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Rhapsody

Quixoticelixer *

Lewitzer -- im Besitz seit 06/2015 -- gekört -- aa EE Dd CrCr Zz

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Quixoticelixer *
Rhapsody, 2 Aug. 2016
Mohikanerin, AliciaFarina und Gwen gefällt das.
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      Tautous und Quixoticelixers Ankunft
      | 14. Juni 2015
      Man könnte denken, für vier Menschen mit Ställen voller Pferde würden Gwen, Elisa, Elena und ich noch andere Dinge machen außer irgendwo zu faulenzen. Das war auch nicht komplett falsch – aber nur, weil wir Pferde besaßen, hieß das nicht, dass wir uns nicht in irgendeinem Wohnzimmer einnisten, lästern und neuste Neuigkeiten (die noch so komplett neu waren, dass sie noch diesen Neu-Geruch hatten) austauschen konnten.

      Heute zum Beispiel waren wir in Gwens Haus versammelt, weil Elisa es vermasselt hatte, einkaufen zu gehen und Gwen Muffins gebacken hatte. Zwar waren sie low-carb-irgendwas, aber für ein Diätessen schmeckten sie sogar ganz gut (so gut, dass sogar Elena welche aß).

      Gerade hatte ich ihnen allen eröffnet, dass ich vielleicht schon wieder ein Pferd gekauft hatte. Langsam fühlte ich mich fast schon wie Elisa – je mehr Pferde desto besser.

      Nur mit dem Namen des besagten Pferdes hatte Elisa mal wieder Schwierigkeiten.

      „Qui... quo – was?“

      „Quixoticelixer,“ wiederholte ich, langsam und deutlich und schnappte mir noch einen Muffin, bevor Elena sich das Gesicht damit dekorierte.

      Gwen sah auch nicht sehr überzeugt aus. „Kannst du ihn nicht irgendwie umbenennen?“

      „Du solltest ihn in Tony Hawk umnennen,“ meinte darauf Elena. Man verstand nur die Hälfte, da sie sich den nächsten Muffin in den Mund geschoben hatte, aber das waren wir mittlerweile gewohnt und konnten Elena-isst-isch fast fließend sprechen und verstehen.

      Auf den Kommentar hin seufzte Gwen, verdrehte die Augen – sie fand Elenas und meinen Spitznamen für ihr Barbie-Waldpferd immer noch total bescheuert – und stand schließlich auf, um das Geschirr abzuräumen. Für ein paar Momente hörte man nichts außer Elenas Kauen und Geschirrgeklimper, dann drehte Elisa sich zu mir um.

      „Solange ich ihn Q nennen darf, ist Quixoquaxo genehmigt.“

      „Quaxo,“ stimmte Elena zu.

      ***

      So wie es aussah hatte ich mal wieder perfekt geplant – Quixoticelixer sollte nämlich wohl am gleichen Tag landen wie eine Stute, von der meine Freundinnen schon lange wussten. Tautou hieß sie, benannt nach Audrey Tautou, und war eine Tochter Muracos. Er hatte zwar in Kanada erst kürzlich seine Zuchtbestätigung erhalten, doch in Deutschland hatte er schon den ein oder anderen Nachkommen.

      So auch Tautou, die ihm wohl ziemlich ähnlich sein sollte. Ich hatte es persönlich nicht zum Probereiten geschafft, doch meine Schwester hatte sich darum gekümmert und die Stute als gut befunden. Und als die Besitzer hörten, dass ich die Besitzerin von Muraco war, war es wohl schon beschlossene Sache.

      Tautou sollte also am selben Tag kommen wie Quixo. Was aber keiner vermutete war, dass dieser selbe Tag um drei Uhr morgens begann.

      Es fühlte sich an als wäre ich gerade erst eingeschlafen, als ich wieder geweckt wurde. Mein erster Instinkt war natürlich, mich umzudrehen und jeden Aufweckversuch scheitern zu lassen. Doch als ich Adèles Worte verstand – manchmal vergaß sie, dass ich kein Französisch verstand und sprach einen Mix aus Englisch und Französisch – war ich zu verwirrt um wieder einzuschlafen.

      „Ein – ein Transporter ist grad vorgefahren? Und … äh, der Fahrer hat geklingelt.“

      Ich war zwar wach, aber mein Gehirn noch nicht so ganz. „Whu?“

      Adèle war zwar nett und zuvorkommend, aber es passierte nicht selten, dass sie ihre Augen rollte. Das passierte sogar so häufig, dass ich mir Sorgen machte, sie würden irgendwann einmal stehen bleiben. So auch jetzt, doch nebenbei zog sie mich aus dem Bett und schubste mich in Richtung Schrank. „Ich lade jetzt schonmal das Pony aus. Du ziehst dich an,“ sagte sie und klang dabei fast schon wie meine Mutter.

      Als ich knapp 10 Minuten später auf dem Hof erschien, war das Pony schon ausgeladen und wirkte im Mondschein fast schwarz. Ich wusste natürlich, dass sie kein Rappe war – ihre Mutter war ein Palomino gewesen, was Tautou zu einem aufgehellten Braunen machte. Somit hatte sie wenig gemein mit Muraco – bis auf ihr Temperament anscheinend. Auch jetzt tänzelte sie um Adèle herum und brummelte vor sich hin. Ich verdrehte die Augen. Aufmerksamkeitsgeiles Stück.

      Die Papiere waren schnell unterzeichnet, das Sattelzeug im dafür vorhergesehenen Spind verstaut und der Fahrer schnell verabschiedet. Dann brachte Adèle Tautou in den Stall und ich konnte wieder ins Bett kriechen, für mindestens weitere drei Stunden.

      ***

      Der Tag zog sich wie Kaugummi. Es schien fast so, als würden die Boxen von selbst wieder dreckig werden, sobald man dachte, man wäre fertig. Dabei wurde ich ständig von zwei hellbraunen Augen beobachtet – auch nicht gerade förderlich für meine Arbeitsmotivation.

      Tautou verbrachte den Tag heute noch im Stall – demnächst sollte der Tierarzt noch vorbeigucken, sie abchecken und dann sollte sie langsam an die Herde gewöhnt werden. Bis dahin wurde sie von Zoe betüddelt, von Adèle fast schon ignoriert – sie nahm es mir anscheinend übel, dass ich komplett ahnungslos heute Nacht gewesen war und ließ das an dem armen Pony aus – und von mir aus sicherem Abstand erst einmal begutachtet.

      Es war nicht so, dass sie total unberechenbar und bösartig war, doch ich kannte Muraco. Sollte Tautou wirklich so sehr nach ihm geraten sein, wie meine Schwester und die Besitzerin mir erzählt hatten, dann war erst einmal Vorsicht geboten. Mir tat heute noch der Hintern weh, wenn ich an meine erste Reitstunde mit Muraco dachte. Doch Tautou sollte erst einmal noch ein wenig Selbstvertrauen gewinnen, ehe wir an ernstes Training dachten. Zwar war sie bereits 6 Jahre alt, aber doch noch ziemlich unsicher unterm Sattel. Aber dafür hatte ich ja zwei Freundinnen, die das beruflich machten.

      ***

      Ich kam gerade von einem Spaziergang zurück, als ich den Teufel auf meiner Haustreppe sah. Der Teufel im Sinne von Elena, Elisa und Gwen, die sich natürlich gemerkt hatten, wann Quixoticelixer kommen sollte und ihn erstmal gebührend empfangen wollten.

      Als ich ihnen von unserem nächtlichen Abenteuer erzählte, machten sie sich alle auf den Weg, um Tautou zu begrüßen. So hatte ich ein wenig Zeit, die Box für Quixo einzustreuen und auf Hochglanz zu bringen. Vor einer halben Stunde hatte ich die SMS bekommen, dass der Transporter nur noch etwa zwanzig Kilometer vor sich hatte (was ich meinen Freunden natürlich nicht gesagt hatte, schließlich war ich fies und hinterlistig) und deswegen wohl jede Minute eintreffen würde.

      Und das tat er auch. Gerade verließ ich die Box neben Vals (und hoffte noch einmal, dass sich die beiden verstanden – Quixo hatte einen sehr ruhigen, etwas weniger dominanten Eindruck auf mich gemacht und sollte sich so perfekt mit unserer schnellsten Maus von Kanada verstehen), als man von außen kreischen und quieken hörte. Als ich aus dem Hengststall getreten war, sah ich, dass sich zu meinen Freunden auch noch Zoe und Adèle gesellt hatten, die genauso quiekten als der azurblaue Transporter vor ihnen anhielt.

      Ich übernahm wieder den Papierkram weil ich die Beste war und ließ Adèle das Sattelzeug verstauen. Elisa hatte sich währenddessen geopfert, den Hengst auszuladen und so stand er in seiner ganzen Pracht vor mir, als ich mich vom Fahrer verabschiedete.

      Naja, groß war er nicht, wohl etwa Siddys Größe. Dafür machte seine Farbe umso mehr her: ein schönes Creme, an den Beinen und an der Schulter ein paar dunklere Flecken und natürlich den Aalstrich, sonst wäre er ja kein Falbe.

      Gwen und Elisa stritten sich, wer ihn ein wenig herumführen durfte („Ich hab seinen Spitznamen ausgesucht!“ – „Dafür kann ich seinen Namen wenigstens aussprechen!“ – „Aber mich mag er viel mehr!“) und Quixo stand total gelassen daneben, als würde ihn der ganze Trubel nicht stören. Kurzerhand schnappte ich Gwen den Strick aus der Hand weg und machte mich auf den Weg zu einem kleinen Rundgang.

      Zwar hatte Quixo keinen Flug hinter sich und somit noch einmal extra Stunden in einer kleinen sich bewegenden Box verbracht, doch trotzdem war er mehrere Stunden auf dem Highway unterwegs gewesen. Er kam von einem kleinen Gestüt in der Nähe von Calgary, auf dem Lewitzer eher Nebensache waren. Kanada war wohl auch eines der Länder, in denen diese deutschen Ponys auch mit Sonderlackierung auftreten durften – Quixoticelixer hatte vollständige Papiere und durfte somit auch später zur Zucht zugelassen werden. Aber das waren erst einmal lose Gedankenspiele. Er sollte sich erst einmal einleben und hoffentlich mit Val Freundschaft schließen, ehe wir überhaupt ans Training dachten.

