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BellaS

Meyja

Meyja
BellaS, 17 Jan. 2017
Zion, Bracelet und Sosox3 gefällt das.
    • BellaS
      Alte Berichte
      Es wieherte endlich in meinen privaten Ställen! Okay, es war ein Pferd in meinen zwei Ställen, aber besser als nichts, oder? Meyja war nicht nur eine Isistute mit starkem Charakter, sondern auch mein erstes Tier hier auf dem Gut. Da sie gestern abend erst ankam, reichte die Zeit nur zum Kennenlernen.
      MIEP MIEP MIEP! Schlagartig stellte ich mein Handy aus und stand auf. Sieben Uhr. Ich schlurfte ins Badezimmer, wo ich mich kurz fertig machte und dann nach unten in die Küche lief. Mein Magen war nicht sehr gesprächig zu so früher Stunde, daher beließ ich es bei einem Knäckebrot und Apfel und marschierte nach draußen. Der Privatstall war direkt hinter meinem Haus, weswegen ich nur zwei Minuten brauchte. Meyja stand in ihrer Box und rupfte Heuhalme aus der Raufe. "Morgen." sagte ich gutgelaunt und hielt ihr den Apfel hin. Argwöhnisch wurde er angestupst, ehe sie das Obst mit einem Happen verschlang. Geräuschvoll kaute sie ihn auf, ehe sie mir brav aus der Box folgte. Das gute Tier war sehr ordentlich, weswegen nur das Fell und dann die Hufe gesäubert wurden. Da die Mähne nicht allzu lang war, brauchte sie nicht geflochten zu werden. Da ich für die Stute noch keinen eigenen Sattel hatte, reichte mir der Fellsattel vollkommen. Beim Gurten schnaubte sie einmal warnend, doch beruhigte sie sich wieder, als ich die Steigbügel einstellte und dann samt Pferd und Helm in die Reithalle lief. Mit Schwung setzte ich auf und trieb die Stute auf den ersten Hufschlag, schließlich war es heute ihr erster Tag. Bei C trabten wir an. Meyja ließ ihren Kopf gut durchnicken und gelegentlich sah sie sich um, neugierig wohl über die unbekannte Umgebung. Bei A verlagerte ich mein Gewicht mehr nach hinten, zupfte kurz an den Zügeln – ehe sie angaloppierte. Etwas ruppig und ungenau am Anfang, aber doch elegant überspielt, möchte man meinen. Bei B bogen wir auf den Zirkel ab, wobei ich darauf achtete, ihr linkes Auge schimmern sehen zu wollen. Nach einer weiteren Runde Galopp fiel Meyja in Trab, schnaubte einmal kräftig und blieb nach einer Viertelrunde schließlich stehen. Beruhigend klopfte ich ihr den Hals bevor ich von ihr abstieg. Für heute morgen wäre das erstmal alles gewesen. Heute abend würde ich sie longieren. Doch zunächst führte ich sie zurück an den Stall, wo ich sie absattelte und ihr Fell bürstete. Auch die Hufe brauchten etwas mehr Pflege. Dann legte ich meine Arme um sie, ehe ich sie auf die Weide führte.
      (c) Catalina
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      Es war sieben Uhr morgens. Felix, Carsten und Tobias saßen bei mir in der kleinen Küche und redeten über ein Fußballspiel ihres Vereines, während ich ein Pferdemüsli für die Fohlen zubereitete. Die drei Söhne des Bauern nebenan – gut, es waren zwei Kilometer Entfernung – wollten sich heute gutes Geld verdienen. Mein Reitplatz war aufgrund des Regens der vergangenen Tage teilweise aufgeschemmt, sodass der ganze Bodenbelag entfernt und neu gelegt werden musste. Als das Müsli fertig war, scheuchte ich die Jungs hinaus. In meinem Kopf wiederholte ich die Liste an Aufgaben, die ich heute erledigen musste:

      • Futter nachbestellen ()
      • Sattelfett nachbestellen ()
      • Pferde von dem Paddock holen ()
      • Fohlen unterhalten ()
      • Meyja reiten ()
      • Futter- und Wasserbehälter in Stall und auf den Weiden reinigen ()
      • Ausmisten ()
      • Reitplatz fertig machen ()
      • Weide für Beginn Mai kontrollieren (Beginn Weidesaison!) ()
      • Benedick begutachten ()
      "Also – ihr bringt den Ober-, Mittel- und Unterbelag des Platzes mit der Schubkarre auf den Vorplatz. Danach einfach wieder neu legen, ja? Um zehn Uhr kommte ich kurz vorbei und bringe euch was zu essen." Die Jungs nickten nur. Der Reitplatz war etwa 25 x 60 Meter groß, es würde einige Stunden dauern, bis er komplett fertig gemacht wurde. Der große Müslibottich (Hafer, Apfel- und Möhrenstücke, Minerale und Brötchenstücke) kam mit mir in die Futterkammer. An dem Schwarzen Brett hing eine Liste mit Bestellungen. Die ging ich kurz durch. Dann zückte ich mein Handy und rief bei dem Lieferanten an. Innerhalb der nächsten drei Tagen wäre die Lieferung dann da, sagte er mir. Check, zwei Punkte abgearbeitet. Weiter ging es mit Meyja. Die Fohlen konnten ruhig noch spielen, aber die Stute wollte ich zunächst reiten.
      *
      Meyja lief mir bereits entgegen. Ich streichelte sie hinter den Ohren und führte sie dann auf den Putzplatz. Ihr Sattel- und Putzzeug war bereits da, daher konnte ich sie putzen und anschließend satteln. Mit einem prüfenden Blick auf den Gurt machte ich den noch ein Loch enger – Meyja schnaufte einmal – und saß dann auf. Gerade als ich sie antreiben wollte, klingelte mein Handy. Bella sagte mir gerade Bescheid, dass Benedick gegen elf ankommen würde. Ich bedankte mich bei ihr, steckte mein Handy weg und trieb die Isistute dann vom Hof für einen Ausritt über die nahegelegenen Felder.
      ...
      Im Tölt kamen wir wieder auf den Hof an. Nach einer guten dreiviertel Stunde war für die Stute auch Schluss. Vor dem Stall saß ich ab, band die Stute fest und sattelte sie ab. Dann kratzte ich ihr noch die Hufe aus und stellte sie auf die kleine Weide. Die war für das ganze Jahr geöffnet, im Gegensatz zu der Sommerweide. Die musste auch noch kontrolliert werden. Das aber erst später. Meyja bekam noch einen großen Apfel und ging dann auf die Weide.
      Ich stromerte zum Reitplatz. Die drei Jungs waren emsig dabei und hatten den Platz in Quadrate eingeteilt. Die Hinteren waren beide komplett frei – der Betonguss war zu sehen. Ich lobte die Jungs und schaute auf die Uhr. 8.15 – genug Zeit, um die Boxen auszumisten und dann die Fohlen zu bespaßen.

      Die Boxen waren in einem akzeptalen Zustand. Die Einstreu und die Äpfel wurden kurzerhand auf den Misthaufen verfrachtet und die Boxen wieder mit Einstreu belegt. Dann ging ich auf den Paddock und holte Delyx und Tigrotto. Die beiden waren Feuer und Flamme und eifrig dabei, an mir hochzuspringen. Tomenko lief brav mit, der Strick um seinen Hals locker gelegt, und folgte den Kleinen in die Rundhalle. Auf der Bande lag ein Stoffball – solche, die man auch von der Grundschule kannte, die meistens nach einigen Tage herausgerissene Fetzen besaßen. Die Fohlen wurden abgehalftert. Sofort preschte Delyx los, sprang übermütig herum. Sogar Tigrotto schnaufte, als würde sie sagen wollen: "Nicht übertreiben!" Doch sobald der Ball ins Spiel kam, war auch sie begeistert dabei und spielte mit Delyx zusammen. Sogar Tomenko, der eigentlich nicht davon begeistert war, tollte mit den deutlich kleineren Fohlen herum und trat den Ball gegen die Wand.

      Ich stand die Zeit lang etwas abseits am Tor und beobachtete wie die Jungtiere sich wälzten, spielten, sich jagten und so weiter. Dann aber pfiff ich einmal laut. Tigrotto und Delyx hörten sofort auf und liefen auf mich zu. Ich kraulte ihr verdrecktes Fell und nahm den Ball mit. Auch Tomenko folgte mir jetzt zurück zum Stall. Ich band die Fohlen fest und holte dann mit der Wurzelbürste und einer normalen Bürste all den Staub und Sand aus dem Fell und dem Behang der Fohlen. Innerhalb von wenigen Minuten war ich leicht verschwitzt und der Boden mit einer dünnen Sandschicht bedeckt. Etwa fünfzehn Minuten später waren sie fertig und ich stellte sie zu Meyja auf die kleine Weide. Tigrotto schmuste sofort mit der Isländerstute herum, Delyx jagte einen Vogel und Tomenko stand abseits und graste ruhig und zufrieden.

      Mit dem Besen fegte ich den Platz sauber und ging dann auch gleich in die Stallungen, damit der Boden nicht mehr staubig ist. Wo ich gerade beim Säubern war – mit einem Eimer warmen Wasser, einem Schwamm und Handtüchern verbrachte ich die nächste Stunde damit, die Futter- und Wasserbehälter des Hofes zu reinigen, damit keine Infektionen oder Krankheiten auftreten konnten.
      *
      Es war halb zwölf. Bella und Benedick standen im Stau, und weil ich bereits die Sommerweide kontrolliert habe – Zäune, den Unterstand, Tröge, Bäume und Giftpflanzen – hatte ich jetzt schon bereits das meiste erledigt. Auch die Jungs waren fast fertig. Es fehlte nur noch die Oberschicht aus Spänen und groberem Sand, zum Abfedern der Sprünge und zum Schutz der Gelenke. Dann gab es eine weitere Pause.


      Ein Auto hupte. Voller Freude sprang ich auf, und lief vom Reitplatz quer über den Hof zum Parkplatz. Bellas alter Wagen stand da, mit dem großen Hänger. Wir tauschten eine herzliche Umarmung aus. Aus dem Hänger hörten wir ein lautstarkes Schnauben.

      Benedick, ein seltenes Kroatisches Kaltblut, war schon etwas mitgenommen, aber ich hatte sofort zugeschlagen und ihm eine Box vorbereitet. Der Wallach mit den Rückenproblemen hatte es mir sofort angetan.

      Er stapfte langsam die Luke hinunter und blieb direkt vor mir stehen. "Ich find ihn klasse." Sagte ich und nahm den Strick des Kaltblutwallachs. Er lenkte seine Aufmerksamkeit nun auf mich und ließ die Hand, die nun über seinen Hals zu seinem Rücken, die Kuppe hinunter bis zu den Beinen streichte, argwöhnisch machen. Ich klopfte kurz seinen Hals und reichte ihm ein halbes Brötchen. Krümmelnd fraß er dieses auf. "Willst du noch bleiben?"
      *
      Es war vier Uhr Nachmittag. Die Bauernjungen waren bereits mit Geld und Kuchen abgedampft. Sämtliche Aufgaben waren erfüllt. Gemeinsam mit Bella brachte ich die Pferde in den Stall – Benedick war bereits in seiner Box untergebracht. Zum Abschluss gab es noch für jeden das selbstgemachte Müsli und ein paar kleine Erdbeeren für den süßen Geschmack. Dann ging es in mein Bad für eine entspannende Dusche und einen gemütlichen Resttag. (c) Catalina


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      Hail, Schottland!


      "Good morning, UK! You are listening to The Voyage, this is Stephanie Coren. We have 12 degrees, the sun is shining and the time is 6.30 – today's topics are: Prince Harry is in love with a manatee; will Arsenal London defeat Liverpool – even though Joel Campbell and Lukas Podolski are sick and Theo Walcott has seen a red card two games before – in tonight's Premier League game?; and last but definitely not least – what name will Prince William's youngest child have? I wish you a good start in this day with One Republic's Marching On!" Der Radiowecker dudelte noch vor sich hin. Ich lag derweil im Bett und wunderte mich, einen englischen Sender zu hören. Obwohl ich mittlerweile eine halbe Woche hier lebte, war Schottland doch ein komplett anderes Kaliber als Deutschland. Aber die Nachricht über Prinz Harrys neueste Errungenschaft ließ mich schmunzelnd aufstehen. Das arme Säugetier...Seufzend schwang ich meine Beine über die Matratze und huschte in mein Bad. Für heute stand so einiges auf dem Programm. Nicht nur, dass ich die Pferde auf die Weide bringen musste, damit der Stall gesäubert werden konnte; ich musste sie ja auch noch fördern und dann mit Dorn bei Sarah vorbei schauen. Und die Fohlen sollten so langsam an ihr Leben als Reit- oder Kutschpferd gewöhnt werden.

      Nach der kurzen Dusche und dem noch kürzeren Frühstück verließ ich das Wohngebäude und trat in den Stall. Bevor ich die Pferde auf die Weide brachte, begrüßte ich jeden einzeln. Steel und Dorn waren endlich mental auch angekommen und schmusten – soweit es ihnen durch die Stäbe möglich war – miteinander. Ich machte ein awe und knipste ein Foto. Das schickte ich in die Whatsapp-Gruppe, die ich mit den anderen Trainern von Legacy of Scotland gegründet hatte

      Sarah: Haha nein wie süß ^^
      Cayden: Ist das nicht der Zwerg, den Hansi trainiert?
      Hans: Grummel...
      Lachend scheuchte ich alle Pferde auf die Weide. Dank Hansis 'Training' konnte ich Dorn ohne Probleme auf die Weide und in den Stall bringen. Auch Benedick durfte nach draußen, aber nur auf den Paddock. Ich stiefelte zurück, zurrte den Reißverschluss meiner Jacke hoch und fing dann an, den Stall sauber zu machen. Dabei hörte ich zu, wie Stephanie Coren über die Liebesgeschichten von Prinz Harry tratschte wie eine alte Tante bei einer Teeparty und ich konnte mir dabei teilweise kein Grinsen verkneifen.


      Sobald ich damit fertig war, streute ich die Boxen wieder ein und schnappte mir als erstes Meyja. Die zierliche Isländerstute wurde geputzt und dann an der Longe bewegt. Ich probierte es dieses Mal auch mit dem Kappzaun. So durfte sie im Round Pen ihren Bewegungsdrang stillen, ehe sie wieder auf die Weide kam und ich mit Blacky weiter machte. Für ihn hatte ich heute ein paar blaue Tonnen in die Reithalle gestellt. Doch vorerst putzte ich ihn gründlich und sattelte ihn auf. Das 'Tonnen-Training' war eine gute Geschicklichkeitsübung. Es war für mich zwar etwas schwer, ihn in den Ecken traben und nicht tölten zu lassen, aber bald schon hatten wir den Bogen raus und ich konnte die Übung dann auch mit Grace noch machen, bei der Stute allerdings mit kleineren Hütchen, um die wir herumbalancierten mussten. Danach gingen wir im Round Pen einige Runden Galopp, damit sie komplett ausgelastet war.

      Gut zwei Stunden später hatte ich mit Tigrotto und Delyx etwas Longentraining gemacht, Steel und Dorn wurden an der Longe bewegt (gesattelt) und Tomenko...der Junghengst ging mit mir ein wenig spazieren, graste ein Stückchen Weide ab und wurde dann auf die Weide gestellt.

      Und Benny? Der gute Alte durfte ein wenig traben und einen kleinen Lastwagen mit altem Stroh zu meinem Misthaufen ziehen. Zum Schluss bekam er noch einen kleinen mehligen Apfel und durfte dann den Rest seines Tages auf der Weide verbringen. (c) Catalina

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      Das Leben genießen


      Um sieben Uhr heute morgen kamen Handwerker und die Glaser. Es hatte zweieinhalb Tage und viel Überredenskunst gekostet, sie aufzutreiben nach dem Sturm. Da Clark okkupiert war (erst hatte er die Pferde auf die Weide bzw die Jungpferde auf den Paddock geschickt, da die Fohlenweide und die Stutenweide in Mitleidenschaft gezogen wurden, und jetzt machte er den ganzen Stalltrakt sauber), zeigte ich den Schotten, was kaputt waren. Gegen zehn wäre alles repariert, da sie gleich einfach mal alles kontrollieren wollten. Kurz darauf erschien dann auch der Lieferant. Futter in die Kammer, Lederfett, Pads, winterfeste Decken und Gamaschen in die Spinde. Puuh. Clark häufte derweil das ganze alte Stroh auf einen Haufen, und ich wollte mich währenddessen um die Fohlen kümmern.

      Delyx und Tigrotto spielten munter miteinander, Tomenko stand – wie immer – etwas abseits, schien aber recht amüsiert davon zu sein, wie die Fohlen herum tollten. Meyja, Benny und Grace lagen auf dem Bauch. Besorgt ging ich erst auf Benny zu. Doch als der dann mit etwas Mühe aufstand und sich von mir inspizieren und streicheln ließ, atmete ich beruhigt aus. Ich schnappte mir die drei Fohlen und schickte sie dann in den Round Pen. Mittels eines Gymnastikballes konnte ich sie dann für eine halbe Stunde unterhalten. Danach kamen sie zurück auf den Paddock. Weiter ging es mit Benny. Den wollte ich heute noch etwas trainieren, doch vorher führte ich das alte Kaltblut zum Putzplatz. Der Strohhaufen türmte sich schon auf Höhe des Tores, und interessiert schnupperte der Wallach daran. Ich schob ihn zur Seite, danach musste ich sein Fell ordentlich putzen. Der Dreck war richtig in sein Fell eingearbeitet, und mir tat anschließend das Handgelenk weh. Danach half ich Clark dabei, das Stroh wegzubringen, um danach direkt in die Sattelkammer zu gehen und ein Pad für den Dicken zu holen. Ich war ihn noch nie geritten, und wollte es heute einmal probieren. Und da der Arme keinen Sattel tragen konnte, war das für uns beide nur ein Schonprogramm. Mittels Clark saß ich dann auf und folgte dem geteerten Weg zum Round Pen. Dort angekommen, schnaufte er schon wie ein alter Motor, daher gab es nur einige Runden im Trab und ein paar Galoppsprünge. Somit entließ ich ihn und schnappte mir dann Grace und Meyja. Ich hatte ein Doppellongenset bestellt, dass ich mit den beiden ausprobieren wollte. Dabei musste die zierliche Isländerstute innen laufen, da Grace mehr Feuer im Hintern hatte. Doch ich musste die beiden erst einmal daran gewöhnen, zusammen zu laufen. Grace war die Alphastute und somit nicht wirklich angetan von der Idee. Obwohl sie kaum Probleme mit Meyja hatte, wollte sie das Tempo vorgeben. Mehrmals musste ich sie daher bremsen, und nach etwa zehn Minuten trabte sie auf dem Hufschlag, und die braune Isländerstute trippelte neben ihr her. Nach einem Wechsel und weiteren Runden lobte ich sie und sie durften auf die Weide. Weiter ging es mit Middle Ages. Grazil trabte sie auf mich zu, als ich sie her pfiff. Mit ihr wollte ich auch im Round Pen arbeiten, danach – da es schon kurz nach halb zehn war – wollte ich bei den Handwerkern nachfragen und nach Clark sehen. Die Stute war recht sauber. Mit voller Reitmontur schickte ich sie an die Longe. Ohne Peitsche, denn die Traberin wusste sofort, was ich von ihr wollte. Einmal an dem Baumwollseil gezupft, lief sie schon los. Kopf hoch erhoben, hielt sie auch die Beine recht hoch, als wolle sie staken. Daher nahm ich etwas von der Spannung, gab die Hand immer wieder an, sodass sie etwas ruhiger traben konnte. Gelegentlich legte sie die Ohren an, da sie wohl auch galoppieren wollte. Ich gewährte ihr ihren Wunsch. Einmal kurz wiehernd, sprang sie sofort an und preschte los. Wenig später parierte sie, um im Leichttrab zu äpfeln, danach galoppierte sie wieder an, und blieb dann stehen. Sanft stubste mich die Scheckstute an. "Nein, jetzt ist erst einmal Pause, heute Nachmittag gehts weiter.", bestimmt führte ich die gesattelte Stute zum Paddock. Abgesattelt und ab ging es. Danach schaute ich nach Clark. Der sattelte gerade Black Lemontree. "Ich will mal mit ihm ausreiten. Darf ich?", ich nickte nur. Der Stall war sauber. Mit Topas' Comtesse am Strick ging ich nun die Handwerker suchen. Die rauchten sich eine und quatschten. "Wir rauchen die nur zu Ende, danach schauen wir uns die Weidezäune an.", sagten sie, als ich sie fragte, warum sie nur rumstünden. Achselzuckend schnappte ich mir dann noch den Berber, um mit ihnen spazieren zu gehen. Aldaire und Topas ignorierten sich in aller Ruhe, und der Hengst schien sich doch sehr mit dem Gras zu begnügen, das am Wegesrand wuchs. Topas hingegen lief einfach nur neben mir her. Eine halbe Stunde stromerten wir über die Wiese zurück zum Hof. Dann putzte ich die beiden noch, ehe ich sie wieder auf die Weide/auf den Paddock stellte. Auch Clark war schon sehr fleißig. Nach Blacky kam er nun mit Meyja zurück. "Hast du die beiden gleichzeitig bewegt?" "Meyja ging als Handpferd." Nickend winkte ich den Handwerkern zu, die nun wegfuhren.

      Es war elf Uhr. Nach einer entspannenden Dusche zog ich nun zur letzten Stute. Clark longierte derweil Dorn und hatte einige Probleme mit dem dominanten Hengst. Bevor ich die Stute also aufsattelte half ich Clark damit, den Hengst an der Longe zu halten. Danach fing ich Steel Heart vom Paddock und putzte sie. Ganz ruhig war sie – ungewohnt war es doch, als ich sie ohne Probleme satteln konnte und dann mit ihr in der nun reparierten Halle reiten konnte. Es gab aber nur Trabrunden, denn nach dem letzten Mal wollte ich nicht unbedingt mit ihr durch die Halle jagen. Doch sie stellte sich ganz gut an, wirkte konzentriert und nahm meine sanften Hilfen sehr gut an, und stolperte einmal. Es folgte eine Pinkelpause, dann trabte sie wieder an und wir konnten weitermachen.

      Zwei Stunden später waren alle Pferde ausreichend bewegt. Pendragon durfte zusammen mit dem Neuankömmling Nummer eins, HGT's Enjoy Nature, die Halle unsicher machen. Der Quarter Hengst war nicht die einzige Errungenschaft. Ein weiteres Westernpferd war auch mit von der Partie. Denn jetzt stand ich mit Verena in der Halle und begutachtete, wie die beiden Braunen sich beschnupperten und jagten. Und auch das neue Fohlen, Wild Berry, war doch aufgetaut. Das erste Fohlen von der Powertunte wurde direkt für mich reserviert und als er die anderen Pferde sah, stieg er und wieherte keck. Der kaum ein Jahre alte Junghengst schien sich aber mit Enjoy doch sehr gut zu verstehen, wenn der große Hengst ihm wohl doch noch sehr zu wider ist. Verena versicherte mir, bei dem Training – sprich dem Einreiten und den ersten Westernlektionen – mir zu helfen. Solange ich nur mal wieder nach Kanada fliegen würde. Grinsend winkte ich ab, denn jetzt kamen schon die ersten ungeduldigen Anrufe von Annabell und Stefanie.

      (c) Catalina

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      Pendragon, L-Springen; Dorn, L-Distanz; Blacky, A-Distanz; Meyja, L-Dressur; Enjoy, Bodenarbeit

      Morgendunst lag noch auf den Feldern. Kaum sechs Uhr. Ich ließ mir heute keine Zeit, länger zu schlafen. Denn Clark würde morgen abreisen. Sein erstes Theorieseminar zur Ausbildung zum Pferdetrainer stand kurz bevor, und ich wollte, dass er mir heute beim Training von Pendragon, Benny und Dorn half. Ein ganzes Stück Arbeit. Nebenbei wollte ich aber auch noch Blacky, Meyja und Enjoy trainieren. Der junge QH-Hengst sollte noch nicht eingeritten werden, aber Bodenarbeit war essenziell wichtig für seine Ausbildung. Eventuell, so dachte ich gerade, als ich in die Küche ging, würde ich Clark einfach auf den Isländer mit drauf setzen, damit der gleichzeitig mit Dorn etwas trainiert werden könnte. In der Reitstube brannte schon Licht. Der Walise trank eine Tasse Kaffee und nickte mir zu. "Nicht sehr gesprächig, wie?", fragte ich lächelnd. Über die letzten Wochen hatte er einige Brocken Deutsch gelernt. "Was soll ich in Leeds?" "Deine Ausbildung anfangen. Damit du mir beim Training helfen kannst, natürlich!", erwiderte ich und scheuchte ihn direkt nach draußen. "Kontrolliere bitte den Springplatz. Ich mach uns kurz Frühstück. Würdest du dann auch noch Pendragon aus der Box holen?" Der junge Mann grummelte. Er hatte wohl auch einen schlechten Tag. Nun ja, ich nicht wirklich, aber da Sarah mich schon um halb sechs angerufen hatte wegen ihrer Hochzeit, war ich etwas groggy. Anstatt ein ausgewogenes Frühstück herzubereiten, belegte für uns beide zwei Knäckebrot und stiefelte dann in den Stall.


