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Paradise

Screaming Silence

[b][img]http://img200.imageshack.us/img200/4606/screamingsilence.jpg[/img] Name[/b]: Screaming Silence [b]Mutter[/b]: Quiet [b]Vater[/b]: Crying Boy [b]Geburtsdatum[/b]: 18.09.2001 [b]Geschlecht[/b]: Stute [b]Rasse[/b]: Araber [b]Fellfarbe[/b]: Heller Palomino [b]Charakter[/b]: sensibel und feinfühlig, ruhig, aber auch temperamentvoll [b]Stockmaß[/b]: 1,51 [b]Gesundheit[/b]: Sehr gut [b]Besitzer[/b]: Paradise [b]Pferd erstellt von[/b]: Anni* [b]Galopprennen Klasse[/b]: A [b]Western Klasse[/b]: E [b]Spring Klasse[/b]: E [b]Militairy Klasse[/b]: E [b]Dressur Klasse[/b]: A [b]Distanz Klasse[/b]: E [b]Beschreibung[/b]: [folgt] Der Stecki war beim Löschchaos eig. verloren gegangen, aber aus purem Zufall habe ich ein angefangenes Boxenschild für sie wiedergefunden, auf dem ich mir das alles schon hingeschrieben habe ^^ [b]~-~-~-~-[i][font="Book Antiqua"][size=3]Erfolge[/size][/font] [/i]-~-~-~-~[/b] [b]2. Platz 86. Galopprennen[/b]: [img]http://i39.tinypic.com/zv1tux.gif[/img] [b]1. Platz 102. Dressurturnier:[/b] [img]http://i41.tinypic.com/2sbmpw5.gif[/img]

Screaming Silence
Paradise, 9 Sep. 2008
    • Paradise
      Monsterpflegebericht für alle Weidepferde:

      "Haaa... haaaa... haaaaahhhhhh..." Ich versuchte den Drahtesel zu bremsen, aber es war zu spät. "...TSCHUU!" Klirr, schepper, ratsch! "Ach verdammt", knurrte ich, klopfte mir den Staub von der Reithose und stellte mein malträtiertes Fahrrad wieder hin. War dieser gottverdammte Waldweg eigentlich verflucht? So langsam war ich hier oft genug vom Fahrrad gefallen.
      Entnervt stieg ich wieder auf das mittlerweile ziemlich kaputte Fahrrad und ließ mir den Fahrtwind um die schnupfenrote Nase wehen. Wo zum Teufel hatte ich diesen Schnupfen eigentlich her? Ich hatte keine Ahnung, ich wusste nur, dass er mich nervte, und zwar gehörig.
      Ich hoffte sehnlichste, die Morgensonne würde das Geschniefe lindern, denn beim Pferdepflegen war dieses Rumgerotze nicht sehr förderlich.
      Als ich endlich angekommen war, ließ ich mein Fahrrad erleichtert auf den Ständer scheppern. Meine Hände durchwühlten zerstreut meine Taschen nach einem Tempo, bis mir einfiel, dass wir gar keines hatten. "Ach mist…", murmelte ich und lief entschlossen zur Weide. Ich hatte mir heute vorgenommen, alle Weidepferde zu pflegen. Und gerade jetzt, mit diesem Schnupfen… Wie aufs Stichwort, oder eher Stichgedanken, kitzelte meine Nase.
      "Haaah… haaaah… haa… TSCHU!" Sämtliche Pferde auf den nun in Sichtweite liegenden Weiden sahen sich irritiert nach mir um. Na toll.
      Als erstes holte ich Shattered Night von der Weide. Ihr wollte ich heute ganz besonders viel Aufmerksamkeit zukommen lassen, denn erst vor ein paar Wochen war sie gekört worden und ich war noch gar nicht dazu gekommen, sie dafür zu verwöhnen. Sie schnupperte hier und dort, während ich sie zum Putzplatz führte, und freute sich offensichtlich über das nicht all zu warme, aber trotzdem frühlingshafte Wetter. Fröhlich sog sie all die Frühlingsgerüche durch die geblähten Nüstern ein. Hatte sie es gut - sie roch immerhin überhaupt etwas!
