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Gwen

PFS' Scion D'Or

Englisches Vollblut ♀

PFS' Scion D'Or
Gwen, 29 Mai 2020
    • Gwen
      Ehemalige Pflegeberichte [1]

      Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
      19. Juli 2016 -- Canyon
      Nevada, USA - 19:37
      Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als ich von der Red Rock Road auf den Scenic Loop Drive abbog. Trotz des frischen Westwindes von Kalifornien, arbeitete der ältere und von einer dicken Staubschicht bedeckte Jeep unter mir, als würde er jeden Augenblick den Geist aufgeben. An dieses Geräusch hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, es war normal, vor allem bei dieser Hitze. Selbst in der Nacht sanken die Temperaturen nie unter 70 Fahrenheit, wie man hier auf diesem Kontinent so schön zu sagen pflegte.
      Links von mir tauchte nun der Pine Creek auf, welcher mich ein kleines Stückchen begleitete, bevor sich unsere Wege trennten. Mittlerweile kannte ich mich hier aus, lange hatte es nicht gedauert. Mit dem Auto oder zu Pferd, ich hatte mich an meine neue Heimat gewöhnt.
      Als sich der Scenic Loop in einem Bogen Richtung Norden wand, bog ich auf die kleinere Rock Gap Road ab. Ich merkte den Einkauf im Kofferraum, als die steinige Straße leicht bergauf ging und ich konnte mich mit all dem Eingekauften schon am verlassenen Straßenrand stehen sehen. Zum Glück würde ich nicht allzu schnell verhungern und erfrieren konnte man hier ja zu dieser Jahreszeit ebenfalls nicht. Da wir maximal einmal pro Woche in die berühmte Großstadt Las Vegas fuhren, um für die nächsten Tage Vorräte einzukaufen, war der Jeep entsprechend voll.
      Kurze Zeit später ging es dann für mich auf die La Madre Spring Road und von da aus waren es nur noch einige Meter bis zu meinem Ziel.
      Addison Moore hatte wenig freie Zeit, davon hatte ich mich in den letzten Monaten selbst überzeugen können, weshalb ich etwas überrascht war, als ich ihn und seinen treuen Gefährten Cerberus auf der Terrasse des Ranchhauses sitzen sah. Ich sah ihn nur kurz, bevor ich den Jeep etwas weiter unter den Bäumen parkte, doch sein Blick ging in die Ferne und verschwand dann in den rötlichen Felsen des Canyons.
      So gekonnt wie ich es mir vor kurzer Zeit noch nicht hatte vorstellen können, parkte ich korrekt ein, bevor ich das stickige Auto verließ.
      Mit schweren Taschen bepackt ging es für mich zum Haus, wo mich nun ein aufgeregt mit dem Schwanz wedelnder Hund begrüßte. Ich nahm mir kurz die Zeit, trotz voller Arme, um den Rüden zu begrüßen. Ich wusste wie übel er es mir nehmen würde, wenn ich es nicht tat. An meinem ersten Tag auf der Ranch hatten mich die eisblauen Augen des interessant gescheckten Louisiana Catahoula Leopard Dog eingeschüchtert, doch mittlerweile hatte ich lernen dürfen, dass Ceb der tollste Hund der Welt war, wenn man Asuka außer Acht ließ und das tat ich in letzter Zeit.
      Addison hatte sich mittlerweile aufgerichtet und mir eine der Taschen von der Schulter genommen und diese nun ins Haus trug. Ich folgte ihm und mir folgte Ceb, welcher den Geruch nach frischem Essen bestimmt schon mehrere Meilen vorher gerochen hatte. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Addi meistens eher stumm blieb, denn ich wusste, wenn es etwas Wichtiges gab, dann konnte auch Addison sprechen. So lange er nicht sprach, war alles gut.
      Aus der Küche wehte mir ein warmer und angenehm riechender Duft entgegen: Nudeln mit Tomatensoße, genauso wie es vor vielen hundert Jahren bei meiner Oma geduftet hatte.
      Als ich mich nach dem Abstellen der Taschen wieder erhob, wurde ich schlagartig und stürmisch von einer jungen Frau umarmt, welche ihre kraftvollen und doch zierlichen Arme um mich schlang.
      „Mio! Eine Woche habe ich dich nicht gesehen und trotzdem so vermisst wie diese Landluft hier. Wie gut du immer noch aussiehst! Der Wahnsinn!“ rief sie mit heller Stimme in mein Ohr, sodass ich dachte gleich taub zu werden.
      „Hey Heather“, sagte ich um ein vielfaches ruhiger. „Ich wusste gar nicht, dass du heute kommen wolltest?“
      Schauspielerisch entrüstet ließ sie von mir los, verschränkte ihre Arme und spitzte die Lippen, dann wandte sie sich von mir ab, nahm ihre Tasche vom Stuhl und wollte mit den Worten: „Dann kochst du eben das Abendbrot!“, den Raum verlassen. Mit einem schnellen Griff am Arm zog ich sie zu mir zurück und schob sie zum Herd. „War doch nicht so gemeint, das weißt du ganz genau!“ sagte ich lachend. „Es ist schön, wenn du da bist und außerdem weißt du, dass ich nicht so ein Kochtalent bin wie du.“ versuchte ich ihr zu schmeicheln. Heather liebte es, wenn man ihr Komplimente machte. Sei es ihr Aussehen, eine neue Bluse oder ihre Kochkünste, sie war ganz vernarrt darauf, Lob zu bekommen.
      Addison hatte sich derweilen gekonnt aus unserer Unterhaltung herausgehalten, machte sich aber nun damit bemerkbar, dass er lautstark die Teller aus dem Schrank holte. „Ich will eure Begrüßungsrituale ja nicht unterbrechen, aber meiner Meinung nach riecht es hier etwas angebrannt.“
      Heather entfuhr ein spitzer und vor allem hoher Schrei und sie drehte sich erschrocken zum Herd um, wo die Tomatensoße gefährlich dampfte.
      „Wo sind eigentlich Chill und Buck?“, fragte ich Addison, da mir gerade erst aufgefallen war, dass die beiden Zwillinge beim Geruch von Essen noch nicht in die Küche gestürzt waren.
      „Bei Jon, sie wollen irgendein „Projekt“ für die Schule machen und da muss man natürlich auch übernachten“ kam Heather ihrem Neffen Addison zuvor. Sie hatte ihren hübschen Mund zu einem ironischen Lächeln verzogen, sah dabei allerdings immer noch so schön aus wie zuvor. Mich wunderte es schon lange, dass die hübsche Frau mit den langen blonden Locken und den grünen Augen noch immer keinen Partner gefunden hatte, obwohl sie in der Blüte des Lebens stand und dazu noch in der Großstadt Las Vegas wohnte. Aber wer weiß, vielleicht wartete sie noch auf den Richtigen.
      „Wann kommen die Beiden denn wieder?“ stellte ich die Frage in den Raum. Diesmal zuckte Heather nur mit den Schultern, während Addison ein „Morgen“ brummte.
      „Ach Ad“, hatte Heather wieder etwas beizutragen „Man denkt du bist schon in Rente und hast einen Bart bis auf den Boden, dabei bist du gerade erst Anfang dreißig. Versuche jedenfalls, deinen Mund etwas weiter aufzumachen, glaube mir, das geht!“ maßregelte Heather Addison, bevor sie sich wieder dem Essen zuwandte. Ich ließ mich gegenüber von Addison, welcher sich am Tisch niedergelassen hatte, auf einen Stuhl gleiten und sah gerade noch, wie der sonst so emotionslose Addison seiner Tante ein belustigtes Lächeln schenkte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
      Ich weiß, Charly hörte es nicht gerne, aber Nevada war meine neue Heimat.

      Buskerud, Norwegen – 12:37
      Ich hätte nie gedacht, dass Kinder in den Schlaf wiegen so lange dauern würde, mittlerweile hatte ich Erfahrung darin, was es bedeutete, die Mittagspause damit zu verbringen. Bartholomäus war von Anfang an ein recht umgängliches Kind gewesen, ich hatte jedoch keine Ahnung, von wem er das haben könnte. Ich war es definitiv nicht gewesen und das was ich von Nico gehört hatte, er auch nicht. Dafür sah der Kleine genauso aus wie sein Vater. Bereits nach zwei Wochen waren ihm die ersten goldenen Löckchen auf dem Kopf gesprossen.
      Erschöpft, obwohl erst die Hälfte des Tages geschafft war, ließ ich mich auf die Couch in unserem Wohnzimmer fallen, welches, selbst einige Monate nach dem Umzug, noch bis oben hin mit Kartons vollgestopft war. Mein Laptop stand noch offen von vorhin da, ich hatte es im Laufe des Tages einfach nicht geschafft ihn zuzuklappen und mittlerweile war der Bildschirm, wie auch die Tastatur, voller Brei. Lecker. Ich konnte noch ganz genau erkennen, welches Glas ich Bartholomäus heute aufgemacht hatte. Das war bestimmt Möhre, Kartoffel und etwas Selleriegeruch, wie mir meine Nase mitteilte.
      Mit einem Ärmel, welcher den Bildschirm erst recht noch dreckiger machte, da dieser auch nicht mehr der Sauberste war, versuchte ich die groben Reste des Mittags vom Laptop zu wischen, bevor ich ihn zu mir auf den Schoß zog.
      Es war bei mir zur Angewohnheit geworden, dass ich jede freie Minute mich vergewisserte, dass ich keine Nachricht bekommen hatte. Der erste Klick ging auf Skype, eine der besten Methoden untereinander zu kommunizieren, wenn einem die Grenzen der Länder voneinander trennten. Mio schien dies aber noch nicht verstanden zu haben, seit Wochen war bei ihr kein grünes Häkchen mehr gewesen. Auch in meinem E-Mail Postfach fand ich wie immer keine ungelesene Mail von ihr. Ich gab es nicht gerne zu, aber ich vermisste sie. Ich vermisste sie so, wie ich Shadow vermisste und vor allem fehlten mir die alten Zeiten.
      Ich wollte meinen Laptop gerade zuklappen, als die Tür aufgestoßen wurde und mein Freund Nicolaus lautstark die Wohnung betrat. Mein Mund war schon halb geöffnet, um ihn ein weiteres Mal zu ermahnen, dass er gefälligst leise sein sollte, wenn sein Sohn schlief, aber er war schneller bei mir. Mir wurde ein Kuss auf die Stirn gedrückt, dann legte seine Hand auf die Meinige, welche noch auf dem Bildschirm ruhte und drückte mit mir zusammen die Klappe nach unten.
      „Charly, du weißt, dass Mio sich erst Sonntagabend melden wird und bis dahin sind es noch zwei volle Tage. Ihr geht es gut.“ Sagte er sanft, was er normalerweise nicht allzu oft tat. Ich zog meine Hand unter seiner weg und drehte mein Gesicht zum Fenster. „Du magst sie doch kaum und wirklich kennen tust du sie auch nicht. Vielleicht ist es einfach deine Schuld, dass sie sich so selten meldet?“ Kurz nachdem ich es gesagt hatte, wusste ich, dass diese Worte Nico hart getroffen hatten. Noch bevor ich die erste Träne in seinen Augen schimmern sah, war ich aufgestanden und hatte ihn umarmt. „Es tut mir leid, es tut mir leid“, versuchte ich das Gesagte wieder gutzumachen, allerdings hatte ich es trotzdem gesagt.
      Nico umarmte mich, allerdings war diese etwas steif. Ich hatte ihn verletzt und obwohl ich wusste, dass er sich selbst große Vorwürfe machte, hatte ich die Schuld auf ihn geschoben.
      Nach einiger Zeit in der Umarmung löste sich Nico von mir und zog mich zu sich aufs Sofa.
      „Charly, ich vermisse mein Füchschen genauso wie du es vermisst und auch wenn du es mir nicht glaubst, Shadow und Mio waren seit langem die beiden einzigen Freunde, die ich je besaß. Shadow werde ich nie wieder sehen und Mio ist auf der anderen Seite der Welt mit der Hälfte unserer Pferde. Fast hätte ich hier alles hingeworfen, weil mir der Gedanke, dass ich versagt habe, einfach nicht aus dem Kopf ging. Doch jetzt habe ich ein neues zu Hause gefunden, habe einen Sohn und ich habe dich. Das ist das Wichtigste.“ Er schloss seine Rede und blickte mir tief in die Augen. Ich hielt seinem Blick stand und wusste, dass er Recht hatte.
      „Du hast Recht. Mio holen wir schon irgendwann wieder zu uns.“
      Ein weiterer Kuss, dann zog mich Nico wieder auf die Beine. „Wann hast du eigentlich deinen letzten Ausritt gemacht?“
      Gute Frage, dachte ich, das war definitiv schon länger her. „Du weißt, dass ich schlecht einen Ausritt machen kann, während Bart schläft, oder?“
      „Teo ist mir noch was schuldig und außerdem muss er sowieso mal ne Pause machen, der steht seit heute Morgen um sieben im Stall.“

      Teodor war die Gutmütigkeit in Person und auch wenn er manchmal grober wirkte als er war, konnte man sich eine Tyrifjord Ranch nicht ohne ihn vorstellen. Obwohl er schon etwas älter war und eigentlich schon längst in Rente hätte gehen müssen, schuftete er Tag für Tag im Stall und das nicht zu knapp. Nico und ich wären ohne ihn schon längst verzweifelt.
      Teo hatte ein Händchen für Kinder und vor allem für Pferde, weswegen es auch nicht allzu lange dauerte, bis mein Nico den alten Herren von einer kleinen Mittagspause in unserer Wohnung überredet hatte.
      Die Tyrifjord Ranch besaß eine ganz andere Aura als Saint Gorge, ließ einem viel mehr Raum und bot natürlich auch den Pferden viel mehr Platz. Nachdem sich auf Saint Gorge so vieles verändert hatte, waren wir froh gewesen, die Möglichkeit eines neuen Gestüts zu bekommen und das war es gewesen. Ein alter kleiner Hof, mit einer neuen Reithalle, einem kleinen Reitplatz, einem Roundpen und natürlich einem Stall, der mehreren dutzend Pferden Platz zum Leben bot.
      Mit dem Kauf der Ranch hatten wir uns allerdings auch dazu verpflichtet, dem alten Bewahrer Teodor Sjöson und seiner blinden Tochter Torun weiterhin ein zu Hause zu bieten, was für uns natürlich kein Problem war. Während wir zu dritt im Haupthaus wohnten, begnügten sich Teo und Torun wie zuvor mit dem alten Bootshaus, welches zu einem kleinen Wohnhaus umgebaut worden war.
      Nachdem ich Teo kurz in seine Aufgaben eingeweiht hatte, welche er brummend hingenommen hatte, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hauptstall, welcher am anderen Ende der Ranch stand. Für Nico stand schnell fest, welches der Pferde er auf einen Ausritt mitnehmen würde, ich musste länger überlegen. Ich war lange Zeit zu Recht sauer auf Mio gewesen, weil sie meine allerliebste Stute mit zu ihrer ach-so-tollen-Ranch genommen hatte und ich nun seitdem kein bestimmtes Reitpferd mehr hatte. Normalerweise wäre ich ja nun Grenzfee geritten, welche ich aber, laut Nico, erst wieder reiten durfte, wenn der kleine Bart nicht mehr die ganze Zeit an meiner Brust hing. Zu gefährlich, zu groß, zu wild, hieß es dann immer. Viele Pferde blieben dann ja nicht mehr, sodass ich mich für das einfachste und unkomplizierteste Pferd entschied, welches es auf unserer Ranch gab: Den Norwegerwallach Milosch.
      Nico war davon überzeugt gewesen, dass auf die Ranch ein ordentlicher Norweger gehörte und wir dringend ein Pferd für unseren Sohn brauchten, sodass Milosch der erste Neuankömmling auf unserer Ranch gewesen war. Norwegen - Norweger, wie primitiv. Nicht unbedingt sehr groß, mit dichtem Fell und typischer Stehmähne, ein Kinderpony, welches jedes Herz erweichen ließ. Ich war froh darüber ihn zu haben, denn selbst mit meinem dicken Bauch, welchen ich die letzten Monate mit mir herumgeschleppt hatte, hatte er mich noch ohne Mühe tragen können.
      Nachdem ich Milosch angebunden hatte und Nico seinen Marid, fiel ihm schlagartig ein, dass er einen Toilettengang gebrauchen könnte und verschwand schnell in Richtung Wohnhaus. Ich seufzte theatralisch. Ich verstand einfach nicht, warum ausgerechnet Nico es nicht schaffte, kurz ins Gebüsch zu gehen.

      Ich hatte das warme Fell der Pferde, den Staub aus diesem und den Geruch des Strohs vermisst, schon lange hatte ich mir nicht mehr die Zeit genommen, einfach ein Pferd zu putzen und zu striegeln, es waren einfach zu viele andere Dinge wichtiger gewesen.
      Als ich an das kleine Stutfohlen dachte, welches Jeanie vor kurzem zur Welt gebracht hatte, schwenkten meine Gedanken wieder unabsichtlich zu Mio. Excelsior und Jeanie waren immer ihre Lieblingspferde gewesen, auch sie hatte sie einfach zurückgelassen. Wie konnte sie nur so einen Stimmungswechsel gehabt haben?
      Ich schüttelte mir diesen Gedanken wie eine lästige Fliege aus dem Kopf und konzentrierte mich weiter auf meine Arbeit, denn immerhin wollte ich Teos Nerven nicht allzu lange beanspruchen.
      „Dieser blöde sprechende Papagei! Ich weiß, warum ich mich dafür entschieden habe, mein Leben mit Pferden anstatt mit Vögeln zu verbringen!“ Lautstark kam Nico zurück in den Stall gestapft, um eine Hand eine weiße Binde, durch welche das Blut auf den Stallboden tropfte. „Wie oft habe ich Petyr schon gesagt, dass dieser olle Vogel nicht frei herum fliegen soll, der ist lebensgefährlich! Und vor allem hat er nichts auf der Toilette zu suchen.“ beschwerte er sich, während er auf seinen brav wartenden Marid zulief. Marid, auch Vad genannt, schien der Einzige, welcher wirklich Mitleid mit Nico zu haben schien. Asuka, welcher hinter Nico hinterher getapst kam, Milosch und auch ich, schienen es toll zu finden, dass Nico endlich mal Parole geboten wurde. Normalerweise war Nico immer der Wortführende und der sprechende Papagei Napoleon hatte seine Freude daran gefunden, Nico über all aufzulauern.
      Mitfühlend stupste der sonst so grobe Vad seinen Freund, wie ein Hund sein Herrchen, an und es fehlte nur noch, dass er diesem mit seiner Pferdezunge übers Gesicht leckte. Mich schauderte es bei diesem Gedanken.
      "Der Vogel ist toll und ich habe nichts dagegen, dass er sich frei bewegen darf. Es gibt so selten Papageien, welche nicht in einem Käfig eingesperrt sind." meinte ich hämisch grinsend zu Nico, welcher nur etwas Unmissverständliches brummte und sich dann Vad zuwandte.
      Nachdem die Pferde gesattelt waren (und Nico mich mit Schutzweste, Reithelm und Handschuhen ausgestattet hatte (er fand es kein bisschen übertrieben)) saßen wir vor dem Stall auf und begannen unseren kleinen Ausritt. Irgendwo war es bestimmt süß, dass Nico nicht vor mir reiten wollte, um mich nicht aus dem Blick zu verlieren und ständig darauf achtete, dass es mir gut ging. Allerdings musste ich mich anstrengen, keinen Streit vom Zaun zu brechen. Bevor Nico Vater geworden war, hatte er jeden Scheiß mitgemacht, sich einen Dreck um unsere Sicherheit geschert und mich sogar dazu überredet Dinge zu tun, welche ich nie getan hätte. Ich vermisste die alten Zeiten.
      "Hast du heute Petyr eigentlich schon gesehen?" fragte ich Nico, um mich auf andere Gedanken zu bringen, als die Vergangenheit und den nun überfürsorglichen Nico.
      "Klaro, in aller Frühe im Stall. Er ist allerdings vorhin mit diesem Superhelden Richtung Süden geritten. Der wollte auch einen Ausritt machen, bei diesem Wetter."
      "Der Friese heißt Batman", korrigierte ich.
      "Batman, Superman, Spiderman, das ist doch alles das Gleiche." meinte Nico achselzuckend. Ich verkniff mir einen Kommentar, denn für mich war es nicht dasselbe. Früher hatte ich alle Comics und Filme auswendig gekannt, in welchen ein Superheld drin vorkam.
      Unser Weg führte uns am Ufer des Tyrifjords entlang, ein Stück über sandigen Boden, bevor dieser einem Trampelpfad wich. Der Weg war bereits von vielen Hufen ausgetreten und eben geworden, sodass es ein angenehmes Reiten war. Leider hatte der Fjord auch seine Nachteile. Vor allem im Sommer gab es hier Mücken im Übermaß und viele der empfindlicheren Pferde mussten deswegen auf den Weiden Decken tragen, um nicht völlig zerstochen in die Box zurückzukommen. Mittlerweile hatten wir uns angewöhnt, die Pferde nachts auf die Weiden zu bringen, wenn es nicht mehr so schwül war und der auch des Öfteren der Regen vom Himmel kam.
      Stumm bogen Nico und ich wenig später in den Wald auf der anderen Seite der Landstraße ab, wo ich meinen Freund auch davon überzeugen konnte, etwas zu traben. Milosch war hart im Nehmen und zuckte nur dann zusammen, wenn einje der nervigen Insekten ihn in blöde Stellen stach. Vad allerdings hatte mehr zu kämpfen. Der Shagya-Araber war manchmal richtig verweichlicht, auch wenn er immer wie ein übercooler Macho tat.
      Der Wind der mir entgegen kam verjagte die Mücken von meinen Beinen und ließ mich den Ritt jedenfalls etwas genießen. Als Milosch mir auch noch den Galopp anbot, kam ich ihm die Hilfen und er sprang in den Galopp um. Ich konnte hinter mir Nicos Rufe hören, auf welche ich allerdings nicht achtete, sondern den Wallach einfach weiter vorwärts trieb. Ich hatte dieses Gefühl der Freiheit vermisst. Viel zu sehr hatte ich mich in den letzten Tagen und Wochen auf den kleinen Bartholomäus konzentriert, aber ich wusste jetzt, dass ich mich seinetwegen nicht davon abhalten sollte, mich weiterhin mit Pferden zu beschäftigen.
      Erst kurz vor unseren ersten Weiden parierte ich wieder in den Schritt durch. Nico hatte sich während des Galopps an meine Fersen geheftet und ich sah, wie er erleichtert aufatmete.
      "Das hättest du nicht tun sollen, wer weiß, was alles passiert wäre!" meinte er vorwurfsvoll. Anscheinend hatte mir der Ritt Selbstbewusstsein und meine sonst so schnippische Zunge zurückgegeben, denn ich wehrte mich gegen Nicos Worte.
      "Halte dich gefälligst von nun an daraus! Ich sitze zehn Jahre länger im Sattel als du und noch nie, NIE ist etwas Schlimmeres passiert. Ich verstehe dich, wenn du dir Sorgen machst, aber das ist zu viel! Komme auf den Boden der Tatsachen zurück, sonst denke ich darüber nach, ob ich doch noch zu Mio nach Nevada ziehe, wenn du mir hier das Leben zur Hölle machst." Ich hatte es getan, ich hatte ihm meine Meinung gesagt. All das, was ich in den Hintergrund gedrückt hatte, zum Wohle unserer Beziehung, und was jetzt erst durch den Galopp wieder ans Licht gerückt ist. Ich war stolz auf mich und sah es al mein Recht an. Auch wenn es irgendwo weh tat, denn bis jetzt hatten wir erst einmal einen Streit aushalten müssen, vor knapp neun Monaten, als ich ihm erzählt hatte, dass ich schwanger war.
      Ich wendete Milosch ab und trieb ihn im Galopp zurück zum Stall. Ich preschte an den Weiden vorbei, dann auf der Landstraße entlang, auf welchen laut die Hufeisen von Milosch prallten und dann die Einfahrt zum Stall hinauf. Erst vor dem Stallgebäude bremste ich Milosch ab, welcher wie immer alles getan hatte, was ich von ihm wollte. Das war mal Liebe.
      Ich band Milosch an seiner Box fest und zog dann den neuen Westernsattel von seinem Rücken, welchen wir uns extra für ihn angeschafft hatten. Nach dem Überputzen entließ ich ihn in seine Box, pfiff Asuka zu mir, welcher brav wie immer im Heu gewartet hatte und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Wohnhaus. Ich nahm extra den Weg am Ufer des Tyrifjords entlang, um Nico nicht begegnen zu müssen, welchen ich auf der anderen Seite der Weiden erkennen konnte.
      Klar hatte er irgendwo recht, dass ich beim Reiten jetzt nicht mehr nur mein Leben aufs Spiel setzte, sondern auch das unseres Sohnes, aber er musste mich deswegen nicht wie ein rohes Ei behandeln und das musste er lernen.
      Als ich unseren Hof betrat, sah ich Teodor auf der Bank vor dem kleinen Teich sitzen. Bart lag im Kinderwagen und schien immer noch seelenruhig zu schlafen.
      "Schläft er immer noch?" fragte ich flüstern, als ich mich neben Teo auf die Holzbank fallen ließ.
      "Immer noch ist gut, der war vorhin eine halbe Stunde wach und hat mir die Ohren vollgeheult, was bin ich froh, dass ihn die frische Luft wieder zum Schlafen gebracht hat."
      "Oh man, danke Teo, ich bin dir was schuldig! Ich kann ihn jetzt wieder übernehmen." sagte ich schuldbewusst.
      "Du siehst erholt aus, mein Kind", sagte Teo nur. "Hat dir der Ausritt gefallen?"
      "Ja sehr, er hat endlich alle überflüssigen Gedanken aus meinem Kopf befreit, ich fühle mich viel besser." sagte ich wahrheitsgetreu
      "Dann geh´ wieder spielen, ich packe das hier schon. Glaube mir, ich habe alleine ein Kind aufgezogen, welches dazu auch noch blind war, ich werde mit ihm schon zurechtkommen." brummte Teo.
      Ich blickte ihn erstaunt an. Meinte er das wirklich ernst? "Wirklich?" Die Skepsis in meiner Stimme konnte ich wohl etwas schlecht verbergen, denn Teo schien der Tonfall nicht ganz so gefallen zu haben.
      "Ja ja und jetzt hau ab, bevor ich es mir noch anders überlege!" meinte er trocken.
      Ein freier Nachmittag, das hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Ich drückte Teo, welcher sich in meiner Umarmung steif zurückhielt, und wollte gerade wieder in Richtung Stall verschwinden, als Teo mir noch zurief: "Dafür machst du mal einen längeren Ausritt mit Torun!"
      Ich hob meine Hand zur Stirn und machte diese "Ey ey Sir" Geste, oder wie auch immer man die nannte. Dann beeilte ich mich, dass ich zurück zum Stall kam.

