1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Eddi

My Hope Nymeria

Shetlandpony ♀

My Hope Nymeria
Eddi, 21 Okt. 2018
Dir gefällt das.
    • Eddi
      [​IMG]
      Ehemalige Berichte
      Ankunft zweier Fellkugeln

      8. August 2016 | 16.859 Zeichen | (c) Canyon
      Buskerud, Norwegen - 06:56
      "Du siehst aus wie Frankenstein höchstpersönlich!" Verschlafen und mit geschwollenen Augen wurde ich am frühen Morgen von Petyr begrüßt, welcher natürlich putzmunter und fröhlich bereits mit der Stallarbeit begonnen hatte. Träge nahm ich mir eine Mistgabel zur Hand und schlurfte dann weiter zu meinem Freund.
      "Ich hoffe, ich bin noch nicht grün im Gesicht." murmelte ich und stieß die Boxentür neben der von Petyr auf. "Solange mir noch keine Schraube aus dem Kopf schaut und mich die Pferde noch erkennen, ist alles gut."
      Petyr lehnte sich lachend auf seinen Stil der Mistgabel und blickte durch die Gitterstäbe der Box zu mir herüber. "Wenn du schon nicht geschlafen hast, dann musst du mir jedenfalls erzählen, WARUM du nicht geschlafen hast." meinte er und grinste. Wahrscheinlich vermutete er eine geheime Liebesaffäre oder was weiß ich. Leider musste ich ihn jedoch enttäuschen.
      "Geschlafen habe ich, aber anscheinend nicht genug." Abwartend blickte Petyr mich an und ich seufzte. Eigentlich hatte ich noch keine Kraft und Lust jetzt so viel zu erzählen, aber ich kannte meinen Freund, so schnell würde er nicht locker lassen.
      "Julie ist gestern wieder zufrieden in Amsterdam gelandet. Nach einem Jahr ohne feste WLAN-Verbindung haben wir natürlich die Chance ergriffen und geskypet und das, wie du ja bereits mitbekommen hast, bis tief in die Nacht hinein." Ich gähnte.
      "Uuund? Was hat sie erzählt?" harkte Petyr nach.
      "Jaja, kein Stress!" sagte ich leicht genervt, während ich die Arbeit in der Box aufnahm. Dabei musste ich meine Stimme allerdings erhöhen, damit mich Petyr weiterhin verstand. "Sie meinte, sie wäre dunkler als die verbrannten Plätzchen, die ihr Tante Annika zur Begrüßung gebacken hatte und auch wenn das Bild sehr unscharf war, kann ich das nur bezeugen. Leider passt dieser Hautton so gar nicht zu ihren roten Haaren."
      Ich legte die Mistgabel in die Schubkarre und wechselte die Box. Petyr tat es mir gleich und sobald wir wieder in einer Box standen und Mist schaufelten, erzählte ich weiter.
      "Ansonsten schwärmte sie vor allem von Indien, da war sie den letzten Monat, und von der Reise mit dieser Eisenbahn da, die durch ganz Sibirien rollt. Der Name ist mir entfallen, aber auch nicht so wichtig." Ich legte eine kurze Pause ein, in welcher ich kurz verschnaufte und meine Gedanken sammelte. "Sie war überglücklich und hat beständig über beide Ohren gestrahlt. Aber wie wäre es, mein Lieber Petyr, wenn du sie das einfach selbst fragst, wenn sie mich in ein paar Tagen besuchen kommt?"
      Petyrs Kopf erschien vor den Boxengittern. Sein Blick sprach Bände, wie man es so schön sagte. "Sie kommt? Sie hat dich doch schon seit Jahren nicht mehr besucht!" Ich zuckte die Schultern. " Übertreibe nicht, etwas öfter hast du sie schon gesehen, sonst wärst du nicht so vernarrt in sie. Sie will ja sowieso weiter zu unserem Vater nach Östersund, da ist der kleine Umweg hier her ja kein Problem. So und nun lass uns diese Schubkarre zum Mist bringen, so langsam ist sie übervoll!"
      Petyr nickte, schien jedoch ganz woanders in Gedanken zu sein. "Du, Malte, ist sie wirklich noch so eine Schönheit, wie sie es früher schon immer gewesen war, ich meine so mit langen gelockten Haare und strahlenden grünen Augen – ?" verträumt blickte er in den Himmel und ich seufzte theatralisch. "Ich möchte mit dir jetzt NICHT über meine Schwester sprechen, da gibt es jetzt wichtigere Themen. Du weißt was heute für ein Tag ist?" Mit einem kräftigen Stoß stieß ich die Schubkarre den Misthaufen hinauf und entleerte sie, bevor ich sie Petyr wieder in die Hand drückte, er konnte sie schön zurückfahren! Geistesabwesend nahm er sie einfach an.
      "Äh vielleicht dein Geburtstag? Aber der war doch im Winter oder?"
      Ich schüttelte den Kopf. Was für ein toller Freund, der noch nicht mal meinen Geburtstag wusste. "Neeeein, es ist nicht mein Geburtstag!"
      "Tut mir leid, dann weiß ich es nicht Malte." meinte Petyr und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Schon wieder seufzte. Heute war wohl so ein Seufztag und das, obwohl ich eigentlich über beide Ohren strahlen sollte. "An was erinnern dich die Worte Kalifornien, pelzig, warm und Isländer?" Petyr schien einen Moment überlegen zu müssen, bevor es ihm eeendlich einfiel. "Deine beiden Pferde kommen heute an?" Ganz entgeistert blickte er mich an "Warum hast du das denn nicht schon früher gesagt!"
      "Da war ich noch zu müde und dann wolltest du ja, dass ich dir alles von Julie erzähle und deswegen bin ich erst jetzt dazu gekommen."
      Freudig wie ein kleines Kind hüpfte Petyr zurück zum Stall und rief mir über die Schulter entgegen: "Na worauf wartest du denn noch? Wir haben noch viel zu tun!"

      Tatsächlich hatten wir viel zu tun. Boxen fertig machen, alle Pferde von den Weiden holen, jeden mit seiner eigenen speziellen Futtermischung füttern und dann ein paar der Pferde noch ihre Medikamente geben.
      Petyr untersuchte die kleinsten Fohlen Imagine Dragons, Mios Jelda und Aspantau nach Verletzungen, während ich Teufelstanz ihre Medikamente gegen die vielen Beschwerden gab. Sie hatte sich gut geschlagen, die Vollblutstute, aber Nico wollte ihr noch mehr Ruhe gönnen, bevor wir versuchen wollten, sie wieder zu reiten. Nach einer gescheiterten Renn- und Zuchtlaufbahn war sie mit einigen Verletzungen und Krankheiten und einem kleinen ungewollten Fohlen zu uns gekommen und ich war schon stolz darauf, was wir zusammen geschafft hatten.
      "MALTE!" laut schallte Petyrs Stimme durch den Stall. "Komm mal her und hilf mir! Diese verfluchte Jeanie will einfach nicht ihre Schnauze von mir lassen."
      Vorsichtig schloss ich die Box von Teufel, streichelte ihr noch einmal kurz übers Maul und folgte dann Petyrs Hilferuf. Dieser hatte meine Hilfe auch dringend nötig; Er lag fast in der Box, um die zierlichen Hufe der kleinen Jeanie untersuchen zu können und Jeanie hatte nichts anderes zu tun, als immer wieder zu versuchen seine Haare aufzufressen, diese waren ja auch genau auf der richtigen Höhe für so etwas.
      "Himmelherrgottnochmal!" schimpfte Petyr, während er versuchte Jeanie mit einer Hand fernzuhalten und mit der anderen einen Huf von Jelda zu heben. Zum Glück war die kleine Stute noch entspannter als ihre Mutter!
      "Ach Petyr", ich seufzte (schon wieder!), "Lass mal den Chef hier ran." Vom Hacken nahm ich Jeanies Halfter, band sie damit an den Gitterstäben fest und kniete mich neben Petyr ins Stroh. "So und jetzt erzähle mir, was daran so schwer war." Petyr boxte mir nur kurz in den Oberarm und schob mich dann aus der Box. "Mach, dass du wegkommst du Blödi!" schimpfte er und als Gegenschlag streckte ich ihm die Zunge raus. Ja so war er, unser Petyr.

      Obwohl ich es nicht vermutet hätte, war Petyr am Nachmittag aufgeregter als ich und das, obwohl die beiden jungen Isländer seit langem meine ersten Pferde waren, die ich mir kaufte. Petyr war es auch, der alle fünf Minuten aus dem Stall blickte und nach einem Transporter schaute, welcher die beiden zu uns bringen sollte.
      Es war ein angenehmer Mittwochnachmittag. Die Sonne schaute immer wieder hinter den Wolken hervor und kein Lüftchen wehte, sodass man die 17 Grad doch ganz gut vertragen konnte. Ein perfekter Tag, welcher zwar nicht ganz so gut begonnen hatte, aber das taten die guten Tage doch sonst auch. Die schlechten begannen gut und endeten schlecht, die guten fingen schlecht an und wurden erst später richtig gut. So war es jedenfalls immer bei mir.
      Ich hatte mich gerade zu einer kleinen Pause auf die Bank vor dem Stall niedergelassen und ein gutes Buch, ein Krimi (Tote, Fingerabdrücke, Blut und so ein spannendes Zeug) in die Hand genommen, als Petyr ganz aufgeregt neben mir auftauchte und meinte: "Da da, so schau doch, sie kommen!"
      "Petyr, du klingst wie eine Prinzessin, die ihren langersehnten Prinzen endlich wiedersehen kann. Ehrlich, du hättest auch Schauspieler werden können." meinte ich und stand mühsam auf. Meine armen Knochen!
      "Und du hast zwei Pferde gekauft und bis lustloser als je zuvor! Das ist auch nicht besser." verteidigte sich Petyr und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Glaube mir, ich freue mich auch, sehr sogar, ich weiß nur noch nicht, ob es wirklich der richtige Weg war. Ich bin immer noch viel unterwegs, auch wenn Evangeline und du mir mittlerweile viel Arbeit abnehmt-" Ich brach ab und blickte dem Transporter entgegen, der die buckelige Straße entlang holperte. Da hinten drinnen, da waren sie. Zwei junge Isländer, der eine erst knapp ein Jahr, der andere perfekte 6 Jahre. Ich wusste immer noch nicht, ob es richtig gewesen war, aber jetzt war es zu spät, sie waren angekommen und ich hoffte, dass die Tyrifjord Ranch für immer ihr zu Hause sein würde.
      Der Pferdetransporter war Silber und bot Platz für mehrere Pferde, in dem Moment sollten sich darin allerdings nur zwei befinden, zwei, die mein Leben nochmal in eine ganz andere Richtung lenken würden. Das wusste ich jetzt schon.
      Sie hatten eine weite Reise hinter sich; Erst von Kalifornien mit dem Flugzeug nach Vikersund zum Flughafen und dann von dort mit dem Transporter bis hier her. Sie taten mir verdammt Leid.
      Der Fahrer schaltete den Motor auf dem Parkplatz vor dem Stall aus, stieß dann seine Tür auf und kletterte heraus. Zu meinem Erstaunen war es kein älterer Mann, welcher sein Leben lang bereits Pferde von einem Ort zum anderen kutschierte, sondern eine junge Frau, vielleicht Ende dreißig, welche ihre langen braunen Haare zu einem Zopf geflochten hatte und nun elegant aus dem Transporter sprang. Sie lächelte uns beide freundlich an und winkte uns dann wie ein kleines Mädchen zu, bevor sie über den Parkplatz rief: "Ist einer von euch beiden Malte?"
      Ich schüttelte meine kurze Ungläubigkeit von mir ab und hob dann die Hand. "Ja ich, warten sie, ich komme."
      Petyr neben mir grinste und blickte mich von der Seite an. "Das ist aber eine Hübsche, pass auf, dass dir deine Augen nicht aus dem Kopf fallen, lieber Malte." Ich sagte nichts, hoffte allerdings das ich nicht allzu rot im Gesicht wurde.
      Als ich bei der jungen Frau angekommen war, hatte sie bereits die automatische Rampe an der Seite des Transporters heruntergelassen und war zu den beiden Pferden in den Anhänger geklettert. Ich folgte ihr und warf einen allerersten Blick auf meine Pferde. Meine Pferde, wie sich das anhörte, es löste ein ganz neues Gefühl in meinem Magen aus, welches ich schon lange nicht mehr gespürt hatte.
      Beide waren erschöpft und verschwitzt, waren jedoch genau das, was ich mir schon immer gewünscht hatte: Einfach nur perfekt.
      Ich starrte die beiden noch vollkommen überfordert an, als mir die Frau neben mir die Hand reichte. "Hey, ich bin Halla!"
      Ich wandte meinen Blick von den Pferden ab und ergriff ihre Hand. "Malte."
      Sie lachte und dabei leuchteten ihre Augen noch mehr und an ihren Mundwinkeln erschienen kleine Grübchen. "Ich weiß doch." Ich musste auch lachen. Oh man war ich manchmal peinlich, da machte ich ja sogar Petyr den ersten Platz der Peinlichkeitsrangliste streitig.
      Als ich darauf nichts sagte, meinte Halla etwas eingeschüchtert: "Vielleicht sollten wir die Pferde hier heraus holen, sie waren jetzt lang genug hier drinnen." Ich nickte zustimmend und ging zu dem größeren der Beiden hin.
      Óslogis Fellfarbe war etwas ganz besonderes und ich musste ehrlich zugeben, dass ich so ein Pferd schon lange nicht mehr gesehen hatte. Und ich, ich der einfache Pferdetrainer Malte, ich besaß jetzt diesen schmucken Hengst. Ich band Óslogi los und führte ihn die Rampe hinunter. Hinter mir kam Halla mit dem kleinen Félagi. Beide Pferde standen wohl noch zur Hälfte unter den Narkosemitteln für den Flug, denn beide Isländer stolperten über jeden größeren Stein und schafften es nicht, ihre Hufe höher als Handhoch zu heben. Ich lächelte durchweg, als ich Óslogi in den Stall führte.
      Die Boxen der Beiden lagen ganz am Anfang und waren natürlich nebeneinander. Ich zeigte Halla, welche sich staunend in dem großzügigen Stall umschaute, Félagis Box, während ich Óslogi in seine brachte. Petyr stand natürlich nur daneben und schaute uns zu, wie wir die Pferde von Transportgamaschen und Decken befreiten. Heu, frisches Wasser und Kraftfutter zur Erholung hatten wir beide natürlich schon vorbereitet, sodass es den Beiden erstmal an nichts mangelte.
      Halla und ich ließen die Pferde auch so schnell wie möglich in Ruhe und gaben ihnen genügend Zeit anzukommen. "Lust auf einen Kaffee?" fragte ich Halla und ignorierte dabei Petyrs breites Grinsen. Heute konnte ich ihn mal wieder überhaupt nicht ausstehen.
      "Klaro, Kaffee ist immer gut!" meinte sie lächelnd und schon wieder lächelte ich zurück.
      "Machst du uns einen?" Ich schaute Petyr bittend an, welcher laut seufzte und dann in Richtung "Reiterstube" verschwand, welche bei uns lediglich aus einem Abstellraum mit Kaffeemaschine bestand.
      Halla holte aus dem Transporter die Papiere und setzte sich dann neben mich auf die Bank vor dem Stall. Sie schien jedoch Zeit zu haben, denn sie ließ die Mappe noch geschlossen und genoss mit geschlossenen Augen die warmen Sonnenstrahlen.
      Ich tat es ihr gleich, wurde aber kurz darauf von ihr angesprochen. "Sag mal, ist das eigentlich dein Stall?"
      Ich lachte und schüttelte dann den Kopf. "Nein nein, der gehört einem jungen Paar, die sind gerade nur in Sylling Verwandte besuchen, ich wohne hier nur und bin Pferdetrainer und Angestellter. Einen eigenen Stall, und vor allem nicht so einen großen, könnte ich mir niemals leisten." sagte ich und zuckte mit den Schultern. "Dafür braucht man so einiges an Geld."
      Halla neben mir seufzte und nickte dann. "Jaaa," sagte sie gedehnt, "Diese Erfahrung durfte ich auch schon machen."
      In dem Moment kam Petyr mit drei dampfenden Tassen zurück. Unterm Arm hatte er eine Milchpackung und Zucker stecken. Wie ein Butler reichte er uns beide jeweils eine Tasse und fragte dann stumm nach Zucker und Milch. Halla hob dankend die Hand und auch ich verneinte. Petyr wusste ganz genau, dass ich meinen Kaffee immer schwarz trank. Er selbst quetschte sich noch neben Halla auf die Bank und schüttelte sich gefühlt die halbe Milch- und Zuckerpackung in die Tasse. Dann nahm er mit gespitzten Lippen einen Zug des heißen Gebräus. "Sag mal, Halla richtig? Wie kommt eine junge Frau wie du eigentlich auf die Idee, Fahrerin für ein Transportunternehmen zu werden?"
      Halla schien mit der Frage gerechnet zu haben und ich war mir sicher, dass sie diese nicht zum ersten Mal in ihrem Leben hörte. Deswegen antwortete sie auch dementsprechend resigniert. "Mein Vater leitet unsere Firma. Wir hatten vor einigen Jahren einige Geldprobleme und deswegen bin ich aushilfsweise bei ihm eingestiegen, weggekommen bin ich dort nie und jaaa, auch ich bereue es manchmal - Das musst du mich jetzt nicht noch fragen."
      Ich blickte Petyr böse an. Das hätte er auch etwas besser fragen können, da konnte er sehen, was er angerichtet hatte.
      Ich versuchte das Thema zu wechseln. "Hast du denn eigentliche auch eigene Pferde?"
      Wieder musste Halla eine Antwort geben, die ihr nicht gefiel. "Nein, besser gesagt saß ich noch nie auf einem größeren Pferd als einem Reitpony vom Rummel. Und auch wenn ich Tag für Tag Pferde von einem Ort zum anderen bringe, reiten kann ich nicht." Traurig blickte sie in die Weite und ich sah, wie eine Träne in ihren Augen glitzerte.
      So hatte ich mich täuschen können. Noch vor wenigen Minuten hatte ich geglaubt, noch nie einen glücklicheren Menschen getroffen zu haben und jetzt saß eine traurige junge Frau mit Tränen in den Augen neben mir. So war die Welt, die Wahrheit blieb einem meistens verborgen.
      Kurz gefasst: Der Tag endete damit, dass ich mit Halla die Nummern ausgetauscht hatte und sie zu uns zum Kaffee eingeladen hatte, mit anschließendem Reiten, verstand sich natürlich von selbst.
      Erst als am späten Nachmittag Petyrs Handy klingelte und Nico am Telefon fragte, ob die Pferde bereits versorgt waren, lösten wir unsere Kaffeerunde auf und jeder ging wieder seines Weges.
      Auch hatten sich Félagi und Óslogi in der Zeit prächtig erholt und beide blickten nun munter über die Gitterstäbe der Box hinweg. Beide würden die Nacht noch zur Sicherheit in der Box verbringen, morgen Abend würden sie jedoch mit hinaus auf die Weiden dürfen und mit eigenen Augen die prächtigen Weideflächen von Norwegen sehen können. Ich hoffte ja, dass Óslogi sich mit dem junge Leiðtogi anfreunden würde, die beiden Isländer würden sich bestimmt gut verstehen. Auch auf Félagi wartete ein Spielgefährte: Der junge Sleipnir, auch er stammte aus der gleichen Zucht wie Félagi, war nur wenige Monate älter und ich war mir sicher, dass die beiden sich gut verstehen würden.
      Ich war verliebt und überglücklich und konnte es noch nicht so ganz fassen, dass alles so reibungslos geklappt hatte. Ich hatte lange an mir gezweifelt, auch jetzt natürlich noch, ob es richtig gewesen war. Aber das konnte man vorher nie wissen, das würde die Zeit bringen.

      ,,Willkommen Nymeria'' - Ravenna
      Striga und Thowra hatten einander, tobten über die Wiesen und am Strand entlang - kurzum die beiden verstanden sich prächtig. Wir hatten uns nun nach einem Monat in Schottland an die neue Heimat gewöhnt - die Arbeit brachte mich jedoch immer wieder von hier weg, erst gestern war ich aus Polen zurück gekehrt, dort hatte ich einige Pferde von Maren trainiert. Sowie einen neuen Hengst mit nach Crevan gebracht. Sein Name war Sturmwind - er war ein junger Dülmenerhengst, war in freier Wildbahn aufgewachsen und nun mit mir nach Schottland gereist um ihm ein neues Leben zu geben. Er war meinem Connemarahengst Stormy ziemlich ähnlich,sodass ich auch Sturm in Western ausbilden wollte um mit ihm auch dort auf Tuniere gehen zu können. Erst einmal kam der junge Hengst zu meinem Wallach River auf den Paddock um ankommen zu dürfen, wenn mich nicht alles täuschte schienen sie einander zu mögen.
      An diesem Morgen hockte ich zusammen mit Cayden am Frühstückstisch - wir debatierten über den verschiedenen Anzeigen von ganz vielen Shettlandfohlen. Denn dadurch bedingt das Thowra und Striga einander so vertrugen, lag nun das Problem vor - Noomie mit ihren zarten Beinchen kam einfach nicht ganz hinterher. Wir wollten einen Hengst - der später kastriert werden würde - oder aber eine Stute die sowohl im Alter, dem Aussehen und dem Charakter ein wenig zu Noomie passen würde. Die Shettystute war unser kleiner Sonnenschein, wurde von allen immer freundlich begrüßt, denn sie lief einem Hofhund gleich frei über den Hof. Dadurch musste ein ebenso fröhliches Fohlen oder eher Jungpferd her, denn Noomie war nun bereit eine Zweijährige. Wir hatten uns bereits ein paar Leute angeschaut mit ihren jungen Shettys,doch das richtige war bisher noch nicht dabei gewesen. Ich stützte etwas mutlos den Kopf in die Hände - "Ich glaub das wird schwieriger als ich es erwartet hatte" Cayden schlug mir sanft auf die Schulter "Heute schauen wir uns eine Stute namens My Hope Nymeria an" - die Stute hatte ich allein des Namens in die engere Auswahl genommen. Nymeria war der Name einer Wölfin aus unser beider Lieblingsserie "Game of Thrones" - zwar erfüllte sie auch die Farbe, jedoch würde sie etwas größer werden als Noomie und war etwas ängstlich veranlagt. Am Vorabend hatte ich mit der Besitzerin eingiebig telefoniert.
      Am Nachmittag fuhren wir auf den Hof - einmal gesehen und mein Herz zerlief wie Kerzenwachs beim Anblick der kleinen Stute. Zwar schien sie Ängstlich, doch ein wenig Neugierig wirkte sie auch. "Dann nehmen wir sie wohl mit,oder? Wir sind beide Trainer - du hast Storm zu einem tollen Pferd gemacht, dann bekommst du ja wohl ein kleines Fohlen hin,oder?" meinte Cayden, küsste mich auf die Lippen - nach den Monaten fühlte es sich noch immer so gut an! Ich zeigte eines meiner breitesten Lächeln und eine halbe Stunde später fuhren wir zurück nach Eriska und von dort aus zum Hof. Nymeria wurde auf den Innenhof gelassen - Noomie kam angetrabt, beäugte unser ganzes gehabe um dann die andere Stute freudig anzubrummeln. Cayden musste sich bücken um den Strick zu lösen und schließlich beschnupperten sie sich. Bald darauf tobten sie über den Hof als würden sie schon ewig einander kennen. Als ich darauf beim Abendessen die Papiere der kleinen in die Ordner sortierte, fiehl mir dabei auf, das die Stute von einem Hengst stammte der einmal in meinem Besitz gewesen war! Window - vielleicht würde Nymeria bald auch genauso frech werden wie ihr Vater? Die Zeit würde dies beweisen!
      Da ich noch ein wenig reiten wollte machten Cayden und ich uns Varulv und Willow fertig, wir konnten es beide gar nicht erwarten bis beide zur Zucht bereit waren, denn ein Fohlen aus den beiden wäre sicher ein Blickfang. Zunächst gingen wir in unsere Halle, bauten ein paar Hindernisse auf um beide Rappen darüber hinweg springen zu lassen. Nach dem erfrischenden Training gingen wir noch zusammen ins Gelände ehe wir am Abend erschöpft in unser Bett fielen - seit dem Umzug nach Schottland bewohnten wir ein Zimmern. Zunächst hatte ich mich sehr daran gewöhnen müssen, doch mittlerweile waren es die Tage die ich abseits von Cayden in fremden Betten verbringen musste die mir Unbehagen bereiteten. In einer Hinsicht war ich in diesem Moment glücklich, doch wie so oft dachte ich bereits am Anfang an das Ende.

