Gwen

Shenandoah

Englisches Vollblut ♀ gekrönt

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Shenandoah
Gwen, 29 Okt. 2016
Cooper, Zion, Zaii und 3 anderen gefällt das.
    • Gwen
      Pflegebericht 31.10.2016 - Willkommen Shanti!

      Eigentlich war ich schon länger nicht mehr auf der Suche nach neuen Pferden. Mein Stall war so gut wie voll und die momentanen Pferde nahmen auch genügend Zeit in Anspruch. Dennoch scrollte ich abends, mit einer Tasse Tee auf das Sofa gekuschelt, durchs Internet und schaute mir hier und da ein paar Anzeigen an. Selten packte mich ein Pferd wirklich so sehr, dass ich es haben wollte, deshalb machte ich mir keine großartigen Gedanken.
      Ciaran saß zufrieden mit einer Chipstüte im Sessel und schaute gerade eine Folge seiner Lieblingsserie, als er zu mir herüberschaute. „Du bist so still, was ist los?“, fragte er misstrauisch. Doch ich war gerade so vertieft in den Text, dass ich ihn komplett ausblendete. Dementsprechend erschrak ich mich auch tierisch, als er plötzlich knisternd mit seinen Chips hinter mir stand.
      Neugierig drückte ich auf Play und betrachtete die Stute vor mir im Schritt, Trab und Galopp. Der Schritt war schön vorwärtsschreitend und elastisch, ohne dabei eilig zu wirken. Der Trab war schwungvoll und im Takt mit sehr guten Ansätzen der Aufrichtung. Und der Galopp wirkte schön beisammen und sie sprang herrlich bergauf.
      Auch im Parcours machte sie eine gute Figur, zeigte eine schicke Manier am Sprung und wurde nicht hektisch. „Shenandoah, 7 Jahre“, las Ciaran leise vor. Seine Augen funkelten genauso wie meine, während wir uns die Bilder der Vollblutstute anschauten. Ein Dunkelfuchs mit Splash und blauem Auge. Sie war ein wahrer Hingucker und hatte das gewisse Etwas, was mich dazu brachte, mir direkt die Nummer aufzuschreiben und anzurufen.

      Das gewisse Etwas blieb und war auch der Grund, weshalb wir direkt am kommenden Tag zur Besichtigung fuhren. Ciaran und ich ritten sie nacheinander Probe und waren verliebt. Die AKU hatte Shenandoah bereits hinter sich und war in die beste Stufe eingeordnet.
      Die Stute hatte eine ruhige und faire Ausbildung genossen und das merkte man ihr an. Sie war zwar ein englisches Vollblut und besaß ein gutes Temperament, aber sie ließ sich schön reiten und war im Umgang ein Engel. Schnell stand fest: Wir hätten ein neues Pferd.
      Ich unterschrieb direkt den Kaufvertrag und wir holten sie noch am gleichen Tag ab. Schon lange hatte mich kein Pferd mehr so gepackt wie sie. Und dabei fiel so eigentlich gar nicht wirklich in mein Beuteschema. Aber allein die Vorstellung, kommendes Frühjahr mit ihr durch den Geländeparcours zu galoppieren versetzte mich in helle Freude.
      „Das wird toll!“, freute ich mich, als ich die Stute vorsichtig aus dem Hänger führte. Aufgeregt schnaubte Shenandoah und schaute sich in ihrem neuen Zuhause um. Ich entschied, sie nach der doch langen Fahrt ein wenig auf die kleinere Weide zu lassen, damit sie sich die Beine vertreten konnte.
      Motiviert trabte sie davon und zeigte uns direkt noch einmal ihre schönen Gänge. Außerdem beruhigte sie sich erstaunlich schnell und stand zufrieden grasend auf der Koppel. Da sie jedoch etwas geschwitzt hatte, warf ich ihr eine dünne Decke über, immerhin wollte ich ungern, dass sich mein neuer Liebling erkältete.
      „Oh Shanti, es wird toll mit dir!“, grinste ich wie ein Honigkuchenpferd. Ich war wirklich mehr als glücklich über mein neues Pferd und freute mich wie ein kleines Kind. Shanti, einen Spitznamen hatte sie also auch schnell gefunden, bekam nach der Fahrt direkt ein Wohlfühlprogramm, als es gegen Abend in den Stall ging:
      Zuerst durfte sie unter das Solarium, um eventuelle Verspannungen der Fahrt zu lösen und außerdem verpasste ich ihr in der Zeit direkt eine wohltuende Massage. So würde sie die erste Nacht im neuen Heim auch bestens überstehen. Ihre Box hatte ich auch schon liebevoll eingerichtet, mit einem ordentlichen Strohbett und einem vollen Heunetz.
      Während Shanti noch ein wenig die Wärme genoss, bereitete ich ihr eine Portion warmes Mash vor, in welches ich auch noch einen Apfel, zwei Möhren und eine Banane hineinschnippelte. Alles schüttete ich in ihren Trog, so dass sie direkt etwas zu futtern hatte, als sie in die Box kam.
      Über Nacht wollte ich ihr die dünne Stalldecke drauf lassen, da ich mir etwas unsicher war, ob sie unsere Kälte gut vertrug. Und da sie bisher auch kaum Winterfell besaß, ging ich lieber auf Nummer sicher. Ein Weilchen beobachtete ich noch überglücklich mein neues Pferd, ehe auch ich mich in mein kuscheliges Bett verzog.
    • Gwen
      Pflegebericht 29.11.2016 - Der erste Schnee!