      Nevada, USA – 04:55
      Die Arbeit auf einer Ranch war jeden Tag aufs Neue schweißtreibend und anstrengend, aber es war die beste Arbeit, die ich je getan hatte. Ich hatte schon so einiges gemacht, vom Pizzaliferanten, über Kellnerin bis zur Trainerin, aber noch nie, noch nie habe ich so das Gefühl gehabt, etwas richtig zu machen. Hier war das anders, hier war ich ich, genoss endlich mal das Leben und setzte mich für das ein, was ich schon immer gewollt hatte.
      Es hatte sich viel geändert, auch, dass ich jetzt des Öfteren mit einer Flasche Wein bis tief in die Nacht auf der Terrasse saß, mir lustige Geschichten von Heather anhörte und es schaffte, ganz tief in dem Ranchleben zu versinken.
      Trotzdem begann hier der Arbeitstag viel früher und dauerte meist auch bis zum Dunkelwerden.
      So klingelte auch heute mein Wecker in aller Frühe. Draußen war es noch dunkel, allerdings würde in einer halben Stunde die Sonne aufgehen, genau dann, wenn auf der Ranch die Arbeit begann.
      Ich hatte im Haupthaus, einem altertümlichen Ranchgebäude, ein kleines Zimmer für mich. Es lag in der hintersten Ecke des Dachbodens und jeder der Dielen kündigte durch lautes Quietschen Besuch an.
      Aus Südfrankreich hatte nicht viel den Weg hier her gefunden und so war das Zimmer spärlich eingerichtet, was mir allerdings recht so war. In den letzten sechs Monaten hatte ich gelernt auf alles zu verzichten, was ich nicht unbedingt brauchte.
      Einmal in der Woche war Waschtag, da wurde die Arbeitskleidung der letzten Woche gründlich gereinigt, bevor sie dann wieder eine Woche getragen wurde.
      So zog ich auch heute meine Jeans, ein Top und darüber, zum Schutz vor der Sonne, ein weites helles Hemd an. Vor allem ich mit meiner hellen europäischen Haut war gerne der erste Angriffspunkt böser Sonnenstrahlen.
      Es war Samstag und trotzdem saß Addison bereits am Tisch, als ich die Küche betrat, und schlürfte seinen morgendlichen Kaffee. Ich ließ mich ihm gegenüber auf den Stuhl sinken, zog eine Tasse zu mir heran und goss mir die schwarze Brühe in die Tasse, bis nichts mehr reinpasste. Auch das hatte sich verändert. Kaffee war früher nur ein ekliges Getränk gewesen, welches nur mit reichlich Milch und Zucker schmeckte. Jetzt war es das einzige, was mich an manchen heißen Tagen wach hielt und so war es zu meinem stetigen Begleiter geworden.
      "Was steht heute so an?" begann ich mit Addison ein Gespräch, als unserer beider Tassen fast leer waren.
      Er brauchte länger um zu antworten, schien noch zu überlegen und seine Gedanken zu versammeln, bevor er sagte: "Wichtig ist heute, dass das Wasser auf den Weiden erneuert wird. Die Wannen müssen sowieso mal wieder geschrubbt werden. Ansonsten reite ich heute gegen Mittag gen Norden zu der kleinen Herde, die wir vor wenigen Tagen entdeckt haben. Da kannst du mich begleiten, wenn du möchtest."
      Ich nickte. "Sehr gerne", meinte ich ihm Aufstehen, nahm die beiden Tassen sowie den Krug vom dunklen Holztisch und stellte beides an die Spüle. Das würde ich nachher abwaschen.
      Unser erster Weg führte uns, so wie jeden Morgen, zu einem kleinen Stallgebäude. Hier wohnten zur Zeit drei Fohlen, welche wir vor kurzem erst aufgenommen hatten. Die Fohlen waren bei Einfangaktionen, sogenannten Round-Ups, zu Tode gekommen und die drei Fohlen, welche dieses recht spät geboren waren, wären verhungert. Zum Glück hatten jedenfalls diese drei den Weg zu uns gefunden und auch wenn ihre Aufzucht die ersten Wochen viel Arbeit bedeutet hatte, so hatten sie sich schnell an Menschenhand gewöhnt und waren ein kleiner verrückter Sternenhaufen geworden.
      Bis sie an die Herde gewöhnt werden konnten, würden alle drei hier im Offenstall und später auf einer der kleineren Weiden leben.
      Der Stall hatte etwas Altertümliches, mit seinen verstaubten Holzboxen, den Strohballen in einer Ecke und jeder Menge Sättel und Zubehör, was man auf einer Ranch eben so brauchte. Der eine Teil bestand aus einer großen Box, mit genügend Platz für mehrere Pferde und einer Tür, welcher den Pferden die Möglichkeit bot, das sandige Paddock jeder Zeit zu nutzen.
      Der jüngste von den Drein war Time In A Bottle. Ein eher zurückhaltender und nachdenklicher Hengst, welcher sich mit der Gefangenschaft nicht ganz so anfreunden konnte. Der Stall war wie ein Gefängnis für ihn und selten ließ er sich drinnen blicken. Trotzdem hatte er schnell Vertrauen zu uns gefasst, was bedeutete, dass er weniger vor den Menschen Angst hatte, als vor der Enge der Box. Er war der kräftigste der Drei und verschlang bereits jetzt das meiste Futter.
      Im Gegenteil zu ihm, war Dawn eine überaus zutrauliche und anhängliche Stute, welche uns am Anfang jedoch die meisten Probleme gemacht hatte. Wenn sie nicht auf den Hänger wollte, dann wollte sie nicht und wenn sie mehr Milch wollte, dann versuchte sie das auch mit allen Mitteln durchzusetzen. Kämpferisch und engstirnig, antwortete deswegen unsere Devise.
      Der Letzte im Bunde war unser Sorgenkind gewesen. Durch irgendetwas, hatte Kwatoko bereits in den ersten Lebenstagen das Augenlicht auf der linken Seite verloren und war deswegen äußerst vorsichtig und ängstlich. Schnelle Bewegungen vertrug er gar nicht und bei ihm war es schon immer wichtig gewesen, sein Vertrauen nicht zu brechen, denn dann konnte man es nur schwer wiederbekommen.
      Addi und ich nahmen uns etwas mehr Zeit bei den Fohlen, putzten sie im trüben Licht des Stalls und holten dann unsere Milcheimer, welche, praktischerweise, einen Saugnippel besaßen und so die Zitzen einer Stute imitierten.
      Als die Arbeit im Stall beendet war, schickte mich Addison zu dem Geländewagen, mit welchem wir eine große Wasserbox zu den Weiden bringen wollten.
      Vier Wochen hatte es gedauert und ich hatte meinen Führerschein in der Tasche. Kein sinnloses Wiederholen und viel billiger als es in Europa war, hatte ich ihn mir von meinem letzten Taschengeld geleistet und mittlerweile fuhr ich, als hätte ich jahrelang nichts anderes getan. Täglich war der Jeep gefragt und vor allem die steilen und trockenen Buckelpisten waren die beste Übung für einen Einsteiger.
      Den Wassertank hatten wir bereits am Vortag mit Wasser aufgefüllt, sodass wir den Anhänger nun nur noch an den Jeep anhängen mussten, worin wir beide bereits genügen Übung besaßen. Vor allem bei den heißen Temperaturen sauften unsere Pferde die 1000l innerhalb von zwei Tagen.
      Als der Anhänger befestigt war, zog sich Addison, gefolgt von Ceberus dem stillen Begleiter, auf den Beifahrersitz und schlug die Tür des Geländewagens zu. Kaum saß er, gab ich bereits Gas.
      Ich konnte mir das immer bildlich vorstellen, wie der Jeep die trockene Steinwüste entlang preschte und hinter sich eine große Staubwolke hinterließ. Wie im Film, dachte ich dann manchmal.
      Wir hatten zwei große Weiden, unsere Stuten und unsere Hengste. Da unkontrollierte Zucht unter den adoptierten Mustangs laut BLM (Bureau of Landmanagement) nicht erlaubt war, musste unsere Hengstherde nun auf einer anderen Weide stehen, als ihre Stuten.
      Beide Weiden waren in etwa gleich groß, was bei den vielen Hektar allerdings schwer zu sagen war. Die Weiden waren sogar so groß, dass sich in der Gruppe sogar einzelne Herden abgesplittet hatten, auch wenn das richtige Herdenfeeling dank des BMI noch fehlte.
      Als Erstes führte uns unser Weg zu der Stutenweide. Die Wasserstelle befand sich hier in der Mitte der Koppel an einem etwas geschützten Platz, wo auch bei extremer Hitze das Wasser nicht zu schnell vertrocknete. In zwei großen Wannen schimmerte ein letzter staubiger Rest Wasser, Zeit, dass neues kam. Dank meines guten Auges, konnte ich zwischen einigen Sträuchern ein paar Stuten erkennen, welche schon sehnsüchtig auf neues Wasser warteten.
      "Das ist Quicksilvers Herde", meinte Addison, als er meinem Blick folgte. "Da hinten sind Valhalla und Atius Tirawa." Er deutete auf zwei auffällig gefärbte Stuten im Vordergrund. Kaum hatte er es gesagt, trat auch schon eine dritte Stute aus den Büschen hervor. Quicksilver war eine hübsch geschecktes Pferd mit zweifarbigen Augen und einem lebensfrohen und intelligentem Charakter, welche bereits, kurz nachdem sie auf der Ranch angekommen war, eine der beiden Herden an sich gerissen hatte und diese mit viel Anmut führte.
      Die Stuten hielten vorsichtig Abstand, während Addi und ich mithilfe einer Bürste die Algen und den Staub aus den Wannen kratzten, bevor wir beide mit neuem Wasser auffüllten. Als Silver und ihre Freundinnen das neue klare Wasser sahen, überwanden sie ihre Vorsicht und standen kurze Zeit später um das Wasser gedrängt. Addi und ich hatten uns etwas zurückgezogen, um die Pferde nicht unruhig zu machen.
      Auch dieses Mal wartete ich vergebens auf ein Zeichen von zwei Stuten, welche die weite Reise von Europa mit mir zusammen bestanden hatten. Anaba hatte vor wenigen Tagen ein Fohlen von Chosposi zur Welt gebracht und sich seitdem nur kurz zum Trinken blicken lassen. Laut Addison war es normal, dass die Stute die erste Zeit etwas abseits lebte, aber trotzdem machte ich mir Gedanken um eins meiner liebsten Pferde.
      Auch Flotten von Mutanten hatte die Eingewöhnung in die Gruppe gut überstanden, gehörte aber einer der Pferde an, die sich nur selten blicken ließen und eher die Nacht zum Trinken nutzten. Es war erstaunlich, was Flotte wiedereinmal für eine Veränderung durchgemacht hatte. Erst hier in Nevada war ihr richtiges Ich ans Licht gekommen und auch wenn sie immer noch nicht Reitbar war, hatte sie mittlerweile einen großen Schritt nach vorne gemacht.
      Als die drei Stuten wieder ihren Weg zurück in die Büsche einschlugen, stiegen auch Addison und ich ins Auto, denn auch die Hengste würden bereits auf frisches Wasser warten. Auch diese Wasserstelle hatten wir so eingerichtet, dass sie sich im Innern der Weiden an einem schattigen Platz befand, wo die Pferde in Ruhe trinken konnten, ohne Angst vor Menschen oder Autos haben zu müssen. Hier herrschte eine ganz andere Stimmung, denn auch wenn die Hengste zusammen auf einer Weide lebten, so machte doch jeder von ihnen eher sein eigenes Ding. Einen Anführer gab es trotzdem: Cloud besaß einen muskulösen, jedoch trotzdem zarten Körper, welcher ihm die Gabe verlieh, schnell und vor allem wendig zu sein. Auch wenn er nicht der Größte war, so hatte er doch das Sagen und die Hengste richteten sich auch nach ihm.
      Um die Senke hatten sich mehrere Pferde verteilt, geschützt von hohem Gras oder trockenen Büschen, beobachteten sie jeden unserer Schritte und als auch ihre Wasserstelle wieder mit frischem Wasser aufgefüllt war, sah ich ihnen an, dass sie alle großen Hunger hatten. Unruhig spielten sie mit den Ohren, scharrten auf dem trockenen Boden und ließen somit kleinere Staubwolken entstehen, welche von dem Westwind jedoch recht schnell weggetragen wurden.
      Addison und ich hatten uns bis zu dem Jeep zurückgezogen und warteten nun darauf, dass der Hengst auftauchte, welcher jedes Mal zuerst trank. Lange mussten wir nicht warten, denn einige Minuten später stieg ein schneeweißes Pferd die Senke herab und ließ seinen eleganten Kopf mit der langen Mähne zu den Tränken sinken.
      Nach und nach kamen nun auch die anderen Pferde hinzu, je nachdem, wie hoch ihr Rang war.
      Der nächsten war ein vollkommen brauner Hengst namens Silent Bay, welcher durch sein Alter und seiner Ruhe sich mit der Zeit einen Rang knapp unter Cloud erarbeitet hatte.
      Hinter einem gescheckten Hengst namens Frekur kam dann einer meiner Hengste, Morrigans Hidalgo und ich konnte es nicht verhindern, dass mein Herz einen kleinen Hüpfer machte.
      Nachdem er getrunken hatte, löste er sich auch aus der Herde und kam auf mich zu getrottet.
      "Hallo Hidalgo", flüsterte ich, als er seinen weißen Kopf gegen mich stieß und um eine Streicheleinheit bettelte. Vor allem bei ihm sah ich den Unterschied, den die Wildnis machte. Auch wenn seine Mähne ein einziger Knoten war, so hatte sein Körper jede Menge Muskulatur aufgebaut und seine Trägheit war vollkommen verschwunden.
      Hidalgo blieb einige Zeit bei mir stehen. In der Zwischenzeit beobachtete ich die anderen Hengste, welche nach und nach die Wasserstelle wieder verließen und ein paar Nachzügler kamen, um zu trinken. Darunter war eine kleine Junghengstbande, in welcher ich drei weitere Pferde von mir erkennen konnte. Nicht nur Varys und Imagine There´s No Heaven, auch der neuere Triumph, hatte sich perfekt in die Herde eingegliedert und so waren alle drei zu stattlichen Junghengsten geworden, welche ihr Leben in allen Zügen genossen.
      Als es für uns Zeit wurde aufzubrechen, kraulte ich Hidalgo ein letztes Mal hinter den Ohren, bevor ich wieder hinter das Steuer des Jeeps stieg und vorsichtig das Auto samt Anhänger wendete und zurück zur Ranch fuhr.
      Mittlerweile war die Sonne vollständig aufgegangen und erwärmte die Erde jede Sekunde mehr. Heute Mittag würde die Sonne die Erde so erhitzt haben, dass man barfuß nicht mehr laufen konnte.
      Zurück auf der Ranch sah ich als erstes Heather, welche gerade die Tür des Haupthauses hinter sich zuzog und die Verandatreppe herunter hechtete.
      "Guten Morgen Heather!" rief ich aus dem offenen Autofenster, bevor ich es auf dem Parkplatz neben dem Haus abstellte und Addison und ich aus dem Auto stiegen.
      "Ach Gott sei Dank, ich treffe euch noch", war Heather erleichtert. "Ich wollte gerade nach Las Vegas und Chill und Buck abholen, außerdem muss ich gleich darauf zur Arbeit. Ich komme wohl erst nächste Woche wieder und wollte euch noch verabschieden." erzählte sie in solch flottem Tempo, dass selbst ich Probleme hatte hinterher zu kommen. Dann umarmte sie mich kräftig, bevor sie das gleiche auch bei Addison tat. "Wir werden uns nachher wohl nicht sehen, ich schmeiße die Jungs nur raus und fahre gleich wieder. Ich werde sowieso zu spät kommen!"
      Sie rannte zu ihrem kleinen Roten, winkte uns nochmal hektisch zu, bevor sie in einem Affenzahn von der Ranch düste, den man ihr gar nicht zugetraut hätte. Ich grinste ihr hinterher und merkte gar nicht, dass mich Addi von der Seite beobachtete.
      "Du magst sie wirklich, oder?", fragte er und ich nickte nur erstaunt. Solche Gespräche mit Addi waren selten, Gespräche über Gefühle und Vergangenheit. Mir war das meist nur recht, auch ich wollte das Geschehene hinter mir lassen, aber trotzdem vermisste ich es manchmal, mit jemanden darüber reden zu können.
      Addi sprach weiter. "Sie ist wirklich eine Gute. Ich hätte das nie alles ohne sie geschafft und auch wenn sie in Vegas wohnt, so war sie bis jetzt doch immer da, wenn ich sie gebraucht habe." Plötzlich brach Addi ab, fast so, als schien er sich bewusst geworden zu sein, dass das nicht sein Stil war, über so etwas zu sprechen, und wendete sich zum Haupthaus um. "Kommst du? Ein kleines Frühstück wartet auf uns. Ich habe Hunger."

      Norwegen, Buskerud - 14:49
      Als ich zurück im Stall ankam, hatte er sich in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit wesentlich gefüllt. Ich traf nicht nur Nico, welchem ich allerdings keines Blickes würdigte, sondern auch noch die junge Torun, sowie unsere beiden weiteren Hofbewohner Malte und Petyr. Malte und Petyr leiteten zusammen einen Ausbildungsbetrieb und waren so recht viel auf Achse. Wenn sie allerdings auf dem Hof anzutreffen waren, packten sie immer mit an. Auf ihre Hilfe war immer verlass.
      Petyr sattelte gerade einen großen Friesen ab. Batman gehörte dem jungen Mann und die beiden waren genauso ein Herz und eine Seele wie Marid und Nico.
      Torun saß in der Mitte der Stallgasse auf einem Heuballen und ließ die Beine schlenkern. Sie schien mit Malte zu erzählen, welcher in eine Schubkarre Stroh auflud. Nicos blonden Schopf konnte ich in der Box von Marid ausfindig machen, um welche ich einen großen Bogen machte. Meiner Meinung nach musste er spüren, dass er übertrieben hatte.
      Ich grüßte dafür umso ausführlicher die beiden jungen Herren und dann Torun, neben welche ich mich auch niederließ.
      "Ich hoffe, ich störe euer Gespräch nicht?" fragte ich Malte, welcher aber nur abwinkte und meinte: "Ich habe sowieso zu tun, alles gut."
      Als er seine Schubkarre davon geschoben hatte, fragte ich das junge Mädchen neben mir: "Du Tori, was hältst du von einem Ausritt?" Wie ein kleines Mädchen hörte ich mich vermutlich an, allerdings hatte mich der Erkundungswillen wieder gepackt und ich wollte unbedingt noch einen weiteren Ausritt machen. Pferde hatten wir ja genügend, welche etwas Bewegung brauchten.
      Ohne mich anzuschauen, ich war dies mittlerweile gewöhnt, antwortete mir Torun erfreut. "Wirklich? Wir können zusammen ausreiten?" Ich merkte, wie das Mädchen aufgeregt mit den Beinen zu wippen begann. Ich lachte. "Klaro, und das am besten jetzt sofort! Teo hat bereits zugestimmt, es steht uns also nichts mehr im Wege. Machst du Abs fertig? Dann treffen wir uns in zwanzig Minuten vor dem Stall."
      "Oh ja!" rief Torun wie ein kleines Kind freudig und sprang gekonnt von dem Ballen. Trotz ihrer Blindheit, welche sie durch eine Impfung in jungen Jahren langsam erlangt hatte, bewegte sie sich im Stall genauso sicher wie ein Sehender. Jahrelang hatte sie von ihrem Vater Reitunterricht auf dem großen Wallach Abs bekommen und nicht nur das Mädchen, auch das große Pferd hatten sich auf die Situation eingestellt und bei kaum etwas brauchte Torun nun noch Hilfe. Sie bewies es, in dem sie gezielt eine der hinteren Box anstrebte und dort den Riegel zur Seite schob. Sofort kam eine dunkle Schnauze hervor geschossen, welcher ihr ins Gesicht schnaubte. Ich freute mich für das Mädchen, welches trotz ihrer Behinderung ihr Leben genießen durfte.
      Ganz unbewusst hatte auch ich mich vor ein Problem gestellt: Welches Pferd sollte ich reiten?
      Ich sprang vom Ballen herunter und ging dann zu einer der Boxenseiten. Mit einer Hand strich ich an den Boxenwänden entlang, schaute in jede rein und überlegte mir ganz genau, ob ich nicht dieses Pferd reiten wollte. Viele der Pferde gehörten gar nicht uns, sondern Petyr oder Malte, sodass gar nicht mehr ganz so viele übrig blieben.
      Bei Jeanies Box blieb ich länger stehen, allerdings nur, um die kleine Jelda zu bestaunen, welche auf dem Boxenboden lag und sich genüsslich entspannte. Rechts und links von Jeanie und Jelda standen die beiden kleinen Ponys Excelsior und Braum van Ghosts. Excelsior sah sich als Ersatzvater und der junge Braum schien seit seiner Ankunft vor wenigen Monaten in die Stute verliebt zu sein. Leider sollte er erstmal ein Hengst bleiben, sodass wir ihm nicht die Ehre hatten erweißen können, mit der Stute zusammen auf einer Weide zu stehen.
      In den nächsten Boxen standen die großen Barockpferde Petyrs. Flame, Ezio, Esmeralda, Fenicio, Wild Cherry, El Montino und die kleine Sacarina. Alles wunderschöne Pferde, aber ganz bestimmt nicht das Temperament, welches mir zusagte. Da gefielen mir die beiden Friesenhengste Xinu und Batman schon viel besser, welche gleich daneben standen.
      Nach diesen Pferden kamen ein paar Boxen mit Jungtieren. Tysbe, Scion d'Or, Aspantau und Sleipnir.
      Bei dem etwas langsameren Leiðtogi sagte mein Gefühl auch nein und die beiden Vollblutstuten Grenzfee und Teufelstanz waren auch nichts für einen gemütlichen Ausritt mit Torun. Na super. Entweder war ich zu wählerisch oder wir hatten zur Zeit wirklich kaum Pferde zum Reiten. Ocarina of Time konnte ich zur Zeit auch vergessen und der Rest der Pferde waren kleine Shetlandponys, welche vor allem zum Fahren ausgebildet worden waren.
      Erst in den letzten beiden wurde ich fündig. Ich hatte mich lange davor gesträubt, eine der beiden Stuten zu reiten, denn nie hatte sich wer anders auf die zarten Tekkiner gesetzt, als Shadow. Er hatte seine Liebe für die orientalischen Distanzpferde entdeckt und so hatten wir es nicht übers Herz gebracht, die beiden Stuten zu verkaufen.
      Im Gang entdeckte ich eine vereinsamte Putzbox, welche ich mir gleich als mein Eigentum annahm und aus dieser das benötigte Putzzeug für Charelle herausholte.
      Nelly, wie sie immer Fürsorglich von Shadow genannt worden war, betrachtete mich etwas skeptisch, wahrscheinlich hätte sie nicht erwartet, dass ausgerechnet ich sie reiten wollte. Trotzdem blieb sie ruhig. Sie hatte sehr an Shadow gehangen und vor allem die ersten Wochen waren so für sie überhaupt nicht einfach gewesen.
      Ich war gerade dabei den linken Vorderhuf von Nelly vom Dreck und Mist zu säubern, als jemand zaghaft gegen die Boxentür klopfte. Ich ließ Nellys Huf fallen, richtete mich etwas ungelenkig auf und wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Zum Friseur musste ich dringend auch mal wieder.
      "Hey du, möchtest du noch einen Ausritt machen?" Nicolaus stand an der Boxentür angelehnt und beobachtete mich etwas bedrückt, so als würde er es wirklich bereuen.
      Ich nickte. "Ja, etwas dagegen?" Ich machte mich bereits bereit für einen Gegenangriff, doch Nico schüttelte nur stumm den Kopf und griff dann zu meiner Hand. Erst hatte ich das Bedrängnis mich befreien zu müssen, Nico hielt diese jedoch standhaft fest und so gab ich schnell nach.
      "Nein überhaupt nicht. Du hattest Recht, ich habe übertrieben. Das wird nicht wieder vorkommen. Ich lasse dir von nun an deine Freiheit, versprochen!" sagte er und ich sah, wie eine kleine Träne in seinen Augen schimmerte.
      In diesem Moment überwältigte mich das Gefühl, ihn ganz fest umarmen zu müssen und das tat ich auch. Er schien erstaunt, dass ich ihm so schnell vergab, aber ich brauchte ihn, ich brauchte ihn vor allem jetzt und auch wenn ich vor kurzem noch si getan hätte, als wäre ich taff genug, so hatte ich immer irgendwo gewusst, dass ich ohne ihn nicht konnte.
      Nico erwiderte meine innige Umarmung und schien genauso erleichtert wie ich, dass wir das geklärt hatten. Wahrscheinlich hätten wir hier in der Boxentür auch noch einen weiteren Tag so gestanden, wenn uns nicht ein lautes: "Du hast ja noch gar nicht gesattelt Charly!" abrupt auseinander hätte fahren lassen. Torun stand neben uns, hatte sich wahrscheinlich so langsam angeschlichen, dass weder ich noch Nico diese mitbekommen hatten.
      "Woher weißt du das?" fragte Nico sie etwas erstaunt. Schon immer hatte er sich vieles nicht erklären können, was Torun alles schaffte. Immer wieder hatte er mich am Anfang gefragt, wie sie es schaffte, sich jeden Tag aufs Neue perfekt kombiniert anzuziehen und nicht mit gestreiften Hosen und einem gestreiften Hemd im Stall aufzukreuzen.
      Torun zuckte mit den Schultern. "Das merke ich", meinte sie nur. "Kommst du etwa auch mit?" ging ihre Frage an Nico. Dieser blickte mich kurz fragend mit großen Augen an und da konnte ich nicht anders, als zu nicken.
      "Ja, komme ich."

      Ein paar Minuten später standen wir zu dritt vor dem Stallgebäude. Nico hatte nicht lange mit sich fackeln lassen uns sich für die andere Stute von Shadow entschieden, April Rain.
      Torun ritt wie immer ihren Abs, einen großen Mix, welcher fast das größte Pferd im Stall war. Dafür war Abs das perfekte Pferd für Torun. Ruhig, gelassen und voller Verständnis für seine blinde Freundin. Perfekt mit einem bequemen Wanderreitsattel gesattelt stand er da. Torun hielt seine Zügel in der Hand und wartete darauf, dass man ihr in den Sattel half. Der aufmerksame Malte ließ deswegen seine Schubkarre stehen und ging zu Torun, welche seine Hilfe gerne in Anspruch nahm.
      Malte Tordenværson, ein junger Schwede, welcher bereits in jungen Jahren mit seinem Freund Petyr Holmqvist einen Ausbildungsbetrieb eröffnet hatte und seitdem um die ganze Welt reiste, um Pferde zu trainieren.
      Malte hatte das Aussehen eines Winkingers, blonde Haare, an den Seiten leicht gestutzt und den Rest mit einem Lederband zusammengebunden. Sein blonder Bart, war das ein Zehntagebart?, war stets gut gestutzt und saß immer perfekt.
      Wenn er nicht gerade Pferde trainierte, war er mit seinem schwarzen Wolfshund Geri unterwegs, oder kümmerte sich um seine Zackelschafe. Ja, Zackelschafe. Eine gefährdete Rasse, welche vor allem für ihre langen Hörner bekannt waren. Die kleine Herde stand einige Kilometer weiter auf einer Weide und dort durften sie ihr Leben genießen.
      Auch Nico und ich zogen uns, nachdem Torun sicher saß, in unsere Distanzsättel. Ich dankte Malte mit einem kurzen Nicken, bevor wir uns zu dritt vom Hof bewegten.
      Auch wenn man es nicht glaubte, auf dem Pferd bewegte sich Torun noch sicherer, von ihrer Blindheit war hier kaum noch etwas zu spüren.

      Nevada, USA - 10:49
      Nach einem gemütlichen und ausführlichen Frühstück, zogen Addison und ich unsere Stiefel wieder an und liefen zu zwei Weiden, welche etwas versteckt hinter dem Haus lagen. Auf jeder dieser Weiden standen nur zwei Pferde, zwei Hengste und zwei Stuten. Einen der Hengste kannte gut, besser gesagt sehr gut. Mein Chosposi. Cho teilte sich die Weide mit einem hübschen Hengst namens Apokalypse. Die Weiden lagen gleich nebeneinander, waren nicht so groß wie die der anderen Pferde, boten jedoch trotzdem genügend Platz, um sich frei bewegen zu können.
      Auf der anderen Weide standen die beiden Stuten. Beide waren Rappschecken, vom Charakter her aber extrem unterschiedlich. My Canyon war das private Pferd von Addison. Bereits vor vielen Jahren hatte er die verängstigte und verletzte Stute bei sich aufgenommen und mit viel Mühe zu dem Reitpferd gebracht, welches sie jetzt war. Candy, wurde sie zärtlich genannt. Die andere Stute fiel vor allem durch ihr überaus blaues Auge auf, aber auch durch ihren aufdringlichen und anhänglichen Charakter. Battle Cry und Apokalypse waren die beiden Pferde von Addisons Söhnen. Mit ihnen zusammen hatte er die Mustangs gezähmt und man glaubte es kaum, aber Buck und sein Apo und Chill und seine Cry waren so feste Freunde, wie man es wohl nicht ganz so schnell finden würde.
      Alle vier Pferde erwarteten uns bereits, als wir die Halfter von den Pfosten nahmen. Ich öffnete das Gatter zur Hengstweide, Addi das Gatter zu den Stuten. Apo bekam von mir eine ausführliche Begrüßung, bevor ich mich meinem Chosposi zuwandte. Ich hatte ihn mir als Reitpferd ausgesucht, weil ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Zärtlich strich ich ihm das Halfter über die Ohren und führte ihn dann von der Weide. Auch Addi hatte seine Candy aufgehalftert und zu zweit führten wir die beiden dann zurück zur Ranch.
      Nachdem beide Pferde gesattelt waren, stiegen wir auf und Addi führte mich von der Ranch hinunter in die verzweigte Landschaft des Red Rock Canyons.
      Erst vor einigen Tagen hatten wir bei einem unserer Rundfahrten eine neue kleine Herde wilder Mustangs entdeckt, welche wohl noch nicht allzu lange bei uns in der Gegend weilte. Addison wollte nun die Pferde zählen, sowie Aufzeichnungen machen, wer sich alles in der kleinen Herde befand.
      Cho und Candy waren mittlerweile ein eingespieltes Team und auch Addi und ich hatten gelernt, zusammenzuarbeiten.
      Als wir das schroffe Gebirge des Canyons verließen und auf dem trockenen Boden der Wüste weiter ritten, war ich froh, mir vorhin nicht nur jede Menge Sonnencreme ins Gesicht geschmiert zu haben, sondern auch den überaus praktischen Cowboyhut auf dem Kopf zu haben.
      Nachdem wir einiger Zeit einem kleinen Trampelpfad gefolgt waren, parierte Addi in den Stand durch und gab auch mir das Zeichen zum Anhalten.
      "Siehst du da vorne?" flüsterte er und reichte mir ein kleines Fernglas. Gut gedeckt von trockenen Büschen, standen drei braune Pferde einige hundert Meter vor uns.
      Ich nahm das Fernglas entgegen und versuchte die Pferde zu erkennen.
      "Das sind nur drei Junghengste", meinte ich, als ich Addison das Fernglas zurückgab. "Die scheinen zu keiner Herde zu gehören."
      Auch Addison warf einen Blick durch das Fernrohr, bevor er nickte und es wieder zurück in seine Tasche steckte. "Hast recht, das ist nur die kleine Junghengstherde."
      Einen kleinen Bogen schlagend umritten wir die drei Mustangs, um diese nicht zu stören. Wir hielten uns weiterhin nach Norden und achteten angestrengt Ausschau, nach einer Herde.
      "Vielleicht sind sie bereits weitergezogen", meinte ich Addi, als wir einen der westlichen Ausläufer des Canyons erreichten.
      "Gut möglich, aber es wäre seltsam, wenn sie ihren Weg so schnell fortgesetzt hätten. Wir reiten etwas weiter in den Canyon, vielleicht haben sie dort nach Schutz gesucht."
      Die Mittagssonne prallte auf uns und unsere Pferde und so war es recht angenehm, als die großen Wände und Steinfelsen des Red Rock Canyons uns etwas Schatten spendeten. Die Pferde waren die langen Touren durch den Canyon bereits gewöhnt und trotzdem hatten sie mit der Hitze arg zu kämpfen.
      Addison schien die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, dass wir die Herde noch finden würden, als ich einige Bewegungen hinter einigen Steinen vor uns entdeckte. Das Tal, durch welches wir ritten, führte einen kleinen und fast ausgetrockneten Bach mit sich und so war es nicht verwunderlich, dass die Herde sich hier verstecken könnte. Diesmal gab ich Addi das Zeichen zum Stehenbleiben und deutete langsam auf einige Mustangs, welche im Schatten eine Mittagspause eingelegt hatten.
      "Das müssen sie sein." flüsterte Addi, bevor er sich aus dem Sattel von Candy gleiten ließ. Die Stute blieb ruhig stehen und Addi machte sie wie immer nicht die Mühe, seine Stute anzubinden. Schon immer hatte ich das Vertrauen bewundert, welches der Mann in seine Pferde hatte.
      Auch ich kletterte vorsichtig aus dem Steigbügel, überlegte kurz, was ich mit Cho tun sollte und schenkte ihm dann mein Vertrauen, dass auch er sich nicht aus dem Staub machen würde, bevor ich Addi langsam folgte.
      Addi bewegte sich still und langsam voran und trotzdem blieb er aufrecht. Die Pferde mussten merken, dass wir uns nicht anschlichen, also nichts Böses wollten. Der Wind wehte auf die Herde zu, ein kleiner Nachteil für uns, sodass die Mustangs uns schon recht früh bemerkten. Das erste Pferd, welches den Kopf hob, war ein hübscher, aber von vielen Narben gekennzeichneter Falbhengst, wahrscheinlich das Alphatier. Es blähte die Nüstern auf und ließ uns nicht aus seinem Blickfeld, machte jedoch keine Anzeichen abzuhauen. Er schien uns zu akzeptieren, solange wir nicht näher an seine Herde kamen.
      Außer dem Hengst konnte ich noch fünf Stuten erkennen, von welchen drei einen keinen Nachwuchs bei sich trugen. Auch Addison hatte sich mittlerweile auf dem steinigen Boden niedergelassen und machte sich erste Aufzeichnungen über die Herde. Aussehen, Alter und besondere Merkmale, gegliedert nach Rangordnung. Ich versuchte stetig von ihm zu lernen, denn Addison besaß ein besonderes Auge dafür, wie die Herde aufgebaut war und konnte mir genau sagen, wer von den Pferden neben dem Alphatier den höchsten Rang hatte und wer den niedrigsten.
      Einige Minuten saßen wir schweigend da und beobachteten die Pferde, bevor sich ganz unerwartet ein Jungtier von der Herde löste und auf uns zu getippelt kam. Es war erst wenige Wochen alt, war aber hübsch gescheckt mit blauen Augen, in welchen das Verlangen nach Abenteuer glitzerte.
      Einige Meter vor uns blieb es stehen, streckten den Kopf nach vorne und schnüffelte an der Hand, die ich ihm hinhielt. Das Fohlen schüttelte den Kopf, sprang ihn die Luft, drehte sich um und flitzte in einem Affenzahn zurück zur Herde, sodass ich laut auflachen musste. Addi warf mir einen warnenden Blick von der Seite zu, lächelte aber trotzdem leicht, als er sich wieder umdrehte.
      "Komm lass uns zurück, ich habe alles Wichtige." meinte Addison, bevor er aufstand und mir die Hand hinhielt. Etwas verblüfft nahm ich seine Hand an und ließ mich von ihm auf die Beine helfen.

      Als wir am späten Nachmittag zurück auf die Ranch geritten kamen, wurden wir von zwei überaus quicklebendigen Jungs begrüßt, welche nichts anderes zu tun hatten, als auf dem Hof Fußball zu spielen. Chill und Buck waren zwei Zwillinge wie aus dem Bilderbuch. Abenteuerlustig, verspielt und beide bauten des Öfteren Mist. Trotzdem waren sie so gut erzogen, wie kaum ein anderer. Sie liebten das Leben auf der Ranch und packten, trotz ihrer knappen zehn Jahre, schon mit an, wenn etwas zu tun war. Dazu konnten sie noch reiten wie ein Weltmeister und ich war mir sicher, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten würden, sobald sie alt genug waren.
      Da sie weit außerhalb wohnten, mussten sie nur dreimal in der Woche zur Schule, um dort in den wichtigsten Fächern wie Englisch und Mathe unterrichtet zu werden. Alles andere mussten sie zuhause in Eigenarbeit lernen. Zum Glück hatte Heather und auch Addison viel Ahnung von den wichtigsten Dingen, sodass beide in der Schule kaum Probleme hatten.
      Ohne das Addison etwas sagen musste, hörten die beiden auf zu spielen, als wir auf den Hof kamen und machten uns Platz, damit wir die Pferde absatteln konnten.
      "Hey Dad!" rief Chill und beide kamen auf uns zu gerannt. "Habt ihr die Herde gefunden?" Addison nickte nur und wuschelte seinen beiden Jungs durch die Haare. "Ja haben wir, das können wir euch nachher erzählen. Habt ihr Lust die beiden Pferde zurück zur Weide zu bringen? Ich mache euch in der Zwischenzeit einen Kakao, ja?"
      Ganz so begeistert schienen die Beiden nicht zu sein, allerdings nahm mir Buck trotzdem meinen Chosposi ab und Chill schnappte sich My Canyon von Addison und brachten die beiden Richtung Weide.
      Währenddessen folgte ich Addison ins Haupthaus, wo wir in einem Topf Milch für einen Kakao erhitzten. Auch ich hatte unendlich Durst und konnte es kaum erwarten, meine trockene Kehle mit etwas leckerem wie Kakao zu füllen.
      "Mio?" richtete Addi eine Frage an mich. Ich gab ihm mit einem kleinen "Mhm?" zu verstehen, dass ich ihm zuhörte. "Am Montag ist ein Vereinstreffen, da will ich Heather auch mitnehmen. Kannst du zufällig Chill und Buck zur Schule bringen?"
      Ich seufzte knapp und nickte dann aber. "Ja klar, kein Problem."
      "He", Addi stupste mich an. "Lüge nicht, es ist ein Problem für dich, aber mir fällt gerade keine andere Lösung ein. Du weißt, dass ich Heather als Journalistin brauche."
      Ich nickte. "Jaaa, ich weiß." Natürlich verstand ich ihn, aber vor allem zu dieser Jahreszeit waren die Vereinstreffen immer die spannendsten. Seit einigen Tagen hatten die vom BLM organisierten Round-Ups wieder begonnen, was bedeutete, dass wilde Mustangs mit Hilfe von Hubschraubern zusammengetrieben wurden, um dann in sogenannten Holdingfacilities auf eine Adoption zu hoffen, denn sonst endete ihr Weg wohl oder übel in einer der Schlachtereien in Kanada, Europa oder China, denn dort war es noch erlaubt, Pferden den Kopf abzuhacken.
      Mittlerweile hatten sich viele Vereine gegründet, welche gegen diese Misshandlung kämpften und natürlich war Addi seit Jahren bei einer solchen im Vorstand. Heather begleitete ihn deswegen des Öfteren, denn die Journalistin arbeitete für eine freie Zeitung, welche immer Interesse daran zeigte, über die Mustangs zu informieren. Natürlich verstand ich, warum ausgerechnet ich nicht mitkonnte.
      Addi strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte mich mitfühlend an. "Beim nächsten Mal Mio, da darfst du wieder mit, versprochen!"

