1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Waldvoegelchen

Peacekepper - Trakehner - Hengst

zur Zucht zugelassen

Peacekepper - Trakehner - Hengst
Waldvoegelchen, 1 Jan. 2016
Occulta gefällt das.
    • Waldvoegelchen
      Occulta Ankunft von Peacekepper 19 Februar 2013

      Am Nachmittag wartete ich schon auf den nächsten Anhänger, in dem mein neuer Trakehner-Hengst Peace sein würde. Er liess auch nicht lange auf sich warten. Bald schon konnte ich die Klappe runterlassen und das Halfter des Hengstes austauschen. Er ging brav die Rampe runter, erschreckte sich dann aber vor einem Vogel, der zwischen den Tannen der Galoppbahn aufflatterte. Ich hatte Mühe den kräftigen Hengst zu halten. Dafür zeigte er mir nun schon seine stolze Aufrichtung und den edlen Hals. Da es immer noch kalt war und der Hengst geschoren war, zog ich ihm vor dem Nebenstall eine Fleece-Decke an. Ich wollte ihn nämlich zuerst in die Halle bringen, damit er sich nach der langen Fahrt die Beine vertreten konnte. Ich liess ihn zuerst laufen und die grosse Halle erkunden. Durch die Glasscheibenwand schien die Wintersonne in die Halle und beleuchtete alles schön. Auf der Galoppbahn sah ich gerade einen Stallburschen trainieren; vermutlich mit Sunday. Nach einer Weile nahm ich die Longe vom Haken neben dem Halleneingang und die Longiergerte. Ich hängte die Longe ein und liess Peace antraben. Er zeigte ausgezeichnete Gänge.
      Zufrieden beendete ich schliesslich die Longenarbeit nach einer halben Stunde. Ich hatte ihn noch nicht Galoppieren lassen, weil ich zuerst wollte, dass er im Trab entspannt lief. Ich führte Peace zurück in den Stall und putzte ihn nochmal gründlich. Dann zeigte ich ihm seine neue Box. Er drehte sich einige Male unruhig im Kreis als ich die Box verliess, aber weil Costa nebenan ruhig blieb beruhigte auch er sich schnell und begann zu fressen.

      ---

      Occulta Ein nicht ganz so toller Sommertag 3 Juni 2013

      Es hatte schon die ganze Woche heftig geregnet und mein Mann hatte schon gemeint, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Fluss über die Ufer treten würde. Heute Morgen passierte es dann. Als ich aufwachte hörte ich draussen das Rufen der Pfleger und jemand kam gerade die Treppe hochgerannt. Die Tür wurde aufgerissen: "Schnell Occu, der Nebenstall steht circa 10 Zentimeter tief unterwasser! Tendenz eher steigend..." Ich sprang auf, zog mich an und hüpfte die Treppe runter zur Haustür. Draussen schien auf den ersten Blick ein riesen Chaos zu herrschen. Vom Nordosten her kam eine braune Suppe durch die Tannen der Galoppbahn geflossen, zwar nicht sehr tief, dafür breitflächig. Die Hälfte des Reitplatzes war unterwasser und die Wassermasse floss weiter zum Nebenstall, der ebenfalls schön umspült wurde. Wenigstens ein paar der Weiden und der Hauptstall, sowie das Haupthaus und der Parkplatz waren einigermassen trocken. Ich schlüpfte schnell in meine Gummistiefel und zog im Rennen die blaue Regenjacke an. Beim Nebenstall waren die Helfer gerade dabei, die Pferde zu evakuieren und in den Hauptstall zu bringen. Dort hatte es noch genügend leere Boxen, in denen die Tiere provisorisch untergebracht werden konnten. Ich schnappte mir Halfter und Seil und schob die Boxentür von Moon auf, während Lewis und Lisa Co Pilot und Costa rüber brachten. Als ich mit Moon zum Hauptstall joggte, kamen uns Quinn und Rosie entgegen, die Feline, Silver und Risandro schon in eine Trockene Box gebracht hatten. Mein Mann hatte mit einem Nachbar, Ajith und Jonas ein paar Sandsäcke organisiert und versuchte nun den Strom aus Schlamm und Wasser vom Hauptstall fernzuhalten. Ich watete mit Moon weiter aus dem Wasser und führte sie durch eine Lücke im Schutzwall. Ich stellte sie in eine der freien Boxen und holte dann nacheinander Donut, Ocean und Dream. Als alle Pferde im Hauptstall waren und der Schutzwall stand, lief ich mit Quinn und Lisa zu den Weiden, um nach den Fohlen und Minis zu sehen. Dort schien zum Glück alles in Ordnung zu sein. Kaum hatten wir uns umgedreht, als wir auch schon wieder nach oben gerufen wurden. Oliver und Lily waren inzwischen auch eingetroffen und mein Mann wollte planen, was als nächstes getan werden musste. Also trommelten wir alle anwesenden zusammen. Ich stellte mich neben meinen Mann und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht, denn im Eifer des Gefechts hatte ich die Kapuze nicht hoch gezogen. "Okay, so weit so gut. Alle Pferde stehen wieder im Trockenen und das Wasser wird vom kleinen Schutzwall zurückgehalten. Im Verlauf des Nachmittages sollte der Regen aufhören, mit etwas Glück ist das Wasser heute Abend weg. Die Pferde bleiben aber ganz bestimmt über die Nacht hier im Hauptstall. Also müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sie es für die Nacht schön bequem haben. Einstreuen der leeren Boxen währe zu verschwenderisch, aber wir können ihnen Heu und Wassereimer hinstellen, eine Nacht ohne zu liegen werden sie ja wohl überleben. Trocknet ausserdem die Beine derjenigen, die nass geworden sind." Alle murmelten zustimmend und machten sich an die Arbeit. Ich brachte Peace und Burggraf einen Wassereimer und zog Ronja, die am durchweichtesten von allen war, eine warme Fleece Decke an. Den drei Western Pferdchen Summer, Shadow und Flint ging es anscheinend auch gut, sie waren jedenfalls schon wieder am Heuhalme sortieren. Als alle Pferde genügend zu fressen hatten, bekamen auch die Menschen eine kleine Aufwärmung: Der freundliche Nachbar und Lewis hatten in der Zwischenzeit für alle warmen Kakao und trockene Handtücher hergezaubert. So sassen wir alle in der Stallgasse des Hauptstalls und trockneten uns gegenseitig. Am Nachmittag liess der Regen dann wie erhofft nach und auch die braune Suppe wurde weniger. Am Abend schliesslich war der Strom vollständig verschwunden, der Boden um den Hauptstall war aber noch sehr matschig. Ich sah bevor ich ins Bett ging nochmals nach den Pferden, dann fielen mir erschöpft die Augen zu. Was für ein Tag!

      ---

      Occulta Der Bericht 5 Okt. 2013

      Es war Abend und ich hatte es mir gerade draussen auf der Hängematte bequem gemacht, bereit mein Erdbeer-Frappé zu schlürfen. Da kam Lily vom Nebenstall her angelaufen. "Guten Abend, ich dachte ich komm noch kurz vorbei und sag gute Nacht." Sie lächelte mir mit diesen Worten freundlich entgegen. "Das ist aber lieb. Musst du denn gleich gehen, oder bleibst du noch etwas hier?", erwiderte ich und stellte den Becher beiseite. "Nö, ich hab's nicht eilig.", kam die Antwort. Ich schlug vor, dass sie neben mir auf die Hängematte kommen solle und mir vom heutigen Tag erzählen könne. "Also gut", fing sie an und liess sich neben mir nieder. "Wie jeden Morgen haben wir zuerst alle hungrigen Mäuler gestopft. Dann habe ich Peace rausgenommen und mit ihm ein wenig Gelände Training gemacht. Währenddessen haben Lewis, Jonas, Lisa und Quinn mit Summer, Flint, Moon und Shadow auf dem Platz trainiert. Anschliessend haben wir die Hengste auf die Weiden gebracht, wie immer diejenigen zusammen, die auf der Liste standen. Die Stuten durften am Nachmittag raus. Die Mini Stuten haben wir ausserdem wieder freilaufen lassen. Nach dem Misten hab ich mir Pilot geschnappt und Oliver Sun; wir sind mit den beiden rausgegangen. Ich glaube Rosie hat in der Zwischenzeit mit Dream gearbeitet, ich weiss aber nicht was. Ach ja, Lewis hat zusammen mit Quinn Silver und Bella longiert. Nach dem Mittag bin ich nochmal raus gegangen, diesmal mit Ocean. Rosie ist mit Islah mitgekommen. Das ging ziemlich gut, Islah hat nur einmal bei der Brücke ein bisschen gezickt." "Ach ja, das kennen wir ja", unterbrach ich sie und rollte mit den Augen. "Jaaa, immer an derselben Stelle... Aber irgendwann kurieren wir auch das noch." "Und wie macht sich Bandit?", wollte ich wissen. "Ahh der Neue, ja, der ist ganz brav. Hat sich gegen Abend ohne Probleme von Jonas longieren lassen und am Schluss ist er mit ihm um die Galoppbahn geritten." "Das ist ja toll! Hatte er nicht Angst vor den Tannen?" "Ja, aber jetzt nicht mehr. Er ist brav wie ein Lamm. Vorhin hab ich noch Oliver und Lisa mit Donut und Anubis auf dem Platz gesehen. Schau, das Licht brennt noch." "Ahh ja", antwortete ich und beobachtete die beiden kurz. Lilys stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Und wie war der Distanzritt?" "Toll, wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich wurde mit Ronja Dritte und mein Mann mit Burggraf Fünfter." "Echt gut! Ich will unbedingt auch mal mitkommen und zuschauen. Wann geht ihr das nächste Mal?" "Erst in ein paar Monaten, ich weiss das Datum gerade nicht. Aber ich sag's dir morgen.", antwortete ich. "Gut." Sie sah auf die Armbanduhr und meinte dann "Ich muss jetzt leider los, bis morgen also." Ich verabschiedete mich und schlürfte mein Frappé fertig. Es war ein herrlicher Abend.

