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Gwen

Moon's Gealach

Connemara ♀

Moon's Gealach
Gwen, 18 Aug. 2019
    • Gwen
      Leben auf Blake Crow Meadow

      Fohlenzeit
      12628 Zeichen | Ravenna
      “Bellamy!” rief ich den Namen des Jungen, warf den abgebrochenen Besenstiel zu ihm hinüber noch bevor er richtig reagiert hatte. Trotzdem schoss sein Arm nach oben, sicher fing er den Stock auf. Sah dann in einer Mischung aus Wut und Verwirrung zu mir hinüber. Zwei Schritte brachten mich näher an ihn heran, mein Ende des Besenstils berührte den seinen. “Was soll das werden?” fragte der junge Mann gereizt, sein Blick flackerte hinüber zu seiner Schwester Octavia, die sich mit einem der anderen Häftlinge unterhielt, dessen Namen ich nicht mehr wusste. Bellamy war einen ganzen Kopf größer als ich, sich mit ihm einzulassen ohne den Besen würde ich wohl nicht ohne blaue Flecken überleben. “Nicht das du mich falsch verstehst, deine Schwester ist wirklich ein hübsches Mädchen.” er sog scharf die Luft ein, betrachtete mich “du tust gut daran sie beschützen zu wollen. Aber verschwende deine Zeit nicht, wenn sie es nicht möchte, oder lass dich zu sehr davon einnehmen. Du bist ihr Bruder, ein Schutzinstinkt ist normal, aber lass ihn dich nicht fressen. Du stehst dir selbst im Weg. Vielleicht kommt eines Tages der Punkt an dem sie dich satt ist wegen diesem Verhalten. Lass dir das von jemand älterem sagen….lass das nicht zwischen euch kommen.” Bellamy sah hinüber zu Octavia, die sich jetzt lächelnd umdrehte zu uns winkte und dann wieder an ihre Arbeit ging. Über Bellamys Züge huschte ein zufriedenes Lächeln als er mich wieder ansah “Woher willst du wissen das ich mir selbst im Weg stehe, he?” Wieder tickte ich leicht gegen seinen Stock “Ich habe Augen im Kopf, einen Verstand der denkt und ich war auch einmal ein älterer Bruder!” Wir tauschten einige Schläge untereinander aus, der Junge hatte mich vor zwei Tagen auf den Weiden gesehen als ich mit meinem Langschwert gegen einen unsichtbaren Gegner gekämpft hatte. Bellamy wollte lernen, jetzt hatten wir damit begonnen.”War?” fragte er, als er meinen Schlägen eher auswich. “Krebs, vor vier Jahren. Vorher hatten wir uns heftig gestritten über ihren Freund den ich nicht passend fand. Ich war der letzte der von ihrem Tod erfuhr.” Erst sah er mich schockiert an, dann huschte sein Blick zu Octavia und er kassierte einen Schlag auf die Hand am Stock. “Heey!” “Aufmerksamkeit zu mir, wenn du wirklich lernen willst!” Vielleicht war es nicht die beste Idee einem Sträfling die Kunst des Schwertes näher zu bringen, aber hier konnte er seine Aggressionen auf Sinnvollere Art abbauen. Erst rieb er sich die Hand musterte mich bevor er mit heftigen Schlägen auf mich zu ging. Mühelos wich ich ihm aus, landete einen Treffer auf seinen Rücken der ihn stolpernd in den Dreck fallen ließ. “Beherrsche deine Wut, denn bisher beherrscht sie dich. Bewahre einen klaren Kopf. Reagiere nicht auf mich agiere mit mir, das ist die Kunst eines guten Kriegers. Für heute reicht es. Lass uns die Jungpferde auf den unteren Paddock bringen, dann können wir den Rest fertig machen. Erinner mich bloß daran das wir noch den südlichen Zaun reparieren wollten. Bevor die tragenden Stuten da rauf kommen muss das gemacht werden. Die Schneemassen haben dem ganz schön zugesetzt. Hab das gestern gesehen als ich mit Braum und Bucks spazieren war.”
      Bellamy nickte besonnen als wir uns weiter daran machten das Fohlenpaddock zu säubern. Ich hatte dabei meine liebe Freude, seit knapp zwei Wochen ritt ich nun zusätzlich zu einigen der Vollblüter auch den ein oder anderen Quarter. Muskelkater gehörte momentan zu meinem täglichen Begleiter, ein gutes hatte die Sache allerdings schon - Verena war meine Lehrerin. In meiner ersten Zeit auf der Ranch hatten wir nicht viel Zeit gehabt,es gab durch ihre Abwesenheit viel zu organisieren. Auch so hatte eine Ranch mit knapp 70 Pferden viel zu tun. Zumindest begann bald die Weidesaison,in der würden alle tragenden Stuten und die älteren auf den südlichen Wiesen sein. Dort lebten sie zwar fast halbwild den gesamten Sommer über,aber Verena erzählte mir das es ihnen auch unheimlich gut tat.
      Schließlich machte ich mich auf zu einem meiner neuen Schützlinge. Moon´s Pumpkin lautete ihr Name, sie war die Tochter von Moon mit ihren drei Jahren fertig sie einzureiten. Sie war eher durch Zufall zu uns mir gelangt. Verena hatte fast vergessen gehabt, das die Stute im letzten Jahr von ihrem Hengst Stormbringer gedeckt worden war. Als sie der mir unbekannten vom Tod des Vaters berichtet hatte, machte sie ein Geständnis - sie fühle sich nicht in der Lage die tragende Stute und das kommende Fohlen auf ihrem Hof bestens zu versorgen. Also hatten wir Moons Tochter kommen lassen, sie würde bald zu den Stuten auf der südlichen Weide gehören. Sanft strich ich der jungen Stute über die Nüster, schob ihr einen Spalt des Apfels zu den ich noch in der Jackentasche hatte. Wir waren beide gespannt, denn auch Yoomee und Argo trugen Fohlen in sich. Yoomees Fohlen würde ebenso wie das von Pumpkin von Moon abstammen, bei Argo kannten wir kaum die Vorfahren, über sie fand man nichts im Internet. Hatte Moon auch diese Welt verlassen, so ließ er uns seine Nachkommen hier. In der jungen Stute erkannte ich oft das Gemüt des braunen Hengstes wieder. Ich betrachtete das Armband aus seinen Schweifhaaren. “Du wirst uns nie ganz verlassen, wache über die ungeborenen Fohlen, hörst du?” Natürlich vermochte er nicht mir zu entworten, aber mir gefiel die Vorstellung das er dort oben auf den Weiden Asgards umher tollte. Seelig lächelte ich, strich Pumpkin wieder über die Nüster, fasste an die Seite der Stute und fühlte das Fohlen darin. Wir waren außerordentlich gespannt welche der Stuten zuerst Fohlen würde.
      “Svejn? Kommst du wir wollten die Weiden machen!” es war nicht Bellamy, sondern seine jüngere Schwester Octavia, die mir Bescheid gab. Ihr Bruder saß am Steuer des Jeep auf der Ladefläche befand sich alles was für die Reparatur gebraucht wurde. Ich genoss die Sonne, der Winter hatte sich hier lange gehalten, aber langsam schafften es die Strahlen mir die Haut zu wärmen. “Du kommst mit?” Octavia nickte eifrig, ließ sich bei dem Beifahrer auf den Sitz sinken - ich hatte mich schon auf die Ladefläche gesetzt. Bellamy gab Gas, die Strecke für die wir sonst zu Fuß eine gute halbe Stunde brauchen würden kam mir kürzer vor als gedacht. Jetzt war es an mir zu bestimmen, wo die Löcher im Zaun gewesen waren, dann als wir sie sahen - kaum zu übersehen - machten wir gemeinsam einen Plan. Schweigend ging uns die Arbeit von der Hand,wobei Octavia alsbald dabei war den Zaun nach kleineren Löchern abzusuchen. “Du siehst sie anders an.“ bemerkte Bellamy irgendwann als ich mit meinen Gedanken ganz woanders war,mein Blick ging in die Leere. “Mhm?“ fragend drehte ich mich dem jungen Mann entgegen.Mit dem Hammer deutete er wage in Octavias Richtung “Du siehst sie nicht an wie andere Männer, eher so wie Riley. Nicht das du wie er wärst aber irgendwie. Ach vergiss es!“ er winkte ab als ich zu Lächeln begann. “Sie ist jünger als ich, eher wie meine Schwester...deswegen seheich sie anders an,nicht als wäre sie ein mögliches Ziel. Außerdem..“ kurz verstummte ich dachte darüber nach was ich im Begriff war mir selbst einzugestehen “gehört mein Herz einer anderen.“ Bellamy zog die Nase kraus, grinste verwegen. “Also hatte Riley Recht!“ “Womit?“. Ein roter Schatten lief über sein Gesicht,zwischen zwei Hammer schlägen leckte er sich mit der Zunge über die Lippen als könne er sonst nicht sprechen. “Das du Schottland für die Chefin aufgegeben hast!“ Ich gab ihm keine direkte Antwort bis auf das breite Lächeln auf den Lippen,es schien dem jungen Mann zu reichen er sagte dazu nichts mehr. Nach drei Stunden kehrten wir mit dem Wagen wieder zurück zum Hof, Bellamy hatte ich das Versprechen abgenommen mit niemandem über meine aufkeimenden Gefühle für Verena zu sprechen. Es war schon so kompliziert genug mitihr auszukommen. Wie oft wollte ich sie in stillen Momenten einfach zu mir ziehen und küssen! Da meine Arbeit für heute erledigt war machte ich mich auf den Weg zu Thjalfe ich wollte ein wenig Ablenkung...einen Ausritt um die Gedanken frei zu bekommen.
      Angekommen bei Thjalfe schaute ich auf den blinden Freund meines großen Hengstes, Bucks tat sich schwer mit fremden Pferden. Mein Verkauf von Braum vor dem Umzug hatte auch zur Folge das ich ihn ständig allein ließ sobald ich Thjalfe aus dem Paddock nahm. Wir hatten schon probiert ihn mit einem anderen der Pferde hier zusammen zu stellen, die Versuche waren aber eher gescheitert. Manchmal lief der kleine Schecke etwas planlos, was die Hollywood King Gun und auch Possibility ziemlich verwirrt hatte. Jetzt stand ich also am Paddock der beiden, als mich jemand von hinten ansprach. “Du könntest es ja mal mit Gipsy probieren, ist schließlich auch ein Wallach, vielleicht verstehen sie sich?” es war Alexis und als ich mich zu ihr umdrehte stand dort neben ihr der hübsche Wallach von Verena. Ich kratzte mich kurz am Kinn, deutete auf den Sattel auf dem Rücken des Pferdes. “Dann bringen wir das da erstmal wieder weg, anschließend können wir es ja mal probieren.”
      Tatsächlich schien sich sich Bucks mit Gipsy ganz gut zu verstehen, also schnappte ich mir Thjalfe für einen ausgiebigen Ausritt. Die Sonne schien angenehm vom Himmelherab, satte Wolken schwebten über den Aprilwäldern um mich herum, sodass der Weg vor mir erschien wie ein Gang in goldenen Raum. Kein Luftzug wehte, kein Zweig rieb sich am Holz andrer Äste, allein ein dürres Rinnsal rauschte in der Tiefe eines Talgrundes. Ihm folgte ich eine Weile, geführt allein durch den Instinkt meines OPferdes, denn meine müden Augen waren kaum noch offen zu halten im taumelnden Schritt des Tieres. Ich war froh mich im Sattel einem dumpfen Halbschlaf hingeben zu können, ungestört von allem was außerhalb meiner Gedanken geschah. Dies jedoch änderte sich beinahe schlagartig als ich zum Stall zurück kehrte, dort nämlich wurde ich von einer aufgeregten Verena in Empfang genommen. “Los komm schon, schnell! Das musst du dir ansehen!” Ich war gerade erst wieder am herausdämmern aus meinnem dumpfen Halbschlaf, fand mich plötzlich am Eingang der südlichen Weiden wieder. Kurz nachdem wir wieder gekommen waren mussten alle anderen beschäftigt gewesen sein um die trächtigen Stuten und jene die Turnierpause hatten auf die Wiese zu bringen. “Schau, da!” Dort sah ich Pumpkin wie sie ein kleines Bündel auf dem Boden sauber leckte. “Ist das nicht verblüffend? Yoomee hat vor zwei Stunden ihr Fohlen bekommen und Pumpkin erst jetzt. So oft ich es jetzt gesehen habe, es ist immer noch so faszinierend!” Ich beobachtete das kleine Stutfohlen bei seinen ersten Versuchen aufzustehen. “Noch viel faszinierender ist das beide von Moons Nachfahren am selben Tag geboren wurden, diese kleine wird seinen Namen weiter tragen Moon´s Gealach. Von dem wenigen Gälisch das ich aufgeschnappt habe, bedeutet der Name nichts weiter als Mond. Vielleicht doppeltgemoppelt aber was solls. Hast du schon einen Namen für das Fohlen von Yoomee und Argo?” Argo hatte vor etwa zwei Tagen einen wunderschönen Hengst geboren, der wie Gealach Stormbringer als Vater hatte. “Rising of Storm für das Hengstfohlen und Yolie Wisp für das von Yoomee.” Wir beobachteten noch einige Minuten wie Pumpkin dem kleinen Wesen auf die Beine half, dann rissen wir uns los. Ich hatte noch Thjalfe zu versorgen. Verena folgte mir dabei unaufgefordert, ich spürte das verlangen etwas zu sagen um irgendwie die Stille zwischen uns zu überbrücken, doch wenn man nichts besseres zu sagen hatte schwieg man besser einfach. “Ihr habt Gipsy zu Bucks gestellt?” Ich nickte, erklärte die Situation wenn ich mit Thjalfe raus ging “Nehm das Kerlchen zwar auch manchmal als Handpferd mit, aber heute hab ich das einfach mal gelassen.” Verena nickte befließen, lächelte dann “Sie kommen langsam hier an...du auch? Wie ist es mit den anderen die Wohnung zu teilen?” “Etwas ungewohnt um ehrlich zu sein, aber es geht Bellamy scheint ein ganz netter Typ zu sein.” Verena lachte nn viel breiter, nahm mir die Trense aus der Hand und Seite an Seite gingen wir in die Sattelkammer, blieben allerdings halb im Türrahmen hängen. “Du nimmst dich seiner an, das finde ich gut. Er hat noch nie so fleißig gearbeitet seitdem er hier ist wie unter deiner Fuchtel. Caleb…” sie schwieg, schluckte und setzte dann ein “er hat sich durch Dominanz Gehör verschafft. Keine Ahnung wie du das machst, aber du kommst näher an ihn heran als ich.” Ich hievte den Sattel nach oben auf den Sattelhalter, setzte die Kappe ab und drehte mich zu Verena um, die fast direkt hinter mir gestanden hatte. Dann schmiss ich alle meine Vorsätze einfach über den Haufen, legte meine Hand unter ihr Kinn und…..

      Der Ernst des Lebens beginnt
      3441 Zeichen | Ravenna
      Bei angenehmen Morgentemperaturen ging es heute für mich auf die Südweiden, dort genossen meine vier Schützlinge ihre freie Zeit, drei davon waren noch nicht lange auf dieser Welt. Trotzdem sie den ganzen Sommer reichlich unbeschwert auf den Weiden verbringen würden, verbrachte ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen. Holte die Mutterstuten samt Fohlen an der Seite zur Ranch hoch um sie an den Menschen zu gewöhnen. Dabei stellten sich die drei Fohlen jeder unterschiedlich an.
      Gealach zeigte sich als äußerst neugierige Stute, die sich auch durch ungewohnte Situationen nicht schnell aus der Ruhe bringen ließ, ein deutliches Indiz zur Verwandschaft mit Moon. Auch die Halbschwester Yolie Wisp zeigte diese Neugierde, jedoch gepaart miteiner ordentlichen Portion Temperament. Rising of Storm war aufgrund seines Hengstdarseins schon jetzt ein wenig frech, sehr bezogen auf den Menschen und trotzdem manchmal ziemlich ungestüm. Nichtsdestotrotz machte die Arbeit mit ihnen Spaß. Alle drei ließen sich von mir berühren, das Halfter überstreifen das sie nun öfters für einige Stunden am Tag trugen. Yolie jedoch war bisher die einzige, die sich von mir auch führen ließ, musste am Vorwärtsdrang liegen. Rising und Gealach folgten mir zwar prinzipiell ohne Strick, aber die komische “Schlange” am anderen Ende fanden beide nicht so super, die beiden schienen etwas stur zu sein….oder bestrebt darin ihren eigenen Willen zu bekommen. Anbinden hingegen war für alle drei kein Problem. Heute wollten Bellamy und ich einen kleinen Spaziergang mit Yolie wagen in der Begleitung von Yoomee, sodass auch die junge Mutter endlich wieder raus kam. Manchmal schien es als würde die Stute ihr Mutter dasein nicht so sehr genießen wie Argo oder auch Pumkin es taten. Mit den Fohlenhalfter bewaffnet, nährte ich mich der kleinen Stute, streifte es ohne weiteres über. Zwei Meter von mir entfernt, hatte auch Bellamy die Stute aufgehalftert. “Nur eine kleine Runde um die Weide herum, das reicht für den Anfang, wir müssen es nicht übertreiben” Ein Rundgang würde knapp eine halbe Stunde dauern, wobei wir dabei nicht richtig herum gingen sondern die Stuten einfach am südlichen Eingang wieder auf die Koppel ließen, dort hatten wir ein Abteil abgesteckt in dem zwei Pferde auf uns warteten. Einmal der Hengst Stormy den ich geritten war und natürlich mein treuer Thjalfe. Bucks stand nun mit Gipsy zusammen auf dem Paddock, damit er nicht allein war.
      Mit dem aufgeregten Fohlen verließen wir die Wiese, schlossen das Tor und hörten das tiefe Wiehern von Argo die empört schien das ihre Freundin sie verließ. Aufgeschreckt davon sprang Rising auf die spindeldürren Beine, raste einmal um seine Mutter herum und sah dann seine Spielgefährtin mit uns weg gehen. “Na die werden jetzt am Rand des Zaunes mit kommen” kommentierte Bellamy, denn genau so lief es ab. Während wir den Trampelpfad neben der Wiese nutzten um mit Yolie und Yoomee zu laufen, stiefelten im inneren der Koppel auch Argo und Sohn einher. “Dann haben wenigstens alle vier Bewegung.” kommentierte ich das ganze lachend, schüttelte den Kopf und setzte den Weg stoisch fort. Am nördlichen Eingang hatte ich auch eine Box platziert mit ein wenig Putzzeug mit dem ich die Fohlen öfter berührte und bekannt machte. Alles in allem entwickelten sich meine Schützlinge ganz zu meiner Zufriedenheit. Da Yolie am weitesten von ihnen war, stand mit der Stute demnächst eine kleine Fohlenschau an.

      Willkommen, kleine Maus!
      Ich konnte es noch gar nicht fassen. Da hatte ich mir doch schon wieder ein Pferd angedacht, dass ich eigentlich gar nicht brauchte. Aber ich hatte mich so in das Fohlen verliebt, dass ich es trotzdem gekauft habe.
      Ich konnte mir nämlich gut vorstellen, dass sie ein gutes Nachwuchs- und Lehrpferd für einen jungen Reiter werden konnte. Ich spielte ja sogar mit dem Gedanken zusammen mit meiner Mutter ein Kind zu adoptieren. Das stand aber noch weit im Raum.
      Nun, als ich die Stormbringer x Moonlight Shadow Tochter vom Hänger lud, blieb sie auf der Rampe stehen und schaute sich um. Dann schoss sie plötzlich ein paar Sätze vor und riss mich dabei beinahe um. Meine Schwester war gerade aus dem Haus getreten und fing an zu lachen. Die kleine Gealach guckte mich großen Augen in ihre Richtung. Mit ruhiger Stimme redete ich auf sie ein, sodass sie sich ein wenig entspannte. Nur kam sie den Rest der Rampe herunter und folgte mir zur Koppel. Dort hatte ich bereits Calista hingestellt, damit die kleine nicht ganz alleine stand. Die beiden beschnupperten sich gleich und schienen sich gut zu vertragen.

      Dezember 16
      Als der Wecker klingelte, merkte ich wie kalt es im Zimmer geworden war. Ich huschte schnell ins Bad, wo ich meine Kleidung bereits gestern Abend hingelegt hatte. Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich erst einmal in den Stallungen versorgte alle Pferde mit Heu, Wasser und Kraftfutter. Danach bereitete ich das Frühstück vor und schaute ob alle wach waren. Vera musste ich mal wieder ausmachen Bett schmeißen, aber meine Mutter und Markus waren schon fertig.
      Während wir drei schon frühstücken hörte man Vera immer wieder durch ihr Zimmer laufen, aber wie waren es ja schon gewohnt, dass sie Langschläferin war. Nach dem Frühstück ging es dann los. Erst brachten wir alle Pferde auf die Koppel und ließen sie sich austoben. Dann nahmen wir uns die einzelnen Pferde vor.
      Markus putzte Moon’s Gealach ein wenig. Die kleine ließ sich mittlerweile problemlos anbinden und genoss die Massage sichtlich. Vera machte sich Final Destination, ich Picasso und meine Mutter Dark Rosemary fertig. Wir gingen zusammen in die Halle. Während Vera und ich selbstständig ritten, hatte ich immer einen Blick auf meine Mutter und gab ihr Tipps und Anleitung. Die Pferde waren heute allesamt etwas frisch, aber meine Mutter hielt sich wacker. Als nächstes bauten wir einen Sprinparcours auf und während meine Mutter mit Shadil ein wenig Dressur auf dem Platz ritt, sprangen Markus und ich mit Calista und Noell. Wir forderten und gegenseitig heraus und hatten richtig Spaß beim reiten. Von draußen hörte man, dass Vera mit Sinorabis das Tölten trainierte. Die beiden kamen draußen gut zurecht. Zuletzt machten wir noch einen Ausritt, wo ich Razouna, meine Mutter Höllenflüstern, Vera Amjad ritt und Markus auf Xana die kleine AbqaHasna an der Hand hatte. Deshalb ritten wir auch nur eine kleine Runde im Schritt, da die kleine dies erst lernen musste.
      Als wir mit allen Pferden fertig waren, setzten wir uns in die Stube und aßen Kuchen.

      Zu Besuch bei einer Freundin
      „Das da ist Xana. Die kannst du gerne für unseren gemeinsamen Ausritt nehmen. Ich nehme dann Höllenflüstern, die hats faustdick hintern Ohren“, grinste mich Sora an. „Ja nehm ich gerne, die strahlt schon eine Ruhe aus, das ist Wahnsinn“, grinste ich. Zusammen schnappten wir uns die Halfter der beiden und marschierten auf die Weide um sie gründlich zu putzen. „Amjad Amir hat heute Pause, der war gestern im Training und hat seine Arbeit gut gemacht. Für seine Verhältnisse zumindest war er sehr konzentriert und ließ sich nicht ablenken“, erzählte sie mir stolz und ich nickte zuhörend. „Zafinaah war ja eine ganz brave. Die ist aber nun auch in Rente und geht nur hier und da mal mit einem jungen Mädchen auf den Round Pen auf dem Nachbarshof. Ihr letztes Fohlen haben wir aber dann doch behalten. Den kleinen BC‘ Morning Glory.“ Ich grinste und war nun fertig mit dem Putzen. Sora hatte nur kurz überlegt und sich entschieden Razouna mit zu holen als Handpferd und schon waren die Pferde gesattelt und wir saßen drauf und verließen den Hof.
      Währendessen hatte sich ein Arbeiter den jungen Sinorabis geschnappt und longierte ihn ein paar Runden. Beim Angaloppieren buckelte er los und der junge Mann hatte Mühe den Schecken zu halten. Doch nach fast 15 Minuten war sein Übermut verflogen und er konzentrierte sich auf seinen Trainer. Danach wurde er abgeduscht und konnte auf die Weide. Dann nahm sich der junge Mann Final Destination IV und machte ihn berittfertig. In der Halle ritt er ihn dann an Sprünge und arbeitete ihn für sein kommendes Turnier.
      In der Zwischenzeit kamen wir wieder mit den Pferden auf den Hof. Wir verstauten das Sattelzeug und brachten die drei Stuten auf die Weide. Sora nahm sich ihre Moon’s Gealach und praktizierte mit ihr ein paar Führübungen. Ich hatte mir Dark Rosemary geschnappt und longierte sie etwas und ging vermehrt auf die Übergänge ein und übte diese. Schritt-Trab fiel ihr noch etwas schwer, aber der Trab-Galopp-Übergang und umgekehrt. Sora kam rasch mit dem Stutfohlen wieder und nahm sich Plural’s Picasso um mit ihm ausreiten zu gehen. Nach Dark Rosemary nahm ich Calista und ging mit ihr eine Runde spazieren. Tim, der Arbeiter nahm sich nach Finn Noell und ich packte Shadil zu guter letzt auf die Weide.

