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Gwen

PFS' Sarabi

Englisches Vollblut ♀

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PFS' Sarabi
Gwen, 3 Apr. 2020
    • Gwen
      Leben auf Pineforest Stable

      Pflegebericht 22.09.2016 - Turniere & Neuankömmlinge!
      © Sosox3
      Meine Pferde hatten sich bis jetzt alle eingelebt und gingen ihren Üblichen Aufgaben nach. Ich hatte gerade die Pferde gefüttert und mich dann ins Reitstübchen gesetzt um in Ruhe meinen Morgen zu beginnen. Der warme Latte Macchiato vor mir half mir gerade dabei, ebenso die Zeitung die ich gerade durchstöberte. Die letzten 3 Tage hatte es in der Hauptstadt mehrere Erdbeben der Richterskala 5 und weniger gegeben, was mich etwas beunruhigt hatte. Smetti war vor 2 Tagen wieder bei uns angekommen, nach seinem Auftrag in Kanada und schlief seitdem etwas länger. Je mehr ich die Zeitung durchstöberte, desto mehr kleinere und interessantere Artikel fand ich, bis ich auf ein kleines Ausschreiben vom Zuchtverband traf. Ein Dressurturnier der Klasse E mit tollen Gewinnen, wenn auch etwas mehr Startgeld, aber dafür waren die Gewinne interessant. Ich würde wohl sicher dran teilnehmen, wie es mit Abby, Val und Smetti stand, konnte ich nur erfragen und das stand auch gerade auf meiner Liste. Val war gerade bei Cleavant und Abby mistete gerade die Boxen der Schulpferde, also machte ich mich auch gleich auf den Weg dorthin. Die Kühle Morgenluft und dichter Nebel begrüßten mich gleich sobald ich die Tür aufmachte. Dafür würde der Tag heute wohl wieder etwas sonniger sein, als die letzten. Abby mistete gerade die Box von Magic Attack, der gleich etwas brummelte als ich durch die dichte Nebelschicht auf die 2 Mädchen zu kam. „Morgen ihr beiden. Habt ihr gut geschlafen?“, fragte ich und bekam ein Nicken entgegen. „Gut, ich hab da was für euch“, mit diesem Satz erkannte ich dann auch gleich die Neugierde in ihren Augen. „Was denn?“, fragte meine Cousine neugierig und legte den Kopf etwas schief. „Ein Dressurturnier der Klasse E mit tollen Gewinnen. Startgeld übernehme ich, sodass sich das für euch etwas mehr lohnt. Ihr könnt lernen und ich könnte mit meiner Erfahrung vielleicht was reißen“, erzählte ich ihnen und lächelte. „Joa, das wäre Mal was Anderes für uns. Und es wären Cleavants und mein erstes Turnier“, schwärmte sie schon. Nur Abby blieb etwas skeptisch. „Mit wem soll ich denn Teilnehmen?“, murmelte sie ziemlich leise. „Such dir eines aus, hast ja viel Auswahl“, lächelte ich wieder. „Dürfte ich mit Rising Star teilnehmen?“, fragte sie zögerlich und ich nickte. „Noch ist sie ja am Kondition aufbauen, verlernt hat sie aber nichts und da sie ja etwas mehr Erfahrung hat, kannst du sie gerne auf dem Turnier reiten“, ich seufzte kurz auf, „Dann fehlt nur noch mir das Pferd. Ich könnte eigentlich mit Balerine oder Arza dran teilnehmen um die Beiden langsam in den Turniersport reinzubringen“, sagte ich und drehte mich dann um. Erstmal musste ich mich jetzt um meine Aufgaben kümmern. Nämlich meine Pferde trainieren. Und die erste war Alinghi. Mit noch müden Augen sah sie mich an; Ihr Futter noch nicht leer und sie hatte die halbe Mahlzeit noch in ihrem Mund. „Friss ruhig weiter. Ich hol schon mal dein Zeug“, redete ich mehr mit mir selber als mit der Stute. Ich stolperte fast in die Sattelkammer als ich sie betrat und ging die Reihe der Spinde durch. Glücklicherweise stand ihr Spind relativ am Anfang und ich musste den Sattelwagen nicht so weit hin und her ziehen. Ich nahm ihren Dressursattel, ihre Trense, die hellblaue Schabracke samt passenden Bandagen und ihren Putzkasten, welcher ebenfalls hellblau war. Ich machte einen Schritt langsamer und gab mir mehr Zeit mit dem Transportieren der Sachen. Ich hatte wohl vergessen die Boxentür zu schließen und so schaute sie mich neugierig aus der offenen Tür an. „Um Gottes Willen“, fluchte ich und legte wohl doch wieder einen Schritt zu. Doch wie Alinghi nun mal war, blieb sie nur neugierig in ihrer Box stehen und ließ sich von mir das Halfter über den feinen Kopf ziehen. Ich schnappte mir den Hufkratzer vor ihrer Box und kratzte ihr die Hufe aus, damit sie die Stallgasse nicht so vollsaute und band sie dann an ihrer Box an um in der nächsten Sekunde ihr das Fell zu striegeln. Ihr Fell war noch dreckig von der Weide gestern Abend und ich hatte heute das Glück, dass der Dreck und der Matsch getrocknet waren und nun ganz einfach weg zu kriegen waren. Nur die weißen Abzeichen wurden nicht heller als ein graubraun. „Wirst du nach der Arbeit eben einfach abgespritzt“, zuckte ich mit den Schultern und sah mir ihre ungerade Mähne an. Ich grübelte einen Moment und nahm mir dann doch die Schere und begradigte dann die zu langen Strähnen. Dann nahm ich den Sattel samt Schabracke und sattelte sie auf. Die Bandagen folgten und zu guter Letzt trenste ich sie um kurz darauf auf zu steigen. Die beschlagenen Hufe klapperten nun in Herrgotts Frühe über den asphaltierten Hof und weckten die noch so kleinsten Tiere aus. Oder weckten ihre Neugier. In der Halle angekommen stieg ich wieder ab, gurtete erst nach und schloss dann hinter uns das Tor, ehe ich vor uns nochmal das Tor öffnete und schloss. Alinghi folgte mir brav, aber immer noch langsam in die Mitte der Halle, damit ich in aller Ruhe aufsteigen konnte und im Schritt ein wenig warm wurden. Ich ritt zwei Bahnen im Schritt ehe ich sie eine halbe Bahn im Trab ritt um dann wieder in den Schritt durchzuparieren. Ich merkte wie sie lockerer wurde und so trieb ich sie zunächst in den starken Schritt um dann Schritt – Trab-Übergange zu üben und es ein wenig flüssiger laufen zu lassen. Hauptbestandteil des heutigen Trainings waren also die Übergänge in jeder Gangart zu wiederholen und auch ein Auge auf die Traversalen zu werfen, die wir momentan festigten. Als wir dann zu guter Letzt ein Cool-Down vollzogen, schnaubte Alinghi gut und ordentlich ab bis ich sie zum Stall ritt und dort abstieg, damit ich ihr das Sattelzeug vom Körper nahm und sie dann mit ihrem Halfter als erste auf die Weide stellte. Abby nahm sich in der Zwischenzeit mal Meister Propper vor, der in der Weidezeit wie ein Hefekuchen aufgegangen ist um ihn Dressurmäßig etwas zu fördern. Ich machte mich dann von der Weide gleich zum Offenstall rüber und überprüfte ob meine Stuten genügend Wasser hatten. Glücklicherweise war dies der Fall und ich schaute rasch über das Heu, das fast leer war. Also ging ich rüber zu unserer Scheune und holte mit der Schubkarre zwei Heuquader mit zum Offenstall um diese dort zu verteilen. Die Pferde stürzten sich gleich auf mich und zu meinem Glück verstand Arza sich gut mit den anderen fünf. Sie drängte sich fast alle neben mich und stürzten sich regelrecht auf das Heu, was mich etwas stutzig machte. „Ihr seid mir welche. Noch genügend Heu in der Raufe, sich aber erst dann drauf stürzen, wenn neues kommt“, schmunzelte ich und äpfelte den Offenstall ab. Anfang nächsten Monats wollte ich die Reitschule eröffnen, damit ich einen Nebenverdienst hatte und mein Gestüt etwas bekannter wurde, in etwa wie meine Hufschmiede. Zudem würde ich mit dem Erlös der Reitstunden, den Pferden neue Ausrüstung und einen Trainer ermöglichen, welcher sie neben uns hier und da mal Korrektur ritt. Im Laufe des nächsten Monats würde es dann auch ein kleines Turnier geben und einen etwas größeren Ausritt wollte ich auch noch organisieren. Also stand noch so einiges auf dem Plan neben dem normalen Training. Ich sah auf den Plan auf meinem Handy. Balerinë stand für heute noch mit auf dem Plan, ebenso noch Rising Star. Doch sie schlummerte noch tief in ihrer neuen Box, die sie bewohnte seitdem ich Calorro abgesetzt hatte. Also schnappte ich mir Bali, die mir nur mürrisch folgte und führte sie zu einer der Freien Boxen um sie dort anzubinden. Wie immer genoss der Rappe meine massageartigen Bewegungen über ihr Fell und sattelte sie mit ihrer pinken Eskadron Schabracke. Ihre Beine bandagierte ich mit passenden Bandagen und legte ihr die Trense an. Die weißen Abzeichen waren auch bei ihr eher grau, denn die letzten Tage hatte es geregnet und der Boden der Weiden und auch in beiden Offenställen war weich und teilweise matschig geworden. In umliegenden Dörfern gab es Überschwemmungen und Erdrutsche. Mehrere Menschen waren als vermisst gemeldet worden und wahrscheinlich würden sie auch nie mehr gefunden, aber wir hatten Glück gehabt. Unsere Wege waren alle samt nur ein wenig matschig, mussten aber nicht geräumt werden. Bali ging artig unter mir und hatte sich in der Zeit bei uns echt gut gemacht. Ebenso Bonbone, die jetzt im Springsport auch S- Springen ging und Platziert wurde. Das hätten wir uns nie erträumen können mit ihr, ganz zu schweigen wie sie am Anfang war. Ich überlegte ob ich eines der Jungpferde mitnahm und nahm Bali die Trense wieder ab damit ich sie am Halfter anbinden konnte. Ich sputete mich etwas zur Weide meiner Stuten und nahm mir Maekja ans Halfter. May folgte mir artig und sah Bali nur neugierig an als wir die Stallgasse betraten, damit ich Maekja schnell säuberte, damit sie mitkam. Dann band ich sie am Sattel an und trenste Bali noch einmal auf. Der armen musste es wohl genauso komisch vorkommen, wie wenn ich mich zwei Mal umziehen würde. Ich stieg auf und ritt dann an unseren Weiden vorbei geradewegs in den Wald. Da es noch früh und dazu noch nebelig war, ritt ich nur im Schritt und achtete auf alles in meiner Umgebung. May begann hier und da mal zu trab, hielt sie mit meiner Gerte aber immer wieder zurück. Bali hatte ein aufmerksames Ohrenspiel aufgrund dessen und so trabten wir ein kleines Stück damit das Jungtier hinter uns auch auf ihre Kosten kam. Nach fast 200m parierte ich sie wieder durch in den Schritt und sah mir die Umgebung genauer an. Allmählich stieg der Nebel auf und man sah mehr als zu dem Moment, zu dem ich los ritt. Hier und da sah ich auf meine Uhr und trat gegen 10 Uhr den Rückweg mit den beiden an. Sie stichelten öfter einander als es mir lieb war und May erschrak viel öfter als ich vermutet hatte.

      Auf dem Hof angekommen lief mir mein Partner über den Weg und sah mich müde an. „Wo warst du?!“, fragte er mich wütend und verschlafen zugleich an. „Ich…ähm…war ausreiten?“, sagte ich zögerlich und deutete auf die beiden Pferde neben mir. Er kniff die Augen zusammen und äffte mich nach. „Das sehe ich.“ „Sei mal nicht so gereizt. Ich war eine Runde ausreiten und wollte dich sobald du wach bist fragen ob ich dich mit Dash auch an einem Dressurturnier einschreiben soll…“, sagte ich etwas mieser gelaunt und sah ihn fragend an. „Nein, ich komme mit zum Fotografieren.“ „Okey“, sagte ich kurz angebunden und führte die Isländerstute zur Weide und Bali im Anschluss in den Stall. Die Rappstute war nicht sonderlich geschwitzt und so durfte sie auch mit auf die Weide nachdem ich ihr Sattelzeug verstaut hatte. Ich brauchte eine Pause. Dringend und so setzte ich mich ins Reitstübchen und machte mir einen Tee. Ich schaute während ich die Zeitung durchblätterte zu Abby in die Halle, wie sie Acacia versuchte zu arbeiten, die sich aber ziemlich schwer tat unter der noch recht unerfahrenen Reiterin. Als ich sie im Schritt erwischte, rief ich sie kurz an. „Abby, nimm die Zügel etwas kürzer und gib ihr öfter Paraden. Beschäftige Acacia. Wenn du sie forderst, arbeitet sie brav wie ein Lamm mit“, gab ich ihr einen Rat und legte nach ihrem „Okey“ auf. Ich sah auf die Zeitschrift und sah auch gleich zwei Interessante Pferde. Einen siebenjährigen Criollohengst, der unterm Sattel noch nicht gearbeitet wurde und eine fünfjährige PRE-Stute, die den schönen Namen Arquera trug. Beide hatten eine interessante Fellfarbe und so würde ich später mit Smetti noch darüber reden ob wir die beiden nicht uns anschauen könnten. Ich blätterte weiter in der Zeitschrift und las mir einige Artikel durch, die meine Neugierde anzogen. Ein Artikel übers Longieren und einer über passende Ausrüstung ließen mich grübeln. Ich nahm den letzten Schluck meiner Teetasse und stellte diese dann in die Spüle und ging dann zu Deila. Mit ihr übte ich momentan die meiste Zeit am Longieren und sie zu lockern. Allerdings stieg die Gute immernoch nach mehreren Methoden ihr das ab zu gewöhnen. Der Tierarzt sollte da demnächst mal drüber schauen ob sie nicht was am Rücken hatte oder ob sie blockiert war. Sie stieg ja nur unterm Reiter. Ich stapfte zur Weide und sah mich nach der auffälligen Rappstute um und ehe ich mich versah trottete sie schon auf mich zu, genauso wie Rising Star, die nun wieder voll und ganz aufblühte. Ganz wie eine Blume, die ihre Kraft wiedergewann. Rasch war ich durch die Litzen geschlüpft und hängte den Strick am Halfter ein um sie rauszuführen, kam auch Bonbone zu uns gestapft und versuchte die anderen weg zu drängen. Da ich ihr dadurch keine Aufmerksamkeit schenkte hörte sie schneller auf als sie angefangen hatte und ich schloss hinter uns das Weidetor. Fleißig schritt sie neben mir in den Stall wo nun etwas mehr los war als heute Morgen. Abby sattelte gerade Arza und führte sie raus während ich mich in der Sattelkammer nach den Longiersachen und Deila’s Putzzeug umsah. Im Umgang war sie ja ein Schatz, aber Reiten konnte man sie nicht mehr unbedingt. Immerhin tat sie sich heute beim Longieren nicht schwer und arbeitete gut mit. „Gutes Mädchen“, lobte ich sie am Ende und klopfte ihr den Hals. Deila schnaubte Seelenruhig ab und sah sich um. Sie war momentan rossig und verdrehte jedem Hengst den Kopf. Genauso wie jetzt gerade als Smetti mit Dash zum Stall ritt. Er hatte ihn wohl eine ganze Weile in der Halle gearbeitet, denn er nassgeschwitzt. Ich sah nur kurz zu ihm auf und er warf mir einen verachtenden Blick zu. Doch er hatte gerade mit Sympathy For The Devil zu kämpfen, denn er wieherte Deila zu, die gerade jeden Hengst verrückt machte. Glücklicherweise konnte Smetti mit dem Hengst umgehen und trieb ihn weiter zum Stall, wenn auch tänzelnd. Der noch so ruhige Hengst konnte bei rossigen Stuten wohl nicht auf seine Manieren und Menschen achten. Ich führte sie gerade auf die Weide, als Samantha mit Alinghi an uns vorbeiritt und mich freundlich grüßte. Sie bildete Alinghi momentan weiter im Military aus, damit sie dort demnächst auch vielleicht hier und dort eine Schleife erzielen konnte. Es wurde allmählich wärmer, denn die Mittagssonne schien gerade so auf unser Gelände und ich hing meine Jacke in die Sattelkammer und trank einen Schluck Wasser. „Hey Schatz“, hörte ich Smetti an meinem Ohr flüstern und ich nahm die Flasche vom Mund. Ich drehte sie zu und nebenbei drehte ich meinen Kopf langsam zu der Stimme und setzte ein Grinsen auf. „Fertig mit der Arbeit?“, fragte er, so als wüsste er das die Antwort ein ‚Ja‘ werden würde, doch ich musste ihn wohl oder übel enttäuschen. „Nein, leider noch nicht. Wieso? Was hattest du vor?“, fragte ich und legte meine Arme um seinen Hals. „Eigentlich wollte ich dich zum Essen entführen und dann einen Film im Kino anschauen. Läuft endlich mal wieder etwas Gutes“, grinste er und gab mir einen Leidenschaftlichen Kuss, den ich mir auch ersehnt hatte. „Klingt echt toll, aber ich muss noch ein paar Pferde arbeiten…Aber ich muss sowieso noch mit dir sprechen“, sagte ich und erzählte ihm von dem PRE und dem Criollo und er sagte mir nur: „Das musst du selber wissen.“ „Hmm“, machte ich und nahm ihn bei der Hand um zu den Hengsten zu gehen die auf der Weide waren. „Ich muss noch Cherti und Achter Tag von denen hier machen und ich wollte noch Val und Abby eine Reitstunde geben.“ „Komm schon, Rae. Das kannst du nachher auch noch machen“, murmelte er und führte mich zu unserem Haus, das nahe des Reitschulplatzes stand. „Mach dich frisch und wir fahren in die Hauptstadt.“ Ich machte mich rasch fertig und so fuhren wir dann in die Hauptstadt Skopje. Abby ritt in der Zwischenzeit Born to Die im Dressursattel und Val saß heute zum ersten Mal auf Slaughterhorse unserem neuen Schulpferd um ihn zu testen. Wie es aber schien testete er sie eher als sie ihn und so gab Abby ihr mehrere Ratschläge, die sie versuchte umzusetzen. „Komm wir tauschen die Pferde“, schlug Abby vor und merkte nach fünf Minuten was für eine schlechte Idee das war. Gerade als sie die Pferde wegbrachten, rief ich Abby an und erzählte ihnen, dass ich wohl erst später kommen würde und sie deshalb zwei Fohlen empfangen müssten und ich den Fahrer bezahlt hatte, sodass sie nur die Pferde auf die entsprechenden Weiden bringen mussten. PFS‘ Sarabi war frisch abgesetzt und Fohlen eines bekannten Englischen Vollblüters, nämlich Stromer und das andere Fohlen ‚Devil’s Trap‘ hatte es faustdick hinter den Ohren und kam von unbekannten Eltern. Ich war mir sicher, dass Abby und Val ihre Sachen gut machten und so sah ich mir mit Smetti in Ruhe den Film an. Abby machte noch White Boy fertig, der sie hier und da neckte und Val saß schon fast fertig auf Cleavant und wartete auf mich als ich noch in meiner normalen Kleidung zu ihnen machte und fragte ob alles glatt lief. „Ich konnte froh sein, dass Bailey mich nicht runter geworfen hat“, blubberte es meiner Cousine nur so aus ihrem Mund und ich hielt meine Beiden Hände an meinen Kopf. „Um Gottes Willen. Du solltest Slaughterhorse reiten!“, schimpfte ich mit ihr und warf Abby einen wütenden Blick zu. „Ab in die Reithalle mit euch. Ich geb euch jetzt die Reitstunde und dann habt ihr beiden Feierabend. Ich füttere die Pferde heute Abend selbst…“ Was hatten sich die beiden Mädchen dabei gedacht. Born to Die würde in der Reitschule nur selten zu finden sein unter meinen Reitschülern, da sie etwas speziell war, im Gegensatz zu Croatoan. Abby und Val ritten gerade die beiden Hengste warm und redeten über belangloses. Hier und da versuchten sie ein paar Worte Albanisch zu sprechen, doch was ich hörte waren nur Bruchstücke. „Val du bleibst in der oberen Hallenhälfte und du Abby unten in der Halle. So hat jeder von euch genug Platz.“ Während sie sich aufteilten, ließ ich sie antraben. Sie würden nach heute Abend Muskelkater haben. Und was für einen. Sie sollten heute eine E-Dressur reiten, ganz ähnlich dem kommenden Turnier. Die Fehler bekamen sie am Ende gesagt und so würde das die nächsten Trainingstage gehen. Denn nur Übung machte den Meister. Als sie weg waren brachte ich meine Pferde rein bis auf Cherti, den ich mir gerade zurecht putzte. Cherti stand ganz ruhig da, bei der Arbeit blieb er lernwillig und ich wusste, dass ich mir da echt einen tollen Kerl gekauft hatte. Der Trab fiel noch etwas holprig aus, da er die Hilfen wohl nicht ganz verstand, sondern immer in den Revaal fiel. Also hatten wir eine kleine Baustelle, die wir versuchten zu meistern. Mit Achter Tag hatten ich weniger Probleme. Der Grullo nahm meine Hilfen gut und artig an und trat gut an den Zügel an. Die Bahnfiguren machten ihm noch was zu schaffen, denn er war ziemlich schlampig unterwegs heute. Aber ich war froh, als ich mit meinem Freund endlich relaxen konnte.

      Pflegebericht 19.11.2016 - Wenns Oobeglöggli isch verklunge…
      © Occulta
      Unruhig drehte ich mich auf die andere Seite und zog meinen Teil der Bettdecke etwas höher. Schwaches Mondlicht erleuchtete das Zimmer gerade genug, dass ich Jonas‘ Umrisse ausmachen konnte. Er atmete gleichmässig und friedlich. Eine Weile lang musterte ich liebevoll das, was ich von seinen Gesichtszügen erkannte. Dann starrte ich an die Decke und versuchte, endlich auch einzuschlafen. Doch es war eine dieser Nächte, in der es mir einfach nicht gelang. Ich beschloss, dass ich ein wenig frische Luft brauchte und stand leise auf. Ich hob die Trainerhosen und einen Kapuzenpulli vom Bürostuhl, dann tappte ich vorsichtig die Treppe runter und zur Haustür. Als ich an Jackys Körbchen vorbeischlich, sah die Terrier Dame wachsam auf. Ich streichelte sie rasch um sie zu beschwichtigen. Sie legte den Kopf wieder auf ihre Decke und döste weiter. Ich setzte mich draussen auf die Veranda und starrte nachdenklich die Sterne an. Ob Jack wohl noch irgendwo in den Weiten des Universums ist? Es ist ja nicht so, dass ich an irgendeinen Gott oder so glaube, aber ich gebe zu, dass diese Vorstellung etwas tröstendes an sich hätte. Ob er wohl einverstanden damit wäre, dass ich ihn ‚ersetzt‘ habe? Ich seufzte erschöpft und stützte mein Kinn auf. Wenn ich doch wenigstens die letzten Tage mit ihm mehr genossen hätte. Wenn ich ihm besser gezeigt hätte, wie sehr ich ihn liebte… Trotz all unseren dummen Uneinigkeiten und Streitereien – ich habe ihn wirklich geliebt. Im Nachhinein betrachtet war es aber vielleicht eine andere Liebe als die, die ich nun mit Jonas teile. Ich kann den Grund nicht in Worte fassen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass unsere Beziehung nicht ewig gehalten hätte. Warum muss das alles immer so kompiziert sein? War es nicht eigentlich von Anfang an immer Jack? Er war immer für mich da. Es war immer klar, dass wir heiraten würden; für alle um uns herum, also hatte es auch für uns selbst klar sein müssen. Er war immer so liebenswert und wusste genau, wie er mich glücklich machen konnte. Und dennoch begann das alles zu bröckeln. Habe ich ihm zu wenig von all dem zurückgegeben? Ich schätze ich war vollkommen egoistisch, als ich zunehmend an Jonas dachte. Aber es… passierte einfach so. So sehr ich es verhindern wollte. Wie lange ich die Fassade wohl hätte wahren können? Mein Kopf schmerzte vor Müdigkeit, doch ich wusste genau, dass ich trotzdem nicht schlafen können würde, wenn ich schon zurückginge. Also schlich ich zum Hauptstall um nach meinen Lieblingen zu sehen. Es war vollkommen Still und stockdunkel im Stall. Nur das Atmen der Pferde, und manchmal ein sanftes Rascheln hörte ich. Ich gab mir Mühe, keinen der Vollblüter zu wecken, als ich durch die Stallgasse tappte und mich den Boxenwänden entlang tastete. Bei Cryptic Spots‘ Box blieb ich stehen. Der Zweijährige war gerade erst heute angekommen. Er sah seinem Vater sehr ähnlich. Cryptic kam zum Gitter; offenbar hatte ich ihn doch geweckt. Ich konnte seine Alarmbereitsschaft gut nachvollziehen, schliesslich war er fern von seinen bisherigen Kollegen alleine in einer Box eingesperrt, mit fremden Pferden rechts und links von ihm. Ich fragte mich, ob er das Hofgelände wiedererkannt hatte. Es war nur eineinhalb Jahre her, seit er neben seiner Mutter im anderen Stalltrakt geschlafen hatte. Ich streichelte ihn etwas durch die Stäbe, dann schlich ich weiter. Erst als ich zum Stutentrakt kam, hielt ich wieder. Diesmal vor einem Stutfohlen, das aus Quarantänegründen erst in ein paar Tagen zu den anderen durfte. Sarabi war ein weiteres Fohlen von meinem verstorbenen Liebling Stromer. Allein ihr Anblick liess mich traurig werden, denn sie sah dem weissen Hengstfohlen auf den alten Bildern, die in meinem Schlafzimmer hingen, so ähnlich. Ich hoffte, dass sie eines Tages genauso elegant und schnell wie ihr Vater werden würde.

      Leise betrat ich das Schlafzimmer und legte mich zurück neben Jonas. Als ich die Decke geradezupfte, murmelte er etwas und legte seinen Arm um mich. Ich stellte fest, dass er nicht aufgewacht war und lächelte liebevoll. Es war, als wollte er mich festhalten und nicht mehr herumirren lassen. Ich schloss die Augen und lauschte seinem Atem. Ich fühlte mich auf einmal so geborgen, und konnte all die zermürbenden Gedanken ziehen lassen, die mich wie Mücken geplagt hatten. Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann war ich endlich in einen tiefen Schlaf gesunken.

      Pflegebericht 14.06.2017 - Hoher Besuch
      © Occulta
      Heute musste alles etwas schnell gehen, denn meine Eltern kamen zu Besuch und ich wollte die Pferde vorher bewegt haben. Ausserdem musste alles sauber aufgeräumt werden, aber das überliess ich den Pflegern und Jonas. Ich kümmerte mich nun zuerst um Jungstute Ljúfa. Die rappfarbene Stute putzte ich gründlich, anschliessend spielte ich ein wenig im Rounpen mit ihr, um sie gegen den grossen Gymnastikball, die bunte Blache und die Fahne zu desensibilisieren. Sie fand das ganze am Anfang sehr unheimlich und machte grosse Glupschaugen. Sie war aber charakterlich sehr geduldig und aufgeschlossen, sodass wir rasch Fortschritte machten.
      Nachdem ich bei Ljúfa fertig war, ging es weiter mit Diarado. Der elegante und doch imposante Warmbluthengst war kaum schmutzig und sein kurzes Sommerfell glänzte seidig. Ich wischte nur rasch mit der Staubbürste darüber, dann war er wieder blitz-blank. Ich zog ihm den Kapzaum an und nahm ihn an der Longe mit zum Sandplatz, wo er in der noch kühlen Morgenluft sein lockerungs work-out bekam. Ich war zufrieden mit seinen durchschwingenden Bewegungen und liess ihn nach etwa einer halben Stunde austraben.
      Ich war bereits auf dem Weg zur nächsten Box, aber sah unterwegs gerade noch Lisa mit Vychahr losreiten. Die beiden gingen auf einen schönen, langen Ausritt. So wie ich Lisa kannte, würde Vilou bestimmt auch der ein oder andere Galopp bevorstehen. Der Fuchshengst war aber auch toll zu reiten im Gelände. Das machte den Galopp mit ihm umso verlockender.
      Auch Calico musste ich nicht selber bewegen - das übernahm Rita liebend gerne für mich. Sie liebte ihren Criollo immernoch wie kein anderes Pferd. Ich schmunzelte immer darüber, wie sie beim Putzen mit ihm redete. So auch heute; der Hengst wurde rundum betüddelt. Immerhin, ihm schien die Aufmerksamkeit zu gefallen.
      Ich erreichte endlich Flintstones Box. Seine kristallblauen Augen verfolgten mich gebannt, während ich seine Ausrüstung holte. Wir gingen Ausreiten, den für die Reithalle war es jetzt schon zu heiss und der Sandplatz war bereits voll mit Pferden. Wir ritten durch den schattenspendenden Wald. Flint wirkte ruhig und zufrieden, also war ich es auch. Nach dem Ritt bürstete ich ihn gut durch und brachte ihm seine Karotten.
      Baccardi und Donut wurden von Darren und David bewegt. Es sah witzig aus, wie die beiden Zwillinge auf den Ponys über den Platz kurvten. Darren war zwar der bessere Reiter, trotzdem schienen heute beide dieselben Fehler zu machen. Die Ponys waren gnadenlos und machten bei der Hitze keinen Schritt gratis. Die Reiter schienen aber auch nicht so motiviert wie sonst.
      "Du bist viel zu langsam", murmelte ich zu mir selbst und seufzte, als ich feststrellte, dass es schon fast Mittag war. Burggraf drehte den Kopf um zu sehen, ob er ein Leckerli bekam. Er musste dafür aber zuerst arbeiten. Arbeit hiess für ihn konkret, ein richtig weiter Ausritt mit viel Trab. Das war auch Teil seiner Distanzausbildung.

      Unsere Spaghetti mit Pesto-Sauce waren zwar kein Gourmet Menu, aber erfüllten ihren Zweck als Mittagessen und machten uns satt. Lily dümpelte noch ein wenig auf dem Hof herum und spielte mit den Hunden, bevor sie wieder mit dem Fahrrad in Richtung Schule verschwand. Ich hingegen begab mich zu den Miniweiden und holte Silhouette of a Rose raus. Ihre silbernen Dapples waren im Sommer besonders gut zu sehen, wie bei Arco. Mit ihr machte ich Langzügelarbeit, zusammen mit Lewis und Papillon d'Obscurité.
      Als ich mit Rose zurückkam, sah ich, dass Lisa bereits Kicks-A-Lot und Tic Tac putzte. Lewis und ich erlösten unsere beiden Ponys von deren Ausrüstung. Wir wurden gerade Zeugen, wie Dressy Miss Allegra zum Zaun geschlendert kam, um Kiwi und Tiki abzulenken. Die Jungpferde hatten eben nichts als Flausen im Kopf. Lewis und ich schmunzelten amüsiert, als Lisa das aufdringliche Fohlen verscheuchen wollte.
      Von der Miniweide wechselte ich direkt zu den Fohlen. Dort stand unter anderem die mittlerweile garnicht mehr so kleine Sarabi. Zu dem Stutfohlen hatte ich einen Besonderen Bezug; nicht wegen ihrer besonders schönen Farbe oder den ausdrucksstarken blauen Augen, sondern weil sie von meinem geliebten Stromer abstammte. Ich vermisste den Hengst immernoch wahnsinnig und sah immer wieder wehmütig auf sein Bild, das im Reiterstübchen in der Halle hing. Sarabi hatte viele der Züge ihres Vaters geerbt und besonders ihr Kopf glich dem seinigen. Das weckte einerseits stets schmerzvolle Erinnerungen, denn sie konnte Stromer ja nicht ersetzen - andererseits erinnerte es mich auch daran, dass das Leben weiterging und ein Teil von ihm immernoch hier war, direkt vor meiner Nase. Ich streichelte die Stute daher mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht.
      Ebenfalls ein Fohlen von einem meiner Lieblingshengste war A Winter's Tale. Ihr Vater lebte aber zum Glück noch und war äusserst fit. Ein Blick in die Ferne unter den Tannen hindurch zu den grossen Weiden bestätigte mir dies. Die kleine Snowflake, wie die Pfleger sie nannten, war heute frech und neugierig. Sie kam sofort an den Zaun und beschnupperte meine Hände. Dann versuchte sie, meine Haare mit ihrer Fohlenschnauze zu zerzausen. Ich schubste sie lachend beiseite und kraulte sie am Hals, sodass sie genüsslich die Oberlippe verzog. Ich liebte es, einfach zwischendurch bei den Fohlen Halt zu machen und mit ihnen Zeit zu verbringen. So konnten wir jetzt schon eine Beziehung aufbauen und sie lernten, dass Menschen meistens Gutes brachten.
      Auch Cassys Fohlen Counterfire genoss meine Streicheleinheiten und konnte gar nicht genug kriegen. Das Fuchsfohlen vom letzten Jahr hatte ich behalten, weil sie eine vielversprechende Abstammung hatte und ich noch kaum Füchse im Rennstall besass. Ich bereute es keinen Moment, denn sie entwickelte sich prächtig und ganz entsprechend ihrer Eltern. Schon jetzt hatte sie drahtige, lange Beine und ein gut bemuskeltes Hinterteil. Ich freute mich schon darauf, sie und die anderen Fohlen ihres Jahrgangs einzureiten und rennen zu sehen.
      Mambo gefiel mir auch von Tag zu Tag besser. Stop Making Sense, wie er effektiv hiess, ich ihn aber nie nannte, war in letzter Zeit wieder ziemlich in die Höhe geschossen und immernoch hinten überbaut, aber langsam wurde sein Hals breiter und sein Langhaar liess ihn wie ein Wildpferd wirken. Weil ich es so schick fand, zögerte ich auch so lange wie es ging das Schneiden hinaus. Obwohl Oliver anderer Meinung war. Er meinte, dass es schon längst fällig sei und ein Vollblut gefälligst auch als solches erkannt werden sollte, "wenn es schon von der Farbe her nicht so aussieht." Aber da immernoch ich hier das Sagen hatte, blieb die lange Mähne vorläufig noch.
      'Prinzesschen' Shadows of the Past war mittlerweile eigentlich kräftig genug zum Anreiten. Ich wartete aber noch damit, weil die Stute sich beim Spielen auf der Weide eine kleine Verletzung am Sprunggelenk zugezogen hatte, die ich zuerst ganz verheilen lassen wollte. Sie war zwar nur kurz etwas lahm gegangen und zeigte mittlerweile kein Unwohlsein mehr, aber die Schramme war doch noch gut sichtbar und das Gelenk leicht geschwollen. Ausserdem musste bei ihr noch der Zahnarzt vorbei kommen und ihr ins Maul schauen, um sicher zu gehen, dass die Zähne uns beim Reiten keine Probleme bereiten konnten. Ich erwartete allerdings keine grossen Überraschungen, denn die Beisserchen von Shira sahen allesamt schön gerade aus - man konnte es immer wieder gut beurteilen, wenn sie damit am Zaun nagte.
      Als Lily kurz nach vier Uhr Nachhause kam, war sie wiedermal als Erstes bei Skydive zu finden. Der Junghengst wurde wirklich rundum von ihr mit Streicheleinheiten und Spielen verwöhnt. Er brummelte ihr sogar schon zu, wenn er sie sah. Die beiden werden mal ein gutes Team, stellte ich schmunzelnd fest. Skydive sollte aber nicht nur Lilys Kinderpony werden, sodern auch im Sport laufen. Der Hengst hatte mehr als genug Potential durch seinen Vater und sein Exterieur liess auch auf Springveranlagung schliessen. Je älter er wurde, desto mehr erinnerte er mich an ein britisches Riding Pony. Tatsächlich war er aber ein Mix aus englischen und deutschen Vorfahren, durch seine Mutter White Dream.

      Jetzt stand für mich noch ein schöner Nachmittagsausritt zum Fluss an, und zwar mit Yoomee. Begleitung bekamen wir von Darren und Lisa mit Sika und Blue Lady Liquor. natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, auch ins Wasser hinein zu reiten und den Pferden eine Abkühlung zu geben. Yoomee ging ohne zu Zögern rein und begann auch gleich zu scharren. Ich musste regelrecht aufpassen, dass sie sich nicht hinlegte. Lychee war zuerst nicht ganz so begeistert, folgte dann aber Sika, die mutig voraus ging. Wir blieben einen Moment am Ufer, dann Ritten wir weiter zum Pinienwald, wo es reichlich Schatten gab.
      Auf dem Ausritt begegneten wir auch Anne und Rita, die mit Sugar and Sweets und Bluebell in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hatten schon über eine Stunde Ausreiten hinter sich und waren auf dem Heimweg. Ich fragte rasch, wie's gelaufen war. Anne erzählte, dass Rita fast runtergefallen sei, als Bluebell sich vor einem Fahrradfahrer erschrocken habe. Rita spielte das Ganze verlegen etwas herunter und meinte, sie sei nur kurz hinter die Bewegung gekommen. "Schon okay, kann ja mal passieren. Hauptsache du bist noch oben", stellte ich schulterzuckend fest. Da musste man ja nun wirklich kein Drama draus machen. Das hätte ich gerne auch zu Anne gesagt, aber ich liess es dann doch bleiben.
      Vom Ausritt nachhause gekommen, kümmerte ich mich als nächstes um Parányi. ich wollte sie nur rasch longieren, da sie am Vortag eine anstrengende Springstunde gehabt hatte und sie mit ihrem rabenschwarzen Fell bei der Hitze sowieso bestimmt Mühe hatte. Ich putzte sie also gründlich, dann ging ich mit ihr zum Roundpen und übte lockernde Übergänge. Sie arbeitete konzentriert mit, obwohl auf dem Kiesweg neben dem Roundpen immer wieder Jonas mit Fake durchfuhr. Er hatte die Hackneystute vor ein Sulky gespannt und übte fleissig mit ihr. Ich bewunderte die extravaganten, dynamischen Bewegungen von Fake, die ganz von Natur aus die typischen Hackney Gänge zeigte.

      Um halb sieben fand ich mich wieder im Hauptstall ein, wo gerade fleissig aufgeräumt wurde. Meine Eltern kamen jeden Moment an und ich war froh, dass Jonas sich um das Abendessen kümmerte. Wir wollten grillieren, wobei die Pfleger unter sich bleiben und Jonas, Lily und ich mit meinen Eltern essen würden. Ich streichelte im Vorbeigehen Mikke, die mir zuröchelte. "Ja meine schöne, wir gehen morgen wieder zusammen raus. Für heute hat April dich genug bewegt." Sie erwiderte mein Kraulen mit ihrer Schnauze. Ajith lief fröhlich pfeifend an uns vorbei, sodass ich mich ihm gleich anschloss und 'Caprice' vorher aber noch ein letztes Mal über die Stirn strich.
      "Anything unusual today?", fragte ich Ajith beiläufig. "Nope, they all doin' fine, boss." Ich nickte zufrieden und fragte, ob denn Indiana heute wieder ausgegessen hatte. Am Vortag hatte sie nämlich am Mittag ein wenig übrig gelassen. "Yeah, I checked on her a moment ago and it was all gone", beruhigte mich der Pfleger. Ich nickte zufrieden. Vielleicht lag es ja an der Hitze, überlegte ich mir. Oder sie hatte schon genug Gras auf der Weide.
      Chiccory und Sunday Morning standen in der Stallgasse, weil sie noch eine Massage von Elliot bekamen. Der Reitlehrer hatte sich vor einer Weile weitergebildet und kannte ein paar nützliche Handgriffe, um verspannte Muskeln zu lockern. Normalerweise liessen wir das einen Experten machen, zum Beispiel kurz vor einem wichtigen Rennen. Aber so zwischendurch war es für Elliot eine gute Übung und für die Pferde natürlich auch nur positiv. Sunday, der gerade dran war, schlief jedenfalls fast ein vor Entspannung. Sein Kopf hing in den Seilen und die Unterlippe liess er hängen. Chiccory war hingegen etwas ungeduldig und scharrte, als ich neben ihm durchlief. Wie ich ihn kannte, wollte der Hengst nichtmal Futter, sondern einfach nur Aufmerksamkeit. Ich kraulte ihn deshalb kurz, bevor ich weiterging.
      Gleam of Light, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Caspian of the Moonlightvalley und A Winter's Day waren noch immer auf der Weide. Sie waren die letzte Gruppe von Hengsten, die noch reingeholt werden musste. Kurze Zeit später kamen sie dann auch in die Stallgasse getrabt und wurden von den Pflegern in Empfang genommen, damit sie auch wirklich in die richtige Box gingen. Die Pferde liefen ansonsten den ganzen Weg von der Weide zum Stall und umgekehrt selbstständig über den jeweils rasch abgezäunten Weg. Winter blieb bei mir stehen, also übernahm ich ihn gleich und führte ihn in seine Box, indem ich ihm rasch einen Führstrick um den Hals legte. Die Pferde trugen auf den Weiden aus Sicherheitsgründen meistens keine Halfter.
      Ich wollte den Hauptstall gerade verlassen, als Oliver reinkam und mich zu sich winkte. "I just wanted to tell you that the second group this morning ran better than yesterday. Almost all of them made it in over a second less Time." "Ahh, wonderful to hear. I'm sorry I wasn't able to take part, but I had so much to do..." "Sure, no problem." Es freute mich zu hören, dass die jungen Rennpferde sich stets verbesserten. Framed in History, Sumerian und Kaythara El Assuad waren im Moment herausragend. Dafür hinkte Cabinet of Caligari wieder etwas hinterher. Aber für mich war es nur eine Frage der Zeit bis sie mehr Muskeln und Ausdauer hatte.
      "What about the youngest Group?", fragte ich Oliver weiter. "Well, could be better, but I guess they just need time." Ich nickte zustimmend, aber mein Ehrgeiz piekte mich trotzdem ein wenig. Ich hatte gehofft, dass in diesem Jahrgang auch wieder ein paar Überraschungen sein würden. Besonders in Merino und Primo Victoria hatte ich hohe Erwartungen gesteckt. Aber natürlich konnte sich das alles noch entwickeln - schliesslich waren die Jungspunde noch ganz am Anfang. Oliver fügte noch an: "Miss Moneypenny had the leading time today. Didn't surprise me really, she has the longest legs already." "And what about Simba Twist and Cryptic Spots?" Oliver machte sein 'ich-bin-nicht-so-zufrieden-wie-ich-es-gerne-wäre'-Gesicht und ich fragte nicht weiter. Schmunzelnd lief ich zum Parkplatz, denn ich hörte ein Auto heranrollen. Ich begrüsste meine Eltern, die aus dem Taxi ausstiegen und führte sie zum Haus.
      Wir assen alle gemütlich zu Abend und unterhielten uns über alles was seit dem letzten Telefonat so passiert war. Lily war natürlich wieder als erste fertig und wollte vom Tisch. Ich liess sie, weil sie sonst sowieso nur herumgezappelt hätte. Sie verschwand mit Sheela in Richtung Weiden. Zira und Jacky blieben treu hinter mir im mittlerweile kühlen Gras liegen. Ich war Barfuss und genoss das kitzeln der kühlen Halme. Meine Eltern redeten auch viel mit Jonas; sie fragten ihn fast schon aus, was mir etwas peinlich war. Er schien es aber locker zu nehmen und setzte sein charmantes Lächeln auf. Plötzlich kam Lily wieder zurück, ohne Sattel und nur mit Stallhalfter auf Snottles Peppermint sitzend. Offenbar wollte sie etwas bluffen, wie gut sie schon reiten konnte. Meine Eltern waren nicht so begeistert, dass ihre Enkelin keinen Helm trug und ich versuchte ihnen weiss zu machen, dass sie ihn normalerweise trug. (Was sie auch tatsächlich tat, zumindest wenn sie richtig reiten ging.) Wir genossen den Abend dann doch noch ohne weitere Diskussionen und meine Eltern blieben über Nacht im Gästezimmer.

