekommen würde, würde sie auch schon einen neuen Spitznamen haben (Yakari oder so was, ich kam selbst nicht so schnell auf kreative Spitznamen wie Elena).


      Das Verladen und Begrüßen von beiden lief ziemlich schnell ab, denn immerhin hatten wir noch etwas vor und mussten davor erst einmal vom Flughafen zum Pine Grove Stud zurück. Unterwegs redete Eddi wie ein Wasserfall – von Sikari, von ihren anderen Pferden, von Gott und der Welt. Wie würde das bloß werden, wenn sie bei Elisa war?


      Wieder zuhause konnten wir dann Sikari endlich in ihr neues Zuhause entlassen. Kaum war sie von der Rampe streckte sie den Kopf in die Höhe und sah sich mit gespitzten Ohren um. „Ich werde sie nur schnell mal ein wenig laufen lassen,“ entschuldigte ich mich und führte die Scheckstute dann zum Reitplatz.


      Nach ein paar Runden Galopp und Stechtrab wurde sie dann langsamer und lief schließlich im Schritt auf mich zu, damit ich sie in ihre Box bringen konnte. Morgen durfte sie dann zum ersten Mal auf die Weide, doch für heute wollte ich ihr den Stress nicht mehr zumuten.


      Sikari war aufgeräumt und Eddi wartete schon auf mich am Auto. Zusammen kuppelten wir den Anhänger ab und verstauten ihn, dann konnte das Abenteuer Bulldogge losgehen.


      ***


      Wenn Eddi zu Besuch war, hieß das eigentlich immer Filmeabend bei Elisa. Nachdem also jedes Pferd versorgt worden war, nahm ich Khaleesi auf den Arm – sie war einfach das Süßeste, was ich je gesehen hatte!! Das süßeste!! – und zog Eddi hinter mir her.


      Den anderen hatte ich von der Bulldogge schon abertausende von Bildern geschickt, deswegen hielt sich die Begrüßungsfreude ein wenig in Grenzen. Trotzdem wurde ihr der Bauch gekrault und sie bekam Chips von Elena („Aber nur, weil sie Elisas Katzen nicht jagt!“). Schlussendlich rollte sie sich neben mir auf dem Boden zu einer Kugel zusammen und verschlief somit den ganzen Film.
    • Rhapsody
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      Aftermath
      22. Oktober 2015
      Mehr oder weniger gesund und munter (Elisa: gesund und munter; der Rest: nicht so), unendlich froh, dass Jolympia vorbei war, lümmelten wir alle bei Elisa (wem sonst) auf dem Sofa herum. Gwen und ich hatten gerade einen Spaziergang mit Pacco und Andvari unternommen und waren zusammen mit den zweien und Chesmu zu Elena rübergelaufen. Die hatte gar nicht viel zu sagen sondern wurde einfach mitgeschleppt.

      Es war arschkalt gewesen, und weil die Ponys eh wieder auf Elisas Weide („Kindergarten“) mussten, quartierten wir uns einfach bei ihr ein. Dass Elisa gar nicht da war, störte uns wenig – immerhin hatten wir Matthew zur Belustigung (und als denjenigen, der für uns Elisas megateure Kaffeemaschine bediente).

      Als Elisa dann endlich heim- beziehungsweise reinkam, diskutierte ich gerade mit Gwen und Elena über Integrale und ihre absolute und relative Unnötigkeit.

      „Ich hab zwei Fragen,“ fing Elisa an. „Erstens, warum seid ihr in meinem Wohnzimmer. Zweitens, warum zur Hölle regt sich ein Hufschmied über Integrale auf?“

      „Weil sie unnötig sind,“ brummelte ich in meine heiße Schokolade hinein. Wenn man schon unbedingt aussehen wollte wie ein S aber kein S war, war man unnötig.

      Eine Antwort auf die erste Frage bekam sie nicht; ich war mir auch ziemlich sicher, dass sie keine erwartete. Stattdessen holte sie sich auch eine heiße Schokolade (weil Kaffee einfach eklig war) und setzte sich vor uns auf den Boden.

      „Nächste Frage –“

      „Wird das jetzt ein Q&A?“ unterbrach Elena sie. „Wenn ja, dann möchte ich bitte erst mit meinem Agenten telefonieren, ich mach so was Öffentliches nicht ohne Rücksprache.“

      Und Elisa ignorierte sie einfach, während Gwen ihr ein Kissen ins Gesicht schlug. Leider war die Tasse im Weg und somit saute Elena das schöne Sofa mit Kaffee voll.

      Ignorance is bliss oder so, zumindest sagte Elisa sich das wohl gerade, denn sie starrte Elena kurz an und wandte sich dann wieder an alle. „Habt ihr nichts Besseres zu tun als auf der Couch zu sitzen – meiner Couch – und zu trinken? Vor allem du, mit deinen Integralen?“

      „Мы не можем пить. Водка пуст,“ schaltete sich das mittlerweile nasse Sprachgenie ein. Aber wieder wurde sie ignoriert – die Arme.

      „Alles schon erledigt,“ sagte ich grinsend. „Deswegen hab ich Angestellte.“ Daraufhin zog Elisa nur eine Augenbrauen (das würde sie zwar nur schaffen, wenn sie eine Monobraue hätte, aber ich gönnte ihr den „Erfolg“).