      Natürlich waren meine Freunde noch immer an Ort und Stelle als ich Quixo in seine Box gebracht hatte. Als ich näher kam, hörte ich auch, worüber sie angeregt diskutierten – Trashfilme. Elisa, Gwen und Elena waren totale Fans davon während Zoe und Adèle sich so weit wie möglich davon fernhielten.

      Kaum hatte Elisa mich gesehen, schlich sich ein böses Grinsen auf ihr Gesicht. „Wie wäre es mit einem Marathon?“
    • Rhapsody
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      | 24. Juni 2015
      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
    • Rhapsody
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      Klinik Caen - © Eddi
      | 25. Juni 2015
      Meine nächsten Patienten erwarteten mich auf dem Pine Grove Stud und so war ich schon wieder bei Jojo zu Besuch. Der Beruf als Tierarzt hatte den Vorteil, dass man sich kaum um seine Freundschaften kümmern musste, man traf sie sowieso regelmäßig an, wenn mal wieder ein Check bei den Pferden anstand. So verblieben Jojo und ich auch erstmal wieder in einem knappen Smalltalk, ehe es in den Stall ging, wo die beiden Patienten schon auf mich warteten.
      Erstere war natürlich ein Lewitzer - eigentlich waren beide Lewitzer und was anderes traf man bei Jojo sowieso kaum noch an - und hieß Tautou. Anfangs hatte ich einige Probleme mit dem Namen und ließ es dann auch schnell bleiben. "Spitzname: Tatzi", meinte Jojo lachend und ich dankte ihr grinsend. Tautou ließ ich mir erst einmal vorführen, ehe ich sie direkt vom Genick an, entlang der Wirbelsäule nach hinten, abtastete. Sie blieb vollkommen entspannt, dementsprechend besaß sie keine Verspannungen.
      Als nächstes schaute ich mir Augen und Maul an. Die Schleimhäute wiesen eine gesunde Farbe auf und auch die Zähne der Stute standen in Reih' und Glied. Also konnte ich beruhigt Herz und Lunge abhören und dann noch die Körpertemperatur kontrollieren. Wie ich es bei jojo gewohnt war, war auch Tautou topfit und machte einen sehr guten Eindruck, also konnten wir direkt Impfen.
      Es gab für die Stute vier Impfungen: Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut. Alle vier hielt sie brav aus und danach gab es auch nur noch die Wurmkur zu schlucken und sie durfte zurück in ihre Box.
      Als nächstes war ein schicker Hengst an der Reihe, dessen Namen ich absolut schrecklich fand. "Qui-xo-tic-eli-xer", versuchte Jojo ihr Glück zum gefühlten tausendsten Mal, half aber trotzdem nicht. "Spitzname?", fragte ich stattdessen und nannte den Grullo ab da Quixo. Auch ihn ließ ich mir vorführen, ehe ich ihn gründlich unter die Lupe nahm.
      Ich tastete ihn von unten bis oben ab, hörte Herz und Lunge ab und kontrollierte Schleimhäute und Körpertemperatur. Auch er war topfit, also gab es vier Spritzen und eine Wurmkur und schon war auch er fertig. Typisch Mann, war er da natürlich besonders empfindlich und zuckte bei jeder Impfung zusammen. Hach ja. Danach waren beide Pferde fertig und ich verschwand auch schon wieder.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur E-A - © Samarti
      | 02. Juli 2015
      Gemächlichen Schrittes gingen Elena und ich auf den Stall zu. Es war zwar momentan nicht sonderlich warm hier, gerade hatten wir angenehme 20°C, aber hetzen musste ja jetzt trotzdem nicht sein.
      „Eddi ist ja schon süß“, kommentierte ich die WhatsApp-Nachricht, die ich gerade von meiner Freundin aus Wyoming erhalten hatte.
      Sofort horchte Elena auf: „Wie? Süßer als Jojo? Wie geht das denn?“
      Gekonnt ignorant, wie ich nun mal war, überhörte ich Elenas Fragen und fuhr fort: „Letztens habe ich ihr noch angeboten, sie könnte mir ja jetzt schon mal eine Liste mit den Pferden, die ich im Juli trainieren sollte, schicken. Da hieß es noch, sie würde uns diesen Monat ausnahmsweise in Ruhe lassen – gerade eben kriege ich eine Nachricht mit: 'Cover the Sun und Feuervogel würden sich über Training freuen.'“
      „Apropos Training, wen wollten wir denn jetzt trainieren?“, fragte Elena urplötzlich, ohne auf mein eben Gesagtes einzugehen und brachte mich somit auch zum Stocken. „Da fragst du was“, überlegte ich nachdenklich und schüttelte dann den Kopf.
      „Wen wollte ich denn jetzt trainieren?“, wiederholte ich die Frage noch einmal lauter und hörte in dem Moment von Jojo ein weit entferntes „Quixo!“. Zur selben Zeit rief Elena übereifrig: „Mich!“
      „Okay, ich scheuche also Elena über Hindernisse“, stellte ich fest und nickte bestätigend.
      „Eigentlich eher im Essen, aber ok.“
      „Was? Wieso? Wie meinst du das?“
      „Du sollst mich im Essen trainieren. Du kannst das gut. Also … dass das ansetzt, meine ich …“ Es schien, als hätte sie zum Schluss selbst gemerkt, was sie da gerade eben gesagt hatte, denn in dem Moment nahm Elena auch schon ihre Beine in die Hand und wollte losrennen. Wären wir in einem Cartoonfilm gewesen, wäre sie jetzt bereits eine Ewigkeit auf der Stelle gerannt, nur, um jeden Moment los zu sprinten und eine Staubwolke zu hinterlassen.
      So weit kam sie aber nicht.
      Ich hatte sie schon am Kragen gepackt, als sie gerade eben weglaufen wollte. Trotzdem hatte ich sie fest im Griff und wären wir jetzt noch immer in einem Zeichentrickfilm gewesen, dann wäre ich die große Heldin mit dem stolzen, erhobenen Blick, die den Bösewicht ganz locker mit einer Hand am Kragen festhielt, während der Bösewicht – in diesem Fall also Elena – versuchte, sich davon zu machen. Stattdessen sprintete sie nun auf der Stelle und wirbelte somit den ganzen Staub auf.
      Zumindest hätte das wohl so in einem Cartoon ausgesehen.
      In echt aber hatte ich Elena am Kragen gepackt und stand dort nun, die Füße in den Boden gestemmt, und lehnte mich mit meinem gesamten Gewicht dagegen. Elena bewegte sich nicht von der Stelle, versuchte aber alles, um es zu ermöglichen. So versuchte auch sie mit aller Kraft, sich von mir zu lösen und bemerkte aber schnell, dass ich mehr Kraft (in Gedanken hörte ich schon Elis böses „Nein, nur mehr Gewicht!“) aufweisen konnte und somit höhere Chancen hatte, diesen Zweikampf für mich zu gewinnen.
      Was ich dann auch tat.
      „Ich hasse dich“, knurrte ich beleidigt und ließ dann von Elena ab. Diese antwortete nur mit einem „Ich liebe dich auch“, warf mir eine provokante Kusshand zu und machte sich dann vom Acker.

      Nur wenige Sekunden später stand sie aber wieder vor mir: „Nur damit du es weißt, ich würde hier nicht stehen, wenn wir nicht eins meiner Pferde zu trainieren hätten!“
      „Ich hab allen Grund, beleidigt zu sein. Nicht du“, erinnerte ich das Weib vor mir und schüttelte den Kopf. „Wen wollen wir überhaupt trainieren?“
      Elena ploppte als Antwort nur mit den Lippen.
      „Aha. Ok. Also Poppy“, stellte ich fest. „In was?“
      Elena nahm die imaginären Zügel auf.
      „Toll. Im Reiten. Und weiter?“
      Jetzt war es an der Zeit, dass die Blondine mit den Zügeln schlug.
      „Schlagen?“
      Kopfschütteln.
      „Fahren?“
      Kopfschütteln von Elena.
      Ein Nicken von mir als Antwort.
      „Nein!“
      „Doch.“
      „Nein!“
      „Doch!“
      Handgemenge.

      Elena hatte ein letztes Mal ihren Willen gekriegt. Natürlich auch nur, weil sie mir sonst den Kontakt zu Cressi gänzlich verboten hätte – und der war mir wichtiger (als das Fahren natürlich, niemals wäre er mir wichtiger als Elena!). Man musste eben auch mal Prioritäten setzen können; die lag hier allerdings bei Cressi.
      Man konnte jetzt also eine supertolle Frau sehen, die mit ihrer besten Feindin in den Stall ging, um die zwei Reitponydamen Liluye und Poppysmic auf das Training vorzubereiten (kleine Anmerkung am Rande: Ich war die supertolle Frau. Wer Eli war, kann man dann ja mit ganz viel Fantasie erahnen). Poppy stand seit geraumer Zeit einfach in einer der Boxen auf meinem Hof, wieso auch immer. Wahrscheinlich, weil Elena genau wusste, dass sie ständig nur hier war und das Training dann viel leichter erreichbar war, denn so musste sie nicht immer erst herüber reiten und konnte bequem mit dem Auto hierherkommen. Es war dann auch kein Wunder, dass Elena tatsächlich immer mit Auto aufkreuzte, denn ein kleiner, erfrischender Spaziergang oder eine kurze Radtour stieß bei ihr so gut wie nie auf Anklang.