      ,,Abenteuer Highlands''
      Der Morgen begann mit Nebel über den Highlands, wie ich diesen Ausblick aus dem Fenster genoss! Mit einem schnellen Frühstück befanden wir uns nur eine Dreiviertelstunde später auch schon vor unserer extra abgesteckten Weide. Einen Teil der Jungpferdekoppel hatten wir abgezweigt um darauf unsere vier Turteltauben zu platzieren, in einem Teil befanden sich mein Moon und Kürbis auf der anderen Seite Finlay und die Stute dessen Name ich immer wieder vergaß. Natürlich waren die Fohlen mehr als interessiert an dem Geschehen auf ihrer Weide, waren dieser Tage jedoch eher unten am Strand anzutreffen, denn oben auf den Wiesen. Nymeria und Noomie passten zu unserem bedauern unter dem abgesteckten Zaun hindurch, zwar gab es keine Probleme mit den beiden jedoch sollten sich Cayden und Aiden – Kathis Stallpfleger- darum kümmern damit dies nicht mehr geschah. Später am Nachmittag wollte sich eine Freundin auf dem Hof „blicken lassen“ um sich mit der Stute Scylla bekannt zu machen, sie wollte diese eventuell als Reitbeteiligung haben. Zusammen mit Kathi , zwei weiteren Pflegern machten wir uns auf den morgendlichen Rundgang über die Koppeln, durch den Stall und allgemein über den Hof um zu schauen ob überall alles in Ordnung war. Vor etwas mehr als einer Woche war eine Trainerin auf dem Hof gewesen um sich die Fohlen ein wenig vorzunehmen, da der Frühling immer näher rückte waren sie mit der Weide genug ausgelastet. Thowra und Aesi hatten mit ihren knapp zwei Jahren noch Zeit, doch die beiden Shettystuten hatte ich vor demnächst ein wenig intensiver zu arbeiten. Zwar waren auch die beiden erst zwei Jahre alt, sollten jedoch schon etwas mit dem „Einfahren“ konfrontiert werden. Dies bedeutete erstmal die Bodenarbeit im Round Pen, Spaziergänge um sie an die Umgebung zu gewöhnen sowie erste Erfahrungen mit dem Geschirr. Doch zunächst durften sie ihren Sommer auf der weitläufigen Weide genießen, erst im Herbst würde ich diesem Plan folgen.
      Auf dem Rundgang folgten uns Gamhain und Corvus quer über den Hof, der kleine Parson Russel hatte sich schnell mit der Bearded Collie Dame angefreundet, gemeinsam schliefen sie nun in einer der Boxen – vorsichtshalber hatte ich Corvus per Chip „kastrieren“ lassen um keine Welpenüberraschung zu erhalten. Zusammen mit dem Rundgang brachte ich gleich Varulv und Cayden Willow Maiden mit hoch an den Putzplatz. Mit etwas Abstand zueinander banden wir die beiden an, um anschließend ihr Sattelzeug zu holen. Die beiden wollten wir ein wenig auf dem Platz bewegen. Während unseres Gesprächs kam auch Kathi dazu, erzählte das einige ihrer Pferde nun ebenfalls verkauft werden würden, da sie sich ganz auf die Zucht konzentrieren wollte, wenig später stand sie mit ihrer Stute Green Tea ebenfalls neben uns am Anbindeplatz. Einer der Pfleger beschäftigte sich bereits mit dem Isländerhengst Uprising der nun bald eingeritten werden sollte. Die einfachen Dinge des Longierens hatte der nette Hengst bereits begriffen, eine Trense trug er ebenfalls schon. Um ihn nicht zu überfordern wollten wir mit dem Sattel und dem Reitergewicht noch ein wenig warten, doch im Grunde machte sich Uprising besonders gut. Desweiteren gefiel es mir zu sehen wie er und mein Dülmenerhengst Sturmwind einander zu gefallen schienen. Vielleicht lag dies daran, dass beide Hengste erst neu auf dem Hof waren. Nachdem die Pferde alle gesattelt waren machten wir uns zu dritt auf den Weg zum Platz, dort begannen wir zunächst recht unabhängig voneinander unsere Pferde warm zu reiten. Später als wir gemeinsam ritten hatten wir viel zu lachen, korrigierten einander und sprachen über all die möglichen Dinge die noch vor uns lagen oder getan werden mussten. Aiden war noch nicht ganz mit dem Ausmisten der Ställe fertig weswegen sie den Zaun noch nicht erledigt hatten, dafür hatten sie aber Nymeria und Noomie von der Jungpferdeweide geholt. Als Cayden sich nicht sicher war ob er das Tor geschlossen hatte zur Futterkammer gab er Willow einen ordentlichen Stupser in den Bauch, verließ im Galopp den Platz und ich schaute ihm Kopfschüttelt mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach. Auch Kathi musste ein wenig lachen, fragte bald darauf ob wir nicht ein paar Cavaletties mit aufbauen wollten. So stieg ich von Varulvs Rücken, stellte die ersten beiden an den Rand und eines etwa in die Mitte des Platzes. Etwa zur selben Zeit kehrte auch Cayden zurück – er hatte das Tor zwar nicht verschlossen, jedoch hatte Aiden daran gedacht und so waren die vorwitzigen Shettys nicht in die Futterkammer gelangt. Somit gesellte sich auch Cayden zu den Sprüngen hinzu. Bald darauf musste ich jedoch schon wieder hinunter vom Pferd, da mein Besuch nun bald auftauchen würde. Während ich nun Varulv also absattelte, ihm einen Eimer hinstellte und derweil bereits Scylla von der Koppel zu holen – dauerte bei der Größe der Wiesen auch „nur“ eine Viertelstunde, der Rückweg konnte zumindest auf dem nackten Rücken der Stute zurück gelegt werden. Dann brachte ich fix den Rapphengst Varulv noch auf die Wiese, dort wurde er bereits von meinem Wish Sehnsüchtig erwartet. Wish hatte heute eine Pause, denn er hatte erst vor zwei Tagen einen langen Ausritt zusammen mit Cayden und mir unternommen. Cayden war dabei meinen neuen alten Hengst Cap geritten, damals hatte ich ihn bereits einmal in meinem Besitz, seit nunmehr vier Tagen stand er wieder bei mir. Cap hatte sich schön in die Hengstgruppe integrieren lassen und zeigte ein vorbildliches Verhalten, sodass auch er heute eine Pause einlegen durfte. Ich wollte sie, falls es die Zeit denn dann noch erlaubte später vielleicht noch ein wenig auf dem Platz laufen lassen, anderseits mangelte es ihnen auf den Wiesen nicht unbedingt an Bewegung, da das Heu oben verfüttert wurde, die Tränke sich jedoch weiter hinten in den Hügeln befand hatten die Hengste immer eine bestimmte Strecke zurück zu legen. Auf dem Rückweg erwartete mich bereits Julie, in der Eigeninitiative hatte sie bereits begonnen Scylla zu putzen. Mit einer Umarmung begrüßten wir uns einander, während ich ihr ein wenig von der jungen Stute erzählte, doch im Grunde sollte es mit Scylla keine weiteren Probleme geben. Erst am Vortag hatte ich mich der jungen Stute beschäftigt, denn bald wollte ich auch erste Springturniere mit Scylla gehen. Vom Longieren kannte die Schimmelstute bereits die Trabstangen, sodass die kleinen Hindernisse für sie keine weiteren Probleme dargestellt hatten. Wir unternahmen nur einen ersten Spaziergang, da sowohl Julie als auch ich nicht viel Zeit hatten. Im Grunde zeigte ich ihr nur wo alles war, hatte ihr gezeigt wie Scylla gern gekrault wurde und wir hatten besprochen was sie alles mit ihr vor hatte. Da ich Julie schon lange kannte, machte ich mir da weniger Sorgen, ihr vertraute ich Scylla nur zu gern an.
      Gegen Abend unternahmen wir dann noch alle einen schönen Ausritt, ich saß dabei auf dem Dülmenerhengst Sturmwind, Cayden hatte sich für Stormwind entschieden. Kathi gesellte sich auf dem Schimmelhengst mit der eigenwilligen Narbe dazu, Gwynnbleid war im Allgemeinen eine imposante Erscheinung. Um Finlay eine Pause zu gönnen von seinen Pflichten entschied Aiden sich für den etwas in die breite gegangenen Highlandhengst. So mit der ganzen „Familie“ in den Sonnenuntergang der Highlands zu reiten hatte etwas unheimlich entspannendes, auch kleine Galoppstrecken bauten wir ein, die Wettrennen die dabei entstanden waren immer mit dem selben Ergebnis – Gwynnbleidd gewann die Sache haushoch. Dahinter tauschten Stormy, Sturm und Finlay öfters die Plätze, nach mehr als drei Stunden – bereits im Dunkeln kamen wir zurück. Kathi und ich sagten den Jungs sie sollten die Pferde uns überlassen, mit wenigen Handgriffen war dieser Teil erledigt, jeder bis auf Finlay erhielt sein Futter. Danach brachten wir alle Hengste wieder auf ihre Wiesen, mit dreckigen Sachen huschten wir an den Jungs vorbei entledigten uns den Reitklamotten, wuschen uns ein wenig ehe wir aus der Küche alle Sachen für den Lagerfeuerabend hervor kramten. Neben ordentlich viel Gemüse, etwas Obst und dem Fleisch für die „Kerle“ hab es auch Marshmalows für uns alle. Aiden hatte aus dem Stall das Radio geholt, steckte den Musikstick hinein…bei den Klängen von Saltatio Mortis im Hintergrund ließen wir einen ereignisreichen Tag auspendeln. Dabei durfte gute Musik, Freunde und ein guter Met natürlich nicht fehlen! Im Flackern des Feuers war meine Zeit auf Heartland beinahe vergessen…hier lag nun mein neues Leben. Nach zwei Monaten hier fühlte ich mich endgültig angekommen.

      ,,Ein weiterer Schritt nach Vorn'' - Medy
      Es beginnt schon zu dämmern und der Tag neigt sich zu Ende, als ich nochmals bei meinen Kleinen vorbeischaue. In dieser Woche haben wir wieder Neuzugang gekriegt, drei wundervolle Shettys, gekörte. Also wirklich ein grosser Schritt weiter, ich hab mich echt riesig gefreut, als Eddi bei uns angerufen hat und mich gefragt hat, ob ich denn die Süssen bei mir aufnehmen will. Natürlich hab ich sofort zugesagt und so sind sie vor fünf Tagen hier eingetrudelt. Noch haben wir die drei nicht ganz zu der grossen Herde gelassen, sondern einfach nur ein Bruchteil und unter Aufsicht, wir wollen ja schliesslich nicht, dass sie sich verletzten. Window versteht sich wunderbar mit den anderen Hengsten und auch Mondscheinsonate und Werina haben nur ein wenig gequietscht, als wir sie mit den anderen Stuten zusammen liessen. Soweit also alles gut. Wir selber haben uns in Tschechien mehr oder weniger eingelebt, jedoch sind wir alle noch ziemlich mitgenommen und müde. Ich hole mir einen Schemel und lasse mich darauf nieder, währendem ich meinen Lieblingen zuschaue, wie sie ihr Heu vertilgen. Schmunzelnd erinnere ich mich, als ich Pancake anschaue, wie er sich gestern so gefreut hat. Ich haben ihn auf einen Ausritt mitgenommen, als Handpferd, neben auf Punisher. Trotz des gewaltigen Grössenunterschieds war er so schnell wie das Kaltblut, wenn doch nicht schneller. Und er ermüdete auch nicht, als wir ihn Galopp übergingen. Er ist halt einfach eine richtige Sportskanone. Gähnend stehe ich dann wieder auf, streiche mir meine Haare hinters Ohr und gehe noch hie und da einige Köpfchen kraulen, dann verlasse ich die Shetlandponies. „So, dann geht’s noch zu meinen Grossen“, murmle ich vor mich hin und mache einen kurzen Abstecher zu den grossen, aber sanftmütigen Riesen. Mrs. Flauschig hat sich gut gemacht bei uns, an der Longe hat sie neulich auch ganz viel Freude gehabt, sowie Yolo. Sile prustet mich an, als ich bei ihm zu stehen komme. „Hallo mein Hübscher“, begrüsse ich ihn leise, ehe ich dann zu den anderen weitergehe. Wieder schaue ich den Grossen zu und kraule sie, geniesse einfach ihre Gegenwart. Und nochmals muss ich gähnen. „Ich bin echt müde, was“, meine ich lächelnd zu Muffin, welche mir gegenüber steht. Als ich wieder nach draussen gehe, kommt mir gerade Vina entgegen. „Heii“, begrüsst sie mich, „ich hab gerade Felix einen Besuch abgestattet. Milka übrigens ist ziemlich müde noch von vorgestern, ich glaube, das hat ihr echt gutgetan“ Grinsend nicke ich, mit Milka habe ich im Springen trainiert und dies war ziemlich anstrengend. „Ich muss glaub noch bei Enpri und den anderen vorbeischauen, nicht dass er wieder etwas kaputt gemacht hat“, meine ich lachend zu Vina und wir verabschieden uns kurz. Im Privattrakt angekommen, strecken sich sofort zwei Köpfe über die Boxentüren. Paradolia und Melo, die beiden Unzertrennlichen. „Na hallo“, grinse ich sie an und gebe ihnen ein Pferdeleckerchen. Enpri nebenan dreht mir demonstrativ den Arsch zu und legt die Ohren an. „Ich dich auch, Enpri“, lache ich leise, um ihn nicht zu provozieren. Wieder einmal nehme ich mir fest vor, dass wenn ich dann irgendeinmal bei ihm vorbeischaue, er sich nicht wegdreht, sondern mich begrüsst. Dass er dann wieder Vertrauen zu den Menschen hat. Aber bis dort ist es noch ein langer, ein sehr langer Weg. „Aber nicht unmöglich, oder was meinst du Enpri?“, frage ich den Hengst vorsichtig. Noch eine Weile stehe ich einfach da, ehe ich mich dann abwende und mich von den Pferden verabschiede. Draussen ist es nun schliesslich ganz dunkel und so mache ich mich schnell auf den Weg ins Haus.

      ,,Besuch bei Medy'' - Eddi
      Momentan ging es im Joelle-Tal drunter und drüber, und das eher zum Leid vieler. Ich befand mehr oder weniger mitten in dem Chaos drin und wurde wie ein Ball hin und her geworfen. In einer freien Minute machte ich mich dennoch auf den Weg zu medy. Ich hatte leider nicht viel Zeit, aber für einen kleinen Plausch reichte es immer. „Oh, ich muss heute noch so viel machen und heute Abend ist eine Familienfeier!“, stöhnte medy und wirkte plötzlich ziemlich müde und geschafft. Dementsprechend bot ich ihr direkt meine Hilfe an. Lächelnd dankte medy mir und gemeinsam machten wir uns auf dem Weg zum Stall. Dort war erst einmal Shetlandponys betüddeln angesagt. Ich fand diese kleinen flauschigen Knäule ja absolut liebenswert und besonders My Hope Nymeria hatte es mir sofort angetan. Wir holten sie und Lady Gina von der Weide, um beide Stuten ordentlich zu putzen und dann eine kleine Runde spazieren zu gehen. Dabei nahmen wir auch den kleinen Zwerg Songbird mit, der fröhlich neben uns her hopste und das frühlingshafte Wetter genoss. Nach den Stuten waren die Hengste Avero und Erutan Wishes an der Reihe. Auch die beiden putzten wir und gingen dann eine Runde in die Halle, um ein wenig Bodenarbeit zu machen. Es war äußerst witzig, mit zwei Hengsten gleichzeitig zu arbeiten! Nachdem die Zwerge wieder wohlbehalten auf ihrer Weide standen, durfte ich einen von medys Isländern reiten. Anfangs hatte ich ja eine regelrechte Abneigung gegen diese Rasse gehabt, aber seitdem ich selbst Besitzerin einer solchen Stute war, vergötterte ich die Isländer! Ich durfte die Stute Álædis reiten, während medy auf Uhrzeigersinn ritt und Högni als Handpferd nahm. Und so machten wir einen schönen Ausritt durch die herrliche Umgebung rund um medys Hof. Wieder da versorgten wir die drei Isländer und hatten es auch bald geschafft. „Wer nun?“, fragte ich grinsend und medy warf mir fröhlich ein Halfter zu. Bei der Größe und Masse von Barrymore's Holy Boy und Edward's Dusk till Dawn war ich erst einmal sprachlos, aber die beiden Zossen waren wirklich lieb. Wir putzten sie und ritten dann etwa eine Stunde in der Halle und dabei durfte ich die ungemeine Bequemlichkeit von Edward kennenlernen. Fünf Ponys wollten wir nun nur noch machen. Nilfhel's Kind longierte medy, während ich mit dem kleinen Little Rocketti ein wenig Bodenarbeit machte. Dann schnappten wir uns Windy Shelty, Kleiner Moritz und Wild One und gingen noch eine größere Runde ins Gelände, natürlich zu Fuß! Als wir wieder da waren, wurde es auch schon Zeit die Pferde in den Stall zu bringen und zu füttern. Dann neigte sich die Sonne auch allmählich dem Horizont zu, aber medy und ich hatten eine Stunde rausgeholt! Und so hatte medy nun noch genug Zeit sich fertig zu machen und zur Feier zu fahren.

      Pflegebericht - sweetvelvetrose (13.5.16)
      Die Sonne schiehn und es war warm Vöglein zwitscherten und man spürte einfach das Frühling war. Ich schlenderte über den Hof und überlegt mit wem ich heute was machen könnte der jnge Hengst Ironic stand auf dem Paddock und schaute mich spitzbübich an er würde Bald in sein neues Zuhause um Ziehen wo er seiner rasse gerecht trainiert und ausgebildet wird hier unter den Arabern würde er auf dauer nicht glücklich werden wobei er ja einen Narren an Casanova gefressen hat dieser stand zur Zeit auf der gemähten Apfel weide bzw ehere Garten aber genau Richtig für den kleinen Kerl er hatte aktuell gesellschaft von noch einem Shetty Hengst dieser kam mit einer Stute zusammen auf den Hof die stute stand jetztz mit Magical meinem neuen tinker auf der Mittleren weide zum eingewöhnen die Araber Stuten waren alle saamt auf der großen sommer weide mit Unterstand die Mädels würde ich aktuell nicht stören esseiden eine der Ladys soll gedeckt werden doch aktuell war die nachfrage nach Arabern sehr gering wie überhaupt nach Fohlen, somit haten die Stuten erstmal Pause.
      Die Hengste standen in 2 Gruppen auf den Kppeln da esi n der ganz großen Gruppe häufig zu Keilereien kam musste ich sei aufteilen so war aber aktuell Ruhe Duke stand mit Ashqar und Amor und dne beiden JungHengsten Bahar und Shamal zusammen.
      Ich entschied mich meinen geliebten Hengst Duke zu holen und auszureiten das Wetter war einfach zu verlockend vielleicht nehm ich Amor als Handpferd mit ? oder Bahar ja Bahar würde es werden ich holte beide von der mittleren Koppel und stellte sie am Putzplatz ab. Nach einer Hlben studne hatte ich beide geputzt Duke gesattelt udn getrenst und Bahar auch die Trense an geszogen seit langem würde der Junge Hengst mal wieder rauskommen da war mir nur das Halfter dann doch zu unsicher.
      ich sitieg auf und Ritt los in Richtung kleinem Gebirege dort gab es eine leicht ansteigende galopp strecke dort wurde ich sicher mal galoppieren können ohne das Beide in Raserei verfallen.
      nach gut 2 Stunden kam ich mit zwei geschwitzen aber Glücklichen Pferden wieder zurück duschte beide ab und entlies sie wieder auf die Koppel Wo sie erst mal Lustig rum Bockten udn sich im Sand wälzten.
      für heute war ich jetzt erst mal fertig die Stall PFlege machte heute der Simon bzw er war schon fertig morgen würden wir einen Heuballen bei den Stuten vorbei Bringen.
      Über die webcam kontoleierte ich ob es allen gut ging und schloss dann das reiter stübchen ab und ging ins Haus die Hunde brauchten noch ihr fressen.
      udn ich hatte mitlerweile auch Hunger.

      Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
      19. Juli 2016 | 64.097 Zeichen | (c) Canyon
      Nevada, USA - 19:37
      Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, als ich von der Red Rock Road auf den Scenic Loop Drive abbog. Trotz des frischen Westwindes von Kalifornien, arbeitete der ältere und von einer dicken Staubschicht bedeckte Jeep unter mir, als würde er jeden Augenblick den Geist aufgeben. An dieses Geräusch hatte ich mich mittlerweile gewöhnt, es war normal, vor allem bei dieser Hitze. Selbst in der Nacht sanken die Temperaturen nie unter 70 Fahrenheit, wie man hier auf diesem Kontinent so schön zu sagen pflegte.
      Links von mir tauchte nun der Pine Creek auf, welcher mich ein kleines Stückchen begleitete, bevor sich unsere Wege trennten. Mittlerweile kannte ich mich hier aus, lange hatte es nicht gedauert. Mit dem Auto oder zu Pferd, ich hatte mich an meine neue Heimat gewöhnt.
      Als sich der Scenic Loop in einem Bogen Richtung Norden wand, bog ich auf die kleinere Rock Gap Road ab. Ich merkte den Einkauf im Kofferraum, als die steinige Straße leicht bergauf ging und ich konnte mich mit all dem Eingekauften schon am verlassenen Straßenrand stehen sehen. Zum Glück würde ich nicht allzu schnell verhungern und erfrieren konnte man hier ja zu dieser Jahreszeit ebenfalls nicht. Da wir maximal einmal pro Woche in die berühmte Großstadt Las Vegas fuhren, um für die nächsten Tage Vorräte einzukaufen, war der Jeep entsprechend voll.
      Kurze Zeit später ging es dann für mich auf die La Madre Spring Road und von da aus waren es nur noch einige Meter bis zu meinem Ziel.
      Addison Moore hatte wenig freie Zeit, davon hatte ich mich in den letzten Monaten selbst überzeugen können, weshalb ich etwas überrascht war, als ich ihn und seinen treuen Gefährten Cerberus auf der Terrasse des Ranchhauses sitzen sah. Ich sah ihn nur kurz, bevor ich den Jeep etwas weiter unter den Bäumen parkte, doch sein Blick ging in die Ferne und verschwand dann in den rötlichen Felsen des Canyons.
      So gekonnt wie ich es mir vor kurzer Zeit noch nicht hatte vorstellen können, parkte ich korrekt ein, bevor ich das stickige Auto verließ.
      Mit schweren Taschen bepackt ging es für mich zum Haus, wo mich nun ein aufgeregt mit dem Schwanz wedelnder Hund begrüßte. Ich nahm mir kurz die Zeit, trotz voller Arme, um den Rüden zu begrüßen. Ich wusste wie übel er es mir nehmen würde, wenn ich es nicht tat. An meinem ersten Tag auf der Ranch hatten mich die eisblauen Augen des interessant gescheckten Louisiana Catahoula Leopard Dog eingeschüchtert, doch mittlerweile hatte ich lernen dürfen, dass Ceb der tollste Hund der Welt war, wenn man Asuka außer Acht ließ und das tat ich in letzter Zeit.
      Addison hatte sich mittlerweile aufgerichtet und mir eine der Taschen von der Schulter genommen und diese nun ins Haus trug. Ich folgte ihm und mir folgte Ceb, welcher den Geruch nach frischem Essen bestimmt schon mehrere Meilen vorher gerochen hatte. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Addi meistens eher stumm blieb, denn ich wusste, wenn es etwas Wichtiges gab, dann konnte auch Addison sprechen. So lange er nicht sprach, war alles gut.
      Aus der Küche wehte mir ein warmer und angenehm riechender Duft entgegen: Nudeln mit Tomatensoße, genauso wie es vor vielen hundert Jahren bei meiner Oma geduftet hatte.
      Als ich mich nach dem Abstellen der Taschen wieder erhob, wurde ich schlagartig und stürmisch von einer jungen Frau umarmt, welche ihre kraftvollen und doch zierlichen Arme um mich schlang.
      „Mio! Eine Woche habe ich dich nicht gesehen und trotzdem so vermisst wie diese Landluft hier. Wie gut du immer noch aussiehst! Der Wahnsinn!“ rief sie mit heller Stimme in mein Ohr, sodass ich dachte gleich taub zu werden.
      „Hey Heather“, sagte ich um ein vielfaches ruhiger. „Ich wusste gar nicht, dass du heute kommen wolltest?“
      Schauspielerisch entrüstet ließ sie von mir los, verschränkte ihre Arme und spitzte die Lippen, dann wandte sie sich von mir ab, nahm ihre Tasche vom Stuhl und wollte mit den Worten: „Dann kochst du eben das Abendbrot!“, den Raum verlassen. Mit einem schnellen Griff am Arm zog ich sie zu mir zurück und schob sie zum Herd. „War doch nicht so gemeint, das weißt du ganz genau!“ sagte ich lachend. „Es ist schön, wenn du da bist und außerdem weißt du, dass ich nicht so ein Kochtalent bin wie du.“ versuchte ich ihr zu schmeicheln. Heather liebte es, wenn man ihr Komplimente machte. Sei es ihr Aussehen, eine neue Bluse oder ihre Kochkünste, sie war ganz vernarrt darauf, Lob zu bekommen.
      Addison hatte sich derweilen gekonnt aus unserer Unterhaltung herausgehalten, machte sich aber nun damit bemerkbar, dass er lautstark die Teller aus dem Schrank holte. „Ich will eure Begrüßungsrituale ja nicht unterbrechen, aber meiner Meinung nach riecht es hier etwas angebrannt.“
      Heather entfuhr ein spitzer und vor allem hoher Schrei und sie drehte sich erschrocken zum Herd um, wo die Tomatensoße gefährlich dampfte.
      „Wo sind eigentlich Chill und Buck?“, fragte ich Addison, da mir gerade erst aufgefallen war, dass die beiden Zwillinge beim Geruch von Essen noch nicht in die Küche gestürzt waren.
      „Bei Jon, sie wollen irgendein „Projekt“ für die Schule machen und da muss man natürlich auch übernachten“ kam Heather ihrem Neffen Addison zuvor. Sie hatte ihren hübschen Mund zu einem ironischen Lächeln verzogen, sah dabei allerdings immer noch so schön aus wie zuvor. Mich wunderte es schon lange, dass die hübsche Frau mit den langen blonden Locken und den grünen Augen noch immer keinen Partner gefunden hatte, obwohl sie in der Blüte des Lebens stand und dazu noch in der Großstadt Las Vegas wohnte. Aber wer weiß, vielleicht wartete sie noch auf den Richtigen.
      „Wann kommen die Beiden denn wieder?“ stellte ich die Frage in den Raum. Diesmal zuckte Heather nur mit den Schultern, während Addison ein „Morgen“ brummte.
      „Ach Ad“, hatte Heather wieder etwas beizutragen „Man denkt du bist schon in Rente und hast einen Bart bis auf den Boden, dabei bist du gerade erst Anfang dreißig. Versuche jedenfalls, deinen Mund etwas weiter aufzumachen, glaube mir, das geht!“ maßregelte Heather Addison, bevor sie sich wieder dem Essen zuwandte. Ich ließ mich gegenüber von Addison, welcher sich am Tisch niedergelassen hatte, auf einen Stuhl gleiten und sah gerade noch, wie der sonst so emotionslose Addison seiner Tante ein belustigtes Lächeln schenkte, was sie natürlich nicht sehen konnte.
      Ich weiß, Charly hörte es nicht gerne, aber Nevada war meine neue Heimat.

      Buskerud, Norwegen – 12:37
      [...]