      „Gwen, steh auf! Das wird dir gefallen“, tönte es von der Tür aus und ich schrak aus meinen Träumen auf. Es dauerte ein Weilchen, ehe mein Verstand zu arbeiten begann und Ciaran erkannte, weshalb ich ihn auch einige fluchende Worte und Kissen an den Kopf warf. „Sorry, nächstes Mal anklopfen“, murmelte ich nur, ehe ich mich schon darüber aufregen wollte, was denn so wichtig war mich zu wecken.
      Doch da hatte Ciaran schon den Vorhang zur Seite geschoben und ich starrte ungläubig aus dem Fenster. Sofort sprang ich auf und lief hin. „ES SCHNEIT!“, quietschte ich. Ja, ich freute mich auch mit 20 Jahren noch wie ein kleines Kind, wenn es endlich richtig schneite. Grinsend starrte ich aus dem Fenster. Alles war schon mit einer weißen Schicht bedeckt und große Schneeflocken fielen vom Himmel, der fast strahlend blau war.
      Erst jetzt fiel mir auf, dass ich halbnackt neben Ciaran stand. Mit einer hochgezogenen Augenbraue starrte ich ihn an und als nichts passierte, folgte das „Raus hier!“, damit er sich dann mal bewegte. „Keinen Respekt, die Mitarbeiter heutzutage“, murmelte ich kopfschüttelnd, ehe ich grinste.
      Obwohl Ciaran noch nicht gar so lange bei uns war, war er für mich jetzt schon wie ein großer Bruder, der brav auf mich aufpasste. Egal, was für peinlichen Quatsch ich wieder anstellte. Das Privileg nahm er sich durch die zwei Lebensjahre, die er mir gegenüber Vorsprung hatte. Ich hielt davon nicht viel, aber sein Ego ignorierte meine Meinung geflissentlich.
      Aufgefrischt und angezogen erschien ich dann unten in der Küche, wo auch schon das Frühstück vorbereitet war. „Hä?“, fragte ich, ehe mein Blick zur Uhr wanderte. „Was zum Teufel! Wieso weckst du mich nicht!“, fragte ich erschrocken, als die Uhr schon fast zehn Uhr anzeigte. „Gwen, du hast deine drei Wecker ignoriert und einfach weitergeschlafen, also dachte ich, wäre es gut dich schlafen zu lassen, gesund bist du schließlich immer noch nicht“ – und da war er wieder, der große Aufpasser-Bruder.
      Nach einem aufkommenden Hustenanfall gab ich mich schweigend geschlagen. Es war sinnlos, da eine Diskussion anzufangen, wenn mein Körper gegen mich arbeitete. Also genoss ich lieber stillschweigend meinen warmen Tee. „Pferde sind schon gefüttert und auf der Weide“, meinte Ciaran kurz und ich nickte dankend.
      Nachdem ich fertig war, packte ich mich warm ein und dann ging es raus in den Schnee! Ich schnappte mir das Halfter von Shenandoah, denn mit ihr wollte ich heute als erstes arbeiten. Als ich zur Weide kam, sah man direkt wieder, was der erste richtige Schnee mit den Pferden machten: Sie drehten auf – und zwar richtig.
      Im Jagdgalopp ging es über die Weide und selbst die, die sonst nicht großartig mit anderen spielten, waren heute ganz groß dabei und tobten sich aus. Auch Shanti ließ dem Vollblut in ihr vollen Lauf und jagte durch den Schnee. Ich beobachtete alle ein Weilchen, ehe ich mich mit einem Pfiff ankündigte und nach Shanti rief.
      Bisher drehte sie nur den Kopf zu mir, aber da die meisten Stuten selbst dann zu mir kamen, wenn ich gar nichts von ihnen wollte, würde Shanti sich das sicherlich auch bald noch abschauen. Momentan musste ich sie immer noch abholen, aber sie war ja auch erst einen Monat bei uns, da war das voll ok.
      Im Moment arbeiteten wir auch noch sehr viel vom Boden aus, was auch daran lag, dass ich nicht sonderlich fit war und vom ständigen Husten tierische Rückenschmerzen hatte und für Shenandoah wollte ich fit sein. Wenn, ritt also Ciaran sie im Moment, aber das sah dafür auch schon wirklich gut aus, die hatte herrlich schöne Gänge!
      Heute wollte ich sie longieren und dabei auch allerhand an Stangen- und Handarbeit einbauen. Aber erst einmal wurde Shanti am Putzplatz angebunden, damit ich sie in aller Ruhe putzen konnte. Das genoss sie auch sichtlich und als wir fertig waren, wechselte ich Halfter gegen Kappzaum.
      Gemeinsam gingen wir in die Halle, wo ich sie auf jeder Hand zwei große Runden im Schritt führte, damit sie warm wurde. Dann arbeiteten wir etwas an der Hand mit Anhalten, Rückwärtsrichten und Seitengängen.
      Nachdem sie dann endgültig locker war, nahm ich sie auf den Zirkel und ließ sie auf beiden Händen erst einmal locker traben und galoppieren. Erst dann nahmen wir die Stangen mit dazu. Ich wollte ihre Hinterhand vermehrt aktivieren und sie so zu einer schönen Selbsthaltung motivieren. Das klappte auch besser als gedacht.
      Zur Abwechslung baute ich eine Pause ein, in welcher ich wieder mit ihr an der Hand arbeitete und sie auf der gebogenen Linie übertreten ließ. Ebenso übten wir das Schulterherein an der langen Seite. Alles Übungen, die Shanti dehnten und weicher machten. Sie konnte auch schon vieles, weil sie eine sehr schnelle und motivierte Lernerin war.
      Nochmal nahm ich sie an die Longe und schon sah man direkt einige Verbesserungen, sie hielt die Körperspannung länger und besser aufrecht, weshalb ich dann auch zufrieden das Training beendete. Ich lobte sie ausgiebig und warf ihr die Abschwitzdecke über, ehe ich sie trockenführte.
      Danach durfte sie noch einmal unter das Solarium, wo ich ihr auch direkt noch eine Rückenmassage verpasste. Bei Shanti war es mir sehr wichtig, dass sie locker und warm im Rücken blieb, denn sie verspannte sich schnell und war dann auch automatisch nicht mehr rittig.
      Nachdem sie aber ihre Entspannung bekommen hatte, konnte ich sie guten Gewissens wieder auf die Weide entlassen. Dort preschte sie auch direkt wieder von dannen, machte hier und dort einen Hüpfer und quietschte sogar die anderen Stuten an. Ja, der erste Schnee ließ die Pferde immer richtig aufdrehen.
    • Gwen
      Pflegebericht 31.12.2016 - Leichte Arbeit