      Pflegebericht 29.10.2017 - Neubeginn
      © Occulta
      Das Telefon klingelte, und ich hechtete förmlich darauf zu, nur um gleich darauf enttäuscht die Stimme meiner Mutter zu hören. „Ja Mum, ich hab es nicht vergessen... Selbstverständlich könnt ihr an Halloween zu uns rüberkommen… Ja klar, ihr schlaft wie immer im Gästezimmer… Bye.“ Der Anruf, den ich eigentlich erwartete, war von der Polizei; mit Neuigkeiten über meine und Rosies gestohlene Pferde. Doch der blieb auch an diesem Morgen aus. Ich wurde zunehmend besorgter über den Verbleib von Numair, Anubis, Bintu, Farasha und besonders klein First Chant. Ich hoffte einfach, dass sie bald gefunden wurden und unversehrt zurückkehren konnten. Derweilen konnte ich immernoch nicht glauben, wie dreist der Dieb gewesen war. Unser Vertrauen auszunutzen, um sich zuerst ein Bild von der Anlage und den Pferden zu machen – das wahr ja wohl das Letzte. Und das allerschlimmste ist, dass ich davon nichts gemerkt habe! Auch nicht, als er so grosses Interesse an den Arabischen Vollblütern gezeigt hat. Dabei hätte mir seine gezielte Frage, ob ich denn auch Araber besitze, bereits fischig vorkommen müssen. Er wusste schon vorher von den Pferden, das ist sicher, und hat sich auf diesem Weg nur einen ersten Zugang zum Stall verschafft, um sich umzusehen. Doch sich darüber ärgern half jetzt auch nicht mehr. Alles, was ich tun konnte, war abwarten und Tee trinken – Schwarztee, um genau zu sein. Es war einmal mehr halb sechs Uhr, Frühstückszeit. Jonas, mir gegenüber, sah so aus, als würde er gleich mit dem Gesicht in der Müslischüssel einschlafen. Ich gab ein unterdrückt-amüsiertes Glucksen von mir, woraufhin er ausgiebig gähnte. Die Hunde mampften ihr Futter und Lily lag noch bis halb Acht unter ihrer warmen Bettdecke. Kurz darauf zog ich mir meine schwarze Fleecejacke an und verliess das Haus. Es war ein nebliger Morgen in England (wer hätte es gedacht) und noch versteckte sich die Sonne unter dem Horizont. Brrr, kalt und unheimlich. Ich lief etwas zügiger und machte meine morgentliche Stallrunde. Ich liess das Licht im Hauptstall an, woraufhin die meisten Pferde aufmerksam ihre Köpfe hoben und durch die Boxenfenster in die Stallgasse schauten. Ein paar grunzten hungrig, ein paar waren noch ein wenig verschlafen und liessen die Unterlippe hängen. Ich streichelte im vorbeigehen Rosenprinz‘ Nase. Auch Canto und Empire streckten mir erwartungsvoll ihre Köpfe entgegen. „Be patient, boys - your hay is coming.“ Ich hörte nämlich in diesem Moment Stimmen vom Eingang des Stallgebäudes herkommend, die verdächtig nach Ajith und Quinn klangen. „…you know nothing! You have no idea what kind of person he is, and yet you judge him?” “Quinn, I’m just worried about you…” “Oh please, save your breath. It’s none of your business, so stay out of it.” Das Gespräch brach ab und ich vermutete, dass Quinn davongelaufen war. Stirnrunzelnd begab ich mich in Richtung Eingang, um nach Ajith zu sehen. Der Pfleger stand an die Boxenwand gelehnt und sah ziemlich müde aus. „What was that?“, fragte ich vorsichtig. „You heard? Ahhh… Luck isn’t on my side today, huh…“ „Come on, you know I’ll always listen when you have something on your mind.“ Der Pfleger seufzte leise. “It’s about Quinn’s father. Apparently he has a drinking problem… He depends on her beause he has no work and he is apparently violent when he’s drunk; she had some bruises when she returned from visiting him in Ireland. She pretended to have bumped into something, but I don’t believe her. And now she’s angry with me for trying to help.” “I did know that her father is a difficult person, but I had no idea that it was so bad… Maybe I should try talk to her?” Er zuckte mit den Schultern und sah weg. Offenbar glaubte er, dass es ohnehin nichts bringen würde. Ich legte ihm meine Hand beruhigend auf die Schulter und setzte dann meine Runde durch den Hauptstall fort. Bei den Stuten sah ich, dass Khiaras Box etwas wenig Stroh hatte und rief daher in Richtung Ajith, dass sie heute Nachschub brauchte. Die Stute hatte ein seidiges Winterfell entwickelt, dass zwar nicht besonders lang war, sie aber dennoch schön warm zu halten schien. Sie sah mir freundlich entgegen und beschnupperte interessiert meine Hand. Ich streichelte sie rasch, mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht. Zira entdeckte weiter vorne eine Maus und verschwand um die Ecke, während ich einen Blick in die restlichen Boxen warf. Alidas sonst so blutrotes Fell war im Moment eher gräulich, weil sie frisch geschoren war. Es hatte mir fast wehgetan, die schöne rote Wolle wegzurasieren, wo sie doch so zum Herbst passte. Aber die Stute hatte auch im Winter anstrengendes Training vor sich, bei dem sie sonst zu viel schwitzen würde. Dafür hatte Caprice ihren Pelz noch, der in leuchtendem Orange schimmerte. Ich sah sie gerade nur von hinten, denn sie sah zum Fenster raus. Mir fiel auf, wie dicht ihr Schweif geworden war, seit sie auf Pineforest Stable angekommen war. Mit dem dunkleren Streifen Haare in der Mitte und den feinen Löckchen an den kurzen, äusseren Haaren sah es richtig edel aus. Caprice bemerkte mich und drehte ihren Kopf nach hinten; aber ging weiter um sie nicht zu stören, denn ich hatte gerade sowieso nichts in der Tasche und sie wurde erst am Nachmittag von Charly bewegt.
      Dafür kümmerte ich mich um ein anderes orangenfarbiges Tier. Naja, sie war schon eher blutorangenfarbig, denn ihr Fuchsfell war jetzt im Winter besonders dunkel. Ich begrüsste Satine mit einer Karotte, die ich zuvor aus der Futterkammer stibitzt hatte. An ihrem grün gestreiften Halfter führte ich sie aus der Box und band sie beim Holzgitter unter dem Nebenstalldach an. Sie beobachtete mit ihren wachen, eisblauen Augen die vorbeilaufenden Pfleger und Pferde. Langsam wurde es nämlich lebendig auf dem Hof und die erste Gruppe von Rennpferden wurde auf die Bahn geritten. Ab nächster Woche wollten wir das Training wieder auf eine spätere Morgenstunde verschieben, da es jetzt ja nicht mehr so warm war und wir so wieder Tageslicht hatten. Ich bürstete Satine ausgiebig durch, bis nur noch ein bisschen Staub vom letzten Weidegang in ihrem Fell übrig war. Auch die Hufe kratzte ich sauber aus. Jonas führte Feline auf dem Kiesweg vor uns an uns vorbei zum Sandplatz. Ich beeilte mich mit Satteln und wir stiessen zu ihnen. Wir ritten die beiden Stuten nebeneinander warm, arbeiteten danach aber einzeln mit ihnen. Jonas machte mit der Criollostute Dressurarbeit, während ich mit Satine ebenfalls an Takt und konstanter Anlehnung arbeitete. Die beiden waren ähnlich weit in der Dressur – solide ausgebildet, aber nicht hauptsächlich darin gefördert worden. Satine war vor allem im Springen top, während Feline ein vielseitiges Freizeitpferd darstellte. Die Arbeit mit Satine machte heute richtig Spass, da die Stute konzentriert mitarbeitete und sich auch nicht von dem bunten Treiben um uns herum ablenken liess. Nur einmal zuckte sie zusammen, als Jacky sich geräuschvoll durch das Gebüsch, das den Sandplatz zierte, hindurchzwängte. Ich schickte die Jack-Russel Hündin zu Zira, die brav im Gras lag und wartete. Jacky setzte sich eher träge neben ihre jüngere Gefährtin und kam umso freudiger angehüpft, als ich sie nach dem Reiten wieder zu mir rief. Ich zerwuschelte das Fell der beiden Hunde zur Belohnung und führte dann Satine zurück zum Absatteln. Jonas war mit Feline schon vorausgegangen und brachte mir kurze Zeit später Moon Kiddy mit, die ich als nächstes Reiten wollte. Er hatte auch Ljúfa im Schlepptau, denn wir wollten gemeinsam mit Robin Lancaster ausreiten gehen. Die Isländerstute war noch ziemlich jung und früh eingeritten für eine Vertreterin ihrer Rasse. Wir hatten aber bisher nur leichte Arbeit mit ihr gemacht, vorallem Ausreiten im Gelände und ein paar leichte Qualifikationsshows. Galoppiert war sie noch nicht unter dem Sattel, nur Schritt, Trab und Tölt geradeaus. Ausserdem ritten sie nur die leichtesten der Pfleger, damit sie nicht übermässig belastet wurde. Deshalb übergab Jonas Ljúfa auch Robin, die gerade angelaufen kam. Jonas selbst holte hingegen Shira mit dem Knotenhalfter aus ihrer Box und band sie neben mir und Moon an. Die dreijährige Stute wurde gerade eingeritten und war erst einmal richtig unter dem Sattel gelaufen. Wir wollten heute nur eine kleine Runde mit den drei Stuten drehen, wobei Moon als erfahrenes Lehrpferd diente. Die Hunde warteten geduldig, bis wir gesattelt hatten. Sheela war nun auch dabei, denn sie war wiedermal bei Jonas geblieben. Beim Satteln war ‚Prinzesschen‘ noch ein bisschen unruhig, obwohl wir schon einige male geübt hatten. Ich liess die bereits mit dem Bosal gezäumte Moon rasch stehen und vertraute darauf, dass sie nirgens hinging, denn ich wollte Jonas noch bei Shira helfen. Wir zäumten die Ponystute über dem Knotenhalfter und ich nahm sie später beim Aufsteigen zunächst zusätzlich als Handpferd an den Strick. Als alle oben waren, ritten wir eine Runde zur Galoppwiese und dem Waldrand entlang. Zum Glück konnte ich mich so gut auf Moon verlassen, denn die Stute liess sich ausgezeichnet von mir dirigieren und zickte auch nicht, wenn wir Jonas mit Shira helfen mussten. Einmal wollte die unerfahrene Ponystute zum Beispiel nicht an einem Holzhaufen vorbei, sodass ich Moon kurzerhand nutzte, um sie vorwärts zu treiben. Auch mit den frischen Vollblütern war Moon jeweils Gold wert als Trackpony. Ich kraulte sie dankbar durch die dichte Mähne am Hals, als wir das Hindernis geschafft hatten.

      Den ganzen Morgen über ritt oder longierte ich verschiedene Pferde, kurz vor dem Mittag musste ich aber auch noch etwas Buchhaltung für Pineforest erledigen und mich daher in mein Schreibzimmer begeben. Danach hiess es Mittagessen kochen. Lily erzählte uns von nervigen Lehrern und Mitschülern, das Übliche. Sie schien froh, dass sie am Nachmittag keine Schule hatte und zu den Pferden konnte. Sie erklärte stolz, dass sie mit Areion heute Geländesprünge üben wollte. Ich hielt das allerdings für keine gute Idee angesichts des nassen Bodens und weil ich heute keine Zeit hatte sie dabei zu coachen. Es war mir einfach doch noch etwas zu riskant die beiden alleine an den teils massiven Hindernissen üben zu lassen, auch wenn sie nicht hoch eingestellt waren. Lily war natürlich enttäuscht, aber ich munterte sie auf indem ich ihr anbot, dass wir später zusammen mit den Fohlen spielen konnten und überzeugte sie, stattdessen mit Areion heute Abend zu Elliot in die öffentliche Dressurstunde zu gehen. Nach dem Essen nahm ich die Hunde mit zu den Miniature Horses. Die kleinen Pferdchen wollten schliesslich auch gepflegt werden und hatten sich schonmal schön schlammig gemacht, damit sie auch nicht zu kurz kamen. Während die Hunde durch das halbhohe Gras streunerten, begann ich Arco zu putzen. Der silbergraue Hengst hatte jetzt mit dem Winterfell deutlichere Dapples als im Sommer – früher war es manchmal noch fast umgekehrt gewesen. Seine fast ganz weisse Mähne war mit ein paar Dreck-Rastas versehen, welche sich aber gut entfernen liessen. Das wollige Winterfell striegelte und bürstete ich ausgiebig, aber die beine waren nicht gerade einfach sauber zu bekommen, so feucht wie sie waren. Ich putzte sie so gut es ging, verschwendete aber auch nicht zu viel Energie daran, denn er würde ohnehin bald wieder für Shows geschoren werden. Dasselbe war es auch mit Lenny und Becks. Wobei ‚Red’ schon vor dem Putzen von allen noch am besten ausgesehen hatte. Bei den Stuten war Lewis mittlerweile mit dem Misten fertig und bürstete nun ebenfalls fleissig die dichte Wolle der Vierbeiner. Er war mit Rose schon fertig und kümmerte sich gerade um Tigrotto. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und fing Lady ein. Die Fuchsstute folgte mir willig zum Zaun und liess sich genüsslich von mir massieren. Sie sah so edel aus, trotz des Winterfells, wenn sie ihren Hals vor Wohlsein rund machte. Mit den beiden Youngsters, Kiwi und Tiki, wollte ich einen kleinen Spaziergang machen. Lewis nahm bei der Gelegenheit auch gleich Queenie und Papillon mit. Die beiden hatten heute frei (sie waren gestern auf einer längeren Trainingsfahrt gewesen) und so ein Spaziergang war bestimmt lockernd für die beanspruchten Muskeln. Wir gingen mit den vier Ponys zum Fluss und über die Feldwege um Pineforest herum. Auf dem Heimweg begegneten wir Lily, die mit Peppy ohne Sattel und mit dem Stallhalfter unterwegs war. Ich rief ihr nach, dass sie bei der Strasse vorsichtig sein solle und erntete nur ein klangvoll ausgerufenes „Ich we-iss“. Lewis grinste nur belustigt und wir plauderten weiter über die kommenden Fahrturniere.
      Während Lily noch im Gelände herumdümpelte, ging ich schonmal zu Thairu, dem Zebra. Sie und Zazou, den wir ab und zu aus Gewohnheit immernoch Dante nannten, standen Popo-an-Kopf nebeneinander unter dem geschützten Unterstand, den wir für sie gebaut hatten. Beide hatten kaum Winterfell aufgrund ihrer Art, vertrugen die Kälte im Winter aber trotzdem ziemlich gut, solange sie einen Rückzugsort hatten. Ich trainierte im Moment nicht mehr so oft mit Thairu, weil mir die Zeit dazu schlichtweg fehlte. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ihr das schadete. Im Gegenteil; sie vergass kaum etwas zwischen den Trainingseinheiten und war jeweils entspannt, wenn wir wiedermal mit ihr arbeiteten. Ich putzte sie heute nur gründlich durch, ebenso wie den Wildesel neben ihr. Thairu mochte es besonders an ihrem Unterhals gestreigelt zu werden. Aber auch Zazou hatte eine Lieblingsstelle, nämlich hinter seinenen langen Löffeln. Ich klopfte dem Zebra beim Gehen auf den Po und begab mich in Richtung Fohlenweiden. Lily hatte Peppy versorgt und kam angerannt, als sie mich sah. „Was wollen wir mit ihnen üben?“, fragte ich meine Nichte, sobald sie in Hörweite war. „Blachen! Und den Gymnastikball, und vielleicht Flattervorhang?“ „Ich glaube Ball und Blachen reichen für heute, aber wir können noch ein paar Kegel aufstellen und Führtraining machen.“ „Ja!“ Sie lief voraus zur Halle, denn im Bereich vor der Reiterstube hatten wir einen Lagerraum für das ganze Bodenarbeitsmaterial. Ich folgte und gemeinsam trugen wir die Übungsgegenstände zu den Weiden. Die Hunde waren wie immer mit dabei, und bei der Halle waren wir dem Kater Kafka begegnet, der uns von der Treppe zur Tribüne aus scharfäugig beobachtete hatte. Als erstes wurden wir bei den Weiden von Skyrim begrüsst, der Lily sofort seine rosa Schnauze ins Gesicht streckte. Das erstaunte mich nicht sonderlich, so viel, wie sich meine kleine Nichte mit dem Reitpony beschäftigte. Auch die anderen Hengstfohlen kamen neugierig näher, während wir den ‚Parcours‘ aufstellten. Cupid begann sogar frech an der Blache herumzuzupfen und sie mit dem Huf zu bearbeiten. Simply blieb erstmal auf Abstand, traute sich dann aber doch neben Cupid an der blauen Blache zu schnuppern. Übrigens waren die Vollblutfohlen mittlerweile abgesetzt worden und nach Pineforest umgezogen. Das Verladen der halbjährigen war natürlich ein riesen Ereignis gewesen, mit viel Gequietsche und grossen Augen. Aber am Ende hatte alles ohne Zwischenfälle geklappt und die Fohlen waren gut angekommen. Als wir alles bereitgestellt hatten, holte ich zwei Halfter und Stricke damit wir das Führtraining machen konnten. Selbstverständlich behielt ich Lily die ganze Zeit im Auge, während sie zuerst Skyrim und danach Clooney durch die Pylonen führte. Sie hatte die Anweisung den Strick einfach loszulassen, falls sich einer der Halbstarken erschrecken sollte. Ich selbst führte Mambo an den Gymnastikball heran, bis er ihn mit den Vorderbeinen wegschubste. Er erschreckte sich leicht, liess sich aber erneut auf mich ein und war bei den weiteren Versuchen schon viel mutiger. Solas kam natürlich auch dran und zeigte bei den Blachen bereits jetzt Nervenstärke. Ich war sicher, dass er einmal ein hervorragendes Trailpferd werden würde.
      Bei den Stuten lief es ähnlich ab; die meisten waren ziemlich neugierig und untersuchten die Mitbringsel. Besonders die älteren wie Sarabi, Daedra, Snowflake, Fire und Dolly hatten schon einige solcher Spieleinheiten hinter sich und kannten die Gegenstände. Aber auch Cranberry traute sich sofort heran und bearbeitete den Ball mit ihren Fohlenzähnen. Ich war froh, dass Chime jetzt auch auf Pineforest war und ich sie jeden Tag im Blick hatte. Ella hatte zwar gute Arbeit geleistet und sich ausreichend um das schwächliche Stutfohlen gekümmert, aber mir war trotzdem wohler, wenn ich mich selber um sie kümmern konnte. Sie war und blieb ziemlich schmal, man sah auch ihre Rippen recht gut. Aber laut dem Tierarzt war sie soweit über dem Berg und mit genügend Futterzusätzen würde sie auch gross werden. Es war natürlich eine aufwändige Zukunft, die da vor uns lag, doch für das hübsche Stutfohlen wollte ich keine Mühen scheuen. Sie war mir schon so ans Herz gewachsen, dass ich sie keinesfalls loslassen könnte, auch wenn Oliver skeptisch war, ob die kleine jemals eine Zukunft als Rennpferd haben oder überhaupt gesund bleiben würde. Ich wollte es wenigstens versuchen und ihr diese Chance geben. Weniger dramatisch stand es um die dratige, grobknochige Karma. Sie war ein richtiger Brocken, und ich schätzte, dass sie wohl ein ordentliches Stockmass erreichen würde. Wegen ihrer langen Beine sah es lustig aus, wenn sie grasen wollte. Sie stand dann jeweils vorne ganz breit auseinander. Nun fehlte nur noch Indy, die immernoch bei Ella stand, weil sie ungefähr zwei Monate jünger als die anderen Fohlen war. Ich freute mich schon darauf, endlich alle Fohlen auf dem Hof zu haben. Lily und ich versorgten alles wieder in der Halle, sobald wir fertig waren. Danach gingen wir erstmal ins Haus um uns mit einer Tasse Tee aufzuwärmen, denn es war bereits am Vormittag eine kühle Bise aufgezogen, die sich hartnäckig gehalten hatte. Immerhin war der Himmer klar und blau. Lily ging später wie beschlossen in die Dressurstunde und ich kümmerte mich um zwei neue Pensionäre – denn ich hatte beschlossen, die leeren Boxen auf Pineforest zu vermieten. Im Moment standen schon zwei auswärtige Pferde im Stall, und eines davon war unser alter Freund Fajir. Der Besitzer war sofort mit ihm zurück hierhergezogen, als er von den freien Boxen erfahren hatte. Er war ohnehin seit er den Cremello besass zu uns in die Reitstunden gekommen, und nun konnte der begeisterte junge Herr auch von der restlichen Infrastruktur von Pineforest profitieren. Heute waren nun noch ein weiteres mir unbekanntes Pferd, und Majandro angekommen, den ich ebenfalls vor einer ganzen Weile verkauft hatte. Ich war sicher, dass auch noch weitere der Pferde folgen würden, die ich in unsere Nachbarschaft abgegeben hatte.

      Gegen halb Zehn Uhr klingelte das Telefon bei uns erneut. Ich liess Jonas rangehen, da ich gerade Wäsche bügelte, weil unsere Putzfrau (jawoll, so faul war ich seit Jahren) mit Grippe im Bett lag. Ich lauschte mit einem Ohr dem Gespräch und mein Puls schlug schneller, als ich mir zusammenreimte, worum es ging. „Sie haben sie gefunden?“, hauchte ich zu Jonas, der mir grinsend einen Daumen hoch als Antwort gab, während er dem Beamten zuhörte. Ich machte förmlich einen Freudensprung und konnte es kaum erwarten, die Details zu hören. „… Okay, we’ll pick them up right tomorrow, if that is possible. Yeah sure. Thank you so very much.“ Er legte auf und ich umarmte ihn erstmal vor Erleichterung. “Sie wurden in der Nähe von Southampton in einem Schuppen gefunden. Offenbar wollten die Diebe sie demnächst bei einer Nacht und Nebel Aktion per Schiff nach Frankreich und von dort aus mit gefälschten Papieren weiter transportieren. Die Polizei hat die Dokumente beschlagnahmt, es war offenbar alles schon vorbereitet. Wir hatten Glück, denn es wäre schwierig geworden, sie im Ausland aufzuspüren. Wir können sie morgen holen gehen – ach ja, und sie seien in einem recht guten Zustand, also ist ihnen nichts weiter passiert.“ Mir kamen beinahe Freudentränen, was mich erstaunte, weil ich normalerweise nicht so nah am Wasser gebaut war. Vielleicht werde ich doch langsam zu einem normalen Menschen wie alle anderen, überlegte ich im Stillen. Falls ja, liegt das definitiv an dem guten Einfluss meiner grossen Familie hier.

      Pflegebericht 29.11.2017 - Jungpferde
      © Occulta
      Oliver und ich sassen zusammen in der Reiterstube und beobachteten die Reitstunde durch die grosse Glasscheibe. Lisa stand in der Mitte und dirigierte fremde, sowie unsere eigenen Leute durch verschiedenste Bahnfiguren. Mit einem Lächeln beobachtete ich die kleine Suri, Lilys neue Freundin, die auf Nosferatu leichttrabte. Sie bewegte sich noch etwas unbeholfen und hatte nicht immer ganz denselben Takt wie das Pony unter ihr, aber sie gab sich sichtlich Mühe und versuchte ihren Körper gerade zu halten. Lily, die mit ihrem Tinker Areion ein eingespieltes Team war, ritt ihr natürlich um die Ohren, aber dafür, dass Suri erst seit zwei Wochen im Sattel sass, schlug sie sich richtig gut. Pony Nossi benahm sich ebenfalls tadellos. Sie buckelte nicht, war nicht zu schnell und liess sich von Lisa per Stimmkommandos fast fernsteuern. Ich wandte mich wieder an Oliver, der mich fast gleichzeitig ansah. «So?», fragte ich mit erwartungsvollem Blick, denn der Trainer hatte mich hierherberufen, um über die jungen Vollblüter zu reden. «The Training this morning was okay. But I still worry, because your horses were started about 9 months later than all the others. They missed their complete two-year-old debut.» «And?» «Well, they sure have gained lots of muscles, but they had less time to build bone substance and gain experience.» «Yes, but instead they were able to grow unaffected by rider weight during these extra months. And they had more time to grow mentally aswell», rechtfertigte ich. «I just want to make a suggestion. You may want consider starting the yearlings from last spring, because they would be at an ideal age now.» «Mambo and the others? Isn’t that too early?», fragte ich mit einem mulmigen Gefühl. «Look, it is normal in the racing industry to start them at about 18 to 20 months of age. They are 20 months old right now, plus you don’t have any of your so called ‘more mature’ two-year-olds to train for the coming season. You know we treat them very gentle and Jockeys aren’t lightweight for no reason.» Ich runzelte nachdenklich die Stirn. Weil ich schwieg, fuhr er fort. «The reason why I didn’t complain last year or the year before that was because those two-year-olds had late brith dates and those dates were also too far apart. It would have been impossible to start them at a reasonable time for the racing season, considering their differences in age. I admit that I manipulated you into breeding at a convenient time so that the foals last year were mostly born in march, so this issue wouldn’t come up again. Early training is crucial so that their bone structure can adjust to the strains of racing.» «I don’t know… Not so long ago they were just little foals. I mean, I remember Dollys birth as if it had been yesterday.» «But look at them now. Thoroughbreds grow extremely fast, they were bred like that for exact that reason.» «Give me a little time to think about it.» Er nickte und stand auf. Ich blieb noch eine Weile sitzen und beobachtete die Reitschüler. Sie mussten sich gerade am Schulterherein versuchen. Darren ritt auf Sika, die deutlich dreispurig lief. Zufrieden lächelte ich bei dem Anblick. Darren bemerkte, dass ich ihn beobachtete, als er an der Scheibe vorbeiritt und lächelte verlegen zurück. Bei Lily klappte das Schulterherein noch nicht ganz, also holte Lisa sie zu sich in die Mitte und zeigte ihr, wie sie den Unterschenkel halten musste. Danach waren schon bessere Ansätze erkennbar, aber natürlich noch weit weg von den erfahreneren Reitern. Nosferatu lief zuverlässig zweispurig geradeaus, mit leichter Innenstellung. Aller Anfang war nun mal schwer, aber ich wettete, dass Lisa Suri auch gesagt hatte, dass sie es einfach versuchen solle und noch nicht beherrschen müsse. Für den Galopp nahm die Reitlehrerin ihre jüngste Schülerin dann auch an die Longe, während die anderen auf der A-Volte blieben. Suri musste sich im Moment nur am Sattel festhalten und sich an den Bewegungsablauf gewöhnen, die Zügel hatte Lisa für sie über dem Widerrist verknotet, damit das Mädchen die Hände frei hatte. Nossi war ziemlich gut ausbalanciert und lief zuverlässig im Kreis. Suri musste ihre Hände als Balanceübung vom Sattel lösen und frei nach aussen strecken. Einmal wurde Nossi dann doch etwas schnell, sodass Suri sich kurz erschrocken festhielt, danach aber gleich wieder mutig weiterübte.

      Als sie mit dem Austraben begannen, verliess ich die Reiterstube und begab mich in den Nebenstall. Es war drei Uhr, aber der Himmel war so düster, dass es mir vorkam wie Abend. Der Himmel war mit grossen, bauschigen Wolken bedeckt und ein kalter Wind schlich sich durch meine Jacke hindurch bis zur Haut. Die Stuten im Nebenstall kümmerte das sichtlich wenig. Sie raschelten gemütlich in ihrem Stroh und unterbrachen diese Tätigkeit höchstens, um zu sehen, ob ich ihnen etwas Besseres zu Fressen brachte. So auch Parányi, als ich ihre Boxentür entriegelte. Sie drückte mir erwartungsvoll ihre dunkle Schnauze ins Gesicht, typisch unsanft für ein junges Pferd, wie ich bemerkte. Weil es so windete, hatte die rappfarbene Stute auch wenig später beim Putzen viel zu glotzen. Vorbeiwehende Blätter, galoppierende Fohlen in der Ferne… Die Stute sah sich alles mit aufmerksam hochgestrecktem Kopf an und blendete mich sozusagen aus. Mir war das schnuppe, solange sie mich nicht irgendwie anrempelte oder mir auf die Füsse stand. Das schien sie auch zu wissen, denn trotz der Ablenkung gab sie ihre Hufe brav und stand schön still. Jedenfalls bis eine grosse, weisse Plastiktüte über den Schotterweg fegte. Da fielen ihr die Augen fast aus den Höhlen und sie musste laut rasselnd Luft einsaugen. Ich klopfte ihr beruhigend auf den Hals und stellte sicher, dass sie mich bemerkte. Trotzdem stand sie nach einem folgenden Zusammenzucken etwas breitbeiniger da als zuvor. «Schon gut, Glupschi. Es wird dich nicht auffressen», lachte ich bei dem Anblick. Insgeheim beschloss ich, dass die Stute wiedermal ein wenig Anti-Schrecktraining brauchte. Auch Jonas, der dem Plastiksack hinterherlief, um ihn in die Mülltonne zu schmeissen, bemerkte Parányi und mich. «Haha, freu dich auf nachher; so wie die heute drauf ist werdet ihr’s lustig haben», rief er mir entgegen. Ich meinte lachend, dass das auch meine Sorge sei. Nichts desto trotz sattelte ich Parányi kurz darauf und führte sie fertig gezäumt zum Aufsteigen auf den Kiesweg. Ich hatte tatsächlich einen Ausritt mit ihr vor, allerdings war mir zugegebenermassen unwohl, wenn ich mir den grossen, schwarzen Angsthasen neben mir ansah. Da kam mir Lewis gerade recht, der Vychahr auf den Sandplatz führen wollte. «Hey!», rief ich, «do you want to join me and Parányi instead?» Er hielt an und überlegte kurz, dann gab er mir ein Daumen-Hoch und schwang sich auf den Rücken des Fuchshengstes. Ich erklomm mein Reittier ebenfalls und schloss zu ihm auf. «Wanna visit Rosie?», fragte Lewis. «Sure.» Wir ritten zwischen den Tannen hindurch in Richtung Fluss, trabten nach der Brücke den ganzen Schotterweg bis zur Wilkinson Farm und spazierten auf den Hof. «Good day Mr. Gordon. Is Rosie at home?» Der stämmige Chefpfleger der Farm wischte gerade den Platz vor dem Stall, als wir ihn überraschten. «I will inform her, just a moment.» Er verschwand im Stallgebäude und brachte die dunkelrothaarige Ex-Pflegerin von Pineforest Stable mit raus. Verwundert begrüsste sie uns. «I didn’t expect you to come today, what brought you here?» «Nothing really, we were just passing by and thought we’d say hello», erklärte ich. Sie meinte daraufhin, dass wir eigentlich gerade recht kämen, weil sie uns etwas zeigen wolle. Gespannt stieg ich ab und band Parányi beim Putzplatz an, Lewis tat es mir mit Vychahr unter Einhaltung genügenden Abstands gleich. Wir folgten Rosie zu den Weiden und entdeckten nebst den beiden friedlich grasenden Araberstuten Farasha und Islah auch noch eine weitere, graue Figur unter den Bäumen. Im ersten Moment dachte ich aus lauter Gewohnheit an First Chant, verwarf die Idee aber augenrollend sofort wieder – das Stutfohlen stand ja inzwischen auf unserer eigenen Fohlenweide zuhause. «That over there is Lindwedel. He’s a Fell pony, I bought him last week. He looked very cute with his curly mane and tail, so I thought ‘why not?’» «He sure is stunning. How old is he?» «16 years» «Really? And still so dark grey?», meldete sich Lewis zu Wort. «Yep. Doesn’t look like he will get much lighter, too.» «Nice. Gelding, I guess?», riet ich mit einem Blick auf die Weide mit den beiden Stuten. Rosie antwortete lachend «Of course.» Wir plauderten noch eine Weile, dann machten Lewis und ich uns wieder auf den Weg. Allerdings verliess ich den Hof nicht, ohne Anubis und Numair ein Leckerli zu bringen – wenn ich schon nicht wegen ihnen hier war. Bintu bekam auch eins, damit er nicht eifersüchtig wurde.

      Als wir von unserem Ausritt zurück waren, musste ich Parányi die Abschwitzdecke anziehen – obwohl sie am Bauch geschoren war. Wir hatten ein paar lustige Galopps und Geisterbegegnungen hinter uns, aber im Grossen und Ganzen war der Ausritt schön gewesen. Vychahr hatte sich von der Rappstute natürlich auch etwas anstecken lassen, war aber längst nicht so verschwitzt. Während ich Die Stute in ihre Box versorgte, hörte ich David und Elliot mit dem Anhänger zurückkommen. Die beiden hatten mit Dancin’ to Jazz ein Trail-Anfänger-Turnier besucht. Gespannt wechselte ich zum Parkplatz, sobald ich die Boxentür geschlossen hatte. Liebevoll lief ich zu Jazz und streichelte die Stute zur Begrüssung. «Heyy my beauty. How was she?» Elliot antwortete verschwörerisch «make a guess.» «…Last?», fragte ich besorgt. «Far off. They were placed second», enthüllte Elliot grinsend, und wurde prompt von meinem fröhlichen «yes!» abgewürgt. Ich umarmte den Hals der Stute und klopfte David stolz auf die Schulter. Meine Freude war gross, denn diese erste Platzierung der Stute zeigte mir, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nun durfte Jazz aber erstmal zurück in den Offenstall und ihre Ruhe geniessen. Diese Woche war wirklich hervorragend gelaufen, denn es hatten auch gleich drei unserer Stuten ihre Körungen geschafft: Vai Alida, Cabinet of Caligari und meine kleine Bluebell.

      Mit bester Laune ging ich ins Haus und machte mir eine Tasse Tee. Nach der Kälte draussen war das eine weitere Wohltat. Kafka, der bunte Kater, sass draussen auf dem Fensterbrett bei der Küche. Ich beobachtete ihn durch die Scheibe. Er schien irgendwas zu sehen, jedenfalls blickte er tiefgründig in die Ferne. Ich konnte es nicht sein lassen, ihn zum Spass zu erschrecken, indem ich das Fenster aufmachte und «Buh!» rief. Er sprang runter und peitschte mit dem leicht gesträubten Schwanz, dann verschwand er um die Hausecke. «Du hast mich und die Pferde oft genug überrascht, geschieht dir absolut recht», murmelte ich rechtfertigend, hatte aber trotzdem einen Anflug von schlechtem Gewissen. Eine weitere Katze entdeckte ich unweit entfernt unter den Büschen die den Reitplatz säumten. Sie war nichts weiter als ein dunkler Schatten zwischen den Zweigen, nur die grünen Augen sah man deutlich. Es handelte sich um die scheuste der vier Katzen, Moya. Ich wollte sehen, ob Lisa schon Fortschritte dabei gemacht hatte, das wollige Tierchen zu zähmen. Ich öffnete die Haustür und stellte zunächst angewidert fest, dass Kafka mir mal wieder eine Kopflose Maus dagelassen hatte – das schlechte Gewissen von zuvor verflüchtigte sich augenblicklich. Ich schob die kleine Leiche mit dem Fuss von der Terrasse ins Gras und näherte mich dann vorsichtig meinem Ziel. Moya war schon im Begriff aufzustehen und zu flüchten, also kniete ich rasch runter und lockte sie mit allem, was mir einfiel. Sie sah mich mit grossen Augen an, die misstrauischer nicht hätten sein können. Aber sie blieb kauernd unter dem schützenden Gebüsch, und liess mich ganz langsam näherkommen. Ich konnte schon fast den Arm nach ihr ausstrecken, als plötzlich Jonas von hinten rief «Was machst du da, Occu?» Ich zuckte zusammen, und bevor ich es realisierte, erkannte ich nur noch knapp einen schwarzen Schatten bei den Paddocks des Nebenstalls verschwinden. Enttäuscht richtete ich mich auf und strich mir die feuchten Hände an den Hosen ab. «Na toll, ich war so nahe dran», schmollte ich vorwurfsvoll an Jonas gewandt. «Die schwarze Katze? Die kann doch niemand streicheln. Sogar Lisa hat aufgegeben.» «Lisa ist auch dauernd hyperaktiv, da würd ich auch abhauen.» Wir lachten und schlenderten über den Hof. Zira entdeckte mich und kam vom Parkplatz her angerannt, fast an ihrer eigenen Zunge erstickend. Ich knuddelte sie liebevoll durch. «Wenigstens die ist anhänglich», stellte ich fest. «Und was ist mit mir?», meinte Jonas empört und umarmte mich spielerisch. «Ja ja, schon gut. Du brauchst mich nicht gleich zu zerquetschen. Wie war überhaupt dein Tag? Ich hab dich heute kaum gesehen, ausser beim Mittagessen und Plastiksack-Jagen.» «Ich war auch dauernd im Gelände unterwegs. Am Morgen mit Herkir, in Begleitung Ljóski und Lewis –» «Haha, ich vorhin auch. Wir waren mit Vilou und Parányi draussen.» «Ach, ich hab mich schon gefragt wo er steckte; ich war, nachdem du weg warst, mit Dancer auf dem Sandplatz, um Dressurarbeit zu machen und hab seine Sprüche bezüglich meines Stuhlsitzes vermisst.» «Der ist doch schon viel besser geworden, nicht?» Er zuckte mit den Schultern. «Wir können ja heute Abend zusammen zu Elliot in die Stunde gehen, dann wird er’s dir schon sagen. Ach ja, ich muss noch was Wichtiges entscheiden – Oliver hat mir schon Dampf unter dem Hintern gemacht.» «Was denn?» «Ob wir Generation Mambo schon jetzt einreiten sollen.» «Eiiigentlich sehen die ja schon ganz ordentlich aus, da hat der alte Olly schon Recht.» Beim Begriff ‘alter Olly’ musste ich belustigt glucksen. «Lass ihn das nicht hören, ja? Der reisst dir den Kopf ab. Aber ernsthaft, meinst du die sind so weit?» «Komm mal mit.» Wir liefen zu den Weiden und beobachteten die Stutfohlen eine Weile. Ich unterbrach das Schweigen nachdenklich. «Weisst du, Oliver hat schon Recht, wenn er sagt, dass sich der Körper der Vollblüter so früh wie möglich an die Belastung anpassen und entsprechend Substanz bilden sollte. Mit zunehmendem Alter ist der Effekt einfach nicht mehr derselbe, und gerade wenn sie noch im Wachstum sind, können sich mit dem richtigem Training die optimalen Strukturen entwickeln, damit sie später trotz der Rennbelastung lange gesund bleiben.» Jonas sprach zuversichtlich: «Ich meine, wenn du merkst, dass sie überfordert sind, kannst du jederzeit abbrechen und sie wieder auf die Weide stellen. Da könnte auch ein Oliver nichts entgegenhalten. Ausserdem kannst du sie im Voraus und zwischendurch Tierärztlich abchecken lassen, wenn das dein Gewissen beruhigt. Und zuletzt könntest du ja auch einen Kompromiss machen, indem du dich einverstanden erklärst, dass sie zwar schonend trainiert werden, aber nicht an Rennen starten bis sie dreijährig sind. So wäre zumindest der Einwand wegen des Knochenwachstums vom Tisch.» «Die Idee mit dem Kompromiss ist genau das, was ich gebraucht habe», rief ich dankbar aus. «Das Training selber leuchtet mir nämlich wie gesagt gewissermassen ein, aber mir war es ein Dorn im Auge, schon an den Rennen für die Zweijährigen teilzunehmen. Ich finde das einfach zu früh. Aber diesen Vorschlag werde ich Oliver nachher mal unterbreiten. Und sonst zieh ich mit seinem Plan nicht mit, Vogel friss oder stirb.» Mit einem beruhigten Gewissen streichelte ich Thalia, die an den Zaun gekommen war. Die beinahe schneeweisse Stute untersuchte mit ihrer rosa Schnauze meine Hand und schleckte mir die kalten Finger ab. Hinter ihr tauchten auch Dolly und Sarabi auf. Nur Daedra und Counterfire blieben zusammen mit den jüngeren Fohlen in der Mitte der Weide und grasten weiter. Bei Daedra würde ich mit dem Training auf alle Fälle auch noch warten, denn sie war im Herbst geboren und damit ein halbes Jahr jünger als die anderen. Das sah man ihr auch deutlich an.

      Wie beschlossen, redete ich gegen sieben Uhr mit Oliver, den ich in einer der Sattelkammern im Hauptstall erwischt hatte. Er war nicht nur einverstanden mit meinem Vorschlag, sondern wirkte damit sogar sehr zufrieden. Wir beschlossen, die Youngster morgen in den Hauptstall zu verschieben und mit der Gewöhnung an die Ausrüstung zu beginnen. In den nächsten Wochen würden sie noch vollkommen ohne Reitergewicht, an der Longe oder Doppellonge, trainiert werden. Erst dann wollten wir langsam die leichtesten der Jockeys auf ihre Rücken setzen und viel Schritt im Gelände reiten. Wenn alles gut lief, konnten wir danach mit der Trabarbeit beginnen. Ich bestand ausserdem auf die Tierärztlichen Untersuchungen. So konnte ich einigermassen entspannt zu Bett gehen.

      Pflegebericht 10.02.2018 - Aftermath
      © Occulta
      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.


      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.


      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.
    • Gwen
      Leben auf Pineforest Stable II

      Pflegebericht 29.04.2018 - Aus dem Leben eines kleinen Mädchens
      © Occulta
      Mein Wecker klingelte hartnäckig, und gab keine Ruhe, bis ich meinen Arm ausstreckte, um den kleinen roten Knopf an der Seite zu drücken. Auf dem Display stand eine Acht mit zwei Nullen dahinter - ich kannte die Bedeutung dieser Ziffer nur zu gut. Ich wollte mich schon stöhnend wieder umdrehen, doch dann fiel mir ein, dass ich heute ja keine Schule hatte, weil die Lehrer eine Weiterbildung machen mussten. Sofort fühlte ich mich wacher und fand sogar die Kraft, vom Bett zu rutschen, um mich anzuziehen. Ich lief runter in die Küche, wo eine Schüssel Müsli auf dem Tisch für mich bereitstand. Ich kippte etwas Milch dazu und sortierte wie immer die einzelnen Müsliflocken während dem Essen. Ich fand es lustiger, die verschiedenen Flocken nacheinander zu essen, anstatt einfach alle miteinander in den Mund zu stopfen. Tante Occu hatte zwar schon irgendwie recht, wenn sie sagte, dass dann ja die letzten Flocken schon total aufgeweicht seien, aber ich ass einfach schnell genug, damit das nicht passierte. Occu und Jonas waren wie immer schon draussen bei den Pferden. Sie konnten nicht so lange schlafen, weil sie ja arbeiten mussten. Das fand ich zwar ein bisschen doof, weil wir so am Morgen nicht zusammen essen konnten, aber ich hatte mich daran gewöhnt und auf früher aufstehen hatte ich keine Lust. Am Anfang war ich da noch energievoller gewesen und hatte versucht, auch um halb sechs aufzustehen, aber mit der Zeit war es mir zu anstrengend geworden. Nach dem Essen zog ich mir die Jacke an (weil Occu mich sonst wieder reinschicken würde, obwohl ich eigentlich nicht kalt habe) und ging als erstes zu Areion rüber. Es ist schon cool, auf einem Hof zu leben. Früher, als ich noch bei Mum wohnte, musste ich immer mit dem Fahrrad zwanzig Minuten zum Stall fahren, um Paulchen zu besuchen. Hach Paulchen... Wie es ihm wohl geht? Die Tür und die Fenster zum Nordstall waren offen und die meisten der Pferde streckten entspannt ihre Köpfe raus, um die Morgensonne zu geniessen. Auch mein Teddy hatte die Augen halb geschlossen, zumindest bis er mich hörte. Er spitzte die Ohren und streckte mir den Kopf entgegen. Ich streichelte ihn zur Begrüssung. Im Stall lief Musik, denn die Pfleger waren gerade am Ausmisten und Wischen. Ich summte mit der Musik und sang ab und zu den Refrain mit, wenn ich ihn kannte. Ich merkte einmal gar nicht, dass Jonas hinter mir durchlief, bis er plötzlich auch mitträllerte. Lachend zog ich an Teddys Bein, damit er es mir zum Auskratzen gab. Ich konnte gut in seinen langen Behang greifen, um den Huf oben zu halten. Seine Barhufe waren vorne runder als hinten; das hatte mit der Verteilung des Körpergewichts zu tun, hatte mir Occu erklärt. Ich stellte sicher, dass wirklich kein Dreck mehr in den Furchen neben dem Strahl war, bevor ich den Huf wieder absetzte und Teddy lobend auf die Schulter klopfte. Er war wirklich ein tolles Pferd und ich vertraute ihm mittlerweile total. Und seit er den Stuten nicht mehr hinterhersah, war er auch super zum Reiten. Ich kämpfte mich noch mit dem Kamm durch seine Dicke Mähne und den Schweif, dann holte ich den Sattel. Ich führte ihn in die Halle und kletterte auf seinen Rücken. Zuerst musste ich ihn warmreiten, wie wir es auch immer in der Reitstunde machten. Wir waren nicht alleine in der Halle, auch Lisa und David waren mit Aristo und Artemis da. Artemis lief besonders toll. Er sah mit seinem feinen Hals und dem weissen Fell total schick aus, und David hatte ihm eine Hellblaue Schabracke mit silbernem Rand unter den Sattel gelegt. Mein Tinker trug heute seine rot-schwarze Schabracke, auf der sein Name aufgestickt war. Die hatte ich ihm mit meinem Taschengeld gekauft, als ich mit Occu auf einer Messe gewesen war. Ich trabte Teddy an und versuchte, möglichst gerade zu sitzen, die Absätze runter zu lassen und die Hände schön ruhig zu halten. Es war schwer, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren und dann auch noch das Pferd zu steuern. Aber ich hatte Elliots und Occus Stimmen von den Reitstunden im Kopf. Im Galopp hielt ich mich manchmal ein bisschen an der Mähne fest, damit ich nicht das Gleichgewicht verlor. Ohne Sattel machte ich das auch immer. Ich machte eine kurze Pause und beobachtete neidisch, wie Lisa mit Burggraf Trabverstärkungen übte. Burggraf hob zwar die Beine nicht so schön wie zum Beispiel Vilou, aber er lief dynamisch und kraftvoll über die Diagonale. Teddy konnte das sowieso nicht so toll, weil er einfach anders gebaut war. Aber wenn Occu ihn ritt sah man wenigstens schon einen Unterschied zwischen normalem und verstärktem Trab. Irgendwann wollte ich das auch so gut können, aber ich musste zuerst noch längere Beine bekommen, damit ich besser treiben konnte. Skydive wird bestimmt auch so tolle Gänge haben wie Vilou, war ich mir sicher. Er trabt immer so schön über die Weide, und sein Galopp sieht total weich zu sitzen aus. Ich kann es kaum erwarten bis er eingeritten ist, aber das dauert leider noch ein Jahr. Ich kraulte Teddys Hals liebevoll und sagte ihm "Du bist aber auch super Teddy." Ich alberte noch ein bisschen herum, indem ich Teddy im Schritt nur mit Gewichtsverlagerung zu steuern versuchte. Es klappte nicht immer ganz so, wie ich das wollte und wir waren ein paarmal auf Kollisionskurs mit den aderen. Aber es machte Spass. Nachdem Teddy seine Karotten runtergschlungen hatte, führte ich ihn zu seinen Stallgenossen auf die grosse Weide am Pinienwaldrand. Er konnte es kaum erwarten und zog mich zugegebenermassen ein wenig durch die Gegend - er spürte mein Fliegengewicht eben kaum am anderen Seilende. Ich wusste zwar von Occu, dass ich seine Hinterhand bewegen musste, wenn er mir vorne zu stark wurde, aber das war auch leichter gesagt als getan, weil er mit seinem dicken Winterfell kaum was spürte. Wir kamen jedenfalls rasch beim Weidetor an, und ich hängte einfach den Strick aus, ohne grosses Drumherum. Teddy trabte zu seinen Kumpels - Herkir liess sich sofort auf ein kleines Renn-Spiel ein und auch Loki setzte sich in Bewegung, um die beiden zu verfolgen. Ich sah noch ein bisschen zu, dann lief ich zurück, wobei ich auf Sheela und Jacky stiess, die herumstreunerten. Ich fand beim Galoppweg einen Stock, den ich Sheela warf. Aber Jacky war schneller und kam stolz mit dem langen Ast im Maul zu mir getrottet. Sie gab ihn mir nicht sofort, sondern zog noch ein wenig daran. Ich bewegte ihn lachend hin und her, bis sie losliess. Sie wartete schon mit aufgerichteten Ohren auf den nächsten Wurf, die eine Vorderpfote anwinkelnd und bereit um loszuschiessen. Nach gefühlten 100 Würfen hatte ich keine Lust mehr, aber wäre es nach der Jack Russel Terrier Hündin gegangen, hätten wir noch den ganzen Morgen weiterspielen können. Sie wurde einfach nie müde und brachte das Stöckchen jedes mal zuverlässig zurück, während Sheela abgelenkt zwischen den Bäumen schnupperte.

