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Stelli

PFS' Colours of Life | EVB, ♂ | ♛

gekörter Hengst (Deckhengst)

PFS' Colours of Life | EVB, ♂ | ♛
Stelli, 12 Apr. 2020
Cooper und Occulta gefällt das.
    • Stelli
      alte Berichte
      ab 2018

      Occulta Zwischenstation?

      PFS' Bring me to Life war wieder auf Pineforest Stable. Er hatte den Weg hierher durch ein paar unglückliche Umstände wiedergefunden, aber jetzt war es nunmal so, und wir gaben uns Mühe, ihn so gut wie möglich wieder aufzunehmen. Er kannte besonders seine alten Fohlenkumpels noch, und war beim ersten Weidegang entsprechend freudig mit Simba und Merino herumgerannt. Ansonsten war er aber im Umgang sehr erwachsen geworden und zeigte sich unkompliziert. Wie es unter dem Sattel aussah, wussten wir noch nicht. Wir wollten den Hengst erstmal in Ruhe ankommen lassen. Aber auf lange Sicht überlegten wir uns, wieder ein neues Zuhause für ihn zu suchen.

      Occulta Der grösste Backofen der Welt
      Vai Alida, PFS’ Colours of Life, Lindwedel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, Drømmer om Død, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Nosferatu, Halluzination, Cambria, Ronja Räubertochter, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Farasha, Numair, Islah, Tayr al-Diyari, Brendtwood

      Ich betrachtete den rissigen Boden unter mir. Das kurze Gras darauf war an manchen Stellen braun, und jedes Fleckchen Erde, das ich sehen konnte staubtrocken. Schon allein vom Betrachten dieses Trauerspiels lief mir der Schweiss runter. Wir waren seit Tagen am Wässern und versuchten, den englischen Rasen wieder einigermassen grün werden zu lassen . Und noch war kein Regen in Aussicht, ausser vielleicht ein kurzes Gewitter. Es war so heiss, dass wir den Pferden zum Teil Hitzefrei gaben und wenn dann erst abends oder früh morgens ritten. Das Vollbluttraining fand noch etwas früher als sonst statt, dafür konnten die Pferde den ganzen Tag durch verschlafen. Es hatte vor ein paar Wochen geregnet, und zwar gar nicht mal wenig. Aber danach war der Sommer nochmals zurückgekehrt, um uns ein letztes Mal daran zu erinnern, warum wir uns auf den Herbst freuten. Im Moment war Nachmittag, und ich chillte in meiner Hängematte hinter dem Haus. Wir machten wirklich nur das nötigste Tagsüber, wie Misten und Füttern. Aufgeräumt und gewischt wurde auch erst abends. Ich beobachete die Blätter über mir, auf denen Ameisen emsig umherkrabbelten. Es kam mir bewundernswert vor, wie fleissig sie trotz der Temperaturen waren. Ein Bellen liess mich über den Stoffrand blicken. Jonas war zurück vom Einkaufen und wurde von einer übermütigen schwarzen Labradorhündin begrüsst. Auch Zira stand von ihrem Platz im kühlen Gras neben der Hängematte auf und spitzte die Ohren. "Sheela! Come here girl", rief ich. Sie liess von Jonas ab und kam hechelnd zu mir gerannt. "See? It's far too hot to freak out like that." Sie legte sich zu Zira in den Schatten. Jonas brachte die Einkäufe uns Haus, dann kam er mit zwei Wasserglacen raus und streckte mir eine hin. Ich nahm sie dankbar. "Wann wollen wir die Pfleger zurück in den Stall holen?" "5 Uhr? Ein paar sind mit Lewis ins Schwimmbad gefahren." "Dann hätten wir noch etwas Zeit übrig... Ich hatte da so eine Idee", überlegte er laut. "Erzähl?" "Hab in der Zeitung gesehen, dass heute ne Sportpferdeauktion nahe London ist. Lust da vorbeizusehen?" "Wofür denn? Ich brauch kein weiteres Pferd im Moment..." "Wir müssen ja nix kaufen. Ich dachte, man könnte sich so vielleicht ein Bild davon machen, welche der aktuell im Trend stehenden Hengste etwas taugen. Da sieht man deren Nachwuchs mal live und das wäre vielleicht nützlich." "Stimmt. Ist die Halle klimatisiert?" Er lachte. "Also ob." Ich stöhnte symbolisch und legte mich noch mal in die Hängematte zurück, dann stand ich auf. "Okay. Gehen wir, sonst wird es zu spät." Jonas hatte die Autoschlüssel noch in der Hosentasche, also mussten wir nichteinmal ins Haus gehen. Lily war mit Suri unterwegs im Pinienwald - die beiden hatten sich aus Ästen und Steinen ein Lager gebaut und die halben Ferien darin verbracht. Einmal hatten sie sogar darin übernachtet. Manchmal ritten sie mit Nossi und Fake rüber, aber das erlaubte ich nur, wenn sie nicht länger als zwei Stunden blieben - den Ponys zuliebe. Jonas und ich fuhren also über die Autobahn Richtung London und erreichten den Vorort mit der Auktionshalle. Der Parkplatz war voll, also mussten wir den Wagen an einem Strassenrand abstellen und ein Stück zu Fuss gehen. Es hatte reichlich Leute, zu meinem Bedauern. Ich mochte keine Menschenmengen, erst recht nicht, wenn es heiss war. Jonas wusste das und steuerte von Anfang an auf eine Stelle am Rand der Tribüne zu, an der nicht so viele Leute sassen. Von dort aus sah man zwar nicht ganz so viel, aber dafür hatte ich meinen Frieden. Die Auktion war bereits in vollem Gange, als wir uns setzten. Jonas hatte unterwegs ein Infoheft geschnappt und studierte es nun. "Der da ist ein Saphir Royal Sohn. Von denen sieht man in letzter Zeit viele, nicht wahr?" "Jup. Aber der ist rein dressurgezogen. Ich interessiere mich mehr für Springpferde." "Was ist dann mit dem da? Raloubet du Bouqet aus einer Erdbeercornet Obolenski-Mutter?" "Das wäre schon eher mein Fall. Aber der Kopf gefällt mir nicht, und der hat Bockhufe hinten." In diesem Stil nahmen wir die nächsten zwanzig Jungpferde, die vorgestellt wurden kritisch unter die Lupe. Die meisten hatten eine Sache gemeinsam: sie wurden schon mit ihren zarten drei Jahren rund geritten und mussten Trabverstärkungen und imposante Knieaktion zeigen. Deshalb mochte ich solche Auktionen nicht sonderlich. Denn die Jungpferde hatten noch gar nicht genug Muskeln, um in solcher Versammlung und Aufrichtung zu laufen. Die Hinterhand wurde so schon früh abgehängt und schaufelte hinten raus, die weichen, raumgreifenden Gänge (besonders der Schritt) wurden förmlich kaputtgeritten. Die unschuldigen Grünschnäbel taten mir leid, denn viele hatten eigentlich alles in die Wiege gelegt bekommen, um federleicht durch die Bahn zu schweben - sobald sie die Kraft dazu hatten, auch mit dem Reiter. Aber hier an der Versteigerung mussten sie natürlich 'hübsch laufen', damit sie einen möglichst hohen Preis erzielten.

      Ich fand viele der Jungpferde süss und gut, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas, um mir wirklich aufzufallen. Bis eine Stute hineingeführt wurde, auf die ich insgeheim gewartet hatte. Im Infoheft hatte die Abstammung mein Interesse geweckt. Nun, mir war bekannt gewesen, dass der Grossvater, Cadoc, oft Schecken hervorbrachte. Aber diese Stute hatte eine solch harmonische, angenehm anzusehende Verteilung von weissen Flecken im hinteren Körperbereich, dass ich einfach sofort begeistert war. "Aber das ist Tobiano, oder Tovero - nicht Sabino, oder?", fragte ich Jonas verwundert, wissend, dass Cadoc ein Sabinoschecke war. Jonas zuckte mit den Schultern. "Du bist hier die Farbexpertin. Aber ja, ich hätte auch gesagt, dass es mehr nach Plattenschecke aussieht." "Ach stimmt ja! Der Papa ist Pajero, der ist ein Tobiano. Also hat sie's von ihm." "Gefällt sie dir?", fragte er verschwörerisch. "Darfst dreimal raten." "Gibt aber nur 2 mögliche Antworten. Ausser du zählst 'ich weiss nicht' dazu." "Tüpflischisser." Ich beobachtete das Gangbild der Stute. Cambria hiess sie, und ein reiner Holsteiner war sie, obwohl gescheckt. Je länger ich sie betrachtete, desto besser sah sie aus. Zwar lief auch sie bereits leicht hinter der Senkrechten und strampelte sich ihren Weg durch die Halle, aber sie wirkte konzentriert und arbeitswillig, trotz der vielen Leute auf den Tribünen. "Wie gross ist unser Budget?", fragte Jonas verheissungsvoll. "Eigentlich hatte ich nichts eingeplant..." Er sah mich tadelnd an. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass dir hier kein einziger Blickfang begegnen könnte? Aussserdem hab ich dein Gespräch mit Elliot schon mitgehört. Von wegen du wollest dich irgendwann nach einem weiteren Springpferd umsehen, um Robin zu fördern." Es stimmte. Ich hatte Elliot darauf angesprochen, was er davon halte, Charlys Schwester, die offensichtliches Talent zeigte, entsprechend zu fördern. Mit ihr selbst hatte ich darüber allerdings noch nicht gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, schlug er vor: "Wenn die beiden nicht zusammenpassen, kannst du sie ja selber reiten und Robin Satine überlassen. Oder du verkaufst sie eben wieder..." "Na gut", gab ich nach. " 12'000, höher gehe ich für das gerade erst ausgebildete Jungpferd nicht." Jonas grinste verschmitzt, "Wusst ich's doch" stand ihm wie mit Edding quer über's Gesicht geschrieben. Ich überliess ihm den Sieg für heute und wartete erstmal ab, wie viel die Leute für Cambria boten. Meiner Erwartung entsprechend war sie nicht nur mir aufgefallen, und ihr Preis stieg rasch auf 11'000. Als es einen Moment ruhiger wurde, hob ich das Infoheft deutlich hoch. Sofort wurde ich wieder überboten. Ich sah Jonas schulterzuckend an, "Kann man nix machen." "Du gibst so schnell auf?" Entschlossen nahm er mir das Heft ab und streckte es abermals hoch. Als ihr Preis schliesslich auf 13'000 anstieg, bat ich ihn aufzuhören. "Ich möchte wirklich nicht mehr ausgeben. Für den Preis kann ich längst auch selbst ein Fohlen züchten und ausbilden. Dann hätte das eben kein neues Blut, ist doch egal." Etwas enttäuscht war ich trotzdem. Wir sahen noch eine Weile zu, dann tippte ich auf meine Armbanduhr und wir verliessen die Tribüne, denn es war schon halb fünf. Wir nahmen den Umweg durch die Stallungen, um zum Parkplatz zu gelangen. So konnten wir uns die Pferde nochmal flüchtig aus der Nähe ansehen. "Hey, rate mal wer da vorne steht." Ich wandte meinen Blick durch die Stallgasse und sah ein weisses Hinterteil. "Schade, jetzt sehe ich sie auch noch von Nahem und ich wette, sie wird mir so noch viel besser gefallen... Hoffentlich hat sie einen Makel, irgendeine Warze oder einen Bockhuf, den man vorhin nicht so gut sah", murmelte ich zu Jonas. Wir liefen stumm vorbei und schnappten ein paar Worte des Gesprächs der Anwesenden auf, die mich aufhorchen liessen. "A pity. She's really my type. But it's absolutely shameful to try and sell her like this." Die Neugier packte mich. "Excuse me Sir, what's the matter?" Der bärtige Typ drehte sich zu mir um und hob erstaunt die Augenbrauen. "Occulta?" Ich brauchte einen Moment länger, ehe ich realisierte, dass es sich um Fabrizio Martell handelte, einen bekannten Züchter aus Oxford, den ich noch vom Studium her kannte. Mit Bart sah er ganz anders aus, als ich es in Erinnerung gehabt hatte. "Long time no see, everything's fine at your place?", fragte ich nach einem kräftigen Händedruck. "Yes yes, I can't complain. The foals are growing and the fools still going, what else can we wish for?" Ich lachte bei seinem Wortspiel ernsthaft und vergass fast, dass Jonas noch hinter mir stand. "Ah yeah, this is Jonas, he's my... Boyfriend, I guess? I'm sorry, it feels more like we've been married for years, even though we aren't." "Ahh, nice to meet you. When I heard about Jack's death, I honestly didn't expect Occu to ever be in a relationship again. She was such a reserved, cold girl at university, ya know." "Hey!" Diesmal lachte Jonas laut, während ich empörte Blicke mit beiden austauschte. "Alright, alright now. So what's the matter with this beauty here?" "She's been drugged with painkillers to hide a sore foot. Look at this hoof. It already looks painful. My vet Bob confirmed it for me." Bob nickte mir bestätigend zu. Ich warf einen Blick zu dem Mann, der offenbar Besitzer der Stute war. Er stand etwas abseits und diskutierte mit einem der Auktions- Organisatoren. Vermutlich versuchte er sich irgendwie herauszureden. "So what now?" "I obviously won't buy her like this. And surely not for that price. I guess he will take her back home and try to sell her on the internet." Ich hakte bei Bob nach: "Do you think that hoof is treatable? It's not something genetic or chronic, right?" Er erklärte, dass es nach einem Abzess aussehe, der eine Weile brauchen würde um herauszuwachsen, aber um sicher zu sein, müsse man weitere Abklärungen treffen. Ich kniff nachdenklich die Lippen zusammen. Cambria stand ruhig da und zuckte mit dem Widerrist, um ein paar Fliegen zu verscheuchen. Ihre dunklen Augen blickten eher sorgenvoll und müde, nicht, wie es sich für ein Jungpferd gehörte, aufmerksam und neugierig. Ahh, jetzt ist es geschehen. Ich habe Mitleid mit ihr... Es hatte keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, ich wusste genau, wie das hier ausgehen würde. Ich sah sie mir wenigstens nocheinmal ganz genau an, bevor ich zu ihrem Besitzer lief und die entscheidenden Fragen stellte. Ihre Kruppe hätte deutlich bemuskelter sein sollen für ihren angeblichen Ausbildungsstand und der Rücken zeigte Anfänge von leichten Kuhlen, dort wo die Sattelkissen normalerweise lagen. Aber ihre Schulter und der Hals sahen okay aus, und das wichtigste: ihre Beine waren trocken und hatten weder Klümpchen noch schwammige Bereiche. Nichts also, was ich mit anständiger Hinterhandaktivierung und einem passenden Masssattel nicht beheben konnte. "Excuse me Mr?" Er drehte sich zu mir herum. Ich stellte mich rasch vor und verkündete mein Interesse an der Stute, wobei ich jedoch möglichst gleichgültig zu klingen versuchte. Ich wollte den Preis ihrem Momentanen Zustand entsprechend runterhandeln, da durfte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie auch für mehr nehmen würde - was tatsächlich auch so stimmte. Nicht, dass ich sparen musste, aber ich war nicht gewillt, dem Typen auch nur einen Penny unnötigerweise zu überlassen. Zu meinem Glück ging mein Plan auf und ich bekam Cambria unter ihrem eigentlichen Wert. Die Veranstalter waren zwar nicht begeistert, dass ich die Stute kaufte, obwohl der Typ gegen die Vorschriften verstossen hatte, aber sie gaben ihr okay. Mein Gefühl sagte mir, dass wir den Huf mit etwas Pflege wieder hinbekommen würden. Wenn ich Recht hatte, bekam Robin ein klasse Sportpferd zu einem Schnäppchenpreis. Wenn nicht - nun, darüber dachte ich lieber nicht nach. Aber so hatte ich wenigstens nicht ganz so viel Geld in den Sand gesetzt im Falle eines Falles. Wir einigten uns darauf, dass ich Cambria in ein paar Tagen abholen kommen würde. Fabrizio sah nachdenklich aus, als ich zurück zu den Männern stiess. "Did I make a mistake? If Occu buys her, then there must be something about her", meinte er scherzhaft. "Nah, I just like her colour, that's all", spielte ich meine Entscheidung herunter. Das war nicht die volle Wahrheit, denn ich sah ausserdem Potential in der seltenen Blutlinienkombination. Aber das brauchte er vorerst nicht zu wissen, jedenfalls nicht, bis sich abzeichnete, ob ich richtig lag oder nicht. "Alright, we've got to be on our way now. It was nice to see you again; I hope we'll meet more often at competitions from now on. My Daughter has only just started her career as a show jumper." "Good to hear, Rachels Daughter Lily is also quite ready to go to shows more frequently. So there's a good chance we'll meet at some lower class competitions next year." Wir verabschiedeten uns mit einem herausfordernden Händedruck und gingen getrennte Wege zum Parkplatz. Ich spürte Jonas' schelmischen Seitenblick während dem Laufen. "Ist ja gut, bist du jetzt zufrieden? Wir haben sie." "Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst zufrieden sein." Ich antwortete lächelnd "das bin ich" und gab ihm einen Kuss.


