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Shiryō [Stecki anpassen]

Englisches Vollblut, Stute, *2013, [13 Punkte]

Shiryō [Stecki anpassen]
Flair, 3 Dez. 2018
sadasha und Cooper gefällt das.
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      Verjährte Pflege der Stute Shiryo

      Signs and Sins

      Dezember 2014, by Occulta
      Dieser Morgen war ebenso kalt wie der Letzte. Es fiel mir aufgrund des offenen Fensters auf, durch das ein schneidend kalter Hauch drang, sodass ich meinen Arm mit unter die Decke nahm. Erst jetzt wurde ich richtig wach. Es war noch dunkel, wie immer wenn ich mich im Winter aus dem Bett quälen musste. Ich stutzte. Warum ist das verdammte Fenster sperrangelweit offen? Ich richtete mich auf und wollte Quinn in die Seite stupsen, um sie zu wecken. Da fiel mir ein kleiner Umschlag auf dem Teppichboden auf. Misstrauisch rutschte ich von der Bettkante und hob ihn auf. Ehe ich ihn genauer betrachtete, schloss ich das Fenster, denn ein erneutes Schaudern hatte mich durchschüttelt. Dann setzte ich mich halb unter die Bettdecke und wendete den Umschlag in meiner Hand. Er war vollkommen weiss, ohne jegliche Beschriftung. Vorsichtig riss ich ihn auf und sah hinein. Darin befand sich ein getrockneter Pinienzweig. Ein Schaudern durchfuhr mich, doch diesmal hatte es nichts mit der kühlen Luft zu tun. Auch Quinn war unterdessen aufgewacht und sah den Zweig verwirrt an. Es musste eine Botschaft sein, vermutlich vom Killer. Von wem denn sonst? Wir zeigten allen den Zweig und rasch breiteten sich die wildesten Gerüchte wie ein Feuer aus. "He wants to play with us, he will kill us all!", verkündete Lisa hysterisch. Ajith versuchte, sie zu beruhigen, doch es half nichts. Ich stand zwischen Lewis und Jonas, der mich nichteimal ansah. Was ist jetzt wieder los? Bin ich nun wieder Luft? Das ist ja zu erwarten gewesen. Dennoch ertappte ich mich bei einem enttäuschten Stirnrunzeln. Ich hielt es hier drin nicht mehr aus, also huschte ich durch den Türspalt und rief die Polizei an. Draussen herrschte die allmorgendliche Dunkelheit mit leichten Nebelschwaden.
      Als alles geklärt war, lief ich zu den Weiden und setzte mich unter den grossen Baum auf der Ministutenweide. Ein paar Mitglieder der mittlerweile beachtlichen Herde gesellten sich zu mir und streiften als dunkle Silhouetten durch das nasse Gras. Ich erkannte bei genauerem Hinsehen Daki und Lady Diva, weiter hinten war ausserdem Goldy. Beim Anblick der schnaubenden und graszupfenden Pferdchen huschte mir ein Lächeln über die Lippen, das jedoch augenblicklich der stillen Leere in meinem Kopf wich. Ich war nicht jemand, der sich leicht geschlagen gab, und schon gar nicht ein Melancholiker, und doch packte mich in letzter Zeit oft eine unerklärliche Sehnsucht - vielleicht nach einem anderen Leben.
      Ich besitze ein wundervolles Gestüt mit prächtigen Pferden und viel Land. Ich bin weder arm, noch so reich, dass ich besonders viele Neider hätte. Dennoch bin ich verbittert, schweigsam und immer wieder den Tränen nahe. Ich dachte, es würde mit der Zeit besser werden, verfliegen wie der Nebel am Nachmittag. Aber meine Gedanken wurden bloss grauer. Wenn ich nachdenke, was mich wirklich, wirklich beschäftigt - dann sehe ich sein Gesicht. Es scheint sich alles nur noch um ihn zu drehen. Jeden Abend denke ich an seine Sanfte Stimme, an seine klaren, und doch geheimnisvollen Augen. In meinen Träumen stelle ich mir zärtliche Gesten vor - nichts Ernstes; doch ich geniesse jede einzelne davon. Wenn ich aufwache, bin ich allein. Ich habe so viele Leute um mich, doch alles was sie sagen verschwimmt und erscheint mir wertlos. Alle Taten, Ziele und Gewohnheiten; ich stelle sie in Frage, ohne eine Alternative zu wissen. Äusserlich mag es mir gut gehen, doch innerlich bin ich gebrochen. Jedes Mal wenn die standartfrage auftaucht: "Geht's gut?" möchte ich am liebsten in Tränen ausbrechen, aber sie würden es nicht verstehen. Niemand könnte das, denn niemand denkt und fühlt wie ich. Ich bin einzigartig - das sagte meine Mutter immer. Doch es macht mich einsam. Will ich mich nicht doch der grauen Menge anschliessen und jeden Tag Lebensfreude vorspielen? Ich kann mich längst nicht mehr wirklich an den täglichen 'Glücksmomenten' erfreuen. Irgendwie hat die Realität ihren Reiz verloren. Das einzige, was das Kartenhaus zu stützen scheint, ist er. Würde er mich genauso quälen, wenn er dies alles wüsste? Würde er mich auslachen? Für verrückt und egoistisch erklären? Wo es doch so viel Leid auf dieser Welt gibt. Und doch - dies ist der Schmerz den ich fühle. Kein anderer muss ihn ertragen. Sie alle haben ihre eigenen Sorgen; meine Nervenzellen verspüren nur die meinigen. Vielleicht, aber nur vielleicht, würde er mich ja verstehen. Mich lieben. Wenn es denn dieses sagenumwobene Etwas wirklich gibt.
      In meinem Kopf spielten sich Szenen aus dem Alltag mit ihm ab. Und unsere besonderen Momente. Eigentlich war es doch recht offensichtlich, oder etwa nicht? Die Art wie er mich ansah, wie er mich umarmte und mich wieder neckte. Aber ich konnte mich genauso gut irren, und das war der Punkt. Ich wäre zu stolz für solch einen Fehltritt - ich müsste Jonas wegschicken, wenn es schieflaufen würde. Und das war das Letzte, was ich wollte. Da ertrug ich lieber weiterhin still hoffend meine Last.
      Endlich wurde ein rötliches Leuchten am Horizont sichtbar. Ich seufzte und stand auf, um mit der Arbeit zu beginnen: Offenställe misten, Wiesen Säubern, Heu nachfüllen, wollige Minis striegeln und bürsten, Tränken reinigen und Weidezäune kontrollieren. Als ich auch mit den Fohlenställen fertig war, holte ich ein Mini nach dem anderen nach draussen, um es an den Zaun zu binden und das Langhaar zu stutzen. Besonders Papillon hatte es nötig, der schokobraunen Stute reichte der Schweif fast bis zum Boden. Viele Minibesitzer scherten ihre Pferde, doch ich tat dies jeweils erst kurz vor einer Show oder einem Fahrturnier, denn Winterfell war immerhin noch immer besser als jeden Tag eingedeckt zu werden. So kam es, dass im Moment nur Queenie und Alu geschoren waren. Sie waren beide letzten Samstag an einem Showspringen gewesen, wobei Alu sogar den vierten Platz geholt hatte. Rose, deren mit deutlichen, hellen Punkten durchsetztes Fell besonders schick aussah, wollte einfach nicht stillhalten. Sie zog den Schweif immer wieder weg und streckte den Hals in alle erdenklichen Richtungen. Aber auch sie entkam der Schere nicht. Narnia, deren Fell etwas heller war, hatte ebenfalls eine viel zu lange Mähne, die ich prompt auf etwas mehr als handbreit kürzte. Bei Tiki und Kiwi hingegen hatte ich nichts zu schneiden. Sie hatten zwar langsam eine ordentliche Mähne bekommen, aber die war noch kurz genug. Nun musste ich auch noch zu den Hengstchen überlaufen, denn auch diese beiden Fellkugeln warteten schon ungeduldig. Arco war fast einheitlich silbern im Winter; man sah seine Punkte kaum mehr. Glenns Aalstrich zeichnete sich hingegen umso stärker ab. Chip kam neugierig zum Zaun um zu sehen, ob es 'ihren' beiden Herren noch gut ging. Bloss, um gleich wieder die Ohren anzulegen und zickig mit dem Vorderbein zu stampfen, als sie und Lenny die Nüstern zusammensteckten. Schliesslich war ich fertig und klopfte erleichtert auf Arcos Hals, ehe er in die Freiheit entlassen wurde.
      Einen Moment stand ich tatsächlich ratlos da, bis mir in den Sinn kam, was ich als nächstes vorhatte. Ein neuer Hengst würde heute ankommen! Nicht irgendeiner, nein - Daydreaming Sorrow war es. Ich hatte schon immer grosses Interesse an dem Welsh Hengst gehabt, doch nie geglaubt, ihn tatsächlich einmal kaufen zu können. Mittlerweile müsste er schon fast beim Flughafen sein, spekulierte ich aufgeregt. Doch bevor Hans ihn abholte, musste er noch einem Gesundheitscheck unterzogen werden. Ich kümmerte mich in der Zwischenzeit um Pointless. Sie war kurz nach Sweets, Lady und Bluebell zu den erwachsenen Pferden in den Stall gekommen und nun bereitete ich sie auf das Einreiten vor. Gegen Abend würde eine weitere Vollblutstute fürs Training ankommen, jedoch gehörte sie einem Japanischen Geschäftsmann, der seit Jahren in England sein Unwesen trieb. Ich schmunzelte jedes Mal, wenn Lewis dies so beschrieb. Point war mürrisch heute. Anscheinend war ihr der Umzug gegen den Strich gegangen. Als ich die Boxentür aufschob, sah sie mir zwar entgegen, doch sobald ich ihren Hals berührte, um die Deckenschnallen zu öffnen, legte sie die Ohren platt und wollte mich in den Arm kneifen. Sofort reagierte ich und gab ihr einen lauten Klaps auf den Nacken, woraufhin sie erschrocken zurückwich. Sie legte danach die Ohren zwar seitwärts nach hinten, jedoch zögerlich und ohne aggressive Anstalten. Ich arbeitete nach der Massregelung wieder ganz normal mit ihr, denn nachtragend zu sein nützte bei Pferden bekanntlich überhaupt nichts. Nach einer halben Stunde, in der ich sie an der Longe um den Hof und in der Halle geführt hatte, liess ich es auch schon gut sein und bürstete sie gründlich. Sie kannte das Geführt Werden schon als Fohlen, jedoch nur im Beisein der Mutter. Danach war sie auf Pineforest Stable nur hin und wieder geführt worden. Auch das Anbinden musste ich üben. Bei den ersten Versuchen hatte sie zwei Halfter zerrissen, trotz Panikhaken. Ich fragte mich noch immer, wie das hatte geschehen können, denn meine Anweisung an die Pfleger war ausdrücklich langsames, geduldiges Vorgehen gewesen. Jedenfalls klappte es jetzt schon besser: die Stute stand locker angebunden an der Boxenwand und schien die Striegelei sogar zu geniessen. Immerhin waren die Ohren jetzt locker zur Seite baumelnd. Nur der Schweif verriet hin und wieder eine gewisse Unruhe, wohl auf Ungeduld gründend. Ich packte sie zum Schluss wider warm ein, jedoch nur mit einer Netzdecke, denn ich hatte mich bisher nicht getraut, Point zu scheren. Sheela und Jacky, die mir schon den ganzen Morgen um die Beine wuselten, rauften sich gerade. Sie tollten spielerisch knurrend durch die Stallgasse und schubsten dabei fast eine Putzbox an der Wand um. Ich pfiff sie zu mir, als ich mit Point fertig war. Dann lief ich zum Parkplatz um Sorrow zu empfangen.
      Jonas schlich mir unterwegs hinterher und erschreckte mich, er hatte wohl den Killer spielen wollen. Ich war erst etwas verwirrt, musste aber herzhaft lachen, als er mich halb auskitzelnd in die Arme nahm. Augenblicklich stieg ein warmes Glücksgefühl in mir auf. Elliot, der sich über die Holzstangen vor dem Nebenstall lehnte, sah uns amüsiert zu. Ich erwartete jeden Moment einen dummen Kommentar - er kam auch. "Hey, you'd be an amazing couple, wouldn't you? Are you in love?" Ich wollte gerade den Mund aufmachen und etwas entgegnen, da antwortete Jonas plötzlich: "Yes, surely. Since yesterday." Verwirrt sah ich ihn an. "And why did I not know that?" "Because you have no idea 'bout nothing", meinte Jonas frech. Wir lachten, dann liess er mich los und ich verschwand endgültig in Richtung Parkplatz. Was bedeutet das denn jetzt? War das etwa ernst gemeint? Oder doch nur Spass? Die Verwirrung war komplett, doch die Hoffnung gleichermassen genährt. Ich machte beinahe schon Freudensprünge, erst recht, als ein silberner Transporter vorfuhr. Hans schüttelte mir nach dem Aussteigen heftig erfreut die Hand, dann luden wir den bildschönen Welsh Hengst aus. Seine wuschelige Mähne fiel ihm wild über beide Seiten des mächtigen Halses und feine Wölkchen stiegen aus den geblähten Nüstern empor. Er musterte die Umgebung mit seinen kleinen, schwarzen Augen und spitzte die hübsch gebogenen Ohren in Richtung Hauptstall. Beim Führen wurde sofort klar, dass er total brav und gut erzogen war, denn er folgte wie ein Lamm, trotz der vielen Eindrücke. In seiner Box angekommen, tätschelte ich ihm zuerst den Hals, dann löste ich das Halfter und liess ihn fressen. Er hatte grossen Hunger vom langen Flug und würde sich einige Tage akklimatisieren müssen, immerhin kam er aus Kanada. Doch er sah top fit aus: sein Fell schimmerte in kräftigen Farben, die Hufe waren in makellosem Zustand und frisch beschlagen, der Behang war zwar mit Stroh bespickt, aber sonst sauber und der Schweif fiel wollig über seine Sprunggelenke. Ich schob zufrieden die Boxentür zu und gönnte dem Hengst seine Ruhe.
      Draussen begegnete ich Jonas und Lisa. Jonas stupste sie, und sah sie zwischendurch lange an. Lisa lachte herzhaft und strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht. Auf einmal wurde mir klar, wie hübsch sie doch war. Ein stechender Schmerz durchfuhr meine Rippen. Ist das etwa Eifersucht, Occu? Sei nicht dumm, die beiden kennen sich jetzt eben ne Weile, und selbst wenn mehr dahinter stecken sollte... Eigentlich müsstest du dich doch darüber freuen oder? Hast du dir nicht nach Jack geschworen, frei und unabhängig zu bleiben? Ich wandte mich dennoch enttäuscht ab, all die schönen Illusionen von vorhin waren zerschmettert. Ich lief gespielt fröhlich zum Nebenstall, wo ich Herkir rausholte und am Holzgatter anband. Dann begann ich ihn gründlich zu putzen. Der Nachteil war, dass ich die ganze Zeit über das Gelächter dieser glücklichen Menschen ertragen musste. Ab und zu wagte ich einen Blick, um ihn dann nur schmerzlich betrübt wieder auf Herkirs hellrotes Winterfell zu richten. Fast hätte ich die beiden angefahren, sie sollen doch wieder zur Arbeit gehen. Ich biss die Zähne zusammen und sattelte, so schnell ich konnte, um dieser Situation zu entfliehen. Schliesslich töltete ich auf der Galoppbahn, um den Kopf frei zu bekommen. Herkir lief toll: geschmeidig und taktvoll. Seine Wuschelmähne tanzte lustig zur Bewegung seiner Schultern, während ich still sass. Der Galopp war noch etwas schwieriger, denn er sprang nicht gleich ein. In der Tat musste ich den Isländer eine viertel Runde bearbeiten, bis er angaloppierte. Sheela raste die ganze Zeit neben uns her und hatte eine riesen Freude an meiner Reitgerte.
      Nach diesem Ritt war es bereits Mittag. Ich gesellte mich mit meinem Sandwich zu den Pflegern, zusammen mit Sheela und Jacky. Als Jonas die Sattelkammer betrat, versuchte ich, nicht aufzusehen. Er blieb bei ein paar anderen stehen, wie ich aus dem Augenwinkel beobachten konnte. Schliesslich waren plötzlich alle am selben Gespräch beteiligt, bis irgendwann Rosie warum auch immer den Einwurf brachte, man müsse endlich einen neuen Mann für mich finden. Die meisten stimmten lauthals zu. Ich entgegnete ironisch, dass ich ja anscheinend schon mit Jonas zusammen sei, worauf er mit dem Zeigefinger auf mich deutete und "exactly" meinte. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte, also schwieg ich fortan, doch nicht ohne ein Lächeln.
      Später am Abend kam die japanische Stute an. Sie wurde von ihrem Pfleger liebevoll Shio genannt, was wir natürlich weiterführten. Als danach langsam Ruhe auf dem Hof einkehrte, kam die alte Angst vor dem Killer wieder auf. Ich schlief abermals im Pflegerheim. Wir unterhielten uns noch etwas in gemütlicher Atmosphäre im Aufenthaltsraum, ehe wir zu Bett gingen. Jonas sass etwas entfernt auf einem einsamen Sessel. Ab und zu erwischte ich ihn, wie er in meine Richtung sah, bis mir klar wurde, dass Lisa direkt neben mir sass. Mir pochte der Kopf immer mehr, je später es wurde. Ein Anflug von unglaublicher Müdigkeit war die Ursache. Im Verlaufe des Abends wollte Lewis plötzlich wissen, wie Jonas und ich denn nun zueinander gefunden hätten. Ich bat Jonas lächelnd zur Erklärung, selbst gespannt darauf. Doch die Antwort war ernüchternd. Wir seien nicht zusammen. Ich hielt mein Lächeln stur, die Wucht der Aussage würde mir später früh genug bewusst, so war ich mir sicher. Lisa und Quinn kontrollierten alle Türen und Fenster, ehe sie die Lichter löschten. Ich lag bald als letzte wach auf meiner Matratze und starrte die Decke an. Dann drehte ich mich um und schloss die Augen, eine feine Träne rollte mir die Wange hinunter.