      ---

      Occulta Spass-Schnee-Turnier 1 März 2014

      Heute war mal wieder ein etwas besonderer Tag, denn wir durften nicht nur einen Neuankömmling begrüssen, sondern auch gleich noch ein ganzes Turnier organisieren! Zugegeben, es war kein grossartiger Spring- oder Dressurevent, aber ‚ein bisschen Spass muss sein‘ zählt doch sicherlich auch. Wir waren alle schon emsig am Vorbereiten, denn der Schnee musste präpariert werden, sodass die Pferde anständig darauf laufen konnten. Immerhin war der ganze Platz zugeschneit! Gebaut wurden unter anderem zwei Hindernisse ganz aus Schnee, eine Schneebar für die Zuschauer, ein Posten, bei dem man Schneebälle an eine Zielscheibe werfen musste, ein kleiner Schneetunnel (der mit Abstand am aufwändigsten war, da er hoch genug für Ross und Reiter sein musste) und ein stinknormaler Flattervorhang. Weitere Posten waren ausserdem ‚der Tee-Express‘ und das Schlitten Ziehen. Bei letzterem wurden zur Sicherheit schnell reissende Seile verwendet, was gleichzeitig eine erschwerte Bedingung darstellte. Ich half Lewis gerade mit dem Bau des Schneetunnels. Wir durften die Decke nicht zu dick machen, wegen der Einsturzgefahr, also war es umso schwieriger die Konstruktion stabil zu bauen. Der Tunnel war am Ende gerade so hoch, dass ein Reiter auf einem mittelgrossen Pferd leicht geduckt hindurchreiten konnte. Meine Handschuhe waren bereits durchnässt, doch ich musste noch weiter um beim ‚Tee-Express‘ zu helfen. Dort mussten die Teilnehmer eine Tasse warmen Tee durch einen Slalom transportieren und dann in einen Messbecher kippen. Anschliessend wurde gemessen, wie viele Zentiliter Tee das Ziel erreicht hatten. Der Parcours war recht anspruchsvoll, aber bei den jüngeren Teilnehmern wollten wir die Bewertung entsprechend milder vornehmen. Um halb Zwölf fingen wir an die Pferde zu putzen, damit wir nach dem Mittag gleich mit dem Einwärmen anfangen konnten. Das Turnier sollte um halb Zwei starten. Ich nahm mit Pilot Teil, den ich zuerst noch zusammen mit den anderen von der Weide holen musste. Sein wunderschönes, schwarz geflecktes Fell war ordentlich dreckig. Er hatte seinen Weidegang offensichtlich genossen. Wir riefen den Pferden vom Tor aus, worauf sie gleich angetrabt kamen. Die anderen gaben mir ein Zeichen, dass der Weg zum Stall abgegrenzt war, also konnte ich den Zaun öffnen und die Hengste strömten nach draussen in Richtung Nebenstall. Sie fanden ihre Boxen selber, denn dort wartete Frisches Heu für alle. Nur die Neueren, Filou und Dod, vertauschten ihre Boxen ausversehen. Wir brachten sie kurzerhand in die jeweils Richtige, dann wurde ich durch einen Anruf unterbrochen. Es war Jack, der gerade mit dem Anhänger auf der Autobahn war, um die neue Vollblutstute abzuholen. „Hey Schatz, wir haben Stau hier, es wird wohl etwas später als geplant, aber ich sollte vor vier Uhr zurück sein.“ Ich seufzte und verabschiedete mich dann, ehe ich die Putzbox von Pilot aus der Kammer holte. Sein Fell war zum Glück nicht sehr schmutzig, wir hatten ihn schon am Vortag hübsch gemacht. Aber besonders die Beine musste ich nochmals putzen. Immer wenn ich an Dancer, der hinter Pilot angebunden war, vorbeilief, um etwas aus der Sattelkammer zu holen, wurde ich von dem frechen Hengst in die Seite gestupst. Zweimal war ich jedoch gefasst und stupste zurück, mitten auf die Nüstern. Als ich fertig war, zeigte die Stalluhr bereits auf die Zwölf und auch die anderen schienen Fertig zu sein. Ich klatschte in die Hände und rief alle zum Mittagessen zusammen, das Lily grosszügigerweise vorbereitet hatte. Es waren zwar nur Sandwiches, aber es würde am Abend dafür ein Festmal geben. Ich würgte mein Sandwich hinunter und zäumte dann Pilot. Wir gingen in die Halle zum Einwärmen, dort herrschte bereits Hochbetrieb. Viele bunte Pferde und Reiter in schöner Turnierkleidung wuselten durcheinander; wir hatten darauf bestanden, dass jeder angemessen gekleidet kommen sollte, trotz dem es nur ein Spassturnier war. Ich ritt zuerst zusammen mit Rosie und Peace im Schritt. Draussen fielen ein paar kleine Schneeflöckchen und ein Rotbrüstchen hüpfte vor der Fensterseite der Halle im Schnee. Ich entfernte die Fleecedecke und Trabte mit Pilot durch die vielen Teilnehmer hindurch, was gar nicht so leicht war. Er war etwas aufgedreht durch die vielen Fremden, was auch gut verständlich war. Offenbar war ich nicht die einzige, die Mühe mit der Konzentration ihres Vierbeiners hatte, denn etwas weiter hinten in der Halle bewies Islah wiedermal ihre Bockkünste. Als Ajith, der wohl wiedermal Pech beim Pferdeauslosen gehabt hatte, sogar runterfiel, ritt ich zu den beiden hinüber, während Lewis schon von Vychahr’s Rücken runtergehüpft und ihm zu Hilfe geeilt war. „Alles in Ordnung?“, fragte ich etwas teilnahmslos, da mir gerade aufgefallen war, wie schön Numair unter Jonas lief. „I’m fine“, murmelte Ajith, aus meinen Gendanken gerissen blickte ich ihn wieder an und sah, dass er sehr schwankend aufstand. „Are you sure? I don’t want to see you fall down again…“ meinte ich ernst, und beobachtete den jungen Pfleger noch ein Weilchen skeptisch, ehe ich es Lewis überliess, sich um ihn zu kümmern. Pünktlich um zehn vor Eins war ich an der Reihe, bisher klappte also alles reibungslos. Ich sah gerade noch Lisa auf Bandit vom Platz reiten, dann konzentrierte ich mich vollständig auf die erste Aufgabe, dem ‚Tee-Express‘. Als ich die Tasse in die Hand nahm, drang der wundervolle Duft von warmem Früchtetee in meine Nase. Er war extra nicht zu heiss, dass sich das Pferd beim Verschütten nicht verletzen konnte. Zu gerne hätte ich einen Schluck riskiert, doch ich zwang mich, der Versuchung zu widerstehen und den Slalom im Trab zu meistern. Ich verschüttete leider gleich in der ersten Wendung eine ordentliche Portion, was nicht gerade ein vielversprechender Start war. Egal – weiter ging es zum ersten Schneehindernis, das Pilot locker übersprang. Ich musste ihn danach in seinem Eifer bremsen, sonst hätten wir den Schneetunnel verpasst. Auch dort ging er sauber hindurch. Dann ritt ich vorbei an der Schneebar zum Schneeballwerfen. Ich warf zwei Bälle, traf aber beim ersten mal die Scheibe gar nicht erst und beim zweiten Versuch bloss den äussersten Ring. Da hörte ich eine Vertraute Stimme lachen; es war Oliver, der ganz vorne im Publikum stand und sich köstlich über meine Trefferquote amüsierte. Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, meinte er schelmisch „Da würde sogar Jackie besser treffen!“, und hob die Hündin, auf die er aufpassen musste, grinsend hoch. Na warte – dachte ich, schnappte mir den dritten Ball und traf in seinen Nacken. „Ups“, lachte ich, dann ritt ich weiter. Einen Punkt hatte ich so zwar verspielt, aber es hatte sich durchaus gelohnt. Nun kam ich zum Flattervorhang, der für Pilot kein Hindernis war, der Schneewall dahinter jedoch schon, denn dies war gleich die zweite Schneehürde. Nur noch zum Schlittenziehen – dachte ich, und trabte zu dem alten Holzschlitten. Ich nahm das Seilende im vorbeireiten vom Pfosten, denn ich musste dringend Zeit aufholen. Pilot erschrak etwas, als er den plötzlichen Widerstand spürte, doch ich hielt ihn erfolgreich und manövrierte ihn durch die Zielstangen. Wir waren recht langsam gewesen im Vergleich zu Elliot und Silver, die beiden lagen bisher an der Spitze. Ich klopfte Pilot trotzdem stolz den Hals und verliess den Platz. Kaum war ich auf dem Weg zur Galoppbahn, wo ich ihn noch ein wenig trockenreiten wollte, kam auch schon die Antwort von Oliver geflogen, sie traf mich an die Schulter. „Hey!“, lachte ich und trabte auf ihn zu, sodass Pilot ihn zur Strafe abschlabbern konnte, war er auch tat. Der Hengst mochte es, seine Schnauze ins Gesicht der Zweibeiner zu drücken. Es endete damit, dass Oliver uns begleitete, um seine „müden Knochen etwas zu bewegen“. Zurück im Stall brachte ich Pilot noch etwas Heu, wobei ich unterwegs auch Ocean etwas durch die Gitter stopfen musste, denn dem süssen Röcheln der Stute konnte ich nicht wiederstehen. Dann lief ich zum Platz zurück, um den Durchgang von Quinn und Ronja nicht zu verpassen. Die beiden waren echt gut, leider wollte Ronja beim ersten mal nicht durch den Tunnel laufen. Am ende gewann eine nette junge Dame aus dem Nachbardorf mit ihrem Knabstrupper Wallach. Die beiden hatten fast alles im Galopp gemeistert und das auch noch Fehlerfrei. Ich gratulierte ihnen herzlich. Auf dem zweiten Platz war die kleine Schwester von Elliot gelandet, die auf White Dream hatte teilnehmen dürfen. Ich war stolz auf die Schimmelstute und Elliot auf seine Schwester. Nach dem Turnier begannen wir mit dem Aufräumen. Als ich endlich das lang ersehnte Rufen von Jack vernahm, der gerade die Klappe des Anhängers öffnete, rannte ich gleich hin um die Stute zu begrüssen. Sie hiess Sumerian und kam von einem hübschen kleinen Hof in der Nähe von Manchester. Sie sah noch etwas dürr und schlaksig aus, was aber nicht weiter von Bedeutung war, wenn man ihre schönen Gänge und die klaren Augen sah. Ich brachte sie gleich in den Hauptstall (nachdem ich Jack einen Kuss auf die Backe gegeben hatte), damit sie durch die Aufräumarbeiten nicht gestresst wurde. Sie machte sich direkt über das frische Heu her, hob aber ab und zu wieder aufgeregt den Kopf in die Höhe und drehte eine Runde in der Box. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich wieder zu den anderen, um zu helfen. Als wir fertig waren mussten noch einige Pferde versorgt werden, ehe wir Feierabend hatten. Zum einen waren das die Vollblüter, die heute etwas vernachlässigt worden waren, und zum anderen die vier übrigen Pferde aus dem Nebenstall, die nicht am Turnier teilgenommen hatten. Ich führte also wenig später Lila auf den Platz, nachdem ich ihren dicken Schweif endlich entwirrt hatte. Ich wollte etwas Bodenarbeit mit der Stute machen. Ich liess sie am langen Seil hinter mir her laufen und stoppte zwischendurch, um zu sehen, ob sie aufmerksam war. Ich übte auch ein paar Seitengänge und das Tölten an der Hand. Lange waren wir nicht ungestört, denn nach rund zwanzig Minuten kamen Lily, Lewis und Rosie auf den Platz geritten und wollten mich ins Gelände entführen. Ich willigte ein und schwang mich ohne Sattel auf Lilas Rücken. Wir ritten in Richtung der Galoppwiese, wo wir sogar einen Schneegalopp wagten. Ich fasste dabei Lilas Mähne, damit ich bei ihren kurzen Galoppsprüngen nicht das Gleichgewicht verlor. Rosie war auf Dod mitgekommen, Lily hatte Moon und Lewis Baccardi. Zurück auf dem Hof beobachtete ich die Jockeys beim Training, dann half ich Jack und Elliot mit dem Abendessen. Wir genossen den Abend mit allen Pflegern im Wohnzimmer, ein guter Film durfte natürlich auch nicht fehlen.

      ---

      Occulta Und der bunte Rest… 9 August 2014

      Nachdem ich Sheela im Haus versorgt hatte, lief ich mit Jonas zurück zum Hauptstall. Merino döste erschöpft im Stroh und Blüte knabberte entspannt an ihrem Heu, dort war also alles okay. Jonas kam sich etwas unnütz vor, wie er mir verriet, da er noch nicht wieder arbeiten oder reiten konnte. Also bot ich ihm an, mir beim Training zuzusehen und mir Tipps zu geben. Er half mir ein wenig dabei, Peace zu putzen. Als wir fertig waren, verpasste ich Peace noch einen neuen Haarschnitt, was er dringend nötig hatte. Danach sah er wieder sportlich und frisch aus. Ich führte ihn nach draussen auf den Dressurplatz und stieg auf, um ihn einzuwärmen. Der kräftige Hengst hielt aber nicht viel von langsamem Schritt und schreckte immer wieder vor Vögeln oder ähnlichem zurück. Bei einem weiteren Seitensprung war es mir genug und ich beschloss, ihn endlich anzutraben um ihn zu beschäftigen. Wie erwartet lief er nun konzentrierter und brav. Ich übte einige Übergänge zur Lockerung und im späteren Verlauf des Trainings arbeitete ich viel im Galopp. Galoppwechsel waren mittlerweile kein Problem mehr für den talentierten Genossen, weshalb ich mich an die Galopppirouetten wagte. Kein Meister fällt vom Himmel – so auch nicht Paco, aber immerhin drehte er nach fünf Versuchen schon beinahe auf der Stelle. Nach einer halben Stunde intensivem Training lobte ich ihn und ritt mit Jonas im Schlepptau auf der Galoppbahn etwas Schritt. Es war ein schöner Spaziergang, denn heute war es zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Trotzdem war ich froh um die schattenspendenden Äste der Tannen und den kühlen Luftzug, der zwischen ihnen hindurchfegte. Ich bemerkte, dass es für Jonas nicht gerade angenehm war, so viel zu laufen mit seinen Wunden, denn er verzerrte ab und zu das Gesicht, wenn er dachte, ich sähe es nicht. „Willst du aufsteigen?“, fragte ich mit abenteuerlichem Tonfall. Der kräftige Hengst würde sicherlich nicht gleich zusammenklappen und wir waren beide eher schlank. „Hmm, eigentlich…. Warum nicht?“ Ich hielt Paco an und Half ihm, sich hochzuziehen. Damit wir beide Platz hatten, musste ich vor den Sattel rutschen, während er im Sattel selbst sass. „Ich steuere, du treibst“, bestimmte ich, und nahm die Zügel auf. Paco lief zunächst etwas zögerlich, weil ihm das Gewicht und das auf dem Hals sitzende Occu ungewohnt waren. Aber als er merkte, dass alles in Ordnung war und ich ihn ausgiebig lobte, zeigte er seinen üblichen, fleissigen Schritt. Nach einigen Metern schlang Jonas plötzlich seine Arme um meinen Bauch. „Ich muss mich schliesslich festhalten“, flüsterte er mir erklärend ins Ohr. Ich schwieg und genoss die Berührung insgeheim. So ritten wir entspannt eine ganze Runde auf der Bahn. Irgendwann musste ich zurück zum Hauptstall wenden, so sehr es schmerzte diesen Ritt zu beenden. Jonas half mir beim Versorgen von Peace und ging anschliessend mit Rosie und Lisa auf den Platz, denn die beiden wollten eine Reitstunde halten. Dass er einfach so davonschlich enttäuschte mich etwas, ich hatte gehofft, den restlichen Morgen mit ihm zu verbringen. Aber warum sollte er auch bei mir bleiben, es ist ja nicht so dass ich ihm mehr bedeute als die anderen. Ausserdem bin ich immer noch der Boss hier, und mit dem Boss ist man nun mal nicht gerne freiwillig unterwegs. Ich blieb gleich bei den Trakehnern und sattelte Filou. Ich beschloss ausserdem, den anderen nicht in die Quere zu kommen und stattdessen einen Ausritt zu machen. In Stimmung dazu war ich ja schon. Als ich am Reitplatz vorbeiritt, übte Rosie gerade mit Baccardi Schulterherein, während Lisa auf Piroschka ihr Glück versuchte. Ich trieb Filou in Richtung Dorf und trabte viel. Auch einen rassigen Feldgalopp liess ich mir nicht nehmen, aber trotz allem kroch die Einsamkeit mir überall hinterher. Als ich zurückkam war schon fast zwei Uhr und ich hatte gewaltig Kohldampf. Dennoch reichte die Zeit nur für ein Sandwich, Jack hätte heute für mich gekocht, danach sattelte ich Aerith und übte etwas Trail mit ihr. Ajith und Oliver ritten Islah und Anubis auf dem Geländeparcours. Ich schloss mich ihnen um halb vier mit White Dream an. Um halb fünf mussten nur noch Donut, Ocean und Gianna bewegt werden, Ronja und Burggraf hatten bereits Lewis und Quinn übernommen. Rosie, Oliver und ich gingen also nochmals gemeinsam ausreiten, ich nahm dabei Ocean. Wir ritten über die Galoppwiese und durch den Pinienwald, die übliche Runde. Sogar für einen Abstecher zum Fluss reichte die Zeit, schliesslich hatten wir nicht mehr viel zu tun bis das Vollbluttraining vom Morgen weiterging. Die Rennpferde wurden nämlich immer nur morgens und abends trainiert, aufgrund der Hitze. Am Ende des Tages, um halb elf Uhr, setzte ich mich mit den anderen Pflegern ins Wohnzimmer und wir sahen uns gemeinsam einen Film an. Ich veranstaltete solche Abende oft, denn das stärkte meiner Meinung nach den Teamgeist und förderte ein gutes Arbeitsklima. Der Film, den Oliver ausgesucht hatte, war zwar schrecklich, doch wir machten uns dennoch einen tollen Abend.

