sweetvelvetrose

Mephisto

Mephisto
sweetvelvetrose, 9 Juli 2019
Wolfszeit gefällt das.
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        • 06. September 2016 | 15822 Zeichen von sadasha
          Exhausting

          Bei vier Fohlen und zwei Neuzugängen, die eingewöhnt und in den Alltag integriert werden müssen bleibt nicht viel Zeit um über anderes nachzudenken. Die Therapie steckt aktuell auch fest. Ich mein, es geht mir gut... aber Erinnerungen kamen bisher nur wenige zurück. Mit den Pferden bin ich wieder vertraut wie eh und je. Meinem Bein geht es ebenfalls wieder gut. Meine Eltern halten wieder Ausschau nach Pferdetrainern und geben mir immer kurz vorher Bescheid, wenn einer kommt. Zuletzt kam spontan jemand um den Reitponyhengst PFS' Heart of Ocean im Fahren zu trainieren. Er macht es einem nicht leicht, aber er wurde so vorsichtig herangeführt, wie es eben möglich war. Seit gestern ist Ocean offiziell eine Leistungsklasse aufgestiegen. An Iceflower und Princess Sansa kommt er damit zwar nicht heran, aber Eismärchen würde bald ebenfalls auf das A Niveau gebracht werden und dann könnte man daraus ein Gespann bilden. Mal sehen ob das klappt. Noch liefen sich die beiden Tigerschecken nur äußerst selten über den Weg. Die gekrönten Reitponystuten jedenfalls hatte ich meiner Kollegin in Deutschland vermacht. Iceflower und Princess Sansa würden es bei Joicy gut haben.

          Die Fohlen Raving Hope Slayer, Bearing Spots und PFS' Savory Blossom entwickelten sich gut. Herausragend waren sie alle auf ihre eigene Art. Bear Totem's Denali, Arcany und Slap Happy waren wieder vollwertig einsetzbar im Reitsport. Isaac und Gine hatten reichlich zu tun. Ich natürlich auch. Wobei sich meine Arbeit eher bei den Hengsten abspielte, so gerne ich auch mehr Zeit für Scheppi hätte, im Moment war es nicht drin sich ausführlich um meine erste Stute zu kümmern. Nun hatten wir auch noch Scarlet in Birth da, an der Isaac einen Narren gefressen hatte. Moulan war wieder so fit, dass sie auch recht gute Zeiten einlief auf der neuen Rennbahn. Chuckling Dancing Mess brachte gute Leistungen wie immer. Jeder mag Missy. Vielleicht würde sie bald den Besitzer wechseln.

          Mr. Raw Depression, CHH' Lamperd und Pendragon standen gut im Training, da sie für die Decksaison natürlich gut aussehen sollten. Besonders beschäftigte mich bei den Hengsten Majd, den ich vermehrt auf Turnieren vorstellte. Der Araber sammelte so fleißig Punkte, dass er wohl bald für die Hengstleistungsprüfung bereit war. Zu Come Back Cupcake und Samson gesellten sich nun auch zwei Jungpferde: Mephisto und Vikar. Die beiden Gypsy Cobs legten den Grundstein für eine neue Zuchtrasse auf dem Gestüt. Beide Junghengste waren sehr vielversprechend. In erster Linie durften sie aber Kind sein und wuchsen bei den Freizeitpferden auf, weil die Weide für Jungpferde noch im Aufbau war. Eigentlich fing gerade die Phase der Zucht an, in der die Pferde zu 90% zuchtfertig waren, die Ställe gut bestellt, das Personal glücklich und die Kunden ebenfalls. Eigentlich. Uneigentlich fing das Chaos jetzt erst so richtig an. An allen Ecken wurde gebaut. Die Youngsters sollten nicht nur eine eigene Weide, sondern auch einen großzügigen Offenstall bekommen. Nächstes Jahr kamen schon die nächsten Fohlen und dann würde es eng werden, sollten die Ein-, Zweijährigen keinen Platz machen können.

          Das alles heruntergerattert aufzuschreiben zeigt einmal mehr wie hektisch die Tage sind. Die Veränderung klopft von allen Seiten an und verlangt nach Einzug. So schnell konnte ich garnicht laufen um allen gerecht zu werden. Bei weitem nicht. Aber ich tat mein bestes. Heute Stand die Vorbereitung für neue Fohlen an. Sieben Fohlen sollten nächstes Jahr hier zur Welt kommen, wenn alles gut ging. Sieben. Alle außer eines von fremden Stuten, sodass ich zum Teil fremde Stuten auf dem Hof hatte und zum Teil sechs Monate, bis zum Absetzen, immer zwischen dem Hof auf dem die Stute stand und dem Bear Brook EC pendeln musste. Was für ein Spaß. Bei dem Gedanken lief es mir eiskalt den Rücken runter.

          Haare raufend saß ich am Schreibtisch. Draußen war es bereits dunkel und man hörte nur hie und da ein Wiehern oder Schnauben der Pferde, die nachtaktiv waren. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 11pm war. Egal. Ein weiterer Schluck Kaffee würde mir wieder etwas Energie einhauchen. „Dein wievielter Kaffee ist das heute?“ Die sanfte Stimme Isaacs klang dumpf in meinen Ohren. Ganz so, als hätte ich es nur geträumt. Schließlich war ich alleine hier und alle anderen schliefen bereits tief und fest. Erst als er mir eine Hand in den Nacken legte schrak ich hoch. Das war definitiv eine bessere Methode um wieder wach zu werden, als abermals einen Schluck kalten Kaffees zu nehmen. Verwirrt drehte ich mich um und sah in ein fragendes, aber immer noch freundliches Gesicht. „Keine Ahnung.“ gab ich mit angeknackster Stimme zur Antwort. „Ich zähle nicht mehr mit.“ - „Du solltest schlafen, was machst du da?“ Neugierig wie er war beugte er sich über mich um zu sehen was ich gerade auf dem Bildschirm hatte. „Die Baufirma, hm?“ Die Stirn in tiefe Falten gelegt las er sich die Mail durch, die ich geöffnet hatte. Nickend klappte ich den Laptop zu. „Gibt es Probleme?“ fragte Isaac besorgt, dessen Hand noch immer auf meiner Schulter ruhte. Mit einer sehr langsamen Bewegung hob ich mich aus dem Stuhl und streckte mich in einem Zug. Ein paar der Rückenwirbel knackten vorwurfsvoll. „Hunter?“ Isaac sah mich noch immer fragend an. „Bitte?“ fragte ich, da ich schon wieder vergessen hatte was er wollte. „Schon gut.“ Jetzt grinste er wieder. „Sagmal willst du heute nicht nach Hause?“ Nun war es an mir ihn verwirrt anzusehen. Es war spät und er noch auf dem Hof. Sein Heimweg daurte rund eine Stunde. Das lohnt sich schon fast nicht mehr für ihn überhaupt loszufahren, falls er noch Schlaf haben wollte. Dann bemerkte ich dass er sowieso den Kopf schüttelte. Gut... war das geplant? „Findest du dein Zimmer oder soll ich dir eine Wegbeschreibung geben? Du siehst aus als würdest du nichtmal den Weg zur Tür finden.“ Belustigt deutete er auf die Tür hinter sich. Ich schnaubte verächtlich. „Danke ich komme zurecht.“ Kam ich nicht. Aber das würde ich niemals zugeben. „Gute Nacht, Isaac.“ beendete ich das merkwürdige Gespräch, klemmte mir den Laptop unter den Arm und schlenderte aus dem Wohnraum um ins Bett zu gehen. Die dumpfen Schritte von Isaac verrieten mir dass er auch schlafen ging. Allerdings führte ihn sein Weg in eines der Gästezimmer. Warum schlief er noch gleich hier, diese Nacht?

          Am nächsten Morgen wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen, als meine Mutter ins Zimmer platzte. „Deine Therapeutin ist da!“ Stöhnend zog ich mir das Kissen über den Kopf. „Wie spät?“ fragte ich, bekam jedoch keine Antwort mehr. Nach ein paar Sekunden Halbschlaf richtete ich mich auf und sah aus dem Fenster. Regen... Großartig. Kein Wunder, dass ich nicht wach werde. „Es ist 9am, Hunter.“ Das war nicht meine Mutter. Hektisch sprang ich auf, wandte mich um und riss dabei mein Smartphone vom Nachttisch. Kerry Robertson lachte und sprach sanft weiter. „Guten Morgen!“ Perplex starrte ich sie an. Mittlerweile hatte sie sich an den Rand meines Bettes gesetzt. Was zur Hölle?! „Setz dich, wir müssen reden.“ - „Darf ich mich vielleicht erstmal fertig machen und einen Kaffee holen?“ fragte ich ein wenig schroffer als gewollt. Sie wandte sich um und sah mich herrisch an. „Nein. Setzen!“ Stumm platzierte ich mich neben ihr und starrte auf den Boden vor uns. „So... Man sagte mir du schläfst kaum und arbeitest dich stattdessen lieber kaputt?“ Finster sah ich auf. „Ist das etwas Neues?“ In ihrem Blick erkannte ich, dass sie mir am liebsten irgendwas über den Kopf gezogen hätte für diesen Spruch... einen schweren Atlas oder einen Ziegelstein vielleicht? „Hunter, ich hab die Macht dich in eine Anstalt zu versetzen. Verscherz es dir nicht mit mir.“ Mit vollster Genugtuung sah sie wie ich mich etwas aufrappelte und sie aufmerksam ansah. „Gut so.“ - „Mach dich fertig, wir sehen uns im Stall.“ Ohne eine Antwort abzuwarten stand sie auf und verschwand. Was war das denn für eine Aktion? Was ist los mit den Menschen?

          Eine kalte Dusche und ein Kaffee weckten die letzten müden Glieder in mir und gut eine halbe Stunde nach Kerrys Auftauchen stand ich auf der Stallgasse. Die Pferde waren schon gefüttert und im hinteren Teil des Stalls stand Kerry zusammen mit Gine. Die beiden hatten Pendragon und Ocean geputzt und gesattelt. Die Hengste vertrugen sich und standen mehr oder weniger ruhig da, während Majd in seiner Box am Rad drehte. Neugierig trat ich an die beiden Frauen heran. „Hey Hunni, ich mach heute die Jungpferde, Isaac ist mit den Stuten beschäftigt und dein Vater hat Lamperd schon zur Rennbahn gebracht und longiert gerade Ray ab.“ erklärte sie mir in einer unmenschlichen Geschwindigkeit. „Und warum stehen die beiden hier gesattelt rum?“ fragte ich als ich alles verarbeitet hatte. „Weil wir jetzt einen Ausritt machen.“ antwortete Kerry. Ich lachte kurz, bis ich erkannte dass sie das ernst meinte. „Ich dachte du reitest nicht?“ fragte ich verwirrt. Sie lächelte und stieg auf Pendragon. „Einen gemütlichen Ausritt kriege ich gerade so noch hin. Los, Aufsitzen!“ Seufzend stieg ich in den Sattel. Gine hatte sogar die Steigbügel schon auf meine Länge eingestellt. „Wohin solls gehen?“ fragte ich während wir auf den Innenhof ritten. Kerry zuckte mit den Schultern. „Irgendwo hin wo es schön und ruhig ist.“ - Wald... dachte ich. Aber auf freiem Feld würde ich mich wohler fühlen, also ritt ich über die große Einfahrt vom Hof und überquerte mit Kerry die Straße. Rechts lag nun ein Rapsfeld und links eine Wiese, die erst gegen Jahresende bestellt werden würde. Es regnete übrigens noch immer, aber so schwach, dass sich das Wasser nur schleichend durch die drei Lagen Stoff grub. Einige Minuten ritten wir schweigend hinterinander her. Irgendwann trabte Kerry Pendragon an und holte auf um mit mir sprechen zu können. „Kann man irgendwo Rast machen?“ fragte sie nur. Misstrauisch sah ich sie an. „Der See ist etwa zehn Minuten entfernt.“ Zufrieden grinste sie mich an. Bis zum See sagte niemand ein Wort. Erst als wir ankamen und Kerry abstieg ergriff ich das Wort. „Was hast du vor?“ mir war mulmig. Beim See war ich schon sehr lange nicht mehr, irgendwas hielt mich fern von hier. Das hatte sich nicht geändert. Alles in mir schrie danach wieder zu gehen. „Ich möchte nur mit dir reden, komm schon.“ aufmunternd sah sie mich an. „Steig schon ab.“ Während sie Pendragon abstellte, stieg ich ab. Ocean stellte ich gleich neben den Braunen. „Komm her und setz dich.“ Kann die auch was anderes sagen? Wortlos setzte ich mich neben sie und starrte mit ihr auf die glitzernde Wasseroberfläche des Sees. „Schön oder?“ fragte sie immer noch glücklich. „Wieso bist du so angespannt? Was erwartest du?“ Sie hatte meinen Blick bemerkt und sich nun etwas mehr an mich gewandt. „Keine Ahnung.“ murmelte ich ohne aufzusehen. „Kannst du schwimmen?“ Mit dieser Frage hatte sie etwas in mir zerbrochen. Ich konnte nichtmal sagen was es war. Was ich wusste war, dass mir jetzt tausende Gedanken durch den Kopf schossen. Alle drehten sich um den See und um die Erinnerung an einen Tag... Erst als Kerry mich erneut ansprach konnte ich klarer denken. „Komm ins Wasser. Das wird dir gut tun.“ Ungläubig sah ich sie an. Sie war mitsamt Kleider einfach in den See gegangen und ein bisschen rausgeschwommen. Das nannte sie Therapie? „Was für eine Methode ist das?“ fragte ich immer noch abgeneigt. Was auch immer sie versuchte, es klappte nicht. „Konfrontationstherapie, Hunter. Komm her, dann erkläre ich es dir.“ sagte sie ruhig und damit so leise, dass ich es fast nicht verstand. Ein hilfesuchender Blick zu den Pferden verriet mir, dass es wohl kaum einen Weg gab der mich am eiskalten Nass vorbeiführte. Langsam tastete ich mich ans Wasser heran bis ich mich schließlich ans Ufer setze. „So jetzt bin ich nass, reicht das?“ - „Nein.“ Ich seufzte schwer und schwamm zu ihr. Wieder schossen Erinnerungen an mir vorbei. Sie waren sehr wage, aber ich wusste jetzt dass ich mit Catalina hier war. Das war damals unser erstes 'Date'. „Können wir wieder an Land? Das Wasser ist eiskalt.“ - „Man gewöhnt sich aber daran.“ warf Kerry ein und grinste mich an. „Willst du dann reden?“ Ich nickte stumm und schwamm zurück. Angestrengt versuchte ich meine Gedanken zu sortieren bis Kerry ebenfalls an Land kam und sich mir gegenüber setzte. „Also?“ fragte sie und suchte meinen Blick. Ich nahm einen tiefen Atemzug bevor ich anfing ihr von dem Tag mit Catalina zu erzählen. Je mehr ich darüber sprach, desto mehr Details fielen mir ein. Am Ende des Tages hatte ich ein klares Bild meiner toten Freundin im Kopf. Sie hatte lange dunkle Haare, dunkler als Kerry und länger. Sie hatte dunkle, fast schon schwarze Augen. Wenn sie sauer war konnten sie sehr bedrohlich wirken. Sie war ein ganzes Stück kleiner als Kerry. Halt. Was mache ich da? Ich kann doch meine tote Freundin nicht mit meiner Therapeutin vergleichen! Erschrocken und verwirrt über diese Gedanken wich ich Kerrys Blicken aus. „Das war gut, Hunter.“ klang die viel zu ruhige Stimme in meinem Ohr. Catalina war da anders... Aber da durfte ich nicht dran denken.

          Wir beide froren wie bekloppt. Wir konnten von Glück reden, dass es aufgehört hat zu regnen und wir wenigstens ein bisschen in der Sonne trocknen konnten bevor wir wieder zum Stall ritten. Ocean und Pendragon freuten sich als wir wieder aufbrachen. Zwei Stunden gesattelt am See zumzustehen war sicherlich keine angenehme Beschäftigung für die Hengste. Den Rückweg über sagte wieder niemand ein Wort. Erst als wir die Pferde abgesattelt und in die Boxen gebracht hatten nahm Kerry wieder das Gespräch auf. „Ich glaube, Hunter... Dass die Therapie bald beendet werden kann.“ sagte sie mit einem Gesichtsausdruck der sich nicht entscheiden konnte ob er glücklich oder traurig war. Was war das für ein seltsames Lächeln? „Glaubst du...“ gab ich brummend zurück, während ich Pendragons Halfter an seine Box hängte. Sie nickte stumm. Ungewöhnlich. Wieso sprach sie nicht, hat es ihr die Sprache verschlagen? Als ich mich umdrehte wich sie meinem Blick aus. „Was ist los?“ fragte ich stirnrunzelnd. „Nichts.“ der Unterton der ihrer Stimme mitschwang verhieß nichts Gutes. Ich machte mir nichts daraus und zuckte mit den Schultern. „Nun, hast du Hunger? Ich kann was kochen.“ Wenn man das so nennen konnte. Ich war ein grausamer Koch. Meine Mutter hatte heute keine Zeit dafür und wir waren eher von unserem Ausflug zurück als ich erwartet hatte. Noch immer schwirrten mir die Bilder von Catalina durch den Kopf, aber es ging mir ganz gut damit. Vermutlich würde ich erst heute Abend Gelegenheit bekommen das alles zu sortieren um schlussendlich daran zu verrecken. Seis drum. Kerry lehnte ein Essen ab und fuhr stattdessen wieder ab. Die Therapietage waren immer merkwürdig, aber so schlimm wie heute war noch keiner. Irgendwas stimmte nicht.

          Am nächsten Morgen stand ich freiwillig schon um 4am auf. Ich konnte so oder so nicht schlafen, wenn ich alle halbe Stunde auf die Uhr sah. Wie erwartet hatten mir die Gedanken den Schlaf geraubt. Mit Catalina hatte ich nun abgeschlossen. Mir ist einiges wieder klar geworden und es war eine riesige Last die mir da von den Schultern fiel. Dadurch dass Catalina nun auch schon eine Weile tot war und ich sie so lange verdrängt hatte konnte ich nichtmal traurig sein, dass das was war jetzt nicht mehr ist. Es war wie ein Buch, dass ich nun zuklappen konnte. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitete mir Kerry, die sich so seltsam verhalten hatte, dass ich sie am liebsten angerufen hätte. Vermutlich hätte das aber den falschen Eindruck gemacht. Sie war nur meine Therapeutin, keine Freundin. Die Distanz hatte sie bisher immer gewahrt und ich würde sie nicht durchbrechen. Dankbar war ich ihr trotzdem. Der Alltag ließ sich nun trotz der Schlafstörungen einigermaßen gut meistern und laugte mich nicht mehr allzu sehr aus.