      „Schieß los.“

      Ich verdrehte die Augen, aber mein Gehirn setzte sich in Gang und ich erinnerte mich an die Teambesprechung (Frühstück) heute Morgen.

      „Wir waren mit Pax, Andvari und Chesmu spazieren. Danke übrigens, haben wir gern gemacht. Dann war ich noch mit Chepa auf den Platz, ein bisschen Springen, und später muss ich noch mit Vaffanculo und Quixoticelixer was machen. Zoe hat Newt und Outside Girl übernommen weil Zoe klasse ist und auf Dressur steht, was man ihr vielleicht gar nicht ansieht. Oh, und Adèle hat sich um Cíola, Symbolic Splash und Sikari gewundert weil Adèle ein Schatz ist.“

      Ein paar Augenblicke sah Elisa mich nur an, dann grinste sie. „Du hast dein liebes Katapult vergessen.“

      „Dann eben Sternchen nach ‚vielleicht gar nicht ansieht‘: Joline ist supertoll und die einzige, die freiwillig mit Capulet ins Gelände geht, also hat sie das heute übernommen.“ Jetzt durfte ich sie angrinsen. „Ich hab das alles im Griff, vertrau mir.“

      ***

      Das Training mit Quixo und Val war zwar mehr als anstrengend gewesen – sogar Quixo hatte sich heute gegen alles gesträubt – aber dafür hatte ich mir die Lasagne, die Adèle bereits im Ofen hatte, als ich hereinkam, mehr als verdient.

      Das Abendessen, das offiziell auch Abendbesprechung hieß, verlief ziemlich ruhig. Abgesehen von Quixo war wohl jedes andere Pferd normal gewesen, mit Cíola und Lashy gab es sogar große Fortschritte – beide trabten jetzt auf Sprachkommando an, was bedeutete, dass wir einen Schritt näher am Anlongieren waren.

      „Ich will ihnen natürlich genug Zeit geben,“ meinte ich. „Aber andererseits kann ich’s kaum erwarten, die beiden zu richtigen Turnierpferden zu erziehen.“

      „Später natürlich,“ sagte Adèle grinsend. In dem Moment klingelte prompt mein Handy und ein kurzer Blick aufs Display verriet mir, dass es meine Mutter war.

      Es war zwei Uhr nachts in Deutschland.

      „Sorry, Leute, ich glaub, ich muss da rangehen.“

      ***

      Etwa eine Stunde später beendete ich das Gespräch und saß für ein paar Augenblicke einfach nur still auf meinem Bett. Es gab wohl keinen anderen Ausweg; ich musste zurück nach Deutschland. Zumindest für ein paar Monate.

      Nur wie verklickerte ich jetzt Zoe und Adèle, dass sie die nächsten Monate auf sich allein gestellt waren? Bestimmt würde Declan ihnen auch helfen, wenn Not am Mann war, und Gwen, Elena und Elisa waren ja auch noch da. Und sie würden es natürlich verstehen. Trotzdem begann ich mich sofort schlecht zu fühlen. Noch schlechter.

      Auf leisen Sohlen ging ich zurück ins Esszimmer/Wohnzimmer/Küche, wo meine beiden Kolleginnen immer noch freundlich miteinander quasselten. Adèle sah mich als erstes und bemerkte wohl sofort meinen Gesichtsausdruck. „Ist was passiert?“

      Ich hatte eigentlich gedacht, dass es schwer sein würde, so etwas zu sagen. Aber meine Stimme wackelte nicht einmal, als ich von meiner Schwester erzählte, die auf dem Heimweg von einem Freund einen Autounfall hatte und jetzt im künstlichen Koma lag.

      Machte mich das jetzt zu einem schlechten Menschen?

      Es dauerte dann doch noch mal ein bisschen, bis ich den beiden – die mich übrigens sofort umarmt hatten und versucht hatten, mich zu trösten – gestehen musste, dass ich in den nächsten Tagen wohl nach Deutschland abreisen würde, eben so schnell wie möglich. Doch anstatt zu meckern oder zu verzweifeln, versicherte Zoe mir, dass sie das schon irgendwie hinkriegen würden. „Immerhin haben wir ja noch Declan. Und Elisa. Und Elena und Gwen. Das kriegen wir schon hin.“

      Keine zwei Tage dauerte es, bis ich schließlich mit Koffern bewaffnet auf dem Weg zum Flughafen war. Ich hasste Abschiede wie die Pest, deswegen durfte keiner mit und mir vom Gate aus zuwinken oder so einen sentimentalen Bullshit veranstalten. Elisa, Elena und Gwen hatte ich es am gleichen Abend noch gebeichtet und auch sie hatten natürlich gleich ihre Hilfe angeboten. Wie gute Freunde das eben machten.

