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Gwen

Shenandoah

Englisches Vollblut ♀ gekrönt

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Shenandoah
Gwen, 29 Okt. 2016
Cooper, Zion, Zaii und 3 anderen gefällt das.
    • Gwen
      Pflegebericht 22.06.2017 - Einmal Geländestrecke bitte!

      Momentan saß ich an der Abschlussarbeit meines Studiums, denn diesen Sommer hatte das letzte Semester begonnen und das Ende nahte. Zugegebenermaßen war ich recht froh darüber, denn das Fernstudium hatte doch allerhand Zeit gefressen, aber eine zweite berufliche Absicherung schien mir auch jetzt noch klug und nun war es bald geschafft.
      Nur leider saß ich deshalb momentan mehr am PC als dass ich draußen bei den Pferden war und so war ich doch etwas froh, mich damals für Ciaran entschieden zu haben, welcher mir momentan viel Arbeit abnahm. Nichtsdestotrotz ließ ich mir meine tägliche Portion Stall nicht nehmen und arbeitete deshalb dann gerne auch abends etwas länger an meiner Arbeit, wenn es sein musste.
      Momentan hatten wir angenehmes Wetter mit um die 20°C und Sonnenschein. Da es aber auch regelmäßig regnete, war es bei uns grün wie eh und je. Doch vor dem Stall kam die Büroarbeit, denn Mails mussten beantwortet werden und die Turnieranmeldungen sollten auch noch raus. Dinge, die ich nicht gern tat.
      Aber immerhin war bei den Mails auch mal Gutes dabei, denn Occulta Smith hatte mir neue Bilder von PFS‘ Disparo de Fiasco geschickt. Vor einem Monat waren wir in England auf der Auktion von Pineforest gewesen, wo ich mich in den kleinen Criollohengst verliebt hatte.
      Tja und wie es nun einmal sein sollte, gehörte er nun mir. Bis August würde er noch auf PFS bleiben, dort abgesetzt werden und dann die Reise nach Kanada antreten. Da wir erst letzten Monat dort gewesen waren, begnügte ich mich momentan mit Bildern und wollte erst im Juli zu Besuch kommen. Wir hatten also auch noch genügend Zeit für die Planung seines Umzugs.
      Viel komplizierter gestalteten sich hingegen die Turniermeldungen für den kommenden Monat. Momentan lag mein Fokus auf Snow White Cassedy und Ohnezahn, denn die beiden führte ich gerade mehr oder weniger in den Turniersport ein, weshalb es mir ein großes Anliegen war, dass die beiden auf Turnieren starteten, die für sie angemessen waren.
      Bei meinen Turnier-Oldies wie Moon’s Wishing Well oder Altair machte ich mir da weniger Gedanken, sie waren schon unglaublich routiniert und hatten definitiv zur Genüge ihren Spaß am Reisen. Bei Ceredwen überlegte ich auch kurz, ließ aber die restlichen Wochenenden des Junis aus, denn die Stute sollte auf ihre Prämierung vorbereitet werden.
      Ciaran riss mich aus meinen Gedanken und zog mich mit in den Stall, dort warteten bereits zwei gesattelte Pferde auf uns: Shenandoah und Neelix. Und wenn ich mich nicht täuschte, sahen beide mit Springsattel, Gamaschen und Vorderzeug sehr stark nach Geländespringen aus.
      „Komm! Es wird mal wieder Zeit!“, meinte Ciaran grinsend und drückte mir die Zügel von Shanti in die Hände. Ich schaute ihn grinsend an, „Ich weiß das echt zu schätzen, aber ich nehme auch gerne Neelix“, meinte ich lachend und wir tauschten die Pferde.
      Mit seinen über 1,80m sah Ciaran auf unseren Sportponys meist etwas sehr ulkig aus und gerade im Gelände musste es dann ja doch nicht sein und da ich unseren Lewitzerhengst auch sehr gerne ritt, war das kein Problem. Es war natürlich ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob man nun auf einem Pony saß oder die große Vollblutstute ritt, aber als Besitzer von beiden Pferden konnte man das doch gut verkraften.
      Wir wärmten die Pferde in aller Ruhe auf und machten uns auf den Weg zur Geländestrecke. Wir entschieden uns heute für die Route B, etwas anspruchsvoll, aber dennoch nicht zu fordernd, denn so hochkonzentriert konnte ich momentan gar nicht sein.
      Ciaran ritt voraus, ich zählte brav bis 30, ehe Neelix und ich uns auch auf den Weg machten. Der Hengst galoppierte klar und ruhig unter mir und nahm sie Hindernisse immer sehr weich und im Galoppsprung, ohne mich auch nur annähernd aus dem Sattel zu werfen.
      Auf der langen Galoppstrecke legten wir auch etwas zu und doch ließ sich Neelix wieder gut zurücknehmen, als es den Berg hinauf und wieder hinabging. Am Ende der Strecke trafen wir auch wieder auf Ciaran, der mich fröhlich angrinste. Es gab doch wirklich nichts Schöneres als Geländespringen!
      Zu Hause bekamen die beiden Pferde zur Belohnung auch eine erfrischende Dusche, ehe sie zurück auf die Weide durften. Ciaran und ich widmeten uns in der Zeit der Stallarbeit. „Und wie läuft es mit Kedves und Ginny My Love?“, fragte ich neugierig, denn die beiden war Ciaran heute schon geritten.
      Kedves mochte er total, die beiden passten einfach unglaublich gut zueinander und dementsprechend gut verlief auch immer das Training. Ginny war hingegen heute wohl etwas anstrengend gewesen, da sie im Moment rosste und sie machte einem dann das Leben wirklich nicht leicht.
      Nach kurzer Absprache holte Ciaran Sinfonie von der Weide, während ich meinen beiden Jungpferden einen kleinen Besuch abstattete. Nuriya und Prismatic wurden von Tag zu Tag schöner. Besonders der braune Junghengst machte sich wirklich toll, ich hatte zwar gehofft, dass seine Eltern mir ein schönes Fohlen bringen würden, aber mit ihm hatte ich doch nicht gerechnet.
      Für Pria stand eventuell demnächst auch noch eine Fohlenschau auf dem Plan, aber ob sich der Stress bei den momentanen Wertungen lohnte, war noch fraglich. Nuriya hingegen genoss ihre freie Zeit, denn mehr als ab und an ein wenig Arbeit an den Grundlagen, stand für sie nichts weiter an.
      Also kehrte ich in den Stall zurück und machte gemeinsam mit Ciaran unsere Stute Sinfonie fertig. Seit kurzem war sie unter dem Sattel und nun langsam begannen wir mit dem richtigen Training. Deshalb waren wir heute auch zu zweit, weil Sinfonie heute das erste Mal Stangen unter dem Reiter kennenlernen würde.
      Ciaran ritt sie heute, während ich fleißig auf- und umbaute und den beiden Tipps gab. Sinfonie war immer noch so zart besaitet wie damals und man musste sie teilweise wirklich mit Samthandschuhen anfassen. Ich wusste auch, dass Ciaran sie nicht gar so gerne ritt und er lieber Pinero bevorzugte. Ich liebte Sinfonie und besonders ihre weichen Gänge waren einfach ein Traum.
      Damit die Stute aber auch ein Gefühl für andere Reiter bekam, musste nun einmal Ciaran herhalten. Für ihr erstes Mal machte sie es heute aber auch wirklich mehr als gut und hatte dann auch schnell ihren Feierabend verdient.
      Ich nahm sie danach nur zu gern Ciaran ab und machte sie selbst fertig. Ein bisschen Schmusen mit dem eigenen Pferd hatte schon was. Ciaran hingegen widmete sich Pinero, welcher heute longiert werden sollte. Er brachte mir auch direkt Dead Memories mit, für welchen das Gleiche auf dem Plan stand.
      Da wir gerne auch mit der ganzen Bahn arbeiteten, nahm Ciaran sich den Reitplatz und ich ging in die Halle, so störten wir uns nicht gegenseitig. Das war im Sommer echt ganz angenehm, wenn man nicht permanent aufeinander hockte, sondern jeder sein eigenes Viereck zur Verfügung hatte.
      Auch mit den beiden Pferden fertig, schaute ich kurz auf unsere Liste im Stall. „Ich würde mir mal Ohnezahn und Minou für einen Ausritt stibitzen. Elena ist heute aus England zurückgekommen und ich dachte mir, ich lade sie zu einem kleinen Ausritt ein“, meinte ich fröhlich und Ciaran nickte nur, ehe er selbst auf die Liste schaute.
      Ameya und Nayala hatten heute frei, so dass er auch nur noch Fagy und Tawny Bawny bewegen musste und dann für heute fertig war. Wir waren dementsprechend wirklich gut im Zeitplan gewesen, aber wenn ich pünktlich auf Sanssouci ankommen wollte, musste ich nun schnell die Ponys holen und fertigmachen.
      Unglaublich, wie sich Ohnezahn gemacht hatte, seitdem er unter dem Sattel war, das Training machte doch nochmal allerhand aus. Das erzählte mir auch Elena erstaunt, die den Schimmel ja nun wirklich selten zu Gesicht bekam. „Ihn erkennt man kaum wieder!“, meinte sie staunend, als sie sich in Minous Sattel schwang.
      Ich grinste sie fröhlich an, immerhin freuten mich solche Komplimente. Danach berichtete ich ihr von den Fortschritten ihrer Nachkommen, die ja bei mir im Stall doch ganz gut vertreten waren, ehe sie selbst alles von ihrem Urlaub erzählen musste.
    • Gwen
      Pflegebericht 31.07.2017 - Auch Dressur muss sein