      Tierarztbericht für Shiryo - Impfen und Entwurmen

      Januar 2015, by Eowin
      Als nächstes kam „die Stute mit dem komischen Namen“. Ich war froh, dass man sie Shio nannte, denn ihren richtigen Namen hätte ich nicht aussprechen können.
      Doch hübsch war sie und auch sie hatte – oh Wunder – eine außergewöhnliche Fellfarbe. Langsam fragte ich, wo Occu diese immer her bekam?
      Shio wurde ebenfalls geimpft und entwurmt.
      Dann klopfte ich ihr den Hals und die Jungstute durfte wieder gehen.

      hite Storm

      Januar 2015, by Occulta
      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.
      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crackangelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?


      Of Sudden Deaths and Pointed Beasts

      Mai 2015, by Occulta
      Als ich am Morgen aufwachte, oder eher feststellte, dass ich noch immer wach war, fielen gerade die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster. Ich beschloss, dass Weiterschlafen keinen Sinn hatte und zog mich an. Im Kühlschrank stand noch eine angefangene Schüssel Birchermüsli, welche ich mir gleich schnappte. Nach diesem göttlichen Mahl verliess ich das Haus in Richtung Hauptstall und half, die erste Kraftfutterportion vorzubereiten. Danach ging ich zu Shio, die mir noch bis Woche zugeteilt war. Die Cremellostute sah mich mit verschlafenen, blauen Augen an und spitzte die Ohren, als ich die Box betrat. Ich streichelte sie zur Begrüssung, dann zog ich ihr das grüne Halfter vor ihrer Box über und führte sie nach draussen. Im Sommer putzten wir die Pferde gerne im Innenhof des Stalls. Ich befestigte den Strick an einem der vielen Halteringe und begann, das weisse Fell gründlich zu bürsten. Sie hatte einen gelben Fleck am Po, da half alles Schrubben nichts. Ich griff zum Schwamm und bearbeitete den Fleck mit Wasser, so bekam ich ihn beinahe weg. "Weisse Pferde", murmelte ich liebevoll, und klopfte Shio uf den Hals. Mein Geisterpferdchen drehte sich neugierig um und beknabberte meine Hand. Die rosa Lippen verzogen sich in die Länge, als ich ein Karottenstück hinstreckte. Quinn war mit Cassy schon fast fertig, also beeilte ich mich mit dem Satteln. Dann stiegen wir alle auf. Blütenzauber, Capri, Cassy und Shio stampften nun im Entenmarsch zur Galoppbahn. Ich ritt heute das erste mal mit Shio bei den richtigen Trainingsgruppen mit, denn die junge Stute war noch mitten in der Ausbildung. Bisher war sie vor allem Longiert und getrabt worden. Auch Cassy war noch nicht allzu lange regelmässig in den Fortgeschrittenen Gruppen, aber sie hielt schon gut mit. Wie immer wärmten wir die Pferde auf der Galoppbahn auf, ehe wir auf die Grasbahn wechselten. Kaum trabte Blüte, die zuvorderst war, an, da dampfte Shio schon los und wollte nach vorne drängeln. Sie war es sich eben noch nicht gewöhnt in der Gruppe zu laufen und dementsprechend heiss. Ich massregelte sie mit einigen Paraden und konnte sie so knapp halten. Cassy, direkt vor uns, schlug zu allem Überfluss auch noch zickig mit dem Schweif, als wir zu nahe kamen. Ich spürte förmlich wie Shio zerknirscht den Hals steif machte und sich erneut auflud, als ich mit ihr schimpfte und sie so schliesslich vorerst ruhig stellte. Wir kündigten uns gegenseitig jeden Tempowechsel durch Zurufen an, wie immer. Irgendwann rief April “Canter!“ nach hinten, woraufhin alle in einen ruhigen Galopp wechselten. So jedenfalls die Theorie, doch Shio hielt davon reichlich wenig. Sie nahm einen Satz nach vorne, den ich kaum abfangen konnte und auf den Cassy mit den Hinterhufen reagierte. Sie traf Shio vorne bei der Brust und beim Vorderfusswurzelgelenk, sodass die junge Stute erschrocken stieg. Ich balancierte die Bewegung geschickt aus und hielt Shio auf der Stelle. Dann stieg ich ab, um die getroffenen Stellen rasch abzutasten. Vorher gab ich den anderen das Okay, dass sie weiterreiten sollten. Ich fand keine Verletzungen, und auch als ich sie kurz im Trab ein paar Meter führte, war am Gangbild nichts ungewöhnlich. Erleichtert stieg ich wieder auf und ritt in grossem Abstand zu den anderen im Trab auf der Bahn. Die anderen Bogen schliesslich auf die Grasbahn, um dort noch einige Sprints zu wagen. Shio und ich blieben jedoch auf der Galoppbahn und bauten noch etwas Kondition auf. Sie verhielt sich die restliche Zeit viel ruhiger, offenbar war sie noch etwas verwirrt von dem Tritt. Schliesslich war das auch fast wie eine Massregelung von Cassy, denn sie ist die ältere und die Kleine wollte sich vordrängeln, dachte ich amüsiert. Nach einer halben Stunde ritt ich im Schritt zurück zum Hauptstall und sattelte die Stute ab. Sie hatte recht geschwitzt, da es trotz der frühen Morgenstunde schon ziemlich warm war und sie ja noch kaum Kondition hatte. Ich wusch die verschwitzten Stellen mit einem Schwamm, da ich sie nicht schon wieder ganz waschen wollte, dann ging ich mit ihr an der Hand grasen, bis sie trocken war. Sie würde gegen Abend noch auf die Weide kommen, wenn es nicht mehr so viele Insekten hatte. Ausserdem war die rosa Haut der Stute empfindlich auf die starke Sonne. Deshalb brachten wir im Frühling und Sommer grundsätzlich alle hellhäutigen Pferde erst abends raus. Zuletzt versorgte ich Shio in die Box und half anschliessend den Pflegern beim Misten. Mittlerweile waren auch Blüte, Cassy und Capri zurück. Capris Fell glänzte so wunderschön, als sie im Innenhof geputzt wurde. Die Fuchsstute hatte sich prächtig entwickelt und strotzte nur so vor Energie. In zwei Wochen würde sie wieder an einem Rennen in Brighton starten, von dem wir uns viel erhofften.
      Nach dem Misten kümmerte ich mich zugegebenermassen etwas widerwillig um Pointless. Nach der Geschichte mit dem Schneesturm war ich vorsichtiger mit ihr umgegangen. Nur Oliver und ich persönlich arbeiteten im Moment mit ihr, alles andere war zu riskant, denn die Stute hatte sich als echte Knacknuss herausgestellt. Als Fohlen war sie zwar zickig und schreckhaft gewesen, jedoch nie böswillig, denn man hatte ja auch nie etwas von ihr verlangt. Nun jedoch, da das leichte Weidenleben vorüber war und der Spass zunehmend dem Ernst wich, wehrte sie sich mit aller Kraft gegen jeglichen Druck. Man brauchte viel Geduld und Konsequenz im Umgang mit ihr, denn bei jedem Fehlschlag, so kam es mir vor, lernte sie ein Stück mehr, dass sie Kraft hatte. Besonders gefährlich war es letzte Woche gewesen, als Oliver mit ihr spazieren gegangen war und sie beinahe auf die Landstrasse gerannt wäre. Seither hatten wir das Training nur auf dem Hof fortgeführt. Seufzend band ich die Stute an und putzte das gepunktete Fell rasch. Sie war kaum schmutzig, also hatte ich nicht viel zu tun. Danach führte ich sie auf eine der leeren Weiden, denn so war sie für den Fall der Fälle eingezäunt. Ich arbeitete mit Pylonen, einem Flattervorhang und Blachen, um irgendwie das Vertrauen der Stute zu gewinnen. Es klappte sogar erstaunlich gut, heute war sie anscheinend freundlich gestimmt. Vielleicht lag es auch am Knotenhalfter, durch das ich etwas mehr Einwirkung hatte. Ich machte eine dreiviertel Stunde lang Bodenarbeit, allerdings mit kleinen Pausen, in denen sie im Schatten eines Baumes grasen durfte.
      Gerade als ich zusammenräumen wollte, kam Ajith über den Feldweg gehastet. “Heh Occu, Phone for you!“ Erstaunt nahm ich unser Stalltelefon entgegen, dass er extra von der Sattelkammer hier runtergetragen hatte. Bei einem knappen Gespräch erfuhr ich, dass Shio’s Besitzer, der Japanische Geschäftsmann, letzte Woche überraschend verstorben war. Es sei noch unklar, was jetzt mit dem Pferd geschehe, man werde uns weiter informieren. Toll, und jetzt? Nachdenklich folgte ich Ajith mit Pointless im Schlepptau zum Hauptstall, wo ich erst einmal das gepunktete Ungeheuer versorgte. Danach erzählte ich Oliver und ein paar anderen, die neben ihm standen, was ich erfahren hatte. Oliver runzelte die Stirn. Keiner war wirklich betroffen, denn wir hatten den Mann kaum gekannt. Er war bloss einmal zu Besuch gewesen um Shio’s Fortschritte zu sehen. Die Stute selbst war hingegen allen ans Herz gewachsen und man wollte sie nicht mehr hergeben, da waren sich alle einig. Nach einer Weile meinte Oliver scherzhaft: “Now we know why he didn’t pay last Monday“ Da hatte ich einen blendenden Einfall. “Exactly, he didn’t pay, so they can give us the horse instead of the money he owes us!” Ich bekam viel Zustimmung, allerdings äusserte Lily ihr bedenken, dass Shio ja deutlich mehr wert sei al seine Monatszahlung. Lewis lachte und meinte: “We’re talking about judges; they hardly even know what a spur is! So they can never discern between a cheap nag and a precious thoroughbred” Ich schmunzelte und stimmte zu, dass man es versuchen sollte. Als ich am Abend desselben Tages schliesslich anrief und den Vorschlag machte, waren alle Beteiligten einverstanden und froh, ein Problem mehr gelöst zu haben. Und ich war froh, Shio von nun an ganz nach meinen Vorstellungen trainieren zu können.

