Rhapsody

Samarra *

Trakehner -- im Besitz seit 09/2019 -- Ata ee

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Samarra *
Rhapsody, 9 Sep. 2019
Elii und Canyon gefällt das.
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      Alte Pflegeberichte
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      Return of an old friend
      April 2017 -- Canyon

      Nico » "Welcome back Sweetie!" Charly breitete die Arme aus und man konnte sehen, wie sehr ihr diese Stute gefiel. Sie strahlte übers ganze Gesicht und selbst ihre braunen Augen verkündeten die Vorfreude, welche sie beim Anblick der Stute in ihr verbreitete. Nico stand neben ihr, auf dem Arm dem kleinen Bart, welcher munter das Pferd vor ihm anstarrte.
      "'Back' ist in dem Fall der falsche Ausdruck, immerhin war Samarra noch nie bei uns."
      "Das nicht, aber es fühlt sich so an, als wäre eine längst aufgegebene Freundin endlich zurück nach Hause gekehrt. So lang' haben wir auf unsere kleine Sammy gewartet und nun steht sie endlich vor uns!"
      "So langsam habe ich das Gefühl, dass du auch Interesse an Warmblütern entwickelt hast. Sag' Schatz, wie kommt's?"
      Charly boxte Nico in die Seite, Samarra fand dies allerdings gar nicht witzig und machte einen Ausweichschritt zur Seite, sodass Charly sie erst einmal wieder beruhigen musste. "Du weißt ganz genau, dass ich auch die deutschen Warmblüter mag, ich mag nur nicht den blöden englischen Sattel unterm Hintern. Aber ansonsten sind das genauso schöne Tiere, vor allem unsere Sammy hier-" Sie stockte einen Moment und blickte die dunkle Fuchsstute nachdenklich an. "Dass aus Bijou und Shari so ein Fohlen rauskommt, das hätte ich nicht gedacht. Bist du dir sicher, dass man die Eltern nicht aus Versehen verwechselt hat?"
      Nico rollt mit den Augen und antwortet nicht auf Charlys Frage. Bevor das Gespräch weitergehen konnte, kam Malte hinzu. Er rieb seine dreckigen Hände an der Stallhose ab und blieb dann auf der anderen Seite von Charly stehen. Alle drei schauten sich die am Stalltor angebundene Samarra an.
      "Die ist aber hübsch", meinte auch Malte zu Charly gewandt, während er Nico befließend ignorierte. "Die Abzeichen sind der Hammer! Ist das die Tochter von Jou und Shari?"
      Charly nickte. "Ein wahres Prachtexemplar, nicht?"
      "Ok Freunde!" Nico beendete das ihm eintönig erscheinende Gespräch abrupt. "Genug. Ich bringe die Wunderstute jetzt in ihre Box!" Er drückte den plötzlich zu nängeln anfangenden Bart in Charlys Arme, löste dann Sammys Strick vom Hacken an der Wand und führte die unruhig tänzelnde Stute in den Stall hinein. Samarra hatte das letzte Jahr in England ein ausführliches Training erhalten, welches natürlich auch das Einreiten beinhaltete. Nun war es soweit, dass sie in ihrem neuen Zuhause zusammen mit den anderen Pferden trainiert und auf Turnieren vorgestellt werden würde. Samarras Box lag gleich neben der ihrer Mutter und auch wenn sie diese schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatte, wurde auch Shari unruhig, als die zierliche ihr so unähnlich sehende Tochter neben ihr einzog. Es schien, als wüsste sie genau, dass sie dieses Pferd aufgezogen hatte und wahrscheinlich war dies auch der Fall. Samarra war angekommen und vielleicht hatte Charly wirklich recht und sie war das fehlende Puzzleteil gewesen, um alles komplett zu machen.

      Bereits zwei Tage später stand Samarra glücklich und zufrieden mit Mutter Shari und Colour Splash auf der Weide. Nico versuchte beharrlich auch die beiden anderen Stuten Seattle's Scarlett und Sweet Prejudice mit dem Neuankömmling bekannt zu machen, jedoch wehrte sich die eigensinnige Judi gegen das neue Mitglied. Ihre Weide lag gleich neben an, sodass sie jeder Zeit Blickkontakt haben konnten, Fortschritte gab es jedoch nur geringe. Auch Petyr, Vuyo und die Restlichen vom Hof waren von der neuen Stute begeistert. "Der perfekte Misch aus den Eltern", war Teodors Kommentar zu Charly, als sich die beiden begegneten und selbst Tjarda, welche sich nicht mit Pferden auskannte, verfolgte Nicos Handgriffe unentwegt und das musste was bedeuten.

      "Welcome back!" Meinte schlussendlich wenige Tage später auch Nico. Auch er hatte die Stute ins Herz geschlossen und er musste zugeben, dass Charly gar nicht so unrecht gehabt hatte. Nico hatte gerade die beiden Hengste Phenomenon und Volente von der Weide geholt und hatte kurzerhand vor Sammys Box Halt gemacht. "Welcome Sammy."
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      Tierarztbericht - Horse Heaven
      April 2017 -- Möhrchen

      Gegen Abend machte ich mich auf den Weg auf die Tyrifjord Ranch. Nicolaus hatte mich vor einigen Tagen angerufen und um einen Termin gebeten. Er wollte mir seine eigene Stute Samarra, aber auch zwei andere Stuten des Hofes verstellen, dessen Besitzer selbst nicht dabei sein konnten.
      Als ich auf den Hof fuhr, wusste ich bereits, wo ich hin musste. Die Pferde waren schon in den Boxen und mümmelten zufrieden ihr Heu. Nicolaus war am Ende der Stallgasse gerade dabei, sein Sattelzeug zu fetten. Er kam auf mich zu und begrüßte mich, nach all den Terminen kannten wir uns inzwischen gut. Nachdem wir kurz geschnackt hatten, hole er die erste Patientin für heute.
      Seine Warmblutstute Samarra war heute die erste. Ich hielt ihr die Hand hin und sie schnupperte interessiert daran. Ich streichelte ihre Stirn und ihren Hals, bevor ich anfing, mir ihre Augen und Ohren anzuschauen. Sie war brav und hielt still, auch, als ich ihr Maul leicht öffnete, um einen Blick auf ihre Zähne zu werfen. Ich lobte sie und tastete mich dann über den Hals weiter zum Rücken vor. Ich tastete jeden einzelnen Wirbel ab, und Samarra zeigte keinerlei Schmerzen. Sie schaute mir aufmerksam dabei zu, wie ich jeden einzelnen Huf anhob und ihre Gelenke an den Beinen kontrollierte. Es sah alles wunderbar aus. Ich löste den Strick und bog ihren Hals einmal nach links und einmal nach links. Dann führte ich die auf der Stallgasse eine kleine Volte in jede Richtung. Alles sah geschmeidig und locker aus, ich war sehr zufrieden. Zum Schluss hörte ich ihr Herz, ihren Bauch und ihre Lunge ab. Auch hier: alles in Ordnung. Vor lauter Euphorie ließ ich mein Stethoskop fallen und Samarra erschreckte sich so sehr, als wäre gerade ein Felsbrocken zu Boden gefallen. Beruhigend streichelte ich der schnaubenden Stute den Hals und zeigte ihr das Stethoskop noch einmal. „Tut mir Leid Süße, aber so laut war es nun auch wieder nicht...“ Nicolaus lachte: „Typisch Samarra!“. Als sie sich wieder beruhigt hatte, verpasste ich ihr noch eine Impfung, was sie im Gegensatz zu dem leisen Geräusch sehr vorbildlich und brav geschehen ließ. Nicolaus brachte die Stute zurück in seine Box und kam wenig später mit der nächsten Patientin zurück.
      Blazing Flame war eine kleine gescheckte Reitponystute. Auch ihr streckte ich zur Begrüßung meine Hand entgegen, aber anstatt an ihr zu schnuppern, wollte sie direkt hinein zwicken. Erschrocken zog ich die Hand zurück. Schon hatte die Stute den Reißverschluss meiner Jackentasche zwischen den Zähnen und spielte damit herum. „Na du bist ja ein Clown...“, lachte ich und Nicolaus hatte alle Hände voll zu tun, ihre Nase von sämtlichen Dingen fern zu halten. Ich fing wieder damit an, mir ihre Augen und Ohren anzuschauen. Anschließend waren Nüstern, Zähne und Schleimhäute dran. Soweit war schon mal alles ok. Ich tastete ihre Rücken- sowie Halswirbel und ihre Beingelenke ab. Flame war ununterbrochen damit beschäftigt, sich irgendwelche Dinge zum rumspielen zu suchen. Erst stand sie einen Ticken zu dicht an meine Tierarzttasche und wollte sie ausräumen, dann knabbelte sie an meiner Jacke herum und hatte im nächsten Augenblick ihren Strick zwischen den Zähnen. So eine Untersuchung schien ihr eindeutig zu langweilig zu sein. Ich führte auch sie ein kleines Stück auf der Stallgasse hin und her, stellte und bog sie in alle Richtungen. Sie war zwar sehr unkonzentriert und achtete nicht sehr gut auf mich, aber ihre Muskulatur fühlte sich weich und gleichmäßig an. Zum Abschluss hörte ich sie noch ab, wo ich auch nichts Auffälliges feststellen konnte, dann konnte ich auch schon die Impfung aufziehen. Nicolaus lenkte sie vorne ab, aber da sie schon wieder vollkommen mit ihrem Strick beschäftigt war, bekam sie den kleinen Pieks nichtmal mit. Ich steckte ihr zur Belohnung ein Möhrchen zu und Nicolaus entließ sie zurück in ihre Box.
      Nun war als letzte Patientin Scarlett dran. Die gescheckte Trakehnerstute war wunderschön und ich verliebte mich sofort in ihren sanften Blick. Im Gegensatz zu Flame schnupperte sie interessiert an meiner Hand und stupste mich dann sofort mit der Nase an. Als ich anfing, ihre Stirn zu kraulen, legte sie den Kopf auf meinem Arm ab und ihre Augen wurden immer kleiner. Ich war sofort schockverliebt. Auch bei der Untersuchung verhielt sie sich sehr aufmerksam und artig. Sie ließ mich brav in ihre Augen und Ohren schauen, öffnete bereitwillig das Maul und gab mir alle vier Hufe noch bevor ich sie selbst anheben konnte. Solche Patienten hatte ich selten. Ich tastete noch ihren Rücken ab, wobei sie zwar etwas zappelte, aber trotzdem die meiste Zeit still stand. Dann führte ich auch sie ein kleines Stück die Stallgasse hinauf und hinunter und einige kleine Volten. Sie war sehr aufmerksam und befolgte jedes Kommando. Und auch sonst sah alles wunderbar aus, ihr ging es offensichtlich gut. Ich hörte zuerst ihr Herz, dann ihren Bauch und ihre Lunge ab und dann hatte sie die Untersuchung auch schon hinter sich. Ich holte die Impfung aus meiner Tasche und zog die Spritze auf. Ich hielt ihren Kopf leicht zur Seite, suchte mir die richtige Vene und setzte die Spritze. Sie zuckte kurz zusammen, blieb aber wie eine eins an Ort und Stelle stehen. Ich lobte sie und gab ihr ein Leckerli. Dann gab es noch eine kurze Kuscheleinheit, bevor Nicolaus sie wieder zurück in ihre Box brachte. Am liebsten hätte ich sie eingepackt...
      Ich trug die Impfungen in die Pässe aller drei Pferde ein und gab sie Nicolaus zurück, dann begleitete er mich zurück zu meinem Auto. Es war in der Zwischenzeit dunkel geworden und es regnete, daher beeilte ich mich, zurück nach Hause zu kommen.
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      Das mysteriöse S
      Mai 2017 -- Canyon

      Malte » »Haha Malte schau‘ dir das mal an!« Petyr verfiel ohne Vorwarnung in einen Lachanfall. »Les‘ dir mal die Namen der Stuten durch.« Meinte er, während er sich immer noch den Bauch hielt. Er reichte mir einen Zettel, auf welchen uns Charly gestern vor ihrer Abreise die Fütterungsmengen für Nicos Pferde notiert hatte. Als ob ich die nicht bereits kannte. Auf diese Liste warf ich nun einen Blick, verstand jedoch nicht ganz, was Petyr von mir wollte. Verständnislos blickte ich ihn an. »Ja und?«
      »Na ließ mal, du Pflaume!«
      »He! Nenne mich nicht Pflaume!« Wieder versuchte ich den Sinn von Petyrs Lachanfällen auf dem verschmutzten und zerknitterten Stück Papier zu finden. Ich zuckte mit den Schultern und reichte Petyr den Zettel zurück. »Kein Plan was du meinst.«
      Petyr atmete tief durch, verdrehte die Auge und setzte dann zu einem Erklärungsversuch an. »Wenn man Witze erklärt, sind sie nicht mehr witzig.« Meinte er genervt. Dann blickte er in mein verständnisloses Gesicht und gab sich geschlagen. »Schau her«, meinte er und deutete auf den ersten Namen. »Die neue Stute heißt Shyvana. Sharis Fohlen heißt Samarra. Sweet Prejudice und Seattle‘s Scarlett stehen genau darunter. Colour Splash nenne wir immer Splash und sollten mich meine Ohren nicht getäuscht haben, hat Nico letztens eine Stute namens Sawanna gekauft.« Er grinste mich breit an. »Meinst du, dass das Absicht ist?
      Ich zog meine verwirrt Augenbrauen nach oben. »Was meine ich, was Absicht ist?«
      »Alter Malte! Willst du mich verarschen oder ist deine Leitung wirklich so lang, wie du vorgibst?« Petyr mochte es gar nicht, wenn niemand verstand, warum er lachte. »Alle Stutennamen fangen mit „S“ an und viele klingen verdammt ähnlich! Shyvana – Sawanna – Samarra!«
      Ich verzog angewidert mein Gesicht. Und ich hasste es, wenn jemand mir so direkt ins Ohr schrie. »Und was ist daran dein Problem? Phenomenon, Volente und Bijou fangen ja nicht mit deinem mysteriösen „S“ an und der kleine Royal Champion auch nicht, welchen ich übrigens ziemlich niedlich finden würde, würde er nicht ausgerechnet Nico gehören.«
      »Argh!« Brüllte Nico und drückte mir das mittlerweile hoffnungslos zerknüllte ehemals genanntes Stück Papier in die Hände. »Ach vergiss‘ es!«
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      Ein Brief an dich
      Mai 2017 -- Canyon