      ---

      Occulta Abendstunde mit Spannung 12 Februar 2015

      Burggraf röchelte, als er merkte, dass ich auf seine Box zukam. Erwartungsvoll streckte er mir die gepunkteten Nüstern entgegen, nicht weil er ein Leckerli wollte, sondern weil er wusste, dass er nun arbeiten durfte. Ich wollte mit ihm in die Reitstunde von Elliot, die um 5 Uhr beginnen würde. Jetzt war halb fünf und ich band Burggraf im Schein der Lampen unter dem Nebenstallvordach am Holzgeländer an. Neben mir führten die weiteren Teilnehmer der heutigen Stunde die Pferdeaus den Boxen. Es waren Darren und David, Jason, Anne, Rosie und Jonas. Und Rita. Die ehemalige Besitzerin von Calico war mittlerweile fest angestellte Pflegerin und verbrachte beinahe ihre ganze Freizeit bei dem Hengst. Sie schlief aber, anders als die anderen Pfleger, im Moment noch zuhause. Wir hatten für die heutige Reitstunde, die eigentlich eher eine Springstunde war, extra die Warmblüter und Ponys ausgewählt. Nämlich Pilot, Peace, Ronja, Vychahr, Ocean, Dream und Baccardi. Sie waren allesamt schon längst geschoren und am Morgen auf der Weide gewesen, sodass sie in der Stunde gut laufen würden. Ich hatte heute auf meinen Liebling Co Pilot verzichtet, weil Muffin anscheinend in der letzten Stunde mit David ordentlich gebockt hatte und dieser sogar runtergeflogen war. Ich wollte herausfinden, ob er heute wieder zickte, oder ob es an Davids Reitweise lag. Ich zog die Fleece-Decke nicht ganz aus, da es Schneite und kalt draussen war. Dann bürstete ich das kurze Stoppelfell und kämmte das eher feine Langhaar des Achal Tekkiner Hengstes. Einen Moment lang genoss ich die Wärme, die von seinem Körper ausging und lehnte mich gegen die weiche Schulter. Er zuckte etwas mit dem Widerrist, als wollte er eine Fliege verscheuchen, und schnüffelte dann an meinem Arm. Ich streichelte die rosa Nüstern liebevoll und zupfte den Schopf zurecht. Als nächstes holte ich den Sattel. Die anderen waren noch nicht ganz so weit, also konnte ich mir Zeit lassen und in aller Ruhe die Bügel einstellen, was ich normalerweise erst beim Aufsteigen tat. Rosie neben mir kratzte Oceans Hufe aus, danach holte sie ebenfalls bereits den Sattel. Jason war am wenigsten weit mir Ronja, denn die ungeduldige Stute zog immer wieder die Hufe weg, wenn er sei auskratzen wollte. Ausserdem zappelte sie beim Bürsten oft. Ich hatte Mitleid mit ihm und kam ihm rasch zu Hilfe. Auch beim Satteln ging sie etwas zur Seite. Ich gab ihr einen warnenden Klaps und schimpfte „es reicht jetzt Zicklein“. Wenigstens liess sie sich gut gurten. Ich ging zurück zu Muffin und zäumte ihn, dann zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. „Darren, don’t you want to wear a helmet?“, bemerkte ich mit mahnendem Blick, als ich sah, dass der junge Mann Pilot ohne Helm auf den Weg führen wollte. Er hielt inne, als wollte er sich eine Ausrede überlegen, gab dann aber die Zügel kurz Anne in die Hand, die mit Filou hinterher kam. Ich bestand darauf, dass alle Pfleger einen Helm trugen, oft genug hatte ich auf Turnieren schlimme Stürze beobachten müssen. Ausserdem war Pilot manchmal etwas empfindlich unter dem Sattel und konnte den einen oder anderen Bocksprung machen. Der Scheckhengst war und blieb ein Sensibelchen. Ich hatte ihn Darren nur anvertraut, weil er mit den anderen Pferden eine feine Hand gezeigt hatte und sehr sanfte Hilfen gab. Endlich führte auch ich Burggraf auf den Weg und stieg auf. Ich musste ihn in seinem Eifer bremsen, als er direkt nachdem ich im Sattel sass loslaufen wollte. Ich rückte die Decke auf seiner Kruppe zurecht und schlang sie um meine Beine, sodass auch ich schön warm hatte. Dann wartete ich auf die restlichen sieben Teams, damit wir gemeinsam zur Halle reiten konnten. Dort wartete bereits Elliot und war emsig am Hindernisse einstellen. Er hatte zwei kleine Kreuze, einen Steilsprung auf der Diagonalen, eine Kombination und ein In-Out aufgebaut. Gespannt überlegte ich mir mögliche Reihenfolgen aus, wurde aber von Jonas aus meinen Gedanken gerissen, der mich mit Dream eingeholt hatte. Die beiden waren ein seltsames Paar, doch auch sie mussten lernen, miteinander umzugehen. Jonas hatte mir einmal verraten, dass er lieber Grosspferde ritt, da sie etwas schwerfälliger waren und nicht so schnell auf dumme Gedanken kamen. Wir unterhielten uns eine Weile über den Schnee und die vergangene Woche, dann war es Zeit anzutraben und sich auf das Pferd zu konzentrieren. Burggraf war geladen und lief ziemlich schwungvoll. Ich ritt viele Volten, um ihn zu beschäftigen. Nach einigen Runden löste er sich und lief am Zügel, zwar noch immer zügig, aber nun angenehm weich im Hals. Ich kam mir vor wie auf einem Gummiball, als ich angaloppierte und kurz darauf über das erste Kreuz hüpfte. Vor der Wand bremste ich den Hengst wieder in den Trab und ritt dann die Kombination an. Im Moment durften wir noch frei einwärmen, Elliot gab uns lediglich zwischendurch Tipps oder korrigierte uns. Doch bald räusperte er sich und die richtige Stunde begann. „Rosie, come from the left side and take the In-Out”, hiess es, und wir sahen alle gespannt zu, während wir im Schritt Runden um die Hindernisse drehten. Es sprang jetzt einer nach dem anderen ein paar Hindernisse, dann kam etwas mehr Bewegung ins Spiel und wir sprangen in kürzeren Abständen hintereinander. Ich folgte einmal David, der mit Peace über den Oxer voraus ritt. Doch beim Absprung flatterte eine Taube von einem der Dachbalken auf, sodass der Hengst sich erschrak und nach dem eigentlichen Sprung einige Bocksprünge anhängte. David konnte den kopflos gewordenen Schecken mit Mühe gegen die Wand richten und bremsen, wobei er beinahe über den Hals gefallen wäre. Muffin wollte sich schon anstecken lassen, doch ich gab eine scharfe Parade und ritt eine kleine Volte, sodass er wieder ruhiger wurde. Auch Darren hatte ein paar spannende Momente, da Pilot sich sehr von der allgemeinen Anspannung der Pferde beeinflussen liess. Nach einer halben Stunde meinte Elliot kopfschüttelnd dass es besser sei, wenn wir wieder einzeln springen würden. Gesagt getan – tatsächlich klappte es danach wieder besser. Alles in Allem war die Stunde interessant und alles andere als langweilig, und die Pferde erfüllten die Erwartungen ihrer Reiter. Nach dem austraben drehten wir alle eine Runde um den Hof und versorgten die Pferde dann in aller Ruhe. Beim Absatteln schnaubte Muffin und schüttelte sich, sodass seine Mähne über seine Ohren fiel, was lustig aussah. Ich streichelte ihn zum Abschied in seiner Box und gab ihm seine Karotte, die er sich wirklich verdient hatte. Er schlang sie gierig runter und sah mich dann mit seinem erwartungsvollen Hundeblick an, doch ich blieb hart und packte lediglich freundschaftlich sein Ohr. Dann verliess ich die Box und schloss den unteren Teil der Holztür.

      ---

      Occulta Kreuzchen? Sind doch für Anfänger! 12 Juni 2015

      Ich spazierte alleine den grossen Tannen entlang über die neue Rennbahn. Das Gras war ausgesprochen grün und der Himmel seltsam hell. Von irgendwo hinter mir drang ein Rufen an meine Ohren, doch ich ignorierte es. Ich lief weiter, immer voran. Die Bahn war schier endlos, doch als ich endlich die Kurve erreichte, erkannte ich mein Ziel. Da stand er, lässig an die Rails gelehnt. „Hey“, murmelte ich, und dennoch hörte er mich. Er lächelte und ich ging näher zu ihm hin. Sein Gesicht wurde seltsam beleuchtet, doch ich konnte trotzdem seine Züge nicht genau erkennen. Nur die Augen, die wunderschönen unverwechselbaren Augen strahlten daraus hervor. „Ich muss wissen, was du fühlst! Ich muss endlich die Wahrheit hören, sonst verzweifle ich an der Hoffnung!“, sagte ich plötzlich unwirklich laut. Er nickte und machte den Mund auf, doch ehe ein Wort daraus laut wurde, wachte ich auf. „Nein“, stöhnte ich im Halbschlaf, unwillig den Traum gegen die Realität einzutauschen und ein ganz neues Level von Abneigung zum Wecker entwickelnd, der unaufhaltsam in mein Ohr piepte. Das ist doch einfach Folter… Nichteinmal im Traum verrät er mir, was er von mir denkt. Nach einigem Zögern stand ich auf und streckte mich gähnend. Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer! … Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte ich viel vor heute. Es war zwar erst fünf Uhr, doch ich fühlte mich seltsam wach und erholt. Na, für etwas war mein Traumspaziergang wohl doch gut, dachte ich schmunzelnd. Vielleicht war es auch einfach die Gewohnheit, jeden Morgen um diese frühe Stunde aufzustehen. Ich zog mich an und schlurfte in die Küche, um mir eine Tasse Schwarztee zu machen. Die Zeit reichte auch für ein Toast mit Erdbeerkonfitüre vom freundlichen Nachbarsbauern, doch danach musste ich zügig die Socken anziehen, in die Stiefeletten schlüpfen und das Haus in Richtung Hauptstall verlassen. Auf dem Weg schlossen sich Ajith, Lily und Rosie vom Pflegeheim herkommend mir an. Wir begannen mit dem Verteilen der morgendlichen Rauhfutterportion, aus einem Heu/Haylage Gemisch bestehend, das eine Fütterung mit reduzierter Staubbildung erlaubte. Als alle Pfleger des Hauptstalls da waren, verteilten wir auch das Kraftfutter, dann sattelten April, Quinn, Oliver und ich die Vollblüter für die erste Trainingsgruppe. Einmal mehr wurde mir der Mangel an Jockeys bewusst, der im Moment herrschte: Tom war seit dem Unfall noch immer Zuhause bei seinen Eltern und Lily musste ihren Arm noch etwas schohnen. Ich verdrängte die Gedanken an meine verstorbene Stute Crack und lief zu Frame’s Box um ihn aufzuhalftern. Ich stellte ihn anschliessend vor Sumerian, die bereits angebunden war und von Quinn liebevoll gebürstet wurde. April war diesen Monat für Shio zuständig und Oliver hatte sich wieder Pointless angetan. Die Stute war noch nicht wirklich besser im Umgang geworden, aber trainieren musste man sie trotzdem. Da Oliver mehr Kraft hatte als ich, konnte er sie leichter halten. Nach dem Satteln führten wir die Pferde zur Galoppbahn. Die Youngsters waren alle erst etwas mehr als 2 Jahre alt und gerade erst eingeritten worden, also liessen wir es langsam angehen und gaben ihnen viel Zeit, sich umzusehen, denn beim Nordstall standen noch immer Maschinen und Baumaterial herum. Die Galopprennbahn war fast fertig, es mussten nur noch an manchen Stellen die Rails eingefügt werden, doch das Gras war bereits vor Wochen angesäht worden und seither kräftig gewachsen, also konnte man sie nun benutzen. Vorgestern war sie eingeweiht worden. Die Rennpferde hatten bisher sehr positiv reagiert, denn nun hatten sie viel mehr Platz zum galoppieren und überholen. Pointless scheuhte vor der Schubkarre mit den Platten für das Dach. Auch die Folie, die um die Aufgestapelten Boxenelemente gewickelt war und leicht im Wind flatterte, jagte ihr ordentlich Angst ein. Oliver hatte alle Mühe sie zu halten. Sie drängte sich immer wieder gegen ihn im Versuch, Distanz zwischen ihr und die unheimlichen Gegenstände zu bringen. „Come on you cow, I ain’t afraid of you!“, rief der erfahrene Trainer herausfordernd und rupfte einige Male an den Zügeln, bis sie brav neben ihm lief. Sie warf zwar noch etwas den Kopf hoch, doch folgte zügig. Ich war froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Ich hätte sie zwar sicherlich auch irgendwie vorwärts gebracht, doch es hätte wesentlich länger gedauert. Wir starteten mit dieser Gruppe wieder ohne Startboxen, denn das machte nun noch nicht viel Sinn. Frame hatte zwar schon Bekanntschaft mit ihnen gemacht, doch die anderen noch nicht. Wir stiegen auf und ritten in einer Reihe im Trab die Bahn runter. Pointless wollte ständig überholen, doch Oliver rahmte sie konsequent ein und behielt sie im Griff. Wir trabten in diesem Stadium der Ausbildung noch sehr viel. Galoppiert wurde nur zweimal über eine relativ kurze Distanz, das Ziel war es mit dieser Gruppe zweimal pro Training die letzten 200 Meter in 15 Sekunden zu schaffen. Das meisterten sie schon sehr gut, nur Shio schwitzte noch etwas viel. Frame war heute in Topform: er trabte sehr raumgreifend und fegte geschmeidig wie eine Katze über das kurze Gras. Sein Eisblaues Auge schielte hin und wieder zu mir zurück um sicherzugehen, dass alles okay war. Ich kraulte ihn jeweils wenn er das tat - das war sozusagen unser stilles Einverständnis, dass es keinen Grund gab, sich zu fürchten. Tat ich es nicht, so zögerte er und wurde langsamer, oder rannte wie von einer Biene gestochen davon. Das ganze Training dauerte nicht viel länger als eine halbe Stunde, dann versorgten wir die Pferde wieder und widmeten uns der nächsten Gruppe.