      Buskerud, Norwegen - 16:29
      Der Ausritt mit Nico und Torun war, im Gegenteil zu heute Morgen, etwas ganz besonderes gewesen. Wir hatten eine andere Strecke gewählt, hatten viel erzählt und gelacht und ich hatte es tatsächlich geschafft, Nico vollends zu vergeben.
      Nelly schien endlich mal wieder losgelöst und entspannt laufen zu können und auch ihre beste Freundin April, schien den Ritt zu genießen. Abs und Torun waren, wenn der Weg breit genug gewesen war, zwischen uns geritten, um nicht vom Weg abzukommen.
      Gesund und munter waren wir so nun zurück auf dem Gelände angekommen und wurden auch schon von einem etwas gestressten Teodor und einem breit grinsenden Bartholomäus erwartet, welcher, sobald ich vom Pferd abgestiegen war, seine Hände nach mir ausstreckte. Ich machte mit Teo einen passenden Tausch, nahm ihm den kleinen Bart ab und gab die Zügel von Nelly an ihn weiter.
      Normalerweise wäre ich jetzt mit Bart zurück zum Haus gegangen, doch ich entschied mich dafür, das Tragetuch aus dem Kinderwagen zu kramen und mir den kleinen Bart recht geschickt auf den Rücken zu binden. So konnte der kleine alles beobachten und ich hatte die Hände für andere Aufgaben frei.
      Mittlerweile war es später Nachmittag und unsere Pferde traten mit den Hufen gegen die Boxentüren, denn das Verlangen nach den großen Weiden war in ihnen erweckt worden.
      Malte und Petyr waren auch noch im Stall, sodass wir uns kurz darauf zu einer kleinen Besprechung trafen, bei welcher wir klärten, wer welche Pferde auf die Weiden bringen würde.
      Zusammen mit Nico sollte es meine Aufgabe sein, unsere kleineren Pferde und die Fohlen rauszubringen, während Petyr sich der Stutenweide vornehmen würde und Malte und Teodor den Hengsten.
      Nico und ich trafen die Entscheidung, erst Jeanie und die kleine Jelda, zusammen mit California's Small Caramel Candy und der etwas zickigen Ocarina of Time auf die kleine Stutenweide direkt vor dem Stall zu bringen. Jelda wusste ganz genau wo es hinging und versuchte deswegen mit Umwegen die Umgebung zu erkunden, bevor sie ihrer Mutter dann hinterher galoppiert kam. Als die vier auf der Weide standen, nahmen wir uns die anderen vier Ponys vor. Excelsior, Braum, Braddock 'The Parrot' und Slaughterhorse. Auch diese kamen auf eine nicht allzu weit entfernte Weide, von wo aus Exel und Braum die gemeinsame Freundin Jeanie gut im Blick hatten.
      Als wir gerade zurück im Stall waren, hatte Malte zwei Pferde von Petyr an der Hand. Es waren zwei Hengste, Jupiter und White Face, welche Petyr beide nur als Freizeitpferde besaß. Ich nickte Malte nur kurz zu, bevor dieser mit den beiden Pferden um die Ecke verschwunden war.
      "Und nun?" fragte ich Nico, welcher auch schon zu überlegen schien.
      "Jetzt wären die ganzen Jungpferde an der Reihe, aber das sind so viele, dass wir das wohl nicht alleine schaffen werden. Vielleicht warten wir noch auf die Anderen und füttern in der Zeit unsere Minis." meinte Nico und deutete auf das andere Ende des Stalls, wo wir zwei größere Boxen für die ganz Kleinen unter uns hergerichtet hatten.
      Irgendwie hatten sich bei uns so einige Shetlandponys angesammelt, aber auch ein kleiner Falabellahengst von Torun war dabei. Lange Zeit hatten der kleine Hengst namens Treebeard und Abs alleine auf einer Weide gestanden. Dieses Bild von dem großen Wallach und dem kleinen gepunkteten Hengst ging mir einfach nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran dachte, musste ich grinsen.
      Die Minis waren auch hier natürlich in Stuten und Hengste geteilt. Während auf der einen Seite Batida de Coco, Belle und My Hope Nymeria, stand auf der anderen Seite die kleine Hengstbande, bestehend aus dem kleinen Marshmallow, Vipke van de Zandhoven, Treebeard, Lambardo und Happy teilten sich den Platz auf der anderen Seite. Die Kleinen hatten ganztägig Auslauf und lebten sozusagen in einem Offenstall. Während ich Wasser und Heu bei den Damen kontrollierte, tat Nico das Gleiche bei der männlichen Fraktion. Solche kleinen Pferde waren schon überaus niedlich.
      Genau richtig kamen wir von den Minis zurück, denn auch die anderen hatten sich mittlerweile eingefunden, sodass wir nun fünf Leute waren, die die Jungpferde auf die gemeinsame Weide bringen konnten.
      Ich schnappte mir zwei Vollblutfohlen, die hübsche Scion und den abenteuerlustigen Aspantau. Leider würde irgendwann die Zeit kommen, wo wir beide trennen mussten. Aspantau sollte ein Hengst bleiben und auch so Leid es mir tat, durfte Scion ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit ihrem Freund zusammenleben.
      Nico schnappte sich die beiden kleineren Sleipnir und Imagine Dragons, während Malte sich Seattle's Scarlett vornahm und Petyr sich seine Tysbe und Sacarina schnappte. Für Teo blieb deswegen nichts übrig, was er aber nicht allzu tragisch fand.
      Fast hatte ich den kleinen Bart auf meinem Rücken vergessen, welcher das Geschehen mit großen Augen beobachtet hatte und sich nun durch lautes Geräusche machen wieder bemerkbar machte. Ihm schien der Trubel und die Arbeit nichts auszumachen, stellte ich erleichtert fest.
      Die Jungpferde kamen auf eine der Weiden, welche umringt von Bäumen etwas geschützter auf der anderen Straßenseite lag. Dort entließen wir diese, bevor wir zurück zum Stall schlenderten. Stallarbeit war dann morgen früh angesagt, bevor die Pferde über die Mittagszeit wieder zurück in den Stall kamen.
      "Hast du Lust auf einen Spaziergang?" fragte mich Nico. Er nahm meine Hand und zog mich, ohne auf meine Antwort zu warten, am Stallgebäude vorbei zum Ufer des Tyrifjords. Asuka schloss sich uns an, anscheinend hatte er das Wort "Spaziergang" vernommen und das war eines seiner Lieblingswörter.
      Bart war mittlerweile auf meinem Rücken eingenickt und sein gleichmäßiger Atem pustete mir in den Nacken.
      Ich ließ meinen Blick über den Tyrifjord hinaus schweifen. Schwach konnte man die andere Uferseite erkennen und fast fühlte es sich so an, als ständen wir am Meer. Eine einsame Möwe kreiste über uns, zu hoch, um sie genau erkennen zu können und ein kleines Fischerboot ratterte wellenschlagend auf dem oberen Ende des Tyrifjords. Asuka patschte schwanzwedelnd durchs Wasser und Nico, Bart und ich schlenderten über den sandigen Boden.
      So gut es mir in Südfrankreich gefallen hatte, hier hatte ich mein Zuhause gefunden und ich hoffte, dass es Mio in Nevada genauso gehen würde.

      Scions erste Fohlenschau!
      08. August 2016 -- Canyon
      [FS 251] Großpferde
      Die hübsche Scion zu verladen, das war schon eine Aufgabe für sich gewesen, aber mithilfe von vielen Apfelstückchen und viel Geduld, schaffte man alles. Da war die Fohlenschau, welche heute bei uns anstand, ja kaum etwas dagegen.
      Scion lebte noch nicht lange mit den anderen auf der Tyrifjord Ranch, allerdings hatte sie sich ihren Rang in der Jungpferdeherde schnell erarbeitet und führte die verrückte Gruppe nun mit viel Charme und Intelligenz an.
      Um der Kleinen mal etwas Abwechslung zu bieten, hatte ich sie recht kurzfristig bei einer Fohlenschau für angemeldet. Neben mir trippelte Scion nervös und aufgeregt mit ihren Hufen auf und ab und schien sich zu fragen, was wir hier wollten.
      Ich hatte ihr bereits das Gelände gezeigt, da wir noch so viel Zeit gehabt hatten, doch nun sollten wir jede Sekunde aufgerufen werden. So als hätte ich es geahnt, rief ein Lautsprecher über meinen Köpfen: „Und nun: Malte Tordenværson mit der jungen Vollblutstute Scion d’Or, aus der kanadischen PFS-Zucht!"
      Ich atmete nochmal tief durch, bevor ich mit Scion im Schlepptau den Platz betrat, um welchen sich natürlich schon eine Menschenmasse versammelt hatte, um Scion zu betrachten.
      Im Trab bog ich in der Mitte der kurzen Seite auf die Mittellinie ab, um bei X (mit einem kräftigen Zupfer am Fahrstrick) stehen zu bleiben. Nach dem Grüßen der Richter, trabte ich mit Scion wieder an und bog dann auf der linken Hand auf die ganze Bahn ab. Scions Schritte waren schwungvoll und groß und so hatte ich selbst im Trab Probleme hinter der jungen Stute her zu kommen. Nach einer Runde, parierte ich in den Schritt wieder durch und wechselte durch die ganze Bahn, bevor ich auf der rechten Hand noch Scions Trabkünste vorführte.
      Auch wenn sie eigentlich ein Galopppferd war, so war ihre Ausstrahlung im Trab um einiges größer. Große und gleichmäßige Schritte ließen die zierliche Stute um einige Zentimeter wachsen, sodass sie viel größer aussah, als sie eigentlich war.
      Nach dem Trab parierte ich wieder in den Schritt durch, ging auf der rechten Hand eine Zirkelrunde, wechselte dann aus dem Zirkel und vollführte auf der anderen Hand noch eine Runde im Schritt. Dann bog ich wieder auf die ganz Bahn ab und entfernte Scion an der kurzen Seite den Führstrick. Dann gab ich ihr das Zeichen zum Galoppieren (welches wir vor der Schau am gründlichsten und längsten geübt hatten) und die Stute fiel perfekt in den Galopp. Ich gab mir gar nicht die Mühe, ihr hinterher zukommen, sondern ging in die Mitte des Platzes und versuchte die etwas übermütige Stute von dort zu dirigieren. Nach einer Runde Galopp, gab ich ihr das Zeichen zum Wenden. Scion parierte erst etwas verwirrt durch, wendete sich dann aber doch und galoppierte auch auf der anderen Hand noch eine Runde, bis ich sie dann geschickt einfing und im Schritt zu X lief, wo ich die Richter glücklich verabschiedete.
      Scion hatte ihr Bestes gegeben und es würde bestimmt noch die ein oder andere Fohlenschau folgen, wo sich Scion verbessern konnte.

      Ankunft zweier Fellkugeln
      08. August 2016 -- Canyon
      Buskerud, Norwegen - 06:56
      "Du siehst aus wie Frankenstein höchstpersönlich!" Verschlafen und mit geschwollenen Augen wurde ich am frühen Morgen von Petyr begrüßt, welcher natürlich putzmunter und fröhlich bereits mit der Stallarbeit begonnen hatte. Träge nahm ich mir eine Mistgabel zur Hand und schlurfte dann weiter zu meinem Freund.
      "Ich hoffe, ich bin noch nicht grün im Gesicht." murmelte ich und stieß die Boxentür neben der von Petyr auf. "Solange mir noch keine Schraube aus dem Kopf schaut und mich die Pferde noch erkennen, ist alles gut."
      Petyr lehnte sich lachend auf seinen Stil der Mistgabel und blickte durch die Gitterstäbe der Box zu mir herüber. "Wenn du schon nicht geschlafen hast, dann musst du mir jedenfalls erzählen, WARUM du nicht geschlafen hast." meinte er und grinste. Wahrscheinlich vermutete er eine geheime Liebesaffäre oder was weiß ich. Leider musste ich ihn jedoch enttäuschen.
      "Geschlafen habe ich, aber anscheinend nicht genug." Abwartend blickte Petyr mich an und ich seufzte. Eigentlich hatte ich noch keine Kraft und Lust jetzt so viel zu erzählen, aber ich kannte meinen Freund, so schnell würde er nicht locker lassen.
      "Julie ist gestern wieder zufrieden in Amsterdam gelandet. Nach einem Jahr ohne feste WLAN-Verbindung haben wir natürlich die Chance ergriffen und geskypet und das, wie du ja bereits mitbekommen hast, bis tief in die Nacht hinein." Ich gähnte.
      "Uuund? Was hat sie erzählt?" harkte Petyr nach.
      "Jaja, kein Stress!" sagte ich leicht genervt, während ich die Arbeit in der Box aufnahm. Dabei musste ich meine Stimme allerdings erhöhen, damit mich Petyr weiterhin verstand. "Sie meinte, sie wäre dunkler als die verbrannten Plätzchen, die ihr Tante Annika zur Begrüßung gebacken hatte und auch wenn das Bild sehr unscharf war, kann ich das nur bezeugen. Leider passt dieser Hautton so gar nicht zu ihren roten Haaren."
      Ich legte die Mistgabel in die Schubkarre und wechselte die Box. Petyr tat es mir gleich und sobald wir wieder in einer Box standen und Mist schaufelten, erzählte ich weiter.
      "Ansonsten schwärmte sie vor allem von Indien, da war sie den letzten Monat, und von der Reise mit dieser Eisenbahn da, die durch ganz Sibirien rollt. Der Name ist mir entfallen, aber auch nicht so wichtig." Ich legte eine kurze Pause ein, in welcher ich kurz verschnaufte und meine Gedanken sammelte. "Sie war überglücklich und hat beständig über beide Ohren gestrahlt. Aber wie wäre es, mein Lieber Petyr, wenn du sie das einfach selbst fragst, wenn sie mich in ein paar Tagen besuchen kommt?"
      Petyrs Kopf erschien vor den Boxengittern. Sein Blick sprach Bände, wie man es so schön sagte. "Sie kommt? Sie hat dich doch schon seit Jahren nicht mehr besucht!" Ich zuckte die Schultern. " Übertreibe nicht, etwas öfter hast du sie schon gesehen, sonst wärst du nicht so vernarrt in sie. Sie will ja sowieso weiter zu unserem Vater nach Östersund, da ist der kleine Umweg hier her ja kein Problem. So und nun lass uns diese Schubkarre zum Mist bringen, so langsam ist sie übervoll!"
      Petyr nickte, schien jedoch ganz woanders in Gedanken zu sein. "Du, Malte, ist sie wirklich noch so eine Schönheit, wie sie es früher schon immer gewesen war, ich meine so mit langen gelockten Haare und strahlenden grünen Augen – ?" verträumt blickte er in den Himmel und ich seufzte theatralisch. "Ich möchte mit dir jetzt NICHT über meine Schwester sprechen, da gibt es jetzt wichtigere Themen. Du weißt was heute für ein Tag ist?" Mit einem kräftigen Stoß stieß ich die Schubkarre den Misthaufen hinauf und entleerte sie, bevor ich sie Petyr wieder in die Hand drückte, er konnte sie schön zurückfahren! Geistesabwesend nahm er sie einfach an.
      "Äh vielleicht dein Geburtstag? Aber der war doch im Winter oder?"
      Ich schüttelte den Kopf. Was für ein toller Freund, der noch nicht mal meinen Geburtstag wusste. "Neeeein, es ist nicht mein Geburtstag!"
      "Tut mir leid, dann weiß ich es nicht Malte." meinte Petyr und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Schon wieder seufzte. Heute war wohl so ein Seufztag und das, obwohl ich eigentlich über beide Ohren strahlen sollte. "An was erinnern dich die Worte Kalifornien, pelzig, warm und Isländer?" Petyr schien einen Moment überlegen zu müssen, bevor es ihm eeendlich einfiel. "Deine beiden Pferde kommen heute an?" Ganz entgeistert blickte er mich an "Warum hast du das denn nicht schon früher gesagt!"
      "Da war ich noch zu müde und dann wolltest du ja, dass ich dir alles von Julie erzähle und deswegen bin ich erst jetzt dazu gekommen."
      Freudig wie ein kleines Kind hüpfte Petyr zurück zum Stall und rief mir über die Schulter entgegen: "Na worauf wartest du denn noch? Wir haben noch viel zu tun!"

      Tatsächlich hatten wir viel zu tun. Boxen fertig machen, alle Pferde von den Weiden holen, jeden mit seiner eigenen speziellen Futtermischung füttern und dann ein paar der Pferde noch ihre Medikamente geben.
      Petyr untersuchte die kleinsten Fohlen Imagine Dragons, Mios Jelda und Aspantau nach Verletzungen, während ich Teufelstanz ihre Medikamente gegen die vielen Beschwerden gab. Sie hatte sich gut geschlagen, die Vollblutstute, aber Nico wollte ihr noch mehr Ruhe gönnen, bevor wir versuchen wollten, sie wieder zu reiten. Nach einer gescheiterten Renn- und Zuchtlaufbahn war sie mit einigen Verletzungen und Krankheiten und einem kleinen ungewollten Fohlen zu uns gekommen und ich war schon stolz darauf, was wir zusammen geschafft hatten.
      "MALTE!" laut schallte Petyrs Stimme durch den Stall. "Komm mal her und hilf mir! Diese verfluchte Jeanie will einfach nicht ihre Schnauze von mir lassen."
      Vorsichtig schloss ich die Box von Teufel, streichelte ihr noch einmal kurz übers Maul und folgte dann Petyrs Hilferuf. Dieser hatte meine Hilfe auch dringend nötig; Er lag fast in der Box, um die zierlichen Hufe der kleinen Jeanie untersuchen zu können und Jeanie hatte nichts anderes zu tun, als immer wieder zu versuchen seine Haare aufzufressen, diese waren ja auch genau auf der richtigen Höhe für so etwas.
      "Himmelherrgottnochmal!" schimpfte Petyr, während er versuchte Jeanie mit einer Hand fernzuhalten und mit der anderen einen Huf von Jelda zu heben. Zum Glück war die kleine Stute noch entspannter als ihre Mutter!
      "Ach Petyr", ich seufzte (schon wieder!), "Lass mal den Chef hier ran." Vom Hacken nahm ich Jeanies Halfter, band sie damit an den Gitterstäben fest und kniete mich neben Petyr ins Stroh. "So und jetzt erzähle mir, was daran so schwer war." Petyr boxte mir nur kurz in den Oberarm und schob mich dann aus der Box. "Mach, dass du wegkommst du Blödi!" schimpfte er und als Gegenschlag streckte ich ihm die Zunge raus. Ja so war er, unser Petyr.

      Obwohl ich es nicht vermutet hätte, war Petyr am Nachmittag aufgeregter als ich und das, obwohl die beiden jungen Isländer seit langem meine ersten Pferde waren, die ich mir kaufte. Petyr war es auch, der alle fünf Minuten aus dem Stall blickte und nach einem Transporter schaute, welcher die beiden zu uns bringen sollte.
      Es war ein angenehmer Mittwochnachmittag. Die Sonne schaute immer wieder hinter den Wolken hervor und kein Lüftchen wehte, sodass man die 17 Grad doch ganz gut vertragen konnte. Ein perfekter Tag, welcher zwar nicht ganz so gut begonnen hatte, aber das taten die guten Tage doch sonst auch. Die schlechten begannen gut und endeten schlecht, die guten fingen schlecht an und wurden erst später richtig gut. So war es jedenfalls immer bei mir.
      Ich hatte mich gerade zu einer kleinen Pause auf die Bank vor dem Stall niedergelassen und ein gutes Buch, ein Krimi (Tote, Fingerabdrücke, Blut und so ein spannendes Zeug) in die Hand genommen, als Petyr ganz aufgeregt neben mir auftauchte und meinte: "Da da, so schau doch, sie kommen!"
      "Petyr, du klingst wie eine Prinzessin, die ihren langersehnten Prinzen endlich wiedersehen kann. Ehrlich, du hättest auch Schauspieler werden können." meinte ich und stand mühsam auf. Meine armen Knochen!
      "Und du hast zwei Pferde gekauft und bis lustloser als je zuvor! Das ist auch nicht besser." verteidigte sich Petyr und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Glaube mir, ich freue mich auch, sehr sogar, ich weiß nur noch nicht, ob es wirklich der richtige Weg war. Ich bin immer noch viel unterwegs, auch wenn Evangeline und du mir mittlerweile viel Arbeit abnehmt-" Ich brach ab und blickte dem Transporter entgegen, der die buckelige Straße entlang holperte. Da hinten drinnen, da waren sie. Zwei junge Isländer, der eine erst knapp ein Jahr, der andere perfekte 6 Jahre. Ich wusste immer noch nicht, ob es richtig gewesen war, aber jetzt war es zu spät, sie waren angekommen und ich hoffte, dass die Tyrifjord Ranch für immer ihr zu Hause sein würde.
      Der Pferdetransporter war Silber und bot Platz für mehrere Pferde, in dem Moment sollten sich darin allerdings nur zwei befinden, zwei, die mein Leben nochmal in eine ganz andere Richtung lenken würden. Das wusste ich jetzt schon.
      Sie hatten eine weite Reise hinter sich; Erst von Kalifornien mit dem Flugzeug nach Vikersund zum Flughafen und dann von dort mit dem Transporter bis hier her. Sie taten mir verdammt Leid.
      Der Fahrer schaltete den Motor auf dem Parkplatz vor dem Stall aus, stieß dann seine Tür auf und kletterte heraus. Zu meinem Erstaunen war es kein älterer Mann, welcher sein Leben lang bereits Pferde von einem Ort zum anderen kutschierte, sondern eine junge Frau, vielleicht Ende dreißig, welche ihre langen braunen Haare zu einem Zopf geflochten hatte und nun elegant aus dem Transporter sprang. Sie lächelte uns beide freundlich an und winkte uns dann wie ein kleines Mädchen zu, bevor sie über den Parkplatz rief: "Ist einer von euch beiden Malte?"
      Ich schüttelte meine kurze Ungläubigkeit von mir ab und hob dann die Hand. "Ja ich, warten sie, ich komme."
      Petyr neben mir grinste und blickte mich von der Seite an. "Das ist aber eine Hübsche, pass auf, dass dir deine Augen nicht aus dem Kopf fallen, lieber Malte." Ich sagte nichts, hoffte allerdings das ich nicht allzu rot im Gesicht wurde.
      Als ich bei der jungen Frau angekommen war, hatte sie bereits die automatische Rampe an der Seite des Transporters heruntergelassen und war zu den beiden Pferden in den Anhänger geklettert. Ich folgte ihr und warf einen allerersten Blick auf meine Pferde. Meine Pferde, wie sich das anhörte, es löste ein ganz neues Gefühl in meinem Magen aus, welches ich schon lange nicht mehr gespürt hatte.
      Beide waren erschöpft und verschwitzt, waren jedoch genau das, was ich mir schon immer gewünscht hatte: Einfach nur perfekt.
      Ich starrte die beiden noch vollkommen überfordert an, als mir die Frau neben mir die Hand reichte. "Hey, ich bin Halla!"
      Ich wandte meinen Blick von den Pferden ab und ergriff ihre Hand. "Malte."
      Sie lachte und dabei leuchteten ihre Augen noch mehr und an ihren Mundwinkeln erschienen kleine Grübchen. "Ich weiß doch." Ich musste auch lachen. Oh man war ich manchmal peinlich, da machte ich ja sogar Petyr den ersten Platz der Peinlichkeitsrangliste streitig.
      Als ich darauf nichts sagte, meinte Halla etwas eingeschüchtert: "Vielleicht sollten wir die Pferde hier heraus holen, sie waren jetzt lang genug hier drinnen." Ich nickte zustimmend und ging zu dem größeren der Beiden hin.
      Óslogis Fellfarbe war etwas ganz besonderes und ich musste ehrlich zugeben, dass ich so ein Pferd schon lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich, ich der einfache Pferdetrainer Malte, ich besaß jetzt diesen schmucken Hengst. Ich band Óslogi los und führte ihn die Rampe hinunter. Hinter mir kam Halla mit dem kleinen Félagi. Beide Pferde standen wohl noch zur Hälfte unter den Narkosemitteln für den Flug, denn beide Isländer stolperten über jeden größeren Stein und schafften es nicht, ihre Hufe höher als Handhoch zu heben. Ich lächelte durchweg, als ich Óslogi in den Stall führte.
      Die Boxen der Beiden lagen ganz am Anfang und waren natürlich nebeneinander. Ich zeigte Halla, welche sich staunend in dem großzügigen Stall umschaute, Félagis Box, während ich Óslogi in seine brachte. Petyr stand natürlich nur daneben und schaute uns zu, wie wir die Pferde von Transportgamaschen und Decken befreiten. Heu, frisches Wasser und Kraftfutter zur Erholung hatten wir beide natürlich schon vorbereitet, sodass es den Beiden erstmal an nichts mangelte.
      Halla und ich ließen die Pferde auch so schnell wie möglich in Ruhe und gaben ihnen genügend Zeit anzukommen. "Lust auf einen Kaffee?" fragte ich Halla und ignorierte dabei Petyrs breites Grinsen. Heute konnte ich ihn mal wieder überhaupt nicht ausstehen.
      "Klaro, Kaffee ist immer gut!" meinte sie lächelnd und schon wieder lächelte ich zurück.
      "Machst du uns einen?" Ich schaute Petyr bittend an, welcher laut seufzte und dann in Richtung "Reiterstube" verschwand, welche bei uns lediglich aus einem Abstellraum mit Kaffeemaschine bestand.
      Halla holte aus dem Transporter die Papiere und setzte sich dann neben mich auf die Bank vor dem Stall. Sie schien jedoch Zeit zu haben, denn sie ließ die Mappe noch geschlossen und genoss mit geschlossenen Augen die warmen Sonnenstrahlen.
      Ich tat es ihr gleich, wurde aber kurz darauf von ihr angesprochen. "Sag mal, ist das eigentlich dein Stall?"
      Ich lachte und schüttelte dann den Kopf. "Nein nein, der gehört einem jungen Paar, die sind gerade nur in Sylling Verwandte besuchen, ich wohne hier nur und bin Pferdetrainer und Angestellter. Einen eigenen Stall, und vor allem nicht so einen großen, könnte ich mir niemals leisten." sagte ich und zuckte mit den Schultern. "Dafür braucht man so einiges an Geld."
      Halla neben mir seufzte und nickte dann. "Jaaa," sagte sie gedehnt, "Diese Erfahrung durfte ich auch schon machen."
      In dem Moment kam Petyr mit drei dampfenden Tassen zurück. Unterm Arm hatte er eine Milchpackung und Zucker stecken. Wie ein Butler reichte er uns beide jeweils eine Tasse und fragte dann stumm nach Zucker und Milch. Halla hob dankend die Hand und auch ich verneinte. Petyr wusste ganz genau, dass ich meinen Kaffee immer schwarz trank. Er selbst quetschte sich noch neben Halla auf die Bank und schüttelte sich gefühlt die halbe Milch- und Zuckerpackung in die Tasse. Dann nahm er mit gespitzten Lippen einen Zug des heißen Gebräus. "Sag mal, Halla richtig? Wie kommt eine junge Frau wie du eigentlich auf die Idee, Fahrerin für ein Transportunternehmen zu werden?"
      Halla schien mit der Frage gerechnet zu haben und ich war mir sicher, dass sie diese nicht zum ersten Mal in ihrem Leben hörte. Deswegen antwortete sie auch dementsprechend resigniert. "Mein Vater leitet unsere Firma. Wir hatten vor einigen Jahren einige Geldprobleme und deswegen bin ich aushilfsweise bei ihm eingestiegen, weggekommen bin ich dort nie und jaaa, auch ich bereue es manchmal - Das musst du mich jetzt nicht noch fragen."
      Ich blickte Petyr böse an. Das hätte er auch etwas besser fragen können, da konnte er sehen, was er angerichtet hatte.
      Ich versuchte das Thema zu wechseln. "Hast du denn eigentliche auch eigene Pferde?"
      Wieder musste Halla eine Antwort geben, die ihr nicht gefiel. "Nein, besser gesagt saß ich noch nie auf einem größeren Pferd als einem Reitpony vom Rummel. Und auch wenn ich Tag für Tag Pferde von einem Ort zum anderen bringe, reiten kann ich nicht." Traurig blickte sie in die Weite und ich sah, wie eine Träne in ihren Augen glitzerte.
      So hatte ich mich täuschen können. Noch vor wenigen Minuten hatte ich geglaubt, noch nie einen glücklicheren Menschen getroffen zu haben und jetzt saß eine traurige junge Frau mit Tränen in den Augen neben mir. So war die Welt, die Wahrheit blieb einem meistens verborgen.
      Kurz gefasst: Der Tag endete damit, dass ich mit Halla die Nummern ausgetauscht hatte und sie zu uns zum Kaffee eingeladen hatte, mit anschließendem Reiten, verstand sich natürlich von selbst.
      Erst als am späten Nachmittag Petyrs Handy klingelte und Nico am Telefon fragte, ob die Pferde bereits versorgt waren, lösten wir unsere Kaffeerunde auf und jeder ging wieder seines Weges.
      Auch hatten sich Félagi und Óslogi in der Zeit prächtig erholt und beide blickten nun munter über die Gitterstäbe der Box hinweg. Beide würden die Nacht noch zur Sicherheit in der Box verbringen, morgen Abend würden sie jedoch mit hinaus auf die Weiden dürfen und mit eigenen Augen die prächtigen Weideflächen von Norwegen sehen können. Ich hoffte ja, dass Óslogi sich mit dem junge Leiðtogi anfreunden würde, die beiden Isländer würden sich bestimmt gut verstehen. Auch auf Félagi wartete ein Spielgefährte: Der junge Sleipnir, auch er stammte aus der gleichen Zucht wie Félagi, war nur wenige Monate älter und ich war mir sicher, dass die beiden sich gut verstehen würden.
      Ich war verliebt und überglücklich und konnte es noch nicht so ganz fassen, dass alles so reibungslos geklappt hatte. Ich hatte lange an mir gezweifelt, auch jetzt natürlich noch, ob es richtig gewesen war. Aber das konnte man vorher nie wissen, das würde die Zeit bringen.