      Oh nein. Der Stichgedanke… "Haaah… haa… TSCHU!" Night machte einen erschrockenen Satz, als sich ihre Besitzerin plötzlich vorn übergebeugt die Seele aus dem Leib nieste.
      Fast entglitt mir der Führstrick. Verdammter Schnupfen.
      Bald hatte sich Night von meinem Nieskoller erholt und stand nun wieder munter umherschauend auf dem Putzplatz. Ich schleppte nasehochziehenderweise den Putzkasten heran und stellte ihn in sicherer Entfernung ab. Dann schnappte ich mir den Striegel und begann mit dem Putzen. Es war wirklich anstrengend, anscheinend hatte Night sich in jeder Frühlingsregen-Pfütze gewälzt, die sie finden konnte. Als der gröbste Dreck beseitigt war, nahm ich die Kardätsche zur Hand und brachte das graue Fell zum glänzen. Schließlich trat ich zufrieden lächelnd zurück. Shattered Night glänzte wie eine Statue aus Sterling Silber. "Meine Zuchtzicke!", flüsterte ich ihr grinsend ins Ohr. Jaja. Die Zucht… Bald würden wir umziehen müssen, auf einen Zuchthof. Es war wirklich soweit, die Zucht existierte - naja, fast.
      Noch war sie nicht fertig gestellt, doch der Zulauf war bereits groß. Auch Leute, die nur wage von Casiis und meiner Zucht gehört hatten, waren bereits bei uns gewesen und hatten hoffnungsvoll Anträge gestellt. Es war ein ziemlich mieses Gefühl gewesen, sie abzuwimmeln, aber Ordnung musste schließlich sein.
      Sorgfältig bürstete ich die Mähne und verlas den Schweif. Dann schrubbte ich ihre Hufe, bis auch der letzte Rest frühlingsfeuchter Erde davon verschwunden war. Anschließend kratze ich ihr gründlich die Hufe aus und beließ es dabei. Ich lehnte mich gegen die Stute und überlegte, was ich mit ihr machen wollte. Night war aufgekratzt und voller Energie. Für ein ernsthaftes Training keine gute Ausgangssituation. Ich wollte sie nicht frustrieren - und mich auch nicht.
      Also ließ ich Training Training sein und schnappte mir das Zaumzeug. Auf den Sattel verzichtete ich, vorerst auch auf das Aufsteigen. In stiller Eintracht schlenderten wir vom Hof. Der Wald schloss sich über uns wie ein Glasdach. Überall waren frische Grüne Knospen, aber die lichten Baumkronen ließen viel Frühlingssonne durch. Night spitzte die Ohren nach jedem Vogelzwitschern und schritt fröhlich aus. Schließlich brachte ich sie am Wegrand zum Stehen und stieg auf einen Baumstumpf. Dann schwang ich mich auf Nights Rücken.
      Am langen Zügel ließ ich sie durch den Wald schlendern. Ich vertraute ihr völlig. Sie machte sicher keinen Blödsinn. Das tat sie wirklich nicht. Sie griff zwar munter aus, aber sie trabte nicht los. Das tat sie erst, als ich die Zügel nachfasste und sie endlich vorwärtstrieb.
      Trab ohne Sattel war ich so gut wie noch nie geritten. Normalerweise hätte ich mir Sorgen gemacht, bei einer falschen Bewegung auf dem Hosenboden zu sitzen, aber nicht heute.
      Schließlich ließ ich Shattered Night angaloppieren. Ihre Sprünge waren weich und bequem zu sitzen. Trotzdem war und blieb ihr Rücken verflixt glatt und bei dem frischen Wind begann prompt meine Nase zu laufen. Ich parierte sie durch und stieg wieder ab. Im Schritt und in stillem Einverständnis ging es zurück zum Hof.
      Dort befreite ich sie erst einmal vom Zaumzeug und ließ sie wieder auf die Weide. Dort blieb sie noch ein wenig bei mir stehen. Sie legte mir ihren Kopf auf die Schulter und ließ sich die Stirn kraulen. Ich lächelte. Solche Gesten waren mir bei der scheuen Stute sonst noch nicht vorgekommen.
