Gwen

Pinero

Knabstrupper ♂

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Pinero
Gwen, 6 Jan. 2018
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    • Gwen
      Pflegebericht 22.12.2014 - Weihnachtliche Vorbereitungen
      © Samarti

      „Star's Diamond und Trés Jolie befinden sich in den Boxen, holst du eben Ace of Clubs und Romantica? Dann kümmere ich mich noch um Monsta und Goldherz. Julien, nimm du bitte noch Beverly und bring sie in die Box!“, bat ich Joline und Julien im Vorbeigehen im Stall, eilte dann zu den Halfterhaltern und zückte die Halfter der beiden Reitponystuten, welche ich in ihre Boxen bringen wollte. Die verbleibenden Stuten Audio Delite at Low Fidelity, Sambuca, Pina, Star, Yuki, Star und neuerdings auch Hall of Fame standen auch nicht mehr auf der Weide.
      Unbridled Dreams, Skyrim und Bacardi Mojito waren schon gut versorgt und standen in ihrem Stall, ebenso wie Pinero.
      Auch die Hengste des Gestüts – Rapsoul, Kronjuwel, Capriciasso, Diggin' in the Dirth, Levi, Unbroken Soul of a Rebel und Cardillac – machten sich bereits eifrig über ihr Futter her.
      Es war ein anstrengender Tag gewesen und die Kälte machte dies nicht besser. Nächsten Samstag sollten es bis zu -25 Grad Celsius werden! Minus!
      Umso glücklicher war ich, als ich endlich mit Julien im Haus verschwinden und mich vor den Kamin schmeißen konnte. Doch natürlich musste diese schöne Stille direkt unterbrochen werden.

      »Last Christmas I gave you my heart,
      But the very next day, you gave it away.
      This year, to save me from tears,
      I'll give it to someone special.«


      „Mach es sofort aus!“, rief ich verzweifelt und stürzte in Richtung des Radios, um dieses schreckliche Lied endlich zum Verstummen zu bringen. Es war genau wie letztes Jahr, als wir an Heiligabend alle beisammen waren und plötzlich Last Christmas ertönte. Jedes Jahr war es dasselbe, dämliche Lied, welches die Radiosender in Dauerschleife auf und ab spielten, und es nervte mich. Umso schöner war die Stille, wenn die letzten Töne verklungen und ich diese Melodie nicht mehr hören musste.
      Möglicherweise war ich ein Weihnachtsmuffel, den man erst einmal in Stimmung bringen musste, doch genau mit diesem Lied ging es in die ganz falsche Richtung, weshalb das Radio bei uns an Heiligabend ein totales No-Go war.
      „Ich sag' es zwar nicht gern, aber Matthew hat mich geschickt, um dir zu sagen, dass er mit dir reden möchte“, stürmte Joline in das Zimmer und vergewisserte sich erst dann, dass niemand in der Nähe war. Bis auf Julien war dies nicht der Fall – und der konnte es meinetwegen wissen.
      „Woher der plötzliche Sinneswandel?“, wollte ich fragen, doch ich hielt lieber meinen Mund und nickte ihr dankend zu, ehe ich zu Matthew ging, von dem ich wusste, dass er sich in seinem Schlafzimmer verkrochen hatte.
      „Hey“, lächelte Matthew mich zaghaft an, nachdem ich sein Zimmer betreten hatte und wir uns einige Minuten stillschweigend und irgendwie steif angesehen hatten. Still erwiderte ich sein Lächeln und seufzte dann.
      „Äh, ich wollte dir nur sagen, dass ich es total schade finde, wie es gelaufen ist und … na ja, es tut mir leid.“ Der Mann hob den Blick und sah mir direkt in die Augen, was mir einen Schauer über den Rücken sandte.
      „Schon … okay“, stammelte ich nervös und nickte dann, „mir tut es auch leid. Vergeben und vergessen?“
      „Ich verspreche dir, ich versuche, mich zu bessern. Du hast mir wirklich gefehlt.“ Angespannt stand er von seinem Stuhl auf und bewegte sich auf mich zu.
      „Ich hab dich wirklich vermisst“, flüsterte ich in Matthews Schulter, als er mich in seinen Arm genommen hatte und ich mich an seine Brust kuschelte. Ich liebte es, wenn Männer gut rochen – und dieses Exemplar tat dies momentan ganz besonders gut.
      Nach einer Weile entfernten wir uns etwas voneinander, doch der Mann vor mir beobachtete mich noch immer ganz genau und sah mir eindringlich in die Augen. Seine Augen wanderten zwischen den meinen und meinen Lippen hin und her, und auch, wenn ich intuitiv wusste, worauf er hinaus wollte, zögerte ich keine Sekunde, als der Abstand zwischen unseren Mündern immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwunden war und wir unsere Lippen versiegelten. Und Gott, fühlte sich das gut an!
    • Gwen
      Pflegebericht 28.02.2015 - Ihr Ernst?!

