Eddi

Schneeleopard

Gegangen im Juni 2016

Schneeleopard
Eddi, 14 Juli 2013
    • Eddi
      06.08.2013 - Wild Western
      - Aus der Sicht von Elizabeth -
      „Mal sehen was Eddi sich heute für uns ausgedacht hatte.“ grinste ich Monte fröhlich an. Heute begann eigentlich erst unser erster richtiger Arbeitstag auf dem Gestüt 'La Fauconnerie'. Eddi hatte mit dem ganzen Team beschlossen, dass wir uns im ersten Monat erst einmal alle einleben sollten, damit wir uns später zurecht finden würden. Ich fand es ja einfach herrlich in Frankreich! Selbst im Juli und August waren hier maximal 25°C, das hieß man konnte immer was mit den Pferden machen. Ich selbst war die Westerntrainierin vom Gestüt und dann gab es noch Monte, welcher auch Westerntrainer, aber auch Reitlehrer war. „Interessant...Monte guck mal! Heute kommt noch ein Neuer an.“ Sofort war er hellwach und schaute auf den Plan, welchen uns Eddi für heute gemacht hatte. Sie hatte als ersten Punkt geschrieben, dass bald ein Criollohengst ankommen sollte, aber sie wollte sich darum kümmern, uns aber dennoch in Kenntnis setzen. „Wen soll ich eigentlich für die beiden Reitschüler nehmen?“ fragte Monte und ich schaute auf dem Zettel nach, grinsend sagte ich dann „Ist dir überlassen.“ Monte stöhnte leise, musste aber dann doch lachen, das war eben unsere Chefin Eddi. Sie vertraute uns blind ihre Pferde an und wir waren äußerst dankbar für diesen Vertrauen. „Dann nehme ich Rubina und Apache. Mit den beiden wird definitiv nichts schief gehen. Ich selbst werde dann wohl mal Caribic Sue nehmen, ich möchte wissen, was die Stute so alles kann.“ lächelte er. Monte's Reitunterricht war äußerst interessant, da er gerne mitritt. Oftmals nahm er maximal drei Reitschüler in eine Stunde und damit diese sich auch mal selbst ausprobieren konnten, ritt er gerne selbst mit, damit er auch etwas zu tun hatte. Außerdem gewöhnte er so die jungen Pferde an die anderen und daran, Ruhe zu bewahren, wenn noch andere in der Halle unterwegs waren. „Alles klar. Eddi meinte, ich könnte mal Twist ausprobieren. Sie schwärmt ja von diesem Paint. Dürfte ich mit zu euch?“ lachte ich. Monte nickte und machte sich daran, seine drei Stuten von den Weiden zu holen. Auch ich machte mich auf den Weg zu den Weiden. Der Painthengst war wahrlich eine Schönheit und wie immer brauchte man nur leise zu Pfeifen und schon kam die kleine Hengstherde einem entgegen, Eddi hatte ihre Pferde einfach genial trainiert. „Hallo mein Hübscher.“ murmelte ich und halfterte den Schecken auf, um dann am Putzplatz wieder auf Monte und seine beiden Schüler zu treffen. Es war ein junger Mann und eine ältere Frau. Beide schienen schon gut reiten zu können, sonst wäre Monte heute nicht direkt mitgeritten. Trotz der Stuten neben ihm blieb Twist total ruhig und schien sich gar nicht für diese interessieren. Das beruhigte mich, denn ich wollte ihn heute ja schließlich noch mit in der Halle reiten. Schnell war er geputzt und gesattelt und ich marschierte schon los. In der Halle konnte ich in Ruhe alles fertig machen und aufsteigen. Im Schritt ritt ich Twist auch erst einmal warm und machte mich mit ihm bekannt, bevor die anderen in die Halle kamen. Als die drei mit erwärmen begannen, war ich schon längst in den Trab übergegangen. Ich wollte erst einmal bei Twist die Grundkenntnisse abrufen und es klappte alles einwandfrei, so dass ich zum Galopp überging. Ich blieb jedoch nicht lange in der Halle. Kurz verabschiedete ich mich von Monte und beschloss mich dann noch für einen kleinen Ausritt. Das würde Twist sicherlich gut tun und wir beiden könnten uns erst einmal aneinander gewöhnen. Im Wald war es herrlich kühl und schattig und dank dem Fliegenspray waren wir frei von Mücken und Bremsen. Auf dem Heimweg ritt ich an der Küste entlang, denn da waren weitläufige Wiesen. Auf der einen ließ ich Twist einfach galoppieren, damit er sich austoben konnte. Doch mit so viel Power hatte ich nicht gerechnet, so dass ich bei seinem ersten schwungvollen Galoppsprung halb aus dem Sattel gehoben wurde. Der Hengst preschte los wie ein Rennpferd und schien es redlich zu genießen. Ich konnte meinem Gefühl gar nicht trauen, aber in diesem ruhigen Pferd steckte also auch etwas Temperament. Mit einem leisen „Brr.“ wollte ich testen, wie gehorsam er war und wurde nochmals beinahe aus dem Sattel geworfen, als er einen Stop aus dem vollen Galopp hinlegte. „Wow...“ murmelte ich nur und ritt zurück zum Hof. Wenn ich das Monte erzählen würde, würde er es mir so lange nicht glauben, bis er es selbst erlebt hätte. Ich sattelte Twist ab und kühlte ihm noch ein wenig die Beine. Dann ging ich zur Reithalle und schaute die letzte Viertelstunde bei Monte's Reitunterricht zu. Er trainierte mit Sue soeben das am langen Zügel laufen und dennoch in Anlehnung bleiben. Man sah, wie er extra deutliche Schenkel- und Gewichtshilfen gab, damit die Stute genug Sicherheit hatte. Dann stieg er ab und führte sie im Schritt noch umher, während er seinen beide Schülern Anweisungen gab. Die Frau saß auf Apache und schien richtig gut mit der Stute klar zu kommen, aber das war kein Wunder. Apache war ein Sonnenschein und einfach ein Traum von Pferd. Die beiden schienen sich super zu verstehen und doch waren manche Hilfen der Frau noch zu stark. Darauf wies auch Monte sie hin. „Apache spürt was du denkst. Du brauchst sie nicht anzuschreien.“ lächelte er und die Nachricht hinter den Worten schien auch angekommen zu sein. Der Sitz der Frau wurde bedeutend ruhiger und man sah nur noch die kleinsten Hilfen und doch machte Apache immer noch das, was sie sollte. Nur nicht mehr so ruckhaft, sondern wesentlich weicher und gleitender. Der Mann hingegen schien ein top Reiter zu sein, lediglich an seinem Sitz musste er üben, denn er machte einen richtigen Katzenbuckel. Doch Monte's strengen Worte schienen zu helfen. Direkt lief auch Rubina wieder fließender vorwärts und spitzte die Ohren. Dann beendete Monte die Stunde und die Reiter ritten die Pferde ab, während er mit Sue zu mir kam. Ich kraulte der Stute die Stirn und fragte ihn, wie sie war. „Interessant. Einerseits kann sie noch nicht viel, andererseits lernt sie einfach rasant schnell. Mit ihr zu arbeiten macht Spaß.“ Ich erzählte ihm auch von Twist und wie erwartet lachte er, aber er glaubte mir. „Nachher kommt der Neue, Eddi war vorhin hier.“ erzählte er mir, während wir zum Putzplatz marschierten. Also machten wir uns direkt auf den Weg zu Eddi, nachdem die Reitschüler weg waren, um den Neuankömmling zu besichtigen. Eddi und Carter standen bereits am Zaun der Weide. „Das ist Schneeleopard.“ lächelte Eddi. „Ich kenne ihn schon so lange und ich bin unendlich froh, ihn endlich wieder in meinem Stall stehen haben zu dürfen.“ Sie klang wirklich verdammt glücklich und das nicht ohne Grund. Der Tigerschecke, welcher da friedlich im Schatten graste, war wunderschön. Sein Fell glänzte und sein Blick schien stets wach und aufmerksam zu sein. „Und wie läufts?“ wollte Eddi lächelnd wissen, so dass wir ihr kurz alles berichteten und uns dann wieder an die Arbeit machten. „Ich longiere schnell Joyna, danach können wir ja noch mit Hidalgo und Campèon ausreiten.“ sagte Monte und ich nickte. In der Zwischenzeit würde ich Talulah bei der Stallarbeit helfen und dann schon die beiden Hengste fertig machen. Ich war auch direkt mit Satteln fertig, als Monte mit einer verschwitzten Joyna zurückkam. „Was habt ihr denn gemacht?“ lachte ich und Monte berichtete mir von einer energiegeladenen Stute, so kannten wir Joyna ja gar nicht. Dann schwangen wir uns in die Sättel. Monte nahm Hidalgo und ich den Criollohengst. Wir wollten zum Strand reiten, dort würden die Hengste sich die Beine abkühlen können. Es war auch ziemlich windig am Strand, so dass kaum Besucher da waren. Aber an diesem Abschnitt traf man generell selten Menschen und wenn, dann Tierfreunde. „Galopprennen?“ grinste ich und gab Campèon eine leichte Galopphilfe, schob meine Hand weiter vor und schon sprang er an und preschte los. Doch Hidalgo war kurz hinter uns und es war ein Kopf an Kopf Rennen. Erst kurz vor dem Abstieg parierten wir zum Arbeitsgalopp durch und arbeiteten uns dann den geschlängelten Weg die Klippen wieder hoch. Ein ideales Training für die Hinter- und Vorderhand der Pferde. Wieder am Stall sattelten wir die beiden ab und brachten sie zur Weide. Es war schon Nachmittag und wir gönnten uns erst einmal eine Pause, ehe wir noch etwas mit den Jungpferden Joyce und Quintesse machen wollten.
    • Eddi
      26.09.2013 - Unsere Geduldigen
      Inzwischen hatten wir uns gut in Frankreich eingelebt und bereiteten allmählich alles auf den nahenden Winter vor. Einige Stroh- & Heulieferungen mussten noch eingefahren werden, genauso wie die Weide winterfest gemacht werden mussten. Die Vorbereitungen liefen schon jetzt auf Hochtouren, denn dies war unser erstes Jahr an der Küste und keiner wusste, wie das Wetter hier sein würde. Ich wuselte ungeduldig über den gesamten Hof, schaute mal hier, mal da vorbei. Momentan interessierten mich aber vor allem unsere Westernpferde, da ich diesen Monat leider kaum Zeit für die Schönheiten gehabt hatte.
      Unsere junge Caribic Sue hatte sich inzwischen gut mit in die kleine Stutenherde eingelebt und schien ihren Platz gefunden zu haben. Auch das Training schien ihr gut zu tun, denn sie hatte tüchtig an Masse zugelegt und wurde allmählich zu einem richtigen Westernpferd. Am liebsten war sie mit bei Rubina Ravenclaw, denn die beiden waren fast gleich alt, aber dafür auch beide die jüngsten Stuten. Sie grasten oft gemeinsam nebeneinander oder tobten über die Wiese. Außerdem gab Rubina der Criollostute einen festen Halt, da Rubina schon seit Ewigkeiten mit den anderen Stuten zusammenstand. Auch sie hatte sich dieses Jahr gemacht und inzwischen wurde sie ein richtiges Pferd. Bisher hatten wir auch nur Erfolge erzielen können. Das Gleiche galt für Joyna, obwohl unsere Criollodame momentan eher ihre Ruhe genoss. Zwar war sie fest im Training, aber es war eher ein Aufbautraining, denn nach ihrem Fohlen Joyce, hatte sie erst einmal eine Pause haben dürfen und fing jetzt wieder richtig an. Dafür machte sie sich aber wirklich super. An ihrer Seite stets vertreten die wunderbare Apache's Tomawhawk, meine heimliche Lieblingsstute. Die Appaloosadame war aber auch einfach ein Traum und machte sich einfach super, egal wo. Durch ihren ruhigen Charakter hatte ich auch erlaubt, dass sie ab und an von Monte für seinen Westernunterricht genutzt werden durfte, jedoch nicht zu oft, denn diese Stute sollte nicht verritten werden.
      Auch den vier Hengsten ging es super. Call me a Twist hatte sich zwar noch nicht so gut eingelebt wie Caribic Sue und war ein wenig magerer durch den Stress geworden. Dennoch konnten meine Pfleger sagen, dass es langsam wieder bergauf ging und er allmählich wieder zu Kräften kam. Aber er könnte sich auch Zeit lassen, hier wurde niemand gehetzt. Schneeleopard im Gegensatz dazu hatte sich wunderbar eingelebt, arbeitete super gerne und schien sich in der kleinen Hengstherde einfach nur pudelwohl zu fühlen. Darüber war ich sehr froh, denn ich war mir anfangs nicht sicher gewesen, ob es wirklich so klug gewesen war, ihn wieder zurückzuholen. Doch ich bereute nichts, sondern war umso dankbarer, den Hengst auf meinem Gestüt zu haben. Er und Campeon hatten sich schnell angefreundet und auch der zweite Criollohengst machte sich diesen Monat vorbildlich gut. Er lief ebenso wie Apache ab und an im Reitunterricht mit und ich muss sagen, dass ihm das nicht schadete. Er sah prächtig aus, gut bemuskelt und stets mit aufgewecktem Blick. Und auch unsere ruhige Seele Hidalgo schien Frankreich zu mögen. Kürzlich war ich mit ihm am Strand gewesen und es war einfach ein tolles Gefühl, mit ihm durch das Wasser zu galoppieren. Jetzt stand er gerade entspannt grasend unter dem Baum auf der Weide und schien die letzten abendlichen Sonnenstrahlen zu genießen.