      "Du kannst nicht immer mit ihr ins Gelände gehen", ermahnte mich Ciaran und unterbrach so mein Gejammer. Grummelnd band ich Shenandoah am Putzplatz an und machte mich daran, die Stute für unsere heutige Dressurstunde vorzubereiten. Ironischerweise unter Ciarans Leitung. Eigentlich hatte ich mich mit Shanti wieder auf die Geländestrecke schleichen wollen, weil das genau das war, was die Vollblutstute und ich so liebten, aber unser Spielverderber hatte uns erwischt.
      Also gab es für Shanti nun statt Vorderzeug und Gamaschen den Dressursattel und die Kandare drauf, denn es wurden heute hohe Lektionen verlangt. Unsere Stute war, wie der gesamte Stall, in einem gesunden Maß vielseitig ausgebildet. In der Dressur lief sie auf einem guten M-Niveau, während wir uns im Springen schon auf S-Höhe trauten. Aber auch Military und Distanz waren der Stute nicht fremd und forderten sie auf ganz andere Weise.
      Aber natürlich hörte ich auf unseren Trainer und so gingen wir heute auf den Platz, wo ich Shanti erst einmal in aller Ruhe warmritt und auflockerte. Das Training von unseren Pferden war stets abwechlungsreich gehalten und sie wurden auch - im Gegensatz zu anderen Sportpferden - sehr viel vom Boden aus gearbeitet. Deshalb musste aber auch ein begabtes Springpferd wie Shenandoah die Dressur beherrschen.
      Fehl am Platz war sie dort mit ihrer schlanken Figur und den feinen Reaktionen definitiv nicht, doch das Herz der Stute gehörte dem Springen. Ich ließ mir noch etwas Zeit beim Warmreiten, ehe Ciaran uns dann in die Mangel nahm. Heute lag sein Fokus besonders auf den versammelten Lektionen wie dem Außengalopp oder den fliegenden Wechseln. Aber auch vor den Kehrtwendungen und Seitengängen blieben wir nicht verschont.
      So war die Stunde sowohl fürs Pferd als auch für mich anstrengend, denn Ciaran schaute nicht nur auf die gesunde Korrektheit beim Pferd, sondern auch beim Reiter. Seitdem er auf meinem Hof arbeitete, schlichen sich bei mir keinerlei Fehler mehr ein, die wurden schon im Keim erstickt, wenn er an der Bande stand und uns mit Adleraugen beobachtete.
      Obwohl Ciaran selber viel mehr Springreiter war, hatte er ein großes Talent für die Dressur und ein sehr gutes Auge. Manchmal bekam ich richtiges Reitschüler-Feeling, wenn ich bei ihm ritt und kam mir so unwissend vor wie damals, als man noch auf seinen Schulponys rumgejuchtelt war. Bis mir wieder einfiel, dass der Hof mir gehörte und schon fühlte ich mich besser.
      Aber sowohl Shanti als auch ich hatten unsere Aufgabe heute mehr als gut erledigt und so konnten wir guten Gewissens noch eine Schrittrunde in den Wald, ehe ich Shanti absattelte und dann noch in Ruhe abspritzte, bevor sie zurück auf die Weide durfte.
    • Gwen
      Pflegebericht 28.08.2017 - Turnierluft schnuppern

      Dieses Turnierwochenende besaß mal wieder einen besonderen Beigeschmack. Denn zum ersten Mal hatte ich gestern Abend Sinfonie gewaschen, eingeflochten und eingedeckt und zum ersten Mal stieg die junge Stute heute auf den Hänger, um Turnierluft schnuppern zu dürfen. Als moralische Unterstützung und professionelle Begleitung kam Shenandoah mit, welche heute auch zwei Prüfungen startete.
      Trotz ihrem hohen Vollblutanteils war sie immer schon sehr entspannt auf Turnieren gewesen und somit in meinen Augen perfekt für Sinfonie, die nun das erste Mal mitfuhr. Wir hatten uns ein kleineres Turnier in der Nähe ausgesucht, man musste es ja zu Beginn nicht gleich übertreiben.
      Gemeinsam mit Ciaran machte ich mich auf den Weg. Die Fahrt war problemlos, denn den Hänger und das Fahren kannte Sinfonie bereits. Auch unsere Ankunft lief problemlos ab. Wegen des wechselhaften Wetters hatten wir zwei Boxen für den heutigen Tag angemietet, so dass Ciaran schaute, wo wir eingeteilt waren, während ich die Pferde auslud.
      „Stallzelt B, Box 6 und 7“, meinte er knapp und nahm mir Shenandoah ab, so dass jeder ein Pferd führte. Die Boxen waren schön groß und hell. Sinfonie kommentierte die neue Umgebung direkt mit einem argwöhnischen Schnauben und folgte mir nur so brav, weil Shanti vorneweg lief.
      Nach ein paar Minuten in der Box hatte sie sich aber auch schon beruhigt und ich nahm ihr Gamaschen und Decke ab. Mit ihren Turnierzöpfen und dem weiß gewaschenen Fell sah sie richtig schick aus. Auch Shanti konnte sich heute wieder mal sehen lassen.
      „Wehe sie legt sich heute wieder kurz vor der Prüfung hin“, grummelte Ciaran, der gerade unsere Putzsachen auslud und schon einmal begann, Shanti fertig zu machen, denn die erste Springprüfung für sie begann in einer Stunde.
      Ich begleitete die beiden auch bis zum Abreitplatz und gab noch ein paar Tipps, ehe ich selbst zurück in den Stall musste. Sinfonies erste Prüfung war in der Dressur, eine Reitpferdeprüfung für Vierjährige. Ich erwartete von ihr nicht besonders viel, nur, dass sie alles entspannt anging und sich nicht zu Tode erschreckte.
      Sinfonie war ja gegenüber neuen Dingen immer sehr argwöhnisch, dementsprechend gespannt war ich, wie sie den heutigen Tag verkraften würden. Normalerweise liefen meine Pferde auf ihrem ersten Turnier auch nur eine Prüfung, heute hatte sich das aber so gut angeboten, da danach nochmal Shanti lief, ehe Sinfonie noch ein kleines E-Stil-Springen vor sich hatte.
      Sinfonie war inzwischen gesattelt und vollkommen fertig, so dass nur noch ich in meine Turnierklamotten schlüpfen musste. Danach gingen wir gemeinsam auf den Abreiteplatz, wo wir wieder auf Ciaran trafen, der immer noch wartete, weil sich seine Prüfung nach hinten verschob.
      Als er aufgerufen wurde, wünschte ich ihm viel Glück. Er ging ein Zeitspringen, nur wie das heute verlaufen würde, war fraglich, denn nach den Wetterumschwüngen und den vielen Teilnehmern sah der Boden schon jetzt nicht mehr überzeugend aus. So würde er aus Shanti vielleicht nicht 100 Prozent rausholen können.
      Sinfonie und ich gingen alles sehr gut an und sie durfte sich alles anschauen. Durch ihre 162 Zentimeter Stockmaß landeten wir in unserer Abteilung an zweiter Stelle und schienen auch eine sehr gute Vorreiterin zu haben, was das Tempo betraf.
      So konnte ich mich während der Prüfung schön auf Sinfonie konzentrieren und diese schien sich auch wohl zu fühlen, in der Mitte zu laufen. Tatsächlich lief die Prüfung besser ab als gedacht, denn Sinfonie war seelenruhig unterwegs und ließ sich durch nichts beirren.
      Die Siegerehrung folgte kurz darauf und tatsächlich belegte Sinfonie mit einer 8,0 den zweiten Platz der Prüfung. Darüber waren sowohl Ciaran als auch ich überrascht. Ich wäre schon froh gewesen, wenn die Prüfung ruhig ablief, aber so war ich natürlich noch glücklicher!
      Besonders hohe Wertnoten hatten uns ihr Schritt und der Linksgalopp eingebracht. Sinfonie verfügte schon immer über einen großen und vorwärtsschreitenden Schritt, damit war sie vielen ihrer Altersgenossen voraus. Den ersten Platz belegte wiederum unsere Vorreiterin. Das auch zu recht, denn der junge Wallach unter ihr war sehr gut ausgebildet.
      Er war jedoch genauso alt wie Sinfonie und dementsprechend wahrscheinlich bereits mit drei Jahren eingeritten worden, damit er nun bereits so souverän laufen konnte. Umso zufriedener war ich aber mit Sinfonies Leistung. Immerhin war die Stute erst seit vier Monaten unter dem Sattel, aber gute Vorarbeit machte sich eben bezahlt.
      Auch Ciaran und Shenandoah zeigten sich in ihren heutigen Prüfungen sehr souverän, gingen bei dem Zeitspringen und dem Geländeritt aber eher auf Sicherheit statt auf Tempo und lieferten so schöne Runden ab, mussten aber Zeitfehler in Kauf nehmen.
      Sinfonie hatte eine schöne lange Pause zwischen der Dressur und dem Springen, so dass sie futtern und noch einmal entspannen konnte, ehe wir uns in den Parcours machten. Zu unserem Glück fand das Stilspringen auch auf dem Sandplatz statt und nicht auf dem Rasen wie bei Ciaran.
      So musste ich mir nicht so tiefgründige Gedanken um den Boden machen. Stattdessen konnte ich Sinfonie in Ruhe fertigmachen und erneut locker warmreiten, ehe wir an der Reihe waren. Bisher hatten Sinfonie und ich noch nicht intensives Springtraining betrieben, der Fokus lag vielfach noch auf Stangen- und Cavalettiarbeit, aber die Höhe heute war auch sehr angenehm und der Parcours war wie für uns geschaffen.
      Zu Beginn wirkte Sinfonie noch etwas unsicher und ich musste sie etwas an die Hindernisse heranschieben, damit sie sprang. Aber spätestens nach dem dritten Sprung wurde sie locker und galoppierte in schönem, gleichmäßigen Tempo und nahm die Hindernisse ohne Probleme mit.
      So beendeten wir die Prüfung mit einer schönen, fehlerfreien Runde. Durch die ersten drei Sprünge hatten wir gut Punktabzug bekommen, letztendlich reichte unsere Wertnote aber doch noch für einen dritten Platz.
      Überraschter hätten wir heute von Sinfonie nicht sein können, die bei ihren ersten zwei Starts direkt zwei Schleifen abholte und dann noch zu den besten dreien jeweils gehörte. „Ich würde sagen, die hat Potenzial“, lachte Ciaran, als wir die Stuten wieder verluden und ich nickte nur begeistert.
      Sinfonie hatte sich von ihrer besten Seite gezeigt und ich war mir sicher, dass es mit ihr noch viel Spaß machen würde.
    • Gwen
      Pflegebericht 25.09.2017 - Der Herbst kommt

      Es war September. Draußen war es bewölkt und diesig, denn der Morgennebel senkte sich nun allmählich als Nieselregen auf den Boden herab. Und ich war müde. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal vor null Uhr ins Bett gegangen war und in Ruhe ausgeschlafen hatte. Momentan konnte ich mir diesen Luxus zumindest nicht leisten.
      Ciaran war aktuell nicht da. Er stellte für das Gestüt seines Vaters Sportpferde auf großen Auktionen in Europa vor. Ich hatte ihn regelrecht gedrängt, dieses großartige Angebot anzunehmen, aber ich hätte nicht gedacht, wie anstrengend es war, hier alles alleine zu managen.
      Natürlich kümmerte sich Ciaran auch darum, direkt uns bekannter zu machen und hielt nach Pferden Ausschau. Einige Anzeigen hatte er mir auch bereits geschickt, aber momentan wollte ich unseren Stall vorzugsweise so klein halten wie er war.
      Aus diesem Grund hatte uns auch kürzlich Ginny My Love verlassen. Die Stute war ein tolles Pferd und hatte mir unglaublich viel Spaß gemacht, aber sie war und blieb ein westerngezogenes Pferd und dementsprechend kam es so wie es kommen musste: Für einen guten Preis zog Ginny auf eine Westernranch.