      Wen sollte ich mir als nächstes vornehmen? Ich entschied mich für eine kleine Spielstunde mit meinen beiden Fohlen. Eine Stunde mit ihnen in der Halle herumzutollen schien mir eine Idee, die Spaß versprach. Also begab ich mich auf die 'Jagd' nach den beiden 'Kleinen', Lemon Tree und Castrol. Das war an sich schon ein kleines Abenteuer, denn die beiden hatten offenbar keine Lust, die schöne Weide zu verlassen. Ruhig und darauf bedacht, mich auf keinen Machtkampf einzulassen, folgte ich den sich gemeinschaftlich aus dem Staub machenden Fohlen. Schneller als ich waren sie sowieso. Ein paar mal hatte ich die beiden fast, da sie doch gerne ein wenig am saftig grünen Gras knabbern wollten. Als sie merkten, dass ich fast heran war, eilten sie weiter. Irgendwann trennten sie sich, vielleicht dachten sie, so könnten sie mich loswerden, aber ich folgte ihnen einfach weiter. Castrol gab als erstes auf. Genervt davon, dauernd das Gras stehen lassen zu müssen, um mir zu entkommen, blieb er einfach stehen. Er ließ sich nun brav aufhalftern und folgte mir endlich. Lemon Tree schien fast beleidigt, dass sich sein Spielkamerad ergeben hatte. Erstaunt näherte er sich uns. Angekommen blieb er stehen und betrachtete erst den völlig gelassenen Castrol, dann den Führstrick in meinen Händen. Dann wieder Castrol. Den Führstrick. Endlich kam er zu dem Schluss, dass es kein Weltuntergang war, seinem Besitzer zu folgen, und ich konnte ihm das Halfter über seinen kleinen Ponydickkopf streifen.
      Danach mussten die zwei armen, armen Fohlen noch eine langweilige Putzprozedur über sich ergehen lassen. Doch schließlich hatten die zwei auch das überstanden.
      Nun konnten wir in die Halle gehen.
      Ohne die wärmende Sonne war es immer noch recht kühl, doch der Wetterbericht hatte angekündigt, das die Temperaturen steigen sollten im Laufe der Woche.
      Ich klinkte die beiden Führstricke aus und lagerte sie sicher vor neugierigen Fohlengebissen hinter der Bande. Die beiden Fohlen nutzten die Chance und jagten buckelnd durch die Bahn.
      Ich ließ Lemon Tree und Castrol eine Weile herumtoben, dann schnappte ich mir einen großen, leichten Ball, den ich in die Bahn rollte. Lemon Tree machte eine Vollbremsung und blieb vor dem merkwürdig runden Gegenstand stehen. Er blickte mich irritiert an, als wollte er fragen: "Was soll denn das werden?" Auch Castrol war aufmerksam geworden und trabte auf den Ball zu. Zögernd streckte er seinen eleganten Kopf vor und beschnupperte ihn. Der Ball roch ungewohnt, aber nicht gefährlich. Also versetzte er ihm mit dem Maul einen kleinen Stups und beobachtete interessierte, wie er ein Stück davon kullerte. Lemon schnaubte überrascht und versuchte selbst sein Glück. Mit seinem kurzen Ponyfohlenbein trat er ein wenig dagegen und sah dem Bal begeistert hinterher. Nach ein paar Minuten kickten ich und meine Kleinen den Ball munter durch die Halle. Schließlich ging mir die Puste aus und ich hockte mich an die Bande. Erst der halbe Spaziergang mit Night, anschließend das Einfang-Gerenne und jetzt dieses tierische Fußballspiel… Das ging an die Substanz. Der Schnupfen machte es auch nicht besser. Immer noch schniefte ich in einer Tour, aber langsam wurde es besser. Zumindest hatte ich bis jetzt nicht noch einmal niesen müssen. Toi, toi, toi…
      Ich sah den Fohlen noch ein wenig beim herumtollen zu. Dann schienen auch ihnen langsam die Kräfte zu schwinden. Lemon Tree legte noch einen Schlussspurt hin und steckte dabei Castrol an. Ein letztes Mal fegten die Zwei durch die Bahn, dann gesellten sie sich zu mir.