      Kommt zu Tisch und hört die News!
      18. September 2016 -- Canyon
      "„Malte?“ Meine Stimme klang etwas kratzig, als ich nach unserem Mitarbeiter rief, welchen ich gerade zufällig vor seiner Haustür entdeckt hatte. Die Nacht war für mich mehr als kurz gewesen, denn erst in den frühen Morgenstunden hatte Bart Ruhe gefunden und da Nico zur Zeit unterwegs war, hatte ich das diese Nacht alleine schaffen müssen. Malte blickte auf, als er meine Stimme vernahm und überquerte dann den Hof, um zu mir zu kommen. Fragend blickte er mich mit seinen kastanienbraunen Augen an und auch wenn ich versuchte mir den Gedanken zu verkneifen, fragte ich mich abermals, warum er, laut seinem Freund Petyr, seit Jahren keine feste Freundin mehr hatte. Diesen Augen konnte sogar ich nicht widerstehen, dabei war ich seit geraumer Zeit glücklich mit Nico zusammen und auch wenn wir beide keine, oder jedenfalls nicht so früh, Kinder haben wollten, hatte unser Bartholomäus unser Leben nochmal ganz schön auf den Kopf gestellt. Ich riss mich von seinen Augen los und sammelte meine Gedanken. „Es gibt ein paar wichtige Dinge zu besprechen“, erklärte ich ihm. „Ich würde dich deswegen bitten, und Petyr auch noch zu Bescheid geben, heute Mittag um eins zu kommen. Es wird euch bestimmt interessieren, vor allem dich.“ Ich wartete seine Antwort nicht mehr ab und schloss sachte mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen vor ihm die Tür. Ich kannte ihn mittlerweile recht gut und wusste, dass er kommen würde. Teodor und Torun hatte ich gestern bereits Bescheid gegeben und so fehlte jetzt nur noch Nico, welcher jedoch auch bald und hoffentlich pünktlich zurückkommen würde. Den restlichen Vormittag blieb mir wohl nichts anderes übrig, als mich mit Bart zu beschäftigen. Auf dem Plan stand also aufräumen und putzen, mit meinem Sohn spielen, dann einen kleinen Spaziergang am Ufer des Tyrifjords und dann Mittagessen kochen. Ich war mehr als erleichtert, als Bart wenig später in seiner Hängematte einschlief und doch tatsächlich nicht mal wach wurde, als ich ihn in den Kinderwagen hiefte und mit ihm das Haus verließ. Die Mittagszeit war meiner Meinung nach die beste Zeit. Jetzt schlief Bart und auch all die anderen Hofbenutzer waren meist in ihren Wohnungen. Mit Bart schlug ich den Weg zum Stall ein. Da bei uns die Pferde über Nacht auf den Weiden waren und den Tag in den Boxen dösten, war der Stall mehr als gefüllt. Auch wenn wir bis jetzt noch einige leere Boxen hatten, so war es jetzt schon reichlich Arbeit, all die Pferde zu versorgen. Bart ließ ich am Eingang des Stalls stehen. Sollte er aufwachen, würde er sich schon bemerkbar machen. Mir fiel auf, dass der junge Óslogi nicht in seiner Box stand und daraus schloss ich, dass Malte, nicht wie erwartet, in seiner Wohnung sein würde, sondern mit seinem Hengst irgendwohin unterwegs war. Das Wetter war dazu ja wirklich perfekt, denn auch wenn die Sonne heute schien, so war es nicht zu warm und ein kleiner Westwind trieb ein kühles Lüftchen vom Atlantik zu uns. Meine Schritte lenkten mich weiter zur Box von Braum, allerdings war auch dieser nicht in seiner Box zu finden, weswegen ich, mit meinem überaus klugen Kopf daraus schloss, dass auch Braum mit Óslogi unterwegs war. Entweder als Handpferd, oder auch Petyr hatte sich Malte angeschlossen Das würde ich leider nicht so schnell erfahren, weswegen ich nach einem Plan B suchte. Schließlich entschied ich mich dafür, statt Braum mich mit der Jungstute Scion zu beschäftigen. Sie war ein wahres Prachtexemplar und ich war froh, sie vor einiger Zeit aus einer so berühmten Zucht gekauft zu haben. Es zerbrach mir jetzt schon das Herz, dass ich sie bald von ihrem besten Vollblutfreund Aspantau trennen musste. Die beiden waren dickste Freunde, nur leider hatte ich nicht vor, Aspantau zu kastrieren und bevor wir ungewollt Nachwuchs bekamen, mussten wir sie trennen. Ich legte der jungen Stute ihr hübsches Halfter um und führte sie dann aus der Box nach draußen ans Tageslicht. Bart schlief natürlich immer noch, nur hatte sich zu ihm noch jemand dazugesellt. Capucine. So sehr ich die alte verfilzte Katze mochte, genauso wenig erfreut war ich, dass sie sich zu Bart in den Kinderwagen gelegt hatte. Cap war eine Straßenkatze gewesen, welche wir aus Südfrankreich mit nach Norwegen genommen hatte. Kein Hund, nicht mal die beiden Wolfshunde Gery und Edda konnten ihr Angst einjagen. Sie wusste genau was sie wollte und ließ sich davon dann auch nicht abbringen. Ich seufzte tief, klemmte mir dann trotzdem den Führstrick von Scion unter den Arm und hob die dicke Katze aus dem wagen. Hübsch war sie ja, so caramellfarben mit dunkleren Flecken, aber wenn sie einem ihre Krallen zeigte, gab es nichts mehr zu lachen. Diesmal fauchte sie jedoch nur kurz, bevor sie mir vom Arm sprang und mit erhobenem Schwanz majestätisch im Stall verschwand. Auch Scion fand den Kinderwagen einfach nur interessant und streckte ihre helle Schnauze tief ins Innere. Ich musste lächeln, schob jedoch ihren Kopf zurück, bevor ich sie am Kinderwagen anband und mit beiden den Hof verließ. Scion liebte Spaziergänge. Jeder Stein, jeder Busch und jede Rose am Wegesrand musste unbedingt von ihr beschnüffelt werden und dafür nahm sie sich auch genügend Zeit. Auch ich genoss es, einfach nur dahin zuschlendern, Scion zu beobachten und meinen Gedanken nachzuhängen. Allerdings konnte das natürlich nicht immer so weiter gehen. Kaum war Bart aus seinem tiefen Mittagsschlaf aufgewacht, wurde auch Scion unruhiger. Bart bewegte sich immer wieder, wollte auch etwas sehen und gab lautstark Geräusche von sich, sodass ich unseren gemeinsamen Spaziergang bald abbrach und zurück zum Stall ging. Viel Zeit hätte ich sowieso nicht mehr gehabt. Es war kurz vor eins und ich wollte die anderen nicht warten lassen. Auch Braum und Óslogi waren mittlerweile wieder in ihren Boxen, sodass also auch Malte wieder da sein sollte. Ich brachte Scion in ihre Box und ging dann den kleinen Uferweg am Tyrifjord zurück zu unserem kleinen Hof. Bereits aus der Ferne erkannte ich Nicos schwarzes Auto und auch wenn ich es nur ungerne zugab, so freute ich mich doch, ihn nach nur drei Tagen endlich wiederzusehen. Mal wieder war er mit Asuka und seinem auf einem Lehrgang gewesen und so sehr wie ich ihm das gönnte, genauso öde und anstrengend waren die Tage ohne ihn. Wäre Mio nur noch da, dann wäre das kein Thema gewesen, aber jetzt-. Erstaunt stellte ich fest, dass ich wohl die Letzt war, die ankam. Die anderen hatten bereits ein paar Stühle zusammengesucht und bei uns im Garten einen kleinen gemütlichen Kaffeetisch gedeckt. Es war mir peinlich, dass ich sie alle einlud und dann noch nicht mal pünktlich war. Allerdings schien das niemanden zu stören. Von allen wurde ich freundlich begrüßt und natürlich auch Bart, welcher gleich nach unserer Ankunft aus dem Wagen gehoben und von allen beknuddelt wurde. Laut bellend stürzte sich mein kleiner Schützling Asuka auf mich und es freute mich zu sehen, wie sehr der kleine Whippet mich vermisst hatte. Bevor ich ihn allerdings begrüßte, nahm mich Nico in den Arm und drückte mir sanft einen Kuss auf die Lippen. Auch wenn er manchmal, nein, sehr oft ein großes Ar***loch war, hatte ich ihn mehr als lieb. Ich ließ mich neben Teo am Tisch nieder und neben mich setzte sich Nico. Wir waren nun also alle vollzählig. Torun, Petyr und Malte saßen auf der anderen Seite des runden Tischs. Während Malte sich entspannt zurück gelehnt hatte und alles mit ausdruckslosem Gesicht beobachtete, hatte Petyr wie immer ein freches Grinsen auf dem Gesicht und schaute mich erwartungsvoll an. Die blinde Torun schien etwas nervös und kaute unablässig auf ihrer Lippe herum, während ihr Vater Teodor sich mit dem kleinen Bart beschäftigte, welcher dem alten Mann im Bart herum spielte. Bei dem Gedanken musste ich mir ein Grinsen verkneifen, denn mein Bart spielte im Bart, eine witzige Vorstellung. Jetzt, wo es soweit war, fand ich nicht die Worte, welche ich mir den ganzen Vormittag bereitgelegt hatte und das ärgerte mich extrem. Ich war früher immer sehr wortgewandt gewesen, seitdem das allerdings mit Shadow und Mio gewesen war und all die Verantwortung nun auf meinen Schultern lag, war dieses Talent erheblich geschrumpft. »Okay, danke erst mal, dass ihr alle gekommen seid.« fing ich ahnungslos an, ohne zu wissen, was ich als nächstes sagen sollte. »Nico und ich haben in letzter Zeit uns oft darüber Gedanken gemacht, was wir verbessern können und uns fiel auf, dass wir zwar mit unseren Pferden viele erfolgreiche Turniere gehen, aber trotzdem kein Ziel vor Augen haben. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, nun auch ganz aktiv in die Zucht einzusteigen.« Ich beobachtete die Reaktionen am Tisch genau. Petyr schien sich zu freuen, denn seine Grübchen wurden noch tiefer und seine Augen noch strahlender als sonst. Malte zog nur eine Augenbraue in die Höhe und Torun hörte auf, auf ihrer Lippe zu kauen. Teo zeigte mit keinem Finger, dass er uns verstanden hatte, sondern beschäftigte sich immer noch mit Bart. »Wir haben viel überlegt, viel geplant und trotzdem wurde uns die Entscheidung von jemandem erleichtert. Nico und ich waren letztes Wochenende auf einem Gestüt, wo einige Pferde zum Verkauf standen. Besser gesagt, einige Achal Tekkiner und zwei davon stammen auch noch aus der berühmten Reuthlinie. Die Besitzerin überlegte nicht lange und verschenkte« dieses Wort betonte ich extra stark, »verschenkte drei Stuten und einen Hengst an uns.« Hier blickte ich kurz zu Nico, welcher mir zunickte und sich so bereiterklärte, weiterzuerzählen. »Ihr wisst alle, dass Nelly und April unserem alten Freund viel bedeuteten und nun werden wir genau das tun, wovon er immer geträumt hatte. Eine kleine Zucht mit diesen überaus majestätischen und eleganten Geschöpfen. Zwei der Stuten sind bereits erfolgreich geritten wurden, die eine ist fast vier und wird nun so langsam eingeritten. Ich weiß, wenn ich euch jetzt erzähle, dass der Hengst das Spiegelbild von meinem Marid ist, werdet ihr uns für verrückt halten, aber ich bin mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis auch er vernünftig wird. Ich kenne mich ja so langsam mit solche Pferden aus.« Ein breites angeberisches Grinsen tauchte auf seinen Lippen auf. Gerade hatte ich noch gedacht, dass er es jedenfalls einmal schaffen würde, nicht der große Angeber zu sein, sondern ein ganz normaler Junge. Da hatte ich wohl umsonst gehofft. »Schön und gut«, hängte sich nun Malte ins Gespräch, »Aber mit den neuen Pferden haben wir fünf Stuten und einen Hengst, das Verhältnis ist etwas unausgeglichen.« »Sechs Stuten, um genau zu ein.« antwortete ich ihm. »Ich habe bereits seit längerem eine weitere Stute im Blickfang und der Verkäufer hat sich gestern nun endlich zurückgemeldet und dem Kauf zugesagt.« Zweifelnd blickte Malte mich an. Ich hatte zwar gewusst, dass er etwas kritisch an die ganze Sache heran gehen würde, aber so schwer musste er es mir nun wirklich nicht machen. »Keine Angst Malte. Cascar, die Vorbesitzerin der Tekken, hat drei weitere Hengste bei sich stehen. Diese will sie behalten, möchte mir diese allerdings zur Verfügung stellen, sodass wir erst mal genügend Hengste haben und trotzdem keine weitere Arbeit. Zufrieden?« Er nickte leicht mit dem Kopf und ich atmete erleichtert aus. Ich wollte gerade weitererzählen, als ich sah, wie Torun leicht ihren Mund öffnete und so wartete ich ab, bis das zierliche Mädchen auch gesprochen hatte. Mit sanfter und verträumter Stimme, welche ich schon immer so toll fand, fragte sie: »Wann kommen diese neuen Pferde denn an?« »Aller Wahrscheinlichkeit bereits morgen, wenn nichts dazwischen kommt und sie alle Kontrollen gut überstehen. Cascar wollte sie so schnell wie möglich zu uns bringen, denn ihr fehlt gerade einfach die Zeit, sich um die Tiere zu kümmern.« Antwortete ich ihr. »Da werden wir aber einige Decken für den Winter brauchen, wenn wir uns im hohen Norden Vollblüter aus dem tiefen Süden anschaffen«, meinte Petyr und grinste frech in die Runde. »Darüber haben wir uns auch schon Gedanken gemacht,« ging Nico auf Petyrs Kommentar ein und auch auf seinen Lippen breitete sich ein Grinsen aus. »Wir werden einen Waschdienst brauchen und dieser hat dann eine Woche die Aufgabe, die Decken zu waschen und aufzuhängen und da haben wir gleich an dich gedacht, lieber Petyr, weil wir wussten, dass du dich darüber freuen wirst.« Bevor Petyr zurückschießen konnte, ging ich diplomatisch dazwischen und erzählte weiter. Immerhin wollte ich heute noch so einiges schaffen. »Klar wird es mit ihnen anstrengender als mit felligen Pony, aber nichtsdestotrotz werden wir auch dies gemeinsam schaffen. Wie ihr wisst, haben wir in letzter Zeit einige Pferde verkauft und so sehr es mich schmerzt, werden auch Leiðtogi und Ocarina uns bald wieder verlassen. Linn hat sich dazu entschlossen, Togi in ihre Zucht aufzunehmen, jetzt wo er kurz vor seiner Kür steht. Oca wird zurück zu Verena auf die Gips Reminder Ranch gehen und sich dort hoffentlich wohler fühlen als hier in Norwegen. Im Gegenzug haben wir ja vor einigen Tagen Bijou und Modjo bekommen. Ich finde, dass in beiden ein großes Talent schlummert und vielleicht werden wir sie ja irgendwann kören lassen können. Außerdem wollen wir unsere EV-Zucht wiederbeleben und da wir nun mit Lady Gweny auch hier Stuten im Übermaß haben, habe ich einen perfekten Hengst gefunden, welcher auch in einigen Tagen bei uns eintreffen wird. Bitte habt Verständnis mit ihm und stempelt ihn nicht gleich als böse ab, ja?« Bittend schaute ich in die Runde und außer Nico machten alle ein verwirrtes Gesicht. »Glaubt mir, das werdet ihr schon früh genug erfahren!« Genau als ich meinen Satz beendet hatte, kam Bart auf Teos Schoß ein freudiger Schrei aus dem Mund und die ganze Aufmerksamkeit am Tisch richtete sich auf ihn. Darauf schien er nur gewartet zu haben, denn als ihn alle anblickten, grinste er breit und fing an zu lachen. In die dadurch entstandene Pause fragte Malte: »Wie wird denn der Hengst heißen?« »Cotsworlds Eik«, sagte Nico stolz. [....]
    • Gwen
      Ehemalige Pflegeberichte [2]

      Heimlicher Besuch
      09. Oktober 2016 -- Canyon
      Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich endlich da war. Wochenlang, nein, Monatelang hatte ich die Tränen verdrückt und versucht meine Entscheidung nicht in Frage zu stellen. Doch nun, nun da ich hier war, schienen all meine Vorhaben und Pläne in Luft aufgelöst zu sein. Wie sehr wünschte ich mir doch, dass noch alles so wie früher wäre, dass wir alle noch zusammen lebten, dass Shadow nicht gestorben wäre. Wie sehr wünschte ich mir, alles rückgängig machen zu können und doch merkte ich, dass ich die letzten Monate nicht gerade unglücklich gewesen war.
      Ich parkte den gemieteten Wagen auf dem Parkplatz vor einem großen Stallgebäude. Natürlich war ich noch nie hier gewesen, aber das Internet und Google Maps hatten mir genügend Informationen ausgespuckt, um den Weg hier her zu finden.
      Niemandem hatte ich etwas gesagt, nur Addison hatte ich erzählt, dass ich nicht länger ahnungslos in Nevada sitzen konnte. Einmal, einmal musste ich nochmal meine Freunde sehen, das Baby und natürlich all die Pferde die ich zurückgelassen hatte.
      Mir schossen die Tränen schon wieder in die Augen, welche ich mit letzter Kraft gerade erst verbannt hatte, als ich die Wagentür öffnete und ohne diese wieder zu schließen, in Richtung Stall stolperte.
      Es war bereits pure Nacht, die genaue Uhrzeit wusste ich nicht, und der Mond schien über dem Gestüt. Hinter dem Stall konnte ich einen Blick auf ein großes Gewässer erhaschen, bevor ich das Stalltor leise aber hastig aufschob und in den Stall schlich.
      Er war unbeschreiblich schön, mit genau der Art von Boxen, welche ich mir schon immer gewünscht hatte. Groß, luftig und mit so wenig Gitter wie möglich, es war einfach perfekt.
      Lange musste ich nicht suchen, wie eh und je, seit Anbeginn der Zeiten, lag Excelsiors Box ganz am Anfang des Stalls auf der linken Seiten. Er war schon immer der Torwächter gewesen, hatte jeden Freund freundlich begrüßt und jeden unerwünschten Besucher mit bösen Blicken davon abgehalten, näher zu treten. Er döste in seiner Box, während er einen Kopf auf der Tür abgelegt hatte. Mein Exel, mein kleiner, unbeschreiblicher Exel. Wie sehr hatte ich ihn vermisst, wie sehr…
      Das Mondlicht fiel durch die vielen Fenster im Dach und beschien genau die lange Stallgasse, sodass ich genügend Licht hatte, um alles gut erkennen zu können. Ich traute mich nicht näher zu treten, aus Angst, dass genau jener Wallach mich nicht wiedererkenne würde oder mir vielleicht sauer war, dass ich ihn allein gelassen hatte. All das verstand ich, ich konnte es selbst nicht fassen, dass ich es getan hatte und trotzdem hatte ich gedacht, dass es für mich die beste Entscheidung gewesen war und die war es auch. Ich hatte gemerkt, was das Leben in Nevada mit mir gemacht hatte, es hatte mich gemacht. Mich, die endlich ihren Schatten übersprungen hatte und zurückgekehrt war. Zwar nur für einen kurzen Moment, aber ich war wiedergekommen und endlich das abzuschließen, wovor ich vor einem dreiviertel Jahr nicht die Möglichkeit gehabt hatte.
      Ich lehnte mich an das Holztor und nahm meine Hand zum Mund. Bereits als Schülerin hatte ich immer den Tick gehabt, mir mit dem Finger gegen die Lippen tippen zu müssen, wenn ich nicht weiter wusste und leider hatten das die Lehrer sehr schnell herausgfunden und mich dann immer extra dran genommen.
      Als auch meine letzte Träne versiegt war, stieß ich mich vom Tor ab und ging mit leisen und langsamen Schritten auf die Box von Excelsior zu. Ich behielt ihn genau im Blick, als dieser jedoch die Augen öffnete und mich ansah, musste ich seinem Blick weichen und schaute wie ein kleines Kind hinab auf meine Schuhe. Ich stand nun so nah vor ihm, dass wir in Reichweite waren und mit angehaltenem Atem wartete ich auf eine erste Reaktion des Pferdes. Des Pferdes, mit welchem alles begonnen hatte, wegen welchem ich jetzt genau an diesem Fleck stand.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit fühlte ich die feuchte Schnauze in meinen Haaren und atmete erleichtert aus. Und wieder einmal kamen mir heute die Tränen, allerdings waren es Freudenstränen, Tränen, die mir zeigten, dass ich nicht alles falsch gemacht hatte.
      Natürlich war auch Excelsior irgendwo nur ein Pferd, aber für mich war es DAS Pferd und ging sogar hinaus über Chosposi und das musste erst mal jemand schaffen.
      Nun völlig übermütig schob ich den Riegel der Boxentür zur Seite und fiel dem grauen Pferd um den Hals. Sein Duft hatte sich nicht verändert und auch wenn sein Haar nochmal etwas länger und sein Fell dichter geworden war, so war es eindeutig noch mein Exel, welchen ich vor so vielen Monaten in Südfrankreich zurückgelassen hatte.
      Ich hatte es nicht gemerkt, dass ich zu Boden gesunken und auch dort eingeschlafen war. Wahrscheinlich war es die Müdigkeit oder die Erschöpfung, oder eben beides gewesen, aber erst als mich kräftige Arme hoch hoben und aus dem Stall trugen, wachte ich so langsam wieder auf. Es war noch immer tiefste Nacht, auch wenn ich hätte schwören können, dass es bereits morgen sein müsste.
      Mit einem Erschreckensschrei bemerkte ich, dass ich den Mann nicht kannte, welcher mich in seinen Armen hielt und versuchte mich so schnell wie möglich daraus zu befreien. Der Mann schien nichts dagegen zu haben und setzt mich auf dem Boden ab, wo ich dann einige Meter zurück stolperte.
      Er sagte nichts und ich konnte seinen genauen Gesichtsausdruck in der Dunkelheit nicht erkennen, auch wenn mir mein Gefühl sagte, dass er nichts Böses wollte. Meinem Gefühl vertraute ich jedoch schon lange nicht mehr.
      Einige Sekunden schauten wir uns stumm an, bevor ich vorsichtig auf englisch fragte: »Wer bist du? Arbeitest du hier?« Ich wusste nicht genau welche Sprache er sprach, immerhin waren wir hier mitten in Norwegen und ich hatte noch nie ein Wort dieser Sprache gesprochen. Er schien mich auf jeden Fall zu verstehen und das war schon mal ein Anfang.
      »Allerdings«, meinte er mit tiefer und ruhiger Stimme, bevor er sich umdrehte und den schmalen Weg entlang vom Stall wegging. »Wenn du nichts dagegen hast, würde ich gerne alles weitere mit dir im Haus besprechen.«
      Ich wusste nicht was ich tun sollte und hätte ich es gewusst, wäre ich ihm wahrscheinlich gefolgt. Ich war schon immer ein Angsthase gewesen und diese Angst hatte sich noch nicht mal gelegt, als ich alleine nach Amerika ausgewandert war. Jeder vermutete von mir, dass ich eine mutige und starke Persönlichkeit war, dabei war ich einfach nur ich. Ich Mio, die vor jedem Angst hatte, den sie nicht kannte. Super.
      Ich schaffte es dem jungen Mann hinter her zu stolpern und mir einen Weg über den unebenen Pfad zu suchen.
      Er musste auch auf dem kleinen Hof wohnen, den auch Charly und Nico bewohnten, denn er steuerte zielgerichtet darauf zu.
      Still, einsam und unbeleuchtet lag das kleine Gut in der Nacht. Die weitläufigen Weiden waren verlassen und das sanfte Rauschen des Fjords vervollständigte das perfekte Bild eines perfekten Platzes. Ich konnte verstehen, warum sie sich genau hier niedergelassen hatten. Es war perfekter als perfekt, wenn man es eben so mochte. Ich könnte mir nie vorstellen, wieder so zu leben. Nicht jetzt, nachdem ich all das in Nevada erlebt hatte. Hier würde ich verrückt werden, in dieser kleinen, perfekten Welt.
      Der Mann führte mich zu einem kleinen Nebengelass, bei welchem er die Tür aufschloss und mich hinein winkte. Der leere Flur wurde nur spärlich von einer alten und dazu noch flackernden Lampe an der Decke beleuchtet und war für mich persönlich ein Albtraum. Am Ende des Flur gab es zwei Türe. Links und rechts. Während die Rechte nur so von Spinnenweben verhangen war, schien die linke frisch gestrichen zu sein, was ich allerdings in dem Dämmerlicht nur erahnen konnte.
      Der Mann stieß die Tür grob auf und ich sah noch, wie er einige Briefe und Papiere vom Sofa wischte und in einem Schubfach verschwinden ließ.
      Die Wohnung, wenn man sie überhaupt so nennen konnte, bestand nur aus einer Wohnküche und einer kleinen Toilette. Ein größeres Bad konnte ich nirgends finden. Es war nicht dreckig oder muffig, aber unaufgeräumt und etwas chaotisch. Zum Glück brachte der brennende Kamin an einer Seite etwas Wärme in das Durcheinander. Vor dem Kamin auf einem alten Teppich lag ein ebenso alter Hund. Oder sollte ich lieber Wolf sagen? Sein Fell war ursprünglich bestimmt schwarz gewesen, doch jetzt mit dem Alter war es mit jeder Menge weißen Strähnen durchzogen. Er schien dazu auch noch taub zu sein, denn er zuckte nicht mal mit den Ohren, als der Mann die Tür hinter mir wieder schloss und auf das Sofa deutete, welches vor dem Kamin stand.
      Jetzt war ich sowieso einmal hier drinnen gefangen, es war also zu spät, weswegen ich mich nicht lange bitten ließ und mich auf diesem niederließ.
      Der Mann schien sich noch nicht mit mir unterhalten zu wollen, sondern drehte sich einfach nur zu der kleinen Küchenzeile um und setzte Wasser auf.
      Ich konnte ihn damit endlich von nahen und im Licht betrachten. Er war nicht allzu groß für einen Mann, vielleicht 1,80m, wenn ich schätzen musste. Seine rotblonden Haare waren an den Seiten abrasiert und die restlichen zu einem Zopf auf seinem Kopf zusammen gebunden. Er sah nicht gefährlich aus, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, und auch wenn ich damit keine Ahnung hatte, so würde sich ein Vergewaltiger wahrscheinlich als erstes nicht einen Tee kochen, so wie er es gerade tat.
      »Fenchel?« fragte er mich und ich brauchte etwas länger, um zu verstehen was er meinte. Ich sprach mittlerweile so perfekt Englisch, dass mir manche nicht mehr abkaufen wollten, dass ich ursprünglich Deutsche war und erst seit wenigen Monaten in den USA lebte. Aber dieser Mann hier hatte wahrscheinlich nie so gut Englisch sprechen gelernt, weswegen sein Englisch durch den Akzent schwer verständlich war.
      Ich nickte nur auf seine Frage und wandte meinen Blick dann von ihm ab. In Gedanken versunken schaute ich ins Feuer. Auch wenn ich durch den Schock beim Erwachen meine Erschöpfung vergessen hatte, so kehrte diese nun langsam zu mir zurück. Die wohlige Wärme des Feuers und das bequeme Sofa luden einfach dazu ein.
      Meine Augen wollten mir gerade zu fallen, als der Mann zwei dampfende Tassen vor uns auf den kleinen Holztisch abstellte und sich dann selber in einen Sessel auf der anderen Seite des Tischs fallen ließ. Jetzt endlich blickte der Hund am Boden auf und seine großen braunen Augen und schauten fragend zu seinem Herrchen hinauf. Dieser kraulte seinen Hund nur kurz, bevor er ihm das Zeichen gab, dass er sich wieder hinlegen konnte.
      Um nicht noch länger schweigen zu müssen, übernahm ich die Offensive. »Ich bin Mio und es tut mir Leid, dass ich ohne zu fragen den Stall betreten habe.«
      »Ich weiß wer du bist, es hängt ein Bild von dir bei uns im Stall.« sagte der Mann zu mir. »Ich bin Malte. Ich muss dich nur leider enttäuschen, denn Charly unf Nico sind für mehrere Tage verreist.«
      Endlich wusste ich seinen Namen. Malte, das klang nordisch, was ja nicht weiter verwunderlich war, wenn er in Norwegen wohnt. Ich winkte nur ab, es war mir sogar recht, dass sie nicht da waren. Ich wusste selbst, dass es nicht fair ihnen gegenüber war, aber das Leben war nun mal nicht fair und das hatte ich bereits vor langer Zeit gelernt. Aber der Satz von Malte, dass ein Bild von mir im Stall hing, der schallte noch etwas länger in meinem Kopf nach.
      »Danke«, meinte ich dann nur, als mir auffiel, dass ich Malte noch gar nicht geantwortet hatte.
      Auch Malte schien nicht gerade ein Mann großer Worte zu sein. Ihm schienen die Worte genauso ausgegangen zu sein wie mir und deswegen schob er mir einfach eine der beiden Tassen auf dem Tisch zu und fing dann in Gedanken versunken seinen Hund zu seiner rechten zu streicheln.
      Mein Blick verfing sich wieder im Feuer. Die Flammen flackerten in allen möglichen Farben und es sah so aus, als würde nicht nur der Kamin brennen, sondern auch der Teppich, der Hund und Malte, welche genau davor saßen.
      Ich fand es komisch, dass es gerade mal Ende September war und hier bereits geheizt werden musste. In Nevada waren es immer noch jeden Tag etwa 70 Fahrenheit und so würde es auch noch eine ganze Zeit lang bleiben. An die Wärme hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, weswegen die Kälte hier für mich noch unerträglicher war als ohnehin schon.
      Ruckartig setzte sich Malte gerade hin, griff mit seiner Hand in seine Hosentasche und zog seinen Autoschlüssel, nein, es war ja meiner, heraus. Dann reichte er ihn mir über den Tisch sagte: »Hätte ich fast vergessen, den habe ich aus deinem Auto geholt und gleich abgeschlossen, das hattest du anscheinend vergessen.«
      Dankend nickte ich ihm zu und nahm ihm die Autoschlüssel ab. Kurz berührte ich seine Hand und ich war erstaunt, wie weich sie sich anfühlte, denn im schwachen Licht sah sie aus, als wäre sie von der täglichen Arbeit rau geworden. Ich steckte den Autoschlüssel in meine Jackentasche und nahm dann die immer noch dampfende Tasse Tee vom Tisch. Tee, auch so etwas, was ich schon lange nicht mehr getrunken hatte.
      »Wie lange hast du vor zu bleiben?« fragte mich Malte, während er aber den Blickkontakt zu mir vermied. Es löste ein seltsames Gefühl in meinem Magen aus, dass wir hier gemeinsam saßen, uns erst einige Minuten kannte und trotzdem keine Themen zum Reden hatten.
      »Weiß nicht, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Einen Tag, vielleicht auch zwei?« meinte ich achselzuckend. Dabei sah ich zu, wie Malte beide Augenbrauen nach oben zog.
      »So kurz nur? Charly und Nico kommen erst in zwei Tagen wieder.«
      Ich wusste nicht was er von mir halten sollte, aber ich wollte ehrlich sein. »Ich weiß, dass ich Charly damit mal wieder verletze, aber ich werde vor ihrer Ankunft wieder weg sein. Ich bin schon lange nicht mehr die Freundin, die ich einmal war und ich mache es Charly nur noch schwerer, wenn ich wieder gehe. Ich gehe nun meinen eigenen Weg.«
      Ich konnte nicht erkennen, welche Emotionen Malte nun durchflossen, überhaupt konnte ich keine Reaktion in seinem Gesicht erkennen. Er zuckte nur mit den Schultern und wandte sich dann wieder seinem Tee zu.
      »Du kannst gerne die beide Nächte bei mir schlafen, es sieht so aus, als bräuchtest du dringend mal wieder etwas Schlaf.«
      »Danke, das nehme ich gerne an.« Meinte ich und lächelte wahrscheinlich das erste Mal an diesem Tag.

