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Rhapsody

Paramour *

Lewitzer -- im Besitz seit 01/2015 -- gekört -- Aa Ee ToTo

Paramour *
Rhapsody, 23 Juni 2016
Occulta und sadasha gefällt das.
    • Rhapsody
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      Ankunft
      | 28. Januar 2015
      Es war noch nicht mal 6 Uhr morgens, als mein Handy klingelte. Dementsprechend verschlafen meldete ich mich mit einem „Hallo?“ und fiel kurz darauf fast aus dem Bett.
      Ein Lewitzerhengst aus meiner alten Heimat Deutschland, den ich mir bei meinem Besuch über Weihnachten angesehen hatte, war bereits in Wales gelandet und nun auf dem Weg zu mir. Und in weniger als einer Stunde würde er hier sein.
      So schnell wie noch nie sprang ich aus dem Bett und ließ das Frühstück Frühstück sein. Stattdessen kaufte ich mir was beim Bäcker auf dem Weg zum Stall, schließlich musste innerhalb von einer Stunde eine Box fertig sein.
      Kaum war ich aus dem Auto ausgestiegen, wieherten mir schon Reggie und auch Lashy entgegen. Es blieb jedoch nicht viel Zeit für ausgiebige Streicheleinheiten.

      In Windeseile wischte ich den Futtertrog durch und kontrollierte die Selbsttränke – alles in Ordnung. Dann musste die Box neben Ciaran nur noch eingestreut werden und zumindest die erste Etappe war geschafft. Jetzt musste ich nur noch die Pferde schnell füttern und die Hengstweide fürs erste Kennenlernen abtrennen.
      Jedoch wurde die Zeit wirklich ein wenig knapp. Mit meiner Schubkarre fuhr ich gerade auf das Gatter der Stutenkoppel zu, immer noch umzingelt von Spotlight und Lashy, als auch schon ein großer Transporter mit deutschem Kennzeichen die Einfahrt hinauffuhr. Kaum hatte ich das Tor hinte mir geschlossen, stolperte ich ein wenig hastig auf das Fahrerhaus zu. Der Fahrer streckte mir die Hand entgegen und zeigte mir erst mal den Hengst.
      Als wir die Klappe öffneten, brummelte er uns freudig entgegen. Seine Beine waren umhüllt von Transportgamaschen und er entlastete ein Hinterbein. Im Großen und Ganzen wirkte er auf mich nicht, als würde er gerade aus Deutschland – Bad Tölz war immerhin 920 Meilen entfernt von Llaneli – kommen. Ohne viel Tammtamm durfte ich ihn losbinden und langsam die Rampe hinunterführen. Danach stand Paramour (so hieß der Gute) erstmal nur mit geblähten Nüstern da und nahm seine neue Umgebung wahr.
      Mit Paramour sollte mein Abenteuer Lewitzer anfangen. Ob ich eine wirkliche Zucht aufbauen konnte, stand in den Sternen, doch versuchen wollte ich es auf jeden Fall. Als ich in Deutschland war, hatte ich noch ein paar andere Ponys angeguckt und wartete jetzt auf Rücksprache, doch so viel stand fest: Paramour würde nicht das letzte gescheckte Sportpony auf meinem Hof werden.
      (Tante Molly hatte sogar angeboten, den alten Zuchtstall renovieren zu lassen. Meine Tante ist wirklich die Beste.)
      Nach rund sieben Minuten aufgeregtem Brummeln senkte Paramour langsam den Kopf und suchte nach Gras – schwer zu finden unter der dicken Schneedecke, doch davon ließ er sich nicht beirren. Ich zupfte leicht am Strick, schon hob er den Kopf wieder und folgte mir bereitwillig in den Stall. Auch hier musste erst einmal alles begutachtet werden, doch seine Box schien ihm zu gefallen. Sofort stürzte sich der Scheckhengst auf das Heunetz und begann, gemütlich zu fressen. Zusammen mit dem Fahrer des Hängers nahm ich Paramour die Transportgamaschen und die Decke ab und brachte sie in den freigeräumten Spind in der Sattelkammer, danach setzten wir uns zusammen ins angebaute Reiterstübchen, um über den Kaufvertrag zu reden.
      *
      Es war mittlerweile Nachmittag und ich kam gerade von einem Ausritt zurück, als ich, wie auch schon in den Stunden zuvor, Paramour einen Besuch abstattete. Er wirkte doch ziemlich ausgelaugt und müde und hatte sich sogar hingelegt und gedöst als ich ihn gegen Mittag besuchte. Jetzt blickte er mir aber vorwitzig entgegen und so fasste ich den Entschluss, ihn mit Reggie und Ciaran bekannt zu machen.

      Der Trip zur Hengstweide war begleitet von neugierigem Brummeln und, sobald die Pferde in Sicht waren, Wiehern. Aber auch Reggie und Ciaran standen dicht am Zaun, um den besten Blick auf den Neuzugang zu erhaschen.
      Die drei beschnupperten sich erstmal über die Trennlitze, begannen aber schon wenige Minuten später, nebeneinander zu grasen. Vielleicht war es zu vorschnell, aber ich vertraute einfach auf die Konfliktvermeidung meiner beiden mir bekannteren Hengste und so baute ich die Trennlitze schon kaum eine Stunde, nachdem Paramour auf die Weide gebracht wurde, wieder ab. Erst begutachteten sich die Hengste noch ein wenig vorsichtig und Ciaran schnappte auch einmal nach dem Lewitzer. Gespannt sah ich zu, wie sie langsam anfingen, sich gegenseitig spielerisch durch den Schnee zu jagen und schließlich zusammen an der Heuraufe zu fressen. Und da sage noch jemand, Hengste wären kompliziert!
    • Rhapsody
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      Klinik Caen - © Eddi
      | 28. Januar 2015
      Es war noch nicht mal 6 Uhr morgens, als mein Handy klingelte. Dementsprechend verschlafen meldete ich mich mit einem „Hallo?“ und fiel kurz darauf fast aus dem Bett.
      Ein Lewitzerhengst aus meiner alten Heimat Deutschland, den ich mir bei meinem Besuch über Weihnachten angesehen hatte, war bereits in Wales gelandet und nun auf dem Weg zu mir. Und in weniger als einer Stunde würde er hier sein.
      So schnell wie noch nie sprang ich aus dem Bett und ließ das Frühstück Frühstück sein. Stattdessen kaufte ich mir was beim Bäcker auf dem Weg zum Stall, schließlich musste innerhalb von einer Stunde eine Box fertig sein.
      Kaum war ich aus dem Auto ausgestiegen, wieherten mir schon Reggie und auch Lashy entgegen. Es blieb jedoch nicht viel Zeit für ausgiebige Streicheleinheiten.

      In Windeseile wischte ich den Futtertrog durch und kontrollierte die Selbsttränke – alles in Ordnung. Dann musste die Box neben Ciaran nur noch eingestreut werden und zumindest die erste Etappe war geschafft. Jetzt musste ich nur noch die Pferde schnell füttern und die Hengstweide fürs erste Kennenlernen abtrennen.
      Jedoch wurde die Zeit wirklich ein wenig knapp. Mit meiner Schubkarre fuhr ich gerade auf das Gatter der Stutenkoppel zu, immer noch umzingelt von Spotlight und Lashy, als auch schon ein großer Transporter mit deutschem Kennzeichen die Einfahrt hinauffuhr. Kaum hatte ich das Tor hinte mir geschlossen, stolperte ich ein wenig hastig auf das Fahrerhaus zu. Der Fahrer streckte mir die Hand entgegen und zeigte mir erst mal den Hengst.
      Als wir die Klappe öffneten, brummelte er uns freudig entgegen. Seine Beine waren umhüllt von Transportgamaschen und er entlastete ein Hinterbein. Im Großen und Ganzen wirkte er auf mich nicht, als würde er gerade aus Deutschland – Bad Tölz war immerhin 920 Meilen entfernt von Llaneli – kommen. Ohne viel Tammtamm durfte ich ihn losbinden und langsam die Rampe hinunterführen. Danach stand Paramour (so hieß der Gute) erstmal nur mit geblähten Nüstern da und nahm seine neue Umgebung wahr.
      Mit Paramour sollte mein Abenteuer Lewitzer anfangen. Ob ich eine wirkliche Zucht aufbauen konnte, stand in den Sternen, doch versuchen wollte ich es auf jeden Fall. Als ich in Deutschland war, hatte ich noch ein paar andere Ponys angeguckt und wartete jetzt auf Rücksprache, doch so viel stand fest: Paramour würde nicht das letzte gescheckte Sportpony auf meinem Hof werden.
      (Tante Molly hatte sogar angeboten, den alten Zuchtstall renovieren zu lassen. Meine Tante ist wirklich die Beste.)
      Nach rund sieben Minuten aufgeregtem Brummeln senkte Paramour langsam den Kopf und suchte nach Gras – schwer zu finden unter der dicken Schneedecke, doch davon ließ er sich nicht beirren. Ich zupfte leicht am Strick, schon hob er den Kopf wieder und folgte mir bereitwillig in den Stall. Auch hier musste erst einmal alles begutachtet werden, doch seine Box schien ihm zu gefallen. Sofort stürzte sich der Scheckhengst auf das Heunetz und begann, gemütlich zu fressen. Zusammen mit dem Fahrer des Hängers nahm ich Paramour die Transportgamaschen und die Decke ab und brachte sie in den freigeräumten Spind in der Sattelkammer, danach setzten wir uns zusammen ins angebaute Reiterstübchen, um über den Kaufvertrag zu reden.
      *
      Es war mittlerweile Nachmittag und ich kam gerade von einem Ausritt zurück, als ich, wie auch schon in den Stunden zuvor, Paramour einen Besuch abstattete. Er wirkte doch ziemlich ausgelaugt und müde und hatte sich sogar hingelegt und gedöst als ich ihn gegen Mittag besuchte. Jetzt blickte er mir aber vorwitzig entgegen und so fasste ich den Entschluss, ihn mit Reggie und Ciaran bekannt zu machen.