      Pendragon war bereits angebunden, von Clark fehlte jede Spur, bis er sich von der Seite näherte und er sein Brot nahm und auf aß. "Wie viele Pferde willst du heute trainieren?", wollte er wissen. Er rieb sich die Krümmel von der Lippe und verschränkte die Arme. "Fünf mindestens. Topas würde ich auch noch gerne irgendwo reinschieben. Und ich muss für morgen eine neue Box vorbereiten." "Schon wieder ein neues Pferd?", er stieß einen Schwall Luft aus. Ich ließ mich davon nicht unterbuttern, und grüßte das Pony. Der junge Hengst schnaubte, als ich sein Fell bearbeitete. Wie zum Teufel konnte er nur so dreckig sein? Er stand nun öfters in der Box. Sehr zum Missfallen des Ponys, leider, aber das Wetter wurde langsam rauer und ich wusste nicht, wie lange er draußen ohne Decke stehen konnte. Trotzdem machte ich ihn fertig für die heutige Session. Clark ging derweil durch den Stall und scheuchte alle Pferde auf die Weide, also ging ich mit dem heute verschmusten Hengst zum Reitplatz. Er wollte mich auch gar nicht erst auf seinem Rücken haben, da er sich sofort seitlich hinstellte und seinen Kopf zu mir hindrehte. Lachend schmiegte ich mich an ihn heran. Dann aber saß ich auf, und führte ihn durch das leicht geöffnete Tor zum Springplatz, um ihn dort vorzubereiten. Seine ehrgeizige Seite wurde nun betont, denn er schien sich nur auf die Hindernisse zu konzentrieren. Trotzdem setzte er seine Gänge ein, wie ich es wollte und wechselte dann in den Galopp, um über eine kleine Steeplehürde zu gehen. Die stand zwischen C und G, anschließend kamen zwei einfache Stangen und eine Hecke. Doch heute war er wohl nicht auf das Plastikdekor aus, zuckte aber zusammen, als seine Hufe deutlich über das darunter befindende Hindernis streiften. Beruhigend klopfte ich seinen Hals, um dann linker Hand auf die Dreierkombination bestehend aus einer Doppelstange und zwei Mauern zu zu reiten. "Super, Kleiner." er parierte durch und hielt im Trab weiterhin das Tempo. Das Tor klapperte. Clark lehnte sich gegen das Holzkonstrukt und lächelte. "Sieht gut aus.", rief er und zeigte einen nach oben gerichteten Daumen. "Danke!", ich blieb direkt vor ihm stehen. "Bereitest du gleich nach dem Training von Benny Dorn und Blacky vor? Du kommst mit." "I-ich?" "Ja. Aber auf Blacky. Ich traue dir noch nicht zu, Dorn zu reiten." Ich sah, wie ihm regelrecht ein Stein vom Herzen fiel. "Mach die beiden einfach um neun fertig. Bis dahin bin ich mit Pendragon und Benny fertig.", sagte ich und trieb das Pony erneut an. Es war Zeit, mit dem Training weiterzumachen.

      Es war genau Viertel vor neun, als ich mit Pendragon und Benny fertig war. Denn das Pony war sehr konzentriert dabei und sprang als ginge es um sein Leben. Das Knuddelkaltblut hingegen schnaufte, als wir über die Halbinsel kutschierten. Und jetzt ging es weiter mit dem Isländer und dem Lewitzer. Auch das Pony schien sich mit Clark aufzuwärmen, denn anstatt wie sonst auch immer nach ihm zu schnappen, als der Sattelgurt enger geschnallt wurde, legte er nur die Ohren an und verdrehte die Augen. "Auf auf.", drängte ich den jungen Mann. Ich hatte ihm bereits erklärt, wohin wir erst reiten wollten. Es ging zu Annabell und Tabea, die gut zwanzig Kilometer von uns entfernt wohnten. Eine gute Strecke für die beiden Hengste, und Dorn wirkte recht ungeduldig, als ich mittels Clark aufsaß, den kleinen Rucksack zurecht rückte und dann mit ihm direkt vom Hof ritt. Der schwarze Isländer direkt neben mir fing an, zu tölten. Das Grinsen konnte nicht aus meinem Gesicht entweichen, als sich Clark mehr oder weniger erfolgreich im Sattel hielt und neben mir auf der Straße ritt. Um diese Zeit fuhr hier eh keiner lang.

      Auf dem kleinen Gestüt von Annabell und Tabea war schon einiges los. Die Isländer waren auf der Weide redlich dabei, herumzutollen und wieherten ihrem Kollegen zu. "Huhu! Jemand da?", rief ich laut über den Hof. Dorn tänzelte kurz zur Seite. Er schnaubte einmal, blieb dann geschlossen stehen. Nur seine Ohren zuckten kurz. Aus dem Stall lief mir Tabea entgegen. "Morgen, Tabea!", grüßte ich und saß synchron mit Clarence ab. "Hi Cata." Sie warf mir kurz einen fragenden Blick zu. "Ach, ähm, das ist Clark, mein Pfleger und zukünftiger Trainerkollege. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob Bella schon da ist." Sie schüttelte den Kopf. "Macht einen Ausritt. Soll ich irgendetwas ausrichten?" "Sarah will uns etwas Heu abgeben für den kommenden Winter. Sag ihr einfach Bescheid, dass sie mit mir zu Craed Crevan fährt.", antwortete ich. Tabea versprach, dies auszurichten, danach ritten wir wieder nach Hause. Auf halber Strecke mussten wir Halt machen. Black Lemontree war etwas geschafft. Wir hatten den Weg mal im Trab, mal im Galopp hinter uns gebracht, und die letzten fünf Kilometer gingen wir im Schritt. Es war nervenreibend, einfach nur zu gehen, denn Dorn wollte gerne auf die Felder ausweichen. Ich lenkte ihn direkt auf die Mittellinie und gab dann die Hand vor, da er seinen Kopf ziemlich ausstreckte.

      Sobald wir auf dem Gestüt ankamen, nahm ich Clark den Isländer ab. Der Pfleger musste mal dringend wohin und ich brachte die Pferde auf die Weide. Blacky bekam noch einen Apfel als Extrabelohnung.

      Der Tag zog sich hin. Denn Enjoy, meine neueste Errungenschaft, war alles andere als sauber, als ich ihn vom Paddock holte. Wobei, nicht nur er, sondern auch Benny und Pendragon waren total dreckig. Daher bat ich Clark, die beiden ordentlich sauber zu machen, während ich den Quarterhengst abduschte. Der Dreck war so im Fell festgesetzt, dass ich Mühe hatte, es mit einem Schwamm und einem Gummistriegel herauszuarbeiten, damit es im Abfluss verschwinden konnte. Kurzerhand war ich etwas verunreinigt, könnte man sagen, aber das Pferd war immerhin sauber. Trotzdem musste er unter's Solarium, damit er für die Bodenarbeit nicht krank wurde. Der Hengst wurde noch mit einer Wärmedecke bestückt, ehe wir in die Reithalle gingen. Dort führte ich ihn an der Longe auf dem Zirkel herum, bis ich ihn an der Longe alleine laufen ließ. Es würde wohl noch etwas dauern, bis er eigentlich eingeritten werden würde. Das würde Verena übernehmen. Ebenso würde sie mit Aldaire verfahren, aber jetzt ging es weiter mit der Longierstunde. Der Hengst wurde von Verena gut an die Longe und Kommandos gewöhnt, setzte sich im Trab aber stärker durch als ich eigentlich wollte, daher bremste ich ihn immer ab und ließ ihn nur traben. Das sollte ihn etwas abstumpfen, damit er nicht sofort losjagte. Ihm machte es irgendwann mal auch keinen Spaß mehr, weshalb er stehen blieb und lustlos im Belag herum scharrte. Daher gab ich ihm einen Klopfer auf den Hals, wechselte die Seite und trieb ihn wieder an. Dieses Mal durfte er aber nach zwei Runden im Trab in den Galopp gehen. Der Hengst schien sich richtig zu freuen, Gas zu geben. Danach machte er mit, wie ich wollte, ohne irgendein Problem zu veranstalten und parierte dann komplett durch. Lobend streichelte ich den Braunen und gab ihm einen Apfel, als er dann auf die Weide ging.

      Bevor ich jetzt aber meine verdiente Mittagspause mit Clark machte, gondelte ich in den Stutenstall. Meyja hatte in der letzten Zeit ziemlich schlechte Laune, und hatte sich mit den Stuten gekebbelt. Daher galt für sie nun strikte Boxenruhe. Auch jetzt wirkte sie gereizt, als ich sie striegelte. "Mensch, was ist nur los mit dir, Schätzchen? Hm?" Doch die Isländerin schnappte nur gereizt nach meinen Fingern. Stirnrunzelnd zückte ich mein Handy und rief jemanden an. Es dauerte, bis Hansi abnahm. "Was?" Wow, heute waren ja alle gereizt. "Dir auch einen guten Tag. Meyja ist seit einigen Tagen angriffslustig. Sie ist gesund, wird jeden Tag bewegt und pflegt ihren Kontakt zu uns." "Und? Wie soll ich dir dabei helfen?", brummte der Schwede. Ich verdrehte die Augen. "Sag an." "Um Gottes Willen dann lasse ich dich halt in Ruhe.", grummelte ich und legte sofort auf. Die störrische Stute wurde nun zu Ende geputzt und dann aufgesattelt. Eigentlich müsste ich sie nicht trainieren. Aber sie brauchte mal wieder etwas Förderung. Und so ging es in die Halle. Clark war hier mit Pendragon zu Gange. Als ich aufsaß und nachgurtete, erklärte er mir, dass ihm langweilig sei. "Na, dann kannst du schon mal mit dem Essen anfangen. Schäl die Kartoffeln und hol den Fisch aus der Gefriertruhe. Na los, dalli dalli." Ich klatschte in die Hände, und so war ich nach zehn Minuten alleine in der Halle. In dieser Zeit hatten wir uns aufwärmen können, und die Isländerin wirkte schon etwas gelassener, als wir einen Galoppwechsel anregten und auf dem Zirkel bei A blieben. Dort variierte ich die Größe, bis wir dann auf dem Hufschlag blieben und eine Kehrtwende ritten. Dabei legte sie kurz die Ohren an. Seufzend trieb ich sie weiter, wechselte die Gertenhand und führte sie dann auf den Mittelzirkel, um von dir aus eine Volte bei B und daraufhin erneut eine Kehrtwende zu reiten. Somit konnte ich die Stute davon abbringen, zu zicken und sie legte eine schöne Galoppstrecke hinter sich, ehe wir im Leichttrab eine Volte bei E und dann Schlangenlinien durch die ganze Bahn gingen. Danach fiel mir auch nicht mehr viel ein, deshalb gab es noch kleinere Wiederholungen aus der A-Dressur, bis sie dann auch wieder in ihre Box ging. Dabei stieß sie ein wehklagendes Wiehern aus.

      (c) Catalina
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      Pendragon (A-Fahren), Jim (A-Springen), Blacky (Einfahren), Steel (S-Dressur), Middle (M-Rennen), Benny (M-Fahren), Grace (A-Dressur), Meyja (M-Dressur)

      Clark hat wieder angerufen! Das erste von vier Seminaren hatte er nun hinter sich. Jetzt fing er mit seiner Ausbildung an. Und wo? Natürlich bei mir! Obwohl es gerade mal vier Uhr war, als er anrief, war ich überglücklich und stolz, dass ich die ganze Arbeit nun nicht mehr alleine bewältigen musste. Und heute konnte er mir schon helfen.
      Und die Liste war lang. Neben der normalen Stallarbeit – Putzen, Füttern und die Sattelkammer auf Vordermann bringen – durfte er heute bei Grace und Meyja helfen. Bei seiner Ausbildung hatte er sich auf Dressur und Distanz festgelegt, aber auch Westernlektionen wollte er erteilen. Da konnte ich ihm leider nicht mithelfen; ich wusste aber, wer schon. Und da ich jetzt eh schon wach war, konnte ich am Schwarzen Brett Notizen anhängen. Die Pferde waren alle noch dösig.
      ~*~
      Punkt halb sechs. Ich hatte noch geduscht und mich angezogen, die Wäsche war in der Waschmaschine – ab zu den Pferden. Mit einer Gerte scheuchte ich alle heraus. Sogar Dante durfte nach draußen, aber auf die Hengstweide, ein separates Stückchen stand ihm zur Verfügung. Benny brauchte natürlich etwas länger als sonst, aber auch er durfte bei den Stuten mitgrasen. Ich sah ein Taxi die Einfahrt hoch tuckern. Auf meiner Höhe blieb es stehen und der blonde Wuschelkopf von Clark lugte heraus. Wir liefen auf einander zu und ich gratulierte ihm zur erfolgreichen Seminarwoche. "Ach was.", winkte er ab, als er seine Tasche in seine kleine Wohnung brachte und sich dann mit verschränkten Armen gegen seinen Schreibtisch lehnte. "Was steht heute an?" "Da ich jetzt deine Lehrmeisterin bin, darfst du heute richtig arbeiten. Mit Meyja und Grace. Aber fang mit Grace an, sie hat dich vermisst.", damit huschte ein breites Grinsen auf sein Gesicht, aber sein Magen versaute ihm die Tour. "Okay, es gibt Essen.", wandte ich lachend ein, dann frühstückten wir. Ich hatte in der letzten Zeit auf Fleisch verzichtet; nur vom Fisch konnte ich mich nicht losreißen. Clark machte anschließend den Abwasch, dann holten wir beide Grace und Steel von der Weide. Die beiden verstanden sich ausgesprochen gut für zwei unterschiedliche Tiere unterschiedlicher Rangordnung. Clark wirkte glücklich, 'seine' Stute wieder zu sehen. "Hey, mitmachen habe ich gesagt!", ich gab ihm eine Kopfnuss. Was war da nur los? Er sollte sie vorbereiten, nicht anschmachten. Er zuckte zusammen, und brummelte, als er die dominante Stute fertig machte. "Du kennst die Grundlagen der Dressur. Ich bleibe in der Nähe. Wenn du Fragen hast, frag!", den letzten Satz fauchte ich schon fast. Ich kannte sein Ich-muss-alles-alleine-hinkriegen-Gen nur zur Genüge. Steel schüttelte den Kopf. Sie wollte mich wohl maßregeln. Lächelnd klopfte ich ihren Hals. Eigentlich wollte ich sie nicht trainieren, da sie noch von der Krönung sich erholen durfte, aber ich wollte es unbedingt. Gemeinsam mit Clarence ging es in die Halle. Ob der ruhigen Haltung der Stuten blieben wir in den verschiedenen Hallenhälften. Wir beide wärmten die Pferde synchron auf. Mit lockeren Biegungen und kleineren, mal größeren Zirkelwendungen machte ich die Stute bereit für einen kleinen Wechsel. Clark schaffte es, die Stute zu bändigen, und als wir aufgewärmt waren, sagte er, er ginge auf den Platz, um weiter zu trainieren. Mehr Platz für mich.


      Gut eine halbe Stunde verbrachten wir mit Gang- und Tempowechseln. Sehr löblich führte sie alles aus. Ohne Gerte. Sie würde sonst tänzeln und nicht mitmachen wollen. Ich wusste immer noch nicht, was bei ihr schief gegangen war; auch Verena wusste nichts genaueres. Nach einer Traversale und einem anschließenden Übergang in den versammelten Galopp war auch Schluss für sie. Die Weidesaison war im vollen Gange; sie durfte jetzt ihre Tage beim Grasen genießen. Clark wirkte konzentriert, als er mit der Warmblutstute angaloppierte und auf dem Zirkel abwendete. "Gib den inneren Zügel nicht so nach. Sie muss sich doch an die Körperstellung während der Wendung gewöhnen. Und drück die Fersen runter!", ich fühlte mich wie eine altbackene Reitlehrerin, trotzdem machte Clarence, was ich ihm abverlangte und parierte dann durch. "Und?" "Die Kleine erkennt mich schon ein wenig." "Ist ja schön, aber ich bin mit Steel schon fertig. Ich mach dir Meyja fertig, dann prüfe ich dich mal ein wenig." Gequält blickte der Mann drein. "Du musst nur eine kleine Kür laufen können. Ich sage dir Figuren, du machst sie. Und Meyja ist lieb, das weißt du!" "Und was machen wir danach?" "Ich schau in der Sattel- und Futterkammer nach dem Rechten, du bestellst Heu, Pellets für Benny und die übliche Ration an Medikamenten.", ratterte ich runter. Clarence nickte nur. "Na, los, ab jetzt! Geh mit ihr noch ein paar Runden im Trab, bis ich Meyja fertig habe, dann geht's richtig los!", ich klatschte auf das Holz der Bande um dem eben Gesagten Betonung zu verleihen. Grace wieherte dann. Ich drehte mich um, und holte schnurstracks Meyja von der Weide. Die war froh, als sie geputzt und gesattelt wurde und stubste mich an. Am Platz angekommen, tauschten wir die Pferde. "Macht euch warm, ich komme gleich wieder!" Grace sattelte ich direkt an der Weide ab, und brachte das Zeug in die Sattelkammer. Es war witzig, wie Clark auf der kleinen Isländerstute auf dem Mittelzirkel trabte. "Bereit?" Der Walise nickte. "Abwenden auf den Hufschlag, linker Hand. Dann eine Kehrtwende. Und gib dann ein bisschen mehr Gas, Meyja kann auch flotter." Ich lehnte mich gegen das Holz und sah zu, wie Clarence nun diese Wendungen ritt. "In der zweiten Ecke angaloppieren, Volte bei E, dann noch mal eine Volte. Ganze Bahn und dann zum Trab durchparieren." Gesagt, getan. "Weitertraben! Treib sie an, sie soll nicht so schlurfen!" Nach einer Runde durfte sie nun im Schritt gehen und auch bleiben. "Musst du so rummeckern?", maulte der Azubi rum. "Ja. Muss ich. Du bist so schlampig.", ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen. Der Mann brummelte. "Da wirst du mich noch einige Monate aushalten müssen. Trab mal wieder an. Dann einen Zirkelwechsel und eine Kehrtvolte. Das war's dann auch für sie. Nächste Pferde wären dann Pendragon und Blacky." Die beiden sollten eingefahren werden. Blacky, unser Crackhengst, kannte das Gespann schon. Pendragon würde über die nächsten Tage daran gewöhnt werden. Der Isländer zog die Kutsche wie ein stolzer Barockhengst. Die Lieferungen würden binnen zwei Tagen hier sein. Auch Benny wurde nun trainiert. Der alte Teddybär hatte es in sich. Er machte sogar Galopphüpfer! Es war sehr amüsant, als er dann wie ein Hengst neben mir her stolzierte. "Was ist mit Benny los?" "Keine Ahnung." Auch er wurde nun vor die Kutsche gestellt. Ich erinnerte mich an den Kommentar von Hansi, dass diese Rasse "mit der Kutsche im Arsch geboren sei" und daher wirklich dafür gedacht war. Stimmte ja auch.

      Am nächsten Tag wurden dann auch noch einmal Steel, Pendragon und Grace trainiert. Mit Middle Ages ging es auf die Rennbahn, und Jim wurde im Springen trainiert, auch wenn es nicht seine Disziplin war.

      (c) Catalina
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      Gangtraining von E auf A & Töltunterricht (Part 1)

      Heute Vormittag ging es zu Catalina und Meyja. Die beiden wohnten nur fünf Minuten von mir entfernt und so machte ich einen kleinen Spaziergang am Ostseestrand entlang, bis ich zu ihrem kleinen Hof kam. Ich wurde bereits erwartet und freudig begrüßt da wir uns als Nachbarinnen schon leidlich gut kannten. Da Catalina mir sofort sympathisch war, einigten wir uns auf Du.


      Während sie ihre Stute von der Koppel holte und sattelte, erklärte ich meine Übliche Vorgehensweise.

      „Es wäre schön wenn du mir Meyja einmal vorführen könntest, dann sehe ich gleich wie sie sonnst geritten wird und kann mir gut ein Bild von ihrem Trainingsstand machen.“

      Gesagt getan, Catalina saß auf und ich folgte ihr und ihrer Stute zum Reitplatz. Ich sah mir einige Runden Schritt, Trab und schließlich auch Galopp an, ehe sie ihre Stute zu mir lenkte und fragte ob ich genug gesehen hätte. Etwas irritiert fragte ich nach Tölt und ob die Stute auch Pass gehen könnte. Ich erntete nur ein ziemlich Ratloses Gesicht und musste plötzlich breit grinse. „Du hast eine Isi Stute und weißt nicht ob sie vier oder Fünfgängerin ist? Die Islandszene schaut als erstes auf die zusätzlichen Gangarten, dann auf das Potenzial.“ lachte ich. „Ich glaube hier haben wir einigen Nachholbedarf.“ und damit stieg ich über die Bande und ging in die Mitte der Bahn. „Heute kriegst du mal ein bisschen Unterricht in Sachen Gangreiterei und morgen komme ich wieder und mache deine Stufenerhöhung, einverstanden?“

      Ein Schulterzucken, ein Nicken und ich stand in der Mitte der Bahn.

      „Für Tölt musst du dein Pferd gut aufwärmen, das hast du ja bereits. Außerdem sind Biegungen förderlich. Reite doch mal ein bisschen auf dem Zirkeln und mach ein paar Volten, gerne auch Handwechsel.“

      Während Catalina ritt, ging ich im Kopf in der Zeit zurück und erinnerte mich an mein erstes mal Tölten. Sofort fielen mir alle typischen Fehler auf die ich damals gemacht hatte und überlegte wie ich meine Schülerin am besten darauf vorbereiten könnte, eben diese Fehler nicht zu machen.

      Ein „Hey, schläfst du?“ riss mich aus meinen Gedanken und ich sah in ein belustigtes Gesicht, das mich vom Pferd aus anblickte.

      „Gut, dann sollten wir mal schauen ob dein Stütchen Tölt beherrscht und wie ihr euch so schlagt.“ ich legte eine kurze Kustpause ein: „So, setzt dich tief in den Sattel und nimm die Zügel so weit auf, das Meyja ihren Kopf heben muss. Wenn sie meint ihn nicht selber tragen zu müssen, gib am besten ein paar kleine Paraden mit den Ringfingern. Jetzt den Schritt verlangsamen bis sie anfängt zu trippeln und treiben. Na los.“

      Meyja ruckte kurz unwillig mit dem Kopf und fiel dann in einen Lupenreinen Tölt. Leider schien sie keine Naturtölterin und dazu Fünfgängerin zu sein, denn der Tölt fiel passig genug aus um Catalina im Sattel auf und ab hüpfen zu lassen. „Gut.“ rief ich „Und durchparieren zum Schritt.“

      Die Reiterin brauchte einen Moment bis sie ihre Stute gebändigt hatte. „Wenn du keine Schädelhirn Trauma bekommen willst, musst du in den Knien mitfedern, am Anfang hilft es auch im Sattel aufzustehen, dann ist das Federn einfacher.“

      Beim zweiten Mal sahen Pferd und Reiterin schon fast wie ein geübtes, eingespieltes Team aus und mit jedem Versuch wurde ist besser, bis Meyja erschöpft den Kopf erschöpft hängen ließ.

      „Super. Ihr macht das echt richtig gut.“

      Während Catalina ihrer Stute den Rest des Nachmittags auf der Weide frei gab. Schickte ich mich an den Weg nach Hause anzutreten. Am nächsten Tag würde ich wiederkommen und das Training beenden.

      (c) BellaS

      Gangtraining von E auf A & Töltunterricht (Part 2)

      Auch heute ging es wieder zu Catalina und Meyja, dieses Mal um das Gangtraining zu beenden. Ich traf die beiden bereits am Anbinder an, wo Catalina schon dabei war ihre Stute zu satteln.+

      „Was für ein Service.“ begrüßte ich die beiden.

      Meyja zu satteln ging schnell, weniger schnell ging es allerdings, mir Catalinas Spaßhaft Klage über ein schmerzendes Hinterteil über mich ergehen zu lassen.

      „Was glaubst du wie oft ich genau das hörte?“ fragte ich sie während ich aufsaß.

      Meyja reagierte auf die erstaunliche Weise, wie ich sie schon bei einigen Isländern erlebt hatte. Sie bemerkte sofort das ich meinen Schwerpunkt im Sattel schon Gewohnheitsmäßig tiefer legte als die 'normalen' Reiter. Die sonnst so aufsässige Stute spitzte die Ohren und kaute auf dem Gebiss.

      „Dieses Phänomen ist wirklich interessant.“ meinte ich später, „Was für die meisten Großpferde schrecklich ist, finden die Isländer anscheinend toll.“

      Ich begann mit großzügigem Aufwärmen und achtete primär auf viele Biegungen ehe ich antöltete. Meyja war extrem aufmerksam und zog das Tempo im Tölt kräftig an, bis ich sie bremsen musste da das ganze in Pass ausartete.

      „Du hast ein echtes Sportpferd.“ klärte ich Meyjas Besitzerin auf.

      Noch eine Weile lang töltete ich auf dem Reitplatz. In Ermangelung einer Oval oder Passbahn, wechselten wir schließlich einfach auf den Weg am Tor und funktionierten ihn vorübergehend in eine Passbahn um. Leider überwogen die Reize der Umwelt schon nach einer Bahn Pass und die Stute war nur noch zu einem wilden Galopp zu bewegen.

      Schließlich gingen wir noch einmal etwas Tölt ehe ich die Stute zum Anbinder zurück lenkte und absaß.

      „Ich denke du kannst deine Stute von nun an auf A Niveau reiten.“

      (c) BellaS
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      Dressur E auf A


      Noch während ich im Training mit Marismeño festgesteckt gewesen war hatte ich eine Nachricht von Cayden bekommen – noch ein zweiter Auftrag in Spanien! Irgendwie hatte ich mich darüber gefreut, wenn ich auch mit dem Wagen einmal komplett durch das Land gurken musste – führte ja nichts daran vorbei. Also hatte ich mir einen Wagen mit Navi gemietet und das nächste Ziel hies:

      Rego Da Candocia - Nordspanien.

      Was ich überaus begrüßte war der SD Kartenslot des Autoradio´s weshalb ich nicht mit dem hiesigen Radio quer durch ein fremdes Land gurken musste sondern begleitet von meiner momentanen Lieblingsband Ensiferum und einigen anderen Interpreten.

      Angekommen auf dem Hof, stellte ich mein Auto irgendwo in die Auffahrt, da kein Parkplatz markiert worden war. Sorgfältig schloss ich es ab, schulterte den Rucksack und betrat den Hof durch das Tor. Mit den freien Händen schlang ich meine langen Haare noch schnell in einen Pferdeschwanz, da der Wind sie mir unablässig ins Gesicht wehte. Noch wirkte der Hof verschlafen, wenn man bedachte das es gerade 10 Uhr war...äußerst ungewöhnlich. „What are you doing here?“ kam plötzlich eine weibliche Stimme rechts von meiner Seite. Sie klang nicht unbedingt ängstlich, allerdings bewusst feindselig. An ihrer Seite stand ein großer, breiter Rotbrauner, der mich aufmerksam musterte, ebenso wie die Frau. Mit ihrer kleinen Gestalt glich sie von der Statur her Sarah, sie mussten in etwa die selbe Größe haben. Kurz kramte ich in meinem Hirn nach dem Namen, den Cayden mir genannt hatte. „Catalina Dixon? I´m Hans-Joachim Viklund...I´m here for the training of youre mare.“ verkündete ich ihr und fügte dann hinzu „Do you speak German?“ „Ja natürlich, ich habe nur jemand anderes erwartet. Ich freue mich trotzdem dich hier zu wissen. Komm gleich mit in den Stall, dann zeig ich dir meine Meyja.“

      Im Stall stellte sie den Rotbraunen, der laut dem Schild Benedick hieß in seine Box und drei Boxen weiter stand bereits die stämmige Islandstute. Ich bemerkte wie die junge Frau zu mir aufschaute...ja für neue, die mit mir umgehen scheinen meine Narben im Gesicht etwas verwunderlich. Trotzdem war ich diese Blicke mittlerweile gewöhnt, sah über sie hinweg und bald gewöhnten sich die meisten daran. „Sie ist wirklich eine Schönheit.“ sanft strich ich über ihre zarten Nüstern und machte mich an die Arbeit mit ihr. Zunächst putzte ich sie etwas über, holte das Heu aus der struppigen Mähne der Stute – sie erinnerte mich an Thowra, einer Stute die ich auch ab und an ritt. Noch schien sie nicht sonderlich begeistert von mir, wand den Blick ab und distanzierte sich von mir. Mit einer Einheit Bodenarbeit jedoch gelang es mir die kleine Stute nach und nach aus der Reserve zu locken – natürlich nicht ohne ein bisschen Bestechung durch Möhren. Wie Catalina mir erzählt hatte war die Stute zwar bereits 8 Jahre alt, hatte ihre Jahre zuvor aber mehr als Freizeitpony als auf dem Platz verbracht. Nachdem ich also den Vormittag nur Bodenarbeit gemacht hatte, sattelte ich Meyja am Nachmittag um mir ihr bisheriges Können genauer betrachten zu können.

