Maleen

Nera | ♀ | Murgese

Nera | ♀ | Murgese
Maleen, 2 Dez. 2018
Cascar, Ezi, Zion und 6 anderen gefällt das.
    • Maleen
      Alte Berichte:
      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.
      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“
      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.
      Es war herrliches Wetter draussen - behaupteten die einen, für die anderen (mich eingeschlossen) war die Hitze ein Graus. Ich wollte mich am Morgen kaum aus dem Haus bewegen, weil ich genau wusste, dass mir der Schweiss auch heute wieder nur so runterlaufen würde. Nichts desto trotz stand wie immer zuerst das Vollbluttraining an, und noch war die Luft angenehm kühl. Ich ritt auf Indiana mit, aber nicht zum Rennen, sondern um Trackpony zu spielen. Naja, ein bisschen rennen sollte die Stute schon, denn sie wurde ja mittlerweile im Military trainiert und da war so ein Renntraining zwischendurch ganz gut. Wir holten heute die Trackponys schon so früh raus, weil wir die jüngsten Vollblüter zuerst trainierten. Die der normalerweise ersten, erfahrendsten Gruppe waren vor kurzem fast alle ein Rennen gelaufen, also hatten sie heute noch frei, um sich vollständig zu erholen, und nahmen das Training erst morgen wieder auf. Für die Arbeit mit den Jungpferden war das "Ponying" ideal, weil die ruhigen Begleitpferde (wenn sie sich denn tatsächlich ruhig benahmen) ihnen Sicherheit vermittelten. Weil sie aber später an den Rennen kein Begleitpferd hatten (ponying war ja in England und allgemein Europa nicht üblich) trainierten wir so oder so beides. Nach einer Viertelstunde Vorbereitung, gingen die Jockeys und Pferde raus zum Aufsteigen. Ich kletterte selbstständig auf Indianas Rücken, während die Jockeys von Ajith und Oliver hinaufbefördert wurden. Iniana trug eben einen normalen Springsattel - da war das Aufsteigen kein Problem im Vergleich zu den kleinen Rennsätteln. Indiana und ich führten die Sechsergruppe auf dem Marsch zur Bahn an. Die weiteren Track Ponys waren heute Feline, Summertime, Caprice, Shadow und Flint, wobei letzterer Mambo begleitete. Wir trabten zuerst ausgiebig und ritten danach im leichten Sitz einen lockeren Galopp. Wie zuvor mit Oliver abgesprochen arbeiteten heute alle einzeln (nachdem die Track Ponys sie losliessen) und dem entsprechenden Pferd angepasst. Mit Indiana machte ich einen erfrischenden, etwas zügigeren Galopp bis zum 500-Meter-Pfosten und legte von dort an über 400 Meter etwas zu. April machte es mit Mambo ähnlich. Indiana und ich überholten die beiden unterwegs, denn er lief noch längst kein Finish-Tempo, aber der Hengst war gefordert und seine Nüstern weit geöffnet. Erst mit zunehmender Kraft würde er schneller werden und länger durchhalten. Nach dem Sprint nahm ich Indiana zurück und liess sie wieder im selben Tempo wie zuvor galoppieren, was ich mit meiner Armbanduhr überprüfte. Sie wehrte sich etwas gegen die Einschränkung und kaute missmutig auf ihrer Wassertrense herum. Ihre Nase war jetzt wieder auf der Senkrechten und ihre Galoppsprünge versammelt. Ich liess sie noch ein zweites Mal strecken, was sie freudig annahm. Oliver prüfte unterdessen die Geschwindigkeit der Jungpferde. Er sagte nichts, nickte aber zufrieden, als er die Zeit stoppte. Quinn klopfte Sarabi im leichten Sitz in den Bügeln stehend auf den Hals und liess sie langsam ausgaloppieren. Die anderen taten es ihr gleich. Ich arbeitete mit Indiana noch etwas weiter, bis ich das Gefühl hatte, dass sie genug ausgepowert war. Auch Caprice lief noch mit uns mit, die anderen waren schon mit den Jungpferden zurück zum Stall gelaufen. Als Darren und ich schliesslich auch zurückritten, sahen wir in der Ferne, dass Lisa, Jason und David mit den drei Westernpferden auf einen kurzen Ausritt zum Entspannen gegangen waren. Feline wurde gebadet, weil sie morgen mit Robin für ein 80er Springturnier gemeldet war. Die junge Frau machte den Schimmel-Criollo schick und wollte ihr sogar den Schweif einflechten. Auch Lily nahm an dem Turnier morgen teil, allerdings in der 60er Höhe und mit White Dream. Ich musste ihr höchstwarscheinlich später auch noch beim Einshamponieren helfen. Ich versorgte Indiana und half beim Vorbereiten der zweiten Rennpferdegruppe mit, dann brachte ich mit Ajith zusammen die Jungspunde aus dem Freilauftrainer, wo sie zum Abkühlen gewesen waren, zurück in ihre Boxen. Ich sah bei den Fohlen vorbei, quatschte mit Lewis, während Skydive mit meinem T-Shirt Ärmel spielte und beobachtete eine eher halbherzige Rauferei zwischen Simply Priceless und Cupid, ehe ich weiter zu Thairu ging.
      Das Zebratiergraste zufrieden mitten an der Sonne und zuckte weitaus weniger wegen der Fliegen als Zazou. Für die beiden war die Sommerhitze ideal, denn sie waren dafür ausgelegt, bei hohen Temperaturen in den Savannen Afrikas zu weiden. Die grossen, runden Ohren richteten sich interessiert nach vorne, als ich die Weide betrat. Thairu wusste mittlerweile, dass ich Abwechslung brachte, und natürlich auch immer etwas Essbares dabei hatte. Ich ging zu ihr und streichelte über ihre schwarze Schnauze, was sie sich stillhaltend gefallen liess. Dann fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, das Halfter mitzubringen. Also probierte ich aus, ob die Zebrastute mir auch ohne Ausrüstung folgte. Ich lud sie mit eingedrehter Schulter ein und versuchte sie zu rufen. Doch Thairu sah mich nur einen Moment lang blöd an und graste dann friedlich weiter. Ich seufzte und holte das Lederhalfter des Zebras. Am Führstrick folgte sie mir brav und ohne Zögern sodass ich mich leicht veralbert vorkam. In solchen Momenten war ich froh, dass mir niemand zusah. Nichts desto trotz bürstete ich das gestreifte Fell durch und kämmte, was an der Stehmähne und dem dünnen Fliegenwedel zu kämmen war. Zazou belagerte uns hartnäckig. Er schien ebenfalls auf eine Massage zu hoffen, denn er stand immer wieder direkt neben mich und schleckte an meinem Arm. Die warme Zunge war etwas unanenehm bei dem Wetter. Thairu spitzte die Lippe, wenn ich sie vorne an der Brust kraulte. Vermutlich schwitzte sie dort besonders viel, und der getrocknete Schweiss juckte. Es war mittlerweile viertelvorzehn und die Sonne heizte die Atmosphäre immer weiter auf. Ich musste mit dem Zebra in den Schatten der Reithalle wechseln. Dort kratzte ich noch rasch die Hufe aus. Danach 'sattelte' ich das gestreifte Tier mit einem Bareback-Pad - der einzige Sattel, der auf den beinahe widerristlosen Rücken wirklich passte. Ich zog ihr ein Kopfstück mit Trense an, das nur einen Kinnriemen hatte. Sie mochte es, den Kopf möglichst frei zu haben und lief damit williger als mit einem komplett verschnallten englischen Zaum. Am liebsten mochte sie immer noch das Knotenhalfter, aber ich wollte heute etwas Dressur mit ihr machen und testen, wie gut sie sich an den Zügel anlehnen konnte. Es war auch mit Trense schwer genug, denn das Tier hatte mehr Unterhals als sonst was. Das war einfach Köperbau bedingt, denn Zebras waren nunmal nicht fürs Reiten gezüchtet. Ich führte Thairu auf den Sandplatz und stieg auf, indem ich an ihrer Seite hochsprang. Ich konnte das Aufsteigen ohne Sattel mittlerweile schon viel besser, aber manchmal brauchte ich trotzdem mehrere Versuche. Ich ritt Thairu im Schritt warm (wobei mir 'Warmreiten' heute etwas ironisch vorkam) und übte dabei schonmal an der Biegung der kurzen Reittiers. Gar nicht so leicht, wenn sich der Hals beliebig in einen starren Balken verwandeln konnte. Ich gab jedes Mal sofort nach, wenn sie sich darauf einliess und nachgiebig wurde, aber wir würden das sicherlich noch oft üben müssen. Wann immer ich zu viel verlangte, begann der Schwanz unwillig zu schlagen und die Ohren klappten nach hinten. Darauf musste ich hören, weil ich sonst Gefahr lief, in die Ungunst des Zebras zu fallen - was gewiss grenzenlose Sturheit nach sich ziehen würde. Ziel war es nicht, das Zebra zu dominieren, sondern es mit Abwechslung bei Laune zu halten und zur Mitarbeit zu ermuntern. Lily und ich waren ja schon ziemlich weit mit Thairu gekommen. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und sie liess inzwischen sehr viel mit sich machen. Aber wir mussten das gute Verhältnis bewahren und uns dem Tempo des Zebras anpassen. So kamen wir am Ende am besten voran. Heute bot mir Thairu zum Beispiel auf meine Hilfen hin einen schönen, fleissigen Trab an, den ich dankend annahm. Ich übte nun auch im Trab kleine Volten und Schlangenlinien um die vom Vortag noch aufgebauten Hindernisse herum. Später galoppierte ich sogar an und schaffte es, ein paar grosse Volten zu drehen, ehe Thairu wieder in den Trab fiel. Sie hatte einfach noch nicht genug Gleichgewicht unter dem Reiter, was es für sie umso anstrengender machte. Das verstand ich auch; ich war schon froh um die paar Runden, in denen sie sich echt bemüht hatte. Diese Leistungsbereitschaft, die bei ihr alles andere als selbstverständlich war, galt es zu fördern. Am Ende war sie zwar nie so am Zügel gelaufen, wie man es von Pferden kannte. Aber Elliot, der uns kurz zugesehen hatte, meinte, dass sie zumindest schön aktiv hinten gefusst hatte und einigermassen über den Rücken gelaufen war - sofern er das beurteilen konnte. Ich führte das Zebra zum Nebenstall und nahm ihr die Ausrüstung ab. Dann führte ich sie am Knotenhalfter in den Innenhof des Hauptstalls und parkierte sie bei den aus der Wand ragenden Anbinderingen. Ich schnappte mir den Schlauch und drehte den Wasserhahn auf, bis es in einer angenehmen Stärke aus dem Duschkopf floss. Thairu genoss das Bad mehr als ich dachte. Sie stand entspannt da und ihre Maulspalte wirkte zufrieden. Auch der Schwanz bewegte sich ruhig, was immer ein gutes Zeichen war. Ich entfernte das meiste Wasser mit dem Schweissmesser und nutzte danach die Gelegenheit, um die Hufe des Zebras ein wenig zu kürzen. Wenn das Horn feucht war, ging das deutlich leichter. Um halb Elf durfte das Tier zurück auf die Weide zu Zazou, der schon sehnsüchtig gewartet hatte.
      Vor dem Mittag wollte ich nun noch mit Empire ein paar Naturhindernisse springen. Es ging mir nicht darum, ihn total ins Schwitzen zu bringen, sondern eher ein wenig Gymnastik zu machen und seine Geschicklichkeit in Sachen Distanzen zu schulen. Oft verschätzte er sich nämlich und sprang noch etwas unpassend, wenn ich nicht ganz genau aufpasste. Das endete jeweils in lustigen Hasensprüngen oder eben mit fallenden Stangen. Auch heute hatten wir wieder ein paar Startschwierigkeiten, besonders, weil er den einen Kastensprung (obwohl schon gefühlte 1000 mal gesprungen) unheimlich fand. Vielleicht war das Licht heute anders, oder er sah eine Heuschrecke darauf sitzen - ich konnte wiedermal nur raten, was im Kopf des Schimmelhengstes vorging. Aber nach ein paar zögernden, grotesken Sprüngen glaubte er mir schliesslich, dass der Kasten keinen Appetit auf Pferdefleisch hatte. Und wenn Empire sich mal entschloss zu gehen, dann war er ein Traum. Wir hüpften mit Leichtigkeit über die Hindernisse, und selbst beim Wasser bremste er nicht, sodass es nur so um uns hochspritzte, als wir hindurchrasten. Deshalb lachte Jonas auch laut, als ich an der Halle vorbei zurück zum Hauptstall ritt. "Bist du runtergefallen?" "Nö", sagte ich, "Empire wollte einfach testen, ob man im Wasser genauso gut rennen kann." Er half mir schmunzelnd und übernahm den Hengst, als ich abstieg. Wir liefen gemeinsam zu Empires Box und versorgten den Schimmel, der zufrieden auf seinen Karotten herumkaute.
      Lily kam am Mittag pünktlich nachhause. Am Nachmittag hatte sie frei, also wollten wir zusammen zum Fluss reiten. Sie war schon eifrig am Badesachen bereitlegen. "Willst du wirklich ganz rein?", fragte ich, denn eigentlich hatte ich nur ein rasches Beine-Annässen im Sinn gehabt. "Klar! Es ist mehr als heiss genug!" Ich sah Jonas fragend an und er meinte schulterzuckend: "Lewis und ich waren gestern kurz mit Summer und Shadow am Ufer - das Wasser war jedenfalls gar nicht so kalt wie ich dachte." "Okay..." Ich überlegte kurz, dann holte ich mein eigenes Bikinioberteil und die Badeshorts. Nach dem Essen zog ich die Badesachen an und darüber ein Trägertop, nachdem Lily und ich uns gegenseitig eingecremt hatten. Wir mussten uns noch entscheiden, welche Pferde wir nehmen wollten. "Teddy will ich heute Abend in der Dressurstunde reiten, er hat das nötig", überlegte Lily laut. "Aber Nossi wäre bestimmt froh um ne Abkühlung - mit ihrem schwarzen Fell..." Ich nickte und beschloss: "Dann nehme ich Yoomee, die geht gut und gerne ins Wasser." Wir liessen Jonas mit den abzuwaschenden Pfannen in der Küche zurück und schlenderten zum Nebenstall. "Die Pfleger kommen nicht mit, oder?", fragte Lily. "Nö, die haben genug zu tun." "Gut." Sie grinste zufrieden, weil sie gerne ab und zu etwas mit mir alleine unternahm - das hatte sie mir jedenfalls mal so erklärt. Mir war es auch recht, keine grosse Sache daraus zu machen, sondern das Baden einfach unkompliziert zu zweit mit den Pferden zu geniessen. Wir putzten die beiden Ponystuten nur rasch, schliesslich gingen wir ja ganz ohne Sattel oder Pad. Als Zaumzeug reichten uns Knotenhalfter; so konnten wir auch nicht ausversehen im Maul herumziehen, falls wir das Gleichgewicht verloren. Sheela schlich gelangweilt um den Nebenstall herum, also beschloss ich, die Labradorhündin auch mitzunehmen. Sie mochte Wasser ohnehin sehr gerne. Auf mein Rufen hin kam sie sofort freudig angerannt und wollte gestreichelt werden. Zira wurde prompt eifersüchtig und drängte sich ziwschen mich und Sheela, sich auf meine Füsse setzend. Ich kraulte beide, lachend, weil das so typisch war. Kurz darauf führte ich Yoomee auf den Kiesweg und schwang mich auf ihren angenehm breiten Rücken. Lily kletterte ebenfalls bei Nossi hoch und rückte sich zurecht, dann warf sie einen bestätigenden Blick zu mir und wir konnten losreiten. Nosferatus Fell glänzte in der Nachmittagssonne und die rotbraunen Stellen wirkten besonders kontrastreich. Sie war einfach schick anzusehen, mit ihrem typischen, edlen Welsh-Kopf und der sportlich geschnittenen Mähne. Wenn ich nach hinten sah, konnte ich Yoomees Popo gemütlich auf und ab wippen sehen, ihr Schweif war leicht angehoben und wischte manchmal ein paar Fliegen von ihrer Flanke. Die beiden Vierbeiner spürten wohl ganz genau, dass sie heute nicht arbeiten mussten, sondern nur Spielereien auf dem Plan standen. Beim Wasser angekommen, forderten wir Nossi und Yoomee auf, ein paar erste Schritte hineinzugehen. Sheela machte es vor und sprang auf mein Handzeichen hin übermütig hinein. Zira trank erstmal ein paar Schlücke, ehe sie weitaus vornehmer hineinwatete. Die Pferde sahen sich zuerst den Flussboden an, bevor sie sich entschieden, hineinzusteigen. Yoomee fand, einmal drinnen, sofort Gefallen an der Abkühlung und scharrte kraftvoll. Nossi und Lily gingen nach kurzem eingwöhnen ‚all-in‘ und schwammen tatsächlich einen kleinen Bogen. Es war herrlich hier, wo das Flussbett über Jahrzehnte eine Art Mulde gebildet hatte, in der das Wasser langsamer floss und tief genug zum schwimmen war. Auch Yoomee und ich spielten eine Runde Flusspferd, wobei sie typischerweise die Oberlippe hochzog und ihre Zähne zeigte. Das war immer so lustig anzusehen. Lily fragte auch lachend, ob Nossi saubere Zähne habe, als die beiden auf uns zuschwammen. Später liessen wir die Pferde am Flussufer grasen und badeten alleine noch weiter, damit es ihnen nicht verleidete. Ums Abhauen machte ich mir keine Sorgen. Pineforest war in Sichtweite, also würden die beiden ohnehin als erstes dorthin zurückkehren. Und das tolle am Pineforest Park war, dass es hier kaum Strassen gab, und die paar wenigen waren kaum befahren. Aber Yoomee und Nossi entschieden sich am Ende sowieso wie erwartet dazu, das saftige Gras im Schatten der Bäume zu geniessen, anstatt stiften zu gehen. Die Zügel hatten wir natürlich abgenommen, damit sie sich nirgens verheddern konnten.
