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Rhapsody

PFS' Gamble Away

engl. Vollblut -- im Besitz seit 04/2016 -- von Gleam of Light -- Aa Ee

PFS' Gamble Away
Rhapsody, 1 Apr. 2018
Cooper, Rinnaja, Zaii und 4 anderen gefällt das.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      1/11

      Viele viele Bunte...
      17. April 2016 -- Occulta

      „Occu, Blütenzauber bekommt ihr Fohlen!“, rief Lisa mir vom Hauptstall entgegen. Ich hastete dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Im selben Moment rief Lily hysterisch vom Nebenstall: „Ich glaube Skydive hat gehustet, Tante Occu! Komm schau ob er krank ist!“ So ging das nun schon seit Wochen; ein Fohlen nach dem anderen kam zur Welt. Naja, eigentlich war ja auch absichtlich geplant gewesen, dass die Fohlen fast alle März kommen sollten. Ich rollte die Augen und drehte um. Ich wusste schliesslich genau, dass mir meine kleine Nichte keine Ruhe lassen würde, bis ich mich um ‚ihr‘ Fohlen kümmerte. Wie erwartet hatte sich Skydive aber nur beim Trinken verschluckt, sonst fehlte ihm absolut nichts. Das Hengstchen war kräftig und verspielt, und manchmal überlegte ich skeptisch, ob er nicht schon fast etwas zu moppelig war. Als Lily mich endlich gehen liess, lag Blütenzaubers Fohlen schon als feuchtes Bündel neben ihr im frischen Stroh. Ich betrachtete die beiden liebevoll und versuchte zu erkennen, welches Geschlecht das Tierchen hatte. „Eine Stute!“ Über einen Namen würde ich mir später Gedanken machen. Das Fohlen war das erste von Spot und dementsprechend neugierig war ich auf seine Qualitäten. Ich sah ein paar Boxen weiter nach Caprice und ihrem wolligen braunen Hengstchen, das Gestern in der Frühe geboren worden war. Die Fuchsstute war entspannt und kümmerte sich liebevoll um ihr Erstgeborenes. Sogar noch besser war es vor zwei Wochen mit Pointless gelaufen. Das gepunktete Monster hatte uns alle überrascht und sich als hervorragende Mutter entpuppt. Ausserdem war ihr Fohlen eine unglaublich hübsche, dominant weisse Stute mit ganz feinen, braunen Fleckchen auf dem ganzen Körper. An der Schnauze und um die Augen hatte sie ebenfalls dunkle Flächen, die aufgrund des dort feineren, weissen Fells noch etwas deutlicher zu sehen waren. Auch sie hatte noch keinen Namen, aber ich spielte mit der Idee ‚A Winter’s Tale‘. Ausserdem hatte ich bereits beschlossen, sie definitiv zu behalten, denn ich war neugierig, wie sie sich entwickeln würde. Ich wusste noch nicht genau, welche Fohlen dieses Jahrgangs wir sonst noch zur Ausbildung hier behalten würden; das wollte ich in den kommenden Tagen zusammen mit Oliver bestimmen. Ausser den drei bereits erwähnten Babys hatten noch ein Welsh von Noir, ein Mini von Alu und ein Criollo Fohlen von Gini das Licht der Welt erblickt. Ja, nun war der Frühling definitiv gekommen. Ich freute mich schon auf die letzten Geburten, die noch bevorstanden. Bei Indiana undIslah konnte es jetzt auch jeden Tag so weit sein. Doch nicht nur solch junge Neuankömmlinge hatten wir in letzter Zeit begrüssen dürfen; auch sonst hatte sich viel verändert. Zum Beispiel stand nun in Box Nummer 14 der wunderschöne Fajir El Assuad, ein knapp sechsjähriger Halbbruder von Kaythara. Ich erhoffte mir, ihn später erfolgreich als Zuchthengst einsetzen zu können, denn seine Abstammung war ausgezeichnet. Der einzige Haken daran war, dass er sozusagen keine Rennleistung hatte. Er war früh aus den Rennen zurückgezogen und stattdessen in Dressur oder Springreiten trainiert worden, sodass ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, wie gut seine Nachkommen auf der Bahn sein würden. Vom Körperbau her schien er aber alle Voraussetzungen für einen guten Galopper zu erfüllen. Ausser Fajir waren noch Shattered Glass, eine Paint Horse Stute, und Dante, ein Holsteinerhengst übergangsweise hier. Ich hatte die Beiden von einem Rettungshof übernommen und bereits neue Besitzer gefunden, doch solange der Papierkrieg um die Ausfuhr noch andauerte, blieben sie hier. Auch Álaedis hatte den Weg zurück nach Pineforest Stable gefunden: ich hatte die Stute zurückgekauft, weil sie vernachlässigt worden war. Nun überlegte ich, ob ich sie vielleicht als zukünftige Zuchtstute behalten wollte, doch es hatten sich auch für sie schon wieder Interessenten gemeldet, also würde ich sie wohl weiterziehen lassen. Der letzte Neuling, der heute ankommen sollte, war ein prächtiger Andalusierhengst, den ich im Frühsommer zusammen mit den meisten Fohlen dieses Jahrgangs versteigern wollte. Ich hatte ihn ebenfalls von einem Schutzhof freigekauft und wollte ihn nun aufpäppeln. Er war laut den Tierschützern in Spanien bereits Gekört worden und hörte auf den Namen Negresco. Seine Ankunft war für fünf Uhr geplant, also hatte ich noch etwas Zeit, mich um die Minis zu kümmern.
      Es war drei Uhr, die Sonne schien und die Vögel wollten gar nicht mehr ihren Schnabel halten. Ich schlenderte Barfuss und mit hochgekrempelten Hosen durch das saftige Gras am Wegrand zu den Weiden. Nur im Schatten der Tannen war es noch etwas zu kalt, sodass ich leichte Gänsehaut bekam. Ich hüpfte über den Schotterweg zum Weidetor und betrat das Reich der Stuten. Meine Hornhaut ist auch nicht mehr das, was sie mal war, stellte ich angesichts meiner nun etwas schmerzenden Füsse fest. Aber das wird sich bald wieder ändern. Chip, Daki undAllegra kamen angetrabt, die restlichen glotzten mich nur von weitem an, weil sie genau wussten, dass es nicht Futterzeit war. Ich wich Dakis Hufen geschickt aus, als sie mir fast auf die Füsse trampelte, mit dem Resultat, dass ich fast über Allegra stolperte. Der winzige Fellball versteckte sich erschrocken hinter ihrer Mutter, nachdem sie mir einen warnenden Tritt verpasst hatte. Na zum Glück ist sie noch so klein und schwächlich, dachte ich augenrollend, und rieb mir die Wade wo sie mich getroffen hatte. Ich konnte ihr aber nicht wirklich böse sein, weil es ja meine Schuld gewesen war. „Stupid humans shouldn’t come here barefoot, right?“, rief ich lachend. „That’s probably right“, rief eine Stimme hinter mir zurück. Lewis stand mit der Mistgabel beim Offenstall; ich hatte ihn zuvor gar nicht bemerkt. Er grinste und machte sich wieder an die Arbeit. Ich lief zu den restlichen Stuten, die in der Nähe der Bäume grasten. Alu und ihr kleines Anhängsel wurden von Papillon beschützt, die sehr Herdenorientiert war und sich anscheinend dazu verpflichtet fühlte. Ich machte mir aber ein wenig Sorgen, dass Papillon das Kleine vielleicht stehlen könnte. Daher bat ich Lewis später ‚to keep a close eye‘ was die beiden anging. Bei den Minis musste nur noch Rapunzel abfohlen. Sie war ein richtiges Fass auf zwei Beinen und ich fragte mich, wie lange sie noch brauchen würde. Eigentlich war der errechnete Termin schon vor über einer Woche gewesen. Andererseits hatte die Stute bei ihrem letzten Fohlen auch etwas länger gebraucht, und am Ende war trotzdem alles gut gegangen. Wo wir schon vom Teufelchen sprachen - Kicks-a-Lot und Tigrotto lieferten sich gerade dem Zaun entlang ein Wettrennen, mit anschliessendem Gerangel. Tic-Tac sah ihnen bloss verschlafen zu, denn sie lag zusammen mit Lady und Rose im Schatten. Ein wenig Training würde ihnen wiedermal guttun, beschloss ich bei Kiwis pummeligem Anblick. Ich hatte in letzter Zeit mehr mit den ausgewachsenen Minis trainiert und die Halbstarken etwas vernachlässigt. Dafür war Lady Diva was das Country Pleasure Fahren betraf nun in die höchste Turnierklasse aufgestiegen.
      Bevor ich wieder zum Nebenstall schlenderte, sah ich kurz bei den Hengstchen rein. Die Langweiler dösten alle im Offenstall, anstatt das tolle Wetter draussen zu geniessen. Ich ging nicht näher heran, um Arco, Caress und Caillean nicht zu stören. In einer Ecke des Stalls lag Becks, den ich vor ein paar Tagen gekauft hatte. Er brachte frisches Blut in meine Zucht und war bereits ein erfahrenes Showpferd. Rapunzel hatte sogar schon einmal Bekanntschaft mit ihm gemacht – das Fohlen von den beiden war damals aber an einer Krankheit gestorben. Immer noch barfuss begab ich mich zu Dreams Box, weil ich Lily suchte. Doch sie war ausnahmsweise nicht hier. Erstaunt sah ich mich um und rief nach den Hunden, die jeweils auch ein gutes Indiz für den Aufenthaltsort meiner Nichte waren. Sheela und Zira kamen hinter der Halle hervorgeschossen, Jacky folgte ihnen humpelnd. Sie war letztens ziemlich übel gestolpert und hatte sich die Pfote dabei verstaucht; nichts Ernstes, aber es würde noch ein/zwei Wochen dauern, bis sie wieder ganz normal lief. Ich lobte die drei für ihr rasches Auftauchen und lief dann, von ihnen verfolgt, auf dem Schotterweg zur Ovalbahn. In der Ferne sah ich Ajith und Quinn beim Osteingang zum Hof stehen. „What’s going on?“, fragte ich, sobald ich bei ihnen war. „Muskat broke free from Charly, when he was trying to get him and Cantastor back to the barn. At first he was able to hold back Canto, but then he fell and Canto got away too. They both ran in this direction; Lily and Charly are following them. We’re standing here in case they manage to chase them back.” Ich entgegnete wütend: “What was he thinking by taking them both at once? He must have known It’s springtime and the horses are all very jumpy!” Ajith zuckte mit den Schultern und Quinn schüttelte den Kopf. Ich nahm Quinn mit zum Nordstall, wo wir Calico und Dod sattelten, um die Ausbrecher einfangen zu gehen. Ich konnte nicht gut mit einem Lasso umgehen, weshalb ich darauf hoffte, nahe genug an die beiden heranzukommen, um die Führstricke zu fassen, die noch immer an den Halftern hängen mussten. Quinn und ich ritten an Ajith vorbei raus und trabten schon nach einer kurzen Einwärmzeit an, um die Verfolgung aufzunehmen. Zunächst mussten wir Charly und Lily finden. Nach langem Rufen begegneten wir ihnen weiter oben am Flussufer. „Where are they?“, fragte ich hoffnungsvoll. „We last saw them somewhere over there, but they’re hidden behind the bushes now.“ Charly deutete zu den Büschen weiter oben. Wir teilten uns auf und ritten, beziehungsweise liefen um das Gebiet herum, sodass wir die Pferde von Norden her einfangen konnten. Mit dieser Strategie wollte ich verhindern, dass sie noch weiter weg liefen. Vorsichtig streiften wir an den Büschen vorbei, bis ich Cantastor entdeckte. Der Dunkelbraune sah mich und Dod mit gespitzten Ohren an. Er blieb zum Glück ruhig stehen, sodass ich mich nähern konnte und sein Seil zu fassen bekam. Ich lobte ihn erleichtert und band sein Seil am Sattelhorn fest. Dann trabte ich weiter auf der Suche nach Muskat. Die anderen hatten ihn inzwischen aufgespürt und umkreisten ihn, doch er suchte bereits nach einer Lücke zum entwischen. Als Quinn auf ihn zuritt, drehte er ab und bretterte mit Fahnenschweif in Richtung Pineforest Stable zurück. Canto tänzelte etwas und rief seinem Kumpel lautstark, versuchte aber nicht, sich wieder loszureissen. Ich befahl Charly, sich auf Cantos Rücken zu schwingen und an der Mähne zu halten, während die kleine Lily bei Quinn vorne mit aufstieg. Wir trieben Muskat in die Richtige Richtung, sodass Ajith einen entscheidenden Versuch hatte, ihn zu fassen zu bekommen. Der dunkelhäutige Pfleger warf die Arme hoch und liess Muskat abbremsen, dann schnappte er sich zielsicher den Strick des Hengstes. Wir jubelten ihm zu brachten dann die beiden Vollblüter gemeinsam zurück zum Hauptstall. Quinn meinte lachend zu Ajith: „That was not bad, he had no chance!“ Er winkte ab, grinste aber übers ganze Gesicht. Charly hatte seine Lektion gelernt und versprach, in Zukunft zumindest die Hengste einzeln zu führen. Kurz darauf kam Negresco an und wurde von Jonas in seine vorläufige Box im Nordstall gebracht. Der Braune hatte einen wunderschönen Kopf und ich konnte mich nur schwer davon abhalten, mit dem Gedanken zu spielen, ihn hier zu behalten.
      Am Abend sassen wir alle auf Gartenstühlen und Bänken unter den drei Bäumen zwischen dem Pflegerheim und dem Haupthaus. Nur Elliot, Lisa und Oliver waren noch unterwegs, um ausserhalb von Pineforest Stable Reitstunden zu geben. Es gab Tee und Kekse, was nach dem langen Arbeitstag eine verdiente Wohltat war. Wir überlegten uns Namen für die Fohlen, war gar nicht so leicht war. Sie mussten nicht nur gut klingen, sondern auch zu den Namen der Eltern passen und später von den Sprechern bei Rennen oder Turnieren gut genannt werden können. Für Pointless‘ Fohlen setzte sich ‚A Winter’s Tale‘ durch, denn uns fiel ausser ‚Surely no Spots‘ und ‚Snowbutt‘ nichts mehr ein (Lewis machte einen Schmollmund, als ‚Snowbutt‘ einstimmig abgelehnt wurde). Blütes Fohlen wurde dank Rosie vorläufig ‚Savory Blossom‘ genannt. ‚Gamble Away‘ wurde es für Mikkes Fohlen. Das kleine Welsh-Tier nannte ich ‚Daydream of Money‘, als Anspielung auf Noir’s französischen Namen. Ginis Fohlen hiess fortan ‚Dreams of Revenge‘ und das Mini-Fohlen von Alu ‚Arctic Alinghi‘. Bei der anschliessenden Stallkontrolle entdeckten wir ausserdem, dass bei Indiana die Wehen eingesetzt hatten. Die Geburt verlief Problemlos und ohne unser Eingreifen. So stand eine Stunde später auch Spots zweites Fohlen, ‚Stop Making Sense‘, zum ersten Mal auf wackeligen Beinen. Ich mochte dieses Kerlchen schon jetzt ganz besonders, weil es fast dieselben wilden Sprenkel wie sein Vater trug. Ausserdem hatte es einen Bildschönen Kopf.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
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      Die Auktion
      13. Mai 2016 -- Occulta, Canyon, Gwen, Rhapsody

      Occu’s Sicht:

      Als ich den oberen Teil des Hauptstalls betrat, wieherten und grunzten mir die meisten der Hengste entgegen. Hinter mir folgten die ersten Pfleger; es war wiedermal sechs Uhr morgens, an einem laut Wetterbericht sonnig werdenden 30. April. Im Moment waren die Aussichten jedoch eher grau.
      Wir schnappten uns die Schubkarren mit den Futtereimern, füllten sie bei den Futtertonnen auf und verteilten dann das Frühstück. Die meisten Vollblüter waren anständig und warteten geduldig auf ihre Ration, aber einige, wie zum Beispiel Fly, klopften auch ungeduldig an ihre Boxenwand. Bei den Stuten war das nicht anders, auch hier gab es schwarze Schafe. Aber neuerdings war hier auch das schrille Wiehern der jüngsten Familienmitglieder zu hören. Obwohl sie erst wenige Wochen alt waren, streckten die meisten Fohlen bereits neugierig ihre Schnauzen durch die Gitterstäbe und interessierten sich für das körnige Zeug, das ihre Mütter so gerne mochten. Die Stuten bekamen eine spezielle Mischung, damit sie ihren Energiebedarf decken und den Fohlen genügend Milch geben konnten. Wir warteten, bis die Mütter fertig gefressen hatten und zäunten inzwischen den Weg zur obersten der grossen Weiden ein. Dann schoben wir die Boxentüren auf und liessen sie den Weg hoch traben. Die anderen Stuten, die keine Fohlen bei Fuss hatten, kamen auf die mittlere Weide direkt nebenan. Zuunterst durften die restlichen Stuten aus dem Nebenstall grasen. Islah, Gianna, Noir und deren Fohlen waren ebenfalls bei den anderen Müttern. Insgesamt waren jetzt 9 junge Fohlen auf Pineforest Stable, so viele wie noch nie zuvor! Doch schon in gut fünf Monaten würde wieder Ruhe einkehren, denn dann zogen die kleinen Frechdachse in ihr neues Zuhause aus.

