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Samarti

Monsta, DRP *

Monsta, DRP *
Samarti, 11 Nov. 2013
Elii gefällt das.
    • Samarti
      Pflegebericht 13. November 2013 - Das Wiedersehen
      © Veija

      Endlich, endlich war es so weit. Hellwach erhob ich mich aus dem Bett und flog ins Bad. Ich duschte schnell, zog mich an und ging dann an den Frühstückstisch, um noch schnell ein wenig zu frühstücken, ehe ich mich auf den Weg machte, um mein neues Pferd abzuholen. Dementsprechend fiel mein Essen spärlich aus. Ich schnappte mir eines der Brötchen vom Vortag, schnitt es unliebsam auf und knallte ein wenig Erdbeermarmelade darauf. Bevor ich jetzt fahren konnte, musste ich noch kurz im Stall vorbeischauen, was ich dann auch tat. Die Pferde standen alle brav und ruhig in ihren Boxen, weshalb ich mit gutem Gewissen zum Auto ging und hineinschlüpfte. Als ich den Motor startete, schnurrte dieser leise auf und schon fuhr der Wagen samt Pferdehänger vom Hof. Heute konnte ich meine geliebte Monsta wieder in die Arme schließen. Notgedrungen hatte ich sie vor einigen Jahren verkaufen müssen und hatte mit Leiden zusehen müssen, wie sie nur so von einem Besitzer zum Anderen gewandert war. Doch jetzt war Schluss, die Kleine kam wieder nach Hause.
      Auf dem Hof von Chaarly angekommen, sprang ich freudig aus dem Auto und erblickte sie schon. Sie erklärte mir kurz wo alles war und schon verschwand die Gute wieder - Geschäftsgespräche. Jedoch nicht, ohne vorher noch unser Geschäftliches zu klären. Nach einiger Zeit im Büro kam ich wieder hinaus, tapste ein wenig irritiert in die gezeigte Richtung und fand die wunderschöne Stute auch sogleich. „Hallo Kleine“, sagte ich lächelnd zu der Stute und öffnete die Boxentür. Sanft schmiegte Monsta ihren Kopf an meinen Bauch und brummelte leise. Vielleicht kannte sie mich ja noch? Lächelnd kraulte ich ihren Schopf, ehe ich die Box schloss und ihre Transportsachen aus dem Hänger nahm. Gewappnet mit Transportdecke, Halfter und Gamaschen betrat ich wieder den Stall und zog ihr das Halfter über. Die Farbe stand ihr wirklich ausgesprochen gut. Es folgten die Gamaschen und die Decke, und schon war die Stute abfahrbereit. Mit Chaarly hatte ich schon alles geschäftliche geklärt, weshalb Monsta recht schnell ihren Platz im Hänger fand. Ich kontrollierte nochmal die Laderampe, ehe ich mich ein wenig auf dem Hof umblickte. Die Besitzerin hatte bestimmt nichts dagegen, wenn ich mich noch ein wenig umsah. Gesagt, getan. Ich wanderte noch ein wenig über den Hof und schaute mir die anderen Tiere an. Schön war es hier. Schließlich ging ich zum Auto und fuhr los. Die Fahrt verlief ruhig und zuhause angekommen, lud ich die Stute aus. Mit zuckenden Ohren schaute sie sich um, ehe sie den Kopf hob und einmal laut wieherte. Keine Antwort. Die Pferde konnten sie schließlich nicht im geschlossenen Stall hören. Dieser war nun auch unser Ziel. Zusammen mit ihr ging ich in Richtung Stall und stellte sie in die schon fast fertig eingerichtete Box, ehe ich Decke, Gamaschen und Halfter entfernte. „Leb dich gut ein, Mädchen“, waren meine Worte, ehe ich alles ordnungsgemäß verstaute und noch einmal nach den anderen Pferden sah. Noch immer standen alle Tiere ruhig in ihren Boxen und hoben kurz die Köpfe, als ich an diesen vorbeikam. „Braves Mädchen“, sagte ich zu einer Stute die mich leise anbrummelte, ehe ich wieder zu Monsta ging und ihr noch ein wenig Heu gab. Eine kleine Ration Kraftfutter folgte auch noch. Ich hatte die Kleine wirklich vermisst ... Nach getaner Arbeit ging ich nun vollends zufrieden ins Haus und räumte erst einmal den Frühstückstisch ab. Bei der ganzen Vorfreude hatte ich das ganz vergessen.

    • Samarti
      Pflegebericht 07. Dezember 2013 - Die neue Reitbeteiligung
      © medy

      Der Wecker klingelt und ich werde langsam wach. Wieso muss die Nacht immer so kurz sein? Ich stöhne und stelle den Wecker ab. Plötzlich fällt mir ein das Monsta im Stall auf mich wartet; Voller Elan springe ich in die eiskalte Dusche, ziehe ich meine Reitkleider an und schlinge noch schnell ein Brötchen runter. Ab zu Monsta!
      Als ich in den Stall komme schaut sie erwartungsvoll auf und schnaubt ganz leise. Wie schön sie doch aussieht, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster auf ihres Fell fällt ! Schnell laufe ich zu ihrer Box und Monsta streckt ihren Kopf über die Boxentür. Ich lege meine Arme um ihren Hals und sie legt ihren Kopf auf meine Schulter. Lange stehen wir einfach nur so da bis Monsta ihren Kopf wieder wegnimmt und die Mähne schüttelt. Ich lache laut auf, ist ja klar, Monsta will endlich ihr Essen und auch die anderen Pferde im Stall sind schon ganz unruhig.

      Nach dem ich den Stall ausgemistet habe und alle Pferde auf die Weide gebracht habe, gehe ich ins Haus und esse mein Mittagessen, doch richtig Hunger habe ich nicht. Ungeduldig schiebe ich mir noch die letzten Spaghetti in den Mund und verstaue den Teller und das Besteck in der Spülmaschine. Gerade als ich aus der Haustür gehen will läutet das Telefon. Na super, wer läutet denn jetzt an? Ich schlüpfe aus meinen Schuhen und werfe meine Jacke auf den Boden und eile zum Telefon. Nachdem ich mich 2 Minuten mit einer Freundin unterhalten habe, werde ich schon ganz unruhig und erkläre ihr das ich einen wichtigen Termin hätte und keine Zeit um zu telefonieren. Höfflich verabschiede ich mich noch von ihr und ziehe nochmals, tief seufzend, meine Stiefel an und streife mir die Jacke über. In der Sattelkammer nehme ich Monstas neues Halfter und hebe einen losen Strick auf welcher ganz verwahrlost auf dem Boden liegt. Als ich zur Weide komme schauen Monsta und einige Pferde neugierig auf, ich schwinge mich über den Zaun und laufe zu Monsta. „Na meine Hübsche “, murmle ich ihr leise zu. Ich ziehe ihr das hübsche Halfter an und Monsta schnaubt erfreut. Heute wird es aber nur ein kurzer Spaziergang, da ich sonst noch viel zu erledigen habe.
      Ich binde Monsta im Stall kurz an und nehme ihre Putzbox hervor. Während ich vom Schmutz das gröbste wegbürstete überlegte ich, ob ich doch nicht lieber einen kurzen Ausritt machen sollte. Ich frage Monsta ob sie damit einverstanden sei. So als ob sie mich verstanden hat schüttelt sie den Kopf und wieherte.
      In der Sattelkammer nehme ich Monstas Sattel und Zaumzeug und schon bald ist Monsta startklar. Ich führe sie raus zum Feldweg und steige auf.
      Die ersten zehn Minuten geht es zunächst erstmal im Schritt. Als wir dann die Waldstrecke erreichten und ein langer breiter Weg vor mir liegt treibe ich Monsta an. Sofort fällt Monsta in einen langsamen, gemütlichen Trab.

      Als ich mit Monsta wieder zurück zum Stall komme sind wir beide recht müde, der Ausritt ist länger geworden als geplant.
      Ich sattle Monsta ab und putz noch schnell mit dem Striegel übers Fell. Nachdem ich ihr auch noch die Hufe ausgekratzt habe bringe ich sie in ihre Box.
      " War toll mit dir ", flüster ich ihr noch zu und streichle Monsta.
      Auch die anderen Pferde müssen noch in die Boxen, und dann ist Feierabend.

    • Veija
      Hufschmiedbericht 9. Dezember 2013 - Kontrolle

      Ich war gerade bei einer anderen Patientin fertig, als mich erneut ein Anruf erreichte. „Veija?“, sagte ich fragend in den Hörer und lachte kurz auf. Es war wieder Elisa, die mich nochmal brauchte. „Ist okay, ich bin eh noch in der Nähe“, sprach ich und legte auf. Ich fuhr von der Autobahn ab und auf der anderen Seite wieder auf, sodass ich in ihre Richtung fuhr.
      Elisa empfing mich erneut auf ihrem Hof und brachte mich sofort zu der schönen Grauscheckstute, die schon in der Stallgasse angebunden war. Mit prüfendem Blick hob ich einen Huf nach dem Anderen an, um ihn säuberlich auszukratzen, und nach dem Rechten zu sehen. Mit ihren Hufen war ich sehr zufrieden. Ich holte die Zange raus um den Tragrand abzuknipsen, als die Stute mich misstrauisch beäugte und ihr Bein wegzog. „Lass das“, sagte ich und Lisa hielt ihren Kopf fest, damit sie mich nicht nochmal damit behindern konnte. Schließlich fügte die Stute sich ihrem Schicksal und lies mich meine Arbeit machen. Als ich damit fertig war, machte ich den Probeschnitt, ehe ich die überschüssige Hornsohle herausschnitt. Als ich damit fertig war, betrachtete ich mir noch den Strahl und korrigierte ein wenig mit dem Messer. Zum Schluss raspelte ich mit der groben Raspel einmal alle harten Kanten ab, ehe ich mit der feinen Raspel noch einmal drüber ging. Das selbe Spiel wiederholte ich bei den restlichen 3 Hufen. Fertig war das erste Pferd auch schon.
      Elisa brachte die schicke Stute weg und holte sogleich die schöne Fuchsscheckstute Santa Fee. Auch bei ihr fand ich keine Auffälligkeiten bei der Kontrolle. Das Ausschneiden verlief relativ fix, so dass auch nun das Letzte der drei Pferde an der Reihe war.Romatica. Die Bay Silver Dapple Tobianostute, die wohl heute nicht so freundlich gesinnt war. Ich wollte mit der Kontrolle anfangen, als sie wie verrückt am Führstrick zerrte und sich schließlich trotz aller Bemühungen von Elisa und mir losriss, und reiß aus nahm. Jedoch konnte die Stute nicht weit, da die Tür verschlossen war. Vorsichtig fingen wie sie ein und banden sie wieder an. Diesmal begann ich das Ganze mit langsameren Bewegungen, was auch zu klappen schien. Ich kratzte alle Hufen aus und kontrollierte sie, doch ich fand keine Auffälligkeiten. Ich hob die Zange und schon wieder sprang die Stute panisch rückwärts. Heute hatte sie wohl einen wirklich schlechten Tag, wie mir Elisa vermittelte. Den Tragrand musste ich kaum kürzen, weshalb ich das vermeindliche Monster namens Zange schnell wieder beiseite legen konnte. Als zweites machte ich nun den Probeschnitt, ehe ich mich dann an der Hufsohle zu schaffen machte. Auch hier musste ich nur ein wenig wegschneiden, weshalb ich schnell beim Raspeln angelangt war. Zum Glück benahm sich die Stute und ich war damit schnell fertig. Das selbe Spiel wiederholte ich an den restlichen 3 Hufen, ehe ich alles zusammenpackte und Elisa mit der Stute einmal die Stallgasse hoch und runter laufen lies. Elisa ging einen Weg gemütlich, den anderen lief sie, so dass die Stute traben musste. „Ist okay. Ich wollte nur sehen wie sie läuft, da die Hufen an der Vorderhand ein wenig viel ausgeschnitten sind, da sie um einiges länger waren als die Hinterhufen.“, erklärte ich ihr und fügte dann an: „Pass ein wenig auf beim Ausreiten oder Führen über den Hof wegen großen Steinen..“
      Ich kümmerte mich nun um meine Sachen und suchte alles zusammen.Ich ging zum Auto und lud alles ein. Dann setzte ich mich rein. „Bis zum nächsten Mal“, waren meine letzen Worte, ehe ich ihr zum Abschied kurz hupfte und die Abfahrt hinunter fuhr.

    • Eselchen
      Tierarztbericht 14. Dezember 2013 - Kontrolle

      Mit meinem Köfferchen unter dem Arm und einem Lächeln auf den Lippen ging ich durch den trüben Nachmittag zum Stallgebäude des Gestütes „The Mountain Yard“. Der Stall war hellerleuchtet und überall war etwas los.
      „Hallöchen! Du bist Jamie – die Tierärztin, oder?“, fragte mich ein Mann in Arbeitsklamotten.
      „Ja, das bin ich. Aber Sie sind glaub ich nicht Elisa, oder?“, fragte ich spaßhaft und gab ihm meine Hand.
      „Nein – ich bin nicht Elisa.“, sagte er lächelnd. „Ich bin Matthew – stellvertretender Gestütsleiter.“
      „Hallo Matthew. Schön dich kennen zu lernen.“, sagte ich und lachte.
      „Elisa ist gerade noch unterwegs. Sie müsste gleich wieder da sein, aber bis dahin werde ich dich betreuen. Nicht das du dich noch verläufst.“, erklärte er mir und lächelte.
      „Okay. Mit wem wollen wir denn anfangen?“
      „Ich würde sagen, dass wir mit den Kleinen anfangen.“, schlug er vor und ich nickte.