      Um ehrlich zu sein vermisste ich den Hof schon, als der Flieger in die Luft abhob.
    • Gwen
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      Dressur E-A
      30. Oktober 2015

      Halb verschlafen betrat ich den Stall von Townsend Acres, dabei war ich auf der Suche nach Elisa, weil ich dringend einige organisatorische Dinge mit ihr besprechen musste. Dabei ging es eigentlich um kommende Turniere, die bald anstehen würden, aber stattdessen blieb mein Blick an einem Pferd hängen, was nicht in Elisas Stall gehörte. Und zwar schlichtweg aus der Tatsache, dass es kein DRP war.
      Es war Tautou, die kleine Tatze von Jojo, die dort in der Box stand und zufrieden ihr Heu zupfte. An der Boxentür klebte ein Umschlag und da ich nicht viel vom Briefgeheimnis hielt, schnappte ich ihn mir. Leider musste ich das Briefgeheimnis nicht mal achten, weil der Text mit einem „Liebste Gwen…“, begann und der Brief somit eindeutig für mich bestimmt war. Lang war auch nicht…
      „… ich wusste, dass du den Brief einfach öffnen würdest. Damit hast du dich nun freiwillig zum Training von Tautou bereit erklärt! Elisa war nicht so doof und hat den Brief von mir angenommen, aber ich wusste doch, dass du auf meiner Seite stehst. Also viel Spaß! Deine Jojo“
      Grummelnd wollte ich ihn zusammenknüllen, ehe ich sah, dass auf der Rückseite noch was stand: „P.S.: Sikari kommt Morgen zu euch, Zoe hatte heute keine Zeit mehr sie zu holen, aber um sie kann sich ja auch Elisa kümmern.“
      Seufzend hob ich den Blick und schaute Tatze an. Na ja, nützte nichts, wenn sie einmal hier stand, musste sie auch trainiert werden. Da ich mich weigerte, schon wieder in Dressur zu trainieren, wählte ich Military. Tatze war dort bereits auf A-Niveau und die letzten schönen Herbsttage musste man schließlich nutzen! Später würde man nur noch durch tiefen Schnee reiten können.
      Heute begannen wir mit einem lockeren A-Parcours, der einfach nur als Test diente, wie weit Tatze war. So wie Jojo kannte, war sie mit ihr schon höher gesprungen und Tatze schien dafür sowieso ein großes Talent zu besitzen, auch wenn sie manchmal schrecklich nervig war. Tatze war ein wahrer Frechdachs, ob sie das von ihrem Vater hatte? Ich sah jedoch drüber hinweg, denn dafür war die Stute einfach zu talentiert.
      Schon nach dem ersten Training war ich sehr motiviert, was die kommenden Wochen betraf und natürlich betete ich für gutes Wetter. Am nächsten Tag durfte ich übrigens auch Sikari kennenlernen. Elisa war natürlich vom Erdboden verschluckt und so blieb auch diese Arbeit an mir hängen. Nachdem ich mit Tatze fertig war und die Stute mit Abschwitzdecke in ihrer Box stand, machte ich mich mit Sikari bekannt. Die Stute war bereits 13 Jahre und sehr ruhig.
      Dementsprechend lieb war sie auch während des Putzens und Sattelns. Auch mit ihr würde das Training schnell von Statten gehen. Gemächlich wärmte ich sie auf, ehe wir in die Halle gingen, denn draußen dämmerte es bereits. Erst einmal wollte ich schauen, wie weit Sikari war. Zwar lief sie in der Dressur angeblich erst auf E-Niveau, aber bei ihrem Alter war ich mir sicher, dass sie schon mehr konnte.
      Tatsächlich waren der Mitteltrab und der Mittelgalopp kein Problem, genauso wenig wie die Volten und Schlangenlinien. Rückwärtsrichten beherrschte die Stute auch schon und dementsprechend war einiges aus unserer Liste bereits abgehakt. In der ersten Stunde erarbeitete ich den Übergang vom Schritt in den Galopp. Da Sikari sehr fleißig und motiviert war, klappte das auch sehr gut. Natürlich würde sie noch weicher anspringen müssen und mit mehr Vorwärtsdrang, aber das würde schon noch werden.
      Ab sofort ritt ich Tautou vormittags und Sikari nachmittags. Immerhin brauchte ich das knappe Tageslicht für die Geländestrecke, denn die konnte ich nicht einfach in eine beleuchtete Halle packen. Tautou arbeitete fleißig mit und wir erarbeiteten uns schnell neue Hindernisse. Erst ein breiterer Wassergraben, dann einen Hang.
      Auch bei Sikari lief es wunderbar. Nach der dritten Stunde konnten wir mit dem Viereck verkleinern/vergrößern beginnen und arbeiteten nebenbei auch schon an weiteren Seitengängen, da Sikari sich mir so herrlich anbot. Die Zeit verging wie jedes Mal im Flug. Am Ende konnte Sikari auch die Kehrtwendung auf der Vorderhand und reagierte richtig auf das Überstreichen im Galopp.
      Tatze war am Ende der zweiten Woche auch so gut wie fertig. Wir waren den L-Parcours nun schon fast täglich gesprungen und hatten zur Abwechslung auch das ein oder andere M-Hindernis mit eingebaut. Beide Stuten waren bereit, um ihrer eigentlichen Besitzerin wieder Freude zu machen.
    • Gwen
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      Dressur A-L