      Der Badespass hielt knapp eine Stunde an. Weil der Fluss heute etwas mehr Strömung hatte als die letzten Tage, und kurz darauf auch noch ein angenehmer, aber rauer Wind aufzog, wurde ich misstrauisch. Tatsächlich entdeckte ich daraufhin ein paar mächtig aufgebauschte Wolken am Horizont. Ich rief Lily zurück und wir machten uns, nass aber glücklich, auf dem Heimweg. Nachdem wir die Ponys versorgt hatten, begann es bereits zu tropfen. Ein typisches Sommergewitter, das in einer halben Stunde oder so bestimmt schon weitergezogen sein würde, vermutete ich. Lily fand es lustig, in den Badesachen unter dem bald darauf herunterprasselnden Platzregen herumzurennen. Ich joggte, erwachsen wie ich war, einfach zurück ins Haus und zog mich um. Obwohl ich meine Nichte insgeheim um ihre Sorglosigkeit und Freiheit beneidete. Waren wir nicht irgendwann alle so gewesen? Ich streichelte Moya, die mir schon wieder um die Beine schlich. Die schlaue Langhaarkatze hatte im Haus Schutz vor dem Regen gesucht - ein bisschen feucht war sie trotzdem. Ein lautes, eher krächzendes Miauen ertönte plötzlich, als Reaktion auf das Streicheln; aber es konnte nicht Moya gewesen sein, denn sie hatte eine hohe, niedliche Stimme. Die Quelle stand hinter mir, und schaute mich mit senkrecht aufgestelltem Schwanz, blinzelnd an. "Kafka, ich mach dich zu einem Sitzpolster, ich schwör's!" Der Kater erkannte, dass ich nicht so erfreut war ihn zu sehen, wie es umgekehrt der Fall sein musste. Er nahm reissaus, sobald ich aufstand. Vielleicht hatte er mich auch absichtlich provoziert, das traute ich ihm sehr wohl zu. Ich hatte ihn schon so oft aus dem Haus rausgeschmissen, dass er doch mittlerweile wissen musste, dass er hier nicht reingehörte. Moya durfte auch nur drinnen wohnen, weil sie noch nie tote Tiere reingebracht hatte und mittlerweile stubenrein war - ganz im Gegenzug zu dem Schildpattkater. Kafka flitzte durch die Katzenklappe, bevor ich ihn zu fassen bekam. Und ich fragte mich einmal mehr, ob sich die Investition in eine Chip-Erkennungs-Klappe nicht lohnen würde. Die restlichen beiden Katzen, Gismo und Shiva, probierten es gar nie. Sie waren im Hauptstall zuhause, wo die Pfleger sie fütterten und sie auf den alten Fleece-Decken schliefen. Kafka schien höhere Ansprüche zu haben, aber dann musste er zuerst lernen, sich zu benehmen. Ich hatte das Gefühl, dass Moya es einfach mehr in ihren Genen hatte, Hauskatze zu sein. So wie sie auch das Langhaar im Gegenzug zu den anderen geerbt hatte. Aber ich konnte wiedermal nur spekulieren.
      Draussen schüttete es wie aus Kübeln. Ein wunder, dass ich keine Hagelkörner sehe, dachte ich bei dem Krach den die schweren Tropfen machten. Aber bereits nach zehn Minuten liess die Intensität nach. Lily kam rein, den ganzen Boden volltropfend. "Ab ins Bad! Du machst mir den ganzen Parkett feucht", tadelte ich. Ich rubbelte ihre Haare mit dem Handtuch trocken. Danach zogen wir uns wieder richtige Reitsachen an und verliessen das Haus. Es roch nach nassem Asphalt und Gras - ein Geruch den ich liebte. Die Luft war durch den Schauer leider kaum abgekühlt, sondern bloss etwas feuchter geworden. Trotzdem gab es noch ein paar Vierbeiner zu beschäftigen. Während ich Vilou putzte, bekam ich eine SMS von Rosie. Sie fragte, ob ich einen Sonnenuntergangsritt mit ihr machen wolle. Ich willigte sofort ein, denn ich konnte es kaum erwarten, wiedermal mit ihr zu plaudern. Vilou scharrte ungeduldig, weil ich dem Smartphone anstelle von ihm meine Aufmerksamkeit widmete. Ich beeilte mich und striegelte den Fuchshengst dann eifrig weiter. Er genoss die kreisenden Bewegungen und wippte je nach dem mit dem Kopf mit. Es schien ihm aber auch widermal zu viele Fliegen zu haben, weshalb er nicht immer schön still stand, sondern mit dem Schweif wischte und sich zu kratzen versuchte. Er zeigte mir manchmal mit einer Kopfbewegung, wo es ihn juckte, damit ich ihn dort besonders intensiv striegeln konnte. "Faulpelz", murmelte ich, als er wieder so eine Stelle anzeigte, bei der er sich hätte verbiegen müssen, um sie zu erreichen. Ich entfernte den Staub aus seinem Fell mit der Bürste und säuberte mit dem Schwamm seinen eigentlich weissen Nasenrücken und die Nasenlöcher. Manchmal, wenn die Sonne besonders stark schien, cremten wir ihn sogar mit Sonnenschutz ein. Bei Winter, Ciela und den anderen Pferden mit viel rosa Haut musste das sogar noch gründlicher gemacht werden. Sie alle waren im Hochsommer gefärdet für Sonnenbrand und wir bemühten uns, sie jeweils erst gegen Abend oder die Nacht hindurch auf die Weide zu lassen. Nur, wenn sie früh morgens Renntraining hatten, dann mussten sie erholt sein und konnten nicht die ganze Nacht lang spielen.
      Vilou war wegen der Hitze verständlicherweise etwas träge. Ich motivierte ihn trotzdem zu einem anständigen Schritt, beschränkte die Lektionen aber auf leichte Trabarbeit und ein paar Seitengänge, ohne viel Galopp. Er war trotzdem ziemlich verschwitzt am Ende unserer Übungseinheit, genauso wie ich. Man könnte nicht meinen, dass ich vorher im Wasser war, stellte ich seufzend fest. Ich klebe schon wieder. Ich duschte Vilou gründlich ab und wusch mein Gesicht bei der Gelegenheit auch gleich nochmal. Eine fette Pferdebremse kam angebraust und wollte sich auf das Hinterteil des Fuchshengstes setzen. Ich zielte vorsichtig und erwischte sie mit der flachen Hand. Vilou, der beim Surren des dicken Brummers bereits angespannt die Ohren zurückgeklappt hatte, schien erleichtert und verscheuchte stattdessen mit seinem Maul ein paar Fliegen an der Brust. Jetzt gerade schwirrten besonders viele Viecher um ihn herum, weil er nass war. Also zog ich ihn rasch mit dem Schweissmesser ab und brachte ihn dann im Nordstall in Sicherheit. Es war schon halb fünf, aber ich war zu faul, um mich zu hetzen. Ich beschloss, Co Pilot bloss an die Longe zu hängen. Geputzt war der Rappschecke schnell, denn er war überhaupt nicht schmutzig. Auch in den Hufen war fast nichts drin – der Boden auf der Weide war zu trocken, um sich in den Strahlfurchen zu verfangen. Pilot folgte mir brav wie ein Lamm zum Roundpen und war trotz der unbarmherzigen Sonne motiviert. Ich achtete darauf, dass er schön untertrat und vorwärts-abwärts lief, um den Rücken zu heben. Ich fand jedoch, dass er hinten links nicht ganz taktklar ging und tastete besorgt sein Bein ab. Erfühlen konnte ich nichts, und warm war es auch nicht. Trotzdem liess ich ihn sicherheitshalber Schritt gehen und versorgte ihn nach zwanzig Minuten. Ich beschloss, am Abend nochmal mit ihm Spazieren zu gehen, damit er trotzdem genug Bewegung bekam. Vorläufig rief ich den Tierarzt nicht, denn es war gut möglich, dass er einfach verspannt war, oder eine unvorteilhafte Bewegung auf der Weide gemacht hatte. Ich erkannte auch, dass er nach der leichten Longenarbeit schon etwas besser lief, also sah ich meine Vermutung bestätigt.
      Ich hörte ein Auto auf den Parkplatz fahren, während ich Pilot zurück in seine Box brachte. Als ich aus dem Nordstall in die heissen Sonnenstrahlen trat, sah ich Angelina Moore aussteigen. „Good afternoon Angie“, grüsste ich die Pensionärin freundlich. Sie erwiederte es und öffnete die Autotür für ihre Kinder, Alec und Susan. Die beiden waren heute zum ersten Mal dabei. „Hey you two. Are you going to ride today, too?“, fragte ich lässig. Alec sah seine Mutter kurz an, dann meinte er: „We only watch and help grooming Nera, until she’s a bit older and not so wild.“ “Ahh, I see. But you did ride before, didn’t you?” “Yes. With Barney. A lot”, antwortete die kleine Susan. Angie fügte rasch hinzu: “…Our old horse. He was very gentle and sweet tempered, and, at his age, no longer feeling the need for speed. It was too cute how he paid attention tho the kids.” “Hmm, if your Mum is okay with it, we have some very gentle ponies here aswell, so you don’t have to wait and watch only.” Ich schmunzelte, als Alecs Augen zu leuchten begannen, und er sich abermals begeistert umsah. Angie nickte, und Susan quetschte erfreut. Gerade, als ich mich fragte, wo sie sich schon wieder herumtrieb, hörte ich Lilys Stimme hinter mir. „Occu, do you want me to look after them? I’d like to show them around.“ Meine zwölfjährige Nichte versuchte erwachsen zu klingen, ich wusste aber genau, dass sie sich darauf freute, Unsinn mit den beiden auszuhecken. „Alright, you can take over for me later, since I still have to take care of some four-legged friends after that.” Auch Angie kam mit, als wir zum Nebenstall liefen. Wir hatten hier kürzlich etwas umstrukturiert und Ronja auf die Stutenweide umgesiedelt. Die Ponys standen nun alle zuvorderst, die Warmblut Stuten näher bei den Weiden. Susan kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „So many pretty ponies!“, rief sie aus, während sie bei einem nach dem anderen auf Zehenspitzen über die Boxentür spähte. Von Lychee bekam sie sogar einen etwas groben ‚Kuss‘, sodass sie fast rückwärts umfiel. Alec und Lily lachten laut, und Susan selbst fand es nach einem kurzen Schrecken auch lustig. Lily verkündete entschlossen: „Alec can take Nimué. I would have gone on a hack with her later, but that doesn’t matter. She’s a very nice pony, don’t worry.“ Alec reagierte auf den letzten Teil mit Empörung. „I wouldn’t mind even if she was bucky. I ride pretty well.“ “That so?”, entgegnete Lily schulterzuckend. Ich schlug vor, dass wir für Susan entweder Peppy oder eines der Miniature Horses satteln konnten. „Ich bleibe mit Alec hier, wir putzen Nim schonmal“, beschloss Lily. Der rothaarige Junge sah sie verwundert an, als hätte sie gerade Chinesisch gesprochen. „You speak german?“ Lily grinste nur stolz. Wir liessen die beiden zurück und begaben uns zu den Weiden. Angie nannte Susan schon von weitem die Namen der Ponys, die man sah – jedenfalls so weit sie sie selbst schon wusste. „That beautiful silver gray one over there is Silver Lining. The black one is Nachtfalke, I think”, mit einem fragenden Blick zu mir. Ich nickte. „The black and white one is easy to remember – he’s called Oreo, just like the cookies you like so much.“ “And the white one?“, wollte Susan wissen, mit dem Finger deutend. „She’s not white, she has creamy fur. Her name’s Daki, and she’s the big boss out here”, antwortete dismal ich. Wir betraten die Weide und ich musste auch alle restlichen Ponys noch nennen, ehe die Sechsjährige zufriedengestellt war. Dann führte ich sie zu Tigrotto, die ich am geeignetsten hielt. Gemeinsam putzten wir das braune Stütchen, und Susan durfte sogar selbst den kleinen, baumlosen Sattel auf ihren Rücken legen. Beim Führen verlangte das Mädchen meine Hilfe, weil sie sich noch nicht ganz selbst getraute und ihr ihre Mutter dabei sonst auch immer geholfen hatte, wie sie mir erklärte. Ich versprach ihr aber unterwegs schonmal, dass Tio ganz lieb war. „Sometimes, the ponies at the other barn tried to bite me…“, erzählte sie schüchtern. Angie bestätigte: “Yeah, they got a bit naughty when the kids brought carrots.” Alec und Lily waren schon auf dem Sandplatz. Alec stieg gerade mit Hilfe von Lilys Räuberleiter in Nims Sattel. „Willst du selbst nicht auch reiten?“, fragte ich meine Nichte. „Nö, ich hab ja später noch Reitstunde.“ Angie sah noch zu, wie ihre beiden Kinder die ersten paar Runden drehten, dann wandte sie sich ab, um Nera putzen zu gehen. Weil ich kein Risiko eingehen wollte, pfiff ich Lisa zu uns rüber, die gerade zum Pflegerheim unterwegs war, und fragte sie, ob sie ein Auge auf die Kinder haben könne. Bei der Gelegenheit begann sie auch gleich wieder zu plaudern, sodass ich am Ende doch noch fast eine Viertelstunde vertrödelte. „… And then Diarado saw that deer, just a few meters away, and the deer stared back at him – you should have seen his face, it was hilarious!“ “Yea, I’m sure it was… I really need to get going now”, drängte ich, mit einem symbolischen Blick auf die Uhr. Ich entkam ihren Fängen und schaffte es, mich bis halb neun Uhr mit Shira, und nochmals mit Pilot zu beschäftigen. Letzteren führte ich wie versprochen ein wenig auf den Feldwegen in der Nähe des Hofs herum und liess ihn immer mal wieder ein paar Grashalme knabbern, während Zira und Jacky nebenher liefen und durch das hohe Maisfeld streiften. Langsam wurde es ein wenig kühler, worüber ich sehr dankbar war.