      Ebendieses zukünftige Zuhause galt es heute zu finden. Wir wollten eine kleine Auktion veranstalten, die gleichzeitig eine Art ‚Tag der offenen Tür‘ auf Pineforest Stable war. Dazu begannen Quinn, Ajith, Lisa, Elliot, Lewis, Jonas, Oliver, Rosie, Darren, David, Thomas, Charly und ich jetzt damit, alles aufzuräumen, Stühle und Tische bereit zu stellen und das Gelände ein wenig zu dekorieren. Ausserdem mussten die Pferde selbst hergerichtet werden: Wir flochten die Mähnen der Stuten und Fohlen ein, putzten sie blitzblank und zogen denStuten ihre Lederhalfter an. Ich kümmerte mich gemeinsammit Lisa um das Aussehen der Miniature Horses.

      Ein Pfeifen liess mich aufhorchen. Da kam doch tatsächlich Catalina Dixon daher geschlendert, als wäre es die natürlichste Gegebenheit der Welt. Ich blinzelte ungläubig und begrüsste sie dann mit einer Umarmung. „Was machst du denn schon so früh hier? Es ist acht Uhr, das Fest beginnt erst um 11!“ Sie winkte ab. „Ich weiss, ich weiss. Aber mir war langweilig, also komme ich vorbei um euch zu nerven. Ist ja nicht so als hätte ich einen eigenen Hof mit eigenen Pferden zu versorgen.“ „Ehh?“ „Quatsch, Ich dachte ihr könntet Hilfe gebrauchen.“ Ich zuckte mit den Schultern und meinte: „Eigentlich sind wir gut im Zeitplan, aber wenn du unbedingt möchtest, kannst du natürlich mitanpacken.“ Ich drückte ihr eine Bürste in die Hand und öffnete das Weidetor. Während Cata mit Lisa zusammenRapunzel aufhübschten, kämmte ich Alus Langhaar und sprayte sie ein, damit sie schön geschmeidig und staubfrei war, wie an den Halter Shows. Ausserdem fetteten wir die kleinen Hufe ein. Den beiden Fohlen von Alu und Rapunzel bürsteten wir gründlich den Fohlenflaum und ölten, wie auch bei den Müttern, die Schnauzen ein wenig ein. Allerdings war ich damit wie immer sehr sparsam, weil ich es persönlich überhaupt nicht hübsch fand, wenn die Haut um Augen und Nüstern zu sehr glänzte. Cata werkelte unnötig lange an Cookie herum und ich schmunzelte, weil ich jetzt schon ahnte, für welches Fohlen sie wenn überhaupt nachher bietenwürde.
      Nachdem wir fertig waren, nahmen wir uns auch noch Arco und Caress vor, denn wie die anderen Väter der Fohlen sollten auch sie im Verlaufe der Auktion kurz vorgestellt werden. Ich hielt es für selbstverständlich, dass die zukünftigen Besitzer beide Elternteile ihrer Fohlen live sehen wollten. Becks schien gar nicht zu verstehen, warum er nicht auch im Mittelpunkt stand. Er drückte Catalina die Schnauze in den Nacken, als sie neben Arco kniete um dessen hellen Bauch zu bürsten. Sie schubste ihn empört weg, bevor er an ihren Haaren knabbern konnte.

      Um viertel vor 11 Uhr waren alle Vierbeiner vorbereitet, ein paar Snacks bereitgestellt und das Gelände dekoriert. Wir konnten die ersten Besucher empfangen und einschätzen, wie viel gekocht werden musste. Es waren viel mehr gekommen als erwartet, fast schon zu viele für meinen Geschmack. Lisa stürzte hektisch umher und suchte ihre Autoschlüssel, um noch mehr Zutaten für das Mittagessen einkaufen zu gehen. Am Ende warf ich ihr meine Schlüssel zu, bevor sich ihre Nervosität auch auf die anderen Pfleger übertrug.

      Ich hiess die Leute formell auf Pineforest Stable willkommen und führte eine neugierige Gruppe anschliessend als erstes über das Hofgelände. Cata stand mir bei meinen kleinen Reden unterstützend zur Seite, aber das schmälerte mein Unwohlsein angesichts der erwartungsvollen Gesichter nur wenig. Irgendwie schaffte ich es dann doch, jeweils ein paar halbwegs nützliche Worte zu Hauptstall, Nordstall, Nebenstall und sonst noch allem Dazugehörigen aufzubringen. Zu allem Übel tauchten dann auch noch Fragen zur Fütterung und zum Trainingsplan der Pferde auf, bei denen ich tatsächlich denken musste – es handelte sich eben nicht um den üblichen Touristenschwarm, sondern um eine Gruppe potentieller zukünftiger Pferdebesitzer. Zumindest scheinen sie ernsthaft interessiert und vorbereitet, schloss ich.

      Erst als wir vor dem Dressurviereck auf dem Rasen wieder alle zum Mittagessen versammelt waren, atmete ich auf und musterte die Gäste genauer. Überrascht erkannte ich viele bekannte Gesichter darunter, wie zum Beispiel das von Annabell Schmiedemann. Aber auch meine kanadischen Trainer-Kolleginnen Verena O‘Connor, Elisa Cranfield und Gwendolyn Campbell, in Begleitung von Julie Mayers waren hier. Und nicht zu vergessen Stefanie Westside, die ja nun schon einige Male zu Besuch gekommen war. Eine nach der anderen begrüsste ich sie nochmals persönlich und tauschte ein paar Neuigkeiten aus, bis Ajith und Lisa mit den Spaghetti Töpfen kamen und sich jeder seine Portion schöpfen gehen konnte.
      Zufrieden stellte ich fest, dass um die Tische im Schatten der Bäume gute Stimmung herrschte und die Gäste ausgelassen miteinander plauderten. Man kannte sich bereits von Jolympia, Trainingseinsätzen oder Reiterspielen, abgesehen davon gab es rund um das Thema Pferde sowieso immer etwas zu erzählen. Ich stellte mich neben Gwen und meinte zwinkernd „Schick hast du dich gemacht, aber pass bloss auf, dass du nicht kleckerst.“ Juli, die neben ihr sass, warf ihr einen allessagenden Blick zu und ich schmunzeltevergnügt, ehe ich mich auf die Suche nach Cata begab.
      „Nervös?“, fragte ich sie schelmisch. „Warum sollte ich?“ „Ach komm schon, ich weiss genau, dass du für Cookie bieten wirst.“ „Ich weiss nicht, die kann man ja nichtmal reiten.“ „Stell dich nicht so an, du kannst ruhig zugeben, dass sie dir gefällt“, schimpfte ich. Sie liess nicht locker und zuckte gelassen mit den Schultern. Ich stiess ein übertriebenes „tze“ aus und spazierte davon.
      Auch bei Verena blieb ich nochmal hängen. „So viele Leute… Hast du das geahnt?“, fragte sie mich. „Nicht wirklich, ich hatte mit weniger gerechnet, weil nur zwei pure Vollblüter dabei sind. Die anderen Rassen sind normalerweise etwas… zu exotisch für die Leute in der Umgebung.“ Sie erzählte mir, dass sie schon gespannt auf das geplante Fohlen von ihrer Stute Marly's Pluie und Rebel war. Richtigspannend wurde es aber erst, wenn wir wussten, ob Marly die Körung bestand. Wir spekulierten jedenfalls schon mal über die möglichen Farbkombos, die dabei rauskommen könnten.

      Wenig später verdrückte ich mich langsam aber sicher in den Hauptstall, wo schon die meisten Pfleger wie geplant versammelt waren. „Alright guys, Lisa will lead people to the show ring right now, so let’s take out the boys.” Die Pfleger verteilten sich auf die verschiedenen Ställe um die ihnen zugeteilten Tiere zu holen. Die Stallgasse wurde mit Geräuschen vom Aufschieben der Boxentüren und Hufgetrappel erfüllt. Empire State of Mind, A Winter’s Day und Gleam of Light trugen ihre frisch geputzten Lederhalfter und sahen bestechend schick aus. Ich führte Light, der aufmerksam die Ohren spitzte und durch die Boxenfenster die Leute draussen erspähte. Es war gut, wenn die Hengste etwas aufgeregt waren, denn dann präsentierten sie sich schöner.
      Wir führten einen nach dem anderen raus und stellten sie vor. Oliver, unser stolzer Vollbluttrainer, sagte jeweils ein paar Worte zum Charakter und der Renn- bzw bisherigen Turnierleistung. „…very gentle, nice disposition for Cross Country…“ Light zeigte neben mir im Trab seine schwungvollen Gänge und ich achtete darauf, dass ich irgendwie mithalten konnte. Nach zwei Runden reihtenwir uns schnaufend in der Mitte der Bahn auf und warteten, bis alle gezeigt worden waren. Danach war der Spuk auch schon vorbei und ich konnte den Hengst zurück in seine Box führen.
      Bei den Minis, Arco und Caress, hatten Lewis und Darren jeweils mit einer kleinen Showeinlage nachgedoppelt, bei der sie Steigen und Kompliment zeigten, um die Leute auf die vielseitigen Minis aufmerksam zu machen. Dod hingegen hatte sich nicht gerade von seiner Schokoladenseite gezeigt und auf stur geschaltet, als David ihn in den Trab bringen wollte. Der clevere Hengst wusste genau, dass David sich nicht genug durchsetzen würde. Wenigstens schaffte der Pfleger es am Ende mit Lewis‘ Hilfe doch noch. Der Imposante Daydreaming Sorrow begeisterte das Publikum gleich danach wieder mit einer stilvollen Vorführung.

      Nun wechselte ich in den Stutentrakt, denn die eigentlichen Stars des Tages waren an der Reihe. Ich führte Mikke aka Caprice raus, ihr FohlenGamble Away folgte sofort. Der Kleine wusste gar nicht so recht wie ihm geschah, als ich ihn und seine Mutter auf das Dressurviereck führte. Er sah sich während dem Laufen um und bog ein paarmal fast ab, blieb aber anständig nebendran, sobald ich Caprice in den Trab lockte. Direkt hinter uns folgten Islah mit Empire of Irony, Gianna mit Dreams of Revenge, Piroschka mit der halbstarken Devil in Prada,Argenté Noir mit Daydream of Money und schliesslich die beiden Mini Stuten Alu und Rapunzel mit Arctic Alinghi und Glenn’s Cookie. Wir trabten sie alle miteinander vor und Oliver lieferte wiederum ein paar Infos zu Stute und Fohlen, dann reihten wir uns abermals auf der Mittellinie auf.
      Nun begann endlich die eigentliche Auktion. Ein Fohlen nach dem anderen wurde auf dem Hufschlag vorgeführt und es konnte geboten werden. Gleich beim ersten Kandidaten, meinem kleinen Gamble Away, wurde ein absolutes Rekordgebot verzeichnet. Ich war unglaublich stolz, dass Light’s erster Sohn bei den Leuten so gut ankam, obwohl (oder gerade weil?) er ‚nur‘ in gewöhnlich brauner Jacke auftrat. Andererseits war er auch einer der einzigen beiden puren Englischen Vollblüter, der heute angeboten wurde und ich schätzte, dass viele der Leute in erster Linie wegen ebendiesen gekommen waren. Ursprünglich wäre auch die bunte Savory Blossom, Blütenzaubers diesjähriges Fohlen, mit versteigert worden, doch die war ja nun bereits an Hunter Crowley verkauft worden. Ich freute mich für Gwen und Juli, die zusammen den Zuschlag für Gamby gewonnen hatten. Auch wenn ich etwas stirnrunzelnd feststellte, dass Juli verschwunden war. Den kleinen Hengst und seine immer noch coole Mutter brachte ich schon mal zurück in ihre Box, um sie nicht weiterem Stress auszusetzen.
      Als ich zurückkam, wurde gerade für Irony geboten. Die Anglo-Araber Tochter von Islah war meine eigene verrückte Idee gewesen, die anscheinend durchaus Anklang fand. Das Höchstgebot kam schliesslich von Elisa, also würde auch dieses Fohlen im August nach Kanada auswandern.
      Bei der Nummer drei kam ich nicht umhin belustigt zu grinsen, denn Argos Tochter wurde, wie ich bereits gehofft hatte, von Kira Esenbeck ersteigert, die ein bekanntes Welsh-Gestüt in Deutschland leitete.
      Gespannt sah ich nun zu, wie sich Verena und Lea Stanfort ein kleines Duell um Revenge lieferten. Am Ende musste Verena aufgeben, weil sie wohl ihr beiseitegelegtes Budget nicht überschreiten wollte. Lea schien sehr erleichtert und glücklich zu sein, als sie den Zuschlag bekam.
      Als nächstes war Prada dran, die ich nach anfänglichem Zögern doch wieder verkaufen wollte. Ich brauchte eher Frischblut in meiner Zucht, und hoffte daher, dass die kleine anderswo besser gefördert wurde. Entsprechend zufrieden war ich, als Samantha O’Neill die Kleine gewann. Bei ihr würde sie es bestimmt gut haben, ausserdem war ihr Gestüt auch in England, sodass ich Prada vielleicht in Zukunft am einen oder anderen Turnier wieder antreffen konnte.
      Ich war ziemlich erstaunt, als Annabell für Arctic Alinghi aufstreckte und damit Maren Tucholsky aus Polen überbot. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass sie sich für Minis interessierte, aber offenbar wollte sie sich eine kleine Abwechslung zu ihren wolligen Isländernzulegen.
      Nun wurde es nochmal spannend, denn gleich drei Leute lieferten sich einen erbitterten Kampf um Glenn’s Cookie. Unter ihnen war wie erwartet Cata, die nicht gewillt war aufzugeben. Am Ende übertrumpfte sie Allycia Donell und Maren.
      Als Letzter war nur noch Alysheba übrig, der mittlerweile 3 Jährige Sohn von Winter und der Valentine’s Zuchtstute Belinda. Es war schon nach kurzer Zeit klar, dass er in den Stall von Cináed O'Mordha in Irland wechseln würde. Ich fand, dass das ganz gut zu dem jungen Athleten passen würde.

      Ich gratulierte allen neuen Fohlenbesitzern herzlich und setzte mich mit einem nach dem anderen persönlich zusammen, während die anderen noch ein wenig den Hof erkundeten, ihre Fohlen bewunderten oder sich einen entspannenden Tee gönnten. Ich liess die neuen Besitzer die Kaufverträge unterzeichnen und übergab ihnen schon mal die richtigen Pässe, behielt aber aus organisatorischen Gründen noch Kopien davon. Die Fohlen ahnten von all dem noch nichts. Sie dösten zufrieden im duftenden Stroh neben ihren Müttern und erholten sich von den Strapazen dieses gelungenen Tages.


      Juli’s Sicht:

      Jetlag war die reinste Hölle, vor allem, wenn andere Menschen einfach kein Problem damit zu haben schienen. Während ich um halb zehn noch in den Federn lag und mich fragte, was ich in den letzten acht bis neun Stunden getan hatte (sicherlich nicht geschlafen, sonst wäre ich doch wohl schon fit?), waren sowohl Lesja als auch Gwen, die beide als Support mit nach England kommen mussten, schon munter und hatten sogar schon gefrühstückt. Als es dann doch nach zehn war, wurde mir die Bettdecke weggerissen und, verlassen von dem einzig warmen Ding im ganzen Motelzimmer, zum Aufstehen gebracht.

      Wenige Minuten später, als ich gerade überlegte ob ich einen Bagel essen oder aus Zeitgründen ganz aufs Essen verzichten sollte, kam Gwen in einem luftigen Sommerkleid aus dem kleinen Bad und setzte sich noch als Topping einen Hut auf.

      „Hab ich was verpasst? Gehen wir auf die Rennbahn?“ fragte ich mit vollem Mund – der Bagel hatte einfach zu freundlich geschaut.

      Gwen verdrehte die Augen. „Pineforest ist zum einen bekannt für seine englischen Vollblüter, und zum anderen kann man auf einer Auktion gut aussehen. Immerhin stehen wir für etwas!“

      Lesja, der auf dem Bett saß aber selbst ein schwarzes Sakko zu weißem Shirt und dunklen Jeans trug, prustete. „Manitoba represent,“ grinste er, aber weder Gwen noch ich gingen darauf ein.

      Sehnsüchtig sah ich dem halbgegessenem Bagel nach, dann verschwand ich selbst ins Bad. Um elf Uhr begann die Veranstaltungganz offiziell, und wir sollten doch ein wenig früher da sein. Einfach für das gute Gewissen.

      Letzten Endes kam ich doch noch zum Frühstück, nämlich auf dem Weg zum Pineforest Stable. Lesja saß am Lenkrad, ich als lebendes Navi neben ihm – schließlich hatte ich schon das ein oder andere Mal beruflich mit Occulta Smith und ihrem Team zu tun gehabt – und Gwen war kurzfristig auf die Rückbank des Leihwagens verfrachtet worden. Wir verfuhren unssogar nur einmal und waren zehn vor elf auf dem Parkplatz –

      Und nicht die einzigen.