      Bis um 8 Uhr ritt ich durchgehend Vollblüter, danach kümmerte ich mich um Dancer. Den Knabstrupper Hengst bildete ich im Moment mit Elliots Hilfe in Barockreitweise aus. Er lief sehr fein an den Hilfen und war ein wahres Traumpferd im Umgang, obwohl er auch ein paar Punkte wie Pointless hatte. Allerdings waren die seinigen viel kleiner und zum Teil kaum zu erkennen. Nur am Kopf, wo die Haut durch das dünnere Fell hindurchschimmerte, sah man deutliche Flecken. Aber seit wann hat die Farbe denn etwas mit dem Charakter zu tun?, mahnte ich mich selbst. Ich konzentrierte mich wieder auf das Satteln. Ich hatte letztens an einer Messe eine wunderschöne blaue Samtschabracke gekauft, die zu Dancer natürlich perfekt passte. Mit dem schwarzen Dressursattel und der gleichfarbigen Trense sah er todschick aus. Um den Eindruck zu perfektionieren, flocht ich seine lange Mähne zu einem französischen Zopf. „Perfect Budd“, murmelte ich ihm ins Ohr, ehe ich ihn auf den Platz führte, um während 45 Minuten intensiv mit ihm zu arbeiten. Wir beherrschten zwar noch keine Levade oder Kapriole, doch ich brachte ihm gerade die Piaffe bei. Dazu hatte ich in den vergangenen Wochen Vorarbeit an der Doppellonge geleistet, sodass er nun auf feines Touchieren mit der Gerte reagierte. Er lief wiedereinmal hervorragend. So machte das Reiten richtig Spass. Ich lobte Dancer am Ende der Lektion ausgiebig und liess ihn am langen Zügel bei den schattenspendenden Büschen und Bäumen im inneren der Ovalbahn im Schritt abkühlen.

      Am Abend erwartete mich Elliot zur Springstunde mit Vychahr. Auch Rosie und Jonas ritten mit. Jonas holte Pilot gleich nach mir aus der Box und band ihn neben Filou an. Wir befanden uns übrigens noch nicht im neuen Nordstall, sondern noch immer im Hauptstall, denn der erstere war innen noch nicht fertig. Filou hob das Bein zum Betteln, was ich sofort mit einem Klaps auf die Schulter strafte. Das passiert eben, wenn ihn die Pfleger zu sehr mit Leckerlies vollstopfen, dachte ich aufgebracht. Ich putzte rasch fertig und legte den dunkelbraunen Springsattel mit der blauen Schabracke auf seinen Rücken. Er stand geduldig still bis ich ihn fertig gezäumt hatte, was man von Peace nicht behaupten konnte. Der Hengst scharrte nervös und wollte immer wieder davonlaufen. „Always those spotted beasts“, meinte ich scherzhaft zu Rosie. Wir quatschten auf dem Weg zur Halle ausgelassen. Dann ritten wir die drei Trakehner warm und sprangen ein paar Kreuze. Elliot betrat nach 10 Minuten die Halle und sein erster Kommentar war: „Crosses? They’re for beginners. Let’s try something better.“ Er stellte einen kleinen Parcours auf, der einen Oxer, ein In-Out, eine dreifach Kombination und ein Gatter beinhaltete. Dazwischen waren noch ein paar einfache Steilsprünge zum Abwechseln. Begeistert ritt ich auf das erste Hindernis zu. Es war ein blau-weisser Steilsprung. Filou sprang mit leichtigkeit darüber und liess sich danach schön wieder bremsen. Das Ziel war es erstmal, nach dem Sprung anhalten zu können. Jonas hatte da schon deutlich mehr Mühe. Pilot schüttelte vor dem Sprung energisch den Kopf um mehr Zügel zu bekommen und raste danach um die Kurve. Frustriert ritt Jonas noch weitere dreimal heran, bis es schliesslich klappte. Peace machte keine Zickereien. Wir übten als nächstes ein paar Sprünge aus Kurven heraus, wobei auch recht enge Wendungen vorkamen. So lehrten wir die Pferde, auch mal schräg über ein Hindernis zu hüpfen, was im Parcours oft entscheidend war. Hierbei machten alle drei gut mit. Nun ging es an den eigentlichen Parcours. Filou drückte zwar über dem Oxer etwas kräftiger ab als nötig gewesen wäre, doch wir blieben fehlerfrei und kamen einigermassen schön über die anderen Hindernisse. Auch Peace gab sich Mühe, hob die Beine mit einer guten Manier und gab lediglich etwas viel Gas vor den Sprüngen. Pilot hingegen stand schon beim ersten Sprung hin. Kopfschüttelnd beobachtete ich Reiter und Pferd, die offenbar so gar nicht die selbe Idee vom Springen hatten. Jonas machte immer wieder den selben Fehler: er gab zu scharfe Paraden wenn etwas nicht klappte und verunsicherte so den sensiblen Pilot, der nichts weniger ausstehen konnte als eine harte Hand. Beim zweiten Versuch sprang er zwar, jedoch eher wie ein Schaf. Danach raste er ungebremst um die Kurve und stolperte fast. Nach ein paar Minuten und weiteren Versuchen von Jonas, den Hengst über die Hindernisse zu bekommen, hatte ich genug. Ich ritt zu Elliot, stieg von Vychahr ab und übergab ihm den Hengst. Dann schritt ich entschlossen auf Jonas zu, der auf mein Rufen hin anhielt und abstieg. Ich übernahm die Zügel, schwang mich auf den Rücken von Pilot und trabte los. Der Hengst hastete zuerst los und machte sich steif im Hals, doch schon nach einer Runde auf der Volte entspannte er sich und begann zu kauen. Ich führte die Hand absolut ruhig und gab weiche Hilfen, denn ich steuerte ihn eher per Gewichtshilfen. Als ich mir sicher war, dass Pilot sich wieder gefasst hatte, ritt ich den ersten Sprung an. Der Schecke drückte kraftvoll ab und überflog den Oxer ohne Probleme. Ich lobte ihn, indem ich mit der linken Hand über den Hals strich. Jonas sah betreten zu Boden. „ Schau hierher, dann lernst du auch was!“, befahl ich. Dann liess ich die Zügel ganz weg und übersprang einen Steilsprung freihändig. Pilot blieb schön ruhig und versammelt. „See? It’s not hard if ya go like this.” Elliot nickte anerkennungsvoll und Rosie lächelte, entschlossen, es auch zu versuchen. Ich bremste sie etwas in ihrem Eifer, denn Peace war unberechenbarer als Pilot. Aber ich erlaubte, dass sie es einhändig versuchte. Jonas stieg auf Vychahr und tat es ihr gleich. Am Ende wurde aus der anfänglich ernsten Springstunde fast schon eine Zirkuslektion, denn auf das Einhändig-Springen folgte das Weglassen der Bügel und das Weglassen des ganzen Sattels. Es machte uns allen, besonders den Pferden, ordentlich Spass und Jonas setzte eifrig alle Tipps von Elliot und mir um.

      ---

      Occulta Gesellschaft für Echo 28 Juli 2015

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.

      ---

      Occulta Diarados und Stürmchens Ankunft 15 Okt. 2015

      Ich hatte mir wiedermal einen kleinen Traum erfüllt: Auf einer Webseite hatte ich den schicken schwarzen Springcrack Diarado entdeckt. Er war ein Oldenburger Hengst, zeigte aber allgemeine Warmblutmerkmale, daher würde sein Blut später bestimmt auch für die Hannoveraner- oder Holsteiner Zucht in Frage kommen. Mi seinem lackschwarzen Pelz und den vier weissen Abzeichen hatte er mich sowieso schon verzaubert. Dazu kam, dass ich ihn relativ billig übernehmen konnte, da die Besitzerin in erster Linie einen guten Platz für ihn wollte. So kam es, dass ich den Hengst schon zwei Wochen später die Rampe hinunter führte und in seine neue Box im Nordstall brachte, wo er erstmal seine Nachbarn beschnüffelte. Es würde eine Weile dauern, bis er sich an die Spielregeln in der Hengstgruppe gewöhnt hatte, doch ich war guter Dinge. Noch am selben Nachmittag machte ich den Hengst nach Pineforest Stable-Standard schick und schraubte sein Boxenschild an. Danach durfte er mit den anderen auf die Weide. Die Hengste wurden wegen des Neuankömmlings in zwei Gruppen gesplittet, damit es nicht zu unfair für den Rappen war. So musste er sich erstmal mit Pilot, Vychahr und Peace messen. Erst in einer Woche wollte ich alle zusammen lassen. Die Zusammenführung mit den drei Trakehnern verlief zuerst erstaunlich friedlich. Nach zehn Minuten begannen die drei jedoch, den Neuling etwas herumzujagen. Ich beobachtete das Spiel und entschied, nicht einzugreifen, solange sie in Bewegung blieben. Die Situation beruhigte sich nach wenigen Minuten und die Hengste grasten wieder ruhig nebeneinander, wenn auch Diarado etwas auf Abstand blieb. Ich lief etwas entspannter zurück zum Haus, um mir ein Buch zu holen und mich anschliessend auf der Wiede der Mini-Stuten unter einen der grossen Bäume zu legen. Ich machte es mir wie schon so oft zwischen den Wurzeln bequem und las, im Augenwinkel immer die Jungs beobachtend. Als auch nach einer Stunde keine Anzeichen von Aggression mehr in der Luft lagen, lief ich zum Nordstall. In der hintersten Box wartete der verstrubbelte Dülmener Hengst Sturmwind auf mich. Jedenfalls hatte ich das gehofft, doch als ich kam, drehte er mir den Po zu. „Na, Giftzwerg? Heute geht’s den Knoten im Fell an den Kragen“, drohte ich schmunzelnd, und fing ihn mit dem Halfter ein. Der Hengst war nur übergangsweise auf Pineforest Stable, denn er hatte bereits ein neues Zuhause gefunden. Ich hatte ihn vor kurzem aufgegriffen, nachdem er verwahrlost auf einer Weide gefunden worden war. Er verhielt sich wie ein richtiges Wildpferd, dennoch konnte ich Ansätze von der Ausbildung wiedererwecken, die er vor langer Zeit bei Sarah McAlistair erfahren hatte.
      Ich zog den störrischen Zwerg in Richtung Waschplatz und band ihn an. Dann bearbeitete ich die wuschelige, verfilzte Mähne mit dem Kamm, wobei dieser an seine Grenzen stiess. Als ich endlich fertig war, sah man zwar optisch kaum einen Unterschied, doch wenn man mit den Fingern durch das dichte Langhaar fuhr, blieb man nicht mehr so schnell hängen. Er hatte schon ziemlich viel Winterfell, doch das war mir gerade recht, so hatte er jedenfalls ganz bestimmt nicht kalt. Ich hatte meine liebe Mühe beim Hufe auskratzen, weil der Zwerg einfach nicht stillstehen wollte. Aber mit Geduld geht alles.