      Der Herbst hatte uns endgültig eingeholt und die Bäume verloren allmählich ihre Blätter. Erschreckend wie schnell es immer ging und schon vermisste man den warmen Sommer. Der Fokus lag ab jetzt auf den Nachwuchspferden, welche im Winter immer in den Vordergrund rückten. Die Jungspunde durften noch ein wenig Fohlen sein, während unsere „Oldies“ ihre wohlverdiente Winterpause erhielten, was Turniere und Ähnliches betraf.
      Sinfonie würde den Winter über weiterhin an kleineren Turnieren teilnehmen. Der Stute fehlte es generell noch an Routine und nichts war dafür besser geeignet, als die kleinen Vereinsturniere, die im Winter stattfanden. Auch Pinero sollte bald Turnierluft schnuppern und sich langsam an die Atmosphäre gewöhnen dürfen.
      Back to Business würde hingegen weiterhin aktiv im Training stehen, denn für ihn stand in geraumer Zeit seine Körung an und dafür sollte der Reitponyhengst fit sein. Dementsprechend würde auch er im Winter Turniere gehen. Ähnliches galt auch für Snow White Cassedy, wobei deren Stutenprämierung bereits für Oktober geplant sein würde.

      Und der Rest wurde über den Winter über fit gehalten und würde dann im Frühjahr wieder aktiv in den Turniersport starten. Unsere Jüngsten hatten auch viel frei im Winter, denn wir hatten mit den Großen genug zu tun.
      Außerdem würde sich dort erst einmal genug Aufregung auftun, wenn Ende des Monats die zwei neuen Hengstfohlen einziehen würden. Ich hoffte einfach, dass Ohnegleichen und Prismatic die beiden Neuankömmlinge freundlich aufnehmen würden. Aber eigentlich machte ich mir dahingehend keine Sorgen.
      Nuriya und Hollybrook’s Arce würden den Winter über noch zu zweit stehen und dann gegen Frühjahr in die große Stutenherde wechseln. Das würde auch noch interessant werden. Um Arce machte ich mir da keine Sorgen, sie war sehr problemlos. Aber Nuriya kam ab und an schon sehr nach ihrer Mutter und das schrie dann doch förmlich nach Zickenkrieg und Machtspielchen.

      Momentan verfolgte ich einen strengen Tagesablauf, um alle Pferde unter den Hut zu bekommen. Das war tatsächlich nicht so einfach, wenn man alleine war. Immerhin gestaltete es sich schon schwer, wenn man zu zweit war. Aber man tat ja schließlich sein Bestes.
      Ein bisschen mehr Freizeit gab es deshalb vor allem für Altair, Tawny Bawny und Ameya. Das waren so die drei Kandidaten, welche auch mal zwei Tage Pause am Stück vertrugen. Am wichtigsten war immer die Bewegung von Shenandoah und Ceredwen. Da kam bei beiden definitiv der Blutanteil durch, bei der einen mehr, bei der anderen weniger.
      Neelix behielt ich auch immer im Blick. Der Lewitzer war ein toller Hengst, aber er musste gearbeitet und beschäftigt werden, sonst kam der sture Ponykopf durch und das war definitiv kein Spaß. Aber immerhin war es immer wieder eine Freude, den Schecken zu reiten. Er blieb dahingehend definitiv eines meiner Lieblingspferde.
      Gleiches galt für Ohnezahn, der ja sowieso eine leichte Sonderstellung einnahm und auch wenn wir ab und an mal nur spazieren gingen oder nur Bodenarbeit machten, beschäftigte ich ihn immer seine sechs Tage die Woche. Bei ihm fand ich das besonders wichtig.

      Schwer tat ich mich hingegen mit den Furiosos. Seitdem es Ciaran gab, übernahm er beinahe immer Kedves und Fagy, weil er eher der Typ für Großpferde war und man gewöhnte sich diese Routine dann wirklich an. Dementsprechend war es für mich eine große Abwechslung, die beiden wieder mal zu reiten und zu arbeiten.
      Aber ich konnte mich nicht beschweren, denn Ciarans Arbeit war wirklich gut und beide Pferde waren in Topform. Das Gleiche galt für Dead Memories, der wiederum eher meiner Obhut unterlag, denn ich liebte den Reitponyhengst noch wie am ersten Tag.
      Memo legte auch jedes Mal aufs Neue eine unglaubliche Ruhe und Zuverlässigkeit an den Tag, so dass es nie einen Moment gab, wo ich keine Lust auf den Rotfalben gehabt hätte. Dank sei solchen Pferden, denn umso leichter fiel einem dann die Arbeit mit Kandidaten wie Nayala.
      Eigentlich hatte ich gehofft, dass ihr Temperament irgendwann mit der Zeit nachlassen würde. Pustekuchen. Für ein New Forest Pony total untypisch strotzte Nayala immer noch vor Stolz und Zickigkeit. Und so langsam gab ich es auf, zu hoffen, dass sie das irgendwann ablegen würde.
      Deshalb war die Arbeit mit Nayala immer ein bisschen wie Roulette. Man wusste nie mit welcher Stimmung Nayala nun ankommen würde und wie das Training verlief. Aber gut, so etwas konnte man auch als positive Eigenschaft ansehen.
      So lange das Wetter noch hielt, würde ich die Stute auf jeden Fall noch viel im Gelände auspowern und beschäftigen, denn erfahrungsgemäß machte sie dort am liebsten mit. Heute hatte ich auf jeden Fall noch alle Hände voll zu tun. Aber nachdem nun alle Pferde auf den Weiden standen und die Boxen gemacht waren, ging ich erstmal wieder ins Haus und gönnte mir mein Frühstück und eine heiße Tasse Cappuccino. Auch in so einer schweren Zeit wurde ich nicht zum Kaffeetrinker und den Geruch von Ciarans Kaffeemaschine vermisste ich auch als einziges gar nicht.
    • Gwen
      Pflegebericht 24.10.2017 - Fuchsjagd auf Sandringham Manor

      -- Leslie --

      Oktober war Leslies Lieblingsmonat. September war immer noch ein bisschen Sommer, und November schon fast Winter; der Oktober war noch nicht ganz bitterkalt, die Blätter waren schön bunt – und es war Jagdzeit.

      Am liebsten hätte sie dieses Jahr ja selbst mitgemacht. Nicht unbedingt mit Gambit, natürlich, aber irgendein Pferd hätte sich schon gefunden. Blöderweise fand dieses Jahr die Jagd auf Sandringham Manor statt – und alle Jocks hatten Teilnahmeverbot gekriegt. Irgendwo verständlich, aber wirklich begeistert war Leslie nicht gewesen.

      Also hatte sie das Nächstbeste getan und sich Hals über Kopf in die Organisation geschickt. Zusammen mit Logan war sie die Strecke mehrmals abgeritten, hatte Pferde vom Flughafen abgeholt, auf die umliegenden Höfe verteilt und fuhr diese täglich ab. Das füllte so ziemlich den ganzen Tag, sodass sie jeden Abend todmüde ins Bett fiel – zum Leidwesen von Bernie und Snafu. Bernie, weil sie selbst dann gezwungen war, sich ab acht Uhr abends so leise wie möglich zu verhalten, und Snafu, weil der jetzt mit Goldie alleine trainieren musste.

      Dementsprechend war Leslie am Tag der Jagd auch schon um halb fünf wach. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Bad, wusch sich schnell und tapste dann barfuß über den Gang zu Beau und Snafus Zimmer und klopfte sachte an.

      Fast gleichzeitig drückte sich dann auch schon Beau durch einen Minispalt in der Tür (durch den er gar nicht hätte passen sollen – immerhin war er bestimmt dreimal so breit wie Leslie. Mindestens) und schob sie in Richtung Treppe nach unten.

      Frühstück gab es für die beiden nicht. „Cooper ist eh schon angepisst, dass ich andauernd woanders bin,“ flüsterte Beau und steuerte Leslie an der Küche vorbei direkt an die Haustür. Draußen war es noch dunkel; nur ein leichtes, dunkelgraues Band war schon am Horizont zu erkennen. Der Hof rund um das Mitarbeiterhaus war umhüllt von Nebel und es roch nach Regen. Solange der sich für den restlichen Tag verzogen hatte, war Leslie das ganz recht.

      Wie ein kleines Kind schlappte sie Beau hinterher, der zuerst die Tür in die Sattelkammer des A-Stalles aufsperrte. Als er das Licht anmachte, war Leslie für einen kleinen Moment geblendet, dann ging sie die Spinde der Gastpferde durch. Im A-Stall waren nicht wirklich viele Boxen freigewesen; die Junghengste standen seit ein paar Tagen wieder über Nacht in den Boxen und nahmen dementsprechend Platz weg. Ein Paint Horse aus New Mexico, ein Holsteiner und ein Trakehner aus Deutschland bewohnten seit Anfang der Woche die drei freien Boxen und schienen sich ganz gut mit den Boxennachbarn zu verstehen. Dementsprechend kam Beau auch schnell wieder, nachdem er Leslie in der Sattelkammer zurückgelassen hatte.

      Die Spinde waren immer noch verschlossen, beim kurzen Inventarcheck schien auch nichts zu fehlen. „Gehen wir weiter,“ flüsterte Leslie. Wenn man den Geräuschen der Pferde in der Box trauen konnte, waren die zwar eh schon wach und verlangten auch schon langsam ihr Futter, aber irgendwie wollte sie trotzdem so leise wie möglich reden.

      Im C-Stall war dann der Großteil der fremden Hengste untergebracht. Der stand im Winter meistens eh leer – Esther verfolgte die Philosophie, dass auch Hochleistungssportler mal ein bisschen Pause brauchten und nahm deswegen am Anfang Oktober keine Trainingspferde mehr an – und war somit für die restlichen 9 Gasthengste frei. Auch hier checkte Leslie kurz, ob die Spinde nach wie vor verschlossen waren und ob auch wirklich nichts fehlte. Beau knipste das Licht in der Stallgasse an, guckte kurz in jede Box und zog Leslie dann auch schon wieder quer über den Hof.

      Langsam aber sicher meldete sich dann doch ihr Magen. Um kurz nach 5 schalteten sich immer mehr Lampen in den Ställen und Häusern an, und ihre innere Uhr sagte ihr, dass es jetzt wirklich Zeit fürs Frühstück war. Trotzdem trottete sie hinter Beau her und versuchte, das Magengrummeln einfach zu ignorieren.