      Ich begann, die Führstricke, die ich mir zwischenzeitlich bereits wiedergeholt hatte, einzuklinken. Castrol hatte wenig Lust, sich erneut zu ergeben, aber Lemon Tree hatte anscheinend nachhaltig begriffen. Er zickte nicht, sondern blickte sehr überrascht zu Castrol hinüber, der buckelnd das Weite suchte. Ich seufzte. So ein kleiner Sturkopf! Mit ihm würde ich später wohl auch noch meine liebe Müh haben. Mit Lemon im Schlepptau ging ich ruhig auf ihn zu.
      Wieder entwischte er mir immer, wenn ich ihn fast hatte, aber deutlich schneller als auf der Weide verging ihm die Lust auf eine Verfolgungsjagd. Genervt ließ er sich an den Führstrick nehmen, doch als wir wieder nach draußen in den Sonnenschein traten, besserte sich seine Laune schlagartig. Munter hopste er auf dem Weg zur Weide hin und her. Als ich die beiden Fohlen auf die Weide entließ, jagten beide fröhlich buckelnd davon. Grinsend sah ich ihnen hinterher. Und wen als nächstes?
      Die Entscheidung wurde mir abgenommen, denn anscheinend erfreut über mein Erscheinen trabte Greatings from Nowhere auf mich zu. "Hey Süßer, ich hab dein Halfter doch gar nicht da!", lachte ich. Flott verließ ich die Weide, um ebendieses Halfter zu holen. Als ich wieder aufkreuzte, stand Great immer noch nah am Zaun und trottete gleich auf mich zu.
      Offenbar hatte er nichts dagegen, an diesem schönen Frühlingstag ein wenig zu arbeiten, dachte ich schmunzelnd. Na, wenn er es darauf anlegte - das konnte er gern haben…
      Aber nach Dressur stand mir der Sinn heute nicht wirklich. In letzter Zeit hatte ich häufig das Hauptaugenmerk auf die Dressur gelegt, und nicht nur ich, sondern auch Great war sicher dankbar für etwas neues. Etwas kurzweiligeres mit sichtbaren Ergebnissen - Springen?
      SPRINGEN! Das klang gut, befand ich zufrieden.
      Also brachte ich den Hengst auf den Putzplatz und putzte ihn schnell, aber gründlich. Sorgfältig kratzte ich seine Hufe aus und sattelte ihn. Dann führte ich ihn auf den Außenreitplatz. Ich ließ ihn ein wenig laufen, während ich erst ein paar Cavalettistangen in die Bahn legte. Ein paar Ständer schleppte ich auch noch heran, dann gurtete ich nach und stieg auf. Einige erste gemütliche, dann flottere Runden im Schritt später gurtete ich erneut nach und trabte an. Ich ritt viele Bahnfiguren und forderte oft Hand- und Tempowechsel, um Great aufmerksam zu machen. Dann lenkte ich ihn zum ersten Mal auf die Stangen zu. Ich ließ die Zügel länger, damit der Hengst die Stangen genau taxieren konnte, und er schwebte hinüber, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Er schien eine wirklich gute Grundausbildung genossen zu haben. Noch ein paar mal ritt ich die Cavaletti aus verschiedenen Richtungen an und jedes Mal stellte sich Greatings from Nowhere genauso geschickt an. Ich lobte den Araberhengst ausgiebig und nahm mir die letzte Stange der Reihe. Ich schleifte sie ein paar Meter weiter und stellte sie auf die Ständer. Erneut stieg ich auf und trabte an. Energisch trieb ich Great auf die Stangen zu und ging in den Entlastungssitz. Gesittet trabte er über die Stangen. Vor dem kleinen Hindernis wollte er jedoch angaloppieren. Damit war ich so gar nicht einverstanden und hielt ihn zurück. Mit einem unwilligen Satz sprang er über die niedrige Hürde. So hatte ich mir das nicht gerade vorgestellt, also ließ ich ihn ein paar Bahnfiguren traben, damit das Hindernis nicht eintönig für ihn wurde, und um wieder seine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Dann ritt ich die Reihe erneut an. Diesmal blieb er im Tempo und die Distanz passte. Erneut ließ ich ihn ein wenig laufen, während ich umdisponierte. Ich räumte die Stangen beiseite und stellte die bereits bestehende Hürde ein wenig höher. Ich stieg wieder auf und galoppierte an. Great war flott unterwegs, und vor dem Hindernis musste ich ihn ein wenig zurücknehmen, damit die Distanz stimmte, aber auch diesmal war der Sprung geschmeidig. Enthusiastisch lobte ich den Hengst. Ich übersprang das Hindernis noch ein paar mal und es lief immer wieder mehr oder weniger geschmeidig ab. Greatings hatte sichtlich Spaß am Springen und man konnte ihm ansehen, dass er am liebsten noch ein Weilchen weitergemacht hatte. Aber man sollte ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Also ritt ich Great trocken und sattelte ab. Ich brachte meinen Süßen wieder auf die Weide, wo er sich erst einmal ausgiebig wälzte. Ich grinste und beschloss, als nächstes Rising Sun zu bewegen.