      Ich lief zum Hauptstall und suchte von dort aus Tante Occu. Ich fand sie ziemlich schnell - nämlich in Shiras Box. Sie legte der jungen Ponystute gerade das Knotenhalfter an und führte sie raus zum Putzen. Ich half ihr dabei, indem ich das Stroh aus Shiras Schweif erlas. Als ich damit fertig war, sprayte Occu den Schweif ein bisschen ein, sodass er ganz seidig und weich wurde. Auch beim Hufe auskratzen durfte ich helfen, aber Occu stand daneben und passte auf, weil Shira manchmal noch etwas zappelig war. Nach dem Putzen führte Occu das Pony zum Roundpen. Sie hatte ein paar Gegenstände vorbereitet, an die sie Shira gewöhnen wollte. Ich nahm sofort den Regenschirm in die Finger und wollte ihn aufspannen, aber Occu meinte, ich solle damit noch warten. Zuerst liess sie Shira nämlich ein paar Runden im Kreis warmtraben. Dann durfte ich den Schirm immer wieder auf und zu tun und krach damit machen, zuerst weit weg, dann nahe bei ihr. Ich rannte mit dem Schirm um Shira herum, je nachdem was Occu mir sagte. Ich fand das super; Shira am Anfang nicht so. Aber sie gewönte sich schnell daran und wurde immer ruhiger. Wir übten auch mit einem Ball und mit Blachen. Als Occu Shira wieder zurück in die Box brachte, bog ich stattdessen zu den Miniweiden ab. Ich wollte mit Silver Lining spielen. Das Miniature Horse war nicht nur niedlich, sondern auch total intelligent und konnte über zwanzig verschiedene Tricks. Er hatte vorher einer Frau gehört, die nichts sehen konnte. Also war er sozusagen ihr Ersatzauge gewesen, hatte mir Occu erklärt. Ich fand das ziemlich cool, weil das ja auch für die Frau dann viel spannender als ein Blindenstock oder so sein musste. Sie hatte so gleichzeitig auch einen Freund gehabt. Aber jetzt lag sie im Spital und konnte nicht mehr so viel machen, also hatte sie für Lining ein schönes Zuhause gesucht. Das war echt lieb von ihr. Der graue miniatur Hengst kam neugierig zu mir und schleckte meine Hand ab. Er war ganz vorsichtig und nicht so frech wie Oreo, der mir in den Ärmel zwickte, weil er ein Leckerli wollte. Ich fand es einfach schade, dass Arctic Blue und Rapunzel jetzt nicht mehr hier waren, sondern mit Alufolie und Echo auf einer grossen Weide lebten. Die Beiden waren frühzeitig in Rente gegangen, damit Occu die Jungpferde problemlos unterbringen konnte. Arco ist immer so süss gewesen mit seiner grossen Blesse... Aber die Jungen Hengste waren auch süss, besonders Oreo hatte einen hübschen Kopf und war seiner Mutter ziemlich ähnlich. Ich wusste, dass Occu noch ein paar Nachkommen von Nachtfalke irgendwo auf einer Fohlenweide versteckt hatte, die sie erst hierherholen wollte, wenn der kleine schwarze Hengst gekört war, weil sie erst dann richtig mit ihnen auf Shows gehen konnte. Anscheinend war es günstiger und einfacher, sie bis dahin auswärts zu halten. Ich war gespannt, wie die Fohlen aussehen würden, denn ich hatte nur ein paar Babybilder gesehen. Ich zog meine Schuhe aus, denn ich hatte Lust, barfuss zu laufen. Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste und es gefährlich war, um die Pferde herum ohne Schuhe zu sein, aber ich war ja nicht mehr sooo klein und konnte gut auf meine Füsse aufpassen. Ich wusste auch, dass Occu kein Mitleid haben würde, wenn etwas passierte - weil sie mir gesagt hatte, dass ich dann selber schuld wäre. Deshalb war ich umso sorgsamer bedacht, keine Fehler zu machen. Das vom Morgen noch kühle Gras kitzelte meine Knöchel und ich liebte einfach das Gefühl, die Wiese unter meinen Sohlen zu spüren. Ich warf meinen rechten Schuh ein paar Meter weg und gab Lining das Kommando, ihn zu holen. Er brachte ihn mir zuverlässiger als ein Hund zurück, und ich kraulte ihn begeistert am Widerrist. Dann klopfte ich mit der flachen Hand auf den Boden, das Zeichen, dass er abliegen solle. Er liess sich neben mich ins Gras plumpsen und ich konnte halb auf ihn drauf liegen. Eine Weile beobachtete ich verträumt die vorbeiziehenden Wolken, während er einfach im Liegen weitergraste. Bis mir Lenny von oben seine Schnauze ins Gesicht drückte und an meiner Nase knabbern wollte. Ich lachte erschrocken los und Lining sah sich zu mir um, blieb aber ruhig liegen. Es war so süss, fast, als wollte er sichergehen, dass alles in Ordnung war. Ich stand auf und erlöste das silbergraue Hengstchen von seinem "Dienst". Meine Schuhe hätte ich fast vergessen, als ich unter dem Zaun durch zu den Ministuten rüberging. Und Becks wäre fast darüber getrampelt. Ich ging zu Peppy, die vom grasen aufsah und mir ein Stück entgegen kam. „Denkst du etwa, wir gehen schon wieder trainieren?“, fragte ich sie amüsiert. Manchmal kam es mir fast so vor, als freue sie sich richtig auf das Renntraining. Jedenfalls schien sie es zu lieben, über die für ihre Verhältnisse übergrosse Rennbahn zu flitzen, denn ich musste sie nie zweimal auffordern. Ich knuddelte die Shettystute; ihre Mähne war so schön weich. Ich zupfte etwas loses Fell aus einer Stelle an ihrem Bauch, die der Schermaschine entkommen war. Dort sah man, dass sie eigentlich immernoch einen Rest Winterfell gehabt hätte, wenn wir sie wegen des vielen Galoppierens nicht geschoren hätten. Ich legte mich über ihren Widerrist und schwang mein Bein über ihren kurzen Rücken. Noch konnte ich sie reiten, aber irgendwann würde ich zu gross für sie sein. Ich fand das schade, aber ich wollte ihr ja nicht schaden, also machte ich schon jetzt pläne, was ich alles mit ihr tun wollte, wenn es so weit war. Einfahren stand ganz oben auf dem Plan. Vielleicht konnten wir ja bei Sulky-Rennen mitmachen? Ich ritt ein wenig planlos über die Weide, so gut steuernd, wie es ganz ohne Ausrüstung nunmal ging. Einmal wurde Peppy etwas übermütig und begann zu traben, nach einer Weile sogar zu galoppieren. Ich griff in ihre Mähne und hielt mich gut fest, Angst hatte ich keine. Ich hatte das Gefühl, dass Peppy gleich wieder bremsen würde, und so war es auch. Sie trug mich neben Papillon und Chip, den Kopf wieder zum Grasen senkend. Um sie nicht weiter zu belästigen, rutschte ich vom Ponyrücken runter und entfernte mich. Ich kletterte auf einen der Bäume und legte mich auf einen dicken, waagrechten Ast, von dem aus man einen guten Blick über die Weide hatte. Ich zählte die Ameisen, die vor mir über die Rinde krabbelten und sich in keinster Weise von ihrer Arbeit ablenken liessen. Manche trugen Ästchen oder Blattstücke, die viel grösser waren als sie selbst. Unter dem Baum stand Kiwi, und sah neugierig zu mir hoch. Sie verlor das Interesse aber schnell wieder, denn Tiki lief unweit von ihr entfernt zielstrebig zum Offenstall. Ich erkannte Lewis, der wohl gerade die Vormittagsration Heu vorbeibrachte. Dakis halb quietschendes Brummeln war sogar von hier aus zu hören. Ich beobachtete belustigt, wie Chip und sie sich unterwegs rasch mit einer eindeutigen Geste angifteten, um zu klären, wer zuerst zum Heu durfte. Natürlich gewann Daki. Ich pfiff laut, sodass der Lewis sich umsah. Dann lachte ich laut, weil er mich auf dem Baum nicht sehen konnte. Durch das Lachen verriet ich mich, und er kam zum Baum gelaufen. "Little Miss, you shouldn't distract people from Work!" Ich grinste frech. "Since when are YOU working? Is Jonas ill or what?" "Ha! Just you wait, I'm gonna get you down here!" Er hängte sich an die untersten Äste, die er natürlich viel besser erreichte als ich. Der ganze Baum zitterte, als er sich etwas mühevoll hochhievte. "Ugh, it seems I'm a bit out of practice..." Gerade in diesem Moment kam Occu den Weg zu den Weiden runter. "What in the World are you doing?!", rief sie mit leicht strengem Unterton. Lewis sah mich erschrocken an, dann lachten wir herzhaft und kletterten runter. Papillon, die erst jetzt auf dem Weg zum Heu war, zuckte erschrocken zusammen, als Lewis sich runterfallen liess. "Hey ihr Kindsköpfe... Die Mini Hengstchen verzweifeln fast, weil ihre Heuration auf dieser Seite des Zauns feststeckt." Tatsächlich standen alle fünf ungeduldig am Zaun und glotzten mit gespitzen Ohren zu uns rüber. Ich hatte einen mittleren Lachanfall bei dem Anblick – es sah einfach zu süss aus. „Aber ernsthaft, ihr könnt nach dem Mittag wieder rumalbern. Jetzt gehen die Pferde erstmal vor.“ Ich sah unschuldig in die Wolken und Lewis stupste mich, so wie es auch Jonas dauernd tat. Dann machte er sich mit einem entschuldigenden „right away, boss“ zurück an die Arbeit und ich holte meine Schuhe, ehe ich Occu folgte. "Ab hier ziehst du die wider an", befahl sie, auf die Schuhe deutend, als wir in den Hauptstall abbogen. Ich gehorchte und wir machten uns auf die Suche nach Ajith. Wir fanden ihn mit Gabel und Mistschubkarre bei Khiaras Box. "I see, you're finished soon?" "Yea, April is doin' the boys." "Good. Can you prepare the babies afterwards?" Mit "babies" meinte Occu die jüngste Gruppe der Vollblüter, die gerade angeritten wurden. Soweit ich wusste, wollten sie vor dem mittag noch rasch ein wenig Dressur mit der Gruppe üben. Daedra war jetzt auch im Hauptstall und wurde mittrainiert, sie hatte aber noch einen kleinen Rückstand, weil sie ja ein bisschen jünger war. Occu fragte mich, ob ich nach dem Mittag noch rasch Thairu und Zazou mit ausreiten wollte, ehe Suri vorbeikam. Erstaunt fragte ich „kommt sie heute auch?“, weil ich davon gar nichts wusste. „Jap, sie hat vorhin angerufen und gefragt, ob du da bist. Ich hab ihr gesagt, dass du nichts vorhast am Nachmittag – ich hoffe das stimmt?“ „Klar!“, rief ich freudig. Es machte mir total Spass, mit Suri Reiten zu üben und wir waren mittlerweile beste Freundinnen. „Und ja, ich will mit Thairu raus. Darf ich sie diesmal wieder reiten?“ Occu nickte und ich machte einen kleinen Hüpfer. „Ich will noch schnell schauen, wie’s Chanda geht. Kommst du?“ Wir schlenderten zum Nebenstall und warfen einen Blick in die Box der neuen Criollostute. Sie war vorgestern angekommen und stand noch unter Quarantäne hier, weil sie etwas Nasenausfluss hatte. „Vielleicht ist sie auch auf Pollen allergisch, wie Elliot?“, fragte ich rätselnd. „Kann schon sein, aber ich denke eher, dass sie sich erkältet hat, weil sie beim Verladen vor Stress geschwitzt hat und es abends dann doch recht kühl war.“ Occu wollte sie später zu Moon und Feline auf die Stutenweide stellen, aber sie wollte erst sichergehen, dass die hübsche grullo-Scheckstute ganz gesund war. Sie kräftig aus und hatte schon sämtliches Winterfell verloren; so sah es jedenfalls aus. Chanda streckte neugierig ihre rosa Schnauze über die Boxentür und ich berührte sie mit meinen Fingern. Die Stute spielte mit ihren Lippen, um meine Finger in den Mund zu nehmen, aber ich passte auf und zog sie jedesmal lachend weg. „Ich geh jetzt zu den Youngsters, wenn du willst, kannst du natürlich zusehen kommen“, meinte Occu, sich zum Gehen wendend. Ich machte nur „nops, keine Lust“ und lief stattdessen wieder zum Nordstall. Ich hatte gestern eine Maus gesehen, die bei Vychahrs Box herumgeklettert war. Ich schlich mich vorsichtig an, aber es regte sich nichts ausser Circus Dancer und Vilous Mäulern, die eifrig im Stroh nach Heuhalmen suchten. Royal Champion war übergangsweise auch wieder hiergewesen. Occu hatte ihn ohne zu Zögern zurückgekauft, als sie seine Verkaufsanzeige gesehen hatte, aber der Platz im Nordstall war begrenzt und irgendwann würden ja Skydive, Clooney, Solas und Woody auch noch umziehen. Also hatte sie nun eine definitive Lösung für den jungen Schecken gesucht und ihn schliesslich zurück an seinen Geburtort gebracht, der Lake Mountain Ranch. Ich kannte den Hengst nicht so gut, aber es war natürlich immer schade, wenn ein Pferd vielleicht nicht hierbleiben konnte. Ich war jedenfalls froh, dass Occu Skydive ganz sicher behalten wollte.

      Beim Mittagessen erzählte Occu, dass Dolly diesmal schon viel entspannter gewesen sei und anfing, den Rücken loszulassen. Die junge Vollblutstute war momentan der Angsthase der Gruppe und brauchte einen Tick länger als die anderen, um sich in ihrer Aufgabe zu entspannen. Sogar Daedra war schon gelassener, wenn auch sehr temperamentvoll und lauffreudig. „Ach und Mambo hat wiedermal Eckenmonster gezählt. Ich hab ihn an der Reiterstuben-Seite kaum vorbeigebracht, ohne gleichzeitig Seitengänge zu üben. Aber sonst war er toll, er hat Fortschritte im Angaloppieren gemacht. Fire ist immernoch etwas zu heiss und kriegt dauernd einen Beinsalat, weil sie noch kaum Gleichgewicht hat. Wenn ich einen rauspicken müsste, wäre Snowflake im Moment mein Favorit. Sie ist schon so erwachsen und einfach nur praktisch im Umgang. Sarabi lässt sich zu leicht ablenken und testet schon jetzt ihre Grenzen, das wird bestimmt noch lustig mit der.“ Jonas stimmte nickend zu. Mit halb vollem Mund setzte er an „Wann denkst du –“, schluckte auf Occus strengen Blick hin runter und fügte hinzu „sorry, wann fangt ihr mit dem intensiveren Galopptraining an?“ „Oliver will mit dem schnelleren Intervalltraining Anfang Mai beginnen. Sie sind dann knapp drei Monate unter dem Sattel und haben mehr als genug Basisarbeit hinter sich. Unser Ziel ist es, ein erstes Renn-Debut im Spätsommer zu machen. Wenn das gut läuft, wollen wir die restliche Saison noch fleissig ausnutzen; wenn nicht, verlegen wir das Ganze auf nächsten Frühling und trainieren intensiv für die Dreijährigen-Saison.“ „Wann bringst du eigentlich Merino an ne Körung? Ich hab ihn heute mit Charly laufen gesehen und er macht sich in letzter Zeit wirklich gut. Ich bin sicher, er wird auch mal ein beliebter Zuchthengst.“ „Ja, er hat sich wirklich sehr verbessert. Das ist wohl auch Rachel Wincox Zu verdanken, die ihn an den letzten paar Rennen hervorragend geritten hat, als unsere eigenen Jockeys ausgebucht waren. Es war eine gute Entscheidung, sie zu engagieren.“ Jonas nickte zustimmend. Wir assen fertig und verräumten das Geschirr, dann rannte ich schonmal voraus zur Zebraweide. Thairu und Zazou chillten bei ihrem Unterstand. Thairu hatte ein Hinterbein aufgestützt und machte sich nicht mal ansatzweise die Mühe, ihr Gewicht zu verlagern als ich kam. Ich duckte mich zwischen dem Zaun durch und lief geradewegs auf sie zu. Occu brachte ihr und Zazous Knotenhalfter mit. Wir führten beide zum Nebenstall. Occu liess mich Thairu selber putzen, während sie Halluzination holte. Ich fand es so cool, dass Thairu bei ihrem Popo braune Streifenzwischenräume hatte, anstelle von weissen. Am Anfang hatte ich gedacht, dass es nur Dreck sei, aber ihr Fell hatte tatsächlich diese Farbe. Man sah auch ein paar verbleichte Streifen in den grösseren Lücken. Als ich Thairus wieder kurzes Sommerfell entstaubt hatte, kratzte ich ihre Hufe aus. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Occu mich, bzw. Thairu dabei beobachtete, damit sie eingreifen konnte, falls das Zebra rumzickte. Aber ich hatte das voll im Griff. Thairu gab sogar ihre Hinterhufe brav. Ich klopfte ihr lobend auf den Hals und nahm die nächste Bürste aus der Box. Ich durchfuhr die Stehmähne des Zebras damit und kraulte es dabei hinter den grossen, runden Ohren. Thairu mochte das besonders im Fellwechsel, aber auch, wenn es draussen ganz warm war. Ich bürstete auch den Zebraschweif, auch wenn es nicht sonderlich viel zu bürsten gab. Der ‚Fliegenwedel‘ wollte dauernd hin- und herschwingen, obwohl es noch kaum Insekten hatte – das war nicht gerade praktisch zum Putzen. Occu meinte aber, solange der Schweif schön ruhig wedelte, war alles in Ordnung. Ein stillstehender Schweif wäre wohl ein Zeichen von Anspannung gewesen. Ich hielt ihn trotzdem irgendwie fest und bürstete so schnell ich konnte. Dann half mir Occu beim Satteln. Sie war mit Hallu auch schon fast so weit, und während sie noch rasch fertig putzte, kümmerte ich mich auch rasch um Zazous Fell. Dann zäumte Occu Hallu und ich band einfach den Strick als Zügel ans Knotenhalfter. Wir ritten Thairu eigentlich fast immer nur mit Halfter, weil sie das lieber mochte und damit braver war. Occu nahm Zazou als Handesel mit. Wir stiegen auf und ritten zur Galoppwiese. Allerdings galoppierten wir heute mit Thairu nicht, weil sie etwas fit war. Auch Hallu spielte sich ein paarmal auf, den Kopf verwerfend und mit den Vorderbeinen stampfend. Sie war wohl etwas grantig, weil sie nicht gasgeben durfte. Occu ritt die eigenwillige Fuchsstute trotzdem gelassen einhändig, denn sie kannte sie ganz genau und hatte keine Angst vor dem aufmüpfigen Verhalten. Und Hallu wusste, dass sie nicht mehr als so herumzicken durfte. Zazou wollte manchmal lieber am Wegrand anhalten um zu fressen. Occu musste ihn dann jeweils sanft mit der Gerte zum Weiterlaufen ermutigen. Wir hatten es ziemlich lustig unterwegs, und Thairu schien es auch zu gefallen.

      Als wir zurückkamen, war Suri schon da. Sie half mir beim Wegräumen von Thairu und Zazou, danach gingen wir zu Nosferatu und Fake. Wir machten zusammen einen Ausritt über den Fluss in Richtung Wilkinson Farm und plauderten ausgelassen über Peppy und mein erstes Rennen vor ein paar Tagen. „But this stupid cow Fiona… Only because she won in her group she thinks she’s the best. It really pisses me off.” “Don’t worry, you’re gonna show ’em”, meinte Suri zuversichtlich. “After all you’ve got Peppy. She’s a super-unicorn-pony!” Ich fiel vor lachen fast von Fakes Rücken. Wir kamen an den Weiden der Wilkinson Farm vorbei und Suri bemerkte „Oh, there’s a grey pony I haven’t seen before.“ „That’s right, you have not come here for a while, huh? He’s called Lindwedel.“ „Lindwedel? What a funny name! I kinda like it.“ “How about we go pay him a visit?” Suri nickte begeistert. Wir ritten auf den Hof und banden unsere Ponys beim Waschplatz an. Rosie bemerkte uns und kam zur Begrüssung rüber. „Hey Ladies. What’s up?“ „Hi Rosie. Can I show Suri Lindwedel?“ „Sure.“ Wir liefen über die Weide und ich streichelte unterwegs Islah, die uns neugierig ein paar Schritte entgegengekommen war. Auch Lindwedel hob den Kopf und kam auf uns zu. Suri war sofort verzaubert von seiner langen Mähne und dem dunkelgrauen Fell. „He is really, really cute. I’m sure he would be fun to ride”, meinte sie verträumt. “That’s the first time I hear you talk like that. Usually it’s always been me, craving to ride other people’s ponies.” Suri lächelte verlegen. “You can just ask Rosie, you know. I’m sure she’d allow you to ride him.” Suri schüttelte eifrig den Kopf. “No no, it’s fine. I’m very happy with riding Nossi!” Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern. Wir blieben noch einen Moment auf der Wilkinson Farm, dann machten wir uns wieder auf den Weg.

      Nach dem Ritt machten wir uns auf die Suche nach den Katzen, denn Suri hatte noch gar nie alle gesehen. Moya war inzwischen leicht zu finden. Sie lag am liebsten im Wohnzimmer auf der Couch zusammengerollt. Sie mochte es nicht, wenn man sie streichelte (ausser bei Occu), also versuchte ich es gar nicht erst. Sonst hätte sie wohl eh gleich wieder die Flucht ergriffen. Jonas hatte eine Katzenklappe in die Tür eingebaut und Moya durfte rein und raus, wann immer sie wollte. Aber sie benutzte lieber das Küchenfenster, anders als Kafka, der die Klappe voll ausnutzte und dauernd Occu in ihrem Büro nerven kam. Wir fanden Gismo in einer der Sattelkammern, auf einer Schabracke schlafend. Er blinzelte müde, als Suri ihn streichelte und streckte sich anschliessend ausgiebig, ehe er sich wieder auf die Seite legte und einfach weiterschlief. Um Shiva zu finden, brauchten wir deutlich länger. Sie kletterte ausnahmsweise mal nicht auf dem Heuboden herum, sondern jagte auf dem Feld hinter der Rennbahn Mäuse. Von Kafka war keine Spur zu finden, aber ich wettete, dass er auch irgendwo am Jagen war. Wir spielten auch nochmal eine Runde mit Jackie und Sheela im Garten hinter dem Haus. Lisa und David winkten uns zu, als sie vom Ausritt mit Sweets und Bluebell zurückkamen. Später hängten wir ein wenig auf den Bäumen auf den Weiden herum. Der Apfelbaum auf der Stutfohlenweide hatte ein paar coole Astgabelungen, in die man sitzen konnte. Die Fohlen beobachteten uns dabei neugierig. First Chant wurde immer hellgrauer. Occu meinte, sie werde vermutlich ganz weiss, wenn sie gross ist. Am Anfang hatte ich das gar nicht glauben können. Ich verstand vor allem nicht, warum Lindwedel dann nicht auch weiss war, mit seinem Alter. Darauf hatte auch Occu keine ausreichende Antwort gewusst, nur „ist halt manchmal unterschiedlich“. Ich fand Chime so süss (da war es wieder, mein Flair für ganz helle Pferde). Die kleine Stute war dünner als die anderen, aber genauso verspielt und agil. Die kraulte sich mit Karma am Widerrist, dann frassen beide Kopf an Kopf. Richtig Idyllisch. Suri war vom Baum geklettert und machte eine Blumenkette aus Löwenzahn. Sie kam aber nicht weit, bevor Reverie angetrampelt kam und die Kette auffressen wollte. Ich lachte amüsiert und half Suri, ihr Kunstwerk vor den gierigen Fohlen zu verteidigen. Es war ja nicht so, als hätte es rund um uns herum nicht noch mehr Blumen gehabt. Aber wie immer waren die frechen jungen Pferde besonders an denen interessiert, die wir in der Hand hielten. Nur Cranberry und Indy waren abseits und grasten friedlich. Irgendwann überliessen wir den Fohlen die Kette und wechselten die Weide. Am liebsten kletterte ich nämlcih immernoch auf die Bäume der Stutenweide, denn die waren schön gross und hatten trotzdem praktische Äste für den Aufstieg. Suri blieb lieber auf den unteren Ästen, während ich zum bluffen gerne bis in die Baumkrone kletterte. Die Pferde kümmerten sich nicht sonderlich um uns. Wir ernteten höchstens manchmal einen skeptischen Blick von Phantom. Aber plötzlich spitzte die Herde die Ohren, denn Occu kam zum Weidetor. Ich liess mich vom Baum ins Gras fallen und rannte zu ihr rüber. „Schon wieder barfuss?“, meinte sie streng, sagte aber nichts weiter, ausser „passt einfach auf, okay.“ „Was machst du?“, fragte ich neugierig, als ich das Knotenhalfter und den Strick in ihrer Hand sah. Suri gesellte sich nun auch neben uns und streichelte Zira, die sich aber nach wenigen Berührungen wegduckte und auf Occus andere Seite auswich. „Ich will noch ein wenig mit Matinée arbeiten.“ „Können wir zusehen?“, fragte ich sofort aufgeregt. „Aber nur, wenn ihr nicht stört.“ Wir liefen zurück zum Baum und holten unsere Schuhe, dann folgten wir Occu, die inzwischen die Mustangstute eingefangen hatte. Es klappte jetzt wirklich schon gut, ganz anders als am Anfang, als Occu sie noch jedes Mal 10 Minuten hatte jagen müssen. Wir begaben uns in die Halle, weil die Sonne unbarmherzig auf den Sandplatz runterbrannte. Occu führte die Stute in der Halle herum und liess sie immer wieder ein wenig weichen. Dadurch wurde sie aufmerksam und weich im Umgang. Sie führte Matinée über eine am Boden liegende Stange und liess sie mitten darüber anhalten. Dann schickte sie die Stute seitwärts der Stange entlang. Am Anfang hatte Matinée das nicht gemocht. Ich hatte es einmal beobachtet; sie war immer wieder erschrocken, als sie die Stange berührt hatte und Occu war es kaum gelungen, sie anständig über der Stange anzuhalten. Inzwischen konnte Occu sich sogar über den Rücken der Stute lehnen, ohne dass diese ausflippte. „Soll ich aufsitzen?“, fragte Occu plötzlich. Ich war etwas unsicher, ob das schlau war. Denn ich hatte schon gesehen, wie Matinée bocken und ausschlagen konnte. „Weiss nicht… Ist das nicht gefährlich ohne Sattel?“ „Ohne Sattel ist es viel weniger riskant, glaub mir. Man fällt vielleicht schneller runter, aber man kann dafür nirgens hängen bleiben. Es gibt nichts schlimmeres, als vom Pferd nachgeschleift zu werden.“ Das verstand ich. Occu sprang an Matinées Seite auf und ab, um zu testen, ob sie sich nachhaltig an die Bewegung gewöhnt hatte. Dann sprang sie hoch und lehnte sich über den Rücken der Stute, das angespannte Seil in der linken Hand haltend, damit sie sofort den Kopf kontrollieren konnte, wenn die Stute Mätzchen machte. Als Matinée ruhig blieb, wagte sie es, das rechte Bein auf die andere Seite zu legen und sich aufzurichten. Sie kraulte Matinée ausgiebig am Hals, bewegte die Beine ein wenig, und liess sich dann wieder runtergleiten. „So, das war’s. Ich bin das erste Mal auf ihr gesessen.“ Suri und Ich klatschten begeistert, auch wenn das ganze etwas unspektakulär ausgesehen hatte. Matinée spitzte die Ohren und zuckte zusammen, als sie das Geräusch unserer Hände hörte, blieb aber neben Occu stehen. „Ich mache jetzt noch ein wenig longenarbeit mit ihr. Lily, kannst du mir die blaue Longe holen?“ Ich nickte und brachte sie ihr. Wir legten ein paar Cavaletti auf die Mittelvolte, damit Occu die Stute darüberschicken konnte. Das sei gutes Rückentraining, erklärte sie mir und Suri. „I don’t want to ride her until she’s got more back muscles.” Sie sah aber schon viel besser aus als bei ihrer Ankunft, wie ich feststellte, als ich sie beim Stangentraben beobachtete. Als sie angekommen war, hatte man die Rippen zählen können und der Rücken war total eingefallen gewesen. Occu hatte auch eine Tierärztin hiergehabt, die bestätigt hatte, dass Matinée unter Rückenschmerzen litt, die aber zum Glück nur von Verspannungen herrührten, nicht von irgendwelchen bleibenden Schäden. Die Stute war inzwischen von einem Chiropraktiker gelockert worden, und Occu konzentrierte sich nun auf den korrekten Muskelaufbau, damit die Stute in Zukunft keine Probleme mehr haben würde. Matinée trug den Kopf schön tief und schnaubte ab. Man merkte, dass es noch anstrengend für sie war, die verschieden hohen Cavaletti auf der Kurve zu überwinden. Aber das Training zeigte seine Wirkung und die Stute schwang mit dem Rücken schön mit, wie Occu uns zeigte. Am Ende bekam sie ein Leckerli und durfte zurück zu Phantom auf die Weide. Obwohl sie heute so brav gewesen war, sah man doch deutlich, dass sie immernoch am allerliebsten einfach bei ihren Kumpels auf der Weide stand, weit weg von Menschen, Seilen und unheimlichen Gegenständen. Irgendwie verstand ich sie gut. Ich war schliesslich auch lieber hier auf dem Hof bei den Tieren, als in der Schule. Aber um später klarzukommen, musste ich nunmal alles Nötige lernen, und so war das auch bei Matinée.

      Pflegebericht 30.06.2018 - Donnerwetter!
      © Occulta
      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.

      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“

      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.

      Pflegebericht 15.08.2018 - Badewetter
      © Occulta
      Es war herrliches Wetter draussen - behaupteten die einen, für die anderen (mich eingeschlossen) war die Hitze ein Graus. Ich wollte mich am Morgen kaum aus dem Haus bewegen, weil ich genau wusste, dass mir der Schweiss auch heute wieder nur so runterlaufen würde. Nichts desto trotz stand wie immer zuerst das Vollbluttraining an, und noch war die Luft angenehm kühl. Ich ritt auf Indiana mit, aber nicht zum Rennen, sondern um Trackpony zu spielen. Naja, ein bisschen rennen sollte die Stute schon, denn sie wurde ja mittlerweile im Military trainiert und da war so ein Renntraining zwischendurch ganz gut. Wir holten heute die Trackponys schon so früh raus, weil wir die jüngsten Vollblüter zuerst trainierten. Die der normalerweise ersten, erfahrendsten Gruppe waren vor kurzem fast alle ein Rennen gelaufen, also hatten sie heute noch frei, um sich vollständig zu erholen, und nahmen das Training erst morgen wieder auf. Für die Arbeit mit den Jungpferden war das "Ponying" ideal, weil die ruhigen Begleitpferde (wenn sie sich denn tatsächlich ruhig benahmen) ihnen Sicherheit vermittelten. Weil sie aber später an den Rennen kein Begleitpferd hatten (ponying war ja in England und allgemein Europa nicht üblich) trainierten wir so oder so beides. Nach einer Viertelstunde Vorbereitung, gingen die Jockeys und Pferde raus zum Aufsteigen. Ich kletterte selbstständig auf Indianas Rücken, während die Jockeys von Ajith und Oliver hinaufbefördert wurden. Iniana trug eben einen normalen Springsattel - da war das Aufsteigen kein Problem im Vergleich zu den kleinen Rennsätteln. Indiana und ich führten die Sechsergruppe auf dem Marsch zur Bahn an. Die weiteren Track Ponys waren heute Feline, Summertime, Caprice, Shadow und Flint, wobei letzterer Mambo begleitete. Wir trabten zuerst ausgiebig und ritten danach im leichten Sitz einen lockeren Galopp. Wie zuvor mit Oliver abgesprochen arbeiteten heute alle einzeln (nachdem die Track Ponys sie losliessen) und dem entsprechenden Pferd angepasst. Mit Indiana machte ich einen erfrischenden, etwas zügigeren Galopp bis zum 500-Meter-Pfosten und legte von dort an über 400 Meter etwas zu. April machte es mit Mambo ähnlich. Indiana und ich überholten die beiden unterwegs, denn er lief noch längst kein Finish-Tempo, aber der Hengst war gefordert und seine Nüstern weit geöffnet. Erst mit zunehmender Kraft würde er schneller werden und länger durchhalten. Nach dem Sprint nahm ich Indiana zurück und liess sie wieder im selben Tempo wie zuvor galoppieren, was ich mit meiner Armbanduhr überprüfte. Sie wehrte sich etwas gegen die Einschränkung und kaute missmutig auf ihrer Wassertrense herum. Ihre Nase war jetzt wieder auf der Senkrechten und ihre Galoppsprünge versammelt. Ich liess sie noch ein zweites Mal strecken, was sie freudig annahm. Oliver prüfte unterdessen die Geschwindigkeit der Jungpferde. Er sagte nichts, nickte aber zufrieden, als er die Zeit stoppte. Quinn klopfte Sarabi im leichten Sitz in den Bügeln stehend auf den Hals und liess sie langsam ausgaloppieren. Die anderen taten es ihr gleich. Ich arbeitete mit Indiana noch etwas weiter, bis ich das Gefühl hatte, dass sie genug ausgepowert war. Auch Caprice lief noch mit uns mit, die anderen waren schon mit den Jungpferden zurück zum Stall gelaufen. Als Darren und ich schliesslich auch zurückritten, sahen wir in der Ferne, dass Lisa, Jason und David mit den drei Westernpferden auf einen kurzen Ausritt zum Entspannen gegangen waren. Feline wurde gebadet, weil sie morgen mit Robin für ein 80er Springturnier gemeldet war. Die junge Frau machte den Schimmel-Criollo schick und wollte ihr sogar den Schweif einflechten. Auch Lily nahm an dem Turnier morgen teil, allerdings in der 60er Höhe und mit White Dream. Ich musste ihr höchstwarscheinlich später auch noch beim Einshamponieren helfen. Ich versorgte Indiana und half beim Vorbereiten der zweiten Rennpferdegruppe mit, dann brachte ich mit Ajith zusammen die Jungspunde aus dem Freilauftrainer, wo sie zum Abkühlen gewesen waren, zurück in ihre Boxen. Ich sah bei den Fohlen vorbei, quatschte mit Lewis, während Skydive mit meinem T-Shirt Ärmel spielte und beobachtete eine eher halbherzige Rauferei zwischen Simply Priceless und Cupid, ehe ich weiter zu Thairu ging.

      Das Zebratiergraste zufrieden mitten an der Sonne und zuckte weitaus weniger wegen der Fliegen als Zazou. Für die beiden war die Sommerhitze ideal, denn sie waren dafür ausgelegt, bei hohen Temperaturen in den Savannen Afrikas zu weiden. Die grossen, runden Ohren richteten sich interessiert nach vorne, als ich die Weide betrat. Thairu wusste mittlerweile, dass ich Abwechslung brachte, und natürlich auch immer etwas Essbares dabei hatte. Ich ging zu ihr und streichelte über ihre schwarze Schnauze, was sie sich stillhaltend gefallen liess. Dann fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, das Halfter mitzubringen. Also probierte ich aus, ob die Zebrastute mir auch ohne Ausrüstung folgte. Ich lud sie mit eingedrehter Schulter ein und versuchte sie zu rufen. Doch Thairu sah mich nur einen Moment lang blöd an und graste dann friedlich weiter. Ich seufzte und holte das Lederhalfter des Zebras. Am Führstrick folgte sie mir brav und ohne Zögern sodass ich mich leicht veralbert vorkam. In solchen Momenten war ich froh, dass mir niemand zusah. Nichts desto trotz bürstete ich das gestreifte Fell durch und kämmte, was an der Stehmähne und dem dünnen Fliegenwedel zu kämmen war. Zazou belagerte uns hartnäckig. Er schien ebenfalls auf eine Massage zu hoffen, denn er stand immer wieder direkt neben mich und schleckte an meinem Arm. Die warme Zunge war etwas unanenehm bei dem Wetter. Thairu spitzte die Lippe, wenn ich sie vorne an der Brust kraulte. Vermutlich schwitzte sie dort besonders viel, und der getrocknete Schweiss juckte. Es war mittlerweile viertelvorzehn und die Sonne heizte die Atmosphäre immer weiter auf. Ich musste mit dem Zebra in den Schatten der Reithalle wechseln. Dort kratzte ich noch rasch die Hufe aus. Danach 'sattelte' ich das gestreifte Tier mit einem Bareback-Pad - der einzige Sattel, der auf den beinahe widerristlosen Rücken wirklich passte. Ich zog ihr ein Kopfstück mit Trense an, das nur einen Kinnriemen hatte. Sie mochte es, den Kopf möglichst frei zu haben und lief damit williger als mit einem komplett verschnallten englischen Zaum. Am liebsten mochte sie immer noch das Knotenhalfter, aber ich wollte heute etwas Dressur mit ihr machen und testen, wie gut sie sich an den Zügel anlehnen konnte. Es war auch mit Trense schwer genug, denn das Tier hatte mehr Unterhals als sonst was. Das war einfach Köperbau bedingt, denn Zebras waren nunmal nicht fürs Reiten gezüchtet. Ich führte Thairu auf den Sandplatz und stieg auf, indem ich an ihrer Seite hochsprang. Ich konnte das Aufsteigen ohne Sattel mittlerweile schon viel besser, aber manchmal brauchte ich trotzdem mehrere Versuche. Ich ritt Thairu im Schritt warm (wobei mir 'Warmreiten' heute etwas ironisch vorkam) und übte dabei schonmal an der Biegung der kurzen Reittiers. Gar nicht so leicht, wenn sich der Hals beliebig in einen starren Balken verwandeln konnte. Ich gab jedes Mal sofort nach, wenn sie sich darauf einliess und nachgiebig wurde, aber wir würden das sicherlich noch oft üben müssen. Wann immer ich zu viel verlangte, begann der Schwanz unwillig zu schlagen und die Ohren klappten nach hinten. Darauf musste ich hören, weil ich sonst Gefahr lief, in die Ungunst des Zebras zu fallen - was gewiss grenzenlose Sturheit nach sich ziehen würde. Ziel war es nicht, das Zebra zu dominieren, sondern es mit Abwechslung bei Laune zu halten und zur Mitarbeit zu ermuntern. Lily und ich waren ja schon ziemlich weit mit Thairu gekommen. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und sie liess inzwischen sehr viel mit sich machen. Aber wir mussten das gute Verhältnis bewahren und uns dem Tempo des Zebras anpassen. So kamen wir am Ende am besten voran. Heute bot mir Thairu zum Beispiel auf meine Hilfen hin einen schönen, fleissigen Trab an, den ich dankend annahm. Ich übte nun auch im Trab kleine Volten und Schlangenlinien um die vom Vortag noch aufgebauten Hindernisse herum. Später galoppierte ich sogar an und schaffte es, ein paar grosse Volten zu drehen, ehe Thairu wieder in den Trab fiel. Sie hatte einfach noch nicht genug Gleichgewicht unter dem Reiter, was es für sie umso anstrengender machte. Das verstand ich auch; ich war schon froh um die paar Runden, in denen sie sich echt bemüht hatte. Diese Leistungsbereitschaft, die bei ihr alles andere als selbstverständlich war, galt es zu fördern. Am Ende war sie zwar nie so am Zügel gelaufen, wie man es von Pferden kannte. Aber Elliot, der uns kurz zugesehen hatte, meinte, dass sie zumindest schön aktiv hinten gefusst hatte und einigermassen über den Rücken gelaufen war - sofern er das beurteilen konnte. Ich führte das Zebra zum Nebenstall und nahm ihr die Ausrüstung ab. Dann führte ich sie am Knotenhalfter in den Innenhof des Hauptstalls und parkierte sie bei den aus der Wand ragenden Anbinderingen. Ich schnappte mir den Schlauch und drehte den Wasserhahn auf, bis es in einer angenehmen Stärke aus dem Duschkopf floss. Thairu genoss das Bad mehr als ich dachte. Sie stand entspannt da und ihre Maulspalte wirkte zufrieden. Auch der Schwanz bewegte sich ruhig, was immer ein gutes Zeichen war. Ich entfernte das meiste Wasser mit dem Schweissmesser und nutzte danach die Gelegenheit, um die Hufe des Zebras ein wenig zu kürzen. Wenn das Horn feucht war, ging das deutlich leichter. Um halb Elf durfte das Tier zurück auf die Weide zu Zazou, der schon sehnsüchtig gewartet hatte.

      Vor dem Mittag wollte ich nun noch mit Empire ein paar Naturhindernisse springen. Es ging mir nicht darum, ihn total ins Schwitzen zu bringen, sondern eher ein wenig Gymnastik zu machen und seine Geschicklichkeit in Sachen Distanzen zu schulen. Oft verschätzte er sich nämlich und sprang noch etwas unpassend, wenn ich nicht ganz genau aufpasste. Das endete jeweils in lustigen Hasensprüngen oder eben mit fallenden Stangen. Auch heute hatten wir wieder ein paar Startschwierigkeiten, besonders, weil er den einen Kastensprung (obwohl schon gefühlte 1000 mal gesprungen) unheimlich fand. Vielleicht war das Licht heute anders, oder er sah eine Heuschrecke darauf sitzen - ich konnte wiedermal nur raten, was im Kopf des Schimmelhengstes vorging. Aber nach ein paar zögernden, grotesken Sprüngen glaubte er mir schliesslich, dass der Kasten keinen Appetit auf Pferdefleisch hatte. Und wenn Empire sich mal entschloss zu gehen, dann war er ein Traum. Wir hüpften mit Leichtigkeit über die Hindernisse, und selbst beim Wasser bremste er nicht, sodass es nur so um uns hochspritzte, als wir hindurchrasten. Deshalb lachte Jonas auch laut, als ich an der Halle vorbei zurück zum Hauptstall ritt. "Bist du runtergefallen?" "Nö", sagte ich, "Empire wollte einfach testen, ob man im Wasser genauso gut rennen kann." Er half mir schmunzelnd und übernahm den Hengst, als ich abstieg. Wir liefen gemeinsam zu Empires Box und versorgten den Schimmel, der zufrieden auf seinen Karotten herumkaute.

