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Calypso

Moon Kiddy - Stute •

Im Besitz seit März 2020

Moon Kiddy - Stute  •
Calypso, 31 März 2020
Occulta gefällt das.
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte
      Sammelpflegebericht für alle Pferde: Ein typischer Arbeitstag. 09.11.2012

      Heute war wiedermal ein purer Arbeitstag: zuerst eilte ich zu den Weiden um bei Daki, Sunset und Chip die Weideboxen auszumisten, ausserdem um Wasser und Raufutter nachzufüllen. Neben mir hüpfte meine neue Jack-Russel Hündin Jacky ungeduldig auf und ab. Ich hatte sie mit acht Wochen von der Züchterin abgeholt, was eher früh war, aber sie war jetzt mit 10 Wochen schon neugierig und in keiner Weise ängstlich. Sie hatte sich gut eingelebt und tapste mir brav hinterher. Allerdings hatte sie eine kurze Leine an, damit ich sie anbinden konnte, wenn ich zu den Pferden ging. Ich wollte ja nicht, dass sie getreten wurde. Die drei mini Stütchen bekamen noch etwas dünnere Decken, denn es war wieder etwas wärmer geworden (trotzdem wollte ich nicht, dass sie zu viel Fell bildeten). Als ich die Weide verliess, um zu den beiden mini Hengstchen zu gehen, wollte mir Daki schon hinterher laufen. Ich sagte amüsiert zu ihr: „Zu den Hengstchen kommst du besser nicht mit. Aber…“ nach kurzem Zögern gab ich ihrem treuen Blick nach und öffnete das Weidetor so weit, dass nur sie hinausschlüpfen konnte. Ich wusste genau: Miss Mini Daki kam überall mit mir mit wie ein Hund. Auch ohne Seil. Und wenn sie abhauen würde, dann eh in die Futterkammer. Ich band Jacky vom Weidepfosten los und sie beschnupperte Daki sofort neugierig. Als ich zu den Hengstchen reinging, begann Daki entspannt aussen am Zaun zu grasen, während Jacky ihr zwischen den Beinen hindurch flitzte. Ich machte mir keine Sorgen um sie, weil Daki ja klein war und die Hufe vorsichtig aufsetzte. Ich kümmerte mich nun um Blue und Prinz. Die beiden hatten sich seit Prinz‘ Ankunft prächtig verstanden und dösten oft entspannt nebeneinander. Ich mistete zuerst wieder die Box und streute neues Stroh rein, dann legte ich noch einen Heuhaufen hin und füllte die beiden Wassereimer wieder auf. Jeder hatte einen eigenen, damit sie auch sicher genug tranken. Dann zog ich auch ihnen die leichteren Decken an und lief anschliessend zu den Fohlen. Die sahen, weil es Winteranfang war, besonders pelzig aus. Ich hatte ihnen keine Decke angezogen, da sie diese bloss zerfleddert hätten. Ich lief an Campina vorbei, die mir kurz darauf gelangweilt hinterher lief. Ich wusste, dass sie meine Anwesenheit immer mit Spannung und Abwechslung verbanden, aber heute mussten sie ausnahmsweise verzichten. Auch Flower lief mir hinterher und kniff mir spielerisch ins Hosenbein. Ich packte ihr Ohr um ihr zu signalisieren, dass ich in Ruhe gelassen werden wollte. Währenddessen spielte Jacky mit Fake. Auch Daki fand schnell jemanden zum Zanken: Flower, die sich wieder von mir entfernt hatte. Winter stand auf der Weide nebenan und beobachtete die Anderen. Nach dem ich auch mit der Box der Fohlen fertig war, lief ich zu ihm und kraulte ihn ein wenig. Er taute sofort auf und begann mir frech in den Ärmel zu kneifen. Ich joggte etwas davon und forderte ihn auf, mir zu folgen. Nach einer Weile trabte und galoppierte er mir hinterher. Aber ich musste bald weiter und mich auch noch um die Anderen kümmern. Deshalb verliess ich die Weide und lief mit Jacky und Miss Mini Daki zum Nebenstall. Daki Blieb bei Goia stehen und leistete ihr etwas Gesellschaft, während ich bei der neuen Criollo-Stute Moon Kiddy anfing. Ich hatte sie, Goia, Flint, Summer, Pilot und Love in den Nebenstall umgesiedelt, damit der Hauptstall nun vollkommen für die Vollblüter genutzt werden konnte. Als ich in allen Nebenstallboxen die Einstreu gewechselt und frisches Heu hingelegt hatte, rief ich Daki und lief die kurze Strecke zum Hauptstall. Neugierig erkundeten Daki und Jacky das Gebäude, während ich mich der Reihe nach um Stromer, Sunday, Light und Spot kümmerte. Spot und Light waren ebenfalls neu. Nach ihrer Ankunft hatte ich beschlossen, dass die Stuten im südlichen Teil des Hauptstalles und die Hengste im nördlichen stehen sollten. Als ich mit den Hengsten fertig war, lief ich zu den Stuten wo Daki und Jacky schon warteten und mit Felicita schmusten. Iskierka, die kleine Diva, war etwas speziell und fand Daki anscheinend nicht besonders anziehend. Auch vor Jacky hatte sie eher Angst, weil ihr das kleine, wilde, bellende Ding nicht geheuer war. Ich mistete die Box des Sensibelchens und befasste mich zu guter Letzt mit Felicita. Am Nachmittag durften alle Pferde auf die Weiden.
      9. Nov 2012

      Alltag auf Pineforest Stable 05.03.2013

      Wie jeden Samstag stand ich früh auf und schlang mein Müsli runter, bevor ich dann in den Hauptstall lief und den Stallburschen beim Füttern half. Alle Pferde warteten schon ungeduldig und besonders Spot klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür. Er bekam deshalb als Letzter sein Futter. Die Vollblüter im Hauptstall bekamen eine spezielle Futtermischung, die ihnen die nötigen Vitamine und Mineralstoffe für ihre Rennleistungen brachte. Diese Futtermischung schmeckte wohl auch besonders gut, denn wenn Pferde, die aus irgendeinem Grund gerade nicht im Rennsport tätig waren, stattdessen normales Futter, wie das der Nebenstall-Pferde bekamen, assen sie deutlich weniger und langsamer. Auch im Nebenstall wurde die Schubkarre mit dem Futter schon freudig erwartet und viele der Pferde "röchelten" aufgeregt. Anschliessend brachten wir den Pferden auf den Weiden ihre Heu und Stroh Portionen, denn die bekamen wenn überhaupt nur wenig Getreidefutter. Es war schon recht warm an diesem Morgen und der Schnee war fast gänzlich geschmolzen. An manchen Stellen tauchten erste Frühlingsblumen auf und die Gräser begannen sich wieder aufzurichten. Auch die Luft roch nach Frühling und man hörte überall Vögel zwitschern. Da der geschmolzene Schnee die Weiden matschig werden liess, wurden Teile der Weiden zur Schonung des frischen Grases abgetrennt. Die Mini-Pferdchen waren immer süss anzusehen, wenn sie angerannt kamen, sobald der Futterwagen in Sicht war. Arco wieherte schon aufgeregt als wir die Weide betraten. Anschliessend liessen wir erstmal alle Pferde in Ruhe fressen, dann lief ich erneut zur Mini-Pferdchen Weide. Um neun Uhr kamen dann ein paar Kinder, die regelmässig am Wochenende mit den Mini-Pferdchen spielten und sie putzten. Ich blieb zuerst wie immer etwas dabei und half mit. Unsere Minis waren zwar allesamt super lieb im Umgang und sehr menschenbezogen, aber kommunizierten natürlich auch untereinander als Herde und dabei gab es öfter mal kleine Zankereien. Daki’s Nüstern durchstöberten schon wieder meine Hosentaschen nach Leckerlies und Chip versuchte gerade Goldy in den Hintern zu beissen. Ich packte sie am Ohr und ermahnte sie, denn solange die Kinder anwesend waren, hatte sie sich gefälligst zu benehmen. Arco und Prinz wurden separat geputzt, weil sie ja Hengstchen waren. Besonders an Diva’s knallrotem, flauschigen Winterfell hatten die Kids Freude. Die Minis sahen allgemein wie kleine Plüschkugeln aus. Bei Prinz kam man kaum noch durch den dichten Schweif; ein Frisör-Termin stand für alle an. Später am Morgen arbeitete ich mit Light und Stromer auf der Rennbahn, während mein Mann Spot und Sunday bewegte. Auch Felicita und Iskierka waren trainiert worden, allerdings schon am frühen Morgen. Am Mittag ritten ich und mein Mann gemeinsam mit Ronja und Burggraf aus. Der Boden war auf den Feldwegen recht gut, sodass wir auch viel galoppieren konnten. Auf den Feldern war es dafür allerdings zu matschig. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Mitte der Rennbahn trainierten wir anschliessend noch etwas für die kommenden Distanzprüfungen. Beim Mittagessen liessen wir uns etwas mehr Zeit. Wir assen wie eigentlich immer mit allen Lehrlingen und Stallhelfern gemeinsam im Restaurant in der Halle. Dort wurde über den Tagesplan und die bereits verrichteten Arbeiten geredet, oder auch über allerlei sonstige Themen.
      Danach ritt ich mit Julia und Jonny, zwei der Helfer, auf den Aussenreitplatz. Ich ritt auf Flint, Julia auf Shadow und Jonny auf Summer. Wir stellten ein paar Stangen auf und bereiteten einen kleinen Western-Parcours auf. Während 45 Minuten trainierten wir diverse Bahnfiguren, Stops, Spins und vieles mehr. Flint war langsam richtig gut im Stoppen, er reagierte auf die feinsten Gewichtshilfen. Auch Summer machte gute Fortschritte, sie hatte allerdings ordentlich Winterfell, was das Westernpferde-Image ein wenig verfälschte. Sie sah lustig aus, wie sie mit all dem Teddy-Fell umher galoppierte. Shadow hingegen hatte sehr feines Fell und fror schnell, wenn sie gerade nicht bewegt wurde. Etwa um 3 Uhr nachmittags ritt ich mit Pilot in der Springstunde mit, die immer Samstags auch offen für Leute aus der Nachbarschaft war. Es kamen oft andere Leute mit ihren Pferden um in der grossen Halle zu trainieren. Einer der Helfer, Freddy, ritt mit Costa mit. Wir machten wieder mal Witze und lachten viel, alle waren fröhlich aufgelegt weil der Frühling kam. Nach der Springstunde ritt ich Peace, den ich ebenfalls noch nicht lange hatte. Er war noch sehr schreckhaft und unkonzentriert, was das Training zur Herausforderung machte, allerdings war bereits eine deutliche Besserung bemerkbar. Trotzdem erschreckte er sich vor einer Taube, die vor seiner Nase durch die Halle flog. Der kräftige Dreijährige bockte mich beinahe runter. Als ich ihn wieder beruhigt hatte, war er dann auch ganz schön verschwitzt, obwohl er geschoren war. Ich beschloss noch ein wenig mit ihm Seitengänge zu üben, zum Abkühlen ritt ich ihn dann noch eine Runde auf der Galoppbahn im Schritt. Nun war ein wenig Spass und Abwechslung mit den Criollos geplant: Ich sattelte Moon, nachdem ich Peace zurück in die Box gebracht hatte, und mein Mann holte Feline. Moon zappelte ungeduldig während wir auf Feline und meinen Mann warteten. Als er endlich kam stiegen wir vor dem Nebenstall auf und ritten zur Galoppbahn. Dort wärmten wir die beiden erstmal im Schritt ein. Anschliessend trabten wir an und machten einige Tempowechsel. Auch Schulterherein übten wir ein wenig. Schliesslich galoppierten wir auch. Nun da es schon fast 6 Uhr war kam starker Wind auf und fegte durch die Tannen des Galoppweges. Es war aber trotzdem noch recht warm und die Abendstimmung mit dem rötlich gefärbten Himmel war wunderschön. Wir beschlossen ein kleines Rennen zu machen. Zuerst ritten wir zur Begrenzung der Rennbahn und zogen den Pferden die Sättel aus. Wir legten sie über den Zaun, dann stiegen wir wieder auf und begaben uns auf die Startposition. Auf sein Zeichen hin preschten wir los. Es war ein herrliches Gefühl gegen den Wind zu galoppieren und die Tannen links und rechts vorbeifliegen zu sehen. Am Anfang lag mein Mann in Führung, dann holten Moon und ich aber auf. Nach der halben Runde waren wir Kopf an Kopf, aber Moon wurde langsam etwas müde. Deshalb verloren wir am Ende knapp. Aber das machte nichts, schliesslich war es ein Spass-Rennen. Wir holten die Sättel wieder und versorgten Moon und Feline. Danach ging ich mit Bella in die Halle und mein Mann mit Sparrow ins Gelände. Ich arbeitete mit Bella an der Losgelassenheit und der Balance, dazu liess ich sie auch über Stangen traben. Um 9 Uhr abends lief ich dann erschöpft zum Haus zurück um das Abendessen zu geniessen. Danach schauten mein Mann und ich einen Horror-Film bevor wir um 11 Uhr nochmals zur Kontrolle durch die Stallgassen liefen. Alles war ruhig und viele Pferde schliefen schon. Pilot röchelte mir zu, als ich an seiner Box vorbei lief. Ich ging ein wenig zu ihm in die Box und kraulte ihn an der Stirn. Dann ging ich ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.
      5. März 2013

      Ein nicht ganz so toller Sommertag

      Es hatte schon die ganze Woche heftig geregnet und mein Mann hatte schon gemeint, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Fluss über die Ufer treten würde. Heute Morgen passierte es dann. Als ich aufwachte hörte ich draussen das Rufen der Pfleger und jemand kam gerade die Treppe hochgerannt. Die Tür wurde aufgerissen: "Schnell Occu, der Nebenstall steht circa 10 Zentimeter tief unterwasser! Tendenz eher steigend..." Ich sprang auf, zog mich an und hüpfte die Treppe runter zur Haustür. Draussen schien auf den ersten Blick ein riesen Chaos zu herrschen. Vom Nordosten her kam eine braune Suppe durch die Tannen der Galoppbahn geflossen, zwar nicht sehr tief, dafür breitflächig. Die Hälfte des Reitplatzes war unterwasser und die Wassermasse floss weiter zum Nebenstall, der ebenfalls schön umspült wurde. Wenigstens ein paar der Weiden und der Hauptstall, sowie das Haupthaus und der Parkplatz waren einigermassen trocken. Ich schlüpfte schnell in meine Gummistiefel und zog im Rennen die blaue Regenjacke an. Beim Nebenstall waren die Helfer gerade dabei, die Pferde zu evakuieren und in den Hauptstall zu bringen. Dort hatte es noch genügend leere Boxen, in denen die Tiere provisorisch untergebracht werden konnten. Ich schnappte mir Halfter und Seil und schob die Boxentür von Moon auf, während Lewis und Lisa Co Pilot und Costa rüber brachten. Als ich mit Moon zum Hauptstall joggte, kamen uns Quinn und Rosie entgegen, die Feline, Silver und Risandro schon in eine Trockene Box gebracht hatten. Mein Mann hatte mit einem Nachbar, Ajith und Jonas ein paar Sandsäcke organisiert und versuchte nun den Strom aus Schlamm und Wasser vom Hauptstall fernzuhalten. Ich watete mit Moon weiter aus dem Wasser und führte sie durch eine Lücke im Schutzwall. Ich stellte sie in eine der freien Boxen und holte dann nacheinander Donut, Ocean und Dream. Als alle Pferde im Hauptstall waren und der Schutzwall stand, lief ich mit Quinn und Lisa zu den Weiden, um nach den Fohlen und Minis zu sehen. Dort schien zum Glück alles in Ordnung zu sein. Kaum hatten wir uns umgedreht, als wir auch schon wieder nach oben gerufen wurden. Oliver und Lily waren inzwischen auch eingetroffen und mein Mann wollte planen, was als nächstes getan werden musste. Also trommelten wir alle anwesenden zusammen. Ich stellte mich neben meinen Mann und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht, denn im Eifer des Gefechts hatte ich die Kapuze nicht hoch gezogen. "Okay, so weit so gut. Alle Pferde stehen wieder im Trockenen und das Wasser wird vom kleinen Schutzwall zurückgehalten. Im Verlauf des Nachmittages sollte der Regen aufhören, mit etwas Glück ist das Wasser heute Abend weg. Die Pferde bleiben aber ganz bestimmt über die Nacht hier im Hauptstall. Also müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sie es für die Nacht schön bequem haben. Einstreuen der leeren Boxen währe zu verschwenderisch, aber wir können ihnen Heu und Wassereimer hinstellen, eine Nacht ohne zu liegen werden sie ja wohl überleben. Trocknet ausserdem die Beine derjenigen, die nass geworden sind." Alle murmelten zustimmend und machten sich an die Arbeit. Ich brachte Peace und Burggraf einen Wassereimer und zog Ronja, die am durchweichtesten von allen war, eine warme Fleece Decke an. Den drei Western Pferdchen Summer, Shadow und Flint ging es anscheinend auch gut, sie waren jedenfalls schon wieder am Heuhalme sortieren. Als alle Pferde genügend zu fressen hatten, bekamen auch die Menschen eine kleine Aufwärmung: Der freundliche Nachbar und Lewis hatten in der Zwischenzeit für alle warmen Kakao und trockene Handtücher hergezaubert. So sassen wir alle in der Stallgasse des Hauptstalls und trockneten uns gegenseitig. Am Nachmittag liess der Regen dann wie erhofft nach und auch die braune Suppe wurde weniger. Am Abend schliesslich war der Strom vollständig verschwunden, der Boden um den Hauptstall war aber noch sehr matschig. Ich sah bevor ich ins Bett ging nochmals nach den Pferden, dann fielen mir erschöpft die Augen zu. Was für ein Tag!
      3 Juni 2013

      Vorbereitung für den Wanderritt und allgemeine Arbeit

      Ich war schon den ganzen Morgen damit beschäftigt, den morgigen Wanderritt bei Morrigan sorgsam vorzubereiten. Allerdings musste ich dazwischen natürlich auch meinen Alltäglichen Pflichten nachgehen, wie zum Beispiel Pferde auf die Weide bringen, oder Vollblüter trainieren. Zwar hatte ich viele Pfleger, die auf dem Hof pausenlos herumwuselten, aber ich bestand darauf auch einen Grossteil selber zu machen, schliesslich waren es meine Tiere. Ich war gerade dabei, Moons Westernsattel mit Lederseife einzureiben. Wir wollten ja einen guten Eindruck hinterlassen. Moon selbst hatte ich am Morgen schon geputzt und anschliessend auf die Weide gebracht, damit sie sich noch etwas ausruhen konnte vor dem Ritt. Neben mir rannte Jacky aufgeregt von einer Ecke zur anderen, wo sie immer wieder nach einer Maus schnüffelte, die vorhin gerade gemächlich hinter den Spinds verschwunden war. Mein Mann betrat die Sattelkammer. „Bist du bald fertig Schatz? Wir sollten noch mit Campina und Paint trainieren.“ „Ja, ich muss nur noch schnell hier fertig machen, dann komm ich. Dauert nicht lange.“ Er nickte und ging wieder raus. Ich seufzte und liess die Seife einwirken, ehe ich den Sattel einfettete und verräumte. Dann schnappte ich mir das Sattelzeug von Paint und hopserhüpfte zu ihrer Box, weil ich mich freute sie wiedermal unterm Sattel zu haben. Jacky rannte voraus, aber nicht ohne noch eine Extrarunde um mich zu drehen. Mein Mann erwischte mich im durchhüpfen und stupste mir in die Seite, worauf wir einen kleinen Stupskrieg anfingen, wie in alten Zeiten. Er gewann natürlich, aber das war mir egal. Jacky sprang wild umher und bellte. Am Ende kugelten wir uns vor Lachen und kamen uns fast schon wieder ein wenig kindisch vor. Aber das machte nichts. Man lebt schliesslich nur einmal. Wir stellten Pina und Paint draussen auf den Waschplatz und putzten sie dort nebeneinander. Wir schnatterten fröhlich miteinander wie wir es immer taten beim Pferdeputzen, während es langsam Mittag wurde. Wir entschieden kurzerhand, dass wir nicht auf der Bahn, sondern auf der Galoppwiese und im Schatten des Waldes trainieren würden. Kurze Zeit später ritten wir mit Rennsätteln und Wassertrensen ausgerüstet im kühlen Pinienwald. Jacky war auch hier mit dabei, sie trottete mit gespitzten Ohren neben Paint her. An der Abzweigung zu einem der Galoppwege fragte mein Mann: „Ein kleiner Galopp gefällig?“ Schon preschten Paint und Pina im gestreckten Galopp über den weichen Sandboden. Geschickt vergrösserten sie die Galoppsprünge um den Wurzeln der Pinien auszuweichen, wie immer gutes Training für die Trittsicherheit. An einer erneuten Abzweigung bremsten wir wieder und parierten sie in einen lockeren Trab, bis wir am Waldrand ankamen. Dort gab es einen Trampelpfad dem Waldrand entlang, der schön kühl im Schatten lag. Neben uns erstreckte sich in saftigem Grün die grosse Galoppwiese. Paint fing schon an zu zappeln und auch Pina wollte anscheinend lossprinten. Ich wartete auf das Okay meines Mannes und liess sie dann gehen. Wir rasten am Waldrand entlang und genossen die Kühle Briese, die durch den ‚Fahrtwind‘ noch verstärkt wurde. Am Ende des Weges liessen sich die beiden ohne Probleme wieder durchparieren; ein Zeichen dass sie in Sachen Gehorsamkeit schon Fortschritte machten. Ich und Pina hatten das kleine Rennen selbstverständlich gewonnen. War ja klar. Aber knapp. Ich zog meinen Mann natürlich trotzdem den ganzen Weg zurück damit auf, was als Spass gemeint war und von ihm auch so verstanden wurde. Als wir die Pferde versorgt hatten rächte er sich dann, indem er mich von hinten packte und auskitzelte. Solche kleinen Unsinnigkeiten waren bei uns eben an der Tagesordnung. Ich packte nach dem Mittagessen meine restlichen Sachen zusammen und lief dann zu Pilots Box. Ich holte ihn raus, putzte ihn gründlich und longierte ihn anschliessend eine halbe Stunde. Danach durfte er noch auf die Weide. Als letztes holte ich noch Bella von der Weide und ging mit ihr Ausreiten, dann holte ich Moon in den Stall und machte sie transportfertig. Um drei Uhr verlud ich sie und verabschiedete mich von meinem Mann, der mir noch geholfen hatte den Pass und die restlichen wichtigen Formulare für Moon zu finden. Ich stieg ein und Jacky hüpfte auf die Rückbank, wo ich sie in eine gesicherte Transportbox schickte. Dann machte ich mich auf den Weg zum Flughafen in Birmingham, der nächstgrossen Stadt. Wir hatten bloss eine halbe Stunde, wir hatten auch Glück mit dem Verkehr. Beim Flughafen angekommen meldete ich mich beim Flughafenpersonal, die mir den Weg zur Tierverladestelle zeigten. Ich fuhr mit dem Anhänger soweit ich konnte und parkierte dann auf einem kleinen Parkplatz vor einer der grossen Hallen. Draussen stand das Flugzeug schon bereit. Ich öffnete die Klappe des Anhängers und hängte die Stange hinten aus, dann betrat ich den Anhänger durch die kleine Seitentur vorne. Ich beruhigte Moon, die durch den ganzen Lärm ziemlich aufgeregt war. Sie wieherte schrill, und als keine Antwort kam begann sie zu zappeln. Ich hielt ihr eine Karotte hin, aber sie wollte sie nicht. Ich stiess einen leisen Seufzer aus und löste den Strick vorne. Dann lief ich vorsichtig mit ihr rückwärts aus dem Anhänger. Draussen beruhigte sie sich etwas, sah aber immer noch aufgeregt umher. Ich erinnerte sie mit einem leichten Klaps auf die Schulter daran, dass ich auch noch da war und sie mich nicht überrennen sollte. Schon kam uns Moons Flugbegleiter entgegen, ein junger Herr mit dunklen Haaren. Er sah sich kurz die Papiere an, dann hakte er Moon auf einer Liste ab und ich übergab ihm den Führstrick. Wir liefen zügig auf eine Art Container zu, dessen inneres in provisorische Boxen umgebaut worden war. Ich kontrollierte noch einmal, ob Moons Transportgamaschen auch fest sassen und rückte ihr Lammfellhalfter zurecht, dann wurde sie hineingeführt. Sie zögerte zunächst, als ich aber nebendran mitlief folgte sie dem Fremden in den Container. Ich verabschiedete mich, ein wenig besorgt war ich schon. Wie würde die Criollo-Stute ganz alleine im Dunkeln reagieren? Ob sie wohl bemerkte, dass sie Flog? Nun war noch Jacky an der Reihe. Ich hatte sie bewusst noch im Auto gelassen, damit sie nicht wild herumwuselte und am Ende noch von Moon getreten wurde. Ich übergab die Hündin mitsamt der Transportbox einer Dame vom Personal, die auch bei ihr kurz die Papiere ansah und sie dann zu den anderen Hunden brachte. Ich machte mich nun ebenfalls auf dem Weg zu meinem Flugzeug, das allerdings erst eine Stunde später abfliegen würde. Zuerst parkierte ich das Auto und den Anhänger um, dann brachte ich meine Reisetasche zur Gepäckabgabe. Ich hatte nur das Nötigste dabei, alles was man für einen längeren Wanderausritt so brauchte. Von der Aussichtsplattform aus beobachtete ich, wie weitere Pferde verladen wurden, dann wurde der Container von einem kleinen Transportfahrzeug abgeholt und zum Flugzeug gebracht. „Bis später Moon“ murmelte ich, und bestellte mir einen Schwarztee in einem der Flughafen Restaurants. Ich sass gerade neben einem Fenster und konnte so den Abflug des Transportflugzeugs beobachten. Alles klappte reibungslos und das Flugzeug hob in Richtung München ab. Ich las noch ein bisschen Zeitung, die ‚Birmingham Mail‘. Ich las unter anderem, dass ein Stinktier einen Schönheitswettbewerb gewonnen hatte und musste schmunzeln. Da ertönte auch schon die Ansage, dass das Boarding für meinen Flug eröffnet war. Ich trank meinen Tee aus und machte mich auf den Weg zum Boarding. Ich zeigte mein Ticket und lief den Gang entlang zum Flugzeug. Dort setzte ich mich in Reihe 17 auf die Fensterseite. Wenig später setzte sich noch eine etwas ältere Frau neben mich, die von einer seltsam duftenden Parfum Wolke umgeben war. Ich atmete nur so viel wie nötig war und sah weiter aus dem Fenster gerade hob ein weiteres Flugzeug ab. Flugangst hatte ich keine. Im Gegenteil: ich freute mich darauf, hoch in der Luft über den Wolken zu fliegen. Schade, dass Moon davon nichts mitbekam. Oder vielleicht auch besser so, sonst hätte sie wohl den ganzen Container auseinandergenommen. Nun setzte sich auch unser Flugzeug in Bewegung und fuhr langsam auf die Rollbahn. Alle Passagiere schnallten sich an und eine freundliche Frauenstimme begrüsste uns im Flugzeug. „…please read the safety instructions carefully…“ mehr verstand ich nicht, ich war zu abgelenkt, denn gleich würde das Flugzeug beschleunigen. Das tat es auch. Und kurze Zeit später waren wir auch schon in der Luft. Ich genoss den Flug und freute mich schon auf München und auf den Ausritt.
      Die Landung verlief Problemlos und ich fand auch mein Gepäck schnell wieder. Von weitem sah ich das Transportflugzeug, in dem sich Moon befinden musste. Aber ich würde sie erst morgen holen können, denn sie musste zuerst noch ein paar Quarantäneuntersuchungen über sich ergehen lassen. Für die Nacht konnte ich bei einem alten Freund aus Wolfratshausen übernachten, bevor er mich am nächsten Tag wieder zum Flughafen und anschliessend mit Moon und Jacky zu Morrigans Hof brachte. Er war Bauer, deshalb hatte er einen Viehtransporter, in dem Moon mitfahren durfte. Dort angekommen bedankte ich mich und lud Moon aus. Ich sattelte sie, damit ich den Sattel nicht tragen musste, und legte ihr ausserdem die Reisetasche über den Sattel. Nun liefen wir die letzten paar Meter zu Hof.
      8 Aug. 2013

      Der Bericht

      Es war Abend und ich hatte es mir gerade draussen auf der Hängematte bequem gemacht, bereit mein Erdbeer-Frappé zu schlürfen. Da kam Lily vom Nebenstall her angelaufen. "Guten Abend, ich dachte ich komm noch kurz vorbei und sag gute Nacht." Sie lächelte mir mit diesen Worten freundlich entgegen. "Das ist aber lieb. Musst du denn gleich gehen, oder bleibst du noch etwas hier?", erwiderte ich und stellte den Becher beiseite. "Nö, ich hab's nicht eilig.", kam die Antwort. Ich schlug vor, dass sie neben mir auf die Hängematte kommen solle und mir vom heutigen Tag erzählen könne. "Also gut", fing sie an und liess sich neben mir nieder. "Wie jeden Morgen haben wir zuerst alle hungrigen Mäuler gestopft. Dann habe ich Peace rausgenommen und mit ihm ein wenig Gelände Training gemacht. Währenddessen haben Lewis, Jonas, Lisa und Quinn mit Summer, Flint, Moon und Shadow auf dem Platz trainiert. Anschliessend haben wir die Hengste auf die Weiden gebracht, wie immer diejenigen zusammen, die auf der Liste standen. Die Stuten durften am Nachmittag raus. Die Mini Stuten haben wir ausserdem wieder freilaufen lassen. Nach dem Misten hab ich mir Pilot geschnappt und Oliver Sun; wir sind mit den beiden rausgegangen. Ich glaube Rosie hat in der Zwischenzeit mit Dream gearbeitet, ich weiss aber nicht was. Ach ja, Lewis hat zusammen mit Quinn Silver und Bella longiert. Nach dem Mittag bin ich nochmal raus gegangen, diesmal mit Ocean. Rosie ist mit Islah mitgekommen. Das ging ziemlich gut, Islah hat nur einmal bei der Brücke ein bisschen gezickt." "Ach ja, das kennen wir ja", unterbrach ich sie und rollte mit den Augen. "Jaaa, immer an derselben Stelle... Aber irgendwann kurieren wir auch das noch." "Und wie macht sich Bandit?", wollte ich wissen. "Ahh der Neue, ja, der ist ganz brav. Hat sich gegen Abend ohne Probleme von Jonas longieren lassen und am Schluss ist er mit ihm um die Galoppbahn geritten." "Das ist ja toll! Hatte er nicht Angst vor den Tannen?" "Ja, aber jetzt nicht mehr. Er ist brav wie ein Lamm. Vorhin hab ich noch Oliver und Lisa mit Donut und Anubis auf dem Platz gesehen. Schau, das Licht brennt noch." "Ahh ja", antwortete ich und beobachtete die beiden kurz. Lilys stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Und wie war der Distanzritt?" "Toll, wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich wurde mit Ronja Dritte und mein Mann mit Burggraf Fünfter." "Echt gut! Ich will unbedingt auch mal mitkommen und zuschauen. Wann geht ihr das nächste Mal?" "Erst in ein paar Monaten, ich weiss das Datum gerade nicht. Aber ich sag's dir morgen.", antwortete ich. "Gut." Sie sah auf die Armbanduhr und meinte dann "Ich muss jetzt leider los, bis morgen also." Ich verabschiedete mich und schlürfte mein Frappé fertig. Es war ein herrlicher Abend.
      5 Okt. 2013

      Moon Kiddy - Routineuntersuchung, Entwurmen
      By Stelli
      Nachdem ich bei meiner vorherigen Kundin fertig war, fuhr ich direkt weiter zu meiner nächsten Auftragsgeberin Occulta. Ich parkte in der Nähe des Stalls, stieg aus und wurde sofort von der netten Hofbesitzerin begrüßt. Nachdem ich meine Utensilien eingepackt hatte gings in den Stall. Dort war bereits das wunderschöne Pferd Spotted Timeout angebunden. Ich war begeistert von dem wundervollen Vollblut und machte mich direkt ans Werk. Zuerst nach ihm ich die Temperatur des Tieres, welche im völligen Normbereich lag. Zunächst griff ich nach meinem Stethoskop und hörte Herz und Lunge gründlich ab, welche sich kräftig und gesund anhörten, was besonders wichtig für Rennpferde war. Anschließend nahm ich die Anzahl der Atemzüge und der Pulsschläge. Hier war alles regelmäßig und die Atemzüge ruhig. Weiter gings mit der Kontrolle der Augen. Der verschmuste Hengst ließ sich brav die Augen ansehen und hielt vorbildlich still. "Braver Junge", flüsterte ich ihm zu und streichelte über seinen Hals als ich zum Maul überging. Sein Zahnfleisch hatte eine gesunde Färbung und sonst konnte ich keine Schwellung und Verletzungen sehen. Nun fing ich an, Gelenke und Knochen des Schecken abzutasten. Nichts war heiß oder dick und auch der Rücken war unempfinflich. Beim Vortraben bestätigte sich mein erstes Bild, der Hengst bewegte sich fleißig und gleichmäßig. Somit war ich voerst sehr zufrieden. Nun musste ich noch schnell Blut des Blüters abnehmen, um auch innere Befunde ausschließen zu können. Schnell hatte er den unangenehmen Teil hinter sich und bekam noch schnell die Paste der Wurmkur ins Maul, bevor er zurück in seine Box konnte. Occulta kam mit einem neuen Pferd im Schlepptau zu mir zurück. Co Pilot de la Bryère, ein alter Bekannter aus Alyssas ehemaliger Zucht. Ich begrüßte den Hengst und machte mich mit ihm vertraut bevor ich anfing. Er war schon etwas vorsichtiger als Spottet Timeout, deswegen ging ich umso behutsamer vor. Auch hier begann ich mit der Abnahme der Temperatur und machte mit Abhören von Herz und Lunge weiter. Hier war alles im grünen Bereich, ebenso wie Puls und Atemfrequenz. Die Augen den Trakehners waren klar, die Mundschleimhaut schön rosa und ohne Wunden. Dannach prüfte ich Knochen und die Gelenke des Dressur- und Springpferdes sowie den Rücken und andere sensible Stellen des Pferdes. Anschließend betrachtete ich noch das Gangbild des Hengstes und konnte nichts auffälliges feststellen. Zu guter letzt musste ich Co Pilot allerdings noch Blut abnehmen. Mein Patient wurde etwas zögerlich, als ich mit den Alkoholtupfern kam und seine Halsvene reinigte. Occulta beruhigte ihn sorgsam, während ich behutsam die Nadel in die Vene schob und das Blut in meine Röhrchen auffing. Occulta schob ihrem Pferd ein Leckerli zu, nachdem ich die gebrauchte Nadel in den Müll schmiss und das Blut zu dem von Spotted Timeout in die Kühlbox im Auto brachte. Doch bevor der Trakehner zurück in den Stall durfte, musste er noch die bittere Wurmkur bekommen, was ihm erst überhaupt nicht passte. Occulta verhinderte, das er sie wieder ausspuckte, bevor sie ihn zurück in seine Box brachte. Wir machten weiter mit Moon Kiddy, einer freundlich wirkenden Criollostute. Neugierig betrachtete sie mich, ließ mich aber während meiner beginnenden Behandlung nicht aus den Augen. Temperatur, Herztöne und Atmung waren super und ich machte mit den Augen und dem Maul weiter. Moon Kiddy hatte schöne, klare Augen und keinerlei auffällige Symptome was das Zahnfleisch betraf. Ihr Fell glänzte, und auch als ich ihre Beine und den Rücken abtastete konnte ich keine Hautveränderungen, so wie geschwollene Gelenke oder anderes feststellen. Nun ließ ich sie draußen vor dem Stall vortraben, sowohl grade Strecken als auch enge Wendungen. Moon Kiddy lief gleichmäßig und klar. Ich rief meine Kundin zu mir, denn nun war die Blutabnahme dran. Vorschriftsgemäß reinigte ich die Halsvene und legte schnell die Kanüle, um das Blut aufzufangen. Die Stute legte beim Stechen kurz die Ohren an und hob leicht den Kopf, war aber sonst brav und hielt schön still. Nachdem ich genug gesammelt hatte, zog ich die Nadel heraus und brachte das Blut ins Auto. Jetzt bekam sie nurnoch die bestellte Wurmkur, die ich ihr oral ins Maul abgab. Angewidert nahm sie die Wurmkur an und folgte ihrer Besitzerin mürrisch in den Stall zurück. Der letzte Kandidat auf diesem Hof war Numair, ein optisch sehr auffallendes Pferd. Der Araappaloosa begutachtete mich kritisch während ich anfing, ihn zu untersuchen. Er war nicht einfach und legte allein bei dem Messen der Temperatur die Ohren an. Occulta tadelte mit ihm, während ich zu Herz und Lunge übergehen konnte. Auch hier schien alles in Ordnung, die Anzahl der Atemzüge waren im Normbereich, das Herz schlug kräftig und gleichmäßig und es waren keine raschelnden Geräusche zu hören. Vorsichtig sah ich mir die Augen des temperamentvollen Hengstes an, der das nicht ganz so prickelnd fand und versuchte, den Kopf wegzudrehen. Bei der Untersuchung des Mauls war es aber schon etwas einfacher. Als ich nichts entdecken konnte ging ich zum Abtasten von Rücken und Beinen übergehen. Auch hier war nichts schmerzhaft oder verändert. Das Gangbild des Schecken bestätigte es nochmal. Occulta hatte alle Mühe, den temperamentvollen Hengst unter Kontrolle zu haben, als sie gradeaus traben sollte. Nun musste ich allerdings noch Blut abnehmen. Mit einem getränktem Tupfer desinfizierte ich den Bereich um die Halsvene von Numair und legte fix die Kanüle. In diesem Moment zuckte der Araappaloosa ziemlich und war überhaupt nicht erfreut über diesen Teil der Behandlung. Der Hengst konnte sich glücklicherweise nicht stark bewegen, da wir dicht an der Stallwand standen. Als ich genug Blut hatte, zog ich die Nadel heraus und lobte den schwierigen Hengst, der offenbar keinen guten Tag erwischt hatte. Die Wurmkur begünstigte das auch nicht wirklich, nur widerwillig nahm er die Wurmkur. Nun war auch dieses Pferd versorgt und ich war fertig bei Occulta. Schnell nahm ich noch Kotproben aus den Boxen der behandelten Pferde bevor ich mich von meiner Kundin verabschiedete. Ich fuhr direkt ins Labor um das Blut auszuwerten. Bei zwei meiner Patienten, Moon Kiddy und Spotted Timeout war das Blutbild tadellos, Co Pilot hatte einen leichten Selenmangel und Mumair einen ebenso leichten Magnesiummangel. Ich teilte Occulta die Ergebnisse mit und würde ihr morgen eine Selen- und Magnesiumkur an den Hof bringen, die sie den Pferden einmal durchfüttern sollte. Sonst waren aber alle Pferde in einem optimalen, sehr gepflegten Zustand. 65

      Spass-Schnee-Turnier

      Heute war mal wieder ein etwas besonderer Tag, denn wir durften nicht nur einen Neuankömmling begrüssen, sondern auch gleich noch ein ganzes Turnier organisieren! Zugegeben, es war kein grossartiger Spring- oder Dressurevent, aber ‚ein bisschen Spass muss sein‘ zählt doch sicherlich auch. Wir waren alle schon emsig am Vorbereiten, denn der Schnee musste präpariert werden, sodass die Pferde anständig darauf laufen konnten. Immerhin war der ganze Platz zugeschneit! Gebaut wurden unter anderem zwei Hindernisse ganz aus Schnee, eine Schneebar für die Zuschauer, ein Posten, bei dem man Schneebälle an eine Zielscheibe werfen musste, ein kleiner Schneetunnel (der mit Abstand am aufwändigsten war, da er hoch genug für Ross und Reiter sein musste) und ein stinknormaler Flattervorhang. Weitere Posten waren ausserdem ‚der Tee-Express‘ und das Schlitten Ziehen. Bei letzterem wurden zur Sicherheit schnell reissende Seile verwendet, was gleichzeitig eine erschwerte Bedingung darstellte. Ich half Lewis gerade mit dem Bau des Schneetunnels. Wir durften die Decke nicht zu dick machen, wegen der Einsturzgefahr, also war es umso schwieriger die Konstruktion stabil zu bauen. Der Tunnel war am Ende gerade so hoch, dass ein Reiter auf einem mittelgrossen Pferd leicht geduckt hindurchreiten konnte. Meine Handschuhe waren bereits durchnässt, doch ich musste noch weiter um beim ‚Tee-Express‘ zu helfen. Dort mussten die Teilnehmer eine Tasse warmen Tee durch einen Slalom transportieren und dann in einen Messbecher kippen. Anschliessend wurde gemessen, wie viele Zentiliter Tee das Ziel erreicht hatten. Der Parcours war recht anspruchsvoll, aber bei den jüngeren Teilnehmern wollten wir die Bewertung entsprechend milder vornehmen. Um halb Zwölf fingen wir an die Pferde zu putzen, damit wir nach dem Mittag gleich mit dem Einwärmen anfangen konnten. Das Turnier sollte um halb Zwei starten. Ich nahm mit Pilot Teil, den ich zuerst noch zusammen mit den anderen von der Weide holen musste. Sein wunderschönes, schwarz geflecktes Fell war ordentlich dreckig. Er hatte seinen Weidegang offensichtlich genossen. Wir riefen den Pferden vom Tor aus, worauf sie gleich angetrabt kamen. Die anderen gaben mir ein Zeichen, dass der Weg zum Stall abgegrenzt war, also konnte ich den Zaun öffnen und die Hengste strömten nach draussen in Richtung Nebenstall. Sie fanden ihre Boxen selber, denn dort wartete Frisches Heu für alle. Nur die Neueren, Filou und Dod, vertauschten ihre Boxen ausversehen. Wir brachten sie kurzerhand in die jeweils Richtige, dann wurde ich durch einen Anruf unterbrochen. Es war Jack, der gerade mit dem Anhänger auf der Autobahn war, um die neue Vollblutstute abzuholen. „Hey Schatz, wir haben Stau hier, es wird wohl etwas später als geplant, aber ich sollte vor vier Uhr zurück sein.“ Ich seufzte und verabschiedete mich dann, ehe ich die Putzbox von Pilot aus der Kammer holte. Sein Fell war zum Glück nicht sehr schmutzig, wir hatten ihn schon am Vortag hübsch gemacht. Aber besonders die Beine musste ich nochmals putzen. Immer wenn ich an Dancer, der hinter Pilot angebunden war, vorbeilief, um etwas aus der Sattelkammer zu holen, wurde ich von dem frechen Hengst in die Seite gestupst. Zweimal war ich jedoch gefasst und stupste zurück, mitten auf die Nüstern. Als ich fertig war, zeigte die Stalluhr bereits auf die Zwölf und auch die anderen schienen Fertig zu sein. Ich klatschte in die Hände und rief alle zum Mittagessen zusammen, das Lily grosszügigerweise vorbereitet hatte. Es waren zwar nur Sandwiches, aber es würde am Abend dafür ein Festmal geben. Ich würgte mein Sandwich hinunter und zäumte dann Pilot. Wir gingen in die Halle zum Einwärmen, dort herrschte bereits Hochbetrieb. Viele bunte Pferde und Reiter in schöner Turnierkleidung wuselten durcheinander; wir hatten darauf bestanden, dass jeder angemessen gekleidet kommen sollte, trotz dem es nur ein Spassturnier war. Ich ritt zuerst zusammen mit Rosie und Peace im Schritt. Draussen fielen ein paar kleine Schneeflöckchen und ein Rotbrüstchen hüpfte vor der Fensterseite der Halle im Schnee. Ich entfernte die Fleecedecke und Trabte mit Pilot durch die vielen Teilnehmer hindurch, was gar nicht so leicht war. Er war etwas aufgedreht durch die vielen Fremden, was auch gut verständlich war. Offenbar war ich nicht die einzige, die Mühe mit der Konzentration ihres Vierbeiners hatte, denn etwas weiter hinten in der Halle bewies Islah wiedermal ihre Bockkünste. Als Ajith, der wohl wiedermal Pech beim Pferdeauslosen gehabt hatte, sogar runterfiel, ritt ich zu den beiden hinüber, während Lewis schon von Vychahr’s Rücken runtergehüpft und ihm zu Hilfe geeilt war. „Alles in Ordnung?“, fragte ich etwas teilnahmslos, da mir gerade aufgefallen war, wie schön Numair unter Jonas lief. „I’m fine“, murmelte Ajith, aus meinen Gendanken gerissen blickte ich ihn wieder an und sah, dass er sehr schwankend aufstand. „Are you sure? I don’t want to see you fall down again…“ meinte ich ernst, und beobachtete den jungen Pfleger noch ein Weilchen skeptisch, ehe ich es Lewis überliess, sich um ihn zu kümmern. Pünktlich um zehn vor Eins war ich an der Reihe, bisher klappte also alles reibungslos. Ich sah gerade noch Lisa auf Bandit vom Platz reiten, dann konzentrierte ich mich vollständig auf die erste Aufgabe, dem ‚Tee-Express‘. Als ich die Tasse in die Hand nahm, drang der wundervolle Duft von warmem Früchtetee in meine Nase. Er war extra nicht zu heiss, dass sich das Pferd beim Verschütten nicht verletzen konnte. Zu gerne hätte ich einen Schluck riskiert, doch ich zwang mich, der Versuchung zu widerstehen und den Slalom im Trab zu meistern. Ich verschüttete leider gleich in der ersten Wendung eine ordentliche Portion, was nicht gerade ein vielversprechender Start war. Egal – weiter ging es zum ersten Schneehindernis, das Pilot locker übersprang. Ich musste ihn danach in seinem Eifer bremsen, sonst hätten wir den Schneetunnel verpasst. Auch dort ging er sauber hindurch. Dann ritt ich vorbei an der Schneebar zum Schneeballwerfen. Ich warf zwei Bälle, traf aber beim ersten mal die Scheibe gar nicht erst und beim zweiten Versuch bloss den äussersten Ring. Da hörte ich eine Vertraute Stimme lachen; es war Oliver, der ganz vorne im Publikum stand und sich köstlich über meine Trefferquote amüsierte. Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, meinte er schelmisch „Da würde sogar Jackie besser treffen!“, und hob die Hündin, auf die er aufpassen musste, grinsend hoch. Na warte – dachte ich, schnappte mir den dritten Ball und traf in seinen Nacken. „Ups“, lachte ich, dann ritt ich weiter. Einen Punkt hatte ich so zwar verspielt, aber es hatte sich durchaus gelohnt. Nun kam ich zum Flattervorhang, der für Pilot kein Hindernis war, der Schneewall dahinter jedoch schon, denn dies war gleich die zweite Schneehürde. Nur noch zum Schlittenziehen – dachte ich, und trabte zu dem alten Holzschlitten. Ich nahm das Seilende im vorbeireiten vom Pfosten, denn ich musste dringend Zeit aufholen. Pilot erschrak etwas, als er den plötzlichen Widerstand spürte, doch ich hielt ihn erfolgreich und manövrierte ihn durch die Zielstangen. Wir waren recht langsam gewesen im Vergleich zu Elliot und Silver, die beiden lagen bisher an der Spitze. Ich klopfte Pilot trotzdem stolz den Hals und verliess den Platz. Kaum war ich auf dem Weg zur Galoppbahn, wo ich ihn noch ein wenig trockenreiten wollte, kam auch schon die Antwort von Oliver geflogen, sie traf mich an die Schulter. „Hey!“, lachte ich und trabte auf ihn zu, sodass Pilot ihn zur Strafe abschlabbern konnte, war er auch tat. Der Hengst mochte es, seine Schnauze ins Gesicht der Zweibeiner zu drücken. Es endete damit, dass Oliver uns begleitete, um seine „müden Knochen etwas zu bewegen“. Zurück im Stall brachte ich Pilot noch etwas Heu, wobei ich unterwegs auch Ocean etwas durch die Gitter stopfen musste, denn dem süssen Röcheln der Stute konnte ich nicht wiederstehen. Dann lief ich zum Platz zurück, um den Durchgang von Quinn und Ronja nicht zu verpassen. Die beiden waren echt gut, leider wollte Ronja beim ersten mal nicht durch den Tunnel laufen. Am ende gewann eine nette junge Dame aus dem Nachbardorf mit ihrem Knabstrupper Wallach. Die beiden hatten fast alles im Galopp gemeistert und das auch noch Fehlerfrei. Ich gratulierte ihnen herzlich. Auf dem zweiten Platz war die kleine Schwester von Elliot gelandet, die auf White Dream hatte teilnehmen dürfen. Ich war stolz auf die Schimmelstute und Elliot auf seine Schwester. Nach dem Turnier begannen wir mit dem Aufräumen. Als ich endlich das lang ersehnte Rufen von Jack vernahm, der gerade die Klappe des Anhängers öffnete, rannte ich gleich hin um die Stute zu begrüssen. Sie hiess Sumerian und kam von einem hübschen kleinen Hof in der Nähe von Manchester. Sie sah noch etwas dürr und schlaksig aus, was aber nicht weiter von Bedeutung war, wenn man ihre schönen Gänge und die klaren Augen sah. Ich brachte sie gleich in den Hauptstall (nachdem ich Jack einen Kuss auf die Backe gegeben hatte), damit sie durch die Aufräumarbeiten nicht gestresst wurde. Sie machte sich direkt über das frische Heu her, hob aber ab und zu wieder aufgeregt den Kopf in die Höhe und drehte eine Runde in der Box. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich wieder zu den anderen, um zu helfen. Als wir fertig waren mussten noch einige Pferde versorgt werden, ehe wir Feierabend hatten. Zum einen waren das die Vollblüter, die heute etwas vernachlässigt worden waren, und zum anderen die vier übrigen Pferde aus dem Nebenstall, die nicht am Turnier teilgenommen hatten. Ich führte also wenig später Lila auf den Platz, nachdem ich ihren dicken Schweif endlich entwirrt hatte. Ich wollte etwas Bodenarbeit mit der Stute machen. Ich liess sie am langen Seil hinter mir her laufen und stoppte zwischendurch, um zu sehen, ob sie aufmerksam war. Ich übte auch ein paar Seitengänge und das Tölten an der Hand. Lange waren wir nicht ungestört, denn nach rund zwanzig Minuten kamen Lily, Lewis und Rosie auf den Platz geritten und wollten mich ins Gelände entführen. Ich willigte ein und schwang mich ohne Sattel auf Lilas Rücken. Wir ritten in Richtung der Galoppwiese, wo wir sogar einen Schneegalopp wagten. Ich fasste dabei Lilas Mähne, damit ich bei ihren kurzen Galoppsprüngen nicht das Gleichgewicht verlor. Rosie war auf Dod mitgekommen, Lily hatte Moon und Lewis Baccardi. Zurück auf dem Hof beobachtete ich die Jockeys beim Training, dann half ich Jack und Elliot mit dem Abendessen. Wir genossen den Abend mit allen Pflegern im Wohnzimmer, ein guter Film durfte natürlich auch nicht fehlen.
      1 März 2014

      Ferien in Cannes, FR

      „Jaa-ack, hast du meine Schwimmbrille irgendwo gesehen?“ „Ja Schatz, die ist schon im Koffer.“ Ich seufzte erleichtert und wandte mich wieder dem kleinen Rucksack zu, den wir als Handgepäck mitnehmen würden. Jack und ich hatten schon vor einem halben Jahr unsere diesjährigen Ferien geplant und uns nach schönen Hotels umgesehen, wir waren schliesslich in Cannes fündig geworden, an der Mittelmeerküste Frankreichs. Die Pfleger und meine Cousine Rachel, die extra aus Wales angereist war, würden zwei Wochen auf den Hof aufpassen. Gerade fiel mir noch ein, die Sonnencreme einzupacken, dann hüpfte ich die Treppe runter zu Jack, der bereits den grossen Koffer in die Küche gehievt hatte. Wir würden in zwei Stunden fahren, denn der Flieger startete um halb neun abends. Ich rief im vorbeilaufen: „Ich geh noch schnell ne Runde mit Moon auf den Platz!“ und lief zügig zum Nebenstall. Ich wollte die Zeit mit meinen Pferden noch geniessen, ehe ich zwei Wochen weg sein würde. Ich schnappte mir ein Knotenhalfter und einen Baumwollzügel und lief zu ihrer Box. Die braune Stute röchelte mir schon entgegen und ich streichelte liebevoll ihre weiche Schnauze. Sie liess sich das Halfter wie immer problemlos überstreifen. Ich führte sie raus und band sie am Holzgeländer unter dem Vordach des Nebenstalls an. Sie liess ihren Blick in die Ferne schweifen und beobachtete Lewis, der mit Narnia und Daki auf dem Dressurplatz Zirkustricks übte. Ich bürstete die eleganten, schwarzen Beine und kämmte das wuschelige Langhaar, wozu ich mindestens zehn Minuten benötigte. Dann löste ich das Zügelende, mit dem ich sie festgebunden hatte und hängte es auf der anderen Seite des Knotenhalfters ein. Ich führte Moon auf die andere Seite des Holzgeländers und stieg dort mit Hilfe des erhöhten Betonplatzes auf. Dazu musste ich Schwung holen und mich dann an der langen Mähne hochziehen. Moon wartete brav, bis ich zurecht gerutscht war und die Zügel aufgenommen hatte, dann ritt ich sie zur Galoppbahn. Die Tannen rauschten in der feinen Briese, die durch ihre Zweige kitzelte und ich genoss das ruhige, regelmässige Aufschlagen der Hufe auf den Holzschnitzeln. Nach einer Weile trabte ich Moon an. Es war nicht schwer, sich auf dem Rücken auszubalancieren, denn die Stute war ja nicht ein Weltklasse Dressurpferd mit schwungvollen Gängen, sondern ein kleiner Allrounder mit fleissigem Schritt. Sie machte den Hals schön rund und bog die kleinen Ohren ab und zu prüfend nach hinten. Einmal flatterte eine wilde Taube auf, als wir an den Büschen neben dem Haupthaus vorbei kamen. Doch Moon kümmerte dies nicht im Geringsten; die trabte im selben Takt weiter und richtete nur kurz die Ohren zur Seite. Schliesslich galoppierte ich auch einige Runden, was uns beiden grossen Spass bereitete. Die Stute gab ordentlich Gas, doch ich konnte mich gut oben halten und sie liess sich rasch wieder in den Trab parieren. So flitzten wir unter den Tannenästen hindurch. Die Stämme links und rechts von mir verschwommen und in der Ferne konnte ich erkennen, dass die Sonne schon sehr tief stand. Es wurde nun auch etwas kühler, besonders mit dem Luftzug vom Galoppieren. Ich hatte nur ein graues Trägertop und kurze Hosen an, weshalb ich schliesslich von den Weiden her zum Stall zurück trabte. Beim Nebenstall erwartete mich bereits Jonas, der mit der Futter-Schubkarre den Weg überquerte und stehen blieb, um mich lächelnd zu begrüssen. Ich trabte mit Moon bis kurz vor ihn und liess mich dann von ihrem Rücken gleiten. Sie rieb den Kopf an meinem Rücken, während ich mit Jonas plauderte.
      „Du gehst in Kürze, nicht wahr?“, fragte er mich beiläufig und rückte einen der Futtereimer gerade.
      „Jap, in Frankreich soll sogar die ganze nächste Woche über schönes Wetter sein. Das heisst, ich werde viel baden können“, meinte ich grinsend. „Soll ich dir irgendein Souvenir mitbringen um dich eifersüchtig zu machen?“
      Er überlegte kurz und meinte dann: „Eine Muschel. Bring mir eine schöne Muschel mit, das ist alles.“
      Ich nickte entschlossen und war erstaunt über seine Bescheidenheit. Dann verabschiedete ich mich fröhlich von ihm, doch als er ging, glaubte ich einen Funken Trauer in seinen Augen zu sehen. Nur zwei Wochen, dann können wir uns wieder über unsinnige Politische Entscheide und nervige Verwandte unterhalten, keine Angst, dachte ich und sah ihm nach, ehe ich Moon versorgte.
      „Occu, wo bleibst du?“, rief Jack schon vom Parkplatz her, doch ich war gerade noch dabei, meine Sandalen zu suchen. „Komme schon!“, rief ich, und stiess ein triumphierendes „Ha!“ aus, als ich sie endlich fand. Schnell schlüpfte ich hinein und lief dann eilig zum Auto. Jack gab mir einen Kuss ehe wir losfuhren, in unsere gemeinsamen Ferien. Etwas sehnsüchtig blickte ich nochmals nach hinten, wo die Tannen der Galoppbahn immer kleiner werdend langsam ausser Sicht gerieten. Beim Flughafen gönnten wir uns einen Tee, während wir im Restaurant auf den Flieger warteten. Endlich war es soweit: Wir konnten das Flugzeug betreten. Ich setzte mich ans Fenster, das hatten wir bereits per Schere-Stein-Papier so ausgemacht, und sah gespannt zu, wie der Pilot auf die Rollbahn zusteuerte. Die Schwerkraft zog ein letztes Mal verstärkt an unseren Knochen, dann waren wir in der Luft und genossen die Aussicht auf das immer kleiner werdende England. Als wir über Birmingham flogen, glaubte Jack Pineforest Stable zu erkennen, doch es konnte auch nur Einbildung sein. Der Flug dauerte nicht lange und bald waren wir in unserem Hotel in Cannes angelangt, mittlerweile war es jedoch dunkel. Die Lichter der Stadt liessen alles farbig leuchten und die fremdartigen Geräusche benebelten meine Sinne und machten mich schläfrig. Wir liessen es uns dennoch nicht nehmen, noch am selben Abend ein wenig an der Strandpromenade entlang zu schlendern und das sanfte Rauschen des Meeres auf unsere Ohren einwirken zu lassen. Ich fand auch schon die erste Muschel, eine hübsche rötliche, mit feinen Rillen. Sorgfältig hob ich sie auf und musterte sie genauer. Auf der rauen Oberfläche hatten sich einige Sandkörner verfangen, doch auf der Innenseite war sie vollkommen glatt und weiss. Sie war am Rand ein klein wenig angebrochen, doch der Riss, der sich quer über die Rillen zog gab ihr ein spezielles, spannendes Aussehen. Ich bemerkte, dass Jack weitergelaufen war und liess die Muschel rasch in meine Tasche gleiten, um ihm hinterherzueilen. In meinen Gedanken war ich einen Moment bei Jonas und erinnerte mich an unser Gespräch. Über diese Muschel wird er sich bestimmt freuen, dachte ich und genoss bei jedem Schritt den kühlen Sand zwischen meinen Zehen.

      Am nächsten Morgen waren wir schon früh unterwegs. Ich war schliesslich eine begeisterte Frühaufsteherin und wachte auch ohne Wecker pünktlich bei Sonnenaufgang auf, Jack hingegen war manchmal eher ein Morgenmuffel. Wir nahmen den Bus in eine kleinere Ortschaft etwas mehr landeinwärts und wanderten auf steinigen Pfaden durch die trockene Landschaft. Hinter einem kleinen Wäldchen fanden wir eine Ranch, jedenfalls sah es ganz danach aus. Einige eingezäunte Grünflächen und zwei, drei kleine Ziegelsteingebäude liessen mich neugierig werden. Denn dort tummelten sich kleine Pferdchen, die mir angenehm vertraut vorkamen.
      „Sieh mal Jack! Miniature Horses! Ob das ein kleines Gestüt ist?“, rief ich aufgeregt.
      „Lass uns doch einfach nachsehen.“
      Wir bogen in die staubige Zufahrtsstrasse und spähten vorsichtig in das vorderste Stallgebäude. Drinnen befanden sich rund 20 etwas heruntergekommene, aber lichtdurchflutete Boxen, die allesamt leer schienen. Der Geschmack von frischem Stroh lag in der Luft und weiter hinten hörten wir eine Mistgabel über den Boden kratzen.
      „Bonjour monsieur…“ Ich versuchte, mein Schulfranzösisch wieder auszupacken, hatte es aber, so kam es mir vor, zuhause in England liegen gelassen. Zum Glück hatte ich Jack dabei, der einigermassen gut im Reden war und uns vorstellte. Tatsächlich handelte es sich um eine erfolgreiche Zucht, die jedoch eher im Privaten Rahmen betrieben wurde. Es stellte sich heraus, dass der Mann der Sohn des Besitzers sei und sein Vater im Moment am Einkaufen war. Er zeigte uns die Anlage und einige der Miniatur Pferdchen. Sie machten alle einen gesunden und ausgeglichenen Eindruck, ich war wirklich positiv überrascht. Auf einigen Weiden lag zwar etwas Müll herum (zum Beispiel ein altes Fahrrad und einige Autoreifen) doch sonst konnte ich nichts Auffälliges entdecken. Ein Mini stach mir besonders ins Auge: Eine kleine, schokofarbene Stute mit hellem Langhaar. Es gab noch ein paar weitere derartig gefärbte Pferdchen auf dieser Weide, doch sie gefiel mir von allen am besten, mit ihrer lustigen Blesse und der weichen Wuschelmähne. Auf meine Anfrage hin erklärte mir der Sohn, dass dies die dreijährigen Zuchtfohlen seien, die zum Verkauf stünden und nächste Woche auf dem Marktplatz ausgestellt werden würden. Auch Jack brauchte nicht lange, um sich in das aufgeweckte Stütchen zu verlieben. Er fragte sogar nach ihrem Preis, ehe ich ihn dazu anstiften konnte. Wir verhandelten ein wenig, bis beide Seiten zufrieden waren, dann setzten wir uns auf eine Tasse Kaffee in sein Wohnzimmer, wo wir den Kaufvertrag unterschrieben und uns über den Transport unterhielten. Das Zimmer war eher altmodisch eingerichtet, mit einem hübsch geflochtenen Korbschrank und einer abgenutzt aussehenden Holzkommode. Daneben stand auf einem runden Tischchen ein Flachbildfernseher, der irgendwie nicht in den Raum zu passen schien. Den Boden zierte ein rot gemusterter Teppich im orientalischen Stil, an den Wänden hingen Malereien von Booten und dem wellendurchsetzten Meer.
      Zurück in Cannes genossen wir den Nachmittag am Strand. Jack und ich gingen selbstverständlich auch baden, wir waren ausgesprochene Wasserratten. Die Wellen waren herrlich und das Meer salzig, ganz so wie es sein soll. Leider war die Luft so sommerlich heiss, dass wir das Wasser kaum mehr verlassen wollten, doch dies war spätestens nötig, als die meisten Leute den Strand längst verlassen hatten um das Abendessen nicht zu verpassen. Wir überwanden uns und begaben uns in Richtung Speisesaal des Hotels, wo uns ein himmlisches Buffet erwartete. Die Stimmung im Saal war heiter, alle plauderten über ihre Erlebnisse beim Wandern oder in der Stadt. Auch Jack und ich plauderten, jedoch über Pferde.
      „Ob unsere Pfleger zuhause mit Rachel klarkommen? Du weisst ja, wie sie manchmal ist.“
      „Wir sind Besitzer von rund 65 Pferden, aber du machst dir Sorgen wegen deiner Cousine?“, lachte Jack auf meine Bemerkung hin.
      „Naja, von den Pferden weiss ich ja, dass die meisten brav sind. Schliesslich habe ich sie erzogen!“
      „Stimmt, und das wirst du mit dem Schokopony auch machen“, meinte er mit liebevollem Blick.
      „Papillon… Sie wird wundervoll dazu passen.“
      „Bestimmt. Aber hey, dieser Kuchen ist einfach fantastisch!“
      Ich musste über den Themenwechsel ganz in Jacks Stil lachen und wandte mich ebenfalls wieder meinem Fruchtsalat zu, der nach dem heissen Wetter eine willkommene Erfrischung war.
      Nach dem Essen zerstreuten sich die Gäste des Hotels nach und nach in alle Himmelsrichtungen, und auch wir verkrümelten uns in Richtung Stadt. Jetzt waren die am Nachmittag stillen Gassen voller Leben und bunte Badetücher und Kleider hingen an jeder Ecke. Hin und wieder kamen wir an einem Strassenkünstler vorbei und ich blieb stehen, als ich einen kleinen Mann mit einer grossen Zahnlücke entdeckte. Um sich hatte er Gemälde aufgestapelt, die allesamt mit gelben, mit Zahlen bespickten Zettelchen versehen waren. Eines zog meinen Blick förmlich an, obwohl es halb unter dem Stapel lag. Ich zog es vorsichtig hervor, worauf der Herr (der seine Chance in meiner Geste sah) eiligst auf Hochgeschwindigkeits-Französisch die Technik und den Aufbau des Bildes erklärte. Ich liess ihn labern und betrachtete den kleinen Schatz in meinen Händen. Auf dem Bild war ein Strand bei warmer Abendstimmung zu erkennen. In der Ferne auf dem offenen Meer schaukelte ein Segelboot zwischen den sanften Wellen auf und ab und wenige flauschige Wölkchen zogen über den nach oben dunkler werdenden Himmel. Eine bläuliche Landzunge durchschnitt auf der linken Bildseite den Horizont. Fast schien mir, als könnte ich in diese wundervolle Harmonie eintauchen und alles um mich herum vergessen. Ein seltsames Gefühl der Sehnsucht überkam mich, doch ich konnte nicht erahnen, wonach mein Inneres strebte. Ich wurde unsanft in die Realität gerissen, als Jack mit drängender Stimme in mein Ohr flüsterte: „Komm weiter, es gibt noch mehr schöne Bilder da vorne.“ Ich wunderte mich über seine Eile und folgte ihm mit zügigen Schritten. Ausser Hörweite des Künstlers stellte ich ihn zur Rede. „Was war denn los eben? Ich darf mir doch wohl ein Bild ansehen!“ „Ja schon, aber diese Strassenkünstler sind allesamt Abzocker, hast du die Preise auf den Bildern gesehen? Das sind bloss billige Papierfetzen, dafür zahlt man nicht solche Summen.“ „Denkst du etwa, das wüsste ich nicht? Ich bin nicht das erste Mal im Ausland! Abgesehen davon waren es nicht ‚billige Papierfetzen‘ sondern kleine Kunstwerke! Meiner Meinung nach sind sie unbezahlbar wenn man bedenkt, dass sie von Menschenhand gefertigt wurden!“ Vielleicht war es die Müdigkeit die mich schon den ganzen Abend plagte, vielleicht auch die Auswirkungen der Hitze, jedenfalls schien dies die Zündung für eine Anspannung gewesen zu sein, die sich schon seit Monaten wie eine durchsichtige Mauer zwischen uns aufgebaut hatte. Wir wechselten den ganzen Abend kein Wort mehr ausser einem knappen ‚Nacht‘. Ich lag noch lange wach, die Müdigkeit war einer zermürbenden Ruhelosigkeit gewichen, die mich tief in meine trostlosen Gedankengänge zwang. Ich irrte herum in diesem Labyrinth aus Sorgen und Vorwürfen, bis das Licht der aufgehenden Sonne zwischen den Vorhängen hindurchschimmerte. Ich holte tief Luft und setzte meine nackten Füsse auf den Teppichboden. Dann trat ich zum Balkon und öffnete leise die Tür. Kaum hatte ich sie hinter mir zugezogen, da zerzauste mir ein befreiender Windstoss die Haare. Ich atmete durch und sah zwischen den Gebäuden aufs Meer hinaus, welches noch immer uninteressiert und mitleidslos vor sich hin rauschte. Mit einem Seufzer liess ich mich auf die Knie sinken und stützte die Arme auf den Rand der Balkonmauer, das Kinn legte ich darauf. Was Jonas jetzt wohl tut? Schlafen natürlich. Oder bereits Pferdefüttern? Wie spät ist es überhaupt? Ich sah mich instinktiv nach einer Uhr um, doch natürlich war niemand so aufmerksam gewesen, eine für mich auf dem Balkon anzubringen. Im nächsten Moment fragte ich mich, warum ich schon wieder an Jonas dachte. Schnell lenkte ich mich selbst ab und konzentrierte mich auf die Gesichter der anderen Helfer, sagte mir, dass es ganz natürlich sei, sich nach den Angestellten zu sorgen. Doch keines der Gesichter erschien mir so deutlich wie seines. „Bring mir eine schöne Muschel mit, das ist alles.“ – Wenn er wüsste, dass dies das erste gewesen ist, was ich am Strand erledigt habe… Ein Knarren liess mich zusammenzucken, es war Jack. Er setzte sich neben mich und entschuldigte sich für den vergangenen Abend. Ich verdrängte den Gedanken an meine eigene, überreizte Reaktion und umarmte ihn zum Zeichen der Vergebung. Wir genossen die folgenden Tage mehr als ich es mir erhofft hatte und kehrten am Ende mit Sonnenbrand und einem Schoko-Mini im Gepäck zurück auf den schönsten Hof in ganz England – jedenfalls war er das für mich.
      27 Juli 2014

      Having troubles or what?

      Die ganze letzte Woche über war wundervolles, aber verdammt heisses Wetter gewesen. Die Sonne strahlte auch an diesem Morgen unbarmherzig auf den rissigen Boden, als hätte sie es sich zum Ziel gemacht, auch das letzte Tröpfchen Wasser zu verdunsten. Besorgt betrachtete ich meine Topfpflanze auf dem Fenstersims, die einst saftig grün gewesen war – jedoch beruhte ihr jetziges Aussehen mehr auf meiner Faulheit als auf der Witterung. Ich seufzte leise und hüpfte die Stufen hinab in die Küche. Dort machte ich mir schnell noch ein Sandwich, ehe ich in die schwüle Mittagsluft trat. Ich beobachtete belustigt Rosie, die absichtlich von Schatten zu Schatten eilte, um ihre empfindliche Haut zu schützen. Ich musste selbst auch immer aufpassen, dass ich nicht zu einem tomatenähnlichen Etwas wurde. Ich betrat den Nebenstall, der zum Glück einigermassen kühl war und kontrollierte die Arbeit der Pfleger. Moon, Lila, Álaedis, Noir, Halluzination, Horror, Ljóski, Herkir, Bandit, Numair, Dod, Dancer und Pilot hatten allesamt duftend frisches Stroh und einen ordentlichen Haufen Heu in der Box, den sie sichtlich genossen. Ajith und Quinn hatten wie immer gute Arbeit geleistet. Ich erwischte sie dabei, wie sie im Schatten hinter dem Nebenstall ein Schokoeis genossen und gönnte es ihnen von ganzem Herzen. Ich schlich mich schnell wieder davon um sie nicht zu stören und machte mich daran, das Putzzeug von Hallu zu holen. Die hübsche Stute sah mich vorwurfsvoll an als sie bemerkte, dass ich kein Leckerli dabei hatte. Ich führte sie dennoch nach draussen um sie unter dem Dach des Nebenstalls an den Holzbalken anzubinden. Heute schien die launische Gesellin gut gelaunt, jedenfalls hob sie brav alle Hufe und war auch nicht so kitzlig wie sonst. Als Jacky angebraust kam und zwischen ihren Beinen hindurchwuselte legte sie trotzdem ein wenig die Ohren platt. Ich liess Jacky in sicherer Distanz Platz machen und hielt Ausschau nach Jack, der vom Einkaufen zurück sein musste wenn die Hündin auch wieder hier war. Tatsächlich sah ich ihn gerade noch durch die Haustür schlüpfen. Etwas enttäuscht, dass er mich nicht begrüsst hatte bürstete ich kräftig weiter. Er musste mich sicherlich gesehen haben, vielleicht kam er ja gleich wieder raus. Ich glättete Hallus Fell mit einem Lammfellhandschuh bis sie richtig schön schimmerte und holte eine Schere um die Mähne wieder ein wenig zu stutzen. Schliesslich sah sie wie ein Showpferd herausgeputzt aus und hatte den linken Hinterhuf entspannt aufgestützt. Einen leichten Schrumpelmund machte sie allerdings trotzdem noch. Das war der standard Ausdruck der Stute, egal ob zufrieden oder nicht. Ihr Beinabzeichen vorne leuchtete richtig im grellen Sonnenlicht und auch der Stern der ihre Stirn zierte wirkte noch weisser als sonst. Ich löste den schwarzen Führstrick und brachte Hallu zurück in ihre Box. Als nächstes war Noir dran, zum Arbeiten war es allerdings immer noch zu heiss. Also beschloss ich, mir ihr zum Fluss zu gehen und einen Badeausflug zu machen. Rasch hatte ich auch Lisa und Rosie mit der Idee angesteckt; Sie rannten begeistert in die Sattelkammer um ihre Badesachen zu holen (auch ich ging mich kurz umziehen), sattelten Herkir und Ljóski und folgten mir nach draussen. Die Sättel brauchten wir nicht nasszumachen, da waren wir uns einig, also schwangen wir uns im Bikini auf den blanken Pferderücken. Ich liebte es, barfuss zu reiten, denn so spürte ich Noirs weiche Fell an meinen Zehen kitzeln. Ich hielt mich etwas an ihrer dichten Mähne als wir das Ufer hinunter ritten und sie sich einen Schritt nach dem anderen ins Wasser vorarbeitete. Sie scharrte und stampfte im Wasser, sodass ich froh war, den Bikini anzuhaben. Ich trieb Noir weiter rein, Ljóski hinterher. Herkir und Lisa folgten uns nur langsam. Lisa hatte noch etwas Mühe mit dem jungen Hengst, denn er wurde erst eingeritten und kannte viele Hilfen noch gar nicht wirklich. Auch Loki war frisch eingeritten, aber immerhin schon etwas länger unter dem Sattel. Schliesslich waren wir so weit drin, dass Noir schwimmen musste. Ich klammerte mich an die nasse Mähne und achtete darauf, ihr nicht in den Weg zu kommen. Es lief alles glatt und wir genossen den Ausflug richtig.
      Als wir auf dem Rückweg waren, ertönte plötzlich ein lautes Knattern über unseren Köpfen. Erschrocken beobachteten wir ein kleines Motorflugzeug, welches bedrohlich tief über den Hof hinweg brauste und nur knapp die Tannen beim Hofeingang verfehlte. Noir scheute augenblicklich und stieg kerzengerade in die Höhe als ich sie zurückhalten wollte. Ich klammerte mich verzweifelt an den panisch hochgerissenen Hals und versuchte, mich oben zu halten. Es gelang mir knapp, ich hätte keine Sekunde länger genügend Kraft gehabt, als sie endlich einigermassen ruhig stand. Rosie, Lisa und ich wechselten kurz einen Blick um uns zu vergewissern, dass alle noch unversehrt oben sassen. Dann vergass ich das eben geschehene und galoppierte mit den anderen sofort zum Nebenstall, wo wir unsere Pferde anbanden und in Richtung Parkplatz rannten. Jack, Jonas, Ajith und Quinn standen bereits völlig entgeistert da und warteten auf uns, Quinn hatte das Mopho noch in der Hand da sie bereits die Ambulanz gerufen hatte. Gemeinsam liefen wir auf der Strasse in Richtung Westen und sahen schon von weitem die unheilverheissende, schwarze Rauchsäule aufsteigen. Das Flugzeug war auf einem der grossen Felder abgestürzt und schien zu brennen, jedenfalls sah man hin und wieder eine leuchtende Stichflamme auflodern. Gerade als ich auf das Feld abbiegen wollte um dabei zu helfen, den Piloten vielleicht noch zu retten, hielt mich Jack grob zurück und die Gruppe machte auf sein rufen hin Halt. „Ihr bleibt hier, das ist viel zu gefährlich! Jonas und ich gehen alleine nachsehen und ihr lauft der Ambulanz entgegen und zeigt ihnen den Weg!“ Zu gefählich, pha! Ich war augenblicklich sauer und wollte seine Anweisungen schon ignorieren, doch dann fiel mir ein, dass ich so die Rettung eher behindern würde. Ich wandte mich schnaubend ab und lief die Strasse weiter entlang um den Krankenwagen an der Kreuzung zu empfangen. Während ich wartete, sah ich nervös zum Flugzeugwrack und betete, dass den beiden nichts passierte. Ich sah, wie Jonas verzweifelt um das Wrack herumrannte und nach einem Zugang suchte, während Jack geradewegs auf das Cockpit zusteuerte. Plötzlich zerriss ein Ohrenbetäubender Knall das leise Knistern und Zischen in der Ferne und Flugzeugteile wurden in einer orangen Glutwolke quer über die Wiese geschleudert. Entsetzt schrie ich auf und rannte so schnell wie meine Beine mich trugen durch das hohe Gras. „JACK!! JONAS!!!“ Auch Ajith hatte sich von den anderen losgelöst und ignorierte die Rufe, die ihn zurückhalten wollten. Eine weitere kleine Explosion erfolgte, nicht so stark wie die erste aber stark genug, um mich und Ajith zur Vorsicht zu zwingen. Wir näherten uns nun langsamer und hielten Ausschau nach den beiden Rettern. Grauenvolle Szenen spielten sich in meinem Kopf ab, eine blutrünstiger als die andere. Ich hatte die Hände vor Aufregung zu Fäusten geballt und suchte das versengte Gras nach irgendeinem Menschlichen Zeichen ab. Bitte lass ihn leben! Lass beide leben! Endlich bog ich um das Heck des ehemaligen Motorflugzeugs und entdeckte einen Kopf mit krausen, dunklen Haaren zwischen den Trümmern. Ich zögerte einen Moment, angstvoll, dass noch etwas im inneren des Wracks explodieren könnte, und rannte dann zu dem am Boden liegenden Körper. „Jonas!“, wimmerte ich beinahe schon und untersuchte ihn rasch auf ein Lebenszeichen. Als er seinen Namen hörte, stöhnte er und drehte mir den Kopf zu. Ich schloss einen Moment erleichtert die Augen und riss sie im nächsten wieder auf um konzentriert zu bleiben und ihn nach lebensgefährlichen Wunden abzusuchen. Die Zeit drängte – immerhin waren wir mitten in der Gefahrenzone. Bis auf ein paar üble Verbrennungen am Oberkörper konnte ich nichts entdecken, weshalb ich mich sogleich daran machte, ihn über die Wiese weg vom Wrack zu schleifen. Er versuchte, sich aufzurappeln und mir zu helfen, doch ich gebot ihm ruhig zu liegen, das würde mir schon Hilfe genug sein. Als wir in sicherer Distanz waren, liess ich ihn, so weh es mir tat, alleine zurück und rannte nochmals zum Wrack um Ajith zu helfen. „Have you found him!?“ er schüttelte verzweifelt den Kopf. Fieberhaft durchkämmte ich auf einen Gedankenblitz hin das umliegende Gras. Er konnte durch die Wucht der Explosion auch weggeschleudert worden sein. Tatsächlich entdeckte ich kurz darauf ein Bein – doch daran hing kein Körper. Entgeistert starrte ich es an und begann noch stärker zu zittern, bis mir auffiel, dass ich die verkohlte Hose nicht erkannte. „This is not Jack!“, rief ich voller Hoffnung zu Ajith, der neben mich gestürmt war. Es musste der Pilot sein. Der arme Kerl, dachte ich verbittert, und riss mich los um weiterzusuchen. Plötzlich schrie mir Ajith von der Rückseite des Flugzeugs zu. Ich stolperte zu ihm und kniete mich neben den leblosen Körper meines Mannes. Ajiths Gesichtsausdruck verdüsterte sich schlagartig, als er den Puls von Jack prüfte. Mir stockte der Atem. Das kann nicht sein… Das darf nicht sein!
      To be continued…
      8 Aug. 2014

      Tierklinik Sakura: Tierarzt Besuch für Numair und Moon Kiddy
      By SopherlMacaulay
      Als nächstes wurden mir Moon und Numi vorgestellt. Moon kam sofort zu mir um an mir zu schnuppern, während sich Numi in Entfernung hielt – ich beschloss Numi erst einmal zusehen zu lassen was ich mit Moon machen würde. Die Stute war absolut brav. Sie ließ sich von mir geduldig abtasten, auch als ich ihr Nüstern kontrollierte hielt sie still. Sie blies mir nur ihren warmen Atem ins Gesicht und schnaubte einmal kurz. Auch mit der Impfspritze hatte sie keinerlei Probleme. Geduldig stand sie dran, während ich die Spritze setzte. Numi taute nun langsam auf. Vorsichtig kam er näher und machte den Hals lang. Ich zeigte ihm die Spritze und die die Ruhe der Stute tat ihr übriges. Der Hengst blieb bei mir, während ich Moon die Entwurmungspaste gab, welche sie anstandslos schluckte.
      Nun wandte ich mich Numi zu. Der Hengst, der die Prozedur nun ja schon gesehen hatte, blieb brav stehen und ließ sich abtasten. Vorsichtig inspizierte ich die Beine und auch die Nüstern, um das Tier nicht zu erschrecken. Numi schien das alles nicht zu stören. Auch die Impfspritze, die er nochmal beschnuppern durfte juckte ihn nicht. Der kleine Pieks war noch nicht mal ein Schnauben wert. Die Entwurmungspaste schmeckte ihm nicht so ganz – er versuchte sich zwar der Prozedur zu entziehen, doch ich war schneller und schon war die Paste in seinem Maul Mit angewidertem Gesichtsausdruck schnaubte er, schüttelte sich und wandte sich von mir ab. So schnell würde er nichts mehr von mir wissen wollen! Ich verabschiedete mich noch von Moon und streichelte ihr noch einmal über den Rücken, bevor ich mich auch von Occu verabschiedete und den Hof verließ.