      Moon‘s Gealach | Final Destination IV | Plural‘s Picasso | Dark Rosemary | Calista | Noell | Shadil | Sinorabis | Razouna | Höllenflüstern | Amjad Amir | Xana
      Heute machte ich mich auf dem zu Sunnyys Pferden, da sie derzeit sehr beschäftigt ist, fehlt ihr die Zeit etwas mit Ihnen zu machen.
      Als erstes begrüße ich ein junges Pferd names Gealach. Sie stupst mich neugierig an und knabbert an meiner Jacke herum. Doch sie lässt sich auch nicht abwimmelt. Ich kontrolliere sie kurz und gehe dann weiter zum nächsten Pferd. Zur Hilfe habe ich mir eine Liste geschrieben, auf der als nächstes Finn dran, ein 8jähriger Hannoveraner Hengst. Ich putze ihn und gebe ihm neues Heu. Dann geht es weiter zum nächsten Hanno Hengst - Picasso, von ihr auch Prinz genannt. Auch ihn putze ich und kontrolliere alles, erscheint ebenfalls in Ordnung zu sein, kurz wische ich die Tränke aus und gehe zum nächsten Pferd. Rose ist eine hübsche junge Rappstute und scheint sehr vertraut mit Menschen zu sein für alter. Sauber stelle ich sie zurück in die Box. Kurz mache ich eine Pinkelpause und esse einen Happen, dann geht es wieder an die Arbeiten für mich.
      Cally ist die nächste. Die Trakehner Stute beobachtet mich und zickt mich an, doch ich lasse mich nicht beirren und hole sie aus der Box. Ich fühle das Futter nach, putze sie und dann darf sie zurück. Noell steht neben ihr in der Box, mit ihm passiert das selbe. Doch er hat noch genügend Futter und deshalb putze ich ihn etwas länger. Das war es dann leider auch schon. Shadil schielt schon etwas länger neugierig zu mir und ich begrüße ihn freundlich. Ich putze ihn und gebe ihm neues Heu. Neben ihm steht ein mir bekanntes Gesicht - Ein Isländer. Er ist bereits sehr flauschig, wie auch die in meinem Stall, doch er scheint ein Mix zu sein. Ich putze ihn und das Heu mache ich neu. Doch dann ist der Tag schon vorbei. Ich gehe schlafen.
      Der nächste Tag beginnt früh und noch einige weitere Pferde stehen auf meiner Liste. Razouna ist die nächste. Die Araber Stute füttere ich als erstes und putze sie anschließend. Dann geht es weiter zu Hell, einer 10jährigen Quarter Horse Stute. Auch sie füttere ich und putze sie. Da noch einige weitere Pferde abgearbeitet werden, ich würde gerne mehr tun, aber das gibt die Zeit nicht her. Zuhause warten noch unsere Pferde. Amar, ein Rappe lächelt mich förmlich an. Ich beschäftige mich etwas länger mit ihm und stelle ihn noch zurück. Dann kommt das letzte Pferd, eine Tinker Stute namens Xana. Sie wirkt sehr kuschelig, wie ein Teddy. Ich putze auch sie und mache ihr Futter. Im Stall verabschiede ich mich noch mal von allen Tieren und mache mich auf dem Weg nach Hause, eine längere Fahrt steht vor mir und mit genug Kaffee habe ich es dann geschafft. Ich freue mich auf den nächsten Besuch bei ihr!

      Pflegebericht
      Es war ein ganz normaler Morgen im August. Es war noch recht warm, aber der Himmel war bewölkt. Nachdem alle Pferde mit Futter versorgt waren, ging ich zu Calista. Ich machte sie fertig und wir gingen auf den Springplatz. Sie musste ja schließlich in topform bleiben, damit wir noch einen Besitzer für sie finden. Nach ein paar Runden zum aufwärmen ging es in den Parcours. Calista zog vor den Sprüngen immer an und riss keine Stange. Nach der Arbeit kam sie auf die Koppel. Als nächstes kam Final Destination an die Reihe. Mit ihm ging es auf den Dressurplatz. Er machte sich heute recht gut. Er ging gut in die Anlehnung. Nach der Arbeit kam auch er auf die Koppel. Als nächstes war Plurals Picasso an der Reihe. Wir gingen eine Runde in den Geländeparcours, wo er sich recht gut schlug. Dark Rosemary wurde heute nur eine Runde longiert. Mit Noell machte ich einen kleinen Ausritt. Das war bei dem Wetter richtig schön, weil es nicht zu kalt und nicht zu warm war. Shadil musste heute nichts tun, der kam einfach so auf die Weide. Mir Razouna ritt ich eine lockere Dressur. Sie musste nicht viel tun, stellte sich aber recht gut an. Mit Amjad Amir ging es auf den Springplatz. Er war heute recht spritzig, ich bekam ihn aber gut unter Kontrolle. Mit Little Talks und Moon's Gealach ging ich eine Runde spazierieren. Sie waren beide recht neugierig, ließen sich aber gut führen.

      Kurzer Pflegebericht für Moon's Gealach
      Viel zu tun gab es auf einer Ranch immer. Und so konnte es passieren, dass man so viel zu tun hatte, dass man der Arbeit gar nicht mehr hinterher kam. So eine Zeit war in letzter Zeit gewesen. Nichts klappte so, wie es klappen sollte und nichts blieb so, wie es bleiben sollte.
      Den Pferden ging es gut, keine Frage. Sie genossen ihre Pause auf der Koppel und fraßen sich die Bäuche rund. Jetzt, da das Jahr fast zu Ende war, und das neue schon in den Startlöchern stand, wurde man träger, schwerfällig. Man machte Pläne für das kommende Jahr, ließ das laufende jedoch ganz außer Acht, irgendwie.
      Auf ein neues und hoffentlich erfolgreiches Jahr.

      Dein Geschenk zu Weihnachten
      *Link zum vollen Text*

      Umzug auf die Bow River Ranch - Canadian Flair
      Mai 2019, by Ravenna & Veija
      Mitte Feb. 2019
      Ylvi
      “Nehmen Sie bitte den Arm einmal nach oben.” der Weisung des Arztes folgend hob ich meinen linken Arm. Dabei tastete er an der Narbe herum die zurückgeblieben war von der zweiten OP für den herzschrittmacher. Die OP Wunde war gut verheilt. Was mich in den letzten Jahren gestört hatte war mittlerweile nur ein Schatten. Diese und die anderen Narben gehörten eben zu mir.
      “Kann ich denn jetzt wieder in den Sattel steigen, richtig anpacken?” fragte ich sehnsüchtig. Die Ranch steckte mitten im Umzug. O und ihre Pferde waren bereits drüben. Bellamy und Caleb organisierten die nächsten Flüge für die nächsten 20 Pferde die Cayce und Murphy zur neuen Ranch bringen würden. Unbeobachtet hatte ich bereits schwerere Arbeiten verrichten wollen, aber Bellamy und Caleb hatten Adleraugen auf mir. Der Arzt bedeutete mir mich wieder richtig anzukleiden. “Generell steht dem nichts im Wege. Denken sie aber bitte an ihren nächsten Kontrolltermin im Mai in Calgary. Nur zur Sicherheit damit meine Kollegin dort ihren Fall kennt.” ich nickte Pflicht gerecht. “Passen Sie trotzdem auf ihre Frau auf.” wandte sich der Arzt mit den Worten an Caleb. Seit meinem letzten Besuch hier hatte mich Caleb höchstpersönlich zu den Terminen gebracht. War besorgt gewesen als sich die Wunde ein wenig entzündet hatte, nachdem ich die Pflege hatte schleifen lassen zwischen Weihnachten und Neujahr. Wir hatten Mitte Februar, alles war vorbei. Ich hatte die ätzende Physiotherapie hinter mich gebracht. Man konnte dann auch mal aufhören mich zu bemuttern. Caleb lächelte, tippte sich an den Rand seines Hutes und murmelte ein “Aye”. Ein Wort das er von Svejn hatte. Er hatte mir die alten Bilder gezeigt...Verena,Svejn...ja ich habe sogar die Geschichten von Sarah und Cayden zu hören bekommen. Menschen die ich nicht gekannt hatte, die aber auf den Bildern aufgetaucht waren. So hatte ich auch Bilder von Moon zu Gesicht bekommen, dem Hengst der Gealachs Großvater war. Neben den Organisationen hatten wir Stunden damit verbracht durch diese Erinnerungen zu gehen. Ich hatte es genossen, gern jedem seiner Worte gelauscht. Mir ein Bild aufbauen können von der Person die er einst gewesen war. Oft hatten uns auch Bellamy und Octavia dabei zugehört. Auch Laurence hatte einen um den nächsten Abend Geschichten erzählt. Oft hatte ich einfach nur inmitten all dieser Menschen gesessen, ihnen stumm gelauscht. Ich hatte zuvor nicht gewusst wieviel Spaß das machte. Ich hatte sie alle noch ein Stück weiter kennenlernen dürfen.
      Caleb begleitete mich aus dem Krankenhaus heraus. Mein Gang war schwungvoll. Ich durfte wieder auf den Rücken eines Pferdes. Ich hatte vor zwei Wochen schon probiert mich auf Fylgia davon zu machen. Allerdings hatte Caleb wohl auch Betsy für sich gewonnen. Mit Caleb hinter sich her ziehend war sie nämlich in der Stallgasse aufgetaucht. Relativ wortlos hatte er mir die Stute aus der Hand genommen, Betsy auf ihren Rücken verfrachtet und beschlossen der kleinen eine Reitstunde auf ihr zu geben. Er hatte sich bedankt, dass ich sie vorbereitet hatte. Natürlich hatte ich das nicht dafür getan. Ich war sauer gewesen….Sauer auf ein 9 jähriges Kind! Ich hatte also am Rand gesessen, während Betsy einen kleinen Parcours mit Fylgia absolviert hatte. Jetzt allerdings, durfte ich wirklich wieder in den Sattel steigen.
      Die Fahrt über gingen wir eine Liste der Pferde durch die als nächstes Richtung Kanada ziehen würden. In zwei Wochen würde ein Umzugsunternehmen kommen. Wir hatten es in Auftrag gegeben. Alle Habseligkeiten aus den verschiedenen Häusern würden dann zum neuen Heim gebracht werden. Eine Woche später war der Flug von mir und Caleb geplant, im Gepäck unsere letzten Habseligkeiten und alle restlichen Pferde. “Sag mal. Was hälst du von der Idee das Louis mitkommt? Er hat sogar einen Käufer für seine Bar.”
      Das war eine überraschende Nachricht gewesen, Ende Januar hatte Louis sich entschlossen mit nach Calgary zu kommen. Er wollte wieder auf einer Ranch arbeiten, dabei kam ihm die neue Stellenausschreibung von Caleb gelegen. Seine jüngere Schwester Lilly würde ihn begleiten. Außerdem hatte er die Pflege für Kaya und Tschetan übernommen, Cousin und Cousine, deren Eltern nicht mehr lebten. Tschetan hatten wir bereits auf dem Indian Relay kennengelernt. Ein Junge von 12 Jahren, etwas ungestüm, ein guter Reiter. Seine jüngere Schwester Kaya kannte ich nur aus den Geschichten von Lilly.

      Caleb
      Ich war wirklich überrascht, als Ylvi mir davon erzählte, dass Louis mit nach Kanada kommen wollte. “Und das will er wirklich?”, fragte ich sie nochmals und sie nickte. “Er will wieder auf einer Ranch arbeiten. Und du brauchst noch neue Leute. Lilly kommt ja auch mit. Und Kaya und Tschetan. Dann hat Betsy auch Gesellschaft.”, schwärmte sie weiter und ich nickte. “Ich mein… wenn er mitkommen will, kann ich ihn nicht daran hindern. Tut gut noch jemanden dabei zu haben, der genau weiß, wie der Hase läuft.” “Caleb der Hase läuft gar nicht. Der hoppelt.” “Haha, ja sehr witzig.”, antwortete ich ihr und knuffte sie leicht in die Seite, musste dann aber auch lachen.
      “Heute sollen nochmal Pferde rüber fliegen. Zusammen mit Cayce und Murphy. Dann sind es ab heute Abend nur noch Bellamy, du und ich die hier sind.”, erklärte ich ihr. Irgendwie war alles schrecklich schnell gegangen. Direkt nach Weihnachten wurden die Pferde umgemeldet, ich als neuer Besitzer eingetragen, der Kaufvertrag für die neue Ranch in Kanada ausgefüllt und Stellen ausgeschrieben, obwohl noch niemand dort war. Es hatten sich einige gemeldet, aber ich hatte das in dem ganzen Trubel, der dann folgte, aus den Augen verloren. Ich war wieder für zwei Tage rübergeflogen, hatte mich dort mit einer Baufirma getroffen und erste Pläne ausgearbeitet, wie ich die Ranch ausbauen wollte. Vor dem Herbst würden die Stallungen nicht fertig sein, so wie ich sie haben wollte. Also hatte ich mich kurzerhand umentschieden und wollte zusätzlich zu den Offenställen auf den Koppeln, rund um den großen Reitplatz überdachte Penalboxen mit kleinen Paddocks. Für unsere Pferde, aber auch für Gastpferde. Das allerdings war sehr schnell realisierbar und würde auch fertig sein, sobald wir mit den ersten Pferden rüberkommen würden. 30 Boxen waren geplant, 15 an jeder langen Seite des Platzes. Das würde schon einmal viel weiterhelfen. Den Umbau der Stallungen wollte ich trotzdem noch. Nur würde dies eben bis zum Herbst dauern. Wirklich brauchen würden wir die Stallungen erst im nächsten Winter.
      Auch mussten Gästehäuser bzw. Wohnmöglichkeiten für die Ranchmitglieder gebaut werden. Ich würde mit Ylvi zusammen im Haupthaus wohnen. Im oberen Stockwerk war eine wirklich schöne Wohnung eingerichtet worden. Im unteren Teil des Hauses gab es eine Küche mit einem großen Essbereich, ein Badezimmer, einen großen Wohnbereich und ein paar kleine Schlafzimmer. Also eher etwas für Gäste, als für Mitarbeiter. Zusammen mit der Baufirma hatten wir uns die geeigneten Stellen zum Bau von kleinen Häusern, ähnlich wie WG’s, angeschaut. Jedes dieser Häuser sollte zwei Etagen haben und Platz für bis zu 5 Menschen bieten. Zwei dieser Häuser waren geplant, außerdem drei kleine Bungalows mit Platz für je 3 Menschen.
      Soweit so gut. Nachdem dies alles feststand, konnte ich wieder nach New Mexico fliegen und allen erklären, was soweit geplant war. Und dann… dann fing es auf einmal an, wirklich stressig zu werden. Octavia und Travis waren die ersten, die mit O’s Pferden zusammen nach Kanada fliegen würden. Wir hatten uns von einem Transportunternehmen große Trailer geliehen, damit wir mit unseren kleineren Anhängern, in den je drei Pferde passen, nicht tausend mal fahren mussten. Das Ein- und Ausladen der Pferde auf dem Hof und auf dem Flughafen war nicht das Problem. Das Einladen in die Boxen zum Fliegen schon eher. Nachdem einer der Menschen dort mich so aufgeregt hatten durch den Umgang mit den Pferden, hatte ich ihm die Liste aus der Hand genommen und dirigierte meine Tiere und Mitarbeiter nun selbst. “Tigres Eye… Priamos Ruffia Kincsem… BR Prias Raveday… Drama Baby… Raspberry… I’ve got a blue soul… Prias Colourful Soul… Tasmania… Candlejack… Culain… Daryl Gone Mad… Peacful Redemption… PFS’ Snap in Style… Wildfire xx....” Das war die erste Gruppe gewesen. Per Videochat hatte ich das Ausladen in Calgary beobachtet, was wesentlich besser geklappt hatte, als das Theater hier.
      Kaum eine Woche später organisierten Bellamy und ich den nächsten Flug für 20 Pferde, bei dem eigentlich Cayce und Murphy dabei sein sollten, jedoch plante ich kurzfristig um und schickte statt Murphy zwei Stallburschen mit, Jesse und Connor. Die würden sie drüben dringender brauchen, als wir hier. Zum zweite Trupp Pferde, deren Einladen am Flughafen schon viel besser klappte, gehörten: PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, Moon’s Gealach, Cleavant ‘Mad Eyes’, Ceara Isleen, Væna fra glæsileika eyjarinar, Skrúður, Blazing Flame, Chocolate Dream, Abe’s Aeflric, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Cielos, Baby Doll Melody und Bella Cielo.
      “Caleb? Hey Caleb? Ich hab Bell am Telefon, der Transporter ist da, um weitere Pferde mit zu holen.”, sagte Ylvi und riss mich so aus meinen Gedanken. “Okay, okay. Sag ihm wir sind gleich da.”, erklärte ich ihr und fuhr ein wenig schneller zur Ranch zurück. Zwischen dem ganzen Umzug war ich auf einen Absetzer in Alberta aufmerksam geworden, Dual Shaded Ace. Der Hengst hatte anfangs gar nicht zum Verkauf gestanden, doch nach langem hin und her hatte der Besitzer sich erbarmt. Vorausgesetzt, er würde ein paar Decksprünge von ihm bekommen, wenn er gekört wäre. Dem hatte ich so natürlich sofort zugestimmt und ihn dann… eigentlich für viel zu viel Geld gekauft. Er hatte es gut gehabt und nur zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen müssen, um zur Bow River Ranch zu gelangen.
      Endlich waren wir auf dem Blakes Crow Meadow angekommen. Ich parkte den Wagen, stieg aus und ging sofort auf den Fahrer zu. Kurz schüttelte ich ihm die Hand, ehe Bellamy mir die Liste der Pferde in die Hand drückte, die wir jetzt einladen mussten. Gruppe eins, welche jetzt sofort eingeladen werden würden, waren: Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going. Die zweite Gruppe, die später folgen würde, bestand aus: Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und Striga.
      Als dritte und vorerst letzte Gruppe würden am späten Abend die Hengste folgen: Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, A Shining Chrome, Hollywoods Silver Dream, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bella’s Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Whinney und Zues. Mit diesen ganzen Pferden würden Laurence, Murhpy, Dell und natürlich Betsy auf die Reise gehen. Dell und Betsy mit dem ersten Flug, Murphy mit dem zweiten und Laurence mit den Hengsten. Betsy war gar nicht auszuhalten gewesen, so sehr war sie allen um die Beine herum gesprungen und hatte jedem erzählt, dass sie sich auf die Reise freute und hoffte, dass alle gut gehen würde.
      Am Abend kehrte jedoch endlich Ruhe ein. Bellamy versorgte die ganzen Verkaufspferde, während ich mich um meine beiden verbleibenden Pferde Nachtschwärmer und Smart Lil Vulture gekümmert hatte. Ylvi hatte nun endlich das ok ihres Arztes, wieder mit anpacken zu dürfen, weshalb ich sie alleine zu ihren Pferden Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn gehen ließ. Bellamy hatte sich wider erwarten bereit erklärt, noch eine Weile hier zu bleiben und die Pferde zu verkaufen. Im Mai wollte er dann nachkommen, spätestens. Dann sollte auch die Ranch in neuen Händen sein. Interessenten gab es viele, doch sie alle wollten den Preis drücken. Und das nicht gerade wenig. Ich gab Bellamy zwar in der Angelegenheit wirklich viel Freiheit, aber verschenken sollte er das Anwesen nicht. Das Geld kam schließlich nicht nur mir, sondern auch ihm zugute. Apropos Geld… nicht alle waren so erfreut über die Rinderherde gewesen, wie ich es war. Schon am ersten Tag hatte Cayce die halbe Herde einfangen müssen- da zu diesem Zeitpunkt noch keines der Ranchpferde drüben war, hatte er sich kurzerhand bei jemandem Pferde und Cowboys leihen müssen. “So knüpft man neue Freundschaften!”, hatte ich am Telefon gesagt und nur ein spöttisches Schnauben zur Antwort bekommen. “Ich hoffe du schaffst bald deinen Arsch hier rüber. Die Vollblüter machen mich wahnsinnig. Ich will die Ranchpferde hier haben!” “Ja, Cayce. So schnell geht das alles leider nicht.”, war meine niederschmetternde Antwort gewesen. Jetzt mittlerweile hatte er jedoch sein Pferd drüben und auch fast alle anderen Pferde, mit denen es einfacher war, die Kühe einzufangen.
      Ich hatte mich gerade mit Bellamy zusammen vor den Fernseher gesetzt, als auch Ylvi dazustieß. “Na, Arbeit erledigt?”, fragte Bellamy sie und sie nickte. “Es tut so gut, endlich wieder selbst arbeiten zu dürfen.” “Das klingt ganz nach dir.”, murmelte ich und wurde dafür in den Arm geboxt. “Hör mal Bellamy und ich sprachen gerade über Louis, Lilly und die beiden Kinder. Es wäre vielleicht sinnvoll, mal rüber zu fahren und mit ihm zu reden. Er hat ja schließlich auch noch Pferde. Kommen die mit, bleiben die hier, wo will er wohnen und und und… das sollten wir alles klären, bevor wir mit dem Rest nach drüben fliegen und vor unvollendeten Tatsachen stehen.” Ylvi nickte. “Klar, aber heute nicht mehr. Für heute haben wir alle genug getan.”, sagte sie und setzte sich zu mir auf die Couch. “Haben sich die anderen schon gemeldet?”, fragte sie mich und ich nickte. “Laurence und sein Flug fehlen noch, der Rest ist gut angekommen und alle Pferde haben den Flug gut überlebt.” “Das ist gut.”, erwiderte Ylvi und schaute zum Fernseher. Zu dritt ließen wir den Abend ausklingen. Lange hielten wir es nicht vor dem Fernseher aus, da wir alle todmüde und kaputt waren. Bellamy verabschiedete sich irgendwann und verschwand ins Haupthaus, Ylvi und ich machten uns auch auf den Weg ins Bett, wo wir auch ziemlich schnell einschliefen. Sobald am nächsten Morgen die Pferde versorgt waren, würden wir mit Louis reden. Darüber, wie er sich seine Zukunft vorstellte.

      Ylvi
      Mein Kopf lag auf Calebs Arm, mein Nacken war vollkommen verspannt bei der Position. Ich wollte mich allerdings auch nicht übermäßig bewegen um ihn nicht zu wecken. Seine andere Hand ruhte auf meiner Hüfte. Seltsam wie selbstverständlich wir mittlerweile jeden Abend in dasselbe Bett stiegen.
      Ich spürte seinen Herzschlag an meiner Schulter, ruhig und gleichmäßig. Sein Atmen das mich am Anfang so sehr gestört hatte, weil er oft mit geöffnetem Mund schlief, war mir nun so vertraut. Ich rutschte ein wenig weiter nach unten um meinen Kopf von seinem Arm zu nehmen, da schlang sich sein Arm um meine Hüfte fester um mich. “Morgen.” murmelte er in meine Haare. Ich hatte mir angewöhnt sie zu einem Zopf zu flechten, ich spürte den Druck in meinem Nacken. “Caleb, meine Haare” flüsterte ich lachend..”Und morgen.” Caleb befreite meinen Zopf von seinem Körpergewicht, zog mich herum , sodass ich ihn ansehen konnte. “Unser vorletzter Tag hier.” “Irgendwie seltsam...vor einem Jahr war ich zum ersten Mal hier. Jetzt geht es mit einer ganzen Ranch in ein komplett anderes Land. Uns erwarten ganz schöne Abenteuer.” mutmaßte ich. Außerdem hatte ich ein paar mehr an Pferden dazu gewonnen. “Wie könnte ich das vergessen? Ich hab dich für einen Dieb gehalten.” ich lachte, nickte. Ja, wie könnte ich je die auf mich gerichtete Waffe vergessen?
      Caleb zog mich enger an sich, seine Hände schoben sich unter mein Shirt, seine Zähne spürte ich an meinem Hals. Augenblicklich spürte ich die Antennen in meinem Körper erwachen...es war einfach viel zu lang her. Ein zischendes Ausatmen kam von mir. “Alles in Ordnung?” Ich gab keine Antwort, sondern küsste ihn einfach...er sollte bloß nicht aufhören.
      Vier Stunden später sattelte ich gerade Valravn. Direkt daneben machte Louis Inyan fertig. Caleb stand an der anderen Seite des Anbindeplatzes mit Vulture. Der Vorschlag alles weitere doch bei einem Ausritt zu besprechen war von mir gekommen. Louis war auf den Anruf von Caleb zur Ranch gekommen um zu besprechen wie und wann er umziehen würde, auch wegen seiner beiden Pferde. Aber wirklich Lust das im Büro zu machen hatte ich nicht verspürt. Daher mein Vorschlag mit dem Ausritt. Damit waren beide einverstanden gewesen. Außerdem hatten wir so noch einmal die letzte Chance uns von dieser Landschaft zu verabschieden.
      “Alle Bereit?” fragte Caleb, schwang sich behende in den Sattel. Neben mir sprang auch Louis auf den blanken Rücken von Inyan. Auch bei Ravn hatte ich mich für ein Reitpad mit Lammfell entschieden, musste mir dafür allerdings eine kleine Erhöhung suchen um in den Sattel zu kommen. Wir ritten im Schritt in Richtung der alten Stutenkoppeln. Vulture vorne weg. Die Ranch so verlassen zu sehen war gruselig. “Dann verrat mir doch mal welcher Hund dich gebissen hat für die Idee mitzukommen?”