    • Eddi
      27.10.2013 - Ausritt
      Auch bei unseren Westernpferden stand eine kleine Veränderung an, denn uns hatte Campéon verlassen. Ich trennte mich nur ungern von dem Criollohengst, aber ich wollte den Pferdebestand des Gestütes verkleinern und bei Zasa würde er es sicherlich auch gut haben. Schließlich würde er in Australien seiner Aufgabe als Ranchpferd ideal nachkommen können. Zasa hatte unsere Trainer bereits für ihre hervorragende Arbeit gelobt und auch ich war vollkommen von ihnen überzeugt. Monte und Elizabeth kümmerten sich äußerst liebevoll um unsere Westernpferde. Es war erst 9 Uhr morgens und heute hatte so niemand richtig Lust auf Arbeit, denn die Sonne schien und für Ende Oktober war es einfach äußerst angenehm warm. „Lust auf einen Ausritt?“ gähnte ich, nachdem wir die letzte Box frisch eingestreut hatten. Monte und Elizabeth nickten erfreut und ich schaute, wer der Pferde einen Ausritt gebrauchen könnte. Monte wollte gerne seinen geliebten Hidalgo reiten, ich wollte Schneeleopard eine Auszeit gönnen und nachdem Elizabeth sich nicht entscheiden konnte, bat ich sie, Call me a Twist zu nehmen. Der junge Hengst hatte sich immer noch nicht ganz zurecht gefunden, irgendwie wurde er mit unserem Stall nicht warm, aber ich hoffte inständig, dass sich das noch ändern würde. In Elizabeth hatte er jedoch jetzt schon eine Bezugsperson gefunden und folgte ihr freudig mit zum Putzplatz. Gemeinsam machten wir unsere drei Schecken fertig und schwangen uns dann in die Sättel. Im gemütlichen Schritt verließen wir den Hof und genossen das herrliche Herbstwetter. Da es allerdings an der Küste nicht ganz so schön sein würde, mieden wir diese und ritten stattdessen durch den Wald. Dieser erstrahlte in allen möglichen Farben und es war einmal herrlich anzusehen. Zu dritt trabten wir über den weichen Waldboden und auf unserem Heimweg nahmen wir extra eine Abkürzung über die großen Wiesen, damit wir noch ein Wettrennen veranstalten konnten. Niemanden verwunderte es, dass Hidalgo hochhaus gewann, trotzdem hatte es Elizabeth und mir Spaß gemacht. Wieder auf dem Hof machten wir die Pferde fertig und warfen ihnen die Abschwitzdecken über. Die drei Hengste durften gemeinsam auf die Paddocks, bis nachher jemand die Decken abnehmen würde und sie auf die große Weide bringen würde. Nun standen nur noch die Stuten an. Ich wollte mich heute Caribic Sue widmen, denn sie war noch nicht gar so lange auf unserem Gestüt, also wollte ich mal schauen, wie sie sich machte. Während ich sie putzte, holte Monte sich Apache's Tomahawk und Joyna, um die beiden gemeinsam mit seinen Reitschülern fertig zu machen. Es waren zwei junge Mädels, die beide leidenschaftlich gerne Western ritten und sich verbessern wollten. Zu ihrem Glück boten wir neben dem englischen Unterricht dank Monte auch Western an. Am Putzplatz fand sich dann auch noch Elizabeth mit Rubina Ravenclaw ein und allesamt machten wir unsere Pferde fertig. Monte ging mit seinen Schülern auf den Reitplatz, um noch einmal das schöne Wetter zu genießen. Elizabeth und ich verschwanden in die Halle. Während sie ritt, wärmte ich Sue an der Longe auf. Nach einer Weile arbeitete sie auch im Trab und nahm dann Trabstangen und Cavalettis dazu. Sue hatte ihren Spaß und auch Elizabeth nutzte die Stangen auch zu gerne. Gemeinsam trainierten wir die beiden Stuten, nur dass ich schon eine halbe Stunde eher aufhörte, Sue gründlich lobte und dann die Halle mit einem „Tür frei?“ verließ. Da Sue eh noch trocknen musste, warf ich ihr die Abschwitzdecke über und besuchte Monte und seine Schüler. Sue konnte in Ruhe grasen und ich schaute noch ein wenig der Reitstunde zu. Wie immer benahmen sich Apache und Joyna traumhaft, sie waren einfach spitze. Auch die Schülerinnen stellten sich gut an, auch wenn Monte ein strenger Lehrer war. Nach einer Weile verließ ich sie aber wieder, außerdem wollte ich die Mädels nicht noch weiter foltern, welche wesentlich aufgeregter waren, als ich zugeschaut hatte. Sue war inzwischen getrocknet, so dass ich sie wieder auf die Weide bringen konnte. Da die Pferde nun versorgt waren, verschwand ich ins Büro, denn ich musste dringend die Impfpässe kontrollieren, ob einer der Westerntiere mal wieder einen Besuch vom Doktor bräuchte.
    • Eddi
      22.12.2013 - Training mit einem Profi
      Unfassbar schaute ich Monte an. „Du willst mir doch nicht erzählen, dass er schon seit Anfang an mit dabei war?“ fragte ich ungläubig, denn wir diskutierten gerade darüber, wie lange Call me a Twist nun schon auf dem französischen Gestüt stand. Doch Monte grinste mich nur an und nickte. „Er war von Anfang an mit dabei.“ Ich schüttelte nur noch einmal den Kopf und holte den Hengst dann aus der Box, um ihn davor anzubinden und gründlich zu putzen. Monte holte sich Schneeleopard aus der Box und putzte auch ihn. Als wir dann beide fertig waren, sattelten wir noch flott die beiden Westernhengste und gingen dann in die Halle. Heute wollte ich mal Unterricht bei unserem Westernlehrer nehmen, weshalb ich mich auch für Twist entschieden hatte. Denn der Gute war in Western immerhin schon auf Stufe L und ein wahrer Lehrmeister. Erst einmal ritten wir die Hengste jedoch warm und jeder machte ein wenig sein Programm für sich. Denn auch mein Tigerschecke wollte gearbeitet werden, weshalb Monte sich mit Leopard nicht einfach in die Mitte stellen konnte. Erst nach einer Weile begann er mir Anweisungen zu geben, oftmals hatte ich die Zügel viel zu kurz. Ein typisches Problem wenn man western und englisch gleichzeitig ritt. Aber Monte wies mich stur jedes Mal daraufhin, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als zu gehorchen. Je mehr Tipps er mir gab, desto besser reagierte Twist aber auch auf meine Hilfen. So wagte ich mich heute doch einmal an den fliegenden Galoppwechsel heran. Ich drückte mich gerne davor, denn es war nicht mein Lieblingsmanöver. Doch Monte empfand es als sehr wichtig und da ich wusste, dass Twist es bereits konnte, ging ich ein wenig entspannter an die Sache heran. Nachdem wir ihn dreimal hintereinander geschafften hatten – die vorherigen Fehlversuche lasse ich mal weg – konnten wir die Stunde erfolgreich beenden. Wir gingen noch eine kurze Runde ins Gelände, ehe die Hengste wieder in ihre Boxen durften und ihr Futter bekamen. Während die beiden fraßen, brachte ich gemeinsam mit Monte die anderen auf die Weide. Er nahm Apache's Tomahawk und Rubina Ravenclaw, während ich mir Joyna und Caribic Sue schnappte. Während wir die Stuten auf ihre Weide brachten, erzählte mir Monte davon, wie toll Apache und Joyna im Unterricht liefen und seine Schüler in großen Schritten weiterbrachten. Nach jeder Stunde ritt er sie einmal in der Woche Korrektur, so dass da nichts passieren konnte. Rubina und Caribic standen unter Elizabeths Schutz, aber auch von ihr hörte ich immer nur Gutes. Als letztes brachten wir die drei Hengste Schneeleopard, Twist und Hidalgo auf ihre Weide. Hidalgo lief ab und an im Unterricht mit, doch Monte ging nur zu gerne mit dem Mustang auf Westernturniere, so dass er ihn lieber dafür trainierte und frei hielt. Ich hatte nichts dagegen, denn in dem Mustang steckte einfach nur ein unglaubliches Potenzial. Elizabeth ritt mit ihm stets bei den Distanzturnieren mit und bisher waren sie erfolgreicher als gedacht gewesen.
    • Mongofisch
      27.12.2013 - Besuch bei Campón, Schneeleopard, Hidalgo und Call me a Twist
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      Kurzfristig hatte ich mich bereit erklärt, noch einen Auftrag am heutigen Tag zu erledigen. Es ging zu Eddi, welche einige Pferde hatte, die Beschlagen werden sollten. Ich machte mich also rasch auf den Weg, da es mittlerweile dunkel geworden war.
      Eine junge Frau winkte mir lächelnd entgegen, ich erkannte sie sofort, parkte meinen Wagen und begrüßte Eddi, die auf den Parkplatz gekommen war.
      „Hey, vielen Dank, dass du jetzt noch gekommen bist, das wäre wirklich nicht nötig gewesen“, sagte sie.
      „Für dich würde ich wahrscheinlich auch mitten in der Nacht aufstehe“, erwiderte ich lachend. „Dann lass uns mal keine Zeit verlieren und direkt anfangen.“
      Eddi nickte verlegen und half mir meine Sachen zum Stall zu bringen.
      „Gut“, sagte sie, nachdem alles am beleuchteten Anbindenplatz war. „Dann hole ich mal den Ersten.“
      Nur wenige Sekunden später, wurde mir ein hübscher Criollohengst als 'Campéon' vorgestellt. Er schien etwas verwirrt, dass so spät noch jemand zu Besuch kam, ließ sich aber dennoch artig anbinden.
      Schöne, ordentlich gepflegte Hufe sprangen mir sofort ins Auge.
      „Da muss ja fast nichts gemacht werden“, lachte ich, nahm aber trotzdem den ersten Huf an und schnitt das Horn etwas kürzer, außerdem musste der Strahl etwas korrigiert werden.
      Dann ging es rasch ans Beschlagen. Campéon bekam, wie auch die anderen, noch folgenden Pferde, einen besonderen Slidingbeschlag. Dieser wurde nur an den Hinterhufen angebracht und ermöglicht dem Pferd, fast wie auf Kufen, zu rutschen.
      Brav ließ der Hengst sich die beiden Eisen anpassen und festnageln. Idealerweise sollte vorne kein Beschlag erfolgen und da Campéons Hufe sehr gut aussahen, war das auch nicht notwendig. Er hatte es also geschafft und durfte zurück in seine Box.
      Schneeleopard, ebenfalls ein Criollohengst, war als nächstes an der Reihe. Gleiches Programm, anderes Pferd.
      Kurz begrüßte ich den Tigerschecken, machte mich dann aber rasch ans Ausschneiden der Hufe. Hier musste etwas mehr vom Horn weggenommen werden, als bei Campéon, aber das war nichts Weltbewegendes.
      Während ich die Hufe bearbeitete, döste Schneeleopard vor sich hin und ließ sich nicht davon stören, dass ich an seinen Hufen rumwerkelte.
      „Westernpferde“, lachte ich über die Gelassenheit des Hengstes, während ich mir zwei Slidingeisen zurechtlegte. Schneeleopard hatte ebenfalls gute Hufe, sodass wir die Vorderhufe unbeschlagen lassen konnten.
      Ohne mit der Wimper zu zucken ließ der der Criollo sich die beiden Eisen an die Hinterhufe anpassen, sowie festnageln. Während des Anpassen der heißen Eisen ging Eddi mir zur Hand, ansonsten hielt sie sich eher im Hintergrund. Auch sie schien etwas müde zu sein. Ich war es auch.
      Kurz musste Eddi den Hengst anstupsen, bevor sie ihn in den Stall zurück brachte. „Alle schon am Schlafen“, lachte sie und verschwand im Gebäude.
      Sie kam zurück und führte dieses Mal einen verschlafend guckenden Mustanghengst. „Hidalgo lag schon, der Arme musste jetzt extra nochmal aufstehen“, grinste Eddi frech, während sie den Schecken anband und ihm den Hals klopfte.
      Nachdem ich mich mit ihm bekannt gemacht hatte, betrachtete ich zuerst die Hufe und begann anschließend mit dem Ausschneiden. Wie auch seine Vorgänger, stand er gelassen da und döste.
      Es dauerte nicht lange bis alle Hufe wieder ordentlich zurecht gemacht waren, sodass wir rasch mit dem Beschlagen anfingen.