      Während Elena und ich nun auf den beiden Reitponystuten saßen, hatte sich auch noch Jojo am Zaun dazugesellt und kurzerhand war sogar Matthew dazu verdonnert worden, ihren Hengst Q (der eigentlich Quitoxicelixer oder Quixoticelixer oder auch einfach Quixoquaxo hieß) ebenfalls zu trainieren. Der Lewitzer sollte allerdings erst einmal in der Dressur auf das A-Niveau gebracht werden, sodass Matthew sich eher mit der Klasse beschäftigte und nicht, wie Eli und ich, mit dem L-Niveau.
      Für alle drei Pferde stellten die neuen Gangarten, die in der jeweils höheren Disziplin gefordert wurden, jedoch kaum Probleme da. Lediglich Poppysmic war vom versammelten Trab und dem Galopp im versammelten Tempo nicht ganz so begeistert, verstand es zwar anfangs auch nicht sonderlich, aber nach einer Menge Widerspruch und viel Gezicke zwischen Eli und Poppy klappte dann auch das irgendwann.
      Nachdem wir dann auch die Hufschlagfiguren, die meist aus engeren Wendungen bestanden, immer wieder mal ins Training eingebaut hatten und auch die Gangarten wirklich sicher und problemlos auf Abruf ausgeführt werden konnten, wandten wir uns den Lektionen zu.
      Für Quixoticelixer waren das das Viereck verkleinern und vergrößern, der einfache Galoppwechsel, das Zügel aus der Hand kauen lassen und das Rückwärtsrichten.
      Ersteres erreichte Matthew, indem er mithilfe des Schenkelweichens Q immer wieder seitwärts treten ließ, bis das Viereck verkleinert war, dann ging es wieder auf den Hufschlag zurück – auch wieder seitwärts. Beim einfachen Galoppwechsel ließ er Q galoppieren, dann forderte Matthew 3 bis 4 Schritte von ihm, während welcher der Hengst umgestellt wurde, dann sollte er wieder angaloppieren, diesmal dann auf der anderen Hand. Daraufhin folgte wieder das gleiche Spiel, sodass er schließlich wieder auf derselben Hand wie am Anfang der Übung galoppierte. Auch das Zügel aus der Hand kauen lassen war kein Problem. So war zumindest Quixoquaxos Training bereits nach wenigen Trainingseinheiten beendet.
      Erst beim Rückwärtsrichten griff er auf Jojos Hilfe zurück, die Q vom Boden aus mit einer Touchiergerte dazu brachte, rückwärts zu treten. Matthew saß währenddessen im Sattel. Sobald der Lewitzerhengst vorwärts treten wollte, parierte Matthew ihn durch und machte ihm dann klar, dass er sich zurück bewegen sollte, was nach einer Weile dann auch klappte.
      Poppy und Lilli hatten den Außengalopp, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung vor sich. Für die Hinterhandwendung legten Elena und ich uns ein L auf den Boden, bestehend aus zwei Stangen, die im rechten Winkel zueinander lagen. Dann ritten wir in die Ecke hinein und verlangten von den Ponys, dass sie sich um das innere Hinterbein drehten. Bei Poppy klappte es schon relativ früh, während Lilli ihre Zeit brauchte. Die Stute war zwar geduldig und ich war es auch mit ihr, aber so ganz verstehen tat sie es dann erst, nachdem wir es immer und immer wieder mit ihr geübt hatten.
      Danach waren allerdings die kleinen Hürden, die es bei den anderen beiden Lektionen gab, kaum noch der Rede wert und so konnten wir auch die beiden Ponystuten als L-fertig melden; obwohl Poppy mit dem Training bereits etwas früher fertig war und Lilli ein paar Trainingseinheiten mehr benötigte, waren wir beide doch mit dem Endergebnis mehr als zufrieden.

