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Rhapsody

Parvati *

Lewitzer -- im Besitz seit 06/2015 -- Staatsprämienstute -- von Paramour -- aa ee ToTo

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Parvati *
Rhapsody, 15 Aug. 2016
Snoopy gefällt das.
    • Rhapsody
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      The Best of Both Worlds!
      | 11. Juli 2015
      „Denkst du nicht, dass du aufhören solltest, irgendwelche alten Fohlen von Paramour zu stalken?“

      „Nein,“ antwortete ich Adèle während ich schon zum nächsten Tab sprang. Mich interessierte brennend, wie Paramourbabys aussahen, ob sie irgendwie Pax ähnlich waren. Vielleicht im Blick oder so.

      Das war eines meiner liebsten Hobbys. Babys stalken. Pferdebabys. Babys die irgendwie nicht mehr wirklich Babys waren.

      Babys, die fünfjährig und zu Verkauf waren.

      Vielleicht war es nicht so klug, wieder ein Pferd zu kaufen. Aber ein Parababy!

      Als ich es Zoe und Adèle beichtete, erntete ich einmal Applaus (Zoe) und einmal einen Seufzer (Adèle).

      „Ihr seid wie der Engel und der Teufel, die auf meinen Schultern sitzen,“ bemerkte ich, woraufhin natürlich die Diskussion entstand, wer wer war. Daraufhin klinkte ich mich auf und sah mir noch einmal ein Bild der Stute an.

      Parvati, fünfjährig, aus Paramour. Ein schicker Fuchsschecke, von denen ich wirklich noch kaum einen besaß. Und ihre Mutter musste, laut der Anzeige, wohl das Springtalent vererbt haben. Mit etwas Glück hatte ich bald ein tolles, neues Allrounderpferd.

      Eher gedankenverloren klickte ich durch die Reiter, sah mir Fotos und Videos an, bis ich zufällig auf das Pedigree kam. (Das soll jetzt nicht heißen, dass ich das total ignoriert hatte. Aber in der Anzeige selbst stand schon, dass sie von Paramour abstammte, da hatte ich gar nicht weiter nachgedacht). Und dann blieb mir fast die Spucke weg.

      Als Mutter war, ungelogen, Chepa eingetragen. Im ersten Moment überlegte ich, ob es eventuell eine andere Chepa war, doch ich war mir sicher, dass es nicht viele Chepas gab, die von Piccolo’s Blaze abstammten und dessen Opa Kronjuwel war. Was bedeutete, dass die Stute, die ich da kaufen wollte, nicht nur ein Paramour- sondern auch ein Chepababy war. Was bedeutete, dass aus Parvati nur ein klasse Pferd werden konnte. Oder schon geworden war.

      Um es in Hannah Montanas Worten zu sagen: The best of both worlds. (Was übrigens noch einmal von Zoe wiederholt wurde, als ich den beiden die Nachricht überbrachte – ich war also nicht die einzige, die heimlich Disneyserien auf Netflix geguckt hatte.)

      ***

      Zur Versteigerung hatte ich ein paar Tage Urlaub in Deutschland gemacht, da Parvati in Greifswald stand. Das Gestüt war pleite gegangen und musste sich so von den Pferden trennen – an dem Tag sah ich viele Pferde, die weit unter Wert ersteigert wurden.

      Die Versteigerung selbst war super – es hatte ein wenig gedauert, bis ich den Dreh raushatte, doch jetzt klappte es langsam – und ich war froh, dass ich doch auf Risiko gegangen war und einen gemieteten Pferdeanhänger mitgenommen hatte. Auch ein Übergangsplatz war gesichert, nämlich im Stall der Pflegebeteiligung meiner Schwester. Dort durfte Parvati einige Tage stehen, bis ich das ganze Zeug mit der Fluggesellschaft ausgehandelt hatte.

      Am Flughafen in good ol‘ Canada erwarteten mich dann Adèle und Zoe, die mir sofort beteuerten, dass sie die Pferde natürlich in Elisas äußerst verantwortungsvollen Aufsicht gelassen hatten. Gekommen war sie beide auch nur, weil sie so gespannt auf das Baby waren.

      Wie gesagt – Baby war das falsche Wort. Zwar war Parvati nicht extrem groß, doch trotzdem noch 10 cm kleiner als ich. Laut Besitzer, mit dem ich nach der Versteigerung ein paar Worte gewechselt hatte, war sie eingeritten, eingefahren und geländesicher. Trotzdem bedarf es einem regelmäßigen Training, damit sie auch wirklich ihr gesamtes Potential ausschöpfen konnte.

      Was bedeutete, dass Elisa und ihre Crew wohl ein neues Pony zum trainieren hatten.

      Zuhause auf dem Pine Grove Stud kam Parvati, nach ein bisschen Beine vertreten, in eine Box, die sie aber sofort verließ. Der Paddock war dann doch attraktiver. So bald wie möglich sollte sie dann auf die Weide zu den anderen Stuten und dort ihre Mama wiedersehen.

      Doch fürs Erste musste ich jetzt Adèle dazu bringen, zu kochen. Das konnte sie nämlich wesentlich besser als Zoe und ich (und sie hatte wesentlich mehr Spaß dabei), und wenn ich mir Zoe so ansah, hatte sie genauso Hunger wie ich.