      Wie sollte es anders sein, bekam auch Hidalgo einen Slidingbeschlag für die Hinterhufe. Vorne blieb er ebenfalls barhuf, ich sah kein Problem daran. Beim Anpassen und befestigen der beiden Eisen blieb der Hengst ruhig stehen und wartete geduldig ab, bis er wieder in den Stall durfte, weiter schlafen.
      „Hast es doch schon geschafft“, sagte ich zu dem missmutig drein schauenden Hidalgo, nachdem die Eisen sicher am Huf waren. „Du darfst wieder ins Bett!“
      Der letzte für heute war Call me a Twist, ein Painthengst, der ebenfalls nicht begeistert von dem abendlichen Hufschmiedbesuch zu sein schien.
      „Es dauert wirklich nicht lange“, lachte ich, während ich dem Hengst ein Leckerli zusteckte.
      Sogleich fing ich mit dem Ausschneiden an, indem ich zuerst die Hufwände und Trachten kürzte, anschließend die Hufe nacheinander auf dem Hufbock platzierte und sie mit der Raspel ordentlich in Form brachte.
      Brav ließ Twist sich nun die Eisen anpassen. Erneut half Eddi mir dabei, indem sie den Huf hochhielt, während ich das heiße Eisen anpasste. Auch das brachte den Hengst nicht aus der Ruhe, er wartete scheinbar nur darauf, dass wir endlich fertig wurden.
      Es dauerte nicht lange, bis die beiden Eisen an den Hinterhufen befestigt waren und ich mich von dem Painthengst verabschieden konnte.
      Rasch brachte Eddi ihn zurück in seine Box, während ich meinen Kram zusammenpackte und im Auto verstaute.
      „Ich weiß gar nicht, wie ich mich bedanken soll, dass du um diese Uhrzeit noch gekommen bist“, sagte Eddi, nachdem sie aus dem Stall zurückgekehrt war.
      „Ach, du“, erwiderte ich. „Das ist wirklich kein Problem.“
      Wir verabschiedeten uns und während ich langsam vom Hof rollte, winkte die junge Frau mir noch hinterher.
    • Eddi
      22.04.2014 - Frühjahrsputz
      Punkt sechs klingelte mich mein Wecker aus dem Schlaf. Gähnend erhob ich mich aus dem Bett und schlafwandelte erst einmal ins Bad, um mir eine Ladung Wasser ins Gesicht zu schütten, damit ich erst einmal wach wurde. Heute war früher aufstehen angesagt, denn wir hatten Großes vor. Inzwischen war es April und das Wetter war nun immer zu 80% wirklich richtig schön, deshalb hatte ich entschieden, dass es so weit war: der Frühjahrsputz stand an. Nachdem ich mich in meine Stallklamotten geworfen hatte, lief ich hinunter in die Küche. Wiedermal war ich nicht die erste, stattdessen war Mia schon auf den Beinen und huschte wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen umher. Der Frühstückstisch war schon gedeckt, so dass ich mich einfach auf meinem Stammplatz niederließ. Auch die darauffolgenden Mitglieder des Gestüts schauten Mia verständnislos an und setzten sich verschlafen an den Tisch. Unsere Dressurreiterin war definitiv die einzige, die schon putzmunter war. Wir frühstückten gemeinsam und planten den heutigen Tag, wobei Mia immer ganz vorne mit dabei war. Sie nahm sich so viel vor, dass es sogar für sie knapp werden würde, dass alles zu schaffen. Als wir fertig waren und der Tisch abgedeckt, ging es in Richtung Stall. Wie jedes Jahr begann für die Pferde zu Ostern die Sommersaison und das hieß 24 Stunden Weide! Die Alteingesessenen hatten es schon im Gespür und waren ganz aufgeregt, als wir als große Mannschaft den Stall betraten. Die Herden hatte ich schon in den letzten Wochen eingeteilt und oft genug wechseln müssen, da die Pferde sehr wählerisch waren. Bei uns war es so, dass man eigentlich alle Hengste zusammenstecken konnte, denn die verstanden sich alle. Bei den Stuten sah das anders aus, denn da war Zickenterror an der Tagesordnung, deshalb hatte ich bei den Plänen besonders lang gebraucht. Am unkompliziertesten waren die Jährlinge und Jungpferde gewesen, wo schnell klar war, wer mit wem konnte und so wurden heute die großen Weiden eingeteilt und dann ging es auch schon an die Arbeit. Der Einfachheit halber brachten wir zuerst die Jüngsten raus, da deren Weiden am nächsten lagen. Außerdem wollten wir den Stuten mit Fohlen den Stress ersparen, also halfterte ich Napayné und Nandalee auf, während Meg sich Nesquik und Applaus holte. Gemeinsam brachten wir die beiden auf die große Weide direkt hinter dem Stall. Da auch Khiaras Fohlen Kaythara mit gleichaltrigen Artgenossen großwerden sollte, hatten wir die Vollblutstute und ihre Tochter in den letzten Wochen immer öfter probeweise zu den Welshs gestellt. Zu meiner Freude verstanden sich die Stuten und Fohlen einwandfrei, weshalb Khiara mit auf diese Weide durfte. Danach waren unsere Jungpferde an der Reihe, welche eine Weide bekamen, die zur Hälfte im Wald verschwand, denn ich war mir sicher, die Jungspunde würden zwischen den Bäumen ihren Spaß haben. Es war eine große Stutengruppe, bestehend aus Hollybrooks stolzer Nachkommin Fairy Bluebird, ihrer besten Freundin Joyce, der kleinen Tiny Girl und dann noch den beiden aufgeweckten Stuten Raunchy’s Limited und Fire of Quintesse. Die fünf waren schon halbe Ewigkeiten zusammen und verstanden sich ausnahmslos prima. Gemeinsam tollten sie ausgelassen über die Weide und ich freute mich sehr, sie so zu sehen. Die beiden Junghengste Prazzy’s Goldbell und Painted Blur standen immer noch in der Junghengstherde von Zaii und ich schaute wöchentlich bei meinen Lieblingen vorbei, ihnen ging es wunderbar! Somit waren Feuervogel und Altyn die einzigen Junghengste auf dem Gestüt und bekamen ihre eigene Weide. Nachdem die jungen Pferde fröhlich über die weiten Wiesen tollten, sollten nun auch die großen an die Reihe kommen. Ab sofort waren wir aufgeteilt und jeder kam stets mit zwei Pferden an der Hand aus dem Stall. „Lasst ihr bitte Pajero, Call me a Twist und Schneeleopard noch im Stall?“ meinte ich lächelnd, als ich soeben einige Pferde aufgehalftert hatte. Das rausbringen zog sich und dann war es plötzlich geschafft. Ich rief Mia und Meg zu mir und wir machten die drei verbliebenen Hengste fertig. Sie wurden kurz geputzt und bekamen dann allesamt nur eine Trense über. Danach schwangen wir uns auf die blanken Rücken, ich saß auf meinem geliebten Pajero, Mia nahm Twist und Meg ritt Leo. Ich wollte mit den beiden nun noch einmal alle Weiden abreiten und die Zäune, Versorgungsstände und Herden kontrollieren. Die ersten Weiden waren schnell gemacht und dann kamen wir an die riesigen Stutenweiden. Die Wiese von den Vollblütern war noch relativ klein im Vergleich zum Rest, dafür standen hier aber auch nur die beiden Tekken Mokka und Sonja, sowie die drei Rennpferde Cassiopeia, Destiny und Deadly Ambition. Zufrieden ritten wir weiter und kamen an die wohl kritischste Stutenweide. Um Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip machte ich mir keine Sorgen und auch Nightfly und Foxglove waren problemlos. Aber die drei Welshsstuten Animby, Alice und Herbsttraum legten es gerne auf Probleme an. Deswegen stand auch die Tinkerstute Freeway mit hier, denn wenn ihr die Zickereien zu weit gingen, zögerte sie nicht, sondern griff ein. Doch im Moment war alles friedlich, genauso wie auf der Nachbarsweide von den Westernstuten. Joyna und Chou grasten friedlich im Schatten, während Caribic Sue und Rubina Ravenclaw herumtobten. Apache’s Tomahawk kam sofort angetrabt als sie uns sah, denn sie schien es eindeutig auf Twist abgesehen zu haben, so dass wir flott weiterritten. Die Hengste hatte ich in drei riesige Herden aufteilen müssen. In der ersten waren unsere Welshzuchthengste Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis und Single Malt vereint. Dabei standen auch Lucane, Vertigo, Pinocchio und Carachillo. Allesamt eine ruhige Truppe, weshalb wir Serafino, Ejadon und Dr. Insektor noch dazugesteckt hatten. Bei der nächsten Weide wurden wir freudig von Heartbreaker begrüßt, der seinen Freund Pajero schon sehnsüchtig vermisst hatte. Ich schwang mich von dessen Rücken, nahm ihm den Zaum ab und ließ auch ihn auf die Weide. Das war die Weide der Jungspunde und frechen Kerle, die sich aber allesamt wunderbar verstanden. Zum einen unsere Unzertrennlichen Zarin und Romance, dann Absinth und Dirth, wozu auch Allelujah. Yerai, Muskat und Mennesse brachten noch ein wenig Blut mit rein, so dass ich Breaker, Pajero und Alazar als Aufpasser mit dazugestellt hatte, nicht dass es die jungen Kerle doch einmal übertrieben. Bei der letzten Weide mussten dann auch Meg und Mia absteigen, denn Leo und Twist durften mit zur Thorondor, Aristo, Guarana, Pawaneeh, Magic Golden Dust, Hidalgo und Campeon auf die Weide und dann hatten wir es auch schon geschafft. Als endlich alle Pferde draußen waren, ging es an den Frühjahrsputz. Wie jeden Tag wurden die Boxen gemistet, aber diesmal nicht mehr eingestreut. Zudem wurden die ganzen Spinnenweben entfernt, die Fenster wurden geputzt und die Stallgasse gründlich gekehrt. Alles erstrahlte im neuen Glanz und die Sattelkammern wurden einmal komplett ausgeräumt, ehe wieder eingeräumt und aufgeräumt wurde. Die Sättel wurden öfters gefettet, doch das wurde heute auch direkt noch einmal gemacht. Ebenso wurden besonders dreckige Decken oder Bandagen gleich in den Wäschekorb geworfen. Zum Schluss war alles ordentlich eingeräumt und die Arbeit für heute geschafft und wie die Pferde, bekamen auch die Trainer heute frei. Die kommenden Wochen würden hart genug werden, denn dann hieß es Boxen und Ställe neu streichen, genauso wie die Zäune. Scharniere mussten neu geölt werden, das ein oder andere frisch lackiert werden oder gar ersetzt werden. Die Paddocks wurden abgebaut und der alte Sand entfernt, damit neuer Sand hingebracht werden konnte. Nach diesem kalten Winter sollte wieder alles auf Vordermann gebracht werden.