      Es war kurz nach acht und es schien wunderbar die Sonne. Die -17°C spürte man leider trotzdem und ich hatte mich warm eingepackt, ehe ich das Haus verließ. Kathy war schon auf dem Weg zum Bus und Mama machte in der Küche gerade den Abwasch. Ich war also dran, die morgendliche Stallroutine zu übernehmen. Aufgeregt brummelten mir die Pferde entgegen als ich den Stall betrat, denn jetzt hieß es Frühstückszeit! In aller Ruhe machte ich die einzelnen Portionen fertig, war danach aber etwas genervt und sehnte mich in die Zeit zurück, wo wir nur drei Pferde besessen hatten, das war wirklich tausend Mal angenehmer gewesen. Ich entschied auch, dass ab sofort Schluss war mit neuen Pferden.
      Nach dem Füttern rollte ich bereits einen Heu- und einen Strohballen in die Stallgasse und wartete dann mit meiner Thermoskanne darauf, dass die Pferde fertig wurden und ich sie auf die Weide bringen konnte. Das lief alles problemlos ab mit unseren vorbildlich ausgebildeten Pferden und dann konnte ich auch schon mit dem Ausmisten beginnen. Fünfzehn Boxen waren nicht gerade ohne und ich war mir ziemlich sicher, dass Kathy ab sofort immer mitmachen musste, wenn sie weiterhin jederzeit reiten wollte. Irgendwie war sie sowieso nie sonderlich motiviert oder aktiv und ich hegte insgeheim die Sorge, dass sie schon bald das Interesse an den Pferden verlieren würde…
      Irgendwann waren dann auch alle Boxen frisch eingestreut, die Heunetze gefüllt und die Stallgasse gekehrt und ich wollte mir erst einmal eine aufwärmende Dusche gönnen, ehe ich mit Mum zum Einkaufen in die Stadt fahren wollte. Leider würde genau das heute nichts passieren… Als ich den Stall verließ, erblickte ich Elisas grinsendes Gesicht und erahnte direkt nichts Gutes. Vorsichtig stieg sie von ihrem Apfelschimmel Capriciasso ab, da sie in der linken Hand einen Strick hielt. Am anderen Ende des Stricks befand sich ein junger Knabstrupperhengst, der sich etwas unsicher umschaute und dann begann Elisa auch schon zu erzählen:
      „Das ist Pinero! Aber leider finde ich keinen Draht zu ihm, aber er stammt von Sanssouci und ich kann es Elena doch nicht antun, ihn zu verkaufen, nachdem ich sie so lange genervt habe! Ich schenke ihn dir!“, meinte sie lachend und reichte mir den Strick. „Willst du mich verarschen?“, antwortete ich nur perplex und schüttelte den Kopf. „Vergiss es, mein Stall ist voll!“, knurrte ich und lief an Elisa vorbei. „Bitte!“, rief sie mir nach und zeigte mit Hundedackelblick auf Pinero. Natürlich schaffte ich es nicht, mich durchzusetzen und nein zu sagen, stattdessen durfte Pinero direkt meinen Junghengst Andvari kennenlernen und da sich die beiden von Anfang an perfekt vertrugen, durfte Pinero direkt mit auf die Weide.
      „So, und jetzt hätte ich Lust auf einen Ausritt!“, meinte Elisa grinsend und deutete auf Capriciasso, der dösend auf dem Hof stand, immer noch dort, wo Elisa in abgestellt hatte. „Okay“, grummelte ich immer noch etwas verstimmt und ging Ravi von der Weide holen, um sie schnell zu putzen und zu satteln. Eine Viertelstunde später saß ich auf meiner Scheckstute und wir machten uns auf den Weg in den verschneiten Nationalpark.
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    • Gwen
      Pflegebericht 29.03.2015 - Elisa zu Besuch

      Das Orkantief hatte bei uns allerhand angerichtet und so hatte ich diesmal wirklich alle Hände voll zu tun. Zum Glück war Ostern, so dass Mama und Kathy auch frei hatten und so wollten wir uns nach dem Frühstück direkt an die Arbeit machen. Kurz nach sechs klingelte bereits mein Wecker. Dank der Zeitumstellung war es draußen dennoch schon hell und ich stieg mühsam aus dem Bett. Im Bad machte ich mich in aller Ruhe fertig, ehe es hinunter in die Küche ging.
      Dort war Mama schon dabei, das Frühstück zu machen und auch schon Sandwichs für den Lunch vorzubereiten. Wir frühstückten zu dritt und dann ging es hinaus in den Stall, Pferde füttern und misten. Leider mussten die Vierbeiner erst einmal im Stall bleiben, denn die Zäune musste ich erst abreiten. Dafür holte ich mir Arriba aus der Box und sattelte die Criollostute, denn so war ich wesentlich schneller als alleine. Und damit wir auch möglichst schnell alle abhandeln konnten, halfen Elisa und Matthew mir. Dementsprechend erwarteten mich vor dem Stall auch zwei weitere Reiter.
      Matthew saß auf der hübschen Filly und Elisa war mal wieder mit ihrem Farbtopfeimer Rebel anzutreffen. Ich begrüßte die beiden knapp und dann ging es los. Am Anfang der Weiden teilten wir uns auf, Elisa und ich ritten links entlang und Matthew rechts. Die drei Weiden nahe des Stalls hatten zum Glück nichts abbekommen, nur die Weide direkt neben dem Stall zierte ein großer Ast, der vom Baum gestürzt war.
      Die beiden Weiden neben dem Stall sahen nicht so gut aus. Dort war zum einen der umgekippte Baum, der auch Ohnezahn eingeschlossen hatte, sowie zwei weitere Zerstörungen im Zaun. Matthew ließen wir direkt dort und er kümmerte sich darum, die umgefallenen Bäume in kleine Stücke zu sägen und schon einmal zu stapeln. Elisa und ich ritten die letzten beiden Weiden ab. Danach hieß es Zäune reparieren und per Pferd und Wagen das Holz von den Weiden zu transportieren, dafür waren unsere drei Westernpferde zuständig.
      Mama und Kathy packten auch tatkräftig an und so waren bis zum frühen Nachmittag alle Weiden wieder in nutzbaren Zustand und die Pferde konnten endlich raus. Dementsprechend wollte ich die Zeit gleich noch nutzen, um einige Pferde zu bewegen. Gemeinsam mit Elisa kümmerten wir uns um die beiden Ladys Ginny My Love und Sinfonie. Beide wurden geputzt und dann gingen wir eine kleine Runde spazieren, ehe die Schecken auf ihre Weide durften.
      Danach statteten wir Pinero einen Besuch ab und Elisa freute sich doch sehr, ihren kleinen Tigerschecken mal wieder zu sehen. Und der Kleine erkannte sie sogar noch! Neugierig kam er zum Eingang der Weide und begrüßte uns, dann verzog er sich auch wieder. "Oh, wenn du gerade da bist, können wir noch mit Minou arbeiten!", rief ich erfreut und machte Elisa mit der Connemarastute bekannt. Diese war inzwischen vier Jahre alt und sollte nun allmählich eingeritten werden. Den Sattel kannte sie inzwischen und nun sollte das Reitergewicht kommen, kurz: Elisa.
      Also putzten wir die Stute und sattelten sie, dann gingen wir gemeinsam in die Halle. Dort waren wir zu dritt und so konnte eigentlich kaum etwas passieren. Matthew nahm Minou an die Longe, Elisa lief neben ihr und ich schwang mich todesmutig in den Sattel. Erst legte ich mich nur vorsichtig quer über den Sattel und dann wagte ich mich drauf.
      Und siehe da! Minou war ein wahrer Sonnenschein, sie war lieb, rücksichtsvoll und schien gar keine Angst zu haben. Brav lief sie im Schritt auf beiden Händen an der Longe und dann führte Elisa uns noch einmal durch die Halle, ehe wir sogar ein kleines Stück alleine im Schritt schafften, auch wenn Elisa immer noch neben uns her lief. "Ich glaube mit der Kleinen wirst du keine Probleme haben", meinte Matthew und tätschelte der braunen Stute sanft den Hals. Auch Elisa nickte zufrieden. Glücklich versorgte ich Minou und brachte sie dann auf die Weide. Elisa und Matthew mussten wieder nach Hause, denn auch sie hatten noch allerhand zu tun. Ich half derweil noch bei uns weiter mit.
    • Gwen
      Pflegebericht 28.04.2015 - Erziehung ist das A und O