      Hufschmied Kriegerherz:
      by Sissicat
      Heute schaute ich gleich nach meiner Arbeit im Grafikbüro auf mein Handy ich hatte einenAuftrag bei meinem Zweitjob Hufschmied ich fuhr mit meinem Hufschmiedwagen los zu dem Hof von Occulta als ich durch das Hoftor fuhr dachte ich daran ob das mit Timo wirklich alles gut geht er kommt mir irgendwie geheimnisvoll vor...Doch ich rief mir sofort ins gedächnis:,,Erledig deine Arbeit und dann ist alles gut!" Ich hört auf mein Gewissen und parkte meinen Wagen dann stieg ich aus und die Hofbesiztzerin kam mir Entgegen und sagte mir:,,Hallo schön Sie kennen zu lernen sie müssen der Hufschmied sein kommen sie ich zeige ihnen den Platze wo sie alles aufbauen können."Ich folgte ihr mit meinem Zeug aber so richtig war ich nicht bei der Sache als ich alles Aufbaute.Dannach riss ich wieder zusammen und folgte Occulta zur weide wo das erste Pferd Moon Kiddy wartete ich ging zu ihr und streichelte sie ,,Na du bist ja eine brave!" Ich führte sie zu dem Platz den wir ausgesucht hatte und band sie an Ich machte mich sofort an meine Arbeit und begang ihr das erste Huf zu rasspeln aber ich konnte mich immer noch nicht richtig konzentrieren so das ich mir mal versehendlich in den Finger rassplete dannach riss ich mich mehr zusammen und war schneller mit dem rasspeln fertig dannach hammerte ich die Hufeisen fertig und hammerte sie dannach an die richtigen Hufe.Dannach wischte ich mir mit den Handschuh die Stirn und führte Moon Kiddy weg dannach hollten wir das nächste Pferd den temperamentvollen Numair Ich streichelte ihm über die schnauze und fing auch bei ihm mit dem rasspeln an der hengst jedoch schien keine Notiz von mir nehmen zu wohlen doch ich blieb stur und nach ein paar weiteren minuten konnten wir auch den Hengst zurück auf seine weide.Das nächste Pferd wurde Circus Dancer genannt und war eigendlich ziemlich nett was Occulta erzählt hatte bei ihm war ich schnell fertig und gab ihm noch ein kleines stück zucker weil er so brav still gehalten hatte.Das letzte Pferd das ich behandeln musste war Halluzination ich hollte sie aus ihrer Box und sie sah mich zickig an und blieb immer wieder stehen und zog immerzu in die andere richtung so das ich lange brauchte bis ich sie endlich in meinem griff hatte und anband.Ich rasspelte schnell ihre hufe und hämmerte ihr dann vorsichtig die Hufeisen an.
      Dannach verabschiedete ich mich von Occulta und fuhr weg mit meinem Wagen.

      [​IMG] Western (Reining) A-L
      Es war ein sonniger Morgen, perfektes Wetter fürs Reiten. Da das Vollblütertraining schon um fünf Uhr begonnen hatte und nun um neun längst beendet war, beschloss ich den restlichen Morgen für etwas Westerntraining mit Moon zu nutzen. Sie würde bald wieder an einem kleinen Reining Turnier teilnehmen, diesmal jedoch Stufe L. Dafür bereitete ich sie nun schon seit zwei Wochen vor und sie hatte gewaltige Fortschritte gemacht. Ich begab mich also zum Nebenstall und suchte Moons Box ganz am oberen Ende des Stalls auf. Fröhlich pfeifend dem Holzgeländer entlang laufend bemerkte ich nicht, dass Jacky mit einem Satz auf den erhöhten Betonplatz unter dem Vordach gesprungen, unter dem Geländer hindurch gekrabbelt und mir vor die Füsse geflitzt war. Beinahe wäre ich über sie gestolpert. Sie sah mich schwanzwedelnd an und hielt den Kopf schief, woraufhin ich die Arme zu einer Tragfläche formte und sie hochsprang. Ich durchwuschelte ihre Halsgegend und rückte das schwarze Halsband gerade, während ich den unteren Teil von Moons Boxentür öffnete. Die Stute trat sogleich neugierig vor und beschnupperte Jacky. Die Jack-Russel Hündin zappelte, also liess ich sie runter und zog Moon ihr Lederhalfter mit den silbernen Metallverzierungen an. Dann öffnete ich die bereits dastehende Putzbox gleich neben der Tür und schnappte mir Striegel und Bürste. Ich putzte Moon direkt in der Box, das war am einfachsten. Sie blieb brav drin, obwohl ich die Tür offen liess. Den Kopf streckte sie aber hinaus, um interessiert ihre Umgebung zu untersuchen. Als sie am Holz des unteren Türflügels nagte, mahnte ich sie und schob ihren Kopf beiseite. Die Hufe wurden ausgekratzt, das wuschelige Langhaar sauber gekämmt, was bei ihr extrem wichtig war: Wurde ihre dichte, lange Mähne nicht fast täglich gekämmt, so verknotete sie so stark, dass nur noch die Schere helfen konnte. Die Pfleger hatten sogar schon damit begonnen, der Stute die Mähne und den Schweif über Nacht und für auf die Weide einzuflechten. Auch ich flocht die Mähne nun, damit sie beim Reiten nicht zu sehr irritierte. Ich machte sechs relativ dicke Zöpfe auf der Seite und einen Zopf aus dem Schopf. Dann holte ich den schwarzen Westernsattel mit dem grünen Pad und schwang ihn auf den Rücken der Stute. Sie hielt ein Ohr auf mich gerichtet, als ich den Gurt anzog, machte aber keine Anstalten von Aggressivität. Ich zog ihr das Bosal über die Ohren und führte sie anschliessend unter dem Dach des Nebenstalls hervor auf die Strasse. Bevor ich aufstieg, zog ich meine Jacke aus und schmiss sie über das Holzgeländer. Zunächst wärmte ich Moon auf dem Platz ein, mit Schritt, Trab und einigen Wendungen. Als ich das Gefühl hatte, dass sie richtig fit war, startete ich mit den einzelnen Bestandteilen des Pattern. Diese waren zum einen ein Rollback, zum anderen der Spin und das taktvolle Galoppieren auf dem Zirkel. Das Galoppieren bot sich gleich an, also begann ich damit. Ich liess sie auf dem Zirkel einspringen und ritt zunächst langsam auf dem engen Kreis. Nach zwei Runden vergrösserte ich nicht nur den Zirkel, sondern auch die Galoppsprünge. Dabei achtete ich darauf, dass der Übergang fliessend war und Moon trotz des höheren Tempos ruhig blieb. Die Stute machte hervorragend mit und hielt den Kopf schön tief, sie war hoch konzentriert. Ich schnalzte hin und wieder mit der Zunge um den Takt zu unterstützen. Schliesslich verlagerte ich das Gewicht nach hinten, zupfte kurz am Zügel um die Aufmerksamkeit der Stute zu erhalten und stoppte sie. Ich führte noch einige solche Stops durch, ehe ich einen Rollback anhängte. Dies war im Grunde genommen nicht schwer, einzig mit dem richtigen wiedereinspringen nach der Drehung hatte Moon noch Mühe. Als nächstes war der Spin dran. Ich steuerte dazu in die Mitte des Platzes und liess sie stoppen. Dann verlagerte ich das Gewicht auf die linke Seite und hob die Hand leicht seitlich unter feinem Zupfen. Moon drehte erst langsam, dann immer schneller, bis ich sie stoppte. Ich achtete bei jedem neuen Versuch darauf, dass sie mit dem richtigen Bein zuerst zur Seite trat und nur vorne rumlief. Wichtig war, dass ich sie nicht zu sehr zurücknahm, sondern eher die Vorwärtsbewegung beibehielt. Nach zwanzig Minuten hatte ich das Gefühl, dass sie das meiste beherrschte. Also hängte ich alles aneinander: Ich startete in der Mitte der Platzes und ritt einen kleinen Kreis im langsamen Galopp. Nach einer Runde vergrösserte ich den Radius und erhöhte das Tempo. Nach diesem Umlauf wechselte ich aus der Volte mit einem Galoppwechsel und bog sogleich in den grossen Zirkel in der anderen Platzhälfte. Nach einer weiteren Runde bremste ich Moon etwas und verkleinerte den Zirkel. Danach wechselte ich wiederum die Seite mit einem Galoppwechsel in der Platzmitte und ritt auf einen grossen, schnellen Zirkel, aus welchem ich auf der langen Seite geradeaus einen Sprint anhängte und anschliessend die Hilfen zum Rollback gab. Ich trennte hierbei den Stop und den eigentlichen Rollback sauber, sodass sie erst nach kurzem Zögern und ohne Stress wieder angaloppierte. Nun ging es wiederum auf der ganzen Bahn geradeaus und in den nächsten Rollback. Wieder beim Buchstaben F stoppte ich und richtete sie nach einigen Sekunden rückwärts bis zum B, wo ich zuerst einen Spin auf die linke, dann auf die rechte Seite forderte. Als wir fertig gedreht hatten, ritt ich im Schritt an und lobte Moon, die einige Male schnaubte, ausgiebig. „Na Süsse? Zeit für ein wenig Gelände.“ Kaum verliess ich das Viereck, als auch schon Jacky wieder angerannt kam. Ich hatte sie vor dem Reiten hinter der Hecke, die das Dressurviereck umgab, abliegen lassen. Sie sprang fröhlich neben uns her, während ich Moon in Richtung Fluss steuerte.
      28. Sep 2014

      Abendstunde mit Spannung

      Als ich bei Burggraf fertig war, war es bereits sieben Uhr. Nun stand noch ein Ausritt im Dunkeln an, mit Circus Dancer. Als ich ihn aus der Box holte, brachten auch die anderen Pfleger aus der Stunde gerade ihre nächsten Pferde zum Anbinden. Dies waren die letzten für heute. Auch sie hatten einen Ausritt geplant, doch ich hatte keine Lust mitzugehen. Ich wollte wieder einmal die Wälder und Galoppwege mit Bubi alleine geniessen. Auch durch Rosies Drängen liess ich mich nicht umstimmen. Sie verstanden wohl nicht, wie jemand die Stille der Einsamkeit der heiteren Gesellschaft vorziehen konnte. Sie waren fast schon beleidigt, das spürte ich, und ich hätte ihr gerne gesagt, dass es nicht an ihnen läge, doch das hätte auch nichts geändert. Überflüssige Worte waren für mich schon immer wertlos. Also putzte ich stumm den beinahe weissen Knabstrupper vor mir. Als ich den Widerrist striegelte, spitzte er entzückt die Lippen und streckte den Kopf nach oben, wie eine Giraffe. Ich war rasch fertig mit dem Putzen, da er ohnehin eine Decke an hatte und geschoren war. Nur die weissen Beine waren etwas schmutzig. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt hatte, sattelte ich ihn und führte ihn an den Zügeln seines schwarzen Zaumzeugs auf den Schotterweg, wo ich schliesslich aufstieg. Er konnte kaum stillstehen und warten, so energiegeladen war er. Den Schweif hob er jetzt schon stolz. Hinter uns stiegen Darren und Anne auf Dod und Piro auf. Die Schimmelstute legte die Ohren platt, wenn Dod zu nahe kam. Dieser hingegen blieb völlig cool, schliesslich war er mittlerweile top ausgebildet und gehorsam. Früher war das ganz anders gewesen. Der Hengst war stur und unwillig gelaufen, auch jetzt fiel er ab und zu in sein altes Muster, jedoch selten. Ich wollte Piro bald von ihm decken lassen. Dies würde ihr erstes Fohlen sein, und ich hatte grosse Erwartungen in die hervorragende Blutlinie. Ich löste meinen Blick von den beiden Criollos und trieb Bubi an. Ich brauchte kaum mit den Beinen den Bauch zu kitzeln, schon lief er los. Ich ritt in Richtung Fluss, dann folgte ich diesem nach Süden und Trabte anschliessend durch den Wald. Es wäre stockfinster gewesen, wäre da nicht Schnee wie eine riesige Fläche aus zertrümmerten Spiegeln gelegen. Bubi und ich galoppierten insgesamt dreimal; einmal im Wald und zweimal auf einem Feldweg. Ausserdem trabte ich viel, damit wir schnell genug für eine grosse Runde waren. Bei der Wegverzweigung mit der grossen Eiche begegneten wir den anderen. Ich hatte sie schon von weitem kommen sehen, und auch gesehen, dass David mit Numair Probleme hatte. Der Arabermix war die ganze Zeit über am Tänzeln, erschreckte sich vor jedem Fels, der am Wegrand aus dem Schnee ragte und wollte bei jedem lauteren Knirschen des Eises unter ihm lospreschen. Rosie, die auf Moon ritt, versuchte, ihm Tipps zu geben und den Hengst am Zügel zu führen. Zum Glück ist Moon so gutmütig. Wir kreuzten die bunte Gruppe, deren Gesichter nicht mehr ganz so fröhlich wie zuvor wirkten. Auch Islah machte einen Seitensprung, als Dancer mit mir durch den tieferen Schnee am Wegrand stampfte. Jason konnte sie mühevoll abbremsen, ehe sie in Jonas und Argenté krachten. Loki hingegen zockelte brav hinterher, was mich sehr beeindruckte. Der Isländer war immerhin erst ein paar Monate eingeritten. Sie hatten ihn am Führstrick mitgenommen, da Rita nicht mehr mitgekommen war und ihnen so ein Reiter gefehlt hatte. Ich gab David die Anweisung, Numi etwas mehr Zügel zu geben und dafür Volten zu drehen und seinen Kopf zur Seite zu lenken, falls er lossprinten wolle. Tatsächlich wurde er augenblicklich etwas ruhiger. Ich ritt mit Bubi in Richtung Galoppwiese heimwärts. Der ehemalige Trampelpfad am Waldrand war vor lauter Schnee nicht mehr zu erkennen. Dancer hatte etwas Mühe, durch den halb gefrorenen, tiefen Schnee zu stapfen. Immer wieder sank er plötzlich ein und stolperte fast. Irgendwie schafften wir es dann aber doch in den Wald zu kommen, wo weniger Schnee durch die dichten Baumkronen der Pinien gedrungen war. Zuhause trocknete ich die Beine des Hengstes, prüfte, ob noch alle Eisen da waren, fettete seine Hufe und zog ihm seine warme Decke an. Dann flocht ich ihm die Mähne zu einem französischen Zopf, damit die ganze Entwirr-Arbeit heute nicht umsonst gewesen war. Ich gab ihm eine Karotte und schloss dann die zweiteilige Boxentür für die Nacht komplett, schliesslich war es nun fast zehn Uhr.
      14 Feb. 2015


      Westerntraining des ITS Canterbury
      by Catalina
      Moon Kiddy's Westerntraining – Reining (M-S), erste Kontakte mit Barrel Race

      Occultas Hof war eine riesige Anlage, die ich endlich nach mehr als einer Stunde Fahrt erreichen konnte. Da die Anlage vor allem für Distanz-, Military- und Galopptraining bekannt war, war sie dementsprechend groß und nach einigen Minuten hielt mein Wagen auf dem Parkplatz vor dem Hauptstall. Occulta stand bereits am Eingang zu dem großen Hauptstall, in typischer Reiterkleidung. "Danke, dass Sie so schnell kommen konnten." Damit winkte sie mich zum Reitplatz, der vorwiegend für Dressur genutzt wurde und nahm die Criollostute von einem jungen Pfleger ab. "Das ist Moon." Die Stute schaute mich mit wachen Augen an, ehe ich sie streichelte und meinen Helm aufsetzte. Occulta sah mich verwundert an. "Vorsicht geht vor.", rief ich ihr zu und saß auf. Was ein eigenartiges Gefühl, nach drei Jahren wieder Western zu reiten.

      Die Stute folgte meinen Anweisungen brav und schließlich hatten wir eine Aufwärmphase – Schritt, Trab, Galopp – hinter uns, ehe ich sie auf den Zirkel reiten ließ. Das einzige, was wir nun taten war den Zirkel zu vergrößern, erst in Trab, dann in Galopp, da ich mich an die lernfähige und starke Stute erst gewöhnen musste. Mit der Zeit ließ ich die Galoppsprünge größer werden und achtete darauf, genug Verbindung zum Maul zu haben.
      Schließlich prüfte ich ihre Fähigkeiten ohne ein bestimmtes Pattern zu berücksichtigen, worauf sie schließlich hinter der zweiten Ecke des Zirkels einen Stop machte. Ich schnalzte kurz mit der Zunge und trieb sie wieder auf den großen Zirkel, wo sie in Ruhe galoppierte und auf weitere Befehle wartete, denn ihre Ohren waren aufgerichtet und zuckten hin und wieder nach hinten. Auf der Mittellinie erfolgte ein weiterer Stop und anschließend ein Rollback, wobei sie jedoch bei dem letzten Stück der Drehung kurz taumelte. Das schien sie jedoch nicht im geringsten zu stören und wiederholte das Teilpattern wieder, sobald sie auf der Mittellinie angekommen war, dieses Mal gab ich meine Hand etwas vor, verlagerte mein Gewicht mehr nach vorne, um ihr mehr Beinfreiheit zu gewähren, sodass sie schließlich einen einwandfreien Rollback schaffte. Auch bei den nächsten beiden Malen schaffte sie dies zu meiner Überzeugen, bevor ich mich den anderen Übungen zuwand. Als wir erneut auf dem Zirkel liefen, wechselten wir auf den Hufschlag, wo ich sie ruhig zwei Runden traben ließ, da ich mir selber noch ein Pattern ausdenken musste. Schließlich fertig mit dem Denken, gab ich ihr mit Gewichtshilfen zu verstehen, bei A auf die Mittellinie zu laufen. Direkt bei X verlagerte ich mein Gewicht nach hinten, zupfte an den Zügeln und machte ihr klar, stehen zu bleiben. Die gute Stute verstand, was ich wollte und blieb stehen, wobei sie Sand aufwirbelte. Erneut drehte sie sich dann rasch um die eigene Achse, um bei C auf die rechte Hand zu wechseln, bei B machte sie eine schnelle Volte, währenddessen legte sie sich ein wenig in die Kurve, um wieder passend auf den Hufschlag zu gelangen dann bei A wieder auf X zu zulaufen.
      Jetzt hatte ich etwas anderes vor und sie spürte es, als ich, statt wie bei einem Stop und Rollback, diesmal meine Hacken deutlich in ihre Seite drückte und die Zügel nach hinten zog. Das Resultat war mittelprächtig. Zwar hatte sie den Sliding Stop vollbracht, war jedoch direkt danach wieder in Bewegung und galoppierte auf C zu. Das ließ ich so nicht durchgehen und bremste sie erst ein wenig, ehe sie wieder bei A auf X zu ritt, diesmal in gemächlichen Galopp, und meine Hilfestellungen besser in die Tat setzte, nachdem ich mit Nachdruck die Zügel Richtung Bauch gezogen hielt. Kurz hinter X blieb sie stehen, eine Wolke feiner Sand ließ uns beide nach Luft schnappen, ehe ich ihr zu verstehen gab, dass sie Schritt reiten durfte. Die Stute war leicht verschwitzt und langsam saß ich ab, nahm ihre Zügel und führte sie in den Stall.

      Innerhalb von vier Minuten hatte ich sie abgesattelt – Westernsattel waren ja doch was anderes als Dressursattel – und alles ordnungsgemäß verstaut. Zunächst musste das Fell dran glauben; mit Wurzelbürste und einer etwas feineren Bürste verstaubte die Luft in wenigen Sekunden, ehe sich der Sand legte. Unruhig stupste mich Moon an, visierte dabei auf meine Westentasche, in der immer Karotten oder Pferdekekse drin waren. "Gleich, Hübsche. Erst wirst du geputzt.", sagte ich ihr und streichelte sie zwischen den Ohren, anschließend entflocht ich ihren Behang, sah dabei den Drang, ihn zu kämmen, da Klümpchen Sand und was noch darin waren. Kurz wieherte sie laut auf, da ich mit dem Kamm wohl zu forsch war, ehe ich mit geduldigen Fingern den Schweiß und jetzt auch die Mähne gesäubert hatte. Mit der Kardätsche brachte ich ihr Fell auf Hochglanz und gute Sauberkeit. Ihre Hufe gab sie mir schnell, und von Sand und Heu waren sie auch schnell befreit. Nachdem alles im Putzkasten und dann in ihrem Spind verstaut waren, umarmte ich die Criollostute ausgiebig und gab ihr zwei Karotten, ehe sie von einem Pfleger auf die Weide gebracht wurde.

      Der nächste Tag

      Schon früh ging die Sonne auf und schon früh war ich auch an Occus Hof. Diesmal konnte ich schnell meinen Weg in den Stall und auch zu Moon finden, die bereits gefüttert wurde und jetzt von mir geputzt und gesattelt wurde. Einzig ihr Behang nahm mehr Zeit in Anspruch, da ich diesen erst flechten musste, um weiterzukommen. Satteln ging recht flott und sie beobachtete mich, wie ich Sattelgurt- und Steigbügellänge einrichtete, ehe ich sie in die Reithalle führte. Da es letzte Nacht geregnet hatte, wollte ich uns beiden einen Unfall ersparen und wurde sogleich mit angenehm warmer und frischer Luft begrüßt. Die junge Stute war heute motiviert wie eine Rennmaus und schien gelassen mit dem intensiveren Aufwärmtraining – welches aus Tempowechsel, Gangwechsel, Zirkeln und einer Volte bestand – umzugehen. In der hinteren Hallenhälfte galoppierte sie ruhig auf dem Zirkel, den ich alle paar Minuten vergrößerte oder verkleinerte, um sie ein wenig zu fordern. Nach einem Zirkelwechsel erfolgte dann auf X ein Sliding Stop, der dieses Mal deutlich besser und weicher verlief, was wohl an ihrem Tatendrang lag, schneller zu lernen. Danach folgte ein Stop und Rollback auf der nächsten Zirkelrunde, sodass wir auf der linken Hand galoppierten. Occu stand nun an der Bande, winkte mir zu. Vor ihr blieb ich dann stehen, klopfte der Stute den Hals und lächelte ihre Besitzerin an. "Und?" "Fantastisch zu reiten. Macht viel Spaß und ich denke, abgesehen von dem Sliding Stop werde ich ihr einen kleinen Einstieg in Barrel Race geben. Nur zum Schnuppern." Occu nickte. "Sliding Stop schafft ihr bestimmt alleine. Wir haben Plastiktonnen im Lagerraum. Ich kann sie in eine Hälfte tragen.", schlug sie schließlich vor, während sie schon dabei war, zu gehen. Das Schwierige beim Barrel Race war nicht der Parcours oder der Ablauf an sich; schwierig war nur, dem Pferd zu sagen, dass die Tonnen nicht gefährlich sind, da ich schon miterlebt habe, wie Pferde wegstoben, als eine Tonne sie touchierte.

      Occulta war fertig in etwa zwölf Minuten. Bis dahin sind Moon und ich nur durch ein Minipattern – Zirkel, dann Volte, Kehrtwende, Stop, Zirkel, Stop bei X – Rollback, nochmal Zirkel und Sliding Stop – gegangen, darauf achtend, ihr nicht zu viel Power zu nehmen. Mit einer kleinen Pause von fünf Minuten brachte ich sie vor die Tonnen, die nun in einem Dreieck vor uns lagen. Zunächst ritten wir in Schritt an ihnen vorbei, Körperkontakt wurde nicht vermieden, doch die braune Criollostute schien davon nicht angenervt zu sein. Auch im Trab machte sie keine Anstalten, erst als ihr Schienbein eine Tonne streifte und diese bedenklich wackelte, warf sie den Kopf hoch, doch sie beruhigte sich, sobald sie bemerkte, dass nichts passieren würde. Im Galopp umzirkelten wir die Tonnen erst großzügig, dann jedoch schien alles flotti-karotti zu gehen und ohne Bedenken berührte Moon eine Tonne so kräftig, dass sie umkippte.
      Der ursprüngliche Ablauf beim Barrel Race sieht vor, im fliehenden Start auf die uns gegenüberliegende Tonne zu reiten, sie zu umrunden, dann die linke und schließlich die rechte, ehe man in das 'Ziel' reiten konnte.
      Ohne sie jedoch zu überfordern, trabten wir durch den Parcours, wobei ich darauf achtete, ihr genug Bein- und Maulfreiheit zu geben; also einfach nur mehr Bewegungsfreiheit für Kopf und Beine, da ansonsten bei den schnelleren Umdrehungen die Halsmuskulatur überspannt werden könnten. Occu klatschte uns Applaus, als wir dann kurz vor X stehen blieben. Ich beugte mich vor, streichelte den Hals der Stute ausgiebig und wisperte: "Komm, einmal im Galopp, dann ist Schluss, ja?" Schnaubend und wiehernd gab sie mir Antwort. Schnalzend und Hilfestellung gebend preschte sie vor, zügelte sich dann und umzirkelte die ersten beiden Tonnen beinahe fehlerfrei; berühren war erlaubt, aber wackeln und kippeln war es nicht so. Die letzte Tonne verfehlte sie um mindestens eine Pferdelänge, fand jedoch unser imaginäres Ziel und trabte schließlich, bis wir kehrt machten und dann bei Occu stehen blieben. "Gutes Westernpferd.", schnaufte ich. Das Training hatte uns beide geschafft.

      Moon Kiddy hat mit Bravour am S-Westerntraining der ITS-Trainerin Catalina teilgenommen.
      2. März 2015
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte
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      by Pepe
      „Da ist die Kleine!“ Occulta zeigte mir ihre Criollostute Moon Kiddy, die in der Stallgasse angebunden stand. Ich trat neben die Stute und streichelte sie an den Ohren. „Was steht heute an?“, erkundigte ich mich bei Occulta. Während ich mit einer Zange sorgfältig die alten Eisen und alle Nägel entfernte, brachte Occu mich auf den neuesten Stand. Die Stute stand entspannt, achtete aber genau darauf, was ich an ihren Hufen machte. Mit einem Hufmesser schnitt ich altes und zu hoch gewachsenes Horn ab, Kiddys Hufe waren leicht ungleichmäßig, vermutlich hatten die alten Eisen nicht richtig gepasst oder waren zu lange drauf. Ich schnitt alle vier Hufe gleichmäßig hoch und feilte anschließend alle restlichen Unebenheiten glatt und eben. „Kannst du sie kurz eine Runde führen?“, bat ich Occulta und betrachtete das Gangbild der Criollostute. Nachdem ich den rechten Hinterhuf noch etwas gekürzt hatte, holte ich meinen mobilen Ofen und vier neue Hufeisen. Während sich der Ofen aufheizte, quatschen Occulta und ich ein wenig, Moon Kiddy döste entspannt neben uns. „Ich habe mal das Horn etwas mehr gekürzt, möglicherweise passten die alten Eisen nicht 100%-ig, oder ihr Hufwachstum ist erhöht. Der Hufzustand gefällt mir aber sehr gut, biegsam und nicht brüchig.“, lobte ich die Criollobesitzerin. Nach einer Viertelstunde legte ich das erste Eisen ins Feuer. Occulta half mir und stützte den ersten Huf, als ich das Eisen mit dickem Rauch auf das Horn aufbrannte. Die Stute zuckte kurz, bleib aber brav und ruhig. Mit einigen Nägel befestigte ich das Eisen und kürzte abstehende Nägel. Nach weiteren 20 Minuten hatte Moon Kiddy vier neue, passende Hufeisen. Ich verabschiedete mich von Occulta und fuhr vom Hof.
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      Moon Kiddy, L-Springen
      by Catalina

      Weiter ging es mit Kiddy. Die Criollostute stand in ihrer Tagesbox und langweilte sich. Occu, die sich derzeit die Anlage anschaute, war beim Training von Cyclon kurz dabei gewesen, ehe sie gegangen war. Jetzt bommerte die Braune mit ihren Hufen gegen die Boxtür und verlangte nach mir. "Ist ja gut!", rief ich und schlug mit der flachen Hand gegen das Holz. Sofort verstummte das Pferd und ich führte sie auf den Putzplatz nach draußen. Während ich sie putzte, kam Tabea vorbei. "Vergiss das Trinken nicht.", warnte sie. Darauf nickte ich nur und bat sie, mir das Sattelzeug von Kiddy zu bringen. Sie ging sofort los und ließ meine Flasche Wasser hier stehen. Das Fell war sauber, ich warf also die Bürste in den Putzkasten und trank ein paar Schlucke. Weil Tabea immer noch nicht zurück war, flocht ich die Mähne der Stute zu einem groben Hefezopf zusammen und wartete noch ein paar Momente. Schließlich kam Bellas Schwester auch schon angestampft, der Sattel über ihrem Arm und Trense nebst Zügel auf dem Sattelblatt.


      Aufgesattelt und aufgetrenst stand die Stute nun auf dem Vorplatz des Springgeländes. Ihr wurden noch die Hufglocken angelegt und schon saß ich auf. Ich begann mit einem lockeren Warmreiten, also einfach nur Trab und Galopp, ehe ich die Hindernisse mir genauer ansah. Sie waren nach dem Befriga-Parcours aus Estland gebaut; das Turnier im gleichnamigen Dorf gehörte zu den renommiertesten der Baltenstaaten. Besonders dabei war die zufällige Schwierigkeit – neben einfachen Holzgattern und Stangen sah ich auch einen Oxer und einen Graben, aber auch eine Mauer war zu finden. "Wir gehen erst einmal außen rum, ja?", versprach ich der Stute, während ich mich nach vorne lehnte und dabei unter ihre Mähne fuhr. Als wolle sie mir antworten, nickte sie ein paar Mal kräftig, ehe sie aus dem Stand antrabte und, wie ich es gesagt hatte, mit mir außen um die Hindernisse herumritt. Dabei viel mir auf, dass sie viel zu früh darauf aus war, über die Hindernisse zu gehen. Also ließ ich sie in aller Ruhe ein paar weitere Runden gehen und bereitete sie dann auf die ersten Sprünge vor. Die waren noch in der A-Qualifikation und die Stute hatte wohl Spaß daran, zu springen und dann in der engen Kurve eine enge Wendung zu gehen, fixiert auf den Oxer. Grinsend trieb ich die Stute weiter an und gab die Zügel vor, sobald sie absprang und nahm sie wieder auf, als sie aufsetzte und dann über die Kombination von Stange – Mauer – Stange ging und dann auf dem Zirkel weiter lief.


      Nach einer obligatorischen Pause – Kiddy musste pinkeln – brauchte ich selber ein paar Minuten, um runter zu kommen. Direkt in das Training einzusteigen war doch sehr ungünstig und daher war ich sehr froh, dass Occu mir meine Flasche Wasser (mit Medikamenten versetzt) gab und dann wieder wegstellte. "Weiter geht's, Kiddy." Die Criollodame scharrte mit den Hufen und sprang sofort los. Ich konzentrierte mich darauf, ihr die Anweisungen klar und deutlich zu geben und ihr dabei im richtigen Moment die Zügel an- beziehungsweise abzugeben. Zum Glück hatten wir bis jetzt noch kein Hindernis getroffen, weshalb ich sehr resigniert war, als bei der Doppelstange und dem Holzgatter bei G ein stumpfes und hölzernes Klonk zu hören war. Direkt nach dem misslungenen Sprung parierte die Stute durch und blieb vor A stehen. "Occu?", sofort sprang die Frau auf, öffnete das Gatter und richtete die Hindernisse. "Ich glaube, das reicht für diese Lektion. Übe einfach weiter mit ihr, das wird dann schon richtig gut.", erklärte ich dann und saß ab. Wir gaben uns anschließend die Hände, und Occu machte ihre Stute dann fertig für die Heimreise.


      Moon Kiddy wurde erfolgreich im L-Springen durch die UHAP Ocean Wave Trainerin Catalina trainiert.
      21 Apr. 2015

      Schokoeis oder doch eher Vanille?

      Ich sass draussen auf dem kleinen Bänkli vor dem Haupthaus, dass vor einiger Zeit ein befreundeter Zimmermann gebaut hatte. Ein Blick auf die Armbanduhr – noch zehn Minuten, dann muss ich im Hauptstall sein. Ich seufzte kaum hörbar und fuhr fort mit dem schliessen des Reissverschlusses meiner Chaps. Dann stand ich auf, klopfte mir den Staub von der Reithose, zupfte mein T-Shirt zurecht und lief gemähchlich zum Nebenstall, wo ich erstmal Moon streichelte. Nachdenklich fuhr ich mit den Fingern der schönen, geraden Blesse entlang und strich ihr den dichten Schopf seitlich über die Stirn. Sie senkte dabei den Kopf und schloss geniesserisch die Augen, die Nüstern gegen meinen Bauch drückend. Ich knetete ihre Ohren spielerisch, dann ging ich weiter. Sie sah mir noch etwas hinterher, drehte sich dann aber um und raschelte im Heu. Auch Noir streckte mir den Kopf hoffnungsvoll entgegen, sodass ich nicht umhin kam, sie ebenfalls kurz zu verwöhnen. Was ist denn heute los? So verschmust das Pack… Ich schmunzelte und begab mich schliesslich in den Hauptstall, denn es war Zeit. Zeit wofür? Die Box von Crack musste für eine neue Bewohnerin frisch gemacht werden. Ich hatte mich bisher dagegen gesträubt, dass sie ausgeräumt wurde, zu sehr hatte der Gedanke an dieses endgültige Loslassen geschmerzt. After all hatte ich in den letzten Tagen das Gefühl genossen, das mir die leere, noch eingestreute Box gab; nämlich den kindischen Gedanken, dass sie vielleicht wieder darin stehen und mir entgegen röcheln würde, wenn ich nur fest genug daran glaubte. Selbstverständlich hatte ich nicht eine Sekunde tatsächlich daran geglaubt. Doch ihr Geruch schien immernoch dort zu spuken, und den ganzen Hauptstall mit einer stillen Magie zu füllen, die einem schaudern liess, wenn man sich Cracks Abwesenheit bewusst wurde. Ajith hatte versprochen, mir dabei zu helfen. Er wartete bereits und gab mir die Gabel in die Hand, denn zuerst musste das ganze Stroh raus. Wir karrten es Portionenweise hinaus zum Misthaufen und wischten zuletzt die letzten Überreste weg. Dann wurde frisches Stroh eingestreut. Noch heute würde eine Stute einziehen, die, wie Shio, zum Training auf Pineforest Stable kam. Es handelte sich um die Perlinostute Smelyalata von meiner alten Kollegin Cooper. Sie selbst hatte zu wenig Zeit, die hübsche Stute ausreichend zu fördern, also übernahm ich diesen Part und wollte sie für künftige Rennen fit machen. „Anything else ma’m?“, fragte Ajith mit einem aufmunternden Lächeln, und ich konnte nicht anders, als ebenfalls die Mundwinkel ein wenig höher zu ziehen, zumindest einseitig. Ich führte ihn zu den Vollbluthengsten und schlug vor, die ganze Bande schon jetzt auf die Weide zu bringen, denn es war heute wundervolles Wetter. Er nickte und rief ein paar weitere Pfleger zu Stelle, dann schafften wir die Hengste, immer zwei auf einmal führend, zur untersten östlichen Weide. Dort waren sie gut abgeschottet von den Zuchtstuten, die ganz im Westen des Hofes neben den Miniweiden grasten. Einer nach dem anderen sprintete voller Elan los, sobald der Haken des Stricks gelöst war, und gesellte sich zu der immer grösser werdenden Gruppe, in der es bereits spielerisch und auch leicht kämpferisch zu und her ging. Als alle zwölf beisammen waren, stand ich noch einen Moment am Zaun, um die Raufereien zu beobachten und sicherzustellen, dass die Stimmung nicht ins Aggressive umschlug. Besonders Caspian behielt ich im Auge, denn er war der Neuste im Bunde. Doch die Jungs beschränkten sich auf die üblichen Spiele und schienen zufrieden.

      Um sechs Uhr sass ich wieder vor dem Haus, diesmal mit Lewis zusammen. „You want some ice cream?“, fragte ich nach einer längeren Pause. „It’s very hot and I still have some in the fridge“ “Umm, okay, why not” “Do you like chocolate or vanilla?” “I’d love a chocolate, please, thank you” Just in dem Moment fuhr der Transporter mit Yalata auf den Parkplatz. Wir verschoben das Eis auf später und nahmen die helle Stute in Empfang. Sie sah sich aufgeweckt, aber nicht sonderlich nervös um, ausserdem streckte sie Lewis direkt den Kopf entgegen, schien also nicht misstrauisch zu sein. Allerdings zuckte sie sofort zusammen, als Quinn ausversehen einen an die Wand gelehnten Besen umstiess. Wir brachten sie in Cracks alte Box und gingen sicher, dass es ihr an nichts fehlte. Liebevoll betrachtete ich das cremefarbene Fell, und es erinnerte mich an Vanilleeis. Augenblicklich bekam ich wieder unbändige Lust auf Glace und zog Lewis zum Haupthaus, wo wir schliesslich sassen und assen, bis uns die Zähne vor Kälte schmerzten.
      24 Apr. 2015

      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.
      28 Juli 2015

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      by Eddi

      Heute ging es für mich auf die Pineforest Stables. Es war schön, Occulta und ihre Vollblüter mal wieder zu sehen, dementsprechend motiviert machte ich mich auch auf den Weg zu diesem Termin.
      Eine halbe Stunde fuhr ich und dann war ich auch schon da. Occulta empfing mich herzlich und führte mich in den Stall. Wir begannen mit Moon Kiddy, einer hübschen Criollostute, welche uns neugierig aus ihrer Box entgegen schaute. Occulta halfterte sie auf und führte sie aus der Box, denn zuerst wollte ich von Moon gerne Schritt und Trab sehen.
      Nachdem ich mir ein Bild von ihrem Bewegungsapparat gemacht hatte, konnte ich mit der Untersuchung weitermachen. Hierzu schaute ich zuerst in Ohren, Augen und Maul. Alles war bestens und Moon sah mich neugierig an. Also hörte ich Herz und Lunge ab, ehe ich die Stute noch gründlich abtastete und die Temperatur kontrollierte.
      "Perfekt", meinte ich lächelnd zu Occulta und desinfizierte eine Stelle am Hals, denn für Moon gab es jetzt schon die beiden Impfungen Influenza und Herpes. Diese würde sie für die Körung gebrauchen. Danach musste sie noch die Wurmkur schlucken und dann waren wir auch schon fertig.

      Als nächstes stand Cassiopeia auf dem Plan.
      Es war schön zu sehen, was aus meiner kleinen Stute geworden war und sie machte PFS alle Ehre. Auch war sie im Umgang ein Engel und ließ sich vorbildlich von Occulta vorführen. Ihre Gänge waren klar und locker, dementsprechend schien sie unter keinen Verspannungen zu leiden. Wie für ein Vollblut typisch lief sie sehr federnd neben ihrer Besitzerin her und Occulta hatten Mühe, mitzuhalten.
      Dann ging es für Cassiopeia wieder an den Putzplatz, wo Occulta sie anband und ich mit der Untersuchung begann. Die Augen waren klar und die Zähne standen in Reih und Glied, einwandfrei also. Nun hörte ich Cassiopeia noch ab, tastete sie gründlich ab und kontrollierte die Temperatur.
      Auch Cassiopeia war von oben bis unten fit und konnte nun geimpft werden. Sie erhielt ebenfalls zwei Impfungen und dann war sie auch schon fast fertig. Nur noch die Wurmkur und auch Cassiopeia durfte zurück in ihre Box. Ich erneuerte noch die Impfpässe und verabschiedete mich dann auch schon wieder von Occulta.
      4 Sep. 2015

      Hufschmiedbericht Cassiopeia; Moon Kiddy
      By Sosox3

      Nachdem ich auf der Heartland Ranch war, konnte ich direkt zum Nachbarstall fahren und dort meine beiden Aufträge bei Occulta Smith bearbeiten. Die beiden Pferde, die ich heute beschlagen musste waren zum einen eine Criollostute namens Moon Kiddy und eine Englische Vollblutstute die den Namen Cassiopeia trug und ich zu zeiten meiner Reitbeteiligung noch kannte aus dem Fohlenalter. Zumindest glaubte ich dies.

      Auf Occulta’s Hof Pine Forest Stables angekommen, nahm sie mich auch sofort in Empfang und hieß mich herzlich willkommen auf ihrem Gestüt. Sie zeigte mir direkt wo ich die beiden fand und erzählte mir etwas über ihre Personalitäten. „Du kannst dir aussuchen wem du zuerst die Füße machst, die müssen ja beide beschlagen werden“, bot mir die Junge Dame an. Da wir gerade eh bei der Vollblutstute standen, entschied ich mich dazu, dass ich sie zuerst machen wollte. Während die Besitzerin Cassy aus der Box führte und sie mit ausgekratzten Hufen zum Putzplatz führte, ging ich zu meinem Auto und nahm mir meine Utensilien zum Putzplatz mit und war doch ein wenig froh das mir Occulta die Arbeit des Auskratzens abnahm. Ich hingegen nahm ersteinmal ihre alten Hufeisen ab und schaute mir dann die Hufe genau an. Ich schaute ob sie eine Fehlstellung hatte, was nicht der Fall war und wie die Hufbeschaffenheit bei ihr war. Sie hatte trockene und in einer Guten Form die Hufe, sodass ich nur ein wenig ausschnitt und drüber raspelte damit ich die neuen Hufeisen nur erhitzte und anpasste, sodass die Hufeisen auch passten und ich sie ihr aufnagelte. Ich bog die Hufnägel um und knippste diese kurz, und schliff sie ein wenig, sodass sie nicht kratzten und eine Verletzungschance ausschloss. Occulta führte mir die brave Stute vor und ich hatte nichts zu bemängeln. Cassy hatte sich während der Prozedur brav und ruhig verhalten, ebenso war sie neugierig und sah öfters zu mir was mich aber nicht störte.

      Occulta brachte sie dann wieder weg und wir widmeten uns der braunen Criollo Stute Moon Kiddy. Auch sie war schon beschlagen, also entfernte ich auch ihr die Hufeisen und widmete mich ihrer Kontrolle und konnte auch hier nichts finden. Ihre Hufe waren hart und ich schnitt auch hier ein wenig aus und raspelte nach, damit die Hufe nicht zu lang wurden. Moon benahm sich richtig vorbildlich und zeigte sich von ihrer besten Seite. Die Hufeisen musste ich nicht sonderlich anpassen, was mir Arbeit ersparte und doch lief sie beim Verführen taktklar. Occulta schien zufrieden, und genauso war ich es. Ich verabschiedete mich und lobte Moon Kiddy zum Abschied, ehe ich die Sachen packte und wieder zum Hotel fuhr.
      11 Sep. 2015

      Vorbereitungen

      Ich stand gerade mit Jonas auf dem Sandviereck, um Lisa bei ihrem Training mit Feline zuzusehen. Die Stute musste fit sein, denn in wenigen Wochen stand ein grosses Event bevor: Jolympia. Ich hatte beschlossen, auch etwas mitzumischen und kurzerhand Indiana und Feline genannt. Doch damit war es natürlich noch nicht getan – nun mussten die beiden Pferde entsprechend auf das Turnier vorbereitet werden. Indiana war ziemlich gut im Trainingsplan vorangekommen, doch Feline hatte sich vor kurzem auf der Weide einen Fehltritt geleistet und hinten links einen etwas geschwollenen Fesselträger gehabt. Die Schwellung war mittlerweile zurückgegangen, doch dadurch hatten wir einen Trainingsrückstand von etwa zwei Wochen. Feline hatte noch etwas Mühe mit den Schenkelweichen, denn sie kreuzte hinten zu wenig. Indiana machte dafür Probleme im Cross Country: Sie zog vor den Hindernissen extrem an und kam so meist unpassend. Doch an beidem arbeiteten wir nun intensiv. „Nimm das Bein noch etwas weiter nach hinten“ riet ich Lisa, als sie an uns vorbei kam. Sie setzte die Anweisungen um und hatte prompt etwas mehr Erfolg. Nach weiteren zwanzig Minuten beendeten wir das Training und Lisa ging mit der Criollostute auf die Galoppbahn zum Trockenreiten. „Gehst du zu Oliver und sagst ihm, dass Diana morgen nicht im Renntraining mitlaufen soll?“, forderte ich Jonas auf, der noch immer neben mir stand. Er nickte und schlenderte davon. Ich dachte kurz nach, was ich noch alles vorhatte. Stallkontrolle, Springen mit Dream, nach Pointless sehen. Ich begann in ebendieser Reihenfolge. Im Hauptstall duftete es nach frischem Stroh, wie es sich gehörte. Die teuren Rennpferde standen allesamt auf ihrem trockenen Bett und sortierten gelassen die Hälmchen. Manche trugen schon Fleece Decken, denn wir wollten vermeiden, dass sie viel Winterfell produzierten. Ich sah kurz bei Chiccory rein, denn letztes Mal hatte April vergessen, seine Tränke zu säubern. Ich fand zwar noch ein paar Strohhalme darin, doch die schienen frisch zu sein, woraus ich schloss, dass meine Zurechtweisung von gestern Früchte trug. Zufrieden tätschelte ich dem Scheckhengst auf die Schulter. Er war einer der Kandidaten, die ohnehin nicht viel Winterfell hatten. Seine Mähne war noch ganz weich und geschmeidig vom Einflechten am Samstag. Wir hatten mit ihm und Sunday am Jubiläums Cup einer kleineren Bahn im Norden teilgenommen. Der Hengst hatte dabei wiedermal einen hervorragenden Start hingelegt und war knapp Zweiter geworden. Sunday war etwas zu lange im Mittelfeld blockiert gewesen, sodass er erst spät hatte aussen vorstossen können. Trotzdem war er noch Fünfter geworden. Ausserdem hatte Smelyalata am selben Wochenende beim Green Turf in Liverpool gewonnen und war in die nächst höhere Klasse aufgestiegen. Sie brauchte nun nur noch zwei Siege um im kommenden Frühling für das Aufgewichtrennen in Betaque qualifiziert zu werden. Ich schloss Chiccory‘s Boxentür und spazierte durch die sauber gefegte Stallgasse zum Tor. Im Nebenstall wartete Dream bereits am Boxenfenster auf mich und als sie realisierte, dass ich auf sie zukam, röchelte sie erfreut. „Na meine Süsse“, murmelte ich und hielt ihr ein Karottenstückchen hin. Nichts geht über Bestechung. Ich halfterte sie auf und öffnete die Boxentür, dann führte ich sie geradeaus nach draussen zum Holzgitter und band sie fest. Die Schimmelstute hatte es wiedermal gut gemeint mit dem vom Regen feuchten Weideboden. „Hast du’s wenigstens genossen?“, fragte ich sie vorwurfsvoll und begann, die verkrustete Erde aus ihrer Mähne zu lösen. Ich war vorsichtig, denn ich wollte die langen Haare nicht ausrupfen. Nah zehn Minuten hatte ich genug und nahm etwas Glanzspray und eine Wurzelbürste zu Hilfe. Danach wandte ich mich dem fast weissen Fell des Forest Ponys zu. Oder besser gesagt dem fast braunen. Ich schrubbte eine gefühlte halbe Stunde (pro Körperseite) und war erst zufrieden, als das letzte Klümpchen von den Sprunggelenken weggekratzt war. Danach konnte ich endlich satteln, die Geländegamaschen anziehen und zäumen. Nach dem Aufsteigen ritt ich zur Ovalbahn, dorthin wo früher die Grasrennbahn gewesen war. In deren Mitte befand sich noch immer die kleine Geländestrecke, die meine Tante beim Bau von Pineforest Stable in Auftrag gestellt hatte. Sie war, nun da die alte Grasrennbahn weg war, sogar noch etwas ausgebaut worden. Ich ritt zunächst im Trab um die Hindernisse und Büsche, was ich immer wieder praktisch fand, denn hin und wieder gab es kleine Hügel, bei denen Dream die Hinterhand etwas mehr gebrauchen musste. Nachdem die Stute gründlich eingewärmt war, konnte ich mit dem richtigen Training beginnen. Ich übersprang zuerst den grossen Baumstamm, dann aus der Kurve das Buschhindernis. Anschliessend ging’s den künstlichen Hang hoch und auf der anderen Seite über einen Steilsprung nach unten. Nun folgte der Wassergraben. Der machte Dream besonders Spass, denn die Stute liebte das Wasser seit unserem ersten gemeinsamen Strandausflug. Ich hatte manchmal den Eindruck, als würde sie absichtlich stampfen damit es hochspritzt und auch ich etwas von der Erfrischung abbekomme. Jedenfalls waren diese Hindernisse kein Problem für die Ponystute, was aber auch nicht verwunderlich war. Wir hatten diesen Parcours ja schon oft durchritten, da es der einzige auf Pineforest Stable war und die Hindernisse nur bedingt verschiebbar waren. Ich beschloss, spontan in den Wald zu reiten und dort nach ein paar neuen Herausforderungen für Dream zu suchen. Das würde ihr bestimmt auch mehr Spass machen als immer dieselben Hindernisse zu überspringen. Ich ritt also in Richtung Pinienwald und verliess den Sandweg in nach Westen hin. Schon nach wenigen Minuten fand ich einen massiven, umgestürzten Ast, der schräg an einen anderen Baum gelehnt war. Ich ritt prüfend rundherum und holte dann etwas Anlauf. Dream spitzte die Ohren und war zunächst etwas unsicher, ob ich das wirklich ernst meinte. Doch als ich etwas Druck mit den Beinen machte, hüpfte sie willig über den Ast. Im vorsichtigen Galopp ging’s weiter zwischen den Bäumen hindurch, doch schon nach wenigen Metern musste ich wieder bremsen, da die Bäume hier enger beieinander standen. Zum Glück war der Pinienwald abgesehen von ein paar frisch umgestürzten Bäumen frei von Unterholz, da die Parkwächter immer wieder aufräumten. So hatten wir keine Mühe, uns durchzuschlängeln. Ich fand noch ein paar kleinere Abhänge und ein hübsches kleines Bachbett, sodass wir das Klettern und runterrutschen etwas üben konnten. Dream bekam mit der Zeit richtig Freude an den abwechslungsreichen Situationen und ich musste aufpassen, dass sie nicht zu unvorsichtig wurde. Zuletzt übersprangen wir am Ende des Pinienwaldes, wo bereits der anschliessende Wald aus Tannen begann, ein weiteres hervorragendes Hindernis. Es war eine umgestürzte Tanne, deren Äste eine Lücke bildeten, durch die wir springen konnten. Auch hier zögerte Dream etwas, doch mit meiner Überzeugungskraft flogen wir schliesslich höher als nötig über den harzigen Stamm. Danach machte ich mich auf den Heimweg.

      Zuhause schmierte ich zu Sicherheit eine wohltuende Salbe auf die strapazierten Sehnen und versorgte Dream mit frischem Heu. Gerade als ich fertig wurde, kam Ajith, fröhlich pfeifend wie immer, vom Hauptstall herüber. Er tätschelte Dream und fragte mit seinem Indischen Akzent: „And how did she perform?“ „She was very well“, antwortete ich grinsend und wartete auf das, was er mir eigentlich erzählen wollte. Ich war gut im zwischen-den-Zeilen-Lesen. „I wanted to ask if I could possibly leave at five o’clock today“, murmelte er verlegen, als er meinem auffordernden Blick begegnete. „Sure. I think there’s not much left to do today anyway. But… Do you have a date or what? You never leave without extraordinary reason », stichelte ich schelmisch. « Actually… yes. She’s from Ireland, but she works in Liverpool for one year.“ „Oi, I knew it! And how did you meet her then?“, hakte ich neugierig weiter. „I met her the first time this weekend at the Green Turf. Wait, maybe you’ve seen her aswell…“ Er zeigte mir ein Selfie mit einer hübschen Rothaarigen auf seinem Handy. Sie erinnerte mich augenblicklich an Quinn. Er steht wohl auf diesen Typ Frau, dachte ich im Stillen schmunzelnd. Ich wünschte ihm viel Erfolg und er lief emsig zurück an die Arbeit, umso motivierter als zuvor. Eigentlich ist es schade. Die beiden würden gut zusammenpassen, aber irgendwie laufen sie immer aneinander vorbei… Vielleicht will es einfach das Schicksal, dass sie nicht mehr als gute Freunde sind. Dafür sind sie das allemal, so viel wie sie zusammensitzen. Ich schob die Gedanken an Ajith und Quinn beiseite und machte mich auf den Weg zu Pointless. Warum denn das? Ganz einfach: Vor ein paar Monaten (um genau zu sein vor etwas mehr als sechs) hatte ich sie mit meinem Liebling A Winter's Day verpaart. Die Stute hatte ja im Winter eine besonders schlimme Phase gehabt, wodurch Oliver und ich seither die einzigen gewesen waren, die sie trainiert hatten. Wir waren uns beide einig gewesen, dass eine Pause der jungen Stute guttun würde und sie vielleicht durch ihre Aufgabe als Mutter sogar ruhiger werden würde. Zudem erhoffte ich mir, dass sie sich, sobald das Fohlen abgesetzt war, im Training etwas reifer und erwachsener verhalten würde.
      Ich blieb also vor der Box von Pointless stehen und streichelte sie durch die Gitterstäbe. Sie kam mir im Moment so lieb und harmlos vor, doch sie war noch immer schwierig im Umgang. „In der Box ein Engel, draussen ein Bengel“, pflegte ich zu sagen. Sie durfte heute zusammen mit Ronja auf die Weide. Die Achal Tekkiner Stute und Gianna, das Cremello-Criollo-Tier, erwarteten mittlerweile ebenfalls Nachwuchs. Allerdings erst etwas später. Ich zog die Handschuhe an, die in einem kleinen Sack an der Box hingen, und öffnete die Tür um die Führkette einzuhängen. Pointless hielt ausnahmsweise still. Kurz darauf konnte ich sie aus dem Hauptstall zu den Weiden führen. Ich brachte die Stute auf die grosse Weide unter der Stutenweide, da diese als einzige noch frei war. Dann holte ich Ronja aus dem Nebenstall und liess sie ebenfalls laufen. Die beiden beschnüffelten sich kurz, denn Pointless hatte schon wieder am Zaun gewartet. Dann quietschte Ronja, machte einen Freudenbuckler und trabte mit stolz erhobenem Kopf zum Zaun der an die Stutenweide angrenzte. Dort warteten bereits Moon, Gianna und Shadow, um die seltsam gescheckte Genossin zu begrüssen. Sie grasten nach einer Weile Kopf an Kopf, während Pointless auf der anderen Seite der Weide ihr eigenes Grasfleckchen bearbeitete. Einmal mehr hatte ich das Gefühl, dass in der Sozialisierungsphase der Stute etwas schief gelaufen war. Allgemein musste ihre Fohlenzeit sehr unvorteilhaft abgelaufen sein, nur so konnte ich mir das Verhalten der stürmischen und beinahe gefährliche Jungstute erklären. Selbst in dem knappen Jahr, dass sie auf der Fohlenweide von Pineforest Stable verbracht hatte, war sie nie wirklich abhängig von irgendwem gewesen und hatte immer ihren eigenen Kopf gehabt. Ich nahm mir vor, endlich Nachforschungen über ihre Herkunft zu treiben. Und eines war sicher – ich würde nicht zulassen, dass ihr Fohlen denselben Charakter entwickelte. Doch für heute hatte ich noch genug anderes zu tun, schliesslich wartete ein ganzer Hof voller Pferde und Pfleger auf mich.
      1 Okt. 2015

      [​IMG] L-M

      Es war etwas ungewöhnlich, was ich mit der Criollostute vorhatte. Normalerweise wurde sie vor allem Western und Dressur geritten, aber heute holte ich den Springsattel hervor. Lisa sah mich überrascht an, als ich an ihr vorbei ging. „Ich will nur, dass sie lernt, ihre Beine geschickt zu heben“, erklärte ich schulterzuckend, und lief weiter um die Stute zu satteln. Und so war es auch: Ich wollte sie zwar nicht wirklich mit ihr an Springturnieren starten, dennoch fand ich es nützlich, sie auch dort ein wenig zu fördern. Das brachte Abwechslung und schulte ihren Sinn für Abstände, was ihr schlussendlich sicher auch in diversen Westerndisziplinen zugutekam. Ich führte Moon auf den Sandplatz und wärmte sie im Schritt auf. Sie schien hochmotiviert und kaute schon jetzt eifrig am Gebiss, aber ich liess die Zügel noch lang. Nach knapp zehn Minuten trabte ich an, ritt viele Volten und zeigte ihr gleichzeitig alle Hindernisse. Aber zum Glück war meine Stute sowieso ziemlich Schrecksicher, und liess sich von ein paar bunten Stangen nicht beirren. Ich fing mit ein paar Cavaletti auf der Volte an, um sie aufmerksam zu machen, dann ritt ich den ersten richtigen Steilsprung an. Er war wirklich nicht sehr hoch; das merkte wohl auch Moon, denn sie liess die Beine ziemlich hängen. Vor dem nächsten Anlauf spannte ich sie etwas mehr. Doch wenig später patzte sie bei der Kombination und schmiss gleich beide Stangen runter. Ich parierte in den Schritt und rief Ajith, den ich gerade vor dem Hauptstall sah. Er stellte mir die Hindernisse ein gutes Stück höher. Nun ritt ich wieder auf den Steilsprung zu, welcher kein Problem darstellte. Also ging ich direkt weiter zur Kombination von vorhin. Ich hielt sie schön zusammen, trieb sie aber dennoch vorwärts. Sie setzte über den ersten Sprung. Ich richtete mich kurz nach der Landung wieder auf und spannte für den zweiten, und diesmal klappte es. Ich lobte sie auf den Hals tätschelnd und murmelte „Geht ja doch.“ Ich ritt in den folgenden zehn Minuten verschiedene Hindernisse aus der Kurve an und wechselte dabei häufig die Seite, damit sie umspringen musste. Zum Schluss wollte ich einen ganzen Parcours reiten. Die Hindernisse waren nicht sehr hoch, aber immerhin auf M–Niveau. Das erste Hindernis war wiederum der Steilsprung vom Anfang. Danach folgte ein Oxer auf der Diagonalen, zwei weitere Steilsprünge, wovon einer in einer anspruchsvollen Kurve angeritten wurde, die Kombination und nochmal ein blau-weisser Steilsprung. Zuletzt wurden die ersten beiden Hindernisse nochmal von der anderen Seite übersprungen. Bei der Kombination konnte ich sie wieder gut zusammenhalten, doch dafür patzten wir beim blau-weissen. Dort hatte ich sie einfach zu lange werden lassen, weil relativ viel Abstand zwischen ihm und dem Vorherigen lag. Ich ritt die erste Runde dennoch fertig und versuchte es danach nochmal. Diesmal war ich zufrieden. Moon war zwar wieder etwas schnell auf den blau-weissen zugelaufen, aber ich konnte sie rechtzeitig abfangen, sodass es vom Abstand her reichte. Ich liess die Zügel aus der Hand gleiten und ritt noch etwas Trab, dann liess ich sie im Schritt auf der Galoppbahn trockenlaufen. Sie hatte wirklich etwas geschwitzt, denn sie war nur wenig geschoren. Bevor ich sie in die Box stellte, bürstete ich das verstrubbelte Fell nochmal gründlich durch. Danach durfte sie endlich ihre wohlverdienten Karotten mampfen.
      17 Nov. 2015

      Wanderritt Ravenfeather 2014
      Mit fahrigen Fingern schnürrte sich Sarah an diesem Nachmittag ihre Chucks, was zugegebener Maßen mit einer Hand gar nicht so einfach schien wie gedacht. Corvus ihr nun beinahe sieben Monate Alter Parson Russel hüpfte ihr immer wieder ins Gesicht. Beschlabberte Gesicht und Ohren ehe er wieder quietschend zur Tür rannte, jedoch nicht hinaus ging. Aus ihrem Sport- BH zog sie ihr Handy hervor um zu schauen wie viel Zeit noch bliebe..die Anzeige präsentierte "15 Uhr" also würden die ersten Gäste sicher bald anreisen. In Begleitung von Corvus schländerte sie über den Hof um zu schauen ob sie auch ja nicht vergessen hatte. Bereits gestern hatte ich Jackie beim Aufbau des Zeltes geholfen das ausgelegt war für etwa 10 Mann. Den Vormittag hatte sie zum Holz sanmmeln, hacken und aufstappeln genutz- damit es heute Abend ein gemütlicher Lagerfeuerabend mit Stockbrot, Würstchen und Geschichten geben würde. So hatten sie die Chance einander kennen zu lernen und moralisch schon einzustimmen auf den Wanderritt!
      Jule stand mitten im Wohnzimmer und zog sich ihre dreckigen Reitstiefel an. Heute wollte sie wieder zu Moon's Wishing Well, ihrer Reitbeteiligung bei Sarah. Zwar wollte diese heute einen Wanderritt veranstalten, aber soweit sie wusste, wollte sie nur Moonlight Shadow, Wishs Vater, und ihren Hund mitnehmen, also würde das ihre Arbeit nicht beeinträchtigen. Um circa 15 Uhr schwang sie sich auf ihr Fahrrad und radelte los. Es dauerte nur knapp eine halbe Stunde, da kam sie an und sah, wie Sarah über den Hof schlenderte. Ihr Parson Russel Corvus hüpfte neben ihr herum und Jule lehnte ihr Fahrrad gegen einen der vielen Bäume am Waldrand und winkte Sarah zu. "Hey, bin ein bisschen früh da, ist Wish im Stall?", fragte sie und lächelte. Kurze Zeit später kam auch Jackie an. Sie hatte bereits Figaro an ihrer Seite. Da sie nur wenige Meter von Sarah entfernt wohnte, schien es günstig zum ausreiten rüber zu kommen. Figaro lauschte dem Wind und konnte vom Fernen Moon hören. Jackie merkte dies und kicherte. "Gleich wirst du ihn ja wieder sehen". Zur Begrüßung stieß Figaro einen fröhlichen 'Wieher' aus um ja deutlich zu machen das wir da sind. Zwischenzeitlich suchte Jackie nach Sarah.
      Als sie gerade ihrem Moon über die Stirn strich hörte sie nicht nur Schritte, sondern ihr eine bekannte Stimme hinter sich ließ sie herumfahren. "Jule! Schön dich zu sehen!" Seit einiger Zeit hatte Jule eine RB an Moons Sohn Wish, zwar konnte sie noch nicht reiten, aber sie machte viel Bodenarbeit mit ihm und er schien sie zu mögen. "Nein, den Stall habe ich bereits für die beiden Stuten vorbereitet die hier her kommen,aber Wish steht bestimmt hinten bei dem Baum auf dem Paddock. Sein Halter hat er bereits auf..ich habe das Tor aufgelassen, solange noch keiner da ist." Sarah wagte noch einmal einen Blick auf ihr Handy das sie aus dem BH hervor zog, eine beliebte Stelle da in ihrer Reithose kein Platz dafür war. "Oh weia..nur noch etwa eine Stunde. " Dennoch schenkte sie der etwas jüngeren Frau ein Lächeln,aber du kannst ruhig ein wenig mit Wish beschäftigen und wenn du Lust hast eigendlich auch gleich hier bleiben während wir die nächsten Tage fort sind. Also wenn du dies möchtest?" Plötzlich war ein Wiehern zu vernehmen, Moon hob den Kopf, Ohren gespitz die Nüstern leicht gebläht...."Na..da kommt wohl Figaro?" wisperte Sarah ihm leicht ins Ohr während sie sein Halfter los ließ. Da sah sie auch schon Jackie die die Auffahrt hinauf auf Jule und sie zu kam.
      Jule nickte lächelnd und sah hinüber zum Paddock. Aus dieser Ferne konnte man zwar den großen Baum und den Unterstand sehen, aber noch war kein Pferd zu erkennen. "Stimmt, du machst ja heute den Ausritt. Wie viele Tage bleibt ihr denn weg?", fragte sie wieder an Sarah gerichtet und erschrak leicht, als von weitem ein Wiehern zu hören war. Sie drehte sich um und erkannte den Haflinger L'Ombre de la Figaro sofort, neben ihm stand seine Besitzerin, Jackie. Jule hatte schon vieles von dem Hengst gehört, er gehörte zur Haflingerzucht Osenau von Jackie und war ein kleines Model; In Jackies Zubehörshop wurde er oft dazu genutzt, mit dem neuen Zubehör Bilder zu machen. Jule sah aus dem Augenwinkel, wie Moonlight Shadow die Ohren spitzte und die Nüstern weitete. Anscheinend konnte er es nicht erwarten, bis sein Freund da war. Ich lachte und drehte mich wieder zu Sarah um. "Gerne würde ich hier bleiben, ihr habt ja ein Gästezimmer in der Garage, da könnte ich ja übernachten?", fragte sie und lächelte. "SARAH!" rief eine vertraute Stimme über den Hof. Jackie erkannte sofort ihre Freundin und ging auf sie zu. Auch Figaro schien sie wieder zuerkennen. Jackie errötete leicht "Tut mir so Leid das ich mal wieder zu spät bin.. du weißt ja der ganze Stress mit dem Job... und den Pferden" sie seufzte. Sarah lächelte ihr entgegen. "Ach das macht jetzt auch nicht die Welt, ich freue mich das du es überhaupt noch hier hin geschafft hast." sie zwinkerte und tätschelte Figaros Nüstern. Er liebte diese Aufmerksamkeit. Dann erkannte Jackie ein weiteres Mädchen. "Wer bist du denn?" fragte sie und schaute neugierig zu Jule. "Ich glaub wir haben uns noch nicht einander vorgestellt." Sagte Jackie freundlich und reichte ihr die Hand. "Ich bin Jackie".
      Ich sah zu Jackie, die nun auf uns zu kam. "Ich bin Jule, die Reitbeteiligung von Wish.", sagte ich lächelnd und schüttelte ihre Hand. "Hab schon viel von dir und Figaro gehört. Züchtest du eigentlich noch mit ihm?", fragte ich sie und streichelte den Haflinger, der neben Jackie stand und mir nun Luft gegen die Hand prustete.
      Ihr Blick glitt kurz über ihren Hengst ehe sie wieder zu Jule sah. "Schön dich kennen zu lernen. Ich finde es Toll das du mich nach Figaro fragst." Jackie überlegte kurz. "Wir sind gerade erst umgezogen, hier in der Nähe von Sarah, vorerst wird er nicht zur Zucht stehen, aber ich habe weiterhin großes mit ihm vor." sie lächelte und kraulte Figaro. Dieser allerdings schien abgelenkt
      Noch bevor sie zu Jackie lief bejate sie Jules Frage wegen dem Gästezimmer bis sie sich schließlich Jackie in die Arme warf und Figaro ebenfalls begrüßte. Dann lauschte sie dem kleinen Gespräch der beiden "Oh ja..große Dinge. Ich bin schon gespannt auf all seine Fohlen, aber jetzt können wir ja mal in den Stall gehen...ich habe gestern dann doch noch ein Pferd gekauft. Wobei sich Pferd nicht sagen lässt..es ist ein Zebroid..sein Vater war ein Zebrahengst und seine Mutter eine Connemarastute. Deswegen konnte ich einfach nicht widerstehen. Sein Name ist Be Different. Also nur wenn ihr wollt!" sagte Sarah lächelnd.
      "Ein Zebramix?" fragte Jackie unglaubig und folge Sarah. "Sowas will ich mir natürlich nicht entgehen lassen!" sie führte Figaro, der immernoch ungeduldig nach Moon suchte neben sich her.
      Ich war gerade mit meiner Stute Moon Kiddy auf dem Weg zum Hof. Das Gepäck, eine kleine Reisetasche, hatte ich Moon über den Westernsattel gelegt, an dem ich für den eigentlichen Ritt Satteltaschen befestigt hatte. Ich selber ritt Moon noch nicht, sondern lief in gemütlichem Tempo voran, meine Jack-Russel Hündin Jacky trottete brav hinterher. Bald kam das Haupthaus des Hofes in Sicht, und ein Blick auf die Uhr verrieht mir, dass ich noch recht früh dran war. Beim näherkommen sah ich mich auf dem Hofgelände um, konnte aber niemanden entdecken. Ob sie wohl noch nicht da sind? - fragte ich mich und wollte schon rufen, da hörte ich Geräusche aus dem Stall. Ich band Moon, die unter der Westerntrense noch ein schwarzes Knotenhalfter trug, mit einem mitgebrachten Strick am Geländer der grösseren Brücke an, sodass sie im klaren Flüsschen noch etwas trinken konnte. Dann lief ich zum Stallgebäude und betrat dieses.
      Bäume, Landstriche, sogar kleinere Dörfer zogen an der Fensterscheibe vorbei, gegen die sich KleinerStern mit der Stirn, gelehnt hatte. Samt Hänger, Pferd und Mutter war sie auf dem Weg zum Hof von Sarah. Sie hatte sich mal wieder für ihren treuen Gefährten Eisblauer Krieger entschieden, da sie mit ihm schon oft auf solchen Ritten gewesen war und die beiden ein gutes Team abgaben. Ungeduldig wanderte ihr Blick zur Autouhr und in ihren Augen fing es an zu leuchten, denn bald war die eineinhalb Stunden Fahrt, laut Uhr, geschafft und schon nach einer Weile bog ihre Mutter tatsächlich in die Hofeinfahrt ein. Auf dem Hof stiegen sie dann beide aus und während ihre Mutter schon mal Krieger aus dem Hänger befreite, folgte KleinerStern jemanden in den Stall, der dort grade hinein gegangen war.
      Bereits am Morgen war Alicia aufgestanden um ihren Hengst Give me everything tonight für die Reise zum Hof von Sarah fertig zu machen. Als Everything fertig war lud Alicia ihn auf ihren Hänger, sie verstaute Everything's Sattelzeug und ihr Gepäck für den Wanderritt bei Sarah im Kofferaum. Dann fuhr sie los, unterwegs fragte sie in einer Ortschaft nach dem Weg und die Leute dort sagten mir das sie auf dem richtigen Weg sei und den Hof schon bald erkennen würde. Als sie fragte wie sie ihn erkennen würde antworteten die Leute nichts. Alicia fuhr weiter und schon bald sah sie einen Hof, dieser sah sehr nach dem Hof von Jackie aus. "Dann kann ja der Hof von Sarah nicht mehr weit sein", dachte sie. einen Kilometer weiter entdeckte sie den Hof, sie fuhr auf den Platz vor dem Stall und erkannte bereits einige bekannte Gesichter. Sie stieg aus und lud erstmal Everything aus. Nun führte sie Everything in die Richtungvon Sarah. "Hallo, du hast es ja sehr schön hier. Kannst du mir sagen wo ich Everything unterstellen kann?", begrüßte Alicia sie.
      Während der langen Fahrt, die Abajo mit ihrer Stute Miss Independent zurückgelegt hatte, musste das Mädchen öfters stehen bleiben um nach dem Weg zu fragen. Zwar hatte sie ein Navi in ihrem Auto, doch irgendwie schien dieses die besagte Adresse nicht zu können. Als sie schließlich doch im richtigen Dorf ankam, atmete sie erleichtert aus. Es war schon später als erwartet und eigentlich wollte sie schon früher angekommen sein. Es dauerte nicht mehr lange, da erblickte sie schon den Hof und bog in die Einfahrt ein. "Sieht richtig aus.", sagte sie zu sich selbst und parkte das Auto samt Hänger neben einem anderen Fahrzeug. Nachdem sie das Auto abgeschlossen hatte, lief sie zum Hänger und betrat diesen durch die kleine Tür, um Miss Independent zu grüßen. Diese spitzte aufmerksam die Ohren und versuchte durch das kleine Fenster, das sie in ihrem Hänger hatte, nach draußen zu sehen. "Heute sind wir zum Vergnügen hier.", erklärte ich ihr, da wir sonst meistens nur zu Turnieren unterwegs waren. Ich gab der Süßen ein Leckerlie und schloss dann wieder die Tür, um Miss Independent aus dem Hänger zu holen. Ich öffnete die große Klapptür und ließ diese vorsichtig hinab, worauf meine Stute ihren Kopf neugierig nach hinten drehte. Wie wir es immer brav geübt hatten, lief die Stute von alleine rückwärts den Hänger hinunter und blieb dann vor der Klappe stehen. "Gut gemacht.", lobte ich sie und befestigte einen Strick an ihrem Halfter. Miss Independent's Kopf flog hinauf und ihre Ohren zuckten hin und her, als sie den Laut eines fremden Pferdes vernahm. Um auf sich aufmerksam zu machen, fast schon, um zu sagen 'Hier komme ich!', wieherte sie schrill Richtung Stall. Da ich sonst keinen sah, hängte ich Miss Independent erst mal an den Hänger und kümmerte mich darum, die Rampe wieder zu schließen.
      Plötzlich ging alles ganz schnell und nach Jule folgten Alicia, Kleiner Stern und natürlich Abajo. "Also die Hengste kommen mit auf die Wiese zu meinen,allerdings sind sie erstmal durch einen extra Zaun voneinander getrennt. Bis auf Figaro, denn die Hengste kennen einander. Die Stuten dürfen sich frei auf dem Hof bewegen da dieser durch meinen Hund Corvus komplett eingezäunt ist. Wasser finden sie dann am Bach, doch das werden sie sicher schnell raus bekommen. In der Garage befinden sich ein paar freie Stellen an denen ihr eure Sachen abstellen könnt. Dafür habe ich das Auto erstmal raus gefahren. Im Hinterhof steht ein Zelt, darin befinden sich Feldbetten für jeden , da könnt ihr eure Schlafsachen ablegen. Die nächsten zwei Stunden stehen euch zur freien Verfügung in denen könnt ihr erstmal eure Pferde versorgen und richtig hier ankommen. Bei irgendwelchen Fragen wendet euch bitte an mich oder Jackie,die kennt sich hier schließlich auch ganz gut aus!" verstohlen grinste Sarah zu ihrer Freundin hinüber. "Dann heiße ich euch erstmal willkommen auf "Ravenfeather" und wünsche mir erholsame Tage mit euch zusammen!"
      Ich grinste freudig, froh nun wirklich angekommen zu sein. Dann pfiff ich nach Jacky, die bereits mit Corvus herumstreunerte und lief zu Moon. Ich nahm der Stute den Sattel ab, band sie los und gab ihr einen Klaps auf die Kruppe, als Zeichen dass sie frei laufen durfte. Den Sattel legte ich vor den Stall, so dass er nicht nass werden konnte, falls es regnen würde. Jacky kam endlich angehüpft, Corvus wollte ihr erst folgen, entschied sich dann aber doch eher bei Sarah zu bleiben. Ich wuschelte Jacky schnell mit der Hand das Fell auf, anschliessend rannten wir beide quer über den Hof zum Zelt. Dort legte ich meine Tasche ab und kramte daraus den Schlafsack hervor, den ich auf einem der Feldbetten ausbreitete. Dann beschloss ich, den Hof zu erkunden und marschierte los in Richtung Stall.
      Jackie ging rüber zu Sarah die sich anscheinend um ihre "Ankömmlinge kümmerte" Sarah, ich habe Figaro draußen an einen freien Balken festgebunden, weißt du schon wann wir loskönnen ? Ansonsten würde ich auch noch fix Figaro etwas putzen, oder so.. ich weiß ja nicht ob wir alle da sind oder nicht". Jackie war nunmal die Person die lieber 5x nachfragte, bevor etwas schief geht.
      Nach Sarahs Ansprache, begrüßte KleinerStern erstmal die Anderen und machte sich dann aber auch erstmal daran ihre Mutter von Krieger und ihrem Gepäck zu befreien. Die Verabschiedung verlief relativ kurz und sie bedankte sich nochmal bei ihr fürs Fahren, denn KleinerStern fühlte sich beim Autofahren mit Hänger noch nicht ganz so sicher. Eisblauer Krieger stupste sie leicht mit den Nüstern an und KleinerStern sagte lächelnd: " Hm, du willst auf die Weide, hab ich Recht? Dann mal auf". Sie brachte Krieger also erstmal auf eine der abgezäunten Weiden, auf denen schon ein paar andere Pferde waren, die etwas aufgeregt herumschauten und nebenbei grasten. Ihr Wallach machte sich auch sofort über das frische Gras her und KleinerStern ging wieder auf den Hof zurück um ihr spärliches Gepäck und Krieger Zubehör in die Garage zu bringen. Aus dem Gepäck nahm sie dann ihren Schlafsack, ging zu dem großen Zelt und richtete neben den Anderen eines der Feldbetten für sich ein.
      Nachdem Alicia ihren Hengst Everything zu den anderen Hengsten in den Paddock gestellt hatte gesellte sie sich zu den anderen. Nachdem Sarah alle begrüßt hatte ging Alicia zu ihrem Hänger und lud ihre Sachen aus. Als alle Sachen aus dem Auto ausgeladen waren brachte Alicia ihr Schlafzeug zu den Sachen der anderen in das große Zelt und richtete sich ein Feldbett ein. Als sie damit fertig war ging sie zu ihrem Hengst Everything und spazierte mit ihm über den Hof um ihm alles zu zeigen.
      Als Ich den Hof zusammen mit Jacky inspizierte, und Jacky beinahe eine Maus gefangen hatte, liefen wir beide zu Moon, um zu sehen ob mit der Stute alles in Ordnung war. Sie graste friedlich in der Nähe des Bächleins, also machte ich mich auf um Sarah zu suchen. Ich meinte zu bemerken, dass es schon etwas dunkler geworden war.
      Sie beschlossen die Pferde in die Boxen zu stellen um schließlich schlafen zu gehen. Sarah wollte gerade mir und Abajo ihren Schlafplatz zeigen als Jackie reinplatze "Wie wäre es wenn wir alle in eine Pferdebox schlafen ?! Wäre doch mal DAS Erlebnis" Die anderen sahen Jackie nachdenklich an. "Hmmm..." aber bevor sich jemand zu Wort melden konnte rief Jackie schon ihre nächste Idee in die Runde "Dann holen wir uns Decken ! Und hängen uns Laternen in den Stall... und trinken noch heißen Tee... und NEIN WARTET ! Wir backen uns einen Kuchen, nehmen diesen dann mit in den Stall... trinken dazu heißen Tee und machen es uns auf der Decke bequem! Na wie hört sich das an !?". Jetzt erkannte man auch die Zufriedenheit der anderen Teilnehmer dieser Runde. "Jackie? Das ist eine sehr nette Idee !" wie konnte man einen Wanderritt auf dem Gestüt Ravenfeather besser anfangen als mit Tee, Kuchen und einem gemütlichen Mädelsabend?
      "Mädelsabend ? In einer Box? Alle zusammen? Wird das nicht ein bisschen eng?", grübelte ich darüber nach. Aber die Aussicht auf Kuchen, Tee und einen gemütlichen, schönen Abend begeisterte auch Abajo sehr schnell. Sie erinnerte sich nicht daran, wann sie zuletzt in einer Box im Heu gelegen hatte, aber sie war gerne bereit, den vermutlichen Spaß neu aufleben zu lassen. "Aber wehe jemand macht sich einen Spaß daraus alle Lichter zu löschen und uns zu erschrecken!" Wie man aus Abajo's Stimme entnehmen konnte, hatte sie doch leicht Angst im Dunkeln und dann auch noch erschreckt zu werden wäre wahrlich nicht lustig. "Und bitte bitte eine saubere Box. Ich hab keine Lust mir am nächsten Tag Pferdeäpfel aus den Haaren zu suchen.", fügte sie noch lachend hinzu. Obwohl es sicher auch ein Erlebnis sein würde, alle gemeinsam vor dem Spiegel zu stehen und sich gegenseitig Dreck aus den Haaren zu klauben.
      Dazu kam es zum Glück dann doch nicht. Wir machten es uns stattdessen alle Zeilt gemütlich und plauderten bis tief in die Nacht.
      Auch der Ritt am nächsten Tag war toll; wir waren insgesamt fast zwei Stunden unterwegs. Allerdings war ich so müde von der langen Nacht, dass ich beinahe vom Pferd kippte und dementsprechend wenig von den Gesprächen der anderen mitbekam. Moon genoss es dafür in vollen Zügen.