    • Eddi
      29.07.2014 - Umbau
      Als ich heute Morgen aufstand, schien bereits die Sonne leicht durch meine Gardinen. Lächelnd schlug ich die Decke auf und sprang aus dem Bett. Mein Kater war auch direkt wach und folgte mir schnurrend mit ins Bad. Während ich duschte und mich fertig machte, putzte er sich gründlich. Eine halbe Stunde später waren wir fertig und liefen hinunter in die große Küche. Heute waren wir ausnahmsweise mal die ersten. Also gab es für meinen Kater sein Futter und ich schob die Brötchen in den Backofen. Danach machte ich die Kaffeemaschine fertig und machte den Wasserkocher für den Cappuccino an. Nun kochte ich noch die Eier und während alles so verlief wie es geplant war, deckte ich den Frühstückstisch. Pünktlich um acht kam mein gesamtes Team zusammen und wir frühstückten gemeinsam. Mia hatte die Post hineingeholt und verteilte die Briefe an die jeweiligen Empfänger. Ich hatte eine Postkarte meiner guten Freundin Lea erhalten, welche gerade ihren Urlaub an der Ostsee genoss. Lächelnd las ich ihre Worte, wenn sie nur wüsste was momentan hier los wäre. „Wir müssen heute die Jungpferde noch umweiden, sonst können die Bauarbeiten nicht beginnen.“ meinte Tom und ich nickte ihm zu. „Ja das machen wir heute.“ erklärte ich und hatte in Gedanken schon den heutigen Tagesablauf geplant. „Tamzin, Mia? Ihr fahrt heute aufs Turnier, richtig?“ hakte ich noch einmal nach, eigentlich wollte ich nur schauen, dass jeder wusste, was los war. „Ja, genau. Ich nehme Taktlos und Muskat mit.“ meinte Mia. „Talulah wollte wegen der Versorgung mitkommen, ansonsten habe ich eben Alazar und Vertigo dabei.“ fügte Tamzin hinzu. Ich nickte den beiden zu und gähnte leicht. Genüsslich biss ich in mein Brötchen und trank einen Schluck Cappuccino. „Wie geht es den Fohlen?“ fragte ich in die Runde und bekam direkt eine Antwort. „Nüsschen geht es wunderbar und Rosewell ist zwar noch schüchtern, aber ihr geht es bestens.“ erklärte Meg mir. Sie liebte Fohlen und war nur zu gerne bei den jungen Pferden unterwegs. Wir frühstückten zu Ende und dann machten wir uns auch schon an die Arbeit, denn die kommenden Wochen würde auf dem Gestüt viel los sein. Momentan bauten wir nämlich um, so dass es gar nicht so leicht war, für alle Pferde eine neue Weide zu finden, ohne den Bauarbeiten im Weg zu stehen. Aus diesem Grunde mussten die Jungpferde jetzt auch weichen. Also begannen wir unseren Tag mit Weide bauen. Es mussten insgesamt zwei Weiden her, damit wir Hengste und Stuten trennen konnten. Eine Stunde verbrachten wir damit und dann waren die großen Weiden am Rande des Waldes fertig. Nun hieß es die Jungpferde holen. Mit Halftern bewaffnet machten sich Tom, Meg und ich auf den Weg. Ich schnappte mir Prazzy's Goldbell, Feuervogel und Painted Blur, Tom fing sich Altyn und He's called Trüffel und Meg nahm schon die zwei Stuten Hollybrook's Fairy Bluebird und Joyce mit. Der Weg zu den neuen Weiden war weit und das nutzten die Hengste zu gern zum toben aus. Ich war froh, als wir dann endlich die erste Ladung drüben hatten. Nun liefen wir noch einmal um noch Hollybrook's Tiny Girl, Raunchy's Limited, Quintesse of Xaras, Rosewell und Shawneé zu holen. Danach waren wir sogar schon fertig. Während Meg und Tom die alten Weiden abbauten, lief ich zu unserem Stallgebäude. Momentan waren dort alle Mutterstuten mit Fohlen aufgestallt, allerdings wollte ich auch diesen Auslauf gönnen. Als erste halfterte ich Khiara El Assuad auf und brachte sie gemeinsam mit ihrem kleinen Stutfohlen Khaytara El Assuad auf die Weide vor dem Stall. Danach holte ich noch Napayné und Nesquik, unsere Welshstuten. Nandalee und Applaus waren voller Tatendrang und hüpften aufgeregt nebenher und freuten sich riesig auf Khaytara. Fröhlich jagten die kleinen Fohlen über die Weide, während die Stuten friedlich nebeneinander grasten. Nun holte ich noch Mokka mit ihrem frisch geborenen Fohlen Mon petit écrou aus dem Stall und ließ sie heute auf eine der kleineren Weide, denn noch wollte ich die beiden lieber alleine lassen, nur Mokkas beste Freundin Sonja durfte bisher mit zu ihr und dem Fohlen, weshalb ich die drei gerne zusammen stellte. Nachdem auch diese Pferde versorgt waren, nun konnte ich mich nicht länger drücken, denn die Bauarbeiter rückten an und direkt kam der Chef zu mir. Gemeinsam brüteten wir über den Plänen und diskutierten über die Aufteilungen. Ich wollte meinen Pferden ein anderes Leben gönnen und baute deshalb das gesamte Gestüt um. Es sollen zwei neue Paddocktrails und drei Aktivställe gebaut werden. Hinzu kommen sollten fünf Mini-Offenställe, in welchen immer nur 2-3 Pferde leben würden und zu guter Letzt noch einige Doppelboxen mit großen Paddocks für Gästepferde oder auch für unsere Pferde, wenn etwas großes anstand. Mein Team unterstützte mich dabei tatkräftig und schon bald würden die Umbauten fertig sein. Ich musste nur noch die neuen Herden einteilen und dann würden die Pferde auch schon bald auf ihre neuen Weiden ziehen dürfen. Aber heute waren wir davon noch weit entfernt. Lächelnd schlenderte ich über das Gestüt und verabschiedete Mia und Tamzin, sie würden erst heute Abend wieder zurückkommen. Ich entschied mich stattdessen, zu unseren Zwergen zu schauen. Also schnappte ich mir in der Futterkammer sechs Möhren und wanderte zu den Weiden, wo Werina, Mondscheinsonate, Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip standen. Als ich sie rief, kamen sie sofort angesaust und holten sich ihr Leckerchen ab. Danach schaute ich bei den Jungs Heartbreaker und Window vorbei und auch sie bekamen noch eine Möhre. „Guten Appetit, meine Lieben.“ meinte ich lächelnd und ging dann, denn im Stall stand die Teambesprächung an, wer nun was machen würde. Judi wollte heute mit Carachillo und danach mit Capriciasso zur Geländestrecke und die beiden trainieren. Danach würde dann eine Springstunde für ihre jungen Nachwuchsreiter anstehen. „Wen willst du heute mitnehmen?“ fragte ich, um zu wissen, wer dann noch bewegt werden müsste. „Ich wollte gerne Lucane, Nightfly, Pinocchio, Naimibia und Diggin' in the Dirth nehmen.“ erklärte Judi mir und ich nickte. „Alles klar.“ meinte ich lächelnd und verschwand. „Tom? Reitest du heute Absinth und Serafino?“ trug ich ihn auf und suchte dann Meg. „Komm, wir machen einen Ausritt mit Zarin und Death Pop Romance.“ meinte ich lächelnd, damit die junge Auszubildende eine kleine Pause bekam. Heute war sehr angenehmes Wetter und so konnten wir viel traben und galoppieren, was den beiden Hengsten sehr gut tat. Danach bat ich sie noch, sich auf Foxglove zu schwingen. Ich wollte stattdessen Allelujah beschäftigen, für ihn stand heute Longieren an mit viel Stangenarbeit, denn einfach war er immer noch nicht, aber es wurde langsam besser. Als ich mit dem Palomino fertig war, holte ich meinen Liebling Pajero von der Weide, um mit ihm unsere Geländestrecke als lockeren Spaß zu reiten. Wie immer war er super drauf und es war ein toller Ritt. Danach war noch Dr. Insektor an der Reihe. Unser Hengst hatte sehr gute Fortschritte gemacht und vielleicht würde er bald an Turnieren teilnehmen können. Für Ejadon gab es heute frei, denn er hatte die letzten zwei Tage mit Turnieren verbracht. Guaranà ging mit Monty heute eine kleine Runde ins Gelände, um ihn fit zu halten. Mennesse nahm er als Handpferd mit, damit der direkt auch bewegt wurde. Die spanischen Schönheiten Thorondor, Yerai und Aristo hatten heute auch frei, also bewegte ich nur noch Freeway. Danach war erst einmal das Mittagessen an der Reihe. Heute gab es Hefeklöße mit Vanillesoße und Kirschkompott. So kamen wir alle wieder zusammen und konnten eine kleine Pause machen, ehe es mit der Arbeit weitergehen würde. Am Nachmittag war noch genug zu tun und da drei Leute heute fehlten, mussten wir anderen uns besonders ins Zeug legen. Mein erster Gang nach dem Mittagessen war zu Carter, denn ich wollte mich über das Training der Vollblüter informieren. „Wenn es öfter mal ein paar Rennen geben würde, dann könnten Cassiopeia und Deadly Ambition auch einmal zeigen, was in ihnen steckt, aber momentan sieht es dort ja ziemlich mager besetzt aus. Pawaneeh lasse ich jetzt nebenbei aktiv auch in Dressur und Springen trainieren, das braucht er, so kann Susan ihn auch im Rennen besser kontrollieren. Magic Golden Dust macht sich gut im Training und ist topfit. Und Destiny Horror, na ja, ich denke die Dressur wäre eher was für die Hübsche.“ erzählte er mir und ich saugte alles in mir auf. Auch bei unseren Westernpferden tat ich momentan nicht gar so viel, das überließ ich lieber Monte und Elizabeth. Stattdessen schaute ich in die Halle, wo Monte gerade Unterricht gab. Vier junge Menschen hatte er unter seine Fittiche genommen. Heute wurden dadurch Rubina's Ravenclaw, Joyna, Apache's Tomahawk und Caribic Sue trainiert. Wie ich hörte waren Monte und Elizabeth schon mit Schneeleopard und Campéon unterwegs. Call me a Twist hatte momentan frei, denn er verbrachte gerade seine Zeit viel lieber mit potenziellen Stuten auf der Weide. Seitdem er gekört war, hatten wir nämlich äußerst viele Deckanfragen bekommen. Hidalgo wurde gerade von Elizabeth geritten. Die Stuten Chou und Ice Coffee hatten heute frei. Zuletzt standen meine Lieblinge an, die Ponys aus den Wales. Meine kleine Welsh Zucht war inzwischen schon gigantisch und ich freute mich jedes Mal, bei ihnen vorbeizuschauen. Die beiden Hengste Auftakt und Bonny Boy befanden sich inmitten der Turniersaison. Animby, unsere jüngste Stute, wurde hingegen auf ihre Krönung vorbereitet, denn sie sollte auch bald mit in die Zucht einsteigen dürfen. Fürst der Finsternis und Alice von Landwein hatten momentan eine Pause und liefen vermehrt in den Reitstunden der Fortgeschrittenen mit und gingen mit ihren Reitern auch die ein oder anderen Turniere. Die hübsche Herbsttraum hatte sich inzwischen wunderbar eingelebt und ich war ernsthaft am überlegen, mir aus ihr ein Fohlen zu ziehen. Zuletzt war da noch Single Malt, welcher bisher noch Schonfrist hatte. Der Tag ging schneller vorbei als gedacht und abends saßen wir alle beisammen am Tisch zum Abendbrot. Mia und Tamzin waren sehr erfolgreich auf den Turnieren unterwegs gewesen und auch bei den anderen hatte es heute super geklappt. Zufrieden konnten wir so mit dem Tag abschließen.
    • Eddi
      14.09.2014 - Jedes Ende ist auch der Anfang von etwas Neuem
      Umzug nach Wyoming
      Ich saß auf meinem Bett und starrte die Wand an. Dort türmten sich Bilderrahmen mit Aufnahmen der vergangenen Jahre: Pferde über Pferde, Turniererfolge, junge Zuchtfohlen und auch Bilder meines Teams.
      Ich seufzte leise.
      Alles war so gelaufen wie man es sich wünschte, doch dann entschied sich das Schicksal für einen anderen Weg.
      Der letzte Monat hatte mich fertig gemacht – ich fühlte mich ausgebrannt und unfähig, irgendetwas zu tun.
      Es fing mit der unschönen Nachricht an, dass dem Gestüt plötzlich hinten und vorne das Geld fehlte, obwohl unsere Buchführung perfekt war. Natürlich wurde so der groß geplante Umbau des Gestüts abgebrochen und wir saßen auf immensen Schulden.
      Ich ging dem Problem nach und setzte alle Hebel in Bewegung, um die Ursache unserer Schulden heraus zu bekommen. Zu aller Entsetzen wurde uns mitgeteilt, dass unser Jockey Roy Geldwäscherei hinter meinem Rücken betrieben hatte.
      Nach seiner Entlassung und dem Gerichtsverfahren schien sich allmählich alles wieder einzurenken, doch das sollte nicht lange anhalten:
      Mia, der gute Geist unseres Gestütes verließ uns – ohne ein Wort, ohne Abschied. Sie verschwand einfach und somit eigentlich unsere beste Mitarbeiterin, zumindest dachten wir das.
      Inzwischen wissen wir, dass sie damals mit Roy gemeinsames Spiel betrieben hatte, denn die Buchführung lag leider in ihren Händen und wir alle hatten ihr blind vertraut.
      Ein langes Hin und Her vor dem Gericht begann und aus einer guten Freundin wurde plötzlich eine Todfeindin, welche dem Gestüt nichts schlimmeres als das Aus wünschte. Auch wenn wir letztendlich den Prozess gewannen, ließen mich die Ereignisse nicht mehr los.
      Mein Kopf schrie regelrecht nach Veränderung und ich wusste auch, dass ich hier nur noch kaputt gehen würde.
      Es war kurz vor 18 Uhr, als ich das Esszimmer betrat. Wie immer war der Tisch bereits gedeckt und Talulah brachte gerade die Töpfe hinein. Wie jeden Abend aßen wir gemeinsam und diese Zeit wollte ich für eine Ankündigung nutzen.
      Als alle am Tisch saßen, stand ich seufzend auf, es fiel mir schwer die Worte auszusprechen, doch ich wusste, dass es das Beste war.
      „Meine Lieben, es fällt mir nicht leicht, euch das zu sagen, doch ich denke, es ist die beste Entscheidung für alle. Ich werde Frankreich verlassen, ohne euch... Es tut mir leid.“
      Von allen Gesichtern trafen mich entsetzte Blicke, nur Carter – unser Stallmeister – nickte mir bedächtig zu. „Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und neue Wege zu suchen.“ sagte er mit seiner rauen Stimme. „Ihr seid jung! Euer ganzen Leben liegt noch vor euch, also lebt!“
      Drei Wochen war dieser eine Abend nun schon her und seitdem hatte sich alles verändert.