      30. November 2015

      Schon früh am Morgen kreuzte ich in Jojos Stallungen auf. Die erste war ich aber trotzdem nicht, denn Zoe fütterte gerade die Pferde. Mein erster Gang führte dann auch zum schwarzen Brett, wo Jojo mir ihre zu trainierenden Pferde für November aufgeschrieben hatte. Ich arbeitete die Liste einfach brav von oben nach unten ab und dementsprechend standen heute auf jeden Fall Sikari und Parvati auf dem Plan.
      Jojos Lewitzerstall hatte sich ziemlich schnell vergrößert und konnte sich inzwischen guten Gewissens präsentieren. Die Hälfte ihrer Tiere war inzwischen auch schon für die Zucht zugelassen, so dass einer Lewitzerzucht nichts mehr im Wege stand. Auch Sikari und Parvati waren zwei potenzielle Zuchtanwärter, die mir selber gefielen. Besonders Parvati stach mir mit ihrer schönen Scheckung ins Auge.
      Mit Parvati würde ich diesen Monat wieder im Springen trainieren, während ich mir mit Sikari erst einmal eine Grundlage in der Dressur legen wollte. Da ich heute schon recht motiviert und munter war, begann ich mit Parvati und holte die hübsche Stute aus der Box, um sie gründlich zu putzen und dann zu satteln. In der Halle stand bereits der aufgebaute Parcours und Zoe begleitete unser Training, um eventuell gefallene Stangen wieder auf ihren Platz zurückzulegen.
      Doch erst einmal ritt ich Parvati in aller Ruhe warm und arbeitete viel mit Trabstangen und Cavaletti. Momentan steuerten wir auf M-Niveau hin und das war doch schon ein Schritt der etwas größeren Art. Dennoch ließ ich mich nicht entmutigen. Parvati kannte ich bereits und wusste auch, welches Potenzial sie in sich trug, dennoch wollte ich mit den Grundlagen beginnen und auch erst einmal auf L-Höhe bleiben und trainieren.
      Heute verbesserten wir eigentlich nur ihre Technik und deshalb durchritt ich den Parcours auch extra langsam, so dass auch Zoe jeder Fehler auffallen konnte und sie mir direkt davon berichtete. Nach anfänglichen Fehlern machte Parvati ihre Sache dann aber wirklich gut, weshalb ich mir sicher war, dass wir schnell und gut vorwärts kommen würden. Für heute reichte es jeden Fall uns ich ritt die Stute ab.
      Nachdem Parvati dann zufrieden auf ihrer Weide stand, machte ich mir Sikari fertig. Mit der Stute hatte ich bisher noch nicht so viel zu tun gehabt, war sie aber auch schon öfters geritten. Dementsprechend wusste ich um ihren Entwicklungsstand und so wusste ich auch, wo wir anknüpfen würden: Beim Außengalopp. Den hatte ich letzten Monat bereits grob begonnen, weil Galopp Sikari gerne mal noch schwer gefallen war.
      Inzwischen lief die Stute schon schön geradegerichtet und ehrlich, dementsprechend fiel ihr heute der Außengalopp nach unserem ausgiebigen Aufwärmen nicht sonderlich schwer. Ich ließ sie immer richtig angaloppieren und wechselte dann durch die ganze Bahn ohne den Galopp zu wechseln. Anfangs schien Sikari das ein wenig seltsam zu finden, aber sie gewöhnte sich dran.
      Wir übten heute auch direkt das Anspringen im Außengalopp und siehe da! Sikari war richtig dressurbegabt und es funktionierte auf Anhieb. Für heute reichte das meiner Meinung auch und ich ritt die Stute ab, ehe ich sie versorgte. Den Abend verbrachte ich zu Hause vor den Trainingsplänen der beiden Stuten.

      Insgesamt investierte ich pro Pferd gut drei Wochen Training. Mit Sikari ging das wirklich fix. Die Kehrtwendungen und der einfache Galoppwechsel saßen ziemlich schnell, da kam ihr ihr Alter definitiv zu gute, denn sie verfügte sowohl schon über die Kraft als auch über das Wissen, um diese Lektionen auszuführen. Auch die versammelten Gangarten hatten wir schnell auf die Reihe gebracht.
      Mit den versammelten Gängen und den vielen Volten und Schlangenlinien, verlegte sich Sikaris Gewicht auch zunehmend auf die Hinterhand und am Ende unseres Trainings hatten wir ganz nebenbei auch eine echt schöne Selbsthaltung von ihr erarbeitet. Meiner Meinung nach war sie nun mehr als bereit für das L-Niveau.
      Bei Parvati hatte ich zwischenzeitlich mit ihrem Tempo zu tun. Die Stute war mir schlichtweg zu schnell unterwegs. Mit viel Geduld und Zeit brauchten aber auch das in Ordnung und so konnten wir auch einen M-Parcours schon bald in aller Ruhe durchspringen und ich konnte vor allem das Tempo selbst regulieren, so dass Parvati wirklich auf mich hörte.
      Alles in allem war ich mehr als zufrieden mit beiden Stuten und das schrieb ich Jojo auch, denn obwohl sie nicht hier in Kanada war, hielt ich sie ständig auf dem Laufenden, immerhin sollte sie ja auch wissen, was ich mit ihren armen Vierbeinern hier veranstaltete.
      Rhapsody gefällt das.
    • Gwen
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      Springen E-A