      Der Trip zur Hengstweide war begleitet von neugierigem Brummeln und, sobald die Pferde in Sicht waren, Wiehern. Aber auch Reggie und Ciaran standen dicht am Zaun, um den besten Blick auf den Neuzugang zu erhaschen.
      Die drei beschnupperten sich erstmal über die Trennlitze, begannen aber schon wenige Minuten später, nebeneinander zu grasen. Vielleicht war es zu vorschnell, aber ich vertraute einfach auf die Konfliktvermeidung meiner beiden mir bekannteren Hengste und so baute ich die Trennlitze schon kaum eine Stunde, nachdem Paramour auf die Weide gebracht wurde, wieder ab. Erst begutachteten sich die Hengste noch ein wenig vorsichtig und Ciaran schnappte auch einmal nach dem Lewitzer. Gespannt sah ich zu, wie sie langsam anfingen, sich gegenseitig spielerisch durch den Schnee zu jagen und schließlich zusammen an der Heuraufe zu fressen. Und da sage noch jemand, Hengste wären kompliziert!
    • Rhapsody
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      Whitmore Farriers - © Ally
      | 25. Januar 2015
      Kurz nachdem mich Gwen angerufen hatte und einen Termin für ihre beiden Pferde wollte, rief mich auch meine Freundin Juliane an, die wollte, dass ich all ihre Pferde kontrollierte. Eigentlich hatte ich kaum Zeit, aber weil sie so lieb fragte, stimmte ich seufzend zu und machte mich auf den Weg zu ihr.
      Angekommen auf ihrem Hof Meillion Aur sah ich schon, wie sie die ersten paar Pferde heraus führte und am Putzplatz anband. Ich begrüßte sie und machte mich dann sofort an die Arbeit. Erst kam Ciaran dran, ein hübscher Exmoor Pony Hengst. Ich tastete seine Hufe ab und schnitt sie dann aus, achtete natürlich darauf, dass die Oberfläche gerade war und feilte sie dann nochmal zurecht. Das wiederholte ich auch bei Favorita, die Juliane jetzt neben sie stellte. Favorita war eine sehr hübsche Knabstrupperstute, die ich aus der Zucht von meiner anderen Freundin Elena kannte - Sie hatte sie vor ein paar Monaten erst verkauft. Nach kurzer Zeit führte sie auch Symbolic Splash heran, eine schöne DRP-Stute, die in letzter Zeit extrem gewachsen war und bald angeritten werden sollte. Nach ihr kontrollierte ich noch die Hufe von Spotlight, einer hübschen Hannoveraner-Stute, die etwas scheu und zappelig war. Dann kam Attonito, mein Liebling aus ihrem Stall, denn er stand dank seiner besonderen Fellzeichnung sehr heraus und ich liebte den Kleinen einfach. Dann kam noch Star dran, die schön ruhig hielt, und danach ihre beiden Neulinge Paramour und Cíola. Ich sagte Juliane spaßig, dass ich Cíola irgendwann klauen würde, denn die junge Stute war wunderschön gezeichnet. Nachdem alle Pferde ausgeschnittene und kontrollierte Hufe hatten, verabschiedete ich mich bei Juliane, die sich abermals bedankte. Ich winkte allerdings nur ab und sagte, dass es ja selbstverständlich sei, und fuhr dann nach hause.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen A-L - © Gwen
      | 05. Februar 2015
      Erfolgreich hatte ich die Korrekturstunden bei Matthew überstanden, dementsprechend motiviert ging ich nun auch das Springtraining von Julis Ponyhengst an. Besonders gespannt war ich ja auf die Rasse, denn die Lewitzer schienen momentan zu einem Trend zu werden und das musste ja einen Grund haben. Ich wusste zwar, dass die bunten Sportponys sehr beliebt waren, doch so richtig vorstellen konnte ich mir diese Beliebtheit doch noch nicht - bis Paramour bei uns eintraf.
      Die lange Reise von den Wales nach Kanada hatte der Hengst gut überstanden und er würde die kommenden Wochen auf Crown Hill stehen, da die dortige Halle einfach viel besser zum Springen geeignet war, als meine kleine auf der Ranch. Morgens, kurz nach sieben!, fuhr der Transporter auf den Hof. Seufzend stellte ich die Kaffeetasse ab und begrüßte den Fahrer. Ich war noch total verschlafen und dankbar, dass Joline mir half, sonst wäre ich wohl schon beim Fertigmachen der Box wieder eingeschlafen.
      Wir luden Paramour aus und vom ersten Moment an war ich hellauf begeistert: "Wow, der ist ja wunderschön!", quietschte ich und kraulte den Lewitzer sanft hinter den Ohren. Dieser schaute mich erst etwas schief an, schien dann aber Gefallen daran zu finden. Joline übernahm lachend den Führstrick und brachte den Hengst in seine neue Box. Ich unterhielt mich noch kurz mit dem Fahrer und folgte den beiden dann in den Stall.
      Paramour schien sichtlich zufrieden zu sein mit seiner neuen Unterkunft und die lange Fahrt schien ihm kaum etwas ausgemacht zu haben. Nachdem er sich dann klimatisiert hatte, nahm ich ihm die Transportdecke ab, wechselte sie gegen die leichte Stalldecke und brachte ihm noch etwas neues Heu. "Heute Nachmittag werden wir beide uns dann mal kennenlernen", meinte ich murmelnd und beobachtete den Hengst noch ein bisschen.
      Am Nachmittag holte ich dann Paramour aus seiner Box. Anscheinend hatte der Schecke ein kleines Mittagsschläfchen gemacht, denn sein Schweif war über und über bedeckt von Stroh. Ich nahm ihm die Stalldecke ab und begann ihn gründlich zu putzen. Paramour war nicht geschoren und besaß dementsprechend ein sehr flauschiges Winterfell, dennoch hatten Elisa und ich etwas Bedenken, dass ihm die kanadische Kälte doch etwas schocken würde, weshalb er erst einmal langsam daran gewöhnt wurde.
      Nachdem Paramour gesattelt und getrenst war, machte ich ihm noch die Gamaschen und Streichkappen um und warf ihm die Abschwitzdecke über. Gemeinsam wanderten wir die Stallgasse entlang zur Halle. Dort gurtete ich nach und schwang mich das erste Mal in den Sattel des Schecken. Paramour schien ein richtiger Gentlemen zu sein, denn er wartete geduldig, bis ich die Steigbügel eingestellt hatte und mich zurecht gesetzt hatte.
      Im Schritt am langen Zügel drehten wir erst einmal einige Runden, damit wir beide warm wurden. Dann landete die Abschwitzdecke über der Bande und ich nahm die Zügel auf. Paramour war sofort mit seiner ganzen Aufmerksamkeit bei mir und wir wärmte uns ein wenig auf. Dann nutzten ich die Trabstangen und Cavaletti, welche ich schon zuvor aufgebaut hatte.
      Schnell merkte ich, dass Paramour sehr sensibel auf mein Gemüt reagierte. Wenn ich mit etwas nicht zufrieden war, schüttelte auch er unwillig den Kopf. Und wenn ich abgelenkt war, konzentrierte auch er sich nicht auf die Aufgabe. Also ließ ich alle Gefühle von mir fallen und konzentrierte mich ab sofort auf das Pferd.
      Paramour war schon bis Stufe A ausgebildet und so saßen die Grundlagen schon ganz gut. Das einzige was mich störte, war die Tatsache, dass er immer kurz vor dem Sprung extrem anzog und unruhig wurde und aus dem Grund manchmal aus dem Takt viel. Das war nicht immer der Fall, aber manchmal schien er nicht sicher zu sein, ob ich ihm wirklich zum richtigen Zeitpunkt die Hilfe gab.
      Ich ritt den Schecken ab und versorgte ihn. Während Paramour dann unter dem Solarium stand und trocknete, machte ich Matthew ausfindig und bat ihm, morgen mal beim Training dabei zu sein und uns Tipps zu geben.
      Und so war unser Training am nächsten Morgen mindestens doppelt so anstrengend, aber dafür auch doppelt so lehrreich. Matthew sah sofort, dass Paramour Probleme bei dem Abschätzen der Entfernung hatte und deshalb manchmal zögerte oder zu sehr anzog. Also ging es zurück zu den Grundlagen.
      Wir arbeiten viel mit den Stangen und Paramour lernte schnell die unterschiedlichen Abstände kennen. Außerdem begann er auf meine Hilfe zu vertrauen. Innerhalb von zwei Stunden hatte sich das Bild schon enorm gebessert und ab da ging es stetig bergauf.
      Ich trainierte Paramour täglich und so konnte wir am Ende der dritten Woche schon ohne jeglichen Patzer einen L-Parcours überwinden. Für den Feinschliff sorgten noch einmal die Stunden bei Matthew und schon konnte ich guten Gewissens sagen, dass Paramour bereit für die nächste Klasse war. Juli war sichtlich erfreut darüber und konnte es gar nicht erwarten, ihren Hengst wieder zurückzuholen.
      Drei Tage später stand ich schon kurz vor fünf auf, machte mich stallfertig und eilte dann hinunter, um Paramour für den Transport vorzubereiten. Zwei Stunden später hatte er das Gestüt verlassen und war auf den Weg nach Hause.
    • Rhapsody
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      Pflegebericht
      | 28. Februar 2015
      Als ich diesen Morgen aufwachte, war das erste, was ich hörte, Vogelgezwitscher. Und wie hatte ich das vermisst! Als nächstes spürte ich Sonnenstrahlen, die meine Nase kitzelten – was nur bedeuten konnte, dass ich verschlafen hatte.
      Die ersten Vorboten des Frühlings hin oder her, ich war richtig spät. Wahrscheinlich hatten die Pferde ihre Boxen bereits gefressen und rannten jetzt kopflos über den Hof. Wundervoll.
      Mit einem Brötchen im Mund radelte ich los und versuchte gleichzeitig noch, meine Arm in den Jackenärmel zu stopfen. Dass das fast in einem Unfall mit einem Baum endete, muss ich ja wohl nicht erwähnen.
      Das schöne Wetter konnte ich nicht mal auf der Fahrt genießen. Natürlich lag noch ab und an Schnee, doch es war spürbar wärmer geworden und die Sonne schien – was wollte ich mehr?
      Vielleicht Pferde, die mich immer noch liebten, auch, wenn sie ein leicht verspätetes Frühstück bekamen.