      Der große Umzug war vorbereitet und stand kurz bevor. Die Pferde hatten bereits das Land verlassen und waren schon auf den Weg in ein neues Leben.
      Mein Team hatte seine Ablösung erhalten, das Gestüt war verkauft und auch von einigen Pferden hatte ich mich schwermütig verabschiedet.
      Sie würden ihren Ruhestand auf deutschen Wiesen bei einer guten alten Freundin genießen, denn nur dort wusste ich sie sicher und geborgen. So hatte ich auch meiner Familie einen Besuch abstatten können und ihnen alles erklären können.
      Doch der letzte Abend auf dem Gestüt kam zu schnell, viel zu schnell.
      Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr bereit, denn es war eine Reise ins Ungewisse, bei welcher ich vollkommen auf mich alleine gestellt war.
      Ein letztes Mal wollte ich durch unsere Stallungen wandern, Carter begleitete mich dabei - er war als einziger bis zum Schluss geblieben.
      Alle Boxen waren leer, wirkten kalt und trist. Aber ich wusste, dass sie schon bald wieder mit neuem Leben gefüllt werden würden.
      Als Carter mich noch einmal zum Abschied umarmte und dann alleine die Stallgasse entlang lief, überkamen mich alle Gefühle – Wut, Trauer, Furcht und auch die Hilflosigkeit.
      Weinend lehnte ich mich an die Stallwand, sank auf den Boden und ließ meinen Gefühlen freien Lauf.
      Schon als Carter längst den Stall verlassen hatte, sah ich am Ende der Stallgasse immer noch den alten Mann in seinem schwarzen Mantel mit dem schwarzen Hut. Er war die Seele des Stalles gewesen und während ich an ihn dachte, durchlebte ich noch einmal alle Erinnerungen, welche ich in den letzten zwei Jahren hier gemacht hatte.
      „Ich danke dir...“ murmelte ich und schloss seufzend die Augen.
      Unsicher schaute ich mich um.
      Die Räume waren riesig und doch strahlten sie eine gewisse Vertrautheit aus. „Du bist jung, lebe!“ hörte ich Carter in meinen Gedanken und musste weinen.
      Kurz nachdem wir in Wyoming angekommen waren, erreichte mich die Nachricht, dass er uns für immer verlassen hatte. Es traf mich mehr, als ich gedacht hätte, doch plötzlich wurde mir bewusst, was ich verloren hatte.
      Ohne ihn wäre ich niemals dort angelangt, wo ich jetzt war. Ich verspürte einen tiefen Hass auf alle, die uns in Frankreich das Leben schwer gemacht hatten und gab ihnen die Schuld an Carter's Tod.
      Einzig und allein der Gedanke an Carters Worte, ließ in mir ein Feuer entfachen.
      Schmunzelnd betrat ich den Stall, er war so viel kleiner! Wirkte fast winzig und fad im Gegensatz zu meinen damaligen Stallungen, doch es gefiel mir - ich liebte es!
      Viel Arbeit stand an, doch ich hatte ja nun alle Zeit der Welt und ich wollte keine Minute davon vergeuden.
      Fast einen Monat lebte ich mutterseelenallein auf der Ranch, denn ich brauchte dringend Abstand zu den Menschen. In diesem Monat steckte ich all mein Herzblut in die Ranch, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.
      Auch wenn die Vorbesitzer sie gut abgegeben hatten, entsprach sie nicht ganz meinen Wünschen, besonders was die Haltung der Pferde betraf.
      Aus den circa vierzig Boxen im Stall baute ich zwanzig großräumige Boxen für die Pferde ein. Den Stall würden wir nicht sonderlich oft brauchen, weshalb nicht für alle Pferde Platz sein musste, aber wenn er genutzt werden musste, dann sollten die Pferde auch ideal gehalten werden.
      Auch die über 60ha Weideland mussten neu eingezäunt und kontrolliert werden. So stand ich jeden Tag um 6 Uhr auf, um mein Arbeitspensum zu schaffen.
      Die Zeit alleine hatte mir gut getan und so konnte ich meinen geliebten Vierbeinern auch wieder gegenüber treten, ohne mich verstellen zu müssen. Heute war der Tag, an dem auch sie in ihr neues Leben eintauchen würden.
      Nach und nach brachte man sie auf meine kleine Ranch und trotz meiner abgeneigten Weise den Menschen gegenüber, waren diese stets hilfsbereit und freundlich – und ab da veränderte sich etwas in mir.
      Es war Zeit, die Vergangenheit zu vergessen und vollkommen neu anzufangen. Aus diesem Grunde lud ich alle Helfer am Abend zum Grillen ein.
      An diesem Abend bot mir jeder seine Hilfe an, auch wenn ich diese dankend ablehnte und erklärte, dass ich das hier alleine schaffen wollte – doch selbst dafür hatten sie Verständnis.
      Lächelnd verließ ich die Feier und stattete meinen Stuten noch einen kleinen abendlichen Besuch ab. Grinsend musterte ich die kleine Herde. Bisher hatten sich meine Pferde nicht daran gewöhnen können, plötzlich so ein gigantisches Areal nutzen zu dürfen.
      Immer wenn sie mich am Zaun entdeckten, kamen sie hilfesuchend angaloppiert und sammelten sich um mich. Auch jetzt hörte ich ihre Hufen auf dem festen Erdboden, doch diesmal kamen sie mir im gemächlichen Schritt entgegen.
      Ich spürte den plötzlichen Umschwung der Gefühle in der Herde. Sie wurden nicht mehr beherrscht von Unsicherheit und Verzweiflung. Plötzlich wirkten sie ruhig, entspannt und glücklich – und irgendwie fand ich mich in diesem Umschwung selbst wieder.
      Lächelnd begrüßte ich meine Kleinste. Chips schnoberte mir sanft am T-Shirt entlang und ich sank auf die Knie, um sie ein wenig zu kraulen. Natürlich wollten aber auch die anderen liebkost werden, weshalb ich kurz darauf Freeways große weiche Nüstern in meinem Nacken spürte und merkte, wie sie mir sanft durch die Haare wuselte.
      Die Stuten strahlten ein beständiges Gefühl von Wärme und Zufriedenheit aus, welches sich auch direkt auf mich übertrug und ich mich in das Gras setzte, um einfach mit ihnen gemeinsam den Abend ausklingen zu lassen.
      Apache ließ sich neben mir nieder und schaute mir tief in die Augen. Sie war die Leitstute und mit ihrer Fürsorge und Geduld kümmerte sie sich um jedes einzelne Herdenmitglied. Für sie gehörte ich dazu und so brachte sie auch mir tiefstes Vertrauen entgegen.
      Selbst die sonst recht ungestüme Khiara stand dösend neben uns und entspannte sich zunehmend, während Naimibia und Ice Coffee noch ein wenig mit ihren Spinnereien beschäftigt waren.
      Die beiden waren jung und noch recht neu in der Herde, dennoch hatten sie sich sofort wohlgefühlt und waren auch diejenigen, die stets Leben in die Herde brachten.
      „Was würde ich nur ohne euch tun?“ lächelte ich und lehnte mich an Freeways Beine - hier bei den Pferde fühlte ich mich wohl.
      Ein schrilles Geräusch ließ mich hochfahren. Verwirrt blickte ich mich um und suchte nach dessen Quelle. Als ich den alten Wecker neben mir erblickte, erinnerte ich mich an alles, was in den letzten Wochen vorgefallen war und stöhnend ließ ich mich zurück auf die Matratze fallen.
      „Wyoming.“ murmelte ich und stand grummelnd auf. Fluchend starrte ich die am Boden liegende Matratze an – wie sehr sehnte ich mich nun doch nach einem richtigen Bett!
      Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir um die Wohnungseinrichtung keine großartigen Gedanken gemacht hatte, damals wollte ich einfach nur so schnell wie möglich weg. In der ersten Nacht war mir dann aufgefallen, dass ich nichts besaß – nicht einmal ein Bett.
      Meinen Nachbarn war das natürlich nicht entgangen und so hatte ich schnell von hier und dort Spenden erhalten.
      Dazu gehörte auch diese Matratze und auch wenn sie schon wesentlich bessere Tage gesehen hatte, war ich sehr dankbar für dieses Geschenk.
      In meiner Küche befanden sich insgesamt zwei nutzbare Objekte: ein Stuhl und eine Kaffeemaschine. Zweiteres gab sehr gewöhnungsbedürftige Geräusche von sich, als ich sie in Gang setzte. Eigentlich war ich auch kein Kaffeetrinker, doch im Moment war ich sehr dankbar über dieses koffeinhaltige Getränk.
      Während also das Wasser durch das Kaffeepulver sickerte, verschwand ich im Bad – das einzige Zimmer, was man guten Gewissens nutzen konnte.
      Ein unangenehmer Knall ließ mich jedoch das Zähne putzen unterbrechen und als ich samt Zahnbürste im Mund zurück in die Küche lief, konnte ich meinen Augen nicht trauen.
      „Oh Gott...“ murmelte ich entsetzt und während ich noch überlegte, wie ich am schnellsten zu der Steckdose gelangen konnte, entschied sich die Kaffeemaschine dafür, in weitere tausend Kleinteile zu explodieren und den Inhalt im gesamten Raum zu verteilen.
      Mit einem Lächeln hatte mir die alte Dame vor einer Woche diese Maschine in die Hände gedrückt, allerdings schien ich kein Händchen zum Kaffee kochen zu haben.
      Grummelnd marschierte ich zurück ins Bad, um mich dann zumindest um das Übelste in der Küche zu kümmern.
      Eine Tasse Kaffee konnte ich aus den Resten der Kanne dann doch noch zusammenkratzen, also war die Mühe nicht ganz umsonst.
      Ich machte mich gerade am Unterstand der Hengste zu schaffen und schob Breakers neugierige Nase nun zum dritten Mal zur Seite, als ein nervtötendes Geräusch die friedliche Stille am Morgen durchbrach.
      Es war ein Automotor und ich war sofort argwöhnisch, denn ohne Hintergedanken verfuhr sich niemand hierher, die Ranch lag schließlich mitten im Nichts.
      Thorondor blickte sofort wachsam zum Hof hinüber und legte die Ohren an. Auch er sah die Kommenden eher als Eindringlinge statt als Gäste an.
      Sanft strich ich ihm über dem Hals. „Ich schaue nach.“ meinte ich beruhigend und verließ die Weide.
      Während ich mich auf den Weg zum Hof machte, drehte sich mein Magen bereits beim Anblick des schmucken schwarzen Autos um. Als dann noch zwei schick gekleidete Personen ausstiegen, wurde ich sofort misstrauisch.
      Ich stützte die Hände in die Hüfte und musterten die beiden, wurde dann aber auf einmal überrumpelt. „Hallo! Ich bin Kat!“ sprudelte die blonde Frau plötzlich los und umarmte mich überschwänglich.
      Verdutzt starrte ich sie an, während der Mann neben ihr verzweifelt zwischen uns hin und her blickte.
      „Entschuldigen Sie das Verhalten meiner Schwester. Ich bin Ethan Karamakov und sie ist Katarina Karamakov“ murmelte er nur und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Ich schüttelte jedoch nur den Kopf und blickte dann grinsend auf.
      „Ihre Einstellung gefällt mir, das sollte man tatsächlich öfter so handhaben.“ lachte ich und alle Anspannung fiel von mir ab.
      Wie ich schnell erfuhr, lebten die Geschwister Karamakov eigentlich in New York – sah man ihnen ja auch überhaupt nicht an – und hatten von einem unbekannten Onkel eine Rinderfarm geerbt.
      „Ja und diese Rinderfarm ist direkter Nachbar dieser Ranch hier - also wenn man das bei den Entfernungen Nachbarn nennen kann.“ erklärte Ethan mir.
      Wir saßen auf der Verandatreppe des Hauses, denn leider konnte ich meinen Gästen weder Sitzplätze noch Kaffee anbieten, während wir uns unterhielten.
      „Können wir für ein paar Tage bei dir wohnen?“ platzte Kat ohne große Umschwänge heraus und erneut blieb mir nichts anderes übrig, als sie ungläubig anzustarren.
      „Du warst doch vorhin im Haus, oder? Hast du gesehen wie es dort aussieht?“ fragte ich zweifelnd. Für zwei Übernachtungsgäste hatte ich nun gar nichts da – im Moment war ich schließlich froh, selbst eine Matratze zu haben.
      „Aber auf der Farm kann man nicht wohnen! Unser Onkel muss ein elender Trinker gewesen sein, denn so eine verlauste Bude habe ich noch nie gesehen, da ist das hier ein Luxushotel!“ stöhnte Kat theatralisch und Ethan nickte nur zustimmend.
      Seufzend willigte ich ein. „Aber eure Matratzen müsst ihr euch selbst besorgen!“ warnte ich die beiden, welche mich nur schon von einem bis zum anderen Ohr angrinsten.
      „Ach, da ist noch was.“ meinte Ethan vorsichtig, während wir Kats fünften Koffer die Treppe hinauf hievten. „Und das wäre was? Noch mehr Koffer?“ fragte ich entsetzt, schon bald würde man gar nicht mehr zählen können.