      Also gingen wir durch das große Stallgebäude bis wir im Mutter- und Fohlenstall angekommen waren. Während Matthew das erste Fohlen holte, nahm ich mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und wartete.
      „Das ist die kleine Beverly. Eine kleine schüchterne Prinzessin.“, sagte Matthew und lächelte. Er band das Stutfohlen an und streichelte den Hals des kleinen Geschöpfes.
      „Sie ist aber eine Hübsche.“, stellte ich bewundernd fest und trat zu ihr. Wie Matthew gerade schon erwähnte hatte, war die kleine Dame sehr schüchtern. Sie war etwas aufgeregt und beobachtete mich skeptisch, während ich mich ihr näherte.
      „Hallo, Hübsche.“, sagte ich leise und liebevoll und kniete mich hin. Nun war ich fast so groß wie das Stutfohlen und ich streckte ihr vorsichtig meine Hand entgegen. Die kleinen Nüstern waren etwas zusammengezogen und verliehen ihr einen fast arroganten und angewiderten Ausdruck.
      „Seh ich heute so schlimm aus?“, fragte ich leise und lächelte.
      „Ist gut, Mäuschen. Jamie ist ganz lieb.“, flüsterte Matthew und streichelte ihren Hals.
      „Genau – ich bin ganz vorsichtig.“, stimmte ich ihm zu.

      Behutsam näherte ich meine Hand ihrem Maul und ließ sie meinen Geruch aufnehmen. Einige Moment lang, hielt ich meine Hand einfach nur still da, während Beverly zaghaft an ihr schnupperte und schließlich einfach nur abwartend dastand.
      „Ich bin wirklich ganz lieb.“, sagte ich und musste leise lachen. „Sie sieht aus, als wenn sie mich total ekelhaft finden würde.“
      „Ja – da hast du recht.“, sagte Matthew ganz trocken und ich blickte ihn empört an.
      Nur wenige Augenblicke später mussten wir beide lachen und Beverly sah mich noch entgeisterter an.
      „Ach Mäuschen. Du bist einfach nur zum Abknutschen.“, sagte ich liebevoll und wagte es nun die kleine Stute am Hals zu berühren. Auch wenn sie sich noch mehr anspannte, blieb sie stehen.
      „Alles gut. Dir passiert nichts.“, sagte ich behutsam und fuhr langsam mit meiner Hand von ihrem Hals bis zu ihrem Rücken. So verbrachte ich dann einige Minuten lang, auf Knien, vor ihr, um mich ein bisschen bei ihr einzuschleimen. Auch ein kleines Leckerchen fand zwischenzeitlich ganz zufällig den Weg zu ihrem kleinen, samtenen Maul.

      „So, Schätzchen! Dann wollen wir doch mal anfangen.“
      Als erstes beurteilte ich den allgemeinen, äußerlichen Zustand von Beverly:
      Ihre Silhouette war typisch für ein Fohlen in ihrem Alter und sie stand gut im Futter. Sie war nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick – einfach passend. Ihr außergewöhnliches Fell glänzte gesund und ihre langen, dünnen Beinchen sahen auch gut aus. Ihr Blick war wach und klar – und ihre Aufmerksamkeit hatte sie vorhin schon perfekt zur Schau gestellt.
      „Auf den ersten Blick ist schon mal alles super.“, sagte ich zufrieden und nahm nun mein Stethoskop von meinem Hals.
      „Willst du mal schnuppern, Prinzessin?“, fragte ich liebevoll und hielt ihr das Stethoskop hin. Eigentlich wollte ich dadurch bezwecken, dass sie es ein wenig beschnupperte und als harmlos abstempelte, aber Pustekuchen. Sie fand dieses Monstrum ganz und gar nicht harmlos.
      Auf meine Geste reagierte das kleine Stutfohlen mit geblähten Nüstern und einem Schritt zurück.
      „Bleib stehen, Beverly.“, sagte Matthew bestimmt und stellte sich neben sie. „Stell dich nicht so an.“

      Auch wenn sich Beverly aufregte – um das Abhören kamen wir nicht rum. Also stand ich vorsichtig auf und stellte mich neben sie, legte das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter ihre Achselhöhle und bekam einen schnellen, aber regelmäßigen und kräftigen Herzschlag zu hören.
      „Mein Gott bist du aber aufgeregt!“, stellte ich fest und verschob das Kopfstück, um die Atmung abzuhören.
      Diese war auch etwas schnell, aber dennoch regelmäßig und ohne Beschwerden.
      „Alles super – aufgeregt, aber gesund.“, sagte ich zufrieden und legte mein Stethoskop zurück in mein Köfferchen.

      Nun wollte ich mir die Schleimhäute näher ansehen und bat Matthew darum, mir einmal zu helfen.
      „Sie ist so aufgeregt, da will ich jetzt nicht noch so an ihrem Kopf rumfummeln. Würdest du bitte einmal versuchen das untere Augenlid etwas hinunterzuziehen, damit ich die Farbe sehen kann?“, fragte ich freundlich und erhielt ein Nicken als Antwort.
      Beverly fand das Prozedere nicht toll und wehrte sich gegen Matthews Hände. Ich konnte einen kurzen Blick auf die rosafarbene und glänzende Schleimhaut werfen.
      „Okay, danke. Das reicht schon.“, sagte ich und lächelte. „Ich würde mir gerne noch ihr Zahnfleisch anschauen.“
      „Komm mal her, Süße. Zeig mal deine kleinen Zähnchen.“, sagte Matthew liebevoll und hob die Oberlippe des Fohlens an. Dadurch konnte ich einen Blick auf ein gesund aussehendes Zahnfleisch und kleine Babyzähne werfen.
      „Klasse – danke. Das war auch schon der Teil. Jetzt gibt es noch vier Piekser und dann sind wir fertig.“, sagte ich und ging zu meinem Köfferchen, um die Impfungen vorzubereiten.

      „Bitte halte die Kleine gleich richtig fest, ja?“, wies ich Matthew freundlich an und zog die letzte Impfdosis auf. Dann ging ich mit Desinfektionsmittel und Tupfern wieder zu Beverly und desinfizierte schnell die Stelle, an der ich die Impfungen setzen wollte.
      Die kleine Maus war wirklich angespannt und aufgeregt.
      „So jetzt piekt es einmal.“, warnte ich Matthew kurz und setzte dann die erste Impfung. Langsam drückte ich die Dosis in den Kreislauf des Fohlens und sprach leise auf es ein.
      Als die erste Spritze leer war, tauschte ich sie gegen die zweite Impfung und schließlich auch gegen die Dritte.

      „Das waren schon die Impfungen.“, sagte ich freundlich und brachte die leeren Spritzen zu meinem Köfferchen, ehe ich mir das Päckchen mit dem Chip heraussuchte.
      „Das wird jetzt ein fieser Piekser.“, sagte ich mitfühlend und nahm die Spritze mit dem Chip aus dem Tütchen, in welchem noch einige Strichcodeaufkleber mit der Transpondernummer waren.
      „Wir müssen jetzt einmal kurz Seiten tauschen.“, sagte ich zu Matthew und wenige Sekunden später desinfizierte ich auf der linken Halsseite eine kleine Fläche.
      Dann war es eine Sache von keinen fünf Sekunden und die dicke Nadel mit dem Transponder verschwand unter der Haut.
      „Fertig.“, sagte ich lobend und brachte die Spritze zum Köfferchen.
      „Jetzt muss ich nur noch kontrollieren, ob der Transponder richtig sitzt und dann kann die Kleine schon wieder zurück in ihre Box.“, erklärte ich und holte das Lesegerät aus meinem Köfferchen, um dann damit über die Stelle zu fahren, an der ich den Chip gesetzt hatte. Ein leises Piepsen ertönte und zeigte mir, dass Alles passte.

      „Nächster Patient bitte.“, sagte ich und lächelte, während Matthew Beverly losband und zurück in ihre Box brachte.

      Nun war Dajeen, ein Hannoveraner Stutfohlen an der Reihe.
      Matthew band die schöne Stute auf der Stallgasse an und lächelte, während ich schon mal den ersten Eindruck beurteilte:
      Dajeen hatte ein gutes Exterieur, sah gesund und munter aus. Ihr Fell glänzte und war der Jahreszeit angepasst. Ihre Augen wirkten wach und interessiert, ihre Ohren bewegten sich aufmerksam.

      „Na, Hübsche?“, sagte ich liebevoll und näherte mich ihr vorsichtig. Dajeen beäugte mich skeptisch, aber interessiert. Man sah, dass es in ihrem Kopf arbeitete.
      Ich knie mich, wie auch schon bei Beverly, vor sie und hielt ihr meine Hand hin, die sie interessiert beschnupperte.
      „Gutes Mädchen.“, sagte ich leise und wollte vorsichtig ihren Hals berühren, was sie nicht so toll fand. Fast empört trat sie einen Schritt zurück und blähte ihre kleinen Nüstern.
      „Hey – alles ist gut.“, sagte Matthew beruhigend und führte sie wieder einen Schritt näher.
      Wieder versuchte ich sie zu berühren und diesmal tolerierte sie es. Ihre Augen verfolgten die Bewegungen meiner Hand und ich streichelte vorsichtig über ihren Bauch.

      Nach einiger Zeit ging ich dann zu meinem Köfferchen und holte mein Stethoskop. Wieder bei Dajeen angekommen, hielt ich es ihr hin und sie beschnupperte es interessiert.
      Als ich dann das Kopfstück an ihre Seite drückte, wich sie aus.
      „Nein, Dajeen. Bleib stehen.“, wies Matthew sie an und ich versuchte es erneut.
      Daraufhin bekam ich einen kräftigen und regelmäßigen Herzschlag zu hören. Man merkte, dass die kleine Stute etwas aufgeregt war.
      Dann hörte ich noch die Atmung ab und stellte keine Mängel fest.
      „So – Alles super. Jetzt nur noch die Schleimhäute.“, sagte ich mehr zu mir selbst, als zu Allen anderen.
      Behutsam trat ich an Dajeens Kopf, streichelte vorsichtig über ihren Nasenrücken und zog dann vorsichtig das Unterlid ein wenig nach unten: Die Schleimhaut war rosa und sah gesund aus.
      Nun schaute ich vorsichtig in das Maul des Stutfohlens, welches sich leicht dagegen wehrte und versuchte seinen Kopf aus meinem Griff zu entwenden.
      „Schhhh … Ich bin sofort fertig.“, sagte ich und erhaschte einen Blick auf ein ebenso gesundes Zahnfleisch.

      „Klasse. Jetzt gibt es noch ein paar Piekser und dann bist du auch schon wieder fertig.“, erklärte ich Dajeen und bereitete die Impfungen vor.
      Dann desinfizierte ich kurz die Einstichstelle und verabreichte ihr dann die Impfungen.
      Währenddessen hatte die kleine Maus mehrmals vergeblich versucht sich aus Matthews Griff zu entwinden.

      „So – das waren die Impfungen.“, sagte ich zufrieden und holte die Spritze mit dem Chip. In der Zeit hatte Matthew sich schon wieder auf die andere Seite verzogen und ich konnte in Ruhe die Einstichstelle auf der linken Halsseite desinfizieren.
      „Achtung – jetzt macht das einmal Aua.“
      Langsam schob ich die Nadel unter die Haut des Fohlens und setzte den Transponder.
      Ich überprüfte den Sitz des Chips noch kurz mit dem Lesegerät und dann wurde Dajeen von Matthew schon wieder in ihre Box gebracht.

      „Wer ist jetzt dran?“, fragte ich Matthew freundlich, als er wieder bei mir war.
      „Ich würde sagen, dass wir uns jetzt Monsta schnappen.“, schlug er vor und wir gingen in den Stutenbereich des Stalls.

      Dort angekommen schlüpfte Matthew direkt in die Box des kleinen Reitponys und kurze Zeit später stand Monsta angebunden auf der Stallgasse.
      „Hallo, Mäuschen! Wie geht’s dir heute?“, fragte ich sie liebevoll und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin.

      Einige Minuten lang machte ich mich mit der kleinen Stute bekannt, die ab und zu versuchte meine Jacke nach Leckerchen zu durchsuchen.
      „So Süße – jetzt fangen wir aber mal an dich zu untersuchen.“, sagte ich und begann damit, den allgemeinen Zustand des Pferdes zu beurteilen.
      Monsta’s Gebäude sah gut aus, ihr Fell glänzte und das Langhaar, sowie die Hufe sahen gepflegt aus. Die Augen der Stute waren wach und strahlten Lebensfreude aus.
      „Das sieht doch schon mal ganz gut aus.“, sagte ich zu mir selbst und holte mein Stethoskop aus meinem Köfferchen, um die Atmung und die Herzfunktion von Monsta zu überprüfen. Schnell kontrollierte ich noch die makellosen Schleimhäute.
      Alles war voll nach meinen Ansprüchen und ich lächelte.
      „Dann wollen wir das kleine, gesunde Eselchen doch mal impfen.“
      Kurz bereitete ich die Impfungen vor, desinfizierte die Einstichstelle und verabreichte dem deutschen Reitpony dann die Impfdosen. Monsta fand die Angelegenheit nicht so toll: Als die Spritze durch ihre Haut ging, zuckte sie zusammen und schlug kurz mit dem Schweif.
      „So, das war’s schon. Jetzt noch schnell den Chip setzen und dann kannst du wieder in deine Box.“
      Nur wenige Minuten später setzte ich den Transponder unter die Haut der linken Halsseite, während Matthew die Stute zurechtwies. Sie hatte die Ohren angelegt und schaute ihn böse an.
      „Ich weiß, dass das doof ist. Aber jetzt stell dich nicht so an!“, sagte er bestimmend zu ihr und brachte sie dann wieder in ihre Box.