      Es war noch früh am Morgen, aber dafür stand auch genügend auf dem Tagesplan. Nach dem Frühstück ging es für Ciaran und mich direkt hinaus in den Stall, wo die Pferde gefüttert werden sollten. Nachdem alle zufrieden ihr Futter vertilgt hatten, durften sie auf die Weiden. Endlich konnten sie wieder den gesamten Tag draußen stehen, nachdem Anfang der Woche so ein fieser Schneesturm gewütet hatte.
      Das nutzten sie natürlich auch direkt aus und jagten davon. So konnten wir uns den anstehenden Stallarbeiten widmen. Das Jahr neigte sich nun offiziell dem Ende zu, weshalb wir heute noch einmal einen gründlicheren Stallputz machten, damit wir auch gut ins Jahr 2017 starten würden.
      Als wir dann fertig waren, mussten dennoch einige Pferde bewegt und gearbeitet werden. Ich freute mich ja schon seit heute Morgen auf Shenandoah. Sie war bisher immer noch mein absoluter Liebling und hatte sich nun auch schon bestens eingelebt. Mit dem Halfter bewaffnet, stiefelte ich durch den hohen Schnee zur Weide.
      Dort begrüßte ich die große Vollblutstute herzlich und halfterte sie auf. Für Ciaran nahm ich auch direkt noch Fagy mit in den Stall, denn er wollte gerne mit ihr ein wenig an der Longe arbeiten. Am Putzplatz nahm er sie mir auch schon ab, so dass ich mich wieder voll und ganz Shanti widmen konnte.
      Die Gute putzte ich nun erst einmal gründlich, ehe ich sie sattelte. Wir begannen nun langsam mit dem Training und kamen auch gut voran. Heute stand jedoch nur leichte Dressurarbeit auf dem Plan. Nachdem Shanti gesattelt war, gingen wir in die Halle, wo ich aufstieg und sie in aller Ruhe aufwärmte. Bei der Eiseskälte sollte man sich da auf jeden Fall Zeit lassen, damit es der Stute an nichts fehlte.
      Kurze Zeit später stießen auch Ciaran und Fagy dazu und auch er wärmte seine Stute gründlich auf. Ich hatte nun schon den ersten Trab hinter mir und versammelte mir Shanti langsam, um sie in die Anlehnung zu bringen. Wir ritten erst große gebogene Linien wie Zirkel und Schlangenlinien, ehe wir auch die Volten mit dazu nahmen.
      Shanti machte mustergültig mit und so nahm ich auch den Galopp dazu. Die Stute hatte wirklich einen schönen Galopp und war sehr motiviert mit bei der Sache. So ritten wir noch ein Weilchen, ehe ich sie ausgiebig lobte und abritt.
      Im Stall sattelte ich sie dann ab und warf ihr direkt die Abschwitzdecke über. Gerade wurde das Solarium von Fagy belegt, weshalb Shanti erst einmal etwas Müsli mit Möhren bekam. Danach durfte auch sie noch einmal unter das wärmende Licht.
      Danach war sie auch schon wieder vollkommen trocken und zufrieden und konnte wieder hinaus auf die Weide. Ich widmete mich nach dem Ritt direkt noch unserem Sattel, denn über den putzte ich noch kurz drüber, ehe er wieder in die Sattelkammer durfte.
    • Gwen
      Pflegebericht 08.01.2017 - Springtraining

      Leise summte ich eine Melodie, während ich mich gemeinsam mit Shenandoah hoch zum Stall kämpfte. Zwar hatte Ciaran heute Morgen die Wege zu den Weiden freigeschoben, aber davon war nun, gegen Mittag, nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen versank ich schon wieder gut im Schnee. Shenandoah hatte es da leichter, schien aber auch froh zu sein, als wir den Schnee hinter uns ließen und in den beinahe schon warmen Stall kamen.
      Ich schloss direkt das Tor hinter uns, damit nicht der kalte Wind hineinwehte und band Shenandoah am Putzplatz an. In letzter Zeit hatte ich bemerkt, dass die Stute nicht so gut mit der extremen Kälte klarkam, weshalb sie eine leichte Weidedecke bekommen hatte. Außerdem hatte Elena mir wärmstens einen Rückenwärmer empfohlen, so dass ich Shenandoah nun die Decke abnahm und den Rückenwärmer überlegte. Shanti war noch nicht gar so lange in Kanada, also konnte man es ihr entschuldigen. Die meisten meiner Pferde standen mit Decke draußen, da sie immerhin den gesamten Tag dort verbrachten und für das Training fit sein sollten.
      In der Zwischenzeit holte ich schon einmal Sattelzeug und Putzkiste her und begann dann direkt erst einmal mit den Hufen und dem Langhaar. Nachdem das gemacht war, putzte ich den Kopf und dann nahm ich Shanti den Rückenwärmer ab. Zufrieden schnaubte sie, als ich dann noch den Rest des Körpers putzte und sie sattelte.
      Sie bekam auch direkt die Abschwitzdecke über den Sattel geworfen und dann gingen wir in die Halle. Dort gurtete ich noch einmal nach und schwang mich dann in den Sattel. Im Schritt am langen Zügel wärmte ich Shanti in aller Ruhe auf. Heute stand ein wenig grundlegendes Springtraining auf dem Plan, weshalb ich vorhin schon fleißig aufgebaut hatte.
      Ich wollte heute mehr an den Grundlagen arbeiten, vor allem dem Tempo und den passenden Abständen, deshalb hatte ich einige Cavaletti aufgebaut, zwischen welchen unterschiedliche Anzahlen von Galoppsprüngen nötig waren. Desweiteren eine sehr fiese Kombination und ich hätte mich persönlich wohl gehasst, wenn ich als Pferd unter mir hätte laufen müssen.
      Es waren sechs Hindernisse in einer linearen Reihe, insgesamt drei In-Out-Sprünge. Ergo: Erster In-Out-Sprung, ein Galoppsprung, In-Out, Galoppsprung, In-Out. Die Sprünge waren nicht hoch, die jeweils ersten immer 50cm, die zweiten immer 60cm. Zwischen den Sprüngen lagen für den einzelnen Galoppsprung dafür aber auch noch Stangen, also eine wahrlich anstrengende Aufgabe.
      Doch nun wärmten wir uns erst einmal in allen Gangarten auf und begannen mit zwei Cavaletti welche gegenüber auf einem Zirkel standen. Konzentriert musste Shanti nun Runde für Runde galoppieren und dabei gut die Cavalettis treffen. Ich unterstützte sie aktiv und kontrollierte ihr Tempo.
      Dann machten wir eine kurze Pause, ehe wir mit der Übung des Abstandes begannen. Erst immer 5 Galoppsprünge zwischen den Cavalettis, dann sechs und dann sieben. Danach baute ich wieder eine Schrittpause ein, auch, damit Shanti das Gelernte verarbeiten konnte. Und dann ging es an die fiesen In-Out-Sprünge.
      Der erste Versuch klappte besser als gedacht, auch wenn Shanti zwei Stangen mitnahm. Bei dem zweiten Versuch wussten wir schon mehr, worauf wir uns einließen und der dritte lief dann wirklich gut und fließend. Mit diesen drei Übungen hatten wir mehr als zur Genüge zu tun und nach einer Stunde reichte es dann auch.
      Ich parierte zum Trab durch, trabte leicht und ließ Shanti die Zügel aus der Hand kauen, damit sie sich strecken konnte. Das nahm die Stute auch sofort an und so ritten wir auf jeder Hand noch zwei Runden, ehe wir zum Schritt durchparierten und ich Shanti abritt. Ich warf ihr die Abschwitzdecke über und trödelte noch ein wenig im Schritt in der Halle umher.
      Dann ging es zurück in den Stall und nachdem Shanti abgesattelt war, stellte ich sie direkt unter das Solarium, wo sie auch ihr Futter bekam. Ich räumte alle Ausrüstungssachen weg und dann bekam Shanti ihre Weidedecke auf und durfte wieder hinaus an die frische Luft.
    • Gwen
      Pflegebericht 26.02.2017 - Galopptraining