      Gwen, Elisa und Elena konnten den Neuzugang dann morgen kennenlernen. Wir hatten andere Sachen (Essen) zu tun.
    • Rhapsody
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      Cloud Nine im Springtraining (oder auch: definitiv viel höher als Wolke vier!) - © Samarti
      | 24. Juli 2015
      „Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen, weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen“, sang ich leise vor mich hin und kickte den Kieselstein (nein, nicht Pebbles) vor meinen Füßen her, während ich mich auf dem Weg zum Hengststall befand. Eigentlich wollte ich meinem Liebling Levi mal wieder ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen, aber das altbekannte Blondchen mit dem fröhlich-frechen Grinsen auf dem Gesicht durchkreuzte meine Pläne.
      „Ich war da schon einmal, bin zu tief gefall'n; lieber Wolke vier mit dir, als unten wieder ganz allein!“
      „Elisa.“
      Einfach weitersingen, Elisa. Einfach weitersingen.
      „Elisaahaa.“
      Sie wird schon irgendwann wieder verschwinden.
      „Eliiischen.“
      „Ich war da schon einmal, bin zu tief gefall'n; lieber Wolke vier mit dir als unten wieder ganz allein!“
      „Eliihiiihiiisaaaahaaa.“
      „Hab' nicht geseh'n, was da vielleicht noch kommt, was am Ende dann mein Leben und mein kleines Herz zerbombt.“
      „Du hast ein Herz?“, funkte Jojo dazwischen, verschwand aber dann schnell wieder um die nächste Ecke. Irgendwie war Jojo diese Art von Person, die immer da war, aber genauso schnell, wie sie gekommen war, auch wieder verschwand. Ich hatte mich schon mehr als nur ein einziges Mal gefragt, wo sie denn den ganzen Tag steckte, aber wahrscheinlich betüddelte sie einfach nur den lieben, langen Tag ihren Liebling Pacco. (Oder Pax. Aber ich würde niemals aufgeben, Pacco klang einfach so viel besser als Pax!)
      Seufzend ergab ich mich und machte Halt, um mich dann zu Elena umzudrehen. „Was ist?“
      „Ich hab ja verstanden, dass dir Wolke vier lieber ist als Wolke sieben, aber hast du nicht Lust auf Wolke neun?“ Zaghaft sprach sie die letzten Worte aus, fast, als würde sie bereits wissen, was sie für eine Reaktion erwarten würde.
      „Du weißt, dass ich noch viel zu viel zu tun habe“, grummelte ich, nahm dann den Kieselstein (diesmal war es tatsächlich Pebbles) auf den Arm und strich ihm über sein graues Köpfchen. Schnurrend schmiegte sich der Kater gegen meine Brust, wandte sich aber dann bald in meinen Armen, als ich ihn unter dem Bauch kitzelte.
      „Du. Training. Wölkchen. Jetzt. Springen. M. Hopp hopp!“, wies Elena an, doch ich stand nur vor ihr, starrte sie mit geöffnetem Mund an und schüttelte dann wie in Trance den Kopf.
      „Elena, ich bin nicht dein Skla-“ „Sonst gibt es Cressi-Verbot.“
      Zugegeben, ich musste schlucken. Laut. Zu laut, als dass es noch irgendwie dramatisch hätte aussehen können, wahrscheinlich sah ich gerade aus wie irgendein Vollidiot, der gerne Schauspieler wäre. (Innerlich hörte ich schon Jojo sagen: „Das tust du immer.“)
      Dann drückte ich Eli Pebbles in den Arm; wie auch bei mir kuschelte er sich erst an Elena und umklammerte dann aber ihre Hände, haute seine Krallen rein und versuchte, in ihren Daumen zu beißen. An ihrem Gesichtsausdruck sah man ihr aber an, dass sie es viel zu süß fand und die Schmerzen gar nicht weiter interessant waren.
      Katzen – nicht nur die Ägypter hatten sie verehrt.
      Jetzt grübelte ich aber, ob Elena als Kleopatra durchgehen könnte. Mit schwarzen Haaren, der richtigen Schminke und-
      „Du hast ein Pferd zu trainieren, starr mich nicht so an, als wäre ich irgendeine Königin.“
      … Konnte sie Gedanken lesen?
      „LOS JETZT!“
      „JA VERDAMMT, LASS MIR DOCH ZEIT, ALTER!“
      „NEIN, ALTER! TRAINIER JETZT MEIN PFERD!“
      „WIESO MACHT MATTHEW DAS NICHT?!“
      „Der Arme soll sich nicht so überanstrengen, der hat mit dir genug zu tun.“ Fast schon mütterlich verteidigte sie Matthew und drückte dann ihr Gesicht an Pebbles – nur diese Bewegung brachte ihr aber nichts Anderes als Kratzspuren unter dem Auge, auf der Höhe des Wangenknochens und über der Augenbraue ein. „Böser Pebby!“, mahnte sie Pebbles spielerisch mit ihrer „Kätzchenstimme“ (oder auch einfach: Babybstimme) und wedelte mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum, was meinen Kater aber nur dazu brachte, auch diesen noch fangen zu wollen.
      „Das ist eine Katze, kein Kind.“
      „Lass mich in Ruhe und mach deinen gottverdammten Job. JETZT!“
      „HALLO ELENA!“, ertönte es dann plötzlich hinter mir und verwundert drehte ich mich um. Wieso zur Hölle schrie Gwen übers ganze Gestüt?
      Dann merkte ich, dass sie mich damit rettete.
      Wahrscheinlich wollte sie das nicht einmal.
      Aber sie tat es.
      Also warf ich ihr ein dankbares Lächeln zu, griff nach Pebbles (den Elena nur losließ, weil sie gerade irritiert Gwen betrachtete), rannte einfach weg und setzte den Kater dann auf einem Strohballen ab. Anscheinend war es jetzt üblich bei uns, dass immer ein Strohballen in der Stallgasse herumlag. Aber gut, so kamen wir um eine andere Sitzgelegenheit drum herum.
      Während Gwen und Jojo, die übrigens auf Tawny Bawny und Parvati saßen, nun Elena belagerten und sie dazu überreden wollten, mit ihr auszureiten, war ich schnell in den rettenden Stall verschwunden. Aber der war dann auch nicht mehr so rettend, als Elena zielstrebig den Stutenstall betrat, sich das Halfter von Star's Diamond schnappte und mir ein „Wir gehen ausreiten, viel Spaß beim Training!“ zurief.
      Wenigstens war ich die Gefahr so los.

      Gerade, als ich Cloud Nine aus dem Stall führte und auf dem Weg zum Springplatz war, konnte ich noch die Rückseiten der drei Ponystuten mitsamt Reitern erkennen, die sich langsam, aber sicher in Richtung des Waldes bewegten. Das bedeutete für mich, dass sie eine ganze Weile unterwegs sein würden – vorausgesetzt, es kam nichts dazwischen. Und bei den drei gelassenen Damen (ich sprach von den Vierbeinern!) war es sehr wahrscheinlich, dass ich meine Ruhe haben würde. Allerdings brachten die drei Reiterinnen mich zum Zweifeln.

      „Ach, Neun“, murmelte ich dann Nino zu und öffnete das Tor des Platzes, damit wir eintreten konnten, „ich wäre eigentlich viel lieber auf Wolke vier geblieben, aber Elena wollte mich mal wieder höher schicken.“ Haha, Elisa. Guter Witz! Innerlich klopfte ich mir dafür gerade lobend auf die Schulter.
      Es reichte aber nicht, dass man auf Cloud Nine schon mehr als hoch saß; nein, für ihn sollte es auch hoch hinaus. Ich wünschte nur, ich hätte keine Höhenangst gehabt, dann würde sie das als viel einfacher herausstellen. Tat es aber nicht.
      Der schicke Hannoveraner brauchte wohl an sich kaum Training. Trotzdem wurde ich von Elena dazu verdonnert, die nächsten Wochen mit ihm zu arbeiten. Halt solange, bis er auf M-Niveau lief – und dann noch weiter. („Immer weiter, damit er auch bloß nichts verlernt!“)
      Die Hindernisse machten einen ganz schönen Sprung. Knappe zwanzig Zentimeter würde er jetzt höher springen müssen – und auch zwanzig Zentimeter weiter. Dennoch hatte Nino Spaß am Springen und machte das mehr als deutlich, wenn er wieder mit gespitzten Ohren auf den Sprung zulief und teilweise wieder etwas zu schnell galoppierte, als dass er sich versammelt dem Hindernis näherte. Wie auch immer, wir tasteten uns langsam heran und ließen uns die Zeit, die Nino dann auch wirklich brauchte. Es brachte nichts, ihn zu überfordern, auch wenn das bei seinem Arbeitseifer viel zu einfach gewesen wäre.
      Doch nicht nur seine Größe, auch seine Stärke, die in ihm steckte, vereinfachten es Wölkchen dann auch, die geforderte Höhe und Weite zu springen.

      „Elena, Nino ist jetzt M**-fertig. Bitteschön. Du kannst ihn wieder mitnehmen.“ – „Nein, nein. Der bleibt hier. Ich sagte doch, immer weiter! Immer schön weiter, du kannst das so gut, Kindchen!“ Mütterlich (irgendwie war sie inzwischen ständig so, sie hatte ja auch schon Colin bemuttert) tätschelte sie meinen Kopf, wenn auch etwas unbeholfen, was mich nur zum empörten Schnauben brachte.
      Jetzt konnten mich nur noch Mandelwölkchen retten.
    • Rhapsody
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      Schnarch-Men
      | 02. September 2015
      „Elisa. Elisa, der Film läuft. Elisa, du hast das Marvel-Logo verpasst.“

      Elisa interessierte das nicht. Elisa starrte nur auf das Tablet, ignorierte Elena, die sie mit Flips bewarf und Gwen, die ihr ununterbrochen in den Fuß piekte. Elisa hatte nur Augen für ihr blödes Zellteilspiel. Das einzige, was darauf hindeutete, dass sie doch noch verstand, was um sie herum geschah, war ein gemurmeltes „Gleich. Ich bin Platz 2 im Leaderbord,“ in einer Monotonie, die jeden Mathelehrer dahinschmelzen ließ.

      Warte mal. Hatte ich gerade einen Mathewitz gemacht?! Bevor noch jemand sah, dass ich mich selbst innerlich zerfetzte, drehte ich mich wieder dem Fernseher zu. „Oh. Elisa, du hast … wieder irgendwas verpasst.“

      Dann war Stille, denn immerhin guckten wir einen Film. Die Lichter waren aus, nur der Fernseher war erleuchtet (und das Tablet weil Elisa ein verdammter Suchti war). Überall roch es nach Pizza, die wir nun endlich essen konnten – Gwen war strikt dagegen, zu essen bevor der Film begonnen hatte und da Gwen die meiste Selbstkontrolle hatte, hatte sie die Pizzen in Gewahrsam genommen.

      Vor etwa einer Stunde kamen wir zurück von einem Ausritt, pitschnass, hungrig und in manchen Fällen (also meinem) ein wenig angepisst. Dieses Mal hatten meine Freunde ausnahmsweise meine Pferde geritten – das ging nämlich auch. Mit Tautou, Parvati, Bacia, Chepa und Star war es dann losgegangen. In den ersten fünf Minuten schlossen wir noch Wetten über das Wetter ab – danach hatte uns ein lautes Grollen begrüßt und keine zehn Minuten später begann es, zu regnen. Zoe, die uns begleitet hatte und auf Chepa gesessen war, nannte uns Memmen und Schönwetterreiter. Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen und waren so mit knirschenden Zähnen weiter geritten. Den Stuten hatte es auch nicht sonderlich gefallen; vor allem Parvati unter Gwen hatte sofort angefangen, zu tänzeln. Früher oder später waren wir dann doch zurückgekehrt, nämlich als Zoe kleinlaut zugegeben hatte, dass ihr das Wasser in den BH lief und sie dann doch ganz gern wieder trocken wäre.