      Kreuzchen? Sind doch für Anfänger!

      Juni 2015, by Occulta
      Ich spazierte alleine den grossen Tannen entlang über die neue Rennbahn. Das Gras war ausgesprochen grün und der Himmel seltsam hell. Von irgendwo hinter mir drang ein Rufen an meine Ohren, doch ich ignorierte es. Ich lief weiter, immer voran. Die Bahn war schier endlos, doch als ich endlich die Kurve erreichte, erkannte ich mein Ziel. Da stand er, lässig an die Rails gelehnt. „Hey“, murmelte ich, und dennoch hörte er mich. Er lächelte und ich ging näher zu ihm hin. Sein Gesicht wurde seltsam beleuchtet, doch ich konnte trotzdem seine Züge nicht genau erkennen. Nur die Augen, die wunderschönen unverwechselbaren Augen strahlten daraus hervor. „Ich muss wissen, was du fühlst! Ich muss endlich die Wahrheit hören, sonst verzweifle ich an der Hoffnung!“, sagte ich plötzlich unwirklich laut. Er nickte und machte den Mund auf, doch ehe ein Wort daraus laut wurde, wachte ich auf. „Nein“, stöhnte ich im Halbschlaf, unwillig den Traum gegen die Realität einzutauschen und ein ganz neues Level von Abneigung zum Wecker entwickelnd, der unaufhaltsam in mein Ohr piepte. Das ist doch einfach Folter… Nichteinmal im Traum verrät er mir, was er von mir denkt. Nach einigem Zögern stand ich auf und streckte mich gähnend. Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer! … Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte ich viel vor heute. Es war zwar erst fünf Uhr, doch ich fühlte mich seltsam wach und erholt. Na, für etwas war mein Traumspaziergang wohl doch gut, dachte ich schmunzelnd. Vielleicht war es auch einfach die Gewohnheit, jeden Morgen um diese frühe Stunde aufzustehen. Ich zog mich an und schlurfte in die Küche, um mir eine Tasse Schwarztee zu machen. Die Zeit reichte auch für ein Toast mit Erdbeerkonfitüre vom freundlichen Nachbarsbauern, doch danach musste ich zügig die Socken anziehen, in die Stiefeletten schlüpfen und das Haus in Richtung Hauptstall verlassen. Auf dem Weg schlossen sich Ajith, Lily und Rosie vom Pflegeheim herkommend mir an. Wir begannen mit dem Verteilen der morgendlichen Rauhfutterportion, aus einem Heu/Haylage Gemisch bestehend, das eine Fütterung mit reduzierter Staubbildung erlaubte. Als alle Pfleger des Hauptstalls da waren, verteilten wir auch das Kraftfutter, dann sattelten April, Quinn, Oliver und ich die Vollblüter für die erste Trainingsgruppe. Einmal mehr wurde mir der Mangel an Jockeys bewusst, der im Moment herrschte: Tom war seit dem Unfall noch immer Zuhause bei seinen Eltern und Lily musste ihren Arm noch etwas schohnen. Ich verdrängte die Gedanken an meine verstorbene Stute Crack und lief zu Frame’s Box um ihn aufzuhalftern. Ich stellte ihn anschliessend vor Sumerian, die bereits angebunden war und von Quinn liebevoll gebürstet wurde. April war diesen Monat für Shio zuständig und Oliver hatte sich wieder Pointless angetan. Die Stute war noch nicht wirklich besser im Umgang geworden, aber trainieren musste man sie trotzdem. Da Oliver mehr Kraft hatte als ich, konnte er sie leichter halten. Nach dem Satteln führten wir die Pferde zur Galoppbahn. Die Youngsters waren alle erst etwas mehr als 2 Jahre alt und gerade erst eingeritten worden, also liessen wir es langsam angehen und gaben ihnen viel Zeit, sich umzusehen, denn beim Nordstall standen noch immer Maschinen und Baumaterial herum. Die Galopprennbahn war fast fertig, es mussten nur noch an manchen Stellen die Rails eingefügt werden, doch das Gras war bereits vor Wochen angesäht worden und seither kräftig gewachsen, also konnte man sie nun benutzen. Vorgestern war sie eingeweiht worden. Die Rennpferde hatten bisher sehr positiv reagiert, denn nun hatten sie viel mehr Platz zum galoppieren und überholen. Pointless scheuhte vor der Schubkarre mit den Platten für das Dach. Auch die Folie, die um die Aufgestapelten Boxenelemente gewickelt war und leicht im Wind flatterte, jagte ihr ordentlich Angst ein. Oliver hatte alle Mühe sie zu halten. Sie drängte sich immer wieder gegen ihn im Versuch, Distanz zwischen ihr und die unheimlichen Gegenstände zu bringen. „Come on you cow, I ain’t afraid of you!“, rief der erfahrene Trainer herausfordernd und rupfte einige Male an den Zügeln, bis sie brav neben ihm lief. Sie warf zwar noch etwas den Kopf hoch, doch folgte zügig. Ich war froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Ich hätte sie zwar sicherlich auch irgendwie vorwärts gebracht, doch es hätte wesentlich länger gedauert. Wir starteten mit dieser Gruppe wieder ohne Startboxen, denn das machte nun noch nicht viel Sinn. Frame hatte zwar schon Bekanntschaft mit ihnen gemacht, doch die anderen noch nicht. Wir stiegen auf und ritten in einer Reihe im Trab die Bahn runter. Pointless wollte ständig überholen, doch Oliver rahmte sie konsequent ein und behielt sie im Griff. Wir trabten in diesem Stadium der Ausbildung noch sehr viel. Galoppiert wurde nur zweimal über eine relativ kurze Distanz, das Ziel war es mit dieser Gruppe zweimal pro Training die letzten 200 Meter in 15 Sekunden zu schaffen. Das meisterten sie schon sehr gut, nur Shio schwitzte noch etwas viel. Frame war heute in Topform: er trabte sehr raumgreifend und fegte geschmeidig wie eine Katze über das kurze Gras. Sein Eisblaues Auge schielte hin und wieder zu mir zurück um sicherzugehen, dass alles okay war. Ich kraulte ihn jeweils wenn er das tat - das war sozusagen unser stilles Einverständnis, dass es keinen Grund gab, sich zu fürchten. Tat ich es nicht, so zögerte er und wurde langsamer, oder rannte wie von einer Biene gestochen davon. Das ganze Training dauerte nicht viel länger als eine halbe Stunde, dann versorgten wir die Pferde wieder und widmeten uns der nächsten Gruppe.
      Bis um 8 Uhr ritt ich durchgehend Vollblüter, danach kümmerte ich mich um Dancer. Den Knabstrupper Hengst bildete ich im Moment mit Elliots Hilfe in Barockreitweise aus. Er lief sehr fein an den Hilfen und war ein wahres Traumpferd im Umgang, obwohl er auch ein paar Punkte wie Pointless hatte. Allerdings waren die seinigen viel kleiner und zum Teil kaum zu erkennen. Nur am Kopf, wo die Haut durch das dünnere Fell hindurchschimmerte, sah man deutliche Flecken. Aber seit wann hat die Farbe denn etwas mit dem Charakter zu tun?, mahnte ich mich selbst. Ich konzentrierte mich wieder auf das Satteln. Ich hatte letztens an einer Messe eine wunderschöne blaue Samtschabracke gekauft, die zu Dancer natürlich perfekt passte. Mit dem schwarzen Dressursattel und der gleichfarbigen Trense sah er todschick aus. Um den Eindruck zu perfektionieren, flocht ich seine lange Mähne zu einem französischen Zopf. „Perfect Budd“, murmelte ich ihm ins Ohr, ehe ich ihn auf den Platz führte, um während 45 Minuten intensiv mit ihm zu arbeiten. Wir beherrschten zwar noch keine Levade oder Kapriole, doch ich brachte ihm gerade die Piaffe bei. Dazu hatte ich in den vergangenen Wochen Vorarbeit an der Doppellonge geleistet, sodass er nun auf feines Touchieren mit der Gerte reagierte. Er lief wiedereinmal hervorragend. So machte das Reiten richtig Spass. Ich lobte Dancer am Ende der Lektion ausgiebig und liess ihn am langen Zügel bei den schattenspendenden Büschen und Bäumen im inneren der Ovalbahn im Schritt abkühlen.
      Am Abend erwartete mich Elliot zur Springstunde mit Vychahr. Auch Rosie und Jonas ritten mit. Jonas holte Pilot gleich nach mir aus der Box und band ihn neben Filou an. Wir befanden uns übrigens noch nicht im neuen Nordstall, sondern noch immer im Hauptstall, denn der erstere war innen noch nicht fertig. Filou hob das Bein zum Betteln, was ich sofort mit einem Klaps auf die Schulter strafte. Das passiert eben, wenn ihn die Pfleger zu sehr mit Leckerlies vollstopfen, dachte ich aufgebracht. Ich putzte rasch fertig und legte den dunkelbraunen Springsattel mit der blauen Schabracke auf seinen Rücken. Er stand geduldig still bis ich ihn fertig gezäumt hatte, was man von Peace nicht behaupten konnte. Der Hengst scharrte nervös und wollte immer wieder davonlaufen. „Always those spotted beasts“, meinte ich scherzhaft zu Rosie. Wir quatschten auf dem Weg zur Halle ausgelassen. Dann ritten wir die drei Trakehner warm und sprangen ein paar Kreuze. Elliot betrat nach 10 Minuten die Halle und sein erster Kommentar war: „Crosses? They’re for beginners. Let’s try something better.“ Er stellte einen kleinen Parcours auf, der einen Oxer, ein In-Out, eine dreifach Kombination und ein Gatter beinhaltete. Dazwischen waren noch ein paar einfache Steilsprünge zum Abwechseln. Begeistert ritt ich auf das erste Hindernis zu. Es war ein blau-weisser Steilsprung. Filou sprang mit leichtigkeit darüber und liess sich danach schön wieder bremsen. Das Ziel war es erstmal, nach dem Sprung anhalten zu können. Jonas hatte da schon deutlich mehr Mühe. Pilot schüttelte vor dem Sprung energisch den Kopf um mehr Zügel zu bekommen und raste danach um die Kurve. Frustriert ritt Jonas noch weitere dreimal heran, bis es schliesslich klappte. Peace machte keine Zickereien. Wir übten als nächstes ein paar Sprünge aus Kurven heraus, wobei auch recht enge Wendungen vorkamen. So lehrten wir die Pferde, auch mal schräg über ein Hindernis zu hüpfen, was im Parcours oft entscheidend war. Hierbei machten alle drei gut mit. Nun ging es an den eigentlichen Parcours. Filou drückte zwar über dem Oxer etwas kräftiger ab als nötig gewesen wäre, doch wir blieben fehlerfrei und kamen einigermassen schön über die anderen Hindernisse. Auch Peace gab sich Mühe, hob die Beine mit einer guten Manier und gab lediglich etwas viel Gas vor den Sprüngen. Pilot hingegen stand schon beim ersten Sprung hin. Kopfschüttelnd beobachtete ich Reiter und Pferd, die offenbar so gar nicht die selbe Idee vom Springen hatten. Jonas machte immer wieder den selben Fehler: er gab zu scharfe Paraden wenn etwas nicht klappte und verunsicherte so den sensiblen Pilot, der nichts weniger ausstehen konnte als eine harte Hand. Beim zweiten Versuch sprang er zwar, jedoch eher wie ein Schaf. Danach raste er ungebremst um die Kurve und stolperte fast. Nach ein paar Minuten und weiteren Versuchen von Jonas, den Hengst über die Hindernisse zu bekommen, hatte ich genug. Ich ritt zu Elliot, stieg von Vychahr ab und übergab ihm den Hengst. Dann schritt ich entschlossen auf Jonas zu, der auf mein Rufen hin anhielt und abstieg. Ich übernahm die Zügel, schwang mich auf den Rücken von Pilot und trabte los. Der Hengst hastete zuerst los und machte sich steif im Hals, doch schon nach einer Runde auf der Volte entspannte er sich und begann zu kauen. Ich führte die Hand absolut ruhig und gab weiche Hilfen, denn ich steuerte ihn eher per Gewichtshilfen. Als ich mir sicher war, dass Pilot sich wieder gefasst hatte, ritt ich den ersten Sprung an. Der Schecke drückte kraftvoll ab und überflog den Oxer ohne Probleme. Ich lobte ihn, indem ich mit der linken Hand über den Hals strich. Jonas sah betreten zu Boden. „ Schau hierher, dann lernst du auch was!“, befahl ich. Dann liess ich die Zügel ganz weg und übersprang einen Steilsprung freihändig. Pilot blieb schön ruhig und versammelt. „See? It’s not hard if ya go like this.” Elliot nickte anerkennungsvoll und Rosie lächelte, entschlossen, es auch zu versuchen. Ich bremste sie etwas in ihrem Eifer, denn Peace war unberechenbarer als Pilot. Aber ich erlaubte, dass sie es einhändig versuchte. Jonas stieg auf Vychahr und tat es ihr gleich. Am Ende wurde aus der anfänglich ernsten Springstunde fast schon eine Zirkuslektion, denn auf das Einhändig-Springen folgte das Weglassen der Bügel und das Weglassen des ganzen Sattels. Es machte uns allen, besonders den Pferden, ordentlich Spass und Jonas setzte eifrig alle Tipps von Elliot und mir um.