      Die besten Voraussetzungen dafür trug sie bereits in sich – Gelehrigkeit und der Wille zu gefallen musste in meinen Augen vorhanden sein um einem Pferd alles nötige beizubringen, aber auch ihre freundliche Ader machte es uns sicher leichter. Heute würde ich mich also zum ersten Mal in den Sattel schwingen. Mit Hilfe einer Aufstiegshilfe stieg ich in ihren Sattel sortierte mich ein wenig, ließ Meyja im Schritt angehen und es dauerte ein bisschen ehe ich mich an ihre raumgreifenden Schritte gewohnt hatte. Im Trab ging es schließlich weiter, eine recht konstante Anlehnung kannte noch nicht so richtig. Trotzdem verlangte ich sie immer wieder von ihr, hier hatte auch ihre Besitzerin bereits gute Arbeit geleistet. Wesentliche Unterschiede bestanden in einer A Dressur darin, das es mehr Bahnfiguren gab, die im Grunde für Meyja keine sonderliche Anstrengung darstellen sollte. Einzig die Balance der 10 Meter Volte im Trab könnte später ein Problem werden. Aufgrund ihrer Rasse gelang es ihr nicht immer den Trab zu halten, verfiel in eine Rolle und töltete dann weiter.Trotzedem waren Dinge wie der Mitteltrab und Mittelschritt ihr nicht unbekannt. Heute wollte ich es erst mal langsam angehen lassen, baute Tempowechsel ein, verschiedene Bahnfiguren wie Schlangenlinie und achtete darauf das Meyja brav in der Anlehnung blieb.

      Als wir uns aneinander gewöhnt hatten, begann ich mit leichter Galopparbeit – übte immer wieder das umspringen in den jeweils anderen Galopp. Von Links nach Rechts und anders herum. Anders als ich erwartete hatte spielte die Balance bei der Stute kaum ein Problem war, denn die 10 Meter Volte meisterten wir beinahe schon auf Anhieb. Sie war stets noch ein wenig Ausbau fähig, jedoch ein gelungener Anfang. Catalina sah mir am Ende unseres Trainings noch eine Weile zu, blieb jedoch ruhig und gab keine Kommentare ab. Ich freute mich das sie mir die Couch in ihrem Haus als Schlafplatz angeboten hatte – so ersparte ich mir ein Hotelzimmer.

      Bald darauf machte ich mich daran der Stute den einfachen Galoppwechsel beizubringen – Ziel war es in einem Galopp zum Schritt durch zu parieren und nach nicht mehr als drei Schritten den nächsten Galopp einzuleiten. Auf der Diagonalen nahm ich diese Übungen durch, galoppierte an bog ab auf die Diagonale um zu parieren – nach etwa 5 Schritten verließen wir die Diagonale wieder im Linksgalopp. Zumindest hatte sie das Prinzip der Übung soweit verstanden! Im Verlauf des Trainings stellten wir uns besser aufeinander ein, sie reagierte weitaus besser und ich lernte mich ihren Bewegungen anzupassen.

      Am Ende des fünften Tages hatten wir den Galoppwechsel in soweit geschafft, das wir ihn mit genau drei Schritten meisterten. Trotzdem blieb der Trab ein kleines Problem für die Stute...oft legte sie sich dabei auf den Zügel und machte sich ein wenig steif. Wie im Tölt nahm sie den Kopf nach oben, also trainierte ich auch hier, wobei ich im Gangsport nicht so begabt war. Vina, eine Freundin von Sarah kannte sich besser aus...außerdem war da eine Trainerin namens Bella, die bereits einige Male Thowra trainiert hatte. Ich erklärte Catalina die Sachlage „In ihrem Übermut fällt sie manchmal noch in den Schweinepass, Vina hat uns einmal erklärt es sei typisch für Viergänger. Durch gezieltes Training kann allerdings der Tölt vom Trab noch deutlicher unterschieden werden. Da ich auf dem Gebiet nicht sonderlich versiert bin empfehle ich hierfür eine andere Trainerin, ihr Name ist Bella.“ Plötzlich begann Catalina ein wenig zu lachen, erklärte mir schließlich den Grund dafür. „Seit kurzem unterhalten wir gemeinsam einen Trainingsstall...ich kenne sie sehr gut.“ Etwas verlegen kratze ich mich am Kopf „Na wunderbar. Dann kann sie sich diesem Problem ja annehmen! Ich wünsche dir noch viel Spaß mit der kleinen Stute. Hier hat es mir wirklich gefallen!“

      (c)Ravenna
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      Ein Tag auf dem UHAP Ocean Wave


      Da Catalina unterwegs war um Aufträge unseres gemeinsamen Ausbildungsbetriebs abzuarbeiten, kam heute eine Menge Arbeit auf mich zu. Dank des schönen Wetters hatten die Isi Stuten unseres Hofes bereits einen Tag auf der Weide bekommen, denn ich hatte Vidja, Slaufa, Vinkona, Stássa und auch Catalinas Meyja heute Morgen bereits auf die Weide gebracht. Laufey befand sich im Training und musste deshalb mit Morgaine, Winter Cloud, Little Miss Sunshine und Benedick auf der Koppel bleiben.

      Für den heutigen Tag hatte ich kein großes Training geplant. Nur einen Strandritt mit Cloudy und Benedick als Handpferd. Es war relativ warm und ich hoffte das das laufen in der Ostseebrandung dem Wallach mit den Rückenproblemen helfen würde.

      Noch war es früh am Tag und die Sonne stand noch nicht so hoch wie gegen Mittag, also nutzte ich die Zeit um mich mit den Fohlen auf ihrer kleinen Koppel zu beschäftigen. Die Minis Tigrotto und Delyx und der Jährling Tomeko waren allesamt mit Cata auf den Hof gezogen und Tabea hatte die Minis sofort geliebt. So wunderte es mich nicht die Halfter der Beiden nicht vor zu finden. Tabi stand bereits mit den zwei kleinen Pferdchen am Putzplatz und verwöhnte sie gehörig, sodass es mir übrig blieb Tomeko zu holen und ebenfalls gründlich zu säubern.

      „Du bist ein Dreckpferd.“ schimpfte ich belustigt und bürstete trockenen Schlamm und eine Menge loser Haare aus dem Fell des Jährlings.

      Als meine kleine Schwester und ich die drei kleinen Pferde gesäubert hatten, holte ich aus der Sattelkammer einen großen, roten Gymnastikball. Der Ball hatte mir schon bei meinem ersten Pflegepferd gute Dienste geleistet und heute wollte ich testen ob Catas Fohlen genau so begeistert mit dem Spielzeug toben würden wie Crimetime.

      Während Tabea sind mit Ball und Fohlen beschäftigte, holte ich mir entsprechendes Werkzeug und begann die Fohlenweide abzuäppeln.

      Unangenehmere Arbeiten wie diese gehörten zwar zur Pferdehaltung und mussten regelmäßig erledigt werden, trotzdem war ich froh als ich endlich Benedick und Winter Cloud holen, putzen und Satteln konnte.

      Während ich ich Richtung Stand davon ritt, hatte Tabea sich die Stute Little Miss Sunshine geholt und auf dem Platz etwas Bodenarbeit begonnen. Das ehemalige Reitschulpferd war im Training ein gutes Stück hinterher und sie hatte es sich zum Ziel gesetzt dieses Defizit auszugleichen.

      Mittlerweile hatte ich meine Pferde ins Wasser gelenkt. Der Stand war hier gute zwei Kilometer lang und eben. Kaum ein Mensch kam hier zum Schwimmern her und man traf nur ab und zu auf Spaziergänger mit Hunden. Ungestört konnte man hier reiten und als ich an die Buschinsel gelangte die 'unseren' Stand von dem der Urlauber trennte, kehrte ich um und plötzlich erfasste mich der Übermut. Ich trieb meine Stute zum Galopp und um ihre Beine und die von Benedick spritzte das Wasser hoch auf während wir durch das flache Wasser jagten.

      Die Rückenprobleme des Wallachs schienen vergessen und wieder am Hof angekommen, fröstelte ich in meinen feuchten Kleidern. Schnell zog ich mich um, bürstete die Feuchtigkeit weitestgehend aus den Pferden und fettete gründlich das Lederzeug ein, damit es durch das Meerwasser keinen Schaden nahm.

      Bevor Catalina am Nachmittag nach Hause kam, trainierte ich mit Topar etwas Dressur, was meinen neuen Fähigkeiten ebenso zu gute kam wie denen des Hengstes.

      Gegen Abend, kurz vor dem Essen entführte ich Black Lemontree von der Hengstweide und ritt langsam Richtung Wald, als ich Hufgetrappel hinter mir hörte, drehte ich mich verwundet um und stellte fest das Catalina mir meinen 'Pferdeklau' mit gleicher Münze heimgezahlt hatte. Meine Freundin und Partnerin saß auf Sólfari. Darauf hin konnte ich ein Lachen nicht mehr zurück halten und wir beide bogen uns vor Lachen, ehe wir die Pferde wieder tauschten und zum Essen zurück kehrten.

      (c) BellaS
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      Heute machte ich mich, wie immer, früh auf den Weg. Dieses Mal zum Stall von Catalina. Sie hatte mich gebeten, dass ich ihre Pferde einmal durchchecken würde und sie dann impfen würde. Mein Koffer stand mit allen nötigen Sachen in meinem Auto. Es war alles perfekt sortiert und ich war froh, dass ich noch gut in meinem Zeitplan lag. Auf ihrem Hof sprang ich fröhlich aus meinem Auto und begrüßte sie überschwänglich. Ich hatte heute sehr gute Laune und freute mich schon auf die Arbeit. Es war schönes Wetter draußen und so entschieden wir, dass wir die Pferde draußen durchcheckten und impften. Als erstes brachte sie Benedick und ich öffnete meinen Koffer. Ich begrüßte den Wallach und gab ihm ein Leckerlie. Sanft klopfte ich seinen Hals und schaute mir dann seinen Kopf an. Die Ohren und Augen sahen sehr gut aus. Seine Nüstern waren ein bisschen verklebt jedoch nach einer kurzen Reinigung sahen auch sie wieder gut aus. Ich hörte seine Lunge ab und dann auch noch sein Herz. Beides hörte sich sehr gut an und so sah ich wieder zu Catalina. „Du meintest er hat Rückenprobleme. Würdest du ihn dann lieber an der Hand vor traben?“ fragte ich sie und sie stimmte mir zu. Zusammen gingen wir auf den Platz und ich klopfte nochmal den Hals des Hengstes. Sie trabte ihn vor und auch hierbei ging er klar. Wir liefen gemeinsam wieder auf den Hof und auch hier trabte sie ihn nochmal vor. Auch auf dem harten Boden ging er klar, jedoch nahm sein Rücken eine etwas komische Form an. Catalina hatte mir bereits mitgeteilt, dass sie heute nicht weiter auf seine Rückenprobleme eingehen wollte und so hörte ich ihn nach dem Traben einfach wieder ab und hier hörte sich auch alles gut an. Ich klopfte sanft den Hals des Wallachs und impfte ihn dann alle von Catalina gewünschten Impfungen. Der Hengst zuckte kurz blieb jedoch ruhig, ich lobt ihn nochmal und Catalina brachte ihn in den Offenstall. Sie holte aus diesem dann Meyja, eine hübsche Isländerstute. Ich begrüßte sie und schaute sie mir dann kurz an. Ich klopfte sanft ihre Hals und sah mir dann ihren Kopf an. Die Nüstern waren in Ordnung, genauso wie auch ihre Ohren. Ich strich ihr sanft über den Kopf und sah mir dann ihre Augen an. Diese waren leicht verklebt, als nahm ich eines der sterilen Tücher aus meinem Koffer und säuberte ihre Auge. „So jetzt ist alles wieder in Ordnung, du Hübsche“ meinte ich zu der Stute und hörte sie dann ab. Hierbei hörte sich alles sehr gut an und so putzte Catalina die Stute und ich holte Black Lemontree von der Weide. Ich klopfe seinen Hals und brachte ihn dann an den Putzplatz. Dort sah ich mir seinen Kopf an und dieser war in einer sehr guten Verfassung. Ich hörte ihn nochmal ab und klopfte dann sanft seinen Hals. Ich ließ ihn kurz am Putzplatz stehen und sah dann Catalina kurz zu wie sie die Stute auf dem Platz vortrabte. Dann trabte sie auf dem Hof noch auf hartem Grund an der Hand vor und brachte sie dann zu mir. Ich lobte die Stute und hörte sie wieder ab. Ihre Atmung war trotz der Anstrengung regelmäßig. „ Lemontree ist auch schon fertig“ meinte ich dann und lobte den Hengst. Sie nickte und ging mit Mayje auf den Platz und ritt sie ab. Dann brachte sie die Stute zu mir und sattelte den Hengst. Ich räumte ihr Sattelzeug schnell weg und lobte die Stute dann nochmal. Ich sah mir ihre Augen nochmal an und kontrollierte ein letztes Mal ihre Atmung. Dann impfte ich sie und brachte sie wieder in den Offenstall. Catalina trabte Lemontree auf dem Platz vor und auch auf dem harten Boden. Er ging komplett klar und Catalina ritt ihn noch ein bisschen und brachte ihn dann wieder zu mir. Ich hörte ihn ab und Catalina ritt ihn dann ab. In dieser Zeit holte ich Fire`s Grace aus dem Stall und schaute mir ihren Kopf an, welchen die Stute immer wieder wegriss. Ich klopfte den Hals nochmal und stellte dann fest, dass sie einen kleinen Kratzer an der Stirn hatte. Ich spürte ihr Blauspray auf die Wunde und lobte sie dann. Danach hörte ich sie ab. Hierbei zickte sie auch ein bisschen, ließ es dann aber noch mit sich machen. Sie hörte sich sehr gut an, hatte nur einen leicht erhöhten Puls, aber dies konnte ich auf meinen Besuch zurückführen. Catalina und Lemontree kamen wieder zu mir und sie sattelte die Stute. Ich räumte das Zubehör des Hengstes weg und hörte ihn dann nochmal ab. Sein Puls war normal und so impfte ich auch ihn. Ich brachte ihn in seinen Stall und sah dann Catalina beim Reiten zu. Sowohl auf dem Platz als auf dem harten Boden ging die Stute klar. Ich trank meinen Kaffe und aß einen Bissen. Dann ging ich zusammen mit Catalina wieder zum Putzplatz und hörte sie wieder ab. Die Stute schnaubte und warf dann ihren Kopf nach oben. Ich lobte sie nochmal und teilte Catalina mit dass bei ihr auch alles in Ordnung war. Sie ritt die Stute ab und ich hörte sie danach nochmal ab. Auch hier war alles in Ordnung, wie zuvor auch. Ich impfte sie auch noch und zusammen brachten wir die Stute auch in den Offenstall. Nun waren die Fohlen an der Reihe. Ich holte Tigrotto aus dem Stall und Catalina Delyx. Wir banden die beiden an und ich begrüßte sie freundlich. Dann sah ich mir vorsichtig erst Tigrottos Kopf an und dann Delyx seinen Kopf. Die Köpfe der beiden Fohlen waren in bester Ordnung. Hier und da vielleicht eine kleine Schramme, aber das war bei Fohlen ja nichts Ungewöhnliches und so klopfte ich die Hälse der zwei. Danach hörte ich sie ab und auch hier war bei keinem der beiden etwas Ungewöhnliches zu hören. „Trabst du zuerst Tigrotto vor und dann Delyx oder würdest du es lieber andersherum machen?“ fragte ich Catalina, da ich den Charakter der zwei Fohlen nicht kannte. Sie stimmte meinem Vorschlag zu und band dann Tigrotto los. Ich war sehr froh, dass die beiden Fohlen lieb waren und nicht schreckhaft, das würde das Impfen später auch leichter machen. Sie trabte die Stute auf dem harten Boden vor und ich konnte keine Unregelmäßigkeit im Gang feststellen. Sie übergab mir den Strick und nahm dann Delyx mit. Der Hengst ging auch klar und folgte ihr sehr brav. Gemeinsam gingen wir mit den beiden auf den Platz, wo wir sie ein bisschen laufen ließen und scheuchten. Ich hörte die zwei direkt danach ab und konnte hier auch keine Besonderheit feststellen. „ Die beiden sind top fit. Ich würde Tomenko gleich holen und ihn durchchecken. Lauf du noch ein bisschen mit den zweien, dass sie sich wieder beruhigen können“ meinte ich dann zu ihr und sie stimmte mir mit einem Nicken zu. Ich ging zurück zum Stall und holte dann Tomenko aus diesem. Ich lobte den Junghengst zuerst und gab ihm dann ein Leckerlie. Gemeinsam mit ihm ging ich wieder zum Putzplatz und band ihn an. Ich sah mir seinen Kopf an und lobte ihn dann. Seine Augen und Nüstern sahen sehr gut aus und auch an seinen Ohren konnte ich nichts Schlimmes feststellen bis auf ein bisschen Dreck, aber er war ein Pferd und musste nicht penibel sauber sein. Ich klopfte seinen Hals und hörte ihn dann ab. „Gut gemacht großer“ meinte ich und wartete dann auf Catalina, welche kurze Zeit später auch schon mit den beiden Fohlen kam. Sie band sie an und nahm dann Tomenko und trabte ihn vor. Auch er ging schön und so ging sie zusammen mit ihm auf den Platz und ließ ihn dort ein bisschen laufen. Ich impfte in dieser Zeit die beiden Fohlen, welche bei den Spritzen nur kurz zuckten und dann schnaubte. Ich gab ihnen ein Leckerlie und brachte sie dann wieder in den Stall. Ich ging zu Catalina, welche den Hengst anhielt und hörte ihn schnell ab. Ich konnte trotz der Anstrengung nichts Ungewöhnliches feststellen und so lief ich neben Catalina her, welche den Hengst abführte. Ich lobte ihn nochmal und ging dann zusammen mit den beiden wieder zum Putzplatz. Dort hörte ich ihn ein letztes Mal ab und impfte auch ihn dann durch. Während ich meinen Koffer packte, brachte Catalina den Hengst in den Stall. Sie kam wieder zu mir und bedankte sich dann, dass ich mir Zeit genommen hatte. „ Klar kein Problem. Du kannst dich immer bei mir melden und du weißt ja die Pferde jetzt die ersten Tage nur im Schritt bewegen“ erklärte ich ihr auf dem Weg zu meinem Auto. Dann verabschiedete ich mich und fuhr wieder in meinen Stall.

      (c) Friese

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      Distanz E auf A


      Noch am Abend an dem eigentlich meine Rückkehr nach Schottland geplant gewesen war , fragte beim gemeinsamen Abendessen, die junge Frau ob ich nicht noch eins ihrer Pferde einreiten könne.Auch Bella meldete sich dabei zu Wort „Ich hab da noch Stáussa, eine junge Islandstute, die gern ein wenig mehr in der Distanz voran kommen möchte. Allerdings ist das nicht mein Fachgebiet.“ Ich blickte von einer der Frauen zur anderen, wägte meine Chancen ab und dachte auch an das Einkommen für Caed Crevan. Schließlich warf ich zuckend die Arme etwas nach oben „Es spricht nichts dagegen, außerdem habt ihr hier auch viel besseres Wetter als in Schottland momentan. Ich müsste mir nur noch ein anderes Hotel suchen, das jetzt ist zu weit weg von hier.“ Da meldete sich Bella zu Wort „Wir haben unten im Keller ein geräumiges Gästezimmer. Catalina blickte erst ein wenig zerknirscht drein, nickte dann allerdings zustimmend. „Klar. Wieso nicht?“ die Frage blieb im Raum hängen. Manchmal hatte ich diese Wirkungsweise auf Menschen – machte ich ihr Angst, wenn ja wodurch? Ich zuckte ungesehen mit den Schultern, ließ mir von Bella etwas über ihre Islandstute erzählen und ob bereits Konditionstraining gemacht wurde.

      Zum Abend nahm ich mir noch den Rotbraunen Wallach vor, der wie Catalina mir bereits berichtet hatte, nicht komplett reitbar wäre. Allerdings machte mir dies die Arbeit zum Einfahren auch wieder relativ einfach – sowohl Cata als auch der Vorbesitzer hatten in dieser Hinsicht einiges getan. Die Arbeit am langen Zügel kannte der Wallach bereits zu genüge, deswegen wollte ich jetzt zumindest sehen wie sehr die Kommandos saßen. Catalina zeigte mir im Stall, welches Zubehör zu dem älteren Kaltiwallach gehörten. Anschließend holte ich den Rotbraunen von seinem Paddock, putzte ihn. Mit dem ungewohnten Geschirr musste ich mich erst anfreunden – es war etwas anderes als die wir für Yoomee und Willow hatten.

      Catalina leistete mir noch einmal Gesellschaft als ich quer über den Platz hinter dem Wallach her lief – Schritt, Trab und auch Steh funktionierten wie aus der Pistole geschossen. „Er ist wirklich schon gut vortrainiert worden.“ „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen im Training getragen.“ Ich ließ den Rotbraunen anhalten „Wie wäre es wenn wir ihm einfach mal eine Stange hinten dran hänge?“ ich konnte sehen wie Catalina hart schluckte dann aber auf den Platz kam und eine der Stangen aus der Halterung nehmen wollte. Kurz erwog ich anzubieten das zu tun – sie schien ihre liebe Mühe damit zu haben, allerdings wollte ich auch nicht wirken als würde ich sie für schwach halten. Wieso war das auch so schrecklich kompliziert? Es dauerte keine 5 Minuten und der Wallach zog sein erstes Gewicht, ganz so als habe er nie etwas anderes getan. Als ich gegen Abend noch einmal in die Küche ging um mir ein Glas Wasser zu holen, traf ich Catalina und Bella an. „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Da bemerkte ich plötzlich die hochroten Ohren von Catalina, sowie Bella die ihr Lachen schlecht als Hustenanfall tarnte. Ich hatte bei meinem Gang in die Küche nicht erwartet jemanden anzutreffen – es war knapp 23 Uhr , da sollte man doch im Bett sein. Ich kratzte mich am Kinn, räusperte mich ein wenig. „Noch nie jemanden so gesehen?“ witzelte ich. Catalin rollte ein wenig die Augen, nickte dann überging jedoch meinen flachen Witz „Ich vertraue darauf ,dass Benedick bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an.“ Gut gekontert!

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      Am nächsten Morgen nahmen wir zusammen ein Frühstück ein mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Bella entgegen gehalten wurde.

      `Meyja mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Benedick als Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich von ihr und wandte mich den Rotbraunen zu. Ich wollte ihn heute das erste Mal an die Kutsche gewöhnen, zumindest wollte ich sie bewegen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky.

      Mit dem Wallach am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her . Catalina prustete ein wenig los „Der scheint sich bei seiner Aufgabe auch noch zu Langweilen.“ da hatte sie keine schlechte Ader getroffen, Benedick schlurfte er vor sich her statt anständig zu laufen. Der gelassene Kalti zeigte nicht einen Hauch von Angst. „Sag mal – wo hast du ihn eigentlich her?“ fragte ich meine Hilfe beim Einfahren. „Allzu viel darüber weiß ich nicht, aber er kommt ursprünglich aus Kroatien.“ Ich sah mir den Wallach genauer an, dachte an seine Rückenprobleme und seine nicht vorhandene Scheu als wir ihm die Kutsche anspannten. „Ich denke das Kerlchen hier ist bereits eingefahren. Wie ich bereits erwähnte, diese Rasse wird mit der Kutsche am Arsch geboren...was wenn es bei ihm Baustämme waren? Das könnte seine Rückenprobleme erklären, auch beim Fahren wird der Druck auf den Rücken übertragen. Vielleicht wurde er zu früh zum Lastenrücken eingesetzt, weswegen er heute diese Probleme im Rücken hat.“ Ich sah förmlich wie es hinter Cata´s Augen zu Arbeiten begann, dann nickte sie langsam. „Gut möglich.“

      „Ja dann machen wir hier auch einfach nur eine Auffrischung.“ So wollten wir uns gleich auf den Kutschbock zu setzten, ich holte aus dem Stall noch schnell die Stute von Bella – einige flotte Schritte vor der Kutsche waren auch ihrem Training gütlich. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann wärmer zu werden.

      In den nächsten Wochen wiederholten wir dieses Training von Benedick und Stássa immer wieder, doch zusätzlich schwang ich mich auch in den Sattel der Stute. Da die Stute in der ersten Zeit noch ein wenig am herum probieren mit mir war, blieb ich auf dem Platz. Beim Abend beklagte ich ein wenig, das wir nicht in Schottland waren. „Wieso?“ stellte Bella die Frage gerade heraus. „Die Wärme hier kommt meinen Kopfschmerzen nicht so gut, außerdem kenn ich mich da besser im Gelände aus. Ich hab nicht das was man einen gut ausgeprägten Orientierungssinn nennt.“ Ich lutschte an meinem Finger, den ich mir wenige Minuten vorher am heißen Teller verbrannt hatte. „Dann komm ich morgen auf einer Stute einfach mit, dann trainiere ich Meyja auch gleich ein wenig in der Distanz, daran ist nichts einzuwenden.“ Es verwunderte mich schon ein wenig das Angebot von ihr, erfreute mich jedoch auch. „Gut dann machen wir das so!“

      Gesagt getan – am nächsten Morgen versorgten wir uns mit einigen Sandwiches, einer Menge Wasser und banden diese an die Sättel der beiden Islandstuten. Gen Norden verließen wir den Hof, ab in Richtung Meer, denn wir wollten eine Strecke am Strand entlang gehen. Nach einer ersten Aufwärmphase im Schritt, gingen wir zum Tölt über – eine Gangart, die beide Stuten lange durchhalten konnten und gerade für die Distanz mehr als praktisch war, besonders für den Reiter. Im Trab stellte das eine viel höhere Belastung dar als im bequemen Tölt – nebenbei hatte ich Bella joggen geschickt, denn ich wollte auch Bella auf Stássa setzten. Dafür hatte ich Catalina darum gebeten ihre Stute Meyja zu reiten, denn meinen Lieblingshengst Gwyn hatte ich schließlich nicht dabei.

