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Samarti

Rozene, DRP

*2015, im Besitz seit dem 15. Januar 2015

Rozene, DRP
Samarti, 22 Juli 2015
Veija gefällt das.
    • Samarti
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      Neues Leben
      18. Januar 2015
      Platzhalterrr
    • Samarti
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      Tierarztbesuch
      22. Januar 2015 - von Eddi
      Heute machte ich einen flotten Stop bei Elisa. Ich hatte nicht sonderlich viel Zeit, aber sie schob ich doch zu gern in meinen Terminkalender. Es standen vier Pferde an, die dringend mal durchgecheckt werden mussten. Auch wenn bei Elisas Pferden sowieso alles in Ordnung war, brauchten sie diesen Vet-Check für die Leistungsprüfungen. Ich begrüßte Elisa fröhlich, welche mir auch direkt Levi aus der Box holte. Der hübsche Rapphengst hielt vorbildlich still, während ich ihn eingehend untersuchte und abhörte. Er war bei bester Gesundheit, weshalb es direkt die vier Spritzen plus die Wurmkur gab. Levi war gar nicht davon angetan und sehr froh, zurück in die Box zu dürfen. Der nächste Patient war Cardillac, ein wunderschöner Perlino, der mich aber nicht sonderlich zu mögen schien. Während der Untersuchung zappelte er ununterbrochen herum und eine Spritze wäre bei ihm beinahe Verschutt gegangen, weil er einfach nicht stillhielt. Mit den anderen beiden hatte ich es wesentlich einfacher. Rozene und Chesmu waren noch klein, süß und verdammt leicht zu handhaben. Dementsprechend mussten sie die Untersuchung brav über sich ergehen lassen, genauso wie die Impfungen und die Wurmkur. Dafür gab es danach warmes Mash, während ich noch fröhlich mit Elisa quatschte.
    • Samarti
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      Ein zwergiges Ungetüm!
      28. Februar 2015 - von Gwen
      So richtig munter war ich trotz (Milch)kaffees und ausgiebigen Frühstücks immer noch nicht, aber es war inzwischen um neun und so stapfte ich eben durch den fast knietiefen Schnee zum Stall. Wie lange wollte diese weiße Schicht eigentlich noch bleiben? Ich liebte den Winter wirklich, aber irgendwann war auch mal gut, immerhin hatten wir schon bald März! Seufzend öffnete ich die Stalltüren, denn dennoch wollten die Pferde ja bewegt werden. Spontan entschied ich mich, Elisa einen Besuch abzustatten. Nach den Geschehnissen der längst vergangenen Nacht hatte ich sie nicht mehr zu Gesicht bekommen und ich war ja doch neugierig, was Matthew alles so erzählt hatte.
      Also schnappte ich mir Nayala, putzte die Stute gründlich und sattelte sie dann auf. Gemeinsam verließen wir den Stall und ich schwang mich in den braunen Ledersattel, welche bei den Temperaturen leider eiskalt war. „Ich brauche dringend so ein Fellteil…“, grummelte ich und ritt los in Richtung Crown Hill. Letzte Nacht schien ein ziemlicher Sturm gewütet zu haben, denn vom Trampelpfad sah man rein gar nichts mehr und hier und da war auch einer der kleineren und schwächeren Bäume umgefallen und versperrten nun den Weg.
      Irgendwann kam die Geländestrecke in Sicht und dann waren wir auch schon auf dem Gestüt. Ich ritt gemütlich in Richtung Stall, damit wir uns aufwärmen konnten, nichts ahnend, was gleich kommen würde. Elisa kam aus dem Stall heraus, um uns in Empfang zu nehmen und fünf Sekunden später schoss ein kleines Fohlen an ihr vorbei, währenddessen im Stall ein Pferd laut wieherte und mit den Hufen aufstampfte. „Oh Rozene!“, seufzte Elisa und wollte dem Fohlen hinterher. Das sah aber gar nicht ein, wieder geschnappt zu werden und versteckte sich hinter Nayala. Die war wiederum nicht sonderlich von dem kleinen Giftzwerg angetan und versuchte das Fohlen auf sanfte Art und Weise zu verscheuchen, bis sie sich dann doch dafür entschied selbst zu fliehen.
      Ich war so doof gewesen und nicht abgestiegen und nun saß ich auf einer Stute, die vor einem Fohlen floh! Und hinter dem Fohlen jagten Elisa und Matthew hinterher. Ich versuchte Nayala auf den Reitplatz zu lenken, was mir leider erst beim dritten Versuch gelang. Das kleine Ungetüm von Fohlen folgte uns brav und so waren wir zumindest schon einmal in einem eingezäunten Areal. Kurz darauf brach die Stalltür auf und eine gescheckte Stute jagte auf und zu und schien auch vor dem Zaun nicht halt zu machen. Stattdessen sprang sie mit Leichtigkeit hinüber, um dann dem Fohlen erst einmal eine liebevolle Rüge zu geben.
      Elisa war im Gesicht schneeweiß und fing dann die beiden Chaoten erst einmal ein. Nayala stand in der anderen Ecke des Reitplatzes und weigerte sich, auch nur in die Nähe von Romantica und ihrem Fohlen zu gehen. Erst als die beiden mit Matthew im Stall verschwunden waren, konnte ich meine Stute dazu bewegen, mir zu folgen. Sie bekam eine warme Box im Stall, während Elisa mich zu einem Kaffee einlud. „So und jetzt musst du mir alles über die gewisse Nacht erzählen!“, meinte ich grinsend zu ihr und ich meine, sie errötete leicht.
    • Samarti
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      Die fünf Kleinen plus Mama
      24. März 2015
      Der Schnee begann langsam zu schmelzen und der Frühling hielt endlich ein wenig Einzug, auch, wenn man dies aufgrund der ständigen Unwetter kaum zu glauben vermochte. Dennoch raffte ich mich an diesem Morgen schwermütig hoch, denn mir stand einiges bevor: Meine fünf Jüngsten wollten schließlich beschäftigt werden!