      Seufzend verspeiste ich den letzten Bissen meiner Zimtschnecke und trank den Cappuccino aus. Ich hatte zwar schon meine Reitsachen an, saß aber noch auf dem Sofa. Bei dem miesen Wetter durfte man sich vor dem Training auch ruhig noch etwas gönnen. In Kanada herrschte immer noch der Winter, denn so richtig wollte er sich bisher nicht verabschieden. Hieß, die seltsamen Sonnentänze von Elena zeigten noch keine Wirkung.
      Ciaran räusperte sich ungeduldig. „Hmm“, grummelte ich, schwang mich auf und zog mich warm an. Das musste man momentan leider noch, aber wir hofften auf wärmeres Wetter. Heute stand Galopptraining im Gelände an. Fester Bestandteil meiner Trainingspläne und absolute Hassdisziplin meinerseits im Herbst und Winter.
      Also stiefelte ich unmotiviert Richtung Stall. Ciaran kannte meine Demotivation diesbezüglich nur bestens, aber der ging auch nicht mit ins Gelände. Ich zitiere das: „Das ist immerhin deine Idee und dein Trainingsplan. Das machst schön du“ – und mit sowas unprofessionellen arbeitete ich zusammen!
      Immerhin blieb mir Elisa treu, denn mit der war ich in einer halben Stunde verabredet. Zum Glück hatte Ciaran bereits meine Vollblutstute Shenandoah geputzt, so dass ich sie nur noch satteln musste. Das ging recht fix und dann war auch ich selber fertig und schwang mit in den Sattel. Ich ritt sie erst ein wenig in der Halle warm, ehe ich mich auf den Weg zu Townsend Acres machte.
      „Im Ernst“, stöhnte ich genervt, als mir Matthew mit Chesmu entgegenkam. Doch Matthew schüttelte nur den Kopf, gurtete nach und positionierte Chessi neben der Aufstiegshilfe. Kurz darauf kam Elisa aus dem Stall gestiefelt und stieg im fließenden Schritt die Stufen hinauf und schwang sich aufs Pferd.
      Matthew verdrehte die Augen und ich tat es ihm gleich. „Wie lange hast du für den blöden Auftritt geübt?“, fragte ich nur sarkastisch und Elisa grinste. „Ich dachte, ich zeige dir mal wofür Angestellte eigentlich gut sind“, meinte sie und wedelte mit ihrem Zeigefinger im Nirgendwo rum. „Ach, für undefinierbare Beziehungen also?“
      Mein Glück war, dass ich auf dem größeren Pferd saß und so Elisa weniger Chance hatte, mich gewaltsam zu erreichen. Außerdem waren wir professionell, hoben trotzig das Kinn und ritt los. „Aufgewärmt?“ – „Klar, hat ja Matthew gemacht“ – und schon trabten wir an. Das Training diente der Ausdauer, also hieß es nach guter Aufwärmphase vor allem Trab und Galopp.
      Wir trabten ein gutes Weilchen, bis wir zu unserer schönen Galopprunde kamen. Die führte einmal in einem großen Bogen um Elisas Gestüt und theoretisch konnte man einen Zwischenstopp bei Elena einlegen, aber wie wir erfahren hatte, futterte die sich heute bei ihrem Cousin durch und so war sie nicht erreichbar.
      „Bereit?“, fragte ich und Elisa nickte. Es war eine etwas außergewöhnliche Kombi aus Vollblut und Reitpony, aber wir hatten uns was dabei gedacht. Natürlich konnte Shenandoah durchaus mehr anziehen, dass sollte aber eben Chessi motivieren, der manchmal doch noch gut brauchte und gerade ein junges Pferd ließ sich gut ziehen.
      Wiederum war Shanti aber auch gut zu halten und zu regulieren. Wir hatten vor Jahren schon mit Fähnchen bestimmte Meter auf der Strecke abgesteckt und so wussten wir, wann wir zulegten, wann wir zurücknahmen und vor allem, wie viele Meter wir bereits hinter uns hatten.
      Zwanzig Minuten gehen aber tatsächlich auch dem Reiter etwas an die Nieren. Auch wenn Elisa und ich natürlich top in Form waren, nagte es auch an uns und so waren wir froh, als die letzte Trabphase kam. Chessi sah auch schon recht fertig aus, aber selbst Shanti schwitzte verdammt gut.
      Aber wir waren ja auch erst am Anfang des Trainings, nun würde es Stück für Stück erhöht werden und dann sahen die Pferde im Frühjahr bereits top aus. Die letzte Viertelstunde ging es dann im Schritt zurück und auf TSA erwartete uns bereits Matthew mit Abschwitzdecke.
      Ich drückte Elisa nochmal kurz und flüsterte ihr ein „Denk dran, wozu Angestellte da sind“ ins Ohr, ehe ich Shanti drehte und nach Hause ritt. Elisa schaute mir spöttisch nach und zeigte eine elegante Handgeste, die ich geflissentlich ignorierte.
      Zu Hause erwartete erst einmal Shanti ein Wellnessprogramm. Zuerst wusch ich Beine, Brust und Bauch, sie sah nämlich aus wie sau und dann ging es unters Solarium. Dort bekam sie auch ihr Mash und ich verpasste ihr eine ausgiebige Massage. Danach wurde sie eingedeckt und durfte wieder auf die Weide.
      Danach bekam auch ich mein Wellnessprogramm. Ich nahm eine heiße Dusche und pflanzte mich dann mit einer Tasse Tee aufs Sofa, es war Zeit für eine Serie!
    • Gwen
      Pflegebericht 31.03.2017 - Platzeinweihung