      Beim folgenden Training zusammen mit Bella, erklärte ich ihr, das es in folgenden Streckenverlängerungen nicht nur darauf ankam, das die Stute fit war, sondern der Distanzsport auch für den Reiter sehr anstrengend sein kann. „Wir haben nach und nach die Tölt und Trabphasen verlängert, mittlerweile kann sie 15 Minuten in beiden Gangarten aushalten. Gestern haben wir bereits einen 10 Kilometerritt mit vielen Trabphasen gemacht. Damit könnt ihr noch keinen Ritt gewinnen, aber teilnehmen allemal.“ Diesen Trainingsritt beendeten wir nach knapp 15 Kilometern, zwei ziemlich durchgeschwitzten Ponys, allerdings zwei hungrigen Reitern, denn Essen hatten wir vergessen. Catalina jedoch erwartete uns mit einem leckeren Essen, ich hingegen verspürte nundoch eine leichte Wehmut...ich war fast einen Monat hier gewesen. Die Küste hier gefiel mir irgendwie, auch Catalina schien sich langsam an mich gewöhnt zu haben. Längst wirkte sie nicht mehr so...verklemmt?

      (c) Ravenna
    • BellaS
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      19. Juli 2015

      Gangtraining Meyja A → L | 2110 Zeichen | © Seimure

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      Meyja und Vidja standen dösend in der warmen Mittagssonne, als ich den Offenstall betrat. Vidja hob den Kopf, als sie den Riegel der Tür hörte, während Meyja, die gestern erst auf dem Hof angekommen war, weiterhin reglos dastand. Heute wollte ich sie im Gang von A auf L hochstufen. Ich ging auf sie zu und streichelte sie, während ich ihr das Halfter über zog. Sie ließ sich wiederstandslos mitführen, was ich bei der, wie ich mitbekommen hatte, bockigen Stute nicht gedacht hatte. Ich band sie an und fing an, sie zu putzen. Auch das Hufgeben funktionierte tadellos, was mich ungemein freute. Ich holte das Sattelzeug aus der Sattelkammer. Meyja hatte einen ungewöhnlich leichten Sattel, der sich gut tragen ließ. Ich sattelte sie, stellte die Steigbügel richtig ein und schob ihr das Gebiss ins Maul. Als ich fertig war, saß ich auf und ritt im Schritt Richtung Ovalbahn. Beim ersten Training wollte ich auf jeden Fall eine Absperrung haben, dass sie nicht abhauen konnte. Ich wärmte sie im Schritt auf und bereitete sie mit vielen Handwechseln, Volten und Schlangenlienien auf Tölt vor. Ich nahm die Zügel mehr auf und ließ die Beine lang, was Meyja überhaupt nicht interessierte, da sie den Kopf eh die ganze Zeit ziemlich hoch genommen hatte. Als ich sie antrieb, töltete sie in einer so atemberaubender Gangart los, dass ich erst dachte, man hätte mir über Nacht das Pferd ausgetauscht. Als ich sie Probe geritten war, war sie mir sehr schwierig vorgekommen, jetzt bewies sie allerdings das Gegenteil: Sie töltete mehrere Runden am Stück, mal schneller, mal langsamer, genau so, wie ich es wollte. Auch die Schlangenlienien, bei denen ein bisschen Schenkelweichen gefragt war, klappten super. Ich ging noch einmal mit ihr auf die Passbahn, um sie auch im Rennpass zu testen, und auch hier überraschte sie mich: sie hatte einen außergewöhnlich schnellen und "gemütlichen" Rennpass, wenn es den überhaupt gab. Ich lobte sie ausführlich, bevor ich mir die Zügel aus der Hand kauen ließ und zurück zum Hof ritt. Die Stufenerhöhung von A zu L hatte sie sich redlich verdient, und ich war sehr stolz auf sie.


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      26. August 2015

      Ein Sommer auf Rømø | 7134 Zeichen | © BellaS
      „Das ist doch nicht dein Erst?!“, klang Linns Stimme aus dem Lautsprecher meines Handys. Ich konnte förmlich sehen wie sie sich die Hand vor den Kopf schlug. „Wie lange sind wir jetzt in Schottland? Ein Jahr? Anderthalb? Höchstens!“ Wieder flackerte ein Bild vor meinem geistigen Auge auf. Diesmal tiegerte meine langjährige Freundin mit dem Handy in der Hand auf dem Hof auf und ab. „Nein Bella, ich weiß noch nicht was ich davon halten soll. Ich hoffe du hast noch nicht für uns alle entschieden?“ „Ich habe nicht einen Moment daran gedacht dich nicht zu fragen.“, erwiderte ich ehrlich. „Ich würde eingehen, müsste ich allein wieder anfangen.“ „Gut.“, ihre Stimme klang erleichtert. „Aber glaub nicht, dass ich jetzt hier alles stehen und liegen lasse um freudig mit dir nach Dänemark zu fahren, Annabell Schmiedemann.“ Wenn sie mich bei meinem vollen Namen nannte, wusste ich, dass es ernst wurde. „Gut. Überlege es dir bitte. Ich hole jetzt Hnakki,wir sehen uns, wenn alles glatt geht heute Abend.
      Hnakki war ein stattlicher junger Hengst, den ich bei einer Zuchtauflösung erstanden hatte. Ein Vertreter der bekannten „van ghosts“ Zucht, aus der auch die Stute Thowra stammte. Es hatte eine Weile gedauert, aber nun konnte er endlich zu uns nach Colles Virides ziehen. Die Frage war nur, wie lange er dort wohl bleiben würde, er und all meine anderen Pferde.
      Aus dem Urlaub nach Hause zu kommen hatte immer etwas bedrückendes. Ich vermisste die Insel, das Meer, alles. Der kleine Anhänger schaukelte hinter meinem Auto her und Laufey hatte endlich aufgehört zu randalieren, kaum war Hnakki neben ihr eingeladen worden. In wenigen Stuten würde ich Morvern erreichen und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause.
      Ich parkte den Wagen. Es war spät und so war niemand mehr auf dem Hof um mir mit dem Ausladen meiner vierbeinigen Begleiter zu helfen. Ich ließ die Rampe herunter, entfernte die Stange hinter Laufey und stieg durch die kleine Tür an der Front des Hängers wieder ein, um sie loszubinden. Wie immer sprang sie förmlich rückwärts aus dem Gefährt. Hnakki benahm sich wesentlich manierlicher. Er wartete bis ich alle Sicherheitsmaßnamen entfernt hatte, dann schritt der ohne zu zögern aus dem Transporter.
      Ich klopfte an Linns Wohnungstür. Sie öffnete mir und machte ein verdrießliches Gesicht, begrüßte mich aber trotzdem. „Hast du die Bilder bekommen?“ „Ja.“ „Himmel. Du bist immer noch sauer?“ Ich kannte meine Freundin al einen wirklich lieben Menschen dem es fern lag überhaupt sauer zu sein, geschweige denn länger als ein paar Minuten. „was denkst du dir eigentlich? Überfällst mich mit solchen Plänen am Telefon! Und überhaupt, wenn du ständig umziehen willst, solltest du keine Pferde züchten. Die mögen das nämlich nicht.“ Ein wenig überrumpelt setzte ich mich. „Ich glaube ich muss mal versuchen dir meinen Standpunkt zu erklären.“ „Schieß los. Ich bin wirklich gespannt.“ Sie setzte sich neben mich aufs Sofa und ich begann.
      „Ich bin von meinen Eltern weg gezogen, als ich mich Stássa meine erste Isistute bekam. Ich wollte machen können was ich wollte, frei sein, das erste Mal in meinem Leben. Früher habe ich es sogar in Erwägung gezogen nie von zu Hause wegzuziehen, aber das gehört hier nicht hin...“ Ich musste mich sammeln, ehe ich fortfuhr. „Mit dem Gut Muschelsand hatte ich mein erstes richtiges und vor allem eigenes zu Hause und eine bunte Sammlung Pferde jeder Rasse. Ich war glücklich, aber auch überfordert. Dann kam Catalina und wir taten uns zusammen. Das UHAP Ocean Wave war super, aber es ging nicht lange gut. Cata lernte Sahra kennen und zog nach Schottland. Ich hatte mich an Teamarbeit gewöhnt und schlug alles in den Wind. Ich zog nach Schottland.“ „Jaaa.“ Soweit kannte sie meine Geschichte als Pferdezüchterin nur von Erzählungen. „Jetzt sind wir ein Team. Ein super Team. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen eine große, bekannte und gute Isländerzucht auf die Beine zu stellen. Zusammen. Als Team. Ich möchte raus aus der Legacy und ich liebe das Meer. Rømø ist ein Traum und ich glaube das diese Insel ein Ort ist, an den Islandpferde wirklich gehören.“ ich beendete meine Ausführungen. „Das war ja ein historischer Roman.“ Linn versuchte ihr böses Gesicht zu wahren, schaffte es aber nicht. „Nun ja, ich glaube, ich kann dich verstehen. Gib mir Zeit, ja?“
      Ich gab ihr Zeit. Am nächsten Morgen, nachdem Hnakki von allen ausgiebig bewundert wurde, rief ich das Team zusammen. „Ich will, dass ihr wisst was Sache ist. Da keine Entscheidung gefallen ist, müsst ihr euch noch keine Sorgen machen, aber es ist besser wenn man von Anfang an weiß was Sache ist.“ Ich erzählte von meinen Plänen. Mila, Arran und Finley runzelte die Stirn, dann ergriff Finley das Wort. „Ich mag deine Pferde, ich mag den Arbeitsplatz hier. Ich wollte eh immer weg, warum nicht nach Dänemark?“ Er räusperte sich. „Egal ob ihr geht oder hier bleibt, ich kann nur für mich entscheiden aber ich bleib bei euch.“ Ich war gerührt. „Ich erwarte keine so schnelle Entscheidung, noch ist ja nichts klar, versuchte ich die beiden Anderen abzuwürgen, doch Mila hatte schon das Wort ergriffen. „Ich werde ich Schottland bleiben, und das gilt auch für Arran. Sie sah ihren Freund bestimmt an. „Wenn ihr hier bleibt, bleibt alles wie immer.“
      „Okaaay, das war doch recht deutlich, von beiden Parteien.“ Linn und ich ritten durch den Wald, meine Lieblingsroute die ich immer dann wählte wenn ich nachdenken musste. Normalerweise ritt ich dann Laufey, aber ich hatte ihr eine Pause von der Fahrt gegönnt. Die Stute stand auf der Weide. Dafür saß ich jetzt auf Vin, Linn hatte ihren Garpur gewählt. „Ich hätte nicht erwartet, dass sie so schnell sein würden.“ Ich starrte auf die Blätter der Brombeerpflanze, die am Weg wucherte. „Wenn du jetzt fragst: Nein, ich brauche noch Zeit.“ Gab Linn mir zu Verstehen das Thema fallen zu lassen, welches sie erst angeschnitten hatte. „Na gut. Was macht Finleys Projekt?“ Meine Freundin grinste. „Die Kutsche, die er aufgetrieben hat ist nicht besonders vertrauenerweckend, aber Topar macht es Spaß. Die Beiden waren gestern das erste Mal im Gelände unterwegs, wobei ich mir mehr Sorgen um den Wagen gemacht habe, als um Topar.“ Wir lachten. Der einstige Stallarbeiter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Topars Ausbildung im Bereich Fahren einmal auszunutzen. Er machte dabei ungefähr genauso schnell Fortschritte, wie das Bild mit dem bockigen Hengst und der klapprigen Kutsche Erheiterung auslöste. „Und, was ist sonst noch passiert während ich im Urlaub war?“, verlangte ich einen Lagebericht. „Arran kümmert sich vorbildlich um Blacky, ich glaube er mag ihn. Auf jeden Fall ist er das einzige Wesen mit dem er hin und wieder redet.“ Ich grinste, konnte mir aber trotzdem nicht vorstellen, dass Arran sprach wenn es nicht unbedingt notwendig war. „Mila trainiert alle Pferde quer -beet. In letzter Zeit vor allem Faera und Stássa. Tabea hat sich mit Vinkona ernsthafte Ziele gesetzt und Thowra und Blossi habe ich versorgt. Alles zu deiner Zufriedenheit?“ Natürlich war ich zufrieden mit meinem fleißigen Team, und dann begann ich Linn von meinem Urlaub zu erzählen...


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      31. August 2015

      Distanztraining Meyja A → L | 1880 Zeichen | © Seimure
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      Der letzte Tag in Schottland stand an und um mich von der Umgebung zu verabschieden, sollte ich mit Garpur einen Ausritt, den ich gleichzeitig als Distanztraining nutzte, machen. Ich holte den Hengst von der Weide, putzte und sattelte ihn, saß auf und ritt vom Hof. Dort ließ ich Barpur antönten und schlug einen Weg in Richtung Wald ein. An mir vorbei zog der Wald, den ich im letzten Jahr so ins Herz geschlossen hatte. Garpur töltete immer noch und ich parierte ihn durch und trieb ihn dann in den Trab. er war ungewöhnlich ausdauernd, trotzdem ließ ich ihn nach ein paar hundert Metern wieder tölten. Nach etwa elf Kilometern Tölt und schnellen schritt durch den Wald kehrte ich um und auch auf dem Rückweg ließ ich Garpur tölten. Wir waren etwa eineinhalb Stunden unterwegs gewesen, als ich wieder auf den Hof kam. Ich sattelte Garpur ab, gab ihm zu fressen und entließ ihn dann wieder auf die Weide. Danach holte ich Meyja vom Paddock. Auch mit ihr ritt ich durch den Wald, aber eine andere Route. Mit Meyja töltete ich nicht ganz so schnell, dafür ritt ich eine längere Strecke. Meyja schien es trotz der Anstrengung Spaß zu machen. Auf dem Rückweg trabte, töltete und galoppierte sie. Der Galopp im Gelände machte ihr und auch mir sehr viel Spaß. Auf dem Hof sattelte ich sie ab, putzte sie noch einmal über, gang ihr Futter und brachte sie dann auf den Paddock. Dann holte ich Vidja. Für sie stand heute Dressur an. Nach dem Aufwärmen trainierte ich mit ihr Bahnfiguren im Schritt, Trab, Tölt und Galopp und auch Schenkelweichen. Dann übte ich noch ein bisschen Mittelgalopp und Mitteltrab, die Vidja allerdings schon vorher gekonnt hatte. Nach zwei Stunden Training ließ ich mir die Zügel aus der Hand kauen und beendete damit das Training. Ich sattelte Vidja ab, gab ihr zu fressen und ging dann wieder ins Haus, um für den nächsten Tag die letzten Sachen einzupacken.


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      22. September 2015

      Umzug nach Rømø | 12 265 Zeichen | © Seimure & BellaS

      Seimure (Linn)
      BellaS (Bella)

      Das schrille Klingeln meines Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich haute ein paar mal auf das Mistding drauf, bis es endlich Ruhe gab. Dann schlug ich die Decke zurück und wuchtete mich von der Matratze, die mir für diese Nacht als Bett gedient hatte. Mit noch geschlossenen Augen irrte ich ins Bad, wobei ich gegen einen noch leeren Karton stieß. Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, schlang ich ein kleines Frühstück hinunter und begann dann damit, meine Bettwäsche in den letzten noch leeren Karton zu quetschen. Gestern hatte ich schon alles andere in den Pappdingern verpackt, die jetzt in der Wohnung herum standen. Heute musste ich die Kartons in einem der drei Transporter verstauen, mit denen wir morgen nach Rømø aufbrechen würden. Ich begann damit, die Kartons auf den Hof zu tragen und sie dort abzustellen. Nachdem ich dort alle aufgestapelt hatte, öffnete ich die Tür des Transporters und begann, die Kartons in den "Kofferraum", der mehr einer zu klein geratenen Lagerhalle glich, zu wuchten. Ein paar Kartons musste ich auch auf dem Boden des Wohnabteils abstellen. Als ich aus dem Transporter kam, tauchte in der Haustür ein Umzugskarton auf, dem ein mürrisch dreinschauender Finley folgte. Ich wünschte ihm einen guten Morgen, woraufhin er mich ansah, als würde ich vor Ironie nur so strotzen. Auch Bella kam mit einem Karton aus dem Haus, sah aber sehr viel besser gelaunt aus. "Kannst du die Sattelkammer ausräumen? Ich denke, es sollte alles in den jeweiligen Transporter, in dem auch das Pferd steht, sonst gibts nur wieder Unordnung." Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Bella die Hengste, ich Vidja, Meyja, Garpur, Fjara, Snót und Faera und Finley die übrigen Stuten nach Rømø kutschieren würde. Brött würden wir auch noch irgendwo unterbringen können. Ich lief also los, um zuerst einmal die Sättel zu verladen. Ich dachte mir eine Taktik aus: Ich trug auf jedem Arm zwei Sättel, was mich zwar im Gehen etwas verlangsamte, jedoch immer noch schneller ging, als immer nur einen Sattel zu tragen. Als ich mit meiner ersten Ladung Sättel auf den Hof kam, hatte Bella gerade einen weiteren Karton im Transporter verstaut. Als sie mich sah, lachte sie, zog ihr Handy aus der Tasche und fotografierte mich. "Eine spitzen mäßige Sattelschlepperin!", rief sie, ehe sie mir zuwinkte und im Haus verschwand. Ich hängte die Sättel in den kleinen Sattelkammern, die sich zwischen dem Laderaum und dem Pferdebereich befanden.Nachdem ich alle Sättel aufgehängt hatte, und auch Finley und Tabea Erinnerungsfotos geschossen hatten, hängte ich mir alle Trensen und Halfter über den Arm, um dann im Transporter vor dem Rätsel zu stehen, welche Trense zu welchem Sattel gehörte. Mit Hilfe von Fotos, auf denen die Pferde die Trensen und Sättel trugen, konnte ich sie schließlich zuordnen. Als nächstes kam ich auf die Idee, die Putzboxen in die Futterschüsseln zu stecken und diese dann in der Schubkarre zu transportieren.

      Ich war wach, lange bevor mein Wecker mich aus meinen Träumen reißen konnte. Um genau zu sein hatte ich kaum geschlafen. Wie immer kamen mir Zweifel, aber ich verbot mir, die getroffene Entscheidung zu bereuen. Ich schaltete die Weckfunkion meines Handys ab, damit sie nicht gleich in meiner Hosentasche losgehen würde, und rollte mich von der Matratze, die mir als Bett gedient hatte. In den letzten drei Tagen war alles Schlag auf Schlag gekommen. Wir hatten geräumt, gepackt und weggeworfen, hatten Kisten gestapelt und alles organisiert. Tabea war gestern nach Deutschland zurück gefahren, sie hatte ihr freiwilliges Jahr beendet und wollte sich nun ihrer Berufswahl widmen. Vinkona hatte sie schweren Herzens und mit der Aussicht auf baldigen Besuch bei uns zurück gelassen. Auf einmal standen wir zu dritt über einem Berg von Arbeit. Draußen erblickte ich Linn, die verschlafen zum Stall wanderte. Auch ich betrat den Hof und begann, den Inhalt unserer Futterkammer ins Gepäckabteil meines LKW zu räumen, nachdem ich auf dem Weg nach unten schon einen Karton mitgenommen hatte. An der Tür war ich auf Linn getroffen und hatte ihr, mit aller guten Laune die ich aufbringen konnte, die Aufgabe gegeben die Sattelkammer auszuräumen. Jetzt rollte ich eine Tonne Futtergerste über den Hof und scheiterte an der Stufe, die die Tonne vom Innenraum des LKW trennte. „Ich dir helfe.“, erklang Finleys Stimme hinter mir. Er war mittlerweile dazu übergegangen Deutsch zu sprechen, was leider manchmal in grammatikalischem Chaos endete. „Danke.“ Gemeinsam hoben wir die Tonne an und hievten sie in das Fahrzeug. „Hilfst du mir auch noch bei den Pellets und dem Hafer?“ „Klar.“ Finleys Laune schien sich gebessert zu haben. Gemeinsam räumten wir alle Dinge aus der Futterkammer, die ein einzelner nicht heben konnte, dann ging Finley zurück ins Haus, um den Rest der Kartons zu hohlen. Ich schaute auf mein Handy, denn meine innere Uhr war ein wenig durch den Wind. „11:23 Uhr.“, verkündete diese. „Mir müssen sehen, dass wir los kommen. Die Fährte geht heute Abend, und wir brauchen fünf Stunden mindestens nach Newcastle, außerdem müssen wir uns dann dort um einen Guten Platz für die Pferde kümmern.“ „Es fehlt nur noch das Heu für die Überfahrt.“, stellte Linn in Aussicht. „Das kann in den letzten Platz bei mir.“ Ich hatte den einzigen LKW für acht Pferde übernommen, da wir sonst für Brött keinen ordnungsgemäßen Platz gehabt hätten. „Da ist ja ein Platz frei. Am besten packen wir das zwischen Brött und die Hengste, dann gibt’s keinen Radau.“ Gesagt getan. Eine dreiviertel Stunde später war sämtliches Zeug eingepackt und die Pferde samt und sonders verladen. Nach einem letzten Rundgang über Colles Virides stiegen wir in die LKWs, winkten Arran und Mila, die gekommen waren um uns zu verabschieden und traten dann aufs Gas. Ein Fahrzeug nach dem anderen verließ den Hof und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Gefühl des Verlusts in mir breit machte.

      Wir fuhren über immer größer werdende Straßen bis nach Glasgow, wo wir auf die Autobahn fuhren. Als wir bei Carlisle auf die A689 wechselten waren wir erstaunlich gut in der Zeit und hatten schon über die Hälfte des Weges nach Newcastle, wo wir auf die Fähre fahren würden geschafft. Bei Bramton fuhren wir dann auf die A69. Kurz vor Newcastle fuhren wir über die A1 auf die A167, dann auf die Jesmond Road und die A1058, die A19 und die A187 und schließlich auf die Coble Dene, an dessen Ende sich der Fähranleger befand. Das Einchecken dauerte ziemlich lange, da nicht nur unsere Papiere, sondern auch die der Pferde kontrolliert werden mussten. Schließlich fuhren wir durch die Schranke und fanden uns auf einem riesigen Parkplatz wieder, der aber noch fast leer war. Wir stellte die Transporter nebeneinander auf drei freie Plätze und stiegen aus, um uns ein bisschen die Beine zu vertreten. Wir aßen eine Kleinigkeit und schauten nach den Pferden, die alle nicht so begeistert von der Idee schienen, sechs Stunden lang im Transporter zu stehen, sich aber benahmen. Allmählich füllte sich der Parkplatz mit Lastern und PKWs und wir beschlossen, uns schon einmal in die Autoschlange einzureihen, damit wir morgen früh nicht als Letzte von der Fähre fahren mussten. Wir bekamen drei Stellplätze hintereinander zugewiesen und stiegen aus, um Heu aus Bellas Transporter zu holen und den Pferden ihr Abendessen zu geben. Zum Abendessen gingen wir ins Bordrestaurant, wo wir uns die Bäuche vollschlugen und dann wieder runter aufs Autodeck, wo wir in meinem Transporter kletterten. Finley verabschiedete sich in seinen Transporter. Bella würde in meinem Transporter schlafen, da ihr Wohnteil vollkommen mit Kisten zugestapelt war.

      Ich erwachte mitten in der Nacht und schlich mich leise aus der Kabine um Linn nicht zu wecken. Draußen bemerkte ich was mich geweckt hatte, Laufey trat ungeduldig gegen die vordere Wand ihres Transportabteils. Ich stieg ein und quetschte mich durch den schmalen Gang an der Seite bis zu Laufey. Leise sprach ich auf sie ein, streichelte sie und staunte nicht schlecht als Linn mich wach rüttelte. Hab lag ich halb saß ich ein einer unbequemen Haltung am Boden, ich musste eingeschlafen sein. „Sag mal, bist du wahnsinnig?! Ich habe einen Schreck bekommen als ich sah, dass du weg warst.“ „Ich hätte ja auch auf'm Klo sein können, und Guten Morgen erst mal.“ „Ja, guten Morgen. Wir legen gleich an.“ Stunden später saßen wir endlich in einem kleinen Café am Hafen und frühstückten. „Vier Stunden bis Hannover.“, stellte ich fest. „Und dann noch 5 Stunden bis Dänemark.“, ergänzte Finley. „Bis Rømø.”, meinte Linn. Ich hatte schon als Kind lange Autofahrten immer gehasst. Als ich dann irgendwann groß genug war um auf dem Beifahrersitz zu sitzen, war es besser geworden, aber selbst zu fahren machte mir immer noch keinen Spaß. Verkrampft steuerte ich den großen LKW durch den Verkehr und folgte Finley, der sichtlich Spaß an der Fahrt hatte. Als wir uns schließlich auf der A2 in Richtung Hannover befanden, fühlte es sich seit langem einmal wieder an wie nach Hause kommen. Ich sah das Gestüt Sólin vom weitem. Pferde lebten hier keine mehr, aber Mamas Hühner, gerne als „Puschelhühner“ bezeichnet, bevölkerten den ganzen Hof. Als meine Mutter die Haustür öffnete, musste ich mir Mühe geben nicht in Tränen auszubrechen. Schnell wurden die Pferde ausgeladen. Als Finley mit Stássa am Strick aus dem LKW kam, hob die Stute den Kopf und wieherte. Sie schien ihr altes zu Hause zu erkennen. Die Nacht zu Hause war zu kurz, aber sie hatte den Pferden gut getan. Wir standen um 4:30 Uhr auf, aßen ein paar Brote, luden die Pferde ein und verabschiedeten uns. Wenn meine Rechnung aufging, würden wir gegen 11 Uhr auf Rømø sein.

      Um sechs Uhr brachen wir auf. Auf der A7 war es noch relativ leer, wenn es das überhaupt einmal war. Wir fuhren über Hamburg, Neumünster, Rendsburg, Schleswig, Flensburg und schließlich über die Grenze nach Dänemark. Zur Küste brauchten wir noch eineinhalb Stunden. Die Fahrt über den Rømøvej, die Brücke, die nach Rømø rüber führt, kam mir ewig lang vor. Endlich fuhren wir auf die Insel.