      Lily kam am Mittag pünktlich nachhause. Am Nachmittag hatte sie frei, also wollten wir zusammen zum Fluss reiten. Sie war schon eifrig am Badesachen bereitlegen. "Willst du wirklich ganz rein?", fragte ich, denn eigentlich hatte ich nur ein rasches Beine-Annässen im Sinn gehabt. "Klar! Es ist mehr als heiss genug!" Ich sah Jonas fragend an und er meinte schulterzuckend: "Lewis und ich waren gestern kurz mit Summer und Shadow am Ufer - das Wasser war jedenfalls gar nicht so kalt wie ich dachte." "Okay..." Ich überlegte kurz, dann holte ich mein eigenes Bikinioberteil und die Badeshorts. Nach dem Essen zog ich die Badesachen an und darüber ein Trägertop, nachdem Lily und ich uns gegenseitig eingecremt hatten. Wir mussten uns noch entscheiden, welche Pferde wir nehmen wollten. "Teddy will ich heute Abend in der Dressurstunde reiten, er hat das nötig", überlegte Lily laut. "Aber Nossi wäre bestimmt froh um ne Abkühlung - mit ihrem schwarzen Fell..." Ich nickte und beschloss: "Dann nehme ich Yoomee, die geht gut und gerne ins Wasser." Wir liessen Jonas mit den abzuwaschenden Pfannen in der Küche zurück und schlenderten zum Nebenstall. "Die Pfleger kommen nicht mit, oder?", fragte Lily. "Nö, die haben genug zu tun." "Gut." Sie grinste zufrieden, weil sie gerne ab und zu etwas mit mir alleine unternahm - das hatte sie mir jedenfalls mal so erklärt. Mir war es auch recht, keine grosse Sache daraus zu machen, sondern das Baden einfach unkompliziert zu zweit mit den Pferden zu geniessen. Wir putzten die beiden Ponystuten nur rasch, schliesslich gingen wir ja ganz ohne Sattel oder Pad. Als Zaumzeug reichten uns Knotenhalfter; so konnten wir auch nicht ausversehen im Maul herumziehen, falls wir das Gleichgewicht verloren. Sheela schlich gelangweilt um den Nebenstall herum, also beschloss ich, die Labradorhündin auch mitzunehmen. Sie mochte Wasser ohnehin sehr gerne. Auf mein Rufen hin kam sie sofort freudig angerannt und wollte gestreichelt werden. Zira wurde prompt eifersüchtig und drängte sich ziwschen mich und Sheela, sich auf meine Füsse setzend. Ich kraulte beide, lachend, weil das so typisch war. Kurz darauf führte ich Yoomee auf den Kiesweg und schwang mich auf ihren angenehm breiten Rücken. Lily kletterte ebenfalls bei Nossi hoch und rückte sich zurecht, dann warf sie einen bestätigenden Blick zu mir und wir konnten losreiten. Nosferatus Fell glänzte in der Nachmittagssonne und die rotbraunen Stellen wirkten besonders kontrastreich. Sie war einfach schick anzusehen, mit ihrem typischen, edlen Welsh-Kopf und der sportlich geschnittenen Mähne. Wenn ich nach hinten sah, konnte ich Yoomees Popo gemütlich auf und ab wippen sehen, ihr Schweif war leicht angehoben und wischte manchmal ein paar Fliegen von ihrer Flanke. Die beiden Vierbeiner spürten wohl ganz genau, dass sie heute nicht arbeiten mussten, sondern nur Spielereien auf dem Plan standen. Beim Wasser angekommen, forderten wir Nossi und Yoomee auf, ein paar erste Schritte hineinzugehen. Sheela machte es vor und sprang auf mein Handzeichen hin übermütig hinein. Zira trank erstmal ein paar Schlücke, ehe sie weitaus vornehmer hineinwatete. Die Pferde sahen sich zuerst den Flussboden an, bevor sie sich entschieden, hineinzusteigen. Yoomee fand, einmal drinnen, sofort Gefallen an der Abkühlung und scharrte kraftvoll. Nossi und Lily gingen nach kurzem eingwöhnen ‚all-in‘ und schwammen tatsächlich einen kleinen Bogen. Es war herrlich hier, wo das Flussbett über Jahrzehnte eine Art Mulde gebildet hatte, in der das Wasser langsamer floss und tief genug zum schwimmen war. Auch Yoomee und ich spielten eine Runde Flusspferd, wobei sie typischerweise die Oberlippe hochzog und ihre Zähne zeigte. Das war immer so lustig anzusehen. Lily fragte auch lachend, ob Nossi saubere Zähne habe, als die beiden auf uns zuschwammen. Später liessen wir die Pferde am Flussufer grasen und badeten alleine noch weiter, damit es ihnen nicht verleidete. Ums Abhauen machte ich mir keine Sorgen. Pineforest war in Sichtweite, also würden die beiden ohnehin als erstes dorthin zurückkehren. Und das tolle am Pineforest Park war, dass es hier kaum Strassen gab, und die paar wenigen waren kaum befahren. Aber Yoomee und Nossi entschieden sich am Ende sowieso wie erwartet dazu, das saftige Gras im Schatten der Bäume zu geniessen, anstatt stiften zu gehen. Die Zügel hatten wir natürlich abgenommen, damit sie sich nirgens verheddern konnten.

      Der Badespass hielt knapp eine Stunde an. Weil der Fluss heute etwas mehr Strömung hatte als die letzten Tage, und kurz darauf auch noch ein angenehmer, aber rauer Wind aufzog, wurde ich misstrauisch. Tatsächlich entdeckte ich daraufhin ein paar mächtig aufgebauschte Wolken am Horizont. Ich rief Lily zurück und wir machten uns, nass aber glücklich, auf dem Heimweg. Nachdem wir die Ponys versorgt hatten, begann es bereits zu tropfen. Ein typisches Sommergewitter, das in einer halben Stunde oder so bestimmt schon weitergezogen sein würde, vermutete ich. Lily fand es lustig, in den Badesachen unter dem bald darauf herunterprasselnden Platzregen herumzurennen. Ich joggte, erwachsen wie ich war, einfach zurück ins Haus und zog mich um. Obwohl ich meine Nichte insgeheim um ihre Sorglosigkeit und Freiheit beneidete. Waren wir nicht irgendwann alle so gewesen? Ich streichelte Moya, die mir schon wieder um die Beine schlich. Die schlaue Langhaarkatze hatte im Haus Schutz vor dem Regen gesucht - ein bisschen feucht war sie trotzdem. Ein lautes, eher krächzendes Miauen ertönte plötzlich, als Reaktion auf das Streicheln; aber es konnte nicht Moya gewesen sein, denn sie hatte eine hohe, niedliche Stimme. Die Quelle stand hinter mir, und schaute mich mit senkrecht aufgestelltem Schwanz, blinzelnd an. "Kafka, ich mach dich zu einem Sitzpolster, ich schwör's!" Der Kater erkannte, dass ich nicht so erfreut war ihn zu sehen, wie es umgekehrt der Fall sein musste. Er nahm reissaus, sobald ich aufstand. Vielleicht hatte er mich auch absichtlich provoziert, das traute ich ihm sehr wohl zu. Ich hatte ihn schon so oft aus dem Haus rausgeschmissen, dass er doch mittlerweile wissen musste, dass er hier nicht reingehörte. Moya durfte auch nur drinnen wohnen, weil sie noch nie tote Tiere reingebracht hatte und mittlerweile stubenrein war - ganz im Gegenzug zu dem Schildpattkater. Kafka flitzte durch die Katzenklappe, bevor ich ihn zu fassen bekam. Und ich fragte mich einmal mehr, ob sich die Investition in eine Chip-Erkennungs-Klappe nicht lohnen würde. Die restlichen beiden Katzen, Gismo und Shiva, probierten es gar nie. Sie waren im Hauptstall zuhause, wo die Pfleger sie fütterten und sie auf den alten Fleece-Decken schliefen. Kafka schien höhere Ansprüche zu haben, aber dann musste er zuerst lernen, sich zu benehmen. Ich hatte das Gefühl, dass Moya es einfach mehr in ihren Genen hatte, Hauskatze zu sein. So wie sie auch das Langhaar im Gegenzug zu den anderen geerbt hatte. Aber ich konnte wiedermal nur spekulieren.

      Draussen schüttete es wie aus Kübeln. Ein wunder, dass ich keine Hagelkörner sehe, dachte ich bei dem Krach den die schweren Tropfen machten. Aber bereits nach zehn Minuten liess die Intensität nach. Lily kam rein, den ganzen Boden volltropfend. "Ab ins Bad! Du machst mir den ganzen Parkett feucht", tadelte ich. Ich rubbelte ihre Haare mit dem Handtuch trocken. Danach zogen wir uns wieder richtige Reitsachen an und verliessen das Haus. Es roch nach nassem Asphalt und Gras - ein Geruch den ich liebte. Die Luft war durch den Schauer leider kaum abgekühlt, sondern bloss etwas feuchter geworden. Trotzdem gab es noch ein paar Vierbeiner zu beschäftigen. Während ich Vilou putzte, bekam ich eine SMS von Rosie. Sie fragte, ob ich einen Sonnenuntergangsritt mit ihr machen wolle. Ich willigte sofort ein, denn ich konnte es kaum erwarten, wiedermal mit ihr zu plaudern. Vilou scharrte ungeduldig, weil ich dem Smartphone anstelle von ihm meine Aufmerksamkeit widmete. Ich beeilte mich und striegelte den Fuchshengst dann eifrig weiter. Er genoss die kreisenden Bewegungen und wippte je nach dem mit dem Kopf mit. Es schien ihm aber auch widermal zu viele Fliegen zu haben, weshalb er nicht immer schön still stand, sondern mit dem Schweif wischte und sich zu kratzen versuchte. Er zeigte mir manchmal mit einer Kopfbewegung, wo es ihn juckte, damit ich ihn dort besonders intensiv striegeln konnte. "Faulpelz", murmelte ich, als er wieder so eine Stelle anzeigte, bei der er sich hätte verbiegen müssen, um sie zu erreichen. Ich entfernte den Staub aus seinem Fell mit der Bürste und säuberte mit dem Schwamm seinen eigentlich weissen Nasenrücken und die Nasenlöcher. Manchmal, wenn die Sonne besonders stark schien, cremten wir ihn sogar mit Sonnenschutz ein. Bei Winter, Ciela und den anderen Pferden mit viel rosa Haut musste das sogar noch gründlicher gemacht werden. Sie alle waren im Hochsommer gefärdet für Sonnenbrand und wir bemühten uns, sie jeweils erst gegen Abend oder die Nacht hindurch auf die Weide zu lassen. Nur, wenn sie früh morgens Renntraining hatten, dann mussten sie erholt sein und konnten nicht die ganze Nacht lang spielen.

      Vilou war wegen der Hitze verständlicherweise etwas träge. Ich motivierte ihn trotzdem zu einem anständigen Schritt, beschränkte die Lektionen aber auf leichte Trabarbeit und ein paar Seitengänge, ohne viel Galopp. Er war trotzdem ziemlich verschwitzt am Ende unserer Übungseinheit, genauso wie ich. Man könnte nicht meinen, dass ich vorher im Wasser war, stellte ich seufzend fest. Ich klebe schon wieder. Ich duschte Vilou gründlich ab und wusch mein Gesicht bei der Gelegenheit auch gleich nochmal. Eine fette Pferdebremse kam angebraust und wollte sich auf das Hinterteil des Fuchshengstes setzen. Ich zielte vorsichtig und erwischte sie mit der flachen Hand. Vilou, der beim Surren des dicken Brummers bereits angespannt die Ohren zurückgeklappt hatte, schien erleichtert und verscheuchte stattdessen mit seinem Maul ein paar Fliegen an der Brust. Jetzt gerade schwirrten besonders viele Viecher um ihn herum, weil er nass war. Also zog ich ihn rasch mit dem Schweissmesser ab und brachte ihn dann im Nordstall in Sicherheit. Es war schon halb fünf, aber ich war zu faul, um mich zu hetzen. Ich beschloss, Co Pilot bloss an die Longe zu hängen. Geputzt war der Rappschecke schnell, denn er war überhaupt nicht schmutzig. Auch in den Hufen war fast nichts drin – der Boden auf der Weide war zu trocken, um sich in den Strahlfurchen zu verfangen. Pilot folgte mir brav wie ein Lamm zum Roundpen und war trotz der unbarmherzigen Sonne motiviert. Ich achtete darauf, dass er schön untertrat und vorwärts-abwärts lief, um den Rücken zu heben. Ich fand jedoch, dass er hinten links nicht ganz taktklar ging und tastete besorgt sein Bein ab. Erfühlen konnte ich nichts, und warm war es auch nicht. Trotzdem liess ich ihn sicherheitshalber Schritt gehen und versorgte ihn nach zwanzig Minuten. Ich beschloss, am Abend nochmal mit ihm Spazieren zu gehen, damit er trotzdem genug Bewegung bekam. Vorläufig rief ich den Tierarzt nicht, denn es war gut möglich, dass er einfach verspannt war, oder eine unvorteilhafte Bewegung auf der Weide gemacht hatte. Ich erkannte auch, dass er nach der leichten Longenarbeit schon etwas besser lief, also sah ich meine Vermutung bestätigt.

      Ich hörte ein Auto auf den Parkplatz fahren, während ich Pilot zurück in seine Box brachte. Als ich aus dem Nordstall in die heissen Sonnenstrahlen trat, sah ich Angelina Moore aussteigen. „Good afternoon Angie“, grüsste ich die Pensionärin freundlich. Sie erwiederte es und öffnete die Autotür für ihre Kinder, Alec und Susan. Die beiden waren heute zum ersten Mal dabei. „Hey you two. Are you going to ride today, too?“, fragte ich lässig. Alec sah seine Mutter kurz an, dann meinte er: „We only watch and help grooming Nera, until she’s a bit older and not so wild.“ “Ahh, I see. But you did ride before, didn’t you?” “Yes. With Barney. A lot”, antwortete die kleine Susan. Angie fügte rasch hinzu: “…Our old horse. He was very gentle and sweet tempered, and, at his age, no longer feeling the need for speed. It was too cute how he paid attention tho the kids.” “Hmm, if your Mum is okay with it, we have some very gentle ponies here aswell, so you don’t have to wait and watch only.” Ich schmunzelte, als Alecs Augen zu leuchten begannen, und er sich abermals begeistert umsah. Angie nickte, und Susan quetschte erfreut. Gerade, als ich mich fragte, wo sie sich schon wieder herumtrieb, hörte ich Lilys Stimme hinter mir. „Occu, do you want me to look after them? I’d like to show them around.“ Meine zwölfjährige Nichte versuchte erwachsen zu klingen, ich wusste aber genau, dass sie sich darauf freute, Unsinn mit den beiden auszuhecken. „Alright, you can take over for me later, since I still have to take care of some four-legged friends after that.” Auch Angie kam mit, als wir zum Nebenstall liefen. Wir hatten hier kürzlich etwas umstrukturiert und Ronja auf die Stutenweide umgesiedelt. Die Ponys standen nun alle zuvorderst, die Warmblut Stuten näher bei den Weiden. Susan kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „So many pretty ponies!“, rief sie aus, während sie bei einem nach dem anderen auf Zehenspitzen über die Boxentür spähte. Von Lychee bekam sie sogar einen etwas groben ‚Kuss‘, sodass sie fast rückwärts umfiel. Alec und Lily lachten laut, und Susan selbst fand es nach einem kurzen Schrecken auch lustig. Lily verkündete entschlossen: „Alec can take Nimué. I would have gone on a hack with her later, but that doesn’t matter. She’s a very nice pony, don’t worry.“ Alec reagierte auf den letzten Teil mit Empörung. „I wouldn’t mind even if she was bucky. I ride pretty well.“ “That so?”, entgegnete Lily schulterzuckend. Ich schlug vor, dass wir für Susan entweder Peppy oder eines der Miniature Horses satteln konnten. „Ich bleibe mit Alec hier, wir putzen Nim schonmal“, beschloss Lily. Der rothaarige Junge sah sie verwundert an, als hätte sie gerade Chinesisch gesprochen. „You speak german?“ Lily grinste nur stolz. Wir liessen die beiden zurück und begaben uns zu den Weiden. Angie nannte Susan schon von weitem die Namen der Ponys, die man sah – jedenfalls so weit sie sie selbst schon wusste. „That beautiful silver gray one over there is Silver Lining. The black one is Nachtfalke, I think”, mit einem fragenden Blick zu mir. Ich nickte. „The black and white one is easy to remember – he’s called Oreo, just like the cookies you like so much.“ “And the white one?“, wollte Susan wissen, mit dem Finger deutend. „She’s not white, she has creamy fur. Her name’s Daki, and she’s the big boss out here”, antwortete dismal ich. Wir betraten die Weide und ich musste auch alle restlichen Ponys noch nennen, ehe die Sechsjährige zufriedengestellt war. Dann führte ich sie zu Tigrotto, die ich am geeignetsten hielt. Gemeinsam putzten wir das braune Stütchen, und Susan durfte sogar selbst den kleinen, baumlosen Sattel auf ihren Rücken legen. Beim Führen verlangte das Mädchen meine Hilfe, weil sie sich noch nicht ganz selbst getraute und ihr ihre Mutter dabei sonst auch immer geholfen hatte, wie sie mir erklärte. Ich versprach ihr aber unterwegs schonmal, dass Tio ganz lieb war. „Sometimes, the ponies at the other barn tried to bite me…“, erzählte sie schüchtern. Angie bestätigte: “Yeah, they got a bit naughty when the kids brought carrots.” Alec und Lily waren schon auf dem Sandplatz. Alec stieg gerade mit Hilfe von Lilys Räuberleiter in Nims Sattel. „Willst du selbst nicht auch reiten?“, fragte ich meine Nichte. „Nö, ich hab ja später noch Reitstunde.“ Angie sah noch zu, wie ihre beiden Kinder die ersten paar Runden drehten, dann wandte sie sich ab, um Nera putzen zu gehen. Weil ich kein Risiko eingehen wollte, pfiff ich Lisa zu uns rüber, die gerade zum Pflegerheim unterwegs war, und fragte sie, ob sie ein Auge auf die Kinder haben könne. Bei der Gelegenheit begann sie auch gleich wieder zu plaudern, sodass ich am Ende doch noch fast eine Viertelstunde vertrödelte. „… And then Diarado saw that deer, just a few meters away, and the deer stared back at him – you should have seen his face, it was hilarious!“ “Yea, I’m sure it was… I really need to get going now”, drängte ich, mit einem symbolischen Blick auf die Uhr. Ich entkam ihren Fängen und schaffte es, mich bis halb neun Uhr mit Shira, und nochmals mit Pilot zu beschäftigen. Letzteren führte ich wie versprochen ein wenig auf den Feldwegen in der Nähe des Hofs herum und liess ihn immer mal wieder ein paar Grashalme knabbern, während Zira und Jacky nebenher liefen und durch das hohe Maisfeld streiften. Langsam wurde es ein wenig kühler, worüber ich sehr dankbar war.

      Um neun Uhr brachte ich schliesslich Rebel zum Aufsteigen auf den Kiesweg und ritt dann Richtung Wilkinson Farm. Die Familie Moore war längst wieder nachhause gefahren, und Lily ritt wie angekündigt mit Teddy in Elliots Abenddressurstunde mit. Ich musste noch rasch auf Rosie warten, als ich bei der Farm angelangte. Sie ritt auf Farasha, hatte aber Antarktik zusätzlich als Handpferd dabei. Rebel brummelte beim Anblick der beiden Araberstuten zur Begrüssung. Bei den hübschen Damen verstand ich das nur zu gut. Bei dem liebevollen Grunzen blieb es aber, und er benahm sich während des ganzen Ausritts tadellos. Sobald die Sonne untergegangen war, schwirrten und sirrten die Mücken um uns herum, was ziemlich nervig war. Ich versuchte, sie so gut es ging zu ignorieren, aber selbst Rosie schlug immer mal wieder genervt um sich. Wir lachten herzhaft darüber und unterhielten uns über die letzten paar Tage. „Pluie gives me a bit of concern these days. She is very thin, but the vet is unsure why…” “Ahh, it did not yet get better? Maybe she still hasn’t adapted to her new home?” “I can’t tell if she’s unhappy, she doesn’t really look like it. Tough she is full of beans and very jumpy at the moment. I feel like she just uses up way too much energy and that might be the reason.” “Did you try giving her magnesium? I heard that if they’ve got a lack of it, they act all nervous and stressed.” “I think I’ll try that. If it doesn’t help, it won’t hurt either, I guess.” Wir kehrten erst gegen halb elf Uhr zurück und verabschiedeten uns. Ich ritt alleine im Dunkeln mit Rebel zurück nach Pineforest Stable. Die Hengste aus dem Nordstall waren auf der Weide – sie durften im Sommer über Nacht raus. Ich sattelte Rebel ab, bürstete ihn durch und brachte ihn dann ebenfalls dorthin, wo seine Kumpels bereits friedlich grasten.
    • Gwen
      Leben auf Pineforest Stable III

      Pflegebericht 03.12.2018 - Every Cloud...
      © Occulta
      Es war ein Tag, an den ich mich ungern erinnern wollte. Denn es war das passiert, wovor sich jeder Rennpferdebesitzer und Trainer am meisten fürchtete.
      Es begann alles mit einem gewöhnlichen, nebligen Morgen und fröhlich summenden Pflegern. Ich huschte durch den Hauptstall und sammelte die frisch geputzte Ausrüstung zusammen, denn heute war wiedermal Renntag – für Sumerian, Frame und Winter. Die Jockeys waren ebenfalls emsig damit beschäftigt, ihre persönliche Ausrüstung zu überprüfen. Die Rennen fanden erst am späteren Nachmittag statt, aber wir wollten frühzeitig sicherstellen, dass alles vorhanden und funktionstüchtig war. Den Morgen hindurch trainierten wir nebst der Bereitstellung natürlich auch mit den restlichen Vollblütern wie gewohnt. Winter und Frame verstanden nicht, warum Light, Sunday und Spot ohne sie herausgeführt wurden. Winter scharrte ungeduldig und drehte sich in seiner Box, immer wieder zum Fenster rausschauend. «Schon gut, mein Süsser. Du bekommst heute schon noch genug Bewegung», murmelte ich beruhigend, und streichelte ihn, als er den Kopf zurück in die Stallgasse streckte. Die Jockeys sassen draussen auf und ritten zur Bahn. Sobald sie genug weit weg waren, beruhigten sich die beiden Hengste sofort. Die Rennpferde wussten nun mal, zu welcher Gruppe sie gehörten; das hatte mit der täglichen Routine zu tun. Sie merkten es sofort, wenn etwas anders ablief als sonst. Ich half bereits beim Vorbereiten der nächsten Renngruppe, während die erste trainiert wurde. Ajith, die übrigen Jockeys und ich holten die jüngsten; Sarabi, Dolly, Thalia, Daedra, Counterfire und Mambo raus. Daedras seidig schwarzes Fell war unter ihrer Decke bisher einigermassen dünn geblieben, sodass wir sie bisher nicht hatten scheren müssen. Ich bürstete die schlanken, langen Beine der Vollblutstute mit der gewöhnlichen Bürste. Ajith hatte sie bereits am Vortag nach dem Weidegang geputzt, damit sie für das Training bereits entschlammt war. Das handhabten wir meistens so – es sparte Zeit am Morgen und gehörte sich meiner Meinung nach einfach so, dass die Pferde nicht schmutzig in der Box herumstanden. Ich kratzte die Hufe aus und holte die Ausrüstung, legte das Anti-Rutsch-Pad auf und Satteltuch. Als ich den Sattel hochhob, schlich mir Kafka, der Kater, zwischen den Beinen hindurch. Überrascht hielt ich inne, dann scheuchte ich ihn genervt weiter. «Nicht jetzt du Flohfänger.» Ich hatte anscheinend eine magische Anziehung auf den Schildpattkater, denn er tauchte immer wieder aus dem Nichts auf und wollte meine Aufmerksamkeit, obwohl ich eigentlich nie darauf einging. Aber irgendwie wollte er nicht aufgeben, oder fand es vielleicht ja sogar lustig, wenn ich ihn mal wieder wegschob, sobald er vor meiner Nase auf einen Sattel hüpfte, oder sich in einem Spind verkriechen wollte. Jedenfalls flitzte er auch heute wieder mit spielerisch gebogenem Schwanz davon, hielt dann abrupt an und leckte sich die Pfote, bevor er langsam um die Ecke stolzierte. Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich auf das Gurten. Daedra gab mir fast eine Kopfnuss, als sie sich an der Seite kratzen wollte. Ich half ihr, damit sie sich nicht noch mehr verrenken musste und kraulte die Stelle, die sie angezeigt hatte. Sie spitzte genüsslich die Oberlippe und streckte ihren Kopf. Wenig später im Training bretterte sie mit Charly als Gepäck an den Rails vorbei. Ich stand neben Oliver und beobachtete das Training diesmal nur von aussen. Das hatte keinen bestimmten Grund, ich war schlichtweg nicht in Laune und hatte schon im Stehen kalt, daher verzichtete ich dankend auf den frostigen Fahrtwind. Mambo schaffte es, einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen. An die von Daedra und Counterfire kam er aber nicht heran. Stolz begleitete ich die Vollblut-Babys zurück zum Stall. Sie schnauften noch und hatten wiedermal stark geschwitzt – ihre Kondition war eben doch noch nicht so gut wie die der ‘Grossen’. Die Jockeys, die bei uns ja gleichzeitig auch als Pfleger fungierten, sattelten sie ab und brachten sie in Fleecedecken eingepackt in den Freilauftrainer zum ausschreiten. Danach ging’s für die immer noch feuchten unter das Solarium, bevor sie zurück in die Box zu ihren belohnungs-Karotten durften. Danach folgten die weiteren Gruppen; alles ging seinen gewohnten Gang.
      Den Tag hindurch sass ich fast dauernd im Sattel oder im Sulky mit einem Mini vornedran – an manchen Tagen war das Standard, an anderen hatte ich mehr Bürokram zu erledigen, oder wir gingen auf Turniere… Oder ich nahm mir ausnahmsweise einen freien Tag und machte einen Ausflug mit Lily. Mir war bewusst, dass dieser Lebensstil, mit stets vollgepacktem Terminkalender, nicht jedermanns Sache sein konnte. Aber für mich passte das so. Lily schien ebenfalls klarzukommen, sie hatte sich jedenfalls noch nie wirklich darüber beschwert. Ich achtete aber auch extra darauf, genug Zeit für sie einzuplanen, sodass gar kein Missmut aufkam. Wir hatten zwischen den stressigeren Alltagsabschnitten stets wieder Momente mit jeder Menge Spass, sowohl mit, als auch ohne Vierbeiner.

      Gegen halb drei Uhr nachmittags begannen wir schliesslich mit dem Verladen. Ajith stellte sicher, dass die Transportgamaschen der teuren Rennpferde richtig sassen. Die drei waren perfekt herausgeputzt und hatten kein Stäubchen übrig auf ihrem kurzen, bereits geschorenen Fell. Die Stollen waren bei allen zur Sicherheit eingeschlagen, obwohl das Geläuf Sand war. Im Sommer liess ich die Pferde lieber auf Gras laufen, denn das war gelenkschonender. Aber sobald es nass und matschig wurde, war Sand einfach sicherer. Ich streichelte Winters Nase, die er mir entgegenstreckte, als ich mit dem Rennsattel und den Bandagen durchlief. Ich war überzeugt, dass die Pferde ganz genau wussten, was los war. Trotzdem schienen sie die Ruhe selbst und scharrten höchstens ungeduldig. Sobald die ganze Ausrüstung verstaut war, ging es ans Einladen der Athleten. Alles lief sehr professionell und rasch ab, die Pferde folgten problemlos Ajiths ruhiger Hand ins Innere des Selbstfahrers. Wir schlossen die Klappen und ich lief zur Kontrolle nochmal um das Fahrzeug herum, dann stiegen Quinn und ich in den Selbstfahrer; Oliver, Parker und Rita nahmen den kleinen Gestüts-Allzweck-PW. Die Rennen fanden im etwa zwei Stunden entfernten Kempton Park statt und das erste startete um vier Uhr; die für uns wichtigen Meetings waren aber erst ab halb sechs eingeplant. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, und wir fanden auch sofort einen Parkplatz. Im Nachhinein betrachtet lief alles fast schon verdächtig perfekt ab. Wir luden die Rennpferde aus und brachten sie zu den Vorbereitungsständen. Winter war erst im letzten Rennen des Tages gemeldet, aber Sumerian und Frame konnten wir gleich satteln. Eigentlich war es relativ sinnfrei, gleich zwei Pferde in einem Rennen laufen zu lassen, denn so würde eines von beiden zwangsläufig ‘verlieren’. Da ich aber realistisch war, und ohnehin nicht damit rechnete, dass Frame schnell genug für einen Sieg war, nutzte ich das Rennen einfach als gute Übung für den Schecken. Er war nämlich immer noch eher ‘spooky’ und liess sich leicht vom Publikum oder anderen Einflüssen ablenken. Zuhause lief er gut, aber auswärts war das eine ganz andere Geschichte. Frame hatte zwar einen ordentlichen Körperbau und eine hübsche Farbe, aber seine Abstammung war dürftig (es gab nur wenige bekannte Blutlinien darin) und seine Einstellung schwierig. Er hatte zwar schon ein paar Nachkommen, darunter sogar ein Fohlen aus einer Eizelle von Sumerian – ein ‘Experiment’ von Oliver. Ob sie aber für den Rennsport geeignet waren, musste sich erst noch zeigen. Ich liebte den Hengst, der manchmal so sehr an mir klebte wie ein Kaugummi, wirklich abgöttisch. Besonders wegen seiner Vorgeschichte fühlte ich mich tief mit ihm verbunden und hätte ihn um nichts auf der Welt weggegeben. Nur war meine Einstellung was die Zucht mit ihm anging nüchtern, und ich hielt ihn nicht gerade für einen Top-Vererber, abgesehen von seinen Farbgenen. Deshalb hatte ich ihn bisher auch nur zögerlich für die eigene Zucht eingesetzt. Jedenfalls ruhten meine Hoffnungen heute vollständig auf Sumerian, die sich einmal mehr top fit präsentierte. Sie war schon sein einem ordentlichen paar Rennen ungeschlagen geblieben und das hatte sich auch bei der Konkurrenz herumgesprochen. Die Zuschauer wetteten emsig auf ihren Namen; auch heute schien sie der eindeutige Favorit zu sein. Die Gegner waren heute kaum besorgniserregend. Ich hatte beim Nennen weder besonders bekannte Namen darunter erkannt, noch sah ich beim Warmlaufen ein besonderes Pferd herausstechen. Nur ein dunkelbrauner Zappelphilipp fiel auf, indem er schon beim Führen im Paradering dreimal auf die Hinterbeine stieg. Während ich Sumerian beiläufig neben mir herführte, beobachtete ich das Geschehen und liess meinen Blick dann wieder zu Frame wandern, der sich im Vergleich dazu ebenfalls geradewegs heilig benahm. Mir war es ein Rätsel, wie man solch ein Pferd überhaupt mit an ein Rennen nehmen konnte. Ich machte mir allerdings keine weiteren Gedanken darüber, denn gerade kam Oliver auf mich zu. «Everythin’ alright?», fragte er mich und Quinn. «Yep, they’re doin’ fine. I think we’re gonna have another win today”, mit einem Blick zu Sumerian. Quinn streichelte Frame beruhigend, weil er gerade schwer schnaufend einem Blumentopf ausgewichen war. Wir sahen uns amüsiert an und Quinn zuckte mit den Schultern. «He’ll always be a chicken, I guess», meinte sie. Oliver murmelte daraufhin kaum hörbar: “As long as he runs like one…” Parker und Rita kamen von den Vorbereitungsräumen her angelaufen. «Ready?», fragte Oliver. Beide bestätigten. Die erfahrene und scharfsinnige Parker durfte Sumerian in diesem Rennen reiten; die beiden hatten schon mehr als einmal bewiesen, dass sie ein gutes Team waren. Pferd und Reiter schienen auf derselben Wellenlänge zu sein. Rita hingegen konnte auf Frame weiter Renn-Luft schnuppern, ohne dabei so einen grossen Erwartungsdruck auf den Schultern zu verspüren. Zuhause trainierte sie zwar jeden Tag mit und hatte auch die Ausbildung längst abgeschlossen; sie war aber noch nicht so oft an richtigen Rennen mitgeritten. Wir gaben den beiden ein leg-up und begleiteten sie zum Eingang der Bahn. Dann waren sie auf sich allein bzw. die Starthelfer gestellt, die nach dem Aufwärmgalopp bei der Startmaschine warteten. Alle Pferde gingen zügig in die Abteile, sogar der Dunkelbraune von zuvor. Erfreut gespannt warteten wir auf der Tribüne auf den Start. Die Tore öffneten sich und meine beiden Pferde kamen gut weg. Oliver liess erleichtert die Schultern sinken und nahm seine Standardhaltung mit den verschränkten Armen ein, ich tat es ihm unbewusst gleich. Soweit lief alles gut. Das Feld kam dicht beieinander in die erste Kurve und Sumerian hatte eine vielversprechende Position vorne an der Innenseite, wenn auch etwas eingeklemmter als mir lieb war. Sie hielt die Stute so dicht wie möglich bei dem anderen Pferd, damit der benachbarte Jockey sie nicht zu nahe zu den Rails drängen konnte, was sie zum Abbremsen gezwungen hätte. Der Dunkelbraune von zuvor war wider Erwarten ebenfalls an der Front dabei, wobei ich gespannt überlegte, ob er wohl bis zur Zielgeraden mithalten würde. Frame war im hinteren Mittelteil, lief aber stabil und rhythmisch mit. Auch nach der zweiten Kurve zeigten unsere beiden Athleten keine Schwäche und bewegten sich zuverlässig voran. Es hätte ein perfektes Rennen für uns werden können, aber dann stolperte ein Fuchs, der nur wenig vor Sumerian gerannt war. Der Vollblüter überschlug sich und die nachfolgenden Pferde konnten ihm nicht mehr ausweichen. Ich schlug erschrocken die Hände vor den Mund und hielt die Luft an. Sumerian wurde von dem Pferd direkt neben ihr angerempelt, sodass sie kurz in die Knie ging, sich aber mit dem verbleibenden Schwung sofort wieder aufrappelte und weitergaloppierte. Die Pferde des Mittelfelds fielen übereinander wie Dominosteine, und mitten drin waren auch Frame und Rita. Oliver neben mir schrie entsetzt auf. Wir bahnten uns sofort unseren Weg von der Tribüne runter zu den Rails. Es war das reinste Chaos, mehrere Reiterlose Pferde galoppierten über die Bahn. Nur drei Jockeys sassen noch auf den Rücken ihrer Pferde, darunter auch Parker. Doch auch sie bremste ab, anstatt wie die anderen beiden das Rennen zu Ende zu reiten. Ich bekam davon nicht so viel mit, da mein Blick auf Frame fokussiert war, der inzwischen zwar wieder stand, aber schrecklich humpelte. Rita lag regungslos am Boden, offenbar war Frame auf sie gefallen. Wir zögerten einen Moment, aber als Oliver und ich sahen, dass das Rennpersonal hoffnungslos überfordert war, duckten wir uns unter den Rails hindurch und hasteten zu der gestürzten Reiterin – auch wenn das eigentlich verboten war. Ich bog ab und fasste Frames Zügel, damit sich der Schecke in seiner Panik nicht noch grössere Schäden zuziehen konnte, als er ohnehin schon zu haben schien. Aber er machte keine Anstalten, sich irgendwo hin mehr zu bewegen, trotz der vorbeilaufenden Pferde. Sanitäter und Tierärzte sprinteten über den Rasen; nicht nur Rita lag am Boden. Ein Arzt kam zu mir und Frame, aber man brauchte keinen Doktortitel, um zu erkennen, dass es alles andere als gut um den Schecken stand. Mindestens sein linkes Hinterbein war auf den ersten Blick zertrümmert, aber es hätte mich erstaunt, wenn nach dem Sturz ‘nur’ das gewesen wäre. Auch am linken vorderen Fesselgelenk hatte er sich Frakturen zugezogen. Es war kaum zu glauben, dass er überhaupt noch stand. Sein schmerzvolles Schnaufen trieb mir Tränen in die Augen. Der Tierarzt riet mir, ihn auf der Stelle zu erlösen und ich stimmte verbittert zu, ihm zuliebe. Ich wollte und konnte nicht zusehen, wie sie die grüne Trennwand aufstellten und ihm die Spritze setzten, also lief ich zitternd zurück zu Oliver. Er nahm mich tröstend in den Arm, während wir zusahen, wie sich die Sanitäter um Rita kümmerten. Sie war bei Bewusstsein und verzog schmerzvoll das Gesicht, was in diesem Fall ein kleiner Trost war (wenigstens schien sie keine fatalen Verletzungen zu haben). Als wir sahen, dass sie gut umsorgt wurde, wandten wir uns zu Parker und Sumerian. Die Rennreiterin war inzwischen abgestiegen und führte ihre graue Stute auf uns zu. Zu meinem Entsetzen humpelte Sumerian ebenfalls. «How bad is it?!», rief ich aus, und tastete sofort ihre Beine ab. Das linke vordere Röhrbein war heiss, aber ich konnte erleichtert aufatmen, als ich keine offensichtlichen Frakturen spürte. Alles bitte, nur nicht noch ein totes Pferd. Parker wirkte zerschmettert. Sie liess Sumerians Zügel keine Sekunde los und sagte kein Wort, während Oliver und ich die Stute untersuchten. Ich glaubte nicht, dass die ehrgeizige Berufsreiterin diesmal einem möglichen Sieg nachtrauerte. Für einen Jockey war es genauso, oder noch viel verstörender, einen solchen Unfall mitzuerleben. Ich war sicher, dass sie sich immense Vorwürfe machte und in diesem Moment genauso wie ich selbst all ihre Leidenschaft infrage stellte. Als ich mich aufrichtete und ihr die Stute abnehmen wollte, streichelte sie mit trübem Blick Sumerians Hals und machte noch immer keine Anstalten, sie mir zu übergeben. Wie auch einer der Tierärzte wenig später bestätigte, hatte Sumerian sich vermutlich einen Sehnenschaden zugezogen. Um es genau zu wissen, würden wir sie röntgen lassen müssen. Trotz dieser Prognose war ich erleichtert. Während Oliver der damit wohl beendeten Rennkarriere der Stute nachtrauerte, war ich einfach nur froh, dass sie lebte und wieder gesund werden würde. Wir verluden sie, nachdem der Trubel sich etwas gelegt hatte. Für uns gab es hier nichts mehr zu tun. Winter meldete ich mit Quinns Unterstützung von seinem Rennen ab – für heute war mir die Lust auf den Galopprennsport eindeutig vergangen, und ich wollte nichts mehr riskieren. Ich streichelte die beiden Vollblüter traurig, als sie im Selbstfahrer standen. Vielleicht war es nur eine Einbildung meines aufgewühlten Gewissens, aber ich meinte an Winters Verhalten erkennen zu können, dass er besorgt war und auf Frames Rückkehr wartete. Sumerian hatte Schmerzmittel bekommen und war daher etwas benebelt. Ich hätte Winter gerne getröstet, aber bei dem Gedanken schlichen sich sofort wieder Tränen in meine Augen, also schloss ich die Klappen. «Oliver, you have to drive», krächzte ich. Quinn fuhr den PW.
      Zuhause angekommen überliess ich es Oliver, den bestürzten Pflegern zu schildern, was geschehen war. Besonders Ajith war aufgelöst, als er hörte, dass einer seiner Lieblinge nicht mit uns zurückgekehrt war. Parker verräumte noch immer wortkarg ihre Sachen und begab sich dann ins Pflegerhaus. Wir liessen sie in Ruhe. An oberster Stelle stand nun Sumerians medizinische Versorgung, also riefen wir den nächsten Tierarzt sofort auf Platz. Sie wurde geröntgt und der Verdacht des Sehnenschadens bestätigte sich. Damit war das Ende ihrer Karriere besiegelt. Ich war darüber nicht halb so traurig wie Oliver, der die ganze Zeit mit nachdenklich verschränkten Armen zusah. Als die Stute in ihrer Box stand, in der sie nun den grössten Teil der nächsten paar Wochen verbringen würde, beschloss ich an ihn gewandt: «No training tomorrow. We’ll decide what comes next after that.» Oliver reagierte aufgebracht. “I knew it! Something like this happens, and now you want to throw everything away!” Ich gab mindestens genauso gereizt zurück: “And so what?! Maybe yeah, maybe I’ll do just that! Who wouldn’t, after what we saw?” “Anyone with the slightest bit of sense! You knew very well that this could happen anytime! You’ve heard of accidents countless times, and you knew racing was a risk from the very start!” “A quite unnecessary risk, as I’ve realised now – sadly a bit too damn late for Frame!” “Cross Country, Show Jumping or any type of Sport is just as risky! Even when you go out on a trail ride you could get into an accident, especially nowadays with those many cars! Do you want to lock your horses up all their life, or what?” “That’s not true, you know that. Racing is by far more dangerous than any other discipline!” “How many accidents and injuries did we have over the years?” “Too many.” “How many!?” “I don’t remember.” “See? That’s because there were almost none, and they were all minor! If you exercise the way we do and prepare them enough for the physical and psychological struggle, then the risk comes down to a same level as with other sports. We’ve talked about this so many times, and you’ve always agreed with me!” “I was a fool.” “You even were the one who explained to me the benefits of this way of Training in the first place!” “Oliver! How can I go on after this? How can I love my horses and at the same time risk their lives and their health for a stupid desire to see them run?” Meine Stimme wurde leiser, Trauer mischte sich hinein. Deshalb wurde auch Oliver ruhiger. «It was not your fault, Occu.» “I’ve sent them to this race.” “You couldn’t have known. Nothing would have happened, if that other Horse had not fallen. It was bad luck, nothing more.” “I saved him, Ollie. I saved him, only to lose him now.” “I know. It is cruel.” Er nahm mich wie schon auf der Rennbahn in die Arme, bis ich mich gefasst hatte. «I have to think it over. I need a little while to sort out my thoughts”, bat ich danach. “Okay. I’ll be waiting to hear your decision.” “Thank you.” Mit diesen Worten wandte ich mich zum Gehen und zog mich ins Haupthaus zurück. Dort wartete Jonas bereits mit einer Tasse warmem Tee auf mich. Wir redeten ausgiebig; es tat mir gut. Als Lily reinkam, rannte sie sofort auf mich zu und umarmte mich, offenbar hatte sie von den Pflegern gehört, was passiert war. Sie war in solchen Momenten einfach nur ein kleiner Schatz. Aber sie war auch ein Kind, deshalb stellte sie unverblümt die Frage aller Fragen: «Hörst du jetzt auf mit Galopprennen?» Ich seufzte erschöpft und fragte sie, mit ernstem Blick, «Soll ich?» Sie schüttelte eifrig den Kopf. «Es wäre richtig doof aufzuhören! Du machst das doch so gerne. Du hast mir mal gesagt, dass man das Leben geniessen soll und das tun soll, was einem Spass macht - wann immer man kann.» «…Solange es anderen nicht schadet, ja.» «Ich glaube die Pferde mögen es zu rennen.» «Woher weisst du das?» «Ich sehe es ihnen an.» «Ach ja?» «Klar. Du liebst sie und behandelst sie gut, und zum Dank laufen sie für dich.» Ihre naive Ansicht verleitete mich zu einem Lächeln, aber irgendwie waren ihre Worte auch erlösend. «Na gut. Wenn du das sagst, dann muss es ja stimmen», beschloss ich. Es war mittlerweile spät geworden, aber dennoch fuhren Oliver, Quinn, Ajith, Jonas, Lily und ich noch ins Spital, um Rita zu besuchen. Es ging ihr den Umständen entsprechend gut und sie freute sich über unseren Besuch, brach aber mehrfach in Tränen aus, sobald wir auch nur annähernd die Pferde oder insbesondere Frame erwähnten.
      Sobald wir wieder Zuhause waren, lief Quinn in einem wutentbrannten Laufschritt in Richtung Pflegerheim davon. Ajith und ich tauschten einen besorgten Blick aus und folgten ihr, Übles ahnend. Quinn, die normalerweise nicht gerade zu den aufbrausenden Charakteren gehörte, öffnete schwungvoll die Tür zum Schlafraum, sodass die beiden Graupapageien Arfrica und Blue in ihrem Gehege im Aufenthaltsraum aufgeregt flatterten und Parker, die auf dem Bett gesessen hatte, erschrocken aufstand. «What -» bevor sie fragen konnte, knallte Quinn ihr die Flache Hand ins Gesicht. Ajith und ich gingen sofort überrascht dazwischen, aber Parker stand nur wortwörtlich ‘georfeigt’ da. «Why didn’t you come to the hospital? Rita is your friend! She would visit you right away if you were the one lying there, you know!», rief Quinn aufgebracht. Parker schwieg. “Quinn, Rita only has some broken ribs, no life-threatening injuries. Besides, we were already too many people in the car – you even had to take Lily on your lap”, sprach ich beschwichtigend. “No! She’s always like that! She always goes hiding and sulking on her own, whenever something doesn’t go according to her plans. It’s really getting on my nerves!” Um noch etwas Brandbeschleuniger ins Feuer zu kippen, zischte Parker nun «Seems like it.» Quinn reagierte prompt. «Watch your mouth! Are you really so self-seeking? If so, then I don’t understand why you’re still here. There’s many champion-horses out there, and lots of a**hole trainers that give sh*t about horses or jockeys. Those should serve you just fine!” Ich sah leicht überfordert zu Ajith, hoffend, dass er etwas Passendes zu sagen wusste, um die Situation zu entschärfen. Das war das erste Mal (seit Empire ihr einmal auf den Fuss gestanden war) gewesen, dass ich Quinn hatte fluchen hören. Ajith wirkte jedoch genauso hilflos wie ich und konnte es seinem Gesicht nach zu urteilen nicht glauben, Quinn so aufgebracht zu sehen. «Did I hear someone say a**hole just now, without even mentioning my name in the process?» Lewis kam rein, und ich war unendlich froh, ihn zu sehen. Der Pfleger hatte wohl mitgehorcht, denn er holte sofort zum nächsten Schlag aus. «Quinn, leave the bad words to the big kids and give it a rest. I think Parker is now very aware of her mistakes and after all it is still Occulta who decides when it comes to throwing someone out.” Quinn hatte dem nichts entgegenzusetzen und verliess das Zimmer leicht beschämt. Im Augenwinkel sah ich, dass Ajith ihr hinterherblickte. Ich stupste ihn an, ihr zu folgen; was er dankbar tat. Lewis stellte unterdessen Parker zur Rede. «So?» «There’s nothing to say.» «I think there is.» Nach einem weiteren Schweigen fragte er: «So you just hate Rita?» «Don’t be ridiculus!», rief Parker aus. Endlich machte sie den Mund auf. «Of course I like her, and I feel bad for not visiting her.” “…But you wanted to just disappear and be left alone with all your troubles? ‘Cause that’s definitely gonna make everything miraculously better?” “I should have kept Sumerian back until the very end. I thought it was a good idea to ride her in between the rails and that other horse, since it made a shorter distance. It would have been better to stick to the outside and trust upon her stamina. The other horse could have ran at the rails, so it would have potentially created an opening for Rita and Frame, and they could have come out of the pulk.” Diesmal mischte ich mich ein. «…And get right behind that stumbling chestnut? They would have fallen anyways. Besides, we all know that Frame wasn’t fast enough to get to the front.” “But at least Sumerian would have stayed sound.» «Well, I’m not going to deny that”, gab ich zu. “But how could you have known? You had a risky, but very good position there, and would have definitely won.” “That’s the point. I was all about winning, not even once concerned about Sumerian’s well-being. Quinn was right to hit me; I’m a horrible person.» “So now you’re gonna sulk in self-pity and that’s it?”, fragte Lewis provozierend. “You have to grow up, girl. Learn to take responsibility and do it better next time. There’s no meaning in looking back, except if you learn from it.” Parker kniff die Lippen zusammen und nickte nachdenklich. Dann meinte sie plötzlich: «Occu, I want to buy Sumerian.» Ich sah sie überrascht an. «She’s not going to race again, but I want to give her back all the effort she gave me, winning so many races for me, without me valuing it properly.” Ich zögerte, den eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, die Stute zu verkaufen. Aber vor Parkers Entschlossenheit konnte ich schlecht nein sagen. An Lewis gewandt fuhr Parker fort: «And I’m going to visit Rita tomorrow, first thing in the morning.” “Don’t go ‘first thing in the morning’. The poor girl needs to get enough sleep, and the hospital opens at eight o’clock”, stellte Lewis klar. Dann klopfte er Parker auf die Schulter. «Of course we still love you.» Ich spürte, dass ich auch noch etwas sagen musste, also informierte ich sie: «No exercising tomorrow, we go on trail rides instead. I guess we all need to clear our heads with fresh air.” Sie nickte und ich wollte mich schon zum gehen umdrehen, hielt aber noch einen Moment inne. «…We’ll talk about Sumerian as soon as she has recovered a bit more – I’d feel bad to sell you an injured horse and just leave all the medical business to you.” Sie lächelte dankbar. Beim Hinausgehen streichelte ich Africa, die noch immer neugierig über die Aufregung am Volierengitter hing.
      Oliver wollte nochmals mit mir sprechen, also begab ich mich leicht widerwillig in die Reiterstube. Er kam kurz nach mir rein und machte sich einen Kaffee – ich selbst lehnte dankend ab. «You remember the embryo transfer sale we offered to that old Mr Ferris about two years ago?” “Yes…” Ich ahnte sofort, worum es ging. «It was a special deal; a Sumerian foal, out of Framed in History. To us it was a rather strange combination, given that Sum had only started her career back then and Frame had almost no famous blood lineage or relatives. But the guy had owned Frames father and he knew, that Sum’s mother was also related to that Lineage, so he had been hoping to get a similar horse to his beloved one out of the two.” «…Right.» «The foal was born healthy, but we never heard of it again.” “Jup.” «Well. I have contacted him and explained what happened.» “You didn’t”, murmelte ich ungläubig. “I asked him whether he would be ready to sell the foal back to us.” «Don’t tell me -» «He agreed.» Ich setzte mich und faltete meine Hände vor meinem Gesicht. Dann senkte ich sie wieder und fragte ihn «What does the foal look like?» «It is a filly. She looks exactly like Frame. He sent me pictures, if you want to see them.» Ich schüttelte den Kopf, bereits wieder den Tränen nahe. «And her name?» «He calls her ‘Saphi’, in honor of his dead wife.” «But is it alright? You didn’t blackmail him or anything to make him sell that horse, did you?» Er lachte herzhaft. «Oh no, no. The thing is, he always wanted another Stallion, so it was kind of a pity it ended up being a filly. And I promised that I would help him look for a colt with related lineage. Besides, since we were helping him back then, he now is happy to return a favour and help you in a similar way this time.” Ich war gerührt über den Aufwand, den Oliver so spontan und in so kurzer Zeit betrieben hatte, nur um dieses Fohlen aufzustöbern, und über die wundervolle Geste von Mr Ferris. Aber ich wusste auch, was Oliver dafür im Gegenzug von mir hören wollte. «You will be happy to hear that I already decided anyway. Go and thank our little Miss Lily. She reminded me that ‘the show must go on’.” Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

      Am späten Abend wurde in den Nachrichten berichtet, dass es wohl einer der schlimmsten Unfälle auf Britischen Rennbahnen seit langer Zeit gewesen war. Als der Kommentator sagte, es seien «vier Pferde leicht bis schwer verletzt und ein weiteres getötet» worden, sah ich betrübt aus dem Fenster. Warum ausgerechnet eines von meinen?, war ein etwas unfairer, aber hartnäckiger Gedanke. Ganz wohl fühlte ich mich noch nicht, wenn ich daran dachte, den Rennbetrieb wieder aufzunehmen. Aber die Zeit heilte bekanntlich alle Wunden, und irgendwann würde ich es vielleicht wieder so geniessen können, wie vorher.