      Dementsprechend machte ich mich schon bald, bewaffnet mit einem Apfel und einem Trinkpäckchen Orangensaft als Frühstück, auf den Weg in jenen Stalltrakt der Nachwuchspferde und ließ um fünf Uhr morgens das erste Licht durch das riesige Stalltor hineinfallen. Es war ruhig im Stall und die Fünf (plus Romantica) waren noch sichtlich müde, denn Beverly sah ich nur dösen und Pina, die zwar hochschreckte und mich neugierig und mit der gewohnten Portion Skepsis und Argusaugen beobachtete, hatte sogar noch einen relativ verschlafenen Blick auf dem Gesicht, bei dem ihr die Augen fast wieder zufielen. Mir bedeutete allein dieser Ausdruck schon eine ganze Menge – vor einem halben Jahr hätte sie die Box zertreten, doch Gwens und mein Training mit ihr tat das Beste, um sie sozialer zu machen. Dies schafften wir auch bisher ganz gut. In der Nähe von uns beiden ließ sie sich inzwischen sogar einigermaßen fallen und das füllte meine Brust mit unbändigem Stolz, der meine Brust wohl auf das Dreifache anschwellen ließ.
      Da es noch sehr früh war, hatten die Ponys noch kein Futter bekommen, weshalb ich die Aufgabe heute einfach mal übernahm, ohne groß zu murren. So ein bisschen Zeit im Stall, wenn die Pferde zufrieden auf ihrem Futter herumkauten, war auch mal etwas schönes und so konnte ich zumindest noch einen dezenten Schönheitsschlaf ergattern, der mir in meinem Zustand echt gut tat. Augenringe bis zum Gehtnichtmehr, meine Haut war irgendwie ein wenig gerötet und würde mich so jemand sehen, würde er denken, ich wäre todkrank.
      Anfangen tat ich mit Burnin' Unbridled Dreams, Rozene und Chesmu, nachdem sie ihr Futter zufrieden aufgefressen hatten und nun glücklich in der Box standen. Die zwei waren nur ein Jahr auseinander, und Chessi sah zwar schon sehr viel weiter entwickelt aus, doch verstehen taten die beiden sich mehr als gut; beinahe prächtig. Dies war auch der Grund, warum sie so oft zusammen laufen gelassen wurden, denn es freute die beiden fast mehr als mich, wenn ich zusehen konnte, wie sie zusammen Fangen spielten oder gemeinsam herum tobten.
      Heute durften Chessi und Dajun zwar „nur“ in die Halle und wurden laufen gelassen, doch man merkte, wie sie sich über die Bewegung freuten und trotz der Tatsache, dass es noch viel zu früh am Morgen war, tobten sie ausgelassen über den Sand und wirbelten diesen hinter sich auf.

      Genauso handhabte ich es mit Pina und Bee. Auf der Weide sah man die beiden Roans stets zusammen, fast nie traf man sie allein an – Bee war so etwas wie Pinas beste Freundin, die ihr alles Neue und Unbekannte geduldig gezeigt hatte und sie nun vor allem Bösen beschützte. Irgendwie war der Gedanke daran, dass die nur knapp ein Jahr ältere Stute der jüngeren alles beibrachte und lehrte, verdammt niedlich. Anfangs hatte ich eher daran gedacht, Pina zu Goldherz zu stellen, denn die gute Stute hatte mehr als genug Erfahrung mit Fohlen und jüngeren Pferden, und aufgrund ihrer Gutmütigkeit wäre auch sie wohl mehr als perfekt für diese Aufgabe gewesen. Als ich dann aber gesehen hatte, wie prächtig Bee und Pina miteinander auskamen, brachte ich es nicht mehr übers Herz, die zwei voneinander zu trennen.
      Der Hocker, auf dem ich in der Mitte der Reithalle saß, wackelte zwar etwas hin und her, wenn ich mein Gewicht verlagerte, doch irgendwie hatte ich es geschafft, ihn so tief im Sand zu verankern, dass er still blieb, selbst, wenn ich mich fast komplett nach hinten in den Sand fallen ließ.

      Rozene war die letzte, die an der Reihe war. Sie stand jedoch bei Romantica, da sie noch lange nicht soweit war, entwöhnt zu werden. Dementsprechend hatte ich beschlossen, mit Mutter und Fohlen einen Spaziergang zu unternehmen, der allerdings nur knappe zwanzig Minuten anhielt, denn das kleine Stutfohlen hatte noch lange nicht genügend Ausdauer, um viel mehr auszuhalten. Wer konnte es ihr übelnehmen – sie war erst fast drei Monate alt und dementsprechend noch nicht „das Gelbe vom Ei“.
      Romantica war eine ausgezeichnete Mutterstute, was mir immer wieder bewiesen wurde. Auch jetzt gab sie sich sichtlich gelassen, wenn Rozene sich erschrak, hatte Geduld mit ihr und gab ihr liebevoll den Freiraum, den das Fohlen zum Erkunden der ungewohnten Umgebung benötigte. Rozene dankte es ihr und sprang ausgelassen herum, schnupperte an fremden Büschen und schrak zurück, wenn es im Unterholz raschelte, um sich dann ängstlich hinter Mama zu verstecken. Es war ein wahrlich idyllisches und harmonisches Bild, das das Paar abgab.
    • Samarti
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      Mama über alles
      30. April 2015
      „Wo ist das?!“ Eine aufgehetzte Elena rauschte mit hochrotem Gesicht an mir vorbei und ich spürte sogar einen leichten Windhauch, der meine Wangen kitzelte.
      „Was suchst du?“
      „Mama! Ich brauche Mama! Mamas finden immer alles!“, regte sie sich weiter auf und ließ Jojo und mich rat- und tatenlos nebeneinander stehen. Wir runzelten nur verwirrt die Stirn und als Eli das nächste Mal an uns vorbei zischen wollte, packte Juli sie entschlossen am Unterarm und hielt sie so fest, dass die Blondine gar keine andere Chance hatte, als uns zu sagen, warum sie so orientierungslos durch das Haus raste: „Ich hab letztens so eine Kaffeemaschine gekauft und jetzt suche ich den dämlichen Kassenbon. Wenn man den nämlich vorlegen kann, kriegt man hundert Kapseln gratis. Hundert!“
      Jojo und ich sahen uns nur an und wie aus der Pistole geschossen machten wir abwechselnd Vorschläge, wo sich das Zettelchen versteckt haben könnte.
      „Portemonnaie?“ – „Jackentasche?“ – „Irgendeine Ablage?“ – „Auf den Boden gefallen?“ – „Hosentasche?“ – „Im Unterwäschefach im Kleiderschrank?“
      „Jojo? Wieso Unterwäsche?“, unterbrach ich unser 'Gespräch' (das übrigens wirklich klang, als wäre es einstudiert worden oder so), doch mich empfing nur die pure Ignoranz. Jojo hatte sich inzwischen ihrem Handy gewidmet und Elena lief noch immer total wüst durchs Haus.
      „VERDAMMT! ICH HAB DEN DOCH HEUTE NOCH GELESEN!!!“, tobte sie schließlich und trat so fest gegen einen Mülleimer, dass dieser umkippte. Die Augen der Blondine leuchteten kurz auf, dann stürzte sie sich wie ein hungriger Bär auf den umgekippten Papiermüll; erfolglos.
      „Das war jetzt schon der zweite Mülleimer!“, stöhnte sie völlig fertig auf und raufte sich das Haar. „Ich geh mal im Bad weiter Power Suching machen.“
      „Mach das“, bestätigte ich sie und schüttelte dann den Kopf, als sie verschwunden war. „100 gratis Kapseln... Das sind ja ganze drei Euro!“
      „Drei Euro, mit denen man sich einen Eistee kaufen kann“, erwiderte Jojo protestierend und ich seufzte nickend.
      „Vierzig oder fünfzig Euro trifft es eher!“ Natürlich war Elena wieder da. Und natürlich war sie noch nicht fündig geworden. „Ich sterbeeeee!“
      „Das glaube ich nicht, noch siehst du ganz gesund aus.“
      „Du sagst es: noch! Ich brauche echt Mamas Superkräfte...“