      Nevada, USA – 04:55
      Die Arbeit auf einer Ranch war jeden Tag aufs Neue schweißtreibend und anstrengend, aber es war die beste Arbeit, die ich je getan hatte. Ich hatte schon so einiges gemacht, vom Pizzaliferanten, über Kellnerin bis zur Trainerin, aber noch nie, noch nie habe ich so das Gefühl gehabt, etwas richtig zu machen. Hier war das anders, hier war ich ich, genoss endlich mal das Leben und setzte mich für das ein, was ich schon immer gewollt hatte.
      Es hatte sich viel geändert, auch, dass ich jetzt des Öfteren mit einer Flasche Wein bis tief in die Nacht auf der Terrasse saß, mir lustige Geschichten von Heather anhörte und es schaffte, ganz tief in dem Ranchleben zu versinken.
      Trotzdem begann hier der Arbeitstag viel früher und dauerte meist auch bis zum Dunkelwerden.
      So klingelte auch heute mein Wecker in aller Frühe. Draußen war es noch dunkel, allerdings würde in einer halben Stunde die Sonne aufgehen, genau dann, wenn auf der Ranch die Arbeit begann.
      Ich hatte im Haupthaus, einem altertümlichen Ranchgebäude, ein kleines Zimmer für mich. Es lag in der hintersten Ecke des Dachbodens und jeder der Dielen kündigte durch lautes Quietschen Besuch an.
      Aus Südfrankreich hatte nicht viel den Weg hier her gefunden und so war das Zimmer spärlich eingerichtet, was mir allerdings recht so war. In den letzten sechs Monaten hatte ich gelernt auf alles zu verzichten, was ich nicht unbedingt brauchte.
      Einmal in der Woche war Waschtag, da wurde die Arbeitskleidung der letzten Woche gründlich gereinigt, bevor sie dann wieder eine Woche getragen wurde.
      So zog ich auch heute meine Jeans, ein Top und darüber, zum Schutz vor der Sonne, ein weites helles Hemd an. Vor allem ich mit meiner hellen europäischen Haut war gerne der erste Angriffspunkt böser Sonnenstrahlen.
      Es war Samstag und trotzdem saß Addison bereits am Tisch, als ich die Küche betrat, und schlürfte seinen morgendlichen Kaffee. Ich ließ mich ihm gegenüber auf den Stuhl sinken, zog eine Tasse zu mir heran und goss mir die schwarze Brühe in die Tasse, bis nichts mehr reinpasste. Auch das hatte sich verändert. Kaffee war früher nur ein ekliges Getränk gewesen, welches nur mit reichlich Milch und Zucker schmeckte. Jetzt war es das einzige, was mich an manchen heißen Tagen wach hielt und so war es zu meinem stetigen Begleiter geworden.
      "Was steht heute so an?" begann ich mit Addison ein Gespräch, als unserer beider Tassen fast leer waren.
      Er brauchte länger um zu antworten, schien noch zu überlegen und seine Gedanken zu versammeln, bevor er sagte: "Wichtig ist heute, dass das Wasser auf den Weiden erneuert wird. Die Wannen müssen sowieso mal wieder geschrubbt werden. Ansonsten reite ich heute gegen Mittag gen Norden zu der kleinen Herde, die wir vor wenigen Tagen entdeckt haben. Da kannst du mich begleiten, wenn du möchtest."
      Ich nickte. "Sehr gerne", meinte ich ihm Aufstehen, nahm die beiden Tassen sowie den Krug vom dunklen Holztisch und stellte beides an die Spüle. Das würde ich nachher abwaschen.
      Unser erster Weg führte uns, so wie jeden Morgen, zu einem kleinen Stallgebäude. Hier wohnten zur Zeit drei Fohlen, welche wir vor kurzem erst aufgenommen hatten. Die Fohlen waren bei Einfangaktionen, sogenannten Round-Ups, zu Tode gekommen und die drei Fohlen, welche dieses recht spät geboren waren, wären verhungert. Zum Glück hatten jedenfalls diese drei den Weg zu uns gefunden und auch wenn ihre Aufzucht die ersten Wochen viel Arbeit bedeutet hatte, so hatten sie sich schnell an Menschenhand gewöhnt und waren ein kleiner verrückter Sternenhaufen geworden.
      Bis sie an die Herde gewöhnt werden konnten, würden alle drei hier im Offenstall und später auf einer der kleineren Weiden leben.
      Der Stall hatte etwas Altertümliches, mit seinen verstaubten Holzboxen, den Strohballen in einer Ecke und jeder Menge Sättel und Zubehör, was man auf einer Ranch eben so brauchte. Der eine Teil bestand aus einer großen Box, mit genügend Platz für mehrere Pferde und einer Tür, welcher den Pferden die Möglichkeit bot, das sandige Paddock jeder Zeit zu nutzen.
      Der jüngste von den Drein war Time In A Bottle. Ein eher zurückhaltender und nachdenklicher Hengst, welcher sich mit der Gefangenschaft nicht ganz so anfreunden konnte. Der Stall war wie ein Gefängnis für ihn und selten ließ er sich drinnen blicken. Trotzdem hatte er schnell Vertrauen zu uns gefasst, was bedeutete, dass er weniger vor den Menschen Angst hatte, als vor der Enge der Box. Er war der kräftigste der Drei und verschlang bereits jetzt das meiste Futter.
      Im Gegenteil zu ihm, war Dawn eine überaus zutrauliche und anhängliche Stute, welche uns am Anfang jedoch die meisten Probleme gemacht hatte. Wenn sie nicht auf den Hänger wollte, dann wollte sie nicht und wenn sie mehr Milch wollte, dann versuchte sie das auch mit allen Mitteln durchzusetzen. Kämpferisch und engstirnig, antwortete deswegen unsere Devise.
      Der Letzte im Bunde war unser Sorgenkind gewesen. Durch irgendetwas, hatte Kwatoko bereits in den ersten Lebenstagen das Augenlicht auf der linken Seite verloren und war deswegen äußerst vorsichtig und ängstlich. Schnelle Bewegungen vertrug er gar nicht und bei ihm war es schon immer wichtig gewesen, sein Vertrauen nicht zu brechen, denn dann konnte man es nur schwer wiederbekommen.
      Addi und ich nahmen uns etwas mehr Zeit bei den Fohlen, putzten sie im trüben Licht des Stalls und holten dann unsere Milcheimer, welche, praktischerweise, einen Saugnippel besaßen und so die Zitzen einer Stute imitierten.
      Als die Arbeit im Stall beendet war, schickte mich Addison zu dem Geländewagen, mit welchem wir eine große Wasserbox zu den Weiden bringen wollten.
      Vier Wochen hatte es gedauert und ich hatte meinen Führerschein in der Tasche. Kein sinnloses Wiederholen und viel billiger als es in Europa war, hatte ich ihn mir von meinem letzten Taschengeld geleistet und mittlerweile fuhr ich, als hätte ich jahrelang nichts anderes getan. Täglich war der Jeep gefragt und vor allem die steilen und trockenen Buckelpisten waren die beste Übung für einen Einsteiger.
      Den Wassertank hatten wir bereits am Vortag mit Wasser aufgefüllt, sodass wir den Anhänger nun nur noch an den Jeep anhängen mussten, worin wir beide bereits genügen Übung besaßen. Vor allem bei den heißen Temperaturen sauften unsere Pferde die 1000l innerhalb von zwei Tagen.
      Als der Anhänger befestigt war, zog sich Addison, gefolgt von Ceberus dem stillen Begleiter, auf den Beifahrersitz und schlug die Tür des Geländewagens zu. Kaum saß er, gab ich bereits Gas.
      Ich konnte mir das immer bildlich vorstellen, wie der Jeep die trockene Steinwüste entlang preschte und hinter sich eine große Staubwolke hinterließ. Wie im Film, dachte ich dann manchmal.
      Wir hatten zwei große Weiden, unsere Stuten und unsere Hengste. Da unkontrollierte Zucht unter den adoptierten Mustangs laut BLM (Bureau of Landmanagement) nicht erlaubt war, musste unsere Hengstherde nun auf einer anderen Weide stehen, als ihre Stuten.
      Beide Weiden waren in etwa gleich groß, was bei den vielen Hektar allerdings schwer zu sagen war. Die Weiden waren sogar so groß, dass sich in der Gruppe sogar einzelne Herden abgesplittet hatten, auch wenn das richtige Herdenfeeling dank des BMI noch fehlte.
      Als Erstes führte uns unser Weg zu der Stutenweide. Die Wasserstelle befand sich hier in der Mitte der Koppel an einem etwas geschützten Platz, wo auch bei extremer Hitze das Wasser nicht zu schnell vertrocknete. In zwei großen Wannen schimmerte ein letzter staubiger Rest Wasser, Zeit, dass neues kam. Dank meines guten Auges, konnte ich zwischen einigen Sträuchern ein paar Stuten erkennen, welche schon sehnsüchtig auf neues Wasser warteten.
      "Das ist Quicksilvers Herde", meinte Addison, als er meinem Blick folgte. "Da hinten sind Valhalla und Atius Tirawa." Er deutete auf zwei auffällig gefärbte Stuten im Vordergrund. Kaum hatte er es gesagt, trat auch schon eine dritte Stute aus den Büschen hervor. Quicksilver war eine hübsch geschecktes Pferd mit zweifarbigen Augen und einem lebensfrohen und intelligentem Charakter, welche bereits, kurz nachdem sie auf der Ranch angekommen war, eine der beiden Herden an sich gerissen hatte und diese mit viel Anmut führte.
      Die Stuten hielten vorsichtig Abstand, während Addi und ich mithilfe einer Bürste die Algen und den Staub aus den Wannen kratzten, bevor wir beide mit neuem Wasser auffüllten. Als Silver und ihre Freundinnen das neue klare Wasser sahen, überwanden sie ihre Vorsicht und standen kurze Zeit später um das Wasser gedrängt. Addi und ich hatten uns etwas zurückgezogen, um die Pferde nicht unruhig zu machen.
      Auch dieses Mal wartete ich vergebens auf ein Zeichen von zwei Stuten, welche die weite Reise von Europa mit mir zusammen bestanden hatten. Anaba hatte vor wenigen Tagen ein Fohlen von Chosposi zur Welt gebracht und sich seitdem nur kurz zum Trinken blicken lassen. Laut Addison war es normal, dass die Stute die erste Zeit etwas abseits lebte, aber trotzdem machte ich mir Gedanken um eins meiner liebsten Pferde.
      Auch Flotten von Mutanten hatte die Eingewöhnung in die Gruppe gut überstanden, gehörte aber einer der Pferde an, die sich nur selten blicken ließen und eher die Nacht zum Trinken nutzten. Es war erstaunlich, was Flotte wiedereinmal für eine Veränderung durchgemacht hatte. Erst hier in Nevada war ihr richtiges Ich ans Licht gekommen und auch wenn sie immer noch nicht Reitbar war, hatte sie mittlerweile einen großen Schritt nach vorne gemacht.
      Als die drei Stuten wieder ihren Weg zurück in die Büsche einschlugen, stiegen auch Addison und ich ins Auto, denn auch die Hengste würden bereits auf frisches Wasser warten. Auch diese Wasserstelle hatten wir so eingerichtet, dass sie sich im Innern der Weiden an einem schattigen Platz befand, wo die Pferde in Ruhe trinken konnten, ohne Angst vor Menschen oder Autos haben zu müssen. Hier herrschte eine ganz andere Stimmung, denn auch wenn die Hengste zusammen auf einer Weide lebten, so machte doch jeder von ihnen eher sein eigenes Ding. Einen Anführer gab es trotzdem: Cloud besaß einen muskulösen, jedoch trotzdem zarten Körper, welcher ihm die Gabe verlieh, schnell und vor allem wendig zu sein. Auch wenn er nicht der Größte war, so hatte er doch das Sagen und die Hengste richteten sich auch nach ihm.
      Um die Senke hatten sich mehrere Pferde verteilt, geschützt von hohem Gras oder trockenen Büschen, beobachteten sie jeden unserer Schritte und als auch ihre Wasserstelle wieder mit frischem Wasser aufgefüllt war, sah ich ihnen an, dass sie alle großen Hunger hatten. Unruhig spielten sie mit den Ohren, scharrten auf dem trockenen Boden und ließen somit kleinere Staubwolken entstehen, welche von dem Westwind jedoch recht schnell weggetragen wurden.
      Addison und ich hatten uns bis zu dem Jeep zurückgezogen und warteten nun darauf, dass der Hengst auftauchte, welcher jedes Mal zuerst trank. Lange mussten wir nicht warten, denn einige Minuten später stieg ein schneeweißes Pferd die Senke herab und ließ seinen eleganten Kopf mit der langen Mähne zu den Tränken sinken.
      Nach und nach kamen nun auch die anderen Pferde hinzu, je nachdem, wie hoch ihr Rang war.
      Der nächsten war ein vollkommen brauner Hengst namens Silent Bay, welcher durch sein Alter und seiner Ruhe sich mit der Zeit einen Rang knapp unter Cloud erarbeitet hatte.
      Hinter einem gescheckten Hengst namens Frekur kam dann einer meiner Hengste, Morrigans Hidalgo und ich konnte es nicht verhindern, dass mein Herz einen kleinen Hüpfer machte.
      Nachdem er getrunken hatte, löste er sich auch aus der Herde und kam auf mich zu getrottet.
      "Hallo Hidalgo", flüsterte ich, als er seinen weißen Kopf gegen mich stieß und um eine Streicheleinheit bettelte. Vor allem bei ihm sah ich den Unterschied, den die Wildnis machte. Auch wenn seine Mähne ein einziger Knoten war, so hatte sein Körper jede Menge Muskulatur aufgebaut und seine Trägheit war vollkommen verschwunden.
      Hidalgo blieb einige Zeit bei mir stehen. In der Zwischenzeit beobachtete ich die anderen Hengste, welche nach und nach die Wasserstelle wieder verließen und ein paar Nachzügler kamen, um zu trinken. Darunter war eine kleine Junghengstbande, in welcher ich drei weitere Pferde von mir erkennen konnte. Nicht nur Varys und Imagine There´s No Heaven, auch der neuere Triumph, hatte sich perfekt in die Herde eingegliedert und so waren alle drei zu stattlichen Junghengsten geworden, welche ihr Leben in allen Zügen genossen.
      Als es für uns Zeit wurde aufzubrechen, kraulte ich Hidalgo ein letztes Mal hinter den Ohren, bevor ich wieder hinter das Steuer des Jeeps stieg und vorsichtig das Auto samt Anhänger wendete und zurück zur Ranch fuhr.
      Mittlerweile war die Sonne vollständig aufgegangen und erwärmte die Erde jede Sekunde mehr. Heute Mittag würde die Sonne die Erde so erhitzt haben, dass man barfuß nicht mehr laufen konnte.
      Zurück auf der Ranch sah ich als erstes Heather, welche gerade die Tür des Haupthauses hinter sich zuzog und die Verandatreppe herunter hechtete.
      "Guten Morgen Heather!" rief ich aus dem offenen Autofenster, bevor ich es auf dem Parkplatz neben dem Haus abstellte und Addison und ich aus dem Auto stiegen.
      "Ach Gott sei Dank, ich treffe euch noch", war Heather erleichtert. "Ich wollte gerade nach Las Vegas und Chill und Buck abholen, außerdem muss ich gleich darauf zur Arbeit. Ich komme wohl erst nächste Woche wieder und wollte euch noch verabschieden." erzählte sie in solch flottem Tempo, dass selbst ich Probleme hatte hinterher zu kommen. Dann umarmte sie mich kräftig, bevor sie das gleiche auch bei Addison tat. "Wir werden uns nachher wohl nicht sehen, ich schmeiße die Jungs nur raus und fahre gleich wieder. Ich werde sowieso zu spät kommen!"
      Sie rannte zu ihrem kleinen Roten, winkte uns nochmal hektisch zu, bevor sie in einem Affenzahn von der Ranch düste, den man ihr gar nicht zugetraut hätte. Ich grinste ihr hinterher und merkte gar nicht, dass mich Addi von der Seite beobachtete.
      "Du magst sie wirklich, oder?", fragte er und ich nickte nur erstaunt. Solche Gespräche mit Addi waren selten, Gespräche über Gefühle und Vergangenheit. Mir war das meist nur recht, auch ich wollte das Geschehene hinter mir lassen, aber trotzdem vermisste ich es manchmal, mit jemanden darüber reden zu können.
      Addi sprach weiter. "Sie ist wirklich eine Gute. Ich hätte das nie alles ohne sie geschafft und auch wenn sie in Vegas wohnt, so war sie bis jetzt doch immer da, wenn ich sie gebraucht habe." Plötzlich brach Addi ab, fast so, als schien er sich bewusst geworden zu sein, dass das nicht sein Stil war, über so etwas zu sprechen, und wendete sich zum Haupthaus um. "Kommst du? Ein kleines Frühstück wartet auf uns. Ich habe Hunger."

      Norwegen, Buskerud - 14:49
      Als ich zurück im Stall ankam, hatte er sich in der kurzen Zeit meiner Abwesenheit wesentlich gefüllt. Ich traf nicht nur Nico, welchem ich allerdings keines Blickes würdigte, sondern auch noch die junge Torun, sowie unsere beiden weiteren Hofbewohner Malte und Petyr. Malte und Petyr leiteten zusammen einen Ausbildungsbetrieb und waren so recht viel auf Achse. Wenn sie allerdings auf dem Hof anzutreffen waren, packten sie immer mit an. Auf ihre Hilfe war immer verlass.
      Petyr sattelte gerade einen großen Friesen ab. Batman gehörte dem jungen Mann und die beiden waren genauso ein Herz und eine Seele wie Marid und Nico.
      Torun saß in der Mitte der Stallgasse auf einem Heuballen und ließ die Beine schlenkern. Sie schien mit Malte zu erzählen, welcher in eine Schubkarre Stroh auflud. Nicos blonden Schopf konnte ich in der Box von Marid ausfindig machen, um welche ich einen großen Bogen machte. Meiner Meinung nach musste er spüren, dass er übertrieben hatte.
      Ich grüßte dafür umso ausführlicher die beiden jungen Herren und dann Torun, neben welche ich mich auch niederließ.
      "Ich hoffe, ich störe euer Gespräch nicht?" fragte ich Malte, welcher aber nur abwinkte und meinte: "Ich habe sowieso zu tun, alles gut."
      Als er seine Schubkarre davon geschoben hatte, fragte ich das junge Mädchen neben mir: "Du Tori, was hältst du von einem Ausritt?" Wie ein kleines Mädchen hörte ich mich vermutlich an, allerdings hatte mich der Erkundungswillen wieder gepackt und ich wollte unbedingt noch einen weiteren Ausritt machen. Pferde hatten wir ja genügend, welche etwas Bewegung brauchten.
      Ohne mich anzuschauen, ich war dies mittlerweile gewöhnt, antwortete mir Torun erfreut. "Wirklich? Wir können zusammen ausreiten?" Ich merkte, wie das Mädchen aufgeregt mit den Beinen zu wippen begann. Ich lachte. "Klaro, und das am besten jetzt sofort! Teo hat bereits zugestimmt, es steht uns also nichts mehr im Wege. Machst du Abs fertig? Dann treffen wir uns in zwanzig Minuten vor dem Stall."
      "Oh ja!" rief Torun wie ein kleines Kind freudig und sprang gekonnt von dem Ballen. Trotz ihrer Blindheit, welche sie durch eine Impfung in jungen Jahren langsam erlangt hatte, bewegte sie sich im Stall genauso sicher wie ein Sehender. Jahrelang hatte sie von ihrem Vater Reitunterricht auf dem großen Wallach Abs bekommen und nicht nur das Mädchen, auch das große Pferd hatten sich auf die Situation eingestellt und bei kaum etwas brauchte Torun nun noch Hilfe. Sie bewies es, in dem sie gezielt eine der hinteren Box anstrebte und dort den Riegel zur Seite schob. Sofort kam eine dunkle Schnauze hervor geschossen, welcher ihr ins Gesicht schnaubte. Ich freute mich für das Mädchen, welches trotz ihrer Behinderung ihr Leben genießen durfte.
      Ganz unbewusst hatte auch ich mich vor ein Problem gestellt: Welches Pferd sollte ich reiten?
      Ich sprang vom Ballen herunter und ging dann zu einer der Boxenseiten. Mit einer Hand strich ich an den Boxenwänden entlang, schaute in jede rein und überlegte mir ganz genau, ob ich nicht dieses Pferd reiten wollte. Viele der Pferde gehörten gar nicht uns, sondern Petyr oder Malte, sodass gar nicht mehr ganz so viele übrig blieben.
      Bei Jeanies Box blieb ich länger stehen, allerdings nur, um die kleine Jelda zu bestaunen, welche auf dem Boxenboden lag und sich genüsslich entspannte. Rechts und links von Jeanie und Jelda standen die beiden kleinen Ponys Excelsior und Braum van Ghosts. Excelsior sah sich als Ersatzvater und der junge Braum schien seit seiner Ankunft vor wenigen Monaten in die Stute verliebt zu sein. Leider sollte er erstmal ein Hengst bleiben, sodass wir ihm nicht die Ehre hatten erweißen können, mit der Stute zusammen auf einer Weide zu stehen.
      In den nächsten Boxen standen die großen Barockpferde Petyrs. Flame, Ezio, Esmeralda, Fenicio, Wild Cherry, El Montino und die kleine Sacarina. Alles wunderschöne Pferde, aber ganz bestimmt nicht das Temperament, welches mir zusagte. Da gefielen mir die beiden Friesenhengste Xinu und Batman schon viel besser, welche gleich daneben standen.
      Nach diesen Pferden kamen ein paar Boxen mit Jungtieren. Tysbe, Scion d'Or, Aspantau und Sleipnir.
      Bei dem etwas langsameren Leiðtogi sagte mein Gefühl auch nein und die beiden Vollblutstuten Grenzfee und Teufelstanz waren auch nichts für einen gemütlichen Ausritt mit Torun. Na super. Entweder war ich zu wählerisch oder wir hatten zur Zeit wirklich kaum Pferde zum Reiten. Ocarina of Time konnte ich zur Zeit auch vergessen und der Rest der Pferde waren kleine Shetlandponys, welche vor allem zum Fahren ausgebildet worden waren.
      Erst in den letzten beiden wurde ich fündig. Ich hatte mich lange davor gesträubt, eine der beiden Stuten zu reiten, denn nie hatte sich wer anders auf die zarten Tekkiner gesetzt, als Shadow. Er hatte seine Liebe für die orientalischen Distanzpferde entdeckt und so hatten wir es nicht übers Herz gebracht, die beiden Stuten zu verkaufen.
      Im Gang entdeckte ich eine vereinsamte Putzbox, welche ich mir gleich als mein Eigentum annahm und aus dieser das benötigte Putzzeug für Charelle herausholte.
      Nelly, wie sie immer Fürsorglich von Shadow genannt worden war, betrachtete mich etwas skeptisch, wahrscheinlich hätte sie nicht erwartet, dass ausgerechnet ich sie reiten wollte. Trotzdem blieb sie ruhig. Sie hatte sehr an Shadow gehangen und vor allem die ersten Wochen waren so für sie überhaupt nicht einfach gewesen.
      Ich war gerade dabei den linken Vorderhuf von Nelly vom Dreck und Mist zu säubern, als jemand zaghaft gegen die Boxentür klopfte. Ich ließ Nellys Huf fallen, richtete mich etwas ungelenkig auf und wischte mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Zum Friseur musste ich dringend auch mal wieder.
      "Hey du, möchtest du noch einen Ausritt machen?" Nicolaus stand an der Boxentür angelehnt und beobachtete mich etwas bedrückt, so als würde er es wirklich bereuen.
      Ich nickte. "Ja, etwas dagegen?" Ich machte mich bereits bereit für einen Gegenangriff, doch Nico schüttelte nur stumm den Kopf und griff dann zu meiner Hand. Erst hatte ich das Bedrängnis mich befreien zu müssen, Nico hielt diese jedoch standhaft fest und so gab ich schnell nach.
      "Nein überhaupt nicht. Du hattest Recht, ich habe übertrieben. Das wird nicht wieder vorkommen. Ich lasse dir von nun an deine Freiheit, versprochen!" sagte er und ich sah, wie eine kleine Träne in seinen Augen schimmerte.
      In diesem Moment überwältigte mich das Gefühl, ihn ganz fest umarmen zu müssen und das tat ich auch. Er schien erstaunt, dass ich ihm so schnell vergab, aber ich brauchte ihn, ich brauchte ihn vor allem jetzt und auch wenn ich vor kurzem noch si getan hätte, als wäre ich taff genug, so hatte ich immer irgendwo gewusst, dass ich ohne ihn nicht konnte.
      Nico erwiderte meine innige Umarmung und schien genauso erleichtert wie ich, dass wir das geklärt hatten. Wahrscheinlich hätten wir hier in der Boxentür auch noch einen weiteren Tag so gestanden, wenn uns nicht ein lautes: "Du hast ja noch gar nicht gesattelt Charly!" abrupt auseinander hätte fahren lassen. Torun stand neben uns, hatte sich wahrscheinlich so langsam angeschlichen, dass weder ich noch Nico diese mitbekommen hatten.
      "Woher weißt du das?" fragte Nico sie etwas erstaunt. Schon immer hatte er sich vieles nicht erklären können, was Torun alles schaffte. Immer wieder hatte er mich am Anfang gefragt, wie sie es schaffte, sich jeden Tag aufs Neue perfekt kombiniert anzuziehen und nicht mit gestreiften Hosen und einem gestreiften Hemd im Stall aufzukreuzen.
      Torun zuckte mit den Schultern. "Das merke ich", meinte sie nur. "Kommst du etwa auch mit?" ging ihre Frage an Nico. Dieser blickte mich kurz fragend mit großen Augen an und da konnte ich nicht anders, als zu nicken.
      "Ja, komme ich."

      Ein paar Minuten später standen wir zu dritt vor dem Stallgebäude. Nico hatte nicht lange mit sich fackeln lassen uns sich für die andere Stute von Shadow entschieden, April Rain.
      Torun ritt wie immer ihren Abs, einen großen Mix, welcher fast das größte Pferd im Stall war. Dafür war Abs das perfekte Pferd für Torun. Ruhig, gelassen und voller Verständnis für seine blinde Freundin. Perfekt mit einem bequemen Wanderreitsattel gesattelt stand er da. Torun hielt seine Zügel in der Hand und wartete darauf, dass man ihr in den Sattel half. Der aufmerksame Malte ließ deswegen seine Schubkarre stehen und ging zu Torun, welche seine Hilfe gerne in Anspruch nahm.
      Malte Tordenværson, ein junger Schwede, welcher bereits in jungen Jahren mit seinem Freund Petyr Holmqvist einen Ausbildungsbetrieb eröffnet hatte und seitdem um die ganze Welt reiste, um Pferde zu trainieren.
      Malte hatte das Aussehen eines Winkingers, blonde Haare, an den Seiten leicht gestutzt und den Rest mit einem Lederband zusammengebunden. Sein blonder Bart, war das ein Zehntagebart?, war stets gut gestutzt und saß immer perfekt.
      Wenn er nicht gerade Pferde trainierte, war er mit seinem schwarzen Wolfshund Geri unterwegs, oder kümmerte sich um seine Zackelschafe. Ja, Zackelschafe. Eine gefährdete Rasse, welche vor allem für ihre langen Hörner bekannt waren. Die kleine Herde stand einige Kilometer weiter auf einer Weide und dort durften sie ihr Leben genießen.
      Auch Nico und ich zogen uns, nachdem Torun sicher saß, in unsere Distanzsättel. Ich dankte Malte mit einem kurzen Nicken, bevor wir uns zu dritt vom Hof bewegten.
      Auch wenn man es nicht glaubte, auf dem Pferd bewegte sich Torun noch sicherer, von ihrer Blindheit war hier kaum noch etwas zu spüren.