      Charly » Liebste Mio
      Da du mittlerweile weder per Telefon, noch per Skype oder gar per E-Mail erreichbar bist, muss es nun also über den langen Weg gehen, nämlich per Post. Die Vorstellung ist witzig, dass dieser Brief einen weiteren Weg zurücklegen wird, als ich es je getan habe und das für wenige Euro.
      Seit mittlerweile mehreren Monaten herrscht Funkstille. Was ist nur passiert? Was ist mit der alten Zeit geschehen? All die Jahre, in denen du mir nie von der Seite gewichen bist, verweht vom Winde. Ich konnte dich gut verstehen, aber mittlerweile ist eine lange Zeit seit dem vergangen. Ich will meine beste Freundin nicht verlieren!
      Allerdings will ich dir nicht schreiben, um dich mit Vorwürfen zu bewerfen. Ich brauche dich, dich meine Freundin und ich hoffe, dass du mir die Ehre erweist und diesen Brief nicht ignorierst. Es ist mein letzter Versuch, das Alte zu erhalten und trotzdem neu zu beginnen.
      Bei uns auf der Tyrifjord Ranch hat sich in den letzten Monaten so einiges getan. Wir sind gewachsen und gewachsen, haben unsere Können bewiesen und erste Fohlen gezogen. Die Ranch würde dir gefallen, glaube mir. Ich weiß, dass du in Nevada glücklich bist, aber auch Norwegen ist etwas ganz besonderes.
      Bart kann mittlerweile von einer Box zu nächsten laufen und vor allem die Katzen haben es ihm angetan. Endlich kann er zu ihnen ins Heu krabbeln und sich auf die Kleinen stürzen. Capucine hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass auch Asuka einen Platz im Schlafzimmer hat, auch wenn alles auf dem Bett ihr gehört und sie dieses Gebiet agribisch verteidigt.
      Seit Weihnachten habe ich endlich einen Ersatz für meine geliebte Anaba gefunden. Es war ein Geschenk des ganzen Hofes und ich kann mich an kein Weihnachten erinnern, welches so überraschend für mich war. Striga ist noch jung und ziemlich unerfahren, jedoch habe ich endlich wieder ein Pferd gefunden, welches es mit meiner heiß geliebten Anaba aufnehmen kann.
      Auch Nico hat endlich etwas gefunden, was ihn antreibt. Mittlerweile beherbergen wir auf unseren Hof sechs Warmblüter für den Vielseitigkeitssport. Nicos Auswahl: Nur Pferd mit Macke ist Pferd. Vielleicht kennst du Bijou noch. Kurz vor Weihnachten zog seine Freundin Shari ein und kurz darauf auch schon Colour Splash. Beide Stuten sind nicht nur hübsch, sondern auch ziemlich zickig, zeigten jedoch von Anfang an Talent. Die Krönung wollen wir auch nicht mehr lange hinauszögern, nur fehlte uns bis jetzt die Zeit für die Reise. Shari ist mittlerweile trächtig und du glaubst es nicht, aber Nico sprüht nur so vor Vorfreude!
      Seit einigen Tagen kamen dann auch die letzten drei Sportpferde hinzu. Unsere gemeinsame Freundin Bracelet überließ Nico ihren Hengst Deo Volente und wir nutzten die Chance, sie gleich in Schweden zu besuchen. Nicos größtes Heiligtum: Ghostly Phenomenon. Du weißt gar nicht, wie er aus dem Häuschen war, als das Pferd seiner Träume dann endlich in unserem Stall stand. Meine Freude hielt sich etwas in Grenzen, so hübsch er auch ist, es wird eine Menge Arbeit kosten, ihn auszubilden. Über Sweet Prejudice kann ich dir leider noch nicht so viel erzählen, interessant ist das einzige, was mir zu ihr einfällt.
      Ach Mio, wie sehr vermisse ich deine Stimme und wie sehr hoffe ich, dass es dir gut geht! Irgendwann komme ich dich besuchen meine Kleine, irgendwann. Vielleicht nehme ich Malte mit, auch er wollte schon immer einmal Wildpferde sehen. Ich glaube, mit Malte würdest du dich gut verstehen, er ist ein guter Freund.
      Habe ich dir schon erzählt, dass Bella und ihr, mittlerweile Ex-Freund, Robin nach Norwegen gekommen sind? Es gab einige Komplikationen in Dänemark und ich glaube, mittlerweile ist auch Bella mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie hat ziemlich oft nach dir gefragt, sagen konnte ich ihr leider nicht sehr viel.
      Leider gibt es auch schlechte Neuigkeiten. Grenzfees Hufehe haben sich wieder bemerkbar gemacht, sodass sie nun wieder in der Box leben muss. Ich habe so gehofft, dass sie es für immer überstanden hat... Damit sie nicht alleine ist, steht nun auch Teufelstanz wieder im Stall. Ich hoffe jedoch auch, dass wir diesmal früh genug eingegriffen haben und der Tierarzt bis zum Beginn des Frühlings wieder grünes Licht für die Weide gibt.
      Außerdem ist vor wenigen Tagen Nicos Vater gestorben. Ein Autounfall, ich will nicht tiefer ins Detail gehen, es weckt zu viele Erinnerungen. Unerwartet hat Nico den Großteil des Vermögens geerbt und auch wenn noch nicht genau geklärt ist, wie viel es sein wird, kann dies ein weiterer Schritt für uns sein! Du weißt, von Nicos Vater habe ich nie viel gehalten und auch Nicos Verbindung war nie allzu tief, aber er trauert doch ganz schön. Gestern früh habe ich ihn nach Drammen zum Flughafen gebracht, mittlerweile sollte er gut gelandet sein. Er will sich bis zum Abend bei mir melden.
      Ich weiß nicht, was in Zukunft auf uns zukommen wird, aber ich bin mir sicher, dass es ziemlich spannend wird!
      Es tat gut dir zu schreiben, auch wenn ich nicht weiß, wann und wo er dich erreicht. Vielleicht sinkt das Schiff oder das Flugzeug stürzt ab, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich genau: Ich will dich nicht verlieren.
      Von ganzem Herzen,
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Ich empfing deinen Brief gestern Abend mit großer Verwunderung. Hast du jemals vorher einen Brief geschrieben?
      Du hattest Glück, dass ich ihn noch erhalten habe, denn mittlerweile sollte ich auf dem Weg nach Utah sein. Sei mir also nicht böse, wenn meine Antwort aus Zeitgründen ziemlich knapp ausfällt.
      Ich freue mich sehr von dir, deiner Familie und den Pferden zu hören und sobald ich die Zeit finde, werde auch ich dir berichten, weshalb ich in den letzten Monaten eine so unzuverlässige Freundin gewesen war. Ich hatte wichtige Gründe und ich bin mir sicher, dass du sie verstehen wirst.
      Fühle dich gedrückt,
      Mio

      Charly » Liebste Mio
      Es erwärmte mir dein Herz, das kleine Stück Papier von dir in den Händen halten zu dürfen. Dir geht es also gut, das ermöglicht mir meine erhoffte Erleichterung. Und ja, vor wenigen Jahren schrieb ich einen Brief an meine Großmutter, obwohl ich leider zugeben muss, dass dieser nie ankam.
      Viel verändert hat sich bei uns noch nichts. Noch nicht. Gestern kam Nico ziemlich erschöpft aus London wieder. Ich merkte jedoch sofort, dass ihn etwas anderes beschäftigte, was nicht mit seinem Vater zu tun hatte. Am Abend unterbreitete er mir dann seine Idee: Ein neues Gestüt. Diese Vorstellung passte gerade so überhaupt nicht in mein Leben. Ich bin hier doch glücklich? Unsere kleine verträumte Ranch mitten am See. Aber Nico schwärmte so sehr von einem internationalen Sportgestüt, einer kleinen Zucht und einer eigenen Reitschule, dass ich ihm nicht lange widersprechen konnte. Er meinte, dass wir jetzt das Geld und die Kraft hätten, dies zu tun und wer weiß, wann dies nochmal der Fall sein sollte.
      Ach Mio, so viel Veränderung, schon wieder! Bereits heute morgen ist er in seinen Wagen gestiegen und gen Norden gefahren. Zurückgekommen ist er noch nicht. Ich spüre die Entdeckungslust und die Vorfreude in mir. Es wäre wieder ein Umzug für die Pferde, aber diesmal ein endgültiger, das steht für mich fest!
      Aber was rede ich da. Erst einmal muss ein Ort gefunden werden und das Gestüt muss gebaut werden. Das wird dauern, ziemlich lange dauern.
      Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Malte hat sich in den letzten Tagen intensiv mit Prejudice beschäftigt und versucht, die eigenwillige Stute besser kennenzulernen. Ein bisschen mag ich sie mittlerweile ja auch, sie hat etwas besonnenes an sich, vor allem dann, wenn sie auf der Weide ist. Sie scheint das Leben abseits des Stalls zu lieben und plötzlich eine ganz andere zu sein.
      Rubina steht kurz vor der Geburt des Fohlens. Nico leidet darunter, dass er sie und seinen Marid in den nächsten Tagen unbedingt trennen muss, er hat es schon viel zu lang hinausgezögert.
      Weißt du, ich glaube Excelsior und Jeanie vermissen dich immer noch. Ich habe eine gute Reitbeteiligung für beide gefunden und Vuyo tut sein bestes, die beiden zu beschäftigen. Er gibt jetzt hin und wieder Reitunterricht und scheint voll in seinem Element gelandet zu sein. Den Pferden scheint es zu gefallen und auch von den Schülern bekommen wir nur positive Rückmeldungen. In der Hinsicht wäre es gar nicht so schlecht, auch die Reitschule zu erweitern. Allerdings bräuchten wir dazu noch einige weitere Pferde. Nur Abs, Milosch, Jeanie und Exel sind einfach zu wenig. Zum Glück haben wir die Befugnis, auch noch Elliot ab und zu einzusetzen und der junge Braum macht immer größere Schritte in Richtung Schulpferd. Trotz seines unerfahrenen Alters fliegen dem Süßen die Mädchenherzen nur so zu! Er suhlt sich richtig in der Aufmerksamkeit. Aber ich muss wirklich zugeben, dass er ein hübscher Kerl geworden ist.
      Du glaubst es nicht, aber letztens hat Nico tatsächlich nach dem Verkauf eines Pferdes geweint. Das Pferd hieß Eik und auch ich habe den großen Kerl geliebt. Allerdings mussten wir einsehen, dass wir uns etwas überschätzt hatten, was ihn betraf. Er war echt ein guter Kerl, jedoch brauchte viel Aufmerksamkeit und die konnten wir ihm leider nicht geben. Immerhin haben wir mit Worgait, Marid und Co bereits so einige Pferde, welche es nicht scheuen, ihre Meinung offen kundzutun. Aber natürlich gibt es auch andere Kunden. Unsere drei Vollbluthengste Golden Ebano, Valentines Alysheba und Osgiliath haben sich gesucht und gefunden. Die drei bleiben mittlerweile auch über Nacht, wenn die Temperaturen nicht in den Minusbereich sinken, auf der Weide und verstehen sich trotz ihrer Hengstmanieren prächtig. Ach Mio, wie sehr wünschte ich dich zu mir. Bei einem Glas Wein auf der Veranda könnten wir uns unsere Geschichten austauschen, lachen und das Leben genießen. Es fällt mir schwer, ohne eine Freundin wie dich, das Leben vollkommen zu lieben. Klar, mit Tuva verstehe ich mich sehr gut und es hat nicht lang gedauert, bis wir bemerkten, dass wir den selben Alkoholgeschmack teilen, aber sie ist nur eine Freundin.
      Ich will deine Zeit nicht allzu sehr verbrauchen, aber es freut mich, dass wir nun einen Weg gefunden haben, unsere Freundschaft aufrechtzuerhalten.
      Die wärmsten Grüße,
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Wieder habe ich dich warten lassen. Allerdings sind wir erst vor wenigen Tagen aus Utah zurückgekehrt und wie du dir vorstellen kannst, ist der Weg nach Vegas zum nächsten Briefkasten nicht der kürzeste. Da ich heute morgen jedoch für uns einkaufen war, habe ich gleich die Chance genutzt und den Brief auf die Reise geschickt.
      Irgendwo in deinen Worten versteckt sehe ich noch die alte Ranch, welche wir beide zusammen entstehen lassen. Saint Gorge, wenige Boxen, nur ein alter Reitplatz, dafür das Meer gleich vor den Füßen. Warum ist es euch beiden so wichtig geworden, alles immer größer werden zu lassen? Gibt es nicht bessere Möglichkeiten so viel Geld einzusetzen?
      Es freut mich allerdings zu hören, dass auch meine liebste Bella den Weg zu euch gefunden hat. Richte ihr die liebsten Grüße aus! Vielleicht werde ich mich in den nächsten Tagen mal bei ihr melden. Hast du auch etwas von Linn gehört? Wie geht es ihr auf Island?
      Addison versucht mich ständig dazu zu überreden, dass wir euch mal besuchen kommen. Er möchte dich und natürlich auch die Pferde selbst einmal kennenlernen. Ich bin noch nicht soweit Charly, noch nicht. Lass mir die Zeit, lass mich abschalten, lass mich wer anders sein. Nevada und die Mustangs geben mir all das, was ich so lange gesucht habe. So lang. Ich will es noch nicht hergeben oder teilen, erst wenn ich all das schöne hier in mir aufgesogen habe. Verstehe mich bitte.
      Der kleine Kuckunniwi entwickelt sich prächtig. Endlich hat Anaba ihn freigegeben. Ich merke die Veränderung die er gerade durchlebt, merke, wie er sich und seine Freiheit findet und wie sehr Anaba ihn liebt. Fast schmerzt es mich, dass sie mich nicht an ihn heranlässt, aber wir wollten es ja so. Er sollte so aufwachsen, wie es die Pferde auf den weiten Weiden Amerikas tun sollten.
      Für Hidalgo, Morrigans Hidalgo, und Chosposi tut es mir Leid, dass sie aufgrund ihres Hengststatus nicht mit zu den anderen Pferden dürfen. Dafür haben sie sich beide und die Verbindung zu ihnen hat sich in letzter Zeit um einiges verstärkt.
      Du glaubst es nicht, aber Varys und Imagine There's No Heaven sind mittlerweile, du wirst es nicht glauben, ausgewachsen. Zusammen mit Triumph genießen sie die Jugend, auch wenn Addi vor hat, im Sommer anzufangen sie jedenfalls etwas auszubilden.
      Ach ja, Addi, er ist ein guter Freund für mich geworden. Wir sind uns näher, als ich mich jemals bei einem Menschen gefühlt habe, näher als Shadow mir je gewesen war und doch sind wir kein Paar. Wir sind Gefährten, welche zusammen das tun, was sie für richtig erhalten. Wir wollen die Wildpferde erhalten und die Menschheit davon abhalten, diese wunderbaren Tiere wie Müll zusammenzutreiben, wieder auseinanderzureisen und dann auf dem ganzen Erdball zu verteilen.
      Wenn wir einmal bei diesem Thema sind, so werde ich dir gleich erzählen, was ich in Utah zu suchen hatte. Eine Freundin von Addi rief an. Sie meinte, dass sie ein komisches Paar entdeckt hatte. Ein weißer Hengst und eine junge braune Stute, verletzt. Amy, seine Freundin, erzählte, dass die beiden neu in der Gegend sind und es so schien, als wären sie extra so nah an die Auffangstation gekommen, um Hilfe zu suchen. Anfänglich wusste ich nicht, was Addi so in Aufregung versetzte. Ich sollte ihm vertrauen und da ich das sowieso tat, vertraute ich ihm. Erst im Nachhinein, nachdem Hengst und Stute mithilfe von Addi eingefangen wurden, erzählte er mir die ganze Geschichte. Vielleicht werde ich dir die Geschichte auch irgendwann erzählen können, heute würde der Brief jedoch zu lang werden. Es war ein Abenteuer pur und auch jetzt, nachdem beide Pferde wohlbehalten auf einer Weide bei uns stehen, fühle ich immer noch das Adrenalin der Freiheit in meinen Adern pochen. Für dich wird es unverständlich sein, für mich war es das Beste, was mir je passiert ist. Der Hengst heißt Cloud, während seine hübsche Freundin den Namen Zonta trägt. Ihre Beine schienen von einem Zaun verletzt wurden zu sein, in welchem sie sich verfangen hatte. Obwohl sie viel Blut verloren haben muss, steht sie immer noch sicher auf allen Vieren und lässt sich nichts anmerken. Anbei schicke ich dir ein Bild von den Beiden, damit du die Schönheit verstehen kannst, welche sie ausstrahlen.
      Ich habe dir auch noch nicht erzählt, dass seit einiger Zeit ein Paint Horse bei uns wohnt. Vielleicht hast du schonmal von ihr gehört. Sie stand lange bei Rachel und später bei Verena, welche ja auch... du weißt es ja, ich muss es nicht erwähnen. Raised from Hell steht deswegen zusammen mit Addis My Canyon und Battle Cry auf einer Weide und auch wenn Canyon oft genervt von Raised ist, hat sie sich hier doch ganz gut eingelebt. Ich bin gespannt, wie sie allerdings im Sommer mit den Temperaturen zurecht kommen wird.
      Ansonsten gibt es auch hier nicht allzu viel neues. Chill und Buck sind von der Schule genervt und Heather ist immer noch eine bemerkenswerte Frau. Sie hat es uns ermöglicht nach Utah fahren zu können und hat Tag für Tag alleine die Pferde versorgt. Zum Glück sind unsere drei Jüngsten, Dawn, Time In A Bottle und Kwatoko, mittlerweile soweit, auch einige Tage alleine überleben zu können. Das hätte ich mir nie erträumt. Sie waren unsere Sorgenkinder und mittlerweile benehmen sie sich genauso wie Kuckunniwi.
      Nun bist auch du auf dem neuesten Stand, was die Triple R Ranch angeht. Ich erwarte bereits jetzt deinen nächsten Brief und auch wenn ich es nur ungern zugebe, so hat es doch seinen Reiz, per Brief eine Konversation zu führen.
      Mit aller Liebe,
      Mio