      Gray Mornings

      Oktober 2015, by Occulta
      Ich hatte im Moment keine Schwierigkeiten aufzustehen. Es war Herbst; Das bedeutete, dass es in der Frühe besonders dichten Nebel hatte, der in Schwaden über die Felder zog. Ich liebte es, Ausritte in dieser düsteren Stimmung zu machen. Es war so wundervoll still, kein Vogel zwitscherte. Nicht dass ich etwas gegen Vögel gehabt hätte, aber in der gespenstischen Ruhe entfaltete die Landschaft ihre ganze Magie. Ausserdem war bald Halloween. Ich war auch dieses Jahr wieder zu diversen Kostümbällen und Partys eingeladen worden, wusste aber noch nicht so genau, wohin ich am Ende gehen wollte.

      Ich stand heute etwas später auf, um 6 Uhr, da wir die Vollblüter bei den tiefen Temperaturen nicht mehr ganz so früh am Morgen trainierten. Als erstes sah ich bei Frame vorbei. Mit dem sensiblen Schecken wollte ich am späten Vormittag ein wenig Dressur reiten. Er döste noch etwas vor sich hin, spitzte aber, trotz noch immer hängender Unterlippe, die Ohren, als er begriff, dass ich vor der Box stand. Er machte einen Schritt auf das Gitter zu, sodass ich ihn durch die Stäbe hindurch anfassen konnte. Ich kraulte seinen Nacken, woraufhin er die Augen wieder mehr schloss. „It’s okay my friend, keep dreaming – I’ll come back later“, murmelte ich liebevoll, und lief hinüber zu Gleam of Light. Der fast schwarze Hengst röchelte bereits als ich zur Box kam und streckte mir neugierig und lebhaft die Schnauze in die Jacke, als ich die Tür öffnete. Als ich ihn in der Stallgassen anband, liefen Rosie und Quinn hinter meinem Rücken hindurch, im Gehen fragend, ob sie gleich mit auf den Ausritt kommen könnten. Ich bejahte und begann, Light zu bürsten, während die beiden Pflegerinnen Sumerian und Shio auf der Südseite des Stallgebäudes, im Stutenteil, vorbereiteten. Light hatte bereits ein flauschiges Teddyfell entwickelt. Das bedeutete, dass es bald Zeit zum Scheren war. Ich befreite seine Beine und den Bauch von den getrockneten Dreckspritzern, die er sich beim wilden Galopp über die feuchte Weide geholt hatte. Die Hufe waren hart mit Steinchen und Erde gefüllt, sodass ich eine gefühlte Ewigkeit daran herumwerkeln musste, bis sie endlich sauber waren. Light nahm es gelassen und stand ruhig da. Zur Belohnung bekam er ein Karottenstückchen. Ich zögerte jeweils nicht, meine Pferde für gutes Verhalten zu loben – ich wollte schliesslich, dass sie bemerkten, wenn sie etwas gut machten. Allerdings stopfte ich sie auch nicht bei jeder Gelegenheit voll und gab wenn dann nur Karottenstücke, die schonender für Zähne und Figur waren. Und ich war ebenso konsequent, wenn eine unerwünschte Reaktion kam. Zumindest, wenn ich mir sicher war, dass das Pferd das Kommando eigentlich verstanden hatte, es aber einfach aus Trotz nicht ausführen wollte. So auch, als Light beim Aufsteigen nicht stillhalten wollte. Ich machte ihm mit drohender Stimme deutlich, was ich von ihm wollte und stieg erst auf, als er sich nicht mehr von der Stelle bewegte. Die anderen kamen in den nächsten Momenten ebenfalls aus dem Hauptstall und stiegen auf. Sumerian wurde mittlerweile dreimal die Woche intensiv trainiert, zweimal longiert und einmal ausgeritten. Sonntags hatte sie wie die anderen meist frei. Sie machte sich ausgesprochen gut unter dem Sattel, doch sie hatte noch ein wenig mit dem Gleichgewicht zu kämpfen, wie jedes junge Pferd. Im Frühling wollte ich mit ihr an den ersten Rennen starten.

      Die beiden Damen waren ein wenig zickig in Anwesenheit des charmanten Schwarzbraunen, dessen braune Schnauze und Bauchhärchen aus dem dunklen Winterfell besonders hervorstachen. Er liess sich aber durch das Gegifte nicht beirren und lief zügig, mit gespitzten Ohren voran. Bei den Hengsten setzte ich auf besonders konsequente Erziehungsmetoden und gute Sozialisierung, denn nur so konnten sie friedlich in der Gruppe auf die Weide und auch im Beisein von Stuten ruhig geritten werden, was essentiell für die Rennen war. Trotzdem gab es natürlich immer wieder angenehmere und störrischere Genossen – Light zählte aber eindeutig zu den angenehmen. Wir trabten über ein Feld durch den Nebel, verzichteten aber auf einen Galopp aufgrund der schlechten Sicht und möglichen Löchern. Später fanden wir einen Feldweg, der weich genug für einen kleinen Sprint war. Die Pferde liessen sich das nicht zweimal sagen: Ich brauchte bei Light nur das eine Bein etwas zurückzunehmen, schon war er im Galopp. Shio war heute etwas mühsam, soweit ich erkennen konnte. Quinn musste etwas mit ihr kämpfen, bis sie das Genick lockerte und sich wieder bremsen liess. Doch die erfahrene Reiterin kannte jeden der Vollblüter gut genug um sie schnell wieder in den Griff zu bekommen. Als wir zurück auf den Hof kamen, hatte sich der Nebel bereits gelichtet, doch unsere Haare waren voller Tröpfchen von der hohen Luftfeuchtigkeit.

      Wir versorgten die Pferde. Ich dachte während dem Bürsten zurück an den Frühling, als ein Treffen mit Oliver bezüglich der Planung der nun schon bald kommenden Saison gehabt hatte: Es war darum gegangen, welche der Stuten im kommenden Jahr noch Rennen laufen würden. Bei Mikke und Indiana war der Fall klar gewesen, da beide schon etwas alt für die Bahn waren und daher nur noch zur Ausbildung der Jungpferde mittrainiert wurden. Ausserdem hatte ich beschlossen, Blüte ebenfalls nur noch im mittlerweile vergangenen Sommer aktiv als Rennpferd einzuteilen. Oliver hatte mir dasselbe mit Painting Shadows empfohlen, wegen ihrer wiederkehrenden, jedoch nur leichten Probleme mit dem rechten Vorderbein. Ich blieb bei ihr jedoch hartnäckig, denn erst vor einer Woche hatte ich einen Spezialisten deswegen kommen lassen, der mir bestätigt hatte, dass das Bein mit etwas gemässigterem Training wieder vollkommen gesunden würde. Iskierka und Shades of Gray hatte ich auf jeden Fall noch laufen lassen wollen, denn die beiden Halbschwestern waren grosse Publikumslieblinge und hatten diese Saison wie erwartet herausragende Ergebnisse erzielt. Cassiopeia, da waren wir uns einig, sollte ebenfalls noch mindestens zwei Jahre laufen. Bei Pointless waren wir hingegen unschlüssig gewesen. Bei ihr kam es nun drauf an, wie das erste Fohlen bewertet werden würde. Je nach dem wollte ich sie gleich ganz aus dem aktiven Rennen verabschieden und nur noch für kleinere Springturniere nutzen. Die ungekörten Stuten wurden sowieso bis zu ihrer Körung aktiv eingesetzt. Wir hatten auch gleich die Hengste ausgesucht, die als Väter in Frage kamen. Ich hatte diesmal vor allem Winter und Spotted Timeout geplant, aber auch von Light hatte ich in diesem Jahrgang einen Nachkommen gewollt. Oliver hatte sich die Kombination Winter x Pointless gewünscht, um ihre Macken mit seinem goldenen Charakter zu kompensieren; ich malte mir gute Chancen für Light x Mikke und Spot x Blüte aus. Wir hatten ausserdem Spot x Indiana und Empire x Islah beschlossen.