          14. November 2016
          Mephisto (Fohlen ABC - Teil 1)
          Lady Lyneth Bowen | Vikar | Samson

          Hunter | Es war bereits Mittag, als ich von der Rennbahn zurückkam um die restlichen Arbeiten auf dem Gestüt anzugehen.
          Mephisto würde heute eine Trainingseinheit bekommen, mit ganz viel Pflege. Der junge Hengst genoss die Zeiten, in denen man sich nur um ihn kümmerte. Besonders die Kinder hatten massig Spaß an dem immer größer werdenden Palominoschecken.
          Der Hengst stand seit heute Vormittag draußen auf der Weide, zusammen mit Vikar, der schon um einiges älter war. Voll Motivation schnappte ich mir Mephistos Halfter und betrat die Koppel. „Mephisto! Komm her!“ rief ich quer über die Wiese, die heute mehr schlammig als grün war. Lange durften hier keine Pferde mehr drauf stehen, sonst würde hier nichts mehr wachsen ohne dass man neu aussäht. Mephisto kam natürlich nicht von selbst. Seufzend bahnte ich mir einen Weg über die schon wieder trockenen Stellen der Wiese bis hin zu dem Junghengst, den ich haben wollte. Ruhig blieb er stehen und beobachtete mich bei meinen Umwegen, bis zu ihm. Er ließ sich ohne weitere Probleme aufhalftern und kam dann mit zurück zum Stall. Übrigens war von seiner Scheckung kaum noch etwas zu sehen, die Übergänge verschwammen im trockenen Dreck, der vom Wälzen an ihm haftete. Auch im Langhaar hatten sich ein paar trockene Erdbröckchen gebildet.
          In der Stallgasse machte ich Mephisto fest. Wir hatten hier unsere Ruhe, die Pferde in diesem Abteil standen alle auf den Weiden.

          Gine | Voll Energie fuhr ich zur Arbeit. Einen Coffee to Go im Becherhalter des Autos und das Chart-Radio voll aufgedreht. Laut mitsingend fuhr ich auf den Hof, schnappte mir Kaffee und Sporttasche und ging mit federnden Schritten ins Haupthaus um die Crowleys zu grüßen. Hunter war schon unterwegs zur Rennbahn, wie mir seine Eltern berichteten. „Wollte er nicht die Kaltblüter machen?“ Mr. Crowley Senior zuckte nur die Schultern und wandte sich dann wieder seiner Zeitung zu. „Na gut...“ murmelte ich. Mit etwas gedämmter Laune ging ich ins Bad um mich umzuziehen. Wenn Hunter es nicht machte, musste ich wohl ein wenig Vorarbeit leisten. Gedankenverloren machte ich meinen Zopf neu, der sich beim Umziehen etwas gelöst hatte. „Ihr könnt Hunter ja sagen, dass ich Lady Lyneth Bowie...“ - „Bowen!“ - „Genau... schon gemacht hab.“
          Gesagt getan. Die Stute wurde seit ihrer Ankunft vor etwa einer Woche noch nicht richtig gearbeitet. Als ich mit Halfter und Strick auf die Weide trat stieg meine Lust wieder ins Unermessliche. Motiviert pfiff ich nach der großen Drum Horse Stute, welche mich aufmerksam vom Ende der Koppel beobachtete. „Wieso stehen die eigentlich immer am Arsch der Welt?“ lachte ich und lobte Samson kurz dafür, dass er sofort angetrabt kam auf meinen Pfiff hin. Aber ihn meinte ich heute nicht. Energisch arbeitete ich mich vor bis ich Lynn das Halfter überstreifen konnte. Neugierig kam sie mit mir. Neben ihr fühlte sogar ich mich klein und das obwohl ich mit fast 170cm eine normale Größe für eine Frau hatte.
          „So meine Kleine.“ flüsterte ich fürsorglich, während ich die dicke Mähne ein wenig nach hinten Strich um sie unter dem Hals kraulen zu können. „Jetzt putzen wir dich erstmal.“ - Nach zehn Minuten putzen war ich mit dem Groben fertig. Beim Behang müsste ich nochmal separat dran, den würde ich am liebsten verlesen so unsicher war ich mir mit der Pflege. Erstmal kümmerte ich mich um das Deckhaar, den Kopf und das Langhaar. Mittlerweile war ich beim normalen Striegel angekommen und fegte den restlichen Staub und lose Haare aus dem nun glänzenden Fell der Drum Horse Stute. Lynn wurde immer unruhiger, wollte aber gefallen und riss sich sichtlich zusammen. „Gutes Mädchen.“ lobte ich sie immer zwischendurch. Das Bürsten von Mähne und Schweif stellte meine Geduld jedoch auf die Probe. Immer wieder riss mir Lynn die Strähnen aus der Hand, die ich gerade versuchte zu entwirren. Der Prozess dauerte dadurch nur noch länger als nötig. Als ich fertig war hockte ich mich seufzend zum Behang runter. Hilflos begann ich auch diesen durchzubürsten, doch ich hatte nicht das Gefühl bis zur letzten Strähne durchzukommen. „Miss Houghton...“ ertönte plötzlich eine vertraute Stimme hinter mir. Erschrocken wirbelte ich herum und machte Lynn damit noch nervöser, als sie eh schon war. Es war George Crowley. Er lachte, was die Situation für mich etwas erträglicher machte. „Ja?“ fragte ich, als ich mich beruhigt hatte und streichelte die Stute neben mir, um sie ein wenig zu beruhigen. „Sie haben noch nie so dichten Behang gepflegt oder?“ er schmunzelte. Da war er seinem Sohn wirklich sehr ähnlich, fast wie eine ältere Version von ihm, nur mit hellen Augen statt dunklen. Ein wenig beschämt schüttelte ich den Kopf. „Kein Problem, Miss Houghton. Schauen sie, sie machen das so...“ er nahm mir die kleine Bürste ab und griff nach einem Kamm und Mähnenspray. „Sie arbeiten am besten von innen nach außen, wenn möglich.“ erklärte er mir. Er bearbeitete den Behang wie selbstverständlich, dabei hatte er doch selbst nie so fellige Pferde... Woher kannte er diese Vorgehensweise? Interessiert beobachtete ich, wie der Behang immer seidiger und sauberer wurde. Als Mr. Crowley Senior fertig war sah man einen deutlichen Unterschied zu den anderen drei Füßen. „Ach...“ meinte er stöhnen, als er sich aufrichtete und den Rücken hielt, der beträchtlich knackste, als er ihn durchbog. „Wenn sie den Behang fertig haben, sollten sie sich auch um die Hufwände etwas sorgfältiger kümmern als bei anderen Pferden. So schwere Pferde sind da manchmal ein wenig anfälliger für Krankheiten, Ungeziefer und Verletzungen.“ - „Okay, danke!“ Ich war total baff und musste die Informationen erstmal einsortieren, ehe ich weiter denken konnte. „Mr. Crowley?“ sagte ich just in dem Moment, wo er eigentlich weiter ziehen wollte. Als er stehen blieb und sich mir wieder zuwandte sprach ich weiter. „Hatten sie früher auch Kaltblüter mit so viel Behang? Abgesehen von Samson?“ Wobei Samson deutlich weniger Behang hatte als Lynn. Mr. Crowley lächelte. „Ja, wir hatten für ein paar Jahre Gypsy Cobs. In der Regel hatten die auch so viel Behang. Aber lassen wir uns da später drüber sprechen.“ sagte er freundlich mit Blick auf die nun etwas tänzelnde Stute neben mir. „Oh... Ja... Natürlich.“ gab ich zu und machte mit seiner Technik weiter mit den anderen drei Beinen von Lynn. Die Stute beruhigte sich wieder etwas, vermutlich weil sie mir auch nicht auf Füße oder Hände treten wollte. Auf Mr. Crowleys Rat hin kümmerte ich mich besonders um die Hufwände, beim Reinigen der riesigen Schüsseln. Wenige Minuten später war Lady Lyneth Bowen komplett sauber und konnte an die Arbeit gehen. „Miss Houghton?“ wieder zuckte ich zusammen und wandte fragend mich um. „Der hier müsste passen.“ Mr. Crowley reichte mir einen riesigen Kappzaum. „Woher haben sie den?“ fragte ich verblüfft. „Er ist alt, war ein Fehlkauf als wir Samson ausgestattet haben. Seitdem hängt er ungenutzt in der Kammer.“ Interessiert sah ich mir den Zaum an und prüfte die Sollbruchstellen auf ihren Zustand. „Dafür dass er nur herumhing sieht er gut aus.“ meinte ich und konnte kaum glauben, dass er schon so alt sein sollte. Mr. Crowley lachte. „Hunter hat ihn gut gepflegt.“ So schnell wie er kam, war Mr. Crowley auch wieder verschwunden. Tatsächlich passte der alte Kappzaum nach ein paar Längenanpassungen auf Lyneths Kopf. Bevor die Stute noch unruhiger wurde führte ich sie gleich nach dem Aufzäumen in die Halle und begann damit sie zu longieren. Sie kannte das, das merkte man sofort. Sie hielt ohne Umstände so viel Abstand, dass die Longe ein wenig durchhing und reagierte fein auf die Hilfe, die man ihr gab. Auch für der Peitsche hatte sie keine Angst und ließ sich dadurch noch besser koordinieren. Nach einigen Aufwärmrunden im Schritt schnalzte ich ein paar mal im Takt und schob mit der Peitsche hinterher, damit Lyneth antrabte. Mit ordentlich Schub aus der Hinterhand donnerte sie los. Im ersten Moment befürchtete ich schon, dass sie gleich angaloppieren würde, doch sie hatte nur ein paar sehr enthusiastische Ausfallschritte gemacht, bis sie in ein angenehmes Tempo fiel womit ich arbeiten konnte.

          Hunter | Es dauerte lange bis ich den fest sitzenden Dreck aus dem eigentlich so weichem Fell gebürstet hatte. Mephisto ließ das Prozedere recht ruhig über sich ergehen, selbst als ich aus lauter Verzweiflung zum Metallstriegel griff um einen besonders hartnäckigen Fleck grob zu lösen, bis er sich mit der Wurzelbürste aus dem Fell ziehen ließ. Allenfalls warf er mir einen aufmerksamen Blick zu, stupste mich an oder zog an dem Teil meiner Kleidung an den er gerade ran kam. Einmal zog er mir sogar das Bein weg, sodass ich mit dem Kinn unsanft auf den Boden schlug. Er war zwar noch klein, hatte aber den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Die meiste Zeit über döste er verträumt vor sich hin und ließ mich einfach machen. Als endlich das ganze Fohlen wieder sauber und mehr oder weniger fluffig vor mir stand, kratzte ich noch die Hufe aus und räumte anschließend die Putzsachen weg. Am Halfter führte ich ihn ein wenig über den Hof, bis ich mit ihm die Reithalle betrat um ihn laufen zu lassen. Gine war gerade mit Lyneth fertig, als wir kamen. „Wie macht sie sich?“ fragte ich und musterte die große Stute aufmerksam. Sie war ein Prachtexemplar. Drum Horses hatte ich für mich entdeckt, als Kerry mich auf einen Mittelaltermarkt geschleppt hatte. Mittlerweile kam Kerry auf den Hof um zu reiten und nicht mehr um mich zu therapieren. Sie war jetzt eine Freundin und kein Therapeut mehr, wenngleich die Situation immer noch seltsam war. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und vergaß, dass sie mich lesen konnte wie ein Buch, wenn sie denn wollte. Beim Marktbesuch jedoch bewies sie mir, dass sie nicht daran interessiert war alles über mich zu wissen. Sie hatte viel mehr Spaß daran mir ihre Welt zu zeigen. Diese Märkte waren immer etwas, für das sich meine Eltern interessiert hatten und ich war das ein oder andere mal als Kind dabei. Irgendwann fehlte jedoch die Zeit und die gleichaltrige Gesellschaft um am Ball zu bleiben. Morgen stand wieder ein Marktbesuch an, diesmal würde sich Kerry passend zum Thema kleiden und uns dadurch näher an die Veranstalter bringen. Ich ließ sie machen, interessant fand ich das Ganze ja schon. Solange ich nicht zum zubern gezwungen wurde, konnte sie alles mit mir machen was man auf so einem Markt tun konnte.
          Gedankenverloren hatte ich gar nicht gehört was Gine mir von Lyneth erzählt hatte. „Du hörst ja gar nicht zu!“ maulte sie empört und riss mich damit aus meinen Tagträumen. „Entschuldige...“ mit einem Lächeln versuchte ich sie zu besänftigen. „Was hast du gesagt?“ - „Bis wann hast du denn noch zugehört?“ fragte sie fast schon genervt. 'Bis... gar nicht?' dachte ich und verwarf den Gedanken diese Worte laut auszusprechen sofort wieder. Zu meinem Glück beendete Gine das Gespräch und zog weiter mit den Worten. „Da hab ich jetzt keine Zeit für. Bis später.“ Entschuldigend rief ich ihr noch hinterher, dass wir später reden konnten, beim Essen. Plötzlich fiel mir wieder ein wieso ich überhaupt in der Halle stand. Mephisto sah sich neugierig um, blieb aber so ruhig stehen, dass ich ihn in meiner Träumerei komplett vergessen hatte. Erst als ich den Strick aus seinem Halfter löste sprang der junge Hengst weg und rannte ein wenig umher. Gut fünfzehn Minuten hielt ich ihn in Bewegung, bis ich ihn wieder einfing und auf die Weide zu Vikar brachte.
          Auf dem Rückweg zum Stall um den Strick an seinen Ort zu bringen sah ich wie jemand an die Hauswand gelehnt wartete. Als ich näher kam wurden die Details klarer und ich erkannte dass es Kerry war. Sie hatte eine Tasche bei sich und sah aus, als hätte sie heute ihren Soll schon erledigt. Freudig begrüßte ich sie. „Wie war deine Reitstunde mit Isaac?“ fragte ich neugierig. Mit einem vielsagendem Blick tat sie diese Frage ab. Die Stunde war also nicht ganz zu ihrer Zufriedenheit verlaufen. Mehr Informationen müsste ich von Isaac erfahren. „Hunter, ich hab einen Überfall für morgen geplant.“ sagte Kerry ernst. Lachend sah ich sie an. „Du hättest mich nicht warnen dürfen, wenn es ein Überfall werden sollte.“ korrigierte ich, doch ihr ernstes Gesicht beunruhigte mich. „Witzig...“ tadelte sie mir sarkastisch. „Lass uns reingehen, geh duschen und dann erkläre ich dir was es mit der Tasche und dem Überfall auf sich hat.“ Mir entging nicht, dass Kerry mich immer wieder prüfend ansah und von oben bis unten musterte. Was zur Hölle hatte sie vor? Ich tat wie mir gehießen und kam später frisch geduscht ins große Wohnzimmer im unteren Bereich des Wohnhauses. Gine und Kerry unterhielten sich angeregt und griffen immer wieder in die große Tasche von Kerry, die nun offen auf dem Tisch stand. Es war Kleidung darin. Etwas zurückhaltend betrat ich den Raum und schloss die Türe so leise, wie es eben ging um keine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Doch als die Tür ins Schloss fiel verstummten die beiden Frauen und ich konnte ihre Blicke im Nacken spüren. Als ich mich umdrehte lächelte ich verlegen. „Ich kann auch wieder...“ fing ich an und deutete eine Gehbewegung zur Tür an. Sofort schüttelten die beiden ihre Köpfe. „Komm her.“ meinte Kerry und tat ein paar schritt auf mich zu, um mich sicher zu ihrer Tasche zu geleiten. Jetzt wo ich einmal da musterte ich die oben liegenden Kleidungsstücke, bzw. das was man davon sah. Es waren dunkle oder erdfarbene Kleider in Leinenoptik. Schlicht, ein Teil hatte eine Stickerei am Saum. Was da im einzelnen lag würde ich wohl noch früh genug erfahren. Erstmal nahm ich auf dem Sofa platz und sah die beiden Frauen fragend an. „Wie war das jetzt mit dem Überfall?“ fragte ich und bemühte mich darum Desinteresse vorzutäuschen. Gine grinste bis über beide Ohren. Kerry schmunzelte und griff erneut in die Tasche. Es war gruselig! Wie zwei Hexen, die einen bitterbösen Plan geschmiedet hatten. „Keine Sorge, es ist nichts Schlimmes.“ - „Dann ist es was Schlimmes.“ gab ich ohne nachzudenken zurück und erntete einen bösen Blick von Gine. Kerry schmunzelte weiterhin. Als sie das Teil, das sie suchte gefunden hatte ließ sie es uns mit einem erfreuten „AHA!“ wissen und zog es aus der Tasche. Es war ein Umschlag. „Das hier sind die Karten für den Markt morgen. Schau rein.“ Eine leise Stimme in meinem Kopf fragte ob ich das wirklich wollte und ob ich nicht bereits wüsste, was die Karten sagen. Eine andere Stimme war so laut und neugierig, dass ich den Umschlag öffnete und las was da stand.

          „8. Mittelalter-Lagerey zu Lincolnshire
          Hunter Crowley – Altertümliche (Huf-)Schmiedekunst – Neuzugang