      Charly » Liebste Mio
      Was für eine Geschichte und vielleicht ist es dir ja schon bald möglich, mir die Vollversion davon anzuhören! Clouds und Zontas Bild hat mich tief berührt. Diese Anmut und Wildheit, sie steckt den beiden in allem Knochen. Aber was habt ihr nun mit ihnen vor? Cloud ist ein Wildpferd, Zonta ebenso. Wollt ihr gegen euer Ziel arbeiten und die beiden eingesperrt lassen?
      Da du mir Bilder geschickt hast, muss auch ich dich mit welchen von unseren Pferden erfreuen. Rubina hat vor zwei Tagen erfolgreich ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Ich hätte Nico filmen müssen, als er ihn das erste Mal gesehen hat! Er war begeistert und begeistert, aber das war ich auch, denn der kleine ähnelt nicht nur stark seiner hübschen Mutter, sondern hat auch interessante Markierungen an Kopf und Flanke, welche auch Marid im Gesicht trägt. Der kleine Mytos ist ein wahrer Prachtkerl geworden und ein guter Start in die Fohlensaison dieses Jahr!
      Auch hat sich wegen des neuen Gestüts einiges ergeben. Sicher war, dass wir am Tyrifjord bleiben wollen. Wir lieben ihn und es wäre sinnlos, diese Heimat bereits aufzugeben. Drei Tage dauerte es nur, bis Nico mit einer faszinierenden Idee zurück kam. Im nördlichen Teil vom Tyrifjord liegt eine recht große Insel namens Sorøya. 1.7qkm groß und nahezu unbewohnt. Nur ein paar wenige Bauernhäuser stehen dort, der Rest ist Wald, Wiese und Feld. Nico schaffte es, genau diese Insel für uns zu gewinnen! Es tut mir fast Leid um dieses Paradies, aber noch mehr freue ich mich darauf, eine eigene kleine Welt nur für uns und unsere Pferde.
      Die Verhandlungsgespräche laufen bereits und ich bin, wie du dir sicherlich vorstellen kannst, ziemlich gespannt, was das betrifft.
      Das Training mit den Pferden läuft nun langsam wieder an. Einen Großteil übernimmt natürlich Malte, da Petyr nun öfter wieder in der Welt unterwegs ist. Ihn zieht es hinaus, während Malte das ruhige und stetige Leben auf dem Gestüt genießt. Ich bin ganz erstaunt, dass Nico mittlerweile ordentlich zupackt und auch wenn sein Fokus nur auf seinen eigenen Pferden liegt, so ist seine Aufenthaltszeit im Stall in den letzten Wochen um einiges gestiegen.
      Am Wochenende war uns meine Schwester besuchen. Sie wohnt, wie du ja weißt, in Oslo und hat leider mit Pferden nichts am Hut. Dafür konnte ich ihren neuen Freund, sowie ihren Adoptivsohn endlich kennenlernen. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass Alexandra so lange gebraucht hat, mich hier zu besuchen, der Weg ist ja nicht unendlich weit! Trotzdem ist sie meine Schwester und man liebt seine Schwester. Dimitri schien ganz fasziniert von dem Gestüt, während Alex natürlich nicht begeistert war. Ich kann das gar nicht verstehen, dass es Menschen geben kann, die diese fantastischen Geschöpfe nicht mögen. Wie kann man in einem Pferd nichts weiter sehen als ein Pferd?
      Ansonsten nimmt hier alles seinen gewohnten Lauf. Die Sonne geht auf, und sie geht wieder unter. Genauso wie es immer war.
      Ich vermisse dich!
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly
      Der kleine Mytos berührt mir mein Herz, denn in ihm sehe ich seinen Vater. Auch wenn ich mich nie mit Marid verstanden habe, so ist es doch ein Stück Erinnerung und ein Teil meiner Vergangenheit.
      Wieder habe ich länger gebraucht, um dir zu antworten. Aber bei uns wird die Arbeit wieder mehr, denn die Winterpause ist vorbei und schon bald beginnt wieder die Zeit des Einfangens und da müssen wir bereit sein.
      Cloud und Zonta werden so lange bei uns bleiben, bis Zontas Wunden verheilt sind. Addi hat sich die größte Mühe gegeben und auch wenn es nicht immer einfach war ein Wildpferd zu versorgen, schien auch Zonta mit der Zeit zu bemerken, dass wir nur helfen wollen.
      Addi ist seit Clouds Ankunft anders. Oft liegt er draußen auf der Weide und beobachtet den Hengst. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein und in Erinnerungen zu schwelgen. Er erzählte mir, dass er Cloud bereits kannte. Es verwunderte ihn, wie der Hengst nach Utah kam, da er Cloud hier in Nevada kennengelernt hatte. Er meinte, dass Cloud es gewesen war, welcher ihm nach dem Tod seiner Frau wieder Kraft gegeben hatte. Er selbst konnte es nicht erklären, aber er erzählte mir von dem Bild eines leuchtenden weißen Pferdes, so anmutig und edel, so ehrlich und voller Hoffnung, dass ich nicht daran zweifelte, dass es so gewesen war. Cloud bedeutet für Addi alles und vielleicht ist es ein Zeichen, dass genau dieser Hengst jetzt wieder aufgetaucht ist.
      Natürlich forschten wir weiter, denn Addi hatte Fragen. Wie kam Cloud nach Utah? Wo war seine Herde? Es dauerte nicht lange und wir fanden beim BLM unsere Antwort. Mittlerweile haben wir dort einige Kontakte, mit welchen wir wegen der Mustangs in Verbindung stehen und mit der Hilfe einer Freundin, fanden wir heraus, dass Cloud und eine braune Stute, vermutlich Zonta, die Flucht geschafft hatten, kurz nachdem sie transportiert worden waren.
      Vielleicht hat Addi gar nicht so unrecht. Vielleicht ist dieser Hengst wirklich ein Zeichen der Hoffnung und wahrscheinlich ist es Absicht, dass er bei uns gelandet ist. Cloud scheint sich nicht unwohl zu fühlen, obwohl er von den Zäunen umgeben ist. Trotzdem ist er noch ein freies Pferd und sobald der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir uns von ihm verabschieden müssen.
      Allerdings muss ich dir dringend noch etwas erzählen! Heather hat, du glaubst es kaum, ihren Neffen aufgenommen. Das ist nicht irgendein Neffe, nein, dass ist ein entlassener Häftling mit einigen Vorstrafen und hinzu kommt, dass er genauso alt ist wie ich. Problem des Ganzen: Er sieht ziemlich gut aus und ist natürlich ein riesiges Arsch. Heather meint, dass die Ranch die beste Möglichkeit sei, Jacob wieder auf die Bahn zu bringen, auch wenn ich mich frage, ob das bei ihm überhaupt noch möglich ist. Er ist ein Angeber und ein ziemlich fauler Idiot. Chill und Buck freuten sich natürlich über „ihren großen Bruder“ und dank Jacob ist die Aufmüpfigkeit der beiden nochmals gestiegen.
      Addi freute sich gar nicht über den plötzlichen Einzug. Verständlich. Er kennt Jac nicht und hat Angst um seine Pferde. Jedoch konnte er Heather den Gefallen nicht abschlagen, immerhin ist auch Jac sein Neffe und auch wenn Addi lange keinen Kontakt mehr zu seiner zweiten Schwester hatte, sind sie trotzdem miteinander verwandt.
      Ich selbst weiß noch nicht genau, wie ich zu Jac stehe. Bis jetzt hat er mich meist ignoriert und etwas enttäuscht bin ich schon, dass solch nette Menschen wie Addi und Heather solche unhöflichen Verwandte haben.
      Jedenfalls versucht Addi nun, Jac mit in die tägliche Arbeit einzugliedern. Etwas Erfahrung mit Pferden hat er bereits, da auch seine Mutter Pferdebesitzerin gewesen ist. Anscheinend liegt das in der Familie. Bis jetzt hat er sich nur meistens um die Arbeit gedrückt, ob er selbst auch Pferde mag, weiß ich also noch nicht so genau.
      Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Immerhin ist Jac der erste Fremde seit meiner Ankunft auf der Ranch und das birgt für uns alle ein Gefahrenrisiko. Jacob Moore, ich bin ziemlich gespannt, ob das gut ausgehen wird.
      Mit den besten Grüßen,
      Mio

      Charly » Liebste Mio!
      Oho! Ein junger, gut aussehender Mann, welcher total unhöflich ist? Na wenn das kein Anfang einer Liebesgeschichte sein kann! Auch ich habe daran nie geglaubt, bis es mir selbst widerfahren ist. Und schau, wo ich jetzt gelandet bin. An meiner Seite ein Mann, der genauso ein Idiot ist wie die Jungs, die mich früher in der Schule immer bloßgestellt haben und mit so einem habe ich auch noch ein Kind. Pass‘ also ja auf dich auf! Aber ich meine das wirklich ernst. Solche Männer sind meist so von sich überzeugt, dass sie nicht auf eventuelle Opfer achten. Die Geschichte mit Cloud, puh, da musste ich mir die Tränen von der Wange wischen. Das Ganze hat sich fast wie ein Film vor meinen Augen abgespielt. Ich stelle mir das wahrhaftig vor, wie ein weißer und reiner Hengst, einem zerstörten jungen Mann wieder ein Ziel zum Leben gibt. Fast könnte ich darüber ein Buch schreiben, oder, warum schreibst du kein Buch darüber? Grüße Addi von mir, ich mag ihn, er scheint ein anständiger Kerl zu sein und er scheint dafür verantwortlich, dass du wieder so lächeln und nach vorne schauen kannst!
      Vuyo hat sich nun auch endlich wieder ein Pferd gekauft und erstaunter hätte ich nicht sein können, als er da mit einer zierlichen Edelhaffi Stute stand, welche auch noch den Namen Curly Lure trägt und als ob das noch nicht genug wäre, ist sie auch noch ziemlich eigensinnig und zickig. Aber er hat vor, sie mit in die Reitschule zu nehmen und sie dort vielleicht zu einem anständigen Reitpferd ausbilden.
      Mittlerweile haben auch die Planungen für das neue Gestüt begonnen. Die Insel ist bereits vermessen und wir machen uns zur Zeit auf die Suche nach Pferdebesitzern, welche mit auf die Insel ziehen wollen und uns so unterstützen. Nico hat einen Freund in der Türkei, welcher mit einer Freundin zusammen ein kleines Arabergestüt leitet. Sie scheint ziemlich still und einzelgängerisch zu sein, jedoch will sie wegen der Unruhen in ein sicheres Land und wird wahrscheinlich zu uns nach Norwegen ziehen. Ihre Forderungen waren jedoch, dass sie ein eigenes und beheiztes Stallgebäude für ihre Araber bekommt, in welchem sie auch wohnen kann. Das wird sie jetzt wohl auch bekommen. Nico meint, dass sie dem Gestüt gut tun wird und ich bin gespannt, wie er das meint.
      Auch kommt Fiona mit ihren Pferden aus den USA zurück zu uns. Petyr freut sich natürlich höllisch auf sie und auch ich bin froh, wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wir werden so viel Hilfe wie möglich gebrauchen, wenn es soweit ist.
      Nicos angehende Zucht nimmt zur Zeit krasse Ausmaße an. Anstatt es bei ein paar wenigen Pferden zu belassen, ist die Anzahl seiner Stuten mittlerweile auf sechs gewachsen, wobei jedoch eine weitere bereits gekauft ist. Zum Glück sind es bis jetzt nur drei Hengste und ein Jungpferd, welche tatsächlich auch alle mal recht anständig sind.
      Ich freue mich auf deinen nächsten Brief!
      Deine Charly

      Mio » Liebe Charly,
      Bei uns wird es wieder wärmer und im Sonnenuntergang kann man wunderbare Bilder der Pferde schießen. Ich habe leider nicht viel Zeit, deswegen wird dies ein sehr kurzer Brief. Ich hoffe trotzdem, dass du dich über die Bilder freust!
      Anbei natürlich noch kleine Erklärungen zu den hübschen Pferden, welche du siehst.
      » Varys und Imagine There‘s No Heaven kennst du natürlich noch. Hier endlich mal ein aktuelles Bild von ihnen. Der gefleckte Popo gehört natürlich zu Triumph.
      » Unsere Jüngsten: Time In A Bottle, Dawn und Kwatoko. Seit einigen Tagen dürfen sie mit auf die große Weide, es ist erstaunlich, wie schnell sie sich an ihre Herde gewöhnt haben.
      » Es ist das erste Bild von Anaba und Kuckunniwi, dass ich dieses Jahr schießen konnte. Immer noch hält Anaba Abstand zur Herde und selbst Addi ist so langsam verwundert. Dafür geht es dem kleinen Kucku blendend und so langsam sieht man auch den Vater in ihm.
      » Raised from hell zusammen mit Aquena. Na? Kennst du Raised noch? Sie ist ein tolles Pferd und selbst ich sehe kaum, dass sie eigentlich kein Wildpferd ist. Zusammen mit Flotten von Mutanten erobert sie die Wildnis, wie ich es anfangs nicht für möglich gehalten hatte.
      » Hier eine kleine Hengstherde im Sonnenuntergang. Silent Bay sieht man nur sehr schlecht hinter dem Strauch, dafür steht Imoad, oder eigentlich In the Middle of a Dream gut sichtbar im Vordergrund, wie immer. Daneben siehst du Frekur und etwas weiterhinten Quisquilloso, obwohl du den wahrscheinlich schon von meinen letzten Bildern kennst, er ist ziemlich fotogen.
      » Auf dem letzten Bild sind, von links nach rechts, die drei restlichen Stuten zu sehen. Valhalla, Quicksilver und Atius Tirawa.
      Ich hoffe, du freust dich über die Bilder!
      Mio