      Als ich am Hof ankam, stand noch kein Gebäude in Flammen und kein Pferd rannte auf dem Hof. Das musste gar nichts heißen. Im Stall wurde ich dann mit protestierenden Schnauben und Grummeln begrüßt.
      Ohne weitere Verzögerungen bekamen dann alle ihre morgendliche Portion Hafer. Und auch ohne Verzögerungen brachte ich zuerst Ciaran, Attonito, Newt, Paramour und Muraco auf die Weide, nachdem sie ihr Frühstück verputzt hatten. Muraco hatte sich bereits sehr gut eingelebt und verstand sich vor allem mit Paramour sehr gut – das war meine größte Sorge gewesen, da Muraco doch sehr hengstig war.
      Nach den Hengsten kamen Spotlight, Favorita, Star, Cíola, Lashy, Chepa und Bacia auf die Stutenweide. Auch Chepa und Bacia hatten ihren Platz gefunden, auch, wenn Bacia immer noch ein wenig die Rolle der Neuen spielte und von Spotlight öfters von der Heuraufe verscheucht würde. Das würde sich jedoch mit der Zeit geben.
      Ich sah den Pferden eine Weile beim Spielen zu, ehe ich mich daran erinnerte, dass heute ein paar Reitbeteiligungen kommen würden. Tante Molly war mir wochenlang in den Ohren gelegen, doch da ich mit den Turniervorbereitungen der Lewitzer erst mal wenig Zeit für anderes hatte, hatte ich nachgegeben. Also sollten Favorita, Star und Attonito von drei lieben Mädels aus dem Ort ein paar Mal in der Woche bewegt werden. Heute war das erste Probereiten und ich war vielleicht nervöser als die potentiellen Reitbeteiligungen.
      Aber bevor die drei kamen, sollte ich wohl nochmal die Boxen ausmisten und die Stallgasse kehren. Einen schlechten Eindruck wollte ich ja nicht machen.
      Bis zum geplanten Termin hatte ich dann letzten Endes doch noch genug Zeit und sattelte Newt spontan auf. Er war noch recht neu unterm Sattel, und bevor ich ihn mit irgendwelchen Sachen überforderte, wollte ich das, was er bereits konnte, erst einmal festigen. So übten wir vorwiegend Übergange und Anhalten, bis ich nach einer dreiviertel Stunde wieder abstieg.
      Danach blieben mir immer noch ein paar Minuten, also führte ich kurzerhand Lashy und Cíola auf den Putzplatz, nur, um das ganze Stillstehen ein bisschen zu üben. Sie waren nämlich beide ziemlich ungeduldig.
      Zehn Minuten später trudelten die drei Mädels dann ein. Freundlich begrüßte ich sie und auf dem Weg zur Weide, wo ich Lashy und Cíola wieder hinführte, ließ ich sie sich selbst vorstellen. Ihre Namen waren Cerys, Enfys und Gwendolyn, sie hatten alle schon mehrere Reitbeteiligungen in ihrem Leben und konnten für ihre zarten 14 Jahren anscheinend schon ziemliche Verantwortung übernehmen, so schien es mir. So fies wie ich war ließ ich sie die Ponys gleich selbst holen; nur Cerys half ich mit Attonito, da ich von den Vorbesitzern erfahren hatte, dass Muraco wohl noch nicht wirklich an Kinder gewöhnt war. Doch glücklicherweise beäugte er uns nur kurz und widmete sich dann wieder seinem Heu.

      Als dann jedes der Mädchen im Sattel saß – Enfys sah auf Favorita zwar ein bisschen verloren aus, aber wenigstens lief sie und stolperte nicht vor sich her – machte ich es mir auf einen ziemlich unbequemen Hocker bequem. Es war Jahre her, dass ich Reitunterricht gegeben hatte, aber das war wahrscheinlich wie Fahrrad fahren - das verlernte man nicht.
      Die Mädels kamen allesamt gut mit den Ponys zurecht und so machte mir es fast schon Freude, ihnen zu sagen, dass sie so oft sie wollten und konnten kommen durften.

      Nach einer kleinen Streicheleinheit für Spotlight, die sich von einem schlimmen Husten erholte, packte ich mir schließlich Chepa und ließ sie erst in der Halle ein wenig freilaufen, ehe ich sie aufsattelte und mich zum ersten Mal auf ihren Rücken setzte. Wie immer fühlte es sich ziemlich ungewohnt an, doch schon nach wenigen Minuten hatten wir uns aufeinander eingespielt und der erste Schritt in Richtung Team war getan.
      Chepa schien fast ein wenig beleidigt, dass wir nur Grundlagen machten und sie über kein einziges Hindernis springen durfte, doch ich musste immerhin noch Paramour bewegen und eigentlich wollte ich auch noch mit Bacia ein bisschen Bodenarbeit machen, ehe ich daheim noch ein paar Sachen für die Praxis und den eventuellen Umzug machen musste. Der Tag hatte einfach nicht genug Stunden.

      Mit Paramour ging ich eine kurze Runde ins Gelände, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages voll auszunutzen. Der Hengst trabte fröhlich schnaubend den Weg entlang und auch er schien diesen wunderschönen Tag genossen zu haben.