          Anlagen: Tagesabläufe, Lageplan, Anfahrt, Kontaktdaten“

          Stirnrunzelnd blätterte ich durch die Anlagen und verschaffte mir einen Überblick. Als ich alles gesehen hatte sah ich auf. „Ich hab ein paar Fragen.“ sagte ich ernst und Kerry nickte. „Was genau ist mit 'altertümlicher Schmiedekunst' gemeint? Ich hab keine Ahnung davon!“ Behutsam legte sie mir eine Hand auf die Schulter und sah mich durchdringend an. „Du hast etwa 12 Stunden Zeit, alles darüber zu lernen.“ sagte sie mit einem nur schwer zu deutenden Blick. Mir war die Kinnlade runter geklappt und ich rang nach Worten, die mir aus dieser Situation helfen konnten. Irgendwann fing Kerry schallend an zu lachen. „Du bist so leicht zu verunsichern, weißt du das?“ - „Wie meins-“ - „Du bist die erste Zeit jemandem untergestellt, der dir das alte Handwerk zeigt. Keine Panik.“ Man sah sichtlich wie enttäuscht sie war, dass ihr Scherz schon vorbei war. Sie hätte mich nur zu gerne noch weiter damit aufgezogen. Immer noch brachte ich kein Wort raus, meine Gedanken sponnen sich um die Infos aus den Anlagen und darum was mich mit dem Rest der Tasche erwartete, die noch immer auf dem Tisch vor uns stand. Mit einem Mal warf mir Gine ein paar Sachen auf den Schoß. „Probier das mal an. In deinen normalen Klamotten kannst du da morgen nicht aufkreuzen.“ - „Als was werdet ihr da sein?“ fragte ich neugierig. Gine hob die Hände neben den Kopf. „Ich werde nicht dabei sein, irgendjemand muss sich ja um deinen Hof kümmern, während du weg bist.“ - „Isaac? Meine Eltern? Die Kids?“ zählte ich belustigt auf, doch ich wusste was Gine meinte und stand deshalb auf um in einen anderen Raum zu gehen, um mich umzuziehen.
          Einige Minuten später kam ich zurück. Ich trug eine dunkelrote Leinenhose, ein helles Hemd und einen Gürtel aus Leder. „Sind die immer barfuß gegangen oder krieg ich noch Socken und Stiefel?“ fragte ich, doch bevor ich mich setzen konnte hatte Kerry mir schon ein anderes Set Klamotten in die Hände gedrückt. „Abmarsch!“ befahl sie mir und ich ging mich abermals umziehen. Als ich zurück kam hatte ich eine erdfarbene Hose, ein schwarzes Hemd und den Langgürtel von eben an. „Besser.“ Kerry und Gine nickten anerkennend. „Deine 'Socken' müssen wir dir kurz erklären.“ sagte Kerry und zeigte mir ein Bündel Stoff, das mich an Bandagen für Pferde erinnerte. „Im Grunde läuft das wie bei den Pferden, nur hast du hier keinen Klettstreifen als Verschluss.“ fing sie an und begann mein linkes Bein zu bandagieren. Als sie oben angekommen war sprach sie weiter. „Das hier ist eine mini Tuchnadel. Eigentlich brauchst du die bei dieser Wickel nicht, aber für den Anfang gibt sie dir mehr Sicherheit, falls deine Wickeltechnik nicht ganz ausgereift ist. Schau hin, so macht man die fest. Achte darauf nicht nur den oberen Lappen zu durchstechen, sonst bringt die nichts.“ Sie nahm das weitere Ende der Bandage in die Hand, das deutlich dünner war als der Rest. „ Das kannst du jetzt einfach oben ein paar mal rumwickeln oder für etwas mehr Halt über Kreuz nach unten und dann wieder nach oben. So.“ während sie sprach wickelte Kelly eine Art Muster um die Bandage herum und knotete das Ende oben fest. „Fertig. Jetzt mach du das andere Bein selbst.“ erwartungsvoll sah sie mich an und reichte mir die zweite Wickel. Das bandagieren an sich konnte ich gut, wenngleich es etwas merkwürdig war sich selbst und nicht eines der Pferde zu bandagieren. Beim Befestigen der Nadel hatte ich zuerst meine Schwierigkeiten beide Stofflagen zu erwischen, doch auch das bekam ich nach ein paar Fehlversuchen hin. Zuletzt probierte ich die hübsche Wickelung des dünneren Stoffes nachzuahmen, bekam es aber bei Weitem nicht so gut hin wie Kerry. Nach dem x-ten Versuch zog sie mein Bein zu sich rüber, sodass ich fast vom Sofa rutschte. „Oh. Sry Hunter, ich hab vergessen dass du da ja dran hängst.“ meinte sie lachend und beendete die Wickelei. Gine reichte mir ein paar alte Lederschuhe, die ich gleich anzog. „Wenn du nicht barfuß in den Schuh gehen willst kannst du dir vor dem bandagieren auch sowas über den Fuß ziehen. Gine hielt mir einen sockenartigen Lappen vors Gesicht. „Okay.“ - „Das andere Set geht zurück, das hatte nicht recht gepasst. Aber du kriegst noch einen Wams und einen Gehrock für kältere Tage.“ - „Hatten die sowas überhaupt?“ Gine sah mich tadelndem Blick an. „Später schon, du bist in jedem Fall kein Wikinger.“ erklärte sie mir. „Dein Stil reicht schon sehr nahe an die Renaissance.“ sicher schien sie sich nicht zu sein. „Sollte ich nicht wissen aus welcher Zeit ich komme?“ fragte ich verwirrt und die beiden nickten. „Super.“ - „Sag einfach dass du erst seit heute dabei bist und die werden dir deinen Kopf verschonen. Du sollst ja erstmal reinkommen.“ warf Kerry ein, die sich bisher relativ zurück gehalten hatte.
          Bis zum nächsten Morgen versuche ich neben ein paar Stunden Schlaf auch ein bisschen was über die alte Schmiedekunst in Erfahrung zu bringen. Natürlich hatte ich während meiner Ausbildung viel Theoretisches gelernt, aber wirklich angewandt hatte ich diese alten Verfahren nie. Wieso auch, wenn die neue Technik weitaus bequemer, besser und schneller war? Bevor wir losfuhren prüfte ich noch einmal ob alle Mitarbeiter und Pferde soweit versorgt waren und ich ruhigen Gewissens für eine Woche den Hof verlassen konnte. Erst als Kerry mir gegenüberstand ließ ich von Isaac ab, dem ich eine kleine Aufgabe nach der anderen erteilte, die in der Woche erledigt werden musste. „Hunter es reicht. Jetzt komm!“ ungeduldig zog sie mich am Arm und nach einem letzten Hinweis, sich um die Jungpferde zu kümmern, gab ich ihr nach. Im Auto herrschte eine
          unangenehme Stille, bis wir auf das Gelände des Lagers fuhren und sofort ein paar Bekannte von Kerry zum Auto kamen, die ebenfalls gerade erst angekommen waren.


          26. Januar 2017 | 8861 Zeichen von sadasha
          Pflege für die Drum Horse und Vollblutzucht, sowie Come Back Cupcake, Arcany + Emrys

          Hunter | Aus irgendeinem Grund war Gine eifersüchtig auf Kerry. Das wusste ich nun. Kerry kam deshalb nur noch selten auf den Hof und Gine sprach kein Wort mehr mit mir, bzw. nur das Nötigste. Das hatten wir schon mal. In der Anfangszeit. Gine müsste mittlerweile wissen, das ich kein Interesse an ihr hatte. Isaac stand zwischen den Stühlen und machte stets einen auf diplomatisch: „Ich verstehe euch ja beide...“ Genervt ging ich meiner Arbeit nach. Dieses Jahr standen wieder einige Termine für meine Stuten an. Der Deckplan war eng gestrickt und je früher ich da Struktur reinbrachte umso besser. Neben den Deckterminen musste ich außerdem meine Jungpferde weiter bringen. Die Fohlen waren jetzt groß genug um langsam an Trense und Sattel gewöhnt zu werden, auch mit leichter Bodenarbeit konnte man anfangen. Allen voran lag PFS' Savory Blossom. Die Spotted Timeout Tochter war schon weiter als die anderen drei Jungpferde. Sie war allerdings auch die älteste. Die jüngste war CHH' Classic Spring. Doch sie holt gut auf und passt sich den nächst älteren Genossen an. Raving Hope Slayer und Bearing Spots waren in der Hinsicht sehr sozial und engagierten sich.
          Neu dazu gekommen, während meiner Abwesenheit sind Riven in a Dream und LMR Lady Luna. Die beiden bunten Vollblutstuten sorgten hier auf dem Hof bei ihrer Ankunft für Aufsehen. Niemand wusste davon und da ich nicht anwesend war und auch kein Mobiltelefon nutzen konnte, blickten meine Angestellten ins Blaue. Natürlich kümmerten sie sich sorgfältig darum die Stuten zu versorgen. Sobald ich wieder zu Hause war schickte ich Riven gleich wieder weg. Sie bekam eine privilegierte Ausbildung. In Norwegen wird sie nun auf ihre Zukunft vorbereitet. LMR Lady Luna wollte ich selber weiter fördern. Neben diesen Planungen schaffte ich es außerdem nochMoulan auf eine Zuchtshow zu bringen und vorzustellen. Hier warteten wir noch auf die Ergebnisse, Scarlet in Birth war auch bald soweit. Wenn ich so daran denke macht es mich sehr stolz zu sehen wie weit ich mit meiner Vollblutzucht schon gekommen war. Mit Slap Happy, Bearing Totem's Denali, Blütenzauber, CHH' Lamperd und Mr. Raw Depression hatte ich einen großartigen Start hingelegt. Mit der Unterstützung von Freunden und anderen lokalen Züchtern schaffte ich es weitere Anwärter zu gewinnen. Dank Isaac, Gine und meinen Eltern setzte sich außerdem der Gedanke in die Realität um eine Kaltblutrasse auf den Hof zu holen. Durch die Drum Horses hatten wir nicht nur eine sondern gleich drei mögliche Kaltblutrassen, nach denen wir Ausschau halten konnten. Iseabail, Lady Lyneth Bowen, Felan, Mephisto und Vikar hatten wir nun schon. Erstmal sollte es bei diesen fünf bleiben. Sämtliche Pferde aus dem Verkaufsstall hatten uns derweil verlassen. Die Konzentration lag also voll bei den eigenen Pferden. Um die Hand voll Einstaller kümmerten sich die jeweiligen Besitzer. „Hunger?!“ Meine Mutter hielt mir einen Teller Essen unter die Nase und riss mich damit aus meinen Tagträumen. „Ja, danke.“ sagte ich immer noch etwas verträumt und probierte von dem Essen. Meine Mutter verschwand sofort wieder. „Du solltest mal wieder mit uns essen.“ sagte sie noch, als sie den Raum verließ und schloss dann die Tür.

          Gine | Wie immer tat Hunter ganz so, als wäre er vollkommen unschuldig. Anstatt mal mit mir zu reden. Nein, der Herr bleibt stumm, wie immer. Was erwarte ich eigentlich? Und Isaac war noch schlimmer. Der schlug sich immer mehr auf Hunters Seite, dabei müsste er mich doch am besten verstehen... Wenigstens konnte ich mich mit der Arbeit ablenken. Hunter tat es mir gleich. Und dass Kerry nicht mehr so oft hier war kam mir auch zu Gute. Sie stand sowieso immer nur im Weg, wenn man die Pferde bewegen wollte. „Ich hab einen Tipp für dich.“ meinte Isaac plötzlich, der ebenfalls in der Reithalle war, als ich Arcany longierte. Emrys lief freudig nebenher. „Ach ja?“ meinte ich säuerlich. „Dann schieß mal los.“ Er schmunzelte. Wieso war er immer gut gelaunt? „Wieso sprichst DU ihn nicht an?“ fragte er immer noch grinsend. „Weil ICH nicht das Problem bin.“ erwiderte ich. Er lachte. „Glaubst du er versteht das, ohne dass du es ihm sagst?“ Nachdenklich vergaß ich fast mich mitzudrehen, während Arcany um mich herumlief. „Mhmmm...“ Isaac hatte recht, aber das wollte ich keinesfalls zugeben. Aber wenn ich Hunter anspreche, bin ich eh nur die wieder Doofe. Also beließ ich es dabei. Da würde ich eher mit Kerry sprechen... Kopfschüttelnd verwarf ich den letzten Gedankengang und konzentrierte mich wieder auf die Fuchsstute und deren Fohlen am anderen Ende der Longe. „Ehrlich, Gine. Reif ist das von keinem von euch. Sei doch mal die Erwachsenere von euch beiden.“ beendete Isaac das Gespräch, während er mit seiner Come Back Cupcake die Halle verließ. Ihn stumm nachäffend holte ich Arcany zu mir um sie noch ein paar Minuten freilaufen zu lassen, bevor ich die Longenstunde beendete.
          Wieder im Stall traf ich auf Hunter. „Hi.“ meinte ich knapp und schlängelte mich an ihm vorbei, da er, wie konnte es anders sein, mitten im Weg stand mit seiner Slap Happy. „Warte.“ er hielt mich am Oberarm zurück und sah mich durchdringend an. „Was ist eigentlich los?“ fragte er ernst. Tief seufzend machte ich wieder einen Schritt zurück. „Willst du jetzt wirklich kurz vor der Arbeit darüber sprechen?“ fragte ich und verschränkte die Arme. Er musterte mich kurz und trenste dann, die schon gesattelte Braune auf, während er weitersprach. „Erzähl, ich höre dir zu.“ - „So nicht.“ meinte ich eingeschnappt und wandte mich ab zum Gehen. „Oor wirklich. Gine! Dann schnapp dir Bear und komm mit verdammt!“ fauchte er mich an und deutete auf die Box der Roanstute. „Geputzt ist sie ja schon.“ Nach einem kurzen Blick zu Slap Happy, dann zu Bear und wieder zurück zu Hunter entschied ich mich. „Aber nur, wenn wir keine Springstrecke laufen.“ - „Dann aber eine längere.“ Hunter wollte einen Kompromiss. Ich stimmte zu und beeilte mich Bear Totem's Denali fürden Ritt vorzubereiten.
          Wir waren gut eine Stunde unterwegs, bevor ich anfing mit Hunter über mein Problem zu sprechen. Und siehe da, er war auch pissed. „Kerry ist schuld.“ hielt ich fest und bekam dafür sofort einen Rüffel. Kerry sei seine Therapie und er brauche sie. Ob ihr diese Wortwahl gefallen hätte? Ich ließ das unkommentiert. „Ich hab sogar schon überlegt einfach zu gehen, nur damit ich dich nicht mehr sehen muss.“ meinte ich geknickt. „Was hielt dich davon ab?“ wollte er wissen. Gute Frage. Das wusste ich selbst nicht so genau. „Die Pferde...“ antwortete ich schließlich. Hunter wusste genau, dass es das nicht war. „Okay, Gine. Wir müssen festhalten, dass wir zwei niemals enge Freunde werden und schon gar nicht etwas darüber hinaus. Und wenn du das nicht akzeptieren kannst, dann musst du gehen.“ Hunter sagte das so ernst, dass es mehr weh tat als wenn man seine Hände auf heiße Herdplatten legen würde. Traurig blickte ich auf den Pferdehals vor mir, der sich im Takt auf und ab bewegte. „Das heißt nicht, dass wir uns hassen müssen.“ fügte Hunter hinzu und lächelte behutsam zu mir rüber. Die nächste Zeit schwieg ich und war stets darauf bedacht eine Pferdelänge hinter ihm zu reiten, damit er nicht sah wie mich seine Worte verletzt hatten.

          Hunter | Erst als wir wieder auf den Hof kamen sah ich, dass Gine aufgelöst war. Ich wusste nicht so recht wie ich damit umzugehen hatte, immerhin wollte ich keine falschen Zeichen senden. Immer wieder während wir die Pferde absattelten prüfte ich ob sie standhaft blieb oder komplett zusammenbrach. Als meine Mutter auf die Stallgasse kam und uns sah fiel mir ein Stein vom Herzen. Sie kümmerte sich nun um Gine und tröstete sie. Als die beiden Vollblutstuten wieder in ihren Boxen standen und alles Sattelzeug in der Kammer lag waren meine Mom und Gine schon ins Haus gegangen. Isaac packte derweil seine Sachen zusammen, da er Feierabend machen wollte. „Habt ihr gesprochen?“ fragte er neugierig als er mich sah. Ich nickte und ging zu ihm. „Habt ihr alles geklärt?“ Ich nickte abermals, wenn auch zögerlich. Ob Gine mich verstanden hatte und meinen Stand akzeptieren würde wusste ich nämlich nicht. „Wieso ist sie so fertig?“ fragte er dann. Schulterzuckend sah ich ihn an. „Sie hat sich vermutlich mehr erhofft.“ Isaac lachte. „Ach was!“ meinte er dann. „Ja was soll ich denn machen? Soll ich sie anlügen?“ fragte ich genervt. Isaac schüttelte immer noch grinsend den Kopf. „Nein, du hast das schon richtig gemacht.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, während er das sagte. „Ich glaube sie wird nicht mehr lange bleiben.“ sagte ich nun etwas geknickt. Gine war zu einem festen Bestandteil des Hofes geworden. Man würde sie vermissen, wenn sie auf einmal nicht mehr da wäre. „Dann mach was, damit sie nicht geht.“ Verdattert sah ich zu ihm auf. „Was soll ich denn machen?“ Nun zuckte er mit den Schultern. „Überleg dir was.“

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          28. Februar 2017 | 8823 Zeichen von sadasha
          Pflege für PFS' Savory Blossom, Raving Hope Slayer, CHH' Classic Spring, Bearing Spots, PFS Strolch, Emrys, Vikar und Mephisto

          Gine | "Wusstest du von dem neuen Fohlen, PFS Strolch?" fragte ich Isaac verwirrt, als dieser mit dem Neuankömmling von der Weide kam. Er zuckte die Schultern.

          "Nö. Hunter sagt doch nichts."
          "Der wollte doch gar keine Cream-Linie oder bin ich da auch falsch informiert?"
          Isaac schüttelte den Kopf. "Meinungen ändern sich. Ich find den echt hübsch."
          "Ja ja, ich auch. Er ist halt ein Stromer Nachkomme. Wie alt ist der eigentlich genau? Der sieht noch so arg klein aus."
          "Frisch abgesetzt, der ist erst 7 Monate alt. Er leidet auch noch ganz fürchterlich, deshalb beschäftige ich ihn heute als ersten. Du kannst ja im Gegenzug mit den Jährlingen anfangen?"
          Ich nickte grinsend. Isaac wusste, dass ich lieber mit den älteren Jungpferden arbeitete, da war mehr mit anzufangen und die kannten den Grundgehorsam, hatten Routine. Im Moment war ich so oder so etwas angekratzt. "Danke." rief ich Isaac noch hinterher, der daraufhin nur doof lachte. "Spinner."

          Wie gehabt schnappte ich mir PFS' Savory Blossom, die die Youngsterherde anführte. "Sry meine Süße, aber du kennst das ja." redete ich ihr zu, während ich sie aufhalfterte. Sie hatte ganz eindeutig heute keine Lust auf ihr alltägliches Training. Trotzig hob sie den Kopf und hielt auf dem Weg zum Stall ständig an um ihren Missmut duetlich zu machen. Als sei das nicht schon genug spukte sie immer wieder auf, bei Dingen, an die sie eigentlich längst gewöhnt war. "Das ist ein Striegel, du Depp!" motzte ich die hübsche Stute an, als sie zwei Schritte zurück machte, nachdem ich den Striegel aus der Box geholt hatte. "Das sind deine negativen Schwingungen!" meinte Isaac lachend, der mit Strolch schon so gut wie fertig war. Das kleine Fohlen ließ sich anständiger putzen als die fast Zweijährige... Unfassbar. Neidisch sah ich zu den beiden rüber, als sie die Stallgasse für einen kleinen Spaziergang verließen. "Na gut, dann eben nochmal zurück auf Anfang meine Liebe." Nach einem tiefen Atemzug stellte ich ihr erstmal die Brüste vor, streichte zuerst mit der Hand und denn mit dem Striegel über das Fell. Je länger ich sie striegelte umso vertrauter wurde sie wieder mit dieser Prozedur. Immer wieder lobte ich die junge Stute und war schließlich auch wieder etwas ruhiger und zufriedener. "Prima, geht doch!" freute ich mich, als der Sabino endlich sauber vor mir stand. Mir stellte sich die Frage wie sie wohl auf die neuen Trainingseinheiten reagieren würde, mit denen wir bald anfingen. Gebiss annehmen, longieren, etc. Wahrscheinlich machte ich mir da zu viele Gedanken. Und sollte ich Probleme haben, könnte ich immer noch die Crowleys um Hilfe bitten. Nach einem kleinen Spaziergang ins Gelände brachte ich das junge Vollblut zurück in seine Herde und schnappte mir den nächsten Kandidaten raus. Strolch war auch wieder da. Isaac hatte sich als nächsten Raving Hope Slayer geholt. Sollte ich nicht die älteren machen? Sie viel dazu. Dann nahm ich mir eben CHH' Classic Spring. Die Grulla Stute, war mein Lieblingsfohlen, wenn man das sagen durfte. Sie hatte starke Nerven, war lieb und sehr menschenbezogen. "Gine?!" ich brieb stehen und wandte mich zur Seite. "Hunter." Konnte der Tag noch schlechter werden? "Wenn du gleich Zeit hast, ich würde gerne etwas mit dir besprechen." Noch bevor ich fragen konnte "Was?" und "Wo?" er mit mir sprechen wollte hatte er schon wieder kehrt gemacht und war Richtung Schmiede verschwunden. Das hatte mir noch gefehlt. Wir waren so oder so überlastet, weil Mr. und Mrs. Crowley Feriengäste da hatten und Hunter persönlich viel als Hufschmied unterwegs war um Geld reinzubringen. Isaac und ich mussten nebenbei die Pferde bewegen. Wenigstens brachte Hunter seine Rennpferde noch selbst weg zur Ovalbahn. Eigentlich wollte ich kündigen. Ich war maßlos überfordert und ausgelaugt. Wie machte Isaac das? Wenn man ihn danach fragte bekam man irgendeine sarkastische Bemerkung und ein Lachen zu hören. Er wollte nicht darüber sprechen, vermutlich ging es ihm nicht besser als mir. Er ließ es nur niemanden spüren. Mir machten die Stimmungsschwankungen zu schaffen. Oft war ich morgens hypermotiviert und gegen Mittag sank meine Laune schon wieder in den abgrundtiefsten Keller.