      Auch wenn das Sofa nicht gerade das größte und bequemste war, so schlief ich doch gut und auch recht lange. Das war ja auch kein Wunder, immerhin hatte ich den ganzen letzten Tag im Flieger gesessen und war dementsprechend ausgelaugt gewesen.
      Als ich von den Sonnenstrahlen geweckt wurde, welche durch die kleinen Fenster zu mir herein schienen, blieb ich nicht mehr lange liegen, sondern begann den Tag mit neuer Motivation und Freude. Gestern hatte ich nur Augen für Excelsior gehabt, aber es gab ja auch noch einige andere Pferde, welche ich vermisst hatte. Vor allem Jeanie, Ocarina of Time und Happy, aber auch Grenzfee und Teufelstanz, Charelle und April Rain. Ich war gespannt was auch aus Marid dem Idioten geworden war und ob es ihn überhaupt noch gab.
      Malte konnte ich nirgends finden, weswegen ich davon ausging, dass er bereits unterwegs war. Ein Blick auf die Uhr bestätigte diese Vermutung, denn es war bereits kurz nach zwölf.
      Als ich das kleine Haus verließ, brauchte ich einen Moment um mich orientieren zu können. Bei Tag sah das Ganze schon etwas anders aus und ich war erstaunt, welch freundliche Aura das Anwesen hatte.
      Rechts von mir lag eine purpurrote Scheune mit schwarzem Dach, genau vor mir stand ein prächtiges kleines, weiß gestrichenes Gutshaus und links konnte ich zwei weitere Häuser erkennen. Eines davon sah eher nach einem Schuppen und das andere nach einem Fischerhaus aus, aber wahrscheinlich würde auch Maltes Haus nicht sehr stattlich aussehen.
      Als ich einige Schritte zurücktrat und mir das kleine Häuschen genauer ansah, sah ich auf den ersten Blick nichts als Efeu. Das ganze Haus war davon überwuchert und ich verliebte mich auf den erstes Blick. Ich seufzte. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir hier oben im Norden in der Kälte tatsächlich so gut gefallen würde.
      Den Weg in den Stall fand ich tatsächlich schneller als gedacht, sodass ich wenige Minuten später am großen Haupttor stand und zum ersten Mal den Stall im Licht der Tagessonne sah. Wie mir auch gestern schon aufgefallen war, war es ein überaus stattlicher und von hellem Licht durchfluteter Stall, welcher mich vor allem mit seinen modernen und offenen Boxen überzeugte.
      Nun waren die Boxen jedoch leer und nur das aufgeregte Zwitschern der Schwalben im Gebälk gaben Geräusche von sich.
      Ich hatte meinen Blick nach oben gewandt, sodass ich nicht mitbekam, wie der große pelzige Hund von gestern Abend auf mich zu kam. Dementsprechend erschreckte ich mich, als sich die großen dunklen Augen zu mir hinaufwandten und mich zu durchbohren schienen. Wie hieß er nochmal? Ich und mein Namensgedächntnis!
      Ich streichelte ihn kurz und begab mich dann auf die Suche nach bestimmten Pferdenamen an den Boxentüren.
      »Excelsior, Jeanie - «, murmelte ich vor mich hin und ging Box für Box ab. Nach Jeanie hielt ich kurz inne, denn der Namen an der Boxentür versetzte mir einen kleinen Stich in der Magengegend. Klar hatte mir Charly von Jelda erzählt, Jeanies erstem Fohlen, aber nie hatte sie auch nur erwähnt, dass ihr ganzer Name ‚Mios Jelda‘ hieß. Ich war zu Tränen gerührt und zum ersten Mal seit vielen Monaten fühlte ich wieder diese innige Freundschaft, welche Charly und ich so viele Jahre lang gehabt hatten.
      Braum van Ghosts kannte ich tatsächlich noch aus den letzten Wochen meiner Zeit auf Saint Gorge, Hendersin, wie auch Braddock 'The Parrot' waren mir unbekannt.
      »So viele unbekannte Pferde«, murmelte ich, als ich auch an Óslogis, Félagis und Dynurs Box vorbeiging. Isländer, dem Namen nach. Aber warum Isländer? Weder Charly noch Nico hatten sich je für diese Gangpferde interessiert!
      »Oh ha!« Sagte ich überrascht, als ich tatsächlich ein Boxenschild mit dem Namen Marid fand. Den gab es also auch noch. Ich blieb einen Moment davor stehen und versank in Gedanken bei dem Tag, an dem ich Marid das erste Mal gesehen hatte, bevor ich mir noch die anderen Boxen ansah.
      Da gab es eine Rubina und einen Khadir, sowie eine Zanyah und einen Tiramisu. Auch Bijou, Abs und Milosch kannte ich nicht. Besonders freute ich mich, dass es Charelle und April Rain überlebt hatten, immerhin hatten sie ihm gehört. Vor allem Nelly war sein absolutes ein und alles gewesen. Aber gewesen.
      Nach den beiden folgte eine Reihe Namen, die ich nie und nimmer aussprechen konnte. Worgait war davon noch der normalste, aber wer ließ sich bitteschön Himmawallajugaga, Sysahlreuth und Devrienterreuth einfallen?! Das waren doch keine Namen! Zwischendurch gab es zum Glück etwas einfaches, Raja zum Beispiel.
      So viele Namen und zu kaum einem Pferd hatte ich ein Bild im Kopf. Ein Stein fiel mir allerdings vom Herzen, als ich an den letzten Boxen die Namen Grenzfee, Teufelstanz und Aspantau und Seattle‘s Scarlett laß. Auch sie hatten es also bis hier her geschafft! Scion d‘Or und Lady Gweny kannte ich jedoch wieder nicht.
      Schmunzeln musste ich, als ich ganz am Ende, oder eigentlich auch wieder am Anfang der Stallgasse den Namen Cotsworld Eik las. So interessant er war, vor allem mich als gebürtige Deutsche erinnerte er mich extrem an K*tze.
      Besser hätte es der Zufall nicht planen können, doch kaum hatte ich meinen Rundgang beendet und war mir bewusst geworden, dass weder Happy, noch Leiðtogi oder Sleipnir, noch Ocarina of Time bei den Namen dabei gewesen waren, als ich Malte den Parkplatz überqueren sah. An seiner rechten Seite lief das hübscheste Pony was ich je gesehen hatte und das sagte ich wahrlich nicht oft. Ein hübscher Perlino Splash mit blauen Augen, dicker Mähne und dichtem Fell. Das pure Traumpferd für mich! Wäre es jedoch ein Mustang und kein Isländer, dann wäre es noch perfekter als perfekt gewesen.
      Malte sagte nichts, bis er direkt neben mir anhielt. »Du musstest anscheinend wirklich viel Schlaf nachholen. Hast du jedenfalls auch gut geschlafen?«
      Ich nickte. »Danke, so gut wie lange nicht mehr.« Bedankte ich mich und lächelte kurz. »Ist das dein Pferd?«
      Stolz blickte Malte auf den Hengst hinunter. »Ja, mein kleiner Prinz. Soll ich dir noch die anderen Pferde zeigen? Ich komme zwar gerade erst von den Weiden, aber wenn du mir nachher bei der Stallarbeit hilfst, sollte das kein Problem sein.«
      Ich nickte. »Gerne doch, es gibt einige Pferde, welche ich gerne mal wieder sehen würde.

      Die Weiden in Südfrankreich waren nichts im Vergleich zu denen hier in Norwegen. Geschützt, windsicher und umringt von Bäumen waren sie das pure Paradies für die Pferde. Ich war wirklich erstaunt, welch gutes Konzept und mit welch guter Planung Charly und Nico den Hof führten und versuchten, es jedem Pferd so recht wie möglich zu machen.
      Ich lernte all die Vollblüter kennen, vor allem Achal Tekinner, aber auch viele Araber und Englische Vollblüter, dufte die Friesen irgendeines Petyrs bestaunen und mich darüber freuen, dass mein Excelsior haufenweise Freunde um sich gescharrt hatte.
      Was mich jedoch wirklich entzückte waren die Zackelschafe. Sieben Stück und ein kleines Lämmchen, welche auf einer der Weiden lebten. Auch Malte schien von seinen Schafen begeistert und stellte mir gleich jeden mit Namen vor. Alle besaßen Cocktailnamen, das fand ich extrem witzig.
      Die große Jungpferdeweide befand sich direkt am Ufer. Der Boden war hier um einiges sandiger und auch der Wind kühler, jedoch hatten die sieben Pferde mehrere Unterstellmöglichkeiten, um sich vor der kühlen Seeluft schützen zu können.
      Meine Jeanie besuchten wir als letztes. Zusammen mit ihrem Fohlen und einer kleinen Shettystute stand sie so Gestütsnah wie nur möglich, da sie hier am sichersten waren.
      Einen Moment verweilte ich noch am Zaun und beobachtete die kleine Jelda dabei, wie sie immer wieder versuchte, die beiden anderen Stuten zum Spielen zu ermutigen. Jeanie und Belle schienen jedoch die Lust zum Toben verloren zu haben und drehten sich immer wieder weg.
      Malte musste meinen Blick gesehen haben, denn ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. »Keine Angst, es dauert nicht mehr lange und da kann die kleine Jelda mit zu den anderen Jungpferden. Sie scheint nur etwas früh entwickelt zu sein und es kaum abwarten zu können, endlich von ihrer Mutter loszukommen.«
      Ich grinste zurück und zog Malte dann mit zum Stall. »Los komm schon, die Arbeit wartet!«

      Ich hätte nicht gedacht, dass der Stall so viel Arbeit war. Meine anfängliche Motivation war schnell wieder geschrumpft und auch die norwegische Musik im Radio, welche ich als mega witzig eingestuft hatte, wurde schnell nur noch zu einer Qual. Fast schien es, als hätte ich im letzten ¾ Jahr verlernt, was es bedeutete, so viele Boxen sauber machen zu müssen.
      Malte schien dies jedoch gar nicht zu stören. Die Arbeit im Stall schien sein Leben zu sein, so als könnte er sich nie etwas anderes vorstellen.
      Erst nach mehreren Stunden hatten wir die fünfzig Boxen von jeglichem Mist befreit, die Stallgase gekehrt und allen Pferden das Heu für den Abend vorbereitet.
      »Kaffee?« fragte mich Malte, als wir beide unseren Besen an die Wand lehnten. Ich nickte und kletterte erschöpft und sehr ungelenkig auf einen Heuballen in der Stallgasse. Daraufhin verschwand Malte in der kleinen Reiterstube und kurz darauf hörte ich das vertraute Geräusch einer Kaffeemaschine. Ja Kaffee, das war wohl eines der wichtigsten Mittel, welche mich jeden Morgen auf den Beinen hielt, wenn ich in aller Frühe mein Bett verlassen musste.
      Die Zeit nach dem Kaffee verging um einiges schneller. Nachdem die Arbeit im Stall geschafft war, verlief der Tag viel angenehmer. Ich wich Malte nicht von der Seite, beobachtete ihn dabei, wie er eine junge Ponystute von der Weide holte, diese putzte und sattelte und sie dann zur Reithalle führte. Auch diese lag versteckt mitten im Wald und nur ein kleiner Pfad führte dorthin.
      Staunend beobachtete ich ihn, wie er die Stute mit viel Geduld und vor allem Gefühl an die Lektionen heranführte und wenn etwas nicht klappte, versuchte er es einfach nochmal. Er schien ein richtiges Talent fürs Trainieren zu haben und irgendwo in meiner Magengegend spürte ich einen kleinen Eifersuchtsknoten, welchen ich jedoch erfolgreich wieder verbannen konnte.
      Auch der restliche Nachmittag war vor allem pure Entspannung. Pferde und Natur, mehr gab es eigentlich nicht, was mich glücklich stimmen konnte.
      Zusammen mit Malte und seinem großen Hund, machten wir einen Spaziergang mit einigen der Jungpferden. Während Malte seine beiden Isländer Félagi und Dynur nahm, entschied ich mich für Scion und Aspantau. Vor allem Aspantau hatte sich gigantisch entwickelt und ich freute mich, dass es ihm so gut ging.
      Fast zwei Stunden waren wir unterwegs und als wir zurück zum Gestüt kamen, dämmerte es bereits leicht. Die Pferde putzten wir noch ab und brachten sie dann zurück auf die Weide.
      »Holst du sie heute nicht über Nacht in den Stall?« fragte ich Malte, als dieser gerade das große Tor des Stalls schloss. Er schüttelte nur den Kopf. »Nein, heute nicht. Die Arbeit erspare ich mir. Morgen Nachmittag kommen alle wieder, dann machen wir das zusammen.«
      Ich fragte mich, ob er mit „wir“ auch mit meinte, denn ich hatte bereits etwas anderes geplant.

      Den Abend verbrachten wir, eingehüllt in warme Decken, unten am Strand. Auf Klappstühlen, mit einer heißen Tasse Tee in der Hand und einer flackernden Kerze zu unseren Füßen blickten wir auf den Tyrifjord, über welchem bereits der helle Mond aufgegangen war und sich nun in dessen Oberfläche spiegelte.
      Ich war erstaunt, als Malte nach einer Zeit des Schweigens anfing, mir von dem Leben auf der Ranch zu erzählen, seinen Freunden und seiner Geschichte. Ich hatte Malte heute als einen überaus stillen und schweigsamen Menschen erlebt und deswegen verwunderte es mich, dass er mir nun so freizügig erzählte.
      Irgendwann fing auch ich an, ihm vom Leben in der Wüste zu erzählen und es schien ihn ehrlich zu interessieren, so als ob er mich und meine Entscheidung verstand. Ich war ihm überaus dankbar, mit wie wenig Vorurteilen er an mich heran getreten war, obwohl er wusste, dass ich Charly und vielleicht auch Nico enttäuscht hatte.
      Es war bereits spät nach Mitternacht, als wir unseren schönen Platz aufgaben und zurück zum Hof gingen. Diesmal kam mir der Flur bereits gar nicht mehr so unheimlich vor und auch an das flackernde Licht schien ich mich gewöhnt zu haben. Ohne viel Umschweife zog ich mir meine dreckigen Kleider aus und schlüpfte unter die warme Decke des Sofas. Malte wünschte mir noch eine gute Nacht und bevor er das Licht gelöscht hatte, war ich eingeschlafen.

      Am nächsten Morgen wachte ich in aller Frühe auf. Perfekt, genau zur richtigen Zeit. Malte schlief auch noch und so zog ich mir langsam meine Kleidung wieder an, schnappte mir meine Tasche und wollte die kleine Wohnung verlassen. Kurz bevor ich jedoch die Türklinke nach unten drückte, überlegte ich es mir nochmal anders und kritzelte mit zitternder Hand auf einen kleinen Zettel:
      Danke für alles!
      Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann nochmal wieder.
      Mio
      Es tat mir Leid, dass ich ihn ohne ordentliche Verabschiedung wieder verlassen würde und doch war das mein neues ich. Ich war sprunghaft geworden, wollte mich mit keinem anderen Ort mehr verbinden und am besten mich mit keinem anfreunden. Ich lebte nur noch für Nevada, für die Mustangs, für Addison und für mich.
      Der Mietwagen brauchte etwas länger um zu starten, der Motor schien etwas eingefroren zu sein. Doch als er endlich startete, verließ ich die Ranch ohne einen Blick zurück zu werfen. Hätte ich es getan, so hätte ich bestimmt den jungen Man gesehen, welcher vor seiner Haustür stand und mir mit einem kleinen Lächeln nachlächelte.

      Etliche Stunden später landete der Flieger auf dem Flugplatz in Las Vegas. Es war ein Las Minute Flug gewesen und dementsprechend ramponiert und unbequem war der Flug gewesen. Zum Glück hatte ich so die verlorenen Schlafzeit jedenfalls etwas wieder aufholen können.
      Vor dem Gebäude, angelehnt an seinen dunklen Jeep, wartete Addison auf mich. Er hatte seinen Hut tief ins Gesicht gezogen und ich konnte sehen, wie er jeden an ihm vorbeikommenden Passanten mit zusammengekniffenen Augen musterte.
      Ich musste bei seinem Anblick lächeln und als auch er mich erblickte, streifte sein Blick als die Erlebnisse von Norwegen von mir ab. Ich hatte mein Gewissen mit diesem Besuch nun endlich beruhigt und es war Zeit, nun nur noch hier und jetzt zu leben.
      Ich stieg auf der Beifahrerseite ein und kurz darauf schlängelte sich das brummende Gefährt durch die vollen Straßen von Las Vegas, genau auf den Red Rock Canyon zu.

      [FS 258] Alle Fohlen
      06. März 2017 -- Rinnaja
      Es war mal wieder so weit ich wollte mit einer meiner Fohlen an ein Fohlen Show Teilnehmen. Ich machte Lady Fantasy und PFS` Scion d´Or Fertig und lief eine weile mit beiden auf den Platz. Bis eine stimme sagte Rinnaja mit PFS` Scion d´Or Bitte in die Reithalle. Ich machte mich auf weg und Sascha der bei war machte PFS` Scion d´Or los damit sie neben hiere Mutter frei neben her laufen konnte. Erst im Schritt ein paar runden und den im Trab. Der Trab gefiel mir sehr gut da sie ein Traumhafen Trab hatte. PFS` Scion d´Or war ein sehr neugierig Fohlen und blieb oft Stehen um nach den Zuschauer zu gucken lief aber im Galopp den uns Hinterher um uns ein zuholen. Als wir den im Trab übergingen wurde das Fohlen auch schneller. Es kamm nun seine Verspieltheit raus und er Huft und rannte in der Halle umher. Sie war schon ein kleiner wild fang und auch ein wenig außer Kontrolle grade aber die Richter nahmen das mit Humor. Als wir den wieder die gang art wechelten im Trab und danach im Schritt blieb das Fohlen ganz nah bei hier Mutter wir blieben kurz in der Mitte stehen und PFS` Scion d´Or guckte neugierig in allen Richtungen. Die Fell farbe von PFS` Scion d´Or hat es mir auch echt angetan aber viele guckten sehr neugierig auf das Fohlen also dachte ich mir das ich nicht die einzig war die die Farbe mochte. Zum Schluss verabschieden wir uns und gingen aus der Halle. Ich klopfte Lady auf die schulter und lobte sie. Sascha hatte inzwischen PFS` Scion d´Or wieder ran gemacht und beide gekommen noch eine Möhre weils Belohnung.

      24. März 2017 -- sadasha
      „Hunter, mein Lieber. Du hast nicht zufällig Lust auf Urlaub in den Niederlanden? Die Sprache ist ja fast wie Deutsch.“ Rinnaja steckte zur Zeit mitten im Umzug nach Europa und hatte schon einige Pferde hergeholt. „Mhmmm...“ brummte ich ein wenig widerwillig, da ich eigentlich genug auf meinem eigenen Hof zu schaffen hatte. „Bitte Hunter! Es sind auch erst ein paar Pferde im neuen Stall. Ich kann mich leider nicht zweiteilen und sowohl in Kanada als auch in Holland sein.“ erklärte sie und ich knickte ein. „Na gut.“ knurrte ich. „Wann kannst du da sein?“ schoss es gleich hervor noch bevor ich meine Antwort weiter ausführen konnte. „Ich melde mich nochmal, gib mir einen Moment.“ Klagend legte Rinnaja auf. Sie hätte die Hilfe am liebsten sofort vor Ort gehabt, aber eine Reise aus England musste geplant werden, wenn man nicht an x Stellen stundenlang warten wollte. Während meiner Suche nach einem guten Flugangebot schrieb mir meine Freundin ununterbrochen bei WhatsApp und hakte nach ob ich etwas gefunden hatte oder ob nicht dieses oder jenes Angebot geeignet wäre. Schließlich fand ich ein Angebot für morgen Vormittag. Last Minute mit genug Zeit um die wichtigsten Angelegenheiten in England noch abzuhaken.
      Ich kümmerte mich am Vormittag noch um meine Jungpferde Vikar, Mephisto, Raving Hope Slayer, PFS' Strolch, PFS' Savory Blossom und CHH' Classic Spring. Dass ich am Nachmittag in ein fast identisches Gesicht wie das von Strolch schauen würde, wusste ich da noch nicht.
      Die Reise verlief zum Glück etwas ruhiger, als der Abend zuvor und relativ entspannt kam ich in Holland auf Rinnaja's neuem Gestüt an. Schön hatte sie es hier und ich war gespannt was sie aus dem Konzept der Ställe in Holland machen würde. Meines Wissens nach wurden Reitställe hier wie Restaurants mit Sternen bewertet. Für mich stand natürlich außer Frage dass Rinnaja ihren Stall zu einem fünf Sterne Stall machen würde. Sie hatte jedenfalls genug Potential dafür mit dem Anwesen und den Pferden. Staunend blicke ich mich um und fand meine Freundin schließlich, wie sie schnellen Schrittes Richtung Wohnhaus lief. „Hey Rinnaja, ich bin da!“ rief ich ihr hinterher, damit sie stehen blieb. „Gut dass du da bist, Hunter! Danke.“ sagte sie und schob mich ins Wohnhaus, wo sie mich erstmal mit Kaffee und Kuchen versorgte. „Das wird ein Ritual oder?“ fragte ich grinsend und nahm dankend platz. Während wir da saßen erklärte mir Rinnaja, dass sie noch heute wieder nach Kanada abreisen würde um weitere Pferde für die lange Reise fertig zu machen. Ich sollte mich heute nur um Ashinta, Lady Fox, PFS' Scion d'Or und LMR Sunny Boy kümmern.
      Das kleine Vollblut Scion d'Or war Stromer wie aus dem Gesicht geschnitten, fast genau so wie mein Strolch, nur dass Scion ein Cremello war. Strolch hingegen war ein Palomino. Auch charakterlich gleichen sich die beiden wie ein Ei dem nächsten. Es machte Spaß mit Scion zu arbeiten und sie lernte schnell wie sie sich bei mir verhalten sollte. Auch die anderen Fohlen machten sich trotz des Umzugs und der neuen Person um sie herum ganz gut. Da Rinnaja im Stress war sah ich sie nur noch zum Abschied nehmen am Abend. Kaum hatten wir Tschüß gesagt verschwand sie auch schon. Neben den Fohlen stand auch Solsikke schon im neuen Stall. Die Knabstrupperstute wurde allerdings heute schon genug bewegt und so machte ich mich mit ihr erst am nächsten Tag bekannt. Für heute war es nun schon zu dunkel. Zur Sicherheit ging ich noch einmal jede Box ab und kontrollierte die Türen. Auch die Zugänge zum Stall überprüfte ich, bevor ich mich ins Gästezimmer des Wohnhauses begab um den Abend ausklingen zu lassen.

      22. Mai 2017 -- Rinnaja
      Heute wollte auf den Hof Lake Mountain Ranch wenig mich um meine Pferde Kümmeren. Sascha u Coline waren schon fleißig. Auch Luchy Montrose war schon unter wegs und beschatige sich mit ihren Pferden. Ich ging zu Hengst Weide und guckte mir alle Hengst an. Ich fing mit Sir Fashion, Lughnasadh, Majd, A King of Magic, Waking up as a Malik, Spencer, Ceasar, Otto und LMR Sunny Boy und guckte mir alle in Ruhge nach und nach an ob die verletzungen oder sonstig beschwereden hatte. Neben bei Fühlte ich die 3 Badewannen voll Wasser wieder Richtig auf.Da ich immer die Weiden abtrennte damit sie nicht alles gras sofort runter fressen konnten machte ich ein weider Stück der Weide auf und gleich lief die bande auch rüber um da ihre gewöhnheit weiter zu gehen. Sir Fashion stand nur bei mir und hoffte das er ein Leckerlie abstauben konnte und ein wenig Streichel einheiten bekamme was er naturlich von mit bekammt. Als alles auf der Weide Fertig war bei den Hengst ging ich rüber zu meinen Stuten naturlich standen sie alles zusammen mit Luchy Montrose Pferd. Auch ihr machte ich ein Kontroll gang und fing mit LMR Fashion Girl an und ging weiter zu Lady Fantasy die langsam immer mehr vertraunen gefasst hatte zu mir.Es ging weiter zu Walking on Sunshine und Fantastic Sonata auch die beiden sahen super aus und hatten keine Wunden oder schmerzen gehabt so ging mein Rund gang weiter zum nästen Pferde. Des war des war Sunny Empire und Funny Sugar die beiden Stuten waren diesen Monat geboren und auch ihre guckte ich ob alles okay sein bei beiden. Mitlerweile war Malika form Vegas und Fannie Mae bei mir angekommen und hofften auch was von mir abzustauben. Naturlich bekammen sie was und ich machte ein Kontrolle bei den beiden bis auch PFS´Scion d´Or bei mir angekommen war sie hatte auch gemerkt das leckerlies verteilte und gab ihr auch was. Nur Mystic Fantasy Dahlia stand am rande und guckte nur zu was ich da machte sie war zu sehr mir grass fressen beschaftig so beschlos ich auch kurz zu ihr zu gehen um zu gucken ob alles bei ihr okay war und gab ihr auch was. Mitlerweile war auch Luchy Montrose auf der weide und kontrolliere Heu und Wasser brauchte ich das nicht machen und konnte noch mal in den Stall gehen und da meine Arbeit weiter machen.
    • Gwen
      Leben auf Sandringham Manor

      chapter three | 11. Juni 2017
      „Ah, der allseits beliebte sterbende Schwan.“

      Snafu öffnete die Augen, blinzelte gegen das helle Licht im Zimmer an und drehte seinen Kopf in Richtung Tür. Leslie lehnte gegen den Türrahmen mit einem selbstgefälligen Grinsen auf den Lippen.
      Eine böse Bemerkung unterdrückend seufzte er nur und schloss wieder die Augen. „Nicht jeder kann in Kalifornien aufwachsen.“

      „Snafu, es hat 22 Grad. Celsius.“

      „Es fühlt sich an, als wäre ich in der Hölle gelandet.“

      „In einer Hölle, in der Ezra extra nach dir rufen lässt, damit du auch ja nichts verpasst. In so eine Hölle möchte ich auch mal kommen.“

      Innerhalb von Sekunden war Snafu vom Rücken auf den Bauch gerollt, um Leslie besser ansehen zu können. Ihr Grinsen war ein wenig gedämpfter, dafür blitzten jetzt ihre Augen gefährlich. Das registrierte er aber erst einmal nicht, genauso wenig wie die eigentlichen Worte, die sie gesagt hatte. Einzig und allein, was sie damit eigentlich sagen wollte, kam in seinem hitzegeschädigten Gehirn an. „Er tut’s? Jetzt?“

      Ohne auf eine Antwort zu warten, versuchte er, seine Beine so schnell wie möglich unter sich zu bringen und rannte an Leslie vorbei in den Flur. In den paar Wochen, in denen Scion d’Or auf dem Gestüt stand, hatte sich Snafu Hals über Kopf in die junge Stute verliebt. Und wenn das passierte, konnte er das einfach nicht verbergen – schon gar nicht erst vor seinem Trainer. Ezra hatte das sonst eigentlich immer ohne Kommentar so stehen gelassen, deswegen hatte sich Snafu auch nicht wirklich Chancen ausgerechnet.

      Da sollte nochmal jemand behaupten, Ezra Thompson steckte nicht voller Überraschungen.

      Schwer atmend kam er schließlich an dem kleinen Hof vor den Außenboxen an, in denen Goldie bis jetzt noch untergebracht war. Mit einigen Sekunden Verzögerung kam auch Leslie an – gerade, als Ezra den Cremello mit Trense und Sattel aus der Box führte. Als der Trainer ihn entdeckte, winkte er Snafu her und drückte ihm ohne großen Kommentar die Zügel in die Hand. Mit wachem Blick sah sich Goldie um, blieb aber ruhig stehen, als Ezra am Sattel rumwerkelte.

      Die Steigbügel wurden runtergelassen, nachgegurtet, dann stemmte der Trainer sich in den Bügel. Snafu sah, wie Goldie kurz mit den Ohren zuckte, aber sonst ruhig weiter atmete und ihn ruhig anblinzelte – als würde sie durch ihn hindurch gucken und – ja, das klang verdammt kitschig, aber so war Snafu nun mal und so war er schon immer gewesen – direkt in seine Seele. Das hatte er bis jetzt schon ein paar Mal bei Pferden gehabt; irgendwie sah er es auch als Sign of Approval, da noch kein Pferd schreiend weggerannt war.

      Am liebsten hätte Snafu erzählt, dass er unentwegt Augenkontakt mit dem besten Pferd der Welt hatte, aber wenn er ehrlich war, starrte er nur irgendwo in die Halbferne, als Ezra plötzlich seinen Namen ruf. Wie ein Hund sah Snafu auf – weil sein Trainer mittlerweile im Sattel saß. Goldie sah ein bisschen angespannter aus und trippelte ein paar Schritte zur Seite. Nach ein paar Sekunden schnaufte sie einmal tief durch, dann blieb sie stehen.

      Bis auf das Strohrascheln in den anderen Boxen war es still – nicht einmal Leslie machte eine blöde Bemerkung. Aus dem Augenwinkel sah Snafu, wie sie an die Box von Dark Innuendo, einem Warmblut mit dem sie wahrscheinlich nie etwas zu tun haben würde, trat und versuchte, mit ein paar wilden Handbewegungen die junge Stute herzulocken. Kurz darauf stieg Ezra wieder ab – immerhin musste man es ja nicht gleich übertreiben – und Snafu kramte ein paar Leckerli als Belohnung aus seiner Jeans.

      Ezra klatschte in die Hände; Goldie drehte sich kurz verwirrt zu ihm um, dann widmete sie sich lieber dem Leckerbissen auf Snafus Handfläche. „In ein paar Wochen geht das Training los, schätze ich mal.“
      Snafu zog eine Augenbraue nach oben, wagte es jedoch nicht, dem Trainer zu widersprechen. Viel mehr machte er sich daran, Goldie vor der freien Box anzubinden und die Ausrüstung wieder abzunehmen.

      „Früher oder später steht sie im B-Stall, das ist dir bewusst?“ fragte Ezra, nachdem er dem Treiben für einige Minuten zugeguckt hatte. „Ich mein, das ist ein ganz schönes Stück zu laufen. Das traust du dir zu?“

      Mitten in der Bewegung fror Snafu ein, dann drehte er sich zu seinem Trainer um. Nonchalant lehnte er sich an die Wand zwischen zwei Boxen, die Hände in die Hosentaschen gestopft, aber sein Gesicht schmunzelte verschmitzt.

      Kaum hatte Goldie das Gebiss aus dem Maul gehabt und war von Snafu in die Box geführt worden, hatte sie sich auf das Heu in der Raufe gestürzt. Kurz sah Snafu ihr zu, klopfte ihr noch einmal den Hals und schnappte sich dann den Trainingssattel samt Decke.

      „‘Nen Versuch wärs wert,“ murmelte er und verlagerte den Sattel auf den linken Vorderarm. Dann räusperte er sich. „Wenn sie Rennen laufen soll, dann würde ich mich wirklich freuen, wenn ich ihr Jockey sein darf.“

      Ezra nickte, mehr für sich. Es dauerte kurz, dann kam aus dem Hintergrund ein Prusten. Snafu stellte sich auf die Zehenspitzen, damit er Leslie über die Schulter des Trainers ein schmallippiges Grinsen zeigen konnte – seine Hand hatte kurz gezuckt, aber wer weiß, wie Ezra das auffassen würde. Leslie streckte ihm die Zunge raus.

      Bevor Snafu aber noch etwas tun könnte, was ihm die Chance seines Lebens komplett vermiesen könnte, fuhr Ezra wieder fort, komplett unbeirrt von den Kindeleien, die hinter ihm abgingen. Er sah nur auf die Uhr und fuhr sich dabei durch die dunklen Haare. „Dann sehen wir uns in 24 Stunden.“ Er drehte sich halb um, jetzt an Leslie gewandt. „Das Gleiche gilt für dich.“

      Leslie konnte gerade noch ihren ausgestreckten Mittelfinger in einer mehr oder weniger (und vor allem sehr gewollten, das gab Abzüge in der B-Note) coolen Bewegung hinter ihrem Rücken verschwinden. So viel zum Thema „Ich weiß gar nicht, wieso du solche Angst vor Ezra hast, der ist doch wie ein großer Bruder, vor dem würde ich nichts verstecken!“, liebe Leslie.

      Die andere Hand hob sie als Mock-Salut an die Stirn. „Aye aye, sir.“

      Ezra drehte sich wieder um und rollte die Augen. Gott, dass musste Snafu Leslie so schnell wie möglich unter die Nase reiben. Mit einem Das-bleibt-unter-uns-Blick stieß der Trainer sich schließlich von der Zwischenwand der Außenboxen ab. Als er um die Ecke Richtung A-Stall war, schulterte Snafu die Trense und machte sich in Richtung Sattelkammer los. Leslie, die natürlich nichts trug, schlenderte neben ihm her.

      Wie ein Seitenblick verriet, mit einem selbstgefälligen Grinsen. Typischer Fall von Narzissmus.

      Als sie von ihm nur ein böses Funkeln erntete, lachte sie schallend los und legte freundschaftlich den Arm um seinen Nacken. „Ich glaube, jemand ist verlieeeebt,“ trällerte sie und hörte nicht einmal auf, als Snafu die Sattelkammer wieder hinter sich schloss. Mittlerweile war vor den Außenboxen reger Betrieb; Esthers Enkel führten zusammen mit Sophia Graham, der Tochter der Dressurtrainerin, die Pferde auf die Weide. Bucky, eine kräftige Holsteinerstute, hatte Sophia genommen; die Ponys Cíola und Medeia wurden von den zwei jungen Fitzalan-Mädels geführt. Als sie Leslie singen hörten, drehten sie sich um – Snafu konnte aus der Entfernung zwar den genauen Gesichtsausdruck nicht sehen, aber er würde sein gesamtes Geld darauf verwetten, dass sie blöd guckten. Mit einem Stoß in die Rippen machte er Leslie darauf aufmerksam. Sie winkte den dreien wild zu und jagte den beiden Fohlen, die Bucky und Medeia begleiteten, einen ordentlichen Schrecken ein; das Rappfohlen verkroch sich hinter Bucky, während der Rotfalbe wie erstarrt stehen blieb. Um die Babys nicht noch mehr zu verunsichern, packte Snafu Leslie am Ellenbogen und zog ihren Arm wieder runter.

      Als sie ihn verwirrt ansah, erklärte er: „Du verschreckst die Kinder.“

      „Aber du mit deiner Visage nicht?“

      chapter seven | 26. September 2017
      Hi Grams,

      ich hoffe, für dich ist das in Ordnung, dass ich einen Brief schreibe und dich nicht anrufe. Außerdem kann ich mich so ein bisschen sammeln und wirklich alles erzählen, was in den letzten Wochen so passiert ist – so leg ich auf und plötzlich fallen mir 1000 Dinge ein, die ich dir nicht gesagt hab.

      Langsam aber sicher lebe ich mich wirklich ein, und langsam fange ich auch an, mich mit meiner Mitbewohnerin anzufreunden.

      An diesem schicksalhaften Tag, ab dem sich Bernie und Leslie nicht mehr wenn möglich mieden, war eine ganz besonders fiese Aufgabe dran gewesen. Nach zwei Monaten auf dem Sandringham Manor schien es Bernie, als würden die Trainer sie testen wollen. Unter dem Vorwand, Blurrys Kondition aufzubauen, schickten sie das Reiter-Pferd-Duo auf die Geländestrecke, auf den Springplatz, in die Reithalle oder den kleinen Platz beim Stall. Die einzige, die nach den Trainingseinheiten außer Puste war, war jedoch Bernie. An eben diesem Tag war sie mit Frank am Springplatz verabredet.

      England zeigte, dass es nicht umsonst den Ruf für das schlechteste Wetter weghatte. Die Sonne war die letzten Tage kaum rausgekommen und es regnete unentwegt – mal stärker, mal schwächer. Als Bernie Blurry auf dem Reitplatz abritt, begann es gerade, zu nieseln. Eigentlich sollte das ja kein Hindernis sein, dachte sie. Blurry war zwar nicht wirklich begeistert von dem Regen, aber wenigstens war sie konzentriert und ließ sich von dem bisschen Regen nicht ablenken.