      Staunend betrachtete Jojo Vendetta, Pina und Beverly, die allesamt fröhlich in der Reithalle ihre Runden drehten, sich gegenseitig in die Hintern zwickten und immer weiter anspornten, noch nicht mit dem Laufen aufzuhören. Wir hatten zwar auch einige kleine Kreuze aufgestellt, um zu sehen, ob sie diese auch überqueren würden, aber das war dann wohl eine Fehlanzeige gewesen – die drei jungen Stuten waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die niedrigen Hindernisse auch nur eines einzelnen Blickes würdigen würden.
      „Wahnsinn, wie gut die sich verstehen“, brachte Jojo nach einer Weile hervor und ich versuchte, ihre Gesichtszüge zu analysieren. Man konnte klar sehen, dass sie wahnsinnig stolz auf die Entwicklung Vendettas war, auch, wenn man ein Fünkchen Sehnsucht in ihren Augen ausmachen konnte. Dennoch hoffte ich, dass das Wissen, dass es Vendetta hier blendend ging, der Sehnsucht überlegen war und definitiv überwog.
      Die junge Fuchsstute mit dem schicken blauen Auge hatte es mir von Anfang an angetan, und wenn ich sie so beobachtete, wusste ich auch direkt wieder, wieso: die dynamischen Bewegungen; der neugierige, aufmerksame Blick; dieses kecke Gesicht – sie war nahezu perfekt und auch farblich einfach genau das, was mir zuvor noch so sehr gefehlt hatte.
      Pina blühte immer mehr auf, und auch, wenn sie Jojo anfangs noch eine gesunde Portion Skepsis gegenüber gezeigt hatte, so ignorierte sie sie momentan geflissentlich. Meine neue Nachbarin schien dies nicht zu stören, die betrachtete viel mehr Bee, welche sich mal wieder liebend gern in den Mittelpunkt stellte und versuchte, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – wie sie es so oft und gerne tat.
      „Na gut, ich glaube, das reicht für heute“, meinte ich irgendwann und hielt Jojo Vendettas Führstrick hin. „Ich glaube kaum, dass Pina dich an sich ran lässt … und Bee übernehme ich gerne selbst“, zwinkerte ich ihr zu und bemerkte selbst mit nur einem offenen Auge, wie sehr sie sich über die Zeit mit Vendetta freute. Es ging eben nicht spurlos an einem vorbei, wenn man das Pferd, das man aufwachsen sehen und auf seinem Lebensweg begleitet hatte, auf einmal einfach nicht mehr jeden Tag sah, wie es dir von der Weide aus entgegensah und dich liebevoll begrüßte. Dennoch wusste Jojo, dass sie jederzeit willkommen war; und das nicht nur, um sich mit Vendetta zu beschäftigen.

      „Sie hat so eine schöne Farbe!“, seufzte Joline verträumt und kraulte dem kleinen Stutfohlen liebevoll die Stirn; Rozene liebte das. Zwar war sie, wie so viele Fohlen zu Beginn ihrer Zeit, noch etwas schüchtern und zurückhaltend, dennoch stellte sie uns bereits jetzt oft genug auf die Probe und versuchte, uns zu ärgern: wie das eine Mal, als sie einfach ausgebüxt war und Gwen mir helfen musste, sie wieder einzufangen. Rozene hatte total Spaß daran! Trotzdem war sie noch immer ein niedliches Fohlen, das seine täglichen Streicheleinheiten einholen wollte und zu einer ziemlichen Zicke mutieren konnte, wenn sie diese nicht bekam oder sie nicht intensiv genug waren. Deshalb war es bei dem Fohlen von Romantica umso wichtiger, dass man sie nicht einfach so ignorierte, denn das kratzte ziemlich am Ego des Silver Buckskins und sorgte dafür, dass sie tagelang einen auf beleidigte Leberwurst machte.
      „Das hat sie wirklich“, antwortete ich resigniert und betrachtete Rozenes Augen, die die gleiche Farbe hatten wie Rosinen – was dann auch wohl dafür gesorgt hatte, dass sie ihren jetzigen Namen bei der Geburt erhalten hatte. „Ich freue mich schon ehrlich darauf, wenn sie wächst und wirklich größer wird. Es wird bestimmt toll, ihrer Entwicklung zuzusehen – ich meinte: Guck sie dir an!“
      „Allerdings.“ Joline nickte und lächelte mir dann aufmunternd zu. „Das wird wirklich schön. Ich bin auch schon darauf gespannt, was aus ihr für ein Pferd wird.“

      „Cre- … äh, Chessi!“
      „Dass gerade dir so ein Versprecher passiert, ist kaum zu glauben“, kommentierte Zai sarkastisch, als ich gerade auf den jungen Hengst zuging, der noch in seiner Box stand und mich aus großen Augen betrachtete; dabei verfolgte er jede meiner Bewegungen genauestens und inspizierte erst mich, dann Zairina auf der Suche nach Leckerlis. Schließlich wurde er auch fündig und ergatterte eine knackige Möhre, die er genüsslich in seinem Maul verschwinden ließ und sie dann zerkaute, während er uns noch weiter betrachtete. Auch Chesmu war inzwischen bereits mehr als zwei Jahre alt, auch, wenn man es ihm nicht direkt ansah; hatte er doch noch einen sehr unproportionierten Körperbau, der noch immer eher an Fohlen erinnerte als an alles andere.
      „Tja, Kleiner“, murmelte ich gedankenverloren und tätschelte den Hals des Hengstes, „ich hoffe, du bist eines Tages in der Lage, in die Hufabdrücke deines Vaters zu treten.“
      „Oooh, wie süüüüüüüüüüß!“, quiekte Lena und Chessi und ich sahen erschrocken auf und sie an.
      „Hast du gesoffen?“