          Gedankenversunken putzte ich die bald einjährige, graue Stute. Als ich fertig war drehte ich auch mit ihr eine kleine Runde über und um den Hof, sie war noch etwas unsicherer als Savory Blossom, ging aber tapfer mit. Immer wieder bleib ich mit ihr stehen, damit sie sich in Ruhe umsehen konnte und Dinge die sie neugierig machten beschnüffeln konnte. Wieder auf dem Weg zu Weide hatte Isaac Bearing Spots an der Hand. "Wie machst du das?" fragte ich verwundert. "Du bist einfach langsam." meinte er mit ernster Stimme, doch ich sah ihm an dass er innerlich fast explodierte vor unterdrücktem Lachen. Schmunzelnd entließ ich Classic Spring zu den anderen Jungpferden. "Ach, Isaac?" schnell schloss ich das Tor, sicherte es und rannte Isaac hinterher. "Machst du noch Emrys, Vikar und Mephisto? Hunter will was von mir." murmelte ich augenrollend. Der Ire blieb stehen und sah mich fassungslos an. "Er will etwas von dir?!" wiederholte er. Wieder rollte ich die Augen und stieß ihm vor die Brust. "Man, nicht so! Machst du die drei noch?" Er nickte schmunzelnd. "Ist ok."

          Beim Gang zur Schmiede ließ ich mir auffallend viel Zeit. Eigentlich wollte ich nicht mit Hunter reden. Die Gefahr war groß, dass ich ihm aufgrund meiner Überforderung einfach kündigte. Das war zumindest wahrscheinlicher, als dass alles ruhig verlaufen würde. Als ich bei der Schmiede ankam lief diese auf Hochtouren, es war brüllend heiß hier und ich konnte mich nicht entscheiden ob ich lieber die Kälte des Frühlings oder die Hitze der Schmiede haben wollte. Als Hunter mich sah leitete er sofort die Kühlung ein und unterbrach damit seine Arbeit. Er hatte schon ein gutes Dutzend Eisen für seine Pferde vorbereitet. Er brauchte noch einen Moment um sich die Hände zu waschen und die Schmiedeschütze abzulegen. Auch normale Schuhe zog er sich an, bevor wir uns zwei Klappstühle schnappten und hinsetzten. Es war seltsam. Hunter sprach wie gewöhnlich wenig und auch ich war nicht zum Reden auferlegt heute. "Was gibts?" fragte ich schließlich, da er ja sonst noch Stunden warten konnte. Er räusperte sich.
          "Ich weiß, dass es im Moment schwierig ist. Für jeden, der hier arbeitet." fing er an.
          "Hunter... es ist nicht nur die Arbeit."
          "Schon gut." er nickte. "Für dich kommt das Studium noch dazu und... Ich möchte versuchen es dir leichter zu machen, aber dazu muss ich wissen was dir helfen würde."
          "Weniger Arbeit..." mrumelte ich ohne ihn anzusehen.
          Er lachte leise. "Ja. Aber auch als die Arbeit kein Problem war wolltest du schon gehen. Es ist nicht nur das."
          Verwirrt sah ich auf. Ernsthaft? Wollte er darauf hinaus?! "Und?"
          "Das muss ich von dir wissen, Gine. Ich würde die Reitponys verkaufen. Wenigstens die, die noch eine Zukunft vor sich haben könnten."
          Das konnte er nicht ernst meinen. "Nein!" sagte ich bestimmt. "Verkaufst du die Ponys, bin ich weg. Arbeite weniger als Hufschmied oder stell doch noch jemanden ein." schlug ich vor.
          "Weißt du wie teuer das wäre?"
          Ich schnaubte. "Du kaufst dir alle Nase lang neue Pferde, aber für einen weiteren angestellten hast du kein Geld? Erzähl das jemand anderem, aber nicht mir!"
          Einen Moment lang dachte ich, er sei jetzt mundtot. Doch dann sprach er mit ruhiger Stimme weiter. "Gut, ich werde sehen was ich machen kann."
          War das jetzt ein Kompromiss oder was? Das war nichtssagend und absolut nicht zufriedenstellend. Doch für Hunter war das Gespräch damit beendet. Er schnappte sich, was er mit ins Haus nehmen wollte und verschwand. Verdutzt blieb ich sitzen. Mir ging es elendig und am liebsten wäre ich ihm hinterhergelaufen um zu sagen, dass er sich sputen soll, da ich sonst wirklich weg bin. Aber das hatte schon einmal getan und bin am Ende doch noch geblieben.

          Geknickt stieg ich in meinen Wagen. Der Tag war gelaufen. Isaac würde den Rest der Pferde schon alleine schaffen. Hunter konnte auch mal wieder was für sein Gestüt tun... Gerade als ich den Motor anlassen wollte klopfte jemand an die Autoscheibe neben mir, sodass ich zusammenfuhr. Es war Hunter. Widerwillig drehte ich die Scheibe runter. "Würde es dir helfen, wenn du nicht mehr pendeln müsstest?" fragte er direkt. Würde es. Ob ich das wollte, war die andere Frage. Zögernd sah ich ihn an. Er lächelte, vermutlich hielt er das für die Idee um das PRoblem zu lösen, das wir hatten. Doch das war nicht die Lösung, es wäre ein Tropfen auf den heißen Stein. "Überlegs dir." meinte er und ging ein paar Schritte zurück. Ohne ihm zu antwortenfuhr ich ab.
          Wollte ich auf das Gestüt ziehen? Nein. Wollte ich nicht. Ich wollte Tierärztin werden. Auf eigenen Füßen stehen und irgendwann ohne den Verdienst als Pferdetrainer leben können.

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          21. März 2017 | 10402 Zeichen von sadasha
          Jungpferde- und Fohlentraining

          Mittlerweile ging nicht nur Gine sondern auch Isaac mir aus dem Weg. Wobei es bei Isaac wohl nur durch die Beeinflussung durch Gine dazu kam. Traf ich ihn zufällig, war er gut gelaunt wie immer. Ich wollte heute mit Raving Hope Slayer arbeiten. Der junge Hengst ließ sich mittlerweile problemlos anfassen und hob schon brav seine Hufe. Beim Putzen suchte er sich aus, was ihm gerade gefiel. Gefiel es ihm nicht, wurde er frech. Natürlich unterbinden wir das Verhalten sofort, doch er ist... hartnäckig. Beim Aufhalftern hatte er auch noch häufig schlechtere Tage, bei denen er den Kopf partout nicht runter nehmen wollte und manchmal sogar stieg. Gleichermaßen stur zeigte er sich beim Führen. Er sah das mehr als Spiel. „Wenn du die Richtung diesmal vorschreibst, dann schreib ich sie dafür bei der nächsten Kreuzung vor.“ So kam es einem zumindest vor. Es war der Grundgehorsam der noch nicht saß. Eigentlich kannte er die Übungen und wusste sie auch richtig auszuführen, wenn die Belohnung ausreichend hoch war.
          „Nein!“ sagte ich bestimmt ruhig, als Raver wiedermal überholen wollte beim Führen über den Hof. Vertieft in meine Arbeit mit dem jungen Pferd merkte ich nicht, dass Isaac, Gine und Kerry auf dem Innenhof standen und mich beobachteten, während sie sprachen. Erst als Raver mir seine 'Macht' beweisen wollte und versuchte sich vom Strick loszureißen sah ich im Eifer des Gefechts, wie sie wie versteinert zusahen. Der junge Hengst zog mich einen kurzen Moment weg, doch ich konnte dagegenwirken. Einen Augenblick später hielt er inne und ich übernahm die Führung wieder. Ich ließ ihn ein paar mal im Kreis laufen, damit er wieder zu sich kam. Erst als er ruhiger wurde legte sich die Anspannung. „Kommst du klar?“ der irische Akzent ließ mich wissen, dass Isaac es war, der sich zuerst traute mich anzusprechen. Mit einem knappen „Ja.“ drehte ich mich zu dem Trio um. „Was habt ihr zu besprechen?“ Wie ertappt sahen mich nun auch die beiden Frauen an. Kerry machte ein paar Schritte auf mich zu. „Hast du einen Moment Zeit, Hunter?“ fragte sich vorsichtig. Raver fing wieder an herumzuzappeln. Mit zusammengebissenen Zähnen, weil ich versuchte zeitgleich den Spinner am Strickende ruhig zu halten, antwortete ich genervt: „Bin gerade etwas beschäftigt!“ Als er ruhiger wurde, stand ich etwa drei Meter weiter in Richtung Weiden. Seufzend sammelte ich mich und gab dann Bescheid, dass ich ihn nur eben fertig machen würde, bevor ich auf sie zurück komme.
          Es brauchte noch etwas Zeit, bis ich Raving Hope Slayer zurück auf die Weide entließ, seinen Willen sollte er in diesem Fall nicht bekommen. Und so drehte ich Ehrenrunden, bis er verstand, was ich von ihm wollte. Wortlos ließ ich ihn auf der Weide laufen und brachte Halfter und Strick an seine Plätze zurück. Als ich auf den Innenhof kam, war dieser wie verlassen. Ein eiskalter Wind fegte etwas Schnee von der Straße durch das Tor auf den Hof. Es wäre auch seltsam gewesen, hätten sie draußen gewartet. Bei dem Wetter.
          Im Haus ging ich zuerst ins Bad und wusch Gesicht und Hände. Als ich das Wohnzimmer betrat saßen die drei vor dem Kamin. „Hunter!“ bemerkte Kerry und stand auf. „Setz dich.“ Einen Moment lang überlegte ich sie zu fragen wieso sie aufstand, wenn sie sich doch gleich wieder mit mir setzen würde. Doch ich beließ es dabei und setzte mich stumm. Gine wich meinen Blicken aus und Isaac sah mich voller Entzückung an, wenn sich unsere Blicke trafen, also beobachtete ich das Feuer, bis Kerry wieder zu sprechen begann. „Also... wir haben uns was überlegt, wie wir euer Verhältnis wieder aufbessern wollen.“ sagte sie. Mir wurde schlecht. Sowas konnte doch nichts Gutes sein, oder? „Und zwar wollen wir euer Vertrauen zueinander festigen.“ Kerry sagte das als sei es ein super Schulprojekt, das allen Spaß machte. Unglaubwürdig sah ich sie an. An Gine's Reaktion merkte ich, dass sie in diesen Plan bereits eingeweiht war. Sie wich mir noch immer aus. Isaac klatschte fröhlich in die Hände. „Lasset die Spiele beginnen!“ rief er melodisch und sprang auf. „Was habt ihr vor?“ fragte ich und wurde mit jeder Sekunde nervöser. „Lass dich überraschen.“ es war Isaac, der mir antwortete, wieder in seinem überspitzt fröhlichem Singsang. Ich brummte widerwillig, stand aber nach Aufforderung von Kerry ebenfalls auf.

          Meine Gedanken kreisten unaufhörlich darum, was sich die drei wohl ausgedacht hatten. Isaac war verschwunden und Kerry gab Gine einen dunklen Schal. „Das ist jetzt nicht euer Ernst?“ Mir rutschte das Herz in die Hose, auf solche Spielereien hatte ich keine Lust. Doch die zwei kamen lächelnd auf mich zu. „Keine Angst, vertrau uns.“ Kerry lachte. In diesem Moment fühlte ich mich zurückversetzt ins Teeniealter. Widerwillig ließ ich Gine den Schal um meinen Kopf legen, sodass meine Augen verbunden waren. „Siehst du auch nichts mehr?“ fragte Kerry und die Pause danach verriet mir, dass sie wohl gerade überprüfte wie viel ich nicht mehr sah. „Gut.“ vermutlich schmunzelte sie jetzt. Ich konnte es mir lebhaft vorstellen wie sich die beiden jetzt gegenseitig angrinsten in Angesicht von mir, der da relativ hilflos rumstand. Einen kurzen Moment später nahm mich eine der beiden am Oberarm und zog mich mit sich. „Wo geht’s hin?“ fragte ich brummend. Gine lachte. „Wenn ich dir das sagen würde, könnte ich dir auch gleich den Schal abnehmen.“ Den Rest des Weges gingen wir schweigend, hie und da stolperte ich über irgendwelche Kanten, die man mir nicht angesagt hatte. Irgendwann änderte sich der harte Asphalt zu weichem Boden. Und dann blieben wir stehen. Ich hob die Hände und wollte mir gerade den Schal runter nehmen, als mich jemand aufhielt. „Noch nicht!“ Widerwillig nahm ich die Hände wieder runter.
          „Ich hoffe ihr habt die Pferde vorher in Sicherheit gebracht.“ murrte ich, während Gine und Kerry irgendwas tuschelten. „Den Pferden geht es bestens.“ Dass mir da keine Frau antwortete machte mich stutzig. Erst ein paar Momente später registrierte ich, dass es Isaac war der zu mir sprach. „Werde ich heute Abend nochmal etwas sehen dürfen?“ fragte ich hoffnungsvoll, wurde aber nur ein Stück nach hinten geschoben. „Da stehst du besser.“ meinte Kerry. „Du wirst gleich erlöst.“ Wenngleich das nicht die sanfte Stimme von Kerry, sondern die glockenhelle von Gine war, klang dieser Satz wie Musik in meinen Ohren. Als Gine mir endlich den Schal abnahm sah ich mich um. Wir standen auf der entferntesten Weide, des Gestüts. Isaac machte ein kleines Lagerfeuer, das ihm jedoch immer wieder aus ging. Kerry hockte neben ihm und erklärte was er falsch machte.
          Neben dem Feuer lagen ein paar Säcke in denen wohl Zelte darauf warteten aufgebaut zu werden, außerdem eine Kühlkiste.
          Gine schmunzelte, als Kerry ihr zunickte, das Lagerfeuer lebte endlich. Mich machte in diesem Moment das Grillgut glücklich, das Isaac aus einer Kühlkiste packte. Der Grill stand einen halben Meter weiter und war bereits angeheizt. „Du sagst ja garnichts.“ bemerkte Isaac irgendwann, in fast schon beleidigtem Ton. Ich räusperte mich. „Ja, ich weiß noch nicht was ich hiervon halten soll.“ gab ich offen zu und sah rüber zum Stall. Immerhin war das hier eine Pferdeweide und das Feuer würde mit Sicherheit seine Male hinterlassen. „Wir haben für alles gesorgt, setz dich und halt wieder die Klappe.“ Gine grinste mich an und deutete auf die Decke, die sie im sicheren Abstand zum Feuer ausgebreitet hatte. „Lass dich doch einfach mal darauf ein.“
          Es brauchte seine Zeit, bis ich mich entspannte. Der Alkohol tat dann sein Übriges. Wir erzählten an diesem Abend viele private Geschichten und auch das Verhältnis zu Gine verbesserte sich schlagartig. Irgendwann verschwand Isaac nach Hause. Gine und Kerry wollten zelten, ich half ihnen also noch beim Aufbau, bevor ich ins Haus verschwand. „Du solltest mit uns zelten.“ Enttäuscht sahen mich die beiden an, doch ich dankte lachend ab. Der Abend war lang genug, als dass ich die Nacht im Zelt verbringen wollte. Immerhin ging es morgen wieder früh raus.

          Der nächste Morgen war grauenvoll. Um 5 Uhr klingelte der Wecker und es war noch niemand sonst wach. Sogar meine Eltern, die eigentlich gar nichts gemacht hatten, lagen noch in den Federn. Schlaftrunken setzte ich die Kaffeemaschine an. Als Gine und Kerry aus ihren Zelten krochen, waren die Pferde bereits gefüttert. „Gibt's Kaffee?“ fragte Kerry hoffnungsvoll. Gine lief schnurstracks ins Haus. „Folge ihr.“ ich zeigte Gine hinterher. Währen die zwei ausgiebig frühstückten, nahm ich mir bereits das erste der Fohlen vor. CHH' Classic Spring, sie ließ sich mittlerweile mehr oder weniger problemlos aufhalftern und gab brav die Hufe, wenn sie darum gebeten wurde. Beim Führen war sie recht schreckhaft, aber das gibt sich mit der Zeit. Gerade Stutfohlen sind in ihrem Alter oft guckig. Wieder im Stall übte ich außerdem noch das Anfassen und Putzen sämtlicher Körperregionen. Das gleiche Prozedere machte anschließend auch PFS Strolch mit, der neu im Stall war. „Kann man dir irgendwie zur Hand gehen?“ fragte Kerry irgendwann. Sie half mir dann dabei Emrys, Mephisto, Vikarund später PFS' Savory Blossom zu beschäftigen. Als wir mit den Jungpferden fertig waren schauten wir noch eine Weile Gine und Isaac zu, die gemeinsam in der Halle für Turniere trainierten. LMR Lady Luna war nun auch bald bereit zur Zuchtzulassung zu gehen. Vor Kurzem hatte sie einen Mini-Workshop mitgemacht, der sie fürs A-Springen qualifizierte. Und Scarlet in Birth wartete nur noch auf die Ergebnisse. Bald würden wir damit beginnen Blossom und Raver einzureiten. Einige Minuten schwelgte ich in Erinnerungen an die Fohlenzeit der beiden.
          Mit Gine lief es in der nächsten Zeit wieder ganz gut. Das Verhältnis hatte sich verbessert, das ganze Team hielt nun fester zusammen. Gine würde trotzdem das nächste Jahr vermehrt im Studium unterwegs sein. Deshalb musste ich einen weiteren Arbeiter finden, der die Arbeiten übernehmen kann die sie sonst erledigte. Kerry band sich zwar immer mehr mit ein und machte Fortbildungen im Therapiebereich, doch sie hatte den reiterlichen Wissensstand eines Teenagers und war damit für das fortgeschrittene Training der Pferde ungeeignet. Es entwickelte sich alles sehr langsam, meine Eltern zogen sich immer mehr zurück und würden sicher bald ganz aussteigen. Es fühlte sich ganz so an als würde ich noch einmal erwachsen werden. Das Leben stellte mich bald abermals auf Probe. Diesmal mit Ankündigung.

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          24. März 2017 | 3632 Zeichen von sadasha

          „Hunter, mein Lieber. Du hast nicht zufällig Lust auf Urlaub in den Niederlanden? Die Sprache ist ja fast wie Deutsch.“ Rinnaja steckte zur Zeit mitten im Umzug nach Europa und hatte schon einige Pferde hergeholt. „Mhmmm...“ brummte ich ein wenig widerwillig, da ich eigentlich genug auf meinem eigenen Hof zu schaffen hatte. „Bitte Hunter! Es sind auch erst ein paar Pferde im neuen Stall. Ich kann mich leider nicht zweiteilen und sowohl in Kanada als auch in Holland sein.“ erklärte sie und ich knickte ein. „Na gut.“ knurrte ich. „Wann kannst du da sein?“ schoss es gleich hervor noch bevor ich meine Antwort weiter ausführen konnte. „Ich melde mich nochmal, gib mir einen Moment.“ Klagend legte Rinnaja auf. Sie hätte die Hilfe am liebsten sofort vor Ort gehabt, aber eine Reise aus England musste geplant werden, wenn man nicht an x Stellen stundenlang warten wollte. Während meiner Suche nach einem guten Flugangebot schrieb mir meine Freundin ununterbrochen bei WhatsApp und hakte nach ob ich etwas gefunden hatte oder ob nicht dieses oder jenes Angebot geeignet wäre. Schließlich fand ich ein Angebot für morgen Vormittag. Last Minute mit genug Zeit um die wichtigsten Angelegenheiten in England noch abzuhaken.
          Ich kümmerte mich am Vormittag noch um meine Jungpferde Vikar, Mephisto, Raving Hope Slayer, PFS' Strolch, PFS' Savory Blossom und CHH' Classic Spring. Dass ich am Nachmittag in ein fast identisches Gesicht wie das von Strolch schauen würde, wusste ich da noch nicht.