      „Äh, nein.“ meinte Ethan grinsend. „Auf der Farm steht ein Pferd. Wie ich hörte bist du Tierärztin? Der kleinen Stute geht es nämlich nicht sonderlich gut.“ erklärte er und sofort wurde ich hellhörig, denn wenn es um die geliebten Vierbeiner ging, scheute ich keine Mühen.
      So war unsere nächste Amtshandlung zur Farm zu fahren und nach dem Tier zu schauen. Da ich selbst nicht über einen fahrbaren Untersatz verfügte, fuhr Ethan mich und natürlich kam Kat auch mit.
      Bei dem Zustand der Ranch hatte Kat ausnahmsweise mal nicht übertrieben. Die Zäune der Weiden waren marode und mit Stacheldraht versehen und auch die beiden Viehherden sahen nicht sonderlich glücklich aus.
      Ethan erklärte mir, dass er bereits Abnehmer für die Tiere und die Farm suchte, denn er und Kat würden sich gewiss nicht hierum kümmern.
      Dabei zeigte er mir auch den Stall und öffnete vorsichtig die obere Hälfte der Stalltür, damit ich hineinschauen konnte.
      Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen, denn bisher sah ich nichts. Doch dann erkannte ich den schemenhaften Umriss eines Pferdes und stutzte. „Ist sie gesattelt?“ fragte ich verwirrt und Ethan nickte.
      „Sie ist der Grund, weshalb wir diesen...Ort hier geerbt haben.“ meinte Kat grinsend. „Sie hat dem ollen Trinker eiskalt eine vor die Zwölfe gegeben, das hat ihn dann doch mal diesen Rest gegeben.“ lachte sie und schnalzte der Stute freundlich zu.
      Die wiederum drehte uns ihr Hinterteil zu und drohte, auszuschlagen, wenn wir noch einen Schritt näher kommen würden. „Das wird ja lustig.“ murmelte ich und Ethan sah mich bestürzt an.
      Ihm schien das Leid der Stute doch näher zu gehen, als er es zugeben wollte, aber das waren eben Männer – Gefühle zeigen ging gar nicht.
      Wir ließen die Stute hinaus in ihren „Auslauf“, damit ich sie zumindest ein wenig besser sehen konnte. Sie sah von weiten aus wie ein wilder Mustang, zumindest was ihr Aussehen und den Charakter betraf.
      Nur die feingliedrigen Beine und der elegante Kopf wiesen eindeutig darauf hin, dass sie ein Reitpony sein musste.
      Wir gaben der Stute etwas Heu, denn sonderlich genährt sah sie auch nicht aus und während sie gierig fraß, nutzte ich ihre Unkonzentriertheit und befreite sie von dem ekligen Sattelzeug.
      Der Sattel war viel zu groß und die Trense stank schon von Weitem nach vermoderten Leder, kein Wunder, dass sich die Stute so gewehrt hatte.
      Vorsichtig betrachtete ich die Stute näher und sah, dass sie noch recht überbaut war, älter als drei Jahre konnte sie nie sein, eventuell war sie sogar erst zwei Jahre alt. Während ich jedoch über ihr Alter philosophierte, merkte sie meine Anwesenheit, machte auf der Hinterhand kehrt und versetzte mir einen deftigen Tritt gegen den Oberschenkel.
      Erschrocken wich ich zurück, leider viel zu spät, so dass ich mir nur noch den schmerzenden Schenkel halten konnte. „Na danke auch!“ stöhnte ich genervt und humpelte zurück zum Zaun.
      „Ist alles okay? Soll ich lieber den Notarzt rufen?“ quietschte Kat verzweifelt und zückte schon ihr Handy. Nur knapp konnte ich sie davon abhalten. „Ach Quatsch! Das wird ein blauer Fleck, mehr nicht.“ meinte ich beruhigend und lehnte mich gegen den Zaun, um die Stute zu betrachten.
      „Sie muss hier weg.“ erklärte ich Ethan und er nickte. „Aber wohin?“ fragte er verzweifelt und starrte die junge Stute an, welche wütend in unsere Richtung blickte und die Ohren anlegte.
      Murrend überlegte ich und überwand mich dann doch, denn jetzt war ich an der Reihe, meinen Mitmenschen mal wieder ein wenig freundlicher gegenüber zu treten.
      „Sie kann mit zu uns.“ meinte ich und Kat hatte direkt wieder einen Freudenausbruch und fiel mir um den Hals. „Danke, danke, danke!“ jauchzte sie glücklich.
      Während ich zwanghaft überlegte, wie wir diese Stute überhaupt auf die Ranch bekommen würden, war Kat schon wieder verschwunden.
      Erst einige Minuten später tauchte sie wieder auf, vollkommen in Spinnweben und Heu gehüllt. „Schaut mal was ich gefunden habe!“ meinte sie und reichte mir einen Stapel modriger Papiere, welche ich aus Reflex beinahe fallen ließ, denn sie waren einfach nur eklig!
      Es waren die Papiere der Stute und auch wenn nicht mehr viel zu erkennen war, konnte ich zumindest Name und Geburtsjahr entziffern. „Die Kleine heißt Pina und ist erst 2012 geboren.“ meinte ich und blickte zu der Stute.
      Verzweifelt versuchte ich den Dreck von ihrer Rasse zu kratzen, leider gelang mir das nicht wirklich und außer, dass dahinter „...pony“ zu lesen war, war nichts weiter deutlich, dennoch war ich mir ziemlich sicher, dass sie ein DRP war.
      Ich hatte mich mit den Papieren beschäftigt und Kats Geschwafel kein Gehör geschenkt, doch jetzt wo ich fertig war, bekam ich sie wieder vollkommen mit und starrte sie zweifelnd an.
      „Die Stute rüberführen? Hast du sie noch alle? Guck sie dir mal an, die schlägt uns alle k.o.!“ meinte ich entsetzt und schüttelte nur den Kopf.
      „Und was machen wir dann?“ fragte sie vorsichtig.
      Drei Stunden später fuhr ein super moderner Pferdehänger auf meine Ranch. Seufzend starrte ich aus dem Fenster. Ich hatte zwar Ethan gesagt, er solle einen ordentlichen Pferdehänger ausleihen, allerdings hätte ich anscheinend auch dazusagen müssen, dass wir weder eine riesige Sattelkammer noch ein halbes Reiterstübchen dazu brauchten.
      Vorsichtig lotste ich Ethan um den Stall zum großen Tor, denn ich hatte bereits einen Plan im Kopf, wie wir die Stute in ihre Box bugsieren würden.
      Während seiner tollkühnen Lenkmanöver mit dem Hänger zerstörte Ethan nicht nur meine gut gepflegten Sonnenblumen, sondern auch das halbe Stalltor. „Dankeschön.“ fauchte ich unsanft und stieg aus, um noch größere Schäden zu verhindern.
      Den Hänger fuhren wir nah an das Tor heran und dann bereitete ich geschwind eine der großen Boxen vor, um der Stute für die kommenden Tage einen angenehmen Platz bieten zu können.
      In die Box gelang sie durch eine von mir selbst gebaute Gasse und diese war auch vollkommen von Nöten, denn mit vollem Tempo sprang sie aus dem Hänger und rannte blind darauf los. Umso dankbarer war ich, als sie dann wohlbehalten in der Box stand.
      „In ein paar Tagen darf sie auf die Weide, aber vorerst bleibt sie hier drin.“ meinte ich strikt und ließ mir auch von den Karamakovs auch nicht reinreden.
      Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlug, war jegliche Leere in mir verschwunden.
      Ich war endlich zu Hause angekommen.
      Stattdessen stieg eine unheimliche Motivation in mir auf und ich sprang von der Matratze auf.
      Eigentlich hatte ich einen Kaffee machen wollen, bis mir einfiel, dass meine Maschine ja ins Gras gebissen hatte. „Was solls.“ meinte ich fröhlich und schnappte mir ein paar Kekse und ein Glas Orangensaft zum Frühstück.
      Verschlafen kam mir Kat entgegen. „Auf Matratzen schlafen ist grauenvoll.“ stöhnte sie und rieb sich den Nacken. Ihr folgte auch Ethan, welcher sich hilflos umsah. „Kein Kaffee?“ seufzte er und ließ sich auf den Stuhl in der Küche fallen.
      „Euch auch einen wunderschönen Morgen.“ grinste ich und warf Kat die Packung Kekse und Ethan die Flasche O-Saft zu. „Was anderes gibt es nicht – zumindest nicht hier. Ich verschwinde jetzt in den Stall.“ meinte ich und war schon auf den Weg nach draußen, ehe Kat mich zurückrief.
      „Können wir dir behilflich sein? Ich meine wir wollen ja was für unsere Unterkunft hier leisten!“ meinte sie aufrichtig und ich schaute sie nur zweifelnd an. „Außer bei der Pflege der Pferde helfen, kann ich euch nichts anbieten und ich weiß nicht, ob ihr überhaupt Sachen dabei habt, die alt genug dafür sind.“ meinte ich grinsend und verschwand nach draußen.
      Im Stall schaute ich nach erst einmal nach Pina. Diese lag noch dösend im Stroh, schreckte aber sofort hoch, als ich ihre Boxentür öffnete. „Ist ja gut, es gibt ja nur Frühstück.“ meinte ich entschuldigend und stellte ihr den Eimer mit dem frischen Mash hin.
      Misstrauisch begutachtete Pina den Eimer, näherte sich ihm dann vorsichtig und fing kurz darauf gierig an zu fressen. „Wenn du lieb bist, darfst du bald auch raus zu meinen Mädels.“ lächelte ich und verließ die junge Stute, welche mir misstrauisch hinterherblickte.
      Als ich aus dem Stall kam, verschluckte ich mich beinahe, an dem Rest meines Frühstücks. Kat stand vor mir, in Pseudo-Cowgirlklamotten und hatte die Hände in die Hüfte gestürzt. „Es kann losgehen!“ meinte sie.
      Ich schüttelte den Kof. „Kat! Schau mich an. Alte Schuhe, Jeans, T-Shirt – mehr nicht! Und setze diesen scheuslichen Hut ab!“ lachte ich und machte mich auf den Weg, um den Jungpferden ihr morgendliches Heu zu bringen und den Unterstand zu säubern.
      „Aber die Verkäuferin meinte, so was zieht man hier im Wilden Westen an.“ meinte Kat, welche mir hinter hereilte. „Im Wilden Westen?“ wiederholte ich ihre Worte. „Im Ernst?“
      Momentan hatte ich noch einiges an Arbeit, denn die Pferde hatten sich an ihr neues Heim noch nicht gewöhnt und verbrachten die Tage meist in der Nähe der Unterstände. Dementsprechend sah es dort auch aus.
      „Euch gehören 24ha, nutzt sie doch!“ meinte ich lachend und scheuchte die Jungpferde auseinander, damit sie uns zumindest jetzt nicht auf der Pelle hingen.
      „Kat, am besten stellst du deine Schubkarre neben meine und dann einfach den Mist reinschaufeln, okay?“ fragte ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich ihren angewiderten Blick sah.
      Gemeinsam waren wir jedoch schnell fertig und konnten die Schubkarren zum Mist fahren und leeren.
      „Oh, wer bist du denn?“ schwärmte Kat mit hoher Stimme und hätte Tiny Girl wohl am liebsten auf den Arm genommen. „Wie ein kleiner Hund!“ lachte sie und wuschelte der neugierigen Stute durch den Schopf.
      Während ich die Stroh- und Heubündel auf die Schubkarren lud, blickte Kat angewidert an sich herunter. „Ethan! Schau mich mal an – das ist ekel... toll!“ versuchte sie sich selbst zu ermutigen.
      Der versteckte seine Schadenfreude nicht sonderlich und grinste seine Schwester hämisch an. „Willst du auch mal? Immerhin hast du auch hier geschlafen!“ lachte Kat ihn an und Ethan Grinsen verschwand urplötzlich. „Ich muss jetzt erst einmal in die Stadt.“ meinte er nur kurz angebunden, stieg in seinen schwarzen Jeep und verschwand.
      „Männer.“ meinte ich lachend.
      „So siehst du viel besser aus!“ meinte ich lächelnd, denn ich hatte Kat neu eingekleidet in sinnvolle Sachen. „Dann kannst du mir auch wirklich behilflich sein.“ meinte ich grinsend und deutete auf ihre Schubkarre.
      Wir fuhren das frische Stroh zu den beiden Unterständen der Jungpferde und verteilten es darin. Danach wurden die Heunetze neu aufgefüllt, ehe ich Kat eine Bürste in die Hand drückte. „Jetzt werden die Tränken geschrubbt.“ meinte ich lächelnd und deutete auf den alten Trog.
      Momentan war dieser wirklich von Nöten, denn die Jungpferde sahen nicht ein, den Fluss als Trinkquelle zu nutzen, dafür fanden sie ihn noch viel zu gruselig, also musste der Wassertrog her.