      Nachdem Elena sogar bei mir geduscht hatte („Wieso gehst du nicht rüber und duschst bei dir?“ – „Dein Wasser ist einfach besser!“), hatten wir uns für einen gemütlichen Abend zu zweit vor dem Fernseher entschieden. Das tat einfach gut, nachdem man so viel Arbeit gehabt hatte; zumindest ich hatte mich heute um das Training von drei ganzen Pferden gekümmert (innerlich hörte ich Elena schon fragen, was denn „halbe Pferde“ seien). Wo Jojo abgeblieben war, wusste ich nicht, aber seitdem das Training mit Q beendet war, hatte ich sie heute nicht mehr auffinden können.
      „Wo ist eigentlich Matthew?“, nuschelte Elena irgendwann und als ich einen Seitenblick zu ihr warf, wusste ich auch direkt, warum sie nicht mehr vernünftig sprechen konnte: Ihr Mund steckte voller Popcorn. Und wenn ich von voll sprach, dann meinte ich wirklich, wirklich ziemlich voll. Bis zum Rand voll.
      Ahnungslos zuckte ich mit den Schultern. „Keine Ahnung, hab ihn heute auch um sieben zum letzten Mal gesehen.“
      „Hm“, erwiderte Elena nur und griff dann wieder in den Popcorn-Eimer, um sich eine weitere Handvoll in den Mund zu stopfen. Als ich auch mal danach greifen wollte, zog Eli mir den Eimer vor der Nase weg. „Nichts da“, ermahnte sie mich und schlug mir mit der klebrigen Hand auf die Finger, „das ist alles meins!“
      Genervt seufzte ich auf und atmete dann tief durch, um nicht die Augen verdrehen zu müssen. Dann lehnte ich mich auf dem Sofa zurück und wollte mich gerade auf den Film konzentrieren, da polterte auch schon etwas im Eingangsbereich.
      „Äh?“, machte ich gerade noch und räusperte mich, um dem Übeltäter verständlich zu machen, dass er sich zeigen sollte. Zum Vorschein kamen Nathan und Colin, die ihn ihrer Mitte einen offensichtlich besoffenen Matthew stützten. Hinter ihnen dackelte Declan, Jojos heimlicher Verehrer, her und sorgte so dafür, dass keiner von ihnen umkippte.
      „So so, die vier Herren waren also auf Kneipentour in der Pampa“, erwähnte ich das Offensichtliche noch einmal und Elena gackerte dann lauthals vor sich hin. „Na ja, sonderlich lange haben die dank dem da“, sie deutete auf Matthew, „anscheinend nicht ausgehalten.“
      Nathan warf ihr einen kurzen Blick zu, weshalb sie sofort verstummte und wieder eine erste Miene auflegte, nur, um danach wieder breit zu grinsen. „Also ehrlich, da verträgt ja sogar Gwen mehr! Oder hatte er einfach so viel?“
      „Keine Ahnung, wir haben ihn einfach draußen aufgegabelt. Ursprünglich wollten wir wirklich weg, aber Matthew meinte nur, er würde schon einmal vorgehen und wir sollten doch nachkommen. Als wir angekommen waren, war er schon ganz dicht“, erklärte Colin – der süße, kleine, niedliche Colin mit dem Welpenblick – die Situation und versuchte allem Anschein nach selbst noch, sich aus dem Geschehen einen Reim zu machen.
      „Elisa“, grummelte Matthew dann vor sich hin. „Wo ist Elisa?“
      „Ich bin hier, du Dummkopf“, erwiderte ich nur. Es war schön, mal nicht die einzige zu sein, die ein bisschen zu viel intus hatte.
      Mein so-gut-wie-und-dann-doch-wieder-nicht-Freund sträubte sich gegen den festen Griff der anderen, sodass die sich via Blickkontakt austauschten und dann einfach nickten – die einfache Kommunikationsweise der Männer würde ich nur zu gern ebenfalls beherrschen.
      „Komm her“, säuselte ich und öffnete meine Arme für ihn, „und dann bringen wir dich erst einmal ins Bett.“
      Müde nickte Matthew nur, inzwischen zu schläfrig, um mir zu widersprechen und ich nahm ihn bei der Hand, um ihn dann hoch ins Bett zu bringen. Glücklicherweise war er nicht ganz so anhänglich wie ich und auch das Umziehen schaffte er noch allein, sodass ich direkt wieder zu den Anderen nach unten konnte. Die hatten es sich auf der Couch bequem gemacht. Colin saß ganz außen, neben ihm Declan, dann folgte Nate, der sich neben Elena niedergelassen hatte – und auf irgendeine unerdenkliche Art und Weise hatte er es geschafft, dass sie ihr Popcorn mit ihm teilte?! Hey! Das war unfair! Ich kannte sie viel länger als er und trotzdem war die Beziehung der beiden schon fortgeschrittener als unsere!
      Irgendwann hatte Elena aus meinem Schrank Alkohol hervorgekramt. „Nur, um den Film erträglicher zu machen und den Canada-Day nachträglich ein wenig zu feiern!“, hatte sie versprochen, aber es hielt sich keiner dran. (Meine Frage, was denn der Canada-Day sei, wurde gekonnt überhört. Oder, was wahrscheinlicher war: Elena wusste es selbst nicht.) Ich war ein wenig angeheitert, konnte aber noch ganze, vollkommen korrekte Sätze bilden. Colin hatte für heute auf Alkohol verzichtet, zumindest glaubte ich das. Nate und Eli kicherten wie doof und grinsten ständig, steckten die Köpfe ständig zusammen und murmelten sich irgendwas zu, woraufhin sie wieder lachten.
      Und Declan? Tja, der laberte mich mit irgendwas voll. Hin und wieder hörte ich Jojos Namen, wahrscheinlich fragte er mich über sie aus oder so.
      Wenn man vom Teufel sprach – aus den Augenwinkeln heraus konnte ich sehen, wie Jojo sich in dem Moment an der Tür vorbei schleichen wollte. Haha, vergeblich! Ich wäre nicht so eine gute Freundin, hätte ich sie nicht mit einem bösartigen Grinsen auf dem Gesicht zu mir gerufen und sie eingeladen, doch mitzutrinken. Sie rückte zwar anfangs etwas von Declan weg, aber nachdem ich sie einfach zwischen mich und ihn schubste, war das Eis fast schon gebrochen. Fast.
      Als ich mich so umblickte, merkte ich dann aber, dass Gwen fehlte. Es wunderte sowieso, dass sie nicht bei Colin war, aaaaber was sollte ich jetzt schon tun?
      Richtig, ich verabschiedete mich, tapste nach oben und ließ mich ins Bett fallen.
    • Rhapsody
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      Das Grauen danach - © Gwen, Samarti
      | 17. Juli 2015
      „It’s a new day in a new land and it’s waiting for meee! HERE I AAAM!“
      „Elisa, Schnauze.“
      Inmitten ihrer Bewegung blieb Elisa stehen und stockte. Einen kurzen Moment sah sie Gwen verwirrt an, dann schlich sich ein wissendes, schadenfrohes Grinsen auf ihr Gesicht. „Na, aber Gwenny, wer ist denn da so maulig? Schlechten Tag gehabt?“
      Wenn Blicke töten könnten, wäre Elisa vermutlich in dem Moment mit einem leisen Schrei zusammengesackt. Leider war dem nicht so, stattdessen grinste sie Gwen weiterhin überglücklich an, während sich deren Gesichtsfarbe von fast weiß zu kirschrot veränderte.
      „Was ist denn los mit dir? Hast du Colin gestern Abend deine unendliche, unsterbliche Liebe gestanden?“, hakte Elisa weiterhin nach, ohne darauf zu achten (oder sich auch nur in irgendeiner Weise dafür zu interessieren), dass ihre Freundin wohl jetzt schon mehr als nur genervt von ihr war.
      „Boah, ich kotze gleich“, warf Elena, wie immer äußerst passend, in das Gespräch ein und schaute neugierig in die Runde. Anscheinend wollte sie in Erfahrung bringen, ob jemand noch einen schlimmeren Kater hatte als sie. Oder sie wollte einfach, nett wie sie war, indirekt fragen, ob sie noch einen zweiten Eimer mitbringen sollte. Um das Wohl ihrer Mitmenschen kümmerte sie sich nur selten, es sei denn es waren ihre potentiellen Leidensgenossen (ja, Elena hatte ein sehr großes Herz!). Die hatten nämlich höchste Priorität.
      „Bin ich echt die Einzige hier, die gestern kaum was getrunken hat? Oder, bessere Frage: Erinner nur ich mich hier an alles, was ich getan habe?“
      „Ne, ich weiß es auch noch. Aber es wäre besser, wenn ich es nicht tun würde“, stöhnte Gwen völlig entnervt auf und vergrub dann ihr Gesicht in den Händen.
      „Die Position hab ich doch schon mal irgendwo gesehen!“, schrie Elena auf (anscheinend hatte sie auf einmal einen Geistesblitz). „Das erinnert mich an was!“
      Grummelnd hielt Gwen sich die Ohren zu und versuchte, die Lautstärke so zu regeln, dass sie nicht mehr in den Ohren wehtun würde - vergeblich. „Genauso hockte sie gestern auch im Gras“, kommentierte Jojo das Ganze knapp. Das war das erste, was sie heute von sich gab. Anscheinend war sie immer noch sauer auf den Rest der Gruppe - der wiederum verstand natürlich gar nicht, weshalb.
      „Also ich bin ja für einen After-Show-Ausritt. Nach der Party ist schließlich vor der Party!“ Fröhlich tanzte Elisa um die drei anderen herum, stolperte dann über ihre eigenen Füße und landete auf einmal vor dem Sofa, auf dem Elena lag und von dem sie nun mürrisch auf den Boden sah. „Jetzt weiß ich, wie Jojo sich gestern gefühlt hat, als ich die Mauer runtergefallen bin“, nuschelte sie in das Kissen und machte dann die Augen wieder zu, um ein wenig Schlaf zu finden. Wollte sie sich nicht eigentlich einen Eimer holen?
      „Guck nicht so. Der Weg war mir zu weit. Weißt du, wo deine Abstellkammer liegt? DA DRÜBEN, unfassbar“, versuchte sie dann, eine Erklärung zu finden, „außerdem liegt die Küche nicht einmal auf dem Weg, da lohnt sich das Laufen gar nicht.“
      Das war (wie nicht anders zu erwarten) Elena und dementsprechende Blicke bekam sie auch zugeworfen. Elisa ließ sich trotzdem nicht von ihrer Idee abbringen und hüpfte weiterhin - nachdem sie sich wieder aufgerappelt hatte - aufgeregt um das Sofa herum.
      „Mann, Gwen! Das hat doch damals auch voll gut geklappt, als wir mit Namida und dem anderen Pony ausgeritten sind! Ich weiß zwar nicht mehr, wer das war, aber dann kann ja nichts passiert sein, wenn da keine schwerwiegenden Zwischenfälle waren!“ Völlig euphorisch rannte Elisa jetzt auf Gwen zu, packte die bei der Hand und wollte sie hochziehen. „Mit dir gehe ich nirgendwo hin!”, war aber das einzige, was Elisa zurückbekam. Deswegen setzte sie auch ihren, bisher immer erfolgreichen, Dackelblick auf.
      Anscheinend war Gwen aber noch nicht nüchtern genug, um wieder klar denken zu können, denn sie reagierte nicht auf den Blick und für Elisa konnte das nur die einzig logische Erklärung sein, warum ihre Wunderwaffe nicht funktionierte. „MATTHEEEEW! DIE WOLLEN NICHT! HOL DIE WASSEREIMER!“, schrie sie dann lautstark durchs Haus und, wie nicht anders zu erwarten, half diese Drohung allen außer Elena auf die Beine. Während Jojo und Gwen nun also aufgestanden waren und sogar freiwillig nach draußen gingen, um sich irgendwelche Pferde fertig zu machen, lag Elena auf dem Sofa und … schnarchte. Laut. Zu laut, als dass sie wirklich schlief.
      „Elena, wenn du jetzt nicht aufstehst, kippt Matthew dir den Wassereimer über den Kopf. Das Wasser ist eiskalt, dann hast du auch mal die Ice Bucket Challenge gemacht. Yay or nay?“
      „Ist in dem Wasser wenigstens irgendwas Essbares drin?“ Blondchen grummelte nur noch und streckte sich dann irgendwann sogar; daraufhin wollte sie sich auf den Rücken drehen, rollte aber vom Sofa. Das war nämlich nicht ganz so breit wie ihr Bett.
      Als sie noch immer nicht aufgestanden war, geschah alles ganz schnell. „AH! ELISA! ICH HASSE DICH!“ Kreischend sprang Elena auf und versuchte nach dem Eimer zu greifen - wahrscheinlich um ihn Elisa daraufhin über den Kopf zu stülpen. Leider griff sie wirklich vollkommen ins Leere, verlor das Gleichgewicht und lag schon wieder auf dem Boden.
      Das nutzte Elisa als Begründung für eine zweite Ladung Wasser. „Diesmal sogar mit Eiswürfeln. Nur für dich“, lachte sie und schon ergoss sich noch ein Eimer über Elenas Kopf.
      „Du hast gewonnen“, grummelte Eli und hob die Hände in die Luft, um ihre Ergebung zu demonstrieren, „aber du solltest dich um deinen Holzfußboden kümmern. Ehrlich. Sonst quillt der auf.“
      „Ach, das macht Matthew schon“, entgegnete Elisa nur und lächelte dann den Mann an, „oder, Matthew? Nach dem gestrigen Abend schuldest du mir noch einen Gefallen.“ Dass sie Matthew dann zuzwinkerte, schien Elena den letzten Rest zu geben. Sie stolperte geschockt einige Schritte rückwärts, riss die Augen weit auf (und die Blume auf der Fensterbank fast mit) und ihr Blick wanderte zwischen den beiden hin und her. „ELISA! Was hast du getan?! Was für einen Gefallen hast du ih- oh. TMI! TMI! TMI!!!“
      „Bitte was?“, fragte Gwen und streckte den Kopf zur Tür rein.
      „GWEN! GEH DEIN VERDAMMTES PFERD FERTIG MACHEN!“ Elisa wollte ihre Nachbarin gerade zur Tür rausscheuchen, da erwiderte diese nur: „Das ist schon fertig, Sch…-lampe.“
      „Was ist mit der Duschlampe? Als ich heute Morgen geduscht habe, hat die noch funktioniert!“
      „Du hast bei mir geduscht?!“
      „Hä, klar, ich hab auch bei dir geschlafen. Aber ich kann mich nur wiederholen: Dein Wasser ist einfach besser als meins.“
      „Elena, wir kriegen genau das gleiche Wasser…“
      „Nein, meine ist noch nicht angeschlossen. Benutze immer den Gartenschlauch und das Wasser ist eiskalt. So macht duschen keinen Spaß.“
      „Oh mein Gott.“ Gwen schlug sich die flache Hand vor die Stirn, schüttelte den Kopf und murmelte ein „Ich glaube, ich verschwinde lieber wieder“, ehe sie schnell weg lief und die Tür hinter sich zuknallte.
      „Räkelst du dich auch immer bei deiner Gartenschlauch-Aktion? Ich meine, jetzt, wo du Colin hast, findet der das bestimmt total sexy… Von Nate ganz zu schweigen.“
      „Colin hat eh nur Augen für Gwen, auch wenn die es gestern wahrscheinlich ein wenig versaut hat.“ Nun schüttelte auch Elena ihren Kopf, dann ging sie nach draußen. Elisa folgte ihr nur noch wortlos.