      Um neun Uhr brachte ich schliesslich Rebel zum Aufsteigen auf den Kiesweg und ritt dann Richtung Wilkinson Farm. Die Familie Moore war längst wieder nachhause gefahren, und Lily ritt wie angekündigt mit Teddy in Elliots Abenddressurstunde mit. Ich musste noch rasch auf Rosie warten, als ich bei der Farm angelangte. Sie ritt auf Farasha, hatte aber Antarktik zusätzlich als Handpferd dabei. Rebel brummelte beim Anblick der beiden Araberstuten zur Begrüssung. Bei den hübschen Damen verstand ich das nur zu gut. Bei dem liebevollen Grunzen blieb es aber, und er benahm sich während des ganzen Ausritts tadellos. Sobald die Sonne untergegangen war, schwirrten und sirrten die Mücken um uns herum, was ziemlich nervig war. Ich versuchte, sie so gut es ging zu ignorieren, aber selbst Rosie schlug immer mal wieder genervt um sich. Wir lachten herzhaft darüber und unterhielten uns über die letzten paar Tage. „Pluie gives me a bit of concern these days. She is very thin, but the vet is unsure why…” “Ahh, it did not yet get better? Maybe she still hasn’t adapted to her new home?” “I can’t tell if she’s unhappy, she doesn’t really look like it. Tough she is full of beans and very jumpy at the moment. I feel like she just uses up way too much energy and that might be the reason.” “Did you try giving her magnesium? I heard that if they’ve got a lack of it, they act all nervous and stressed.” “I think I’ll try that. If it doesn’t help, it won’t hurt either, I guess.” Wir kehrten erst gegen halb elf Uhr zurück und verabschiedeten uns. Ich ritt alleine im Dunkeln mit Rebel zurück nach Pineforest Stable. Die Hengste aus dem Nordstall waren auf der Weide – sie durften im Sommer über Nacht raus. Ich sattelte Rebel ab, bürstete ihn durch und brachte ihn dann ebenfalls dorthin, wo seine Kumpels bereits friedlich grasten.
      Wir hatten trotz der Hitze heute wieder viel vor; Dressurtraining, to be exact. Es war bereits Nachmittag, somit erwischten wir leider gerade die heisseste Tageszeit. Das liess sich kaum vermeiden, denn den ganzen Morgen hindurch hatten wir auch schon gearbeitet, und die Pferde bis spät in die Nacht wach zu halten war auch keine gute Option. Deshalb brachten Lisa und ich im Voraus ein paar Wasserflaschen zum Reitplatz und stellten einen Sonnenschirm auf, damit wenigstens die Trainerin nicht unter der prallen Sonne gebraten wurde. Es kam heute extra eine externe Dressurtrainerin auf Platz, die uns und die Pferde etwas fördern sollte. Lisa ritt also heute selber auch mal in der Stunde mit, anstatt sie zu leiten. Der Name der Trainerin lautete Fiona Ramsey; eine S-Dressurreiterin die auch schon international gestartet war. Ich war gespannt auf ihr Coaching und putzte zuerst gut gelaunt Yoomee. Lisa bereitete Shira vor, Linda hatte White Dream neben mir und Yoomee angebunden und Lily ritt natürlich wieder Fake. Jonas machte nicht mit, sondern sah nur zu und reichte uns später die Wasserflaschen, wenn wir eine Pause brauchten. Anne und Robin sattelten im Nordstall Sniper und Baccardi. Darren und David waren unterdessen bei den Stuten im Offenstall und kümmerten sich um Chanda und Jazz. Auch Angelina Moore war mit ihrer Stute Nera dabei, und sogar Rosie war mit Tayr zu uns rübergeritten. Sie wartete mit dem schicken Rennaraber vor dem Nebenstall und plauderte mit mir, während ich meine Connemarastute striegelte. Fiona kam etwas früher als gedacht und sah uns schonmal beim Satteln zu. Danach trudelte ein Pferd-Reiterpaar nach dem anderen auf dem Sandplatz ein und Fiona unterrichtete uns schon beim Aufwärmen. Wir mussten eine grosse acht quer über den Platz reiten, und dabei stets die richtgie Stellung und den Abstand zum Vordermann wahren. Ausserdem machten wir viele Schlangenlinien und Seitenwechsel. Fiona war also sehr fokussiert auf Biegung und Abwechslung. Nach einer Weile durften wir die Pferde nochmal richtig strecken lassen, ehe wir mit der eigentlichen Arbeit anfingen. Yoomee schnaubte zufrieden ab und trabte locker vorwärts. Diese erste Trainingsstunde war wie eine Art Einstieg in die Dressurarbeit, denn die Pferde waren allesamt noch nicht sehr weit in der Dressur ausgebildet. Deshalb forderten wir auch nur einfache Lektionen, wie korrekte Übergänge oder leicht verstärkten Trab. Auch einfache Galoppwechsel liess uns Fiona machen, wobei sie wiederum genau darauf achtete, dass wir die Pferde richtig umstellten. Sie schien wirklich ein Auge für Feinheiten zu haben und gab wertvolle Tipps in denn richtigen Momenten. Ich war ihr zum Beispiel dankbar, als sie mich darauf hinwies, dass ich mit der äusseren Hand zu sehr mitging in den Kurven, oder dass ich mich wiedermal leicht nach vorne neigte, als ich angaloppieren wollte. Auch für Lily und Fake hatte sie ein paar Tricks auf Lager, damit die Hackneyponystute ihr volles Bewegungspotential ausschöpfen konnte. Ich sah, wie Jonas den beiden mit einem stolzen Ausdruck zusah. Die erste Runde dauerte eine Dreiviertelstunde, dann liessen wir die Pferde austraben und bereiteten die nächste Gruppe vor. Währenddessen waren Quinn, Parker, Thomas, Rita, Charly und April mit Caspian, Merino, Primo, Winter, Simba und Cryptic an der Reihe. Dem was ich beim Putzen von Parányi sah nach zu urteilen, lief es auch bei ihnen gut, obwohl die Vollblüter doch etwas mehr Power zeigten und mit der konstanten Anlehnung noch etwas Mühe hatten. Um Fiona eine Pause zu gönnen, nahmen wir uns reichlich Zeit zum Putzen und tratschten mehr mit Rosie, die noch einen Moment länger blieb. Tayr scharrte schon ungeduldig, als sie sich schliesslich auf den Heimweg machte. Ich sattelte Parányi und brachte sie auf den Platz, gefolgt von Satine, Vychahr, Co Pilot, Circus Dancer und Diarado. Jetzt kamen wir richtig ins Schwitzen. Diese sechs Vierbeiner liefen bereits höhere Dressur und kannten die meisten Lektionen, sodass wir aus dem Vollen schöpfen konnten, was Fionas Erfahrung als Grand Prix Reiterin anging. Sie gab uns wertvolle Tipps um die Piaffe zu verbessern und zeigte uns, wie wir den verstärkten Trab noch eindrucksvoller aussehen lassen konnten. Parányi machte fleissig mit und gab sich Mühe. Sie konnte zwar noch keine Piaffe, aber dafür glänzte sie bei den Galoppwechseln. Und Vychahr beeindruckte Fiona mit seinem schwungvollen Bergaufgalopp an der langen Seite. Nur das rechtzeitige Bremsen vor der Ecke bereitete ihm und Lisa noch etwas Schwierigkeiten.
      Nachdem auch diese Stunde geschafft war, kippte ich erstmal eine halbe Wasserflasche runter und setzte mich beim Nebenstall an die Wand gelehnt in den Schatten, sobald die Rappstute versorgt war. „Alles klar, Occu?“, fragte Jonas mitfühlend, als er mich sah. Ich nickte müde aber grinsend. Es hatte trotz der Hitze Spass gemacht und ich hatte das Gefühl, durchaus ein paar nützliche Inputs bekommen zu haben. Bevor Fiona wieder abreiste, wollte ich ihr aber noch ein wenig von unserem Training mit den Miniature Horses zeigen. Die wurden zwar nicht geritten, aber am langen Zügel konnten auch sie ziemlich anständige Dressurlektionen erlernen. Mit Tiki und Kiwi demonstrierten wir schon etwas komplexere Übungen, während Oreo, Lining, Acira und Darling vor den Augen der Trainerin an den Grundlagen feilten. Auch Allegra, mit der wir erst vor kurzem überhaupt angefangen hatten, zeigte immerhin schonmal schöne Übergänge. Fiona war begeistert von den Minis und nahm sogar selber mal die Zügel von Oreo in die Finger. „He’d be so handsome under saddle, if he only was a warmblood“, stellte sie belustigt fest, als Oreo mit meiner Hilfe einen ansatzweise funktionierenden Spanischen Schritt vorführte. Zuletzt gab es noch ein kleines Highlight für Lily. Sie hatte eigentlich nur noch schnell Areion auf dem Platz bewegen wollen, jetzt wo der ganze Trubel vorbei war. Aber Fiona nahm sich die Zeit, ihr mit dem Tinker ebenfalls noch eine halbe Stunde Einzelunterricht zu geben. Lily kam sogar dazu, ihre ersten Galoppwechsel zu reiten, was aber natürlich nur klappte, weil Lisa das in letzter Zeit so intensiv mit Areion geübt hatte. Lily hatte ein breites Grinsen auf dem Gesicht, als sie ihren Tinker nach dem Unterricht strecken liess. Ich war Fiona dafür extrem dankbar. Nun liessen wir sie aber endlich ziehen und verabschiedeten uns. Es war ein anstrengender, aber toller Nachmittag gewesen.
      Einmal mehr hatten Lily und Suri vor ein paar Tagen schaurig grässliche Kürbisgesichter geschnitzt und sie auf der Veranda ausgestellt. Und dann war ich noch kleineren, noch grässlicheren Kürbissen auf der Toilette, in meinem Kleiderschrank, in der Putzbox von Winter und im Kofferraum meines Audis begegnet - aber welche Kindsköpfe dabei dahinter steckten, war eine ganz andere Geschichte. Es war zwar erst ein Tag vor Halloween, aber trotzdem war die Stimmung schon in vollem Gange. "Good mornin' Boss", trällerte Lewis überaus fröhlich, als ich zu den Miniweiden schlenderte. Ich war zwar nicht nur deswegen hierher gekommen, aber dennoch fragte ich gleich, die Hengstchenweide betretend: "Did you help Jonas with these... Things?" Er sah unschuldig drein, aber man erkannte die Antwort an seiner Nasenspitze. (Nicht wörtlich gemeint, natürlich.) "...You want revenge?", fragte er nach einem Moment mit scharfäugigem Blick. "... I hate to say it, but yes." "So what's the plan?", hakte er sofort weiter. "I didn't say anything about involving you though", meinte ich gelassen. " Aww, come on. You know I'm the very best for the job." "First I'm gonna need to know that you won't betray me", forderte ich. "Sure sure, I would never!" Skeptisch legte ich den Kopf schief. "You can fire me if I do. But of course you wouldn't have to. Just, you know. Don't fire me. But I'm loyal." "Very loyal, indeed. Judging from the way you now want to help me taking care of Jonas." "That's... I mean... As long as we're at it..." "Alright, alright. I don't have a plan yet. If you come up with something nice, I'll let you help me." Er nickte zufrieden und begann zu grübeln, während er mit Schubkarre und Schaufel über die Weide lief. Ich streichelte Lining und Becks, die sich hinter mich geschlichen hatten. Es fröstelte mich, weil die Luft nebelfeucht war und eine feine Bise durch die Tannen hindurch über die Wiesen zog. Endlich richtiges Herbstwetter, nach dem beinahe nie enden wollenden Sommer. Für die Natur war es sicherlich gut, dass jetzt endlich Ruhe einkehrte, aber ich vermisste jetzt schon das Baden im Fluss und die Abende in der Hängematte. Ich zog den Reissverschluss meiner Softshelljacke höher und holte ein Halfter, um Oreo einzufangen. Ich wollte ihn heute an der Doppellonge arbeiten - der erste Schritt zum Einfahren. Eigentlich sollte Lisa ebenfalls hier sein, und dasselbe mit Acira tun, aber von der Blondine war keine Spur zu sehen. No really, where is she? Ich rief zu Lewis rüber; "Have you seen Lisa, perhaps?" "Well she was here, but she went out with Nimué a while ago." "Hmm, okay, I'll just practise alone then...", was ich auch tat. Oreo, der schon einige Male mit den Langzügeln gearbeitet hatte, lief auch an der Doppellonge richtig gut und liess sich total fein steuern. Ich machte diesmal ausgiebige Galoppübungen, was mit den Longen besser klappte als mit den Zügeln. Er hatte zwar noch nicht immer konstante Anlehnung, aber wir arbeiteten dran. Er sah wirklich hübsch aus, mit seinem wohlgeformten Hals und dem vollen Schweif, den er stolz leicht anhob. Wenn er so vor mir herlief, erinnerte er mich ziemlich an seine Mutter, jedoch mit dem kräftigeren Körper den er von seinem Vater geerbt hatte. Seine Bewegungen waren auch nicht übel: er hatte eine schöne Knieaktion. Gerade als ich mit Oreo fertig war, kamen Lisa und Nim bei den Tannen in Sicht. Ich versorgte den Miniature Hengst und lief zu ihr. "Hast du dich verritten?" Sie sah mich verwundert an. "Nö, wieso meinst du?" Ich runzelte die Stirn und stellte fest: "Du hast vergessen, dass wir zusammen Langzügelarbeit machen wollten?" Sie schlug sich symbolisch mit der Hand auf die Stirn. "Ahhh, sorry, das hab ich wirklich total verhängt..." "Schon gut, ist ja nicht tragisch", beschwichtigte ich lachend. Wir plauderten noch ein wenig während sie Nim absattelte, dann begab sie sich zu den Minis um Acira zu holen und ich kümmerte mich im Nebenstall um Hallu. Angelina lief vorbei zu den Weiden um Nera zu holen. Da sie Teilzeit arbeitete als Leherin, kam sie manchmal erst abends und manchmal wiederum schon kurz nach dem Mittag. Dass sie wie heute schon morgens da war, kam selten vor. Ich fragte sie gleich spontan, ob sie mit mir und Hallu ausreiten wolle. Sie nickte erfreut und erklärte, dass die Klasse, die sie normalerweise dienstags unterrichtete heute einen Ausflug in ein Kürbislabyrinth machte. Schon kurz darauf ritten wir gemeinsam in Richtung Fluss. "Sag mal, hast du eine Idee, wie man einem Erwachsenen Mann einen gruseligen Halloweenstreich spielen kann? Also etwas, bei dem ihm wirklich mulmig wird, solange er darauf reinfällt", fragte ich nach einer Weile nachdenklich. Angy überlegte, aber ihr fiel so auf die Schnelle auch nichts Originelles ein. Erst, nachdem wir im Laubwald hinter der Wilkinson Farm einen Galopp gemacht hatten, kam ihr ein blendender Gedanke. "Erwachsene fürchten sich doch am meisten vor Unfällen oder Verlusten… Aber einen Unfall glaubhaft nachzustellen dürfte recht schwer werden.” „Naja, es darf nichts sein, was ihn gleich traumatisiert. Er dreht ja schon durch, wenn ich mal vom Pferd falle…“ „Hmm, dann also etwas nicht zu tragisches… Zum Beispiel könntest du spielen, dass du dir ein Handgelenk gebrochen hast?“ „Nah, zu wenig blutig. Aber der Ansatz ist nicht schlecht. Wie wäre es mit abgetrennt, anstatt gebrochen?“ „Occu! Du sagtest es solle nicht traumatisierend sein!!“ „Nur ein Finger oder so, nichts zu wichtiges. Hah! Das ist’s – ich tue so, als hätte ich mir beim Abendessen machen einen Finger abgeschnitten. Es gibt doch diese Gummi-Finger, die man in Scherzartikelläden kaufen kann. Dann noch etwas Ketchup oder besser noch, Kunstblut!“ „Glaubst du, darauf fällt er rein? Ich meine, ich kenne euch noch zu wenig gut, um das zu beurteilen, aber er macht ja laut dir ziemlich viel Unsinn mit Lewis, also sollte er doch so einige Tricks erkennen?“ „Ich mache normalerweise nicht so viele Scherze, bin eher von der seriösen Sorte – behauptet er zumindest. Also wird er nicht erwarten, dass ich ihn reinlege.“ Sie sah mich nachdenklich an. „Und ich kann ziemlich gut Schauspielern“, fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Sie lächelte und meinte: „Könnte tatsächlich funktionieren. Sag mir dann unbedingt, wie’s gelaufen ist.“ Hallu beäugte mistrauisch einen Baumstumpf am Wegrand. Ich hielt sie gerade und liess sie nicht zu Nera rüberdirften, was sie zu gern getan hätte. „Du bist ein erwachsenes, vernünftiges Pferd, Hallu. Lass mich nicht daran zweifeln.“ Angy lachte belustigt. Wir waren noch eine ganze Weile unterwegs, ehe wir nach Pineforest zurückkehrten.