      Als ich Bacia holen wollte, sah sie mir misstrauisch entgegen. Vielleicht sollte ich ihr Vertrauen erst einmal ein wenig mit Leckerlis aufbauen? Denn, um ehrlich zu sein, hatte ich wenig Lust, mich noch einmal intensiv mit ihr zu beschäftigen, und sie schien mir nicht böse zu sein, dass ich ihr lieber Leckerli um Leckerli anbot, als sie in der Halle noch einmal geistig zu fordern.

      Da die Nächte immer noch ziemlich eisig waren, brachte ich alle Ponys in den langsam mehr als vollen Stall. Es wurde Zeit, dass der alte Zuchtstall auf Vordermann gebracht wurde – sollten noch mehr Lewitzer kommen, würden wir nämlich ein richtiges Platzproblem kriegen.
    • Rhapsody
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      Umzug
      | 14. März 2015
      Nur zwei Worte sollten endgültig mein Leben verändern. Nur eine kurze SMS und ich würde mein Leben in Wales hinter mir lassen.

      We’re done.
      ~*~
      Es hatte noch eine weitere Woche gedauert – die Firma, die Großtiere per Flugzeug transportierte, hatte sich erst quergestellt – aber dann, endlich, saß ich im Auto neben Tante Molly, im Anhänger die beiden Lewitzerhengste.
      Wir sprachen nicht viel. Tante Molly war natürlich traurig, dass ich sie verließ und die Pferde mitnahm. Ich hätte ihr ohne Probleme eines in Wales gelassen, doch das hatte sie abgelehnt; sollte sie doch noch einmal auf den Geschmack kommen, würde sie sich schon eins besorgen. „Außerdem hab ich ja noch Ciaran,“ hatte sie gesagt. „Wenn der wieder fit ist, dann kommt er wieder zurück.“
      Bis jetzt sah es zwar nicht wirklich aus, als ob Ciaran irgendwann noch einmal belastet werden konnte, aber das wollte ich ihr nicht sagen.
      Die Verabschiedung fiel eher kühl aus; wir brachten die Ponys zusammen zu der Box, in der sie die nächsten Stunden verbringen mussten, diskutierten eine ganze Weile mit Muraco, bis er endlich in die Box stapfte, und dann war ich fast schon zu spät.
      Ich umarmte Tante Molly lang, versprach ihr, sie bald zu besuchen, dann rannte ich zu meinem Gate. Das Abenteuer Kanada konnte beginnen.
      ~*~
      Elisa hatte mich lange bearbeitet, bis ich das Gestüt direkt gegenüber ihrer Crown Hill Stables kaufte. „Wir sollen wir sonst züchten?!“ war ihr wohl ausschlaggebendstes Argument – denn über einen ganzen Ozean hinweg würde eine Zucht wohl wirklich schwer werden.
      Über die letzten Wochen hinweg hatte ich fast täglich zwei Pferde zum Flughafen gebracht, die zwischenzeitlich auf Elisas Gestüt zwischengeparkt wurden. Sie hatte mich jeden Tag auf dem Laufenden gehalten, hatte sogar zwei neue Lewitzerstuten für mich untergebracht. Als ich die SMS des Bauarbeiterunternehmens, welches mein neues Gestüt fertig renoviert hatte, bekommen hatte, war Elisa die erste, der ich schrieb.
      Und jetzt war ich also wirklich unterwegs nach Dauphin, Manitoba. Hoffentlich war es nicht eisig kalt, Kälte konnte ich einfach nicht ab. Eine kleine Stimme in meinem Kopf – die, die einen immer nervt mit ihrer pessimistischen Einstellung – meldete sich. ‚War das wirklich eine gute Idee?‘ fragte sie. Wäre ich allein gewesen, hätte ich laut geseufzt oder sogar Selbstgespräche geführt.
      Doch leider war ich in einem Passagierflugzeug, eingequetscht zwischen einem übergewichtigen Geschäftsmann und einer Omi, und das noch für mindestens 14 weitere Stunden.
      Ein kleiner Seufzer entfuhr mir dann doch noch. Die Omi warf mir einen bösen Blick zu. Das konnte ja heiter werden.
      ~*~