      Nach fast einer weiteren halben Stunde waren wir bei den Jungpferden fertig und Kat rutschte fertig den Zaun hinab, um sich auf den Boden zu setzen. „Gott ist das anstrengend!“ meinte sie stöhnend und schüttelte sich das Stroh aus dem Haar.
      „Aber sie danken es dir.“ meinte ich lachend, als Joyce und Shawnée neugierig Kats Gesicht beschnupperten und sie sanft an der Schulter kraulten. Kat schreckte erst verzweifelt zurück, nahm es dann aber lachend hin.
      „Diese Tiere sind wirklich etwas besonderes! Ich mag ja am meisten den Goldenen dort.“ meinte Kat und deutete in Altyns Richtung. Dieser hob neugierig den Kopf, ehe er sich von uns abwand, um Prazzy und Painted Blur hinterherzujagen. Die drei Hengste liebten das riesige Gelände und erkundeten es jeden Tag aufs Neue.
      Die Stuten waren da viel vorsichtiger, besonders Rosewell und Nüsschen blieben lieber immer nahe beim Unterstand und Bluebird leistete ihnen Gesellschaft. „Eine bunte Gruppe...“ murmelte ich und ließ den Blick über die große Herde schweifen. Ganz hinten am Fluss entdeckte ich Quintesse und Limited. Die beiden Stuten waren nicht annähernd so schüchtern, sondern eher neugierig und mutig.
      Es dauerte ein Weilchen bis ich Feuervogel entdeckte und noch länger suchte ich nach Trüffel. Der kleine Welsh B Hengst verschwand regelrecht in dem hohen Gras.
      „Und wer ist das?“ fragte Kat und deutete auf eine schlanke Gestalt, welche relativ weit abseits stand und graste. „Das ist Destiny und sie ist manchmal lieber für sich alleine.“ erklärte ich und klatschte in die Hände.
      „So, genug gefaulenzt! Die anderen Pferde wollen auch noch versorgt werden!“ grinste ich, während Kat erschrocken aufstöhnte.
      Bevor wir jedoch zu den Hengsten gingen, wollte ich noch einmal nach Pina schauen. Die kleine Stute stand gelangweilt in ihrer Box und als wir kamen, bewegte sie ihre Ohren sogar einmal kurz vor in unsere Richtung.
      „Warum muss sie drin bleiben?“ fragte Kat stirnrunzelnd und trat an die Box der Stute heran. Pina zog sich direkt zurück und beobachtete uns misstrauisch. „Ich glaube kaum, dass wir sie ohne Unfall bis zur Weide und abends auch wieder zurückbringen. Ich möchte sie erst einmal wenigstens handzahm bekommen.“ meinte ich seufzend und musterte Pina – das würde noch ein langer Weg werden und ich wusste, dass nicht ich diejenige war, die ihn beschreiten sollte.
      Kurz nachdem wir den Stall wieder verlassen hatten, kam Ethan aus der Stadt zurück. „Im Diner gab es mehr als gedacht!“ meinte er grinsend und hielt seine vollen Hände hoch.
      Links hatte er drei Pappbecher in einer Pappe und rechts eine große Tüte. Kat und ich setzten uns auf die Treppe der Veranda und dankten Ethan für den Kaffee.
      „Oh ja, den brauche ich jetzt!“ seufzte Kat glücklich und verbrannte sich bei ihrer Gier direkt die Zunge. „Aua!“ fauchte sie und versuchte es nun mit pusten.
      „Ich habe uns auch was für das Abendessen mitgebracht.“ meinte Ethan und packte drei Aluteller aus. Auf jedem befand sich eine Portion Nudeln mit Bolognese.
      Während ich schon zu essen begann, schaute Kat misstrauisch auf das Essen. „Ich glaube ich dusche mich erst einmal, vorher bekomme ich keinen Bissen herunter!“ meinte sie stöhnend und verschwand im Haus.
      Ich aß noch auf und machte mich dann auf den Weg zu den Hengsten. „Brauchst du noch Hilfe?“ fragte Ethan vorsichtig nach, doch ich konnte ihn beruhigen und schüttelte nur den Kopf. Die Gesellschaft von Kat heute Morgen reichte erst einmal für die nächsten drei Tage.
      Mit der Schubkarre machte ich mich auf den Weg zum ersten Unterstand – verfolgt von Allelujah und Absinth. Den beiden Junghengsten schien gerade langweilig zu sein und ich ahnte auch schon, dass sie mir bald tierisch auf den Geist gehen würden.
      „Autsch!“ fluchte ich kurze Zeit später und hielt mir den Arm. Allelujah drehte buckelnd um und verschwand zu der kleinen Gruppe am Zaun, um diese aufzumischen. Schneeleopard und Call me a Twist nahmen ihn aber direkt in die Mangel, um ihm zu zeigen, wer der Chef war.
      „Kleiner Mistkerl...“ murmelte ich seufzend, denn Allelujah hatte den Moment meiner Unaufmerksamkeit genutzt, um mich mal wieder zu ärgern.
      Als dann aber Pajero dazu kam, huschte Allelujah davon. Mein geliebter Schecke blieb vorsichtig vor mir stehen und begrüßte mich, indem er mir ins Gesicht blies. „Auf dich ist immer Verlass.“ meinte ich lächelnd.
      Auch bei den Hengsten wurden die Unterstände frisch eingestreut und die Heunetze neu aufgefüllt. Als alles geschafft war, wollte ich den späten Nachmittag noch ein wenig mit den Pferden genießen und gesellte mich so zu Aristo und Thorondor, welche friedlich grasten.
      Dann packte mich plötzlich wieder der Tatendrang. Ich pfiff den jungen Zarin zu mir und dieser folgte mir brav bis zum Gatter, wo ich ihn aufhalftern konnte. „Komm! Wir erkunden die neue Gegend.“ meinte ich lächelnd und führte ihn in den Stall. Dort putzte und sattelte ich ihn, ehe es auch schon los ging.
      „Auf auf in neue Abenteuer!“
      Wir waren drei Stunden unterwegs und ich genoss die herrliche Ruhe in der Wildnis, für mich gab es keinen schöneren Ort. Auch Zarin war vollkommen entspannt und schritt ruhig daher.
      Natürlich durfte er sich auch einmal austoben, aber in dem neuen Gelände war er eher vorsichtig, nachdem er vor Schreck wegen eines Koyoten beinahe gestolpert und hingefallen wäre.
      Als wir wieder ankamen, holte mich der Anblick des Jeeps zurück in das Hier und Jetzt. Seufzend schwang ich mich aus Zarins Sattel, es war komisch, zu wissen, dass die Karamakovs nun eine Weile mit hier lebten, das Einsiedler-Dasein hatte mir eigentlich sehr gut gefallen.
      „Menschen bringen doch nur Unglück.“ murmelte ich zu Zarin, nachdem ich ihn zurück auf die Weide ließ. Noch einmal lief ich zum Unterstand um alles zu kontrollieren und da fand ich auch die beiden Hengste, welche ich heute noch gar nicht gesehen hatte: Doc und Pawaneeh. Kurz kraulte ich beide, ehe ich gähnend die Weide verließ.
      Für heute reichte es mir und ich warf mich schon früh auf meine Matratze. Davor versuchte ich möglichst Ethan und Kat zu umgehen, um nicht noch in ein tiefgründiges Gespräch gezogen zu werden.
      Aber anscheinend war der Tag für die beiden auch anstrengend gewesen, so dass es heute nicht mehr sonderlich viel zu sagen gab.
      Ich lag dennoch noch lange wach im Bett und dachte über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nach. Es war so viel passiert, obwohl ich noch gar nicht lange in Wyoming war, dabei hatte ich doch meine Ruhe gewollt?
      Und nun war irgendwie doch alles anders gekommen als gedacht. Ich schwankte zwischen den beiden Möglichkeiten entweder die Karamakovs schon bald wieder wegzuschicken, damit ich erneut meine Ruhe haben könnte oder es als Schicksal anzunehmen, dass sie hier waren und es sich vielleicht auch gut auf die Ranch auswirken würde.
    • Eddi
      04.03.2015 - Regen, Regen, Regen...
      Silver Creek Ranch
      Die letzten Wochen war das Wetter richtig frühlinghaft gewesen und ich hatte bereits geahnt, dass sich das nie und nimmer ewig so halten würde und ich sollte Recht behalten… Als ich heute Morgen meine Jalousien öffnete, begrüßte mich ein grauer Himmel und in kleinen Fäden regnete oder nieselte es, wie man es nahm. Seufzend schlüpfte ich in meine Reitsachen, wusch mich kurz und band die Haare dann zum typischen Pferdeschwanz zusammen, nach fünf Minuten dort draußen würden sie sich sowieso einmal um die halbe Welt kräuseln.
      Unten in der Küche erwartete mich eine ebenso unmotivierte Kat, die mir mit einem „Guten Morgen“ eine Kaffeetasse reichte. Am Tisch saß Ethan vor zwei beschmierten Toastbroten. Irgendwie schien er aber noch total zu schlafen und bekam auch meinen Versuch, ihm einen einigermaßen guten Morgen zu wünschen, gar nicht mit. Ich dankte Kat für das Lunchpaket und die Thermoskanne, welches ich beides ein paar Minuten später auf der Bande in der Halle deponierte, dass Zeug würde mir wahrscheinlich heute das Leben retten.
      Und genau so einen Tag wollte ich meinen Hengsten widmen. Dafür würde ich die Vierbeiner aber nicht auf ihrem riesigen Areal suchen müssen, denn die meisten standen in kleinen Grüppchen in den Unterstanden oder unter den Baumgruppen. Doch erst einmal wurden auch sie gefüttert und ausgiebig versorgt. Die „Stall“arbeit brachte ich auch direkt hinter mich, indem ich erst die Unterstände ausmistete und dann noch die beliebten Ecken abäppelte.
      Nachdem das geschafft war und ich trotz Regenmantel schon kalt war, schnappte ich mir Vertigo, Allelujah und Heartbreaker. Alle drei nahm ich mit in die kleine Stallgasse vor der Halle und band sie dort im trockenen an. Dann lief ich noch einmal zurück und holte noch Pajero und Call me a Twist. Die beiden gekörten Hengste durften jeweils eine trockene Box beziehen, in welcher auf sie eine Ladung Heu wartete und sie trocknen durfte, denn ich wollte sie nachher reiten.
      Dann kamen auch schon Kat und Ethan in den Stall. Erst einmal bauten wir in der Halle die kleine Springgasse auf, ehe wir die drei Ponyhengste ausgiebig putzten und dann am Zaum in die Halle führten. Ich hatte Allelujah, da er sich doch gerne mal ein wenig gebärdetete, während Ethan Vertigo hatte und Kat sich um den kleinen, aber frechen Breaker kümmerte. Ethan machte immer den Anfang, weil Vertigo am erfahrensten war. Dann schickte ich Allelujah hinterher und als letztes war Breaker an der Reihe. Irgendwann sprangen die drei auch von alleine und wir konnten in aller Ruhe zuschauen.
      Nach einer halben Stunde fingen wir sie ein, Ethan brachte sie zurück auf die Weide, während wir beiden Mädels die Gasse abbauten. Dann sattelte ich mir Call me a Twist und ging mit ihm in die Halle. Der Hengst war inzwischen gekört und deckte auch erfolgreich, aber natürlich wollte ich ihn durch Turniere auch noch ein wenig bekannter machen, also hieß es für uns trainieren! Wir gingen einige Lektionen durch und wie immer führte Twist sie mit einer klaren Präzision aus, die ich nur von ihm kannte. Zufrieden versorgte ich ihn und machte mir stattdessen Pajero fertig.
      Anfangs wollte ich auch mit ihm in die Halle, aber schnell merkte ich, dass mein geliebter Schecke voller Power steckte und so machten wir trotz des Wetters einen rasanten Ausritt und bauten allerhand Natursprünge mit ein. Pajero und ich liebten das Risiko und auch wenn wir uns zweimal fast hinlegten, jagten wir weiter durch den Regen. Danach mussten wir uns aber im Stall echt erst einmal eine Aufwärmphase gönnen, ehe er zurück auf die Weide durfte und ich weitermachen konnte.
      Als erstes holte Dr. Insektor von der Weide, putzte den Rappen kurz und longierte ihn dann circa zwanzig Minuten in der Halle, um seine Rückenmuskulatur zu fordern. Dabei kamen auch Trabstangen und Cavaletti zum Einsatz. Den gleichen Spaß machte ich danach auch noch mit Aristo, ehe die beiden Hengste eine der Boxen beziehen und sich ausruhen durften. In der Zwischenzeit hatte ich Thorondor von der Weide geholt und übte nun mit ihm an der Hand die Lektionen der hohen Schule. Niemand glaubte mir, dass der Rappe bereits 26 Jahre alt war, denn er sah nicht nur aus wie erst 10 Jahre sondern benahm sich auch so. Irgendwann konnten wir auch zur Freidressur übergehen und wie jedes Mal machte es einfach einen totalen Spaß, mit dem Hengst zu arbeiten.