      Als es gegen Abend zuging (ich stand gerade in Moons Box und bürstete die Beine der Stute), wurde ich von einem aufgebrachten Jonas gerufen. „Der Neue verkloppt den armen Vilou!“ Ich sah ihn ungläubig an und folgte ihm dann zu den Weiden. Noch während wir runterrannten, sah ich, wie sich die beiden Hengste aufbäumten und zu beissen versuchten. Der Fuchs und der Rappe lieferten sich einen Showkampf, wie man ihn sonst nur aus Filmen kannte. Wir schritten sofort ein: Jonas jagte die beiden mit dem Strick auseinander und ich schnappte mir Vychahr, sobald sich dieser beruhigt hatte. Pilot und Peace waren ebenfalls auf Zack und trabten im Bluffgang am Zaun entlang. Jonas trieb Diarado in die Ecke und bekam ihn so schliesslich auch noch zu fassen, grösstenteils, weil wir ihm das Halfter nicht ausgezogen hatten. Ich brachte den noch immer wiehernden Vilou in seine Box und prüfte während dem Laufen, ob er in irgendeiner Weise lahmte. Zum Glück war dies nicht der Fall. Jonas folgte kurz darauf mit dem Rappen, der seinen Kopf in den Sternen hatte und nur mühsam zu führen war. „Wir müssen eindeutig noch an der Erziehung arbeiten“ „Und an der sozialen Komponente…“, fügte ich besorgt hinzu. Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Knie leicht zitterten. Das hätte ins Auge gehen können, zum Glück sind beide in einem Stück geblieben… Jonas sprach meine Gedanken aus und meinte: „Vorerst lassen wir die beiden besser nicht mehr zusammen, oder Boss?“ Ich nickte und schlug vor, Diarado beim nächsten Mal mit Pilot zusammenzutun, da dieser normalerweise mit allen Pferden zurechtkam. Diarado hatte von der Rauferei ein paar Hautfetzen eingebüsst, Vychahr hatte eine Schramme an der Schulter; alle Verletzungen waren aber nur Oberflächlich. Ich schmierte CuteneSalbe drauf, mehr Behandlung brauchten die Kratzerchen nicht. Danach folgte ich der abendlichen Routine.

      ---

      Occulta Sonne und Nebel 30 Nov. 2015

      Es war wiedermal an der Zeit, mit dem Einreiten einiger Jungspunde auf Pineforest Stable zu beginnen. Wir wollten sie den Winter hindurch trainieren, damit sie fit für ihre erste Saison im Frühling waren. Heute waren zuerst Ciela, Kaythara und Dublin dran. Ich wollte sie das allererste Mal satteln und sehen, wie sie so ausgerüstet an der Longe liefen. Das Longieren kannten sie alle schon, denn sie hatten als Jährlinge bereits intensives Führtraining genossen und Bekanntschaft mit dem extra etwas nach innen abgeschrägten Roundpen gemacht. Dies diente dem Rückenmuskelaufbau und der Balance Förderung. Es war wichtig, dass die bekanntlich sehr früh eingerittenen Rennpferde bereits über die nötige Grundmuskulatur verfügten, um spätere Schäden am Bewegungsapparat zu verhindern. Dementsprechend sahen die zweijährigen Stuten, die wir von der Weide zum Roundpen führten, schon jetzt kräftig aus, aber der Schein täuschte: Noch waren sie nicht fit für das Reitergewicht. Ich führte Ciela, meinen heimlichen Liebling. Ich hatte eine ganz besondere Beziehung zu ihr, da sie das erste Fohlen meines geliebten A Winter’s Day gewesen war. Ausserdem war sie mit ihrem schneeweissen Fell ein echter Hingucker. Dublin hatte Rosie übernommen, und Quinn Kaythara. Wir banden die Drei im Roundpen an und bürsteten sie erstmal mit Putzzeug, das uns Ajith, fleissig wie er war, bereits gebracht hatte. Besonders Dublin und Kaya hatten den Nieselregen, der die letzten Tage geherrscht hatte, sichtlich genossen. Sie waren wiedermal ordentlich Dreckverkrustet. Captured in Time hatte hingegen nur ein paar Spritzer an Bauch und Beinen, war mich sehr erstaunte, schliesslich waren weisse Pferde normalerweise die ersten, die sich einsauten. So grinste ich beim Anblick der beiden Pflegerinnen, die alle Hände voll zu tun hatten. Da ich etwas früher fertig wurde, half ich ihnen dann aber doch etwas, ich wollte ja nicht unfair sein. Kaythara wollte die Hufe nicht anständig geben. Sie stampfte immer wieder zurück auf dem Boden und verlagerte das Gewicht auf den Huf, den man gerade heben wollte. Ich massregelte sie konsequent, indem ich ihr mit dem Hufkratzer in den Bauch stupste und mich gegen sie lehnte, bis sie die Hufe schliesslich hob. Normalerweise verhielt sie sich artiger, aber vermutlich war sie gerade rossig. Nun kam der grosse Moment: Ajith brachte uns die Sättel – für den Anfang etwas ältere Springsättel. Ich wollte die Jungspunde zuerst an die schwereren Sättel gewöhnen, denn sie wurden später auch zuerst mit diesen geritten. Das Einreiten selbst fand aber ohnehin ganz ohne Sattel statt. Wir strichen die drei zuerst je mit den Schabracken ab, damit sie keine Angst davor hatten. Sie liessen sich dies alle ruhig gefallen. Dann nahmen wir einen Führstrick und wickelten ihn mit Schwung um praktisch alle Körperstellen. Dies diente ebenfalls der Desensibilisierung. Als nächstes schlangen wir den Strick um die spätere Gurtlage und bewegten ihn etwas hin und her, ehe wir in zusammenzogen. Zwischendurch gab es eine Karottenscheibe zur Belohnung für’s Stillstehen. So wurden sie spielerisch an den Druck des Gurtes gewöhnt. Zufrieden holte ich nach einigen Durchgängen den eigentlichen Sattel und zeigte ihn Ciela. Die anderen taten dies ebenfalls mit Dublin und Kaya. Ciela schnüffelte daran und wirkte dann eher desinteressiert, während Dublin versuchte, das Sattelblatt anzuknabbern. Ich legte der weissen Stute nun ohne zu Zögern den Sattel auf den Rücken und bewegte ihn etwas. Sie legte die Ohren konzentriert zurück, blieb jedoch stehen. Ich lobte sie mit einem Karottenstück und nahm ihn wieder runter, das ganze wiederholte ich einige Male, bevor ich den Gurt unter dem Bauch durch nahm. Kaythara machte ein paar Schritte rückwärts, bis das Seil angespannt war. Quinn schob sie korrigierend zurück auf ihre alte Position und fuhr unbeeindruckt fort. Ich schloss unterdessen bei Ciela das erste Mal den Gurt, immer das Ohrenspiel beobachtend. Ich zog ihn nicht fest, denn ich wollte, dass sie ihn auf keinen Fall schlecht verknüpfte. Sie stand noch immer brav da und sah neugierig nach hinten. Kaya hingegen wurde es jetzt zu viel: sie zog erneut rückwärts, bis der Haken des Stricks mit einem Knacken kaputtging. Quinn war zum Glück schnell genug und legte der Stute sofort den zweiten Strick, den sie noch um die Schulter geschlungen hatte, um den Hals. So konnte sie nicht abhauen und hatte daher auch kein Erfolgserlebnis. Da war sehr wichtig, denn ansonsten hätte sie wohl in Zukunft noch einige Halfter zerrissen. Sie versuchte es nochmal mit dem Satteln, redete mit beruhigender Stimme auf die Stute ein und kraulte sie am Widerrist, um sie zu entspannen. Nach einer Weile schnaubte Kaya lautstark und senkte den Kopf. Quinn gab ihr zufrieden ein Karottenstück und löste den Strick, an dem sie angebunden war. Auch ich löste meine Vollblutstute und begann, sie im Roundpen herumzuführen. Sie trat mir einige Male fast auf die Füsse, weil sie unaufmerksam war. Ich holte ihre Konzentration mit ein paar Wendungen und Rückwärtsschritten zurück zu mir. Dublin tänzelte etwas und wollte schon traben. „You’re too fast my dear, far too fast“, murmelte Rosie und wendete ebenfalls einige Male ab. Anschliessend hängten wir die drei eine nach der anderen an die Longe. Die beiden jeweils übrigen verliessen den Roundpen und warteten draussen. Durch die Anwesenheit der anderen beiden Stuten war Ciela schön ruhig und selbstsicher, doch mein Ziel war am Ende dennoch, dass ich so rasch wie möglich alleine mit ihr arbeiten konnte. Daran gewöhnte ich sie Schritt für Schritt, indem ich alleine mit ihr spazieren ging. Es zahlte sich aus, denn sie lief auch jetzt an der Longe konzentrierter als noch vor einem Monat. Sie lief zwar am Anfang mit Aussenstellung und sah zu den anderen hinüber, doch ich konnte sie schon bald für die Arbeit begeistern. Sie senkte den Kopf und begann zu kauen. Ich lobte die weisse Stute und holte sie zu mir in den Kreis, um die Seite zu wechseln. Als wir alle drei auf diese Weise mit Sattel longiert hatten, war das Training für den heutigen Tag beendet. Wir brachten die drei zurück zur Weide, wo sie bereits von den anderen empfangen wurden. Nun war noch Alysheba dran. Der kleine Hengst war schon beim Putzen nerviger und versuchte immer wieder, mir in den Arm zu kneifen. Irgendwann hatte ich genug, löste den Strick und schickte ihn aufgebracht, mit dem Seilende schwingend rückwärts. Da merkte er, dass mit mir nicht zu spassen war und stand fortan still. Ich wiederholte auch mit ihm die ganzen Schritte der Sattelgewöhnung. Er war zwar nicht unsicher, zappelte aber aus Ungeduld. Dafür gab er umso mehr Gas an der Longe. Er machte sogar zwei Freudenhüpfer mit Ausschlagen, wenigstens nicht gegen mich, so war es mir egal. Er hatte, als ich ihn zurück auf die Weide brachte, kein einziges feuchtes Härchen. Daraus schloss ich schmunzelnd, dass ihm das heutige Training nicht sonderlich viel Stress bereitet hatte. Dennoch machte er eine Szene, als er seine Kumpels begrüsste. Er trabte mit Fahnenschweif und hochgeworfenen Beinen auf sie zu und galoppierte dann einige Runden im geschmeidigen Hoppelgalopp, ehe er den Kopf wieder zum Grasen senken konnte. Böse war er mir aber anscheinend nicht, denn als ich kurz darauf zum Misten die Weide betrat, kam er als erstes neugierig heran.