      Am Airport in Winnipeg musste ich dann umsteigen, was mit zwei Pferden im Gepäck wirklich nicht leicht wahr. Eine weitere dreiviertel Stunde, und ich war endlich in Dauphin.
      Komplett übermüdet übersah ich natürlich Elisas Anhänger prompt und so dauerte es weitere fünfzehn Minuten, bis wir endlich auf den Weg in den Riding Mountain National Park waren. Elisa versuchte so viel wie möglich aus mir herauszukitzeln – über den Flug, über das Wetter in Wales, über sonstige Dinge – doch meine Antworten fielen ziemlich einsilbig aus.
      Ich wollte eigentlich einfach nur schlafen, auch, wenn es gerade erst einmal 14:10 Uhr war. Verdammter Jet Lag.
      Zum Glück durfte ich die Nacht – okay, nicht wirklich Nacht – noch auf Elisas Gestüt verbringen, ehe ich am nächsten Morgen den ersten Fuß in mein neues Zuhause setzen würde. Pine Grove Stud – der Name des Gestüts hatte mich schon auf den ersten Blick gefesselt. Das Haupthaus mit einem Studio unterm Dach, die Stallungen mit den dunkelbraunen Ziegeln und die Reithalle taten dann den Rest.
      Und ab morgen würde es mir alles allein gehören. Nur die Pferde und ich – und bei Fragen jeglicher Art hatte ich jetzt Elisa, Elena und Gwen um mich.
      Wales vermisste ich natürlich jetzt schon, aber ich war mir sicher, dass Kanada wirklich nicht der schlimmste Teil der Welt war.
      Bis auf diese eklige Milch in Tüten. Schon beim Gedanken daran musste ich die Nase rümpfen. Hoffentlich gab es hier auch noch good old Milch in Tetrapaks.
      ~*~
      Der Morgen kam früher als erwartet. Elisa klopfte lautstark um acht Uhr an meiner Tür und fing an The Start Of Something New zu singen.
      Sie hörte erst auf, als ich die Tür öffnete und ihr ein Kissen an den Kopf warf.
      Bevor wir die Pferde ins neue Heim führten, checkte ich erstmal meine Wohnung aus. Sie lag direkt im Erdgeschoss, fast durchgehend mit Laminat ausgelegt. Im hinteren Teil reichten die Fenster von der Decke zum Boden und durchfluteten den Raum mit Licht. Die Küche war klein, aber ich war nicht der beste Koch, sie würde wohl reichen.
      Das Beste jedoch war die kleine Praxis im linken Flügel des Hauses. Ich würde also – neben der Zucht – Geld verdienen können und nicht nur meine Pferde und die meiner Freunde verarzten. Den Dachboden mit dem Studio würde ich wohl fürs Erste in Ruhe lassen müssen, immerhin musste ich meine Wohnung erst einmal einrichten.
      Aber wenn man Freunde hat, die man zum helfen zwingen kann, dann geht auspacken mindestens dreimal schneller.
      ~*~
      Erst gegen Nachmittag – und natürlich nach einer ausführlichen Inspizierung der Stalltrakte – konnten wir meine Pferde von Elisas Gestüt auf meines bringen. Spotlight, Star und Favorita stürzten sich sofort auf die frischen Heunetze, während Symbolic Splash und Cíola ein wenig vorsichtig die neuen Boxen beschnupperten. Attonito, Newt, Paramour und Muraco ignorierten die neue Umgebung und stellten sich einfach auf den angrenzenden Paddock.
      Als auch Chepa und Bacia in ihren Boxen standen, drehte ich mich mit einem Grinsen zu Elisa herum. Die verdrehte nur die Augen.
      Outside Girl und Flea waren beide wunderschöne Stuten, die mich beide sofort freundlich beschnupperten und die Karotten, die ich ihnen brachte, dankbar annahmen.
      „Weißt du,“ sagte Elisa neben mir, „rein theoretisch könnten wir uns die beiden schnappen und mit ihnen ausreiten.“ Sie grinste. „Dann könnte ich dir die Landschaft zeigen und alles Mögliche.“
      Als ob ich das Angebot ausschlagen konnte.
      ~*~
      Die erste Nacht in einer neuen Umgebung schlief ich immer besonders schlecht (gestern war eine Ausnahme gewesen; ich war einfach erledigt gewesen), und so lag ich um zwei Uhr morgens immer noch wach in meinem neuen Bett im neuen Schlafzimmer im neuen Haus des neuen Hofes.
      Wenn ich mich auf die Seite drehte, konnte ich durchs Fenster perfekt auf den Stutentrakt sehen. Obwohl es kalt war – 4 Grad Minus, also verdammt kalt – standen Chepa, Star und Flea auf dem Paddock. Star und Flea beknabberten sich sogar, soweit ich sehen konnte.
      Alle sahen sie komplett ruhig aus, als hätte ihnen der Umzug kein bisschen zugesetzt. Seufzend schlug ich die Bettdecke zurück und schlich mich in die Küche. Dann müsste wohl eine warme Milch mit Honig herhalten.
      Als ich den Kühlschrank öffnete, war das erste, was ich sah, eine Plastiktüte voll mit Milch.
      Was zur Hölle?!
      Bei näherer Betrachtung dann sah ich den Zettel, der daran klebte. Welcome to Canada stand in Elisas Handschrift darauf.
      Wer brauchte schon Feinde, wenn man solche Freunde hatte?
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur E-A - © Gwen
      | 25. März 2015
      „Der süße Schecke? Na klar! Für den habe ich immer Platz“, meinte ich lächelnd und schaute neugierig in den Hänger. Jojo hatte es ganz problemlos gemacht und stand direkt auf meinem Hof, samt Pferd. Da war nichts mit vorher Anrufen oder Termine setzen. Gemeinsam machten wir uns daran, Paramour auszuladen. Der Hengst hatte seine Leidenschaft im Springen bisher erfolgreich umgesetzt und schon die eine oder andere Schleife nach Hause gebracht. Umso verwunderlicher fand ich die Tatsache, dass ich ihn in der Dressur ausbilden sollte. „Haha, na da werde ich ja meinen Spaß haben!“, meinte ich grinsend und verabschiedete Jojo, nachdem der Lewitzer zufrieden in seiner neuen Box stand. Ich musterte ihn noch kurz und kontrollierte Futter und Wasser, ehe ich mich ins Büro setzte und seinen Trainingsplan aufstellte. Sieben Tage hatte ich Zeit, dem Hengst die Grundlagen des A-Niveaus näher zu bringen, aber ich war guten Mutes, dass wir das schaffen würden.
      Nachdem der Plan stand, holte ich Paramour aus der Box, putzte und sattelte ihn. Danach gingen wir eine kleine Runde um den Hof, damit er die neue Gegend kennenlernen durfte, ehe ich ihn in die Halle führte und mich in den Sattel schwang. Zwei Runden drehten wir noch im Schritt am langen Zügel, ehe ich mich vorsichtig an die Anlehnung antastete. Paramour reagierte sofort und so konnten wir die erste halbe Stunde in einem schönen Vorwärts-Abwärts arbeiten. Danach nahm ich die Anlehnung beständig auf und ritt allerhand Übergänge und trainierte auch das Antraben aus dem Stand und das gerade Rückwärtsrichten. Paramour war sehr gelehrig und nachdem die Anfänge der Seitengänge auch schon sehr gut zu klappen schienen, beendete ich die heutige Trainingseinheit. Sie hatte mir allerhand Erkenntnisse gegeben.
      Die kommenden sieben Tage ritt ich Paramour täglich in der Halle oder auf dem Platz. Nachdem die Grundgangarten und der ihre Übergänge wirklich saßen, nahm ich mich den verstärkten Gangarten an, also hieß es ab sofort Mittelschritt, Mitteltrab und Mittelgalopp trainieren. Davon war ja Paramour nicht sonderlich begeistert, fegte der Schecke doch viel lieber mit scharfem Tempo durch einen Hindernisparcours. Um seine schlechte Laune zu mindern, arbeitete ich viel mit Trabstangen und Cavalettis, die ihm vor allem aber auch das Tempo nahmen und ihn stattdessen aufforderten, sich mehr zu strecken und die Hinterhand zu aktivieren. Schon nach drei Tagen kam viel mehr Kraft von hinten nach vorne und so gingen die Mittel-Gangarten schon viel leichter von der Hand.
      Ab da arbeiteten wir vermehrt an den Seitengängen, also Viereck vergrößern oder verkleinern. Mit dem sensiblen Paramour ließ sich das sehr leicht erarbeiten und ich hätte mir wahrscheinlich die Trainingseinheit vom Boden aus sparen können. Rückwärtsrichten und Zügel aus der Hand kauen waren Standard bei unserem Training und so absolvierten wir am Ende der Woche erfolgreich eine A-Dressur unter den Adleraugen von Elisa. Paramour reagierte wunderbar auf jede kleine Hilfe von mir. Die Hufschlagfiguren saßen, die Seitengänge und Mittelgänge auch. Das Rückwärtsrichten klappte auf Anhieb und zum Schluss ließ ich Paramour die Zügel aus der Hand kauen. Zufrieden ritt ich ihn ab und beratschlagte mich noch kurz mit Elisa, aber auch sie sagte mir zu, dass der Schecke fertig war.
      Also rief ich an diesem Abend noch bei Jojo an und sagte ihr Bescheid, dass sie ihren Hengst Morgen abholen konnte. Und schon stand sie am nächsten Tag auf meinem Hof. Ich hatte Paramour fertig gemacht und ritt auch Jojo noch einmal die A-Dressur vor. Glücklich packte sie ihren Hengst ein und dankte mir für das fixe trainieren.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Dressur A-L - © Gwen
      | 03. April 2015
      Eigentlich musste Paramour sich langsam bei uns auskennen; bereits zum dritten Mal stand er in Elisas Stall zum Training. Außerdem wohnte der Lewitzerhengst seit Neustem gleich gegenüber – und Juli benutzte Elisas Trainingsmöglichkeiten mindestens genauso gern wie ich.
      An Paramour’s Boxentür hing auch schon eine nagelneue Kandare. Die nächste Etappe war die M*-Dressur, und da gehörte das leider dazu. „Es ist nicht so, dass er der totale Laie ist“ hatte mir Juli am Telefon vor ein paar Tagen gesagt, „aber wir sind nur wirklich selten Turniere auf Kandare gegangen.“ Ich konnte förmlich hören, wie sie das Gesicht verzog. Da konnte ich sie voll und ganz verstehen – und deswegen würde ich mit dem Hengst auch nur mit seiner normalen Trense trainieren.
      Mit einem Lächeln kraulte ich Paramours Stirnlocke, ehe ich die Tür aufschob, ihn putzte und nebenbei noch von meinem Tag erzählte. Jedes Mal, als ich eine kurze Pause machte, schnaubte er, als wollte er mich zum Weiterreden auffordern. Und so dauerte es fast vierzig Minuten, bis ich in der Halle endlich zum Aufsteigen kam.
      Matthew war heute woanders beschäftigt – zum Glück! –, also wollte ich erst einmal die bereits vorhandenen Grundlagen checken. Bereits beim Lösen ließ ich Paramour ein paar einfache Galoppwechsel machen und ließ ihn in allen drei Gangarten die vorgeschriebenen Bahnfiguren absolvieren: Schlangenlinien aller Art, halbe und ganze Volten mit verschiedenen Radien. Der Lewitzer zeigte heute keine Unruhe und arbeitete konzentriert mit und ich klopfte mir mental selbst auf die Schulter. Hoffentlich würde das in den nächsten Wochen, mit Matthew als strenger Reitlehrer, auch so gut klappen – der letzte ich-kann-mich-keinen-Schritt-mehr-bewegen-Muskelkater war noch gar nicht so lang her.
      Als ich spürte, wie Paramour locker wurde, wagte ich mich an die Anlehnung und das darauffolgende Überstreichen. Im Trab funktionierte das schon ganz gut (da hatte wohl jemand seine Hausaufgaben gemacht!), aber am Ende der Trainingszeit sollte das alles im Galopp funktionieren. Zwar hatte ich das Gefühl, dass der Hengst sich auch im Galopp selbst trug und nicht auf den Zügel angewiesen war, aber ich wollte lieber nichts überstürzen. Die fliegenden Galoppwechsel, die jetzt kommen sollten, verschob ich lieber auf später, wenn Matthew wieder da war und sich vielleicht auch mal selbst aufs Pferd setzte, anstatt mich den lieben langen Tag zu traktieren.
      Das erste, was Paramour in den drei Wochen lernte, waren die verstärkten Gangarten – und ich lernte schon bald, dass ein Wadenkrampf auf dem Pferd wirklich beschissen war und, dass Matthew wahrscheinlich ein Herz aus Stein hatte. Das zeigte er mir auch heute wieder besonders deutlich.
      Wir waren bereits seit einer Dreiviertelstunde am Arbeiten und Matthew war immer noch so ruhig und besonnen wie zu Beginn der Stunde. Mir sammelte sich hingegen der Schweiß auf der Stirn, während ich nun erneut versuchte, Paramour dazu zu bringen, nicht die Bewegung inmitten der fliegenden Galoppwechsel abzubrechen. Erneut scheiterte mein Versuch und Matthew schüttelte nur den Kopf. Stumm bat er mich abzusteigen und nahm stattdessen meinen Platz ein.
      Er drehte mit dem Lewitzer einige Runden im Galopp durch die Halle, ehe er zuerst die einfachen Galoppwechsel antestete und dann auf der Diagonalen einfach so einen fliegenden Galoppwechsel hervorzauberte. Paramour sprang so, als ob er sein ganzes Leben nichts anderes getan hätte. Dann exerzierte Matthew nochmals all unsere Übungen durch, ehe er mir den Hengst wieder zum Abreiten übergab.
      Ab da neigte sich Paramours Ausbildung rasch dem Ende zu. Nun funktionierte der Hengst auch unter mir, doch die Wehmut, dass ich das lediglich Matthew zu verdanken hatte, verflog leider nicht. So entschied ich mit knappen Worten, dass Matthew den Hengst demnächst in einer M*-Kür vorstellen sollte. Ich wollte mir die Blamage ersparen und unter dem Mann lief Paramour sowieso noch eine Spur besser.
      Und so war es dann auch. Während ich den Lewitzer für Matthew warm- und abritt, meisterten die beiden ihre Kür mit Bravour. Aus dem einfach wirkenden Schecken wurde ein talentiertes Dressurpferd, was mit Leichtigkeit durch das Dressurviereck schwebte und damit jeden verzauberte. So konnte ich zumindest guten Gewissens Juli Bescheid geben und den Hengst wieder zurück auf das benachbarte Gestüt bringen.
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      Nächtlicher Besuch
      | 12. April 2015
      Elisa runzelte die Stirn. „Ein Klopfen? Sicher, dass es kein Waschbär war?“
      Chepa neben mir schnupperte meine Hand nach Leckerlis ab, ehe sie mir vom Paddock folgte. „Ziemlich. Waschbären klopfen nicht an Haustüren, bevor sie die Mülltonnen verwüsten.“
      Jetzt war es an Elisa, die mit Vendetta schon auf dem Hof stand, mit den Augen zu rollen. „Ich mein ja nur. Muss ja nicht immer ein Einbrecher sein,“ Vendetta scharrte ungeduldig mit den Hufen und ich schloss die Paddocktür hinter mir, „Ich finde nur, du solltest dich da nicht verrückt machen.“
      Grummelnd führte ich Chepa an Elisa und Vendetta vorbei an den Holzbalken, der als Putzplatz diente. Ich hatte jetzt keine Lust mehr, über meine nächtlichen Abenteuer zu reden.
      Obwohl es doch wirklich gruselig war, wenn es nachts um viertel nach 2 auf einmal an der Haustür klopfte. Vor allem, wenn man alleine im Haus war und eigentlich keinen Besuch erwartete.