      „Freust du dich auf dein Baby?“, fragte ich Light, wie üblich ohne eine Antwort zu erwarten. Der Hengst sah wie immer geheimnisvoll aus, mit seinen strahlend weiss umrandeten Menschenaugen. Ich hoffte sehr, dass das Fohlen diese ebenfalls erben würde. Gerade tätschelte ich ein letztes Mal den Hals von Light, ehe ich die Box verlassen wollte, als plötzlich draussen jemand meinen Namen schrie. Sofort rannte ich in Richtung des Rufens. Ajith kam mir entgegen und erklärte mir keuchend, was los war. „Cassy… was scared… by a motorcycle and as it drove… over the bridge, whilst Darren and Cassy… were nearby, she reared and ran towards the Forest,… where she startled and Darren fell down! I’ve seen it through the fir trees…“ Rosie und Quinn kamen ebenfalls angerannt. Ich erklärte ihnen was ich soeben erfahren hatte, während wir zum Ort des Geschehens rannten. Darren lag am Waldrand im Gras und stöhnte schmerzverzerrt, als wir ihn aufrichteten. Es sah aus, als hätte er den Arm gebrochen. Ich überliess ihn Rosie und begab mich mit Quinn sofort auf die Suche nach Cassy. Wir fanden die Stute etwa 200 Meter weiter, ebenfalls am Waldrand. Sie sah und schon entgegen und kam sogar ein paar Schritte auf mich zu, wobei mir sofort auffiel, dass sie lahmte. Oh nein, hoffentlich ist bei ihr nicht auch etwas gebrochen! Ich fasste die Zügel der Stute, in die sie fast reingestanden wäre, und übergab sie Quinn, damit ich selbst die Beine abtasten konnte. Hinten links war das Bein etwas wärmer als die anderen, es schien Jedoch noch ganz zu sein. Als Quinn Cassy vorführte, entlastete sie es dennoch deutlich. Ich seufzte und rief gleich per Handy den Tierarzt herbei. Wir führten die Stute unterdessen vorsichtig zurück zum Hauptstall und halfen Darren ebenfalls zurück. Der Pfleger wurde von Elliot ins Krankenhaus gefahren, wir anderen warteten auf den Tierarzt.

      Eine Viertelstunde später war dieser daran, Cassy zu untersuchen. Er stellte fest, dass sie vermutlich eine üble Zerrung hatte und wir sie sicherheitshalber vorläufig ruhigstellen sollten, damit die Sehnen nicht noch mehr strapaziert wurden. Ich fragte ihn, wie lange sie etwa pausieren müsse, doch er konnte mir keine genauen Angaben machen. Als er wieder weg war, beriet ich mich mit Oliver. „She will miss a lot of training and will not be fit enough for the first few races next year… And if we start training her again too early, we risk a long lasting fracture.“ „I guess we will have to give her a long pause then…“, meinte ich stirnrunzelnd. „How about giving her a whole year?“, schlug Oliver zwinkernd vor, und ich wusste sofort, woran er dachte. „Seems to be the best way to deal with it“, antwortete ich. Wir hatten also soeben beschlossen, dass Cassy nächstes Jahr ebenfalls ein Fohlen haben würde. Danach würden wir sie wieder richtig aufbauen können, ohne Angst vor Rückfällen haben zu müssen.

      Ajith brachte Cassy mit Ruhebandagen und rundum versorgt zurück in die Box. Ich konzentrierte mich erstmal wieder auf meine Arbeit, was mir zu meiner eigenen Überraschung gut gelang. Ich wollte mich nun wie versprochen mit Frame beschäftigen, der mich erwartungsvoll empfing. Sein eisblaues Auge liess mich keinen Moment aus den Augen, als ich die Putzkiste holte und begann, sein geschecktes Fell zu bürsten. Ich fand sein halb schwarz, halb weisses Vorderbein immer wieder besonders lustig zum Bürsten, da man den Staub auf der dunklen, den Dreck jedoch auf der hellen Seite besser sah. Wenigstens war er nicht so verspritzt wie Light. Ich kämmte seine Mähne, wobei ich beschloss, dass sie dringend wiedermal geschnitten werden müsse. Spontan wie ich war, kramte ich die Schere aus der Sattelkammer und machte kurzen Prozess mit der überschüssigen Wolle. Frame mochte das Geräusch der Schere nicht, hielt aber Still, solange ich nicht zu nahe an seine Ohren kam. Doch auch dort musste ich am Ende hin. Als er den Kopf giraffenartig hochstreckte und sich zu entziehen versuchte, blieb ich ruhig und bestimmt. Ich führte seinen Kopf am Halfter wieder nach unten und arbeitete mich Schnitt um Schnitt vor. Dabei musste ich Acht geben, dass ich ihn nicht ausversehen mit der Schere verletzte. Zum Schluss schnitt ich den Schopf etwas spitz zulaufend ab, damit es nicht ganz so arg gerade aussah. Ich war recht zufrieden mit dem Resultat und machte weiter mit Satteln und Zäumen. Dann führte ich den Hengst auf den Reitplatz, der zum Glück nicht allzu durchweicht war. Ich wärmte ihn zehn Minuten im Schritt und leichten Trab auf, dann begann ich, ihn langsam zu versammeln. Ich übte ein paar Schenkelweichen, da Frame noch Mühe mit dem Überkreuzen hatte. Anschliessend lockerte ich ihn mit ein paar Galoppwechseln und Übergängen auf. Als ich am Ende noch einen letzten Versuch mit den Seitengängen wagte, klappte es schon viel besser. Nur an der Stellung musste ich jetzt wieder mehr arbeiten. Sein Schweif pendelte durchgehend locker im Takt, was ich als Zeichen für seine Entspanntheit wertete. Die Ohren zeigten ein ähnliches Bild: Sie standen etwas seitlich und schwappten schön mit der Bewegung mit. Ich war froh darüber, denn bisher war Frame normalerweise etwas angespannt gewesen und hatte die Ohren konsequent in einer konzentrierten Art nach hinten gerichtet. Er liess jetzt auch viel lockerer im Genick. Ich war sehr zufrieden und liess ihn austraben. Dabei streckte er schön in die Tiefe, wie ich es mir erhofft hatte. Ich hängte eine Runde im Schritt auf der Galoppbahn an, da er doch etwas geschwitzt hatte. Auch er sollte geschoren werden, beschloss ich mit mulmigem Gefühl, denn ich hatte keine Ahnung, wie der scheue Schecke auf die Maschine reagieren würde. Ich muss ihn morgen mit dem Gerät bekanntmachen.

      Ich entschied mich noch am selben Abend für Chiccory als Vater für Cassy’s Fohlen. Das würde eine interessante Farb- und Temperamentkombination geben. Um neun Uhr war ich wieder im Hauptstall zu finden, genauer in Cassys Box. Ich prüfte die Bandagen und streichelte sie etwas, ehe ich den Pflegern beim Aufräumen half. Es war wieder ein langer Tag gewesen, und durch das frühe Eindunkeln kam es mir vor, als wäre es schon weissnichtwie-spät. Trotzdem genoss ich die Abendstimmung, indem ich, bevor ich mich endgültig ins Haus zurückzog, noch ein letztes Mal bei Dancing Moonrise Shadows vorbeischaute. Rund um den Hof zog schon wieder der Nebel auf, und das schwache Mondlicht liess ihre blauen Augen leuchten. Ich kraulte sie liebevoll und schmiegte mich an ihren warmen Hals. Für einen Moment schloss ich die Augen und genoss die Stille Harmonie der einschlafenden Natur. Nur das Fauchen der Katzen, die schon wieder herumgeisterten, und das Schnauben von Pferden waren zu hören. Ich bemerkte, wie schön weich die gewellte Mähne von Shadow war. Lisa muss sie wieder mit Glanzspray bearbeitet haben. Ich hörte Schritte durch das Gras auf uns zukommen und sah über den Mähnenkamm hinweg Jonas. „N’Abend Boss, wollte nur sehen, wer hier noch rumschleicht.“ Er wollte schon wieder umdrehen und ich murmelte kaum hörbar „Ja ja…“ Da hielt er inne und kam näher. „Hast du Lust auf einen Spaziergang?“ „Jetzt? Es ist schon stockdunkel und kalt…“, bemerkte ich skeptisch. „Ich kann dir ja warm geben“, gab er scherzend zurück. Ich musste augenblicklich lächeln und fühlte mich tatsächlich allein schon durch seine Anwesenheit wärmer. „Na gut.“ „Wie wär’s, wenn wir Shadow auch mitnehmen? Ich sehe du wolltest den Abend eigentlich noch mit ihr verbringen“, meinte er zwinkernd. Ich überlegte kurz und stimmte dann zu. Die Paint Stute war zwar schon am Nachmittag bewegt worden, doch sie hatte sicherlich nichts gegen einen Mondscheinspaziergang einzuwenden. Wir liefen in gemütlichem Tempo zu den Nördlich gelegenen Feldwegen und bestaunten den dichten Bodennebel auf den Feldern neben uns. Es war fast unheimlich, nur das Geräusch von Shadows Hufen auf dem Schotterweg zu hören. „Hattest du einen guten Tag?“, versuchte ich, die peinliche Stille zu durchbrechen. „Ganz okay.“ Etwas enttäuscht, dass er nicht mithalf ein Gespräch aufzubauen, schwieg ich wieder und überstrich ab und zu mit der Hand Shadows Hals. Als wir an eine Kreuzung kamen, schien er endlich aufzutauen. Er legte den Arm über meine Schultern und wir liefen so gemeinsam zurück Richtung Hof. Ich brachte Shadow zurück zu den anderen Stuten und wünschte ihm eine gute Nacht. Er erwiderte dies mit einem Stupser, und gerade als er mich nochmal in den Arm nehmen wollte, rief jemand vom Pflegerheim seinen Namen. „Jonaaas, kommst du? Wir wollen die Tür schliessen!“ Ich rollte die Augen und unsere Wege trennten sich. Als ich im Bett lag und an die Decke starrte, erinnerte ich mich an die vielen Momente, in denen ich alleine mit ihm gewesen war. Insgesamt wurde ich aus seinem Verhalten einfach nicht schlau, doch das musste ich wohl auch nicht.