      Louis
      Die wärme die von Inyan zu mir aufstieg fühlte sich wunderbar an. Auch wenn meine Muskulatur jetzt schon rebellierte. Seit dem Herbst hatte ich mich auf kein Pferd mehr setzen können. Zu viel war in der Bar zu tun gewesen. Zu oft war ich in die alte Heimat gefahren um dort Dinge zu erledigen, vor allem zu Regeln. Es war sonst nicht Calebs Art Fragen so unverblümt zu stellen, aber er wollte natürlich wissen was ihm bevorstand. In den letzten Monaten hatte sich einiges in seinem Leben geändert. Die Übernahme der Ranch war für ihn schon immer ein kleiner Traum gewesen. Wie oft hatten wir zu Rodeo-Zeiten davon geträumt? Dann hatte er wegen des Unfalls aufhören müssen. Und ich selbst? Tja..ich hatte für meine Familie aufgehört. Meinen Vater hatten die Rodeos am Leben erhalten, bis er bei einem Unfall ähnlich wie dem von Caleb querschnittsgelähmt war. Meine Mutter war bereits früh gestorben. Kaum noch erinnerte ich mich an ihr Gesicht. Für die Familie hatte ich selbst die Rodeos aufgegeben. Mit wenig Aussichten in Pine Ridge jemals eine vernünftige Arbeit zu finden war ich nach New Mexico gekommen. Die Bar hatte Lilly, mich und meinen Vater gut versorgt, aber es kostete Zeit. Die Pflege unseres Vaters hatte Lilly bis zu seinem Tod übernommen. Sie hatte selbst viel aufgeben müssen dafür, hatte mir auch oft in der Bar geholfen. Nun hatte sich die Schwester meines Vaters mit ihren Drogen das Leben genommen. Unschi, Großmutter hatte ihre beiden Kinder zu sich genommen. Ich war hin gefahren in den vergangenen Monaten um zu versuchen sie zu unterstützen. Schließlich war die Entscheidung gefallen beide zu mir zu nehmen. Die Wohnung über der Bar war zu klein für uns gewesen. Ich wusste um die Wünsche von Lilly. Familie wurde für unser Volk groß geschrieben...und ich wollte nicht das Lilly noch mehr verzichten musste.
      Erst nach all diesen Überlegungen brach ich mein Schweigen. “Ylvi hat dir sicherlich erzählt, das ich vor zwei Wochen meine Cousinen zu mir genommen habe. Kaya und Tschetan brauchen meine Zeit...ein geregeltes Leben. Das kann ich nicht bieten, wenn ich eine Bar leite. Das könnte ich aber wenn ich bei euch auf der Ranch arbeite. Außerdem genug Leute die die Kinder mit im Blick haben können. In Calgary haben sie die Chance eine gute Schule zu besuchen..” Caleb hatte mir gelauscht, die Zügel locker in der Hand auf den Knauf seines Sattels, die andere ruhte auf seinem Oberschenkel. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, denn es lag im Schatten seines Hutes. Jeder schwieg auf seine Weise, für Ylvi war das genannte ja nicht gänzlich neu. Caleb musste jedoch verstehen...er kannte die Umstände in Pine Ridge...die Drogen, der Alkohol, die Armut und die umgehende Verzweiflung. “Ich heiße dich gern im Team Willkommen, wenigstens noch jemand der Ahnung von der ganzen Arbeit hat. Cayce und du werden mir mit den Rindern sehr gut helfen können. Vor Ort könnten wir dich wahrscheinlich gut in ein Haus mit Betsys Vater stecken. Hast du dir schon Gedanken gemacht wie du deine Pferde rüber schaffst?” kam es von Caleb. Schwer unterdrückte ich ein Seufzen. “Darum muss ich mich nicht mehr kümmern. Sunka und Zinkala-win habe ich verkauft.” Calebs Kopf zuckte in meine Richtung. Von Ylvi kam ein vollkommen erschrockenes “WAS?!” und auch Caleb schien diese Frage ins Gesicht geschrieben. “Ich hab genug Pferde um mich die ich dann betreue. Außerdem...außerdem ermöglicht mir das Geld aus dem Verkauf der beiden Lilly auf das College in Calgary zu schicken. Sie ist ein heller Kopf, wenn ich das schon nicht auf die Kette bekommen habe zu studieren. So soll sie ihre Möglichkeiten doch wenigstens nutzen. Pferderennen sind auch gefährlich...ich muss auch an Kaya und Tschetan denken. Sie hatten es in ihrem jungen Leben wohl schwer genug.” ich schwieg kurz, musste dann doch Lachen. “Wir werden wirklich alt, Kola.” “Vielleicht solltest du dir endlich Mal eine Frau zulegen,mein Freund” murmelte Caleb, zwinkerte mir zu. “Mein Herz hab ich leider bereits hoffnungslos verloren. Das braucht bis es vergisst.” Ylvi sah mich an, senkte dann den Blick auf den Hals ihres Wallachs, sprach nicht. Caleb konnte die kurze Konversation nicht bemerkt haben. Dafür schien ich Talent zu haben. Schon einmal hatte ich die Frau eines anderen begehrt.

      Caleb
      So ganz wusste ich nicht, was ich ihm antworten sollte. So schwieg ich einfach und ließ die Umgebung auf mich wirken. Schon übermorgen würde ich Albuquerque verlassen. Es war ein gutes Zuhause für mich gewesen, in das ich zurückgekehrt war. Ein Zuhause und doch so viel mehr. Ich hatte mir eigene, neue Pferde zugelegt, hatte alte zurückbekommen und auch mit den bereits Vorhandenen hatte ich viel arbeiten können. Ich war wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen und einige Pferde trainiert. Dann war Ylvi aufgetaucht und hatte mein ganzes Leben auf den Kopf geschmissen. Wenn ich so darüber nachdachte, hatte sie es besser gemacht. Und auch Louis, der in meiner Nähe gewohnt hatte, hatte mir viel geholfen. Alte Zeiten aufleben lassen war etwas schönes, wenn man es mit einer anderen Person teilen konnte.
      Und jetzt waren wir an einem Wendepunkt angekommen. Louis hatte Kinder, Gott, Louis hatte Kinder. Er war jetzt sozusagen ein Vater. Louis… war Vater. Lilly war zwar auch bei ihm, aber das hier war etwas vollkommen anderes… Vulture schnaubte und fiel in einen lockeren Galopp. Er zuckte nervös mit den Ohren, als ich ihn durchparierte. Vermutlich konnte er fühlen, dass ich in Gedanken mal wieder nicht hier war und noch immer keine wirkliche Antwort wusste. Ich schaute kurz nach hinten und blickte in die fragenden Gesichter von Louis und Ylvi. Leise seufzend schaute ich wieder nach vorne. “Caleb?”, fragte Ylvi mich irgendwann und ließ ihr Pferde das von Louis überholen, um zu mir aufzuschließen. “Stimmt etwas nicht?”, fragte sie mich doch ich nickte. “Doch, doch. Alles okay. Ich habe nur an etwas gedacht…” Ylvi sagte nichts mehr, ließ ihr Pferd langsamer werden und ritt wieder hinter mir her.

      Ylvi
      Die ganze Geschichte hinter Louis Beweggründen dann nochmal direkt von ihm zu hören war eigentlich ganz gut. Lilly hatte wirklich großes Glück ihn als Bruder zu haben. Wobei er in seinem Leben viel geopfert hatte um sie aufzuziehen. In Anbetracht seiner Familienverhältnisse keine leichte Entscheidung. Schon allein die Tatsache das er Kaya und Tschetan bei sich aufnahm sprachen für seinen Familiensinn. Ich fragte mich wirklich wieso es keine Frau an seiner Seite gab. Caleb schien denselben Gedanken zu haben. Denn er sprach es an. Als Louis davon sprach sein Herz hoffnungslos verloren zu haben ruhte sein Blick auf mir. Ich hatte den Blick mit ihm unterbrochen und auf Ravns Hals geschaut. Ich hatte sowas in den letzten Monaten schon beinahe vermutet. Nie jedoch eine wirkliche Bestätigung bekommen. Um ehrlich zu sein hatte ich sie auch nicht haben wollen. Mit Caleb war das ganze schon verworren genug. Wir hingen in der Schwebe...weder zusammen noch wirklich getrennt. Das Wissen das da nun Louis war...das verwirrte mich nur noch mehr, denn auch er war mir so wichtig geworden. Ohne ihn wäre ich dort auf dem Berg gestorben. Niemand sprach. Auch Caleb hatte keine wirkliche Antwort auf diese Worte zu haben. Ahnte er etwas? Vulture war nervös, galoppierte ohne sichtbare Hilfe an und wurde von Caleb direkt wieder durchpariert. Louis und ich sahen zu ihm. Ravn drängte nach vorn...aber eine wirklich klare Antwort hatte ich nicht von Caleb. So hieß ich Ravn wieder langsamer.
      An anderer Stelle öffnete sich die Wiese vor uns. Ravn war deutlich angespannt, seine gesamte Muskulatur war zum reißen gespannt, nur meine Hand am Zügel verhinderte das er lief. So ein Galopp eignete sich jedoch auch wunderbar um die Gedanken klar zu kriegen, die Kälte würde ihr übriges tun. Also gab ich die Hand vor. Aus dem Schritt preschte Ravn vor, meine freie Hand krallte ich in seine wenige Mähne. Hinter mir hörte ich den mir mittlerweile vertrauten Lakota Schrei “Hoka Hey! Hoka Hey!” aus dem Augenwinkel sah ich Inyan heran preschen. Direkt neben mir Ritt bereits Caleb auf Vulture, der Hengst legte sich flach in den Galopp. Auf kurzen Rennen waren diese Pferde einst gezüchtet worden. Ravn war kein schnelles Pferd. Vulture und Inyan hatten keinerlei Mühe meinem Wallach zu folgen. Der Wind pfiff mir in den Ohren, die Kälte schlug mir unbarmherzig ins Gesicht. Mein Lachen wurde mit dem Wind von meinen Lippen genommen. Caleb lachte zumindest auch, gab seine Zügel weiter vor, hielt den Hut auf seinem Kopf. Auch Inyan nahm an Tempo zu. Ravn unternahm nicht einmal den Versuch mit den anderen beiden Pferden Schritt halten zu wollen. Stattdessen parierte ich ihn zu einem leichten Trab. So fit war ich noch nicht wieder. Auch das Rennen der beiden ging nur noch etwa 100 Meter, dann schienen sie genug zu haben, parierten und warteten bis Ravn und ich im Schritt aufgeholt hatten. “Bis ich wieder so einfach mehrere Meter galoppiere muss ich wohl noch etwas warten.” meinte ich belustigt. Inyan stand still. Der jüngere Vulture tänzelte, Caleb hatte seine Müh den Hengst ruhig zu halten. Das Rennen schien ein wenig die Stimmung gelockert zu haben. Allerdings blieb es trotzdem ruhig um Caleb, mit den Gedanken war er weit fort. Ich wusste das man ihn in solchen Momenten besser nicht störte. Die Pferde suchten sich im leichten Schnee selbst ihren Weg nach Hause.
      Meine Füße waren Eisklumpen, ich saß noch immer auf dem Pferd. Die Aussicht mit den kalten Füßen auf dem harten Boden zu knallen war nicht sonderlich erbauend. Caleb hatte sich von uns getrennt, da Vulture für die Nacht in einer der Boxen unterkommen würde. Seufzend ließ ich mich vom Pony rutschen, ging leicht in die Knie als mir der Schmerz von den Knöcheln aufstieg. Außerdem spürte ich jeden verdammten Muskel in meinen Beinen. Ich hielt mich daher an Ravn fest, der geduldig stand während ich mich wieder fing. Über seinen Mähnenkamm hinweg sah ich Louis. Er schien nicht zu bemerken das meine Aufmerksamkeit auf ihm lag. Seine Stirn hatte er auf die von Inyan gelegt, seine Hand strich immer wieder den Hals des Wallachs entlang. Ich konnte die Bewegung seiner Lippen sehen, aber kein Wort verstehen. Mein Starren schien nicht unbemerkt zu bleiben. Louis öffnete seine Augen wieder, sie huschten zu mir. Ich räusperte mich. “Louis...du weißt..du könntest ihn wieder haben, oder? Ich ..” seine erhobene Hand unterbrach meinen Redeschwall, er schüttelte den Kopf. “Dann wäre es mir zumindest eine Ehre, wenn du ihn reitest wann immer du willst, ja?” Es kehrte wieder sein Schalk zurück, ich bekam seine weißen Zähne zu gesicht. “Waschté” mehr kam nicht von ihm. Er zog Inyan die Trense vom Kopf nur um ihn in den Offenstall zu entlassen. Hastig beeilte ich mich auch Ravn vom Pad zu befreien, zog auch ihm die Trense vom Kopf und lockte ihn in Richtung des Tores, welches mir von Louis noch offen gehalten wurde. Ich stiefelte vor Ravn in den Paddock, neugierig trat auch Inyan jetzt an mich heran. Seine Nüstern pusteten mir seinen Atem auf die kalten Wangen, während Ravn an meiner Tasche zu zuppeln begann. Lady Gweny hielt sich ein wenig im Hintergrund. Fylgia kam mit angelegten Ohren angelaufen, schnappte Inyan in den Hintern der daraufhin aus dem Weg ging. Nur Ravn ließ sich von ihr nicht beirren. Ich streichelte natürlich auch Fylgia, die so nach meiner Aufmerksamkeit fragte. Damit keiner zu kurz kam stiefelte ich auch noch zu Gweny, prustete ihr in die Nüstern, kraulte ihre Lieblingsstelle an der Brust und den Ohren. Louis stand noch immer am Tor, sein Blick ruhte die ganze Zeit auf mir. “Sie mögen dich wirklich alle.” ich sah mich um...inmitten all meiner Rappschecken, zuckte lächelnd die Schultern. “Scheint so. Aber jetzt lass uns reingehen und was warmes zu trinken besorgen. Ich spür meine Zehen nicht!”
      Im Haupthaus hatte sich irgendwer des Kamins angenommen, Louis war in die Stallungen gegangen um Caleb Bescheid zu geben. In der Küche bereitete ich Kaffee vor, füllte sie in die Thermoskanne. Führte Reste der Brownies zutage und brachte alles auf einem Tablet in das Wohnzimmer. Louis kam als erstes zur Tür hinein. “Caleb ist gleich da.” Ich saß auf dem Teppich vor dem Kamin, rieb meine Hände und Füße. Meine Gedanken hingen nun bei Caleb, während ich in die Flammen starrte. Irgendwie war er heute wieder einmal besonders ruhig gewesen. Das hatte sicherlich mit den Ereignissen die noch vor uns stünden zu tun, auch ich war deshalb aufgeregt. Manchmal konnte ich verdrängen verstehen zu wollen was in Caleb vorging. Jetzt gelang mir das nicht..auch weil ich mannhaft damit beschäftigt war die Worte von Louis von mir zu drängen. Natürlich hatte ich es bemerkt...ich hätte blind sein müssen nicht zu spüren wie es um ihn stand. Und ich machte mir Vorwürfe….vielleicht, wenn Dinge anders wären. Dann hätte ich mir sogar vorstellen können Louis eine Chance zu geben. Im Grunde würde das meinem Herzen wohl weniger schaden als das was Caleb und ich irgendwie teilten. Hände an meinen Füßen...ich zuckte zusammen, mein Kopf ruckte herum. Louis hatte sich zur mir auf den Teppich gesellt, seine Hände hatten nach meinen Füßen gegriffen, massierten sie. “Da du so in Gedanken warst, dachte ich mach ich weiter womit du aufgehört hast?” Irritiert sah ich ihn an, entspannte dann allerdings meine Muskulatur. Massagen konnte ich ja wohl nicht von der Hand weisen. Die Vernunft in meinem Hirn schrie allerdings etwas anderes. Ich war unfair. Ich ließ mich einfach nach hinten fallen, schloss die Augen. Genoss die Zuwendung und die Wärme des Kamins. Vergessen die Brownies und der Kaffee.
      Das ins Schloss fallen der Haustür, die Schritte den Flur hinauf. Sie ließen mich erneut zusammen zucken, ich richtete mich abrupt auf, entzog Louis meine Füße. “Kaffee?” kieckste ich, sprang auf und hielt Louis die Kanne entgegen. Ernten tat ich seinen schelmischen Blick, ein wissendes, beinahe arrogantes Lächeln. Er gab seine Antwort indem er nickte. Gerade als die ersten Tropfen in die Kanne fielen betrat auch Caleb den Raum. “Ohh davon nehm ich bitte auch eine Tasse.” Also bekam auch Caleb seine Tasse Kaffee, er ließ sich auf dem Teppich neben Louis nieder. “Ich hab sogar ein paar Brownies aufgetrieben.” damit schob ich den Teller an den Rand des Tisches. Dann reichte ich Caleb seine Tasse, gab in meine einen Schuss Milch und hockte mich dann auch auf den Teppich. Für unsere Abreise ist schon alles vorbereitet. In 5 Stunden kommt der Trailer um uns samt Pferden einzusammeln. Anschließend geht es zum Flughafen.” “Dem Abenteuer entgegen” murmelte ich. Keine Erwiderung. Stille, dann sprach Louis. “Ich werde wohl erst in einem Monat nachkommen. Hab hier noch ein paar Behördengänge zu erledigen.” “Meld dich einfach, wenn es los geht.”
      Eine Viertelstunde später verabschiedete sich Louis von uns. Caleb und ich ließen uns anschließend wieder vor dem Kamin nieder. Mein Kopf lag an seinem Rücken, nebenher dudelte der TV aber so richtig schien keiner dem Programm zu folgen. Ins Bett zu gehen lohnte sich nicht für die wenigen Stunden.

      Caleb
      Ich war an diesem Abend mit den Gedanken noch immer nicht wirklich hier. Wo ich war? Keinen blassen Schimmer. Warum ich weg war? Nicht die geringste Ahnung. So vieles würde sich wieder ändern, von jetzt auf gleich. Hatte ich nun endlich das, was mich im Leben glücklich machte? Oder würden wir in einer Weile wieder umziehen? Was war es, dass das Leben ausmachte? Die Freunde? Die Familie? Geld? Ruhm?
      Diese Frage konnte wohl jeder nur für sich selbst beantworten. Meine Antwort stand in den Sternen. Weit weg, und doch ganz nah. Oder doch so fern?
      Ich beugte mich zu Ylvi rüber und gab ihr einen Kuss auf den Hals. „Ylvi wir könnten… uns die Zeit ein wenig vertreiben…“, flüsterte ich, drehte ihren Kopf zu mir und küsste sie auf die Lippen. „Jetzt da du… sogar eine kurze Strecke galoppieren konntest…“,murmelte ich weiter und küsste sie erneut. Ylvi lächelte kurz, rutschte dann zu mir herüber und setzte sich auf meinen Schoß. „Könnten wir…“, flüsterte sie und legte ihre Hand in meinen Nacken. „Jetzt, da du wieder redest und deine Gedanken sortiert hast..“, sagte sie frech und nahm meine Unterlippe zwischen ihre Zähne, zog leicht daran und ließ sie wieder los, ehe sie mir in die Augen sah und mich dann wieder küsste. „Ich hatte bloß so vieles im Kopf.. aber lass uns da im Flieger drüber reden...oder in Kanada...“, schlug ich ihr vor und sie nickte. Viele Möbel waren nicht mehr hier, die Couch allerdings stand noch in unserem Wohnzimmer. Ich stand auf, hielt Ylvi an mir fest und legte sie auf die Couch. Vorsichtig stützte ich mich rechts und links von ihr auf dem Sofakissen ab und beugte mich zu ihr runter, um sie erneut auf den Hals zu küssen. Wir wechselten eine Weile Küsse, ehe ich langsam Ylvis Oberteil über ihren Kopf zog. Auch ihre Hose und Unterwäsche war schnell verschwunden. Meine Sachen streifte ich mir über Kopf und Beine und schmiss sie ebenfalls neben das Sofa…
      Nach einem Blick auf die Uhr sprang ich hastig auf. “Ylvi komm.”, sagte ich und zog sie mit mir auf die Beine. Wir hatten viel zu lange auf dem Sofa verbracht und so langsam würde es eng werden, was Pferde verladen und den Flug anging. “Die drüben köpfen uns, wenn wir den Flieger nicht kriegen.”, lachte ich und sammelte meine Kleidung auf dem Boden ein, zog sie an und stand dann Bellamy gegenüber, der sich in der Küche einen Kaffee gemacht hatte. “Wie lange stehst du denn schon hier?”, fragte ich ihn und richtete mein Hemd. “Glaub mir, lange genug.”, sagte er und zwinkerte mir zu. Ich rollte mit den Augen, schlug ihn gegen die Schulter und setzte dann meinen Hut auf den Kopf, den ich hier in der Küche hatte liegen lassen. Ylvi kam nun auch zu uns und wir beide tranken schnell eine Tasse Kaffee, stopften noch einen der Brownies in den Mund, die Ylvi vom Wohnzimmertisch mitgebracht hatte, ehe ich in den Stall zu meinen beiden Hengsten hastete. Bellamy trug ich auf, Ylvi zu helfen, denn sie hatte mehr Pferde fertig zu machen.
      Vulture als auch Nachtschwärmer waren nicht sehr begeistert, dass ich sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss. Nachtschwärmer ließ sich jedoch leichter aus der Box führen und für den Transport fertig machen, als Vulture. “Du bist eine Zicke.”, knurrte ich ihn an und ruckte einmal am Führstrick, als ich die Nase voll hatte. “Hör auf jetzt und benehm dich einmal deinem Alter entsprechend.”, sagte ich und legte die letzte Transportgamasche an. Der Trailer, der die Pferde mitnehmen sollte, war schon da, weshalb ich meine beiden Pferde schon auf die Rampe führte und im Inneren anband. Ylvi und Bellamy kamen nun auch und brachten die Pferde rein. “Bellamy lädst du das Zubehör mit den Kisten auf meinen Pick Up, Ylvi und ich holen schnell unsere Taschen.”, sagte ich zu ihm und er nickte, ehe er im Stall verschwand. “Jetzt aber schnell.”, lachte ich, nahm Ylvis Hand und lief zurück zum Haus. “Und du meinst der hat uns wirklich gesehen oder gehört?”, fragte mich eine unsichere Ylvi, als wir im Haus angekommen waren. “Ich glaube er blufft.” Ich lachte, warf mir meine Tasche über den Rücken und nahm die Größere von Ylvi auch in die Hand, so dass sie nur ihr Handgepäck tragen musste. Draußen auf dem Hof angekommen hielt ich abrupt an und drehte mich nochmal zur Haustür um. Ich schaute mir das Haus an, drehte mich einmal im Kreis und ließ meinen Blick über das gesamte Gelände schweifen. “Kaum zu glauben, dass wir diesen wunderbaren Ort verlassen.” “Oh Caleb jetzt werd nicht sentimental.”, sagte Ylvi und knuffte mich in die Seite. “Komm… bereit?” “Bereit.”

      Ylvi
      Ich spürte eine wärme in mir...fast als würde ich schwitzen...und dann musste ich doch wieder breit Lächeln. Bluffte Bellamy tatsächlich nur? Falls ja...so gab ihm Caleb definitiv genug zum Grübeln als er mit mir Hand in Hand ins Haus lief. Auch als wir am Trailer standen, den Blick auf die Ranch gerichtet, hielt er meine Hand fest umschlossen. Uns gingen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Bellamy stand auf der Treppe des Haupthauses. Er würde noch eine ganze Weile hier bleiben, die Pferde versorgen, Verkäufe organisieren. Vor allem aber die neuen Besitzer einweisen.
      Es ging auf zu neuen Ufern.
      Es war angenehm die Fahrt über noch einmal dösen zu können. Der Fahrer saß vor uns, während Caleb sich zu mir auf die Rückbank gesellt hatte. Über einen Bildschirm konnten wir gut alle 6 Pferde beobachten. Sie standen in dem Trailer her zur Fahrtrichtung. Gweny schien etwas nervös, ich konnte ihr Ohrenspiel sehen. Die Nähe von Inyan und Fylgia schien ihr allerdings gut zu tun. Ich hatte erst etwas bedenken gehabt die beiden Stuten mit den Hengsten zu transportieren. Aber wir hatten diese zuerst eingeladen...anschließend waren meine Wallache gefolgt als Puffer. Anschließend hatten wir Gweny eingeladen, als letztes hatten wir Fylgia auf den Trailer gepackt. Ich war aufgeregt. Seit dem ersten Besuch im Dezember war ich nicht mehr hier gewesen. Caleb hatte sich “geweigert” mich mitzunehmen. Klar er hatte viel zu tun. Aber ich war einfach gespannt was in der Zwischenzeit alles passiert war. Ich tappte vor Aufregung mit meinem Bein, plötzlich krallten sich Calebs Finger in meinen Oberschenkel, drückten ihn hinunter. Ich sah zu ihm Lächelte verzeihend. “Du machst mich vollkommen wirr, Weib.” knurrte er mir ins Ohr. Ich ließ mich also weiter zurück in die Autositze sinken. Sah wieder auf den Bildschirm.
      Am Flughafen ging alles glatt, die Pferde wurden vor Ort gecheckt, die Pässe kontrolliert. Dann führten wir sie jeder einzeln in die für sie vorgefertigten Boxen. Fylgia war wie nicht anders zu erwarten, vollkommen ruhig. Daher drückte ich sie dem Fahrer in die Hand, der ja auch seine Erfahrung mit Pferden hatte. Ich selbst führte Gweny aus dem Hänger. Dann jedoch gab es ein schrilles Kreischen, das natürlich von Ravn kam. Der Wallach riss sich los von dem Flughafen mitarbeiter, trabte aufgeregt an Gweny und mir vorbei und hielt erst an als er neben Fylgia zum stehen kam. Ich rollte mit den Augen. Dabei hatte ich gehofft sein Kletten-Verhalten hätten wir langsam im Griff. Allerdings war das hier auch eine außergewöhnliche Situation. Das weitere Verladen verließ dann doch etwas geordneter.
      “Uff...und wieder 7 Stunden den Arsch platt sitzen.” murmelte ich eher zu mir selbst. Caleb verstaute eben mein Handgepäck, da ich selbst zu klein war um dort ran zu kommen. Der Frau neben mir am Fenster entlockte es allerdings ein Lächeln. Ich erhob mich um ohn durch zu lassen. Ich saß sehr viel lieber im Gang auf längeren Flügen. Caleb nahm seinen Hut ab, setzte sich neben mich hin und legte den Hut auf seinen Schoß. “Zumindest haben wir so nochmal ein bisschen Ruhe.” “Ruhe?...denkst du das wirklich?” Caleb zog eine Augenbraue hoch, sah mich an. Ich hob meine Hände “Ich hab schwitzehände, muss die ganze Zeit an die Pferde da unten denken. Ruhe würd ich das nicht bezeichnen.” meine Stimme klang dabei schaal und heiser. Mir war sogar ein bisschen schlecht bei dem Gedanken an die Pferde. Caleb zog mir an einem meiner flechtzöpfe die über meine Schultern fielen. Dafür erntete er einen verwirrten Blick. Was war das denn jetzt? “Na sieht...bei dem Gesicht sind deine Gedanken jetzt wohl nicht bei den Pferden.” kommentierte er lachend. Dafür bekam er einen Faustschlag gegen die Brust. “Och duu!”