      „Ich bezweifle, dass es den Regen interessiert, ob du ihn böse anstarrst oder nicht“, meinte meine Mutter knapp und stellte mir meine Tasse Tee vor die Nase. „Danke“, murmelte ich und starrte weiter aus dem Fenster. Eigentlich regnete es erst einen Tag lang, dafür aber auch echt schon den gesamten Tag! Keine einzige Unterbrechung und nach dem traumhaften Wetter der letzten Wochen fühlte es sich schon jetzt wieder wie eine Ewigkeit an. „Morgen soll wieder die Sonne scheinen“, meinte Kathy welche eingekuschelt in eine Decke auf der Couch saß. Aber auch das konnte mich nicht wirklich positiv stimmen, denn trotzdem saß ich hier und hatte keine Lust auch nur irgendetwas mit den Pferden zu machen.
      Unmotiviert war ich auch dem Grunde, dass momentan alle so gut wie das Gleiche machten. Ich hatte einige Jungpferde im Stall stehen und da reduzierte sich das Training schnell auf die Grundlagen im Benehmen und Umgang. Und genau das brauchten die beiden Chaoten Pinero und Avenger mehr als nötig. Allerdings hatte ich bei dem Wetter noch weniger Lust in die Gefahr zu laufen, dass mich einer der halbwüchsigen hinter sich her schleifte und das durch den Schlamm.
      Eine genervte halbe Stunde später verließ ich dann aber doch das Haus. Mama und Kathy waren mir so auf den Kranz gegangen, dass es mir allmählich reichte und ich lieber das Weite suchte und das war, oh Wunder oh Wunder, bei den Pferden. Seufzend schnappte ich mir Pinero und holte den Knabstrupper von der Weide.
      Gutmütig trottete er hinter mir hier, aber nicht ohne ein oder zweimal zu versuchen, grasen zu wollen. Schnell gab er es auf und schaute sich stattdessen neugierig um, auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit zum Nerven. Pinero lernte schnell, oft zu schnell und so hatte er immer schnell raus wie man diesen und jenen Knoten öffnete, wann man mich ärgern konnte und wie man sich vor der Arbeit drückte. Noch waren seine Späßchen problemlos, doch so lange klein würde er auch nicht bleiben und dementsprechend benehmen sollte er sich.
      Also widmete ich unseren heutigen Tag vollkommen dafür, ihn streng zu erziehen. Das begann schon beim Aufhalftern, über das Führen bis hin zum Putzen. Das Ganze wiederholten wir dann auch noch einmal in der Halle, wo wir auch noch die anderen Grundlagen des Fohlen ABCs dazunahmen. Pinero war schon beinahe zwei Jahre alt und schon jetzt ein starker Halbwüchsiger. Dementsprechend testete er gerne aus und dementsprechend streng musste ich bleiben. Am Ende hatten wir aber doch eine ganz gute Bilanz und ich konnte ihn zufrieden zurück auf die Weide schaffen.
      Als nächstes schnappte ich mir direkt Avenger. Wenn ich schon einmal dabei war, meine Hengste zu erziehen, dann durfte mein Findelkind auf keinen Fall fehlen. Eigentlich waren wir schon so weit, dass das Aufhalftern und Führen kaum noch ein Problem darstellte. Auch putzen ließ sich Avenger allmählich, denn schnell verstand er wie angenehm das war, aber am Rest mangelte es noch sehr, denn den hielt Avenger nicht sonderlich für nötig.
      So ging ich auch mit ihm nach dem Putzen in die Halle und wir übten die Grundlagen: Anhalten, Antreten, Rückwärtsgehen, Seitwärtsgehen. Ich muss sagen, einem Jungpferd so etwas beizubringen war wesentlich leichter als einem 12-jährigen Hengst der schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte. Gerade das Weichen passte Avenger gar nicht, obwohl wir schon öfter Freiarbeit gemacht hatten, allerdings musste er dies auch am Halfter beherrschen, denn es konnte gut sein, dass auch mal jemand anderes ihn holen musste, wenn ich nicht da war.
      Anfangs noch sehr widerspenstig entspannte sich Avenger schnell, als ich die ganze Sache weiterhin locker anging und ihn forderte, aber nicht überforderte. Allmählich gewann er auch Vertrauen in meine Trainingsmethoden und schien sich immer mehr zu entspannen und heute stellten sich zum ersten Mal Fragen, an die ich noch nie gedacht hatte: Wie weit war Avenger vor seiner Vernachlässigung in der Ausbildung gewesen? War er eingeritten gewesen? Vielleicht sogar Turniere gegangen?
      Mir fiel öfters auf, dass er schnell lernte, aber nicht, weil er es zwingend sofort verstand, sondern weil es ihm bekannt vorkam und er sich zu erinnern schien. Stirnrunzelnd beobachtete ich den Fuchshengst, der sich gerade ein geeignetes Fleckchen zum Wälzen suchte. Er war mir immer noch ein Rätsel.
    • Gwen
      Pflegebericht 23.05.2015 - Langsam wird's