      Galopprennen E- A

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      November 2015, by Occulta
      Um sechs Uhr stand ich auf, schnappte mir ein Brot mit Konfitüre und machte mich auf den Weg zum Hauptstall, um wie fast jeden Morgen pünktlich beim Vollblütertraining zu sein. Heute wurden zuerst die meisten der Zweijährigen trainiert (nur Pointless war nicht dabei, sie bekam wiedermal Spezialbetreuung), insgesamt also ein Feld von fünf Pferden. Ich selbst ritt Frame, da der junge Hengst sonst mit niemandem konzentriert lief. Es ging heute primär darum, die Jungspunde an Trackponys zu gewöhnen, aber es war zudem auch wie die letzten vier Wochen das Ziel, eine Strecke von 1000 Metern zu laufen, mit den letzten 400 Metern in 30 Sekunden. Wir befanden uns mitten in einem speziellen Trainingsplan, nach dem die Pferde auf Pineforest Stable schon seit Jahren erfolgreich trainiert wurden. Ich sattelte Frame, während ich ausgelassen mit Rosie plauderte, die Caligari vorbereitete. Als wir fertig waren, führten wir die Pferde nach draussen und stiegen einer nach dem anderen auf. Danach ging’s im Gänsemarsch mit Sumerian an der Spitze zur Bahn. Ich hatte im Moment noch lange Steigbügel, da wir zuerst mit den Trackponys arbeiten mussten und ich so mehr Kontrolle hatte. Als Ponys dienten diesmal Shadow, Anubis, Unbroken, Islah und Moon. Ich schloss zu Soul auf, der von Jonas geritten wurde. Frame blieb die ganze Zeit über fast noch entspannter als der Painthengst neben ihm, aber das überraschte mich nicht. Wir blieben zunächst im Schritt, später auch im Trab immer schön neben den Begleitpferden, wobei die anderen Reiter gelegentlich die Zügel der Vollblüter hielten. Die Renncracks mussten lernen, ihr Tempo dem der Begleitpferde anzugleichen und ruhig daneben zu bleiben, das würde uns später in den Rennen vieles erleichtern. Während One Cool Cat und Shio die ganze Zeit am zappeln und rumzicken waren (Cool Cat wohl eher, weil ihn die vielen Stuten nervös machten, was sich der Italienische Macho noch nicht gewöhnt war), verliessen sich Sumerian und Caligari blind auf ihre Trackponys und Frame orientierte sich ja sowieso nach mir. Einmal stieg Cat bolzengerade in die Luft, wobei April fast runtergefallen wäre. Spätestens da hörte der Spass mit dem Rappen auf und sie packte ihn härter an. Ich gab ihr als Hilfe meine Gerte, da sie die ihrige zurückgelassen hatte um die Hände freier zu haben. Nun begleiteten uns die ‚Ponys‘ zu den Startboxen, danach war ihr Part erledigt und sie wurden versorgt. Eines war überraschend positiv: sämtliche der zweijährigen Blüter gingen ohne Murren in die Boxen. Das zeigte mir, dass wir auf einem guten Weg waren, was den Grundgehorsam und die Basics des Rennens anging. Doch nun kamen wir zum interessantesten Teil: die Tore flogen auf und die Pferde schossen los, doch schon nach hundert Metern bremsten wir sie wieder in einen lockeren, aber noch immer einigermassen lockeren Canter. Erst beim 600m-Pfosten feuerten wir sie erneut an, um sie auf die gewünschte Höchstgeschwindigkeit von 13 Metern pro Sekunde zu treiben. Alle der fünf Athleten hielten bis zum Finish durch, aber Caligari schnaufte durch weit aufgerissene Nüstern und war an Schulter, Hals und Flanke nassgeschwitzt. Sie war etwas weniger lange als die anderen im Training und hatte dementsprechend noch eine schlechtere Kondition. Da sie aber, mit der Fleecedecke auf dem Po, noch beim Auslaufen auf der Galoppbahn wieder trocknete, hatte Oliver keine Bedenken, dass sie in wenigen Wochen auch fit sein würde. Ich war ganz zufrieden mit dem Training; die jungen Pferde hatten gezeigt, dass sie reif für die nächste Stufe waren.

      Schwarz wie die Nacht

      Dezember 2015, by Occulta
      „Parányi!“, rief ich meine lackschwarze Jungstute. Sie stand weit weg auf der anderen Seite der Weide und glotzte mich nur verständnislos an. Ich wollte sie heute das erste Mal in ihrem Leben reiten, aber dazu musste ich sie zuerst zu fassen bekommen. Sie konnte manchmal richtig stur sein, das hatte ich in den Wochen seit ich sie gekauft hatte schon gemerkt. Begleitet wurde ich, als ich auf sie zu lief, von den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Es herrschte eine seltsame Stimmung am Himmel. Alles leuchtete kitschig rosa und orange, doch im Vordergrund bauschten sich dunkle Wolken auf. Ausserdem war es bitterkalt geworden, aber das war mir schon den ganzen Tag aufgefallen. Ob es wohl schneien wird? Mir gefiel das rötliche Licht, in welches die Tannen und Wiesen getaucht wurden. Es schien ebenso melancholisch und nachdenklich, wie ich mich den ganzen Morgen gefühlt hatte, sei mich die schreckliche Nachricht von Sarahs Tod erreicht hatte. Sie war mitsamt ihrer Familie bei einem Unfall mit Gas ums Leben gekommen. Ich konnte es noch immer kaum glauben, denn ich hatte oft mit ihr zu tun gehabt und sie war eine hervorragende Trainerin gewesen. Es war ein Verlust, den alle auf Pineforest Stable zutiefst bedauerten. Daher waren selbst die Pfleger schon den ganzen Tag schweigsam gewesen, sogar Ajith hatte ausnahmsweise auf sein fröhliches Summen und Pfeifen verzichtet. Die Pferde waren den ganzen Tag besonders brav gewesen, als spürten sie, dass etwas uns bedrückte. Nur Parányi wollte nicht mitspielen. Sie blieb lieber bei ihren Kollegen auf der Weide, anstatt artig angetrottet zu kommen. Ich überlegte einen Moment, gleich alle Stuten reinzuholen, denn sonst würde ich wohl ein riesen Theater mit dem Jungspund haben. Ausserdem waren sie seit dem Mittag draussen gewesen. Ich entschied mich und trommelte ein paar Pfleger zusammen. Wir hatten, nun da alles fertig umgebaut war, damit angefangen, die Pferde selber zu den Boxen laufen zu lassen. So sparte man viel Zeit. Dazu mussten wir lediglich sämtliche Fluchtmöglichkeiten auf dem Weg mit Elektroband schliessen und die Boxentüren öffnen. Wir hatten vor einer Weile bei allen Durchgängen Bänder abgemessen und befestigt, sodass wir sie jeweils nur noch umhängen mussten. Genau das taten wir jetzt, und danach wurde das erste Weidetor geöffnet. Die Stuten bemerkten unser Pfeifen und begannen, sich trabend auf uns zu zubewegen. Sie wussten genau, dass in den Boxen das Kraftfutter auf sie wartete, wie immer nach dem abendlichen Weidegang. Nacheinander flitzten Sweets, Halluzination, Lady Liquor, Islah, Dream, Bluebell, Ronja, Parányi und zuletzt Satine durch das offene Tor. Sie überquerten die Galoppbahn und kamen erst vor dem Nebenstall zum Halt, wo bereits Lisa und Jonas bereit standen, um sie in die richtigen Boxen zu lotsen. Als alle drin waren, pfiffen die beiden Pfleger und wir öffneten das Tor der zweiten, oberen Weide. Hier standen die Vollblutstuten schon am Zaun und scharrten zum Teil ungeduldig. Sie hatten beobachtet, wie die anderen reingerannt waren und warteten nun selbst darauf. Auch hier öffneten wir, als alles bereit war. Sumerian, Paint, Caprice, Campina, Kierka, Gray, Blüte, Cassy, Shio, Pointless und Indiana nahmen es lustigerweise dann doch etwas gemütlicher als die anderen Stuten. Vielleicht lag es daran, dass sie auch sonst immer genug Gelegenheit zum Rennen hatten. Sie trabten vom Hauptstall und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, die sie an den Weidehalftern zu den Boxen führten. Nur Pointless entwischte und machte einen Abstecher zum Hengsttrakt. Die Jungs sahen ihr natürlich prompt interessiert durch die Gitterstäbe nach und versuchten, sie näher zu locken. Doch Point legte nur die Ohren platt und lief zielstrebig innenherum zum Stutentrakt. „Dass du immer eine Ehrenrunde brauchst!“, schimpfte ich kopfschüttelnd und scheuchte sie in ihre Box. Die Jungs waren übrigens am frühen Morgen auf der Weide gewesen, da wir sie immer getrennt von den Stuten raus liessen. Zufrieden schob ich die letzte Tür zu und begab mich zu Parányis Box im Nebenstall. Sie hatte noch nicht ganz fertig gefressen, also nutzte ich die Gelegenheit, um noch rasch die Putzsachen und den Sattel vorzubereiten. Danach bürstete und sattelte ich sie. Beim Zäumen wollte sie den Mund nicht so recht öffnen, also schob ich ihr den Daumen seitlich in den Mund, sodass sie diesen Öffnete. Als ich die kurzen, eher spärlichen Schopfhaare entwirrt und alle Riemen geschlossen hatte, führte ich sie zum Sandviereck. Ich hatte sie bisher schon einige Male mit Sattel und Zaum longiert, aber aufgestiegen war ich noch nie. Auch heute longierte ich sie zuerst etwas, worüber ich im Nachhinein froh war. Denn so musste ich die Freudenbuckler die folgten nicht im Sattel miterleben und konnte einschätzen, wie fit sie war. Schliesslich hängte ich die Longe aus und führte die Stute zur Aufstiegshilfe. Eigentlich wäre ich auch ohne hochgekommen, aber ich wollte es dem jungen Pferd am Anfang so etwas erleichtern. Zunächst liess ich sie neben dem Treppchen stillstehen. Dann lehnte ich mich vorsichtig über den Sattel und kraulte sie gleichzeitig am Hals. Sie war konzentriert, aber ruhig. Also machte ich weiter, bis ich das Bein auf die andere Seite nehmen konnte. Allerdings blieb ich immer noch stehen mit ihr – so jedenfalls geplant. Denn kaum sass ich ganz drauf, lief Parányi im Schritt los. Ich wollte sie mit der Stimme beruhigen und bremsen, aber sie lief zielgerichtet zu den Büschen, die das Viereck säumten. Dort hielt sie dann doch; nämlich um zu fressen. Ich liess mich aus dem Sattel gleiten und führte sie zurück zur Treppe, um das ganze Spiel zu wiederholen. Diesmal steuerte ich sie (so gut es ging). Plötzlich spürte ich eine Schneeflocke auf meiner Nase. Es war mittlerweile wirklich beinahe dunkel und nur ein letztes, rotes Glimmen hinter den Bäumen erinnerte an den vergangenen Tag. Feine Schneeflocken tanzten aus der dunklen Wolkendecke und liessen beinahe Weihnachtliche Stimmung aufkommen. Ich lächelte glücklich und genoss die kalten Kristalle auf meinem Gesicht. Parányi und kurvten unterdessen ein wenig auf dem Platz herum. Sie hatte noch nicht das Gleichgewicht, um gerade Lilien zu laufen, also kam ich mir vor wie jemand der besoffen reitet. Auch Jonas grinste schelmisch, als er mit der Schubkarre vorbeikam. „Du musst gar nicht so schauen, es ist ein junges Pferd!“, entgegnete ich. „‘türlich, ich kenne dich doch, Boss“, bekam ich als Antwort, während er seinen Weg fortsetzte. Ich schüttelte lachend den Kopf und stieg ab. Parányi hatte genug für heute und ich wollte ihre Konzentrationsfähigkeit nicht überspannen.
      Ich versorgte die mit der Dunkelheit verschmelzende Stute und liess Jacky, Sheela und Zira wieder aus dem Haus. Ich sperrte sie jeweils ein, wenn ich sie aus dem Weg haben wollte. Es schneite nun schon ein Bisschen stärker, vor allem waren es grössere Flocken als zuvor. Lily, wo steckst du wieder? Fragte ich mich selbst, während ich zu den Offenställen lief, stets begleitet von meinem kleinen Rudel. Tatsächlich sass sie dort bei den Miniature Horses im Gras und bürstete Tiki. Na toll, ihre Hosen sehen bestimmt wieder schön eingesaut aus, stellte ich fest, denn der Boden war herbstlich feucht. „Siehst du überhaupt noch etwas?“, rief ich ihr von weitem fragend zu. Sie erklärte mir, als ich nahe genug war, dass Tiki so langes ‚Flauschefell‘ hatte und sich damit immer wälzen täte. „Hast du eine Idee, was man dagegen tun könnte?“, fragte ich sie. „Nö, ich hab’s auch schon mit dem Kuhstriegel versucht, aber bei den kleinen Beinchen trau ich mich nicht.“ „Komm, bring Tiki mit – ich bring dir was neues bei.“, meinte ich verschwörerisch und führte die beiden (selbstverständlich mitsamt Queeny und Kiwi und den Hunden) in den Innenhof des Hauptstalls, wo es zum Glück taghelle Lampen hatte. Dann holte ich eine der Akku-Schermaschinen aus der Sattelkammer und zeigte Lily an der ersten Körperhälfte von Tiki, wie sie vorgehen musste. Die halbstarke Stute blieb geduldig stehen; sie kopierte ihre Ziehmuttter, die komplett relaxt an dem dünnen Grasstreifen zwischen Kiesplatz und Karussell knabberte. Als ich zum Bauch kam, wurde sie dann doch etwas zappelig. „Das ist normal, weil das lose Fell sie kitzelt“, erklärte ich. Nun legte meine keine Schülerin selber Hand an. Sie machte es ganz gut für das erste Mal. Natürlich musste ich am Schluss noch ein paar Streifen ausgleichen, aber viel hatte ich nicht zu bemängeln. Ich lobte beide, Schülerin und Testobjekt, und wir brachten die Truppe gleich zurück zum Offenstall, doch nicht, ohne Tiki eine Fohlendecke („Ohhhh süss, die ist ja so gross wie ne Hundedecke!“) anzulegen, damit sie nicht kalt hatte. Die Hengstchen nebenan bewiesen, dass man Minis durchaus als Pferde, und nicht als Spielzeug betrachten sollte: Arco und Caress drehten buckelnd ein paar Showrunden, als wir Queeny zurückbrachten. Auch der kleine Cailleanmischte kräftig mit.
      Ich wurde von den Worten „Occu, wann kommt das Zebra?“ aus meinen Gedanken gerissen. „Öhh, um… Warte, jetzt!“, stellte ich fest, als das Mädchen in Richtung eines sich dem Parkplatz nähernden Transporters zeigte. Zum Glück hatte ich am Morgen schon eine Box vorbereitet, denn ich hatte damit gerechnet, dass das seltsame Tier irgendwann im Verlaufe des Tages ankommen würde. Lily stürmte mit den begeisterten Hunden voraus und ich liess mich zugegebenermassen auch zu einem Joggen verleiten. Ich gab es nicht gern zu, aber war unheimlich gespannt, was mich mit dem Exoten erwartete. Gesehen hatte ich die Zebrastute schon einmal, denn ich hatte sie aus der Gruppe des Zoos aussuchen dürfen. Sie stamme nicht etwa aus der Wildnis, sondern aus einer Zucht in Afrika und war Pferde gewöhnt; Ausserdem total handzahm – einer der Gründe, warum ich sie schlussendlich doch genommen hatte. Die Klappe wurde bereits geöffnet und ich entdeckte einen gestreiften Po im Inneren des Transporters. Dann drehte sie mir den Kopf zu und ich war augenblicklich verliebt in die grossen, runden Ohren, die sich mir zuwandten. Mit einem Mal war ich aufgeregt und froh, solch einen aussergewöhnlichen Equiden zu besitzen. ‚Thairu‘ trug ein breites Lederhalfter, an dessen Seite ein kleines Metallplättchen mit ihrem Namen glitzerte. „Ein Abschiedsgeschenk ihrer Fans“, murmelte die Zoowärterin und lächelte beim Anblick des kleinen Mädchens, das ehrfürchtig starrte. „Sie war nicht lange bei uns, aber hatte schon eine grosse Fangemeinschaft, weil sie so zahm ist.“ Ich nickte beeindruckt und löste dann den Strick, mit dem das Zebra angebunden war. Sie lief vorbildlich aus dem Transporter und wirkte auch nicht sonderlich aufgeregt. Das überraschte mich, denn ich hatte mir sogar schon die Handschuhe aus meiner Jackentasche angezogen, weil ich das Schlimmste befürchtet hatte. Mit ihren grossen Ohren scannte sie die Umgebung nach potentiellen Gefahren, aber offenbar schien nichts da zu sein, was sie beunruhigen konnte. Ich bedankte mich bei der Wärterin und unterzeichnete ein paar letzte Formulare, dann standen Lily und ich alleine mit dem Zebra da. „And now?“, fragte ich Lily herausfordernd, und streichelte dabei die schwarze Schnauze von Thairu. Das Zebra zuckte etwas mit dem Kopf, liess sich die Berührung dann aber gefallen. „Du wolltest sie doch zu Dante stellen, nicht wahr?“, meinte Lily, und bettelte im nächsten Atemzug „Darf ich? Biiiite!“ Ich vertröstete sie auf ein andermal, da ich immer noch nicht sicher war, wie brav das Vieh sich benahm. Dann setzten wir uns in Bewegung. Das gestreifte Tier liess sich nicht ganz so wunderbar führen, wie ich es nach der Glanzleistung beim Transporter erwartet hatte. Sie drängelte hin und wieder, oder versuchte, mich an den Rand zum Gras zu ziehen. Ich setzte mich aber durch und schaffte es bis zu dem hübschen, mittlerweile zumindest temporär Wallach gewordenen Eselherrn. Die Tierärztin hatte mir auf mein Zögern bezüglich der anstehenden Kastration hin angeboten, ihn nur chemisch kastrieren zu lassen. So konnte ich mir immernoch alle Optionen offenhalten. Ich hatte natürlich eifrig zugestimmt, sodass er nun seit etwa einer Woche Wallach war. Seinen hengstigen Charakter hatte er aber vorerst noch behalten, dies würde sich erst in ein paar Wochen auch legen. Er rief dem Zebra schon von weitem mit seiner Schrillen Stimme und schnüffelte ganz genau an Thairu, als wir sie über den Zaun die Köpfe zusammenstecken liessen. Thairu schien nicht abgeneigt gegenüber ihrem zukünftigen Gefährten. Dante schien noch nicht so recht zu wissen, was er von dem Gestreiften Tier halten solle. Lily öffnete vorsichtig das Tor zur Weide und ich brachte das Zebra hinein. Die beiden beschnupperten sich sofort wieder. Dante trieb Thairu ein wenig im Kreis herum, bis es ihr zu doof wurde und sie den Kopf zum Fressen senkte. Dann war Friede im Paradies eingekehrt, so schien es jedenfalls. Als ich später am Abend nochmal vorbeischaute, standen die beiden dösend nebeneinander und Thairu hob den Kopf, als sie mich entdeckte. „Gute Nacht mein Mädchen, alles okay“, murmelte ich beschwichtigend und liess die beiden in Ruhe. Doch ganz war der Tag für mich noch nicht vorbei. „Na mein Süsser“, murmelte ich, als ich zu Pilot’s Box im Nordstall kam. Ich erinnerte mich noch gut an den Tag, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Er war damals als sensibler, aber begabter Junghengst ausgeschrieben gewesen. Trotzdem war er noch ziemlich untrainiert und eher gestresst gewesen, als ich ihn schliesslich anschauen ging. Doch ich hatte das Potential des Hengstes gesehen und beschlossen, ihm eine Chance zu geben. Mittlerweile war er in der Höchsten Spring-Liga erfolgreich unterwegs und zeigte mir jeden Tag von neuem, dass ich damals richtig ausgewählt hatte. Niemals könnte ich ihn verkaufen, denn er war ein fester Bestandteil von Pineforest Stable. Und wer könnte diesen intelligenten, dunklen Augen schon wiederstehen? Pilot blickte mir manchmal fast schon etwas schelmisch entgegen, als hätte er wieder etwas geplant. Dabei war der Hengst in den richtigen Händen ein richtiges Lamm, das nach Zuneigung hungerte. Deshalb senkte er auch den Kopf, als ich ihn an den Ohren kraulte, schmiegte sich mit der Stirn an mich und döste fast ein. Ich fuhr nach einer Weile, so leid es mir tat, mit dem Bürsten des gescheckten Stoppelfells fort und kämmte auch den Schweif vorsichtig durch. Dann kratzte ich die Hufe aus und holte das Sattelzeug. Ich hatte vor, einen gemütlichen Ritt am Fluss entlang zu machen, was ich auch umsetze. Es war zugegebenermassen ab und zu etwas unheimlich alleine durch die neblige Dunkelheit zu reiten, doch irgendwie war es auch seltsam beruhigend. Pilot war zügig unterwegs, verhielt sich aber wie ein Musterschüler und scheute auch nicht stark, als vor uns ein Reh aus dem Gebüsch sprang. Wieder zuhause angekommen, gab ich Pilot seine verdiente Portion Karotten und einen Apfel, den er genüsslich zu Brei verarbeitete.