      Caleb
      Ich stieg in ihr Lachen ein. Die Frau neben uns kam mir irgendwie bekannt vor, auch wie sie uns zuhörte und grinste, wenn wir etwas witziges sagten. Irgendwann wandte ich mich ihr zu. “Entschuldigen Sie, kennen wir uns?”, fragte ich die Frau und sie nickte. “Wenn sie Caleb O’Dell sind, dann ja.” In meinem Kopf kramte ich nach Namen oder Orten, doch so richtig wollte mir keiner einfallen. “Ist schon eine lange Zeit her.. damals in Las Vegas auf einem großen Turnier. Ich habe dich beim Team Roping total abgezogen.”, lachte sie. “Nein, Kit? Wow, dass ich dich nochmal wieder treffe!”, ich beugte mich zur ihr rüber, gab ihr einen Kuss auf die Wange und umarmte sie kurz. “Kit und ich waren früher wirklich.. Erzfeinde, wie man so schön sagt. Das eine Mal gewann sie, das andere Mal gewann ich. Wie lange ist das her… etliche Jahre!”, ich lachte. Dann schaute ich von Ylvi zurück zu Kit. “Das ist Ylvi. Eine… sehr gute Freundin von mir.”, ich legte ihr kurz meine Hand aufs Bein. Für Kit reichte diese Geste wohl. “Soso…”, schmunzelte sie und sah uns beide abwechselnd verschmitzt an. “Ich hab dich aber wirklich nicht erkannt, du hast dich total verändert!”, wandte ich mich wieder an meine alte Bekanntschaft. “Was ist aus deinem braunen Lockenkopf geworden? Und deine Stute… Halley.. hast du die noch?” “Meine braunen Locken sind blonden Haaren gewichen. Irgendwann hab ich sie mir dann abrasiert und jetzt wachsen sie nach. Sind aber noch nicht sonderlich lang, wie du sehen kannst.”, erklärte sie mir. Wie hätte ich sie auch erkennen können? “Halley habe ich schon lange nicht mehr, sie ist bei ihrem ersten und einzigen Fohlen gestorben. Der kleine Hengst hat es auch nicht geschafft. Das war vor.. drei Jahren. Seit dem saß ich nicht mehr auf dem Pferd.” “Das tut mir Leid.”, kam es von Ylvi, die sich hinter meinem Rücken bestimmt etwas ausgeschlossen fühlte, bei unserem Gespräch. Generell schaute sie nicht wirklich glücklich drein. Ob ich sie eben verletzt hatte? Aber was waren wir denn? Freunde? Freunde mit gewissen Vorzügen? Verliebt? Auch eines der Dinge, was mir ständig im Kopf herum schwirrte. Louis spielte da auch eine große Rolle. Er meinte zwar ich würde nichts merken, aber ich kannte ihn. Ich merkte, wenn er etwas im Schilde führte. Auch Ylvi hatte gestern Abend sichtlich seltsam gewirkt, als sie den Kaffee mit einer Quietschstimme verteilt hatte.
      “Und was arbeitest du im Moment?”, fragte ich sie. “Nichts, bin auf der Durchreise. Mal hier, mal da etwas.” “Wenn du noch Arbeit suchst, wir sind gerade auf dem Weg zu meiner neuen Ranch.” “Was? Du? Eine Ranch? Wow Caleb das freut mich für dich!”, sagte sie lachend und gab mir einen Klaps aufs Bein. “Endlich, Cowboy. Ich dachte schon du wirst nie sesshaft.” “Also eigentlich… war ich schon lange Zeit sesshaft.”, korrigierte ich sie. “Ich komme euch auf jeden Fall mal besuchen!”, sagte sie. “Klar, wieso auch nicht. Schließlich fliegen wir in die gleiche Richtung.” Wir unterhielten uns noch eine Weile. Ylvi döste in der Zwischenzeit immer wieder weg. Auch ich war nicht den ganzen Flug wach. Kurz vor der Landung wachte ich jedoch wieder auf und hatte Ylvis Kopf auf meiner Schulter liegen. Eine sehr gute Freundin… Dieser Satz ging mir immer wieder durch den Kopf und ließ mir keine Ruhe. Auch Kit sah mich grinsend an, als ich meinen Kopf sachte auf den von Ylvi sinken ließ. “Ach komm Caleb. Das da ist mehr als.. ich zitiere: sehr gute Freunde.”, sagte sie zu mir und schien nun wirklich eine Antwort haben zu wollen. “Es ist kompliziert. Reicht dir das als Antwort?”, ich sah sie an. “Nein… ich muss wohl doch zu dir auf die Ranch kommen, wenn ich mehr wissen will.”, sagte sie lachend und ich stimmte in ihr Lachen mit ein. Auch Ylvi regte sich wieder, nahm ihren Kopf von meiner Schulter und sah raus. “Landeanflug. Hab auch nichts mehr von den Pferden gehört, denen scheint es gut zu gehen.”, erklärte ich ihr und sie nickte beruhigt. Dann ging es runter.

      Ylvi

      Traf mich ein Tritt in die Magengegend? Nein...wir hatten nie darüber gesprochen was wir eigentlich waren. Kit zu erklären wie und was es war hätte zu lang gedauert. Natürlich...ein zugeständnis von Caleb hätte mir besser gefallen, mein Herz schien sich ein wenig zu verknoten. Als jedoch seine Hand auf meinem Bein lag, seine Finger kurz zudrückten. Da durchlief mich mit einem mal eine unfassbare Wärme, der Knoten in meinem Herzen schien sich zu lösen. Zitterte ich? Oder war das flaue Gefühl im Magen eher auf den beginnenden Start zu schieben?
      Ehrlich gesagt bekam ich weiter gar nicht wirklich mit was die beiden zu besprechen hatten. Zu sehr kreisten meine Gedanken um Calebs Worte. Ich ertappte mich dabei wahllos ins leere zu Starren. Ich hasste in diesem Moment was es in mir tat. Es wühlte mich auf. Machte mich Glücklich und Ängstlich. Machte mich aber auch so unfassbar wütend. Wieso passierte das ausgerechnet mir? Mir die ich jahrelang versucht hatte so etwas von mir weg zu stoßen. Fühlte sich so jeder der sein Herz an jemanden verloren hatte?
      Irgendwo in meiner ewigen Starrerei, dem lauschen von Calebs gleichmäßigem Barriton war ich eingeschlafen. Die Momente in denen ich wach war, nicht weiter relevant..ich wechselte höchstens meine Position im Sitz. Zwischendrin hatte ich bemerkt, dass sich die beiden nicht mehr unterhielten. Da wurde mir bewusst wie oft Caleb früher unterwegs gewesen sein musste...er schien ja wirklich den halben Kontinent zu kennen. Mit einem Lächeln schlummerte ich ein letztes Mal davon. Erst das Lachen von Caleb ließ mich wieder wach werden. Ich rieb mir die Augen, unterdrückte ein Gähnen. Draußen war es hell. Schnee lag überall herum.
      Wir trennten uns von Kit, der wir eine gute Reise wünschten. Sichtlich erschöpfte Pferde (was sicherlich auch an der Sedierung lag) , brachten wir auf den Trailer des Fuhrunternehmens. Einen Vorteil jedoch hatte die klirrende Kälte dann doch - sie machte mich wacher. Nachdem wir fertig mit dem Aufladen waren, fühlte ich mich längst nicht mehr so gerädert. Die Straßen waren frei, in nur 20 Minuten würden wir fast da sein. “Es hat schon Vorteile das wir nicht mehr fast 2 Stunden in die nächste größere Stadt fahren müssen.” dabei sah ich aus dem Fenster auf die verschneite Landschaft. Beim letzten Mal hatte noch keiner gelegen.

      Caleb
      Die Verabschiedung von Kit fiel mir doch schwerer, als ich gedacht hatte. Es war immer wieder schön alte Bekannte zu treffen und die alten Zeiten aufleben zu lassen. Eine Person würde ich jedoch nie wieder sehen, diese Zeit würde ich für mich alleine, immer in meinem Herzen tragen. Das konnte mir keiner nehmen, solange ich lebte.
      Die Pferde einzuladen ging sehr schnell, Vulture benahm sich sogar seines Alters entsprechend und machte mir das Leben nicht schon wieder schwer. Ylvi und ich waren todmüde, wobei sie ziemlich wach blieb und nur ich es war, der ständig einnickte und durch eine Kurve oder einen Hubbel in der Straße den Kopf hoch riss.
      Endlich waren wir am Tor zur Ranch angekommen. Bow River Ranch. Es war mit Abstand das schönste Schild, welches ich seit langem gesehen hatte- und dabei gehörte auch das mir. “Oh schau Mal Ylvi, wie schön!”, sagte ich auf einmal hellauf begeistert und klebte mein Gesicht förmlich an die Scheibe, denn links stand meine Rinderherde auf der Weide, während rechts einige Pferde grasten. “Genau so habe ich mir das vorgestellt. Wie toll das aussieht!” Ylvi lachte. “Du kommst ja aus dem Staunen nicht mehr raus.”, murmelte sie und sah zu mir rüber. Ich nickte, noch immer sichtlich begeistert, und schaute dann nach vorne, wo die halbe Ranch schon mitbekommen hatte, dass wir endlich ankamen. Allen voran standen Cayce und Octavia. Letztere mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Das Fahrzeug hielt an und Ylvi und ich stiegen aus. Sofort wurden wir von O umarmt und ich bekam auch einen Kuss auf die Wange. Cayce jedoch kam mit verschränkten Armen auf uns zu. “Tauchst du auch endlich mal auf, du alter Hund.”, sagte er, fing dann an zu lachen und umarmte zu erst mich, dann Ylvi. Auch Dell, Betsy und Murphy umarmten uns kurz, ehe sie das Equipment der Pferde ausluden. Die anderen waren auf der Ranch verteilt und arbeiteten. “Dann komm Ylvi, lass uns unsere Pferde ausladen.”, sagte ich zu ihr, nachdem ich unsere Taschen auf der Treppe zum Haupthaus abgestellt hatte. Die würden wir später wegräumen, die Pferde hatten schon viel zu lange im Trailer gestanden. Nachtschwärmer drückte ich Cayce in die Hand, Vulture lud ich selbst aus, tauschte seinen Transportschutz gegen koppeltaugliches Equipment und brachte ihn dann auf eine der kleinen Koppelstücke, wo die Hengste untergebracht wurden. Auch Nachtschwärmer wurde auf eines der Stücke gestellt. Die Pferde von Ylvi kamen alle zusammen auf die noch freie Weide mit dem Offenstall. “Caleb es gibt noch einiges, dass geklärt werden müsste.”, sagte Cayce zu mir, als wir wieder zurück zum Haupthaus gingen. “Ich weiß. Aber zu erst muss ich ins Bett, das ist der schlimmste Jetlag den ich je hatte.”, sagte ich zu ihm, hob meine sowie die große Tasche von Ylvi auf und ging ins Haus. “Hier hat sich auch einiges getan, aber das zeig ich dir morgen.”, erklärte ich Ylvi. “Lass uns hoch gehen und uns aufs Ohr hauen.” Ylvi folgte mir zielstrebig, wurde dann jedoch langsamer, als ich ihr die Tür zu einem Schlafzimmer aufhielt. “Na komm, stimmt schon alles so.”, sagte ich zu ihr, trat hinter ihr ein und schloss die Tür.

      Ylvi
      Ich war etwas verwirrt..”Ich würd nur schnell mein Zeug in mein Zimmer bringen, dann komm ich wieder her?” ich war halb in den großen Raum hinein gegangen. Hielt dann jedoch Inne...er hatte in einer Art Panoramafenster Ausblick hinaus auf die Weiden der Farm. Es gab bisher noch leere Bücherregale an der einen Wand. Daneben befand sich ein kleiner Ofen. Gegenüber ein Bett das den Ausdruck riesig definitiv verdient hatte. Außerdem gab es auch einen großen Schrank.
      Mir blieb bei dem Anblick schon die Atmung weg...die ganze Einrichtung entstammte dem Landhausstil..war allerdings auch wieder schlicht gehalten. Es stand kein unnützes Dekor umher. Mein Blick wurde wieder gefangen genommen von der Aussicht aus dem Fenster. Dann spürte ich von hinten einen Körper der sich an den meinen schob..Calebs Hände griffen von hinten sanft um meine Hüfte. In dieser Bewegung drehte er uns..er schien sich auf das Fensterbrett gesetzt zu haben. “Du hast mir überhaupt nicht zugehört,oder?” “Mhm?” fragte ich halb da halb im Staunen. Das Lachen aus Calebs Kehle verschaffte mir eine Gänsehaut, wie es sein Atem in meinem Nacken immer tat. Mein Körper dieser ewige Verräter. Dann spürte ich ihn jedoch Seufzen. “Es gäbe schon einen Raum in dem….also.” wieder kurze Stille er druckste, ich wartete wollte ihn nicht stören. Vielleicht ahnte ich auch bereits was er sagen wollte, doch ich wollte es von seinen Lippen hören. Ich wusste wieso ich an ihm lehnte...es würde ihm schwerer Fallen, wenn ich ihm in die Augen sah. “Ich dachte, da wir ja ohnehin schon so oft beim jeweils anderen im Bett schlafen...Ich dachte das hier könnte unser Zimmer sein?” “Ist das etwa eine Frage Mr. O’Dell?”” flüsterte ich heiser. “Befehlen könnte ich dir ohnehin nichts...und ich bin kein Typ der Bettelt...ich denke das weißt du.” Ich schubste meinen Ellenbogen nach hinten. “Och duu!” schimpfte ich wieder. Drehte mich dann um und sah ihn an. “Damit gehen die Gefühlskrüppel wohl ein neues Kapitel an, hm?” Caleb nahm den Kopf schief, zog die Schultern hoch. “Sieht ganz so aus.” Erst wollte ich ansetzen, das ich mir das vor einem Jahr nicht hätte denken können...Wir hatten es nicht angesprochen...aber im Grunde machten wir damit vor der ganzen Ranch Publik das wir ein Paar waren...bzw. Caleb tat dies. Schließlich hatte er das ganze hier eingefädelt. Ich lächelte, umarmte ihn einfach nur und platzierte meinen Kopf an seiner Brust. Allerdings nicht lang bis mich ein Gähnen unterbrach. “Ab ins Bett!” damit packte mich Caleb plötzlich, schwang mich wie einen nassen Sack über seine Schulter und ließ sich dann gemeinsam mit mir auf das Bett fallen. Ich streifte Hose, Socken ab. Befreite mich von meinem BH und zog mir mein Shirt wieder an. Caleb tat es mir gleich, nur blieb er nur in Shorts. Auf einen Knopfdruck fuhr die Jalousie herunter, schlagartig war es dunkel im Raum. Ich fand wie von selbst in seinen Arm, hörte sein gleichmäßiges Atmen. Die Bow River Ranch würde für alle ein neuer Anfang sein. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.


      Anfang März

      Caleb
      So langsam kehrte etwas Ruhe ein- wirklich nur sehr langsam. Cayce hatte nach meiner Ankunft sehr viel zu besprechen gehabt. Und wie ich schnell feststellen musste, war noch wahnsinnig viel zu tun, bis wir die Ranch halbwegs fertig nennen konnten. Gerade war es neun Uhr morgens, wir saßen alle in der großen Küche des Haupthauses zusammen und frühstückten. Es hatten sich wirklich alle gut eingewöhnt. Sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner. Dass Ylvi und ich zusammen in diesem Haus und im selben Zimmer wohnten schien niemanden überrascht zu haben. Unser Outing hatte ich mir viel spannender vorgestellt gehabt, als es letzten Endes gewesen war. Betsy hatte heute frei, weshalb ich sie mit Sue zu den Rindern mitnehmen wollte. So zumindest der Plan. “Betsy hast du heute schon was vor?”, fragte ich, zuerst in Richtung Betsy, dann in Richtung ihres Vaters. “Ähm nein, wollte mit Sue ausreiten, sonst noch nichts.”, erwiderte sie. “Das passt doch, magst du mit mir zu den Rindern mitkommen? Sie stehen in Richtung Ferienranch, ist ein Stückchen bis dahin.”, erklärte ich und sah zu Dell, der nickte. Erst dann schaute ich wieder zu Betsy und lächelte sie freundlich an. “Nur wenn Ylvi auch mitkommt.”, sagte sie und schaute mich grinsend an. “Soso.. Ylvi?”, fragte ich in Richtung der jungen Frau gewandt. “Klar, warum nicht.”
      Gesagt, getan. In Windeseile waren Sue, Devil und Inyan geputzt und gesattelt. In den Satteltaschen, die wir allen drei Pferden übergeworfen hatten, war ein wenig Werkzeug für eventuell kaputte Zäune und Thermoskannen mit warmem Kaffee und Kakao für Betsy. “Dann kanns ja losgehen.”, sagte ich und trieb Wimpy an. Mit ihr ritt ich vor, in der Mitte folgte Betsy und das Schlusslicht bildete Ylvi mit Inyan. Im gemütlichen Schritt wateten die Pferde durch den Schnee. Nach einer Weile sah ich die Bäume am Fluss und auch vereinzelte Rinder, die im Schnee nach etwas zu fressen suchten. “Ich muss wohl nachher nochmal neues Heu her fahren.”, sagte ich zu mir selbst und schrieb es auf meine To-Do Liste. Ich musste wirklich so langsam mal anfangen, die Dinge aufzuschreiben. So viel konnte sich ja kein Mensch merken!
      “Und, sind sie nicht hübsch?”, fragte ich Betsy, die mittlerweile neben mir ritt. Auch Ylvi hatte zu uns aufgeschlossen, als ich die Zügel annahm und wir drei stehen blieben. “Die haben ja auch alle weiße Gesichter!”, sagte sie aufgeregt und schaute zu Devil, die ebenfalls ein weißes Gesicht und blaue Augen hatte. “Haben die auch blaue Augen? Oh sag… die müssen blaue Augen haben!”, quasselte sie vor sich hin doch ich schüttelte den Kopf. “Nein, keine blauen Augen.” “Oooooh…”, kam es enttäuschend von ihr, ehe sie den Blick abwandte und ihn über die Herde gleiten ließ. “Kommt, wir reiten zum Zaun und schauen, ob alles in Ordnung ist.”, sagte ich und die beiden nickten, ehe wir uns wieder in Bewegung setzten. Den ganzen Vormittag verbrachten wir hier draußen. Als wir wieder auf der Ranch ankamen, waren wir wahrhafte Eiszapfen. Jesse, Connor und Murphy wurden von mir dazu verdonnert, sich um die Pferde zu kümmern, damit wir reingehen und uns aufwärmen konnten. Wir saßen eine Weile gemütlich vor dem Kamin und schlürften warmen Kakao. Plötzlich sprang ich auf, hastete zum Küchentisch, nahm mir einen Block und einen Stift und fing an zu kritzeln. “Was schreibst du da?”, fragte mich Betsy doch statt einer Antwort bekam sie nur “Schhh.. schh..” zu hören. Auch Ylvi hatte sich zu mir rüber gebeugt und schaute auf den Block. Oben drauf stand in großen Buchstaben: To Do, gefolgt von Spiegelstrichen mit Dingen, die ich erledigen musste. Als erstes stand dort: Rinder Heu. Fett unterstrichen.

      Ylvi
      Ich las die Punkte der Liste durch. “Wie wärs, du die Rinder...und ich kümmer mich um Punkt vier?” Die Stuten umweiden?” Ich hing halb über seiner Schulter, sah wie er die Hand hob und unleserlich daneben krackelte: Ylvi.
      Gut damit schien die Aufgabe wohl verteilt zu sein. “Oooh darf ich helfen?!” sah mich Betsy bittend an. Ich plusterte die Backen auf. Klar, Hilfe wäre nicht schlecht. Allerdings hatte ich dabei eher an jemanden wie O gedacht...oder Cayce. “Meinetwegen kannst du mit kommen.” sagte ich schließlich mit den Achseln zuckend. Wieder angepellt vor der Tür liefen wir jedoch Louis in die Arme. “Louis!” rief ich aufgeregt, lief dem Indianer entgegen und umarmte ihn stürmisch. Erst dann nahm ich Lilly wahr. Neben ihr stand ein wütend drein blickendes Kind, das mir allerdings schon fast bis unters Kinn ging. Seine Haare waren anders als die von Louis kurz, standen in alle möglichen Richtungen ab. Unverkennbar schien das Tschetan zu sein. Ich winkte ihm zu, erhielt jedoch keine Antwort. Halb hinter Lilly stand ein Mädchen, ihre Haare befanden sich in zwei geflochtenen Zöpfen. Mit einer Hand klammerte sie sich einen Stoffhasen vor die Brust die andere hielt sich an Lillys Hand fest. Scheu sah sie hinter dem Rücken der jungen Frau hervor. Ich umarmte also Lilly weitaus weniger stürmisch. Sah dann zu dem Mädchen. “Hey..ich bin Ylvi. Louis hat dir vielleicht schon von mir erzählt?” Schweigen. Ich deutete auf Betsy neben mir. “Schau...das ist Betsy. Sie müsste in deinem Alter sein.” wieder keine Antwort, nur diese unglaublich traurigen Augen die mich anstarrten...dann hinüber zu Betsy. “Sie spricht nicht”, seufzte Lilly leise. “Wieso spricht sie nicht?” plapperte Betsy. Rein aus Reflex schubste ich ihr an die Schulter. “Aber sie hat Ohren die hören. Sprich nicht als wär sie nicht da!” tadelte ich das Mädchen. Gosh, ich war nicht ihre Mutter! Augenblicklich tat mir mein Verhalten leid. Betsy sah auf den Boden. Ich drehte mich halb zu Louis. “Caleb ist drinnen. Er wollte zwar noch Heu fahren, aber ich denke ihr habt noch viel zu besprechen. Lilly , wenn du möchtest kannst du die Kinder rein bringen?” “Ach...die beiden wissen sich meistens ganz gut zu beschäftigen. Kann ich dir helfen?” Das Angebot kam mir fast wie gelegen. “Das kannst du tatsächlich!Betsy und ich wollten gerade die Pferde holen um die Stuten umzuweiden. Wir könnten dich auf Ravn packen. Eine Hand mehr ist sicher nicht schlecht.”
      Tschetan schien an sich zwar ein wenig seltsam wütend auf alle, doch er nahm seine kleine Schwester pflichtbewusst unter seine Hand. Ich bot ihm an auch ins Haus hinein zu gehen falls ihnen Kalt wurde.
      Im Stall kam mir Cayce entgegen. “ Cayce! Warte mal eben. Die neue Verstärkung ist da, Louis ist gerade bei Caleb. Was hattest du gerade vor?” “Futter ist fertig...ich wollte Heu zur neuen Stutenweide bringen.” “Prima, wenn du eh im Traktor hockst, bringst du auch was bei den Rindern vorbei? Hatte Caleb vor, aber ich weiß nicht wie lange er dafür braucht.” Cayce fasste sich an den Hut, nickte “Aye Chefin.” drehte bei und ging. Dabei hatte er nicht spöttisch geklungen. Chefin? Perplex sah ich ihm nach. Schüttelte dann den Kopf. Lilly und ich halfen Betsy beim Sattel von Sue, denn so ganz allein hievte sie den Sattel noch nicht auf den Rücken der Stute. Für alles andere behalf sie sich mit einer kleinen Trittleiter.