      Es war bereits abends und trotzdem kochte die Luft noch förmlich. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass es in Kanada so schnell so warm werden konnte und dabei wohnte ich hier nun schon fast drei Jahre und doch war es immer und immer wieder unglaublich.
      Dementsprechend hatten Elisa und ich uns ein Vorbild an Elena genommen und hatten den Nachmittag in der Sonne auf unseren Liegen verbracht. Nichts tuend mit kalter Limonade. Nun wurde es langsam kühler und wir rangen uns doch noch zu ein wenig Arbeit durch.
      Da ich kürzlich Elisa bei ihren beiden Jungstuten geholfen hatte, half sie mir heute bei den Knabstrupperjährlingen. Außerdem war sie ja daran schuld, dass ich zwei davon hatte, denn Pinero war definitiv nicht eingeplant gewesen! Und obwohl ich den hübschen Kerl wirklich mochte, band ich es Elisa immer und immer wieder auf die Nase.
      Wir begannen mit Sinfonie und holten die hübsche Stute von der Weide. Sie war wunderschön mit ihren langen schlanken Beinen und den Punkten. „Ein Meisterwerk!“, meinte Elisa begeistert und ich verkniff mir nur das ‚stammt ja auch von Elena‘, man sollte es mit Lob ja nicht übertreiben.
      Sinfonie ließ sich problemlos putzen und genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Als wir fertig waren, machten wir uns an das Longieren. Momentan übten wir einfach nur das im Kreis laufen und allmählich auf Signale hören. Dabei war Elisa immer noch diejenige, die Sinfonie immer wieder hinaus auf den Zirkel führte, wenn die Stute der Meinung war, schon wieder in die Mitte kommen zu müssen.
      Am Ende schafften wir dann aber auf jeder Hand zwei Runden im Schritt, ohne dass Sinfonie nach außen oder nach innen driftete. Also eindeutig ein Erfolg! Sinfonie duschten wir kurz die Beine ab, eigentlich nur, damit sie es kennenlernte und dann durfte sie auch zurück auf die Weide.
      Nun war Pinero an der Reihe und wie immer freute sich Elisa wie ein Keks, wenn sie ihren ehemaligen kleinen Tigerschecken zu Gesicht bekam. Er benahm sich leider nicht sonderlich während des Putzens und wie die gefühlten letzten hundert Male, übten wir auch heute wieder das Benehmen und den Respekt. Pinero gehörte definitiv zu denen, die gerne testeten und sobald man nicht aufpasste, sich auch sofort etwas falsch angewöhnten.
      Wir machten einen schönen abendlichen Spaziergang mit dem Kerl und wenn er mir zu sehr auf die Nerven ging, schob ich ihn an Elisa ab und so ging es immer hin und her mit dem Strick. Mich hätte es nicht gewundert, wenn wir ihn irgendwann irgendwo vergessen hätten, weil keiner von uns beiden mehr wusste, wer jetzt eigentlich den Strick haben sollte.
      Das passierte uns aber zum Glück nur fast und so kamen wir zu dritt wieder heile am Stall an. Während für mich nun die Stallarbeit anstand, machte sich Elisa auf den Heimweg, um ihren Angestellten dabei zuzusehen wie diese ihre Stallarbeit verrichteten. Also irgendwas machte ich auch falsch.
    • Gwen
      Pflegebericht 23.06.2015 - Anti-Schrecktraining mit Matthew

      „Wir haben uns hier versammelt, um“- „Schnauze!“, schnitt Elena Elisa das Wort ab und funkelte sie fuchsteufelswild an. Ich war gerade erst dazu gekommen, obwohl ich eigentlich diejenige war, die das Ganze eingefädelt hatte. „Wo ist Matthew?“, fragte ich stirnrunzelnd und schaute mich um. Ich hatte dem Kerl nicht mein gesamtes Zeug in die Hände gedrückt, damit er damit nun abhaute!
      Kurzerhand nahm ich Elisa den Strick von Rozene aus der Hand und bat sie, ihren Freu- ja was auch immer zu suchen. Und da Elisa sehr durchsetzungsstark war, kam sie fünf Minuten später auch mit Matthew im Schlepptau wieder. Der schaute mich nur vorwurfsvoll an. „Ich. Will. Nicht.“

      Elena lag zwei Sekunden später beinahe lachend auf dem Boden, Grund hierfür war Matthews Aufzug (also ich fand ihn ja ganz hübsch!). Wir wollten mit unseren Jungpferden ein wenig Anti-Schrecktraining und mir war ehrlich gesagt nichts Schrecklicheres eingefallen als ein Matthew im Clownskostüm, der Seifenblasen machte, bunte und leuchtende Sachen mit sich herumschleppte.
      Rozene und Pinero waren da auch definitiv einer Meinung und verkrochen sich direkt hinter mir. Pinero wäre wohl lieber weggerannt, als auch nur einen Schritt auf Matthew zu zumachen. Dajeen schaute nur ein wenig komisch aus der Wäsche, aber die junge Stute war immerhin schon einmal selber als pinkes Schaukelpferd verkleidet herumgelaufen, wahrscheinlich verstand sie als einzige Matthews Leid.

      „Perfekt! Dann können wir anfangen“, meinte ich grinsend und erklärte Matthew noch einmal kurz, wie der Parcours auszusehen hatte. Rozene und Pinero hatten sich inzwischen wieder einigermaßen einbekommen, auch wenn Elisa immer noch kichernd am Rand stand. Den „Wow, siehst du sexy aus!“-Kommentar hatte sie sich natürlich nicht verkneifen können.
      Während Matthew Hauptgesprächsthema bei uns war, lernten Rozene, Dajeen und Pinero, dass weder Clowns, noch Blubberblasen, noch bunte Flatterbänder auch nur irgendwie gefährlich waren. Das Training zeigte auf jeden Fall seine Wirkung und danach konnten wir große Erfolge erzielen. Pinero ließ sich sogar von Matthew anfassen! Auch wenn sein Blick alles andere als Vertrauen bedeutete, aber immerhin!
      Matthew nutzte auch sofort die Gelegenheit, als wir uns verquatschten und haute ab, um aus seinem albernen Kostüm rauszukommen. „So, was bekommt er zum Dank?“, fragte ich grinsend, doch Elisa schaute mich nur vorwurfsvoll an. „Als Dank? Er ist hier angestellt, das ist Dank genug, bei meinen tollen Führungsqualitäten!“, meinte sie lachend und Elena verdrehte nur die Augen.
    • Gwen
      Pflegebericht 25.07.2015 - Willkommen neuer Weidekumpane!