      Anstrengender war dahingegen der Junghengst Zarin, der es heute echt auf jedes Späßchen anlegte. Schon beim Putzen und Satteln war er eine Nervensäge und als ihm meine aufwärmenden Lektionen zu langweilig wurden, machte er nur Unsinn unter dem Sattel. Also sammelte ich mich und forderte von ihm alles: Gangwechsel, Handwechsel, Seitengänge. Und binnen einer halben Stunde war der Hengst wesentlich ruhiger und geschmeidiger, so dass ich mit ihm arbeiten konnte. Manchmal war er einfach noch genauso anstrengend wie das kleine Hengstfohlen von damals!
      Umso entspannter war dann die Einheit mit Schneeleopard. Der Criollo arbeitete traumhaft mit, war aufmerksam und lernte sehr schnell. Insgeheim trainierte ich ihn ja für eine Körung, aber die war leider bisher noch weit entfernt. Nachdem ich nun wieder wesentlich entspannter war, konnte ich auch gut mit dem jungen Absinth arbeiten, den ich heute „nur“ an die Longe nahm und ausgiebig eine halbe Stunde arbeitete.
      Mein Vollbluthengst Pawaneeh hatte heute frei. Stattdessen bekam er nur eine ausgiebige Massage und durfte dann wieder zurück. Vor einer Woche hatte er erfolgreich seine Körung bestanden und dementsprechend hatte er jetzt erst einmal Schonfrist, denn die Vorbereitung war für uns beide hart gewesen, aber es hatte sich gelohnt! Aber nicht, dass ich damit Ruhe hatte! Nein nein… Der zweite Vollbluthengst stand bereits in den Startlöchern für seine Kür: Golden Ebano gehörte seit Februar mir und war nun auch endlich bei uns angekommen und seit seiner Ankunft trainierten wir für die kommende Körung. Sowohl Tierarzt als auch Hufschmied hatten ihn schon unter die Lupe genommen und so gesehen stand uns auch nichts mehr im Wege!
      Mehr Ruhe hatte dafür momentan unser Lewitzerhengst Piccolo’s Blaze. Nachdem die Deckzeit nun rum war, pausierte er zufrieden und genoss die Zeit auf der Weide. Ab und an arbeitete ich natürlich auch mit ihm, aber der Scheckhengst hatte bereits eine erfolgreiche Laufbahn hinter sich, so dass ich keinen Grund sah, ihn großartig zu trimmen. Ebenso entspannt lief das Leben unseres kleinen Pinochios ab. Inzwischen hatte ich Kat damit beauftragt, sich um den zwergischen Tigerschecken zu kümmern und das machte sie zu gerne. Pino brachte ihr alle wichtigen Dinge bei und so kamen die beiden echt schnell vorwärts!
      Als ich Golden Ebano nach unserem Training zurück auf die Weide brachte, dämmerte es bereits, aber der Regen ließ nicht nach. Ich war nass und hundemüde, so dass ich den beiden letzten Hengsten nur einen kurzen Besuch abstattete. Gemeinsam standen die beiden unter den großen Tannen und schienen bereits zu schlafen. Es handelte sich um Bandit und Dissident Aggressor. Bandit war inzwischen ein Weilchen hier und ich war immer noch stolz, mit welcher Leichtigkeit der Hengst seine Körung bestanden hatte, aber Dissident Aggressor konnte er damit nicht in den Schatten stellen!
      Erst vor zwei Tagen hatte der Westernhengst an einer Körung teilgenommen und dort dermaßen abgeräumt, dass ich immer noch sprachlos war. Täglich kamen nun Mails, ob ich den Hübschen nicht verkaufen würde. Das war aber auch nicht anders gewesen, als er noch nicht gekört war, doch nun stieg das Interesse noch einmal ein Stückchen an! Lächelnd kraulte ich meine beiden liebsten Hengste, ehe ich mich dann niesend verabschiedete und mir erst einmal eine heiße Dusche gönnte, ehe ich einfach todmüde ins Bett fiel und sofort einschlief.
    • Eddi
      Pflegebericht - Juli 2015

      Irgendwie war es mir ein Rätsel wie man bei der Hitze noch irgendetwas machen sollte. Die Pferde liebten inzwischen den langen Flusslauf, der über das Weideland ging. Manche standen den halben Tag drin und wenn man doch mal reiten wollte, hatte man oftmals ein verschlammtes Pferd.
      Wenn ich ritt, dann aber sowieso nur in der Frühe oder ganz schön spät abends. Heute war mal wieder ersteres an der Reihe. Tatsächlich wollte ich heute Morgen sogar drei Pferde schaffen.
      Den Anfang machte Hollybrook’s Zarin. Langsam aber sicher wollte ich den hübschen Hengst auf die Körung vorbereiten und da kamen wir nicht umhin, auch mal unter dem Sattel zu arbeiten. Schnell geputzt und gesattelt war der Hengst und heute anscheinend sogar recht motiviert.
      Noch arbeiteten wir viel an den Grundlagen, aber zur Abwechslung nahm ich auch die Seitengänge und verstärkten Gangarten mit hinein. Immerhin sollte Zarin an unserem Training Spaß haben und nicht gelangweilt das machen, was ich von ihm forderte.
      Heute lief es wirklich gut und so ritt ich den Hengst nach einer Stunde zufrieden ab und dann gab es erstmal eine erfrischende Dusche und die Portion Müsli, ehe es zurück auf die Koppel ging.
      Nächster Kandidat auf meinem Plan war Schneeleopard. Auch ihn wollte ich irgendwann gerne gekört sehen, gerade weil ich schon eine Criollostute im Stall stehen hatte, die zur Zucht zugelassen war. Schneeleopard war schon lange in meinem Besitz und wir hatten uns nie wirklich Gedanken um die Zucht gemacht, aber irgendwann kam auch das auf.
      Auf Turnieren war der Tigerschecke erfolgreich und auch unter dem Sattel lief er traumhaft, dennoch war er noch nicht weit genug für die Körung, also hieß es: Üben, üben, üben. Auch heute wieder und wieder die ganzen Lektionen. Auch Schneeleopard bekam danach eine erfrischende Dusche und sein Belohnungsfutter.
      Letzter Hengst für diesen Morgen sollte Golden Ebano sein. Endlich wollte ich mal wieder etwas für die Muskeln meines Vollbluthengstes tun, der sich so wunderbar entwickelt hatte. Fleißig lief er unter mir und besaß auch eine schöne Selbsthaltung. Ebano war auch noch recht motiviert, aber zum Ende hin hatte auch er keine Lust mehr.
      Ich versorgte auch noch ihn und dann hieß es auch schon Heuraufen auffüllen, Tränken kontrollieren, Wassercontainer auffüllen und die allbekannten Stellen abmisten beziehungsweise die Unterstände ausmisten. Takräftige Unterstützung erhielt ich dabei von Ethan und Kat und zu dritt war man dann doch gegen Mittag fertig.
      Die Mittagshitze verbrachten wir in unserem Pool. Für den hatten wir alle zusammengelegt und es hatte sich wirklich gelohnt. Ich wusste gar nicht, was ich ohne das Teil noch bei der Wärme machen würde.
      Nach dem Mittagessen war ich für einen Ausritt. Heute Abend sollte ich eine kleine Gruppe an Touristen durch unsere Gegend führen (ja, auch ich musste irgendwie Geld verdienen) und ich wollte vorher lieber noch einmal kontrollieren, ob mit der Strecke auch wirklich alles in Ordnung war.
      Kat setzte ich auf Aristo, Ethan auf Dr. Insektor und ich nahm mir Thorondor. Letzterer war zwar schon inzwischen ein altes Relikt, aber immer noch fit und so trug er mich auch heute wieder stolz durch die amerikanische Landschaft. Der Weg war wirklich wie geschaffen und man kam an vielen Wasserstellen vorbei, die für eine Pause einluden. Perfekt!
      Bevor ich mich jedoch den fremden Menschen würde widmen müssen, kam noch ein Neuankömmling aufs Gestüt. Vor kurzem hatte ich mal wieder Siobhan in Schottland besucht und auch ein kleines Mitbringsel mitgenommen, beziehungsweise kam das jetzt an.
      Es handelte sich um einen Hengst, ein schweres Warmblut, namens Albertino. Er war sogar schon gekört und deshalb das wunderbare Gegenstück zu Wita und so hatte ich nicht nein sagen können!
      Der Fuchs wurde uns gebracht und durfte sich dann erst einmal alleine auf der kleineren Weide einleben und sich an das doch andere Wetter gewöhnen. Die Nacht würde ich ihn in den kühlen Stall bringen und dann mal schauen wie er sich einleben würde.
      Albertino hatte ich ein wenig betüddelt und geputzt, aber dann wurde es auch schon Zeit, gemeinsam mit Ethan die Pferde für den Ritt zu holen. Wir hatten tatsächlich fünf Touristen, die reiten wollten. Ich hatte entschieden, dass wir sie zu zweit begleiteten: Ich vorneweg und Ethan als Katzenauge hinterher.
      Kat blieb derweil auf der Ranch. Sie kümmerte sich um die Bezahlung und Versorgung der Touristen. Na das würde lustig werden…
      Ethan und ich holten die sieben Pferde von der Weide. Da die Stuten heute frei hatten, waren wir mit Hengsten unterwegs. An sich eventuell ein waghalsiges Manöver, wer aber unsere Hengste kannte, wusste, wie sicher das war.
      Ethan setzte ich auf Call me a Twist und ich nahm mir Dissident Aggressor. Beide Hengste machten etwas her und würden die Ponybande gut unter ihre Fittiche nehmen. Die bestand im Übrigen aus Absinth, Bandit, Hugo Boss, Carachillo und Hýreygur.
      Da wir die Pferde lieber selber fertig machten (sonst landete ein Sattel noch verkehrtrum auf dem Pferd), waren diese auch schon fertig, als die Touristen kamen. Kat hatte alle mit Helmen ausgestattet und sie belehrt, also hoffte ich einfach, dass es klappen würde. Es waren drei Frauen und zwei Männer, eigentlich jedes Alter war vertreten und der Ausritt wurde besser als gedacht.
      Alle Reiter hatten angegeben, dass sie fortgeschritten waren und das waren sie auch und so konnten wir einen herrlichen Ausritt machen, bei welchem ich mir auch keine Gedanken um meine Pferde machen musste. Die waren wirklich in guten Händen.
      Wir machten auch allerhand Pausen und ich konnte viel über unser Gebiet erzählen, was die Touristen auch sichtlich ansprechend fanden. Zu Hause halfen sie dann alle bei der Versorgung der Pferde und als „Belohnung“ gab es von Kat dann Sandwiches und kühle Limonade. Ich glaube aus der Geschäftsidee würde doch noch was werden.
      Eigentlich war ich dann schon fertig mit der Welt, aber leider noch nicht mit den Pferden. Am Abend ritt ich noch meine beiden Junghengste Allelujah und Monster Delusion. Mit Pajero ging ich auf unsere Geländestrecke. Der große Schecke musste dringend mal wieder ein wenig Dampf ablassen und da war Military genau das Richtige.
      Dann machte ich noch einen letzten Ausritt mit Pawaneeh, bei welchem ich den kleinen Heartbreaker als Handpferd mitnahm. Die beiden Schimmel benahmen sich wirklich wunderbar und ich konnte den Abend genießen. Wir bekamen sogar eine kühle Dusche von oben, denn plötzlich fing es an wie aus Eimern zu gießen.
      Spät am Abend verließ ich mit Kat noch einmal das Haus und wir putzten Pinochio, Hoppla und Window. Unsere drei kleinsten Hengste. Als dann auch die betüddelt waren, hatte ich alle Hengste für den heutigen Tag geschafft und Morgen würde der ganze Stress wieder von vorne anfangen. Die To-Do-Liste war schon lang genug: Zäune kontrollieren und reparieren, den Flusslauf abreiten, Weiden instand halten et cetera.
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  • Album:
    Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Eddi
    Datum:
    14 Juli 2013
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    20
  • Name: Schneeleopard
    geboren: 2003

    aus: Nayala
    von: Schneebär


    Rasse: Criollo
    Geschlecht: Hengst
    Farbe: Tigerschecke
    Stockmaß: 150 cm

    Beschreibung:
    Schneeleopard ist ein reinrassiger Criollo. Besonders überzeugt er mit seiner seltenen Tigerscheckung und dem außergewöhnlichen Talent für Western Pleasure, Trail und Reining. Leo besitzt einen natürlichen flach auffußenden Walk, einen weichen, aber raumgreifenden Jog und einen Lope der an ein rhythmisches Wunder grenzt. Insgesamt könnte Leo als Zucht- wie als Turnierpferd sehr interessant werden.

    Ersteller: sweetvelvetrose
    Besitzer: Eddi
    Vorkaufsrecht: sweetvelvetrose

    Western S***


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    1. Platz 47. Westernturnier
    3. Platz 69. Westernturnier
    3. Platz 248. Westernturnier
    3. Platz 296. Westernturnier
    2. Platz 297. Westernturnier
    3. Platz 307. Westernturnier
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