      Caleb
      Ich hatte Ylvi und Betsy leise bis zur Tür gehen hören, dann jedoch mischten sich vertraute Stimmen unter die Ihren. Louis war wohl da. Auf die beiden Kinder war ich ja wirklich sehr gespannt. So würde etwas mehr Leben auf den Hof kommen- und mehr Arbeit natürlich, bei drei Kindern- und Lilly.
      Das seltsame Gespann bestehend aus Louis, Tschetan und Kaya kam zu mir ins Wohnzimmer. Ich stand auf und fiel zuerst meinem alten Freund in die Arme. “Hallo Louis.”, sagte ich und klopfte ihm auf den Rücken. “Hallo ihr zwei, ich bin Caleb.”, stellte ich mich vor und blickte freundlich zu ihnen runter. “Ihr könnte gerne raus gehen und euch ein wenig umsehen. Kommt nur wieder rein, wenn es zu kalt wird.”, sagte Louis zu den Beiden, welche nickten und dann aus dem Raum verschwanden. Louis derweil setzte sich aufs Sofa, nahm sich ebenfalls eine Tasse Kakao. “Habt ihr den Flug gut überstanden?”, fragte ich ihn, und er nickte. “Die Kinder haben zum Glück fast die ganze Zeit geschlafen, Kaya ist noch ängstlicher, als sie es ohnehin schon ist.”, antwortete er und ich nickte. “Ist auch für sie eine große Umgewöhnung.”, meinte ich und legte meinen Notizblock zur Seite. “Eigentlich solltet ihr ja auf die kleine, alte Ferienranch ziehen. Zusammen mit Dell und Betsy. Nun ist es aber so, dass die Häuser noch nicht ganz fertig sind. Einer der Bungalows ist fertig, da sind zwar nur drei Schlafzimmer, aber eines mit Doppelbett. Da könntet ihr übergangsweise wohnen. Tschetan und Kaya zusammen? Dann müsste es passen.” “Klar, das ist kein Problem. Wo wohnen denn die anderen?” “Verteilt auf der Ranch. Octavia wohnt im Moment mit Travis hier, die anderen in den restlichen, halbfertigen Häusern. Hat alles doch ein bisschen länger gedauert.”, erklärte ich. “Wenigstens machen sie im Stall große Fortschritte, die 30 Außenboxen sind schon so gut wie fertig, sie mussten jetzt aufhören zu bauen wegen dem plötzlichen Schnee. Aber noch ein paar Dachplatten dann können wir Pferde dort hinein stellen.”, sagte ich zu ihm und er nickte.
      Gerade, als ich zu einem neuen Satz ansetzen wollte, kam Cayce ins Wohnzimmer. “Du könntest echt mal auf dein Handy schauen. Du musst jetzt die Arbeiten offiziell verteilen, nicht nur unter der Hand.”, grummelte er und umarmte Louis kurz. “Was ist denn?”, fragte ich ihn. “Ich habe dir geschrieben, dass Ylvi mich abgefangen hat und gefragt hat, ob ich auch Heu zu den Rindern bringen soll. Wollte ich jetzt machen, aber von dir wollte ich wissen ob ich ihnen auch Stroh mitnehmen soll, da wir dringend neues Heu bestellen müssen und die Kühe das Stroh besser vertragen als die Pferde.”, quatschte er drauf los. “Ja, ist gut. Ich schreibs mir auf mit dem Heu.”, antwortete ich ihm, bevor er wieder nach draußen ging. “Chef zu sein ist schon etwas anderes, als Chef zu spielen.”, lachte Louis, während ich auf meinem Block herum kritzelte. “Oh ja, wem sagst du das.”
      Wir redeten noch eine Weile über die Arbeit auf der Ranch, und dass er sich einfach zunächst einmal einbringen solle, wo immer er Arbeit sehen würde. Die persönlichen Aufgaben würden nach und nach dazu kommen. Da ich Wert darauf legte, jeden Morgen zusammen hier zu frühstücken, hatte ich die jeweiligen Listen mit den täglichen Aufgaben in den Flur gehangen. So sah sie morgens jeder und konnte seinen Namen hinter eine Aufgabe schreiben. “Ich werde dann mal sehen, wo die zwei Kinder abgeblieben sind.”, sagte Louis. “Wenn du sie hast komm nochmal her, ich zeige euch den Bungalow.”, bot ich ihm an doch er winkte ab. “Wir finden den schon.”, meinte er und verschwand dann auf dem Hof.
      Wieder zurück im Wohnzimmer schnappte ich mir den Hörer und rief bei einem Heulieferanten an, bei dem Verena auch immer Futter besorgt hatte. Wir hatten Glück und er konnte sogar heute noch liefern. Den Rest des Tages verbrachte ich zusammen mit Murphy und Travis damit, die kleinen, eckigen Heuballen vom Laster in die Scheune zu werfen und zu stapeln. Die großen Rundballen luden wir mit dem Traktor ab und stapelten sie in der Halle nebenan. Gegen Abend löste sich der Trubel auf dem Hof auf. Ich stand vor dem großen Fenster im Schlafzimmer und sah über den Hof. Hier war es wirklich wunderschön. Ich war gespannt, wie es hier aussehen würde, wenn alles zu blühen anfängt.

      Ylvi
      Nachdem wir uns damit vergnügt hatten die Stuten auf die andere Weide zu bringen, war es etwas schwierig gewesen Betsy los zu werden. Nicht, dass mir das Kind auf die Nerven ging...sie erledigte ihre Aufgabe zusammen mit Sue ja wirklich gut. Allerdings schien Lilly irgendwas auf der Seele zu brennen. In Gegenwart des Kindes schien sie keine Worte an mich richten zu wollen. So war die Arbeit schweigend verlaufen, abgesehen von den Berichten Betsys über den Umzug, die ersten Wochen und natürlich ihre neue Schule. Als wir Kaya allein über den Hof hatten schlendern sehen hatten Betsy die Gelegenheit genutzt um vielleicht Freundschaft zu schließen. Lilly hatte ihr erklärt das Kaya ein bisschen anders war, nicht sprach. Betsy hatte die Nachricht nickend aufgenommen und war anschließend davon gelaufen.
      “Louis wird es nicht einfach haben.” seufzte Lilly als sie Betsy hinterher sah. “Ich hab mich ja bisher nicht getraut zu fragen…” erwähnte ich ohne eine direkte Frage zu stellen. “Kaya war dabei als ihre Mutter sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Tschetan hat sie gefunden. Kaya hat seitdem kein Wort gesprochen. Die Ärzte sprechen von Mutismus. Irgendwann wird sie schon wieder anfangen...aber so ängstlich wie sie auch ist. Vielleicht tut es ihr ganz gut zusammen mit Betsy zur Schule zu gehen, oder die Ranch an sich. Aber ich mach mir schon Sorgen um Louis. Er hat so viel getan für mich...jetzt schickt er mich zur Uni und soll mit den Kindern allein bleiben?” “Calgary ist nicht weit fern...ruf mich an und ich hol dich ab. Außerdem geb ich dir das versprechen öfter mal nach ihm zu schauen,ja?” Ich hatte sie in den Arm genommen. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung. Wie brachte man ein Kind dazu zu sprechen nach so einem Erlebnis? Vor allem aber auch in Anbetracht der Dinge die das Kind ja auch vorher bereits erlebt haben musste. Betsy schien Kaya die Ranch zu zeigen. Mehrere Male kamen sie an uns vorbei. “Betsy? Komm mal rüber.” rief ich, winkte sie heran. “Fylgia ist heute noch nicht bewegt worden. Wenn ihr wollt könnt ihr mit ihr eine kleine Runde um die Koppeln machen. Ich denke auch Kaya wird ihre Freude haben.” Damit hatte ich dann auch meine Ponystute an Bewegung für diesen Tag abgespeist. “Oh können wir mit Halsring raus?” Ich schüttelte den Kopf. “Auf dem Platz irgendwann anders...aber noch kennt sie ja nicht viel von der Umgebung. Nimm bitte das Sidepull.” Damit verschwanden beide Kinder, Betsy nahm Kaya vertrauensvoll an der Hand. Als sie uns später begegneten, sahen wir eine lächelnde Kaya auf dem Rücken meiner Ponystute, Betsy führte sie am Zügel. Kaya drückte noch immer mit einer Hand den Stoffhasen an ihre Brust. Lilly schluckte schwer, lächelte dann aber seelig. “Andere Kinder werden ihr gut tun. So quirlig wie Betsy ist.” “Vor allem haben sie auch eines gemeinsam. Auch Betsy hat vor einiger Zeit ihre Mutter verloren...sie kennt den Schmerz der damit einher geht.” sprach ich traurig. Lilly antwortete nichts darauf. Wir halfen noch dabei die Rundballen zu verstauen. Anschließend verzog ich mich für einige Stunden in mein Büro im Haupthaus. Caleb hatte es mir einrichten lassen...es war klein, aber die Aussicht in Richtung der Berge war toll. Die neue Website für die Bow River Ranch war an der Reihe. Ich hätte natürlich die alte einfach wiederverwenden können. Aber mir war nach etwas neuem gewesen.
      Es war bereits 21 Uhr als ich mich von der Arbeit lösen konnte, draußen strahlte mir der abnehmende Mond entgegen. Wie üblich wenn Schnee lag erschien der Nachthimmel in einem dunklen Rot. Ich schaltete den PC aus, schnappte mir mein Handy und schlenderte durch den Flur die Treppe hinauf in das Zimmer das ich mir mit Caleb teilte. Es fühlte sich mittlerweile ganz normal an. Für Aufregung hatte das Outing nicht wirklich gesorgt….ganz so als wäre es den anderen bereits klar gewesen. Ich blieb im Flur noch einmal stehen...schaute aus dem Fenster auf den Hof. Von hier aus konnte ich Licht im Bungalow sehen in dem Dell, Betsy und nun auch Louis und seine Familie untergebracht waren. Bisher hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet...aber mein Versprechen auf Louis acht zu geben...auf die beiden Kinder. Es jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich konnte es nicht zuordnen, wandte meinen Blick ab und ging hinauf. Als ich die Tür hinter mir schloss sah ich Caleb am Fenster stehen, das Feuer loderte im Kamin. Kurz war ich versucht “Ich bin zu Hause Liebling” spöttisch zu sagen, dann lächelte ich ihm einfach nur zu. Caleb löste sich vom Fensterbrett, zog mich an der Hüfte zu sich und küsste mich. “mhm..das wollt ich den ganzen Nachmittag tun.” murmelte er. Welch seltsame Worte von ihm...und da war er wieder, der Schauer an meinem Rücken.
      Ravenna gefällt das.
    • Gwen
      Pflegebericht 19.08.2019 - Unverhofft kommt oft

      Es war einer dieser typischen Abende. Alles war erledigt und ich warf mich glücklich mit Decke auf das Sofa, um meine Serie zu genießen. Ungünstigerweise befand sich der Laptop auf dem Couchtisch und so auch bald auf meinem Schoß und in den schnöden Momenten meiner Serie beschäftigte ich mich doch zu gerne mit dem World Wide Web. Und es gab ja sowieso so die typischen Seiten, die man immer mal absuchte und so stieß ich auf eine kleine Anzeige für eine Connemarastute. Eigentlich war unser Stall voll und wir glücklich und doch musste ich sie anklicken. Die Bow River Ranch und auch ihre Inhaberin waren mir nicht unbekannt und auch nicht gar so weit von uns entfernt. Zumindest nicht, wenn man sowieso zu international Pferdekäufe tätigte und nachdem ich mir die ersten Bilder angeschaut hatte, die Abstammung sofort erkannte und auch die Beschreibung auf den ersten Blick gut klang, tippten meine Finger schon die Mail.

      Nur eine Woche später war es so weit. Ciaran und ich waren am Tag zuvor gestartet, um die Stute kennenzulernen und hatten kurz darauf alles mit der Vorbesitzerin geklärt und den Kaufvertrag unterschrieben und am Folgetag ging es bereits in den frühen Morgenstunden los. So kamen wir gegen Abend bereits bei uns zu Hause wieder an. Moon's Gealach hieß die Dreijährige und trotz ihres jungen Alters war sie bereits weit ausgeschimmelt. Vorsichtig führte ich sie aus dem Hänger und, in der neuen Umgebung unabdingbar, schnaubte sie zunächst aufgeregt und spitzte aufmerksam die Ohren.
      Doch mehr geschah nicht. Gealach war für Alter bereits sehr aufgeschlossen und hatte wenig Probleme mit neuen Dingen. So konnte wir sie direkt auf die Weide lassen, wo sie sich nach der langen Fahrt erst einmal ausgiebig die Beine vertrat und sich direkt mit einem lauten Wiehern bei den anderen ankündigte. Für heute sollte sie etwas abseits stehen, ehe sie demnächst neben zwei unserer Stuten stehen würde und wir sie so langsam, aber sicher in die Herde eingliedern würden.

      Am Abend ging es dann für Gealach gemeinsam mit den anderen in den Stall. Der kurzen Aufregung folgte dann die Begeisterung über das Abendessen und schnell klinkte sich die Schimmelstute in das friedliche Mümmeln der anderen Pferde ein. Auch den Rest des Abends und die Nacht verliefen ruhig und problemlos, es schien, als wäre Gealach sehr schnell angekommen.
      Veija gefällt das.
    • Gwen
      Pflegebericht 14.02.2020 - Viel unterwegs

      Raffinessca, Panino, Aspantau, Khadir, Pinero, Kedves, Ensnare the Sun, Smoke Cream, Shenandoah, Ceredwen, Fagy, Sinfonie, Zipje, Ohnegleichen, Moon's Gealach, Ohnezahn, Altair, Andvari, Dead Memories, Neelix, Back To Business, Nayala, Tawny Bawny, Ameya, Snow White Cassedy, Carino di Royal Peerage, Stolen Dance, Hollybrook's Arce, PFS' Disparo de Fiasco, Prismatic, Nuriya

      In letzter Zeit war ich unendlich viel unterwegs und so gut wie fast gar nicht zu Hause. So bekam ich auch meine Pferde eher weniger zu sehen, aber ich wusste, dass sie trotzdessen gut versorgt waren. Ich reiste viel als Trainerin, aber auch für potenziell neue Pferde und andere Events. Die Zeit würde auch wieder nachlassen und ich hätte wieder mehr Zeit für den eigenen Stall, doch aktuell mussten wir eben alle damit leben, dass ich unterwegs war und die Pferde von anderen Leuten bespaßt werden mussten. Dafür würde ich allerhand schöne neue Eindrücke und eventuell auch Pferde mit nach Hause bringen.
    • Gwen
      Pflegebericht 14.03.2020 - Ausritt

      Sanft ließ ich den Sattel auf Gealachs Rücken gleiten, rückte ihn leicht zurecht und schloss dann den Sattelgurt. Ein letzter prüfender Blick, dann schlüpfte ich selbst in Handschuhe und Helm, ehe ich die Stute noch trenste und dann aus dem Stall führte. Es war kurz nach acht Uhr morgens, die Sonne schien herrlich auf den Hof und der Himmel war strahlend blau. Der Frühling kam auch so langsam nach Kanada! Und ich freute mich unendlich. Man sah bereits hier und da die Knospen und vereinzelt auch schon erste Blüten.
      Mit Moon's Gealach wollte ich heute eine Runde ausreiten. Die Stute war inzwischen bestens bei uns angekommen und erfolgreich ins Trainingsprogramm aufgenommen. Neben einem komplett freien Tag sah dieser auch immer mindestens ein, eher zweimal, in der Woche Gelände vor. Und heute war ich dafür zuständig und ich freute mich richtig. Motiviert gurtete ich nach und schwang mich dann in den Sattel.
      Ich hatte eine mittellange Strecke rausgesucht, auf welcher man schön traben und galoppieren konnte, so dass auch direkt etwas für Gealachs Kondition getan wurde. Doch zunächst ritten wir in Ruhe Schritt am langen Zügel und genossen die aufkommenden Frühlingsgefühle bei dem schönen Sonnenschein und dem Vogelgezwitscher. Es gab nichts besseres als Frühling!
      Als wir den Wald durchquert hatten, trabten wir einen langen und ebenen Wiesenweg lang, ehe wir abbogen, ich Gealach angaloppieren ließ und sie den Berg hinaufschickte. Das war immer eine traumhafte Strecke zum Trainieren der Hinterhand. Nach einer ebenen Erwärmung ging es nämlich einen Berg hoch und den logischerweise irgendwann auch wieder herab. Doch vorher genossen wir die Aussicht über den Nationalpark, ehe wir uns wieder an den Abstieg wagten.
      Den gingen wir ganz langsam und entspannt an und als wir unten waren, galoppierten wir noch ein kurzes Stück, ehe ich die Stute noch ein wenig traben ließ und dann schon den Heimweg einschlug. Deutlich zufrieden kamen wir beide wieder am Stall an. Da Gealach so gut wie gar nicht geschwitzt hatte, sattelte ich sie rasch ab, kontrollierte die Hufe und brachte sie dann auch schon wieder hinaus auf die Weide.
    • Bracelet
      Trainingsbericht 31.05.2020 - DVTS' Einstieg ins Geländereiten