      MAMA! <3 Kassenbon war an die Pinnwand geheftet, aber da habe ich natürlich nicht nachgeguckt. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich meine Mami liebe?
    • Samarti
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      Nachwuchs
      10. Mai 2015 - von Rhapsody
      Schon vor Wochen (oder mehr noch: vor Monaten) hatte Elisa mich eingeladen. Eigentlich wollten wir ursprünglich Paccos ersten Geburtstag feiern, aber irgendwie hatte es sich immer verschoben. Und heute stand Elisa dann um zehn Uhr vor meiner Tür, mit den Händen in die Hüften gestemmt, und gab mir den keine-Widerrede-Blick.
      Ich wusste natürlich sofort, was sie meinte (ich war ein wahrer Ninja), und sah sie flehend an. „Heute ist schlecht, wirklich!“
      Elisa zog eine Augenbraue nach oben. „Was ist deine Ausrede heute?“
      „Heute Nachmittag kommt die neue Stute, okay, da hab ich –“
      Ohne mich ausreden zu lassen zog Elisa mich schließlich aus dem Haus, schlug die Tür hinter mir zu und steuerte auf die Straße zu. „Gwen und Elena warten schon, die sind deine Ausreden genauso leid.“

      ***

      Ja, Elena und Gwen warteten bereits auf Elisas „Terrasse“ (oder eher der Fläche, auf der ein paar Gartenstühle standen und man eben draußen war), aber sie sahen nicht einmal annähernd genervt aus. Elena hatte es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht und hob zum Gruß nur kurz zwei Finger, während Gwen sich an einer etwas älter aussehenden Trense zu schaffen machte.
      Elisa grummelte vor sich hin, dass ich ja eine der schlimmsten Fohlenmamas der Welt war und es wohl besser war, dass Pacco bei ihr stand. „Von dir hat er aber den Namen Pacco,“ konterte ich, während ich mir die Teekanne, die auf dem kleinen Beistelltisch stand, nahm.
      „Pacco klingt besser als Pax.“
      „Lügen,“ kam von Elena, die nicht mal den Kopf hab. Faules Stück.

      ***

      Nach einer Tasse Tee und Klatsch und Tratsch – wahrscheinlich würden wir in ein paar Jahren mit Tupperpartys anfangen und dann uns in Mitdreißiger verwandeln – besuchten Gwen und ich Pax (nicht Pacco. Pax.)
      Er würde noch eine Weile bei Elisa stehen bleiben – dort war er wenigstens in der Nähe und konnte trotzdem mit Artgenossen aufwachsen – bevor er mit etwa zwei Jahren zu mir übersiedeln sollte.
      „Ich bin ja gespannt, wie Para drauf reagiert,“ sagte ich, ohne wirklich zu bedenken, dass ich wahrscheinlich laut dachte.
      Gwen hmm-te nur und versuchte, Rozene anzulocken. Pax stand ein paar Meter weiter weg und beknabberte sich ausgiebig mit Chesmu, Cìolas Halbbruder. Für die zwei komischen Gestalten am Zaun interessierte er sich kaum, und dabei lief er mir sonst hinterher wie ein kleiner Hund.
      Und während wir so dastanden und den Kleinsten zuguckten, wie sie so unbeschwert und ohne Termine über die Weide jagten, klingelte mein Handy.
      „Das war’s dann wohl mit dem Geburtstag feiern,“ bemerkte Gwen grinsend.

      ***

      Medeia hieß die neue Stute, und sie kam direkt aus Irland. Total furchtlos stapfte sie die Rampe des Hängers hinunter, beschnupperte meine (und Elisas und Elenas und Gwens, weil man die drei nie loskriegte, wenn sie einen erstmal gesehen hatten, fast schon wie Zecken) Hand und ging, als ich sie in die Box brachte, schnurstracks auf den Paddock hinaus.
      „Na wenigstens weiß sie, was sie will,“ murmelte ich und sah dramatisch seufzend das liebevoll gestopfte Heunetz in der Ecke baumeln.
    • Samarti
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      Anti-Schrecktraining mit Matthew
      23. Juni 2015 - von Gwen
      „Wir haben uns hier versammelt, um“- „Schnauze!“, schnitt Elena Elisa das Wort ab und funkelte sie fuchsteufelswild an. Ich war gerade erst dazu gekommen, obwohl ich eigentlich diejenige war, die das Ganze eingefädelt hatte. „Wo ist Matthew?“, fragte ich stirnrunzelnd und schaute mich um. Ich hatte dem Kerl nicht mein gesamtes Zeug in die Hände gedrückt, damit er damit nun abhaute!
      Kurzerhand nahm ich Elisa den Strick von Rozene aus der Hand und bat sie, ihren Freu- ja was auch immer zu suchen. Und da Elisa sehr durchsetzungsstark war, kam sie fünf Minuten später auch mit Matthew im Schlepptau wieder. Der schaute mich nur vorwurfsvoll an. „Ich. Will. Nicht.“

      Elena lag zwei Sekunden später beinahe lachend auf dem Boden, Grund hierfür war Matthews Aufzug (also ich fand ihn ja ganz hübsch!). Wir wollten mit unseren Jungpferden ein wenig Anti-Schrecktraining und mir war ehrlich gesagt nichts Schrecklicheres eingefallen als ein Matthew im Clownskostüm, der Seifenblasen machte, bunte und leuchtende Sachen mit sich herumschleppte.
      Rozene und Pinero waren da auch definitiv einer Meinung und verkrochen sich direkt hinter mir. Pinero wäre wohl lieber weggerannt, als auch nur einen Schritt auf Matthew zu zumachen. Dajeen schaute nur ein wenig komisch aus der Wäsche, aber die junge Stute war immerhin schon einmal selber als pinkes Schaukelpferd verkleidet herumgelaufen, wahrscheinlich verstand sie als einzige Matthews Leid.