      Andvari war nicht dumm und obwohl er sich nicht mehr mit Nimué eine Weide teilte, hatte er ganz genau gemerkt, dass seine Fohlenfreundin uns verlassen hatte. Dementsprechend übellaunig war er auch und das durfte ich auch während der Arbeit spüren. Momentan stand Andvari oben mit den anderen Zweijährigen auf der Sommerweide. Da er dort aber nur noch Rabatz machte und die Herde aufmischte, wurde ich gebeten, mein Pferd wieder mit nach Hause zu nehmen – Toll. Da hatte sich ja mal wieder jemand von seiner besten Seite gezeigt.
      Also machte ich mich heute auf den Weg nach oben, um mit meinem bockenden Haflinger den Weg wieder nach unten anzutreten. „Als ob es dir da oben nicht gefallen hätte“, seufzte ich genervt, während ich vorsichtig über Steine und Wurzeln stieg. Der Abstieg war nämlich ganz und gar nicht cool, den ritt ich eigentlich lieber, als dass ich ihn lief. Aber gut, mir blieb nichts anderes übrig. Andvari trottete unmotiviert wie eh und je hinter mir her und ich war fest der Meinung, dass er mich böse anstarrte.
      Nach fast zwei Stunden (!) waren wir endlich unten an der Ranch und ich eigentlich fertig mit den Nerven. Da Andvari mich aber teilweise echt geärgert hatte, beschloss ich ihn doch noch ein wenig zu longieren. Er war sowieso dick geworden, dementsprechend konnte er ruhig mal wieder ein wenig abbauen. Auch wenn er anfangs so gar nicht mitmachen wollte. Nach einer Weile ging es dann doch und er ließ allmählich locker. Zufrieden brachte ich ihn in den Stall, wo ich seine Beine abspritzte und ihn dann auf die Weide direkt hinter dem Stall brachte. Die hatte in den letzten Monaten nachwachsen dürfen, nachdem Avenger dort gefühlte Ewigkeiten gestanden hatte. Nun durfte sie Andvari als magere Weide Dienste leisten.
      Damit mein kleiner Haflinger aber nicht alleine war – und natürlich hatte ich mir schon eine neue Gruppeneinteilung überlegt – holte ich Pinero aus dem Stall. Die beiden Junghengste kannten sich witzigerweise noch nicht, dementsprechend würde das jetzige sicherlich lustig werden. Erst einmal durften sie sich über den Zaun beschnuppern, ehe ich den Knabstrupper mit auf die Weide ließ.
      Pinero war von seinem neuen Weidekumpanen anfangs gar nicht begeistert und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Ich ignorierte das Ganze geflissentlich und als ich einige Stunden später noch einmal vorbei schaute, standen sie in trauter Zweisamkeit beieinander und bekraulten sich gegenseitig. Na das war doch mal ein richtiges Happy End!
    • Gwen
      Pflegebericht 13.08.2015 - Wunderkind
      © Rhapsody

      Vor ein paar Wochen hatte Elisa verkündet, sie würde eine Kindergartengruppe eröffnen. Wir alle hatten sie ein wenig schief angesehen, da wir gerade von einem unserer legendären Ausritte kamen, bei dem ausnahmsweise Gwen und ihre blühende Romanze mit irgendeinem von Elenas Kerlen – ich war so schlecht mit Namen! So so so schlecht! – der Mittelpunkt war und nicht die Oberblondine, die wohl ein bisschen beleidigt war, dass wir diesmal Gwen ärgerten und nicht sie.

      Auf jeden Fall waren wir ein wenig fertig – wer hätte gedacht, dass der Sommer im Kanada genauso warm war wie in Deutschland? – und entspannten uns an Elisas Pool weil Elisa verrückt war und sich nach Zoes Kommentar wirklich einen Pool hatte bauen lassen. Ich mein wer konnte schon sagen „Oh, ich glaub, ich hab Lust auf einen Pool!“ und konnte ihn einfach bauen lassen?! Verrückt! Elena war (aus Trotz?) so weit gegangen, dass sie ihre Reithose irgendwo in Elisas Wohnzimmer gelassen, sich eine kurze Hose aus Elisas (oder wohl eher Jolines) „geliehen“ hatte und dann einfach eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken in den Pool gesprungen war. Gwen und ich blieben eher im seichten Bereich, während Elisa immer noch auf der Liege lag.

      Und da verkündete sie dann das mit der Kindergartengruppe. Gwen verdrehte neben mir die Augen, fragte dann aber trotzdem ganz geduldig nach.

      „Na, Pacco ist jetzt zwei, Chesmu ist zwei, Pinero ist zwei … die kommen jetzt aus der Krippe und müssen in den Kindergarten!“

      „So ‘n Käse,“ kommentierte Elena, die sich auf dem Rücken treiben ließ. Das war dann aber ihr einziger Input – immerhin hatte sie nur zwei Jährlingsstuten, die ihr Sozialverhalten problemlos ohne Hilfe von fremden Pferden lernen konnten.

      „Andvari hast du vergessen,“ grummelte Gwen und ließ mich allein im Wasser stehen, um sich vor Elisa aufzubauen. „Und du denkst, du bist eine qualifizierte Erzieherin und kannst so einen Haufen Junghengste managen?“

      Elisas Antwort darauf war ein kurzes Grinsen, gefolgt von einem „Nein. Aber dafür hab ich ja euch!“

      Daraus entsprang dann eine Diskussion über die richtige Erziehung – eine Gruppe von Jünglingen oder lieber in eine bestehende Gruppe integrieren? Schlussendlich blieben wir dann jedoch bei der kleinen Herde von vier; Pax (nicht Pacco! Niemals Pacco!), sein Halbbruder Chesmu, der gepunktete Pinero aus Elenas Zucht und noch Gwens Haflinger Andvari.

      „Hoffentlich werden die dann nicht totale Machos wenn sie alt genug sind,“ sagte Gwen, die sich mittlerweile neben Elisa gesetzt hatte und genüsslich in einen Apfel biss. Kurz darauf sah man, wie ihr Gesicht mit einer Idee aufleuchtete. „Ich hab die perfekte After-Ausritt-Beschäftigung! Wir backen einen Apfelkuchen!“

      Von Elena, die immer noch nicht aus dem Pool gekommen war, gab es Applaus. Elisa sah nicht wirklich begeistert aus, was aber daran lag, dass wir auf ihrem Hof waren und somit ihre Küche verunstaltet werden würde. Und für meinen Part – ich war dagegen. „Ich bin für einen Kirschkuchen. Mit Kirschen aus Gwens Garten.“

      Gwen funkelte mich an und drohte, den Apfel an meinen Kopf zu schmeißen. Von Elena gab es auch wieder Applaus – Essen war Essen. Und Elisa sah genauso unbegeistert aus wie bei Gwens Vorschlag. „Können wir solche Aktionen nicht mal bei Elena machen? Wir sind nie bei Elena! Ich will Elenas Küche ins Chaos stürzen!“

      Und das war dann wohl beschlossene Sache und wurde aufgeschoben auf das nächste Mal.