      Military E->A
      Sonntagabend, 16 Uhr: Anastasia, meine Mitarbeiterin, und ich trafen die letzten Vorbereitungen und drapierten liebevoll die letzten Teller, Gläser und Dekorationsgegenstände auf den drei zusammengeschobenen Tischen, die ein schönes, weißes Tischtuch zu einem einheitlichen Bild zusammenfügte. Aus unserem eigentlichen Gemeinschaftsraum entstand dadurch ein gemütliches Esszimmer, das ausreichend Platz für unsere acht Gäste bot. Diese waren, über den Tag verteilt eintrudelnd, zum Glück alle wohlauf bei uns auf dem Den Vackra Trakehner Stud angekommen. Ich hatte dabei beim Ausladen der Pferde geholfen, die Zimmer, Spinde und Boxen für die kommenden Tage zugeteilt und die Zeit genutzt mit jedem Teilnehmer bereits ein wenig zu plaudern. Dabei waren sie mir alle nur positiv aufgefallen und schienen eine nette Truppe zu sein. In so einem Rahmen machten Kurse dann natürlich umso mehr Spaß.
      Für 17 Uhr hatte ich das heutige, erste gemeinsame Abendessen angesetzt. Wie erwartet verspäteten sich ein paar der Teilnehmer um einige Minuten. Dies war jedoch nicht schlimm, da es ohnehin ein Buffet gab. Als schließlich alle eingetroffen waren, ein paar schon genüsslich ihr Essen verspeisten, klopfte ich mit meinem Kaffeelöffelchen vorsichtig auf mein Glas um die Aufmerksamkeit meiner Gäste zu bekommen. ,,Meine lieben Pferdefreunde!’’, begann ich lächelnd: ,,Ich freue mich sehr, dass ihr es geschafft habt und nun alle hier seid. Ich möchte die Chance nutzen um euch, wo wir hier gerade alle so nett zusammen sitzen, ein paar Infos zu den nächsten Tagen zu geben. Ihr werdet nachher noch ein Programmheft von mir bekommen, wo nochmal alles genau notiert sein wird. Trotzdem, um euch ein paar Eckdaten zu geben: Morgen wird es ab Neun auf dem Geländeplatz sofort medias in res gehen. Dabei bitte ich jeweils die ersten beiden Teilnehmer, wie auch die kommenden Tage, schonmal Schritt gegangen zu sein und ein wenig aufgewärmt zu haben. Anschließend ist geplant, dass zu jeder Zeit mindestens zwei Teilnehmer auf dem Platz sind damit nie ein Pferd alleine zurückbleiben muss. Es wird einen Vor- und eine Nachmittagsblock geben, wobei natürlich jeder herzlichst eingeladen ist wenn er oder sie nicht reitet zuzusehen. Die Reihenfolge findet ihr im Programmheftchen, ergibt sich für morgen aber mehr oder weniger aus der Anreisereihenfolge, wobei die zuletzt angereisten Reiter auch als letzte reiten. Ich habe dabei aber darauf geachtet, dass die Reiter, die mehrere Pferde mit haben zumindest zwei Pferde dazwischen Zeit haben um ihr vorheriges Pferd auch angemessen versorgen, und das Nächste herrichten und aufwärmen zu können. Sollte es dabei irgendwelche Probleme geben meldet euch einfach rechtzeitig bei mir, dann werden wir bestimmt immer eine Lösung finden. Generell wird es beim Kurs sowohl Gruppen- als auch Einzeltrainings geben, wobei ich bei der Auswahl vor allem auf die Aufgabenstellung achte. Am Wasser ist es anfangs zum Beispiel immer gut eine kleine Gruppe von Pferden zu haben. Aber lasst euch überraschen! Ich möchte euch nun auch nicht weiter beim Essen stören. Sollte jemand weitere Fragen haben zögert nicht mich darauf anzusprechen. Guten Appetit! Ich wünsche euch eine schöne Zeit; genießt sie!’’
      Nachdem der Abend noch überaus nett ausgeklungen war stand ich pünktlich, kurz vor Neun, am Geländeplatz. Lässig lehnte ich an einem Baumstamm und warf einen Blick auf die Teilnehmerreihenfolge auf meiner ausgedruckten Liste. Erfreulicherweise bot sich dafür aber gar nicht all zu viel Zeit, denn die ersten Beiden waren auch schon auf dem Weg zu mir. Ich hatte sie bereits auf meinem Weg hierher auf unserem Springplatz abreiten gesehen und freute mich nun sehr darauf ihre Künste auch am Sprung zu sehen. ,,Na? Gut ausgeschlafen?’’,rief ich etwas scherzend zu ihnen hinüber, da es dann doch, trotz der langen Anreise einiger Teilnehmer, gestern etwas später wurde.
      Meine ersten beiden Reiterinnen waren Sheena Blackburn und Alicia Grey, wobei erstere schon etwas mehr aufgewärmt hatte, da sie am heutigen Tag die erste auf meiner Liste war. Als die Zwei bei mir angekommen war gab ich schonmal meinen ersten Tipp: ,,Ganz wichtig, vor allem am Anfang ist es gut wenn ihr etwas mehr in eure Steigbügel hinein tretet.’’, und nahm vorsichtig eine kleine Korrektur vor, bei der ich die Bügel der Reiterinnen etwas unter ihren Fußsohlen verschob. ,,Man sagt, dass man dann eine sicherere Bügelstütze hat, wodurch euer Sitz stabiler ist wenn ihr nicht mehr fest im Sattel sitzt, sondern eure Pferde entlastet.’’,erklärte ich weiter. Die beiden nickten zustimmend. ,,Na gut meine Damen. Dann pack ma’s. Ihr könnt beide schonmal antraben und hier ein paar Runden am Gras drehen. Dabei lege ich immer Wert darauf, dass sich die Pferde mit großem Rahmen nach vorne orientieren. Dazu müsst ihr gar nicht all zu sehr an das typische Bild in der Dressur denken, sondern könnt die Pferde ruhig auch mal mit der Nase ein wenig nach vorne lassen.’’,sagte ich daraufhin.
      Nachdem die Beiden sich und ihre Pferde ein wenig mit dem Geländeplatz arrangiert hatten und ich ein paar Tipps gegeben hatte, rief ich Sheena zu mir hinüber. Alicia ließ ich es frei noch zu traben oder Schritt zu gehen. ,,Dann erzähl doch mal ein bisschen etwas über dich und dein Pferd.’’,forderte ich sie freundlich auf und die junge Teilnehmerin erklärte mir erst wo sie selbst reiterlich stand und anschließend wie ihr Pferd, Nurja, war. Die achtjährige Freibergerstute schien dabei sehr gut zu der doch etwas unerfahreneren Reiterin zu passen. ,,Das klingt ja schonmal nach einer guten Ausgangsbasis zwischen euch. Dann schauen wir uns das mal an. Trab ruhig nochmal an, einmal um mich herum.’’,antwortete ich. Sheena trabte Nurja locker an, wobei ich der Meinung war, dass man ihr das überhaupt nicht ansah, dass sie erst seit zwei Jahren im Sattel saß. ,,Gut und jetzt galoppierst se mal an!’’,rief ich ihr zu: ,,Sehr gut. Da hat sie fein reagiert. Du kannst auch gleich mal in den Entlastungssitz gehen. Dabei auch darauf achten, dass der Rahmen groß bleibt.’’ Rasch setzte sie meine Anweisung um. ,,Sehr schön.’’,lobte ich.
      Ein paar Runden später deutete ich dann auf eine kleine Bodenstange in Form eines dünnen, in etwa fünfzehn-, vielleicht zwanzig Zentimeter hohen Baumstamms. ,,Einmal durchparieren und im Schritt über die Stange hier drüben.’’,wies ich an und stellte mich neben den kleinen Stamm. ,,Den Rhythmus gleichmäßig halten.’’,sagte ich ruhig, als das Pferdreiterpaar sich näherte. Die braune Stute spitzte neugierig die Öhrchen, wollte kurz stocken, woraufhin Sheena sie aber weiter trieb, und ging dann doch noch recht lässig darüber. ,,Super. Nochmal.’’,kommentierte ich ehe ich nach dem zweiten Mal auch schon den Trab von den beiden verlangte: ,,Und wenn sie springen möchte, ist das kein Problem, dann lass sie ruhig noch ein paar Galoppsprünge machen und parier sie dann erst wieder durch.’’ Nun war Nurja scheinbar schon mit dem neuen Objekt warm geworden und trabte darüber als wäre nichts. Ich ließ sie die Aufgabe trotzdem noch einmal reiten, da sie etwas schief kamen.
      ,,Gut. Angaloppieren und nochmal.’’,hieß es danach, woraufhin die Reiterin wieder einen kleinen Bogen ritt und schön gerade auf den Stamm zu. Ihre Stute machte einen kleinen Hopser und wollte danach schon wieder durchparieren. ,,Nein, nein.’’,gab ich grinsend meinen Senf dazu: ,,Ruhig noch einmal.’’, ehe die Beiden die Aufgabe dreimal auch in dieser Gangart bewältigt hatten und ich auf drei schon etwas dickere Baumstämme in unserer Nähe deutete: ,,Jetzt reitest du den Größten der dreien im Trab an. Da sollte sie drüber in den Galopp springen; wenn nicht galoppierst du sie danach an, und springst dann über den dünnsten, gefolgt vom übrig bleibenden.’’
      Auch wenn es noch keine Killersprünge waren befanden wir uns nun doch bestimmt schon bei an die 50 bis 60 Zentimeter, so, dass ich auch schon ein wenig der Technik der Beiden verbessern konnte. ,,Ruhig die Hand etwas mehr vor!’’,rief ich: ,,Nicht überm Sprung hängenbleiben.’’ Die junge Reiterin setzte dabei gut um was ich ihr sagte, weswegen auch Nurja gut auf die heutige Einheit ansprang. Mit zunehmend höher werdenden Anforderungen wurde sie lockerer und wurde allmählich deutlich spritziger, allerdings zu keinem Zeitpunkt schnell oder unkontrolliert: sie sprang einfach fleißiger und reagierte besser auf die Hilfen ihrer Reiterin. ,,Da das so toll klappt und sie jetzt auch gut vor dir ist lass uns gleich mal einen Schritt weiter gehen. Da drüben ist ein kleiner Hügel, ohne Sprung. Da galoppierst du zuerst hoch, parierst an der Spitze durch und trabst sie dann nach unten. Dabei nicht vergessen: den Oberkörper erst schön vor und dann ruhig etwas mehr hinten lassen damit du ihr mit der Balance hilfst.’’,sprach ich. Gesagt getan. Für den Anfang absolut nicht verkehrt!
      Nachdem das Reiterpaar auch diese Vorbereitungsübung gemeistert hatte ließ ich sie noch einige Sprünge auf der Geraden machen; typische Vielseitigkeitshindernisse, allerdings noch keine besonders anspruchsvollen. Trotzdem musste ich den Beiden zu gute halten, dass sich die braune Stute überaus mutig zeigte und auch ihre Reiterin den nötigen Biss besaß. Ich beendete die Einheit mit den Sätzen: ,,Sehr gut. Das genügt für heute. Loben!’’
      Anschließend war Alicia Grey an der Reihe. Auch sie ließ ich erstmal ein wenig von ihr und ihren Pferden erzählen. Sie war mit zwei Warmblütern angereist: einer wirklich hübsche Roanstute, auf der sie zur Zeit auch saß, und einem sportlichen Hengst, der der Erzählung nach wohl das schwierige Pferd der Beiden zu sein schien. ,,Ich finde es gut, dass du dich zuerst für Wild Strawberry entschieden hast. So kannst du selbst schon mal etwas Sicherheit bekommen, ehe wir es dann mit Civil War probieren. Ich bin mir aber sicher, dass du das Ganze auch mit ihm hinbekommen wirst. Wir fangen leicht an und wenn du dich soweit fühlst setzen wir die Anforderungen hinauf. Im worst case geht eben nicht so viel weiter und habt ihr trotzdem ein paar neue Eindrücke gewonnen. Das kann nie schaden. Also alles ganz ohne Druck.’’,gab ich schließlich freundlich lächelnd meine Meinung wieder: ,,Gut, dann wollen wir mal. Einmal antraben.’’
      Alicia nickte, ebenfalls lächelnd, und gab fein die Trabhilfe. Ihre Stute, die liebevoll auch nur Berry genannt wurde, reagierte prompt. Man merkte deutlich, dass die Reiterin dressurmäßig schon fortgeschritten war, dann sie setzte meine Tipps von vorhin gleich um: Berry lief locker unter ihr, den Kopf deutlich vor der Senkrechten, mit Tendenz nach vorne. ,,Vorbildlich! Genau so hatte ich mir das vorgestellt.’’,lobte ich, ehe ich anwies: ,,Da ich dich vorhin schon abgaloppieren gesehen habe kannst du gerne jetzt schon aus dem Trab über den kleinen Baumstamm hier reiten.’’, und auf die kleine Naturbodenstange deutete. Von dem her, was sie mir von der Stute im Vorfeld erzählt hatte durfte es kein Problem für sie sein die Aufgabe im Schritt zu überspringen. Mein Gefühl täuschte mich nicht: Berry wurde von ihrer Reiterin mittig auf den Baumstamm zugeritten, woraufhin sie einen kleinen Sprung darüber machte. ,,Schön gemacht! Ist nicht schlimm wenn sie darüber hinweggaloppiert. Trotzdem noch einmal aus dem Trab!’’,gab ich daraufhin als Feedback zurück. Alicia parierte die Stute nach ein paar Sprüngen fein durch und diese ließ sich sofort wieder gut auf das Objekt zusteuern. Wieder machte sie darüber geschickt einen kleinen Sprung. ,,Gut! Jetzt im Galopp!’’,rief ich.
      Da auch das problemlos klappte erhöhte ich die Anforderungen und ließ auch Alicia die drei Baumstämme nacheinander springen, die zuvor auch Sheena und Nurja gesprungen waren, nur sofort aus dem Galopp. ,,Gut so das Tempo. Diesen Rhythmus halten.’’,wies ich an: ,,Hinsetzen. Gut, und Hand vor.’’ Die beiden machten drei wirklich gute Sprünge, die ich sie noch einmal wiederholen ließ um die Beiden nicht sofort wieder vor eine neue Aufgabe zu stellen. Berry ließ sich von den Naturhindernissen nicht beirren; tat als hätte sie zuvor nie etwas anderes getan.
      ,,Super Alicia!’’,rief ich nachdem sie das Ganze erneut mit Bravour gemeistert hatten: ,,Merkst du wie sicher sie springt?’’ Die Reiterin nickte erneut leicht schmunzelnd. Dennoch wirkte sie nach wie vor etwas ängstlich, auch wenn sie wirklich einen guten Job machte. ,,Durchparieren zum Trab.’’,sagte ich als nächstes, während sie wieder an mir vorbei ritt: ,,Loben! Als nächstes geht ihr Zwei auch den kleinen Hügel da drüben hinauf. Keine Sorge, da ist erstmal kein Sprung in der Nähe. Es geht wirklich erstmal nur um das Gefühl dafür.’’
      Alicia parierte Berry wie von Zauberhand durch zum Schritt und ritt neben mir her. ,,Dabei kannst du immer daran denken welche Haltung du einnehmen würdest, wenn du bergauf und welche, wenn du bergab gehst. Erst also schön mit vor, dann etwas weiter nach hinten.’’,gab ich ihr als Tipp, bevor wir ankamen. Beim Hügel absolvierte die Reiterin das Ganze erstmal in der langsamsten Gangart. ,,Ruhig noch etwas mehr mitgehen!’’,rief ich. Sie setzte es sofort um. Ich lächelte: ,,Super. Jetzt gleich mal im Trab!’’, woraufhin sie die Stute im Gleichgewicht hinauf und hinunter trabte. Der nächste Schritt war im Galopp hoch, am höchsten Punkt parieren und im Trab wieder herunter, was auch anstandslos funktionierte.
      ,,Schön! Dann reiten wir noch ein paar Hindernisse in Kombination, damit ihr auch noch etwas zum Springen kommt!’’,rief ich danach: ,,Zuerst zeigst du ihr die Sprünge im Schritt. Dazu am besten immer seitlich an den Sprung heranführen. Wir werden die drei Baumstämme von eben springen, die beiden Kleineren da drüben, mit einer Distanz von drei Sprüngen dazwischen, mitnehmen, den kleinen Schweinerücken da hinten und dann noch die beiden Kisten die du da vorne siehst.’’ Dabei unterstützte ich meine Worte mit Fingerzeigen auf die einzelnen Hindernisse.
      Nachdem Alicia im Zuge meines Unterrichts in Ruhe alle Sprünge einzeln und alleine gesprungen war, war Luchy Blackburn an der Reihe. Die junge Frau gab mir dabei die nötigen Informationen zu ihr und der von ihr mitgebrachten Stute Keks. Da sowohl die Reiterin selbst, als auch ihre sechsjährige Stute bereits einiges an Erfahrung mitbrachten ließ ich das Paar die kleine Naturbodenstange sofort aus dem Galopp springen. Die junge Stute selbst war noch nicht all zu geländeerfahren, die Reiterin jedoch bereits. Deswegen waren die ersten, darauffolgenden, Baumstämme mehr für Keks als ihre Reiterin. Trotzdem schlug sich die Braune ausgezeichnet. Da merkte man allerdings auch deutlich, dass sie im Springen eine 1a Ausbildung genossen haben musste.
      ,,Wirklich gut! Dann probiert mal als nächstes den Hügel da vorne.’’,wies ich an und folgte den Beiden hinüber: ,,Erstmal im Galopp hoch, am höchsten Punkt Trabübergang und hinunter traben.’’ Luchy zeigte vorbildlich die Oberkörperverlagerung beim Hinauf- und Hinabreiten, die ich den Reiterinnen vor ihr ans Herz legen wollte. Keks tat sich noch ein wenig schwer in diesem unebenen Gelände, man sah jedoch, dass sie sich überaus bemühte. ,,Toll! Wiederhole das ruhig noch ein-, zweimal!’’,rief ich daraufhin.
      Da die Stute beim dritten Mal schon recht sicher wirkte zeigte ich auf einen anderen Hügel. ,,Siehst du den Baumstamm da drüben? Nimm den mal aus dem Trab, bergauf mit.’’,meinte ich. Die Reiterin nickte und parierte ihre Stute durch. Am Sprung angekommen verhaspelte sich der Hannoveraner kurz, machte dann aber einen guten Sprung. ,,Nicht schlimm! Hat sie gut gelöst, loben!’’,gab ich als Feedback: ,,Im Galopp bergab kannst du ruhig ihren Hals noch etwas länger lassen, damit sie sich besser ausbalanciert. Da hat sie noch Schwierigkeiten.’’
      Nach zwei Wiederholungen ließ ich die Beiden das Ganze aus dem Galopp machen, was Keks fast noch besser machte als aus dem Trab. ,,Perfekt! Jetzt mal einen kleinen Zirkel galoppieren, durchparieren zum Trab, Hügel hoch und das Ganze bergab.’’
      Einige Versuche später durften auch diese Beiden unterschiedliche Geländehindernisse, gefolgt von einem kleinen Parcours aus diesen springen. Dabei verbesserte sich schon in der heutigen, ersten Einheit Keks’ Rhythmus im Galopp zwischen den einzelnen Sprüngen. Dieser war in der Vielseitigkeit überaus wichtig und nicht jedes Pferd fand diesen so rasch wie die braune Stute.
      ,,Schön! Das reicht für heute, die hat genug!’’,rief ich nach dem letzten Durchgang, bevor Gwendolyn Campbell an der Reihe war. Wie sie mir vorab kurz erzählte war sie bereits eine sehr erfahrene Reiterin. Das Pferd das sie für den Vormittag gesattelt hatte trug den wohlklingenden Namen Moon’s Gealach. Die junge Connemarastute war im Springen bereits trotz ihrem jungen Alter sehr erfolgreich, im Gelände jedoch vergleichsweise noch ein Frischling. Aus diesem Grund sollte auch dieses Reiterpaar erstmal die kleine Naturbodenstange springen. Gwen, wie ich sie nennen durfte, zeigte der Stute den kleinen Baumstamm erstmal von der Nähe, bevor sie ihn auf meiner Anweisung aus dem Trab anritt. Das weiße Pony sprang kurz davor ab und galoppierte einige Sprünge, ehe ihre Reiterin sie wieder durchparierte. ,,Sehr schön! Ruhig noch einmal, danach aus dem Galopp!’’,rief ich bevor die Beiden auch die angesprochenen Aufgaben ohne großen Aufwand bewältigten.
      ,,Okay, das ist für sie ja überhaupt kein Problem. Dann als nächstes die drei Baumstämme da drüben. Ruhig hintereinander, wenn sie sich gut anfühlt!’’ Gwen nickte und ritt im Galopp den ersten Stamm an. Gealach spitzte aufmerksam kurz vor dem Sprung ihre hellen Öhrchen und fokussierte das Hindernis an. Kurz davor wollte sie den Turbo rein werfen, wovon ihre Reiterin sie gekonnt abhielt. Das Pony übersprang sich etwas, ließ sich dann aber gut weiter zum nächsten und übernächsten Baumstamm tangieren. ,,Gut gelöst!’’,rief ich: ,,Gleich nochmal!’’
      Nach zwei weiteren Durchgängen war der Schimmel schon deutlich ruhiger geworden, wobei sie sich für ihr Alter und wenn man die Tatsache nicht außer Acht ließ, dass sie an einem völlig neuen Ort war, wirklich ohnehin von Anfang an sehr gut schlug. ,,Die Routine kommt schon noch. Jetzt hat sie das allerdings toll gemacht, also lassen wir die Baumstammreihe erstmal gut sein und üben etwas Bergauf- und Bergab.’’,meinte ich und ging mit den Beiden hinüber zum kleinen Hügel, auf dem es auch die Reiter zuvor geübt hatten: ,,Einfach mal locker im Trab hinauf und hinunter. Dann im Galopp hoch, auf dem höchsten Punkt durchparieren und im Trab herunter.’’
      Gealach war noch etwas unausbalanciert, vor allem das Bergab fiel ihr schwer. ,,Nicht schlimm!’’,rief ich, als die Stute beim Bergab nach dem Übergang ins Stocken kam: ,,Lass sie ruhig das Ganze nochmal ganz in Ruhe im Schritt machen.’’ Nachdem sie dies getan hatte deutete ich auf einen noch etwas kleineren Hügel. ,,Lass sie mal locker nach vorne Galoppieren! Ganz entspannt, leichter Sitz. Danach reite den Flacheren da drüben an. Wie zuvor im Galopp nach oben, durchparieren und im Trab ganz entspannt nach unten.’’,wies ich Gwen an, die nickend tat was ich sagte. Wie erwartet war das Pony nun wieder etwas mehr im Gleichgewicht. ,,Suuper, lob sie!’’,freute ich mich mit den Zweien: ,,Noch einmal, dann kommst du wieder zu mir und nimmst den Hügel von vorhin mit, aber diesmal nur im Trab.’’ Bevor es bei zweitem wieder hinunter ging gab ich noch rasch einen kleinen Tipp: ,,Lass den Zügel ruhig etwas durchrutschen! Sie soll sich über den längeren Hals ausbalancieren.’’
      Nach ein paar weiteren Durchgängen ließ ich das Paar noch vereinzelt ein paar kleineren Baumstämme zum Abschluss springen. Ich achtete dabei darauf, dass es Hindernisse waren die für die Ponystute unspektakulär waren. Immerhin sollte sie mit einem positiven Gefühl die heutige Einheit abschließen.
      ,,So Cjara, dann erzähl du mir doch auch mal in ein paar Sätzen wo du und dein Pferd stehen.’’,sagte ich schließlich zur nächste Reiterin, die Letzte für den heutigen Vormittag. Ich hörte daraufhin aufmerksam zu und nickte am Schluss. ,,Okay gut, dann probieren wir mal den kleinen Baumstamm da drüben. Für Joline ist der wohl nicht der Rede wert, aber es ist ein guter Einstieg.’’,sagte ich daraufhin und deutete auf das in etwa fünfzehn Zentimeter hohe Objekt einige Meter neben den Beiden: ,,Gleich mal aus dem Trab.’’
      Die Reiterin gab eine feine Hilfe, woraufhin die schicke Vollblutstute aus dem Stand antrabte. ,,Versuch die Knie erstmal offen zu lassen!’’,rief ich hinüber: ,,Und lass sie ruhig sofort im großen Rahmen laufen. Heißt: Nase ein bisschen weiter vor und zugleich etwas mehr nach vorne schicken. Trotzdem die Verbindung nich wegschmeißen, natürlich!’’ Cjara setzte das von ihr verlangte sofort um. ,,Sehr schön.’’,gab ich als Feedback zurück und auch ihre Stute zeigte, dass sie die Veränderungen begrüßte, denn sie schnaubte einmal ab und schien insgesamt auch etwas lockerer. So trabte das Paar auf die kleine Bodenstange zu; schnurgerade. Im Gegensatz zur Mehrheit der Pferde die vor ihr an der Reihe waren nahm Joline den Stamm tatsächlich gar nicht richtig ernst und trabte, zugegebenermaßen etwas lustig aussehend, darüber. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. ,,Sehr gut, gleich noch ein zweites Mal, aber diesmal im Galopp!’’,wies ich an.
      Nachdem diese Übung für die Beiden überhaupt kein Problem war schickte ich sie sofort zu den drei Baumstämmen hinüber: ,,Wenn du dich sicher fühlst und sie sich gut anfühlt, kannst du die drei Hindernisse da drüben auch hintereinander springen. Wenn nicht erstmal einen nach dem anderen.’’ Cjara ritt im leichten Sitz mit Joline hinüber. ,,Einmal etwas mehr aufnehmen!’’,rief ich: ,,Hinsetzen.’’ Die Stute reagierte und machte einen schönen Sprung. ,,Suuper! Galopp ist gut so! Genau so weiter zum Zweiten.’’, meinte ich dann und es klappte gut: ,,Gleich nochmal!’’
      Als die Zwei hier sicher waren stellte ich die nächste Aufgabe an sie. ,,Schöön! Siehst du den Hügel da drüben? Den reitest du einmal im Trab hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter.’’,sagte ich dann zu der lächelnden Blondine, die gerade freudig ihre Stute lobte.
      Der erste Versuch klappte schon gut, Joline fand rasch ihr Gleichgewicht und blieb auch im Bergab recht entspannt. ,,Wiederhol das ruhig noch einmal so!’’,rief ich hinüber. Als die Beiden am höchsten Punkt angelangt war gab ich dann den Tipp, dass der Oberkörper noch etwas mehr nach hinten könnte. Das sollte sie auch beim dritten Durchgang ausprobieren, bei dem die Zwei aber schon im Galopp nach oben reiten sollten. Am höchsten Punkt parierte Cjara ihre Stute durch und verlagerte ihr Gewicht dann etwas mehr nach hinten. ,,Genau so!’’,lobte ich anschließend. ,,Fühlst du dich gut dabei? Wenn du möchtest könnt ihr euren ersten Sprung bergauf machen.’’,fragte ich. Die Reiterin zuckte etwas unsicher mit den Schultern. ,,Ach, das macht ihr schon!’’,meinte ich lächelnd und deutete auf eine entsprechende Stelle, wo nach der Schräge sofort ein kleiner, in etwa fünfzig Zentimeter hoher Stamm lag: ,,Reite mal den hier an. Erst ganz entspannt aus dem Trab.’’
      Die junge Frau tat was ich ihr sagte. Ich merkte wie sie sich ein paar Meter zuvor vermehrt anspannte. ,,Einmal durchatmen! Schultern locker, in der Hüfte locker bleiben und das Knie wieder offen lassen!’’,rief ich hinüber. Es fiel ihr nicht leicht, aber sie versuchte meine Tipps umzusetzen. Joline drehte kurz vor der Schräge ein Öhrchen zurück, dann spitzte sie Beide aufmerksam nach vorne in Richtung Baumstamm und machte unbeirrt ihren Job. ,,Braav!’’,hörte ich die Reiterin danach, während dem Bergab. Sie freute sich. ,,Das war gut, versucht es gleich noch einmal!’’,bestärkte ich Cjara.
      Da sie beim zweiten Versuch schon deutlich entspannter blieb ließ ich das Reiterpaar die Aufgabe das dritte Mal aus dem Galopp bewältigen. Es klappte gut, das Durchparieren oben am Hügel und das Bergab genau so. Aus diesem Grund ließ ich das den letzten Sprung an diesem Hindernistyp für heute sein. Zum Abschluss ließ ich auch sie noch einige Sprünge machen, ehe es für diese Einheit auch schon wieder reichte. ,,Habt ihr gut gemacht.’’
      Anschließend ging es auch für mich zum gemeinsamen Mittagessen. Einige Happen und Gespräche später musste ich allerdings auch schon wieder los, denn die Nachmittagsgruppe war bereits für ein Uhr angesetzt.
      Der erste Reiter war Hunter Lacey. Octavia Blake war auch schon vor Ort und wärmte währenddessen schonmal ihre Stute etwas auf.
      Hunters Pferd, Cinja, war mir sofort positiv aufgefallen. Sie hatte irgendetwas an sich, was ich gleich mit Adjektiven wie ,hübsch’ und ,sportlich’ assoziierte. Aber nicht nur das: mir war sofort ins Auge gestochen, dass sie, wie ihr Reiter bestätigte, ein Gidran sein musste. Auf diese beeindruckende Rasse war ich schon vor einigen Jahren gestoßen, als ich mir selbst zwei solcher springbegabten Stuten gekauft hatte; beide überaus gelehrig, stets wach und unerschrocken. Auch Hunter erzählte mir, dass sein Fuchs charakterlich wohl ähnlich zu sein schien. Er selbst hatte noch keine Erfahrung im Busch aber war sicher in Dressur und Springen unterwegs.
      ,,Ausgezeichnet dann starten wir erstmal mit etwas Leichtem für den Einstieg.’’,beschloss ich und zeigte einmal mehr auf den kleinen Baumstamm, der kaum dicker oder kürzer als eine gewöhnliche Bodenstange war: ,,Hier einfach mal schnuppern lassen. Dann einmal abwenden und schön gerade im Schritt und anschließend aus dem Trab drüber.’’
      Da besagte erste Gangart wie erwartet kein Problem darstellte und Cinja schön im Takt darüber hinweg weiter vor sich hin schritt stand Zweiter nichts im Weg. Nun spitzte sie zumindest die Ohren etwas aufmerksamer, machte einen kleinen Sprung über den Stamm und trabte danach unbeeindruckt weiter. Ich schmunzelte: ,,Sehr schön, den nimmst du gleich mal aus dem Galopp!’’
      ,,Sehr gut! Das reicht, das ist zu leicht für euch Zwei!’’,rief ich nach zwei weiteren Durchgängen: ,,Jetzt üben wir am Hügel da drüben ein wenig das Bergauf und Ab. Mal sehen wie viel Balance sie mit ihren vier Jahren schon hat.’’
      Beim Bergauf erklärte ich Hunter: ,,Den Oberkörper kannst du ruhig noch ein wenig weiter nach vorne neigen, so als ob du selbst einen steilen Hang hinauf gehen würdest. Beim Hinunter ist es wichtig, dass du schön hinten bleibst. Das kann sich ruhig auch mal ein bisschen komisch anfühlen.’’, ehe er im Schritt schonmal eine gute Figur machte. ,,Sehr schön! Beim Bergauf ruhig noch etwas mehr.’’,lobte ich und bekrittelte das Ganze noch einmal, schon auf hohem Niveau.
      Da das aber so toll klappte hatte ich schon eine Aufgabe im Kopf, die ich den Beiden gerne stellen wollte. Zuerst musste dazu sowohl das Training am Hügel klappen, was es auch rasch in allen drei Gangarten tat, als auch das Überwinden einfacher Baumstämme. Aus diesem Grund ließ ich auch dieses Pferdreiterpaar die drei mittleren Baumstämme springen. Zuerst sollten sie alle drei getrennt springen, anschließend als kleinen Parcours. Ersteres brachte die junge Stute nichtmal ansatzweise aus der Ruhe. Sie übersprang die Naturhindernisse mit einer beachtlichen Leichtigkeit, zeigte kein Zögern, und auch ihr Reiter machte eine gute Figur im Sattel! Hunter sah zwar etwas groß auf seiner zwanzig Zentimeter kleineren Stute aus, gab aber die Hilfen präzise und war immer gut im Gleichgewicht. Er hatte mir gesagt, dass viele seinen Springstil kritisierten, wobei ich diesen gar nicht so schlecht fand: er ging schön mit und gab die Hand überm Hindernis immer vor, was manche Reiter oft vergaßen.
      Zum Abschluss folgte mein Plan für die Beiden . ,,So! Wir gehen jetzt Mal dort hinüber, wo der kleine Hügel mit den beiden Stämmen drauf zu sehen ist.’’,sagte ich schließlich grinsend und ging mit den Beiden hinüber. Bevor es los ging schob ich den Steigbügel noch etwas weiter unter Hunters Ballen. ,,In der Vielseitigkeit, also genau genommen im Busch, kannst du ruhig etwas mehr im Bügel stehen als du es etwa von der Dressur gewohnt bist. Außerdem schön durchdrücken. Die Knie-Bügelstütze ist ja das Fundament des leichten Sitz’, und so tun sich viele Reiter, vor allem auch am Anfang, leichter die Balance zu halten wenn das Pferd mal einen etwas größeren Satz macht oder im unebenen Gelände galoppiert.’’,erklärte ich, ehe es los gehen konnte.
      ,,Gut dann trabst du mal den Hügel nach oben, springst über den ersten Baumstamm an der Kante, wendest dann und reitest im Galopp wieder zu mir hinunter.’’,sagte ich schließlich. Hunter tat das gesprochene. Cinja konzentrierte sich dabei nun schon ein wenig mehr, sprang etwas sportlicher als die Sprünge zuvor, meisterte ihren ersten Bergaufsprung aber überaus souverän. ,,Sehr gut. Loben!’’,rief ich: ,,Gleich nochmal.’’
      Wieder funktionierte es tadellos. ,,Schöön! Jetzt nicht abwenden, sondern die kleine Distanz am Kamm mitnehmen und dann den zweiten Sprung bergab!’’,wies ich an. Hunter dirigierte seinen Fuchs gut zum ersten Sprung, verlor dann etwas den Überblick zum Zweiten. ,,Nicht schlimm! Weiter!’’,rief ich: ,,Und Oberkörper nach hinten wenn sie springt!’’ ,,Brrr.’’,stieß der blonde Mann aus, während er sich alle Mühe gab Cinja wieder zu korrigierten. Er schaffte es tatsächlich gerade noch sie wieder in die Spur zu bringen und erwischte für den Absprung im Endeffekt keinen schlechten Punkte, wodurch die junge Stute einmal mehr tat, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. ,,Gut gerettet!’’,meinte ich grinsend, während er nach dem Hindernis weiter galoppierte: ,,Auch sehr gut wie du instinktiv die Zügel ein wenig hast durchrutschen lassen. Aber probier es ruh noch gleich nochmal.’’
      Der Reiter parierte zum Trab durch und ritt erneut den Hügel an. Die Warmblutstute war nun fast schon ein bisschen übermotiviert, er schaffte es jedoch ihr Ruhe zu vermitteln, ehe die erste Hürde gemeistert war. ,,Hinsetzen.’’,gab ich ihm als Hilfestellung, da er wie viele andere Reiter automatisch in den leichten Sitz übergehen wollte, wozu die Vielseitigkeit ja definitiv verleitete. Dennoch reagierte er prompt, Cinja kam dadurch sogleich besser an die Hilfen und ließ sich fast schon ein wenig zu rund zum zweiten Baumstamm taxieren, den sie auch dieses Mal schön sprang. ,,Sehr gut! Jetzt kam sie fast schon ein wenig zu.. wie soll ich sagen: zu Dressur.’’,lachte ich und erklärte: ,,Aber es war gut gelöst! Da wollte ich euch jetzt gar nicht aus der Ruhe bringen. Im Grunde sagt man aber in der Vielseitigkeit immer die Nase etwas weiter nach vorne, das Pferd fast schon zu großrahmig gehen lassen; vom Gefühl her. Dann tut sie sich leichter, was ihr Gleichgewicht betrifft weil sie sich über ihren Hals besser in Balance bringen kann.’’
      Dieses Prozedere ließ ich die Beiden noch zwei Mal von dieser Seite und drei Mal von der anderen wiederholen. Am Ende hatte man beinahe schon das Gefühl, dass es leicht und mühelos zu sein schien. Die junge Stute machte rasch Fortschritte und auch Hunter schien aufzublühen. Er lächelte stets wenn Cinja etwas gut machte und schien insgesamt eine gute Zeit zu haben.
      Bevor Octavia dran war ließ ich die Beiden noch ein paar Distanzen auf gerader Linie und geradem Wiesenboden springen, da hier eine kleine Schwachstelle der Beiden zu liegen schien, was wohl auch dadurch bedingt war, dass sie sich noch aufeinander einspielen mussten, denn es klappte von Mal zu Mal besser.
      ,,Genug für heute. Da könnt ihr stolz auf euch sein.’’,sagte ich zum Abschluss und rief meine nächste Reiterin zu mir. Ich blickte dabei in zwei bekannte Gesichter: Octavia, die meist nur ,,O’’ genannt wird, und ihre Stute Raspberry waren nämlich schon mal für einige Zeit bei uns auf dem Den Vackra Trakehner Stud untergekommen. Damals hatte sie noch eine weitere Stute, Dakota, dabei gehabt. Zum Kurs war sie allerdings alleine, mit der mittlerweile zehnjährigen Holsteinerstute angereist.
      Auch wenn ich mich erinnerte den Beiden schon das ein oder andere Mal über die Schultern gesehen zu haben, bat ich auch O mir vor unserer ersten Trainingseinheit ein wenig über ihren derzeitigen Stand zu erzählen. Ich hörte aufmerksam zu, nickte einige Male und antwortete schließlich, als sie ausgesprochen hatte.
      ,,Gut dann starten wir erstmal mit etwas Kleinem.’’,sagte ich etwas später und zeigte auch vor Octavia auf den kleinen, vielleicht fünfzehn Zentimeter hohen Baumstamm, der sich kaum von einer schrumpeligen Bodenstange unterschied: ,,Einmal im Schritt.’’
      Die schlanke Reiterin machte eine kleine Volte und ritt dann zielsicher über den Stamm. ,,Super. Gleich nochmal! Diesmal noch etwas mehr im Fluss.’’,wies ich daraufhin an.
      Beim zweiten Mal klappte dies schon sehr gut und Berry, wie sie liebevoll genannt wurde, schritt über das Hindernis gleichmäßig hinweg. ,,Gut Octavia! Trab sie ruhig schon mal an und machst du einen größeren Zirkel um mich und den Stamm herum.’’,sagte ich schließlich lächelnd und beobachtete das Paar: ,,Den Rahmen ruhig noch etwas größer! Versuch sie mal noch ein wenig fleißiger zu machen und die Nase gar nicht so weit an die Senkrechte nehmen. In der Vielseitigkeit wollen wir ja immer lieber ein Pferd, das selbst ein wenig mitschaut, aufpasst und sich nach vorne orientiert. Außerdem hat sie durch die eben genannten Veränderungen eine bessere Balance, weil sie diese über den etwas längeren Hals besser finden kann.’’
      O nickte und versuchte es sofort. ,,Genau so!’’,lobte ich die junge Reiterin, die ein wahres Naturtalent war, wenn man bedachte wie gut sie trotz fehlendem regelmäßigen Unterricht schon ritt. Einige Minuten später rief ich dann: ,,So lässt du sie vor dir, holst aus und trabst sie dann schön gerade auf die Bodenstange zu.’’ ,,Den kleinen Baumstamm?’’,fragte sie rasch nach. ,,Huch, ja natürlich meinte ich.’’,korrigierte ich mich. Was ein freudscher Versprecher.
      Die Reiterin ritt sehr gerade auf den Stamm zu. Berry wollte kurz zögern, doch O ließ ihren Schenkel dran und trieb rasch weiter. Das Resultat war schon nicht schlecht. Trotzdem ließ ich sie die Aufgabe noch zwei Mal wiederholen, ehe es an den Galopp ging.
      Auch in dieser Gangart schickte ich sie zuerst einmal auf den Zirkel um mir die Ausgangssituation anzusehen. ,,Und gleich mal leichter Sitz und fleißig nach vorne. Denk wieder an den großen Rahmen. Sie ist ganz bei dir.’’,rief ich zu ihr hinüber. Sie ging in den leichten Sitz über und ich versuchte ihr für Zuhause noch ein paar Anregungen mit zu geben: ,,Sieht schon gut aus! Fürs Springen wäre das bestimmt schon absolut im Rahmen. Trotzdem, um das Ganze sozusagen aufs nächste Level fürs Gelände zu heben: Schau, dass dein Oberkörper parallel zum Pferdehals ist. Also ruhig noch ein bisschen mehr nach vorne neigen!’’ O probierte sofort. ,,Schön! Dann galoppierst du genau so über den kleinen Stamm!’’,rief ich daraufhin: ,,In der Vorbereitung zur Wendung etwas mehr aufrichten.’’ ,,So?’’,fragte sie. ,,Geenau! Spürst du das? Mit deiner Position richtet sich Berry automatisch auch gleich auf.’’,gab ich zurück: ,,Genau so! Durch die Wendung weiter durchtreiben. Aufgerichtet bleiben.’’ Ich sah wie Octavia sich Mühe gab, was sofort Früchte trug. ,,Merkst du wie groß sie so unter dir wird? Daraus jetzt schön die Distanz suchen, daraus kann sie super abspringen.’’,erklärte ich.
      Diese Aufgabe klappte schon beim ersten Mal ausgezeichnet. Trotzdem ließ ich das Paar die Aufgabe noch dreimal wiederholen, damit sie meine Anregungen üben konnte. ,,Gut, das könnt ihr.’’,sagte ich dann grinsend: ,,Jetzt Oberkörper wieder schön vor, parallel zu Berry Hals und dabei reitest du einmal dort hinüber wo die drei vergleichsweise etwas dickeren Baumstämme liegen.’’ Diese drei ließ ich die Beiden zuerst einzeln und dann auch schon in Kombination miteinander springen, da die Zwei dies auf Anhieb sehr gut meisterten.
      Als nächstes ließ ich sie das Bergauf und Bergab am Hügel, ohne Sprung, reiten. ,,Ich sage immer allen meinen Schülern, dass sie den Oberkörper genau in die Position bringen sollen die sie einnehmen würden wenn sie selbst bergauf oder einen Berg hinunter gehen würden. Von dem her: Jetzt beim Rauf ruhig schön vorne Bleiben. Auf der anderen Seite vom Hügel dann nach hinten.’’,erklärte ich auch Octavia, die auch hier wieder rasch in Schritt, Trab und Galopp verstand wie der Hase lief. Auch Raspberry schlug sich ausgezeichnet. Die zehnjährige Stute fand im Gegensatz zu den übrigen Pferden extrem rasch das Gleichgewicht, nicht zuletzt weil ihre Reiterin ihr dieses auch gab und sie mit ihrer Hilfegebung nicht störte. ,,Wirklich schön, O! Das macht ihr toll!’’,stellte ich begeistert fest.
      Anschließend ließ ich die Beiden noch ein paar mittlere Geländesprünge machen. Dabei kamen sie mit weiteren Baumstämmen, aber auch den ersten Tischen und Schweinerücken, die sich Berry zuvor immer erstmal ansehen durfte und dann mutig immer gleich beim ersten Mal absprang.
      Meine nächste Reiterin war mir noch vorm Vormittag gut im Gedächtnis geblieben: Alicia Grey. Diesmal hatte sie einen schicken Rappen gesattelt. Er stach sofort ins Auge; überaus imposant mit seinem enormen Stockmaß und den vier weißen Beinen, dem weißen Kopf und dem blauen Auge als Kontrast zu seinem sonst lackschwarzen Fell. Während Octavia die letzten Sprünge machte stand das Pferdreiterpaar neben einem Baumstamm, über den der Hannoveraner wohl überaus gerne hergefallen wäre, hätte Alicia dies nicht im letzten Moment noch verhindern können. Ertappt von seiner Reiterin, richtete der Hengst einige Schritte rückwärts und schien sich hinten etwas mehr zu setzen; es sah beinahe so aus als wolle er drohen, dass er steigen könnte, wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen wollte. Aber es täuschte: im Endeffekt deeskalierte Alicia die Situation sehr rasch und brachte ihn keine Minute später ruhig zum stehen.
      ,,Gut das reicht für heute!’’,rief ich Octavia schließlich zu und meine nächste Schülerin ritt zu mir hinüber. Ich lächelte, positiv überrascht wie souverän die sonst doch recht zurückhaltende Frau das Geschehen, das ich in den Augenwinkeln beobachtet hatte, gehändelt hatte. Sie gehörte wohl zu den Menschen, die ihr Können nicht heuausposaunten, sondern bescheiden waren und gleichzeitig hart an sich arbeiteten.
      Alicia hatte mir kurz darauf ein paar Infos über Civil War, wie der Große klingend hieß, gegeben. Ich wollte mir selbst ein Bild von ihm machen, konnte mir aber gut vorstellen, dass er nicht das leichteste Pferd war. Wie auch bei Strawberry begannen wir mit der kleinen schrumpeligen Bodenstange, also known as Minibaumstamm. ,,Lass ihn zu allererst einmal schauen. Reite also ein, zwei Mal vorbei, dann halte ihn daneben mal an und gib ihm, wenn du ein gutes Gefühl dabei hast, ruhig den Zügel dabei hin.’’,sagte ich, bevor Alicia tat wie ich es ihr aufgetragen hatte und der Rappe sich mit der neuen Situation vertraut machte. ,,Passt.’’,meinte ich dann: ,,Gut, jetzt reitest du einfach Mal ganz entspannt im Schritt, ganz entspannt drüber. Denk dabei wieder an deine stabile Bügelstütze.’’
      Da wir die Aufgabe gut vorbereitet hatten zeigte sich der Dunkle kooperativ. So blieb dies auch während selbiger Aufgabenstellung aus dem Trab und Galopp, und auch bei der Kombination der größeren Baumstämme und der Bergauf-, wie Bergabübung. Civil Wars Maximum an Gelassenheit war dann aber schließlich erreicht, als ich den Beiden die Aufgabe stellte zwei einfache Schweinerücken, ein wohl bekanntes, eigentlich vergleichsweise unspektakuläres Geländehindernis, hintereinander zu springen. Es war zwar ein Hochweitsprung, doch auf dieser Höhe für den Hengst eigentlich unproblematisch. ,,Ist okay, nicht schlimm!’’,rief ich sofort und nahm mir die Zeit, das Problem schrittweise, mit viel ruhe zu lösen.
      Im Endeffekt bekamen wir auch dies in den Griff und Alicia konnte mit einem guten Gefühl die Einheit beenden.
      Als nächstes war Bartholomäus du Martin an der Reihe. In unserer Frauenrunde neben Hunter der einzige Hahn im Korb. Der junge Mann ritt einen überaus interessant gefärbten, vierjährigen Vollbluthengst, über dessen Interieur und Ausbildungsstand er mir zu Anfangs, wie auch die übrigen Teilnehmer, kurz und knapp etwas erzählte. Außerdem bekam ich auch einen Einblick in Barts Meinung über sich selbst. Er schien die ganze Sache sehr selbstbewusst, wenn nicht sogar schon etwas zu selbstbewusst, anzugehen, was einen großen Kontrast zu meiner vorherigen Schülerin darstellte. Er schien selbst auch immer mal wieder als Trainer zu fungieren und der Sohn des berühmten Nicolaus du Martin zu sein, dem mit dem Phoenix Valley wohl eines der berühmtesten Vollblutgestüten seiner Breiten gehörte.
      Auch mit ihm übte ich zuerst aus Trab und Galopp die Basics über dem kleinen Baumstamm. Das Pferd, in dessen Sattel er saß, wirkte dabei sehr in sich ruhend, aber aufmerksam. Eine angenehme Kombination für einen reinen Vollblüter.
      ,,Sehr gut das macht er ja ohne Probleme.’’,meinte ich und zielte ein wenig auf Jack ab um Barts Ego erstmal nicht in die Quere zu kommen. Außerdem hatten sie das wirklich tadellos gemacht. ,,Als nächstes arbeiten wir an den drei mittleren Baumstämmen da drüben.’’,sagte ich und ging mit dem Reiter hinüber: ,,Versuch den Niedrigsten mal aus dem Trab, dann galoppierst du weiter und wenn du ihn gut vor dir hast springst du den Mittleren gleich mit.’’
      Der schlanke Reiter trabte an und dirigierte den Sprung an. ,,Lass ihn ruhig mit der Nase ein wenig mehr vor! So kann er sich über den Hals besser ausbalancieren. Den Rahmen kannst du auch ruhig noch etwas größer gestalten. Er soll sich mehr nach vorne orientieren.’’,gab ich zur Anregung. Er nickte und setzte das Angeratene rasch um. ,,Sehr gut, Bart!’’,lobte ich nachdem sie den ersten Sprung gut hinter sich gelassen hatten: ,,Hinsetzen, aufnehmen. Nächster Sprung!’’,rief ich hinüber: ,,Jawoll!’’ Jack zeigte sich kooperativ und reagierte sehr fein auf seinen Reiter, der einen guten Job machte. ,,Gleich noch einmal.’’,wies ich ihn an. Diesmal sprang Jack etwas groß, da die Distanz zum ersten Hindernis nicht optimal war, und kam so auch nicht gut in Richtung zweitem Sprung. ,,Abwenden!’’,rief ich. Bart allerdings tangierte den gewollten Sprung weiter an. Jack verlor die Gradrichtung und pendelte etwas, statt gerade auf den Baumstamm zu zu reiten. Harmonisch sah es zwar nicht aus, doch der Vollbluthengst rettete das Paar in letzter Sekunde mit seinem Vermögen. Ich seufzte. ,,Bart, ich weiß, dass du schon sehr gut reitest, aber bitte tu mir den Gefallen und versuch zu tun was ich dir sage. Zu deinem Besten: du möchtest ja etwas mitnehmen, wenn du schon hier bist.’’,versuchte ich es diplomatisch.
      Ich hatte wohl die richtigen Worte gefunden, denn nach einem kleinen Gespräch hörte der junge Reiter zumindest auf mich und die künftigen Sprünge liefen sehr gut.
      Nachdem wir auch noch ein paar mittlere Tische und Schweinerücken geübt hatten trainierte ich auch mit diesem Pferdreiterpaar das Auf- und Abreiten am Hügel, ehe die Einheit auch schon wieder vorüber war.
      Last but not Least sah ich Gwendolyn Campbell wieder bei mir auf dem Platz. Nun hatte sie eine mir nur all zu gut bekannte Stute auf den Geländeplatz mitgebracht: Raffinessca, eine wirklich bildhübsche Scheckenstute, die ich an die zwei Jahre mein Eigen nennen durfte. Leider fand ich trotzdem nie einen besonders guten Draht zu ihr; der Funke war nicht übergesprungen. Dies schien bei Gwen anders zu sein. Sie hatte sich sofort in die Stute verliebt. Ich erinnerte mich noch daran, wie ihre Stimme höher wurde, als ich ihr zusagte, dass sie Raffinessca übernehmen durfte.
      ,,Nun, über dein Pferd musst du mir wohl nicht mehr all zu viel erzählen.’’,scherzte ich, ehe ich sie dann doch aufforderte mir einen Einblick zu verschaffen, was sich nach ihrem Verkauf so zugetan hatte und an was die Beiden momentan arbeiteten.
      ,,Schön zu hören, dass sie mit dir zusammen so tolle Fortschritte macht. Dann wollen wir mal: das gleiche Spiel wie vorher. Wir starten mit dem bodenstangenartigen Baumstamm, damit sie ein wenig rein kommt.’’,sagte ich schließlich, woraufhin Gwen ihrer Stute das Objekt erstmal zeigte. Vorbildlich ritt sie von der Seite hinüber und ließ den Zügel schön lang damit Raffinessca den Kopf senken und sich selbst ein Bild davon machen konnte. Sie blähte kurz aufgeregt die Nüstern, ließ sich dann aber leicht von ihrer Reiterin beruhigen.
      Anschließend ritt das Paar das Ganze im Schritt an. An Gwens Technik hatte ich zur Zeit nichts auszusetzen, weshalb ich nur wenige Anregungen gab. Das war auch im Trab und Galopp so. Aus diesem Grund änderte ich auch bald die Aufgabenstellung und übte die drei Baumstämme mit den Beiden, anschließend das Bergauf- und Bergabreiten. Im Vergleich zum ersten Pferd der Reiterin konnte die Scheckstute sich bereits deutlich besser ausbalancieren. Deshalb konnten wir auch schon die ersten Sprünge mit einbauen.
      ,,Dann galoppierst du mal dort hinüber, wo der kleine Hügel mit den beiden Baumstämmen drauf ist. Zu allererst springst du Bergauf, aus dem Trab, galoppierst nach dem Baumstamm weiter, wendest ab und galoppierst den Hügel ganz lässig wieder hinunter.’’,beschloss ich. Ihre Stute spitze aufmerksam die Öhrchen und galoppierte brav nach oben. Ein Geräusch ausstoßend hiefte sie sich über den Stamm nach oben. ,,Guut Gwen! Lob sie da hat sie sich jetzt ordentlich angestrengt!’’,rief ich lächelnd. Die Reiterin drehte eine Runde und ritt erneut auf den Sprung zu. Auch dieses Mal machte sie einen guten Job, weshalb ich Gwendolyn nun anwies den zweiten Stamm am Kamm mit zu nehmen und auch den Bergabsprung mit zu nehmen. Diesmal schien Raffinessca das Ganze allerdings nicht sonderlich koscher zu sein, denn sie zögerte. ,,Mehr Schenkel! Hand vor, weiter!’’,rief ich hinüber, während Gwen ihre Stute rasch korrigieren konnte. Die Trakehnerstute ließ sich schließlich überzeugen, machte allerdings einen riesigen Satz nach unten. ,,Guut gemacht! Und Ruuhe.’’,gab ich als Feedback an Gwen: ,,Gleich noch einmal. Gar nicht schlimm.’’
      Beim nächsten Mal sah man Raffinessca definitiv die Spannung an. Trotzdem zögerte sie diesmal nicht, übersprang sich dennoch sehr. ,,Looben! Und noch einmal.’’,wies ich Gwen an. Beim darauffolgenden Versuch allerdings war die Stute schon ruhiger. ,,Suuper! Gib ihr mal eine kleine Pause. Lass sie lang, dann machen wir das Ganze noch einmal.’’,sagte ich.
      Wir übten die Aufgabe daraufhin erneut, wobei die Scheckstute schon einen guten Job machte. Sie war eine sehr intelligente Stute, so hatte ich sie auch immer schon kennengelernt. Zusätzlich ließ ich Gwen die Konstellation auch von der anderen Seite aus springen, ehe wir es mit der Übung gut sein ließen und noch ein paar Schweinerücken und Tische springen, die der Stute durch ihr Vermögen und ihr solides Fundament im Springen leicht fielen. So konnten die Zwei mit einem positiven Gefühl die Einheit abschließen. Gwendolyn konnte wirklich stolz auf sich sein; sie machte mit beiden Stuten heute einen wirklich guten Job.
      Der zweite Tag es Lehrgangs sah etwas ruhiger aus. Um den Reitern und Pferden eine kleine Verschnaufpause zu gönnen gab es eine kleine theoretische Einführung in die Welt der Vielseitigkeit. Nach dem Frühstück hatte ich dazu im Gemeinschaftsraum eine Leinwand aufgebaut, auf die ich eine liebevoll zusammengestellte PowerPoint-Präsentation projizierte. Darauf befanden sich einerseits ein paar Eckdaten über die einzelnen Klassen, das zugegebenermaßen etwas komplizierte Wertnotensystem in der Vielseitigkeit und zu guter Letzt Fotos einzelner Hindernisse, mit denen die Reiter am Folgetag konfrontiert werden würden: Hecken, Gräben, Schweinerücken und weitere, zu denen ich auch immer eine kleine Erklärung mit abgab und Anregungen, wie man denn was besonders gut reiten konnte.
      Außerdem gab es am Nachmittag die Möglichkeit eines Gruppenstrandausritts, die die meisten Teilnehmer gerne wahrnahmen.
      Am dritten Tag teilte ich die Teilnehmer in zwei ungleiche Gruppen: Am Vormittag waren Alicia mit Civil War, Sheenamit Nurja, Luchy auf Keks, Hunter mit Cinja, Octavia mit Raspberry, Cjara mit Joline, Bart auf Candlejack und Gwenauf Moon’s Gealach. Am Nachmittag ritten die beiden Reiterinnen mit ihrem jeweils zweiten Pferd noch einmal: Alicia mit ihrer Wild Strawberry und Gwen auf Raffinessca. Abgesehen davon ritt meine Bereiterin mit Hannifee mit. Diese war eine meiner eigenen Stuten, die sich gerade vom Sprung von der Klasse E auf A-Niveau befand, wie auch meine Teilnehmerpferde; doch Fee war bereits überaus mutig, ging problemlos ins Wasser und brachte auch sonst bereits alle Anforderungen mit ein Führpferd abzugeben, wenn Berry oder Raffinessca mal streiken sollten.
      Die erste Gruppe fand sich gegen neun Uhr morgens auf dem großen Geländeplatz ein, wo alle zusammen warm ritten. Schon dabei achtete ich darauf, dass die Pferde für die Vielseitigkeit korrekt im großen Rahmen, mit der Nase deutlich vor der Senkrechten gingen und die Reiter ihren Sitz optimierten.
      Anschließend ging es an den Hügel vom Tag eins. Diesmal jedoch den mit den beiden Baumstämmen auf dem Hügel. Nur ein paar Pferde hatten bereits den Bergauf- und Bergabsprung gemeistert, um manche nicht gleich zu überfordern. Nun war es aber auch für die übrigen Pferde und Reiter an der Zeit. Als Erstes ließ ich Hunter den Bergaufsprung springen. Seine Stute erinnerte sich wohl noch an vorgestern zurück und sah das Ganze überaus entspannt. ,,Sehr gut! Nächster!’’,rief ich und Bart und Jack waren an der Reihe. Sie trafen die Distanz sehr gut und machten einen guten Sprung. Darauf folgten die übrigen Teilnehmer, die die Aufgabe ingesamt auch gut bewältigten. Einige ließ ich die Aufgabe noch ein-, zwei Male wiederholen, wenn es beim ersten Mal noch nicht so flüssig war.
      Danach verknüpften wir Bergauf und Bergabsprung. Dabei zeigte sich auch, dass Gealach einige Fortschritte gemacht was ihr Gleichgewicht anging, was mich und Gwendolyn überaus freute.
      Anschließend führte ich die Gruppe an Tische, Schweinerücken und andere typische Vielseitigkeitshindernisse heran. Die Pferde durften sich die neuen Hindernisse dabei alle zuerst einmal in Ruhe ansehen. Dabei ritten sie sie seitlich an, ließen die Vierbeiner daneben stehen und ließen die Zügel lang, wenn es möglich war, damit sich die Fellnasen damit vertraut machen konnten.
      ,,Gut meine Lieben! Als nächstes werden wir ein paar Hecken üben. Wie ihr ja seit gestern schon alle wisst gibt es die Hecken- und die Bullfinch-Variante. Wir werden allerdings nur erstere üben, da beim Bullfinch die Bürste so hoch ist, dass das Pferd weder durchsehen noch darüberspringen kann. Es muss hindurch wischen. So ist das auch bei den Hecken, aber diese sind deutlich leichter für die Fellnasen, weil die Pferde unproblematisch darüber hinweg sehen können. Trotzdem bedenkt, dass sie nicht über den ganzen Sprung springen müssen, sondern der sinn der Bürste auch hier ist, dass hindurchgemischt wird.’’,fasste ich schließlich zusammen, ehe die Gruppe Pferd nach Pferd auch dieses typische Geländehindernis meisterte. Bei Sheena fiel mir auf, dass Nurja etwas zu wenig vor der treibenden Hilfe war, weswegen ich ihr bevor sie auf mich und den Sprung zukam nochmals zurief: ,,Abwenden! Reite einmal noch einen Zirkel um mich herum.’’, woraufhin die Reiterin tat was ich von ihr verlangte. ,,Gut und jetzt schickst du sie noch einmal richtig schön nach vorne.’’,sagte ich zu ihr: ,,Uund hinsetzen und zurück führen.’’ ,,So?’’,fragte sie. ,,Nicht schlecht, jetzt nocheinmal vor, wieder etwas versammeln, vor schicken und auf den Sprung zu.’’,wies ich sie an: ,,Hinsetzen! Außerdem: achte darauf, dass du die Ellenbogen vor der Hüfte lässt damit du nicht rückwärts wirkst.’’
      Im Endeffekt machte so auch dieses Paar einen schönen Sprung, auch wenn ich sie das noch einmal wiederholen ließ um sie das Gefühl noch einmal verinnerlichen zu lassen.
      Der nächste war Civil War. Der schwarze Riese war heute schon deutlich ruhiger als am ersten Tag. Trotzdem übersprang er sich bei der Hecke das erste Mal recht viel. ,,Nicht schlimm, Alicia! Der ist nur ein bisschen vorsichtig, aber das ist gut so! Gleich nocheinmal!’’,rief ich der Reiterin zu, die einmal abwendete. ,,Sehr gut. Hinsetzen, Ruhe reinbringen. Trau dich ruhig ihn ein bisschen mehr zu reiten.’’,regte ich Alicia an, die ihr Können in der Dressur anwenden konnte um ihren Hengst vor Sprung noch einmal gut an die Hilfen zu bringen. ,,Ausgezeichnet!’’,lobte ich sie nach dem Hindernis begeistert. ,,Gleich nochmal!’’,rief ich: ,,Gut macht ihr das. Spürst du wie gut er jetzt bei dir ist?’’
      Nachdem dies alle Schüler gut gemeistert hatten ging es an ein paar leichte, dem Niveau einer A-Vielseitigkeit entsprechende Bänke. Ein solches Hindernis bestand aus einer einzelnen Stufe, oder bildete eine ganze Treppe. Wie der Name schon sagt musste hier ein Höhenunterschied überwunden werden. Zuerst durften sich die Reiter an der einzelnen Variante versuchen, dann ging es an kleine Treppen.
      Diese Übung meisterten alle Reiter mit ihren Pferden auf Anhieb überaus gut, weshalb es schon rasch an die Gräben, erst ohne und dann mit Sprung darüber, ging.
      Zum Schluss war das Wasser an der Reihe. ,,Gut meine Lieben! Dann wagen wir uns ans Wasser. Ihr reitet jetzt hintereinander. Dabei ist es wichtig, dass immer die Verbindung Kopf-Schweif erhalten bleibt, also keine Lücke entsteht. So machen wir uns den Herdentrieb zu Nutzen. Sheena, du und Nurja geht als Letzte weil sie das ja nicht sonderlich mag, wenn ihr ein Pferd hinten zu nahe kommt.’’,erklärte ich zur Einstimmung: ,,Luchy? Du und Keks geht als erstes. Weil sie doch Hengste sind gehen Civil War und Candlejack nach der Stutengruppe rein, Jack dabei als erster. Alicia du klemmst dich dann dahinter. Versuchen wir das Mal!’’
      Lunchy ritt ihre Stute an, auf das Wasser zu. Die Braune zeigte sich gewohnt unerschrocken und marschierte los. ,,Geenau. Ruhig näher zusammen bleiben, der Kopf vom einen Pferd kann auch an der Gruppe des vorangehenden sein.’’,kommentierte ich das Geschehen. Als Keks und Gealach schon im Wasser angelangt waren rief ich: ,,Super, loben. Stoopp, ganz langsam. Cinja ist sich noch unsicher, ob sie da wirklich rein möchte. Octavia reite du ruhig mit Raspberry kurz vorbei.’’ Die eben genannte Stute setzte sich unerschrocken in Bewegung. ,,Sooh. Jetzt langsam hinterher, Hunter.’’,sagte ich mit ruhiger Stimme und der blonde Reiter drang wieder zu seiner Stute durch. Er klopfte ihr lobend den Hals und lächelte: ,,Braav.’’, woraufhin Cinja einmal durchschnaufte und sich an Berry Krupp hing. ,,Jawoll, jetzt schließt sie sich an. Jetzt ganz langsam vor, mit Cinja immer dran bleiben.’’
      Keine Minute später waren dann alle Stuten im Wasser. ,,Alle Pferde bleiben jetzt erstmal im Wasser, reitet ruhig einen kleinen Zirkel oder sowas. Hunter, du kommst mit Cinja noch einmal zu mir her, aus dem Wasser heraus.’’,sagte ich dann. ,,Gut, leicht sitzen und nochmal hinein.’’,trug ich ihm schließlich auf und die Fuchsstute sprang über ihren Schatten. Ich ging dabei ein paar Schritte mit ihr mit, ließ sie dann ins Wasser gehen und ließ Hunter dann noch einmal aus dem Wasser heraus und wieder hinein gehen. ,,Sehr schön! Looben!’’,rief ich dann begeistert: ,,Als nächstes die Hengste.’’
      Jack schritt voran, Civil War auf der Höhe dessen Kruppe. Letzterer stockte kurz, ließ sich dann aber von seiner Reiterin ebenfalls gut ins Wasser führen. ,,Guut. Bart du bleibst im Wasser, geh ruhig zu den Stuten hinüber. Alicia du kommst noch einmal raus und gehst alleine noch einmal rein.’’,sagte ich schließlich und übte das gesagte noch zwei Mal mit dem großen Rappen.
      ,,Feuertaufe bestanden würde ich mal sagen, meine Lieben!’’,scherzte ich schließlich, da sich nun alle Pferde, mehr oder weniger begeistert, im Wasser befanden. ,,Alle einmal auf der anderen Seite raus aus dem Wasser und im Schritt nocheinmal hinein. Danach trabt ihr nach der Reihe an, einzeln aus dem Wasser heraus und auf der anderen Seite erst im Schritt, dann im Trab wieder heraus.’’,wies ich schließlich an.
      Nachdem dies bei jedem Pferdreiterpaar gut klappte und auch jeder einmal hindurch galoppiert war ließ ich die Gruppe die ersten Sprünge, aus dem Wasser heraus machen, bevor sie den selben Sprung hinein machten. Erst waren noch zwei Galoppsprünge zwischen Wasser und Baumstamm, dann ritten die Reiter den Sprung auf der anderen Seite des Wassers an, wo dies nahtlos ineinander überging.
      ,,Cjara? Aufpassen, dass du die Hand schön nach vorne gibst wenn du ins Wasser hinein springst. Genau genommen haben wir hier ja wieder einen Tiefsprung, bei dem deine Stute nach unten springt. Da du sie so schön am Sitz hast kannst du ruhig die Zügel auch mal ein wenig durchrutschen lassen. Probier das ruhig mal aus.’’,gab ich ein paar Anregungen an die Blondine. Sie nickte und ritt den Sprung ins Wasser erneut an. ,,Schau, schon viel besser!’’,lobte ich, nachdem die Reiterin meinen Tipp umgesetzt hatte und sich die Stute überm Sprung noch einmal mehr entfaltete.
      Und auch für Ocatvia hatte ich einen weiteren Tipp, denn ihr Schenkel verrutschte ihr im Bergab ein wenig nach hinten, weshalb sie sich selbst aus dem Gleichgewicht brachte: ,,O, achte darauf, dass deine Zehenspitzen immer vor der Hüfte sind. Im Zweifelsfall kannst du sie bei Tiefsprüngen sogar, für dein Gefühl, etwas zu weit nach vorne nehmen, damit du auch gut zum Stehen kommst, wenn die Sprünge dann höher werden oder Berry mal einen größeren Sprung machte.’’
      Wer einen beinahe perfekten Job machte waren Gwen und ihre Stute Gealach. Obwohl die Connemarastute wohl die kleinste der Truppe war, zeigte sie sich von Anfang an überaus mutig, weshalb ich sie auch einsetzte um Cinja, die beim ersten Wassersprung hinein noch etwas unsicher war, den Weg zu weisen. Hier dockte die Fuchsstute am Schimmel an und sprang danach den gleichen Sprung ohne zu zögern.
      Am Ende der Einheit waren alle Pferde über sich hinaus gewachsen, was sowohl die Reiter als auch mich sehr freute.
      Die zweite Gruppe, die nur aus Gwen und Alicia bestand, durfte die Hindernisse vom Vormittag nun auch mit ihren beiden zweiten Stuten üben. Dabei bot, vor allem am Wasser, Hannifee einen Ruhepol, der allerdings fast nicht nötig war, da die Vier einen sehr guten Job machten und es keine spektakulären Ausreißer oder Verweigerungen gab. Zum Glück!
      Am letzten aktiven Lehrgangstag sollte jeder Teilnehmer noch einmal die Möglichkeit bekommen mit seinem, beziehungsweise seinen, Pferden die Hindernisse zu üben, die ihm besonders schwierig in Erinnerung geblieben waren, oder wo die Routine für eine sichere A noch fehlte. Hierbei nahm ich mir noch einmal besonders viel Zeit für meine Schüler.
      Außerdem durfte am letzten Tag jeder einen zusammenhängenden Ablauf von Sprüngen reiten; ähnlich aufgebaut wie auf dem Turnier, nur mit der kleinen Ausnahme, dass jeder ein Mikro im Ohr hatte und so von mir begleitet wurde.
      Im Endeffekt war jeder Teilnehmer im Großen und Ganzen bei seiner Abreise zufrieden mit der erbrachten Leistung seines Pferdes. Ein erfolgreicher Lehrgang also!
    • Gwen
      Pflegebericht 14.07.2020 - Umbau