      Zuhause bürstete ich Hallu nochmal gut durch und stellte sie anschliessend zurück in ihre Box. Die Fuchsstute zermalmte zufrieden ihre Karotten und ich begab mich ins Haus, um das Mittagessen zuzubereiten. Dabei schielte ich dauernd schmunzelnd zum grossen Küchenmesser auf der Anrichte rüber, das ich zum Gemüseschneiden hervorgeholt hatte. Ich rief Lily aus ihrem Zimmer, damit sie den Tisch deckte. Dann schickte ich sie los, um Jonas zu holen, der noch draussen bei Ljúfa war. Die beiden kamen über die geschnitzten Kürbisse diskutierend zurück und setzten sich sofort hungrig an den Tisch. In solchen Momenten waren wir eine perfekte kleine Familie. Irgendwie mochte ich den Gedanken. So kann es ruhig bleiben, wünschte ich mir insgeheim.
      Nach dem Essen ritt ich zuerst Jazz in der Halle, danach auch Parányi. Mit beiden feilte ich an Takt und Biegung, nur halt auf die entsprechenden Reitweisen, die sie sich gewöhnt waren. Jazz war heute fleissiger als auch schon, was mich freute. Andere Leute hätten es fast schon als zu eilig beurteilt, aber ich fand es gut, wenn die Stute solche Motivation zeigte. Die frischen Temperaturen wirkten auch auf Parányi. Die schwarze Stute zeigte einen schwungvollen Galopp über die am Boden ausgelegten Stangen, wobei sie mir einmal sogar die Kontrolle entzog und einen Moment davonschoss. Ich konnte sie jedoch am Ende der langen Seite wieder abfangen und einigermassen normal weiterreiten, nachdem ich ein wenig Schulterherein mit ihr gemacht hatte. Das half nämlich, die Stute wieder zurück in ihre Arbeitskonzentration zu führen. Beide Pferde bekamen anschliessend auch ihre Karotten-Portionen, auf die sie schon sehnlichst gewartet hatten. Während ich als nächstes mit Satine ebenfalls verschiedene gymnastizierende Lektionen über den Stangen übte, kam Lily aus der Schule zurück und ritt sogleich als erstes auf Silver. Die kinderliebe, verlässliche Ponystute machte mit meiner Nichte keinen falschen Schritt, obwohl sie auf mich auch etwas fit wirkte. Wirklich am Zügel lief sie aber nicht, und auch eher auf der Vorhand. Ich wies Lily an, die Zügel etwas mehr aufzunehmen und ein paar Übergänge zu machen, aber natürlich war es für die Zwölfjährige nicht einfach, die Ponystute richtig zu gymnastizieren. Solange Silver aber immer wieder von den Pflegern und mir richtig gearbeitet wurde, war das alles nicht so wild. „Freust du dich auf heute Abend?“, fragte ich sie. Satine liess ich dabei im Schritt trockenlaufen und strecken. Ein freudiges „Klaro!“ ertönte. Wir mussten am Abend nach Kanada abreisen, weil wir für den nächsten Tag an das Halloweenfest auf die Nahanni Rivers Ranch nach Kanada wollten. Sugar and Sweets, Nachtfalke, klein Skydive und Darren, als Aufpasser, waren schon vor zwei Tagen vorausgereist, da der Flugtransport nicht anders hatte geplant werden können. Darren hatte sich sofort freiwillig gemeldet, um die drei zu begleiten; aber wer sagte schon ‚nein‘ zu einer Kanada-Reise während der Arbeit? Jedenfalls mussten wir noch packen und alles, deshalb überliess ich das Training mit Khiara und Rosenprinz den Pflegern, die am wenigsten zu tun hatten. Lily und ich hatten schon beim Packen eine Menge Spass. Wir mussten nämlich auch eine Verkleidung für’s Kostümreiten einpacken, und die ‚Geistertücher‘ für meine geplante kleine Aufführung mit Falke. Lily zog sich die Perücke des Piratenkostüms, die ihr etwas zu gross war, über den Kopf und rannte damit durch die Wohnung, verfolgt von Jackie und Sheela. Zira schaute dem Geschehen nur skeptisch zu und sass ruhig neben mir.
      Unter dem Vorwand, noch schnell etwas Brot und Milch für’s Abendessen einkaufen zu gehen, fuhr ich später ins Innere von Birmingham, um mich auf die Suche nach Fake-Fingern zu begeben. Glücklicherweise fand ich nach abklappern dreier Geschäfte endlich das Objekt der Begierde und dazu auch gleich ein Fläschchen Theaterblut. Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht machte ich mich auf den Heimweg und stellte alles bereit. Wie ich vermutet hatte, sah Jonas vor dem Abendessen wieder ein wenig fern (wir wechselten uns immer etwas ab mit dem Kochen, heute war eh ich dran). Das war perfekt, denn so würde er mich in der Küche gut hören. Um meinen Plan noch besser umsetzen zu können, schlug ich vor, dass wir doch das Licht ausmachen und stattdessen ein paar Kerzen aufstellen könnten – als Stimmungsmacher für Halloween. Er schien von der Idee angetan zu sein und stellte prompt zusammen mit Lily die Kerzen auf, die sie in einem der Wohnzimmerschränke fanden. Danach pflanzten sie sich beide wieder entspannt auf’s Sofa. Ich rief ihnen zu, ob ich wiedermal ‚Apfelrösti‘ machen solle, ein Schweizerisches Gericht mit kleingeschnittenen Äpfeln und Brotwürfeln, die zusammen mit etwas Rotwein und Zucker angebraten wurden. Lily stimmte begeistert zu – schliesslich war es eines ihrer Lieblingsgerichte. Bisher ging mein Plan perfekt auf. Ich rieb mir voller Eifer die Hände und präparierte den Finger und meine Hand mit Kunstblut, nachdem ich ein paar der Äpfel zerkleinert hatte. Ich stellte sicher, dass es richtig übel aussah und überall auf dem Schneidbrett Blut verteilt war. Dann atmete ich nochmal ein, ehe ich gekonnt aufschrie und Jonas „Schnell!“ in die Küche rief. Der kam sofort angehastet und wurde bleich, als er das ganze Blut sah. Ich erklärte mit schmerzvoll verkrampftem Gesicht, dass ich aufgrund des wenigen Lichts nicht genug gesehen und mir in die Hand geschnitten hatte. Als er fragte, wie übel es sei, liess ich ihn näherkommen, bis er den abgetrennten Fake-Finger entdeckte. Sein Gesichtsausdruck war etwas, das ich am liebsten in einem Bilderramen festgehalten hätte. Kurz bevor er völlig durchdrehte und die Ambulanz rufen konnte, begann ich zu lachen, wobei mir fast Tränen kamen. Verstört sah er mich an, dann realisierte er, was gerade passiert war. „Duuuu!“ Er er nahm mich, nun ebenfalls lachend, in den Arm und kitzelte mich aus. „Das war gemein! Ich hatte eine halbe Herzattacke!“ „Geschieht dir recht, nachdem du mir so auf den Geist gegangen bist.“ Nun kam auch Lily rein. Ihr Blick wechselte von einem „was-läuft-denn-hier“-mässigen zu einem erschrockenen, dann wiederum zu einem faszinierten. „Occu, hast du noch mehr von dem Blut?“ Jonas sah sie streng an. „Nein, du beschehrst damit nicht auch noch Ajith Albträume. Es reicht schon, dass ich nun welche haben werde.“ „Ooooch, schade“, meinte das Mädchen grinsend. Ich räumte die Sauerei weg und kochte fertig, dann assen wir leicht rot gefärbte Apfelrösti und sahen uns anschliessend gemeinsam einen (für Lily Altersgerechten) Gruselfilm an. Ich kuschelte mich an Jonas und konnte nicht anders, als die ganze Zeit über zu schmunzeln.
    • Ian Lockwood
      Unbekannte schwarze Schönheit - Sonntag 09.Juni 2019
      Ian
      Etwas später, ich stand wieder am Zaun zur Stutenweide fiel mir eine Hübsche Rappstute ins Auge. Mir gefiel sie und Maleen hatte sicher nichts dagegen wenn ich sie etwas bewegen würde. So nahm ich mir ein weiters mal an diesem Tag eins der Halfter auf dem Boden und schwang mich durch den Zaun. Wie am Morgen als ich auf dem weg zu Aitana gewesen war. Vorsicht ging ich auf sie zu machte mich mit ihr bekannt und zog ihr das Halfter auf. Dann verließ ich auch mit ihr die Wiese und brachte sie zum Putzplatz. Noch immer kannte ich nicht ihren Namen, aber ich würde Maleen noch fragen wie dieser war. Nun machte ich mich aber erstmal an die Arbeit. Putzte die Stute gründlich sauber und kratzte ihre Hufe aus. Dann überlegte ich was ich mit ihr machen konnte. Ich kannte weder den Ausbildungsstand noch wusste ich genau wie sie Beritten war. Gut vielleicht die selbe Weise wie Aitana am morgen. Aber sicher war ich mir nicht ganz. Ich machte mich also auf den weg in die Sattelkammer. Wo ich einen Spind mit der Aufschrift Nera fand. Klang für mich nach dem passenden Zeug und so nahm ich Sattel und auch Trense mal mit. Zurück am Putzplatz machte ich mir die Stute fertig. Scheinbar hatte ich richtig geraten was den Namen der hübschen betraf. Als ich soweit war schwang ich mich dann in den Sattel und ritt los. Ich ritt auf einen kleinen Feldweg zu. Ein kleiner Ausritt war sicher auch ok. Ich machte nicht viel, wusste ja auch noch nicht was sie so konnte. Im Schritt ging es nun also den weg entlang. Ein ganze weile ritt ich so mit ihr bis ich schließlich den Heimweg antrat. Es war ein schöner Ritt gewesen die Landschaft hatte mir gefallen und ich hatte ein bisschen Bekanntschaft mit Nera gemacht. Hoffentlich durfte ich auch sie weiterhin reiten. Nun allerdings kam der Hof in Sicht und ich ritt zum Putzplatz zurück. Dort ließ ich mich vom Rücken der Schwarzen Schönheit gleiten und machte sie anschließend für ihre Box zurecht. Es war zwar nur ein Ausritt gewesen aber Putzen gehörte dazu. Als ich mit ihr fertig war, das schwarze Fell schimmerte in der Abendsonne brachte ich sie nun ihn ihre Box im Stutenstall. Ich war glücklich zwei so wundervolle Mädels an einem Tag kennengelernt zu haben.
    • Snoopy
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      Nera - Ausschneiden/Korrigieren
      Heute war ich zu Besuch bei einer schwarzen Murgese Stute, eine mir nicht bekannte Rasse, was es umso spannender machen. Mein Ansprechpartner war Hunter Lacey, mit diesen würde ich mich auch gleich auf dem Gestüt Royal Peerage treffen. Nach drei weiteren Kilometern rollte ich langsam auf den Hof rauf und parkte das Auto an der vorgegebenen Stelle von Hunter. Ich schaltete den Motor aus, machte den Gang raus, zog die Handbremse an und stieg aus dem Wagen. Ich musste nicht lange warten, da kam mir Hunter schon mit meiner heutigen Patientin Nera entgegen. Neugierig beäugte die Stute mich und den hellen Van. ,,Hallo!", grüßte ich den Herren und widmete mich dann der Stute. ,,Wirklich schönes Tier, muss man schon mal erwähnen.", lächelte ich und strich der Stute über den Hals.
      Soweit ich am Telefon schon erfahren durfte, ist Nera zwar verfressen aber dennoch sehr zuverlässig, was eine einfache Arbeit versprach. Also machte ich mich gleich an die Arbeit, schnappte mir das erste Bein und hob ihr Huf an, hier begann ich erstmal das Huf zu säubern, dann checkte ich es ab und konnte nichts feststellen, weswegen ich mit dem Hufmesser weiter achte und das Innenhorn ausschnitt und den Strahl zurecht schnitt. Nun bockte ich ihr Huf am Hufbock auf, schnitt das Außenhorn zurecht, begradigte mit der Hufraspel den Rand und stellte ihr Huf ab. Dann lobte ich die Murgese Stute und ging zum zweiten Vorderbein, dort glitt ich am Bein herab und begann das Huf zu säubern. Nachdem es sauber war, checkte ich alles ab und schnitt das Innehorn sowie den Innenstrahl zurecht. Nun bockte ich ihr Huf auf und raspelte das Außenhorn gerade und glatt. Schon stand sie auf zwei neuen Vorderhufen und ich konnte mit dem hinteren Teil weiter machen. Also glitt ich an ihrer Hinterhand herab und hob das Hinterbein an, dieses klemmte ich mir zwischen die Beine und begann es zu säubern und Auszuschneiden. Da Ihr Strahl leicht verwachsen war musste ich an diesen etwas länger arbeiten, sie hatte sich einen Stein blöd rein getreten und da war es etwas verwachsen. Dies machte aber keine Probleme, da es recht frisch war und ich es schnell ausbessern konnte. Nun bat ich Hunter um den Hufbock und bockte ihr Hinterhuf darauf, wo ich überstehendes Horn weg schnitt und den Rand dann mit der Raspel glättete. Ihr Huf war nun auch fertig und ich konnte an das letzte Huf ran, wo ich mir zwischen die Beine klemmte und mit dem Hufkratzer säuberte. Dann schnitt ich mit dem Hufmesser das Innenhorn zurecht, besserte den Innenstrahl aus und bockte ihr Huf auf um mich um das Außenhorn zu kümmern. Dieses schnitt ich zurecht und begradigte es mit der Raspel und als ich fertig war checkte ich nochmal alles ab.
      Als ich äußerlich nichts feststellen konnte, sprach ich zu Hunter: ,,Würdest du mal kurz eine Runde mit ihr drehen, damit ich sehen kann ob alles bei ihr passt?", er nickte und band die Stute los ehe er mit ihr los lief und zwei kleine Runden drehte. Ich konnte nichts feststellen und die Stute entlassen, doch davor gab es von mir noch eine Banane, denn ich hatte gehört, sie liebt diese...