      Osterrritt 2014
      Fröhlich pfeifend stand Amy (Jackie) mit ihrem Pferd Panino auf den Hof des schönen Reitstalls Ekine. Da Jackie vor einiger Zeit einen ziemlich schlimmen Unfall hatte, würde sie Panino an der Hand führen. Wie lange würde es wohl dauern bis die ersten User kamen um bei den Osterusertreffen teilzunehmen ? Das Mädchen brannte schon vor Neugierde ihre Freunde endlich mal live zu sehen. Und da ... tatsächlich da kam auch schon der erste 'User'...
      Nachdem das Abladen gut verlaufen war, stand Jual mit ihrer Trakehnerstute Petit Jayaparada etwas unschlüssig auf dem Hof herum.
      Schließlich entdeckte sie Amy, welche den Ritt organisierte. Lächelnd ging Jual auf sie zu und grüßte mit einem Lächeln.
      "Noch keiner weiter da?", fragte sie, nachdem sie sich auf dem Hof kurz umgesehen hatte. Jaya beäugte ihre Umgebung neugierig und beschnupperte anschließend Panino.
      "ACHTUNG!", schrie Eowin so laut sie konnte, als ihre Reitponystute Katniss im vollen Galopp auf den Hof gerannt kam, die Ohren flach angelegt, die Zähne gebleckt und auf Panino los ging.
      Irgendwie gelang es ihr, den Roan im letzten Augenblick herum zu lenken, was sie mit einem Steigen quittierte. Just einen Augenblick später lag sie im Sand, stand jedoch sofort auf, packte die Zügel der Stute und meinte: "Nichts passiert, ich bin sowas gewohnt!", und schielte ihre kleine Stute funkelnd an.
      Anschließend stellte sie sich zu den anderen, stets darauf bedacht, Katniss in einem Sicherheitsabstand von Panino entfernt zu halten.
      Nach Eowin kam Ostwind12 dann auch endlich mit Prinsessa auf dem Hof an,Ostwind12 begrüßte erstmal alle.
      Dann lud sie Prinsessa ab und ihre Stute wieherte erstmal Kräftig.Ostwind12 stellte sich dann mit Prinsessa neben Panino und Jaya.
      Die Pferde beschnupperten sich und Prinsessa grummelte etwas.Also warteten sie auf die anderen die noch kommen sollten.
      Ofagwa fuhr eine staubige Straße entlang, und kam auf ein Gestüt. Ostwind, Eowin und ein Paar andere standen schon da.Zuckerwatte rumorte im Hänger, sofort holte sie ihn hinunter. Der Hengst wieherte und plusterte sich erstmal ganz nach Hengstmanier auf. Ofagwa sattelte ihn und legte ihm Gamaschen an. Dann folgte noch die Trense und sie führte den aufgeregten Hengst zu den anderen. Er begrüßte Panino, mit dem er offenbar kein Problem hatte, sie stieg auf und plauderte etwas mit den anderen.
      "Hey! Lass den Blödsinn!", ermahnte Samarti die großgewachsene Reitponystute Ace of Clubs, welche gerade versuchte, die junge Frau am Strick über den Hof zu ziehen, nachdem sie ausgeladen worden war. Seufzend hielt Samarti ihr Pony zurück und schaffte es irgendwie, dass die Stute neben ihr zum Stehen kam, während sie sich darum kümmerte, die Laderampe des Hängers wieder zu verschließen. Die Anreise aus ihrer Heimat bis zum Reiterhof Ekine hatte sich als eine wahre Hölle herausgestellt, denn das Pony konnte einfach nicht ruhig sein und ließ sich ständig irgendetwas Neues einfallen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
      Mit einem erfreuten Lächeln auf dem Gesicht und der Ponystute neben sich lief Samarti zu den wenigen anderen der Gruppe, welche bereits in einem kleinen Kreis versammelt standen und begrüßte sie.
      "Ruhig Großer!", sprach Snoopy zu ihren Reitponyhengst Delicius, der sich interessiert umsah. Sanft zupfte die Dame an den Strick des Hengstes, bis Deli sich zu ihr wand und ihr folgte. Mit großen Schritten gingen die Beiden über den Hof, ehe in der Ferne ein paar bekannte Gesichter zu sehen waren. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging sie samt Pony zu den Anderen. "Hallo .", grüßte Snoopy die Anderen.
      Auch Waldvoegelchen ließ dann nicht mehr lang auf sich warten. Aus dem Auto ausgestiegen, begrüßte sie erstmal alle anderen ganz herzlich, bis sie ihr Jungpferd Heimerdinger aus dem Hänger holte. Der große Hengst stimmte sich mit einem schrillen Wiehern auf seine Artgenossen ein, was die anderen Pferde ihm nachtaten. Lachend kraulten alle ihre Pferde.
      Auch Jenny war dabei ihren Transporter Quer über den Parkplatz zu parken, und bevor sie ihr Pferd hinausführte stürmte sie zuerst zu uns und umarmte und nach der Reihe ganz herzlich. Sie hielt einen kleinen Smalltalk bis sie dann anschließend wieder zu dem Transporter ging um ihr Pferd hinauszuführen. Der Andalusier hieß Cadence und war ein prachtvoller Apfelschimmel. Jenny zog ihr ein schwarzes Halfter an und stellte sie uns vor.
      Hailey ließ sich die Möglichkeit ebenfalls nicht entgehen und war gerade dabei, ihren EVB-Hengst Odyn aus dem Hänger zu führen. Er war ein ziemlich kräftig farbener Fuchs und stand mit gespitzten Ohren auf dem Parkplatz, während Hailey den Hänger wieder schloss und auf die anderen zu ging - Natürlich wurden erst einmal alle nach einander umarmt und begrüßt, ehe sie Odyn den anderen Pferden vorstellte. Bei den meisten blieb er freundlich, nur bei den Hengsten kniff er ein wenig.
      Doch auch Vina war schon auf den Weg mit ihrem Hengst Nico. Nicht mal sie hätte gedacht, dass es mal so weit kommt. Bereits auf dem Weg mit Hayles berieten sie sich, was nun wohl passieren könnte. Immer wieder ein trablen aus dem Hänger. Doch es wird jetzt schon nichts passieren. Vina selbst war recht aufgeregt, weil sie keine Ahnung hatte, wer alles kommt.
      Schließlich rief Amy über die Menschenmenge "Lasst uns schon mal losgehen, die anderen können entweder auf uns warten oder nachkommen." Es herrschte ein Reger Tumult, offenbar konnte es keiner mehr abwarten den schönen Waldweg entlang zu reiten. Amy die Panino an der Spitze führte, dirigierte die Reiter in einen schönen belichteten Waldweg. Von weitem hörte man einen schmalen Fluss plätschern.
      Während die anderen alle weiter vorne ritten, hielt sich Elisa vorerst etwas weiter hinten auf, da Ace of Clubs sich noch immer nicht ganz beruhigt hatte. Auch, wenn die Stute es hasste, am Ende einer Truppe laufen zu müssen, so wurde sie jetzt förmlich dazu gezwungen. Das Gebüsch raschelte kurz, und zum Vorschein kam ein Eichhörnchen, welches aber ebenso schnell wie es gekommen war auch wieder verschwand. Ungewöhnlicher Weise betrachtete die Farbwechsler-Stute das Kleintier nur kurz und wandte sich dann wieder ab, um etwas schneller zu werden. Das Plätschern des Wassers wurde immer ein wenig lauter, und je näher sie der Quelle kamen, desto hibbeliger wurde das Reitpony.
      "Haaalt, wartet!", rief CatyCat den ungeduldigen Reitern zu. Sie trieb ihrem Hengst Lines bestimmt vorwärts und stieß zu den anderen. "Ihr wolltest doch nicht etwa ohne mich los, oder?", fragte sie lachend und ordnete sich bei den anderen ein. Freundlich grüßte CatyCat die anderen und ritt neben Amy her. "So ein Ausritt war schon lange fällig!" Sie grinste sie an und streichelte Lines Hals. "Na mein Guter, freust du dich auch schon? Das wird ein Spaß!"
      Gerade noch sah Zaii den letzten Pferdepopo hinter einer Kurve verschwinden. Mit leichtem Druck brachte sie ihre übergroße Tinkerstute in den Trab und ritt den anderen hinterher.
      Als sie aufgeschlossen hatte, rief sie ein kurzes Hallo in die Menge, dann konzentrierte sie sich wieder vermehrt auf Imadama, welche interessiert die Ohren kreisen ließ und den Kopf hoch erhoben trug.
      Verwirrt schaute sich Fynja um - niemand war mehr zu sehen. Sie war etwas spät dran und erwischte so grade noch einen Stallhelfer, der ihr sofort bereitwillig erklärte, wie sie zu den anderen aufschließen könnte. Sie bedankte sich und schwang sich dann in den Sattel. Flott ritt sie Bailey vorwärts, bis sie aufgeschlossen hatten. Die anderen begrüßten sie freudig und dann ging es auch schon weiter durch den wundervollen Wald.
      Sarah kam - wie immer etwas später, da sie die Umgebung des Hofes durch ihren letzten Besuch kannte, sie hatte sich ein Fohlen bei Amy angesehen - sowie einen kleinen Ausritt mit ihr gewagt. Also wusste sie in etwa wo der Ritt lang gehen würde, mit den Fersen trieb sie Cap zu einem kleinen Galopp an, an der Wiese vorbei, von hinten in den Wald, denn dieser würde nur allzu bald enden. Mit der flatternden Mähne ihres Falbschecken im Gesicht, genoß sie den Wind im Gesicht. Dann bog sie auf einen Waldweg, von weitem und über das zurren des Windes hinweg hörte sie die Stimmen vieler anderer "Na., da haben wir es wohl gleich geschafft" freudig begrüßte sie Amy, reihte sich dann bei Vina und Finja mit in die Reihe. "Hey ihr beiden" winkte sie begeistert.
      Blue hatte nach langen Überreden Ty dazu bewegen können, sie auf diesen großen Ausritt gehen zu lassen. Blue hatte Sunnivah mitgenommen, da sie eine ruhige Stute war und längere Ausritte vom Distanzsport aus gewöhnt war. Das Alter machte sich dann doch irgendwann bemerkbar. Blue versuchte, sich einen Überblick über die Truppe zu verschaffen und eventuell bekannte Gesichter zu entdecken. Sarah erkannte sie auch- die beiden hatten sich ja erst letztens getroffen. Blue trieb Sunny an, damit sie etwas aufschloss und sie bei der Gruppe blieben.
      Schnell sattelt auch Vina ihren Hengst und setzt sich drauf. Im Sand kann man noch die Hufspuren, der Truppe, sehen. Nach kurzem warm reiten setzt sie Nico in den Tölt und gibt gas. Nicht lange und sie kommt von hinten an die Truppe ran. "Hey, sorry, dass wir zu spät sind. Hab die Zeit komplett verpeilt!", ruft sie von hinten, während der Hengst bremst. Zufrieden lobt Vina den Hengst.
      Amy lachte von vorne über die Gruppe hinweg. "Das ist doch kein Problem Vina!". So langsam wurde der Spaziergang Amy aber doch zu anstrengend, also bat sie die anderen kurz zu warten. "Ich beeil mich auch." rief sie nervös und knotete den Führstrick an das Halfter von Panino um ihn als Zügel zu verwenden. Mit großer Mühe schaffte sie es auch sich auf den Rücken des Knabstruppers zu schwingen. "Wir werden wahrscheinlich noch eine Stunde unterwegs sein - jetzt wo ich Panino nicht mehr führe könnten wir auch früher da sein." sagte sie außer Atem und wischte sich zwei Schweißperlen von der Stirn.
      Elvish Beauty trabte gemütlich unter Eileen, die ohne Sattel ritt. Nun wo nun auch Amy ritt ging es etwas schneller. Aber wir würden vermutlich trotzdem noch ca. 1 Stunde brauchen. Sie ließ Beauty nun zurück fallen so das sie nun neben Vina ritt. "Bist ja ganz schön spät" lachte die junge Dame und ihre Schimmelstute schnaubte zufrieden.
      Zaii konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, denn obwohl sie bereits etwas zu spät dran gewesen war, war sie doch nicht die letzte gewesen, die zu der Gruppe gestoßen war.
      Imadama unter ihr zuckte merklich zusammen, als ein Eichhörnchen den Weg der Gruppe kreuzte, doch trotz der Tatsache, dass die beiden ihren gemeinsamen Weg erst vor kurzem fortgesetzt hatten, ließ sich der Schecke schnell wieder beruhigen. Zaii atmete seufzend aus, denn innerlich hatte sie bereits mit einem wildem Galopp quer durch die Gruppe gerechnet. Sachte tätschelte sie ihrer Stute den Hals, die gerade den Weg in die Tiefe suchte, wofür Zaii ihr die Zügel kurzzeitig hingab.
      Auch Stelli genoss den Ausritt mit ihrem Pferd ÉdC's Velino sichtlich. Velino war heute etwas flotter unterwegs, wahrscheinlich tag es an der riesigen Reitgruppe. "Mach dich mal locker mein Guter!", lachte Stelli und tätschelte ihrem Scheckhengst den Hals. "Er hat es heute echt eilig.", fügte sie lächelnd und kopfschüttelnd hinzu und ließ die Zügel lang. "Nicht das wir noch den Osterhasen umrennen", grinste sie. Sie trabte ihren Ponyhengst an und wechselte die Position in der Gruppe.
      Freundig lächelte Rajandra und winkte Stelli zu sich. Sie wartete bis Stelli mit ihrem Scheckhengst neben ihr und ihrem Braunen Hannoveraner Bubi angekommen war und fing dann ausgiebig an mit ihr zu Quatschen, bis Bubi anfing spielerisch nach Velino zu schnappen und sie ihn ermahnen musste. Der Hengst gab beleidigt klein bei und irgendwer rief "Wie sieht's aus Mädels - Stoppelfeld voraus.". Vor der Gruppe lichtete sich der Wald langsam und so beschlossen Stelli und Rajandra sich den anderen anzuschließen und das letze Stück Waldweg im Trab hinter sich zu lassen. Als die Gruppe auf dem Stoppelfeld ankam ging es in den Galopp.
      Wie immer war Eileen viel zu spät gewesen und trabte jetzt den Weg, welcher abgemacht wurde. Nach langer Zeit hatte sie die Gruppe, dann auch eingeholt und ritt als erstes zu Amy. "Tut mir leid, dass wir so spät sind, aber Rosenprinz wollte mal wieder nicht auf den Hänger." Sie lächelte nur nett und ich galoppierte ihn dann neben den anderen an.
      Ich blickte unentschlossen umher. Ich stand mit Moon an einer Kreuzung und hatte keine Ahnung, wo die Gruppe entlang geritten war. Plötzlich entdeckte ich ein paar Pferdeäpfel auf dem Weg links von mir. Ich beschloss, mein Glück zu versuchen und trieb Moon in einen zügigen Trab. Und tatsächlich: Nach etwa zehn Minuten kam eine bunte, fröhlich schnatternde Gruppe in Sicht. Ich schloss zu den vielen Reitern auf und gesellte mich zu Vina und ihrem Isi Nico. "Ich musste den späteren Flug nehmen.", antwortete ich auf die Frage, warum ich erst jetzt gekommen sei. Moon hielt gut neben den anderen Pferden mit und wirkte entspannt, ihre Ohren waren jedenfalls locker nach vorne gerichtet.
      Als die ersten Pferde zu galoppieren anfingen, gab auch Zaii ihrer Stute Imadama die Galopphilfe. Die große Stute wechselte sogleich in die schnellere Gangart, doch Zaii musste das Tempo verringern, da Imadama mit ihren weiten Tritten sonst ihrem Vordermann aufgelaufen wäre. "Ist ja gut!", fügte Zaii mit einem Lachen auf den Lippen bei, als Imadama unwillig die Ohren nach hinten beugte, ehe sie das Tempo drosselte.
      Nun ging es im gesitteteren Galopp aus dem Wald hinaus und auf dem Stoppelfeld hatte dann die ganze Gruppe ihre Pferde in den Galopp getrieben.
      Am Ende war der Ausritt ein voller Erfolg. Ich erlebte zwar nur die zweite Hälfte mit, doch selbst dafür hatte es sich noch gelohnt, herzukommen. Nach zahlreichen Galopps und schönen Waldwegen, kam die ganze Gruppe heil wieder auf dem Hof an. Ich verabschiedete mich von den anderen Reitern und machte sich mit Moon auf den Heimweg.

      Weisse Welt, heile Welt

      Ich schlich auf Zehenspitzen die Treppe runter und setzte den Teekocher auf. Ich wollte Lily heute erst wecken, nachdem ich ihr Abschieds-Frühstück vorbereitet hatte. Sie würde heute Nachmittag von Rachel abgeholt werden, damit sie pünktlich für Weihnachten zurück war. Etwas wehmütig war ich schon bei dem Gedanken, morgen wieder alleine zu frühstücken, aber ich war auch ziemlich froh, bald meine Ruhe wieder zu haben. Der letzte Monat war wie eine lange Achterbahnfahrt gewesen, und Thairu war nur einer der Gründe. Die Zebrastute hatte innerhalb zweier Wochen gelernt, einen Reiter ein paar Schritte weit zu tragen, ohne ihn gleich wieder runter zu buckeln. Lily hatte ich bisher allerdings nicht auf ihren Rücken gelassen, da das noch zu riskant war. Sheela kam in die Küche getapst und streckte sich gähnend. Hinter ihr folgten Jacky und Zira. Ich kümmerte mich um das Futter der Hündinnen, immer die Spiegeleier im Auge behaltend. Als alles fertig war, ging ich nach oben und weckte Lily. Sie wollte zuerst gar nicht aufstehen. Offenbar glaubte sie, dass sie noch länger bleiben könne, wenn sie einfach liegen bliebe. Ich konnte sie aber schliesslich doch dazu überreden mir zu folgen, da das Essen kalt wurde.
      Nach dem Frühstückmachten wir uns beide auf den Weg zum Hauptstall, wo es eine neue Box einzurichten galt. Zum Glück hatte ich meiner Nichte schon gestern Abend beim Packen geholfen, sodass sie den ganzen Morgen nochmal richtig geniessen konnte. Gestern war Shio von ihrer neuen Besitzerin abgeholt worden, sodass ihre Box nun leer stand und bloss neu eingestreut werden musste. Ich hatte die Cremello Stute schweren Herzens verkauft, da sie nicht die gewünschten Rennleistungen erbrachte und ich nicht so richtig warm mit ihr geworden war. Dafür zog nun Sympathy of the Devil wieder bei uns ein. Die mittlerweile gekörte, fünfjährige Stute war vor langer Zeit schonmal auf Pineforest Stable gewesen, allerdings nur auf der Durchreise nach Deutschland, wo sie schliesslich nochmal verkauft worden war. Ich hatte die Leistungen der Stute mitverfolgt und es immer mehr bereut, sie weitergereicht zu haben. Als schliesslich die Gelegenheit gekommen war, hatte ich sie als Rennpferd und zukünftige Zuchtstute zurückerobert. Sie würde heute Abend endlich wieder ankommen. Ausserdem kam heute auch mein lang ersehntes Stutfohlen von Skyrim an, das auf Eddis Hof herangewachsen war. Die kleine war sowas wie ein zukünftiger Supercrack, jedenfalls von der Abstammung her. Der Rest musste sich noch zeigen, doch ich war zuversichtlich. Lily und ich füllten ein paar Schubkarren mit Stroh und verteilten es in der Box. Danach machten wir uns auf den Weg zu den Offenställen, denn wir wollten die Fohlen putzen. Dank des Schnees waren sie relativ sauber, aber ich wollte sie dennoch an das Bürsten und Hufeauskratzen gewöhnen. „Mit wem wollen wir anfangen?“, fragte ich Lily vergnügt, als uns die Hengstchen am Zaun begrüssten. Die Gruppe zählte nur noch vier Mitglieder, denn Paluche und Alysheba waren ja nun bei den Grossen. So blieben noch Life, Jack, Merino und Simba. Wir nahmen uns zuerst Merino vor. Ich streifte ihm ein schwarzes Halfter über und band ihn an einem der Zaunpfosten fest. Anschliessend kratzte ich alle vier Hufe aus, während Lily ihn mit der Bürste massierte. Dasselbe machten wir auch mit den anderen Hengstchen. Die Stutfohlen liessen wir noch in Ruhe, denn die würden heute ja ohnehin noch ihre Portion Aufregung bekommen.

      Wenig später halfen wir beim misten, brachten Pferde auf die Weide, bereiteten Muskat, Light, Spot und Caspian auf das Training vor und halfen den Jockeys beim Aufsteigen. Um Neun Uhr Sattelten Lily und ich Donut und Moon. Wir wollten einen letzten Ausritt mit Schneegalopp wagen. Das kleine Mädchen hievte den schweren Westernsattel mittlerweile selbst auf Felines Rücken. Auch beim Zäumen durfte ich ihr nicht mehr helfen; sie wollte es alleine schaffen. Es dauerte so zwar etwas länger, aber sie wurde von Mal zu Mal geschickter. Wir ritten los in Richtung Galoppwiese, jedoch mit einem Umweg zum Fluss, damit die beiden Stuten auch gut aufgewärmt waren, wenn wir loslegten. Dann galoppierten wir an und heizten die Wiese hinunter durch den Schnee. Zum Glück waren Trampelpfade im Tiefschnee, denen wir folgen konnten. So war der Galopp nicht ganz so kräftezehrend für Moon und Feline, doch anstrengender als sonst blieb es trotzdem. Wir gingen daher nicht bis ganz ans Ende der riesigen Wiese, sondern bogen schon vorher wieder in den Pinienwald. Dort folgte eine lange Schrittphase, in der wir uns über die vergangenen Wochen unterhielten. Ich fragte Lily, was ihr am meisten gefallen hatte. „Das Einreiten von Thairu war cool! Und die Reitstunde mit Dream. Aber auch das Arbeiten mit den Minis, und natürlich das Ausreiten.“ Ich schmunzelte und war froh, dass sie bei den daraufhin gefragten schlechten Erlebnissen nicht so viel aufzuzählen wusste. Ich musste ihr auch versprechen, mit Rachel bereits die nächsten Reitferien auszuhandeln. Dies würde jedoch frühestens im Frühling sein.

      Wir kamen nach über einer Stunde zurück auf den Hof und versorgten die Pferde. Dann verbrachten wir den restlichen Morgen mit einer letzten Dressurstunde, bei der Lily Dream reiten durfte. Ich half ihr danach beim Absatteln. Lily streichelte die Stute liebevoll. „Ich werde sie vermissen. Aber bis ich wieder komme muss sie anständig trainiert werden. Die hat einige Kilos zu viel auf den Rippen!“, lachte sie. Ich lachte verschmitzt, denn Dream war keineswegs untrainiert – aber das würde ich Lily erst später erklären, als kleine Überraschung. Ich hatte ihr nämlich die ganze Zeit über verschwiegen, dass die Stute von Skyrim tragend war. Lily knuddelte Dream noch einmal kräftig, dann verliessen wir die Box und halfen beim Füttern, bevor wir selber Essen gingen. Danach packte Lily noch die letzten Dinge ein. Wir schleppten die Koffer zum Parkplatz, denn Rachel wartete, pünktlich wie immer, bereits mit verschränkten Armen dort. Tochter und Mutter fielen sich in die Arme, während ich die wild schwanzwedelnden Hunde beruhigte. Rachel und ich schwatzten noch ein wenig zusammen, doch sie wollte nichtmal für eine Tasse Tee ins Haus kommen, da sie ‚einen straffen Zeitplan‘ hatte. Lily unterbrach uns immer wieder mit ihrer Sicht der Dinge und schwärmte zum Beispiel von dem Ausritt vorhin mit Donut. Ich zuckte zusammen und verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln, denn Rachel sah mich bereits drohend an. „Wir hatten doch vereinbart, dass sie nur Stuten oder Wallache reitet!“ „Ja ja, hat sie eigentlich auch. Aber sie ist ein Naturtalent und Donut ist sowieso ein ganz lieber…“, beschwichtigte ich sie. Na gut, wir haben uns in einigen Punkten nicht an die Abmachungen gehalten, und nachdem Lily Dream reiten durfte, war sowieso alles über den Haufen geschmissen… Aber ich hab ja immer aufgepasst. Ich warf Lily einen strengen Blick, den sie zu verstehen schien, denn sie erwiederte mit einem Zwinkern: „Ja, das war ne Ausnahme. Sonst waren wir brav.“ Rachel schien beruhigt und ich entspannte mich wieder. Doch langsam war es wirklich Zeit, mich von den beiden zu verabschieden. „Oh ich freu mich schon so auf nächstes Mal! Du musst unbedingt mit Thairu weiter üben, damit ich sie reiten kann, sobald ich wieder da bin“, drängte Lily. „Ach, du wirst sowieso genug zu tun haben mit Dreams Fohlen“, bemerkte ich beiläufig, und brachte Lily so zum Stutzen. „Ocuuuu? Was meinst du mit ‚Dreams Fohlen‘?!“ Rachel und ich lachten. Nachdem ich das Geheimnis gelüftet hatte, konnte Lily kaum noch still bleiben und Rachel zerrte sie förmlich zum Auto. Ich winkte zum Abschied und sah zu, wie das Auto die verschneite Grasrennbahn passierte.

      Es kam mir unglaublich still im Nordstall vor, als ich begann, Daydreaming Sorrow zu putzen. Daher liess ich den Radio an und hörte dem Sprecher bei den Verkehrsnachrichten zu. Ich hatte es wie immer nicht geschafft, die Mähne des Welshs nicht total zu zerzausen, als ich ihm das weiche Lammfellhalfter übergestreift hatte. Nun zupfte ich die Strähnchen einzeln zurecht und kämmte die dichte Wolle dann vorsichtig durch, um nichts auszurupfen. Er hatte wiedermal seinen Schlafzimmerblick aufgesetzt, als ich den Kopf mit der weichen Bürste bearbeitete. Besonders vorne beim Maul genoss er es. „…A13 westbound between the A1012 and the junction with the A126. There are currently delays of 10 minutes against free flowing traffic due to congestion. There is also a holdup at the M6 northbound between junctions J13 and J14. Reason is a road traffic collision. One of the two lanes is closed…” Ich kratzte die Hufe aus und entwirrte die Puschel an seinen Beinen, dann holte ich den Sattel. Ich ging mit ihm in die Halle und übte ein paar Dressurlektionen der L Klasse. Er stand dort noch ganz am Anfang, aber arbeitete fleissig mit.

      Gegen Abend empfing ich die beiden Neuankömmlinge. Devil fand sich auf Anhieb zurecht und keifte ein wenig mit ihrer Boxennachbarin, ehe sie sich ihrem Heu zuwandte. Shadows of the Past, von mir auch liebevoll Shira genannt, verhielt sich dagegen erstmal eher zurückhaltend. Sie kaute unterwürfig und zog das Schweifchen ein, als die älteren Jährlinge an ihr schnüffelten. Alles in allem verlief die Vergesellschaftung aber unkompliziert. Ich genoss den Abend auf einem weiteren Ausritt, diesmal mit Quinn. Wir nahmen Dod und Numair. Durch den Nebel sah man im Dunkeln etwa so viel wie in einem Hundemagen, doch Quinn und ich blieben ruhig, und so taten es auch die Pferde. Als die Stallarbeiten erledigt waren, sahen wir uns alle im Pflegerheim einen Film an, doch spätestens um zwölf Uhr waren alle Lichter gelöscht, denn die Pferde wollten auch am nächsten Morgen ihr Futter pünktlich um sechs serviert bekommen.

      Ein Sonniger Sonntag

      Es windete mich zwar fast von den Füssen, als ich gleich nach dem Mittagessen vor die Haustür trat, doch zumindest war es so warm wie schon lange nicht mehr. Die Sonne schien, der Himmel war wolkenlos und der regendurchweichte Boden begann zu trocknen. Ausserdem entdeckte ich bereits erste Krokusblumen im Rasen vor dem Haus – dabei war es doch erst Februar! Ich betrachtete die violetten Blüten, ehe ich mich auf den Weg zum Nebenstall machte. Nach dem morgendlichen Vollblütertraining, das heute des nassen Geläufs wegen nur zaghaft vonstattengegangen war, freute ich mich auf einen langen Ausritt mit meiner Moon Kiddy. Auch Lisa, Lewis und Lily kamen mit, auf Piro, Gini und Feline. Das kleine Mädchen konnte so viel Ablenkung wie möglich gebrauchen, nach dem tödlichen Unfall ihrer Mutter. Meine braune Stute genoss die Sonne, während ich ihre Matschverkrustete Mähne entwirrte. Gestern hatten wir die Stuten zum ersten Mal seit einer ganzen Woche wieder rausgelassen, weil es zuvor einfach zu Nass gewesen war. Mit dem ganzen Schmelzwasser war der Boden durchtränkt und es konnten grosse Schäden entstehen, wenn die Pferde die ganze Zeit darauf herumtrampelten. Die Fohlen wollten wir heute auch wieder aus dem Offenstall lassen, denn dort drin musste dringend mal wieder gründlich gemistet werden, was mit einem Haufen neugieriger Jungspunde hinter dem Rücken gar nicht so leicht war. Ich beschloss, Moons Beine kurz zu waschen, denn mit der Bürste malte ich mir mindestens eine halbe Stunde Arbeit aus. Gesagt – getan, danach ölte ich die Hufe auch gleich ein, damit sie nicht zu viel Feuchtigkeit von der nassen Weide aufnahmen. Nun brauchte ich nur noch den Westernsattel zu holen und die Braune zu zäumen, wie gewohnt mit dem Bosal. Auch die anderen waren so weit, also stiegen wir auf und ritten los. Piro war ziemlich geladen und steckte die anderen nach kurzer Zeit an. So kam es, dass wir schneller unterwegs waren, als uns lieb war. Dafür erweiterten wir die geplante Route um einen Waldweg in Richtung Dorf. Lily schlug sich ganz gut mit Feline, aber auch die sonst so brave Schimmelstute begann zunehmend herumzuhampeln. Ich schlug vor, einen ausgiebigen Galopp zu machen, damit die vier etwas müde wurden und nicht mehr so viel überschüssige Energie hatten. Wir polterten nebeneinander den Waldweg entlang, dabei war es gar nicht so leicht, Moon bei der Gruppe zu halten. Tatsächlich wurden die Pferde langsamer, als es auf das Ende des langen Weges zuging und wir kamen sogar zum Treiben. Im flotten Trab ritten wir über eine Weggabelung und anschliessend bis zum Waldrand. Dort liessen wir die vier etwas strecken. Piro schnaubte zufrieden und Feline versuchte, am Wegrand zu knabbern, doch Lily setzte sich erfolgreich durch. Sie hatte viel gelernt, seit sie das erste Mal bei mir in den Ferien gewesen war. Und seit dem Unfall war sie mit noch grösserem Eifer dabei, sodass ich sie zeitweise fast bremsen musste. Ich machte mir Sorgen, dass sie sich überforderte, indem sie die Trauer mit physischer Beschäftigung überspielte. Sie beteuerte hingegen immer, „okay“ zu sein. So langsam kam Pineforest Stable wieder in Sicht, also verlangsamten wir das Tempo etwas und genossen die restlichen Meter im Schritt. Die Natur schien sich nicht einig zu sein, ob sie nun erwachen, oder doch noch im Tiefschlaf bleiben sollte. Zum Teil schossen bereits Blumen aus dem Boden, doch die Bäume hatten noch keine Knospen und auch das Gras schien noch schlaff. An der Sonne war es beinahe so warm, dass man im T-Shirt reiten konnte, doch im Schatten der Bäume bekam man Hühnerhaut. Die Pferde schienen aber ziemlich zuversichtlich zu sein, denn sie begannen bereits mit dem Fellwechsel. Der Wind zerzauste mir dauernd die Haare, aber es war eine wundervolle Stimmung und wenigstens kam er von seitlich vorne.
      Wieder auf dem Hof, brachten wir die vier Stuten direkt zurück zum Offenstall und liessen sie nach dem Absatteln freilaufen. Sie hatten tatsächlich mal wieder ein wenig geschwitzt, aber das trocknete bei dem Wind rasch. Die Hufe kontrollierten wir dann doch noch schnell, wie es sich gehörte. Als Nächstes gingen wir zu den Fohlenställen und schoben die grossen Tore auf. Wie erwartet schossen Merino, Life und Simba sofort raus und drehten erstmal einige Runden. Die Stuten gingen das Ganze etwas gemässigter an und blieben zuerst stehen um sich umzusehen, doch danach bockten und stolperten auch sie durch das feuchte Gras. Shira hatte sich mittlerweile gut in die Herde integriert und besonders in Prada eine neue Freundin gefunden. Penny und Primo klebten auch ziemlich aneinander, nur Riven war eher selbstständig. Sie war auch die unangefochtene Anführerin der Stutengruppe und ziemlich dominant mit den anderen. Ich half den Pflegern beim Misten mit dem kleinen Traktor, wobei es gar nicht so viel zu tun gab, ausser die Reste mit der Heugabel aus den Ecken zu kratzen. Wir räumten das alte Substrat komplett raus und füllten frisches Stroh ein. Ausserdem wurden die Tränken und Futtertröge geschrubbt. Wir waren eine gute halbe Stunde beschäftigt pro Offenstall, also war es bereits halb fünf Uhr, als ich endlich wieder zum Nebenstall kam. Um die letzten Sonnenstrahlen noch zu nutzen, schloss ich mich Rosie, Darren und Jonas auf den Dressurplatz an. Die drei übten auf Sweets, Bluebell und Lychee ein Dressurprogramm fürs kommende Wochenende. Es war zwar nur ein internes Clubturnier, aber wir wollten trotzdem eine gute Figur machen und zeigen, wie weit unsere jungen Schützlinge schon waren. Ich putzte Satine und übte ebenfalls ein paar der L Lektionen, die die Stute noch nicht perfekt beherrschte. Sie war heute aber irgendwie sehr abgelenkt und schreckhaft, sodass ich nicht ganz so viel mit ihr machen konnte, wie ich eigentlich geplant hatte. Pferde haben eben auch Launen und schlechte Tage, stellte ich fest. Nach vierzig Minuten brach ich ab und liess die Fuchsstute austraben. Wenigstens streckte sie sich schön. Wir versorgten auch diese Pferde nach der Arbeit. Nun waren schon fast alle Pferde bewegt worden und wir konnten es alle etwas ruhiger angehen. Ich beschloss, nochmal nach Dream zu sehen, die laut dem Tierarzt in den nächsten Tagen abfohlen sollte. Lily war schon bei ihr als ich kam und streichelte gedankenversunken die rosa Nüstern der Stute. Ich erschreckte sie fast, als ich ihr auf die Schulter tippte. Ich schlug vor, die Schimmeldame zu putzen, was Lily gefiel. Wir bürsteten das weisse Fell und kämmten das graue Langhaar, bis es wieder schön entwirrt war. Dream schien die Prozedur zu geniessen, oder zumindest störte es sie nicht. Ich meinte dennoch, eine leichte Unruhe in den Augen und im Verhalten der Stute zu bemerken. Vielleicht war es ja schon heute Nacht soweit. Ich sagte Lily nichts, damit sie nicht enttäuscht war, wenn es heute doch noch nicht geschah. Vor dem Abendessen gingen wir noch zu Ronja, um sie auf einen Spaziergang mitzunehmen. Paranyi und Halluzination wurden unterdessen in der Halle bewegt. Lily, Ronja Räubertochter und ich liefen über die Brücke beim Fluss. Auf der anderen Seite liessen wir sie etwas grasen. Lily suchte im Dunkeln nach ersten Schnecken oder Insekten. Ich beobachtete meine Enkelin und war froh, dass sie einmal mehr zu vergessen schien, warum sie hier war. Ich fragte mich immer noch wie es sein würde, sie immer hier zu haben. Der Unfall war nun schon ein paar Wochen her, aber so richtig hatten wir uns beide noch nicht an die neue Situation gewöhnt. Ich war froh, dass das kleine Mädchen schon so selbstständig war, denn sonst wäre ich vermutlich leicht überfordert gewesen. Doch so kamen wir irgendwie klar. Lily hatte sich ein Leben auf einem Reiterhof immer gewünscht, doch war es fair, sie dafür einen solch hohen Preis zahlen zu lassen? Das Leben war hart und unbarmherzig, aber irgendwie drehte sich die Welt immer weiter. Schliesslich machten wir uns auf den Heimweg und gingen ins Haus.
      Nach dem Abendessen schauten wir uns einen Film an, wobei wir einmal eine Pause einlegen mussten, um die Abendliche Stallkontrolle zu machen. Um halb Zehn schickte ich Lily ins Bett und ging dann noch rüber ins Pflegerheim bis halb elf Uhr. Ich hatte meinen Wecker extra ein wenig früher gestellt, damit ich vor dem Frühstück rasch nach Dream sehen konnte. So stand ich um fünf auf und schlich mich raus. „Hab ich’s mir doch gedacht!“, schmunzelte ich, als ich ein dunkles Bündel im Stroh neben Dream entdeckte. Es konnte kaum eine Stunde alt sein, denn es war noch ganz zittrig. Ich prüfte kurz Augen, Nüstern und Puls des kleinen, stellte fest, dass es ein Hengstchen war und sah nach Dream. Beide, Mutter und Kind, waren zwar müde, aber bei bester Gesundheit. Erleichtert lief ich zurück zum Haus und weckte Lily. Ich erwähnte das Fohlen erst nach dem Frühstück, denn ich wusste genau, dass sie sonst nicht hätte stillsitzen können. Sie rief schliesslich halb vorwurfsvoll, halb überrascht „Occu!“ und stürzte zur Tür raus. Sie konnte ihre Begeisterung kaum unterdrücken, schaffte es aber, ruhig und vorsichtig näherzugehen. Das Hengstchen stand mittlerweile auf wackligen Beinen und sah sich die Wand an. Dream schubste es etwas zur Seite, als sie sich drehte, um uns zu begrüssen. Es schaffte es, irgendwie auf den Beinen zu bleiben und stolperte ihr hinterher, blieb aber auf Abstand. Ich fragte Lily, was sie von dem Namen ‚Skydive‘ hielt, und wir einigten uns darauf. Nach einer Weile kamen auch ein paar der Pfleger hinzu und beobachteten das kleine fröhlich. Doch dann mussten wir mit dem Füttern anfangen und der Routine nachgehen.
      8 März 2016
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

      Noch mehr bunte…

      Inzwischen wimmelte es nur so vor kleinen, schlaksigen, langohrigen Wesen auf Pineforest Stable, denn auch Queenie und Islah hatten ihren Nachwuchs bekommen. Die beiden Fohlen hiessen Glenns Cookie und Empire of Irony. Es fehlten jetzt nur noch Cassiopeia und Sympathy. Bei Cassy würde es noch mindestens einen Monat dauern, aber Sympathy schien sich ausgerechnet den heutigen Tag ausgesucht zu haben. Ich war darüber nicht sehr erfreut, denn heute fand ein kleines Frühlingsturnier vom Kinderreitclub der Gegend auf meinem Hof statt. Das bedeutete viele Besucher, Lärm und Hektik – alles andere als optimal für ein neugeborenes Fohlen und seine Mutter. Sympathy war schon den ganzen Morgen nervös und drehte sich immer wieder in ihrer Box. Ajith überwachte sie fast rund um die Uhr und auch ich sah immer mal wieder bei ihr vorbei, wenn ich nicht gerade Hindernisse umstellen oder Kindern beim Satteln helfen musste. Die meisten waren mit ihren eigenen Ponys oder Kleinpferden angereist, aber ich bot auch ein paar meiner Stuten zum Reiten an, allerdings nur für Fortgeschrittene. So kam es, dass heute Feline, Moon und Piro mitliefen. Das Mädchen, dem ich Moon anvertraut hatte, war schon oft in Lisas Reitstunde gekommen und hatte eine ruhige, feine Hand. Ich war mir aber trotzdem nicht hundertprozentig sicher, ob sie mit meiner Criollostute klarkommen würde. Jonas hingegen meinte beschwichtigend: „Du hast sie ja gut erzogen, sie wird schon lieb sein.“ Ich konterte: „Von wem reden wir jetzt – Moon oder das Mädchen?“ Wir lachten herzhaft. Lily machte übrigens auch mit, denn sie war, seit sie bei mir lebte, dem Club auch beigetreten, damit sie an den wöchentlichen Abendreitstunden teilnehmen konnte. Sie machte mit Skyrim mit. Ich wollte auch ihr beim Satteln helfen, wurde aber mit den Worten „Bin gross genug und kann das selbst“ zur Seite geschubst. Ich durchschaute meine Nichte augenblicklich: Sie wollte ein wenig vor den anderen Kindern bluffen. Ich schmunzelte und liess sie machen, nur um wenig später, als sie noch rasch aufs Klo ging, den Sattel etwas weiter nach vorne zu korrigieren. Ich gab mir aber zumindest Mühe, dass mich die anderen nicht beobachteten. Sobald Lily aufgestiegen war und zur Halle zum Aufwärmen ging, schlich ich mich wieder zu Ajith Devil in den Hauptstall. „How is she?“ „Nothing has changed, she’s still turning around and seems nervous…“, meinte Ajith besorgt. Ich runzelte die Stirn. Ob ich wohl jetzt schon den Tierarzt rufen soll? Nach langem hin und her entschied ich mich, ihr noch eine Stunde Zeit zu geben. Wenn sich bis dahin nichts verändert hatte, musste definitiv Hilfe her. Ich klopfte Ajith beruhigend auf die Schulter und begab mich zum Dressurviereck, damit ich Lilys Durchgang nicht verpasste. Gerade war noch ein Dunkelfuchs im Parcours, aber Lily und Sky kamen als nächste dran. Die Kinder mussten zuerst ein einfaches Dressurprogramm reiten, bei dem es vor allem um die Exaktheit ging. Danach galt es, einen 60er Parcours zu überwinden. Im Dressurteil patzte Lily bei den Ecken, die sie fast jedes Mal auszureiten vergass. Ich sah ihr auf meine Oberlippe beissend zu und freute mich dafür umso mehr, als Skyrim sie souverän durch den Parcours trug. Das erfahrene Sportpony brauchte nur eine Richtung gewiesen zu bekommen, den Rest erledigte es selbst, jedenfalls bei dieser geringen Höhe. Sky schien auch sichtlich Spass zu haben, denn seien Ohren drehten sich nur rasch nach hinten, wenn Lily ihm ein Signal gab. Ich empfing die beiden beim Schotterweg und nahm Sky gleich den Sattel ab, damit Lily ihn trockenführen konnte. Unterdessen sah ich mir auch die Durchgänge von Moon und Piro an (Feline war leider schon durch), ehe ich wieder zu Devil ging. Tatsächlich schien es Komplikationen zu geben, also telefonierte ich besorgt mit dem Tierärztin und betete, dass alles gut gehen würde.
      Etwas mehr als eine Stunde später war die Tierärztin wieder abgereist und ich kehrte zurück zu Devils Box. Die Blue Roan Stute war noch immer etwas angeschlagen, doch wenigstens hatte man uns Entwarnung gegeben. Auch das knochige Stutfohlen in ihrer Box war völlig fertig; es döste ausgestreckt im Stroh. Ich beschloss, die beiden in Ruhe zu lassen und nach den Kindern mit ihren Ponys zu sehen; Ajith schlich ja auch noch im Hauptstall herum, um ein Auge auf die beiden zu haben. Die Besucher hatten zum Glück nichts mitbekommen und feierten gerade fröhlich die Rangverkündigung. Lily war immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Sie kam auf mich zu gehüpft und umarmte mich erstmal, dann fragte sie, wo ich gewesen sei. Ich erklärte rasch, dass Devils Fohlen da sei und sie es sich später ansehen könne, wenn die anderen gegangen waren. Eine Horde Kinder, die das Fohlen beglotzen wollten, war jetzt das Letzte, was Devil brauchte. Sie nickte verständnisvoll und rannte dann davon zu ihren Kolleginnen. Ich wurde als Besitzerin der heute kostenfrei zur Verfügung gestellten Infrastruktur noch rasch vors Publikum gebeten, was ich absolut hasste. Ich versuchte trotzdem freundlich zu lächeln und sympathisch auszusehen.
      Am Abend skypte ich mit Hunter Crowley und berichtete ihm von der Geburt der Tochter seines geliebten Hengstes. Er grinste über den Namen, den ich ausgesucht hatte, um die Kommentatoren bei den zukünftigen Rennen etwas zu ärgern: ‚Subsyndromal Syndromatic Depression‘. Ausserdem erzählte ich ein wenig von Savory Blossoms Fortschritten, die inzwischen bereits das erste Mal auf der Weide gewesen war und ein paar vorsichtige Galoppsprünge gewagt hatte. Danach sah ich nach Lily und den Hunden, ehe ich mich selbst hundemüde ins Bett fallen liess.
      19 Apr. 2016

      Fly Away

      Tschilp, tschilp, tschilp – das hörte ich mir nun schon den ganzen Tag an. Ursprung davon war ein kleiner Piepmatz, der hungrig in seiner Müslischüssel auf dem Fensterbrett sass und auf einen Snack wartete. Ich hatte ihn am Morgen in der Halle gefunden, vermutlich war er aus dem Nest gefallen und hatte sich dabei den einen Flügel gebrochen, denn dieser hing etwas schief. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Federball, denn er frass zwar, war aber dauernd etwas aufgeplustert. Lisa hingegen war optimistisch: „Der wird schon Occu, solange er frisst und kackt ist alles in Ordnung.“ Ich war etwas genervt über ihre saloppe Ausdrucksweise, zuckte dann aber mit den Schultern und fing noch ein paar Heuschrecken, die ich ihm später in den Schnabel stopfen wollte. Sie versuchten mit aller Kraft mir zu entkommen, dem ein oder anderen gelang es auch, aber die meisten landeten trotz der Strapazen in der kleinen Schachtel mit dem Löcherdeckel. Gefühlte 100 Jagdversuche später stellte ich den Behälter zufrieden neben das improvisierte Nest und machte mich auf den Weg zur Stutenweide. Auf dem Plan stand ein Ausritt mit Lily, Rosie und Lewis. Nein, eigentlich standen auf dem Plan nur in Olivers Handschrift „Moon Kiddy“ und die Namen der weiteren Pferde, die ich diesen Monat persönlich betreute. Aber da es wundervolles Spätsommerwetter war und wir nach den Regenfällen letzte Woche endlich wieder baden gehen wollten, war etwas anderes als Ausreiten gar nie in Frage gekommen. Um mich herum zirpten die Heuschrecken, als ich auf dem Trampelpfad zum Weidetor lief. Piroschka und Feline sahen mir entgegen, senkten dann aber wieder die Köpfe zum Grasen. Sie hatten das einzig Vernünftige gemacht und unter den Bäumen Schatten gesucht. Ich hatte schon heiss vom blossen laufen. Umso mehr freute ich mich auf die Abkühlung. Ich pfiff als ich die Weide betrat, sodass sich die kleine Herde in meine Richtung bewegte. Allen voran kam Islah, nur um kurz vor mir anzuhalten und anschliessend demonstrativ wieder in den Schatten zu schlendern. Sie war die unangefochtene Leitstute, aber die anderen blieben zum Glück erstmal bei mir, sodass ich Moon und Feline zu fassen bekam. Rosie und Lewis können sich Adrenaline und Piroschka nachher selber einfangen, beschloss ich. Ich führte sie beiden Stuten zum Nebenstall, ohne mir die Mühe des Halfterschliessens zu machen. Die gingen sowieso nirgends sonst hin. Ich band beide unter dem Dach an und begann sie zu putzen. Hier hatte ich wenigstens auch etwas Schatten, sodass ich während des Bürstens nicht in meinem eigenen Schweiss ertrank. Trotzdem liefen mir die Tropfen schon nach kurzer Zeit die Stirn runter. Ausserdem hatte ich beim Knoten meines Bikini Oberteils wohl ein paar Haare erwischt, die nun die ganze Zeit unangenehm zwickten. Lily hatte ihre Badesachen auch endlich angezogen (und vermutlich den Piepmatz endlich fertig gestreichelt, obwohl ich sie gebeten hatte, ihn in Ruhe zu lassen). Sie setzte ihr unschuldiges Grinsen auf und striegelte Feline. Kurze Zeit später waren Lewis und Rosie mit ihren beiden Reittieren bei uns. Weil es seit drei Tagen wieder trocken war, hatten es die Pferde auch geschafft, abgesehen von etwas Staub sauber zu bleiben. Ausserdem putzen wir sie sowieso nicht allzu gründlich, weil wir nachher ins Wasser wollten. Daher sassen wir bald schon ohne Sattel und in Badesachen oben und ritten in Richtung Fluss vom Hofgebiet weg.

      Das Ufer war bei der Übergangsstelle zur Insel schön flach, sodass wir über den Trampelpfad ohne Schwierigkeiten ins Wasser kamen. Linn wollte nicht sofort rein, aber als sie sah, dass Moon und Feline ohne zu zögern vorausgingen, folgte sie mit einem zögerlichen Satz. Piroschka begann sofort zu scharren, als sie den ersten Huf im Wasser spürte. Lewis musste sie sogar energisch antreiben, dass sie sich nicht ablegte, als die beiden tiefer drin waren. Wir wateten zu einer tieferen Stelle, sodass die Stuten sogar ein wenig schwimmen mussten. Moon strecke Ohren und Nüstern so weit in die Höhe wie es ging, damit kein Tröpfchen Wasser rein kam. Ich klammerte mich an ihre dichte Mähne, damit ich mich auf dem schwimmenden Nilpferd halten konnte und nicht unter die Paddelhufe kam. Lily tat es mir gleich, sie war diesen Sommer schon ein paarmal mitgekommen und wusste, dass sie aufpassen musste. Am Ende kletterten wir tropfend wieder an Land und die Pferde schüttelten sich erstmal kräftig, sodass wir allesamt fast von den Rücken runtergerutscht wären. Dann machten wir uns erfrischt auf den Heimweg, aber nicht ohne am Wegrand einen kleinen Galopp zu wagen. Ich fragte Lily vorher, ob sie sich traue, doch sie verdrehte als Antwort nur die Augen und galoppierte bereits an. Wobei sie sich dann doch ziemlich gut festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

      Zuhause versorgten wir die vier Criollos und kümmerten uns um die nächsten Kandidaten. Islah, Echo, Coffee, Shadow und Noir waren bereits bewegt worden – erstere drei ebenfalls auf einem Ausritt mit Jonas, Elliot und Lisa. Shadow und Noir waren am Morgen an der Longe gequält worden. Ich machte nun die Sachen von Lila Wolken bereit. Ja, die Stute war wieder Zuhause. Sie war bei Eddi in besten Händen gewesen und hervorragend trainiert worden, aber Eddi hatte einfach nicht mehr genug Zeit für zu viele Pferde, deshalb hatte sie ihren Bestand ziemlich reduziert. Auch Caruso und Flintstone waren aus diesem Grund zurückgekehrt. Alle drei hatten die Reise gut überstanden und sich schnell wieder eingelebt – das war nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Ich war besonders froh dass ich Flint wieder hatte, denn so hatte ich nun schon zwei meiner ursprünglichen drei Westernpferde aus der Anfangszeit von Pineforest zurück. Wenn ich mir den Hengst ansah, kamen mir sofort Erinnerungen in den Sinn und ich fragte mich, wie es wohl Lovely Summertime ging. Ich wusste wenigstens, dass sie noch lebte, denn ich hatte sie kürzlich auf einem Foto eines Kanadischen Turniers wiedererkannt. Doch nun zurück zu Lila, die mittlerweile gesattelt vor dem Nebenstall angebunden stand. Ich zog ihr das Halfter aus und schob ihr die Trense in den Mund. Sie nahm sie willig an und kaute darauf herum, während ich versuchte, die drahtige Wuschelmähne unter dem Genickband zurecht zu zupfen. Als ich es geschafft hatte, kam mir Jonas entgegen. „Hey Boss, soll ich mit Ronja raus gehen oder im Roundpen Seitengänge üben?“ „Was weiss ich? Du bist kein Kind mehr, entscheide selbst“, antwortete ich gereizt. „Was hab ich jetzt schon wieder verbrochen?“, wollte er daraufhin gerechtfertigter Weise wissen. Ich sah ihm nicht in die Augen, aber murmelte entschuldigend: „Okay tut mir Leid, du kennst mich doch - ich hab immer viel um die Ohren.“ „Schon gut, ich verzeihe dir nochmal“, beschwichtigte er grinsend. „Wobei ich wünschte, du hättest mehr Zeit.“ „Mehr Zeit wofür?“ Er schien überrascht, dass ich seine Worte gehört hatte und meinte rasch: „Ach, für Ausritte oder Filmabende...“ Ich sah ihn stirnrunzelnd an und überlegte. „Wenn du unbedingt willst, können wir heute Abend zusammen mit Lily einen Film schauen.“ „Ich meinte eher, nur wir zwei“, murmelte er, fügte dann aber auf meinen allessagenden Blick hin rasch hinzu: „aber mit Lily ist natürlich auch vollkommen okay, ich würde mich freuen.“ Ich wandte mich kopfschüttelnd wieder Lila zu und dachte laut: „Diese Männer, immer nur das eine im Kopf.“ Er rief im Weggehen lachend: „Was denn? Ich hab nicht mal im Entferntesten an sowas gedacht, wenn du das reininterpretierst ist das nicht meine Schuld.“ Meine Ohren wurden heiss, aber ich liess es gut sein und kümmerte mich um mein Pferd, anstatt nochmal etwas anzufügen.

      Lila lief brav auf der Ovalbahn, wie ich es mir von ihr gewohnt war. Sie beherrschte mittlerweile sogar Renntölt und war sehr fein an den Hilfen. Sie hatte auch schon ein paar entscheidende Turniere bei Eddi gewonnen und war nun in die Höchstklasse aufgestiegen, also hatte ich mit ihr nun drei Gang-Cracks im Stall. Zufrieden liess ich sie nach einer halben Stunde austraben und führte sie nach dem Absteigen im Schatten der Tannen trocken. Ich musste bis zum Abend noch Satine, Rebel und Pilot bewegen, ausserdem La Bella Goia in Empfang nehmen. Die Siebzehnjährige Stute durfte in ihr altes Zuhause zurückkehren und hier ihren Lebensabend geniessen. Aber im Moment war sie noch äusserst gut in Form und würde als erfahrenes Turnierpony für Lily dienen – und als Freizeitpartner für mich. Sie wurde pünktlich um sechs Uhr von Hans gebracht und ich führte sie sogleich in ihre neue Box im Nebenstall. Mit Pilot ging ich zuvor nochmal raus ins Gelände, denn der Hengst hatte gestern eine anstrengende Dressurstunde gehabt. Satine bewegte ich auf dem Sandplatz, ebenso Rebel. Wobei ich mit letzterem noch etwas an unseren Pleasure-Fertigkeiten feilte. Um acht Uhr war ich endlich mit allen fertig und half noch rasch Lily beim Verräumen von Areion, mit dem sie fleissig Gymkhana Übungen gemacht hatte. Dann wollte ich gemeinsam mit ihr nach dem Piepmatz sehen, den ich zuletzt um sieben Uhr gefüttert hatte. Lily rannte voraus durch die Haustür. Als ich hinterherkam, stand sie geschockt da. „Occu, es bewegt sich nicht mehr!“ Ich ahnte schon, was los war; ein Blick in die Schale bestätigte meine Vermutung. „Er hat’s nicht geschafft… Da war wohl doch etwas nicht mehr ganz in Ordnung mit seinen Organen.“ Lilys Augen füllten sich mit Tränen und sie schluchzte leise: „Er war ein Vogel, aber durfte in seinem kurzen Leben nicht einmal fliegen… Dabei haben wir uns so Mühe gegeben! Das ist einfach ungerecht.“ „Manchmal reicht Mühe allein nicht aus, und die Natur ist erbarmungslos. Aber da wo er jetzt ist, kann er sicher fliegen und ist schmerzfrei. Komm, wir begraben ihn im Garten.“ Mir bildete sich zugegebenermassen auch ein Kloss im Hals, als ich beobachtete, wie meine Nichte das tote Vögelchen schluchzend in ihre kleinen Hände hob und hinaustrug. Wir buddelten ein Loch und Lily sammelte ein paar Blümchen, die sie hineinlegte, um dem Piepmatz ein hübsches Blumennest zu machen. Dann legten wir ihn hinein und schoben die Erde langsam zurück ins Loch. Wir standen noch einen Moment da, dann legte ich den Arm um Lilys Schulter und führte sie ins Haus.

      Wir schauten wie versprochen mit Jonas einen Film, was meine Nichte auf andere Gedanken brachte. Ich war an diesem Abend froh und dankbar, Jonas bei uns zu haben. Denn auch mich brachte der gemeinsame Abend auf andere Gedanken. Trotzdem träumte ich in dieser Nacht von einem hüpfend-flatternden Federball, der mich vorwurfsvoll ansah, laut tschilpte und dann über eine Wiese mit vielen Grashüpfern hinweg flog. RIP Piepmatz…
      10 Aug. 2016

      [​IMG] Distanz S*-S**

      Gegen Abend stand ein langer Wanderritt an, an dem einige der Pfleger teilnehmen wollten. Unser Ziel war es, insgesamt etwa fünf Stunden unterwegs zu sein und dabei eine Pause bei einem Restaurant im Dorf einzulegen. Wir hatten schon die ganze Ausrüstung vorbereitet und durchgecheckt, schliesslich musste für so einen langen Ritt alles intakt sein. Ich holte gerade Piroschkas Sattel aus der Kammer, um ihn schonmal beim Nebenstall über das Holzgeländer zu legen. Fast wäre ich im Türrahmen mit Quinn zusammengestossen, die gerade die Putzsachen von Drømmer Om Død gesucht hatte. Wir sahen uns einen Moment erschrocken an, dann lachten wir beide und gingen aneinander vorbei. Ich holte Piro von der Stutenweide zum Nebenstall, wo ich sie anband und zu putzen begann. Wenige Augenblicke später waren auch Jonas und Lily mit Moon Kiddy und Feline zu uns gestossen. Die beiden plapperten fröhlich. Mir war schon oft aufgefallen, dass meine Nichte den Pfleger mit den krausen Haaren mochte. Wer kann das schon nicht?, stellte ich seufzend fest. Jonas band Moon direkt neben mir und Piro an. Er redete weiter mit Lily, wandte sich aber auch immer mal wieder an mich, mit Kommentaren wie „Nicht wahr, Occu?“ Ich nickte jeweils nur, und versuchte, konzentriert zu wirken. Lewis beteiligte sich manchmal auch an dem Gespräch, obwohl er und Ronja Räubertochter zuhinterst standen. Zwischen ihnen und mir befand sich noch Sugar ans Sweets, die von dem schweigsamen Alan Ward gepflegt wurde. Der Pfleger schien weder interessiert an der Konversation, noch an den Menschen, die sie führten. Er konzentrierte sich vollkommen auf die Ponystute vor ihm und schien alles andere auszublenden. Ich bewunderte ihn in diesem Moment dafür.

      Als wir alle gesattelt hatten, führten wir die Pferde zum Parkplatz, wo wir alle aufstiegen. Auch Quinn, Parker und Estragon Sky, Lisa mit Burggraf und last but not least Rita mit Calico stiessen zu uns. Am Anfang gaben wir uns noch keine Mühe, was die Formation anging – jeder Ritt dort, wo er gerade Lust hatte und wir füllten die gesamte Strasse auf. Doch spätestens beim Dorf mussten wir uns in eine Zweierreihe; an besonders engen Stellen sogar in eine Einerreihe einfädeln. Natürlich wollte Lisa jederzeit neben Jonas reiten. Ich ignorierte das Geturtel so gut es ging und plauderte fröhlich mit Quinn und Lily. Die Pferde liefen zufrieden im Schritt am Dorfrand entlang, bis wir ein kleines Waldstück erreichten, wo wir zum ersten Mal antraben konnten. Nun waren die Vierbeiner auch alle warm, also konnte der richtige Ritt beginnen. Wir bewegten uns fortan fast nur noch im flotten Trab voran. Ein paarmal mussten wir dann doch in den Schritt parieren, weil wir Fussgänger oder Fahrradfahrer kreuzten. Zu meiner Überraschung hielt Piro bisher gut mit, obwohl ich mit ihr noch nie so lange unterwegs gewesen war. Für Burggraf, Ronja, Calico, Feline und Moon war das ganze hingegen bisher ein Spaziergang. Besonders Calico, Ronja und Moon waren bereits an anspruchsvollen Distanzturnieren gewesen und sich ganz andere Strecken gewohnt. Wir machten nach zwei Stunden wie versprochen eine längere Pause bei einem Pub. Die Pferde konnten wir davor anbinden und in einem Brunnen trinken lassen. Ich überprüfte den Puls von Piro, ebenso wie es die anderen mit ihren Reittieren taten. Dann verschwanden Lisa und Jonas im Pub um für alle ein Getränk zu holen. Währenddessen besprach ich mit Lewis unsere Route und das bisherige Tempo. Wir genossen die Erfrischung an diesem doch noch sehr warmen Spätsommerabend. Am Ende der Pause war bei allen Pferden der Puls wieder im Normalbereich, sodass wir ohne bedenken weiter konnten. Wenig später lösten Alan, Quinn, Lisa und ich uns jedoch von der Gruppe ab und machten uns auf den Rückweg, denn unsere Pferde waren noch nicht fit genug um am restlichen Training teilzuhaben.

      Zuhause versorgten wir unsere Pferde gründlich. Alan und ich stellten Sweets und Piro unter die beiden Solarien im Hauptstall, ehe wir sie versorgten, denn die beiden waren total verschwitzt von der Anstrengung. Der Puls war allerdings nicht allzu überhöht gewesen, sodass ich daraus schloss, dass die beiden gar nicht so unfit waren. Eine gute Stunde später kehrten auch die restlichen zurück. Mittlerweile war es längst stockdunkel und die Sterne funkelten über unseren Köpfen, als wir halfen, die Pferde zu verräumen. Lily erzählte mir begeistert, dass sie eine ganze Gruppe Rehe und einen Fuchs gesehen hatten. Wir entliessen Feline auf die Stutenweide und Lily verfütterte ihr die wohlverdienten Karotten, ehe sie davonzog und sich zu den anderen Stuten gesellte. Die Mücken wurden langsam richtig lästig, also machten Lily und ich ein Rennen zurück zum Haus. Jonas fing uns jedoch beim Nebenstall ab. Er trug gerade Moons Putzsachen zurück in die Sattelkammer. „Ich wollte nur noch erwähnen, dass Moon sehr cool zu reiten ist. Die war selbst nach diesem Ritt kaum verschwitzt und noch voller Energie. Ich muss sagen, ich mag sie mehr als ich gedacht hätte.“ Ich lächelte verständnisvoll, schliesslich wusste ich genau, wie toll Moon war. Dass sie kaum müde war, erstaunte mich bei ihrem Trainingsstand auch nicht sonderlich. Lily und ich verschwanden im Haus und tranken etwas Eistee, dann kümmerten wir uns noch zum Tagesabschluss gemeinsam um Dante und Thairu.
      31 Aug. 2016

      Ein langer Tag

      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.

      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.

      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.

      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide.

      Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.

      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”

      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.“

      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.

      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.

      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.
      20 Sep. 2016

      Weihnachtsvorbereitungen und ein abenteuerliches Vorhaben

      Entspannt schlenderte ich durch den Nordstall und wartete auf Jonas, der nächstens vom Ausritt mit Unbroken Soul of a Rebel zurück sein sollte. Ich warf einen Blick in die Boxen und stellte fest, dass für den Mittag noch nicht ausgemistet worden war. Aber es war auch erst Viertel nach Elf, Darren und co hatten also noch etwas Zeit. Donut grunzte mir zu, also blieb ich bei ihm stehen und kraulte ihn an der Stirn. Der Reitponyhengst machte mir etwas Sorgen, denn in letzter Zeit zeigte er wieder vermehrt Headshaking, besonders im Trab. Allerdings kam mir das komisch vor, denn er zeigte das Verhalten nur beim Reiten. Auch hatte er weder Nasenausfluss, noch war er überempfindlich am Kopf. Ich konnte ohne Probleme seine Nüstern massieren und ihn überall anfassen. Er schien besonders das Massieren der Ohrenspitzen zu geniessen, denn er schloss fast die Augen und senkte den Kopf. Durch das viele Kraulen am Kopf hatten sich weisse Haare aus seiner Blesse gelöst und über das ganze Gesicht des Hengstes verteilt. „So siehst du irgendwie alt aus“, lachte ich und wischte die losen Haare weg. Mir kam ein Gedanke, als ich beobachtete, wie Donut mit dem Widerrist zuckte, weil seine Mähne ihn kitzelte. Vielleicht ist er ja einfach verspannt? Ich öffnete die Boxentür und begann, seinen Rücken abzutasten. Tatsächlich zuckte der Hengst kaum merklich mit den Ohren, wenn ich bestimmte Stellen berührte. Da war für mich der Fall klar. Ich zog mein Handy aus der Jackentasche und telefonierte mit dem Chiropraktiker meines Vertrauens, um einen Termin zu vereinbaren. Zu meiner Überraschung meinte der Herr, er könne schon heute Abend auf dem Nachhauseweg rasch vorbeikommen, denn er sei ohnehin einen Auftrag in der Gegend. Ich gab natürlich erfreut mein Okay. Donut knabberte gelangweilt an meiner Schulter. „Heute Abend geht’s dir besser, Süsser“, murmelte ich liebevoll, und streichelte ihn nochmal, bevor ich die Tür wieder schloss und zum Eingang ging, denn ich hatte Hufgeklapper gehört. „Endlich! Hast du dich verritten?“ Jonas lächelte schief. „Nicht ganz, aber Rebel und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit. Er wollte offenbar noch nicht nach Hause.“ „Was hat er angestellt?“, wollte ich stirnrunzelnd wissen. „Ach, das ist ne lange Geschichte. Aber es hatte mit einem Rübenhaufen zu tun. Den Rest kannst du dir denken.“ „Tze, du weisst doch – Rebel fordert nur diejenigen heraus, die mangelne Führungsqualität haben“, stichelte ich schelmisch. „Bei dir braucht er es also gar nicht zu versuchen, oder was?“ „Of course not“, sagte ich mit verschwörerischem Unterton und legte meine Arme um seinen Hals. „Du weisst doch – ich bin immer der Boss.“ Er grinste und gab mir einen Kuss, wonach ich ihm gnädigerweise beim Absatteln half. Wir versorgten Rebel, der durch die doppelte Aufmerksamkeit richtig übermütig wurde. Danach halfen wir den Pflegern beim Füttern und Misten, bevor wir selbst zu Mittag assen.