      Einige Veränderungen standen bei uns aus. Lange hatte ich überlegt und mit mir gerungen, doch die Ranch sollte einen neuen Anstrich und einige kleine Veränderungen bekommen. Bisher hatte das uns nicht wirklich beeinträchtigt. Es hatte sich um neue Trainingsmöglichkeiten und Weiden gehandelt, so dass wir ganz gut normal hatten weiterarbeiten können. Doch auch das Stallgebäude sollte komplett erneuert werden und somit mussten die Pferde zwischenzeitlich umziehen.
      Vorgestern waren die vorerst letzten Berittpferde abgeholt worden, so dass nur noch unsere eigenen da waren. Zum Glück hatte ich tolle Freundinnen und damit Nachbarn, die zu gerne meine Vierbeiner für einige Wochen bei sich aufnahmen. Mit den Jungpferden war das sowieso kein Problem, die vier Chaoten brachte ich für die Zeit auf die Bergwiesen, welche ich grundsätzlich sowieso jährlich für die Jungpferde pachtete. Aber die anderen sollten natürlich weiterhin im Training stehen.
      Außerdem hatten Lena, Elena und Elisa mir zugesagt, mich beim Training zu unterstützen, weil natürlich die zusätzlichen Wege auch Zeit fressen würden. Ich war mehr als dankbar.
      So teilte ich die Pferde so auf, dass jeder einen Teil zu trainierender Sportler hatte und aber auch welche, die aktuell eher nicht auf Turniere mussten. Das funktionierte besser als gedacht und da ich den Wechsel schon länger plante, waren auch alle vorbereitet. Auch mein Team teilte ich zu den Nachbarstallungen auf, so dass jeder immer nur zu einem Stall fuhr und dort die jeweiligen Pferde arbeitete. Effizienz war das Stichwort.
      Hazel würde sich um unsere Schützlinge auf Crescent Acres kümmern. Ciaran und Celeste schickte ich nach Sanssouci, denn dort standen die zweitmeisten Pferde von uns. Und ich kümmerte mich um die Schützlinge, welche Zuflucht auf Townsend Acres fanden. Dementsprechend zogen dort auch meine Kandidaten ein: Altair, Ohnezahn, Ohnegleichen...
      Dieses Wochenende standen die Umzüge statt und wir ritten zum großen Teil die Pferde in ihre jeweiligen neuen Stallungen. Ich dankte meinen Freundinnen tausend Mal als wir abends dann alle beisammen saßen und von den Männern begrillt wurden, während wir mit einem guten Sekt anstießen. "Ich bin ja echt gespannt, was du dir alles so ausgedacht hast", meinte Elena und grübelte. Ich hatte bisher nicht verraten, was alles angedacht war, umso gespannter waren natürlich alle.
    • Gwen
      Pflegebericht 31.07.2020 - Trainingsplanungen