      Wenn Eli schon so mit ihrem neuen Springplatz und den dazugehörigen Hindernissen angab, dann musste sie auch damit leben, dass sich ihre Freunde dringend davon überzeugen wollten. Das war auch der Grund, warum ich heute ausnahmsweise etwas früher aufstand und die Stallarbeit auf Mittag verschob. Denn zunächst wollte nun Kedves erst einmal geputzt und gesattelt werden.
      Ciaran war mit von der Partie und machte sich Shenandoah auf gleichem Wege fertig. Als wir beide bereit waren, schwangen wir uns hoch aufs Ross und ritten in Richtung Gut Sanssouci. Zehn Minuten brauchten wir im ruhigen Schritt und es war die ideale Aufwärmung. Bei Eli angekommen begrüßte ich zuerst sie und quatschte ein Weilchen, ehe es Ärger von Ciaran gab, der sein Pferd inzwischen warmgeritten hatte.
      Also sputete ich mich und erwärmte auch Kedves in allen Gangarten, mit Seitengängen und Handwechseln. Danach wollten wir unbedingt die Hindernisse testen und Eli hatte uns wirklich eine schöne Auswahl zusammengestellt. Vom Wassergraben bis hin zum Regenbogen gab es alles – das ließ das Springreiterherz doch direkt höherschlagen.
      Die Pferde waren zu Beginn ja nicht besonders überzeugt, aber sowohl Kedves als auch Shanti waren zuverlässige Partner im Parcours und schoben ihre Zweifel dem Reiter zu Liebe gerne zur Seite. Dementsprechend wurde jedes Hindernis mutig genommen und nur selten fiel eine Stange zu Boden.
      Nebenbei hatten wir auch direkt ein wirklich gutes Springtraining für unsere Pferde und Eli ließ es sich nicht nehmen, hier und da dazwischen zu funken und Tipps zu geben. Die nahm ich liebend gern an und sie meisten waren auch sofort umsetzbar.
      Danach entschieden wir uns für ein kleines Päuschen auf Gut Sanssouci, denn da Eli heute eigentlich Küchendienst hatte, wurde Pizza bestellt und da klinkten wir uns doch gerne ein. Dementsprechend bekamen Shanti und Kedves jeweils einen eigenen Paddock mit Heunetz und Wasser und wir genehmigten uns erst einmal unser Mittagessen, ehe wir danach wieder nach Hause reiten würden.
    • Jeanne
      Tierarztbesuch 01.04.2017 - Praxis Vernon

      Langsam, aber sicher war ich der felsenfesten Überzeugung, dass Ms. Vernon das Verreisen über alles liebte. Vielleicht war ich auch einfach nicht an so viele verschiedene Zeitzonen in so kurzen Abständen gewohnt und hatte irgendwie eine Barriere in meinem Kopf, die mich noch daran hindern wollte, mich diesem komplett hinzugeben. Aber wer so viele Flüge in so wenig Zeit problemlos überstand war mir irgendwie suspekt.
      Direkt nachdem wir auf Briar Cliff in Mazedonien gewesen waren, hatte Ms. Vernon frohlockend verkündet, dass es für uns wieder einmal nach Kanada ging, wo wir auch für unseren ersten Auftrag bereits gewesen waren. Als wir in Kanada aus dem Flugzeug stiegen, erkannte ich den Flughafen sofort wieder. Zunächst dachte ich, wir würden erneut zu Ms. Cranfield fahren und die Richtung, in die wir fuhren, stimmte dafür auch. Ms. Vernon aber verriet mir dann, dass wir diesmal auf einen anderen Hof mussten. Unsere heutige Auftraggeberin war Gwendolyn Campbell und war Leiterin und Besitzerin der Nahanni Rivers Ranch. „Sie ist eine direkte Nachbarin von Ms. Cranfield und führen auch gemeinsam einen Ausbildungsbetrieb“, klärte mich auf. Die Tierärztin hatte wohl meinen verwunderten Blick gesehen, denn wir folgten denselben Straßen wie beim letzten Mal.

      Die Nahanni Rivers Ranch von Ms. Campbell war im Vergleich zu den Gestüten, bei denen wir zuvor gewesen waren, doch sehr klein. Gebäudetechnisch hatte man sich hier auf ein großes Stallgebäude mit angrenzender Reithalle und einem Wohnhaus, was im Vergleich zu den anderen Höfen doch recht spärlich bebaut war. Genau deshalb gefiel es mir hier aber sofort umso besser. Es war heimisch, gemütlich und vor allem kein riesiges, befremdendes Sportpferdegestüt wie das direkt nebenan.
      Ms. Campbell war ebenfalls eine zuvorkommende, freundliche Person, die mir vom ersten Moment an sehr sympathisch war. Sie trug die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen und schien niemand zu sein, den man öfters mürrisch antreffen konnte.
      Sie führte uns nach kurzem Smalltalk direkt in den Stall, immerhin waren wir für zwei ihrer Pferde hier. Das Stallgebäude war von innen viel größer als man es von außen erwartet hätte. Eine riesige Stallgasse würde uns genügend Platz bieten, um in Ruhe zu arbeiten und durch die direkt anliegende Reithalle würde Ms. Campbell ihre Pferde auch problemlos vorführen können.
      Wir begannen mit einer Englischen Vollblutstute, die den Namen Shenandoah trug. „Shanti wird euch keine Probleme machen“, versicherte Ms. Campbell uns, als sie die bereits geputzte Stute aus der Box holte und sie in Richtung Halle führte, während wir neben ihr herliefen. Wir warteten am Halleneingang, als Ms. Campbell ihre Stute im Schritt und im Trab vorführte. Bei dem dunklen Pferd sah alles gut aus, es lief taktklar und die Bewegungen waren flüssig.
      Nachdem Ms. Campbell die Stute wieder in die Stallgasse geführt hatte, machten Ms. Vernon und ich uns an die Arbeit. Während ich Herz und Lunge abhörte und die Schläge beziehungsweise Atemzüge abhörte, kontrollierte Ms. Vernon die Augen und Ohren des Pferdes auf Kratzer, den Pupillenreflex und eventuelle Milben, die sich eingenistet haben könnten. Die Tierärztin schien zufrieden zu sein, auch ich hatte an den Werten der Stute keine Probleme entdecken können. Bei ihr war alles im grünen Bereich.
      Bevor wir Shenandoah die Impfungen und Wurmkur verabreichten, sollte Ms. Vernon sich noch einmal um die Zähne der Stute kümmern. Dazu prüfte sie zuerst die Zahnstellung, bevor sie mich um die Sedierung bat. Als ich der Tierärztin die Spritze fertigmachte, die Shenandoah verabreicht werden würde, erklärte sie Ms. Campbell, dass die Schneidezähne der Stute etwas zu lang geworden waren und diese in gewissen Abständen sowieso gekürzt werden mussten. Der Zeitpunkt war für das bunte Vollblut jetzt gekommen.
      Mit einem Maulgatter sperrten wir Shenandoah das Maul auf, sodass Ms. Vernon in Ruhe arbeiten konnte. Nachdem die Sedierung wirksam war, setzte Ms. Vernon die Raspel an und kürzte die Schneidezähne der Stute minimal. Waren die Schneidezähne zu lang, konnte es vorkommen, dass die Kauflächen nicht mehr komplett geschlossen wurden. Besonders bei älteren Pferden bestand dann das Risiko, dass eine Lücke zwischen Zahnfleisch und Zahn entstand, in der sich später Futterreste sammeln könnten – auch, wenn Shenandoah mit ihren acht Jahren noch nicht zu den älteren gehörte.
      Ich kramte während der Zahnbehandlung schon einmal nach dem Merkblatt, welches alle Kunden mitbekamen, und hatte es gerade gefunden, als Ms. Vernon fertig war. Direkt im Anschluss an die Behandlung konnte ich also mit Ms. Campbell das Merkblatt durchgehen, beim letzten Mal hatte ich gut genug aufgepasst, sodass ich jetzt alles wiedergeben konnte, was Ms. Vernon auch angemerkt hatte.
      Nach Abschluss der Zahnbehandlung und des Erklärens bekam Shenandoah noch ihre Impfungen und die Wurmkur verabreicht, dann wurde die Achtjährige entlassen und durfte sich in ihrer Box von der Tortur erholen.