      „Bei der Konkurrenz willst du ein Pferd steigern?“ zweifelte Gwen und hakte sich darauf entschlossen bei mir unter. Mit großen Augen betrachtete sie den Strom an Menschen, der Richtung Ställe wanderte, als würde sie am liebsten zurück ins Motel fahren. Oder, noch besser, in den nächsten Flieger und ab nach Hause.

      Beruhigend tätschelte ich ihr über den Handrücken und zog sie dann sanft aber bestimmend selbst in Richtung der Pilgerversammlung. Lesja ließ sich es sich nicht anmerken, aber auch er suchte die Nähe mehr als sonst. Ich hatte die zwei größten Zweifler auf eine Auktion mitgenommen. Spitzen Idee war das gewesen.

      Eine große Traube an Menschen versammelte sich um ein kleines Podium am Dressurviereck, und um Punkt 11 wurden alle Besucher recht herzlich von Occulta begrüßt. Gwen schien sich langsam zu entspannen; langsam kam das Gefühl in meinen Arm zurück. Als ich einen kurzen Seitenblick auf sie warf, sah sie aufmerksam nach vorne, zwickte mich aber in die Innenseite meines Handgelenks.

      Okay, ich hatte definitiv wieder ein Gefühl im Arm.

      Wir wurden alle auf eine Hofführung eingeladen und ich war unheimlich froh, dass ich die hohen Schuhe zuhause gelassen hatte und stattdessen mit nicht ganz bequemen aber trotzdem stalltauglicheren Oxfords unterwegs war. (Ein Nachteil war natürlich, dass ich so ziemlich nichts sah. Wir waren eher im Mittelfeld, ich war klein und meine Schuhe flach – keine Chance, über die anderen Menschen hinweg zu sehen. Lesja bot zwar an, mich auf die Schultern zu packen, aber wir waren professionell und nicht zum Spaß hier. Außerdem hätte er wieder irgendetwas versucht und mich vor versammelter Mannschaft bloßgestellt. Definitiv zu viele Nachteile.)

      Trotz dass ich schon das ein oder andere Mal hier war – auf der Hofführung sah ich einmal den gesamten Stall mit jeder Nische und Ecke und war geplättet. Pineforest Stable war etwa doppelt so groß wie unser Gestüt zu Hause – wahrscheinlich waren die Angestellten auch einmal hier gewesen und hatten sich verlaufen, wie in der IKEA-Theorie.

      Nach der Stallführung gab es dann Mittagessen. Zum Glück. Hungrig war ich weder sehr gesprächig noch sehr unterhaltend, und ein mickriger Bagel zum Frühstück machte nicht satt. Desto mehr stürzte ich mich auf das Büffet, und während Gwen und Lesja wie zwei Angehörige der Upper Class langsam und gründlich ihre Teller leerräumten, ging ich eher nach dem Prinzip Staubsauger hervor. Als ich mit dem zweiten Teller Dessert an unseren Tisch kam, seufzte Gwen laut und lang. „Wie zur Hölle isst du das alles und bleibst trotzdem schlank?“

      Ich hätte ihr gern mein Geheimnis verraten, aber man spricht nicht mit vollem Mund (vor allem nicht auf einer Veranstaltung wie dieser – Professionalität war gefragt!) und bis ich dann fertig war, hatten Lesja und Gwen schon ein anderes Themagefunden. Die Zeit bis zur Auktion vertrieben wir uns größtenteils mit Quatschen und Detektivarbeit („Sag mal, kommt dir die Frau da hinten nicht bekannt vor? Dreh dich unauffällig-“ – „Meinst du die in dem blau-weiß gestreiften Pulli?“ – „Verdammt, ich hab unauffällig gesagt!!“), bis es dann im gemütlichen Tempo Richtung Dressurviereck ging. Dann dauerte es nur noch wenige Minuten, bis die Väter der heute zu versteigernden Fohlen vorgeführtwurden. Gwen saß nach vorne gebeugt auf ihrem Sitz und starrte mit großen Augen und in Staunen geöffnetem Mund auf die Bahn, und auch Lesja schien von einem schwarzbraunen Vollbluthengst besonders begeistert. Mich ließ das natürlich nicht komplett kalt – wer mochte es schon nicht, fein geschniegelte Hengste durch eine Bahn traben zu sehen? – aber ich hatte ein wenig wichtigere Dinge auf dem Herzen.

      „Ich bin mal kurz weg,“ flüsterte ich Gwen ins Ohr, die mich daraufhin am Handgelenk packte.

      „Die Auktion fängt gleich an und du verschwindest?!“ Ihre Stimme war zwar leise, doch ich konnte den Vorwurf deutlich hören. Und die zwei Reihen hinter uns bestimmt auch.

      Ich verdrehte nur die Augen, befreite mein Handgelenk und verschwand so unauffällig wie möglich von der Tribüne.


      Gwen’s Sicht:

      Geschockt saß ich nun da und starrte Lesja an. „Ist das ihr Ernst? Ihr voller Ernst?!“, murrte ich entsetzt und Panik stieg in mir auf. Sie konnte jederzeit auf Toilette rennen, aber doch nicht in den wichtigsten Minuten des gesamtenTages? Zerstört ließ ich den Kopf hängen und wusste für einen Moment nicht weiter.

      „Das Ding ist,“ wandte ich mich an Lesja, „es gibt nur ein Pferd was für sie in Frage kommt und das ist reizender Weise das erste. Was machen wir nun?“, forderte ich unseren Begleiter zur Hilfe auf. Lesja zuckte nur mit den Schultern und kassiert so einen bösen Knuff in die Seite.

      „Okay, okay! Wir bieten einfach. Wie heißt das Pferd was sie vorhin so toll fand? Gambit?“ – „Gamble Away, du Depp“ – „Na dann, hau rein!“

      Überfordert starrte ich hinunter in das Dressurviereck, wo besagter Gamble Away gerade im Trab neben seiner Mutter einige Runden drehte. Jeder Besucher hatte einen Flyer mit den Auktionsfohlen erhalten und ich warf bezüglich der Abstammung nochmals einen Blick hinein.

      Inzwischen waren alle fleißig am Bieten und überall hoben sich Hände, so dass der Auktionär kaum hinterherkam. Ich mochte solche Dinge gar nicht, sobald mich jemand zeitlich unter Druck setzte, begann ich zu zittern und so war es auch hier.

      Dennoch wartete ich bis zum Ende ab, beinahe zu lange, ehe ich meine Hand hob und den letzten Schlag abwartete. „Gamble Away geht an die junge Dame mit dem schönen Hut!“, rief der Auktionär und deutete in meine Richtung.

      Gamble Away gehörte uns! Auch Lesja war sichtlich zufrieden. „Grins nicht so blöd, du hast nichts dazu beigetragen!“, brummelte ich und verschränkte genervt die Arme. Jojo würde sichwas anhören können, wenn sie wiederkam!

      Tatsächlich ließ sie sich noch zur Genüge Zeit und die Auktion war rum, ehe wir sie wiedertrafen und ich explodierte förmlich und hielt ihr einen Vortrag darüber, dass man so etwas schlichtweg nichtmachte.

      Doch das einzige was sie fragte, war ein „Habt ihr den schönen Braunen?“ und Lesja nickte nur. „Sehr gut. Ich wusste du schaffst das“, meinte sie zu mir und tätschelte mir die Schulter. Währenddessen konnte ich sie nur mit offenen Mund anstarren, unfassbar! UNFASSBAR!

      Ende vom Lied war, dass wir nach der Auktion einen Blick auf unser neues Eigentum werfen konnten. Occulta erklärte ich knapp, dass ich eigentlich nur in Jojos Namen geboten hatte und sie deshalb die rechtmäßige Besitzerin sei. Mit ein wenig Grummeln stimmte Occulta auch zu und schon hatte Jojo endlich ihr heißersehntes großes Sportpferd.

      Gut, es würde noch ein Weilchen dauern, bis Gamble Away so weit war und bis August würde er sowieso bei seiner Mama bleiben dürfen, aber zumindest auf dem Papier besaß sie ihn schon und das reichte ja.

      „Du machst das nie wieder. Nie, nie, nie, nie wieder. Oder ich begleite dich nirgendwo mehr hin!“, meckerte ich Jojo erneut an, während wir die Stallgasse entlang schlenderten und die Stuten mit ihren Fohlen beobachteten. Auch Gamble Away war dabei, nur wusste der noch nichts von seinem Glück.


      Cináed’s Sicht:

      England, eigentlich doch ein ganzes Stück Weg für meine Wenigkeit, aber wenn man sowieso für eine Woche den besten Freund besuchen wollte, dann konnte man auch gleich auf einem der bekanntesten Zuchtgestüte Halt machen. Vor allem, wenn mal wieder nach langer Zeit eine Zuchtfohlenauktion stattfand - so etwas sollte man sich nicht entgehen lassen. Ich machte mir keine Hoffnung, dass ich genügend Geld für eines der vielversprechenden Pineforest Fohlen hatte, aber ein Besuch konnte ja nicht schaden.

      Zum Glück lag Pineforest Stable nur zwei Stunden Autofahrt von meinem Aufenthaltsort entfernt und mein Freund Jacob ließ sich dazu durchdringen, mir seinen Wagen zu borgen. Mein eigenes Auto hatte ich natürlich nicht dabei, das stand noch zu Hause inIrland.

      Mit dabei war wie immer meine Hündin Jonna, ein älterer, gemächlicher Deerhound, welchermich seit sechs Jahren begleitete.

      Jonna war es nicht gewöhnt, dass ich sie an ihre Leine nahm, doch bevor ich auf dem bereits gefüllten Parkplatz aus dem Auto stieg, schnallte ich ihr ihr Halsband um, natürlich mit einer entschuldigenden Streicheleinheit. Jonna war kein Hund,der gerne an die Leine genommen wurde, aber hier war es sicherlich besser so.

      Ich war nicht gerade pünktlich, eine meiner schlechteren Eigenschaften, aber zum Glück schien ich nicht allzu viel verpasst zu haben. Ich hatte die große Masse schnell gefunden, zu welcher ich mich still hinzu gesellte. Sie schienen zum Glück noch am Anfang einer Einführungsrede zu sein. Es wurden viele liebe Worte gesprochen und viel geklatscht, bevor sicheine Traube von Interessierten einer Hofführung widmete. Zum Glück bekam ich nebenbei mit, dass erst am frühen Nachmittag, nach einer leckeren Mahlzeit, die Fohlen vorgestellt werden würden, sodass ich, mangels Interesse an der Hofführung, auf eigene Faust mit Jonna eine kleine Runde um das Gestüt drehte. Dabei konnte ich einige der Zuchtpferde in den Boxen, auf Paddocks oder Weiden erkennen und musste zugeben, dass echt viele Prachtexemplare dabei waren. Jonna schienen vorallem die kleinen Miniaturponys zu gefallen, von welchen ich sie mit viel Überredungskunst wegzerrte.

      Im Hauptstall traf ich wieder auf die Gruppe, die einen Kreis um Occulta geformt hatte, während diese etwas zum Gebäude und dessen Bewohnern erzählte. Ich gesellte mich zu ihnen, vielleicht gab es ja doch etwas Interessantes, was ich wissen sollte. Occulta war gerade mitten in einer Erklärung vertieft.

      "... meisten stammen aus unserer eigenen Zucht. Andere wurden mit Stuten aus anderen Gestüten gemixt, wie zum Beispiel unser Valentine's Alysheba, der braune Hengst da hinten. Wie der Name bereits verrät, ist er ein Nachkomme aus der Zucht von Burnin Valentines, wobei jedochder Vater einer unserer besten Deckhengste ist. Sheba steht bei uns jedoch jetzt zum Verkauf, dies ist also Ihre Chance, den talentierten Junghengst zu ergattern“, hielt Occulta ihren kleinen Vortrag, bevor sie sich weiter bewegte und die Gruppe um sie herum ihr gebannt folgte. Ich blieb an Ort und Stelle stehen, während die Menschen an mir vorbeizogen, ohne mich zu beachten. Mein Blick ruhte weiterhin auf dem braunen Junghengst Sheba, welcher nicht älter als drei Jahre sein konnte. Auch Jonna neben mir schien ausnahmsweise mal zu verstehen, dass sie einfach sitzen bleiben sollte und auch sie blickte in Richtung Alysheba, vielleicht um zu verstehen, warum ich ihn so gedankenverloren anblickte.

      "Was meinst du Jonna, sollten wir den nicht mit nach Irland nehmen?" fragte ich meine Hündin, welche nur fragend zu mir aufblickte. Bestimmt würden einige Leute für ihn bieten. Andererseits stand der Hengst anscheinendschon länger zum Verkauf, ohne dass sich bisherjemand mit ernsthaftem Interesse gemeldet hatte. Vielleicht hatte ich also eine Chance. Es durfte nur niemand mehr bieten als ich. Eigentlich ganz einfach, in meinen Träumen.

      "Jonna," sagte ich abermals "Den will ich haben, der passt perfekt!"



      Auch am Mittagessen nahm ich nicht teil, sondern durchwanderte alle Pfade rund um das Gestüt. Sichtlich genoss auch Jonna die idyllische Ruhe, welche wir aus unserem Stadtgebiet kaum noch gewöhnt waren.

      Mit einem Brötchen bewaffnet, welches ich mir am morgen noch beim Bäcker gekauft hatte, ließ ich mich, weit entfernt vom ganzen Trubel, an einer weitläufigen Wiese nieder und beobachtete die ruhig grasenden Pferde. Auch Jonna hatte sich entspannt neben mich gelegt, auch wenn sie immer wieder etwas neidisch auf mein Brötchen schielte, welches ich jedoch ausnahmsweise für mich behielt. Auch wenn ich meine Hündin liebte, wegen solchen Kleinigkeiten hatte sie in letzter Zeit ganz schön an Gewicht zugenommen.

      In aller Ruhe ließ ich Alysheba vor meinem inneren Auge nochmal Revue passieren. Der Junghengst wäre erst mein zweites Pferd, welches ich mir kaufen würde und natürlich wollte ich mir hier sicher sein, dass alles passte. Ich schloss die Augen und versuchte, ihn zu mir nach Irland zu projektieren. Die Angus Og Stables waren zwar eher ein Zuchtgestüt für die typischen Irischen Draughts, aber natürlich gab es hier auch jede andere Rassen, wie zum Beispiel den allseits geliebten Suffolk Punch, oder eben meine Stute, welche ein Irish Hunter war. Etwas mehr Vollblut konnte das Gestüt gut gebrauchen und wenn es dann noch so ein hübsches und durchtrainiertes Vollblut war...

      Ich wusste nicht ganz, wie viel Zeit verstrichen war, doch als ich meine Augen wieder öffnete und in die dunklen Augen meiner Hündin blickte, ging mein erster Blick panisch in Richtung Uhr. Mein Körper sagte mir, dass ich bestimmt den ganzen Tag verschlafen hatte, jedoch war es erst kurz vor halb zwei, sodass ich noch pünktlich zum eigentlichen Höhepunkt des Festes kam: Natürlich der Schau auf dem Dressurviereck.

      Ich suchte mir einen recht günstigen Platz und beobachtete das Treiben um mich herum. Die aufgehübschten und sehr stattlichen Zuchthengste eröffneten das Programm und erst danach wurden die zum Verkauf stehenden Zuchtfohlen samt Mutter vorgeführt. Auch wenn die Zuchtfohlen noch bis Herbst auf Pineforest Stable bleiben würden, wurde auf jedes Fohlen ordentlich geboten und so wie ich es geahnt hatte, gingen nicht wenige für viel Geld weg. Selbst die ganz Kleinen Miniature Horses schienen viel Interesse geweckt zu haben. Gespannt wartete ich trotzdem darauf, wie und ob Occulta noch andere Verkaufspferde ankündigen würde und zu meiner großen Erleichterung, kam zuletzt tatsächlich der Hengst, auf den ich hier die ganze Zeit wartete.

      Valentine‘s Alysheba war aufs Gründlichste herausgeputzt, mit glänzendem Fell und eingeflochtener Mähne, was den jungen Hengst sehr majestätisch wirken ließ. Die ersten Besucher verließen das Dressurviereck schon, entweder hatten sie bereits ihren Liebling ergattert oder wollten rechtzeitig Zuhause sein, sodass nur noch wenige Interessenten um den Platz herum standen. Als geboten werden durfte, setzte ich alles was ich hatte und, ich konnte mein Glück kaum fassen, wenig später gratulierte mir Occulta zum Kauf des Hengstes und führte mich etwas weiter zu einem Tisch, wo wir die Papiere austauschten.

      Als ich meine Unterschrift auf das Dokument setzte, gehörte der junge Sheba endgültig mir und würde dementsprechend bald seine Reise nach Irland beginnen, wo er sich hoffentlich gut eingewöhnen würde.

      Ich ließ den Nachmittag ruhig ausklingen und ließ mich sogar von Jonna davon überreden, uns ein paar Kekse und eine Tasse Tee zu holen. Diesmal konnte ich ihrem Blick nicht widerstehen, auch wenn ich wusste, dass es verdammt ungesund war und sie davon auch noch dick wurde,aber heute war alles erlaubt.

      Bevor ich wieder in das geliehene Auto stieg, stattete ich Sheba einen Letzten Besuch ab. Der braune Hengst stand mittlerweile wieder in seinerBox, zwischen all den anderen Hengsten, welche er bereits lange kannte.