      ***
      Wir waren unterwegs zur Geländestrecke, um mit Chepa für das nächste Turnier zu trainieren. Elisa wollte ursprünglich eines ihrer Ponys reiten, doch sie hatte sich angeblich in Vendetta verliebt („Wahre Liebe! Das ist wahre Liebe und der stellt mich sich nicht in den Weg!“) und klaute sie mir nun regelmäßig für Ausritte. Die beiden passten aber auch gut zusammen; sollte Vendetta nämlich mal ihre fünf Minuten haben, in denen sie den Reiter ordentlich auf die Probe stellte, setzte Elisa sich einfach tief in den Sattel und brachte die junge Stute wieder zum mitarbeiten.
      Das Geländespringen war noch nichts für die Ponystute – in der Halle oder auf dem Platz war sie hundertprozentig bei der Sache, doch in einem freien Gelände waren die Gedanken ganz woanders – also durfte Elisa das Stillstehen mit ihr üben, während ich Chepa in einem großen Kreis angaloppierte, sie ein paar Runden locker galoppieren ließ, ehe ich dann meine Position am Start einnahm. Chepa spielte unruhig mit den Ohren, doch sobald ich sie antrieb, galoppierte sie locker an und man spürte, dass sie voll bei der Sache war.
      Die ersten Hindernisse überwanden wir ohne Probleme, die Lewitzerstute unter mir schien fast zu fliegen. Hindernis 3 lag dann schon am Waldrand und ich machte mich bereit, dass urplötzlich ein Vogel (oder ein Wendigo) aus dem Gebüsch fliegen würde und uns vollkommen aus dem Konzept bringen würde. Nichts dergleichen geschah, und Chepa nahm auch dieses Hindernis flüssig und ohne Probleme.
      Jetzt ging es die meiste Zeit durch den Wald. Die Hufschläge klangen dumpfer, die Welt schien stillzustehen, als die Stute den Weg entlang bretterte. Ohne mit der Wimper zu zucken, so schien es, watete sie durch den kleinen Fluss, übersprang den Oxer aus Zweigen und einem Busch, so schien es, direkt dahinter und schon tauchten wir wieder in den Wald ab.
      Als wir nach gefühlten fünf Sekunden das Ziel passierten, atmeten Chepa und ich schwer und waren nassgeschwitzt. Elisa zeigte mir den Daumen nach oben während ich Chepa in einem lockeren Trab ein paar große Kreise drehen ließ, bevor ich sie in den Schritt durchparierte.
      „Und jetzt?“ fragte Elisa mit einem breiten Grinsen und ließ Vendetta aufholen.
      Ich erwiderte ihr Grinsen und ließ die Zügel lang. „Ausritt?“

      ***
      Wieder auf meinem Hof angelangt – Elisa hatte mir Vendetta als Handpferd mitgegeben, weil sie eine faule Sau war – stieg ich ab und brachte die beiden wieder auf den Paddock. Dort wurde ich sofort von Favorita attackiert, die sich eine weitere Bindehautentzündung zugezogen hatte. Sie war langsam aber wieder auf dem Weg der Besserung, zumindest nicht in Quarantäne.
      Kurz darauf schnupperte Star an meiner Hand und ich sah auch schon, wie Symbolic Splash und Cíola auf mich zukamen. Bevor ich von Pferden gefressen werden konnte, huschte ich schnell unter dem Zaun durch auf den nächsten Paddock. Mit großen Augen sah Chepa mich an. Neben ihr war Bacia ein paar Schritte zurückgeweicht und starrte mich an, als wäre ich ein Alien.
      Ich zuckte mit den Schultern. Es war eh an der Zeit, mich intensiver mit ihr zu beschäftigen. Sie hatte sich mittlerweile eingelebt und ließ sich nun auch zeitweise für ein paar Sekunden streicheln. Mit einem Leckerli bestach ich sie um ihr den Führstrick einzuhaken, dann führte ich sie vom Paddock.
      Okay, so schlimm wie eben beschrieben war sie gar nicht. Bacia fehlte lediglich das Vertrauen zu fremden Menschen. Sie war auch immer die, die auf der Weide im letzten Winkel stand – teils allein, teils in Begleitung von Chepa. Sie ließ sich aufhalftern, sie ließ sich putzen aber ich hatte immer noch das Gefühl, dass sie mir nicht vertraute. Also musste Bodenarbeit her.
      Nach dem Putzen führte ich sie auf meinen Reitplatz und ließ sie dort erst ein wenig freilaufen. Ich scheuchte sie nicht – Monty Roberts konnte mir mal den Poppers küssen – und provozierte sie nicht, sie sollte einfach ein wenig laufen um locker zu werden. Danach ging ich in langsamen Schritten auf sie zu, um sie wieder einzufangen. Bacia sah mir mit gespitzten Ohren entgegen, doch sie blieb stehen und folgte mir aus der Ecke, in der sie stehengeblieben war. Die nächsten zehn Minuten machten wir ein paar Führübungen, danach übten wir das Rückwärtsrichten. Und als ich sie zurück auf den Paddock brachte, kam es mir fast vor, als würde sie ein bisschen entspannter wirken.
      Nach einer kleinen Runde mit Newt auf dem Platz – auch er wurde langsam aber sicher sicherer (hahaha.) – packte ich mir schließlich Paramour und Muraco und unternahm mit beiden einen kleinen Spaziergang. Ich hatte mir eine Decke mitgenommen und ließ die beiden um mich grasen, während ich mich sonnte. Und dann, aus dem Nichts, kam mir der Gedanke: Ich war glücklich. Ohne große Fanfaren, einfach so.
      Anschließend ließ ich Attonito noch zusammen mit Flea und Outside Girl auf dem Platz tollen. Die beiden „Großen“ jagten Reggie herum, doch er wusste sich zu wehren.