      Nevada, USA - 10:49
      Nach einem gemütlichen und ausführlichen Frühstück, zogen Addison und ich unsere Stiefel wieder an und liefen zu zwei Weiden, welche etwas versteckt hinter dem Haus lagen. Auf jeder dieser Weiden standen nur zwei Pferde, zwei Hengste und zwei Stuten. Einen der Hengste kannte gut, besser gesagt sehr gut. Mein Chosposi. Cho teilte sich die Weide mit einem hübschen Hengst namens Apokalypse. Die Weiden lagen gleich nebeneinander, waren nicht so groß wie die der anderen Pferde, boten jedoch trotzdem genügend Platz, um sich frei bewegen zu können.
      Auf der anderen Weide standen die beiden Stuten. Beide waren Rappschecken, vom Charakter her aber extrem unterschiedlich. My Canyon war das private Pferd von Addison. Bereits vor vielen Jahren hatte er die verängstigte und verletzte Stute bei sich aufgenommen und mit viel Mühe zu dem Reitpferd gebracht, welches sie jetzt war. Candy, wurde sie zärtlich genannt. Die andere Stute fiel vor allem durch ihr überaus blaues Auge auf, aber auch durch ihren aufdringlichen und anhänglichen Charakter. Battle Cry und Apokalypse waren die beiden Pferde von Addisons Söhnen. Mit ihnen zusammen hatte er die Mustangs gezähmt und man glaubte es kaum, aber Buck und sein Apo und Chill und seine Cry waren so feste Freunde, wie man es wohl nicht ganz so schnell finden würde.
      Alle vier Pferde erwarteten uns bereits, als wir die Halfter von den Pfosten nahmen. Ich öffnete das Gatter zur Hengstweide, Addi das Gatter zu den Stuten. Apo bekam von mir eine ausführliche Begrüßung, bevor ich mich meinem Chosposi zuwandte. Ich hatte ihn mir als Reitpferd ausgesucht, weil ich wusste, dass ich ihm vertrauen konnte. Zärtlich strich ich ihm das Halfter über die Ohren und führte ihn dann von der Weide. Auch Addi hatte seine Candy aufgehalftert und zu zweit führten wir die beiden dann zurück zur Ranch.
      Nachdem beide Pferde gesattelt waren, stiegen wir auf und Addi führte mich von der Ranch hinunter in die verzweigte Landschaft des Red Rock Canyons.
      Erst vor einigen Tagen hatten wir bei einem unserer Rundfahrten eine neue kleine Herde wilder Mustangs entdeckt, welche wohl noch nicht allzu lange bei uns in der Gegend weilte. Addison wollte nun die Pferde zählen, sowie Aufzeichnungen machen, wer sich alles in der kleinen Herde befand.
      Cho und Candy waren mittlerweile ein eingespieltes Team und auch Addi und ich hatten gelernt, zusammenzuarbeiten.
      Als wir das schroffe Gebirge des Canyons verließen und auf dem trockenen Boden der Wüste weiter ritten, war ich froh, mir vorhin nicht nur jede Menge Sonnencreme ins Gesicht geschmiert zu haben, sondern auch den überaus praktischen Cowboyhut auf dem Kopf zu haben.
      Nachdem wir einiger Zeit einem kleinen Trampelpfad gefolgt waren, parierte Addi in den Stand durch und gab auch mir das Zeichen zum Anhalten.
      "Siehst du da vorne?" flüsterte er und reichte mir ein kleines Fernglas. Gut gedeckt von trockenen Büschen, standen drei braune Pferde einige hundert Meter vor uns.
      Ich nahm das Fernglas entgegen und versuchte die Pferde zu erkennen.
      "Das sind nur drei Junghengste", meinte ich, als ich Addison das Fernglas zurückgab. "Die scheinen zu keiner Herde zu gehören."
      Auch Addison warf einen Blick durch das Fernrohr, bevor er nickte und es wieder zurück in seine Tasche steckte. "Hast recht, das ist nur die kleine Junghengstherde."
      Einen kleinen Bogen schlagend umritten wir die drei Mustangs, um diese nicht zu stören. Wir hielten uns weiterhin nach Norden und achteten angestrengt Ausschau, nach einer Herde.
      "Vielleicht sind sie bereits weitergezogen", meinte ich Addi, als wir einen der westlichen Ausläufer des Canyons erreichten.
      "Gut möglich, aber es wäre seltsam, wenn sie ihren Weg so schnell fortgesetzt hätten. Wir reiten etwas weiter in den Canyon, vielleicht haben sie dort nach Schutz gesucht."
      Die Mittagssonne prallte auf uns und unsere Pferde und so war es recht angenehm, als die großen Wände und Steinfelsen des Red Rock Canyons uns etwas Schatten spendeten. Die Pferde waren die langen Touren durch den Canyon bereits gewöhnt und trotzdem hatten sie mit der Hitze arg zu kämpfen.
      Addison schien die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, dass wir die Herde noch finden würden, als ich einige Bewegungen hinter einigen Steinen vor uns entdeckte. Das Tal, durch welches wir ritten, führte einen kleinen und fast ausgetrockneten Bach mit sich und so war es nicht verwunderlich, dass die Herde sich hier verstecken könnte. Diesmal gab ich Addi das Zeichen zum Stehenbleiben und deutete langsam auf einige Mustangs, welche im Schatten eine Mittagspause eingelegt hatten.
      "Das müssen sie sein." flüsterte Addi, bevor er sich aus dem Sattel von Candy gleiten ließ. Die Stute blieb ruhig stehen und Addi machte sie wie immer nicht die Mühe, seine Stute anzubinden. Schon immer hatte ich das Vertrauen bewundert, welches der Mann in seine Pferde hatte.
      Auch ich kletterte vorsichtig aus dem Steigbügel, überlegte kurz, was ich mit Cho tun sollte und schenkte ihm dann mein Vertrauen, dass auch er sich nicht aus dem Staub machen würde, bevor ich Addi langsam folgte.
      Addi bewegte sich still und langsam voran und trotzdem blieb er aufrecht. Die Pferde mussten merken, dass wir uns nicht anschlichen, also nichts Böses wollten. Der Wind wehte auf die Herde zu, ein kleiner Nachteil für uns, sodass die Mustangs uns schon recht früh bemerkten. Das erste Pferd, welches den Kopf hob, war ein hübscher, aber von vielen Narben gekennzeichneter Falbhengst, wahrscheinlich das Alphatier. Es blähte die Nüstern auf und ließ uns nicht aus seinem Blickfeld, machte jedoch keine Anzeichen abzuhauen. Er schien uns zu akzeptieren, solange wir nicht näher an seine Herde kamen.
      Außer dem Hengst konnte ich noch fünf Stuten erkennen, von welchen drei einen keinen Nachwuchs bei sich trugen. Auch Addison hatte sich mittlerweile auf dem steinigen Boden niedergelassen und machte sich erste Aufzeichnungen über die Herde. Aussehen, Alter und besondere Merkmale, gegliedert nach Rangordnung. Ich versuchte stetig von ihm zu lernen, denn Addison besaß ein besonderes Auge dafür, wie die Herde aufgebaut war und konnte mir genau sagen, wer von den Pferden neben dem Alphatier den höchsten Rang hatte und wer den niedrigsten.
      Einige Minuten saßen wir schweigend da und beobachteten die Pferde, bevor sich ganz unerwartet ein Jungtier von der Herde löste und auf uns zu getippelt kam. Es war erst wenige Wochen alt, war aber hübsch gescheckt mit blauen Augen, in welchen das Verlangen nach Abenteuer glitzerte.
      Einige Meter vor uns blieb es stehen, streckten den Kopf nach vorne und schnüffelte an der Hand, die ich ihm hinhielt. Das Fohlen schüttelte den Kopf, sprang ihn die Luft, drehte sich um und flitzte in einem Affenzahn zurück zur Herde, sodass ich laut auflachen musste. Addi warf mir einen warnenden Blick von der Seite zu, lächelte aber trotzdem leicht, als er sich wieder umdrehte.
      "Komm lass uns zurück, ich habe alles Wichtige." meinte Addison, bevor er aufstand und mir die Hand hinhielt. Etwas verblüfft nahm ich seine Hand an und ließ mich von ihm auf die Beine helfen.

      Als wir am späten Nachmittag zurück auf die Ranch geritten kamen, wurden wir von zwei überaus quicklebendigen Jungs begrüßt, welche nichts anderes zu tun hatten, als auf dem Hof Fußball zu spielen. Chill und Buck waren zwei Zwillinge wie aus dem Bilderbuch. Abenteuerlustig, verspielt und beide bauten des Öfteren Mist. Trotzdem waren sie so gut erzogen, wie kaum ein anderer. Sie liebten das Leben auf der Ranch und packten, trotz ihrer knappen zehn Jahre, schon mit an, wenn etwas zu tun war. Dazu konnten sie noch reiten wie ein Weltmeister und ich war mir sicher, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten würden, sobald sie alt genug waren.
      Da sie weit außerhalb wohnten, mussten sie nur dreimal in der Woche zur Schule, um dort in den wichtigsten Fächern wie Englisch und Mathe unterrichtet zu werden. Alles andere mussten sie zuhause in Eigenarbeit lernen. Zum Glück hatte Heather und auch Addison viel Ahnung von den wichtigsten Dingen, sodass beide in der Schule kaum Probleme hatten.
      Ohne das Addison etwas sagen musste, hörten die beiden auf zu spielen, als wir auf den Hof kamen und machten uns Platz, damit wir die Pferde absatteln konnten.
      "Hey Dad!" rief Chill und beide kamen auf uns zu gerannt. "Habt ihr die Herde gefunden?" Addison nickte nur und wuschelte seinen beiden Jungs durch die Haare. "Ja haben wir, das können wir euch nachher erzählen. Habt ihr Lust die beiden Pferde zurück zur Weide zu bringen? Ich mache euch in der Zwischenzeit einen Kakao, ja?"
      Ganz so begeistert schienen die Beiden nicht zu sein, allerdings nahm mir Buck trotzdem meinen Chosposi ab und Chill schnappte sich My Canyon von Addison und brachten die beiden Richtung Weide.
      Währenddessen folgte ich Addison ins Haupthaus, wo wir in einem Topf Milch für einen Kakao erhitzten. Auch ich hatte unendlich Durst und konnte es kaum erwarten, meine trockene Kehle mit etwas leckerem wie Kakao zu füllen.
      "Mio?" richtete Addi eine Frage an mich. Ich gab ihm mit einem kleinen "Mhm?" zu verstehen, dass ich ihm zuhörte. "Am Montag ist ein Vereinstreffen, da will ich Heather auch mitnehmen. Kannst du zufällig Chill und Buck zur Schule bringen?"
      Ich seufzte knapp und nickte dann aber. "Ja klar, kein Problem."
      "He", Addi stupste mich an. "Lüge nicht, es ist ein Problem für dich, aber mir fällt gerade keine andere Lösung ein. Du weißt, dass ich Heather als Journalistin brauche."
      Ich nickte. "Jaaa, ich weiß." Natürlich verstand ich ihn, aber vor allem zu dieser Jahreszeit waren die Vereinstreffen immer die spannendsten. Seit einigen Tagen hatten die vom BLM organisierten Round-Ups wieder begonnen, was bedeutete, dass wilde Mustangs mit Hilfe von Hubschraubern zusammengetrieben wurden, um dann in sogenannten Holdingfacilities auf eine Adoption zu hoffen, denn sonst endete ihr Weg wohl oder übel in einer der Schlachtereien in Kanada, Europa oder China, denn dort war es noch erlaubt, Pferden den Kopf abzuhacken.
      Mittlerweile hatten sich viele Vereine gegründet, welche gegen diese Misshandlung kämpften und natürlich war Addi seit Jahren bei einer solchen im Vorstand. Heather begleitete ihn deswegen des Öfteren, denn die Journalistin arbeitete für eine freie Zeitung, welche immer Interesse daran zeigte, über die Mustangs zu informieren. Natürlich verstand ich, warum ausgerechnet ich nicht mitkonnte.
      Addi strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte mich mitfühlend an. "Beim nächsten Mal Mio, da darfst du wieder mit, versprochen!"

      Buskerud, Norwegen - 16:29
      Der Ausritt mit Nico und Torun war, im Gegenteil zu heute Morgen, etwas ganz besonderes gewesen. Wir hatten eine andere Strecke gewählt, hatten viel erzählt und gelacht und ich hatte es tatsächlich geschafft, Nico vollends zu vergeben.
      Nelly schien endlich mal wieder losgelöst und entspannt laufen zu können und auch ihre beste Freundin April, schien den Ritt zu genießen. Abs und Torun waren, wenn der Weg breit genug gewesen war, zwischen uns geritten, um nicht vom Weg abzukommen.
      Gesund und munter waren wir so nun zurück auf dem Gelände angekommen und wurden auch schon von einem etwas gestressten Teodor und einem breit grinsenden Bartholomäus erwartet, welcher, sobald ich vom Pferd abgestiegen war, seine Hände nach mir ausstreckte. Ich machte mit Teo einen passenden Tausch, nahm ihm den kleinen Bart ab und gab die Zügel von Nelly an ihn weiter.
      Normalerweise wäre ich jetzt mit Bart zurück zum Haus gegangen, doch ich entschied mich dafür, das Tragetuch aus dem Kinderwagen zu kramen und mir den kleinen Bart recht geschickt auf den Rücken zu binden. So konnte der kleine alles beobachten und ich hatte die Hände für andere Aufgaben frei.
      Mittlerweile war es später Nachmittag und unsere Pferde traten mit den Hufen gegen die Boxentüren, denn das Verlangen nach den großen Weiden war in ihnen erweckt worden.
      Malte und Petyr waren auch noch im Stall, sodass wir uns kurz darauf zu einer kleinen Besprechung trafen, bei welcher wir klärten, wer welche Pferde auf die Weiden bringen würde.
      Zusammen mit Nico sollte es meine Aufgabe sein, unsere kleineren Pferde und die Fohlen rauszubringen, während Petyr sich der Stutenweide vornehmen würde und Malte und Teodor den Hengsten.
      Nico und ich trafen die Entscheidung, erst Jeanie und die kleine Jelda, zusammen mit California's Small Caramel Candy und der etwas zickigen Ocarina of Time auf die kleine Stutenweide direkt vor dem Stall zu bringen. Jelda wusste ganz genau wo es hinging und versuchte deswegen mit Umwegen die Umgebung zu erkunden, bevor sie ihrer Mutter dann hinterher galoppiert kam. Als die vier auf der Weide standen, nahmen wir uns die anderen vier Ponys vor. Excelsior, Braum, Braddock 'The Parrot' und Slaughterhorse. Auch diese kamen auf eine nicht allzu weit entfernte Weide, von wo aus Exel und Braum die gemeinsame Freundin Jeanie gut im Blick hatten.
      Als wir gerade zurück im Stall waren, hatte Malte zwei Pferde von Petyr an der Hand. Es waren zwei Hengste, Jupiter und White Face, welche Petyr beide nur als Freizeitpferde besaß. Ich nickte Malte nur kurz zu, bevor dieser mit den beiden Pferden um die Ecke verschwunden war.
      "Und nun?" fragte ich Nico, welcher auch schon zu überlegen schien.
      "Jetzt wären die ganzen Jungpferde an der Reihe, aber das sind so viele, dass wir das wohl nicht alleine schaffen werden. Vielleicht warten wir noch auf die Anderen und füttern in der Zeit unsere Minis." meinte Nico und deutete auf das andere Ende des Stalls, wo wir zwei größere Boxen für die ganz Kleinen unter uns hergerichtet hatten.
      Irgendwie hatten sich bei uns so einige Shetlandponys angesammelt, aber auch ein kleiner Falabellahengst von Torun war dabei. Lange Zeit hatten der kleine Hengst namens Treebeard und Abs alleine auf einer Weide gestanden. Dieses Bild von dem großen Wallach und dem kleinen gepunkteten Hengst ging mir einfach nicht aus dem Kopf und immer wenn ich daran dachte, musste ich grinsen.
      Die Minis waren auch hier natürlich in Stuten und Hengste geteilt. Während auf der einen Seite Batida de Coco, Belle und My Hope Nymeria, stand auf der anderen Seite die kleine Hengstbande, bestehend aus dem kleinen Marshmallow, Vipke van de Zandhoven, Treebeard, Lambardo und Happy teilten sich den Platz auf der anderen Seite. Die Kleinen hatten ganztägig Auslauf und lebten sozusagen in einem Offenstall. Während ich Wasser und Heu bei den Damen kontrollierte, tat Nico das Gleiche bei der männlichen Fraktion. Solche kleinen Pferde waren schon überaus niedlich.
      Genau richtig kamen wir von den Minis zurück, denn auch die anderen hatten sich mittlerweile eingefunden, sodass wir nun fünf Leute waren, die die Jungpferde auf die gemeinsame Weide bringen konnten.
      Ich schnappte mir zwei Vollblutfohlen, die hübsche Scion und den abenteuerlustigen Aspantau. Leider würde irgendwann die Zeit kommen, wo wir beide trennen mussten. Aspantau sollte ein Hengst bleiben und auch so Leid es mir tat, durfte Scion ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit ihrem Freund zusammenleben.
      Nico schnappte sich die beiden kleineren Sleipnir und Imagine Dragons, während Malte sich Seattle's Scarlett vornahm und Petyr sich seine Tysbe und Sacarina schnappte. Für Teo blieb deswegen nichts übrig, was er aber nicht allzu tragisch fand.
      Fast hatte ich den kleinen Bart auf meinem Rücken vergessen, welcher das Geschehen mit großen Augen beobachtet hatte und sich nun durch lautes Geräusche machen wieder bemerkbar machte. Ihm schien der Trubel und die Arbeit nichts auszumachen, stellte ich erleichtert fest.
      Die Jungpferde kamen auf eine der Weiden, welche umringt von Bäumen etwas geschützter auf der anderen Straßenseite lag. Dort entließen wir diese, bevor wir zurück zum Stall schlenderten. Stallarbeit war dann morgen früh angesagt, bevor die Pferde über die Mittagszeit wieder zurück in den Stall kamen.
      "Hast du Lust auf einen Spaziergang?" fragte mich Nico. Er nahm meine Hand und zog mich, ohne auf meine Antwort zu warten, am Stallgebäude vorbei zum Ufer des Tyrifjords. Asuka schloss sich uns an, anscheinend hatte er das Wort "Spaziergang" vernommen und das war eines seiner Lieblingswörter.
      Bart war mittlerweile auf meinem Rücken eingenickt und sein gleichmäßiger Atem pustete mir in den Nacken.
      Ich ließ meinen Blick über den Tyrifjord hinaus schweifen. Schwach konnte man die andere Uferseite erkennen und fast fühlte es sich so an, als ständen wir am Meer. Eine einsame Möwe kreiste über uns, zu hoch, um sie genau erkennen zu können und ein kleines Fischerboot ratterte wellenschlagend auf dem oberen Ende des Tyrifjords. Asuka patschte schwanzwedelnd durchs Wasser und Nico, Bart und ich schlenderten über den sandigen Boden.
      So gut es mir in Südfrankreich gefallen hatte, hier hatte ich mein Zuhause gefunden und ich hoffte, dass es Mio in Nevada genauso gehen würde.
    • Eddi
      [​IMG]
      Ehemalige Ausbildungs- und Trainingsberichte
      Fahren E → A | 12.222 Zeichen | © Canyon
      20. Mai 2016

      Nachdem ich eine kleine Trainingspause eingelegt und mich mal etwas länger nur um meine eigenen Pferde gekümmert hatte, wurde es auch für mich irgendwann mal wieder Zeit, dass ich in die weite Welt hinaus flog und mir das nötige Geld verdiente. Heute ging es für mich zu einer neuen Arbeitsstelle, nämlich zu Sweet und ihren kleinen Shetlandponys, welche etwas Fahrtraining von mir bekommen sollten. Alle drei Shettys waren noch nicht lange im Besitz von Sweet und trotzdem erkannte ich auf den ersten Blick, dass sie überaus knuffig waren.
      Gleich nach meiner Ankunft auf dem Gestüt, welches vorallem durch seine zahlreichen Araber bekannt war, führte mich meine Auftragsgeberin über den Hof, zeigte mir die Stallungen, und natürlich ganz wichtig, die nötigen Kutschen. Alle drei Shettys hatten schon etwas Fahrerfahrung und nach einer kurzen Inspektion der beiden Kutschen, welche sich als Fahr tüchtig erwiesen, begann ich sogleich mit dem Training.
      Sweet schenkte mir ihr Vertrauen und ließ mich alleine meine Arbeit machen. Zu erst holte ich natürlich alle drei von ihren Weiden, putzte sie gründlich und machte mich mit den drei Süßen vertraut.
      Alle drei waren in etwa gleich alt, jedoch unterschiedlich groß; Während der Jüngste, Ginnies Casanova der größte war, waren die beiden etwas älteren etwas kleiner.
      Ich musste nicht lange überlegen, wie ich die drei trainieren würde, denn die Stute My Hope Nymeria, kurz Noomie genannt, und der andere Hengst Erutan Wishes, kannten sich schon länger und waren auch fast gleich groß, sodass ich mit den beiden vor dem Zweispanner trainieren würde. Erutan lief bereits eine Stufe höher als Noomie, was jedoch sogar von Vorteil für mich war, da Noomie so viel besser und viel mehr von ihrem Freund lernen konnte.
      Casa würde ich erstmal vor dem Sulky trainieren und vielleicht, sollte noch genügend Zeit sein, ihn am Ende nochmal mit Erutan vor dem Zweispänner laufen lassen.
      Nachdem ich alle drei gründlich geputzt und kennengelernt hatte, stellte ich Noomie und Erutan in eine der leeren Boxen und ging mit dem ungeduldigen und aufgeregten Casa in die Reithalle. Ich hatte Sweet bereits gebeten gehabt, mir eine Doppellonge raus zu legen, was sie auch getan hatte, sodass ich Casa nur noch den Gurt und die langen Zügel umlegen musste. Heute wollte ich mit allen Pferden noch vom Boden aus ein paar Übungen machen, was natürlich mit kleinen Pferden wie Shettys besonders gut klappte. Ich fing mit ein paar Lockerungsübungen an, ließ dem Kleinen etwas Zeit, sich an die Doppellonge zu gewöhnen und ging dann gemächlich dazu über, dass ich dem Shetty versuchte zu lehren, auch auf weiche Zügelhilfen zu reagieren.
      Ich blieb direkt hinter ihm und versuchte mit ihm einige Bahnfiguren, bevor ich den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhte und auch einen kleinen Parcours aus Slalom und Schrecktraining aufbaute. Es war wichtig, dass die Ponys sich vor der Kutsche und im Straßenverkehr vor nichts erschreckten, weswegen ich gleich Fahren und Schrecktraining miteinander verband.
      Casa schien das ganze sogar fast Spaß zu machen; Spielerisch durchquerte er den Slalom und nur ganz leicht musste ich ihn in die richtige Richtung lenken. Bei den Stangen stolperte er das ein oder andere mal mit seinen kleinen Hufen darüber, holte den Rest aber bei den Planen wieder raus. Ich merkte schnell, dass Casa zwar viel Freude an der Arbeit entwickelte, wollte ihn aber nicht zu überstrapazieren und ließ es für heute mit ihm gut sein. Trotzdem waren die anderen beiden Shettys noch an der Reihe, mit welchen ich genau das gleiche Programm abzog.
      Auch mit Noomie blieb ich erstmal nur im Schritt, Erutan wurde von mir jedoch etwas mehr gefordert, denn ich wagte es schon, das ganze auch im Trab auszuprobieren, was der aufmerksame Hengst lernwillig mitmachte.
      Nach angemessener Zeit beendete ich auch bei den Beiden das Training und brachte alle drei Shettys wieder nach draußen auf die Weide.

      Am nächsten Tag wollte ich bereits einen großen Schritt nach vorne machen. Gestern war nur eine kleine Eingewöhnung gewesen, doch heute ging es bereits vor die Kutsche. Schon am frühen Morgen holte ich mir wieder Erutan und Noomie, putzte sie und brachte sie dann zu dem kleinen Zweispänner, welcher genau für solche kleinen Zwerge geeignet war. Beim Einspannen ließ ich mir viel Zeit und kontrollierte lieber noch dreimal, bevor eine der beiden Wunden oder gar Verletzungen von einem falsch liegenden Gurt davon tragen würde. Dann ließ ich mich auf den Kutschbock fallen und begann die kleine Ausfahrt. Ich hatte Sweet nach einer geeigneten Strecke gefragt, welche auf weichem Boden und nicht an großen Straßen vorbeiführen würde. Hilfsbereit hatte sie mir einen guten Weg vorgeschlagen, welchen ich jetzt nehmen wollte.
      Wie mir gestern bereits aufgefallen war, merkte man, dass Erutan bereits etwas mehr Ahnung als Noomie hatte. Er reagierte leichter auf meine Zügelhilfen, blieb auch von selbst an kritischen Stellen stehen und dachte immer gut mit. Noomie war noch etwas unerfahrener, doch sobald sie merkte, dass Erutan hier das führende Pony war, achtete sie etwas mehr auf ihn und hatte sich nach kurzer Zeit schon verbessert.
      Wir blieben für den Anfang im Schritt, legten jedoch am Ende, als es über einen weichen Sandweg ging, eine kurze Trabphase ein, welche selbst Noomie hervorragend meisterte.
      Ich zögerte die Kutschfahrt nicht allzu lange heraus und fuhr wenig später auch wieder zurück aufs Gestüt, wo Noomie und Erutan ihre Pause verdient hatten.
      In der Zeit holte ich mir Casanova, bei welchem ich mir genauso viel Zeit zum Einspannen ließ. Diesmal ging es jedoch etwas schneller, da die Kutsche kleiner und leichter war und außerdem das Geschirr schon gut für den kleinen Hengst passte.
      Ich konnte von mir sagen, dass ich nicht besonders schwer war, sodass Casa das definitiv schaffen würde. Auch mit ihm ließ ich es langsam angehen und drehte die gleiche Runde, wie schon zuvor mit den anderen beiden. Diesmal wusste ich jedoch schon etwas mehr über die Strecke, sodass ich Casas Kraft besser einteilte und auch besser auf die Gegebenheiten der Strecke achten konnte. Das ein oder andere Mal blieb der junge Hengst mitten in der Bewegung stehen, senkte den Kopf und fraß an dem jetzt noch frischen und hellgrünen Gras, welches auch hier wuchs. Ich versuchte konsequent, aber nicht streng damit umzugehen. Er war noch jung, hatte noch kaum Erfahrung im Fahrsport und würde das bestimmt in den nächsten Trainingseinheiten lernen.
      Auch mit Casas Arbeit war ich zufrieden, als ich wenig später zurück aufs Gestüt kehrte. Auch er hatte zum Schluss noch einen kurzen Trab hingelegt, welcher zwar noch etwas stolprig und unelegant ausgesehen haben muss, aber ansonsten für seine Stufe schon sehr gut geklappt hatte. Auch Casa entließ ich nach dem Ausspannen zurück auf die Weide. Ich jedoch widmete mich sogleich wieder den Vorbereitungen für den nächsten Trainingsschritt. Für den Abend hatte ich geplant, mit dem kleinen Sulky einen Parcours auf dem Springplatz mit jedem der Ponys zu fahren und suchte mir nun passende Materialien zusammen. Von Kegeln, über Stangen bis kleine Strohpakete und wieder die geliebten Planen und Flatterbänder war alles dabei. Ich hoffte inständig, dass mein Parcours niemand stören würde und legte auch eine kleine Pause ein.