      Funktionierte semi-gut. Als die beiden im Stutenstall angekommen waren und Leslie gerade Spind Nummer 3 von 7 aufsperrte, knurrte ihr Magen so laut, dass Moses kurz darauf den Kopf in die Sattelkammer steckte.

      „Ich dachte, hier drin ist ein Bär,“ sagte er grinsend, als er Leslie entdeckte. Die verdrehte nur kurz die Augen; Moses war wirklich einer der einzigen Menschen, die sie kannte, der frühmorgens (um 5 Uhr. 5 Uhr morgens frühmorgens) schon zu Witzen aufgelegt war. Einer der Gründe, warum sie den B-Stall mied, bis sie wirklich wach war.

      Gerettet wurde sie von Beau, der sich an Moses vorbeischlängelte und wortlos die restlichen vier Spinde inspizierte. Dann fiel sein Blick auf die Uhr und unter wildem Fluchen stürmte er aus der Sattelkammer. Leslie konnte ihn gerade noch auf dem Weg zum Parkplatz einholen.

      „Keine Frühstückspause?“ keuchte sie ihm hinterher.

      Er öffnete die Fahrertür eines dunkelblauen Yaris‘. „Keine Frühstückspause.“

      -- Idony --

      Wenn man monatelang jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, dann war das irgendwann so in einem drin, dass man an jedem Nicht-Arbeitstag um fünf hellwach war. So ging es Idony heute – Training fiel für die nächsten paar Tage aus und Cam war so nett gewesen und hatte ihr freigegeben, damit sie später bei der Jagd konzentriert mitreiten konnte.

      Trotzdem – sie war um Punkt fünf Uhr wach gewesen und nach ein paar Minuten hatte sich herausgestellt, dass sie das mit dem Weiterschlafen vergessen konnte. Also war Idony zwei Stunden später schon mit den meisten Arbeiten fertig. Benihana versorgen, Benihanas neue Boxennachbarin Minou und die Reitponystute Cíola zusammen auf die Weide stellen, Stallgasse fegen und nett zu den Gästen sein.

      Gegenüber von Billies Box stand eine Scheckstute, die jeden Schritt und jedes Atmen im Stall genaustens im Blick hatte. Jedes Mal, wenn Idony kurz zu ihr hinübersah, stand die Stute woanders – mal im Paddock, mal in der Box, mal genau auf der Schwelle. Idony ließ sie kurz mit sich selbst allein und huschte an die Box des Scheckens. Die Stute hatte in etwa die gleiche Größe wie Benihana, wirkte aber zugleich imposanter als auch gebrechlicher als der Holsteiner gegenüber.

      „Schon mal die Konkurrenz begutachten?“ kam plötzlich von hinten. Idony zwang sich, nicht wie ertappt zu gucken, als sie sich umdrehte und eine junge Frau vor ihr stand – mit einem breiten Grinsen.

      Die Frau streckte auch sogleich ihre Hand aus. „Alexandra Cordes. Und das hinter dir ist Possy Pleasure Mainstream.“

      Als hätte sie ihren Namen verstanden, schnaubte die Stute und schlich sich dann sogleich wieder nach draußen auf den Paddock. Idony räusperte sich und nahm die Hand der Frau. „Idony Berqvist – aber ich bin keine Konkurrenz, ich arbeite hier.“

      „Oooh,“ machte Alexandra. „Und da dürft ihr gar nicht mitmachen? Das ist ja auch schade. Da gibt’s sowas mal und ihr werdet ausgeschlossen.“

      Ein bisschen überrumpelt von den vielen Worten in der kurzen Zeit blinzelte Idony Alexandra erst mal an. Dann registrierte sie die Worte erst. „Ach nein, das ist wirklich nicht schlimm – jetzt im Herbst sind hier so viele Jagden, also wer will—“

      „Oooh,“ machte Alexandra wieder. Possy Pleasure Mainstream kam wieder in die Box und reckte den Hals nach ihr. „Ich werde jetzt auch mal gucken, wo die zweite im Team bleibt – allmählich sollten wir ja mal beginnen, die Pferde fertig zu machen.“

      Mit einem Winken verabschiedete sich Alexandra wieder und ging aus dem Stall. Neben den Stallburschen, die die Futtereimer wieder von vor den Boxen einsammelten, war Idony die einzige im Stall. Also nutzte sie die Gunst der Stunde und richtete Benihana schon einmal so weit her, dass sie dieser später nur noch den Sattel auf- und die Trense anlegen musste.

      -- Leslie --

      Treffpunkt der Reiter war um halb elf auf dem Dressurviereck. Bis dahin hatte Leslie Zeit, den Matsch aus Painted Blurs Fell zu bürsten. Pünktlich hatte sich der natürlich in die nächstbeste Matschpfütze geschmissen – und von denen gab es auf den Weiden gerade genug. Soweit wäre es gar nicht gekommen, wären Leslie und Beau zur Stelle gewesen. So wie es war hatte nämlich Cooper Blurry auf die Weide gebracht, der hatte die Chance ergriffen – und jetzt stand Leslie in der Stallgasse des A-Stalls und versuchte, den noch feuchten Matsch so gut wie möglich aus dem Fell zu bekommen.

      Eigentlich wäre das eine Fall für die Waschanlage, dachte sie und schrubbte an einem Fleck an der Flanke des Hengstes. Eigentlich – nur leider war es kurz nach zehn, und wenn man Bernie und Cat glauben konnte, dann waren die ersten Gäste auch schon am Platz versammelt.

      (Beau hatte sich übrigens verkrümelt und frühstückte. Während Leslie nasse Matschflecken ausbürsten durfte, die vermeidbar gewesen wären. Schöner Tag war das heute.)

      10:15 Uhr ließ sie dann die Bürste fallen und schnappte sich Blurrys Sattel. Weg waren die Flecken zwar nicht, aber sollte sich jemand der Gäste drüber beschweren – naja, dann ließ sie Cooper die Sache handeln. Sie hatte gleich erst mal ein Date mit ihrer Müslischale.

      Gerade hatte Leslie Blurry das Gebiss ins Maul geschoben, als auch schon Esther in den Stall kam. Die drei Gäste, deren Pferde im A-Stall untergebracht waren, hatten sich schon längst auf den Weg zum Viereck gemacht – schön rausgeputzt mit Turnierjackett, hellen Hosen und weißen Schabracken. Leslie wusste also, dass sie spät dran war (und das würde Cooper auch noch den ganzen lieben langen Tag hören, ob er es wollte oder nicht). Dass jetzt aber schon die Chefin nach ihr sah, das hätte sie aber nicht gedacht.

      „Schon fertig,“ rief sie Esther entgegen und steckte den Zipfel des Nasenriemens noch schnell unter die dafür vorgesehene Lasche. „So gut wie’s eben ging,“ murmelte sie dann noch vor sich hin, nahm Blurry die Zügel vom Hals und führte ihn die Stallgasse hinab.

      Esther sah sich den Hengst kurz von beiden Seiten an, seufzte und zuckte dann mit den Schultern. „Sauberer wird er jetzt eh nicht mehr,“ sagte sie und klopfte Leslie kurz auf die Schulter. „Wenn du mir noch kurz helfen könntest?“

      Per Räuberleiter schwang sich Esther in den Sattel und nahm die Zügel auf. „Ich kehr‘ noch schnell, dann bin ich sofort da,“ versprach Leslie, aber Esther winkte ab.

      „Der Dreck liegt später auch noch da, wenn wir weg sind. Du solltest dir das jetzt lieber mit ansehen.“

      Gut, das ließ sich wahrscheinlich niemand zweimal sagen. Hinter dem großen Rappen und ihrer Chefin schloss Leslie das Stalltor und folgte den beiden dann in Richtung Viereck.

      -- Idony --

      „Guten Morgen und natürlich herzlich Willkommen auf Sandringham Manor.“

      Das Stimmenwirrwarr auf dem Dressurviereck verstummte augenblicklich. Neben Idony hörten sogar die zwei Geschwister auf, die schon seit sie aufgetaucht waren die Köpfe zusammengesteckt hatten, zu tuscheln. Fast alle Köpfe drehten sich nach vorne in Richtung Eingang. Vor der Kulisse des Herrenhauses saß Esther im Sattel von Blurry, hinter ihr Logan und Frank.

      „Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Das ist die erste Jagd seit fast 13 Jahren, die auf unserem Gestüt stattfindet, und ich bin sehr gespannt, wie es ausgeht.

      Ich möchte auch gar nicht groß um den heißen Brei herumreden, schließlich wollen wir alle so bald wie möglich los. Wir haben eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor uns. Nach etwa sieben gibt es für alle eine kleine Pause auf einem benachbarten Hof. Die Pferde dürfen grasen und für uns Menschen gibt es auch ein paar Snacks. Abschließend treffen wir uns auf der Wiese ein, auf der unser Geländetraining startet. Wer besonders aufmerksam ist, wird auf dem Weg dorthin auch etwas ganz Besonderes im Wald entdecken.

      Die Regeln lauten wie bei jeder Jagd. Um einen sicheren Ablauf zu gewähren, bete ich euch alle, euch gleich euren Platz im Feld zu finden und diesen, wenn möglich, nicht zu verlassen. Und, das ist ganz wichtig: reitet nie quer zu den anderen Reitern. Außerdem dürfen die Master, die euer Feld anführen, niemals überholt werden – die kennen die Strecke und sind dafür zuständig, dass alles gut abläuft. Für die Springer sind meine Kollegen Logan Reid und Frank Montgomery zuständig,“ Esther gestikulierte auf die zwei Trainer hinter ihr, „die Nicht-Springer hören auf mein Kommando.“

      Idony sah sich ein bisschen in den Reihen rum. Einige Reiter hatten ein schmales Lächeln auf den Lippen, andere sahen Esther stockernst ins Gesicht.

      „Zu eurer Sicherheit bilden die Schlusslichter die sogenannten Schlusspiköre. Jeder noch so gute Reiter fällt mal vom Pferd – für den Fall sind die Schlusspiköre da. Sie sind auch ein bisschen die Schiedsrichter, die alles sehen.

      Auf der Strecke gibt es 15 Hindernisse, inklusive Bachläufen und feste Naturhindernisse. Sollte euer Pferd vor dem Hindernis verweigern, dann dreht am besten sofort ab und reitet um das Hindernis herum. So kann es keine Staus geben und ihr und eure Pferde werden nicht verletzt.

      Außerdem bitte ich euch grundsätzlich, aufzupassen. Wir haben einige Pferde dabei, die noch recht jung und stürmisch sind. Wenn ihr die Jagd ohne dickes Knie abschließen möchtet, dann reitet nicht zu arg auf – vor allem nicht, wenn das Pferd eine rote Schleife im Schweif trägt.