      „Wen darf ich jetzt quälen?“, fragte ich ihn spaßhaft, als er wieder bei mir war und lächelte schelmisch.
      „Santa Fee.“, schlug er vor und verschwand in die nächste Box. Wenige Sekunden später kam er mit einem schicken Fuchsschecken wieder zu mir.
      „Tadaaa – das ist Santa Fee.“, trällerte er und band die Stute auf der Stallgasse an.

      Als erstes begutachtete ich den ersten Eindruck des Pferdes: Santa Fee sah sehr gepflegt und munter aus. Ihre Augen glänzten frech und ihre Ohren überwachten aufmerksam die Geräusche der Umgebung. Ihr Fell glänzte ebenfalls und ihre Hufe sahen sehr gepflegt aus. An den Beinen hatte sie einige kleine Schrammen, die aber allesamt schon wieder verheilt waren.
      „Die Macken da hat sie vom Toben. Ab und zu spackt sie einfach komplett ab und kloppt sich mit den anderen Pferden. Da bleiben die Schrammen nicht aus.“, erklärte mir Matthew und ich trat zum Kopf der Stute, um ihre Schleimhäute näher anzusehen.
      „Du bist also hier die kleine Rabaukin!“, witzelte ich und stellte fest, dass die Schleimhäute bestens aussahen. „Dann wollen wir doch mal deine Atmung und dein Herz anhören.“

      Ich nahm mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und ging wieder zu der Stute. Auf ihrer linken Seite legte ich das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter die Achselhöhle und bekam einen ruhigen und kräftigen Herzschlag zu hören. Nun hörte ich noch kurz die Atmung ab und war bestens zufrieden.
      „Alles tip top!“, sagte ich und bereitete schnell die Impfungen vor, die ich ihr dann auch innerhalb weniger Minuten verabreichte und wieder aufräumte. Danach bereitete ich das Chippen vor und nur kurze Zeit später war Santa Fee auch schon wieder fertig.
      „Das war klasse. Aber Fee – nächstes Mal zappelst du bitte nicht so und böse angeguckt werden will ich auch nicht.“, tadelte ich sie spaßig und Matthew brachte sie wieder in ihre Box.
      Kurze Zeit später kam Matthew mit dem nächsten Patienten zu mir: Romantica.
      „Du bist aber eine Hübsche!“, sagte ich liebevoll und machte mich ein wenig mit ihr bekannt. Sie beschnupperte meine Jacke und meine Haare und suchte ein wenig nach Leckerchen. Währenddessen bewertete ich innerlich schon den allgemeinen Zustand des Pferdes:
      Romantica’s Fell glänzte gesund und ihre Hufe sahen gepflegt aus. Ihre Augen schauten sich neugierig um und sie war aufmerksam.
      „Dann schauen wir uns doch mal deine Schleimhäute an.“, sagte ich leise und trat wieder zu ihrem Kopf. Ich konnte keine mängel feststellen – eine kräftige rosa Färbung und eine ansprechende Kapillarfüllzeit sprachen für einen guten Zustand.
      Kurz hörte ich die Atmung und die Herzfunktion ab und bereitete dann die Impfungen vor. Nur wenige Minuten später war Romantica wieder komplett geimpft und ich musste nur noch den Chip setzen. Gekonnt setzte ich die große Nadel und es war eine Sache von keinen zwei Sekunden, ehe der Transponder richtig saß und ich mit dem Lesegerät den Sitz überprüfte.

      „Klasse! Sie ist fertig.“, sagte ich zu Matthew und räumte auf.
      Nun war Casey an der Reihe. Matthew brachte die hübsche Stute zu mir und band sie auf der Stallgasse an.
      „Hallöchen, Hübsche!“, sagte ich freundlich und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin. Etwas schüchtern schnupperte sie an mir und zog sich dann zurück.

      „Also - entweder stinke ich heute, oder irgendwas stimmt nicht.“, witzelte ich gespielt beleidigt und musste dann lachen.
      Casey sah gut aus: Ihr Fell glänzte und war dicht gewachsen. Ihre Hufe sahen gut aus und ihr Langhaar war gepflegt. Ihre Augen – hübsche Augen übrigens – beobachteten mich aufmerksam und erschienen klar.
      Behutsam schaute ich mir die Schleimhäute der Stute an, die mich einfach machen ließ, auch wenn man ihr ansah, dass sie mir ein wenig misstraute.
      Auf jeden Fall sahen die Schleimhäute gut aus und ich konnte nun die Atmung und das Herz abhören. Beides sprach zu meiner vollsten Zufriedenheit und ich konnte der schönen Dame mit gutem Gewissen die Impfung verabreichen.
      Danach chippte ich sie noch kurz und überprüfte den Sitz des Transponders mit dem Lesegerät, welches ein Piepen abgab und mir die Nummer anzeigte.
      „So. Das ging ja fix! Bist schon fertig.“, sagte ich liebvoll zu ihr und räumte meine Sachen auf.

      Gerade als Matthew mit Casey in der Box verschwand, kam eine junge und sympathische Frau auf mich zu.
      „Jamie! Es tut mir leid, dass ich jetzt erst hier bin, aber ich musste noch was wegen meinem Neuzugang klären.“, entschuldigte sie sich und gab mir die Hand.
      „Du bist Elisa, oder?“, fragte ich lächelnd. „Und das ist doch nicht schlimm. Matthew hat mir bestens unter die Arme gegriffen. Wir sind gerade fertig geworden.“
      „Oh ja – ich bin Elisa.“, sagte sie und lächelte. Matthew kam auf uns zu.
      „Jamie? Du könntest nicht ganz zufällig noch nach meinem Neuzugang schauen, oder?“, fragte sie mich hoffnungsvoll und mir blieb nichts anderes übrig, als mit einem beschwingten Lächeln hinter Elisa herzugehen.

      „Es geht um Nacromancer in the Dark. Ich hab ihn noch nicht allzu lange und er soll bald zur Körung, aber er müsste noch geimpft und gechippt werden.“, erklärte sie mir und wir blieben vor einer Box stehen, aus der ein hübscher, brauner Pferdekopf lugte.
      „Hey Süßer!“, sagte ich liebevoll und hielt ihm meine Hand entgegen, die er – wie es sich für einen Charmeur gehört – direkt ableckte.
      Ein Lachen entfuhr mir und Elisa stimmte ein.
      „Nacro! Das macht man nicht!“, tadelte sie ihn spaßig und kurze Zeit später stand der Hengst auf der Stallgasse.

      Sein äußeres Erscheinungsbild sprach mir sehr zu. Der DRP-Hengst stand gut im Futter, sah sportlich aus und sein Fell glänzte. Seine Hufe und sein Langhaar waren gepflegt und sein Blick wach und aufmerksam.
      Seine Schleimhäute konnte ich ohne Probleme kontrollieren und auch die Atmung und das Herz gaben mir keinen Grund zur Sorge.
      „Alles bestens! Du hast ein quietsch-gesundes Hengstchen.“, sagte ich freundlich und bereitete die Impfungen vor, die auch direkt ihren Weg in Nacro’s Kreislauf fanden.

      Wenige Minuten später, saß auch der Transponder an der richtigen Stelle und ich räumte meinen ganzen Kram in mein Köfferchen.
      „Das war’s auch schon wieder.“, sagte ich zufrieden und suchte die passenden Wurmkuren aus meinem Köfferchen. „Also, ich hab deine Schätzchen jetzt alle geimpft und gechippt. Die Wurmkuren gibst du allen bitte in sechs bis acht Tagen, wenn die die Impfung verkraftet haben. Die Paste dosierst du bitte nach der Packungsbeilage und schmierst deinen Mäuschen das Zeug dann in das Maul. Wenn du das nicht schaffst, kannst du das auch über einen Apfel oder ein Brötchen verfüttern. Hauptsache ist, dass die das in den Magen bekommen. Okay?“, erklärte ich Elisa freundlich und drückte ihr die Wurmkuren in die Hände.
      „Alles klar, Chef!“, sagte sie, lächelte und ich verabschiedete mich.

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    • Samarti
      Pflegebericht 24. Dezember 2013 - Weihnachten auf dem Gestüt

      „Unser erstes gemeinsames Weihnachten“, murmelte ich leise und betrachtete den riesigen, noch ungeschmückten Weihnachtsbaum, der den Weg in unser Haus gefunden hatte. Matthew und Harry brummelten mir zustimmend irgendetwas zu, während sie am großen Tisch saßen und Armdrücken spielten. Sie wollten unbedingt wissen, wer von den Beiden der Stärkere war. Seufzend drehte ich mich wieder von ihnen weg und befestigte eine weitere Christbaumkugel an einem der Zweige. Im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik und die letzten Töne von „Let It Snow“ erklangen gerade, als das nächste Lied angespielt wurde.
      „Mach das aus!“, schrie ich nahezu und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft herum, was dazu führte, dass mein Gleichgewichtssinn sich verabschiedete. Ich konnte mich gerade noch so auf der Leiter halten, ohne umzukippen und stieg schließlich die Stufen herunter, um mich auf den Weg zum Radio zu machen.
      „Schalt es ab“, wiederholte ich knurrend und suchte den Lautstärkeregler des Radios.
      „Was hast du denn gegen Last Christmas?“ Matthew sah mich verwundert an, seine Augenbrauen schossen fragend in die Höhe.
      „Ich hasse es einfach. Es ist nervig.“
      „Ich finde es schön“, protestierte Lucy und ich warf ihr einen tödlichen Blick zu, um sie zum Verstummen zu bringen. Im nächsten Moment musste sie laut lachen. Nein, meine Blicke konnten leider nicht töten.
      „Macht es einfach aus“, stimmte Joline mir zu, „ich finde es auch scheußlich. Jedes Jahr dasselbe, dämliche Lied. Ich kann es nicht mehr hören.“
      Ich sah sie lächelnd an, dankte ihr dafür und beobachtete Harry, der auf einen anderen Sender umschaltete. Als er sich zu mir umdrehte, zierte ein belustigtes Grinsen sein Gesicht.
      „Da haben sich die Radiosender wohl gegen dich verschworen.“
      Ich stöhnte genervt auf und ließ mich auf einen der Stühle fallen, die im großen Wohnzimmer verteilt standen. Mein Gesicht vergrub ich demotiviert in meinen Handflächen und ein lauter Seufzer verließ meinen Mund. Es konnte doch nicht wahr sein, dass auf jedem gottverdammten Sender dieses nervtötende Lied gespielt wurde! Ein wunderbarer Weihnachtstag, ein wunderbarer Heiligabend wegen diesem wunderbaren Lied. Man bemerke bitte die Ironie in dieser tatkräftigen Aussage.

      „Beverly und Dajeen sind bereits in ihren Boxen. Was ist mit Goldherz und Casey?“ Harry lief unruhig auf und ab, verwirbelte dabei einige Strohhalme in der Stallgasse, die soeben gefegt worden war. „Goldherz steht in ihrer Box. Casey muss noch hereingeholt werden, Romantica auch. Machst du das bitte eben?“, bat ich ihn und händigte ihm die zwei Halfter aus, die für die beiden Reitponystuten bestimmt waren. Er nickte und verschwand nach draußen. Es würde laut Wetterberichten eine kalte Weihnachtsnacht werden, weshalb die Pferde und Ponys die Nacht in den Ställen verbringen würden. Der Regen dürfte in Folkestone auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Dieses Jahr gab es wohl keine weiße Weihnacht. Danke, Erderwärmung.
      Nur kurze Zeit später erschien Harry mit den beiden Scheckstuten im Stalltrakt und führte sie in ihre warmen, frisch eingestreuten Boxen. Ich seufzte bei dem Gedanken daran, dass wir wahrscheinlich bald wieder umziehen würden. Eigentlich wollte ich dies nicht, doch ich hatte eine kleine Ranch in Aussicht, ganz in der Nähe von diesem Gestüt. Sie war gemütlich und wurde nur verkauft, weil die ehemaligen Besitzer verstorben und keinerlei Erbanwärter vorhanden waren, weshalb sie schließlich zwangsversteigert werden musste. Ich hatte mich sofort in diese Ranch verliebt, aber … es war schwierig, vom Gestüt The Mountain Yard loszukommen. Schließlich wohnten wir hier erst seit einem halben Jahr, doch ich bemerkte, dass die Anlage einfach zu groß für uns war. Wir hielten nur siebzehn Pferde, und für diese reichte die kleine Ranch in Dover in der Nähe der Kreidefelsen vollkommen aus. Dann würde ich das Gestüt hier wohl oder übel verkaufen müssen.
      Ein wenig Hufgetrappel ertönte, als ich mich umdrehte und nach draußen sah. Dort standen Flame und Dahiba, fertig geputzt und gesattelt. Sie warteten nur noch darauf, ihre Trensen übergezogen zu bekommen, dann würden wir in einen kurzen Ausritt starten. Sie brauchten ihre Bewegung.
      Mein Reithelm saß fest auf meinem Kopf, als ich auf Dahiba aufstieg und Joline neben mir das Gleiche bei Flame tat. Es war kühl und ich fror ein wenig, hatte ich doch nur einen Sweater angezogen, aber das musste nun sein. Augen zu und durch!