      Am späten Nachmittag hatte ich Lust auf einen Ausritt, denn die Sonne schien und gleichzeitig war Bodennebel auf den Feldern, was eine seltsame Stimmung mit goldenem Licht bewirkte. Ich wollte unbedingt über eines der bedeckten Felder galoppieren und diese Stimmung geniessen. Dazu putzte ich Piroschka und kletterte ohne Sattel auf ihren Rücken. Ich ritt sie mit Moons Bosal, da ihr eigenes gerade repariert wurde (Sheela hatte damit gespielt und so war einer der Riemen gerissen). Ich nahm ausserdem Jacky mit, die ich am Morgen im Haus gelassen hatte, damit sie mir mit den Jungpferden nicht in den Weg gekommen war. Sheela nahm ich nicht mit, denn sie hatte sich gestern beim Spaziergang die Pfote verstaucht und humpelte noch ein wenig. Piro war gut gelaunt, jedenfalls waren ihre Ohren aufgerichtet und die Schnauze faltenfrei. Ich ritt mit ihr und Jacky zur Galoppwiese, denn dort war der Nebel besonders dicht. Es war eine Herausforderung für Piro, die den Boden nicht richtig sah, über das feuchte Gras zu galoppieren. Natürlich kannte ich das Feld so gut, dass ich wusste, wo die sicheren Trampelpfade waren und gefährliche Löcher ausschliessen konnte. Es machte unglaublich Spass, mit der Schimmelstute über die Felder zu preschen. Durch die feuchte Luft wurden wir aber rasch durchnässt, sodass ich schliesslich doch froh war, auf den Hof zurück zu kehren. Doch nicht nur aus diesem Grund: Ich wollte heute Abend einen ganz besonderes, neues Familienmitglied und einen Gast abholen gehen. Nun kümmerte ich mich aber zuerst um Piro. Ich zog ihr die Fleece Decke über und brachte sie in ihre Box, nachdem ich die Hufe ausgekratzt hatte. Die Stute röchelte schon wieder, als ich weglaufen wollte. Ich konnte nicht widerstehen, ihr nochmal ein wenig Heu zu bringen. „Du verwöhntes Schimmeltier, jetzt muss ich aber wirklich los“, murmelte ich lächelnd und begab mich zum Nordstall. Bis um acht Uhr wollte ich Burggraf bewegt haben. Ich begann ihn zügig zu putzen und stellte fest, dass auch Darren und Jonas sich gerade reitfertig machten. Ich überlegte, mit den beiden etwas Springtraining zu machen. Der Vorschlag gefiel ihnen, also holten sie Vychahr‘s und Peace’s Springsattel aus der Sattelkammer. Nachdem ich Burggraf ebenfalls gesattelt hatte, gesellte ich mich zu ihnen in die Halle, denn sie waren schon vorausgegangen. Ajith ging uns freundlicherweise kurz zur Hand mit dem Parcours. Ich wärmte Burggraf, mit der Fleece Decke noch auf dem Po, ein, als mein Handy klingelte. Normalerweise nahm ich nicht ab, wenn ich auf dem Pferd sass, aber da ich vermutete, dass es wegen heute Abend war, machte ich eine Ausnahme. „Smith? Ah, n’Abend Tante Rachel, schön dass du noch lebst“, scherzte ich, als ich die Stimme meiner lieben Cousine vernahm. „Ja, mmmhm, alles klar, dann… ja ist gut, dank… äh was? Ah, Achso, ja… also, Na dann – chiao…“ So in etwa klang es jedesmal, wenn wir zwei telefonierten. Ich fand es ja schon nervig, dass sie mich nie ausreden liess, aber andererseits war ich froh, dass sie immer so wirkte, als hätte sie alles im Griff. So brauchte ich mir jedenfalls keine Gedanken zu machen. Zufrieden verstaute ich das Handy wieder in meiner Jackentasche. Dann wartet mein kleiner Liebling also schon sehnsüchtig, dachte ich verträumt. Ich mahnte mich selbst, konzentriert zu bleiben, zog die Decke von Muffins Kruppe und schmiss sie über einen der Hindernispfosten. Dann trabte ich an. Der Tekkiner Hengst War fit – vermutlich fror es ihn an den Bauch, nackig geschoren wie er war. Dafür kam er umso schöner an den Zügel und packte seine schwungvollen Gänge aus. Ich ritt viele Volten um ihn zu beschäftigen. In der Halle herrschte Abreitplatzstimmung, denn nun war auch noch Lisa mit Sorrow reingekommen. Sie beteuerte aber, nur etwas Dressur reiten zu wollen. Jonas, Darren und ich begannen nun mit den ersten Hindernissen. Zum Aufwärmen sprangen wir über eine kleine Gymnastikreihe, später hängten wir noch einen Oxer auf der Diagonalen an. Es ging darum, nach der Reihe wieder schön langsam auf den Oxer zuzureiten, damit der Abstand stimmte. Ich brauchte zugegebenermassen einige Versuche, ehe ich Muffin ruhig genug um die Kurve bekam. Das Problem war vor allem, dass er mitdachte und nach einer Weile genau wusste, dass der Oxer als nächstes kam. Trotzdem war ich nach fünf Versuchen einigermassen zufrieden und übersprang zur Abwechslung ein In-Out. Jonas hatte dort nicht so viel Glück: Vilou zögerte im letzten Moment und Parkierte vor dem Hindernis, sodass der Pfleger beinahe seitlich runtergeflogen wäre. Mit Mühe konnte er sich wieder richtig hinsetzen und es nochmals versuchen. Ich beobachtete die beiden gespannt, denn Vychahr war noch immer aufgeregt. Doch meine Sorge war unbegründet, diesmal machten die beiden alles richtig. Vychahr hob brav die Beinchen und Jonas ging schön mit. Ich nickte zufrieden und ritt nun selber auch weiter.

      Nach der Stunde versorgte ich Burggraf, liess Jacky aus seiner Box, in der ich sie eingesperrt hatte, und lief mit ihr zum Auto. Sie rollte sich auf dem Rücksitz zusammen und bleib ruhig während der Fahrt. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit bei Rachel ankam, war sie erstaunlicherweise wieder hellwach und aufgedreht. „Wo nimmst du nur die Energie her?“, fragte ich sie einmal mehr kopfschüttelnd. Ich klingelte an der Tür. Kurz darauf öffnete ein neunjähriges Mädchen mit verstrubbelten braunen Haaren und fiel über mich her. „Tante Occu! Endlich!“ „Heh, nicht so wild, du machst Jacky ganz nervös“, meinte ich lachend, denn die Terrier Hündin hüpfte bellend um uns herum. Nun erschien auch meine liebe Cousine im Türrahmen um mich zu begrüssen. Lily, das kleine Mädchen, liess zum Glück von mir ab um Jacky zu streicheln. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo in einer Ecke ein provisorisch aufgebautes Krabbelgitter stand. Da ich wusste, dass Rachels Sohn aus dem Krabbel-Alter längst raus war, reimte ich mir selbst zusammen, was sich darin befand. Vorsichtig kniete ich mich vor dem Gitter hin und spähte unter das Badetuch, das schützend darüber lag. Lily liess sich polternd neben mich plumpsen und rief „ Komm her Zira, schau wer da ist!“ Ein schlaksiger Welpe lag in der hintersten Ecke am Gitter und sah abwechselnd mit müden Augen mich und das lärmige Kind an. Rachel las meine Gedanken und rief Lily zu sich. „Komm Spatz und lass die beiden sich kennenlernen.“ Ich hatte lange auf diesen Moment gewartet, denn die kleine Malinois Hündin, die da so eingerollt lag, gehörte nun mir. Sie kam von einem Züchter, der in der Nähe von Rachel wohnte. Meine Cousine hatte ihn für mich abgeholt, sodass ich ihn nun zusammen mit ihrer Tochter, die einen Monat lang bei mir in die Reitferien durfte, mit nach Hause nehmen konnte. Sobald das kleine Mädchen weg war, traute sich Zira aufzustehen, sich zu strecken, dabei ausgiebig zu gähnen und zu mir zu kommen, um an meiner Hand zu schnuppern. Ich kraulte sie durch das Gitter und staunte über das weiche Welpenfell. Dann hob ich sie aus dem Gitter auf meinen Schoss und sah mir die kleine Maus genauer an. Sie schien kerngesund und munter, wie ich es bei dem erstklassigen Züchter erwartet hatte. Ausserdem war sie schon jetzt eine echte Schönheit. Sie gähnte nochmal, als ich sie begutachtete, sodass ich die spitzen weissen Zähnchen sah. „Kleines Krokodil“, murmelte ich liebevoll. Sie blinzelte mich nur neugierig an. Man hatte mir gesagt, dass sie Kinder nicht sehr gerne möge, daher überraschte es mich nicht, dass sie anfangs zurückhaltend gewesen war. Dafür blühte sie nun auf: Sie tapste sofort neugierig um mich herum, als ich sie runter setzte. Jacky, die schon die ganze Zeit interessiert darauf gewartet hatte, zu ihr hin zu können, beschnüffelte sie und klärte prompt etwas grob die Rangordnung. Ich griff nicht ein, weil ich meine Hündin gut kannte und wusste, dass sie ihr nichts Ernstes tun würde.

      Wenig später sassen wir alle auf dem Sofa und tranken Tee. Zira sass auf meinem Schoss und nagte an meiner Hand, Jacky krabbelte unter dem niedrigen Glastisch herum, weil Lily ihr einen blauen Ball immer wieder drunter hindurch rollte. Gegen Zehn Uhr schnappte sich Lily ihr Gepäck und schleppte es erwartungsvoll ins Wohnzimmer, sodass auch Rachel einsah, dass es Zeit war, uns gehen zu lassen. Wir verabschiedeten uns (Rachel machte in letzter Sekunde noch Stress weil sie sichergehen wollte, dass Lily ihr Pyjama eingepackt hatte) und stiegen wieder ins Auto. Zira musste auf Lilys Schoss bleiben, was sie, wenn auch etwas wiederwillig, ertrug. Wenigstens wurde das Mädchen langsam müde, sodass ich auf der Rückfahrt fast das Gefühl hatte, sie sei eingeschlafen. Doch auf der Autobahn Ausfahrt bei Birmingham meldete sie sich mit gespielt schüchterner Stimme zu Wort. „Du Tante Occu, ich glaub ich hab mein Pyjama doch unter dem Bett liegen lassen….“ Wir lachten herzhaft, dann meinte ich grinsend: „Ach macht nix, du kannst ein T-Shirt von mir nehmen wenn du willst.“

      Als wir zuhause waren, war sie dann doch weggenickt. Ich setzte Zira auf den Boden, löste vorsichtig den Gurt des Mädchens und trug sie ins Haus. Zira tapste ohnehin Jacky hinterher. Ich legte Lily in ihr Bett im Gästezimmer und deckte sie zu, dann brachte ich die kleine Malinois Hündin auf ihren Platz. Sheela sah mich verschlafen an, als ich mich neben sie kniete, um Zira ins Körbchen nebenan zu setzen. Dann schnüffelte sie neugierig an dem Welpen. Ich hoffte, dass die beiden nun nicht gleich die Hütte auseinandernehmen würden, doch anscheinend war Zira dazu sowieso zu müde, und Sheela musste das akzeptieren. Jacky hatte sich auch bereits zusammengerollt und hob nicht einmal den Kopf, als ich das Licht löschte. Als ich in meinem eigenen Zimmer aus dem Fenster sah, konnte ich ein paar Sternbilder sehen, deren Namen ich vergessen hatte. Viel schöner aber war der Anblick meines Hofes, wie er still im Dunkeln dalag, so friedlich auf den nächsten Morgen wartend. Und eine warme Zufriedenheit überkam mich, die mir bis in meine Träume folgte.
    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 11
      Peacekepper's Ankunft in Kanada

      Nun, wo meine Trakehner auf meinem Hof wieder Einzug fanden, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Zuchthengst. Er sollte vielseitig begabt sein und eine schöne Präsenz aufweisen. Im Grunde war es nicht schwierig. Ich hatte Kontakt zu mehreren Trakehner-Züchtern, die ich unter anderem auch sehr gut kannte. Allerdings war nie der Hengst darunter, bei dem ich vollkommen überzeugt war. Fündig geworden bin ich dann bei Occulta Smith, eine junge, freundliche Dame, die Englische Vollblüter züchtete. Ich kannte sie bereits von dem Adventsritt. Sie hatte eine Anzeige geschaltet mit dem Wunsch, dass er mehr gefördert werde.
      Luke überredete mich, persönlich nach England zu fahren. Ich hatte in letzter Zeit sehr schwer gearbeitet, vor allem körperlich und er wünschte mir eine kleine Pause. Er versicherte mir, er würde den Hof nicht in Brand setzen und ich war überzeugt davon, dass er genau wusste, was meine Lieblinge gerade brauchten. Ich packte meine Sachen also für die 5-tägige Kurzreise und schon 18 Stunden später war ich in England. Ich kan um 4 Uhr morgens an und checkte erstmal in mein Hotel ein, wo ich mich erstmal ins Bett legte und bis 10 Uhr morgens schlief. Ich bewegte mich zum Frühstück, da dieses um 11 Uhr abgebaut werden sollte und bediente mich an Rührei, Bacon und Toast. Es schmeckte... englisch.
      Ich stellte mich uner die warme Dusche und hatte um 14 Uhr dann gleich einen Termin, allerdings erst bei einem anderen Züchter. Er wirkte zwar freundlich, allerdings sehr distanziert und seine Pferde waren allesamt verrückt. Ich schaute mir mehrere Hengste an und trotz jahrelanger Erfahrung hatte ich Pferde noch nie so nervös erlebt. Die Pferde standen alle in Boxenhaltung und wurden, für meinen Geschmack, zu wenig bewegt. Die Pferde, die ich mir vorlaufen ließ, ließen sich kaum händeln und so entschied ich mich schnell gegen irgendein Pferd von dem Hof. Zwartaten sie mir Leid, allerdings wollte ich diesen Züchter nicht unterstützen.
      Es war 18 Uhr, als ich wieder im Hotel war. Ich besuchte dort das Schwimmbad und ging in die Sauna - Entspannung pur. Am nächsten Tag ging es dann zu Occulta. Sie erwartete mich erstmal nicht persönlich, anscheinend hatte sie zu tun. Ich konnte mir allerdings schon ein Bild von dem bunten Peacekepper machen, der heute freispringen durfte. Sein Bewegungsapparat gefiel mir von vornerein und ja, die gewünschte Präsenz die hatte er eindeutig. Trotzdem war ich nochetwas skeptisch. Ich mochte zwar bunte Pferde, aber er war ja ein wahres Punktmonster!
      Nach einer Weile kam Occulta dazu und erzählte mir einiges über den Hengst. Ich hatte es wohl mit freundlichen Pferden, allerdings war er zumindest auch aus der Ruhe zu bringen und nichtso tiefenentspannt wie Jack oder Heimi. Ichsagte, ich ließe mir das bis morgen nochmal durch den Kopf gehen und fuhr nachdenklich nach Hause.
      Am nächsten Morgen war ich mir dann sicher: Ich wollte nicht ohne ihn nach Hause, so ungewöhnlich seine Farbe auch für einen Trakehner war. Ich rief bei Occulta an, sie sollte den Vertrag vorbereiten und fuhr wieder zu ihr. Der Papierkram war schnell geklärt und ich konnte nun einen wunderschönen Trakehnerhengst mein Eigen nennen.
      Ich machte mir noch einen schönen letzten Tag in England, bevor ich zurück nach Kanada musste und hoffte auf eine schnelle Ankunft von Peacekepper. Und ja, es ging schnell. eine Woche später stand er tänzelnd auf meinem Hof, ganz nervös von all den neuen Eindrücken. Ich deckte ihn ein, er war das kalte Wetter nicht gewöhnt, würde aber trotzdem draußen stehen. Jack und Heimi schauten neugierig, waren aber nicht sonderlich beeindruckt. Es war zwarrisikoreich, drei Hengste zusammen zu stellen, allerdings waren meine zwei Jungs super ruhig und Peace würde von ihnen viel lernen können. Dieser stellte sich aber erstmal alleine in eine Ecke und beäugte alles kritisch. Ich beobachtete ihn noch eine Weile, als Jack und Heimi dann auf ihn zutrabten. Peace machte sich groß und schlug aus, allerdings nicht bösartig. Er wurde von den beiden ein wenig gejagt, aber nachdem er noch ein paar mal deutlich machte, dass er darauf kein Bock hatte, ließen sie ihn auch in Ruhe. Peace fühlte sich leider sichtlich unwohl, allerdings wollte ich ihn auch nicht alleine hinstellen. Ich wollte erstmal einige Tage beobachten, ob es funktionierte, bevor ich ihm doch eine Box einrichtete.
    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 12
      Krafttraining im Wasser