      Recht viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, also fange ich gleich mit den Feldeinteilungen an.“

      Die ersten Reiter zogen die Gurte nach und ließen die Steigbügel herunter. Esther kramte einen Zettel aus ihrer Jacketttasche hervor und räusperte sich.

      „Feld Eins ist das erste springende Feld mit Philipp Gerdes und Daitona, Nicolaus du Martin und Ghostly Phenomenon, Elena Redling und Couleur du Deuil, Leticia Weidner und Ingénue, Octavia Blake und Raspberry, Mio Wild und Raised from Hell, Malte Tordenvaerson und Belmonts Brock und Gwendolyn Campbell und Neelix. Euer Master ist Logan Reid und euer Schlusspikör ist Idony Bergqvist.“

      Während alle, die gerade aufgerufen wurden, sich auf eine Seite des Vierecks verteilten, blätterte Esther um. „Feld zwei als zweites springende Feld mit Occulta Smith mit Co Pilot de la Bryére, Ciaran Duclair und Shenandoah, Eddi Canary und Pajero, Jonas Moser und Diarado, Lisa Zimmermann mit Halluzination, Isa Neyer mit Jonquil, Ikarus Dragomir mit Pitú, Tassilo Greving und Cover the Sun und Charlotte von Eylenstein mit Grenzfee. Euer Master ist Frank Montgomery, der Schlusspikör ist Katharina Karenin.

      Das letzte Feld mit mir als Master besteht aus Addison Moore mit My Canyon, Janina Lohmann mit Nemax, Elliot Hadley mit Vychar, Bellamy Blake mit Gun and Slide, Franziska Ziegler mit Cadeau, Nate Prescott und Dark Chocolate, Alexandria Cordes und Possy Pleasure Mainstream, Tamara Meyrohe mit Walking in the Air, Marie Wortkötter mit Macaruja, Vuyo Ndour mit Aspantau und Artemis Fortounis mit Bahar. Euer Schlusspikör ist Bree Price.“

      Ein paar Sekunden gab Esther den Leuten, um sich aufzuteilen, dann steckte sie den Zettel wieder in ihre Tasche. „Ihr könnt jetzt aufsitzen. Feld 1 macht sich in wenigen Minuten auf den Weg, ein paar Minuten später Feld 2 und dann Feld 3. Ich wünsche euch eine schöne und angenehme Jagd und natürlich viel Glück.“

      -- Leslie --

      Gemeinsam mit Bernie und Snafu hatte Leslie Esthers kleiner Ansprache vom Rande des Dressurvierecks gelauscht. Als das letzte Feld mit Blurry an der Spitze und Siana als Schlusslicht vom Platz ritt, seufzte Leslie erst einmal laut. Passend dazu grummelte ihr Magen.

      Wie auf Knopfdruck drehten sich Bernie und Snafu zu ihr um. „Schon wieder Hunger?“ scherzte Bernie.

      „Immer noch,“ grummelte Leslie. „Aber ich werd mich jetzt umdrehen und auf schnellstem Weg ins Haus gehen und schön und lange frühstücken.“

      Snafu grinste sie kurz an, dann schweifte sein Blick über ihre Schulter ab. Seine Augen wurden für einen Moment weich – und Leslie wusste genau, was sie erwartete. Mit einem lauten Stöhnen schlug sie sich die Hände vor die Augen.

      „Leslie, fertig soweit?“ kam es von hinter ihr in einer allzu familiären, tiefen Stimme. „Die Millers haben gerade angerufen, wir sollen gleichkommen – hab ich was verpasst?“

      Als sie die Hände von den Augen nahm, sah sie, dass Snafu schon antworten wollte, also ergriff sie lieber selber die Initiative.

      „Nein, gar nichts. Gehen wir.“ Schwungvoll drehte sich Leslie um, packte Beau beim Oberarm und zog ihn hinter sich her in Richtung Parkplatz.

      Schon wieder.

      -- Idony --

      Billie gefiel das Hinterhergetrotte ganz und gar nicht. Während der ersten Trabstrecke hätte die langbeinige Stute gleich mal versucht, einen wuchtigen Draught-Hengst und eine zierliche Buckskinstute zu überholen – also hatte Idony sie auf eine Volte abgewendet und sich tief in den Sattel eingesessen. Sowohl der Mann auf dem Draught als auch die junge Frau auf der Stute schienen ihr das aber nicht übel zu nehmen. Immer wieder versuchte die Holsteinerstute, irgendwie an der Gruppe vorbeizuziehen – bis sie sich dann nach dem ersten Galopp anscheinend damit abgefunden hatte. Ungeduldig kauend, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

      Idony selbst kam auch dann erst richtig in den Genuss – bis dahin hatte so gut wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Im Schritt unterhielten sich die meisten, lachten miteinander. Wenn Logan das Handzeichen für den Trab oder Galopp gab, verstummten jedoch alle und vor den Hindernissen wurde eine schöne Reihe gebildet. Pferd nach Pferd hüpfte über die Zäune, kletterte einen Wall hinunter und watete durch einen Bachlauf.

      Die Reiter schätzte Idony als ziemlich erfahren ein; keiner kam über den Hindernissen ins Straucheln. Eine Rappstute weiter vorne im Feld schlug den ein oder anderen Haken zur Seite, aber die Reiterin schien sich dadurch nicht aus dem Konzept zu bringen zu lassen. Trotzdem stoppte bei jedem Seitensprung kurz Idonys Herz und sie nahm Billie vorsichtshalber gleich ein bisschen zurück – sollte die Reiterin den Halt verlieren und stürzen, war es immerhin ihre Aufgabe, alle wieder einzusammeln.

      Trotz hakenschlagender Stute erreichten alle Reiter als erstes die Zwischenstation auf dem Bauernhof der Familie Wright ohne Zwischenfälle. Von einem kleinen Wäldchen ging es direkt an den Schaf- und Kuhweiden vorbei, direkt auf den kleinen Platz vor dem Guthaus. Ein paar Stallburschen von Sandringham Manor wuselten schon umher; auf ein paar Aufstelltischen standen Gläser und Wasserflaschen, auf anderen eingewickelte Sandwiches.

      Nachdem den Pferden die Zaumzeuge abgenommen und die Sattelgurte gelockert wurden, gab es für die Reiter dann das verdiente Lunch. Die alte Mrs Wright füllte Wassereimer für die Pferde auf und die Stallburschen verteilten sie schließlich. Nach und nach kamen auch Frank und Esthers Felder an, als allerletzte Cat auf Ironic. Im Gegensatz zu ihrer Gruppe sah sie ein bisschen abgekämpft aus, also machte sich Idony kurzerhand auf den Weg zu ihr.

      Ironic blubberte freundlich, als er Billie entdeckte. Als die ihm aber keinerlei Beachtung schenkte, sondern lieber ein paar vertrocknete Grashalme abrupfte, bekam er sich auch schnell wieder ein und spielte lieber mit dem Wassereimer, dem ihn ein Stallbursche hinhielt.

      Cat lächelte Idony müde an. „Du siehst ja richtig frisch aus.“

      „Kann ich von dir nicht wirklich behaupten,“ sagte Idony. „Schwere Gruppe?“

      „Die Gruppe nicht unbedingt,“ Cat nahm ihren Reithelm ab und fuhr sich durch die Haare. „Eine Stute, ich glaub ein Vollblut. Rote Schleife im Schweif, also sollte ich nicht so überrascht sein, aber im Schritt schien sie noch besser drauf zu sein.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich musste noch keinen retten, aber wir haben ja noch ein paar Kilometer vor uns.“

      „Dann solltest du ganz schnell irgendwo Holz finden und drauf klopfen.“

      „Bietest du mir deinen Kopf an?“

      Idony rollte mit den Augen, dann streckte sie die Hand nach Ironics Zügeln aus. „Los, hol dir noch was zum Essen bevor nichts mehr da ist.“

      -- Leslie --

      Ja gut, vielleicht hatte Leslie den Aufwand einer solchen Jagdorganisation ein bisschen unterschätzt. Mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags und bis auf ein paar Gurken bei der Essensvorbereitung hatte sie immer noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Wenn sie nicht Essen ausgab, dann schleppte sie Getränkekisten, Wassereimer oder was auch immer die alte Wright sie auch machen ließ.

      „Wenn das hier rum ist,“ sagte sie leise und bedrohlich, als Beau ihr noch eine Wasserkiste in die Brust stieß, „dann schuldest du mir ein drei Gänge Menü. Selbst gekocht. Alles andere akzeptiere ich nicht als Entschuldigung.“

      Beau, der sonst eigentlich sehr gefestigt wirkte, bekam seine kleine Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. Jackpot. „Irgendwie sowas sollte ich hinkriegen.“

      „Das hoffe ich für dich.“

      -- Idony --

      Der zweite und letzte Abschnitt begann ein bisschen ruhiger als der erste – zumindest für Idony. Im Schritt ging es wieder zurück in das kleine Wäldchen, an einer Abzweigung jedoch geradeaus statt rechts.

      Wie als hätten die Pferde nie etwas anderes gemacht, kletterten sie einen Wall hinab, galoppierten dann geschlossen und ruhig an und nahmen die ersten paar Hindernisse des letzten Streckenabschnitts mit Leichtigkeit. Erst kurz vor der letzten Galoppstrecke verweigerte eine große Rappstute weiter vorne im Feld. Ihr Reiter fing sich gerade noch über dem Hals hängend. Die Stute ging zwei Schritte mit hochgerissenem Kopf rückwärts. Idony nahm schon Billies Zügel an, kurz davor, einzugreifen – immerhin kamen schon die nächsten Pferde, die auch über das Hindernis springen wollten, und so ein Stau konnte ziemlich blöd hinausgehen – doch dann trieb der Reiter die Stute schon seitlich und machte einen großen Bogen um den Zaun und kurz darauf nahmen beide wieder ihren Platz im Feld ein.

      Als von Logan an der Spitze das Kommando zum Suchen kam, saßen plötzlich alle aufrechter im Sattel. Alle nahmen ihre Pferde zurück, ließen die Galoppsprünge verkürzen, und sahen sich links und rechts im Gebüsch des Waldes um. Wo genau der Fuchsschwanz versteckt war, wusste Idony auch nicht; sie selbst verließ sich also darauf, dass Billie sich mit dem hintersten Platz im Feld abgefunden hatte, stellte sich in die Bügel und reckte selbst den Hals, um besser sehen zu können. Bis auf ein paar orangefarbene Blätter fand sie aber nichts, und auch die Teilnehmer gingen leer aus. Ein wenig enttäuscht setzte sich Idony wieder in den Sattel ein. Billie spielte kurz mit den Ohren, erwartete eine Parade, galoppierte aber dann letzten Endes ruhig weiter.