      30. Dezember 2015

      Das Jahr neigte sich dem Ende und war trotzdem bis oben hin vollgepackt. Jojo hatte ich jedoch ein Versprechen gegeben und dieses würde ich auch einhalten. Genau aus diesem Grund putzte ich gerade Sikari und regte mich über die dicke Mistschicht an ihrer Flanke auf. Draußen lag meterweise Schnee und die Scheckstute saute sich in der Box ein, wie war das nur machbar?! Seufzend schrubbte ich weiter, ich gehörte ja schließlich zu den armen Trainern, die ihre Pferde selbst fertig machen mussten, ach ich hatte es schon nicht leicht!
      Sikari wollte ich im Springen trainieren, beziehungsweise tat es schon seit einer Woche. Sikari war ein Neuling im Gebiet Springen, deshalb hatten wir bei null begonnen: Mit Trabstangen und Cavaletti und das an der Longe. Ein paar Mal hatte ich sie auch freispringen lassen, aber das war so gar nicht ihrs, weshalb wir es schnell wieder gelassen hatten. Seit zwei Tagen übte ich nun alles vom Sattel aus. Noch waren wir immer noch auf Cavalettihöhe, aber inzwischen war das Cavaletti ein Kreuz.
      Sikari war eine fleißige Stute und wirklich schön zu reiten, ich konnte mich nicht beschweren und trotzdem hatte ich alle Hände voll zu tun, sie davon zu überzeugen, dass Hindernisse nicht bissen, denn das dachte Sikari und sie war sich da ziemlich sicher. Sie sprang drüber, aber mit einem unglaublichen Satz, der weder Kontrolle noch Technik zuließ und das mussten wir ändern, sonst würde es nie etwas mit dem A-Springen werden, welches sich Jojo doch so sehnlichst wünschte.
      Ich plädierte darauf, dass die Routine das schon richten würde und so sprangen wir inzwischen täglich über kleinere Hindernisse, die langsam auch einen Parcours bildeten. Tatsächlich wurde Sikari immer entspannter und selbstbewusster und es dauerte gar nicht lange, bis sie ordentlich sprang. Technik besaß die Stute, genauso wie Talent und so machten wir schnell Fortschritte, nachdem wir diese eine Hürde der Angst einmal bewältigt hatten.
      Sikari sprang immer höher und voller Motivation erreichten wir E-Höhe, so viel hatten wir ja gar nicht mehr vor uns! Ich baute nun täglich richtige Parcours auf und Sikari freute sich stets auf die gemeinsame Arbeit. Schon bald durchsprang sie die E-Parcours fehlerfrei und ich erhöhte auf A-Höhe. Das verwirrte Sikari anfangs, aber nach einer Gewöhnungszeit von drei Tagen lief es auch auf der neune Höhe. Und schon konnte ich Jojo als Besitzerin und Reiterin hinzunehmen, damit auch sie mit ihrer Stute zurechtkam.
      Das war kein Problem, beide waren inzwischen erfahren und harmonierten wunderbar miteinander. Nach drei Wochen schien meine Arbeit eindeutig getan zu sein. Das Ackern über Weihnachten bis Neujahr hatte sich also gelohnt, Sikari hatte sich ihr Zertifikat verdient und nun konnte sie offiziell an A-Turnieren teilnehmen. Auch Jojo war sichtlich zufrieden und dankte mir für meine fleißige Teilnahme. Ich winkte nur lachend ab, denn das nächste Pferd stand schließlich schon fast in meinem Stall und wollte im alten Jahr noch trainiert werden: Medeia.
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      Honey, I'm home!
      23. Januar 2016
      Gut, es war vielleicht ein wenig fies, niemanden Bescheid zu sagen, dass ich wieder kommen würde. Aber Zoe, Adèle und Declan waren auf dem neusten Stand der neuen Stände, sie hätten also damit rechnen müssen.
      Womit sie nicht rechnen würden, war mein Begleiter.
      Die letzten Monate waren vielleicht nicht so super gewesen, aber ich hatte in Deutschland schnell wieder Freunde gefunden – unter anderem eben Lesja, der sich schon schnell zu einem meiner engsten Vertrauten gemausert hatte und sogar mit nach Kanada gekommen war. Er hatte zwar schon zuvor vorgehabt, ein paar Wochen (jetzt wohl Monate) mit Rucksack durch die kanadische Walachei zu ziehen – jetzt durfte er Mistgabel schwingen und beim Trainieren der Pferde helfen (dank einer kleinen, hartnäckigen Schwester war er wohl ein ganz guter Reiter gewesen).
      Eines führte zum anderen und er hatte sich bereit erklärt, als Aushilfe mit nach Kanada zu kommen. Zwar hatten wir ein bisschen abgespeckt was die Pferdeanzahl anging – alles natürlich unter meiner Supervision, wenn auch aus Deutschland – aber das bedeutete nicht, dass es deswegen weniger Arbeit gab.
      Womit ich natürlich nicht rechnete, war, dass mehr Boxen belegt waren als ich angenommen hatte. Mit Lesja war ich durch den Stall gegangen, um ihm in Ruhe alle Ponys vorzustellen, ehe Zoe, Adèle und Declan uns wieder voll beanspruchten. Wir hatten gerade mit dem Stutenstall begonnen, ich hatte gerade angefangen, Sikari, Cíola, Medeia, Parvati und Tautou vorzustellen, als sich ein sehr dunkelbrauner, zarter Kopf über die Boxentür neben Fleas Box schob.
      „Und sie?“ fragte Lesja sofort und hielt dem Pony, welches ich nur zu gut kannte, die Hand zum beschnuppern hin.
      „Das ist Long Island Icetea und eigentlich gehört sie in den Stall gegenüber,“ antwortete ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sowohl meine Crew als auch Elisa würden so schnell wie möglich meine Meinung davon erfahren.
      Lesja sah mich nur fragend an. Und da er ungefähr genauso stur war wie ich, kam ich wohl nicht aus der Sache raus. „Eigentlich gehört sie Elisa, die, die direkt gegenüber wohnt. Eigentlich. Aber anscheinend vorerst nicht mehr.“ Daraufhin zogen sich Lesjas dunkle Augenbrauen noch mehr zusammen aber damit musste er jetzt leben – mehr wusste ich auch nicht.
      „Hey, du hast Chepa noch gar nicht kennengelernt! Und Bucky!“ meinte ich daraufhin und versuchte mich an einem nahtlosen Übergang, der jedoch nicht unentdeckt blieb. Lesja rollte die Augen, doch drehte sich dann trotzdem zu der Lewitzerstute um, die ihm gerade den Jackenzipfel zerkaute.
      ***
      Nachdem wir auch Painted Blur, Quixoticelixer, Vaffanculo, Capulet (den Lesja sofort ins Herz schloss, das sah man ihm einfach an), Muraco und Paramour kennengelernt hatten und ich ihm versprach, morgen mit ihm Pacco zu besuchen, lief Lesja entschlossenen Schrittes in Richtung Wohnhaus.
      „Sicher, dass du bereit bist?“ fragte ich ihn zweifelnd. Es würde wohl kaum zu vermeiden sein, dass Zoe und Adèle ein bisschen die Fassung verlieren würden. Doch mit gewohnter Lässigkeit zuckte Lesja mit den Schultern und drückte schließlich auf die Klingel. Sofort fingen Ella und Khaleesi im Haus an zu bellen.
      Dann öffnete sich die Tür.
      ***
      Manchmal fällt einem erst auf, wie sehr man jemanden vermisst, wenn man diese Person wieder trifft. Aber gut, dass wir jetzt wieder im Land waren – auch, wenn es kalt war und der kanadische Winter eine absolute Sau war. Lesja hatte sogar geschafft, sich selbst vorzustellen und wurde natürlich von Zoe ausgequetscht. Declan saß daneben, hielt die Klappe aber hörte aufmerksam zu, während Adèle unsere Wiederkehr mit Kochen feierte. Meine Mutter hatte zwar sichergestellt, dass ich ja nicht verhungerte und deswegen hätte ich wohl auf die Pasta verzichten sollen, die gerade auf dem Herd köchelte.
      Aber ich war schon immer schlecht gewesen im Nein sagen.
    • Gwen
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      Springen A-L
      31. Januar 2016
      „Fünf Pferde. Dabei hat der Monat nur vier Wochen!“, meinte ich vorwurfsvoll lachend zu Jojo, welche mir die diesmonatige Liste zum Trainieren zugemailt hatte. Bisher hatte ich die Pferde immer getrennt voneinander trainiert, das hatte jedoch dazu geführt, dass ich jedes Mal im Verzug war und kaum Zeit für etwas anderes blieb, also überdachte ich mein Konzept, und entschied, alle gleichzeitig zu trainieren.
      Die Vorteile lagen auf der Hand: Weniger Zeitaufwand, gleiche Qualität, einiges an Abwechslung. Für Jojo würde es eine Überraschung sein, doch ich bezweifelte, dass sie es großartig stören würde, so lange jedes Pferd noch genügend Aufmerksamkeit und die gute Ausbildung erhalten würde. Das Repertoire für Januar war bunt, denn es ging von der Dressur über Springen bis hin zu Military.
      Letzteres würde durchaus ein wenig komplizierter werden, denn immer noch lag Schnee. Doch darüber würde ich mir Gedanken machen, wenn es dazu kam. Heute erstellte ich erst einmal die fünf Trainingspläne und stimmte sie für mich persönlich aufeinander ab. Da ich bereits alle Pferde kannte, konnte ich mich direkt ohne Probleme auf das Training einstellen, ideal, wenn man immer die gleichen Pferde trainierte und ab Morgen würde es auch direkt losgehen.