      Natürlich waren wir später zurück auf dem Hof als ursprünglich geplant. Ich war in letzter Zeit ohnehin schlecht darin, pünktlich irgendwo zu sein. Selbst an Turniere fuhren wir regelmässig 'last minute'. Das hatte aber nichts daran geändert, dass meine beiden jungen Reitpony-Hengste auf ihren allerersten Turnieren gleich beide in mehreren Disziplinen auf den ersten drei Plätzen klassiert gewesen waren. Bacardi Limited zum Beispiel, machte seiner Abstammung alle Ehre und gewann sowohl in seinem ersten Synchronspringen, als auch im kurz darauffolgenden Dressurturnier und räumte zwei Wochen später, um das Resultat zu bekräftigen, auch gleich noch den zweiten Platz im Militaryturnier ab. Trotz der anhaltenden Hitze, beziehungsweise des hartnäckigen Regens während letzterem. Und Sniper hatte überraschenderweise in einem Fahrturnier den Sieg geholt, obwohl wir ihn nur mit der Doppellonge und später zum Spass mit einem Sulky eingefahren hatten, weil ich es für gutes Aufbautraining hielt. Jedenfalls hatte er so als Nebeneffekt wohl auch gleich seine Ausdauer mittrainiert, denn sogar bei einem Einsteiger-Distanzturnier schaffte er es aufs Treppchen. In der Dressur und im Springen war er schlichtweg noch nicht so weit wie Bacardi, der schon ein paar Monate mehr unter dem Sattel lief. Er musste zuerst noch lernen, ruhiger und taktvoller zu gehen; mehr Balance entwickeln. Dann würde ohne Zweifel auch er erste Erfolge im Springen verzeichnen können, so war ich mir sicher.

      Ich machte mich auf den Weg zu Circus Dancers Box. Der beinahe ganz weisse Knabstrupper sah gerade mit tiefgründigem Blick zu seinem Boxenfenster hinaus, als ich die Tür aufschob. Er hatte mich wohl nicht kommen sehen, denn er drehte sich beim Geräusch der Tür um und sah mich mit grossen, schwarzen Augen an. Dann brummelte er freudig und kam näher. Ich streichelte seinen Nasenrücken und gab ihm ein Karottenstück zur Begrüssung. Als nächstes streifte ich ihm das Halfter über und band ihn im Stallgang an. Allein vom in-der-Box-stehen hatte er eine schweiss-feuchte Brust. "Du armer. Keine Angst, wir machen nichts verrücktes heute, mir geht's ja genau gleich wie dir." Ich bürstete ihn nur rasch mit der normalen Bürste durch, denn dreckig war er sowieso nicht - höchstens staubig. Auch seine Hufe waren so gut wie sauber, dafür nahm ich mir die übrige Zeit um seine Mähne mal wieder gründlich zu entwirren und zu flechten. Die weissen Haare waren noch leicht gewellt vom letzten Mal, aber wiedermal reichlich verknotet. Ich sattelte den Knabstrupper und ging mit ihm auf einen Ausritt im Schatten der Pinien - das einzige halbwegs angenehme, was man im Moment tun konnte.

      Anschliessend war es bereits sieben Uhr und endlich kräuselte ein erlösendes Lüftchen meine unter dem hochgebundenen Dutt vorstehenden Nackenhaare. Ich holte Artemis raus, um mit ihm ein Intervalltraining zu machen, bevor die Vollblüter ihr Abendtraining starteten. Er war trotz der warm-feuchten Luft am Ende gar nicht so verschwitzt, wie ich gedacht hätte. Das zeigte mir, dass er mittlerweile eine ziemlich gute Kondition haben musste. Der Schimmel lief brav neben mir her, während ich ihn zum Abspritzplatz führte. Ich hatte seit seinem Einzug auf Pineforest Stable schon einiges mit ihm erlebt - unsere Amerika-Reise war gewiss ein Highlight gewesen, das ich nie vergessen würde. Der Schimmel hatte dabei gelernt, mir zu vertrauen und war seither zu einen treuen Verlasspferd geworden. Er hatte zwar wie jeder andere auch mal etwas schlechtere Tage, aber die waren selten, und es konnte schliesslich nicht immer alles perfekt laufen. Ich wusch ihn mit einem grossen Schwamm und einem Eimer Wasser ab - mehr war gar nicht nötig. Dann brachte ich ihn zurück in den Nordstall. Auch mein zweiter Achal Tekkiner Hengst, Burggraf, war unterdessen bewegt worden. Lisa hatte sich um ihn gekümmert. Ich liess den Blick durch die Boxen schweifen, bis er auf die beiden Isländern fiel. Als hätte er meine Gedanken laut gehört, betrat Jonas den Nordstall und deutete fragend auf Herkir. Ich nickte grinsend, also holten wir die beiden raus und begannen mit dem Putzen. "Unsere Telepathie wird immer besser", meinte Jonas während dem Bürsten auf meine Bemerkung hin, dass ich gerade ans Ausreiten gedacht hatte, bevor er reingekommen war. "Telepathie? Du meinst wohl meine unausgesprochenen Befehle." "Hmm, okay. Das musst du mir dann aber auch noch beibringen, jetzt wo ich offiziell dein Stellvertreter bin." Ich nickte belustigt. Letzte Woche hatte ich wiedermal einen der weniger vollgepackten Tage genutzt, um eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen und die Pläne für Ende 2018 bekanntzugeben. Dabei hatte ich auch gleich ein paar Umstrukturierungen vorgenommen. Jonas war zum stellvertretenden Gestütsleiter ernannt worden, Elliot war jetzt vollzeitmässig Reitlehrer und Ansprechpartner für die Vermietung unserer Infrastruktur. Er kümmerte sich um sämtliche Reitstunden für Auswärtige und Clubs, die unsere Halle oder die Galoppbahn nutzen wollten. Lisa verwaltete die Trainingsaufträge für Berittpferde und organisierte zudem kleinere Events wie Gymkhanas und Geländeritte auf Pineforest. Dies nahm mir etwas Arbeit ab und erlaubte es mir, mich noch mehr auf die Pferde selbst zu konzentrieren. Bezüglich Pferde hatte sich auch noch etwas getan: ich hatte Vai Alida symbolisch an Oliver verkauft. Sie blieb natürlich hier auf Pineforest und diente in Zukunft auch unserer Zucht, aber der Cheftrainer hatte solch einen Gefallen an der braunen Stute gefunden, dass er mich darum gebeten hatte. Er war in den letzten paar Jahren nicht mehr so viel selbst in den Sattel gestiegen. Nach eigener Aussage gab ihm Alidas Kauf die Motivation, wieder mehr dergleichen zu tun, erst recht, wenn sie irgendwann von ihrer Rennkarriere pensioniert wurde. Ich hatte nicht lange überlegen müssen - das passte einfach und brachte für beide Seiten nur Vorteile. PFS‘ Bring me to Life, der eigentlich bereits verkauft war und nur noch bis zur Abholung auf Pineforest stehen sollte, gehörte nun offiziell den beiden Fox-Brüdern. Die ursprüngliche Käuferin hatte mich mehrfach wegen des Geldes für den ihn vertröstet und auch nie mehr Anstalten gemacht, ihn abzuholen. Also hatte ich den Vertrag aufgelöst. David und Darren hatten mich daraufhin angesprochen und ihr Interesse an dem Hengst geäussert, als ihr erstes eigenes Pferd. Sie teilten sich ihn und kümmerten sich liebevoll um Life, später wollten sie sogar mit ihm im Militarybereich starten. Auch einen neuen Namen hatte der Hengst mit meinem Einverständnis bekommen: Colours of Life, was ich sehr passend fand. Und dann waren da noch meine beiden Haflinger, die ich an Lisa verkauft hatte. Sie war offensichtlicher Hafi-Fan, und zwar seit sie ein kleines Mädchen war. Die Blonden Mähnen und herzförmigen Popos hatten es ihr einfach angetan. Auch wenn Nim und Woody etwas schlankere Typen waren, so war Lisa doch von Anfang an begeistert von den beiden gewesen und da ich selbst keine Haflingerzucht anfangen wollte, geschweigedenn viel mit den beiden Anfangen konnte, wollte sie sie als vielseitige Sport und Freizeitpferde ausbilden und sogar hin und wieder für Sommer-Reitcamps einsetzen.

      Wir hatten einen Traumhaften Ausritt in der Dämmerung. Man hörte nebst dem dumpfen Geräusch der Hufe auf den Feldwegen kaum etwas, höchstens ab und zu ein leise entferntes Brummen von Autos, je nachdem wie nahe wir dem Dorf kamen und wie die kühle Brise wehte. Irgendwann begann auch noch ein Käuzchen die Stille mit seinen Rufen zu durchbrechen, und eine Weile lang lauschten wir nur, ohne zu reden. Herkir und Loki schienen dasselbe zu tun. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und ihre Köpfe nickten leicht mit ihren Schritten mit. Sie machten einen zufriedenen, ruhigen Eindruck, auch wenn sie sich teilweise wieder ein übermütiges Schrittrennen lieferten, bis Jonas und ich sie daran erinnerten, dass wir auch noch da waren. Wir kamen im Dunkeln nach Hause, aber im Nordstall brannte Licht und als wir reinkamen, war Darren gerade dabei, Dods Hufe auszukratzen. Er hatte den Criollo an der Doppellonge unter Lisas Aufsicht durch einen Trail Parcours gelenkt, zusammen mit zwei weiteren Pflegern, mit Moon und Chanda. Wir sattelten die beiden Isländer ab und gaben ihnen Karotten aus einer Kiste beim Eingang, zur Belohnung. "Hast du Fake heute eigentlich schon bewegt?", fragte ich Jonas beiläufig. "Nö, Lily hat das für mich gemacht." "Faulpelz." "Du bewegst deine Pferde ja auch nicht alle selber." "Ich hab aber auch..." Ich brauchte gar nicht fertig zu reden, denn er grinste nur schelmisch und legte einen Arm über meine Schultern. Wir schlenderten zusammen zum Nebenstall, denn ich musste als allerletztes noch Halluzination bespassen, bevor der Tag 'zuende' war. Im Nebenstall waren Blue's und Sweets' Boxen leer, also vermutete ich, dass beide entweder in der Halle oder auf einem Abendausritt waren. Jonas liess mich in Ruhe machen und ging schonmal ins Haus, um mit Lily zusammen das Abendessen vorzubereiten und Hausaufgaben zu machen. Ich war sehr dankbar dafür, dass er so verlässlich war und sich um meine Nichte kümmerte. Die beiden kamen so gut zusammen aus, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass das Mädchen gar nicht seine Tochter war. Ich fragte mich insgeheim trotzdem immer wieder, wie sehr Lily ihre richtigen Eltern vermisste. Sie machte eigentlich immer einen glücklichen, unbesorgten Eindruck, aber ich wusste auch, dass sie eine sehr gute kleine Schauspielerin sein konnte, und oft nicht verriet, was sie wirklich beschäftigte. So gedankenversunken bürstete ich Hallus Fuchsfell im Schein der Lampen unter dem Dach des Nebenstalls. Während der Dressurarbeit danach lief sie wiedermal etwas eigenwillig und sah in jeder Ecke Monster. Es war anstrengend, sie so zu beschäftigen, dass sie keine Zeit für Mätzchen fand. Wir galoppierten viel, um Energie abzulassen und als das auch nicht weiterhalf, stieg ich rasch ab und legte ein paar Stangen aus. Über diese ritten wir anschliessend im Trab und Galopp aus verschiedenen Winkeln und Kurven, sodass sie auf ihre Füsse achten und einen besseren Takt finden musste. Sie versuchte zwar trotzdem, zwischendurch einfach über die Stangen drüber zu rennen, aber im Grossen und Ganzen ging mein Plan auf und wir hatten eine halbwegs anständige halbe Stunde. Ich liess sie ausgiebig austraben, um sie weiter zu beruhigen, damit wir mit einem lockeren vorwärts-abwärts Trab aufhören konnten. Die Stute war manchmal einfach launisch und hatte ihre eigenen Vorstellungen von Arbeit. Aber an Turnieren war sie meistens kooperativ, sodass ich darüber hinwegsehen konnte.

      Ich tätschelte Hallu nochmal auf die Kruppe, dann liess ich sie in Ruhe in ihrem Stroh herumstöbern und ging ins Haus zum Abendessen. Lily und Jonas sassen bereits am Tisch und diskutierten eifrig über Arabische Pferde. "Ich glaube die sind schneller als unsere englischen. So wie Diyari heute abgegangen ist!..." Ich unterbrach Lily interessiert. "Wie ist er denn 'abgegangen'?" Sie erzählte es mir natürlich eifrig. "Ich war heute ja mit Suri unterwegs, wir haben Fake und Nossi genommen. Bei der Verzweigung mit dem Galoppweg, der mit dem breiten Grasstreifen am Waldrand-" "Jup, ich weiss welchen du meinst." "...Ist uns Rosie begegnet. Sie war eben mit Diyari unterwegs und wir haben eine kurze Strecke gemeinsam gemacht - nunja, bis eines dieser Dirtbikes kam." Mir dämmerte bereits, was passiert sein musste. "Diyari hat sich erschrocken und ist durchgebrannt. Rosie hatte keine Chance den zu halten, wir haben nur noch den Fahnenschweif gesehen." "Hat sie sich verletzt?", fragte ich wie aus der Pistole geschossen. "Nö, sie ist sogar oben geblieben. Wir sind ihnen langsam hinterhergeritten und haben sie ein paar Felder weiter eingeholt. Rosie konnte ihn bremsen, indem sie ihn auf eine Kurve gelenkt hat, so Schneckenhaus-mässig." Ein komisches, grunzendes Geräusch kam von Jonas. Wir wandten uns ihm fragend zu. "Ach nichts, nur... Schneckenhaus - um dein Pferd zur Schnecke zu machen?" Ich sah ihn mit meinem "ernsthaft?"-Blick an und Lily stöhnte entnervt, aber doch leicht belustigt. "...Jedenfalls hat sie dem Dirtbike-Fahrer alle Schande gewünscht, denn der hat es lustig gefunden, extra mit dem Gas zu spielen. Deshalb ist Diyari ja überhaupt erst geflüchtet. Wir sind dann noch mit ihr bis zur Wilkinson Farm geritten, weil sie uns auf eine Tasse Tee und Cookies eingeladen hat. Suri durfte sogar ein bisschen Bodenarbeit mit Lindwedel versuchen. Und ich hab deine alte Zicke Islah besänftigt, als Farasha sie zurechtgewiesen hat." "Du bist aber nicht etwa dazwischengegangen, oder??" "Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht doof." "Das hoffe ich sehr." "Numair kommt übrigens ans selbe Distanzturnier wie Ronja nächste Woche!" "Ich weiss, ich hab ihn auf der Startliste gesehen" "Warum hast du die Araber jetzt ganz an Rosie verkauft? Die waren doch so hübsch...", motzte sie. "Sie sind ja nicht weg, bleiben auf der Wilkinson Farm. Es ist nur etwas praktischer für Rosie auf diese Weise, wegen Papierkram und so. Ich kann sie immernoch ab und zu reiten gehen, wenn ich Lust habe. Und ganz alle hab ich ja nicht verkauft; ich hab noch first Chant, und die geb ich nicht mehr her", meinte ich lächelnd. "Zum Glück!" In der Kraft dieser Aussage zeigte sich einmal mehr, dass meine Nichte Schimmel-Fan war, oder eher von hellen Pferden im Allgemeinen. Jonas schenkte uns einen "ich-bin-jetzt-müde-und-geh-ins-Bett"-Blick und stand auf. "Du gibst schon auf?", fragte ich triezend. Er winkte nur symbolisch mit der Hand und gähnte dazu. Das löste bei Lily und mir eine Kettenreaktion aus, sodass wir am Ende alle gähnend im Badezimmer standen und uns die Zähne putzten. Es war eben schön, das Leben auf dem 'Ponyhof', aber auch anstrengend.