      Nach nicht sehr viel Zeit trafen wir wieder auf dem Hof ein. Die Dämmerung brach schon an, als die beiden Stuten in ihren Boxen standen und es schien, als würde sich bald die Nachtdecke über Folkestone niederlassen. Der Himmel war in eine bunte Mischung aus verschiedensten Farben getaucht worden, und kurz gesagt: Es war wunderschön.
      „Rapsoul, Pamino und Sonic Syndicate sind in den Boxen. Holt bitte noch Herbstblatt, Chronos und Da Vinci rein!“, wies Charles Neill und Mason an, die sofort auf seine Anweisung hörten und auf der Weide verschwanden, um besagte Hengste in die Boxen zu bringen.
      „Hat sich Dusk Till Dawn gut eingelebt?“, wandte sich der Ausbilder und oberste Stallmeister nun an mich und ich nickte nur leicht. „Ja. Trotz der Tatsache, dass er erst seit einem Tag hier ist, macht er sich wahnsinnig gut.“
      „Das ist schön zu hören. Monsta muss noch in die Box!“, rief er Harry zu und klatschte in die Hände, um alle auf sich aufmerksam zu machen. „Elisa, hol du Nacromancer in the Dark in den Stall. In Ordnung?“ Ich nickte erneut. Obwohl er für mich arbeitete, war er so etwas wie ein Vater für mich und half mir oft dabei, alles geordnet zu halten.
      Meine Beine trugen mich eilig auf die Hengstweide und mit einem kurzen 'Klick' sprang der Karabinerhaken ein, sodass Nacros Halfter nun fest auf seinem Kopf saß. Es war eigentlich unnötig, denn der Hengst folgte mir auch so. Dennoch ging es so schneller.
      Es war bald schon in seiner Box und die Pferde waren alle versorgt worden – inklusive einer kleinen Weihnachtsüberraschung, die sie in ihren Trögen fanden.

      „Sie erinnert mich an ein kleines My Little Pony“, lächelte ich Matthew zu und deutete auf das Bild einer Criollo-Tinker-Mix Stute, die momentan zum Verkauf stand. Ich hatte sofort ein Auge auf sie geworfen und mich um sie beworben, doch ich war nicht die Einzige, die sie haben wollte. Dennoch hoffte ich auf das Beste.
      „Lass uns zu den Anderen“, murmelte Matthew und strich mir sanft über den Rücken. Ein kleiner Schauer lief mir über diesen und ich musste augenblicklich noch breiter lächeln.
      „Gerne“, erwiderte ich, stand auf und zögerte dann., bevor ich wirklich zu den Anderen ging und ihn hinter mir herzog. Und so verbrachten wir einen ganzen Abend mit leckerem Weihnachtsessen, einer wunderschönen Bescherung und einem ebenso wunderbaren Heiligabend. Trotz der Tatsache, dass wir in England waren, behielten wir noch deutsche Traditionen bei uns – mal sehen, wie lange die noch anhalten würden.
    • Samarti
      Trainingsbericht 11. Januar 2014 - Dressur A-L

      „Romantica muss wieder trainiert werden. Ich weiß zwar, dass wir … immer noch nicht wieder ganz warm miteinander sind, aber ich würde mich freuen, wenn du mir helfen könntest.“ Leise murmelnd sprach ich diese Sätze aus; wagte es nicht, Matthew ins Gesicht zu blicken. Er stellte noch immer etwas auf stur, obwohl Harry uns schon längst wieder verlassen hatte. Ich wusste nicht, was ihn daran hinderte, sich mir wieder anzunähern, doch irgendwie … schien er mir noch immer sauer zu sein.
      „Ich habe keine Zeit“, entgegnete er nur und ich sackte sofort in mich zusammen. Was sollte das? Er versuchte ja nicht einmal, dass wir uns wieder besser miteinander verstanden. Laut ihm bedeutete ich ihm viel, aber warum tat er dann nichts dafür, unsere Freundschaft aufrecht zu erhalten? Laut atmete ich aus. Mein Blick hob sich und ich sah dem jungen Mann vor mir in die Augen. Seine Augen trafen auf meine, meine Augenlider senkten sich und ich atmete erneut tief durch, um die Tränen zurückzuhalten, die drohten, sich den Weg über mein Gesicht zu bahnen. Natürlich tat es mir weh, dass er anscheinend nicht viel mit mir zu tun haben wollte. Dieser ganze Stress machte mich unheimlich sensibel. Ich hätte in dieser Zeit wirklich einen guten Freund gebrauchen können, doch Harry war leider weg und mit Matthew ließ sich nicht reden. Gut, er ließ mich nicht mit sich reden. Kopfschüttelnd machte ich auf dem Absatz kehrt und ließ ihn dort stehen. Mir doch jetzt egal, dass er in dem Moment dumm aus der Wäsche guckte. Was er konnte, konnte ich schon lange. Auch, wenn ich es eigentlich nicht wollte.

      „Was ist dir denn für eine Maus über die Leber gelaufen?“, grinste Sophia mich an, doch ihre Mundwinkel wanderten sofort wieder nach unten, als ich sie anblickte und nur unmotiviert mit den Schultern zuckte. „Matthew ist passiert, ganz einfach.“
      „Schon wieder?“
      Ich zuckte mit den Schultern und sah wieder auf den Boden, nicht dazu imstande, ihr in die Augen zu sehen. Sobald ich das tat, würde meine Fassade bröckeln, dessen war ich mir sicher.
      Eine zierliche Hand legte sich auf meine Schulter und drückte leicht. Ich wusste, wie schwer es Sophia fiel, andere Menschen zu trösten, deshalb war ich ihr wegen dieser kleinen Geste sehr dankbar. „Ich versteh ihn einfach nicht. Einerseits meint er, ich hätte zu wenig Zeit für ihn und dann? Dann lässt er mich nicht einmal was daran ändern“, grummelte ich unverständlich vor mich hin; Sophia hörte mich dennoch. Sie strich mir beruhigend über den Rücken, was mir tatsächlich half, etwas herunterzukommen. Dankend lächelte ich sie an und wandte mich dann mit einem „Ich muss dann mal“ von ihr ab, um meinen Weg in den Stall fortzusetzen.

      Romantica empfing mich bereits mit einem erfreuten Schnauben und rieb ihren Kopf an meinem Oberkörper, als ich mich zu ihr stellte und ihr sanft über die Stirn strich. Ein leichtes Lächeln zierte mein Gesicht und ihre Aktionen ließen mich Matthew vergessen. Zumindest mehr oder weniger.
      Mit einigen flotten Handgriffen war sie geputzt, der nigelnagelneue schwarze Springsattel lag auf ihrem Rücken und auch die Trense war schon bald festgeschnallt. Nachdem ich mir noch meinen Reithelm aufgesetzt und diesen festgezogen hatte, konnte es auch schon bald losgehen und so stapften wir gemeinsam in Richtung der Reithalle. Aufgrund des Sauwetters in der letzten Zeit in Irland und auch besonders in Cornwall musste ich das Training leider in die Halle verlegen, da die Reitplätze unter Wasser standen – und auch mit den Weiden sah es nicht besser aus. Unser Keller war auch schon überschwemmt gewesen, es hatte einige Zeit gedauert, bis das Wasser vollständig ausgeschöpft worden war.
      Nichtsdestotrotz war ich an diesem Tag guter Dinge, dass das Training erfolgreich verlaufen würde. Ich hatte in der letzten Zeit häufig mit Romantica trainiert und den Schwierigkeitsgrad der Hindernisse immer mal wieder gesteigert, sodass wir heute auf einem guten L-Niveau trainieren würden. Und wenn dabei alles gut verlief, würde ich behaupten können, dass Romantica L-fertig wäre.
      Nachdem ich Romantica warm geritten hatte, damit ihre Gelenke keinen Schaden davontrugen, während wir die Sprünge überwanden, begannen wir mit den ersten Hindernissen. Das erste Hindernis war ein einfaches Rick und eher zum 'Reinkommen' in das Springen gedacht. So langsam steigerten sich die verschiedenen Höhen und Weiten. War das erste Hindernis lediglich neunzig Zentimeter hoch, so war das zweite 95 Zentimeter hoch und wenige Sprünge später waren wir bei einem Meter angekommen, also der durchschnittlichen A-Höhe.
      Ein bunter Oxer mit Stangen in den verschiedensten Farben erregte Romanticas und meine Aufmerksamkeit. Er war vielleicht einen Meter breit, ebenso auf A-Höhe, doch zum Reinkommen war er wohl genau richtig. Zwar waren wir noch etwas beim Aufwärmen, allerdings wollten wir uns doch auch steigern und da kam dieses Hindernis gerade recht.
      Romantica spitzte ihre Ohren – okay, zumindest eines. Das eine war nach vorn gerichtet, während das andere nach hinten zeigte, um so auch auf mich achten zu können. Ich lächelte über ihre Konzentration und auch die Aufmerksamkeit, die sie mir gegenüber erbrachte. Es war nicht schwer, zu bemerken, dass ihr das Springen große Freude bereitete und deshalb wollte ich sie auch auf jeden Fall in dieser Disziplin fördern, denn Talent sah ich ihn ihr allemal. Und das sagte ich jetzt nicht nur, weil sie mein Pferd war und ich das Reiten auf ihr schönreden wollte, sondern weil ich es wirklich ernst meinte.
      Mit schwungvollen Galoppsprüngen bewegten wir uns auf den Oxer zu, während ich im Kopf die Sprünge mitzählte und Romantica somit half, sich vor dem Sprung zu ordnen und diesen schließlich zu überspringen. Als ich bei Null ankam, vermittelte ich ihr die benötigten Hilfen, um sie vor dem Hindernis zu versammeln und ihr hierdurch dabei half, losgelassen in die Luft springen zu können. Für den Bruchteil einer Sekunde flogen wir beinahe über das Hindernis, während ich mich im Sattel entlastete und etwas nach vorne lehnte. So schnell wie die Flugphase vorüber war, bewegten wir uns auch wieder auf den Boden zu, weshalb ich mein Gewicht nach hinten verlagerte. Mit einem sanften Ruck trafen die Vorderhufe der Scheckstute auf dem Boden auf und sie ordnete sich kurz wieder, ehe sie erfreut mit dem Kopf schüttelte und vor lauter Euphorie sogar einen kleinen Buckler einlegte, sich danach jedoch sofort wieder an den Zügel stellen ließ.
      In etwa so verliefen auch die restlichen Sprünge, die sich noch auf A-Niveau befanden. Anscheinend empfand Romantica die Hindernisse als zu einfach, also wollte ich mal sehen, ob sie in der L-Höhe beziehungsweise L-Weite eine Herausforderung sah, die ihr würdig war.
      Fehlanzeige.
      Auch bei einem Sprung mit einer Höhe von sage und schreibe hundertzwanzig Zentimetern ließ sie sich nicht beirren und überwand den Sprung mit reichlich Luft zwischen ihr und der höchsten Stange, was mein Herz dann vor lauter Stolz förmlich auf die dreifache Größe anschwellen ließ. Okay, vielleicht nicht wortwörtlich, das wäre ja irgendwie schon ganz schön ungesund, wenn gar tödlich.
      Na ja, auf jeden Fall war ich stolz auf meine kleine Stute, die dann doch zu so einem großen Pferd mutierte, wenn es um das Springreiten ging!
      Nachdem wir auch einen künstlichen Wassergraben mit einer beachtlichen Weite von 135 Zentimetern hinter uns zurückließen, ohne dass Romantica auch nur einen Fehler beging, war es für mich klare Sache, dass sie schon lange L-fertig war.
      Zwar war noch immer Pamino mein hauseigener Überflieger, doch Romantica war tatsächlich auf dem besten Weg, ihm Konkurrenz zu machen. Und das wurde mir klar, als ich in ihrem Trainingspass vermerkte, dass sie im Springen nun auf L-Niveau war.

      Ähnlich verlief es mit Monsta. Zwar war es diesmal nicht das Spring-, sondern Dressurreiten, welches ich mit ihr übte, dennoch schien sie eine heimliche Schwäche für dies entwickelt zu haben. Ich war definitiv froh, dass die Stute wieder bei mir stand. Nach einem ewigen Hin und Her hatte ich sie dann schlussendlich doch zu mir geholt und ich hoffte, dass sie hier auch noch eine lange Zeit bleiben würde – Potenzial sah ich auf jeden Fall in ihr! Zwar mehr im Distanzreiten als in der Dressur, doch nach unserem Training ließ mich das Deutsche Reitpony meine Überlegungen noch einmal überdenken.
      Zunächst einmal übten wir erneut die Anforderungen einer A-Dressur und gingen diese gründlich genug durch, um zu erfahren, ob Monsta auch tatsächlich für das Training bereit wäre. Hierbei legte ich nicht nur Wert darauf, dass die Gangarten und Hufschlagfiguren ordentlich ausgeführt wurden, auch die Lektionen – also Viereck verkleinern und vergrößern, der einfache Galoppwechsel, das Zügel aus der Hand kauen lassen und das Rückwärtsrichten – kamen keinesfalls zu kurz.
      Und ja: Sie war mehr als bereit!
      Das zeigte sie mir mehr als deutlich, indem sie einfach alles so durchführte, wie ich es von ihr sehen wollte, sodass wir nach nur einer Stunde Wiederholen mit den Anforderungen einer L-Dressur beginnen konnten.
      Hierzu begannen wir mit den neuen Hufschlagfiguren, die mein ach so talentiertes Pony als wohl gar nicht schwierig empfand. Nein, sie vollführte die acht Meter-Volten im Galopp, als wäre es das normalste auf der Welt und als ob sie Tag ein, Tag aus nichts Anderes auf der Weide machen würde, als diese zu üben. Aber vielleicht war ja genau das der Grund dafür, dass sie diese so … einwandfrei beherrschte? Innerlich stellte ich mir beim Reiten vor, wie das bunte Pony immer wieder die Volten galoppierte, nur um sie beim Training zu beherrschen. Welch absurde Einbildung. Ein Grinsen umspielte meine Mundwinkel und hob sie an, während ich jedoch weiterhin konzentriert auf das Tier unter mir achtete, mit dem ich in diesem Moment die Hufschlagfigur halbe Volte links und halbe Volte rechts übte, die natürlich kein Problem darstellten. Mensch, woher hatte Monsta nur dieses Wissen? Seit wann war sie so verflixt schlau?!
      Daraufhin folgte ein aus der Ecke kehrt mit ebenfalls acht Metern Durchmesser. Nichts.
      Durch die halbe Bahn wechseln. Keine Fehler.
      Durch die Länge der Bahn wechseln. Wieso zur Hölle konnte Monsta das alles schon?! Hatte irgendjemand heimlich mit ihr trainiert, um mich zu verarschen?!