      „Du wirst dich in Irland an neue Freunde gewöhnen müssen“, sagte ich ihm tröstend und hielt ihm auf flacher Hand eine Möhre hin. „Aber glaube mir, die werden genauso nett sein.“

      Zum Beweis bellte Jonna freundlich und auch wenn ich es mir wahrscheinlich nur einbildete, sah es so aus, als blickten ihre braunen Augen freundschaftlich in Richtung Alysheba, als ob sie sagte: „Mich hast du bereits als Freundin!“
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      3/11

      Unspektakulär ist auch gut
      18. Mai 2016 -- Occulta

      Am selben Nachmittag an dem ich die Übernahme von Eddi’s Ice Coffee bestätigte, wollte ich zum ersten Mal Halftertraining mit den neuen Fohlen machen. Die meisten waren nun schon etwas über zwei Monate alt und begannen, die Welt neugierig und vorwitzig zu erkunden. Der perfekte Zeitpunkt, um die bisher unangetasteten Fohlen schon mal ein wenig auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten. Die Pfleger und ich hatten die Fohlen schon zwei Wochen nach der Geburt spielerisch festgehalten und sie so ans Stillstehen ohne sich zu wehren gewöhnt. Zudem mussten sie lernen, sich überall anfassen zu lassen. Des Weiteren hatten wir schon einige Spaziergänge auf dem Hofgelände hinter uns, bei denen sie neben der Mutter hergelaufen waren. Jedes Mal, wenn wir die Stuten führten oder sonst mit ihnen umgingen, lernten die Fohlen die tägliche Routine und den Kontakt zum Menschen kennen. Die Mütter wurden übrigens bereits wieder trainiert: sie wurden entweder wieder geritten oder an der Doppellonge aufgebaut, je nach Verfassung. Dadurch, dass wir sie bis zwei Monate vor dem Abfohlen geritten hatten, waren sie auch jetzt noch gut in Form und erholten sich rasch. Die Fohlen blieben während dem Training entweder bei Fuss, oder verbrachten die kurze Zeit ohne ihre Mutter mit den anderen auf der Weide. Das klappte eigentlich ohne grössere Probleme, abgesehen von gelegentlichem sehnsüchtigem Wiehern beiderseits. Doch auch das wurde derweilen immer weniger weil die Kleinen lernten, dass ihre Mütter schon nach kurzer Zeit zurückkahmen.

      Zusammen mit Rosie betrat ich nun Caprices Box. Gamby, wie das kleine braune Hengstchen neben ihr von uns gerne genannt wurde, kam zutraulich heran und schnupperte an dem schwarzen Nylon. Ich liessihn auch daran knabbern, wobei er mit seinen kurzen Zähnchen sowieso keinen Schaden anrichten konnte. Als seine Mutter ihn etwas unsanft wegschubste, weil sie Rosies Hosentasche nach Leckereien absuchen wollte, klackerte er unterwürfig, stakste dann aber nach einer kurzen Pause um sie herum auf die andere Seite, um wieder zu uns zu kommen. Ich kraulte seinen kurzen Hals, während Rosie ihm das Halfter hinhielt. Er spitzte die Lippe und wippte mit dem Kopf im Takt zu meiner Handbewegung. Rosie hielt das Halfter halb über seine Nase, dann zog sie es wieder weg, als er dabei gelassen blieb. Das wiederholte sie einige Male, wobei sie immer ein Stückchen weiter vorrückte, bis sie schliesslich das Band hinter den Ohren durch die Schnalle ziehen und schliessen konnte. Ich kraulte noch ausgiebiger, um es Gamby so angenehm wie möglich zu machen. Dann entfernten wir das Halfter wieder. Für heute reichte das Halftertraining schon. Ich wollte nur noch rasch seine Hufe hochheben und den kleinen dann in Ruhe lassen. Wie jedes Fohlen musste Gamby zuerst verstehen, was ich von ihm wollte. Deshalb belohnte ich schon das kürzeste Hufheben mit Streicheleinheiten. Es fiel ihm sowieso noch zu schwer, das Gleichgewicht auf drei Beinen länger zu halten. Er gab mir sogar nach kurzem Zögern das linke Hinterbein für ein paar Sekunden. Das reichte mir völlig für die erste richtige Trainingseinheit.

      Rosie und ich schlenderten weiter bis wir bei Blütenzauber ankamen. Sie sah uns erwartungsvoll entgegen, offenbar war sie noch nicht longiert worden. Auch bei Blüte war der Effekt des Aufbautrainings schon sichtbar, auch wenn sie im Vergleich zu vorher doch noch ein bisschen pummelig war. Savory Blossom lag ausgestreckt im Stroh und döste, hob jedoch sofort den Kopf, als wir die Boxentür aufschoben. Ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, weil wir sie geweckt hatten, aber Rosie meinte nur, sie könne ja später weiterschlafen. Ich war erstaunt, dass das bunte Fohlen nicht auf die Beine sprang, als wir uns näherten. Sie blieb entspannt liegen und liess noch etwas verschlafen die Unterlippe hängen. Eigentlich wollte ich gerade beschliessen, ihr Training auf später zu verschieben, doch in diesem Moment drehte sich Blüte und stupste ihr Fohlen an, um es zum Aufstehen zu bewegen. Vielleicht hatte sie das Gefühl, dass etwas Abwechslung ihrem Nachwuchs guttun würde. Doch wer wusste schon, was im Kopf einer Stute vor sich ging? Rosie nutzte die Gelegenheit jedenfalls und versuchte, das Stütchen fürs Halftertraining zu begeistern. Savory blieb skeptisch und wollte sich hinter ihrer Mutter verstecken. Rosie lief ihr hinterher und zeigte ihr so, dass sie sich uns Menschen nicht einfach entziehen konnte. Sie streifte dem Fohlen sanft das Halfter über und liess sie sofort wieder laufen, als sie es ein paar Sekunden stillstehend duldete. Savory stakste durch das Stroh um uns herum und kam von hinten zu mir. Sie nibbelte an meinem T-Shirt und zupfte mit zunehmendem Selbstvertrauen richtig grob daran. „Heyy!“, rief ich aus und schob sie lachend weg. Eigentlich sollte ich in solch einem Moment streng sein, aber es fiel mir in Anbetracht dieser süssen rosa Schnauze unglaublich schwer… Die Hufe hob Savory ziemlich willig, wackelte und stolperte dann aber genauso schnell wie sie sie gehoben hatte auch wieder davon. Wenigstens schien sie sich Mühe zu geben. Das Kraulen schien sie übrigens nicht ganz so sehr zu begeistern wie Gamby, dafür schien bei ihr die pressure-release Methode besonders gut zu funktionieren. Blüte interessierte sich wenig für unser Gehampel – solange sie wusste, dass ihrem Fohlen nichts geschah, sortierte sie entspannt ihre Strohhalme. Ich schätzte sie wirklich sehr als Zuchtstute, weil sie so unkompliziert war. Doch für die kommenden Jahre wollte ich ihr erstmal eine längere Pause geben und sie wieder mehr im Sport fördern. Auf der Rennbahn gab es für sie natürlich kein Comeback mehr, aber ich hoffte, dass sie mit ihren geschmeidigen Gängen vielleicht die eine oder andere Dressurprüfung bestreiten könnte.

      Weiter ging’s zu Pointless und A Winter’s Tale. Mein kleiner Schatz kam neugierig auf Rosie und mich zu. Rosie hielt ihr das Halfter hin, auf dem sie ohne Zögern rumzukauen begann. Die kleine Stute war aufgeweckt und frech, hatte aber keine Mühe, Grenzen einzuhalten. Ihre Mutter war da etwas anders gestrickt, aber offenbar färbte es zumindest jetzt noch nicht ab. Ziemlich spielerisch gewöhnten wir Talia an das Halfter und tasteten uns an ihre Beine heran. Ich wagte es kaum mich zu erinnern, wie Pointless‘ ersten Trainingseinheiten ausgesehen hatten. Das Punktetier war schon immer dickköpfig und selbstbewusst gewesen, und hatte es uns nie leicht gemacht. Irgendwie hatten wir sie einreiten können, aber da war der Spass auch schon vorbei. Auf einem richtigen Rennen war sie bisher noch nie gelaufen, dafür war sie zu unberechenbar. Doch wenn alles gut ging wollten wir im Herbst einen neuen Anlauf starten, sobald Talia entwöhnt war. Vielleicht war Pointless dann endlich etwas erwachsener und ausgeglichener. Aber ob sie den Wiedereinstieg in ihre Rennkarriere fand, hängte ganz von ihren Trainingsfortschritten ab. Es war zwar eher unwahrscheinlich, dass Olivers Plan aufging, aber wir versuchten es zumindest.

      Auch Stop Making Sense aka Mambo interessierte sich zunächst für das Nylonhalfter, wandte sich aber kurz darauf ab. Offenbar hatte er es schon untersucht und fand es bereits wieder langweilig. Rosie versuchte vergeblich, ihn zur Mitarbeit zu begeistern. Der gesprenkelte Hengst wetzte lieber seine Babyzähne an den Gitterstäben der Box. Das hatte er von seiner Mutter abgekupfert, die so bei den Fütterungen jeweils die Aufmerksamkeit der Pfleger auf sich lenken wollte. Wir liessen ihn in Ruhe, nachdem wir das Halfter einmal erfolgreich übergestreift hatten.

      Das jüngste Mitglied der Vollblutgemeinschaft erwartete mich und Rosie in der nächsten Box. Counterfire von Cassiopeia war letzte Woche endlich auch auf die Welt gekommen. Sie schien schon jetzt dratig und robust gebaut, kombiniert in einem eleganten Gesamtbild. Eine hübsche Fuchsschecke, mit vielversprechender Abstammung. Ich war nun beinahe froh, Cassy die Zwangspause von der Bahn gegeben zu haben, die mir aufgrund ihrer Beinverletzung empfohlen worden war. Nun hatte das Bein genug Zeit gehabt und sie konnte langsam wieder aufgebaut werden. Mit etwas Glück und einem gut strukturierten Trainingsplan hofften wir sie sogar wieder auf die Rennbahn zu bekommen. Seit der Verletzung hatten wir Cassy oft als Handpferd mitgenommen oder vom Boden aus trainiert, damit sie ihre Ausdauer und die Muskeln nicht abbaute, das Bein aber trotzdem nicht mehr als nötig belastet wurde. Es hatte nun ein ganzes Jahr lang Zeit gehabt zu heilen und wir waren gespannt auf den nächsten Tierarzt Check, der bereits anstand. Iskierka nebenan giftete Counterfire an, die ein wenig zu nahe an die Boxenwand gekommen war. Manchmal kam es mir vor, als wäre die Stute eifersüchtig. Das kleine Fuchsfohlen mit der ungewöhnlichen Blesse wich erschrocken zurück und stolperte zu seiner Mutter. Mit diesem Stutfohlen trainierten wir heute noch nicht, dafür war sie noch zu jung. Nur das Festhalten übte ich mit ihr, wie ich es auch mit den anderen Fohlen getan hatte.

      Dafür wurde der nächste Kandidat schonungslos angepackt: Syndromatic Depression musste all das lernen, was auch den anderen Fohlen beigebracht wurde, auch wenn sie sich lieber verkrochen hätte. Sie war bereits jetzt sowas wie ein chronischer Angsthase und versteckte sich immer zuerst hinter Sympathy for the Devil, bevor sie Fragen stellte. Ich runzelte die Stirn, als sie auch heute zuerst eine schöne Kurzkehrtwendung hinlegte und dann zügig hinter Mamas Flanke verschwand, sobald wir die Box öffneten. Sie hatte keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht, aber offenbar hatte ihre Mutter sie zur Vorsicht erzogen, weil sie nach den Komplikationen bei der Geburt anfangs schwächlich und kleiner als die anderen gewesen war. Auch Devil hatte etwas gelitten und musste schonender trainiert werden als die anderen Mütter. Doch mittlerweile war sie wieder fit, genauso wie ihre Tochter. Stück für Stück gewannen wir das Vertrauen der Kleinen und bereiteten sie auf das Halftern vor. Mamma Devil war angenehm zurückhaltend und beobachtete uns mit aufgestütztem Hinterhuf. Irgendwann, als wir die Hinterbeine von Dolly heben wollten, entschied Devil offenbar, dass es nun genug sei und schob sich zwischen uns. Sie knabberte sanft an meiner Hand, doch ich verstand, dass für heute reichte.

      Bei Empire of Irony hatten wir überraschend Mühe, die Hinterbeine zu heben. Das gescheckte Stutfohlen trat sogar zweimal nach mir aus, als ich nicht aufgab. Was für eine kleine Zicke sie jetzt schon ist… dachte ich schmunzelnd. Allerdings gab es auch Momente, in denen Islahs heissblütiger Jungspund lammfromm und verschmust war. Es war eben ganz von ihrer Tagesform abhängig. Islah mischte sich hie und da mit platten Ohren ein, um ihr Fohlen zu ‚beschützen‘. Ich nahm die Araberdame sehr ernst, denn ich hatte in der Vergangenheit bereits Bekanntschaft mit ihren Reisszähnen gemacht. Irony schien aber durch das Einschreiten ihrer Mutter eher verwirrt als beruhigt. Sie versuchte ja nicht, uns zu entkommen, im Gegenteil; sie kam immer wieder heran um uns erneut herauszufordern. Dabei hätte sie sich ohne Probleme hinter ihrer mürrisch Schweifschlagenden Mutter verstecken können. Es war wichtig, ihr jetzt den nötigen Respekt beizubringen, denn offenbar war dieses Stutfohlen geistig schon weiter als die anderen und testete bereits aus, wie weit sie mit uns Zweibeinern gehen konnte. Ich besänftigte Islah mit ein paar Karottenstücken, als sie uns gerade etwas in Ruhe liess. Zu allem Überfluss schwenkte ihr Verhalten aber nun in Futterneid um, sodass sie Irony in die Seite kniff, als das Fohlen an den Karottenscheibchen schnuppern wollte. Ich beschloss, dass es besser war, den beiden erstmal eine Pause zu geben, bevor noch jemand verletzt wurde.

      Argenté Noir war da unkomplizierter. Sie frass ungestört weiter und liess uns ohne zu zicken mit ihrem Fohlen spielen, als sei sie froh, dass sich mal jemand anderes um den Wildfang kümmerte. Daydream of Money war heute frech wie Oskar und klaute Rosie sogar einmal das Halfter. Sie konnte schon jetzt geschickt rückwärtsgehen und abdrehen, was von gutem Gleichgewicht zeugte. Ausserdem war sie kräftig und ein ziemlicher Brocken, aber nicht zu dick. Sie bewies auch den anderen Fohlen gerne ihre Stärke, indem sie bei fast jedem Spiel gewann. Sogar den beiden Vollblut Hengstchen konnte sie das Wasser reichen. Ebenso dominant wie sie mit ihren Fohlenkumpels umging, versuchte sie auch mit uns Menschen zu sein. Sie wird bestimmt nicht leicht einzureiten sein, überlegte ich schmunzelnd. Die Hinterbeine gab sie uns aber überraschend gut, was für mich darauf hinwies, dass sie durchaus kooperativ war.

      Skydive war allen anderen Fohlen bereits Meilen voraus, denn Lily konnte es nicht lassen, fast täglich mit ihm zu üben. Ich musste meine neunjährige Nichte richtiggehend bremsen, damit sie ihn nicht überforderte. Dann wiederum sah ich, wie Dive jeweils bereits neugierig die Schnauze über den Rand des unteren Teil der Boxentür hob und Lily begrüsste. Also hatte er die vielen bunten Gegenstände, die sie ihm mitbrachte, wohl bereits als harmlos und eher spannend abgestempelt. Im Moment war Lily noch bis fünf Uhr in der Schule, aber sie hatte mir heute Mittag schon aufgeregt erzählt, dass sie heute mit ihm Ballspielen wollte. Ich hatte daraufhin mal ein ernstes Wörtchen mit ihr reden müssen, weil wir sonst riskierten, dass Skydive durch das viele Training zu frech wurde. Sie hatte sich daraufhin einverstanden erklärt, sich vorläufig wieder auf Streicheleinheiten zu beschränken. WhiteDream war glücklicherweise sehr ausgeglichen und nachsichtig mit den beiden, sodass ich mir keine Sorgen um irgendwelche Verteidigungsmechanismen ihrerseits machte.