      ****

      Als ich dann ein paar Wochen später Pax besuchen wollte, stand er nicht mehr auf seiner alten Weide. Ich musste auch nicht lange suchen, denn ich hörte Elisa schon meinen Namen rufen (oder eher kreischen). Ein wenig widerwillig folgte ich ihrer Stimme im unlustigsten Marco-Polo-Spiel der Welt („Marco!“ – „Marco? Hast du schon wieder ‘nen neuen Kerl?“ – „MEINE GÜTE DU MUSST POLO SAGEN!“ – „Aber ich hab doch gar keinen Polo?“).

      Schlussendlich fand ich sie vor einer kleinen Koppel mit Unterstand, auf der jetzt wirklich Pax, Chesmu, Pinero und Andvari standen. Am Koppelzaun hing ein Schild, auf dem (in Comic Sans!!) Elisas Spielgruppe stand. „Dein Humor ist manchmal nicht ganz verständlich,“ bemerkte ich, doch dann erkannte Pax wohl den Klang meiner Stimme oder sowas ähnliches (obwohl sowas natürlich nur in der Wendy passierte). Auf jeden Fall kam er an den Zaun, im Schlepptau natürlich Chesmu. Letztere hielt sich aber im Hintergrund und rupfte nur ein paar Grashalme ab, ignorierte sogar Elisa. Natürlich nahm sie das ein Stück mit – ihr Baby wurde erwachsen und anscheinend war das eine komplette neue Erfahrung für Elisa (nicht, sie übertrieb nur gerne und oft) –aber ich ignorierte das einfach. Stattdessen lockte ich Pax mit Leckerlis und schönen Worten ans Gatter und führte ihn erst einmal auf den Putzplatz. Wenn er schon bei Elisa stand, dann konnte ich auch ihren Hof dreckig machen.

      Weil ich mit Pax schon so viel geübt hatte, blieb er natürlich total ruhig stehen, während ich ihm die Mähne kämmte und die Beine bürstete und die Hufe auskratzte. Danach ging es auf den Platz – jetzt war es auch schon egal, was ich alles auf Elisas Hof beanspruchte.

      Für ein paar Momente stand Pax etwas verloren auf dem Platz, neben ihm ein blauer Gymnastikball. Es schien, als würde er erst einmal die Erlaubnis von mir einholen wollen, eher er den Ball vorsichtig mit der Schnauze berührte. Doch schon bald fegte er über den Platz, stoppte haarscharf und raste dann in die andere Richtung. Das durfte er dann für etwa zehn Minuten machen, bis ich zusammen mit ein paar Trabstangen den Reitplatz betrat. Pax hörte auf, dem Ball hinterher zu rennen und sah mir neugierig zu, wie ich die Stangen auf dem Boden anordnete, später eine Plastikplane auf dem Boden ausrollte und schließlich auch ein paar blaue Tonnen in einem Slalom aufstellte. Auf mein Pfeifen kam mir der Junghengst entgegen und ließ mich den Führstrick auch problemlos wieder anhaken.

      Bevor wir zu irgendeiner Übung kamen, sahen wir uns die ganzen Stationen erst einmal an. Zwar waren die Stangen nicht neu für ihn und auch die Plastikplane kam ihm bekannt vor, doch mit den Tonnen hatten wir zuvor nie gearbeitet. Vor ihnen blieb der junge Lewitzer mit geblähten Nüstern stehen, traute sich jedoch trotzdem, eine von ihnen anzustupsen. Sie wackelte ein wenig, woraufhin Pax natürlich erst einmal zusammen schreckte, dann aber das Ganze wiederholte.

      Nach ein paar Runden Schritt joggte ich schließlich los, der Zweijährige etwas widerwillig hinterher. Das Traben an der Hand hatten wir auch schon fleißig geübt in den letzten Monaten; sobald er mich überholte, wurde ich langsamer und schickte ihn zurück, um es dann noch einmal zu versuchen. Das Resultat: wir beide trabten in ein und demselben Tempo, keiner drängelte. Gut, dann wäre das wohl auch abgehakt.

      Als erstes ging es an die Stangen, erst einmal nur im Schritt darüber. Wir blieben über jeder Stange stehen, sodass Pax sie kurz beschnuppern konnte und dann ging es auch schon weiter. Im Trab war das Ganze auch kein Problem und ich konnte nicht anders als hoffen, dass Pax später wohl mal seinen Platz auf Springturnieren finden würde. Dadurch wäre er zwar ein ziemliches Gegenteil von seinem Papa, aber wer sah schon springende Kühe? (Die Antwort: In Kanada niemand. In Bayern … gibt es durchaus Leute, die springende Kühe gesehen haben wollen. Verrückt, diese Bayern.)

      Bei der Plane brauchte Pax dann einige gut gemeinte Worte ehe er einen Huf auf das blaue Plastik setzte. Nach dem ersten Schock, bei dem er sich scheinbar zu Stein geworden war, seufzte er schwer (das Leben eines zweijährigen Lewitzerhengstes war sooo anstrengend!) und setzte schließlich auch die anderen Hufe auf die Plane. Ganz überzeugt sah er nicht aus, aber wir hatten ja genug Zeit, daran zu arbeiten. Anschließend folgte ein Mix aus den Stangen und der Plane, gefolgt von Führungsübungen. Auf die ersten Kommandos hörte er schon prima, Sachen wie ‚Halt‘ und ‚Scheritt‘ saßen gut, was natürlich nur gut sein konnte für seine weiteren Lebensweg. Immerhin sollte er, sobald er alt genug war, fleißig an der Longe gehen. Das hatte aber noch Zeit – genug Zeit.

      Die letzte Station war der Tonnenslalom. Immer noch nicht ganz überzeugt von ihnen blieb er wie angewurzelt stehen, also ließ ich ihn erst einmal die Situation abschätzen. Dann, langsam und behutsam, führte ich ihn dann an der ersten Tonne vorbei. Dort blieben wir stehen, damit er Zeit hatte, das erst einmal zu verarbeiten. In kleinen Stücken kämpften wir uns durch, bis wir es schließlich geschafft hatten und am anderen Ende herauskamen. Pax‘ Nüstern waren gebläht, doch er wirkte nicht mehr so eingeschüchtert. Also probierten wir es noch einmal, machten eine kleine Verschnaufpause und gingen dann alle drei Stationen noch ein paar Mal an. Danach merkte ich, wie Paccos Konzentration langsam schwand und beschloss, es für heute gut sein zu lassen. Ich führte ihn guter Laune auf den Putzplatz – von Elisa war keine Spur mehr – und machte mich daran, die ganze Putzprozedur zu wiederholen, damit es für den Junghengst zu einer normalen Alltagsbeschäftigung wurde, wenn Menschen ihn an den Beinen, dem Rücken und sonstigen Körperteilen anfassten. Zur Belohnung gab es dann noch einen Eimer voller guter Dinge; Äpfel, Karotten und sogar eine Banane, die sich nur selten in das Futter meiner Pferde verirrte.