      Tage darauf folgten die neuen Gangarten: der versammelte Trab und der versammelte Galopp. Dies waren die einzigen beiden Gangarten, die in einer L-Dressur hinzukamen und beide verliefen nach einem ähnlichen Schema.
      Zunächst einmal widmeten wir uns dem versammelten Trab. Hierzu ritten wir viele Schritt-Trab-Übergänge, die Monsta nach einigen Wiederholungen dazu brachten, ihren Trab wie von selbst zu verlangsamen, da ihr bewusst war, dass sie kurz darauf wieder in den Schritt durchpariert werden würde. Hierbei verkürzte sie ihr äußeres Erscheinungsbild, nach einiger Zeit wechselte sie also in einen zwar etwas unsicheren, aber dennoch ganz ordentlichen versammelten Trab, den ich nach einer kurzen Zeit jedoch wieder auflöste und ihr somit eine kurze Pause gab, damit sie auch nicht überfordert wurde. Wir wiederholten das Ganze immer wieder, bis ich mit der Versammlung im Trab zufrieden war und mich gutgläubig dazu entschied, mit dem versammelten Galopp fortfahren zu können.
      Zum Erlernen dieser Gangart wurde das gleiche Spiel wie zuvor wiederholt, diesmal jedoch mit Schritt-Galopp-Übergängen. Da Monsta den versammelten Trab bereits beherrschte, war es ein Leichtes für sie, den Sinn dieser Übung nicht zu hinterfragen, sondern zu verstehen. Ebenso wie im Trab versammelte sie sich auch bald in der nächstschnelleren Gangart und verkürzte hierbei jedoch ihren Rahmen, sodass eine Versammlung im Galopp erreicht wurde. Auch hier wurden wieder mehrere Schrittpause eingelegt, damit das bunte Pferd sich beruhigen und ausruhen konnte, ehe die Übung wiederholt wurde.

      Nachdem auch die Gangarten auf unserer Liste abgehakt worden waren, wandten wir uns dem letzten Teil der Ausbildung zu: den drei neuen Lektionen. Dies waren der Außengalopp, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung.
      Um den Außengalopp zu erreichen, galoppierte ich Monsta an, dann wechselten wir durch die halbe Bahn. Die war wichtig, da bei dem Wechsel durch die ganze Bahn die Ecke zu früh kam, weshalb viele Pferd automatisch in den Handgalopp oder einen schlimmen Kreuzgalopp wechselten, was ich nicht provozieren wollte. Wir brachten etwa zwanzig Meter im Außengalopp hinter uns, ehe wir in der Nähe der nächsten Ecke ankamen. Wir ritten jedoch nicht in die Ecken, sondern wechselten sofort danach wieder durch die halbe Bahn und befanden uns somit im Handgalopp, woraufhin ich Monsta lobte. Der Außengalopp war eine grandiose Lektion, um das Pferd besser geraderichten zu können und die Hinterhand besser unter den Schwerpunkt zu bringen. Gerade im Galopp schieben viele Pferde die Hinterhand gern nach innen, um so der Lastaufnahme auf dem inneren Hinterhuf zu entgehen. Da man die Vorderhand auf die Hinterhand einrichten muss, ist dann eigentlich schultervorartiges Reiten angesagt.
      Jedenfalls wiederholten wir diese Lektion einige Male, wobei ich auch verstärkt darauf achtete, dass ich nicht die Verbindung zum Pferdemaul verlor und mein Gewicht richtig einsetzte. Doch bereits nach kurzer Zeit konnte ich auch den Außengalopp auf meiner „How to: Monsta Dressur A-L“-Liste abhaken und mich somit der Kurzkehrt zuwenden. Auch diese klappte relativ gut nach einigen Übungen und so kamen wir schließlich beim letzten Teil der L-Dressur an: der Hinterhandwendung.
      Zur Übung dieser lagen zwei Stangen in einem rechten Winkel zueinander auf dem Hallenboden, die als eine Art Begrenzung dienen sollten, damit Monsta nicht „ins kalte Wasser geworfen wurde“.
      Unser Vorgehen war dabei wie folgt: Wir ritten auf die Mittellinie, wendeten aus dem Schritt heraus und ritten in die Ecke hinein. Die Stute drehte sich daraufhin um das innere Hinterbein. Diese Lektion übten wir so lange, bis es auch ohne begrenzende Stangen klappte und somit auch das Training vollbracht war.
      Monsta schien über die Beendung des Trainings ebenso erfreut zu sein wie ich.

      „Matthew, bitte.“
      Ein leichtes Kopfschütteln, begleitet von einem tiefen Seufzer, der ihm entfuhr.
      „Wieso nicht? Was ist dein Problem? Harry ist weg!“
      „Ja, Harry ist weg! Und genau dann kommst du wieder bei mir an!“
      „Du benimmst dich wie ein eifersüchtiger Freund, dabei sind wir nicht einmal zusammen.“
      Er stöhnte genervt auf und tigerte durch den Raum, während seine Finger immer mal wieder auf die Tischplatte oder gegen eine Wand klopften, sobald er sich einer näherte. „Du verstehst meinen Punkt nicht. Ich bin bei dir doch immer nur die zweite Wahl, nie war ich die erste.“
      „Das, was du erzählst, ist völliger Blödsinn, Matthew“, widersprach ich und warf meine Arme gestikulierend in die Luft, weil es mich so aufregte. Dann fasste ich mir an den Kopf, raufte die Haare und stöhnte ebenfalls auf. „Jetzt lass uns einfach … bitte.“
      „Tut mir leid, solange du mich nicht einmal so schätzt, wie ich bin und mir ständig jemanden vorziehst, wird das nicht passieren“, erwiderte er monoton und in diesem Moment kam ich mir vor, als hätte er keine Gefühle. Ein Herz aus Stein.
      „Aber ich stelle niemanden über dich. Du bist derjenige, der mich so nimmt wie ich bin, mit all meinen Fehlern. Und du bist derjenige, in den ich mich verliebt habe“, nuschelte ich flüsternd und kämpfte mit den Tränen, doch da war er schon Hals über Kopf aus dem Raum gestürmt.
      Vielleicht wurde man sich dessen, wie viel einem eine Person bedeuten konnte, wirklich erst bewusst, wenn man sie verloren hatte.
    • Samarti
      Pflegebericht 11. Januar 2014 - Der Umzug nach Penzance

      Mit emotionslosem Blick betrachtete ich das bunte Treiben auf dem Gestüt The Mountain Yard. Es war noch hektischer und lauter als sonst. Dabei war es erst sechs Uhr in der Früh, doch wir alle mussten uns auf den Umzug vorbereiten. Mit einem lauten Seufzer zog ich mir schließlich meine Jacke über, schlüpfte in meine Schuhe und schnappte mir meinen Schlüssel, bevor die Haustür lautstark hinter mir zuknallte und ich ins Freie trat. Mir wurde kaum Beachtung geschenkt – waren doch alle mit dem Verpacken von Ausrüstung, dem Verladen der Pferde oder sonst irgendwelchem Kram beschäftigt, der uns auf den Umzug vorbereiten sollte. Es standen nur noch vier Pferde auf dem Hof, besser gesagt vier Ponys. Goldherz brummelte mir aus ihrer Box zu, als sie mich erblickte und damit auch die paar Karotten in meiner Hand sah. Ich bewegte mich mit langsamen, ruhigen Schritten auf die Boxentür meiner Stute zu und streichelte sanft über ihr weiches Winterfell, das auf ihrem Nasenrücken wuchs. „Na, Liebling?“, murmelte ich leise und meine Hand wanderte zu ihren Ohren, die ich kraulte. Ein stummes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, als Goldherz ihre Augen schloss, tief ausatmete und den Kopf ein wenig senkte. Dann jedoch wurden ihre dunkelbraunen Augen wieder sichtbar und ein kleiner Ponykopf rieb sich behutsam an meinem Oberarm, bevor Goldherz sich mit ihrem Kopf an mich lehnte und erneut tief ausatmete. Ich entspannte mich für einen Moment, vergaß den Umzugsstress und den Trubel auf meinem Hof und konzentrierte mich nur auf das gescheckte Pony vor mir. Goldherz war schon immer der Liebling meiner Pferde gewesen. Bereits vor einigen Jahren hatte sie ich zuerst erblickt und sie daraufhin gekauft. Ich hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um aus ihr die Stute zu machen, die sie heute ist. Ich hatte sie krönen lassen, mit mir hatte sie mehrere Schönheitswettbewerbe und Turniere bestritten und Schleifen nach Hause bringen können. Ich war jedes Mal dabei, wenn sie ein Fohlen auf die Welt brachte. Leider war ich auch diejenige, die völlig überstürzt das Land verlassen hatte. Goldherz fand zwar einen Platz bei Juu, verletzte sich aber beim Springen an der Beugesehne und Juu beschloss, sie zu ihrem Wohl auf die Gnadenweide zu stellen. Niemand hatte eigentlich Hoffnung gehabt, dass die Verletzung wieder abklingen würde – war doch nicht mit ihr zu spaßen. Doch Weihnachten 2012 hatte Michelle mir das wohl beste Weihnachtsgeschenk gemacht, das sie mir hätte machen können. Sie war mit einem Tierarzt und joe zu Juu gefahren, um Goldherz abzuholen. Ihre Verletzung war zu dem Zeitpunkt nicht mehr besonders schwerwiegend gewesen und sie konnte langsam wieder mit dem Training beginnen. Nun, irgendwann hatte Michelle mir erzählt, dass sie eine Überraschung für mich hätte. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie mir tatsächlich Goldherz wiederholen konnte.
      Aus der Nebenbox ertönte ein empörtes Schnauben und Goldherz hob ihren Kopf, um Casey einen giftigen Blick zuzuwerfen. Sie war zwar die Mutter des Grauschecken, doch wenn Goldherz ein wenig Aufmerksamkeit bekam und ihr die jemand wegnehmen wollte, wurde sie zickig und beinahe eigen. Ein erneutes Lächeln zierte meine Mundwinkel, während ich Goldherz eine Möhre zusteckte und sie diese genüsslich zermalmte. Die Zeit nutzte ich, um mich Casey zu widmen. Diese studiere mich aufmerksam, als ich auf sie zulief und mit der Möhre vor ihrem Kopf wedelte. Ihre blauen Augen verfolgten wachsam diese und ich konnte sehen, wie ihr förmlich das Wasser im Mund zusammenlief. Dennoch machte sie keine Anstalten, mir die Karotte aus der Hand zu ziehen, weshalb ich sie ihr schließlich doch selbst gab und ihr den Hals klopfte. Mein Weg führte mich zur nächsten Box, in der sich Romantica befand. Sie war heute Morgen bereits versorgt worden und trotz der Tatsache, dass sie durch den Koppelzaun gesprungen und ihre Verletzung somit erst drei Tage her war, sahen ihre Schnittwunden nicht mehr gänzlich so schlimm aus wie zu Anfang. Auch die Prellung am Bein hatte nachgelassen und sie dürfte die Fahrt problemlos überstehen. Romantica bekam ebenfalls eine Möhre zugesteckt, ebenso wie Monsta, die in der vierten Box im Stutenstall stand. Kurz darauf verließ ich diesen Stalltrakt wieder und lief in die anderen beiden. Es herrschte gähnende Leere. Selbst die Büros im Stall waren bereits ausgeräumt worden, alle Unterlagen waren verschwunden. Hier gab es nichts mehr zu sehen.
      Es tat mir in der Seele weh, zu wissen, dass ich dieses Gestüt verkaufen müsste. Ich wusste nicht, was mich dazu gebracht hatte, das Gestüt mit dem Namen Crown Hill Stables zu kaufen. Es war wahrscheinlich diese Verlockung, wieder etwas Neues zu erleben – aber sie gefiel mir um Längen besser als das Gestüt The Mountain Yard und so beschloss ich, dieses zu verkaufen und einen erneuten Umzug zu wagen.
      „Elisa?“, riss Matthew mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich ruckartig um, weshalb ich fast in ihn prallte. „Ja?“, brachte ich heraus und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Auch er schien nicht sonderlich gelassen zu sein, ihn schien der Umzugsstress ebenso mitzunehmen wie mich. Trotz der Tatsache, dass das neue Gestüt sich im Südwesten Englands in Penzance befand, hatten viele meiner Mitarbeiter beschlossen, mich zu begleiten. Bereits zuvor hatte die Mehrzahl von ihnen bei mir auf dem Gestüt gelebt, so würde es auch in Zukunft sein. Mich überraschte dies zwar, doch vielmehr freute ich mich darüber. Die Stallburschen würden mich nicht begleiten, ebenso wie zwei meiner Jockey abgesagt hatten. Dies taten auch drei weitere Ausbilder, was mich zwar etwas trauriger stimmte, aber nicht umbringen würde. In Penzance gab es mit Sicherheit auch gute Ausbilder, die ich mir an Land ziehen könnte.
      Aber Harry würde uns verlassen. Ihn zog es wieder nach London, wo er zuvor bereits gewohnt hatte und wie Matthew mir gerade mitteilte, war es für mich an der Zeit, mich nun von dem Ausreißer zu verabschieden.
      Mit trägen Bewegungen schritt ich auf Harry zu, der bereits auf dem Hof wartete. Als ich seine Koffer erblickte und den grimmigen Taxifahrer sah, wurde mir mulmig und ich versuchte, nicht allzu sehr nach ʻam Boden zerstörtʼ auszusehen. Obwohl ich traurig war, dass er verschwand, wusste ich, dass es besser so wäre. Er gehörte hier nicht hin. Harry gehörte in eine Großstadt, in Clubs und Diskotheken. Nicht auf das Land und ganz besonders nicht auf ein Gestüt.
      Als er mich im Arm hielt und mir sanft mit seinen großen Händen über den Rücken strich, schluchzte ich laut auf. Er war nun eine ganze Weile lang auf dem Gestüt gewesen und ich konnte es mir gar nicht mehr ohne ihn vorstellen. Dennoch war es die einzig richtige Entscheidung, die er treffen konnte.
      Nach gut zehn Minuten vernahm ich ein leises Räuspern seitens des Taxifahrers. Harry wischte mir kurz die Tränen von der Wange, dann gab er mir einen kurzen Kuss auf die Stirn. So, wie er es bereits vor Jahren gemacht hatte, als er und seine Familie von Deutschland nach England gezogen waren und mich zurückließen. Er war schon immer wie ein großer Bruder für mich, der beste Freund, den ich mir wünschen konnte. Wie sollte ich es wieder so lange ohne ihn aushalten?
      Wir ließen voneinander ab und ich setzte ein gezwungenes Lächeln auf. „Pass auf dich auf“, murmelte Harry mir ins Ohr und winkte mir noch einmal zu, während ich nur benommen nickte. Mit diesen Worten drehte er sich um und stieg in das Taxi, das kurz darauf mit brummendem Motor vom Gestüt fuhr.
      Nachdem es hinterm Horizont verschwunden war, drehte ich mich um und setzte ein Lächeln auf. „Dann wollen wir mal die letzten Pferde verladen“, grinste ich Matthew an und dieser nickte nur schnell, bevor er in den Stalltrakt verschwand, in dem sich die vier Ponystuten befanden.
      Meine Gedanken wanderten wieder zu dem Gestüt in Cornwall, während wir die besagten Stuten aus dem Stall holten uns sie auf den Pferdetransporter zuführten, der gerade angekommen war. Allerdings wurde mir das nicht lange erlaubt, denn Casey sträubte sich, das Ungeheur zu betreten. Es verwunderte mich ziemlich, hatte sie doch sonst keinerlei Probleme mit Pferdetransportern gehabt. Erst, als Goldherz vorlief, schritt die Grauscheck Stute ihrer Mutter langsam und skeptisch hinterher und ließ sich in ihre provisorische Box führen.
      Der Transporter verschwand ebenfalls bald von der Bildfläche und so waren es nur noch Matthew und ich, die auf dem Gestüt blieben. Wir mussten noch auf die Immobilienmaklerin warten, die uns dabei helfen wollte, das Gestüt zu verkaufen. Sie hatte bereits einige Zeit Verspätung, doch es machte mir nicht sonderlich viel aus. Ich wollte noch so viel Zeit auf dem Gestüt verbringen, wie es mir möglich war.
      „Ich werde die lila Dächer vermissen“, hörte ich Matthews Stimme und problemlos vernahm ich sein Schmunzeln.
      „Das ist wohl das mindeste“, entgegnete ich grinsend und blickte hinauf zu den Dächern. Sie waren wirklich lila. Ich wusste nicht, was die Leute, die das Haus erbaut oder erbauen lassen hatten, sie dabei gedacht hatten. Es war zwar nicht sonderlich auffällig, aber eigentlich gar nicht mein Fall. Dennoch konnte ich diesen Schönheitsfehler immer gut übersehen und nach einiger Zeit störte es mich schon gar nicht mehr.