      Wenige Meter voraus endete der Wald schon; dann waren sie eigentlich schon wieder mitten auf dem Gestüt. An den leeren Paddocks vorbei, um das Haupthaus herum, dann tauchte auch schon das Dressurviereck vor dem Feld auf, mit dem aufgebauten Sprung. Einer nach dem anderen, wie in den letzten Stunden, sprangen die Pferde darüber. Als Idony und Billie auf dem anderen Ende des Hindernisses ankamen, waren die ersten Reiter schon abgestiegen.

      Wenige Minuten, nachdem ein paar Jocks die ersten Eichenbrüche verteilten, kam auch das zweite Feld an – ebenfalls erfolglos, wie sich schnell herausstellte. Trotzdem schien die Stimmung heiter zu sein; die Reiterin mit der nervösen Stute aus Idonys Feld erzählte im größten Detail und mit ausladenden Armbewegungen jedem im Umkreis von fünf Metern, wie sie sich dreimal schon fast am Boden liegen sah.

      Erst, als dann zwanzig Minuten nach dem ersten Feld Esther und ihre Gruppe auf dem Platz eintrafen, schwenkte jemand ein orangefarbenes Stück Pelz hin und her. Als die Gruppe sich dann auch langsam lichtete, bekam Idony einen ersten Blick auf den Gewinner: die Reiterin war noch jung und saß auf einer hellen, schweren Buckskinstute. Sie grinste, umklammerte den Fuchsschwanz eisern und unterhielt sich angeregt mit der Frau, die Idony heute Morgen im Stall getroffen hatte. Auch das Pferd kam Idony bekannt vor – da musste sie später gleich mal gucken, ob die Stute nicht sogar neben Minou einquartiert wurde.

      Esther platzierte sich wieder in die Mitte des Vierecks. Als jeder Teilnehmer seinen Eichenbruch in der Hand hielt, verkündete sie die Siegerin – Tamara Meyrohe aus Deutschland, deren Stute tatsächlich nur ein paar Boxen neben Benihana stand – und bedankte sich bei allen, die irgendwie geholfen hatten. „Und zur Feier des Tages lade ich Euch alle herzlich zum Jagdgericht ein – nachdem die Pferde versorgt wurden, versteht sich.“

      Ein wirkliches Jagdgericht im klassischen Sinn war es nicht – Idony hatte sich noch nicht mit Bree und Cat unterhalten können, ob es in deren Feldern irgendwelche Vergehen gab, aber das konnte sie sich kaum vorstellen – sondern eher ein Dinner im Herrenhaus. Die Piköre waren ebenfalls eingeladen – trotzdem ließ sich Idony viel Zeit im Stall, stopfte Billie Stroh unter die Abschwitzdecke und weichte die Kühlgamaschen in aller Ruhe ein.

      Ein bisschen verspätet und mit eiskalten Fingern kam Idony dann im Speisesaal an. Cat hatte ihr einen Platz freigehalten, direkt vor dem Teller mit Hühnchen. Um sie herum hatten die anderen schon mit dem Essen begonnen, also lud sie sich sofort ein bisschen Fleisch, Gemüse und Brot auf, ohne noch groß nachzudenken. Der Hunger war erst gekommen, als sie vor dem Speisesaal gestanden war und das Essen gerochen hatte. Komisch, wie man einfach vergessen konnte, hungrig zu sein.

      -- Leslie --


      Leslie, auf Cats anderer Seite, lud sich ihren Teller dreimal mit allem Möglichen auf, probierte jedes der drei verschiedenen Desserts und schnappte sich anschließend noch das übrige Mousse au Chocolat von Beaus Teller. Das schuldete er ihr ja schließlich.
    • Gwen
      Pflegebericht 30.11.2017 - Welcome back!

      Altair - Ameya - Ceredwen - Dead Memories - Fagy - Hollybrook’s Arce - Kedves - Nayala - Neelix - Nuriya - Ohnegleichen - Ohnezahn - PFS‘ Disparo de Fiasco - Pinero - Prismatic - Shenandoah - Sinfonie - Snow White Cassedy - Stolen Dance - Tawny Bawny

      Es war ein kalter, bewölkter Novembermorgen. Ich saß in meine Decke gekuschelt auf dem Sofa und trank meinen heißen Tee. Etwas belustigt beobachtete ich das Schauspiel, welches sich draußen im Garten abspielte. Ivy versuchte so leise wie möglich durch den Schnee zu stapfen, um sich an einen Spatzen anzuschleichen. Aber wie zu erwarten misslang ihr Versuch und der kleine Vogel entwischte ihr.
      Der Frust stand meiner grauen Katze sichtlich ins Gesicht geschrieben und sie schlich in Richtung Terrassentür zurück. Seit einigen Tagen schneite es bei uns und inzwischen war alles mit einer weißen Puderschicht bedeckt. Ivy wusste noch nicht so recht, ob sie die neue Wetterlage gut oder schlecht finden sollte.
      Ciaran war wie jeden Morgen um diese Uhrzeit seine Runde laufen und hatte heute auch die beiden Hunde mitgenommen. Dementsprechend konnte ich es mir noch ein wenig mit Ivy auf dem Sofa vor dem Kamin gemütlich machen, bevor der Tag endgültig beginnen würde.
      Momentan fühlte ich mich noch recht gerädert, denn die letzten Wochen hatte ich in Winnipeg bei meiner Familie verbracht. Leider nicht aus Spaß, sondern aus Zwecken des reinen Lernens, denn mein Studium hatte sich der finalen Phase zugeneigt und die Abschlussprüfung hatte angestanden.
      Seit gestern war der Spuk offiziell vorbei und ich hielt nun mein endgültiges Zeugnis in Händen. Gefeiert hatten das meine Familie und Freunde mehr als ich, denn nach den Wochen reinen Paukens und dem beinahe Nervenzusammenbruch vor den großen Prüfungen war ich einfach nur noch ein Wrack gewesen.
      Seit gestern war ich wieder hier und kam so langsam in meinen gewohnten Rhythmus zurück. Ich war mehr als froh, endlich wieder zu Hause sein zu dürfen und dementsprechend genoss ich das. Auch wenn ich Ciaran wirklich dankbar gewesen war, dass er sich in der Zeit komplett um den Hof gekümmert hatte.
      Dank ihm war ich nun offiziell eine Tierheilpraktikerin mit Schwerpunkt auf Pferden. In Verbindung mit meiner Arbeit als Trainerin erschien mir damals dieses Studium die beste Wahl und so erging es mir heute noch. Ich hoffte, dadurch insbesondere den sogenannten Problempferden auch auf anderem Wege helfen zu können.

      Dick eingepackt verließ ich das Haus und machte mich auf den Weg hinüber zu den Stallungen. Es schneite immer noch leise vor sich hin und obwohl es kalt war, freute ich mich über das Knirschen unter meinen Füßen und die Schneeflocken, die sich auf meiner Kleidung sammelten.
      Als ich die Stalltür öffnete, schlug mir der geliebte Geruch von Pferden und Heu entgegen. Ich begrüßte alle mit einem herzlichen und doch ruhigen „Guten Morgen!“ und bekam von hier und da sogar Resonanz. Der eine brummelte mir entgegen, der andere erhob sich vielleicht auch erst aus seinem Strohbett.
      Mein erster Weg führte mich direkt in die Futterkammer, wo ich fünf Futterschüsseln nebeneinander stapelte und begann, das jeweilige Frühstück zusammenzumischen. Dann landeten diese Schüsseln übereinander in der Schubkarre und die nächsten folgten. Für knapp zwanzig Pferde war es so immer ganz gut machbar und irgendwann kannte man den Essensplan seiner Pferde besser als den eigenen.
      Nacheinander bekamen alle Pferde ihr Frühstück und nach ein paar Minuten hörte man es überall sichtlich zufrieden futtern. Ich räumte alles wieder auf und warf schon einmal die ersten Heu- und Strohbündel vom Dachboden in den Stallgang, wo ich sie ordentlich aufstapelte.
      Danach waren auch schon die ersten Pferde fertig, welche ich aufhalfterte und immer zu zweit, manchmal auch zu dritt, zu den Weiden führte. Dort machte ich sowohl Strick als auch Halfter ab und entließ die Vierbeiner nach draußen. Der ein oder andere trug auch eine Winterdecke, denn wir hatten dieses Jahr wieder teilweise die Pferde geschoren.
      Außerdem waren nicht alle Pferde die eisigen Temperaturen Kanadas gewöhnt, so dass man stets mit Bedacht schauen musste, wer eventuell fror und so die Unterstützung einer Decke benötigte. Nachdem alle Pferde draußen auf den Weiden standen, kam auch Ciaran in den Stall. Ich hatte bereits einige Heunetze gefüllt und half ihm, diese auf den Weiden zu verteilen. Auch im Winter standen unsere Pferde den gesamten Tag über auf der Weide, aber sie mussten zugefüttert werden. Und damit uns das Heu nicht nachts gefror und kaputtging, gab es für die Weide Halterungen, an welche man jeweils vier Heunetze befestigen konnte.
      So hatten wir eine gut kontrollierbare und schnell abnehmbare Menge an Heu, die wir je nach Bedarf auffüllen konnten. Ciaran machte noch die letzten Weiden fertig, während ich bereits mit dem Misten der Boxen begann. Da wir jeden Tag misteten und die Pferde nur die Nacht in den Boxen verbrachten, waren wir immer recht schnell fertig.
      Abschließend wurden die Boxen frisch eingestreut und ich füllte die Heunetze für die Nacht auf. Außerdem kontrollierte ich alle Tränken auf ihre Funktion und machte mich dann daran, schon einmal die Futterschüsseln für heute Abend vorzubereiten. Umso schneller ging es dann abends.
      Nachdem die Stallgasse gekehrt war und alles fertig war, brauchte ich doch erst einmal eine Pause und verzog mich zurück ins Wohnhaus. Bei den Temperaturen fror man dann doch schneller ein als sonst, besonders, wenn man dieses Klima drei Wochen lang nicht mehr gehabt hatte. Also wurde es Zeit, das wieder zu ändern.
    • Gwen
      Pflegebericht 15.12.2017 - Winterlicher Ausritt