      Peacekepper hatte sich gut hier eingelebt. Er hatte sich gut in die Jungsherde eingefunden und kam auch gut zur Ruhe. Mit ihm konnte ich sogar schon erste Turniererfolge aufweisen, was mich sichtlich stolz machte. Er war einfach ein tolles Pferd mit super Sprungmanier. So ein Pferd, das richtig Spaß machte. Heute hatte ich geplant, mit ihm ein wenig zu trainieren, aber das Wetter spielte mal wieder verrückt. Es war ungewöhnlich warm, weshalb ich mich zu einem kleinen Ausritt an einen nahegelegenen See entschied.
      Peace freute sich sichtlich, raus zu dürfen. Ich ritt ihn nur mit Trense, ohne Sattel, damit das Leder nicht unnötig nass wurde. Auf dem Weg blieb er einige Male stehen, weil er Geister hörte, ab und zu sprang er auch zur Seite, aber ich ließ mich nicht beirren. Meine Sicherheit beruhigte ihn immer schnell, sodass der Weg zu meistern war. Am See angekommen ritt ich mit ihm ein Stück herein, das Wasser machte ihm nichts, ich hatte aber schon vorher getestet, wie scheu er da war. Normalerweise waren ihm viele Dinge nicht geheuer, aber Wasser war sein Element (so lange er entscheiden konnte, wie viel Wasser gut ist und es nicht aus dem Schlauch kommt). Er fing an zu planschen und ließ es sich nicht nehmen, tiefer rein zu gehen. Man merkte richtig, wie er nur an das Wasser dachte und nicht an die gruseligen Büsche rundherum.
      Nach einer Weile Badespaß trieb ich ihn noch im Trab im Wasser entlang in verschiedenen Tiefen, allerdings nie höher als kurz vor seinem Bauch. Er wollte immer angaloppieren, weil das leichter für ihn war, allerdings ließ er sich gut händeln. Der gute Nebeneffekt: Sauber ist er nun auch.
      Nach dem Krafttraining stieg ich ab und führte ihn nach Hause, kontrollierte noch die Hufe und entließ ihn auf die Weide. Vorne, am sandigsten Platz panierte er sich noch gründlich. Das war's mit der Sauberkeit!
    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 13
      Hengstkampf

      Ich saß mit Luke und Mr Flynn gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer. Das Feuerholz im Kamin verbreitete eine wohlige Wärme und es herrschte eine angenehm vorweihnachtliche Stimmung. Es war schön, die Sorgen mal ganz weit weg zu lassen und sich einfach nur um das Hier und Jetzt zu kümmern. Luke berichtete uns von seiner neuen Freundin. Die beiden waren frisch verliebt und erst zwei Wochen zusammen. Ich freute mich für die beiden. Sie wollte morgen vorbeikommen. Mit Pferden hatte sie nichts zu tun, hatte sogar etwas Angst vor den großen Tieren, aber schön fand sie die trotzdem.
      Nachdem der Kuchen verputzt war, schlug ich einen kleinen Spaziergang vor. Mr Flynn entschied, dass wir doch die Ponys mitnehmen konnten. Gesagt, getan. Ridcully und die weiße Stute wurden von der Weide geholt, und da wir kein drittes kleines Pony hatten, holte ich Dashing Blade. Der Hengst konnte sowieso nie genug Bewegung haben. Wir kratzten die Hufe der Tiere, Blade trenste ich auf und die Ponys durften mit Halfter und Strick mitkommen. Das schlimmste, was die tun konnten, war am Wegrand stehen bleiben und Gras fressen, wobei wir das schon ganz gut im Griff hatten.
      Blade benahm sich ausgesprochen gut beim Spaziergang. Er war zwar allgemein ein sehr liebes, personenbezogenes Pferd, aber das Tempo war absolut nicht seins. Die Kleinen gingen nunmal nur halb so schnell wie er. Ich musste ihn zwar ab und an etwas bremsen und eine Volte drehen, aber irgendwann hatte er herausgefunden, welche Geschwindigkeit wir von ihm wollten. Wir brauchten für eine Runde von 4km so etwa 45Minuten, aber wir haben auch keine Eile gehabt.
      Als wir wieder zurückkamen hörten wir nur Gequitsche von Pferden von der einen Hengstweide. Normalerweise vertrugen sich die Hengste ganz gut, aber sowas kam trotzdem ab und an mal vor. Als das Gezicke aber nicht aufhörte, drückte mir Luke Ridcully in die Hand und ging zu der Weide. Dazwischen gehen konnte er eh nicht, das war zu gefährlich. Ich band die Pferde an und ging ihm nach, Mr Flynn blieb am Putzplatz und kümmerte sich um die Tiere.
      An der Weide war ich ganz erschrocken. Badawi hatte sich schon wieder von seiner Weide befreit und forderte gerade Peacekepper heraus. Der ging eigentlich nie gegen etwas an und war eher rangniedrig, doch von so einem kleinen frechen Halbstarken ließ er sich dann doch nichts gefallen. Badawi versuchte immer, von hinten auf den älteren Hengst loszugehen, doch der schlug nach unzähligem Androhen dann aus und traf den Araber an der Brust. Das sah schon nach einem fiesen Treffer aus, ich hoffte da war alles gut gegangen. Badawi wandte sich aub und Peacekepper jagte ihm mit angelegten Ohren im Tiefflug nach, blieb dann aber irgendwann aufgeplustert und pustend stehen. Ich nutzte die Gelegenheit und fing den Rappen ein, der gerade sehr nah am Zaun stand, was das alles sehr einfach machte.
      Ich brachte ihn zunächst in eine Box. Dieses Pferd war echt ein Meister im Zerstören von Zäunen, wir musste also schon wieder eine Schwachstelle finden. Einfach durchschlüpfen konnte er bei sich nämlich nicht, dafür waren die Balken zu nah aneinander.
      Ich untersuchte ihn nochmal auf offene Stellen, aber fand nichts. Vermutlich wurde er wirklich nur einmal an der Brust getroffen, wo er wohl jetzt eine Prellung haben würde. Luke untersuchte derweil den Trakehner nachdem der sich beruhigt hatte, fand aber auch nichts. Wir würden die beiden die Tage beobachten und wenn uns etwas auffällt, noch den Tierarzt rufen. Bisher sah aber alles so aus, als wären wir mit einem Schrecken davongekommen.
    • Sammy
      [​IMG]
      Trainings- und Ausbildungsbericht
      Dashing Blade Springen E-A, Peacekepper Geländetraining
      31. Januar 2017

      Fröhlich vor mich hinsummend lief ich durch den Hengsttrakt und kontrollierte die beiden frisch hergerichteten Boxen am Ende der Stallgasse. Ich hatte bei einer kleinen Weihnachts-Wichtel-Aktion teilgenommen und hatte im Zuge dessen zwei Trainingseinheiten verschenkt. Nun würde die Frau, deren Wichtel ich gewesen war ihre beiden Hengste heute vorbeibringen. Da sie aus Kanada kam, hatte ich sogleich angeboten, dass sie ein paar Tage auf meinem Gestüt verbringen durfte, bevor sie sich wieder auf den Rückweg machte. Waldvoegelchen hatte auch sogleich zugestimmt einen Tag bei mir zu bleiben, danach würde sie weiterziehen, da sie noch geschäftlich in England zu tun hatte. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht kontrollierte ich die Tränken und warf dann je einen Arm Heu in die Boxen. Die Hengste würden nach der langen Reise sicherlich erschöpft sein. Viel wusste ich noch nicht über meine beiden neuen Schützlinge, nur dass ich das Vollblut im Springen auf Klasse A trainieren und mit dem Trakehner ein wenig Geländetraining machen sollte. Ich betüddelte gerade meinen rabenschwarzen Andalusierhengst Ojos Azules, der neben den beiden Trainingspferden stehen würde, als mein Angestellter Samuel in den Stall gerannt kam und rief: "Sie kommen! Ich hab grade den Hänger die Auffahrt hochkommen sehen." Ich drückte Jojo einen Kuss auf die samtweiche Nase und lief hinaus auf den Hof, um Waldvoegelchen und ihre Pferde in Empfang zu nehmen.
      Nach einer kurzen Begrüßung half ich Waldvoegelchen sofort dabei, Peacekepper und Dashing Blade auszuladen. Ich übernahm dabei das cremefarbene Vollblut und seine Besitzerin den bunt gepunkteten Trakehner. Dashing Blade tänzelte am Führstrick neben mir her und sah sich mit gespitzten Ohren nach allen Seiten um. Alles in allem war er aber gut händelbar. Peacekepper dagegen war im Gegensatz zu Blade's neugieriger Aufregung die pure Nervosität ins Gesicht geschrieben. Der Hengst zuckte bei jedem Geräusch zusammen und starrte mit weit aufgerissenen Augen in der Gegend umher. Ich führte Blade in den Hengsttrakt und stellte ihn in die letzte Box der Reihe, Peackepper bezog die Box zwischen ihm und Jojo. Ich hatte zuvor selbstverständlich bei Waldvoegelchen angefragt, inwiefern sich die beiden Hengste mit ihren Artgenossen verstanden. Nachdem wir uns kurz vergewissert hatten, dass es den beiden Neuankömmlingen an nichts fehlte, ging ich mit Waldvoegelchen erneut zum Parkplatz. Samuel würde bei seiner Arbeit mit den Hengsten ein Auge auf Blade und Peace haben, sodass wir uns nicht um sie sorgen mussten. Ich half Waldvoegelchen dabei ihren Hänger zu säubern und zeigte ihr dann das Gästezimmer. Die junge Frau war von der Reise logischerweise erschöpft und würde erst einmal ein Nickerchen machen.

      ~*~

      Am nächsten Morgen führte ich meinen Gast als allererstes zu ihren Pferden. Blade und Peace begrüßten sie mit lautem Gebrummel und genossen die morgendliche Schmuseeinheit, auch wenn Peace alle paar Sekunden eine Runde in seiner Box drehte und nervös nach draußen auf den Paddock starrte. Die beiden würden den Tag heute auf der Weide genießen dürfen, ab morgen würde ich dann mit leichtem Training beginnen. Nun zeigte ich Waldvoegelchen noch in aller Ruhe mein Gestüt, bevor sie sich auf den Weg zu ihren Terminen machte. Ich dagegen kehrte in den Hengststall zurück, rief Samuel zu mir und hakte den Führstrick in Peacekepper's Halfter ein. Samuel ging mit Dashing Blade voraus, ich folgte mit Peace. Der hübsche Trakehner prustete laut durch seine geweiteten Nüstern und machte einen erschrockenen Satz zur Seite, als mein prämierter New Foresthengst Cheeky Jot ihm herausfordernd zuwieherte. "Nana, mein Hübscher. Es ist alles in Ordnung, dir tut doch keiner was.", redete ich leise auf das nervöse Tier ein. Ich war schon sehr gespannt, wie das Training mit ihm ablaufen würde. Dashing Blade war zwar sehr temperamentvoll, aber um einiges mutiger. Er ging mit kraftvollen Schritten neben Samuel her und setzte sofort zu einem Galopp über die Koppel an, als Samuel den Führstrick gelöst hatte. Peacekepper schaute sich erst einmal alles ganz genau an, bevor er sich zum Toben anstecken ließ. Ich stützte die Ellenbogen auf dem Zaun ab und sah den beiden eine Weile zu. Mein grober Trainingsplan stand schon fest und ich konnte es wie immer kaum erwarten endlich loszulegen.