      Es dauerte noch eine Weile, bis wir alles mit der Immobilienmaklerin besprochen hatten und endlich auf dem Weg nach Penzance waren. Auf dem Weg in unsere neue Heimat.
      Ich hatte mir zwar schon Fotos von der Landschaft angeschaut, doch als wir in der Grafschaft Cornwall ankamen, überwältigte der Anblick mich dennoch. Raue, steile Felsen zierten die Landschaft, hin und wieder erschienen lange Strände und malerische Buchten. Weite Felder, grüne Wiesen und dichte Wälder vervollständigten das Bild noch und es war der Anblick, der mich schließlich davon überzeugte, das richtige getan zu haben.
      Das Fahrzeug, in dem Matthew und ich schweigend saßen, fuhr einen etwas holprigen Sandweg empor. Links und rechts von uns waren vereinzelt einige Sträucher und Büsche, einige Meter vor uns befand sich das Wohnhaus des Gestüts. Es war nicht sonderlich groß, aber mehrere Stockwerke hoch und bot genug Platz für ein paar Personen.
      Wir erreichten einen kleinen Parkplatz, der sich in der Nähe des Hauses befand und der Motor verstummte, als der Wagen endlich anhielt. Voller Vorfreude sprang ich wortwörtlich aus dem Wagen und stolperte einige Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte und mein Gleichgewicht wiederfand. Drei Möbelwagen standen ebenfalls auf dem Parkplatz, doch ich hatte keine Zeit, mich diesen näher zu widmen. Gerade, als ich an der Haustür klopfen wollte, wurde sie mir schon geöffnet.
      Vor mir stand ein grinsender Charles, der bis über beide Ohren strahlte. Matthew fand ebenfalls zu uns und wir wurden ins Haus gezogen. Es war noch ziemlich leer, es waren kaum Möbel vorhanden und das ganze Gebäude wurde mit Pappkartons gefüllt, in denen unser Zeug war.
      Unser Weg führte uns durch einige Zimmer und ich kam mir vor, als würden wir im Kreis laufen, doch nach kurzer Zeit befanden wir uns in einem Raum, der einem Wohnzimmer ähnelte. Dort trafen wir auf Lucy – Charles' Frau – und Joline, die uns ebenso erfreut wie Charles empfingen. „Die anderen sind draußen“, klärte das blonde Mädchen mich auf und ich nickte kurz. Joline war inzwischen eine vollwertige Ausbilderin in meinem Betrieb. Sie hatte ihre Ausbildung auf meinem Gestüt gemacht und als sie sie erfolgreich hinter sich gebracht hatte, bot ich ihr an, dass sie für mich als Ausbilderin arbeiten könnte. Zu meiner Freude sagte sie sofort zu, weshalb sie nun auch vor mir stand.
      Ich sah mich in dem Raum um, um mir ein Bild von meinem neuen Zuhause machen zu können. Im Großen und Ganzen gefiel mir, was ich sah. Die Wände waren in zarten Pastelltönen gestrichen, einfache Holzböden befanden sich unter unseren Füßen.
      „Wollen wir mal weiter?“, fragte Matthew und ich stimmte ihm eilig zu. Auch die anderen beschlossen, uns zu begleiten. Zwar waren sie schon etwas länger hier, doch sie wollten uns die Anlage zeigen.
      Unsere Füße betraten wieder den Sandweg, während wir um das Haus herum und auf das Gestüt zuschritten. Der Anblick überwältigte mich immer wieder. Zwar hatte ich das Gestüt schon besichtigt, doch ich hatte es nicht so groß in Erinnerung. Hinter dem Wohnhaus befand sich ein kleiner Teich, daneben grenzten riesige Weiden an. Zu unserer Rechten befanden sich ebenfalls zwei Weiden. Auf der Weide, die uns und dem Sandweg näher war, zermalmten die Stuten schon zufrieden die Grashalme, die ihren Weg kreuzten. Dahiba bemerkte uns als erste, kümmerte sich jedoch nicht weiter um uns und widmete sich wieder dem Gras. Beinahe zeitgleich flogen auch Audio Delite at Low Fidelitys, Pushin' Jazz for Cashs und Flames Köpfe in die Höhe. Die drei Stuten schritten gemächlich auf den Zaun zu, der sie von uns abgrenzte. Dies allerdings nicht, ohne hin und wieder einen Grasbüschel abzureißen und darauf herum zu kauen. Eine kurze Streicheleinheit holten die drei sich von uns ab, drehten sich dann jedoch wieder um und widmeten sich wieder dem Gras, was anscheinend interessanter war als wir es waren.
      Mein Blick glitt weiter über das Gelände. Geradeaus war das dreiteilige Stallgebäude gebaut worden, aus dem schon jetzt Hufgetrappel, Mistgabeln auf dem Boden und schnaubende Pferde zu hören waren. Soweit ich es beurteilen konnte, befand sich nur noch ein kleiner Teil der Hengste in den drei Stalltrakten. Beverly, Dajeen und Bel Homme waren mit den anderen Stuten auf der Weide; Rapsoul, Da Vinci und Herbstblatt fraßen auf einer anderen das Gras. Daneben befanden sich Pamino, Nacromancer in the Dark und Sonic Syndicate, die auch das Grünzeug aus dem Boden rupften. Die einzigen Pferde, die ich nicht sah, waren Chronos und Edward's Disk till Dawn. Matthew schien dies auch zu bemerken, denn im selben Moment zog er mich mit in den Stall. Unsere Wege trennten sich, als ich in den zweiten Stalltrakt ging, in dem die Sport- und Turnierpferde untergebracht waren. Matthew hingegen begab sich auf den Weg zu den Freizeitpferden.
      Nicht viel später stand er neben dem Tinkerhengst in der Stallgasse und schloss die Boxentür, ehe die beiden „Männer“ nach draußen verschwanden. Edwards Hufe hallten lautstark von den Wänden wider, was Chronos nervöser machte. Er war nun das einzige Pferd im Stall und das konnte er wirklich nicht sonderlich leiden. Schnell führte ich auch ihn auf die Weide, auf der die anderen Hengste standen. Da meine Hengste sich alle inzwischen aneinander gewöhnt hatten und sich hauptsächlich in Frieden ließen und nur hin und wieder herumzickten, konnte ich sie problemlos auf einer einzigen Weide stehen lassen.
      Der Schimmelhengst preschte sofort los, nachdem ich ihm das Halfter entfernt hatte. Er buckelte einige Male, dann ließ auch er den Kopf sinken und wandte sich dem Gras zu.

      „Der Ausbildungsbetrieb gehört dazu. Es wird kein Problem sein, ein paar Pferde mehr hier unterzubringen. Wir haben schließlich genug Boxen“, erklärte Charles und ich nickte zustimmend. „Ja, du hast recht. Es war ja sowieso von Anfang an klar, dass ich den Betrieb nicht aufgeben möchte.“
      „Was ist mit dem Ferienbetrieb? Also der, der hier zuvor schon war? Dass Kinder Reitferien auf dem Gestüt machen können und für eine Woche oder so ein Pferd kriegen, um das sie sich kümmern müssen“, erkundigte sich Lucy, die mit uns am Tisch saß und vor sich die Unterlagen des Gestüts liegen hatte.
      „Wir könnten es doch aufnehmen. Dann bieten wir den Kindern eben Reitunterricht an und reiten, je nach Reiterfahrung und Pferd, hin und wieder mit ihnen aus. Dann machen wir Anfänger-, Amateur- und Fortgeschrittenengruppen. Das lässt sich besser einteilen und ich denke, damit würden wir auch den Feriengästen einen Gefallen tun.“
      „Also möchtest du nur Kinder als Gäste?“, fragte Joline an Charles gewandt, der diesen Vorschlag in die Runde geworfen hatte.
      „Ich persönlich würde mit Kindern anfangen. Schließlich gehen in den Schulferien viele Mädchen in die Reiterferien und bei dieser Gegend dürfte es nicht schwierig sein, welche zu finden, die darauf Lust hätten.“
      Nachdenklich sah ich auf den Tisch und starrte ihn an, bevor ich langsam den Blick hob. Auf mir lagen mehrere Augenpaare, die auf meine Reaktion warteten.
      „Ich finde die Idee gut“, sagte ich schließlich und spielte mit dem Kugelschreiber herum, den ich in der Hand hielt. „Aber nur, wenn wir die Gäste wirklich in Gruppen einteilen. Und auch nur, wenn sich welche dazu bereit erklären, den Kindern die passenden Pferde zuzuordnen und sich um sie zu kümmern. Ich würde das ja übernehmen, bräuchte dabei aber Hilfe, weil ich mich um den ganzen Papierkram und auch noch die Ausbildung kümmern muss. Das würde ich nicht allein schaffen“, sagte ich und blickte in die Runde. Zustimmendes Nicken.
      „Dann wäre das geklärt. Der Ferienbetrieb bleibt bestehen. Er wird allerdings erst wieder aufgenommen, wenn wir den Umzugsstress hinter uns haben“, besiegelte ich den Beschluss und rückte mit dem Stuhl nach hinten, um aufzustehen. Lächelnd trat ich die Treppe hoch und ließ mich in dem Zimmer nieder, das ich als mein Schlafzimmer betitelt hatte. Von hier hatte man eine wunderbare Aussicht auf das Gestüt und während ich auf der breiten Fensterbank saß und das Geschehen beobachtete, wurde mir bewusst, dass die Entscheidung, dieses Gestüt zu kaufen, definitiv die richtige gewesen war.
    • Mongofisch
      Trainingsbericht 22. Februar 2014 - Distanz L-M

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      Die Ankunft
      Wieder war Elisa es, die mir ein Pferd zum Training brachte. Dieses Mal ging es um die Distanzausbildung eines ihrer Deutschen Reitponys. Am Telefon hatte Elisa mir schon ein paar Sachen erzählt, doch so richtig wusste ich noch nicht was auf mich zu kam.
      Ich bereitete eine Box im Stutenstall vor, mit frischem Stroh und einer großen Portion Heu. Eine kleine Hand Müsli als Begrüßungsleckerli gab ich noch in den Trog, dann war alles vorbereitet und ich wartete auf Elisa. Sie traf gegen Mittag ein und begrüßte mich freundlich. Wir luden die Stute direkt aus und führten sie in den Stall.
      Monsta, wie das deutsche Reitpony hieß, war eine zierliche, junge Stute. Ihr Stockmaß betrug grade einmal 1,39m und sie hatte eine auffallende Scheckung.
      Nachdem wir das Sattelzeug der Stute im Spind verstaut hatten, gingen wir ins Büro und besprachen dort alles Wichtige. Monsta war bereits mehrere Distanzritte gegangen und konnte auch schon einige Platzierungen und einen Sieg aufweisen. Das Training würde dadurch sehr viel leichter ausfallen, da die Stute eine gute Kondition und Ausdauer hatte
      Ich notierte mir außerdem den Futterplan der Stute und fragte nach Besonderheiten oder Macken. Elisa versicherte mir jedoch, das Monsta eine ruhige und brave Zeitgenossin war und ich sicher keine Probleme mit ihr haben würde. Ich war beruhigt und wir machten uns erneut auf den Weg in den Stall, wo Elisa sich von ihrer Stute verabschiedete. Ich begleitete sie noch zum Auto, mit welchem sie sich dann auf den Weg nach Hause machte.