      Manchmal war es auch ganz schön, einfach wieder das Mädchen von früher zu sein. Sich nicht über alles den Kopf zu zerbrechen, sondern einfach in seine Reitsachen zu schlüpfen und hinaus in den Stall zu laufen. Sein Pferd von der Weide zu holen und am Putzplatz im Stall zu parken. Die Weidedecke abzunehmen und nur ganz fix mit einer weichen Bürste drüber zu putzen, weil das Pferd dank der Decke sowieso sauber war. Zuletzt noch die Hufe fix auskratzen und dann direkt das Sattelzeug zu holen. Und während ich Shenandoah die Schabracke auf den Rücken legte und als nächstes den Sattel, trällerte das Radio im Stall fröhlich Weihnachtslieder und verbreitete eine herrliche Stimmung.
      Ich befestigte die Schabracke am Sattel, befestigte den Sattelgurt auf der rechten Seite des Pferdes und gurtete dann auf der linken Seite locker nach. Danach schnappte ich mir meinen Helm und die Handschuhe, ehe ich Shenandoah noch das Halfter abnahm und sie dann trenste. Nachdem alle Schnallen verschlossen waren, gurtete ich noch einmal nach und führte die Stute nach draußen auf den Hof. Dort stellte ich sie neben die Aufstieghilfe, machte die Steigbügel herunter und schwang mich dann in den Sattel.
      Kurz überprüfte ich noch einmal den Gurt, schlüpfte in die Steigbügel und nahm dann die Zügel leicht auf, um Shenandoah in Richtung Wald zu dirigieren. Manchmal brauchte man einfach die Tage, wo man sich an so einem herrlichen Wintertag einfach ein Pferd für einen Ausritt schnappte. Ohne sich Gedanken über Trainingspläne, Muskeln und Kälte zu machen. Sondern einfach, um das zu genießen, warum man damals überhaupt die Reiterei angefangen hatte.
      Dementsprechend wechselten wir irgendwann von den verschneiten Waldwegen auf die großen Wiesen des Nationalparks und ich ließ die Stute ein Weilchen traben, um sie zur Genüge aufzuwärmen. Wir kamen an der Brücke des Flusses an, überquerten diese und sammelten dann schon innerlich unsere Kraft und Freude, denn in ein paar Metern würde unsere geliebte Galoppstrecke kommen.
      Sie ging leicht bergauf, an einem kleinen Wäldchen vorbei und war gefühlt ewig lang. Für das Vollblut unter mich kein Problem. Shenandoah ging erfolgreich Vielseitigkeitsturniere und hatte Ausdauer zur Genüge. So fegten wir leicht wie eine Feder über den weißen Schnee und der Galopp der Stute wurde immer kraftvoller und schneller.
      Erst oben nahm ich sie allmählich zurück und parierte sie durch. Von hier hatte man einen herrlichen Blick über die Wiesen und Wälder des Nationalparks. Wenn man die Augen etwas zusammenkniff, sah man in weiter Entfernung auch die vielen braunen Punkte im weißen Schnee am Horizont. Die Bisonherde, welche schon seit Ewigkeiten hier ihr Zuhause hatte.
      Wie jeden Winter waren sie auch diesen wieder ins Tal gekommen und suchten hier nach Futter. Die Parkrancher hatten auch bestimmte Futterstellen für die Bisons, doch die waren fernab von den wenigen Grundstücken, welche sich hier befanden. Dementsprechend waren die Bisons gerade auf eigener Achse unterwegs, aber schienen sich auch sichtlich wohl zu fühlen.
      Shenandoah hatte sie auch erspäht und den Kopf leicht gehoben. Aufmerksam blickten ihre Ohren geradewegs nach vorne und fokussierten die weit entfernte Herde. Bis sie zu dem Entschluss kam, dass die Bisons sowieso zu weit weg waren, um eine Gefahr zu sein und sich das gesamte Pferd unter mir wieder entspannte. Ich lächelte, während ich ihr den Hals tätschelte und sie dann wendete, um den Nachhauseweg anzutreten.
      Wir ritten rechts den Berg hinunter und dann eine zeitlang am Fluss vorbei, ehe wir eine sehr seichte Stelle fanden, an welcher wir den Fluss überquerten und so schon fast zu Hause waren. Im lockeren Trab ging es noch zehn Minuten durch den Wald, ehe schon unsere Weiden in Sichtweite kamen. Ich parierte Shenandoah durch und ritt hinauf zum Stall. Dort schwang ich mich aus dem Sattel und führte meine Stute in den Stall.
      Ich nahm ihr Trense und Sattel ab und entließ sie in ihre Box. Sie hatte kaum geschwitzt und wenn, war das bereits getrocknet. Deshalb bekam sie nun ihr Futter in den Trog und während sie fraß, ging ich mit einer Bürste über die getrockneten Stellen, um den Schweiß aus ihrem Fell zu bürsten. Danach ließ ich sie noch fertig fressen, bevor sie ihre Decke wieder aufbekam und dann zurück auf die Weide durfte.
    • Gwen
      Pflegebericht 30.01.2018 - Schnee über Schnee

      Im Winter wurde es in Kanada immer ruhiger. Das hatte viele Gründe, denn weder das frühe Dunkelwerden, noch die eisigen Temperaturen und auch nicht der viele Schnee motivierten dazu, viel zu planen. Turniertechnisch legten wir sowieso immer eine Pause ein, besuchten aber gerne mal kleinere Hallenturniere oder Lehrgänge.
      Aktuell war aufgrund der Wetterlage aber kaum daran zu denken, da war man schon froh, wenn der Einkauf in der Stadt gelungen war und die Wege zu den Weide einigermaßen begehbar waren. So galt nicht nur für die Turniere eine Winterpause, sondern auch für die Pferde.
      Deshalb standen sie noch lange nicht den ganzen Tag, aber wir trainierten im Herbst doch schon mehr oder weniger ab und nahmen den Winter über nur lockere Arbeit auf. Die war wesentlich besser bei den unvorhergesehenen Gegebenheiten zu planen und durchzuführen.
      Ich hatte mir vorhin Nayala von der Weide in den Stall geholt, deckte die Ponystute ab und putzte kurz über sie drüber. Danach wechselte ich das Halfter gegen Kappzaum und Longe, schnappte mir noch Handschuhe und Longierpeitsche und ging in die Halle, nachdem ich Nayala noch die Abschwitzdecke übergeworfen hatte.
      In der Halle war gerade noch Ciaran zu Gange. Er ritt Fagy locker vorwärts-abwärts auf einem Zirkel und ließ uns so Platz, um eintreten zu können. Ich wärmte Nayala erst einmal in Ruhe auf, indem ich sie im Schritt durch die Halle führte. Dann machten wir einige Dehnübungen, ehe ich sie auf den Zirkel nahm und begann zu longieren.
      In der Zwischenzeit war Ciaran bereits bei seiner Abreitephase angelangt und so kamen wir uns gar nicht mehr in die Quere. Für Nayala stand heute nur lockeres Bewegen auf dem Plan. Nichtsdestotrotz achtete ich auf eine gute Haltung und eine schöne Biegung durch das gesamte Pferd.
      Ich baute viele Handwechsel und Tempiwechsel ein, um die Stute bei Laune zu halten. Ab und an ließ ich sie auch im Schritt und im Trab übertreten, um den gesamten Körper zu lockern. Das machte sich dann später bei den Galoppreprisen sichtbar und sie war wesentlich lockerer.
      Ciaran verließ die Halle und auch ich machte nicht mehr gar so lange. 30 Minuten effektives Training reichten. Besonders, wenn man dazu dann noch die Zeit für das Aufwärmen und Abkühlen hinzurechnete.
      Tatsächlich führte ich Nayala auch danach noch einmal zehn Minuten lang durch die Halle, ehe es zurück in den Stall ging. Dort wechselten wir die Decken und ich brachte sie zurück auf ihre Weide. Auf dem Rückweg nahm ich mir dann direkt Altair mit.
      Im Stall war Ciaran bereits dabei, den jungen Pinero zu putzen und zu satteln. Ich tat das Gleiche mit Altair, denn wir wollten gemeinsam ausreiten. Pinero war noch nicht so oft draußen gewesen, deshalb war es immer günstig, ihn von einem erfahrenen Pferd begleiten zu lassen.
      Gemeinsam verließen wir eine Viertelstunde später mit gesattelten Pferden den Stall und schwangen uns bei den frostigen Minusgraden in den Sattel. Eine riesige Runde würde das sicherlich nicht werden, aber gerade für Pinero war das nicht sonderlich schlimm.
      Auch Altair freute sich zwar über die Bewegung, war jetzt aber nicht so unterbelastet, als das ein lockerer Ausritt geschadet hätte. Wir kamen sogar zum traben und galoppieren und somit waren am Ende sowohl Reiter als auch Pferde glücklich.
      Altair konnte danach direkt wieder auf die Weide, während Pinero ein Päuschen unter dem Solarium einlegte, denn er hatte doch ein wenig geschwitzt. In der Zwischenzeit holte ich mir Sinfonie von der Weide und machte die Stute im Stall fertig.
      Für sie stand heute leichte Handarbeit auf dem Plan, also benötigten wir nur die Trense und die Gerte. Aufgrund meiner Erfahrungen sah ich Handarbeit immer als tolle Vorbereitung für die Dressurarbeit an. Man konnte die jungen Pferde von unten wunderbar beeinflussen.
      Sinfonie und ich arbeiteten uns aktuell durch die Seitengänge. Momentan befanden wir uns noch im Schritt, aber sowohl Übertreten, als auch Schenkelweichen und Schulterherein funktionierten schon sehr gut. Langsam wagten wir uns auch an das Kruppeherein, doch da haperte es noch an der Kommunikation.
      Sinfonie durfte man nicht überfordern und gerade bei neuen Aufgaben war sie schnell gestresst. Also lobte ich jeden noch so kleinen Fortschritt und pausierte dann. Am Ende testete ich noch das Übertreten im Trab an und das machte sie wirklich mehr als gut, so dass wir es dann für heute auch gut sein ließen.
      Wir hatten leider noch allerhand vor uns, auch wenn ich mich eigentlich schon nach dem warmen Wohnhaus sehnte. Ciaran longierte soeben noch Tawny Bawny und wollte danach noch Shenandoah reiten. Ich hielt mich etwas zurück und entschied, nur noch Ohnezahn zu machen, ehe mein kuscheliges Sofa mich empfangen durfte.
      Also holte ich meinen geliebten Schimmel von der Weide, putzte ihn gründlich und sattelte ihn. Dann gingen wir in die Halle und wärmten uns gemeinsam zu Fuß auf, ehe ich in den Sattel stieg. Auch mit ihm arbeitete ich heute viel an den Seitengängen, besonders im Schritt. Im Gegensatz zu Sinfonie war Ohnezahn schon so weit, dass für ihn bereits Travers und Renvers ein Kinderspiel waren und er auf der langen Seite fließend zwischen beiden wechseln konnte.
      Wir hatten auch eine sehr gute Einheit und für Ohnezahn gab es dann noch eine kleine Einheit unter dem Solarium, ehe ich ihn wieder hinaus auf die Weide brachte und mich dann ins Haus verzog, während Ciaran noch mit der Vollblutstute am Schaffen war.
    • Gwen
      Pflegebericht 16.02.2018 - Nach dem Sturm