      Um halb Eins stand ich bereits wieder vor der Tür und machte mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Die braune Criollostute sah in diesen Tagen aus wie ein übergrosses Plüschtier, denn sie war als eine der wenigen Pferde nicht geschoren. Doch das sollte sich heute ändern. Am Wochenende stand ein Westernturnier an, bei dem sie bestimmt ins Schwitzen kommen würde. Also fing ich sie ein, streckte ihr eine Karotte zur Begrüssung hin und führte sie zum Nebenstall. Jonas kümmerte sich unterdessen um Piroschka. Er band die Schimmelstute neben Moon an und begann, sie zu putzen. Ich holte die Akkuschermaschine und ging damit Moons Pelz an den Kragen. Die erfahrene Criollo Stute hielt einigermassen still und erlaubte es mir so, besonders gründlich vorzugehen. Ich war am Ende ziemlich zufrieden mit dem Resultat, denn es waren kaum noch Unregelmässigkeiten zu sehen. Auch am Kopf und an den Beinen hatte ich den Pelz vorsichtig gekürzt. Nun sahen die Kronränder wieder ordentlich aus und auch die Ohren hatten ihre elegante, geschwungene Form zurück – innen hatte ich das Fell aber selbstverständlich bleiben lassen, als Schutz vor Insekten und Schmutz. Es war auch wiedermal an der Zeit, Moons kräftigen Schweif zu kürzen; der hing nämlich schon fast bis zum Boden runter. Also säbelte ich ein gutes Stück ab und kämmte ihn gründlich durch. Dasselbe tat ich mit der Mähne, wobei ich darauf achtete, dass es immernoch möglichst wild und natürlich aussah. Das gehörte einfach zur Persönlichkeit von Moon. Als ich endlich ganz fertig wurde, waren Jonas und Piro längst in der Halle am üben. Ich gesellte mich mit Moon nach dem Satteln dazu. Wir übten einen Stangenparcours mit viel Rückwärtsgehen, denn es war wirklich nicht so leicht, die Pferde dabei gerade zu halten und nicht seitlich auszubrechen. Moon schaffte meist fünf Schritte, dann kippte sie nach Links weg. „Also für ein so gut ausgebildetes Westernpferd ist das schon etwas bescheiden“, neckte Jonas. „Das ist nicht ihre Schuld, ich begrenze sie einfach zu wenig. Aber genau deshalb übe ich ja.“ Er nickte ermutigend, und als es ihm mit Piro kein Bisschen besser gelang, brachen wir beide in Lachen aus. Am Ende des Trainings ritten wir Seite an Seite ein paar Runden Schritt am langen Zügel und lauschten den Nachrichten, die im Hallenradio liefen. Zu unserem Ärger kam gleich darauffolgend Werbung, also stiegen wir ab und führten die Pferde raus – sie waren nun ohnehin genug abgekühlt. Gerade als ich Moons Zügel über den Hals nahm, kam eine Werbeansage, die mich aufhorchen liess. Das Thema waren günstige Flüge nach Kanada und Amerika. „Hast du das gehört? Das klang wirklich viel billiger als die letzten paar Flüge, die wir genommen haben“, stellte ich an Jonas gewandt fest. „Willst du ein paar alte Freunde drüben in Kanada besuchen gehen?“, fragte er mit schiefgelegtem Kopf. „Hmm, wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich letztens so einen verrückten Gedanken…“ „Spuck es aus“, meinte er, ernsthaft interessiert. Ich schloss zu ihm auf und begann zu erklären. „Du kennst doch diese Pferdezeitschrift, die ich abonniert habe. Da stellen sie jeden Monat Leute vor, die besondere Ideen oder Erlebnisse mit ihren Pferden hatten. Diesmal war das Thema Abenteuer, und da gab es einen Bericht über eine, die mit ihrem Pferd wochenlang irgendwo in den Rocky Mountains unterwegs war! Sowas klingt schon wahnsinnig cool…“ Er wirkte einen Moment lang nachdenklich, dann meinte er: „Doch, ja. Ich bin sicher, auf so einem Ritt kommt man seinem Pferd ein ganzes Stück näher und erlebt eine Menge Abenteuer.“ Wir schwiegen und sahen uns an, beide genau wissend, was dem anderen gerade durch den Kopf ging. „Ich kann nicht mitkommen“, meinte Jonas schliesslich, während wir mit den Pferden zum Nebenstall schlenderten. „Wie, warum nicht?“ „Erstens muss jemand auf Lily aufpassen. Zweitens muss ich irgendwann vor Weihnachten dringend noch meinen Onkel besuchen gehen, schliesslich weiss ich nicht, ob er mit seinem Krebs das neue Jahr noch feiern können wird…“ „Oh… Das habe ich ganz vergessen, tut mir leid… War ja auch ne dumme Idee, wir können nächstes Jahr gehen, oder auch einfach garnicht – es wird sicher wieder eine Gelegenheit kommen, um nach Kanada zu reisen.“ „Nein Occu, das Angebot gilt nur bis Ende Dezember, und ich glaube, dass so eine Auszeit dir guttun wird. Ich habe doch gesehen, wie deine Augen geleuchtet haben, als du davon erzählt hast.“ „Kommt nicht in Frage, ich kann doch nicht einfach ohne dich gehen, und das jetzt, wo der ganze Weihnachtsstress bald beginnt!“ „Oh doch, gerade deswegen. Ich weiss doch, dass du Weihnachten nicht magst, das hast du in den letzten Jahren oft genug gesagt. Das ist deine Chance, dem zu entkommen“, sagte er lächelnd. „Das war früher… Jetzt habe ich eine richtige kleine Familie, mit der ich feiern kann. Ich freue mich auf Weihnachten mit Lily und dir!“ „Hach Occu…“ Wir banden Piro und Moon an die Holzstangen vor dem Nebenstall, dann umarmte er mich zärtlich. „Du bist pünktlich zu Weihnachten zurück. Such dir zwei deiner Distanzpferde aus, nutze das Angebot und geniess die Auszeit in der Natur, dann kommst du zurück und wir feiern zusammen. So kannst du dem Vorweihnachtsstress entkommen und hast eine Menge zu erzählen, wenn du zurück bist. Ich regle hier alles, du kannst dich auf mich verlassen. Und Lily passt schon auf, dass ich keinen Unsinn mache.“ Den letzten Teil murmelte er liebevoll in meine Haare. Ich seufzte und gab dann ein leises „okay“ als Antwort.

      Wenig später putzte ich Summertime. Die Stute war von oben bis unten Schlammverkrustet und mir spickten immer wieder Stückchen ins Auge – doch nichts konnte meine Laune trüben. USA! Welche beiden Pferde nehme ich nur mit? Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Während ich Summers Fell mit dem Federstriegel bearbeitete, summte ich fröhlich ‚Country Roads‘ vor mich hin. Eine gefühlte halbe Stunde dauerte alleine das Entkrusten, danach musste ich die buckskin Stute noch entstauben. Mit ihren grossen, schwarzen Augen und den im Winter so schön dunkel umrandeten Nüstern konnte sie jedoch jedem das Herz erweichen, egal was sie angestellt hatte. Ich sattelte die Stute und ging mit ihr auf einen einstündigen Ausritt in den Pinienwald. Begleitet wurde ich dabei von Lisa mit Ice Coffee und Lewis mit Moonrise Shadows. Es war bitterkalt, obwohl die Sonne schien. Zum Glück hatte ich meine warmen Handschuhe. Für die geschorene Summer hatte ich eine Nierendecke unter den Sattel geklemmt, sodass auch sie nicht zu kalt bekam. Als wir langsam zurück in Richtung Hof kamen, zog auch noch eine eisige Bise auf, die die Decken der Pferde immer wieder von der Kruppe zu wehen drohte. Shadow, Coffee und Summer trotzten dem Wind mit angelegten Ohren und tiefem Kopf.

      Nachdem auch Summer wieder im geschützten Offenstall stand, konnte ich mich gemeinsam mit Jonas um Herkir und Ljóski kümmern. Die beiden Flauschkugeln hatten weder Decken, noch waren sie geschoren; wie es sich für echte Isländer eben gehörte. Besonders Herkir hatte einen prächtigen Bart entwickelt und seine Orange Mähne wirkte wolliger denn jeh. Auch mit den beiden machten wir einen Ausritt, allerdings diesmal nach Norden, wo es mehr offene Felder gab. Ich zog den Kragen meiner Jacke immer wieder ganz hoch, aber der Wind fröstelte meinen Hals trotzdem. „Du brauchst wirklich endlich wieder einen anständigen Schal“, schimpfte Jonas, der mich offenbar beobachtet hatte. Meinen letzten Schal hatte ich leider zu Besuch bei meinen Eltern liegen gelassen, und ihn extra holen zu gehen wäre zu aufwendig gewesen. Ich gab mir Mühe, der Kälte fortan zu trotzen und nicht mehr so empfindlich zu wirken.

      Gegen Abend (auch wenn es erst etwas nach fünf Uhr war, der frühe Dunkelheitseinbruch liess es bereits sehr abendlich wirken) hatten wir eine kleine extra Springstunde mit Elliot in der Halle. Ich ritt Adrenaline, Lily machte mit Feline mit. Meine kleine Nichte war wie immer direkt nach der Schule zu den Weiden verschwunden, um nach Skydive zu sehen. Ich hatte sie regelrecht aus dem Offenstall zerren müssen, damit sie nicht zu spät zu unserer Stunde kam, denn Sky war ebenfalls schlammig gewesen, und Lily konnte es nicht leiden, wenn ‚ihr‘ Pony schmutzig war. „Du kannst ihn nachher immernoch fertig putzen gehen“, hatte ich ihr augenrollend versprochen, obwohl ich am liebsten eher „lass das Fohlen doch mal Fohlen sein“ gesagt hätte. Aber die Antwort wäre gewiss etwas in der Art von „das ist nicht fohlenhaft, sondern wie ein Schwein“ gewesen. Nun waren wir jedenfalls mitten in der Springstunde und wurden wie immer hart rangenommen von Elliot. Auch wenn Lily erst zehn war, so bestand Elliot darauf, dass sie einen korrekten leichten Sitz hatte und schön mit Felines bewegungen mitging. Sie sprang allerdings nur über Cavalettis, während ich selbstverständlich die richtigen Steilsprünge aufgetischt bekam. Bei Lily ging es im Moment noch mehr darum, dass sie lernte, das Tempo einzuschätzen und Feline schön gerade zu richten. Adrenaline hatte als Criollo keine besondere Begabung für’s Springen; sie war weder besonders geschickt, noch hatte sie grosse Sprungkraft, aber sie war mit Freude dabei und zog vor dem Sprung schön an. Beim Austraben und anschliessendem Trockenreiten im Schritt diskutierten Lily und ich über die Geschenke, die wir unseren Freunden und verwandten dieses Jahr besorgen wollten. Natürlich redeten wir mit keinem Wort über das, was wir uns gegenseitig geben wollten. Ich hatte Adrenalines Fleecedecke über ihre Kruppe gelegt und um meine Beine geschlungen, sodass ich auch etwas wärmer hatte. Lily machte es mir bei Feline nach. Sie lernte wie immer sehr schnell und kopierte vieles von dem, was ich vorzeigte. Dadurch wurde ich mir einmal mehr um meine Vorbildfunktion bewusst.

      Wir versorgten die beiden Criollos und Lily wollte schon wieder zu den Weiden abdampfen. Ich rief ihr noch hinterher, sie solle doch bitte auch Royal Champion schonmal etwas putzen, denn er ging am nächsten Tag auf eine Fohlenschau und es war gewiss einfacher, wenn er schon vorgeputzt war. Ich selbst lief zum Nordstall, denn bald sollte der Chiropraktiker auftauchen. Das tat er auch, pünktlich um halb Sieben. Ich band Donut in der Stallgasse an und beobachtete gespannt, wie der Mann ihn abtastete. Er stimmte mir zu, dass der Hengst recht verspannt sei und wohl schon seit ein paar Wochen mehr oder weniger starke Schmerzen im Rücken hatte. Ich fühlte mich etwas schlecht dafür, dass ich es nicht früher bemerkt hatte. Andererseits war Donut ein guter Schauspieler und man sah ihm kaum an, wenn etwas mit ihm nicht stimmte. Der Chiropraktiker löste die Blockaden im Rücken und in der Schulter. Er empfahl mir, den Sattler in nächster Zeit nochmal kommen zu lassen, um zu überprüfen, ob der Sattel noch passte oder aufgepolstert werden müsste. Damit war das Headshaking Problem wohl gelöst, das meinte jedenfalls auch er. Ich erzählte, dass auch die Vorbesitzer von Donut schon von diesem Problem gesprochen hatten. „It is very likely, that it was the same case back then and they just never realised. Sadly it is quite often, that people misunderstand such signs and fail to see their horse’s pain.” Ich stimmte zu und verabschiedete mich von ihm, nachdem ich Donut zurück in seine Box gebracht hatte. Ich meinte zu erkennen, dass der Ponyhengst schon viel entspannter und zufriedener wirkte.

      Es war Zeit für’s Abendessen, und für einen Anruf bei Rosie. Ich wollte sie auch noch über die geplante Reise nach Amerika informieren, denn als meine Geschäftspartnerin musste sie schliesslich über meine Abwesenheit informiert sein. Sie erzählte mir, dass sie heute mit Islah, Numair und Anubis auf dem Sandplatz Dressurlektionen geübt hatte. Auf meine Nachfrage hin bestätigte sie, dass alle drei gut gelaufen waren und sich benommen hatten. Ich war besonders in Islahs Fall froh darüber. Als ich wieder aufgelegt hatte, kam Jonas durch die Haustür. „Occu, wir brauchen noch einen Weihnachtsbaum! Den müssen wir aussuchen, bevor du gehst.“ „Du weisst doch, dass ich davon gar kein Fan bin… Ich habe Bäume lieber, wenn sie im Wald stehen.“ „Deshalb holen wir uns einen Plastikbaum, den wir jedes Jahr wieder benutzen können“, erklärte Jonas zwinkernd. Ich war skeptisch, ob das gut aussehen würde, doch Lily stürmte schon begeistert hinter ihm durch die Tür und rannte die Treppe hoch, um sich die Reitsachen auszuziehen. So kam es, dass wir alle drei wenig später im Auto in Richtung Birmingham fuhren und uns auf die Bäumchen-Jagd begaben. Was wir schliesslich nach Hause brachten, war auf den ersten Blick etwas dürftig, aber fertig dekoriert musste dann selbst ich zugeben, dass es besser aussah als erwartet.
      30 Nov. 2016

      Neues Jahr, wie wunderbar

      Es war der Morgen des 31. Dezembers. Ich war sofort hellwach, als ich die Augen aufschlug. Es gab noch so viel zu tun heute, bevor das neue Jahr beginnen konnte! Jonas war ausnahmsweise ebenfalls rasch auf den Beinen; normalerweise war er ein echter Siebenschläfer. Ich ass ein Honigbrot, fütterte die Hunde und zog die Reitsachen an. Als ich die Haustür aufmachte, erschrak ich beinahe. So viel Schnee! Es musste die ganze Nacht hindurch geschneit haben, denn die Schicht von den letzten paar Tagen hatte sich verdoppelt. Hinter mir hörte ich Jonas, also hüpfte ich die Veranda runter und lauerte ihm mit einem Schneeball auf. Natürlich verfehlte ich. „Muss ich dich in den Schnee legen?“, rief Jonas herausfordernd. Ich rannte lachend davon, zum Hauptstall. Es war draussen noch dunkel, aber im Stall brannte bereits Licht und die Pfleger begannen gerade mit dem Füttern. „Good morning everyone!“, rief ich fröhlich durch die Stallgasse. Als erstes stand eine Dressurstunde mit Sunday, Caspian und Cool Cat an. Heute war nur für die unerfahreneren Vollblüter Galopptraining auf dem Plan – die etwas älteren mussten anderweitig arbeiten und morgen war für alle Ruhetag. Ich ritt in der Stunde auf Caspian. Der Schimmelhengst war ziemlich geladen und ich musste ihn dauernd mit kleinen Volten und engen Wendungen bremsen. Der nette Nebeneffekt war, dass er wunderschön ans Gebiss trat, weil ihn die Biegung löste.

      Nach uns hatten Parker, Charly und Anne ebenfalls Dressurstunde, und zwar mit Gleam of Light, Chiccory und Spotted Timeout. In der Zwischenzeit begaben Jonas und ich uns mit Fly Fast und Framed in History auf einen Ausritt, um die beiden geländetauglicher zu machen. Beide waren noch sehr guckig und fanden immer wieder eine Ausrede um einen Seitensprung ins Feld zu machen. Um den beiden Nervenbündeln etwas Sicherheit zu geben, kamen auch Flint und Rebel mit, geritten von Lisa und Darren. Von den erfahrenen Westernpferden konnten sich die beiden Vollblüter viel abschauen. Wir waren länger unterwegs als geplant, weil Fly bei einem mit Planen abgedeckten Holzhaufen partout nicht vorbeiwollte. Wir nahmen uns daher viel Zeit um ihm den unheimlichen Haufen zu zeigen – bis er beim Durchreiten bloss noch das Ohr dorthin drehte. Ich fand es immer besser, solche Dinge auszudiskutieren, besonders bei Fly. Ansonsten neigte er dazu, sich bei kleinen Dingen immer weiter aufzuschaukeln, bis man kaum mehr anständig reiten konnte. Deshalb erklärten wir ihm immer alles doppelt, damit er keine Zweifel mehr hatte. Das brauchte Zeit, und genau diese Zeit hatten wohl seine alten Besitzer, bei denen er sich am Ende komplett verweigerte, nie gehabt. Er war eben von Natur aus ein sensibles Pferd und war schnell überfordert. Seit er auf Pineforest war, hatten wir uns grosse Mühe gegeben, dass er nie wieder eine seiner Ausraster hatte, bei denen er alles um sich herum vergass und wie mit Scheuklappen davonpreschte. Ich hatte einmal ein altes Video gesehen, von einem seiner letzten Rennen, bei dem er vor Verwirrung in die Rails gekracht war. Mittlerweile war er meistens ziemlich gut händelbar, aber sicherlich kein Anfängerpferd. Frame war ebenfalls nicht ganz einfach, aber er war einfach ein Angsthase. Er lernte jeweils schnell, doch fragte vorher lieber einmal zu viel nach, ob er nicht doch abdrehen sollte. Wenigstens glaubte der Schecke mir nach kurzer Zeit, dass der Haufen ungefährlich war. Und einmal begriffen, testete er es auch nicht erneut aus. Da war Fly hartnäckiger. Aber Frame vertraute mir sowieso aussergewöhnlich stark. Es kam mir manchmal fast so vor, als sähe er mich wegen seines üblen Weideunfalls immernoch als seine Retterin an. Jedenfalls war er bei mir viel mutiger als bei anderen, weshalb ich ihn noch immer fast ausschliesslich selbst ritt.

      Als wir vom Ausritt zurückkamen, machten sich gerade die Jockeys für das Training mit den jüngsten Vollblütern fertig. Die fünf kannten noch nicht viel und waren entsprechend hibbelig, als sie hintereinander zur Bahn ritten, während die Pfleger mit anderen Pferden an ihnen vorbeiliefen. Merino und Primo Victoria waren für mich immernoch etwas ganz Besonderes, mit ihren weissen Birdcatcher-Spots auf dem dunklen Fell, das so sehr dem ihrer Mutter ähnelte. Punkte hatte auch Cryptic Spots, und zwar nicht zu knapp. Aber mein heimlicher Liebling dieser Gruppe war immernoch Simba Twist, mit seinem aussergewöhnlich hellen, fuchsfarbenen Fell. Besonders wenn die Sonne darauf fiel schillerte es wie richtiges Gold. Ob er auch in Sachen Gewinne ein Goldjunge war, musste sich noch zeigen. Im Moment dominierte Miss Moneypenny die Trainingsrennen der Gruppe.

      Sobald ich Frame versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Ich fand es eine reizvolle Idee, am Jahresabschluss mit ihr einen etwas längeren Ausritt zu machen. Mit der Stute hatte ich schon so viel erlebt und sie war einfach ein absoluter Schatz im Umgang. Nach der wilden Runde mit Fly und Frame war das nun genau das Richtige für mich. Ich striegelte und bürstete Moons weiches Winterfell. Dann entwirrte ich ihr dichtes Langhaar. Es war eher etwas dratig und robust im Vergleich zu dem feinen Haar eines Vollblüters, ausserdem hatte es hartnäckige Wellen, die es noch voluminöser wirken liessen. Ohne etwas Glanzspray war es fast unmöglich durchzukommen, ohne Haare auszureissen. Doch als ich fertig war, fiel es schön locker und war frei von Strohstückchen. Auch die Hufe kontrollierte ich, aber die Stute war barhuf und vom Schnee auf der Weide waren die Sohlen saubergewaschen, also gab es nichts auszukratzen. Mit der etwas kleineren Bürste nahm ich mir noch den Kopf vor, dann waren wir ready. Ich packte den Westernsattel auf ihren Rücken und zäumte sie mit ihrem Bosal. Der Ausritt führte uns durch das Nachbardorf und auf dessen anderer Seite durch ein Waldstück, in das ich bisher nur selten vorgestossen war. Hier gab es viele befestigte Wanderwege, auf denen wir wunderbar galoppieren konnten. Ich begegnete auch ein paar Spaziergängern, die mir jeweils einen guten Rutsch wünschten – was ich natürlich dankend erwiderte. Ein kleines Mädchen, dem wir unterwegs mit seiner Familie ebenfalls begegneten, war ganz begeistert von Moon und wollte die Stute streicheln. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich lud sie ein, einmal auf Pineforest vorbeizuschauen und vielleicht eine Reitstunde zu nehmen. So macht man Werbung, dachte ich schmunzelnd, als ich weiterritt. Ich war sicher, dass ich das Mädchen namens Emilia nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Überhaupt wollte ich mich im kommenden Jahr wieder etwas mehr den Ferienkindern widmen, die jeweils in den Sommerferien bei uns waren. Ich musste mir neue Spassturniere ausdenken und das Programm möglichst vielseitig machen. Aber das hatte alles noch Zeit. Im Moment genoss ich die stille, gefrorene Winternatur mit Moon. Auf dem Heimweg begann es sogar wieder zu schneien. Ich liess es mir nicht nehmen, mit Moon noch ein letztes Mal über ein Feld zu galoppieren, bevor wir zuhause waren. Im Tiefschnee wurde die Stute rasch müde, dafür machte es uns beiden umso mehr Spass.

      Um elf Uhr hatte ich Moon versorgt und gönnte mir eine Teepause, bevor ich weiter zu Lily mit Areion ging. Dank der Weihnachtsferien konnte ich ihr jetzt wieder vormittags eine Reitstunde geben und nicht erst abends, wenn es schon dunkel wurde. Die anderen Pfleger hatten schon um zehn Uhr Pause gemacht, deshalb sass ich alleine in der Reiterstube und beobachtete das Springtraining von Baccardi, Bluebell, Sugar and Sweets, White Dream und Donut. Die fünf Ponys galoppierten geschickt um die Kurven und schienen ganz schön fit. Zufrieden bemerkte ich, dass Bluebell fast jedes Mal im richtigen Galopp landete und abgesehen von ein wenig Zögern beim Plankensprung flüssig über alle Hindernisse drüberging. Sweets hatte da noch mehr Mühe, David musste sie jeweils neu angaloppieren wenn sie im Aussengalopp war. Baccardi und Donut waren sowieso erfahrener und beherrschten die fliegenden Wechsel; sie landeten aber ohnehin meist richtig. Mit Dream war es dasselbe, aber heute war sie etwas zu hastig und räumte dann doch ein paar Stangen ab.

      Ich fragte Lily, was sie heute mit ihrem flauschigen Tinker machen wollte. Sie beschloss, dass sie mit ihm zum ersten Mal ohne Sattel Cavaletti springen wollte. Ich nickte schmunzelnd und dachte mir, dass ich die Gelegenheit auch gleich nutzen könnte, um mit Adrenaline etwas Spass zu haben. Wir putzten die beiden, wobei ich meiner Nichte etwas half, denn Line war praktisch sauber, während Areion mit seinem langen Winterfell mehr Pflege brauchte. Besonders die dichten Puschel an den Beinen waren mühsam, denn darin verfingen sich dutzende Strohstückchen. Ausserdem musste ich die Fesselbeugen auf Mauke kontrollieren, denn unter dem ganzen Behang staute sich Feuchtigkeit. Vorsorglich salbte ich deshalb ein wenig und erklärte währenddessen Lily worauf sie achten musste. Meine Nichte kümmerte sich gewissenhaft und ausdauernd um ihren Tinker. Sie machte jeden Tag etwas mit ihm, und wenn es nur Spazieren war. Die beiden wurden immer mehr zu einem Team, wie ich es mir bei seinem Kauf erhofft hatte. Areion war ein gutmütiger, ausgeglichener Hengst. Und wenn es doch mal Probleme gab, konnte ich ihr rasch helfen. Zur Sicherheit setzte ich mich trotz allem sowieso einmal pro Woche selbst drauf; auch, damit der Hengst richtig gymnastiziert wurde. Tinker neigten ja dazu, einen weichen Rücken zu haben. Mit Lilys Fliegengewicht war das im Moment kein Thema, aber ich wollte auch in Zukunft sicherstellen, dass Areion die nötigen Muskeln hatte und gesund blieb. Als wir die beiden fertig vorbereitet hatten, gingen wir zusammen in die Halle. Die Ponygruppe hatte die Hindernisse stehengelassen, also stellten wir sie einfach etwas tiefer und benutzten sie anstelle der Cavaletti. Zuerst wärmten wir die beiden Pferde vom Boden aus auf. Zum Aufsteigen schwang ich mich einfach vom Boden aus auf Lines Rücken, während Lily ihren Tinker von der Aufstiegshilfe aus bekletterte. „Irgendwann musst du mir das auch noch beibringen Occu“, meinte sie etwas frustriert, als sie mich beobachtete. „Es sieht einfacher aus, als es ist. Ich brauchte auch lange, bis ich es endlich beherrschte“, ermunterte ich sie. Wir galoppierten zuerst ein wenig, dann sprang ich mit Line das erste Hindernis vor. Lily und Areion taten es uns gleich. Lily rutschte zwar auf Areions Hals, rückte aber schnell wieder in die richtige Position zurück und grinste ünbers ganze Gesicht. „Gut gemacht für den ersten Versuch“, lobte ich anerkennend. Ich riet ihr noch etwas besser in die Mähne zu greifen, denn „dafür ist seine dicke Wolle ja geradezu perfekt“. Schon nach wenigen Versuchen hielt sie das Gleichgewicht deutlich besser und wurde mutiger. Einmal mehr war ich froh, dass Areion so gutmütig und geduldig war. Wenn es nicht passte, dann stoppte er zwar, aber dann musste Lily einfach neu anreiten und schon klappte es. Adrenaline hoppste übrigens auch brav über die Sprünge.

      Nach dieser kurzen Spass Lektion gingen wir mittagessen. Um ein Uhr begab ich mich einmal mehr zu Phantom, meinem original USA Mustang, mit dem ich die letzten Tage intensiv gearbeitet hatte. Seit einer ganzen Woche ging ich nun schon jeden Tag zu ihm und gewöhnte ihn Stück für Stück an alles, was er in der Menschenwelt kennen musste. Am zweiten Tag hatte ich ihn weiter an Berührungen gewöhnt, auch an den Beinen, und sogar schon erste Versuche gemacht, die vorderen zu hochzuheben. Ausserdem hatte ich angefangen, ihn ein wenig zu longieren und unsere gemeinsame Sprache zu finden. Ich hatte ihm die Peitsche gezeigt und ihn dagegen desensibilisiert, und zu guter Letzt hatte ich bereits begonnen, neben ihm zu hüpfen und ihn an schnellere Bewegungen zu gewöhnen. Tag drei nutzte ich bereits dazu, zum ersten Mal auf seinem Rücken zu sitzen. Dazu kraulte ich ihn wieder ausgiebig und verstärkte das Hüpfen neben ihm immer weiter, bis ich mich schliesslich über seinen Widerrist legte. Anfangs machte er immer wieder Ausweichschritte, aber mit der Zeit blieb er stehen und so konnte ich fortfahren, bis ich ganz oben sass. Mehr als das verlangte ich noch nicht. Nebenbei gewöhnte er sich auch an das Führseil, dass er meistens einfach lose hinterherzog. Er lernte, dass er darauf stehen konnte und dass es sich um seine Beine wickeln konnte, ohne dass ihm etwas schlimmes passierte. Tag vier verbrachten wir damit, ein paar erste Schritte mit mir auf seinem Rücken zu gehen. Anfangs noch in einer kleinen Volte, dann schon etwas selbstsicherer. Er erschreckte sich zunächst noch, wenn ich wieder runtersprang, also übten wir das auch ausgiebig. Ausserdem zeigte ich ihm schon die wichtigsten Hilfen, nämlich Lenkung und Bremsen, bzw. Rückwärtsgang. Er war sehr aufmerksam und lernte schnell, aber seine Körpersprache verriet mir, dass er immernoch sehr angespannt und unsicher war. Am Abend von Tag vier führte ich ihn dann auch zum ersten Mal aus dem überdachten Roundpen in den Hauptstall. Wir machten eine Runde durch den Stallgang und ich liess ihn an allem schnuppern, was ihm unheimlich vorkam. Die Pfleger sahen begeistert zu. Am darauffolgenden Tag nahm ich ihn zum ersten Mal mit in die Halle und longiere ihn dort. Am ende liess ich ihn freilaufen und stellte ihm den grossen blauen Gymnastikball vor, den wir im Lagerraum hatten. Er schubste ihn sogar etwas herum. Tag sechs nutzte ich, um den ganzen Schweiss und Dreck von seinem Körper zu waschen. Auch das nahm wieder viel Zeit in Anspruch; zunächst gewöhnte ich ihn an den Schlauch, dann Schritt für Schritt an den Wasserstrahl. Ich benutzte ganz wenig Shampoo am Körper und genug beim Langhaar, um es zu entknoten und ganz sauber zu bekommen. Danach stellte ich ihn, weil es Winter war und draussen Schnee lag, unters Solarium im Hauptstall. Auch dabei musste ich ihn zuerst überzeugen, dass das rot leuchtende Ding keinen Appetit auf Pferde hatte. Aber als er es einmal begriffen hatte, stand er brav still und ich konnte nebenbei das trocknende Langhaar ein wenig frisieren. Gestern Nachmittag schliesslich hatte ich mit ihm Schrecktraining in der Halle gemacht und ihm ein paar neue, wichtige Alltagsdinge wie Klettverschluss und Blachen gezeigt. Ausserdem hatte ich den Morgen dafür genutzt, zum ersten Mal auf ihm zu traben und ihn bereits etwas ausgiebiger zu reiten. Heute wollte ich daran anknüpfen und ihn draussen auf der Ovalbahn reiten. Wenn alles gutging, konnte ich einen ersten Galopp wagen. Die Ovalbahn war aussenherum durchgehend mit Rails abgegrenzt, was ihn im schlimmsten Fall daran hindern würde, einfach auszubüxen. Trotzdem hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ich ihn noch nie zuvor draussen geritten hatte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich betrat den überdachten Roundpen und rief den Mustang zu mir. Er reagierte darauf jeweils sofort und kam zügig angelaufen, was mich immer wieder von neuem freute. Er hatte sich also schon weitgehend auf mich eingelassen und begann, mir wirklich zu vertrauen. Das merkte ich auch beim anschliessenden Bürsten, denn er stand still obwohl ich das Seil nur über die Wand der Führanlage gelegt hatte und genoss das Striegeln mit gespitzter Oberlippe. Er war im Umgang sehr respektvoll (vermutlich war auch noch ein Rest Unsicherheit im Spiel) und wurde von Tag zu Tag neugieriger. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Daher war ich in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch zu ihm gegangen – bloss um ihn zu kraulen oder ihm eine Karotte zu bringen. So verknüpfte er mich sehr positiv und deshalb kam er auf Rufen auch sofort zu mir. Bürsten am Kopf klappte mittlerweile auch ganz gut; am Anfang hatte er die Bürste in seinem Gesicht ganz und gar nicht gemocht. Das Hufeauskratzen mussten wir noch weiter üben, denn im Moment zog er den Huf nach kurzer Zeit wieder weg. Als ich fertig war, führte ich ihn zur Ovalbahn. Er folgte mir brav und sah sich neugierig um, als wir das fremde Gelände betraten. Natürlich hatte er es von der Halle her auch schon gesehen, aber ich liess ihm dennoch Zeit, die Umgebung etwas zu erkunden. Dann knotete ich das Führseil als Zügel an das Knotenhalfter und schwang mich auf seinen Rücken. Zunächst machte ich eine Schrittrunde und überprüfte die Hilfen indem ich kleine Volten und Seitenwechsel machte, oder ihn rückwärtstreten liess. Dann trabte ich an und machte auch dabei immer mal wieder eine kleine Volte. Ich begann damit, ihn ein wenig Schulter vor zu reiten – auch um sein Tempo etwas besser zu kontrollieren. Endlich war es so weit und ich konnte angaloppieren. Sein Galopp war bequemer als erwartet und er blieb in einem angenehmen Tempo. Beim zweiten Angaloppieren machte er einen kleinen Buckler, den ich aber ohne weiteres aussitzen konnte. Ich machte zwei Runden auf jede Seite, dann parierte ich ihn durch und hüpfte von seinem Rücken. Ich lobte ihn ausgiebig mit Kraulen und brachte ihn zurück ins Roundpen. „Und, wie lief’s?“, wollte Jonas wissen, als er mich dabei entdeckte, wie ich den Rappen noch ein wenig beobachtete. „Richtig gut, wir konnten problemlos galoppieren“, antwortete ich stolz. „Das ist toll, wenn es so weiter geht ist er bald so sicher wie die Criollos“, stellte Jonas etwas übertrieben fest. „Meinst du, wir könnten einen Versuch wagen und ihn morgen mit ein, zwei anderen Jungs auf die Weide bringen? Ich möchte ihn nächstens etwas intensiver reiten und da wäre es gut, wenn er ausgeglichen ist…“ Er stimmte zu, dass es an der Zeit wäre, das auszuprobieren. Ich konnte nicht wirklich einschätzen, wie gut er sich mit den anderen verstehen würde, aber ich drückte die Daumen, dass alles gut ging. Irgendwann wollte ich ihn auf die Stutenweide umsiedeln, aber zuerst wollte ich sichergehen, dass er den grössten Teil seines Hengstverhaltens abgelegt hatte.

      Um halb drei bewegte ich Co Pilot in der Halle, während Ljóski und Herkir draussen auf der Ovalbahn von Jonas und Darren geritten wurden. Ich sah ihnen während der Dressurarbeit immer mal wieder zu und suchte nach Fehlerchen, mit denen ich Jonas später aufziehen konnte. Aber es war schon ganz schön schwer bei ihm und Herkir noch etwas zum motzen zu finden – die beiden waren ein sehr eingespieltes Team. Pilot liess sich den Winter nicht anmerken, er lief heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Trotzdem war er bei der Sache und gab sich Mühe, alle meine Hilfen umzusetzen. Ich galoppierte mit ihm viel, wobei ich vorallem immer wieder angaloppierte; mal aus dem Schritt, mal aus dem Stehen. Denn das gab den besten Muskelzuwachs. Beim Anspringen musste er viel Kraft mit der Hinterhand aufnehmen, was ihm wiederum dabei half, sich zu versammeln. Ausserdem feilte ich weiter an den Galopppirouetten, die er noch nicht perfekt beherrschte.

      Eine gute Stunde Später wünschte ich Lisa, Elliot, Lewis, Linda und David einen schönen Ausritt. Die fünf ritten mit Dancing Moonrise Shadows, Piroschka, Ice Coffee, Ronja Räubertochter und Lovely Summertime vom Hof weg in Richtung Fluss. Ausserdem erwischte ich Jonas dabei, wie er Lily auf Fake Reitstunde gab. Still schmunzelnd beobachtete ich die beiden einen Moment, dann schlich ich davon, um sie nicht abzulenken. Ich beschloss, mit der frisch gekörten Feline ein wenig Bodenarbeit im Roundpen zu machen. Die Criollostute hatte es tatsächlich endlich geschafft – noch vor zwei Jahren hatte niemand daran geglaubt. Sie war so ein unscheinbares Fohlen gewesen, nie besonders hübsch, immer etwas schmal – sozusagen ein graues Entlein. Auch als Jungstute hatte sie nicht überzeugen können, doch nun endlich hatte sie sich zu einer hübschen Schimmelstute mit einem grossen Herzen entwickelt. Sie war eines der liebsten, gutmütigsten Pferde die ich kannte und dankte uns jeden Tag von neuem die Zeit und die Arbeit, die wir in sie gesteckt hatten. Ich putzte das jetzt im Winter beinahe weisse Fell der Stute gründlich, ehe ich sie zum Roundpen brachte. Dort angekommen spielte ich einfach ein bisschen mit ihr herum. Ich schickte sie weg und liess sie wieder zu mir kommen, motivierte sie zu einem frischen Galopp auf dem schneebedeckten Sandboden und machte ein paar Seitenwechsel, bei denen ich sie spielerisch anstachelte. Ich fand es auch eine gute Gelegenheit, um das Steigen mit ihr zu üben. Als wir fertig waren, zeigte sie tatsächlich gute Ansätze. Zufrieden warf ich das Führseil über ihren Hals und öffnete das Tor des Rounpens. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Seil wieder in die Finger zu nehmen; die Stute folgte mir auch so zurück zur Stutenweide. Als ich danach beim Nebenstall durchschlenderte, sah ich, dass Satine und Parányi nicht da waren. Ich warf einen Blick in die Halle, wo Lily und Fake gerade am Trockenreiten waren. Auch nicht, hmm… Auf dem Viereck war ebenfalls keine Spur von den beiden. Sind sie ausreiten gegangen?, wunderte ich mich. Doch kurz darauf entdeckte ich die beiden mit Jason und Rita auf dem Galoppweg. Sie trabten nebeneinander unter den Tannen hindurch und schienen Spass zu haben. Zufrieden schlenderte ich zum Haus und machte mir eine Tasse Tee, denn ich brauchte auch mal eine Pause.

      Wenig später kam Lily durch die Tür gepoltert. „Und? Wie war deine Reitstunde?“, fragte ich grinsend. „Toll! Jonas gibt besser Unterricht als du!“ Sie streckte mir die Zunge raus und ich meinte empört: „Na dann brauche ich dir in Zukunft ja keinen mehr zu geben.“ „Doooch!“ Sie setzte sich auf meinen Schoss und forderte: „Ich brauche von euch beiden Reitunterricht, damit ich noch viel besser werde. Ich will schliesslich im Frühling mit Areion auf Turniere gehen!“ „Pass auf, dass du nicht zu ehrgeizig wirst und dich selbst überforderst. Ich bin sicher, du wirst nächstes Jahr ein paar Schleifen sammeln.“ „Nächstes Jahr, pah!“ „Das ist aber doch schon bald, also so viel Geduld wirst du wohl noch haben müssen.“ „Nächstes Jahr ist… Ach ja, mähh Occu du bist doof“, machte sie, als ihr wieder einfiel, dass heute Abend Silvester war. „Wer ist hier doof?“, erwiederte ich lachend und schloss sie in den Arm. Ihre Stimme drang gedämpft durch meinen Ärmel. „Jenny hat ihrem weissen Pony zu Weihnachten eine Mütze aufgesetzt. Das sah echt cool aus! Sie hat mir das Bild gestern gezeigt.“ „Echt? Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Empire auch mal ne Mütze aufgesetzt, aber das ist schon zwei Jahre her.“ Sie befreite sich aus meinem Griff und meinte: „Wir könnten ja ein paar von unseren weissen Pferden für Silvester schmücken! Dann kann ich Jenny auch ein Foto zeigen, wenn wir wieder in die Schule müssen.“ „Könnten wir, ja.“ „Tun wir?“, fragte sie nocheinmal mit hoffnungsvollem Nachdruck. „Tun wir.“, versicherte ich kopfnickend. „Dann los!“ Sie rutschte von meinem Schoss runter und wollte schon zur Tür stürmen. „Warte, womit willst du sie schmücken?“ „Ehhh… Keine Ahnung…“ „Komm hier, wir nehmen die Girlande vom Weihnachtsbaum und irgendwo in meinem Schrank habe ich noch zwei Mützen. Ich hole sie rasch.“ Wir kramten ein paar Dinge zusammen, dann liefen wir zum Hauptstall. Die drei perfekten Pferde für das Unterfangen waren Empire State of Mind, A Winter’s Day und Captured in Time. Wir holten alle drei raus und putzten sie. Ich rief Ajith, damit er Lily mit Ciela helfen konnte, während ich Winter und Empire gleichzeitig putzte. Ajith half auch beim Dekorieren mit, weil er die Idee lustig fand. Als wir fertig waren, stellten wir die drei auf dem Parkplatz draussen auf und schossen ein Foto. Es sah wirklich hübsch aus und Lily freute sich wahnsinnig darauf, es ihrer Kollegin zu zeigen.

      Am Abend Machten Jonas, Lily und ich uns Pizza. Diejenigen Pfleger, die nicht nachhause gingen, schmissen im Pflegeheim ihre eigene Party. Um Mitternacht gingen wir zu ihnen rüber und stiessen alle zusammen auf’s neue Jahr an – für Lily gab es natürlich nur Traubensaft. Lewis zeigte mir und Lily bei der Gelegenheit gleich noch stolz, welche Wörter die Papageien schon kannten. Spätestens als Africa zu fluchen begann, fand ich dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. So starteten wir lachend und gut gelaunt ins neue Jahr. Als ich mich schliesslich in meine Bettdecke kuschelte, versuchte ich mir vorzustellen, was dieses Jahr alles mit sich bringen würde. Ich freute mich schon darauf weiter mit Phantom zu arbeiten, aber auch mit allen anderen Pferde lag ein weiteres Jahr voller Abenteuer und Spass voraus.
      20 Jan. 2017
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

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      Ein Bellen weckte mich. „Morgen Occu. Hast du überhaupt ein Auge zugetan?“ Jonas vertraute Stimme drang durch das Tor des Offenstalls. Ich blinzelte verschlafen, richtete mich auf und zupfte etwas Heu aus meinem Schlafsack. Ich hatte die Nacht auf dem Heuboden des Stutenstalls verbracht, weil ich die Geburt von Moon Kiddys Fohlen unbedingt mitverfolgen wollte. „Ein hübscher kleiner Kerl ist das geworden, glaubst du er hat das Splash Gen von Dod?“ Sofort war ich hellwach. „Wie? Was?! Ist er etwa schon da??!“ „Ach du hast es also doch verpasst? Komm schau“, lachte Jonas. Meine Labrador Hündin Sheela stand an seiner Seite und wedelte auch schon fleissig mit dem Schwanz, um mich runterzulocken. „Das gibt es doch nicht! Ich war bis um drei Uhr wach, und sie hat überhaupt keine Anstalten gemacht!“ „Sie hat sicher extra gewartet bis du schläfst“, schmunzelte er. Ich befreite mich aus dem Schlafsack und schielte vorsichtig nach unten, bis zum letzten Moment gespannt, was mich erwartete. Ich war ganz entzückt, als ich das braune Fohlen erblickte. Es hatte auf den ersten Blick grosse Ähnlichkeit mit seiner Mutter, nur das auffällige Kopfabzeichen und zwei weisse Fesseln hinten wich von diesem Eindruck ab. „Täuscht mich meine Sicht oder ist das linke Auge blau?“ „Jup, ist es. Und schau dir die hübsch geschwungenen Ohren an.“ Ich kletterte die Leiter runter und ging zu Moon hin. Ich streichelte sie liebevoll und checkte rasch, ob mit ihr alles in Ordnung war. Dann wandte ich mich dem Hengstfohlen zu und untersuchte es mit prüfendem Blick. Es musterte mich skeptisch, aber da seine Mutter keine Versuche unternahm, sich zwischen uns zu stellen, kam es nach kurzer Zeit neugierig einen Schritt näher gewackelt. Es war noch sehr unsicher auf den langen Stelzen, die sich Beine nannten, aber es machte einen wachen, fitten Eindruck. „Es hat jetzt schon mehr Langhaar als alle bisherigen Fohlen“, bemerkte ich augenrollend, mit einem Seitenblick auf Moons lange Locken. „Was hast du erwartet?“ Spielerisch frustriert steckte ich meine Hände in die Hosentaschen. „Dass ich dabei sein darf, das hab ich erwartet!“ Jonas gluckste amüsiert. Mein Handy fiel mir fast aus der Tasche, also gab ich es Jonas, bevor es noch im Stroh landete. Ich warf einen Blick zu Feline und deren Fohlen, das schon seit zehn Tagen durch die Welt stakste. Es handelte sich ebenfalls um ein Hengstchen, einen wunderschönen, angehenden Schimmel, der das Splash Gen von Papa Drømmer om Død höchstwahrscheinlich bekommen hatte – jedenfalls hatte er viermal hochweiss und eine breite Blesse, was schonmal dafür sprach. Ich hatte bei seiner Geburt beschlossen, dass er einer der Kandidaten sein würde, die ich behalten wollte. Einen passenden Namen hatte der kleine Kerl auch schon: Disparo de Fiasco. Daran hatte ich ganz schön lange herumüberlegt. Feline liess mich wie immer freundlich an ihr Fohlen heran und wartete in respektvollem Abstand, beobachtete uns aber genau. Ich war froh, dass sich die Stute schon bei ihrem ersten Fohlen als zuverlässige, unkomplizierte Mutter herausgestellt hatte. Ich streichelte sie nochmal zum Zeichen, dass ich sie jetzt in Ruhe liess und verliess den Offenstall, Jonas folgend. „Das war wohl vorläufig das letzte, was? Die nächsten Fohlen kommen erst später.“ „Noch mehr von den Dingern?“, scherzte Jonas mit vorgetäuschter Überraschung. „Also auf das von Moonrise Shadows bist du ja wohl auch noch gespannt, oder etwa nicht?“ „Klar. Ich hoffe es wird ein Rappe.“ „Nähh, das wär ja langweilig! Ich hoffe es wird ein Fuchs, schliesslich haben wir noch keinen Paint Horse Fuchs.“ „Bestimmt nicht. Ist das bei den Eltern überhaupt möglich? Ich glaube nicht. Und wenn dann ist die Wahrscheinlichkeit seeehr gering. Ich sage das wird nix mit deinem Fuchs - black for the win.“ „Pfft.“ Er zwinkerte mir zu und ich streckte ihm die Zunge raus, dann bog ich in den Hauptstall ab. Sechs Vollblutfohlen hatte es dieses Jahr für Pineforest gegeben – jedoch war keines davon im Hauptstall zu finden. Die ‚Mütter‘ Campina, Iskierka, Shades of Gray, Sympathy for the Devil, Captured in Time und Cassiopeia mümmelten unbekümmert an ihrer morgendlichen Heuration. Wie das möglich war? Embryotransfer. Ich hatte letztes Jahr passend zur Zuchtsaison ein vergünstigtes Angebot von einem meiner Tierärzte bekommen, und nach Rücksprache mit Oliver hatten wir beschlossen, gleich den kompletten Jahrgang so heranzuziehen. Das hatte den grossen Vorteil, dass wir bereits Fohlen von den Stuten bekommen konnten, die noch aktiv Rennen liefen; ohne deren Karriere zu opfern. Die Fohlen wuchsen auf dem Gestüt auf, auf dem auch die Leihmütter zuhause waren. Im Absetzalter wollten wir die Truppe dann nach Pineforest auf die eigene Fohlenweide holen. In der Vergangenheit hatten wir dasselbe Prozedere auch schon mit Painting Shadows gemacht, und bisher nur positive Erfahrungen gesammelt. Ich prüfte, ob das morgendliche Vollbluttraining voranging, dann setzte ich meinen Rundgang in Richtung Weiden fort. Unterwegs fiel mir auf, dass sich mein Handy nicht mehr in der Hosentasche befand, wo ich es platziert hatte. Also lief ich nochmal zurück zum Offenstall, fest davon überzeugt, es im Heu zu finden. Doch auch nach zehn Minuten Suche blieb es verschollen. „Es muss doch irgendwo sein“, murmelte ich verärgert vor mich hin. Von unten beobachtete mich Lovely Summertime erwartungsvoll mit ihren freundlichen, dunklen Augen. Hinter ihr versteckten sich zwei paar züsätzliche Beine, die jedoch schon ziemlich kräftig aussahen. Immerhin war das dazugehörige Hengstfohlen namens Unclouded Summer Skies auch schon über zwei Wochen alt, doch am ältesten war das Fohlen von Ice Coffee. Die kleine Icy Rebel Soul war am zweiten April zur Welt gekommen, als erstes Fohlen dieses Jahrgangs. Entsprechend mutig und verspielt war sie bereits. Beide Fohlen waren übrigens von Unbroken Soul of a Rebel und hatten von ihm wie erhofft viel Farbe mitbekommen. Ich hoffte, dass er auch ebensoviel von seinem Talent mitgegeben hatte.

      Ich gab die Suche vorläufig auf und überlegte, ob ich das Handy auch irgendwo anders hätte verlieren können. Doch auch auf dem Weg zum Hauptstall war es nirgens zu finden. Ich beschloss, später nochmal mit Jonas zusammen zu suchen, und machte mich nun definitiv auf, um nach den Miniature Horses zu sehen. Auch dort hatte es gleich dreifach Nachwuchs gegegben. Und wie durch ein Wunder waren auch noch alle drei Fohlen am selben Tag geboren worden! Dakotas Fohlen Beck’s Daisy Orchid hatte schon um zwei Uhr morgens auf wackeligen Beinchen gestanden. Wie unschwer zu erraten, war es eine hübsche, erdfarbene Tochter von Beck’s Experience. Auch das zweite Fohlen war vom selben Vater. Es hörte (noch nicht) auf den Namen Beck’s Little Diva und war das erste Fohlen von meiner leuchtend fuchsfarbenen Stute Lady Diva from the Sky. Das Fuchsfell hatte sie von beiden Elternteilen übernommen, wie es anders auch gar nicht möglich gewesen wäre. In einem grauen Kleid präsentierte sich der letzte Fellkäuel, der neben Tigrotto im Stroh lag und erst spät in der Nacht vom 23. zur Welt gekommen war. Offenbar hatte Tigrotto beschlossen, dass sie den kleinen Arctic Tiger nun ebenfalls genug lange mit sich herumgetragen hatte und war deshalb kurzerhand dem Beispiel der anderen beiden Stuten gefolgt. Ich war jedenfalls sehr froh, dass alles so gut vonstatten gegangen war. Auch Chocolate Chip erwartete noch ein Fohlen, allerdings erst später im Jahr. Allegra, die mittlerweile ja zu einem stattlichen Jährling geworden war, freute sich über die neuen Spielkameraden. Auch wenn diese im Moment noch nicht so wild waren wie sie selbst und erstmal vor allem an zwei Dinge dachten: Trinken und Schlafen. Miss Mini Daki hielt Allegra seit Daisys Geburt etwas auf Abstand, aber ich war sicher, dass sich die kleine Familie bald organisiert haben würde. Übrigens war von klein Daisy gerade keine Spur zu entdecken. Ich traute meinen Augen nicht und sah mich gründlich um, doch das Fohlen war weder bei seiner Mutter, noch sonst wo zu entdecken. Alarmiert ging ich zum Stalltor zurück und sah mich draussen um. Das kann doch nicht sein – ist sie unter dem Zaun durch? Fieberhaft suchte ich nach der kleinen. Ich rief Lewis, der bei den Fohlenweiden ausmistete rüber. „Are you sure? She was still there wehen I came to feed them half an hour ago“, meinte er stirnrunzelnd. Wir betraten den Offenstall und ich zeigte ihm, was ich meinte. Doch der Pfleger schüttelte nur amüsiert den Kopf und meinte: „Theres she is. You sure that you’re awake, Occu?“ Tatsächlich, Daisy lag neben Daki im Stroh. Offenbar hatte ich sie zwischen den Halmen glatt übersehen. Beschämt liess ich ihn wieder seiner Arbeit nachgehen und kniete mich neben Daki, um Daisy anzulocken. Stattdessen wurde ich natürlich sofort von Allegra beknabbert, die meine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Ich ignorierte sie und streckte die Hand aus, damit Daisy daran schnuppern konnte. Die Miniatur-Fohlenschnauze berührte unsicher zuckend meine Finger, die anschliessend natürlich erstmal zwischen den weichen Lippen verschwanden. Zähne hatte das Tierchen zum Glück noch keine. Ich konnte mich kaum loslösen von dieser Niedlichkeit, besonders, als Tiger sich doch noch aufraffte und an ein paar Bocksprüngen versuchte, stattdessen aber ungelenk durch das Stroh stolperte. Als ich mich doch zum Gehen überwinden konnte, sah ich noch rasch bei den Hengsten vorbei. Arctic Blue und Glenns Caress dösten, der eine jeweils mit dem Kopf zum Popo des anderen. Das war eine Art natürlicher Instinkt, der es ihnen ermöglichte, potentielle Gefahren von allen Seiten her frühzeitig zu entdecken. So blieb auch ich nicht lange unentdeckt; Arco hob aufmerksam den Kopf und brummelte mir zu. Die Motivation zum Zaun zu kommen hatte er dann aber doch nicht. Nachtfalke hingegen kam rüber und prüfte, ob ich nicht vielleicht etwas hartes Brot oder eine Karotte dabei hatte. ‚Red‘, wie ich Becks gerne nannte, bediente sich weiter entfernt noch immer an dem Heuhaufen, den Lewis gebracht hatte.

      Mir fiel auf, dass ich Jacky und Zira diesen Morgen noch nicht gesehen hatte. Wo sie wohl stecken? Ich hielt die Augen offen und Pfiff, machte mir aber nicht die Mühe, nach den beiden zu suchen. Sheela hatte meinen Pfiff gehört und kam im galopp angerannt. Ich lobte sie und machte mich auf zum Nebenstall. Zwei Fohlen warteten noch auf mich: Cranberry und Cloony. Die beiden waren von Halluzination und Satine, Väter waren mein Liebling Co Pilot und dessen Halbbruder Costa de la Bryére. Ich hatte förmlich Freudensprünge gemacht, als ich die Deckanzeige von Costa gesehen hatte – schliesslich hatte ich den Hengst für kurze Zeit auch bei mir im Stall gehabt und er führte dieselben wertvollen Blutlinien weiter wie Pilot. Deshalb wollte ich beide Fohlen auch auf alle Fälle behalten. Registriert waren sie beide als British Warmblood, das hatte ich schon im Voraus so geplant. Als ich so mit verliebtem Blick über die Tür von Hallus Box lehnte, kam gerade eine Gruppe Vollblüter vom Training zurück. Normalerweise ritt ich ja selbst auch sehr gerne mit, aber in den letzten Tagen war ich durch das ständige Wachbleiben und Aufpassen so gerädert gewesen, dass ich freiwillig verzichtet hatte. Meistens hatte ich das Training sowieso verschlafen. Ich lächelte stolz, als ich Coulee beobachtete, die von April geritten den anderen folgte. Die Stute sah grossartig aus. Sie hatte ihre alte Form zurück und war auch psychisch wieder beinahe normal – das hatte sie letztens beim Handicap mit dem 3. Platz und einer hervorragenden Zeit bewiesen. Jetzt konnte ihr Comeback also so richtig losgehen. Auch wenn es immernoch Problemzonen mit der Stute gab; wenn man ihr genug Sicherheit vermitteln konnte, gab sie sich wirklich Mühe. Ebenfalls zu erwähnen war, dass Miss Moneypenny am selben Tag in einem anderen Rennen überlegen gewonnen hatte.

      Doch nicht alles lief so toll: mein Sorgenkind hiess Areion. Ich traf ihn und Lily wie immer am Nachmittag im Nordstall an. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele, doch in letzter Zeit verhielt sich der Tinker zunehmend rüpelig und hengstig – offenbar spürte er den Frühling. Meine zehnjährige Nichte hatte einfach nicht genug Kraft, um gegen das grosse Plüschtier anzukommen, weshalb ihn im Moment meist Lisa ritt. Bei ihr lief er natürlich toll, aber letztendlich war er Lilys Pony. Ich zerbrach mir deswegen aber schon seit Wochen den Kopf, denn so konnte es einfach nicht weitergehen. Beide, er und Lily, waren frustriert und unglücklich mit der Situation. Als einzige rasche und zugleich nachhaltige Lösung sah ich eine Kastration. Doch wir alle taten uns etwas schwer mit dieser radikalen Massnahme. Leise seufzend machte ich mich daran, Lily beim Putzen zu helfen. Sie war auch heute etwas missmutig und bestrafte Areion schon für kleinste Fehltritte. Ich redete ihr ins Gewissen, dass Areion ja nichts dafür könne und nicht absichtlich so unartig war. „Er weiss es einfach nicht besser, und da du eben noch etwas zu wenig Kraft hast, um ihm den richtigen Weg zu zeigen…“ „Er soll aber auch auf mich hören, wenn ich nicht so viel Kraft einsetze! Du sagst schliesslich auch immer, dass ich ihm feine Kommandos geben soll!“ „Ja, aber manchmal reicht das eben doch nicht ganz – manchmal muss man zuerst etwas deutlich sein und kann erst danach wieder sanft werden, dafür dann umso besser.“ „Und du meinst, es wäre wirklich besser, wenn er kein Hengst mehr wäre?“, fragte sie halb murmelnd. „Ja. Dann könnte er sich nämlich wieder auf dich konzentrieren, und müsste nicht all den hübschen Frauen nachsehen.“ Sie schwieg nachdenklich, denn sie war eigentlich bis anhin absolut dagegen gewesen, ihn kastrieren zu lassen. Ich vermutete, dass sie einfach nicht wollte, dass der Tierarzt an ihrem Pony herumschnipselte, wenn es nicht lebenswichtig war. Doch der richtige Beweggrund für ihr Zögern offenbarte sich in ihrer nächsten Frage: „Glaubst du, dass Teddy nach dem Ka…strieren? irgendwie anders sein wird als vorher? Ich habe Angst, dass er dann ganz faul und verfressen wird…“ Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Wer hat dir das erzählt? Janine?“ Sie nickte. „Janine hat gesagt, dass ihr altes Pony nach dem… du weisst schon, ganz anders war als vorher und sie es deshalb nicht mehr haben wollte. Ich behalte Teddy auf jeden Fall! Aber ich will auch nicht, dass er sich verändert…“ „Keine Angst, er wird höchstens etwas ruhiger und braver werden. Ich mein, sieh dir mal Phantom an – ist der etwa faul und verfressen?“ Wir lachten beide bei der Erinnerung an den letzten Ausritt, auf dem er mir beinahe durchgebrannt war. Sein Training ging stets voran, wenn auch nicht mehr in ganz so grossen Schritten wie zu Beginn, aber trotzdem gab es immer wieder Rückschläge und Momente, in denen er wieder auf seine Instinkte zurückgriff und mich ausblendete. Es war eben nicht leicht, vier Jahre Wildnis und Überlebenskampf zu überspielen.

      Lily und ich einigten uns darauf, das ganze beim Abendessen zusammen mit Jonas nochmal durchzudenken und jetzt erstmal auf einen Spaziergang mit Areion zu gehen. Ich begleitete die beiden mit Ljóski, der nach dem gestrigen Tölt-Training auswärts eine wohlverdiente Pause bekam. Der kleine Ausflug verlief relativ entspannt, jedenfalls sobald wir vom Hof weg waren und Areion sich auf Lily konzentrieren konnte. Loki hatte bereits beinahe vollständig sein Fell gewechselt und sah prächtig aus. Mit dem kurzen Fell sah man seine Muskeln viel besser, und auch die Scheckung kam besser zur Geltung. Areion war noch etwas plüschiger, aber auch er hatte schon ganz schön viel Fell verloren. Doof nur, dass es in den letzten paar Tagen wieder ganz schön kalt geworden war. Die meisten Pferde froren trotzdem nicht, und den Geschorenen legten wir eben die Decken vorsichtshalber nochmal an. Als wir fast wieder Zuhause waren, fing es tatsächlich ein wenig zu schneien an, auch wenn es eher Schneeregen war. Wir retteten uns in den Nordstall und rubbelten die Rücken der beiden Jungs rasch mit Tüchern trocken, dann brachten wir sie in ihre Boxen und gaben ihnen je eine Karotte, wobei Herkir natürlich auch eifersüchtig an meinem Ärmel nippte. „Du kommst später dran, ich hab gehört Jonas plant einen anstrengenden Ausritt im Schneeregen“, sagte ich übertrieben laut, damit Jonas, der gerade hinter mir zu Circus Dancers Box schlenderte, hörte. Empört rümpfte er die Nase und antwortete: „Wer hat denn sowas behauptet? Als ob ich bei dem Hundewetter rausgehen würde…“ „Schön-Wetter-Reiter.“ „Und wie!“ Lily lachte beim Verlassen des Nordstalls über unseren Dialog und verschwand dann in Richtung Nebenstall – ich wusste auch genau, was sie dort vorhatte. White Dream war nämlich heute noch nicht bewegt worden, und Lisa hatte mir am Morgen verraten, dass sie wiedermal mit meiner Nichte abgetauscht hatte. Ich schmunzelte bei dem Gedanken und fand es schön, dass Lily die Ponystute so liebhatte.

      Ich selbst musste nun erstmal weiter zu Empire State of Mind. Auf den Schimmel wartete eine Dressurstunde, in der ich an den Seitengängen feilen wollte, um ihn zu lockern. Ich betrat seine Box und er streckte mir bereits freundlich seine graue Schnauze entgegen. Sein Halfter hing leider nicht wie üblich an seiner Boxentür, und ich hatte keinen Schimmer, wer es entfürt haben könnte. Aber ich wollte es eigentlich schon an seinem rechtmässigen Platz sehen, denn ich mochte es überhaupt nicht, wenn durch Unachtsamkeit Zubehör verloren ging. Also machte ich mich auf die Suche danach. Schliesslich wurde ich in der Führmaschine fündig, wo Cantastor es fälschlicherweise trug. Ich tauschte die Halfter aus und ging zurück zu Empire, um ihn aufzuhalftern und zu einer der Anbindestellen zu führen, wo ich mit dem Putzen begann – oder beginnen wollte, denn die Putzbox war auch weg. „Ajith! Where ist hat damn…“ Ich unterbrach mich selbst, als ich Anne entdeckte, die in der Sattelkammer drüben stöberte. „What are you looking for?“, fragte ich sie verwundert. „Darren told me to help him with the retired thoroughbreds today. I was so excited! I sat on Catastor for the first time!”, berichtete sie stolz.” “Now I’m just looking for some leg wraps.” “Why does he need leg wraps? You didn’t sprint a marathon, did you?“ „No…“ „So he doesn’t need any. Thoroughbreds are not that sensible, don’t worry.“ Daraufhin verschwand sie, um den dunkelbraunen Hengst aus der Führmaschine zu holen und in seine Box zu bringen. Als sie vor mir um die Ecke bog, bemerkte sie stirnrunzelnd „Just now I thought he had a yellow halter on… How strange.“ Ich schmunzelte kopfschüttelnd und erkannte, was los war. „I swaped them ‘cause you took Empire’s halter.” „Oh, I’m sorry, I didn’t know…“ „No problem.“ Mir war es zwar ein Rätsel, wie sie sie hatte vertauschen können, wo doch die Halfter aller Pferde an den jeweiligen Boxentüren hingen, doch ich sagte nichts weiter und kümmerte mich um Empires Putzbox. Nach einigem Suchen fand ich sie neben Sunday’s Spind. Leicht verärgert schnappte ich sie mir und putzte mit ihrem Inhalt meinen mittlerweile etwas ungeduldigen Schimmel. Da seine Beine etwas schlammig waren, stellte ich ihn vor dem Aufsteigen noch beim Waschplatz hin, um sie rasch abzuspritzen. Mir fiel auf, dass seine Vorderhufe schon wieder ein wenig ausbrachen, also beschloss ich, sie nach dem Reiten noch rasch zu feilen, denn natürlich fand ich heute auch die Feile nicht an ihrem angestammten Platz vor. Der Hengst war barhuf, denn er lief ja keine Rennen mehr und war momentan auch nicht im sonstigen Spitzensport tätig. Wir hatten uns mit ihm bisher auf Grundlagen beschränkt, damit er diese nach seinem Karriereende in aller Ruhe hatte erlernen können. Ausserdem waren wir mit ihm immer viel im Gelände gewesen, sodass er mittlerweile äusserst verlässlich geworden war. Also eigentlich hatte er bisher einfach sein Leben nach der Rennbahn geniessen dürfen und war langsam und schonend umgeschult worden. Wie gut er die Grundlagen in der Dressur mittlerweile beherrschte, zeigte sich auch heute. Fleissig und bemüht, alles richtig zu machen, kreuzte er die Beine. Nur das Tempo war noch ein wenig zu hoch. Ich versuchte schon seit einem Weilchen ihn immer mehr zu versammeln und die Lektionen ruhiger zu reiten, aber es dauerte bei ihm halt etwas länger, da er doch eine ordentliche Portion Temperament hatte. Ich war aber ganz schön zufrieden mit unseren heutigen Anstrengungen und lobte ihn entsprechend ausgiebig beim Trockenreiten. Als ich zum Fenster raus sah, entdeckte ich zufällig die beiden seit dem Morgen vermissten Hunde, die auf der Ovalbahn mit einem Ball von Lily spielten.

      Um vier Uhr hatte ich Empire versorgt und putzte bereits den nächsten Kandidaten, nämlich Ronja Räubertochter. Auch für sie stand gewöhnliche, langweilige Grundlagen Dressur auf dem Plan, was einzig dazu diente, sie zu beschäftigen und an Feinheiten zu feilen. Sie war heute etwas stur und aufmüpfig, vermutlich wegen des frischen Wetters. Trotzdem schafften wir eine halbwegs produktive Dreiviertelstunde. Beim Versorgen tastete ich noch ihren Rücken ab, um zu sehen, ob sie irgendwo verspannt war. Im Rücken fand ich nichts, aber bei der Schulter zeigte sie mir mit Scharren ein wenig Unwohlsein. Ich massierte die betroffene Stelle und dehnte die Vorderbeine durch ausstrecken. Sie gähnte vor Entspannung und schüttelte sich, als wäre sie gerade im Staub gelegen. Ich lachte über den treudoofen Blick, den sie danach aufsetzte und dessen Bedeutung ich längst kannte: „Darf ich jetzt bitte meine Karotten haben?“ Ich streckte sie ihr selbstverständlich hin, sobald ich ihr in der Box das Halfter ausgezogen hatte. Linda kam auf mich zu und fragte mich, ob ich ihr helfen könne Darren zu finden. Ich antwortete etwas gereizt, dass ich heute am liebsten nichts und niemanden mehr suchen wollte, gab ihr aber den Tipp, im Strohlager nachzusehen.

      Es war nun fast halb sechs und ich nutzte die Zeit vor dem Abendessen noch, um ein wenig Schrecktraining mit Phantom zu machen. Mir gingen langsam die Ideen aus, weil ich schon so viel mit dem ehemaligen Mustang gemacht hatte und er extrem schnell lernte. Das hing wohl damit zusammen, dass in der Wildnis rasches Anpassungsvermögen überlebenswichtig war. Mit ihm und seinen ausgeprägten Instinkten war es ganz anders zu arbeiten als mit einem Jungpferd das in Menschlicher Obhut aufgewachsen war. Weder einfacher noch schwieriger – einfach anders. Einerseits fiel uns die Kommunikation leicht, weil er ausgezeichnet auf meine Körpersprache reagierte; andererseits wurde alles erschwert durch sein Misstrauen gegenüber neuen Dingen. Aber mit Menschen an sich hatte er mittlerweile keine Probleme mehr. Mittlerweile stand Phantom ja im Offenstall mit den Criollo und Paint Horse Stuten (mit denen er sich übrigens bestens verstand). Als ich auf den Zaun zukam, spitzte er die Ohren und kam einige Schritte auf mich zu. Auch machte er keine Anstalten mehr auszuweichen, wenn ich ihn unerwartet anfassen wollte. Im Moment hatten die Fohlen eine Art Beschützerinstinkt in ihm geweckt, sodass er besonders aggressiv den Hunden gegenüber war. Er mochte sie auch sonst nicht, aber jetzt war es besonders schlimm. Sheela traute sich schon gar nicht mehr auf die Weide, und die anderen beiden blieben einfach in gesundem Abstand zu dem Rappen. Er war zwar nun schon seit Monaten Kastriert, aber sein Hengstverhalten hatte er dennoch nicht ganz verloren. Zum Beispiel erwischte ich ihn manchmal dabei, wie er die Stuten mit der typisch tiefen Kopfhaltung umhertrieb oder sich gegen einen Wallach auf der Nachbarsweide aufspielte. Den Damen schien das zu gefallen, jedenfalls wurde er von ‚seiner Herde‘ immer gleich begrüsst, wenn er vom Arbeiten zurückkam. Wenn ich ihn so beobachtete, hatte ich den Eindruck, dass er sich hier ganz wohl fühlte und sich immer mehr mit seinem neuen Leben anfreunden konnte. Trotzdem sah ich mir manchmal nachdenklich die Fotos an, die ich im Internet von ihm gefunden hatte. Ich fragte mich, was mit all den anderen Pferden darauf geschehen war, oder wie Phantoms Leben ausgesehen hätte, wenn er nicht eingefangen worden wäre. Herausfinden würde ich es nie.

      Jonas hatte bereits angefangen, das Gemüse für unser Abendessen zu rüsten, als ich ins Haus zurückkam. Wir assen meist am Mittag ein Sandwich oder sonst etwas Schnelles, dafür gab es am Abend eine anständige, warme Malzeit. Beim Essen erzählten wir uns von den heutigen Erlebnissen. „Ach ja, ich habe am Morgen mein Handy irgendwo verloren und finde es nicht mehr… Ich muss nachher nochmal suchen gehen, bevor es dunkel wird“, fiel mir wieder ein. Jonas setzte plötzlich ein breites Grinsen auf. „Meinst du das hier?“ Er fasste sich in die Hosentasche und zog auf wundersame Weise besagtes Gerät daraus hervor. „Warum…?“ „Du hast es mir heute Morgen in die Finger gedrückt, weisst du nicht mehr?“ Ich schlug mir symbolisch mit der Hand an die Stirn und lachte ungläubig. „Manchmal ist mein Gehirn einfach ein Löcherbecken…“ Wir schmunzelten und plauderten weiter. Irgendwann kamen wir wieder auf das leidige Thema Areion zurück. „Irgendwas müssen wir machen. Lily, wäre es wirklich so schlimm ihn zu Kastrieren?“ „Ja wäre es!“, rief Jonas empört. „Schon mal den Dicken selbst gefragt, was er davon hält?“ „Still, sonst lasse ich den Tierarzt nächstes Mal wegen dir kommen.“ „Das willst du nicht wirklich…“, murmelte er verheissungsvoll. Ich streckte ihm die Zunge raus und meinte: „Unterschätz mich nicht.“ Lily mischte sich mit einem Räuspern ein. „Wenn du versprichst, dass Teddy danach immernoch derselbe ist…“ „Das kann ich leider nicht versprechen, aber meiner Erfahrung gemäss verändert sich nicht wahnsinnig viel. Denk auch an ihn; er darf danach endlich mit seinen geliebten Mädels auf die Weide und wird nicht mehr von den anderen Hengsten gemobbt.“ Sie zögerte, dann nickte sie. „Na gut. Wenn ihn das wirklich glücklicher macht.“ Jonas verschränkte gespielt trotzig die Arme. Lily und ich mussten bei dem Anblick loslachen, und beim Wegräumen stichelten wir ihn immer wieder zum Spass.

      „Was machst du jetzt noch?“, fragte Jonas, während er sich schon wieder die Jacke anzog. „Ich fahr schnell rüber nach Shatterford und sehe nach unseren Vollblutfohlen.“ „Wann bist du zurück? Wir wollten doch Rosie noch einen Besuch abstatten, weil wir die nächsten Tage keine Zeit dazu haben werden.“ „Ich weiss, ich schaue, dass ich spätestens um neun Uhr zurück bin. Die Fahrt dauert ja zum Glück nur 20 Minuten, und ich nehme an, dass Ella mich nicht lange aufhalten wird, weil sie selbst noch genug zu tun hat.“ Ella Yorke war die Besitzerin des Hofs, auf dem unsere diesjährigen Nachwuchsrenner geboren worden waren. Ich wollte meine Autoschlüssel von der Kommode schnappen, doch sie waren weg. Verärgert rief ich aus: „Das gibt’s doch nicht, vorhin hatte ich sie doch noch in den Fingern!“ Jonas meinte im Gehen gerade noch: „Hast du in deiner Jacke nachgesehen?“ „In meiner Jacke? Das hätte ich gespürt.“ Doch tatsächlich, da waren sie, brav in meiner rechten Tasche. Augenrollend lief ich zum Parkplatz. Wie abgemacht beeilte ich mich und trödelte nicht lange herum, als ich auf dem kleinen Gestüt ankam. Ich klingelte an der Haustüre und wurde von Ellas Mann Steve in Empfang genommen. Er erklärte, dass Ella bereits im Stall hinten sei und führte mich zu ihr, damit ich sie nicht auch noch suchen musste. Wir sahen uns zusammen die sechs Vollblutfohlen an. Ich nahm jedes einzelne genau unter die Lupe und stellte zufrieden fest, dass sie alle vom Exterieur her den Erwartungen entsprachen. Allerdings fiel mir auf, dass eines der dominant weissen Fohlen ein wenig schlapp wirkte und selbst als wir den Offenstall betraten mit aufgestütztem Kopf im Stroh liegen blieb. Ella klärte mich sogleich auf: „Die kleine hatte eine schwierige Geburt, das ist die, von der ich dir auch schon am Telefon erzählt hatte. Sie ist auch etwas kleiner als die anderen und trinkt leider nicht ganz so viel, weshalb wir ihr zusätzlich zweimal am Tag etwas mit der Flasche anbieten.“ „Das das genetische Fohlen von Ciela… Denkst du, es liegt vielleicht daran, dass Ciela selbst noch so jung ist?“ „Gut möglich; es wäre jedenfalls schön wenn es nur das ist.“ Ich nickte zustimmend und sah das beinahe ganz weisse Fohlen nachdenklich an. Sie sah hübsch aus, mit den braunen Ohren und ihren dunklen Augen. Aber eben diese wirkten ungewöhnlich müde und lustlos, was mich wirklich besorgte. „Der Tierarzt war schon da?“ „Nein, kommt demnächst. Ich habe aber schon mit ihm telefoniert und er meinte, wir sollen so fortfahren wie bisher und die kleine gut beobachten.“

      Den ganzen Heimweg über zerbrach ich mir den Kopf, was das weisse Fohlen wohl plagte. Schliesslich wurde ich von meinen Sorgen abgelenkt, als wir auf der Wilkinson Farm von Rosie begrüsst wurden. Jonas und Lily liefen bereits voller Erwartung zum Stall, denn sie waren genau wie ich wahnsinnig gespannt auf Islahs und Farashas Fohlen. „Awww! Es ist ja ganz schwarz!“, kam wenig später der Ausruf von Lily. „Nicht ganz“, ergänzte Rosie, „Sieh dir die hell umrandeten Augen an – es wird ein Schimmel wie sein Vater.“ Entzückt betrachtete ich das Tierchen mit dem edlen Hechtkopf. Die krause Fohlenmähne war etwas dürftig im Vergleich zu der meiner Criollo Fohlen, aber das verlieh ihr schon jetzt ein elegantes Gesamtbild. Die grossen, hübsch geschwungenen Ohren waren neugierig nach vorne gerichtet, als es sich näher zu Lily hin traute und an ihrer Hand schnupperte. Kurz darauf erschreckte sich das Fohlen aber, weil Lily sich zu schnell zu uns umdrehte. Es machte einen übermütigen Seitensprung und verschwand im staksenden Trab hinter Farasha. Wir lachten über die kleine Show und gingen weiter zu Islah. Die kleine Isis, wie ich sie genannt hatte, sah aufgeweckt und munter aus. Sie war eine Schecke, wie ihre Mutter – allerdings hatte sie eine seltsame, grau gestichelte Stelle an der Flanke. Daher fragte ich mich, ob sie nicht doch noch ausschimmeln würde. Eine Schimmelbrille wie Farashas Fohlen hat sie zwar nicht, aber vielleicht ist das ja irgendein Sonderfall, überlegte ich. Jonas fragte Rosie: „Wie hast du nun eigentlich das schwarze Fohlen genannt?“ „First Chant, weil sie das erste Fohlen ist, das auf meiner eigenen Farm auf die Welt kam.“ „Ein toller Name“, bemerkte ich schwärmerisch. „Sie wird zum Verkauf stehen Occu, also wenn du Interesse hast…“, lachte die rothaarige, junge Frau. „Ich überleg’s mir, okay? Ich muss sowieso noch planen, welche unserer eigenen Fohlen ich behalten will. Das wird echt nicht leicht…“ „Doch eigentlich schon“, bemerkte Jonas verheissungsvoll. „Es wird damit enden, dass du alle behälst weil du keines loslassen kannst – und falls doch wirst du wieder jeden Tag hoffen, dass sie aus irgendeinem Grund zurückgegeben werden.“ „Du weisst genau, dass das nicht geht, auch wenn es toll wäre. Dafür haben wir einfach zu wenig Platz.“ Lily sah ich förmlich an, dass sie etwas dazu sagen wollte, aber sie hielt sich zurück und beobachtete nur nachdenklich Isis. Ich ahnte, was in ihr vorgehen musste. Sie konnte sich genau wie ich nicht entscheiden, welches der Fohlen sie am liebsten hatte.