      Occulta Wild West
      Khiara El Assuad, Rosenprinz, Raving Hope Slayer, Spotted Timeout, PFS’ Colours of Life, Unbroken Soul of a Rebel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Halluzination, Ronja Räubertochter, PFS’ Ravissante, Stars of Magic, Thomas

      Gutes Wetter brachte automatisch gute Laune; so war es jedenfalls heute. Alle Pfleger summten beim Misten zu den Liedern des Stallradios, Ajith schwang den Besen besonders schwungvoll und sogar die Pferde schienen irgendwie vor Energie fast zu explodieren. Ich war am frühen Morgen wie immer beim Renntraining dabei gewesen und kümmerte mich nun um Rebel. Der Paint Horse Hengst war noch nicht auf der Weide gewesen und daher ziemlich sauber. Ich massierte ihn mit einem Gummistriegel und wischte danach kurz mit der Staubbürste sein Fell glatt – mehr brauchte es gar nicht. Auch in den Hufen war nur etwas Stroh. Für seinen Schweif nahm ich mir mehr Zeit, denn ich wollte ihn wiedermal gründlich durchkämmen. Ich erlas die Strohschnipsel daraus hervor, dann holte ich eine Flasche Glanzspray und sprühte ihn damit von oben bis unten gründlich ein. Ich liess es einen Moment einwirken und verteilte das Wundermittel dabei mit den Händen gleichmässig durch die Haarsträhnen. Rebel stand schön still und liess sich die Prozedur gefallen. Er konnte erstaunlich verschmust und geduldig sein, allerdings nicht bei jedem. Ich war schon ein klein wenig stolz, dass er sich bei mir zu benehmen schien. Ich hatte jedenfalls keine Probleme mit dem sonst eher eigenwilligen Hengst. Als der Glanzspray Wirkung zeigte, kämmte ich den Schweif vorsichtig durch, bis er ganz seidig und knotenfrei war. Er wellte sich leicht, was ihm noch etwas mehr Volumen verlieh, denn Rebel hatte sonst einen eher mitteldichten Schweif. Zufrieden versorgte ich die Putzsachen und holte den Sattel. Beim tragen stellte ich fest, dass das Leder auch mal wieder eine Pflege gebrauchen konnte. Ich beschloss, mich dem nach dem Reiten zu widmen. Ich streifte Rebel das Trainingszaumzeug über und führte ihn raus auf den Platz. Das Wetter war perfekt für eine morgendliche Reining-Einheit hier draussen. Wir wärmten uns gründlich ein und übten dann diverse Lektionen. Auch an den Grundlagen feilte ich ein wenig, denn die blieben auch bei weit ausgebildeten Pferden immer ein Thema. Ich achtete zum Beispiel heute genau auf Rebels Takt, in allen drei Gangarten. Er arbeitete konzentriert und fleissig mit, wodurch es ein Leichtes war, selbst schwierigere Manöver abzufragen. Am Ende liess ich ihn strecken und austraben. Er schnaubte zufrieden ab. Lisa und Darren kamen von ihrem Ausritt mit Bacardi und Sniper zurück. Die beiden Reitponys wurden auch immer zuverlässiger, je länger sie unter dem Sattel waren. Diese Saison wollten wir sie fleissig auf Turnieren vorstellen und sowohl Erfahrung sammeln, als auch ihren Ruf aufbauen. Wir betraten den Nordstall alle nacheinander und versorgten die Pferde fröhlich plaudernd. Der nächste Kandidat war auch gleich im Nordstall; ich schnappte mir Artemis’ Putzkiste und holte den Hengst in die Stallgasse. Lisa verliess uns in Richtung den Nebenstall, um Hallu zu bewegen, aber Darren blieb ebenfalls gleich hier und kümmerte sich um Burggraf, beziehungsweise Aristo. Wir machten spontan zusammen einen Ausritt zum Laubwald.

      Gegen zehn Uhr wechselte ich schliesslich in den Nebenstall. Hier warteten Ronja und die noch relativ neue Stute Ravissante auf mich. Ronja longierte ich nur, denn sie war gestern wieder mit David an einem Auswärts-Distanztraining gewesen. Sie wirkte trotzdem fit und bewegte sich geschmeidig im Kreis. Bei Ravissante wurde es schon etwas interessanter, denn wir zwei kannten uns noch nicht so gut. Sie war noch nicht lange eingeritten und wurde bisher vor allem mit ins Gelände genommen. Geradeausreiten war für Jungpferde bekanntlich einfacher und schonender als in einer Halle herumzukurven. Heute hatte ich aber genau solches Herumkurven vor, also nahm ich sie mit in die Halle und übte ein paar einfache Dressurlektionen, wie zum Beispiel kleine Volten in korrekter Stellung oder Schlangenlinien. In der Halle ging das mit ihr im Moment noch besser, weil es weniger Ablenkungsfaktoren gab als draussen auf dem Viereck. Die Stute wehrte sich am Anfang ein wenig gegen die biegenden Hilfen. Sie versuchte, den Hals steif zu machen und wie eine Bahnschwelle in Aussenstellung um die Kurve zu traben. Ich blieb geduldig und lud sie immer wieder mit leichten Paraden und grosszügig geöffneter Hand in die korrekte Stellung ein, bis sie etwas nachgab. Dabei lobte ich sie jeweils sofort und sie durfte wieder geradeaus gehen. Am Ende der Einheit waren wir schon ein Stückchen weitergekommen: Sie war zwar noch nicht ganz stabil in der Kurve, liess den Hals aber deutlich mehr los. Ich lobte sie zufrieden und liess sie am langen Zügel austraben. Zur Belohnung nahm ich sie nach dem Absatteln noch rasch mit nach draussen, damit sie am Wegrand die besonders zarten Frühlingsgräser abknabbern konnte, die auf den Weiden bereits grösstenteils von eifrigen Mäulern gestutzt worden waren.

      Nach dem Mittagessen sah ich nach den neusten Pferden auf dem Hof. Raver wurde im Moment schön langsam in die Hengstgruppe integriert, damit es keine allzu grossen Rangeleien gab. Bisher hatten wir ihn auf einer separaten Weide gehabt, aber heute durfte er zum ersten Mal zusammen mit seinem Boxennachbar Spot raus. Die beiden hatten sich ja zur genüge durch die Gitterstäbe kennengelernt. Ajith führte Spot, ich übernahm Raver. Der Dunkelbraune brummelte zwar noch nicht wenn ich zu seiner Box kam, aber er streckte mir zumindest schon freundlich den Kopf entgegen. Ich schob die Tür auf und streifte ihm sein Weidehalfter über, dann führte ich ihn hinter Spot und Ajith raus. Er drängelte ein wenig, als die Weiden in Sicht kamen. Er konnte es offenbar kaum erwarten, seine schlanken Beine zu strecken. Ich liess ihn um mich kreisen, wenn er mir zu stark wurde und konnte ihn so ganz gut kontrollieren. Wir entliessen die beiden Hengste zusammen auf eine der kleineren Weiden und beobachteten kurz, wie sie aufeinander reagierten, jetzt wo keine Gitter oder Zäune dazwischen waren. Es gab ein wenig Bluffgetrabe, ein paar kleine Steig-Allüren und etwas gequietsche, dann herrschte Ruhe. Ich bat Lewis der bei den Fohlen die Weide abäppelte rufend, ein Auge auf die beiden zu haben. Star graste bei den anderen Stutfohlen und war schön integriert. Sie war die älteste, also konnte ihr ohnehin niemand Eindruck machen. Sie hatte die Fohlengruppe kurzerhand übernommen. Allerdings würde das nicht lange andauern, denn ich wollte bei ihr gleich mit den anderen Nachwuchsrennpferden im Frühling das Training beginnen. Als ich zum Nordstall kam, ritten Anne und Alan gerade mit Dancer und Thomas los. Ich wünschte ihnen einen guten Ritt und kehrte zum Hauptstall zurück, denn mir war eingefallen, dass ich Ajith noch Bescheid geben musste wegen Rosenprinz‘ morgigem Hufschmiedetermin. Gerade als ich reingehen wollte, kam Darren hinaus. „Did they already leave? Alan and Anne?“, fragte er bestürzt. „Yes, why?“ „Ahh what a bummer. I wanted to go with them…” “With Life? I have to take Khiara out, too. We can go, if you want.” “Sure! Thanks”, antwortete er erleichtert. Ich wusste von Lisa, dass er wohl nicht so gerne alleine mit Life rausging, da dieser schonmal mit ihm durchgebrannt war. Ich fand zwar, dass das einfach damit zu tun hatte, dass Darren inkonsequenter im Umgang mit dem Hengst als David war, aber ich mischte mich da nicht mehr ein als nötig. Der Ausritt war jedenfalls toll und Khiara lief entspannt am langen Zügel – ausser einmal, als direkt über uns eine Ringeltaube geräuschvoll aufflatterte und sie einen kleinen Spurt nahm. Das war aber nichts, was ich nicht hätte aussitzen können. Wir waren etwas mehr als eine Stunde unterwegs und trabten viel, sodass die beiden Vollblüter danach zufrieden und hungrig waren.

      Occulta Ein gewöhnlicher Sommertag?
      Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Vai Alida, Coulee, Rosenprinz, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Primo Victoria, Simba Twist, PFS’ Colours of Life, PFS’ Cryptic Spots, Compliment, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Stop Making Sense, Co Pilot de la Bryére, Thomas, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Lovely Summertime, Lindwedel, Burggraf, Estragon Sky, Circus Dancer, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Tayr al-Diyari, Après la Pluie, Mansur, Halluzination, PFS’ Ravissante, Ronja Räubertochter, Feline

      Ich sattelte gerade Khiara im Hauptstall, als Jacky durch die Stallgasse geschossen kam. Vor ihr sprintete eine grosse Maus um ihr Leben. Ich ertappte mich dabei, wie ich leise mit dem pelzigen Tierchen mitfieberte, als es ihm gelang, flink unter einer Boxentür zu verschwinden. Eigentlich war es ja gut, wenn die Nager etwas in Schach gehalten wurden, damit sie sich nicht zu sehr vermehrten. Aber irgendwie taten sie mir doch jeweils leid, wenn ich sie aus dem Maul von einer der vier Katzen hängen sah. Und für Jacky war es ohnehin nicht besonders gut, wenn sie die gelegentlich auch verwurmten Viecher frass. Die beste Mäusejägerin war übrigens immer noch Shiva. Sie fing beinahe jeden Tag irgendwas, und ich durfte dann jeweils die Reste davon aus der Sattelkammer entfernen. Sie hatte auch schon Tauben gefangen und sogar einmal eine Ringelnatter angeschleppt, die ich zum Glück gerade noch hatte retten und in der Nähe des Flusses wieder aussetzen können. Ich war nicht zimperlich, wenn es darum ging, irgendwelche Tierchen anzufassen. Lisa war da schon etwas heikler – sie hätte auf keinen Fall nach der sich verzweifelt windenden Schlange gegriffen, auch wenn diese ungiftig war. Jedenfalls zäumte ich die samtig cremefarbene Stute, auf die ich mich eigentlich konzentrieren wollte, mit deren gewöhnlicher Trainings-Wassertrense. Anschliessend streichelte ich ihre Stirn und führte sie zur Halle. Es regnete draussen in Strömen – eine Kaltfront war vergangene Nacht vom Meer her über England gezogen. Es war jedoch trotz schlechten Wetters immer noch warm, sodass man unter jeder gewöhnlichen Regenjacke sofort schwitzte; eine Kombination, die ich nicht besonders mochte. Auch die Pferde bekamen beim Trainieren rasch ein feuchtes Fell, sodass wir sie fast immer danach abduschen mussten. Drinnen in der Halle drehten unter anderem Lisa und Jazz, David mit Artemis und Alan mit dem stattlichen Thomas ihre Runden. Khiara wärmte ich zunächst wie es sich gehörte im Schritt und im Trab am längeren Zügel auf. Dann begann ich damit, an den Seitengängen der Stute zu arbeiten. Ab und zu beobachtete ich durch die grosse Fensterwand, wie Jonas im strömenden Regen mit Herkir auf der Ovalbahn töltete. Die beiden schienen sich von den gelegentlichen Windböen nicht beeindrucken zu lassen und trotzten dem unbarmherzigen Wetter. Jonas hätte natürlich auch in die Halle kommen können, aber er fand, wie er mir erklärt hatte, dass der begrenzte Platz bei Schlechtwetter auch ohne ihn schon knapp wurde. Ich fand es einerseits unheimlich toll, dass er in letzter Zeit so viel Rücksicht auf die anderen nahm, aber andererseits machte ich mir manchmal Sorgen, dass er sich selbst dabei vernachlässigte. Ich wollte schliesslich nicht, dass mein Geliebter sich erkältete und dann mit tropfender Nase oder kratziger Stimme herumschlich. Aber es stimmte schon. Gerade kam noch Darren mit Burggraf rein, damit waren wir nun schon wieder acht Reiter in der Halle. Zwar begannen Anne und Circus Dancer wenige Minuten später mit dem Trockenreiten, um kurz darauf durch den Regen zum Nordstall zu joggen, doch die nächsten waren schon am Pferdeputzen, wie ich zu gut wusste. Irgendwie machte es aber auch Spass, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu Reiten. Die Stimmung war ausgezeichnet und gelegentlich fielen lustige Kommentare. Ich beschloss, mit einem Blick auf die noch immer getränkt werdende Ovalbahn, Jonas in der nächsten Pause einen warmen Tee zu machen. Khiara wurde durch die vielen Pferde etwas übermütig und ich musste sie für unsere Kruppe-Herein-Versuche ziemlich zurückhalten. Wenn sie zu viel Schwung hatte, bekam sie ein Durcheinander mit ihren Beinen und nahm nicht richtig Gewicht mit der Hinterhand auf. Khiara lief zu meiner Freude trotz ihres geladenen Gemüts ziemlich locker und konstant in Anlehnung. Man erkannte leicht, dass sie ein erfahrenes Reitpferd war und gelernt hatte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich lobte sie ausgiebig, als wir zum Abschluss einen ziemlich perfekten Galoppwechsel hinbekamen. Sie konnte die Wechsel natürlich schon längst, aber sie hatte diesen wirklich besonders schön leichtfüssig und flüssig gemacht, sodass ich zur Belohnung die Trainingseinheit beendete und die Stute austraben liess. Während dem Ausschreiten plauderte ich ein wenig mit Robin, die mit Ravissante ebenfalls fertig war. «How did it go?», fragte ich neugierig; ich war zu sehr auf Khiara fokussiert gewesen, um mitzubekommen, was die beiden gemacht hatten. «As usual… She just keeps avoiding those corners and sometimes she spooks without any kind of reason. But other than that, we managed some smooth transitions.” “Don’t worry, she is still very green and has to learn a lot at once. I think you do a great job with her and she seems to like you. I’m glad – it would be great if you two fit together, regarding your show jumping career. You need a second horse in case Cymru has to take a break for some reason.” “Yeah, I also like her a lot, despite her rather difficult attitude.” “[…]”

      Khiara schob mit ihrem Maul zufrieden den Heuhaufen in ihrer Box herum, nachdem sie ihre Karotten alle zerkaut hatte. Ich widmete mich nun Painting Shadows. Die intelligente Stute begrüsste mich freundlich und streckte mir ihre Rosa Schnauze entgegen, um sich das Karottenstück in meiner Hand zu erschleichen. Ich überliess es ihr schmunzelnd und halfterte sie auf, danach führte ich sie in eine der Putzstände. Die Ohren der Stute waren ganz nass, weil sie offenbar den ganzen bisherigen Morgen aus dem Fenster geschaut hatte. «Come here, silly», murmelte ich liebevoll, als ich mit einem Frottee Handtuch zurückkam und sie ihr trocknete. Sie drehte den Kopf zuerst weg, genoss die Ohrenmassage dann aber doch und hielt schön still. Auch die Stirn rieb ich ab, wobei Paint genüsslich ihre Augen schloss. Mit ihr machte ich ein paar Trainingssprünge, um sie fit zu halten und ein wenig an der Kontrolle zwischen den Hindernissen zu feilen. Auch sie war etwas fit und war nicht ganz so glücklich über den langsamen Schaukelgalopp, den ich von ihr verlangte. Aber sie nahm sich zusammen und konzentrierte sich (mehrheitlich). Während ich mit ihr in der Halle war, nutzten auch gleich Lisa, die nun zu Bacardi gewechselt hatte, und Linda mit Sniper den von mir aufgestellten Parcours. Die beiden Ponyhengste hatten sich unter dem Sattel prächtig entwickelt und man sah einen deutlichen Unterschied in ihrer Muskulatur. Besonders Bacardi lief ruhig am Zügel und zeigte sogar beim Springen einen schönen Aufwärts-Galopp. Sniper wehrte sich hin und wieder gegen die Hand, wenn er das Gefühl bekam, zu wenig Schwung zu haben. Er wollte die Hindernisse lieber mit genügend Geschwindigkeit bezwingen, weil er noch unsicher war. Linda gab ihr Bestes, um ihn davon zu überzeugen, dass er auch mit weniger Tempo und dafür wenig mehr Kraftaufwand drüber kam. David und Darren gaben sich Mühe, um uns dreien nicht in die Quere zu kommen. Sie bewegten Ronja und Pilot mit lockeren Dressurlektionen zwischen den Hindernissen hindurch und schafften es, durch vorausschauendes Reiten, trotz des «Gegenverkehrs» anständig zu arbeiten. Ich lächelte zufrieden, als ich Paints Zügel lang liess und dabei beobachtete, wie sich Pilot elegant um die Hindernisse bog. Er schäumte ganz leicht und schien Darrens leichte Hand zu mögen. Ich war froh, denn das Sensibelchen brauchte wirklich feine Einwirkung, um sich unter dem Sattel zu entspannen. Als ich Paint fertig trockengeritten hatte, kam gerade die letzte Gruppe der Vollblüter von der Bahn zurück – natürlich alle pitschnass. Sie trugen Regendecken über ihren Kruppen, so war wenigstens die Lendengegend trocken geblieben. Die Jockeys sahen so aus, als wollten sie nur noch rein und sich abtrocknen, verständlicherweise. Ich öffnete ihnen schonmal das Tor zum Stutentrakt und lief mit Paint voraus. Sie ritten dankbar direkt rein und stiegen drinnen ab. Ajith öffnete gegenüber das andere Tor, damit die Hengste auch schneller ins Trockene kamen. Primo scharrte ungeduldig. Ich riet Rita, sich zu beeilen, weil die Stute vermutlich in die Box zum pinkeln wollte – was sich als richtig herausstellte. Die übrigen, Penny, Ciela, Goldy, Merino, Simba und Cryptic mussten brav warten, bis sie abgesattelt waren. Es ging jedoch alles sehr rasch vonstatten, sodass niemand verhungern musste und auch sie sich bald auf ihr Kraftfutter Stürzen konnten. Die durchnässten Jockeys hatten sich ihre Pause mehr als verdient, also sammelten sie sich, frisch umgezogen, in der Reiterstube zu einer Tasse Tee. Ich drückte auch Jonas den insgeheim versprochenen Becher in die Finger. Er nahm ihn überrascht dankend an und gab mir einen Kuss. «Die beiden Isis sind nass und glücklich», verkündete er stolz nach ein paar Schlücken. «Loki war auch brav?» «Jap, er hatte heute einen guten Tag. Ich glaube beinahe er mag es, wenn es draussen garstig ist. Weisst du noch, als wir einmal im Sturm ausreiten waren?» «Ja! Als ich dir noch gesagt hab dass da was kommt, und man hat es ja auch schon am Horizont gesehen, aber du hast es mir ja wiedermal nicht geglaubt.» «Hat ja trotzdem Spass gemacht, oder?» Ich grinste. «Irgendwie schon. So schnell sind wir mit den beiden glaube ich noch nie getöltet. Und sie haben sich richtig vom Wind aufheizen lassen.» Quer durch den Raum rief Charly «can you guys stop talkin’ german? I can’t focus on what Rita tries to tell me, because my silly brain tries to translate your words instead!” “It is hard to focus on Ritas speech anyway, since she hardly ever finishes one topic before she starts with the next”, bemerkte Lewis frech, der sich gerade reingeschlichen hatte. “Lewis, you old wet dog!”, rief Jonas freudig, als er den Offenstallpfleger erblickte. Lewis hatte ganze drei Wochen Ferien in Portugal genossen und sah ungewohnt braungebrannt aus – aber auch er war auf dem Weg vom Parkplatz her ein Opfer des Regens geworden. Tom krähte belustigt “aww, look at the way they hug. Are they not like an old couple?” Jonas stieg extra darauf ein. «I missed you darling.” Nun rief ich empört “Careful! I might get jealous!” “Yeah, don’t you dare steal him from her, Lewis!”, drohte Parker. Wir amüsierten uns prächtig, bis Oliver reinkam und durch den Lärm hindurch mit strengem Tonfall bemerkte, dass Ajith alleine die Stallgasse im Hauptstall wische. Wir packten schuldbewusst unsere Tassen weg und zerstreuten uns wieder in Richtung Arbeit. Ich lief Quinn hinterher zum Hauptstall. Die dunkelrothaarige Pflegerin schnappte sich den nächstbesten Besen und begann vom Eingang her mit dem Wischen. Ich klopfte Ajith beim Durchgehen anerkennend auf die Schulter. Der Pfleger war wirklich einer der tüchtigsten hier, und ich musste immer aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf ihn verliess. «Oh yeah, before I forget it – the new Stallion arrives today”, fiel mir gerade noch ein. Der Pfleger grinste und meinte bloss: “The box is ready, already.» Ich seufzte zufrieden und bedankte mich bei ihm. Das ist genau das, was ich meine.