      Draußen saßen Gwen und Jojo bereits auf ihren Pferden. Während Elena an Quixoticelixer seelenruhig vorbeischritt, blieb sie ganz entgeistert vor Ohnezahn und seiner Reiterin stehen. „Das ist nicht dein Ernst, oder? DAS DA?!“, fauchte Elena regelrecht und deutete mit ihrem Zeigefinger vorwurfsvoll auf den Fellsattel und das Knotenhalfter, das der Schimmel trug.
      „Ich glaube, ihr solltet euch mal an meinen Mitarbeitern ein Beispiel nehmen. Danke, Domenic!“ Elisa nahm Cardillacs Zügel entgegen und tätschelte den Hals des Perlinos, der daraufhin nur einen Schritt zurückwich und den Kopf schüttelte. Hätte sie mal gefragt, ob sie ihn berühren dürfte. Irgendwie machte sich das nämlich nicht ganz so gut, als sie vor ihren Freundinnen angeben wollte.
      Als Elena weiteres Hufgetrappel hörte, weiteten sich ihre Augen und sie lächelte schon voller Vorfreude, dann allerdings kam Julien mit Levi endgültig um die Ecke gelaufen. „Hier, Elena“, sagte Julien und drückte Eli den Strick in die Hand, „putzen und satteln musst du selbst.“
      Entgeistert und völlig fassungslos starrte Elena auf den Strick in ihrer Hand, während Jojo, Gwen und Elisa sich das Lachen verkneifen mussten.
      „Wie war das mit dem schiefen Turm von Egoisa?“, kicherte Gwen dann los, die sich nicht mehr zusammenreißen konnte und auch Jojo prustete laut los. Nur Elisa ging dann auf Elena zu, patschte unbeholfen mit ihrer Hand auf den Kopf der Blondine und sprach ihr dann beruhigend zu. „Och, Mäuschen, das war natürlich nicht unser Ernst. Cloud Nine ist selbstverständlich auch hier! Also Kopf hoch, Prinzessin Elena von Ego, sonst fällt das Krönchen runter!“
      Beleidigt verschränkte Elena die Arme vor der Brust, schmollte dann aber. „Ich bin kein kleines Kind mehr! Aber wo ist mein Nini?“ Nini? Der Restalkohol in ihrem Blut war nicht zu verleugnen.
      Diesmal gesellte sich Sophia zu uns. Im Gepäck: Cloud Nine. Aufgetrenst und gesattelt.
      „Liebe Sophia!“, plapperte Elena, tätschelte der Ausbilderin den Kopf und nahm ihr wie selbstverständlich die Zügel aus der Hand. Restalkohol? Wahrscheinlich stand Elena immer noch unter vollem Einfluss. Sophia schüttelte nur den Kopf, verdrehte die Augen und machte auf dem Absatz kehrt, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Wahrscheinlich dachte sie sich ihren Teil schon. Und sonderlich positiv würde der nicht sein - ging ja schließlich um Elena.
      Den Blicken der anderen nach zu urteilen, dachten sie alle dasselbe - „Hat die sich eigentlich jemals bedankt?“
      Elena ließ sich hingegen nichts anmerken und schwang sich stattdessen übermütig (und eventuell etwas zu wackelig, als nüchtern gelten zu können) in den Sattel. Nino legte dabei leicht die Ohren an, so als wäre er heute mit seiner Reiterin nicht ganz so glücklich, nahm das Ganze aber doch gelassen hin.
      „So. Können wir? Wer braucht denn da so lange?“
      Einstimmig rollten Jojo, Gwen und Elena mit den Augen, murmelten dann wahrscheinlich irgendwelche Beleidigungen und ließen Elisa (die als letzte aufgestiegen war) dann aber doch mehr oder weniger in Ruhe und ritten ihr widerspruchslos hinterher.
      Während des ganzen Ritts war Elisa allerdings die einzige, die fast pausenlos sabbelte. Gwen starrte mit anteilnahmslosem Blick geradeaus und hatte die Lippen zu einem Strich verzogen; Jojo kümmerte sich um rein gar nichts und Elena lag schlafend auf Ninos Hals.
      Zumindest, bis der kleine (Entschuldigung: große) König eine Schlammpfütze erblickte, sich weigerte, nur einen Millimeter weiter zu gehen und stattdessen einige Schritte rückwärts ging; dabei war ihm egal, dass seine Reiterin da eigentlich anderer Meinung war.
      Womit der Hengst nicht gerechnet hatte, war aber, dass er dann mit einem Hinterbein direkt in eine Wasserpfütze trat und, erschrocken über das kühle Nass, mit einem eher weiblichen Quieken mit allen Vieren in die Luft sprang. Das weckte dann sogar Siebenschläferin Elena auf, die mürrisch Elisa ansah und sie für den Vorfall als schuldig bekannte. „Schade, dass du noch drauf sitzt. Eigentlich hättest du runterfallen müssen.“ Ein Gähnen folgte. Daraufhin legte Elena sich aber wieder auf den Hals ihres Hannoverangerhengstes und wollte weiterschlafen.
      „Dass ihr von dem Gewackel nicht schlecht wird. Die soll bloß froh sein, dass die nicht seekrank ist“, trug Jojo ihren Teil zu der „Konversation“ bei und beobachtete Cardillac, der noch immer unter Elisa herumtänzelte.
      Da weder Gwen noch ihr Pony geistig anwesend waren, merkten sie nicht, wie sich Cardillacs Hinterteil allmählich in ihre Richtung bewegte. Selbst Elisa bekam das nicht sonderlich mit, musste sie sich immerhin über Elena aufregen, die alles nur mit einem „Haha, mein Pferd ist lieb, deins nicht!“ kommentierte und schelmisch grinsend mit dem Zeigefinger auf Cardillac deutete.
      Wenn Jojo mehr Lust auf ein Gespräch gehabt hätte, hätte sie nun sicherlich eingeworfen, dass sich hier gerade eine Kausalitätskette entwickelte, denn Cardillac stieß an Ohnezahn; der hatte von der ganzen Nähe direkt genug (er war schließlich ein Problempferd!) und sprang entsetzt zur Seite. Nur, um dadurch direkt das nächste Pferd anzurempeln. Dabei handelte es sich um niemand Geringeren als Nino, der versuchte, wie ein Fels in der Brandung stehen zu bleiben.
      Leider reichte der leichte Schubs, um die halb schlafende Elena aus ihrem (sowieso nicht vorhandenen) Gleichgewicht zu bringen und beinahe in Slow Motion konnte der Rest beobachten, wie Elena ihren Abgang antrat.
      Mit einem Blick entschieden alle, das Ganze kommentarlos zu lassen. Anscheinend hatte aber Gwen den Blick nicht mitbekommen, denn die begann gerade herzhaft zu gackern. Laut. Zu laut, als dass es Elena entgehen würde, obwohl die sich gerade darüber beschwerte, dass ihr „perfektes“ Outfit versaut war. (Es war ausnahmsweise mal nicht perfekt, irgendwie hatte der Alkohol für einen Knick in der Optik gesorgt.)
      Nach fünfminütigem Jammern und Klagen begann dann aber auch die Blondine, endlich zu verstehen, dass ihr niemand aufhelfen und mit ihr die Kleider tauschen würde. Damit würde sie nun leben müssen, ob sie wollte oder nicht. Wahrscheinlich waren ihr die Kleider der anderen eh nicht genug auf Nino abgestimmt, sodass sie ständig nur gemeckert hätte, dass ja die Farbe des Oberteils nicht zur der der Schabracke passte. Obwohl die Schabracke, die Nino gerade trug, weiß war.

      Nachdem sie sich von ihrem Segelabenteuer erholt hatte, kannte Elena während des gesamten Ausritts dann aber nur noch drei Wörter: ich, habe und Hunger. In genau der Reihenfolge. Später versuchte sie es dann auch ein wenig zu variieren, was ihr aber leider auch nichts brachte. („Haben Hunger ich“ klang jetzt zugegebenermaßen nicht sonderlich überzeugend!)
      Aber die anderen drei Reiterinnen verstanden natürlich die Bedeutung hinter dem Wortwirrwarr und konnten es mühelos entziffern. Niemand wollte riskieren, dass Elena zur Bestie wurde, nur, weil sie ihr heißgeliebtes Essen nicht bekam. Hatte sie heute überhaupt schon gefrühstückt? Wenn nicht, war es definitiv an der Zeit, den Rückweg anzutreten. So schnell wie möglich!
      Schnell war die Gruppe nur indirekt, denn mehr als ein gemächlicher Schritt war bei dem Zustand einfach nicht drin. Elena jaulte sowieso die ganze Zeit herum, dass sie sich eklig und hässlich fühle mit dem ganzen Schlamm. Dass sie den auch im Gesicht hatte, verriet aber ihr niemand.
      „Na, da waren wir aber ganz schön lange unterwegs!“, meinte Elisa stolz und schwang sich aus dem Sattel, ehe ihr auffiel, wie der Rest schaute. „Wir waren, um genau zu sein, 15 Minuten unterwegs. Wir haben es gerade einmal bis zum Ende der Weide geschafft“, korrigierte Jojo seufzend und ließ sich unmotiviert aus Qs Sattel rutschen, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dann zog sie den Hengst schweigend in den Stall, wo sie ihn wohl absatteln wollte. Dabei war der Putzplatz eigentlich in die andere Richtung.
      Es dauerte aber noch zwei Minuten, bis Jojo das verstanden hatte. Auf jeden Fall hatte der Sekundenzeiger auf Elenas Uhr zwei Runden gedreht. Vermutete diese zumindest, vielleicht waren es auch drei gewesen. Oder vier. Oder auch nur eine. Oder die Uhr war nur eine Halluzination.
      Alle starrten fasziniert in Richtung Jojo und das schien für Elena der Anlass zu sein, die Runde zu verlassen - zügig. Etwas ungelenk kletterte sie von Ninos Rücken und schaute sich hilflos um, bis sich ihr Gesicht erhellte, weil sie Sophia entdeckt hatte.
      Die wiederum verstand die Situation nicht schnell genug, um zu flüchten und ließ sich stattdessen auf eine gefühlt endlose Diskussion mit Elena ein. Die hatte dann aber doch ein Ende. Denn Elena schloss den Mund, legte Ninos Zügel um Sophias Hals (die Hände hatte diese hinter dem Rücken verborgen) und trat wortlos den Weg zum Haus an.
      Nur einmal verließ ein Wort ihre Lippen. Und es war nicht schwer zu erahnen, wie dieses Wort lautete.

      „ESSEN!“
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      Ausreit-Kirsch-Spektakel
      | 14. August 2015
      Vor lauter Berichten kam ich in den letzten Tagen kaum aus dem Haus, meistens nur zum Füttern oder, um beim Misten zu helfen. Mein ganzes Leben bestand aus Berichten – Berichten für Tierärzte, für Besitzer, für Reitbeteiligungen, für den Floh auf dem Rücken des Mops des Besitzers. Berichte, Berichte, Berichte. Nichts anderes.

      So hatte ich mir mein Leben wirklich nicht vorgestellt. Doch zum Glück hatte ich Freunde, die mir den Laptop wegnahmen (meine Arbeit zum Glück speicherten) und ihn herunterfahren ließen, um ihn dann zu verstecken. Freunde, die mich dann nach draußen zerrten, um mit ihnen auszureiten.

      Es wurde eine kleine Männerunde werden – am Putzplatz angebunden waren Kalzifer, Papermoon’s Yakari und Don Johnson. Und daneben, schon fertig gesattelt, Quixoticelixer. „Wie kann’s eigentlich sein, dass ihr auf meinem Hof einbrecht ohne dass ich was mitkriege?“ fragte ich empört, nahm dann aber den Helm aus Gwens ausgestreckter Hand entgegen und saß grummelnd auf.