      Und weil wir hungrig gewesen waren, hatten wir Pizza bestellt und nach einem Film geguckt. Das war mit Netflix und vier verschiedenen Personen, die alle ihre Meinung durchsetzen wollten, schwierig, aber schließlich hatten wir die ersten zwei Filme der X-Men-Reihe gefunden und Elisa, zu dem Zeitpunkt noch hundertprozentig in der Realität, hatte begeistert „DIE GUCKEN WIR, KEINE WIDERREDE!“ gerufen und das war es dann gewesen. Doch dann hatte sie mein Tablet gefunden und war abgetaucht.

      Erst, als Rogue und Logan von irgendwelchen Leuten („DAS IST THOR!“ – „Thor ist Marvel“ – „X-Men auch“ – „JA ABER NICHT SO WIE THOR“) angegriffen wurde, hörte Elisa etwas zu – auch nur, um uns mitzuteilen, dass sie Wolverine nicht mochte.

      „Ich mein, muss der wirklich Zigarren rauchen? Kann der sich mal die Haare ordentlich schneiden? Und kann mal jemand mit dem shoppen gehen?“

      Dann war sie wieder in ihr Mitosis-Game vertieft. So tief, dass sie nicht spürte, wie Elena sie alle paar Minuten mit gesalzenen Erdnüssen bewarf.

      „Mach doch das W-LAN aus,“ schlug Gwen flüsternd vor, als Elisa wieder irgendetwas von Leaderbord redete. Elena hatte das gehört und schnalzte genervt mit der Zunge. „Ehrlich, Gwen?“

      „Was?!“

      „Netflix braucht W-LAN,“ murmelte ich, meine Augen auf den Fernseher fixiert. Aber Professor X hatte gerade erklärt, was dieser Magneto alles mit der Menschheit anstellen wollte, da durfte ich das!

      Hinter mir quietschte das Sofa leise, ein paar Augenblicke später zischte Elena: „Sie hat nur noch 2% Akku.“

      Und dann, nur etwa zwei Minuten später – Magneto hatte gerade irgendeinen Mutantengegner entführt und redete in einem ewigen Monolog – schrie Elisa auf einmal auf. Gwen und ich warfen uns nur vielsagende Blicke zu, dann drehte ich mich leicht um, um Elisas Schmach zu sehen. Mit verschränkten Armen saß sie in der Ecke des Sofas, schmollend, immer noch nicht bewusst, dass in ihren Haaren um die zehn Erdnüsse steckten.

      „Ich war auf dem ersten Platz! Erster!!“

      Ich hob eine Augenbraue und drehte mich dann wieder Richtung Fernseher.

      Die nächsten paar Minuten waren alle still, als wir sahen, wie sich Magnetos komischer Gefangener aus seiner Zelle quetschte, da er ja jetzt auch ein Mutant war und aussah wie ein ekelhafter Fisch.

      „Magento ist ein blöder Name,“ meldete sich Elisa schließlich. „Er trägt ja nicht mal lila!“

      „…Ist das dein Ernst?“ fragte ich und drehte mich wieder zu Elisa um. Die sah mich nur mit weitaufgerissenen Augen an, als wolle sie sagen ‚Ja … natürlich?!‘

      „Das kommt davon, wenn man einen Film schauen will aber dann von einem dämlichen Kreisespiel abgelenkt wird,“ kommentierte Elena und griff sich das allerletzte Stück Pizza aus einem Karton, der definitiv nicht ihrer war. Und sie kam durch damit! Wie unfair war das denn bitte?!

      Um mich von meinem Schmerz, Elena beim Essen des letzten Pizzastückes zusehen zu müssen, abzulenken, erklärte ich Elisa, dass der nervige Bösewicht eigentlich Magneto hieß. Sie beschloss, dass das noch blöder war und blieb bei Magento.

      Solange es sie glücklich machte.

      Auf dem Bildschirm ließ Rogue sich gerade von „ihrem Freund“, der natürlich „absolut real“ war und „absolut kein Mutant namens Mystique, die sich in alles und jeden verwandeln konnte und für Magneto arbeitete und Rogue von der Akademie weglocken sollte, damit Magneto diesmal sie kidnappen konnte, um alle UN Senatoren in Mutanten zu verwandeln“ und endlich, endlich verstummten alle. Das einzig Geräusch war das Kauen von Elena.

      Magneto kidnappte also Rogue, die Freiheitsstatue wurde für den finalen Kampf zwischen Professor X und Magneto (oder: pro-Menschen-Mutanten und anti-Menschen-Mutanten) missbraucht und Rogue natürlich wieder befreit. Magneto kam in ein Gefängnis ohne Metall (haha.) damit er nicht ausbrechen konnte, Mystique tat so, als wäre sie ein Senator und Wolverine machte sich auf den Weg nach Kanada, um sich selbst zu finden oder irgendein anderer Hippiescheiß. Alle waren glücklich oder tot oder in einem Gefängnis „ohne Metall“.

      Wir spulten die Credits vor, fanden keine Post-Credit-Szene und waren natürlich enttäuscht (oder wohl eher: ich war enttäuscht). Gwen und Elena boten sich an, ein wenig Ordnung zu schaffen, und gerade, als wir aufstehen wollten, sah ich aus den Augenwinkeln, wie Elisa mit den Armen schlug und sich ruckartig aufsetzte.

      „Ich bin wach, was hab ich verpasst?“

      Ein paar Sekunden lang sagten wir alle gar nichts. Elisa blinzelte uns fragend an, dann ergriff Elena das Wort.

      „Was hast du alles verpasst?“

      „Äh … das letzte, an das ich mich erinnern kann, ist … ähm. Ro-Rogue? Glaube ich.“