      Jojo war ja etwas geschockt, als ich tatsächlich schon kurz nach acht Uhr morgens bei ihr aufkreuzte. Das war für mich eine eher seltene Zeit, um wirklich schon das eigene Haus zu verlassen, aber was tat man nicht alles für die liebsten Freunde! Dazu gehörte eben auch das frühe Aufstehen. Beginnen würde ich heute mit dem einzigen Hengst, der noch meinem Training unterstand: Painted Blur.
      Er war letztes Jahr Jojos Geburtstagsgeschenk gewesen und hatte sich seither auch wirklich gemacht. Momentan strebten wir sogar langsam die M-Dressuren an und Potenzial hatte Blurry allemal. Heute wollte ich aber erst einmal die Grundlagen weiter festigen und vorher musste ich das Pferd putzen und satteln.
      Das Warmreiten gehörte natürlich auch dazu, dementsprechend kam ich erst eine Dreiviertelstunde später wirklich zum Trainieren. Wir arbeiteten heute an seiner Hinterhand. Einerseits sollte er sich mehr auf diese setzen, aber auch die Kraft aus ihr beziehen. An sich konnte das Blurry, aber die Vorderhand als Schub zu nehmen war immer einfach viel einfacher.
      Trotzdem machte der Hengst wirklich gut mit und abschließend fügte ich noch etwas lockere Dehnarbeit für die Bauch- und Rückenmuskeln hinzu. Morgen würden wir dann mit den ersten Lektionen beginnen: dem Schulterherein (das konnte Blurry schon fast) und der Traversale. Es würde morgen auf jeden Fall anstrengender werden.
      Nun ritt ich Blurry aber erst einmal in aller Ruhe ab. Im Stall begegnete ich Zoe, welche mir die Zügel aus der Hand nahm und mich schon zum nächsten Pferd schickte. Ich protestierte zwar, aber Zoe war mit dem Hengst schon entschwunden. Seufzend schaute ich auf meine Liste, als nächstes war Bucky an der Reihe. Hui, das würde ein Spaß werden!
      Diese Stute gehörte definitiv nicht zu meinen Lieblingen und ich trainierte sie nur, weil sie Jojo gehörte. Das waren die beiden einzigen Gründe, denn sonst hätte ich einen riesigen Bogen um diese Zimtzicke von Pferd gemacht. Nein wirklich! Bucky war schrecklich. Kein Wunder, dass laut Jojo auch Stürme nach ihr benannt wurden, zurecht!
      Schon beim Putzen und Satteln war es mir wieder eine Freude, die Stute wiederzusehen. Aber Bucky war an sich ein Verlasspferd, sie ärgerte zwar gerne, besonders wenn sie schlechte Laune hatte (und das war immer!), aber wenn man etwas von ihr forderte, dann erbrachte sie die Leistung zu 99% und das dann auch fehlerfrei.
      Dementsprechend freute ich mich doch schon ein wenig auf das Springtraining. Wir begannen jedoch gefühlt bei Null, weshalb wir heute mit Trabstangen und Cavalettis arbeiteten. Die Grundlage musste erst einmal sitzen, bevor ich mit Bucky einen Parcours bestritt. Die Stute musste sowohl Abstände als auch Höhen einschätzen können, aber Bucky war ehrgeizig und dementsprechend nahm sie selbst die Cavalettis schnell zu ernst.
      Da es heute so gut lief, baute ich dann doch schon ein Kreuz auf, was die Stute auch mit Leichtigkeit nahm. Ich sah uns ja jetzt schon einen A-Parcours durchspringen, wohlgemerkt ohne jegliches Training. Aber da ich zu den vorbildlichen Trainern gehörte, würde ich das natürlich nicht machen. Stattdessen reichte es für heute und Bucky durfte zurück auf die Weide.
      Klug wie ich war, hatte ich mir die fünf Pferde über den Tag verteilt, so dass ich nun in meine wohl verdiente Mittagspause ging und Jojo erst wieder ab 15 Uhr belagern würde und dann auch die letzten drei Stuten für heute nerven würde.