      Pflegebericht 25.01.2019 - Reitsportlager
      © Occulta
      Seit ich beschlossen hatte, ein Reitlager durchzuführen, hatte sich einiges getan, allerdings bei weitem nicht schnell genug. Aus dem Herbstlager war ein Winterlager geworden, weil es nebst den ganzen Turnieren einfach nicht für anständige Planung gereicht hatte. Lisa und Elliot hatten ihre Reitschüler mobilisiert und auch im Internet und in der lokalen Zeitung hatten wir es ausgeschrieben. Allerdings hatten wir nirgendwo erwähnt, dass ich auf der Suche nach Turnierreitern war. Das war Teil meines Plans – ich wollte sehen, wie die Jugendlichen sich natürlicherweise benahmen, nicht wie sie sich verstellten, um den ‘Job’ zu bekommen. Ausserdem war so sicher niemand enttäuscht, denn ich konnte die Kids später privat anfragen, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Das Lager würde in wenigen Tagen stattfinden und im Moment liefen noch die letzten Vorbereitungen. Aber vom Lager abgesehen, war die wohl grösste Veränderung seit langem der geplante Neubau eines weiteren Stallgebäudes. In Grobplanung war es schon länger gewesen, aber ich hatte zuerst die nötigen Bewilligungen einholen müssen. Es war sozusagen eine Erweiterung des Nordstalls, denn dort wurde langsam der Platz knapp, die Nachwuchshengste eingerechnet, die ich noch auf der Fohlenweide hatte. Wie ich die so geschaffenen vier grossen Boxen in dem halboffenen Gebäude verplanen wollte, wusste ich noch nicht genau. Aber ich hatte eine Idee im Kopf, daraus eine Art Ponystall zu machen, für die kleineren Sportponys. Das wäre auch praktisch für zukünftige Ferien-Reitlager, und so konnte ich die Boxen im Nord- und Nebenstall vollständig für die grösseren Pferde nutzen, so meine Überlegung. Ich hatte im Sinn, erstmal Herkir, Loki, Fake und Nossi dorthin umzusiedeln. Es würde aber noch eine Weile dauern, denn der Stall sollte erst im Frühling gebaut werden.

      Schliesslich war es so weit, der erste Tag des Lagers stand vor der Tür. An diesem Morgen fand ich England in einer dicken Nebeldecke eingehüllt vor. Die Luft war so feucht, dass sich Tautropfen an Jonas’ Augenbrauen bildeten, die zudem zu gefrieren drohten, als wir auf unserem morgentlichen Rundgang zu den Weiden liefen. Und das obwohl es seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Es war irgendwie komisch zu sehen, dass der Boden im Licht der Lampen an den Stallungen schon wieder trocken und rissig war, während die Luft und das Gras sich so feucht anfühlten. Es war bitterkalt. Ich schob das Tor des Stutenoffenstalls auf und begrüsste die Pferde. Moon und Phantom kamen sofort näher und besonders der Rappe machte auf mich einen eifrigen Eindruck, als wartete er nur darauf, dass ich ein Halfter zückte und ihm eine Aufgabe gab. Moon hingegen war noch etwas verschlafen und rieb erstmal ihre Stirn gegen meine Hand, als ich sie unter ihrem langen Schopf streichelte. Die Stute war eben im Vergleich zu Phantom und besonders Matinée immer noch viel zutraulicher, aber auch frecher zu mir. Sie kannte den Umgang mit Menschen wie die meisten domestizierten Pferde seit dem Fohlenalter, vermutlich seit ihren ersten paar Minuten in dieser Welt. Die anderen Stuten belagerten mich nun ebenfalls neugierig, in der Hoffnung, ich hätte etwas Leckeres dabei. «Später Ladies, später», versprach ich. «You will all get your carrots.» «Das ist so süss, wie du mit ihnen sprichst», bemerkte Jonas kichernd. «Machst du doch auch.» «Ja klar, hab ja nicht gesagt, dass es schlecht ist. Ich find’s toll. Sie verstehen zwar kein Wort, aber ich bin sicher, dass sie die Aufmerksamkeit geniessen.» «Ich glaube schon, dass sie was verstehen. Zum Beispiel spitzen die meisten ihre Ohren, wenn ich ‘apple’ sage.» Just in diesem Moment kam Summer einen Schritt näher und verdrehte bettelnd ihren Kopf, als wollte sie meine Theorie untermauern. Wir lachten beide los. Manche der Pferde machten die lustigsten Grimassen, wenn sie etwas zu Fressen erwarteten. Summer verdrehte ihren Kopf und streckte ihre Lippen, weil ich ihr vor einiger Zeit das Lächeln beigebracht hatte, und sie es nun manchmal einfach so anfing, zum Betteln eben. Ich hatte nichts dagegen, wenn die Pferde so verspielt und erwartungsvoll waren, solange es nicht in ein Scharren oder aggressives Verhalten ausartete. Mit Cambria hatten wir deswegen etwas Ärger, denn die Scheckstute scharrte in der Stallgasse dauernd, sobald jemand durchlief. Es war gar nicht so leicht, ihr das abzugewöhnen, und es gab meines Wissens nach auch keinen Spezial-Trick dafür. Alles, was ich tun konnte war, sie möglichst anderweitig zu beschäftigen und ihr gezielt Tricks beizubringen, als Ersatz für das Scharren. Wenn sie nie etwas dafür bekam, dann gab sie es vielleicht irgendwann auf. Jonas und ich machten uns auf den Weg um die Runde zu beenden. Ich sah noch bei Zebra Thairu und Zazou dem Esel rein. Soweit ich durch die Dunkelheit und den Nebel hindurch erkannte, standen sie beide unter ihrem Unterstand und dösten noch, also liess ich sie gleich wieder in Ruhe. Es war nun sowieso Zeit, in den Hauptstall zu gehen und dem Vollbluttraining beizuwohnen. Dort war man bereits emsig dabei, die Pferde zu putzen. Ich beeilte mich damit, Dolly aus ihrer Box zu holen und in der Stallgasse anzubinden. Die junge, roanfarbene Stute war in Spiellaune und nahm die Anbindeketten ins Maul, während ich sie Bürstete. Als ich ihren Bauch säubern wollte, schlug sie missmutig mit dem Schweif, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. «Hey, reiss dich zusammen – ich bin schneller fertig wenn du mich machen lässt», schimpfte ich. Sie runzelte ihre Nüstern und trampelte weiterhin ungeduldig herum. Ich wollte sie nicht zu sehr provozieren, aber ich musste weitermachen, bis sie stillhielt, damit sie nicht mit der Unart Erfolg hatte. Als sie endlich einen Moment ruhig war, hörte ich auf und machte mit einer Stelle am Hals weiter, die sie mochte. Danach wandte ich mich dem Langhaar zu, und natürlich den Hufen. Bei den Hinterhufen brauchten wir heute drei Versuche, bis ich sie wirklich hochnehmen konnte. Da war es auch nicht sonderlich hilfreich, dass wir heute allen Rennpferden Stollen eindrehen mussten, weil der Rasen im Gegensatz zum Boden selbst nebelfeucht war. Sie wollte kaum stillhalten, als ich mir Eisen für Eisen vornahm. Ich fragte mich langsam, ob die Stute schlecht gelaunt war, aber wenn ich ihren Blick richtig deutete, so schien das nicht der Fall zu sein. Ausserdem genoss sie es wie immer, wenn ich sie an ihrem Unterhals kraulte. «Der muss noch etwas weniger kräftig werden», bemerkte ich dabei liebevoll murmelnd. Als das gestichelte Fell sauber war, holte ich die Trainingsausrüstung. Ich legte eine Anti-Rutsch Unterlage, dann eine gut gepolsterte Satteldecke auf Dollys Rücken und zuletzt den Trainingssattel. Den Gurt schlaufte ich durch eine Lammfellpolsterung, bevor ich den Sattel damit befestigte. Ein Vorgeschirr brauchte die Stute nicht, denn bisher war der Sattel bei ihr noch nie wirklich nach hinten gerutscht. Ich legte ihr ein Kopfstück mit gewöhnlicher, einfach gebrochener Trense an und führte sie anschliessend nach draussen. Die Jockeys bekamen von Oliver und Ajith ein leg-up. Wir ritten alle hintereinander zum Galoppweg, vorbei an ein paar Transportern, die auf dem Parkplatz standen. Für heute hatte sich wiedermal ein auswärtiger Trainer angemeldet, der die Bahn nutzen wollten, um seine Jungpferde an fremde Situationen zu gewöhnen. Sie würden mit uns trainieren – eine gute Gelegenheit, um die unsrigen mit dem fremden Nachwuchs zu vergleichen. Wir wärmten die Gruppe ganz normal ein und ritten dann auf den kurz gemähten, sorgfältig gepflegten Rasen. Die Startmaschine liessen wir weg, weil es mit den fremden Pferden ohnehin zu wenig Plätze für alle hatte. Stattdessen machten wir einen freien Start und liessen die Pferde auf eine nicht ganz so ernste Weise gegeneinander antreten. Es ging nicht darum, Höchstgeschwindigkeiten herauszulocken, sondern viel eher, ein anstrengendes, ertragreiches Training durchzuführen und am Ende zu sehen, welche Pferde noch fit waren. Trotzdem stachelten sich die Jockeys gegenseitig etwas an, und Oliver musste sie ein paarmal mit strengen Rufen daran erinnern, die Pferde nicht zu überfordern. Besonders Parker liess sich provozieren, von einem Typen mit einer ebenfalls schwarzen Stute, die man angesichts der Wetterlage und der Tageszeit kaum von Daedra unterscheiden konnte. Ich sah nur, dass die beiden die längste Zeit Kopf-an-Kopf liefen, und alle anderen hinter sich gelassen hatten. Mambo und Sarabi liefen dicht bei mir und Dolly, sodass ich sie gut im Blick hatte. Ihre Bewegungen schienen kraftvoll und raumgreifend, soweit sah also alles richtig aus. Counterfire schien aber irgendwie nicht so richtig in Fahrt zu kommen, und auch Thalia war weiter hinten; ich hörte Oliver einmal rufen, dass Charly sie endlich vorwärtsschicken solle. Ich fragte mich, was da los war, denn normalerweise waren beide Pferde eigentlich ziemlich fleissig und eher vorne mit dabei. Zurückschauen konnte ich aber nicht gut, weil ich mich auf Dolly konzentrieren musste, die schon wieder ein Ungeheuer im Gebüsch zu sehen glaubte und nach links drängeln wollte. Dann liess sich Mambo auch noch von dem Getue anstecken und begann, sich gegen Quinns Zügel zu wehren. «Was ist denn heute nur los!», rief ich aus und richtete Dolly so gut es ging wieder gerade. Die fremden Pferde liefen weiter, als wäre nichts gewesen. Sie spulten einfach ihr Programm ab, ohne den Kopf zu heben. Später sah ich Oliver nach dem Training den Kopf schütteln und seinen typischen, unzufriedenen Ausdruck präsentieren. Ich seufzte nur, denn es brachte sowieso nichts, etwas zu sagen. «What the hell was wrong with you guys? That was a perfect disaster! I’m sure the others will have a lot to laugh about on their way home.” “Oliver.” Ich sah ihn mahnend an. Es war nicht förderlich für die Motivation der Jockeys, wenn er solche Sprüche von sich gab, auch wenn wir uns das einigermassen gewohnt von ihm waren. Alle schwiegen, die Stimmung war nicht gerade auf dem Höhepunkt. «Look, we train our horses differently, so that was to be expected. They don’t have to run with their Heads tied down, they don’t have to blindly follow stupid orders and don’t get a beating if they misbehave only a little. You could say that they are spoiled and sassy. In the end however, we won’t have broken machines that only work because they have to, but horses that want to win and still have their personality and pride. That is exactly the difference between a champion and an ordinary racehorse, that gets sorted out after a few races because it has no more will to please. If anyone is unhappy with the way we work, then please say so and start looking for a new racing stable.” Meine kleine Rede zeigte Wirkung. Die Jockeys nickten zustimmend, und Oliver wirkte nachdenklich, als sei ihm bewusst geworden, dass er womöglich überreagiert hatte. Damals, als ich Oliver eingestellt hatte und ins Renngeschäft eingestiegen war, hatte ich von Anfang an ganz klare Forderungen an den Trainer und die Jockeys gestellt. Pineforest hatte eine lange Tradition als Rennpferdegestüt, aber ich hatte es nach meinen Vorstellungen umstrukturiert und damit begonnen, die Pferde auf meine Weise auszubilden; mit der skrupellosen Geldmacherei der Rennindustrie wollte ich nichts zu tun haben. Mir ging es nur um die Freude am Rennsport selbst. Mir genügte es, meine athletischen, gesunden und vor allem psychisch zufriedenen Rennpferde über die Bahn fliegen zu sehen, völlig gleich, ob sie nun als erste oder als letzte ins Ziel kamen. Aber ich brauchte mir gar keine Sorgen um die Reputation des Gestüts zu machen, denn die Pferde gewannen regelmässig und konnten gut mit den ‘auf die herkömmliche Weise’ Trainierten mithalten. Das war auch Oliver, der mich anfangs noch belächelt hatte, über all die Jahre bewusst geworden, und deshalb hatte der ehrgeizige Trainer nicht längst zusammengepackt. Nur musste ich ihn gelegentlich daran erinnern. Weil ich irgendwodurch eine sehr sture und selbstsichere Persönlichkeit hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, dem fremden Trainer mit einem zufriedenen Lächeln gegenüberzustehen und zum Abschied die Hand zu schütteln. In meinen Augen hatten wir alles richtig gemacht. Und nur so nebenbei hatte Daedra gegen den anderen Rappen gewonnen, aber das Gefühl dieses süssen Triumphs behielt ich für mich.

      Wir brachten es auf die Reihe, ziemlich gut gelaunt mit der zweiten Gruppe ein Kopf-an-Kopf Training durchzuführen. Die Stimmung schwappte auf Primo, Merino, Simba, Cryptic, Penny und Ciela über und sie liefen hervorragende Zeiten für uns. Nun hatte sich auch Olivers Stimmung wieder aufgehellt. Er trank, nach dem die Pferde zum Trocknen in den Freilauftrainer gebracht worden waren, mit uns Tee und gab wieder sachliche, nützliche Tipps anstelle von gehässigen Sprüchen. Als er fertig geredet hatte, sah er mich einen kurzen Moment an, und ich nickte lächelnd. So machte das Rennpferdetraining Spass.

      Während Oliver und die Jockeys nun die älteren Gruppen trainierten, machten Lily und ich in der Halle Dressur mit Areion und Circus Dancer. Wir übten spielerisch ein ausgedachtes Pas-de-Deux ein, das wir im Verlaufe der Woche auch mit den Lagerkindern einstudieren wollten. Es war eine hervorragende Übung für meine Nichte, weil sie zu jeder Zeit schauen musste, was ich gerade tat und sich gleichzeitig darum kümmern musste, selbst exakt zu reiten. Areion war dabei wiedermal ein richtiger Schatz. Er half Lily immer wieder aus, wenn sie einen Patzer machte und es war so süss wie er sich Mühe gab, um seiner jungen Reiterin zu gefallen. Dafür bekam er am Ende auch eine Extraportion Karotten (nunja, die Portion war eigentlich mittlerweile gar nicht mehr ‘extra’, weil er sie eh fast immer bekam). Auch Dancer sah mich mit einem perfekten Hundeblick an, als ich vom Schrank zurückkehrte und seine Karotten hinter meinem Rücken versteckte. «Hast du dir die verdient?», fragte ich schmunzelnd, woraufhin er seinen Kopf einmal ruckartig auf und ab bewegte, was fast schon einem Nicken glich. Ich erlöste ihn und hielt die Karotten hin, damit er sie aus meiner Hand ziehen konnte. Er kaute geräuschvoll darauf herum. Pilot und Vychahr in den Nachbarsboxen streckten ihre Köpfe natürlich ebenfalls in meine Richtung, aber sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Als nächstes holte ich Dod aus seiner Box. Der Criollo stand beim Putzen schön still, zeigte aber wiedermal seine sture Seite, als es darum ging, die Hufe hochzunehmen. Ich schaffte es trotzdem und kratzte alle vier gründlich aus. Mir blieb nicht mehr viel Zeit, denn um zehn Uhr wollte ich die Kids offiziell empfangen. Daher longierte ich ihn eine halbe Stunde in der Halle, sorgte aber dafür, dass er während dieser Zeit trotzdem ordentlich arbeiten musste und sogar ein bisschen ins Schwitzen kam. Ich liess ihn nämlich viele Galoppübergänge machen, was gutes Training für die Hinterhand war. Lisa und Darren waren mit Rebel und Flint ebenfalls in der Halle. Die beiden Schecken liefen fleissig vorwärts, wobei Flint jedoch zwischendurch mit einem Blick durch die Fensterwand abschweifte. Der Nebel war draussen nachwievor hartnäckig. Als ich Dod zurück zum Nebenstall führte, waren bereits die ersten Eltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Ich beeilte mich damit, den Criollo Hengst zu versorgen – seine Karotten bekam er natürlich trotzdem. Ich hörte schon ein paar Stimmen, sowohl von Kindern als auch von Eltern schwärmen, was denn das für ein hübscher Rappe sei und musste dabei stolz schmunzeln. Im Norstall fand ich auch gleich Jonas vor, der Diarado für einen Ausritt putzte. Wir planten noch rasch das Mittagessen, dann versorgte ich hastig Dods Ausrüstung. Schliesslich trat ich vor die Anwesenden und begrüsste sie. Zira war wie immer brav an meiner Seite und musterte die Leute mit wachsamem Blick. Shira und Jacky schnupperten schon an der ein- oder anderen Hand und liessen sich streicheln, sehr zur Begeisterung der Kinder. Nachdem ich rasch den Tagesablauf erklärt hatte, erlöste ich ich die Kinder und Eltern von der beissenden Kälte und bat sie ins Pflegerheim. Dort hatten die Pfleger einen Raum für die Kids freigeräumt, sodass diese sich nun gleich einquartieren konnten. Die Pfleger hatten eingewilligt, für die eine Woche etwas näher zusammenzurücken – sonst hätten wir das Lager im Winter gar nicht durchführen können. Im Sommer war sowas kein Problem, weil man dann auch gut im Strohlager oder in Zelten draussen übernachten konnte. Aber bei minus fünf Grad war beides nicht das Wahre. Die Eltern blieben noch einen Moment, um sich umzusehen. Danach verschwanden sie endlich und wir konnten mit dem Programm starten. Es waren insgesamt neun Kinder gekommen, allesamt Mädchen. Darüber war ich ein kleines Bisschen enttäuscht, denn ich hatte gehofft, auch ein paar Jungs für das Lager zu begeistern. Auch Lea, die Lily an der International Horse Show kennengelernt hatte, war wie versprochen mit dabei. Die beiden kicherten jetzt schon die ganze Zeit und warfen sich vielsagende Blicke zu. Wir machten ein paar Kennenlernspiele zum Aufwärmen. Es stellte sich heraus, dass manche der Mädchen sich auch schon aus der Schule kannten. Zudem hatte es einige dabei, die schon oft mit ihren eigenen Ponys in die Reitstunde gekommen waren. Aber zumindest drei Mädchen waren ganz neu, und auch Lea war noch nie hier auf dem Hof gewesen. Als wir unsere Namen schon ein bisschen kannten, führte ich die Gruppe zu den Ponys in den Nebenstall. Spätestens da war das Eis gebrochen. Die Mädchen begannen sofort damit, die neugierig über die Boxentür spähenden Ponys zu streicheln und sich begeistert zu unterhalten. Ich stellte Cinni, Silver, Sweets, Blue, Lychee, Shira, Dream, Yoomee, Nim (die Lisa freundlicherweise zur Verfügung stellte) und Fake vor und genoss dabei aufmerksame Zuhörer. Die wichtigste aller Fragen stand allen förmlich ins Gesicht geschrieben: Welches Pony darf ich reiten? Ich hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass jedes Kind sich die ganze Woche um dasselbe Pony kümmern würde, damit ich genau sehen konnte, welche Fortschritte gemacht wurden. Ich erlöste die Kids, indem ich die teils ausgeloste, teils den mir mitgeteilten Reitkünsten angepasste Liste hervorkramte und herunterlas. „Gina will take Shira, since you seem to be the one with the most experience. She’s only four years old, so riding her will be a bit more demanding. But she has a nice temper, so you should be fine. Just keep in mind that she does not know everything yet. Fiona, your pony will be Silver. Rachel takes Cinni, Emma will have to deal with Yoomee, Mariana can ride Sweets. Sheridan, you take Dream. Ruth takes Nim. Where was I? Ah yes, Lea takes Bluebell and Aliyah can have Lychee. Lily, you are stuck with Fake, as always.” Den letzten Teil fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Ich war erleichtert, als ich keine wirklich enttäuschten Gesichter sah – alle schienen mit ihren zugeteilten Partnern zufrieden zu sein. So weit so gut. „What about we start right now and see how good you are?“, schlug ich vor, und bekam begeisterte Rückmeldung. “Fine. Go and get your riding clothes, we’ll meet right here in fifteen minutes.” Ein paar trugen ihre Reitsachen schon und sahen mich fragend an. „You can help me get the grooming stuff here.“ Ich führte sie zu den Sattelkammern im Hauptstall und drückte jedem zwei Kisten in die Finger. Sie waren alle beschriftet – dafür hatten Lily und ich im Vorfeld gesorgt. Als auch die anderen wieder da waren, holten wir die Ponys raus und begannen mit dem Putzen. Ich sah zu und half zwischendurch, aber sie waren natürlich alle ziemlich selbstständig. Lily und Lea plauderten ausgelassen, und auch die anderen begannen immer mehr damit, sich gegenseitig auszutauschen. Nur Ruth putzte schüchtern schweigend ihre Haflingerstute. Ich gesellte mich beiläufig zu ihr und fragte sie ein wenig aus, wobei sie auch etwas auftaute. Ich erfuhr, dass sie kein eigenes Pony hatte, aber manchmal das einer Bekannten reiten durfte. Meine Erwartungen in ihre Reitkünste sanken damit etwas, denn offenbar hatte sie ja noch nicht viel Erfahrung sammeln können. Trotzdem liess ich mich natürlich gerne überraschen. Als die Ponys zufriedenstellend sauber waren, sattelten und zäumten wir sie. Anschliessend liefen wir alle zusammen zur Halle, wo wir eine erste, klassische Reitstunde abhielten. Ich wollte nicht zu wild starten; natürlich hatte ich noch einige weitaus interessantere Pläne für die nächsten Tage. Die Reitstunde kam aber auch schon nicht schlecht an. Ruth überraschte mich tatsächlich: sie hatte einen erstaunlich guten Sitz und schien gut mit Nim klarzukommen. Bei Aliyah haperte es dagegen am Anfang etwas, weil Lychee heute recht feurig war. Sie galoppierte einmal sogar mit ein paar übermütigen Buckelsprüngen an, was Aliyah dann doch gleich etwas Respekt einflösste. Sie blieb zwar oben, war aber deutlich angespannt und unsicher. Ich beruhigte sie so gut es ging und zeigte ihr, wie sie Lychee mit Schulterherein und kleinen Volten so beschäftigen konnte, dass sie nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das funktionierte dann zum Glück auch. Shira machte, sich Lychee als Vorbild nehmend, ebenfalls Anstalten zum Buckeln. Gina konnte das aber gut aussitzen und hatte die junge Stute rasch wieder konzentriert bei der Arbeit. Die anderen Ponys benahmen sich zu meiner Erleichterung vorbildlicher. Ich hätte sie alle gestern nochmal richtig durchkneten sollen, überlegte ich kopfschüttelnd. Aber manchmal hing es auch einfach von der Tageseinstellung ab. Jedenfalls konnten wir nach der ersten Stunde ein durchaus positives Fazit ziehen und die Kids sahen nicht minder begeistert aus – mit Ausnahme von Aliyah vielleicht. Ich beschloss, Lily darauf anzusetzten, ihr später ein wenig gut zu zureden. Wir versorgten die Ponys, wobei Rachel etwas voreilig war und ich sie darauf hinweisen musste, dass Cinni noch nicht genug durchgebürstet sei, um schon die Decke auf ihren Rücken zu packen. Die korrekte Pflege der Ponys war mir sehr wichtig, wichtiger noch als das Reiten selbst. Reitkünste liessen sich schnell verbessern, aber eine persönliche, vielleicht eher bequeme Einstellung in die richtige Richtung zu formen war weitaus schwieriger. Wir assen alle gemeinsam in der Reiterstube zu Mittag. Ich hatte mit Jonas im Vorfeld abgemacht, dass er einen grossen Topf Nudeln kochte und dazu etwas Tomaten- und Pestosauce vorbereitete. Den Salat machten Lily, Lea und ich noch schnell. Am Nachmittag folgte dann eine Theorielektion über den allgemeinen Umgang mit Pferden. Ich versuchte dabei, möglichst bildlich und spannend, immer wieder auch mal lustig zu erzählen, und brachte viele Beispiele, die ich selbst schon erlebt oder beobachtet hatte. Das kam gut an bei den Kids. Nur Lily musste ich ab und zu ermahnen, dass sie nicht zu viel schwatzte. Ich fragte mich schmunzelnd, ob sie in der Schule auch so gesprächig war. Irgendwann machten wir eine Pause mit Tee und Baumnüssen zum selberknacken, dann ging es weiter mit einer Bodenarbeitseinheit. Die Ponys waren etwas erstaunt, dass sie ein zweites Mal arbeiten mussten. Aber das tat ihnen gut, besonders der wilden Lychee, die jetzt schon deutlich ruhiger war als zuvor. Wir stellten Pylonen auf und machten Führünungen. Ausserdem zeigte ich den Mädchen, wie man Pferde an einer Körung oder sonstigen Schau vorstellen würde. Gegen Abend mussten die Kids dann etwas im Stall mithelfen, bis es wieder Essen gab. Auch das fand ich als Einblick in den Alltag mit Pferden eine wertvolle Lektion. Nach dem Abendessen liess ich der Gruppe Freizeit, sodass sie sich ohne mein Einmischen besser Kennenlernen konnten. Ich brachte ihnen aber noch ein paar Kartenspiele, um ihnen einen Anstoss zu geben. Jonas war froh darüber, denn so hatte er mich endlich allein für sich.

      Die folgenden Tage vergingen so schnell, dass es fast schon unheimlich war. Wir studierten die ersten Elemente der geplanten Quadrille ein, machten ein Gymkhana, gingen auf Ausritte im Pinienwald, standen einmal schon früh morgens auf, um das Renntraining mitzuverfolgen und befassten uns sogar mit einfacher Pferdeanatomie. Ich hatte das Gefühl, dass die Kids mächtig Spass dabei hatten. Sie waren jedenfalls längst nicht mehr schüchtern, sondern ein bunter, schnatternder Haufen und zum Teil schon ganz schön frech. Lily schlief ab Mitte Lager nicht mehr bei uns im Haus, sondern bei Lea und den anderen. Ich ahnte schon, dass sie nachts länger aufblieben als geplant, um sich noch Räubergeschichten zu erzählen, oder zu spielen. Ich drückte natürlich beide Augen zu – ich war ja auch mal in dem Alter gewesen, und das gehörte einfach zu einem guten Lager dazu. Tagsüber, wenn wir nicht gerade Programm führten, verbrachten die Kids gerne Zeit bei den Miniature Horses. Sie nahmen Lewis und Lisa sozusagen das Bürsten der Fellkugeln ab. Die Ponys mochten daran wohl besonders, dass jeweils ein paar extra Karotten für sie heraussprangen. Am beliebtesten bei den Mädchen waren Orchid und Rose; das süsse Fohlen überzeugte mit seinem Fohlen-Flausch, und Röschen mit ihrer bestechlichen Schönheit. Die Papageien im Pflegerheim waren übrigens auch so eine kleine Attraktion. Fast in jeder Pause wurden Africa und Blue von der Horde Mädchen bespasst. Ich hatte die beiden dazwischen noch nie so friedlich in ihrem Käfig schlafen sehen; Sie schienen richtig ausgelastet. Auch die Katzen kamen in den Genuss vieler Streicheleinheiten – besonders Gismo. Die anderen liessen sich ja bei weitem nicht so oft blicken, und Moya blieb der Gruppe sowieso vollkommen fern. Und natürlich war auch das Zebra eine der Hauptattraktionen, die regelmässig besucht wurden. Die Mädchen waren eine coole Truppe. Sie kamen gut miteinander aus und machten eigentlich alle super mit. Es kristallisierte sich bald heraus, welche meine Favoriten waren, was die Zukünftige Turnierreiterei anging. Ins Auge gefasst hatte ich insbesondere Gina, Ruth und Sheridan. Und natürlich Lea, aber die war sowieso schon so gut wie dabei, jedenfalls wenn es nach Lily ging. Die hatte sie auch schon darauf angesprochen, sodass Lea bereits Bescheid wusste und es nur noch mit ihren Eltern abklären musste. Aliyah wurde leider auch bis zum Ende des Lagers nicht so richtig warm mit Lychee. Ich schätzte, dass die beiden einfach irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge waren.

      Der letzte Tag rückte näher und wir konzentrierten uns noch etwas mehr auf die Quadrille. Wir brauchten besonders lange, um das Timing bei den diagonalen Wechseln mit dem Kreuzen zwischeneinander hindurch hinzukriegen. Auch das reissverschlussartige Einreihen auf der Mittellinie verlangte volle Konzentration von allen. Am letzten Abend blieben die Mädchen besonders lange auf, um nochmal ausgiebig die Zeit miteinander zu geniessen. Ich erlaubte ihnen, einen Film zu schauen und dazu Popcorn in der Mikrowelle zu machen. Gismo blieb dabei den ganzen Abend mit ihnen auf der Couch und liess sich verwöhnen. Am nächsten Morgen folgte dann die Generalprobe. Wir mussten noch ein paar Widerholungen machen und Kleinigkeiten anpacken, dann passte alles. Die Musik zur Quadrille hatten die Kids natürlich selbst ausgesucht (mit meiner lenkenden Beratung). Als die Eltern kamen, herrschte einen Moment lang Chaos, weil alle aufgeregt erzählten und ihre Ponys zeigten. Dann ordneten wir uns und lotsten die Eltern in die Halle, wo wir einen Teil mit Absperrband abgegrenzt hatten. Ich sorgte dafür, dass die Eltern alle warmen Tee oder Kaffee bekamen, weil es wiedermal ziemlich kalt war. Die Mädchen bereiteten sich inzwischen zusammen mit Lisa vor. Dann kamen sie alle hintereinander in die Halle geritten. Alle Ponys trugen weisse Schabracken und Bandagen, die Mähnen waren den ganzen Morgen mühsam eingeflochten worden. Es sah richtig schick aus. Die Quadrille formierte sich und die Musik startete. Es war ein voller Erfolg. Zwar klappten nicht alle Figuren perfekt synchron, und auch beim Kreuzen gerieten die letzten zwei Paare wieder etwas aus dem Takt, aber den Eltern fiel das gar nicht richtig auf und sie klatschten sowieso begeistert, als die jungen Reiterinnen fertig waren. Die strahlten alle stolz und lobten ihre Ponys. Wir liessen uns Zeit mit dem verräumen der Ponys und die meisten der Mädchen liefen sie gemeinsam mit ihren Eltern im Schritt trocken. Dann packten alle noch ihre restlichen Sachen und verabschiedeten sich von ihren Vierbeinigen Partnern. Für die Ponystuten gab es einige Abschiedskarotten und –Äpfel, worüber sie sich natürlich brummelnd und zufrieden kauend freuten.

      Ein paar Tage nach dem Lager fragte ich wie geplant bei Gina, Ruth und Sheridan nach, ob Interesse daran bestünde, die Ponys auch zukünftig zu reiten. Gina lehnte leider ab, da ihre Familie selbst einen kleinen Stall führte und sie bald die eignenen Nachwuchsponys reiten würde. Die anderen beiden nahmen das Angebot aber begeistert an, und so konnten wir Lea Reed, Ruth Crawford und Sheridan Langley neu in unserem Team begrüssen. Eine Überraschung gab es noch: Lea brachte ihren Welsh Pony Hengst All Pride mit nach Pineforest. Das hatten wir in der Vereinbarung so ausgemacht, damit Lea die Infrastruktur nutzen und den Racker auch gleich optimal trainieren konnte. Der kleine braune Hengst war ein hübsches Kerlchen – er gefiel sogar mir. Ich hatte das Gefühl, dass Lily, Suri, Lea, Ruth, Sheridan und die Ponys noch jede Menge Spass zusammen haben würden.

      Pflegebericht 03.03.2019 - Some sell, others buy

      © Occulta
      Wie jeden Morgen war es bitterkalt, und auch heute benahm sich Jacky etwas zögerlich, als ich sie beim Rausgehen vorgehen lassen wollte. Sie sah, sich rückversichernd, zu mir hoch als wollte sie sagen: «Bist du absolut sicher, dass das sein muss?» Ich seufzte und strubbelte rasch mit beiden Händen ermutigend ihr Fell durch, dann liefen wir zwei und natürlich auch Zira zusammen zum Hauptstall. Sheela würde dann wohl mit Jonas folgen – sie bevorzugte vorerst noch die Wärme ihres Körbchens. Beim Gehen bemerkte ich, dass ein paar wenige Schneeflocken vom dunklen Himmel segelten. Der Wetterbericht hatte eigentlich bis nächste Woche keinen Schnee gemeldet, also würde es wohl gleich wieder aufhören und England grün belassen. Ganz gab ich die Hoffnung aber nicht auf. Zira schnupperte pflichtbewusst an den Ecken ihres Territoriums und prüfte, ob irgendwelche unbekannten Kreaturen den Hof nachts überquert hatten. Jacky hingegen trottete einfach hinter mir her bis zum Tor und bog dann in Richtung Weiden ab. Ich betrat den Hauptstall und machte das Licht an – offenbar war ich wiedermal die erste. Die Pfleger, angeführt von Ajith, folgten aber kurz darauf, sodass wir den heutigen Trainingsablauf für die Vollblüter besprechen konnten. Oliver lag mit einer hartnäckigen Grippe im Bett, also musste ich alles selbst in die Hand nehmen. Er hatte mir sogar einen Spickzettel geschrieben, damit ich genau seinem Plan folgte. Ich las ihn mir rasch durch, dann stopfte ich ihn schmunzelnd zurück in meine Jackentasche und beschloss: «Wir machen heute Ausritte. Etwas Abwechslung tut gut.» Die Jockeys jubelten erfreut und zerstreuten sich dann zu den Boxen. Bei dem kalten Wetter war Ausreiten allen lieber als die unbarmherzige, sämtliche Jacken durchdringende Zugluft beim Renntraining zu spüren. Ausserdem fand ich es auch besser für die Pferde, wenn sie ihre Lungen nicht übermässig mit der kalten Luft strapazieren mussten. Die Pferde bekamen zuerst eine kleine Ration Heu, damit sie nicht mit ganz leerem Magen starten mussten. Ich holte inzwischen die Ausrüstung aus der Sattelkammer und begrüsste dann liebevoll Spotted Timeout. Der gesprenkelte Hengst fiel gerade gierig über seine Heuration her, also liess ich ihn am Anfang zum Putzen in der Box. Sein Rücken war unter der Decke schön sauber geblieben, aber sein Hals war dafür umso gründlicher verkrustet. Ajith hatte gestern etwas viel zu tun gehabt und es so wohl nicht mehr geschafft, alle besonderen Dreckspatzen vorzuputzen, wie er es sonst häufig tat, um uns am frühen Morgen die Arbeit zu ersparen. Heute hatten wir es aber sowieso nicht eilig, also war es kein Problem. Spot interessierte es wenig, dass ich seine Backe ebenfalls noch entkrusten musste. Er wollte nur ungestört sein Frühstück geniessen und machte deshalb keine Anstalten, für mich den Kopf zu heben. Ich kniete mich ins Stroh und massierte seinen Kopf mit dem Gummistriegel, während er rhythmische Kaubewegungen ausführte. Seine Mähne und der Schweif waren staubig und verklebt. Ich brach die Dreckrastas auf und zerzupfte liebevoll die weissen Strähnchen, die darunter zum Teil hervorkamen. Dann kratzte ich noch die Hufe aus, wobei ich auch aussenherum den Kronrand «ausgraben» musste. Schliesslich war er zwar immer noch staubig, aber sauber genug für die Ausrüstung. Ich zog ihm seinen Springsattel an – der war bedeutend bequemer als der Trainingssattel fürs Rennen. Die Glücklichen, deren Pferde schon sauber gewesen waren, standen natürlich inzwischen bereits draussen und warteten, fröhlich plaudernd. Offenbar waren die Leute auch früh morgens motiviert, was mich freute. Andererseits waren sie das ja auch gewohnt. Spot und ich gesellten uns dazu und alle stiegen auf. Wir ritten an den Weiden vorbei zur Galoppwiese, wobei die Miniature Horses, die von Lewis gerade rausgelassen wurden, übermütig dem Zaun entlang über das gefrorene Gras flitzten. Spot tänzelte etwas, als hätte er sich von dem Getue anstecken lassen. Ich hielt ihn schmunzelnd im Schritt und liess dann die Zügel wieder lang, sobald er sich beruhigt hatte. Auch die anderen Pferde wachten dank der Minis etwas auf; die Jockeys waren darauf vorbereitet, weil sie ihre Reittiere mittlerweile zur Genüge kannten. Quinn wusste zum Beispiel genau, dass sie Iskierka gar nicht erst zu kurz aufnehmen durfte, weil diese das nur als weiteres Signal zum Durchstarten verstand. Sie blieb aber auch einigermassen ruhig – ausser, dass sie Gray neben ihr anzickte, weil diese sie zu überholen drohte. Das konnte sie auch sonst im Training nicht leiden. Wir verliessen den Hof durch die offenen Rails der Galoppbahn (Lisa öffnete sie für uns und lief dann zurück zu den Offenställen) und folgten dem Waldrand. Die Natur wachte langsam immer mehr auf. Inzwischen war es auch schon hell geworden, was nun jeweils wieder deutlich früher passierte. Es war neblig und die Sonne wirkte am Horizont leicht rötlich gefärbt. Man sah nicht besonders weit voraus, also blieben wir besonders wachsam, als wir antrabten, damit wir rechtzeitig bremsen konnten, falls wir auf andere Reiter oder sonstige Vorkommnisse trafen. Wobei die Gefahr dazu so früh morgens eher gering war. Die Pferde brachten deutlich zum Ausdruck, dass sie mehr als bereit für ein anständiges Training gewesen wären. Wir mussten die ganze Gruppe gut beisammenhalten und sie schnauften alle übermütig, besonders, wenn sie Gras unter die Füsse bekamen. Winter lief direkt neben Spot und mir, geritten von Charly. Sein Atem formte weitere Nebelstückchen, die sich aber gleich wieder auflösten. Wir drehten eine grosse Runde, waren aber trotzdem etwas früher zurück als geplant. Das war den Pferden zu verdanken, die so fleissig vorwärts gezogen hatten. Wir beschlossen, mit der nächsten Gruppe eine etwas andere Route zu nehmen. Ich versorgte Spot, der kaum geschwitzt hatte, und holte die Ausrüstung des nächsten Vierbeiners hervor. April und Parker stellten Gleam of Light und Painting Shadows noch einen Moment zum Trocknen unter die Solarien. Die nächste Gruppe war etwas schneller bereit, weil wir jetzt quasi eingewärmt waren. Diesmal nahmen wir Cool Cat, Caligari, Ciela, Kaythara, Coulee, Campina und Caspian mit. Die Gruppen waren neu organisiert worden nach dem Unfall mit Frame und Sumerian. Es waren ja auch sonst in letzter Zeit ein paar Pferde aus dem Rennsport verabschiedet worden, so zum Beispiel auch Sunday. Ich hatte ihn schweren Herzens in Rente geschickt und Hunter Crowley zur Verfügung gestellt. Seine Rennleistung hatte etwas abgenommen und ich fand, dass es an der Zeit war ihn umzuschulen, damit er anderweitig eine neue Karriere beginnen konnte. Natürlich war mir die Entscheidung, ihn nicht mehr Rennen zu lassen, nach dem Unfall deutlich leichter gefallen. Mittlerweile war es mir gelungen, die Bilder grösstenteils zu verdrängen und einigermassen normal weiter zu machen. Aber ich ertappte mich selbst immer wieder dabei, wie ich das Renntraining mied – so auch heute. Es würde wohl noch etwas länger dauern, bis ich die Krise gänzlich überwunden hatte. Diesmal kümmerte ich mich um Coulee. Wenn ich zurückblickte, bekam ich bei ihr auch irgendwie Gewissensbisse; Ich hatte sie trotz der Strapazen, die sie erlitten hatte, stur wieder aufgebaut und zurück auf die Bahn geschickt. Wäre es nicht fairer gewesen, sie zu einem normalen Reitpferd umzuschulen? Ist sie wirklich glücklich im Rennalltag? Ich suchte förmlich nach Anzeichen, die mir Grund gaben, sie davon zu befreien. Aber wenn ich sie beobachtete, während ich sie putzte und auch später beim Aufsteigen, machte sie eigentlich einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen leuchteten, ihre Nasenfalten waren entspannt und den Schweif trug sie locker angehoben. Im Vergleich zu der Zeit kurz nach ihrem Rückkauf war sie wieder ein völlig anderes Pferd. Auch ihre Muskeln hatten sich erholt und neu definiert. Nur die Kopfscheue war ihr geblieben: sie mochte es einfach nach wie vor nicht, wenn man in einer unvorbereiteten Geste ihr Gesicht oder die Ohren berühren wollte. Das fand ich schade, denn als Zweijährige war sie richtig verschmust gewesen und hatte jeweils neugierig mit der Schnauze die Welt erkundet. Es führte einem wieder vor Augen, wie sehr der Umgang mit einem Lebewesen dieses verändern konnte – zum Guten und zum Schlechten.