      Der Rømøvej, endlich. Ich kramte in meinen Sachen, die neben mir auf dem Beifahrersitz standen, bis ich eine CD hervorzog. „The Magic 5“, verkündete der Titel, auf dem Cover befand sich ein Islandpferd. Schnell und ohne den Blick von der Straße zu nehmen, schob ich die CD in den Player und drückte auf Start. Es war eine Tradition die ich schon seit meinem ersten Urlaub auf Rømø fortsetzte: Spätestens auf dem Damm diese Islandpferdelieder anzuhören. „Celebrate our livetime, come together and we'll ridin' like the wind.“, sang ich mit und war froh, dass niemand mit mir im Auto saß, dem ich auf die Nerven fallen konnte. Wie immer schien der Damm endlos, aber als er in die, gerade mal 22 km lange, Insel mündete, hatte ich das Gefühl nach Hause zu kommen. Ich übernahm die Führung und steuerte zielsicher über die einzige befestigte Straße und über einen ziemlich langen und holprigen Pfad, bis wir eine, von Unkräutern und sonstigem Grünzeug zugewucherte, Einfahrt passierten und schließlich auf dem Hof anhielten, unserem neuen Zuhause. Beinahe übermütig sprang ich aus dem Führerhaus und schaute kurz darauf in die Gesichter von Linn und Finley. „Links ist unser Wohnhaus, rechts ist der große Stall, geradeaus die Scheune, die als Unterstand für die große Wattweide dient...“, zählte ich mit bestem Fremdenführer Tonfall auf. „Willkommen zu Hause.“
      ~
      Die nächsten Tage waren ein völliges Durcheinander und die Pferde lebten sich schneller ein als wir Menschen. Ich ertappte mich noch einige Male dabei, die Sattelkammer links vom Wohnhaus zu suchen und in meiner neuen Wohnung stapelten sich noch immer die Kisten, aber wieder erwarten hatte ich nichts bereut. Nach einem gemeinsamen Strandritt war sogar Finley überzeugt und als dann die Nachricht kam, dass Thowra und Stássa die Körung bestanden hatten, war ich von der Richtigkeit meines Schrittes Überzeugt. Die neue Isländerzucht trug den Namenglæsileikaeyjarinnar,Eleganz der Insel. Ein Name der nicht nur die Pferde und ihre eigentliche Heimat, sondern auch unserer neues zu Hause perfekt beschrieb. Wir waren angekommen, und ich hatte meinen großen Traum endlich ich greifbarer Nähe. Bald schon würde mein erstes Zuchtfohlen das Licht der Welt erblicken.


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      6. Oktober 2015

      Gangtraining Meyja T8 → T7 | 948 Zeichen | © Seimure
      Heute stand mal wieder ein Training mit Meyja an, diesmal sollte ich mich auf den Tölt konzentrieren. Ich holte ihr Halfter und holte Meyja von der Weide. Glücklicherweise hatte es in der Nacht nicht geregnet und der Staub hing gut aus dem Fell zu putzen. Ich sattelte Meyja und schnallte ihr die Glocken um die Hufe, dann saß ich auf und ritt hinüber zur Ovalbahn.


      Die erste Viertelstunde verbrachten wir mit dem üblichen Aufwärmen. An der Langen Seite der Bahn ließ ich Meyja antölten. Da sie ziemlich leicht zu reiten war, wurde es ein einfaches Training. wir übten das, was in T6 verlangt wurde, und was Meyja eigentlich schon konnte: Tölt mit Überstreichen der Zügel in verschiedenen Tempi und Tölt mit verschiedenen Bahnfiguren. Meyja arbeitete gut mit und war voll bei der Sache, was mich erleichterte, denn ich hatte heute noch viel zu tun. Nach einer Stunde Training gab ich ihr ihre Gerste und Pellets und entließ sie dann auf die Weide.


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      30. Oktober 2015

      Fliegen lernen | 16 364 Zeichen | © Seimure & BellaS

      Der neue Tag schien schon einmal gut anzufangen: der Akku von meinem Wecker hatte in der Nacht seinen Geist aufgegeben, und so kam ich erst um sieben aus dem Bett. Als ich in die Küche kam, wurde ich von Flóki, der erst seit ein paar Tagen bei mir wohnte, begrüßt. Flóki war ein Isländischer Schäferhund, also auch ein „Isländer“, womit er super auf den Hof passte. In den letzten Tagen hatte ich ihn erfolgreich stubenrein bekommen und übte nun mit ihm an den grundlegenden Befehlen wie Sitz und Platz.Der Welpe bekam sein Futter und war dadurch eine kurze Zeit beschäftigt, die ich nutzte, um eine Schüssel Müsli zu essen, ohne das er mir zwischen den Füßen rumwuselte. Dann zog ich mich an und Flóki bekam sein Halsband um den Hals, an dem ich ihn festhalten konnte, wenn er auf die Pferde losging oder anderen Unsinn im Kopf hatte. Als wir auf den Hof kamen, trafen wir auf Finley. Finley hatte Flóki schon fast adoptiert, während man das von Bella, die gerade aus dem Stall kam, nicht sagen konnte. Das lag wohl daran, dass Flóki ihr gerne bei der Arbeit zwischen den Beinen rumlief, während er Finley akzeptierte und auf ihn hörte. Wir gingen in die Sattelkammer und teilten die Arbeit zwischen uns auf. An diesem Wochenende wollten wir mit Peppy, Brött und Vina das Fohlen-ABC machen, da Brött und Peppy schon in ein paar Monaten angeritten werden sollten, und es bei Vina auch nicht mehr lange hin war. Da wir gerade den Fohlenschub hatten, würde auch der kleine Vákur beim Führ- und Putzteil mitmachen. Wir einigten uns darauf, dass Bella Brött übernehmen würde, Finley Vina und ich Peppy. Bella würde danach noch mit Vákur ein bisschen üben.

      Ich war angenervt, musste aber auch mit der 'niiiiiiiiiedlich'-Stimme in meinem Kopf ringen, als Linns Welpe vor ihr aus der Tür hüpfte. Der kleine Flóki war zwar goldig, hatte aber ein ausgesprochenes Talent dafür, immer dann aufzutauchen, wenn man ihn in keinster Weise gebrauchen konnte. Zudem war ich noch nie ein Hundemensch gewesen. Ich war mit Katzen aufgewachsen und somit eher ein Liebhaber der kleinen, leisen und unaufdringlichen Tiger. Allerdings ging es ja nicht wirklich um Katzen oder eben Hunde, die Pferde standen im Mittelpunkt und da waren Linn und ich und absolut einig. Zu dritt betraten wir die Sattelkammer, holten die kleinen Fohlenhalfter und machten uns auf den Weg zum Offenstall der Fohlen. Während Brött eigentlich ein Jährling, eher noch ein Jungpferd war und nur noch aufs Anreiten vorbereitet werden würde, war der kleine Vákur gerade erst vollständig entwöhnt worden. Linns Stutfohlen Peppy, von mir spaßhaft PPA genannt, war nur wenig jünger als Brött, und Vina lag irgendwo dazwischen. Durch Zufall hatten Linn und ich in den letzten Tagen außerdem eine erstaunliche Entdeckung gemacht: unsere vier Fohlen waren jeweils zwei Vollgeschwister. So stammten Brött und Vákur von unserem Blettur und der bekannten Zuchtstute Milka Luflee ab, Vina und Peppy waren Nachkommen von einem Hengst namens Maxi und der Stute Palimé. Ich würde mich zu aller erst Brött widmen und belegte den Roundpen mit Beschlag. Finley und Linn gingen mit Vina und Peppy in die Reithalle.

      Ich führte Brött in den Roundpen. Wir hatten vor kurzem mit den Grundübungen zum Longieren begonnen. Sie akzeptierte nun Longe und Kappzaum und hatte verstanden was ich von ihr wollte, wenn ich sie mit einer langen Longierpeitsche zum Gehen aufforderte. Allerdings hatten wir das langweilige 'im Kreis laufen' bisher nur frei und ohne diese 'komische Ding am Kopf' probiert. Heute würde ich also beides kombinieren und Brött das erste Mal klassisch longieren.

      Finley und ich banden Vina und Peppy auf den Hof an und putzten sie schnell. Dann gingen wir in die Reithalle, da Bella mit Brött im Roundpen war. Vina und Peppy hatten auch schon die Grundlagen des Longierens gelernt, aber heute stand ein Anti-Schreck-Training an. In der Halle ließen wir die Beiden vom Strick, damit sie sich schon einmal umsehen konnten, während wir einen kleinen Pacours aufbauten. Dieser startete damit, dass die Fohlen mit verbundenen Augen über eine Regenplane laufen mussten, danach bewarfen wir sie mit kleinen Schaumstoff-Tennisbällen und einem Gymnastikball. Zum Schluss mussten die Beiden noch mit bunten Regenschirmen und Besen bekannt gemacht werden. Finley und Vina legten vor. Die Augenbinde fand Vina schon nicht so toll, aber als Finley sie dann auf die Plane führte, fand sie das zu gruselig. Nach ein paar Runden Trab und Galopp und einigen wilden Bocksprüngen, konnte sich Vina jedoch beruhigen, und Finley führte sie erst ein paar Mal ohne Augenbinde über die Plane, dann auch mit, was sie nach einigem zögern auch meisterte. Während Finley Vina mit den kleinen Schaumstoffbällen bewarf, und sie einige Fluchtversuche machte, durfte auch Peppy erst ohne, dann mit Augenbinde über die Plane zu laufen. Glücklicherweise war sie ruhiger als Vina, und wir schafften es beim ersten Anlauf. Vina hatte auch schon den Gymnastikball hinter sich gebracht, und so begann ich, Peppy mit den Tennisbällen zu bombardieren. Sie fand es nicht gerade toll, war aber auch hier ruhiger als Vina. Auch den Gymnastikball überstand sie gut. Finley und Vina hatten währenddessen Regenschirme durch die Gegend gewirbelt und sich gegenseitig mit dem Besen geärgert. Während auch Peppy und ich dies machten, gingen Finley und Vina den Pacours noch einmal durch, was sehr viel besser ging, als beim ersten Mal. Finley und ich bauten alles wieder ab, während die Fohlen die Halle untersuchten. Dann führten wir Vina und Peppy wieder auf den Hof, wo auch Bella und Brött schon waren.

      Brött hatte fast aufgefressen, als Linn und Finley ihr Fohlentraining ebenfalls beendeten. Den Utensilien zufolge, die der kräftige Schotte schleppte, hatten die beiden heute Anti-Schreck Training gemacht. Linn versorgte nun auch Peppy und Vina mit Fohlengerechten Portionen Geste. Als ich sah, wie die kleinen Mäulchen in den Futterschüsseln verschwanden, rebellierte auch mein Magen. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es war bereits 14 Uhr und ich hatte seit dem Frühstück um sieben nichts vernünftiges gegessen. Schnell brachte Brött wieder in ihren Offenstall und verschwand im Haus, um mir etwas zu essen zu machen.

      Nach einer halben Stunde und einer ordentlichen Portion Nudeln machte ich mich gut gelaunt und gesättigt auf zum Stall. Das ganze Fohlentraining hatte lange gedauert, länger als erwartet, und meine Motivation noch Bäume auszureißen hielt sich auch in Grenzen, also sah ich mich gezwungen meinen Tagesplan etwas zu ändern. Ich holte Faera von der Weide und putze und sattelte sie. Die fuchsfarbene Stute würde bald zur Körung gehen, und ich wollte die Kür noch einmal üben. Auf dem Weg zum Reitplatz begegnete ich Linn, die gerade mit Garpur von der Ovalbahn kam. Ich blieb kurz stehen. „Ich übe jetzt nochmal die Kür mit Faera. Garpur ist offensichtlich auch geritten worden. Was hast du noch geplant?“ „Nur ein bisschen Tölttraining mit Meyja und vielleicht Bodenarbeit mit Lykkja, wenn ich dann noch 'nen Nerv dafür frei habe.“ „Okay, dann müssen ja noch einige raus. Was macht Finley?“ „Der? Ich glaube er ist gerade mit Topar raus. Außerdem hatte er vorhin eine handfeste Meinungsverschiedenheit mit Blettur auf der Ovalbahn.“ Linn grinste. „Wenn andere draufsitzen ist sowas eine ganz wunderbare Art der Unterhaltung.“ „Ja, ja.“, lach nur. Auch ich hatte vor einigen Tagen mit besagtem Hengst eine nicht ganz freiwillige Show abgezogen. „Hast du Lust auf einen Ausritt? Nachher? Strand? Ohne Sattel?“ Jetzt war es an mir zu grinsen, denn mit 'ohne Sattel' Ausritten zum Strand hatte Linn ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. „Nur wenn ich Sólfari kriege!“ „Abgemacht.“

      Nachdem ich Garpur mit Gerste, Pellets und Brot versorgt hatte, brachte ich ihn zurück in den Offenstall und holte Meyja von der Weide. Mit der Stute würde ich heute Tölt trainieren, da es wegen ihres einfachen, aber guten Tölt am sinnvollsten war, sie darin zu fördern. Ich putzte und sattelte sie schnell, setzte meinen Helm auf und zog statt der Stiefel Stiefeletten und Chaps an. Ich saß auf und trieb Meyja in Richtung Ovalbahn. Nach dem Aufwärmen übten wir Tölt im Arbeits- und Mitteltempo auf beiden Händen. Als wir etwa eine halbe Stunde auf der Ovalbahn waren, stießen Bella und Fjara zu uns. Fjara schien über das Training nicht sehr begeistert zu sein, und nachdem ich einige Zeit zugesehen hatte, wie Bella sich mit ihr rumschlug, überließ ich ihnen die Ovalbahn, damit sich Fjara wieder beruhigen konnte. Ich ritt mit Meyja noch eine kleine Runde durchs Gelände, wo wir auf Finley und Topar trafen, mit denen wir uns ein kleines Rennen lieferten. Natürlich gewann der Hengst das Rennen, aber Bella würde sagen: „Dafür ist Meyja süß!“ Auf dem Rückweg schwärmte Finley von Snót, deren Western-Kenntnisse er vorhin in der Halle gründlich ausgenutzt hatte. Auf dem Hof mussten wir erst einmal Bella beruhigen, der Fjara wirklich den allerletzten Nerv genommen hatte. Bella brachte Fjara wieder auf die Weide und wir gaben Meyja und Topar ihr Fressen. Während sie fraßen, versuchte ich Finley zu erklären, was es mit der deutschen Zeichensetzung und Rechtschreibung auf sich hatte, denn er sprach Deutsch schon recht gut, wenn er aber etwas schrieb, musste man stundenlang davor sitzen und versuchen, auch nur ein Wort zu verstehen. Nach einiger Zeit brachten wir die Pferde wieder auf die Weide und holten Lykkja. Da Finley nichts mehr zu tun hatte, erklärte er sich dazu bereit, mir mit der Stute etwas zu helfen. Wir hatten Lykkja erst vor ein paar Tagen von ihrer Vorbesitzerin abgeholt, und so war dies ihr erstes Training mit uns. Wir putzten sie schnell und gingen dann in den Roundpen. Zuerst longierte ich sie auf beiden Händen im Schritt, Trab und Tölt, schließlich auch im Galopp. Dann nahm ich Finleys Platz auf dem Gatter ein, und er brachte ihr einige Tricks bei, die ich noch nie einem Pferd hatte beibringen können. Schließlich waren wir fertig und ließen Lykkja wieder zur Herde auf die Weide.

      Irgendwie war die Zeit zu schnell vergangen und der Tag neigte sich bereits seinem Ende entgegen. Ich hatte mich gerade vergewissert, dass es Thowra und Stássa an nichts fehlte. Die werdenden Mütter bekamen jetzt öfter noch etwas Extrafutter und das Reiten hatten wir auf Grund der fortgeschrittenen Trächtigkeit bereits eingestellt. Außerdem hatte ich einen Termin mit Joyce vereinbart, die die beiden als Tierärztin noch einmal begutachten sollte. Normalerweise brauchten Isländer keine so große Aufmerksamkeit wenn es um Fohlen ging und auch diese Stuten sollten ihre Fohlen traditionell alleine auf der Weide bekommen, allerdings wollte ich mir sicher sein, dass dabei nicht zu Schwierigkeiten kam. Stuten und Fohlen waren zu wertvoll.Wieder einmal zog ich meine Uhr zu Rate und erschrak. Es war eindeutig zu spät für einen längeren Ausritt, gerade ohne Sattel und Sicherheit. „Es ist zu spät.“ Stellte ich auch für Linn, die sich gerade zu mir gesellt hatte, fest. Machen wir das Morgen. Ich gehe jetzt allerdings noch mal schnell mit Hnakki an den Strand, der muss ein bisschen rennen sonst wird der Wahnsinnig. „Er hat sich selbst zuzuschreiben, dass er in der Box stehen muss! Hätte er sich nicht unbedingt kloppen müssen...“, muffelte Linn. „Ja. Das zeigt nur, dass er viel Potenzial zum Zuchthengst hat.“ Ich versuchte Hnakki zu verteidigen, aber Linn schien die Lust am Streiten auf einmal verloren zu haben. „Ich nehme Vinkona und komme noch mit zum Strand. Ein Rennpassfoto macht sich bestimmt gut auf unserer Website.“ Linn verschwand im Haus um ihre Kamera zu holen, ich holte die Pferde.

      Es wurde ein flotter Ausritt und es entstanden traumhafte Fotos mit einem Junghengst im Rennpass, den Sonnenuntergang im Hintergrund. Schließlich hatten wir genug. Die Pferde wurden versorgt und wir beschlossen uns noch in meiner Wohnung zu treffen um einen Film zu gucken. Kaum war dieser allerdings vorbei, verschwand Linn nach unten und ich fiel ins Bett.

      Am Sonntagmorgen hatte ich mit Bella und Finley ein üppiges Frühstück, unter anderem mit isländischem Skyr, selbstgebackenen schwedischen Semlor und – auf Bellas Wunsch hin – Musik von den 'Magic 5'. So sehr ich die Musik verabscheute, so sehr machte es Spaß, mit Finley ein Kakaowetttrinken zu veranstalten. Währenddessen untersuchte Bella einen Semla. „Was – ist – das, Linn?“ Ich erklärte ihr, was es mit dem schwedischen Fastengebäck, das ich schon seit meiner Kindheit buk und aß, auf sich hatte. Der untere Teil des kugelförmigen, süßen Brötchens war mit Marzipan gefüllt, darauf tat man dann noch ordentlich Schlagsahne, dann noch den Deckel und viel Puderzucker drauf.

      Nach dem Frühstück mit viel staubendem Puderzucker holten wir Laufey und Sólfari, mit denen wir einen Strandausritt geplant hatten. Wir ritten an der Ovalbahn entlang und über die Passbahn zum Strand, wo wir angaloppierten. Sólfari jagte mir einen riesigen Schreck ein, als er mit einem riesigen Satz Laufey und Bella nachjagte. Wir ritten ohne Sattel, und der Pferderücken war rutschig, was durch das Meerwasser, das uns überall hinspritzte, nicht verbessert wurde.

      Die Sonne war noch mich lange aufgegangen und es war kühl. Bis eben hatte ich noch gefröstelt doch jetzt wärmte die Bewegung mich von innen heraus. Laufey flog förmlich über den Strand, und ich musste mein Gewicht ein Stück weiter mach hinten verlagern, um sie ohne Sattel unter Kontrolle zu behalten und mich auf ihrem Rücken zu halten. Schließlich gab ich meine Versuche die Geschwindigkeit zu drosseln auf und griff in die Mähne meiner Stute. Eiskaltes Meerwasser und Sand spritzte unter den Hufen der galoppierenden Pferde auf und versah Linn und mich mit einer feuchten Kruste. Um nicht alles von mir abzubekommen, gab Sólfari mächtig Gas und lief schließlich eine Nasenlänge vor Laufey. Er wandte den Kopf zu ihr und wieherte freudig, was Linn einen kleinen Herzanfall zu bescheren schien. Als wir die Pferde wieder durchparierten und uns auf den Rückweg machen wurde mir bewusst, dass ich eine gute Entscheidung darin getroffen hatte, Laufey das erste Mal von Sólfari decken zu lassen. Dass die beiden Pferde sich gern hatten war mehr als offensichtlich und so freute ich mich, so entschieden zu haben. Das Verhalten von Laufey und Sólfari erinnerte mich aber nicht nur an den bekannten Pferdefilm 'Spirit', sondern leider auch an meinen Exfreund und unsere Trennung im Streit. Man hätte meinen können, dass genug Zeit vergangen war, um diese Szene für immer aus meinem Gedächtnis zu verbannen, doch in Situationen wie jetzt geisterte sie mir gerne wieder im Kopf herum. „Bella! Nicht verkniffen gucken und vor allem nicht grübeln!“ Linn wusste manchmal wirklich zu genau, was in mir vorging. „Wo ist das Problem?“ „Ach, nichts.“ Diese obligatorische Phrase nervte zwar, gab meiner besten Freundin allerdings zu verstehen, dass ich nicht reden wollte. „Wenn du nicht redest rate ich!“, drohte sie mir an. „Also?“ „Ich will nicht reden! Ich brauche keinen Seelenklemptner in Form meiner besten Freundin!“ „Aha. Schon wieder Jonas?“ „Hmpf.“ Das war ihr offensichtlich Antwort genug und Linn sagte erst einmal eine Weile gar nichts, was mir recht gelegen kam. „Du musst da endlich mal drüber hinweg kommen. Vergiss dieses Arschloch!“ Damit war die Sache für sie offensichtlich erledigt und wir spornten die Pferde nochmals zum Galoppieren an. Unser Ausritt zog sich in die Länge, doch als wir endlich wieder beim Hof ankamen, erwartete uns Finley mit guten Neuigkeiten. „Zwei Mal Hengstkörung bestanden und zur Zucht freigegeben.“, rief er uns entgegen. Ab jetzt gab es kein Halten mehr. Lange hatte ich geplant was nun endlich möglich wurde. Wir befreiten Laufey und Sólfari von Trense beziehungsweise Knotenhalfter und putzen sie. Anschließend ging es aber nicht zurück auf die Weide, sondern auf ein kleines, eigens für diesen Zweck abgestecktes Koppelstück. Wir ließen die beiden laufen und warteten gespannt in einiger Entfernung. Es dauerte nicht lange bis Sólfari zur Tat schritt und ich hatte meine selbstbewusste Stute noch nie so überrascht, glücklich und entspannt zugleich gesehen. „Auf das bald eine ganze Herade wunderhübscher Fohlen auf unserer Weide herumtollt.“, grinste Linn. Wir gönnten dem Pferdepärchen noch etwas Zeit zusammen und ließen sie stehen. Dann trennten sich unsere Wege und jeder ging seiner Arbeit nach.
    • BellaS
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      1. Novermber 2015

      Viergangtraining Meyja M → S und Garpur A → L | 2682 Zeichen | (c) Seimure
      Um sieben Uhr riss mich mein Wecker aus dem Schlaf. Heute gab es viel zu tun, und ich ärgerte mich, nicht früher aufgestanden zu sein. Zusammen mit Flóki verließ ich das Haus, da man den kleinen Hund nirgendwo alleine lassen konnte. Ich hatte mit Finley abgesprochen, dass wir heute Morgen zusammen mit Meyja und Garpur ein Viergangtraining durchziehen würden. Ich ging in die Sattelkammer, wo ich Finley traf. Zusammen holten wir die beiden Pferde von der Weide, beziehungsweise aus dem Stall und banden sie auf dem Hof an. Nachdem wir sie gründlich geputzt hatten und sie gesattelt und getrenst da standen, gingen wir mit ihnen auf die Ovalbahn.

      Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Finley Garpur und ich Meyja reiten würden. Vor dem Aufsitzen gurtete ich nocheinmal nach und setzte mir den Helm auf. Außerdem schärfte ich Flóki ein, am Rand der Ovalbahn zu bleiben und keinen Mist zu bauen, dann saß ich auf.

      Zum Aufwärmen ritt ich wie üblich auf beiden Händen flotten Schritt und viele Schlangenlinien. Finley tat es mir gleich, und bog Garpur gut, da dieser als Passtölter sich im Rücken sehr gerne fest machte. Nach zehn Minuten Aufwärmen begann ich mit dem Tölt, da ich aus eigener Erfahrung berichten konnte, dass Pferde, die sowiso nicht sehr gerne tölteten, sich nach dem Trab gar nicht mehr dazu überreden ließen. Damit wir nicht ineinader ritten, ging ich zuerst auf die rechte, Finley auf die linke Hand. Ich ließ Meyja antölten, während Finley Garpur noch dazu überredete, nicht gleich loszutraben. Nachdem wir ungefähr drei Runden Tölt geritten waren, wechselten wir die Hände. Auch auf der linken Hand ritt ich noch einmal mit Meyja drei Runden Tölt, und zu meiner Überraschung ließ sie sich, ohne rum zu zicken, dazu überreden. Auch Garpur benahm sich heute einmal anständig, was vielleicht daran lag, dass Finley und nicht ich auf ihm saß. Nach dem Tölt wechselten wir wieder die Hand und trabten nun drei Runden auf jeder Hand. Wie ich es von Meyja gewohnt war, ging sie gut am Zügel, während man das von Garpur heute leider nicht behaupten konnte. Ich ritt noch einmal einen Handwechsel und gab Finley ein Zeichen, dass ich gleich angaloppieren würde. Ich ließ Meyja antraben und ging in den Entlastungssitz. In der Ecke nach der langen Seite ließ ich sie angaloppieren. Auch Finley trabte an und ließ Garpur angaloppieren. Nachdem wir auf der rechten Hand zwei Runden galoppiert waren, wiederholten wir das Ganze auch auf der linken Hand. Danach ließen wir uns die Zügel aus der Hand kauen und ritten die Pferde trocken. Auf dem Hof bekamen sie noch ihre tägliche Portion Pellets, Gerste und trockenes Brot, dann brauchten wir sie wieder zurück auf die Weide.


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      16. Novermber 2015

      ~Briar Cliff Farrier ~ | (c) Sosox3
      Gerade als ich meine Sachen am einpacken war, kam eine junge Frau zu uns und musterte mich. „Da komm ich ja genau richtig“, lächelte sie uns drei an. „Sie sind der Hufschmied, richtig? Meine Stute Meyja müsste auch noch die Hufe kontrolliert bekommen und am besten noch gekürzt. Ihre Hufe sind in der letzten Zeit viel zu lang geworden. Hättest du heute noch dafür Zeit...oder eher nicht mehr?“, fragte sie zögerlich. „Doch doch, nur würde das mein Azubi dann grade machen. Der muss für seine Prüfung noch lernen“, sagte ich und ließ ihn dann auch weiter machen. „Könnten Sie dann grade ihre Stute holen?“, fragte er zögerlich und ich musste schmunzeln. So höflich kannte ich ihn ja gar nicht. Aber ich wusste, dass ich auf ihn zählen konnte. Es dauerte auch nicht lang bis die Besitzerin mit ihrem Pferd zu uns kam und er sich gleich die Hufe ansah. „Sie hatten Recht. Die Hufe sind echt um einiges zu lang, ansonsten aber sehr gut gepflegt“, teilte er uns mit und nahm sich gleich das Hufmesser und schnitt der ruhigen Stute die Hufe aus. Es fiel viel überschüssiges Horn weg und auch beim Raspeln ging noch einiges runter. So langsam sahen die Hufe auch wieder top aus, gerade nach dem feilen sahen ihre Hufe wieder top aus. Meyja hatte sich die ganze Zeit so toll über verhalten : Respektvoll, neugierig und Ruhig, genau so wie es sein sollte. „An wen soll ich eigentlich die Rechnung ausstellen?“, fragte ich in der Zwischenzeit und sah zu den dreien rüber. „Linn Petri“, sagte sie rasch und ich machte weiter mit meiner Arbeit, während Linn Meyja für Jan Niklas vorlaufen ließ. „Sie geht gut, da hab ich wohl gute Arbeit geleistet“, grinste er schelmisch und ich übergab Linn die Rechnung.