      Gwen, Elena und ich sahen uns alle genervt an, dann gingen Gwen und Elena mit Abfall bepackt in Richtung Küche, während ich mich neben Elisa setzte und ihr den Film nochmal erklärte.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen E-A - © Gwen
      | 30. September 2015
      Am Frühstückstisch erwarteten mich ein Brief mit meinem Namen drauf – und keiner, der mir die Situation erklären konnte. Ich erkannte jedoch Elisas Handschrift sofort und setzte mich so missmutig an den Tisch. Das konnte ja gar nichts Gutes bedeuten.
      Und ich sollte recht behalten. Nach dem Frühstück – weil das die wichtigste Mahlzeit des Tages war konnte ich so einen Lappenbrief nicht vorziehen! – öffnete ich den Umschlag und hätte ihn am liebsten wieder geschlossen und einfach so getan, als gäbe es ihn gar nicht.
      Hi Gwen, ich hab noch ein Pferd zum Ausbilden für dich. Schaff’s selber nicht weil ich mit Elenas Pferden beschäftigt bin. Ups. See you later alligator
      Also zwängte ich mich in eine Reithose und meine Stallschuhe und war aus dem Haus.
      ***
      Das Pferd, das dann auf mich wartete, war Parvati, was mir auch nicht wirklich viele Fragen beantwortete. Ich hatte die Stute noch nicht wirklich oft unterm Sattel gesehen, aber ich betete einfach, dass sie da ganz nach ihrem Papa kam. Obwohl vielleicht eine Paramour-Kopie nicht ganz das Wahre war, denn dann hatte ich an einem Tag wie diesen ein komplett unkonzentriertes Pferd unter mir.
      Naja, groß etwas dagegen unternehmen konnte ich jetzt auch nicht mehr. Also führte ich den Fuchsschecken aus der Box, um sie bereit fürs erste Training zu machen. Das erste Training konnte nicht einmal wirklich Training genannt werden; alles, was ich mir für heute vornahm, war ein bisschen Boden- und Cavalettiarbeit, um Parvati für die Sprünge gut vorzubereiten.
      Schon bald fand ich jedoch heraus, dass Parvati wirklich eher in die Richtung ihrer Mutter schlug; das Freispringen machte ihr unheimlichen Spaß, auch, wenn sie teilweise noch ein wenig ungebremst war. Die ersten paar Tage, die sie unter dem Sattel verbrachte, waren also dem versammelten Galopp gewidmet. Doch dann konnte ich langsam aber sicher mit den richtigen Hindernissen arbeiten. Und das gefiel ihr unheimlich; ich vermutete, dass Jojo schon ein bisschen mit ihr trainiert hatte, denn die erste Erhöhung der Stangen merkte man im Sattel kaum. Ein anderes Merkmal, dass für das Springtraining passte, war, dass sie immer sprang. Trotzdem arbeiteten wir daran, dass sie nicht komplett kopflos über die Stangen ging, sondern wenigstens ein wenig mitdachte.
      Gerade hatte ich entschieden, dass Parvati wohl in der nächsten Woche wieder zurück aufs Pine Grove Stud gehen dürfte und ich heute die Hindernisse auf die letzte Stufe, nämlich auf eine Höhe von 1,10m für das A**-Niveau, stellen würde, da hörte ich, wie sich jemand dem Reitplatz näherte. Jojo war eingepackt in bestimmt zwei Pullover, einer Mütze und gefütterten Stiefeln – so eine Memme – und grinste mich breit an. „Elisa hat dir mal wieder ein Pferd aufgeschwatzt?“
      Ich rollte nur mit den Augen und zog den Sattelgurt nach. „Wir sind aber schon fast wieder fertig. Nur noch diese Höhe, dann ist sie soweit fertig.“
      „Na das will ich sehen,“ sagte Jojo und lehnte sich an den Reitplatzzaun. Unter ihrem wachen Augen, das wohl nicht so ganz wach war wie gedacht, ritt ich die Lewitzerstute warm und ließ sie zum Einstieg über ein paar niedrigere Hindernisse springen und über Galoppstangen galoppieren. Es dauerte nicht lange, da begann sie zu schwitzen – sie schob schon ganz schon Winterfell und schwitzte bei den durchaus sonnigen Temperaturen von 15°C. Weiterhin ritt ich einen kleinen ausgedachten Parcours über die Hindernisse, ehe es an die höchste Stufe ging. Ordentlich versammelt steuerte Parvati den Steilsprung an, während ich die Galoppsprünge zählte, und ehe ich mich versah, waren wir auch schon auf der anderen Seite.
      Ein paar Mal wiederholte ich genau diesen Steilsprung, ehe ich Jojo dazu verdonnerte, auch die restlichen Hindernisse zu erhöhen. Problemlos sprang Parvati über jedes einzelne und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als doch mal eine Stange fiel.
      Am nächsten Tag war dann das Abschlusstraining; diesmal saß Jojo selbst auf ihrer Stute, während ich ihr den Parcours erklärte, den sie zu überwinden hatte. Man merkte es ihr zwar nicht immer an, doch wenn es um etwas ging – und wenn es nur der Beweis war, dass sie durchaus eine ganze Mandarine auf einmal in ihren Mund stecken konnte – dann war Jojo voll bei der Sache. So auch jetzt, als sie Parvati auf der linken Hand angaloppierte und mit eiserner Mine über den ersten Rick hinübersetzte. Von da an war es ein einziges Zusammenspiel zwischen der Reiterin und der Stute: Hilfe, umgesetzte Hilfe, Sprung, rinse and repeat. Am Ende ließ Jojo noch die Zügel lang und Parvati streckte sich sofort nach unten.
      „Mission complete,“ sagte ich zufrieden, als die beiden vor mir standen. „Dankesreden gehen bitte an meine Fanpostadresse.“
    • Rhapsody
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      Jolympia
      | 10. Oktober 2015
      „Dir ist aber klar, dass Tautou schon auf einem Turnier war …?“

      Ich rollte mit den Augen. „Danke, Adèle, das hatte ich ja ganz vergessen. Aber sie war noch nie auf einem solchen Turnier. Und Parvati und Blurry auch nicht –“

      Ich wurde unterbrochen von Zoe, die, wie jedes Mal, wenn jemand den Namen des Holsteinerhengstes erwähnte, anfing, zu singen (sing-murmeln). „My name is Blurryface and I care what you think.”

      Am liebsten hätte ich ihr das aufgeschlagene Stalltagebuch ins Gesicht geschleudert, aber Adèle übernahm die Strafe, indem sie der Rothaarigen auf die Füße stieg.

      „Auf jeden Fall,“ fuhr ich fort, „finde ich, die drei könnten es durch aus vertragen, sich das Getümmel einfach mal anzugucken. Schaden wird es ihnen bestimmt nicht. Und, bevor sich noch jemand äußert, ich übernehme Blurry.“

      Sofort protestierten beide – Blurry hatte sich innerhalb der zwei Monate, die er jetzt hier lebte, schon zum allgemeinen Liebling gemausert. Jeden Tag wurde Schere-Stein-Papier gespielt und der Gewinner hatte dann das Privileg, den Hengst zu beschäftigen (aber ich hatte trotzdem des Öfteren die Chef-Karte ausgespielt. So wie heute).

      ***

      Jolympia – nein, ich würde mich jetzt nicht über den blöden Namen aufregen – war mittlerweile mitten in den Prüfungen, also war heute einer der besten Tage für das Youngster-Experiment.

      Ausgiebig wurden alle drei Ponys (ja, Painted Blur war durchaus ein Pony.) geputzt und geschniegelt – man sollte sie ja durchaus für Teilnehmer halten. Adèle ging sogar so weit, dass sie Tautous Löwenmähne mit einer Schere viel zu nahe kam – zum Glück konnte ich mich noch dazwischen werfen. Widerwillig flocht sie ihr dann doch nur Zöpfe.

      Ich hätte gerne einen absolut dramatischen Auftritt gemacht, komplett mit Sonnenbrillen und Slow-Mo, aber laut den anderen beiden wäre das „too much“ gewesen. Also legten wir den Ponys nur ordentliche Halfter an, die entweder frisch gewaschen oder noch nicht benutzt gewesen waren, und schleusten uns ganz unauffällig auf das Turniergelände (das natürlich nur Elisas Hof war aber wen interessierte das schon?).

      Wir trennten uns schon bald und machten auf eigene Faust das Areal unsicher. Okay, nicht wirklich unsicher – das wildeste, das Blurry machte, war einmal zusammenzuzucken, als es einen Knall aus dem Stall gab. Mir wurde von irgendwelchen Teilnehmern aber sofort versichert, dass ein Pferd wohl nur ausgeschlagen hatte und dabei eine Boxentür getroffen hatte, als ich nachfragte.

      Und der Rest des Experiments war … eher langweilig. Eine Zeit lang sah ich bei den Springprüfungen zu, dann machte ich noch einen Rundgang mit Blurry, ehe ich mir die nächste Prüfung anguckte. Irgendwelche bekannten Gesichter sah ich auch nicht; einmal dachte ich, ich hätte Declans Gesicht gesehen, aber das stellte sich dann auch nur als optische Täuschung heraus.

      „Du bist langweilig,“ meinte ich schließlich zu Blurry, als ich den anderen kurz per SMS Bescheid sagte, dass wir zurückgehen würden. „So langweilig. Wieso bist du so langweilig?“

      Der Hengst guckte mich nur mit großen Augen an.

      ***

      Der Lagebericht an dem Abend war auch äußerst unspektakulär. Tautou – die ja schon auf mehreren Turnieren gewesen war und deshalb heute vielleicht eher was Richtiges hätte machen sollen, sagte eine Stimme, die verdammt nach Adèle klang, in meinem Kopf – war, ähnlich wie Blurry, durchgehend entspannt gewesen. Mit Parvati hatte es anscheinend ein paar mehr Situationen gegeben, bei denen sie beruhigt werden musste, aber letzten Endes war auch sie ganz souverän übers Gelände gegangen.

      „Wir haben einen schlimmen Fall von Streberismus,“ murmelte ich, während ich das Experiment ins Stalltagebuch schrieb. „Wieso haben wir immer Streber?“

      „Wie der Herr, so’s Gscherr,“ antwortete Zoe in einem astreinen Deutsch. Bayerisch. Fränkisch? Was auch immer. Auf jeden Fall sahen Adèle und ich sie beide entgeistert an.

      Während bei mir aber erst einmal die Realisation einsackte, was die Gute wirklich gesagt hatte, liefen Adèle und Zoe beide aus dem Zimmer – und Adèle flehte Zoe an, ihr das auch beizubringen.