      Mit bananenveschmierter Nase durfte der kleine Rappschecke dann letzten Endes zurück in seine Spielgruppe. Und sobald ich ihm den Führstrick abgemacht hatte, war ich für ihn Luft, denn es zählten nur noch seine neuen Kumpels. Das störte mich nicht sonderlich, sondern zeigte mir nur, dass mein erstes Zuchtfohlen einen gut ausgeprägten Sozialsinn hatte. Das bedeutete nicht, dass er mir nicht mehr gehorchen würde, nur, dass Artgenossen gerade interessanter waren also so eine komische Tante am Zaun.

      Apropos Sozialsinn. Es war eindeutig zu lange her, dass wir alle – Gwen, Elisa, Elena und ich – einen Filmeabend gemacht hatten. Es waren bestimmt schon mindestens zwei Wochen und dafür konnte ich nicht stehen.
    • Gwen
      Pflegebericht 25.09.2015 - Hunger ist größer als Freundschaft

      Elisas „Wir haben uns hier versammelt…“ wurde von einem lautstarken „Hungeeeer!!!“ unterbrochen. Das kam von einer gewissen Blondine, die unmotiviert über den Hof schlürfte, im Schlepptau ihren Fuchshengst, dessen Name mir gerade entfallen war. „HUNGEEEER!!!“, tönte es erneut, nachdem Elena der Meinung war, wir hätten sie noch nicht gehört. Elisas Blick ging vorsichtig Richtung Haus, vermutlich schätzte sie ab, wer eher da wäre, wenn sie jetzt losrennen würde.
      „Elena“, meinte ich knapp und riss sie so aus ihren Gedanken. „Hunger ist größer als Freundschaft, dass weißt du doch, Elisa“ – „Ja aber, das ist mein Kühlschrank!“, und damit sagte sie das Falsche. Elena war plötzlich hellwach und tat das, was man von dem blonden Böhnchen nicht erwartete: Sie sprintete los und das in einem Höllentempo, so dass weder Elisa noch Matthew (der gerade noch auf der Veranda saß) reagieren konnten.
      Gut, zweiterer wollte sich Elena gar nicht in den Weg stellen und tat stattdessen so, als hätte er das rasende Monster nicht gesehen. „MATTHEW! Du verdammter…“, Elisa suchte noch nach einem passenden Schimpfwort, da war Elena bereits verschwunden. „Halt mal“, murmelte Elisa nur (ich glaube, ich sah Rauch über ihrem Kopf…) und dann war sie weg. Ich stand nun alleine da. Mit drei Pferden. Also eigentlich vier, aber Kalzifer (ah, so hieß er!) hatte sich ein gemütliches Plätzchen am Rand gesucht und tat es seiner Besitzerin gleich: Er fraß.
      Ich hatte Pinero, Bee und Pina in der Hand. Gegen letztere hatte ich mich in einer endlosen Diskussion gesträubt und verloren, wie immer.
      "Elisa, wie wärs mit Bee!"
      "Dann nimmst du Pina mit."
      "Wieso?"
      "Frag nicht, es ist so."
      "Aber..."
      "NIMM SIE MIT!!!"
      Ich hatte es zumindest hinbekommen, dass Elisa selbst mitkam, immerhin war das Training ihre Idee gewesen. Gut, es war aus Elenas Fresserei entstanden, denn der waren auch gerne mal unsere Jungpferde verfallen und da wir oft lustlos auf ihrem Sofa hockten und keinen Bock hatten, was mit unseren Teenie-Vierbeinern zu machen, kam uns diese Abwechslung gelegen: Wie bringe ich mein Pferd dazu, dass es jederzeit geistig bei mir ist und nicht beim Futter?
      Matthew tauchte irgendwann neben mir auf und erbarmte sich, mir Pina abzunehmen. Die junge Stute und ich verstanden uns null, da mochte sie sogar Matthew mehr. Und dann ließ Matthew wieder seine super sympathische Seite raushängen, indem er mit dem „Also ich bezweifle, dass ihr den Pferden was beibringen könnt, wenn ihr nicht einmal Elena in den Griff bekommt“ – Spruch und ich hätte ihm am liebsten eine geklatscht.

      Eine halbe Stunde hatten wir auf Elisa und Elena gewartet, bis diese endlich aus dem Haus kamen. Sie sahen aus, als hätten sie eine Schneise der Verwüstung durch das Haus gezogen. Elena nahm mir mit einem süffisanten Grinsen den Strick von Kalzifer aus der Hand und marschierte auf den Platz. „Äh, Eli? Du hast da was?“ – „Hm?“ – „Ach egal…“
      Elisa hingegen sah sauer und traurig zugleich aus, ich vermutete, ihr Kühlschrank war leer, zumindest fast leer, immerhin schien Elenas Raubzug wieder sehr erfolgreich gewesen zu sein. Matthew war es dann, der Elisa samt Bee und Pina auf den Platz zog. Ich folgte seufzend mit Pinero.
      Eigentlich hatte ich mir einen Plan zurecht gelegt, was wir heute machen wollten, aber ehrlich gesagt hatte ich inzwischen alles vergessen. Aber dann raffte ich mich doch auf und gab jedem einen Apfel in die Hand. „Elena, noch nicht essen. Der ist wichtig“, meinte ich nur, als ich ihr den Apfel reichte. „Wir laufen nun neben den Pferden her, mit dem Apfel in der Hand und unterdrücken jegliche Art des Bettelns. Die Vierbeiner sollen den normalen Abstand halten, okay?“, und damit entließ ich die verrückte Horde.
      Elena sollte anfangen und nachdem sie Kalzifer zweimal zurecht gewiesen hatte, riss der sich auch zusammen und außer ab und an zu Elena rüber zu schielen und die Schnute doch in Richtung Apfel zu verziehen, benahm er sich (ganz im Gegensatz zu seiner Besitzerin).
      Matthew hatte sich Bee geschnappt und dementsprechend ging es auch dort verhältnismäßig gut. Bei Elisa und Pina sah das Ganze recht witzig aus, denn einerseits bestand Pina selbst auf einen Grundabstand zum Individuum Mensch, aber andererseits war so ein Apfel ja schon eine verlockende Art, diesen Abstand ausnahmsweise mal zu verkleinern.
      Tja und während ich die anderen beobachtete, wechselte Pinero hinter mir vorsichtig die Seite und stand dann plötzlich links von mir, sehr nah an dem Apfel. Ich konnte ihn gerade noch vor seinen Beißern retten, ehe er ihn endgültig erwischte. Pferd wurde zurecht gewiesen und wieder auf seinen Platz auf meine rechte Seite geschickt und wir übten weiter.
      Nächste Aufgabe war das beim Menschen bleiben, auch ohne Strick. An sich kein Problem, wenn wir uns nicht auf Elisas grasbewachsenen Springwiese befunden hätten. Da hatte selbst Elena Probleme und Elisa kommentierte es nur mit einem „Wie der Herr, so s Gescherr“ und fing sich einen bösen Blick von Elena ein.
      Es dauerte lange und brauchte viele Nerven, aber nachdem jedes Paar eine Runde ohne den Versuch des Fressens bewältigt hatte, konnten wir das Training endlich beenden, ich hatte auch das dringende Bedürfnis, vor der Konstellation Elena-Elisa zu fliehen. Mit den beiden Weibern ließ ich Matthew gerne alleine, der war ja er der Frauenheld schlechthin, mit den beiden Hübschen würde er schon fertig werden oder sie eben mit ihm.
    • Gwen
      Pflegebericht 26.10.2015 - Wir werden Handpferde!