      Wir ritten diesmal bei der Wilkinson Farm durch, wobei mir ein geschecktes Pferd auffiel, dass ich noch nie gesehen hatte. “Don’t wait for me, I’m just going to chat for a second”, informierte ich die Gruppe, und bog neugierig ab um Rosie zu suchen. Coulee war etwas rückhaltig, denn sie hatte eigentlich kein Interesse daran, sich von den anderen weg zu bewegen. Ich trieb sie konsequent vorwärts, bis wir den Anbindeplatz erreichten. «Rosie?» Gerade als ich dachte, ich müsse absteigen und sie suchen gehen, kam sie mit Farasha aus der Halle. «Occulta! I didn’t expect you to come by so early.” “Oliver is still bedridden, so we changed the plan a bit and headed out.” “I see. Coulee seems to be in good shape.” “Yeah, she’s doing fine. That chestnut piebald on your pasture seems to be quite handsome as well.” “Ahh, so you already saw him. He is a Son of Antarktik, his name is Mansur. He will be a new breeding stallion.” “That’s great to hear. From what I saw he looks stunning.” “Yes, I’m very proud to have him. He’s also quite the character – a bit goofy, sometimes.” “I’m looking forward to meeting him up close. How is his mother doing?” “…I sold her.” “Oh.” “There was a young woman who seemed to be very fond of her. I still have her bloodlines through Mansur, so it was fine to let her go. I couldn’t quite connect with her anyway. She’s in a super nice place now, and getting lots of love and attention, too.” “Okay, I understand. I’m sure she will be fine. How about the others?” “Tayr is in training for his first race, coming up in spring. He had a little break to get used to our climate, but now he’s doing great and I’m very positive that he will shake our British Arabian racing society. Anubis is also waiting for spring, to compete in the upcoming endurance season. Numair and Islah will be retiring from breeding and we will have to talk about what to do with them, since I need some space for the youngsters who will be arriving in the beginning of summer...” “Yeah… You had already mentioned something. I would like to take them to Malvern Hills, where my other retired horses are.” “I’m fine with that. They will have a beautiful life there. I’m also going to sell Lindwedel, so if you know someone who is looking for a nice riding pony…” “I’ll keep my ears open.” “Thank you.” “But you’re going to keep Peach, right?” “Yes! Of course. She is such a sweet darling, I could never give her away again.” Ich lachte und war froh, das zu hören. “I think I need to catch up to the others now – or they will come home without me. Thanks for the update – see ya!” “Come by again soon, we can go on a hack with Mansur and Tayr.” “Sure!”, rief ich, bereits im Gehen. Ich trabte mit Coulee durch den Wald und nahm eine Abkürzung im Galopp über einen Holzrückerweg. Coulee hatte es ebenfalls eilig, wieder zur Gruppe zurück zu kommen. Wir holten sie auf einem Feldweg ein – sie warteten auch kurz, als sie uns kommen sahen. «Welcome back», begrüsste mich Quinn. Wir trabten noch ein Stück, dann bogen wir in Richtung Pineforest ab. Mit Penny, Merino, Simba, Cryptic, Primo und Goldy gingen wir eher in Richtung Dorf, um die Gruppe in Sachen Strassenverkehr zu schulen. Die Quartierstrassen waren dazu sehr gut geeignet, denn es gab nur wenige Begegnungen mit Autos, dafür viele Fahrradfahrer und Stoppschilder zum Üben.

      Es war nun fast zehn Uhr und wir hatten mit Mambo, Sarabi, Thalia, Daedra, Dolly und Counterfire noch die letzte Gruppe vor uns. Wir machten die Runde zu den grossen Hecken, dem Fluss entlang. Die Sonne hatte es geschafft, durch den Nebel zu drücken und unsere Jacken mit ihren Strahlen zu wärmen. Trotzdem war die Luft eisig und ich war wiedermal froh um Handschuhe und Schal. Am gegen Mittag zogen bereits wieder Wolken auf, und um halb Eins begann es sogar wieder zu schneien. Ich hatte nach den Ausritten ein wenig mit der flauschigen Summertime auf dem Platz gearbeitet und anschliessend den noch viel wolligeren Ljóski rasch auf die Ovalbahn mitgenommen. Die beiden hatten zumindest keine Mühe mit der Kälte. Ljúfa war im Moment nicht nur wollig, sondern auch kugelig. Sie erwartete diesen Frühling ihr erstes Fohlen, von einem Hengst namens Blossi. Bisher hatte man davon nicht sehr viel gesehen, aber in den letzten Wochen hatte sie ordentlich zugelegt. Wir ritten sie bereits jetzt nicht mehr, um sie zu schonen, auch wenn es noch ein Weilchen dauern würde. Ich hoffte, dass das Fohlen das Dun Gen von seinem Vater erbte, und nicht nur ein gewöhnlicher Brauner werden würde – aber das konnte ich mir nun mal nicht aussuchen. Ausserdem hoffte ich auf ein Stutfohlen, denn ich hatte beschlossen, es in dem Fall zu behalten. Einen weiteren Hengst konnte ich nicht wirklich gebrauchen, es sei denn, er hätte einen aussergewöhnlich schicken Körperbau. Schlussendlich musste ich mich wie immer überraschen lassen und abwarten.

      Jonas, Lily und ich assen wie immer gemeinsam zu Mittag und machten dann noch eine kurze Pause, ehe wir uns um halb Zwei Uhr wieder raus in die Kälte wagten. Lily hatte am Nachmittag keine Schule, also half sie im Stall mit. Wir holten die Hengste aus dem Nordstall von der Weide und brachten stattdessen die Stuten des Haupt- und Nebenstalls raus. Am späteren Nachmittag beziehungsweise Abend waren dann noch die Vollbluthengste an der Reihe. Lisa hatte Jazz und Shadow bereits bewegt, also pickte ich mir Chanda von der Stutenweide. Mit ihr übte ich im Moment hartnäckig an den Basics, damit sie endlich lernte, ihre vier Füsse geschickter zu koordinieren und besser auf meinen Schenkeldruck hin zu weichen. Sie hatte nämlich etwas Mühe mit dem Kreuzen. Ich arbeitete an diesem Problem auch oft vom Boden aus mit ihr, und es zeigte auch tatsächlich langsam Wirkung. Immerhin wich sie jetzt überhaupt irgendwie, wenn ich Druck machte. Am Anfang war sie dabei ziemlich sturköpfig gewesen. Aber vermutlich hatte sie auch gar nicht verstanden, was ich von ihr wollte und musste zuerst lernen, meine Hilfen zu verstehen. Als ich für heute mit ihr zufrieden war, brachte ich sie zurück und holte stattdessen Feline. Sie fühlte sich so herrlich einfach und fein zu reiten an, im direkten Vergleich mit der unerfahrenen Chanda. Bei ihr brauchte ich kaum das Gewicht zu verlagern, und schon bewegte sie sich in die gewünschte Richtung. Aber auch sie war einmal jung und ‘grün’ gewesen; auch sie hatte zuerst ihr Gleichgewicht und einen sicheren Takt finden müssen. Nun übten wir Galopppirouetten und ganz gesetztes Galoppieren, denn nun war bei ihr das oberste Thema die Versammlung. Gerade als ich erneut bei A angaloppieren wollte, klingelte mein Smartphone. Ich parierte Feline überrascht in den Schritt und liess die Zügel lang, um den Anruf entgegen zu nehmen. Ich mochte es eigentlich nicht, während dem Reiten zu telefonieren, aber als ich Hunter Crowleys Nummer auf dem Display sah, nahm ich ab. «Hallo!.. Gut, danke – selber?.. Du würdest WAS? Aber er ist doch einer deiner top Zuchthengste, und so ein schicker noch dazu! Bist du wirklich sicher? Ich meine, nicht dass ich so ein Angebot jemals ablehnen würde, aber… Also wenn du das wirklich willst, dann komme ich nachher schnell vorbei – sofern du gerade Zeit hast. Ja, klar. Also dann, bis nachher, und danke schonmal!» Perplex legte ich auf und stopfte das Smartphone in meine Reithosentasche zurück. Hunter hatte mir gerade seinen Vollblut Hengst Raving Hope Slayer angeboten. Ich konnte mein Glück kaum fassen; der Hengst hatte bei mir schon immer Eifersuchtsattacken ausgelöst, wenn ich ihm auf Hunters Gestüt oder auf Turnieren begegnet war. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie Hunter ihn verkaufen konnte, wo er doch so wunderschön und talentiert war. Aber das brauchte ich eigentlich gar nicht weiter zu hinterfragen, für mich zählte nur, dass ich soeben eine äusserst wertvolle Ergänzung zu meinem Gestüt angeboten bekommen hatte. Die Nachricht gab mir einen gewaltigen Energieschub, den sogar Feline zu spüren schien. Sie gab sich nämlich bei den folgenden Pirouetten besonders Mühe, wie ich fand. Ich liess sie nach getaner Arbeit am langen Zügel austraben und -schreiten. Beim Absteigen lobte ich sie überschwänglich.

      Eine halbe Stunde später war Feline versorgt und kaute zufrieden mit den anderen Stuten an einer Portion Heu herum. Ich war unterdessen auf dem Weg zum Auto, um Hunter wie versprochen einen Besuch abzustatten und dem aussergewöhnlichen Angebot nachzugehen. Ich wunderte mich unterwegs, ob ich ihn am Telefon vielleicht doch falsch verstanden hatte, und er mir den Hengst nur irgendwie ausleihen wollte. Gespannt stieg ich auf dem Parkplatz aus und suchte Hunter im Stallgebäude. Als wir uns begrüsst hatten, fragte ich zweifelnd: «Habe ich dich richtig verstanden? Du willst ihn doch sicher nicht verkaufen, oder?» Hunter meinte nur locker, dass ich schon richtig verstanden hätte. Er wolle etwas umstrukturieren, und da sei er auf die Idee gekommen, mich wegen ‘Raver’, wie er ihn gerne nannte, anzusprechen – zumal ich ihm ja auch gerade erst Sunday Morning anvertraut hatte. Ich fühlte mich geehrt und fragte mich trotz allem, wie ich das verdient hatte. Hunter zeigte mir Raver in seiner Box und ich musterte ihn bewundernd. «Er ist wirklich ein Bild von einem Vollblut. So schön bemuskelt und exterieurmässig auf den ersten Blick makellos. Ich weiss gar nicht, was ich noch gross sagen soll, ausser danke! Ich schätze, beim Preis werde ich dafür wohl leer schlucken können..?» Er schüttelte den Kopf und machte mir einen freundschaftlichen Preisvorschlag, bei dem ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekam. «Du spinnst doch… Der ist mindestens doppelt so viel wert!» Hunter winkte ab und meinte, der Platz sei ihm wichtiger als der Preis. Nebenbei erwähnte er auch gleich, dass er noch andere Pferde habe, die einen neuen Platz suchten. Ich hatte zwar vorläufig nicht geplant, weitere Pferde anzuschaffen, aber ich liess mich dennoch aus Neugier herumführen. Ich wusste ja bereits, dass Hunter einige schicke Pferde besass, aber da war einer, der jedem wohl sofort aufgefallen wäre. «Woaa, ist das ein Shire?», rief ich beeindruckt aus, als wir vor der Box eines grossen Schecken hielten. Er musste mindestens 1.80 Stockmass haben, schätzte ich. Später erfuhr ich, dass ich damit voll ins Schwarze getroffen hatte. «Das ist Thomas. Du hättest nicht zufällig noch eine Box frei für ihn?» Ich runzelte die Stirn. «Naja, er ist ja schon richtig toll, versteh mich nicht falsch – ich bin hier gerade schockverliebt. Das Problem ist nur, dass ich tatsächlich nicht mehr besonders viel Kapazität habe…» «Dann wird er wohl gelegt werden und in Frührente gehen müssen. An jemand fremden möchte ich ihn lieber nicht verkaufen.» Gequält murmelte ich «aber das wäre einfach nur schade, so ein hübscher…» Hunter sah mich fragend an, weil ich zu leise war. Ich kräuselte die Lippen und überlegte angestrengt, dann beschloss ich: «Irgendwie schaffe ich Platz für den Grossen. Ich weiss zwar noch nicht genau wie, aber ich finde sicher eine Lösung. Improvisation ist meine Königsdisziplin.» Ich wusste, dass ich mir damit ein wortwörtlich ordentliches Stück Zusatzarbeit einbrockte, aber die freundlichen, dunklen Augen und der imposante Bau des Vierbeiners gefielen mir zu gut. «Fohlen habe ich auch noch», meinte Hunter, beinahe scherzhaft. Wir spazierten zur Fohlenweide des Gestüts und ich warf einen Blick auf die Gruppe. Der langbeinige Nachwuchs graste unweit vom Zaun, sodass man sie wunderbar betrachten konnte. Ich erkannte schnell, dass es gefährlich war, genauer hinzusehen. Die Jungpferde waren wirklich bestechend schön. Eines entsprach genau meinem berüchtigten Beuteschema: ein fast ganz weisser Hengst. «Der hat leopard Gene?», fragte ich verwundert. «Ja, das ist Louvré, ein Warmblüter. Bei den Vollblütern haben wir übrigens auch ein paar mit leopard – zum Beispiel den da.» Er deutete auf einen gesprenkelten Fuchs mit heller Mähne. «Der sieht ja lustig aus. Aber ich glaube, Oliver, Pineforests Renntrainer, täte mir den Hals umdrehen wenn ich noch so ein buntes Pferd anschleppen würde.» «Die da ist etwas dezenter gesprenkelt.» Ich brauchte Hunters Handbewegung gar nicht zu folgen; die Stute fiel mir gleich von selbst auf. Sie war ein Rappe mit einer kontrastreich leuchtenden Schabrackenscheckung auf der Kruppe. Aber nicht ihre Farbe überzeugte mich, sondern die Art, wie sie sich über das kurzgefressene Gras bewegte. Ihr Schritt war raumgreifend und die Hinterhand schwang tief unter den Schwerpunkt, ohne dass ihr Gang wackelig aussah. «Welche Abstammung?», wollte ich neugierig wissen. «Von Magic Attack, aus einer unserer Zuchtstuten – Scarlet, hast du sicher auch schon gesehen.» «Hah! War ja klar, bei der Farbe. Ganz der Papa.» «Gefällt sie dir? Sie heisst Stars of Magic.» «Pah, gefallen tun sie mir alle! Aber die ist schon besonders, ja. Ich hab noch kein Blut aus diesen Linien in meiner Zucht. Und Louvré wäre sicherlich auch interessant, sowohl für Sport als auch für die Farbzucht.» «Du brauchst nur zu sagen, dass du sie haben willst.» «Du wärst ein verdammt guter Verkäufer, für Immobilien oder besser noch; Haushaltsgeräte – weisst du das?» Wir lachten, dann machten wir Geschäfte. Vier neue Pferde, murmelte ich kopfschüttelnd, als ich zurück zum Auto lief. Aber gleichzeitig freute ich mich wie ein kleines Kind, das bunte Quartett auf Pineforest willkommen zu heissen.

      Pflegebericht 09.09.2019 - Ein gewöhnlicher Sommertag?
      © Occulta
      Ich sattelte gerade Khiara im Hauptstall, als Jacky durch die Stallgasse geschossen kam. Vor ihr sprintete eine grosse Maus um ihr Leben. Ich ertappte mich dabei, wie ich leise mit dem pelzigen Tierchen mitfieberte, als es ihm gelang, flink unter einer Boxentür zu verschwinden. Eigentlich war es ja gut, wenn die Nager etwas in Schach gehalten wurden, damit sie sich nicht zu sehr vermehrten. Aber irgendwie taten sie mir doch jeweils leid, wenn ich sie aus dem Maul von einer der vier Katzen hängen sah. Und für Jacky war es ohnehin nicht besonders gut, wenn sie die gelegentlich auch verwurmten Viecher frass. Die beste Mäusejägerin war übrigens immer noch Shiva. Sie fing beinahe jeden Tag irgendwas, und ich durfte dann jeweils die Reste davon aus der Sattelkammer entfernen. Sie hatte auch schon Tauben gefangen und sogar einmal eine Ringelnatter angeschleppt, die ich zum Glück gerade noch hatte retten und in der Nähe des Flusses wieder aussetzen können. Ich war nicht zimperlich, wenn es darum ging, irgendwelche Tierchen anzufassen. Lisa war da schon etwas heikler – sie hätte auf keinen Fall nach der sich verzweifelt windenden Schlange gegriffen, auch wenn diese ungiftig war. Jedenfalls zäumte ich die samtig cremefarbene Stute, auf die ich mich eigentlich konzentrieren wollte, mit deren gewöhnlicher Trainings-Wassertrense. Anschliessend streichelte ich ihre Stirn und führte sie zur Halle. Es regnete draussen in Strömen – eine Kaltfront war vergangene Nacht vom Meer her über England gezogen. Es war jedoch trotz schlechten Wetters immer noch warm, sodass man unter jeder gewöhnlichen Regenjacke sofort schwitzte; eine Kombination, die ich nicht besonders mochte. Auch die Pferde bekamen beim Trainieren rasch ein feuchtes Fell, sodass wir sie fast immer danach abduschen mussten. Drinnen in der Halle drehten unter anderem Lisa und Jazz, David mit Artemis und Alan mit dem stattlichen Thomas ihre Runden. Khiara wärmte ich zunächst wie es sich gehörte im Schritt und im Trab am längeren Zügel auf. Dann begann ich damit, an den Seitengängen der Stute zu arbeiten. Ab und zu beobachtete ich durch die grosse Fensterwand, wie Jonas im strömenden Regen mit Herkir auf der Ovalbahn töltete. Die beiden schienen sich von den gelegentlichen Windböen nicht beeindrucken zu lassen und trotzten dem unbarmherzigen Wetter. Jonas hätte natürlich auch in die Halle kommen können, aber er fand, wie er mir erklärt hatte, dass der begrenzte Platz bei Schlechtwetter auch ohne ihn schon knapp wurde. Ich fand es einerseits unheimlich toll, dass er in letzter Zeit so viel Rücksicht auf die anderen nahm, aber andererseits machte ich mir manchmal Sorgen, dass er sich selbst dabei vernachlässigte. Ich wollte schliesslich nicht, dass mein Geliebter sich erkältete und dann mit tropfender Nase oder kratziger Stimme herumschlich. Aber es stimmte schon. Gerade kam noch Darren mit Burggraf rein, damit waren wir nun schon wieder acht Reiter in der Halle. Zwar begannen Anne und Circus Dancer wenige Minuten später mit dem Trockenreiten, um kurz darauf durch den Regen zum Nordstall zu joggen, doch die nächsten waren schon am Pferdeputzen, wie ich zu gut wusste. Irgendwie machte es aber auch Spass, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu Reiten. Die Stimmung war ausgezeichnet und gelegentlich fielen lustige Kommentare. Ich beschloss, mit einem Blick auf die noch immer getränkt werdende Ovalbahn, Jonas in der nächsten Pause einen warmen Tee zu machen. Khiara wurde durch die vielen Pferde etwas übermütig und ich musste sie für unsere Kruppe-Herein-Versuche ziemlich zurückhalten. Wenn sie zu viel Schwung hatte, bekam sie ein Durcheinander mit ihren Beinen und nahm nicht richtig Gewicht mit der Hinterhand auf. Khiara lief zu meiner Freude trotz ihres geladenen Gemüts ziemlich locker und konstant in Anlehnung. Man erkannte leicht, dass sie ein erfahrenes Reitpferd war und gelernt hatte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich lobte sie ausgiebig, als wir zum Abschluss einen ziemlich perfekten Galoppwechsel hinbekamen. Sie konnte die Wechsel natürlich schon längst, aber sie hatte diesen wirklich besonders schön leichtfüssig und flüssig gemacht, sodass ich zur Belohnung die Trainingseinheit beendete und die Stute austraben liess. Während dem Ausschreiten plauderte ich ein wenig mit Robin, die mit Ravissante ebenfalls fertig war. «How did it go?», fragte ich neugierig; ich war zu sehr auf Khiara fokussiert gewesen, um mitzubekommen, was die beiden gemacht hatten. «As usual… She just keeps avoiding those corners and sometimes she spooks without any kind of reason. But other than that, we managed some smooth transitions.” “Don’t worry, she is still very green and has to learn a lot at once. I think you do a great job with her and she seems to like you. I’m glad – it would be great if you two fit together, regarding your show jumping career. You need a second horse in case Cymru has to take a break for some reason.” “Yeah, I also like her a lot, despite her rather difficult attitude.” “[…]”

      Khiara schob mit ihrem Maul zufrieden den Heuhaufen in ihrer Box herum, nachdem sie ihre Karotten alle zerkaut hatte. Ich widmete mich nun Painting Shadows. Die intelligente Stute begrüsste mich freundlich und streckte mir ihre Rosa Schnauze entgegen, um sich das Karottenstück in meiner Hand zu erschleichen. Ich überliess es ihr schmunzelnd und halfterte sie auf, danach führte ich sie in eine der Putzstände. Die Ohren der Stute waren ganz nass, weil sie offenbar den ganzen bisherigen Morgen aus dem Fenster geschaut hatte. «Come here, silly», murmelte ich liebevoll, als ich mit einem Frottee Handtuch zurückkam und sie ihr trocknete. Sie drehte den Kopf zuerst weg, genoss die Ohrenmassage dann aber doch und hielt schön still. Auch die Stirn rieb ich ab, wobei Paint genüsslich ihre Augen schloss. Mit ihr machte ich ein paar Trainingssprünge, um sie fit zu halten und ein wenig an der Kontrolle zwischen den Hindernissen zu feilen. Auch sie war etwas fit und war nicht ganz so glücklich über den langsamen Schaukelgalopp, den ich von ihr verlangte. Aber sie nahm sich zusammen und konzentrierte sich (mehrheitlich). Während ich mit ihr in der Halle war, nutzten auch gleich Lisa, die nun zu Bacardi gewechselt hatte, und Linda mit Sniper den von mir aufgestellten Parcours. Die beiden Ponyhengste hatten sich unter dem Sattel prächtig entwickelt und man sah einen deutlichen Unterschied in ihrer Muskulatur. Besonders Bacardi lief ruhig am Zügel und zeigte sogar beim Springen einen schönen Aufwärts-Galopp. Sniper wehrte sich hin und wieder gegen die Hand, wenn er das Gefühl bekam, zu wenig Schwung zu haben. Er wollte die Hindernisse lieber mit genügend Geschwindigkeit bezwingen, weil er noch unsicher war. Linda gab ihr Bestes, um ihn davon zu überzeugen, dass er auch mit weniger Tempo und dafür wenig mehr Kraftaufwand drüber kam. David und Darren gaben sich Mühe, um uns dreien nicht in die Quere zu kommen. Sie bewegten Ronja und Pilot mit lockeren Dressurlektionen zwischen den Hindernissen hindurch und schafften es, durch vorausschauendes Reiten, trotz des «Gegenverkehrs» anständig zu arbeiten. Ich lächelte zufrieden, als ich Paints Zügel lang liess und dabei beobachtete, wie sich Pilot elegant um die Hindernisse bog. Er schäumte ganz leicht und schien Darrens leichte Hand zu mögen. Ich war froh, denn das Sensibelchen brauchte wirklich feine Einwirkung, um sich unter dem Sattel zu entspannen. Als ich Paint fertig trockengeritten hatte, kam gerade die letzte Gruppe der Vollblüter von der Bahn zurück – natürlich alle pitschnass. Sie trugen Regendecken über ihren Kruppen, so war wenigstens die Lendengegend trocken geblieben. Die Jockeys sahen so aus, als wollten sie nur noch rein und sich abtrocknen, verständlicherweise. Ich öffnete ihnen schonmal das Tor zum Stutentrakt und lief mit Paint voraus. Sie ritten dankbar direkt rein und stiegen drinnen ab. Ajith öffnete gegenüber das andere Tor, damit die Hengste auch schneller ins Trockene kamen. Primo scharrte ungeduldig. Ich riet Rita, sich zu beeilen, weil die Stute vermutlich in die Box zum pinkeln wollte – was sich als richtig herausstellte. Die übrigen, Penny, Ciela, Goldy, Merino, Simba und Cryptic mussten brav warten, bis sie abgesattelt waren. Es ging jedoch alles sehr rasch vonstatten, sodass niemand verhungern musste und auch sie sich bald auf ihr Kraftfutter Stürzen konnten. Die durchnässten Jockeys hatten sich ihre Pause mehr als verdient, also sammelten sie sich, frisch umgezogen, in der Reiterstube zu einer Tasse Tee. Ich drückte auch Jonas den insgeheim versprochenen Becher in die Finger. Er nahm ihn überrascht dankend an und gab mir einen Kuss. «Die beiden Isis sind nass und glücklich», verkündete er stolz nach ein paar Schlücken. «Loki war auch brav?» «Jap, er hatte heute einen guten Tag. Ich glaube beinahe er mag es, wenn es draussen garstig ist. Weisst du noch, als wir einmal im Sturm ausreiten waren?» «Ja! Als ich dir noch gesagt hab dass da was kommt, und man hat es ja auch schon am Horizont gesehen, aber du hast es mir ja wiedermal nicht geglaubt.» «Hat ja trotzdem Spass gemacht, oder?» Ich grinste. «Irgendwie schon. So schnell sind wir mit den beiden glaube ich noch nie getöltet. Und sie haben sich richtig vom Wind aufheizen lassen.» Quer durch den Raum rief Charly «can you guys stop talkin’ german? I can’t focus on what Rita tries to tell me, because my silly brain tries to translate your words instead!” “It is hard to focus on Ritas speech anyway, since she hardly ever finishes one topic before she starts with the next”, bemerkte Lewis frech, der sich gerade reingeschlichen hatte. “Lewis, you old wet dog!”, rief Jonas freudig, als er den Offenstallpfleger erblickte. Lewis hatte ganze drei Wochen Ferien in Portugal genossen und sah ungewohnt braungebrannt aus – aber auch er war auf dem Weg vom Parkplatz her ein Opfer des Regens geworden. Tom krähte belustigt “aww, look at the way they hug. Are they not like an old couple?” Jonas stieg extra darauf ein. «I missed you darling.” Nun rief ich empört “Careful! I might get jealous!” “Yeah, don’t you dare steal him from her, Lewis!”, drohte Parker. Wir amüsierten uns prächtig, bis Oliver reinkam und durch den Lärm hindurch mit strengem Tonfall bemerkte, dass Ajith alleine die Stallgasse im Hauptstall wische. Wir packten schuldbewusst unsere Tassen weg und zerstreuten uns wieder in Richtung Arbeit. Ich lief Quinn hinterher zum Hauptstall. Die dunkelrothaarige Pflegerin schnappte sich den nächstbesten Besen und begann vom Eingang her mit dem Wischen. Ich klopfte Ajith beim Durchgehen anerkennend auf die Schulter. Der Pfleger war wirklich einer der tüchtigsten hier, und ich musste immer aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf ihn verliess. «Oh yeah, before I forget it – the new Stallion arrives today”, fiel mir gerade noch ein. Der Pfleger grinste und meinte bloss: “The box is ready, already.» Ich seufzte zufrieden und bedankte mich bei ihm. Das ist genau das, was ich meine.

      Vor dem Mittag bewegte ich Rosenprinz, Hallu und Feline, wobei ich leider nachwievor mit allen in die Halle musste. Wenigstens liess der Regen am Nachmittag so weit nach, dass ich mich mit der Regenjacke auf einen Ausritt traute. Dafür sattelte ich Summertime, deren Name mir fast schon ein wenig ironisch vorkam. Besonders, als auf halbem Weg dann doch wieder eine Welle des Niederschlags auf uns prasselte, als stünden wir unter einer grossen Dusche. Summer schien das nicht viel auszumachen, sie folgte unbeirrt weiter dem Feldweg. Auf der Wilkinson Farm standen tatsächlich Mansur, Anubis und Tayr draussen auf einer kleineren Paddockweide. Die drei Jungs schienen gelangweilt zu sein und kamen sofort an den Zaun getrabt, als ich durchritt. Als Summer und ich aus dem Wald kamen und ich zwischen den Gebäuden hindurchsah, beobachtete ich gerade noch, wie Rosie mit einem sehr hellen Pferd – vermutlich Après la Pluie – aus ihrer eigenen kleinen Halle kam. Ich verzichtete darauf, ihr zu rufen und trabte stattdessen an, um rascher ins Trockene zu kommen. Die Holzbrücke war ein wenig rutschig, sodass ich Summer langsam ihre Schritte suchen liess. Gute Trailübung, stellte ich innerlich fest. Ich lobte die buckskin Stute, als wir sicher am anderen Ende waren und trabte auch den Rest zu den Ställen noch. Jonas sah uns kommen und half mir nach dem Absteigen beim Satteltrocknen.

      Am späteren Nachmittag, als Lily von der Schule kam und wiedermal Suri mitbrachte, kümmerten wir uns alle drei um die Minis. Die waren natürlich auch den ganzen Tag im Regen gestanden, obwohl sie Bäume und einen trockenen Offenstall zum unterstehen hatten. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus den Vierbeinern. Lily hatte ein grosses Badetuch mitgebracht und wickelte nun Orchid darin ein. Für das arme Stutfohlen gab es gar kein Entkommen. Ich behielt ein wachsames Auge auf Daki, nicht dass die Mutter der Halbstarken plötzlich ihre Beschützerinstinkte auspackte. Und natürlich war ich bereit, einzugreifen, falls Lily nicht vorsichtig genug mit Orchid spielte. Suri und ich bürsteten die übrigen Stuten, angefangen bei Rose und Darling. Die feuchten Mähnen und Schweife waren besonders schwer zu kämmen, aber mit etwas Glanzspray klappte es ohne grosse Verluste. Einmal schnappte Papillon nach Lily. Meine Nichte reagierte aber schon selber richtig, indem sie mit der schokofarbenen Stute schimpfte und ihr einen Klaps auf die freche Nase gab. So süss die Minis auch waren; man musste trotzdem konsequent mit ihnen sein und durfte ihnen nicht alle Unarten durchgehen lassen. Besonders, wenn Kinder mit ihnen umgehen wollten musste ich dafür sorgen, dass sie gut erzogen waren. Ich horchte beim Putzen dem Geplauder der beiden Mädchen. «Are you going to ride Lindwedel tomorrow?», fragte Lily ihre Kollegin. «No, Rosie said someone is coming to try him out...” “You think they will buy him?» «I hope not… I heard they come all the way from Liverpool. I will not be able to visit if he ends up there.” Suri tat mir leid, denn für ihre Eltern kam es nicht in Frage, das Pony zu kaufen. Sie fanden, dass ihre Tochter zu jung dafür sei und noch nicht lange genug reite. Ausserdem war es natürlich auch eine finanzielle Frage. Ich mischte mich ein und tröstete Suri mit der Bemerkung: «You will be busy riding our ponies here at Pineforest.» Während wir mit den kleinen Pferdchen beschäftigt waren, bekam ich einen Anruf vom Flughafen, dass Compliment bereit zur Abholung sei. Freudig joggte ich zum Haus und holte die Autoschlüssel, klebte Jonas einen Zettel an die Haustür, auf dem stand, dass ich kurz weg sei. Ich wählte den Selbstfahrer, weil der sowieso noch getankt werden musste. Nach einem kurzen Stop bei der Tankselle, gabelte ich den Rappen am Flughafen auf und chauffierte ihn Nachhause. Compliment war ein Nachkomme von Indiana, und als Geschenk in Zusammenarbeit mit Hunter Crowley zu meiner Kollegin Käthe gegangen. Sie schickte ihn nun aus Zeitgründen zurück nach Pineforest und vertraute darauf, dass er hier gut aufgehoben sein würde – was ich ihr auch versprochen hatte. Der Rappe sah seiner Mutter sehr ähnlich mit seinem dunklen Fell und der unregelmässigen Blesse. Sein Vater war Cantastor, der ja ebenfalls eine ganze Weile auf Pineforest gelebt hatte. Er war schlaksig und langbeinig, und hatte einen liebevollen Charakter, sodass es mir sehr leichtfiel, ihm sofort mit Begeisterung zu begegnen. Ajith machte grosse Augen, als ich Compliment in den Hauptstall führte. Ich hatte ihm nicht gesagt, dass es sich bei dem «Neuen» um dieses Tier handelte. Offenbar erkannte der Pfleger das ehemalige Fohlen sofort, auch wenn es nur kurz auf Pineforest selbst gewesen war, und strahlte übers ganze Gesicht, als er das nun grossgewachsene Pferd übernehmen und in seine neue Box bringen durfte. Darren, der gerade Life putzte, liess die beiden durch und pfiff bewundernd, als er dem Rappen hinterher sah.

      Als am Abend der Regen endlich nachliess, brachten wir die Vollblüter raus auf die kleinen Weiden. Die grossen wollten wir schonen, schliesslich lag noch der ganze, gewöhnlich verregnete Herbst vor uns. Vai Alida, Coulee, Gray, Campina, Sarabi, Thalia, Dolly und Caligari wurden in zwei gleiche Gruppen aufgeteilt und durften die beiden Weiden neben den Offenställen der Minis beziehen. Rosenprinz, Light, Caspian, Spot, Winter, Mambo und Life brachten wir alle zusammen auf die unterste, langgezogene Weide. Der Offenstall der Stuten lag zwar direkt darüber, aber die Zäune waren aus massivem Holz gefertigt und hoch genug, ausserdem lagen gleich zwei Zaunreihen dazwischen. Die Hengste bewegten sich geschmeidig in ihrem schönsten Bluff-Trab vom Eingang der Weide davon, einzelne galoppierten auch. Bevor sie mit dem Grasen begannen, gab es kurz ein provokantes Gequietsche zwischen Rosenprinz und Winter, dann kehrte Ruhe ein. Bei den Stuten herrschten von Anfang an Harmonie und Frieden – wobei das längst nicht immer so war. Aber weil gewisse eigenwillige Schimmelstuten erst später mit den nächsten Gruppen rausdurften, fehlte wunderlicherweise der Anreiz zu Streitigkeiten. Ich verschränkte die Arme, an den dunklen Holzzaun gelehnt, und genoss einen Moment lang die frische Luft nach dem Regen, kombiniert mit der spätnachmittäglichen Stimmung.
    • Gwen
      Leben auf Pineforest Stable IIII

      Pflegebericht 16.01.2020 - Neujahr ohne Schnee
      © Occulta
      Die Festtage waren auf Pineforest stressig wie immer gewesen. Wir mussten auch an Weihnachten jeweils die Versorgung der Pferde gewährleisten und trotzdem den Pflegern irgendwie die verdiente Auszeit mit ihren Familien gönnen. Dies erforderte gründliche Planung. Zum Glück war niemand kurzfristig krank geworden, sonst wäre alles durcheinander geraten. Irgendwie hatten wir die besinnliche Zeit überlebt, und der Start ins neue Jahr war ebenfalls gelungen. Schade war nur, dass es die ganze Zeit über nicht geschneit hatte, weder an Weihnachten noch zu Silvester. Ich vermisste die Galopps im weissen Pulver und das Schlitteln inzwischen so sehr, dass ich mir überlegte, einen Trip irgendwo in den Norden zu machen. Aber dazu fehlte mir schlichtweg die Zeit. Inzwischen ging alles wieder seinen gewohnten Gang - zumindest fast. Ein paar Pferde mussten das Gestüt in nächster Zeit verlassen, um Platz zu schaffen für den im Frühling erwarteten Nachwuchs. Ich hatte mich lange mit der Entscheidung gequält, wen das betreffen würde. Sie sind ja nicht von der Welt, erinnerte ich mich immer wieder, doch es tröstete nur bedingt. Schliesslich hatte ich mich dazu entschlossen, dass Felicita, Deadly Ambition, Campina und Savory Blossom nach dem Absetzen ihrer Fohlen an Bekannte von mir verkauft werden würden. Dort erwartete sie ein toller Endplatz mit viel Weidegang und langen Ausritten. Bauchschmerzen bereitete mir, dass ich Lily irgendwie beibringen musste, dass ich White Dream verkauft hatte. Eine Verwandte von Lisa war auf der Suche nach einem Pony für ihre Tochter gewesen, und Dream war einfach perfekt dafür. Aber ich befürchtete, dass Lily alles andere als erfreut darüber sein würde, denn sie hing sehr an Skydives Mama. Merino und Simba sollten kastriert und an ambitionierte Nachwuchsreiter geliehen werden. Bei den beiden schmerzte es besonders, denn ich hatte sie hier aufwachsen sehen und sie lagen mir sehr am Herzen. Aber ich konnte nunmal einfach nicht unbegrenzt viele Pferde unterbringen, und aus züchterischer Sicht war es sinnvoller, Deckhengste anderer Blutlinien einzusetzen. Trost fand ich in der Vorfreude auf das Fohlen von Merino - einen Nachkommen von ihm hatte ich trotz allem gewollt, damit das ganze Theater mit der Körung nicht umsonst gewesen war. Zuerst wurde aber die Geburt von Ronjas Nachwuchs erwartet, und zwar schon in wenigen Tagen. Es handelte sich dabei zugegebenermassen um ein kleines Experiment, denn ich hatte schon seit Jahren überlegt, ein Fohlen aus ihr und Burggraf zu Züchten. Das machte Sinn, um die seltene Farbe der beiden womöglich reinzuzüchten – oder zumindest weiter zu erhalten. Wenn ich Pech hatte, konnte das Fohlen aber auch gewöhnlich braun oder schwarz werden; ausserdem brachte Inzucht natürlich immer ein gewisses Risiko mit sich. Wir hatten die beiden Achal Tekkiner zwar im Voraus zur Sicherheit auf häufige Erbkrankheiten getestet, aber ein Restrisiko blieb immer. Ich war aber zuversichtlich, dass das Fohlen gesund zur Welt kommen würde. Weiteren Nachwuchs erwarteten wir übrigens auch bei den Reitponys: Cinni war tragend von einem schicken Palominohengst namens Feuervogel. Ich war gespannt, welche Farbe das Fohlen bekommen würde. Auch Lily war schon ganz ungeduldig. Und dann erwarteten wir auch noch Nachwuchs von unserer neuen Stute Eismärchen. Der Vater war Navy Sniper, es würde für beide Elternteile das erste Fohlen werden. Ich machte mir aber keine Sorgen, dass die halbblinde Stute eine gute Mutter werden würde - schliesslich hatte sie solch einen goldigen Charakter. Und zuletzt erwartete ich gespannt das Fohlen meiner neuen Isländerstute Maekja, die ich erst vor kurzem erworben hatte. Sie war eine Tochter des bekannten Fuchshengstes Mellamo, dessen heimlicher Fan ich schon seit langem war.

      Ich machte mich an diesem Morgen wie immer zuerst auf den Weg in den Hauptstall, wo ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Allerdings ritt ich nur in einer Gruppe mit, nämlich auf meinem geliebten Winter. Shades of Gray überholte uns beim Kopf-an-Kopf Sprint gnadenlos – offenbar war der schneeweisse Vollbluthengst heute nicht in Bestform. Ich verwöhnte ihn nach der Arbeit trotzdem mit Karotten und brachte ihn mit einer kuscheligen Fleece-Decke in den Freilauftrainer, wo er trocknen konnte. In der kalten Morgenluft dampften die frisch trainierten Pferde richtiggehend. Spotted Timeout und Gleam of Light trieben etwas Blödsinn im Karussell: Spot lief absichtlich langsam und liess sein Hinterteil das Trenngitter berühren, während Light ihn durch das Metallgeflecht angiftete. „Er provoziert ihn regelrecht“, meinte auch Parker augenrollend. Ich lief eine Runde mit und trieb Spot mit fuchtelnden Armen vorwärts, danach benahmen sich die beiden einigermassen. Als ich zurück in die Stallgasse schlenderte, um die Putzsachen von Winter zu verräumen, hätte Zira, die mir seit dem Absteigen wieder wie ein Schatten folgte, beinahe eine Maus erwischt, die sich jedoch gerade noch in die Sattelkammer retten konnte. „Von denen hat es auch wieder zu viele, was meine Süsse?“, murmelte ich an die Malinois Hündin gewandt. Sie sah mich erwartungsvoll an, also knuddelte ich sie rasch. Die nächste Gruppe wurde bereits in der Stallgasse gesattelt. Ich lief an Mambo vorbei direkt zu einem altbekannten Neuling: Snap in Style. Erneut hatte ich ihn von einer Kollegin zurückgekauft, und diesmal hatte ich nicht vor, ihn wieder herzugeben. Er hatte sich inzwischen von dem schlaksigen Jungtier, dessen Bild ich noch klar im Kopf hatte, zu einem kräftigen Rennpferd gemausert. Mambo war jetzt in dieser Gruppe also nicht mehr der einzige Hahn im Korb. A Winter’s Tale, Counterfire, Sarabi und Dolly standen bereits draussen bereit, als ich den Hauptstall verliess, um zum Nebenstall zu laufen. Ich wechselte noch kurz ein Wort mit Oliver, dann öffnete ich Halluzinations Boxentür. Die Fuchsstute schien nicht allzu begeistert von meinem frühen Besuch. Sie rümpfte die Nase und bewegte sich kein Bisschen auf mich zu. „Was ist denn das für eine Begrüssung?“, motzte ich liebevoll. Wenigstens dreht sie sich nicht gleich weg. Ich lief zu ihr hin und bot ihr ein Karottenstück an. Dadurch taute sie sofort auf und liess sich brav aufhalftern. Ich putzte sie im Eilgang durch – das kurz geschorene Fell unter ihrer Decke war ohnehin sauber – und sattelte sie mit ihrem Dressursattel. In der Halle war bereits Lisa mit Artemis. Sie hatte zwei Cavaletti auf der Mittellinie platziert und übte mit dem Schimmel Galoppwechsel. Wenig später stiessen auch Jonas mit Loki und Darren mit Circus Dancer dazu. Eine Weile ritten wir alle stumm und konzentriert, möglichst ohne einander in den Weg zukommen. Man hörte nur die Huftritte im Hallensand und das gelegentliche schnauben eines Pferdes. Beim Ausschreiten plauderten wir dann wieder ausgelassen miteinander, während die Pferde sich strecken durften. Als David mit Thomas reinkam, kratzte ich gerade Hallus Hufe aus. „Ahh, good Timing – we’re already finished, so you have enough space”, scherzte ich als Andeutung auf die Grösse des Scheckhengstes. Hallu bekam ihre Belohnung und eine kurze Rückenmassage. Es wurde langsam hell, als ich mich auf den Weg zum Offenstall der Stuten machte. Offenbar war ich die erste, die die Weide heute betrat, denn das Stalltor war noch geschlossen. Ich schob es auf und liess die Stuten raus auf das spährliche Wintergras. Jazz schob sich vor allen anderen als erste an mir vorbei in die Freiheit und der Stall leerte sich langsam; als letzte Nachzügler folgten Feline und Summer. Nur eine Stute blieb zurück – oder auf den zweiten Blick doch zwei. „Oh my! I didn’t expect to see you already today. Hello little sweetheart!” Neugierig näherte ich mich der schlaksigen kleinen Gestalt, die neben Ronja im Stroh lag. Das Fohlen sah zu meinem Entzücken genau gleich aus wie seine Eltern: es hatte dieselbe seltsame, zweifarbige Scheckung. Der Kopf erinnerte mich sehr an den seiner Mutter, denn er hatte ebenfalls einen hohen Weissanteil und nur ein paar Flecken an Nüstern und Augen. Die kleine war wohl noch nicht aufgestanden, machte aber einen gesunden ersten Eindruck. Begeistert beobachtete ich sie eine Weile, ohne zu nahe heranzugehen. Ich durfte die ersten Momente von Mutter und Tochter nicht stören. Ronja beschnupperte das Fohlen immer wieder, als wollte sie sichergehen, dass es noch da war. Die kleine machte kurz darauf Aufstehversuche – vermutlich hatte sie zuvor schon damit begonnen, war aber durch mein Eintreten unterbrochen worden. Jedenfalls stand sie bereits nach wenigen Minuten auf ihren wackeligen Beinen. Ich hätte den ganzen Tag zusehen können, aber die Arbeit rief, und ich erinnerte mich, weshalb ich eigentlich hergekommen war. „Moon!“ Die Stute wandte mir draussen sofort den Kopf zu, als sie ihren Namen hörte, und kam auf mich zu. Ich streichelte sie und führte sie am Halfter zum Stall. Dort band ich sie an einem der Halteringe and der Wand an und machte sie startklar für einen ausgiebigen Ausritt mit Jonas und Co Pilot. Wir entkamen dabei gerade noch einer ganzen Horde von Pflegern, nämlich Lisa, Anne, Darren, Alan und Jason, die allesamt mit Bacardi, Khiara, Life, Indiana und Sniper auch gerade raus in den Wald wollten. Da sowohl Jonas als auch mir aber gerade eher nach einem entspannten Ausritt zu zweit zumute war, schlichen wir uns vor ihnen weg. Wir kehrten vor dem Mittag zurück und ich kümmerte mich anschliessend noch um Ravissante, ehe ich kochen ging. Die Stute musste ein ausgiebiges Training mit Cavaletti über sich ergehen lassen, dass ihr vielleicht sogar ein wenig Muskelkater beschehren würde. Aber es war wichtig, dass sie ihre Koordination verbesserte und ihre vier Beine in den Griff bekam. Die Cavaletti halfen dabei, ihr einen Takt vorzugeben und ihren (und auch meinen) Sinn für die Abstände zu schulen. Sie wurde im Verlauf des Trainings etwas heftig - ich vermutete, dass ihre Konzentration nachliess. Deshalb wählte ich als letzte Übung nur noch eine Art Slalom mit Seitwärtsverschiebungen im Schritt, damit wir positiv abschliessen konnten. Es war eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

      Nach dem Mittag brachte ich Caspian, Compliment und Cryptic zusammen auf eine der kleineren Weiden. Auf der grossen unteren Weide, die neben dem Stutenoffenstall, durften zuerst Goldy, Ciela, Caligari, Penny und Primo sich austoben. Das war ein wenig zum Problem geworden in letzter Zeit: besonders viel Gras hatte es nicht mehr, dadurch wurde den Pferden rasch langweilig. Sie rannten häufiger herum und spielten ruppig miteinander, nebenbei pflügten sie das letzte bisschen intakten Weideboden um. Wenigstens hatten wir für den Frühling die ganz grossen Weiden ausserhalb. Womöglich würden wir sie dieses Jahr aufteilen müssen, bis die kleineren sich erholt hatten. Als ich summend von den Weiden zurück zum Hauptstall lief, sah ich gerade Oliver mit Vai Alida losreiten. Ich wünschte ihm einen schönen Ausritt. Dann streckte ich mich genüsslich, um mich für die restlichen Aufgaben des Tages zu wappnen. Am Horizont meinte ich, ein paar verdächtig aussehende Wolken zu sichten. Vielleicht endlich der erste Schnee im neuen Jahr?