      Wir verabschiedeten uns von Rosie, nachdem wir auch bei Anubis, Numair und Bintu Al-Bahri reingesehen hatten. Es war schon spät und wir mussten morgen wieder früh aufstehen, deshalb hatte es auch nicht für einen Tee bei Rosie gereicht. Den gönnten Jonas und ich uns dafür zuhause noch rasch, während Lily bereits ins Bett kriechen musste. Ich sass auf dem Sofa, streichelte Jacky und starrte nachdenklich an die Wand. Plötzlich überlegte ich laut: „Also bei den Criollos wäre es ja naheliegend, wenn wir Fiasco behalten würden. Er wird später sicher interessant für die Farbzucht.“ „Aber ich sehe dir an der Nasenspitze an, dass du trotzdem lieber Moon’s Fohlen hättest. Oder liege ich da falsch?“, meinte Jonas zwinkernd. Ich seufzte und nickte langsam. „Dann behälst du eben den. Wir haben eh schon Dod für die Farbe, also spielt es keine Rolle.“ „Meinst du wirklich? Also gut, dann bleibt Moon’s Fohlen. Wir brauchen aber noch einen guten Namen für ihn.“ „Dod’s Daydream?“ „Nähh, ich finde etwas Spanisches wie bei Fiasco würde einfach besser passen…“ „Uff… Sueño del Muerte oder sowas? Ich kann kein Spanisch…” “Ich auch nicht wirklich, aber zum Glück gibt es das Internet.” Ich gab in diversen Wörterbüchern Vorschläge ein, die etwas mit der Bedeutung von Dods Namen zu tun hatten. Irgendwann stiess ich zufällig auf das Wort ‚solas‘, so viel wie „alleine“ bedeutend. Ich fand den Klang davon toll, und überlegte, womit man es kombinieren konnte, damit es passte. „Etwas mit träumen wär schon nicht schlecht“, meinte Jonas, „denn sonst hätte es ja doch keinen Zusammenhang mit Dod.“ So wurde es „Soñando Solas“ – ‚alleine träumend‘. Ich war zufrieden mit dem Klang, auch wenn die Bedeutung etwas fragwürdig war. Wir verräumten unsere Tassen und gingen die Treppe hoch ins Schlafzimmer, denn mittlerweile veranstalteten wir fast schon ein Wettgähnen. Als ich mich unter die Decke gekuschelt hatte, konnte ich es doch nicht lassen, weiter über die Fohlen nachzudenken. Ich stellte fest: „Ich glaube ich kann nicht schlafen, bis ich mich entschieden habe…“ „Welches von den Minis gefällt dir am besten?“, fragte Jonas leise. „Ich glaube Orchid. Wir haben ja noch kein buckskin Mini, und ich kann doch keine Tochter von Daki weggeben…“ „Siehst du? Und schon bist du wieder etwas weiter. Was ist mit den Warmblutfohlen?“ „Die behalten wir!“, meinte ich sofort, wie ein trotziges Kind. „Dieser Meinung bin ich auch!“, kam eine Mädchenstimme aus dem Zimmer nebenan. „Horchst du etwa? Ab ins Bett jetzt! Du musst morgen in die Schule.“ „Aber du behälst die beiden definitiv, ja?“ „Ja.“ „Gute Nacht.“ Daraufhin blieb es definitiv still aus dieser Richtung. „…Vollblüter?“, murmelte Jonas. „Cupid. Cupid bleibt, der hat Potential. Er hat sogar schon Oliver auf seiner Seite. Und Simply Priceless gefällt mir einfach wahnsinnig gut, ich möchte sehen, was aus ihm wird.“ „Ich finde Call it Karma süss. Die hat was besonderes, mit ihrem gutmütigen Blick und dem hübschen Bauchfleck.“ „Die beiden Schimmelfohlen von Iskierka und Shades of Gray sind auch vielversprechend… Wir können aber einfach nicht alle behalten…“ „Was ist mit dem zweiten dominant weissen?“ „Ich weiss nicht… Es wirkt so schwächlich und lustlos. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass es nicht durchkommt…“ „…Aber wenn doch würdest du es auch behalten wollen?“ „Es hat eine tolle Farbe, aber ich weiss nicht, ob es überhaupt zum Rennen geeignet sein wird, wenn es so schwach ist…“ „Naja, verkaufen kannst du es sowieso nicht, wenn es nicht fit ist. Also bleibt dir fast nichts anderes übrig als es zu behalten.“ „Aber zwei müssen definitiv weg. Vier behalten wäre okay, aber alle sechs sind zu viele.“ „Wenn du meine Meinung hören willst: Ich finde, du solltest die beiden Schimmel Snap Cat und Storm Cat abtreten. Ich weiss, du wolltest besonders das Fohlen von Iskierka aufwachsen sehen und trainieren, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir die anderen vier behalten sollten, und nicht diese beiden.“ „Ich hoffe dein Gefühl ist verlässlicher als meines damals beim Kauf von Cool Cat. Er war ja ursprünglich nur meine zweite Wahl gewesen, aber er hat sich zu einem echten Glückstreffer gemausert. Glaub mir, die Pferde aus dieser Blutlinie sind vielleicht am Anfang unscheinbar, aber entwickeln sich später zu unerwarteten Talenten.“ „Tja, du musst dich entscheiden. Du hast dir das vier-Vollblüter-Limit selbst gesetzt, nun musst du damit umgehen.“ „Ich weiss… Na gut. Die Schimmel gehen. Aber wehe das war die falsche Entscheidung!“ „So so, das ist natürlich bequem, im Falle eines Falles mir die Schuld zuzuschieben. Aber okay, ich übernehme die Verantwortung.“ Ich gab ihm glücklich einen Kuss und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich murmelte: „Hunter Crowley hat auch schon Interesse an den beiden gezeigt. Wenn er tatsächlich eines davon nimmt, wären sie wenigstens noch in der Nähe von uns.“ „Ich bin sicher, dass er bei den süssen Ohren nicht wiederstehen kann“, gluckste Jonas. „Bleiben noch die Paint Fohlen. Behalten oder weggeben?“ „Unclouded ist schon ein richtiger Pachtskerl…“, meinte Jonas zögernd. „Wirklich. Aber irgendwie… Hach ich weiss nicht, wenn wir Shadows Fohlen dann auch noch behalten wollen… Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade noch so von den beiden trennen könnte.“ „Da stimme ich dir zu.“ Ich horchte noch eine Weile seinem ruhigen Atem, dann fielen mit die Augen zu. Endlich fand ich auch den Schlaf, jetzt wo alles beschlossen war.
      29 Apr. 2017

      Die Sache mit Areion und Fohlentraining

      PFS‘ Soñando Solas, PFS’ Cloony, PFS‘ Cranberry, Moon Kiddy, Phantom, Halluzination, Satine, Feline, Ice Coffee, PFS' Ljúfa, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Dancin’ to Jazz, Lovely Summertime, PFS‘ Disparo de Fiasco, PFS‘ Unclouded Summer Skies, PFS‘ Icy Rebel Soul, Areion

      „Was hast du heute im Sinn?“, fragte Jonas, während wir zu den Weiden schlenderten. „Halftern, Hufegeben, und vielleicht ein wenig Führen.“ Die Rede war von den Fohlen auf der Stutenweide. Sie waren nun einige Monate alt und kräftig gewachsen. Besonders mein kleiner Solas hatte einen wunderbar kräftigen Popo bekommen, der erahnen liess, dass er auch später ein echtes Kraftpaket werden würde. Moon kümmerte sich liebevoll um ihren Sohn und blieb stets in seiner Nähe. Vielleicht hing er aber auch einfach selbst so sehr an seiner Mama – es war schwer zu sagen. Fakt war, dass ich die beiden noch eine ganze Weile zusammen bleiben lassen wollte, ebenso wie die anderen Fohlen. Ich suchte schon seit Wochen nach einer passenden Fohlenschau für Solas, aber bisher war alles zu weit weg gewesen und unsere Zeit war auch ganz schön knapp mit all den anderen Turnieren. Jonas und ich kamen bei der Stutenweide an und betraten sie durch das Weidetor. Phantom hatte uns schon von weitem kommen sehen und kam nun allen voran zügig auf mich zu marschiert, um mich zu begrüssen. Das machte er mittlerweile immer so; ich schätzte, dass er damit auch immer gleich unsere Absichten checkte. Er schien zu wissen, dass von mir keine Bedrohung ausging, aber bei Fremden beobachtete er jeweils aus sicherem Abstand und entschied erst dann, ob er näherkommen oder die Stuten wegtreiben wollte. Er war stets wachsam und vorsichtig. Beim Reiten war er inzwischen ziemlich zuverlässig und mutig geowrden. Nur eines machte ihm immernoch Mühe – verständlicherweise, wie ich fand: Flugzeuge und Helikopter mochte er überhaupt nicht leiden. Flugzeuge gingen noch knapp, die schielte er nur skeptisch an. Aber bei Helikoptern begann er zu tänzeln und sich furchtbar aufzuregen. Ich hatte herausgefunden, dass es in so einer Situation am besten war, wenn ich ihn nicht zu bremsen versuchte, sondern stattdessen kontrolliert trabte oder so; hauptsache Bewegung. Ich konnte es ihm nicht verübeln, dass er sich vor den lärmenden Flugmonstern fürchtete, also unterstützte ich ihn einfach so gut es ging dabei, mit seiner Angst umzugehen. Ich streichelte seine dunkle Stirn und zupfte den langen Schopf zurecht. Er liess es ohne zu zucken zu und senkte den Kopf. „Good boy, Phantom. But this time I’m not here for you”, murmelte ich lächelnd. Auch Moon begrüsste mich mit ihrer weichen Schnauze, Solas wie immer bei Fuss, und die anderen Stuten kamen nach und nach zu uns gewandert. Jazz stand seit geraumer Zeit auch auf der Stutenweide bei ihrer Mutter. Die beiden sahen sich vom Körperbau und Kopf her ganz schön ähnlich. Sie hatten sich aber nicht sonderlich begrüsst, als sie wiedervereint worden waren. Mir kam es trotzdem so vor, als ob Jazz insgeheim die Nähe zu Shadow suchte und immer nur wenige Meter entfernt von ihr anzutreffen war. Jedenfalls war ich froh, dass sich alle so gut verstanden. Phantom hatte natürlich auch nicht nein gesagt zu dem Zuwachs in seiner Herde, und so war sie rasch von allen akzeptiert worden. Ein etwas grösseres Theater hatte es gegeben, als die verkauften Fohlen vor kurzem ausgezogen waren. Fiasco, Icy Rebel Soul und Summer Skies waren von ihren Müttern getrennt und von ihren Besitzern abgeholt worden. Feline, Summer Time und Ice Coffee hatten sich aber schnell wieder beruhigt und in ihren alten Alltag eingelebt. Sie halfen jetzt stattdessen manchmal auf die anderen Fohlen aufzupassen, oder so sah es zumindest aus. Halluzination und Satine würden nun auch nicht mehr lange auf der Stutenweide stehen, denn wir wollten sie langsam aber sicher wieder in ihre Boxen im Nebenstall umsiedeln. Für Cranberry und Clooney bedeutete das den baldigen ‚Abschied‘ und die Eingliederung in die Jungpferdeherden. Dafür wollten wir sie nun etwas vorbereiten, indem wir die Basics des Umgangs übten. Jonas begann mit Clooney, ich nahm Berry. Wir näherten uns den Fohlen gemächlich aber bestimmt und streichelten sie zuerst am Hals. Dann zeigte ich Berry das Halfter und liess sie daran schnuppern. Sie sah es nicht zum ersten Mal, aber ich liess ihr jetzt am Anfang noch mehr als genug Zeit und wollte sie keinesfalls überrumpeln, damit sie alles positiv abspeichern konnte. Ich schob das Halfter vorsichtig über ihre Nase und schloss es. Dann kraulte ich die kleine Stute wieder ausgiebig. Als nächstes tastete ich mich an ihren langen Beinen runter. So sah ich auch gleich, ob sie sich überall berühren liess. Ich lehnte mich etwas gegen sie und drückte sanft mit den Fingern mitte Röhrbein, bis sie den Huf selbstständig hob. Ich wollte ihn nicht hochnehmen, sondern ihr von Anfang an beibringen, dass sie ihn selbst anheben musste. Ich hielt ihn kurz fest, dann setzte ich ihn ab und lobte sie, bevor ich den zweiten Vorderhuf verlangte. Auch das klappte schon ganz anständig. Nur bei den Hinterbeinen war Berry anderer Meinung und trat sogar halbwegs gegen mich aus. Ich blieb geduldig und liess mich davon nicht beirren. Am Ende hob sie auch die Hinterhufe kurz an, und mehr verlangte ich heute auch noch nicht. Ich versuchte noch, sie am Halfter ein paar Schritte vorwärts zu locken und spielerisch zu führen, was sie sich wiederum gut gefallen liess. Dann zog ich das Halfter aus und entliess sie zu ihrer grasenden Mutter, die uns stets mit einem Auge beobachtet hatte. Sie hob kurz den Kopf, als ihre Tochter zu ihr lief und schüttelte sich schnaubend die Fliegen ab, dann frass sie entspannt weiter. Ich machte mit Solas weiter, im selben Stil. Er verstand es wohl als Spiel und wurde beim Führen etwas übermütig. Er drängelte und probierte aus, ob er mich herumschubsen konnte. Ich bewies ihm, dass das nicht funktionierte und liess ihn stattdessen mit der Hinterhand weichen. Ich war nicht grob, aber bestimmt; ganz nach dem Credo „was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr“. Jonas putzte inzwischen Ljúfa ein wenig. Die Ljóski-Tochter war mit ihren vier Jahren ganz leicht angeritten für einfache Green Horse Class Gangturniere, aber sie konnte wirklich nur die Grundlagen und wir wollten sie auch erst nächstes Jahr weiter ausbilden.

      Gegen Abend kam der Tierarzt vorbei, um nach den dreijährigen Vollblütern zu sehen. Ich nutzte die Gelegenheit und entführte ihn nach den Routineuntersuchungen zu Areions Box im Nordstall. Dort wartete auch schon Lily. Es ging um die mögliche Kastration des plüschigen Tinkers und um die Frage, ob sie überhaupt sinnvoll wäre. Denn Areion war zwar über den Frühsommer hinweg etwas zu stark für Lily gewesen, sodass ihn mehrheitlich Parker und ich geritten hatten, doch mittlerweile benahm er sich wieder anständig und liess sich von meiner Nichte mehr oder weniger problemlos händeln. Der Tierarzt meinte ebenfalls, dass wir mit der Kastration auf jeden Fall noch ein wenig warten könnten, um zu sehen, ob er im nächsten Jahr wieder so eine Phase hatte oder durch zusätzliche Erfahrung ruhiger blieb. Ausserdem hatte auch Lily diesen Sommer sehr viel dazugelernt und wurde immer besser. Ich hörte schon Jonas‘ Triumphgejubel in meinem Hinterkopf, als wir bei der Entscheidung es hinauszuzögern verblieben. Lily schien glücklich und streichelte Teddy die ganze Zeit liebevoll. Sie hatte ihr ‚Plüschtier‘ eben doch am allerliebsten so wie er war.
      30 Aug. 2017

      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil II
      Beck’s Experience, Rapunzel, Glenns Caress, Lady Diva from the Sky, Arctic Blue, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS’ Shadows of the Past, PFS’ Sarabi, PFS’ Skydive, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Cloony, PFS’ Cranberry, PFS’ Cupid, PFS’ Challenging Time, PFS’ Simply Priceless, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Mikke, Khiara El Assuad, Vai Alida, Rosenprinz, Valentine’s Cantastor, Empire State of Mind, Areion, Satine, Moon Kiddy, PFS’ Ljúfa, Feline, Numair, Anubis, Bintu Al-Bahri, Farasha, PFS‘ First Chant

      Das Telefon klingelte, und ich hechtete förmlich darauf zu, nur um gleich darauf enttäuscht die Stimme meiner Mutter zu hören. „Ja Mum, ich hab es nicht vergessen... Selbstverständlich könnt ihr an Halloween zu uns rüberkommen… Ja klar, ihr schlaft wie immer im Gästezimmer… Bye.“ Der Anruf, den ich eigentlich erwartete, war von der Polizei; mit Neuigkeiten über meine und Rosies gestohlene Pferde. Doch der blieb auch an diesem Morgen aus. Ich wurde zunehmend besorgter über den Verbleib von Numair, Anubis, Bintu, Farasha und besonders klein First Chant. Ich hoffte einfach, dass sie bald gefunden wurden und unversehrt zurückkehren konnten. Derweilen konnte ich immernoch nicht glauben, wie dreist der Dieb gewesen war. Unser Vertrauen auszunutzen, um sich zuerst ein Bild von der Anlage und den Pferden zu machen – das wahr ja wohl das Letzte. Und das allerschlimmste ist, dass ich davon nichts gemerkt habe! Auch nicht, als er so grosses Interesse an den Arabischen Vollblütern gezeigt hat. Dabei hätte mir seine gezielte Frage, ob ich denn auch Araber besitze, bereits fischig vorkommen müssen. Er wusste schon vorher von den Pferden, das ist sicher, und hat sich auf diesem Weg nur einen ersten Zugang zum Stall verschafft, um sich umzusehen. Doch sich darüber ärgern half jetzt auch nicht mehr. Alles, was ich tun konnte, war abwarten und Tee trinken – Schwarztee, um genau zu sein. Es war einmal mehr halb sechs Uhr, Frühstückszeit. Jonas, mir gegenüber, sah so aus, als würde er gleich mit dem Gesicht in der Müslischüssel einschlafen. Ich gab ein unterdrückt-amüsiertes Glucksen von mir, woraufhin er ausgiebig gähnte. Die Hunde mampften ihr Futter und Lily lag noch bis halb Acht unter ihrer warmen Bettdecke. Kurz darauf zog ich mir meine schwarze Fleecejacke an und verliess das Haus. Es war ein nebliger Morgen in England (wer hätte es gedacht) und noch versteckte sich die Sonne unter dem Horizont. Brrr, kalt und unheimlich. Ich lief etwas zügiger und machte meine morgentliche Stallrunde. Ich liess das Licht im Hauptstall an, woraufhin die meisten Pferde aufmerksam ihre Köpfe hoben und durch die Boxenfenster in die Stallgasse schauten. Ein paar grunzten hungrig, ein paar waren noch ein wenig verschlafen und liessen die Unterlippe hängen. Ich streichelte im vorbeigehen Rosenprinz‘ Nase. Auch Canto und Empire streckten mir erwartungsvoll ihre Köpfe entgegen. „Be patient, boys - your hay is coming.“ Ich hörte nämlich in diesem Moment Stimmen vom Eingang des Stallgebäudes herkommend, die verdächtig nach Ajith und Quinn klangen. „…you know nothing! You have no idea what kind of person he is, and yet you judge him?” “Quinn, I’m just worried about you…” “Oh please, save your breath. It’s none of your business, so stay out of it.” Das Gespräch brach ab und ich vermutete, dass Quinn davongelaufen war. Stirnrunzelnd begab ich mich in Richtung Eingang, um nach Ajith zu sehen. Der Pfleger stand an die Boxenwand gelehnt und sah ziemlich müde aus. „What was that?“, fragte ich vorsichtig. „You heard? Ahhh… Luck isn’t on my side today, huh…“ „Come on, you know I’ll always listen when you have something on your mind.“ Der Pfleger seufzte leise. “It’s about Quinn’s father. Apparently he has a drinking problem… He depends on her beause he has no work and he is apparently violent when he’s drunk; she had some bruises when she returned from visiting him in Ireland. She pretended to have bumped into something, but I don’t believe her. And now she’s angry with me for trying to help.” “I did know that her father is a difficult person, but I had no idea that it was so bad… Maybe I should try talk to her?” Er zuckte mit den Schultern und sah weg. Offenbar glaubte er, dass es ohnehin nichts bringen würde. Ich legte ihm meine Hand beruhigend auf die Schulter und setzte dann meine Runde durch den Hauptstall fort. Bei den Stuten sah ich, dass Khiaras Box etwas wenig Stroh hatte und rief daher in Richtung Ajith, dass sie heute Nachschub brauchte. Die Stute hatte ein seidiges Winterfell entwickelt, dass zwar nicht besonders lang war, sie aber dennoch schön warm zu halten schien. Sie sah mir freundlich entgegen und beschnupperte interessiert meine Hand. Ich streichelte sie rasch, mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht. Zira entdeckte weiter vorne eine Maus und verschwand um die Ecke, während ich einen Blick in die restlichen Boxen warf. Alidas sonst so blutrotes Fell war im Moment eher gräulich, weil sie frisch geschoren war. Es hatte mir fast wehgetan, die schöne rote Wolle wegzurasieren, wo sie doch so zum Herbst passte. Aber die Stute hatte auch im Winter anstrengendes Training vor sich, bei dem sie sonst zu viel schwitzen würde. Dafür hatte Caprice ihren Pelz noch, der in leuchtendem Orange schimmerte. Ich sah sie gerade nur von hinten, denn sie sah zum Fenster raus. Mir fiel auf, wie dicht ihr Schweif geworden war, seit sie auf Pineforest Stable angekommen war. Mit dem dunkleren Streifen Haare in der Mitte und den feinen Löckchen an den kurzen, äusseren Haaren sah es richtig edel aus. Caprice bemerkte mich und drehte ihren Kopf nach hinten; aber ging weiter um sie nicht zu stören, denn ich hatte gerade sowieso nichts in der Tasche und sie wurde erst am Nachmittag von Charly bewegt.
      Dafür kümmerte ich mich um ein anderes orangenfarbiges Tier. Naja, sie war schon eher blutorangenfarbig, denn ihr Fuchsfell war jetzt im Winter besonders dunkel. Ich begrüsste Satine mit einer Karotte, die ich zuvor aus der Futterkammer stibitzt hatte. An ihrem grün gestreiften Halfter führte ich sie aus der Box und band sie beim Holzgitter unter dem Nebenstalldach an. Sie beobachtete mit ihren wachen, eisblauen Augen die vorbeilaufenden Pfleger und Pferde. Langsam wurde es nämlich lebendig auf dem Hof und die erste Gruppe von Rennpferden wurde auf die Bahn geritten. Ab nächster Woche wollten wir das Training wieder auf eine spätere Morgenstunde verschieben, da es jetzt ja nicht mehr so warm war und wir so wieder Tageslicht hatten. Ich bürstete Satine ausgiebig durch, bis nur noch ein bisschen Staub vom letzten Weidegang in ihrem Fell übrig war. Auch die Hufe kratzte ich sauber aus. Jonas führte Feline auf dem Kiesweg vor uns an uns vorbei zum Sandplatz. Ich beeilte mich mit Satteln und wir stiessen zu ihnen. Wir ritten die beiden Stuten nebeneinander warm, arbeiteten danach aber einzeln mit ihnen. Jonas machte mit der Criollostute Dressurarbeit, während ich mit Satine ebenfalls an Takt und konstanter Anlehnung arbeitete. Die beiden waren ähnlich weit in der Dressur – solide ausgebildet, aber nicht hauptsächlich darin gefördert worden. Satine war vor allem im Springen top, während Feline ein vielseitiges Freizeitpferd darstellte. Die Arbeit mit Satine machte heute richtig Spass, da die Stute konzentriert mitarbeitete und sich auch nicht von dem bunten Treiben um uns herum ablenken liess. Nur einmal zuckte sie zusammen, als Jacky sich geräuschvoll durch das Gebüsch, das den Sandplatz zierte, hindurchzwängte. Ich schickte die Jack-Russel Hündin zu Zira, die brav im Gras lag und wartete. Jacky setzte sich eher träge neben ihre jüngere Gefährtin und kam umso freudiger angehüpft, als ich sie nach dem Reiten wieder zu mir rief. Ich zerwuschelte das Fell der beiden Hunde zur Belohnung und führte dann Satine zurück zum Absatteln. Jonas war mit Feline schon vorausgegangen und brachte mir kurze Zeit später Moon Kiddy mit, die ich als nächstes Reiten wollte. Er hatte auch Ljúfa im Schlepptau, denn wir wollten gemeinsam mit Robin Lancaster ausreiten gehen. Die Isländerstute war noch ziemlich jung und früh eingeritten für eine Vertreterin ihrer Rasse. Wir hatten aber bisher nur leichte Arbeit mit ihr gemacht, vorallem Ausreiten im Gelände und ein paar leichte Qualifikationsshows. Galoppiert war sie noch nicht unter dem Sattel, nur Schritt, Trab und Tölt geradeaus. Ausserdem ritten sie nur die leichtesten der Pfleger, damit sie nicht übermässig belastet wurde. Deshalb übergab Jonas Ljúfa auch Robin, die gerade angelaufen kam. Jonas selbst holte hingegen Shira mit dem Knotenhalfter aus ihrer Box und band sie neben mir und Moon an. Die dreijährige Stute wurde gerade eingeritten und war erst einmal richtig unter dem Sattel gelaufen. Wir wollten heute nur eine kleine Runde mit den drei Stuten drehen, wobei Moon als erfahrenes Lehrpferd diente. Die Hunde warteten geduldig, bis wir gesattelt hatten. Sheela war nun auch dabei, denn sie war wiedermal bei Jonas geblieben. Beim Satteln war ‚Prinzesschen‘ noch ein bisschen unruhig, obwohl wir schon einige male geübt hatten. Ich liess die bereits mit dem Bosal gezäumte Moon rasch stehen und vertraute darauf, dass sie nirgens hinging, denn ich wollte Jonas noch bei Shira helfen. Wir zäumten die Ponystute über dem Knotenhalfter und ich nahm sie später beim Aufsteigen zunächst zusätzlich als Handpferd an den Strick. Als alle oben waren, ritten wir eine Runde zur Galoppwiese und dem Waldrand entlang. Zum Glück konnte ich mich so gut auf Moon verlassen, denn die Stute liess sich ausgezeichnet von mir dirigieren und zickte auch nicht, wenn wir Jonas mit Shira helfen mussten. Einmal wollte die unerfahrene Ponystute zum Beispiel nicht an einem Holzhaufen vorbei, sodass ich Moon kurzerhand nutzte, um sie vorwärts zu treiben. Auch mit den frischen Vollblütern war Moon jeweils Gold wert als Trackpony. Ich kraulte sie dankbar durch die dichte Mähne am Hals, als wir das Hindernis geschafft hatten.

      Den ganzen Morgen über ritt oder longierte ich verschiedene Pferde, kurz vor dem Mittag musste ich aber auch noch etwas Buchhaltung für Pineforest erledigen und mich daher in mein Schreibzimmer begeben. Danach hiess es Mittagessen kochen. Lily erzählte uns von nervigen Lehrern und Mitschülern, das Übliche. Sie schien froh, dass sie am Nachmittag keine Schule hatte und zu den Pferden konnte. Sie erklärte stolz, dass sie mit Areion heute Geländesprünge üben wollte. Ich hielt das allerdings für keine gute Idee angesichts des nassen Bodens und weil ich heute keine Zeit hatte sie dabei zu coachen. Es war mir einfach doch noch etwas zu riskant die beiden alleine an den teils massiven Hindernissen üben zu lassen, auch wenn sie nicht hoch eingestellt waren. Lily war natürlich enttäuscht, aber ich munterte sie auf indem ich ihr anbot, dass wir später zusammen mit den Fohlen spielen konnten und überzeugte sie, stattdessen mit Areion heute Abend zu Elliot in die öffentliche Dressurstunde zu gehen. Nach dem Essen nahm ich die Hunde mit zu den Miniature Horses. Die kleinen Pferdchen wollten schliesslich auch gepflegt werden und hatten sich schonmal schön schlammig gemacht, damit sie auch nicht zu kurz kamen. Während die Hunde durch das halbhohe Gras streunerten, begann ich Arco zu putzen. Der silbergraue Hengst hatte jetzt mit dem Winterfell deutlichere Dapples als im Sommer – früher war es manchmal noch fast umgekehrt gewesen. Seine fast ganz weisse Mähne war mit ein paar Dreck-Rastas versehen, welche sich aber gut entfernen liessen. Das wollige Winterfell striegelte und bürstete ich ausgiebig, aber die beine waren nicht gerade einfach sauber zu bekommen, so feucht wie sie waren. Ich putzte sie so gut es ging, verschwendete aber auch nicht zu viel Energie daran, denn er würde ohnehin bald wieder für Shows geschoren werden. Dasselbe war es auch mit Lenny und Becks. Wobei ‚Red’ schon vor dem Putzen von allen noch am besten ausgesehen hatte. Bei den Stuten war Lewis mittlerweile mit dem Misten fertig und bürstete nun ebenfalls fleissig die dichte Wolle der Vierbeiner. Er war mit Rose schon fertig und kümmerte sich gerade um Tigrotto. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und fing Lady ein. Die Fuchsstute folgte mir willig zum Zaun und liess sich genüsslich von mir massieren. Sie sah so edel aus, trotz des Winterfells, wenn sie ihren Hals vor Wohlsein rund machte. Mit den beiden Youngsters, Kiwi und Tiki, wollte ich einen kleinen Spaziergang machen. Lewis nahm bei der Gelegenheit auch gleich Queenie und Papillon mit. Die beiden hatten heute frei (sie waren gestern auf einer längeren Trainingsfahrt gewesen) und so ein Spaziergang war bestimmt lockernd für die beanspruchten Muskeln. Wir gingen mit den vier Ponys zum Fluss und über die Feldwege um Pineforest herum. Auf dem Heimweg begegneten wir Lily, die mit Peppy ohne Sattel und mit dem Stallhalfter unterwegs war. Ich rief ihr nach, dass sie bei der Strasse vorsichtig sein solle und erntete nur ein klangvoll ausgerufenes „Ich we-iss“. Lewis grinste nur belustigt und wir plauderten weiter über die kommenden Fahrturniere.
      Während Lily noch im Gelände herumdümpelte, ging ich schonmal zu Thairu, dem Zebra. Sie und Zazou, den wir ab und zu aus Gewohnheit immernoch Dante nannten, standen Popo-an-Kopf nebeneinander unter dem geschützten Unterstand, den wir für sie gebaut hatten. Beide hatten kaum Winterfell aufgrund ihrer Art, vertrugen die Kälte im Winter aber trotzdem ziemlich gut, solange sie einen Rückzugsort hatten. Ich trainierte im Moment nicht mehr so oft mit Thairu, weil mir die Zeit dazu schlichtweg fehlte. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ihr das schadete. Im Gegenteil; sie vergass kaum etwas zwischen den Trainingseinheiten und war jeweils entspannt, wenn wir wiedermal mit ihr arbeiteten. Ich putzte sie heute nur gründlich durch, ebenso wie den Wildesel neben ihr. Thairu mochte es besonders an ihrem Unterhals gestreigelt zu werden. Aber auch Zazou hatte eine Lieblingsstelle, nämlich hinter seinenen langen Löffeln. Ich klopfte dem Zebra beim Gehen auf den Po und begab mich in Richtung Fohlenweiden. Lily hatte Peppy versorgt und kam angerannt, als sie mich sah. „Was wollen wir mit ihnen üben?“, fragte ich meine Nichte, sobald sie in Hörweite war. „Blachen! Und den Gymnastikball, und vielleicht Flattervorhang?“ „Ich glaube Ball und Blachen reichen für heute, aber wir können noch ein paar Kegel aufstellen und Führtraining machen.“ „Ja!“ Sie lief voraus zur Halle, denn im Bereich vor der Reiterstube hatten wir einen Lagerraum für das ganze Bodenarbeitsmaterial. Ich folgte und gemeinsam trugen wir die Übungsgegenstände zu den Weiden. Die Hunde waren wie immer mit dabei, und bei der Halle waren wir dem Kater Kafka begegnet, der uns von der Treppe zur Tribüne aus scharfäugig beobachtete hatte. Als erstes wurden wir bei den Weiden von Skyrim begrüsst, der Lily sofort seine rosa Schnauze ins Gesicht streckte. Das erstaunte mich nicht sonderlich, so viel, wie sich meine kleine Nichte mit dem Reitpony beschäftigte. Auch die anderen Hengstfohlen kamen neugierig näher, während wir den ‚Parcours‘ aufstellten. Cupid begann sogar frech an der Blache herumzuzupfen und sie mit dem Huf zu bearbeiten. Simply blieb erstmal auf Abstand, traute sich dann aber doch neben Cupid an der blauen Blache zu schnuppern. Übrigens waren die Vollblutfohlen mittlerweile abgesetzt worden und nach Pineforest umgezogen. Das Verladen der halbjährigen war natürlich ein riesen Ereignis gewesen, mit viel Gequietsche und grossen Augen. Aber am Ende hatte alles ohne Zwischenfälle geklappt und die Fohlen waren gut angekommen. Als wir alles bereitgestellt hatten, holte ich zwei Halfter und Stricke damit wir das Führtraining machen konnten. Selbstverständlich behielt ich Lily die ganze Zeit im Auge, während sie zuerst Skyrim und danach Clooney durch die Pylonen führte. Sie hatte die Anweisung den Strick einfach loszulassen, falls sich einer der Halbstarken erschrecken sollte. Ich selbst führte Mambo an den Gymnastikball heran, bis er ihn mit den Vorderbeinen wegschubste. Er erschreckte sich leicht, liess sich aber erneut auf mich ein und war bei den weiteren Versuchen schon viel mutiger. Solas kam natürlich auch dran und zeigte bei den Blachen bereits jetzt Nervenstärke. Ich war sicher, dass er einmal ein hervorragendes Trailpferd werden würde.
      Bei den Stuten lief es ähnlich ab; die meisten waren ziemlich neugierig und untersuchten die Mitbringsel. Besonders die älteren wie Sarabi, Daedra, Snowflake, Fire und Dolly hatten schon einige solcher Spieleinheiten hinter sich und kannten die Gegenstände. Aber auch Cranberry traute sich sofort heran und bearbeitete den Ball mit ihren Fohlenzähnen. Ich war froh, dass Chime jetzt auch auf Pineforest war und ich sie jeden Tag im Blick hatte. Ella hatte zwar gute Arbeit geleistet und sich ausreichend um das schwächliche Stutfohlen gekümmert, aber mir war trotzdem wohler, wenn ich mich selber um sie kümmern konnte. Sie war und blieb ziemlich schmal, man sah auch ihre Rippen recht gut. Aber laut dem Tierarzt war sie soweit über dem Berg und mit genügend Futterzusätzen würde sie auch gross werden. Es war natürlich eine aufwändige Zukunft, die da vor uns lag, doch für das hübsche Stutfohlen wollte ich keine Mühen scheuen. Sie war mir schon so ans Herz gewachsen, dass ich sie keinesfalls loslassen könnte, auch wenn Oliver skeptisch war, ob die kleine jemals eine Zukunft als Rennpferd haben oder überhaupt gesund bleiben würde. Ich wollte es wenigstens versuchen und ihr diese Chance geben. Weniger dramatisch stand es um die dratige, grobknochige Karma. Sie war ein richtiger Brocken, und ich schätzte, dass sie wohl ein ordentliches Stockmass erreichen würde. Wegen ihrer langen Beine sah es lustig aus, wenn sie grasen wollte. Sie stand dann jeweils vorne ganz breit auseinander. Nun fehlte nur noch Indy, die immernoch bei Ella stand, weil sie ungefähr zwei Monate jünger als die anderen Fohlen war. Ich freute mich schon darauf, endlich alle Fohlen auf dem Hof zu haben. Lily und ich versorgten alles wieder in der Halle, sobald wir fertig waren. Danach gingen wir erstmal ins Haus um uns mit einer Tasse Tee aufzuwärmen, denn es war bereits am Vormittag eine kühle Bise aufgezogen, die sich hartnäckig gehalten hatte. Immerhin war der Himmer klar und blau. Lily ging später wie beschlossen in die Dressurstunde und ich kümmerte mich um zwei neue Pensionäre – denn ich hatte beschlossen, die leeren Boxen auf Pineforest zu vermieten. Im Moment standen schon zwei auswärtige Pferde im Stall, und eines davon war unser alter Freund Fajir. Der Besitzer war sofort mit ihm zurück hierhergezogen, als er von den freien Boxen erfahren hatte. Er war ohnehin seit er den Cremello besass zu uns in die Reitstunden gekommen, und nun konnte der begeisterte junge Herr auch von der restlichen Infrastruktur von Pineforest profitieren. Heute waren nun noch ein weiteres mir unbekanntes Pferd, und Majandro angekommen, den ich ebenfalls vor einer ganzen Weile verkauft hatte. Ich war sicher, dass auch noch weitere der Pferde folgen würden, die ich in unsere Nachbarschaft abgegeben hatte.

      Gegen halb Zehn Uhr klingelte das Telefon bei uns erneut. Ich liess Jonas rangehen, da ich gerade Wäsche bügelte, weil unsere Putzfrau (jawoll, so faul war ich seit Jahren) mit Grippe im Bett lag. Ich lauschte mit einem Ohr dem Gespräch und mein Puls schlug schneller, als ich mir zusammenreimte, worum es ging. „Sie haben sie gefunden?“, hauchte ich zu Jonas, der mir grinsend einen Daumen hoch als Antwort gab, während er dem Beamten zuhörte. Ich machte förmlich einen Freudensprung und konnte es kaum erwarten, die Details zu hören. „… Okay, we’ll pick them up right tomorrow, if that is possible. Yeah sure. Thank you so very much.“ Er legte auf und ich umarmte ihn erstmal vor Erleichterung. “Sie wurden in der Nähe von Southampton in einem Schuppen gefunden. Offenbar wollten die Diebe sie demnächst bei einer Nacht und Nebel Aktion per Schiff nach Frankreich und von dort aus mit gefälschten Papieren weiter transportieren. Die Polizei hat die Dokumente beschlagnahmt, es war offenbar alles schon vorbereitet. Wir hatten Glück, denn es wäre schwierig geworden, sie im Ausland aufzuspüren. Wir können sie morgen holen gehen – ach ja, und sie seien in einem recht guten Zustand, also ist ihnen nichts weiter passiert.“ Mir kamen beinahe Freudentränen, was mich erstaunte, weil ich normalerweise nicht so nah am Wasser gebaut war. Vielleicht werde ich doch langsam zu einem normalen Menschen wie alle anderen, überlegte ich im Stillen. Falls ja, liegt das definitiv an dem guten Einfluss meiner grossen Familie hier.
      29 Okt. 2017

      Halloween 2017
      Nosferatu, PFS’ Dancin‘ to Jazz, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Diarado, Rapunzel, Fake xx, PFS’ Shadows of the Past, Areion, Dakota S, Chocolate Chip, Cabinet of Caligari

      Die Herbstliche Stimmung auf dem Ausritt war einfach wundervoll. Die Bunten Blätter, die im Wind von den Bäumen rieselten und unter Moons Hufen raschelten, die nach feuchter Walderde riechende Luft und die Mischung aus Kälte und warmen Sonnenstrahlen waren allesamt Dinge, die ich am Herbst unglaublich mochte. Trotzdem war auch eine gewisse Melancholie dabei, wenn man daran dachte, dass sich die Natur bis im Frühjahr schlafenlegen würde und viele der Vogelstimmen erst dann zurückkämen. Ich hoffte, dass es dieses Jahr wieder viel Schnee geben würde, damit wir ausgiebige Schneegalopps geniessen konnten. Moon lief in ihrem fleissigen Zackel-Schritt vorwärts und schielte unter ihrem mächtigen Schopf hindurch. Sie hatte die Ohren entspannt nach vorne gerichtet und trug den Schweif leicht angehoben. Hin und wieder kraulte ich sie am Widerrist, während wir so dahinritten. Sie schnaubte manchmal und machte den Hals schön rund, wenn ich das tat. Ich liess sie aber am langen Zügel laufen, denn wir hatten keinen Grund für Anstrengung. Ich hatte Moon Satteltaschen aufgeschnallt, denn der Ausritt führte uns in eines der umliegenden Dörfer zum Kürbisse Holen. Eigentlich hatte ich Jonas mitnehmen wollen, doch er war nicht mehr aufzufinden gewesen. Ich hatte eine Viertelstunde auf ihn gewartet, bevor ich alleine losgeritten war. Eine gewisse Enttäuschung konnte ich daher nicht verbergen. Aber was soll’s, dachte ich seufzend, ich schaffe das ja auch ganz gut alleine. Ich steuerte Moon auf einen Feldweg am Waldrand mit breitem Grasstreifen, auf dem wir gut galoppieren konnten. Moon brauchte ich nicht zweimal zu bitten; sie wartete förmlich auf meine Hilfen zum Galopp. Wir bretterten den Weg entlang bis zu einer Gabelung, bei der ich wieder abbremste und Moon auf den Feldrand driften liess, um ihre Barhufe zu schonen. Hier war der Weg nämlich zu meinem Bedauern wieder ein ordentlicher, gepflegter Kiesweg ohne Mittelstreifen. Wir kamen gut ohne Hufschuhe aus, solange ich ein wenig Acht gab und nicht den ganzen Tag auf Teer Ritt. Die Stute hatte starkes, hartes Horn, das durch die tägliche Anregung genug schnell wuchs, um den Abrieb auszugleichen. Ich hatte aber ohnehin festgestellt, dass meine Criollos allesamt gute Hufe hatten und problemlos ohne Eisen laufen konnten. Als wir wenig später auf eine kleine Landstrasse trafen, hörte ich plötzlich Hufgeräusche näherkommen. Ich drehte mich um und hielt Moon, denn wer da kam war niemand geringeres als Jonas. Er trabte auf Shadow zu uns. «Hey. Sorry, ich musste noch was erledigen. Tut mir echt leid, dass du ohne mich losreiten musstest», entschuldigte er sich mit ehrlichem Gesichtsausdruck. «Schon okay, Hauptsache du hast es noch geschafft. Was musstest du denn machen?» «Ach, nicht so wichtig. Ajith helfen und so.» Ich runzelte leicht die Stirn, sicher, dass ich im Hauptstall auch nach ihm gesucht hatte; sagte aber nichts weiter und überquerte mit Moon als erste die Strasse. Er wird schon seine Gründe haben, überlegte ich. Bestimmt eine Halloween-Überraschung. Ein triumphierendes Schmunzeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich sah, wie er mich leicht missmutig musterte – es stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben dass er ahnte, dass ich ihn bereits durchschaut hatte. Shadow war nicht besonders sauber geputzt. Sie hatte noch Staub auf der Kruppe und Krusten in der Mähne. Offenbar hatte er sie nur rasch durchgebürstet, um mich noch einzuholen. Ich tadelte ihn liebevoll und er musste versprechen, die Stute mit den blauen Augen später noch richtig zu putzen. Wenigstens hatte er sich noch die Zeit genommen, ebenfalls Satteltaschen zu montieren. So konnten wir mehr Kürbisse mitnehmen. Wir erreichten den Bauernhof und banden die Pferde rasch bei einem Brunnen an, während wir einkauften. Ich fand noch eine Flasche Traubensaft von meiner Lieblingssorte, der ich nicht widerstehen konnte. Mit vollen Taschen machten wir uns auf den Heimweg.

      Auf Pineforest Stable versorgten wir die Pferde und stellten die Kürbisse auf der Veranda auf, um sie später mit Lily zusammen zu schnitzen. Sie würde um halb fünf von der Schule zurücksein, sodass ich bis dahin noch etwas Zeit für Diarado hatte. Der Hengst brummelte mir wie fast immer zu und genoss die anschliessende Putzeinheit sehr. Er war nicht richtig schmutzig, nur die Beine waren ein wenig mit Schlamm bespickt. Ich kämmte den vollen, glänzenden Schweif und die kurze Sportmähne. Sogar die Hufe fettete ich rasch ein. Er sah einfach unglaublich schick aus, als ich ihn wenig später zum Roundpen führte. Sein Winterfell war ziemlich spärlich, sodass ich ihn vielleicht nicht einmal Scheren musste – oder höchstens den Bauch. Er hatte wundervolle Muskeln und war schön schlank, ein richtiger Prachtkerl. Da war es nicht verwunderlich, dass es mittlerweile einige Fohlen von ihm gab. Ich schickte den Hengst raus auf den Zirkel und liess ihn im Schritt warmlaufen. Dann klickte ich und er trabte schwungvoll an. Er war heute etwas wild und lief folglich immer ein wenig schneller als beabsichtigt. Ich hielt ihn so gut es ging mit meiner Körpersprache im Zaum und arbeitete so eine gute halbe Stunde lang an den Übergängen. Besonders die Schritt-Galopp, bzw. Galopp-Schritt Übergänge machten wir ausgiebig, denn die waren pures Krafttraining für die Hinterhand. Ein paarmal gelang mir sogar ein Stand-Galopp Übergang mit dem heute eher ungeduldigen Zeitgenossen. Ihm schien das Training zu gefallen, denn er wurde mit der Zeit richtig fleissig, wenn nicht übermütig. Am Ende lockte ich ihn zu mir und lobte ihn ausgiebig mit Halskraulen und ein paar Leckerlies. «Freu dich auf die Weihnachtszeit, mein Grosser – dann machen Lily und ich wieder selbstgebackene Belohnungen für dich und deine Kumpels», flüsterte ich, als er sich genüsslich das Maul ableckte und mit einem Hundeblick nach Mehr fragte. Er traute sich nicht, meine Taschen zu durchsuchen, was mir zeigte, dass er genug Respekt vor mir hatte, um seine Grenzen zu kennen. Stattdessen liess er sich brav wieder in den Stall führen und wartete vor der halboffenen Boxentür, bis ich die Hufe ausgekratzt hatte. Danach durfte er hinein und über seine Karotten herfallen. Während die Karotten geräuschvoll zerkleinert wurden, versorgte ich die Ausrüstung und begab mich pünktlich zurück zum Haus, denn Lily und jemand weiteres kamen dort auch gerade an. «Huch, wer ist denn das?», fragte ich verwundert, denn es handelte sich um ein Mädchen in Lilys Alter, das sie mir noch nicht vorgestellt hatte. «That’s Suri, she’s a friend from school» Das dunkelhäutige Mädchen, offenbar Indischer Abstammung, schüttelte mir lächelnd die Hand – sie schien nicht schüchtern zu sein. «I invited her for Halloween, is that okay?», fuhr Lily fort. «Yeah, sure. Pumpkins are here, I’ll go and get the tools for you guys.» Ich holte rasch Schnitzer und Löffel aus der Küche, während die beiden sich die ersten Kürbisse schnappten und überlegten, wie sie sie gestalten wollten. Am Anfang blieb ich dabei und machte selber auch ein Kürbisgesicht, doch weil ich sah, dass die beiden mit den Messern umgehen konnten, machte ich mich nach einer Weile aus dem Staub, um Shira zu reiten. Jacky begleitete mich und legte sich auf dem Kiesweg an die wärmende Sonne, während ich die Reitponystute rausholte und zu putzen begann. Sie war etwas zappelig und hängte sich zweimal rückwärts ins Seil, weil sie sich einmal vor einem umfallenden Besen und einmal vor Kater Kafka erschreckte. Der Mäusejäger war aus dem Inneren von einer der Boxen auf den Rand der Tür gehüpft und anschliessend in Richtung Hauptstall weggerannt. Ich beruhigte die Stute jeweils mit der Stimme und führte sie wieder in die Ausgangsposition zurück. Sie war mit dem Knotenhalfter angebunden, damit sie sich nicht losreissen konnte und gar nicht erst lernte, am Halfter zu ziehen. Shira seufzte laut und ich schmunzelte. «Ohjeh, da hat dich der Bettvorleger aber ganz schön erschreckt, du arme» Ich kratzte ihr noch die Hufe aus, die sie mir dank des ausgiebigen Fohlentrainings artig gab. Dann sattelte ich die junge Ponystute und führte sie mit dem Knotenhalfter auf den Sandplatz. Ich knotete den Führstrick zu einem Zügel und kletterte mit der Aufstieghilfe auf ihren Rücken – nicht weil sie zu gross war (was sie als Pony sicherlich nicht sein konnte), sondern weil das für sie am Anfang noch angenehmer war und ich beim Einreiten immer darauf achtete, es den Pferden möglichst leicht zu machen. Shira war ja erst seit ein paar Tagen richtig unter dem Sattel und noch vollkommen grün. Wir ritten sie im Moment meistens mit dem Knotenhalfter, zwischendurch aber auch schon mit Trense. Das lag daran, dass ich im Falle eines Schreckmoments, oder falls wir nicht einer Meinung waren keinesfalls ausversehen im Maul ziehen, und so das Reiten schmerzvoll machen wollte. Sie sollte von Anfang an alles positiv verknüpfen und keine schlechten Erfahrungen machen. Ich wärmte die Ponystute im Schritt auf und trabte dann in fleissigem Tempo an. Die Stute hatte aufgrund ihrer unausgereiften Bemuskelung und Unerfahrenheit verständlicherweise Mühe mit der Balance und glich dies durch Geschwindigkeit aus. Ich bremste sie nicht zu sehr, sondern achtete stattdessen darauf, dass sie die Hinterhand aktiv benutzte und in den Kurven leichte Stellung zeigte. So war es ein lockeres Vorwärtstraben am mittellangen Zügel. Bevor ich mich am Angaloppieren versuchte (unser allererster Versuch unter dem Sattel), nahm ich die Zügel mehr auf und trieb sie in die Anlehnung hinein. Natürlich war das noch alles andere als konstant, aber ich war zufrieden mit der Nachgiebigkeit und Kooperation der Stute. Man spürte deutlich, dass sie sich Mühe gab und alles richtigmachen wollte. Ich bog auf die grosse Mittelvolte und gab die Hilfen zum Galopp. Zur Unterstützung nutzte ich meine Stimme; die entsprechenden Kommandos kannte sie ja vom Longieren. Sie wurde zunächst nur schneller und bekam ein Durcheinander, aber ich sammelte sie wieder und versuchte es erneut. Sie machte ein paar holprige Schritte, dann waren wir in einem schnellen, aber schwungvollen Galopp. Sie war sogar auf Anhieb richtig eingesprungen. Stolz streichelte ich ihren Hals und liess sie nach einer halben Runde bereits durchparieren. Ich wollte sie nämlich nicht in den Trab fallen lassen, was gewiss wenige Momente später geschehen wäre, sondern bewusst in den Trab übergehen. Ich versuchte dasselbe auf die andere Seite, was wieder ein paar Versuche in Anspruch nahm – offenbar ihre schlechtere Seite. Danach liess ich sie bereits austraben und stieg ab, um sie trockenzuführen. Sie hatte in ihrem Winterfell ein wenig geschwitzt, jedoch nicht übermässig und vor allem unter dem Sattel, was ich als gutes Zeichen wertete. Ich gab ihr eine kleine Belohnung, führte sie einige Runden und brachte sie dann zurück in den Nebenstall. Als ich mich umdrehte, um die Boxentür zu schliessen, sah ich Jacky mit einer Maus im Maul zurückkehren. «Pfui!», rief ich und nahm sie ihr weg, damit sie sie nicht auffrass. Die Maus war sowieso schon tot, aber ich wollte nicht, dass meine Jack Russel Hündin sich Würmer oder Sonstiges einfing. Es erstaunte mich keineswegs, dass Jacky die Maus erwischt hatte; sie war sehr flink und zeigte öfter Interesse an vorbeihuschenden Nagern.

      Als ich zu den beiden Kürbisschnitz-Künstlerinnen zurückkehrte um ihre Werke zu bewundern, hatten sie bereits den grössten Teil der Kürbisgesichter fertiggestellt. Lilys Freundin hatte ein gutes Händchen fürs Basteln wie es schien, denn ihre Kürbisse konnten mit meiner Vorlage gut mithalten. Lily verschnitt sich noch ab und zu, oder machte die Kanten nicht ganz sauber. Aber was konnte man von einer Zehnjährigen erwarten? Ich lobte die beiden jedenfalls bewundernd und holte schonmal Kerzen von drinnen. Anzünden wollten wir sie natürlich erst, wenn es ganz dunkel war. Bis um sieben Uhr machte ich Bodenarbeit mit Dancin’ to Jazz, um die Appaloosa Stute mutiger und aufmerksamer zu machen. Die beiden Mädchen sahen mir dabei zu. Die Hunde waren Anfangs auch alle dabei, doch Sheela und Jacky standen nach zehn Minuten gelangweilt von ihrem Platz im Sand auf und verliessen die Halle zusammen mit Lily, die Areion holen wollte. Wenig später führte meine Nichte ihren Teddy rein und zeigte Suri stolz, wie brav er war. Sie führte ihn über die Trabstangen, liess ihn mit dem Hinterteil weichen und rückwärtsgehen. Areion spielte mit, wenn auch etwas unmotiviert, wie mir schien. Das lag vielleicht daran, dass er um diese Zeit lieber in der Box bei seiner Heuration gewesen wäre. Suri schien es Spass zu machen, die Vierbeiner zu beobachten, doch sie blieb auf Abstand und Lily konnte sie höchstens zu einem Streicheln ermutigen. Als wir die Pferde versorgt hatten und uns im Nordstall vor Areions Box trafen, fragte ich sie deshalb, ob sie Angst vor den grossen Huftieren hatte. «A little bit. And my father told me to be careful…» «Do you want to try leading one that’s a little less scary?», fragte ich mit einem Zwinkern zu Lily. Die verstand sofort und machte ein begeistertes Gesicht. Suri antwortete etwas zögerlich, als würde sie dunkles ahnen, «Sure.»
      Wir liefen zu den Miniweiden und ich öffnete das Tor zu den Stuten. Daki kam mit einem übertriebenen Grunzen, das fast schon in ein quiekendes Wiehern ausartete, angaloppiert. Auch die restliche Herde liess nicht lange auf sich warten. Suri stiess ein überraschtes «Awwww!» aus. Ich gab Daki lachend ein Stück Karotte für ihren Auftritt und kraulte auch die restlichen Ponys, die sich nun im Dunkeln alle um uns drängten, rasch am Hals. Suri wusste gar nicht, wen sie zuerst streicheln sollte. «They are almost like Dogs! That’s sooo cute!» Lily erklärte rasch ein paar Fakten zu den Minis, während ich überlegte, welche man am besten mit in die Halle nehmen konnte. Ich holte drei Halfter und Stricke von den Haken an der Wand des Offenstalls. «Lily, you take Chip, Suri can take Queenie.» Ich deutete auf die gescheckte Ministute und Suri nickte mit einem Ausdruck von gespannter Freude. Ich selbst halfterte meine übermütige Daki, hielt das Tor für die anderen auf und hielt die restlichen Minis zurück, damit sie uns nicht aus der Weide folgten. Wir brachten die drei Ponys in die gut beleuchtete Halle. Zuerst zeigte ich Suri ein paar Grundlagen bezüglich dem Führen von Pferden, zum Beispiel, dass sie selbstsicher sein musste und sich nicht bedrängen lassen durfte. Ich zeigte ihr, wie man die Ponys weichen liess und die Schulter eindrehte, um sie wieder heranzulocken. Lily stellte unterdessen ein paar Pylonen in den Sand und legte ein paar Stangen hin, über die wir die Ponys anschliessend drüber führten. Queenie machte ihren Job ausgezeichnet: sie reagierte brav auf die richtigen Körpersignale, stellte sich aber stur, wenn Suri Fehler machte oder zögerte. Am Ende schien das Indische Mädchen begeistert über die Übungen und vergass beinahe die Zeit. «I’m sorry, I have to go home now…», meldete sie betrübt. «Do you have your own halloween-party at home?» «Nope.» «But it would be so nice if you could stay here with us!», jammerte Lily. «Can’t you call your Dad and ask if you can stay?» «I could try…», antwortete Suri mit einem fragenden Blick an mich. Ich nickte, zum Zeichen dass ich auch einverstanden war. Wir brachten die Ponys zurück in den Offenstall, dann gingen wir ins Haus und das Mädchen telefonierte rasch mit ihren Eltern. Ich sprach ebenfalls kurz mit Suris Mutter, damit ihre Eltern wussten, bei wem sich ihre Tochter befand. Suri durfte bei uns bleiben und in Lilys Zimmer übernachten. Wir assen alle gemeinsam zu Abend mit den Pflegern – ein letzter Grillabend für dieses Jahr. Da es ganz schön kalt war, holten zusätzlich zu unseren Jacken und Schals ein paar Wolldecken, um es uns richtig gemütlich zu machen. Suri und Lily sassen auf einer Decke im Gras und plauderten eifrig über die Ponys. Gegen neun Uhr kamen Jonas und Lewis auf die kindische Idee, mit einer Fackel und den Kürbissen in den Wald zu gehen, um die Mädchen zu erschrecken. Sie heckten flüsternd einen Plan aus. Ich bekam nur Fetzen davon mit, doch es klang so, als wollten sie Fake mitnehmen und irgendwas unheimlich leuchten lassen. Jedenfalls verschwanden die beiden kurz darauf, mit dem Kommentar «we go shopping». Ich verdrehte die Augen, war aber gleichzeitig gespannt zu sehen, was sie sich ausgedacht hatten. Während sie weg waren, gingen die Mädchen mit den Hunden hinter dem Haus bei den Büschen spielen und ich unterhielt mich mit Quinn über die Vollblüter. «How was Caligari today?» «Quite fit. She topped her personal record over a distance of one mile.» «Thats great news – so you think she will be ready for spring?» «Yep.» Im Frühling standen einige wichtige Rennen an, und es freute mich zu hören, dass Cab daran teilnehmen können würde. Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin nichts schiefging.

      Jonas und Lewis waren eine Stunde später zurück. Sie erzählten Lily und Suri von einem Geisterritual im Wald, welches sie gerne ausprobieren würden. «Of course we don’t believe in such fairytails, but it would be fun to prove it wrong, right?» Die Mädchen waren etwas skeptisch, liessen sich dann aber darauf ein. Quinn und ich begleiteten die vier in den Nebenstall, denn wie Lewis erklärte, brauchte man für das Ritual ein dunkles Pferd. Lily rief bei der Gelegenheit auch gleich Suri zu Nosferatus Box. «Suri, look! This is my newest pony, Nossi.» Die beiden streichelten Nosferatu, die über so viel Aufmerksamkeit nicht abgeneigt schien. «She is really beautiful», meinte Suri bewundernd. «And she is a perfect riding pony. She is always focused and well-behaved. That’s right, she would be a perfect partner for you! You can join me and Areion in Elliots dressage lessons!», beschloss Lily plötzlich übermütig. Ich bremste sie ein wenig in ihrer Begeisterung und erinnerte sie daran, dass Suri gerade erst Stallluft geschnuppert hatte. Vielleicht wollte das Mädchen ja gar nicht reiten? Suri lächelte erstmal überrumpelt, meinte dann aber, dass sie sich durchaus vorstellen könnte, sich mal auf ein Pony zu setzen, sofern ihre Eltern damit einverstanden seien. Ich bestärkte sie darin, zuerst zuhause nachzufragen, freute mich aber über die Aufgeschlossenheit des Mädchens. Jonas und Lewis hatten Fake inzwischen rausgeführt und wir liefen nun Richtung Wald. Wir hatten ausserdem eine Fackel und drei der geschnitzten Kürbisse dabei. Wir entschieden uns für eine Stelle am Fluss und stellten die Kürbisse auf. «Now you can light the candles, while we close our eyes and hold our Hands», flüsterte Jonas verschwörerisch. Er streckte die Hand mit einem Grinsen in meine Richtung aus und ich nahm sie eifrig. Während ich meine Augen geschlossen hatte, schickte Lewis, der es mal wieder nicht lassen konnte, einen Händedruckimpuls in die Runde. Das dadurch entstehende, gelegentliche, belustigte glucksen schadete meiner Meinung nach zwar ein wenig der Ernsthaftigkeit des ‘Rituals’, aber ich war ja selbst mitschuldig. Die Mädchen schienen nichts zu merken und erschraken plötzlich geräuschvoll. Ich öffnete die Augen und entdeckte in den Gebüschen am Waldrand scheinbar grünlich leuchtende Augenpaare. Ich konnte mir das breite Grinsen nicht mehr verkneifen und gab Jonas einen Stupser in die Seite. «Gut gemacht», flüsterte ich liebevoll. «Manchmal kann ich auch etwas» Wir lachten, denn die Mädchen hatten ohnehin gerade gemerkt, dass es bloss ein Scherz sein musste. Lily stiess ein trockenes «Ha-Ha» aus, brach aber dann doch zusammen mit Suri in richtiges Lachen aus. Nur Fake begriff die Situation nicht so recht und war durch die vorherigen Schreckgefühle der Mädchen noch verunsichert. Sie sah sich laut atmend um und versteckte sich hinter Jonas, als der wieder ihren Führstrick nahm. Lewis und die Mädchen liefen über die Brücke auf die andere Seite und sammelten die LED-Lichterkette in den Büschen ein, während Jonas, Quinn und ich mit der armen Fake zurück zum Stall liefen und ihr dort eine Karotte gaben.
      31 Okt. 2017
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

      Aftermath
      Satine, Dancing Moonrise Shadows, Ronja Räubertochter, PFS’ Dancin’ to Jazz, Moon Kiddy, Phantom, Fake xx, PFS’ Ljúfa, Estragon Sky, Areion, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, tc Herkir, PFS’ Ljóski, Drømmer om Død, Circus Dancer, Feline, Unbreaking Soul of a Rebel, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Bacardi Limited, Lovely Summertime, Burggraf, Cantastor, Chiccory ox, Sunday Morning, Rosenprinz, Empire State of Mind, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Spotted Timeout, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS‘ Cryptic Spots, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Campina, Sumerian, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Nosferatu, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire

      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.


      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.


      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.
      10 Feb. 2018

      Reunion
      Painting Shadows, Lindwedel, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, White Dream, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Feline, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Farasha, Islah, Glenns Caress, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Après la Pluie

      Es war ein gemütlicher Morgen. Zwar frohr ich mir in der eisig kalten Luft beinahe die Finger ab, obwohl ich Handschuhe trug, aber es hatte keine Wolken am Himmel und die Wettervorhersage kündigte einen sonnigen Tag an. Der Himmel färbte sich langsam hellblau, als ich zum Nordstall schlenderte, um Diarado zu bewegen. Sobald ich durch die Tür kam, grunzten mir aus allen Ecken des Stalls her Pferde zu. Sie warteten auf ihre Frühstücksration. "Man könnte meinen, ihr verhungert gleich!", lachte ich, und streichelte im Vorbeigehen Pilot. Auch Diarado streckte mir schon die Schnauze entgegen, sobald ich bei seiner Boxentür angelangte. Ich gab ihm ein Stück Karotte zur Begrüssung und streifte ihm sein Lederhalfter über. In der Stallgasse angebunden, striegelte und bürstete ich ihn, währed er mit der Anbindekette spielte. Bein Hufeauskratzen bemerkte ich, dass seine Eisen etwas locker waren und der Schmied bald wieder draufschauen musste. Eigentlich war ich ja Barhuf-Fan, aber die Sportpferde in den höheren Klassen, gerade auch Military, musste ich auf Gras stollen können, damit sie nicht rutschen konnten. Ich achtete aber immer darauf, fass die Hufe richtig bearbeitet wurden, denn ich hatte mir selbst mit Kursen und Büchern ein Wissen angeeignet, das mir erlaubte, eine gute Bearbeitung zu erkennen. Jedenfalls machte ich mit dem Putzen weiter und kämmte das dichte, rabenschwarze Langhaar des Hengstes durch, ehe ich ihn sattelte. Heute war wiedermal Dressur auf dem Programm, denn wir hatten bald die ersten Frühlingsturniere. Ich schwang ihm eine dunkelbraune Abschwitzdecke mit blauem Rand über den Rücken und führte ihn in die Halle, weil es mir auf dem Reitplatz zu kalt war mit der leichten Bise, welche die Tannen auf dem Galoppweg bewegte. Diarado war motiviert und marschierte schon beim Warmlaufen fleissig vorwärts. Einmal hielt er trotzdem von selbst an; musste er ein paar an der Wand aufgehängte Stangen untersuchen, als hätte er sie erst jetzt bemerkt. "Die sind schon seit immer da oben, du Dummerchen", bemerkte ich liebevoll. Wenig später waren wir bereits im Trab und übten Seitengänge. Diarado wich vor meinem Schenkel und kreuzte die Beine deutlich, wie es sich gehörte. Er hatte zwar nicht so schöne Schwebegänge und Knieaktion wie zum Beispiel Vychahr, denn er war eher auf Springen ausgelegt, aber er hatte trotzdem viel Gang und vor allem Schub von hinten. Ich feilte an unserem Tempo, bis es mir passte und er seine Beine optimal sortieren konnte. Im Verlaufe des Trainings machte ich viele lockernde Übergänge und auch Tempowechsel - besonders im Galopp war mir das sehr wichtig, damit ich ihn vor Hindernissen optimal dirigieren konnte. Ich verlangte von ihm, dass er auf meinen Schenkeldruck hin sofort zulegte, aber auch ebenso schnell wieder zurückkam. Wir arbeiteten eine gute Dreiviertelstunde an abwechslungsreichen Lektionen, dann liess ich ihn austraben. Er hatte schliesslich gut mitgemacht und es brachte nichts, ihn stundenlang alles widerholen zu lassen. Ich klopfte ihm beim Absteigen zufrieden auf den Hals und führte ihn zurück in den Stall.

      Es war halb zehn Uhr, als ich von einem Ausritt mit Painting Shadows zurückkehrte und sie versorgt hatte; beinahe Zeit für die Ankunft eines besonderen Neulings. Mustangstute Matinée war in diesem Moment unterwegs vom Flughafen hierher - so hoffte ich zumindest. Sie hatte eine lange Reise als Preis für ihr Neues Zuhause und (um es unverblümt auszudrücken) für ihre Rettung erdulden müssen. Ich hatte einen Anruf bekommen, dass sie sicher in England angekommen war, aber ob auch das Umladen geklappt hatte, wusste ich nicht. Jonas fuhr den Transporter, also vertraute ich einfach darauf, dass er alles im Griff hatte. Um mich etwas abzuenken, sah ich bei den Minis vorbei. Die Herde hatte ordentlich Zuwachs bekommen: zum einen ja Silver Lining, aber ich hatte auch noch ein paar Nachkommen meiner Pferdchen eingekauft, beziehungsweise zurückgekauft. Ich wollte meine Minizucht ausbauen, und zwar mit den Linien, mit denen ich bisher gute Erfahrungen gemacht hatte. Daher hatten wir vor einigen Tagen Glenn's Dare to Shine und British Oreo Rascal begrüssen dürfen. Ausserdem war noch ein weiteres Mini unterwegs; eine Tochter von Arco. Die Ponys sahen einfach wunderschön aus, wenn auch im Moment noch etwas wollig. Für die kommenden Shows musste ich sie komplett scheren, damit man überhaupt ihr Exterieur richtig erkannte.
      Eine Bewegung neben dem Offenstall der Stuten fiel mir ins Auge. Ich erkannte Lewis, der an die Wand gelehnt um die Ecke schaute und anscheinend die Pferde beobachtete. Er bemerkte mich, als ich, die Hände lässig in den Hosenaschen versorgt, zu ihm rüberlief. "Come here Occu, watch this", flüsterte er übers ganze Gesicht grinsend, auf eine selbstgebastelte Vogelscheuche deutend, die mitten in der Weide stand. "What the...", begann ich, dann sah ich Phantoms Ausdruck, als er aus dem Inneren des Stalls kam und das fremde Ding entdeckte - und musste loslachen. Der Rappe frohr sofort in an Ort und Stelle ein, machte grosse Augen und prustete laut Luft aus. Er senkte und hob seinen Kopf immer wieder, um den unheimlichen Eindringling einzuschätzen. Dann bewegte er sich in gleichbleibender Entfernung zur Seite, indem er den schönsten Bluff-Trab auspackte und sich mit gehobenem Schweif aufplusterte. "Seriously, what's the plan behind this?", hakte ich nach, den Rappen und die mittlerweile dazugestossenen, ebenfalls aufgeregt die Ohren spitzenden Stuten weiterhin beobachtend. "I just wanted to see their reaction", meinte er Schulterzuckend. "It's a great way to keep them busy." Ich sah ihn skeptisch an, aber schaden tat es den Pferdchen gewiss nicht, also sparte ich mir die Zurechtweisung. So langsam trauten sich die ersten Pferde näher ran. Wie ich jetzt erst erkannte, hatte Lewis einen Heuhaufen in der Nähe der Vogelscheuche platziert, der bestechend füllig aussah. Den Pferden war er nicht entgangen, und sie rangen förmlich mit sich selber. Ich war gespannt was siegte; Appetit oder Fluchttrieb. Nach etwas unsicherem Hin und Her, entschied sich Moon schliesslich als erste, das Vogelscheuchending zu ignorieren. Summer, Shadow und Feline folgten ihr zögerlich. In der Gruppe fühlten sie sich stark, und das Ungeheuer war nach kurzer Zeit vergessen. Feline berührte es sogar mit der Schnauze und rupfte etwas Stroh aus einem der Ärmel. "Knock it off, that was a lot of work!", rief Lewis bei dem Anblick empört. Die Pferde bemerkten uns und sahen kurz rüber. Nun traute sich endlich auch Phantom näher und inspizierte die Strohfigur. Selbst beim Fressen beäugte er sie noch misstrauisch, blieb aber standhaft. Plötlich hob er den Kopf und wieherte ohrenbetäubend laut in unsere Richtung. Ich sah Lewis ratlos an, dann warf ich einen Blick über die Schulter und entdeckte Jonas, der eine auferegt wirkende, graue Stute im Schlepptau hatte. "I believe he remembers his childhood friend", lachte ich, als der schwarze Mustang an den Zaun getrabt kam und Matinée zubrummelte. Jonas hatte auch so schon Mühe, den Wildfang zu halten. Er liess sie um sich kreisen, wenn sie versuchte im Trab davonzuschiessen - mit dem Knotenhalfter konnte sie nirgendwo hin, aber dennoch versuchte sie kopfschlagend zu entkommen. "Oi, you adopted a little monster right there", bemerkte Jonas, als er nahe genug bei uns war. "And you didn't even help me to get her here." "Aww, sorry - Lewis had one of his crazy Ideas so... Oh right! Put it away!" Ich gestikulierte an Lewis gerichtet mit den Armen, bis er davonhastete, um die Vogelscheuche abzubauen. Wir wollten Matinée ja nicht gleich zu Tode schocken. Sie war ohnehin schon ausser sich, machte Telleraugen und schnaufte, als wäre sie soeben einen Marathon gerannt. Ich betrachtete die Stute, während wir warteten. Sie war ziemlich dünn und ihr Winterfell glich einem zerfressenen Mottenteppich. Aber abgesehen davon schien sie gesund zu sein. Musste ja – sie hatte wochenlange Quarantäne hinter sich und vor dem Flug war sie auch nochmals gründlich durchgecheckt worden. Ich berührte ihren Hals und kraulte sie vorsichtig mit den Fingerspitzen. Sie zuckte, spannte sich an und versuchte schliesslich, Jonas wegzudrängen. Phantom streckte seinen hübschen Kopf über den Zaun. Wir liessen die beiden rasch schnuppern, um die Reaktion abzuschätzen. Phantom berührte Matinées Nüstern zärtlich mit seinen eigenen und die beiden tauschten ein paar Atemzüge aus. Matinée schien nun eher ruhiger als vorher, also machte ich mir keine Sorgen um die Integration der kleinen Grullo Stute. In der Herde waren auch keine übermässig dominanten Stuten, also erwartete ich keine allzu grosse Dynamik. Lewis gab uns, mit der Scheuche unter dem Arm, endlich einen Daumen hoch und wir konnten Matinée in die Weide reinlassen. Jonas löste das Knotenhalfter. Die Stute trabte selbstbewusst, aber mit eingeklemmtem Schweif ein paar Meter weg von uns und sah sich mit hoch erhobenem Kopf um. Phantom lief ihr natürlich sofort hinterher und die beiden steckten abermals ihre Schnauzen zusammen. Jonas äusserte seine Skepsis, ob sie nicht zuerst noch etwas mehr Gewicht sammeln sollte, ehe wir die Herde auf sie loslassen konnten. Matinée quietschte aufgeregt, aber es wirkte auf mich nicht ablehnend, sondern freudig. Ich konnte nicht anders, als die ganze Zeit zu lächeln. Es war einfach wundervoll, die Pferde so miteinander interagieren zu sehen und zu erraten, was wohl in ihren Köpfen vorgehen musste. Nach so langer Zeit waren sie wieder vereint, und das obwohl es unter normalen Umständen wohl beinahe unmöglich gewesen wäre und nur durch eine Reihe von Zufällen überhaupt zustande gekommen war. Auf unerklärliche Weise hatte ich das Gefühl, dass jetzt gar nichts mehr schief gehen konnte. Es war einfach wie in einem Film, kitschig und surreal. Ich beobachtete den Rappen, der nun in ganz anderem Glanz dastand und energievoller denn je wirkte. Mir war, seit ich ihn kannte, nie so sehr aufgefallen, wie wild und stolz der Mustang eigentlich war. Vielleicht lag es daran, dass die grossen, dunklen Augen bisher immer den Eindruck in mir erweckt hatten, dass etwas fehlte. Anfänglich hatte ich vermutet, dass es die riesigen Weidegründe waren, die Berge und das Gefühl der Freiheit. Aber nun wurde mir klar, dass es mehr als das war. Was Phantom wirklich gefehlt hatte, war ein Stück Familie gewesen. Egal, wie sehr ich mir Mühe gegeben hatte, um ihm sein neues Leben schmackhaft zu machen; egal, wie sehr ich ihn zu Spiel und Abenteuer ermutigt hatte – am Ende hatte ich nie seinen ganzen Charakter bewundern dürfen. Aber die Zuversicht machte sich in mir breit, dass sich das nun ändern würde. Mit Matinée hatte er ein Stück seines alten Lebens zurückgewonnen und er zeigte seine Freude darüber schon jetzt. Gefühle von Erleichterung und Glück machten sich in mir breit; es fühlte sich an, als hätte ich etwas längst Verlorenes wiedergefunden. "Occu? Hey, are you awake?" Lewis' Stimme drängte an mein Ohr. "Sorry, I got carried away", antwortete ich leicht durcheinander. "Jedenfalls sollten wir uns jetzt aufwärmen gehen, meinst du nicht? Meine Finger sind schon ganz taub", drängte Jonas, symbolisch die Hände reibend. Ich warf nochmals einen Blick auf die Weide. Die anderen Stuten waren dazugekommen und beschnüffelten Matinée. Sie schienen aber friedlich eingestellt und Phantom blieb schützend an der Seite der mausgrauen Stute. Also stimmte ich zu und folgte den beiden jungen Herren in die Reiterstube. Wir sassen bis halb elf in der Wärme und plauderten über den Neuzugang. Jonas berichtete, wie das Umladen der Mustangstute vonstattengegangen war; offenbar ähnlich unkompliziert wie bei Phantom. Ich hörte erleichtert zu. "But you're gonna have some trouble with her. She already tried to bite me several times when I took her out of the trailer." "I'm sure she was just terrified after the flight and all. Imagine all the stress she must have gone through. So it's understandable that she would try to defend herself." Jonas schüttelte den Kopf. "Phantom was also afraid and stressed, but he never once tried to charge at you. I'm tellin' you, this horse has, for some reason, switched from defending herself to offensive behaviour. That is probably the reason why she was returned to the BLM." Nachdenklich nippte ich an meinem Tee. Ich werde sie schon wieder hinbekommen; schlimmer als bei Pointless kann es ja wohl nicht werden. Ausserdem ist sie ein ehemaliges Wildpferd, also sollte sie genauso fein auf Körpersprache reagieren wie Phantom. Wenn sie merkt, dass ich ihr nichts tun will, wird sie schon auftauen. Entschlossen stand ich auf und stellte meine Tasse in die Abwaschmaschine. "Was hast du als nächstes vor?", erkundigte sich Jonas. Ich lächelte verschmitzt. "Ausreiten mit Rebel, aber das weisst du ja. Warum fragst du also?" "Ich frage, damit ich weiss, wie ich garantiert einem Ausritt mit dir entgehe." "Oi, da musst du dich aber ganz schön anstrengen, ich hab nämlich schon fest mit dir gerechnet." Ich zwinkerte ihm zu, woraufhin er meinte: "Na schön, ich gebe mich geschlagen, ich weiss ja, dass ich keine Chance habe." Er war inzwischen ebenfalls aufgestanden und gab mir einen flüchtigen Kuss, dann wandten wir uns in Richtung Tür. Lewis rief empört hinterher: "Hey, wait for me!"