      „Ich bin umzingelt von Idioten,“ stellte ich schließlich fest. „Umzingelt.“
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen L-M - © Gwen
      | 30. November 2015
      Schon früh am Morgen kreuzte ich in Jojos Stallungen auf. Die erste war ich aber trotzdem nicht, denn Zoe fütterte gerade die Pferde. Mein erster Gang führte dann auch zum schwarzen Brett, wo Jojo mir ihre zu trainierenden Pferde für November aufgeschrieben hatte. Ich arbeitete die Liste einfach brav von oben nach unten ab und dementsprechend standen heute auf jeden Fall Sikari und Parvati auf dem Plan.
      Jojos Lewitzerstall hatte sich ziemlich schnell vergrößert und konnte sich inzwischen guten Gewissens präsentieren. Die Hälfte ihrer Tiere war inzwischen auch schon für die Zucht zugelassen, so dass einer Lewitzerzucht nichts mehr im Wege stand. Auch Sikari und Parvati waren zwei potenzielle Zuchtanwärter, die mir selber gefielen. Besonders Parvati stach mir mit ihrer schönen Scheckung ins Auge.
      Mit Parvati würde ich diesen Monat wieder im Springen trainieren, während ich mir mit Sikari erst einmal eine Grundlage in der Dressur legen wollte. Da ich heute schon recht motiviert und munter war, begann ich mit Parvati und holte die hübsche Stute aus der Box, um sie gründlich zu putzen und dann zu satteln. In der Halle stand bereits der aufgebaute Parcours und Zoe begleitete unser Training, um eventuell gefallene Stangen wieder auf ihren Platz zurückzulegen.
      Doch erst einmal ritt ich Parvati in aller Ruhe warm und arbeitete viel mit Trabstangen und Cavaletti. Momentan steuerten wir auf M-Niveau hin und das war doch schon ein Schritt der etwas größeren Art. Dennoch ließ ich mich nicht entmutigen. Parvati kannte ich bereits und wusste auch, welches Potenzial sie in sich trug, dennoch wollte ich mit den Grundlagen beginnen und auch erst einmal auf L-Höhe bleiben und trainieren.
      Heute verbesserten wir eigentlich nur ihre Technik und deshalb durchritt ich den Parcours auch extra langsam, so dass auch Zoe jeder Fehler auffallen konnte und sie mir direkt davon berichtete. Nach anfänglichen Fehlern machte Parvati ihre Sache dann aber wirklich gut, weshalb ich mir sicher war, dass wir schnell und gut vorwärts kommen würden. Für heute reichte es jeden Fall uns ich ritt die Stute ab.
      Nachdem Parvati dann zufrieden auf ihrer Weide stand, machte ich mir Sikari fertig. Mit der Stute hatte ich bisher noch nicht so viel zu tun gehabt, war sie aber auch schon öfters geritten. Dementsprechend wusste ich um ihren Entwicklungsstand und so wusste ich auch, wo wir anknüpfen würden: Beim Außengalopp. Den hatte ich letzten Monat bereits grob begonnen, weil Galopp Sikari gerne mal noch schwer gefallen war.
      Inzwischen lief die Stute schon schön geradegerichtet und ehrlich, dementsprechend fiel ihr heute der Außengalopp nach unserem ausgiebigen Aufwärmen nicht sonderlich schwer. Ich ließ sie immer richtig angaloppieren und wechselte dann durch die ganze Bahn ohne den Galopp zu wechseln. Anfangs schien Sikari das ein wenig seltsam zu finden, aber sie gewöhnte sich dran.
      Wir übten heute auch direkt das Anspringen im Außengalopp und siehe da! Sikari war richtig dressurbegabt und es funktionierte auf Anhieb. Für heute reichte das meiner Meinung auch und ich ritt die Stute ab, ehe ich sie versorgte. Den Abend verbrachte ich zu Hause vor den Trainingsplänen der beiden Stuten.

      Insgesamt investierte ich pro Pferd gut drei Wochen Training. Mit Sikari ging das wirklich fix. Die Kehrtwendungen und der einfache Galoppwechsel saßen ziemlich schnell, da kam ihr ihr Alter definitiv zu gute, denn sie verfügte sowohl schon über die Kraft als auch über das Wissen, um diese Lektionen auszuführen. Auch die versammelten Gangarten hatten wir schnell auf die Reihe gebracht.
      Mit den versammelten Gängen und den vielen Volten und Schlangenlinien, verlegte sich Sikaris Gewicht auch zunehmend auf die Hinterhand und am Ende unseres Trainings hatten wir ganz nebenbei auch eine echt schöne Selbsthaltung von ihr erarbeitet. Meiner Meinung nach war sie nun mehr als bereit für das L-Niveau.
      Bei Parvati hatte ich zwischenzeitlich mit ihrem Tempo zu tun. Die Stute war mir schlichtweg zu schnell unterwegs. Mit viel Geduld und Zeit brauchten aber auch das in Ordnung und so konnten wir auch einen M-Parcours schon bald in aller Ruhe durchspringen und ich konnte vor allem das Tempo selbst regulieren, so dass Parvati wirklich auf mich hörte.
      Alles in allem war ich mehr als zufrieden mit beiden Stuten und das schrieb ich Jojo auch, denn obwohl sie nicht hier in Kanada war, hielt ich sie ständig auf dem Laufenden, immerhin sollte sie ja auch wissen, was ich mit ihren armen Vierbeinern hier veranstaltete.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur E-A - © Gwen
      | 30. Dezember 2015
      „Oh, mal wieder Dressur“, meinte ich lachend, nachdem ich zwei von Jojos Pferden im Springen trainiert hatte. Zoe blickte unschuldig drein und führte Parvati in die für sie vorgesehen Box. Die Fuchsscheckin war wirklich ein Augenschmaus, die hätte ich eventuell sogar selbst behalten. Eventuell, wenn ich nicht schon genügend Pferde gehabt hätte. Die wollten heute auch noch geritten werden, deshalb musste mein Berittpferd auch erst einmal ein wenig warten. Aber so konnte sie sich wenigstens in aller Ruhe eingewöhnen, denn ein Weilchen würde sie bei mir bleiben.
      Direkt nach dem Ritt baute ich den Parcours ab, denn Parvati und ich brauchten Platz. In der Zwischenzeit konnte Nayala aber in Ruhe trocknen und als ich endlich fertig war, konnte ich sie zurück auf die Weide bringen und mit der Lewitzerstute weitermachen.
      Nun war also Parvati an der Reihe. Zuerst putzte und sattelte ich die Stute, ehe ich sie in aller Ruhe warmritt. Auf unserem Trainingsplan stand allerhand. Der Schritt von E zu A war nicht gerade ohne, aber wir begannen einfach mit dem Mitteltrab und der Mittelgalopp. Es dauerte ein Weilchen bis Parvati verstand, was ich von ihr verlangte, aber dann konnten wir die erste Lektion schon abhaken.
      Die Übergänge vom Schritt in den Galopp fielen Parvati leicht, weil die Stute eine schöne Selbsthaltung besaß und dementsprechend auch ordentlichen Schub aus der Hinterhand brachte. Da brachte Parvati schon sehr gute Anlagen mit sich.