      Pflegebericht 01.04.2020 - Abschied schmerzt
      © Occulta
      Mit einem traurigen Seufzen legte ich das Telefon auf. Die Tierärztin aus dem Tierspital war dran gewesen, wegen Simply Priceless. Der gescheckte Junghengst war vergangene Woche gestorben. Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde es ihm wieder besser gehen. Er hatte im Tierspital wieder mehr gefressen und sein Fieber war ebenfalls zurückgegangen. Doch von einem Tag auf den anderen hatte er morgens tot in der Klinik-Box gelegen. Daraufhin hatte ich einer Obduktion zugestimmt, um der mysteriösen Krankheit auf den Grund zu gehen, die ihn geplagt hatte. Gerade hatte mir die Tierärztin mitgeteilt, dass der junge Hengst einen Herzfehler gehabt hatte und am Ende wohl deswegen nicht gegen die bakterielle Lungenentzündung, die festgestellt wurde, angekommen war. Den grössten Teil der Trauer hatte ich bereits hinter mir, schliesslich war Simply schon seit ein paar Tagen verstorben. Trotzdem spürte ich wieder einen Kloss im Hals, als ich daran dachte, dass er schon die ganze Zeit einen Herzfehler gehabt hatte und wir es nicht bemerkt hatten. Wenn er nicht die Lungenentzündung bekommen hätte, wäre er vielleicht einfach plötzlich während dem Training zusammengebrochen. Das wäre auch für den Jockey gefährlich geworden… Ein Funken Wut mischte sich hinzu – Wut darüber, dass man den Fehler nicht bei einer der Standarduntersuchungen beim Impfen festgestellt hatte. Man müsste dabei doch hören, dass etwas nicht stimmt, oder? Jonas kam rein und sah mich prüfend an, als er meinen Blick sah. „Haben sie angerufen?“ „Ja. Bakterielle Lungenentzündung. Und Herzfehler.“ „Oh. Herzfehler?“ „Ja, hat mich auch erstaunt. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass Simply oder irgendeines der Fohlen dieses Jahrgangs ausser Chime so früh stirbt. Dabei war sie doch unser Sorgendkind, nicht er…“ Er schloss mich in die Arme und streichelte tröstend meinen Hinterkopf. „Es ist vielleicht besser so. Wenn er einen Herzfehler hatte, wäre er früher oder später auf der Bahn kollabiert.“ „Das habe ich auch schon überlegt… Trotzdem, er war so ein hübscher Kerl mit seinen Punkten.“ Meine Augen füllten sich ungewollt mit Tränen und ich konnte die letzten Worte nur wiederholen. „Er war doch so, so hübsch…“ „Das war er wirklich. Es ist eine Schande.“ Wir blieben beide einen Moment lang einfach still. Dann murmelte Jonas leise „wenigstens hast du ein paar schöne Fotos von ihm, als Erinnerung.“ Ich nickte nur. Dann krächzte ich „ich mache mir einfach die ganze Zeit Vorwürfe, dass ich ihn ins Tierspital habe bringen lassen. Er war dort ganz alleine, ohne seine Freunde. Was, wenn er deshalb aufgegeben hat? Vielleicht hätte er sich wohler gefühlt zuhause..-" Ich konnte nicht weitersprechen weil mein Hals schmerzte. „Ich glaube nicht, dass er hier überlebt hätte. Es war schon richtig, ihn dorthin zu verlegen. Die Tierärzte dort sind Profis, und wenn ihm jemand hätte helfen können, dann die. So hast du dir wenigstens den Anblick erspart. Sie haben alles getan, was sie konnten – und du auch.“ Ich blieb noch eine Weile an ihn gekuschelt, bis ich mich wieder gesammelt hatte. Ich war unglaublich froh, dass er hier bei mir war; für mich da war.

      Später am selben Tag raffte ich mich dazu auf, einen letzten Ausritt mit Moon Kiddy zu machen. Der Letzte, weil ich die Stute an eine andere Criollozüchterin verkauft hatte. Es tat mir unglaublich weh, aber ich wusste, dass sie dort einen guten Platz hatte und einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung dieser tollen Rasse leisten konnte. Sie zog nicht alleine um: Dod ging ebenfalls mit. So blieben die beiden wenigstens zusammen. Ich hatte nie gedacht, dass ich die beiden einmal weggeben würde, aber die Zeiten änderten sich und so auch Entscheidungen. Übrigens hatte ich auch ein Kaufangebot für Sarabi bekommen, das ich angenommen hatte. Sie kam zu einer guten Kollegin, wo sie im Military gefördert werden würde.
      Nach dem Ausritt, den ich unglaublich genoss, longierte ich Thomas und bewegte danach Artemis in der Halle. Die beiden Hengste waren richtige Engel im Umgang, als spürten sie, dass ich mich nicht so gut fühlte. Sie haarten beide sehr stark – der Frühling war endlich wirklich gekommen. Das viele Striegeln half mir, auf andere Gedanken zu kommen. Der Wechsel auf Sommerzeit bewirkte auch, dass es wieder länger hell blieb abends. Das nutzte ich aus, um gleich nochmal ausreiten zu gehen – mit Co Pilot. Mein Liebling trug mich zuverlässig unter den Pinienwedeln durch und bot mir einen wundervollen Schaukelgalopp über die Galoppwiese. Ich liess ihn dafür die meiste Zeit am Langen Zügel schlendern, was er sichtlich genoss.
    • Gwen
      Training auf Pineforest Stable

      Trainingsbericht 28.08.2018 - Galopprennen E auf A
      © Occulta
      Es war ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag, in der gewohnten Umgebung, und unter gewohntem grauen Wolkendach. Nein ernsthaft, es hatte in letzter Zeit wieder viel zu oft gewittert und geregnet. Die Natur war zwar, nachdem sie in der langen Trockenperiode so gelitten hatte, nun wie neu geboren – alles kitschig grün und saftig; aber so langsam schien der Boden mit Wasser gesättigt und die Wege zu den Weiden glichen eher einem frisch gepflügten Feld. Wenigstens die Pferde hatten ihren Spass. Sie konnten sich auf den ‘geopferten’ Weiden austoben und nach Herzenslust einsauen. Wir hatten alle Vierbeiner auf die kleinen Gestütsweiden aufgeteilt und die grossen Weiden zur Schonung seit dem gröberen Regen nicht benutzt, sodass später wenigstens dort noch alles grün war. «Es ist immernoch Sommer!», rief Parker frustriert während dem Putzen. Wir standen im Hauptstall und bereiteten die jüngste Rennpferdegruppe für’s Training vor. Es war bereits halb acht Uhr abends. Am frühen Morgen hatten wir die erfahreneren Gruppen trainiert, danach war es schon zu warm gewesen, um die Jüngsten auch noch laufen zu lassen. Ja, trotz des Regens der letzten Tage wurde es jeweils, sobald die Sonne schien, wieder ziemlich warm, gekoppelt mit unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit. Deshalb waren sie am Nachmittag zuerst noch draussen gewesen und mussten erst jetzt, wo es nicht mehr ganz so schwül war, arbeiten. Ich war heute bei A Winter’s Tale, und sah mit eifersüchtigem Blick zu April und Daedra rüber. Das schwarze Fell der elegant gegliederten, noch etwas babyhaft wirkenden Vollblutstute war zwar leicht staubig, aber bei weitem nicht so verunstaltet wie das der weissen Stute vor mir. Thalias leichte, bräunliche Sprenkel hatte sich vervielfacht - Aber leider nicht aufgrund von Farbgenen. Ich schrubbte mir die Arme taub, während April und Parker schon fast satteln konnten. Parker kümmerte sich übrigens um Counterfire, ihren neu ernannten Liebling der Gruppe. Die kupfrig glänzende Fuchsstute hatte sowieso schon eine breite Fangemeinschaft, Tendenz steigend. Nur ich konnte mich wiedermal auf keinen Liebling festsetzen. Mir gefielen einfach alle der Jungspunde gleichermassen gut. Daedra, mit ihrem tiefschwarzen, seidigen Fell und dem speziellen Kopfabzeichen; Fire eben, mit ihren hochweissen Beinen und dem feurig orangen Glanz; Dolly, die manchmal einfach nur ein süsser kleiner Angsthase war; Sarabi, mit ihrer cremefarbenen Robe und dem hübschen Bauchfleck; Mambo mit seinen spannenden Sprenkeln und dem tollen Charakter; und Thalia, die fast schneeweiss war und damit die Familie meiner weissen Rennpferde weiter vergrösserte. Ich kratzte dem Winter-Abkömmling die Hufe aus und holte, nachdem ich den gefühlten Beton aus der Sohle gehebelt hatte, den Trainingssattel. Ich hörte, wie Sarabi, die in dem Putzabteil gleich vor dem Eingang der Sattelkammer stand, ungeduldig scharrte. Jungpferde eben – junge Vollblüter besonders: ständig ungeduldig und verspielt. Counterfire war besonders schlimm. Sie musste alles mit dem Maul untersuchen und schmiss regelmässig Bürsten an die Wand, wenn sie sie mit dem Kopf herumschwang. Lily fand es eben lustig, ihr die Bürsten hinzustrecken, deshalb mussten wir uns dauernd in Acht nehmen. Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken. «Hunter! Ich dachte schon, du kommst nicht mehr.» Ich legte den Sattel ab und schüttelte unserem ‘Nachbaren’ die Hand. Ich pfiff Quinn herbei, die zuvor in der Sattelkammer die Batterie ihrer Armbanduhr ausgetauscht hatte, und wir verliessen den Hauptstall, um Strolch vom Parkplatz zu holen. Der hell palomino-farbene Hengst war bereits sauber geputzt und musste nur noch gesattelt werden. Er sollte heute mit unseren Pferden gemeinsam trainiert werden, um ein richtiges Rennen zu simulieren. Oder zumindest die Stimmung eines richtigen Rennens, mit einer fremden Umgebung, anderen Pferden und einem unbekannten Jockey. Eigentlich hatte der junge Vollblüter schon Rennerfahrung – er war sogar schon an echten Rennen gewesen, anders als meine Gruppe von zweijährigen Grünlingen. Aber wie Hunter mir bereits bei unserer letzten Begegnung erklärt hatte, war er bisher noch nicht in den Genuss einer vollständigen Ausbildung gekommen. Quinn übernahm Strolch und führte ihn in Richtung Hauptstall, während wir seine Ausrüstung ausluden und mittrugen. Er war sichtlich Aufgeregt, aber nicht ängstlichen wirkend, sondern eher extrem neugierig. Er musste schon auf dem ganzen Weg um das Stallgebäude herum den Kopf drehen und die Nüstern blähen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ich liess Quinn und Hunter alleine, um mich zurück zu meinem eigenen Reittier zu begeben. Die mittlerweile wieder weisse Stute wollte sich in ihrem Eifer schon fast in der Stallgasse umdrehen, als sie mich kommen hörte, sodass ich ihren Popo herumschieben und sie wieder richtig hinstellen musste. Ich legte ein dünnes Anti-Rutsch-Pad auf Thalias Rücken, dann eine dicke, gepolsterte Satteldecke und schliesslich den Trainingssattel mit dem Lammfellgurt. Nicht alle Pferde hatten die gleichen Pads und Decken. Je nach Rückenform und Muskulatur benutzten wir auch Lammfellunterlagen, dünnere Satteldecken oder Gelpads. In jedem Fall war es wichtig, dass das Pferd sich damit wohlfühlte und die dünnen Sättel so gut wie möglich passten. In anderen Rennställen sah man andauernd Pferde, die sich beim Satteln zu wehren versuchten oder herumzappelten. Für mich waren das Alarmzeichen, die ich gar nicht erst aufkommen lassen wollte. Schliesslich wollte ich am Ende ihrer Rennkarriere immer noch Pferde haben, die richtig bemuskelt und dem Reiten gegenüber positiv eingestellt waren; keine verbrauchten, sauren Krüppel. Ich führte Thalia durch den Innenhof des Hauptstalls raus und bekam von Oliver ein «leg up». Quinn sass bereits in Strolchs Sattel und hielt den ungeduldigen Jungspund so gut wie möglich ruhig. Sobald ich oben sass und meine Steigbügel angepasst hatte (was beim Satteln vergessen worden war), klopfte Oliver Thalia symbolisch auf die Kruppe und lief nochmal ins Stallinnere, um sein Notizbüchlein zu holen. Er führte ein strenges Tagebuch über die Laufzeiten und das Training im Allgemeinen. Welches Pferd wann und in welchem Stil bewegt worden war, mit welcher Intensität und wie es darauf reagiert hatte, in puncto Schweissbild und Puls. Einfach alles stand darin, sodass wir genau rückverfolgen konnten, welche Art von Training bei welchem Pferd am effektivsten war. Heute wollten wir mit Startmaschine trainieren, also war ein gründliches Aufwärmen erforderlich. Wir bogen wie immer zunächst im Gänsemarsch auf den Galoppweg und trabten geschützt durch die Tannen neben uns an. Es war ein kühler Wind aufgekommen, aber wenigstens sah es noch nicht nach Regen aus. Die Pferde mussten eine Runde lang in kontrolliertem Tempo traben und dann auf der Bahn bis hin zur Startmaschine ebenfalls langsam Galoppieren. Danach stellten wir uns vor unserer mobilen Startmaschine auf. Oliver und Ajith standen schon bereit, Hunter ging ihnen zur Hand. Zunächst ritten wir zu der Maschine heran, zeigten den Jünglingen alles gründlich und Ajith liess die Tore ein paarmal auf und zuschnappen, um sie an das Geräusch und die Bewegung zu gewöhnen. Wir hatten das schon einige Male durchgespielt, aber um es immer und immer wieder zu festigen, widerholten wir das Prozedere vor jedem Training mit Maschine, zumindest, bis es keine Probleme mehr gab. Ausserdem war es heute sowieso vorteilhaft, um zu sehen, wie unser Gast darauf reagierte. Es zeigte sich auch prompt, warum wir uns jedes Mal die Zeit nahmen. Denn nicht alle der Gruppe nahmen die Geräusche so gelassen wie meine Thalia und Hunters Strolch, die beide bloss interessiert mit gespitzten Ohren zusahen und dabei stillstanden. Dolly zuckte auch jetzt noch beim ersten Mal zusammen, versuchte mit Charly abzudrehen und zu flüchten. Er nahm den einen Zügel an und drehte die Stute rasch um die eigene Achse, bis sie stillstand. Dann ritt er ruhig wieder heran und wir machten weiter. Diesmal war Charly gefasster und hielt sie zurück, wodurch sie aus Protest leicht vorne hochstieg. Heute hatte sie offenbar einfach keine Lust. Der Jockey liess sich davon nicht beeindrucken und hielt sie einfach gerade. Oliver liess die Tore extra weiterhin aufschnappen, bis sie sich wieder einkriegte und nur noch leicht zuckte. Charly lobte sie und Dolly saugte noch einmal laut Luft ein, ehe sie den Kopf, wenn auch etwas ruckartig, für einen Moment senkte und sich sogar einen Schritt vorwagte. Dafür bekam sie ein Karottenstück von Ajith. Wir wollten Mut und Neugier von Anfang an bestärken. Auch Daedra sah man an, dass ihr nicht gerade wohl war. Sie überlegte sich auch ein paarmal, mit einer Gewichtsverlagerung angedeutet, zu Flüchten. Aber sie hörte stattdessen auf Quinn und hielt sich, bis auf ein paar tänzelnde Schritte seitwärts, an ihre Position. Als alle Pferde einigermassen ruhig waren, angesichts der Tore, begannen wir, sie durch die offene Maschine hindurch zu führen. Dolly stakste geräuschvoll atmend hindurch, Thalia zögerte kurz, folgte dann aber Ajith vertrauensvoll und Mambo versuchte, das ganze schnell hinter sich zu bringen. Strolch hielt höchstens an, um die hölzernen Trittbretter für die Helfer mit seinem Maul zu untersuchen. Wir wiederholten, bis es bei allen flüssig klappte. Dabei lobten wir wieder viel, und verteilten in besonders guten Momenten weitere Karottenstücke. Als nächstes führten Oliver und Ajith immer zwei Pferde gleichzeitig rein, liessen dabei die Tore vorne geschlossen und hinten offen, warteten einen Moment, sodass die Vierbeiner stillstehen mussten, und öffneten dann die vorderen Tore manuell. Als auch das gut klappte, war es Zeit, die hinteren Klappen auch zu schliessen. Für manche Pferde war das am Anfang etwas beängstigend, weil sie plötzlich hinten Widerstand spürten, wenn sie einen Schritt zurück machten. Aber mittlerweile kannte die Gruppe den Ablauf schon ein Bisschen, weshalb sie, nach dem anfänglichen Gehampel, fast wie Profis drinstanden. Es war wichtig, dass die Pferde von Anfang an lernten, dass sie nicht rückwärts durften. Die Tore waren absichtlich nicht stark genug, um dem vollen Gewicht eines Pferdes standzuhalten, damit sie im Notfall nachgaben und aufgingen. Aber natürlich war es sehr schlecht, wenn ein Pferd das herausfand und lernte, die Tore aufzudrücken. Ich war froh, dass auch Strolch sich anständig benahm und darauf zu warten schien, dass er vorne raus durfte. Das zeigte mir, dass Hunter im Training mit dem jungen Rennpferd bisher alles richtig gemacht hatte.

      Wir hatten inzwischen gute zwanzig Minuten verpufft, und ich hielt es für ratsam, eine Pause zu machen, bevor wir zum Galopptraining übergingen. Die jungen Pferde hatten noch nicht die Fähigkeit, sich so lange am Stück zu konzentrieren. Das restliche Training würde zwar nicht mehr so lange dauern – wir mussten nur noch die Übungsdistanz in der gewünschten Zeit überwinden – aber ich wollte, dass alle Pferde fit und bereit dazu waren, um Unfälle zu vermeiden. Besonders angesichts des feuchten Geläufs, weswegen auch alle heute Stollen trugen. Wir bewegten uns ein wenig im Schritt, um nicht ganz ‘kalt’ zu werden. Dann gab Oliver das Signal und Ajith half uns erneut in die Startboxen. Er löste die Tore sofort aus, sobald alle drinnen waren, um die Geduld nicht unnötig zu strapazieren. Die Pferde starteten noch nicht alle so schön synchron, wie man es von erfahreneren Gruppen kannte, und Strolch kam dank seiner Erfahrung mit einem deutlichen Vorsprung weg. Auch im Verlaufe der Distanz konnte ihm keiner der Zweijährigen das Wasser reichen, was bei dem Altersunterschied auch zu erwarten gewesen war. Sein Grundtempo wurde von Quinn etwas höher gefordert als das der anderen, und auch die Sprints waren länger und intensiver. Am Ende war er trotzdem nicht so verschwitzt wie die restliche Gruppe und seine Atmung wurde rascher wieder normal. Zufrieden klopfte ich Thalia auf den Hals, die angestrengt schnaufte, aber alles in allem noch fit wirkte. Wir trainierten niemals an die Belastungsgrenze, weil es unvernünftig wäre zu riskieren, dass ein Pferd umkippte. Ausserdem gab es daraus keinen besseren Trainingseffekt, im Gegenteil – die Muskeln wurden übersäuert und die Pferde verbanden das Training mit Schmerz. Das galt es unbedingt zu verhindern. Beim Austraben schienen jedenfalls alle gut beisammen und müde, aber locker. Zum Ausschreiten brachten wir sie mit Abschwitzdecken in den Freilauftrainer, nachdem wir sie abgeduscht, oder mit einem Schwamm gewaschen hatten. Mittlerweile war es dunkel, aber dank der grosszügig verteilten Flutlichter im Innenhof des Hauptstalls sahen wir mehr als genug. Während Strolch trocknete, tranken die Jockeys und ich zusammen mit Hunter und Oliver einen Tee in der Reiterstube. Gleichzeitig besprachen wir das Training. Oliver teilte meine Ansicht, dass ausnahmslos alle Pferde bereit waren, in die nächst höhere Trainingsstufe aufzusteigen und erste Rennen zu bestreiten. Auch bei Dolly war ich mir sicher, dass sie sich bald mit der Startmaschine anfreunden würde. Von der Rennleistung her, war sie ihrem Alter entsprechend gut. Irgendwann sahen wir nach den Pferden, brachten sie in die Boxen und halfen Hunter beim Verladen von Strolch. Wir verabschiedeten uns und ich wünschte ihm viel Erfolg für kommende Rennen. Es erfüllte mich mit stolz zu wissen, dass ein weiterer Stromer-Nachkomme eine grosse Zukunft vor sich hatte.

      Trainingsbericht 31.03.2019 - Springen A auf L
      © Occulta
      «Occu, es ist zu warm zum Arbeiten», jammerte Jonas, in seinem neu gekauften Schaukel-Stuhl auf der Terasse ausgebreitet. Er hatte das Teil am Wochenende in einer Brockenstube gefunden und sich sofort darin verliebt. Das alte, dunkle Holz war zwar an manchen Stellen etwas rau von der vermutlich Jahrzehnte langen Benutzung, aber mit etwas Schleifpapier und neuem Lack wollte er ihm demnächst zu neuem Glanz verhelfen. Allerdings sah es im Moment eher nicht danach aus, als könnte er die nötige Energie dazu aufbringen. Bacardi lief bereits ungeduldig um mich herum, weil ich nicht weiterging. «Komm, auf», scheuchte ich ihn in befehlerischem Ton von seinem Sonnenplätzchen. Er grummelte vor sich hin und schlenderte zum Hauptstall. Lisa war auf dem Sandplatz bereits aufgestiegen und wärmte Sniper im Schritt am langen Zügel auf. Ich tat es ihr gleich. Heute war wieder Trainieren angesagt, und zwar mit einem ganzen Heer von Jungpferden. Lisa und ich ritten plaudernd nebeneinander und genossen die morgendlichen Sonnenstrahlen, die auf unsere Rücken brannten. Lily stiess mit Fake auch noch dazu, und ihr folgten auch kurz darauf die anderen aus dem Nebenstall; Shira, Ravissante, Cambria. Wir ritten alle sechs Vierbeiner, um die bereits aufgestellten Hindernisse zirkelnd, warm. Nach etwas mehr als fünf Minuten trabten wir an und vollführten unter Lisas Anweisungen ein paar gymnastizierende Dressurlektionen, ehe wir mit den Cavalettis begannen. Bacardi war am Anfang etwas übereifrig und hüpfte jeweils über das halbhohe Cavaletti, anstatt darüber zu traben. Ich hielt ihn zusammen und versuchte es erneut, bis es beim dritten Versuch klappte. Er war eben noch jung und verstand ungerne, dass man die Aufgaben konzentriert und auch mal langsam angehen musste. Lily und Fake hatten ganz ähnliche Probleme, aber bei ihnen lag es vor allem daran, dass Lily noch nicht genug einwirken konnte, um die temperamentvolle Hackney-Pony Stute mit dem Sitz zu bremsen. Sie gab sich immerhin grosse Mühe und schaffte es nach einer Weile auch so halb. «Das wird schon, Lily. Sobald du längere Beine hast, kannst du sie auch besser kontrollieren», ermutigte Lisa meine Nichte. Das Mädchen nickte nur konzentriert und bremste Fake wieder in den Schritt. Lisa schickte uns als nächstes über ein paar Kreuzchen in einer Linie, die ebenfalls noch dem Auflockern und der Taktfindung dienten. Erst danach legten wir mit Steilsprüngen, Oxern, In-Outs und Kombinationen los. Für die jungen Pferde waren besonders letztere anspruchsvoll, da viele dazu neigten, etwas kopflos zu werden und zwischen den Hindernissen beschleunigen zu wollen. Auch Bacardi versuchte es, aber durch meine langjährige Erfahrung konnte ich ihn zurückhalten und in angemessenem Tempo auf den zweiten Sprung zureiten. Er schnaufte zwar leicht frustriert, galoppierte aber schön am Zügel. Ich lobte ihn streichelnd, um ihm zu zeigen, dass es so richtig war. Fake und Lily flitzten zum Teil in halsbrecherischem Tempo durch, aber Lisa war schon dabei, das zu korrigieren und ihr Tipps zu geben. Robin und Cambria hatten auch noch die eine oder andere Unstimmigkeit zu überwinden, aber es sah gar nicht so schlecht aus. Ravissante lief unter Quinn richtig schön. Ich war begeistert beim Zusehen, als die beiden den einen Oxer übersprangen und die Anglo-Araberstute eine wunderbare Flugphase zeigte. Sie erinnerte mich in ihrer Manier sehr an Sunday – ausser, dass sie ab und zu ihren Schweif aufgeregt anhob, wenn sie auf ein Hindernis zukam. Quinn schien sich sehr gut mit der Stute zu verstehen und grinste begeistert, als sie den kleinen Abschlussparcours beim ersten Versuch fehlerfrei überwunden hatten. Sie liess Ravi den Kopf strecken und klopfte ihr zufrieden auf den Hals. Auch Bacardi und ich schafften es ohne Abwurf. Die Höhe war ja auch noch nicht gerade eindrucksvoll. Aber trotzdem war ich stolz, als am Ende die meisten sauber durch den Parcours kamen. Sogar Fake kam überall gut drüber, wenn auch ein Tickchen zu schnell. Shira und Snipy hatten je einen Abwurf; Shira in der Kombination und Sniper beim letzten Steilsprung, weil Lisa sich mit der Distanz verschätzte. Dass ausgerechnet unsere Reitlehrerin einen Fehler machte, fanden wir ganz amüsant – konnte ja passieren. Wir liessen die sieben Pferde austraben und versorgten sie dann zügig, um gleich anschliessend mit der nächsten Truppe weiterzumachen. Diesmal war der Vollblut-Nachwuchs an der Reihe. Miss Moneypenny, Daedra, Primo, Sarabi, Mambo, Cryptic, Thalia, Counterfire und David mit Life. Weil diese Gruppe etwas grösser war als die letzte, hatten wir auch entsprechend mehr Abreitplatz-Atmosphäre, aber das kam in diesem Fall gerade gelegen: Mit diesen acht wollten wir nämlich einen Ablauf wie auf einem Turnier simulieren. Jonas hatte es tatsächlich fertig gebracht, in der Halle zwei Aufwärm-Hindernisse aufzubauen und verstellte sie nun nach unseren Wünschen. Danach ritten wir jeweils nach draussen auf den Sandplatz und sprangen direkt den Parcours, jeder zweimal. Ich hatte Thalia als Partnerin. Die Winter-Tochter war extrem rittig und liess sich heute durch nichts ablenken, sodass wir beide Durchgänge einwandfrei abschlossen. Mir gefiel ihr Arbeitswille, der sich übrigens auch auf der Rennbahn auszahlte. Sie war zwar nicht die Schnellste, dafür sehr ausdauernd und fokussiert auf die Ziellinie – manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie selbst bei einem Bombeneinschlag auf der Tribüne nicht zucken würde. Bei Counterfire, die gleich nach mir auf den Platz ging, war das gerade anders herum. Die feurige Fuchsstute konnte ausserordentlich gut beschleunigen und hatte mächtig Schub in der Hinterhand, liess sich allerdings leicht aus dem Konzept bringen und brauchte eine konsequente Hand. Als Katze Shiva in ein Gebüsch neben dem Viereck kletterte, um Spatzen aufzuscheuchen, verpasste sie dementsprechend das nächste Hindernis und räumte es mit den Vorderbeinen ab. Charly war auf den unsanften Sprung nicht vorbereitet gewesen und kam hinter die Bewegung. Als Counterfire nach dem missglückten Manöver auch noch um die Kurve raste, besiegten ihn die Fliehkräfte. Er plumpste in den Sand und die Stute raste eine Runde um den Platz, wobei sie gerade noch von Oliver davon abgehalten wurde, diesen zu verlassen. Der Trainer motzte «be careful with my racing champions, please» und bewachte den Eingang, bis wir Fire eingefangen hatten. Charly war anscheinend unversehrt, bis auf ein paar blaue Flecken. Er stieg wieder auf und ritt das Hindernis nochmal an, nachdem Lisa, die diesmal nicht selbst im Sattel sass, es wieder aufgestellt hatte. Counterfire, die noch etwas aufgeheizt von vorher war, wollte schon wieder mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Stangen losrennen, aber Charly machte nochmal eine Volte, bis er sie unter Kontrolle hatte, und lenkte sie dann deutlich ruhiger geradeaus, diesmal ohne Probleme. Die übrigen Vollblüter waren heute erstaunlich gemütlich unterwegs; Quinn musste Primo regelrecht vorwärtstreiben und auch Mambo hatte beim Oxer etwas zu wenig Schwung, sodass die oberste Stange fiel. Höchstwahrscheinlich liegt es am Temperatur- und Fellwechsel, überlegte ich. Ich bürstete und massierte Thalia rasch nach dem Absatteln, aber es reichte leider trotzdem nicht mehr um die letzte Runde von Daedra zu sehen. Ich erfuhr aber von Lisa, dass sie einmal parkiert hatte – schade. Das war bei ihr in letzter Zeit etwas zu häufig vorgekommen, weshalb ich überlegte, sie in nächster Zeit mehr mit Quinn laufen zulassen, oder selbst ein wenig Korrektur zu reiten. Nicht, dass ich meine oder Quinns Reitkünste höherstellte als die der anderen, aber wir beide hatten einfach etwas mehr Erfahrung als zum Beispiel April, die sie heute geritten hatte. Ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Stute irgendwelche unvorteilhaften ‘Habits’ entwickelte. Nachdem nun alle den Parcours gemacht hatten, wollte Lily unbedingt nocheinmal mit Areion einen Versuch starten. Sie wärmte ihn bereits in der Halle auf, als ich dazustiess. Der immernoch-Hengst zeigte auch diesen Frühling wieder teils etwas aufmüpfiges Verhalten, sodass Lily die letzten Wochen meine Hilfe mehr als einmal gebraucht hatte. Heute schien er aber eher gemütlich unterwegs zu sein und liess sich wenig später auch gut von meiner Nichte über die extra tiefer gestellten Hindernisse lenken. Lisa ermutigte sie, noch etwas mehr Schwung von dem Tinker zu fordern, weil er ein paarmal zu dicht ans Hindernis kam, aber sonst sahen die beiden gar keinen so schlechten Eindruck.

      Insgesamt zufrieden mit den Vollblütern, wandte ich mich nun dem Training der beiden Nachwuchswesternpferde Chanda und Jazz zu. Ich putzte die grau-weisse Criollo Dame, während Jonas sich Jazz antat. Antun deshalb, weil sie heute zusätzlich zu ihren Appaloosa-Sprenkeln auch noch Schlammkrusten trug. Mit dem noch feuchten Boden vom letzten Regenfall erstaunte es mich überhaupt, dass nicht mehr Pferde Schlammig waren. Klar, die Vollblüter waren von Ajith bereits vorgeputzt worden, aber die übrigen hatten anscheinend ausnahmsweises Mitleid mit unserer vom Winterfell Ausstriegeln müden Armmuskulatur gehabt. Jonas stöhnte erschöpft, als er auf die zweite Seite seines Reittiers kam, die genauso schlimm aussah wie die Erste. Er legte einen Moment lang seine verschränkten Arme auf den Runden Po von Jazz und genoss die Sonne, bevor ich ihn anstupste, damit er weitermachte. „Denk dran, die Stunde fängt in fünfundzwanzig Minuten an.“ Ich war so nett und half ihm mit dem Hufeauskratzen, während er noch immer den eher dünnen Schweif von Jazz zu retten versuchte. Nach einem gefühlten Liter Glanzspray und einer insgesamt halben Stunde intensivem Putzen, war die Stute wieder ansehnlich. Wir ritten in Richtung Fluss los, denn wir waren mit Rosie zu einem Training auf der Wilkinson Farm verabredet. Sie hatte einen auswärtigen Westerncoach organisiert. Weil wir so viel Zeit mit Putzen verbracht hatten, mussten wir den grössten Teil des Weges traben, um nicht zu spät zu kommen. Die Pferde waren so zumindest schon warm und wir konnten eigentlich sofort loslegen. Der Trainer gab uns eine Dreiviertelstunde lang Patterns vor und feilte mit uns an den einzelnen Lektionen. Für die jungen Pferde war das Training intensiv und sie schwitzten in der Frühlingssonne ordentlich. Rosie, die mit dem Wüstentemperatur-geprüften Tayr mitmachte, hatte dieses Problem nicht. Dafür hatte sie alle Mühe, ihn angesichts unserer beiden charmanten Damen konzentriert zu halten. Es ist eben Frühling, stellte ich schmunzelnd fest. Bevor wir uns auf den Heimweg machten, fiel Jonas noch ein neues Araberpferdchen auf Rosies Weide ins Auge. «Schau mal, da ist noch ein Appaloosa-Tier. Ich dachte zuerst, es sei Numair, aber der ist etwas dunkler.» «Tatsache. Rosie? Is that the filly you mentioned last time?” Die rothaarige Ex-Pflegerin von Pineforest bestätigte. “She’s gorgeous! Definitely coming after Numair.» «I hope she’s also inherited his character, instead of her mother’s. But anyway, she has such a cute head and I love the pink freckles on her face.” Sie schwärmte noch ein wenig weiter, sodass ich beinahe neidisch wurde – das Tierchen sah schon von weitem speziell aus. Letzten Endes wandten wir uns dann doch noch zum Gehen und duschten zurück auf Pineforest die beiden armen, verschwitzten Stuten ab. Chanda machte einen friedlichen Eindruck, als ich sie zurück auf die Stutenweide entliess. Sie sah aus, als könne sie sich nun nach getaner Arbeit so richtig entspannen und das Nährstoffreiche Frühlingsgras besonders geniessen. Jazz blieb noch einen Moment erwartungsvoll beim Zaun kleben, als warte sie noch auf eine letzte Karotte. Jonas und ich hatten leider beide nichts mehr im Sack, also musste sie sich mit den vorherigen Belohnungen zufriedengeben. Wir schlenderten zurück zur Halle und ich bog von dort aus zu den Miniweiden ab, um schonmal die Sulkys für den Nachmittag bereitzustellen, während er gähnend Richtung Haus wanderte. „Du musst noch die Winterreifen wechseln“, rief ich ihm schelmisch hinterher. Er drehte sich als Antwort um und gab mir einen Militärischen Gruss zurück – um anzudeuten „wird ausgeführt, Chef“.

      Die Minis waren den ganzen Winter hindurch einigermassen fit gehalten worden, aber nun im Frühling ging die Show-Saison wieder los, und mit den schneefreien Strassen konnten wir auch wieder mehr Zeit ins Fahrtraining investieren. Deshalb drehte ich den halben Nachmittag lang fleissig Runden auf der Ovalbahn. Zuerst mit Kiwi. Die beinahe ganz weiss gescheckte Stute verlor ihr ungeschorenes Winterfell in Fetzen. Das meiste hing noch an ihrem Bauch und unter dem Kopf. Ich striegelte einen Kisseninhalt weissen Fells ins spriessende Gras, danach sah sie etwas weniger zottelig aus. In den nächsten paar Tagen würde sie das Fell wohl vollständig wechseln. Lewis kam etwas verspätet aus dem Mittag und entschuldigte sich mit der Erklärung, dass er mit Quinn, Charly und Parker in der Stadt essen war, wobei sie ziemlich lange hatten anstehen müssen. Das war für mich kein Problem, ich wusste ja, dass meine Pfleger seriös arbeiteten. Lewis schnappte sich Tiki («You could have taken Kiwi, if you had come on time”, neckte ich ihn, wissend, dass Kiwi sein Liebling war). Er ent-fellte sie in Rekordzeit und war mit dem Geschirr anlegen am Ende noch fast eher fertig als ich. Wir schlauften die letzten Riemen durch und führten die Ponys dann von der Weide zu den bereitstehenden Sulkys. Als beide sicher eingespannt waren, fuhren wir zur Ovalbahn. Ich übte mit Kiwi besonders das Zulegen und Aufnehmen, wobei ich einen schicken Show-Trot herauszuprovozieren beabsichtigte. Es klappte auch einigermassen; die Miniature Stute hob ihre Beine höher als sonst. Ich lobte sie jeweils überschwänglich, um ihr die Bewegungen möglichst schmackhaft zu machen. Lewis übte mit Tiki ebenfalls im Trab, allerdings konzentrierte er sich bei ihr mehr auf die Aufrichtung und die korrekte Anlehnung an die Fahrzügel. Gegen Ende des Trainings liess ich die Zügel länger, sodass Kiwi nach unten strecken konnte. Sie wurde dabei zunächst etwas schneller, aber ich bremste sie mit der Stimme und nach einigen Augenblicken waren wir gemütlicher unterwegs. Sie war eben doch noch jung und musste lernen, entspannt und in gleichbleibendem Takt zu laufen. Das wurde an den Shows übrigens auch bewertet. Ich fuhr mit Kiwi zurück und holte als Nächstes Xinu, Lewis machte mit Lining weiter. Die beiden Hengstchen waren etwas einfacher zu einem Bluff-Trab anzustacheln. Sie hoben fast schon von selbst die Vorderbeine, wir mussten nur darauf achten, dass die Hinterhand auch richtig untertrat. Nach Xinu und Lining waren Oreo und Acira dran. Oreo spürte den Frühling und brummelte seiner Halbschwester zu, als wir hintereinander zur Bahn fuhren. Lewis hielt ihn kurz und blieb in einem vernünftigen Abstand. Wir trainierten wiederum fleissig unsere Runden, und zum Spass galoppierten wir auch ein wenig. Aciras seidiger Schweif flatterte in der Kühlen Brise, die sich mit dem Fahrtwind vereinte. Ihre kleinen Hufe schlugen rhythmisch auf dem feinen Kies auf. Zuletzt drehten wir auch noch ein paar Runden mit Darling und Allegra – letztere war noch nicht lange eingefahren und hatte noch etwas Mühe mit der Kommando-Umsetzung. Sie war meist ein wenig zu eifrig und wollte nicht warten, geschweige denn dabei geschlossen stillstehen. Aber auch das würde mit der Zeit immer besser klappen, davon war ich überzeugt. Nach dem Training gab es für alle Minis ein paar Karotten, die wir zur Beschäftigung an den Bäumen auf der Weide aufhängten. Lily half dabei und fand es super, Lining beim ‘Einfangen’ der orangefarbenen Wurzeln zuzusehen.