      Ceredwen war die nächste Patientin für uns. Als Ms. Campbell die Holsteinerstute aus ihrer Box führte, war ich sofort total in sie verschossen! Gwen, wie ihre Besitzerin sie nannte, war eine ausgesprochen hübsche Warmblutstute mit einer superschönen Fellfarbe. Das fuchsfarbene Fell hatte eine tolle, satte Farbe und die weiße Scheckung stand in einem schicken Kontrast dazu. Die Gänge waren sehr raumgreifend und federnd, es schien fast, als würde der Vierbeiner nahezu über den Boden schweben.
      Leider hatte ich nicht viel Zeit, um die Stute weiter anzuschmachten, denn Ms. Vernon bat mich diesmal darum, wieder die Ohren und die Augen der Stute zu kontrollieren. Ein Blick in die Ohren bestätigte mir, dass dort alles in Ordnung war. Als ich mit der Taschenlampe in beide Augen des Fuchsschecken leuchtete und den Pupillenreflex überprüfte, stellte ich fest, dass dort auch alles im grünen Bereich war. Auch etwaige Kratzer oder sonstige Augenprobleme wie eine Reizung oder einer Bindehautentzündung konnte ich nicht ausmachen.
      Ms. Vernon schien ebenfalls zufrieden mit dem Puls und der Atmung des Pferdes, was sie währenddessen abgehört hatte. Die hübsche Holsteinerstute war also rundum gesund, fehlte nur noch die Kontrolle der Zähne und die Behandlung dieser.
      Ich setzte der Stute diesmal das Maulgatter ein, damit Ms. Vernon bedenkenlos ins Maul des Scheckens greifen und darin arbeiten konnte. Hier musste nicht viel gemacht werden. Die Zähne des Vierbeiners sahen alle sehr gut erhalten aus, Fehlstellungen, Löcher oder Haken waren nicht zu sehen. Bei Ceredwen reichte also eine einfache Zahnbehandlung mit Sedierung und Nachraspeln der Zähne vollkommen aus, ehe sie der Maulsperre auch schon wieder entledigt werden durfte.
      Ms. Vernon lobte die Stute für ihr ruhiges Verhalten ausgiebig. Ms. Campbell hatte zuvor schon ein wenig erzählt, auch dass sie wohl gut und gern mal eine kleine Diva sein konnte, aber davon merkte man gerade nichts. Ceredwen ließ alles ruhig über sich ergehen und machte uns keinerlei Probleme.
      Die Spritzen gab es fix verabreicht und dem Anschein nach spürte die Stute den Einstich nur kurz. Es war ein kleines Pieksen, das aber schon wenig später wieder vorbei war. Ms. Vernon massierte die Einstichstelle eine Weile, während ich mich um das Vorbereiten und Verabreichen der Wurmkur ins Maul der Scheckstute kümmerte. Zur Belohnung gab es noch ein kleines Stückchen Karotte, damit sie den ekligen Geschmack der Paste schnell loswurde. Danach ging es auch für sie wieder zurück in die Box. Ich spürte mein kleines Herz in tausend Stücke zerbrechen, als ich sie verlassen musste. Am liebsten hätte ich Ceredwen eingesteckt und mitgenommen.

      Ms. Vernon erklärte Ms. Campbell noch einmal im Groben das, was sie aufgrund der Sedierung in den nächsten Tagen zu beachten hatte, bevor wir uns daran machten, das Arbeitswerkzeug der Tierärztin wieder in den Mietwagen zu verfrachten. Als das geschafft war, schloss ich die Kofferraumklappe des Jeeps (in Kanada kannte man wahrscheinlich bei der endlosen Landschaft auch keine anderen Autos) und verabschiedete mich von Ms. Campbell, nachdem Ms. Vernon es auch getan hatte. Dann ging es für ins wieder Richtung Flughafen – mal sehen, wo uns unser Weg nun hinführen würde. Mir hatte Ms. Vernon nicht verraten, ob wir noch einen Auftrag zu erledigen hatten oder ob es wieder ins heimische Wales gehen würde.
    • sadasha
      Hufschmiedbesuch 04.04.2017 – Vineyard Farrier