      Vor dem Mittag bewegte ich Rosenprinz, Hallu und Feline, wobei ich leider nachwievor mit allen in die Halle musste. Wenigstens liess der Regen am Nachmittag so weit nach, dass ich mich mit der Regenjacke auf einen Ausritt traute. Dafür sattelte ich Summertime, deren Name mir fast schon ein wenig ironisch vorkam. Besonders, als auf halbem Weg dann doch wieder eine Welle des Niederschlags auf uns prasselte, als stünden wir unter einer grossen Dusche. Summer schien das nicht viel auszumachen, sie folgte unbeirrt weiter dem Feldweg. Auf der Wilkinson Farm standen tatsächlich Mansur, Anubis und Tayr draussen auf einer kleineren Paddockweide. Die drei Jungs schienen gelangweilt zu sein und kamen sofort an den Zaun getrabt, als ich durchritt. Als Summer und ich aus dem Wald kamen und ich zwischen den Gebäuden hindurchsah, beobachtete ich gerade noch, wie Rosie mit einem sehr hellen Pferd – vermutlich Après la Pluie – aus ihrer eigenen kleinen Halle kam. Ich verzichtete darauf, ihr zu rufen und trabte stattdessen an, um rascher ins Trockene zu kommen. Die Holzbrücke war ein wenig rutschig, sodass ich Summer langsam ihre Schritte suchen liess. Gute Trailübung, stellte ich innerlich fest. Ich lobte die buckskin Stute, als wir sicher am anderen Ende waren und trabte auch den Rest zu den Ställen noch. Jonas sah uns kommen und half mir nach dem Absteigen beim Satteltrocknen.

      Am späteren Nachmittag, als Lily von der Schule kam und wiedermal Suri mitbrachte, kümmerten wir uns alle drei um die Minis. Die waren natürlich auch den ganzen Tag im Regen gestanden, obwohl sie Bäume und einen trockenen Offenstall zum unterstehen hatten. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus den Vierbeinern. Lily hatte ein grosses Badetuch mitgebracht und wickelte nun Orchid darin ein. Für das arme Stutfohlen gab es gar kein Entkommen. Ich behielt ein wachsames Auge auf Daki, nicht dass die Mutter der Halbstarken plötzlich ihre Beschützerinstinkte auspackte. Und natürlich war ich bereit, einzugreifen, falls Lily nicht vorsichtig genug mit Orchid spielte. Suri und ich bürsteten die übrigen Stuten, angefangen bei Rose und Darling. Die feuchten Mähnen und Schweife waren besonders schwer zu kämmen, aber mit etwas Glanzspray klappte es ohne grosse Verluste. Einmal schnappte Papillon nach Lily. Meine Nichte reagierte aber schon selber richtig, indem sie mit der schokofarbenen Stute schimpfte und ihr einen Klaps auf die freche Nase gab. So süss die Minis auch waren; man musste trotzdem konsequent mit ihnen sein und durfte ihnen nicht alle Unarten durchgehen lassen. Besonders, wenn Kinder mit ihnen umgehen wollten musste ich dafür sorgen, dass sie gut erzogen waren. Ich horchte beim Putzen dem Geplauder der beiden Mädchen. «Are you going to ride Lindwedel tomorrow?», fragte Lily ihre Kollegin. «No, Rosie said someone is coming to try him out...” “You think they will buy him?» «I hope not… I heard they come all the way from Liverpool. I will not be able to visit if he ends up there.” Suri tat mir leid, denn für ihre Eltern kam es nicht in Frage, das Pony zu kaufen. Sie fanden, dass ihre Tochter zu jung dafür sei und noch nicht lange genug reite. Ausserdem war es natürlich auch eine finanzielle Frage. Ich mischte mich ein und tröstete Suri mit der Bemerkung: «You will be busy riding our ponies here at Pineforest.» Während wir mit den kleinen Pferdchen beschäftigt waren, bekam ich einen Anruf vom Flughafen, dass Compliment bereit zur Abholung sei. Freudig joggte ich zum Haus und holte die Autoschlüssel, klebte Jonas einen Zettel an die Haustür, auf dem stand, dass ich kurz weg sei. Ich wählte den Selbstfahrer, weil der sowieso noch getankt werden musste. Nach einem kurzen Stop bei der Tankselle, gabelte ich den Rappen am Flughafen auf und chauffierte ihn Nachhause. Compliment war ein Nachkomme von Indiana, und als Geschenk in Zusammenarbeit mit Hunter Crowley zu meiner Kollegin Käthe gegangen. Sie schickte ihn nun aus Zeitgründen zurück nach Pineforest und vertraute darauf, dass er hier gut aufgehoben sein würde – was ich ihr auch versprochen hatte. Der Rappe sah seiner Mutter sehr ähnlich mit seinem dunklen Fell und der unregelmässigen Blesse. Sein Vater war Cantastor, der ja ebenfalls eine ganze Weile auf Pineforest gelebt hatte. Er war schlaksig und langbeinig, und hatte einen liebevollen Charakter, sodass es mir sehr leichtfiel, ihm sofort mit Begeisterung zu begegnen. Ajith machte grosse Augen, als ich Compliment in den Hauptstall führte. Ich hatte ihm nicht gesagt, dass es sich bei dem «Neuen» um dieses Tier handelte. Offenbar erkannte der Pfleger das ehemalige Fohlen sofort, auch wenn es nur kurz auf Pineforest selbst gewesen war, und strahlte übers ganze Gesicht, als er das nun grossgewachsene Pferd übernehmen und in seine neue Box bringen durfte. Darren, der gerade Life putzte, liess die beiden durch und pfiff bewundernd, als er dem Rappen hinterher sah.

      Als am Abend der Regen endlich nachliess, brachten wir die Vollblüter raus auf die kleinen Weiden. Die grossen wollten wir schonen, schliesslich lag noch der ganze, gewöhnlich verregnete Herbst vor uns. Vai Alida, Coulee, Gray, Campina, Sarabi, Thalia, Dolly und Caligari wurden in zwei gleiche Gruppen aufgeteilt und durften die beiden Weiden neben den Offenställen der Minis beziehen. Rosenprinz, Light, Caspian, Spot, Winter, Mambo und Life brachten wir alle zusammen auf die unterste, langgezogene Weide. Der Offenstall der Stuten lag zwar direkt darüber, aber die Zäune waren aus massivem Holz gefertigt und hoch genug, ausserdem lagen gleich zwei Zaunreihen dazwischen. Die Hengste bewegten sich geschmeidig in ihrem schönsten Bluff-Trab vom Eingang der Weide davon, einzelne galoppierten auch. Bevor sie mit dem Grasen begannen, gab es kurz ein provokantes Gequietsche zwischen Rosenprinz und Winter, dann kehrte Ruhe ein. Bei den Stuten herrschten von Anfang an Harmonie und Frieden – wobei das längst nicht immer so war. Aber weil gewisse eigenwillige Schimmelstuten erst später mit den nächsten Gruppen rausdurften, fehlte wunderlicherweise der Anreiz zu Streitigkeiten. Ich verschränkte die Arme, an den dunklen Holzzaun gelehnt, und genoss einen Moment lang die frische Luft nach dem Regen, kombiniert mit der spätnachmittäglichen Stimmung.

      Occulta Neujahr ohne Schnee – oh jehmineh
      Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Coulee, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Compliment, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Snap in Style, Thomas, Co Pilot de la Bryére, Circus Dancer, Estragon Sky, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cinnemont’s History, Eismärchen, Moon Kiddy, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Maekja van Ghosts, PFS‘ Dahu

      Die Festtage waren auf Pineforest stressig wie immer gewesen. Wir mussten auch an Weihnachten jeweils die Versorgung der Pferde gewährleisten und trotzdem den Pflegern irgendwie die verdiente Auszeit mit ihren Familien gönnen. Dies erforderte gründliche Planung. Zum Glück war niemand kurzfristig krank geworden, sonst wäre alles durcheinander geraten. Irgendwie hatten wir die besinnliche Zeit überlebt, und der Start ins neue Jahr war ebenfalls gelungen. Schade war nur, dass es die ganze Zeit über nicht geschneit hatte, weder an Weihnachten noch zu Silvester. Ich vermisste die Galopps im weissen Pulver und das Schlitteln inzwischen so sehr, dass ich mir überlegte, einen Trip irgendwo in den Norden zu machen. Aber dazu fehlte mir schlichtweg die Zeit. Inzwischen ging alles wieder seinen gewohnten Gang - zumindest fast. Ein paar Pferde mussten das Gestüt in nächster Zeit verlassen, um Platz zu schaffen für den im Frühling erwarteten Nachwuchs. Ich hatte mich lange mit der Entscheidung gequält, wen das betreffen würde. Sie sind ja nicht von der Welt, erinnerte ich mich immer wieder, doch es tröstete nur bedingt. Schliesslich hatte ich mich dazu entschlossen, dass Felicita, Deadly Ambition, Campina und Savory Blossom nach dem Absetzen ihrer Fohlen an Bekannte von mir verkauft werden würden. Dort erwartete sie ein toller Endplatz mit viel Weidegang und langen Ausritten. Bauchschmerzen bereitete mir, dass ich Lily irgendwie beibringen musste, dass ich White Dream verkauft hatte. Eine Verwandte von Lisa war auf der Suche nach einem Pony für ihre Tochter gewesen, und Dream war einfach perfekt dafür. Aber ich befürchtete, dass Lily alles andere als erfreut darüber sein würde, denn sie hing sehr an Skydives Mama. Merino und Simba sollten kastriert und an ambitionierte Nachwuchsreiter geliehen werden. Bei den beiden schmerzte es besonders, denn ich hatte sie hier aufwachsen sehen und sie lagen mir sehr am Herzen. Aber ich konnte nunmal einfach nicht unbegrenzt viele Pferde unterbringen, und aus züchterischer Sicht war es sinnvoller, Deckhengste anderer Blutlinien einzusetzen. Trost fand ich in der Vorfreude auf das Fohlen von Merino - einen Nachkommen von ihm hatte ich trotz allem gewollt, damit das ganze Theater mit der Körung nicht umsonst gewesen war. Zuerst wurde aber die Geburt von Ronjas Nachwuchs erwartet, und zwar schon in wenigen Tagen. Es handelte sich dabei zugegebenermassen um ein kleines Experiment, denn ich hatte schon seit Jahren überlegt, ein Fohlen aus ihr und Burggraf zu Züchten. Das machte Sinn, um die seltene Farbe der beiden womöglich reinzuzüchten – oder zumindest weiter zu erhalten. Wenn ich Pech hatte, konnte das Fohlen aber auch gewöhnlich braun oder schwarz werden; ausserdem brachte Inzucht natürlich immer ein gewisses Risiko mit sich. Wir hatten die beiden Achal Tekkiner zwar im Voraus zur Sicherheit auf häufige Erbkrankheiten getestet, aber ein Restrisiko blieb immer. Ich war aber zuversichtlich, dass das Fohlen gesund zur Welt kommen würde. Weiteren Nachwuchs erwarteten wir übrigens auch bei den Reitponys: Cinni war tragend von einem schicken Palominohengst namens Feuervogel. Ich war gespannt, welche Farbe das Fohlen bekommen würde. Auch Lily war schon ganz ungeduldig. Und dann erwarteten wir auch noch Nachwuchs von unserer neuen Stute Eismärchen. Der Vater war Navy Sniper, es würde für beide Elternteile das erste Fohlen werden. Ich machte mir aber keine Sorgen, dass die halbblinde Stute eine gute Mutter werden würde - schliesslich hatte sie solch einen goldigen Charakter. Und zuletzt erwartete ich gespannt das Fohlen meiner neuen Isländerstute Maekja, die ich erst vor kurzem erworben hatte. Sie war eine Tochter des bekannten Fuchshengstes Mellamo, dessen heimlicher Fan ich schon seit langem war.