      „Perfekt! Dann können wir anfangen“, meinte ich grinsend und erklärte Matthew noch einmal kurz, wie der Parcours auszusehen hatte. Rozene und Pinero hatten sich inzwischen wieder einigermaßen einbekommen, auch wenn Elisa immer noch kichernd am Rand stand. Den „Wow, siehst du sexy aus!“-Kommentar hatte sie sich natürlich nicht verkneifen können.
      Während Matthew Hauptgesprächsthema bei uns war, lernten Rozene, Dajeen und Pinero, dass weder Clowns, noch Blubberblasen, noch bunte Flatterbänder auch nur irgendwie gefährlich waren. Das Training zeigte auf jeden Fall seine Wirkung und danach konnten wir große Erfolge erzielen. Pinero ließ sich sogar von Matthew anfassen! Auch wenn sein Blick alles andere als Vertrauen bedeutete, aber immerhin!
      Matthew nutzte auch sofort die Gelegenheit, als wir uns verquatschten und haute ab, um aus seinem albernen Kostüm rauszukommen. „So, was bekommt er zum Dank?“, fragte ich grinsend, doch Elisa schaute mich nur vorwurfsvoll an. „Als Dank? Er ist hier angestellt, das ist Dank genug, bei meinen tollen Führungsqualitäten!“, meinte sie lachend und Elena verdrehte nur die Augen.
    • Samarti
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      Altmodische Nachbarn
      12. Juli 2015
      „Elisa! Tolles neues Spiel!“, begrüßte Gwen mich und zeigte mir dann gleich einige DIN A4-Seiten mit Screenshots.
      „Du hast ernsthaft … die Screens … ausgedruckt? Gwen? Wir leben im Zeitalter der modernen Technologie, es gibt so etwas wie Handys, die inzwischen auch Fotos darste- ach, egal“, winkte ich schließlich ab und betrachtete dann die Screens, die Gwen mir gerade ausgedruckt (!) und in nicht digitaler Form in die Hände gedrückt hatte. Beim Blättern sog meine Nachbarin bereits tief die Luft ein. „Pass bloß auf, das Papier ist teuer genug!“, „Nicht knicken!“ und „Sei gefälligst vorsichtig!“ waren wohl die drei Sätze, die ich heute am öftesten von der doofen Fast-Blondine zu hören bekam.
      „Alter, es sind nur ein paar Blätter Papier, die kosten absolut nichts“, seufzte ich nur und sah hoch, als von meiner Freundin keine Antwort kam, um besagter Person dann in ihr rot angelaufenes Gesicht zu schauen. „Oh, tut mir, äh, leid“, stammelte ich, „eigentlich w-weiß ich d-doch, dass die total teuer sind, ich, äh, muss weg!“
      Mit diesen Worten war ich dann auch schon so schnell wie möglich aus Gwens Sichtfeld verschwunden und während meines 1A Sprints fielen mir die ausgedruckten (ich kam nicht darüber hinweg!) Screens aus der Hand und segelten zu Boden. „Du dummes Stück!“, rief Doofkuh mir nur hinterher, doch ich ignorierte es geflissentlich und versteckte mich lieber auf der Weide bei Ace of Clubs, die mich zwar verwirrt ansah, aber es einfach dabei beließ.
      „Na du?“ Behutsam strich ich mit meiner Hand über das hellgraue Fell an Aces Hals. Ich fand ihre Fellfarbe noch immer faszinierend, ihr Gesicht war zwar inzwischen etwas heller geworden, doch der braune Kopf war noch immer da. Und irgendwie hoffte ich, dass das noch eine Weile so bleiben würde.

      „Kann ich da auch Langhälse zähmen? Und reiten? ICH WILL EINEN LANGHALS HABEN! UND BABYLANGHÄLSE!“ Aufgeregt hüpfte ich auf dem Sofa herum, während Elena und Gwen gegenüber von mir saßen und mich mit weit aufgerissenen Augen und geöffnetem Mund anstarrten.
      „Hey, ich bin keine Zirkusattraktion! Also, kann ich Langhälse reiten?“, drängelte ich und beide nickten.
      „Jup.“
      „Aber du musst sie erst k.o. Boxen, nur damit du es weißt“, informierte Elena mich und ich verdrehte nur die Augen.
      „Danach gehören sie aber dir“, nickte Gwen, weshalb ich nochmal nachhakte. „Muss ich die echt boxen? Ich dachte, Eli will mich wieder verarschen!“
      „Ne, du musst die ohnmächtig schlagen.“ Ihre Antwort ließ meinen Kiefer nach unten fallen, weshalb ich langsam und erstaunt den Mund öffnete, ihn aber recht schnell wieder verschloss.
      „Über was redet ihr?“, kam es dann von Jojo, die sich schließlich neben mir auf das Sofa sinken ließ.
      „ARK“, klärte ich sie auf, „ein Survival Game mit Dinos.“
      „Oh, ich will auch!“
      „Es kostet dreißig Euro.“
      „Oh … Ich will nicht.“ Enttäuscht ließ sie sich noch ein wenig weiter in die Polster des Sofas sinken.
      „So geht es mir auch“, stimmte Elena zu, „dafür, dass es noch nicht fertig ist.“
      Auf einmal setzte sich Jojo wieder auf. „Gibt es da auch Raptoren?“
      „Es gibt alles“, nickte ich. „Es gibt auch Megalodons.“
      „Jap“, bekräftigte mich Gwen.
      „Also den Riesenhai“, fuhr ich unbeirrt fort, dann überrumpelte mich fast eine gewisse Erkenntnis. „KANN MAN DEN AUCH ZÄHMEN? ICH WILL EINEN MEGALODON!“
      „Jap.“ Gwen wiederholte sich und lachte dann kurz. „Es gibt auch diese kleinen Viecher, die giftigen Speichel spucken.“
      „VON JURASSIC PARK!“, rief Elena dazwischen.
      Völlig überfordert mit den vielen Informationen sprang ich auf. „ICH GEHE JETZT MEINEN EIGENEN LANGHALS REITEN! Na ja, okay, ähm … eigentlich meinte ich nur Namida, weil die ihren Kopf manchmal so hoch trägt wie eine Giraffe und die haben ja auch lange Hälse, also sind sie in gewisser Wei-“
      „Halt die Klappe, Elisa“, ertönte es im Kanon von drei Seiten und ich zuckte nur mit den Schultern, verschwand dann um die Ecke und ließ die drei Weiber alleine in meinem (!) Haus sitzen.

      Ich hatte mich tatsächlich zu einer kurzen Runde im Gelände mit Namida entschlossen, nahm aber Ocean Water dann noch als Handpferd mit. Die alte Dame übte einen gewissen ruhigen Einfluss auf meine schwarze Stute aus, sodass diese auch gleich viel gelassener und nicht ganz so hibbelig war.
      Dafür, dass sie mir zuvor als „gemeingefährlich“ und „unbrauchbar“ beschrieben worden war, hatte sich aus Namida teilweise doch schon ein zuverlässiger Gefährte entwickelt. Sie war zwar noch immer sehr ausgelassen, manchmal sogar respektlos und irgendwie kam sie teils sogar etwas böse rüber, aber von Grund auf gemein war sie dann nun doch nicht. Und inzwischen wusste sie oft schon, wo die Grenzen lagen, auch wenn sie sie noch viel öfter unbedingt ausprobieren musste.
      Es war wirklich schön, einfach mal wieder alleine ins Gelände zu gehen und nur das rhythmische Auftreten der acht Hufe auf dem Waldboden zu hören. Es hatte Namida im Übrigen auch geholfen, vor die Kutsche gespannt zu werden – anfangs hätte sie niemals Rücksicht darauf genommen, dass der andere Vierbeiner oder auch Zweibeiner einfach nicht so schnell und hastig laufen wollte wie sie es gerne hätte.
      Ocean hatte den Kopf gesenkt und betrachtete zwar eingehend die Umgebung, als würde sie sich diese einprägen wollen, doch sonderlich eilig hatte sie es definitiv nicht. Stattdessen ließ sie sich Zeit damit, lief gemächlichen Schrittes neben uns her und taute nur etwas auf, als wir ein Stückchen trabten. Das Galoppieren mit Handpferd traute ich mir dann doch noch nicht ganz zu.