      Und dann waren da noch die kleinsten im Bunde: Arctic Alinghi und Glenn’s Cookie. Sie waren sowieso eher Plüschtiere, als richtige Pferde und man konnte die beiden problemlos wie einen Hund hochheben. Allerdings durfte man dabei nicht vergessen, dass es sich eben doch um richtige Tiere handelte, die genauso sorgfältig wie die anderen an Neues gewöhnt werden mussten. Dressy Miss Allegra, die schon etwas älter und grösser war, spielte sehr ausgiebig mit ihren beiden ‚Geschwistern‘. Sie war vor deren Geburt für ein paar Wochen die Jüngste gewesen und hatte höchstens unsanfte Raufereien mit Tiki und Kiwi bekommen, die nun als bald Dreijährige übrigens schon ziemlich hochgewachsen waren (natürlich im Mini Pferdchen Format gemeint). Nun konnte sie ihre armen beiden Baby-Geschwister rumschubsen, wie es die anderen mit ihr selbst getan hatten. Auch ihnen zogen wir geduldig die Halfter an und aus, bis es problemlos klappte. So sehr ich es auch wollte - ganz ernstnehmen konnte ich die kleinen Fellkugeln dann doch nicht.
    • Rhapsody
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      4/11

      Stippvisite
      14. Juni 2016 -- Rhapsody

      Zusammen mit den anderen Fohlen stand Gamble Away mit Mama Mikke auf einer großen Koppel. Sie lag ein wenig abseits; Lesja, Occulta und ich mussten deswegen eine halbe Weltreise über das Gestüt machen, ehe ich einen Blick auf meinen Jungspund werfen konnte.
      Das war es dann aber wert; wir hatten die Fohlen gerade dabei ertappt, wie sie in großen Sätzen über die Wiese preschten. Ihre Mütter hingegen standen etwas abseits; eine Dunkelfuchsstute hatte sich sogar hingelegt und hob nur den Kopf, als sie uns entdeckte.
      Hinter der Weide standen die Pinien hoch und es hörte sich an, als wären wir vollkommen geschützt von jeglichen Geräuschen, die auf einem Gestüt eben so aufkamen. Es schien fast, als würden die Vögel extra laut zwitschern. Das einzige, was diese ruhige Idylle störte, war die Horde wildgewordener Fohlen.
      Hin und her ging es, von einem Ende ans andere, haarscharfe Kurven und Vollbremsungen inklusive. Und ganz vorne mit dabei rannte ein dunkelbraunes Fohlen in großen Sätzen. Ab und an schlug Gambit dann auch einen Haken, deutete, sobald ein Gleichaltriger ihm zu nahe kam, auch einen Tritt an. „Er weiß auf jeden Fall sich zu beweisen,“ bemerkte ich grinsend. Die Kamera hatte ich schon fast vergessen – Elena würde sich wohl mit einem weiteren verwackelten Video vergnügen müssen.
      Ein paar Minuten ging die Rennerei noch weiter, dann machte ein Fohlen nach dem anderen schlapp und sie wanderten selbst wieder zu ihren Mamas. Das riss uns drei ein wenig aus der Reverie – fast ein bisschen, als wären wir in kaltes Wasser getaucht worden.
      „Wollt ihr sehen, wie gut er sich schon anfassen lässt?“ schlug Occulta vor und wie Entenküken folgten wir ihr. Gambit hatte sich neben Mikke ins Gras fallen lassen und schien zu dösen, bis er uns bemerkte. Mit einem Satz stand er wieder auf vier Beinen und war sich anscheinend nicht ganz sicher, ob er uns näher beschnuppern oder lieber auf Distanz bleiben sollte. Occulta riet uns, ruhig stehen zu bleiben, „dann kommt er schon von allein“.
      Neugierig betrachtete er die kleine Gruppe komischer Pferde die auf nur zwei Beinen laufen, ehe er einen zögerlichen Schritt auf uns zukam. Und noch einen. Und noch einen. Plötzlich schnupperte er dann an meiner ausgestreckten Hand schnupperte. Von Occulta ließ er sich sogar für eine kleine Zeitspanne am Hals berühren, ehe das Fohlen wieder zurück in die Obhut seiner Mutter zurückkehrte. Er versteckte sich hinter ihr, dann hörte man nur noch einen leisen, dumpfen Aufprall, als er sich wieder ins Gras legte.
      Occulta sah mich grinsend an. „Bis August ist er das liebste und anhänglichste Fohlen auf dem ganzen Hof, das verspreche ich.“
    • Rhapsody
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      5/11

      Abschied nehmen - mit Freude!
      21. August 2016 -- Occulta, Rhapsody

      Was für ein herrlicher Morgen das doch war: die Sonne schien und versprach schon jetzt, die Welt wieder in einen überdimensionierten Backofen zu verwandeln. Ausserdem war kein Wölckchen am Himmel zu sehen, bloss ein paar Kondensstreifen von Flugzeugen. Noch waren die Temperaturen erträglich, aber ich hatte vorsorglich schonmal mein Trägertop und möglichst kurze Hosen angezogen. In die Reithosen musste ich heute zum Glück erst gegen Abend schlüpfen. Wir hatten aufgrund der Sommerhitze den ganzen Tagesverlauf etwas umgestellt, sodass so viele Pferde wie möglich frühmorgens oder abends bewegt wurden. Durch den Tag hindurch waren sie entweder auf der Weide, wo sie sich bevorzugt im Schatten der Bäume aufhielten, oder in den kühlen Ställen. Die Pfleger mussten abends nun länger arbeiten, dafür hatten sie am frühen Nachmittag jeweils Siesta. Die meisten gingen während dieser Zeit in Birmingham oder am Fluss baden. Heute brauchte ich jedoch noch mindestens zwei Leute hier, die mir dabei helfen mussten, die Abholung der Fohlen zu koordinieren. Denn heute war der letzte Tag, den sie mit ihren Müttern verbringen würden. Wir hatten sie ausreichend darauf vorbereitet und immer wieder für kurze Zeit als Fohlengruppe auf die Weide gelassen, um mit den Müttern zu arbeiten. Mittlerweile konnten eigentlich alle problemlos über eine Stunde alleine bleiben. Auch hatten wir das Wegführen des Fohlens von der Stute und die Halfterführigkeit geübt. Doch blieben sie auch ruhig, wenn sie merkten, dass ihre Mütter diesmal nicht mehr zurückkehren würden? Ich war gespannt. Im kleinen Hallenrestaurant war eine kleine Versammlung einberufen worden, um zu bestimmen, wer heute hier bleiben musste. "Ich finde, die Offenstallpfleger dürfen das unter sich ausmachen", verkündete Jonas schelmisch grinsend. Lewis verteidigte sich mit verschränkten Armen. "Halt halt, nicht so schnell - schliesslich sind auch Fohlen von 'euren' Vollblütern dabei!" Ich mischte mich ein: "Wir beziehen hier alle mit ein, der Fairness wegen. Ich weiss, es ist heiss und ihr wollt heute Nachmittag ausfliegen, aber denkt daran dass wir einen guten Eindruck hinterlassen müssen und auch, dass ihr die Fohlen heute das letzte mal seht. Ich schlage vor, dass wir Lose ziehen." "Abgelehnt - dann müsste ja zuerst noch jemand die Lose schreiben. Ich finde wir können das auch auf die klassische Art mit Schere-Stein-Papier machen", meinte Jonas. Ich nickte. "Meinetwegen", murrte Lewis und tippte April und Linda auf die Stirn. "Ihr zwei fangt an. Hier drüben beginnen Lisa und Rosie." Er teilte alle in Zweierteams ein und liess sie gegeneinander antreten. Danach wiederholten wir das Ganze mit den Verlierern. Am Ende traten Elliot und Parker, und auf der anderen Seite Lewis und David gegeneinander an. Parker und Lewis verloren. Jonas klopfte Lewis mit gespieltem Mitleid aber triumphierender Miene auf die Schulter. "Ich richte der hübschen Dame vom Eisstand einen Gruss aus." Ich sah die beiden Stirnrunzelnd an und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

      Lily war gar nicht so unzufrieden mit ihrem Los - sie erklärte mir beim Verlassen der Halle, dass sie heute ohnehin nicht ins Wasser gegangen wäre. Wir schlenderten zum Hauptstall und holten Putzzeug aus der Sattelkammer, um die Fohlen nochmal schick für ihre Besitzer zu machen. Hierbei halfen die anderen Pfleger auch noch mit - jedenfalls die, die nicht gerade Boxen Misteten. Ich begab mich mit den Putzsachen zum Nebenstall und holte danach Gianna und Dreaming of Revenge von der Weide. Der kleine Criollohengst stolzierte übermütig neben seiner Mutter her und wollte auch mal abbiegen, weshalb ich eine Weile brauchte, bis ich die beiden beim Nebenstall angebunden hatte. Man merkte, dass er so langsam selbstständiger wurde und die Welt entdecken wollte. "Und genau das wirst du heute", murmelte ich liebevoll. Ich begann, Revenge mit einem Gummistriegel am Widerrist zu massieren, was er ausgesprochen toll fand. Er verdrehte seinen ganzen Hals und spitzte die Lippen. Gianna döste währenddessen entspannt. Ich entstaubte das Fohlenfell mit der Bürste und putzte dabei auch den Bauch und die Innenseiten der Beine, welche ja oftmals empfindliche Stellen waren. Der kleine Hengst stampfte, als wollte er eine Fliege verscheuchen, aber er liess mich machen. zufrieden bürstete ich auch den Kopf. Keines der Fohlen war kopfscheu, denn wir hatten ausgiebig geübt, dass sie sich überall anfassen liessen. Ausserdem hatte Lily sie so oft geknuddelt, dass sie wohl nichts mehr beeindrucken konnte. Ich bürstete auch spielerisch die wolligen Ohren, wobei Revenge dann doch den Kopf etwas schüttelte. Ich machte solange weiter, bis er still hielt und lobte ihn dann. Seine hübschen blauen Augen glänzten im Licht der Morgensonne. Ich versuchte mir vorzustellen, wie der Hengst später mal aussehen würde.Bestimmt wird er ein richtiger Hingucker, wie sein Vater, überlegte ich lächelnd. Auch das Hufegeben klappte beinahe auf Anhieb. Revenge verlagerte zwar aus Gleichgewichtsgründen noch das Gewicht gegen mich, aber das meinte er ja nicht böse. Ich stützte ihn daher so gut ich konnte, um ihm Sicherheit zu vermitteln. Hinten hob er seine Füsse bereits viel sicherer. Das weiche Langhaar bürstete ich nur mit einer Wurzelbürste rasch durch, denn viel zum Kämmen war noch nicht da.

      Als ich mit Revenge fertig war, sah ich mich bei den anderen Pflegern um, ob sie noch Hilfe benötigten. Die meisten waren fertig, nur bei Savory Blossom fuhr ich noch rasch mit der Bürste durchs Langhaar. Das farbige Stutfohlen wurde dann auch als erstes geholt. Hunter Crowley hatte aber auch den kürzesten Weg, glaubte ich zumindest. Er schüttelte mit fröhlich die Hand - offenbar hatte er mit grosser Vorfreude auf den heutigen Tag gewartet. Ich liess ihn Savory das Halfter gleich selbst anziehen und sie auch selbst zum Parkplatz führen, wo der Anhänger wartete. Um die kleine Stute etwas zu beruhigen hatte ich Blüte mitgeführt. Nun schoben Parker und Hunter Savory in den Anhänger, wo bereits ein Pony stand, das Hunter wie empfohlen mitgebracht hatte. So musste das Fohlen nicht alleine reisen und auch das Einsteigen wurde einfacher. Trotzdem versuchte Savory natürlich ein zwei mal rückwärts zurück zu Blütenzauber zu gelangen. Mit vereinten Kräften schafften es die beiden, das Fohlen neben dem Pony festzubinden und die Klappe zu schliessen. Die kleine rief etwas verunsichert, als sie bemerkte, dass ihre Mutter weggebracht wurde. Auch Blütenzauber wieherte nach ihrem Fohlen, folgte mir aber brav zurück in ihre Box. Sie hatte das ganze Theater ja schon ein paarmal durchgemacht. Dann wünschten wir den beiden eine gute Reise und verabschiedeten uns, damit Hunter rasch nachhause fahren und Savory nicht zu viel Stress entwickeln konnte. Ich sah dem Transporter schon etwas wehmütig hinterher, aber Loslassen gehörte nunmal auch zum Züchten. Ich freute mich schon darauf, in Zukunft von unserem Nachwuchs zu hören.

      Noch am Vormittag wurden Gamble Away und Empire of Irony von Juli Mayers und Elisa Cranfield abgeholt. Die beiden hatten eine sehr lange Reise vor sich – den ganzen Weg nach Kanada. Ich hoffte sehr, dass die beiden den Flug unbeschadet überstehen würden, denn das war natürlich schon etwas krass für ein frisch abgesetztes Fohlen. Andererseits konnten sie zu zweit reisen, was wohl einiges erleichterte und ihnen Sicherheit gab. Ich half auch hier beim Verladen und kraulte beide Fohlen zum Abschied. „In Kanada gibt es riesige Weiden“, flüsterte ich Gamby ins Ohr und streichelte dem kleinen Hengst liebevoll über die Nüstern. Er wird bestimmt einmal ein grosses Rennpferd, oder sonst erfolgreich. Ich wünschte allen vieren einen guten Heimflug und winkte; halb glücklich, halb traurig.

      Endlich war es Zeit für’s Mittagessen. Die Pfleger assen noch alle hier, doch um halb zwei Uhr verschwanden sie ins Schwimmbad. Ich hatte mir ein Sandwich gebastelt und genoss es nun, während ich durch die Ställe schlenderte und die Pferde eifersüchtig machte. Wir hatten die Mütter wieder in ihre Boxen gebracht und Daydream of Money und Dreaming of Revenge zusammen auf die Weide gestellt, sodass sie bereits von ihnen getrennt waren aber trotzdem noch beieinander bleiben konnten. Ich stand beim Zaun und beobachtete die beide. Nur die beiden Minifohlen waren noch bei den anderen Minis, aus Sicherheitsgründen. Money rief die ganze Zeit nach Noir. Ein bisschen Leid tat mir das schon, aber da musste sie jetzt durch. Sie würde auf dem Gestüt Milky Way sicherlich viele neue Welsh-Freunde finden. Gerade als ich wieder zum Hauptstall hoch schlendern wollte, fuhr Maren Tucholsky, eine meiner Lieblingstierärztinnen, auf den Parkplatz. Ich begrüsste sie formell mit „Guten Tag Miss Tucholsky, ihr Fohlen wartet bereits ungeduldig auf sie“, und führte sie zu den Minis. Ursprünglich hatte Annabell Schmiedemann das Fohlen ersteigert, es danach aber wohl aus Platzgründen an Maren abgetreten. Ich hatte nichts dagegen gehabt, weil ich die Tierärztin mittlerweile sehr gut kannte und sicher sein konnte, dass die Kleine bei ihr ein ausgezeichnetes Zuhause hatte. Arctic Alinghi stand zuhinterst neben Alufolie und sah uns zuerst nur skeptisch an. Als sie merkte, dass wir mit dem Halfter auf sie zu steuerten, wollte sie flüchten, als ahnte sie, was als nächstes kommen würde. Doch weit kam sie nicht: Ich schnitt dem langbeinigen Jungspund den Weg ab und hielt sie fest, während Maren ihr das Halfter überzog. „Habt ihr das nicht geübt?“, fragte sie erstaunt. Ich erklärte beschämt: „Doch, sogar ziemlich oft. Aber hier lief halt schon den ganzen Morgen ziemlich viel und es wurde auch reichlich gewiehert - daher sind alle Pferde im Moment etwas nervös.“ Ich hätte das Fohlen wohl notfalls sogar hochtragen können, denn es war kaum grösser als ein durchschnittlicher Hund. Aber stattdessen zogen wir sie hinterher zum Anhänger. „Hast du an ein Beistellpony gedacht?“, fragte ich vorsorglich. „Jap, ich habe Silverlight dabei.“ Ich spähte in den Transporter und entdeckte eine Falabella Stute. „Na da ist Alinghi ja in bester Gesellschaft!“ Ich verabschiedete mich auch von Alu’s Fohlen, dann musste ich mich um schon um die nächsten kümmern. Zum Glück war noch Parker da, die Kira Esenbeck bereits empfangen hatte. Ich folgte den beiden und sagte hallo, dann fingen wir Money ein. Revenge protestierte lautstark, als ihm seine Freundin auch noch weggenommen wurde. Lewis blieb bei ihm, um ihn etwas zu beschäftigen. Aber viel brachte es wohl nicht, denn wir hörten das Rufen vom Parkplatz aus immer noch. Zum Glück liess Lea Stanfort nicht mehr lange auf sich warten und kam kurz nachdem Kira gegangen war. Sie beruhigte Revenge so gut es ging und ich liess sie ihn selbst zum Transporter führen. Wie ein Musterschüler stieg der aufgeregte Criollo ein. Er war wohl so damit beschäftigt nach seiner Mutter Ausschau zu halten, dass er gar nicht merkte, dass er die Rampe hoch lief. Wir schlossen die Klappen, bevor er recht wusste wie ihm geschah. Ich verabschiedete mich von Lea und wünschte auch ihr eine sichere Heimreise.

      Ich konnte es kaum fassen, dass nun schon fast alle weg waren. Nur Cookie war noch übrig. „Wo bleibt Cata?“, fragte nun auch Parker besorgt. Ich versuchte ihr anzurufen, aber niemand nahm ab. „Wir warten einfach ab. Irgendwann meldet sie sich bestimmt“, beschloss ich. „Ich hoffe nur, es ist ihr nichts passiert“, murmelte ich jedoch gegen Abend, als sie immer noch nichts von sich hören gelassen hatte. So blieb Cookie eben erstmal noch auf Pineforest Stable.