      Fox Woods Stable

      März 2016, by Vhioti
      Ich war mir immer noch nicht sicher, ob das eine gute Entscheidung war, aber als ich den Namen des zu verkaufenden Stalles las, war ich Feuer und Flamme. Das kleine Gut mit einer Rennbahn und einem Ententeich sprach mich sofort an. Wo ich die ganze Zeit war? Überall und nirgends. Nach meinem erneuten Umzug hatte ich eine so derartig schreckliche Schaffenskrise, dass fast alle Pferde einen neuen Besitzer bekommen hatten, und ich mit Pünktchen und seiner neuen Genossin Polka einfach durch Europa gezogen waren. Der Gute hatte jetzt sogar einige Turniererfahrungen sammeln können, und obwohl er noch nicht in den Zuchtbüchern eingetragen wurde, bekomme ich gelegentlich Anfragen. Aber das malerische Gestüt in England hatte mich wie gesagt aus dem Kummer herausgerissen, und so war ich spontan bereit, das kleine Gut zu kaufen und noch dazu als "Startkapital im liebsten Wettsport der Briten" zwei hübsche englische Vollblüter erhalten. Occulta Smith, eine der bekanntesten Vollblutzüchter und -trainer überhaupt, hatte mir ihre Cremellostute Shio überlassen, und von einem ansässigen Züchter bekam ich die erste Jungstute von einer seiner Zuchtstuten. Scarlet in Birth unterschied sich von Shio wie die Sonne vom Mond, aber beide bargen ein großes Talent, so dachte ich zumindest.
      Fox Woods Stable war sehr simpel auf einem annehmbar großen Grundstück aufgebaut. Entlang der Einfahrt waren die derzeit einzigen zwei Weiden (Pünktchen hatte die Hengstweide für sich alleine), und auf dem großen Platz gab es nur drei Gebäude; das Hauptgebäude mitsamt Büro ganz zentral, der Stall mit Putzplatz, Sattel- und Futterkammer links; ein kleiner Paddock begann dahinter) und die für meine Verhältnisse winzige Reithalle mit Platz für max. 3 Pferde auf einmal, aber so wie es aussah, kamen die Umbaumaßnahmen gut vorran. Polka und Pünktchen standen schon auf ihrer Weide, nur Shio und Scarlet durften mit mir gemeinsam die Rennbahn begutachten. Es war schwer, die doch kleinen Stuten ruhig am Strick zu führen, aber immerhin - auf der Weide konnten sie sich nun austoben.
      Der erste Tag konnte beginnen.

      Der alte Rentner und die Milchstute - Distanz E- A

      Datum unbekannt, by Vhioti
      Man wollte es nicht für möglich halten, aber mit vier Pferden hatte man nicht unbedingt weniger Arbeit als vorher mit 12. Da ich mich aber nun auf die kleine Herde konzentrieren konnte, machte es mir heute besonders Spaß, den missmutigen Pünktchen zu striegeln und gelegentlich auch Shio mit dem Putzen zu beglücken. Heute stand ein kompletter Trainingstag für die Pferde an. Pünktchen und Shio durften einen längeren Distanzausritt machen, während ich mit Scarlet einige Dressurlektionen ausprobieren wollte; obwohl ihre Eignungen nicht komplett ausgetestet wurden, um genauer zu sein, aber die Züchter hatten mir ja versichert, dass alles nach Plan laufen würde, zumindest bis zur Hohen Schule.
      Das, was die Bauarbeiter Rennstrecke nannten, war nichts mehr als ein eingestampfter Pfad. Kopfschüttelnd erklärte ich den Arbeitern, dass ich nun für eine Stunde entschwinden würde, und setzte mich auf Pünktchen. Shio musste heute das “Lastpferd” mimen; wir brauchten Feuerholz, und so konnte sie auch etwas Stärke aufbauen. Natürlich hätte ich es auch andersherum machen können; aber bei Pünktchens Rückenproblemen wusste man ja nie.
      Für die gut zwölf Kilometer hin und zurück brauchten wir gut eine Stunde. Die beiden Pferde bekamen eine gründliche Rückenmassage und durften dann ein wenig ausspannen; solange wollte ich mich um Scarlet kümmern. Da ja die Rennbahn nicht funktionsfähig war, wollte ich ihre Dressurleistungen ankurbeln.
      Gesagt, getan. Das “Grobe und Ganze” beherrschte sie schon gut, was aber nicht hieß, dass auch ihre Gänge und Tempi davon betroffen waren. Zirkel, Bahnwechsel und Schlangenlinien gut und schön - wenn sich aber ihr Leichttrab anfühlte wie eine Kanonenkugel zu reiten, dann wohl eher nicht. “Daran müssen wir dringend arbeiten, denke ich.”, seufzte ich nach einer Stunde Arbeit und spannte stattdessen Polka vor ihre kleine Kutsche.
      Im Laufe der nächsten Tage intensivierte ich das Training, sodass ich nach getaner Arbeit einige Haken an meiner To-Do-Liste machen konnte:
      Pünktchen und Shiryo, die beide die A-Distanz gemeistert hatten, Scarlet, die mit ihrer A-Dressur herzlich wenig anfangen konnte und Polka, die eifrig ihre Kutsche zog und somit der Liebling des Dorfes wurde.
    • Flair
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      07.02.2018 | Hallo 2018!