      Ich machte mich an diesem Morgen wie immer zuerst auf den Weg in den Hauptstall, wo ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Allerdings ritt ich nur in einer Gruppe mit, nämlich auf meinem geliebten Winter. Shades of Gray überholte uns beim Kopf-an-Kopf Sprint gnadenlos – offenbar war der schneeweisse Vollbluthengst heute nicht in Bestform. Ich verwöhnte ihn nach der Arbeit trotzdem mit Karotten und brachte ihn mit einer kuscheligen Fleece-Decke in den Freilauftrainer, wo er trocknen konnte. In der kalten Morgenluft dampften die frisch trainierten Pferde richtiggehend. Spotted Timeout und Gleam of Light trieben etwas Blödsinn im Karussell: Spot lief absichtlich langsam und liess sein Hinterteil das Trenngitter berühren, während Light ihn durch das Metallgeflecht angiftete. „Er provoziert ihn regelrecht“, meinte auch Parker augenrollend. Ich lief eine Runde mit und trieb Spot mit fuchtelnden Armen vorwärts, danach benahmen sich die beiden einigermassen. Als ich zurück in die Stallgasse schlenderte, um die Putzsachen von Winter zu verräumen, hätte Zira, die mir seit dem Absteigen wieder wie ein Schatten folgte, beinahe eine Maus erwischt, die sich jedoch gerade noch in die Sattelkammer retten konnte. „Von denen hat es auch wieder zu viele, was meine Süsse?“, murmelte ich an die Malinois Hündin gewandt. Sie sah mich erwartungsvoll an, also knuddelte ich sie rasch. Die nächste Gruppe wurde bereits in der Stallgasse gesattelt. Ich lief an Mambo vorbei direkt zu einem altbekannten Neuling: Snap in Style. Erneut hatte ich ihn von einer Kollegin zurückgekauft, und diesmal hatte ich nicht vor, ihn wieder herzugeben. Er hatte sich inzwischen von dem schlaksigen Jungtier, dessen Bild ich noch klar im Kopf hatte, zu einem kräftigen Rennpferd gemausert. Mambo war jetzt in dieser Gruppe also nicht mehr der einzige Hahn im Korb. A Winter’s Tale, Counterfire, Sarabi und Dolly standen bereits draussen bereit, als ich den Hauptstall verliess, um zum Nebenstall zu laufen. Ich wechselte noch kurz ein Wort mit Oliver, dann öffnete ich Halluzinations Boxentür. Die Fuchsstute schien nicht allzu begeistert von meinem frühen Besuch. Sie rümpfte die Nase und bewegte sich kein Bisschen auf mich zu. „Was ist denn das für eine Begrüssung?“, motzte ich liebevoll. Wenigstens dreht sie sich nicht gleich weg. Ich lief zu ihr hin und bot ihr ein Karottenstück an. Dadurch taute sie sofort auf und liess sich brav aufhalftern. Ich putzte sie im Eilgang durch – das kurz geschorene Fell unter ihrer Decke war ohnehin sauber – und sattelte sie mit ihrem Dressursattel. In der Halle war bereits Lisa mit Artemis. Sie hatte zwei Cavaletti auf der Mittellinie platziert und übte mit dem Schimmel Galoppwechsel. Wenig später stiessen auch Jonas mit Loki und Darren mit Circus Dancer dazu. Eine Weile ritten wir alle stumm und konzentriert, möglichst ohne einander in den Weg zukommen. Man hörte nur die Huftritte im Hallensand und das gelegentliche schnauben eines Pferdes. Beim Ausschreiten plauderten wir dann wieder ausgelassen miteinander, während die Pferde sich strecken durften. Als David mit Thomas reinkam, kratzte ich gerade Hallus Hufe aus. „Ahh, good Timing – we’re already finished, so you have enough space”, scherzte ich als Andeutung auf die Grösse des Scheckhengstes. Hallu bekam ihre Belohnung und eine kurze Rückenmassage. Es wurde langsam hell, als ich mich auf den Weg zum Offenstall der Stuten machte. Offenbar war ich die erste, die die Weide heute betrat, denn das Stalltor war noch geschlossen. Ich schob es auf und liess die Stuten raus auf das spährliche Wintergras. Jazz schob sich vor allen anderen als erste an mir vorbei in die Freiheit und der Stall leerte sich langsam; als letzte Nachzügler folgten Feline und Summer. Nur eine Stute blieb zurück – oder auf den zweiten Blick doch zwei. „Oh my! I didn’t expect to see you already today. Hello little sweetheart!” Neugierig näherte ich mich der schlaksigen kleinen Gestalt, die neben Ronja im Stroh lag. Das Fohlen sah zu meinem Entzücken genau gleich aus wie seine Eltern: es hatte dieselbe seltsame, zweifarbige Scheckung. Der Kopf erinnerte mich sehr an den seiner Mutter, denn er hatte ebenfalls einen hohen Weissanteil und nur ein paar Flecken an Nüstern und Augen. Die kleine war wohl noch nicht aufgestanden, machte aber einen gesunden ersten Eindruck. Begeistert beobachtete ich sie eine Weile, ohne zu nahe heranzugehen. Ich durfte die ersten Momente von Mutter und Tochter nicht stören. Ronja beschnupperte das Fohlen immer wieder, als wollte sie sichergehen, dass es noch da war. Die kleine machte kurz darauf Aufstehversuche – vermutlich hatte sie zuvor schon damit begonnen, war aber durch mein Eintreten unterbrochen worden. Jedenfalls stand sie bereits nach wenigen Minuten auf ihren wackeligen Beinen. Ich hätte den ganzen Tag zusehen können, aber die Arbeit rief, und ich erinnerte mich, weshalb ich eigentlich hergekommen war. „Moon!“ Die Stute wandte mir draussen sofort den Kopf zu, als sie ihren Namen hörte, und kam auf mich zu. Ich streichelte sie und führte sie am Halfter zum Stall. Dort band ich sie an einem der Halteringe and der Wand an und machte sie startklar für einen ausgiebigen Ausritt mit Jonas und Co Pilot. Wir entkamen dabei gerade noch einer ganzen Horde von Pflegern, nämlich Lisa, Anne, Darren, Alan und Jason, die allesamt mit Bacardi, Khiara, Life, Indiana und Sniper auch gerade raus in den Wald wollten. Da sowohl Jonas als auch mir aber gerade eher nach einem entspannten Ausritt zu zweit zumute war, schlichen wir uns vor ihnen weg. Wir kehrten vor dem Mittag zurück und ich kümmerte mich anschliessend noch um Ravissante, ehe ich kochen ging. Die Stute musste ein ausgiebiges Training mit Cavaletti über sich ergehen lassen, dass ihr vielleicht sogar ein wenig Muskelkater beschehren würde. Aber es war wichtig, dass sie ihre Koordination verbesserte und ihre vier Beine in den Griff bekam. Die Cavaletti halfen dabei, ihr einen Takt vorzugeben und ihren (und auch meinen) Sinn für die Abstände zu schulen. Sie wurde im Verlauf des Trainings etwas heftig - ich vermutete, dass ihre Konzentration nachliess. Deshalb wählte ich als letzte Übung nur noch eine Art Slalom mit Seitwärtsverschiebungen im Schritt, damit wir positiv abschliessen konnten. Es war eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

      Nach dem Mittag brachte ich Caspian, Compliment und Cryptic zusammen auf eine der kleineren Weiden. Auf der grossen unteren Weide, die neben dem Stutenoffenstall, durften zuerst Goldy, Ciela, Caligari, Penny und Primo sich austoben. Das war ein wenig zum Problem geworden in letzter Zeit: besonders viel Gras hatte es nicht mehr, dadurch wurde den Pferden rasch langweilig. Sie rannten häufiger herum und spielten ruppig miteinander, nebenbei pflügten sie das letzte bisschen intakten Weideboden um. Wenigstens hatten wir für den Frühling die ganz grossen Weiden ausserhalb. Womöglich würden wir sie dieses Jahr aufteilen müssen, bis die kleineren sich erholt hatten. Als ich summend von den Weiden zurück zum Hauptstall lief, sah ich gerade Oliver mit Vai Alida losreiten. Ich wünschte ihm einen schönen Ausritt. Dann streckte ich mich genüsslich, um mich für die restlichen Aufgaben des Tages zu wappnen. Am Horizont meinte ich, ein paar verdächtig aussehende Wolken zu sichten. Vielleicht endlich der erste Schnee im neuen Jahr?
    • Stelli
      Trainingsberichte
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      PFS' Colours of Life

      An diesem herrlichen Morgen kam Darren zu mir, mit der dringlichen Bitte, ich möge ihm doch Reitunterricht mit Colours of Life geben. Er und David seien sich einig, dass sie fremde Hilfe benötigten, um das junge Pferd richtig zu fördern. Ich fragte, warum sie damit nicht zu Lisa gegangen seien, doch Darren meinte nur, dass Lisa auch sonst schon sehr beschäftigt sei. "And I look like I'm doin' nothin' all day long, right?" "No no! But.." Ich hob die Augenbrauen und nickte dann belustigt. "Okay. You got time right now?" "Now?!" "Yes, I happen to have a bit less than an hour spare time before I have to go cooking." "Alright, sure! Thank you!", rief der Pfleger freudig aus und hastete zum Hauptstall, im den Buckskin reitfertig zu machen. Ich schmunzelte und schlenderte zum Nebenstall, wo ich die Stuten ein wenig kraulte, bis die beiden fertig waren. Als Darren mit Life im Schlepptau auftauchte, murmelte er "I will work during lunchtime to make up for now." "You got much to do still?", fragte ich, weil ich es gehört hatte. "Ahh, just five more stalls to clean." "Good. no need to hurry then, we don't have too much work to do today." Wir begaben uns zum Reitplatz und ich liess Darren mehrheitlich selbstständig aufwärmen, gab ihm jedoch schon zwischendurch Inputs zu seinem Sitz. Darren war kein Anfänger, aber auch ihm tat es hin und wieder gut, wenn ihn jemand auf seine ungewollten Angewohnheiten aufmerksam machte. Wir arbeiteten eine halbe Stunde lang an Grundlagen wie Mitteltrab und Mittelgalopp, Übergängen und Schulterwendungen. Life war so ein feines Pferdchen. Er konzentrierte sich sehr ausdauernd und man sah richtig, wie er sich bei jeder Lektion Mühe gab, alles richtig zu machen. Ein echtes Goldpferd. Irgendwann kam David angeschlichen und sah vom Rand aus zu. Hin und wieder gab er seine eigenen Kommentare zu den reiterlichen Leistungen seines Bruders ab, aber insgesamt waren beide sehr zufrieden mit den Fortschritten ihres Vierbeiners. Wir beschlossen, auch in Zukunft immer mal wieder spontan eine Stunde zu vereinbaren, denn das ging für uns alle besser als festgelegte Termine.

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      Training für die Faulen

      PFS’ Colours of Life, tc Miss Moneypenny, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Cambria, Fake my Destiny, PFS’ Shadows of the Past, PFS’ Ravissante, Chanda, PFS’ Dancin’ to Jazz, Tayr al-Diyari, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot

      «Occu, es ist zu warm zum Arbeiten», jammerte Jonas, in seinem neu gekauften Schaukel-Stuhl auf der Terasse ausgebreitet. Er hatte das Teil am Wochenende in einer Brockenstube gefunden und sich sofort darin verliebt. Das alte, dunkle Holz war zwar an manchen Stellen etwas rau von der vermutlich Jahrzehnte langen Benutzung, aber mit etwas Schleifpapier und neuem Lack wollte er ihm demnächst zu neuem Glanz verhelfen. Allerdings sah es im Moment eher nicht danach aus, als könnte er die nötige Energie dazu aufbringen. Bacardi lief bereits ungeduldig um mich herum, weil ich nicht weiterging. «Komm, auf», scheuchte ich ihn in befehlerischem Ton von seinem Sonnenplätzchen. Er grummelte vor sich hin und schlenderte zum Hauptstall. Lisa war auf dem Sandplatz bereits aufgestiegen und wärmte Sniper im Schritt am langen Zügel auf. Ich tat es ihr gleich. Heute war wieder Trainieren angesagt, und zwar mit einem ganzen Heer von Jungpferden. Lisa und ich ritten plaudernd nebeneinander und genossen die morgendlichen Sonnenstrahlen, die auf unsere Rücken brannten. Lily stiess mit Fake auch noch dazu, und ihr folgten auch kurz darauf die anderen aus dem Nebenstall; Shira, Ravissante, Cambria. Wir ritten alle sechs Vierbeiner, um die bereits aufgestellten Hindernisse zirkelnd, warm. Nach etwas mehr als fünf Minuten trabten wir an und vollführten unter Lisas Anweisungen ein paar gymnastizierende Dressurlektionen, ehe wir mit den Cavalettis begannen. Bacardi war am Anfang etwas übereifrig und hüpfte jeweils über das halbhohe Cavaletti, anstatt darüber zu traben. Ich hielt ihn zusammen und versuchte es erneut, bis es beim dritten Versuch klappte. Er war eben noch jung und verstand ungerne, dass man die Aufgaben konzentriert und auch mal langsam angehen musste. Lily und Fake hatten ganz ähnliche Probleme, aber bei ihnen lag es vor allem daran, dass Lily noch nicht genug einwirken konnte, um die temperamentvolle Hackney-Pony Stute mit dem Sitz zu bremsen. Sie gab sich immerhin grosse Mühe und schaffte es nach einer Weile auch so halb. «Das wird schon, Lily. Sobald du längere Beine hast, kannst du sie auch besser kontrollieren», ermutigte Lisa meine Nichte. Das Mädchen nickte nur konzentriert und bremste Fake wieder in den Schritt. Lisa schickte uns als nächstes über ein paar Kreuzchen in einer Linie, die ebenfalls noch dem Auflockern und der Taktfindung dienten. Erst danach legten wir mit Steilsprüngen, Oxern, In-Outs und Kombinationen los. Für die jungen Pferde waren besonders letztere anspruchsvoll, da viele dazu neigten, etwas kopflos zu werden und zwischen den Hindernissen beschleunigen zu wollen. Auch Bacardi versuchte es, aber durch meine langjährige Erfahrung konnte ich ihn zurückhalten und in angemessenem Tempo auf den zweiten Sprung zureiten. Er schnaufte zwar leicht frustriert, galoppierte aber schön am Zügel. Ich lobte ihn streichelnd, um ihm zu zeigen, dass es so richtig war. Fake und Lily flitzten zum Teil in halsbrecherischem Tempo durch, aber Lisa war schon dabei, das zu korrigieren und ihr Tipps zu geben. Robin und Cambria hatten auch noch die eine oder andere Unstimmigkeit zu überwinden, aber es sah gar nicht so schlecht aus. Ravissante lief unter Quinn richtig schön. Ich war begeistert beim Zusehen, als die beiden den einen Oxer übersprangen und die Anglo-Araberstute eine wunderbare Flugphase zeigte. Sie erinnerte mich in ihrer Manier sehr an Sunday – ausser, dass sie ab und zu ihren Schweif aufgeregt anhob, wenn sie auf ein Hindernis zukam. Quinn schien sich sehr gut mit der Stute zu verstehen und grinste begeistert, als sie den kleinen Abschlussparcours beim ersten Versuch fehlerfrei überwunden hatten. Sie liess Ravi den Kopf strecken und klopfte ihr zufrieden auf den Hals. Auch Bacardi und ich schafften es ohne Abwurf. Die Höhe war ja auch noch nicht gerade eindrucksvoll. Aber trotzdem war ich stolz, als am Ende die meisten sauber durch den Parcours kamen. Sogar Fake kam überall gut drüber, wenn auch ein Tickchen zu schnell. Shira und Snipy hatten je einen Abwurf; Shira in der Kombination und Sniper beim letzten Steilsprung, weil Lisa sich mit der Distanz verschätzte. Dass ausgerechnet unsere Reitlehrerin einen Fehler machte, fanden wir ganz amüsant – konnte ja passieren. Wir liessen die sieben Pferde austraben und versorgten sie dann zügig, um gleich anschliessend mit der nächsten Truppe weiterzumachen. Diesmal war der Vollblut-Nachwuchs an der Reihe. Miss Moneypenny, Daedra, Primo, Sarabi, Mambo, Cryptic, Thalia, Counterfire und David mit Life. Weil diese Gruppe etwas grösser war als die letzte, hatten wir auch entsprechend mehr Abreitplatz-Atmosphäre, aber das kam in diesem Fall gerade gelegen: Mit diesen acht wollten wir nämlich einen Ablauf wie auf einem Turnier simulieren. Jonas hatte es tatsächlich fertig gebracht, in der Halle zwei Aufwärm-Hindernisse aufzubauen und verstellte sie nun nach unseren Wünschen. Danach ritten wir jeweils nach draussen auf den Sandplatz und sprangen direkt den Parcours, jeder zweimal. Ich hatte Thalia als Partnerin. Die Winter-Tochter war extrem rittig und liess sich heute durch nichts ablenken, sodass wir beide Durchgänge einwandfrei abschlossen. Mir gefiel ihr Arbeitswille, der sich übrigens auch auf der Rennbahn auszahlte. Sie war zwar nicht die Schnellste, dafür sehr ausdauernd und fokussiert auf die Ziellinie – manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie selbst bei einem Bombeneinschlag auf der Tribüne nicht zucken würde. Bei Counterfire, die gleich nach mir auf den Platz ging, war das gerade anders herum. Die feurige Fuchsstute konnte ausserordentlich gut beschleunigen und hatte mächtig Schub in der Hinterhand, liess sich allerdings leicht aus dem Konzept bringen und brauchte eine konsequente Hand. Als Katze Shiva in ein Gebüsch neben dem Viereck kletterte, um Spatzen aufzuscheuchen, verpasste sie dementsprechend das nächste Hindernis und räumte es mit den Vorderbeinen ab. Charly war auf den unsanften Sprung nicht vorbereitet gewesen und kam hinter die Bewegung. Als Counterfire nach dem missglückten Manöver auch noch um die Kurve raste, besiegten ihn die Fliehkräfte. Er plumpste in den Sand und die Stute raste eine Runde um den Platz, wobei sie gerade noch von Oliver davon abgehalten wurde, diesen zu verlassen. Der Trainer motzte «be careful with my racing champions, please» und bewachte den Eingang, bis wir Fire eingefangen hatten. Charly war anscheinend unversehrt, bis auf ein paar blaue Flecken. Er stieg wieder auf und ritt das Hindernis nochmal an, nachdem Lisa, die diesmal nicht selbst im Sattel sass, es wieder aufgestellt hatte. Counterfire, die noch etwas aufgeheizt von vorher war, wollte schon wieder mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Stangen losrennen, aber Charly machte nochmal eine Volte, bis er sie unter Kontrolle hatte, und lenkte sie dann deutlich ruhiger geradeaus, diesmal ohne Probleme. Die übrigen Vollblüter waren heute erstaunlich gemütlich unterwegs; Quinn musste Primo regelrecht vorwärtstreiben und auch Mambo hatte beim Oxer etwas zu wenig Schwung, sodass die oberste Stange fiel. Höchstwahrscheinlich liegt es am Temperatur- und Fellwechsel, überlegte ich. Ich bürstete und massierte Thalia rasch nach dem Absatteln, aber es reichte leider trotzdem nicht mehr um die letzte Runde von Daedra zu sehen. Ich erfuhr aber von Lisa, dass sie einmal parkiert hatte – schade. Das war bei ihr in letzter Zeit etwas zu häufig vorgekommen, weshalb ich überlegte, sie in nächster Zeit mehr mit Quinn laufen zulassen, oder selbst ein wenig Korrektur zu reiten. Nicht, dass ich meine oder Quinns Reitkünste höherstellte als die der anderen, aber wir beide hatten einfach etwas mehr Erfahrung als zum Beispiel April, die sie heute geritten hatte. Ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Stute irgendwelche unvorteilhaften ‘Habits’ entwickelte. Nachdem nun alle den Parcours gemacht hatten, wollte Lily unbedingt nocheinmal mit Areion einen Versuch starten. Sie wärmte ihn bereits in der Halle auf, als ich dazustiess. Der immernoch-Hengst zeigte auch diesen Frühling wieder teils etwas aufmüpfiges Verhalten, sodass Lily die letzten Wochen meine Hilfe mehr als einmal gebraucht hatte. Heute schien er aber eher gemütlich unterwegs zu sein und liess sich wenig später auch gut von meiner Nichte über die extra tiefer gestellten Hindernisse lenken. Lisa ermutigte sie, noch etwas mehr Schwung von dem Tinker zu fordern, weil er ein paarmal zu dicht ans Hindernis kam, aber sonst sahen die beiden gar keinen so schlechten Eindruck.