      Am frühen Abend, als sowieso gerade alle Pferde von den Weiden geholt wurden, schnappte ich mir sogleich die kleine Noomie. Noomie hatte noch keine Erfahrung mit dem Sulky, weswegen ich mir hier etwas mehr zeit ließ und auf dem Springplatz ein paar einfache Bahnfiguren mit ihr fuhr. Gemächlich zog sie die kleine Kutsche über den Sand, schien jedoch ihren Freund Erutan neben sich stark zu vermissen.
      Ich fing entspannt an, ließ sie erstmal zwischen zwei Stangen hindurch laufen und übte dies, bis sie es schaffte ihr Gleichgewicht trotz Anhängsel zu halten und genau in der Mitte der beiden Stangen entlang lief.
      Dann widmete ich mich dem Slalom zu. Zu erst ließ ich die Abstände noch großzügig groß, verringerte sie aber nach jedem gelungenen Durchlauf ein wenig. Noomie brauchte etwas um zu verstehen, dass sie große Bögen laufen musste, denn auch wenn sie an den Hütchen vorbei kam, bedeutete es nicht, dass auch der Sulky keines traf.
      Noomie war die schreckhafteste von den drein und hatte so auch die meisten Probleme mit der Plane, über welche sie laufen musste und dem Holztor mit den Flatterbändern. Sobald ein größerer Windstoß kam und die plaste sich bewegte und knisterte, wich sie erschrocken zurück oder blieb, als sie verstanden hatte, dass Rückwärts etwas schlecht mit Kutsche ging, einfach stehen. Als wir jedoch auch das Problem mit etwas Arbeit überwunden hatten, entließ ich sie in den Feierabend.
      Auch mit den beiden Hengsten führte ich das gleiche Programm durch, auch wenn ich bei Erutan die Abstände der Kegel und Stangen gleich etwas geringer machte und zum Schluss mit dem Hengst auch alle Stationen hintereinander einmal durchging. Auch Casa hatte vor nichts Angst und ließ sich auf alles ein, auch als ich extra für ihn mit den Strohballen noch ein kleines Labyrinth baute und versuchte, keines der Pakete arg zu beschädigen.
      Zufrieden mit der Leistung der drei, ließ ich sie danach für heute in Ruhe.

      Am nächsten und letzten Tag hatte ich nichts großartig neues mehr geplant. Am Morgen ging ich mit allen drei nacheinander noch einmal in die Reithalle und arbeitete etwas an der Doppellonge, wobei ich nun auch mit Noomie und Casa eine Gangart höher ging, also auch etwas im Trab arbeitete. Ansonsten wiederholte ich die Übungen vom letzten Mal und versuchte alles noch etwas zu vertiefen.
      Für den Nachmittag hatte ich dann wieder eine Kutschfahrt geplant, diesmal aber eine etwas größere. Damit ich Sweet zeigen konnte, was die drei gelernt hatten, fragte ich sie, ob sie nicht mitkommen und Casa vom Sulky aus fahren wollte. Natürlich wollte sie, immerhin hatte sie auch daran Interesse zu wissen, wie weit ihre drei Schützlinge denn nun schon gekommen waren. Ein weiterer Vorteil daran war, dass Sweet sich in der Umgebung gut auskannte und nach einer kleinen Besprechung, hatten wir eine gute Route geplant. War nur noch zu hoffen, dass alles gut klappen würde.
      Den Anfang der Strecke kannten die drei nun schon, jedoch bogen wir an einer Weggabelung nicht ab, sondern fuhren gerade aus weiter, sodass wir wenig später auf eine kleine Landstraße trafen.
      Ich ließ Sweet mit dem Sulky und Casa nach vorne, sodass ich mit dem größeren Gespann hinter ihr lief. Ich merkte gleich, dass Noomie, aber auch Erutan etwas unsicherer auf dem harten Asphalt liefen, trieb sie jedoch trotzdem fleißig weiter voran. Als ich ein Auto von vorne kommen sah, rief ich Sweet zu, dass sie anhalten sollte, da ich sehen wollte, wie die drei Shettys darauf reagierten. Noomie spielte zwar etwas mit ihren Ohren und hatte wieder das Bedrängnis einen Schritt nach hinten zu machen, jedoch blieb Erutan entspannt stehen, sodass sie sich gleich wieder beruhigte. Auch auf der restlichen Strecke passierte nichts besonderes mehr. An einer Allee übten wir mit den Ponys etwas Slalom fahren und wenig später trabten wir ein ganzes Stück einen Feldweg entlang. Wirklich spannend wurde es erst wieder, als wir eine kleine Ortsschaft passierten und die Pferde ganz schön damit zu kämpfen hatten, auf den glatten Kopfsteinpflaster nicht auszurutschen. Vor allem gab es hier jedoch viel zu entdecken und allen drei Shettys merkte man an, dass sie es überaus interessant fanden.
      Ganz am Ende trauten Sweet und ich uns sogar, ein Stück zu galoppieren. Noomie hatte jedoch noch etwas Probleme damit, im selben Takt wie Erutan zu laufen, weswegen wir kurz darauf auch wieder durchparierten. Sweet schien ganz verliebt in den aufgeweckten Casa, welcher sich auch gut anstellte. Allerdings musste man sagen, dass er auch nicht noch auf ein anderes Pferd achten musste.
      Gesund und heil kamen wir alle auf dem Gestüt an, spannten auch sogleich die schwitzenden Ponys aus und brachten sie zurück auf ihre Weiden. Ich war zufrieden mit meinem Training und Sweet schien es auch zu sein, sodass ich mich von meiner Auftraggeberin mit den Worten verabschieden konnte, dass alle drei Ponys die Aufstufung geschafft hatten und im Fahren jetzt eine Stufe höher waren.

      ,,Trainingseinheit'' - HL Ausbildungszentrum
      Der Wagen hielt mit einem leichten Ruck auf dem staubigen Weg von Frau Kyrens Hof. Bewaffnet mit einer Box kleinerer Naschereien und einer Flasche Wasser, machte ich mich auf den Weg zur Weide. Am Gatter erwartete mich eine Frau, die auf eine Gruppe spielender Fohlen schaute. „Frau Kyren? Guten Tag, ich kümmere mich heute um Noomie, My Hope Nymeria, Thowra und Aesi.“ Frau Kyren lächelte mich an. „Natürlich. Bitte fangen Sie doch an.“, sie zeigte auf eine Auswahl an Halftern, jeweils beschriftet mit den jeweiligen Namen der Pferde. Zunächst begann ich mit Noomie.
      Nachdem Frau Kyren mir zeigte, wo das Fohlen war, schwang ich mich auf die Weide und lief auf die Braune zu. Sie spielte gerade mit einem anderen Fohlen, wieherte und bemerkte mich dann. Stocksteif verharrte sie auf einem Stück Gras, schnaubte und beäugte mich leicht argwöhnisch. „Hey Kleine. Willst du mitkommen?“, fragte ich, und bückte mich ein Stückchen. Nach wenigen Sekunden lief sie auf mich zu, wieherte und ließ sich ruhig das Halfter anlegen. Sie zuckte, als ich den Karabiner einhakte, doch folgte sie mir, als ich das Gatter ins Visier nahm. „Ich werde Ihnen beim Training zuschauen, das ist doch kein Problem, oder?“, fragte Frau Kyren, als sie hinter mir das Gatter schloss und anschließend auf den Putzplatz folgte. „Ihr Fohlen scheint schon gut mit Fremden und Halftern zurecht zu kommen. Mit anderen Pferden scheint sie kein Problem zu haben?“ „Mit meinen anderen hat sie keine Probleme, nein.“ Ich streichelte dem Fohlen den Kopf, und band sie an einen Pfosten fest. Neben dem Pfosten stand bereits ein Putzkasten. „Zunächst werde ich das Fohlen putzen, es an die Utensilien gewöhnen.“, erklärte ich, als ich den Hufkratzer nahm und an Noomie heran trat. Mit der rechten Hand strich ich über ihren rechten Vorderlauf, erfasste dabei ihre Fessel und sagte leise: „Na, komm, Kleine. Gib Huf.“ Noomie wieherte und zuckte unruhig mit ihrem Huf. Beim dritten Versuch hob sie ihn sanft an. Ihr Huf war leicht verdreckt, Gras und Erdklumpen waren anschließend vorsichtig entfernt worden. Nun ließ ich ihren Huf los. Lobend streichelte ich ihren Hals. „Super, Kleine. Gut gemacht.“, sagte ich. Einen Blick über die Schulter werfend, sah ich Frau Kyren mir bei der Arbeit zusehen. Wenige Minuten später waren die Hufe gesäubert, Noomie hatte sich noch ein wenig gesträubt, doch hatte sie beim letzten Huf ohne Widerstreben meiner Aufforderung gefolgt. Dann nahm ich die Kardätsche (ihr Fell war nicht allzu sehr verschmutzt und diese Bürste war nicht zu hart) und säuberte ihr Fell. Die junge Stute beobachtete mich neugierig, wandte sich dann um die eigene Achse und wieherte. Frau Kyren lachte leise auf. „Noomie scheint Spaß zu haben.“, sie grinste. Mit einem bestimmten Griff sorgte ich dafür, dass Noomie stehen blieb. Mit einem letzten Bürstenstrich warf ich die Bürste in die Putzkiste und ergriff den Kamm. Dabei hatte die Kleine Probleme; trotz meiner Bemühungen, vorsichtig ihre Mähne und Schweif zu kämmen, zuckte sie unruhig hin und her und warf den Kopf herum. „Noomie, ganz ruhig! Ich tue dir nichts.“, sagte ich und hielt inne. Beruhigend fuhr ich mit meiner Hand durch ihr seidiges Fell. Das schien sie zu beruhigen. Einen zweiten Versuch startend, kämmte ich lose Haare aus ihrer Mähne und ihrem Schweif. Zur Belohnung erhielt sie eine Möhre. Nachdem die Putzkiste weggeräumt war, wiederholte ich die Prozedur des Hufehebens. Diesmal klappte es.
      Dann löste ich den Strick, und ging eine Runde mit dem Fohlen. Ihr schienen Hummeln im Hinterteil zu schwirren. „Das Fohlen ist bestimmt der Renner unter den Pferden. Das Beste wäre es, einige Showübungen und Longierübungen zu machen. Das kann man super mit Führen kombinieren.“ Der kleinen Shetty etwas Lauffreiheit bietend, schnalzte ich mit der Zunge, damit sie neben mir her traben konnte. Dabei warf sie ihren Hintern in die Luft. Um dies zu vermeiden, sorgte ich dafür, dass sie näher an mir laufen würde, um das Buckeln zu lassen. Doch das schien nicht zu klappen. Erst nach zwei Runden war sie gelassener und trabte neben meinem Schulschritt her, ihre Beine waren so klein, dass sie locker mit meinem strammen Schritt Schritt halten konnte. Frau Kyren sagte kurz Bescheid, dass sie sich um ein anderes Pony kümmern musste, mich mit der ‚Patientin‘ alleine lassend. „So, machen wir deine Besitzerin stolz?“, flüsterte ich in ihr Ohr und kraulte ihre Nüstern. Wiehernd sah mich Noomie an. Ihr braunes Fell glänzte schön. Im flotten Trab hielten wir nun auf den Zwischengang, der sich zwischen Hauptgebäude und Stall befand, zu und sahen dann einen Hänger. Das würde interessant werden…
      Eine Viertelstunde später war sie nun einigermaßen gewöhnt an die Enge des Hängers, doch das Klappern der Rampe ließ sie immer noch zur Seite springen. Doch das war normal, bei vielen Pferden war dieses Verhalten nicht ungewöhnlich. Doch zumindest ließ sie sich anbinden, für einige Minuten alleine lassen und anschließend wieder aus dem Hänger führen lassen. Dazu konnte jetzt auch nach einer Trabphase ruhig neben mir stehen bleiben und ihren kleinen hübschen Kopf beugen. Auch mit den ansässigen Hofkatzen war sie gut Freund. Als nun Frau Kyren wieder auftauchte, war sie stolz auf ihren Schützling. Zum Schluss gab es eine Möhre und einen klein geschnittenen Apfel, die sie sofort vernichtete. Nachdem Frau Kyren mit der Shettystute verschwunden war, kam sie nun mit Thowra. Thowra, eine hübsche kleine Isländer-Mix-Stute mit einzigartiger Fellzeichnung, schien ein aufgewecktes und munteres Fohlen zu sein. Sie trabte locker neben ihrer Besitzerin her, schnaubte und sah mich anschließend genau an. „Das hier ist unser kleiner Sonnenschein. Sie ist eigentlich an vieles gewöhnt. Was mir Sorgen macht ist Folgendes: Sie stänkert ein wenig, wenn es ums Hufeheben geht oder wenn sie ruhig neben einer Fremden laufen soll. Keine Ahnung, weshalb.“, erklärte Frau Kyren, während sie das Isländerfohlen anband. Um zur Routine zurückzukommen, stellte ich mich vor die Kleine, und streichelte sie. Wache Augen studierten mein Verhalten, und als sie wieherte, ging ich beruhigt zum Putzen über. Sie war eindeutig dreckiger als Noomie, was zur Folge hatte, dass die Scheckige deutlich länger geputzt werden musste, nun kam der etwas schwierigere Part: das Hufe kratzen. Mit einem Hufkratzer in der rechten Hand, machte ich mich auf zu Thowras Vorderhufen. Es stimmte, sie war unruhig. Ihren Huf schien sie nach langem Zureden nur widerwillig zu heben, doch dann setzte sie ihn abrupt wieder auf den Boden. Ich hockte mich hin, und spürte, dass etwas am Fell ihres Fesselgelenkes hing. Vorsichtig schob ich die Strähnen zur Seite, bis eine dornige Klette zu Tage kam. „Frau Kyren? Ihr Fohlen hat eine Kleinigkeit im Fell, deswegen gibt sie ihren Huf nicht!“, mit spitzen Fingern zupfte ich die Klette aus dem Fell. Dies führte zu einem leisen Protest des Fohlens, doch danach (und nach einer kleinen Möhre) ließ sie ihre Hufe problemlos auskratzen.
      Als Thowra fertig geputzt war, nahm ich sie am Strick und führte sie mehrere Runden über den Platz. Dabei warf sie immer scheue Blicke zu mir und versuchte, aus der Reihe zu tanzen. „Macht sie das immer?“, fragte ich. „Ja.“, erwiderte Frau Kyren. Nun trat ich näher an das Fohlen heran, zog es praktisch in meine linke Seite hinein, und sorgte für einen festen Griff um den rauen Strick. Diesen Vorgang wiederholte ich solange, bis sich die etwas störrische junge Stute einfach die Aktion über sich ergehen ließ. In einen langsamen Trott verfallend, sorgte ich für etwas Bewegung. Schnalzend brachte ich uns in einen leichten Lauf – sie trabte, ich joggte – und achtete dabei darauf, ihr genug Beinfreiheit zu geben. Dann lobte ich sie, streichelte ihr helles seidiges Fell und lief mit ihr zum Hänger. Dort taten sich auch keine Probleme auf, ihr schien das metallische Klonk zu gefallen, weswegen sie stetig kleine Schritte tat, um das Geräusch immer zu hören. Leider musste ich sie etwas scheuchen, damit sie dann in den Hänger stieg und anschließend wieder heraustrat. Das war relativ einfach. Zum Abschluss lobte ich das Fohlen. Nun kam Frau Kyren mit den letzten beiden Fohlen. Nymeria, eine scheue kleine Shettystute, und einem weiteren jungen Isländer, Aesi. „Nymeria ist schüchtern. Aesi ist nicht die Beste Wahl für ein Fohlen wie sie, aber es geht nicht anders. Beide brauchen Training an der Longe und haben Probleme mit Gattern.“
      Beide Fohlen waren bereits geputzt und ich sollte mit Aesi beginnen. Die noch junge Stute war neugierig und schnupperte ständig in meiner Jackentasche herum. Frau Kyren und ich gingen mit den Fohlen zur Weide. Nun öffnete ich das Gatter, darauf bedacht, keine Geräusche zu machen und kein Pferd von der Weide zu lassen. Zunächst ging ich mit Nymeria am Tor vorbei. Anschließend ging ich mit dem Fohlen auf die Weide, wieder runter und immer weiter. Nach Runde sieben schien sie etwas mehr Vertrauen gefunden zu haben, und lief etwas fröhlicher neben mir her. Nach einer Streicheleinheit und einer Möhre wiederholte ich diese Prozedur mit dem Isländerfohlen. Bei ihr funktionierte es nicht ganz. Sie beschnupperte das Gatter misstrauisch, zog den Kopf ein und wieherte. Mit einem Zuckerstück in der verschlossenen Hand führte ich das Fohlen immer wieder am Gatter vorbei, auf die Wiese, einige Schritte machend bevor wir die Weide wieder verließen. „Nehmen Sie immer etwas zum Naschen mit, ja? Hilft manchmal richtig gut.“, sagte ich zu Frau Kyren.
      Eine Viertelstunde später waren die beiden Jungspunde fertig. Zu guter Letzt hatte ich sie noch etwas an der Longe laufen lassen, und sie dann auf die Weide entlassen.

      ,,Fohlen ABC'' - AliciaFarina
      Heute war es soweit, ich würde nach Irland fliegen um mich um die Ausbildung von Throwa, Noomie und Nymeria, drei von Sarah' Kyren's Jungpferden kümmern. Sarah hatte mir versprochen zwischendurch etwas zu helfen, da sie aber mit dem Aufbau ihrer und vampyrins Zucht war hatte sie nicht genügend Zeit alle auszubilden. Sie begrüßte mich herzlich als ich ankam. Während sie mit zeigte wo ich in der nächsten Zeit wohnen würde erzählte sie mit das Throwa, Noomie und Nymeria bereits von einer anderen Trainerin die Grundlegenden Sachen bei gebracht wurden. Ich würde daher zuerst Spaziergänge machen, später mit dem Handpferd längere Strecken reiten und zwischendurch etwas Bodenarbeit mit Stangen auf dem Platz. Dann zeigte sie mir den Hof, er war sehr schön gelegen. Anschließend zeigte sie mir die drei Fohlen. Noomie und Nymeria standen nebeneinander auf der Fohlenwiese und grasten. Throwa tobte über die Wiese und versuchte die beiden Fohlen zu animieren mit zumachen aber die beiden Shettys fraßen weiter. Ich beobachtete die beiden noch eine Weile und ging dann zurück in das Haupthaus und richtete mich häuslich ein.
      Der erste Tag
      Heute war es so weit ich würde meine erste Trainingseinheit mit den drei Stuten machen. Sarah und ich trieben die Jungpferde zusammen in den Laufstall damit ich nicht jedes Mal auf die Wiese laufen muss. Ich bedankte mich bei Sarah und fing an mit dem Training. Zuerst setzte ich mich in eine Ecke des Laufstalls und ließ die drei sich an mich gewöhnen, ich beobachtete sie und beschloss mit Throwa anzufangen. Die junge Islandstute schien das aufhalftern bereits zu kennen daher bereitete uns dies keine Probleme. Ich befestigte einen Strick an ihrem Halfter und führte sie aus dem Stall. Throwa versuchte mich umzurennen und machte ihrem Namen alle Ehre. Offensichtlich wurde sie lange nicht mehr gearbeitet. Ich rief sie zur Ordnung, Sie war nicht darauf gefasst und wich zurück. Beim nächsten Mal wurde ich energischer. Danach machte sie es nicht mehr. Ich band sie an und putzte sie über. Dann ging ich mit ihr auf den Reitplatz, dort übte ich das brave antreten und wieder anhalten auch das neben mir her traben übte ich. Nach und Nach wurde sie ruhiger und achtete mehr auf mich. Nach einer halben Stunde hörte ich auf und brachte sie zurück. Dann schnappte ich mir Noomie und Nymeria, Sarah hatte mir erzählt das die beiden Stuten sehr an einander kleben würden sodass ich sie zusammen trainieren sollte. Die beiden ließen sich ohne Probleme aufhalftern und aus dem Stall führen. Ich putzte sie und ging dann auf den Platz. Ich teilte mit ein Paar Hindernissen eine Ecke ab und stellte dort Nymeria rein sodass noch Sichtkontakt herrschte aber sie nicht direkt neben einander waren. Noomie fiel es schwer sich zu konzentrieren und wäre viel lieber zu ihrer Freundin Nymeria gelaufen aber ich ließ sie nicht und schon bald reagierte sie deutlich besser auf meine Hilfen. Nach einer halben Stunde tauschte ich die Ponys und Nymeria hatte größere Probleme auf mich zu achten. Ich blieb sehr konsequent und sie reagierte mit der Zeit immer besser. Nymeria achtete auf meine Körpersprache und ich musste kaum noch eingreifen. Als auch für sie eine halbe Stunde um war ließ ich die beiden zurück in den Stall. Am Nachmittag wollte ich erneut eine Einheit machen.
      Es war nun so weit ich startete meine Zweite Einheit an diesem Tag. Zuerst sollten dieses Mal Noomie und Nymeria an der Reihe sein. Ich handhabte es wie am Morgen und fing mit Noomie an während Nymeria im Abgetrennten Teil des Platzes stand. Noomie konzentrierte sich deutlich schneller auf mich als am Vormittag und wir erreichten das langsame nebeneinander traben von ihr und mir und auf Finger-Zeig Stehen bleiben. Nachdem dies alles klappte tauschte ich und Nymeria war an der Reihe mit übte ich ebenfalls alles was ich auch mit Noomie geübt hatte. Nach einer Stunde mit den Beiden waren sie fertig ich entließ sie auf einen Paddock und dort durften sie spielen. Dann war Throwa an der Reihe. Ich holte sie mir und dieses Mal ging sie gesitteter aus dem Stall, wieder putzte ich sie und fing dann an mit ihr auf dem Platz zu arbeiten. Zu erst ließ ich sie laufen und baute einen kleinen Parcours auf bestehend aus einem Stangen L, einem Labyrinth und einer Reihe aus Stangen über die man laufen konnte und zwischen denen man anhalten konnte. Ich fing Throwa wieder ein und fing an ihr alles zu zeigen. Throwa arbeitete fleißig mit und hatte keine Angst vor den Stangen. Auch als ich eine große Plastik Plane auf dem Boden ausbreitete und ein paar Stangen darüber legte damit sie nicht wegflogen. Die Plane machte ihr keine Angst und wir konnten zum Schluss der Einheit nebeneinander herüber traben. Damit war für heute Schluss und ich entließ sie zu ihren Freundinnen.
      Die nächsten Tage
      In den nächsten Tagen wiederholte ich die Übungen der ersten Tage bis sie sicher saßen. Als alles sicher saß erklärte ich Sarah was ich als nächstes mit den Stuten machen möchte, denn für diese Aufgabe benötigte ich ein Reitpferd und ich hatte mir keines mitgenommen. Sarah sagte das mir alle ihrer Pferde zur Verfügung stehen würden und ich mir nur eines aussuchen müsste. Ich entschied mich für Willow Maiden da sie mir vom Charakter am besten dafür geeignet schien. Ich holte die Junge Stute von der weide und machte mich mit ihr bekannt. Nachdem ich sie gesattelt hatte setzte ich mich kurz auf sie und testete ob wir zusammen passen. Willow reagierte sehr fein auf meine Hilfen und ich beschloss mit Throwa anzufangen. Ich stieg vor dem Laufstall der Stuten ab und ließ Willow stehen während ich Throwa einfing. Dann führte ich beide zusammen auf den Platz. Ich setzte mich auf Willow und ließ sie antreten, Throwa war verblüfft das ich auf einmal so groß war und blieb stehen. Ich spielte am Strick und Throwa beschloss doch zu folgen. Im Schritt blieb mein Gespann entspannt nebeneinander. Aber im Trab wurde es schwieriger, Throwa trabte oder töltete in einem langsamen Tempo neben uns her und Willow war zu schnell oder Throwa rannte vor und Willow war zu langsam. Aber nach einer Weile klappte es immer besser und wir konnten einfache Hufschlagfiguren reiten. Damit hörte ich für den Vormittag auf und holte zusammen mit Sarah Noomie und Nymeria. Ich blieb bei Willow da wir uns sehr gut eingespielt hatten. Sarah entschied sich dazu Yael zu nehmen einen Hengst der vor Kurzem zu ihr gezogen war. Ich übernahm Nymeria und Sarah Noomie. Ich erklärte ihr was ich vorhatte und sie machte das selbe mit Noomie wie ich. Bei den beiden Shetland Stuten klappte es besser. Wir ritten schon nach kurzer Zeit in allen Gangarten über den Platz. Da dies ein großer Erfolg war hörten wir für heute auf und entließen die beiden in den Stall. Am Nachmittag schnappten Sarah und ich uns zuerst die beiden Shetlandponys Noomie und Nymeria. Nachdem wir sie angebunden hatten holten wir unsere eigenen Reitpferde, wir sattelten unsere Pferde und nahmen dann Noomie und Nymeria als Handpferde mit. Sarah zeigte mir eine kurze Strecke um den Hof den ich später mit Throwa reiten könnte. Auf der Strecke klappte alles was wir auch schon auf dem Reitplatz geübt hatten. Auch als wir trabten blieben die beiden Jungpferde neben uns und selbst im Galopp ließen sie sich Händeln und blieben neben unseren Führpferden. Als wir wieder am Stall angekommen waren lobten wir unsere Hand-und Reitpferde, während Sarah Yael absattelte brachte ich Noomie und Nymeria weg und holte Throwa. Ich stieg direkt wieder auf Willow und ritt kurz auf den Platz. Auf dem Platz wiederholte ich noch einmal die Übungen vom Vormittag und entschied mich dann mit ihr raus zu gehen. Throwa war aufgeregt als ich mit ihr den Hof verließ da Willow ruhig blieb beruhigte sie sich schnell und ich konnte in Ruhe weiter reiten. Ich trabte mit Throwa die selbe Strecke wie vorher mit Noomie und Nymeria. Wieder am Stall angekommen entließ ich Throwa in die Herde mit einem Leckerchen. Dann sattelte ich Willow ab und brachte sie auf die Wiese zu ihren Freunden.
      In den nächsten Tagen ritten Sarah und ich Vormittags und Nachmittags mit den Jungpferden aus und die Strecken wurden nach und nach länger sodass wir nach einer Weile bis zu Drei Stunden unterwegs waren. Während der letzten Ausritten ritt auch Sarahs Freund Cayden mit und übernahm Nymeria. Sarah hatte nun Noomie, Cayden übernahm Nymeria und ich nahm Throwa.
      Der letzte Tag
      Am letzten Tag an dem ich bei Sarah auf dem Gestüt war, mussten die Jungpferde die ultimative Prüfung ablegen. Sarah, Cayden und ich machten einen Tagesritt rund um Sarah und vampyrins Hof. Wir starteten am Morgen und kamen am frühen Abend wieder. Zwischendurch wechselten wir immer wieder die Handpferde sodass jedes Jungpferd neben jedem der Reitpferde ging und auch ohne Probleme neben dem Reitpferd blieb. Nach dem Ritt feierten wir das es so hervorragend geklappt hat und ich dachte daran, dass es bereits am nächsten Tag wieder nach Hause gehen würde.