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    • Maleen
      Weihnachtsbesuch - 24. Dezember 2019
      POV: Malte Tordenværson | by Canyon
      Kurz vor Weihnachten fand ich mich am Bahnhof von Livorno wieder. 10:30 Uhr und 15 Grad zeigte mir die Bahnhofsuhr mit eingebautem Thermometer an, eine gewöhnliche Temperatur für jemanden wie mich, der aus Kalifornien kam. Die letzten Tage hatte ich als Abgesandter für das Horse Makeover in Deutschland verbracht. Nach mehr als zwei Monaten, die das Projekt lief, hatte ich diese kleine Weltreise auf mich genommen, um die Kandidaten und die mittlerweile wirklich beeindruckenden Fortschritte mit ihren Trainingspferden zu begutachten.
      Hunter und Jamie, bei denen ich zwei Tage verbringen würde, waren zwar kein direkter Teil des weltweiten Projektes, hatten sich aber sehr für die Erhaltung und Weiterführung eingesetzt. Ihr Pferdeladen musste für jeden Reiter ein wahres Paradies sein.
      Ich stand am Bahnsteig Nummer 3. Zugleise in alle Richtungen und dann auch noch Italienisch. Meine Heimatsprache war norwegisch und mit Nicolaus hatte ich etwas französisch gelernt, aber italienisch war dann doch nochmal eine andere Nummer. Auf der Fahrt von Österreich aus, wo ich Juna Preske und ihre Stute Beastly Domina besucht hatte, hatte ich durch YouTube und kostenlose Sprach-Lern-Apps etwas versucht in die Sprache einzusteigen und zumindest die Grundlagen der Aussprache zu verstehen. Und tatsächlich, Italienisch war einfacher als französisch. Einfach immer alles aussprechen, wie es dasteht, war mein Fazit.
      „Huhu!“ Eine hellblonde Frau kam auf mich zu. Keine Frage, das war Jamie Lewis. Von der begabten Reiterin hatte ich schon viele Bilder gesehen und auch wenn sie jetzt keine weiße Hose und einen dunklen Frack trug, war sie gut wiederzuerkennen. „Du musst Malte sein, stimmt’s? Der Freund von Nicolaus du Martin, richtig?“
      Ich nickte und schüttelte ihre Hand. „Genau. Malte Tordenværson. Dankeschön, dass ich hier das Wochenende verbringen darf.“
      „Ach kein Problem“, sagte Jamie. „Dein Flug geht am Montag von Pisa aus?“
      „Ja, ich will ja Weihnachten Zuhause sein“, sagte ich. „Montag früh rufe ich mir ein Taxi und bin wieder weg.“
      „Ach Blödsinn!“ Jamie grinste mich freundschaftlich an. „Wir fahren dich schon zum Flughafen.“
      „Aber“, wollte ich widersprechen, aber Jamie unterbrach mich.
      „Keine Widerrede!“ Sie nahm meinen Koffer. „Jetzt los, lass uns erstmal nach Hause fahren, alles weitere können wir dann besprechen.“
      Das Gestüt Royal Peerage lag nicht weit entfernt von der wunderschönen Stadt am Meer, trotzdem war ich froh, dass Jamie mich abgeholt hatte. Mit Taxi oder gar mit Leihauto hätte ich den Weg wahrscheinlich nie gefunden. Ich hatte schon viel von Hunter Laceys Gestüt gehört, aber als die Sonne über den Wipfeln der Pinien erschien und die Straße vor uns hell erleuchtete, war es um mich geschehen. Aus dieser Pracht aus Natur und Sonnenschein erschienen vor uns die ersten Gebäude des Gestüts, umrahmt von den weitläufigen Weiden.
      „Unglaublich“, entfuhr es mir. „Das sieht wirklich wahnsinnig schön aus.“
      „Du hast einen guten Tag erwischt“, sagte Jamie und lenkte den Wagen auf den Parkplatz. „An tristen Tagen ist es weniger eindrucksvoll. Aber danke.“
      Sie stellte den Motor ab und wir stiegen aus. Da in Deutschland die Temperaturen deutlich kälter gewesen waren, war mein Koffer mit Pullovern und dicken Jacken bis oben hin voll, die würde ich hier definitiv nicht brauchen.
      „Ich zeige dir erstmal dein Zimmer, dann kannst du dich einrichten. Fühl dich frei, dich jeder Zeit überall umzuschauen. Tagsüber werden wir alle noch viel um die Ohren haben, heute Abend halb sieben essen wir aber zusammen Abendbrot, da können wir gerne alles andere wichtige besprechen. Und natürlich auch über das Unwichtige reden!“ Fügte sie noch hinzu. Ich lächelte sie dankbar an und sie schien es zu verstehen.
      Diesmal war ich zum Glück schneller und nahm meinen Koffer selber in die Hand, kaum hatte sich die Klappe des Autos geöffnet. Ich konnte es wohl schlecht zulassen, dass sie mir wieder mein Gepäck abnahm.
      Jamie zeigte mir mein Gästezimmer, sogar mit eigenem kleinen Bad samt Dusche. „Perfekt!“, sagte ich. „Soviel hatte ich gar nicht erwartet.“
      „Für unsere Gäste nur das Beste“, sagte sie ernst und verbeugte sich überschwänglich. Als sie meinem Blick begegnete, musste auch sie grinsen. „Ich lass dich erstmal alleine. Ich werde jetzt voraussichtlich im Stall zu finden sein. Du kommst zurecht?“
      Ich nickte. „Danke, Jamie.“ Sie lächelte mir freundlich zu, dann schloss sie die Tür.
      Nach der anstrengenden Zugfahrt hätte ich mich vielleicht ausruhen können, aber meine Beine wollten keine Ruhe finden. Draußen schien die Sonne und um diese Jahreszeit würde sie nicht mehr lange scheinen.
      Ein Stall und Pferde waren also schnell gefunden. Es musste wohl die Hengstabteilung sein, in die ich geraten war. Bekannte Persönlichkeiten wie Ameno, der schwarze Neapolitaner, und Rosenkavalier di Royal Peerage starrten mich über die Boxentüren hinweg an. Beeindruckende Pferde, von denen man definitiv schon einmal was gehört haben musste. Aber auch King Arthur, Attila und Aphelion sagten mir etwas.
      „Du musst Malte sein.“ Hinter mir stand plötzlich ein großgebauter, muskulöser Mann. Wenn das mal nicht der gut aussehende Hunter war. „Es ist mir eine Freude, einen weit gereisten Trainer aus Kalifornien, auf unserem kleinen Gestüt begrüßen zu dürfen.“
      „Dann bist du wohl mein Gastgeber“, sagte ich. „Auch ich fühle mich geehrt, euer Gast sein zu dürfen.“
      „Ich hoffe, Jamie hat dir bereits alles gezeigt und vor allem ausdrücklich erwähnt, dass du überall auf dem Gestüt jeder Zeit willkommen bist?“
      „Natürlich“, sagte ich. „Jamie war in allen Dingen überaus — zuvorkommend.“
      „Darf ich dich ein Stück über das Gestüt begleiten?“, fragte Hunter.
      „Sehr gerne.“
      Hunter führte mich weiter die Stallgasse entlang, stellte mir hin und wieder ein paar der Pferde vor oder berichtete mir von Ziele oder Wettkämpfen, die Royal Peerage gerade hatte. Es war immer wieder interessant, verschiedene Gestütsphilosophien kennenzulernen und wie jeder den Alltag mit Pferd auf seine Art meisterte.
      Als wir den Stall verließen, war die Sonne draußen bereits hinter einer dicken Wolkenfront verschwunden und wahrscheinlich würde ich sie heute nicht noch einmal sehen. Es war bereits früher Nachmittag, bald würde bereits die Dämmerung einsetzen. Hunter erzählte mit gerade von den letzten geglückten Stutkrönungen, als er vor der Reithalle stehen blieb. Ich war noch so ins Gespräch mit ihm vertieft, dass ich erst merklich später das schwarze Pferd wahrnahm, was von einer jungen Frau geritten wurde, die mir sehr bekannt vorkam.
      „Das ist Nera. Jamie will sie morgen auf einer Krönung vorstellen. Sie steht gerade kurz vor einer S-Dressur und Jamie hat die Hoffnung, morgen zumindest etwas auf S-Level zeigen zu können.“
      „Und ich wette, dass beide das schaffen“, sagte ich anerkennend. „Sehr harmonisch. Das Miteinander, sowie die Bewegungen.“
      „Das freut mich, dass du als anerkannter Trainer das sagst. Aber ja, ich bin auch sehr zufrieden mit dem Fortschritt der beiden.“ Hunter lehnte sich auf das Tor und blickte Jamie einige Zeit zu, wie sie einige Male an einer Piaffe arbeitet, dann eine kurze Entlastungspause im Galopp einlegte, sofort aber wieder einen fliegenden Galoppwechsel beim Durchqueren der ganzen Bahn einbaute.
      „Die Traversalschiebung ist ja gerade mal mehr als gelungen“, lobte ich, gerade als Jamie Nera schon wieder versammelte, um noch einmal die Piaffe durchzugehen. Die ersten Schritten klappten bereits ohne Unterbrechung, jedoch verlor Nera nach den Anfängen etwas die Koordination und kam aus dem Gleichgewicht. Aber Jamie blieb ruhig, arbeitete wieder kurz an etwas anderem und kam zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück.
      Hunter und ich blickten den beiden noch eine Weile zu. Hin und wieder gab es dabei aber auch Kommentare von Hunter und ich war erstaunt, wie gut die beiden harmonierten und sich von Kritik von der anderen Seite nicht demotivieren ließen.
      Irgendwann, Jamie ließ Nera gerade am langen Zügel austraben, richtete Hunter sich auf und streckte seine Glieder von der langen Haltung in der Geneigten.
      „Ich muss jetzt unseren anderen Murgesen fertig machen, bevor es Dunkel wird“, sagte er. „Komm doch einfach in zehn Minuten zum Reitplatz, ich würde mich über deine Gesellschaft freuen!“
      Ich nickte freundlich und Hunter entfernte sich. Einen Moment beobachtete ich noch Jamie, wartete darauf, dass sie kurz zu mir herüberblickte. Als sie es tat, hielt ich erst zwei Daumen in die Luft und winkte ihr dann zum Abschied zu. Auch sie hob kurz die Hand.
      Ich schlenderte noch etwas über das Gestüt, blieb einige Minuten an de Weiden hängen, wo ich erst eine Ponybande und dann die Jungpferde beobachtete, bevor ich mich zum Reitplatz durchfragte.
      Mittlerweile war es kurz vor drei, die Dämmerung würde bald beginnen, und der Platz mit dem gelblichen Sand war schon etwas in schwaches Rot getaucht. Irgendwer hatte einige Hindernisse aufgebaut. Hütchen und ein Tor mit Flatterbänden, eine einfache Holzbrücke in der Mitte und weiter hinten am Zaun lag eine Plane.
      Hunter war nicht zu übersehen. Mit einem einfachen, schmalen Einspanner lenkte er ein überhaupt nicht normales Pferd über den Platz. Es war ein Hengst, das sah ich von Weiten, mit langer Mähne und Stichelhaar auf dunklem Grund. Der Ramskopf und die wachen Augen waren unverkennbar die eines Murgesen und die eines wunderschönen noch dazu.
      Ich setzte mich an den Rand auf eine Bank und beobachtete Hunter bei der Arbeit. Es war noch ein einfacher Parcours und Murgesen waren durchaus auch für die Arbeit vor der Kutsche gemacht. Hunter lenkte ihn geschickt im Schritt um die Hütchen herum, dann über die Plane und durch das Tor hindurch auf die Brücke zu. Dann trabte er an, trabte eine Volte und ging dann in den Zirkel über. Aus diesem wechselte er und fuhr geschickt um die Hindernisse herum, bevor er vor mir zum Stehen kam.
      „Malte“, sagte er. „Schön, dass du gekommen bist. Ich fahre mit Nevio den Parcours nochmal ab und dann lade ich dich zu einer kleinen Kutschfahrt ein. Ich würde dir gerne noch etwas das umliegende Gelände zeigen.“
      Nevio schnaubte und drehte seinen Kopf so weit es ging in meine Richtung. „Sehr gerne“, sagte ich. Ich streichelte dem Hengst über den ausdrucksstarken Kopf und konnte so seine Augen nochmal aus der Nähe betrachten. Sie hatten wirklich eine außergewöhnliche Tiefe.
      Hunter nahm die Zügel noch einmal auf und ich beobachtete ihn dabei, wie er die Hindernisse noch einmal im Schritt passierte, bevor er antrabte und das ganze auch etwas schneller mit Nevio übte. Die Brücke nahm er recht unsauber und es war ein Wunder, dass eines der Wagenräder nicht vom Rand hinabfuhr. Aber Hunter blieb ruhig und fuhr mit Nevio nochmal im Schritt über die Brücke. Beim zweiten Versuch im Trab klappte es ohne Probleme.
      „Dabei belassen wir es heute“, sagte Hunter und blieb wieder vor uns stehen. Ich klopfte Nevio lobend den Hals. „Machst du uns bitte das Tor auf?“
      Ich öffnete das Tor des Reitplatzes und ließ Hunter und sein Gespann passieren. Dann schloss ich das Tor wieder und stieg hinter Hunter auf die Kutsche.
      „Uns gehört das Gestüt erst seit 2013, also mittlerweile gute sechs Jahre, fast sieben, wenn ich mich nicht verrechnet habe“, erklärte mir Hunter. Er lenkte Nevio durch die Reitanlage hindurch auf ein kleines Wäldchen zu, welches sich dahinter befand. „Unsere Vorbesitzer haben schon immer Pferde gehalten, den Hof aber 2007 noch um die moderne Reitanlage erweitert, die heutzutage auch noch in großen Teilen existiert. Ich hoffe, ich erzähle dir nichts, was dich langweilt?“
      „Um Gottes Willen“, sagte ich und lachte. „Bitte mach weiter, ich kann gar nicht genug davon bekommen.“