      In den nächsten Trainingsstunden arbeiteten wir am Rückwärtsrichten und dem Viereck verkleinern und vergrößern. Für Parvati war ersteres besonders schwer, weil sie sich nicht wirklich auf mich verlassen wollte und mir nicht vertraute. Es dauerte lange, bis sich das wirklich änderte, aber dann klappte auch das Rückwärtsrichten.
      Die Seitengänge hingegen saßen sofort und es lief gut. Jojo freute sich über die Fortschritte ihrer Stute und motiviert waren beide, als ich sie auch ab und an zusammen unterrichtete. Jojo konnte zwar schon wesentlich mehr als ihre Stute, aber sie gewöhnte sich schnell wieder an das "untere" Niveau. Parvati tat es auf jeden Fall auch gut, von einer vertrauten Person geritten zu werden.
      Zu guter Letzt erlernten wir noch die Kehrtwendung und das Überstreichen im Galopp. Abschließend mussten nur noch die Volten und Schlangenlinien klappen und dann hatten wir das A-Niveau bereits erreicht. Nun ging es nur noch an das Verfeinern und Ausbessern. Das brauchte oftmals auch seine Zeit, aber es gelang uns, in kleinen Schritten. Langsam gings vorwärts und ich war mir sicher, dass wir noch kurz vor dem neuen Jahr schafften. Noch einige Stunden investierten wir und dann hatten wir es auch schon hinter uns gebracht.
      Parvati war bereit, nun ins neue Jahr einzutreten und so brachte ich sie zurück auf Jojo zum Gestüt. Dort war bereits große Besprechung, wie denn Silvester verbracht wurde. Oder man sollte es eher Diskussion nennen, deshalb brachte ich Parvati leise in den Stall und verschwand dann schnell wieder, ohne dass man mich wirklich sah.
    • Rhapsody
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      Honey, I'm Home!
      | 23. Januar 2016
      Gut, es war vielleicht ein wenig fies, niemanden Bescheid zu sagen, dass ich wieder kommen würde. Aber Zoe, Adèle und Declan waren auf dem neusten Stand der neuen Stände, sie hätten also damit rechnen müssen.
      Womit sie nicht rechnen würden, war mein Begleiter.
      Die letzten Monate waren vielleicht nicht so super gewesen, aber ich hatte in Deutschland schnell wieder Freunde gefunden – unter anderem eben Lesja, der sich schon schnell zu einem meiner engsten Vertrauten gemausert hatte und sogar mit nach Kanada gekommen war. Er hatte zwar schon zuvor vorgehabt, ein paar Wochen (jetzt wohl Monate) mit Rucksack durch die kanadische Walachei zu ziehen – jetzt durfte er Mistgabel schwingen und beim Trainieren der Pferde helfen (dank einer kleinen, hartnäckigen Schwester war er wohl ein ganz guter Reiter gewesen).
      Eines führte zum anderen und er hatte sich bereit erklärt, als Aushilfe mit nach Kanada zu kommen. Zwar hatten wir ein bisschen abgespeckt was die Pferdeanzahl anging – alles natürlich unter meiner Supervision, wenn auch aus Deutschland – aber das bedeutete nicht, dass es deswegen weniger Arbeit gab.
      Womit ich natürlich nicht rechnete, war, dass mehr Boxen belegt waren als ich angenommen hatte. Mit Lesja war ich durch den Stall gegangen, um ihm in Ruhe alle Ponys vorzustellen, ehe Zoe, Adèle und Declan uns wieder voll beanspruchten. Wir hatten gerade mit dem Stutenstall begonnen, ich hatte gerade angefangen, Sikari, Cíola, Medeia, Parvati und Tautou vorzustellen, als sich ein sehr dunkelbrauner, zarter Kopf über die Boxentür neben Fleas Box schob.
      „Und sie?“ fragte Lesja sofort und hielt dem Pony, welches ich nur zu gut kannte, die Hand zum beschnuppern hin.
      „Das ist Long Island Icetea und eigentlich gehört sie in den Stall gegenüber,“ antwortete ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sowohl meine Crew als auch Elisa würden so schnell wie möglich meine Meinung davon erfahren.
      Lesja sah mich nur fragend an. Und da er ungefähr genauso stur war wie ich, kam ich wohl nicht aus der Sache raus. „Eigentlich gehört sie Elisa, die, die direkt gegenüber wohnt. Eigentlich. Aber anscheinend vorerst nicht mehr.“ Daraufhin zogen sich Lesjas dunkle Augenbrauen noch mehr zusammen aber damit musste er jetzt leben – mehr wusste ich auch nicht.
      „Hey, du hast Chepa noch gar nicht kennengelernt! Und Bucky!“ meinte ich daraufhin und versuchte mich an einem nahtlosen Übergang, der jedoch nicht unentdeckt blieb. Lesja rollte die Augen, doch drehte sich dann trotzdem zu der Lewitzerstute um, die ihm gerade den Jackenzipfel zerkaute.
      ***
      Nachdem wir auch Painted Blur, Quixoticelixer, Vaffanculo, Capulet (den Lesja sofort ins Herz schloss, das sah man ihm einfach an), Muraco und Paramour kennengelernt hatten und ich ihm versprach, morgen mit ihm Pacco zu besuchen, lief Lesja entschlossenen Schrittes in Richtung Wohnhaus.
      „Sicher, dass du bereit bist?“ fragte ich ihn zweifelnd. Es würde wohl kaum zu vermeiden sein, dass Zoe und Adèle ein bisschen die Fassung verlieren würden. Doch mit gewohnter Lässigkeit zuckte Lesja mit den Schultern und drückte schließlich auf die Klingel. Sofort fingen Ella und Khaleesi im Haus an zu bellen.
      Dann öffnete sich die Tür.
      ***
      Manchmal fällt einem erst auf, wie sehr man jemanden vermisst, wenn man diese Person wieder trifft. Aber gut, dass wir jetzt wieder im Land waren – auch, wenn es kalt war und der kanadische Winter eine absolute Sau war. Lesja hatte sogar geschafft, sich selbst vorzustellen und wurde natürlich von Zoe ausgequetscht. Declan saß daneben, hielt die Klappe aber hörte aufmerksam zu, während Adèle unsere Wiederkehr mit Kochen feierte. Meine Mutter hatte zwar sichergestellt, dass ich ja nicht verhungerte und deswegen hätte ich wohl auf die Pasta verzichten sollen, die gerade auf dem Herd köchelte.
      Aber ich war schon immer schlecht gewesen im Nein sagen.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur A-L - © Gwen
      | 31. Januar 2015
      „Fünf Pferde. Dabei hat der Monat nur vier Wochen!“, meinte ich vorwurfsvoll lachend zu Jojo, welche mir die diesmonatige Liste zum Trainieren zugemailt hatte. Bisher hatte ich die Pferde immer getrennt voneinander trainiert, das hatte jedoch dazu geführt, dass ich jedes Mal im Verzug war und kaum Zeit für etwas anderes blieb, also überdachte ich mein Konzept, und entschied, alle gleichzeitig zu trainieren.
      Die Vorteile lagen auf der Hand: Weniger Zeitaufwand, gleiche Qualität, einiges an Abwechslung. Für Jojo würde es eine Überraschung sein, doch ich bezweifelte, dass sie es großartig stören würde, so lange jedes Pferd noch genügend Aufmerksamkeit und die gute Ausbildung erhalten würde. Das Repertoire für Januar war bunt, denn es ging von der Dressur über Springen bis hin zu Military.
      Letzteres würde durchaus ein wenig komplizierter werden, denn immer noch lag Schnee. Doch darüber würde ich mir Gedanken machen, wenn es dazu kam. Heute erstellte ich erst einmal die fünf Trainingspläne und stimmte sie für mich persönlich aufeinander ab. Da ich bereits alle Pferde kannte, konnte ich mich direkt ohne Probleme auf das Training einstellen, ideal, wenn man immer die gleichen Pferde trainierte und ab Morgen würde es auch direkt losgehen.