      ,,Longiertraining'' - Gwen
      Momentan war ich viel unterwegs und nahm gerne jede Einladung an, die mir geboten wurde. So konnte man nämlich herrlich Land und Leute kennenlernen! Zuletzt hatte Alessia mir angeboten, ein paar Tage auf ihrem Gestüt zu verbringen und natürlich hatte ich nicht nein sagen können! Mit bester Laune hatte ich mich in den Zug gesetzt und zwei Stunden später setzte mich das Taxi auf dem Hof Happy Feather ab. Von Alessia wurde ich herzlich begrüßt und erst einmal zu einem kleinen Kaffeekränzchen eingeladen. Außerdem zeigte sie mir ihren gesamten Hof und erzählte mir von den Planungen für die kommende Tage. Ich war vollkommen begeistert, aber natürlich wollte ich auch gerne auf dem Hof mithelfen, wenn schon alles kostenlos war. Alessia hatte damit natürlich kein Problem und bot mir für heute ihre kleine Stute Nymeria an, welche ich longieren durfte. Lächelnd begrüßte ich die kleine Lady und begann sie gründlich zu putzen. Nymeria war sehr unsicher und vorsichtig, ließ sich aber gerne mit Leckerlis bestechen. So fanden wir schnell zu einander und auch das Training lief wirklich gut. Anfangs wollte sie nicht wirklich mitmachen, doch als ich Stangen aufbaute, wurde sie wach, denn erst einmal musste sie zögern und ängstlich sein, ehe ich sie dazu brachte, brav über die Stangen zu traben. Am Ende durfte sie sich noch einmal in der Halle austoben, ehe ich sie zurück in ihre Box brachte. Dort bekam sie einen Arm voll Heu und noch ein paar Streicheleinheiten, ehe Alessia mich zum Abendessen holte. Heute gab es – ganz kreativ – Spaghetti mit Bolognese. Es schmeckte wirklich köstlich!

      ,,Hochstufung Springen auf A'' - Julialovehorses007
      Tag 1:
      Ich lächelte, als ich das kleinste Pony der Ponyherde entdeckte. Sie war es. Nymeria. Das Pony, das ab heute von mir ausgebildet wurde. Lania kam an den Zaun getrabt und sah mich hoffnungsvoll an. „Nein Lani… Tut mir Leid, heute ist Nymeria dran. Aber wenn ich danach noch Zeit habe gehen wir spazieren“, erklärte ich ihr. Dann trat ich auf die Koppel und ging langsam auf Nymeria zu. „Hallo Hübsche, heute geht es mal dir an den Kragen. Lania hat es schon hinter sich.“, meinte ich. Nymeria drehte sich zu mir und stellte freundlich die Ohren auf. Ich ließ sie erstmal an meiner Hand schnuppern und streichelte sie dann am Kopf, da sie es am Hals nicht so zu mögen schien. Dann halfterte ich auf und führte Nymeria in Richtung Putzplatz. Heute wollten wir einfach nur spazieren gehen, damit bezweckte ich das gleiche wie bei Lania mit dem Longieren, wir mussten uns ja erstmal kennen lernen. Am Putzplatz band ich Nymeria an und begann sogleich mit dem Putzen. Sie hatte sich ziemlich eingesaut, weswegen mich das eine halbe Stunde kostete. Aber es machte Spaß, da die Stute mich öfters mal frech anstupste und Streicheleinheiten forderte. Nach dem Putzen und Hufe auskratzen ging es los. Alessia hatte mir einen ungefähren Weg genannt, wo wir lang gehen konnten und diesen wollte ich auch nehmen. Wir verließen den Hof und kamen gleich in traumhaftes Ausreitgelände. Wenn ich nicht zum arbeiten hier gewesen wäre, hätte ich mir gleich eines der Pferde ausgeliehen und einen langen Ausritt gemacht. Aber heute musste ich mich eben mit einem Spaziergang begnügen. Und es machte auch wirklich Spaß. Nymeria folgte mir aufmerksam und hatte vor nichts Angst. Erst ging es kurz durch den Wald neben einem kleinen, sprudelnden Bach vorbei und dann auf eine Lange Wiese, wo der kleine Bach in einen breiten Fluss mündete. Ich setzte mich einfach ans Wasser und ließ mein Pony grasen. Ab und an kraulte ich sie ein bisschen und wir entspannten uns beide völlig. Nach ungefähr einer halben Stunde stand ich auf und wir machten uns langsam auf den Rückweg zum Hof. Dort angekommen hieß uns Alessia auch schon willkommen. „Und, war Nymeria lieb?“, fragte sie. „Ja, wir haben ein bisschen am Fluss gechillt“, ich lachte. „Oh ja, der Fluss“, Alessia grinste.

      Tag 2:
      Heute ging es weiter mit Nymeria. Ich hatte es ein wenig eilig, da ich mit Alessia verabredet war, um hinterher noch einen Ausritt zu machen. So als Bonus, dass ich immer im Stall mithalf, obwohl ich nicht gemusst hätte. Dabei sollte ich einen ihrer Isländer reiten, worauf ich mich schon unheimlich freute. Nymeria stand bereits am Koppelzaun und ließ sich auch brav aufhalftern. Ich putzte eilig, da sie heute so gut wie überhaupt nicht dreckig war. Auch das Satteln ging schnell und nach einer Viertelstunde kamen wir an den Springplatz. Nymeria spitzte freudig die Ohren, als sie die Hindernisse entdeckte, offensichtlich war sie genauso spring begeistert wie Lania. Ich ließ meine Bügel herunter und saß dann auf. Am langen Zügel ritt ich Nymeria sanft an und sie gehorchte auf die Leichteste Hilfe. Anders als Lania, die oftmals etwas Überredenskunst benötigte, war sie schnell im begreifen und bog und stellte sich schön. Nach dem ich warmgeritten war, ließ ich sie antraben. Sie trabte in einem mittleren Tempo los. Das war wirklich ein unnormal braves Pony, bemerkte ich erstaunt. Nach dem wir einige Biegungen geritten waren, saß ich aus und gab die Galopphilfen. Mein Pferd sprang an und man spürte ihren Galopp so gut wie gar nicht. Es war wie schweben. Anders als bei Pferden mit Krüppelgalopp und anders als bei Pferden mit schwungvollem Galopp. Man spürte einfach nichts. Das erstaunte mich so, dass ich einen Moment außer Fassung war. Ich verpasste es, Nymeria vor einem Kreuz ausweichen zu lassen und sie sprang ohne mein Zutun hinüber. Ich lobte sie trotzdem, denn sie konnte ja nichts dafür, wenn ich nicht lenkte und außerdem war sie sicher gesprungen und hatte nicht verweigert und mich abgeworfen, so wie es viele andere Pferde sicher getan hätten. Nachdem ich ein paar Trabstangen genommen hatte, ritt ich das kleine Kreuz erneut an, jedoch diesmal mit Absicht. Nymeria sprang brav und diesmal sogar noch mit mehr Schwung, da ich da oben ja etwas tat. Nach einiger Zeit nahm ich einen Ministeil und trotz Nymerias kleiner Größe klappte sogar der Oxer problemlos. Ich wusste, wenn es morgen bei der A genauso laufen würde wie heute bei der E, würde das alles kein Problem werden. Ich holte Nymeria zurück in den Trab und dann in den Schritt. Für heute hatte sie genug getan.

      Tag 3:
      Heute war der letzte und entscheidende Trainingstag mit Nymeria. Ich fand das ziemlich schade, da ich die brave Stute mit dem unerschüttlichen Charakter sehr lieb gewonnen hatte. Während ich das letzte Mal ziemlich Angst gehabt hatte, eine A zu springen ritt ich diesmal ganz selbstverständlich auf den Platz. Alessia stand schon am Platz und hatte die Hindernisse auch schon aufgestellt. Nymeria schnaubte fröhlich, als sie Alessia entdeckte und begrüßte sie. Alessia grinste und streichelte ihr über die Nase. Als die beiden mit ihrer Kuschelstunde fertig waren, ritt ich auf die Außenbahn und begann mit dem warmreiten. Nymeria war locker und entspannt wie immer. Auch der erste Trab mit den Trabstangen klappte gut. Die kleine Stute lief federnd hinüber und ließ sich dann aus einer Volte auch problemlos angaloppieren. Im flotten Tempo ging es auf das Kreuz zu. Diesmal war es höher als gestern, aber Nymeria sprang ganz selbstverständlich hinüber, genauso bei der darauffolgenden Kombination. Der Oxer ließ mich dann schon etwas zittern, da ich auf dem kleinen Shetty allerhöchstens halb so groß war wie das Hindernis. „Spring, spring“, flehte ich stumm und mein Gebet wurde erhört. Wir flogen hinüber und hatten damit den Mini Parcours auch fertig. „Ronja, du bist ein Naturtalent!“, rief Alessia. Ich schüttelte den Kopf. „Das ist nur Übung“, antwortete ich, bevor ich mein treues wunderbares Pferd absattelte und noch eine Runde schmuste. Dann brachte ich sie auf die Koppel. Lania stand dort auch. Die beiden Stuten, die ich in der vergangenen Woche kennen gelernt hatte, hatte ich unheimlich lieb gewonnen. Und morgen ging es weiter mit dem nächsten Pony. Wer es wohl von all den Minis da sein würde?

      ,,Festspielkurs'' - Gwen
      Gähnend trank ich meinen Milchkaffee aus und scheuchte dann auch Elisa vom Frühstückstisch hoch. „Los! An die Arbeit“, murmelte ich noch halb verschlafen und gemeinsam wanderten wir Richtung Haustür. Es war erst kurz nach sechs Uhr morgens, aber heute wollten die Teilnehmer des Festspielkurs‘ kommen und vorher war noch eine Menge zu erledigen. Zu aller Erst mussten wir die vier Boxen herrichten, das bedeutete auskehren, einstreuen, Lecksteine und Heunetze aufhängen. Als wir damit fertig waren, kümmerte sich Elisa darum, die vier eventuellen Gästezimmer herzurichten, während ich gemeinsam mit Joline in die Halle verschwand und dort die Grundlagen für die erste Einheit aufbauen wollte. Nachdem die Stangen und Hütchen an ihrem Platz waren, verließ ich zufrieden die Halle und gönnte mir noch eine kleine Pause, welche aber nicht sehr lange währte, denn bereits fuhr der erste Wagen samt Anhänger auf das Gestüt.
      Es handelte sich um Fynja. Ich nahm sie herzlich in Empfang und half ihr direkt beim Ausladen ihres Pferdes. Auf dem kurzen Weg zum Stall stellte sie mir begeistert ihre Paint Horse Stute Ensnare the Sun vor. Nachdem die Stute zufrieden in der großen Box stand, leitete ich Fynja weiter an Elisa, welche ihr das Gästezimmer zeigen würde, denn der nächste Gast war bereits auf dem Weg zum Parkplatz. Auch Alicia Grey begrüßte ich herzlich auf unserem Gestüt und es war schön, bekannte Gesichter wiederzusehen. Aus ihrem Anhänger dröhnte ein lautes Wiehern und jemand stapfte wütend auf. „Das ist typisch Rusdmo Remi“, erklärte Alicia seufzend und wir hatten zu tun, den übermütigen Fjordhengst heile aus dem Hänger zu bringen. Sowohl Alicia als auch ich waren froh, als er endlich sicher und wohlbehalten in seiner Box stand und ich Alicia ihr Zimmer zeigen konnte.
      Die anderen beiden Teilnehmerinnen ließen auf sich warten, aber Alessia hatte bereits geschrieben, dass sie im Stau stand und ich vermutete stark, dass es Verena nicht anders ging. Und ich sollte Recht behalten: Kurz vor 10 Uhr kamen die beiden fast zeitnah an, so dass ich Matthew aus dem Stall scheuchte, damit er Verena und ihren Wallach Gipsy übernahm, während ich Alessia begrüßte. Alessia hatte eine kleine, todschicke Shetlandponystute namens Nymeria mitgebracht und ich war schon sehr gespannt, mit ihr zu arbeiten.
      Als nun endlich alle Teilnehmer anwesend waren, verkündete ich, dass wir uns in einer halben Stunde unten im großen Saal treffen würden. Vorbildlich wie immer waren alle pünktlich und saßen bereits am Tisch, als ich eintrat. Ich begrüßte sie herzlich und sprach die üblichen einleitenden Worte, ehe ich nach Fragen fragte und direkt mit allerhand beworfen wurde. „Warum haben wir eigentlich ein eigenes Zimmer? Ich dachte der Kurs geht nur einen Tag?“ – „Wie sind die Einheiten aufgebaut und wie lange gehen sie in etwa?“ – „Haben wir die Möglichkeit, unsere Pferde vorher noch einmal auszulasten?“ – und und und …
      „Pause!“, rief ich grinsend und atmete kurz durch. „Also: Ihr habt ein Zimmer, weil ihr den ganzen Tag hier verbringen werdet und vielleicht auch eine Pausen machen möchtet oder eure Privatsphäre nutzen wollt. Um eure Pferde braucht ihr euch keine Gedanken zu machen. Alle Boxen haben einen großen Paddock, so dass die Vierbeiner genügend Bewegung bekommen und zum Ablaufplan kommen wir jetzt“, endete ich und drückte jedem Teilnehmer ein A4-Blatt in die Hand.
      So besprachen wir die kommende halbe Stunde den Ablauf des Tages und ich beantwortete noch zig Fragen. Für nur vier Teilnehmer waren sie wirklich gesprächig, aber das lag auch daran, dass alle vier nicht das erste Mal hier waren, sondern bereits schon öfter an WHT-Veranstaltungen von mir oder Elisa teilgenommen hatten. So wussten sie, dass sie guten Gewissens fragen konnte, ohne Angst vor einer doofen Antworte zu haben. „Gut! Um 12 treffen wir uns alle in der Halle, also macht‘ bitte eure Pferde vorher fertig. Wir werden erst einmal vom Boden aus arbeiten, also reicht eine Zäumung. Ich bevorzuge ja das Knotenhalfter, wem es aber mit Trense oder normalen Halfter lieber ist, kann auch das nutzen“, damit verabschiedete ich mich von den Teilnehmern fürs erste und huschte ins Büro, um alles für die erste Einheit vorzubereiten.
      Pünktlich um zwölf tummelten sich die vier Paare in der Halle. Sie waren alle etwas eher gekommen und auch ich war schon etwa dreiviertel da gewesen und hatte noch hier und da etwas aufgebaut. Das hatte jedoch lediglich dem Vorwand gedient, dass ich die Reiter und ihre Pferde beobachten wollte. Ich hatte in diesem Kurs ein sehr gemischtes Repertoire an Pferden, wobei schnell eines feststand: alle waren ängstlich und hegten gegenüber neuen Dingen kein sonderlich großes Vertrauen in ihre Besitzer, außer das Quarter von Verena.
      „Super Voraussetzungen“, murmelte ich leise und warf in Gedanken schon einmal einen Großteil meines Planes um, denn der hatte Pferden gegolten, die bereits weiter waren als die vier, die man hier nun sah. Mir blieb jedoch nichts anderes übrig, als auf meine Kunden einzugehen. Nun nützte es aber nichts und innerhalb von Sekunden baute sich vor meinem inneren Auge bereits der Grundriss eines neuen Plans auf.
      „So meine Lieben! Unsere erste Stunde soll eindeutig unter dem Motto der der L’s stehen: Love, Language und Leadership. Das sind drei Worte, bei welchem wir immer der Meinung sind, wir wüssten ihre Bedeutung und würde diese zu unserer Genugtuung auch erfüllen, aber wenn man sein Handeln wirklich einmal kritisch betrachtet, ist dem wirklich so?“, leitete ich meine Kunden in unser heutiges Thema ein und erklärte ihnen in etwa einer Viertelstunde die grundlegenden Regeln, nach welchen wir heute arbeiten würden.
      „Respektiert euer Pferd und es wird auch euch respektieren. Überfordert es nicht, sondern konzentriert euch wirklich darauf, aktiv Pausen einzusetzen. Mit Zwang erreicht man recht wenig, gebt eurem Pferd immer die Möglichkeit einer Wahl.“
      Da ich der Meinung war, bei Verena und Gipsy würde ich am ehesten etwas in der Form, wie ich es sehen wollte, zeigen können, begann ich mit ihnen. Die beiden besaßen ein inniges Verhältnis zueinander und man sah direkt, dass Gipsy seinem Menschen vertraute. Schon während des Beginns war er der einzige gewesen, der ruhig, mit einem angewinkelten Hinterbein, neben seiner Besitzerin gestanden hatte.
      Verena wusste, dass er nur mitarbeiten würde, wenn sie gemeinsam zusammen arbeiteten. Das hieß also auch, dass sie ihm ihre volle Aufmerksamkeit widmete und ihn für voll nahm. Ich ließ die beiden einige Grundlagen der Bodenarbeit durchgehen: das einfache Führen, das Anhalten mit durchhängenden Seil, das Rückwärtsrichten, das Weichen. All das funktionierte bei beiden gut. Nur beim Rückwärtsrichten war Verena immer noch dazu verleitet, leicht am Seil zu zupfen.
      „Lass das Seil mal wirklich komplett locker durchhängen und konzentriere dich lediglich auf deine Körpersprache und ganz wichtig: keine Seitenblicke zu Gipsy“, meinte ich grinsend und ließ die beiden die Übungen noch einmal durchgehen und schon lief Gipsy viel eher und mit mehr Elan rückwärts. „Gut! Und diese Übungen möchte ich nun auch von euch anderen sehen und zwar mit möglichst wenig Ausübung von Druck“, das war leichter gesagt als getan und ich hatte schon jetzt alle Hände voll zu tun.
      Alessia und Nymeria hatten nicht viele Probleme, doch da lag es vor allem daran, dass Nymeria schlichtweg klein war. „Lass deiner Stute Raum für eigene Ideen! Nur weil sie klein ist, heißt das nicht, dass sie keine hat“, erklärte ich lächelnd, denn Nymeria war es anscheinend gewohnt, dass man sie sowieso hätte leicht zur Seite drücken können und reagierte dadurch natürlich sofort und zwanghaft. „Außerdem soll sie mit der Konzentration vollkommen bei dir sein und nicht irgendwo anders, aber das geht nur, wenn auch du ihr die volle Aufmerksamkeit schenkst“, erklärte ich. Das war auch der Grund, warum jetzt schon so vieles in der Halle stand. Ohne die ganze Ablenkung hätte es sicherlich besser geklappt, aber dann hätten die Pferde auch keine andere Wahl gehabt, als sich auf den Menschen zu konzentrieren – es gab ja nichts anderes.
      Mein größtes Sorgenkind heute war Remi. Zu Beginn hatte er permanent Kreise um Alicia gezogen und an Stillstehen war gar nicht zu denken und so sahen natürlich auch die Übungen aus. „Alicia! Bleib einfach fest auf deinem Punkt stehen, entspann dich, atmete tief ein und aus. Du musst der Ruhepol für Remi sein. Seine Schutzzone, in der er sich sicher fühlen kann. Das geht aber nur, wenn du dich selber wohl fühlst“, erklärte ich ihr ruhig und gemeinsam arbeiteten wir erst einmal an ihr. Diese Ruhe übertrug sich dann auch allmählich auf den aufgebrachten Remi, der anfangs noch fleißig seine Runden um Alicia drehte, dann aber langsam und sicher ruhiger wurde, als er merkte, dass sie nicht mehr die ganze Zeit versuchte ihn zu halten und mit Worten zu beruhigen. Es dauerte wirklich lange, aber dann kam endlich Ruhe und Entspannung in das Paar.
      In der Zwischenzeit war ich bei Fynja und Sun gewesen. Die Stute hatte eigentlich kein großes Problem, denn sie war nur ängstlich. Das große Problem lag darin, dass sie diese Angst in Aggressionen zeigte. Natürlich war Sun dieses ganze Tamtam in der Halle direkt zu viel und ich hatte sie bereits mehrmals steigen und bocken sehen. Auch bei Fynja bat ich darum, dass sie selber aufhörte, das Pferd so massiv mit ihren Gesten und Worten unter Druck zu setzen und stattdessen einfach selber zu entspannen und Sun dazu einzuladen. Bei den beiden dauerte es gar nicht so lange und Sun akzeptierte die neue Schutzzone und war sichtlich froh darüber, so dass auch sie die Übung bald ganz gut bewerkstelligen konnten.
      Mein Zeitplan war trotzdem über den Haufen geworfen, denn wir hatten eigentlich nur noch zehn Minuten, aber das ließ ich mir nicht anmerken. „Gut. Nachdem die Grundlagen klappen und die Pferde sehen, dass sie bei euch sicher sind, wollen wir einfach mal eine Runde durch die Halle drehen und ihnen die neuen Dinge zeigen“, erklärte ich und setzte mich in Bewegung, mein Kurs folgte mir im Entenmarsch. Wir liefen erst eine große Runde rundrum und gingen dann die einzelnen Hindernisse ab. Gipsy ließ ich ganz vorne laufen, da er doch recht entspannt war und Verena sofort folgte. Danach kam Nymeria, die anfangs zögerte, aber sobald sie sah, dass Gipsy keine Angst hatte, ihm brav hinterher lief. Das hatte zur Folge, dass auch Remi und Sun sich nach einiger Zeit trauten und die Hindernisse ohne schreckhaftes Zurückspringen oder ähnliches zu betrachten.
      Wir hatten ein wenig überzogen und dafür entschuldigte ich mich vielmals, aber die meisten schienen es nicht sonderlich schlimm zu finden. „Gut, ihr könnt eure Pferde jetzt erst einmal zurück in den Stall bringen. Dort steht euch auch Matthew mit Rat und Tat beiseite! Dann erst einmal eine kleine Pause. Danach geht es mit den Einzelstunden los: jeder eine halbe Stunde. Wir beginnen 14 Uhr mit Verena und Gipsy“, sprach ich die Abschlussworte, beantworte noch die ein oder andere Frage, ehe die Halle verlassen war, so dass ich mir auch erst mal einen Kaffee gönnen konnte.
      Verena hatte Gipsy bereits vorbildlich aufgewärmt mit leichten und lockeren Übungen und einigen Dehnungen. Die beiden waren auf jeden Fall keine Frischlinge mehr auf dem Gebiet und es freute mich, zumindest mit einem Paar wirklich an den Festspielen arbeiten zu können. Dementsprechend widmeten wir uns in der Einzelstunde nur kurz den aufgebauten Dingen, ehe wir uns daranmachten, die für Festspiele grundlegenden Dinge einzustudieren: Wichtig dafür waren zum einen, dass Verena auf dem Pferd „alles“ machen konnte, ohne das Gipsy auch nur Notiz davon nahm. Sie setzte sich verkehrtherum drauf, streckte sich, duckte sich, trug eine Fahne mit sich und und und. Dann ließ ich mir meinen Braunen Altair holen und wir übten das gemeinsame Nebeneinander- und Hintereinanderreiten. Gipsy durfte nie drängeln und sollte immer im Gleichschritt mit Altair bleiben. Das gelang uns beiden tatsächlich richtig gut und man spürte förmlich das Vetrauen, was auch Verena ihrem Wallach entgegen brachte und was diesen erst selbstbewusst machte. Leider war die halbe Stunde schneller rum als gewollt und schon stand Fynja mit Ensnare vor der Tür.
      Die Scheckstute war sichtlich aufgeregt, als sie dann alleine in der großen Halle mit all diesen gruseligen Dingen stand. Ich bat Fynja deswegen, Ensnare erst einmal frei laufen zu lassen. Sie sollte sich ruhig alles in Ruhe anschauen. Derweil erklärte ich Fynja erst einmal, was wir heute alles gemeinsam machen würden. Sie war sofort dabei und dann ging es daran, weiter das Vertrauen zu Ensnare aufzubauen. Erst führte Fynja sie und zeigte ihr erneut all die Dinge: Sie umrundeten Hütchen, gingen durch Tore und Flatterbänder. Dann stieg Fynja auf und ich führte die beiden erst einmal, ehe ich sie noch einmal alleine reiten ließ. Ensnare zuckte zwar immer noch häufig zusammen, aber wir wiederholten die Übungen so lange, bis Ensnare meistens entspannt wurde, weil sie die Prozedere bereits kannte. Auch mit den beiden hätte ich gerne noch länger gearbeitet, doch es wurde langsam Zeit für den nächsten Kandidaten. Ich ließ die beiden noch einmal in allen Gangarten einmal um die Halle reiten, damit Ensnare die Gegenstände in guter Erinnerung behielt und dann verließen sie mich auch schon und vor der Tür stand Alicia mit ihrem Remi.
      Mit den beiden hatte ich wesentlich mehr zu tun als mit den vorherigen. Remi war wirklich noch sehr scheu und auch nicht sonderlich begeistert von meiner Nähe oder meinen Berührungen, so dass ich den beiden oft nur von der Entfernung Tipps geben konnte. Erst einmal sollte Remi mehr Vertrauen in Alicia fassen und so arbeiteten wir die erste Viertelstunde vor allem daran, ehe es erst überhaupt in Richtung Festspiele gehen konnte. Als das Vertrauen allmählich da war, verlor Remi auch langsam seine Angst vor den gefährlichen Dingen die in der Halle standen und er wurde zunehmend mutiger. Auch mich akzeptierte er von Minute zu Minute immer mehr und ich war langsam gewollt. So konnte ich mitwirken und die beiden, als Alicia auf ihm saß, sogar ohne Probleme durch die Halle führen. Wir machten in der halben Stunde unglaubliche Fortschritte!
      Das letzte Paar war Alessia mit Nymeria. Auch bei den beiden festigte ich noch einmal die Vertrauensbasis durch einige Übungen aus der Bodenarbeit, damit Nymeria sah, dass sie Alessia in jeder Situation ihre Sicherheit anvertrauen konnte. Danach konnten wir loslegen, dass Nymeria alle besonderen Dinge in der Halle kennen und lieben lernte. Anfangs waren wir damit nicht sonderlich erfolgreich und hatten alle Hände voll zu tun, doch nach und nach wurde es immer besser und ich sah Alessia an, wie sehr sie sich selbst über die Fortschritte von Nymeria freute! So konnte ich auch die letzte Einzelstunde mit einem guten Gefühl beenden und traf die vier Paare noch einmal im Stall für ein gemeinsames Gespräch für das weitere Vorgehen. „18 Uhr treffen wir uns alle hier im Stall!“, mit den Worten gönnte ich allen eine einstündige Pause.
      Wieder frisch und hochmotiviert traf ich meine Kursleute dann im Kurs an und wartete dort schon mit Federn, bunten Schleifen und Handmalfarben auf sie. Der Großteil starrte mich entgeistert an, doch ich grinste nur. „Das hier ist ein Festspielkurs, also wollen wir jetzt zum Abschluss ein kleines Festspiel machen!“, meinte ich lachend und verteilte Kostüme für Pferd und Reiter. Die Reiter sollten sich als erstes Umziehen, damit die Pferde sie dann schon in ihrer neuen Kleidung während des Putzens kennenlernen konnten. Dann wurden die Pferde schick gemacht und herausgeputzt. Da die heutigen Kursteilnehmer nicht ganz meinem Ideal entsprachen, hatte ich unsere Parade zwar etwas abgewandelt, aber sie würde dennoch ihre Wirkung entfalten.
      In der Halle trafen wir uns. Dort hatte ich aus den gruseligen Dingen einen ordentlichen Parcours gestaltet, durch welchen wir jetzt marschieren würden. Ravi und ich waren als Indianer und sein Pferd verkleidet und würden die Gruppe anführen, danach sollte Verena kommen, dann Alicia, dann Alessia und zum Schluss Fynja. Ich gab ein Zeichen und meine kleine Schwester schaltete die Musik ein. Sie war nicht sonderlich laut, sondern gab einen entspannten Hintergrund her. Und so liefen wir mindestens zweimal durch die gesamte Halle. Am Anfang hatten sowohl Reiter als auch Pferde allerhand Bedenken, beim zweiten Mal sah das Ganze dann aber schon viel entspannter aus! Zufrieden lobte ich nach dem dritten und gerittenen Durchgang meinen Kurs und kündigte offiziell das Ende dieses Tages an. Alle würden noch ihre Pferde versorgen und dann zum Abendessen eilen, denn ich war bestimmt nicht die einzige mit einem Bärenhunger. Morgen in aller Frühe würden sich alle samt ihrer Pferde wieder auf den Heimweg machen. Der Kurs war also erfolgreich geschafft!
    • Eddi
      [​IMG]
      Ehemalige Berichte
      Tierarztbericht – Pferdeklinik & mobiler Tierarzt „Horse Heaven“ | My Hope Nymeria
      |17.02.2017 ©Möhrchen (2.564 Zeichen/ 429 Wörter)

      Am Sonntag Nachmittag machte ich mich mal wieder auf den Weg zu meiner Schwester. Sie hatte wieder ein neues Pferd bei sich aufgenommen, diesmal war es eine kleine Shettystute. Sie war erst wenige Tage auf dem Hof und sollte deshalb erst einmal untersucht werden.