      Dachte sie. Innerhalb von zwanzig Minuten klebte ihr das dünne Sweatshirt auf der Haut, sie blinzelte immer wieder Tropfen aus den Augen, und vom Schirm ihres Helmes hing der Nieselregen in ihr Gesichtsfeld. Sie tat ihr Bestes, sich trotzdem auf den Hengst unter ihr zu konzentrieren – ohne Erfolg. Blurry merkte, dass sie nicht komplett anwesend war, und nutzte das aus. Er überlegte sich zweimal, ob er die Schenkelhilfe annahm oder nicht, und so hatte Bernie alle Hände voll zu tun, den Rappen überhaupt in einem annehmbaren Tempo zu reiten.

      Normal kam sie mit Painted Blur super aus. Er kam ihr auf der Weide entgegen und brummelte sie an, wenn sie die Boxentür öffnete. Und normalerweise waren sie auch im Training ein ganz gutes Team. Aber heute rannte er bei jeder Gelegenheit an den Hindernissen vorbei, und ein paar Mal sah sich Bernie schon in die bunten Stangen krachen weil sie den Sprung gerade so geschafft hatten. Von der Mitte der Bahn kam kein einziger Kommentar, keine Hilfe. So viel zum Thema Blurry trainieren – würde es hier wirklich um den Hengst gehen, würde Frank darauf achten, dass er ordentlich lief.

      Stattdessen wurde sie nach einer halben Stunde Qual endlich erlöst. Bis dahin war ihr Sweatshirt komplett durchnässt, auf den Schenkeln ihrer Reithose waren zwei dunkle, nasse Flecken, die Beine fühlten sich schwer und steif an. Während Blurry im Solarium stand, lehnte Bernie sich an die Stallwand daneben. Im Stall war Abendbetrieb; die Stallburschen (deren Namen Bernie sich ums Verrecken nicht merken konnte) liefen mit ihren Schubkarren voll Futtereimer hin und her. Wirklich viel hatte Bernie noch nicht mit ihnen geredet – und wenn, dann war es auch eigentlich nur Cat, die mit ihnen redete, und Bernie, die blöd danebenstand. Das bedeutete, dass Bernie die Sekunden, die Blurry noch brauchte, einzeln herunterzählte.

      Irgendwann war es dann doch soweit. Blurry stand in seiner Box, kaute auf seinem Heu mit seiner Abschwitzdecke auf dem Rücken und wenigstens diese Aufgabe hatte Bernie erfolgreich abgeschlossen. Im Mitarbeiterhaus stand schon eine große Schüssel Spaghetti in der Küche, aber trotzdem schleppte sich Bernie erst einmal in ihr Zimmer. Sie schälte sich aus den nassen Klamotten und schlüpfte in eine bequeme Jogginghose, bis sie sich mit einem Handtuchturban auf dem Kopf auf ihr Bett fallen ließ.

      Sekunden später quietschte die Zimmertür und fiel kurz darauf wieder ins Schloss. Bernie unterdrückte ein Seufzen. In den letzten Monaten hatte sie sich mit ihrer Zimmerpartnerin mehr schlecht als recht angefreundet. Seit Tag 1 hatte sie das Gefühl gehabt, Leslie hätte sie am liebsten auf dem Misthaufen entsorgt. Auch jetzt sagte Leslie kein Wort – Bernie hörte nur ihre Füße über den Boden tapsen, dann das leichte Stöhnen des Drehstuhls als sie sich draufsetzte.

      Gerade wollte sich Bernie aufraffen, die Augen aufmachen und etwas essen, damit sie so früh wie möglich ins Bett und den Tag hinter sich bringen konnte, da klingelte ihr Handy. Für zwei Sekunden starrte sie die Decke über sich an, dann setzte sie sich auf, griff nach dem Handy – und sah, dass Leslie sie wie versteinert anstarrte.

      Ein paar Augenblicke verstrichen. Das Handy verstummte wieder, Leslie räusperte sich und sah auf die Unterlagen vor ihr auf dem Schreibtisch hinab. Bernie öffnete den Mund, wollte sich schon flüchtig entschuldigen, da fing Leslie an.

      „Weißt du, zufällig wollen Snafu und ich später mit der vierten Staffel anfangen. Also –“

      Bernies Mund blieb offen. Sie hatte keine Ahnung, wer oder was Snafu war aber … naja, sie hatte nichts zu tun und sie hatte die vierte Staffel wirklich noch nicht angefangen. Um ehrlich zu sein, hatte sie ihren Netflix-Account noch nicht mal angefasst, seit sie in England war. Und es klang ein bisschen ach einem Friedensangebot, also –

      „Klar, wieso nicht?“ sagte sie und versuchte sich an einem flüchtigen Lächeln. „Aber ich glaub ich muss erstmal duschen. Und essen. Also, wenn das –“

      „Klar! Klar klar, kein Problem.“ Der Stuhl rollte über den Boden, als Leslie aufstand und Richtung Tür lief. „Ich lass dir noch ein paar Spaghetti übrig, ja?“

      Dann fiel die Tür ins Schloss.

      Du brauchst dir also keine Sorgen mehr über mein nicht vorhandenes Sozialleben machen. Ich hab Cat zum Ausreiten und dank Leslie lern ich auch langsam den Rest der Leute hier kennen. Du brauchst mir also keine Links zu fremden Facebookprofilen schicken.

      Was auch neu ist: ich hab jetzt ein echtes eigenes Pferd zugeteilt bekommen. Sein Name ist Ares und er ist so ziemlich das komplette Gegenteil von Blurry. Also – komplett. Das hat meine Trainer aber nicht davon abgehalten, uns gleich mal auf eine Kür zu schicken.

      Nicht nach unten gucken. Nicht zu verkrampft lachen. Bernies Hände klebten an dem Kunstleder der weißen Handschuhe. Sommer war schön, und Turniere waren toll – auf beides zusammen konnte sie aber getrost verzichten. Sie hatte das schwarze Jackett erst angezogen, als sie sich gemeinsam mit Cat auf den Weg vom Abreiteplatz zur Dressurbahn machte, aber trotzdem würde sie es am liebsten wieder ausziehen. In eine Ecke schmeißen und die nächsten paar Wochen nicht ansehen, bis es endlich Herbst wurde.

      Ares war erst vor wenigen Tagen angekommen. Für Bernies Geschmack war es viel zu früh, ihn schon auf einer Schau vorzustellen – sie hatte ihn nur drei Mal reiten können, und wirkliches Training war auch nur die letzte Einheit. Aber wenn Mrs Fitzalan sich etwas einbildete, dann konnte man sie davon nicht abbringen; so viel hatte Bernie bis jetzt gelernt. Deswegen nahm sie entschieden die Zügel auf, lächelte Cat kurz zu und ließ Ares dann in die Bahn traben.

      Seine Gänge waren noch komplett neu für sie. Mit viel Konzentration saß sie sich in den Sattel ein, streckte die Beine nach unten und hoffte, dass sie nicht wie ein Gummiball auf dem Rücken herumhüpfte. Nicht nach unten gucken. Ein bisschen hektisch grüßte sie die Richter hinter dem Buchstaben A, dann ging es erst richtig los.

      Hauptsächlich im Trab bewegte sich das Duo durch die Bahn, anfangs auf der linken Hand. Ares‘ Ohren waren stets gespitzt und für Bernie schien es, als würde er überlegen, ob er lieber brav die Kür weitermachen würde oder ob er eine Show für das Publikum hinlegen sollte. Wirklich sicher war sie sich noch nicht, aber Bernie hatte das Gefühl, dass Turniere mit dem Hengst wirklich Spaß machen würden.
      Im Galopp lenkte sie den Hannoveraner auf einen Mittelzirkel und parierte ihn dann in den Schritt durch. Sie öffnete die Hände ein bisschen, ließ ihm die Zügel länger. Gleichzeitig versuchte sie, nicht zu arg mit der Hüfte mitzugehen; Ares hatte einen weitaus raumgreifenderen Schritt als Blurry, da war die Gefahr groß, wie ein nasser Sack auszusehen. Nach einer Kehrvolte ließ sie ihn auf der rechten Hand wieder antraben. Halbwegs durch.

      Bis der zweite Galopp kam, funktionierte alles noch super. Dann hatte Bernie das Gefühl, Ares‘ Konzentration schien langsam aber sicher zu schwinden. Mit Ach und Krach sahen die Schlangenlinien mit drei Bögen noch halbwegs passabel aus, der Übergang zwischen Schritt und Trab ginge auch schöner, aber letzten Endes steuerte Bernie Ares wieder vor den Richtertisch, verabschiedete sich und trabte schlussendlich aus der Bahn.

      Ares‘ Ohren drehten sich in alle Richtungen als er aus der Arena schritt. Der Moderator kündigte das nächste Paar an, überall auf dem Platz standen andere Pferde und noch viel mehr Menschen. Trotzdem ließ er sich mit einem leichten Zügelzupfen durchparieren. Cat tauchte an seiner Seite aus und half Bernie aus ihrem Jackett.

      Außerdem kann ich jetzt endlich auch mal mit den Youngsters arbeiten – nicht viel, aber definitiv mehr als daheim.

      Von heute auf morgen hatte das Wetter in England von ganz-okay-ich-mein-für-England-ist-das-ganz-gut-auch-wenns-in-Kalifornien-wärmer-und-sonniger-ist-wir-wissens-langsam-Leslie-Sommer in Herbst umgeschlagen. Aber komplett Herbst: Den einen Tag wachte Bernie noch auf, weil ihr die Sonne ins Gesicht schien, den anderen sah sie draußen nur noch grau.

      „Gewöhn dich dran,“ riet ihr Leslie am Frühstückstisch. „Ich hoffe, du hast genug Socken dabei. Und Pullis. Und Regenjacken.“

      Snafu, dessen Gesicht halb in der Cornflakes-Schüssel hin, stöhnte in seine Milch hinein. „Oh mein Gott, Regenjacken.“ Leslie grinste ihn daraufhin breit an, also musste das wohl irgendein Insider sein.

      „Solange ich nicht wieder im Regen Zäune kontrollieren muss,“ grummelte Bernie.

      „Viel besser.“ Leslies Grinsen wurde noch breiter.

      Viel besser stellte sich schnell heraus als halb-freier Tag. Der Hufschmied kam und die Jocks waren dafür zuständig, dass die richtigen Pferde zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und nachdem die Großen soweit fertig waren, schickte Heath Walsh eine Delegation der Stallburschen und eine Delegation der Jocks auf die Weide der Junghengste.

      Mit Jungpferden hatte Bernie wirklich lange nichts mehr unternommen – zuhause in Boston stand ein Dreijähriger in der Box neben Bernies Pflegepferd, also hatte sie eben auch mal die Box gemistet oder ihn auf die Koppel geführt. Recht viel mehr war das ja jetzt auch nicht, sagte sie sich als sie einem Holsteiner namens Painted Taloubet das Halfter aufzog. Das ließ er zwar ganz gut mit sich machen, aber irgendetwas an ihm sagte Bernie, dass sie später lieber aufpassen sollte.

      Mit vier jungen Hengsten ging es in Richtung A-Stall. Vor Bernie und Taloubet dackelte ein fast schon ausgewachsener Hannoveraner namens Dark Royale, dahinter kamen Leslie mit ihrem Gambit und ein Connemarahengst, der von allen nur Donnie genannt wurde.

      Im Stall angekommen wurden die Stallburschen dazu verdonnert, beim Halten zu helfen. Gerade wollte sich Bernie hinsetzen, da tauchte auf einmal Cat vor ihr auf. Und deswegen war es heute nur ein halb-freier Tag: das Training fiel zwar aus, aber trotzdem rannten alle wie verrückt hin und her. Cat und Bernie halfen im B-Stall aus, trennten die beiden Fohlen in den Außenboxen für ihre Mama, damit vor allem das Hengstfohlen in nächster Zeit in eine Herde mit Gleichaltrigen kam. Der Rotfalbe machte das schon ziemlich routiniert mit, nur das Stutfohlen wieherte immer wieder nach der Mama – die natürlich ebenso herzzerreißend antwortete. Genauso lautstark war dann die Begrüßung, als beide Fohlen zurückkamen.

      Wirklich viel mehr ist in den letzten Wochen nicht passiert. Ich weiß, du kannst es nicht glauben, aber ich möchte dir jetzt nicht jeden Tag einzeln aufdröseln.

      Sag allen daheim liebe Grüße von mir.

      Bernie xx

      chapter nine | 11. November 2017
      -- Leslie --

      Oktober war Leslies Lieblingsmonat. September war immer noch ein bisschen Sommer, und November schon fast Winter; der Oktober war noch nicht ganz bitterkalt, die Blätter waren schön bunt – und es war Jagdzeit.

      Am liebsten hätte sie dieses Jahr ja selbst mitgemacht. Nicht unbedingt mit Gambit, natürlich, aber irgendein Pferd hätte sich schon gefunden. Blöderweise fand dieses Jahr die Jagd auf Sandringham Manor statt – und alle Jocks hatten Teilnahmeverbot gekriegt. Irgendwo verständlich, aber wirklich begeistert war Leslie nicht gewesen.

      Also hatte sie das Nächstbeste getan und sich Hals über Kopf in die Organisation geschickt. Zusammen mit Logan war sie die Strecke mehrmals abgeritten, hatte Pferde vom Flughafen abgeholt, auf die umliegenden Höfe verteilt und fuhr diese täglich ab. Das füllte so ziemlich den ganzen Tag, sodass sie jeden Abend todmüde ins Bett fiel – zum Leidwesen von Bernie und Snafu. Bernie, weil sie selbst dann gezwungen war, sich ab acht Uhr abends so leise wie möglich zu verhalten, und Snafu, weil der jetzt mit Goldie alleine trainieren musste.

      Dementsprechend war Leslie am Tag der Jagd auch schon um halb fünf wach. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Bad, wusch sich schnell und tapste dann barfuß über den Gang zu Beau und Snafus Zimmer und klopfte sachte an.

      Fast gleichzeitig drückte sich dann auch schon Beau durch einen Minispalt in der Tür (durch den er gar nicht hätte passen sollen – immerhin war er bestimmt dreimal so breit wie Leslie. Mindestens) und schob sie in Richtung Treppe nach unten.

      Frühstück gab es für die beiden nicht. „Cooper ist eh schon angepisst, dass ich andauernd woanders bin,“ flüsterte Beau und steuerte Leslie an der Küche vorbei direkt an die Haustür. Draußen war es noch dunkel; nur ein leichtes, dunkelgraues Band war schon am Horizont zu erkennen. Der Hof rund um das Mitarbeiterhaus war umhüllt von Nebel und es roch nach Regen. Solange der sich für den restlichen Tag verzogen hatte, war Leslie das ganz recht.

      Wie ein kleines Kind schlappte sie Beau hinterher, der zuerst die Tür in die Sattelkammer des A-Stalles aufsperrte. Als er das Licht anmachte, war Leslie für einen kleinen Moment geblendet, dann ging sie die Spinde der Gastpferde durch. Im A-Stall waren nicht wirklich viele Boxen freigewesen; die Junghengste standen seit ein paar Tagen wieder über Nacht in den Boxen und nahmen dementsprechend Platz weg. Ein Paint Horse aus New Mexico, ein Holsteiner und ein Trakehner aus Deutschland bewohnten seit Anfang der Woche die drei freien Boxen und schienen sich ganz gut mit den Boxennachbarn zu verstehen. Dementsprechend kam Beau auch schnell wieder, nachdem er Leslie in der Sattelkammer zurückgelassen hatte.

      Die Spinde waren immer noch verschlossen, beim kurzen Inventarcheck schien auch nichts zu fehlen. „Gehen wir weiter,“ flüsterte Leslie. Wenn man den Geräuschen der Pferde in der Box trauen konnte, waren die zwar eh schon wach und verlangten auch schon langsam ihr Futter, aber irgendwie wollte sie trotzdem so leise wie möglich reden.

      Im C-Stall war dann der Großteil der fremden Hengste untergebracht. Der stand im Winter meistens eh leer – Esther verfolgte die Philosophie, dass auch Hochleistungssportler mal ein bisschen Pause brauchten und nahm deswegen am Anfang Oktober keine Trainingspferde mehr an – und war somit für die restlichen 9 Gasthengste frei. Auch hier checkte Leslie kurz, ob die Spinde nach wie vor verschlossen waren und ob auch wirklich nichts fehlte. Beau knipste das Licht in der Stallgasse an, guckte kurz in jede Box und zog Leslie dann auch schon wieder quer über den Hof.

      Langsam aber sicher meldete sich dann doch ihr Magen. Um kurz nach 5 schalteten sich immer mehr Lampen in den Ställen und Häusern an, und ihre innere Uhr sagte ihr, dass es jetzt wirklich Zeit fürs Frühstück war. Trotzdem trottete sie hinter Beau her und versuchte, das Magengrummeln einfach zu ignorieren.

      Funktionierte semi-gut. Als die beiden im Stutenstall angekommen waren und Leslie gerade Spind Nummer 3 von 7 aufsperrte, knurrte ihr Magen so laut, dass Moses kurz darauf den Kopf in die Sattelkammer steckte.

      „Ich dachte, hier drin ist ein Bär,“ sagte er grinsend, als er Leslie entdeckte. Die verdrehte nur kurz die Augen; Moses war wirklich einer der einzigen Menschen, die sie kannte, der frühmorgens (um 5 Uhr. 5 Uhr morgens frühmorgens) schon zu Witzen aufgelegt war. Einer der Gründe, warum sie den B-Stall mied, bis sie wirklich wach war.

      Gerettet wurde sie von Beau, der sich an Moses vorbeischlängelte und wortlos die restlichen vier Spinde inspizierte. Dann fiel sein Blick auf die Uhr und unter wildem Fluchen stürmte er aus der Sattelkammer. Leslie konnte ihn gerade noch auf dem Weg zum Parkplatz einholen.

      „Keine Frühstückspause?“ keuchte sie ihm hinterher.

      Er öffnete die Fahrertür eines dunkelblauen Yaris‘. „Keine Frühstückspause.“

      -- Idony --

      Wenn man monatelang jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, dann war das irgendwann so in einem drin, dass man an jedem Nicht-Arbeitstag um fünf hellwach war. So ging es Idony heute – Training fiel für die nächsten paar Tage aus und Cam war so nett gewesen und hatte ihr freigegeben, damit sie später bei der Jagd konzentriert mitreiten konnte.

      Trotzdem – sie war um Punkt fünf Uhr wach gewesen und nach ein paar Minuten hatte sich herausgestellt, dass sie das mit dem Weiterschlafen vergessen konnte. Also war Idony zwei Stunden später schon mit den meisten Arbeiten fertig. Benihana versorgen, Benihanas neue Boxennachbarin Minou und die Reitponystute Cíola zusammen auf die Weide stellen, Stallgasse fegen und nett zu den Gästen sein.

      Gegenüber von Billies Box stand eine Scheckstute, die jeden Schritt und jedes Atmen im Stall genaustens im Blick hatte. Jedes Mal, wenn Idony kurz zu ihr hinübersah, stand die Stute woanders – mal im Paddock, mal in der Box, mal genau auf der Schwelle. Idony ließ sie kurz mit sich selbst allein und huschte an die Box des Scheckens. Die Stute hatte in etwa die gleiche Größe wie Benihana, wirkte aber zugleich imposanter als auch gebrechlicher als der Holsteiner gegenüber.

      „Schon mal die Konkurrenz begutachten?“ kam plötzlich von hinten. Idony zwang sich, nicht wie ertappt zu gucken, als sie sich umdrehte und eine junge Frau vor ihr stand – mit einem breiten Grinsen.

      Die Frau streckte auch sogleich ihre Hand aus. „Alexandra Cordes. Und das hinter dir ist Possy Pleasure Mainstream.“

      Als hätte sie ihren Namen verstanden, schnaubte die Stute und schlich sich dann sogleich wieder nach draußen auf den Paddock. Idony räusperte sich und nahm die Hand der Frau. „Idony Berqvist – aber ich bin keine Konkurrenz, ich arbeite hier.“

      „Oooh,“ machte Alexandra. „Und da dürft ihr gar nicht mitmachen? Das ist ja auch schade. Da gibt’s sowas mal und ihr werdet ausgeschlossen.“

      Ein bisschen überrumpelt von den vielen Worten in der kurzen Zeit blinzelte Idony Alexandra erst mal an. Dann registrierte sie die Worte erst. „Ach nein, das ist wirklich nicht schlimm – jetzt im Herbst sind hier so viele Jagden, also wer will—“

      „Oooh,“ machte Alexandra wieder. Possy Pleasure Mainstream kam wieder in die Box und reckte den Hals nach ihr. „Ich werde jetzt auch mal gucken, wo die zweite im Team bleibt – allmählich sollten wir ja mal beginnen, die Pferde fertig zu machen.“

      Mit einem Winken verabschiedete sich Alexandra wieder und ging aus dem Stall. Neben den Stallburschen, die die Futtereimer wieder von vor den Boxen einsammelten, war Idony die einzige im Stall. Also nutzte sie die Gunst der Stunde und richtete Benihana schon einmal so weit her, dass sie dieser später nur noch den Sattel auf- und die Trense anlegen musste.

      -- Leslie --

      Treffpunkt der Reiter war um halb elf auf dem Dressurviereck. Bis dahin hatte Leslie Zeit, den Matsch aus Painted Blurs Fell zu bürsten. Pünktlich hatte sich der natürlich in die nächstbeste Matschpfütze geschmissen – und von denen gab es auf den Weiden gerade genug. Soweit wäre es gar nicht gekommen, wären Leslie und Beau zur Stelle gewesen. So wie es war hatte nämlich Cooper Blurry auf die Weide gebracht, der hatte die Chance ergriffen – und jetzt stand Leslie in der Stallgasse des A-Stalls und versuchte, den noch feuchten Matsch so gut wie möglich aus dem Fell zu bekommen.

      Eigentlich wäre das eine Fall für die Waschanlage, dachte sie und schrubbte an einem Fleck an der Flanke des Hengstes. Eigentlich – nur leider war es kurz nach zehn, und wenn man Bernie und Cat glauben konnte, dann waren die ersten Gäste auch schon am Platz versammelt.

      (Beau hatte sich übrigens verkrümelt und frühstückte. Während Leslie nasse Matschflecken ausbürsten durfte, die vermeidbar gewesen wären. Schöner Tag war das heute.)

      10:15 Uhr ließ sie dann die Bürste fallen und schnappte sich Blurrys Sattel. Weg waren die Flecken zwar nicht, aber sollte sich jemand der Gäste drüber beschweren – naja, dann ließ sie Cooper die Sache handeln. Sie hatte gleich erst mal ein Date mit ihrer Müslischale.

      Gerade hatte Leslie Blurry das Gebiss ins Maul geschoben, als auch schon Esther in den Stall kam. Die drei Gäste, deren Pferde im A-Stall untergebracht waren, hatten sich schon längst auf den Weg zum Viereck gemacht – schön rausgeputzt mit Turnierjackett, hellen Hosen und weißen Schabracken. Leslie wusste also, dass sie spät dran war (und das würde Cooper auch noch den ganzen lieben langen Tag hören, ob er es wollte oder nicht). Dass jetzt aber schon die Chefin nach ihr sah, das hätte sie aber nicht gedacht.

      „Schon fertig,“ rief sie Esther entgegen und steckte den Zipfel des Nasenriemens noch schnell unter die dafür vorgesehene Lasche. „So gut wie’s eben ging,“ murmelte sie dann noch vor sich hin, nahm Blurry die Zügel vom Hals und führte ihn die Stallgasse hinab.

      Esther sah sich den Hengst kurz von beiden Seiten an, seufzte und zuckte dann mit den Schultern. „Sauberer wird er jetzt eh nicht mehr,“ sagte sie und klopfte Leslie kurz auf die Schulter. „Wenn du mir noch kurz helfen könntest?“

      Per Räuberleiter schwang sich Esther in den Sattel und nahm die Zügel auf. „Ich kehr‘ noch schnell, dann bin ich sofort da,“ versprach Leslie, aber Esther winkte ab.

      „Der Dreck liegt später auch noch da, wenn wir weg sind. Du solltest dir das jetzt lieber mit ansehen.“

      Gut, das ließ sich wahrscheinlich niemand zweimal sagen. Hinter dem großen Rappen und ihrer Chefin schloss Leslie das Stalltor und folgte den beiden dann in Richtung Viereck.

      -- Idony --

      „Guten Morgen und natürlich herzlich Willkommen auf Sandringham Manor.“

      Das Stimmenwirrwarr auf dem Dressurviereck verstummte augenblicklich. Neben Idony hörten sogar die zwei Geschwister auf, die schon seit sie aufgetaucht waren die Köpfe zusammengesteckt hatten, zu tuscheln. Fast alle Köpfe drehten sich nach vorne in Richtung Eingang. Vor der Kulisse des Herrenhauses saß Esther im Sattel von Blurry, hinter ihr Logan und Frank.

      „Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Das ist die erste Jagd seit fast 13 Jahren, die auf unserem Gestüt stattfindet, und ich bin sehr gespannt, wie es ausgeht.

      Ich möchte auch gar nicht groß um den heißen Brei herumreden, schließlich wollen wir alle so bald wie möglich los. Wir haben eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor uns. Nach etwa sieben gibt es für alle eine kleine Pause auf einem benachbarten Hof. Die Pferde dürfen grasen und für uns Menschen gibt es auch ein paar Snacks. Abschließend treffen wir uns auf der Wiese ein, auf der unser Geländetraining startet. Wer besonders aufmerksam ist, wird auf dem Weg dorthin auch etwas ganz Besonderes im Wald entdecken.

      Die Regeln lauten wie bei jeder Jagd. Um einen sicheren Ablauf zu gewähren, bete ich euch alle, euch gleich euren Platz im Feld zu finden und diesen, wenn möglich, nicht zu verlassen. Und, das ist ganz wichtig: reitet nie quer zu den anderen Reitern. Außerdem dürfen die Master, die euer Feld anführen, niemals überholt werden – die kennen die Strecke und sind dafür zuständig, dass alles gut abläuft. Für die Springer sind meine Kollegen Logan Reid und Frank Montgomery zuständig,“ Esther gestikulierte auf die zwei Trainer hinter ihr, „die Nicht-Springer hören auf mein Kommando.“

      Idony sah sich ein bisschen in den Reihen rum. Einige Reiter hatten ein schmales Lächeln auf den Lippen, andere sahen Esther stockernst ins Gesicht.

      „Zu eurer Sicherheit bilden die Schlusslichter die sogenannten Schlusspiköre. Jeder noch so gute Reiter fällt mal vom Pferd – für den Fall sind die Schlusspiköre da. Sie sind auch ein bisschen die Schiedsrichter, die alles sehen.

      Auf der Strecke gibt es 15 Hindernisse, inklusive Bachläufen und feste Naturhindernisse. Sollte euer Pferd vor dem Hindernis verweigern, dann dreht am besten sofort ab und reitet um das Hindernis herum. So kann es keine Staus geben und ihr und eure Pferde werden nicht verletzt.

      Außerdem bitte ich euch grundsätzlich, aufzupassen. Wir haben einige Pferde dabei, die noch recht jung und stürmisch sind. Wenn ihr die Jagd ohne dickes Knie abschließen möchtet, dann reitet nicht zu arg auf – vor allem nicht, wenn das Pferd eine rote Schleife im Schweif trägt.

      Recht viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, also fange ich gleich mit den Feldeinteilungen an.“

      Die ersten Reiter zogen die Gurte nach und ließen die Steigbügel herunter. Esther kramte einen Zettel aus ihrer Jacketttasche hervor und räusperte sich.

      „Feld Eins ist das erste springende Feld mit Philipp Gerdes und Daitona, Nicolaus du Martin und Ghostly Phenomenon, Elena Redling und Couleur du Deuil, Leticia Weidner und Ingénue, Octavia Blake und Raspberry, Mio Wild und Raised from Hell, Malte Tordenvaerson und Belmonts Brock und Gwendolyn Campbell und Neelix. Euer Master ist Logan Reid und euer Schlusspikör ist Idony Bergqvist.“

      Während alle, die gerade aufgerufen wurden, sich auf eine Seite des Vierecks verteilten, blätterte Esther um. „Feld zwei als zweites springende Feld mit Occulta Smith mit Co Pilot de la Bryére, Ciaran Duclair und Shenandoah, Eddi Canary und Pajero, Jonas Moser und Diarado, Lisa Zimmermann mit Halluzination, Isa Neyer mit Jonquil, Ikarus Dragomir mit Pitú, Tassilo Greving und Cover the Sun und Charlotte von Eylenstein mit Grenzfee. Euer Master ist Frank Montgomery, der Schlusspikör ist Katharina Karenin.

      Das letzte Feld mit mir als Master besteht aus Addison Moore mit My Canyon, Janina Lohmann mit Nemax, Elliot Hadley mit Vychar, Bellamy Blake mit Gun and Slide, Franziska Ziegler mit Cadeau, Nate Prescott und Dark Chocolate, Alexandria Cordes und Possy Pleasure Mainstream, Tamara Meyrohe mit Walking in the Air, Marie Wortkötter mit Macaruja, Vuyo Ndour mit Aspantau und Artemis Fortounis mit Bahar. Euer Schlusspikör ist Bree Price.“

      Ein paar Sekunden gab Esther den Leuten, um sich aufzuteilen, dann steckte sie den Zettel wieder in ihre Tasche. „Ihr könnt jetzt aufsitzen. Feld 1 macht sich in wenigen Minuten auf den Weg, ein paar Minuten später Feld 2 und dann Feld 3. Ich wünsche euch eine schöne und angenehme Jagd und natürlich viel Glück.“

      -- Leslie --

      Gemeinsam mit Bernie und Snafu hatte Leslie Esthers kleiner Ansprache vom Rande des Dressurvierecks gelauscht. Als das letzte Feld mit Blurry an der Spitze und Siana als Schlusslicht vom Platz ritt, seufzte Leslie erst einmal laut. Passend dazu grummelte ihr Magen.

      Wie auf Knopfdruck drehten sich Bernie und Snafu zu ihr um. „Schon wieder Hunger?“ scherzte Bernie.

      „Immer noch,“ grummelte Leslie. „Aber ich werd mich jetzt umdrehen und auf schnellstem Weg ins Haus gehen und schön und lange frühstücken.“

      Snafu grinste sie kurz an, dann schweifte sein Blick über ihre Schulter ab. Seine Augen wurden für einen Moment weich – und Leslie wusste genau, was sie erwartete. Mit einem lauten Stöhnen schlug sie sich die Hände vor die Augen.

      „Leslie, fertig soweit?“ kam es von hinter ihr in einer allzu familiären, tiefen Stimme. „Die Millers haben gerade angerufen, wir sollen gleichkommen – hab ich was verpasst?“

      Als sie die Hände von den Augen nahm, sah sie, dass Snafu schon antworten wollte, also ergriff sie lieber selber die Initiative.

      „Nein, gar nichts. Gehen wir.“ Schwungvoll drehte sich Leslie um, packte Beau beim Oberarm und zog ihn hinter sich her in Richtung Parkplatz.

      Schon wieder.

      -- Idony --

      Billie gefiel das Hinterhergetrotte ganz und gar nicht. Während der ersten Trabstrecke hätte die langbeinige Stute gleich mal versucht, einen wuchtigen Draught-Hengst und eine zierliche Buckskinstute zu überholen – also hatte Idony sie auf eine Volte abgewendet und sich tief in den Sattel eingesessen. Sowohl der Mann auf dem Draught als auch die junge Frau auf der Stute schienen ihr das aber nicht übel zu nehmen. Immer wieder versuchte die Holsteinerstute, irgendwie an der Gruppe vorbeizuziehen – bis sie sich dann nach dem ersten Galopp anscheinend damit abgefunden hatte. Ungeduldig kauend, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

      Idony selbst kam auch dann erst richtig in den Genuss – bis dahin hatte so gut wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Im Schritt unterhielten sich die meisten, lachten miteinander. Wenn Logan das Handzeichen für den Trab oder Galopp gab, verstummten jedoch alle und vor den Hindernissen wurde eine schöne Reihe gebildet. Pferd nach Pferd hüpfte über die Zäune, kletterte einen Wall hinunter und watete durch einen Bachlauf.

      Die Reiter schätzte Idony als ziemlich erfahren ein; keiner kam über den Hindernissen ins Straucheln. Eine Rappstute weiter vorne im Feld schlug den ein oder anderen Haken zur Seite, aber die Reiterin schien sich dadurch nicht aus dem Konzept zu bringen zu lassen. Trotzdem stoppte bei jedem Seitensprung kurz Idonys Herz und sie nahm Billie vorsichtshalber gleich ein bisschen zurück – sollte die Reiterin den Halt verlieren und stürzen, war es immerhin ihre Aufgabe, alle wieder einzusammeln.

      Trotz hakenschlagender Stute erreichten alle Reiter als erstes die Zwischenstation auf dem Bauernhof der Familie Wright ohne Zwischenfälle. Von einem kleinen Wäldchen ging es direkt an den Schaf- und Kuhweiden vorbei, direkt auf den kleinen Platz vor dem Guthaus. Ein paar Stallburschen von Sandringham Manor wuselten schon umher; auf ein paar Aufstelltischen standen Gläser und Wasserflaschen, auf anderen eingewickelte Sandwiches.