      Immer wenn mir langweilig war, kam ich auf voll tolle Ideen! Heute war das wieder der Fall und ich hatte entschieden, dass es Zeit wurde, dass Pinero und Sinfonie zu Handpferden wurden. Das Fohlen-ABC kannten die beiden inzwischen in- und auswendig und das Führen war auch kein Problem. Natürlich brauchte ich aber dabei Hilfe und die holte ich mir von Elisa. Einzige Forderung von ihr war, dass wir auch gleich zwei ihrer Pferde beschäftigten und da mir nichts anderes übrig blieb, schlug ich genervt ein.
      Die Auswahl der Pferde war auch wieder toll gewesen: Elisa hatte sich Adona als Reitpferd ausgesucht und nahm Sinfonie als Handpferd. Bei der Kombi konnte nichts schiefgehen. Ich hingegen hatte die beiden Idioten Capriciasso (genau den hätte ich für die Aufgabe auch ausgewählt…) und Pinero. Also würde meine Art des Trainings wohl wesentlich lustiger verlaufen.
      Doch erst einmal mussten wir rüber zu Townsend Acres. Aus dem Grunde holte ich die beiden Knabstrupper von der Weide und putzte sie erst einmal ordentlich, damit ich mir dann keine theatralischen Dinge von Elisa würde anhören müssen. Nachdem beide fertig waren, marschierten wir los. Zu Fuß brauchten wir über zehn Minuten nach Townsend Acres, wo dann aber auch schon Elisa mit zwei gesattelten Pferden wartete.
      Capriciasso stand grasend am Rand, während Elisa innig mit Adona schmuste. Ich drückte ihr kommentarlos Sinfonies Strick in die Hand und sammelte dann mein Reitpferd ein. Na das würde heute lustig werden! Zuerst wollten wir übrigens auf dem Platz trainieren. Matthew ließ uns hinein und wir führten erst einmal die jeweiligen Pferdepaare nebeneinander her, damit sie sich kennenlernen. Dann stiegen wir auf und probierten es einfach mal blind mit dem Handpferd aus.
      Bei Adona und Sinfonie klappte das natürlich auf Anhieb. Bei mir auch, bis Capri es lustig fand, den kleinen Bunten neben sich zu ärgern und der dann natürlich auch zurück ärgerte. Dementsprechend schiss ich die beiden Kerle einmal mächtig an und dann war wieder Ruhe.
      Nun ging es also tatsächlich an den Ausritt. Da ich erahnte, das wir noch eine zweite Hilfe bräuchten könnten, bat ich Joline, ob sie uns denn nicht zufällig begleiten würde. Sie kam gerade mit Yuki vom Geländetraining und hatte nichts gegen die kleine Schrittrunde. Vielleicht hatte sie Glück und Yuki würde dadurch noch komplett trocken werden.
      So machten wir uns zu dritt auf eine kleine Runde um Townsend Acres. Anfangs lief auch alles glatt, aber Capri und Pinero konnten es natürlich nicht lassen, sich wieder anzuzicken. Am Ende sah es dann so aus, dass Joline Pinero als Handpferd übernahm, während ich Capri fieser Weise mit Dressurlektionen im Gelände beschäftigte, damit dem liebenswürdigen Apfelschimmel nicht langweilig wurde.
      Als wir dann auch endlich wieder am Stall ankamen, bedankte sich Elisa bei mir, dass ich Capri so schön gearbeitet hatte, das wäre ja die ganze Zeit der Plan gewesen. Schweigend drückte ich ihr die Zügel des Hengstes in die Hand und verschwand dann mitsamt meiner beiden bunten Knabstrupper von Townsend Acres. Das war typisch Elisa. Typisch!
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  • Album:
    Sportpferde
    Hochgeladen von:
    Gwen
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    6 Jan. 2018
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  • Rufname: Pinero
    Geburtsjahr: Mai 2013

    Von: unbekannt
    Aus der: Falada

    Rasse: Knabstrupper
    Geschlecht: Hengst
    Farbe: Black Leopard
    Endmaß: 165cm

    Beschreibung:
    Pinero ist ein Publikumsliebling wie er im Buche steht. Mit seinem fast schwarzen Gesicht und den blauen Augen konnte er bisher jeden in seinen Bann ziehen. Auch mit seinen Artgenossen konnte er bisher ohne Probleme in kürzester Zeit Freundschaft schließen.
    Er lernt außergewöhnlich schnell, was nicht immer von Vorteil ist. Man muss mit ihm sehr korrekt arbeiten, damit er keine Fehlverknüpfungen bildet und mit Fehlverhalten seinerseits Erfolg beim Menschen verbindet.

    Ersteller: Elii
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Elii


    Dressur A -- Springen S*** -- Military A

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