      Hunter ließ sich das nicht zweimal sagen. Während wir einen Waldweg entlang fuhren, erklärte er mir, wie sie damals das Gestüt gefunden und warum sie sich ausgerechnet dafür entschieden hatten. Ich kannte das Gefühl nur zu gut, wenn man genau wusste, dass dieses Land und dieses Haus das richtige waren.
      Irgendwann fuhren wir aus dem Waldstückchen wieder heraus und einen Feldweg entlang. „Wenn wir dem Weg folgen, würden wir bald in Livorno rauskommen. Vielleicht findest du nochmal die Zeit, dir die Stadt anzuschauen. Livorno ist durchaus sehenswert und ein Blick aufs Meer schadet nie.“
      Hunter fuhr jedoch nicht nach Livorno, sondern bog irgendwann wieder in Richtung des Gestüts ab und wenige Minuten spöter passierten wir den Parkplatz und die älteren Gebäude von Royal Peerage, in denen auch ich beherbergt wurde.
      Gemeinsam mit Hunter spannten wir den mittlerweile leicht schwitzenden Nevio ab und brachten ihn zurück in den Stall, wo er eine Decke und etwas Kraftfutter bekam. Auch die restlichen Pferde wurden gerade versorgt und ich ließ es mir nicht nehmen etwas mit zu helfen. Wir schonen Heu die Stallgasse entlang, füllten Futtereimer aus und kehrten am Ende noch einmal durch.
      Auch der restliche Abend verlief unkompliziert und schnell. Es gab eine einfache Suppe für die Stallgemeinschaft, danach saßen wir allerdings noch lange beisammen, bis die Kerzen abgebrannt und die Chipstüten leer waren.
      Der Sonntag begann klar und ohne Regen. Der Himmel zeigte sein schönstes Blau und die blätterlose Landschaft sah zumindest etwas weniger trist aus.
      Jamie und Hunter würden heute mit den beiden Pferden zu einer Stutbuch- und Hengstbuchprüfung fahren, um die beiden Murgesen als prämierte Pferde zur Zucht einsetzen zu können. Und natürlich hatte man mich gefragt, ob ich mitkommen wollte.
      Die Prüfung fand in der Nähe von Florenz statt, was anderthalb Stunden Fahrt bedeutete. Hunter fuhr jedoch sehr vorsichtig und geduldig und umfuhr lieber Schlaglöcher, als den Pferdeanhänger unnötig zum Schwanken zu bringen.
      Es war ein kleines Gestüt, wahrscheinlich eher für den Handel bekannt, als für Turnier oder Zucht, jedoch mit einer hübschen Reithalle und einer kleinen Tribüne dazu. Es würden heute nicht mehr als zwanzig Pferde vorgestellt werden, hatte mir Hunter während der Fahrt erklärt. Nun parkten wir den Wagen samt Anhänger auf dem für uns vorgegebenen Parkplatz und als ich mich umschaute und nichts als Pferdeanhänger sah, kam mir die Veranstaltung heute weit aus größer vor.
      „Die Prüfungen sind auch offen für alle Rassen“, sagte Jamie und ließ die Klappe des Pferdeanhängers runter. „Praktisch, wenn man zwei Pferde vorstellen möchte, die durchaus als selten betrachten sollte.“
      Als die Pferde angebunden waren, erklärte mir Hunter während des Putzens, was der Plan für den heutigen Auftritt war. Im Endeffekt würde es nicht lange dauern. Beide wollten einige Dressurlektionen bis S zeigen, aber auch ein Augenmerk darauf legen, was die Pferde besonders konnten. Nevio mit seiner Farbe und seinem ruhigen Charakter war ein erstaunlich zurückhaltender Hengst, in welchem trotzdem viel Potenzial schlummerte. Nera hingegen war rassetypisch Rappe, allerdings immer konzentriert bei allem dabei.
      Da Hengste zu erst an der Reihe waren, war Hunter der erste, der Nevio sattelte und ihn auf einem Stückchen Wiese etwas warmritt, bevor es zurück zur Reithalle ging. Ich begleitete ihn, wünschte ihm noch Glück und suchte mir dann einen guten Platz auf der Tribüne aus.
      „Nun sehen Sie Hunter Lacey mit Hengst Nevio vom Gestüt Royal Peerage“, stellte die Stimme aus dem Lautsprecher den nächsten Reiter vor. Und kaum waren die Tore geöffnet und die ersten Zeilen des Liedes erklangen, da betrat auch schon Hunter im Trab die Halle. Er bog auf die Mittellinie auf und begrüßte die Richter, nachdem Nevio aus dem Trab heraus in der Hallenmitte angehalten hatte. Dann ging es gleich im Trab weiter. Ein Mittelzirkel schloss sich an und sofort ging es auf der rechten Hand in den Galopp. Das erstaunlichste war durchaus der fliegende Galoppwechsel durch den Zirkel. Hunter hatte echt ein Händchen für diesen ansonsten so gemütlich wirkenden Hengst übrig. Hunter öffnete den Zirkel wieder und parierte auf der ganzen Bahn in den Mittelschritt durch. Dann folgte ein „aus der Ecke kehrt“ und Hunter zeigte anhand von Schlangenlinien durch die ganze Bahn den ausdrucksvollen Schritt und vor allem die makellose und entspannte Haltung des Hengstes. Dann trabte er wieder an, ging auf den Zirkel, wechselte aus dem Zirkel und auf der ganzen Bahn dann nochmal durch die Bahn. Zum Schluss nochmal der Galopp und tatsächlich die Traversalverschiebung, vor der ich immer Hochachtung hatte. Dann hielt er bei X aus dem Galopp an, verbeugte sich erneut vor den Richtern und verließ dann, unter leisem Applaus, mit Nevio die Halle.
      Ich überlegte einen Moment, ob ich ihm folgen sollte, entschied mich aber dafür, dass er seinen Erfolg lieber in Ruhe mit Jamie genießen sollte. Ich würde währenddessen noch ein paar weitere Pferde und deren Auftritt genießen dürfen.
      Ich lehnte mich zurück und freute mich auf die weiteren Auftritte. Es folgten einige Hengste, groß und klein, kräftig und eher leicht gebaut, bis die ersten Stuten die Halle betraten. Als Nummer fünf wurde dann nach einiger Zeit auch endlich Jamie aufgerufen. „Als nächstes folgt Jamie Lewis mit der Stute Nera vom Gestüt Royal Peerage“, sagte der Sprecher über meinem Kopf wieder.
      Ich hatte Jamie und Nera bereits gestern im Training bewundern dürfen, aber ich stellte schnell fest, dass das jetzt noch einmal eine Stufe härter war. Ich sah Jamies Anspannung und die Erwartung, dass jeder Schritt sitzen musste. Ich sah sie vor dem Tor stehen. Die Lippen aufeinander gepresst und die Augen von dem Helm im Schatten liegend. Wieder wurden die Tore geöffnet und Jamie ließ Nera im Schritt antreten. Aber kaum war Nera in Bewegung, gab ihre Reiterin das Zeichen zum Galopp und versammelt galoppierten sie bis vor die Richter. Vielleicht war es ein Tippelschritt von Nera zu viel, aber es fiel kaum auf, dann stand sie ruhig und gerade bei X, sodass Jamie die Richter begrüßen konnte.
      Es war erstaunlich, wie gelassen Jamie dann in die Lektionen der S-Dressur ging, auch wenn sie oft nochmal auf das bereits Gekonnte von der M-Dressur zurückgriff. Es war eben kein glatter Abschnitt, in den man das Können eines Pferdes einteilen konnte, sogar oft ein Übergang, der sich über Monate hinweg zog.
      Anstatt im Galopp wieder anzutreten, trabte Jamie an und lenkte Nera auf die rechte Hand. Nach einer halben Bahn begann sie mit der Traversalverschiebung, jedoch nur aus dem Trab, dafür saß diese perfekt. Danach parierte sie durch und zeigte eine halbe Pirouette im versammelten Schritt, dann ein angaloppieren, diesmal auf der linken Hand, dann der Zirkel, ein Wechsel aus dem Zirkel und ein gut eingeführter, beabsichtigter Außengalopp auf dem Zirkel.
      Als Höhepunkt folgte kurz darauf eine Piaffe. Ich hatte bereits gesehen, wie hartnäckig Jamie daran gearbeitet hatte und das Ergebnis war jetzt nicht zu übersehen. Nera war konzentriert und aufmerksam, setzte ihre Füße auf, wie sie es gelernt hatte, und es kam eine wunderschöne Piaffe als Ergebnis heraus. Nach dieser galoppierte Jamie bis zur nächsten kurzen Seite, wechselte dann in den Trab und zeigte zum Abschluss noch die Schlangenlinien entlang der Mittellinie mit drei Bögen, bevor sie zurück zu X ritt und, diesmal waren ihre Lippen nicht mehr aufeinandergepresst, erleichtert die Richter verabschiedete und mit Nera im Trab am langen Zügel die Halle verließ.
      Diesmal folgte ich ihr hinaus und kam gerade rechtzeitig, um ihr Nera abzunehmen. Sie schwang sich aus dem Sattel, klopfte der Rappstute freudestrahlend den Hals und fiel dann Hunter in die Arme, der gerade von der anderen Seite der Halle auf sie zukam.
      „Du hast auch zugeschaut?“, fragte Jamie ihn.
      Er nickte. „Natürlich! Das konnte ich mir nicht entgegen lassen.“
      „Wirklich großartige Leistung von euch beiden“, sagte ich. „Es war mir eine Ehre, mal als Zuschauer mitgenommen zu werden.“
      Gemeinsam führten wir Nera zurück zum Anhänger, wo bereits Nevio stand und entspannt an einem Sack Heu knabberte. Er blickte nur kurz auf, als wir Nera in seiner Nähe anbanden und im Rekordtempo absattelten, eine Decke überwarfen und auch ihr das belohnende Heu vor die Nase setzten.
      „Müssen wir jetzt noch auf die Auswertung warten?“, fragte ich und reichte Hunter den Sattel von Nera, damit er ihn in der Sattelkammer des Anhängers verstauen konnte.
      „Die bekommen wir zum Glück zugesendet“, sagte Hunter. „Wir können also sofort nach Hause.“
      Das ließen wir uns alle nicht zweimal sagen. Nachdem alles im Auto und im Anhänger verstaut war, wurden die beiden Pferden eingeladen, was erstaunlich unkompliziert war, dann stiegen wir ein.
      Es war schon wieder später Nachmittag, als wir zurück auf die Straße Richtung Empoli und dann nach Pontedera bogen. Die Sonne war bereits untergegangen und hatte uns von ihrem ehemaligen Glanz nur noch einige Lichtstrahlen übrig gelassen. Somit neigte sich auch meine Zeit mit Hunter und Jamie dem Ende entgegen. Morgen früh würde es für mich nach Los Angeles gehen und von aus weiter in Richtung Modoc National Forest. Dort würden meine Freund und meine eigenen Pferde auf meine Heimkehr warten. Ich war nun wirklich lang genug unterwegs gewesen.
      Zurück am Stall half ich Jamie und Hunter beim Ausladen. Mittlerweile wusste ich, wo die Sattel untergebracht waren und in welche Boxen die beiden Pferde gehörten, ohne stundenlang durch den Stall irren zu müssen. Zwei Tage hatten also gereicht, damit ich mich hier heimisch fühlte.
      Auch bei der abendlichen Fütterungsrunde war ich wieder mit dabei, verteilte diesmal nach Plan Kraftfutter und Heu, während Hunter nochmal die Boxen reinigte. Erst jetzt fiel mir auf, dass heute der vierte Advent gewesen war. Im Stall Radio lief gerade „Driving Home For Christmas“ und ich wurde etwas sehnsüchtig auf Zuhause.
      Der Abend verlief entspannt und ruhig. Ich genoss die letzten Stunden mit Hunter, verschwand aber recht zeitig in meinem Gästezimmer. Hunter versprach mir, dass wir uns morgen früh vor meiner Abfahrt nochmal sehen würden, bevor Jamie mich nach Pisa zum Flughafen bringen würde. Sie hatte sich wirklich nicht davon abbringen lassen. Immerhin war ein Taxi in Italien vom Preis her nicht mit dem in Kalifornien zu vergleichen.
      „Als mein Weihnachtsgeschenk“, hatte sie gemeint und das hatte ich ihr nicht abschlagen können.
      Auf Royal Peerage hatte man sich so liebevoll um mich gekümmert, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Leider war die Zeit viel zu schnell vergangen. Wie gerne hätte ich den Reitladen nochmal näher begutachtet oder noch mehr der Pferde kennengelernt. Aber vor alle, hatte ich die Zeit und die Gespräche mit Hunter und Jamie genossen und ich hoffte inständig, dass wir uns irgendwann im Leben noch einmal begegnen würden.
      Doch jetzt würde ich erstmal zu Weihnachten nach Hause fahren.
    • Cooper
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      Rosemaiden di Royal Peerage, Nera | Abszessbehandlung, Prophylaxe (+ Grundimmunisierung)
      Nachdem ich mich ein wenig von der Zeitumstellung des ersten Auftrages nach den Feiertagen, erholt hatte, kontaktierte ich meinen nächsten Auftraggeber Hunter Lacey. Ich war schon mal vor Ort gewesen und freute mich auf den Aufenthalt in der italienischen Provinz Livorno. Erneut begann ich mit meiner Routine und versicherte mich des Öfteren das ich alles habe. „Ein wenig verrückt bist du schon, ich hoffe du weißt das. Ich mein das aber positiv“ lachte Joey. Der Jockey war schon seit vielen Jahren bei uns angestellt und war einer meiner erfolgreichsten Leute. Ich lachte mit ihm und versuchte das tatsächlich positiv zu nehmen.