      Es passte ganz gut, dass ich so oder so schon auf dem Kontinent war, als Gwendolyn Campbell anrief und mich bat nach Kanada zu kommen um mich um zwei ihrer Pferde zu kümmern. Nachdem ich in Georgia mit meinen Erledigungen fertig war nahm ich den nächsten Flug nach Kanada und traf schon bald samt gemietetem Schmiedemobil auf der Nahanni Rivers Ranch ein. Es war recht kühl hier und die Sonne bahnte sich nur bedingt einen Weg durch die Wolken. Sofort kam mir Miss Campbell entgegen und wir begrüßten uns freundlich. „Shenandoah ist schon fertig geputzt und wartet dort drüben.“ Ich fragte ob ich den Wagen etwas weiter vorfahren durfte, da ich zur Anpassung der Eisen den Amboss brauchen würde. Sie nickte und ich setzte den Wagen wieder in Gang um näher heranzufahren. Shenandoah beobachtete das Geschehen aufmerksam, blieb aber ruhig stehen. Als ich wieder ausstieg bat ich Miss Campbell mir die Vollblutstute einmal vorzuführen. Sie tat wie geheißen und ich beobachtete aufmerksam. Mir fielen keine Ungereimtheiten auf und so machte ich mich mit der Stute bekannt. Die wachen blauen Augen waren klar und die Ohren gespitzt. Shenandoah war ein Vorzeigevollblut. Keine Spur von Misstrauen. Ich strich ihr von der Schulter über das Bein nach unten, worauf hin sie brav den Huf hob. Mit dem Hufmesser machte ich einen Probeschnitt um die Beschaffenheit des Horns bestimmen zu können. Es war von guter Qualität und so fuhr ich unbeirrt fort. Zuerst entfernte ich das alte Horn, dann schnitt ich den Strahl frei und knipste die Hufwand zurück. Mit der Raspel feilte ich Ecken und Kanten glatt. Immer wieder prüfte ich ob alles nach Plan verlief. Dann kam das erste Eisen zum Einsatz. Ich musste es nur geringfügig anpassen. Mit ein paar gezielten Schlägen auf dem Amboss fügte sich das Eisen in die gewünschte Form und passte schließlich auf den eben ausgeschnittenen Huf. Mit ein paar Nägeln schlug ich das Aluminiumeisen mit Stahlgriffen an und ging dann zum nächsten Huf über. Da nur ein Teilbeschlag gefragt war musste dieser nicht beschlagen werden. Ich schnitt ihn aber gründlich aus. Auch der Huf danach musste nur ausgeschnitten werden. Den letzten Huf beschlug ich wieder, nachdem auch er das Prozedere des Ausschneidens hinter sich hatte. Zuletzt pinselte ich alle vier Hufe noch mit Huffett ein. Shenandoah war damit erlöst.
      Ceredwen wurde in der Zwischenzeit geputzt und ebenfalls hergebracht. Auch sie wurde mir in Schritt und Trab vorgeführt und auch bei ihr vernahm ich keine Auffälligkeiten. Die Cadoc Tochter würde heute ebenfalls einen Teilbeschlag erhalten. Wie zuvor bei Shenandoah machte ich mich zuerst mit der Stute bekannt und sah mir dann den ersten Huf an und prüfte die Hornqualität. Auch ihre Hufe waren im normalen Bereich und so schnitt ich weiter aus, schnitt den Strahl frei, knipste die Hufwand zurück und raspelte die Feinheiten heraus, bevor ich das erste Hufeisen anpasste und schließlich aufnagelte. Die nächsten zwei Hufe schnitt ich nur aus. Immer wieder kontrollierte ich meine Arbeit. Schließlich war ich so weit, dass nur noch das letzte Eisen gerichtet und aufgenagelt werden musste. Ceredwen sah sehnsüchtig in Richtung Stallungen. Sie konnte sich wohl eine bessere Beschäftigung vorstellen als hier zu stehen und zu warten. Lobend strich ihr über die Schulter, bevor ich mir den letzten Huf noch einmal hochnahm und das gerade angepasste Eisen anschlug. Wieder holte ich die Dose Huffett und pinselte alle Hufe damit ein. Als ich fertig war suchte ich noch die passenden Steckstollen für die eben angeschlagenen Eisen raus und übergab sie Miss Campbell, während wir alles Übrige besprachen.
      Miss Campbell brachte nun auch Ceredwen weg und ich räumte sämtliches Werkzeug zurück in den Wagen und fegte im Anschluss den Platz ab. Erst als alles wieder in bester Ordnung war verabschiedete ich mich und fuhr vom Hof um den Wagen zurückzubringen und anschließend ein Hotel zu suchen. Erst am nächsten Tag trat ich die Heimreise an.
    • Gwen
      Pflegebericht 29.04.2017 - Geburtstagsüberraschung!

      Unschuldig summte ich eine Melodie, während wir mit den morgendlichen Stallarbeiten beschäftigt waren. Indirekt spürte ich genau, wie Ciarans Gesichtsausdruck immer säuerlicher wurde. „Ach Mist, du? Ich muss noch fix ein paar Formulare abschicken, kannst du das hier alleine machen?“, ließ ich eine dumpfe Ausrede erklingen, um der Stallarbeit zu entgehen und sie hatte genau die gewünschte Wirkung: Ciaran schnaubte nur wütend, nickte aber.
      Fröhlich hüpfte ich vom Stall hinüber zum Haus, wo ich nun wohl noch um die zehn Minuten hätte, wenn man bedachte, dass Ciaran gerade den Mist der armen Boxen mit seiner Wut in den Boden stampfen würde. Also machte ich mich direkt daran, die Torte aus ihrem Versteck zu holen und 23 Kerzen anzuzünden.
      Ich und Feuer waren sowieso keine Freunde und den ganzen Spaß noch 23-mal, das war keine Freude – weder für die Torte, noch für mich. Dementsprechend vergeudete ich auch einen Großteil der Zeit damit, ehe ich wirklich noch dazu kam, die Geschenke zu platzieren und die verrückte SMS abzuschicken.
      Man glaubt es kaum, wie schwer es gewesen war, Ciarans Freunde beziehungsweise deren Nummern aufzutreiben. Er tat ja immer wie ein ungeschriebenes Blatt, aber in Wahrheit hatte er trotzdem hier und da Freunde. Und die hatten alle nur auf meine SMS gewartet, um nun zur Hintertür hereingelassen zu werden und sich im Wohnzimmer zu verstecken.
      Auch Colin, Nate und Matthew waren von der Partie, hatte sich durch das gezwungenermaßen gleiche Hobby und die geografische Nähe doch eine Männerfreundschaft daraus gebildet. Der Rest der Mädels würde wohl heute auch noch eintrudeln, denn kostenloses Essen ließen sie sich nie entgehen. Mit Ciaran selbst hatten sie aber wenig am Hut und machten so erst einmal den Stall, während ihre Männer bei mir ihren freien Vormittag genossen.
      Alle waren versteckt und es dauerte nicht lange, bis man Ciaran grummelnd die Tür aufschlagen und eintreten hörte. Wir warteten und warteten, bis der perfekte Moment kam und wir alle aus dem Versteck sprangen. Ciarans starre und wütende Mimik wandelte sich von einer Sekunde in ungläubig und dann in fröhlich.
      „Du glaubst doch nicht, dass wir den Tag vergessen! Ich muss dich doch daran erinnern, dass du zwei Jahre älter bist als ich!“, meinte ich lachend und umarmte Ciaran, ehe ich ihm stolz meine selbstgebackene Torte zeigte. Nicht umsonst hatten die anderen Jungs ihn gestern Abend in die Stadt entführt und auch noch abfüllen müssen, da mein erster Tortenversuch kläglich gescheitert war. Der zweite konnte sich dafür sehen lassen!
      Lange hatte ich auch gehadert, was Ciaran von mir geschenkt bekommen würde. Zum einen hatte ich ihn aber tatsächlich ein neues Paar Stiefel spendiert. Er liebte seine alten, aber das sah man denen auch an und langsam konnte ich Elenas Gejammer nicht mehr ertragen, was denn Ciaran mit dunkelbraunen Stiefeln auf meinen schwarzen Dressursätteln machte.
      Also hatte ich sein Modell auf ewig gesucht und gefunden, aber eben in schwarz und in neu. Dass ich nebenbei mir auch gleich noch ein neues Paar spendiert hatte, ignorierten wir nun aber geflissentlich. Das Highlight war nämlich eigentlich auch das zweite Geschenk. Ein unscheinbarer A4-Umschlag, der unschuldig unter all den bunten Geschenken lag.
      Ciaran entdeckte ihn dennoch geschwind und warf schnell seinen besten Freunden vor, für dieses unkreative Geschenk verantwortlich zu sein. Dabei handelte es sich um einen Gesellschaftsvertrag, der Ciaran und mich zu gleichwertigen Geschäftspartnern machen würde, also gegebenermaßen er setzte seine Unterschrift drunter – meine stand da schon.
      Es dauerte ein Weilchen bis Ciaran den Schrieb verstand, aber als er sich umdrehte und mich angrinste, wusste ich sofort, dass er unterschreiben würde. Ab sofort wäre ich also nicht mehr alleine für alle den Bürokram zuständig. Das würde noch lustig werden mit uns beiden, auf einer Ebene.