          Die Reise verlief zum Glück etwas ruhiger, als der Abend zuvor und relativ entspannt kam ich in Holland auf Rinnaja's neuem Gestüt an. Schön hatte sie es hier und ich war gespannt was sie aus dem Konzept der Ställe in Holland machen würde. Meines Wissens nach wurden Reitställe hier wie Restaurants mit Sternen bewertet. Für mich stand natürlich außer Frage dass Rinnaja ihren Stall zu einem fünf Sterne Stall machen würde. Sie hatte jedenfalls genug Potential dafür mit dem Anwesen und den Pferden. Staunend blicke ich mich um und fand meine Freundin schließlich, wie sie schnellen Schrittes Richtung Wohnhaus lief. „Hey Rinnaja, ich bin da!“ rief ich ihr hinterher, damit sie stehen blieb. „Gut dass du da bist, Hunter! Danke.“ sagte sie und schob mich ins Wohnhaus, wo sie mich erstmal mit Kaffee und Kuchen versorgte. „Das wird ein Ritual oder?“ fragte ich grinsend und nahm dankend platz. Während wir da saßen erklärte mir Rinnaja, dass sie noch heute wieder nach Kanada abreisen würde um weitere Pferde für die lange Reise fertig zu machen. Ich sollte mich heute nur um Ashinta, Lady Fox, PFS' Scion d'Or und LMR Sunny Boy kümmern.
          Das kleine Vollblut Scion d'Or war Stromer wie aus dem Gesicht geschnitten, fast genau so wie mein Strolch, nur dass Scion ein Cremello war. Strolch hingegen war ein Palomino. Auch charakterlich gleichen sich die beiden wie ein Ei dem nächsten. Es machte Spaß mit Scion zu arbeiten und sie lernte schnell wie sie sich bei mir verhalten sollte. Auch die anderen Fohlen machten sich trotz des Umzugs und der neuen Person um sie herum ganz gut. Da Rinnaja im Stress war sah ich sie nur noch zum Abschied nehmen am Abend. Kaum hatten wir Tschüß gesagt verschwand sie auch schon. Neben den Fohlen stand auch Solsikke schon im neuen Stall. Die Knabstrupperstute wurde allerdings heute schon genug bewegt und so machte ich mich mit ihr erst am nächsten Tag bekannt. Für heute war es nun schon zu dunkel. Zur Sicherheit ging ich noch einmal jede Box ab und kontrollierte die Türen. Auch die Zugänge zum Stall überprüfte ich, bevor ich mich ins Gästezimmer des Wohnhauses begab um den Abend ausklingen zu lassen.

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          13. April 2017 | 12.988 Zeichen von sadasha
          „Du bist komplett dehydriert. Trink mal was!“ Kerry war aus dem Nichts aufgetaucht und streckte mir eine Flasche Wasser entgegen. Doch ich hatte jetzt keine Zeit,Emrys war drauf und dran sich mit Niffler anzulegen und im schlimmsten Fall würde das blutig enden. „Später.“ Gab ich Kerry zurück und ließ sie stehen um die Koppel zu betreten, die wir eigens für die Junghengste abgesteckt hatten. Das Shetlandpony hatte hier nichts verloren. Mit großen Schritten ging ich auf den Rappen zu, der noch ausreichend Abstand zu Emrys hatte, der Niffler aus der Ferne angiftete. Gerade als ich Niffler an der Mähne packen wollte sprach Kerry mich erneut an und war näher als ich dachte, weshalb ich erst mal zusammenzuckte und mich dann umdrehte. „Kann ich helfen?“ fragte sie und deutete zu Niffler, der wohl noch nicht sicher war ob er sich mit Emrys anlegen wollte oder nicht. Immerhin war das junge Reitpony schon so groß gewachsen, dass es mehr Masse hatte als das Shetty, flinker war es sicher auch. „Geh runter von der Koppel.“ befahl ich Kerry, die sofort Richtung Zaun verschwand. Im Gegensatz zu Gine, wusste sie, wann ich etwas ernst meinte und vertraute auf mein Wort im Umgang mit Pferden. Gerade hatte ich mich noch versichert, dass Kerry außerhalb des Zaunes stand fing hinter mir das Gequietsche schon an. Ich machte abermals ein paar Schritte in Richtung der Hengste. Als sie mich sahen bewegten sie sich immer noch zankend von mir weg. Irgendwie schaffte ich es dann doch Niffler von der Koppel zu jagen. Draußen wartete schon Gine um ihn abzufangen und in seine Box zu bringen. Schwer atmend stemmte ich die Hände auf die Knie und verschnaufte kurz, bevor ich die Koppel ebenfalls verließ. „Jetzt aber!“ Schon wieder hielt mir Kerry die Wasserflasche fürs Gesicht, diesmal nahm ich sie dankend entgegen und nahm einen großen Schluck daraus. „Siehst gleich viel besser aus.“ feixte sie. „Hunter? Ich hab eine Frage an dich.“ Sie sah mich mit so großen Augen an, dass ich vom Schlimmsten ausging. Was konnte sie wollen? Mehr Gehalt? Ein fertiges Therapiepferd, damit sie endlich Stunden geben konnte? „Gehen wir rein?“ fragte sie. „Eigentlich hab ich dafür keine Zeit.“ beteuerte ich und das war nicht mal gelogen. In den letzten Tagen hatte ich zusammen mit Isaac und meinem Vater die Geländestrecke wieder betriebsfertig gemacht und die Pferde brannten darauf endlich wieder einheizen zu können. Isaac war im Moment auch schon draußen mit seiner Come Back Cupcake und eigentlich wollte ich längst mit Slap Happy gefolgt sein. Kerry schien zu sehen, dass meine Gedanken gerade ganz woanders kreisten und nahm mich einfach am Arm und schliff mich Richtung Haus. „Aber mach es bitte kurz.“ drängelte ich. Drinnen angekommen schnappte sich Kerry zwei Tassen und füllte sie mit Kaffee, der schon seit zwei Stunden in der Kanne stand. Er reichte gerade so für ihr Vorhaben. „Wir trinken die jetzt und währenddessen erzähle ich dir meine Frage. Danach kannst du gehen.“ Kerry hatte immer irgendwelche Taktiken auf Lager, die einem kaum Spielraum ließen sich der Situation zu entziehen. Vermutlich weil sie Psychologie studiert hatte? Jedenfalls nahm ich die Tasse entgegen und lehnte mich damit gegen die Küchentheke. „Also, du weißt ja dass ich im Moment mit Mephisto arbeite. Er ist super!“ fing sie an und ich lauschte stumm. „Und ich bin auch absolut zufrieden mit ihm und möchte kein weiteres Pferd.“ Jetzt machte sie mich stutzig, doch ich sagte noch nichts. „Aber ich… hab einen Kurs gesehen. Bei dem nicht nur Mephisto etwas lernen könnte, sondern auch ich.“ Erleichtert lächelte ich. „Und dafür mussten wir rein gehen?“ fragte ich grinsend, doch sie blieb ernst. „Mein Problem ist nur, dass der Kurs in Schottland ist und ich hab keinen Hängerführerschein und ohne Mephisto macht der Kurs keinen Sinn. Außerdem dauert der Kurs einen Monat. Solange würde ich hier fehlen.“ Das war allerdings eine Problematik die ich auf die Schnelle nicht bedacht hatte. „Wo in Schottland?“ – „Dinnet bei Ballater.“ Das hatte ich noch nie gehört, musste ein kleines Dorf sein. „Es ist nicht ganz im Norden, aber schon ein Stück zu fahren.“ – „Ich überleg mir was.“ Mehr wusste ich im Moment nicht dazu zu sagen. Ich musste mich erst mal informieren ob der Kurs den Aufwand wert wäre und wie man dort hin kommen könnte ohne dass einer der Trainer den Hof verlassen muss.

          Kerry nahm einen letzten Schluck von ihrem kalten Kaffee, an dem ich nicht einmal genippt hatte. Dann bedankte sie sich für das Gespräch, schrieb mir alle wichtigen Eckdaten zum Kurs auf einen Zettel und ging raus um weiter mit Mephisto zu arbeiten.
          Den Tag über verschwendete ich keinen weiteren Gedanken an Kerrys Kursidee, sondern arbeitete ausgiebig mit Emrys. Immerhin war der Jährling bald zwei Jahre alt und irgendwie kam er doch immer etwas zu kurz. Er ließ sich nur ungerne aufhalftern und auch beim Hufe geben zeigte er sich stur. Wenigstens ließ er sich problemlos überall anfassen, putzen und hin führen. Als ich mit dem Reitponyhengst durch war schnappte ich mir Moulan. Die Rappstute freute sich ausgiebig bewegt zu werden und war heiß auf die Rennbahn. Wir hatten so lange an der Ovalbahn gebaut und endlich war sie fertig. Zumindest die Bahn. Das Rasenstück im Herzen der Rennbahn war noch weitestgehend unbebaut. Hier sollte dann bis nächstes Jahr noch ein Fahrparcours entstehen, auf dem wir unsere Reitponys und Niffler ordentlich auspowern können. Vielleicht würde mein Vater dann auch wieder mehr Sport machen. In den Sattel wollte er nicht mehr, was ich sehr schade fand.
          Moulan lief heute großartig. Sie holte noch einmal alles aus sich heraus undvielleicht würden wir sie bei der nächsten Saison nach ihrer Trächtigkeit nochmal starten lassen. Erst mal jedoch würde sie in Mutterpause gehen. Ikarus stand als Vater für ihr erstes Fohlen schon fest, wir mussten nur auf ihre Rosse warten. „Brrrt!“ Moulan parierte zum Schritt und kam mit wachen Augen auf mich zu. Ihre Nüstern waren noch immer gebläht und ihr Atem pumpte. Ich machte den Strick fest und führte sie quer über den Hof, damit sie sich runter kühlen konnte. Als sie nicht mehr pumpte legte ich ihr eine Abschwitzdecke auf und brachte sie auf die Koppel.
          Am Abend setzte ich mich an den Rechner. Links von mir Kerrys Zettel mit den Daten zu ihrem Kurs. Bis der Rechner hochgefahren war hatte ich meinen Kaffee schon halb leer. Doch dann endlich konnte ich mit meiner Recherche anfangen. Es stellte sich heraus, dass der Kurs tatsächlich recht renommiert war und Kerry dort eine ordentliche Ausbildung erfahren würde. Auch mit meinen Eltern sprach ich über diese Idee und über Möglichkeiten, Kerry den Wunsch zu erfüllen. „Du musst so oder so noch jemanden fest einstellen. Die Lösung mit Tom ist nur vorübergehend. Du weißt, dass er bald wieder weg muss und dann stehst du wieder vor stressigen Zeiten.“ Da hatte meine Mutter recht. Mein Vater nickte abwesend, was mir jedoch reichte.

          Der nächste Tag war voll von Büroarbeit. Für die Pferde hatte ich keine Zeit. Es galt den Kursaufenthalt zu planen. Wieder suchte ich stundenlang nach einem potentiellen neuen Arbeiter für den Hof und wieder war einfach nicht der oder die Richtige dabei. „Essen ist fertig. Kommst du?“ Ich wank ab. Essen war das letzte woran ich jetzt dachte. War es schon so spät? Ein flüchtiger Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits um Mittag war. Die Tür fiel wieder ins Schloss und so arbeitete ich weiter. Kerrys Kurs war nun in trockenen Tüchern. Tom würde noch so lange bleiben, aber sobald Kerry wieder da ist, würde er verschwinden und dann hätten wir wieder ein Problem. Kerry war kein Ersatz für einen Pferdetrainer, so toll dieser Kurs auch sein mochte. Er bildete sie als Therapeutin weiter, nicht als Pferdeausbilderin.
          Gerade schrieb ich einige Eckdaten auf, die ich mir für den morgigen Tag noch merken wollte, da ging hinter mir die Türe auf. „Du isst jetzt was!“ hörte ich den Befehlston von Kerry. Ich lachte leise und drehte mich in meinem Schreibtischstuhl um. „Danke.“ gab ich zurück und stellte den Teller ab. Da Kerry noch da war ging ich davon aus, dass sie noch etwas wollte. „Hast du dir die Sachen angesehen?“ wollte sie wissen. Ich nickte und sah kurz rüber zu meinem Zettel, den ich eigentlich gerade schrieb. „Und?“ – „Sieht gut aus.“ meinte ich knapp und drehte mich wieder um und fing an meinen Schreibtisch aufzuräumen. Für heute war genug Arbeit im Büro getan. „Nichts weiter?“ Kerry ließ nicht locker und versuchte einen Blick darauf zu erhaschen, was ich heute aufgearbeitet hatte. Als ich alles halbwegs sortiert und den Rechner heruntergefahren hatte stand ich auf. „Du machst den Kurs.“ meinte ich beiläufig. Vollkommen unerwartet sprang Kerry auf mich zu und umarmte mich unbeholfen. „DANKE!“ – Ein wohliges Brummen musste als Antwort genügen. Vorsichtig löste ich mich aus ihrer Umklammerung. „Ich geb dir morgen alle genauen Daten.“ Den einen Tag wollte ich mir noch Zeit lassen um alles auf Richtigkeit zu überprüfen. „Okay. Was machst du jetzt? Gehen wir ausreiten? Hast du Zeit?“ Wow, drei Fragen auf einmal. Prüfend sah ich sie an. „Können wir machen.“ Die Reitponyhengste würden sich freuen, dachte ich mir. Zumindest zwei von ihnen.
          „Seit wann ist der denn hier?“ Wir waren schon eine gute halbe Stunde unterwegs, als Kerry endlich den zweiten Gang bei Pendragon entdeckte und aufholte. „Zuckerwatte ist schon seit einer Woche hier.“ gab ich zurück und sah sie kurz an. „Nimm die Zügel kürzer und gib ihm mehr Druck, der schläft ja gleich wieder ein.“ korrigierte ich sie knapp. Sie tat wie geheißen und war jetzt neben uns. „Der ist schön, eignet der sich nicht als Therapiepferd?“ sie grinste. Die Frage war nicht ernst gemeint, aber den Gedanken konnte ich nachvollziehen. Zu Mephisto würde Zuckerwatte äußerlich wunderbar passen. Aber sie hatte Vikar. Der Tinker eignete sich charakterlich besser als Zuckerwatte und obwohl er viel dunkler war als Mephisto, würde auch er eine gute Ergänzung sein. Kerry folgte diesem Gedanken anscheinend. „Vikar ist auch super.“ sagte sie schnell und trieb Pendragon noch ein wenig mehr, weil sie wohl vorne laufen wollte. Zuckerwatte ließ sich bei einem Rennen nicht zweimal bitten. Ich bezweifelte jedoch, dass Kerry sich so gut im Sattel halten konnte, dass sie schon einem Renngalopp im Gelände Stand halten würde. Also zügelte ich Zucker und beobachtete, das Kerry da veranstaltete. „Na komm!“ rief sie lachend und galoppierte Pendragon tatsächlich an. Keine fünf holprige Halb-Galoppsprünge später parierte sie ihn wieder durch und hielt ihn an. „Okay, Galopp ist nichts für mich.“ meinte sie immer noch lachend. „Wieso sieht das bei euch immer so einfach aus?“ Ich lachte. „Übung?“ ich zog den Kopf zwischen die Schultern.
          Es war ein sehr angenehmer Ritt und auch die Hengste hatten sich von ihrer guten Seite gezeigt. Bei Zuckerwatte weiß man ja nie so recht.
          Zu Hause half mir Kerry wie immer beim Absatteln, doch es dämmerte schon und ich wusste, dass sie noch eine gute Strecke zu fahren hatte, bis sie zu Hause ist. „Du kannst ruhig gehen. Das schaffe ich alleine.“ sagte ich ruhig und zog den Sattel von Pendragons Rücken. Sie sah mich mit großen Augen an. „Ich helfe dir immer dabei!“ sagte sie schon fast patzig und schnappte sich die Trense von dem braunen Pony um mir in die Kammer zu folgen. Ich wollte nur nett sein, dachte ich mir und schwieg. Auf dem Rückweg zu den Ponys lief Kerry vor und klaute mir den Sattel von Zuckerwatte. Sie fiel dabei fast hintenüber, so viel Wucht hatte sie aufgewandt. Ich lachte und nah mir stattdessen die Trense über die Schulter und band Zuckerwatte los um ihn im Einen in seine Box zu bringen. „Du mogelst!“ beschwerte sich Kerry, die wohl in der Sattelkammer gewartet hatte. Mittlerweile hatte ich beide Hengste in ihre Box gebracht und hatte nun neben der Trense auch die zwei Putzkästen gepackt. Schmunzelnd sah ich sie an und ging an ihr vorbei in die Sattelkammer. Kerry fegte in der Zwischenzeit die Stallgasse. „Das ist unnötig.“ meinte ich lachend. Doch Kerry war das egal, sie wollte mir wohl irgendwas beweisen. Gerade drehte ich mich um, um zu gehen, da sprach sie mich nochmal ganz anders an. „Hunter?“ ihr Tonfall ließ es mir eiskalt über den Rücken laufen und so drehte ich mich gar nicht wirklich zu ihr um. „Hmm?“ – „Können wir mal zusammen was Essen gehen oder so?“ Nun drehte ich mich doch um und bereute es sofort. Sie sah mich mit diesem Blick an, wie ihn nur Frauen zu nutzen wussten. Ich seufzte, sah kurz auf die Uhr an der Stallwand und dann wieder zu Kerry. „Nicht heute!“ sagte sie hastig. „Du kannst dir ja... einen Tag aussuchen.“ Ich nickte. „Gute Nacht. Fahr vorsichtig.“ gab ich zurück und ließ sie stehen. Sie wollte ausgehen. Das musste ich erst mal verarbeiten. Vermutlich wollte sie sich damit dafür bedanken, dass sie den Kurs machen konnte auf meine Kosten. Sie sah wohl den Eigennutzen nicht, den ich damit verband. Müde fiel ich ins Bett und dachte nicht weiter darüber nach.


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          16. Mai 2017 | von sadasha
          Widerwillig knurrend schaltete ich nach vier Snooze Durchgängen meinen Wecker aus und rappelte mich hoch. Gerade als ich mein Schlafzimmer verlassen wollte hämmerte es gegen die Türe: „Aufstehen, Frühstück wird kalt!“ rief meine Mutter und sah mich erschrocken an, als ich sofort die Tür öffnete und vor ihr stand. „Morgen.“ murrte ich und glitt an ihr vorbei ins Bad um mich fertig zu machen. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich so viel Kaffee intus, dass ich voller Tatendrang war. Ein kurzer Blick auf den Arbeitsplan verriet mir, dass ich heute den Vormittag bei meinen Vollblütern verbringen würde. Gine hatte die Offenställe von Mr. Raw Depression, Ehrengold und CHH‘ Lamperd schon geöffnet, sodass die Hengste nach draußen gehen konnten. Die Stuten jedoch warteten noch ungeduldig darauf herausgelassen zu werden. Blütenzauber streckte ihren Kopf in die Stallgasse, als ich mit den passenden Halftern näher kam. Neben Blütenzauber, nahm ich auchBear Totem’s Denali, LMR Lady Luna samt Little Miss Backyard, Scarlet in Birth samt Stars of Magic und Riven in a Dream samt Rouge Trap mit raus. Natürlich musste ich mehrmals laufen. Immer eine Stute links, eine rechts. Hatte die Stute ein Fohlen bei Fuß, so lief es ohne mein Zutun mit. Nachdem alle Stuten auf dr Weide standen kümmerte ich mich um die Youngsters. Golden Sugar und PFS Strolch standen zusammen mit Raving Hope Slayer auf der Bachelor Weide. CHH‘ Classic Spring hatte Gine gerade im Training. PFS‘ Savory Blossom war mit einem der Jockeys auf dem Weg zur Ovalbahn.