      Ich machte mit Hunter einen Termin aus und flog dann erneut nach Europa. „Ja, in Europa scheinen echt viele Kunden zu sein“ sagte ich einem Mitarbeiten, der sich über etwas bei mit informierte. Ich erfragte noch einen Statusbericht und legte dann auf. Der Flug ging schnell rum und im Hotel angekommen bin ich ins Bett gefallen. Am nächsten Tag informierte ich Hunter Lacey das ich im Lande bin und wir ermittelten eine passende Uhrzeit. Ich bereitete alles vor und erledigte noch einiges an Arbeit für Chattahoochee Hill’s selbst. Dann fuhr ich mit dem Leihwagen auf Royal Peerage.

      Begrüßt wurde ich von Hunter selbst. Wir tauschten uns kurz überpersönliches aus und nahmen eine Tasse Kaffee ein, die wirklich sehr gut war. „Italien halt“ lachte Hunter und führte mich dann in den Stall. „Zuerst solltest du dir das Fohlen ansehen. Es ist ein Deutsches Sportpferd, heißt Rosemaiden di Royal Peerage, genannt Rosie. Sie war, bevor ich sie verkauft hatte sehr offen und neugierig. Ich hatte sie dann leider aus schlechter Haltung zurückholen müssen. Nun ist sie eher skeptisch und eher zurückhaltend. Ich will sichergehen das es nicht von organischer Natur ist, das seelische bekomme ich denke ich dann hingebogen“. Aufmerksam hörte ich Hunter zu und seufzte zwischendrin. „Tut mir leid das zu hören. Wir schauen mal nach“ sagte ich und öffnete die Boxentür des Stutfohlens. Während ich die Boxentür öffnete sah ich wie das Fohlen panisch die Ohren in meine Richtung drehte und die Augen aufriss. „Shh. Alles gut“ sagte ich sanft und bewegte mich ganz langsam. Um den Fohlen Sicherheit zu bieten, ging ich in die Knie und wartete bis sie den ersten Schritt auf mich zu machte. Es dauerte eine Weile, aber sie zeigte dann doch Interesse. Futter und Leckerlies schien sie zu ignorieren. Skeptisch schaute ich mir das Tier an, drehte zwei drei Mal den Kopf und rieb mir mit einer Hand das linke Auge. „Sie scheint auch nicht unbedingt fressen zu wollen“ sagte ich. Das was ich beobachtet hatte protokollierte ich umgehend. Ich wollte dem Stutfohlen die Prozedur so angenehm wie möglich gestalten und entschied mich dafür sie zu sedieren. Nachdem dies gewirkt hatte, konnte ich mich der Stute Nähern, ohne dass sie panisch wurde. Hunter streichelte ihr während der Prophylaxe den Kopf. Zunächst untersuchte ich alle Vitalzeichen. Alle waren in Ordnung bis auf die Temperatur. „Ist etwas hoch. Nicht viel, aber auch nicht normal. Ignorieren können wir das nicht. Leider kann ich sie auch dann heute nicht Immunisieren“. „Kein Problem. Hauptsache wir finden die Ursache für ihr Verhalten und ihr geht’s wieder besser“ antwortete ihr Besitzer und schien verständlicherweise, besorgt. Ich tastete das Fohlen ab und begutachtete es physiologisch. Alles unauffällig. Nun kontrollierte ich die Augen, Nase, Nüstern sowie die Ohren. Als ich das Maul öffnete, erkannte ich die Ursache für all dessen sofort. Ich runzelte mit der Nase und biss mir auf die Lippe. „Ich habe die Ursache gefunden!“. Und hoffte das es sich nicht zu triumphreich und unsensibel angehört hatte. Aber Hunter schien selbst sehr erleichtert. „Ich weiß nicht in war für eine Haltung sie war, aber sie hat einen verhältnismäßig großen Abszess im hinteren Bereich ihrer Backe. Problem. Das Ganze hat sich entzündet und somit auch die ganze Mundschleimhaut befallen. Dadurch auch die erhöhte Temperatur. Hier und da sind somit offene Stellen. Nun. Das ist nichts was man nicht behandeln kann. Ich muss nur den Abszess aufstechen, rausfinden welche Erreger da rum schwirren und dann bekommt sie passende Arznei und die Sache ist geritzt“. Ich sagte dies schnell nachdem ich meine Diagnose gestellt hatte, da Hunter jetzt wirklich aussah als wäre es das Todesurteil vom Fohlen gewesen. Er atmete erleichtert aus. Ich dokumentierte alles und nahm vom gesamten Kopf des Fohlens Proben. Im Ohr, vom Auge, von den Nüstern und natürlich im Mundraum. Um bessere Ergebnisse zu bekommen, bereitete ich alles für das Aufstechen des Abszesses vor und führte es dann auch entsprechend durch. Als ich alle Proben hatte legte ich sie alle für einen Schnelltest beiseite und reinigte die Wunde sowie den Platz. Während wir auf die Testergebnisse warteten holte ich die Stute ins Bewusstsein zurück. Diese sehnte sich jetzt mehr nach Kontakt, den sie auch von Hunter bekam. Ich räumte in der Zwischenzeit noch das auf was übriggeblieben war und ging dann zum Wagen, um den Test auszuwerten. In weniger als einer Minute hatte ich die passende Salbe und das Antibiotikum ausgesucht. „Leider hat es dem Fohlen auch an den Ohren erwischt. Glücklicherweise kann man beide Probleme mit nur einem Antibiotikum lösen. Aber es müssen zwei verschiedene Sprays angewendet werden. Dieses Spray ist ein zusätzliches Antibiotikums Spray für die Ohren, habe ich BLAU markiert. Bitte zuvor die Ohren mit Wasser reinigen und dann zwei Spitzer dieses Sprays hineinsprühen. Dies genügt einmal am Tag. Am besten am Abend. Dann das Spray für den Mundraum, habe ich ROT. Diese muss 3x am Tag aufgetragen werden. Dient der Säuberung der Wunde und gegen die Erreger. Ruhig in beide Backen sprühen und 2x Abzüge auf die Wunde“. Während ich sprach schrieb ich alles noch mal auf einen Zettel auf damit es keine Missverständnisse gab. „Zu guter Letzt das Antibiotikum zum Einnehmen. Einmal morgens und abends, bis die Packung leer ist“. Hunter passte gut auf und bedankte sich sehr für die Informationszettel. Nachdem Rosie wieder komplett bei Sinnen war kontrollierte ich erneut die Vitalzeichen, um sicher zu stellen das es ihr gut ging. „Ich werde dann zum Immunisieren in drei Wochen noch mal wiederkommen. Wichtig für sie ist jetzt Ruhe, kein Weidegang, nur kurze Spaziergänge, wirklich nur 5 Minuten und Wärme. Versuchen Sie auch das Fieber mit kalten wickeln zu senken, ansonsten handelsübliche fiebersenkende Mittel geben“. Hunter schrieb ein Schild für die Mitarbeiter und hängte es noch an die Box bis er mich dann zum nächsten Tier brachte. „Das ist Nera. Sie ist von 2014 und ist ein sehr unkompliziertes Pferd. Achja, es ist ein Murgese“ sagte er und tätschelte der Schwarzen den Hals. „Wirklich sehr hübsch“ erwiderte ich. Nach kurzer kennlernrunde fing ich dann mit der Routine der Prophylaxe an. Zunächst begutachtete ich den Pferdekörper von außen. Haut, Fell, Gelenke, Hufen, Kopf und die dazugehörigen Ohren, Nüstern, Augen und Mundraum. Hier war alles in bester Ordnung. Nera stupste mich an, um anscheinend ein neues Leckerchen zu ergattern. „Erst die Arbeit“ lachte ich und schaute unter die Hufen. Auch die waren in Ordnung. Die Vitalzeichen der Stute waren ebenfalls unauffällig. „Dann können wir Immunisieren. Yeah!“. Das Spritzen mochte Nera gar nicht. Hunter musste die Stute fest am Kopf packen. „Schon vorbei“ flüsterte ich und gab ihr ihr lang ersehntes Stück Banane. Glücklich sabberte sie meinen Pullover voll. Ich lächelte. Die Wurmkur verlief ohne Komplikationen. Danach aktualisierte ich ihren Impfpass und übergab ihn wieder an Hunter. Da der Tag recht ereignisreich war, tranken wir erneut eine Tasse Kaffee bevor ich Royal Peerage verließ. Ich macht mit Hunter Lacey noch einen Termin für in drei Wochen aus, damit auch die junge Stute immunisiert werden konnte.