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      17. Januar 2016

      Vorahnungen | 11 376 Zeichen | © Seimure & BellaS
      Mitten in der Nacht schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Ein Albtraum? Dann musste ich ihn direkt wieder vergessen haben. „Na ganz toll.“ Ich grummelte und drehte mich auf die andere Seite, aber irgendetwas ließ mich nicht mehr einschlafen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, schlüpfte in Reitstiefel und Kapuzenpulli und ging hinaus. Irgendwas stimmte doch nicht. Es war stockdunkel und empfindlich kalt. Kein Wunder, der Hebst war hier oben an der See bereits dabei in den Winter überzugehen. Langsam wanderte ich an den Boxen der Hengst vorbei. Die meisten lagen schlafend auf ihrem Strohbett, nur Hnakki streckte mir seine Nase entgegen und schnaubte leise. „Na Süßer. Auch wach?“, flüsterte ich und schob meine klammen Finger unter die üppige Mähne des Hengstes und sie zu wärmen. Herrlich. Ich hätte Stunden so verharren können, doch eine seltsame innere Unruhe trieb mich weiter. Seltsam, absolut seltsam. Ich schaute noch bei den Fohlen vorbei und ging ein Stück am Zaun der großen Weide entlang, aber mit den Pferden schien alles in Ordnung zu sein. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg zurück ins Bett.

      Am nächsten Morgen beim Frühstück erzählte ich Linn von meiner seltsamen nächtlichen Unruhe, doch sie tat es achselzuckend ab. Trotzdem beharrte ich darauf die Pferde alle einmal anzusehen, es bestand ja die Möglichkeit, dass doch etwas passiert war. Zwar schüttelten sowohl Linn als auch Finley den Kopf über mich, aber sie halfen mir doch. Mit Hnakki, Blossi und Topar ritten wir über die Wattweide und trieben unsere Stutenherde zurück zu Hof, wo wir sie alle gründlich absuchten. Mit Ausnahme einer kleinen Wunde an Fjaras Flanke, die ich schnell versorgte, fand sich überhaupt nichts. Allen Stuten ging es gut und auch Fohlen und Hengste zeigten keine Auffälligkeiten. „Bella. Könntest du jetzt bitte aufhören dir Sorgen zu machen? Hier ist nichts.“ Linn schüttelte den Kopf und ich grummelte halb zustimmend. Natürlich konnte ich nicht einfach aufhören mir Sorgen zu machen. Wer konnte das schon? Doch als ich sah wie Finley und Linn sich einvernehmlich angrinsten, verzog ich das Gesicht und verschwand in der Sattelkammer um mit meinem Tagewerk zu beginnen.

      Seit dieser seltsamen Nacht waren Wochen vergangen. Es war Dezember geworden, Weihnachten stand vor der Tür und es hatte geschneit. Thowra, Stássa und auch Laufey wurden mittlerweile nicht mehr geritten und trugen ihre dicken Fohlenbäuche stolz über die Wattweide. Außerdem war meine Stute Faera durch die Körung gekommen und Linns Meyja hatte gute Chancen das Selbe zu erreichen. Eigentlich lief alles wunderbar nach Plan, doch etwas trübte unser Glück. Nur wenige Tage nach jener seltsamen Nacht erreichte uns eine schwarz umrandete Karte. Ein schrecklicher Todesfall. Unsere Freundin Sarah, die Vorbesitzerin von Uprising und Thowra und gute Freundin würde das erste Fohlen ihrer Stute nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn Thowra nach Hause hohlen. Sie und ihre gesamte Familie waren einem Gasleck in ihrem Haus zum Opfer gefallen. Wie viele andere in der Reiterwelt dachten auch wir an Sarah und ihre junge Familie, die ein so tragisches Ende gefunden hatte. Trotzdem, wir konnten nur unsere Anteilnahme ausdrücken und weiter machen – etwas anderes konnte sowieso niemand gebrauchen. Resigniert stütze ich den Kopf in die Hände und starrte in meinen heißen Tee. Draußen tobte ein regelrechter Schneesturm und ich kam gerade völlig durchgefroren vom Distanztraining mit Snót zurück. Linn ritt in der Halle und Finley stand wahrscheinlich dabei und sah ihr zu anstelle seine Arbeit zu erledigen. Weiter starrte ich resigniert und wütend in meine Tasse. Meine Trauer über Sarah war nur ein Vorwand, in Wahrheit war ich einfach nur eifersüchtig auf die beiden die sich in der letzten Zeit unaufhaltsam näher kamen. Ich und Männer, das war ein Paradox. Einerseits wollte ich einen neuen Freund, mehr als vieles andere, andererseits plagten mich immer noch Sorgen und düstere Vorahnungen über die Trennung von meinem letzten dieser Art. Ich musste mich dringend ablenken und so setzte ich mich an den Computer. Dafür hatte ich schon so lange nicht mehr die Zeit gehabt, obwohl ich Technikkrams jeglicher Art liebte. Erst spät in dieser Nacht fiel ich ins Bett.

      Und schon wieder meinte die Zeit rennen zu müssen. Weihnachten war gekommen und gegangen, mit Mayalie war ein neues Pferd eingezogen. Auch ein neues Jahr war angebrochen und unsere Zuchtstuten zeigten die ersten Anzeichen, dass ihre Fohlen bald das Licht der Welt erblicken würden. Mal wieder hatten man mich mit Aufträgen bombardiert und ich war in der letzten Zeit so viel in der Welt unterwegs gewesen, dass ich so ziemlich alles andere verdrängt hatte. Jetzt standen noch zwei Körungen an, die Geburten von zwei Zuchtfohlen und dann würde ich wieder durchatmen können. Hoffte ich zumindest.

      Der Signalton, der eine neue Whatsappnachricht meldete, riss mich aus dem Schlaf. Die Nachricht war von Bella.
      Lust auf einen Austritt? Mayalie braucht Bewegung. :3
      Verschlafen tippte ich eine Antwort und stand dann auf. Was um Himmels Willen machte Bella um diese Zeit draußen? Es war gerade einmal halb fünf, und meistens war ich die einzige, die vor sechs Uhr auf dem Hof war. Ich machte mich schnell fertig und ging dann mit Flóki raus. Der schwarz-weiße Hund war schnell gewachsen und hatte nun fast seine Endgröße erreicht. Seinen Dickkopf hatte er zwar nicht verloren, aber er durfte seit ein paar Tagen alleine auf dem Hof rumlaufen. Draußen fiel mir gleich Mayalie ins Auge, was bei dem Koloss von einem Pferd auch nicht schwierig war. Ich mochte Kaltblüter nicht besonders gerne, aber ein Shire Horse war immer ein großer Traum von Bella gewesen, der sich mit Mayalie nun erfüllt hatte. Jetzt kam Bella mit Mayalies Putzzeug aus der Sattelkammer. Sie winkte mir fröhlich zu und machte sich dann ans Putzen. Ich überlege derweil, welches Pferd ich für den Ausritt nennen könnte. Viđja nicht, weil sie seit einer Woche nicht mehr geritten wurde, da sie von dem Leihhengst Ljóski ein Fohlen erwartete und ich bei meiner Lieblingsstute keine Risiken eingehen wollte. Schließlich entschied ich mich für meine Stute Vínd, welche genau wie Mayalie noch ein Neuzugang auf dem Hof war. Die kleine Stute war wie ich eine Frühaufsteherin und so dauerte es nicht lange, bis ich sie gesattelt hatte. Wie immer sah es ungemein lustig aus, als sich Bella auf Mayalies Rücken schwang. Wir schlugen den Weg zum Strand ein, den längsten und zugleich schönsten Weg für einen Ausritt. "Was ist eigentlich in dich gefahren?", fragte ich Bella, während wir durch den leise knirschenden Sand hinunter zum Wasser ritten "Sonst bist du doch immer erst um halb sieben bei den Pferden. Frühstens." "Ach, ich weiß nicht. In letzter Zeit bist du den ganzen Tag immer mit Finley zusammen, und irgendwie wollte ich dich mal wieder so richtig für mich haben", sagte sie, während wir mit den Pferden durch das flache Uferwasser platschten. "Bella, so ist das nunmal, wenn man einen Menschen gefunden hat, den man liebt und mit dem man seine Zeit verbringen möchte. Was meinst du, wie es mich manchmal genervt hat, wenn Jonas anwesend war, und du dich nur für ihn interessiert hast", sagte ich beschwichtigend. Bella warf mir einen düsteren Blick zu. "Das war anders. Finley gehört zum Team und wir sind ja auch befreundet. Und wenn die zwei Freunde, die als einzige in der erreichbaren Umgebung sind, plötzlich nur noch Augen für einander haben, dann fühlt man sich so... alleine. Du hattest wenigstens noch Tabea, und mit der warst du ja auch gut befreundet. Ich würde einfach gerne ein bisschen mehr Zeit mit dir verbringen." Nach einer kurzen Pause sah sie mich von der Seite her an. "Aber ich weiß, dass Finley mit dir den allerbesten Mensch gefunden hat, den er finden konnte", fügte sie mit einem kleinen Lächeln hinzu. Wir wechselten einen kurzen Blick und mussten lachen. Wie auf Kommando galoppierten wir an und jagten über den Strand. Nur für Augenblicke waren wir wieder die beiden Mädchen, zehn und dreizehn Jahre alt, die sich beim gemeinsamen Reitunterricht zunächst ignoriert hatten und schließlich aber zu den besten Freundinnen die man sich vorstellen konnte geworden waren.

      Ich hatte mir alles aus der Seele geredet und Linn hatte zugehört. Zwar nicht alles wirklich nachvollzogen, aber was solls? Das meiste war eh nur dämliches Selbstmitleid. Noch immer lag Schnee, der sich mittlerweile in einen ekligen, grau braunen Matsch verwandelt hatte. Nur am Strand und in der Halle konnte man vernünftig reiten, ohne das die Pferde ohne Wintereisen sich Schnee in die Hufe traten oder ausrutschten. Ach der Strand, wie ich ihn liebte. Wie ich Rømø liebte, meine neue Heimat. Ich war wirklich angekommen, hatte mir hier eine Exestenz und ein Zuhause aufgebaut. Jetzt, mit einem glücklichen Pärchen an meiner Seite, fehlte mir nur noch eins… „ES REICHT!“ Energisch verdrängte ich den leidigen Gedanken und konzentrierte mich auf meine heutige Arbeit. Mayalie reiten, erledigt. Mit Nátti tölten üben, weiter mit Sattel und Zaumzeug bei Brött und Kylja, Bjatur anlongieren, noch ein paar Pferde reiten. Alles mögliche stand noch auf meiner To-Do, aber ich würde mit Náttdís anfangen. Ich sattelte meine zweite Lieblingsstute und da ich die Halle heute wohl noch oft genug von innen sehen würde, entschied ich mich für die einzig weitere Option. Es ging zum tölten an den Strand. Er war es schwierig Nátti vom galoppieren abzuhalten und überhaupt in den Tölt zu bekommen, dann hatte ich ein Problem mit wirklich üblem und passigem Takt. Gerade als ich zufrieden war, tauchte hinter mir ein Reiter auf. Finley liebte Topar und seitdem er unter dem Westernsattel ging, waren die beiden nur noch schwer zu trennen. „Rennen gefällig?“ Er grinste. Obwohl ich eigentlich sinnvolleres zu tun hatte, konnte ich nicht widerstehen. So kam ich zu einem zweiten, wunderbaren Galopp am Sønderstrand.

      In der nächsten Zeit passierte nichts weiter aufregendes. Wir kümmerten uns um unsere Pferde, begannen mit den Sattel- und Zaumzeugtraining von Kylja und Brött, die bald eingeritten werden würden, bereiteten uns mit Lykkja, Garpur und Vinkona auf die anstehenden Körungen vor und fieberten den Fohlen von Thowra und Stássa entgegen, die nun bald das Licht der Welt erblicken sollten. Auch Laufeys Bauch wurde allmälich sichtlich rund. Und trotzdem hoffte ich, dass sich der Tag in dem ich meine Stute nicht mehr würde reiten können noch etwas verzögerte. Außerdem begrüßten wir mal wieder Neuankömmlinge. Ein junger Hengst und eine hübsche Stute aus meiner Zucht, Bjatur und Tilviljun, kehrten zu uns zurück. Bjatur würde eines Tages wieder auf Wanderschaft gegen, doch für Juni sollte es hier ein längerfristiges zu Hause geben. Für unsere bereits gekörten Zuchthengste gab es nicht ganz so viel Arbeit, allerdings hatten wir auch noch eine weitere Stute gedeckt. Faera trug nun von Black Lemontree, eine gewagte aber aussichtsreiche Kombination. Blettur machte Deckpause. Auch Sólfari und Blossi warteten sehensüchtig auf den Frühling, mit dem wohl auch unsere Fohlenherde an Zuwachs gewinnen würde. Zu allem Überfluss hatte ich mich auch noch in eine gekörte Zuchtstute verliebt und Frejka kurzerhand gekauft. Linn gefiel das zwar nicht unbedingt, doch das störte mich seit ehher sowieso nicht. Bald würde der Frühling auf glæsileika eyjarinnar Einzug halten.


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      27. Januar 2016

      Wiedersehen macht Freude | 8164 Zeichen | © BellaS
      Als mich die Nachricht erreichte, dass Rachel wieder einmal Pferde verkaufte, war ich nicht besonders interessiert. Rachel hatte so einiges im Stall stehen. Trotzdem schaute ich mir wenig später an um welche Pferde es ging. Ich entdeckte Morgaine, eine Barockpinto Stute die einst mir gehört hatte, dann aber zu Gunsten meiner Isländerzucht ausziehen musste. Die anderen Pferde schaute ich nur flüchtig an, bis ich mit einem mal hängen blieb. Kjarkur stand zum Verkauf, der Vater meines ungeborenen Zuchtfohlens Silfurtoppa. Ein gekört Isländer allererste Güte. Schon rechnete ich im Kopf meine Finanzen durch und schaute was ich würde ausgeben können, da fiel mein Blick auf eine weitere Anzeige. Slaufa, eine hübsche Scheckstute und kein unbekanntes Gesicht. Kurz vor unserem Umzug nach Rømø hatte ich sie, eigentlich zu Zuchtzwecken, an Rachel verkauft. Von diesem Moment an stand fest, wir würden wieder einmal Zuwachs bekommen. Beide Pferde waren zuchtfertig und gekört, hatten gute Voraussetzungen und waren keine Problemfälle, es sprach nichts gegen ihren Einzug. Selbst für meinen Geldbeutel lief das Geschäft verhältnismäßig schonend ab, auch wenn dieser seit den letzten Käufen sowieso nicht mehr besonders voll war. Schon in den nächsten Tagen würden die neuen Pferde ankommen. Ich erledigte die restliche Büroarbeit in fliegendes Eile und suchte nach Linn um ihr von dem schnell getätigten Kauf zu erzählen. Sie hatte nichts dagegen, zeigte sich aber auch nicht übermäßig begeistert. „Wann hörst du wohl auf Pferde zu kaufen?“, fragte sie mich etwas später während eines gemütlichen Ausrittes durch den Wald. Ich saß auf Vin, meinem besten Turnierpferd, das ich dank der Zucht in der letzten Zeit sträflich vernachlässigt hatte. Linn hatte ihre Vidja nicht reiten können, denn der Fohlenbauch gestattete mittlerweile nur noch Bodenarbeit. Da sie aber die Stute Tilviljun, genannt Juni, bald ins Training nehmen würde, hatte sie sie für diesen Ritt ausgewählt. Seit der Schnee verschwunden war, hatte auch das tägliche Leben auf unserem Hof wieder an Normalität gewonnen. Finley betüddelte die Hengste, kümmerte sich um die Boxen, Heu und was sonst noch alles anfiel, Linn und ich ritten den halben Tag und halfen ihm so gut wir kommen. Trotzdem wurde es immer anstrengender. Mehr Pferde bedeuteten mehr Arbeit und wir waren eben nur zu dritt. Schließlich stellten wir gemeinsam eine Anzeige ins Internet, in der wir nach einem vierten Teammitglied suchten. Jemandem der anpacken und Isländer reiten konnte. Zum Glück war mein Dänisch mittlerweile gut genug für solcherlei Aktionen, auch wenn ich zugeben musste, dass ich von uns dreien die war, die die Sprache noch am schlechtesten beherrschte. Finley lernte gern Sprachen und Linn hatte auch noch ein echtes Talent für so was – kein Wunder also, dass ich hinterher hing. Ich ließ meine Gedanken wandern und unser Gespräch verstummte, als wir beide uns in unsere Parallelwelten zurückzogen. Den Weg kannten wir sowieso im Schlaf. Im laufe des Nachmittags hatte ich noch Laufey an der Longe, deren Bewegungsdrang trotz ihrer Trächtigkeit ungebrochen blieb. Abends ging es noch schnell mit Frejka auf den Platz, denn wir waren noch immer in der Gewöhnungsphase. Erst morgen würde es wirklich interessant werden, denn dann durfte Brött das erste Mal das Gewicht eines Reiters auf dem Rücken tragen.
      Es war doch spät geworden, denn am Abend hatten wir zu dritt einen Filmabend veranstaltet. Als ich erwachte, bekam ich einen Schreck. Es war bereits halb neun. Normalerweise stand ich um sieben Uhr auf um mit der Arbeit des Tages zu beginnen, heute hatte ich gehörig verschlafen. Ein Blick auf meinen Radiowecker zeigte mir auch warum, der Stecker war nicht eingesteckt und somit ging hier nichts mehr, mit ausnehme der Uhr, die mit ''Notfallbatterien'' ausgestattet waren. Warum die nur die Uhr versorgten und nicht auch die Weckfunktion, hatte ich bisher nicht nachvollziehen können. Missmutig steckte ich den Stecker wieder ein, zog mich an und verschwand im Bad. In der Küche schnappte ich mir ein Brötchen von gestern und einen Apfel zum Frühstück, die ich auf dem Weg über den Hof aß. Brött war erst heute Nachmittag an der Reihe, jetzt bekam Hnakki erst mal den Rest meines Apfel und dann einen Sattel auf den Rücken. Wir gingen auf die Passbahn. Rennpass mit Hnakki machte immer gute Laune und eignete sich gut zum Start in den Tag. Jetzt kam noch eine kleine Runde Training mit Vina, denn sie war auch schon bald alt genug für ernsthaftes Longieren und ähnliches. Schließlich war es Zeit für Brött. Sattel und Zaum waren längst Routine, nun würde nur noch das Gewicht eines Reiters dazu kommen. Heute allerdings erst mal in Form eines Sandsacks. Der würde sich nicht wehtun wenn er fiel und ich konnte alleine arbeiten. Allerdings kannte ich meine Stute und so folgte dieser Part erst nach genügend Bodenarbeit um sämtliche überschüssige Energie abgebaut zu haben. Dann wuchtete ich den Sandsack, dem ich im Scherz ein Smileygesicht verpasst hatte, auf ihren Rücken. Einen Moment gab ich ihr Zeit die ungewohnte Situation zu registrieren, dann forderte ich sie auf ein paar Schritte zu gehen. Zögerlich folgte mir Brött. Nach und nach wurde sie sicherer und ich begann sie an der Longe im Kreis zu schicken. Im Schritt kein Problem, doch traben oder galoppieren mit diesem schweren Ding kam nicht in Frage. Ich nötigte sie mittels einer Gerte dazu, woraufhin Brött begann den Sandsack irgendwie loswerden zu wollen. Um den heutigen Tag mit einem positiven Ereignis abzuschließen, beließ ich es dann beim Schritt. Ich konnte mich auch morgen noch mit Trab und Galopp herumschlagen. Zum Abschluss des Tages machte ich einen Strandritt mit Sólfari. Erst hatte ich ohne Sattel reiten wollen, dann reizte mich einer schneller Galopp doch mehr und ich sattelte ihn. Erst ging es im Schritt den Strand hinauf, dann im Galopp zurück nach hause. Immer eine Motivation für die Pferde noch schneller zu werden. Leichtsinnig und glückstrunken wie ich war, ließ ich die Zügel fallen und breitete die Arme aus. Sólfari wusste genau wo es nach Hause ging und er genoss die Kopffreiheit. Mein Hengst ließ ein volltönenes Wiehern ertönen und schüttelte den Kopf. Das typische Bild des wilden Mustangs in der Prärie, nur in unserem Fall des wilden Isländers mit Sattel und Reiter am Strand. Am solchen Tagen ging ich mit ''Ich liebe mein Leben'' im Kopf ins Bett.
      Geweckt wurde ich von einem lauten Hupen. Es war mitten in der Nacht doch ein Transporter stand auf dem Hof. Wahrscheinlich Kjarkur und Slaufa. „Herr im Himmel. Muss das sein?“ Genervt schälte ich mich aus dem Bett, kramte nach irgendwas zum anziehen und und ging nach unten um die Tür zu öffnen. „Frau Wincox konnte ihre Pferde nicht persönlich bringen.“ Ein übermüdeter Fahrer stand auf dem Hof und sprach mich direkt an. „Warten sie, ich bringe nur schnell die Pferde weg. So fahren sie mir nicht wieder los.“ Der Fahrer sah das ein und ich brachte Kjarkur und Slaufa schnell in die, seit gestern vorbereiteten, Boxen. Einige Minuten später hatte ich mich mit den Fahrer bekannt gemacht und ihn in einem des Gästezimmer über den Stallungen einquartiert. Dann ging ich wieder ins Bett um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen, ehe die Arbeit wieder losging. Als ich wieder erwachte, klemmte ein zettel an meiner Tür. Der Fahrer hatte ihn dagelassen. Er bedankte sich und teilte mir mit, dass er bereits abgefahren sei. Tatsächlich zeugten nur noch die Reifenspuren im Kies von seiner Anwesenheit. Der restliche Tag verlief normal. Gemeinsam mit Linn und Pricess Peppy Ann arbeitete ich mit Vina, dann half mir Finley mit Brött. Heute klappte es auf einmal problemlos, auch im Trab und Galopp. Bald schon würde sich eine echte Person auf ihren Rücken setzen können. Slaufa kam auf die Wattweide, wo Stássa, Laufey, Vinkona und alle Stuten die sie noch kannten freudig begrüßten. Finley ritt Blossi, ich mistete aus, Linn arbeitete mit Vínd. Schließlich kam noch eine lustige Einheit gebisslos reiten mit Snót und ein Ausritt mit Mayalie rundete meinen Tag ab. Alle Pferde täglich zu bewegen war unmöglich, den Versuch hatten wir bereits aufgegeben.


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      31. März 2016

      Sternzeichen Islandpferd | 18.072 Zeichen | © Seimure & BellaS

      Mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" und einem Kuss auf die Wange weckte ich Finley, welcher sich jedoch nur demonstrativ die Decke über den Kopf zog. In Sachen Aufstehen waren wir beide ganz anderer Ansicht, denn während ich es liebte, um fünf in den Tag zu starten, bevorzugte Finley es, lieber spät aufzustehen. Während er noch vor sich hin döste, frühstückte ich und machte mich fertig für den Tag. Heute stand nicht sehr viel auf dem Plan, denn die Pferde hatten am Wochenende schon trainiert, aber natürlich mussten sie trotzdem versorgt und geritten werden und zudem würde sich heute unser neuer Bereiter vorstellen, der, wenn alles gut lief, auch bald auf dem Hof einziehen würde. Das war auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung im Erdgeschoss geräumt hatte und nun bei Finley im zweiten Stock wohnte. Während ich noch darauf wartete, dass mein Freund aufstand, spielte ich mit Flóki, der sich genau wie ich sehr schnell an die neue Wohnung gewöhnt hatte und Finley nun als vollständiges Rudelmitglied ansah. Mittlerweile war Flóki ausgewachsen, benahm sich aber nach wie vor wie ein Welpe. Um sieben schaffte es auch Finley aus dem Bett und es dauerte nicht lange, bis er seinen Morgenmuffel-Modus ausschaltete und sein übliches Grinsen auf seinem Gesichtseinen Platz einnahm. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo uns Bella begrüßte und die Aufgaben für den Tag verteilte. Bevor Robin kam, mussten wir nur die Hengste füttern, weshalb wir zu dritt in den Stall gingen, wo wir bei Kjarkur, Garpur, Uprising, Sólfari, Hnakki, Blossi, Blettur und Black Lemontree die Heunetze füllten und die Boxen ausmisteten. Sólfari und Black Lemontree brachten wir dann auf den Paddock und sahen noch kurz nach den Stuten, bevor ein Hupen vom Hof uns aufschrecken ließ. Robin schien etwas überpünktlich zu sein, aber das machte ja nichts. Wir stellten uns ihm alle vor und begannen dann damit, ihm den Hof zu zeigen.

      Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich mir nicht vor der Anstellung unseres neuen Bereiters tagelang den Kopf zerbrochen. Ob das eine gute Entscheidung war, fragte ich mich und ob der Mann, den ich ausgesucht hatte auch eine gute Wahl gewesen war. Am Morgen seiner Ankunft kümmerten wir uns zu dritt um die Hengste, wo ich mich allerdings beeilte um den Mutterstuten und ihren winzigen Fohlen zuzusehen, die erst seit wenigen Tagen auf die Weide durften. Sleipnir, der ältere, war quicklebendig und tobte über die Weide. Thowras Sohn war bereits Mio versprochen und würde umziehen sobald er sechs Monate alt und entwöhnt war. Silfurtoppa hingegen erwies sich als ruhiger, aber offensichtlich klug. Das Stutfohlen war Windfarben. Eine echte Schönheit.
      So lehnte ich am Zaun der Weide und beobachtete meine jüngsten Zöglinge, als Robin ankam. Das Auto parkte neben der Auffahrt und mein Magen machte einen dämlichen kleinen Hüpfer. "Was soll das, Bella? Das ist nur der neue Bereiter!" Ich kramte mein Selbstbewusstsein als Chefin zusammen, drehte mich um und ging um Robin zu begrüßen.
      Er machte einen guten Eindruck und zu dritt zeigten wir dem Dänen den Hof und unsere Pferde. Freundlich war er, offen, aber nicht übermäßig redselig, großmäulig oder nervig. Tatsächlich hatte ich mich schon fast entschieden. Ich musste ihn nur noch reiten sehen.
      Da er in Zukunft einige der Hengste übernehmen sollte, wählte ich Blacky für Robin. Er zeigte sich sofort souverän. Sattelte den Hengst und schwang sich in den Sattel. Er ritt selbstverständlich mit Helm, was ich, Asche auf mein Haupt, zu Hause nicht immer tat. Auch auf der Bahn war ritt er entspannt aber bestimmt.
      Jetzt war alles klar. Robin würde in Linns Erdgeschosswohnung einziehen.