      Eigentlich sollte man mich überhaupt gar nichts planen lassen – dann hätten wir nämlich nach einem 8,5h Flug nicht noch den gleichen Gamble Away zu seiner Weide gebracht. Aber Zoe und ich schütteten uns einfach mit Kaffee zu und hofften, trotz Jetlag einfach heil anzukommen.

      Wider Erwarten hatte ich für Gambit nämlich wirklich noch einen Aufzuchtweideplatz gefunden. Der Bauer von Pax‘ Wiese hatte sich als echter Geheimtipp herausgestellt – über fünf Ecken hatte ich dann eine kleine Herde in der Nähe des Pine Groves gefunden, die ihn gerne noch aufnehmen würde. Der Besitzer hatte zwar nicht ganz damit gerechnet, dass wir um halb 6 morgens auftauchen würden, aber ändern konnten wir das auch nicht mehr.

      Nach dem Ausladen stakste Gambit noch ein wenig herum, dann graste er neben Zoe, als würde er schon immer hierher gehören. Allgemein hatte er wenig Begeisterung gezeigt, als wir vor wenigen Stunden auf dem Pineforest aufgekreuzt waren, um ihn (endlich) heimzuholen; für ein Vollblut recht cool hatte er sich gegeben, war ohne große Probleme in den Hänger gelaufen und wirkte auch jetzt, obwohl die Reise mehr als anstrengend gewesen war, ruhig. Zoe war das auch aufgefallen. „Wenn der weiterhin so unaufbrausend bleibt, dann hast du dir da ja ein schönes Vollblut nach Hause geholt,“ bemerkte sie und strich dem Jährling über die dunkle Nase. Er warf mir einen kurzen Blick zu (der mich ein wenig an einen genervten Teenager erinnerte – so etwas in Richtung „Sei bitte leise. Bitte.“), dann steckte er seinen Kopf wieder in das Gras.

      Kurz darauf kam dann auch der Besitzer der Wiese und erklärte, dass er alles soweit vorbereitet hatte. Ein bisschen gespannt war ich schon; eigentlich gehörte mir jetzt ein Pferd, welches ich zuvor noch kaum live miterlebt hatte. Aber Gamble Away präsentierte sich den anderen Absetzern als selbstbewusst und, so sagte mir der Besitzer, startete gleich mal einen kleinen Streit mit dem bisherigen Chef. Ein wenig mulmig wurde mir dabei schon, aber glücklicherweise lenkte Papierkrams meine Aufmerksamkeit woanders hin. Als ich wieder hinsah, hatte sich die Situation ein wenig beruhigt – trotzdem wirkte Gambit schon jetzt wie ein kleiner Provokateur.

      Recht viel länger hielten wir uns nicht auf. Putzzeug und ein paar Ersatzhalfter und –stricke wurden in der kleinen als Sattelkammer dienenden Scheune verstaut, dann ging es auch schon wieder zurück nach Hause. Wo mein Bett wartete. Auf das ich mich seit etwa 20 Stunden freute.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      6/11

      The times they are a-changin'
      18. September 2016 -- Rhapsody

      Der Sommer hatte sich wohl oder übel endlich verabschiedet. Mit Höchsttemperaturen von 20°C konnte man auch wieder ordentlich mit den Pferden arbeiten. Wenn man keinen Gips am linken Handgelenk trug natürlich. Und man, konnte das langweilig werden. Natürlich half ich draußen so viel mit wie ging, gab Lesja Tipps bei der Arbeit mit Ironic, die dem Hengst ungeheuer Spaß machte. Alle paar Tage schneite Gwen dann vorbei und löste mich ab, gab Lesja ordentlich Hausaufgaben und fragte das dann bei ihrem nächsten Besuch ab. So war Ironic wirklich auf dem besten Weg – was natürlich auch an seinem immensem Arbeitswillen lag. Wer weiß, vielleicht könnten wir uns ja langsam nach ordentlichem Zubehör für ihn umschauen. Und wer weiß, vielleicht klappte es doch noch dieses Jahr mit dem Einreiten. (Gwen sah mich zwar immer böse an, wenn ich davon anfing, aber hey, Träume werden ja wohl noch erlaubt sein.) Wenn ich nicht gerade am Longierzirkel stand und den beiden Boys zusah oder Lesja eine impromptu Reitstunde auf Painted Blur gab, suchte ich permanent nach einem Opfer, das mich zu Gambit fahren würde. Bis auf Lesja hatte ich aber ein ziemlich nervenstarkes Team, das meinen Kulleraugen aus irgendwelchen Gründen widerstehen zu wusste – also musste er auch hier hinhalten.

      Im Gegensatz zu Paccos Wiese war die Fahrt zum kleinen Vollbluthengst recht kurz. Das war natürlich ein Vorteil, sollte bei Gamble Away irgendwann mal etwas passieren – glücklicherweise waren Pax, Andvari und Pinero von Unglücken verschont geblieben, aber das bedeutete ja nicht, dass es bei Gambit genauso laufen musste – wir konnten uns sofort ins Auto setzen und waren am Ort des Geschehen. An der Wiese angekommen musste ich mir die kleine Herde erst noch einmal anschauen. Vorwiegend langbeinige Jährlinge standen in der Sonne und tankten Energie auf. Ein paar hatten sich hingelegt, ein paar rupften Grashalme. Von den zwei Menschen am Zaun ließ sich kein einziger beirren. Auf mein kurzes Pfeifen sahen zwar alle Jungspunde kurz auf, machten dann aber weiter als wäre nichts gewesen. „Kennt er seinen Namen nicht?“ fragte Lesja ein wenig verdutzt. Ich verdrehte die Augen und machte mich auf in Richtung Sattelkammer. Wirklich viel stand darin nicht; ein paar Ersatzstricke, ein paar Ersatzhalfter und die Putzkästen der Fohlen. Wirklich viel hatten Gambit und ich noch nicht gemacht. Mit regelmäßigem Putzen lernten wir uns ein bisschen kennen und ich konnte ihn schon mal an ein paar Kommandos gewöhnen. Viel mehr stand auch noch nicht auf dem Programm; wenn die Herde in einen großen, befestigten Auslauf kommen würde und sich dort größtenteils eingelebt hatte, dann würden wir zwei die ersten „längeren“ Spaziergänge unternehmen. Jetzt beschränkte sich das Führen auf von-der-Koppel und auf-die-Koppel-zurück. Mit nur einer funktionstüchtigen Hand war das zwar nicht ganz so einfach, aber Gambit hatte schnell gelernt, dass er zurück zur Herde kam und mir deswegen ohne großes Murren brav folgen konnte.

      Beim Putzen war er dann doch noch ein wenig sensibel. Zwar war ich stets darauf bedacht, ihn nicht zu grob anzupacken, aber trotzdem durfte ich nur seinen Torso bis jetzt anfassen. Beine, Gesicht, Ohren waren tabu – vorerst noch. Heute durfte ich ihm sogar die Beine entlang streichen und einen Huf kurz aufheben, den er mir sogar nicht sofort wegzog. Das nannte ich mal Fortschritt! Für seine Mühen bekam der „Kleine“, der jetzt schon Pax‘ Größe in dem Alter weit überschritt, dann eine Karotte und durfte schließlich auch wieder zu seinen Kumpels. Lesja wurde zum Kehren verdonnert, während ich Gamble Aways Zeug aufräumte, und dann ging es auch wieder heim.

      ***

      Ein kleiner Spaziergang mit Cíola und Pacco später, bei denen ich vor allem Pax‘ Gehorsam ein wenig abfragte, war dann auch schon meine täglich-verrichtbare Arbeit getan. Dafür versuchte ich mich dann am Kochen – mit nur einer funktionierenden Hand war das zwar auch nicht leicht, aber wenn ich eins liebte, dann waren es Herausforderungen (und das war gelogen). Während die anderen dann noch produktiv waren, platzierte ich mich in meinem Zimmer mit meinem Laptop, Netflix und Chips. In den letzten Wochen hatte ich aus Langeweile eine kleine Sucht entwickelt; Jane the Virgin war (soweit) durchgeguckt, New Girl und Stranger Things liefen jetzt im Wechsel. Lange konnte ich die Ruhe aber nicht genießen; fünf Minuten nach Beginn der Folge klingelte mein Handy.

      „Tante Molly, ist das ein Kontrollanruf?“

      Vom anderen Ende der Leitung kam ein lautes „Pff.“

      Nach ein paar Minuten stellte sich heraus, dass es ein längeres Gespräch werden würde, also pausierte ich die Folge. Und nach etwa zehn Minuten stellte sich heraus, dass es nicht nur ein Gespräch übers Leben und Pferde und alles andere war, sondern dass meine Tante irgendein Ziel verfolgte. Das fiel mir natürlich während ihres Monologs über ein kleines dickes Exmoorpony, das sie sich letzte Woche angesehen hatte, und weil ich ich war, musste ich sie natürlich unterbrechen.

      „Ist das der Grund wieso du angerufen hast?“

      Vom anderen Ende der Leitung folgte erst Stille, dann Rumgedruckse. „Nicht hundertprozentig,“ gab meine Tante dann doch zu, ließ es sich aber dann doch noch aus der Nase ziehen. Dann erzählte sie mir von Maggie Flanagan.

      Maggie war die Nichte von Tante Molly, wie ich, nur von der anderen Seite. Dementsprechend waren wir also über ein paar Ecken verwandt (oder so? Galt das noch als verwandt?) und auf irgendwelchen Familienfeiern, die wir (selten) zusammen besuchen mussten, waren wir die einzigen Kinder. Für ein paar Stunden funktionierten wir dann als beste Freunde, danach war Funkstille bis zur nächsten Feier. Irgendwann wurden diese Familienfeiern uncool, man sah sich immer seltener und, wie es kommen musste, hatte ich Maggie Flanagan irgendwann ganz vergessen.

      „Maggie darfst du sie gar nicht mehr nennen,“ schalt mich meine Tante mit einem abschätzigen Zungenschnalzen.

      „Margaret?“

      Tante Molly seufzte. „Nein, der Name ist ihr immer noch suspekt. Die meisten nennen sie mittlerweile Peggy.“

      „Äh – “ Mir lag schon eine nicht-ganz-so-nette Bemerkung auf der Zunge, aber glücklicherweise wurde dieses Mal ich unterbrochen.

      „Auf jeden Fall studiert M-Peggy in Brandon Tiermedizin und wohnt jetzt in einer WG.“

      Jetzt wurde ich ein bisschen misstrauisch. Brandon war zwar kein Katzensprung von hier, aber für kanadische Verhältnisse fast nebenan. „…und?“ Stille am anderen Ende. „Tante Molly?“

      „Naja,“ fing die schließlich wieder an. „Es… gefällt ihr nicht so. Die WG. Und dann hab ich geguckt und Brandon ist gar nicht so weit weg von dir und –“

      Mir ging ein Licht auf. „Du hast zu ihr gesagt sie kann hier wohnen.“ Mein Handgelenk fing an zu pochen; ich musste mich zwingen, die Faust wieder zu entspannen. „Ich hab sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Was ist, wenn wir –“

      „Ach. Ihr seid aus dem selben Holz geschnitzt, das wird schon schief gehen.“ Das war typisch Tante Molly: anstatt zurück zu rudern, um ihren Plan zu erklären und das ganze so diplomatisch wie möglich zu lösen, stellte sie dich am liebsten vor vollendete Tatsachen und versuchte dann halbherzig, dich davon zu überzeugen, dass es ja gar nicht so schlimm werden könnte.

      „Tante M—“

      „Ich geb ihr deine Telefonnummer und sag ihr, sie soll sich so bald wie möglich bei dir melden. Danke, wünsch dir noch einen schönen Tag – Abend? Nacht?“ Und dann klickte es und das Gespräch war anscheinend beendet. Ein klein wenig frustriert pfefferte ich mein Handy hinter den Laptop und klaubte es dann vom Boden auf, weil ich die Springkraft meiner Matratze mal wieder unterschätzt hatte.

      ***

      Maggie – Peggy – meldete sich am nächsten Morgen, kurz nachdem ich das Team eingeweiht hatte. Da war ich aber die einzige, die nicht hellauf begeistert war, wurde also wieder total hintergangen. Das Gespräch mit Peggy verlief ein wenig gestellt, aber wenigstens erzählte sie mir, dass sie Tiermedizin studierte, seit diesem Semester in Brandon aber in ihrer WG mit zwei Sportstudenten absolut nicht klar kam. Sie würde aber gern in Kanada bleiben und yadda yadda, jetzt hoffte sie eben, dass ich ihr da helfen konnte. Ein Unmensch war ich aber auch nicht, versicherte ihr also, dass das schon irgendwie klappen würde.

      Nach etwa einer Stunde konnte ich endlich das Handy weglegen und meine eigentliche Arbeit machen. Nämlich Lesja bei der Arbeit mit Ironic „unterstützen“ und ihm dabei mein Leid klagen – er war nämlich einfach der beste Zuhörer, der mir momentan zur Verfügung stand. Ironic hatte heute eine Longierpause, weswegen es nur ein bisschen Führtraining gab. Perfekt zum Quatschen also.

      „Was ist jetzt genau dein Problem?“ hakte er nach, während er Runde um Runde um mich herum ging und dabei darauf achtete, dass Ironic ihm nie vor die Füße latschte.

      „Ich kenn sie nicht mehr und jetzt soll ich sie einfach aufnehmen als wären wir beste Freunde,“ murmelte ich und malte mit einem Stock kryptische Zeichen in den Reitplatzboden. „Das ist komisch, okay?“

      Mit einem kurzen „Stopp“ hielt er vor mir an und lobte Ironic, bevor er mich ansah, als wüsste er etwas und ich nicht. „Du hattest doch noch nie ein Problem damit, auf fremde Leute zuzugehen.“

      „Hab ich auch jetzt nicht. Das ist was anderes.“

      Geduldig sah Lesja mich an. „Und inwiefern ist das anders?“

      Ich hielt inne, starrte ein paar Augenblicke auf den Boden. „Ich hasse es, wenn du so klar denken kannst.“
      Mittlerweile hatte Lesja sich wieder zu dem Hannoveraner gedreht. Er tippte ihm auf die Brust und schickte ihm mit einem „back“ zwei Schritte rückwärts. Lob. Dann stapften sie weiter. Ich hatte schon fast keine Antwort mehr erwartet und wollte mich wieder zurückziehen, da rief der Dunkelhaarige mir hinterher: „Ich find ja, wir ergänzen uns ganz gut.“

      Sofort fielen mir so einige Situationen ein, in denen wir uns nicht ergänzten, sondern uns eher gegenseitig angestachelt hatten. Wir waren mehr partners in crime als good cop, bad cop. Aber gut, wenn er das so sah zerstörte ich ungern seinen Traum. Am Gatter angekommen drehte ich mich noch mal um und grinste ihn an. „Wenn du sentimental wirst, muss ich dich leider rausschmeißen.“

      Er rollte mit den Augen und scheuchte mich schließlich selbst vom Reitplatz.
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      7/11