      Jojo war ja etwas geschockt, als ich tatsächlich schon kurz nach acht Uhr morgens bei ihr aufkreuzte. Das war für mich eine eher seltene Zeit, um wirklich schon das eigene Haus zu verlassen, aber was tat man nicht alles für die liebsten Freunde! Dazu gehörte eben auch das frühe Aufstehen. Beginnen würde ich heute mit dem einzigen Hengst, der noch meinem Training unterstand: Painted Blur.
      Er war letztes Jahr Jojos Geburtstagsgeschenk gewesen und hatte sich seither auch wirklich gemacht. Momentan strebten wir sogar langsam die M-Dressuren an und Potenzial hatte Blurry allemal. Heute wollte ich aber erst einmal die Grundlagen weiter festigen und vorher musste ich das Pferd putzen und satteln.
      Das Warmreiten gehörte natürlich auch dazu, dementsprechend kam ich erst eine Dreiviertelstunde später wirklich zum Trainieren. Wir arbeiteten heute an seiner Hinterhand. Einerseits sollte er sich mehr auf diese setzen, aber auch die Kraft aus ihr beziehen. An sich konnte das Blurry, aber die Vorderhand als Schub zu nehmen war immer einfach viel einfacher.
      Trotzdem machte der Hengst wirklich gut mit und abschließend fügte ich noch etwas lockere Dehnarbeit für die Bauch- und Rückenmuskeln hinzu. Morgen würden wir dann mit den ersten Lektionen beginnen: dem Schulterherein (das konnte Blurry schon fast) und der Traversale. Es würde morgen auf jeden Fall anstrengender werden.
      Nun ritt ich Blurry aber erst einmal in aller Ruhe ab. Im Stall begegnete ich Zoe, welche mir die Zügel aus der Hand nahm und mich schon zum nächsten Pferd schickte. Ich protestierte zwar, aber Zoe war mit dem Hengst schon entschwunden. Seufzend schaute ich auf meine Liste, als nächstes war Bucky an der Reihe. Hui, das würde ein Spaß werden!
      Diese Stute gehörte definitiv nicht zu meinen Lieblingen und ich trainierte sie nur, weil sie Jojo gehörte. Das waren die beiden einzigen Gründe, denn sonst hätte ich einen riesigen Bogen um diese Zimtzicke von Pferd gemacht. Nein wirklich! Bucky war schrecklich. Kein Wunder, dass laut Jojo auch Stürme nach ihr benannt wurden, zurecht!
      Schon beim Putzen und Satteln war es mir wieder eine Freude, die Stute wiederzusehen. Aber Bucky war an sich ein Verlasspferd, sie ärgerte zwar gerne, besonders wenn sie schlechte Laune hatte (und das war immer!), aber wenn man etwas von ihr forderte, dann erbrachte sie die Leistung zu 99% und das dann auch fehlerfrei.
      Dementsprechend freute ich mich doch schon ein wenig auf das Springtraining. Wir begannen jedoch gefühlt bei Null, weshalb wir heute mit Trabstangen und Cavalettis arbeiteten. Die Grundlage musste erst einmal sitzen, bevor ich mit Bucky einen Parcours bestritt. Die Stute musste sowohl Abstände als auch Höhen einschätzen können, aber Bucky war ehrgeizig und dementsprechend nahm sie selbst die Cavalettis schnell zu ernst.
      Da es heute so gut lief, baute ich dann doch schon ein Kreuz auf, was die Stute auch mit Leichtigkeit nahm. Ich sah uns ja jetzt schon einen A-Parcours durchspringen, wohlgemerkt ohne jegliches Training. Aber da ich zu den vorbildlichen Trainern gehörte, würde ich das natürlich nicht machen. Stattdessen reichte es für heute und Bucky durfte zurück auf die Weide.
      Klug wie ich war, hatte ich mir die fünf Pferde über den Tag verteilt, so dass ich nun in meine wohl verdiente Mittagspause ging und Jojo erst wieder ab 15 Uhr belagern würde und dann auch die letzten drei Stuten für heute nerven würde.

      Das geschah dann auch recht schnell und schon saß ich auf Medeia, dem Springass in Jojos Stall. Ich mochte die kleine weiße Stute, auch wenn ich ihre Mistflecken einfach mal so gar nicht aus dem Fell bekommen hatte. Heute würden wir uns mit den Geländesprüngen in der Halle beschäftigen. Medeia war da noch ein totaler Anfänger und musste die Hindernisse erst einmal kennenlernen und dafür nahmen wir uns heute Zeit.
      Medeia war im Springen schon sehr weit ausgebildet, dementsprechend gab es dort an Grundlagen nicht mehr viel zu machen, im Gelände lief sie an sich auch schon ohne Probleme, aber die neuen Hindernisse musste auch das Naturtalent erst einmal kennenlernen, aber das lief besser als gedacht und so ging die dritte Trainingsstunde für heute auch schon dem Ende zu.
      Als nächstes war dann Sikari an der Reihe, ausnahmsweise eine Stute, die ich noch nicht so kannte, bei welcher ich mich aber freute, sie kennenlernen zu dürfen, denn Sikari war ein Sonnenschein, wirklich wahr. Natürlich war sie auch ein bunter Lewitzer, man fand schließlich kaum etwas anderes in Jojos Stall.
      Auch Sikari sollte im Springen trainiert werden, war aber schon weiter als Bucky, weshalb ich den Parcours direkt umbaute und erhöhte. Unser Ziel war diesen Monat die L-Höhe und deshalb begannen wir mit einer leicht erhöhten A-Höhe. Sikari stellte sich auch sehr geschickt an, sprang leicht und schnell, Gott war sie mir sympathisch!
      Motiviert durchritten wir den Parcours zweimal, ehe ich direkt erhöhte und wieder lief es einwandfrei. Bei Sikari war ich mir sicher, dass sie nur die Routine benötigte, alles andere hatte sie bereits von ihrem Stammbaum geerbt. Deshalb endete das Training dann heute auch recht fix und ich machte mich auf dem Weg zum letzten Berittpferd: Parvati.
      Ausnahmsweise ging es jetzt mal wieder im Dressursattel weiter und obwohl ich Parvati schon einige Male trainiert hatte, waren wir erst auf A-Niveau. Nächster Halt war also L und das würden wir diesen Monat auch schaffen. Laut Jojo war die Stute auch mitten im Training, weshalb ich heute direkt mit den ersten Lektionen begann.
      Den Außengalopp und die Kehrtwendungen hatte Parvati laut Jojo schon gelernt, deshalb fragte ich diese heute nur fix ab und konnte einen Daumen nach oben geben. Also widmeten wir uns den versammelten Gangarten und den Galoppwechsel. Ersteres verlief mit Parvati erstaunlich gut, sie ließ sich wunderbar zurücknehmen ohne direkt durchzuparieren und auch der Galoppwechsel war als Reflex bei Parvati schon vorhanden.
      Nach ein wenig Vorbereitungsarbeit klappte der direkt auf Anhieb. Jojo konnte stolz auf ihre hübsche Stute sein! Zufrieden lobte ich Parvati und wiederholte alles noch einmal, ehe wir für heute aufhörten. Meiner Meinung nach war der Tag schon mehr als erfolgreich gewesen. Ich versorgte in aller Ruhe die Lewitzerstute und dann durfte sie auch schon in ihre Box. Kurz schaute ich bei meinen anderen Schützlingen vorbei und erstattete dann noch Jojo Bericht, ehe ich schon meine heiße Dusche und das Bett nach mir rufen hörte. "Du fängst an wie Elena!", meinte Jojo nur vorwurfsvoll, entließ mich aber grinsend.

      Die kommenden Wochen baute ich das Training logischerweise aus. Wir hatten mit dem Wetter auch allerhand Glück, so dass ich mit Medeia öfters mal raus auf die Geländestrecke konnte, nichts ging über waschechte Geländehindernisse! Und Medeia liebte es, fast ein bisschen zu sehr und ich warnte Jojo, dass die Stute es nicht übertreiben sollte, man musste echt hinterher sein und sie zurücknehmen.
      Selbst mit Bucky hatte ich Spaß und die große Stute flog mit Ehrgeiz und Leichtigkeit über die Hindernisse. Genauso wie Sikari hatte sie von Beginn an eine schöne Technik, an welcher ich kaum noch feilen musste. Ab und an ließ ich die beiden Stuten freispringen, so dass sie selber austesten und üben konnten. Als Reiterin verfeinerte ich das Ganze dann meist nur noch mit meinen Hilfen. Das war das Besondere an Springpferden: Das Talent und der Wille mussten vom Pferd ausgehen und das war bei beiden gegeben. Bei Bucky zwar mehr, aber die war ja auch eine ehrgeizige Zimtzicke.
      Aber auch die Dressurler ließ ich nicht hinten runter fallen. Im Gegenteil, mit Blurry und Parvati arbeitete ich fast am liebsten. Blurry hatte so schöne Gänge und ließ sich so toll reiten, ich war mehr als verliebt in dieses Pferd, nur war er mir einfach zu groß. Elena hätte er bestimmt gefallen, deshalb warnte ich Jojo direkt vor, dass sie aufpassen sollte, wo sie Blurrys Talent zeigte, sonst war der Hengst schneller weg als sie schauen konnte.
      Auch Parvati konnte sich am Ende unseres Trainings sehen lassen. Jojo sah sie ja schon auf einer Krönung laufen, aber dafür musste sie doch noch ein paar Punkte sammeln, ansonsten wären die ganzen Mühen umsonst, aber ich war ziemlich zuversichtlich, dass sie auch das packen würden.
      Bei den noch sehr kalten Temperaturen war das Training teilweise echt nervenaufreibend, aber sowohl Jojo als auch ihre beiden Mitarbeiterinnen standen mir mit Tat und Rat zur Seite und nahmen mir auch ab und an das ein oder andere Pferd fürs Warm- oder Abreiten ab. Das machte vor allem Zoe gerne, warum auch immer. Am Ende des Monats konnte ich zumindest fünf einwandfreie Zertifikate ausstellen und Jojo für ihre Akten reichen. Nun würde ich ein wenig Verschnaufpause haben, ehe es demnächst wieder so weiter gehen würde. Es war eben Arbeit über Arbeit.
    • Rhapsody
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      Erfolg auf ganzer Linie
      | 15. Februar 2016
      Nach der Ehrenrunde, die Parvati stolz anführen durfte, machten Declan und ich uns mit schnellen Händen daran, alles einzupacken. Unser Siegerpony des Tages malmte gemütlich auf ihrem Heu, rupfte selbstzufrieden Büschel über Büschel aus dem Netz, während ihr Reiter und dessen Chefin ihr Zeug hinter ihr aufräumte.