      Eine halbe Stunde später sassen wir auf Rebel und Flint, Pineforest Stable dem Fluss entgegen verlassend. "Schauen wir bei Rosie vorbei?", schlug ich vor. Er nickte, also überquerten wir die Brücke und folgten dem Kiesweg bis zur kleinen Wilkinson Farm. "Huch, das gibt's doch nicht! Siehst du das helle Pferd da? Das ist Peach!" Ich deutete auf die Weide neben uns, auf der, abgesehen von eben jenem Tier auch noch Islah, Farasha und Lindwedel grasten. "Tatsache! Seit wann hat Rosie denn Interesse an Trabern?" "Let's find out, da drüben steht sie." Wir lenkten die Pferde zu der dunkelrothaarigen jungen Frau rüber und begrüssten sie. Wir plauderten zunächst über die allgemeinen Neuigkeiten auf dem Hof, aber ich drängte rasch zu dem Thema, das mich davon am meisten interessierte. “And what about Après la Pluie? How come she’s here now?” “Hah, so you recognised her. I found her on the internet and was thinking ‘well, why not’. She looks gorgeous, don’t you think? A little round, tough. She obviously didn’t get much training and is a bit out of shape, but I’m sure she’ll do great once she’s back on track.“ Ich stimmte lachend zu. Dass Peach etwas pummelig war, stimmte sehr wohl, aber abgesehen davon sah sie wirklich gut aus. Und laut Rosie verstand sie sich auch ausgezeichnet mit Farasha und Islah. Wir blieben, unseren ungeduldig scharrenden Reittieren zuliebe, diesmal nicht zum Tee. Rosie wünschte uns einen guten Ritt und wir setzten unseren Weg in Richtung Wald fort.

      Gerade erst vom Ausritt zurückgekommen, versorgten wir Rebel und Flint, verstauten die Ausrüstung und bereiteten das Mittagessen vor. Lily kam irgendwann geräuschvoll durch die Haustüre und warf ihren Rucksack an die Wand. "Hoppla, was hat denn der Rucksack böses getan?", fragte ich, verwundert die Augenbrauen hebend. "Heute war ein scheiss Tag." "Junge Dame, erstens kann der Rucksack nichts dafür, zweitens ist der Tag noch nicht vorbeibund drittens sagt man 'scheiss' nicht", meinte ich leicht amüsiert. "Sorry, heute hatte ich einen von gründlich verdauter Nahrung geprägten Morgen." Jonas prustete los und Lilys eigene Laune schien sich aufzuhellen. "Iss erstmal was, dann kannst du uns erzählen, was denn so zum Runterspülen war." "Es hat schon beim Aufstehen angefangen", begann sie wenig später am Tisch, "ich hab mir den Fuss an der Tür angeschlagen und das hat wahnsinnig wehgetan." "Ach, das war dieses dumpfe Geräusch heute Morgen." "Jup, meine kleine Zehe ist jetzt blau-grün." "Zeig mir die später, dann machen wir etwas Salbe drauf." "Jedenfalls hatte ich meinen Rucksack noch im Büro, also wollte ich ihn holen gehen, aber deine doofe Katze ist mir förmlich entgegengesprungen!" "Oh, ist sie noch drin?" "Nein! Sie ist davongerannt, bevor ich überhaupt reagieren konnte." Ich liess den Blick durch die Wohnung schweifen, aber natürlich sah ich vom Tisch aus keine Spur der schwarzen Langhaarkatze, die ich ursprünglich im Badezimmer, und dann aus praktischen Gründen im Büro zu zähmen versucht hatte. "Wenigstens haben wir wegen der Kälte noch kein Fenster aufgemacht, also muss sie noch irgendwo im Haus sein...", stellte ich fest. Moya war in den vergangenen Tagen zwar ein wenig aufgetaut und hatte sich sogar freiwillig von mir bürsten lassen, aber sie war immernoch ziemlich scheu und liess sich leicht erschrecken. "Also, keiner öffnet ein Fenster, bis ich sie gefunden habe. Und passt auf beim Rein- und Rausgehen." Die beiden nickten belustigt. Jonas meinte ausserdem scherzhaft: "Wehe das Tier taucht in unserem Bett auf!" "Jedenfalls bin ich dann zur Schule gegangen und auf dem Weg dahin bin ich mit dem Fahrrad zweimal auf dem Glatteis ausgerutscht." "Ohweh, die blauen Flecken zeigst du mir nachher auch." "Schule war eh langweilig, und in der Pause hat Fiona meine Leuchtstifte versteckt. Ich hab's zwar der Lehrerin gesagt, aber die meinte nur, ich solle sie eben wieder suchen. Zwei davon hab ich immernoch nicht wieder." Jonas mischte sich ein. "Was ist denn das für eine Lehrerin? Ich glaube, mit der müssen wir mal ein Wörtchen reden Occu." Ich nickte zustimmend, aber etwas anderes beschäftigte mich mehr. "Diese Fiona, macht die sowas öfter?" Lily antwortete wie erwartet ausweichend. "...Manchmal. Wir vertragen uns nicht so gut." Jonas rief aus: "Aber du revanchierst dich und versteckst ihre Sachen hoffentlich auch, oder?" "Jonas!" Ich sah ihn lachend und zugleich tadelnd an. Lily zuckte mit den Schultern. "Ich hab ihr mal eine Spinne in die Haare gesetzt. Sie ist mitten im Unterricht schreiend aufgestanden." Auf meinen überraschten Blick hin fügte sie an: "Keine Angst Occu, der Spinne ist nichts passiert." Jonas war begeistert und lobte das Mädchen, ich selbst war skeptisch, konnte mir ein Grinsen aber nicht verkneifen. "Nein aber ernsthaft, wenn es Probleme gibt in der Schule, egal ob mit Lehrern oder anderen Schülern, dann gib uns frühzeitig Bescheid, okay?" Lily nickte. Jonas beugte sich zu ihr und kitzelte sie plötzlich aus, während er lachend rief: "Wirklich, versprich es, wir machen uns solche Sorgen um unser kleines Mädchen!" Danach war Lily wieder aufgemuntert und ging fröhlich mit den Hunden raus in die Kälte. Jonas half mir beim Suchen der Katze. Ich sah unter den Sofas nach, hinter Kisten und zwischen Regalen. Schliesslich fand Jonas das sich sträubende Tier unter der Treppe. Ich nahm sie ihm ab und hielt sie auf meinem Arm fest. Nach einer Weile beruhigte sie sich etwas und steckte mir zumindest nichtmehr die Krallen durch den Pullover. "Sperrst du sie jetzt wieder ins Büro?", fragte Jonas, sich die feinen Haare abwischend. "Jup, mir bleibt nichts anderes übrig. Sie ist immernoch zu scheu." Ich brachte Moya zurück in das Bürozimmer, füllte ihr etwas Wasser nach und schloss die Tür.

      Am Nachmittag machte ich einen Spaziergang mit Thairu dem Zebra - sie war mir etwas zu fit für's Reiten. Ich kannte das Streifentier langsam gut genug um zu spüren, wann sie motiviert wirkte und wann eher nicht mit ihrer Kooperation zu rechnen war. Sie hatte eben ganz schön viel Persönlichkeit. Anschliessend folgte eine Ausfahrt mit Lenny und um circa halb vier putzte ich Vychahr für die Dressurstunde. Zwischendurch sah ich ausserdem wieder auf der Stutenweide vorbei, ob noch alles in Ordnung war. Auch Lily ritt in der Stunde mit, diesmal auf ihrer geliebten White Dream. Die Ponystute mit den eisblauen Augen war sanft und rücksichtsvoll, sodass meine Nichte sie problemlos händeln konnte. Die Stunde bei Elliot war wiedermal besonders intensiv. Er hatte für jedes Pferd-Reiter-Paar die richtigen Aufgaben parat und wusste genau, wo es noch haperte. Bei Vilou und mir waren es die Seitengänge nach rechts, die noch nicht ganz so gelangen, wie gewünscht. Natürlich war das auch gegen Ende der Stunde noch nicht perfekt, aber er war ein paarmal schön weich vom Schenkel gewichen, also war ich ziemlich zufrieden mit ihm. Abgesehen davon lief Vilou heute in verstärkten Trab einfach traumhaft. Wir schwebten durch die Halle, und mir wurde einmal mehr bestätigt, dass er eher Dressurbegabt war und nicht vor allem im Springen glänzte, wie ich das zuerst gedacht hatte.
      Nach der Stunde versorgte ich den Fuchshengst und nahm mir Zeit, den Sattel und das Zaumzeug zu putzen. Ich säuberte alle Riemen und Lederflächen mit Sattelseife, dann fettete ich alles gründlich ein, bis es schön geschmeidig glänzte. Gerade als ich mit dem Wegräumen begann, kam Jonas herbeigelaufen. "Hey, kannst du mir rasch helfen?" "Kommt drauf an wobei", neckte ich. "Ich muss eine der Lampen im Hauptstall austauschen, die seit heute morgen nicht mehr funktioniert." Ich nickte, brachte Vilous Zeug in den Schrank und folgte ihm. Unterwegs holten wir eine Leiter, denn die Lampe hing ja direkt unter dem Dachgebälk. "Ich hätte ja Ajith gefragt, aber den hat Oliver losgeschickt, um die bestellten Futterergänzungsmittel abzuholen", erklärte Jonas im Laufen. Wir stellten die Leiter auf. "Willst du, oder soll ich?", fragte ich. "Du bist besser im Klettern. Ich geb dir die Sachen hoch und sichere die Leiter." Ich kletterte hoch und schraubte die alte Lampe ab, dann über gab ich sie Jonas und erhielt von ihm die neue. Beim Runterklettern schaffte ich es irgendwie, einen Misstritt zu machen. "Hoppla, nicht dass du noch runterfällst!", rief Jonas und stützte mich. "... Du würdest mich auffangen, nicht war?", murmelte ich leise, den Worten insgeheim mehr Bedeutung zumessend. Er antwortete lachend "Klar", und pflückte mich auf den letzten Stufen von der Leiter. Ich umschlang seinen Nacken und gab ihm einen Kuss, dann lehnte ich meinen Kopf an seine Schulter und genoss den Moment.
      8 März 2018

      All's well that ends well
      Matinée, Halluzination, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Phantom

      Es war der dritte Tag nach der Ankunft Matinées. Die Mustangstute hatte seither unangetastet mit den Stuten im Offenstall gestanden und sich schon ein bisschen eingelebt, also war es nun Zeit, sich ihr zum ersten Mal wieder zu nähern. Ich legte mir schon beim Frühstück einen Plan im Kopf zurecht, wie ich anfangen wollte. Ich nahm an, dass sie ja schon ein paar Grundlagen kennen musste, denn sie war ja anscheinend schon durch mehrere Hände gegangen. Ich ass mein Müsli zu Ende und fütterte die drei Hunde, dann zog ich meine Jacke an und trat hinaus in den dunklen Morgen. Jonas folgte mir bis zum Nebenstall, dann bog er ab um Hallu rauszuholen. Ich wünschte ihm viel Spass und lief weiter zu den Weiden. Lily musste erst um acht Uhr in die Schule, also lag sie noch friedlich in den Federn. Auch die Pferde waren noch schläfrig. Als ich das Tor des Offenstalls aufschob, standen sie dösend im Stroh oder lagen sogar, hoben aber sofort aufmerksam den Kopf. Auch Matinée sah mich an, jedoch eher mit misstrauischem Ausdruck. Moon und Shadow kamen erwartungsvoll auf mich zu, und sogar Phantom machte einen Schritt, um zu beurteilen, ob ich seinetwegen gekommen war. Ich streichelte die neugierigen Zeitgenossen rasch, dann lief ich die Treppe hoch zum Heulager, wo auch die Schränke mit der Ausrüstung standen, und holte ein Knotenhalfter mit Seil, einen alten Westernsattel (den wir nur noch zur Gewöhnung benutzten), ein Pad und einen Gurt. Sattel, Pad und Gurt brachte ich schonmal zum Roundpen rüber, damit ich nachher mit der Stute die Hände frei hatte. Dann lief ich zügig zurück zu den wartenden Pferdchen. Ich schob das Tor ganz auf und machte den Weg nach Draussen frei – jedoch blockierte ich die wilde grulla Stute, als sie den anderen hinterher wollte. Ich schloss das Tor wieder, als alle anderen draussen waren, sodass sie nicht entkommen konnte. Die Stute beäugte mich aus einer Ecke des Stalls und machte keine Anstalten näher zu kommen. Ich lief dennoch zuversichtlich auf sie zu, weil ich eigentlich erwartete, dass sie als bereits gehändeltes Ex-Wildpferd sich gut einfangen lassen müsste. Aber natürlich hatte Matinée andere Pläne. Sie wandte sich zum Gehen, sobald ich die magische 3-Meter-Grenze überschritt. Ich reagierte prompt und startete ein kleines ‘draw’-Spiel. Ich hielt sie in Bewegung, bis sie den Kopf zu mir wandte; dann nahm ich sofort den Druck weg und lud sie zu mir ein. Es brauchte einige Versuche, bis sie sich wirklich entschloss, sich auf mich einzulassen – oder bis es ihr einfach zu doof wurde. Mir war im Moment noch egal, was sie von mir dachte, solange sie sich von mir aufhalftern liess. Ich zupfte sanft am Strick, um sie in Bewegung zu versetzen, aber sie versuchte nun, sich mit Sturheit aus der unangenehmen Situation zu befreien. Anstatt mich auf ein Seilziehen einzulassen, bei dem ich garantiert verloren hätte, schlickte ich ihre Hinterhand herum und fragte sie immer wieder, ob sie nicht doch lieber mitkommen wollte. Nach kurzer Zeit kam sie zu dem Schluss, dass es bequemer war, sich einfach mit mir zusammen vorwärts zu bewegen. Also konnten wir schonmal gemeinsam durch das Tor laufen. Doch da kam auch schon das nächste Problem: Phantom sah sehnsüchtig zu uns herüber und Matinée bemerkte das – also wollte sie prompt zu ihm zurückkehren. Für mein erklärtes Ziel, das Weidetor zu erreichen, interessierte sie sich herzlich wenig. Zum Glück holte der sich anspannende Strick ihr Interesse ruckartig zurück, und meine darauffolgende Reaktion, nämlich das erneute Herumschicken ihres Allerwertesten, umso mehr. Sie war offenbar ganz erstaunt, dass ich wusste, wie ich sie austricksen konnte, denn sie sah mich mit grossen Augen an und leckte sich die Lippe. Ich forderte sie erneut zum Gehen auf, und diesmal kam sie zögernd aber kooperativ mit. Auf dem Weg zum Roundpen hatte ich trotzdem die ganze Zeit über eine relativ träge Last am anderen Seilende. Ich schickte die Stute ohne Seil raus auf die Volte und begann, mit ihr zu arbeiten. Zunächst forderte ich Richtungswechsel und verschiedene Gangarten, beziehungsweise Geschwindigkeiten. Dabei machte Matinée auch noch ganz gut mit, kam nach einer Weile auf mich zu, liess sich streicheln und lief mir ein wenig hinterher, aber als ich das Sattelpad in die Hand nahm, war der Spass vorbei. Jonas hatte mich zurecht vorgewarnt: Matinée verstand nun keinen Spass mehr und trat ohne zu zögern nach mir und dem Pad aus, sobald ich damit zu nahekam. Ich fühlte einen Luftzug, als der Hinterhuf an meinem Ohr vorbei zischte. Darüber war ich zugegebenermassen etwas verdutzt – mit solch einer gezielten Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Ich machte eine Denkpause und überlegte, wie ich weiter vorgehen sollte, ohne lebensmüde zu wirken. Matinée, die ich vor Schreck losgelassen hatte, suchte unterdessen wieder einen möglichst grossen Abstand zu mir. Zum Glück hat Jonas das nicht gesehen, stellte ich fest. Das heisst aber, dass bei ihrem bisherigen Training gehörig was schiefgelaufen ist. Kein Wunder, dass sie immer wieder zurückgegeben wurde. Ein Pferd, das kein Interesse hat, mit dem Mensch zusammenzuarbeiten und das gemerkt hat, dass es sich mit Angriffen dagegen wehren kann… Na grossartig. Dabei sieht sie so lieb aus, mit ihren grossen, schwarzen Augen. Ich seufzte, und beschloss: Wenn sie kein Interesse hat, mit dem Menschen zusammenzuarbeiten, dann muss ich eben dafür sorgen, dass sie Interesse daran bekommt. Ich legte die Sattelausrüstung vorerst gänzlich beiseite und holte stattdessen ein paar Stangen aus der Halle. Diese legte ich möglichst spannend, fast schon Mikado-mässig zurecht, während Matinée mich alarmiert schnaufend beobachtete. Dann näherte ich mich der Stute wieder, diesmal genaustens auf ihre Körpersprache achtend. Sie wirkte zwar skeptisch, drohte aber nicht, also liess ich sie meine Hand beschnuppern und kraulte sie am Hals. Ich nahm das Seil wieder in die Hand und führte die Stute auf dem Hufschlag um die Stangen herum. Sie war zögerlich und träge, wie schon zuvor. Man merkte deutlich, dass sie noch immer keine Lust hatte, mit mir mitzukommen – schon gar nicht im Angesicht der bunten Stangen. Ich begann, sie über einzelne, dann über mehrere Stangen nacheinander zu führen. Sie musste sich dabei auf ihre Füsse konzentrieren, um sie am richtigen Ort abzusetzen und vergass förmlich, dass ich am anderen Seilende lief. Ich forderte immer schwierigere Wege durch das Stangenmikado. Zwischendurch streckte ich der Stute versöhnend ein Stück Karotte zu, welches sie jedoch noch nicht wirklich annahm. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschicklichkeitsarbeit ihr guttat und sie sich innerlich zu entspannen begann. Ich schloss mit dem Satz «We’ll get there, good girl» ab und führte sie zurück zur Weide, wo Phantom zur Begrüssung an den Zaun kam. Ich entliess sie, wobei sie davontrabte und ihre Anspannung mit einem kurzen Buckeln zum Ausdruck brachte. «Yea yea, I got it. You don’t like me», murmelte ich schmunzelnd, als ich ihr hinterher sah. Es lag ein langer Weg vor uns, aber ich freute mich darauf, mehr mit ihr zu arbeiten und ihr, wie schon Phantom, die Welt zu erklären, in der sie nun lebte.
      16 März 2018

      Aus dem Leben eines kleinen Mädchens
      PFS’ Merino, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Lindwedel, Burggraf, Areion, Circus Dancer, Estragon Sky, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Nosferatu, Halluzination, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Phantom, Matinée, Islah, Lindwedel, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Chocolate Chip, Papillon d’Obscurité, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS‘ Skydive, tc Herkir, Ljóski, Daedra, Chanda, PFS‘ British Oreo Rascal, PFS‘ Arctic Silver Lining, PFS’ Reverie, Brendtwood, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Moon Kiddy, Feline

      Mein Wecker klingelte hartnäckig, und gab keine Ruhe, bis ich meinen Arm ausstreckte, um den kleinen roten Knopf an der Seite zu drücken. Auf dem Display stand eine Acht mit zwei Nullen dahinter - ich kannte die Bedeutung dieser Ziffer nur zu gut. Ich wollte mich schon stöhnend wieder umdrehen, doch dann fiel mir ein, dass ich heute ja keine Schule hatte, weil die Lehrer eine Weiterbildung machen mussten. Sofort fühlte ich mich wacher und fand sogar die Kraft, vom Bett zu rutschen, um mich anzuziehen. Ich lief runter in die Küche, wo eine Schüssel Müsli auf dem Tisch für mich bereitstand. Ich kippte etwas Milch dazu und sortierte wie immer die einzelnen Müsliflocken während dem Essen. Ich fand es lustiger, die verschiedenen Flocken nacheinander zu essen, anstatt einfach alle miteinander in den Mund zu stopfen. Tante Occu hatte zwar schon irgendwie recht, wenn sie sagte, dass dann ja die letzten Flocken schon total aufgeweicht seien, aber ich ass einfach schnell genug, damit das nicht passierte. Occu und Jonas waren wie immer schon draussen bei den Pferden. Sie konnten nicht so lange schlafen, weil sie ja arbeiten mussten. Das fand ich zwar ein bisschen doof, weil wir so am Morgen nicht zusammen essen konnten, aber ich hatte mich daran gewöhnt und auf früher aufstehen hatte ich keine Lust. Am Anfang war ich da noch energievoller gewesen und hatte versucht, auch um halb sechs aufzustehen, aber mit der Zeit war es mir zu anstrengend geworden. Nach dem Essen zog ich mir die Jacke an (weil Occu mich sonst wieder reinschicken würde, obwohl ich eigentlich nicht kalt habe) und ging als erstes zu Areion rüber. Es ist schon cool, auf einem Hof zu leben. Früher, als ich noch bei Mum wohnte, musste ich immer mit dem Fahrrad zwanzig Minuten zum Stall fahren, um Paulchen zu besuchen. Hach Paulchen... Wie es ihm wohl geht? Die Tür und die Fenster zum Nordstall waren offen und die meisten der Pferde streckten entspannt ihre Köpfe raus, um die Morgensonne zu geniessen. Auch mein Teddy hatte die Augen halb geschlossen, zumindest bis er mich hörte. Er spitzte die Ohren und streckte mir den Kopf entgegen. Ich streichelte ihn zur Begrüssung. Im Stall lief Musik, denn die Pfleger waren gerade am Ausmisten und Wischen. Ich summte mit der Musik und sang ab und zu den Refrain mit, wenn ich ihn kannte. Ich merkte einmal gar nicht, dass Jonas hinter mir durchlief, bis er plötzlich auch mitträllerte. Lachend zog ich an Teddys Bein, damit er es mir zum Auskratzen gab. Ich konnte gut in seinen langen Behang greifen, um den Huf oben zu halten. Seine Barhufe waren vorne runder als hinten; das hatte mit der Verteilung des Körpergewichts zu tun, hatte mir Occu erklärt. Ich stellte sicher, dass wirklich kein Dreck mehr in den Furchen neben dem Strahl war, bevor ich den Huf wieder absetzte und Teddy lobend auf die Schulter klopfte. Er war wirklich ein tolles Pferd und ich vertraute ihm mittlerweile total. Und seit er den Stuten nicht mehr hinterhersah, war er auch super zum Reiten. Ich kämpfte mich noch mit dem Kamm durch seine Dicke Mähne und den Schweif, dann holte ich den Sattel. Ich führte ihn in die Halle und kletterte auf seinen Rücken. Zuerst musste ich ihn warmreiten, wie wir es auch immer in der Reitstunde machten. Wir waren nicht alleine in der Halle, auch Lisa und David waren mit Aristo und Artemis da. Artemis lief besonders toll. Er sah mit seinem feinen Hals und dem weissen Fell total schick aus, und David hatte ihm eine Hellblaue Schabracke mit silbernem Rand unter den Sattel gelegt. Mein Tinker trug heute seine rot-schwarze Schabracke, auf der sein Name aufgestickt war. Die hatte ich ihm mit meinem Taschengeld gekauft, als ich mit Occu auf einer Messe gewesen war. Ich trabte Teddy an und versuchte, möglichst gerade zu sitzen, die Absätze runter zu lassen und die Hände schön ruhig zu halten. Es war schwer, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren und dann auch noch das Pferd zu steuern. Aber ich hatte Elliots und Occus Stimmen von den Reitstunden im Kopf. Im Galopp hielt ich mich manchmal ein bisschen an der Mähne fest, damit ich nicht das Gleichgewicht verlor. Ohne Sattel machte ich das auch immer. Ich machte eine kurze Pause und beobachtete neidisch, wie Lisa mit Burggraf Trabverstärkungen übte. Burggraf hob zwar die Beine nicht so schön wie zum Beispiel Vilou, aber er lief dynamisch und kraftvoll über die Diagonale. Teddy konnte das sowieso nicht so toll, weil er einfach anders gebaut war. Aber wenn Occu ihn ritt sah man wenigstens schon einen Unterschied zwischen normalem und verstärktem Trab. Irgendwann wollte ich das auch so gut können, aber ich musste zuerst noch längere Beine bekommen, damit ich besser treiben konnte. Skydive wird bestimmt auch so tolle Gänge haben wie Vilou, war ich mir sicher. Er trabt immer so schön über die Weide, und sein Galopp sieht total weich zu sitzen aus. Ich kann es kaum erwarten bis er eingeritten ist, aber das dauert leider noch ein Jahr. Ich kraulte Teddys Hals liebevoll und sagte ihm "Du bist aber auch super Teddy." Ich alberte noch ein bisschen herum, indem ich Teddy im Schritt nur mit Gewichtsverlagerung zu steuern versuchte. Es klappte nicht immer ganz so, wie ich das wollte und wir waren ein paarmal auf Kollisionskurs mit den aderen. Aber es machte Spass. Nachdem Teddy seine Karotten runtergschlungen hatte, führte ich ihn zu seinen Stallgenossen auf die grosse Weide am Pinienwaldrand. Er konnte es kaum erwarten und zog mich zugegebenermassen ein wenig durch die Gegend - er spürte mein Fliegengewicht eben kaum am anderen Seilende. Ich wusste zwar von Occu, dass ich seine Hinterhand bewegen musste, wenn er mir vorne zu stark wurde, aber das war auch leichter gesagt als getan, weil er mit seinem dicken Winterfell kaum was spürte. Wir kamen jedenfalls rasch beim Weidetor an, und ich hängte einfach den Strick aus, ohne grosses Drumherum. Teddy trabte zu seinen Kumpels - Herkir liess sich sofort auf ein kleines Renn-Spiel ein und auch Loki setzte sich in Bewegung, um die beiden zu verfolgen. Ich sah noch ein bisschen zu, dann lief ich zurück, wobei ich auf Sheela und Jacky stiess, die herumstreunerten. Ich fand beim Galoppweg einen Stock, den ich Sheela warf. Aber Jacky war schneller und kam stolz mit dem langen Ast im Maul zu mir getrottet. Sie gab ihn mir nicht sofort, sondern zog noch ein wenig daran. Ich bewegte ihn lachend hin und her, bis sie losliess. Sie wartete schon mit aufgerichteten Ohren auf den nächsten Wurf, die eine Vorderpfote anwinkelnd und bereit um loszuschiessen. Nach gefühlten 100 Würfen hatte ich keine Lust mehr, aber wäre es nach der Jack Russel Terrier Hündin gegangen, hätten wir noch den ganzen Morgen weiterspielen können. Sie wurde einfach nie müde und brachte das Stöckchen jedes mal zuverlässig zurück, während Sheela abgelenkt zwischen den Bäumen schnupperte.

      Ich lief zum Hauptstall und suchte von dort aus Tante Occu. Ich fand sie ziemlich schnell - nämlich in Shiras Box. Sie legte der jungen Ponystute gerade das Knotenhalfter an und führte sie raus zum Putzen. Ich half ihr dabei, indem ich das Stroh aus Shiras Schweif erlas. Als ich damit fertig war, sprayte Occu den Schweif ein bisschen ein, sodass er ganz seidig und weich wurde. Auch beim Hufe auskratzen durfte ich helfen, aber Occu stand daneben und passte auf, weil Shira manchmal noch etwas zappelig war. Nach dem Putzen führte Occu das Pony zum Roundpen. Sie hatte ein paar Gegenstände vorbereitet, an die sie Shira gewöhnen wollte. Ich nahm sofort den Regenschirm in die Finger und wollte ihn aufspannen, aber Occu meinte, ich solle damit noch warten. Zuerst liess sie Shira nämlich ein paar Runden im Kreis warmtraben. Dann durfte ich den Schirm immer wieder auf und zu tun und krach damit machen, zuerst weit weg, dann nahe bei ihr. Ich rannte mit dem Schirm um Shira herum, je nachdem was Occu mir sagte. Ich fand das super; Shira am Anfang nicht so. Aber sie gewönte sich schnell daran und wurde immer ruhiger. Wir übten auch mit einem Ball und mit Blachen. Als Occu Shira wieder zurück in die Box brachte, bog ich stattdessen zu den Miniweiden ab. Ich wollte mit Silver Lining spielen. Das Miniature Horse war nicht nur niedlich, sondern auch total intelligent und konnte über zwanzig verschiedene Tricks. Er hatte vorher einer Frau gehört, die nichts sehen konnte. Also war er sozusagen ihr Ersatzauge gewesen, hatte mir Occu erklärt. Ich fand das ziemlich cool, weil das ja auch für die Frau dann viel spannender als ein Blindenstock oder so sein musste. Sie hatte so gleichzeitig auch einen Freund gehabt. Aber jetzt lag sie im Spital und konnte nicht mehr so viel machen, also hatte sie für Lining ein schönes Zuhause gesucht. Das war echt lieb von ihr. Der graue miniatur Hengst kam neugierig zu mir und schleckte meine Hand ab. Er war ganz vorsichtig und nicht so frech wie Oreo, der mir in den Ärmel zwickte, weil er ein Leckerli wollte. Ich fand es einfach schade, dass Arctic Blue und Rapunzel jetzt nicht mehr hier waren, sondern mit Alufolie und Echo auf einer grossen Weide lebten. Die Beiden waren frühzeitig in Rente gegangen, damit Occu die Jungpferde problemlos unterbringen konnte. Arco ist immer so süss gewesen mit seiner grossen Blesse... Aber die Jungen Hengste waren auch süss, besonders Oreo hatte einen hübschen Kopf und war seiner Mutter ziemlich ähnlich. Ich wusste, dass Occu noch ein paar Nachkommen von Nachtfalke irgendwo auf einer Fohlenweide versteckt hatte, die sie erst hierherholen wollte, wenn der kleine schwarze Hengst gekört war, weil sie erst dann richtig mit ihnen auf Shows gehen konnte. Anscheinend war es günstiger und einfacher, sie bis dahin auswärts zu halten. Ich war gespannt, wie die Fohlen aussehen würden, denn ich hatte nur ein paar Babybilder gesehen. Ich zog meine Schuhe aus, denn ich hatte Lust, barfuss zu laufen. Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste und es gefährlich war, um die Pferde herum ohne Schuhe zu sein, aber ich war ja nicht mehr sooo klein und konnte gut auf meine Füsse aufpassen. Ich wusste auch, dass Occu kein Mitleid haben würde, wenn etwas passierte - weil sie mir gesagt hatte, dass ich dann selber schuld wäre. Deshalb war ich umso sorgsamer bedacht, keine Fehler zu machen. Das vom Morgen noch kühle Gras kitzelte meine Knöchel und ich liebte einfach das Gefühl, die Wiese unter meinen Sohlen zu spüren. Ich warf meinen rechten Schuh ein paar Meter weg und gab Lining das Kommando, ihn zu holen. Er brachte ihn mir zuverlässiger als ein Hund zurück, und ich kraulte ihn begeistert am Widerrist. Dann klopfte ich mit der flachen Hand auf den Boden, das Zeichen, dass er abliegen solle. Er liess sich neben mich ins Gras plumpsen und ich konnte halb auf ihn drauf liegen. Eine Weile beobachtete ich verträumt die vorbeiziehenden Wolken, während er einfach im Liegen weitergraste. Bis mir Lenny von oben seine Schnauze ins Gesicht drückte und an meiner Nase knabbern wollte. Ich lachte erschrocken los und Lining sah sich zu mir um, blieb aber ruhig liegen. Es war so süss, fast, als wollte er sichergehen, dass alles in Ordnung war. Ich stand auf und erlöste das silbergraue Hengstchen von seinem "Dienst". Meine Schuhe hätte ich fast vergessen, als ich unter dem Zaun durch zu den Ministuten rüberging. Und Becks wäre fast darüber getrampelt. Ich ging zu Peppy, die vom grasen aufsah und mir ein Stück entgegen kam. „Denkst du etwa, wir gehen schon wieder trainieren?“, fragte ich sie amüsiert. Manchmal kam es mir fast so vor, als freue sie sich richtig auf das Renntraining. Jedenfalls schien sie es zu lieben, über die für ihre Verhältnisse übergrosse Rennbahn zu flitzen, denn ich musste sie nie zweimal auffordern. Ich knuddelte die Shettystute; ihre Mähne war so schön weich. Ich zupfte etwas loses Fell aus einer Stelle an ihrem Bauch, die der Schermaschine entkommen war. Dort sah man, dass sie eigentlich immernoch einen Rest Winterfell gehabt hätte, wenn wir sie wegen des vielen Galoppierens nicht geschoren hätten. Ich legte mich über ihren Widerrist und schwang mein Bein über ihren kurzen Rücken. Noch konnte ich sie reiten, aber irgendwann würde ich zu gross für sie sein. Ich fand das schade, aber ich wollte ihr ja nicht schaden, also machte ich schon jetzt pläne, was ich alles mit ihr tun wollte, wenn es so weit war. Einfahren stand ganz oben auf dem Plan. Vielleicht konnten wir ja bei Sulky-Rennen mitmachen? Ich ritt ein wenig planlos über die Weide, so gut steuernd, wie es ganz ohne Ausrüstung nunmal ging. Einmal wurde Peppy etwas übermütig und begann zu traben, nach einer Weile sogar zu galoppieren. Ich griff in ihre Mähne und hielt mich gut fest, Angst hatte ich keine. Ich hatte das Gefühl, dass Peppy gleich wieder bremsen würde, und so war es auch. Sie trug mich neben Papillon und Chip, den Kopf wieder zum Grasen senkend. Um sie nicht weiter zu belästigen, rutschte ich vom Ponyrücken runter und entfernte mich. Ich kletterte auf einen der Bäume und legte mich auf einen dicken, waagrechten Ast, von dem aus man einen guten Blick über die Weide hatte. Ich zählte die Ameisen, die vor mir über die Rinde krabbelten und sich in keinster Weise von ihrer Arbeit ablenken liessen. Manche trugen Ästchen oder Blattstücke, die viel grösser waren als sie selbst. Unter dem Baum stand Kiwi, und sah neugierig zu mir hoch. Sie verlor das Interesse aber schnell wieder, denn Tiki lief unweit von ihr entfernt zielstrebig zum Offenstall. Ich erkannte Lewis, der wohl gerade die Vormittagsration Heu vorbeibrachte. Dakis halb quietschendes Brummeln war sogar von hier aus zu hören. Ich beobachtete belustigt, wie Chip und sie sich unterwegs rasch mit einer eindeutigen Geste angifteten, um zu klären, wer zuerst zum Heu durfte. Natürlich gewann Daki. Ich pfiff laut, sodass der Lewis sich umsah. Dann lachte ich laut, weil er mich auf dem Baum nicht sehen konnte. Durch das Lachen verriet ich mich, und er kam zum Baum gelaufen. "Little Miss, you shouldn't distract people from Work!" Ich grinste frech. "Since when are YOU working? Is Jonas ill or what?" "Ha! Just you wait, I'm gonna get you down here!" Er hängte sich an die untersten Äste, die er natürlich viel besser erreichte als ich. Der ganze Baum zitterte, als er sich etwas mühevoll hochhievte. "Ugh, it seems I'm a bit out of practice..." Gerade in diesem Moment kam Occu den Weg zu den Weiden runter. "What in the World are you doing?!", rief sie mit leicht strengem Unterton. Lewis sah mich erschrocken an, dann lachten wir herzhaft und kletterten runter. Papillon, die erst jetzt auf dem Weg zum Heu war, zuckte erschrocken zusammen, als Lewis sich runterfallen liess. "Hey ihr Kindsköpfe... Die Mini Hengstchen verzweifeln fast, weil ihre Heuration auf dieser Seite des Zauns feststeckt." Tatsächlich standen alle fünf ungeduldig am Zaun und glotzten mit gespitzen Ohren zu uns rüber. Ich hatte einen mittleren Lachanfall bei dem Anblick – es sah einfach zu süss aus. „Aber ernsthaft, ihr könnt nach dem Mittag wieder rumalbern. Jetzt gehen die Pferde erstmal vor.“ Ich sah unschuldig in die Wolken und Lewis stupste mich, so wie es auch Jonas dauernd tat. Dann machte er sich mit einem entschuldigenden „right away, boss“ zurück an die Arbeit und ich holte meine Schuhe, ehe ich Occu folgte. "Ab hier ziehst du die wider an", befahl sie, auf die Schuhe deutend, als wir in den Hauptstall abbogen. Ich gehorchte und wir machten uns auf die Suche nach Ajith. Wir fanden ihn mit Gabel und Mistschubkarre bei Khiaras Box. "I see, you're finished soon?" "Yea, April is doin' the boys." "Good. Can you prepare the babies afterwards?" Mit "babies" meinte Occu die jüngste Gruppe der Vollblüter, die gerade angeritten wurden. Soweit ich wusste, wollten sie vor dem mittag noch rasch ein wenig Dressur mit der Gruppe üben. Daedra war jetzt auch im Hauptstall und wurde mittrainiert, sie hatte aber noch einen kleinen Rückstand, weil sie ja ein bisschen jünger war. Occu fragte mich, ob ich nach dem Mittag noch rasch Thairu und Zazou mit ausreiten wollte, ehe Suri vorbeikam. Erstaunt fragte ich „kommt sie heute auch?“, weil ich davon gar nichts wusste. „Jap, sie hat vorhin angerufen und gefragt, ob du da bist. Ich hab ihr gesagt, dass du nichts vorhast am Nachmittag – ich hoffe das stimmt?“ „Klar!“, rief ich freudig. Es machte mir total Spass, mit Suri Reiten zu üben und wir waren mittlerweile beste Freundinnen. „Und ja, ich will mit Thairu raus. Darf ich sie diesmal wieder reiten?“ Occu nickte und ich machte einen kleinen Hüpfer. „Ich will noch schnell schauen, wie’s Chanda geht. Kommst du?“ Wir schlenderten zum Nebenstall und warfen einen Blick in die Box der neuen Criollostute. Sie war vorgestern angekommen und stand noch unter Quarantäne hier, weil sie etwas Nasenausfluss hatte. „Vielleicht ist sie auch auf Pollen allergisch, wie Elliot?“, fragte ich rätselnd. „Kann schon sein, aber ich denke eher, dass sie sich erkältet hat, weil sie beim Verladen vor Stress geschwitzt hat und es abends dann doch recht kühl war.“ Occu wollte sie später zu Moon und Feline auf die Stutenweide stellen, aber sie wollte erst sichergehen, dass die hübsche grullo-Scheckstute ganz gesund war. Sie kräftig aus und hatte schon sämtliches Winterfell verloren; so sah es jedenfalls aus. Chanda streckte neugierig ihre rosa Schnauze über die Boxentür und ich berührte sie mit meinen Fingern. Die Stute spielte mit ihren Lippen, um meine Finger in den Mund zu nehmen, aber ich passte auf und zog sie jedesmal lachend weg. „Ich geh jetzt zu den Youngsters, wenn du willst, kannst du natürlich zusehen kommen“, meinte Occu, sich zum Gehen wendend. Ich machte nur „nops, keine Lust“ und lief stattdessen wieder zum Nordstall. Ich hatte gestern eine Maus gesehen, die bei Vychahrs Box herumgeklettert war. Ich schlich mich vorsichtig an, aber es regte sich nichts ausser Circus Dancer und Vilous Mäulern, die eifrig im Stroh nach Heuhalmen suchten. Royal Champion war übergangsweise auch wieder hiergewesen. Occu hatte ihn ohne zu Zögern zurückgekauft, als sie seine Verkaufsanzeige gesehen hatte, aber der Platz im Nordstall war begrenzt und irgendwann würden ja Skydive, Clooney, Solas und Woody auch noch umziehen. Also hatte sie nun eine definitive Lösung für den jungen Schecken gesucht und ihn schliesslich zurück an seinen Geburtort gebracht, der Lake Mountain Ranch. Ich kannte den Hengst nicht so gut, aber es war natürlich immer schade, wenn ein Pferd vielleicht nicht hierbleiben konnte. Ich war jedenfalls froh, dass Occu Skydive ganz sicher behalten wollte.

      Beim Mittagessen erzählte Occu, dass Dolly diesmal schon viel entspannter gewesen sei und anfing, den Rücken loszulassen. Die junge Vollblutstute war momentan der Angsthase der Gruppe und brauchte einen Tick länger als die anderen, um sich in ihrer Aufgabe zu entspannen. Sogar Daedra war schon gelassener, wenn auch sehr temperamentvoll und lauffreudig. „Ach und Mambo hat wiedermal Eckenmonster gezählt. Ich hab ihn an der Reiterstuben-Seite kaum vorbeigebracht, ohne gleichzeitig Seitengänge zu üben. Aber sonst war er toll, er hat Fortschritte im Angaloppieren gemacht. Fire ist immernoch etwas zu heiss und kriegt dauernd einen Beinsalat, weil sie noch kaum Gleichgewicht hat. Wenn ich einen rauspicken müsste, wäre Snowflake im Moment mein Favorit. Sie ist schon so erwachsen und einfach nur praktisch im Umgang. Sarabi lässt sich zu leicht ablenken und testet schon jetzt ihre Grenzen, das wird bestimmt noch lustig mit der.“ Jonas stimmte nickend zu. Mit halb vollem Mund setzte er an „Wann denkst du –“, schluckte auf Occus strengen Blick hin runter und fügte hinzu „sorry, wann fangt ihr mit dem intensiveren Galopptraining an?“ „Oliver will mit dem schnelleren Intervalltraining Anfang Mai beginnen. Sie sind dann knapp drei Monate unter dem Sattel und haben mehr als genug Basisarbeit hinter sich. Unser Ziel ist es, ein erstes Renn-Debut im Spätsommer zu machen. Wenn das gut läuft, wollen wir die restliche Saison noch fleissig ausnutzen; wenn nicht, verlegen wir das Ganze auf nächsten Frühling und trainieren intensiv für die Dreijährigen-Saison.“ „Wann bringst du eigentlich Merino an ne Körung? Ich hab ihn heute mit Charly laufen gesehen und er macht sich in letzter Zeit wirklich gut. Ich bin sicher, er wird auch mal ein beliebter Zuchthengst.“ „Ja, er hat sich wirklich sehr verbessert. Das ist wohl auch Rachel Wincox Zu verdanken, die ihn an den letzten paar Rennen hervorragend geritten hat, als unsere eigenen Jockeys ausgebucht waren. Es war eine gute Entscheidung, sie zu engagieren.“ Jonas nickte zustimmend. Wir assen fertig und verräumten das Geschirr, dann rannte ich schonmal voraus zur Zebraweide. Thairu und Zazou chillten bei ihrem Unterstand. Thairu hatte ein Hinterbein aufgestützt und machte sich nicht mal ansatzweise die Mühe, ihr Gewicht zu verlagern als ich kam. Ich duckte mich zwischen dem Zaun durch und lief geradewegs auf sie zu. Occu brachte ihr und Zazous Knotenhalfter mit. Wir führten beide zum Nebenstall. Occu liess mich Thairu selber putzen, während sie Halluzination holte. Ich fand es so cool, dass Thairu bei ihrem Popo braune Streifenzwischenräume hatte, anstelle von weissen. Am Anfang hatte ich gedacht, dass es nur Dreck sei, aber ihr Fell hatte tatsächlich diese Farbe. Man sah auch ein paar verbleichte Streifen in den grösseren Lücken. Als ich Thairus wieder kurzes Sommerfell entstaubt hatte, kratzte ich ihre Hufe aus. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Occu mich, bzw. Thairu dabei beobachtete, damit sie eingreifen konnte, falls das Zebra rumzickte. Aber ich hatte das voll im Griff. Thairu gab sogar ihre Hinterhufe brav. Ich klopfte ihr lobend auf den Hals und nahm die nächste Bürste aus der Box. Ich durchfuhr die Stehmähne des Zebras damit und kraulte es dabei hinter den grossen, runden Ohren. Thairu mochte das besonders im Fellwechsel, aber auch, wenn es draussen ganz warm war. Ich bürstete auch den Zebraschweif, auch wenn es nicht sonderlich viel zu bürsten gab. Der ‚Fliegenwedel‘ wollte dauernd hin- und herschwingen, obwohl es noch kaum Insekten hatte – das war nicht gerade praktisch zum Putzen. Occu meinte aber, solange der Schweif schön ruhig wedelte, war alles in Ordnung. Ein stillstehender Schweif wäre wohl ein Zeichen von Anspannung gewesen. Ich hielt ihn trotzdem irgendwie fest und bürstete so schnell ich konnte. Dann half mir Occu beim Satteln. Sie war mit Hallu auch schon fast so weit, und während sie noch rasch fertig putzte, kümmerte ich mich auch rasch um Zazous Fell. Dann zäumte Occu Hallu und ich band einfach den Strick als Zügel ans Knotenhalfter. Wir ritten Thairu eigentlich fast immer nur mit Halfter, weil sie das lieber mochte und damit braver war. Occu nahm Zazou als Handesel mit. Wir stiegen auf und ritten zur Galoppwiese. Allerdings galoppierten wir heute mit Thairu nicht, weil sie etwas fit war. Auch Hallu spielte sich ein paarmal auf, den Kopf verwerfend und mit den Vorderbeinen stampfend. Sie war wohl etwas grantig, weil sie nicht gasgeben durfte. Occu ritt die eigenwillige Fuchsstute trotzdem gelassen einhändig, denn sie kannte sie ganz genau und hatte keine Angst vor dem aufmüpfigen Verhalten. Und Hallu wusste, dass sie nicht mehr als so herumzicken durfte. Zazou wollte manchmal lieber am Wegrand anhalten um zu fressen. Occu musste ihn dann jeweils sanft mit der Gerte zum Weiterlaufen ermutigen. Wir hatten es ziemlich lustig unterwegs, und Thairu schien es auch zu gefallen.

      Als wir zurückkamen, war Suri schon da. Sie half mir beim Wegräumen von Thairu und Zazou, danach gingen wir zu Nosferatu und Fake. Wir machten zusammen einen Ausritt über den Fluss in Richtung Wilkinson Farm und plauderten ausgelassen über Peppy und mein erstes Rennen vor ein paar Tagen. „But this stupid cow Fiona… Only because she won in her group she thinks she’s the best. It really pisses me off.” “Don’t worry, you’re gonna show ’em”, meinte Suri zuversichtlich. “After all you’ve got Peppy. She’s a super-unicorn-pony!” Ich fiel vor lachen fast von Fakes Rücken. Wir kamen an den Weiden der Wilkinson Farm vorbei und Suri bemerkte „Oh, there’s a grey pony I haven’t seen before.“ „That’s right, you have not come here for a while, huh? He’s called Lindwedel.“ „Lindwedel? What a funny name! I kinda like it.“ “How about we go pay him a visit?” Suri nickte begeistert. Wir ritten auf den Hof und banden unsere Ponys beim Waschplatz an. Rosie bemerkte uns und kam zur Begrüssung rüber. „Hey Ladies. What’s up?“ „Hi Rosie. Can I show Suri Lindwedel?“ „Sure.“ Wir liefen über die Weide und ich streichelte unterwegs Islah, die uns neugierig ein paar Schritte entgegengekommen war. Auch Lindwedel hob den Kopf und kam auf uns zu. Suri war sofort verzaubert von seiner langen Mähne und dem dunkelgrauen Fell. „He is really, really cute. I’m sure he would be fun to ride”, meinte sie verträumt. “That’s the first time I hear you talk like that. Usually it’s always been me, craving to ride other people’s ponies.” Suri lächelte verlegen. “You can just ask Rosie, you know. I’m sure she’d allow you to ride him.” Suri schüttelte eifrig den Kopf. “No no, it’s fine. I’m very happy with riding Nossi!” Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern. Wir blieben noch einen Moment auf der Wilkinson Farm, dann machten wir uns wieder auf den Weg.

      Nach dem Ritt machten wir uns auf die Suche nach den Katzen, denn Suri hatte noch gar nie alle gesehen. Moya war inzwischen leicht zu finden. Sie lag am liebsten im Wohnzimmer auf der Couch zusammengerollt. Sie mochte es nicht, wenn man sie streichelte (ausser bei Occu), also versuchte ich es gar nicht erst. Sonst hätte sie wohl eh gleich wieder die Flucht ergriffen. Jonas hatte eine Katzenklappe in die Tür eingebaut und Moya durfte rein und raus, wann immer sie wollte. Aber sie benutzte lieber das Küchenfenster, anders als Kafka, der die Klappe voll ausnutzte und dauernd Occu in ihrem Büro nerven kam. Wir fanden Gismo in einer der Sattelkammern, auf einer Schabracke schlafend. Er blinzelte müde, als Suri ihn streichelte und streckte sich anschliessend ausgiebig, ehe er sich wieder auf die Seite legte und einfach weiterschlief. Um Shiva zu finden, brauchten wir deutlich länger. Sie kletterte ausnahmsweise mal nicht auf dem Heuboden herum, sondern jagte auf dem Feld hinter der Rennbahn Mäuse. Von Kafka war keine Spur zu finden, aber ich wettete, dass er auch irgendwo am Jagen war. Wir spielten auch nochmal eine Runde mit Jackie und Sheela im Garten hinter dem Haus. Lisa und David winkten uns zu, als sie vom Ausritt mit Sweets und Bluebell zurückkamen. Später hängten wir ein wenig auf den Bäumen auf den Weiden herum. Der Apfelbaum auf der Stutfohlenweide hatte ein paar coole Astgabelungen, in die man sitzen konnte. Die Fohlen beobachteten uns dabei neugierig. First Chant wurde immer hellgrauer. Occu meinte, sie werde vermutlich ganz weiss, wenn sie gross ist. Am Anfang hatte ich das gar nicht glauben können. Ich verstand vor allem nicht, warum Lindwedel dann nicht auch weiss war, mit seinem Alter. Darauf hatte auch Occu keine ausreichende Antwort gewusst, nur „ist halt manchmal unterschiedlich“. Ich fand Chime so süss (da war es wieder, mein Flair für ganz helle Pferde). Die kleine Stute war dünner als die anderen, aber genauso verspielt und agil. Die kraulte sich mit Karma am Widerrist, dann frassen beide Kopf an Kopf. Richtig Idyllisch. Suri war vom Baum geklettert und machte eine Blumenkette aus Löwenzahn. Sie kam aber nicht weit, bevor Reverie angetrampelt kam und die Kette auffressen wollte. Ich lachte amüsiert und half Suri, ihr Kunstwerk vor den gierigen Fohlen zu verteidigen. Es war ja nicht so, als hätte es rund um uns herum nicht noch mehr Blumen gehabt. Aber wie immer waren die frechen jungen Pferde besonders an denen interessiert, die wir in der Hand hielten. Nur Cranberry und Indy waren abseits und grasten friedlich. Irgendwann überliessen wir den Fohlen die Kette und wechselten die Weide. Am liebsten kletterte ich nämlcih immernoch auf die Bäume der Stutenweide, denn die waren schön gross und hatten trotzdem praktische Äste für den Aufstieg. Suri blieb lieber auf den unteren Ästen, während ich zum bluffen gerne bis in die Baumkrone kletterte. Die Pferde kümmerten sich nicht sonderlich um uns. Wir ernteten höchstens manchmal einen skeptischen Blick von Phantom. Aber plötzlich spitzte die Herde die Ohren, denn Occu kam zum Weidetor. Ich liess mich vom Baum ins Gras fallen und rannte zu ihr rüber. „Schon wieder barfuss?“, meinte sie streng, sagte aber nichts weiter, ausser „passt einfach auf, okay.“ „Was machst du?“, fragte ich neugierig, als ich das Knotenhalfter und den Strick in ihrer Hand sah. Suri gesellte sich nun auch neben uns und streichelte Zira, die sich aber nach wenigen Berührungen wegduckte und auf Occus andere Seite auswich. „Ich will noch ein wenig mit Matinée arbeiten.“ „Können wir zusehen?“, fragte ich sofort aufgeregt. „Aber nur, wenn ihr nicht stört.“ Wir liefen zurück zum Baum und holten unsere Schuhe, dann folgten wir Occu, die inzwischen die Mustangstute eingefangen hatte. Es klappte jetzt wirklich schon gut, ganz anders als am Anfang, als Occu sie noch jedes Mal 10 Minuten hatte jagen müssen. Wir begaben uns in die Halle, weil die Sonne unbarmherzig auf den Sandplatz runterbrannte. Occu führte die Stute in der Halle herum und liess sie immer wieder ein wenig weichen. Dadurch wurde sie aufmerksam und weich im Umgang. Sie führte Matinée über eine am Boden liegende Stange und liess sie mitten darüber anhalten. Dann schickte sie die Stute seitwärts der Stange entlang. Am Anfang hatte Matinée das nicht gemocht. Ich hatte es einmal beobachtet; sie war immer wieder erschrocken, als sie die Stange berührt hatte und Occu war es kaum gelungen, sie anständig über der Stange anzuhalten. Inzwischen konnte Occu sich sogar über den Rücken der Stute lehnen, ohne dass diese ausflippte. „Soll ich aufsitzen?“, fragte Occu plötzlich. Ich war etwas unsicher, ob das schlau war. Denn ich hatte schon gesehen, wie Matinée bocken und ausschlagen konnte. „Weiss nicht… Ist das nicht gefährlich ohne Sattel?“ „Ohne Sattel ist es viel weniger riskant, glaub mir. Man fällt vielleicht schneller runter, aber man kann dafür nirgens hängen bleiben. Es gibt nichts schlimmeres, als vom Pferd nachgeschleift zu werden.“ Das verstand ich. Occu sprang an Matinées Seite auf und ab, um zu testen, ob sie sich nachhaltig an die Bewegung gewöhnt hatte. Dann sprang sie hoch und lehnte sich über den Rücken der Stute, das angespannte Seil in der linken Hand haltend, damit sie sofort den Kopf kontrollieren konnte, wenn die Stute Mätzchen machte. Als Matinée ruhig blieb, wagte sie es, das rechte Bein auf die andere Seite zu legen und sich aufzurichten. Sie kraulte Matinée ausgiebig am Hals, bewegte die Beine ein wenig, und liess sich dann wieder runtergleiten. „So, das war’s. Ich bin das erste Mal auf ihr gesessen.“ Suri und Ich klatschten begeistert, auch wenn das ganze etwas unspektakulär ausgesehen hatte. Matinée spitzte die Ohren und zuckte zusammen, als sie das Geräusch unserer Hände hörte, blieb aber neben Occu stehen. „Ich mache jetzt noch ein wenig longenarbeit mit ihr. Lily, kannst du mir die blaue Longe holen?“ Ich nickte und brachte sie ihr. Wir legten ein paar Cavaletti auf die Mittelvolte, damit Occu die Stute darüberschicken konnte. Das sei gutes Rückentraining, erklärte sie mir und Suri. „I don’t want to ride her until she’s got more back muscles.” Sie sah aber schon viel besser aus als bei ihrer Ankunft, wie ich feststellte, als ich sie beim Stangentraben beobachtete. Als sie angekommen war, hatte man die Rippen zählen können und der Rücken war total eingefallen gewesen. Occu hatte auch eine Tierärztin hiergehabt, die bestätigt hatte, dass Matinée unter Rückenschmerzen litt, die aber zum Glück nur von Verspannungen herrührten, nicht von irgendwelchen bleibenden Schäden. Die Stute war inzwischen von einem Chiropraktiker gelockert worden, und Occu konzentrierte sich nun auf den korrekten Muskelaufbau, damit die Stute in Zukunft keine Probleme mehr haben würde. Matinée trug den Kopf schön tief und schnaubte ab. Man merkte, dass es noch anstrengend für sie war, die verschieden hohen Cavaletti auf der Kurve zu überwinden. Aber das Training zeigte seine Wirkung und die Stute schwang mit dem Rücken schön mit, wie Occu uns zeigte. Am Ende bekam sie ein Leckerli und durfte zurück zu Phantom auf die Weide. Obwohl sie heute so brav gewesen war, sah man doch deutlich, dass sie immernoch am allerliebsten einfach bei ihren Kumpels auf der Weide stand, weit weg von Menschen, Seilen und unheimlichen Gegenständen. Irgendwie verstand ich sie gut. Ich war schliesslich auch lieber hier auf dem Hof bei den Tieren, als in der Schule. Aber um später klarzukommen, musste ich nunmal alles Nötige lernen, und so war das auch bei Matinée.
      29 Apr. 2018
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

      Der grösste Backofen der Welt
      Vai Alida, PFS’ Colours of Life, Lindwedel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, Drømmer om Død, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Nosferatu, Halluzination, Cambria, Ronja Räubertochter, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Farasha, Numair, Islah, Tayr al-Diyari, Brendtwood

      Ich betrachtete den rissigen Boden unter mir. Das kurze Gras darauf war an manchen Stellen braun, und jedes Fleckchen Erde, das ich sehen konnte staubtrocken. Schon allein vom Betrachten dieses Trauerspiels lief mir der Schweiss runter. Wir waren seit Tagen am Wässern und versuchten, den englischen Rasen wieder einigermassen grün werden zu lassen . Und noch war kein Regen in Aussicht, ausser vielleicht ein kurzes Gewitter. Es war so heiss, dass wir den Pferden zum Teil Hitzefrei gaben und wenn dann erst abends oder früh morgens ritten. Das Vollbluttraining fand noch etwas früher als sonst statt, dafür konnten die Pferde den ganzen Tag durch verschlafen. Es hatte vor ein paar Wochen geregnet, und zwar gar nicht mal wenig. Aber danach war der Sommer nochmals zurückgekehrt, um uns ein letztes Mal daran zu erinnern, warum wir uns auf den Herbst freuten. Im Moment war Nachmittag, und ich chillte in meiner Hängematte hinter dem Haus. Wir machten wirklich nur das nötigste Tagsüber, wie Misten und Füttern. Aufgeräumt und gewischt wurde auch erst abends. Ich beobachete die Blätter über mir, auf denen Ameisen emsig umherkrabbelten. Es kam mir bewundernswert vor, wie fleissig sie trotz der Temperaturen waren. Ein Bellen liess mich über den Stoffrand blicken. Jonas war zurück vom Einkaufen und wurde von einer übermütigen schwarzen Labradorhündin begrüsst. Auch Zira stand von ihrem Platz im kühlen Gras neben der Hängematte auf und spitzte die Ohren. "Sheela! Come here girl", rief ich. Sie liess von Jonas ab und kam hechelnd zu mir gerannt. "See? It's far too hot to freak out like that." Sie legte sich zu Zira in den Schatten. Jonas brachte die Einkäufe uns Haus, dann kam er mit zwei Wasserglacen raus und streckte mir eine hin. Ich nahm sie dankbar. "Wann wollen wir die Pfleger zurück in den Stall holen?" "5 Uhr? Ein paar sind mit Lewis ins Schwimmbad gefahren." "Dann hätten wir noch etwas Zeit übrig... Ich hatte da so eine Idee", überlegte er laut. "Erzähl?" "Hab in der Zeitung gesehen, dass heute ne Sportpferdeauktion nahe London ist. Lust da vorbeizusehen?" "Wofür denn? Ich brauch kein weiteres Pferd im Moment..." "Wir müssen ja nix kaufen. Ich dachte, man könnte sich so vielleicht ein Bild davon machen, welche der aktuell im Trend stehenden Hengste etwas taugen. Da sieht man deren Nachwuchs mal live und das wäre vielleicht nützlich." "Stimmt. Ist die Halle klimatisiert?" Er lachte. "Also ob." Ich stöhnte symbolisch und legte mich noch mal in die Hängematte zurück, dann stand ich auf. "Okay. Gehen wir, sonst wird es zu spät." Jonas hatte die Autoschlüssel noch in der Hosentasche, also mussten wir nichteinmal ins Haus gehen. Lily war mit Suri unterwegs im Pinienwald - die beiden hatten sich aus Ästen und Steinen ein Lager gebaut und die halben Ferien darin verbracht. Einmal hatten sie sogar darin übernachtet. Manchmal ritten sie mit Nossi und Fake rüber, aber das erlaubte ich nur, wenn sie nicht länger als zwei Stunden blieben - den Ponys zuliebe. Jonas und ich fuhren also über die Autobahn Richtung London und erreichten den Vorort mit der Auktionshalle. Der Parkplatz war voll, also mussten wir den Wagen an einem Strassenrand abstellen und ein Stück zu Fuss gehen. Es hatte reichlich Leute, zu meinem Bedauern. Ich mochte keine Menschenmengen, erst recht nicht, wenn es heiss war. Jonas wusste das und steuerte von Anfang an auf eine Stelle am Rand der Tribüne zu, an der nicht so viele Leute sassen. Von dort aus sah man zwar nicht ganz so viel, aber dafür hatte ich meinen Frieden. Die Auktion war bereits in vollem Gange, als wir uns setzten. Jonas hatte unterwegs ein Infoheft geschnappt und studierte es nun. "Der da ist ein Saphir Royal Sohn. Von denen sieht man in letzter Zeit viele, nicht wahr?" "Jup. Aber der ist rein dressurgezogen. Ich interessiere mich mehr für Springpferde." "Was ist dann mit dem da? Raloubet du Bouqet aus einer Erdbeercornet Obolenski-Mutter?" "Das wäre schon eher mein Fall. Aber der Kopf gefällt mir nicht, und der hat Bockhufe hinten." In diesem Stil nahmen wir die nächsten zwanzig Jungpferde, die vorgestellt wurden kritisch unter die Lupe. Die meisten hatten eine Sache gemeinsam: sie wurden schon mit ihren zarten drei Jahren rund geritten und mussten Trabverstärkungen und imposante Knieaktion zeigen. Deshalb mochte ich solche Auktionen nicht sonderlich. Denn die Jungpferde hatten noch gar nicht genug Muskeln, um in solcher Versammlung und Aufrichtung zu laufen. Die Hinterhand wurde so schon früh abgehängt und schaufelte hinten raus, die weichen, raumgreifenden Gänge (besonders der Schritt) wurden förmlich kaputtgeritten. Die unschuldigen Grünschnäbel taten mir leid, denn viele hatten eigentlich alles in die Wiege gelegt bekommen, um federleicht durch die Bahn zu schweben - sobald sie die Kraft dazu hatten, auch mit dem Reiter. Aber hier an der Versteigerung mussten sie natürlich 'hübsch laufen', damit sie einen möglichst hohen Preis erzielten.

      Ich fand viele der Jungpferde süss und gut, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas, um mir wirklich aufzufallen. Bis eine Stute hineingeführt wurde, auf die ich insgeheim gewartet hatte. Im Infoheft hatte die Abstammung mein Interesse geweckt. Nun, mir war bekannt gewesen, dass der Grossvater, Cadoc, oft Schecken hervorbrachte. Aber diese Stute hatte eine solch harmonische, angenehm anzusehende Verteilung von weissen Flecken im hinteren Körperbereich, dass ich einfach sofort begeistert war. "Aber das ist Tobiano, oder Tovero - nicht Sabino, oder?", fragte ich Jonas verwundert, wissend, dass Cadoc ein Sabinoschecke war. Jonas zuckte mit den Schultern. "Du bist hier die Farbexpertin. Aber ja, ich hätte auch gesagt, dass es mehr nach Plattenschecke aussieht." "Ach stimmt ja! Der Papa ist Pajero, der ist ein Tobiano. Also hat sie's von ihm." "Gefällt sie dir?", fragte er verschwörerisch. "Darfst dreimal raten." "Gibt aber nur 2 mögliche Antworten. Ausser du zählst 'ich weiss nicht' dazu." "Tüpflischisser." Ich beobachtete das Gangbild der Stute. Cambria hiess sie, und ein reiner Holsteiner war sie, obwohl gescheckt. Je länger ich sie betrachtete, desto besser sah sie aus. Zwar lief auch sie bereits leicht hinter der Senkrechten und strampelte sich ihren Weg durch die Halle, aber sie wirkte konzentriert und arbeitswillig, trotz der vielen Leute auf den Tribünen. "Wie gross ist unser Budget?", fragte Jonas verheissungsvoll. "Eigentlich hatte ich nichts eingeplant..." Er sah mich tadelnd an. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass dir hier kein einziger Blickfang begegnen könnte? Aussserdem hab ich dein Gespräch mit Elliot schon mitgehört. Von wegen du wollest dich irgendwann nach einem weiteren Springpferd umsehen, um Robin zu fördern." Es stimmte. Ich hatte Elliot darauf angesprochen, was er davon halte, Charlys Schwester, die offensichtliches Talent zeigte, entsprechend zu fördern. Mit ihr selbst hatte ich darüber allerdings noch nicht gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, schlug er vor: "Wenn die beiden nicht zusammenpassen, kannst du sie ja selber reiten und Robin Satine überlassen. Oder du verkaufst sie eben wieder..." "Na gut", gab ich nach. " 12'000, höher gehe ich für das gerade erst ausgebildete Jungpferd nicht." Jonas grinste verschmitzt, "Wusst ich's doch" stand ihm wie mit Edding quer über's Gesicht geschrieben. Ich überliess ihm den Sieg für heute und wartete erstmal ab, wie viel die Leute für Cambria boten. Meiner Erwartung entsprechend war sie nicht nur mir aufgefallen, und ihr Preis stieg rasch auf 11'000. Als es einen Moment ruhiger wurde, hob ich das Infoheft deutlich hoch. Sofort wurde ich wieder überboten. Ich sah Jonas schulterzuckend an, "Kann man nix machen." "Du gibst so schnell auf?" Entschlossen nahm er mir das Heft ab und streckte es abermals hoch. Als ihr Preis schliesslich auf 13'000 anstieg, bat ich ihn aufzuhören. "Ich möchte wirklich nicht mehr ausgeben. Für den Preis kann ich längst auch selbst ein Fohlen züchten und ausbilden. Dann hätte das eben kein neues Blut, ist doch egal." Etwas enttäuscht war ich trotzdem. Wir sahen noch eine Weile zu, dann tippte ich auf meine Armbanduhr und wir verliessen die Tribüne, denn es war schon halb fünf. Wir nahmen den Umweg durch die Stallungen, um zum Parkplatz zu gelangen. So konnten wir uns die Pferde nochmal flüchtig aus der Nähe ansehen. "Hey, rate mal wer da vorne steht." Ich wandte meinen Blick durch die Stallgasse und sah ein weisses Hinterteil. "Schade, jetzt sehe ich sie auch noch von Nahem und ich wette, sie wird mir so noch viel besser gefallen... Hoffentlich hat sie einen Makel, irgendeine Warze oder einen Bockhuf, den man vorhin nicht so gut sah", murmelte ich zu Jonas. Wir liefen stumm vorbei und schnappten ein paar Worte des Gesprächs der Anwesenden auf, die mich aufhorchen liessen. "A pity. She's really my type. But it's absolutely shameful to try and sell her like this." Die Neugier packte mich. "Excuse me Sir, what's the matter?" Der bärtige Typ drehte sich zu mir um und hob erstaunt die Augenbrauen. "Occulta?" Ich brauchte einen Moment länger, ehe ich realisierte, dass es sich um Fabrizio Martell handelte, einen bekannten Züchter aus Oxford, den ich noch vom Studium her kannte. Mit Bart sah er ganz anders aus, als ich es in Erinnerung gehabt hatte. "Long time no see, everything's fine at your place?", fragte ich nach einem kräftigen Händedruck. "Yes yes, I can't complain. The foals are growing and the fools still going, what else can we wish for?" Ich lachte bei seinem Wortspiel ernsthaft und vergass fast, dass Jonas noch hinter mir stand. "Ah yeah, this is Jonas, he's my... Boyfriend, I guess? I'm sorry, it feels more like we've been married for years, even though we aren't." "Ahh, nice to meet you. When I heard about Jack's death, I honestly didn't expect Occu to ever be in a relationship again. She was such a reserved, cold girl at university, ya know." "Hey!" Diesmal lachte Jonas laut, während ich empörte Blicke mit beiden austauschte. "Alright, alright now. So what's the matter with this beauty here?" "She's been drugged with painkillers to hide a sore foot. Look at this hoof. It already looks painful. My vet Bob confirmed it for me." Bob nickte mir bestätigend zu. Ich warf einen Blick zu dem Mann, der offenbar Besitzer der Stute war. Er stand etwas abseits und diskutierte mit einem der Auktions- Organisatoren. Vermutlich versuchte er sich irgendwie herauszureden. "So what now?" "I obviously won't buy her like this. And surely not for that price. I guess he will take her back home and try to sell her on the internet." Ich hakte bei Bob nach: "Do you think that hoof is treatable? It's not something genetic or chronic, right?" Er erklärte, dass es nach einem Abzess aussehe, der eine Weile brauchen würde um herauszuwachsen, aber um sicher zu sein, müsse man weitere Abklärungen treffen. Ich kniff nachdenklich die Lippen zusammen. Cambria stand ruhig da und zuckte mit dem Widerrist, um ein paar Fliegen zu verscheuchen. Ihre dunklen Augen blickten eher sorgenvoll und müde, nicht, wie es sich für ein Jungpferd gehörte, aufmerksam und neugierig. Ahh, jetzt ist es geschehen. Ich habe Mitleid mit ihr... Es hatte keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, ich wusste genau, wie das hier ausgehen würde. Ich sah sie mir wenigstens nocheinmal ganz genau an, bevor ich zu ihrem Besitzer lief und die entscheidenden Fragen stellte. Ihre Kruppe hätte deutlich bemuskelter sein sollen für ihren angeblichen Ausbildungsstand und der Rücken zeigte Anfänge von leichten Kuhlen, dort wo die Sattelkissen normalerweise lagen. Aber ihre Schulter und der Hals sahen okay aus, und das wichtigste: ihre Beine waren trocken und hatten weder Klümpchen noch schwammige Bereiche. Nichts also, was ich mit anständiger Hinterhandaktivierung und einem passenden Masssattel nicht beheben konnte. "Excuse me Mr?" Er drehte sich zu mir herum. Ich stellte mich rasch vor und verkündete mein Interesse an der Stute, wobei ich jedoch möglichst gleichgültig zu klingen versuchte. Ich wollte den Preis ihrem Momentanen Zustand entsprechend runterhandeln, da durfte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie auch für mehr nehmen würde - was tatsächlich auch so stimmte. Nicht, dass ich sparen musste, aber ich war nicht gewillt, dem Typen auch nur einen Penny unnötigerweise zu überlassen. Zu meinem Glück ging mein Plan auf und ich bekam Cambria unter ihrem eigentlichen Wert. Die Veranstalter waren zwar nicht begeistert, dass ich die Stute kaufte, obwohl der Typ gegen die Vorschriften verstossen hatte, aber sie gaben ihr okay. Mein Gefühl sagte mir, dass wir den Huf mit etwas Pflege wieder hinbekommen würden. Wenn ich Recht hatte, bekam Robin ein klasse Sportpferd zu einem Schnäppchenpreis. Wenn nicht - nun, darüber dachte ich lieber nicht nach. Aber so hatte ich wenigstens nicht ganz so viel Geld in den Sand gesetzt im Falle eines Falles. Wir einigten uns darauf, dass ich Cambria in ein paar Tagen abholen kommen würde. Fabrizio sah nachdenklich aus, als ich zurück zu den Männern stiess. "Did I make a mistake? If Occu buys her, then there must be something about her", meinte er scherzhaft. "Nah, I just like her colour, that's all", spielte ich meine Entscheidung herunter. Das war nicht die volle Wahrheit, denn ich sah ausserdem Potential in der seltenen Blutlinienkombination. Aber das brauchte er vorerst nicht zu wissen, jedenfalls nicht, bis sich abzeichnete, ob ich richtig lag oder nicht. "Alright, we've got to be on our way now. It was nice to see you again; I hope we'll meet more often at competitions from now on. My Daughter has only just started her career as a show jumper." "Good to hear, Rachels Daughter Lily is also quite ready to go to shows more frequently. So there's a good chance we'll meet at some lower class competitions next year." Wir verabschiedeten uns mit einem herausfordernden Händedruck und gingen getrennte Wege zum Parkplatz. Ich spürte Jonas' schelmischen Seitenblick während dem Laufen. "Ist ja gut, bist du jetzt zufrieden? Wir haben sie." "Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst zufrieden sein." Ich antwortete lächelnd "das bin ich" und gab ihm einen Kuss.


      Natürlich waren wir später zurück auf dem Hof als ursprünglich geplant. Ich war in letzter Zeit ohnehin schlecht darin, pünktlich irgendwo zu sein. Selbst an Turniere fuhren wir regelmässig 'last minute'. Das hatte aber nichts daran geändert, dass meine beiden jungen Reitpony-Hengste auf ihren allerersten Turnieren gleich beide in mehreren Disziplinen auf den ersten drei Plätzen klassiert gewesen waren. Bacardi Limited zum Beispiel, machte seiner Abstammung alle Ehre und gewann sowohl in seinem ersten Synchronspringen, als auch im kurz darauffolgenden Dressurturnier und räumte zwei Wochen später, um das Resultat zu bekräftigen, auch gleich noch den zweiten Platz im Militaryturnier ab. Trotz der anhaltenden Hitze, beziehungsweise des hartnäckigen Regens während letzterem. Und Sniper hatte überraschenderweise in einem Fahrturnier den Sieg geholt, obwohl wir ihn nur mit der Doppellonge und später zum Spass mit einem Sulky eingefahren hatten, weil ich es für gutes Aufbautraining hielt. Jedenfalls hatte er so als Nebeneffekt wohl auch gleich seine Ausdauer mittrainiert, denn sogar bei einem Einsteiger-Distanzturnier schaffte er es aufs Treppchen. In der Dressur und im Springen war er schlichtweg noch nicht so weit wie Bacardi, der schon ein paar Monate mehr unter dem Sattel lief. Er musste zuerst noch lernen, ruhiger und taktvoller zu gehen; mehr Balance entwickeln. Dann würde ohne Zweifel auch er erste Erfolge im Springen verzeichnen können, so war ich mir sicher.

      Ich machte mich auf den Weg zu Circus Dancers Box. Der beinahe ganz weisse Knabstrupper sah gerade mit tiefgründigem Blick zu seinem Boxenfenster hinaus, als ich die Tür aufschob. Er hatte mich wohl nicht kommen sehen, denn er drehte sich beim Geräusch der Tür um und sah mich mit grossen, schwarzen Augen an. Dann brummelte er freudig und kam näher. Ich streichelte seinen Nasenrücken und gab ihm ein Karottenstück zur Begrüssung. Als nächstes streifte ich ihm das Halfter über und band ihn im Stallgang an. Allein vom in-der-Box-stehen hatte er eine schweiss-feuchte Brust. "Du armer. Keine Angst, wir machen nichts verrücktes heute, mir geht's ja genau gleich wie dir." Ich bürstete ihn nur rasch mit der normalen Bürste durch, denn dreckig war er sowieso nicht - höchstens staubig. Auch seine Hufe waren so gut wie sauber, dafür nahm ich mir die übrige Zeit um seine Mähne mal wieder gründlich zu entwirren und zu flechten. Die weissen Haare waren noch leicht gewellt vom letzten Mal, aber wiedermal reichlich verknotet. Ich sattelte den Knabstrupper und ging mit ihm auf einen Ausritt im Schatten der Pinien - das einzige halbwegs angenehme, was man im Moment tun konnte.