      Drei Wochen Später.
      Ich kam nach einem langen Flug auf Royal Peerage an. Ich blieb nicht lange, da ich sofort den nächsten Flug zum nächsten Kunden in Europa nahm. „Schön, dass du kommen konntest. Wir hatten keine Probleme mehr und alles ist gut abgeheilt“ sagte Hunter mit Freunde und führte mich zu dem Fohlen, welches schon ein einiges Stück gewachsen war. „Absolut kein Problem. Ich bin froh das es der guten wieder besser geht“. Ich kontrollierte die Wunde und machte einen Schnelltest, um sicher zu stellen das alles Abgeheilt war. „Entwarnung“. Dieses Stichwort läutete dann die Immunisierung ein, die die Stute gar nicht toll fand. „Oh, sie hasst mich jetzt schon“ lachte ich. Jedoch war die Stute viel aufgeschlossener und fraß auch das Stück Banane welches ich ihr anbot. Die Wurmkur spukte sie halb wieder aus, es reichte jedoch für einen Schutz. Hunter bedankte sich erneut ausgiebig bei mir und wir verabschiedeten uns per einer Tasse Kaffee.

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  • Album:
    RP - Stuten
    Hochgeladen von:
    Maleen
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    2 Dez. 2018
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    EXIF Data

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    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Rufname:
    Nera

    Dam: Unbekannt | S. Unbekannt D. Unbekannt
    Sire: Unbekannt| S. Unbekannt D. Unbekannt


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    Geburtstag:
    10.Juni 2014
    Geschlecht:
    Stute
    Rasse:
    Murgese
    Farbe:
    Rappe
    Abzeichen:
    //
    Stockmaß:
    161cm


    Charakter:
    zuverlässig, fleissig, ausdauernd, verfressen

    Nera wurde aus Italien importiert und hat ein sehr rassetypisches Exterieur. Sie ist robst und ausdauernd, aber tortzdem fein zu reiten und absolut klar im Kopf. Sie lässt sich auch auf komplizierte Lektionen ein und ist meistens fleissig bei der Sache, besonders, wenn es als Belohnung etwas zu Fressen gibt. Am liebsten mag sie Bananen.

    Seit 2018 ist Nera wieder zurück in ihrem Heimatland. Sie macht inzwischen eine gute Figur vor der Kutsche und ist zu einem wunderbaren Dressurpferd geworden.


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    Genetik:
    Ee aa
    Zuchterlaubnis:
    //
    Fohlen:
    //

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    Besitzer:
    Maleen
    Pfleger:
    //
    Maler(VKR):
    Occulta

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    Reitstil:
    Englisch


    Dressur: M/S
    Springreiten: A/A
    Geländespringen: E/E
    Fahren: M/M
    Rennen(Galopp): -/-
    Distanzreiten: L/L
    Western: -/-

    Fett > besonderes Talent // kursiv > dafür geeignet // durchgestrichen > keine Begabung

    Turnierschleifen:
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    409.Distanzturnier 294.Synchronspringen 562.Springturnier
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    563.Springtunier 436.Fahrturnier 564.Dressurturnier
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    298.Synchronspringen 416.Distanzturnier 32.Synchronfahren
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    437.Fahrturnier 566.Springturnier 566.Dressurturnier
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    34.Synchronfahren


    Stecki © Maleen 2013