      Charly » Liebste aller Mios!
      Die Bilder sind der Hammer! Ich vermisse deine fotografischen Künste auf unserer Ranch, auch wenn Tjarda auch ziemlich gute Bilder schießt, malt sie trotzdem besser.
      Da auch meine Zeit wegen Umzug ziemlich knapp ist, habe ich es dir gleichgetan und in den Umschlag einfach einige Bilder gesteckt, in der Hoffnung, dass sie dir gefallen.
      » Na, erkennst du, wer hier auf der Weide abgebildet ist? Charelle und April Rain müsstest du erkennen, bei den anderen habe ich Nachsehen mit dir. Die Namen sind auch nicht leicht zu merken. Himmawallajugaga, Devrienterreuth, Sysahlreuth, Zuckerschock und Raja, sie bilden unsere Vollblutherde und zeigen auch mit aller Macht, wie viel Energie sie besitzen.
      » Malte. Anfangs wehrte er sich gegen ein Foto, aber als er hörte, dass es für dich ist, konnte ich ihn endlich umstimmen. Das wunderhübsche Tier auf dem er sitzt heißt Angus, ein Suffolk Punch und der neue Liebling aller. Am Strick sind natürlich seine Schätze Félagi und Óslogi. Jeden Sonntag macht er einen Ausritt mit ihnen. Du würdest ihn wirklich mögen.
      » Und schon wieder Malte. Diesmal jedoch heimlich geschossen, wie man an der schlechten Qualität unschwer erkennen kann. Zu seiner rechten siehst du Black Lemontree, während das junge Mädchen, eine Reitschülerin, seinen Junghengst Dynur hält.
      » Hier nochmal unsere Jungpferde Aspantau, Abe‘s Aelfric und Mios Jelda, sowie ein hübsches Portrait von I‘ve got a blue soul.
      » Und zum Schluss nochmal ein unbekanntes und ein bekanntes Gesicht für dich. Einmal Abraham van Helsing, sowie natürlich deine Ocarina of Time, welche bei den Bildern nicht fehlen durfte. Auch sie entwickelt sich so langsam prächtig!
      Ich hoffe, dass wir beide endlich mal wieder mehr Zeit für einander finden!
      Deine Charly!

      Mio » Charly, ich komme! Ich komme zu dir! Ich habe es getan, ein Flugticket ist gekauft, erwarte mich...
    • Rhapsody
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      5/19

      Distanz E-A - Tyrifjord Horse Training
      Mai 2017 -- Canyon

      Malte » »Stört dich das nicht? Das mit den Namen?« fragt Petyr Nico. Nico zieht jedoch nur seine Augenbrauen nach oben und blickt Petyr herablassend an.
      »Stört es dich, lieber Petyr, dass es hier in Norwegen ganz viele Jonsens gibt?« Petyr antwortet nicht. »Na also. Und jetzt putze Sawanna, auch nur die kleinste Schürfstelle würde ich dir übel nehmen.«
      Grimmig blicke ich Nico an, was er jedoch nicht zu bemerken scheint. Ich hasse es, wenn er so großkotzig ist, vor allem wenn er so mit meinen Freunden umgeht. Ich halte mich jedoch davon ab, mich einzumischen und konzentriere mich weiter auf das Putzen von Prejudice.
      »In zehn Minuten ist Abflug!« Ruft Charly etwas weiter über den Rücken von Samarra hinweg. Ich seufze genervt, beeile mich jedoch mit Judis Sattelzeug, sodass ich wenig später pünktlich im Sattel sitze und ungeduldig auf die anderen vier Reiter mit ihren Pferden warte, welche alle mal wieder länger brauchen. Mit etwas Verspätung reiten wir jedoch dann vom Hof. Meine Motivation auf das Training war sehr gering, dafür würde ich nächste Woche zwei Freitage haben und endlich mal wieder Zeit für meine eigenen Pferde finden. Der Himmel war stark bewölkt und es war kälter als in den letzten Tagen. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für ein Distanztraining. Jedoch hatten wir hier fünf unerfahrene Pferde im Gelände. Alle waren jung und auch wenn sie die Umgebung durch unsere Ausritte schon kannten, war ein Distanztraining nochmal härter und anstrengender. Vuyo ritt dieses Mal Shyvana. Eine neue und recht wenig trainierte Stute, welche jedoch bereits in den letzten Tagen unter dem Sattel große Fortschritte gemacht hat. Außerdem ist Nico ja bekannt für sein schnelles Training. Zum Glück hat er damit bis jetzt durchgängig Erfolg gehabt. Nach einem gemächlichen Start erhöhen wir das Tempo, als wir die weichen Waldwege erreichen, welche sich rings um das Gestüt erstrecken. Nico und der Hengst Brego führen die weitere Stutengruppe an. Da Judi bereits in den höheren Klassen in der Dressur und im Springen mitspielt, ist sie dementsprechend trainiert und erkämpft sich nach kurzer Zeit den Platz direkt dahinter. Hinter mir kam Charly mit Sammy und den Schluss bildeten Vuyo und Shyvana. Im langsamen und gleichmäßigen Trab führt uns Nico die Waldwege entlang. Dreißig Kilometer stehen auf unserem Plan und ich befand meine Idee als immer noch gut, bereits am Vorabend Wasser auf dieser Strecke zu verteilen. Nicos Einschätzung ist, dass wir nur etwas mehr als zwei Stunden brauchen würden. Ich zweifele daran etwas, lasse ihm jedoch seine Hoffnung. Keins der Pferde ist lange Trabstrecken im Gelände gewöhnt und so müssen wir immer wieder kleine Schrittpausen einlegen. Hin und wieder zwingt uns auch das Gelände zu einer Verringerung des Tempos, sodass Nico auf Grund des nicht Einhaltens seines Zeitplans immer muffliger wird. Ich versuche ruhig zu bleiben und mich vor allem auf Judi zu konzentrieren, welche sich zwischendurch den ersten Platz sogar mit Brego teilt. Nico scheint jedoch es nicht für nötig zu sehen, den Hengst davon abzuhalten, Judi immer wieder mit Kopf und Huf zu drohen, sodass ich das Tempo wohl oder übel etwas zügeln muss.
      Nach der Hälfte der Strecke legen wir unsere Pause ein. Bereits auf der ersten Hälfte gab es kurze Wasserpausen, diesmal steigen wir jedoch ab, nehmen die Pulswerte und gönnen den Pferden eine kurze Pause. Kurz nachdem jedes Pferd wieder bereits für den zweiten Teil ist, steigen wir auf und führen den Ritt weiter. Mittlerweile galoppieren wir im ruhigen Tempo an geeigneten Stellen, geben den Pferden dafür mehr Schrittpausen, denn auch ihre Kraft versiegt so langsam. Petyr und Vuyo haben mittlerweile sogar aufgehört, ununterbrochen zu sprechen, sodass ich nur noch umgeben von den Geräuschen der Natur und dem Geklapper der Hufe bin. Nach etwas mehr als dreißig Kilometern kommen wir durchnässt wegen des eingesetzten Regens und mit müden Pferden wieder auf der Tyrifjord Ranch an. Bella und Tjarda sind zum Glück bereits zur Stelle und werfen allen Pferden zügig Abschwitzdecken über, sodass wir nur noch den Puls unserer Tiere nehmen brauchen und sie nach dem Absatteln auf die Weiden entlassen können. Wir waren uns einig, dass jeder der Fünf einen Aufstieg in die nächsthöhere Klasse verdient hatte.
    • Rhapsody
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      6/19

      Inselwind
      Mai 2017 -- Canyon

      Malte » "Leute!" Wenn Charly so anfängt, dann hat sie eine Ankündigung zu machen, denke ich und löse meinen Blick von dem Häufchen Pferdeäpfel vor mir, welche Óslogi mir hinterlassen hatte. "Ich habe eine Ankündigung zu machen!" Aha, denke ich, habe ich es doch gewusst. "Ihr wisst ja, dass ich schon seit längerem auf der Suche nach Stallhilfe bin und ich denke, dass ich nun jemanden gefunden habe. Darf ich vorstellen? Eyvind Engh!" Ihre Stimme schallt durch den Stall und an ihrem Grinsen erkenne ich, dass sie wirklich zufrieden ist mit der Wahl. Hinter ihrem Rücken tritt jedoch ein Junge hervor, welchen ich am allerwenigsten einem Stallgebäude zugeordnet hätte. Er schiebt sich die runde schwarze Sonnenbrille auf seinen hellweißen Schopf und blickt die versammelte Stallgenossenschaft mit unverändertem Ausdruck an. Mein Blick tastet ihn vorsichtig ab und auch Petyr, einige Meter neben mir, scheint noch etwas verdutzt. Einen Nasenpiercing, dann noch einige an den Ohren und ziemlich unbequem aussehende Kleidung in schwarz. Sein Gesicht ist zart und weich, seine Augen stechen jedoch wieder hervor wie Zitronen unter einer Herde Erdbeeren. Vuyo ist der sozialste von uns und tritt mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. "Vuyo, herzlich willkommen auf der Tyrifjord Ranch!" Das restliche Gespräch verpasse ich, weil Petyr mir in die Rippen boxt und so meine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Ich stöhne und schlage Petyr aus Rache gegen die Schulter. Er hält nun also seine Schulter mit der einen Hand und ich meine Rippen.
      "Was'n dat für nen Kerl?" Fragt er mich und nickt in Richtung Eyvind. Ich zucke nur mit den Schultern.
      "Keine Ahnung, sieht doch ganz nett aus." Allerdings habe ich mir selbst noch keine wirkliche Meinung gebildet, versuche jedoch so offen wie möglich zu sein.
      Charly kommt nun auf uns zu, oder eher auf mich. Vuyo hat sich wieder seiner Arbeit zugewandt und als ob ich nicht wüsste, was jetzt kommt, stellt Charly die erwartete Frage. "Hey Malte, du, hast du zufällig Lust Eyvind die nächsten Tage etwas einzuarbeiten? Petyr ist ja leider wieder unterwegs und Vuyo hat mit der Reitschule so viel um die Ohren." Praktisch, dachte ich, mir bleibt dann nämlich der komplette Stall plus Eyvind. Ich lächle jedoch und sage: "Klar Charly, mache ich gerne!"
      "Auf dich ist immer Verlass!" Meint sie, klopft mir auf die Schulter und verschwindet dann mit einem kurzen Nicken zu Eyvind in Richtung Ausgang.
      "Dich scheint etwas daran zu stören?" Eyvind blickt mich fragend an. Er scheint wirklich nett, aber auf mein Gefühl verlasse ich mich schon lange nicht mehr. Ich zucke mit den Schultern und weiß noch nicht genau, was ich sagen soll. Er kommt mir jedoch zuvor. "Kann ich verstehen, Charly hat mir schon erzählt, dass du hier als treibendes Rad ständig etwas zu tun hast. Aber ich denke, ich kann dir ganz gut unter die Arme greifen." Beim näheren Hinsehen erkenne ich die dicken Ringe um seine Augen, sehe einige Sorgenfalten in seinem Gesicht und die ungewaschene Kleidung. Ich blinzle.
      "Danke", sage ich nur. Wie viel zu oft habe ich ein Loch im Kopf, wenn es darum geht, die passenden Wörter zu finden.
      "Also, was kann ich tun?" Fragt Eyvind mich und ein Lächelnd erscheint auf seinen Lippen. Er scheint wirklich begeistert von dem Gedanken, hier arbeiten zu können.
      "Äh", sage ich wieder wenig produktiv und stelle die Mistgabel zur Seite. "Du kannst mich zu den Weiden begleiten, ich will das Wasser kontrollieren." Meine ich und zeige in Richtung Ausgang. Eyvind nickt nur. Ich ziehe ihn also mit mir aus dem Stall, nicke im Vorbeigehen Petyr kurz zu und schlage dann den Weg in Richtung Weiden ein. Es ist ein kalter Frühlingstag. Wie gefühlt immer. Der Nebel liegt noch an den Ufern des Fjords und bedeckt die eigentlich schon grünenden Wiesen mit einer Schicht aus grau. Die erste Weide, die wir erreichen, ist die kleine Hengstweide. Unsere vier verbliebenden Vollblüter stehen hier. Vollblüter waren nie mein Spezialgebiet und trotzdem habe ich (fast) alle ins Herz geschlossen. Ich passiere den Zaun geschickt und winke Eyvind dann zu, er solle mir folgen.
      "Osgiliath", sage ich und zeige auf den Hengst, der uns am nächsten steht. "Bei ihm, wie fast bei jedem anderen Pferd welches Nicolaus angeschleppt hat, würde ich etwas Abstand halten. Das gleiche kannst du bei Worgait", ich zeige auf den hellen Tekkiner Hengst, "Und natürlich auch bei Marid beachten." Diesmal nicke ich nur in Richtung Marid, welcher mit gespitzten Ohren am Offenstall steht. Ich spüre seinen Blick auf mir, seinen hinterlistigen Blick. Er weiß genau, dass ich über ihn red. Dann stelle ich ihm noch Valentines Alysheba vor und mache mich an die Arbeit. Während ich frisches Wasser nachfülle, fallen mir endlich einige wenige Frage ein. "Sage mal, Eyvind, was ist so deine Vorliebe bei Pferden? Reitest du selbst?"
      "Vorliebe?" Er erscheint einen Moment verwirrt und runzelt die Stirn. "Du meinst, was ich für Rassen mag und so?" Ich nicke. "Ich bin da offen, ich habe keine Vorlieben." Meint er nur. Aha. Denke ich und fühle mich nicht schlauer als zuvor. Das Wasser ist auch fertig und so sehe ich die Möglichkeit, das kleine Gespräch schnellstmöglich zu beenden. Nachdem wir noch Grenzfee und Teufelstanz auf ihren Weiden besucht haben, geht es zurück in den Stall. Ich bin erstaunt Petyr noch anzutreffen, meist verdrückt er sich bei der erstbesten Möglichkeit. Mir zusammengekniffenen Augen verfolgt er jede Bewegung Eyvinds und auch als ich in böse anstarre, lässt er nicht von ihm ab. Ich seufze. Eyvind dreht sich erstaunt zu mir um und blickt mich fragend an. "Alles ok?" Ich nicke schnell und erzwinge mir ein kleines Lächeln. "Ok, wohin geht es als nächstes?"
      "Ich muss eine unserer Stuten versorgen. Sie hat vor zwei Tagen ein Fohlen zur Welt gebracht und ist - etwas eigensinnig seit dem." Was jedoch für mich nicht verwunderlich ist, wenn man einen Besitzer namens Nicolaus du Martin hat, denke ich, spreche es jedoch nicht laut aus. Colour Splash steht mit angelegten Ohren in ihrer großzügigen Box. Nicht nur das, wir haben ihr sogar eine Trennwand entfernen lassen, sodass die beiden Stuten genügend Platz haben. Zu ihren Füßen liegt der neue Stern des Gestüts und bereits am Namen kann man die Spuren Nicos erkennen. "Simplicity of Sophistical, oder einfach nur Simple." Sage ich zu Eyvind gewandt und etwas kann ich den Stolz in meiner Stimme nicht verstecken. Auch ich bin froh, dass Splash es endlich geschafft hat. "Ihre Mutter heißt Colour Splash." Ich deute auf Splash, welche die Ohren nach hinten legt und mit einem Huf scharrt.
      "Sie scheint unruhig." Meint Eyvind und betrachtet die Stute fasziniert. "Ist sie immer so?"
      Ich schüttle den Kopf. "Nein, nicht immer. Aber sie mag das Boxenleben nicht." Ich nicke in Richtung Nachbarbox. "Seit dem wir jedoch halbtags ihre Freundin Shari drinnen lassen, geht es schon besser."
      Ich bin recht froh, als ich wenig später Eyvind eine Mistgabel in die Hand drücke, mit der Aufgabe, in den Offenställen der Jungpferde etwas Ordnung zu machen. Ich atme erleichtert auf, als sich eine Hand auf meine Schulter legt. Erschrocken fahr eich herum und blicke in das Gesicht Petyrs. "Gott!" Rufe ich und funkle diesen böse an. "Du sollst das lassen!"
      Petyr grinst. Dass ich ihn Gott genannt hatte, schien ihm zu gefallen. "He Malte, du, sag' mal, wie ist denn dieser Eyvind so? Is' er nett?"
      "Petyr, weißt du, dass du durchgängig die Endungen von Wörtern verschluckst?" Sage ich nur und greife nach meiner Mistgabel.
      "Jaja, weiß ich. Aber los sag' mal, ich muss doch wissen, wer hier so auf dem Hof unterwegs ist." Er lässt wie immer nicht locker.
      "Da habe ich eine Idee." Sage ich und drücke Petyr die Gabel in die Hand. "Hilf ihm doch einfach bei den Offenställen." Ich grinse ihn an und als er sich nicht von der Stelle rührt, nicke ich mit meinem Kopf in Richtung Ausgang. "Los, du Faulpelz!"
      Er sieht ein, dass er aus mir nichts rausbekommt und funkelt mich böse an, macht sich aber trotzdem auf den Weg zu Eyvind. Mein Weg führt mich jedoch in die andere Richtung zu unseren Paddocks. Seit einigen Tagen steht hier zur Eingewöhnung Sawanna. Ihre Reise hier her ist lang und anstrengend gewesen und ich sehe ihr an, dass sie erschöpft ist. Hinzu kamen ihre Vertrauensprobleme und auch wenn Nico und auch ich tagtäglich mit ihr arbeiten, ist es noch nicht viel besser geworden. Ich nehme das Halfter vom Hacken, stehe jedoch noch einige Minuten unbeteiligt hinterm Zaun, bevor ich mich auf ihr Territorium getraue. Sawanna wird ihrem Namen ziemlich gerecht. Nicht nur der hübsche helle Fuchston, auch der hitzige und stürmische Charakter passten dazu. Ziel war es, sie innerhalb der nächsten Tage an Shyvana und Samarra zu gewöhnen und so wie Petyr es letztens deutlich erwähnt hatte, passten die jungen Stuten nicht nur vom Namen zusammen. Während ich schließlich mit Sawanna den Weg in Richtung Wald einschlage, versuche ich krampfhaft einen Spitznamen für sie zu finden. Samarra hat von mir bereits den Namen Sammy erhalten und Shyvana heißt meist nur Shyva. Es muss also etwas genauso schönes her. Obwohl Sawanna schreckhaft ist, scheinen sie die Hengstweiden nicht zu stören. Weder Bijou, noch Volente oder Phenomenon schenkt sie einen Blick und auch den neuen Brego, welcher genauso wie sie noch einzeln gehalten wird, beachtet sie nicht. Auch von mir hält sie durchgängig einen gewissen Abstand, scheint sich jedoch jedenfalls ein bisschen an mich gewöhnt zu haben. Das Ziel von Sawanna und mir ist eine kleine Weide in der Nähe der Zackelschafe und Bellas Pferden. Auch sie habe ich schon länger nicht gesehen, sodass ich die Chance ergreife und meine Schritte zu den Isländern lenke, nachdem ich Sawanna auf ihre Weide entlassen habe. In der Hoffnung, Bella bei ihren Pferden zu entdecken, schlage ich mich durch die rasant gewachsenen grünen Äste, rechts und links des Weges. Bellas Weiden lagen etwas abseits. Ihre Isländer standen durchgängig auf der Weide und so verwundert es mich nicht, dass ich auch dieses Mal die versammelte Mannschaft erblicke. Den jungen Fafnir am Zaun erkenne ich sofort und das niedliche Jungpferd daneben enttarne ich als Litfari. Von Bella ist jedoch keine Spur zu sehen. so gebe ich mich geschlagen und mache mich zurück auf dem Weg zum Hof.
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      7/19