      ***
      Nach dem letzten Rundgang im Stall machte ich es mir im Bett mit einem Buch bequem. In der Stereo spielte leise ein MGMT-Album. Eigentlich perfekt zum Einschlafen.
      Wäre da nicht dieses Klopfen. Doch jetzt hörte es sich weniger wie ein Klopfen als ein Kratzen an. Und es hörte sich an, als wäre dieses Etwas direkt vor meiner Haustür.
      Entschlossen schlug ich die Bettdecke zurück und nahm mir ein Messer aus der Küche –man sollte nie unvorbereitet sein. Als ich näher an die Haustür kam, wurde das Kratzen immer lauter und es schien fast, als ob das Etwas … jaulen würde?!
      Das Messer hielt ich trotzdem fest in der Hand und versteckte es hinter meinem Rücken. Man hörte ja immer wieder Horrorstorys in denen ein Mörder sich als unschuldiges Tier ausgegeben, seine Opfer aus dem Haus gelockt und schließlich brutal ermordet hatte.
      Als ich nach der Klinke griff, fing das Kratzen wieder an. Ein letzter tiefer Atemzug, dann drückte ich sie langsam hinunter und zog die Tür auf.
      Mir sprang kein Serienmörder an die Gurgel, also wagte ich es, einen Schritt nach außen zu machen.
      Dann sprang etwas aus dem Gebüsch direkt neben mir, direkt auf mich zu.
      Um ein Haar hatte ich das Messer fallen lassen und wäre wieder nach drinnen gerannt. Doch vor mir stand kein Bär oder Hannibal Lecter oder sonst etwas, was wirklich gruselig und gefährlich war.
      Vor mir stand ein Hund. Klein, wuschelig, dreckig, aber irgendetwas in seinem Blick ließ mich auf die Knie fallen und ihm meine Hand zum beschnuppern anbieten.
      Ohne zu Zögern lief der Hund auf mich zu, und als er meine Hand abschnüffelte, sah ich, dass er ein Halsband mit Marke trug. Auf dem Metallplättchen war ein Name eingraviert – Ella.
      „Na du?“ flüsterte ich und strich der Hündin über den Kopf. „Was machen wir denn jetzt mit dir?“
      Ein paar Minuten blieb ich noch sitzen, nicht ganz sicher, was ich denn jetzt wirklich mit ihr anstellen sollte – anscheinend gehörte sie ja jemanden – ehe ich aufstand und Ella kurzerhand mit ins Haus ließ. Gleich morgen würde ich Flyer machen und die dann in Dolphin aufhängen.
    • Rhapsody
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      Die Neuen
      | 18. Mai 2015
      Der einzige Grund, warum der Mai nervte, war, dass ich nun offiziell viel zu früh von der Sonne geweckt wurde. Es war gerade einmal 10 vor 6, da kitzelten mich die ersten Sonnenstrahlen und ließen mich einfach partout nicht mehr einschlafen. Mit einem lauten Seufzer schlug ich die Bettdecke zurück und warf der Sonne, die durch mein Fenster lachte, einen bösen Blick zu. Ich war vor ein paar Tagen erst heimgekommen, was bedeutete, dass das Jetlag immer noch ein bisschen nervte. Deswegen war ich gestern Nacht erst um halb vier eingeschlafen.

      Und gerade einmal zweieinhalb Stunden wieder wach. Wie ein Zombie tappte ich in die Küche und machte mir erst einmal eine Tasse Tee – schwarz, mit ein bisschen Milch und reichlich Zucker, damit ich wenigstens ein bisschen wach wurde. Nebenbei nahm ich mir den Block aus dem Regal, der als Kalender diente. Und für heute standen allerlei Sachen darin.

      Zum einen war heute endlich der Tag, an dem Zoe und Adèle kommen würden. Die Zimmer waren gestern fertig geworden (irgendetwas muss man ja machen, wenn man um 2 Uhr nachts wach ist) und da das Flugzeug ziemlich früh kommen würde, hatten wir genug Zeit, einen Rundgang zu machen. Natürlich mit Besuchen auf Crown Hills, Sanssouci und der Nahanni Rivers Ranch. Das würde super werden. Dann mussten natürlich die Zäune geprüft werden, ehe die Pferde auf die Weide durften – das würde ich wohl gleich morgens machen, während sie ihr Frühstück futterten (man, ich sollte öfters weniger schlafen, da war ich ja glatt ein produktives Genie!).
      Weiter auf der Liste standen ein Spaziergang mit Symbolic Splash und Cìola, Training mit Newt (mal wieder) und ein entspannter Ausritt mit Medeia.

      Doch bevor ich das alles anging, fütterte ich die Pferde und brachte sie zusammen auf die Weiden. Zusammen mit Outside Girl, Bacia und Chepa kam Flea auf ihr Grasquadrat, während Medeia, Lashy, Cíola, Favorita und Star auf die andere Stutenweide durften.

      Bei den Hengsten gestaltete sich das dann schon schwieriger; Val war immer noch der Neue und sollte so auf eine Einzelkoppel. Muraco und Paramour waren beste Freunde, aber Newt sah Paramour als seinen großen Bruder an.
      Am Ende standen Muraco und Paramour, Newt und Attonito und schließlich Vaffanculo auf ihren Koppeln.

      Und dann bemerkte ich, dass ich fast schon zu spät war. Es war keine Zeit mehr, ein Schild mit Zoe & Adèle drauf zu basteln, aber ich hoffte einfach, sie würden mich erkennen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich dann, dass das Bett in einem Zimmer noch nicht überzogen war – super.
      Trotzdem sollten die beiden Mädels mich erkennen können, wir hatten in den letzten Wochen oft geskypet (teilweise um 3 Uhr nachts – verdammtes Australien).

      Natürlich hatte an einem Tag wie diesem der Flug Verspätung. Das bedeutete, dass es dann nochmal eine extra Stunde dauerte, bis der erste Flug angekündigt wurde. Ich stand keine fünf Minuten in der Halle bis mir auf einmal ein feuerroter Lockenkopf entgegensprang und mich sofort umarmte, als würden wir uns schon ewig kennen.
      Trotz des langen Flugs war Zoe immer noch voller Energie und plapperte ununterbrochen. Dabei strahlten ihre grünen Augen – wieso hatten Rothaarige immer grüne Augen? Das war so fies! – fast so sehr, wie ein ganzer Sternenhimmel. Ja, wir würden wohl gut auskommen.

      Als Adèle dann ankam – Zoe hatte sich gerade einen Kaffee in der kleinen Starbucksfiliale geholt und vibrierte nun scheinbar – wirkte sie abgeschlafft und müde. Sie war hochgewachsen, bestimmt 10+ Zentimeter größer als ich, hatte dunkelblondes, langes Haar, große Augen mit vollen Lippen.

      „Man, du erfüllst das ganze wunderschöne-Französin-Klischee,“ bemerkte Zoe mit einem Grinsen, was Adèles Wangen nur so aufflammen ließ. Trotzdem sah sie aus, als würde sie gleich im Stehen einschlafen, also schlug ich vor, langsam aufzubrechen. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Zeit, bis das ganze Gepäck verstaut war und wir endlich auf dem Highway waren. Selbst Zoe wurde langsam ruhiger, kommentierte nur alle paar Minuten die Landschaft. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass Adèle eingeschlafen war.

      Zurück auf dem Hof wollten die beiden Mädels am liebsten einen Einführungsausritt (okay, Zoe wollte einen Einführungsausritt), aber mit den Worten „Die Pferde sind auch noch da, wenn ihr euren Jetlag ausgeschlafen habt“ zeigte ich den beiden ihre Zimmer und half Zoe noch, ihr Bett zu überziehen.

      Dann waren die beiden verstaut und ich brauchte selbst erstmal eine Pause.
      ***

      Als ich mit Lashy und Cíola zurück kam, sah ich, dass die beiden Mädels immer noch tief schliefen – die Rolläden waren nach wie vor fest verschlossen. Auch nach einem Besuch bei Elisa und einer Spielstunde mit Pax, einer Bodenarbeitsübung mit Bacia (langsam klappte es immer mehr – hoffentlich waren wir bald soweit, dass wir uns an das erste Training unterm Sattel wagen konnten) und einer dreiviertel Stunde Training mit Newt regte sich noch nichts hinter den Fenstern der Gästezimmer.