      Als ich auf der Küstenranch ankam, sah ich meine Schwester schon am Putzplatz. Sie putzte gerade Ramira, die ich erst vor wenigen Tagen untersucht hatte. Ich begrüßte sie herzlich und half ihr, die gescheckte Tinkerstute zu Ende zu putzen. Anschließend brachten wir sie zurück auf den Paddock und machten uns auf den Weg zur Miniranch, wo die kleinsten Hofbewohner lebten. Nymeria stand ganz hinten am anderen Ende des Paddocks. Brav ließ sie sich von meiner Schwester einfangen und folgte ihr zum Tor. Ich hielt den beiden das Tor auf und wir gingen gemeinsam zum Putzplatz zurück. Ich begrüßte die Kleine Stute erst einmal und schaute sie mir genau an. Sie war ziemlich klein für ein Shetty und schaute mich etwas misstrauisch an. Ich fing behutsam an, ihre Augen und Ohren zu kontrollieren, schaute ihr ins Maul und tastete ihre Halswirbel ab. Als ich an den Rücken kam, drehte sie den Kopf zu mir und drehte sich mit angelegten Ohren von mir weg. Ich beruhigte sie wieder und schließlich ließ sie mich auch die Rückenwirbel abtasten. Es fühlte sich aber alles gut an, ich konnte weder Verspannungen noch Blockaden fühlen.

      Als nächstes wiederholte ich das Ganze mit den Beinen. Auch hier zeigte sie keine Schmerzen, es schien ihr aber noch immer nicht ganz geheuer zu sein, sich von mir untersuchen zu lassen. Ich bat meine Schwester, sie eine Runde über den Hof zu führen. Im Schritt hin, am Ende eine enge Wendung und im Trab wieder zu mir zurück. Nymeria folgte ihr brav und als sie wieder bei mir waren schien sie sich ein bisschen entspannt zu haben. Ihre Bewegungen sahen locker und flüssig aus, ich hatte nichts zu beanstanden.

      Nun holte ich mein Stethoskop raus und hörte ihr Herz, ihre Lunge und ihren Bauch ab. Es hörte sich alles normal an, ich konnte nichts Auffälliges finden. „Das sieht doch alles sehr gut, die Kleine ist topfit“, sagte ich zu meiner Schwester und kraulte Nymeria den Hals. Sie ließ es nun ruhig geschehen und war nicht mehr so misstrauisch wie am Anfang. Gemeinsam brachten wir die Stute zurück in den Offenstall und zogen uns dann quatschend ins Reiterstübchen zurück, um den Abend noch ein bisschen gemütlich ausklingen zu lassen.


      Training mit der Shettybande
      22. Mai 2017; (c)FrauHolle

      Endlich war der Sommer auch bei uns im Norden angekommen. Die letzten beiden Tage war traumhaftes Wetter gewesen und auch heute schien schon früh am Morgen die Sonne. Nach vielen Terminen auf anderen Höfen in der letzten Woche, wollte ich mir heute ganz viel Zeit für meine Ponys nehmen. Die letzte Woche hatten My hope Nymeria, Rabea und Wednesday auf der großen Weide verbracht und durften das erste frische Gras des Jahres genießen. Vollgefuttert und völlig zufrieden hatte ich die 3 gestern Abend zurück in den Offenstall zu den Fohlen gestellt. Die drei hatten in dieser Woche ordentlich zugelegt und wir mussten uns nun dringend wieder ans abspecken machen. Mit Halftern im Gepäck machte ich mich also auf den Weg zur Miniranch. Die Fohlen hatten es sich in der morgendlichen Sonne gemütlich gemacht und auch Rabea, Nymeria und Wednesday genossen die Ruhe. Ich schnappte mir ein Shetty nach dem anderen und halfterte es auf. Das Arbeiten zusammen mit Nymeria, Wednesday und Rabea war schon lange kein Problem mehr, denn die drei verstanden sich super. Nebeneinander parkte ich die Ponys auf dem Putzplatz ein und striegelte erst Wednesday, dann Rabea und schließlich Nymeria. Nachdem ich die Hufe ausgekratzt, und den Schweif, sowie die Mähne gekämmt hatte, führte ich die drei Richtung Strand. Wednesday führte ich auf der linken Seite, Rabeas und Nymerias Strick hatte ich in der rechten Hand und Nymeria lief artig schräg hinter Rabea her. Wir liefen über den Deich und schließlich durch den tiefen Sand bis zum Wasser. Die kleine Cremellostute Wednesday war sofort mit allen vieren im Wasser und platschte vergnügt umher. Auch Rabea wagte sich nach kurzem zögern ins Wasser und streckte ihre Nase ins kühle Nass. Nymeria hingegen beobachtete die ganze Sache lieber mit etwas Sicherheitsabstand, denn das Wasser war ihr nicht ganz geheuer. Ich schlenderte mit den Shettys ein Stück den Strand entlang. Mit jedem Pony hatte ich in letzter Zeit fleißig an der Zirzensik gearbeitet und vor allem Wednesday hatte einiges an Stricks gelernt. Artig zeigte sie das Kompliment, den Spanischen Gruß, das Drehen und ihren neuen Strick, das Flehmen. Mit Rabea hatte ich vor einigen Tagen mit dem Plié angefangen und Nymeria hatte als ihren ersten Strick, das Küsschen geben, gelernt. Zufrieden gab ich jedem Pony ein Leckerli und wir machten uns nach guten 20 Minuten auf den Rückweg. Wir schlenderten zurück über den Deich, am Trailplatz vorbei uns schließlich zum großen Reitplatz, wo ich die drei freiließ. Im Nu hatten sich die Ponys in den Sand geworfen und kratzten sich das juckende Fell. Wednesday war die erste, die nach dem wälzten aufsprang und bockend in die andere Ecke des Reitplatzes rannte. Die anderen beiden sprangen vergnügt auf und preschten im vollen Galopp Richtung Wednesday. Ich trieb die Ponys mit meinem Strick etwas vorwärts und lenkte sie auf die rechte Hand. Rabea rannte vorne weg, doch die anderen waren ihr dicht auf der Fersen. Selbst Nymeria, die oft so unsicher und schüchtern war, kam richtig aus sich raus und schmiss die Hinterbeine in die Luft. Gute 10 Minuten tobten die drei über den Platz, bis ich versuchte, das Tempo etwas rauszunehmen und ihnen eine kurze Verschnaufpause gönnte. Während die Ponys kurz durchatmeten, baute ich ein kleines Cavaletti bei E auf. Ich trieb die drei wieder nach außen und schickte sie über das Hindernis. Nymeria und Wednesday überquerten mit einem eleganten Hüpfer den Sprung, Rabea hingegen schummelte sich rechts am Cavaletti vorbei. In der nächsten Runde achtete ich besonders auf Rabea, die nach kurzem Abstoppen zögerlich über den Sprung hüpfte. Nymeria lief inzwischen wie ein kleines Uhrwerk und drehte brav ihre Runde. Nach einem Handwechsel und weiteren Runden parierte ich die drei durch, ließ sie noch kurz traben und holte sie dann zu mir in die Mitte. Es war im Gegensatz zu den letzten Wochen ziemlich warm, die Ponys hatten teilweise noch etwas Winterfell und alle drei waren etwas nassgeschwitzt. Ich nahm die Ponys an die Stricke und führte sie einige Runden im Schritt über den Platz, bis sie nicht mehr ganz so schnauften. Nachdem ich noch für jeden einen Apfel vom Apfelbaum gepflückt hatte, brachte ich die drei wieder zurück zu den anderen. Am Tor erwartete uns schon Nabiri, die ihre Herde sichtlich vermisst hatte. Auch Contia Socks und Devils Trap kamen neugierig nach vorne getrabt, als sie uns bemerkten. Zufrieden sah ich meiner Shetty- und Fohlenbande noch einige Minuten zu, bis ich mich ans Abäppeln des Offenstalls machte.


      Das Jahr 2017 - Jahresrückblick
      17. Dezember 2017 ©FrauHolle

      Was für ein Jahr! Im Januar hatte ich mir meinen Traum von einem eigenen Hof erfüllt. Gleich an Neujahr hatte ich mit meiner Familie und meinen Freunden angefangen die ersten Ställe zu renovieren. Den ganzen Januar durch hatten wir Tag und Nacht geschuftet: Die Halle bekam einen neuen Boden, die Boxen wurden gestrichen und das Reiterstübchen wurde komplett renoviert. Wir karrten Haufenweise neuen Sand auf die Paddocks und in die neu gebauten Unterstände und auch eine große Liegehalle für den Aktivstall bauten wir alle gemeinsam. Doch die ganze Arbeit hatte sich mehr als gelohnt und dank meiner vielen Helfer konnte ich am 23. Januar meine erstes eigenes Pony auf die Küstenranch holen: Lumikello durfte als erstes Pferd in den neuen Aktivstall ziehen. Ich war stolz wie Oskar und verbrachte Stunden damit, Lumi im neuen Stall zu beobachten. Wir wurden schnell zu einem guten Team und auch heute, fast ein Jahr später, kann ich mich wirklich glücklich mit ihm schätzen. Natürlich sollte Lumikello nicht alleine bleiben und so kaufte ich schon drei Tage später einen Freund für ihn. Fallen Godness und Lumi verstanden sich auf Anhieb und auch ich war zufrieden mit dem jungen Hengst. Leider merkte ich mit der Zeit, dass Fallen und ich nicht wirklich zusammenpassten, sodass ich ihn im Sommer an meine Schwester verkaufte.
      Auch die Shettystute Rabea und der Falabellahengst Treebeard zogen bald darauf bei mir ein, genau wie Tinkerstute Ramira. Doch fünf Pferde waren mir noch nicht genug, sodass ich regelmäßig neue Pferde auf meinem Hof begrüßen durfte. Mit Lamiro hatte ich einen perfekten besten Freund für Treebeard gefunden, denn die zwei sind seid Lamiros Ankunft unzertrennlich. Auch Rabea sollte natürlich eine kleine Herde bekommen, und so erweiterte ich die Miniranch und kaufte My Hope Nymeria. Im März nahm ich dann eine neue Herausforderung an und kaufte mir die beiden Fohlen Devils Trap und Nabiri, die den Stuten auf der Miniranch Gesellschaft leisten durften.
      Ich lebte mich immer mehr auf meinem Hof ein und der Alltag mit und bei den Pferden spielte sich so langsam ein. Während ich mich zwischendurch immer wieder auf die Reise quer durch Europa machte, um meinem Beruf als Trainerin nachzugehen und mir ein bisschen Geld zu verdienen, konnte ich die Pferde problemlos einige Tage alleine lassen, in denen sich eine Freundin von mir um die Fütterung der Pferde kümmerte. An den Wochenenden fuhr ich immer regelmäßiger zu Turnieren und holte erste Schleifen und Siege auf die Ranch, die ich stolz im Reiterstübchen aufhängte.
      Im April zogen dann Wednesday, Contia Socks, sowie Lady Felize auf meinen Hof. Mit Lady Felize hatte ich einen sehr guten Fang gemacht. Wir trainierten jeden Tag, bestritten jede Woche teilweise mehrere Turniere und holten einen Sieg nach dem anderen. Im September erlebte ich dann das Highlight des Jahres: Felize Körung! Ich konnte es kaum glauben, wie gut sie sich innerhalb von einem halben Jahr bei mir entwickelt hatte und konnte sie voller Stolz mein erstes gekröntes Pferd nennen. Doch auch Harvey, die zusammen mit Miss Monty und Rumkugel im Mai auf meinen Hof zog, machte sich im Turniersport sehr gut und ich war mir sicher, dass auch sie es Anfang nächsten Jahres zur Krönung schaffte.
      Im Juni wurde die Miniranch durch Funny Sugar noch einmal aufgemischt und auch die Stutenherde war mit Jule nun endlich komplett. Ich nahm nicht nur mit Harvey und Lady Felize an Turnieren teil, sondern auch die Shettys überraschten mich wieder, indem sie einige Siege in Fahrturnieren absahnten. Mit dem Kauf von Burnout erhoffte ich mir ein weiteres Turnierpferd und ich war mir ziemlich sicher, dass ich 2018 mit ihm durchstarten kann. Im Oktober zog dann mein letztes Pferd für dieses Jahr ein. Lewitzerhengst Leon hatte es mir total angetan und ich bereute es auf keinen Fall, ihn zu mir geholt zu haben.
      Ich war nicht nur stolz darauf, was ich innerhalb eines Jahres alles erreicht hatte, sondern auch überglücklich, jedes einzelne dieser Pferde zu besitzen. Das Jahr 2017 war wirklich überaus perfekt und ich freute mich schon riesig darauf, im neuen Jahr sowohl als Trainerin, als auch als mit meinen Pferden, durchzustarten. Mal sehen, was 2018 so mit sich bringt!


      Ein Sommertag im Stall
      29. Mai 2018 ©FrauHolle

      Pünktlich um 6 Uhr am Morgen klingelte mein Wecker. Ich schaltete das laute Piepen aus und blieb noch einen Moment liegen. Dann wälzte ich mich auf die rechte Seite und griff nach meinem Smartphone, um meine Neuigkeiten zu checken. Ich öffnete meine Wetter-App. Sonne, Sonne und noch mehr Sonne, dachte ich. Heute Nachmittag zeigte mein Handy über 30 Grad an. Ich musste mich schleunigst an die Arbeit machen, um zumindest die Stallarbeit zu erledigen, bevor die Temperaturen anstiegen. Nach einem schnellen Besuch im Badezimmer schlenderte ich nach draußen. Ich füllte zuerst bei den Stuten, dann bei den Hengsten und schließlich auch bei den Minis das Wasser auf und befüllte die Heuraufen und -netze mit frischem Heu. Danach äppelte ich die Sandflächen in den Offenställen und im Aktivstall ab und harkte das auf dem Boden liegende Heu zu einem Haufen zusammen. Schon jetzt war die Luft ziemlich schwül und ich kam ordentlich ins Schwitzen. Doch ich hatte noch viel vor und nach einer kurzen Trinkpause machte ich mich daran, die Ponys zu beschäftigen.
      Zuerst brachte ich die Aktivstall-Hengste, die den heutigen Vormittag auf der großen Wiese verbringen durften, nacheinander auf die andere Straßenseite. Leon und Burnout machten den Anfang, danach folgten Rumkugel und Lumikello. Den vieren war die Freude sichtlich ins Gesicht geschrieben, denn sie stürzten sich begeistert auf das frische Gras. Ich hängte die Halfter zurück an ihren Platz und holte Felize Dressursattel, Trense und Putzzeug aus der Sattelkammer und stellte diese an den Putzplatz. Für Lady Felize stand heute lockeres Dressurtraining auf dem Plan. Im Nu hatte ich die Stute geputzt und gesattelt und saß schließlich gegen 10 Uhr im Sattel. Obwohl ich viele Schrittpausen machte und das Programm ans Wetter anpasste, war Felize bei den Temperaturen nach dem Training ordentlich nassgeschwitzt. Ich nahm ihr den Sattel mit der vollgeschwitzten Schabracke ab und duschte die Stute am Waschplatz. Kaputt aber zufrieden schmiss Felize sich sofort in den Sand, als ich sie zurück zu ihren Freundinnen brachte. I
      nzwischen war die Mittagszeit angebrochen und die Sonne stand schon ziemlich hoch. Auch ich brauchte dringend eine Abkühlung und so zog ich mir eine kurze Hose an, schnappte mir Ramira, Miss Monty und Nabiri und machte einen Spaziergang an den Strand. Artig folgten die drei mir am Strick bis zum Wasser. Monty stürzte sich sofort ins kühle Nass und plantschte drauf los. Ramira musste sich erst einmal an das kalte Wasser gewöhnen und tastete sich langsam immer weiter rein. Nabiri hingegen war eher nicht so begeistert von der ganzen Sache, doch war am Ende durch Montys Rumgeplansche unfreiwiligerweise genauso nass wie die anderen. Ich versuchte noch ein Stückchen am Wasser entlang zu gehen, doch das gestaltete sich mit drei Pferden, die alle unterschiedlichen Mist im Kopf hatten, eher schwierig. Nachdem Monty sich noch genüsslich im Sand paniert hatte, machten wir uns auf den Rückweg.
      Zurück auf dem Hof holte ich die Hengste von der Weide. Zwar wären die vier wahrscheinlich gerne noch länger dort geblieben, doch einen ganzen Tag Gras waren sie nicht gewohnt. Doch das war auch ganz gut so, denn so konnten Funny Sugar, Contia Socks, Rabea, My hope Nymeria und Wednesday den Nachmittag auf der Weide verbringen. Nachdem ich die fünf in zwei Etappen zur Weide geführt hatte, gönnte ich mir eine kleine Mittagspause und setzte mich mit einem Salat und einer kühlen Cola in den Schatten. In der Sonne war es nun kaum auszuhalten und auch die Ponys suchten auf ihren Weiden und Paddocks nach Schatten. Durch die Reithalle lag der kleine Reitplatz zum Glück im Schatten und so konnte ich dort nach der Mittagspause ein wenig Bodenarbeit machen. Tinkerstute Jule hatte inzwischen viel Freude an der Bodenarbeit entwickelt und selbst bei diesem Wetter war sie konzentriert bei der Sache. Wir übten ein paar Zirkuslektionen und das Seitwärtsgehen über eine Stange. Nach einer guten halben Stunde lobte ich Jule zufrieden, duschte ihr die Beine und brachte sie zurück zu den Stuten.
      Ich holte das Halfter für Devils Trap aus der Sattelkammer und holte das kleine Shettyfohlen vom Paddock. Devil hatte bis vor kurzem noch panische Angst vor Wasser und so übten wir nun jeden Tag abwechselnd mit dem Wasserschlauch und der Nordsee. Inzwischen bleibt Devil schon ruhig stehen, wenn ich ihr mit dem Wasserschlauch die Beine abspritze. Und auch ins Meer traute sie sich Stück für Stück immer weiter rein. Bei der Hitze heute wollte ich versuchten, Devil komplett abzuduschen und war gespannt, wie sie reagieren wird. Ich begann an den Hufen und tastete mich von dort immer weiter nach oben. Devil guckte etwas skeptisch doch langsam merkte sie, dass das kühle Wasser an ihrem Bauch doch ganz angenehm sein kann. Ich gab ich zur Belohnung ein Stück Karotte und spritzte dann vorsichtig ihre Brust ab. Devil zuckte kurz zusammen, doch duldete dann mein Vorhaben, ohne sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Das sollte für heute erst einmal reichen. Ich schaltete das Wasser ab und kraulte Devil den Hals. Zusammen mit Nabiri stellte ich sie auf den Springplatz, wo die beiden den restlichen Tag den Rasenmäher spielen durften.
      Als nächstes kümmerte ich mich um Lamiro und Treebeard. Ich putze die beiden, baute Zügel an Lamiros Halfter und schwang mich auf seinen Rücken. Mit Treebeard als Handpferd ritt ich Richtung Strand. Bei Lamiro war ich mir inzwischen hundertprozentig sicher, dass ich ihm auch ohne Sattel und Trense am Strand vertrauen konnte. Ich ritt in einem gemütlichen Schritt im flachen Wasser am Strand entlang. Treebeard blieb ab und zu stehen und steckte seine Nase ins Wasser, trabte dann aber immer wieder direkt seinem großen Freund hinterher. Ich ritt noch ein kleines Stück weiter ins Wasser herein und die beiden Ponys fingen an, sich gegenseitig nass zu machen. Auch ich blieb auf Lamiros Rücken natürlich nicht trocken, doch das war eine wunderbare Abkühlung. Nachdem wir alle drei ordentlich nass waren, ritt ich zurück zum Hof und brachte die beiden wieder in den Offenstall. Ich füllte noch einmal alle Tränken mit frischem Wasser, brachte den Pferden neues Heu und ging schließlich ins Haus, um mir etwas trockenes anzuziehen.
      Nach dem Abendbrot holte ich die fünf Minis von der Weide. Inzwischen war es glücklicherweise nicht mehr so warm und die Sonne verschwand so langsam am Horizont. Perfekt, um noch einen kleinen Ritt mit Harvey einzulegen. Rasch holte ich die Sachen aus der Sattelkammer und machte das Pferd fertig. Pünktlich zum Sonnenuntergang stieg ich auf dem großen Reitplatz in den Sattel. Harvey hatte vor kurzem die Stutenkrönung geschafft und ich hatte das Gefühl, dass sie seitdem nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht hatte. Ihre Gänge waren wunderschön und auch die Leistung unterm Sattel konnte sich sehen lassen. Nicht nur als Turnierpferd, sondern auch als Freizeitpferd machte sie mich jeden Tag aufs neue wieder stolz. Das Dressurtraining mit ihr rundete diesen, wenn auch ziemlich heißen und anstrengenden, aber wunderschönen Tag perfekt ab. Nachdem ich Hervey versorgt und Devil und Nabiri zurück zu den anderen gestellt hatte, machte ich noch einmal einen Rundgang über den Hof und viel schließlich todmüde und völlig fertig in mein Bett!