      Am Abend führte mein Weg mich dann doch nochmal in den Stutenstall und dort blieb ich noch eine ganze Weile auf einer der Boxentüren sitzen – zum Glück waren diese so gut wie gar nicht hoch vergittert. Es war Liluyes Box, vor der ich saß, und drinnen stand die Stute und zermalmte fröhlich ihre Portion Heu, die sie heute Morgen nicht ganz aufgefressen hatte.
      Meine Vorahnung hatte sich übrigens befürwortet: Lilli war der Liebling aller Kinder, die hie und da mal auf dem Hof auftauchten. Momentan war der Ferienbetrieb noch stillgelegt, aber sobald die Sommerferien einsetzen würden, würde auch der Betrieb wieder geöffnet werden. Nur hatten wir uns erst einmal darüber klar werden müssen, wen wir da denn überhaupt einsetzen würden. Unsere Wahl war unter anderem auf Lilli gefallen: klein, ruhig und liebevoll. Sie war ein absolutes Verlasspferd und genau aus dem Grund würden die Kinder sich auf ihr ziemlich wohl fühlen.
      Nachdem ich mich von Lilli verabschiedet hatte, wollte ich gerade den Stall verlassen, da ging ich nochmal an Romanticas Box vorbei und wurde von einem zierlichen, braunen Kopf aufgehalten, der sich über die Boxentür streckte. Rozene war gerade erst abgesetzt worden, und hin und wieder machte sich bemerkbar, dass Romantica sich suchend umsah. Sie wusste zwar genau, was hier geschah, hatte sie doch schon einige Fohlen zur Welt gebracht, aber so ganz würde sich dies wahrscheinlich nie legen.
    • Samarti
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      Kirschen
      13. Juli 2015 - von Elii
      Quietschend sprang ich den Koppelzaun entlang, hatte mir Elisa doch versprochen, dass ich mit den Fohlen spielen durfte. Bei Babys konnte ich einfach nicht nein sagen!
      Auch Jojo stand am Koppeltor, in ihren Armen hielt sie eine große Schale Kirschen, die sie mit Händen und Füßen verteidigte. Dabei wollte ich doch nur eine einzige haben, Löwen waren definitiv so gierig, wie man es ihnen nachsagte. „Kommst du eigentlich mit?“, fragte ich Jojo, nach dem sie mich gut 5 Minuten mit ihrem, sehr niedlichen, Todesblick angestarrt hatte.
      Ihr Mund war voll mit Kirschen, sie hatte wohl Angst bekommen, dass ich welche abgreifen könnte, und sich gleich drei in den Mund geschoben. Aus diesem Grund bekam ich auch keine Antwort, sondern nur ein eifriges Nicken. „Aber verschluck dich nicht“, sagte ich und klopfte ihr dann ordentlich auf den Rücken, was ein schreckliches Husten ihrerseits auslöste. Ups. Ein oder zwei Kirschkerne waren bestimmt gesund, da war ich mir sicher.

      Während Jojo sich abmühte nicht zu sterben, schlüpfte ich unter dem Zaun hindurch und kuschelte mich sofort an Aponi. Das kleine Stutfohlen freute sich über die Streicheleinheiten und noch mehr um die Karottenstücke, die ich perfekt portioniert hatte für ihre kleine Schnute. Auch Pamuya kam alsbald zu uns und holte sich ihren Anteil, auch wenn sie das Kuscheln Aponi überlies. Rozene war die letzte die ankam, da sie es zuerst bei Jojo versucht hatte. Diese wollte aber nicht mal einem kleinen süßen Fohlen von ihren Kirschen abgeben, was, zugegebenermaßen, auch besser war.
      Die Bio-Möhren waren mit Sicherheit besser als die Kirschen, die Jojo sonstwo abgestaubt hatte.

      Nach einer halben Stunde kam urplötzlich Gwen angerannt und beschwerte sich lauthals darüber, das irgendjemand die Kirschen aus ihrem Garten geklaut hatte. Komischerweise war Jojo da schon urplötzlich verschwunden.
      Als guter kanadischer Bürger, mit einem Sinn für Gerechtigkeit verpfiff ich Jojo sofort. Sollte sie doch sehen, wie sie Gwen besänftigte, wenn sie mir schon nichts abgeben wollte.
      Mit mir selbst äußerst zufrieden setzte ich mich unter einen Baum unter der Koppel und schob den Ponyfohlen hin und wieder ein Möhrenstück zu.

      „Bleib stehen! Das sind meine Kirschen!“
      Unsanft wurde ich aus meinem Nickerchen erweckt und öffnete genervt die Augen. Was sich dann für ein Schauspiel bot, war allerdings um Welten besser, als zu schlafen. Jojo galoppierte den Feldweg neben der Koppel entlang, während Gwen mit hochroten Kopf hinterher rannte und mit Schimpfwörtern um sich warf.
      Bei genauerem Hinsehen erkannte man an Stars Sattel zwei große Packtaschen die tatsächlich voller kleiner roter Kirschen waren, die mit Sicherheit das Diebesgut aus Gwens Garten waren.