      Erst, als ich nach einem weiteren Ausritt mit Medeia zurück kam, waren die Rolläden des linken Zimmers oben und ich traf Adèle dann bei den Weiden. Sie wirkte nicht wirklich wacher, sondern eher noch müder – wenn das überhaupt möglich war. Mit einem Leckerli auf der Handfläche versuchte sie, eine der Stuten anzulocken, doch keine der Pferde interessierte sich für viel mehr als das Gras direkt vor ihren Nasen.

      Als sie mich bemerkte, lächelte sie. „Ich hoffe das ist okay, dass ich mich ein bisschen umgeguckt hatte,“ sagte sie. Ihre Stimme war leise, weich, akzentfrei. Ich war ein wenig überrascht, dass sie keine Karriere als Synchronsprecherin verfolgte, sondern mir helfen wollte, Pferdehufe instand zu halten.

      Lächelnd zuckte ich mit den Schultern. „Natürlich, immerhin lebst du hier ja jetzt.“

      Sie sah auf den Boden, fast ein wenig beschämt. Als sie mich wieder ansah, sah sie fast ein wenig … geschockt? aus. „Sollten wir irgendwie nerven, darfst du uns das ruhig sagen, ja? Das ist wohl das letzte, was ich erreichen will.“

      Jetzt musste ich mit den Augen rollen. „Bist du immer so neurotisch?“ Und das brachte ein Lächeln auf Adèles Lippen. Dann bemerkte sie die Connemarastute neben mir und bot Medi das vergessene Leckerli an. Während die Stute es genüsslich zerkaute, wurde ich ins Kreuzverhör genommen; wie lang ich schon hier lebte, wie viele der Pferde vom alten Hof kamen, wo meine ganzen Freunde hier wohnten, etc. Viele Fragen drehten sich aber vor allem über Medeia und, als Adèle langsam wieder ruhiger wurde, drückte ich ihr kurzerhand den Strick in Hand. Erst wusste sie nicht, was sie damit anstellen sollte, doch als ich ihr das Tor öffnete, führte sie die Stute mit einem Grinsen hinein. Danach entschuldigte sie sich da sie sich wieder hinlegen wollte – das war wohl das Beste. Unausgeschlafen konnte man nicht gut misten, und je öfter sie schlief, desto schneller war sie ihren Jetlag los.

      Also machte ich mich mit Schubkarre und Mistgabel bepackt auf den Weg in den Stall.
      ***

      Das nächste Mal sah ich die zwei Mädels, als ich vom Stall hereinkam, weil ich einen Bärenhunger hatte. Draußen war es immer noch wunderschön und warm – danke, Mai! – also wollte ich mir nur noch schnell eine Pizza in den Ofen schieben, duschen und essen.

      Als ich jedoch die Tür aufschloss, saßen Adèle und Zoe in der Küche, schnatterten über Gott und die Welt während auf dem Herd ein Topf vor sich hin köchelte.

      Ein wenig verdutzt blieb ich in der Tür stehen, blieb jedoch nicht lang unentdeckt. Ella, die neben Zoes Stuhl auf dem Boden gelegen war, sprang nämlich lauthals bellend auf und rannte mir entgegen.

      Zoe grinste mich ein wenig beschämt an. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen weil wir dir nicht geholfen haben. Und Adèle kennt so ein tolles Rezept für Spargelcremesuppe –“

      „Sorry für’s Verwüsten?“ sagte Adèle und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich mich in der Küche um; das Waffelessen zur Feier meines neuen Hengstes hatte meine Küche verwüstet, aber von den „Kocheskapaden“ meiner neuen Mitbewohner war rein gar nichts zu sehen.

      „Also,“ sagte ich und löste mich vom Türrahmen, um an den Herd zu gehen. Die Suppe roch genial – ganz anders, als ich sie von daheim gewohnt war, irgendwie … nach anderen, fremderen Gewürzen (was jetzt aber nicht gerade schlecht war, im Gegenteil). „Wenn eure Definition von Verwüstung so aussieht, dürft ihr gern öfters meine Küche verwüsten.“ Mit einem breiten Grinsen drehte ich mich zu den beiden Mädels um und holte dann drei Suppenteller aus dem Schrank.

      „Und zur Feier des Tages essen wir draußen. Hopp hopp!“
      ***

      Nach dem Abendessen hätten Zoe und Adèle mir zwar gern beim Reinholen und Füttern geholfen, doch ich scheuchte sie nur wieder in ihr Zimmer. Diesen Elan durften sie sich für morgen aufheben, da wurden sie dann ordentlich herumgeführt.

      Fürs erste führte ich aber alle Pferde erstmal selbst in ihre Boxen zurück und füllte die Futtertraufen auf.
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  • Album:
    2 | Tullamore Creek
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    23 Juni 2016
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    Name: Paramour
    Zuchtname: Lindenhain's Paramour
    Rufname: Para


    PEDIGREE
    __________________________________

    von: Lindenhain's Picasso

    von: unbk.
    von: unbk.
    aus der: unbk.

    aus der: unbk.
    von: unbk.
    aus der: unbk.



    aus der: Farfalla vom Heidenhof

    von: unbk.
    von: unbk.
    aus der: unbk.

    aus der: unbk.
    von: Summer Time
    aus der: Saphyllis


    EXTERIEUR & INTERIEUR
    __________________________________

    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Lewitzer
    Geburtsdatum | Alter: 13. Mai | 17 Jahre
    Stockmaß: 147 cm
    Farbe: Braunschecke
    Abzeichen: Schnippe | scheckungsbedingte Abzeichen


    Charakter:

    Schon als Fohlen fiel der Hengst durch sein ruhiges Gemüt auf. Er kam nie richtig in das Flegelalter und baute schon seit seinen ersten Tagen schnell Beziehungen zu Menschen auf. Außerdem ist er ein sehr schneller Lerner und wurde so – für Ponys etwas untypisch, bereits mit dreieinhalb an den Reiter gewöhnt und trug keinen psychischen oder physischen Schaden davon. Paramour – zu deutsch verbotener Geliebter – kann jedoch auch sehr konzentriert mitarbeiten, sollte man ihm sensible Hilfen geben. Leider ist er im Gelände sehr schreckhaft, und bleibt vor allem in ungewohntem Territorium viel stehen, um sich umzusehen. Außerdem ist er sehr sensibel, was die Gefühle seines Pflegers und Reiters angeht; sollte dieser nämlich einen Tag selbst angespannt sein, wirft Paramour ihm das wie ein Spiegel zurück.


    STALLINTERN
    __________________________________

    Untergebracht in: Stall C
    Weidepartner: Ironic, Pacco
    Fütterungsplan: Heu - Graspellets



    Besitzer: Rhapsody
    Reiter: -
    Ersteller/VKR: Elii


    QUALIFIKATIONEN & ERFOLGE
    __________________________________

    Eignung: Dressur, Springen
    Einsatz als: Zuchtpferd | Privatpferd


    Ausbildung
    Fohlen ABC | Eingeritten | Eingefahren

    Englisch geritten

    Dressur E A L M* M** S* S** S***

    Springen E A L M* M** S S* S** S***

    Fahren E A L M S S* S** S***



    Erfolge
    Dressur: 1x M*-Platziert, Springen: 1x M*-Platziert

    Offizielle Turniere
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    304. Dressurturnier

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    71. Synchronspringen - 293. Springturnier - 77. Synchronspringen - 299. Springturnier

    Andere

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    419. Schönheitswettbewerb

    ZUCHTINFORMATIONEN
    __________________________________

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    HK 484 - Ponys

    Decktaxe: 97,-
    Genotyp: Aa Ee ToTo
    Aus der Zucht: Lindenhain Lewitzer, Mecklenburg-Vorpommern, DE
    Eingetragene Zucht: Sandringham Manor, Norfolk, UK
    Nachkommen:


    Parvati -- aus der Chepa
    Pacco -- aus der Romantica


    GESUNDHEITSZUSTAND
    __________________________________

    Chipnummer: 276 4 20 312222748
    Chronische Krankheiten: -
    Letzter Tierarztbesuch: 22. Januar 2015

    von: Pferdepraxis Sapala, Dr. Eddi Caen

    Fehlstellungen: -
    Beschlagen: -
    Letzter Hufschmiedbesuch: 15. Dezember 2016

    von: Hufschmiede Pine Grove Stud
    __________________________________

    Spind | Offizieller Hintergrund