      Insgesamt zufrieden mit den Vollblütern, wandte ich mich nun dem Training der beiden Nachwuchswesternpferde Chanda und Jazz zu. Ich putzte die grau-weisse Criollo Dame, während Jonas sich Jazz antat. Antun deshalb, weil sie heute zusätzlich zu ihren Appaloosa-Sprenkeln auch noch Schlammkrusten trug. Mit dem noch feuchten Boden vom letzten Regenfall erstaunte es mich überhaupt, dass nicht mehr Pferde Schlammig waren. Klar, die Vollblüter waren von Ajith bereits vorgeputzt worden, aber die übrigen hatten anscheinend ausnahmsweises Mitleid mit unserer vom Winterfell Ausstriegeln müden Armmuskulatur gehabt. Jonas stöhnte erschöpft, als er auf die zweite Seite seines Reittiers kam, die genauso schlimm aussah wie die Erste. Er legte einen Moment lang seine verschränkten Arme auf den Runden Po von Jazz und genoss die Sonne, bevor ich ihn anstupste, damit er weitermachte. „Denk dran, die Stunde fängt in fünfundzwanzig Minuten an.“ Ich war so nett und half ihm mit dem Hufeauskratzen, während er noch immer den eher dünnen Schweif von Jazz zu retten versuchte. Nach einem gefühlten Liter Glanzspray und einer insgesamt halben Stunde intensivem Putzen, war die Stute wieder ansehnlich. Wir ritten in Richtung Fluss los, denn wir waren mit Rosie zu einem Training auf der Wilkinson Farm verabredet. Sie hatte einen auswärtigen Westerncoach organisiert. Weil wir so viel Zeit mit Putzen verbracht hatten, mussten wir den grössten Teil des Weges traben, um nicht zu spät zu kommen. Die Pferde waren so zumindest schon warm und wir konnten eigentlich sofort loslegen. Der Trainer gab uns eine Dreiviertelstunde lang Patterns vor und feilte mit uns an den einzelnen Lektionen. Für die jungen Pferde war das Training intensiv und sie schwitzten in der Frühlingssonne ordentlich. Rosie, die mit dem Wüstentemperatur-geprüften Tayr mitmachte, hatte dieses Problem nicht. Dafür hatte sie alle Mühe, ihn angesichts unserer beiden charmanten Damen konzentriert zu halten. Es ist eben Frühling, stellte ich schmunzelnd fest. Bevor wir uns auf den Heimweg machten, fiel Jonas noch ein neues Araberpferdchen auf Rosies Weide ins Auge. «Schau mal, da ist noch ein Appaloosa-Tier. Ich dachte zuerst, es sei Numair, aber der ist etwas dunkler.» «Tatsache. Rosie? Is that the filly you mentioned last time?” Die rothaarige Ex-Pflegerin von Pineforest bestätigte. “She’s gorgeous! Definitely coming after Numair.» «I hope she’s also inherited his character, instead of her mother’s. But anyway, she has such a cute head and I love the pink freckles on her face.” Sie schwärmte noch ein wenig weiter, sodass ich beinahe neidisch wurde – das Tierchen sah schon von weitem speziell aus. Letzten Endes wandten wir uns dann doch noch zum Gehen und duschten zurück auf Pineforest die beiden armen, verschwitzten Stuten ab. Chanda machte einen friedlichen Eindruck, als ich sie zurück auf die Stutenweide entliess. Sie sah aus, als könne sie sich nun nach getaner Arbeit so richtig entspannen und das Nährstoffreiche Frühlingsgras besonders geniessen. Jazz blieb noch einen Moment erwartungsvoll beim Zaun kleben, als warte sie noch auf eine letzte Karotte. Jonas und ich hatten leider beide nichts mehr im Sack, also musste sie sich mit den vorherigen Belohnungen zufriedengeben. Wir schlenderten zurück zur Halle und ich bog von dort aus zu den Miniweiden ab, um schonmal die Sulkys für den Nachmittag bereitzustellen, während er gähnend Richtung Haus wanderte. „Du musst noch die Winterreifen wechseln“, rief ich ihm schelmisch hinterher. Er drehte sich als Antwort um und gab mir einen Militärischen Gruss zurück – um anzudeuten „wird ausgeführt, Chef“.

      Die Minis waren den ganzen Winter hindurch einigermassen fit gehalten worden, aber nun im Frühling ging die Show-Saison wieder los, und mit den schneefreien Strassen konnten wir auch wieder mehr Zeit ins Fahrtraining investieren. Deshalb drehte ich den halben Nachmittag lang fleissig Runden auf der Ovalbahn. Zuerst mit Kiwi. Die beinahe ganz weiss gescheckte Stute verlor ihr ungeschorenes Winterfell in Fetzen. Das meiste hing noch an ihrem Bauch und unter dem Kopf. Ich striegelte einen Kisseninhalt weissen Fells ins spriessende Gras, danach sah sie etwas weniger zottelig aus. In den nächsten paar Tagen würde sie das Fell wohl vollständig wechseln. Lewis kam etwas verspätet aus dem Mittag und entschuldigte sich mit der Erklärung, dass er mit Quinn, Charly und Parker in der Stadt essen war, wobei sie ziemlich lange hatten anstehen müssen. Das war für mich kein Problem, ich wusste ja, dass meine Pfleger seriös arbeiteten. Lewis schnappte sich Tiki («You could have taken Kiwi, if you had come on time”, neckte ich ihn, wissend, dass Kiwi sein Liebling war). Er ent-fellte sie in Rekordzeit und war mit dem Geschirr anlegen am Ende noch fast eher fertig als ich. Wir schlauften die letzten Riemen durch und führten die Ponys dann von der Weide zu den bereitstehenden Sulkys. Als beide sicher eingespannt waren, fuhren wir zur Ovalbahn. Ich übte mit Kiwi besonders das Zulegen und Aufnehmen, wobei ich einen schicken Show-Trot herauszuprovozieren beabsichtigte. Es klappte auch einigermassen; die Miniature Stute hob ihre Beine höher als sonst. Ich lobte sie jeweils überschwänglich, um ihr die Bewegungen möglichst schmackhaft zu machen. Lewis übte mit Tiki ebenfalls im Trab, allerdings konzentrierte er sich bei ihr mehr auf die Aufrichtung und die korrekte Anlehnung an die Fahrzügel. Gegen Ende des Trainings liess ich die Zügel länger, sodass Kiwi nach unten strecken konnte. Sie wurde dabei zunächst etwas schneller, aber ich bremste sie mit der Stimme und nach einigen Augenblicken waren wir gemütlicher unterwegs. Sie war eben doch noch jung und musste lernen, entspannt und in gleichbleibendem Takt zu laufen. Das wurde an den Shows übrigens auch bewertet. Ich fuhr mit Kiwi zurück und holte als Nächstes Xinu, Lewis machte mit Lining weiter. Die beiden Hengstchen waren etwas einfacher zu einem Bluff-Trab anzustacheln. Sie hoben fast schon von selbst die Vorderbeine, wir mussten nur darauf achten, dass die Hinterhand auch richtig untertrat. Nach Xinu und Lining waren Oreo und Acira dran. Oreo spürte den Frühling und brummelte seiner Halbschwester zu, als wir hintereinander zur Bahn fuhren. Lewis hielt ihn kurz und blieb in einem vernünftigen Abstand. Wir trainierten wiederum fleissig unsere Runden, und zum Spass galoppierten wir auch ein wenig. Aciras seidiger Schweif flatterte in der Kühlen Brise, die sich mit dem Fahrtwind vereinte. Ihre kleinen Hufe schlugen rhythmisch auf dem feinen Kies auf. Zuletzt drehten wir auch noch ein paar Runden mit Darling und Allegra – letztere war noch nicht lange eingefahren und hatte noch etwas Mühe mit der Kommando-Umsetzung. Sie war meist ein wenig zu eifrig und wollte nicht warten, geschweige denn dabei geschlossen stillstehen. Aber auch das würde mit der Zeit immer besser klappen, davon war ich überzeugt. Nach dem Training gab es für alle Minis ein paar Karotten, die wir zur Beschäftigung an den Bäumen auf der Weide aufhängten. Lily half dabei und fand es super, Lining beim ‘Einfangen’ der orangefarbenen Wurzeln zuzusehen.

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      Subsyndromal Symptomatic Depression, Daedra, PFS‘ Stop Making Sense, PFS‘ Sarabi, PFS‘ Counterfire, PFS‘ A Winter’s Tale, PFS‘ Colours of Life

      Ich musste schmunzeln, als mir bewusst wurde, dass wir heute wiedermal eine ganze Gruppe von Pferden trainierten, die allesamt auf Pineforest aufgewachsen waren. Es erfüllte einem als Züchter einfach mit unglaublich viel Stolz, die ganzen PFS‘ Kürzel auf den Trainingslisten zu sehen. Und noch schöner war es, sie möglichst weit oben auf Ranglisten zu lesen. Doch um dorthin zu kommen, brauchte es Training und Aufwand. Deshalb waren auch heute wieder Intervallgalopps um sechs Uhr morgens angesagt. Ohne Fleiss keinen Preis. Ich sattelte Dolly, die schon wieder besorgt die Nase rümpfte. Ich kraulte die Gurtlage, damit sie sich entspannte. Sie schnappte ein paarmal in die Luft, dann wurde sie ruhiger und senkte ihren Kopf. Ich ermahnte die Pfleger zwar dauernd, dass sie den Gurt nicht von Anfang an ganz anziehen sollten, aber vermutlich hielten sich nicht alle immer daran. Es war mir ein Dorn im Auge, wenn man das Wohl des Pferdes hinter den Zeitplan stellen wollte. Auch wenn es „schnell gehen“ musste, wollte ich, dass man sich die nötige Zeit nahm, um es den Vierbeinern möglichst angenehm zu machen. Ich würde das leidige Thema also wieder bei der nächsten Trainingsbesprechung anstimmen müssen. Ich gab Dolly ein Karottenstückchen, als sie die Trense bereitwillig ins Maul nahm. Das regte sie zudem zum (ab)kauen an, wodurch sie sich besser loslassen konnte. Danach rüstete ich mich selbst mit Helm und Weste aus, ehe ich die junge Stute nach draussen zum Aufsteigen führte. Ich bekam ein Leg-up von Ajith. Während ich auf die übrigen Jockeys wartete, stellte ich meine Armbanduhr ein, damit ich nachher unser Tempo messen konnte. Viele Gadgets benutzten wir im Training nicht, aber die Uhren waren einfach ein Muss und erleichterten die Überwachung der Leistungen der Pferde enorm. Dolly und ich reihten uns zwischen Daedra und Sarabi ein, um mit allen gemeinsam zur Rennbahn zu schlendern. Wir wärmten die Gruppe aus sieben Pferden zunächst wie immer auf dem Galoppweg unter den Tannen ein, dann begaben wir uns zur Mobilen Startmaschine, wo uns Ajith und Oliver empfingen. Der Start war in einem Rennen ebenso wichtig wie der Finish; wir übten zwar vor allem zu Beginn des Renntrainings mit den Zwei- oder Dreijährigen den Start aus der Maschine, aber zwischendurch war es gut, auch mit den erfahreneren Pferden wieder zu den Basics zu gehen. Diese Gruppe aus Dreijährigen konnte ohnehin nicht genug Übung mit der Maschine bekommen. Dazu gehörte das ruhige Hineingeführt-Werden ebenso wie das perfekte Abdrücken beim Aufspicken der Tore. Genau das verpasste Counterfire heute. Sie schlief beim Glockenton und sprang erst eine Länge nach den anderen los. Ich hörte Oliver von hinten genervt rufen „What the hell was that? How is she supposed to win anything like that? And where was your leg, Tom?!” Ich drehte den Kopf, um nach dem braunhaarigen Jockey zu sehen. Der duckte sich nur mit entschlossenem Blick nach unten und versuchte, den wetternden Trainer ignorierend, sich zu konzentrieren. Fire lief in gleichmässigem Takt, nun da sie auf Kurs war. Obwohl wir alle noch in einem ruhigeren, energiesparenden Tempo unterwegs waren, kam sie Stück für Stück näher, bis sie schliesslich neben mir und Dolly lief. Die chromartig glänzende Fuchsstute sah in ihren kraftvollen Bewegungen wundervoll aus. Oliver konnte motzen so viel er wollte – ich fand, dass sie auf gutem Weg war, in den geplanten Rennen zu brillieren. Mambo schob sich auf der Innenseite in der Kurve neben uns vor. Er hatte den Hengst-Vorteil, wie manche Trainer zu sagen pflegten. Aufgrund seines Körperbaus und der männlichen Muskulatur hatte er einfach mehr Kraft als Dolly, die in grossen Sprüngen mitzuhalten versuchte. Ich passte auf, dass sie nicht zu viel Schub verschwendete. Thalia und Life waren noch immer hinter uns, ebenso die lackschwarze Daedra. Wir näherten uns dem 800 Meter Pfosten. Nun folgte der geplante Sprint über 400 Meter, bei dem sich die Pferdchen nach Herzenslust verausgaben durften. Ich gab Dolly die Zügel frei und trieb sie an. Tom brauchte bei Fire diesbezüglich kaum etwas zu machen – die Stute zog ganz von selbst los, als hätte sie mitgedacht. Schon nach wenigen Sekunden fielen Dolly und ich zurück; auch Daedra und Mambo zogen an uns vorbei. Ich liess mich davon nicht entmutigen, schliesslich waren die jungen Athleten schlichtweg nicht alle auf demselben Trainignsstand. Es war sowieso schwierig, ihre Leistungen zu vergleichen. Jedes Pferd hatte seine ganz eigenen Stärken und Schwächen. Manche lernten schneller dazu was das Handling anging, andere waren frühreif und liefen schon mit drei Jahren Rekordzeiten, wiederum andere brauchten Zeit bis sechsjährig, um sich voll zu entwickeln. Counterfire übernahm unangefochten die Spitze, Daedra drängte sich mühelos bis auf den zweiten Platz vor. Life trudelte zuhinterst hinter Thalia, Sarabi, und mir und Dolly ein. Er war nunmal nicht ganz in Form, weil Darren und David sich mit ihm nicht hauptsächlich aufs Rennreiten konzentrierten, sondern ihn vielseitig ausbildeten. Und natürlich war Darren schwerer als ein gewöhnlicher Jockey; allein dadurch hatte Life schon einen eindeutigen Nachteil, von der Unerfahrenheit seines Reiters mal abgesehen. Darren hatte trotzdem ein Strahlen auf dem Gesicht, als wir in den Trab übergingen und locker zurück zum Bahneingang ritten. „Did you see how nicely he stretched ou this time? I think he really improved a lot. He feels just so great, like he really wants to try hard to win. I’m so proud of my big golden boy!” Ich schmunzelte und stimmte zu – es war toll zu sehen, wie viel Spass die beiden zusammen hatten. Oliver sah das ganze etwas pragmatischer. „Darren, you need to work a bit more on his stamina and train his lazy butt. I heard he likes to eat?” “Yeah, he just loves any kind of treat.” “I can see that. And yourself too, less is more, keep that in mind.” Ein amüsiertes Glucksen ging durch die Runde, aber Darren nahm es gelassen – er wusste, dass wir ihn nur neckten. Wir besprachen das restliche Training etwas ernster und schlossen mit dem Fazit ab, dass wir etwas mehr Starttraining brauchten. Die Pferde und Jockeys mussten allesamt noch etwas mehr daran arbeiten, sich einen frühen Vorteil zu verschaffen, anstatt, in Olivers Worten gesagt, „zuerst gemütlich loszuzockeln und dann frühstens beim 700 Meter Pfosten in die gänge zu kommen.“

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      Deadly Ambition, Odyn, Felicita II, PFS‘ A Winter's Tale, Daedra, PFS' Counterfire, tc Miss Moneypenny, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Sarabi, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Colours of Life