      Als mich Jojo entdeckte warf sie mir erneut ihren, immer noch niedlichen, Todesblick zu, der dieses Mal eindeutig ‚Verräter‘ sagte. Ich grinste nur breit und freute mich über das Spektakel, auch wenn mir Gwen ein klitzekleines bisschen Leid tat.
    • Samarti
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      Von „Schlafwandlern“, den Neuen und Verschwörungen
      01. August 2015
      Es war mal wieder eine dieser Nächte, in denen man sich stundenlang schlaflos im Bett wälzte und darauf hoffte, dass man a. endlich einschlafen konnte oder b. es wieder hell werden würde, damit man aufstehen könnte.
      Bei mir trat aber keiner der beiden Fälle ein. Als ich das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte, war es 3:42 Uhr gewesen, inzwischen war es kurz nach 5 und ich hatte noch immer keinen Schlaf gefunden. Nicht nur die Kopfschmerzen beeinträchtigten mich erheblich, auch mein Kopf wollte einfach nicht seine Klappe halten und aufhören, mich mit unnötigen Dingen vollzulabern, über die ich mir momentan eben keine Gedanken machen wollte. Dennoch bombardierte er mich förmlich mit jenen Gedankengängen, obwohl mein Hirn schon mehr als nur randvoll war – als wäre er ein Postbote, der in den sowieso schon überfüllten Briefkasten mit Ach und Krach noch mehr Briefe hineinquetschen musste. Nur leider ließ die langersehnte Briefbombe auf sich warten.
      Nachdem ich mich noch ewig immer wieder auf die andere Seite gedreht hatte, legte ich mich auf den Rücken, streckte meine Gliedmaßen von mir fort und seufzte laut auf. Wenn das so weiterging, würde ich diese Nacht wohl durchgehend wach bleiben. Ob ich wollte oder nicht – und ich wollte definitiv nicht.
      Also krabbelte ich unter meiner Bettdecke hervor, tapste auf nackten Füßen über den Holzboden in meinem Schlafzimmer, öffnete die Tür und trat auf den Flur. Den Weg hätte ich wahrscheinlich auch im Schlaf noch auswendig gekonnt, denn so anstrengend war er nicht. Dem Flur folgen, dann nach rechts abbiegen und sofort die erste Tür links.
      Direkt, als ich das Zimmer betrat, vernahm ich eine gleichmäßige, ruhige Atmung. Daraufhin hörte ich, wie sich der Körper im Bett wandte, aber er wachte nicht auf. Tief atmete ich durch, dann schloss ich die Zimmertür hinter mir, ging zum Bett, hob die Bettdecke leicht und vorsichtig an, um darunter zu kriechen, und legte mich dann neben den warmen Körper. Mit einem wohligen Seufzen schlief dann auch ich endlich ein, nachdem sich ein Arm um meinen Oberkörper gelegt und mich an sich gezogen hatte.

      „Elisa?“ Matthews raue Morgenstimme war eine dieser Dinge, an die ich mich gewöhnen könnte. Nichtsdestotrotz war sie mir in diesem Moment eher unsympathisch.
      „Hm?“, murmelte ich nur in mein Kissen und vergrub mein Gesicht tiefer darin.
      „Bist du betrunken oder was machst du in meinem Bett?“
      Langsam hob ich den Kopf und drehte mein Gesicht dann in seine Richtung, um Matthew in seines blicken zu können. „Darf ich nachts nicht mal ein anderes Bett ausprobieren?“
      „Ich denke, so langsam sollte dir mein Bett eigentlich bekannt genug sein.“ Er schmunzelte. „Aber ich glaube wirklich, dass du getrunken hast“, stellte er dann trocken fest und wollte gerade aufstehen, da streckte ich meinen Arm aus und griff nach Matthews Oberarm, um ihn am Gehen zu hindern.
      Er wusste, dass es keinen Zweck haben würde, denn gegen eine Elisa im Halbschlaf kam so niemand an. Da gab es zwar genug Möglichkeiten, mich loszuwerden, doch die wenigsten kannten sie. Matthew gehörte zu dieser Minderheit.
      (Okay, eigentlich gab es genau zwei Möglichkeiten:
      Nummer 1: Versprecht mir einen Ausritt. Mit Cressi.
      Nummer 2: Droht mir mit Cressi-Verbot.)

      Mühsam streckte ich mich, gähnte laut und bemerkte dann erst, dass ich nicht in meinem eigenen Bett lag.
      Wie von einer Tarantel gestochen jagte mein Oberkörper in die Luft und nur den Bruchteil einer Sekunde saß ich aufrecht im (fremden!) Bett, mehr als überfordert mit der jetzigen Situation. Die Erinnerung an letzte Nacht setzten sich aber langsam dann auch zusammen und als ich endlich alles beisammen hatte, stöhnte ich genervt von mir selbst auf, schlug mir die Hände ins Gesicht und wollte mich am liebsten nur noch darin verstecken – oder gleich im Erdboden versinken.
      Um es klarzustellen: Schlafentzug hatte ähnliche Auswirkungen auf mich wie Alkoholeinfluss. Ich wurde sentimental(er), anhänglich und brauchte Körperkontakt. Besonders, wenn ich diesen nicht bekam, kuschelte ich mich einfach an die nächste Person, die mir in die Quere kam und besorgte mir dann eben so meine menschliche Nähe (oder tierische. Manchmal mussten auch Fay und Pebbles dran glauben, aber die störte das eher weniger).
      Im nächsten Moment fühlte ich mich wie in einem dieser schlechten Filme, in denen der Protagonist einen One Night Stand gehabt hatte und dann auf die leere Bettseite neben sich blickte, auf der nur ein Zettelchen lag. Auf diesem stand aber weder etwas von wegen „Ruf mich an“, noch „War 'ne geile Nacht!“, also war es dann doch nicht mehr ganz so tauglich für einen Blockbuster.
      Stattdessen hatte Matthew nur ein „Ich bin nicht mehr da, aber dafür etwas Anderes. Komm raus, ich muss mit dir reden.“ auf dem Zettel hinterlassen und mir fielen natürlich auf Anhieb dreiundzwanzig Dinge ein, die ich falsch gemacht haben könnte.

      Eine knappe halbe Stunde später stand ich draußen – frisch geduscht, angezogen, geschminkt, aber noch mit klatschnassen Haaren. Das Traurige an der Sache war, dass mich das nicht einmal im Geringsten interessierte. Erstens würden meine Haare an der Sonne eh wieder trocknen und zweitens juckte es mich kein bisschen, dass die mich mit nassen Haaren sehen würden. Ich meine, hey, die kannten mich alle schon besoffen! Schlimmer konnte es eh nicht mehr werden.
      Meine schlechte Laune, die sich in jeder Faser meines Körpers ausgebreitet hatte, als ich das Zimmer erkannt hatte, in welchem ich aufgewacht war, war wie weggeblasen und verflogen, als ich bemerkte, was mich im Garten erwartete: Unser Pool war fertig!
      Seit einigen Wochen war daran gearbeitet worden, auch, wenn Matthew davon anscheinend nichts mitgekriegt hatte, was mich ja schon … verwunderte? Auf jeden Fall war er es, der mit einem skeptischen Blick auf mich zu gestampft kam und wissen wollte, woher der Pool denn auf einmal käme.
      „Hast du in den letzten Wochen denn nicht ein einziges Mal in den Garten geguckt?“, hakte ich ungläubig nach und schüttelte den Kopf. Das ging doch nicht?
      „Nein.“ So, so. Wir wurden also mal wieder wortkarg. Aber gut, das konnte ich auch!
      „Okay.“
      Dann drehte ich mich um und ging.