      Fohlen ABC
      18. Oktober 2016 -- Rhapsody

      Ich musste sagen, es war ein wenig enttäuschend, als Lesja auf den Parkplatz fuhr und uns keiner mit einem Transparent überraschte. Dabei kamen wir gerade vom Krankenhaus, das mir jetzt das Reiten wieder ermöglicht hatte – der Gips war ab.
      Ja, blabla, ich sollte es den Oktober noch lassen mit dem Reiten und es langsam angehen und wenn ich meine Übungen nicht machen würde, dann könnte es sich auch noch bis Anfang Dezember ziehen - Ärztegelaber eben. Wir würden schon sehen, ob ich im Oktober nicht schon im Sattel saß.
      Eigentlich hatte ich gehofft, dass diejenigen, die die größten Freudensprünge machen würden, mein Team waren. Immerhin konnte ich jetzt (bald) wieder mithelfen, man musste meinen Anteil nicht mehr aufteilen. Leider schien es so ziemlich keinen wirklich zu interessieren; als Lesja und ich komplett durchgeweicht im Haus ankamen, herrschte Stille. Auf meinen Schmollmund reagierte Lesja nur mit einem angedeuteten Augenrollen, ehe er seine Jacke auszog und mit einer monotonen Stimme verkündete, er würde Tee kochen. Kurz hörte man es in der Küche klappern, dann rief er mir nach: „Sag Peggy Bescheid“ – und zwar in so einem Ton, dass ich mich nicht traute, zu wiedersprechen.
      Ich ließ mir also ein bisschen mehr Zeit als sonst beim Anziehen von frischen Sachen und klopfte dann leise an die Tür des Eckzimmers. Wider Erwarten waren die letzten Tage und Wochen seit Peggys Einzug recht ruhig verlaufen. Gespickt mit erzwungenem Smalltalk, ja, aber ruhig. Wenn Peggy nämlich nicht gerade auf dem Weg zur oder von der Universität war, dann war sie in ihrem Zimmer und lernte. Zoe und vor allem Lesja versuchten zwar ihr Bestes, sie auch aufs Pferd zu setzen (obwohl sie, laut eigener Aussage, auch schon das ein oder andere Turnier bestritten hatte, aber das musste ich erst mal gründlich überprüfen), aber selbst am Wochenende war sie wirklich kaum außerhalb ihres Zimmers anzutreffen. Man mag es kaum glauben, aber sooo unendlich traurig fand ich das jetzt auch nicht. Auf mein Klopfen öffnete sie die Tür, schob aber sofort das Lernen vor. Dafür wartete in der Küche ihr Corgi Butters auf mich, der deutlich sozialer war als sein Frauchen.
      ***
      Es wird wohl keinen überraschen, wenn ich sage, dass ich meinen Tee so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Nein, ich hatte nicht vor, heute aufs Pferd zu steigen – aber seit ein paar Wochen standen jetzt Rising of Storm und Gamble Away zuhause und genossen Capulets und Quixoticelixers Schule. Die beinhaltete aber leider nicht das Fohlen-ABC. Und außerdem empfand ich das als guten Start zurück ins Reiterleben. Lesja war zwar weniger begeistert, ließ sich aber von mir doch überreden, sich das Ganze wenigstens anzuschauen, bevor er heute Abend noch einmal Ironic longierte.
      Gambit und Donnie (der Spitzname kam von Peggy, die seinen originalen Namen verschmähte und von da an Doineann/Donnie ins Leben rief und verdammt noch mal, das blieb einfach besser im Gedächtnis!) waren fast unzertrennlich geworden – damit das aber nicht überhandnahm, blieb Donnie fürs erste auf der Weide und nur Gambit kam mit uns. Das Halftern und Führen lief schon ganz gut, auch hörte er mittlerweile auf seinen Namen. Das einzig grundlegende, was ihm noch fehlte, war das Anfassen.
      Ich hatte mir immer vorgestellt, dass ein Vollblut zappelte, wenn es eigentlich stehen bleiben sollte. Aber ich hatte fast das Gefühl, dass Gambit dieses Klischee einfach gar nicht erfüllte; bis jetzt wirkte er auf mich immer sehr ruhig. Nicht unbedingt gelassen, aber ich hatte jetzt schon fest vertrauen, dass er in einer brenzligen Situation erst einmal stehen bleiben würde, um sich das Ganze anzusehen.
      Nach dem Putzen wollte ich dann schon mal einen Schritt weiter gehen. Das Anfassen am Kopf fand er zwar immer noch nicht ganz so super, dafür gab er mittlerweile brav die Hufe – das konnte ich also mental schon mal abchecken. Dann war jetzt Zeit dafür, dass wir das Rückwärts laufen in Angriff nahmen. Immer noch etwas vorsichtig benutzte ich die linke Hand, um ihn fest zu halten, und schob ihn dann mit der rechten Hand zurück. Ein wenig verdatzt machte der Jährling einen Schritt zurück – meine Hand stoppte sofort und kramte lieber in der Tasche nach einer Belohnung.
      Am Ende der Trainingseinheit war die höchste Anzahl der Schritte nach hinten zwei. Trotzdem, fürs erste Mal war ich wirklich super stolz auf den Kleinen. Jetzt konnte man nur hoffen, dass seine restliche Ausbildung ähnlich verlief.
      Bei Donnie mussten wir erst einmal gucken. Verladen, Halftern, Führen waren kein Problem, das hatte er jetzt schon gezeigt. Putzen dafür reichlich. Mit der Hand war anfassen okay, sobald es aber mit einer Bürste geschah, wollte der kleine Hengst Reißaus nehmen. Mit Lesjas ungewöhnlich ruhiger Ausstrahlung und meinem absoluten Talent war er aber nach etwa zwanzig Minuten so weit, dass ich mit einer weichen Kardätsche auch kurz über die Beine streifen durfte. Ein kleiner Erfolg, aber trotzdem ein Erfolg.
      ***
      Wer Versprechen machte, der musste sie auch einhalten. Deswegen mummelte ich mich um halb acht abends in eine Riesendecke und pflanzte mich auf die Tribüne in der Reithalle. Hoffentlich würde ich nicht einschlafen; die Bahn war zwar beleuchtet, das Licht für die Sitze hatte ich aber ausgelassen und saß jetzt in einem Licht, das zu einem Nickerchen einlud. Fast wäre ich dann auch weggedöst, hätte sich zu dem Zeitpunkt nicht das Tor aufgeschoben.
      Ironic hatte sehr schnell begriffen, was das lange Seil und die Peitsche bedeuteten und machte sich auf Lesjas Zungenschnalzen auch sofort auf einem großen Zirkel lang. Die Nüstern fast in den Boden versenkt lief der Hengst dann Runde um Runde, ließ sich zurücknehmen, blieb auf Kommando stehen und trat wieder an, als Lesja ihn ließ. Mittlerweile war er in allen drei Gangarten doch recht sicher; er sprang zwar gern und oft noch im Außen- oder Kreuzgalopp an, aber das war zu erwarten (Gwen wartete förmlich nur auf einen Anruf, um uns da auszuhelfen). Immer mit gespitzten Ohren hörte Ironic auf den Longenführer, wechselte durch die Gangarten wie ein kleiner Profi.
      Nach einer halben Stunde beendeten die Jungs ihr Training – und mir fiel auf, dass ich dieses Mal nichts zu bemängeln hatte. Lesja anscheinend auch, denn er grinste mich triumphierend (und ein wenig schadenfroh) an und zeigte mir zweimal ein Thumbs up. Ich verdrehte die Augen, zog die Decke enger um mich herum und lief mit den beiden zurück in den Stall.
    • Rhapsody
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      8/11

      (Post)Weihnachtsfreuden
      28. Dezember 2016 -- Rhapsody

      Weihnachten wurde auf dem Pine Grove Stud nicht groß gefeiert – wenn es nach Lesja, Declan und mir ging, würden wir gar nicht feiern. Sobald es aber einmal Dezember wurde, schien es, als würde Zoe komplett durchdrehen. Plötzlich hatten wir einen Weihnachtsbaum. Plötzlich hing überall Lametta. Plötzlich wurde man in einem Türbogen aufgehalten, weil man unter einem Mistelzweig stand.

      Es ging gar nicht anders, man mutierte einfach zum Grinch. Mit zusammengebissenen Zähnen duldete man das Weihnachtsgedudel, verdrehte nur innerlich die Augen wenn man zum Tee plötzlich Zuckerstangen gereicht bekam. Man zählte die Tage bis zum 24. Dezember – wie ein kleines Kind, das täglich ein Türchen am Adventskalender öffnet und dann eifrig ausrechnet, wie lange es noch dauert, bis das Christkind kam. Nur aus dem komplett gegenteiligen Grund.

      Aber Zoes Weihnachtslust hatte natürlich auch etwas Gutes. Heimlich, still und leise hatte ich mir nämlich überlegt, Lesja einen kleinen Lebenswunsch zu erfüllen. Rein theoretisch war es ein Geschenk ans ganze Team, aber ich hatte das Gefühl, dass es Lesja am meisten gefallen würde.

      Der Tag, an dem der Lebenswunsch dann ankommen sollte, begann relativ unspektakulär und früh. Nach der allmorgendlichen Fütterung ging es erst einmal auf einen ausgiebigen Ausritt mit Painted Blur. Declan und Zoe hatten gestern gedacht, sie könnten Zai und Elena unter den Tisch trinken – wie das ausgegangen war wusste ich nicht, aber da ich von den letzteren beiden schon die ersten Snapchats gekriegt hatte und meine eigenen Mitarbeiter noch nichts von sich hatten hören lassen – nun ja, das sprach wohl für sich. Also genoss ich die seltsame Stille, sattelte Blurry auf und machte mich auf den Weg in den Wald um unseren Hof. Nur eine kleine Runde, mit viel Schritt am langen Zügel, aber so zufrieden wie Blurry abschraubte, musste ihm das gut getan haben. Mit dicker Winterdecke durfte er schließlich zurück auf seinen Paddock.

      Gegen halb 9 zeigte dann auch Lesja mal sein Gesicht. Zusammen mit Peggy, die überraschenderweise einmal nicht an ihrem Schreibtisch festgewachsen war und auch Weihnachten so gut wie möglich mit uns gefeiert hatte, mistete er die Boxen der Stuten und schilderte seine Pläne für die nächsten Tage – nicht ohne einen bösen Seitenblick in meine Richtung. Eigentlich wäre Lesja nämlich über Neujahr gerne nach Deutschland geflogen, hätte Silvester und ein paar Tage mit seiner Familie verbracht. Damit war er aber erst gekommen, als sein Geschenk schon „bestellt“ gewesen war. So hatte ich eine kleine Panikattacke gekriegt und ihm kurzerhand fast schon verboten, den Hof überhaupt zu verlassen (nicht mein glanzvollster Moment, aber ich hoffte einfach, dass das Geschenk ihn das ein bisschen vergessen ließ). Seitdem war eisige Stimmung zwischen uns – ein paar Mal hätte er mich bestimmt auch gerne umgebracht, aber ich musste ja mitspielen. Und wenn das hieß, dass ich den Bösewicht spielen musste, dann war das wohl so.

      Den frühen Nachmittag nutzte ich noch einmal, um meinen beiden Jährlingen noch ein paar Manieren beizubringen. Gamble Away war da wesentlich kooperativer als Rising of Storm; beide waren zwar extrem neugierig, bei Storm ging aber manchmal das kindliche Temperament durch. Deswegen arbeitete ich mit den beiden am liebsten getrennt – auch räumlich. Mit Gambit vertiefte ich ein paar Grundlagen, das Anhalten und Loslaufen auf Kommando und auch das Rückwärtsgehen, auf einem kleinen Spaziergang. Heute war aber irgendwie der Wurm drin, und bei Gambit kam das Vollblut raus. Hinter jedem Busch versteckte sich ein Geist, der nur Pferde angriff – und, anstatt wie sonst ruhig stehen zu bleiben und sich die Situation erst einmal anzugucken, sprang der Junghengst das ein oder andere Mal fast auf meinen Fuß. Humpelnd und missgelaunt trat ich also die Heimreise an und ließ beide – Storm und Gambit – noch ein bisschen in der Halle toben. Storm versuchte verbissen, mit dem langbeinigen Vollblut mitzuhalten, aber das war ziemlich aussichtslos. Das Grinsen konnte ich mir fast nicht verkneifen – immer wieder machte Storm auf halber Strecke kehrt, weil Gambit zu dem Zeitpunkt schon wieder umgedreht hatte. Das ging eine ganze Weile so, bis beide Jährlinge in der Mitte der Halle standen und sich beknabberten. Nach ein paar Minuten musste ich das auch leider auflösen – so lange konnte es gar nicht mehr dauern, bis ich mich auf die Socken machte musste, und bis dahin wollte auch Donnie ein bisschen was getan haben.

      Im Gegensatz zu Gambit arbeitete Donnie toll mit – als hätten die beiden für einen Tag Charakter getauscht. Das Flatterband war gar nicht mehr so gruselig wie vor zwei Tagen, und das Gehorchen klappte auch viel besser, wenn man konzentriert war. So traute ich mich, eine Plastikplane im Sand auszubreiten und ein bisschen mehr in die Richtung Schrecktraining zu machen. Schnorchelnd schnupperte Donnie an der Plane, zuckte kurz zusammen, schnupperte wieder und machte einen kleinen, zaghaften Schritt darauf. Nach ein paar zaghaften Versuchen sprang er auch nicht mehr sofort wieder weg, sondern machte noch einen Schritt. Und noch einen. Schlussendlich stand er mit gespitzten Ohren und allen vier Hufen fest auf der Plane, ohne eine Miene zu verziehen. Ausgiebig lobte ich ihn und beschloss, dass man das Training mit einem Erfolgserlebnis beenden sollte. So durfte Donnie zurück auf den Paddock, und ich stapfte schließlich in Richtung Haus.

      ***

      Als ich nach einem kleinen Ausflug in unbekannte Gefilde (Dauphin) zurückkam, war es schon stockfinster. Ein kurzer Blick in den Hengststall verriet mir auch, dass die Pferde schon ihr Futter bekommen hatten. Zufrieden ließ ich die Leine in meiner Hand ein paar Zentimeter länger. Der gescheckte Welpe daran ließ sich das nicht zweimal sagen, rannte ein paar Schritte vor mir her und beschnupperte alles, was sich beschnuppern ließ. Auf einen kleinen Pfiff stellten sich die dunklen Ohren auf und er guckte mich erwartungsvoll an. Das nannte ich doch mal eine gute Erziehung.

      Mit klopfenden Herz kramte ich den Schlüssel aus meiner Jackentasche. Ein kurzer (creepy) Blick durchs Küchenfenster verriet mir, dass kollektiv gekocht wurde. Super Umgebung, um einen völlig unbekannten Welpen nach Hause zu bringen. Nach fünf Versuchen klickte das Schloss dann endlich und es gab kein Zurück mehr. Schnäuzchen voraus rauschte Mishka in den Flur und weckte dort als aller erstes Khaleesi auf. Komplett verwirrt sprang sie auf, musterte den Welpen (der sie jetzt schon an Höhe übertraf) als dieser in Richtung Küche wanderte, und sah mich dann vorwurfsvoll an. Ich, als reifer Erwachsener, streckte ihr die Zunge aus. Das wurde aber unterbrochen, weil Mishka in der Küche entdeckt wurde und ein kurzer Blick verriet mir, dass alle vier – sogar Declan! – über den Welpen gebeugt waren. Mir fiel ein kleiner Stein vom Herzen. Mit einem Grinsen wurstelte ich mich aus Schal und Jacke, und das auf dem Nachhauseweg geübte „Frohe Weihnachten!“ hörte sich in meinen Ohren auch ziemlich authentisch an. Wurde auch von 75% der Anwesenden erhört; nur Lesja, der sich auf den Boden gepflanzt hatte und jetzt dementsprechend von Mishka belagert wurde, ignorierte mich. Erst, als Khaleesi in die Küche getrapst kam, löste sich der Welpe und rollte sich vor der Bulldogge auf den Bauch. Wieder kam ein verzweifelter Blick zu mir, dann haute Mishka Khaleesi seine Pfote ins Gesicht und sie verkrümelte sich lieber. Der Welpe blickte sich kurz um und – oh Wunder – schmiss sich wieder auf Lesja.

      Als dieser mich dann breit angrinste, war ich mir sicher, dass mein schlechtes Gewissen jetzt die Klappe halten konnte.
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      9/11

      Hufschmiedbericht - Crescent Acres Farriery
      23. Februar 2017 -- Zaii

      Für meinen Geschmack etwas zu laut, fiel die Tür meines Wagens hinter mir ins Schloss.
      Dass man mir bei meiner Arbeit zuschaute, war ich natürlich gewohnt, aber seit dem Abschluss meiner Ausbildung war ich nicht mehr von einem anderen Schmied beobachtet worden und Zai hatte ihr Bestes getan, um mir meine Nervosität zu nehmen („Julie wird es sich nicht anmerken lassen, aber sie wird es sehen, wenn du schlampig arbeitest“ oder „Sie hat einen ziemlich hohen Anspruch, du solltest dir Mühe geben“ oder „Lass dich nicht ablenken, wir erfahren alles“). Aber es half ja alles nichts. Als Julie mich heute Vormittag angerufen hatte, sagte ich zu und nun musste ich da durch. Noch einmal tief durchatmen, sich an Hugos Tipp erinnern (eigentlich hatte er gar nichts gesagt, aber sein Blick hatte definitiv eine tiefe Verbundenheit ausgedrückt) und dann erreichte ich auch schon das Stallgebäude, denn ich hatte mir heraus genommen, an dem großzügigen Parkplatz vorbei zu fahren und vor dem westlichen Stalltrakt zu parken.
      Gerade kam mir die zierliche Braunhaarige entgegen getreten und begrüßte mich überraschend freundlich; nach Zais Beschreibung hatte ich eher mit Lucifers kleiner Schwester gerechnet.
      Schnell hatten wir auch ein Gesprächsthema gefunden: Welpen! Julie hatte wenige Tage nach Weihnachten einen Barsoiwelpen auf den Hof gebracht und auch ich hatte ein sabberndes Weihnachtsgeschenk bekommen (brachte man den Menschen nicht mehr bei, dass man keine Tiere verschenken sollte?). Friedrich und Mishka waren im gleichen Alter und wir beschlossen, die beiden bald miteinander bekannt zu machen. Von meinen Bedenken, dass der Dalmatiner den Barsoi zertrampeln würde, sagte ich besser nichts.

      Während unserer Schwärmerei über die flauschigen Welpen, hatte Julie bereits Rising Of Storm, einen zweijährigen Connemara-Hengst aufgehalftert und mir in Schritt und Trab vorgeführt. Ich hatte mir in der Zwischenzeit meine Schürze umgebunden und das nötige Werkzeug aus dem Auto geholt. Julie beschäftigte den Halbstarken mit einigen Leckereien, sodass ich zügig mit meiner Arbeit beginnen konnte. Die Hufe waren regelmäßig gepflegt und kontrolliert worden, deshalb musste ich nur wenig Zerfallshorn ausschneiden. Donnie, wie seine Besitzerin ihn beschwor, hielt bei den vorderen Hufen brav still, von meiner Arbeit an den Hinterbeinen war er aber weniger angetan und so hatte ich einige Mühe, mir von dem Frechdachs nicht die Hufe entziehen zu lassen. Schließlich gelang es aber doch, alle Hufe auszuschneiden und plan zu raspeln.
      „Schon hast du es geschafft“, lobte ich den Flegel und verabschiedete ihn zurück in seine Box, nachdem ich die Gänge als einwandfrei abgenickt hatte.