      „Thinking about the St. Leger Stakes, there is mainly one big problem for us: the distance. 1 mile, 6 furlongs and 115 yards is challenging, and Counterfire never raced that far before. Any stayer-type horses will have a big advantage and we are likely to run out of energy before we get to the final two furlongs. So our focus must lie on training stamina and strength for a massive acceleration at the very end of the race.” Oliver und ich sassen in der Reiterstube und sahen uns auf dem Smartphone Videos von vergangenen St. Leger Stakes an. „Watch him come from way behind there. That’s what we need to aim for.” “But that’s not really Counterfires style, is it? She likes to run at front and stay there rather than wait behind…” “We have to try. She cannot stay in front over such a distance.” Wir erhoben uns entschlossen von unseren Plätzen und begaben uns zum Hauptstall. Die Jockeys und Ajith sattelten bereits. „Everyone feeling good today?“, fragte ich in die Runde, als sie nach draussen zum Aufsteigen kamen. „Aye boss“, klang es von Quinn zurück, wie immer leicht neckisch. „You are exactly the right person to say so, Miss Callahan. Your mount is our St. Leger champion horse to be, after all.” “We’ll see about that”, murrte Oliver, kaum überzeugt. Ich wusste aber, weil ich ihn seit Jahren schon kannte, dass er innerlich brodelte und es kaum erwarten konnte, Counterfire im September rennen zu sehen. Die anwesenden Pferde für die erste Trainingsgruppe waren eben Counterfire, Deadra, Mambo, Sarabi, Dolly und die etwas ältere Miss Moneypenny. Thalia hatte ich für heute in die nachfolgende Gruppe gesteckt, weil wir sonst nicht genug Jockeys hatten. Penny hatte bereits Erfahrung mit weiteren Distanzen und würde dafür sorgen, dass Counterfire sich bis zum Schluss anstrengen musste. Die Fuchsstute war nämlich wie die meisten Rennpferde motivierter, wenn sie im Kopf-an-Kopf Stil trainiert wurde. Ich selbst gesellte mich zu Oliver zu den Rails und beobachtete das Geschehen, ohne selbst mitzumischen. Wir hatten nämlich noch viel zu fachsimpeln und zu diskutieren, während das Training lief. Oliver gab Quinn nach dem Einwärmen ein Mikrofon, das sie sich hinters Ohr klemmen musste. Damit konnten wir während der ganzen Runde mit ihr in Kontakt bleiben und ihr direkt Anweisungen geben. Dann stellten sich die Pferd-Jockey-Paare zu einem freien Start auf. Oliver gab das Zeichen, woraufhin alle losschossen. Wie besprochen galoppierten Penny und Counterfire in einem taktgleichen, für Rennverhältnisse ruhigen Tempo nebeneinander. Die übrigen Jockeys achteten darauf, aus dem Weg zu bleiben und ihr eigenes Intervalltraining ganz normal zu absolvieren. Nach 1‘200 Metern bremsten sie ab und liessen ihre Reittiere in den Trab fallen. Nur Daedra schien sichtlich unzufrieden, als Counterfire und Penny einfach weiterliefen und davonzogen. Ich stellte mit dem Feldstecher schmunzelnd fest, dass Parker alle Mühe hatte, die Rappstute durchzuparieren. Dann suchte ich durch die Gläser wieder Counterfires Position auf. Die beiden Stuten liefen noch immer dicht beieinander und streckten sich rhytmisch. Allerdings schien es spätestens nach 2‘000 absolvierten Metern so, als müsste Counterfire schon deutlich mehr Kraft aufwenden, um sich neben Penny halten zu können. Als die beiden schliesslich ab 2500 Metern zum Endspurt ansetzten, fiel Counterfire hoffnungslos immer weiter zurück. Sie trudelte schliesslich stark atmend drei Längen hinter Penny bei der Zielmarkierung ein. Oliver und ich sahen uns an; wir beide wussten, dass wir noch viel Arbeit vor uns hatten. Counterfire schlich am langen Zügel zurück zum Hauptstall, wo sie sofort abgesattelt und eifrig von Ajith umsorgt wurde. Sie sah ziemlich müde aus, aber das war zu erwarten gewesen. Ich klopfte ihr auf den verschwitzten, orangenen Hals und murmelte „don’t worry baby, it will get easier.“

      Die zweite Gruppe hatte eine interessante Konstellation. Wir liessen nämlich Thalia und Life zusammen mit Felicita, Deadly Ambition und Odyn laufen. Die drei „neuen“ mussten heute ihren Trainingsstand demonstrieren, denn ich hatte keine Ahnung, auf welchem Niveau sie liefen. Klar war hingegen, dass alle drei eher anspruchsvolle Zeitgenossen waren, die vor allem mit ihrem eigenen Charakter zu kämpfen hatten. „Sensibelchen, wie sie im Buche stehen“, meinte Jonas dazu, als er beobachtete, wie die drei draussen schon beim Aufsteigen zappelten. Felicita war diesbezüglich noch ganz die alte. Auch Quinn schwelgte in Erinnerungen. „I still remember the first time I rode her. She freaked out because of a blackbird. I did not exactly love her for that.” “And yet you begged to ride her today”, bemerkte ich zwinkernd. “Of course! Are you not at all curious about her progress?” “I am.” Unsere Gruppe von Zwei- und Vierbeinern lief gemeinsam zur Bahn. Zunächst wurde fleissig aufgewärmt, dann gab es wiederum einen freien Start – die Maschine wollten wir ein anderes Mal mit den Neulingen austesten. Deadly setzte sich sofort an die Spitze der kleinen Herde. Interessiert beobachtete ich, wie sich die blonde Stute kraftvoll streckte. Sie hatte eine schöne Galoppade und griff weit vor. „This is quality“, stellte auch Oliver laut fest. Ich nickte zufrieden. Am Ende überraschte uns aber eher Odyn. Er war mit seinen neun Jahren schon so etwas wie ein Veteran im Rennsport, und ich war mir unschlüssig gewesen, ob ich ihn überhaupt noch rennen lassen wollte. Aber als Oliver und ich sahen, wie der rote Hengst sich mit kraftvollen, mühelosen Sprüngen vor seine deutlich jüngeren Mitstreiter setzte, waren wir uns sofort einig, dass er noch ein, zwei Seasons vor sich hatte, wenn seine Gesundheit es zuliess. „I think I just fell in love“, hauchte ich zum Chef-Trainer von Pineforest Stable. Der lächelte schief und meinte nur: „Careful, or Jonas might get jealous.“ Felicita schwankte ein wenig und kam nicht so richtig in Fahrt – offenbar war sie Grasboden nicht mehr so gewohnt. Ich glaubte zu wissen, dass es in Amerika drüben viele Sandbahnen gab. Ob es allein daran lag, war aber schwierig festzulegen. Sie war nunmal auch schon acht Jahre alt und damit wie Odyn eigentlich eher auf der abnehmenden Seite des Hügels angelangt. Oliver nahm mir die Aussprache der Gadanken ab und schlug vor, die Stute aus dem Rennsport zurückzuziehen. Vielleicht wartete eine neue Karriere als Springpferd und Zuchtstute auf sie. Das heutige Training hatte ihr aber sicherlich nochmal gut getan. Life und Thalia liefen übrigens brav ihre gewohnten Zeiten. Man konnte nicht jeden Tag neue Bahnrekorde erwarten, und bei ihnen ging es ohnehin im Moment eher darum, Muskulatur und Ausdauer aufzubauen.

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      Colours of Life, PFS’ A Winter’s Tale, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Sarabi, Odyn

      Es war ein gewöhnlich grauer Septembermorgen, den wir uns für das etwas andere Renntraining der jungen Vollblüter ausgesucht hatten. Wir wollten mit ihnen auf die Rennbahn von Warwick, die am nächsten gelegene Grasbahn. Es war sinnvoll, zwischendurch auf fremden Strecken zu trainieren, damit die Pferde nicht nur die Hauseigene Umgebung gewöhnt waren. Ausserdem waren bald wieder Rennen in Warwick, an denen wir teilnehmen wollten; somit war es eine hervorragende Gelegenheit zur Vorbereitung. Für das Training eingeplant waren Thalia, Dolly, Mambo, Sarabi und Odyn, ausserdem kam Darren mit Colours of Life zum Spass mit. Wir putzten die Vollblüter in der Stallgasse des Hauptstalls, zogen ihnen Transportgamaschen an und verteilten sie auf die Transporter. Dank Ajith und der aktiven mithilfe aller Jockeys ging es zügig voran. Wir fuhren kurz vor sieben Uhr los. Der Nebel hielt sich hartnäckig über den Feldern und die Luft war kalt-feucht. Wir stellten die Pferde gar nicht erst in die Sattelstände, sondern banden sie einfach am Transporter an. Thalia zappelte dabei zwar ein wenig, aber das war kein Problem für Parker, die die lustig gesprenkelte Stute sattelte. Nur das Bandagieren wurde durch das Gezappel etwas mühsamer. Ich selbst kümmerte mich um Mambo. Selbst der sonst eigentlich ruhige Junghengst scharrte ungeduldig, sodass ich beim Bandagieren zweimal neu ansetzen musste; das war etwas ärgerlich. Dafür lief er kurz darauf auf der Bahn wunderbar locker und anständig. Wir ritten zunächst im Schritt ein Stück die Bahn hinauf, dann trabten wir nebeneinander. Platz gab es mehr als genug – die Bahn war weitaus grösser als unsere eigene auf Pineforest. Die Pferde mochten das offene, weitläufige Gelände sehr. Sie wurden richtig geladen und wir mussten sie zurückhalten. Thalia schnaubte neben Mambo und mir zweimal wütend, weil sie am liebsten schon losgaloppiert wäre. Endlich war unsere erste Einwärmphase durch und wir galoppierten an. Dabei musste ich bloss in den Bügeln aufstehen; Mambo sprang gleich von selbst ein. Ich hielt die Zügel kurz und achtete auf einen gleichmässigen Kontakt zum Pferdemaul. Der spannend gescheckte Hengst rollte taktvoll voran, seine Bewegungen fühlten sich geschmeidig an. Sarabi holte zu uns auf und ich ahnte, dass Charly die übereifrige Stute nicht mehr lange im Zaum halten konnte. Das trockene, perfekt geschnittene Gras war eben zu verlockend. Wir beendeten dennoch auch diese Phase des Einwärmens und gingen erst danach in das eigentliche Intervalltraining über. Mambo streckte sich dankbar, als ich ihn ziehen liess. Mit kraftvollen Sprüngen beschleunigte er, bis meine Armbanduhr unser gewünschtes Idealtempo mit einem Piepsen ankündigte. Ich hielt dieses Tempo über 400 Meter, dann bremste ich leicht ab und legte nach ein paar hundert Metern erneut zu. Am Ende simulierte ich einen Schlusssprint und forderte nochmal alles. Mambo arbeitete hart und kam fast an seinen persönlichen Rekord heran. Ich stand in den Bügeln auf und klopfte ihm zufrieden auf den Hals. Er wurde langsamer und ging schliesslich in einen lockeren Trab über, ehe ich ihn in den Schritt parierte und ganz strecken liess. In dem Moment hörte ich ein Rufen und drehte mich erschrocken um. Odyn hatte sich wohl irgendwie erschreckt und brannte mit April durch. Auch Life und Dolly liessen sich davon anstecken, sodass alle drei Pferde im Galopp auf mich und Mambo zurasten. Ich trieb den Schecken aus der Fahrbahn und war bereit, ihn abzufangen, falls er ebenfalls losrennen wollte. Aber er blieb bei mir und schnaufte nur mit aufgeregt gehobenem Kopf um zu sehen, was die drei denn so beunruhigt hatte. Thalia stieg zwei-dreimal leicht in die Höhe, weil Parker sie nicht losliess, stand dann jedoch ebenfalls still neben Sarabi. April gelang es nach etwas mehr als dreissig Metern, den kräftigen Fuchshengst wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann bremsten endlich auch Dolly und Life. Nun war auch klar, was der Auslöser gewesen sein musste: ein Wildschwein durchpflügte die Gebüsche bei dem Waldstück direkt neben der Bahn. Die anderen drei Pferde hatten es mittlerweile auch gesehen und sogen angespannt Luft ein. Wir beobachteten es einen Augenblick fasziniert, dann zog es sich tiefer in den Wald zurück. Mambo atmete abermals laut aus, senkte diesmal aber seinen Kopf. Ich lobte ihn lachend und wir nahmen unseren Kurs wieder auf. Auch April, Darren und Rita nahmen es mit Humor und verziehen ihren Reittieren den (einigermassen berechtigten) Schreckmoment. Wir ritten gemütlich zurück zu den Transportern und diskutierten unterwegs angeregt über die Sichtung. Oliver, der beim Bahneingang auf uns wartete, gab ebenfalls noch ein paar Inputs, aber im Großen und Ganzen konnten wir zufrieden sein mit der gezeigten Leistung – trotz dem kleinen Zwischenfall zum Schluss.
      Daedra und Counterfire waren übrigens bei diesem Training nicht dabei gewesen: Daedra erholte sich von den gestrigen St. Leger Stakes und Counterfire hatte einige Tage Ruhe verschrieben bekommen, damit ihr Bein (zum Glück nur eine Schleimbeutelreizung) abschwellen konnte.
    • Stelli
      Pflegebericht Mai 2020
      PFS' Colours of Life, Blue Moon II, Sezuan, Diamond's Shine
      Ein frischer Maimorgen. Ich holte tief Luft und lies die kalte Luft in meine Lungen strömen. Auf zu neuen Taten! Es war viel passiert in den letzten Wochen. Vom gekauften Hof, zu neuen Pferden, zu ersten Turnieren und Wettbewerben. Von meiner langjährigen Freundin Occulta hatte ich zwei wundervolle Vollblüter bekommen, Blue Moon II und PFS‘ Colours of Life. Die beiden waren die ersten Pferde auf meinem neuen Hof. Er ist bisher immernoch stark renovierungsbedürftig, aber der Charme der Landschaft hat mich vom ersten Moment an verzaubert. Wir hatten schnell 2 Boxen hergerichtet, damit die beiden Vollblüter einziehen konnten. Mittlerweile haben wir uns aneinander gewöhnt und drehen schon die ersten Runden auf dem kleinen Reitplatz. Wenige Tage später entdeckte ich zwei Warmblüter, Sezuan und dann Diamond’s Shine. Bei den beiden Hengsten war es sofort um mich geschehen. Jedoch mussten wir notdürftig erst 2 Boxen herrichten, bevor ich die beiden Hengste holen konnte.

      Am heutigen Tag hatte ich mir bereits einen Plan gemacht. Mein Freund und ich wollten mit den beiden Sprintern Blue Moon und Colours of Life ins Gelände, damit die Beiden sich mal wieder richtig auspowern konnten, um auch ihre Kondition und Schnelligkeit konstant zu halten. Wir waren ca eineinhalb Stunden unterwegs und hatten die Beiden ordentlich müde gemacht. Wegen der aktuellen Situartion hatten wir nicht die nötige Zeit, die beiden immer komplett auszulasten. Danach kamen die beiden noch raus. Mit viel Gebocke war nach unserem Ausritt allerdings nicht mehr viel, die Zwei waren anscheinend wirklich ausgelastet.
      Nachdem Blue Moon und Colours of Life fertig waren, wollte ich Sezuan bewegen. Ich war froh, bereits eine Unterstützung beim Springtraining für Sezuan und Shinie zu haben. Ein Mal pro Monat werde ich unterstützt. Darum hatte Sezuan heute nur lockeren Longentag, denn er hatte die lezten Tage genug geschuftet. Ich longierte ihn für zwanzig Minuten auf dem Reitplatz, bevor auch er draußen seine Seele baumeln lassen durfte. Diamond’s Shine hingegen musste heute etwas dressurmäßig arbeiten. Ich war grade dabei, den Trakehner erstmal in Richtung konstantes A-Niveau zu trainieren. Er hat aber deutlich Potenzial für mehr, war besonders jetzt schon ohne viel Kraft in den Verstärkungen zu erkennen war. Auch das Viereck verkleinern und vergrößern klappte immer besser. Nach einer guten Stunde waren wir fertig. Auch er kam natürlich nochmal nach draußen. Während alle Pferde die frische Luft genossen, mistete ich die Boxen und streute großzügig nach, damit sie gegen Nachmittag wieder reinkommen konnten. Jeder bekam noch eine Portion Mittagheu, dann war ich fertig für heute.
    • Stelli
      Pflegebericht Juni 2020
      It's Tea Time, Diamond's Shine, Sezuan, Blue Moon II, Colours of Life