      "Zügel kürzer! Nimm ihn mehr auf, versammeln und 5 Galoppsprünge!", rief ich über den großen Springplatz und verfolgte mit strengem Blick die Bewegungen von Bartholomäus und Celeste. Die beiden hatten gerade Springtraining bei mir, denn am Wochenende wollten die beiden wieder in einigen A-Springen starten und wir arbeiteten ein letztes Mal an den Kombinationen.
      Celeste ließ den Rappen meist noch zu sehr selbst entscheiden und ritt viel nach Zufall. Aber gerade manche Kombinationen erforderten einfach einen klaren Ablauf und waren mit vier großen oder sechs kleinen Galoppsprüngen nicht zu schaffen, manchmal mussten es einfach genau die fünf sein. Ein letztes Mal ginges durch die Kombination und da beide es gut gemacht hatten, entließ ich sie vom Training.
      Hazel wartete bereits auf ihre Mitreiterin, denn auch sie war heute bei mir geritten. Sie saß auf Moon's Gealach, die graue Connemarastute war eine erfahrene Springerin, dementsprechend hatte Hazel heute den "leichteren" Part gehabt. Ich schickte die beiden noch für eine kleine Schrittrunde ins Gelände. "Danach könnt ihr die beiden noch ordentlich abspritzen und füttern!", rief ich hinterher. Währenddessen erschien Ciaran auf dem Platz.
      Links führte er Cherry Blossom, rechts Andvari. Während unsere Auszubildenden kurz Pause hatten, machten direkt wir weiter. Er hatte die beiden Pferde mit einer kleinen Schrittrunde bereits aufgewärmt und übergab mir nun die Zügel von Cherry Blossom. Die Lewitzerstute war noch recht neu bei uns und deshalb war sie zunächst allein unter meinen Fittichen. Ich wollte sie erst einmal selbst kennenlernen.
      Sie hatte eine gute Grundausbildung, aber mehr bisher noch nicht. Dementsprechend wollte ich heute mal schauen, was sie zu Stangen und kleinen Sprüngen sagte. Andvari war schon etwas erfahrener und gerade eigentlich mehr im Gelände unterwegs, aber heute musste auch er wieder ran. Ich schwang mich in den Sattel, nahm die Zügel auf und ritt los. Wir hatten momentan genügend Pferde plus Berittpferde, so dass uns nicht langweilig wurde.
      Nachdem ich Cherry im Trab und Galopp aufgewärmt hatte und wir ihre ersten Stutenzickereien ausdiskutiert hatten, gingen wir über Trab- und Galoppstangen und nahmen auch schon bald die ersten Cavaletti und Kreuze. Während ich mich darauf fokussierte, erst einmal Takt und Losgelassenheit über den Stangen reinzubekommen, sprang Ciaran bereits den schokobraunen Haflinger.
      Andvari war ein souveränes Sportpony und mit seinem Maß von 1.56 Meter auch für größere Reiter noch geeignet. Ich gab Cherry eine kurze Verschnaufpause im Schritt und beobachtete währenddessen das andere Paar. Danach ritt ich mit Cherry noch einige Seitengänge, Hand- und Tempiwechsel, um sie durchlässiger zu bekommen. Zufrieden beendete ich das Training, parierte zum Schritt durch und ließ sie Zügel lang. Cherry streckte sich genüsslich nach unten und schnaubte zufrieden ab. Andvari tat es ihr gleich.
      Als wir im Stall ankamen, pflegten Hazel und Celeste bereits das Sattelzeug von ihren Pferden und nahmen uns das unsrige ab, um direkt alles in einem Abwasch zu erledigen. Ciaran schnappte sich beide Pferde und ging mit ihnen hinaus zum Waschplatz, um beide gründlich abzuspritzen. Ich hingegen holte uns Caspian, Prismatic, Nuriya und Hollybrook's Arce in den Stall. Viel zu putzen gab es nicht, stattdessen bekamen alle nur Trensen auf und dann verteilte ich die Ponys an meine Mitreiter.
      Draußen schwang ich mich auf Prismatic und die anderen hüpften auch ohne Sattel auf ihre Pferde. Die vier hatten heute frei und das bedeutete für uns: Badespaß! Gemeinsam ritten wir den Kiesweg die Weiden entlang hinunter zum See. Prismatic ging ohne zu zögern hinein, Caspian hingegen zögerte kurz, doch als Nuriya links und Arce rechts neben ihm förmlich ins Wasser trabten, folgte er unauffällig. Wir ließen die Pferde zunächst etwas stehen und plantschen, ehe ich mit Pria auch noch eine kleine Runde schwimmen ging.
      Hazel und Celeste hatten nur bedingt Vertrauen in die Pferde, was das betraf, währenddessen Ciaran ohne zu zögern Caspian uns folgen ließ. Es war eine wunderbare Erfrischung für die Vier- und Zweibeiner und ganz nebenbei trotzdem ein tolles Training für die Pferde. Nichts förderte Muskeln so schön wie Wassertreten und schwimmen. Wir genossen die Mittagspause und brachten danach die Pferde zurück.
      Während Hazel und Celeste sich im Nachhinein um den Stall kümmerten, Ciaran bereits das Mittagessen vorbereitete, schnappte ich mir noch Ohnegleichen. Für meinen Jungspund standen dieses Wochenende wieder einige Turniere an. Momentan war er richtig im Flow und deshalb hatte er heute nur nochmal ein lockeres Training. Ich putzte ihn kurz über und zog ihm dann den Kappzaum an. Noch fix eine Longe und dann ging es in den überdachten und schattigen Longierzirkel.
      Ein wenig aufwärmen, dann circa 10 Minuten lockerer Trab auf beiden Händen, nochmal 10 Minuten lockerer Galopp links und rechts und alles immer schön in einer guten Dehnungshaltung.
      Das reichte dann auch schon. Zum Abkühlen spazierten wir eine kleine Runde durch den Wald und ich nutzte die Chance, um alle Geländesprünge noch einmal zu überprüfen. Danach wurde auch Ohnegleichen abgeduscht, bekam sein Kraftfutter und durfte danach wieder zurück auf die Weide. Für mich ging es mit den anderen ins Haus, denn dort wartete bereits das Mittag: "Spaghetti, wie kreativ", meinte ich lachend, als ich den angerichteten Tisch sah. Aber beschweren sollte man sich ja nicht, immerhin hatte ich so noch mehr Zeit gehabt.
    • Gwen
      Pflegebericht 06.08.2020 - Morgenrundgang

      Es war ein kühler Morgen und als ich das Fenster öffnete, fröstelte ich leicht. Tief über die Wiesen zogen die Nebenschwaden hinweg und man beinahe gar nichts bei der weißen Wand. Gähnend streckte ich mich und schlüpfte in warme Sachen, um hinunter in die Küche zu gehen.
      Dort setzte ich mein Teewasser auf und fütterte die Hunde und Ivy. Alle drei warteten bereits ungeduldig auf ihr Frühstück. Ich goss mir meinen Tee auf und setzte mich, in eine warme Jacke gekuschelt, auf die Terrasse, während die Hunde das erste Mal herauskonnten.
      Nachdem ich meinen Tee getrunken hatte, ging es hinaus in den Stall. Es war erst kurz nach sechs und dementsprechend döste auch der Großteil der Pferde noch. In aller Ruhe begann ich das Kraftfutter zu verteilen und während alle fraßen, teilte ich schon das frische Stroh und Heu vor den Boxentüren auf.
      Danach ging es für alle hinaus auf ihre Weiden. Manch einer war noch nicht so überzeugt von dem Nebel und lief eher zögerlich los, während andere wie gewohnt in Galopp davonstürzten. Ich huschte wieder in den Stall und begann die Boxen zu misten. Da die Pferde nur nachts drinstanden, war das im Nu erledigt.
      Neues Stroh hinein, dann das Heu für die kommende Nacht und abschließend das Kehren der Stallgasse. Dann konnte ich in der Futterkammer bereits die Dosen für den Abend vorbereiten, und während ich das tat, hatte ich die großen Stalltüren geöffnet, damit es einmal kühl durchlüftete. Unser Stall war immer sehr gut durchlüftet, aber es schadete auch nie, nochmal die Morgenluft hinein zu lassen.
      Alles war fertig, so konnte ich die Hunde und die Katze einsammeln, die munter ihre Morgenrunden über die Ranch machten und zurück zum Haus gehen, um selbst erst einmal zu frühstücken und dann mit der Arbeit mit den Pferden zu beginnen.
    • Gwen
      Pflegebericht 09.10.2020 - Herbst

      Die Tage wurden kühler und kürzer. Ich mummelte mich inzwischen gerne in warme Jacken und Schals und auch die Heizungen liefen inzwischen langsam warm. Die Pferde störten die Temperaturen nicht, im Gegenteil, sie wirkten sehr zufrieden. Lächelnd musterte ich meine beiden Mädels Nuriya und Hollybrook's Arce, welche zufrieden grasend auf der Weide standen und allmählich zu Plüschpferden wurden.
      Nuriya schnaubte und schlug mit dem Schweif, als Cherry Blossom sich näherte, um zu schauen, ob das Gras dort nicht doch besser war. Ich grinste und schloss das Tor hinter mir und Moon's Gealach. Wir kamen gerade von einem Ausritt wieder und nachdem die Schimmelstute nun gefressen hatte und wieder trocken war, durfte sie zurück zu den anderen.
      Die Turniersaison war inzwischen vorbei. Hier und da erwischte man noch ein Militaryturnier, aber inzwischen bauten alle Ställe ihre Zelte ab und die Wintersaison brach an. So auch für uns. Die Trainingspläne wurden entspannter und so sehr ich den Turnier"stress" liebte, so sehr genoss ich auch diese Zeit, in der er von einem abfiel.
      Letztes Wochenende hatte ich nochmals Bartholomäus und Prismatic bei einem Springen vorstellen können. Meine Youngster waren unser aktuelles Aushängeschild und wir wurden auch des Öfteren angesprochen.
      Die Hengste standen gerade hinter dem Stall, weshalb ich mich von meinen Damen löste und einmal alle Weiden abwanderte, nur um dann am nächsten Zaun stehen zu bleiben und das rege Treiben zu beobachten. Manchmal wirkte es wirklich so, als wären die Hengste verspielter als die Stuten.
      Caspian zwickte soeben Ohnegleichen in die Flanke, welcher daraufhin unnötig übermütig lossprang und Andvari und Prismatic mit ansteckte. Einige Sekunden später preschte die kleine Herde aus den fünf Hengsten über die Weide und ich verdrehte nur lachend die Augen. "Ihr seid so blöd", murmelte ich grinsend und beobachte die Schönheiten noch ein wenig.
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  • Album:
    Oststallungen
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    Gwen
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    18 Aug. 2019
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  • Rufname: Gealach
    Geburtsjahr: 2016

    Von: Stormbringer
    Aus der: Moon's Pumpkin

    Rasse: Connemara
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Schimmel
    Stockmaß: 147cm


    Beschreibung:

    Gealach zeigte sich als äußerst neugierige Stute, die sich auch durch ungewohnte Situationen nicht schnell aus der Ruhe bringen lässt - ein deutliches Indiz zur Verwandschaft mit Moon, den sie auch in ihrem Namen trägt. Sie glänzt nicht gerade mit Arbeitsbereitschaft, ihre Intelligenz lässt sie Dinge hinterfragen, weshalb sie auch im Umgang sehr dominant ist. Trotzdem ist ihr der Schalk anzusehen, manchmal etwas frech, aber nicht auf eine unangenehme Art und Weise.

    Ersteller: Maleen
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: Maleen/Ravenna

    Dressur A - Springen S***

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