      Mein zweiter Kunde des heutigen Termins war PFS' Gamble Away. Er war im selben Alter wie Donnie, überragte diesen allerdings bereits.
      Der Braune musterte mich interessiert und zeigte flotte Gänge, als Julie ihn mir vorführte.
      Beim anschließenden Kürzen der Hufwand und auch dem Ausschneiden machte das Vollblut vorbildlich mit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Nur das abschließende Planraspeln schien ihm nicht ganz so gut zu gefallen, trotzdem beließ er es bei genervtem Ohren anlegen.
      So war ich in kürzester Zeit fertig und als Gambits Gänge auch nach meiner Arbeit keine Unklarheiten aufzeigten, durfte er ebenfalls zurück in seine Box. Julie gönnte den beiden Halbstarken je ein Stück Karotte, während ich mein Werkzeug und die Schürze zurück ins Auto packte.

      Mit dem Versprechen nach einem baldigen Welpentreff verabschiedete ich mich und rollte langsam in meinem Wagen vom Hof. Hoffentlich hatte mich mein Eindruck nicht getäuscht; Julie hatte nämlich einen sehr freundlichen gemacht. So oder so würde Zai es nicht schaffen, ihre Klappe zu halten und so würde ich schon bald über Julies Zufriedenheit informiert werden.
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      Welpentreff
      31. März 2017 -- Rhapsody

      „Fünf Minuten. Ich möchte, dass du, wenn du das Gatter geschlossen hast, deinen Timer auf fünf Minuten stellst und wenn diese fünf Minuten vorbei sind kommen die Pferde wieder auf ihre Paddocks.“
      Für fünfzehn Sekunden hörte Lesja auf, sein Müsli zu kauen, und sah mich nur an. „Und das muss so akribisch eingehalten werden?“
      Memo an mich selbst: Lesja niemals konfrontieren oder auch nur irgendwie mit ihm kommunizieren, wenn er beim Essen war. Wirklich, das sollte ich mir merken. Bäh. Als er sich den nächsten Löffel in den Mund geschoben hatte, war die Gefahr vorüber und ich konnte endlich wieder antworten. „Muss ich dir jetzt nochmal einen Vortrag über die Gefahr von zu eiweißreicher Fütterung halten? Nach fast eineinhalb Jahren? Wirklich Lesja?“
      Er senkte seinen Löffel und wollte gerade mit dem Reden ansetzen, also machte ich lieber auf dem Absatz kehrt und rannte aus der Küche. „Ach, ich leih mir später Mishka aus, solltest du ihn suchen!“ Seine Antwort bekam ich leider Gottes nicht mehr mit, da fiel die Tür einfach zu laut ins Schloss und Butters und Mishka wedelten so laut mit den Schwänzen, dass ich die Proteste gar nicht hören konnte. So was aber auch.
      Weil uns aufgefallen war, dass wir mittlerweile wirklich alle mindestens einen Hund im Haushalt hatten (oder zwei oder auch drei), hatten Zai, Elena, Gwen und ich uns heute für eine Hundespielstunde entschieden. Nach dem Zwischenfall mit Butters hatte ich mich dagegen entschieden, den Corgi mitzunehmen, und ob Khaleesi wirklich mitwollte, würde sich erst zwei Minuten vor Aufbruch entscheiden. Aber Mishka, der sich als verspielt und als kleiner Trottel herausgestellt hatte, freute sich bestimmt mal, unter Gleichaltrigen zu sein. Naja, zumindest halbwegs gleichaltrig.
      Mit dem Barsoi an der Schleppleine und Butters ein paar Meter vor oder hinter uns, je nachdem, was er gerade schnuppern musste, ging es in Richtung Paddock. Seit ein paar Wochen hatten nun sowohl Bucky und Medeia ihre Fohlen gekriegt – am helllichten Tag, nur, um mir, die wochenlang nachts kaum geschlafen hatte weil sie den Stalllivestream schauen musste, den hocherhobenen Mittelfinger zu zeigen. Medeia hatte ein rotes, jedoch ziemlich großes Fohlen am Rockzipfel hängen. Damit hatten wir schon gerechnet und mit Tierarzt und Tierarzt-in-Spe – ja, auch Peggy hatte mal mitarbeiten müssen, sowas aber auch – war dann Mànas doch recht schnell auf die Welt gekommen. Nicht viele Tage später war dann auch Painted Basquiat, Buckys Fohlen, einfach irgendwann im Stroh gelegen. Lackschwarz und extrem schüchtern hatte sie wohl mehr von ihrem Vater, Painted Blur, geerbt. Aber da Basquiat für die ganzen Amis und Aussies angeblich unaussprechlich war, hatte die kleine Stute schon schnell einen Spitznamen bekommen – Bowie. Ausgestattet mit frischem Wasser und genug Heu behausten die vier jetzt den bislang eh nicht genutzten Reitplatz, damit wir vor allem auch die Mütter schonend anweiden konnten. Früher oder später würden dann auch alle zusammen auf der Stutenweide stehen; bis dahin durften sich die zwei Fohlen erst einmal in der Welt zurechtfinden. Normalerweise wurde mit allen vieren spazieren gegangen, man übte das Aufhaltern mit ihnen, sie kamen täglich irgendwie in Berührung mit Menschen. Heute war das aber auf ein paar Streicheleinheiten beschränkt.
      Bevor ich mich mit den anderen treffen wollte, musste nämlich noch ein bisschen was getan werden. Während ich Boxen ausmistete, Quixoticelixer, Vaffanculo, Paramour, Tautou und Parvati ein bisschen die Mist- und Sandflecken aus dem Fell bürstete, verdrückte sich Butters unter meinem wachsamen Auge ins Haus und Mishka in das Stroh der nächsten Box – ich war also alleine. Bis auf das regelmäßige Schnauben der Pferde was es mucksmäuschenstill; Zoe und Declan gönnten den „Großen“ eine kleine Auszeit und nahmen sich dabei den Kleinen an. Auf dem Weg zum Hengststall sah ich Zoe eine Weile dabei zu, wie sie Cìola longierte. Es sah noch nicht ganz perfekt aus, aber die junge Reitponystute hatte noch genug Zeit, um das richtig zu lernen. Als ich dann Waffel, Q und Paramour einigermaßen sauber hatte – für seine Winterdecken war es mittlerweile einfach zu warm, deswegen war Q putzen eine Challenge, die ich tagtäglich verlor – und zu den Stuten zurück schlenderte, war der Rotschopf verschwunden und stattdessen wurde Ironic longiert. Eigentlich teilte Lesja solche Aufgaben überhaupt nicht gern, blöderweise steckte er sich aber vor vier Tagen mit der Rotzhuststerbseuche an und bekam von mir (und bestimmt auch von den anderen, die aber leider den Mund nicht aufmachen konnten) Arbeitsverbot. Schlimm genug, dass wir alle der Bazillenschleuder ausgeliefert waren, da musste er die Pferde nicht auch noch nerven. Deswegen hatten wir Ironic für die Woche unter uns dreien aufgeteilt. Unterm Sattel war er jetzt zumindest im Schritt und Trab relativ sicher; um das Training aber auch abwechselnd zu gestalten, wurde er heute ein bisschen locker trainiert. Vielleicht würde er dieses Jahr schon seine ersten Turniere gehen – zum Ende der Saison zwar, aber so abwegig war das gar nicht.
      Nachdem dann auch der Stutenstall schön sauber war, Mishkas Fell zu 93% aus Stroh bestand und ich weißes Winterfell in den Augen stecken hatte, gönnte ich mir eine kurze Auszeit. In etwa einer halben Stunde machte ich mich auf gen … Süden. Keine Ahnung, ob Elenas, Zais und Gwens Höfe überhaupt südlich von meinem lagen, aber es ging zumindest runter. Glaubte ich. Um dem guten Herrn ein paar Manieren beizubringen, holte ich PFS‘ Gamble Away von seinem Paddock und befreite ihn schnell von Sand und dem bisschen Winterfell, welches das Vollblut überhaupt besaß. Ob es eine gute Idee war, mit Rennpferd und Rennhund spazieren zu gehen? Bestimmt nicht. Aber irgendwie würde ich das schon gebacken kriegen. Mit Kappzaum, Longe und Schleppleine lief ich dann kurz darauf los.
      Fast schon wie ein Taxi kam ich mir vor, wie ich alle nacheinander abholte. Zuerst Gwen mit ihrer mittlerweile groß gewordenen Nuriya. Eigentlich wollten wir ja vorwiegend unsere Welpen aneinander gewöhnen und vorzeigen, aber weil wir Gwen ja nicht ausschließen wollten, hatten wir – also der Große Rat bestehend aus Zai, Elena und mir – netterweise zugestimmt, dass sie Shiva mitnehmen durfte. Auch, wenn es eigentlich gar nicht ihr Hund war, aber darüber wollte ich jetzt nicht diskutieren. Außerdem war ich auch damit beschäftigt, Mishka davon abzuhalten, sich ganz und gar in seiner Leine zu verheddern. Wie ein … naja, Welpe eben warf er sich an die Füße der schwarzen Hündin, rollte sich auf den Boden, sprang kurz darauf wieder auf und sprang sowohl um Shiva als auch um Gwen selbst, als gäbe es kein Morgen. Erst nach einem scharfen Pfiff beruhigte er sich langsam, und zu sechst machten wir uns auf den Weg zu Elena. Die hatte sich aus heiterem Himmel zwei Shiba Inus geholt – das hatte mich ein wenig verwundert, da Eli zu 110% Katzenmensch war und Hunden eher reserviert – und ehrlich gesagt sahen sie aus, als würden sie gerade aus einem alten Nintendogs-Speicherstand gekrabbelt sein. Neben den beiden Wollknäueln, die sie Yuki und Ayumi nannte (aber nicht erklären wollte oder konnte, was das bedeutete – so ein Amateur) führte sie auch noch Baila Conmigo.
      „Colour GH’s Baila Conmigo,“ verbesserte sie mich stolz. „Je mehr davor steht, desto edler das Pferd.“
      „Aha,“ machte ich und zuppelte am Führstrick meines Vollbluthengstes, der Elis Ponystute schon jetzt um ein paar Zentimeter überragte. „Das spricht aber nicht für deine Zucht.“
      Weil Eli so ein toller Mensch war fing sie keinen Streit auf einem fremden Hof an, sondern hob nur drohend den Zeigefinger und begrüßte dann Zai mit SST’s Lakim. Somit war ich mit meinem Junghengst deutlich in der Minderheit. Gott sei Dank führte der sich heute einigermaßen ruhig auf, schnorchelte nur ab und an einen der Hunde an. Mishka fand die Neuankömmlinge äußert interessant, aber er hatte doch ein paar Manieren und setzte sich lieber vor den braunen Dalmatinerwelpen, als ihn einfach umzurennen. Langsam aber sicher wurde das was mit dem braven Hund.
      In unserer kleinen Truppe ging es dann auf eine Wiese hinter Elis Gestüt, auf der die anderen ihre Hunde freilassen konnten und ich zumindest die Schleppleine ein bisschen länger lassen. Eigentlich rannte nur wirklich Friedrich, Zais-eigentlich-nicht-Zais Dalmatiner, umher; Shiva war damit beschäftigt, Friedrich zu beschäftigen (oder wohl eher, Friedrich um sich herum hüpfen zu lassen bis seine Energie ausgeschöpft war), Friedrich belästigte Shiva, Yuki und Ayumi kauten sich gegenseitig an – und ehrlich, das konnten nur Elenas Hunde sein – und Mishka versuchte, Friedrich von der großen Labradorhündin wegzulocken und stattdessen mit ihm zu spielen. Die Pferde machten sich stattdessen mit dem Gras bekannt.
      Als Friedrich sich geschlagen gebte, beide Shiba Inus schliefen (sowas von Elenas Hunde) und Mishka schon mehr als zehn Minuten neben mir saß und mich dabei beobachtete, wie ich den anderen zuhörte – eine einzige Starrerei, wirklich – beschlossen wir alle, uns langsam auf den Heimweg zu machen. Immerhin hatten wir alle einen Hof mit anderen Pferden als die vier, die wir dabei hatten, und ordentlich Arbeit vor uns. Deswegen war ich auch keine zehn Minuten nach meiner Ankunft auf Ares‘ Rücken. Wirklich einfach gestaltete sich das tägliche Training nicht mit ihm; hatte er einen guten Tag, war alles super, aber wehe wenn nicht. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen überrascht, wie wir überhaupt die letzten paar Turniere überlebt hatten. Außerdem arbeiteten wir hart daran, dass er auch auf Dressurturnieren absahnen konnte; zwar war er gemacht für die Vielseitigkeit und hatte wohl auch eine solide Dressurausbildung, andererseits war es auch eine Gratwanderung, irgendwelche Lektionen von ihm abzuverlangen. Das Training verlief mittelmäßig; ein paar Male lief er wirklich schön an der Hand und drehte nicht zu sehr auf. Nach einer dreiviertel Stunde war er klitschnass, mein Kopf war rot wie eine Tomate, also war es Zeit, aufzuhören.
      Bevor auch ich dann zum Abendessen durfte, war erst noch Fütterungszeit. Pacco und Rising of Storm randalierten in ihren Boxen, während ich das Futter in der Futterkammer zusammen mischte, und stürzten sich sofort hungrig auf die Tröge, als hätten sie den ganzen Tag nichts zu futtern bekommen. Männer. Die Stuten dagegen waren pflegeleicht – Cìola sah mir vom Paddock aus zu, wie ich ihr Futter auffüllte, und erst, als ich Buckys und Medeias Portion fertig hatte und den Stutenstall verlassen wollte, stand sie an ihrem Trog und mampfte in sich hinein.
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  • Album:
    3 | Steenhof
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    Rhapsody
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    1 Apr. 2018
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    Name: Gamble Away
    Zuchtname: PFS' Gamble Away
    Rufname: Gambit


    PEDIGREE
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    von: Gleam of Light

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    aus der: Candy xx
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    EXTERIEUR & INTERIEUR
    __________________________________

    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Englisches Vollblut
    Geburtsdatum | Alter: 25. April | 5 Jahre
    Stockmaß: 155 cm
    Farbe: Dunkelbrauner
    Abzeichen: Schnippe | v.l. weißer Kronrand


    Charakter:

    Gamble Away scheint auf den ersten Blick nicht sehr viel von den Eltern vererbt bekommen haben. Bei der Arbeit scheint er stets konzentriert und lernwillig, guckt sich die Situation erst einmal an, bevor er reagiert. Seine Neugierde macht deswegen die Grundausbildung recht einfach – schreckhaft ist der junge Hengst so gut wie gar nicht, geht mutig auf bunte Flatterbänder und Gymnastikbälle zu. Das Vollblut kommt erst richtig raus, wenn er mit anderen über die Weide fetzt. Dabei zeigt er sich trittsicher, jedoch fast ein wenig übermütig; die ein oder andere Vollbremsung vor einem Zaun hat Gambit schon hingelegt. Meist dreht er sich dann aber nur um 180° und macht das Ganze noch einmal in die andere Richtung. Viel lässt sich über seine Zukunft noch nicht sagen, es ist aber denkbar, dass er einmal in die Hufstapfen seines Vater treten wird; mit dem richtigen Training kann aus dem bislang noch jungen und schlaksigen Vollbluthengst ein Top-Rennpferd werden.


    STALLINTERN
    __________________________________

    Untergebracht in: Stall A
    Weidepartner: RIsing of Storm, Painted Taloubet
    Fütterungsplan: Heu



    Besitzer: Rhapsody
    Reiter: Leslie Paulson
    Ersteller/VKR: Occulta


    QUALIFIKATIONEN & ERFOLGE
    __________________________________

    Eignung: -
    Einsatz als: Rennpferd


    Ausbildung
    Fohlen ABC | Eingeritten


    Galopprennen E A L M S
    Flachrennen | Hindernisrennen
    800m - 1000m - 1250m - 1500m - 1750m - 2000m - 2250m - 2500m - 3000m - 3400m


    Dressur
    E A L M* M** S* S** S***

    Springen E A L M* M** S* S** S** S***

    Military E A L M* M** S* S** S** S***


    Erfolge

    Offizielle Turniere

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    417. Galopprennen - 419. Galopprennen - 420. Galopprennen - 421. Galopprennen - 432. Galopprennen - 439. Galopprennen - 447. Galopprennen - 450. Galopprennen – 497. Galopprennen


    Andere

    -

    ZUCHTINFORMATIONEN
    __________________________________



    Decktaxe: -
    Genotyp: Aa Ee
    Aus der Zucht: Pineforest Stable, West Midlands, UK
    Eingetragene Zucht: Sandringham Manor, Norfolk, UK
    Nachkommen:


    -

    GESUNDHEITSZUSTAND
    __________________________________

    Chipnummer: 826 4 97 321689298
    Chronische Krankheiten: -
    Letzter Tierarztbesuch: -

    von: -

    Fehlstellungen: -
    Beschlagen: -
    Letzter Hufschmiedbesuch: 23. Februar 2017

    von: Crescent Acres Farriery
    __________________________________

    Spind | Offizieller Hintergrund