          „Jetzt sind es nur noch wir beide.“ sagte ich zu Moulan, während ich meiner Rappstute das Halfter überstreifte. Moulan ließ das bei mir mittlerweile ohne Angst zu. Auf der verlassenen Stallgasse machte ich sie fest und holte ihren Putzkoffer. Beim Putzen ließ ich mir ordentlich Zeit und untersuchte meine Stute auch auf Ungeziefer oder Schrammen. Moulan war im besten Zustand seit Langem. Wir hatten seit ein paar Tagen die Testergebnisse ihrer Farbgene da. Sie war ein reinerbiger Rappe, was mir sehr zusagte. Zwar war mir die Farbe meiner Pferde im Grunde egal, wenn ich jedoch die Wahl habe würde ich immer mehr zum Braunen oder Rappen tendieren als zum Fuchs. Bei der nächsten Decksaison ist Moulan auch dabei. Mit 10 Jahren war sie eine verhältnismäßig alte Maidenstute, doch sie brauchte die Zeit.

          Eine halbe Stunde später stand ich mit Moulan auf dem Springplatz. Vor dem Platz hatten es sich meine Mutter und Kerry gemütlich gemacht. „Was machst du hier?“ wollte ich Kerry wissen, die ich heute nicht eingeplant hatte. Sie lächelte nur und wank ab. Weiß der Himmel was sie wieder hatte. Ich dachte nicht weiter daran und konzentrierte mich auf Moulan unter mir. Wir nahmen zuerst ein paar Cavalettis zum warm werden, bevor ich sie auf den aufgebauten Parcours brachte. Fehlerfrei waren unsere Durchgänge heute nicht, jedoch hatte ich das Schwierigkeitslevel erhöht. Sie musste engere Kurven gehen und sich schneller auf die neuen Hindernisse einstellen als üblich. Am Ende konnten wir aber doch zufrieden sein. Ein Durchgang ohne gefallene Stange war wirklich lobenswert für eine Stute, die eigentlich nicht als Springpferd geboren ist. Nach dem Abreiten lobte ich Moulan abermals und brachte sie schließlich mit ihrer Abschwitzdecke auf die Weide zu den anderen Stuten. Der Vormittag war damit vorbei.

          Nach der Mittagspause setzte ich mich in meinen Wagen. „Wohin willst du?“ Kerry… Die hatte ich schon ganz vergessen. „Zum Pineforest Stable.“ gab ich knapp zurück und legte den Sicherheitsgurt an. „Aha, was machst du da?“ sie warf einen suchenden Blick auf den Beifahrersitz neben mich. „Ich besuche dort ein Fohlen, das ich gekauft habe.“ Kerry fing an zu strahlen. „Darf ich mit?“ Natürlich sagte ich nicht Nein. Ich hätte keinen triftigen Grund gehabt.
          Auf dem Gestüt von Occulta Smith herrschte regen Treiben. Kerry war begeistert wie viele Pferde und Mitarbeiter es hier gab. An jeder Ecke blieb sie stehen um sich etwas genauer anzusehen. Ich hingegen lief suchend von Gebäude zu Gebäude bis ich Occulta fand. Wir grüßten uns herzlich, bevor sie mich zu PFS‘ Storm Catführte. Das junge Schimmelstutfohlen tollte auf der Weide und man sah ihr Rennpotential ganz deutlich. Ich war begeistert. Bis zuletzt hatte ich immer versucht mich mehr auf meinen Sport zu fokussieren, doch jetzt da ich eine eigene Ovalbahn hatte, hatte ich die freie Wahl. „Und immer noch zufrieden mit deiner Wahl?“ wollte Occulta wissen und ich nickte. Mehr als das. Ein Schimmelfohlen war schon immer mein Traum. Mit Storm Cat wurde dieser erfüllt. Eine ganze Weile blieb ich am Zaun stehen und sah meinem zukünftigen Pferd zu. Kerry lief währenddessen überall herum, bis sie auch das irgendwann langweilig fand und wieder zurück wollte.

          Erst gegen Abend trafen wir wieder auf dem Bear Brook EC ein. Der Feierabendverkehr hatte uns voll erwischt. Gut zwei Stunden standen wir im Stau. Erst als ich die drei auf der Weide sah fiel mir ein, dass ich sie vollkommen vergessen hatte. „Mist…“ murmelte ich und Kerry sah mich mitfühlend, aber verwirrt an. „Was denn?“ fragte sie. „Eigentlich hätte ich heute Iseabail, Felan und Lady Lyneth Bowen bewegen sollen.“ gab ich zurück und sprang aus dem Wagen, als ich ihn geparkt hatte. Gine war noch immer auf dem Hof, zumindest stand ihr Wagen hier. Ohne Kerry weiter zu beachten suchte ich sie und fand sie in der beleuchteten Reithalle. „Es tut mir leid, Gine. Hast du die drei auch noch bewegt?“ fragte ich. Gine saß gerade auf Mister Blockhead und es sah ganz so aus, als wäre sie gerade fertig mit ihm. Sie nickte lächelnd. „Alles gut, deine Mutter hat mir geholfen und die Reitponystuten mit bewegt.“ Das hieß Princess Sansa, Iceflower, Arcany und Eismärchen waren auch beschäftigt worden. „Wen hast du noch gemacht?“ fragte ich, da ich meine Gedanken gerade nicht sortieren konnte. „Samson, Niffler, Pendragon, PFS‘ Heart of Ocean und Zuckerwatte.“ gab sie zurück und stieg ab. „Das reicht für heute oder?“ fragte sie neckend. „Isaac kam aber auch noch, er hat Come Back Cupcakegemacht und sich dann um Emrys, Mephisto und Vikar gekümmert.“ Nun war ich komplett raus. „Morgen wird es besser.“ versprach ich. Mir tat es wirklich leid, die beiden so allein gelassen zu haben, aber mein Kopf ist heute Morgen anscheinend im Bett geblieben.[/SPOILER][/CENTER]


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    • sweetvelvetrose

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      11. Juli 2017 | 38.351 Zeichen von adoptedfox und sadasha

      Hunter | Auf dem Bear Brook EC ging es etwas turbulenter her als üblich. Gine giftete immer wieder aus dem Nichts los. Leider nicht nur bei mir, sondern auch bei Isaac, meinen Eltern oder anderen Angestellten. Manchmal sogar bei Feriengästen. Eine Weile hatte ich mir das Theater angesehen. Die ein oder andere Mahnung hatte Gine bekommen, bevor ich sie schlussendlich entlassen musste. Isaac war davon nicht begeistert, immerhin kam er noch gut mit ihr zurecht. Doch seit ich den Hof tatsächlich alleine führte, weil meine Eltern ausgezogen sind, war mir das Drama um Gine zu viel. Als Kerry von ihrer Fortbildung wieder zurückkam fiel sie aus allen Wolken. Sie hatte so viele gute Erfahrungen aus Schottland mitgenommen. Jetzt stand sie auf dem Hof und erkannte die Hälfte des Personals nicht mehr, weil es ausgewechselt wurde. Die Jockeys und Isaac waren die einzigen bekannten Gesichter für sie.

      “Und wieso wohnen deine Eltern nicht mehr hier?” fragte Kerry, als wir abends auf dem Innenhof saßen und ich ihr die aktuelle Lage erklärte. “Sie wollten besser angebunden sein, nicht mehr mit dem Auto fahren müssen.” antwortete ich. Es fühlte sich noch immer unwirklich an, dass die beiden nicht mehr hier lebten, auf ihrem Hof. Aber sie waren glücklich mit dieser Entscheidung. Kerry schien zu merken, dass ich darüber nicht weiter sprechen wollte. Stattdessen fragte sie nach Mirko, der gerade vorbeilief und mir zuwinkte um sich zu verabschieden. “Er ist eine neue Stallhilfe. Er kümmert sich zusammen mit Elizabeth Carroll um die Fütterung der Pferde und darum, dass die Weidezeiten eingehalten werden.” Kerry nickte anerkennend. “Hört sich ja sehr… strukturiert an. Fühlt sich Isaac dann nicht nutzlos?” Kopfschüttelnd grinste ich sie an. “Er freut sich mehr Zeit zu haben.” - “Und er bekommt das gleiche Geld?” wollte Kerry wissen. “Darüber sprechen wir nicht.” gab ich zurück und zeigte stattdessen auf Elise und Louis Clayton. “Die beiden kümmern sich um Gäste und darum, dass es Mittags etwas zu Essen gibt.” erklärte ich. Wieder nickte Kerry. Sie wollte immer noch gerne wissen, wie ich das denn finanzieren kann. Aber das sollte meine Sorge sein. Sie fragte nicht noch einmal nach. “Morgen Vormittag lernst du die neue Dressurreiterin kennen. Damit sollten wir dann alle neuen Gesichter haben.” schloss ich gut gelaunt und stand auf. “Über Magical Touch reden wir noch.” sagte ich, bevor sie diesen Punkt einwenden konnte. Kerry hatte gesehen, dass Mephistos Mutter verkauft werden sollte. Sie wurde als Therapiepferd angepriesen und wäre ideal für ihr Vorhaben Stunden anzubieten. Mir sollte das recht sein, der Platz war da und es würde dem Ruf zugute kommen. “Mir liegt wirklich viel daran.” betonte Kerry, als auch sie aufstand. “Mephisto solltest du dann trotzdem noch ausbilden.” sagte ich noch, bevor wir uns verabschiedeten.

      Am nächsten Tag wachte ich unfassbar spät auf, sodass ich es eilig hatte in den Stall zu kommen. Schließlich warteten die Pferde auf ihr Frühstück. Erst als ich halb angezogen an den zufrieden fressenden Pferden vorbei lief fiel mir auf, dass Elizabeth heute schneller war.
      “Guten Morgen, Mr. Crowley!” brummte Mirko Vicari, der gerade mit PFS Strolch auf dem Weg zur Weide war. Hinter ihm stand Elizabeth mit Golden Sugar. “Ist alles in Ordnung?” fragte sie und beäugte mich mit einem Blick, den ich nicht einordnen konnte. Ich musste furchtbar lächerlich aussehen, nicht nur weil mir das Hemd halb aus der Hose hing und die Haare zu allen Richtungen standen. Auch mein Gesichtsausdruck war wohl in diesem Moment nicht der frischeste. Nachdem ich das nun festgestellt hatte fuhr ich mir durch die Haare. “Nein, alles okay. Ich muss mich erst daran gewöhnen manche Arbeiten nicht mehr selbst machen zu müssen.” Die beiden nickten und brachten dann die Hengstfohlen auf ihre Weide. In der Küche war zu meiner Erleichterung noch niemand. Die Claytons waren also auch noch nicht fertig. Ich setzte Kaffee auf und machte mir etwas zum Frühstück. Keine fünfzehn Minuten später bekam ich eine Nachricht von Käthe. “Hey, wann geht’s los?” wollte sie wissen. Desorientiert sah ich im Kalender nach, was heute anstand. Die Messe! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wir wollten heute zur Pferdemesse. “Gib mir eine Stunde, dann hole ich dich ab.” schrieb ich zurück und eilte ins Bad um mich fertig zu machen.
      “Hunter, einen Moment.” Isaac schlug mir seinen Arm vor die Brust und hielt mich fest, als ich auf dem Weg zum Auto war, sodass ich stehen bleiben musste. “Ich hab keine Zeit!” beschwerte ich mich und machte Anstalten einfach weiter zu gehen. “Du musst noch die Wurmkuren abholen, die liegen seit Wochen beim Tierarzt!” sagte er eindringlich und lockerte seinen Griff. “Stimmt. Mache ich.” sagte ich und lief weiter um mein Auto soweit leer zu räumen, dass mögliche Messekäufe hinein passen würden. Wie ich Messe und Tierarzt verbinden sollte war mir jedoch ein Rätsel. Wenn es gut lief, waren wir in fünf bis sechs Stunden durch und konnten dann gerade so vor dem Feierabendverkehr zurückfahren. Dann würde ich wohl auch den Tierarzt noch unterbringen können. Wenn es aber schlecht lief, würden wir für alles länger brauchen und der Tierarzt geschlossen haben, bevor wir ihn erreichen...



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      25. Oktober 2017 | 13.287 Zeichen von sadasha

      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei.Braddock ‚The Parrot‘ schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.

      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…

      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.

      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.


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      13. Februar 2018 | 14487 Zeichen von adoptedfox und sadasha

      Hunter | Mit Kopfzerbrechen lag ich wach. Käthe benahm sich wie ein Teenager, der nicht wusste ob er gute oder schlechte Laune hatte. Mit Sicherheit kam es mir auch nur so vor, aber es nervte mich. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr morgens war. Noch drei Stunden um Schlaf zu finden, bis der Arbeitstag beginnt. Eigentlich hatte Käthe nichts Schlimmes verbrochen. Wir hatten wenig Kontakt und als wir uns zufällig trafen war es komisch. Da kann Käthe auch nichts für, oder doch? Pitch riss mich aus meinen Gedanken. Er träumte und schlug dabei mit seinen Pfoten gegen das Bett, was mich richtig wach machte. Zwar kannte ich die Geräusche schon und sie versetzten mich nicht mehr in einen Schockzustand wie beim ersten Mal als ich sie hörte, aber dennoch saß ich jetzt kerzengerade im Bett und beobachtete den schwarzen Rüden. Punkt 5 Uhr sprang Pitch auf und lief im Zimmer auf und ab. Es dauerte nicht lange, bis mich das Geräusch der Krallen auf dem Parkett so nervte, dass ich aufstand um ihn rauszulassen. Bei der Gelegenheit machte ich mich gleich auch fertig für den Tag und bereitete im Anschluss Pitchs Frühstück vor. Mrs Clayton machte nebenbei Kaffee und warf ab und an einen argwöhnischen Blick auf das rohe Fleisch. „Das riecht fürchterlich.“ klagte sie und sog den Duft der ersten Tasse Kaffee ein um den Gestank loszuwerden. „Für Pitch duftet das gut.“ erwiderte ich und deutete zum Retriever, dem der Sabber schon aus den Lefzen hing. Da er dazu neigte sein Futter in einem Drei-Meter-Radius um sich herum zu verteilen wenn er fraß, fütterte ich ihn seit ein paar Monaten draußen. Auch heute stellte ich die Schüssel vor die Türe und Pitch trottete fröhlich hinterher um sein Frühstück auf dem überdachten Platz zu genießen.
      Ein paar Stunden später stand ich mit Kerry in der Reithalle und half ihr mit Vikar und Mephisto. Die beiden Junghengste waren zur Zeit im Beritt und bekamen daher besonders viel Aufmerksamkeit. Kerry hatte es mit Hilfe einer Trainerin bereits geschafft sie an das Zubehör und Reitergewicht zu gewöhnen, sodass nun die richtige Arbeit anfing. Nach gut zwei Stunden saßen wir wieder ab und brachten die zwei in ihre Boxen. “Ist bei Käthe und dir eigentlich alles in Ordnung?” fragte Kerry. “Wieso fragst du?” Wollte sie jetzt wirklich über meine Beziehung sprechen? “Weil sie lange nicht mehr hier war und du warst schon lange nicht mehr bei ihr. Am Hof gehen schon Gerüchte rund, dass es bei euch kriselt.” - “Gerüchte?” fragte ich lachend. “Jetzt lenk nicht ab! Ist alles in Ordnung?” - “Ich weiß es selbst nicht.” meinte ich schulterzuckend und machte mich auf die Suche nach Pitch. “Du solltest mit ihr sprechen, wenn du nichtmal selbst weißt was Sache ist. Das meine ich nicht nur als Psychologin, sondern auch Freundin.” Wahrscheinlich hatte sie damit recht. Sie hatte Recht. Ohne vorher anzurufen packte ich Pitch in den Wagen, den ich irgendwo bei den Weiden aufgegabelt hatte und fuhr los.

      Käthe | “Soll ich dir sicher keinen Helm bringen?” rief Erin mir über den Platz zu. Ich lachte gespielt und verneinte während ich damit beschäftigt war Smooth Gravity zu parieren. Die Stute machte es mir alles andere als einfach. Als ich sie endlich dort hatte wo ich sie wollte hielt ich neben Erin an und rieb mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. “Du hättest sie Probe reiten sollen.” sagte sie vorwurfsvoll und reichte mir eine Flasche Wasser. “Sie muss sich erst einleben. Gib ihr etwas Zeit!” erwiderte ich und nahm einen kräftigen Schluck. “Einen Versuch noch!” motivierte ich mich selbst und nahm die Zügel auf. Konzentriert trabte ich die Stute an und wechselte durch die ganze Bahn um die Stute anzugaloppieren. Gravity kam mir jedoch einen Schritt zuvor und machte einen gewaltigen Satz nach vorn um mich abzusetzen. Was ihr gelang. “Du hättest dir einen Helm aufsetzen sollen.”

      Stöhnend rappelte ich mich auf und rieb mir die Schulter. “Was machst du denn hier?” fragte ich Hunter und lief zu Gravity die am Zaun stand und mich beobachtete. “Nach dir sehen.” gab er trocken zurück. “Jetzt hast du mich ja gesehen.” antwortete ich und öffnete das Tor um Gravity zurück in den Stall zu bringen. “Ich lass euch besser allein, ja?” flüsterte Erin und lächelte mir aufmunternd zu bevor sie ging. Ich zog der Stute die Zügel über den Hals, nahm die Trense ab und zog ihr ein Halfter an damit ich sie in der Stallgasse anbinden konnte. “Ich wollte nach dir sehen, weil wir sprechen müssen.” sagte er genervt. “Ich hör dir zu.” sagte ich ohne ihn anzusehen, nahm der Stute den Sattel ab und brachte ihn zusammen mit dem Zaum in die Sattelkammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob ich den Sattel auf seinen Platz und ging zurück zu Gravity und Hunter. Ich nahm den Hufkratzer aus der Putzbox und hob einen Huf der Stute an. “Du wolltest mit mir sprechen.” erinnerte ich Hunter und begann damit ihren Huf auszukratzen. “Hast du dich verletzt?” wollte er wissen und bemühte sich um eine nicht allzu besorgte Miene zu machen. “Natürlich habe ich mich verletzt, ich wurde gerade in hohem Bogen abgesetzt.” gab ich genervt zurück und drängte mich an ihm vorbei. “Dann fahre ich dich jetzt zum Krankenhaus.” - “Nein das wirst du nicht.” unterbrach ich ihn und sah auf. “Es geht mir gut. Zwei oder drei Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.” - “Das.” Er packte mir forsch an die Schulter. “Ist nicht in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung.” Ich stöhnte vor Schmerz auf und gab ihm aus Reflex eine Ohrfeige. “Was sollte das?” fragte ich und sah ihn vorwurfsvoll an. Er ignorierte meine Frage und bugsierte mich zu seinem Wagen. Pitch folgte uns fröhlich. “Ich bleibe hier!” fuhr ich ihn an und stemmte meine Hand gegen die Tür damit er sie nicht öffnen konnte. “Damit es schlimmer wird und du für Wochen ausgeknockt wirst, weil du nicht sofort zum Arzt gehen wolltest? Machst du das immer so? Sachen aufschieben?”- “Aufschieben?” fragte ich und wirbelte herum damit ich ihn ansehen konnte. “Du meinst also ich schiebe Sachen auf, ja?” - “Ja.” - “Zum Beispiel?” fragte ich und verschränkte die Arme. Er verdrehte genervt die Augen. “Jetzt gerade, zum Beispiel. Aber wenn du nicht willst. Dann geh halt und sitz es aus.” Er ließ mich los. “Ich bin auch der Meinung du solltest das abklären lassen…” warf Erin ein die, allem Anschein nach, schon eine Zeit lang in der Haustür stand und mitgehört hatte. Ich sah sie an und atmete hörbar aus. “Ich muss mich um…” begann ich, musste aber unterbrechen als Hunter die Wagentür öffnete und mich auf den Sitz schob. “Danke!” rief er Erin zu und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er zog die Tür zu und verriegelte das Fahrzeug. “Hunter! Das ist Entführung!” rief ich und sah ihn an. “Sobald du aus dem Krankenhaus raus bist, fahre ich dich gerne zur Polizei, damit du mich anzeigen kannst.” meinte er spitz und fuhr los. Genervt schnallte ich mich an und sah aus dem Fenster. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Auch im Krankenhaus schien es nicht besser zu werden. Die Notaufnahme war brechend voll und man teilte mir mit, dass es zirka 2 Stunden dauern würde bevor ich dran war. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und ging nach draußen, wo ich mir von einem jungen Mann, der etwa mein Alter hatte, eine Zigarette lieh. Normalerweise rauchte ich nicht, aber manchmal war es eine Erfüllung.