      Ein Sonntag auf der Küstenranch
      02. September 2018 ©FrauHolle

      Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich heute endlich mal wieder einen freien Sonntag und ich freute ich riesig darauf, den Tag auf meinem Hof mit den Pferden zu verbringen. Pünktlich um 7 Uhr klingelte mein Wecker. Ich machte mir Frühstück und war kurze Zeit später gestärkt und mit Stallklamotten draußen bei den Pferden. Bevor ich mich an die Stallarbeit machte, brachte ich Rumkugel, Burnout, Lamiro und Treebeard auf die Weide, denn die vier Hengste hatten heute Pause und durften den Sonntag auf der großen Weide verbringen.Die anderen Pferde wurden von mir mit frischem Wasser und Heu versorgt, dann machte ich mich ans Absammeln der Paddocks und mistete die Unterstände aus. Kurz vor 10 Uhr war ich fertig mit der Stallarbeit und machte mich ans Training.
      Zum Einstieg des Tages hatte ich etwas Springtraining mit Leon geplant. Der junge Lewitzerhengst hatte diese Saison einige Schleifen und Siege mit nach Hause gebracht und ich freute mich total, ihn schon bald auf einer Körung vorzustellen. Auch wenn seine Turniersaison bereits vorbei war, mussten wir natürlich bis zur Körung im Training bleiben und so ging ich regelmäßig mit ihm auf den Springplatz oder ins Gelände. Inzwischen war Leon, trotz seiner Größe, zu einem echten Springprofi geworden und das Training mit ihm machte jedes Mal aufs Neue wieder Spaß. Zum Aufwärmen drehte ich eine „Hofrunde“, so nannte ich die zehnminütige Ausreitrunde einmal um den Hof herum. Wir machten uns im Trab und Galopp auf dem Springplatz warm, bevor ich mit dem Springen begann. Leon war wirklich sehr zuverlässig beim Springen und ich konnte mir immer sicher sein, dass er den Absprung noch rettete. Nach einer guten Stunde machte ich zufrieden Feierabend und brachte Leon zurück auf den Paddock. Ich schnappte mir Funny Sugar und Zenja, denn die beiden hatten heute Nachmittag die Aufgabe den Springplatz zu mähen und ich war mir sehr sicher, dass die beiden jungen Stuten dieser Aufgabe gewachsen waren.
      Nach einer kleinen Mittagspause schnappte ich mir My Hope Nymeria, Nabiri und Contia Socks, um mit den drei Stuten eine Runde spazieren zu gehen. Ich halfterte alle drei auf und machte mich auf den Weg Richtung Strand. Zum Glück war gerade Ebbe und so konnten wir gemütlich durchs Watt spazieren. Die Ponys blieben völlig entspannt und trotteten neben mir her. Wir liefen durch einige Priele, drehten schließlich um und liefen zurück Richtung Hof. Nach einer guten Dreiviertelstunde standen die drei wieder auf dem Paddock. Nachdem ich Devils Trap eine halbe Stunde lang longiert hatte, machte ich Lady Felize und Jule bereit für einen Ausritt. Jule hatte sich in letzter Zeit als gutes Handpferd entpuppt und so konnte ich bei einem Ausritt gleich zwei Pferde bewegen. Wir drehten eine Runde durch den Wald, trabten kleine Feldwege entlang und gaben auf einem Stoppelfeld in der Nähe des Hofs so richtig Gas. Erschöpft aber zufrieden kehrten wir zum Hof zurück, wo ich beiden Pferden eine große Portion Müsli gab. Auch ich hatte jetzt erst einmal genug Action und so longierte ich erst Lumikello und dann Miss Monty. Während Lumi es eher gemütlich anging und sich etwas zögerlich von mir über die Trabstangen bitten ließ, konnte ich Monty vor lauter Energie kaum stoppen. Das war eindeutig ein Zeichen, dass ich öfter etwas mit ihr machen musste und genau das nahm ich mir auch für die nächsten Wochen vor.
      Inzwischen war es schon ziemlich spät und ich legte eine kleine Pause im Haus ein, um Abendbrot zu essen. Doch es waren noch längst nicht alle Pferde bewegt und so sattelte ich nach dem Abendbrot meine Tinkerstute Ramira, um mit ihr etwas auf dem Reitplatz zu arbeiten. Sie war inzwischen seit eineinhalb Jahren bei mir und ich war wirklich stolz auf ihre Entwicklung. Zwar hatte Ramira viel Zeit zum Lernen gebraucht, doch ich hatte ihr die Zeit gerne gegeben. Nicht nur unterm Reiter hatte sie sich deutlich verbessert, sondern auch ihr Charakter hatte sich in letzter Zeit stark zum positiven entwickelt. Für nächstes Jahr hatte ich mir vorgenommen Ramira einzufahren und war sehr gespannt, ob wir eventuell bald unser erstes Turnier melden konnten. Zum Abschluss eines wunderbaren Tages mit meinen Pferden schnappte ich mir die beiden Shettydamen Wednesday und Rabea, sowie meine bereits gekrönte Stute Harvey, und machte mich ein letztes Mal für heute auf den Weg zum Strand. Gemütlich liefen wir dem Sonnenuntergang entgegen und die Pferde plantschten in der Nordsee, bis die Sonne schließlich am Horizont verschwand.
      Am Abend holte ich die vier Hengste von der Weide zurück auf die Paddocks und auch Funny und Zenja durften zurück in ihre Herde. Ich füllte noch alle Raufen mit frischem Heu und füllte die Tränken mit Wasser, dann machte ich mich völlig erschöpft aber sehr zufrieden mit dem Tag auf den Weg ins Bett. Was ein Tag!
    • Eddi
      [​IMG]
      Erster Schnee
      21. November 2018
      Ich war noch nie wirklich ein Frühaufsteher gewesen und doch klingelte jeden Morgen spätestens sechs Uhr - meistens eher - mein Wecker. So auch heute. Seufzend stand ich auf, um ihn auszuschalten und mich dann auf den Weg ins Bad zu machen. Ich beeilte mich ein wenig, denn ich war etwas spät dran. Heute war ich mit dem morgendlichen Stalldienst an der Reihe, zusammen mit Alexa, wenn ich mich recht erinnerte. Also machte ich mir in der Küche noch fix einen Tee in meinen Thermobecher und lief dann hinaus in den Stall. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, denn das Gestüt war bedeckt von einer feinen dünnen Schneeschicht. Die Nacht über hatte es also zum ersten Mal geschneit.
      Wie erwartet traf ich im Stall auch auf eine dick eingepackte Alexa, die sich bereits daran machte, Jungpferde und Hengste zu füttern. Ich übernahm hingegen die Stuten und nachdem alle zufrieden fraßen, machte ich den morgendlichen Kontrollgang und wechselte hier und da schon einmal die Decken. Wir hatten einige geschorene Pferde und gerade bei den jetzt kalten Temperaturen (teilweise hatten wir bereits tagsüber Minusgrade) waren die Decken einfach von Nöten. Besonders, wenn die Pferde von früh bis abends draußen standen und ein kalter Wind begleitete uns hier oben im Norden im Winter immer. Dementsprechend hatte selbst ich mich ganz schnell an eine Mütze gewöhnt, obwohl ich sonst nur sehr ungern Mützen getragen hatte.
      Morgens ging es ruckzuck. Die Pferde brauchten nicht lange fürs Frühstück und schon ging es im Zweier-Takt hinaus auf die Weiden. Aufgrund des dankbaren trocknen und sonnigen Herbstes hatten wir noch unsere Sommerweiden ein Stück weit länger nutzen und so die Winterweiden schonen können. Ab heute standen die Pferde aber offiziell wieder in den kleineren Gruppen auf den Winterweiden. Für Standardverhältnisse waren diesen Weiden immer noch gigantisch, aber dennoch nichts im Vergleich zu den Sommerweiden - die brauchten aber nun auch einmal ihre Pausen und konnten sich so über den Winter zur Genüge erholen.
      Im Stall gelassen hatte ich direkt Sarabi und Walking In The Air. Die beiden hatten heute Morgen Springtraining mit Tassilo und Alexa. Ich hingegen wollte Teasie ein wenig an die Longe nehmen und arbeiten. Doch vorher musste ich noch einmal kurz ins Büro, denn Possy Pleasure Mainstream und Razita sollten kommendes Wochenende auf eine Prämierung und ich musste noch die Anmeldungen durchgehen. Aus dem Grund hatten sie heute auch ihren freien Tag, denn momentan standen sie bald mehr im Training als der Rest unseres Stalles.
      Danach wandte ich mich aber auch schon meiner geliebten Araberstute zu. Teasie war ein wahres Goldstück und ich war sehr dankbar, sie in meinem Stall stehen zu haben. Mittlerweile bestand mein Stall sowieso nur aus Pferden, die für immer ihren Platz hier hätten. Lange Zeit hatten wir wesentlich mehr Vierbeiner gehabt, viele auch auf Durchreise - meist zum Training, ehe sie dann wieder verkauft wurden. Und dann gab es eben auch die Pferde, bei denen es nie hundertprozentig Klick gemacht hatte. Umso schöner das Gefühl, wenn man sich endlich auf jeden Vierbeiner konzentrieren und mit jedem auf einer tollen Ebene arbeiten konnte.
      Aufgrund ihrer Rasse schob Teasie nur sehr wenig Winterfell und war dementsprechend aber auch schon früh eingedeckt worden. Deshalb war ihr aber auch das Scheren erspart geblieben. Heute arbeiteten wir mal wieder am Kappzaum, eine Kombination aus Longieren und Handarbeit. Sie machte wirklich einwandfrei mit und ich konnte mich nicht beklagen. Inzwischen bewies sie eine wunderbare Selbsthaltung, war fleißig und stets kraftvoll bei der Arbeit. Auch das Springtraining lief gut und inzwischen war auch Tami am Stall angekommen.
      Sie folgte mir mit zur Weide, wo wir zunächst Teasie wegbrachten und dann Like Honey and Milk, Shattered Glass, Amadahy und Lila Wolken holten. Ein Ausritt zu viert stand an. Diese Zeit fand ich immer schön, denn es war absolut Quality Time mit dem Team und den Pferden. Ich ritt Amadahy, eine unserer jüngsten Stuten. Dementsprechend tat es ihr mehr als gut, mal wieder in einem Verband aus älteren und erfahrenen Stuten mitzulaufen. Sie war auch sehr entspannt und machte keinerlei Probleme. Hatte sie eigentlich auch noch nie. Stattdessen stand sie gut im Training und für 2019 war eventuell ihre Prämierung zur Zuchtstute geplant. Den Spaß hatten die anderen drei bereits hinter sich.
      Wieder am Stall angekommen und die Pferde bereits versorgt, verteilte sich das Team komplett und jeder ging seinen Aufgaben nach. Es war kurz vor Mittag und ich wollte gerne noch Raunchy's Limited reiten. Es stand mal wieder Dressur auf dem Plan und Gesellschaft bekamen wir von Tami mit Nandalee, die ein wenig Stangenarbeit machten. Bei einer Halle von 60x40m war das aber kein Problem. Soweit ich wusste, longierte Alexa gerade Naimibia und wollte danach noch Herbsttraum und Alice von Landwein bewegen. Tassilo hingegen hatte heute noch Das Kürbisvieh und Batida de Coco zu bewegen.
      Aufgrund seiner Größe war er nicht so der Fan von unseren kleineren Vierbeinern, verständlich, gehörte aber dennoch dazu. Aber ich hatte auch kein Problem, die Zwerge zu übernehmen und da Polka Dot heute frei hatte (aufgrund ihrer kürzlichen Reise nach Kanada), war nur noch My Hope Nymeria an der Reihe. Die hübsche, kleine Shettystute war noch vollkommen neu in unserem Stall. Durch Zufall hatte ich sie entdeckt und sie stammte von zwei unserer ehemaligen, bereits in Rente gegangenen, Zuchtpferde: Window und Mondscheinsonate. Im Gegensatz zu ihren ausgefallenen Eltern war sie eher schlicht geblieben, überzeugte aber durch einen wunderbaren Körperbau und Charakter. Sie war ein tolles Pferd und deshalb hatte ich keinen Moment gezögert sie zu kaufen.
      Heute machten wir ein wenig Langzügelarbeit, denn ich wollte sie bei Zeiten einfahren lassen und ein wenig Vorbereitung war sicherlich nicht verkehrt. Danach durfte sie auch direkt wieder auf die Weide. Da wir mittlerweile genug Zwerge hatten, standen die drei Damen Polka Dot, Coco und Nymeria zusammen auf einer kleineren Weide und so mussten wir auch nicht alle Zäune des Gestüts dreifach für Shettys sichern.
      Tami hatte in der Zwischenzeit ein wenig Bodenarbeit mit Sally gemacht und danach noch Nesquik longiert. Inzwischen war es 13 Uhr und Zeit für eine Mittagspause, aber wir waren bisher auch wirklich gut vorangekommen und siehe da, die Sonne beehrte uns auch und nahm leider auch den wenigen Schnee mit sich.

    • Eddi
      [​IMG]
      Sommerarbeit
      19. Juni 2019
      Dieses Jahr begann der Sommer angenehm. Zwar waren die Temperaturen bereits hoch, dennoch regnete es in regelmäßigen Abständen und die Natur erstrahlte in einem vollen Grün. Die erste Heuernte hatten wir auch bereits drin und es war wirklich gutes Heu. Auch den Pferden ging es gut und aktuell befanden wir uns noch nicht annähernd im Sommerloch. Die Turniere liefen super, das Training lief einwandfrei und die Pferde waren alle fit. Polka Dot und My Hope Nymeria liefen regelmäßig vor der Kutsche, ebenso wie Batida de Coco. Ich wechselte die drei regelmäßig ab, so dass jede mal mit jeder lief und bisher machten die drei sich wirklich gut.
      Sarabi, Possy Pleasure Mainstream, Razita und Walking In The Air gingen regelmäßig Turniere. Letztere weniger als die jüngeren Stuten, aber dennoch nahm Wita unsere Praktikanten und Reitschüler wirklich gut mit und brachte ihnen unglaublich viel bei. Teasie unterstand aktuell vor allem mir. Momentan arbeitete ich viel mit der Araberstute und heute hatten wir schon einen herrlichen Strandritt hinter uns. Das war bei dem Wetter sowieso unsere Lieblingsbeschäftigung mit allen Pferden. Es war einfach traumhaft. Erst zu Pfingsten hatten wir einen riesigen Ritt organisiert und es war einfach genial gewesen. Da sich alle Pferde hier auch kannten, war es eine sehr harmonische Gruppe gewesen. Mit Like Honey and Milk und Shattered Glass war es sowieso entspannt, aber auch unsere Jungstuten wie Raunchy's Limited oder Nandalee hatten gut mitgezogen.
      Naimibia trainierten wir aktuell viel für die Turniere. Gemeinsam mit Amadahy sollte sie diesen Sommer noch das ein oder andere Turnier starten. Das Kürbisvieh und Lila Wolken waren aktuell von so etwas befreit. Ähnlich wie Herbsttraum und Alice von Landwein. Wir konnten turniertechnisch eben nicht alle Pferde abdecken, dennoch wurden alle mindestens vier bis fünfmal die Woche bewegt und das galt auch für Sally und Nesquik, auch wenn meine Welshstuten gerne den gesamten Sommer auf der Weide verbracht hätten.
    • Eddi
      [​IMG]
      Neujahr
      03. Januar 2020
      Mississle, Teasie, Sarabi, Possy Pleasure Mainstream, Razita, Walking In The Air, Like Honey and Milk, Shattered Glass, Raunchy's Limited, Naimibia, Das Kürbisvieh, Amadahy, Lila Wolken, Herbsttraum, Alice von Landwein, Nandalee, Nesquik, Sally, Batida de Coco, Polka Dot, My Hope Nymeria
      Panta Rhei, Phex, Leitz, Exciting Force, Altyn, Fiebertraum, Nochnoi Dozor, Catani, Cover the Sun, Pajero, Dr. Insektor, Aristo, Thorondor, Call me a Twist, Dissident Aggressor, HGT's Unitato, Outlaw Torn, Feuervogel, Varulv, Calimero II, Vertigo, Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, Single Malt, Erutan Wishes, What does the Fox say
      Graceful Eclipse, Merida, Maelis, Lady Fox, Korah, Nabiri, Acariya, Herbstmond, Cover the Moon, Paddington, Feuerdrache, Applaus


      Das neue Jahr war angebrochen und mit ihm auch ein neues Jahrzehnt. 2020 hatten wir erreicht und ich war stolz auf das, was das Gestüt Sapala darstellte. Wir hatten ein funktionierendes, tolles Team, welches sich mit ganzem Herzblut um die Pferde kümmerte und die konnten sich auch wirklich nicht beklagen.
      Das vergangene Jahr hatten wir ruhig und entspannt enden lassen. Wie immer schickte ich meine Mitarbeiter über die Feiertage zu ihren Familien in ihren wohlverdienten Urlaub. Zu den Tagen schafften wir es auch mit wenigen, den Stall in Stand zu halten und die Pferde hatten zum Großteil frei.
      Natürlich waren wir alle Pferdemenschen und die ließen es sich nicht nehmen, auch ihre freie Zeit im Stall zu verbringen. Es war immerhin unsere Leidenschaft. So hatten wir zum 23.12. einen großen gemeinsamen Weihnachtsritt mit gemeinsamen Mittagessen gemacht und am 01.01. hatten wir uns alle zum Neujahrsritt versammelt.
      Mein Team hatte die vergangenen Tage damit verbracht, ihre kleinen Reitschülergrüppchen auch an so etwas wie einem Neujahrsritt teilhaben zu lassen. Natürlich ging das nicht alles an einem Tag, aber so waren die ersten Tage des neuen Jahres direkt gut gefüllt gewesen.
      Ende Januar würde unser jährliches Neujahrsturnier anstehen und die jungen Reiter trainierten jetzt schon fleißig und waren sehr ehrgeizig. Auch für meine Mitarbeiter gab es eine eigene Abteilung, auch sie sollten sich messen dürfen und ihren Spaß haben.
      Ich war schon voll in den Vorbereitungen hierfür, bereitete die Schleifen und Gewinne vor und plante das Event und schrieb Listen. Draußen war es heute diesig und nass, so dass ich gerne mal den Tag zum Großteil im Büro verbracht. Den Morgen über hatte ich bereits auf mehreren Pferden gesessen, denn nun ging das Antrainieren wieder los, wenn wir dann im März in die diesjährige Turniersaison starten wollten.
      Die ersten Tage des Jahres würde ich noch viel für Organisatorisches gebrauchen, aber dann sollte alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.
    • Eddi
      [​IMG]
      Sommergewitter
      14. Juni 2020
      Mississle, Teasie, Sarabi, Possy Pleasure Mainstream, Razita, Walking In The Air, Like Honey and Milk, Shattered Glass, Raunchy's Limited, Naimibia, Das Kürbisvieh, Amadahy, Lila Wolken, Herbsttraum, Alice von Landwein, Nandalee, Nesquik, Sally, Batida de Coco, Polka Dot, My Hope Nymeria
      Panta Rhei, Phex, Leitz, Exciting Force, Altyn, Fiebertraum, Nochnoi Dozor, Catani, Cover the Sun, Pajero, Dr. Insektor, Aristo, Thorondor, Call me a Twist, Dissident Aggressor, HGT's Unitato, Outlaw Torn, Feuervogel, Varulv, Calimero II, Vertigo, Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, Single Malt, Erutan Wishes, What does the Fox say
      Graceful Eclipse, Merida, Maelis, Lady Fox, Korah, Nabiri, Acariya, Herbstmond, Cover the Moon, Paddington, Feuerdrache, Applaus


      Das Gewitter überraschte uns unwillkürlich. Die vergangenen drei Tage hatten wir schönstes Wetter gehabt und die Temperaturen waren bis zu den 30 Grad hochgeklettert, und dann brach es herein. Ein richtiges Sommergewitter und zwar eins von der fiesen Sorte. Und hier oben an der Küste erwischte es uns mehr, als es lieb war. Innerhalb einer Stunde schlug das komplette Wetter um. Im Himmel brauten sich die dunklen Wolken zusammen und man hörte bereits den ersten Donner, während die Blitze bisher kaum sichtbar war.
      Ich war gerade mit Leitz ausreiten und wir machten uns, so schnell es ging, auf dem Heimweg. Während Leitz leicht flockig vorwärts trabte, rief ich bereits zu Hause an, damit dort alles sturmsicher gemacht wurde. Außerdem mussten die Pferde in den Stall. Natürlich hatten wir alle Herden inzwischen auf den großen Sommerweiden. Aber die meisten davon waren nicht unbedingt für solche Gewitter geeignet und ich wusste meine wertvollen Tiere lieber in Sicherheit.
      Als ich mit Leitz am Stall ankam, sprang ich aus dem Sattel und drückte den schönen Palomino einen meiner Stallburschen in die Hand. Eigentlich war das nicht meine Art, aber ich schnappte mir vier Stricke und eilte zu den Jungpferden, um dort zu helfen. Gerade die Jungspunde hatten nicht so viel mit Menschen zu tun und würden es nur bedingt einsehen, jetzt unbedingt mitkommen zu müssen. Doch sie benahmen sich alle einwandfrei und eine halbe Stunde später standen alle im Stall.
      In der Zwischenzeit hatte es bereits begonnen zu nieseln. Inzwischen schüttete es aus Eimern. Ich rannte mit Batida und Polka Dot an meiner Seite noch schnell in den Stall und schon waren alle Pferde drin. Die beiden Ponys packte ich in ihre Box, wo sie sich direkt zufrieden aufs Futter stürzten. Alle Pferde standen drin, während der Regen auf das Dach einprasselte. Auch mein Team fand sich komplett im Stall ein, manche noch trocken, manche ganz schön durchnässt - doch alle gut gelaunt.
      Gemeinsam verzogen wir uns in unser Reiterstübchen wo ich Tee aufsetzte und Alexa Sandwiches verteilte. So verbrachten wir gemeinsam den Abend, ehe ich alle früher als sonst nach Hause schickte, denn es regnete und stürmte immer noch und ich wollte gerne, dass alle heil zu Hause ankamen. Vermutlich würde es die ganze Nacht über weiter so gewittern.
    • Eddi
      [​IMG]
      Adventritte
      04. Dezember 2020
      Jedes Jahr fanden zu den Adventssonntagen unsere Adventritte an den Strand statt. Es war das jährliche Highlight für unsere Reitschüler, egal ob jung oder alt, ob Anfänger und Profi. Heute, am ersten Advent würde ich den ersten Ritt anführen. Insgesamt fünf Reitschüler hatte ich dabei. Es waren unsere jüngsten. Zwar schon gut erfahren, aber dennoch saßen sie alle erst ein bis zwei Jahre im Sattel.
      Doch mit unseren erfahrenen Pferden war das kein Problem. Es war eine reine Mädelsrunde, weshalb ich mich auch für die Ponystuten entschieden hatte. Bereits am Morgen hatte ich Sally, Nesquik, Alice von Landwein, Nesquik und Das Kürbisvieh in den Stall geholt. Ich selbst würde Amadahy reiten. Die Lewitzerstute war zwar auch ein Schatz, aber eben noch relativ jung, umso wichtiger war für sie aber, dass sie Erfahrung sammelte.
      Alle Schüler machten ihre Pferde fertig und dann versammelten wir uns auf dem Hof. Ich kontrollierte bei jedem die Pferde, das Sattelzeug, gurtete nach und warf die Reitschüler in den Sattel. Als dann auch ich saß, konnte es losgehen.
      Wir gingen eine kleinere Runde und waren nur eine Stunde unterwegs. Dennoch hatten wir schöne Trab- und Galoppstrecken dabei, die Kinder konnten die Pferde mal im Meer plantschen lassen und sie genossen das winterliche Wetter.
      Wieder am Stall wurden erst die Pferde versorgt, ehe wir uns zu Plätzchen und heißer Schokolade im Reiterstübchen versammelten und auf die Eltern warteten. Ein paar wenige blieben länger und halfen noch im Stall oder holten die Pferde für den nächsten Ritt in den Stall.
      Den würde Tassilo anführen und es war auch einer der ruhigeren Ritte. Während Tassilo sich auf Sarabi schwang, würden die Reitschüler die erfahreneren Stuten bekommen: Walking In The Air, Like Honey and Milk, Shattered Glass und Razita.
      In der Zeit half ich Alexa bei ihren Kleinen. Die Reitkinder würden heute mit den Ponys eine Runde spazieren bzw. ausreiten gehen. Deshalb standen Batida de Coco, Polka Dot und My Hope Nymeria bereits am Putzplatz und wurden liebevoll betüddelt.
      Die Adventssonntage waren immer relativ stressig, aber dennoch unglaublich schön, ich freute mich jedes Jahr aufs Neue und dieses Mal hatten wir sogar schönstes Wetter und Schnee!
    • Eddi
      [​IMG]
      Weihnachten steht vor der Tür
      10- Dezember 2020
      Der dritte Advent stand vor der Tür und auch Weihnachten rückte immer näher. Aufgrund der aktuellen Situation hatten wir unsere Turnierpräsenz rapide minimiert und waren schon eher in die Jahreswechsel-Pause gestartet, so dass wir auf Sparflamme liefen. Außerdem hatte sich unser Pferdebestand radikal verkleinert. Natürlich auf meinen Wunsch, aber so hatten wir wieder mehr Zeit für unsere aktuellen Schützlinge.
      Für die Turniere blieben weiterhin Amadahy, Catani und Nochnoi Dozor im vollem Training und das reichte auch. Die drei wollte ich diesen Winter gerne weiter fördern, damit wir kommendes Jahr hoffentlich aktiv durchstarten konnten. Auch für unsere kleinen Schützlinge war einiges geplant.
      Cover the Moon und Feuerdrache waren noch recht jung mit ihren drei Jahren und ich gab beiden noch etwas Zeit. Dennoch lernten sie diesen Winter bereits alles Nötige kennen und wurden allmählich mit Bodenarbeit antrainiert. Anders sah es für Paddington, Herbstmond und Maelis aus. Für die drei wurde es bereits wesentlich ernster und neben dem Einreiten, wurden sie auch langsam mehr gefordert.
      Unser Neuzugang Silmpy's Ronja durfte sich zunächst in ihrer neuen Herde eingewöhnen. Sie hatte zunächst sich schnell mit meinen älteren Damen Walking In The Air und Teasie angefreundet. So bildeten die drei die zweite Rentnergruppe neben den Hengsten Call me a Twist, Vertigo und Thorondor, welche auch zusammenstanden.
      Aufgeweckter waren da zum einen die Mädelsgruppe bestehend aus Sarabi, Shattered Glass und Like Honey and Milk. Aufgrund der Winterzeit hatte ich die Gruppen verkleinert, damit die kleineren Weiden kein Problem machten. So standen nun Amadahy, Das Kürbisvieh und Mississle zusammen.
      Auch die Hengste hatte ich ein wenig auseinandergezogen, wobei sie die größeren Koppeln bezogen hatten. Es gab drei Hengstgruppen: Die Gruppe aus Leitz, Phex und Pajero stand dem Stall aktuell am nächsten und ich konnte die drei gerade schön beobachten.
      Catani, Cover the Sun und Nochnoi Dozor standen etwas weiter entfernt, ebenso wie Dissident Aggressor, Aristo und He's called Trüffel. Inzwischen war auch das gesamte Gestüt weihnachtlich geschmückt und wenn man über den Hof lief, konnte man sich sehr über die schönen Dekorationen freuen.
      Besonders der Offenstall der Ponystuten Polka Dot, Batida de Coco und My Hope Nymeria war von den Reitkindern sehr liebevoll geschmückt worden, so dass es auf Gestüt Sapala inzwischen wirklich weihnachtlich war. Zufrieden schlürfte ich an meinem heißen Kakao und zog mich allmählich zurück. Kommende Woche würde noch viel anstehen, denn es sollten auch zwei alte Bekannte zurückkehren. Napayné und Apache's Tomahawk würden endlich wieder zu uns ziehen und ich freute mich schon riesig.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Stutenstall
    Hochgeladen von:
    Eddi
    Datum:
    21 Okt. 2018
    Klicks:
    300
    Kommentare:
    9

    EXIF Data

    File Size:
    269,1 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Name: My Hope Nymeria
    geboren: 2011

    __________________

    Von: Window
    Aus der: Mondscheinsonate

    __________________

    Rasse: Shetlandpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Brauner
    Stockmaß: 91cm

    Beschreibung:
    Für einen Mini zu groß, für ein Shetty kleiner als gewünscht kommt diese Stute mit vielen eher ungewöhnlichen Eigenschaften daher. So ist auch ihre Ängstlichkeit nicht unbedingt typisch und die Linie, aus der sie stammt, kann bisher wenige Erfolge aufweisen. Dennoch ist sie eine Stute, die durch ein korrektes Exterieur besticht und mit Kindern sehr geduldig ist, sodass wir hoffen, sie vor allem in diesem Bereich anzutreffen.
    Nymeria besitz eine angeborene Unsicherheit. Ansonsten ist sie überaus Geduldig, was der Umgang mit Kindern angeht - sie lässt sich putzten und hat dabei die Ruhe weg. Auf dem Platz und über den ganzen Hof tobt sie zusammen mit den anderen Jungpferden über die Wiese. Manchmal findet man die verfressende Stute auch um den Stall herum schleichen um sich in die Futterkammer zu stehlen.

    Ersteller: sweetvelvetrose
    Besitzer: Eddi
    Vorkaufsrecht: sweetvelvetrose

    Fahren A


    __________________

    Gekört: nein

    Nachkommen:
    --

    __________________

    Offizieller Hintergrund