      Nachdem den Pferden die Zaumzeuge abgenommen und die Sattelgurte gelockert wurden, gab es für die Reiter dann das verdiente Lunch. Die alte Mrs Wright füllte Wassereimer für die Pferde auf und die Stallburschen verteilten sie schließlich. Nach und nach kamen auch Frank und Esthers Felder an, als allerletzte Cat auf Ironic. Im Gegensatz zu ihrer Gruppe sah sie ein bisschen abgekämpft aus, also machte sich Idony kurzerhand auf den Weg zu ihr.

      Ironic blubberte freundlich, als er Billie entdeckte. Als die ihm aber keinerlei Beachtung schenkte, sondern lieber ein paar vertrocknete Grashalme abrupfte, bekam er sich auch schnell wieder ein und spielte lieber mit dem Wassereimer, dem ihn ein Stallbursche hinhielt.

      Cat lächelte Idony müde an. „Du siehst ja richtig frisch aus.“

      „Kann ich von dir nicht wirklich behaupten,“ sagte Idony. „Schwere Gruppe?“

      „Die Gruppe nicht unbedingt,“ Cat nahm ihren Reithelm ab und fuhr sich durch die Haare. „Eine Stute, ich glaub ein Vollblut. Rote Schleife im Schweif, also sollte ich nicht so überrascht sein, aber im Schritt schien sie noch besser drauf zu sein.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich musste noch keinen retten, aber wir haben ja noch ein paar Kilometer vor uns.“

      „Dann solltest du ganz schnell irgendwo Holz finden und drauf klopfen.“

      „Bietest du mir deinen Kopf an?“

      Idony rollte mit den Augen, dann streckte sie die Hand nach Ironics Zügeln aus. „Los, hol dir noch was zum Essen bevor nichts mehr da ist.“

      -- Leslie --

      Ja gut, vielleicht hatte Leslie den Aufwand einer solchen Jagdorganisation ein bisschen unterschätzt. Mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags und bis auf ein paar Gurken bei der Essensvorbereitung hatte sie immer noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Wenn sie nicht Essen ausgab, dann schleppte sie Getränkekisten, Wassereimer oder was auch immer die alte Wright sie auch machen ließ.

      „Wenn das hier rum ist,“ sagte sie leise und bedrohlich, als Beau ihr noch eine Wasserkiste in die Brust stieß, „dann schuldest du mir ein drei Gänge Menü. Selbst gekocht. Alles andere akzeptiere ich nicht als Entschuldigung.“

      Beau, der sonst eigentlich sehr gefestigt wirkte, bekam seine kleine Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. Jackpot. „Irgendwie sowas sollte ich hinkriegen.“

      „Das hoffe ich für dich.“

      -- Idony --

      Der zweite und letzte Abschnitt begann ein bisschen ruhiger als der erste – zumindest für Idony. Im Schritt ging es wieder zurück in das kleine Wäldchen, an einer Abzweigung jedoch geradeaus statt rechts.

      Wie als hätten die Pferde nie etwas anderes gemacht, kletterten sie einen Wall hinab, galoppierten dann geschlossen und ruhig an und nahmen die ersten paar Hindernisse des letzten Streckenabschnitts mit Leichtigkeit. Erst kurz vor der letzten Galoppstrecke verweigerte eine große Rappstute weiter vorne im Feld. Ihr Reiter fing sich gerade noch über dem Hals hängend. Die Stute ging zwei Schritte mit hochgerissenem Kopf rückwärts. Idony nahm schon Billies Zügel an, kurz davor, einzugreifen – immerhin kamen schon die nächsten Pferde, die auch über das Hindernis springen wollten, und so ein Stau konnte ziemlich blöd hinausgehen – doch dann trieb der Reiter die Stute schon seitlich und machte einen großen Bogen um den Zaun und kurz darauf nahmen beide wieder ihren Platz im Feld ein.

      Als von Logan an der Spitze das Kommando zum Suchen kam, saßen plötzlich alle aufrechter im Sattel. Alle nahmen ihre Pferde zurück, ließen die Galoppsprünge verkürzen, und sahen sich links und rechts im Gebüsch des Waldes um. Wo genau der Fuchsschwanz versteckt war, wusste Idony auch nicht; sie selbst verließ sich also darauf, dass Billie sich mit dem hintersten Platz im Feld abgefunden hatte, stellte sich in die Bügel und reckte selbst den Hals, um besser sehen zu können. Bis auf ein paar orangefarbene Blätter fand sie aber nichts, und auch die Teilnehmer gingen leer aus. Ein wenig enttäuscht setzte sich Idony wieder in den Sattel ein. Billie spielte kurz mit den Ohren, erwartete eine Parade, galoppierte aber dann letzten Endes ruhig weiter.

      Wenige Meter voraus endete der Wald schon; dann waren sie eigentlich schon wieder mitten auf dem Gestüt. An den leeren Paddocks vorbei, um das Haupthaus herum, dann tauchte auch schon das Dressurviereck vor dem Feld auf, mit dem aufgebauten Sprung. Einer nach dem anderen, wie in den letzten Stunden, sprangen die Pferde darüber. Als Idony und Billie auf dem anderen Ende des Hindernisses ankamen, waren die ersten Reiter schon abgestiegen.

      Wenige Minuten, nachdem ein paar Jocks die ersten Eichenbrüche verteilten, kam auch das zweite Feld an – ebenfalls erfolglos, wie sich schnell herausstellte. Trotzdem schien die Stimmung heiter zu sein; die Reiterin mit der nervösen Stute aus Idonys Feld erzählte im größten Detail und mit ausladenden Armbewegungen jedem im Umkreis von fünf Metern, wie sie sich dreimal schon fast am Boden liegen sah.

      Erst, als dann zwanzig Minuten nach dem ersten Feld Esther und ihre Gruppe auf dem Platz eintrafen, schwenkte jemand ein orangefarbenes Stück Pelz hin und her. Als die Gruppe sich dann auch langsam lichtete, bekam Idony einen ersten Blick auf den Gewinner: die Reiterin war noch jung und saß auf einer hellen, schweren Buckskinstute. Sie grinste, umklammerte den Fuchsschwanz eisern und unterhielt sich angeregt mit der Frau, die Idony heute Morgen im Stall getroffen hatte. Auch das Pferd kam Idony bekannt vor – da musste sie später gleich mal gucken, ob die Stute nicht sogar neben Minou einquartiert wurde.

      Esther platzierte sich wieder in die Mitte des Vierecks. Als jeder Teilnehmer seinen Eichenbruch in der Hand hielt, verkündete sie die Siegerin – Tamara Meyrohe aus Deutschland, deren Stute tatsächlich nur ein paar Boxen neben Benihana stand – und bedankte sich bei allen, die irgendwie geholfen hatten. „Und zur Feier des Tages lade ich Euch alle herzlich zum Jagdgericht ein – nachdem die Pferde versorgt wurden, versteht sich.“

      Ein wirkliches Jagdgericht im klassischen Sinn war es nicht – Idony hatte sich noch nicht mit Bree und Cat unterhalten können, ob es in deren Feldern irgendwelche Vergehen gab, aber das konnte sie sich kaum vorstellen – sondern eher ein Dinner im Herrenhaus. Die Piköre waren ebenfalls eingeladen – trotzdem ließ sich Idony viel Zeit im Stall, stopfte Billie Stroh unter die Abschwitzdecke und weichte die Kühlgamaschen in aller Ruhe ein.

      Ein bisschen verspätet und mit eiskalten Fingern kam Idony dann im Speisesaal an. Cat hatte ihr einen Platz freigehalten, direkt vor dem Teller mit Hühnchen. Um sie herum hatten die anderen schon mit dem Essen begonnen, also lud sie sich sofort ein bisschen Fleisch, Gemüse und Brot auf, ohne noch groß nachzudenken. Der Hunger war erst gekommen, als sie vor dem Speisesaal gestanden war und das Essen gerochen hatte. Komisch, wie man einfach vergessen konnte, hungrig zu sein.

      -- Leslie --

      Leslie, auf Cats anderer Seite, lud sich ihren Teller dreimal mit allem Möglichen auf, probierte jedes der drei verschiedenen Desserts und schnappte sich anschließend noch das übrige Mousse au Chocolat von Beaus Teller. Das schuldete er ihr ja schließlich.

      chapter fifteen | 21. April 2018
      Vorsichtig schob Sophia das Tor des B-Stalls auf. Hinter ihr drängelte schon ungeduldig Siana. Gemeinsam mit ihrer Mum und Frank hatte Sophia das wunderschöne Frühlingswetter genutzt und war mit ihnen im Gelände gewesen. Entspannt war es nicht gewesen – das war es nie wenn man mit zwei professionellen Trainern unterwegs war – aber trotzdem fühlte sich Sophia gut. In letzter Zeit durfte sie vor allem Medeia und Siana reiten; beides Zuchtstuten, die den Großteil ihrer Zeit auf der Weide verbrachten oder, in Sianas Fall, Kindergärtner spielten. Ein bisschen vermisste Sophia den guten alten Paramour; dieser bekam seine täglichen Streicheleinheiten von Henry und, wenn sich dieser mal auf dem Hof blicken ließ, auch von Henrys jüngerem Bruder Luke. Theoretisch wurde Paramour da gut versorgt. Und trotzdem warteten in ihrer Tasche zwei Karotten für den Lewitzer.

      Mit flinken Händen nahm Sophia Siana den Sattel und das Zaumzeug ab und band sie an der großen Box an, um die Hufe auszukratzen und noch einmal über das Fell zu bürsten. Sie waren alleine im Stall; die zwei Fohlen, Painted Basquiat und Simplicity of Sophistication, standen schon auf einer Koppel, Benihana, Saevitia, Dark Innuendo und Scion d’Or zusammen mit dem Neuzugang A Touch of Peace auf einem Paddock und Minou und Cíola waren wohl gerade mit Eve und Trixie beim Training. Frank und Mum hatten sich natürlich sofort bequatschen lassen, sobald das Trio wieder am Hof angekommen war; aber so konnte Sophia Siana in Ruhe fertig machen und schließlich noch eine Runde grasen gehen. Sie stellte sich einen Wecker auf fünfzehn Minuten, suchte sich einen Platz im Gras neben dem Stall, der nicht nass war, und streckte das Gesicht zur Sonne hin. Siana machte sich gleich über das frische Gras her und rupfte gierig die Halme ab.

      Nur wenige Minuten, bevor die viertel Stunde um war, hörte Sophia Huftritte auf dem Schotterweg. Sie öffnete ein Auge – Frank kam, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, um die Kurve, hinter ihm seine Stute Calina. Er schien richtig zufrieden mit seinem Kauf; so zufrieden, dass auch Sophias Mutter mit dem Gedanken spielte, sich wieder ein Pferd zu kaufen.

      Sobald das Thema aufkam, schüttelte Mum jedoch mit dem Kopf und lachte darüber, dass sie viel mehr zu tun hatte als Frank – immerhin brauchten die Jocks extreme Unterstützung in der Dressur. Da war keine Zeit für ein Pferd.

      Sophia erkannte den Bluff, hielt aber die Klappe. Ihrer Mutter hing es immer noch nach, dass sie ihr letztes Pferd durch einen Weideunfall verloren hatte; das war weit vor Sophias Geburt gewesen, aber auch ihr waren die Fotos von einem langbeinigen Braunen natürlich nicht entgangen, die im gesamten Haus auftauchten – neben dem Hochzeitsbild ihrer Eltern und einem Bild von Sophias Einschulung unter anderem auch auf dem Nachttisch ihrer Mutter.

      Insgeheim war sich Sophia sicher, dass es ihrer Mum gut tun würde, wenn sie wieder etwas eigenes hätte. Und Sophia selbst würde natürlich auch davon profitieren. Doch genau wie sie war ihre Mutter dickköpfig und stur und ließ sich nicht von ihren Überzeugungen abbringen. Also blieb es bei den sporadischen Ausritten für ihre Mutter und bei der Ausbildung der Ponys für Sophia.

      Apropos Ponys. Zwei Sekunden, bevor der Wecker losging, setzte sich Sophia auf und schnalzte mit der Zunge. Siana zuckte nicht einmal mit den Ohren. Also kämpfte sich Sophia zurück auf ihre zwei Füße und zog Siana vom Gras. Auf dem Weg zum Paddock begegnete sie Lynn, die jeweils ein Fohlen an beiden Händen von der Weide führte. Siana, Bowie und Simple kamen zusammen auf den Paddock – auch wenn die zwei Jährlinge die Ponystute in ein paar Monaten überragen würden, wusste die Ponystute sich zu beweisen. Sie musste nur die Ohren anlegen und wurde von den wild spielenden Fohlen schon in Ruhe gelassen.

      Mit einem liebevollem Halsklopfen verabschiedete sich Sophia von Siana, stapfte zurück zum B-Stall und von dort aus zu Paramours Paddock. Diesen teilte er sich mit Ironic und Pacco – allerdings bekam nur der Braunschecke die Karotten, und bevor die beiden anderen Hengste überhaupt am Zaun angekommen waren, waren die Karotten auch schon verputzt.

      Mit ihrer Tasche auf dem Rücken schlenderte Sophia schließlich Richtung Außenboxen; ihre Mum war heute mit Bucky unterwegs gewesen, also vermutete Sophia sie noch dort. Und tatsächlich stand die große braune Holsteinerstute vor ihrer Box angebunden, mit ihrer Mutter und der Pflegerin Chelsea Duncan um sie herumwuselnd. Als ihre Mutter Sophia entdeckte, legte sie Chelsea kurz die Hand auf die Schulter, dann strich sie Bucky über den Rücken. „Bist du schon soweit?“

      „Schon ewig,“ meinte Sophia, grinste dabei aber. Währenddessen führte Chelsea Bucky in Richtung Weide. „Gab’s ein Problem?“

      Ihre Mutter schüttelte nur müde den Kopf. „Ich hol nur noch schnell meine Tasche, dann können wir heim.“
      Mit schnellen Schritten ging ihre Mutter in die Sattelkammer und kam mit ihrer Tasche wieder heraus. In der Hand hielt sie schon den Schlüssel für ihren Mercedes – aber sie hielt ihn schließlich Sophia unter die Nase.
      Die war erstmal ein wenig verwirrt. Der Mercedes war das Baby ihrer Mutter, und auch wenn Sophia schon mehrere Monate fahren durfte – nicht im Mercedes ihrer Mutter. „Sicher?“ fragte sie daher vorsichtshalber.
      „Mich hat der Ausritt so geschlaucht,“ sagte ihre Mutter dramatisch. „Ich weiß nicht, ob ich da noch fahren kann.“

      Das ließ sich Sophia natürlich nicht zweimal sagen und schnappte sich den Schlüssel, den ihre Mutter verführerisch vor ihrer Nase baumeln ließ. „Na wenn das so ist, darfst du natürlich nicht mehr fahren. Ich will die Fahrt ja überleben.“

      chapter eighteen | 22. Juli 2018
      Mit einem lauten Klang wurde die Startbox hinter ihnen zugemacht. Gambit unter ihr spielte mit den Ohren; sie konnte seine Anspannung fühlen. Nicht davon verrückt machen lassen, sagte Leslie sich und atmete tief ein. Sie versuchte, die Geräusche der schnaubenden Pferde und die Jockeys in den Boxen nebenan auszuschalten – das machte einen nur unnötig verrückt.

      Ihr Herz klopfte immer mehr, und auch Gambit fing jetzt mit dem Tänzeln an. Man könnte meinen, dass es zumindest für sie langsam Routine wurde, aber dafür ließ sie sich viel zu sehr vom Pferd, von der ganzen Atmosphäre anstecken. Jeden Moment konnte es soweit sein. Leslie nahm die Zügel auf –

      Die Startbox klappte aus und Gambit machte einen Riesensatz nach vorne. Er hatte schon die ersten sieben, acht Galoppsprünge gemacht, ehe Leslie sich im Sattel einigermaßen gesammelt hatte.

      Dann war sie im Rennmodus – die ersten Meter trieb sie Gambit weiter an. Gutes Mittelfeld. Ein Fuchs setzte sich an die Spitze, mit einigen Längen Abstand zum Rest. Den im Blick lenkte Leslie den Vollbluthengst weiter nach innen, mit der Absicht, sich hinter den Fuchs zu klemmen. Trotzdem hielt sie Gambit erstmal ein bisschen zurück – seine Kraft konnte er auf der Zielgeraden rauslassen.

      Ein Brauner überholte den Fuchs außen, der überholte dann in der ersten Kurve. Neben Leslie setzte ein weiterer Brauner an, zu den zwei Führenden aufzuschließen. Leslie nutzte die Chance, um noch ein bisschen nach innen zu rutschen. Der Wind schlug ihr ins Gesicht, sie musste nach Luft schnappen – am liebsten würde sie sich ihre Jockeyuniform über die Nase ziehen. Stattdessen drehte sie ihren Kopf nach links und auch Gambit zog in die Richtung.

      Auf der Gegengeraden nahm das Tempo des Fuchses dann ab, und auch als einer der beiden Braunen wieder zum Mittelfeld ausschloss, sah Leslie das als potentielle Chance. Ein Pitscher mit der Gerte und plötzlich löste sich Gambit aus dem Mittelfeld heraus.

      Erst, als sie um die letzte Kurve gebogen waren, ließ sie den Hengst komplett laufen. Mit kraftvollen Sprüngen überholte er den ersten Braunen, schließlich auch den Fuchs. Der Braune, der sich bis jetzt an der Spitze hielten konnte, lief innen, und auch schon recht verbissen auf das Ziel zu. Mit jedem Galoppsprung näherten Gambit und Leslie sich dem anderen Pferd, bis Leslie die Chance sah und Gambit nach außen lenkte.

      Am liebsten hätte sie dem anderen Jockey gewinkt, als sie an ihm vorbeizog. Stattdessen biss sie sich auf die Zunge und unterdrückte das Kichern, dass in ihr hochstieg. Der Braune nahm die Verfolgung auf, aber trotzdem gingen Leslie und Gambit mit einer halben Pferdelänge Vorsprung als Erste ins Ziel.

      Dann konnte Leslie das Glück doch nicht halten. Während sie Gambit ausgaloppieren ließ, ließ sie einen lauten Jubelschrei los. Das war nicht ihr erster Sieg, und es würde auch nicht der letzte bleiben – aber jeder Sieg war auf seine ganz eigene Weise ein neues Erlebnis. Deswegen grinste sie auch noch breit, als Ezra sie am Zaun der Rennbahn einfing – was er ihr sagte konnte Leslie nicht hören. Ein Journalist joggte neben Gambit her und fragte sie irgendwelche Fragen – das hörte sie auch nicht. Das Blut rauschte in ihren Ohren.

      Der übliche Wirbelwind aus Siegesfeier, Fotos und Interviews folgte. Keine Sekunde grinste Leslie nicht. Auch, als sie aus dem Sattel rutschte und plappernd neben Ezra zurück zum Trailer lief.

      „Es hat sich einfach so gut angefühlt, Ezra. Einfach das Pferd mal machen lassen. So gut.“

      Ezra schmunzelte, sagte aber nichts weiter.

      „Nein, wirklich. Das war eigentlich alles Gambit. Ich hab nur drauf gesessen.“

      „Dann musst du aber schleunigst mal wieder auf ein anderes Pferd. Sonst verlernst du ja noch alles,“ antwortete Ezra dann, immer noch mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. „Vielleicht solltest du es mal mit Goldie versuchen.“

      Leslie hatte schon den Mund geöffnet, um zu widersprechen, aber sie bogen gerade um die Ecke auf den Verladeplatz, und Snafu würde es sicher nicht gefallen, wenn Leslie ihre Meinung über Goldie kundgab. Auch wenn sie stimmte.

      Wenige Minuten später war dann der marineblaue Sandringham Manor Trailer schon in Sicht. Snafu und Beau hatten es sich im Gras gemütlich gemacht, in dem halben Meter Schatten, den der Hänger warf. Snafu öffnete die Augen, als er Ezra und Leslie hörte – Beau sah man nur im Gesicht an, dass er Leslie gehört hatte; statt gerade noch mit einem leichten Lächeln saß er jetzt mit vorsichtig geglätteten Gesichtszügen da.

      Wieder wollte Leslie bereits einen blöden Spruch loslassen, aber Snafu kam ihr zuvor. Er war aufgesprungen und warf sich ihr sofort um den Hals.

      „Ich bin so stolz auf euch!“

      Leslie ließ Gambits Zügel los, um ihre Arme um Snafus Oberkörper zu schlingen. „Hast du’s angesehen? Hast du gesehen, dass ich nichts gemacht hab? Das –“

      „War alles Gambit, yadda yadda,“ meldete sich jetzt auch Beau zu Wort. Er hatte sich Gambits Zügel geschnappt. „Warum du immer dein Licht unter den Scheffel stellen musst, macht für mich keinen Sinn.“

      Leslie sah zu ihm auf – der Höhenunterschied zwischen kleinem Jockey und fast 1,85m großen Stallburschen gab ihr gerne mal einen steifen Nacken. „Bescheidenheit, mein Liebster. Davon scheinst du ja noch nicht gehört zu haben.“

      Beau rollte mit den Augen, konnte dann aber ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Als Snafu seinen Todesgrip um Leslies Mitte endlich losließ, klopfte Beau ihr freundschaftlich auf die Schulter. Seine Form des Gut-gemachts. Er konnte eben einfach nicht lange böse bleiben.

      Das war Leslies Beziehung mit Beau; ein gegenseitiges Ärgern, bis Beau – weil er in 60% der Fälle leider einen Stock im Hintern hatte – zwei Tage lang schnippische Kommentare machte und dann doch wieder mit ihr herumscherzte. Vor allem, weil Leslie selbst den Mund nicht halten konnte und ihn trotzdem einfach weiter aufzog, aber auch, weil er einfach ein herzensguter Mensch war.

      (Solange man ihn nicht über Snafu fragte – auch ein Fehler, den Leslie regelmäßig machte.)

      Während Beau also seinem Job nachging und Gambit von Sattel und Trense befreite, steckten Leslie und Snafu weiterhin den Kopf zusammen. Auch Snafu war heute gestartet, aber – wie so oft in den letzten Wochen, ja, sogar Monaten, gingen er und Goldie leer aus.

      Für Leslie war der Fall klar: es lag nicht an Snafu, sondern an Goldie. Im Gegensatz zu Gambit fehlte ihr das Selbstvertrauen und auch ein bisschen der Ehrgeiz, um erfolgreich im Rennsport zu sein. Snafu gab aber viel lieber sich selbst die Schuld und dachte, wenn er härter an sich arbeitete, würde das schon irgendwann klappen. Langsam aber sich war aber auch Ezra der gleichen Meinung wie Leslie und war mit den anderen Senior Trainern im Gespräch über Goldies Zukunft.

      (Wenn Leslie so von sich hinträumte, dann sah sie Goldie schon mit einem Palominofohlen an ihrer Seite über die Weide rennen – das Fohlen gehörte natürlich Leslie und stammte von Gambit ab, weil logisch.)

      Goldie stand jetzt auch schon im Transporter, als Beau Gambit hineinführte. Mehr oder minder interessiert blickte sie von ihrem Heu auf, steckte aber sofort wieder die Nase hinein. Gambit wurde festgebunden, die Laderampe wurde hochgeklappt und schließlich setzte sich Beau hinters Steuer, Ezra nahm auf dem Beifahrersitz Platz und Leslie und Snafu kletterten auf den Rücksitz.

      Das Rennen hatte in Fakenham stattgefunden; dementsprechend schnell war der Transporter wieder auf Sandringham Manor. Trotzdem war Leslie kurz eingenickt und rutschte dementsprechend groggy vom Sitz. Wie eine Maschine lud sie Gambit aus und brachte ihn erst einmal zurück in den Stall, dann, als Beau zurückkam, auf die Wiese. Unter Aufsicht – immerhin sollte Gambit sich nicht überanstrengen und jetzt Runde um Runde über die Koppel rennen.

      Das Gestüt war wie ausgestorben – jetzt im Sommer war der frühe Abend die Zeit, an der die meisten mit den Pferden arbeiteten, also waren Bernie und Cat höchstwahrscheinlich irgendwo unterwegs. Leslie ließ sich also ins Gras am Rande der Koppel nieder und sah Gambit zu, wie er Halm um Halm abrupfte. Langsam kam das Post-Rennen-Gefühl über Leslie nieder; ihre Arme und Beine wurden schwer und nachdem das Adrenalin und die Euphorie abgeebbt waren, wollte sie nur noch in ihr Bett. Gambit ging es ähnlich; unter Grunzen und Schnauben wälzte er sich erst, dann blieb er liegen und graste so noch ein wenig vor sich hin.

      Keine Ahnung, ob es zehn Minuten oder fünfzig Minuten später waren, aber irgendwann kam Beau auf die Koppel, zog Leslie aus dem Gras und schob sie mit den Worten „Geh verdammt nochmal ins Bett, ich kümmer mich schon“ von der Weide Richtung Haus. Nichts leichter als das.

      Leslie wachte erst wieder auf, als Bernie ein paar Stunden später ins Zimmer kam. „Hi,“ flüsterte sie und schlüpfte aus ihren Schuhen und Socken. „Beau hat mir schon alles erzählt. Meinen Glückwunsch!“

      „Hmm,“ machte Leslie und drückte ihr Gesicht ins Kissen. „‘iespäd?“

      „Halb acht,“ antwortete Bernie. „Wenn du noch was essen willst, in der Küche steht gebratener Reis.“

      Jetzt wo es ums Essen ging, wurde Leslie langsam wacher. „Mit Hähnchen?“

      „Gambas. Cooper hat sich heute fancy gefühlt.“

      Entschlossen schlug Leslie die Bettdecke zurück und tapste barfuß die Treppe hinunter in die Küche. Während der Teller mit Reis in der Mikrowelle warm wurde, kam Cat in die Küche.

      „Na, Dornröschen?“ sagte sie mit einem breiten Grinsen.

      „S‘hab ich mir verdient,“ murmelte Leslie.

      „Das stimmt,“ gab Cat zu und lümmelte sich auf einen Stuhl. „Aber mir hast du es zu verdanken, dass noch etwas zu Essen übrig ist. Beau hätte um ein Haar deine Portion noch mitgegessen.“

      Natürlich hätte er das. Leslie rollte mit den Augen. „Dein Tag?“ Für ausformulierte, ordentliche Sätze schliefen noch zu viele von Leslies Gehirnzellen.

      Cat kannte das schon und zuckte daher nur mit den Schultern. „Training war gut, Quarterback war gut. Ironic kommt nach Deutschland.“

      Leslies Augenbrauen schossen nach oben. „Wie? Was?“

      Cat lächelte ein bisschen, aber es war nicht fröhlich. „Esther hat ‘ne gute Verbindung zu ‘ner Warmblutzucht in Deutschland, und die haben Interesse an ihm gezeigt.“ Dann zuckte sie wieder mit den Schultern. „Klar finde ich das schade, aber wenn er da ganz viele Babys kriegt, ist das auch Okay.“

      Das Piepen der Mikrowelle unterbrach das Gespräch. Leslie nahm sich den heißen Teller und setzte sich gegenüber von Cat. Die plapperte sofort weiter. „Außerdem hab‘ ich mit meinem Bruder telefoniert und er sucht ‘nen neuen Job in Deutschland, also würde sich das ja nur anbieten, dass er da auch hinkommt. Vielleicht legt Esther ja ein gutes Wort für ihn ein.“

      Leslie wurde langsam wieder wach, hatte aber einen zu vollen Mund, um großartig zu antworten. Also machte sie nur „hm“ und schob sich den nächsten Löffel Reis in den Mund.

      „Und apropos mein Bruder,“ fuhr Cat unbeirrt fort, gespielt nonchalant. „Er hat bald Urlaub und kommt mich besuchen.“

      Wieder machte Leslie „hm“, diesmal aber länger und mit aufgerissenen Augen. „Heif?“ fragte sie mit vollem Mund. Angewidert verzog Cat das Gesicht. „Bitte, ess mit geschlossenem Mund.“

      Leslie rollte mit den Augen. Als Cat dann nicht weiterredete, rollte sie wieder mit den Augen, machte wieder „hm“ und machte eine bitte-red-weiter-Geste mit ihrer linken Hand.

      „Ich werde dir ganz sicher nicht sagen, ob mein Bruder heißt ist, weil ew.“

      Jetzt war es Leslie, die mit den Schultern zuckte. Sie würde schon einen Weg finden, um das herauszufinden. „Wang?“

      „Im August, zum Sommerfest. Für ein, zwei Wochen, mal gucken, wie es ihm hier so gefällt.“

      Leslie stopfte sich den letzten Löffel Reis in den Mund und ließ ihre Augenbrauen anzüglich spielen. Cat seufzte und stützte ihr Gesicht in eine Hand. „Bitte—“

      Diesmal machte Leslie „mhm-mhm“ und schluckte den letzten Rest Reis hinunter. „Ich kann dir das erst versprechen, wenn ich weiß, ob er heiß ist.“

      Cat schnalzte vorwurfsvoll mit der Zunge. „Was muss ich tun damit du ihn in Ruhe lässt?“

      Leslie verzog das Gesicht, tat so, als würde sie darüber nachdenken. „Du kannst tun was du willst, aber bringen wird das nichts.“ Mit einem Grinsen stand sie vom Tisch auf und stellte den Teller in die Spülmaschine.

      „Leslie, bitte.“

      „Nope.“ Damit winkte Leslie Cat zuckersüß zu und schlüpfte wieder die Treppe hinauf. Sie hatte ein Date mit ihrem Bett.

      chapter nineteen | 07. August 2018
      Seit wenigen Tagen war Lesja jetzt in England, und Cat würde ihn am besten wieder in den nächsten Flieger nach Deutschland setzen.

      Sie saß gerade auf Quarterback, machte sich an die tägliche Arbeit, als vom Reitplatzzaun plötzlich eine laute Stimme „Hände aufstellen!“ rief.

      Cat war zusammengezuckt und Quarterback hatte die Möglichkeit genutzt, um sich aus der Anlehnung zu schlängeln. Wütend drehte sich Cat zu ihrem Bruder rum. „Spinnst du eigentlich?“

      Lesja hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht. „Ich geb hier nur professionelle Tipps, damit du besser wirst.“

      Cat schüttelte irritiert den Kopf, nahm dann wieder die Zügel an und konzentrierte sich wieder ganz auf den Hengst unter sich. Die Senior Trainer waren noch nicht wirklich zufrieden mit dem Trakehner, und Cat tat sich schwer, zu ihm durchzukommen. Deswegen war in letzter Zeit viel Dressurarbeit angesagt, um ihn durchlässiger und schwungvoller zu bekommen. Quarterback, der am liebsten mit dem Kopf durch die Wand wollte, hielt davon wenig, aber daran ließ sich wenig ändern. Vor allem spürte er, wenn der Reiter nicht zu 100% bei ihm war; erst dann fing er an, sich fallenzulassen und kam mit dem Rücken hoch. Gerade schien es, als hätte Cat ihn endlich – der Kopf kam runter, plötzlich fühlte es sich an, als hätte sie nichts in der Hand, als –

      „Hacken runter!“

      Cat wurde aus ihren Gedanken gerissen und Quarterback nahm den Kopf wieder hoch. Frustriert parierte sie den Hengst durch und funkelte ihren Bruder dann böse an. „Sag mal, hast du keine Beschäftigung? Irgendwas?“

      „Ich mache Urlaub. Was soll ich denn machen?“

      „Keine Ahnung, nerv Leslie oder so.“

      „Die hat mich von der Rennbahn verbannt.“

      Cat rollte mit den Augen. „Warum nur,“ meinte sie monoton und ließ Quarterback wieder antreten. Einige Minuten hielt Lesja es aus, dann wimmerte er von der Bande des Reitplatzes: „Cat, mir ist langweilig.“

      „Beschäftige dich,“ antwortete Cat, ohne von Quarterback wegzugucken. Langsam hatte sie ihn wieder.

      „Können wir nicht ausreiten?“

      „Nach der Arbeit.“

      „Wann ist nach der Arbeit.“

      Cat musste ein Seufzen unterdrücken. Manchmal konnte man leicht vergessen, dass Lesja fünf Jahre älter war als sie, und nicht erst fünf. „Gib mir ‘ne halbe Stunde, dann von mir aus.“

      Lesja grinste sie breit an und machte auf den Absatz kehrt – und Cat konnte endlich richtig trainieren. Trotz der Unterbrechnungen machte Quarterback gut mit und schien endlich ein bisschen Spaß an der Dressur zu finden. Zufrieden ließ sie ihn am langen Zügel seine Runden über den Reitplatz drehen, bis sie Hufgetrappel hörte. Als sie sich umdrehte, sah sie Lesja auf sie zusteuern, an seiner Seite Goldie.