      ~*~

      "So mein Süßer, dann wollen wir uns mal ein bisschen kennen lernen.", sagte ich am nächsten Nachmittag zu Peacekepper. Ich hatte beschlossen mit dem nervösen Hengst zu beginnen, da ich damit rechnete mit ihm länger zu arbeiten als mit Dashing Blade. Ich führte den Hengst auf die Stallgasse und begann in aller Seelenruhe ihn zu putzen. Damit redete ich die ganze Zeit leise mit ihm. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann ließ Peace den Kopf sinken und entspannte sich. Ich kraulte ihm lobend den kräftigen Hals und band ihn los. Mit ihm würde ich heute an sich noch nichts machen. Ich wollte ihn einfach im Round Pen ein wenig kennen lernen. Mit einem neuen Pferd ging ich nichtmal dann sofort ins Gelände, wenn es ein besonders ruhiges Tier war. Sobald wir den Stall verließen war Peace sofort wieder hellwach und leider auch genauso schreckhaft wie zuvor. Ich führte ihn zum Roundpen, ohne mich von seinem Gezappel beeindrucken zu lassen und schloss das Tor hinter uns. Ich löste den Führstrick, sodass der Hengst nun lediglich Gamaschen und sein Halfter trug. Peacekepper stand einen kurzen Moment ruhig da, dann begann er genau wie bei der Koppel den gesamten Roundpen zu inspizieren. Ich ließ ihn machen, da ich hier drin ja in Ruhe mit ihm arbeiten wollte. Bevor wir uns ins Gelände wagten, musste der Hengst mir sein Vertrauen schenken und mich als Leittier akzeptieren, ansonsten würde er da draußen seinen eigenen Kopf durchsetzen und das konnte für uns beide brenzlig werden. Als Peacekepper schließlich etwas unschlüssig stehen blieb, rief ich ihn zu mir. Der Hengst reagierte zwar auf seinen Namen, indem er den Kopf hob und die Ohren stellte, bewegte sich jedoch keinen Milimeter in meine Richtung.
      REST FOLGT
    • Waldvoegelchen
      Helena liegt flach

      Kopfschmerzen plagten mich, als ich mich aus dem Bett quälte. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und so richtig klar sehen fiel mir auch schwer. Diese Erkältung hatte mich richtig erwischt. Ich zog mir schwerfällig warme Kleidung über meinen Schlafanzug. Eine enge Jeans hätte ich kräftemäßig nicht mehr über meine Beine bekommen. Ich schlurfte die Treppe herunter und Luke schaute mich finster an. "Was amchst du hier unten? Geh wieder ins Bett!" befahl er mir. Bevor ich etwa erwidern konnte, drehte er mich an meinen Schultern um und half mir nach oben. "Ich kümmere mich um alles, bis es dir wieder gut geht." gab er sein Versprechen. Ohne die warmen Klamotten auszuziehen, fiel ich wieder ins Bett und war sofort weg.
      Luke derweilen machte sich auf und besorgte sich Karren und Schippe. Eine nach der anderen schob er sie leer zu den Weiden und voll wieder zurück. Unermüdlich säuberte er die Grasflächen, bis alles vorbildlich aussah. Daraufhin brachte er Dashing Blade zum Putzplatz und striegelte sein glänzendes Fell. Dabei wurde er desöfteren von dem goldenen Hengst angeknabbert, nie grob, sondern immer liebevoll. Luke arbeitete mit Blade auf dem Roundpen und das Pferd zeigte richtig, was er konnte. Nach einer anfänglichen Zurschaustellung seiner prächtigen Gänge fing er an, gut mitzudenken und fleißig zu sein.
      Die gleiche Prozedur wiederholte er mit Peacekepper. Der war heute allerdings sehr aufgewühlt und sah hinter jeder Ecke Gespenster. Bei ihm hatte Luke wirklich Mühe, Konzentration zu fordern. Ständig sprang das farbige Pferd zur Seite und guckte durch die Gegend, anstatt ordentlich und entspannt zu laufen. Das war wohl der Frühling, der in seinen Gliedern steckte.
      Badawi und Felicitas bekamen heute einen Tag Pause. Luke holte sie zwar raus und Mr. Flynn war so nett, die beiden zu putzen, aber das war es dann auch. Die Jungspünde hatten sowieso besseres zu tun. Zum Beispiel toben auf der Weide oder grasen oder Schabernack machen. Mit Bocksprüngen verabschiedeten sie sich also in den freien Tag.
      Jack und Heimerdinger holte Luke gleichzeitig. Mr. Flynn hatte auch Lust, mal wieder auf einem größeren Pferd zu sitzen. Luke machte Heimi fertig und entdeckte eine kleine Wunde am Bauch, zum Glück nicht in Sattellage. Die desinfizierte er kurz, aber etwas ernstes war es nicht. Mr. Flynn massierte Jack regelrecht mit den Bürsten, das ließ sich der braune Hengst sichtlich gefallen. Geputzt und ausgerüstet drehten die beiden dann eine recht große Schrittrunde, sodass der Himmel sich langsam rosa färbte, als sie zurückkamen. Die Pferde wurden glücklich und zufrieden auf die Weide entlassen und grasten friedlich vor sich hin.
      Da sieht man mal, auf meine Männer kann ich mich verlassen.
    • Waldvoegelchen
      Kälteeinbruch

      Furchtbar warm war es hier nie. Aber wenn man wenigstens 13°C misst und am nächsten Tag plötzlich nurnoch 5°C, dann tut es verdammt nochmal weh! Einerseits am Kopf, denn auf Wetterumschwünge reagierte ich empfindlich, andererseits an den Händen, weil kalte Finger + harte Arbeit = nicht sooo schön. Aber meckern konnte man viel, das war den Pferden auch egal. So schleppte ich mich also nach draußen und äppelte die Koppeln ab. Peacekepper kam ganz neugierig an und hatte kurzerhand dann doch Schiss vor dem Mistkarren, den er schon tausendmal gesehen hatte. Als er dann zum dritten Mal ankam, schickte ich ihn bestimmt weg, denn so kam ich nie zu irgendwas.
      Als ich fertig war, was hier ja leider alleine immer ziemlich lange dauerte, schnappte ich mir Dashing Blade von der Wiese. Er wurde einmal übergeputzt und longiert. Ich arbeitete mit ein paar Stangen, ließ ihn sich ordentlich strecken und richtete ihn zwischenzeitlich rückwärts, um ihn von da antraben zu lassen. Er machte das hervorragend und war erstaunlich konzentriert. Ich fand noch ein Leckerli in der Tasche, dass er genüsslich fressen durfte.
      Mit Jack ging ich ins Gelände. Ich ritt viele Tempoveränderungen, hauptsächlich im Galopp. Im Trab ließ ich ihn ein paar Hügel rauflaufen. Man merkte, dass er dann angaloppieren wollte, weil das weniger anstrengend war, er blieb aber trotzdem immer im richtigen Tempo. Seine Kondition ist momentan echt auf Höchstform, um ihn noch weiter zu fördern fehlte mir leider die Zeit. Da er etwas stärker geschwitzt hatte, entließ ich ihn mit einer Abschwitzdecke auf die Weide, die ich ihm später wieder abnehmen würde.
      Mit Peace machte ich heute ein wenig Schrecktraining. Dabei war es mit wichtig, dass er zwar auch vor den Dingen an sich keine Angst hatte, aber hauptsächlich, dass er auf mich achtete und sich entspannte, wenn ich es tat. Das war schwieriger, als ich es gewohnt war, da ich eigentlich nur neugierige, ruhige Pferde hatte. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, wir machten eher Rückschritte als Fortschritte bei dem Thema. Beim Reiten blieben wir wenigstens auf unserem Stand, aber voran kamen wir leider auch nicht so wirklich.
      Badawi lotste ich auch zur Bodenarbeit. Er sollte Gehorsam lernen und aufmerksamer dem Menschen gegenüber sein. Ich führte ihn über den Hof und forderte mit Aufgaben seine Aufmerksamkeit. Er ließ sich immer wieder ablenken, doch kam zu mir zurück, wenn ich etwas von ihm verlangte. Trotzdem tänzelte er noch zu viel um mich herum, wenn er stehenbleiben sollte. Wenn er sich bewegte, wenn er stehen sollte, schickte ich ihn ein paar Schritte zurück und ging wieder ein paar vor und blieb wieder stehen. Doch sobald sein Fokus wieder auf etwas anderes gelenkt wurde, tänzelte er wieder herum. Als ich ihn zehn Sekunden stehen lassen konnte, beendete ich das Training. Ein kleiner Erfolg, aber besser als nichts.
      Felicitas hatte heute frei. Ich beobachtete sie, wie sie graste. Sie war eine schöne junge Stute geworden. Normalerweise quirlig, sah sie so friedlich schon beinahe elegant aus. Ich freute mich schon darauf, zu sehen was die Dressurarbeit mit ihr brachte. Auch, wenn ihre Stärke definitiv im Gelände liegen würde.
    • Waldvoegelchen
      Heute war ein kleiner Ausritt geplant. Mr Flynn setzte sich auf Jack, Luke auf Heimerdinger, Helena auf Peacekepper und eine Freundin von Helena auf Dashing Blade. Alle machten ihre Pferde selbst fertig, dann ging es auh schon raus ins Gelände. Die Pferde waren brav und keiner wollte überholen. Allerdings ging die Truppe auch nicht das Risiko ein, zu galoppieren. Das konnte weder Peace noch Blade gut, deshalb blieb es beim Trab als schnellste Gangart. Spaß hatten alle trotzdem. Es wurde viel gequatscht und gelacht und die Pferde waren tiefenentspannt. Die Sonne kitzelte allen auf der Nase, die Frühjahrswärme tat gut. Als alle wieder auf dem Hof ankamen, freuten sich die Pferde auf eine Extrahand voll Müsli. Das gab es manchmal als Belohnung.
      Im Anschluss schauten Helena und Luke noch nach Felicitas und Badawi. Bei denen sah auch alles prächtig aus. Die beiden hatten aber heute frei und musste nichts tun. Badawi brutzelte ein wenig in der Sonne und Feli senkte ihren Kopf in das frische Gras. Für die kleine ein echter Festschmaus. Bald würden die beiden auch eine Karriere als Reitpferd einschlagen.
    • Waldvoegelchen
      Auch ein Beauty Tag muss mal sein. Zuerst holten Helena, Luke und Mr. Flynn Badawi, Felicitas und Dashing Blade von den Koppeln und putzten die Pferd gründlich. Gewaschen wurde nicht, dafür war es sowohl zu kalt, als auch zu nass, sodass die Tiere sofort wieder dreckig wären. Heute ging es eher um Zeit mit den Pferden. So hatte das augiebige Putzen eine massierende Wirkung. Badawi hatte zwar keine Lust, stehen zu bleiben, deshalb war es für ihn noch ein gutes Geduldstraining.
      Nach den Dreien kamen Heimerdinger, Jack und Peacekepper an die Reihe. Die Hengste genossen es sichtlich und dösten friedlich während sie verwöhnt wurden. Anschließend brachen Helena, Luke und Mr. Flynn noch zu einem kurzen Spaziergang auf. Die klare Luft tat gut und die Pferde freuten sich, nicht arbeiten zu müssen. Nach dem Spaziergang wurden alle wieder auf ihre Koppel entlassen.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Wohlverdienter Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Waldvoegelchen
    Datum:
    1 Jan. 2016
    Klicks:
    969
    Kommentare:
    9

    EXIF Data

    File Size:
    237,4 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Offizieller HG

    [​IMG]

    [​IMG]

    Vom: -

    Aus der: -


    [​IMG]

    Rufname: Peace, Paco
    Geburtstag: 19.02.2010
    Stockmaß: 1.75 m
    Rasse: Trakehner
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: varnish roan blanket appaloosa
    (Ee,ata,Lplp,PATN-1patn-1)
    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut


    [​IMG]

    freundlich, schreckhaft, vorsichtig, verschmust


    [​IMG]

    Peace ist ein freundlicher, aber sehr schreckhafter Hengst. Wenn er einen mutigen Reiter hat, wird er mit der Zeit sicherer und verlässt sich blind auf diesen. Bei Turnieren ist er meist auf dem Abreitplatz wild und aufgeregt, bei seinem Auftritt dann aber entspannt und cool. Man kann ihm einfach nicht böse sein, denn er ist im Umgang äusserst verschmust und erobert die Herzen aller Pferdefreunde im Sturm. Auch seine Farbe ist für einen Trakehner eher ungewöhnlich und macht ihn zu etwas ganz besonderem. Man weiss nichts Genaues über seine Abstammung, weshalb auch die Herkunft der Färbung ein Rätsel bleibt.


    [​IMG]

    Besitzer: Occulta
    Ersteller: mKay, Langhaar by Occu
    VKR: mKay
    Verkäuflich: Nein


    [​IMG]

    Gekört: Ja
    Nachkommen: -
    Decktaxe: 95J


    [​IMG]

    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: M
    Distanz Klasse: E

    Eignung: Springen, Military, Dressur
    Eingeritten: Ja


    [​IMG]

    [HK 451]
    [​IMG]

    1. Platz 249. Dressurturnier
    [​IMG]

    3. Platz 241. Dressurturnier
    3. Platz 230. Dressurturnier
    [​IMG]

    2. Platz 264. Springturnier
    [​IMG]

    2. Platz im Springen - Sommerturnier des Gestüts 'The Ghosts'
    [​IMG]
    2. Platz 363. Springturnier

    [​IMG]

    Peace's Spind