      Das geschah dann auch recht schnell und schon saß ich auf Medeia, dem Springass in Jojos Stall. Ich mochte die kleine weiße Stute, auch wenn ich ihre Mistflecken einfach mal so gar nicht aus dem Fell bekommen hatte. Heute würden wir uns mit den Geländesprüngen in der Halle beschäftigen. Medeia war da noch ein totaler Anfänger und musste die Hindernisse erst einmal kennenlernen und dafür nahmen wir uns heute Zeit.
      Medeia war im Springen schon sehr weit ausgebildet, dementsprechend gab es dort an Grundlagen nicht mehr viel zu machen, im Gelände lief sie an sich auch schon ohne Probleme, aber die neuen Hindernisse musste auch das Naturtalent erst einmal kennenlernen, aber das lief besser als gedacht und so ging die dritte Trainingsstunde für heute auch schon dem Ende zu.
      Als nächstes war dann Sikari an der Reihe, ausnahmsweise eine Stute, die ich noch nicht so kannte, bei welcher ich mich aber freute, sie kennenlernen zu dürfen, denn Sikari war ein Sonnenschein, wirklich wahr. Natürlich war sie auch ein bunter Lewitzer, man fand schließlich kaum etwas anderes in Jojos Stall.
      Auch Sikari sollte im Springen trainiert werden, war aber schon weiter als Bucky, weshalb ich den Parcours direkt umbaute und erhöhte. Unser Ziel war diesen Monat die L-Höhe und deshalb begannen wir mit einer leicht erhöhten A-Höhe. Sikari stellte sich auch sehr geschickt an, sprang leicht und schnell, Gott war sie mir sympathisch!
      Motiviert durchritten wir den Parcours zweimal, ehe ich direkt erhöhte und wieder lief es einwandfrei. Bei Sikari war ich mir sicher, dass sie nur die Routine benötigte, alles andere hatte sie bereits von ihrem Stammbaum geerbt. Deshalb endete das Training dann heute auch recht fix und ich machte mich auf dem Weg zum letzten Berittpferd: Parvati.
      Ausnahmsweise ging es jetzt mal wieder im Dressursattel weiter und obwohl ich Parvati schon einige Male trainiert hatte, waren wir erst auf A-Niveau. Nächster Halt war also L und das würden wir diesen Monat auch schaffen. Laut Jojo war die Stute auch mitten im Training, weshalb ich heute direkt mit den ersten Lektionen begann.
      Den Außengalopp und die Kehrtwendungen hatte Parvati laut Jojo schon gelernt, deshalb fragte ich diese heute nur fix ab und konnte einen Daumen nach oben geben. Also widmeten wir uns den versammelten Gangarten und den Galoppwechsel. Ersteres verlief mit Parvati erstaunlich gut, sie ließ sich wunderbar zurücknehmen ohne direkt durchzuparieren und auch der Galoppwechsel war als Reflex bei Parvati schon vorhanden.
      Nach ein wenig Vorbereitungsarbeit klappte der direkt auf Anhieb. Jojo konnte stolz auf ihre hübsche Stute sein! Zufrieden lobte ich Parvati und wiederholte alles noch einmal, ehe wir für heute aufhörten. Meiner Meinung nach war der Tag schon mehr als erfolgreich gewesen. Ich versorgte in aller Ruhe die Lewitzerstute und dann durfte sie auch schon in ihre Box. Kurz schaute ich bei meinen anderen Schützlingen vorbei und erstattete dann noch Jojo Bericht, ehe ich schon meine heiße Dusche und das Bett nach mir rufen hörte. "Du fängst an wie Elena!", meinte Jojo nur vorwurfsvoll, entließ mich aber grinsend.