      Es war ein ruhiger und kühler Wintermorgen. Die Sonne versteckte sich noch hinter einer dünnen Wolkenschicht und blinzelte nur ab und an hervor. Sowohl Ciaran als auch ich waren noch relativ müde und ausnahmsweise griff auch ich mal zum Kaffee, in der Hoffnung, davon wacher zu werden. Der gestrige Tag war sehr anstrengend gewesen. Eigentlich war es ein normaler Turniertag gewesen: Früher aufstehen, den Tag auf einem anderen Gestüt verbringen und gegen Nachmittag wieder zu Hause sein.
      Leider hatte das Wetter nicht besonders viel von unseren Plänen gehalten und uns mit einem Schneesturm überrascht. Wir hatten uns mühsam nach Hause kämpfen müssen, was mit Pferdehänger nicht unbedingt schön war. Zum Glück hatten wir erst letztes Jahr auf Ciarans Anraten in einen gescheiten Jeep investiert, der sich selbst durch die fiesesten kanadischen Stürme pflügen konnte.
      Und doch waren wir gestern erst sehr spät zu Hause gewesen. Umso dankbarer war ich da um meine Freunde und Nachbarn, denn Elena und Zairina hatten sich um unsere Tiere gekümmert: Die Pferde reingeholt und ebenso die Hunde und die Katze versorgt. So hatten nicht alle unter unserer Verspätung leiden müssen, sondern waren wohlbehütet gewesen.
      Mit uns durch den Schnee hatten sich gestern Shenandoah und Ceredwen. Zum Glück waren beide Stuten bereits unglaublich routiniert und hatten sich nicht so sehr daran gestört, so lange wie sie im Hänger gestanden hatten. Nach einem Turniertag hatten unsere Pferde sowieso immer einen freien Tag, aber die beiden bekamen heute noch extra ein Wellnessprogramm. Doch zuerst mussten wir die Stallarbeit erledigen und die Pferde auf die Weide bringen.
      Danach schnappte ich mir Ceredwen, nahm der Stute die Decke ab und stellte sie unter das Solarium. Während die Stute die Wärme genoss, putzte ich sie gründlich, kämmte Mähne und Schweif und schnitt beides direkt ein kleines Stück wieder zurecht und kümmerte mich zuletzt noch um die Hufe der Stute. Dann bekam sie noch eine Portion Mash, ehe sie auch hinaus auf die Weide durfte.
      Das Gleiche Programm erhielt auch Shenandoah und die schien ebenso zufrieden mit der Sonderbehandlung zu sein. Auch sie genoss die Aufmerksamkeit und ließ ihre verspannten Muskeln warm werden. Und nachdem auch sie aufgefuttert hatte, durfte sie hinaus auf die Weide. Inzwischen kam auch die Sonne vermehrt heraus und präsentierte einen ruhigen Wintertag nach dem gestrigen Sturm.
      Aktuell fühlte ich mich jedoch noch gar nicht in der Lage, großartig mit den Pferden zu arbeiten. Also sammelte ich mir erst einmal Ohnezahn von der Weide ein und putzte den Schimmel im Stall dann gründlich. Danach gingen wir in die Halle und begann mit ein wenig lockeren Longieren, um den Hengst aufzuwärmen. Ich wollte ein wenig Bodenarbeit mit ihm machen, nachdem wir gestern doch ordentliche Dressurarbeit geleistet hatten.
      Wir begannen mit den drei Gangarten auf jeder Hand und bauten in Form von Achten einige Handwechsel ein, sowohl im Schritt als auch im Trab und Galopp. Danach übten wir auf Stimmkommando die Trab-Halt- und die Halt-Trab-Übergänge. Auch Schritt-Galopp und Galopp-Schritt nahmen wir mit dazu und Ohnezahn machte einwandfrei mit.
      Nach dieser doch sehr aktiven Phase nahm ich ihn etwas zurück und arbeitete ein wenig am spanischen Gruß, ehe ich im Schritt auf jeder Hand noch das seitwärts abfragte. Ohnezahn erfüllte alle meine Wünsche mit Bravour und war super aufmerksam dabei. Ich lobte ihn ausgiebig und machte ihn dann vom Seil los. Nachdem er sich einmal ausgiebig gewälzt hatte, bot ich ihm an, noch ein wenig mit ihm zu spielen.
      Ohnezahn liebte das abgöttisch. Das Hin und Her machte ihm riesigen Spaß und er blühte jedes Mal mehr auf. Spielerisch hüpfte er von links nach rechts, vollführte schnelle Wendungen und trabte mir in wundervoll dargebotener Aufrichtung hinterher. Dementsprechend war ich dann auch irgendwann aus der Puste, lobte meinen Schimmel ausgiebig und beendete die Einheit für heute.
      Für Ohnezahn ging es wieder hinauf auf die Weide. Von dort nahm ich mir direkt Altair mit in den Stall. Dort putzte und sattelte ich ihn. Danach schnappte ich mir meine Umhängetasche und ritt los. Altair und ich hatten noch eine wichtige Aufgabe, denn wir mussten Zai und Eli noch ein kleines Dankeschön vorbeibringen. Es war zwar nur gekaufte Schokolade, dafür aber hoffentlich leckere. Also ging es erst zum Gut Sanssouci und danach zu Crescent Acres. Und Altair war mein kleiner flinker Bote.
    • Gwen
      Pflegebericht 31.03.2018 - Turnierplanungen

      Obwohl sich Kanada gefühlt noch im tiefsten Winter befand, saßen Ciaran und ich beisammen und nutzten die letzte Kälte für die Planung der kommenden Turniersaison. 2018 stand wieder sehr viel Neues auf dem Plan und spätestens im April sollte es dann endlich wieder losgehen. Und nebenher durfte auch gerne der Frühling endlich mal bei uns einkehren.
      Doch nun widmete ich mich dem Plan, der vor uns lag und noch ziemlich leer aussah. Unsere Standard-Sportpferde würden wie jedes Jahr regulär auf festen und vor allem größeren Events vertreten sein. Es war immer gut, sich dort als Trainer und Züchter zu zeigen. Außerdem wurden so die Pferde bekannt und das schadete auch nie.
      Doch von größerem Interesse waren unsere Turnierneulinge. So beispielsweise Sinfonie, oder Ensnare the Sun, aber auch Pinero und Smoke Cream. Die beiden letzteren würden aufgrund ihrer Ausbildung noch auf Sparflamme laufen. Sie durften erst einmal in aller Ruhe die Abläufe kennenlernen, ehe es ernst werden würde.
      Für unsere Paintstute hingegen visierte ich bereits eine eventuelle Prämierung an, doch vorher würde sie gute Resultate bei den Turnieren bringen müssen. Außerdem liefen wie immer die beiden deutschen Reitponys Back To Business und Dead Memories auf den Turnieren mit. Und damit es auch was für Ciaran gab, standen Kedves und Fagy wie immer auf dem Plan.
      Er liebte die Furiosos und war ganz vernarrt in sie. Aber auch Ceredwen war stets auf Turnieren an seiner Seite. Ich widmete meine freien Wochenenden da ja lieber den Sportponys wie Neelix oder Altair. Das war mehr meine Welt, aber das war ja auch gut so. So glichen wir uns perfekt aus.
      Für die Jüngsten stand dieses Jahr nichts auf dem Plan. Ganz eventuell und wenn es wirklich gut passen sollte, könnte man die Kleinsten auf Fohlenschauen vorstellen, doch zugegebenermaßen hielt ich davon nicht besonders viel und den Stress war das Ganze dann auch nicht wert.
      Also widmeten wir uns nach der Planung lieber noch den eventuellen Sommerweiden für die Jungspunde. Aktuell empfand ich alle eigentlich noch als zu jung und so richtig aufgetan hatte sich in der näheren Umgebung auch noch keine Möglichkeit. Außerdem war unser Kindergarten groß genug, dass wir selbst die Spielgefährten bereitstellen konnten. Das war kein Problem und für den Notfall hatte man auch gute Nachbarn.
      So waren Ciaran und ich letztendlich doch schneller mit den Planungen fertig als gedacht. Und ich freute mich schon auf die wärmeren und grüneren Tage! Man jammerte ja doch gerne über die Wärme, aber ewig Winter und Schnee war dann auch nicht so schön. Und im Gegensatz zu Deutschland hatte man hier in Kanada einen herrlichen Sommer, bei welchem es selten zu warm wurde. Und wenn doch, dann kühlte es über Nacht zumindest gut wieder ab.
      Auf unserem Plan stand nun nur noch die Besprechung der kommenden WHT Events an. Für April war der Osterwanderritt geplant, bei welchem Ciaran und ich eine kleine Gruppe an Reitern durch die kanadische Wildnis begleiten würden. Im Mai wäre dann ein Jungpferdetreffen an der Reihe. Ich war sehr gespannt auf die Resonanz der beiden Events, hatte aber bisher meine Zweifel, dass die Teilnehmerzahlen besonders groß sein würden.
      Aktuell war das Interesse für solche Veranstaltungen doch eher gering. Aber eventuell wurde ich ja dieses Jahr doch noch überrascht. Zumindest hielt die regelmäßige Teilnahme für einige bekannte Gesichter zu Ende des Jahres eine Überraschung bereit, denn Ciaran und ich hatten entschieden, dass Treue schließlich belohnt werden müsse.
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  • Album:
    Weststallungen
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    Gwen
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    29 Okt. 2016
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  • Rufname: Shanti
    Geburtsjahr: 2009

    Von: Zephyros
    Aus der: Sawana

    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Dunkelfuchs mit Splash
    Stockmaß: 168cm

    Beschreibung:
    Shenandoah ist im Umgang als auch unter dem Sattel eine sehr vorbildliche Stute und lässt keine Wünsche offen. Nichtsdestotrotz ist sie nicht einfach zu reiten. Als englische Vollblüterin bringt sie allerhand an Temperament und Feuer mit, welches zugleich mit sanfter, aber auch konsequenter Hand in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss. Die Stute zeigt sowohl im Viereck als auch im Parcours ein großes Potenzial, welches noch längst nicht ausgeschöpft ist. Unter einem professionellen Reiter wird sich Shenandoah sicherlich zu einem tollen Sportpferd entwickeln.

    Ersteller: Canyon
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Canyon

    Dressur M - Springen S - Military A - Distanz S*

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