      Das war natürlich wieder typisch.

      Wir waren zurück im Turniergeschehen, und heute doppelt. Zoe hatte mit Tautou ein Zeitspringen genannt und hatte natürlich Adèle als Helferlein dabei, während ich für Declan und Parvati Daumen drücken musste bei einer L-Dressur. Wie es mit dem Buckskin gelaufen war hatte ich noch nicht mitgekriegt. Wir waren nur etwas weit weg von Zuhause und so hieß es schnell zusammenpacken, damit wir noch rechtzeitig zur Gute-Nacht-Runde wieder auf dem Pine Grove Stud waren.

      Wir wollten Lesja auch nicht zu lang allein lassen. Zwar war er ein hervorragender Schüler, aber sicher ist sicher.

      Die Hängerklappe war zu, das Sattelzeug und das restliche Zeug, inklusive neuer schicker Schleife, eingepackt. Mit guter Laune öffnete ich die Fahrertür und startete den Transporter, als Declan auf den Beifahrersitz geklettert war und sichtlich erschöpft in sich zusammen sackte. In den letzten Tagen hatte er wirklich noch Reitunterricht von Elena bekommen und wer ein Pferd auf einem Turnier vorstellt, ist natürlich auf für dessen Look zuständig. Die Nacht war kurz gewesen für ihn, und so war er bereits nach rund fünf Minuten Fahrt eingeschlafen. In einer total schrägen Position, von der er mit einem steifen Nacken aufwachen würde.

      Aber ich hatte einen Transporter zu steuern bei leichtem Schneefall. Das war nicht leicht, da konnte ich ihn nicht wecken.

      ****

      Es war dunkel, als wir auf dem Hof ankamen, aber die Fenster in der Küche und Wohnzimmer waren hell erleuchtet. Auf dem Parkplatz stand auch schon der Hänger, den Zoe und Adèle gebraucht hatten – wir waren also die letzten.

      Ich hatte dann doch etwas Mitleid mit Declan und drückte ihm nur die neue Schleife in die Hand und steuerte ihn in Richtung Haustür. Er winkte ein wenig geistesabwesend mit der Hand, was wohl so viel wie Danke du bist die supertollste Beste heißen sollte. Im Gegensatz zu ihrem Reiter schien Parvati vollkommen wach und aufmerksam, als ich sie langsam den Hänger hinunterführte. Als wir den Stall betraten, sahen mich 6 pferdige Gesichter für etwa zwei Sekunden entgegen, dann widmeten sich alle Damen wieder ihrem Abendessen. Auch für Parvati wartete schon etwas im Trog, worauf sie sich sofort stürzte. So hielt sie wenigstens still, als ich ihr die Zöpfchen aufmachte.

      Es machte sogar Spaß, alles aufzuräumen, und so trödelte ich ein bisschen. Aber Parvatis Schrank brauchte mal eine Neustruktur, okay? Auch wenn das um halb neun abends war und ich seit Stunden nichts gegessen hatte!

      So manche Stute hatte sich schon auf die Nacht vorbereitet und lag im Stroh, und das war mein Zeitpunkt, zu gehen. Ruhestörung und so.

      ****

      Die Haustür fiel hinter mir leise ins Schloss. Aus dem Wohnzimmer hörte man Stimmen, aber vor lauter Hunger konnte ich keine Wörter verstehen. Es hieß also erst einmal Essen machen.
      Die anderen mussten vom Springturnier wohl schon länger zurück sein, denn Adèle hatte Zeit zum Kochen gefunden. Oder zum Schnipseln. In verschiedenen Schüsseln fand ich Salat, Tomaten, sonstiges Gemüse, Guacamole und Taco Shells.

      Yay für mexikanisches Fastfood!

      Mit drei Tacos bewaffnet machte ich mich dann auf ins Wohnzimmer. Kaum hatte ich den Raum aber betreten (setzten sich die Hunde vor mich hin und starrten auf meinen Teller) verstummten die Gespräche.

      „Bin ich so schön, dass es euch die Sprache verschlagen hat?“ murmelte ich und (stolperte über die Hunde) machte es mir neben Lesja auf dem Sofa bequem.

      Schlechter Platz. Zoe saß auf meiner anderen Seite und, bevor ich nur einen Bissen von einem meiner Tacos (Taci?) haben konnte, fuchtelte sie mit etwas Weißem in meinem Gesicht rum, bis Lesja mit einem „du machst mich wahnsinnig, чертов“ ihre Hand ergriff. Dann konnte ich erkennen, was sie da rumgeschüttelt hatte.

      „Wow, das war ja ein produktiver Tag,“ sagte ich monoton und biss endlich endlich endlich (!!!) in meinen Taco. Adèle hatte eindeutig eine Karriere als Sternekoch verpasst, nur, um in Kanadas Einöde Hufschmied und Mädchen für Alles zu spielen.

      Zoe war fast ein wenig entrüstet über meinen fehlenden Enthusiasmus (das sah man an ihren Haaren und an ihrem entgeisterten Gesicht), aber während ich den ersten Taco vernichtete, tätschelte ihr Lesja über den Kopf voller roter Kringellocken, um sie zu trösten.

      Als ich dann gegessen hatte (und Declan eingeschlafen war) stießen wir dann trotzdem noch auf einen ziemlich guten erfolgreichen Tag an, bis es das allabendliche Schere-Stein-Papier-Spiel gab, wer morgen früh die erste Futterschicht hatte.

      Dieses Mal hatten Lesja und ich das Vergnügen.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    15 Aug. 2016
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    EXIF Data

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    Mime Type:
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    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Parvati

    Von: Paramour
    Von: Lindenhain's Picasso
    aus der: Farfalla vom Heidenhof


    Aus der: Chepa
    Von: Piccolo's Blaze
    aus der: Zauberhaft



    Rasse: Lewitzer
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 144cm
    Geburtsdatum/Alter: 14. Juni, 7 Jahre
    Fellfarbe/Genotyp: Fuchsschecke [aa ee Toto]


    Zuchtzulassung: [SK 440]
    Leihmutterschaft: nicht für die öffentlichen Zucht vorgesehen
    Nachkommen: -


    Letzter Tierarztbesuch: 10. März 2016 [Klinik Caen]
    Letzter Hufschmiedbesuch: 14. Dezember 2016 [Hufschmiede Pine Grove Stud]


    Paramours erste Tochter, Chepas erstes Fohlen – da musste ja etwas Außergewöhnliches herauskommen. Parvati, benannt nach der Hindu-Göttin, kommt ihrer Namensgeberin nach – oder ihrer Mutter, wie man es eben sehen mag. Sie hat Nerven aus Stahl, keine Plastiktüte oder aufgeregte Masse kann sie aus der Ruhe bringen. Seit sie dreieinhalb ist, wurde mit ihr trainiert, in der Hoffnung, sie würde bald ein stattliches Turnierpony abgeben. Rein theoretisch wäre dagegen nichts auszusetzen; mit genug Zeit würde aus Parvati nämlich genau das werden. Doch das Gestüt, auf dem sie aufgewachsen war, war bankrott gegangen, die Pferde mussten zwangsversteigert werden. Von der Ausbildung her ist die junge Stute zwar fertig, doch jetzt fehlt noch der Feinschliff, der gemeinsam mit einem professionellen Trainer ausgeführt werden muss. Was sich jetzt schon gezeigt hatte, war, dass die Fuchsstute die Schnelligkeit eindeutig von ihrer Mutter hat und somit ist abzusehen, dass aus ihr ein ausgezeichnetes Springpferd werden wird. Wie so viele Lewitzer wurde Parvati jedoch nicht nur eingeritten, sondern auch eingefahren und kann somit auch im Fahrsport ihr Talent zeigen.


    Qualifikationen & Erfolge
    Fohlen ABC – eingeritten – eingefahren – Englisch
    Eignung: Springen, Dressur

    Dressur M – Springen M – Military A – Fahren A

    110. Synchronspringen
    349. Dressurturnier
    246. Militaryturnier
    275. Fahrturnier



    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: Elii

    Offizieller Hintergrund