      „Da steckt Elisa dahinter,“ verriet Eli, die sich mit dem größten Hengst an die Spitze setzte und ohne sich noch einmal umzublicken vom Hof ritt. Gwen war fix hinterher – das war ihrem neusten Waldpferdchen gar nicht anzusehen. Dahinter reihten sich dann Elisa, die mal wieder versuchte, Q’s Namen richtig auszusprechen, und ich ein.

      Nach zehn Minuten, vielen gescheiterten Versuchen und doofen Kommentaren von Gwen, fiel uns allen auf, dass wir Elena blind hinterher geritten waren. Die anderen kannten sich vielleicht in der Gegend hier besser aus, aber ich war doch erst ein paar Monate hier und hatte bis jetzt nur die Wege benutzt, die ich auch wirklich kannte (mein Orientierungssinn war teilweise einfach nicht vorhanden und ich wollte nicht als Moorleiche enden). „Blöde Frage, aber … wo sind wir? Ich war hier echt noch nie.“

      Keine Antwort.

      „Wisst ihr selbst, wo wir sind?“ hakte ich nach. Wieder keine Antwort – Elena, die uns immer noch zielsicher durch Gestrüpp und Dickicht führte, hatte sich wohl geschworen, keinem etwas zu verraten. Denn auf einmal, als wir auf einem Stück Weg außerhalb des Waldes waren, bog sie scharf nach rechts auf eine Wiese und dann sahen wir nur noch, wie sie zusammen mit ihrem Hengst über die Wiese preschte.

      Es schien, als würden Gwen und Elisa nur eine Sekunde zögern, dann waren auch sie auf und davon. Und ich war alleine auf dem Weg, meine Freunde mit jeder Sekunde weiter entfernt. „Solche Vollhorsts,“ murmelte ich und ließ Quixo den anderen dreien einfach hinterherjagen. Als ich schließlich am anderen Ende der Wiese Elena, Elisa und Gwen wieder sah, wie sie mir breit entgegen grinsten, musste ich einfach mit den Augen rollen. Nachdem wir dann angekommen waren und wieder auf einen Weg kamen, musste ich mir natürlich anhören, wie leicht ich reinzulegen war. Ich ließ die Kommentare einfach auf mich einprasseln, denn immerhin war ich nicht besser, wenn jemand anderes verarscht wurde. „Aber ich hab jetzt echt mal ‘ne Frage – wo sind wir?“

      ***

      Es stellte sich heraus, dass wir einen absolut extremlangen Weg um Elenas Gestüt genommen hatten und keine paar Minuten später bei ihr auf dem Hof standen.

      „Elena hat sich freiwillig geopfert, dass wir ihre Küche einsauen dürfen!“ erzählte Gwen mir aufgeregt, als wir die Pferde absattelten. „Und Elisa hat so ein tolles Rezept für Apfelkuchen gefunden –“

      „Apfel? Wieso nicht Kirsch?“ fragte ich ein wenig beleidigt. Daraufhin rollte Gwen mit den Augen. „Weil wir keine Kirschen haben.“

      „Wir nicht,“ meldete sich jetzt auch noch Elisa. „Aber du.“

      Gwen hielt sich nicht einmal auf, als Elisa sich auf den Weg zur Nahannis River Ranch machte, also konnten ein paar gestohlene Kirschen wohl nicht so schlimm sein.

      ***

      Der Kuchen wurde – natürlich – eher schwarz als lecker, deswegen haute Elena ihn lieber in den Mülleimer und machte sich an den Eimer Kirschen, mit dem Elisa zurückgekehrt war.

      Als ich später wieder am Schreibtisch saß und mir vornahm, endlich die Berichte weiterzuschreiben und abzuschicken, bemerkte ich, dass es sich mit vollem Magen einfach nicht schreiben ließ. Das konnte ich wann anders machen. Morgen. Oder … in fünf Tagen. Oder vielleicht würde es auch Adèle übernehmen, wenn ich sie ganz lieb darum bat.

      Ach was, ich musste nicht mal lieb drum beten. Adèle würde das schon regeln.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur A-L - © Gwen
      | 21. August 2015
      „Quixo-tic-elixer“, sagte Jojo ganz langsam und deutlich, ich schaute wahrscheinlich hingegen gerade wie ein doofes Schaf aus der Wäsche. „Äh. Ich nenne ihn Quixo, okay?“, meinte ich knapp (den Rest des Namens hatte ich eh schon wieder vergessen) und nahm Jojo die Zügel des Grullohengstes aus der Hand. „Und danke fürs Fertigmachen“, meinte ich noch ehe ich den Hengst auf den Reitplatz führte und mich mit dem Steigbügel einstellen und Nachgurten beschäftigte. Quixo war neun Jahre alt und tatsächlich nur 142cm groß, für mich wirkte der Hengst dennoch wie ein Koloss, denn das was an er Höhe nicht hatte, hatte er (natürlich positiv!) an Breite. Quixo war ein purer Allrounder, aber sein Steckenpferd war dennoch die Dressur. Elisa hatte bereits das Vergnügen gehabt, den hübschen Hengst trainieren zu dürfen. Nun war ich an der Reihe, beziehungsweise würde es auch bleiben, denn Elisa mochte den Blick des Hengstes nicht. „Der guckt so komisch“, hatte sie mir als Begründung gegeben und das Berittpferd an mich abgeschoben. Was solls, ob ich nun ein Pferd mehr oder weniger im Monat ritt, war ja nun auch vollkommen egal.
      Quixo war ein wahres Verlasspferd und wahrscheinlich der Vorzeigehengst seiner Rasse. Schon beim Aufwärmen gehorchte er auf jede meiner noch so kleinen Hilfen und sogar auf die, die eigentlich keine sein sollten. Er war dressurmäßig bereits auf A-Niveau, also würden wir uns an die L heranwagen. Viel Neues kam meines Erachtens auch gar nicht. Wir würden den versammelten Trab und den versammelten Galopp hinzunehmen. Dazu kamen der Außengalopp, die Kehrtwendung auf der Hinterhand, die Kurzkehrt und der einfache Galoppwechsel. Machbar und erst Recht mit einem Pferd wie Quixo. Der war schon jetzt motiviert dabei und verstand schnell, was ich unter einem versammelten Trab sehen wollte. Insgeheim vermutete ich aber, dass er das sowieso schon konnte. Ebenso schnell erging es uns mit dem versammelten Galopp und für die erste Trainingseinheit hatten wir schon viel geschafft. Klar musste an den Gangarten noch etwas gefeilt werden, denn Quixo neigte dazu, sich zu sehr zu versammeln und dann zu verkriechen, aber wir hatten ja auch noch genug Zeit.
      In der nächsten Stunde standen für und sie Kurzkehrt und die Kehrtwendung auf der Hinterhand auf dem Plan. Beides baute irgendwo aufeinander auf und es war mal eine kleine Abwechslung, eine eher ruhigere Stunde mit dem Hengst zu verbringen. Quixo war sehr engagiert, eventuell ein wenig zu sehr, denn so kam es dazu, dass er sich manchmal einfach irgendwie umdrehte und dann gelobt werden wollte. Bis man eine ruhige und korrekte Kurzkehrt erkennen konnte, verging die Zeit. Danach war die Hinterhandwendung aber wenigstens kein so großes Problem mehr. Stattdessen verstand Quixo dabei schneller als gedacht, was ich wollte und wieder konnten wir zwei Sachen abhaken.
      Zwei Wochen hatte ich mir für den Hengst eingeplant, natürlich länger, wenn er die Zeit brauchte, aber das bezweifelte ich. Der Außengalopp saß nach dem ersten Versuch und den einfachen Galoppwechsel bekamen wir durch unsere altbekannte Trainingsart auch schnell hin. Quixo war auch sehr gelenkig und so machte ihm diese Übung eh keine Probleme. Ebenso konnten wir die Volten und Schlangenlinien trainieren. Quixo sollte während der Bahnfiguren immer geschmeidig sein und seine Anlehnung nicht verlieren. Das war manchmal gar nicht so einfach, weil er dazu neigte, sich auf seine innere Schulter kippen zu lassen und dann wie ein schiefes Boot um die Kurve kam. Aber es wäre ja auch langweilig gewesen, wenn wir nichts gehabt hätten, woran wir noch hätten arbeiten können.
      Dennoch konnte ich am Ende des Trainings Jojo zufrieden die Zügel in die Hand drücken und ihr sagen, dass ihr Hengst L-fertig war. „So. Und wer ist der Nächste?“, fragte ich motiviert in die Runde und Jojo grinste mich nur an.
    • Rhapsody
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      Freiheitsdressur
      | 09. September 2015
      „Komm, ist doch nicht so, als müsstest du dich irgendwie anstrengen,“ sagte Elena, während sie durch ein Magazin blätterte. „Das meiste macht doch eh Q.“

      Naja, ganz unrecht hatte sie nicht. Immerhin war er es, der die Aufgaben ausführen musste und in den letzten Wochen hatte er durchaus bewiesen, dass er das konnte. Für so etwas war er zu haben; konzentriert hatte er mitgearbeitet, gelernt und er hatte mehr Spaß dabei gehabt, als Para, mit dem ich es zuerst probiert hatte. Quixoticelixer war auch der einzige meiner Hengste, der sich von dem lockeren Strick um seinen Hals nicht stören ließ. Alles in einem standen die Chancen, uns nicht zu blamieren, ganz gut. Trotzdem hatte ich, genau wie bei jeder anderen Prüfung, Lampenfieber – im Training hatte es so gut geklappt, was, wenn es dafür heute richtig schief lief? Was, wenn heute der Tag ist, an dem Cthulhu die Erde angreift und uns alle ins Verderben stürzt?!

      „Das ist dein Cthulhu-wird-uns-alle-killen-Gesicht. Cthulhu wird uns nicht killen,“ kam von Elisa, die ausnahmsweise ein wenig aufmerksamer war als Elena. Auch Gwen war heute dabei und bandagierte meinem Grullohengst gerade die Beine. Und wenn meine Augen noch funktionierten, unterdrückte sie ein Lachen. „Gwen wird als erstes gefressen,“ meinte ich grummelig und sah auf die Uhr. „Ich glaub, ich sollte langsam gehen.“

      „Hals und Beinbruch.“ – „Wird schon schief gehen.“ – „Nicht mal Cthulhu kann dir die Show stehlen!“

      „Das werden wir mal sehen,“ murmelte ich, als ich mich mit Q auf den Weg zur Arena machte.