      Anschliessend war es bereits sieben Uhr und endlich kräuselte ein erlösendes Lüftchen meine unter dem hochgebundenen Dutt vorstehenden Nackenhaare. Ich holte Artemis raus, um mit ihm ein Intervalltraining zu machen, bevor die Vollblüter ihr Abendtraining starteten. Er war trotz der warm-feuchten Luft am Ende gar nicht so verschwitzt, wie ich gedacht hätte. Das zeigte mir, dass er mittlerweile eine ziemlich gute Kondition haben musste. Der Schimmel lief brav neben mir her, während ich ihn zum Abspritzplatz führte. Ich hatte seit seinem Einzug auf Pineforest Stable schon einiges mit ihm erlebt - unsere Amerika-Reise war gewiss ein Highlight gewesen, das ich nie vergessen würde. Der Schimmel hatte dabei gelernt, mir zu vertrauen und war seither zu einen treuen Verlasspferd geworden. Er hatte zwar wie jeder andere auch mal etwas schlechtere Tage, aber die waren selten, und es konnte schliesslich nicht immer alles perfekt laufen. Ich wusch ihn mit einem grossen Schwamm und einem Eimer Wasser ab - mehr war gar nicht nötig. Dann brachte ich ihn zurück in den Nordstall. Auch mein zweiter Achal Tekkiner Hengst, Burggraf, war unterdessen bewegt worden. Lisa hatte sich um ihn gekümmert. Ich liess den Blick durch die Boxen schweifen, bis er auf die beiden Isländern fiel. Als hätte er meine Gedanken laut gehört, betrat Jonas den Nordstall und deutete fragend auf Herkir. Ich nickte grinsend, also holten wir die beiden raus und begannen mit dem Putzen. "Unsere Telepathie wird immer besser", meinte Jonas während dem Bürsten auf meine Bemerkung hin, dass ich gerade ans Ausreiten gedacht hatte, bevor er reingekommen war. "Telepathie? Du meinst wohl meine unausgesprochenen Befehle." "Hmm, okay. Das musst du mir dann aber auch noch beibringen, jetzt wo ich offiziell dein Stellvertreter bin." Ich nickte belustigt. Letzte Woche hatte ich wiedermal einen der weniger vollgepackten Tage genutzt, um eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen und die Pläne für Ende 2018 bekanntzugeben. Dabei hatte ich auch gleich ein paar Umstrukturierungen vorgenommen. Jonas war zum stellvertretenden Gestütsleiter ernannt worden, Elliot war jetzt vollzeitmässig Reitlehrer und Ansprechpartner für die Vermietung unserer Infrastruktur. Er kümmerte sich um sämtliche Reitstunden für Auswärtige und Clubs, die unsere Halle oder die Galoppbahn nutzen wollten. Lisa verwaltete die Trainingsaufträge für Berittpferde und organisierte zudem kleinere Events wie Gymkhanas und Geländeritte auf Pineforest. Dies nahm mir etwas Arbeit ab und erlaubte es mir, mich noch mehr auf die Pferde selbst zu konzentrieren. Bezüglich Pferde hatte sich auch noch etwas getan: ich hatte Vai Alida symbolisch an Oliver verkauft. Sie blieb natürlich hier auf Pineforest und diente in Zukunft auch unserer Zucht, aber der Cheftrainer hatte solch einen Gefallen an der braunen Stute gefunden, dass er mich darum gebeten hatte. Er war in den letzten paar Jahren nicht mehr so viel selbst in den Sattel gestiegen. Nach eigener Aussage gab ihm Alidas Kauf die Motivation, wieder mehr dergleichen zu tun, erst recht, wenn sie irgendwann von ihrer Rennkarriere pensioniert wurde. Ich hatte nicht lange überlegen müssen - das passte einfach und brachte für beide Seiten nur Vorteile. PFS‘ Bring me to Life, der eigentlich bereits verkauft war und nur noch bis zur Abholung auf Pineforest stehen sollte, gehörte nun offiziell den beiden Fox-Brüdern. Die ursprüngliche Käuferin hatte mich mehrfach wegen des Geldes für den ihn vertröstet und auch nie mehr Anstalten gemacht, ihn abzuholen. Also hatte ich den Vertrag aufgelöst. David und Darren hatten mich daraufhin angesprochen und ihr Interesse an dem Hengst geäussert, als ihr erstes eigenes Pferd. Sie teilten sich ihn und kümmerten sich liebevoll um Life, später wollten sie sogar mit ihm im Militarybereich starten. Auch einen neuen Namen hatte der Hengst mit meinem Einverständnis bekommen: Colours of Life, was ich sehr passend fand. Und dann waren da noch meine beiden Haflinger, die ich an Lisa verkauft hatte. Sie war offensichtlicher Hafi-Fan, und zwar seit sie ein kleines Mädchen war. Die Blonden Mähnen und herzförmigen Popos hatten es ihr einfach angetan. Auch wenn Nim und Woody etwas schlankere Typen waren, so war Lisa doch von Anfang an begeistert von den beiden gewesen und da ich selbst keine Haflingerzucht anfangen wollte, geschweigedenn viel mit den beiden Anfangen konnte, wollte sie sie als vielseitige Sport und Freizeitpferde ausbilden und sogar hin und wieder für Sommer-Reitcamps einsetzen.

      Wir hatten einen Traumhaften Ausritt in der Dämmerung. Man hörte nebst dem dumpfen Geräusch der Hufe auf den Feldwegen kaum etwas, höchstens ab und zu ein leise entferntes Brummen von Autos, je nachdem wie nahe wir dem Dorf kamen und wie die kühle Brise wehte. Irgendwann begann auch noch ein Käuzchen die Stille mit seinen Rufen zu durchbrechen, und eine Weile lang lauschten wir nur, ohne zu reden. Herkir und Loki schienen dasselbe zu tun. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und ihre Köpfe nickten leicht mit ihren Schritten mit. Sie machten einen zufriedenen, ruhigen Eindruck, auch wenn sie sich teilweise wieder ein übermütiges Schrittrennen lieferten, bis Jonas und ich sie daran erinnerten, dass wir auch noch da waren. Wir kamen im Dunkeln nach Hause, aber im Nordstall brannte Licht und als wir reinkamen, war Darren gerade dabei, Dods Hufe auszukratzen. Er hatte den Criollo an der Doppellonge unter Lisas Aufsicht durch einen Trail Parcours gelenkt, zusammen mit zwei weiteren Pflegern, mit Moon und Chanda. Wir sattelten die beiden Isländer ab und gaben ihnen Karotten aus einer Kiste beim Eingang, zur Belohnung. "Hast du Fake heute eigentlich schon bewegt?", fragte ich Jonas beiläufig. "Nö, Lily hat das für mich gemacht." "Faulpelz." "Du bewegst deine Pferde ja auch nicht alle selber." "Ich hab aber auch..." Ich brauchte gar nicht fertig zu reden, denn er grinste nur schelmisch und legte einen Arm über meine Schultern. Wir schlenderten zusammen zum Nebenstall, denn ich musste als allerletztes noch Halluzination bespassen, bevor der Tag 'zuende' war. Im Nebenstall waren Blue's und Sweets' Boxen leer, also vermutete ich, dass beide entweder in der Halle oder auf einem Abendausritt waren. Jonas liess mich in Ruhe machen und ging schonmal ins Haus, um mit Lily zusammen das Abendessen vorzubereiten und Hausaufgaben zu machen. Ich war sehr dankbar dafür, dass er so verlässlich war und sich um meine Nichte kümmerte. Die beiden kamen so gut zusammen aus, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass das Mädchen gar nicht seine Tochter war. Ich fragte mich insgeheim trotzdem immer wieder, wie sehr Lily ihre richtigen Eltern vermisste. Sie machte eigentlich immer einen glücklichen, unbesorgten Eindruck, aber ich wusste auch, dass sie eine sehr gute kleine Schauspielerin sein konnte, und oft nicht verriet, was sie wirklich beschäftigte. So gedankenversunken bürstete ich Hallus Fuchsfell im Schein der Lampen unter dem Dach des Nebenstalls. Während der Dressurarbeit danach lief sie wiedermal etwas eigenwillig und sah in jeder Ecke Monster. Es war anstrengend, sie so zu beschäftigen, dass sie keine Zeit für Mätzchen fand. Wir galoppierten viel, um Energie abzulassen und als das auch nicht weiterhalf, stieg ich rasch ab und legte ein paar Stangen aus. Über diese ritten wir anschliessend im Trab und Galopp aus verschiedenen Winkeln und Kurven, sodass sie auf ihre Füsse achten und einen besseren Takt finden musste. Sie versuchte zwar trotzdem, zwischendurch einfach über die Stangen drüber zu rennen, aber im Grossen und Ganzen ging mein Plan auf und wir hatten eine halbwegs anständige halbe Stunde. Ich liess sie ausgiebig austraben, um sie weiter zu beruhigen, damit wir mit einem lockeren vorwärts-abwärts Trab aufhören konnten. Die Stute war manchmal einfach launisch und hatte ihre eigenen Vorstellungen von Arbeit. Aber an Turnieren war sie meistens kooperativ, sodass ich darüber hinwegsehen konnte.

      Ich tätschelte Hallu nochmal auf die Kruppe, dann liess ich sie in Ruhe in ihrem Stroh herumstöbern und ging ins Haus zum Abendessen. Lily und Jonas sassen bereits am Tisch und diskutierten eifrig über Arabische Pferde. "Ich glaube die sind schneller als unsere englischen. So wie Diyari heute abgegangen ist!..." Ich unterbrach Lily interessiert. "Wie ist er denn 'abgegangen'?" Sie erzählte es mir natürlich eifrig. "Ich war heute ja mit Suri unterwegs, wir haben Fake und Nossi genommen. Bei der Verzweigung mit dem Galoppweg, der mit dem breiten Grasstreifen am Waldrand-" "Jup, ich weiss welchen du meinst." "...Ist uns Rosie begegnet. Sie war eben mit Diyari unterwegs und wir haben eine kurze Strecke gemeinsam gemacht - nunja, bis eines dieser Dirtbikes kam." Mir dämmerte bereits, was passiert sein musste. "Diyari hat sich erschrocken und ist durchgebrannt. Rosie hatte keine Chance den zu halten, wir haben nur noch den Fahnenschweif gesehen." "Hat sie sich verletzt?", fragte ich wie aus der Pistole geschossen. "Nö, sie ist sogar oben geblieben. Wir sind ihnen langsam hinterhergeritten und haben sie ein paar Felder weiter eingeholt. Rosie konnte ihn bremsen, indem sie ihn auf eine Kurve gelenkt hat, so Schneckenhaus-mässig." Ein komisches, grunzendes Geräusch kam von Jonas. Wir wandten uns ihm fragend zu. "Ach nichts, nur... Schneckenhaus - um dein Pferd zur Schnecke zu machen?" Ich sah ihn mit meinem "ernsthaft?"-Blick an und Lily stöhnte entnervt, aber doch leicht belustigt. "...Jedenfalls hat sie dem Dirtbike-Fahrer alle Schande gewünscht, denn der hat es lustig gefunden, extra mit dem Gas zu spielen. Deshalb ist Diyari ja überhaupt erst geflüchtet. Wir sind dann noch mit ihr bis zur Wilkinson Farm geritten, weil sie uns auf eine Tasse Tee und Cookies eingeladen hat. Suri durfte sogar ein bisschen Bodenarbeit mit Lindwedel versuchen. Und ich hab deine alte Zicke Islah besänftigt, als Farasha sie zurechtgewiesen hat." "Du bist aber nicht etwa dazwischengegangen, oder??" "Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht doof." "Das hoffe ich sehr." "Numair kommt übrigens ans selbe Distanzturnier wie Ronja nächste Woche!" "Ich weiss, ich hab ihn auf der Startliste gesehen" "Warum hast du die Araber jetzt ganz an Rosie verkauft? Die waren doch so hübsch...", motzte sie. "Sie sind ja nicht weg, bleiben auf der Wilkinson Farm. Es ist nur etwas praktischer für Rosie auf diese Weise, wegen Papierkram und so. Ich kann sie immernoch ab und zu reiten gehen, wenn ich Lust habe. Und ganz alle hab ich ja nicht verkauft; ich hab noch first Chant, und die geb ich nicht mehr her", meinte ich lächelnd. "Zum Glück!" In der Kraft dieser Aussage zeigte sich einmal mehr, dass meine Nichte Schimmel-Fan war, oder eher von hellen Pferden im Allgemeinen. Jonas schenkte uns einen "ich-bin-jetzt-müde-und-geh-ins-Bett"-Blick und stand auf. "Du gibst schon auf?", fragte ich triezend. Er winkte nur symbolisch mit der Hand und gähnte dazu. Das löste bei Lily und mir eine Kettenreaktion aus, sodass wir am Ende alle gähnend im Badezimmer standen und uns die Zähne putzten. Es war eben schön, das Leben auf dem 'Ponyhof', aber auch anstrengend.
      14 Sep. 2018

      Reitsportlager auf Pineforest Stable
      PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Drømmer om Død, Vychahr, tc Herkir, Ljóski, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Cinnemont’s History, All Pride, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Flintstone, PFS‘ Beck’s Daisy Orchid, Silhouette of a Rose

      Seit ich beschlossen hatte, ein Reitlager durchzuführen, hatte sich einiges getan, allerdings bei weitem nicht schnell genug. Aus dem Herbstlager war ein Winterlager geworden, weil es nebst den ganzen Turnieren einfach nicht für anständige Planung gereicht hatte. Lisa und Elliot hatten ihre Reitschüler mobilisiert und auch im Internet und in der lokalen Zeitung hatten wir es ausgeschrieben. Allerdings hatten wir nirgendwo erwähnt, dass ich auf der Suche nach Turnierreitern war. Das war Teil meines Plans – ich wollte sehen, wie die Jugendlichen sich natürlicherweise benahmen, nicht wie sie sich verstellten, um den ‘Job’ zu bekommen. Ausserdem war so sicher niemand enttäuscht, denn ich konnte die Kids später privat anfragen, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Das Lager würde in wenigen Tagen stattfinden und im Moment liefen noch die letzten Vorbereitungen. Aber vom Lager abgesehen, war die wohl grösste Veränderung seit langem der geplante Neubau eines weiteren Stallgebäudes. In Grobplanung war es schon länger gewesen, aber ich hatte zuerst die nötigen Bewilligungen einholen müssen. Es war sozusagen eine Erweiterung des Nordstalls, denn dort wurde langsam der Platz knapp, die Nachwuchshengste eingerechnet, die ich noch auf der Fohlenweide hatte. Wie ich die so geschaffenen vier grossen Boxen in dem halboffenen Gebäude verplanen wollte, wusste ich noch nicht genau. Aber ich hatte eine Idee im Kopf, daraus eine Art Ponystall zu machen, für die kleineren Sportponys. Das wäre auch praktisch für zukünftige Ferien-Reitlager, und so konnte ich die Boxen im Nord- und Nebenstall vollständig für die grösseren Pferde nutzen, so meine Überlegung. Ich hatte im Sinn, erstmal Herkir, Loki, Fake und Nossi dorthin umzusiedeln. Es würde aber noch eine Weile dauern, denn der Stall sollte erst im Frühling gebaut werden.

      Schliesslich war es so weit, der erste Tag des Lagers stand vor der Tür. An diesem Morgen fand ich England in einer dicken Nebeldecke eingehüllt vor. Die Luft war so feucht, dass sich Tautropfen an Jonas’ Augenbrauen bildeten, die zudem zu gefrieren drohten, als wir auf unserem morgentlichen Rundgang zu den Weiden liefen. Und das obwohl es seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Es war irgendwie komisch zu sehen, dass der Boden im Licht der Lampen an den Stallungen schon wieder trocken und rissig war, während die Luft und das Gras sich so feucht anfühlten. Es war bitterkalt. Ich schob das Tor des Stutenoffenstalls auf und begrüsste die Pferde. Moon und Phantom kamen sofort näher und besonders der Rappe machte auf mich einen eifrigen Eindruck, als wartete er nur darauf, dass ich ein Halfter zückte und ihm eine Aufgabe gab. Moon hingegen war noch etwas verschlafen und rieb erstmal ihre Stirn gegen meine Hand, als ich sie unter ihrem langen Schopf streichelte. Die Stute war eben im Vergleich zu Phantom und besonders Matinée immer noch viel zutraulicher, aber auch frecher zu mir. Sie kannte den Umgang mit Menschen wie die meisten domestizierten Pferde seit dem Fohlenalter, vermutlich seit ihren ersten paar Minuten in dieser Welt. Die anderen Stuten belagerten mich nun ebenfalls neugierig, in der Hoffnung, ich hätte etwas Leckeres dabei. «Später Ladies, später», versprach ich. «You will all get your carrots.» «Das ist so süss, wie du mit ihnen sprichst», bemerkte Jonas kichernd. «Machst du doch auch.» «Ja klar, hab ja nicht gesagt, dass es schlecht ist. Ich find’s toll. Sie verstehen zwar kein Wort, aber ich bin sicher, dass sie die Aufmerksamkeit geniessen.» «Ich glaube schon, dass sie was verstehen. Zum Beispiel spitzen die meisten ihre Ohren, wenn ich ‘apple’ sage.» Just in diesem Moment kam Summer einen Schritt näher und verdrehte bettelnd ihren Kopf, als wollte sie meine Theorie untermauern. Wir lachten beide los. Manche der Pferde machten die lustigsten Grimassen, wenn sie etwas zu Fressen erwarteten. Summer verdrehte ihren Kopf und streckte ihre Lippen, weil ich ihr vor einiger Zeit das Lächeln beigebracht hatte, und sie es nun manchmal einfach so anfing, zum Betteln eben. Ich hatte nichts dagegen, wenn die Pferde so verspielt und erwartungsvoll waren, solange es nicht in ein Scharren oder aggressives Verhalten ausartete. Mit Cambria hatten wir deswegen etwas Ärger, denn die Scheckstute scharrte in der Stallgasse dauernd, sobald jemand durchlief. Es war gar nicht so leicht, ihr das abzugewöhnen, und es gab meines Wissens nach auch keinen Spezial-Trick dafür. Alles, was ich tun konnte war, sie möglichst anderweitig zu beschäftigen und ihr gezielt Tricks beizubringen, als Ersatz für das Scharren. Wenn sie nie etwas dafür bekam, dann gab sie es vielleicht irgendwann auf. Jonas und ich machten uns auf den Weg um die Runde zu beenden. Ich sah noch bei Zebra Thairu und Zazou dem Esel rein. Soweit ich durch die Dunkelheit und den Nebel hindurch erkannte, standen sie beide unter ihrem Unterstand und dösten noch, also liess ich sie gleich wieder in Ruhe. Es war nun sowieso Zeit, in den Hauptstall zu gehen und dem Vollbluttraining beizuwohnen. Dort war man bereits emsig dabei, die Pferde zu putzen. Ich beeilte mich damit, Dolly aus ihrer Box zu holen und in der Stallgasse anzubinden. Die junge, roanfarbene Stute war in Spiellaune und nahm die Anbindeketten ins Maul, während ich sie Bürstete. Als ich ihren Bauch säubern wollte, schlug sie missmutig mit dem Schweif, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. «Hey, reiss dich zusammen – ich bin schneller fertig wenn du mich machen lässt», schimpfte ich. Sie runzelte ihre Nüstern und trampelte weiterhin ungeduldig herum. Ich wollte sie nicht zu sehr provozieren, aber ich musste weitermachen, bis sie stillhielt, damit sie nicht mit der Unart Erfolg hatte. Als sie endlich einen Moment ruhig war, hörte ich auf und machte mit einer Stelle am Hals weiter, die sie mochte. Danach wandte ich mich dem Langhaar zu, und natürlich den Hufen. Bei den Hinterhufen brauchten wir heute drei Versuche, bis ich sie wirklich hochnehmen konnte. Da war es auch nicht sonderlich hilfreich, dass wir heute allen Rennpferden Stollen eindrehen mussten, weil der Rasen im Gegensatz zum Boden selbst nebelfeucht war. Sie wollte kaum stillhalten, als ich mir Eisen für Eisen vornahm. Ich fragte mich langsam, ob die Stute schlecht gelaunt war, aber wenn ich ihren Blick richtig deutete, so schien das nicht der Fall zu sein. Ausserdem genoss sie es wie immer, wenn ich sie an ihrem Unterhals kraulte. «Der muss noch etwas weniger kräftig werden», bemerkte ich dabei liebevoll murmelnd. Als das gestichelte Fell sauber war, holte ich die Trainingsausrüstung. Ich legte eine Anti-Rutsch Unterlage, dann eine gut gepolsterte Satteldecke auf Dollys Rücken und zuletzt den Trainingssattel. Den Gurt schlaufte ich durch eine Lammfellpolsterung, bevor ich den Sattel damit befestigte. Ein Vorgeschirr brauchte die Stute nicht, denn bisher war der Sattel bei ihr noch nie wirklich nach hinten gerutscht. Ich legte ihr ein Kopfstück mit gewöhnlicher, einfach gebrochener Trense an und führte sie anschliessend nach draussen. Die Jockeys bekamen von Oliver und Ajith ein leg-up. Wir ritten alle hintereinander zum Galoppweg, vorbei an ein paar Transportern, die auf dem Parkplatz standen. Für heute hatte sich wiedermal ein auswärtiger Trainer angemeldet, der die Bahn nutzen wollten, um seine Jungpferde an fremde Situationen zu gewöhnen. Sie würden mit uns trainieren – eine gute Gelegenheit, um die unsrigen mit dem fremden Nachwuchs zu vergleichen. Wir wärmten die Gruppe ganz normal ein und ritten dann auf den kurz gemähten, sorgfältig gepflegten Rasen. Die Startmaschine liessen wir weg, weil es mit den fremden Pferden ohnehin zu wenig Plätze für alle hatte. Stattdessen machten wir einen freien Start und liessen die Pferde auf eine nicht ganz so ernste Weise gegeneinander antreten. Es ging nicht darum, Höchstgeschwindigkeiten herauszulocken, sondern viel eher, ein anstrengendes, ertragreiches Training durchzuführen und am Ende zu sehen, welche Pferde noch fit waren. Trotzdem stachelten sich die Jockeys gegenseitig etwas an, und Oliver musste sie ein paarmal mit strengen Rufen daran erinnern, die Pferde nicht zu überfordern. Besonders Parker liess sich provozieren, von einem Typen mit einer ebenfalls schwarzen Stute, die man angesichts der Wetterlage und der Tageszeit kaum von Daedra unterscheiden konnte. Ich sah nur, dass die beiden die längste Zeit Kopf-an-Kopf liefen, und alle anderen hinter sich gelassen hatten. Mambo und Sarabi liefen dicht bei mir und Dolly, sodass ich sie gut im Blick hatte. Ihre Bewegungen schienen kraftvoll und raumgreifend, soweit sah also alles richtig aus. Counterfire schien aber irgendwie nicht so richtig in Fahrt zu kommen, und auch Thalia war weiter hinten; ich hörte Oliver einmal rufen, dass Charly sie endlich vorwärtsschicken solle. Ich fragte mich, was da los war, denn normalerweise waren beide Pferde eigentlich ziemlich fleissig und eher vorne mit dabei. Zurückschauen konnte ich aber nicht gut, weil ich mich auf Dolly konzentrieren musste, die schon wieder ein Ungeheuer im Gebüsch zu sehen glaubte und nach links drängeln wollte. Dann liess sich Mambo auch noch von dem Getue anstecken und begann, sich gegen Quinns Zügel zu wehren. «Was ist denn heute nur los!», rief ich aus und richtete Dolly so gut es ging wieder gerade. Die fremden Pferde liefen weiter, als wäre nichts gewesen. Sie spulten einfach ihr Programm ab, ohne den Kopf zu heben. Später sah ich Oliver nach dem Training den Kopf schütteln und seinen typischen, unzufriedenen Ausdruck präsentieren. Ich seufzte nur, denn es brachte sowieso nichts, etwas zu sagen. «What the hell was wrong with you guys? That was a perfect disaster! I’m sure the others will have a lot to laugh about on their way home.” “Oliver.” Ich sah ihn mahnend an. Es war nicht förderlich für die Motivation der Jockeys, wenn er solche Sprüche von sich gab, auch wenn wir uns das einigermassen gewohnt von ihm waren. Alle schwiegen, die Stimmung war nicht gerade auf dem Höhepunkt. «Look, we train our horses differently, so that was to be expected. They don’t have to run with their Heads tied down, they don’t have to blindly follow stupid orders and don’t get a beating if they misbehave only a little. You could say that they are spoiled and sassy. In the end however, we won’t have broken machines that only work because they have to, but horses that want to win and still have their personality and pride. That is exactly the difference between a champion and an ordinary racehorse, that gets sorted out after a few races because it has no more will to please. If anyone is unhappy with the way we work, then please say so and start looking for a new racing stable.” Meine kleine Rede zeigte Wirkung. Die Jockeys nickten zustimmend, und Oliver wirkte nachdenklich, als sei ihm bewusst geworden, dass er womöglich überreagiert hatte. Damals, als ich Oliver eingestellt hatte und ins Renngeschäft eingestiegen war, hatte ich von Anfang an ganz klare Forderungen an den Trainer und die Jockeys gestellt. Pineforest hatte eine lange Tradition als Rennpferdegestüt, aber ich hatte es nach meinen Vorstellungen umstrukturiert und damit begonnen, die Pferde auf meine Weise auszubilden; mit der skrupellosen Geldmacherei der Rennindustrie wollte ich nichts zu tun haben. Mir ging es nur um die Freude am Rennsport selbst. Mir genügte es, meine athletischen, gesunden und vor allem psychisch zufriedenen Rennpferde über die Bahn fliegen zu sehen, völlig gleich, ob sie nun als erste oder als letzte ins Ziel kamen. Aber ich brauchte mir gar keine Sorgen um die Reputation des Gestüts zu machen, denn die Pferde gewannen regelmässig und konnten gut mit den ‘auf die herkömmliche Weise’ Trainierten mithalten. Das war auch Oliver, der mich anfangs noch belächelt hatte, über all die Jahre bewusst geworden, und deshalb hatte der ehrgeizige Trainer nicht längst zusammengepackt. Nur musste ich ihn gelegentlich daran erinnern. Weil ich irgendwodurch eine sehr sture und selbstsichere Persönlichkeit hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, dem fremden Trainer mit einem zufriedenen Lächeln gegenüberzustehen und zum Abschied die Hand zu schütteln. In meinen Augen hatten wir alles richtig gemacht. Und nur so nebenbei hatte Daedra gegen den anderen Rappen gewonnen, aber das Gefühl dieses süssen Triumphs behielt ich für mich.

      Wir brachten es auf die Reihe, ziemlich gut gelaunt mit der zweiten Gruppe ein Kopf-an-Kopf Training durchzuführen. Die Stimmung schwappte auf Primo, Merino, Simba, Cryptic, Penny und Ciela über und sie liefen hervorragende Zeiten für uns. Nun hatte sich auch Olivers Stimmung wieder aufgehellt. Er trank, nach dem die Pferde zum Trocknen in den Freilauftrainer gebracht worden waren, mit uns Tee und gab wieder sachliche, nützliche Tipps anstelle von gehässigen Sprüchen. Als er fertig geredet hatte, sah er mich einen kurzen Moment an, und ich nickte lächelnd. So machte das Rennpferdetraining Spass.

      Während Oliver und die Jockeys nun die älteren Gruppen trainierten, machten Lily und ich in der Halle Dressur mit Areion und Circus Dancer. Wir übten spielerisch ein ausgedachtes Pas-de-Deux ein, das wir im Verlaufe der Woche auch mit den Lagerkindern einstudieren wollten. Es war eine hervorragende Übung für meine Nichte, weil sie zu jeder Zeit schauen musste, was ich gerade tat und sich gleichzeitig darum kümmern musste, selbst exakt zu reiten. Areion war dabei wiedermal ein richtiger Schatz. Er half Lily immer wieder aus, wenn sie einen Patzer machte und es war so süss wie er sich Mühe gab, um seiner jungen Reiterin zu gefallen. Dafür bekam er am Ende auch eine Extraportion Karotten (nunja, die Portion war eigentlich mittlerweile gar nicht mehr ‘extra’, weil er sie eh fast immer bekam). Auch Dancer sah mich mit einem perfekten Hundeblick an, als ich vom Schrank zurückkehrte und seine Karotten hinter meinem Rücken versteckte. «Hast du dir die verdient?», fragte ich schmunzelnd, woraufhin er seinen Kopf einmal ruckartig auf und ab bewegte, was fast schon einem Nicken glich. Ich erlöste ihn und hielt die Karotten hin, damit er sie aus meiner Hand ziehen konnte. Er kaute geräuschvoll darauf herum. Pilot und Vychahr in den Nachbarsboxen streckten ihre Köpfe natürlich ebenfalls in meine Richtung, aber sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Als nächstes holte ich Dod aus seiner Box. Der Criollo stand beim Putzen schön still, zeigte aber wiedermal seine sture Seite, als es darum ging, die Hufe hochzunehmen. Ich schaffte es trotzdem und kratzte alle vier gründlich aus. Mir blieb nicht mehr viel Zeit, denn um zehn Uhr wollte ich die Kids offiziell empfangen. Daher longierte ich ihn eine halbe Stunde in der Halle, sorgte aber dafür, dass er während dieser Zeit trotzdem ordentlich arbeiten musste und sogar ein bisschen ins Schwitzen kam. Ich liess ihn nämlich viele Galoppübergänge machen, was gutes Training für die Hinterhand war. Lisa und Darren waren mit Rebel und Flint ebenfalls in der Halle. Die beiden Schecken liefen fleissig vorwärts, wobei Flint jedoch zwischendurch mit einem Blick durch die Fensterwand abschweifte. Der Nebel war draussen nachwievor hartnäckig. Als ich Dod zurück zum Nebenstall führte, waren bereits die ersten Eltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Ich beeilte mich damit, den Criollo Hengst zu versorgen – seine Karotten bekam er natürlich trotzdem. Ich hörte schon ein paar Stimmen, sowohl von Kindern als auch von Eltern schwärmen, was denn das für ein hübscher Rappe sei und musste dabei stolz schmunzeln. Im Norstall fand ich auch gleich Jonas vor, der Diarado für einen Ausritt putzte. Wir planten noch rasch das Mittagessen, dann versorgte ich hastig Dods Ausrüstung. Schliesslich trat ich vor die Anwesenden und begrüsste sie. Zira war wie immer brav an meiner Seite und musterte die Leute mit wachsamem Blick. Shira und Jacky schnupperten schon an der ein- oder anderen Hand und liessen sich streicheln, sehr zur Begeisterung der Kinder. Nachdem ich rasch den Tagesablauf erklärt hatte, erlöste ich ich die Kinder und Eltern von der beissenden Kälte und bat sie ins Pflegerheim. Dort hatten die Pfleger einen Raum für die Kids freigeräumt, sodass diese sich nun gleich einquartieren konnten. Die Pfleger hatten eingewilligt, für die eine Woche etwas näher zusammenzurücken – sonst hätten wir das Lager im Winter gar nicht durchführen können. Im Sommer war sowas kein Problem, weil man dann auch gut im Strohlager oder in Zelten draussen übernachten konnte. Aber bei minus fünf Grad war beides nicht das Wahre. Die Eltern blieben noch einen Moment, um sich umzusehen. Danach verschwanden sie endlich und wir konnten mit dem Programm starten. Es waren insgesamt neun Kinder gekommen, allesamt Mädchen. Darüber war ich ein kleines Bisschen enttäuscht, denn ich hatte gehofft, auch ein paar Jungs für das Lager zu begeistern. Auch Lea, die Lily an der International Horse Show kennengelernt hatte, war wie versprochen mit dabei. Die beiden kicherten jetzt schon die ganze Zeit und warfen sich vielsagende Blicke zu. Wir machten ein paar Kennenlernspiele zum Aufwärmen. Es stellte sich heraus, dass manche der Mädchen sich auch schon aus der Schule kannten. Zudem hatte es einige dabei, die schon oft mit ihren eigenen Ponys in die Reitstunde gekommen waren. Aber zumindest drei Mädchen waren ganz neu, und auch Lea war noch nie hier auf dem Hof gewesen. Als wir unsere Namen schon ein bisschen kannten, führte ich die Gruppe zu den Ponys in den Nebenstall. Spätestens da war das Eis gebrochen. Die Mädchen begannen sofort damit, die neugierig über die Boxentür spähenden Ponys zu streicheln und sich begeistert zu unterhalten. Ich stellte Cinni, Silver, Sweets, Blue, Lychee, Shira, Dream, Yoomee, Nim (die Lisa freundlicherweise zur Verfügung stellte) und Fake vor und genoss dabei aufmerksame Zuhörer. Die wichtigste aller Fragen stand allen förmlich ins Gesicht geschrieben: Welches Pony darf ich reiten? Ich hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass jedes Kind sich die ganze Woche um dasselbe Pony kümmern würde, damit ich genau sehen konnte, welche Fortschritte gemacht wurden. Ich erlöste die Kids, indem ich die teils ausgeloste, teils den mir mitgeteilten Reitkünsten angepasste Liste hervorkramte und herunterlas. „Gina will take Shira, since you seem to be the one with the most experience. She’s only four years old, so riding her will be a bit more demanding. But she has a nice temper, so you should be fine. Just keep in mind that she does not know everything yet. Fiona, your pony will be Silver. Rachel takes Cinni, Emma will have to deal with Yoomee, Mariana can ride Sweets. Sheridan, you take Dream. Ruth takes Nim. Where was I? Ah yes, Lea takes Bluebell and Aliyah can have Lychee. Lily, you are stuck with Fake, as always.” Den letzten Teil fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Ich war erleichtert, als ich keine wirklich enttäuschten Gesichter sah – alle schienen mit ihren zugeteilten Partnern zufrieden zu sein. So weit so gut. „What about we start right now and see how good you are?“, schlug ich vor, und bekam begeisterte Rückmeldung. “Fine. Go and get your riding clothes, we’ll meet right here in fifteen minutes.” Ein paar trugen ihre Reitsachen schon und sahen mich fragend an. „You can help me get the grooming stuff here.“ Ich führte sie zu den Sattelkammern im Hauptstall und drückte jedem zwei Kisten in die Finger. Sie waren alle beschriftet – dafür hatten Lily und ich im Vorfeld gesorgt. Als auch die anderen wieder da waren, holten wir die Ponys raus und begannen mit dem Putzen. Ich sah zu und half zwischendurch, aber sie waren natürlich alle ziemlich selbstständig. Lily und Lea plauderten ausgelassen, und auch die anderen begannen immer mehr damit, sich gegenseitig auszutauschen. Nur Ruth putzte schüchtern schweigend ihre Haflingerstute. Ich gesellte mich beiläufig zu ihr und fragte sie ein wenig aus, wobei sie auch etwas auftaute. Ich erfuhr, dass sie kein eigenes Pony hatte, aber manchmal das einer Bekannten reiten durfte. Meine Erwartungen in ihre Reitkünste sanken damit etwas, denn offenbar hatte sie ja noch nicht viel Erfahrung sammeln können. Trotzdem liess ich mich natürlich gerne überraschen. Als die Ponys zufriedenstellend sauber waren, sattelten und zäumten wir sie. Anschliessend liefen wir alle zusammen zur Halle, wo wir eine erste, klassische Reitstunde abhielten. Ich wollte nicht zu wild starten; natürlich hatte ich noch einige weitaus interessantere Pläne für die nächsten Tage. Die Reitstunde kam aber auch schon nicht schlecht an. Ruth überraschte mich tatsächlich: sie hatte einen erstaunlich guten Sitz und schien gut mit Nim klarzukommen. Bei Aliyah haperte es dagegen am Anfang etwas, weil Lychee heute recht feurig war. Sie galoppierte einmal sogar mit ein paar übermütigen Buckelsprüngen an, was Aliyah dann doch gleich etwas Respekt einflösste. Sie blieb zwar oben, war aber deutlich angespannt und unsicher. Ich beruhigte sie so gut es ging und zeigte ihr, wie sie Lychee mit Schulterherein und kleinen Volten so beschäftigen konnte, dass sie nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das funktionierte dann zum Glück auch. Shira machte, sich Lychee als Vorbild nehmend, ebenfalls Anstalten zum Buckeln. Gina konnte das aber gut aussitzen und hatte die junge Stute rasch wieder konzentriert bei der Arbeit. Die anderen Ponys benahmen sich zu meiner Erleichterung vorbildlicher. Ich hätte sie alle gestern nochmal richtig durchkneten sollen, überlegte ich kopfschüttelnd. Aber manchmal hing es auch einfach von der Tageseinstellung ab. Jedenfalls konnten wir nach der ersten Stunde ein durchaus positives Fazit ziehen und die Kids sahen nicht minder begeistert aus – mit Ausnahme von Aliyah vielleicht. Ich beschloss, Lily darauf anzusetzten, ihr später ein wenig gut zu zureden. Wir versorgten die Ponys, wobei Rachel etwas voreilig war und ich sie darauf hinweisen musste, dass Cinni noch nicht genug durchgebürstet sei, um schon die Decke auf ihren Rücken zu packen. Die korrekte Pflege der Ponys war mir sehr wichtig, wichtiger noch als das Reiten selbst. Reitkünste liessen sich schnell verbessern, aber eine persönliche, vielleicht eher bequeme Einstellung in die richtige Richtung zu formen war weitaus schwieriger. Wir assen alle gemeinsam in der Reiterstube zu Mittag. Ich hatte mit Jonas im Vorfeld abgemacht, dass er einen grossen Topf Nudeln kochte und dazu etwas Tomaten- und Pestosauce vorbereitete. Den Salat machten Lily, Lea und ich noch schnell. Am Nachmittag folgte dann eine Theorielektion über den allgemeinen Umgang mit Pferden. Ich versuchte dabei, möglichst bildlich und spannend, immer wieder auch mal lustig zu erzählen, und brachte viele Beispiele, die ich selbst schon erlebt oder beobachtet hatte. Das kam gut an bei den Kids. Nur Lily musste ich ab und zu ermahnen, dass sie nicht zu viel schwatzte. Ich fragte mich schmunzelnd, ob sie in der Schule auch so gesprächig war. Irgendwann machten wir eine Pause mit Tee und Baumnüssen zum selberknacken, dann ging es weiter mit einer Bodenarbeitseinheit. Die Ponys waren etwas erstaunt, dass sie ein zweites Mal arbeiten mussten. Aber das tat ihnen gut, besonders der wilden Lychee, die jetzt schon deutlich ruhiger war als zuvor. Wir stellten Pylonen auf und machten Führünungen. Ausserdem zeigte ich den Mädchen, wie man Pferde an einer Körung oder sonstigen Schau vorstellen würde. Gegen Abend mussten die Kids dann etwas im Stall mithelfen, bis es wieder Essen gab. Auch das fand ich als Einblick in den Alltag mit Pferden eine wertvolle Lektion. Nach dem Abendessen liess ich der Gruppe Freizeit, sodass sie sich ohne mein Einmischen besser Kennenlernen konnten. Ich brachte ihnen aber noch ein paar Kartenspiele, um ihnen einen Anstoss zu geben. Jonas war froh darüber, denn so hatte er mich endlich allein für sich.

      Die folgenden Tage vergingen so schnell, dass es fast schon unheimlich war. Wir studierten die ersten Elemente der geplanten Quadrille ein, machten ein Gymkhana, gingen auf Ausritte im Pinienwald, standen einmal schon früh morgens auf, um das Renntraining mitzuverfolgen und befassten uns sogar mit einfacher Pferdeanatomie. Ich hatte das Gefühl, dass die Kids mächtig Spass dabei hatten. Sie waren jedenfalls längst nicht mehr schüchtern, sondern ein bunter, schnatternder Haufen und zum Teil schon ganz schön frech. Lily schlief ab Mitte Lager nicht mehr bei uns im Haus, sondern bei Lea und den anderen. Ich ahnte schon, dass sie nachts länger aufblieben als geplant, um sich noch Räubergeschichten zu erzählen, oder zu spielen. Ich drückte natürlich beide Augen zu – ich war ja auch mal in dem Alter gewesen, und das gehörte einfach zu einem guten Lager dazu. Tagsüber, wenn wir nicht gerade Programm führten, verbrachten die Kids gerne Zeit bei den Miniature Horses. Sie nahmen Lewis und Lisa sozusagen das Bürsten der Fellkugeln ab. Die Ponys mochten daran wohl besonders, dass jeweils ein paar extra Karotten für sie heraussprangen. Am beliebtesten bei den Mädchen waren Orchid und Rose; das süsse Fohlen überzeugte mit seinem Fohlen-Flausch, und Röschen mit ihrer bestechlichen Schönheit. Die Papageien im Pflegerheim waren übrigens auch so eine kleine Attraktion. Fast in jeder Pause wurden Africa und Blue von der Horde Mädchen bespasst. Ich hatte die beiden dazwischen noch nie so friedlich in ihrem Käfig schlafen sehen; Sie schienen richtig ausgelastet. Auch die Katzen kamen in den Genuss vieler Streicheleinheiten – besonders Gismo. Die anderen liessen sich ja bei weitem nicht so oft blicken, und Moya blieb der Gruppe sowieso vollkommen fern. Und natürlich war auch das Zebra eine der Hauptattraktionen, die regelmässig besucht wurden. Die Mädchen waren eine coole Truppe. Sie kamen gut miteinander aus und machten eigentlich alle super mit. Es kristallisierte sich bald heraus, welche meine Favoriten waren, was die Zukünftige Turnierreiterei anging. Ins Auge gefasst hatte ich insbesondere Gina, Ruth und Sheridan. Und natürlich Lea, aber die war sowieso schon so gut wie dabei, jedenfalls wenn es nach Lily ging. Die hatte sie auch schon darauf angesprochen, sodass Lea bereits Bescheid wusste und es nur noch mit ihren Eltern abklären musste. Aliyah wurde leider auch bis zum Ende des Lagers nicht so richtig warm mit Lychee. Ich schätzte, dass die beiden einfach irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge waren.

      Der letzte Tag rückte näher und wir konzentrierten uns noch etwas mehr auf die Quadrille. Wir brauchten besonders lange, um das Timing bei den diagonalen Wechseln mit dem Kreuzen zwischeneinander hindurch hinzukriegen. Auch das reissverschlussartige Einreihen auf der Mittellinie verlangte volle Konzentration von allen. Am letzten Abend blieben die Mädchen besonders lange auf, um nochmal ausgiebig die Zeit miteinander zu geniessen. Ich erlaubte ihnen, einen Film zu schauen und dazu Popcorn in der Mikrowelle zu machen. Gismo blieb dabei den ganzen Abend mit ihnen auf der Couch und liess sich verwöhnen. Am nächsten Morgen folgte dann die Generalprobe. Wir mussten noch ein paar Widerholungen machen und Kleinigkeiten anpacken, dann passte alles. Die Musik zur Quadrille hatten die Kids natürlich selbst ausgesucht (mit meiner lenkenden Beratung). Als die Eltern kamen, herrschte einen Moment lang Chaos, weil alle aufgeregt erzählten und ihre Ponys zeigten. Dann ordneten wir uns und lotsten die Eltern in die Halle, wo wir einen Teil mit Absperrband abgegrenzt hatten. Ich sorgte dafür, dass die Eltern alle warmen Tee oder Kaffee bekamen, weil es wiedermal ziemlich kalt war. Die Mädchen bereiteten sich inzwischen zusammen mit Lisa vor. Dann kamen sie alle hintereinander in die Halle geritten. Alle Ponys trugen weisse Schabracken und Bandagen, die Mähnen waren den ganzen Morgen mühsam eingeflochten worden. Es sah richtig schick aus. Die Quadrille formierte sich und die Musik startete. Es war ein voller Erfolg. Zwar klappten nicht alle Figuren perfekt synchron, und auch beim Kreuzen gerieten die letzten zwei Paare wieder etwas aus dem Takt, aber den Eltern fiel das gar nicht richtig auf und sie klatschten sowieso begeistert, als die jungen Reiterinnen fertig waren. Die strahlten alle stolz und lobten ihre Ponys. Wir liessen uns Zeit mit dem verräumen der Ponys und die meisten der Mädchen liefen sie gemeinsam mit ihren Eltern im Schritt trocken. Dann packten alle noch ihre restlichen Sachen und verabschiedeten sich von ihren Vierbeinigen Partnern. Für die Ponystuten gab es einige Abschiedskarotten und –Äpfel, worüber sie sich natürlich brummelnd und zufrieden kauend freuten.

      Ein paar Tage nach dem Lager fragte ich wie geplant bei Gina, Ruth und Sheridan nach, ob Interesse daran bestünde, die Ponys auch zukünftig zu reiten. Gina lehnte leider ab, da ihre Familie selbst einen kleinen Stall führte und sie bald die eignenen Nachwuchsponys reiten würde. Die anderen beiden nahmen das Angebot aber begeistert an, und so konnten wir Lea Reed, Ruth Crawford und Sheridan Langley neu in unserem Team begrüssen. Eine Überraschung gab es noch: Lea brachte ihren Welsh Pony Hengst All Pride mit nach Pineforest. Das hatten wir in der Vereinbarung so ausgemacht, damit Lea die Infrastruktur nutzen und den Racker auch gleich optimal trainieren konnte. Der kleine braune Hengst war ein hübsches Kerlchen – er gefiel sogar mir. Ich hatte das Gefühl, dass Lily, Suri, Lea, Ruth, Sheridan und die Ponys noch jede Menge Spass zusammen haben würden.
      25 Jan. 2019

      Kleine Abenteurer
      Mikke, Indiana, Vai Alida, Gleam of Light, tc Herkir, Ljóski, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Lady Diva from the Sky, Chocolate Chip, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Beck’s Daisy Orchid, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, Moon Kiddy

      Heute wollte ich mich wieder ganz besonders um meine Miniature Horses kümmern. Normalerweise übernahmen das meiste Training Lewis und die übrigen Offenstallpfleger, aber mittlerweile plante ich einmal pro Woche einen Tag ein, an dem ich mich persönlich mehr mit ihnen beschäftigte und nur nebenbei ein paar der Grosspferde bewegte. An diesem Morgen ritt ich aber zuerst Indiana als Trackpony und trainierte dabei gleichzeitig wie immer ihre Muskulatur und Ausdauer fürs Military. Oliver war mittlerweile wieder gesund und konnte gewohnt eisern das Training dirigieren. Er hatte während seiner Auszeit wohl mehr als genug Zeit zum nachdenken gehabt und war mit einer neuen Idee aufgekreuzt: er ritt nun von Zeit zu Zeit im Sattel seiner Vai Alida selbst auf der Bahn mit und konnte die Jockeys so aus nächster Nähe überwachen. Alida konnte tatsächlich beinahe mit den Rennpferden mithalten, obwohl sie nicht mehr aktiv dafür trainiert wurde, sondern ebenfalls auf Military umgeschult worden war. Er ritt sie neben mir und Indiana, sobald die Rennpferde das Training starteten.
      Nach dieser ersten Trainingsrunde wurde es bereits hell, also bewegte ich mich nun zu den Weiden. Die Minis waren noch im Offenstall - Lewis machte die Tore üblicherweise kurz nach sieben Uhr, nach der ersten Heuration, auf. Er musste also jeden Moment kommen. Die Minis grunzten schon ungeduldig, als ich das Tor ein spaltbreit öffnete. "Ja ja, das Futter kommt gleich", versicherte ich schmunzelnd, als Daki durch das Stroh gestakst kam, um meine leeren Hände zu beschnuppern. Auch ihre Tochter Daisy war ihr natürlich sofort gefolgt. Die mittlerweile schon fast an das Stockmass ihrer Mutter herankommende Jungstute wurde im April bereits zwei Jahre alt, klebte aber immernoch sehr an Daki. Die dreijährige Allegra war dagegen ganz selbstständig und zickte ihre Mutter sogar aufmüpfig an, wenn die sie vom Futter wegdrängen wollte. Sie hatte immer mal wieder kleine haarlose Stellen, die vermutlich durch Einwirkung von Zähnen entstanden waren. Ich kraulte Daisys wolligen Hals, woraufhin mich die kleine ebenfalls mit ihren Zähnchen nippen wollte. Ich stiess ihren Kopf sanft aber bestimmt weg - auch wenn es vielleicht freundschaftlich gemeint war, musste sie lernen, dass Menschlein nicht so grob angepackt werden durften wie Pferdekumpels. Das war besonders im Umgang mit Kindern wichtig. Lewis kam mit dem Heu rein und die Ponys grunzten abermals. Ich half ihm, ein paar gleichmässige Haufen zu verteilen, sodass alle etwas abbekamen. Danach widmete er sich dem Misten, während ich die grosse Mini-Putzkiste holte und mir Chip aussuchte. Ich putzte die braune Ponystute während sie ihren Anteil des Heus zermalmte. Es war jedes mal wieder witzig, die kleinen Hüfchen auszukratzen, wenn man zuvor solche in Originalgrösse in den Händen gehalten hatte. Chip zappelte ein wenig, als ich den linken Vorderhuf hielt, weil sie einen Schritt machen wollte um näher zu den nächsten paar Halmen zu kommen. Hinten hielt sie brav still. Als sie sauber war, streifte ich ihr ein Halfter über den wolligen Kopf und führte sie in die Halle. Dort longierte ich sie über Stangen, sodass sie die Beine schön anheben musste und ihre Brust- und Popo-Muskulatur trainierte. Je öfter ich das mit ihr übte, desto imposanter lief sie auch vor dem Sulky. Nach einer halben Stunde suchte ich mir ein neues Opfer und entliess Chip zurück zur Herde. Die nächste war Acira. Die wunderschön windfarben gescheckte Stute mit den blauen Augen kam bereitwillig mit zum Zaun und liess sich anbinden - mittlerweile waren die Minis nämlich draussen. Ich bürstete sie wie schon Chip zuvor gründlich durch, auch zwischen den vorderbeinen und am Bauch, wo sich gerne kleine Dreckkrusten versteckten. Es war gar nicht so einfach, sie dort unten sauber zu putzen, ohne dabei ins feuchte Gras zu knien. Wischte kitzelig mit dem Schweif, sobald ich zu den Hinterbein-Innenseiten kam. "Oi, reiss dich zusammen, so schlimm ist das nicht", tadelte ich die kleine Zicke. Lewis war mit dem Misten fertig und kümmerte sich nun ebenfalls ums Bespassen der Minis. Er holte Rose beim vordersten Baum ab und brachte sie neben Acira zum Zaun. Roses Dapples waren mit dem Winterfell noch viel kontrastreicher als wenn sie geschoren war. Wir hatten diesen Winter nicht so viel Zeit für Shows gehabt, also war das scheren bei den meisten Minis nicht nötig gewesen. Nur Falke, Lenny und Tigrotto trugen Stoppeln, mit einer Miniatur-Winterdecke darüber. Die drei sahen gleich halb so gross wie die anderen aus, ohne das ganze Fell. Ich kämmte noch Aciras Mähne durch, wobei ich die Haare alle auf dieselbe Seite zu ordnen versuchte. Bis auf ein paar widerspänstige kurze Häärchen gelang mir das auch. Sie sah nun trotz Winterfell fast showreif aus, wie ich liebevoll schmunzelnd feststellte. Auch sie führte ich zur Halle zum Longieren. Wäre sie schon eingefahren gewesen, hätte ich wohl eine Runde mit ihr gedreht, wie ich es später auch mit Papillion und Becks tat. In der Zwischenzeit kümmerte sich Lewis um Daki und Falke. Vor dem Mittag baute ich ein Showtraining mit Darling ein, indem ich gleich eine Art Parcours bereitstellte. Der bestand aus einem Slalom, einem Holzbrett, auf dem die Minis stehen bleiben mussten, einer Gasse, durch die wir rückwärts manövrieren üben konnten und einem Kreuzchen zum Drüberhüpfen. Mit ihr übte ich ihn als erste, wobei ich besonderes Augenmerk auf die korrekte Show-Aufstellung auf dem Holzbrett legte. Ich zupfte jeweils ein wenig am Halfter, bis die Stute mit den Vorderbeinen einen Schritt machte, die Hinterbeine aber noch stehen liess. Sobald sie richtig stand, bekam sie ein Karottenstück und ich lobte sie mit Halskraulen. So lernten die Minis mit der Zeit, auf das Zupfen hin gleich in die richtige Stellung zu wechseln. Acira hatte es am Ende noch nicht ganz begriffen, aber wir waren auf gutem Weg.

      Ich kochte für Lily und mich eine Pfanne Gnocchi; Jonas war heute ausser Haus. Um Neun Uhr war er zusammen mit Tom an einen Geländeritt gefahren. Die beiden hatten dazu Herkir und Ljòski mitgenommen. Mittlerweile musste der Ritt fertig sein, aber die Rangverkündigung fand erst am Nachmittag statt, also assen die beiden auswärts. Lily jammerte die ganze Zeit, dass sie auch mitgewollt hätte. "Du kannst nicht einfach Schule schwänzen für sowas." "Stupid school." Es war zugegebenermassen etwas unglücklich gewählt, dass der Ritt an einem Freitag stattfand, aber machen konnte ich dagegen auch nichts. „Wir machen heute nach der Schule einen Ausritt mit Peppy und Moon, ´kay?“ „Das ist aber nicht das gleiche!“ "Ich wäre auch gerne mitgegangen, aber ich hab hier noch so viel zu tun. Papierkram muss ich heute Abend auch noch machen." "Papierkram könntest du auch einfach morgen oder übermorgen machen. Schule kann man aber nicht aufschieben, leider." "Naja, Papierkram auch nicht immer. Du willst doch auch diesen Frühling wieder an Turniere gehen, und viele Nennungen müssen dieses Wochenende noch eingereicht werden." Das schien für sie Sinn zu ergeben, denn sie schwieg. Ich schlug vor: "Wir gehen zusammen an den nächsten Geländeritt, der an einem Wochenende stattfindet." "Ich darf White Dream reiten!", forderte sie, als würden wir darüber verhandeln. Ich nickte. "Du darfst White Dream nehmen." Sie quiekte "yay!" und ging in ihr Zimmer, um ihre Schulsachen für den Nachmittag zu packen. Moya kam hinter dem Sofa hervorstolziert und schlängelte sich schnurrend um meine Beine, sobald Lily weg war. Ich streichelte ihr langes, rauchig schwarzes Fell, dann stand ich auf, um ihren Napf zu füllen - der eigentliche Grund für ihr Erscheinen, wie ich wusste. Sie führte mich mit triumphierend hochgestrecktem Schwanz zum Napf, sobald ich die Packung aus dem Schrank holte. Jacky sah ebenfalls von ihrer Decke auf, auf der sie den Mittag über zu liegen pflegte. Auf ihren Hundeblick hin entgegnete ich nur lächelnd "you had yours already." Nach einer Weile senkte sie den Kopf enttäuscht wieder auf ihre Vorderpfoten und beobachtete, wie Moya genüsslich ihren Napf leerte. Ich könnte fast Mitleid bekommen, überlegte ich schmunzelnd, wenn ich nicht wüsste, dass du schon vorhin alles runtergeschlungen hast. Zira lag mit dem Rücken zu Jacky und der Katze zusammengerollt in ihrem Korb und schien das kleine Drama zu ignorieren. An ihrem hin und wieder zuckenden Ohr erkannte ich aber, dass sie wohl zuhörte und auf das Geräusch der Tür wartete, um mir wieder treu nach draussen zu folgen. Sheela hatte Jonas mitgenommen, sonst wäre sie wohl ebenfalls sabbernd hier gesessen. Wie erwartet sprang Zira auf die Beine und streckte sich rasch symbolisch, ehe sie mir hinterhertrottete, als ich schliesslich zur Tür ging. Jacky kam ebenfalls hinterhergezackelt, einen letzten eifersüchtigen Blick auf Moya werfend.

      Ich traf mich wieder mit Lewis beim Offenstall. Wir plauderten ausgelassen während dem Putzen der nächsten zwei Kandidaten - Lining und Xinu. Das Winterfell von letzterem war besonders speziell durch das Schimmelgrau, vermischt mit einem Stichelhaarigen Übergang zu seiner Snowcap-Scheckung. Das haselnussbraune Auge sah sich immer mal wieder nach mir um, denn schliesslich hätte ich jede Sekunde ein Leckerli hervorzaubern können. Manchmal kam ich mir vor wie ein wandelnder Futterspender, zumindest aus dem Gesichtspunkt der Pferde betrachtet. Lining knabberte an Lewis‘ Hosenbein herum, während dieser versuchte, die kleinen Hufe des Hengstes auszukratzen. Eigentlich war er sehr wohlerzogen, aber gleichzeitig auch auf eine charmante Art frech. Allerdings immer nur gerade so, dass man ihm nicht böse sein konnte. Wir führten die beiden Jungs durch den Parcours in der Halle und nahmen uns Zeit, die verschiedenen Posten ausgiebig zu üben. Dazu hörten wir Musik aus dem Hallenradio. Irgendwann kam Tom mit Caprice rein, um die Fuchsstute zu arbeiten. Sie schielte die Minis jedes Mal argwöhnisch an, wenn sie vorbeilief. Offenbar waren ihr die kleinen Pferde auch nach all der Zeit auf Pineforest noch suspekt. Xinu konnte das wohl nicht verstehen – ihm schien die schlanke Stute mit dem feuerroten Fell ganz gut zu gefallen, wie Lewis und ich amüsiert beobachteten. Er brummelte ihr immer wieder freundlich zu, wenn sie an ihm und Lewis vorbeikam. „He is soo cute when he makes his neck all round like that!“, ertönte Lisas Stimme vom Halleneingang her. Sie kam zu uns rein, um zu fragen, ob wir noch Hilfe brauchten. Ich zählte laut an den Fingern ab „Kiwi, Lady, Tiki, Papillon, Becks, Oreo… Ich glaube ja, wir können dich brauchen.“ Sie folgte uns gleich mit zu den Weiden, als wir Lining und Xinu zurückbrachten. „Okay, how’s the plan?“, fragte Lewis, sobald er Lining laufen gelassen hatte. „I’d say we take Tiki, Kiwi and Oreo to the arena and then go on a little tour with Lady, Becks and Papillon. What do you think?” “Sounds alright.” Wir bewegten also wie besprochen auch diese Ponys und fanden uns danach gegen sechs Uhr in der Reiterstube wieder. Ich sippte gerade an meinem Aufwärm-Tee, als Linda plötzlich reingestürmt kam. „Africa got away!“ Wir sprangen auf und folgten der Pflegerin nach draussen zum Nebenstall, wo bereits April, Rita, Alan und Charly standen und eifrig diskutierten. „Okay everyone, what happened?“, fragte ich, um das Chaos aufzulösen. „Charly and I let her and Blue fly around for a bit in the lounge. She was just doing some circles when April came in. Africa flew right past her and out of the open door!” “Did you see in which direction she went?” “I think I saw her heading towards the main stable, but we already checked all the roofs and trees. She’s nowhere!” “Okay, don’t panic. Check all the joists and high spots again, I’m sure she didn’t go far. Blue is still home after all, so she will miss him and stay close.” “I hope you’re right Occu… She can’t survive outside alone, especially not during this time of the year…” Ich nickte, wohlwissend und wir zerstreuten uns, um alles gründlich abzusuchen. Als wir auch nach einer Viertelstunde noch nichts gefunden hatten, beschlossen wir den Radius zu erweitern und schickten sogar eine Gruppe zum Waldrand los. Gleichzeitig kam mir aber ein weiterer Gedanke. Ich hielt es zwar im ersten Moment unwahrscheinlich, aber vielleicht würde es sich lohnen, nochmal gründlicher im Inneren der Gebäude nachzusehen. Die Pfleger waren zwar überall schonmal durchgelaufen, hatten dabei aber mehrheitlich die Balken und höhergelegenen Plätze kontrolliert. Ich betrat den Hauptstall und machte eine erneute Runde, diesmal genauer in die Boxen und Putzstände schauend. Schon kurz nachdem ich reingekommen war, lachte ich herzhaft auf und rief die Pfleger in hörweite herbei. Da war die Graupapageiendame: auf Entdeckungstour in Gleam of Lights Box. Sie kletterte unschuldig durch das Stroh, während der Hengst sie laut schnaufend und mit auf ihre Höhe gesenktem Kopf beobachtete. Der Anblick war einfach zu komisch, denn Light wusste offensichtlich nichts mit dem grauen Vogel anzufangen und sah mich quasi hilfesuchend an, als ich näher kam. „Alles gut mein grosser, ich nehm den Ausreisser wieder mit“, versprach ich ihm, die Tür aufschiebend. Africa flog jedoch auf, bevor ich die Box betreten konnte. Sie flog auf – und landete direkt auf Lights Abschwitzdecke. Der Dunkelbraune zuckte zusammen und machte ein paar nervöse Schritte, sodass Africa flattern musste, um nicht runterzufallen. Ich versuchte ihn mit meinen Händen zu beschwichtigen und ging langsam auf Africa zu, um sie nicht wieder aufzuschrecken. Ich streckte den Finger einladend aus, damit sie darauf klettern konnte. Sie wich jedoch ein paar Schritte zur Seite, schloss dann ihre intelligenten Augen halb und begann, die Federn aufzuplustern. Als nächstes putzte sie sich in aller Ruhe ihre Flügel und die Brustfedern, ohne auf mich oder den noch immer misstrauisch nach hinten schauenden Light. Der schnaubte laut, drehte dann den Kopf wieder nach vorne und senkte ihn, um in seinem Stroh zu wühlen; er behielt dabei die Ohren aber immer aufmerksam nach hinten gerichtet. Nach wenigen Minuten sammelten sich die restlichen Pfleger, die inzwischen von Lewis zurückgepfiffen worden waren, vor der Box und amüsierten sich köstlich über das Geschehen. Ich überlegte, was ich am besten tun sollte, denn ich befürchtete, dass Africa wieder abhauen würde, wenn ich sie bei ihrem Putzritual unterbrach. Lewis hatte nichts Besseres zu tun als sein Handy zu zücken und ein paar Fotos zu machen. „Not helpful!“, klagte ich, und sah ihn ungeduldig an. Er steckte das Handy wieder weg und betrat die Box. „Let me handle this. She likes me the most, since I’m the one who feeds them.” Er ging langsam zu dem Papageien hin und konnte sie tatsächlich dazu bewegen, auf seinen Finger zu steigen. Triumphierend kam er aus der Box und Light schüttelte zufrieden seinen Kopf. Wir brachten Africa zurück zum Pflegerheim, wobei Lewis sie zur Sicherheit mit einer Hand über ihrem Rücken fixierte – wobei sie uns lautstark mit „No!“ und „I’m a good girl!“ (standardwörter, die sie als erste überhaupt gelernt hatte) wissen liess, dass sie damit nicht einverstanden war. Als sie dann aber Blue im Käfig sah, konnte sie es doch kaum erwarten, wieder zu ihm zu flattern. Wir waren allesamt erleichtert, dass beide Vögel zurück in ihrer Voliere waren. Als Jonas und Tom vom Geländeritt, und Lily wenig später aus der Schule zurückkamen, konnten wir aber trotz der anfänglichen Sorge nur noch darüber lachen.
      9 März 2019

      Eine Herde bekannter Gesichter
      Deadly Ambition, Odyn, Felicita II, Piroschka, Riven in a Dream, PFS' Strolch, PFS' Savory Blossom, PFS' Straight Alignment, Corde de la Cerise, Eismärchen, Blue Moon II, Louvré, PFS' Ljúfa, PFS' Lyskra, Raving Hope Slayer, Co Pilot de la Bryére, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Iskierka, A Winter's Tale, Empire State of Mind, Senda Oscura, Dourada Estrada, One Cool Cat, Unbroken Soul of a Rebel, Daedra, PFS' Counterfire, Phantom, Mikke, Kaythara El Assuad, All Pride, Nosferatu, Drømmer om Død

      Vor gut einer Woche hatte ich das Team informiert, dass heute «besondere Umstände» unsere unsere Zeit in Anspruch nehmen würden. Die Rede war von der Ankunft einer ganzen Horde von Pferden, die wir von Hunter Crowley und dessen Bekannten übernahmen. Es gab auf den jeweiligen Gestüten eine Umstrukturierung und in Folge dessen waren viele der Pferde zum Verkauf gestanden. Schon vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ein paar von Hunters Pferden zu mir geholt, unter anderem den von mir heiss geliebten Vollblüter Raving Hope Slayer. Diesmal waren es aber vor allem Pferde, die ich bereits kannte und die zum Teil sogar auf Pineforest ihre ersten Schritte überhaupt getan hatten. So etwa Savory Blossom, die hübsche Blütenzauber-Tochter. Auch zwei Stromer-Nachkommen waren unter den Rückkehrern: Straight Alignment und Strolch. Auf letzteren war ich besonders gespannt, denn vom Hören-Sagen her glich er seinem Vater auf’s Haar, abgesehen von der leicht dunkleren Fellfarbe. Ally war ein stattlicher junger Hengst mit reichlich Potential für Military, wie ich ihn einschätzte. Piroschka kehrte ebenfalls wieder zurück - sie hatte seit ihrem Verkauf irgendwie ihren Weg zu Hunter gefunden, und nun durfte sie ihre alten Kolleginnen, insbesondere Moon, wiedersehen. Ausserdem war da noch Corde de la Cerise - eine Warmblutstute von, wer hätte es gedacht, Co Pilot. Praktische Grösse, hübsch dunkelbraun mit Dapples und ähnlich sensibel wie ihr Vater. Das war auch einer der Gründe, warum ich sie zu mir hatte nehmen wollen; in fremden Händen wäre ihre Zukunft recht ungewiss gewesen. Da ich aber die Launen und Macken dieser Blutlinie nur zu gut kannte, war ich sicher, damit umgehen zu können. Eine weitere Herausforderung bot sich mit Eismärchen, einer halbblinden Ponystute. Womöglich machte ich mir dazu aber mehr Gedanken als nötig, denn die Stute war laut Hunter unkompliziert und ruhig. Ganz neu war auch Mikado, eine Vollblutstute, die mich rein äusserlich ein wenig an Sympathy of the Devil erinnerte, jedoch charakterlich eher auf der scheuen Seite zu sein schien. Und natürlich der kleine Louvré, den ich schon vor einer Weile gekauft hatte, der aber bis anhin noch bei Hunter auf der Fohlenweide einquartiert war. Zu guter Letzt gab es noch einen Rückkehrer besonders zu erwähnen: Riven in a Dream. Die schwarzbraune Stute war auf dem Bear Brook Gestüt liebevoll umsorgt worden und befand sich körperlich in einem top Zustand. Ich freute mich schon darauf, sie wieder unter dem Sattel zu haben.

      Wir waren schon am Vortag nebst den Routinearbeiten eifrig damit beschäftigt gewesen, die Boxen einzurichten. Ich hatte beschlossen, ein paar Verschiebungen in der Boxenreihenfolge vorzunehmen, damit es bei den Neulingen keine Zankereien mit den benachbarten Pferden gab. Natürlich konnte ich nur raten, wer sich am besten mit wem vertragen würde. Aber meistens hatte ich eine Art Gespür dafür – schliesslich hatte ich es schon öfter mit wählerischen Kandidaten wie zum Beispiel der zuckersüssen Iskierka zu tun gehabt, die ihren ersten paar Nachbaren am liebsten durchs Gitter an die Kehle gegangen wäre und erst Ruhe gegeben hatte, als sie die Box mit nur einseitiger Nachbarschaft, verkörpert durch A Winter’s Tale, bekommen hatte. Das lag vermutlich daran, dass Thalia gegenüber anderen Pferden nicht so aufdringlich war wie viele andere der vierbeinigen Genossen. Jedenfalls hoffte ich, dass sich alle irgendwie arrangieren würden. Vor dem Mittag bereiteten wir nun auch die Transporter vor; den vierplätzigen Camion und zwei gewöhnliche Zweier-Anhänger. Die Fahrt nahmen wir kurz nach dem Mittag in Angriff. Im Nachbardorf trafen wir wie geplant auf Rosie, die ebenfalls zwei Pferde abholen wollte. Unsere Karavane kam ohne tragische Verspätung am Zielort, dem Bear Brook Gestüt, an. Dort wurden wir fröhlich in Empfang genommen, sobald wir organisiert-praktisch auf dem Parkplatz verteilt waren. Um die weniger verladefreudigen unter den Pferden nicht unnötigem Stress auszusetzen, planten wir kurz, wem welche Aufgabe zuteilwurde. Leute hatten wir mehr als genug zur Verfügung. So wurde Schlag auf Schlag ein Pferd nach dem anderen in die Transportvehikel geführt und alles gesichert. Weil wir geschickterweise die mutigeren Kandidaten gleich als Vorbilder voraus verluden, gingen eigentlich alle problemlos rein, sogar die zappelige Cerise. Die Klappen wurden schwungvoll geschlossen und es wurden zufriedene High-Fives oder Schulterklopfen ausgetauscht. «Ich hoffe, wir hören trotzdem bald wieder von euch», wandte ich mich leicht besorgt an Hunter. Der beschwichtigte mit einer Handbewegung und einem Zwinkern. «Keine Angst, wir sind ja nicht von der Welt. Aber in nächster Zeit werden wir nur leider sehr beschäftigt sein.» Ich grinste und nickte wohlwissend, dann verabschiedeten wir uns mit einer freundschaftlichen Umarmung.

      Zuhause wurde es doch noch etwas hektisch. Zwischen dem aufgeregten Wiehern der Pferde und dem tänzelnden Hufgetrappel dirigierte ich so gut es ging die Zweibeiner, während ich selber eine schnaufende Cerise am Strick hatte. Es gab Gequietsche zwischen den neuen Boxennachbaren, und manche der Neulinge drehten zunächst unruhige Runden im Stroh. Als der Heuwagen kam, beruhigte sich die Stimmung deutlich. Ich half noch mit, die Transporter zu reinigen und zu versorgen, dann machte ich eine Kontrollrunde, wobei ich zuallererst zur Fohlenweide stiefelte, um nach Louvi zu sehen. Der junge Hengst wurde wie erwartet aufdringlich beschnuppert und sein helles Fell gründlich inspiziert, aber die Begrüssung schien friedlich zu bleiben. Ich bat Lewis trotzdem, ein Auge auf die Gruppe zu halten. Als nächstes lief ich durch den Innenhof des Hauptstalls und warf einen Blick durch die Fenster. Strolch kaute zufrieden auf seinem Heu herum, aber Ally schien noch immer unruhig zu sein und rührte seinen Haufen nicht an. Ich ging ins Innere des Stalls und betrat die Box des Hengstes. «Hey, big boy. It’s allright, you’re home», murmelte ich, und streichelte seinen dunkelbraunen Hals. Er wieherte mir zum Dank direkt ins Ohr. Ich rieb mir symbolisch die Ohrmuschel und verzog das Gesicht. «Got a tinitus?», lachte Ajith, der mit der Schubkarre durchkam. «Almost…» Der Pfleger kam näher und warf ebenfalls einen Blick in die Box. Dann meinte er: «Don’t worry, I’ll check frequently to see if he’s fine.” Er ahnte, dass ich mir mehr Sorgen als nötig machte, weil ich noch zu genau im Kopf hatte, was mit Allys Vater geschehen war. Ich wusste, dass die beiden Pferde trotz ihrer Verwandtschaft völlig unterschiedlich waren und es bei Stromer einfach Pech gewesen war, aber ich konnte nicht anders als daran zu denken, wenn ich die Nachkommen meines Lieblings so aufgewühlt und gestresst sah. Ich bedankte mich bei Ajith – der Pfleger war in solchen Momenten ein Segen. Mikado und Savory waren ruhig, Riven schien sich auf Anhieb wieder wohlzufühlen. Cerise konnte sich kaum entscheiden zwischen Fressen, Nachbaren beschnuppern und in der Gegend herumglotzen. Ich lachte bei dem Anblick der höchst beschäftigten Stute. Typisch junges Pferd. Wenig später ging ich zur Stutenweide, um Ljúfa zu putzen. Ljúfa und ihre kleine Tochter, um genau zu sein. Das Fohlen war seit ein paar Wochen auf der Welt und bereits ziemlich mutig unterwegs. Sie verlief sich auch öfter mal und folgte dann einer anderen Stute, bis Mama Ljúfa sie mit angelegten Ohren zurückeroberte. Besonders frech in dieser Hinsicht war Chanda. Die Criollo Stute war ein ausgesprochener Fan des Föhlchens und lockte die Kleine jeweils fast schon zu sich. Aber natürlich liess Ljúfa nicht zu, dass das graue, flauschige Ding zu lange von ihrer Seite wich. Anfangs hatte ich die Situation besorgt aufmerksam beobachtet, aber nun waren die beiden aus dem gröbsten raus. Die kleine trug übrigens den Namen Lyskra.

      Gegen Abend wollte ich bereits zum ersten Mal eines der neuen Pferde ausprobieren. Ich entschied mich für Strolch. Sein cremefarbenes Fell war besonders beim Hals vorne ganz weich und hatte einen seidigen Glanz, typisch für Champagne. Vom Farbton her war es dem seines Vaters sehr ähnlich, aber die Haut darunter war an manchen Stellen nicht rein rosa, sondern ganz leicht dunkelgrau gesprenkelt. Von weitem erkannte man das kaum, aber als ich direkt neben ihm stand und mit den Fingern den Nüstern entlangstrich, konnte ich die einzelnen Fleckchen zählen. Strolch spielte mit seiner Oberlippe, als ich den Zeigfinger darauf tippte. Wenig später gähnte er ausgelassen und streckte dabei seine Zunge raus, weil ich eine etwas verspannte Stelle beim Kreuzdarmbein mit dem Striegel traf. Ich massierte dort noch etwas länger und er verzog genüsslich das Maul. «Na du Albino-Giraffe», grüsste Jonas laut, und strich dem jungen Hengst ebenfalls kurz über die Stirn. «Was machst du mit ihm?» «Bisschen auf den Platz, dachte ich.» Ich gab ihm einen Begrüssungskuss. «Ich hab ne bessere Idee.» «Die wäre?» «Ich nehm Empire und wir gehen zusammen zu Rosie rüber. Sie hat uns zu einer Tasse Tee eingeladen.» «Mit Strolch? Er ist gerade erst angekommen, ich weiss nicht, ob das schlau ist…» «Ach was. Das ist nicht anders, als wenn er auf einem Turnier wäre. Sagen wir, ein Patrouillenritt. Oder eine Fuchsjagd.» «’Kay, wenn man es so betrachtet…» «Genau. Ich hab immer recht.» «Stimmt doch gar nicht», protestierte ich lachend, und stupste ihm in die Seite. Wir einigten uns auf einen kurzen Besuch und ich machte Strolch fertig, während er Empire sattelte. Wir liessen die beiden beim Aufsteigen einander beschnuppern – es gab nicht einmal ein Gequietsche. Es schien, als würde Strolch den älteren, erfahreneren Hengst ohne Hinterfragen als Chef akzeptieren. «Cleverer Bursche», murmelte ich und klopfte ihm auf den Hals. Wir ritten los und kamen bis zur Holzbrücke, ehe Strolch dann doch ein wenig Unwohlsein zeigte. Die vom Regen der vergangenen Tage noch etwas feuchten Planken schienen ihm nicht geheuer zu sein. Ich ritt ihn geduldig heran und liess ihn den Untergrund untersuchen, doch auch das überzeugte ihn zunächst nicht von unserer Idee. Schliesslich klappte es, als Empire direkt vorausging und er sich quasi hinter dem Schimmel verstecken durfte. Ich lobte ihn ausgiebig und war froh, ein so wohlerzogenes Lehrpferd an unserer Seite zu haben. Empire konnte zwar auch anders, das wusste ich, aber zumindest im Moment war auf ihn verlass. Wir setzten den Weg fort und kamen in ganzen Stücken bei Rosie an. Die junge Stallbesitzerin empfing uns und wir konnten die beiden Pferde wie gewohnt in zwei ihrer leeren Boxen stellen – derer sie auch nicht mehr so viele hatte, wie ursprünglich. Zwei neue Morgan Horses wohnten nämlich nun auf der Wilkinson Farm, zwei prächtige Tiere. Das eine mit goldgelbem, glänzenden Fell und das andere so schwarz wie die finsterste Nacht. «How do you like them? I must admit - I instantly fell in love when I saw them”, schwärmte Rosie. “They are quite handsome, that’s true. The golden one is a champagne, I suppose?” “Of course. Dourada Estrada. The mottled skin and green eyes are unmistakable. I love that green sheen.” “This is kinda funny. Did you take a close look at my new fellow over there?” Wir wechselten zu Strolch und Rosie musterte ihn neugierig. «He’s a son of Stromer, right?” “Jup.” “He sure looks like his daddy…» «Nah, look at his eyes.” “OH!” Wir lachten herzhaft. “I really didn’t notice – must have been the dim light in here…” “What a coincidence, right?” “Yeah!” Wir blieben noch einen Moment im Stall bei den Pferden (Senda Oscura wurde uns auch noch vorgestellt), dann wechselten wir ins Haus und genossen eine Tasse Tee. Bevor es ganz eindunkelte machten Jonas und ich uns schliesslich auf den Heimweg.