      Die kommenden Wochen baute ich das Training logischerweise aus. Wir hatten mit dem Wetter auch allerhand Glück, so dass ich mit Medeia öfters mal raus auf die Geländestrecke konnte, nichts ging über waschechte Geländehindernisse! Und Medeia liebte es, fast ein bisschen zu sehr und ich warnte Jojo, dass die Stute es nicht übertreiben sollte, man musste echt hinterher sein und sie zurücknehmen.
      Selbst mit Bucky hatte ich Spaß und die große Stute flog mit Ehrgeiz und Leichtigkeit über die Hindernisse. Genauso wie Sikari hatte sie von Beginn an eine schöne Technik, an welcher ich kaum noch feilen musste. Ab und an ließ ich die beiden Stuten freispringen, so dass sie selber austesten und üben konnten. Als Reiterin verfeinerte ich das Ganze dann meist nur noch mit meinen Hilfen. Das war das Besondere an Springpferden: Das Talent und der Wille mussten vom Pferd ausgehen und das war bei beiden gegeben. Bei Bucky zwar mehr, aber die war ja auch eine ehrgeizige Zimtzicke.
      Aber auch die Dressurler ließ ich nicht hinten runter fallen. Im Gegenteil, mit Blurry und Parvati arbeitete ich fast am liebsten. Blurry hatte so schöne Gänge und ließ sich so toll reiten, ich war mehr als verliebt in dieses Pferd, nur war er mir einfach zu groß. Elena hätte er bestimmt gefallen, deshalb warnte ich Jojo direkt vor, dass sie aufpassen sollte, wo sie Blurrys Talent zeigte, sonst war der Hengst schneller weg als sie schauen konnte.
      Auch Parvati konnte sich am Ende unseres Trainings sehen lassen. Jojo sah sie ja schon auf einer Krönung laufen, aber dafür musste sie doch noch ein paar Punkte sammeln, ansonsten wären die ganzen Mühen umsonst, aber ich war ziemlich zuversichtlich, dass sie auch das packen würden.
      Bei den noch sehr kalten Temperaturen war das Training teilweise echt nervenaufreibend, aber sowohl Jojo als auch ihre beiden Mitarbeiterinnen standen mir mit Tat und Rat zur Seite und nahmen mir auch ab und an das ein oder andere Pferd fürs Warm- oder Abreiten ab. Das machte vor allem Zoe gerne, warum auch immer. Am Ende des Monats konnte ich zumindest fünf einwandfreie Zertifikate ausstellen und Jojo für ihre Akten reichen. Nun würde ich ein wenig Verschnaufpause haben, ehe es demnächst wieder so weiter gehen würde. Es war eben Arbeit über Arbeit.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
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    Rhapsody
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    22 Sep. 2015
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  • [​IMG]
    name: Sikari
    nickname: -

    age/place of birth:
    13 years; N/A

    sire/dam: Shamani / Kubana

    gender: mare

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    breed: Lewitzer

    coat: seal brown tobiano
    genotype: Aa Ee Toto

    height:
    149cm

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    character traits/biography: balanced; alert; dependable

    Sikari ist mit ihrer wundervollen Art stets der Liebling aller Kinder. Sie ist sehr ruhig und ausgeglichen, man könnte ohne Bedenken jeden Anfänger auf die bunte Stute setzen und man wüsste, dass sie ihm sowohl eine guter Beschützerin, aber auch Lehrerin sein würde. Schon in jungen Jahren zeigte sich Sikari als sehr aufmerksam und lernwillig, wiederum aber auch als eine sehr verlässliche Stute. Ihre Ausbildung verlief bilderbuchmäßig und dementsprechend ist sie auch zu einem wahren Bilderbuch-Pferd geworden.
    Doch sollte man sie nicht unterschätzen und als Kinderpony abtun, denn Sikari überzeugt alle Richter mit ihren schwungvollen, klaren Gängen und dem einwandfreien, feingliedrigen Körperbau. Sportliches Engagement gepaart mit einer liebevollen Art - solch eine Zuchtstute sollte sich jedern wünschen!

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    training: dressage L; jumping: L; military: E; driving: A

    specialty: driving

    breeding confirmation: []

    competitions:
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    224. Fahrturnier

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    offspring:
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    last vet check up:
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    owner: Juli Mayers (Rhapsody)
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    sweetvelvetrose

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