      Zum Glück war dieser Junitag etwas bewölkter und kühler als die Tage davor. Somit machte es die Arbeit auf dem Hof und das versorgen der Pferde um einiges angenehmer. Bereits am frühen Morgen fing ich mit der Stallarbeit an. Nachdem alle Pferde auf den Koppeln waren, streute ich die Boxen mit frischem Stroh nach. Unsere Pferde stehen auf einer wöchentlichen Matatze, deswegen musste heute nur nachgestreut werden. Das ging relativ fix. Als ich fertig war, kehrte ich die Stallgasse und machte mich dann ans Bewegen meiner Vierbeiner. Ich schnappte mir meinen Freund, denn es stand ein entspannter Ausritt mit Blue Moon II und PFS' Colours of Life an. Die beiden Vollblüter dürfen mindestens 1x die Woche im Gelände richtig fetzen. Das taten sie auch, als wir zur berühmten Galoppstrecke kamen, die so lang ist, dass selbst meine Blüterchen außer Puste kamen. Da konnten sich die beiden mal richtig auspowern. Wir waren etwas mehr als eineinhalbstunden unterwegs. Die Pferde wurden kurz geduscht und kamen dann wieder auf die Koppel. Damit wir heute schneller waren, nahm ich wieder die Hilfe meines Freundes in Anspruch. Wir sattelten Sezuan und Diamond's Shine im Anschluss der Vollblüter. Sezuan wurde von meinem Freund geritten, Shinie übernahm ich. Wir gingen mit den beiden auf unseren Reitplatz. Bevor sich mein Freund auf Sezuan schwang, baute er 2 Sprünge auf. Für Shinie stand Dressur auf dem Plan. Ich sah, dass Sezuan heute wiedermal top motiviert war, während Shinie etwas träge schien. Nach einer guten Stunde beendeten wir zeitgleich das Training und gingen eine Schrittrunde ins Gelände. Die Hengste wurden ebenfalls geduscht und kamen dann auch noch raus auf die Koppel. Nun kümmerte ich mich noch um meine Stute It's Tea Time. Die junge Stute hatte noch nicht viel Erfahrung und musste die ganze Woche über etwas mehr schuften. Deswegen beschloss ich, sie heute nur locker zu longieren. Ich glaube, sie fand die Idee gar nicht so übel. Schön locker und oftmals abschnaubend longierte ich sie eine halbe Stunde auf dem Platz und ließ es dann gut sein. Nun waren die Pferde alle bewegt und zufrieden und konnten den Rest des Tages auf der Koppel entspannen.
    • Stelli
      Pflegebericht August 2020
      Pflegebericht August 2020
      Es war ein herrlicher Sommertag Anfang August. Da es heute deutlich über die dreißig Grad gehen soll, beschloss ich, meine Pferde bereits früh am Tag zu versorgen und zu bewegen. Bei einer brütenden Hitze macht das Pferd und Reiter keinen Spaß. Also ging ich bereits um kurz nach halb sechs am Morgen zu den Pferden, mir die Müdigkeit wegschaffen. Mein Freund musste auch dran glauben, der durfte mir nämlich wie immer helfen. Die Pferde im Stall begrüßten uns wie immer mit Wieheren und Gebrummel. Zuerst wurden alle gefüttert und nach der Fütterung auf die Weiden gebracht. Zuerst machten wir uns, nachdem wir die Boxen gemacht hatten, an Sezuan und Diamonds Shine. Wir putzten und sattelten die beiden Hengste und gingen dann auf unseren Reitplatz. Wir ritten die beiden heute nur locker vorwärts-abwärts, da sie die ganze Woche ein ordentliches Programm hatten. Anschließend gingen wir noch eine Schrittrunde durchs Gelände. Als die Beiden wieder auf der Koppel waren, ging es an die Vollblüter PFS‘ Colours of Life und Blue Moon II, die heute mal wieder ordentlich galoppieren dürfen. Auch diese Beiden wurden geputzt und schnell gesattelt, bevor es ins Gelände ging. Wir wärmten sie ordentlich im Schritt und Trab auf, bis wir die ewig lange Galoppstrecke erreichten. Auf los gings los, und die beiden Blüter freuten sich riesig mal wieder rennen zu können. Dies machte sich auch in der Ausdauer bemerkbar, sie hielten Beide durch, bis die Galoppstrecke langsam endete. Wahnsinn! Entspannt ritten wir zurück nach Hause und versorgten die Beiden. Nach einer kurzen Pause machte ich It’s Tea Time zum reiten fertig. Die wunderschöne Schimmelstute musste heute bisschen dressurmäßig schaffen. Sie war noch relativ grün hinter den Ohren und musste langsam weiter ausgebildet werden. Sie stellte sich heute echt gut an, nachdem wir anfangs etwas diskutieren mussten. Am Ende arbeitete sie aber gut mit, sodass ich es gut sein ließ. Während ich Tea Time absattelte und abspritzte, übte mein Freund mit Rosenzauber di Royal Peerage etwas Führen und Longenarbeit. Der schicke Hengst war ziemlich lernwillig und war immer motiviert bei der Arbeit. Es fällt ihm von Mal zu Mal leichter, Dinge umzusetzen. Akuell „muss“ er nur 1x die Woche etwas machen, da er noch sehr jung ist und sein Jungpferdeleben noch genießen darf. Zu Guter letzt war Smarty Jones an der Reihe. Es war einfach unfassbar, dass ich diesen Hengst wieder mein Eigen nennen durfte. Er war bereits früher in meinem Besitz, musste damals wegen dem Brand den Besitzer wechseln. Ich dachte, ich bekomme ihn nie wieder zurück, aber manchmal hat man einfach Glück! Seit gestern war er auf unserem Hof und ich kann es immer noch nicht glauben. Ich streichelte dem Roanhengst sanft über die Stirn. „Du hast hier deinen Endplatz, das verspreche ich dir!“, flüsterte ich ihm zu. Smarty durfte sich nun erstmal in Ruhe eingewöhnen. Deswegen hat er heute nur einen Koppeltag. Nun war es kurz vor Mittag und alle Pferde waren gemistet und bewegt. Perfektes Timing!
    • Stelli
      Pflegebericht September 2020
      Nun war es bereits wieder soweit. Wir hatten den August hinter uns gelassen. Es fallen bereits die ersten Blätter von den Laubbäumen und es dauert nicht mehr lang, bis die triste Wiiterung mich wieder einholt. Wie ich diese Zeit hasse. Nichtsdestotrotz mussten meine Pferde verworgt werden. Nachdem ich Rosenzauber di Royal Peerage, Shavalou, Sezuan, Diamond's Shine, Blue Moon II, PFS' Colours of life, It's Tea Time und Smarty Jones raus auf die Koppeln gebracht hatte, machte ich mich an die Stallarbeit und ließ den August revue passieren. Der August hatte mir uns meinen Pferden zahlreiche Platzierungen auf den verschiedensten Turnieren beschert. Kaum zu glauben, wie sich meine Pferde in der kurzen Zeit entwickelt hatten. Nicht zu vergessen meinen Neuzugang Shavalou, den ich angeritten erworben konnte. Ich lächelte. Der August war wundervoll, wie sehr ich die warmen Tage vermissen würde. Durch Corona war der Sommer recht bescheiden und ich konnte kaum etwas aus dem Sommer gewinnen. Es schien, als hätte ich den Sommer verpasst. Schade.. Nachdem ich die Stallgasse gefegt hatte, ging es ans Bewegen meiner Vierbeiner. Diamond's Shine und Sezuan wurden ein wenig von mir und meinem Freund auf dem Reitplatz gesprungen. It's Tea Time ritt ich anschließend etwas Dressur. Mit Blue Moon und Colours of Life gingen mein Freund und ich eine gemütliche Runde ins Gelände. Smarty Jones wurde locker am Halfer longiert und Shavalou wurde ausgebunden longiert. Rosenzauber wurde wieder an das Jungpferde ABC erinnert und wieder etwas gefördert. Alles in Allem ging die Arbeit recht schnell von statten. Machte aber auch Spaß, zusammen mit meinem Freund die Pferde zu versorgen und zu bewegen. Lasst uns hoffen, dass der September uns noch ein paar schöne Tage beschert....
    • Stelli
      Pflegebericht November 2020
      So langsam wurde es kalt draußen. Nachts gab es bereits schon Frost und das Jahr neigte sich dem Ende zu. Nichtsdestotrotz mussten die Pferde – wie jeden Tag – versorgt werden. Nachdem ich mir meinen Mantel und die dicken, wetterfesten Schuhe angezogen hatte, ging es raus in die Kälte und in den Stall. Ich wurde mit einem erwatungsvollem Wieheren begrüßt. Die Pferde wussten genau, dass es Zeit fürs Frühstück war. Nachdem ich auch dem letzten Pferd sein Kraftfutter gegeben hatte, wartete ich kurz, bis ich die ersten Pferde bewegen und rausstellen konnte. Heu gab es heute ganz früh schon. In der Zeit, wo die Pferde gefressen hatten, machte ich einen heutigen Tagesplan:


      PFS‘ Colours of Life – Geländeritt mit Blue Moon


      Blue Moon II – Geländeritt mit Colours of Life


      Sezuan – Dressurtraining


      Diamond’s Shine – Longentag


      Smarty Jones – Koppeltag


      Shavalou – Springtraining


      Leviathan’s Levisto – lockeres Reiten


      Fürstenherz – lockeres Reiten


      It’s Tea Time – Koppeltag


      Golden Highlight – Koppeltag


      Grey Rose – Dressurtraining


      Rosenzauber di Royal Peerage – Fohlen ABC


      Als ich fertig war, ging es wenig später auch ans Eingemachte. Zum Glück hatte ich meinen Freund, der genauso Pferdeverrückt ist wie ich es bin. So ging alles viel schneller.


      Nachdem die Pferde nach ihrem jeweiligen Tagesprogramm bewegt waren, gingen sie natürlich raus auf die Koppel. Nach dem letzten Pferd war der Großteil des Tages schon vorbei. Wir misteten noch die Boxen und streuten sie neu ein, als alle Pferde auf Koppel und Paddocks waren. Wir bereiteten das Futter für heute Abend vor und gaben bereits Heu in die Boxen.


      Am Abend holten wir alle Pferde nacheinander in den Stall und fütterten noch Kraftfutter. Vor dem Schlafengehen machten wir unsere Kontrollrunde und sahen noch einmal nach PFS‘ Colours of Life, Blue Moon II, Sezuan, Diamond’s Shine, Smarty Jones, Shavalou, Leviathan’s Levisto, Fürstenherz, It’s Tea Time, Golden Highlight, Grey Rose und Rosenzauber di Royal Peerage. Alles war in Ordnung und alle mümmelten zufrieden ihr Heu. Somit konnten wir den Abend in Ruhe ausklingen lassen.
    • Stelli
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      Januar 2021 - Jahresrückblick
      Das neue Jahr war schon wieder vier Tage an. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Auch das verflixte Jahr 2020 verging wie im Flug. Hoffentlich, oh hoffentlich würde 2021 besser und schöner werden als das letzte Jahr. Etwas nachdenklich machte ich mich also an die Arbeit und das Versorgen meiner Pferde und – endlich – auch Ponys. Ich konnte im Vorjahr zwei wirklich fantastische Deutsche Reitponys erwerben, was mich sehr glücklich machte. Früher schon hatte ich viele Reitponys im Besitz, bis heute loderte dieses Feuer für diese Rasse in mir. Feuervogel und scs Bluebell waren es, die bei mir einzogen. Die Beiden hatten sich schon sehr gut bei mir eingelebt und ich plante auch schon, Bluebell bald decken zu lassen, evnetuell auch von Feuervogel? Wer weiß! Mit Bluebell stand heute Dressurarbeit an, Feuervogel wurde longiert. Bei den Großpferden hatte sich auch einiges getan was den Zuchwachs betraf. Es war so großartig, wieder so viele Pferde um einen zu haben. Das erinnerte mich an früher, wo ich Hofgut Tannenheide geleitet hatte.. mit so vielen wunderbaren Pferden. Dempsey zog heute morgen bei mir ein. Ich holte die Trakehnerstute heute relativ früh bei Bracelet ab. Deswegen durfte sie sich erstmal die Woche über eingewöhnen. Auch Bjarka war Ende letzten Jahres zu mir gezogen, ganz überraschend. Sie war ein Geschenk, worüber ich mich unendlich freute. Wir hatten uns schon gut zusammengerauft und passten super zusammen, es harmonierte einfach. Bjarka ritt ich heute nur locker vorwärts-abwärts, sie hatte die letzten Tage genug gearbeitet. Uranium Fever und Forever Yours konnte ich ebenfalls neu dazugewinnen. Grade bei Forever Yours war es eine Herzensangelegenheit, denn die Stute hatte ich bereits vor vielen Jahren lange besessen, bis der Hof unerwartet zerstört wurde. Forever Yours hatte so ihren Lebensplatz bei mir bekommen bis an Ende ihrer Tage. Sie durfte bei mir ein entspanntes Leben führen, mit bisschen reiten und viel Koppel, bis sie auch als Zuchtstute in Rente geht. So auch heute, sie kam nur auf die Weide, wo sie den ganzen Tag rumdümpeln durfte. Uranium Fever hingegen hatte noch einiges vor sich. Sie wurde heute von meinem Freund geritten und durfte etwas springen. Das Training war anstrengend, aber sehr gut. Grey Rose war nun endlich soweit, dass sie Zuchtstute werden darf und gekrönt werden kann. Wir hielten bereits Ausschau nach geeignet ausgeschriebenen Zuchtstutenprüfungen im Umkreis, wo wir teilnehmen konnten. Grey Rose wurde heute nur locker am Halfter longiert und hatte sonst den Rest des Tages frei. Golden Highlight und It’s Tea Time waren seit Ende des Jahres 2020 eingetragene Zuchtstuten. Auch hier war der Plan, sie dieses Jahr eventuell von einem geeigneten Hengst decken zu lassen. Die beiden wurden heute zusammen ausgeritten von meinem Freund und mir. Es hatte ein wenig geschneit und die Landschaft war von einem Hauch Puderzucker überzogen. Es war ein entspannter Ausritt mit viel Schritt und noch größeren Plaudereien. Als wir mit den Stuten durch waren, ging es an die Hengste. Auch hier konnten wir 2020, in der kurzen Zeit wo wir den Hof und die Pferde besaßen, extreme Fortschritte machen. Wir hatten mit Fürstenherz einen extrem schicken Trakehnerhengst gewonnen, der mit seiner seltenen Fellfarbe die Trakehnerzucht auf ein neues Level bringen würde. Ihn galt es jetzt ordentlich auf die Körung vorzubereiten. Doch er hatte auch noch ein bisschen Zeit. Er wurde heute ausgebunden über Stangen longiert. Leviathan’s Levisto zog ebenfalls bei mir ein. Mit ihm wurde früher nicht viel gemacht. Nachdem wir ihn jetzt langsam angeschoben haben war er konditionell fit und machte sich sehr gut. Ich ritt Levi heute nur locker im leichten Sitz, wir galoppierten viel. Nach Levi ging es weiter. Wir waren so begeistert von dem schönen Wetter, dass wir kurzer Hand beschlossen, mit den restlichen Hengsten auch ausreiten zu gehen. Zuerst sattelten wir Shavalou und Smarty Jones. Shavalou durfte sich derweil auch gekörter Deckhengst nennen. Die Hengste galoppierten wir deutlich mehr, da wir merkten, dass sie ziemlich Energie hatten. Wir entschieden uns deshalb für eine lange Galoppstrecke, die leicht bergauf ging, was die Beiden wirklich mal forderte. Zufrieden abschnaubend machten wir uns irgendann wieder auf den weg nach Hause, denn da warteten noch Diamond’s Shine und Sezuan auf ihren Ausritt ins Winter Wonderland. Auch diese Beiden sind 2020 Deckhengste geworden. Ich war auf ihre Zukunft sehr gespannt und was die Zeit bringen würde. Nachdem wir auch diesen Ausritt beendet hatten, kamen die Zwei nochmal raus auf die Koppel. Sweet Spot war ebenfalls eine neue Stute, die kurz vor Silvester bei mir einziehen durfte. Die bunte Knabstrupperstute hatte es mir sofort angetan und ich hatte Glück – sie war noch verkäuflich, da ihr eigentlicher Käufer sie nie bezahlt hatte. Gut für mich! Ich fackelte nicht lange und kaufte sie. Nun hatte sie sich bereits ein wenig eingelebt, war noch etwas schüchtern. Was sich aber von Tag zu Tag besserte. Heute durfte sie auf dem Reitplatz mal für sich etwas laufen und sich ausbocken. Nachdem ich Sweet Spot wieder auf die Koppel gebracht hatte ging es weiter mit PFS’s Colours of Life und Blue Moon II, meine beiden Vollblüter, die das Blüter-Trio komplettieren. Beide wurden parallel von mir und meinem Freund longiert. Nachdem alle Pferde draußen waren, mistete ich schnell die Boxen ab und streute sie nach. Die Pferde blieben den Rest des Tages draußen und kamen erst gegen Abend bei Einbruch der Dunkelheit wieder in den Stall.
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  • Album:
    05 - Hofgut Birkenau | Stalltrakt Ost
    Hochgeladen von:
    Stelli
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    12 Apr. 2020
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  • PFS's Colours of Life


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    Vom: Cantastor
    Vom: Cataract
    Shirocco XX x Nushin
    Aus der: Belinda
    Cleef x Bessy

    Aus der: Far Cry
    Vom: Faszination
    Aus der: Fantastic Sweetness


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    Alter Name: PFS' Bring me to Life
    Rufname: Colour
    Geburtsjahr: 2014
    Stockmaß: 1.68 m
    Rasse: Englisches Vollblut (EVB)
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Falbe (Buckskin)
    (Ee,AA,Crcr)
    Abzeichen: Grosse Schnippe
    Gesundheit: Sehr gut


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    Neugierig, verfressen, fleissig, verschmust, manchmal schwierig

    Life ist ein Pferd, das seinem Reiter gefallen will. Er versucht, alle Hilfen zu befolgen, da er gelernt hat, dass es sich meist lohnt und er auch etwas dafür bekommt. Er erwartet jedoch auch umgekehrt, dass sein Reiter sein Handwerk versteht und mag es überhaupt nicht, wenn dieser unsicher und zögerlich ist. Bei Inkonsequenz brennt er sogar gerne durch und ist kaum mehr zu halten, da er sich seiner Kraft bewusst ist. Am Boden ist er jedoch ein Engel und würde niemals jemandem etwas zu Leide tun. Er hat eine Hervorragende Abstammung für den Rennsport, wird sich aber mit Sicherheit auch talentiert im Springen zeigen.

    Bring me to Life stammt aus Occultas Zucht Pineforest Stable.


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    Besitzer: Stelli

    Ersteller: Occulta
    VKR: Occulta
    Verkäuflich: Nein

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    Zuchtzulassung: Ja (gekört)
    [HK 504]
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    Nachkommen: PFS' Circle of Thyme
    Decktaxe: 200 J.
    Stationiert: -


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    Galopprennen Klasse: S**
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: S***
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: A
    Distanz Klasse: A

    Eignung: Galopprennen, Military
    Geritten: Ja


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    1. Platz 466. Galopprennen, 1. Platz 467. Galopprennen, 2. Platz 481. Galopprennen, 1. Platz 268. Synchronspringen, 1. Platz 281. Synchronspringen, 1. Platz 287. Synchronspringen Wertung B, 2. Platz 264. Synchronspringen, 2. Platz 271. Synchronspringen, 3. Platz 287. Synchronspringen Wertung A, 3. Platz 274. Synchronspringen, 3. Platz 273. Synchronspringen, 3. Platz 381. Militaryturnier, 3. Platz 390. Distanzturnier
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    PNG | Puzzle | Fohlen
    mit Decke