      Hunter | Ich ging davon aus, dass Käthe frische Luft schnappen wollte, daher folgte ich ihr nicht sondern wartete geduldig. Als ich geistesabwesend aus dem Fenster sah konnte ich meinen Augen nicht glauben. Käthe mit einer Zigarette? Seit wann rauchte sie? Ohne nachzudenken ging ich raus und sah sie verwirrt an. “Was hab ich noch verpasst?” fragte ich fast schon enttäuscht, dass ich nichtmal davon etwas wusste. “Ich habe drei neue Pferde und habe die mobile Pferdepflege aufgegeben um meine Trainerlizenz zu erhalten und… sonst eigentlich nichts.” antwortete sie und blies mir den Rauch entgegen. Resigniert nickte ich und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Tasche um mir eine anzumachen. “Wie sieht es bei dir aus?” fragte sie und sah mich an. “Wenn sich bei mir etwas Großes bewegt hätte, wüsstest du davon.” - “Das ist also der Grund weswegen du dich nicht mehr gemeldet hast.” - “Was?” verwirrt sah ich sie an. Ich hatte keine Lust wieder zu diskutieren. “Ach vergiss es!” sagte sie, warf ihre Zigarette auf den Boden und ging wieder hinein.

      Nach zwei Stunden wurde Käthe endlich aufgerufen. Die Schulter und der Ellenbogen waren geprellt und der Arzt riet ihr sich zu schonen. Dass sie das nicht tun würde stand außer Frage. “Wieso hast du dich nicht gemeldet?” fragte Käthe leise. “Weil ich nicht sicher war ob es richtig wäre. Deinem Vater ging es nicht gut und ich dachte du würdest dich lieber erstmal auf ihn konzentrieren. Ich wollte nicht stören. Ich war mir sicher, dass du dich gemeldet hättest, wenn es wieder passt.” - “Danke, jetzt fühle ich mich schlecht!” rief sie und rutschte tiefer in den Sitz hinein. Ich lachte leise. “Noch schlechter?” Doch anstatt zu antworten nickte sie nur. “Ich habe oft überlegt dir zu schreiben oder einfach vorbei zu fahren aber ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten.” Seufzend stieg ich aus und ging um den Wagen herum um Käthe die Tür zu öffnen. “Also waren wir in etwa gleich blöd.” schloss ich und warf die Tür zu, nachdem Käthe ausgestiegen war. “Kann man so sagen, ja.” antwortete sie und lächelte. Wie sie da stand, noch immer an den Wagen gelehnt und lächelnd trotz ihrer Verletzung an der Schulter, war sie der schönste Mensch, den ich mir jetzt gerade vorstellen konnte. Es fühlte sich an als hätte jemand die Zeit angehalten, doch mein Herz raste dagegen an. Wie gerne würde ich sie jetzt... Doch ich hielt mich zurück. Wir hatten gerade erst unseren bisher größten Konflikt gelöst und da konnte ich jetzt nicht... oder doch? Unwillkürlich sah ich mich vor ihr, hatte meine Hände an ihre Hüfte gelegt und berührte sanft ihre Lippen mit meinen. Es war kein richtiger Kuss, es war mehr eine kaum spürbare Berührung. Doch sie weckte mich aus meiner Trance. Ein eiskalter Schauer durchlief meinen Körper und riss mich ein paar Schritte von ihr weg. Noch immer pochte mein Herz so stark, als wolle es mir aus der Brust springen. Ich atmete hörbar aus und fuhr mir durch die Haare, während ich mich langsam wieder beruhigte und zu ihr umdrehte. “Ist alles in Ordnung?” fragte Käthe besorgt und rieb sich die verletzte Schulter. “Alles Bestens.” gab ich verschmitzt lächelnd zurück. “Ich muss leider wieder fahren. Isaac ist heute quasi Alleine mit den Pferden und da muss ich mithelfen.” - “Schreiben wir heute Abend miteinander?” fragte sie, während sie auf mich zu kam und umarmte. “Ich habe dich wirklich vermisst.” flüsterte sie leise und lehnte ihren Kopf auf meine Brust. “Ich hab dich auch vermisst. Ich schreibe dir wenn wir mit den Pferden durch sind.” Ich konnte sie zwar nicht sehen, spürte aber dass sie zufrieden lächelte. “Dann schaue ich mal wie weit Erin mit den Pferden ist.” - “Melde dich, wenn du mich brauchst. Ich kann Isaac auch mal alleine lassen.” meinte ich schmunzelnd und öffnete die Fahrertür. “Mache ich, versprochen!” sagte sie lächelnd und entfernte sich ein paar Schritte vom Wagen damit ich fahren konnte.

      “Auch mal wieder da?” rief mi Isaac zu, der gerade mit Mr. Raw Depression von den Feldern zurück auf den Hof kam, als ich aus meinem Wagen stieg. Es war mittlerweile Spätnachmittag und eigentlich hätte ich ihm helfen müssen die Pferde zu versorgen, weil Kerry nur bis mittags da war. Entschuldigend hob ich die Hände und kam mit Pitch im Schlepptau zu ihm. “Es kam leider etwas dazwischen. Wer muss noch gemacht werden?” Isaac taxierte mich kritisch, während er Mr. Raw Depression auf eine unscheinbare, ruhige Art die Leviten las, da der Hengst versuchte einfach weiterzulaufen, obwohl Isaac stehen geblieben war. “Du kannst deine Vollblüter als abgehakt sehen. Ehrengold, Raving Hope Slayer und PFS Strolch hatte Kelly noch auf die Rennbahn gelassen und Slap Happy, Blütenzauber, Bear Totem’s Denali, Moulan, Riven in a Dream, Scarlet in Birth, LMR Lady Luna, PFS’ Savory Blossom, Happy Fantasy und CHH’ Classic Spring hab ich in der Führanlage laufen lassen. Golden Sugar, Stars of Magic, PFS’ Storm Cat, Little Miss Backyard, Fantastic Sonata, Rouge Trap, What Rainbow und Bear Brooks Denahi hat Kerry glaube ich zusammen von der einen zur anderen Weide geschickt. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter stand, aber die Fohlen sind damit alle bedient gewesen, sodass ich sie zwischendurch nur zurück in die Boxen gebracht hatte. Immerhin soll es kommende Nacht wieder frieren. Achja, Benji und Niffler haben sich heute in den Haaren gehabt, die hab ich jetzt getrennt gestellt. Nicht dass du dich wunderst. Wir müssten jetzt noch die Großen machen und Verdine.” - “War Ruby da?” Isaac nickte. “Ja, war sie. Sie hat Braddock ‘The Parrot’ bewegt und ist dann wieder abgezischt. Die war wegen irgendwas verstört, schlechte Noten, Beziehungsdrama, weiß der Geier… Apropos Beziehungsdrama…” Wieder taxierte der Ire mich und wartete auf eine Antwort. Doch ich beschloss nicht auf diese Anspielung einzugehen. “Gut, dann schnappe ich mir als erstes Iseabail und Lady Lyneth Bowen. Du nimmst dir bitte Magical Touch und Felan vor.”
      Gesagt getan, beide machten wir uns an die Arbeit. Isaac ließ immer wieder Sticheleien vom Stapel und versuchte aus mir herauszuquetschen was denn jetzt mit Käthe und mir war, doch ich genoss es ihm den Gefallen nicht zu machen. Soll er ruhig ein bisschen grübeln, wenn es ihn so brennend interessierte. Nachdem die Stuten bewegt waren, blieben uns nur noch Mister Blockhead und Thomas. Als auch diese beiden Hengste zufrieden und müde in ihren Boxen standen war es schon längst Dunkel geworden. Die Uhr zeigte 11 Uhr abends. “Danke.” sagte ich knapp als Isaac sich in seinen Wagen schwang. “Du weißt, dass du dich immer auf mich verlassen kannst.” gab er zurück und knallt die Tür zu um loszufahren. Lachend wandte ich mich ab und ging noch einmal über den Hof um alle Tore und Türen zu kontrollieren. Nebenbei sammelte ich Pitch ein, der sich in einer leeren Box auf Mäusesuche begeben hatte. “Komm Junge.” rief ich und der schwarze Rüde folgte, wenn auch widerwillig. Als ich mir sicher war, dass der Hof gut abgeriegelt war ging ich ins Haus und sprang erstmal unter die Dusche, ehe ich mich aufs Bett warf und mein Telefon aus der Tasche kramte um mich bei Käthe dafür zu entschuldigen, dass es so spät geworden war.
    • sweetvelvetrose
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      23. März 2018 | 4511 Zeichen von adoptedfox
      von Landsberg Trainingscenter | Dressurtraining Stufe E - A
      Käthe | Heute war es soweit. Mein erster Arbeitstag als Trainerin lag vor mir und der Auftraggeber, zu dem ich gleich fahren würde, war mir nicht unbekannt. Als ich am Abend zuvor die E-Mail von Hunter mit der Auftragserteilung erhielt, schüttelte ich lachend den Kopf. Er schaffte es immer wieder mich zum lachen zu bringen und unterstützte mich so gut es ihm nur möglich war. Da ich mich auf dem Bear Brook EC auskannte stellte ich den Wagen auf dem Parkplatz ab, nahm meinen Rucksack aus dem Kofferraum und machte mich auf den Weg zur Stallanlage um die Box von Mephisto aufzusuchen, bei dem heute eine Dressureinheit auf dem Plan stand. “Na mein Großer, bist du bereit etwas zu lernen?” begrüßte ich den jungen Hengst, der erst vor ein paar Monaten eingeritten worden war. Ich stellte meinen Rucksack vor der Box von Mephisto ab und ging in die Sattelkammer, wo ich mich nach seinem Sattelzeug umsah und ein paar Putzutensilien mitnahm damit ich den Hengst fertig machen konnte. In langen Zügen striegelte ich sein Fell und bürstete die letzten Büschel seines Winterfells aus, bevor ich mich daran machte seine Hufe auszukratzen. “Du bist aber auch einer von der ganz ruhigen Sorte.” sagte ich während ich die Mähne des Hengstes kämmte, der seelenruhig da stand und manchmal sogar kurz davor war einzudösen. Ich ging zurück in die Sattelkammer wo ich seine Trense über meine Schulter hing und den Sattel in beide Hände nahm und zu ihm zurück ging, um ihn aufzusatteln. Ich zog den fülligen Schopf über das Stirnband der Trense, zog meinen Helm aus dem Rucksack und führte den verträumten Hengst in die Reithalle wo ich ihn aufstellte und meinen Helm aufsetzte bevor ich mich auf seinen Rücken schwang. “Jetzt reiten wir dich erstmal schön warm Mephisto.” sprach ich beruhigend mit dem Hengst und ritt ihm in Schritt durch die Bahn. Nach einer viertel Stunde hielt ich Mephisto an und zog den Gurt nach, damit wir mit dem eigentlichen Training beginnen konnten. Ich trabte den Hengst aus dem Stand an und blieb auf dem oberen Zirkel der Halle wo ich je nach zwei Trabrunden durch den Zirkel wechselte um ihn gymnastizierend zu reiten, was besonders bei frisch ausgebildeten Pferden sehr wichtig war. Lobend klopfte ich seinen Hals und brachte ihn wieder auf die Bahn. Bevor Mephisto den Mitteltrab lernen konnte, mussten wir an den Übergängen der Gangarten üben. Wir blieben also auf der Bahn und ritten abwechselnd vom Schritt-Trab, Trab-Galopp und Schritt-Galopp. Beim Wechsel vom Trab in den Galopp bauten wir eine weitere Übung ein, nämlich Tempowechsel. An der langen Seite der Bahn legten wir das Tempo im Trab für 6-7 Schritte zu, bevor es wieder zurückgeführt wurde. Danach galoppierte ich ihn an und lobte ihn ausgiebig. Mephisto sollte so lernen das er im Mitteltrab nicht nach vorne rannte, sondern raumgreifender trabte. Der Hengst machte seine Sache gut und so ließ ich ihn ein paar Runden am langen Zügel galoppieren bevor wir das Training wieder aufnahmen. Ich griff die Zügel wieder nach und parierte den Hengst in den Trab um ein paar Schlangenlinien zu reiten, bevor wir auf den unteren Zirkel wechselten und erneut an seinem Trab arbeiteten. Mephisto brach zwar ab und an aus dem Mitteltrab aus und beschleunigte das Tempo, ließ sich aber gut abfangen und korrigieren. Absolut zufrieden mit dem jungen Hengst beendete ich das Training und lobte ihn ausgiebig, bevor ich den Gurt etwas löste und ihm die Zügel länger ließ um ihn im Schritt trocken zu reiten. Er war sehr fleißig und hatte gut mitgearbeitet, dafür dass er noch nicht allzu lange Zeit unter dem Sattel lief. “Wie lief es?” rief Hunter über die Bande und öffnete das Hallentor um hinein zu kommen. “Sehr gut! Mephisto ist sehr konzentriert unter dem Sattel und versteht schnell.” antwortete ich ihm und und warf ihm ein kurzes lächeln zu. “Freut mich zu hören. Hast du dann noch etwas Zeit?” fragte er und ich antwortete mit einem kurzen, aber hörbaren “Hm.” als Zustimmung. Beim verlassen der Halle ließ er diese gleich offen, sodass ich mit Mephisto in den Hof reiten konnte wo ich abstieg, die Steigbügel hoch schob und den Helm abnahm. Ich brachte den Hengst zurück in seine Box wo ich ihn absattelte und alles zurück in die Sattelkammer brachte. Zur Belohnung schob ich dem jungen, schönen Hengst noch ein Leckerchen zwischen die Lippen bevor ich mich von ihm verabschiedete, meinen Helm zurück in den Rucksack packte und zum Haupthaus ging wo Hunter mich bereits erwartete um mir, wie ich erfuhr, sein neuestes Pferd zu zeigen.


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      11. Juni 2018 | 13.173 Zeichen von sadasha
      Neuzugänge
      Als mitten in der Nacht das Telefon klingelte drehte ich mich zuerst noch einmal auf die andere Seite, in der Hoffnung den schrillen Ton ignorieren zu können. Doch sobald ich mich umgedreht hatte leckte mit Pitch hektisch über das Gesicht. Genervt schob ich ihn von mir weg und richtete mich ächzend mit einem Blick auf die Uhr auf. Wer zur Hölle ruft um 2:37am an? Die Vorwahl sagte mir nichts und das konnte nur bedeuten, dass der Anrufer von weit weg kam. Wenigstens erklärte das auch die irre Zeit. Verschlafen nahm ich das Gespräch an und brummte ins Telefon. "Ehm… Hunter?" Ich brummte erneut. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und die Verbindung stand eher schlecht als recht, sodass der Ton knisternd und rauschen bei mir ankam. "Hey! Wir hatten uns doch über deine Tinker unterhalten! Und was du suchst und ja… Ich hab eine tolle gefunden, Pearl carrier und… du wolltest keine Fohlen oder?" Nachdenklich schwieg ich. Cooper aus Kanada war am Telefon, doch auch bei ihr musste es jetzt schon spät sein. "Schläfst du auch mal?" brummte ich ohne ihre Frage zu beantworten. Sie lachte. "Ist doch noch früh hier! Oh, hab ich dich geweckt? -" sie brabbelte eine Entschuldigung und redete dann über ein Fohlen, das sie ebenfalls entdeckt hatte. "Double Dilute! Du suchtest doch sowas oder nicht? Und eine Stute! Warte, ich schicke dir Fotos. Und… Hunter ich hab die zwei gekauft, du kannst also nicht Nein sagen. Im Zweifelsfall werden die sicher auch klasse Therapiepferde für deine… Freun-, Kollegin?" Ich hatte nach Fotos mein Gehör eingestellt und kramte nach meinem Laptop. Pitch hatte seinen Kopf auf dem Bett abgelegt und sah mir schwanzwedelnd dabei zu wie ich versuchte klar zu werden. "Warte kurz, der Laptop braucht Strom…" unterbrach ich Cooper. "...und ich brauche Kaffee."