      Sie war das erste Pferd gewesen, das ich je besessen hatte. Lange hatte ich mich hingebungsvoll um sie gekümmert, aber eines Tages war sie verschwunden gewesen. Einfach weg. Mir wurde schriftlich mitgeteilt, das der Tierschutzverein sie abgeholt hatte. Ich war völlig geschockt - Ich HATTE Sun doch immer regelmäßig gepflegt! Ich wagte es nicht, zurückzuschreiben und mich zu beschweren. Ewig hatte mich die Frage gequält, was ich falsch gemacht hatte, und ich haderte damit, diese wundervolle Stute verloren zu haben. Schließlich geschah ein wahres Wunder.
      Zufällig bemerkte ich eine Anzeige in der Zeitung: Eine Pferdebesitzerin musste ein paar ihrer Pferde abgeben und, ich wagte meinen Augen nicht zu trauen, Rising Sun war darunter!
      Es war mir wirklich gelungen, die Stute zurückzugewinnen.
      Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen ging ich auf die Weide und suchte Sun auf. Sie blieb brav stehen, als ich sie aufhalfterte, und ließ sich willig von mir auf den Putzplatz führen.
      Ich begann Sun sorgfältig zu putzen. Erst beseitigte ich den gröbsten Dreck mit dem Striegel und nahm dann die Kardätsche zur Hand. Damit brachte ich das Fell der Stute ordentlich zum Schimmern. Ihr braunes Haarkleid glänzte wie geschmolzene Schokolade. Ich presste mein Gesicht an ihren Hals und sog ihren Duft ein. Wie sehr hatte ich sie vermisst…
      Schließlich besann ich mich und begann, ihre Hufe auszukratzen und ihr Langhaar auszubürsten. Ich entschloss mich für das selbe Programm wie bei Night. Ich schob Sun sanft das Gebiss ins Maul und führte sie vom Hof. Als wir im Wald waren, lenkte ich sie an den Rand des Waldweges und stieg von einem Baumstumpf auf Suns Rücken. Im Schritt am langen Zügel bummelten wir durch den Wald. Für einen Moment schloss ich die Augen und sog alles in mich auf. Es war Frühling, alles roch würzig nach einem wieder zum Leben erwachenden Wald. Unter mir bewegte sich Sun mit der selben Geschmeidigkeit wie früher. Lächelnd schlug ich die Augen auf und strich Sun leicht über den Mähnenkamm. Wir waren endlich wieder ein Team. Ein begeistertes Lachen platzte aus mir heraus. Plötzlich völlig euphorisch ließ ich Sun angaloppieren. Wir donnerten den Weg entlang. Ein Pferd, eine Reiterin. Ein Team. Schließlich machten wir kehrt. Wir trabten noch ein Weilchen, dann ließen wir den Ausritt in einem ruhigen, fleißigen Schritt ausklingen.
      Wieder auf dem Hof, stellte ich fest, das die Sonne schon ziemlich tief stand, es war bereits Nachmittag. Eilig brachte ich Sun wieder auf die Weide. Dann beschloss ich, mich meiner neuen Stute Amaryllis anzunehmen. Die Criollostute, die ich der Einfachheit halber nur Amy nannte, litt anscheinend unter ziemlichen Stimmungsschwankungen. Ich holte den Schecken von der Weide und führte sie auf den Putzplatz. Sie sah sich unsicher um und trippelte nervös umher. Ich beschloss, sie heute nicht zu reiten. Ich wollte ihr nicht zu viel zumuten, wo sie anscheinend noch Probleme hatte, sich einzugewöhnen. Nachdem ich sie gründlich geputzt, die Hufe ausgekratzt und das Langhaar gekämmt hatte, nahm ich sie am Führstrick und ging zum dritten Mal heute in den Wald. Vielleicht half Amy ja ein einfacher Spaziergang durch den lichtdurchfluteten Wald, abzuschalten und sich zu entspannen, genau so, wie es mir half.