      Die Minuten, die wir noch auf unseren Ausruf warten mussten, verbrachte ich noch einmal mit den geforderten Aufgaben, während Q die Ruhe selbst war. Dann klingelte die Glocke.

      Im Trab kamen wir in den Ring, verfielen dann wieder in einen gemütlichen Schritt, ehe wie in der Mitte des Vierecks stehen blieben. Mit einer Handbewegung, die wohl eher auf ein Hip Hop Konzert gehörte, gab ich Q das Signal zum Nicken. Danach grüßte ich noch die Richter, dann begann es wirklich.

      Wie ein Hund folgte mir der Hengst auf die Trabstangen zu. Wieder war es nur eine Handbewegung, diesmal eher ein Wegweiser, und locker trabte der er über die Stangen – kein einziger Huf berührte die Stange und wie ein geölter Blitz tanzte er darüber, nur, um auf der anderen Seite wieder von mir empfangen zu werden.

      Das nächste „Hindernis“ war ein Stangen-L. Das konnte ein wenig tricky werden; im Training war das wohl das einzige, was nicht jedes Mal geklappt hatte. Deswegen musste ich eine gesunde Balance zwischen Antreiben, damit Q nicht stehen blieb, und Zurückhalten, damit er die Kurve schaffte und nicht plötzlich antrabte, finden – und mir fiel ein Stein vom Herzen, als er wieder draußen war. Zu gerne wäre ich ihm um den Hals gefallen, aber wir hatten ja noch Aufgaben zu erledigen. Wie zum Beispiel das Rückwärtsrichten.

      Wir entfernten uns ein wenig von den gefährlichen Stangen, die Quixo als Dressurpferd nicht geheuer waren, dann stellte ich mich vor den Hengst und tippte ihn zweimal mit der Gerte an. Normalerweise sollte das kein Problem sein, doch vor allem beim Rückwärtsrichten war Q immer viel zu schnell gewesen, woraufhin ich immer Angst hatte, er würde sich irgendwie verletzen. Dass es jetzt auch ein bisschen zu schnell war fiel aber bestimmt keinem auf; eine Pferdelänge gingen wir rückwärts, dann konnte ich auch diese Aufgabe von meiner mentalen Liste abhaken.

      Mit einer Handbewegung gab ich ihm zu Verstehen, dass er stehen bleiben sollte. Dann tippte ich ihn über dem hinteren Sprunggelenk an, woraufhin er einen Schritt zur Seite machte. Schritt für Schritt wiederholten wir das, bis wir einmal ganz rum waren – und noch eine Aufgabe war geschafft. Am Himmel war noch nichts von einer riesigen teils-Mensch-teils-Tintenfisch-Kreatur zu sehen, und uns standen nur noch zwei Aufgaben bevor: das Schenkelweichen und zwei Lektionen aus dem Trail.

      Schenkelweichen stellte natürlich kein Problem dar; ich stellte mich neben den Hengst, brachte ihn – ohne ihn zu berühren, natürlich – in die richtige Stellung und tippte ihn dann mehrmals an der Schulter an. Wie das erfahrene Dressurpferd, das er ja immerhin war, kreuzte und entkreuzte er die Beine, bis wir wieder auf dem Hufschlag waren. Jetzt waren wir so gut wie fertig. Im Trab ging es noch in Richtung Plane und Flatterbandvorhang. Unerschrocken und erfahren, wie er war, ging Q sofort auf die blaue Knitterplane zu, sobald ich ihm das Kommando gab. Ihn störte das Geknistere nicht, er ging einfach ganz darüber und blieb schließlich sogar noch ganz entspannt unter dem Flatterbandvorhang stehen.

      Zu guter Letzt stellten wir uns wieder in der Mitte der Arena auf und grüßten die Richter ein letztes Mal – diesmal ließ ich Quixo aber mit dem Bein scharren. Beim Verlassen der Bahn hörte ich zum ersten Mal wieder etwas – nämlich den Applaus des Publikums.

      Die einzige, die mich empfang, war Gwen – mit einem breiten Lächeln. „Ihr wart super!“ rief sie und umarmte erst Quixo, dann mich. „So super!“

      „Werden wir ja sehen, wie super,“ sagte ich, doch ich konnte das Grinsen einfach nicht von meinem Gesicht verbannen.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen E-A - © Gwen
      | 29. September 2015
      „Und ihr meint, ihr kriegt zwei Pferde hin?“ fragte ich misstrauisch. Gwen und Elisa sahen sich kurz an, dann antworteten sie im Kanon mit einem lauten und herzlichen „Natürlich!“
      „Jojo traut euch nicht,“ sagte Elena, die selbst gerade nicht besonders überzeugt aussah.
      „Aber wir haben das schon öfters hingekriegt!“ protestierte Elisa daraufhin und rutschte auf die Kante des Sofas vor. „Und es hat immer gereicht.“
      „Habt ihr das mit Waffel schon mal hingekriegt?“ fragte ich daraufhin und nahm mir noch ein paar (eine gehäufte Handvoll) Chips.
      Gwen sah langsam aber sicher nicht mehr ganz so sicher aus, aber Elisa war zu stolz, um die Herausforderung nicht anzunehmen. „Natürlich, auch mit Waffel.“
      „Aber nur, wenn Quixo dabei ist,“ warf Gwen zögerlich ein. Daraufhin zuckte ich nur mit den Schultern. „Von mir aus – dann sind wenigstens beide irgendwie beschäftigt.“
      **
      Am nächsten Tag gleich holten die beiden Vaffanculo und Quixoticelixer ab. Während Elisa sich mit Val auf der Geländestrecke rumärgern durfte, sollte Gwen Q auf A-Level im Springen bringen. Zwar war er durch und durch dressurbesessen, aber ich legte großen Wert auf eine ausgewogene Ausbildung.
      Die beiden putzten die Hengste noch auf meinem Hof, ehe sie sich auf den Weg zu Townsend Acres machten. Doch das konnte ich natürlich nicht so stehen lassen – ohne groß nachzudenken ließ ich den Eimer Müsli in meiner Hand fallen und rannte ihnen hinterher. „Das kann ich mir doch auf keinen Fall entgehen lassen!“ meinte ich grinsend.
      Zum Aufwärmen gingen beide erst einmal auf den Platz und bauten dann dort Sprünge auf – nichts großartiges, nur etwas zum Einspringen. Ein Kreuz, ein paar Cavalettis und ein Rick – trotzdem dauerte es ein paar Versuche, bis Quixo wirklich mit Anmut drüberkam. Val hingegen machte es sichtlich Spaß und ich nahm mir jetzt schon vor, ihn und Elisa auf der Geländestrecke zu beobachten.
      Daraus wurde aus den nächsten Tagen aber erst einmal nichts; es regnete in Strömen und war windig, sodass Elisa und Gwen jeden Tag Schnick-schnack-schnuck um die Reithalle spielten. Und ich sah demjenigen zu, der eben gerade in der Halle war – wer hatte schon großartig Lust, sich bei so einem Sauwetter rauszustellen? Niemand, genau.
      So bekam ich aber von beiden genug mit, denn auch Val musste sich erst einmal an die höheren Hindernisse gewöhnen. Jeden Tag vor dem Training durfte ich die beiden aufwärmen und über Cavalettis und Trabstangen scheuchen, wofür mir Quixo wohl noch in Wochen böse sein würde. Trotzdem lernte er schnell, schneller als Val – „Wenn ich nicht gucken müsste, dass er nicht vor jedem Hindernis stehen bleibt, würde ich fast sagen, ihm gefällt’s!“ lautete Gwens Kommentar dazu – und war somit schon A-fertig, als es mit Vaffanculo zum ersten Mal auf die Strecke ging.
      Die letzten Tage hatte Elisa kein einziges Mal nervös gewirkt; wie ein Profi – der sie ja auch war und blablabla, zum Glück würde sie solche Kommentare nicht hören, das wäre ein zu großer Egobooster – aber als wir zusammen auf den Weg zur Geländestrecke waren, merkte ich doch, dass sie nervös war. „Wenn ihr bis jetzt keine größeren Probleme gehabt habt, wird das schon nicht schiefgehen,“ versuchte ich, sie zu beruhigen, doch es klang nicht mal in meinen Ohren überzeugend.
      Aber da musste Elisa dann wohl durch.
      Erst ritt sie den Dunkelfuchs noch ein paar Volten, um ein Gefühl für ihn zu kriegen. Das war total verständlich – schließlich hatte sie sonst nur passiv mitgekriegt, wie Val sich so im Gelände anstellte und musste sich jetzt ihr eigenes Bild machen. Doch dann sah man fast schon, wie sie sich zusammennahm und letzten Endes in den Parcours ging.
      Als die beiden dann im Wald verschwunden waren, entspannte ich mich auch langsam. Ich hatte Val oft genug selbst miterlebt und wusste, dass er jetzt voll bei der Sache war. Keine Bocksprünge oder sonstige übertriebenen Machoaktionen, nur volle Konzentration auf die Sprünge.
      Die Wolken zogen sich gerade wieder zusammen und ich verfluchte mich selber dafür, dass ich keinen Regenschirm mitgenommen hatte, da kamen die beiden aus dem Wald zurück. Die letzten beiden Hindernisse, dann ließ Elisa Val ausgaloppieren und parierte ihn schließlich vor mir durch.
      „Ich glaub, der ist fertig soweit,“ meinte sie grinsend. „Und du schuldest mir 10$.“
      „Wir haben nicht gewettet!“
      „Ich hab aber trotzdem gewonnen!“
    • Rhapsody
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      Aftermath
      | 22. Oktober 2015
      Mehr oder weniger gesund und munter (Elisa: gesund und munter; der Rest: nicht so), unendlich froh, dass Jolympia vorbei war, lümmelten wir alle bei Elisa (wem sonst) auf dem Sofa herum. Gwen und ich hatten gerade einen Spaziergang mit Pacco und Andvari unternommen und waren zusammen mit den zweien und Chesmu zu Elena rübergelaufen. Die hatte gar nicht viel zu sagen sondern wurde einfach mitgeschleppt.