      Während Bella noch mit Robin den geschäftlichen Teil besprechen wollte, machten Finley und ich uns wieder an die Arbeit. Ich holte Princess Peppy Ann von der Weide, um mit ihr weiter an der Longe zu trainieren. Bald würde die Stute fünf Jahre und damit alt genug fürs Einreiten sein. Ich freute mich schon darauf, denn sie würde mein erstes eigenes Pferd sein, das ich einritt. Mittlerweile konnte man gut an der Longe mit ihr arbeiten und täglich trainierten wir eine halbe Stunde, seit neuestem auch schon mit Sattelzeug. Peppy war heute nicht so konzentriert wie sonst, aber das lag vielleicht auch an mir, denn ich war heute auch eher im Standby-Modus. Dafür konnte ich heute gut mit Tilviljun arbeiten, mit der ich mich seit gestern ans Tölten wagte. Sie machte sich in dieser Gangart schon sehr gut, allerdings bisher erst an der Longe und an der Hand, was wir auch heute wieder üben wollten.
      Während ich bei Juni auf dem Anbindebalken saß und darauf wartete, dass sie ihr Futter auffraß, kam auch Finley mit Topar, seinem Lieblingshengst, mit dem er gerade im Dressurviereck gewesen war. Er gab mir einen leichten Kuss und setzte sich neben mich, während Juni versuchte, Topar das Futter streitig zu machen. Finley legte einen Arm um meine Schulter. "Wie wäre es mit einem Ausritt nachher? Nur wir beide?", fragte er mich leise. Ich lächelte. Das allein konnte er schon als Ja deuten, er kannte meine Art halt. Wir küssten uns noch einmal, dann brachte er Topar auf den Paddock und ging wieder in den Stall. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihm nach. In dem nun schon fast einem Jahr, in dem wir zusammen waren, hatte ich unsere Beziehung zu schätzen gelernt und Finley war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Mit ihm fühlte ich mich komplett.
      Bella kam mit Robin aus dem Büro und rissen mich aus meiner Träumerei. Auch Juni hatte ihr Futter aufgefressen und sabberte nun auf meine hell-lilane Reithose. Scheiße. Bella und Robin kamen nun zu mir rüber und ich versuchte, den grau-grünen Sabber so gut es ging zu verdecken. "Darf ich dir unseren neuen Bereiter vorstellen?", fragte Bella grinsend. Ich lächelte etwas verunsichert. Robin verabschiedete sich von uns - auf Deutsch, was mich, ehrlich gesagt überraschte. Als er weg war, fing Bella sofort an zu plappern: "Er kommt aus Kopenhagen, ist aber in Rødby aufgewachsen. Er hat in Kopenhagen studiert und danach die Ausbildung zum Bereiter gemacht. Außerdem hat er in der Schule Deutschland gelernt. Ist das nicht toll? Er reitet schon seit seiner Kindheit auf Isländern und ist schon auf vielen Turnieren geritten..."
      Ich grinste. Gefühlt erzählte sie mir gerade Robins gesamte Lebensgeschichte, die sie offenbar genauestens kannte. "Bella?", unterbrach ich sie. "Ja?", fragte sie verdutzt. "Du bist hochkant in ihn verknallt", sagte ich lachend. "Das stimmt doch gar nicht!", sagte sie empört, aber ich konnte den unsicheren Unterton in ihrer Stimme hören. "Jonas ist seit mehr als zwei Jahren Geschichte", erinnerte ich sie. Bevor sie sich umdrehte, warf sie mir noch einen unsicheren Blick zu und ging dann in Richtung Weide.

      Linns Worte klangen in meinen Ohren nach. Verdammt. Ich hatte diesem Typen vor gerade Mal zwei Stunden kennen gelernt und direkt warf mir meine beste Freundin die Feststellung an den Kopf, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Das schlimmste daran war, es stimmte. Hatte ich das ganze letzte Jahr mit Neid auf Linn und Finley gesehen, waren mir die Beiden mit einem Mal völlig egal. Solange Robin mich beachtete, war ich zufrieden. Zwei Jahre war es her, dass ich mich so gefühlt hatte. Verliebt gefühlt hatte. Seltsam. Manchmal traf einen das aus heiterem Himmel. Robin hatte sich in seine neue Wohnung zurück gezogen. Sein Zeug würde wohl auch bald ankommen und ich hatte mir schon fest vorgenommen ihm beim schleppen und aufbauen zu helfen. Finley und Linn waren mit Meyja und Slaufa auf einem gemeinsamen Ausritt am Strand. Ich konnte mir jetzt aussuchen ob ich mich lieber um Brött und Vina, die Jungpferde, kümmern wollte, einen der Hengste oder eins der Trainingspferde reiten wollte. Ich entschied mich für etwas Ovalbahntraining mit Náttdís und schloss dann eine Dressureinheit mit meinem dicken Plüsch Mayalie an. Während sie am Putzplatz mit der Nase in ihrer Futterschale wühlte, kam auch Robin wieder hinunter. Wir hatten schon besprochen für welche Pferde er zu ständig sein würde, doch eigentlich hatte er heute noch frei um anzukommen. „Wollen wir noch ausreiten?“ Er ging zielstrebig auf mich zu. Es dämmerte bereits und die Sonne würde bald untergehen. Egal, klar wollte ich. Ich bejahte und wir sattelten uns zwei der Hengste. Ich ritt Sólfari, Robin hatte sich Kjarkur ausgesucht. Am liebsten hätte ich jetzt auf Laufey gesessen, doch meine Lieblingsstute war hochträchtig und wurde nicht mehr geritten. Ich freute mich schon auf die Fohlen, die noch auf die Welt kommen würden. Faera zum Beispiel war überfällig. Seit Tagen kam sie Abends in die Geburtsbox, doch noch war nichts passiert. Jetzt ging es erst mal mit Robin an den Strand. Im Sonnenuntergang. Ich hoffte inständig, dass ich Linn nicht begegnen würde, sonst würde ich mich nicht mehr vor ihrem Spott retten können.

      In der Sache mit Bella war ich mir absolut sicher. Allerdings erzählte ich Finley nichts davon, denn ich wusste, dass Bella mich dafür gekillt hätte. Nachdem ich mit Garpur fertig war schaute ich noch kurz nach Vidja. Sie war merklich runder geworden und ich freute mich schon riesig auf ihr erstes Fohlen. Finley war noch mit Snót in der Halle, weshalb ich Færa von der Weide holte. Da die Sonne schon tief stand, musste sie bald in die Box. Sie fand es dort zwar nicht besonders schön und wehrte sich jeden Abend, in den Stall zu gehen, aber wir wollten, dass das Fohlen geschützt auf die Welt kam, da es ihr erstes war. Bis Finley das Training beendete unterhielt ich mich mit Robin, der wirklich gut Deutsch sprach, aber noch sehr zurückhaltend wirkte. Bald zog er sich in seinen Wohnung zurück und ich holte die Halfter von Meyja und Slaufa, um sie von der Weide zu holen. Natürlich musste die Herde ganz am anderen Ende der Weide stehen. Meyja begrüßte mich mit einem freundschaftlichen Schnauben und begann, mich nach Leckerlis zu durchsuchen, während Slaufa sich eher zurück hielt. Ich halfterte die beiden Stuten und schwang mich auf Meyjas Rücken. Wenn die Pferde zu weit draußen standen, ritt ich oft zurück zum Hof, das ging schneller als Laufen. Ich ließ Meyja antölten und Slaufa, die ich als Handpferd nebenher führte, tat es ihr gleich. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Hof erreicht. Finley war mittlerweile mit Snóts Training fertig und sattelte sie gerade ab. Ich putzte Meyja und Slaufa, während Finley Snót versorgte. "Wollten wir mit Sattel oder ohne ausreiten?", fragte ich ihn. "Ohne, das ist viel lustiger", grinste er. Ich trenste die beiden Stuten noch schnell, dann saßen wir auf und ritten gemeinsam vom Hof.

      Linn und Finley waren mit zwei der Stuten weg, ohne Sattel. Robin und ich hatten uns für zwei Hengste entschieden. Seltsam. Noch seltsamer war allerdings der Mix meiner widerstreitenden Gefühle. Schon beim Satteln und Trensen machte sich unsicheres Schweigen breit, das ich nicht wie sonst brechen konnte. Robin sagte nichts. Ich sagte nichts. Schließlich gurteten wir nach und saßen auf. Jetzt bestand das erste Mal die Notwendigkeit zu reden. „Strand oder Wald?“, fragte ich knapp und traute mich endlich Robin anzusehen. Himmel, er sah so gut aus! Schnell wandte ich den Blick wieder ab, es reichte aber noch um sein Grinsen zu sehen, das mit der Antwort einher ging. „Wir haben Strand, das ist wohl keine Frage.“ Sein Grinsen. „Nein Bella, lass das. Du kennst ihn erst ein paar Stunden.“ „Aber er ist so toll.“ „Du benimmst dich als wärst du ein verliebter Teenie.“ „Egal, bei ihm lohnt sich das!“ „Woher willst du das wissen. Denk an Jonas… Denk an Jonas… Denk an Jonas...“ Die Worte hallten in meinem Kopf. Schlimm genug, dass ich mich nach ein paar Stunden Hals über Kopf verliebt hatte, jetzt stritten auch noch meine Gefühle. „Ausblenden, Bella.“ Ich ignorierte die Achterbahnfahrt und ritt an. „Dann komm.“ Es war einfach schön am Strand. Die Sonne versank im Meer und wir begegneten Linn und Finley nicht. Irgendwann brach Robin das Schweigen und das Antworten wurde immer leichter, bis ich mich einfach wohl fühlte. Den Galopp ließen wir zwar auf Grund der Dämmerung ausfallen, doch auf dem Rückweg ritten wir entspannt nebeneinander und redeten über Gott und die Welt. Nachdem wir die Hengste gefüttert und ich meine restliche Arbeit des Tages erledigt hatten, ließ ich mich in meiner Wohnung aufs Sofa fallen. Ich wollte einen Film sehen. Das meine Wahl heute auf den kitschigsten Liebesfilm fiel, den ich besaß, war auch nicht weiter verwunderlich.
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      Die nächsten zwei Tage verliefen völlig normal. Robin fügte sich in den Hofalltag ein, als hätte er schon immer zum Team gehört. Gemeinsam kontrollierten wir die trächtigen Stuten, die inzwischen alle vier Geburtsboxen belegten. Faera, überfällig mit ihrem Fohlen und Vidja, Laufey und Frejka, die noch etwas Zeit hatten, aber ihr erstes Fohlen erwarteten. Währenddessen scheuchte Linn ihre Stute Lykkja über die Ovalbahn und Finley bespaßte die Junghengst Glanni im Roundpen. Ich würde heute noch mit Brött, Blaer, Vina und Klyja arbeiten. Die jungen Stuten standen alle auf verschiedenen Stuten des Einreitens. Brött kannte schon das Gewicht eines Reiters und lernte nun die Hilfen, die drei anderen gewöhnten sich noch an Sattel und Zaumzeug. Dieses Training nahm immer eine Menge Zeit in Anspruch. Ich schaute außerdem eine Weile bei Robins Training mit Alvari zu, während ich mein Mittagessen verspeißte und gönnte mir gegen Abend eines Ausritt mit Hnakki. Ungefähr so sah meine tägliche Routine aus. Viel Arbeit, viel zu organisieren und doch immer wieder schön.
      Wir konnten sogar ein neues Pferd begrüßen. Eine fünf Jahre junge Stute namens LR Pieaches, die wir kören und vielleicht in der Zucht einsetzten wollten. So verstrichen zwei normale Tage, ehe wieder etwas passieren sollte, das ich so schnell nicht vergessen würde.
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      Mitten in der Nacht erwachte ich unruhig. Mehrere Versuche einzuschlafen liefen ins Leere und so zog ich mir schließlich etwas über und wanderte auf den Hof. Nachdem ich eine Weile Hnakkis Nase gekrault hatte, die aus der Boxentür lugte und sah, dass Sólfari sich bei meiner Ankunft vertrauensvoll zum schlafen hinlegte, kam ich schließlich auf die Idee bei Faera, Laufey, Frejka und Vidja vorbei zu schauen.
      Leise öffnete ich die Stalltür. Sofort fiel mir ein kleines Licht auf, das im Stall brannte. Ich trat vorsichtig und misstrauisch ein. Vidja lugte mir entgegen und verlangte direkt mit einem auffordernden Blick nach Streicheleinheiten, doch die Szene, die sich in Faeras Box abspielte, verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Eine einzelne Taschenlampe spendete spärliches Licht, doch es reichte um die Gestalt zu erkennen, die am Kopf der liegenden Stute kniete. „Robin?“ Mein flüstern war heiser und besorgt. „Was um Himmels Willen…?“ „Psst. Komm her. Hilf mir. Das Fohlen...“ Ich hatte es gewusst, nein, ich hatte es gespürt. Und er auch. Ich öffnete mit fahrigen Fingern die Boxentür und kniete mich neben Robin ins Stroh. Eigentlich hätte Faera alles problemlos meistern müssen, es war bereits ihr zweites Fohlen, doch hier lief irgendetwas gewaltig schief. Ich ahnte böses und sah Robin an. „Liegt irgendwie falsch?“ „Höchstwahrscheinlich.“ „Scheiße.“, und einen Moment später „Wir brauchen einen Tierarzt!“ „Klar, aber der kommt unter Garantie zu spät.“ Ich bewunderte ihn für sein ruhiges und besonnenes Handeln. „Faera muss aufstehen. Manchmal korrigiert sich das Fohlen dann selbst. Wir können nur hoffen und ihr Platz machen.“ Er sprach leise und in ruhigem Ton. Ich wusste nicht, ob er mich oder Faera beruhigen wollte, aber in jedem Fall funktionierte es. Wir zogen uns in eine Ecke zurück und warteten darauf, dass Faeras natürliche Instinkte griffen. Ich konnte sehen wie sich die Muskeln bei den einzelnen Wehen verkrampften. Noch lag sie im Stroh. Die folgenden zehn Minuten waren die längsten meines Lebens. Ein zittern durchlief die Stute und sie begann sich hochzustämmen. Ich glaubte nicht daran, dass das Fohlen sich von selbst in seiner Lage korrigieren würde. Warum hatte ich bloß keinen TA zum Check-Up bestellt, dann wäre so etwas gar nicht erst passiert. Während ich mir noch Selbstvorwürfe machte, war Robin schon aus der Boxenecke aufgestanden. „Wir können ihr nur noch helfen das Fohlen raus zu bekommen und hoffen, dass es nicht erstickt.“ Langsam kehre mein Verstand zurück und auch ich richtete mich auf. Jetzt kam der Teil bei dem ich wenigstens halbwegs wusste was zu tun war. Die nächste Stunde blieb mir nur noch mit Schweißgeruch und Blut in Erinnerung, aber dann war es geschafft. Ein zitterndes, kleines Wesen lag im Stroh. Nicht erstickt, nicht missgestaltet, ein wunderschönes, kleines Stutfohlen mit einer breiten, weißen Blässe. Auch Faera schien wohlauf, denn sie war sofort bei ihren Fohlen und machte einen gesunden Eindruck. Ohne etwas zu sagen verließen wir die Box. „Væna.”, meinte ich schließlich. „Die Liebliche, die Hoffnungsträgerin.“ Damit stand der Name fest. Robin sah mich an. Nicht flüchtig. Er sah mir in die Augen. Ich war Müde, ich konnte dem Blick nicht standhalten ohne mich völlig zu zu blamieren. Verdammt, drei Tage hatten gereicht mir den Rest zu geben. Er stand einfach nur da, sah mir mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht an. Sein Hemd war verschmiert mit dem Blut der fohlenden Stute und ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Zwei Schritte Distanz trennten uns. Er überbrückte sie im Bruchteil einer Sekunde, doch für mich lief alles in Zeitlupe ab. Zwei Schritte, kein Zögern. Und dann küsste er mich. Einfach so. Keine Liebeserklärungen, keine hochroten Gesichter. Einfach nur ein Kuss, der reichte um alles zu sagen.
      Ich wusste nicht wie spät es war. Ich hatte die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Wir hatten nicht gesprochen, nur nebeneinander gearbeitet und versucht das bestmögliche aus der Situation zu machen. Jetzt viel die ganze Anspannung von mir ab und ich fing einfach an seiner Schulter an zu heulen. Etwas unbeholfen tröstete er mich. Als wir den Stall schließlich verließen um uns um einen Tierarzt zu kümmern und noch etwas zu schlafen, ging über Rømø Die Sonne auf.


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      18. Juli 2016
      Fohlenzeit | 11700 Zeichen | © AlfurElfe & BellaS
      Bellas Sicht
      Ich stand am Zaun der Wattweide und hing meinen Gedanken nach. Verträumt betrachtete ich die kleine Vaena, die inzwischen fast vier Wochen alt war. Ganze vier Wochen waren vergangen, seit Robin mich geküsst hatte. Wie immer, wenn ich an ihn dachte, überließ mich ein angenehmer Schauder. Es war eindeutig nicht bei diesem einen Kuss geblieben… Schön, meine Fantasien mussten warten, jetzt waren meine Schützlinge dran. Vidja war seit Wochen wirklich überfällig. Das Fohlen, dessen Vater ein junger Hengst eine befreundeten Züchterin namens Ljóski war, meinte offensichtlich sich Zeit lassen zu müssen. Diese Tatsache kostete Linn jeden Tag mehr Nerven. Sie konnte die Geburt kaum mehr erwartet und mit jeder weiteren Woche, die der gedachte Termin überschritten wurde, wurde die Sorge um ihre Stute in ihren Augen deutlicher. Auch Frejka und Laufey bewohnten noch die Geburtsboxen, aber beide waren noch nicht überfällig. Im Gegenteil, gerade Laufey hatte eher noch etwas Zeit, aber bei ihrer unvorsichtigen Art hatte ich lieber zu früh als zu spät angefangen, sie nachts in die Box zu stellen. Wobei ich das bisher noch nicht konsequent durchgehalten hatte. Die letzten, sehr sommerlichen, Tage hatte Laufey noch auf der Wattweide verbracht, da ich zu faul war mir jeden Abend das „ich will aber nicht rein“-Spiel anzutun. Ich sammelte das Halfter auf, das mir aus der Hand gefallen war und holte Stássa. Seit Silfurtoppa abgesetzt worden war, war sie etwas lethargisch und ich wollte meine Stute endlich wieder auf Trab bringen. Seit der Geburt ihres zweiten Fohlen war sie noch nicht wieder geritten worden. Ich hatte einfach zu viel zu tun gehabt und sie quasi vergessen. Thowra hatte ich vor kurzem verkauft und auch Fjara hatte bereits einen neuen Besitzer und würde uns in naher Zukunft verlassen. Stássa war dabei ein wenig ins Hintertreffen geraten. Wahrscheinlich war auch ihre Kondition im Eimer, sodass heute nur ein kurzer Schrittausritt zum Strand drin war. Ohne Sattel, da sie noch immer etwas dicker war, als gewöhnlich. Das rührte zwar eher von der Überweidung, als von der Trächtigkeit her, doch ich wollte dem Sattel nicht schaden. Mit dem Training würde sich auch ihre Figur verbessern.

      Linns Sicht
      "BELLAAA!", rief ich quer über den Hof. Na toll. Immer, wenn man sie brauchte, konnte man sie nicht finden. Das verschlechterte meine Laune noch mehr, obwohl das schon fast garnicht mehr ging. Ich suchte den ganzen Hof ab und fand sie schließlich am Zaun der großen Weide. Verträumt beobachtete sie die spielenden Fohlen. "Hörst du schlecht oder WAS? Viðjas Fohlen kommt!", schnauzte ich sie an. Skeptisch sah sie mich an. "Bist du dir ganz sicher?", fragte sie. Ich nickte. "Du weißt schon, dass die meisten Fohlen nicht nachmittags auf die Welt kommen, oder?", fragte sie mich. "Jaaa, Bella, ich bin auch nicht ganz unerfahren, aber Nachmittag ist doch besser als wenn man nachts deswegen aus dem Bett geworfen wird. Und jetzt komm, sonst verpassen wir es noch!" Gemeinsam trabten wir hinüber zum Stall, den wir leise betraten. Bella schrieb noch schnell Finley und Robin, die gerade mit Snót und Kjarkur am Strand waren, dass die Geburt anfing, dann gesellte sie sich zu mir an die Boxenwand. Pferdegeburten waren zugleich eine schönsten und eine der ekligsten Sachen, die ich je gesehen hatte. Doch da es das Fohlen meiner Lieblingsstute war, war die Geburt doch ein Erlebnis. Viðja hatte sich inzwischen hingelegt und man konnte bereits die beiden kleinen Vorderhufe sehen. Ich hoffte inständig, dass es nicht so kompliziert wie bei Vænas Geburt werden würde. Als schließlich ein kleines Scheckfohlen im Stroh lag, war Bella kaum zu halten, denn ich hatte ihr das Fohlen versprochen. Viðja leckte das kleine ab, bevor es das erste mal versuchte, auf seinen stelzigen Beinen zu stehen. "Es ist ein Hengst!", flüsterte Bella. Ich grinste. "Wie wäre es mit 'Ljósfari', der, der mit dem Licht reist?", schlug ich vor. "Ja, das ist ein toller Name! Ich rufe gleich Occu an und erzähle es ihr!", sagte sie, vielleicht doch etwas zu laut, warf dem kleinen Hengst, der nun schon mit dem Trinken begonnen hatte, noch einen verliebten Blick zu und verschwand dann aus dem Stall.

      Bellas Sicht
      Als ich die alte Scheune verließ, war es erst später Nachmittag. Dass Vidja heute drinnen gestanden hatte, war wohl Vorsehung gewesen. Laufey und Frejka wanderten jedenfalls noch auf der Wattweide umher. Ich war glücklich. Ein gesundes Fohlen auf die Welt kommen zu sehen löste immer wieder ein wunderbares Gefühl in mir aus. Ich schlenderte am Zaun der großen Wattweide entlang und traf schließlich auf Robin. Er war offensichtlich gerade von seinem Ausritt mit Finley zurück gekehrt und kam mir nun mit neugierigem Blick entgegen. „Ein Hengst. Ljósfari haben wir ihn getauft.“, erzählte ich schnell, bevor mein Freund fragen konnte. „Und das beste daran: Meiner!“ Er grinste und küsste mich einfach auf den Mund. Gut, dass uns hier keiner sah. Vor den anderen herumzuknutschen schien mir noch immer unpassend. Zwar waren auch Linn und Finley zusammen, doch ich mochte es trotzdem nicht. „Ach Bella. Entspann dich doch mal.“ Und wie immer hatte Robin recht. Ich wollte gerade meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn lenken, als Laufey in mein Blickfeld getrottet kam. Normalerweise hätte mich das nicht davon abgehalten, Robin zu fokussieren, doch irgendetwas mit meiner Stute stimmte nicht. Ich liebte Laufey. Drohten mich meine Gefühle zu überwältigen, half es mir immer mit ihr auszureiten. Sie kannte mich, in alle Situationen und das hatte zur Folge gehabt, dass auch ich sie kannte. „Mit ihr stimmt etwas nicht.“ Robin war nun vollkommen nebensächlich und ich trat an den Zaun der Wattweide. „Hey, Feechen, komm mal her.“ Sie reagierte. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Ich kletterte über den Zaun und nahm sie einmal komplett in Augenschein, um gleich darauf einen riesigen Schrecken zu bekommen. Ihr Schweif war blutverkrustet. Nach Luft schnappend suchte ich schnell nach der Ursache. Sie blutete nicht mehr. Die Geburt hatte also noch nicht begonnen. Hätte sie ihr Fohlen allerdings schon alleine auf der Weide bekommen, wäre es jetzt bei ihr. „Robin... Oh scheiße.“ Viel mehr fiel mir im Moment nicht ein. „Bitte lass es nicht das sein, was ich denke, dass es ist….“, betete ich still und fieberhaft. Erst jetzt ließ ich den Blick angstvoll über die Wattweide schweifen und er blieb an etwas hängen, das meine Angst in pure Freude verwandelte. Ein goldenes Etwas kam auf Laufey zugesprungen und forderte konsequent etwas zu Essen ein. Das Fohlen musste schon gestern, oder vorgestern auf die Welt gekommen sein, denn es war bereits sehr sicher auf den Beinen. Außerdem hatte die kleine, goldene Stute wohl ziemlich fiel von ihrer Mama abbekommen. Das erkläre, warum sie schon jetzt alleine herum hüpfte und sich von Laufey entfernte. Kaum war die kleine wieder in Sicht, blühte auch meine Fee wieder auf. Stolz stupste sie ihre Tochter an. Glück im Doppelpack!
      Halastjarna, Sternschnuppe, hatte ich Laufeys Fohlen genannt. Das Abzeichen auf der Stirn und die schicke, goldene Färbung hatten den Ausschlag gegeben. Zwar hasste Linn Namen für Pferde, die mehr als drei Silben hatten, doch das war mir mal wieder reichlich egal gewesen. Bei Linns Stuten durfte sie schließlich die Namen auch selbst aussuchen. Auch wenn ich gerne noch länger am Zaun der Weide gelehnt hätte, wartete doch wieder die Arbeit auf mich. Wir hatten zwei Neuzugänge und zwei Pferde vom Körservice, die umsorgt werden wollten. Die Isländerstuten Fenja und Luna hatte ich beide in mäßigem Zustand für wenig Geld in Verkaufsställen entdeckt. Luna wollte ich allerdings nur kören und dann wieder verkaufen, Fenja hingegen hatte ich lieb gewonnen. Sie war es auch, die ich nun bewegen würde. Ich sattelte sie schnell und putze auch Tilviljun über. Beide Stuten waren im Galopp sehr schnell und so konnte ich Juni gut als Handpferd mitnehmen, denn sie kam wenigstens hinterher. Währenddessen plagte sich Linn in der Halle mit der halben Fohlenherde ab. Sie hatte den großen Gymnastikballl am Start und Hlín, Litfari, Silfurtoppa und Glanni tobten munter mit ihr im Sand herum. Ich sagte ihr kurz Bescheid, dass ich ausreiten würde und scheuchte Finley von der Bande, auf der er es sich bequem gemacht hatte. „Könntest du bitte dafür sorgen, dass die Hengste rauskommen? Alvari, Uprising, Blossi und Sólfari müsstest du zusammen stellen können. Außerdem wäre es cool, wenn du noch Topar ein bisschen Bewegung angedeihen lassen könntest. Der zerlegt noch seine Box.“ Ich ließ meine Worte so im Raum stehen und marschierte nach draußen um endlich meinen Ausritt anzutreten. Eigentlich hatten wir viel zu viele Pferde für uns vier Leute. Wir schafften es nie, jeden Tag alle zu bewegen. Keine Chance.