      Erst wollte Cat schon etwas sagen – mit Goldie war sie bis jetzt noch nie allein im Gelände gewesen, und wer wusste, wie Quarterback als ziemlich hengstiger Hengst und Goldie als ziemlich stutige Stute miteinander harmonierten. Aber eine andere Möglichkeit gab es nicht; Cobain war noch sehr weit vom zuverlässigen Reitpferd entfernt und Gambit hatte heute Ausdauertraining mit Leslie. Der Rest der Pferde war größtenteils zu jung, nicht eingeritten oder lebte jetzt ein Leben als Deckhengst. Also atmete Cat tief durch, öffnete das Gatter vom Pferderücken aus und, nachdem Lesja im Sattel saß, steuerte den Feldweg hinter der Führanlage an. „Dann gucken wir mal.“

      chapter twenty one | 04. Januar 2019
      Das alte Jahr ging auf Sandringham Manor leise zuende. Während über die Weihnachtsfeiertage die meisten bei ihren Familien zuhause saßen, waren zu Silvester wieder alle auf dem Hof. Es gab kein Feuerwerk, um die Pferde nicht unnötig zu erschrecken; allerdings sah man die Raketen der Nachbarn in einiger Ferne den Himmel erleuchten.

      Für Bernie war Silvester nur eine kleine Verschnaufspause – sie arbeitete jetzt fast jeden Tag mit den Jungpferden und Cobain. Vor wenigen Tagen hatte sie den ersten halbwegs erfolgreichen Reitversuch auf dem Vollblut abgelegt. Zwar war es noch weit von dem entfernt, was es einmal sein sollte, trotzdem war Bernie zufrieden mit dem Hengst. Dafür zeigte sich Dark Royale mehr als ehrgeizig unter dem Sattel; mit ein bisschen Glück konnte der Hengst im Frühjahr voller Tatendrang in seine erste Turniersaison starten. Und auch Painted Taloubet und Dark Innuendo schien die Arbeit langsam Spaß zu machen; bis jetzt war es nur ein bisschen Bodenarbeit, denn vor allem Jitterbug hatte noch genug Zeit, um großzuwerden. Ab und zu durfte sich Bernie dann doch noch in den Sattel schwingen und Ares weiter ausbilden. Nach den zwei Monaten, die er jetzt wieder in ihrer Obhut war, hatte sie den großen Hannoveraner auf ein gutes Level gebracht. Auf dem stallinternen Neujahrsturnier würde sie ihn dann in einer M**-Dressur vorstellen; die Lektionen hatten die beiden die letzten Wochen bis zum Vergasen geübt und sie rechnete sich gute Chancen aus.

      Leslie und Snafu waren um diese Jahreszeit oft im Gelände unterwegs. PFS‘ Gamble Away genoss eine Winterpause weg von der Rennbahn, während PFS‘ Scion d’Or den Sommer auf der Weide sichtlich genossen hatte. Nächstes Jahr soll Goldie ähnlich wie Cobain „umgesattelt“ werden, in der Hoffnung, die kleine Stute fühle sich im Busch deutlich wohler als auf der Bahn. Das bedeutete allerdings auch, dass Snafu sie an einen anderen Jock weitergeben müsste – also will er die Zeit, die ihm noch blieb, intensiv mit der jungen Stute verbringen. Gambit hingegen soll sich noch einmal beweisen – ihm macht das Rennen deutlich mehr Spaß und das zeigt sich auch an den Schleifen an seinem Spind. Sowohl Leslie als auch die Senior Trainer sahen in ihm aber noch ganz viel unentdecktes Potenzial, das er früher oder später ebenfalls unter Beweis stellen konnte. Aber jetzt noch nicht, noch darf er mit Leslie über das Gras rennen.

      Cat hat sich bereits nach einer neuen Arbeitsstelle umgesehen, sich dann aber trotzdem erstmal dazu entschieden, bei Quarterback zu bleiben. Mittlerweile sind die beiden ein eingespieltes Team; sollte Cat den Hof doch noch verlassen, plant sie, den Trakehnerhengst zu kaufen. Dafür will sie 2019 so viel Geld wie möglich zurücklegen, um sich diesen Traum zu erfüllen.

      Es wird außerdem gemunkelt, Esther hätte etwas mit den Ponys vor. Mit ihren Enkeln wieder in der Schule. Jemand der Jocks soll gehört haben, wie sie von einem Bekannten in Irland sprach, der wohl Interesse an Doineann, Medeia und Minou geäußert hätte – jemand anderes behauptete, er wolle den Kaufvertrag für Mánas schon unterzeichnet auf Esthers Schreibtisch liegen gesehen haben. Noch sind alle Ponys da, inklusive Siana, Paramour und Cíola – ob und wie lange die Ponys noch bleiben, ist ungewiss.

      Bis jetzt spricht nichts dagegen, dass 2019 ein gutes Jahr für Sandringham Manor wird. Als das Feuerwerk in der Ferne langsam abklingt und die letzten Wunderkerzen heruntergebrannt waren, sammelten alle ihre Sektflaschen und Gläser wieder zusammen und machten sich fertig fürs Bett. Immerhin war morgen ein neuer Tag, und der begann für viele schon um fünf Uhr morgens.

      chapter twenty two | 09. Juni 2019
      Der Sommer hatte sich allmählich auch nach England geschlichen. Doch heiße Tage bedeuteten nicht, dass man sich ausruhen konnte. Bernie und Leslie hatten allerhand zu tun – Leslie arbeitete zwar nach wie vor für Sandringham Manor, hatte aber in Absprache mit Esther die ein oder anderen auswärtigen Jobs angenommen und war fast jedes Wochenende auf der Rennbahn. Wenn sie nicht gerade dafür trainierte, half sie Bernie und Cat so gut es ging. Gambits Rennkarriere war noch nicht vorbei, Goldie hingegen sollte langsam an die feine englische Reitkunst herangetragen werden – und einem wenn auch nicht großartig erfolgreichem Renn-Galopper zu sagen, er müsse jetzt ruhig bleiben und am besten noch schön den Hals annehmen, war eine Aufgabe für sich. Bernie hatte als Ausgleich noch mit den noch nicht eingerittenen Jungpferden zu tun und das genoss sie sichtlich. Und auch Cat, die sonst sehr auf ihre Sportkarriere versteift war, musste verletzungsbedingt eine Auszeit nehmen – vor wenigen Wochen war sie vom Pferd gestürzt und hatte sich dabei das Handgelenk gebrochen. Und während das verheilte, packte sie so gut wie möglich im Stall an.

      chapter twenty three | 02. Januar 2020
      Bernie feierte Silvester alleine. Alleine war zwar das falsche Wort – immerhin waren noch die anderen Jocks und die Stallburschen da, die schon Wochen zuvor eine aufwendige Party geplant hatten – aber die wichtigsten fehlten. Die zweite Hälfte des Jahres hatte viele Veränderungen mit sich gebracht.

      Leslie hatte einen Job auf einem Gestüt angeboten gekriegt. Auf einem Rennen im Herbst, auf dem sie mit Gambit erfolgreich gewesen war, war ein junger Gestütsbesitzer aus Dublin auf sie zugekommen und hatte ihr seine Visitenkarte mitgegeben. Es hatte an ihr gefressen, aber letztendlich hatte sie sich doch dafür entschieden – dort war sie nicht nur Jockey, sondern schnupperte erste Züchter-Luft. Glücklicherweise war Dublin (noch) nicht unmöglich zu erreichen, und so hatte Bernie sie so oft wie möglich in ihrem neuen Zuhause besucht. Und auch, wenn Leslie vor allem Gambit und Goldie vermisste, musste sie doch zugeben, dass ihr die Arbeit auf dem Gestüt außerordentlich Spaß machte.

      Kurz nach Leslies Abreise musste auch Cat sich verabschieden. Nach einem Todesfall in der Familie hatte sie plötzlich schreckliches Heimweh bekommen. Wochenlang bekam sie nichts mehr auf die Reihe, bevor sie sich dann doch eingestand, dass sie Veränderung brauchte. Deutschland war im Gegensatz zu Irland nicht nur einen Katzensprung entfernt, aber über Snapchat und SMS stand Bernie noch immer mit Cat in regem Kontakt. Bis jetzt war sie noch selbst auf Pferdesuche – bisher aber leider erfolglos.

      Und auch Snafu war mittlerweile nicht mehr Teil des Teams, auch wenn er noch immer im Mitarbeiterhaus rumhängte – immerhin war Beau nach wie vor Stallbursche und würde wohl auch nicht für Snafu seinen Job aufgeben. Die beiden hatten eine kleine Wohnung in Dersingham, nur etwa fünf Minuten Fahrt von Sandringham Manor entfernt. Nach seiner Turnierkarriere wollte Snafu einen radikalen Cut machen – seit er Sandringham Manor verließ, war er bis jetzt nicht wieder aufs Pferd gestiegen. Doch erst diesen Morgen hatte er Bernie ein paar Verkaufsanzeigen gezeigt – so ganz ohne Pferde ging es also doch nicht.

      An diesem Silvesterabend versammelten sich die Jocks in einer kleinen Bar in Dersingham, um dort um 12 das Feuerwerk anzusehen. Bernie aber wollte nachkommen und lieber noch einmal nach den Pferden schauen. Die Ställe waren natürlich voll, aber sie hatte vor allem einen Bezug zu Cobain, Dark Innuendo und Leslies zwei Vollblüter, Gambit und Goldie. Cobain war dieses Jahr förmlich aufgeblüht und machte sich langsam aber sicher toll unterm Sattel. In ein paar Monaten konnte er bestimmt seine ersten Turniere bestreiten. Ähnlich bei Gambit und Goldie – beide waren dieses Jahr sporadisch Rennen gegangen, doch jetzt im Winter sollten sie dann endgültig „umgepolt“ werden. Zunächst bedeutete das, dass Bernie sie viel longierte und ihnen dabei beibrachte, schön vorwärts-abwärts zu laufen. Dark Innuendo war da schon ein bisschen weiter – mit ihren fünf Jahren stand das Einreiten auf dem Plan. Sattel und Trense hatte sie gut angenommen, ebenso wie das Reitergewicht. Mit ein bisschen mehr Arbeit sollte sie wohl in den nächsten Wochen dann auch vom Sattel ausgebildet werden. Vor wenigen Tagen hatte Esther allerdings ihren Plan mit der Hannoveranerstute preisgegeben – sobald sie ordentlich eingeritten war, sollte sie verkauft werden.

      Um halb 12 machte Bernie noch eine kleine Runde durch den Stall und streichelte ein paar weiche Nasen, bis sie sich auf den Weg nach Dersingham machte. Das neue Jahr sollte ja gebührend eingeläutet werden.
    • Gwen
      Pflegebericht 23.05.2020 - Der Umzug

      Es ging nach England. Der Flug war lang und ich flog nicht besonders gerne. Während ich also die fast neun Stunden angespannt auf meinem Platz saß, fühlte sich Ciaran anscheinend pudelwohl. Er las, hörte Musik, bestellte Essen und erzählte mir viele unnötige Dinge, welche ich kaum mitbekam, weil ich in meinem Kopf bereits alle Szenarien durchging, mit welchen wir abstürzen und sterben konnten.
      Als wir in England landeten, war ich dementsprechend übermüdet und vollkommen fertig. Bernie musterte mich zweifelnd, ehe sie lachte. Natürlich wusste sie um meine Flugangst und auch Leslie schüttelte nur grinsend den Kopf. "Danke für eurer Mitleid!", jammerte ich theatralisch, schob mir, nachdem wir den Flughafen verlassen hatten, aber auch direkt eine Schmerztablette in den Mund.
      Für uns ging es dieses Wochenende nach Sandringham Manor, ein wunderschönes Anwesen in England, welches sich auf Vollblüter spezialisiert hatte, sich aber aktuell verkleinerte. Natürlich hatte Bernie mir direkt geschrieben und eine junge Stute dargeboten. Weder Ciaran noch ich konnten da nein sagen, doch wir wollten sie natürlich vorher sehen. Also war unsere erste Tat, direkt in den Stall zu gehen und PFS' Scion D'Or, liebevoll Goldie genannt, kennenzulernen.
      Goldie wurde dieses Jahr fünf Jahre alt, war für ein Vollblut mit 176cm nicht gerade klein und ein wunderschöner Palomino. Sie war die Halbschwester einer Vollblüterin, welche bereits in meinem Stall stand und stammte aus der gleichen Zucht: Pineforest Stable. Ein Name, der nicht unbekannt war und sehr für das Pferd sprach.
      Goldie wurde uns zunächst vorlongiert, dann vorgeritten und dann schwang erst Ciaran und dann ich mich auf sie. Eigentlich war schon von Anfang an klar gewesen, dass wir sie nehmen würden, aber selbst bei sehr guten Freunden ging ich auf Nummer sicher. Die Stute hatte einen einwandfreien TÜV und die große AKU war auch bereits gelaufen. Somit würde sie morgen mit uns nach Kanada reisen, denn für den Flug hatten Bernie und Leslie auch schon alles vorbereitet.
      Wir würden heute noch auf Sandringham Manor genießen und morgen früh starten. Für heute hatten die beiden für uns einen herrlichen Ausritt durch England geplant und ein großes gemeinsames Abendessen. Ich liebte die Gastfreundlichkeit der Engländer und genoss die zwei Tage Ruhe fernab von all dem Stress. Wir unterschrieben direkt den Kaufvertrag und alle nötigen Papiere, ehe wir uns dem Vergnügen widmeten.
    • Gwen
      Pflegebericht 29.05.2020 - Neue Gesichter, Veränderungen und doch bleibt alles beim Alten

      Es war Ende Mai. Ostern und Himmelfahrt waren bereits geschafft, nun stand Pfingsten an. Beliebte Feste, um auch diverse Turniere zu veranstalten und so waren unsere Wochenenden immer randvoll gefüllt und wir kamen beinahe gar nicht hinterher mit der Arbeit. Ich sowieso nicht, neben meinem Dasein als Bereiter und Trainer, versuchte ich auch weiterhin meine Pferde selbst auf Turnieren vorzustellen, eben auch international und das war zeitlich manchmal kaum zu schaffen, besonders, wenn man ganz locker flockig nebenher noch eine Ranch und einen Ausbildungsbetrieb leitete.
      Die Anmeldungen für die Pfingstturniere waren bereits raus und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Dennoch ging es bei uns entspannt zu. Wir hatten einen festen Rhythmus und so konnte alles in Ruhe stattfinden. In letzter Zeit hatten wir viele neue Pferde begrüßen dürfen, denn wir hatten ein wenig aufgestockt. Somit hatte sich die Weidekonstellation ein wenig verändert und besonders das Eingewöhnen der Neuen hatte durchaus ein wenig Zeit beansprucht, aber alle waren bisher mehr als gut angekommen.
      Aktuell hatten wir eine Jungpferdeherde bestehend aus vier Hengsten. Neben den altbekannten Gesichtern, PFS' Disparo de Fiasco und Stolen Dance, waren zwei neue Jungspunde eingezogen. Zum einen Carino di Royal Peerage und Flavor's Feverdream. Die beiden hatten sich inzwischen bestens eingelebt und die Konstellation der vier Junghengste war wirklich sehr angenehm und passt für dieses Jahr wunderbar. Eventuell würden wir sie den Sommer über in die Berge schicken, doch so richtig sicher war ich mir noch nicht, zumal Fiasco bald mit dem Training würde beginnen können.
      Bei den Sportponys hatte sich nicht zu viel verändert. Unsere eigenen Nachzuchten starteten dieses Jahr langsam durch. Hollybrook's Arce und Ohnegleichen liefen bereits erfolgreich Turniere. Nuriya und Prismatic waren noch in der Vorbereitung, machten sich jedoch mehr als gut. Auch über die beiden neuen Stuten Chatana und Golden Flair konnte ich mich nicht beschweren, denn sie erfüllten ihren Soll zur Genüge.
      Mein besonderes Augenmerk lag hingegen auf unserem Neuling Caspian. Nachdem Golden Flair und Blue Moon's Caradoc zu uns gezogen waren, hatte ich neugierig ihre Nachkommen durchstöbert und war kurzerhand auf Caspian gestoßen und hatte mich sofort verliebt. Kurz darauf war der wunderschöne Schecke zu uns gezogen und erweiterte nun unsere Zucht, genauso wie der Rappe Bartholomäus.
      Beide Hengste waren noch im Aufbautraining, doch man sah bereits gute Fortschritte und ich war sehr optimistisch, dass sie diesen Sommer noch die ein oder andere Schleife nach Hause bringen würden. Bei unseren Alteingesessenen machte ich mir da keine Sorgen. Altair und Ohnezahn hatte ich dieses Jahr etwas zurückgehalten, genauso wie Neelix und Dead Memories. Stattdessen widmete ich viele Starts Zipje und Andvari, damit die Jüngeren auch zum Zug kamen.
      Nur bei Back To Business wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Schönen machen sollte. Aktuell trudelten viele Zuchtanfragen ein und mit Bedacht wählte ich passende Stuten aus, aber ansonsten kam er doch manchmal etwas zu kurz. Nichtsdestotrotz hatte er einen soliden Trainingsplan, welcher strikt verfolgt wurde.
      Gleiches galt für die Damen. Nayala, Ameya, Tawny Bawny und Snow White Cassedy standen gut im Training, auch wenn sie dieses Jahr weniger Turniere gingen. Doch da mussten die Erfahrenen auch mal den Unerfahrenen Platz machen. Beispielsweise Moon's Gealach, welche langsam routinierter wurde, was Turniere betraf.
      Ich schickte meist ein erfahrenes Pferd mit einem jungen auf Turniere und dieses Prozedere klappte mehr als gut. Zufrieden musterte ich die vor mir grasende Herde, während ich mir über die Turniersaison Gedanken machte. Vor mir standen Sinfonie, Shenandoah, Smoke Cream und Ensnare the Sun. Alle vier Stuten grasten zufrieden und wenn genau hinschaute, konnte man am Horizont auch die Silhouetten von Ceredwen und Fagy ausmachen.
      Wir hatten unser Weideland ein wenig ausgebaut und so im Sommer nun riesige Weiden und die Pferde genossen es auch wirklich. Auch die Großpferde hatten dieses Jahr gut zu tun. Pinero und Panino sammelten weiter Schleifen, während Kedves und Khadir dieses Jahr eher im Home-Office blieben. Aspantau und auch Herbstblüte brachte ich nach und nach in die Turniere ein, hatte aber eben manchmal nicht genug Reiter.
      Und dann gab es da unsere beiden Neulinge: PFS' Sarabi und PFS' Scion D'Or. Zweitere stammte von einer guten Freundin, welche sich ein wenig verkleinert hatte, während erstere noch direkt von Pineforest zu uns gekommen war. Witzigerweise fiel mir erst im Nachhinein auf, dass die beiden Stuten nicht nur aus der gleichen Zucht stammten, sondern auch noch Halbgeschwister waren.
      Sarabi war nun bereits gut einen Monat bei uns und hatte sich bereits gut eingelebt. Goldie hingegen war erst seit zwei Tagen da und stand deshalb noch auf einer Extra-Weide. Dennoch hatte sie schon immer mehr Kontakt zu den anderen und der Plan war, sie mit Raffinessca und Sarabi demnächst zusammenzustellen, damit sie allmählich eingegliedert werden konnte.
      Es gab also viel zu tun, doch ich war mehr als zufrieden damit und genoss die schöne Zeit einfach so wie sie war.
    • Gwen
      Pflegebericht 11.07.2020 - Galoppstrecke

      Mein Wecker klingelte kurz nach vier Uhr morgens. Halb fünf waren PFS' Scion D'Or und PFS' Sarabi geputzt, eingedeckt und hatten ihre Transportgamaschen um. Ciaran fuhr den Jeep samt Hänger vor und ich schickte die beiden in den Hänger. Die beiden waren trotz ihres jungen Alters super routiniert, weshalb sie ohne zu Mucken alleine auf den Hänger gingen. Ich band sie vorne an, schloss hinter ihnen die Stange und dann ging es schon los.
      Zwei- bis dreimal die Woche ging es nach Dauphin auf die Rennbahn. Normalerweise war das nicht unser Milieu, aber seitdem wir die beiden Nachwuchssportler aus der Pineforest Zucht hatten, wollten wir ihr Potenzial doch noch ein wenig fördern. Immerhin hatten beide bei ihren Vorbesitzern noch voll im Training gestanden. Wir brauchten circa eine halbe Stunde bis zur Bahn.
      Dort warteten bereits unsere beiden Trainingsreiter auf uns. "Guten Morgen!", begrüßte ich die beiden lächelnd. Ich hatte mich bei der Wahl nicht leicht getan, war aber inzwischen mehr als zufrieden. Wir luden die beiden Stuten aus, sattelten sie und schickten sie dann mit ihren Jockeys auf die Bahn. Dort wurden sie in Ruhe aufgewärmt und dann durften sie heute ein Trainingsrennen gegeneinander laufen.
      "Aber nicht bis aufs Äußerste, haltet sie locker und gerne auch eher nebeneinander, um sie anzuspornen", gab ich noch kurze Anweisungen, ehe die beiden verschwanden. Die Zeiten der Stuten waren heute mehr als solide. Ich war zufrieden. Lächelnd saßen auch die beiden Reiter auf den Pferden, lobten sie ausgiebig und ritten sie ab. Danach übernahmen wir wieder.
      Ciaran schnappte sich Sarabi, ich Goldie. Wir sattelten sie ab und spritzten sie ausgiebig ab. Dann bekamen sie ihre Abschwitzdecken über und wurden trocken geführt, ehe es wieder in den Hänger und zurück auf die Ranch ging.
    • Gwen
      Pflegebericht 14.07.2020 - Umbau

      Einige Veränderungen standen bei uns aus. Lange hatte ich überlegt und mit mir gerungen, doch die Ranch sollte einen neuen Anstrich und einige kleine Veränderungen bekommen. Bisher hatte das uns nicht wirklich beeinträchtigt. Es hatte sich um neue Trainingsmöglichkeiten und Weiden gehandelt, so dass wir ganz gut normal hatten weiterarbeiten können. Doch auch das Stallgebäude sollte komplett erneuert werden und somit mussten die Pferde zwischenzeitlich umziehen.
      Vorgestern waren die vorerst letzten Berittpferde abgeholt worden, so dass nur noch unsere eigenen da waren. Zum Glück hatte ich tolle Freundinnen und damit Nachbarn, die zu gerne meine Vierbeiner für einige Wochen bei sich aufnahmen. Mit den Jungpferden war das sowieso kein Problem, die vier Chaoten brachte ich für die Zeit auf die Bergwiesen, welche ich grundsätzlich sowieso jährlich für die Jungpferde pachtete. Aber die anderen sollten natürlich weiterhin im Training stehen.
      Außerdem hatten Lena, Elena und Elisa mir zugesagt, mich beim Training zu unterstützen, weil natürlich die zusätzlichen Wege auch Zeit fressen würden. Ich war mehr als dankbar.
      So teilte ich die Pferde so auf, dass jeder einen Teil zu trainierender Sportler hatte und aber auch welche, die aktuell eher nicht auf Turniere mussten. Das funktionierte besser als gedacht und da ich den Wechsel schon länger plante, waren auch alle vorbereitet. Auch mein Team teilte ich zu den Nachbarstallungen auf, so dass jeder immer nur zu einem Stall fuhr und dort die jeweiligen Pferde arbeitete. Effizienz war das Stichwort.
      Hazel würde sich um unsere Schützlinge auf Crescent Acres kümmern. Ciaran und Celeste schickte ich nach Sanssouci, denn dort standen die zweitmeisten Pferde von uns. Und ich kümmerte mich um die Schützlinge, welche Zuflucht auf Townsend Acres fanden. Dementsprechend zogen dort auch meine Kandidaten ein: Altair, Ohnezahn, Ohnegleichen...
      Dieses Wochenende standen die Umzüge statt und wir ritten zum großen Teil die Pferde in ihre jeweiligen neuen Stallungen. Ich dankte meinen Freundinnen tausend Mal als wir abends dann alle beisammen saßen und von den Männern begrillt wurden, während wir mit einem guten Sekt anstießen. "Ich bin ja echt gespannt, was du dir alles so ausgedacht hast", meinte Elena und grübelte. Ich hatte bisher nicht verraten, was alles angedacht war, umso gespannter waren natürlich alle.
    • Gwen
      Pflegebericht 06.08.2020 - Morgenrundgang

      Es war ein kühler Morgen und als ich das Fenster öffnete, fröstelte ich leicht. Tief über die Wiesen zogen die Nebenschwaden hinweg und man beinahe gar nichts bei der weißen Wand. Gähnend streckte ich mich und schlüpfte in warme Sachen, um hinunter in die Küche zu gehen.
      Dort setzte ich mein Teewasser auf und fütterte die Hunde und Ivy. Alle drei warteten bereits ungeduldig auf ihr Frühstück. Ich goss mir meinen Tee auf und setzte mich, in eine warme Jacke gekuschelt, auf die Terrasse, während die Hunde das erste Mal herauskonnten.
      Nachdem ich meinen Tee getrunken hatte, ging es hinaus in den Stall. Es war erst kurz nach sechs und dementsprechend döste auch der Großteil der Pferde noch. In aller Ruhe begann ich das Kraftfutter zu verteilen und während alle fraßen, teilte ich schon das frische Stroh und Heu vor den Boxentüren auf.
      Danach ging es für alle hinaus auf ihre Weiden. Manch einer war noch nicht so überzeugt von dem Nebel und lief eher zögerlich los, während andere wie gewohnt in Galopp davonstürzten. Ich huschte wieder in den Stall und begann die Boxen zu misten. Da die Pferde nur nachts drinstanden, war das im Nu erledigt.
      Neues Stroh hinein, dann das Heu für die kommende Nacht und abschließend das Kehren der Stallgasse. Dann konnte ich in der Futterkammer bereits die Dosen für den Abend vorbereiten, und während ich das tat, hatte ich die großen Stalltüren geöffnet, damit es einmal kühl durchlüftete. Unser Stall war immer sehr gut durchlüftet, aber es schadete auch nie, nochmal die Morgenluft hinein zu lassen.
      Alles war fertig, so konnte ich die Hunde und die Katze einsammeln, die munter ihre Morgenrunden über die Ranch machten und zurück zum Haus gehen, um selbst erst einmal zu frühstücken und dann mit der Arbeit mit den Pferden zu beginnen.
    • Gwen
      Pflegebericht 22.12.2020 - Frohe Weihnachten!

      Es war so weit: Meine allerliebste Zeit im Jahr rückte immer näher - Weihnachten. Den gesamten Dezember über hatten wir dies mehr oder weniger zelebriert. Die Stallungen und das Wohnhaus waren liebevoll geschmückt, wir hatten zu jedem Advent einen Familienausritt gemacht, bereits Plätzchen gebacken und abends saß ich nur zu gerne mit einer heißen Schokolade vor unserem Kamin. Noch zwei Tage, dann war Weihnachten. Ich hatte bereits alle Geschenke zusammen, alles war verpackt und gut versteckt in meinem Schlafzimmer.
      Hazel und Celeste hatten heute ihren letzten Tag für dieses Jahr, dann würden sie nach Hause zu ihren Familien fahren. Wir beendeten das Jahr dementsprechend mit einem kleinen gemeinsamen Ausritt. Hazel ritt PFS' Sarabi, ich nahm PFS' Scion D'Or, Celeste ritt Smoke Cream und Ciaran begleitete uns auf Shenandoah. Es war nur eine kleine entspannte Runde durch den tiefen Schnee und die morgendliche Sonne. Dann versorgten wir die Pferde und Hazel und Celeste halfen uns noch bei den letzten Stallarbeiten.
      Zum Abschluss des Tages machten wir einen kleinen Spaziergang mit unseren Zwergen. So wurden auch die Jüngsten noch etwas betüddelt. PFS' Disparo de Fiasco und Stolen Dance machten sich prächtig und würden bald in die Ausbildung genommen werden. Carino di Royal Peerage hatte vor kurzem tatsächlich seine zweite Fohlenschau gewonnen und war somit schon zur Zucht zugelassen. Flavor's Feverdream und PV Noodle in Love hingegen genossen voll und ganz ihr Fohlendasein und den Unterschied merkte man auch bei dem Spaziergang. Immerhin hatten alle Jungs tüchtig Flausen im Kopf und wir waren mehr als dankbar, als wir wieder am Stall ankamen.
      "Bitteschön ihr zwei!", meinte ich danach lächelnd und drückte jedem ein liebevoll verziertes Paket in die Arme. "Eure Weihnachtsgeschenke", meinte ich grinsend, während die beiden Mädels mich ungläubig anstarrten. "Aber erst zu Heiligabend öffnen!", mahnte ich grinsend und freute mich innerlich jetzt schon über ihre Gesichter. Hazel hatte ich einen neuen Reithelm besorgt, denn zuletzt war sie böse gestürzt und hatte sich notgedrungen einen neuen holen müssen, der ihr aber nicht gefiel.
      Celeste hatte von mir wiederum neue Stiefeletten erhalten. Da sie meist nur in Stiefeln herumlief und oft über Blasen jammerte. So würde sie dahingehend nicht mehr so viel Sorge haben müssen. Die beiden fuhren heute gemeinsam nach Hause. Zum Abschied winkte ich ihnen, ehe ich mich zu grinsend zu Ciaran umdrehte. "Na? Und wann fährst du?", fragte ich lächelnd, dabei war die Frage tatsächlich ernst gemeint. Ciaran schaute mich jedoch nur irritiert an. "Wie fahren? Ich bleibe natürlich hier", meinte er brüsk und ich starrte ihn ungläubig an.
      "Als ob ich dich zum Weihnachtsfest alleine lasse!", murrte er, ehe er grinste. Meine Familie konnte aufgrund der aktuellen Situation nicht kommen, da sich ein positiver Fall aufgetan hatte. Also hatte ich entschieden, Weihnachten einfach entspannt mit Ivy und Clyde zu feiern. Eigentlich hatte ich mir das auch sehr nett vorgestellt, aber es war natürlich lieb von Ciaran, wenn er blieb. "Hey Moment!", quietschte ich entsetzt und überrascht drehte sich Ciaran um und schaute mich fragend an. "Dann muss ich ja kochen", seufzte ich nur und bemitleidete mich selbst, während Ciaran in schallendes Gelächter ausbrach.
    • Gwen
      Pflegebericht 15.05.2021 - Durchwachsenes Jahr

      (für Caspian, Ohnegleichen, Prismatic, Bartholomäus, Ohnezahn, Altair, Neelix, Dead Memories, Blue Moon's Caradoc, Hollybrook's Arce, Nuriya, Chatana, Snow White Cassedy, Tawny Bawny, Ameya, Nayala, Moon's Gealach, Golden Flair, Raffinessca, Andvari, Valentine's Candy Fireflies, Ceredwen, PFS' Scion D'Or, PF' Sarabi, Aspantau, Smoke Cream, Shenandoah, Panino, Pinero, Sinfonie, Kedves, Fagy, OV Noodle in Love, Flavor's Feverdream, Carino di Royal Peerage, Stolen Dance, PFS' Disparo de Fiasco)
      Bestimmte Rahmenbedingungen machten dieses Jahr extrem anstrengend. Insbesondere das Wetter spielte aktuell einfach verrückt. Normalerweise hatte man in Kanada immer ganz klar abgegrenzte Jahreszeiten und konnte sich sehr gut auf das Wetter verlassen. Dieses Jahr nicht. Wir hatten Mitte Mai und es zog teilweise ein Sturm nach dem anderen über den Nationalpark. Doch in den nächsten Wochen sollte es besser werden. Die Pferde wurden aktuell schon ausgiebig angeweidet, bekamen langsam wieder ihr Sommerkleid und ich hatte schon die ersten Nennungen getätigt. Bald würde die Saison auch wieder für uns starten und dann würde es hoffentlich so erfolgreich weitergehen wie die letzten Jahre.
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  • Album:
    Weststallungen
    Hochgeladen von:
    Gwen
    Datum:
    29 Mai 2020
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  • Rufname: Scion, Goldie
    Geburtsjahr: 2015

    Von: Stromer
    Aus der: Lady Fantasy
    (von: Muskat)

    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Palomino
    Stockmaß: 176cm

    Beschreibung:
    Scion ist ein wahrer Sonnenschein und auch wenn ihre Eltern beide misstrauisch sind, so ist davon bei ihr nichts mehr zu spüren. Verschmust und stehts gut gelaunt, galoppiert sie einem mit großen Sprüngen auf der Wiese entgegen und zaubert einem jeder Zeit ein kleines Lächeln auf die Lippen.
    Scion erbte ihre hübsche Farbe von ihrem Vater und trägt diese auch mit stolz. Sie ist sehr reinlich und hinterlässt kaum einen Krümel Dreck auf dem hellen Fell. Putzen macht bei ihr also keine Freude, denn es dauert länger das Putzzeug zu holen, als sie zu putzen.

    PFS' Scion D'Or stammt aus der Zucht Pineforest Stable.

    Ersteller: Occulta
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Occulta

    Galopprennen L - Dressur E - Springen E
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    415. Galopprennen - 429. Galopprennen - 446. Galopprennen - 492. Galopprennen
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    Bestes Stutfohlen September 2016, Note: 6.4