      Es war arschkalt gewesen, und weil die Ponys eh wieder auf Elisas Weide („Kindergarten“) mussten, quartierten wir uns einfach bei ihr ein. Dass Elisa gar nicht da war, störte uns wenig – immerhin hatten wir Matthew zur Belustigung (und als denjenigen, der für uns Elisas megateure Kaffeemaschine bediente).

      Als Elisa dann endlich heim- beziehungsweise reinkam, diskutierte ich gerade mit Gwen und Elena über Integrale und ihre absolute und relative Unnötigkeit.

      „Ich hab zwei Fragen,“ fing Elisa an. „Erstens, warum seid ihr in meinem Wohnzimmer. Zweitens, warum zur Hölle regt sich ein Hufschmied über Integrale auf?“

      „Weil sie unnötig sind,“ brummelte ich in meine heiße Schokolade hinein. Wenn man schon unbedingt aussehen wollte wie ein S aber kein S war, war man unnötig.

      Eine Antwort auf die erste Frage bekam sie nicht; ich war mir auch ziemlich sicher, dass sie keine erwartete. Stattdessen holte sie sich auch eine heiße Schokolade (weil Kaffee einfach eklig war) und setzte sich vor uns auf den Boden.

      „Nächste Frage –“

      „Wird das jetzt ein Q&A?“ unterbrach Elena sie. „Wenn ja, dann möchte ich bitte erst mit meinem Agenten telefonieren, ich mach so was Öffentliches nicht ohne Rücksprache.“

      Und Elisa ignorierte sie einfach, während Gwen ihr ein Kissen ins Gesicht schlug. Leider war die Tasse im Weg und somit saute Elena das schöne Sofa mit Kaffee voll.

      Ignorance is bliss oder so, zumindest sagte Elisa sich das wohl gerade, denn sie starrte Elena kurz an und wandte sich dann wieder an alle. „Habt ihr nichts Besseres zu tun als auf der Couch zu sitzen – meiner Couch – und zu trinken? Vor allem du, mit deinen Integralen?“

      „Мы не можем пить. Водка пуст,“ schaltete sich das mittlerweile nasse Sprachgenie ein. Aber wieder wurde sie ignoriert – die Arme.

      „Alles schon erledigt,“ sagte ich grinsend. „Deswegen hab ich Angestellte.“ Daraufhin zog Elisa nur eine Augenbrauen (das würde sie zwar nur schaffen, wenn sie eine Monobraue hätte, aber ich gönnte ihr den „Erfolg“).

      „Schieß los.“

      Ich verdrehte die Augen, aber mein Gehirn setzte sich in Gang und ich erinnerte mich an die Teambesprechung (Frühstück) heute Morgen.

      „Wir waren mit Pax, Andvari und Chesmu spazieren. Danke übrigens, haben wir gern gemacht. Dann war ich noch mit Chepa auf den Platz, ein bisschen Springen, und später muss ich noch mit Vaffanculo und Quixoticelixer was machen. Zoe hat Newt und Outside Girl übernommen weil Zoe klasse ist und auf Dressur steht, was man ihr vielleicht gar nicht ansieht. Oh, und Adèle hat sich um Cíola, Symbolic Splash und Sikari gewundert weil Adèle ein Schatz ist.“

      Ein paar Augenblicke sah Elisa mich nur an, dann grinste sie. „Du hast dein liebes Katapult vergessen.“

      „Dann eben Sternchen nach ‚vielleicht gar nicht ansieht‘: Joline ist supertoll und die einzige, die freiwillig mit Capulet ins Gelände geht, also hat sie das heute übernommen.“ Jetzt durfte ich sie angrinsen. „Ich hab das alles im Griff, vertrau mir.“

      ***

      Das Training mit Quixo und Val war zwar mehr als anstrengend gewesen – sogar Quixo hatte sich heute gegen alles gesträubt – aber dafür hatte ich mir die Lasagne, die Adèle bereits im Ofen hatte, als ich hereinkam, mehr als verdient.

      Das Abendessen, das offiziell auch Abendbesprechung hieß, verlief ziemlich ruhig. Abgesehen von Quixo war wohl jedes andere Pferd normal gewesen, mit Cíola und Lashy gab es sogar große Fortschritte – beide trabten jetzt auf Sprachkommando an, was bedeutete, dass wir einen Schritt näher am Anlongieren waren.

      „Ich will ihnen natürlich genug Zeit geben,“ meinte ich. „Aber andererseits kann ich’s kaum erwarten, die beiden zu richtigen Turnierpferden zu erziehen.“

      „Später natürlich,“ sagte Adèle grinsend. In dem Moment klingelte prompt mein Handy und ein kurzer Blick aufs Display verriet mir, dass es meine Mutter war.

      Es war zwei Uhr nachts in Deutschland.

      „Sorry, Leute, ich glaub, ich muss da rangehen.“

      ***

      Etwa eine Stunde später beendete ich das Gespräch und saß für ein paar Augenblicke einfach nur still auf meinem Bett. Es gab wohl keinen anderen Ausweg; ich musste zurück nach Deutschland. Zumindest für ein paar Monate.

      Nur wie verklickerte ich jetzt Zoe und Adèle, dass sie die nächsten Monate auf sich allein gestellt waren? Bestimmt würde Declan ihnen auch helfen, wenn Not am Mann war, und Gwen, Elena und Elisa waren ja auch noch da. Und sie würden es natürlich verstehen. Trotzdem begann ich mich sofort schlecht zu fühlen. Noch schlechter.

      Auf leisen Sohlen ging ich zurück ins Esszimmer/Wohnzimmer/Küche, wo meine beiden Kolleginnen immer noch freundlich miteinander quasselten. Adèle sah mich als erstes und bemerkte wohl sofort meinen Gesichtsausdruck. „Ist was passiert?“

      Ich hatte eigentlich gedacht, dass es schwer sein würde, so etwas zu sagen. Aber meine Stimme wackelte nicht einmal, als ich von meiner Schwester erzählte, die auf dem Heimweg von einem Freund einen Autounfall hatte und jetzt im künstlichen Koma lag.

      Machte mich das jetzt zu einem schlechten Menschen?

      Es dauerte dann doch noch mal ein bisschen, bis ich den beiden – die mich übrigens sofort umarmt hatten und versucht hatten, mich zu trösten – gestehen musste, dass ich in den nächsten Tagen wohl nach Deutschland abreisen würde, eben so schnell wie möglich. Doch anstatt zu meckern oder zu verzweifeln, versicherte Zoe mir, dass sie das schon irgendwie hinkriegen würden. „Immerhin haben wir ja noch Declan. Und Elisa. Und Elena und Gwen. Das kriegen wir schon hin.“

      Keine zwei Tage dauerte es, bis ich schließlich mit Koffern bewaffnet auf dem Weg zum Flughafen war. Ich hasste Abschiede wie die Pest, deswegen durfte keiner mit und mir vom Gate aus zuwinken oder so einen sentimentalen Bullshit veranstalten. Elisa, Elena und Gwen hatte ich es am gleichen Abend noch gebeichtet und auch sie hatten natürlich gleich ihre Hilfe angeboten. Wie gute Freunde das eben machten.

      Um ehrlich zu sein vermisste ich den Hof schon, als der Flieger in die Luft abhob.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    2 Aug. 2016
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  • Quixoticelixer


    Von: Quiero
    Von: unbk
    aus der: unbk


    Aus der: Fadala vom Emmenhof
    Von: unbk
    aus der: unbk



    Rasse: Lewitzer
    Geschlecht: Hengst
    Stockmaß: 142cm
    Geburtsdatum/Alter: 09. August, 13 Jahre
    Fellfarbe/Genotyp: Silver Smoky Grullo [aa EE Dd Crcr Zz]


    Zuchtzulassung: [HK 478]
    Decktaxe: nicht für die öffentliche Zucht vorgesehen
    Nachkommen: -


    Letzter Tierarztbesuch: 11. November 2015 [Klinik Caen]
    Letzter Hufschmiedbesuch: 15. Dezember 2016 [Hufschmiede Pine Grove Stud]


    Dass 'Quixoticelixer' ein wahrer Zungenbrecher ist, dem waren sich die Züchter durchaus bewusst. Trotzdem wählten sie den Namen - ein besonderer, exotischer Name für ein besonderes, exotisches Pferd. Denn Quixoticelixer - oder Quixo, wie er meist genannt wird - ist nicht nur ein wahrer Hingucker was die äußerst seltene Fellfarbe für einen Lewitzer angeht, auch vom Wesen lässt nichts daran erinnern, dass man einen ausgewachsenen Hengst vor sich stehen hat. Er integriert sich perfekt in jede Herde, egal ob mit Wallachen oder Hengsten, da er sich ziemlich schnell unterwirft. Sowohl auf der Weide als auch im Viereck ist er ein absolutes Verlasspferd und entspricht charakterlich somit dem totalen Zuchtideal. Durch sein ruhiges Gemüt eignet er sich besonders gut für den Dressursport und sollte dort dementsprechend gefördert werden. Aber was wäre ein helles Pferd nicht ohne den gelegentlichen Matschspritzer? Und diese bekommt man natürlich am ehesten auf der Geländestrecke. So ist Quixo ein wahres Allrounderpferd - und auch für faule, heiße Sonntage, an denen man nicht mal ans Reiten denken möchte ist er gemacht. Denn vor der Kutsche ist er genauso entspannt wie unterm Sattel.
    Es gibt nur ein Problem, mit dem man rechnen muss: nicht in jedem Land sind Lewitzer, die außergewöhnliche Fellfarben tragen, zur Zucht zugelassen. Es wäre natürlich schade, sollte er seine Gene und auch seinen Charakter nicht weitervererben dürfen, doch egal ob mit oder ohne Körungsschleife, Quixoticelixer bleibt ein Freund fürs Leben.


    Qualifikationen & Erfolge
    Fohlen ABC – eingeritten – eingefahren – Englisch
    Eignung: Dressur

    Dressur S – Springen S – Military A – Fahren A

    330. Dressurturnier
    97. Synchronspringen
    5. Synchronfahren
    101. Synchronspringen
    334. Springturnier
    105. Synchronspringen



    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: kira

    Offizieller Hintergrund