      Bei der letzten Stallkontrolle vor dem Zubettgehen hatte Ally seinen Heuhaufen schliesslich auch ratzeputz aufgefressen, und Savory streckte sich diese Nacht sogar schon entspannt im Stroh aus, was man an ihrem reichlich dekorierten Schweif am nächsten Morgen erkannte. Überhaupt hatten sich viele der Neuen über Nacht schon etwas eingelebt. Wir begannen an diesem Morgen, alle in den gewöhnlichen Tagesablauf zu integrieren. Dazu gehörte natürlich auch Bewegung. Ich ritt am Morgen deshalb nebst One Cool Cat, Rebel, Moon und Phantom auch Riven – allerdings nicht auf der Rennbahn, sondern auf dem Sandplatz. So kurz vor dem Mittag war die Luft schon sehr aufgeheizt und wir schwitzten beide so viel, dass wir nach dem Galopp fast frisch geduscht aussahen. Ich wollte Riven (und mich selbst, mit meiner zarten, bleichen Haut) nicht mehr zu lange der Sonne aussetzen, also verzichtete ich auf allzu ausgiebiges Ausschreiten und steuerte schon den Ausgang an, beziehungsweise Waschplatz. Aber so weit kam ich nicht – mein Smartphone klingelte vorher. Überrascht nahm ich ab. «Cooper?» «Hi Occulta. I have to reorganize my barn and prepare for future breeding projects. Would you like to take back Felicita? And there’s Odyn, too – the son of Mikke. And I have a Mare out of Burning Spring that I’m sure you would like.” “Are you kidding me??” “No, why?..” Ich konnte es nicht fassen – noch mehr Pferde? Die Sonne brannte auf meine Oberschenkel, und Riven scharrte ungeduldig. «Coop?», fragte ich, um zu sehen ob sie noch dran war. «Yes?» «I have to think about it – and discuss with Jonas…” “No Problem. Hey – is it so very hot in England, too? We had to train the horses even earlier in the morning than usual. At eight o’clock it was already 77 °F over here…” “Yeah Cooper, I’m drowning in my own sweat right now. That’s why – let’s hang up, I really need to go take a bath together with my horse”, drängte ich. “Oh my, you’re still out? I’m sitting here with an ice cream, enjoying the fan in front of me.” “Whatever. Bye, I’ll call you back later.” Ich hängte lächelnd auf, dann stopfte ich das Smartphone in die Po-Tasche und ritt Riven zügig zum Hauptstall zurück. Ich sprühte sie gründlich von Huf bis Kopf ab und streifte dann das überschüssige Wasser mit dem Schweissmesser ab. Sie schnaubte ein paarmal und hielt den Hals entspannt waagrecht. «That’s much better girl, right?», murmelte ich liebevoll. Ich wusch mir selbst rasch das Gesicht, dann führte ich die Stute in ihre Box, wo sie bis zum Abend bleiben würde – wir stellten die Pferde im Sommer erst Abends auf die Weide, um sie nicht den Bremsen zu servieren. In der Stallgasse des Hauptstalls war es zum Glück etwas kühler als draussen. Alle Fenster waren geöffnet und eine leichte Brise sorgte für gelegentlichen Luftaustausch. Trotzdem machte ich mir natürlich Gedanken, wie man es den Pferden noch angenehmer machen konnte. Eine Klimaanlage im ganzen Stall kam jedoch leider nicht in Frage – die Stromkosten wären nicht tragbar. Etwas Besseres fiel mir momentan auch nicht ein. Ich begab mich ins Haus, um das Mittagessen, ein Birchermüsli mit Früchten, vorzubereiten. Auf etwas warmes hatte niemand Lust. Zum Nachtisch gab’s dann auch ein Eis. Lily hatte im Supermarkt Wassereis gefunden, in das Gummibärchen eingefroren waren. Unerwartet lecker für ein vermutlich überzuckertes, künstlich gefärbtes Produkt. Ich rollte die Augen beim blossen Gedanken daran und schleckte genüsslich weiter. Beiläufig stellte ich mich neben Jonas und lehnte mich leicht an ihn. Er durchschaute mich sofort. «Was führst du jetzt wieder im Schilde?» «Gar nichts. Verdächtige mich doch nicht immer gleich.» «Dann darfst du mir aber keinen Grund dafür geben.» «…Okay, nächstes Mal. Cooper hat angerufen…» Ich brauchte gar nicht weiterzureden. «Noch mehr Pferde??» Ich stiess ein kleinlautes «Ja» aus. Sein Tonfall wurde ernst. «Wir müssen noch mehr anbauen, wenn das so weiter geht. Der Hauptstall hatte noch nie, seit ich hier bin zumindest, alle Boxen besetzt. Zum Glück ist die Besitzerin von Muskat letztens mit ihm umgezogen, sonst hätten wir sogar eine zu wenig gehabt." "Ich weiss ja... Ich hatte auch nicht vor, so viele aufzunehmen. Aber ich kann doch unsere alten Freunde nicht im Stich lassen! Ich meine - Felicita kommt zurück! Ich kann es kaum fassen, dass ich sie nach so langer Zeit wiedersehe. Ich bin so gespannt darauf wie sie jetzt ist. Sie muss inzwischen richtig erwachsen und zuverlässig geworden sein. Aber sie war sowieso immer schon ein Schatz." "Nichts desto trotz müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht zu viel aufhalsen. Vermutlich müssen wir noch einen Pfleger mehr einstellen, und die ganzen Kosten für Tierarztbesuche und Futter darfst du auch nicht vergessen. Bisher kamen wir relativ sorglos über die Runden, aber mit so vielen Mäulern zu stopfen wird das nicht ewig so bleiben." Ich seufzte. Er hatte vollkommen recht, das war mir auch bewusst. Ich sah ihn nicht direkt an, meinte aber: "Die Saison ist noch lange nicht zuende. Iskierka ist dieses Jahr noch stärker als sonst und wir haben mit Counterfire und Daedra gleich zwei ausgezeichnete Jungpferde am Start. Cool Cat und Kaythara sind ebenfalls beinahe ungeschlagen - und vergessen wir mal nicht Raving Hope Slayer, dessen volles Potential wir noch gar nicht kennen. Ich wollte mit Oliver sowieso darüber sprechen, ob wir uns im September mit Counterfire an die St. Leger Stakes in Doncaster wagen können." "Die St. Leger Stakes?? Glaubst du sie hat ne Chance? Das ist ein Gruppe-1 Rennen, und erst noch das älteste der British Classics - Es geht über 2900 Meter! So eine Distanz ist Daedra bisher nie gelaufen." "...und das Preisgeld für den Sieger ist £421,355", stellte ich beiläufig fest. "Und Oliver meint, dass sie das kann?" "Sie ist ungeschlagen, Jonas. Keiner der Zweijährigen konnte ihr das Wasser reichen, und die Dreijährigen können es bisher auch nicht. Oliver wird mir sicher zustimmen."

      "You wanna do WHAT?!?" Oliver sah mich an, als hätte ich mein letztes bisschen Vernunft an die Schwalben unter dem Dach des Hauptstalls verfüttert. "Well, don't you always rave about how she is oh so outstanding and should race group-1?" "That's a completely different story! What you are suggesting ist Great Britain's oldest classic race, the last race of the tripple crown! This is not some freshwater race like the ones that we've done so far. This one is of international importance!" "You fear that she could embarrass you in front of international trainers. You're a coward." "I'm only being realistic!" "I think we should give her a chance to prove herself." "I think you should ask her first, if she wants to run a whole Mile and six furlongs against three-year-olds that were trained specifically for that." "There's still time to train her specifically, too." Schweigen stellte sich für einen Moment ein. Oliver sah nachdenklich aus, und ich überlegte mir, ob ich mit meiner Idee vielleicht doch zu sehr nach den Sternen griff. Schliesslich ergriff Oliver wieder das Wort. "We would have to train hard to achieve this level of stamina. We would have to train her first in the morning, and even then it will still be too warm for that amount of training. You know I will try to fulfill your every wish, but only if you are sure about it. I don't want to hear another harangue from you about how I abuse your precious horsey-babies and about how overambitious I am. You still remember our little discussion after Frame's accident, don't you?" Ich zögerte. "Yes - and you're right, it probably is a stupid idea. I still thought you would be more excited and help me get upbeat about it, too." Er fixierte mich mit ernster Miene. "I AM excited about it. I would gladly try to train a champion horse for a challenge like that. But my experience tells me that you will not let me finish the plan once you realise what you're asking of that horse." Entschieden antwortete ich: "I will. I will agree with whatever you deem necessary, as long as Counterfire does not get hurt in the process. I will keep an eye on you, but I will not blame you if something goes wrong. I promise." "It's decided then. We start tomorrow, we have a lot to catch up on." Ich nickte, unsicher, ob ich erleichtert oder besorgt sein sollte. Auch wenn ich es schönzureden versuchte - ich hatte im Grunde genau das vor, wofür ich so viele andere Rennpferdebesitzer anprangerte: Geldverdienen.

      Später am Nachmittag rief ich Cooper erneut an und bestätigte, dass ich Odyn, Felicita und die Stute namens Deadly Ambition bei mir aufnehmen würde. Ich setzte alle Hebel für den Einflug der drei aus Kanada in Gang, dann ging ich in den Stutenoffenstall, um Shadow zu holen; aber vorher zog ich meine Badesachen an. Die Stute hatte mit ihrem schwarzen Fell noch heisser als die anderen und brauchte dringend eine Abkühlung. Und wo bekam man die besser, als bei der Badestelle im Fluss nebenan? Lily, und auch Lea, die gerade um fünf Uhr gekommen war, stiessen begeistert hinzu. Lea durfte einen Badeanzug von Lily ausleihen. Sie nahm ihren Ponyhengst All Pride, während Lily die ebenfalls dunkle Nosferatu auswählte. Die beiden Ponys kannten sich übrigens bereits von früher: sie hatten ziemlich lange auf dem selben Gestüt gelebt. Kurz bevor wir losreiten wollten, kam Jonas in seinen Badehosen über den heissen Asphalt gejoggt - ausrufend, dass er auch noch mitwolle. Er holte Dod aus dem Nordstall. Wir warteten ungeduldig in der heissen Sonne auf ihn, aber er beeilte sich zum Glück. "Man darf die Ladies nicht warten lassen, stimmt's?" Wir rollten allesamt die Augen, dann machten wir uns auf den Weg. Ich war unglaublich froh, als wir das Wasser erreichten, denn ich klebte förmlich auf Shadows Rücken fest und ihr Fell war richtig heiss zum Berühren. Die Pferde stiegen bereitwillig das Ufer hinunter und auch sofort stampfend ins Wasser. Der Fluss führte trotz der Hitze noch relativ viel Wasser, vermutlich weil es zuvor lange geregnet hatte. Wir genossen die Abkühlung eine ganze Dreiviertelstunde lang, ehe die Vierbeiner ungeduldig wurden und wir uns auf den Heimweg machen mussten. Dort lockte nämlich das Kraftfutter.
      30 Juni 2019
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

      Von überlaufenden Fässern
      Iskierka, Raving Hope Slayer, PFS’ Riptide, One Cool Cat, Kaythara El Assuad, PFS’ Counterfire, Daedra, Unbroken Soul of a Rebel, Burggraf, Areion, Diarado, Drømmer om Død, Vychahr, Flintstone, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Skydive, PFS’ Reverie, Brendtwood, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, Cinnemont’s History, All Pride, PFS’ Karat, PFS’ Lyskra, PFS‘ Savory Blossom, Odyn, PFS‘ Strolch, Eismärchen, Piroschka, Louvré

      Was ist nur aus dem Herbst geworden?, trauerte ich innerlich, als ich zum Fenster hinaussah und feststellte, dass der Tau auf dem Gras gefroren war. Ich sah ausserdem nicht besonders weit, denn eine dicke Nebelwand verechluckte die Gebäude des Hofs. Irgendwie hatte der Herbst diesmal kaum mehr als zwei Wochen angedauert, danach hatte gleich der Winter angeklopft. Es waren sogar schon die ersten Schneeflocken gefallen, jedoch auch gleich wieder verschwunden, kaum dass sie den Boden berührt hatten. Ich rieb mir die Augen, als Jonas das Licht einschaltete. "Warum stehst du hier im Dunkeln rum? Komm runter, Frühstück steht auf dem Tisch." Es war mir ein Rätsel, welches Virus ihn diesmal erwischt hatte, dass er für einmal früher aufgestanden war als ich. Normalerweise musste ich ihn regelrecht aus dem Bett zerren, in der kalten Jahreszeit ganz besonders. Ich zog mich an und stakste die Treppen runter, möglichst leise, um Lily nicht zu wecken. Sie musste wie immer erst um 8 Uhr zur Schule, wohingegen das erste Rennpferdetraining um 6 Uhr begann. Bei so vielen Vollblütern wie wir mittlerweile hatten, konnten wir auch im Winter nicht später anfangen - sonst reichte die Zeit für alles andere nicht mehr. Und den nächste Zuwachs erwarteten wir bereits im Frühling: Felicita, Deadly Ambition und Savory Blossom erwarteten Fohlen. Ich freute mich besonders auf das von Felicita, denn der Vater war Gleam of Light und somit hatte es zwei besonders treue Gefährten aus den Anfängen meiner Zeit auf Pineforest als Eltern. Der Gedanke weckte eine gewisse Nostalgie in mir. Damals waren nur eine Handvoll Rennpferde auf dem Hof gewesen, die Jack und ich mehrheitlich alleine trainierten. Wenn ich mir überlegte, was daraus entstanden war, konnte ich es kaum glauben.
      Wenig später, als ich während dem Müsli-Kauen die Zeitung las, surrte mein Handy. Es war eine Nachricht von Lisa.
      - Komme etwas später, muss meine Mutter zum Flughafen bringen
      Fällt dir auch früh ein, tadelte ich sie stumm kopfschüttelnd.
      - Ok.
      Ich wollte das Handy gerade wieder weglegen, da surrte es erneut.
      - Btw hast du mitbekommen, dass die kleine Icy Rebel Soul gestorben ist??
      Nein, hatte ich nicht. Die Nachricht dämpfte meine Vorfreude auf den Tag ein Stück. Offenbar hatte Lisa um sieben Ecken mitbekommen, dass das Stutfohlen von Rebel nicht einmal zwei Jahre alt geworden war. Die genauen Umstände waren uns nicht bekannt, was es nicht unbedingt besser machte. Ich bereute zutiefst, dass ich im letzten Halbjahr nicht mehr nach ihr gefragt und somit gar nichts von ihrem Zustand mitbekommen hatte. Normalerweise behielt ich unsere Zuchtfohlen immer ein wenig im Auge und las mit Freude von ihren Erfolgen im Sport. Ich stand auf und stellte seufzend meine Müslischüssel in den Geschirrspühler. Jonas hakte nach, was los sei und ich berichtete ihm kurz, was ich so eben erfahren hatte. Auch er war traurig, denn das Stutfohlen hatte uns beiden gut gefallen. Aber so war das Leben nunmal.

      Nach dem Frühstück ging ich wie immer als erstes in den Hauptstall. Iskierka, Raver, One Cool Cat, Kaythara und Odyn wurden gerade für’s Trainig ausgerüstet. Ich lief durch die Stallgasse und streichelte jeden kurz, wobei ich jeweils einen prüfenden Blick über die ganzen Vierbeiner wandern liess. Besonders bei Odyn und Iskierka nahm ich mir einen Moment Zeit, um die korrekte Ausrüstung in Augenschein zu nehmen, denn die beiden wurden heute von zwei neuen Jockeys geritten. Ich hatte die eine junge Frau, Isaiah Griffiths, schon an mehreren Rennen beobachtet und Oliver hatte mir zugestimmt, dass sie talent hatte. Isaiah hatte mir dann kurz nach meiner Anfrage noch einen Rennreiter namens Idris Shaw empfohlen, sodass ich ihn ebenfalls auf einen Proberitt eingeladen hatte. Die beiden kannten sich anscheinend schon länger. Beide ritten unter Olivers und meinen kritischen Augen hervorragend, sodass ich sie gleich beide eingestellt hatte. Mit den vielen Nachwuchspferden brauchten wir einfach mehr Reiter, damit wir auch alle regelmässig starten lassen konnten. Ich freute mich auf die weitere Zusammenarbeit mit den beiden neuen Jockeys. Nicht nur Zweibeiner waren zu unserem Team gestossen, auch eine Nachwuchsstute von Riven in a Dream und Rosenprinz ergänzte meine „Sammlung“ seit ein paar Wochen. Sie hiess Riptide und war eine braune Stute mit samtigem Fell. Ich hielt bei ihrer Box und schob die Tür auf, denn ich sah eine kleine Schramme an ihrer Schulter. Sie wandte sich sofort neugierig zu mir. „She’s going to be stunning, once she has muscles and starts to race“, bemerkte Ajith hinter mir, und erschreckte mich dadurch fast. “When did you get here? Gee, don’t sneak up on me like that.” “Sorry boss.” Tut dir überhaupt nicht leid, bei deinem Grinsen. „Anyway, is Quinn already here?“ „Why would I know?“, meinte er nur schulterzuckend. Ich runzelte skeptisch die Stirn. “I thought you two had a really good time after the St. Legers?” “We’re not going out, if that’s what you expected. She… Kind of started avoiding me again.” Ich seufzte ungeduldig. “What is wrong with you guys? You obviously belong together.” Er lächelte schief, dann wechselten wir das Thema und evaluierten stattdessen Riptides Futtermenge. Quinn stiess später zu uns, denn sie ritt erst in der zweiten Gruppe mit. Diesmal sattelte sie Strolch. Der helle Palomino mit den auffallenden, grünen Augen spielte mit der Anbindekette, als ich zu ihm kam. Ich streichelte seine weisse Stirn. Die grosse Blesse verlieh seinem Gesicht noch mehr babyhafte Züge als es sonst schon hatte. Er war eines von den Pferden, die man am liebsten knuddeln wollte, wenn man sie sah. Zum Glück war er auch ziemlich verschmust, sodass er die Aufmerksamkeit toll fand. Er war kaum dünkler als Stromer es gewesen war. Auch der Körperbau war mittlerweile ähnlich geworden, anders als bei Ally, der eher grobknochig gebaut war. Alle Stromerfohlen waren recht unterschiedlich – da mischte nunmal jeweils noch ein grosser Teil der Mutterseite mit. Ich mochte sie aber alle wahnsinnig gerne, und alle erinnerten mich auf die eine oder andere Art an meinen verstorbenen Liebling. Wenn es nicht das äussere war, dann dafür umso mehr der Charakter. Ich werde ihn nie vergessen, stellte ich einmal mehr wehmütig fest. Da war es wieder, dasselbe Gefühl wie schon beim Frühstück. Vielleicht bin ich so sentimental weil Weihnachten naht, überlegte ich. Ich beschloss mich selbst etwas aufzuheitern und ging zu Counterfire. Die Stute hatte ihr Wehwehchen am Vorderbein gut überstanden und war wieder voll einsetzbar. Und frech wie immer. Sie zupfte an meinem Schal, als ich sie durchs Boxenfenster streichelte. „You will get to show your talent next year“, versprach ich ihr flüsternd, im hinblick auf die nächste Saison. Daedra hatte ihr dieses Jahr ziemlich die Show gestohlen, mit ihrem unerwarteten Sieg in den St. Leger Stakes. Aber ich war sicher, dass die feurige Fuchsstute auch noch ein paar Überraschungen für uns auf Lager hatte.
      Ich lief vom Innenhof des Hauptstalls zum Nebenstall, denn als erstes wollte ich heute mit Yoomee arbeiten. Die Ponystute wirkte noch ein wenig verschlafen, liess sich aber brav aus der Box führen. Ich bürstete sie gründlich und kämmte ihre kurze Mähne. Auch die Hufe kratzte ich aus; es war aber kaum etwas darin, weil sie noch nicht auf der Weide gewesen war. Danach sattelte ich sie und brachte das vierbeinige Tier zur Halle. Ich stellte ein paar Cavaletti auf, während ich sie herumführte. Als ich mit dem Aufbau zufrieden war, stieg ich in den Sattel und ritt Yoomee warm. Die nächste halbe Stunde nutzte ich, um das Connemara über den Cavaletti zu gymnastizieren. Es war insofern ein guter Tageseinstieg, als sie fleissig mitmachte und die meisten Aufgaben geschickt löste.
      Nach der Arbeit mit Yoomee wechselte ich vom Nebenstall zum Nordstallgebäude, das mittlerweile fertig umgebaut, beziehungsweise erweitert war. Es gab nun im Anbau vier weitere grosse Boxen aus dunklem Holz, in denen vorläufig All Pride, Areion und Skydive hausten. Lily nannte es liebevoll ihren „Ponystall“, auch wenn nicht alle Ponys dort standen. (Wo wir gerade von ihr Sprachen, sie schwang sich in diesem Moment auf ihr Fahrrad und brauste richtung Schule davon. Ich winkte ihr zum Abschied.) Skydive lief mittlerweile übrigens in allen drei Gangarten unter dem Sattel. Wir nahmen ihn im Moment so oft wie möglich auf Ausritte mit, so dass er möglichst viele neue Eindrücke kennenlernte und viel geradeauslaufen konnte. Lily war natürlich wann immer sie zuhause war dabei – sie war sogar schon ein paarmal nachdem ich ihn geritten hatte auf seinem Rücken gesessen, zum trockenreiten. Sie schwärmte jeweils, wie weich sein Schritt war. Ich fand auch, dass er bequeme Gänge hatte, aber nicht aussergewöhnliche. Lily neigte nunmal zu Übertreibungen, wenn es um ihren Liebling ging. Bevor ich heute wieder mit dem jungen Ponyhengst arbeitete, war aber Vychahr dran. Der Dunkelfuchs brummelte mir schon ungeduldig zu, als ich mit seinem Stück Begrüssungskarotte zu ihm kam. Ich bewegte ihn eine Dreiviertelstunde in der Halle und übte an unseren Seitengängen, wobei ich aufpassen musste, Lisa und Darren mit Rebel und Flint nicht in die Quere zu kommen. Die beiden trainierten nämlich ihre Reiningfertigkeiten. Irgendwie kamen wir aneinander vorbei. Ich war jedoch froh, dass ich mit Vilou fertig war, bevor auch noch David mit Aristo, Linda mit Piroschka und Thomas mit Chanda reinkamen, weil es draussen zu Regnen begann. Es war im Winter eben doch etwas mühsam, wenn alle in die Halle wollten. Ich versorgte den Dunkelfuchs und gab ihm seine Belohnung, danach holte ich gleich Dod raus. Ich hatte mich nämlich mit Jonas beim Frühstück auf einen Ausritt um neun verabredet. Angesichts des Wetters verzog ich zwar etwas das gesicht, aber wie man so schön zu sagen pflegte: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Jonas nahm Shadow mit, und wir ritten gemeinsam Richtung Norden zu den Laubwäldern, die inzwischen nur noch einzelne, rotbraune Blätter in den Kronen trugen. Wir trabten den grössten Teil der Strecke über nasses Laub und trotzten dem garstigen Wetter. Shadow und Dod waren nach kurzer Zeit völlig durchnässt und ihr Fell klebte an ihren Hälsen. Es schien sie aber nicht sonderlich zu stören; sie klappten einfach geduldig die Ohren zurück, wenn wieder eine Windböe das Wasser in ihre Richtung zu wehen drohte.
      Nachdem wir Ausrüstung, Pferde und uns selber getrocknet hatten, hastete ich zur Stutenweide um Phantom und Matinée zu holen. Mit beiden gleichzeitig im Schlepptau joggte ich zum Nebenstall und band sie unter dem Dach an. Matinée war klitschnass, weil sie im Regen gestanden hatte. Phantom war wenigstens so gnädig gewesen, sich unter einen Baum zu stellen. Ich trocknete das Winterfell der beiden Mustangs mit einem Frotteetuch so gut es ging, dann kämmte ich noch das Langhaar durch und kratzte die Hufe aus. Jonas übernahm Phantom, sobald er vom Haus zurückkam – er hatte ein Telefonat mit dem Hufschmied geführt. Nasse Weiden bedeuteten viele fehlende Eisen. Zum Glück hatten wir auch viele Barhufpferde, sodass sich das Problem in Grenzen hielt. Wir bewegten die Mustangs, indem wir einfache Reiningübungen mit ihnen machten. Dabei ging es stets vor allem um die Losgelassenheit, besonders bei Matinée. Sie war heute aber gut aufgelegt, sodass sie mir sogar zum ersten Mal im Galopp abschnaubte und den Hals in die Tiefe streckte, als ich die Zügel länger werden liess. Höchst zufrieden lobte ich sie dafür. Allerdings liess sie sich ablenken, als Lisa mit Brendtwood reinkam, und der junge Haflingerhengst erstmal in der Gegend herum wieherte, weil Skydive nicht in der Nähe war. Die beiden klebten ein wenig aneinander, weil wir oft zusammen raus gingen. Ich hoffte, dass es besser werden würde, nun da Skydive im Anbau eingestallt war. Ich holte Matinées Aufmerksamkeit noch für ein paar letzte schöne Schlangenlinien mit korrektem Umstellen zurück, dann liess ich es gut sein. Die Halle füllte sich wieder, als wir raus gingen: Diarado, Nimué und Moon wurden von Anne, Rita und Jason bespasst. Rita und Lisa hatten sich wegen der Haflinger abgesprochen. Jonas und ich brachten die beiden Ex-Wildpferde zurück auf die Weide, wo sich Phantom gleich in den Schlamm legte und genüsslich wälzte. Jonas konnte nicht hinsehen, wie der Rappe sein sauber geputztes Fell wieder ruinierte, und auch ich stöhnte entsetzt. „Morgen dasselbe Spiel wie immer…“, stellte ich fest. „Wenigstens scheint er es zu geniessen, dem entspannten Grunzen nach zu urteilen.“, meinte Jonas dazu. Wir schlurften durch den noch immer strömenden Regen ins Haus, denn es war bereits Mittag. Ich war froh, die nassen Kleider zumindest für den Moment abzulegen. Zum Aufwärmen machten wir uns erstmal eine Tasse Tee, dann kochte ich das Mittagessen. Lily kam kurz darauf rein und tropfte alles voll, sodass ich sie ins Badezimmer scheuchen und ihr die Haare trocknen musste, wie zuvor schon den Hunden. Wir assen zusammen, dann musste sie wieder in den Unterricht. Ich sass noch eine halbe Stunde vor dem PC und checkte meine E-Mails, danach musste auch ich zurück in den Regen. Jonas half bereits eifrig beim Misten, als ich abermals zum Offenstall der Stutenweide kam. „Braucht ihr hier noch jemanden?“ Lewis, der halb hinter Ljúfa versteckt gewesen war, verneinte. „You could start with the foals though.“ Ich nickte, liess es mir aber nicht nehmen, vor dem Gehen die kleine Lyskra zu streicheln. Im Frühling wollten wir sie zu den anderen Fohlen stellen, aber im Moment war sie noch glücklich bei ihrer Mama. Da sie erst im Mai zur Welt gekommen war und mit Mama im Offenstall lebte, hatten wir es nicht eilig, die beiden zu trennen. Bei den Fohlenoffenställen herrschte ein riesen Schlammbad, direkt vor den Eingängen. Die Fohlen hatten die Weide förmlich umgepflügt. Das war aber nicht zum ersten Mal so, wir kannten das Problem längst. Zum Glück wuchs das Gras im Frühling relativ zuverlässig nach, wenn man frühzeitig mit Grassamenausstreuen nachhalf und die besonders geschädigten Stellen so gut es ging abzäunte. Solas, Louvi, Karat und Clooney bedrängten mich gelangweilt, als ich ihr Stroh mistete. Karat schubste einmal sogar fast die Schubkarre um. Ich scheuchte die Gruppe junger Flegel infolgedessen hinaus in den Regen, sodass ich in Ruhe arbeiten konnte. Bei den Stutfohlen waren auch nicht mehr viele übrig; im Moment teilten sich nur Reverie, Chime, First Chant und Cranberry die grosse Weide und den Offenstall, genau gleich viele also wie bei den Hengstchen. Dadurch gab es auch nicht so viel zu misten wie ein paar Monate zuvor, als die jungen Vollblüter noch hier standen.
      Gegen drei Uhr nutzte ich eine vorläufige Regenpause und machte mich zügig auf den Weg zum Nebenstall. Dort wartete die Ponystute Eismärchen auf mich. Ich nahm ihr Halfter vom Haken und öffnete die Boxentür. Märchen drehte die Seite mit dem gesunden Auge ihres Kopfes zu mir und kam einen Schritt auf mich zu. Ich streichelte sie, dann streifte ich ihr das Halfter über. Sie war eigentlich völlig normal im Umgang, wie jedes andere Pferd. Nur hin und wieder merkte man den Unterschied, wenn eine plötzliche Berührung auf der blinden Seite sie zusammenzucken liess. Ich wollte mir ihr ausreiten gehen, solange es noch nicht wieder aus Eimern regnete. Ich band sie draussen unter dem Vordach an und begann, ihr grauweisses Fell zu bürsten. Sie hatte wirklich eine interessante Musterung - eine Mischung aus Appaloosa- und Pintoscheckung. Das Resultat waren weisse Stellen, deren Übergang zum restlichen grauen Fell teilweise verwaschen und gestichelt erschienen. Ich bewunderte die vielseitig abgestuften Grautöne, als ich darüber bürstete. Ihr Winterfell war ausserdem richtig schön weich. „Are you daydreaming?“, drang Jonas‘ Stimme an mein Ohr. „Huh?“ „Ich hab etwa dreimal versucht dich anzusprechen. Du warst richtig schön abwesend“, meinte er schmunzelnd. „Oh, sorry. Ich war wohl tatsächlich etwas Gedankenversunken. Was gibt’s?“ „Ich will nochmal mitkommen, muss noch Cambria bewegen.“ „Na gut, wenn es unbedingt sein muss“, neckte ich. Er holte die Scheckstute raus und putzte sie in Rekordtempo. Zaumzeug und Sattel waren kurz darauf montiert und wir konnten die beiden zum Aufsteigen auf den Kiesweg führen. Der Ausritt führte uns durch den Pinienwald und über ein paar wunderschöne, neblige Galoppwege. Die Hunde Zira, Jacky und Sheela liefen artig mit und inspizierten die zahlreichen Gerüche im Unterholz. Eismärchen war so ein Engel zum Ausreiten. Sie war entgegen der Intuition überhaupt nicht guckig und marschierte selbstsicher voran. Sie verliess sich total auf mich, obwohl wir uns noch gar nicht so lange kannten – vermutlich war ihr das über die Jahre so beigebracht worden. Sie wurde auch nie irgendwie heftig, auch nach dem dritten Galopp nicht. Cambria überholte uns mehrfach, weil sie am liebsten über das feuchte Gras davonbrettern wollte. Als der Hof wieder in Sicht kam, begegneten wir am Waldrand einer ganzen Gruppe von Reitponys. Sheridan, Ruth, Lily, Lea und zu meiner positiven Überraschung auch Suri ritten mit Cinni, Silver, Bluebell, Shira und White Dream aus. Sie hatten ausserdem Sweets und Lychee als Handpferde dabei. Ich war froh, dass Lilys Kollegin Suri nun doch wieder häufiger auf den Hof kam und die Ponys ritt. Sie hatte sich offenbar damit abgefunden, dass Lindwedel weg war, so schade es auch sein mochte. Je näher wir zu der Gruppe kamen, desto mehr fiel mir auf, dass sie offenbar schwierigkeiten mit Sweets hatten. Das braun gescheckte Pony zickte immer wieder gegen Silver und dohte zwischendurch sogar auszuschlagen. Wir hielten kurz an und tauschten uns aus. „She is a total nuisance today“, jammerte Lily. Sheridan, die das Pony am Führseil hatte, bestätigte dies. “You know what? I take her, I will lunge her a bit. It’s okay, you guys can go ahead and enjoy your hack.” Die Mädchen bedankten sich, als ich Sweets Strick übernahm. Die freche Ponystute hampelte zwar auch neben Eismärchen ein wenig, aber ich hielt sie mit der Reitgerte auf Abstand. Zuhause longierte ich sie dann wie beschlossen eine halbe Stunde lang ausgiebig, damit sie sich auspowern konnte. Danach lief sie mir wie ein Lämmchen hinterher. Als ich sie versorgte, begann es gerade wieder zu tröpfeln. Ich rettete mich mit den Hunden ins Haus, aber die Mädchen mit den Ponys wurden nass, denn sie waren noch nicht zurückgekehrt. Lily musste bis zum Abendessen ausserdem noch Nossi und Fake bewegen, danach kam auch sie abermals klitschnass ins Haus. Ich wartete bereits mit einem Frotteetuch auf sie, weil ich sie durchs Küchenfenster hatte kommen sehen. „I think I’ve seen enough water for today“, bemerkte sie naserümpfend. “So you don’t even want to take a hot bath then?” “Ohhh…” Sie wechselte sofort ihre Meinung und schlich ins Bad. Ich sah ihr hinterher und schmunzelte. Sobald sie weg war, kam Moya unter dem Sofa hervor und strich mir um die Beine. Ich nahm sie auf den Arm und streichelte sie, wobei sie laut schnurrte. „Du hast dich auch ganz schön verändert, Kampfkatze“, sprach ich zu ihr. Das warme, weiche Fell verriet, dass sie wohl den ganzen Tag keinen Fuss vor die Tür gesetzt hatte. Katze müsste man sein. Ich sah zum Fenster raus uns seufzte. Es war längst dunkel und schüttete immernoch in Strömen. „Jonas, die Regentonne überläuft schon“, rief ich die Treppe hoch. Von oben kam die Antwort: „Ich weiss, schon seit dem Mittag. Wenn es nicht bald aufhört, sind die Weiden wieder eine ganze Woche lang unter Wasser.“ Ich liess mich auf’s Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein, kurz darauf jedoch gleich wieder aus, denn es kam nichts Schlaues. „Ich freue mich auf den Sommer“, bemerkte ich laut. Moya sprang von meinem Schoss runter und tapste zu ihrem Futternapf. Sie ass die letzten paar Krümel von dem, was ich vorher aufgefüllt hatte und verschwand danach die Treppe hoch, vermutlich ins Büro auf den Schrank neben dem Fenster, ihren heimlichen Lieblingsplatz. Dafür kam Jonas runter und setzte sich zu mir. „Machen wir morgen einen Ausflug?“ „Wohin willst du denn bei dem Hundewetter?“ „Ich dachte, wir könnten mit Lily nach Bristol ins Aquarium gehen.“ „Noch mehr Wasser?“, stöhnte ich scherzhaft. Aber eigentlich fand ich es eine gute Idee, nur – „aber ich muss morgen noch so viel erledigen…“ „Genau darum möchte ich ja, dass du eine Auszeit nimmst. Bald fängt der Weihnachtsstress an, und du hast in letzter Zeit non stop gearbeitet. Ich habe bereits mit den Pflegern gesprochen, Lisa schaut, dass alles läuft.“ Ich kuschelte mich dankbar an ihn und gab ihm einen Kuss.

      „Occu, komm endlich!“, rief Lily ungeduldig. „Ja, gleich!“ Ich hastete zu Odyns Box und wechselte rasch dessen Decke zu einer leichteren Stalldecke. Dann sah ich bei Cool Cat rein und stellte fest, dass er ebenfalls noch die schwere Decke trug. „Moment noch!“ „Occu!!“ „Lass Ajith seine Arbeit machen und komm jetzt“, meldete sich nun auch Jonas. „Aber ich muss noch schnell Kaytharas Bein mit Lehm einstreichen! Und Riptide hat auch noch eine kleine Schramme auf der Schulter die ich gestern gesehen habe!“ „Das machen die Pfleger. Sie sind alle informiert. Es wird alles klappen, wirklich.“ Mit einem Seufzen gab ich auf. „Na schön. Aber wehe ich komme zurück und hier herrscht Chaos!“ „So ist’s gut“, meinte Jonas zufrieden lächelnd, und empfing mich, den Arm um meine Schulter legend. „Für alle Pferde ist gesorgt. Du kannst unseren Ausflug in vollen Zügen geniessen.“ „Meinst du?“ „Klar.“ Ich lehnte meinen Kopf an seinen und zwang mich zu einem Lächeln. Lily zog an meiner Hand. „Das Aquarium schliesst um fünf Uhr!“ „Es ist erst zehn Uhr, little Miss Adams.“ „Trotzdem!“ Jonas und ich lachten. Dann liefen wir gemeinsam zum Parkplatz.
      17 Nov. 2019

      Neujahr ohne Schnee – oh jehmineh
      Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Coulee, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Compliment, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Snap in Style, Thomas, Co Pilot de la Bryére, Circus Dancer, Estragon Sky, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cinnemont’s History, Eismärchen, Moon Kiddy, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Maekja van Ghosts, PFS‘ Dahu

      Die Festtage waren auf Pineforest stressig wie immer gewesen. Wir mussten auch an Weihnachten jeweils die Versorgung der Pferde gewährleisten und trotzdem den Pflegern irgendwie die verdiente Auszeit mit ihren Familien gönnen. Dies erforderte gründliche Planung. Zum Glück war niemand kurzfristig krank geworden, sonst wäre alles durcheinander geraten. Irgendwie hatten wir die besinnliche Zeit überlebt, und der Start ins neue Jahr war ebenfalls gelungen. Schade war nur, dass es die ganze Zeit über nicht geschneit hatte, weder an Weihnachten noch zu Silvester. Ich vermisste die Galopps im weissen Pulver und das Schlitteln inzwischen so sehr, dass ich mir überlegte, einen Trip irgendwo in den Norden zu machen. Aber dazu fehlte mir schlichtweg die Zeit. Inzwischen ging alles wieder seinen gewohnten Gang - zumindest fast. Ein paar Pferde mussten das Gestüt in nächster Zeit verlassen, um Platz zu schaffen für den im Frühling erwarteten Nachwuchs. Ich hatte mich lange mit der Entscheidung gequält, wen das betreffen würde. Sie sind ja nicht von der Welt, erinnerte ich mich immer wieder, doch es tröstete nur bedingt. Schliesslich hatte ich mich dazu entschlossen, dass Felicita, Deadly Ambition, Campina und Savory Blossom nach dem Absetzen ihrer Fohlen an Bekannte von mir verkauft werden würden. Dort erwartete sie ein toller Endplatz mit viel Weidegang und langen Ausritten. Bauchschmerzen bereitete mir, dass ich Lily irgendwie beibringen musste, dass ich White Dream verkauft hatte. Eine Verwandte von Lisa war auf der Suche nach einem Pony für ihre Tochter gewesen, und Dream war einfach perfekt dafür. Aber ich befürchtete, dass Lily alles andere als erfreut darüber sein würde, denn sie hing sehr an Skydives Mama. Merino und Simba sollten kastriert und an ambitionierte Nachwuchsreiter geliehen werden. Bei den beiden schmerzte es besonders, denn ich hatte sie hier aufwachsen sehen und sie lagen mir sehr am Herzen. Aber ich konnte nunmal einfach nicht unbegrenzt viele Pferde unterbringen, und aus züchterischer Sicht war es sinnvoller, Deckhengste anderer Blutlinien einzusetzen. Trost fand ich in der Vorfreude auf das Fohlen von Merino - einen Nachkommen von ihm hatte ich trotz allem gewollt, damit das ganze Theater mit der Körung nicht umsonst gewesen war. Zuerst wurde aber die Geburt von Ronjas Nachwuchs erwartet, und zwar schon in wenigen Tagen. Es handelte sich dabei zugegebenermassen um ein kleines Experiment, denn ich hatte schon seit Jahren überlegt, ein Fohlen aus ihr und Burggraf zu Züchten. Das machte Sinn, um die seltene Farbe der beiden womöglich reinzuzüchten – oder zumindest weiter zu erhalten. Wenn ich Pech hatte, konnte das Fohlen aber auch gewöhnlich braun oder schwarz werden; ausserdem brachte Inzucht natürlich immer ein gewisses Risiko mit sich. Wir hatten die beiden Achal Tekkiner zwar im Voraus zur Sicherheit auf häufige Erbkrankheiten getestet, aber ein Restrisiko blieb immer. Ich war aber zuversichtlich, dass das Fohlen gesund zur Welt kommen würde. Weiteren Nachwuchs erwarteten wir übrigens auch bei den Reitponys: Cinni war tragend von einem schicken Palominohengst namens Feuervogel. Ich war gespannt, welche Farbe das Fohlen bekommen würde. Auch Lily war schon ganz ungeduldig. Und dann erwarteten wir auch noch Nachwuchs von unserer neuen Stute Eismärchen. Der Vater war Navy Sniper, es würde für beide Elternteile das erste Fohlen werden. Ich machte mir aber keine Sorgen, dass die halbblinde Stute eine gute Mutter werden würde - schliesslich hatte sie solch einen goldigen Charakter. Und zuletzt erwartete ich gespannt das Fohlen meiner neuen Isländerstute Maekja, die ich erst vor kurzem erworben hatte. Sie war eine Tochter des bekannten Fuchshengstes Mellamo, dessen heimlicher Fan ich schon seit langem war.

      Ich machte mich an diesem Morgen wie immer zuerst auf den Weg in den Hauptstall, wo ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Allerdings ritt ich nur in einer Gruppe mit, nämlich auf meinem geliebten Winter. Shades of Gray überholte uns beim Kopf-an-Kopf Sprint gnadenlos – offenbar war der schneeweisse Vollbluthengst heute nicht in Bestform. Ich verwöhnte ihn nach der Arbeit trotzdem mit Karotten und brachte ihn mit einer kuscheligen Fleece-Decke in den Freilauftrainer, wo er trocknen konnte. In der kalten Morgenluft dampften die frisch trainierten Pferde richtiggehend. Spotted Timeout und Gleam of Light trieben etwas Blödsinn im Karussell: Spot lief absichtlich langsam und liess sein Hinterteil das Trenngitter berühren, während Light ihn durch das Metallgeflecht angiftete. „Er provoziert ihn regelrecht“, meinte auch Parker augenrollend. Ich lief eine Runde mit und trieb Spot mit fuchtelnden Armen vorwärts, danach benahmen sich die beiden einigermassen. Als ich zurück in die Stallgasse schlenderte, um die Putzsachen von Winter zu verräumen, hätte Zira, die mir seit dem Absteigen wieder wie ein Schatten folgte, beinahe eine Maus erwischt, die sich jedoch gerade noch in die Sattelkammer retten konnte. „Von denen hat es auch wieder zu viele, was meine Süsse?“, murmelte ich an die Malinois Hündin gewandt. Sie sah mich erwartungsvoll an, also knuddelte ich sie rasch. Die nächste Gruppe wurde bereits in der Stallgasse gesattelt. Ich lief an Mambo vorbei direkt zu einem altbekannten Neuling: Snap in Style. Erneut hatte ich ihn von einer Kollegin zurückgekauft, und diesmal hatte ich nicht vor, ihn wieder herzugeben. Er hatte sich inzwischen von dem schlaksigen Jungtier, dessen Bild ich noch klar im Kopf hatte, zu einem kräftigen Rennpferd gemausert. Mambo war jetzt in dieser Gruppe also nicht mehr der einzige Hahn im Korb. A Winter’s Tale, Counterfire, Sarabi und Dolly standen bereits draussen bereit, als ich den Hauptstall verliess, um zum Nebenstall zu laufen. Ich wechselte noch kurz ein Wort mit Oliver, dann öffnete ich Halluzinations Boxentür. Die Fuchsstute schien nicht allzu begeistert von meinem frühen Besuch. Sie rümpfte die Nase und bewegte sich kein Bisschen auf mich zu. „Was ist denn das für eine Begrüssung?“, motzte ich liebevoll. Wenigstens dreht sie sich nicht gleich weg. Ich lief zu ihr hin und bot ihr ein Karottenstück an. Dadurch taute sie sofort auf und liess sich brav aufhalftern. Ich putzte sie im Eilgang durch – das kurz geschorene Fell unter ihrer Decke war ohnehin sauber – und sattelte sie mit ihrem Dressursattel. In der Halle war bereits Lisa mit Artemis. Sie hatte zwei Cavaletti auf der Mittellinie platziert und übte mit dem Schimmel Galoppwechsel. Wenig später stiessen auch Jonas mit Loki und Darren mit Circus Dancer dazu. Eine Weile ritten wir alle stumm und konzentriert, möglichst ohne einander in den Weg zukommen. Man hörte nur die Huftritte im Hallensand und das gelegentliche schnauben eines Pferdes. Beim Ausschreiten plauderten wir dann wieder ausgelassen miteinander, während die Pferde sich strecken durften. Als David mit Thomas reinkam, kratzte ich gerade Hallus Hufe aus. „Ahh, good Timing – we’re already finished, so you have enough space”, scherzte ich als Andeutung auf die Grösse des Scheckhengstes. Hallu bekam ihre Belohnung und eine kurze Rückenmassage. Es wurde langsam hell, als ich mich auf den Weg zum Offenstall der Stuten machte. Offenbar war ich die erste, die die Weide heute betrat, denn das Stalltor war noch geschlossen. Ich schob es auf und liess die Stuten raus auf das spährliche Wintergras. Jazz schob sich vor allen anderen als erste an mir vorbei in die Freiheit und der Stall leerte sich langsam; als letzte Nachzügler folgten Feline und Summer. Nur eine Stute blieb zurück – oder auf den zweiten Blick doch zwei. „Oh my! I didn’t expect to see you already today. Hello little sweetheart!” Neugierig näherte ich mich der schlaksigen kleinen Gestalt, die neben Ronja im Stroh lag. Das Fohlen sah zu meinem Entzücken genau gleich aus wie seine Eltern: es hatte dieselbe seltsame, zweifarbige Scheckung. Der Kopf erinnerte mich sehr an den seiner Mutter, denn er hatte ebenfalls einen hohen Weissanteil und nur ein paar Flecken an Nüstern und Augen. Die kleine war wohl noch nicht aufgestanden, machte aber einen gesunden ersten Eindruck. Begeistert beobachtete ich sie eine Weile, ohne zu nahe heranzugehen. Ich durfte die ersten Momente von Mutter und Tochter nicht stören. Ronja beschnupperte das Fohlen immer wieder, als wollte sie sichergehen, dass es noch da war. Die kleine machte kurz darauf Aufstehversuche – vermutlich hatte sie zuvor schon damit begonnen, war aber durch mein Eintreten unterbrochen worden. Jedenfalls stand sie bereits nach wenigen Minuten auf ihren wackeligen Beinen. Ich hätte den ganzen Tag zusehen können, aber die Arbeit rief, und ich erinnerte mich, weshalb ich eigentlich hergekommen war. „Moon!“ Die Stute wandte mir draussen sofort den Kopf zu, als sie ihren Namen hörte, und kam auf mich zu. Ich streichelte sie und führte sie am Halfter zum Stall. Dort band ich sie an einem der Halteringe and der Wand an und machte sie startklar für einen ausgiebigen Ausritt mit Jonas und Co Pilot. Wir entkamen dabei gerade noch einer ganzen Horde von Pflegern, nämlich Lisa, Anne, Darren, Alan und Jason, die allesamt mit Bacardi, Khiara, Life, Indiana und Sniper auch gerade raus in den Wald wollten. Da sowohl Jonas als auch mir aber gerade eher nach einem entspannten Ausritt zu zweit zumute war, schlichen wir uns vor ihnen weg. Wir kehrten vor dem Mittag zurück und ich kümmerte mich anschliessend noch um Ravissante, ehe ich kochen ging. Die Stute musste ein ausgiebiges Training mit Cavaletti über sich ergehen lassen, dass ihr vielleicht sogar ein wenig Muskelkater beschehren würde. Aber es war wichtig, dass sie ihre Koordination verbesserte und ihre vier Beine in den Griff bekam. Die Cavaletti halfen dabei, ihr einen Takt vorzugeben und ihren (und auch meinen) Sinn für die Abstände zu schulen. Sie wurde im Verlauf des Trainings etwas heftig - ich vermutete, dass ihre Konzentration nachliess. Deshalb wählte ich als letzte Übung nur noch eine Art Slalom mit Seitwärtsverschiebungen im Schritt, damit wir positiv abschliessen konnten. Es war eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

      Nach dem Mittag brachte ich Caspian, Compliment und Cryptic zusammen auf eine der kleineren Weiden. Auf der grossen unteren Weide, die neben dem Stutenoffenstall, durften zuerst Goldy, Ciela, Caligari, Penny und Primo sich austoben. Das war ein wenig zum Problem geworden in letzter Zeit: besonders viel Gras hatte es nicht mehr, dadurch wurde den Pferden rasch langweilig. Sie rannten häufiger herum und spielten ruppig miteinander, nebenbei pflügten sie das letzte bisschen intakten Weideboden um. Wenigstens hatten wir für den Frühling die ganz grossen Weiden ausserhalb. Womöglich würden wir sie dieses Jahr aufteilen müssen, bis die kleineren sich erholt hatten. Als ich summend von den Weiden zurück zum Hauptstall lief, sah ich gerade Oliver mit Vai Alida losreiten. Ich wünschte ihm einen schönen Ausritt. Dann streckte ich mich genüsslich, um mich für die restlichen Aufgaben des Tages zu wappnen. Am Horizont meinte ich, ein paar verdächtig aussehende Wolken zu sichten. Vielleicht endlich der erste Schnee im neuen Jahr?
      15 Jan. 2020

      Leben und Tod
      PFS' Pinot Noir, PFS' Baila, Moon Kiddy, PFS' Dahu, Feline, Piroschka, PFS' Ljúfa, PFS' Dancin' to Jazz, Vychahr, Diarado, Phantom, Lovely Summertime, Dancing Moonrise Shadows, Matinée, Cinnemont's History, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS' Ravissante, Chanda, Halluzination, Dakota S, Chocolate Chip

      Occu
      "Und?" "Wie und?" "Na wie nennst du ihn nun?" "Keine Ahnung." "My my, du bist doch sonst nicht so einfallslos wenn es um Namen geht. Und es kann doch nicht sein, dass das jüngere Fohlen schon einen Namen hat." Ich zuckte mit den Schultern. "Es war einfach bei Baila, weil ich mir so viele Stutennamen ausgedacht hatte - die ich am Ende bis auf einen gar nicht brauchen konnte." "Natur geht eben ihre eigenen Wege. Aber sieh es positiv: das sind gleich drei vielversprechende zukünftige Zuchthengste, allesamt mit interessanten Blutlinien." "Ist so." "Aber ernsthaft, das Schwarze braucht einen Namen. Wenn du es bis Ende diese Woche nicht benennst, dann heisst es einfach Blacky." "Nichteinmal vielleicht! Es gibt keinen schlimmeren Namen für Rappen!" "Dann eben Toothless." "Ich kenne schon ein Pferd das so heisst. Und auch wenn der Drache süss ist, der Name ist trotzdem bescheuert." "Iskierka hast du auch nach einem Drachen benannt." "Ja, aber das klingt schön." "Dann eben Nightfury" "Weisst du was? Lassen wir das. Ich muss jetzt raus zu den Pferden." Ich gab Jonas einen vertröstenden Kuss, verräumte meine Müslischüssel und schnappte meine Jacke. Den ersten Stopp machte ich bei Mikado und ihrer neuen Tochter Baila. Ich hatte mich wahnsinnig gefreut, dass wir doch noch ein Stutfohlen bekommen hatten. Und ein wunderschönes noch dazu. Die kleine war über und über mit weissen Haaren gesprenkelt, ganz wie bei Mama, aber die Grundfarbe ein kräftiger Fuchston. Grosse Abzeichen hatte das Tierchen auch - ich fragte mich woher. Das Fohlen lag im Stroh und döste mit halb geschlossenen Augen. Hin und wieder zuckte die Unterlippe oder eines der flauschigen Ohren, wenn Mikados Schweifhaare sie streiften. Ich wäre zu gerne in die Box reingegangen um Baila zu knuddeln, so weich wie ihr Fohlenfell aussah. Aber ich wollte sie nicht wecken, wenn sie so friedlich schlummerte. Das Leben war eben anstrengend, besonders, wenn man noch so viel zu entdecken hatte. Ich löste mich von dem idyllischen Bild des schlafenden Fohlens mit den gekrümmten Tasthaaren und lief in Begleitung von Zira der Malinois Hündin zu Moon Kiddy. Die Criollostute stand bereits am Zaun, als sie mich kommen sah. Lewis hatte die Stuten also gleich als erstes rausgelassen. Ich streichelte ihre Blesse zur Begrüssung, dann duckte ich mich zwischen dem massiven Holzzaun durch und holte ihr Halfter beim Offenstall ab, wobei sie mir hinterherlief. Auch Phantom, Jazz, Summer und Shadow kamen uns im Dunkeln neugierig hinterher. "You guys seem to be bored, huh? I know. Spring grass will come soon", murmelte ich liebevoll, Phantoms kräftigen Hals rasch kraulend. Der Rappe war feucht-matschig bemalt, was mich bei den aktuellen Bodenverhältnissen kein bisschen verwunderte. Mit einem prüfenden Blick und der Hilfe der Lampe beim Eingang des Stalls, stellte ich fest, dass auch Matinée, Piro und Feline sich eingesaut hatten - die beiden Schimmelstuten natürlich mit der grössten Sorgfalt von allen. Ich rollte die Augen und klinkte das Führseil bei Moon ein. Wir liefen zum Nebenstall, wo ich sie putzte und Sattelte. Die Beine musste ich abspülen, da brachte mich die Bürste nicht weiter. Die Mähne flocht ich rasch zu einem französischen Zopf, damit sie nicht in den Weg kam. Ich ritt Moon, wie auch die anderen "Westernpferde" grundsätzlich mit Bosal oder Knotenhalfter, heute mit letzterem. Ein Gebiss hatte sie nur zwischendurch zur Abwechslung im Maul, wenn ich mit ihr in der Halle arbeitete. Es machte eigentlich längst keinen Unterschied mehr, womit ich Moon ritt - sie reagierte mit allen Zäumungen gleich fein und hörte vor allem auf Sitzhilfen. Es war eine wahre Freude, auf der gründlich ausgebildeten Stute die Winterlandschaft zu geniessen, wenn man sonst vor allem mit frechen Jungpferden oder hibbeligen Vollblütern klarkommen musste. Im Winter war es bekanntlich nochmals interssanter... Jedenfalls genossen Moon und ich die Ruhe dieses kalten, beinahe unbewölkten Morgens. Es wurde immer heller, während wir unterwegs waren, und die Natur rund um uns herum wachte langsam auf. Ich war erstaunt, frühlingshaftes Vogelgezwitscher zu hören. "Really, it's supposed to be still winter...", murmelte ich kopfschüttelnd. Moon schnaubte zufällig, fast als würde sie mir zustimmen. Ich schmunzelte und genoss die ersten Sonnenstrahlen, die es durch die Pinienwedel bis auf mein Gesicht schafften. Zira trottete glücklich durch das spärliche Unterholz und patroullierte ihr Revier.
      Eine Stunde später kamen Moon und ich zurück von unserem Ausflug. Ich verräumte den Westernsattel der Criollostute und bürstete die Sattellage gründlich, ehe ich Moon zurück auf die Weide brachte. Sie schüttelte zufrieden ihre dichte Mähne und bewegte sich mit waagrecht gehaltenem Hals zu Ljúfa und Chanda unter die Bäume. Ich streichelte rasch die kleine Dahu, die schon wieder selbstsicher durch die Begleitung ihrer Mama nähergekommen war, schloss dann das Weidetor und spazierte zum Nebenstall zurück. Dort fand ich auch Jacky vor, die mit nach hinten ausgestreckten Froschbeinen auf dem Beton lag und sich sonnte. Sie öffnete ihre zusammengekniffenen Augen erst, als ich im Vorbeilaufen ihren Hinterkopf knetete. "Faulpelz." Ich sah bei Bluebell in die Box und pfiff. Das Pony war im Auslauf, drehte aber aufmerksam den Kopf und kam zu mir an die mittlerweile geöffnete Tür. "Hello", murmelte ich mit liebevoll verzogener Stimme. Ich zog ihr das Halfter über, führte sie raus und band sie am Holzgeländer an. Während ich sie gemütlich putzte, lief Jonas mit Diarado durch. "Oi, da ist noch ein wenig Stroh im Schweif", tadelte ich kopfschüttelnd. Er sah unschuldig nach hinten. "Tatsächlich. Wie peinlich." Ich nickte grinsend. "Es soll dir vergeben sein. Was machst du nachher?" "Weiss noch nicht, aber wir können ausreiten gehen. Ich könnte Ravissante nehmen." "Klingt gut, ich komme mit Hallu mit. Wir könnten gleich noch zwei der Minis als Handpferde mitnehmen, dann muss Lewis zwei weniger bespassen." "Wollen wir ihm den Gefallen wirklich tun?", meinte Jonas schelmisch. Mein Blick genügte, dass er weiterlief. Ich kämmte schmunzelnd Bluebells rote Mähne.
      Nachdem ich mit der Ponystute ein paar Seitengänge in der Halle geübt hatte, wollte ich mit Matinée arbeiten. Vor zwei Wochen hatte ich einen neuen Bestechungstrick gefunden, um ihr die Zusammenarbeit mit mir buchstäblich zu versüssen. Die Tierärztin war wegen einer Blutegeltherapie bei Gleam of Light hier gewesen (er hatte ein geschwollenes Sprunggelenk nach einer Keilerei mit Raving Hope Slayer gehabt) und hatte mir ein paar Zuckerwürfel in die Tasche gegeben, um ihn dabei von den kleinen Beisserchen abzulenken. Später am selben Tag hatte ich versucht, die Mustangstute von der Weide zu holen - was wiedermal in ein Fangspiel ausgeartet war. Als sie sich dann endlich hatte aufhalftern lassen, war mir beim Angeln nach einer Belohnung ein verbleibender Zuckerwürfel in die Hand gekommen, also hatte ich ihr den anstelle des Karottenstücks gegeben. Sie hatte zunächst skeptisch darauf herumgebissen, dann aber sofort meine Hand nach mehr abgesucht. Eigentlich war ich ja kein Fan von Zucker als Belohnung, denn es war für die Zähne natürlich milde gesagt suboptimal. Aber es war bisher unmöglich gewesen, die wilde Stute für irgendeine Futterbelohnung derartig zu begeistern. Und in Massen konnte es nicht so wahnsinnig schädlich sein, schliesslich hatten es die alten Meister früher wie selbstverständlich eingesetzt. Seit dem köderte ich die Mustangstute beim Einfangen also mit einem einzigen Zuckerwürfel. Natürlich war mein langfristiges Ziel, eine ausreichende Beziehung zu ihr aufzubauen, sodass ich den Zucker nicht mehr brauchen würde. Aber wenn uns das den Anfang erleichterte und ihr half, sich auf mich einzulassen - warum nicht? Es klappte jedenfalls auch diesmal. Matinée wandte sich mir zu, hielt inne um den Inhalt meiner Hand aus der Entfernung zu beäugen, dann wagte sie die letzten Schritte zu mir hin. Ich überliess ihr den Würfel und umfasste sanft ihren Hals, um ihr das Knotenhalfter anzulegen. Dann führte ich sie zum Nebenstall, wobei sie mir in respektvollem Abstand folgte. Beim Putzen achtete ich wie immer darauf, sie überall anzufassen, damit sie sich daran gewöhnte. Sie tolerierte es mittlerweile, wenn auch manchmal mit angelegten Ohren. Abgesehen von unserem Einfang-Problem war sie inzwischen sowieso eigentlich fast wie ein normales Reitpferd. Wenn Phantom dabei war erst recht - dann liess sie sich auch ohne Zucker fangen.
      Es wurde fast zehn Uhr bis ich die Mustangstute wieder verräumt hatte. Wir hatten nichts Spezielles gemacht, nur weiter an den Grundlagen gefeilt; ein wenig Galopparbeit, Schlangenlinien, Übergänge. Vor dem Mittag begab ich mich auf den versprochenen Ausritt mit Jonas (wir nahmen tatsächlich Daki und Chip als Handponys mit) und longierte danach noch rasch Sweets.
      Am Nachmittag waren Cinni und Vychahr dran. Mit Cinni machte ich einen Ausritt, wobei ich besorgt die regenverheissenden Wolken im Auge behielt, die sich nach und nach über uns sammelten. Muss das denn schon wieder sein? Es hat doch schon die ganze Woche geregnet. Und es ist erst noch zu warm als dass es wenigstens schneien könnte... Wir schafften es trocken nachhause und ich versorgte Cinni mit ein paar wohlverdienten Karotten, die die Ponystute dankend zermürbte. Auch Vilou war heute gut gelaunt und arbeitete konzentriert mit, als ich von ihm mehrere fliegende Galoppwechsel hintereinander verlangte. Am Anfang sprang er nach den ersten beiden Wechseln noch jeweils in den Kreuzgalopp, weil er verwirrt wurde. Aber nach einer Weile hatte er den Dreh raus und verlagerte mehr Gewicht nach hinten, um für die Wechsel bereit zu sein.
      Gegen Abend fuhr ich mit Jacky in die Stadt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Der Kühlschrank füllte sich leider trotz gutem Zureden nicht von selber. Es hatte glücklicherweise nicht so viele Leute wie sonst um diese Uhrzeit, sodass ich rasch vorankam. Die Regenwolken, die sich den ganzen Nachmittag über aufgeplustert hatten, begannen nun ihren Inhalt auf die sonst schon grüne Landschaft zu ergiessen. Ich hatte keinen Schirm dabei, also rannten Jacky und ich die Strecke vom Auto zum Laden. Auf der Rückfahrt drehte ich den Radio ein wenig auf und beobachtete gedankenversunken die vorbeiziehenden Lichter, während ich das Innere Birminghams verliess. Jacky lag vermutlich zusammengerollt auf ihrer Decke im Kofferraum, wie sie es immer tat, wenn wir fuhren. Das regelmässige Geräusch des Scheibenwischers war beinahe hytpnotisierend. Es ist schon seltsam, wie sich mein Leben bisher entwickelt hat. Eigentlich habe ich alles, was ich mir je gewünscht habe bekommen. Ein grosses Gestüt, Erfolg im Rennsport, einen gutaussehenden, humorvollen Partner (bei dem Gedanken kam ich nicht umhin zu schmunzeln), viele tolle Pferde und eine coole Truppe von Angestellten, auf die ich mich verlassen konnte - sowohl bei der Arbeit, als auch als Freunde. Mein Leben ist sozusagen perfekt. Ich glaube, wenn ich heute sterben würde, könnte ich behaupten, all meine Ziele erreicht zu haben. Die Gedanken stimmten mich nostalgisch und ich dachte an meine Anfänge auf Pineforest. Wie ich zu Beginn schier überfordert mit der grösse des Gestüts gewesen war. Nur um später festzustellen, dass es doch beinahe nicht austeichend Platz bot. Wie ich zum ersten Mal mit Stromer auf der Rennbahn gearbeitet hatte. Und dann sein erstes Rennen. Die ganzen Turniere mit Pilot, und mein Einstieg in die Welt der Miniature Horses mit Daki. Es war so viel passiert seither. So viel hatte sich verändert, aber vieles war immernoch gleich geblieben. Ich summte zu dem Lied, das gerade lief - ... won't ever be alone, wait for me to come home... Mittlerweile war ich auf einer Landstrasse und es hatte keine Strassenlaternen mehr. Auf der einen Seite erstreckte sich eine niedrige Steinmauer, auf der anderen reihte sich ein Gebüsch nach dem anderen, einen kleinen Bach säumend. Gerade als die Mauer aufhörte und ein grosser Acker begann, sprang plötzlich ein Rehbock vor mir aus dem Ufergebüsch. Erschrocken trat ich voll auf die Bremse und versuchte auszuweichen. Es ging alles viel zu schnell; auf der Regennassen Strasse geriet mein Wagen ins Schlittern und ich realisierte noch, wie es wortwörtlich "bachab" ging, ehe alles dunkel wurde.

      Jonas
      Es ist schon seltsam, wie wir Dinge, die uns alltäglich bebegnen, irgendwann nicht mehr wertschätzen. Man hält sie einfach für selbstverständlich. Erst, wenn sie fehlen, wird einem bewusst, wie sehr man sie braucht. Und dass man sie von einem Tag auf den anderen verlieren könnte, daran denkt man oft gar nicht. Lily kam reingeplatzt. "Jonas, Jacky winselt schon wieder die ganze Zeit. Ich kann mich so nicht auf Mathe konzentrieren!" "Sie vermisst eben Occu... Ich komme sie holen." Ich lief mit zum Haus und rief die Jack-Russel Terrier Dame zu mir. Ich kraulte sie tröstend beim Halsband. "Come on, sweetheart. I miss her too. But whining is not gonna bring her back. You are lucky you survived. That damn deer was lucky, too." Zira lag in ihrem Körbchen und beobachtete aufmerksam das Geschehen. Als sie sah, dass nichts Erwähnenswertes passierte, legte sie den Kopf wieder auf ihre Vorderpfoten. Jacky folgte mir auf mein Kommando hin und begleitete mich zurück zu den Ställen. Ich hatte zu viel zu tun, um mir über den Unfall noch mehr den Kopf zu zerbrechen. Schliesslich musste ich alle von Occus Aufgaben zusätzlich übernehmen. Lisa hatte zwar angeboten, mir vorläufig unter die Arme zu greifen, aber ich wollte die Verantwortung nicht abgeben. Ich ritt den ganzen Tag ein Pferd nach dem anderen, erledigte bis acht Uhr jede Menge Papierkram und kochte für Lily. Danach stieg ich mit Jacky ins Auto und fuhr in Richtung Birmingham. Es war fast schon gespenstisch hell draussen, denn der Mond wurde ausnahmsweise von keiner einzigen Wolke gestört. Der Himmel war sternenklar und die Luft bitterkalt. Es hatte nach dem Regen der vergangenen Tage einen Temperatursturz gegeben, sodass der Winter nun quasi ein Comeback feierte. Gerade mal drei Tage waren seit dem Unfall vergangen, aber es kam mir bereits vor wie eine Ewigkeit. Pineforest war einfach nicht dasselbe ohne Occu, wie ich einmal mehr feststellte. Jacky wurde schon ganz ungeduldig, als ich auf den grossen Parkplatz fuhr. Sie winselte und kratzte an ihrem Drahtkäfig im Kofferraum. Ich vertröstete sie und stieg alleine aus - sie durfte ohnehin nicht mit rein. Ich meldete mich beim Empfang, dann lief ich den langen Korridor entlang, unterwegs verschiedenste Leute kreuzend. Mit einem Klicken öffnete sich die Tür zu einem sauberen, mit tiefgründigen Bildern dekorierten Zimmer. "Das hat aber gedauert. Ich dachte schon, du kommst heute nicht mehr." Beim Klang der Stimme drängte sich automatisch ein Lächeln auf mein Gesicht. "I'm sorry, I kinda had to work for two today." Ich beugte mich über das Bett und gab Occu, die auf der Kante sass, einen Kuss. "Good to see you", flüsterte ich. "Yeah", hauchte sie zurück. "How's Jacky?" "She misses you, of course. But other than that she's fine. She doesn't seem to mind getting into the car either. In fact, she seemed quite eager to get in and meet you." "Let's not keep her waiting then." Occu war längst umgezogen und bereit, nachhause zu fahren. Sie stand auf und pflückte ihre Jacke vom Haken hinter der Tür. "By the way, why are you talking English?" "Habit. Ich musste in den letzten drei Tagen mit soo vielen englischsprachigen sprechen - many of them verrry British." Sie gluckste belustigt über meine übertriebene Aussprache und folgte mir nach draussen. Sie hatten Occu vor allem zur Sicherheit im Krankenhaus behalten, falls sie doch noch ein Schädeltrauma davongetragen haben sollte - sie hatte nämlich über leichte Kopfschmerzen geklagt. Aber erstaunlicherweise schien sie mit ein paar blauen Flecken davongekommen zu sein. Draussen gab es eine stürmische Begrüssung von Jacky, die rausgehechtet kam, bevor ich die Autotür überhaupt ganz öffnen konnte. Bei der Heimfahrt redeten wir nicht viel, aber eine tiefe Zufriedenheit lag in der Luft: es war ein Moment, den ich einfach nur genoss, glücklich, dass alles so war und blieb, wie es war.
      Zuhause bestand Occu darauf, zuallererst eine Stallrunde zu machen. Ich hatte nichts geringeres von meiner Partnerin erwartet. Ich war erleichtert, als sie ein zufriedenes Lächeln aufsetzte. Ich hatte meine - ihre - Arbeit also gut gemacht. Endlich begaben wir uns ins warme Haus und ich befahl Occu, es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. In der Küche hatte ich eine Flasche Wein vorbereitet. Als wir aneinandergekuschelt dasassen und an unseren Gläsern sippten, sagte Occu plötzlich "Pinot." Ich runzelte die Stirn. "Ja. Was ist damit? Den hast du übrigens rausgesucht, als wir zusammen in London waren." "Der Name, für das Rappfohlen. Pinot Noir. Hat doch was elegantes, findest du nicht?" Ich schmunzelte und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.
      24 Feb. 2020
    • Calypso
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      Juni 2020

      Bei uns auf dem Hof lief alles seinen gewohnten Gang. Um 7.30 Uhr fingen wir an die Pferde raus auf die Koppeln zu bringen. Angefangen bei den Hengsten Drømmer Om Død, Chulo, Coreando, Colorido, El Alba Ardiente, Fame, Fantasio, PFS Dreaming of Revenge, Kantarro und Companero. Bei den Hengsten ging es sehr einfach, da wir einfach den direkten Weg zu ihren Koppeln mit einem Absperrband absperrten und sie alle selbst raus laufen ließen. Das funktionierte schon immer sehr gut. Die Stuten mussten wir separat auf die Koppel führen. Erst nahm ich Moon Kiddy und Princess Mononoke mit und Luke nahm Sabandija und Adrenaline. Zu guter Letzt holte ich noch Fermina, Rovina und ZW´s Ashitaka. Dann ging es weiter mit Boxen und Paddocks misten und Heu auffüllen. Bis 11 Uhr schafften wir es mit allem fertig zu werden, setzten uns nochmal mit einem Kaffee raus auf den Hof und besprachen den restlichen Tag. Es gab schließlich immer was zu tun!
    • Calypso
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      November 2020

      Weihnachten stand vor der Tür und es gab noch viel zu erledigen auf dem Hof. Die Pferde waren auf ihre Winterkoppeln umgezogen und waren bereits so plüschig wie Teddybären. Unsere sieben Stuten Fermina, Rovina, Sabandija, Princess Mononoke, ZW Ashitaka, Adrenaline und Moon Kiddy warteten schon am Koppeleingang auf mich, denn jeden Tag gab es zusätzlich noch Heu auf die Koppel. Ich kam mit meiner großen Schubkarre mit einem Berg von Heu angefahren und öffnete das Tor. Adrenaline kam sofort angetrabt und bediente sich bereits von der Schubkarre. „Moment, Moment, gleich kriegt ihr es“ lachte ich und kippte meinen Heuhaufen auf den Boden. Teils waren die Koppeln schon abgefressen oder das alte Gras schmeckte ihnen nicht mehr so gut. Nach kurzen Streicheleinheiten mit Rovina und Princess Mononoke schnappte ich mir wieder meine Schubkarre und fuhr zurück zum Haupthof. Dort schnappte ich mir den Traktor mit dem Wasserfass und fuhr auf die Koppeln um die Bottiche wieder aufzufüllen. Als ich bei den Hengsten war, tobten und spielten sie gerade wild herum. Companero, Kantarro, Fantasio und Fame jagten sich über die weitläufige Koppel, galoppierten hin und her und machten Bocksprünge. El Alba Ardiente und Coreando stiegen sich spielerisch an und versuchten den jeweils anderen in den Mähnenkamm zu zwicken. Der noch junge Hengst PFS Dreaming of Revenge stieg sofort mit drauf ein und trabte in hengstlicher Manier zu den beiden. Colorido, Drommer om Dod und Chulo beobachteten das Geschehen, doch mir war klar das Chulo sich gleich noch mit anschließen würde. Er ließ keinen Machtkampf aus und musste immer gleich sein Revier markieren. Zum Glück aber alles noch spielerisch ohne ernsthafte Verletzungen. Ich war froh das unsere Hengste im Herdenverband leben konnten. Den Rest des Tages verbrachte ich damit mit Tannenzweigen und Lichterketten den Hof weihnachtlich zu dekorieren.
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  • Album:
    Rook´s Bay Stable - Criollozucht
    Hochgeladen von:
    Calypso
    Datum:
    31 März 2020
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  • Moon Kiddy

    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Rufname: Moon
    Geburtsdatum/Alter: 19.05.2009, 11 Jahre
    Geschlecht: Stute


    Stammbaum
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    aus der: ✗ ~ von: ✗
    aus der: ✗ ~ von: ✗| aus der: ✗~ von: ✗


    Exterieur
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    Größe: 151 cm
    Rasse: Criollo
    Fellfarbe: Brauner
    Gencode: Ee Aa



    Interieur
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    Charakter

    brav, unkompliziert, manchmal dickköpfig und stur, trägt nicht jeden

    Beschreibung
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    Moon Kiddy ist eine sehr ruhige, brave Stute. Sie wird vielseitig geritten und ist äusserst schrecksicher im Gelände. Es kann aber auch mal vorkommen, dass sie sich mit einem Reiter nicht versteht und diesen dann nicht auf ihrem Rücken duldet. Normalerweise ist sie aber sogar für Kinder geeignet, solange diese einfach ab und zu mit ihr unterwegs sind. Sie ist selbstständig, aber sehr fein ausgebildet und hört in jeder Situation auf ihren Reiter. Über die Jahre wurde sie zu einem echten Verlasspferd, das auch auf längeren Wanderritten trittsicher und fit ins Ziel geht. Sie ist auch für Spässe zu haben; für ihren Reiter würde sie durch Feuer gehen.


    Vorgeschichte




    Zuchtinfos
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    SK 435

    Gekört/Gekrönt:
    Vorgesehen für die Zucht:
    Leihmutterschaft/Deckaxe: -



    Nachkommen

    PFS' Sonando Solas
    Prinzessin Mononoke

    Besitzer: Calypso
    Vorbesitzer: Occulta
    VKR/Ersteller: Lizzy02 (verfallen)
    Aktueller Wert:

    Trainingsstände
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    Fohlen ABC ✓ | Eingeritten ✓ | Eingefahren ✗


    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✗ | Rückwärtsrichten ✗ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✗
    Abstand halten ✗ | Wenden + Handwechsel ✗ | Abruf ✗

    Freiheitsdressur/Zirzensik
    Kompliment ✗ | Knien ✗ | Spanischer Schritt ✗ | Piaffe ✗
    Passage ✗ | Steigen ✗ | Sitzen ✗ | Liegen ✗


    Reitpferde-Ausbildung
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Dressur: E
    Galopprennen: E
    Springen: E A L M
    Military: E
    Fahren: E
    Distanz: E A L M S S* S**
    Western: LK5 (E), LK4 (A), LK3 (L), LK2 (M), LK1 (S), LK1*, LK1**, LK1***
    Trail, Reining

    PotentialAufstieg durch Turnier | Training • nicht weiter gefördert


    Erfolge
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    1. Platz 198. Distanzturnier, 1. Platz 160. Distanzturnier, 1. Platz 246. Westernturnier, 1. Platz 275. Westernturnier, 1. Platz 291. Westernturnier, 1. Platz 293. Westernturnier, 2. Platz 287. Westernturnier, 2. Platz 216. Distanzturnier, 2. Platz 217. Distanzturnier, 3. Platz 157. Distanzturnier, 3. Platz 250. Springturnier, 2. Platz Westernreiten des 1. Vereinsturnier, 1. Platz Westernturnier des Joelle World-Cup 2015, 2. Platz im Westernturnier am Tag der Offenen Tür des Gestüts Bardagamadur, Leistungsschau ZV Green Briar Ridge September 2016
    Richtnote: 7.65, 3. Platz A-Klasse Springen des WCS Eröffnungsturnier, 2. Platz Military Turnier des Jungpferdeclub Young Blood


    Gesundheit
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    Gesundheitszustand

    Letzter Tierarztbesuch:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Akute Krankheit/en: ✗
    Chronische Krankheit/en: ✗
    Erbkrankheit/en: ✗



    Hufe/Beschlag

    Beschlag Vorne ✗
    Beschlag Hinten ✗