      Das Training
      Elisas Beschreibung der Stute traf tatsächlich zu: Monsta lebte sich super schnell ein und stand allem und jedem Positiv gegenüber. Wir unternahmen Spaziergänge und auch dort waren Kühe, Radfahrer und Traktoren gar kein Problem, jede Situation meisterte die Stute mit einer wahnsinnigen Gelassenheit. Wir freundeten uns schnell an, die zierliche Stute würde etwa zwei Wochen bei mir bleiben, je nach dem, wie das Training verlaufen würde.
      Die ersten Tage verbrachten wir damit, uns kennen zu lernen und ein wenig Bodenarbeit zu machen. Wir arbeiteten mit Stangen, förderten die Geschicklichkeit und hatten einfach ein bisschen Spaß. Monsta war immer konzentriert und sehr lernwillig. Keine Aufgabe schien ihr zu schwer und sie arbeitete selbstständig mit und versuchte den richtigen Weg zu finden.
      Als wir dann mit dem Training begannen, holte ich die Stute vom Paddock und putzte sie ordentlich. Sie war wirklich recht klein, da war ich doch froh darüber, dass ich ebenfalls nicht die Größte war.
      Mit Sattel und Trense ausgestattet führte ich Monsta aus dem Stall. Ich kontrollierte die Puls- und Atemwerte, notierte diese sorgfältig und stieg dann auf. Im Schritt verließen wir gemeinsam den Hof und machten uns auf in den ersten Trainingsritt. Trotz ihrer geringen Größe hatte die Stute ein ordentliches Grundtempo und wir kamen gut voran. Eine Pause legte ich während des gesamten Rittes ein, in welcher Monsta sich erholen konnte und ich Zeit hatte, ihre Werte zu messen und zu notieren.
      Es war herrlich die Stute zu reiten. Sie war fleißig und passte ihre Geschwindigkeit selbstständig dem Gelände an. Ging es Mal steil bergab, trat sie vorsichtig und schaute genau, wo sie den nächsten Schritt hinmachte. Wir schafften so am ersten Trainingstag gute 30 Km, was wirklich in Ordnung war und darauf konnte ich aufbauen.

      In den folgenden zwei Wochen bekam Monsta zwei Tage in der Woche frei und einen Tag nutzten wir, um Bodenarbeit zu machen. Es war wichtig, nicht stur jeden Tag zu trainieren, Abwechslung musste sein und sorgte für ein ausgeglichenes Pferd. Etwa 60 Km waren Voraussetzung für einen Distanzritt der Klasse M, was sich aber bis zu 80 Km langziehen konnte.
      Schon bald hatten wir die 60 Km geknackt und es ging nun nur noch an die Feinheiten. Monsta und ich hatten für den Donnerstag einen Ritt von gut 80 Km geplant. Ich hatte mir zuvor die Strecke genau ausgesucht und auch die Punkte für die beiden Pausen festgelegt. Etwa 30 Minuten waren für jede Pause eingeplant und das konnten wir auch einhalten. Ich war sehr stolz auf Monsta und gab Elisa bescheid, dass ihr Pony fertig ausgebildet war und sie die Stute abholen könne.

      Monsta darf nach Hause
      Rasch hatten wir einen Termin ausgemacht, an welchem Elisa ihr Pferd abholen wollte. Ich bereitete alles vor, putzte die Stute ordentlich und packte ihre Sachen zusammen.
      Am späten Mittag traf Elisa auf dem Hof ein und wir begrüßten uns kurz, ehe wir ins Büro gingen. Dort erklärte ich der jungen Frau wie das Training verlaufen war und gab ihr auch meine Notizen über die Puls- und Atemwerte mit. So konnte sie Zuhause genau nach verfolgen, ob sich die Kondition verschlechterte oder verbesserte.
      Nun, da alles besprochen war, liefen wir zu Monsta und brachten die junge Stute zum Anhänger. Elisa führte sie hoch und ich schloss hinter den beiden die Klappe. Nur noch das Sattelzeug ins Auto bringen, dann war alles erledigt. Elisa und ich verabschiedeten uns, anschließend machte sie junge Frau sich auf den Weg nach Hause. Ich hingegen säuberte Monstas Box und freute mich schon auf das nächste Pferd.
    • Samarti
      Pflegebericht 02. März 2014 - Kanada, wir kommen!

      Hochwasser.
      Ein Wort, das allein schon dämlich genug klingt – welcher Idiot hatte sich das denn bitte ausgedacht?
      Nachdem Cornwall noch immer unter Wasser stand und unser ganzes Gestüt tatsächlich darunter zu leiden hatte, indem die Weiden, Reitplätze und auch die Reithalle nun völlig verstört worden waren, hatten Matthew und ich uns dazu entschieden, dass etwas Neues her musste. Und das so schnell wie möglich. Es war auch für die Pferde unzumutbar, sie noch im Stall stehen zu lassen, weshalb diese inzwischen schon auf dem neuen Gestüt untergebracht worden waren.
      So sehr es mir auch im Herzen wehtat, aus England wegzuziehen – hatte ich hier doch eine lange Zeit gelebt – so war es dennoch eine Erleichterung, dass wir zumindest unseren treuen Vierbeinern ein vernünftiges Zuhause bieten konnten. Obwohl wir erst vor knapp zwei Monaten nach Penzance gezogen waren, was für mich ein Stich ins Herz war. Ich liebte England, aber besonders nach der Zeit, die wir im ungewünschten Wasser verbracht hatten, wurde mir klar, dass dringend eine Lösung her musste.
      Zu meinem Glück sah Matthew, mit dem ich mich inzwischen wieder ziemlich gut verstand, das Ganze genauso; ebenso meine anderen paar Mitarbeiter. Bei einigen hatte ich Glück, Matthew, Sophia, Charles und seine Frau Lucy hatten beschlossen, mich zu begleiten, da ihnen die Lage in England förmlich zu Kopf stieg. Hätte ich mich zuvor nicht mit Matthew versöhnt, würde er mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht begleiten.
      So traf es sich gut, dass neben der Ranch Gwen, dessen Hengst Altair ich bereits im Training gehabt hatte, ein leerstehendes Gestüt zum Verkauf stand. Ursprünglich wollte ich nie nach Kanada ziehen – doch das Mädchen hatte mich dann schlussendlich doch überzeugen können und inzwischen war ich mir ziemlich sicher, dass uns eine schöne Zeit bevorstand. Natürlich war ich mir über die Wetterumschwünge in Kanada im Klaren, dennoch würde es mit Sicherheit eine interessante, neue Erfahrung sein.
      Die letzten Umzugskartons waren gerade verpackt, als jemand von hinten seine Arme um meinen Torso schlang und sein Kinn auf meiner Schulter bettete. Ohne hinsehen zu müssen, wusste ich, dass es sich um Matthew handelte.
      „Ich werde England vermissen“, murmelte er leise in mein Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut; jagte mir einen wohligen Schauer über den Rücken und sorgte dafür, dass sich Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.
      „Ich auch.“ Meine Stimme war kurz vorm Versagen. Ja, ich würde England vermissen – und wie ich das tun würde. In diesem Land hatte ich so viele Erlebnisse machen dürfen, war selbstständig geworden, hatte mein erstes, komplett eigenes Gestüt aufbauen können, hatte neue Freunde gefunden, Bekanntschaften geschlossen, mit Leuten zerstritten, meistens wieder mit jenen Leuten versöhnt, hatte mir eine neue Menge Pferde gekauft, hatte viele Pferde trainiert und, und, und. Ich könnte die Liste ewig weiterführen, doch irgendwas findet alles sein Ende.
      „Wir schaffen das. Zusammen.“ Er stockte kurz und senkte seine Stimme, während sich auf meinem Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
      „Zusammen.“

      Endlich hatte ich den ganzen Trubel um den Check-In am Flughafen hinter mir und konnte mich nun auf den Flug nach Kanada begeben. Mein Handgepäck hatte ich rasch in der Ablage verstaut, nachdem ich meine Sitzreihe, F, gefunden hatte. Matthew war mir dicht auf den Fersen, die Anderen waren schon alle längst in Kanada, um das neue Gestüt auf Vordermann zu bringen. Ich seufzte leise und ließ mich dann auf meinen Sitz sinken, ehe ich mir die Ohrstöpsel ins Ohr steckte und Musik hörte. Meine Musik wurde aber leider Gottes nur kurz darauf von den nervigen Ansagen unterbrochen, die man sowieso vor jedem Flug hörte. Ich konnte sie inzwischen schon auswendig, schließlich flog ich nicht gerade selten, um neue Pferde zu holen oder einfach nur an internationalen Turnieren teilzunehmen.
      Zum Glück war die Ansage schon bald beendet und ich startete mein Handy erneut, um mich Flappy Bird zu widmen. Ich hasste dieses Spiel abgrundtief, hing ich doch immer noch bei meinem Highscore von 73 Röhren fest, doch ich wollte eben diesen unbedingt brechen. Das bedurfte nicht nur einer Menge Geduld, sondern auch viel Zeit – zu viel Zeit. Denn irgendwann gab mein Handyakku auf und ich musste mich anders beschäftigen, weshalb ich Matthew anstieß, welcher kurz zusammenzuckte und dann überrascht aufsah. Es dauerte nicht lange und wir waren in eine Unterhaltung darüber vertieft, wie es wohl in Kanada für uns weitergehen würde.