      Rakkaus Ja Epätoivo
      Juni 2017 -- Canyon

      Mio » Zwei Jahre später stand ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich mir nie hätte denken können zu stehen. Die Zweifel plagten mich, Nächte lag ich wach und blickte in das stets friedlich ruhende Gesicht von Jacob. Die Mondstrahlen spiegelten sich auf seiner Haut wider und brachten seine dunklen Locken zum teuflischen Glänzen. Ich lag im tiefen Schatten.
      Als die ersten Sonnenstrahlen einige unruhige Stunden später den Weg durch die Vorhänge suchten, war ich längst munter. Ich stand im T-Shirt in der Küche und rührte in einem Topf umher, welcher eigentlich so etwas wie Schokopudding enthalten sollte. Es sah jedoch eher nach aufgeweichten Pferdeäpfeln aus. Der Schneebesen in meiner Hand wollte einfach nicht verstehen, dass ich keine Klumpen in meinem Essen haben wollte. Ich biss die Zähne zusammen, um für Jacob jedenfalls so etwas ähnliches wie ein Frühstück auf die Beine zu stellen. Mein Blick fiel auf den Garten hinter dem Fenster. Jacob hatte sich wunderbar darum gekümmert und fast konnte ich mit Stolz sagen, dass unsere blühenden Blumen die prächtigsten waren. Hinter dem Garten erstreckte sich die trübe See. Dunkles Wasser schwappte immer wieder gegen die Brandung und hielt das Geschehen in Bewegung. Es war so anders, so vollkommen anders und doch fühlte ich mich wohl.
      Mein Gedanke fiel auf Addi. Er war nicht glücklich gewesen, aber er hatte es getan. Er hatte es für mich getan. Aber sein Leben war nun gezielter geworden. Er lebte nicht nur noch von Spenden, sondern verdiente sich mit seiner Arbeit viel Geld. Er hatte seine Prinzipien geändert, hatte sie den meinen angepasst und da waren wir nun. Familie Moore und Mio mitten auf einer Insel im norwegischen Fjord.
      Ich hatte gerade die Schokoklumpensoße in eine Schüssel gefüllt und auf den Tisch gestellt, als Jacob unsere Küche betrat. Er gähnte ausgiebig und schlurfte dann zu seinem Stuhl, wo er sich erschöpft niedersinken ließ.
      "Guten Morgen, Jac." Meinte ich liebevoll und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Dieser brummte nur zustimmend, schnappte sich seinen Löffel und begann wild zu essen. Nach den ersten Bissen hielt er jedoch inne und blickte zu mir hoch, denn ich stand immer noch neben ihm.
      "Willst du denn nichts essen?"
      Ich schüttelte den Kopf. "Mag keinen Schokopudding."
      "Mio", meinte er warnend, "du isst zu wenig."
      "Tue ich nicht!" Wehrte ich mich. "Und außerdem mag ich wirklich keinen Schokopudding." Ich setzte mich gegenüber von ihm nieder. Jac zuckte nur kurz mit den Schultern und begann dann weiterzuessen.

      Addison » "He Chill! Das ist mein T-Shirt!" Erfolglos versuchte Buck seinem Bruder das Badmanshirt aus den Händen zu reisen.
      "Das stimmt nicht! Das ist meins!" Chill stemmte beide Füße in den Boden, um seinem Bruder standzuhalten.
      "Daaad! Chill will mir nicht mein T-Shirt wiedergeben!" Rief Buck laut.
      Addison steckte den Kopf durch die Tür. Er war in den letzten Monaten stark gealtert. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und die Haare hatten erste graue Strähnen. Er schien kraftlos, als er beschwichtigend nach dem T-Shirt griff, trotzdem zog er es seinen Kindern ohne Probleme aus den Händen. Er suchte den kleinen Zettel im Nacken heraus, laß den Namen und gab es dann Buck. "Dein Bruder hat Recht, Chill, das T-Shirt gehört Buck. Schaue mal in deinem Schrank, wo sich deins versteckt haben könnte." Meinte er liebevoll und klopfte Chill aufmunternd auf die Schulter. "Beeilt ihr euch bitte? Ich will nicht, dass ihr den Bus verpasst."

      Charly » "Warum schreit Bart denn schon wieder?" Mit grimmigen Gesicht steckte Nico seinen Kopf durch die Küchentür und versuchte verschlafen etwas zu erkennen.
      "Guten Morgen, Nico. Gut, dass du dich auch endlich dazu bereit erklärt hast, aufzustehen." Gestresst blickte Charly über die Schulter zu ihm hin.
      "Was ist denn jetzt schon wieder los?" Meinte dieser genervt und betrat den Raum.
      "Ach nichts!" Lachte Charly hölzern und warf sich dann ihr wildes Haar über die Schulter. "Es ist ja nur Montagmorgen, die Arbeit wartet und dein Sohn wehrt sich krampfhaft gegen alles, was ich ihm aufs Brot schmiere und was kein Lolligeschmack hat, also gegen alles!" Wütend ließ sie das Messer fallen, drehte Barts Stuhl zu sich herum und hob den immer noch schreienden und nun auch strampelnden Jungen heraus. "Dann geht er heute ohne Frühstück in den Kindergarten!"
      "Charly, hey", Nico war an sie heran getreten und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Komm', gib ihn mir."
      Grob reichte Charly ihren Sohn an Nico weiter, welcher sich von ihr abwendete und versuchte sein Kind zu beruhigen. Charly ließ sich erschöpft aufs Sofa fallen und verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen.
      Zwei Minuten später hatte Bartholomäus sich beruhigt und Nico setzte sich neben Charly, auf seinem Schoß Bart sitzend. "He Charly," meinte er sanft. "Du bist ganz schön fertig. Ich kümmere mich heute um Bart, mache du mal einen ruhigen, das hast du dir verdient."
      Als Charly nicht antwortete, stand Nico auf und verließ mit Bart den Raum.

      Malte » Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, nicht allzu hastig aufstehen zu können. Die Decke meines kleinen Zuhauses war nur wenige Zentimeter über meinem Kopf. Langsam rollte ich mich deswegen aus dem großen Bett und lief leicht gebückt bis zur Holzleiter. Gery nahm es mir übel, dass er alleine unten schlafen musste, dafür hatte er auch in unserem neuen Zuhause seinen geliebten Kamin bekommen. Obwohl dieser nicht brannte, schlief der große Rüde jede Nacht davor, als würde dieser ihm die Wärme geben, die er zu brauchen glaubte. Der schwerhörige alte Hund hob erst den Kopf, als ich auf den Knopf meines Radios drückte und dieses mit einigen Startproblemen ansprang. Er murrte jedoch nur kurz und ließ seinem Kopf dann wieder zurück auf die Pfoten sinken. Ich betrachtete den alten Herren einige Sekunden, während aus dem Radio "Keep on the sunny side" erklang. Gute Einstellung, dachte ich, während ich im Takt den Abwasch der letzten Tage machte. Leise summte ich die Melodie mit, richtete meinen Blick aus dem Fenster und betrachtete die Natur vor meiner Haustür. Ich hatte den hübschesten Platz erwischt. Der Wald um mich herum bot mir jede Menge Schutz vor der Sonne und vorm Wind, welcher an manchen Tag recht frisch vom Fjord zu uns herüber wehte.
      Nachdem der Abwasch erledigt war, zog ich mich an und machte mich auf den Weg zum Stall. Gery ließ ich im Haus zurück. Seit ein paar Wochen schon, begleitete er mich nicht mehr täglich, seine Kraft schien zu schwinden. Ich hatte damit gerechnet und es war in Ordnung, so wie es war.

      Mio » Ich stand pünktlich wie immer am Weidezaun, den Hut trotz der fehlenden Sonnenstrahlen auf meinem Kopf und eine dicke Jacke über mein helles Hemd gezogen. Auch die Pferde hatten ihre Zeit gebraucht, um sich von vierzig Grad täglich auf eine Durchschnittstemperatur von 17 Grad umzugewöhnen. Im Gegenteil zu Addison, welcher sich komplett den Klimaverhältnissen angepasst hatte, hielt ich meinen Stil aus vergangenen Zeiten so gut wie möglich bei. So schnell würde ich nicht alles aufgeben.
      Addison kam wie immer zu spät. Chill und Buck forderten, seitdem wir in Norwegen wohnten, durchgängig seine Aufmerksamkeit. Heather half ihm so sehr wie möglich bei der Erziehung der Zwillinge, jedoch hatte auch sie noch ihr eigenes Leben.
      Abgehetzt und mit grimmigem Blick, kam Addi auf mich zu, er nickte mir kurz zu, ich nickte zurück und gemeinsam machten wir uns an die tägliche Arbeit. Unsere Mustangs hatten einen schönen Platz bekommen. Sie hatten ihren eigenen Teil der Insel. Zwei weitläufige Weiden, mit Bäumen, Sträuchern und kleinen Hügeln waren so natürlich angelegt wie nur möglich und viele der Pferde hatten sich schnell daran gewöhnt.
      Während wir zusammen neues Heu schleppten, merkte ich, wie Addi mir immer wieder Blicke zuwarf. Er schien mich zu begutachten und seine Skepsis war nicht zu übersehen. "Mio", er legte einen Arm auf meine Hand, als ich gerade einen Wassereimer anheben wollte, "Mio, seit wann hast du schon nichts mehr gegessen?"
      Ich ließ den Eimer los und richtete mich auf. "Seit wann, macht sich jeder darum Gedanken, dass ich zu wenig esse?! Ich bin erwachsen und kann selbst gut genug einschätzen, wann und was ich esse!" Ich zog meine Hand aus seinem Griff und blickte Addi in die Augen. Ich sah den Schmerz in ihnen, den Verlust, die Angst. Ich sah seine grauen und mageren Haare, die Falten auf seiner Stirn und die knorrigen Hände. "Du solltest lieber selbst einmal in den Spiegel schauen, du siehst nicht besser aus." Meinte ich schwach und hob den Eimer ein weiteres Mal. "Warum machst du dir zu erst um mich Sorgen, anstatt um dich selbst?" Sagte ich, bevor ich mich von ihm abwendete.
      "Das weißt du Mio." Flüsterte Addi zerschlagen. "Du wärst dumm, wenn du es nicht sehen würdest."