      Mein Weg führte mich – natürlich – direkt zu Ace of Clubs. Die war sichtlich überrascht, als in ihrer Box auftauchte (wieso stand sie überhaupt noch mittags in ihrer Box? Ich musste dringend mal mit meinen Angestellten schimpfen!), widmete sich dann aber wieder ihrem Heu, nachdem sie einen Apfel von mir zugesteckt bekommen hatte. Den hatte sie erst fröhlich zerkaut, mich danach immer wieder mit der Nase angestupst und sich letztendlich dann doch wieder dem Heunetz zugedreht. Das brachte mich dazu, mich auf ihren Rücken zu setzen, um mich dann auf ihren Hals zu legen und sie einfach nur eine ganze Weile lang zu umarmen. Nur kurz drehte der Multivitaminsaft seinen Kopf in meine Richtung, dann nickte sie nur und fraß weiter.
      Ich war zugegebenermaßen mehr als nur stolz auf ihre überwiegend positive Entwicklung. Dadurch, dass ich ihr bereits zu Beginn ziemlich viel Vertrauen geschenkt hatte, hatte die Stute gelernt, mir dasselbe zurückzugeben und mir blind zu vertrauen. Wahrscheinlich könnte ich mit ihr eine dieser Öko-Tanten mit Knotenhalfter und Fellsattel (sorry, Gwen! Nimm's nicht persönlich, hab' dich lieb!) werden und sie würde es mitmachen. Einfach, weil sie jeden Blödsinn mitmachte, wenn man sie nur machen ließ.
      Tatsächlich hatte ich es geschafft, auf dem Rücken des Ponys einzuschlafen. Als hätte ich nicht lange genug geschlafen – es war übrigens sechzehn Uhr –, nope. Ich schlief auch noch ein, wenn ich ohne alles auf einem Pony saß. Wie durch ein Wunder lag ich aber nicht im Stroh, als ich aufwachte, sondern noch immer auf Ace, die ebenfalls am Dösen war. Lächelnd klopfte ich ihren Hals, glitt dann von ihrem Körper und verabschiedete mich mit einer Möhre; sie musste ihrem Namen ja irgendwie gerecht werden.
      Dann verließ ich auch Aces Box wieder und ließ die Stute dort zurück; würde wohl seinen Grund haben, warum sie nicht auf der Weide stand.
      Apropos Weide: Als ich das Stallgebäude verließ, konnte ich aus dem Augenwinkel Romantica erkennen, die am Zaun stand und Rozene praktisch an sich kleben hatte. Das Stutfohlen war jetzt knapp sechs Monate alt und würde bald entwöhnt werden können, je nachdem, wie ihre weitere Entwicklung aussehen würde. Wir wollten mit der jungen Stute nichts überstürzen, denn eilig hatten wir es mit ihrer Ausbildung keineswegs.

      Ich wurde allerdings schon bald jäh aus meinem Tun gerissen, denn als ich hörte, wie ein Auto auf den Hof fuhr, ahnte ich bereits, wer mich dort erwartete. Um niemanden warten zu lassen, drehte ich also wieder um und lief zum Parkplatz, wo das Auto schon gehalten hatte und die Laderampe des Hängers gerade geöffnet wurde. Domenic hatte mir zuvor zugesagt, die zwei Neuankömmlinge vom Flughafen abzuholen. Es handelte sich hierbei um Refren, einen Deutschen Reitponyhengst, und Dahiba, die nicht zum ersten Mal zu uns gefunden hatte. Sie hatte zuerst Michelle gehört, hatte dann bei uns gelebt, bis Michelle sie wieder zurück zu sich genommen hatte und jetzt sollte sie wieder auf Townsend Acres leben, worüber ich mehr als nur glücklich war. Die schicke Schimmelstute war mir eben auch ans Herz gewachsen, als sie hier mehrere Monate lang gewohnt hatte, da ging so etwas nicht spurlos an einem vorbei.
      Der Grund für das Eintreffen der beiden war aber nicht sonderlich erfreulich, ganz im Gegenteil: Michelle wollte ihr Gestüt weitestgehend auflösen, da sie einfach überfordert mit der gesamten Situation war und es auch verlockender klang, sich einfach zurückzuziehen. So hatte es sich ergeben, dass Dahiba wieder zu uns kommen würde; Refren begleitete sie, weil Michelle sich sicher war, dass er sich unter seinesgleichen wohlfühlen würde. Deutsche Reitponys gehörten eben immer noch auf das Townsend Acres, da konnte Wikipedia meine IP so oft blocken, wie es wollte, das änderte ja nichts an den Tatsachen!

      Am späteren Nachmittag hatten Gwen und ich es uns an unserem neuen Pool gemütlich gemacht. Elena wollte ich noch nicht herholen, weil die Dahiba direkt sehen würde, da würde sie den ganzen Abend nicht mehr die Box der Schimmelstute verlassen, weil sie Dahiba besessen hatte, als die Stute noch ein Fohlen gewesen war. Und Jojo? Der hatte Dahiba auch einmal gehört; eigentlich müsste Gwen sie auch noch besitzen. Aber so schnell wollte ich sie dann doch nicht wieder hergeben.
      Also waren es heute nur Gwen und ich, die Cocktails schlürfend neben dem Pool saßen und das Wasser beobachteten. Es waren sogar knapp 26°C und das, obwohl es bereits 16 Uhr war – so oft hatten wir das dieses Jahr noch gar nicht erleben dürfen.
      Viel hatten wir von unseren Cocktails dann allerdings auch nicht mehr, denn irgendwann zog ich Gwen hoch, die sich natürlich wehrte („leider“ erfolglos), und schubste sie mit Müh und Not in das kühle Nass.
      Womit ich nicht gerechnet hatte, war dann aber, dass Matthew (woher auch immer der jetzt wieder kam?!) mich hoch hob, mich direkt hinterher schmiss, selbst dann hineinsprang und er und Gwen sich einen Spaß daraus machten, mich immer wieder unterzutauchen.
      Jetzt verschworen die sich auch noch gegen mich.
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    22 Juli 2015
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  • Rufname: Roe
    geboren: Januar 2015

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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Silver Buckskin (Aa EE Cc Zz)
    Stockmaß: im Wachstum, ca. 145 cm

    Beschreibung:
    frech und hat es faustdick hinter den Ohren; ungestümt und ein kleiner Dickkopf, dennoch liebenswürdig und intelligent

    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Elii, Samarti