      Trainingsbericht 31.05.2019 - Galopprennen A auf L
      © Occulta
      Ich musste schmunzeln, als mir bewusst wurde, dass wir heute wiedermal eine ganze Gruppe von Pferden trainierten, die allesamt auf Pineforest aufgewachsen waren. Es erfüllte einem als Züchter einfach mit unglaublich viel Stolz, die ganzen PFS‘ Kürzel auf den Trainingslisten zu sehen. Und noch schöner war es, sie möglichst weit oben auf Ranglisten zu lesen. Doch um dorthin zu kommen, brauchte es Training und Aufwand. Deshalb waren auch heute wieder Intervallgalopps um sechs Uhr morgens angesagt. Ohne Fleiss keinen Preis. Ich sattelte Dolly, die schon wieder besorgt die Nase rümpfte. Ich kraulte die Gurtlage, damit sie sich entspannte. Sie schnappte ein paarmal in die Luft, dann wurde sie ruhiger und senkte ihren Kopf. Ich ermahnte die Pfleger zwar dauernd, dass sie den Gurt nicht von Anfang an ganz anziehen sollten, aber vermutlich hielten sich nicht alle immer daran. Es war mir ein Dorn im Auge, wenn man das Wohl des Pferdes hinter den Zeitplan stellen wollte. Auch wenn es „schnell gehen“ musste, wollte ich, dass man sich die nötige Zeit nahm, um es den Vierbeinern möglichst angenehm zu machen. Ich würde das leidige Thema also wieder bei der nächsten Trainingsbesprechung anstimmen müssen. Ich gab Dolly ein Karottenstückchen, als sie die Trense bereitwillig ins Maul nahm. Das regte sie zudem zum (ab)kauen an, wodurch sie sich besser loslassen konnte. Danach rüstete ich mich selbst mit Helm und Weste aus, ehe ich die junge Stute nach draussen zum Aufsteigen führte. Ich bekam ein Leg-up von Ajith. Während ich auf die übrigen Jockeys wartete, stellte ich meine Armbanduhr ein, damit ich nachher unser Tempo messen konnte. Viele Gadgets benutzten wir im Training nicht, aber die Uhren waren einfach ein Muss und erleichterten die Überwachung der Leistungen der Pferde enorm. Dolly und ich reihten uns zwischen Daedra und Sarabi ein, um mit allen gemeinsam zur Rennbahn zu schlendern. Wir wärmten die Gruppe aus sieben Pferden zunächst wie immer auf dem Galoppweg unter den Tannen ein, dann begaben wir uns zur Mobilen Startmaschine, wo uns Ajith und Oliver empfingen. Der Start war in einem Rennen ebenso wichtig wie der Finish; wir übten zwar vor allem zu Beginn des Renntrainings mit den Zwei- oder Dreijährigen den Start aus der Maschine, aber zwischendurch war es gut, auch mit den erfahreneren Pferden wieder zu den Basics zu gehen. Diese Gruppe aus Dreijährigen konnte ohnehin nicht genug Übung mit der Maschine bekommen. Dazu gehörte das ruhige Hineingeführt-Werden ebenso wie das perfekte Abdrücken beim Aufspicken der Tore. Genau das verpasste Counterfire heute. Sie schlief beim Glockenton und sprang erst eine Länge nach den anderen los. Ich hörte Oliver von hinten genervt rufen „What the hell was that? How is she supposed to win anything like that? And where was your leg, Tom?!” Ich drehte den Kopf, um nach dem braunhaarigen Jockey zu sehen. Der duckte sich nur mit entschlossenem Blick nach unten und versuchte, den wetternden Trainer ignorierend, sich zu konzentrieren. Fire lief in gleichmässigem Takt, nun da sie auf Kurs war. Obwohl wir alle noch in einem ruhigeren, energiesparenden Tempo unterwegs waren, kam sie Stück für Stück näher, bis sie schliesslich neben mir und Dolly lief. Die chromartig glänzende Fuchsstute sah in ihren kraftvollen Bewegungen wundervoll aus. Oliver konnte motzen so viel er wollte – ich fand, dass sie auf gutem Weg war, in den geplanten Rennen zu brillieren. Mambo schob sich auf der Innenseite in der Kurve neben uns vor. Er hatte den Hengst-Vorteil, wie manche Trainer zu sagen pflegten. Aufgrund seines Körperbaus und der männlichen Muskulatur hatte er einfach mehr Kraft als Dolly, die in grossen Sprüngen mitzuhalten versuchte. Ich passte auf, dass sie nicht zu viel Schub verschwendete. Thalia und Life waren noch immer hinter uns, ebenso die lackschwarze Daedra. Wir näherten uns dem 800 Meter Pfosten. Nun folgte der geplante Sprint über 400 Meter, bei dem sich die Pferdchen nach Herzenslust verausgaben durften. Ich gab Dolly die Zügel frei und trieb sie an. Tom brauchte bei Fire diesbezüglich kaum etwas zu machen – die Stute zog ganz von selbst los, als hätte sie mitgedacht. Schon nach wenigen Sekunden fielen Dolly und ich zurück; auch Daedra und Mambo zogen an uns vorbei. Ich liess mich davon nicht entmutigen, schliesslich waren die jungen Athleten schlichtweg nicht alle auf demselben Trainignsstand. Es war sowieso schwierig, ihre Leistungen zu vergleichen. Jedes Pferd hatte seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. Manche lernten schneller dazu was das Handling anging, andere waren frühreif und liefen schon mit drei Jahren Rekordzeiten, wiederum andere brauchten Zeit bis sechsjährig, um sich voll zu entwickeln. Counterfire übernahm unangefochten die Spitze, Daedra drängte sich mühelos bis auf den zweiten Platz vor. Life trudelte zuhinterst hinter Thalia, Sarabi, und mir und Dolly ein. Er war nunmal nicht ganz in Form, weil Darren und David sich mit ihm nicht hauptsächlich aufs Rennreiten konzentrierten, sondern ihn vielseitig ausbildeten. Und natürlich war Darren schwerer als ein gewöhnlicher Jockey; allein dadurch hatte Life schon einen eindeutigen Nachteil, von der Unerfahrenheit seines Reiters mal abgesehen. Darren hatte trotzdem ein Strahlen auf dem Gesicht, als wir in den Trab übergingen und locker zurück zum Bahneingang ritten. „Did you see how nicely he stretched ou this time? I think he really improved a lot. He feels just so great, like he really wants to try hard to win. I’m so proud of my big golden boy!” Ich schmunzelte und stimmte zu – es war toll zu sehen, wie viel Spass die beiden zusammen hatten. Oliver sah das ganze etwas pragmatischer. „Darren, you need to work a bit more on his stamina and train his lazy butt. I heard he likes to eat?” “Yeah, he just loves any kind of treat.” “I can see that. And yourself too, less is more, keep that in mind.” Ein amüsiertes Glucksen ging durch die Runde, aber Darren nahm es gelassen – er wusste, dass wir ihn nur neckten. Wir besprachen das restliche Training etwas ernster und schlossen mit dem Fazit ab, dass wir etwas mehr Starttraining brauchten. Die Pferde und Jockeys mussten allesamt noch etwas mehr daran arbeiten, sich einen frühen Vorteil zu verschaffen, anstatt, in Olivers Worten gesagt, „zuerst gemütlich loszuzockeln und dann frühstens beim 700 Meter Pfosten in die gänge zu kommen.“

      Trainingsbericht 30.06.2019 - Galopprennen L auf M
      © Occulta
      „Thinking about the St. Leger Stakes, there is mainly one big problem for us: the distance. 1 mile, 6 furlongs and 115 yards is challenging, and Counterfire never raced that far before. Any stayer-type horses will have a big advantage and we are likely to run out of energy before we get to the final two furlongs. So our focus must lie on training stamina and strength for a massive acceleration at the very end of the race.” Oliver und ich sassen in der Reiterstube und sahen uns auf dem Smartphone Videos von vergangenen St. Leger Stakes an. „Watch him come from way behind there. That’s what we need to aim for.” “But that’s not really Counterfires style, is it? She likes to run at front and stay there rather than wait behind…” “We have to try. She cannot stay in front over such a distance.” Wir erhoben uns entschlossen von unseren Plätzen und begaben uns zum Hauptstall. Die Jockeys und Ajith sattelten bereits. „Everyone feeling good today?“, fragte ich in die Runde, als sie nach draussen zum Aufsteigen kamen. „Aye boss“, klang es von Quinn zurück, wie immer leicht neckisch. „You are exactly the right person to say so, Miss Callahan. Your mount is our St. Leger champion horse to be, after all.” “We’ll see about that”, murrte Oliver, kaum überzeugt. Ich wusste aber, weil ich ihn seit Jahren schon kannte, dass er innerlich brodelte und es kaum erwarten konnte, Counterfire im September rennen zu sehen. Die anwesenden Pferde für die erste Trainingsgruppe waren eben Counterfire, Deadra, Mambo, Sarabi, Dolly und die etwas ältere Miss Moneypenny. Thalia hatte ich für heute in die nachfolgende Gruppe gesteckt, weil wir sonst nicht genug Jockeys hatten. Penny hatte bereits Erfahrung mit weiteren Distanzen und würde dafür sorgen, dass Counterfire sich bis zum Schluss anstrengen musste. Die Fuchsstute war nämlich wie die meisten Rennpferde motivierter, wenn sie im Kopf-an-Kopf Stil trainiert wurde. Ich selbst gesellte mich zu Oliver zu den Rails und beobachtete das Geschehen, ohne selbst mitzumischen. Wir hatten nämlich noch viel zu fachsimpeln und zu diskutieren, während das Training lief. Oliver gab Quinn nach dem Einwärmen ein Mikrofon, das sie sich hinters Ohr klemmen musste. Damit konnten wir während der ganzen Runde mit ihr in Kontakt bleiben und ihr direkt Anweisungen geben. Dann stellten sich die Pferd-Jockey-Paare zu einem freien Start auf. Oliver gab das Zeichen, woraufhin alle losschossen. Wie besprochen galoppierten Penny und Counterfire in einem taktgleichen, für Rennverhältnisse ruhigen Tempo nebeneinander. Die übrigen Jockeys achteten darauf, aus dem Weg zu bleiben und ihr eigenes Intervalltraining ganz normal zu absolvieren. Nach 1‘200 Metern bremsten sie ab und liessen ihre Reittiere in den Trab fallen. Nur Daedra schien sichtlich unzufrieden, als Counterfire und Penny einfach weiterliefen und davonzogen. Ich stellte mit dem Feldstecher schmunzelnd fest, dass Parker alle Mühe hatte, die Rappstute durchzuparieren. Dann suchte ich durch die Gläser wieder Counterfires Position auf. Die beiden Stuten liefen noch immer dicht beieinander und streckten sich rhytmisch. Allerdings schien es spätestens nach 2‘000 absolvierten Metern so, als müsste Counterfire schon deutlich mehr Kraft aufwenden, um sich neben Penny halten zu können. Als die beiden schliesslich ab 2500 Metern zum Endspurt ansetzten, fiel Counterfire hoffnungslos immer weiter zurück. Sie trudelte schliesslich stark atmend drei Längen hinter Penny bei der Zielmarkierung ein. Oliver und ich sahen uns an; wir beide wussten, dass wir noch viel Arbeit vor uns hatten. Counterfire schlich am langen Zügel zurück zum Hauptstall, wo sie sofort abgesattelt und eifrig von Ajith umsorgt wurde. Sie sah ziemlich müde aus, aber das war zu erwarten gewesen. Ich klopfte ihr auf den verschwitzten, orangenen Hals und murmelte „don’t worry baby, it will get easier.“

      Die zweite Gruppe hatte eine interessante Konstellation. Wir liessen nämlich Thalia und Life zusammen mit Felicita, Deadly Ambition und Odyn laufen. Die drei „neuen“ mussten heute ihren Trainingsstand demonstrieren, denn ich hatte keine Ahnung, auf welchem Niveau sie liefen. Klar war hingegen, dass alle drei eher anspruchsvolle Zeitgenossen waren, die vor allem mit ihrem eigenen Charakter zu kämpfen hatten. „Sensibelchen, wie sie im Buche stehen“, meinte Jonas dazu, als er beobachtete, wie die drei draussen schon beim Aufsteigen zappelten. Felicita war diesbezüglich noch ganz die alte. Auch Quinn schwelgte in Erinnerungen. „I still remember the first time I rode her. She freaked out because of a blackbird. I did not exactly love her for that.” “And yet you begged to ride her today”, bemerkte ich zwinkernd. “Of course! Are you not at all curious about her progress?” “I am.” Unsere Gruppe von Zwei- und Vierbeinern lief gemeinsam zur Bahn. Zunächst wurde fleissig aufgewärmt, dann gab es wiederum einen freien Start – die Maschine wollten wir ein anderes Mal mit den Neulingen austesten. Deadly setzte sich sofort an die Spitze der kleinen Herde. Interessiert beobachtete ich, wie sich die blonde Stute kraftvoll streckte. Sie hatte eine schöne Galoppade und griff weit vor. „This is quality“, stellte auch Oliver laut fest. Ich nickte zufrieden. Am Ende überraschte uns aber eher Odyn. Er war mit seinen neun Jahren schon so etwas wie ein Veteran im Rennsport, und ich war mir unschlüssig gewesen, ob ich ihn überhaupt noch rennen lassen wollte. Aber als Oliver und ich sahen, wie der rote Hengst sich mit kraftvollen, mühelosen Sprüngen vor seine deutlich jüngeren Mitstreiter setzte, waren wir uns sofort einig, dass er noch ein, zwei Seasons vor sich hatte, wenn seine Gesundheit es zuliess. „I think I just fell in love“, hauchte ich zum Chef-Trainer von Pineforest Stable. Der lächelte schief und meinte nur: „Careful, or Jonas might get jealous.“ Felicita schwankte ein wenig und kam nicht so richtig in Fahrt – offenbar war sie Grasboden nicht mehr so gewohnt. Ich glaubte zu wissen, dass es in Amerika drüben viele Sandbahnen gab. Ob es allein daran lag, war aber schwierig festzulegen. Sie war nunmal auch schon acht Jahre alt und damit wie Odyn eigentlich eher auf der abnehmenden Seite des Hügels angelangt. Oliver nahm mir die Aussprache der Gadanken ab und schlug vor, die Stute aus dem Rennsport zurückzuziehen. Vielleicht wartete eine neue Karriere als Springpferd und Zuchtstute auf sie. Das heutige Training hatte ihr aber sicherlich nochmal gut getan. Life und Thalia liefen übrigens brav ihre gewohnten Zeiten. Man konnte nicht jeden Tag neue Bahnrekorde erwarten, und bei ihnen ging es ohnehin im Moment eher darum, Muskulatur und Ausdauer aufzubauen.

      Trainingsbericht 31.07.2019 - Galopprennen M auf S
      © Occulta
      Wir hatten wieder ein straffes Programm heute, inklusive einem weiteren Ausdauertraining für unsere St. Leger Anwärterin Counterfire. Die Stute hatte innerhalb eines Monats schon grosse Fortschritte gemacht und schien sich langsam an die weiteren Distanzen zu gewöhnen. Ich wollte diesmal Odyn mit in der Gruppe mitreiten, damit sie wieder einen erfahrenen Gegner hatte, der sie etwas aufheitzte. Ich bereitete den kräftigen Fuchs vor und sattelte ihn. Er war noch nicht so vertraut mit den Umgangsformen hier auf Pineforest und zeigte hie und da noch etwas flegelhaftes Verhalten, aber das korrigierte ich jeweils geduldig. Dadurch, dass ich nie grob oder unvorhersehbar handelte, gewann er rasch Vertrauen und ich war sicher, dass er sich schon in wenigen Wochen ganz eingelebt haben würde. Schliesslich hatte ich mir auch schon das Vertrauen seiner Mutter erarbeitet, und die beiden waren sich ähnlicher als ich erwartet hatte. Bevor ich Odyn fertig zäumte, sah och nochmal bei den Stuten vorbei. Counterfire war bereits gesattelt, und ich betrachtete nachdenklich den Gurt. Die Stute hatte aufgrund des intensiven Trainings noch etwas abgenommen und ich fragte mich, ob der Sattel nicht nach hinten verrutschen konnte. Ich sprach meine Bedenken gegenüber Quinn aus, die ebenfalls meinte, sie würde sich mittlerweile mit einem Vorgeschirr wohler fühlen. „Ajith?“, rief ich den Pfleger herbei, den ich so halb zwischen den Pferden am Ende der Stallgasse erspähte. „Yes Ms Smith?“ „I think we need to add another half-cup of grain to her diet, she could do with a few more pounds.” Counterfire verputzte jetzt schon so viel Kraftfutter wie One Cool Cat – ich fragte mich, ob die Qualität gut genug war, oder ob sie zu wenige Nährstoffe daraus gewinnen konnte. Ich begab mich grübelnd zurück zu Odyn und kurz darauf stiegen wir alle in die Sättel. Oliver bestand darauf, Daedra ebenfalls die weitere Distanz laufen zu lassen, denn die Rappstute hatte den ganzen letzten Monat hindurch Anstalten gemacht, noch weiter mit Counterfire mitlaufen zu wollen. Allerdings hatte Parker die klare Anweisung, die Stute zu bremsen, sollte sie anfangen zu schwächeln. Wir trainierten heute wieder mit Maschine, also dauerte es einen Moment, bis nach dem Aufwärmen alle bereit standen. Sobald der letzte Vierbeiner drin war, löste Oliver den Mechanismus aus und die Tore sprangen auf. Odyn schoss los und ich hielt ihn von Anfang an neben Counterfire. Seite an Seite rasten die beiden Füchse den Rails entlang über das kurze Gras. In geringem Abstand folgte Daedra, dann kam das restliche Feld, bestehend aus Dolly, Mambo, Thalia und Sarabi. In dieser Aufteilung ging es weiter bis zur 1400 Meter Markierung, danach bremsten letztere vier ab. Counterfire und Odyn galoppierten noch immer in kraftvollen Sprüngen nebeneinander und hielten locker bis zu den 2500 Metern durch. Ich drehte den Kopf aus Neugier nach hinten, um zu sehen, ob Daedra auch noch dabei war. Ich konnte sie aber im ersten Moment nirgens sehen. Erst, als ich überrascht auf die andere Seite blickte, stellte ich fest, dass sie noch immer aussen mitlief. Sie machte keinen besonders schlappen Eindruck, aber ich konnte es nicht genauer beurteilen, denn ich musste meinen Blick wieder nach vorne richten für den Endspurt. Odyn streckte sich kraftvoll aus und drohte, die hart arbeitende Counterfire abzuhängen. Ich zügelte ihn wieder ein wenig, denn wir wollten die Fuchsstute neben uns anstacheln, nicht entmutigen. Es funktionierte und sie gab nochmal alles. Ihre heutige Zeit war die beste, die sie bisher auf diese Distanz gelaufen war. So langsam gelangten wir auf den richtigen Pfad. Wir liessen die Pferde austraben und ich drehte mich abermals zu Daedra um. „How did she come in?“, fragte ich Parker neugierig. „Three lengths behind. But I was surprised how effortless she kept going until we passed one and a half miles.” Auch Oliver schien mehr als zufrieden mit der Leistung beider Stuten. „I didn’t expect her to keep up. I think we should pursue this kind of training with her aswell. And for the other one – if it goes on like this, we might actually have a real chance.” Ich strahlte auf dem ganzen Weg zurück zum Hauptstall vor Stolz.

      Trainingsbericht 30.09.2019 - Galopprennen S auf S*
      © Occulta
      Es war ein gewöhnlich grauer Septembermorgen, den wir uns für das etwas andere Renntraining der jungen Vollblüter ausgesucht hatten. Wir wollten mit ihnen auf die Rennbahn von Warwick, die am nächsten gelegene Grasbahn. Es war sinnvoll, zwischendurch auf fremden Strecken zu trainieren, damit die Pferde nicht nur die Hauseigene Umgebung gewöhnt waren. Ausserdem waren bald wieder Rennen in Warwick, an denen wir teilnehmen wollten; somit war es eine hervorragende Gelegenheit zur Vorbereitung. Für das Training eingeplant waren Thalia, Dolly, Mambo, Sarabi und Odyn, ausserdem kam Darren mit Colours of Life zum Spass mit. Wir putzten die Vollblüter in der Stallgasse des Hauptstalls, zogen ihnen Transportgamaschen an und verteilten sie auf die Transporter. Dank Ajith und der aktiven mithilfe aller Jockeys ging es zügig voran. Wir fuhren kurz vor sieben Uhr los. Der Nebel hielt sich hartnäckig über den Feldern und die Luft war kalt-feucht. Wir stellten die Pferde gar nicht erst in die Sattelstände, sondern banden sie einfach am Transporter an. Thalia zappelte dabei zwar ein wenig, aber das war kein Problem für Parker, die die lustig gesprenkelte Stute sattelte. Nur das Bandagieren wurde durch das Gezappel etwas mühsamer. Ich selbst kümmerte mich um Mambo. Selbst der sonst eigentlich ruhige Junghengst scharrte ungeduldig, sodass ich beim Bandagieren zweimal neu ansetzen musste; das war etwas ärgerlich. Dafür lief er kurz darauf auf der Bahn wunderbar locker und anständig. Wir ritten zunächst im Schritt ein Stück die Bahn hinauf, dann trabten wir nebeneinander. Platz gab es mehr als genug – die Bahn war weitaus grösser als unsere eigene auf Pineforest. Die Pferde mochten das offene, weitläufige Gelände sehr. Sie wurden richtig geladen und wir mussten sie zurückhalten. Thalia schnaubte neben Mambo und mir zweimal wütend, weil sie am liebsten schon losgaloppiert wäre. Endlich war unsere erste Einwärmphase durch und wir galoppierten an. Dabei musste ich bloss in den Bügeln aufstehen; Mambo sprang gleich von selbst ein. Ich hielt die Zügel kurz und achtete auf einen gleichmässigen Kontakt zum Pferdemaul. Der spannend gescheckte Hengst rollte taktvoll voran, seine Bewegungen fühlten sich geschmeidig an. Sarabi holte zu uns auf und ich ahnte, dass Charly die übereifrige Stute nicht mehr lange im Zaum halten konnte. Das trockene, perfekt geschnittene Gras war eben zu verlockend. Wir beendeten dennoch auch diese Phase des Einwärmens und gingen erst danach in das eigentliche Intervalltraining über. Mambo streckte sich dankbar, als ich ihn ziehen liess. Mit kraftvollen Sprüngen beschleunigte er, bis meine Armbanduhr unser gewünschtes Idealtempo mit einem Piepsen ankündigte. Ich hielt dieses Tempo über 400 Meter, dann bremste ich leicht ab und legte nach ein paar hundert Metern erneut zu. Am Ende simulierte ich einen Schlusssprint und forderte nochmal alles. Mambo arbeitete hart und kam fast an seinen persönlichen Rekord heran. Ich stand in den Bügeln auf und klopfte ihm zufrieden auf den Hals. Er wurde langsamer und ging schliesslich in einen lockeren Trab über, ehe ich ihn in den Schritt parierte und ganz strecken liess. In dem Moment hörte ich ein Rufen und drehte mich erschrocken um. Odyn hatte sich wohl irgendwie erschreckt und brannte mit April durch. Auch Life und Dolly liessen sich davon anstecken, sodass alle drei Pferde im Galopp auf mich und Mambo zurasten. Ich trieb den Schecken aus der Fahrbahn und war bereit, ihn abzufangen, falls er ebenfalls losrennen wollte. Aber er blieb bei mir und schnaufte nur mit aufgeregt gehobenem Kopf um zu sehen, was die drei denn so beunruhigt hatte. Thalia stieg zwei-dreimal leicht in die Höhe, weil Parker sie nicht losliess, stand dann jedoch ebenfalls still neben Sarabi. April gelang es nach etwas mehr als dreissig Metern, den kräftigen Fuchshengst wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann bremsten endlich auch Dolly und Life. Nun war auch klar, was der Auslöser gewesen sein musste: ein Wildschwein durchpflügte die Gebüsche bei dem Waldstück direkt neben der Bahn. Die anderen drei Pferde hatten es mittlerweile auch gesehen und sogen angespannt Luft ein. Wir beobachteten es einen Augenblick fasziniert, dann zog es sich tiefer in den Wald zurück. Mambo atmete abermals laut aus, senkte diesmal aber seinen Kopf. Ich lobte ihn lachend und wir nahmen unseren Kurs wieder auf. Auch April, Darren und Rita nahmen es mit Humor und verziehen ihren Reittieren den (einigermassen berechtigten) Schreckmoment. Wir ritten gemütlich zurück zu den Transportern und diskutierten unterwegs angeregt über die Sichtung. Oliver, der beim Bahneingang auf uns wartete, gab ebenfalls noch ein paar Inputs, aber im Großen und Ganzen konnten wir zufrieden sein mit der gezeigten Leistung – trotz dem kleinen Zwischenfall zum Schluss.
      Daedra und Counterfire waren übrigens bei diesem Training nicht dabei gewesen: Daedra erholte sich von den gestrigen St. Leger Stakes und Counterfire hatte einige Tage Ruhe verschrieben bekommen, damit ihr Bein (zum Glück nur eine Schleimbeutelreizung) abschwellen konnte.

      Trainingsbericht 30.11.2019 - Galopprennen S* auf S**
      © Occulta
      Nach den jüngsten war nun die Gruppe vom Vorjahr an der Reihe. Sie waren längst voll ausgebildete Rennpferde, die ihre erste Saison hinter sich hatten und nun für die nächste fit gemacht wurden. Von ihnen wurde ab dem Frühling mehr Kondition und Kraft gefordert, denn die Rennen für Vierjährige waren anspruchsvoller als die ganzen Einsteigerrennen. Auf Daedra und Counterfire warteten also ganz neue Herausforderungen nach der Geschichte mit den St. Leger Stakes, und viele weitere Gelegenheiten, ihre Qualität zu zeigen. Und natürlich wollten wir auch Thalia, Mambo, Dolly und Sarabi genauso fördern – vielleicht steckte in ihnen ja auch noch die ein- oder andere Überraschung. Ich putzte Mambo schonmal in Rekordzeit, denn ich hatte nach dem Versorgen der ersten Gruppe noch mit Oliver diskutiert und hinkte entsprechend hinter den anderen her. Mambo verzieh mir die Eile bestimmt, denn der gesprenkelte Hengst freute sich ohnehin vor allem auf seinen Auslauf auf der Bahn. Er war zwar ein eher ruhiger Genosse, aber er zeigte mir still mit seinem Ohrenspiel, dass er begeistert war, als wir auf den Galoppweg kamen. Wir trabten eine ganze Runde hintereinander in Reih und Glied. Die vor Energie sprudelnden Pferde versuchten zwischendurch zu drängeln, aber die Jockeys hielten sie erfolgreich zurück; das gehörte alles zur Erziehung dazu. Nach dem Einwärmen folgten 1500 Meter ruhiger Galopp mit kleineren Sprints dazwischen. Mambo lief etwas angespannt über die ersten 500 Meter, und ich ahnte schon, dass sich etwas anbahnte, als er dann auch noch zwischendurch übermütig grunzte und den Kopf schüttelte. Irgendwann „platzte“ er schliesslich, nahm den Kopf über die Linie und wollte unter mir davonrennen. Ich bekam ihn mit Mühe wieder unter Kontrolle (wenn er den Hals steif machte, war es gar nicht so einfach, besonders weil wir auf der Bahn nicht einfach jederzeit Volten reiten konnten, sondern auf die anderen Pferde achten mussten). Ich brachte es fertig, ihn die letzten paar hundert Meter noch vernünftig zu reiten, war danach aber selber auch ganz schön ausgelaugt. Ich gönnte mir im Anschluss an das Training eine stärkende Tasse Tee, damit ich für mein letztes heutiges Training mit Odyn wieder fit war. Der Fuchs lief mit Compliment, Strolch, Ally und Raver in der letzten Gruppe des Tages. Anstatt die fünf in die bestehenden aufzuteilen, hatten wir mit ihnen gleich eine neue Gruppe gebildet – sie kannten sich ja grösstenteils schon von früher und kamen dadurch gut miteinander aus. Odyn lief zuverlässig eine rasche Zeit und war konzentrierter bei mir als der noch etwas flegelhafte Mambo zuvor. Mit ihm machte das fortgeschrittene Intervalltraining, diesmal über 1800 Meter, richtig Spass.

      Trainingsbericht 12.03.2020 - Dressur A auf L
      © Occulta
      Gleich im Anschluss an das Galopptraining putzte ich den feuerroten Vollbluthengst Odyn. Ihm stand eine Dressurstunde bevor, als Vorbereitung auf seine baldige Körung. Bei dieser Gelegenheit schlossen sich uns auch gleich Quinn mit Sarabi und Isaiah mit Thalia an. Die beiden jüngeren Vollblutstuten genossen Sondertraining, ebenfalls wegen bevorstehender Zuchtzulassungsprüfungen. Wir mussten uns mit dem Satteln und Aufwärmen beeilen, denn für neun Uhr war die erste Reitstunde von Lisa angesetzt, und bis dahin musste die Halle wieder frei sein. Pünktlich um acht Uhr fanden wir uns deshalb alle drei in der Halle ein und begannen mit dem Warmreiten. Ich achtete schon im Schritt darauf, dass Odyn fleissig vorwärtsging und schön von hinten schob. Ich fragte bereits ein paar Seitengänge ab und machte Schlangenlinien entlang dem Hufschlag. Isaiah und Quinn taten es mir gleich. Danach trabten wir an und ritten auf allen drei grossen Volten, um Biegung zu verlangen. Im Verlaufe des Trainings fragten wir auch kleine Volten ab, machten viele Übergänge und arbeiteten besonders an der Losgelassenheit der drei Vollblüter. Sarabi lief schon richtig schön am Zügel, während Odyn und Thalia noch ein wenig Mühe mit der konstanten Anlehnung hatten. Ausserdem war Odyn eher etwas zu stürmisch unterwegs. Trotzdem war die Trainingseinheit ein Erfolg und ich sah den Körungen zuversichtlich entgegen. Um viertelvor neun Uhr liessen wir die drei in den Schritt übergehen und ritten noch ein wenig am langen Zügel. Die Reitschüler von Lisa füllten unterdessen die Halle, fröhlich plaudernd. Unter die Auswärtigen hatten sich auch Robin, Lily, Ruth und Lea gemischt. Sie nutzten Lisas Stunde, um sowohl die Ponys, als auch ihre eigenen Reitkünste zu fördern. Lily ritt auf Skydive. Natürlich konnte der noch völlig grüne Ponyhengst kaum mit den anderen Reittieren mithalten, was die Lektionen anging. Aber es war eine super Übung für ihn, wenn er in der Gruppe mitlaufen und sich konzentrieren musste. Direkter von Lisas Unterricht profitieren konnten Cambria, Fake und Shira. Die drei Stuten waren allesamt auf S-Niveau angekommen und ihre Reiterinnen feilten nun an den gemeinsamen Dressurfertigkeiten. Es ging um Details, aber auch die waren nunmal wichtig auf einem Turnier. Das korrekte, punktgenaue Einspringen in den Galopp, perfektionierte Kurzkehrtwendungen und flüssige, fliegende Galoppwechsel standen besonders weit oben auf der Prioritätenliste. Ich hatte Zeit, einen Moment in die Reiterstube zu sitzen und zuzusehen, als ich Odyn versorgt hatte. Lily sah zwischendurch etwas verloren aus, wie sie mit Skydive zwischen den konzentriert galoppierenden Pferd-Reiter-Paaren herumkurvte. Aber Skydive gab sich sichtlich Mühe und lief schön schwungvoll, wann immer die beiden eine längere Strecke geradeaus traben konnten. Zufrieden trank ich meinen Tee aus und begab mich dann als letztes zu einem weiteren Fuchs: Vychahr. Auch er wartete auf ein Dressurtraining, und auch bei ihm ging es um Feinheiten. Sobald die Reitstunde vorüber war, konnte ich mit ihm in die Halle. Er war mittlerweile ein wahrer Traum zum Reiten. Seine weichen Gänge hatten sich mit seiner Aufrichtung weiterentwickelt und er konnte nun eine richtig eindrucksvolle Trabverstärkung zeigen. Allerdings musste ich stets aufpassen, dass seine Hinterhand mitkam. Genau daran übte ich heute. Ausserdem feilten wir an unseren Galopppirouetten. Während wir so unsere Runden drehten, kam Lisa mit Brendtwood rein, gefolgt von Jonas und Maekja. Die Isländerstute wollten wir ebenfalls so schnell wie möglich für ihre Zuchtzulassung fit machen, sodass sie im Moment ein ausgiebiges Trainingsprogramm bekam. Trotzdem hatte sie natürlich mindestens einmal pro Woche einen reit-freien Tag, an dem wir entweder spazieren gingen, oder sie longierten. Sie war trotz ihrer acht Jahre noch nicht sehr weit ausgebildet gewesen, als wir sie übernommen hatten. Das machte aber nichts, denn sie war willig und lernte schnell. Nach den ganzen Dressurübungen freute ich mich richtig auf die nächsten Einheiten: Springen.
    • Gwen
      Pflegebericht 03.04.2020 - Ankunft

      Fröhlich griff ich in die Tüte Popcorn und stopfte es mir dann in den Mund. Aufmerksam schauend saß ich auf der Tribüne. Ciaran hatte mich mit zu einem Galopprennen geschleppt. Es war nicht so, dass ich diesen Sport nicht mochte, aber ich kannte mich darin einfach zu wenig aus und hatte auch allgemein eigentlich zu wenig Zeit, um noch einer weiteren Sparte meine Aufmerksamkeit zu widmen. Bisher war ich aber auch noch der Auffassung, wir wären hier, um mal etwas Abwechslung zu haben und etwas anderes zu sehen.
      Als dann jedoch die Galopper sehr ausgiebig vorgestellt wurden und auch einige obligatorisch zum Verkauf standen, ahnte ich allmählich, wieso wir hier waren. "Komm, für Military wäre so einer ideal!", sprach Ciaran begeistert und ich schüttelte nur schweigend den Kopf, ehe ich mir die nächste Hand Popcorn in den Mund schob, diesmal aus Frust. Es war manchmal unglaublich.
      Leider blieb ich aber auch nicht verschont. Bisher hatte ich gekonnt alle Pferde von Ciaran abblocken können und gute Gründe gefunden, doch dann kam sie. Eigentlich war ich gerade auf Toilette gewesen, weshalb ich mich nicht auf der Tribüne befand, sondern soeben am Showring vorbeilief und da kam sie reingeschneit. Aufgeregt schnaubend und leicht tänzelnd und doch von ihrem Reiter mit ganz leichten Paraden wunderbar zu halten.
      Neugierig musterte ich sie und ging dann zurück zu Ciaran. Ich ließ mir zunächst nichts anmerken, denn ich wollte sie erst laufen sehen. Tatsächlich zeigte sie ein sehr solides Rennen. Die beste Galopperin würde sie zu ihrer Zeit nicht werden, aber die Galoppade war kräftig und groß, ideal fürs Gelände. Auch wirkte sie nicht ganz so schmal wie alle anderen, sondern etwas robuster und als ich dann noch hörte, aus welcher Zucht sie stammte, hatte ich ein neues Pferd.
      Ciaran war begeistert. Er liebte große und bunte Sportpferde und PFS' Sarabi fiel somit genau in sein Beuteschema. Wir trafen uns mit ihrer Besitzerin und brauchten gar nicht lange, um ein gutes Angebot auszuhandeln und so fuhren wir an diesem Tag mit einem neuen Pferd nach Hause und ich war mehr als zufrieden.
    • Gwen
      Pflegebericht 13.04.2020 - Erstes Training

      "Lass ihr mehr Raum über dem Sprung!", rief ich quer über den Platz, wandte mich dann um, um Hazel und Herbstblüte zu beobachten. "Gut so, gib' tendenziell innen aber immer mehr nach. Nicht den Zügel wegwerfen, sondern ganz leicht weich werden!". Es war kurz nach 8 Uhr morgens, die Stallarbeiten waren erledigt und Springtraining stand auf dem Plan. Heute mal mit mir zu Fuß. Ciaran ritt unsere neue Stute Sarabi, während Hazel Herbstblüte ritt und Celeste auf Raffinessca saß.
      Sarabi wollten wir gerne in die Vielseitigkeit aufnehmen, weshalb wir uns aktuell ihre Springmanier und generell ihr Können genauer betrachteten und das was ich sah, machte mich sehr zufrieden. Auch Herbstblüte hatte sich gemacht, seitdem sie bei uns war. Die braune, recht unauffällige, Stute blühte förmlich aus und sprang inzwischen sehr sicher. Auch zeigte sie sich unter dem Reiter immer sehr schön und motiviert.
      Raffinessca und Celeste musste ich kaum korrigieren. Die Scheckstute trug sich gerade wunderbar selbst, trat souverän unter und Celeste saß ruhig und entspannt im Sattel. Sie forderte gerade Schlangenlinien, Volten und Tempiwechsel, um die Stute noch etwas geschmeidiger und durchlässiger zu bekommen und es klappte. Beim nächsten Sprung sahen die beiden wirklich einwandfrei aus.
      Ich baute den Parcours noch etwas um und ließ dann jeden noch einmal springen. "Achtung, lieber ein Galoppsprung mehr, als sie zu groß werden lassen!", rief ich Celeste zu, als die Distanz nach einer engen Kurve doch nicht so passte wie gedacht. Celeste gab eine halbe Parade, saß tiefer ein, so dass Raffinessca sich direkt mehr versammelte und noch einen Galoppsprung vor das Hindernis setzte und so doch noch passend und mit viel Kraft springen konnte.
      Ich lobte beide und war sehr zufrieden, auch die anderen beiden Durchgänge sahen gut aus und so entließ ich die drei zum Abreiten, während ich die Hindernisse abbaute. Im Stall wurden die Pferde abgesattelt, abgespritzt und bekamen ihr Pre-Work-Futter. Ich hingegen holte mir Panino und Pinero von der Koppel und putzte die beiden schönen Tigerschecken, denn ich wollte mit Ciaran noch ein Ründchen raus. Inzwischen schien herrlich die Sonne und ich war mir sicher, dass es bald auch noch etwas wärmer werden würde.
      Während er also mit den Mädels die Springpferde versorgte, sattelte ich bereits die Schecken und perfekt passend waren wir zeitgleich fertig, so dass er sich direkt neben mir in den Sattel schwingen und wir losreiten konnten. Die Strecke war heute sehr waldig, doch bei der plötzlich so starken Sonne, wollte ich vorsichtig sein. Dennoch machten wir einen Abstecher zum Fluss und einen Galopp die Wiese entlang ließen wir uns auch nicht nehmen und genossen das schöne Wetter.
    • Gwen
      Pflegebericht 29.05.2020 - Neue Gesichter, Veränderungen und doch bleibt alles beim Alten

      Es war Ende Mai. Ostern und Himmelfahrt waren bereits geschafft, nun stand Pfingsten an. Beliebte Feste, um auch diverse Turniere zu veranstalten und so waren unsere Wochenenden immer randvoll gefüllt und wir kamen beinahe gar nicht hinterher mit der Arbeit. Ich sowieso nicht, neben meinem Dasein als Bereiter und Trainer, versuchte ich auch weiterhin meine Pferde selbst auf Turnieren vorzustellen, eben auch international und das war zeitlich manchmal kaum zu schaffen, besonders, wenn man ganz locker flockig nebenher noch eine Ranch und einen Ausbildungsbetrieb leitete.
      Die Anmeldungen für die Pfingstturniere waren bereits raus und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Dennoch ging es bei uns entspannt zu. Wir hatten einen festen Rhythmus und so konnte alles in Ruhe stattfinden. In letzter Zeit hatten wir viele neue Pferde begrüßen dürfen, denn wir hatten ein wenig aufgestockt. Somit hatte sich die Weidekonstellation ein wenig verändert und besonders das Eingewöhnen der Neuen hatte durchaus ein wenig Zeit beansprucht, aber alle waren bisher mehr als gut angekommen.
      Aktuell hatten wir eine Jungpferdeherde bestehend aus vier Hengsten. Neben den altbekannten Gesichtern, PFS' Disparo de Fiasco und Stolen Dance, waren zwei neue Jungspunde eingezogen. Zum einen Carino di Royal Peerage und Flavor's Feverdream. Die beiden hatten sich inzwischen bestens eingelebt und die Konstellation der vier Junghengste war wirklich sehr angenehm und passt für dieses Jahr wunderbar. Eventuell würden wir sie den Sommer über in die Berge schicken, doch so richtig sicher war ich mir noch nicht, zumal Fiasco bald mit dem Training würde beginnen können.
      Bei den Sportponys hatte sich nicht zu viel verändert. Unsere eigenen Nachzuchten starteten dieses Jahr langsam durch. Hollybrook's Arce und Ohnegleichen liefen bereits erfolgreich Turniere. Nuriya und Prismatic waren noch in der Vorbereitung, machten sich jedoch mehr als gut. Auch über die beiden neuen Stuten Chatana und Golden Flair konnte ich mich nicht beschweren, denn sie erfüllten ihren Soll zur Genüge.
      Mein besonderes Augenmerk lag hingegen auf unserem Neuling Caspian. Nachdem Golden Flair und Blue Moon's Caradoc zu uns gezogen waren, hatte ich neugierig ihre Nachkommen durchstöbert und war kurzerhand auf Caspian gestoßen und hatte mich sofort verliebt. Kurz darauf war der wunderschöne Schecke zu uns gezogen und erweiterte nun unsere Zucht, genauso wie der Rappe Bartholomäus.
      Beide Hengste waren noch im Aufbautraining, doch man sah bereits gute Fortschritte und ich war sehr optimistisch, dass sie diesen Sommer noch die ein oder andere Schleife nach Hause bringen würden. Bei unseren Alteingesessenen machte ich mir da keine Sorgen. Altair und Ohnezahn hatte ich dieses Jahr etwas zurückgehalten, genauso wie Neelix und Dead Memories. Stattdessen widmete ich viele Starts Zipje und Andvari, damit die Jüngeren auch zum Zug kamen.
      Nur bei Back To Business wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Schönen machen sollte. Aktuell trudelten viele Zuchtanfragen ein und mit Bedacht wählte ich passende Stuten aus, aber ansonsten kam er doch manchmal etwas zu kurz. Nichtsdestotrotz hatte er einen soliden Trainingsplan, welcher strikt verfolgt wurde.
      Gleiches galt für die Damen. Nayala, Ameya, Tawny Bawny und Snow White Cassedy standen gut im Training, auch wenn sie dieses Jahr weniger Turniere gingen. Doch da mussten die Erfahrenen auch mal den Unerfahrenen Platz machen. Beispielsweise Moon's Gealach, welche langsam routinierter wurde, was Turniere betraf.
      Ich schickte meist ein erfahrenes Pferd mit einem jungen auf Turniere und dieses Prozedere klappte mehr als gut. Zufrieden musterte ich die vor mir grasende Herde, während ich mir über die Turniersaison Gedanken machte. Vor mir standen Sinfonie, Shenandoah, Smoke Cream und Ensnare the Sun. Alle vier Stuten grasten zufrieden und wenn genau hinschaute, konnte man am Horizont auch die Silhouetten von Ceredwen und Fagy ausmachen.
      Wir hatten unser Weideland ein wenig ausgebaut und so im Sommer nun riesige Weiden und die Pferde genossen es auch wirklich. Auch die Großpferde hatten dieses Jahr gut zu tun. Pinero und Panino sammelten weiter Schleifen, während Kedves und Khadir dieses Jahr eher im Home-Office blieben. Aspantau und auch Herbstblüte brachte ich nach und nach in die Turniere ein, hatte aber eben manchmal nicht genug Reiter.
      Und dann gab es da unsere beiden Neulinge: PFS' Sarabi und PFS' Scion D'Or. Zweitere stammte von einer guten Freundin, welche sich ein wenig verkleinert hatte, während erstere noch direkt von Pineforest zu uns gekommen war. Witzigerweise fiel mir erst im Nachhinein auf, dass die beiden Stuten nicht nur aus der gleichen Zucht stammten, sondern auch noch Halbgeschwister waren.
      Sarabi war nun bereits gut einen Monat bei uns und hatte sich bereits gut eingelebt. Goldie hingegen war erst seit zwei Tagen da und stand deshalb noch auf einer Extra-Weide. Dennoch hatte sie schon immer mehr Kontakt zu den anderen und der Plan war, sie mit Raffinessca und Sarabi demnächst zusammenzustellen, damit sie allmählich eingegliedert werden konnte.
      Es gab also viel zu tun, doch ich war mehr als zufrieden damit und genoss die schöne Zeit einfach so wie sie war.
    • Gwen
      Pflegebericht 11.07.2020 - Galoppstrecke

      Mein Wecker klingelte kurz nach vier Uhr morgens. Halb fünf waren PFS' Scion D'Or und PFS' Sarabi geputzt, eingedeckt und hatten ihre Transportgamaschen um. Ciaran fuhr den Jeep samt Hänger vor und ich schickte die beiden in den Hänger. Die beiden waren trotz ihres jungen Alters super routiniert, weshalb sie ohne zu Mucken alleine auf den Hänger gingen. Ich band sie vorne an, schloss hinter ihnen die Stange und dann ging es schon los.
      Zwei- bis dreimal die Woche ging es nach Dauphin auf die Rennbahn. Normalerweise war das nicht unser Milieu, aber seitdem wir die beiden Nachwuchssportler aus der Pineforest Zucht hatten, wollten wir ihr Potenzial doch noch ein wenig fördern. Immerhin hatten beide bei ihren Vorbesitzern noch voll im Training gestanden. Wir brauchten circa eine halbe Stunde bis zur Bahn.
      Dort warteten bereits unsere beiden Trainingsreiter auf uns. "Guten Morgen!", begrüßte ich die beiden lächelnd. Ich hatte mich bei der Wahl nicht leicht getan, war aber inzwischen mehr als zufrieden. Wir luden die beiden Stuten aus, sattelten sie und schickten sie dann mit ihren Jockeys auf die Bahn. Dort wurden sie in Ruhe aufgewärmt und dann durften sie heute ein Trainingsrennen gegeneinander laufen.
      "Aber nicht bis aufs Äußerste, haltet sie locker und gerne auch eher nebeneinander, um sie anzuspornen", gab ich noch kurze Anweisungen, ehe die beiden verschwanden. Die Zeiten der Stuten waren heute mehr als solide. Ich war zufrieden. Lächelnd saßen auch die beiden Reiter auf den Pferden, lobten sie ausgiebig und ritten sie ab. Danach übernahmen wir wieder.
      Ciaran schnappte sich Sarabi, ich Goldie. Wir sattelten sie ab und spritzten sie ausgiebig ab. Dann bekamen sie ihre Abschwitzdecken über und wurden trocken geführt, ehe es wieder in den Hänger und zurück auf die Ranch ging.
    • Gwen
      Pflegebericht 14.07.2020 - Umbau

      Einige Veränderungen standen bei uns aus. Lange hatte ich überlegt und mit mir gerungen, doch die Ranch sollte einen neuen Anstrich und einige kleine Veränderungen bekommen. Bisher hatte das uns nicht wirklich beeinträchtigt. Es hatte sich um neue Trainingsmöglichkeiten und Weiden gehandelt, so dass wir ganz gut normal hatten weiterarbeiten können. Doch auch das Stallgebäude sollte komplett erneuert werden und somit mussten die Pferde zwischenzeitlich umziehen.
      Vorgestern waren die vorerst letzten Berittpferde abgeholt worden, so dass nur noch unsere eigenen da waren. Zum Glück hatte ich tolle Freundinnen und damit Nachbarn, die zu gerne meine Vierbeiner für einige Wochen bei sich aufnahmen. Mit den Jungpferden war das sowieso kein Problem, die vier Chaoten brachte ich für die Zeit auf die Bergwiesen, welche ich grundsätzlich sowieso jährlich für die Jungpferde pachtete. Aber die anderen sollten natürlich weiterhin im Training stehen.
      Außerdem hatten Lena, Elena und Elisa mir zugesagt, mich beim Training zu unterstützen, weil natürlich die zusätzlichen Wege auch Zeit fressen würden. Ich war mehr als dankbar.
      So teilte ich die Pferde so auf, dass jeder einen Teil zu trainierender Sportler hatte und aber auch welche, die aktuell eher nicht auf Turniere mussten. Das funktionierte besser als gedacht und da ich den Wechsel schon länger plante, waren auch alle vorbereitet. Auch mein Team teilte ich zu den Nachbarstallungen auf, so dass jeder immer nur zu einem Stall fuhr und dort die jeweiligen Pferde arbeitete. Effizienz war das Stichwort.
      Hazel würde sich um unsere Schützlinge auf Crescent Acres kümmern. Ciaran und Celeste schickte ich nach Sanssouci, denn dort standen die zweitmeisten Pferde von uns. Und ich kümmerte mich um die Schützlinge, welche Zuflucht auf Townsend Acres fanden. Dementsprechend zogen dort auch meine Kandidaten ein: Altair, Ohnezahn, Ohnegleichen...
      Dieses Wochenende standen die Umzüge statt und wir ritten zum großen Teil die Pferde in ihre jeweiligen neuen Stallungen. Ich dankte meinen Freundinnen tausend Mal als wir abends dann alle beisammen saßen und von den Männern begrillt wurden, während wir mit einem guten Sekt anstießen. "Ich bin ja echt gespannt, was du dir alles so ausgedacht hast", meinte Elena und grübelte. Ich hatte bisher nicht verraten, was alles angedacht war, umso gespannter waren natürlich alle.
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  • Album:
    Weststallungen
    Hochgeladen von:
    Gwen
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    3 Apr. 2020
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  • Rufname: Ari
    Geburtsjahr: 2016

    Von: Stromer
    Aus der: unbekannt

    Rasse: Englisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Perlino Sabino
    Stockmaß: 167cm

    Beschreibung:
    Sarabi schnappt Neues schnell auf und lernt neue Aufgaben auch ziemlich rasch, so dass man sie als sehr intelligent einstufen kann. Darüber hinaus sollte man immer sicher gehen, dass man alles gut verriegelt hat, sonst sieht man sie auf dem Hof rumturnen, da sie ziemlich unausgeglichen ist und sie sich schnell langweilt. Sarabi hasst es gebadet zu werden, generell ist sie weniger so die Wasserratte und so hat man oft Mühe, sie durch Pfützen zu führen. Sie ist so verfressen, dass sie den Besitzer aussehen lässt, als würde man sie nie füttern. Man sieht sie hauptsächlich an der Heuraufe und auch sonst sucht sie gerne in Taschen nach Leckerlis oder Futter. Noch zeigt sie beim Spazieren gehen, dass sie Angst vor Großen Steinen an der Straße hat und versucht sich dort häufig los zu reißen oder einen großen Bogen darum zu machen. In der Herde zeigt sie sich ranghoch und will häufig um die Rolle der Leitstute kämpfen, auch wenn sie noch sehr jung ist. Immerhin kommt sie einem auf der Wiese entgegen.

    Sarabi stammt aus der Zucht Pineforest Stable.

    Ersteller: Occulta
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Occulta

    Galopprennen S*** - Springen L - Military A - Dressur L - Distanz A

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