      NWS Dreamcatcher, Devil May Cry, Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, Ravenclaw, Valerian, Golden Ebano, Shiryō,
      Mimi Magical, Jonquil, NWS No Mercy, Belle Fleur, Waikiki, Macaruja, Daitona, Galantis, Shyvana und Black Eyed Smoky.


      "Achte einfach mal auf seine Unterlippe." Marie beobachtete ihr dösendes Pferd nachdenklich. Sie übte gerade das Aufsteigen mit ihrem Rappschwarzen Hengst Ravenclaw. Dabei hat sie mit vehementen Einwürfen seitens Raven gerechnet, doch er entspannte sich so sehr, dass sie an seiner psychischen Anwesenheit zweifelte. Sicherlich waren die beiden mittlerweile miteinander vertraut - Marie hat so viel Bodenarbeit mit ihm gemacht, dass sie mehr Ausdauer als das ein oder andere Pferd in meinem Stall haben musste. Und er entwickelte sich dabei zu einem wahren Goldstück. Es konnte sogar Dinge auf Kommando apportieren, so etwas verrücktes hatte ich zuvor noch nicht gesehen. Marie gab ihm einen Klaps auf seine Schulter: "Huhu Pony, Anwesenheitspflicht." Raven gähnte ausgiebig, und betrachtete Marie mit großen Kulleraugen. Jetzt war er wach. Ich musste schmunzeln. "Dann drücke ich dir mal die Daumen, dass er dir bei den ersten Schrittversuchen nicht einpennt, Marie!" Sie grinste schief und lobte den Hengst, als sie sich über seinen Rücken beugte. Ich machte mich währenddessen auf den Weg in die Stallgasse, um zu füttern.
      Philipp machte gerade Cosmic fertig und war nicht sonderlich gesprächig. Ich wies ihn kurz darauf hin, dass Marie die kleine Halle mit Janina belegt hatte, und er somit nach draußen auf den Platz oder in die große Halle nebenan verbannt wurde. Cosmic schnaubte erschüttert, als würde er das persönlich nehmen. Philipp lächelte kurz und meinte nur: "Soso, das Wildpferd wird also gebändigt." Ich lächelte zurück und stellte Cosmics Futter in einem Eimer vor seiner Box ab. "Schmeiß ihm das nachher noch rein, ja?" Philipp nickte und legte dem großen Fuchs den Sattel auf. In letzter Zeit war es stiller geworden, Janina und Philipp waren mit dem aktuellen Bestand an Pferden absolut überfordert, daher hatte ich einige Anzeigen geschaltet, in denen Verstärkung fürs Team gesucht wird. Es gab tatsächlich auch schon einige Bewerbungen, mit denen ich mich dringend auseinandersetzen sollte. Jodie lag mit der Grippe flach, sodass ich irgendwie doppelt belastet war. Nebenbei mussten auch noch die ganzen Kürtermine geplant und das Training der Pferde getaktet werden. Diese Aufgaben fielen eigentlich in Jodies Bereich, doch jetzt war sie krank. Der Start in das Neue Jahr verlief ebenfalls chaotisch: Zwischen etlichen Körungen lief der Transport zwei neuer Westfalen schief, was nicht nur viel Zeit, sondern auch wertvolle Nerven kostete. Mittlerweile spannte ich für solche Geschichten Janina mit ein, denn diese Frau hatte offensichtlich Nerven aus Stahl. Gedankenumwoben scheffelte ich Hafer und Pellets in die Tröge der Pferde und prüfte mit einem kurzen Blick, ob die Decken noch vernünftig lagen. Das letzte, was wir jetzt noch gebrauchen könnten, wäre ein krankes Pferd. Als alle Pferde versorgt waren, machte ich mich auf den Weg ins Stübchen, machte mir dort einen Kaffee und suchte nach den Bewerbungsunterlagen. Zwischen den Zeilen schaute ich ab und zu durch das große Fenster in die Reithalle, um Raven, Marie und Janina zuzusehen. Mittlerweile saß Marie oben - Janina hatte den Rappen an der Hand und führte ihn vorsichtig einige Schritte vor. Er ging noch etwas zögerlich, machte aber keine Anstalten unartig zu sein. Marie lobte ihr Pferd ausgiebig und ich gönnte ihr diesen Erfolg. Seit sie Ravenclaw hatte, ist sie so viel selbstbewusster geworden. Mit Dai, ihrer kleinen Erzfeindin, hatte sie sich mittlerweile gut zurechtgefunden, was mit Sicherheit auch mit iherer Arbeit mit Ravenclaw zusammenhing. Unwillkürlich musste ich an meine kleine Lieblingsstute Jonquil denken. Sie hatte auch enorme Fortschritte gemacht. Während ich sie zuhause trainiert habe, hat Philipp sie zu einigen Turnieren mitgenommen, um mit ihr als Zweitpferd zu starten, und die kleine Apfelschimmelstute erwies sich auf dem Turnier stets als sehr ehrgeizig, wo sie sich zuhause als aufmüpfig erwies. Als würde man einen Schalter umlegen, dachte ich. Ein Fohlen von ihr und Cosmic würde vermutlich wahnsinnig toll werden. Nicht nur vom Potenzial her, nein, sondern auch charakterlich. Ich schweifte in meinen Gedanken ab, bis ich mich träumend auf meinem Platz im Stübchen erwischte. Ich sollte mich wahrlich mit wichtigeren Dingen, wie zum Beispiel dieser Bewerbung von Fabienne, Saskia, Jenny, Tobias und Maximilian. Diese fünf Kandidaten hatte Jodie (vor ihrem krankheitsbedingten Ausfall) bereits in die engere Auswahl sortiert. Unwillkürlich dachte ich an mich, Janina und Philipp. Wir hatten uns damals ganz ungezwungen zusammengefunden. Zuerst zu Pferd als Konkurrenten auf dem Platz, später als Sportkollegen an dem Pommesstand und eines Tages eben auch als Freunde auf dem Reiterball vor ca 6 Jahren. Irgendwie hatten wir uns auf Anhieb gut verstanden, hatten oftmals (auf keinen Fall immer!) dieselben Ansichten zum Thema Pferd und Reiterei, und so kam es zu dem, was im Hier und Jetzt stattfindet. Müde legte ich die Bewerbungen an die Seite und schwelgte in den alten Zeiten...
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      07.07.2018 | Eingekehrte Ruhe

      Millenium GC, For Pleasure, NWS Dreamcatcher, Devil May Cry, Nemax, Cosmic Dawn, Bijou, Ravenclaw, Valerian, Golden Ebano, Shiryō,

      Mimi Magical, Jonquil, NWS No Mercy, Belle Fleur, Waikiki, Macaruja, Daitona, Galantis, Shotgun, Cherrypie, Shyvana und Black Eyed Smoky,
      Eskari, Bajana, Chin Chin, Angels Kiss und Kjarkur, Ciri Riannon, Flavor's Feverdream, PFS Catching Fire und La Cadence.

      Mein Handy zeigt 4:50 an, als ich vergnügt aus dem Stall ging. Die Pferde waren alle gefüttert und versorgt, ich konnte jetzt noch kurz etwas Schlaf nachholen, mich später in die Sonne legen und den Stall den Händen meiner Mitarbeiter überlassen. Heute habe ich ausnahmsweise mal frei. Nachdem wir unsere kleine Familie um zwei weitere Bereiter und zwei Pferdewirte erweitert haben, ist der Alltag (verhältnismäßig) um einiges entschleunigt worden. Turnierwochenenden waren noch immer stressig, aber sobald unser LKW, auf den tatsächlich 5 Pferde passen werden, finanziert wird, würde auch das leidige Fahren zu den Turnierplätzen ein Ende nehmen. Unseren Pferden geht es zur Zeit prächtig, einzig unser Neuankömmling For Pleasure hatte etwas mit der Umstellung zu kämpfen. Der große Fuchs hat den Besitzer schon des öfteren gewechselt, doch hier sollte er nun seinen Endplatz genießen. Philipp hat ihn geleast, wollte noch ein wenig aus ihm herauskitzeln, sodass er eines Tages als Deckhengst einsetztbar ist, und letztenendes dann sein Gnadenbrot hier auf dem Gestüt genießen darf. Seine Erfolge im Springen, und auch seine Rittigkeit hatten mich gleich überzeugt, sodass ich ihn mit der Stute Millenium GC, welche die Mutter unserer Galantis ist, kaufte. Damit wurde der Hannoveranerbestand enorm erweitert. Außerdem durften neben den beiden Hannoveranern auch zwei Stuten hier einziehen: Die Holsteinerstute Shotgun und die Trakehnerstute Cherrypie. Beide lebten sich schnell ein und Cherrypie konnte unter Janina sogar schon einige leichte Klassen im Springen erfolgreich abschließen. Jetzt würde die Stute sicherlich von Philipp weiter geritten werden, um auch in den hohen Klassen erfolgreich zu sein. Insgesamt läuft alles gut, denn neben den Pferden haben sich auch vier weitere Mitarbeiter gut eingelebt. Malte und Saskia zählen zu den beiden neuen Bereitern, wobei beide mit dem Schwerpunkt Springen zu uns auf den Hof kamen. Die beiden Pferdewirte, Alexander (kurz Alex gennant) und Pierre waren ebenfalls nun Teil des Teams. Zuerst herrschte eine gewisse Zurückhaltung, jedoch legte sich diese Stimmung schnell, da alle vier "Neuen" eine super aufgeschlossenen und sehr umgängliche Art hatten. Marie machte mit Raven stetig Fortschritte. Der umgängliche Rappe lässt sich mittlerweile in allen Grundgangarten Reiten und lässt sich auch bei neuen Aufgaben nicht aus der Fassung bringen. Marie entwickelte sich mit dem Pferd, und sie traute sich mit meinen Pferden auch immer mehr zu. Mit Daitona hat sie sich mittlerweile wirklich angefreundet. Sowohl Dressuraufgaben als auch kleine Hüpfer waren mit der hitzigen Rappstute keine Probleme mehr. Jodie hatte einiges mit ihrem Shop zu tun, der eigentlich schon im Februar hätte eröffnen sollen, wegen ihrem Krankheitsbedingten Ausfall verzögerte sich die Eröffnung allerdings. Insgesamt schien alles seinen Lauf zu nehmen: Die Turniertage liefen zur Zeit gut, unsere Fohlen kamen alle gesund zur Welt und die Atmosphäre am Stall war wirklich toll.
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    Zweiter Stalltrakt
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    3 Dez. 2018
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    SHIRYō
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    Grunddaten:

    Rasse: Englisches Vollblut
    Geburtsjahr: 2013
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 1,63
    Farbe: Cremello
    Abzeichen: -
    Besitzer: flairi
    Ersteller/Züchter: kira
    VKR: -

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    Abstammung:

    von: unbekannt
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    aus der: unbekannt
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

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    Zuchtdaten:

    Zur Zucht zugelassen: nein
    Nachkommen: keine
    Eingetragene Zucht: -

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    Charakter:

    Shiryō ist ein Geisterpferdchen, jedenfalls sagten das ihre Züchter oft, wenn auch nur scherzhaft.
    Sie scheint jedoch tatsächlich ein wenig unheimlich wenn sie einen mit ihren blauen Augen mustert.
    Sie ist ein angenehmer Gefährte, weder besonders aufdringlich noch ängstlich. Verschmust ist sie
    jedoch auch nicht, es kommt sogar vor, dass sie den Kopf wegzieht, wenn man sie anfassen will.
    Auf der Bahn hat sie viel Power und wenn der erste Schnee im Winter fällt, ist sie noch viel zappeliger
    als sonst.

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    Ausbildungstand:

    Dressur: E
    Springen: A
    Gelände: S**
    Distanz: A

    Rennen: M
    Western: A
    Fahren: E


    Schwerpunktdisziplinen: Galopprennen
    Eignung: Galopp, Springen, Distanz, Gelände

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    Turnier- und Zuchterfolge:

    3. Platz 350. Westernturnier
    1. Platz 353. Galopprennen
    1. Platz 398. Springturnier
    3. Platz 329. Militaryturnier
    3. Platz 348. Militaryturnier
    3. Platz 350. Militaryturnier
    2. Platz beim 438. Galopprennen
    1. Platz beim 358. Militaryturnier
    3. Platz beim 365. Militaryturnier
    3. Platz beim 370. Militaryturnier

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