      Petyr » "Saga Glasberg, was soll bitte dieses eklige Gummiband auf meinem Schreibtisch?" Grinsend hob Petyr ein breites Band in die Höhe und hielt es seiner Freundin vor die Augen. "Bitte nicht schon wieder ein neues Hobby!"
      "Ach quatsch!" Saga riss ihm das himmelblaue Band aus der Hand. "Das ist mein neues Stretchband. Das haben seit neuestem alle in meiner Balettgruppe und ich finde es auch ziemlich hilfreich!"
      Petyr verzog angeekelt den Mund und ließ das Band fallen. Bevor es auf dem Boden aufkam, hatte Saga es aufgefangen und sich mit einem dramatischen Nebeneffekt in die Arme von Petyr geworfen. Dieser hielt sie fest umschlungen und drückte ihr dann einen Kuss auf den Mund. Als sie sich wieder von einander lösten, lag auf beiden Gesichtern ein rötlicher Schleier und sie lächelten verliebt.
      "Malte wartet bestimmt schon im Stall auf mich. Du weißt, dass er es nicht leiden kann, wenn ich zu spät komme."
      "Jaja, renne nur zu deinem Malte." Saga dreht sich eingeschnappt und mit verschränkten Armen um, sodass Petyr sie noch einmal zu sich ziehen musste und sie innig küsste. Dann schnappte er sich eilig seine Jacke und verließ die Dachbodenwohnung, ohne noch einmal zurückzublicken.

      Eyvind » Während alle anderen noch schliefen, war Eyvind wie immer der erste im Stall. Ihn trieb nichts anderes an, als die Pferde. Die tägliche Arbeit, beginnend beim Morgengrauen, hielt ihn in Bewegung. Er brauchte den Ausgleich zu den Stunden in der Nacht, die er im Bett verbrachte und selbst diese wurden in manchen Nächten von Spaziergängen durchbrochen. Er war der stille Nachtwächter, welcher mit seinem wachen Auge jede Regung genau auffasste. Er war so unauffällig, wie sonst keiner auf dem Gestüt. Jeder hatte seine Probleme zu tragen und jeder trug dies offensichtlich als Rucksack. Nur Eyvind schien seine Sorgen in dem Platz vor den Zehen in den Schuhen zu verstauen und hatte sogar noch Freiraum für die seiner Freunde.
      Die Pferde waren bereits gefüttert, als Malte und Petyr zu ihm hinzu stießen. Die letzten kauten friedlich an den restlichen Körnern. Der Hauptstall war riesig, mit neuester Technik ausgestattet und perfekt an die Wünsche der Sportpferde angepasst, welche hier ihr Zuhause gefunden hatten. Die Boxen besaßen allesamt ein kleines Paddock, welches die Pferde ganztägig benutzen durften.
      "Wie du nur immer so früh wach sein kannst..." Petyr gähnte ausgiebig und blieb vor Eyvind stehen.
      Malte währenddessen klopfte Eyvind auf die Schulter. "Danke man, was würden wir nur ohne dich tun." Dankbar schaute er seinem Freund an und lächelte. Es hatte seine Zeit gedauert, bis die drei sich als Team verstanden hatten, denn vor allem Malte war es schwer gefallen, einen weiteren Arbeiter zwischen ihm und seinem langjährigen Freund Petyr zu akzeptieren.
      Die drei Männer wollten sich gerade an die Arbeit machen, als Heather in den Stall gehetzt kam. Die junge und auffällige Frau mit den blonden Locken hatte keine Probleme gehabt, sich in der Stallgesellschaft einzufinden. Sie war offen, warmherzig und stets voller Energie.
      "Leute!" Trällerte sie lauthals und hastete auf die kleine Versammlung zu. "Los, los! Ihr habt eine Minute Zeit mir zu sagen, was ihr aus der Stadt braucht!" Sie kramte einen Notizblock samt Stift aus ihrer Tasche und schaute die drei Männer erwartungsvoll an.
      Malte schüttelte bloß den Kopf. "Danke, ich brauche nichts."
      Heathers Blick schwankte weiter zu Petyr. "Und was ist mit dir, du Faulpelz?"
      "Öh", überfordert zuckte Petyr mit den Schultern. "Kein Plan. Ruf' aber mal Saga an, die hat bestimmt was für dich."
      Auch Eyvind lehnte dankend Heathers Angebot ab, sodass diese ihren Stift einsteckte und seufzte. "Ich bin jetzt extra wegen euch zum Stall gerannt. Den Weg hätte ich mir ja dann auch sparen können." Sie boxte Eyvind gegen die Schulter und zwinkerte Malte kurz zu. "So bis dänne, ihr Pappnasen!" Rief sie, als sie sich bereits wieder umgedreht und mit großen Schritten den Stall verließ.

      Tjarda » Tjarda liebte diesen hochgewachsenen Mann mit dem kantigen und doch so weichen Gesicht und viel mehr liebte sie jedoch die hellen Augen, welche sich so von seinem dunklen Körper abhoben. Es war ihre liebste Zeit, wenn sie nebeneinander im Bett lagen, er noch schlief und sie am frühen Morgen die Erste war, die in diese Augen blicken durfte. Vuyo schlief jede Nacht friedlich, während Tjarda oft stundenlang wach lag. Es war diese Gegenteiligkeit, an welcher beide Gefallen gefunden hatten.
      Als Tjarda wenig später das gemeinsame Haus verließ und sich auf den Weg zum Haupthaus machte, stieß sie auf Heather. Stürmisch umarmte diese ihre Freundin, erzählte ihr dann von dem geplanten Einkauf und bot Tjarda an, sie in die Stadt mitzunehmen.
      Die Wälder und Berge, Seen und kleine Dörfer zogen nun an ihr vorbei, während sie verträumt aus dem Fenster blickte. Heather am Steuer erzählte ununterbrochen, lachte über ihre eigenen Witze und fand zu jedem Thema ein weiteres Thema, welches damit in Verbindung stand. Heather erzählte immer. Egal ob es ihr gut ging oder nicht. Tjarda mochte diese offene Art, sie selbst war eher das Gegenteil. Verschlossen und ruhig. Sie wollte nicht hoch hinaus, der ihr angebotene Modeljob hätte das erbracht, sondern ihr reichte das stille Kunstmuseum in der Innenstadt. Menschen zu beobachten und zu zeichnen war ihre große Stärke und seit einigen Jahren war sie mit dem bisschen Einkommen schon zufrieden.
      Heather parkte ihren kleinen Flitzer genau im Parkverbot vor dem Museum, schaffte es, ihre Freundin schwungvoll im Auto zu umarmen und sie mit reichlich Worten zu verabschieden. Tjarda winkte ihr noch lächelnd zu, bevor Heather Gas gab und um die nächste Ecke brauste. Lächelnd betrat Tjarda die schmuckvolle Eingangshalle und begann ihren Arbeitstag.

      Mio » Ich schaffte es, Addi die nächsten Stunden aus dem Weg zu gehen. Erst kurz nach Mittag traf ich in der kleinen Reithalle auf ihn. Quisquilloso lief erst seit einigen Wochen unter dem Sattel und so musste ich einen Moment bewundert stehen bleiben, als ich Addi mit dem Hengst arbeiten sah. Quisquis Start war nicht einfach gewesen. Er hatte immer wieder Rückenprobleme und leichte Verletzungen gehabt, obwohl er sein Bestes tat sich schnell anzupassen. In Gedanken versunken lehnte ich an der halboffenen Tür. Addis Arbeit begeisterte mich immer wieder und obwohl ich seit drei Jahren Tag für Tag mit ihm verbrachte, hatte ich mir noch längst nicht alles abschauen können. Hinzu kam, dass die Beziehung zwischen uns schon seit längerer Zeit abgekühlt war, seit genau dem Tag, an dem ich Jacob lieben gelernt hatte. Addison mochte seinen Cousin nicht.
      Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht merkte, wie Addi vor mir zum Stehen kam, leichtfüßig aus dem Sattel rutschte und dann vor mir landete. Er hatte geweint, ich erkannte einen leichten roten Rand um seine Augen und mittlerweile kannte ich ihn so gut, dass ich wusste, dass es ihm nicht gut ging.
      "Hallo Mio."

      Malte » "Was sind das denn für fette Brocken?" Sagas tiefe Lache schallte durch die Stallgasse, als sie die beiden Irish Draughts sah. Ich schaute sie wütend an. Man merkte, dass sie von Pferden nicht allzu viel Ahnung hatte, denn ihre Lautstärke schaffte sie nicht zu zügeln.
      "Der eine davon heißt sogar Brock." Flüsterte ihr Petyr ins Ohr und sie brach wieder in Gelächter aus.
      "Petyr, musste das sein?" Mein wütender Blick galt nun Petyr, welcher sich kindisch hinter Saga versteckte und so tat, als wäre er dort sicher vor mir. Ich hatte mir immer erhofft, dass er in einer Beziehung endlich seine reife Seite finden würde, aber genau das Gegenteil war geschehen. "Saga, was machst du eigentlich hier? Musst du nicht arbeiten?"
      "Nö, erst heute Nachmittag." Sie grinste. "Aber Malte, jetzt mal ehrlich, die beiden kenne ich noch nicht, oder? An den Namen Brock würde ich mich sonst erinnern." Vergnügt gluckste sie und stieß Petyr an.
      Ich ließ Saga mit einer Antwort warten, bis ich erst Belmonts Brock und dann Belmonts Beo in ihre Boxen gebracht und beide Türen verschlossen hatte. "Beo und Brock. Nein kennst du noch nicht, sind erst seit ein paar Tagen hier und es wird hoffentlich auch nur eine Übergangslösung." Antwortete ich ihr knapp, während ich meine stets verdreckten Hände an meiner Hose abzuwischen versuchte. "Noch mehr Pferde und ich erwarte von Charly eine Gehaltserhöhung."

      Charly » Unruhig stieß Charly immer wieder mit dem Bleistift auf den Tisch. Hunderte von kleinen Einkerbungen hatten sich bereits angesammelt, diese schien sie jedoch nicht zu merken. Der helle Bildschirm zeigte Dokumente, Tabellen und Internetseiten, mehrere leere Kaffeetassen standen neben ihr und Briefe aller Art stapelten sich auf dem ganzen Tisch. Charly hatte Nico seit heute Morgen nicht mehr gesehen, aber auch das schien sie verdrängt zu haben. Auch Charly hatte schon bessere Zeiten gesehen. Sie hatte zugenommen und ihre sonst so makellose Haut sah unrein aus. Auch der Konsum an Zigaretten war wieder gestiegen und das, obwohl sie genau wusste, dass sie das Geld nicht hatten. Viele Jahre lang hatte sie drauf verzichtet, aber mit ihren entstandenen Problemen war sie wieder in alte Gefilde gefallen.
      Es klopfte. Es klopfte selten jemand an ihre Tür, die meisten spazierten herein wie sie wollten und es erstaunte sie noch mehr, als Nico den Kopf zur Tür herein steckte. "Charly?"
      Sie drehte sich zu ihm um, wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte und meinte dann: "Ja? Alles gut?"
      Nico nickte und trat ganz ein. "Hast du kurz Zeit? Ich würde dir gerne jemanden vorstellen." Aufgewühlt blickte Charly zu ihm auf. Nico verwirrte sie. Er schien fast unsicher in seiner Art, als wüsste er selbst nicht so genau, was er gerade tat. Es versetzte ihr einen Stich, ihn leiden zu sehen. Sie hatten sich mal geliebt und vielleicht liebten sie sich immer noch.
      "Nico?"
      "Ja?"
      "Wirklich alles in Ordnung? Geht es Bart gut?"
      Nico nickte hastig. Charly stand auf und ging durch die offene Tür, welche Nico ihr aufhielt.
      "Was ist das?" Erschrocken blieb Charly stehen, als sie einen Transportkorb im Wohnzimmer stehen sah. "Nico!"
      "Bitte sei mir nicht böse!" Flehentlich presste er die Hände zusammen. "Bitte, gib ihr eine Chance."
      "Wem eine Chance?" Charly blieb ruhig, ihre Augen funkelten jedoch. "Nico, wem soll ich eine Chance geben?"
      Nico zögerte, dann ging er zum Transportkorb, öffnete ihn und drehte sich dann zu Charly um. Auf seinem Arm saß ein kleiner Welpe, einige Wochen alt. Nur ein Fleck am Ohr, ein blaues und ein braunes Auge.
      "Nico was soll das?! Ich habe dafür keine Zeit!" Charly hielt sich die Hand an die Stirn. "Nico..."
      "Charly, es tut mir Leid, bitte, ich wollte dir einen Gefallen tun. Wir können uns zusammen um sie kümmern, als Familie. Du weißt, wie sehr Bart Hunde mag."
      "Sind wir überhaupt noch eine Familie, Nico?"
      "Charly", schmerzhaft verzog Nico das Gesicht. Er trat einen Schritt auf sie zu, den ängstlich schauenden Welpen immer noch auf dem Arm. "Sage so etwas nicht, ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr, du hast mich verzaubert und ich sehe nun, dass ich so viele Fehler begangen habe. Bitte, gib mich nicht auf!"
      "Woher weiß ich, dass du dich wirklich verändert hast? Warum sollte ich dir glauben, dass du nun wahrhaftig auf meiner Seite bist? Es ist so viel passiert."
      "Ich liebe dich", verzweifelt flüsterte Nico die magischen Worte. "Ich liebe dich." Seine Stimme versagte.
      "Ich liebe dich doch auch." Charly flüsterte ebenfalls und trat einen Schritt auf ihn zu. Zärtlich streichelte sie den weichen Kopf des Hundes und blickte dann ins Nicos Gesicht. Er lächelte vorsichtig, zog eine Hand unter dem Bauch des Hundes hervor und strich sanft eine dunkle Strähne aus Charlys Gesicht.
      "Also gut." Charly seufzte und trat einen Schritt zurück. "Wie soll unsere neue Mitbewohnerin denn heißen?"