      Offenbar tat es das wirklich. Die friedliche Atmosphäre, die mich an dem himmlischen Laubwald am Hof so faszinierte, legte sich wie Balsam auf Amys Nervosität. Irgendwann richteten sich ihre Ohren munter nach vorne und sie stupse mir ihr Maul in die Seite. "Leckerli?", grinste ich. Ich kramte in meiner Tasche und fand ein buntes Potpourri aus zähen Mohrrüben- und Apfelstücken. Das sie zäh waren, schien die Stute nicht zu stören. Sie mampfte und schritt frisch aus. Irgendwann wurde sie regelrecht übermütig. Dauernd verfiel sie in Trab. Doch zu Fuß konnte ich nicht wirklich mithalten, wenn sie losgaloppierte.
      Eine kühne Idee schoss mir durch den Kopf. Nein, das ging nicht. Das war doch unvernünftig… Ich kannte sie doch gar nicht richtig…
      Doch der Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich gab mir einen Ruck und brachte Amy zum Stehen. Ich befestigte das andere Ende des Führstricks auf der anderen Seite des Halfters, suchte mir einen geeigneten Baumstumpf - und schwang mich auf Amys Rücken.
      Ich musste völlig verrückt geworden sein. Hier saß ich, ohne Sattel und ohne richtiges Zaumzeug auf einem Pferd, dass ich kaum kannte. Trotzdem ließ ich Amy erst einmal in einem lockeren Schritt dahinschlendern. Wenn sie jetzt durchging, konnte ich sie nicht im geringsten daran hindern, aber ich musste ihr einfach vertrauen. Ich trieb sie zum Trab und genoss ihre schwungvollen, weichen Tritte. Trotzdem wollte ich sie probeweise durchparieren. Es ist immer besser, zu wissen, wo die Bremse sitzt. So gut ich konnte, verkürzte ich meine Führstrickzügel und machte mich so schwer, wie ich konnte. "Brr…", murmelte ich. Amy horchte nach hinten und wurde langsamer. "Brr!", machte ich noch einmal und machte mich noch schwerer. Amy schnaubte und blieb stehen. Ich lächelte und lobte meine neue Stute.
      Erneut trabte ich an, diesmal wirklich befreit, fast euphorisch. Ich atmete einmal tief durch, dann galoppierte ich an. Amy donnerte vorwärts. Meine Haare flatterten und die Frühlingsluft zischte um meine endlich freie Nase. Es war Frühling, endlich, endlich konnte ich es begreifen. Schließlich wurden Amaryllis' Galoppsprünge schwerfälliger. Ich dachte nur daran, durchzuparieren und war gerade im Begriff, die Zügel nachzufassen und mich schwer zu machen, da schlenderte Amy schon wieder im Schritt dahin. Es war wie Magie, sie verstand mich ohne Worte. Wieder auf dem Hof, war ich jetzt erst recht unter Zeitdruck. Aus dem geplanten Spaziergang war nun doch irgendwie ein halber Ausritt geworden. Ich entließ die Criollostute auf die Weide und nahm mir gleich eine andere vor: Viva la Vida.
      Leicht hektisch putzte ich sie und kratzte die Hufe aus. "Tut mir leid, Maus, die Zeit reicht nur zum longieren", entschuldigte ich mich. Viva schien damit kein Problem zu haben. Sie zeigte sich beim Longieren wieder einmal von ihrer Schokoladenseite. Entspannt und konzentriert befolgte sie jeden noch so kleinen Befehl. Zufrieden mit Viva, Gott und der Welt entließ ich sie auf die Weide.