      „Und wie fühlt man sich so als Leiter einer Ranch?“, fragte ich grinsend, als Ciaran und ich am Abend noch einen gemeinsamen Ausritt unternahmen. „Also an sich wäre ja ein Gestüt schon besser gewesen und was ich mit diesen Waldponys anfangen soll, weiß ich auch noch nicht so recht…“, scherzte Ciaran und ich hätte ihn dafür am liebsten eine gegeben, aber er war so bedacht gewesen, Ceredwen möglichst weit weg von mir zu lotsen.
      „Lass mich meine Entscheidung nicht bereuen!“, lachte ich und ließ Shenandoah antraben. Die beiden Scheckstuten waren momentan regelmäßig auf Turnieren unterwegs und standen sehr gut im Training. Dementsprechend wichtig fand ich es aber auch, dass sie ihre Pausen durch freie Tage oder Ausritte bekamen. Und da sie beide eh zu unseren Lieblingen gehörte, passte das doch wirklich gut mit dem Geburtstagsritt!
    • Gwen
      Pflegebericht 22.05.2017 - 451. Stutenkrönung

      "Sieben Monate, ist das ein neuer Rekord?", fragte Elena grübelnd, während sie noch einmal unser Outfit unter Augenschein nahm. Hier noch etwas richten, dort noch einmal zupfen - erst dann war sie wirklich zufrieden. Wir waren heute auf eine Stutenprämierung gefahren, mit Shenandoah. Dabei gehörte die Vollblutstute erst seit Ende Oktober 2016 zu unserem Hof und nun war sie tatsächlich schon so weit, dass wir diesen Schritt wagen wollten.
      "Shenandoah ist halt vorbildlich", meinte ich grinsend und ritt die Stute noch etwas warm. Heute verzögerten sich die Starts ein wenig, da wohl ein Pferd mächtiges Theater gemacht hatte als es an den Richtertischen vorbei sollte. Ich hoffte ja, dass mir so etwas erspart blieb. Aber eigentlich war Shenandoah dafür auch routiniert genug und immerhin hatten wir Elena mit, da durfte sowieso nichts schiefgehen.
      Als wir aufgerufen wurden, kam Elisa mit Popcorn um die Ecke und zog Elena mit sich. Fröhlich grinste sie mich an und hoffte anscheinend doch auf eine spannendere Vorführung. Ich war hingegen fest entschlossen, dass alles ruhig ablaufen würde. Shenandoah lief im Trab vorbildlich in die Halle und wir ritten geradewegs zu X, wo wir zum Halt durchparierten und die Richter grüßten.
      Nachdem ich die Zügel wieder aufgenommen hatte, gab ich die Trabhilfe und fehlerfrei sprang Shenandoah an. Wir gingen zuerst auf die linke Hand und ritten die lange Seite herunter, ehe wir bei A angaloppierten und auf den Zirkel gingen. Zwei Runden ritt ich Shenandoah, ehe ich einen Galopp-Schritt-Übergang einbaute und der Stute in der langsameren Gangart auch etwas mehr Zügel ließ.
      Entspannt schritt sie voran und nach einer weiteren Zirkelrunde wechselten wir einmal durch die ganze Bahn. Auch auf der rechten Hand gingen wir noch ein wenig Schritt, ehe ich Shenandoah wieder antraben ließ. Wir ritten erneut ganze Bahn und Shenandoah schnaubte sogar seelenruhig ab. Auf dem unteren Zirkel galoppierten wir noch einmal an, aber als wir am Tor vorbeikamen, schoss draußen gerade ein galoppierendes Pferd vorbei, so dass nicht nur Shenandoah sich erschreckte und auf der Hinterhand kehrt machte.
      Eine leichte Parade beruhigte sie aber sofort wieder und ich ließ sie nach dem sportlichen Handwechsel noch eine halbe Zirkelrunde auf der linken Hand galoppieren, ehe wir zum Trab durchparierten, durch den Zirkel wechselten und uns dann auf die Mittellinie begaben, um erneut bei X durchzuparieren. ich verabschiedete mich von den Richtern und lobte dann Shenandoah ausgiebig.
      Den Zwischenfall hatte sie derweil schon wieder vergessen. Der Reiterin und ihrem Pferd draußen hingegen sah man den Schreck noch tüchtig an und sie hatte wohl direkt ihren Start gestrichen. "Genau so wollte ich das!", freute sich Elisa fröhlich und reichte mir das Popcorn. Elena und ich schauten uns nur schweigend an und überlegten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sein konnte, dass Elisa in die ganze Sache verstrickt gewesen war. Aber stattdessen galt es nun auf die Note zu warten.
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  • Album:
    Südstallungen
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    Gwen
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    29 Okt. 2016
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  • Rufname: Shanti
    Geburtsjahr: 2009

    Von: Zephyros
    Aus der: Sawana

    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Dunkelfuchs mit Splash
    Stockmaß: 168cm

    Beschreibung:
    Shenandoah ist im Umgang als auch unter dem Sattel eine sehr vorbildliche Stute und lässt keine Wünsche offen. Nichtsdestotrotz ist sie nicht einfach zu reiten. Als englische Vollblüterin bringt sie allerhand an Temperament und Feuer mit, welches zugleich mit sanfter, aber auch konsequenter Hand in die richtigen Bahnen gelenkt werden muss. Die Stute zeigt sowohl im Viereck als auch im Parcours ein großes Potenzial, welches noch längst nicht ausgeschöpft ist. Unter einem professionellen Reiter wird sich Shenandoah sicherlich zu einem tollen Sportpferd entwickeln.

    Ersteller: Canyon
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Canyon

    Dressur M - Springen S - Military A - Distanz S*

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