      Mio » Addison schwang die Zügel über den Kopf des Pferdes und trat dann noch einen Schritt auf mich zu. "Schön dich zu sehen." Ich blinzelte. Wie meinte er das? Er verhielt sich komisch. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als ragte Addison bedrohlich vor mir auf und mit einem Mal spürte ich so etwas wie Angst vor ihm. Seine hochgewachsene Gestalt drängte mich zurück, doch konnte ich nicht weichen, nur wenige Zentimeter hinter fühlte ich das schwere Tor. Er streckte eine Hand nach mir aus, legte sie an meine Hüfte und zog sich zu mir heran.
      "Addi," mein Atem stockte. "Addison!" keuchte ich und versuchte ihn von mir wegzuschieben. "Addison, was soll das?"
      "Mio, ich kann nicht mehr, du kannst mir das nicht mehr antun." Er beugte seinen Kopf zu mir herunter, kam meinen Lippen bedrohlich nahe, während ich mit aller Macht versuchte, mich seinen starken Armen zu entwinden. "Vielleicht muss ich dich dazu zwingen, damit du siehst, was du verpasst." Die Zeit schien still zu stehen. Ich presste meinen Mund zusammen, doch Addison legte den seinen erstaunlich sanft auf den meinen, um dann mit jeder Menge Energie seinen Mund mit meinem zu verbinden.
      Mit einem befreienden Stoß stieß jemand das Tor auf und drückte Addisons Körper von mir weg. Helles Licht flutete ihn die Halle und erleuchtete Eyvind, welcher sich schützend vor mir aufgebaut hatte. Addison stolperte zurück, ich sah den Schock und die Verständnislosigkeit in seinen Augen, bevor er sich auf Quisquilloso stürzte und mit dem erschrockenen Hengst im Galopp die Halle verließ.
      Ich stand unter Schock. Die Tränen flossen, ich merkte sie kaum. Nur Eyvinds Arme, welche sich um mich schlossen und an sich zogen. Stumm weinte ich, während die ruhige Stimme von Eyvind ein Lied summte. Er hielt mich fest, bewahrte mich davor zu versinken und auch ich krallte mich an ihn, verkrampfte mich, während immer wieder Schüttelanfälle über mich hereinbrachen.
      Ich sah Addison nicht mehr. Nicht an diesem Tag und auch am nächsten nicht. Ich trocknete meine Tränen, Eyvind brachte mich zu meinem Haus und nachdem ich ihm versichert hatte, dass alles gut war, ließ er mich alleine. Jacob erzählte ich nichts. Er merkte, dass es mir nicht gut ging, hackte jedoch nicht weiter nach. Ich versank am Abend in seinen Armen und tauchte ab in einen unruhigen Schlaf.

      Eyvind » Nachdem Addison spurlos verschwunden war und nur Eyvind und Mio die Geschichte wussten, zog Heather für eine Nacht zu Chill und Buck ins Haus. Beide waren verwirrt, erwarteten eine klare Antwort von ihrer Tante und erfuhren jedoch nur noch mehr neblige Ausreden.
      Als Addi kurz nach um zehn noch immer samt Quisquilloso verschwunden war, stiegen Nico und Vuyo, sowie Malte und Tjarda in ihre Autos und machten sich auf dem Festland auf die Suche nach dem verschwundenen Addison. Als auch nach Mitternacht noch keine Spur von ihm zu finden war, gaben die vier es auf und kehrten zurück auf die Insel. Nach einer kurzen Besprechung im Haupthaus, verteilten sich alle auf der Insel und wenig später lag diese von einem stummen Tuch umhüllt, unruhig schlafend da. Nur ein Schatten, wachend, schlich am südlichen Ufer entlang. Seinen wachen Blick über dunkle Wasser in die Ferne gerichtet
      "Rakkaus ja epätoivo." Flüsterte Eyvind in seiner Sprache und wendete seinen Blick dann zum Himmel. "Wer braucht das schon?"
    • Rhapsody
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      8/19

      Springen E-A - FrauHolles Zirzensikschule & Ausbildungsbetrieb
      Juni 2017 -- FrauHolle

      Ich hatte eine sehr stressige Woche mit vielen Turnieren und Aufträgen hinter mir. Doch bevor ich mir eine kleine Auszeit gönnen wollte, machte ich mich zu einem letzten Auftrag auf den Weg nach Norwegen, wo ich zwei Stuten trainieren sollte. Nachdem ich Freitag ein paar Stunden geschlafen hatte, machte ich mich gegen 23 Uhr auf den Weg nach Storøya. Der Weg nach Storøya führte mich durch Dänemark, Schweden und schließlich nach Norwegen. Nach einer langen Autofahrt und einer anstrengenden Nacht kam ich am Samstagmorgen gegen 10 Uhr am Tyrifjord an. Da ich schon einige Male auf der Tyrifjord Ranch gewesen war, wusste ich genau, wo ich hinmusste. Ich stellte mein Auto auf dem Parkplatz ab, schnappte mir meine Jacke vom Rücksitz, knallte die Autotür zu und schlenderte Richtung Stall. „Hey, du!“, ich zuckte zusammen. Erschrocken guckte ich mich um. An der Tür der Sattelkammer lehnte ein junger Mann mit blonden Locken und grinste mich komisch an. „Hast du dich verlaufen?“, fragte er. Etwas verwirrt antwortete ich: „Ich…. Ich bin die Trainerin. Ich soll…“, „…Samarra und Sawanna trainieren, richtig?“, ohne mich ausreden zu lassen beendete der Mann meinen Satz, „tut mir leid, du siehst nicht so aus als wenn du so viel drauf hast“. Ich war mir nicht so sicher, ob ich ihn gerade richtig verstanden hatte, doch ich glaube das hatte ich. Er musterte mich von oben bis unten, bis er mir schließlich seine Hand hinhielt: „Ich bin Nico, ich hoffe du wirst meinen beiden Stuten mal ein bisschen Feuer unterm Hintern machen“. Ohne auf eine Antwort von mir zu warten drückte er mir ein Halfter in die Hand und lief vor in Richtung Weide. „Das sind die beiden“, er zeigte auf zwei Fuchsstuten, „Sattel und Trense ist in der Sattelkammer, Springplatz gleich da vorne. Noch Fragen?“. Ich schüttelte den Kopf und brachte ein leises „Ich glaube nicht“ hervor. Nico drehte sich um, klopfte mir auf die Schulter und verschwand schließlich hinterm Stallgebäude. So ganz kam ich mit Nico noch nicht klar aber ich beschloss, mir über ihn nun keine Gedanken mehr zu machen, sondern mich aufs Training zu konzentrieren. Ich öffnete das Tor der Weide und ging auf eine der Pferde zu. „Du musst Sawanna sein, oder?“, flüsterte ich der Stute zu, während ich sie aufhalfterte, doch ich bekam natürlich keine Antwort. Ich führte Sawanna durchs Tor zum Putzplatz, wo ich anfing, ihr Fell zu striegeln. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt und den Schweif gekämmt hatte, holte ich aus der Sattelkammer die Trense und den Sattel. Schon kurze Zeit später parkte ich Sawanna neben der Aufstiegshilfe auf dem Platz ein und schwang mich in den Sattel. Während ich warm ritt, begutachtete ich die verschiedenen Sprünge, die auf dem Platz aufgebaut waren. Für ein A-Springen mussten wir heute mindestens eine Höhe von einem Meter erreichen, was ich uns durchaus zutraute. Nachdem ich noch einmal den Sattelgurt kontrolliert hatte, nahm ich die Zügel auf und trabte an. Sawanna trabte in aller Ruhe los und ich fing an, sie mit vielen Wendungen locker zu bekommen. Schnell hatte ich mich an ihren schwungvollen Trab gewöhnt und ritt einige Schritt-Trab Übergänge. Nach guten 15 Minuten gönnte ich Sawanna eine Schrittpause, bevor ich mit der Galopparbeit startete. Ich galoppierte ein paar Runden auf dem Zirkel und ritt einige Übergänge, um mich an ihren Galopp zu gewöhnen. Schließlich steuerte ich sie auf den ersten Sprung zu. Sawanna machte einen großen Satz über das Cavaletti, welches ich gleich noch einmal von der anderen Hand anritt. Ich ritt eine Runde auf dem Zirkel und lenkte die Stute auf den Steilsprung zu. Auch diese Höhe von knappen 70 cm war für Sawanna kein Problem. Ich parierte sie durch zum Trab, ließ mir die Zügel aus der Hand kauen, nahm die Zügel nach kurzer Zeit wieder auf und galoppierte in der Ecke erneut an. Zufrieden lobte ich sie, als wir sowohl den Oxer in der Mitte der Bahn, als auch den Steilsprung bei E gut überwunden hatten. In einem großen Bogen ritt ich auf die Kombination aus einem Kreuz und einem Steilsprung zu. Viel zu spät sprang Sawanna über das Kreuz, weshalb auch der Abstand zum zweiten Sprung nicht richtig passte. Nach dem Kreuz setzte ich mich tief in den Sattel und versuchte, Sawanna zurückzuhalten. Zwar kamen wir, wie erwartete, auch an den Steilsprung viel zu nah, doch die Stange blieb zum Glück liegen. Ich wechselte die Hand und ritt erneut zur Kombination. Diesmal kamen wir perfekt an den ersten Sprung ran, sodass auch der zweite Absprung prima klappte. Erleichtert kraulte ich der Stute den Hals, als ich uns beiden eine kleine Schrittpause gönnte. Ich startete eine letzte Runde, in der ich einen kompletten Parcours abreiten wollte. Wir starteten unseren Ritt mit dem Cavaletti, danach wechselte ich durch die ganze Bahn und ließ Sawanna über den Oxer springen. Nach dem Steilsprung überquerten wir die Kombination von der rechten Hand aus und schließlich erneut den Oxer. Nachdem ich die Kombination aus dem Kreuz und dem Steilsprung von der anderen Seite abgeritten war, beendete ich den Parcours mit dem Steilsprung an der langen Seite bei E. Ich ging in den leichten Sitz, gab Sawanna den Zügel und ließ sie in einem flotten Tempo eine letzte Runde galoppieren, bevor ich sie durchparierte. Sawanna war ziemlich durchgeschwitzt, als ich nach einigen Runden Trab schließlich zum Trockenreiten überging. Am langen Zügel trottete sie über den Platz und schnaubte zufrieden ab.
      Eine gute dreiviertel Stunde später hatte ich Sawanna abgesattelt, übergeputzt, zurück auf die Weide gebracht, Samarra geholt und geputzt und war nun auf dem Weg zum Reitplatz. Ich war sehr gespannt, ob das zweite Training heute genauso gut verlaufen würde wie das erste. Ich hatte mich auf jeden Fall schon in die Stute verliebt, denn ihre Farbe und ihre Abzeichen waren genau nach meinem Geschmack. Im Nu war ich aufgestiegen und ritt die ersten Runden im Schritt über den Platz. Nach dem Warmreiten ging ich zur Trabarbeit über. Samarra hatten einen schwungvollen Trab und einen sehr guten Vorwärtsdrang. Mit vielen Bahnfiguren, Handwechseln und Übergängen machte ich sie warm. Obwohl wir uns hier und da noch nicht ganz einig waren und sie sich ab und zu etwas wiederwillig gegen meine Vorhaben wiedersetzte, fühlte ich mich sofort wohl auf der Stute. Unser erster Galopp lief zugegebenermaßen etwas chaotisch ab, den Samarra war nicht ganz meiner Meinung. Ich brauchte einige Anläufe, um mit ihrer Sturheit zurechtzukommen, doch schließlich gab Samarra auf und wir nahmen den ersten Sprung. Samarra hatte großes Potential und machte riesige Sätze über die kleinen Sprünge. Immer wieder musste ich sie zurücknehmen und zum Trab durchparieren, um sie unter Kontrolle zu behalten, doch insgesamt kamen wir ganz gut miteinander klar… Dachte ich… Im vollen Tempo raste die Stute links am Oxer vorbei, schlug einen Haken und galoppierte schließlich die lange Seite herunter. Während ich damit zu kämpfen hatte, mich im Sattel zu halten, versuchte ich Samarra zu bremsen, doch das interessierte sie eher wenig. Völlig verzweifelt zog ich mit aller Kraft am linken Zügel, um sie mit einer Volte zum durchparieren zu bringen. „Na gibt’s Probleme?“, Nico lehnte lässig am Zaun. Auch das noch! Vor lauter Springtraining hatte ich ihn schon fast vergessen. Natürlich musste er genau in diesem Moment ankommen. Wie lange stand er da wohl schon? Und was sollte er nun von mir denken? Zum Glück hatte ich hatte ich Samarra wieder einigermaßen im Griff, allerdings hatte meine Kraft ziemlich nachgelassen. Doch ich wollte nicht durchparieren, sondern Nico zeigen, dass ich nicht komplett überfordert war. Ich ritt zum Steilsprung, begrenzte mein Pferd mit meinen Beinen und den Zügeln und steuerte den Sprung genau in der Mitte an. Samarra zog ordentlich das Tempo an und flog geradezu über den Sprung. Völlig erschöpft parierte ich sie durch. „Ich glaube das hätte ich besser hinbekommen“, lachte Nico angeberisch, „ich habe sicherlich mehr Kraft und Kondition als du“. Seine Anmerkungen machten mich ziemlich wütend, doch ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen und es gelassen zu nehmen. Nico machte keine Anstalten, sich wieder an seine Arbeit zu machen, weshalb ich wohl oder übel mit Publikum weiter trainieren musste. Insgeheim hoffte ich so sehr, dass ich einen anständigen Ritt mit Samarra hinbekommen würde. Konzentrierte ritt ich auf den ersten Sprung zu. Ich setzte mich tief in den Sattel und nahm die Zügel erneut etwas an. Zwar war das Tempo mal wieder viel zu hoch, doch wir kamen heil über den Steilsprung rüber. Ich atmete tief durch und steuerte den Oxer an. Samarra versuchte erneut, links am Sprung vorbei zu laufen, doch ich reagierte sofort, lenkte sie mit meinem Schenkel und dirigierte sie über den Sprung. Erstaunlich harmonisch lief nun die Kommunikation zwischen uns beiden ab, als ich sie die Kombination springen ließ. Wir beendeten unsere Runde mit einem Steilsprung, bevor ich sie schließlich völlig zufrieden durchparierte und lobte. „Das sah ja doch noch ganz gut aus“, murmelte Nico. Ganz gut? Im Gegensatz zum Anfang war diese Runde Olympiareif. Mir viel ein riesen Stein vorm Herzen, dass ich vor Nico nicht komplett versagt hatte. Ich trabte noch kurz leicht und parierte dann durch zum Schritt. Ich hatte das Gefühl, Nico war immer noch nicht wirklich von mir überzeugt und seine kritischen Blicke machten mir etwas Angst. Ich wusste nicht genau was es war, doch irgendwie konnte ich mit seiner Art noch nicht so ganz umgehen. Während ich mich von Nico zulabern ließ, machte ich Samarra fertig. Meine Antworten zu Nicos Fragen begrenzten sich auf ein, höchstens zwei Sätze, dann redete Nico meist schon weiter und stellte mir die nächste Frage. „Komm ich helfe dir“, zwinkerte er mir zu, als ich die Sachen in die Sattelkammer bringen wollte. Er nahm mir den schweren Sattel aus der Hand und schleppte ihn in die Sattelkammer. „Sonst noch ein Wunsch, die Dame?“, fragte er freundlich. Aha, Nico hatte also noch eine andere Seite, die er mir wohl auch noch zeigen wollte. „Danke, ich bin wunschlos glücklich!“, grinste ich ihn an. Nico grinste zurück und wir mussten beide lachen. Vielleicht war er ja doch gar nicht so komisch, wie ich am Anfang gedacht hatte!
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      9/19