      Das neue Gestüt war riesig. Mir stand der Mund vor lauter Staunen offen, als ich aus dem Taxifenster blickte und unser großes Gelände erspähen konnte. Überall erstreckten sich lange, grüne Wiesen, dichter Wald umgab uns und hin und wieder sah man einmal ein Feld. Kurzum: Es war unglaublich. Das CHS in England war im Vergleich zu diesem winzig gewesen und ich zweifelte daran, ob es gut war, ein solch großes Gestüt zu besitzen. Schnell schlug ich mir den Gedanken wieder aus dem Kopf. Wir hatten uns vergrößert und würden auch demnächst noch einige neue Pferde erwarten, weshalb so viel Platz vielleicht ein ziemlicher Vorteil war, sollten doch bald eventuell sieben weitere Zuchtpferde von Elena bei uns ankommen, um die wir uns kümmern sollten.
      Mein Weg führte mich zunächst einmal ins Haus, wo Matthew und ich die restlichen Kartons und Koffer ablegten, ehe er mich völlig unerwartet bei der Hand nahm. Ein leichtes Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, weshalb ich lächelnd zu Boden sah und ihm nicht ins Gesicht blicken wollte. Er grinste kurz, zog mich dann aus dem Haus heraus und wir standen etwas ratlos auf dem Gestüt herum, da wir nicht wussten, wo was war – weshalb wir uns erst einmal zu dem längsten Gebäude begaben, welches, wie nicht anders zu erwarten, der Stall war.
      Die Pferde standen momentan alle in ihren Boxen und zermalmten zufrieden ihr Heu, während wir an den neuen Außenboxen vorbeiliefen. Diesmal hatten wir uns gegen die Innenboxen und für die Außenboxen entschieden, da die Pferde somit einfach mehr „Luft“ hatten, es schien ihnen allerdings auch zu gefallen. Scheinbar hatten sie alle die anstrengenden Reisen gut überstanden, lediglich Pushin' Jazz for Cash hatte eine kleine Schürfwunde an der Brust, welche jedoch nicht allzu schlimm aussah. Kein Grund, sich Sorgen zu machen.
      Casey brummelte mir freundlich zu und sah neugierig auf, als wir an ihrer Box vorbeiliefen, doch ich streichelte ihre Stirn nur kurz zur Begrüßung und wir liefen weiter. Rapsoul beachtete mich nicht weiter, ebenso Audio Delite at Low Fidelity – sie beide waren nur mit ihrem Heu beschäftigt und hatten keine Zeit für uns übrig. In der Box gegenüber der Mixstute stand eine Kabstrupper-Stute, die ich vor kurzer Zeit von Elena gekauft hatte, aber bisher noch nicht selbst in Empfang nehmen konnte, da sie sofort nach Kanada gebracht worden war, ohne einen Zwischenstopp in England einzulegen. Die Gute hieß Sambuca und wollte sich lediglich einige Streicheleinheiten erbetteln, ehe auch sie sich wieder dem Futter zuwandte.
      Die drei kleinen Fohlen auf unserem Gestüt Dajeen, Beverly und Lunaris schienen sich trotz ihres niedrigen Alters ebenfalls schon ziemlich gut eingelebt zu haben, widmeten doch auch sie sich lieber dem Futter, als mich zu begrüßen. Lediglich der neue Hengst im Bunde, ein Buckskin Roan aus der Zauberhaft, der vor einem Tag geboren worden war und dementsprechend noch wackelig auf den Beinen stand und sich nur bei Zauberhaft in der Box befand, sah mich etwas verängstigt an. Der kleine war ein Nachkomme von dem Deutschen Reitponyhengst Unique Affair, der in der Zucht Burnin' Valentine stand und hatte daher auch seinen Namen bekommen: Burnin' Unbridled Dreams.
      Auch Sonic Syndicate war gut angekommen, ebenso Nacromancer in the Dark und Nickles 'n Dimes, auf den ich inzwischen meine ganzen Hoffnungen setzte. Der schon etwas ältere Kerl hatte eine ausgesprochen interessante Fellzeichnung, die auch der Farbzucht neues Leben einhauchen würde. Romantica und Ace of Clubs, die Farbwechsler-Stute, hatten wir inzwischen wieder auf dem Gestüt, nachdem sie eine Zeit lang bei Lisa auf dem Hof gelebt hatten, wo sie in der Dressur jeweils eine Stufe höher trainiert worden waren. Monsta lag dösend in ihrer Box und schien nicht mehr hungrig zu sein; sie blickte allerdings auch nicht auf, als ich an ihrer Boxentür vorbeiging und kurz herein sah. Das letzte meiner inzwischen sieben Sportponys war nun Firebird geworden, die junge Sooty Palomino-Stute, die ich von kira gekauft hatte.
      Schließlich folgten noch die Zuchtpferde, die wir uns einen Moment lang ansahen und bei denen wir kontrollierten, ob alles in Ordnung war. Beginnend bei Herbstblatt arbeiteten wir uns weiter voran, besuchten Pamino, Dahiba, Da Vinci und auch Star's Diamond nacheinander. Bei Goldherz verharrten wir eine Sekunde – sie brummelte mir erfreut zu und schmiegte sofort ihren Kopf gegen meine Brust, als sie mich sah. Das zwischen uns hatte sich wirklich zu etwas Besonderem entwickelt, so kitschig es sich jetzt auch für Außenstehende anhören mag. Sie war schon immer mein Lieblingspferd gewesen und nichts oder niemand könnte sich jemals wieder zwischen uns stellen, waren wir doch inzwischen beste Freunde geworden. Sie begleitete mich überall hin und das bereits seit fast fünf ganzen Jahren. Um nichts in der Welt würde ich sie jemals eintauschen oder hergeben wollen, so viel stand fest.
      Nachdem ich mich von Goldherz lösen konnte, liefen Matthew und ich zur nächsten Box, in der Zauberhaft ihr Heu fraß. Direkt neben ihr stand der einen Tag alte Hengst von Unique Affair, der es mir schon im ersten Moment angetan hatte. Ich hoffte wirklich, dass aus ihm mal ein ganz Großer werden würde, denn die richtigen Veranlagungen dazu hatte er allemal.
      Die letzten drei vergebene Boxen waren von den drei Neuen belegt worden. Wir hatten sie, wie auch Star's Diamond und Zauberhaft, von Husky kaufen können und so standen sie nun bei uns in Kanada. Ebenso wie Sambuca waren auch sie sofort nach Kanada gebracht worden, sodass ich sie zuvor noch nicht wirklich hatte sehen können.
      Der erste Hengst war ein Brauner, der bereits zwölf Jahre alt war; Dancer in the Moonlight. Der Hengst war ziemlich menschenbezogen, was mir schon in den ersten Sekunden auffiel: Er kam sofort zu mir, drückte sein Maul gegen meine Jackentasche und suchte nach Leckerlis, wollte aber zeitgleich auch gestreichelt werden.
      Daraufhin folgte Kronjuwel, der Papa von meiner Stute Zauberhaft. Er war ein wirklich schöner Buckskin, wurde ebenfalls im Jahre 2002 geboren und sein Charakter ähnlich wie der von Dancer in the Moonlight. Liebenswert, menschenbezogen und einfach ein Prachtkerl, der nicht nur sein faszinierendes Äußeres, sondern auch sein Interieur bisher immer mit vollem Erfolg weitergeben konnte.
      Das letzte der drei neuen Ponys war eine gekrönte Deutsche Reitponystute, die ich bereits von früher nur zu gut kannte. Inzwischen hatte ich eine stolze Zahl von vier gekrönten Deutschen Reitponystuten im Stall stehen, was mich ziemlich erfreute – war es doch vor gut zwei Monaten lediglich Goldherz, die bei mir im Stall stand. Nun jedoch hatte auch Star's Diamonds Mutter, Star, zu uns gefunden, die früher mal Juliane gehört hatte, mit der ich vor einigen Jahren mal das Gestüt Liberté geführt hatte. Ich war besonders froh darüber, sie bei mir haben zu können, strahlte sie doch schon früher solch einen Lebensmut aus, dass er beneidenswert war. Zwar war sie inzwischen schon fünfzehn Jahre alt, führte sich aber dennoch immer noch auf, als wäre sie eine dreijährige Stute, die erst noch eingeritten werden müsste.

      „Scheint, als ginge es ihnen allen gut“, bemerkte Matthew das Offensichtliche und ich lachte als Antwort nur kurz auf. „Ja, da magst du recht haben. Zum Glück haben sie die Reise alle gut überstanden“, seufzte ich erleichtert und fügte dann hinzu: „Aber jetzt werden wir erst einmal unsere neue Nachbarin begrüßen gehen.“
    • Samarti
      Pflegebericht 27. Juli 2014 - Zurück nach Deutschland

      Platzhalter!

      Momentan stand ich wirklich unter Stress, und das bekamen leider auch meine vierbeinigen Lieblinge zu spüren. Ich beschäftigte mich kaum noch mit ihnen, ließ vielmehr mein Personal alles mit ihnen machen und sie trainieren und das nur, weil ich kurzerhand zurück nach Deutschland reisen musste, um dabei zuzusehen, wie meine Tante ihre letzten Stunden mit ihrer Familie verbrachte. Sie leidete schon länger an Krebs, der inzwischen so weit fortgeschritten war, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb – genauer gesagt erwarteten die Ärzte ihren Tod in wenigen Tagen, weshalb ich auch noch einmal anreisen wollte, um sie ein letztes Mal zu sehen.
      Während sich Rapsoul, Casey, Beverly, Audio Delite at Low Fidelity, Pushin' Jazz for Cash, Skyrim, Dajeen, Burnin' Unbridled Dreams, Sambuca, Sonic Syndicate, Romantica, Nacromancer in the Dark, Monsta, Nickles 'n Dimes, Ace of Clubs, Firebird, Trés Jolie, Santa Fee (die vor kurzem wieder zu uns zurückgekehrt war), Herbsblatt, Pamino, Dahiba, Da Vinci, Star's Diamond, Star, Zauberhaft, Goldherz, Dancer in the Moonlight, Kronjuwel, Darym, Yanetha, Casablanca, Laurencio, Fine Frenzy, Draugsa, Silenc Dream und Season's Princess also in Kanada auf den weitläufigen Weiden fröhlich ihre Bäuche vollschlugen, verbrachte ich meine Zeit in meinem Heimatland. Und erst dann wurde mir klar, wie sehr ich meine Familie vermisst hatte – dennoch zog es mich zurück nach Kanada.

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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    11 Nov. 2013
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  • Monsta

    von: ÉdC's Velino
    Viktor x Bon Voyage

    aus der: Ocean Water
    Windy Morning x Cold Day

    Abstammung
    Ihr Vater ÉdC's Velino ein begnadeter Deckhengst, der schon viele Nachkommen vorweisen kann - und das nicht zuletzt wegen des äußeren Erscheinungsbilds, denn der Hengst ist ein wahrer Eyecatcher. Auch Ocean Water ist eine Stute in Sonderlackierung. Beide zusammen ergeben sie eine wunderbare Mischung, wie man es unschwer an Monstas schickem Fellkleid erkennen kann.

    Grundinformationen
    Geburtsjahr: 2005
    Alter: 10 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Rasse: Deutsches Reitpony
    Stockmaß: 139 cm
    Deckhaar: Sooty Chestnut Leopard
    Abzeichen: unterbrochene Blesse
    Besitzer: Samarti
    Vorbesitzer: Chaarly
    Ersteller/Züchter: Monsterflosse & Samarti
    Um-/Großgemalt von: --
    VKR: Monsterflosse & Samarti

    Pfleger: --
    Reitbeteiligung: --
    Kaufpreis: --
    verkäuflich [✗]
    Verkaufspreis: n. v.

    Beschreibung
    Monsta ist eine sehr ruhige, liebe Stute. Stets ist sie da, wenn man sie braucht, tröstet einen, wenn man traurig oder mies gelaunt ist. Die Stute ist eine Freundin für's Leben – wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat. Allgemein kann sie aber auch sehr frech und gemein sein, ist sie doch eine clevere Stute, die einem auch oft genug Streiche spielt. Mit Hengsten hat sie eher weniger am Hut. Lieber ist sie bei Fohlen und spielt mit ihnen, denn die Stute ist (sobald sie in die Nähe von Fohlen kommt) sehr verspielt.

    Vorgeschichte
    Monsta wurde einst aus den Niederlanden nach Deutschland importiert, wo sie eine Zeit lang bei Else lebte, die sie jedoch nach einige Zeit aufgrund von mangelnder Zeit verkaufte. Dies stellte sich als ein großer Fehler heraus. Monsta gelangte in die Hände eines Händlers und durchlebte fortan die Hölle: Zweimal wurde sie vernachlässigt und gerettet, bevor sie schlussendlich wieder zu ihrer ersten Besitzerin zurückkehrte und dort nun ihre Zeit verbringen wird.

    Ausbildungsstand
    eingeritten [✓]
    eingefahren [✗]
    Reitstil: Englisch

    für Anfänger geeignet [✓]
    geländesicher [✓]
    verladefromm [✓]
    schmiedefromm [✓]
    longiert [✓]
    Schwerpunkt-Disziplin(en): Distanz
    Eignungen––Distanz – Zucht – Freizeit

    Monstas Begabung liegt eindeutig im Distanzsport. Zwar weist die Stute keine überragende Schnelligkeit auf, doch ihr Gehorsam sowie die Power, die sie in ihre Bewegungen steckt, machen dies wieder wett. Auch, wenn sie eine schwere Vergangenheit hinter sich hat, das Pony hat sich doch prächtig erholt und zeigt eine stetige Verbesserung in der Ausbildung, macht große Fortschritte.

    Dressur: E ★ A ★ L ★ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Springen: E ★ A ☆ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Military: E ★ A ☆ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Distanz: E ★ A★ L ★ M ★ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Rennen: E ★ A ★ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Western: E ★ A ☆ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Fahren: E ★ A ☆ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Wendigkeit: E ★ A ☆ L ☆ M ☆ S ☆ S* ☆ S** ☆ S*** ☆
    Roter Stern: Aufstieg durch Turniererfolg // Blauer Stern: Aufstieg durch Training

    Kondition ★★★★★
    Ausdauer ★★★★★
    Stärke ★★★★★
    Schnelligkeit ★★★☆☆
    Wendigkeit ★★★☆☆
    Gelassenheit ★★★☆☆
    Gehorsam ★★★★☆

    SK 425: Ponys und Kaltblüter
    2. Platz 136. Distanzturnier
    2. Platz 138. Distanzturnier
    1. Platz 257. Dressurturnier
    3. Platz 268. Galopprennen
    3. Platz 60. Synchronspringturnier
    2. Platz 61. Synchronspringturnier

    Zuchtdaten
    zur Zucht zugelassen [✓]
    steht als Leihmutter zur Verfügung [✗]
    Erreichte Punktzahl: 27 Punkte

    Erbkrankheiten: keine
    Eingetragene Zucht: --

    Gencode: ee Aa Lplp Soso

    Vererbung
    Monsta trägt die Leopard-Scheckung heterozygot und wird sie statistisch an 50% ihrer Fohlen weitergeben. Insgesamt ist sie ein sehr dunkler Dunkelfuchs, ausgelöst durch das Sooty-Gen, welches sie heterozygot trägt und von ihrer Mutter geerbt hat.

    Carenté-Pferd [✗]
    Leihmutterschaft: --
    NachkommenLevi (v. Pamino)

    Körperliche Gesundheit
    gechippt [✓]
    Letzte Impfung: 09.08.2014
    Letzte Wurmkur: 09.08.2014
    Krankheiten: keine
    Beschwerden: keine

    Hufzustand
    beschlagen [✗]
    Letzte Kontrolle: 15.08.2014
    Letzter Beschlag: --
    Beschlag: --
    Beschwerden: keine