      Es ging nahtlos weiter mit der Araberstute Screaming Silence. Ich putzte sie gründlich, bis ihr Fell golden schimmerte. Ich kratzte gründlich ihre Hufe aus und kämmte fix das Langhaar durch. Dann sattelte und trenste ich sie. Wie mit Great nahm ich ein paar Sprünge. Leider lief das nicht so glatt wie mit ihm. Sily wollte partout im Höchsttempo über das Hindernis fliegen und ich musste etliche Tempowechsel und ähnliches reiten, bis sie endlich spurte. Schließlich war ich zufrieden. Noch ein paar mal nahmen wir diverse Hindernisse, um uns noch ein paar Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Dann sattelte ich sie ab und brachte sie zurück auf die Weide. Als nächstes nahm ich mir meinen Spanier vor: den Hengst El Comienzo.
      Mit ihm trainierte ich Dressur, sein Spezialgebiet. Er war noch nicht außergewöhnlich weit trainiert, aber jede Bewegung ließ sein Potential erahnen. Nach ein paar Runden im gemütlichen Schritt nahm ich ihn etwas härter ran. Wir trabten an. Handwechsel, Tempoänderungen, Volten… Wir beide arbeiteten voller Ehrgeiz. El Comienzo sollte schließlich ein neues Zuchtpferd werden, ein neuer Hoffnungsträger. Aber schließlich ließ ich es gut sein, ritt ihn trocken und brachte ihn zurück auf die Weide. Danach holte ich mir Slush von der Weide, mein gekörter Criollohengst. Ich putzte ihn gründlich, aber bis auf sein glänzendes Fell sah er nicht wirklich sehr sauber aus. Mit seiner ausgefallenen Fellfarbe sah er stets aus, als hätte er sich kräftig im Matsch gewälzt. Ich lächelte ihn an und bückte mich, um seinen Huf auszukratzen. Ich fuhr mit der Hand an seinem Bein herunter. "Huf!", forderte ich klar und deutlich. Slush drehte den Kopf und sah mich störrisch an. "Slush!", knurrte ich warnend, ließ die Hand noch einmal herunterwandern. "HUF!", sagte ich noch einmal laut. Slush verlagerte prompt das ganze Gewicht auf den Huf, den ich anzuheben versuchte.
      Mit einer fließenden Bewegung war ich auf der anderen Seite des Hengstes und schaffte es, diesen Vorderhuf anzuheben. Sofort versuchte er, ihn wegzuziehen, aber ich hielt den Huf fest und kratzte ihn sorgfältig aus. Slush gab sich geschlagen. Die nächsten Hufe hob er ohne Zicken und ich konnte ihn longieren. Eigentlich hatte ich ihn reiten wollen, aber durch sein Hufgekasper war ich wieder aus dem Zeitplan geraten. Nach ein paar Minuten arbeitete auch mein sturer Hengst ordentlich mit, sodass wir einen versöhnlichen Abschluss fanden. Ich stellte ihn wieder auf die Weide und nahm mich Rabentochter an. Die prächtige Achal-Tekkinerstute ließ sich nicht aus der frühabendlichen Ruhe bringen. Während ich an ihr herumpolierte, döste sie entspannt vor sich hin. Das tat sie leider Gottes auch noch, als ich mit ihr in die Halle ging (draußen wurde es nun doch ziemlich kalt), um ein wenig Dressur zu üben. Ich musste sie energisch vorwärts reiten, um sie aus ihrem geistigen Dämmerzustand zu holen. Mit vielen, unerwarteten Tempowechseln und Bahnfiguren gewann ich letztendlich ihre Aufmerksamkeit. Zufrieden sattelte ich sie ab und brachte sie ebenfalls auf die Weide.
      Inzwischen erstrahlte am fast wolkenlosen Himmel ein prächtiger Sonnenuntergang. Einen ganzen Tag hatte ich gebraucht, um mich um alle Weidepferde zu kümmern?
      Heute erst war ich darauf angesprochen worden, ob ich nicht Reitbeteiligungen vergeben würde. Diese Möglichkeit sollte ich wirklich einmal in Erwägung ziehen, nahm ich mir vor.
      "Tschüß, meine Süßen!", rief ich den Weidepferden zu und schwang mich wieder auf mein Fahrrad.
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    Paradise
    Datum:
    9 Sep. 2008
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