      Hufschmiedbericht - Briar Cliff Farrier
      Juli 2017 -- Sosox3

      Wieder einmal fand ich mich in Norwegen wieder, neben Nico und seiner dreijährigen Stute gleich daneben. „Ja, die ist schon drei und soll nun auf die Körung. Also nur eine rasche Kontrolle.“ „Alles klar, mach ich“, sagte ich und kratzte ihr die Hufe ordentlich aus. Auf den ersten Blick hatte i.h gesehen, dass sie hinten rechts einen Stellungsfehler hatte und sich der Huf momentan umformte. „Hatte Samarra jemals Hufrehe oder Sehnenschäden?“, fragte ich Nico und er sah mich unsicher an. „Nein? Wieso?“, fragte er mich nun. „Die hat hinten einen Umformungshuf. Wird dann ein vor kurzem erworbener Stellungsfehler sein. Ansonsten hat sie jedoch nichts. Das bedeutet allerdings, dass ich hinten den Huf erst kürzen muss und dann einen Sonderbeschlag mit Erhöhung anfertigen muss, damit sie hinten gerade steht und keine Rotation dadurch entsteht.“ Er schluckte. „Je nach Endstadium und Entwicklung des Hufes kann es auch sein, dass sie in ein paar Jahren wieder ohne Eisen laufen kann.“ „Okey, dann müssen wir das wohl machen“, murmelte er und hielt seine Stute fest, während ich die Zehe kürzte.
      Nachdem ich in einer benachbarten Schmiede das Eisen angefertigt hatte, fuhr ich wieder zu meinem Schützling und nagelte mithilfe seines Besitzers das Eisen an. „Besser jetzt als wenn es zu spät ist“, sagte ich und ließ Sammy mir vortraben. Etwas ungewohnt schien es ihr, doch nach zwei Runden traben ging sie taktrein. „Ihr könnt dann auf die Körung.“
    • Rhapsody
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      10/19

      Jeder hat jemanden, den er nicht hat
      Juli 2017 -- Canyon

      Malte » "Ich spreche nun ganz offen meine von Misstrauen geprägte Abneigung zu Paul aus!"
      "Wer ist Paul?"
      "Anscheinend der LKW-Fahrer da vorne, an dessen Scheibe ein Schild mit dem Namen "Paul" klebt. Er kann natürlich auch Erwin heißen und trotzdem dieses Schild dort hängen haben, ist ja jedem selbst überlassen. Ich will ja auch nicht so schnell solche subjektiven Vorurteile verstreuen, aber mir scheint er verdächtig."
      "Was hast du denn gegen Paul?"
      "Was ich gegen Paul habe? Das fragst du noch?!"
      "Ja."
      "Mhm. Keine Ahnung. Wahrscheinlich nichts. Ich habe nur gerade Langeweile."
      "Du bist komisch."
      "Ich weiß."
      "Das ist doch schonmal ein Anfang."
      Petyr und ich sitzen vor dem Stallgebäude wie üblich auf der roten Bank und genießen wohl die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres. Es ist Mittag, die Pferde stehen gemütlich auf den Weiden und die wichtigste Arbeit im Stall haben wir auch schon hinter uns. Petyr neben mir kaut nachdenklich an einem Strohhalm, während ich gedankenlos das Geschehen auf dem Parkplatz vor uns betrachte. Charlys Haare sind in den letzten Monaten lang geworden, mittlerweile kräuseln sie sich nach unten hin. Das gefällt mir. Nico neben ihr trägt seit kurzem einen Zopf. Ich gebe es ungerne zu, aber dieser lässt ihn noch attraktiver aussehen und das mag ich nicht.
      "Malte?"
      "Mpf?"
      "Du starrst sie schon wieder an."
      "Was?" Verwundert blicke ich zu Petyr, welcher mich mit zusammengekniffenen Augen betrachtet.
      "Charly, dein Blick liegt ununterbrochen auf ihr." Meint Petyr. Ich sehe ihm an, dass er mit aller Macht versucht sein Grinsen zu verbergen. "Sag' mal, merkst du das wirklich nicht? Dann wärst du bestimmt der perfekte Stalker."
      "Haha." Lache ich trocken. "Sehr witzig." Mehr fällt mir zu meiner Verteidigung nicht ein. Zum Glück brauche ich das auch gar nicht, Petyr wechselt von ganz alleine das Thema.
      "Was machen die da eigentlich? Ich will endlich sehen, wer oder was da im Hänger ist!"
      Pause. Wir schweigen. "Malte, normale Menschen würden jetzt etwas sagen. Das nennt man Kommunikation."
      "Du sagst doch etwas." Sage ich abwesend und betrachte weiter die kleine Gruppierung. Was für schöne Finger, denke ich, als Charly mit fließender Handbewegung eine Unterschrift auf das Klemmbrett gibt, welches ihr Paul entgegen hält. Was für geschmeidige Bewegungen...
      "Du brauchst dringend eine Freundin und damit meine ich nicht Charly." Petyr boxt mich gegen die Schulter. "He! Aufwachen! Zu wenig Kaffee getrunken oder was? Das ist ja unaushaltbar!" Klagt Petyr genervt. "Ich gehe da jetzt hin und finde es heraus!"
      "Gute Idee." Murmle ich, als Petyr aufsteht und mit großen Schritten auf den LKW zugeht. Er ist noch nicht ganz angekommen, da lässt Paul die Klappe herunter und kommt wenige Sekunden später mit einem Pferd heraus. Ich seufze. Warum muss auf der Welt nur alles so schön sein? Charly ist schön, Nicos Haare sind schön, dieses Pferd ist schön. Jetzt merke ich es selbst. Komisch. Gut möglich, dass Petyr ausnahmsweise Recht hatte. Heute stimmt mit mir wirklich etwas nicht.
      Ich stehe auf, bleibe einen Moment unschlüssig stehen, mache mich dann aber schlussendlich auf den Weg zurück nach Hause. Meine Haustür ist kaum aufgeschlossen, da kommt Petyr angehetzt, drängelt sich an mir vorbei und lässt sich auf mein kleines Sofa fallen. Ich bleibe verwirrt stehen - Genau da hatte ich mich hinsetzen wollen. Jetzt war ich überfordert. Unschlüssig blickte ich mich im Raum um. Petyr machte es sich reichlich bequem, legte die Beine auf den kleinen Tisch davor und beobachtete mich aus zusammengekniffenen Augen. "Ich weiß jetzt übrigens, was das für ein Pferd da war."
      "Ein neues", murmle ich.
      "Was?"
      "Nichts, nichts."
      Petyr murrt verwirrt. "Auf jeden Fall ist das endlich die lang ersehnte Stute. Für Nico, versteht sich. A Touch Of Peace, geniale Abstammung und die besten Voraussetzungen für gigantische Siege."
      "Ich muss wohl doch eine Gehaltserhöhung verlangen."
      "Was?"
      "Nichts nichts."
      "Malte, du bist heute komisch."
      "Ich weiß."
      "Na das ist doch schonmal ein Anfang."
      "Gut gekontert, du Pflaume."
      Petyr richtet sich auf. "Ach Malte, hätte ich fast vergessen, ich habe gerade Charly versprochen, dass wir heute anfangen die neuen Boxenschilder im Südstall anzunageln. Deswegen bin ich ja eigentlich hier."
      Sagte ich doch, denke ich, Gehaltserhöhung.

      In der Sattelkammer begegne ich Tjarda. Sie schließt gerade ihre Tür und obwohl das dämmrige Licht in dem kleinen Raum kaum den Boden berührt, leuchten Tjardas Augen in der Dunkelheit. Tjarda war auch schön, sehr schön sogar. Ich bleibe stehen. Mein Blick liegt auf ihr, auf ihren dunklen Haaren, der zarten Figur und den bunt gemixten Klamotten, welche ihr so gut stehen. Ich wollte sie nicht erschrecken, aber sie erschreckt sich trotzdem, als sie sich zu mir herum dreht und mich hier stehen sieht. Ich Malte, klein, trostlos und unschön. Sie keucht auf und legt sich die beruhigend Hand auf die Brust.
      "Malte! Erschrecke mich nicht so!" Schnell hat sie sich wieder beruhigt und lächelt mich an. Ihr Lächeln ist auch schön. Und die Lippen, aus ihnen entspringt dieses Lächeln, welches ich immer wieder erkennen würde. Ich lächle nicht. Seit einem Jahr lächle ich bereits nicht mehr, wenn ich Tjarda begegne, ich kann es nicht und dazu zwingen will ich mich auch nicht. Erst als sie sich an mir vorbei gedrängt hat, kann ich wieder atmen. Was wollte sie in der Sattelkammer? Frage ich mich noch, bevor ich meinen Weg fortsetze. Klick. Mit dem Lichtschalter zu meiner Linken erhelle ich den Raum. Ich hätte erstaunt sein sollen, bin es jedoch nicht, als ich Vuyo auf einer der Kisten sitzen sehe. Der dunkelhäutige Afrikaner lächelt beschämt und sammelt hektisch die weit verstreuten Klamotten zusammen, bevor er hastig tippelnd, ohne etwas zu mir zu sagen, sich auch an mir vorbei drängt. Ich bleibe einen Moment stehen. Die Gedankenwelt ohne Gedanken erscheint mir so friedlich.
      "Aaaah Malte, da steckst du ja, du Gnom." Petyr betritt den Raum, bleibt neben mir stehen und stützt sich die Arme in die Seite. "Du, war das gerade Vuyo, der ohne Shirt zur anderen Seite raus ist? Also so warm ist es nun heute auch nicht."
      "Ihm war es wahrscheinlich in der Sattelkammer etwas warm." Sage ich trocken.
      Petyr blickt sich fragend um. "Also ich habe jetzt keinen Unterschied zu draußen gemerkt."
      "Mensch Petyr", sage ich seufzend und erwache aus meiner Starre. "Ich bin Tjarda begegnet, als ich die Tür geöffnet habe."
      "Achsooo!" Petyrs Augen hellen sich begeistert auf. "Du meinst, die beiden haben es heimlich im Dunkeln in der Sattelkammer-"
      Ich unterbreche ihn. "Du musst nicht immer alles in Worte fassen. Manchmal sollte man es dabei belassen."
      Petyr grinst glücklich. "Du musst es mal anders sehen. Ich finde es super, dass hier mal ein bisschen Liebe ins Spiel kommt."
      "Da bist du aber auch der Einzige", flüstere ich und sage dann laut zu Petyr gewandt: "Wo sind nun diese blöden Dinger, die wir annageln sollen?"

      Die Boxenschilder anzunageln ist schwerer als gedacht. Zweimal muss ich die Nägel wieder aus dem Holz ziehen, weil Petyr durch sein unaufmerksames Arbeiten schräg oder das komplett falsche Schild angehalten hat.
      "Das ist Sasanchos Box, nicht Deo Volentes", murre ich und reiche Petyr das Schild zurück.
      "Hä?" Fragt Petyr entsetzt. "Seit wann das denn? Da stand doch immer Volente."
      "Seit dem Tag, an dem Sancho zu uns zog, eben weil das die einzige Möglichkeit ist, dass er neben Brego II stehen kann und nun gib mir dieses verdammte Schild!"
      "Nicht so ungeduldig!" Sagt Petyr und kramt in der Tüte. Bevor er das richtige Schild gefunden hat, hält er inne. "Aber wo steht dann Volente?"
      "Petyr", sage ich warnend. "Gib mir sofort das Schild."
      "Achso!" Er schlägt sich an den Kopf. "Bijou und Ghostly Phenomenon stehen ja nun ganz vorne. Ich Schlaukopf."
      Ich schaffe es, Petyr zu ignorieren und mit ihm auch noch die Boxenschilder für die Stuten anzubringen. Shari, Colour Splash, Seattle's Scarlett, Sweet Prejudice, Samarra, Shyvanna, Sawanna und Fannie Mae anzunageln, bevor noch die drei Fohlen an die Reihe kamen.
      "Und was sollen wir mit Picturesque Diova machen? Aufheben?" Fragt Petyr wenig später und hält eine weiteres Boxenschild in die Höhe. Ich kann die Dinger langsam nicht mehr sehen. Augenkrebs.
      "Das machen wir unten drunter. Und das von Simplicity of Sophistication auch." Sage ich bestimmend. "Mir egal, wer die dann abnagelt."
      "Tz Tz", macht Petyr. "Malte mein Freund, das ist heute nicht dein Tag."
      "Habe ich auch nie behauptet", knurre ich und schlage einen weiteren Nagel ins Holz. Noch eins, denke ich, als Petyr mir das von Royal Champion reicht. Noch eins, dann habe ich es geschafft.
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    9 Sep. 2019
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    Samarra
    Sammy
    persisch: "von Gott behütet"

    PEDIGREE
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    von: Bijou

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    EXTERIEUR & INTERIEUR
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    Stute
    Trakehner
    5 Jahre

    169 cm
    Dunkelfuchs
    Laterne, 4x weiße Fessel

    "Sammy" weiß genau was sie will. Sie hat das Durchsetzungvermögen ihrer Mutter geerbt und wusste von Anfang an, wohin es für sie gehen soll, nämlich bis ganz an die Spitze. Trotz ihres jungen Alters, versucht sie sich stetig zu verbessern und mit all ihrer Kraft gemocht zu werden. Das fällt der auffällig hübschen Stute jedoch nicht schwer und nur wenige können sich gegen ihren Charme wehren.
    Allerdings wird ihr auch schnell langweilig, wenn sie das Gefühl hat, nicht genug gefordert oder beschäftigt zu werden. Plötzliche Geräusche findet sie auch nicht gut und man muss in ihrer Nähe immer gut auf die eigenen Füße aufpassen, denn sie hat das Talent immer genau draufzutreten.
    Samarra hat das letzte Jahr in England verbracht, wo sie gründlich von professioneller Hand ausgebildet und schlussendlich auch eingeritten wurde. Nun soll sie vor allem im Springen, aber auch im Military Erfolge erzielen.

    TRAINING
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    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren
    Englisch geritten

    Dressur

    E A L M* M** S*

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M* M** S*

    Fahren

    E A M S

    Distanz

    ER KDR

    Western

    E A L M

    ERFOLGE
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    Dressur: 1x E-Platziert, Springen: 1x L-Platziert, Military: 1x E-Platziert, Fahren: 2x A-Platziert, Western: 1x A-Platziert

    Turniere

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    423. Dressurturnier

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    200. Synchronspringen - 431. Springturnier

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    322. Militaryturnier

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    322. Fahrturnier - 323. Fahrturnier - 331. Fahrturnier

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    397. Westernturnier - 398. Westernturnier


    Andere
    -

    ZUCHTINFORMATIONEN
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    SK 452 - Alle Stuten


    Decktaxe: -
    Genotyp: Ata ee
    Aus der Zucht: Privat
    Nachkommen: -


    GESUNDHEITSZUSTAND

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    276 4 20 377778636
    Chronische Krankheiten: -
    Letzter Tierarztbesuch:
    April 2017

    Fehlstellungen: h.r. Stellungsfehler
    Beschlagen: h.r. Sonderbeschlag mit Erhöhung aufgrund eines Stellungsfehlers
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Juli 2017

    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Canyon
    VKR: -

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    Offizieller Hintergrund