      Robins Sicht
      Ich konnte Bella nur Recht geben. Wir hatten einfach zu viele Pferde für vier Personen. Auch wenn ich einige Pferde durchaus vermissen würde, war es doch gut, dass meine Freundin vor hatte etwas zu verkleinern. Er würde uns sonst irgendwann einfach über den Kopf wachsen – sofern das nicht schon längst passiert war. Im Gegensatz zu Bella hatte ich ja „nur“ vier Pferde zu versorgen, von denen Frejka auch noch trächtig war und deshalb nicht geritten werden musste. Zuwendung brauchte sie natürlich trotzdem, weshalb ich auch im Moment auf dem Weg zu den Geburtsboxen war, um noch einmal nach ihr zu sehen. Kjarkur hatte ich heute schon bewegt, mit Black Lemontree war ich auch auf der Ovalbahn gewesen und mit Faera war ich dabei die Kondition wieder aufzubauen, die sie nach zwei aufeinanderfolgenden Trächtigkeiten verloren hatte. Außerdem hatte ich mit Kylja, Vina und Blaer weiter daran gearbeitet Sattel und Zaumzeug zu akzeptieren, was gerade bei der letzten der drei Stuten eine echte Herausforderung darstellte. Viel mehr schaffte kein Normalsterblicher an einem Tag, wenn man auch hin und wieder eine Pause machen wollte. Bella hatte also eigentlich überhaupt keine Chance ihre 15 Pferde zu bewegen, auch wenn manche noch nicht geritten werden mussten oder mit Trächtigkeit oder jungen Fohlen ausfielen. Ich bewunderte sie schon jetzt für ihre Ausdauer, sich jeden Tag wieder an die Arbeit zu machen und zusätzlich auch noch alles zu erledigen, was man so tun musste, wenn man einen Hof führte. Mittlerweile war es dämmrig. Kein Wunder, auch im Sommer ging die Sonne irgendwann unter und ein Blick auf meine Armbanduhr sagte mir, dass es bereits halb zehn war. Ich öffnete die knarrende Tür und wurde direkt von Laufey und Vidja begrüßt, die mitsamt Nachwuchs drinnen nächtigten. Frejka jedoch war von der Tür aus nicht zu sehen. Ich spähte in ihre Box und stöhnte sogleich halb begeistert, halb entnervt auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Schnell schnappte ich mir mein Handy und tippte eine Nachricht an die Hof-Gruppe. „Frejka ist scheinbar auch noch dran.“ Fünf Minuten später standen Linn und Finley neben mir, Bella kam kurz darauf und brachte direkt Kaffee und Brötchen mit. „Könnte eine lange Nacht werde.“, meine sie nur schulterzuckend. Kurz nach Mitternacht brachte auch Faera ihr Fohlen zur Welt. Fáfnir tauften wir den kleinen Hengst, ehe wir allesamt in unsere Betten fielen. Drei Fohlen an einem einzigen Tag, auch wenn sie offiziell jeder an einem anderen Tag geboren worden waren. Halastjarna am 11.07, Ljósfari am 12.07 und Fáfnir am 13.07. Damit war der Fohlenwahnsinn nun hoffentlich beendet. Bald würden wir sogar schon für die kommende Saison decken. Wieder Sommerfohlen, allerdings von anderen Stuten. Die Verpaarungen NáttdisHnakki und Slaufa Alvari standen bereits fest und auch Meyja sollte ein Fohlen bekommen. Doch jetzt dürfte erstmal ein Jahr Ruhe sein.


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      3. August 2016

      Ein Wirbelwind | 9388 Zeichen | © BellaS

      Wie eigentlich jeden Morgen nach dem Frühstück wanderte ich mit mindestens einem Halfter in Richtung Wattweide um mindestens ein Pferd zum Training zu holen. Heute sollte als erstes Nátti dran glauben und dementsprechend hielt ich das obligatorisch lila-pinke Halfter in der Hand. Dass jedes meiner Pferde eine eigene Farbe für Halfter Schabracke und Dekoteile der Trense hatte, hatte sich irgendwie einfach so ergeben. So trug Sólfari zum Beispiel dunkelblau, Hnakki giftgrün und Laufey orange. Die Jungpferde bekamen mit dem ersten eigenen Sattel und der ersten eigenen Trense ihre Farbe zugewiesen, doch ich war so lange nicht mehr auf dem Festland einkaufen gewesen, dass einigen Pferden noch immer eigene Trensen fehlten. Brött zum Beispiel wurde schon länger geritten und war nur mit unserer grau-weißen Standartschabtracke ausgestattet. Auch Blaer sollte bald ihre eigenen Sachen bekommen und Fenja und Luna fehlte auch noch alles. Es war höchste Zeit für einen Trip nach Deutschland, da ich dort viel lieber Pferdesachen kaufte, als hier in Dänemark. Warum wusste ich auch nicht so genau, aber wenn man nah an der Grenze wohnte, konnte man sich das leisten. So in Gedanken versunken wanderte ich am Weidezaun entlang zum Tor und schrk plötzlich zusammen, als neben mir eine fremde Stimme ertönte. „Entschuldigen sie. Kennen sie sich auf diesem Hof aus?“ Überrascht drehte ich mich zu der unbekannten Frau um und musterte sie. Sie hatte mich auf englisch angesprochen. Urlauberin also. „Muss ich wohl. Ich bin die Eigentümerin.“, erwiderte ich automatisch in der selben Sprache. Wenn man mehrere Jahre in Schottland gelebt hatte, in Deutschland aufgewachsen war und nun in Dänemark wohnte, fiel einem das Wechseln zwischen den Sprachen leicht. „Oh gut.“, freute sie sich. „Ich würde gerne wissen ob es möglich ist, hier Reitunterricht zu nehmen.“ Ich war nun wirklich verwundert. Wir boten keinen Unterricht an und normalerweise nutzen die Touristen so oder so zum reiten den Hof Kommandørgården, da er zur gleichnamigen und einzigen Hotelkette dieser Insel gehörte. Wieso kam diese Frau also zu uns, die wir uns sowohl im Internet als auch am Tor als reinen Zuchtbetrieb ausgewiesen hatten. „Eigentlich sind wir hier nur ein reiner Zucht und Trainingsbetrieb. Wenn sie Unterricht oder Ausritte für...“ Aber weiter kam ich nicht, denn eine begeisterte Kinderstimme unterbrach mich. „Mama, guck mal. Frag mal ob ich die reiten darf. Die ist sooo süß!“ Erst jetzt bemerkte ich das ungefähr 10 Jahre alte Mädchen, das am Zaun stand und Koni an der Nase kraulte. „Unser Kinderpony.“, dachte ich amüsiert und realisierte erst jetzt, dass das Mädchen deutsch gesprochen hatte. „Sie sind aus Deutschland?“, fragte ich, jetzt ebenfalls in meiner Muttersprache sprechend. Erfreut hob die Frau, die offenbar die Mutter der Kleinen war den Kopf. „Ja, sind wir. Sie scheinbar auch. Sie sprechen sehr gutes Deutsch. Akzentfrei.“ „Muttersprachlerin. Hannoveranerraum.“, erklärte ich mich, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Immerhin war Hannover für das beinahe reinste Hochdeutsch bekannt. Das hatten mir auch zwei andere Sprachen, die ich alltäglich sprach, nicht nehmen können. Ich dachte auch noch auf Deutsch, während Linn im Kopf wahrscheinlich inzwischen bei dänisch war. Die Frau grinste. „Wir kommen aus Kiel. Ach ja. Mein Name ist Marion Hofer und das“, sie deutete auf das Mädchen, „ist Amelie, meine Tochter.“ „Und dann Urlaub an der Nordsee.“ Ich war etwas überrascht. Wenn man sowieso schon am Meer wohnte, musste man doch nicht an einem Meer Urlaub machen, das genauso wenig zum schwimmen geeignet war. „Ähm, also... ja. Warum auch nicht? Und Sie haben mir die Frage zum Thema Reitunterricht noch nicht beantwortet.“ Frau Hofer wich mir aus, das war klar, aber meine Neugierde war hier auch fehl am Platz. Erstmal vorstellen wäre vielleicht angebracht. Und dann die Frage beantworten. Oder anders herum? „Ich heiße Annabell Schmidemann. Und ich wollte meinen Satz gerade beenden. Wir geben eigentlich keinen Reitunterricht. Wenden sie sich an Kommandørgården. „Von dort kommen wir bereits.“ Frau Hofers Stirn legte sich in Falten. „Die Bedingungen der Touristenpferde sind an vielen Stellen unmöglich. Unpassendes Sattelzeug, verletzte Pferde.“ „Oh. Sie kennen sich aus?“ „Natürlich. Ich reite seit ich so alt bin wie meine Tochter jetzt.“ Das Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. „Und ich bin Tierärztin.“
      „Wie? Was? Tierätztin?“, erklang plötzlich eine andere, vertraute Stimme hinter mir. Robin. Natürlich. „Wir könnten eine gebrauchen. Topar der Irre hat sich...“ „Langsam Robin. Das sind Urlauber.“, hielt ich ihn zurück, doch Frau Hofer sah in bereits in Bereitschafthaltung an. „Ähm. Frau Hofer. Sie sind im Urlaub und überhaupt...“ Mir war gar nicht wohl dabei, eine Fremde an meine Pferde zu lassen, nur weil sie sich als Tierärztin vorgestellt hatte. „Marion und Unsinn. Natürlich schaue ich mir das Pferd an. Topar.“ „Danke.“ Robin war wieder schneller als mein dämliches Misstrauen und nahm Marion mit. Ich blieb mit Amelie an der Wattweide zurück. „Na dann. Wenn deine Mutter uns schon einen Gefallen tut… Sie heißt Vinkona. Du hast ja eben schon verkündet, dass du sie reiten möchtest.“ Das Gesicht des Mädchens hellte sich auf. „Wie als bist du? Zehn?“ „Elf.“, kam es empört von Amelie und ich musste grinsen. „Und du kannst schon reiten?“ „Na klar!“
      ~
      Ich folgte dem großen, dunkelhaarigen Mann, den Annabell als Robin bezeichnet hatte. Es ging offensichtlich um einen Hengst, denn er hatte ‚der‘ Irre gesagt. Und scheinbar ging es um ein Tier, das häufiger Probleme machte oder hatte. Ich wurde zu einem Anbindeplatz geführt und erkannte das Problem sofort. Der Hengst hatte sich eine lange Wunde am rechten Vorderbein zugezogen. Sofort trat ich heran und besah sie mir genauer. Recht frisch.Maximal zwei Stunden alt, noch offen und relativ tief. Warum hatte ich meine Sachen jetzt verdammt nochmal nicht zur Hand? Als improvisieren. „Haben sie Wasserstoffperoxid 3%?“ Er verneinte. Robin sprach und verstand Deutsch, allerdings die Standartausführung, die man in der Schule oder einem Sprachkurs lernte, verfeinert durch regelmäßige Benutzung. „Teebeutel? Salbei oder Kamille?“ „Ja. Sogar in der Stallapoteke.“ Ah super. Und es wäre super, wenn Sie schon Wasser heiß machen könnten.“ „Kommen Sie mit.“ Während er in eine Richtung davon eilte und ich ihm folgte, begann ich mich umzusehen. Ein ordentlicher Hof, keine Gefahrenquellen für Pferde, gepflegte Pferdenasen die die Aussicht aus ihren großzügigen Boxen genossen. Ein guter Eindruck.
      Die besagte Stallapoteke befand sich, genau wie der Wasserkocher, in der Futterkammer. In dem ausrangierten Medizinschrank entdeckte ich neben dem Tee auch noch einige Salben, nicht brennendes Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Drachenblutpflaster. Perfekt. Während Robin sich um die Teebeutel, zwei, Kamille, kümmerte, desinfizierte ich die Wunde schon einmal. Es fehlte zum Glück ein Stück Haut. Ein Hautlappen wäre unter diesen, nicht ganz idealen Bedingungen eher zur Brutstätte für unvorteilhafte Bakterien geworden. Schließlich drückte ich die Teebeutel, die gezogen hatten, auf die Wunde und sprühte etwas von der Drachenblutpflaster-Tinktur darauf. Diese hatten den Vorteil die Wunde desinfiziert zu halten und die Wundheilung zu beschleunigen, dabei aber kein Vakuum für lustiges Bakterienwachstum zu erzeugen. „So. das hätten wir. Und es wäre wahrscheinlich ganz sinnvoll rauszukriegen woran er sich verletzt hat.“ Erst jetzt viel mir auf, dass ich Amelie ganz vergessen hatte, doch bevor ich in Panik ausbrechen konnte, sah ich meine Tochter mit der Apfelschimmelstute am Strick auf den Anbinder zumarschieren. Annabell hatte sich offenbar doch zu einer Reitstunde bereit erklärt.
      ~

      Wie geanu es dazu kam, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. In jedem Fall tauchten Marion und Amelie in den nächsten zwei Wochen beinahe täglich bei uns auf und wurden zur echten Hilfe, sowie zu guten Freunden. Auch Linn und Finley mochten die zwei auf Anhieb, sodass es bald völlig normal war, sie bei uns auf dem Hof anzutreffen. Schließlich fiel mir jedoch auf, dass die Sommerferien in Deutschland bereits seit einer Woche vorbei waren. Was machten die Zwei also noch hier? Amelie musste auf jeden Fall zur Schule! Mein Misstrauen, das sich in den letzten Wochen verflüchtigt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Doch bevor ich in misstrauische Grübelei versinken konnte, beschloss ich einfach zu fragen. Ich passte Marion alleine ab, die entsetzt reagierte. Etwas schien sie einzuholen, sodass ich sie oben in meiner Wohnung aufs Sofa platziert und schließlich die ganze Geschichte verlangte, wie sie auch lauten würde.
      Dass ich schließlich eine Geschichte von einer Scheidung, häuslicher Gewallt und einer überstürzten Flucht hören würde, war mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen. Tja, und ungefähr so kam es, dass Amelie in die sechste Klasse einer Schule auf dem Festland angemeldet wurde und sie mit Marion die freie Dachwohnung bezog. So konnte es kommen und dass das Team erweitert wurde, störte bei den Unmengen an anfallender Arbeit auch wirklich keinen. Marion konnte sogar ihre Arbeit als Tierärztin wieder aufnehmen, da wir auf Amelie aufpassten, wenn sie weg war. Sie war ein kleiner Wirbelwind, der uns allen ordentlich Schwung verpasste. Und wir alle liebten sie, Amelie wie ihre Mutter.
    • BellaS
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      20. März 2017
      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat | 39 263 Zeichen | © Canyon & BellaS
      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.


      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.
    • BellaS
      10. April 2017
      Viele viele bunte Fohlen | 3474 Zeichen | © BellaS
      Es war schon eigenartig, wie die Zeit verging. Eben noch hatte ich neben Faera im Stroh gekniet, die frisch geborene Vaena im Arm. Inzwischen war Vaena eine echte Lady und ihre Mutter stand bei Linn in Island. Eine Stute mit erwachsemem Körperbau und es würde gar nicht mehr allzu lange dauern, bis sie ersten Kontakt mit Sattel und Zaumzeug machen würde. Die erste Fohlengeneration war unter dem Sattel und ging Turniere. Vákur hatte sogar schon den Tölt unter dem Reiter erlernt und Glanni lernte den Menschen auf seinem Rücken gerade erst kennen. Die etwas ältere Blaer hatte sogar schon ihre ersten Schleifen gesammelt und steuerte mit stetigem Kurs auf die Stutkörung zu. Auch Silfurtoppa, das einzige Fohlen der zweiten Generation das noch bei mir stand, ging aufs Einreiten zu. Ich hatte schon mit der Gewöhnung an Sattel und Trense begonnen und auch der Langzügel war nichts mehr neues für Toppa, die sich zu einer stattlichen jungen Dame entwickelt hatte. Kopfschüttelnd fuhr ich mit dem Mähnenkamm über Stássas lange Zotteln. Ich würde versuchen sie auszukämmen so gut es ging, ansonsten würde die lange Isimähne die Schere zu spüren bekommen. Ich hatte Stássa in letzter Zeit vernächlässigt. Ich hatte viele Pferde vernachlässigt, denn es war einfach zu viel für mich alleine. Trotz der tatkräftigen Hilfe von Robin und Malte war zum Beispiel auch Topar schon viel zu lange nicht mehr unter dem Sattel gewesen. Ich brauchte mehr Leute, da auch meine Pferde immer mehr wurden, doch ich hatte mit neuen Menschen gerne so meine Probleme. Trotz allem hatte ich wieder damit begonnen die Stuten für die nächste Fohlengeneration zu decken. Verantungsvoll oder nicht, das war mein Lebensunterhalt: Die Zucht von Islandpferden. War die letzte Generation knapp drei Jahre alt, wurde gedeckt.
      Begonnen hatten wir dieses Jahr mit einer echten Traumkombination. Malte hatte mir nämlich den einzigen Decksprungs seines herrlichen Hengstes Óslogi geschenkt, der in Kürze zum Wallach werden würde. Als Mutter für das Fohlen hatte ich mir Vinkona ausgesucht und sie hatte schnell aufgenommen. Außer dieser Paarung waren noch zwei weitere angedacht. Ich wollte mir ein Traumfohlen aus Hnakki und Náttdís ziehen und Skrudur sollte seine unglaubliche Töltbegabung über Meyja an ein Fohlen weitergeben. Alle drei Decksprünge waren, wie es meinen Prinzip entsprach, als Natursprünge durchgeführt worden und problemlos verlaufen. Da Meyja nicht beim ersten Decken aufgenommen hatte, hatte es hier mehrere Versuche gegeben und Skrudi war nicht unglücklich darüber. Der Hengst, der extrem lange völlig isoliert gestanden hatte, genoss seine neu entdeckte Männlichkeit in vollen Zügen und brummelte seit neuestem allem und jedem hinterher. Meyja hatte die ganze Prozedur völlig stoisch ausgehalten und auch Vinkona war völlig entspannt geblieben. Nur Náadís hatte anfangs Anstalten gemacht, Hnakki abzuwehren. Schließlich war aber doch alles gut gegangen. Beim Decken konnten böse Unfälle passieren. Es war sogar schon vorgekommen, dass eine Stute einem Hengst eine tiefe offene Wunde in den Bau getreten hatte, die zum Tot des Zuchttieres führten. Trotzdem ließ ich offen decken. Hengst und Stute auf einen Paddock. Fertig. Seilfesseln um die Beide der Stute oder ähnliches führte in meiner Erfahrung eher zu Unfällen, als das es selbige verhinderte. Ich freute mich schon jetzt unglaublich auf die nächsten Fohlen, doch bis diese auf die Welt kommen würden, würde noch einiges passieren.
    • Veija
      15. August 2017
      Kurzer Besuch bei Bellas Pferden | © Veija
      Bericht für: Meyja, Blossi, Fáfnir frá glæsileika eyjarinnar, Litfari, Tilviljun, Kjarkur und Glanni frá glæsileika eyjarinnar


      Kurzfristig hatte mich eine Bitte erreicht, dass ich doch zu Bella fahren und mich um ein paar Pferde kümmern sollte. Sie war total im Umzugsstress und kam vorne und hinten der Arbeit nicht mehr hinterher. So hatte ich kurzerhand meine Sachen gepackt und mich auf den Weg zu ihr gemacht.
      Bei ihr angekommen checkte ich zunächst einmal die Liste der Pferde, nach denen ich heute schauen sollte. Es waren 7 Pferde, allesamt Isländer und allesamt für mich teilweise unaussprechliche Namen: Meyja, Blossi, Fáfnir frá glæsileika eyjarinnar, Litfari, Tilviljun, Kjarkur und Glanni frá glæsileika eyjarinnar.
      Anfangen wollte ich mit den Fohlen Glanni, Litfari und Fáfnir. Ich halfterte die Tiere nach und nach auf und brachte sie auf die Koppeln. Auch die verbliebenen vier Pferde brachte ich auf ihre Koppeln und fing dann an, die Boxen auszumisten. Das dauerte bei sieben Pferden eine ganze Weile und einen Haufen Mistkarren, bis ich damit endlich fertig war. Dann folgte das kontrollieren der Tränken und das Auffüllen der Heunetze. Nach und nach brachte ich die Pferde dann wieder in ihre Boxen, wobei ich es mir nicht nahm, mit jedem einzelnen Pferd eine Runde über den Hof zu gehen, damit sie wenigstens noch ein kleines bisschen Bewegung heute haben sollten.
      Dann zog ich mich flink um, um im Flieger nicht so nach Pferden zu riechen und machte mich auf den Heimweg.
    • BellaS
      Vergessen? | 3164 Zeichen | © BellaS
      Manchmal vergisst man Dinge, die einem einst wichtig waren und manchmal fallen sie einem ein, wenn es längst zu spät ist. Zum Glück nicht in diesem Fall.
      Als ich erwachte, hatte ich das komische Gefühl etwas vergessen zu haben, obwohl der Tag kaum begonnen hatte. Grübelnd was auch immer dies sein konnte, machte ich mich auf dem Weg zum Stall um meine übliche morgendliche Futterrunde zu machen. Die Schubkarre mit Heu hatte ich am Abend schon beladen und die Hengste Vákur frá glaesileika eyjarinnar, Topar und Sólfari steckten bereits hungrig ihre Nasen aus den Türen ihrer Padockboxen, um das erwartete Frühstück in Empfang zu nehmen. Kraftfutter gab es bei mir traditionellerweise erst nach der Arbeit, da es mir alleine kaum möglich war alle meine Pferde täglich zu bewegen und ich keine aufgedrehten Hengste haben wollte, die aufgrund eines Energieüberschusses der Hafer stach. Die vierte Box war im Moment noch leer. Dort würde Jährlingshengst Glanni frá glaesileika eyjarinnar einziehen, wenn sein Spielkumpanee Fáfnir frá glaesileika ejarinnar alt genug war um zu verstehen, dass er ein Hengst war. AB diesem Zeitpunkt würde ich die Kleinen trennen müssen, um Verletzungen zu vermeiden.
      Nach den Hengsten legte ich einen Zwischenstop in der Scheune ein, füllte die Karre auf und begann die Heunetze im ersten Offenstall zu putzen. Hier standen alle Nicht-Isländer in einer bunten Herdengemeinschaft zusammen. Morgan Horse Layali, Ponywallach Excelsior, das kleine Exmoor Pony Soul Dance und Trickling Snow, ein Lewitzer. Letzterer war frisch kastriert und noch nicht lange in der Herde, sodass er sich gerne mit Barockpinto Gawain anlegte. Ich schaute kurz nach akuten Wunden die meiner Aufmerksamkeit bedurften und widmete mich, nachdem ich nichts beachtenswertes fand, wieder dem Füttern.
      Zu guter Letzt war der Stutenpaddock an der Reihe. Kaum hatte ich das Schiebetor geöffnet, drängten sich schon hungrige Mäuler um mich, um sich am Inhalt der Karre gütlich zu tun.
      Einzig meine Turnierstute Laufey frá Sólin kanbberte an meiner Jacke herum und interessierte sich eher für Streicheleinheiten meinerseits, als für ads Futter. Als Ranghöchste würde sie ihren Teil noch früh genug bekommen. Hinter ihr trippelte Vordís vom Helstorfer Moor, die Fee, aus einem mir unbekannten Grund, adoptiert zu haben schien.
      Ich ließ meinen Blick über die bunte Versammlung schweifen. Die Fohlen Nóra vom Helstorfer Moor und Ljóma von Atomic schauten sich die Futterszenerie mit neugierigen Augen an, während sich die restlichen Stuten an der Karre drängten. Allen voran die Jüngsten. Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar und Hlín frá gleasileika eyjarinnar, Stuten aus meiner eigenen Zucht, auf die ich mehr als stolz sein konnte. Neben ihnen bedienten sich Tilviljun, Meyja und Fenja, die Überbleibsel meiner treuen Zuchtstuten.
      Gedankenverloren kraulte ich Fee und lehnte mich an den Zaun. Meinen Weg durch die Fressenden würde ich mir noch früh genug bahnen. Was hatte ich vergessen? Oder hatte ich etwas verloren?
      Wenn ich etwas verloren hatte, dann war es mein Herz. Das schlug für meine Pferde, wie es das schon immer getan hatte.
    • Friese
      Verschoben am 31.01.2020
      Grund:
      6 Monate lang keine Pflege.
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    BellaS
    Datum:
    17 Jan. 2017
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    8
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    Meyja
    Meyja

    Unbekannt x Unbekannt
    Unbekannt x Unbekannt | Unbekannt x Unbekannt


    14. Juli
    1,42 m

    Fuchs
    eeAa
    kühl | eigensinnig | freundlich
    Meyja scheint anfangs sehr kühl und vorsichtig. Doch mit der Zeit wird sie eine zuverlässige, freundliche Partnerin sowohl auf Turnieren als auch auf Ausritten sein. Wenn sie mal nicht möchte oder der Reiter nicht aufpasst, ist sie sehr eigensinnig.
    Herdenverhalten: Meyja ist die "Mutterstute" der Herde. Sie versteht sich wirklich mit jeder Stute, ist allerdings nicht die Alphastute. Sie ist auf Platz Nummer zwei, und kümmert sich gerne um die Jungpferde.


    unbeschlagen | geimpft | gechippt
    Führen | Fohlen ABC | Sattel & Zaumzeug | eingeritten | eingefahren | eingetöltet | Pass


    Schritt | ordentlich
    Trab | eher Töltverschoben, ordentlich
    Galopp | gelaufen, weich
    Tölt | butterweich, aus allem Gangarten anzutölten
    Pass | kein Renntempo, gut zu legen

    Tölt T7 (T1)
    Viergang V4 (V3)
    Fahren E (M)
    Dressur M (M)
    Distanz L (M)

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    80. Synchronspringen

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    35. Gangturnier

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    332. Dressurturnier | 337. Dressurturnier
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    [SK 436] Alle Rassen
    als Leihmutter verfügbar | nicht tragend

    BellaS

    AlfurElfe
    BellaS + VKR

    PNG | Puzzle