      Nachdem ich mir einen Kaffee gemacht und Pitch auf den Hof gelassen hatte, setzte ich mich mit dem Laptop ins Wohnzimmer wo auch das Ladekabel lag. Die Stute war bereits eingeritten und gefahren und komplett durchgetestet was Erbkrankheiten und Farben betraf. Für mich also perfekt und dass sie Pearl Trägerin war würde später noch mit Mephisto interessant werden. Das Tinkerfohlen war sehr kompakt gebaut trotz der Größe und sie sah auch ansonsten korrekt aus. Hier wurde nicht nur wegen der Farbe gezüchtet. Trotzdem sah ich mir auch die Linien der kleinen Stute ausgiebig an, ehe ich mich bei Cooper bedankte. Gemeinsam planten wir die Überfahrt nach England und klärten das Finanzielle. Als ich auflegte wurde es schon hell und auch Cooper war jetzt müde. Wir wünschten uns also noch eine gute Nacht und legten dann auf. Ich jedoch blieb jetzt wach. Ich ging ins Bad um zu Duschen und mich für den Tag fertig zu machen. Noch bevor einer der Angestellten eintrudelte hatte ich die Fütterung fertig, die ersten Pferde auf die Weiden gebracht und mistete die ersten paar Boxen, bis Beth zum Arbeitstag kam und mir das Werkzeug aus der Hand schnappte. "Guten Morgen!" meinte sie fröhlich und lächelte mich an. "Du hast wohl nichts Besseres zu tun, hm?" Ich verneinte grinsend und streckte mich ausgiebig, ehe ich aus Benjis Box ging. Der kleine Hengst stand zusammen mit seinem Shettykumpel Niffler auf einer doppelt gesicherten Weide aus denen sie nicht mehr ausbüchsen konnten. Zu meiner Überraschung kam mir Ruby entgegen, als ich Thomas von der Weide holen wollte um mit ihm zu arbeiten. Sie hatte ihren Ponyhengst Braddock 'The Parrot' an der Hand. "Mit dir habe ich erst am Nachmittag gerechnet. Keine Schule heute?" Sie grinste über beide Ohren und nickte. "Richtig. Es sind viele Lehrer krank und deshalb dürfen heute zwei Klassen zu Hause bleiben. Ich bin unter den Glücklichen." - "Na dann viel Spaß." meinte ich und ging weiter zu meinem Drum Horse Hengst. "Achja Hunter?!" rief Ruby noch und ich blieb kurz stehen. "Später kommen noch ein paar Freundinnen, können wir uns die Shettys dann leihen? Nur auf dem Hofplatz etwas Spielen mit den Ponys?" Ich nickte und gab ihr einen Daumen hoch, ehe ich wieder kehrt machte. Thomas stand zusammen mit Tank am Rand der Weide, wo das höchste Gras wuchs. Doch im Gegensatz zum Rappen graste er nicht, sondern beobachtete aufmerksam mein Verhalten. Vielleicht erkannte er, dass ich sein Halfter mitschleppte. Jedenfalls trabte er ein paar Schritte auf mich zu, sodass auch Tank kurz aufsah um zu überprüfen was seinen Kumpel aufmischte. "Guter Junge." lobte ich den Schecken und streichelte den kräftigen Hals, als er bei mir stand und sich das Halfter überziehen ließ. Den fast vierjährigen Hengst hatte ich seit Kurzem unterm Sattel und er machte sich soweit ganz gut. Die langen Beine bekam er noch nicht immer richtig geordnet, doch dafür übten wir das ja. Auch heute sattelte und zäumte ich ihn. In der noch recht kühlen Reithalle longierte ich Thomas zuerst ab und schwang mich dann in den Sattel. Im Moment arbeiteten wir an seinem Trab und den Übergängen zum Schritt. Hier und da, wenn die Motivation stimmte versuchten wir es auch schon mit kurzen Galoppphasen. Doch die waren kaum nennenswert und wirklich schlacksig in der Ausführung. In Trab und Schrott kam Thomas aber schon gut runter, lernte sich zu entspannen und versuchte es mir Recht zu machen.
      Nach der Session mit dem Drum Horse Hengst rief ich bei Käthe an. Sie erzählte mir vom ein oder anderen Neuzugang und dass sie nun aufpassen müsse nicht noch mehr Pferde ins Boot zu holen. Ich erklärte ihr, dass es mir da im Moment nicht viel anders ging. Die beiden Neuzugänge Stonery und Hester würden wohl nächste Woche eintreffen. "Achja und wenn du ja jetzt eine Rappstute hast verlange ich ein Shooting zusammen mit Moulan und als Kontrast vielleicht Smooth Gravity, sollten die sich verstehen." meinte ich und lächelte bei dem Bild, das ich mir da zusammenstellte. Echo's Maiden sollte die Rappstute heißen. "Mit blauen Augen!" Ich war sehr gespannt sie kennenzulernen. "Und wenn du so denkst, kannst du Sympathy of the Devil auch gleich mit einplanen. Die ist auch schwarz-weiß." Ich brummte wohlwollend. "Und wen hat dir Occulta noch verkauft?" fragte ich neugierg. "Einen Hengst." sagte sie aufgeregt. "Valentine's Cantastor heißt er. Ein Brauner." Da ging mir sofort ein Licht auf. "Den habe ich gesehen, als ich sie mal besucht habe. Holst du die zwei ab oder werden sie dir gebracht?" Käthe schwieg. "Ich sehe dich nicht, das ist dir aber klar oder?" fragte ich vorsichtig. "Ja klar… Keine Ahnung, das haben wir noch nicht geklärt." Ich lachte leise. "Gut, ich komme später vorbei. Bearing Spots und Compliment erkennen mich vielleicht schon nicht mehr, so lange war ich nicht mehr da." Wir legten auf. Kerry hatte mittlerweile Vikar und Mister Blockhead für heute fertig, sodass sie nur noch die Stuten übrig hatte. "Venetia und Magical Touch spanne ich mir an und bin für etwa eine Stunde im Gelände." erklärte ich und ging mit den Halftern der beiden Stuten auf die Weide. Erleichtert dankte sie mir und schnappte sich das Halfter von Felan. Max und José sind fleißig mit CHH' Classic Spring und PFS Strolch. Die beiden Vollblüter räumten auf den Rennen aktuell viele Schleifen ab. Bald würde ich Bear Brooks Denahi ebenfalls auf die Rennbahn schicken, doch ihr fehlte es noch an Ausbildung.
      Während ich mit den beiden Tinkerstuten unterwegs war überlegte ich was ich am nächsten Tag unternehmen wollte. Die beiden benahmen sich vorbildlich und wir hatten eine sehr entspannte Runde um das Gestüt herum. Die Schatten der Bäume ließen die brennende Sonne nicht zu uns durchdringen, sodass wir immer noch fit waren als wir auf den Hof zurück kehrten. "Crowley, sie sollten was essen!" rief mir Mrs. Clayton von der Türe zu. Ich brachte zuerst die beiden Stuten zurück auf die Weiden und schob die Kutsche die letzten paar Zentimeter in die Scheune, ehe ich zum Essen kam. Danach setzte ich mich mit Pitch ins Auto und fuhr nach Nottingham um Käthe zu besuchen.

      "Erin ist mit Hibana unterwegs." erklärte Käthe und küsste mich sanft zur Begrüßung. "Wir haben den Hof für uns!" Hinter ihr stand Amistad und stupste sie ungeduldig an. "Wir bringen den kurz weg ja? Dann zeig ich dir auf dem Rückweg Echo's Maiden und dann gehen wir rein. Die beiden anderen sind ja noch nicht hier. Aber ich hab Fotos!" erzählte sie stolz. Dass ich auch nach den beiden Fohlen gucken würde war selbstverständlich. For an Angel streckte neugierig den Kopf aus der Box, als wir an ihr vorbeigingen. Amistad war auch nicht abgeneigt gegenüber der hübschen Stute, doch Käthe kannte keine Gnade und zog den Scheckhengst weiter bis zu seiner Box. "Wo sind denn die Kleinen?" wollte ich wissen. Käthe zeigte nach draußen und ich beschleunigte meinen Schritt. Bearing Spots und Compliment standen gleich draußen, wenn man aus dem Stall kam und warteten darauf reingeholt zu werden. "Die sollen noch draußen bleiben, Hunter!" rief Käthe, als ich das Tor öffnete um mich auf die Weide zu mogeln. Sofort kamen die beiden zu mir und taxierten mich neugierig. Doch Leckerchen hatte ich heute nicht dabei. Besonders Compliment hatte nochmal einen ordentlichen Wachstumsschub. Ich ließ meinen Blick über die anderen Weiden schweifen. Grenzfee stand auch noch draußen zusammen mit der neuen Rappstute. Smarty Jones war der einzige, den ich noch nicht gesehen hatte. Aber er würde dann wohl in seiner Box stehen. Pitch fing an zu quängeln, weil ich ihn nicht mit auf die Weide gelassen hatte und bevor er richtig laut wurde kam ich lieber wieder raus und ging mit ihm Käthe hinterher ins Haus. Hier tauschten wir uns über unser beider Neuzugänge aus. "Ach, ich hab ganz vergessen dir Echo's Maiden zu zeigen." sagte Käthe schockiert. Doch ich unterbrach sie, ehe sie weitersprechen konnte. "Ich hab sie eben schon gesehen. Sie sieht toll aus. Wunderbar groß!" - "Und ihr Fell ist total samtig!" fügte Käthe hinzu woraufhin ich schmunzelte.

      Wir waren erst spät wieder heim gefahren und so schaffte ich es in dieser Nacht wieder nicht den verlorenen Schlaf nachzuholen. Doch es half nichts. Wenigstens war Kerry früher da und hatte sich schon Iseabail und Lady Lyneth Bowen gewidmet. Ich ging daher sofort über zu meinen Vollblütern. Kerry würde später noch Xana bespaßen. Ich begann mit Happy Fantasy. Die Stute kam grundsätzlich etwas zu kurz und deshalb gehörte mein Vormittag heute gänzlich ihr. Ich putzte sie ausgiebig, sattelte sie dann und ging mit ihr auf die Militarystrecke in Mitten der Rennbahn. Von hier aus konnte ich meinen Jockey bei der Arbeit zusehen. Sie hatten heute die Oldies Ehrengold und Mikado aus dem Stall geholt. In der Mittagspause erklärte ich den beiden dass ich mir als nächstes Mr. Raw Depression rausnahm. Die beiden nickten und sagten dann dass sie PFS' Savory Blossom und Raving Hope Slayer rennen wollten.
      Ich freute mich sehr, als am Nachmittag Isaac aus dem Urlaub kam. Übersäht mit noch mehr Sommersprossen als üblich und mit heller Fläche rund um die Augen, weil er wohl die Sonnebrille nicht abgenommen hatte bevor er sich an den Strand gelegt hatte. Freundschaftlich begrüßten wir uns und gingen zusammen in den Stall. Blütenzauber und Riven in a Dream waren die nächsten, die wir uns vornahmen. So heiß wie es war zogen wir uns in die Reithalle zurück, wo auch Abby schon den ganzen Tag war. Sie hatte sich mit Moulan beschäftigt und jetzt gerade ritt sie Scarlet in Birth warm. "Beth macht das mit den Fohlen gut oder?" fragte Isaac, der unsere Stallhilfe vor seinem Urlaub auserkoren hatte die Fohlenarbeit zu übernehmen. Sie hatte damit zu Beginn sehr zu kämpfen. "Sie hat sich gut mit ihnen eingespielt, ja." gab ich zurück. Besonders das Hengstfohlen Golden Sugar hatte sie ganz gut im Griff. Die Flausen von PFS' Storm Cat oder Stars of Magic waren dagegen ein Witz. Als wir mit den beiden Stuten fertig waren hatte Beth gerade Little Miss Backyard an der linken und Fantastic Sonata an der rechten Hand. "Könnt ihr nicht noch die letzten beiden übernehmen?" flehte sie und Isaac und ich tauschten vielsagende Blicke aus. Wir stimmten aber zu. So konnte Beth mit der Stallarbeit weiter machen und Isaac und ich schnappten uns What Rainbow und Rouge Trap. Die beiden Stuten brannten schon darauf die Welt zu erkunden. Als wir jedoch mit ihnen nach draußen gehen wollten um eine Runde um den Hof herum zu machen scheuten sie und wollten lieber wieder zurückgehen. Wir tasteten uns also eine Ecke vorsichtiger heran und ließen die beiden Stutfohlen in Ruhe gucken und das Tempo selbst bestimmen. Weit kamen wir so zwar nicht, aber wir konnten das Führtraining mit einem positiven Gefühl abschließen, als wir nach einer halben Stunde auf den Hof zurück kehrten um die Fohlen in ihre Boxen zu bringen wo sie übernachten würden.
      Am nächsten Tag hatten die meisten Pferde frei und so konzentrierte ich mich auf Slap Happy. Isaac hatte sich Bear Totem's Denali fertig gemacht und Kerry nahm LMR Lady Luna mit auf einen gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Am Nachmittag kümmerten sich die beiden um Verdine und Tainted Whiz Gun, sodass ich frei hatte. Ich nutzte die Zeit um mit Pitch zum See zu gehen und die Woche ruhig ausklingen zu lassen. Nächste Woche würden die beiden Neuzugänge eintreffen und die Stallordnung wieder mal aufmischen.

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      31. Oktober 2018 | 21.393 Zeichen von Samarti
      WHT Ausbildungsbetrieb | Dressurtraining Stufe A - L

      Lang war es her, dass ich meine Füße auf britischen Boden gesetzt hatte. Diesen Monat, kurz vor Halloween, sollte es mich aber nochmal hierher verschlagen. Ehrlich gesagt war ich mehr als froh darüber, denn in Kanada war es jetzt schon eisig kalt – da kam mir etwas wärmeres Wetter gerade recht, auch wenn es nur wenige Grad waren.
      Als ich aus dem Flugzeug trat, bereute ich diesen Gedanken fast direkt danach, denn irgendwie war es zu Hause doch gefühlt wärmer. Dort schien noch die Sonne, während mir hier Windböen um die Ohren knallten, dass ich glaubte, mir würden diese gleich abfallen. Wenigstens war es einigermaßen trocken. Dennoch schien es vor kurzem geregnet zu haben, denn der Asphaltboden war stellenweise noch dunkler gefärbt und hie und da tummelten sich einige kleine Pfützen.
      Ich hielt Ausschau nach dem Taxi, welches mich zum Bear Brook EC bringen sollte. Die Gegend, in der das Gestüt lag, war mir nicht gänzlich unbekannt; ich war mit Matthew schon ein paar Mal in Boston gewesen. Hunter Crowley hatte ich aber bisher noch nie auf seinem Gestüt selbst angetroffen. Wir kannten uns bereits, nicht zuletzt, weil Accomplishment aus seiner Zucht stammte. Aber auch vorher hatte ich schon ein paar seiner Pferde trainiert.

      Auf dem Gestüt angekommen, staunte ich, wie riesig das Gestüt war. Eigentlich sollte mich die Größe der Anlage nicht wundern, besonders nicht, dass ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder eine Rennbahn erblicken konnte, wenn auch nur aus der Ferne. Was für ein absurder Gedanke, einer Zucht, die sich besonders auf Englische Vollblüter konzentriert hatte, keine Rennbahn zuzutrauen. Viel konnte ich von dieser zwar nicht erkennen, weil ich erst einmal am Haupthaus vorbei musste, aber ich würde bestimmt genug Zeit haben, das Gelände zu erkunden.
      Ich hatte mich diesmal dafür entschieden, die Pferde nicht nach Kanada einfliegen zu lassen – ich war für das Training von drei Pferden hergekommen und hatte momentan keine anderen Trainingspferde im Stall, weshalb ich genauso gut mal wieder einen Abstecher nach England machen konnte. Offensichtlich bot Hunter Crowleys Gestüt mir mindestens dieselben Möglichkeiten wie das Townsend Acres, wenn nicht sogar noch mehr.
      So, wie ich dort stand und staunte, musste ich ziemlich verloren gewirkt haben, denn schon wenige Zeit später wurde ich von einer netten Frau begrüßt, die mich sofort ins Haus dirigierte und mir mein Zimmer zeigte. Man hatte mir ein Zimmer angeboten, und obwohl ich zuvor bereits nach einem Hotel geschaut hatte, lehnte ich das Angebot nicht ab. Immerhin war ich faul und wollte mir den Arbeitsweg so kurz wie möglich gestalten.
      Die Frau stellte sich als Elise Clayton vor, weshalb ich lächeln musste, hatte ich als Kind doch immer gern das A am Ende meines Namens in ein E verwandelt.
      Sie erklärte mir kurz, dass ich mich ruhig einmal einrichten sollte und sie Hunter Bescheid geben würde, dass ich angekommen wäre. Dankend lächelte ich sie erneut an und machte mich dann daran, meine Sachen auszuräumen, während sie mich allein ließ.

      Ein wenig später, als ich mir gerade das Gestüt auf einem Alleingang ansehen wollte, fing Hunter Crowley mich ab. Wir sprachen wahrscheinlich gerade ausnahmsweise mehr miteinander als sonst, waren wir doch eigentlich beide recht schweigsam, aber durch die vielen Informationen, die er mir über seine drei Schützlinge mitgeben wollte, bekam man auch ihn zum Reden. Man konnte von seiner sonstigen Stille denken, was man wollte, aber ein Herz für Pferde hatte der Mann definitiv. Dadurch, dass er mir so viel von Tank, Mephisto und Reverence erzählte, wurde das anfängliche Eis zwar nicht ganz gebrochen, aber ein Teil davon schmolz auf jeden Fall weg. Es fiel uns beiden leichter, zu kommunizieren, wenn wir über Pferde sprechen konnten. Hunter erkundigte sich auch nach Accomplishment. Das war ein Thema, bei dem mich nichts mehr stoppen konnte.
      Der Gestütsinhaber führte mich auf der Anlage herum und stellte mich auch den drei Pferden vor, für die ich hergekommen war. Tank war ein fast zwei Meter großes Shire Horse und seine Hufe waren bestimmt größer als mein gesamter Kopf. Der Rappe sah eindrucksvoll aus mit dem glänzenden Fell und dem langen, aber außerordentlich gepflegten Langhaar und ich freute mich wirklich auf die Zeit mit ihm. Das letzte Pferd dieser Größe, das ich trainiert hatte, war Albus von Abajo gewesen. Und das war auch schon wieder fast fünf Jahre her. Dementsprechend hoffte ich, dass sie hier eine Aufstiegshilfe für mich haben würden, denn sonst würde das Training bereits daran scheitern.
      Mephisto war ein Gypsy Vanner und sah aus wie ein Märchenpferd. Das helle, gescheckte Fell und seidige Langhaar war verantwortlich für diesen ersten Eindruck, aber das dunkel umrandete blaue Auge war auch nicht gerade unschuldig.
      Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn als Tinker bezeichnen dürfte oder ob man da in genauso ein Fettnäpfen treten würde, wenn man Isländer als Ponys bezeichnete, also entschied ich mich dafür, der Einfachheit halber bei Gypsy Vanner zu bleiben. So war ich definitiv auf der sicheren Seite.
      Zu guter Letzt lernte ich den Schimmelhengst Reverence kennen. Hatte ich zuerst ein hibbeliges, übersensibles Vollblut erwartet, so wurde ich eines Besseren belehrt. Reverence kümmerte sich kaum um uns, als wir vor seiner Box standen, stattdessen drehte er sich wahrscheinlich nur um, um zu sehen, ob ihm jemand ein Leckerli zustecken würde.
      „Freu dich nicht zu früh“, murmelte Hunter. „So gelassen ist er unter dem Sattel nicht.“ Das wusste ich. Der Mann hatte mir vorher schon einige Informationen zukommen lassen, und daher wusste ich auch, dass Reverence beim Reiten Probleme mit dem Stillstehen hatte und gerne mal etwas zappelte. Das kannte ich von vielen Springpferden im Parcours, aber normalerweise konnte man auch mit zu heißen Pferden gut umgehen, aber bei ihm war es wohl nicht nur beim Anblick eines Hindernisses so. Deshalb war ich gespannt, wie der Schimmel und ich miteinander zurechtkommen würden.
      Auch Pitch, dem Hofhund, begegneten wir auf unserem Rundgang. Der war aber gerade viel zu sehr mit einem Knochen beschäftigt, als dass er sich groß um mich kümmerte. Stattdessen warf er mir einen skeptischen Seitenblick zu und entschied sich dann wohl dafür, dass er mich später mal genauer unter die Lupe nehmen müsste.

      Abends fiel ich todmüde in mein Bett. Morgen würde ich mit dem Training der Pferde beginnen, dafür musste ich fit sein – drei Pferde an einem Tag wären mehr, als ich die ganzen letzten Monate gemacht hatte. Hoffentlich machten meine Muskeln das mit und straften mich nicht den Tag darauf mit fiesem Muskelkater.

      Ich hatte mich dazu entschieden, mit Mephistos Training zu beginnen. Es wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee, sich auf eine Abfolge festzulegen und die dann beizubehalten, und deshalb wollte ich mit Mephisto anfangen. Er war ein absolut ruhiger und ausgeglichener Hengst, auch unter dem Sattel. Und außerdem war er keine zwei Meter groß, also ein ganz netter Einstieg.
      Von Hunter hatte ich den Auftrag bekommen, den Scheckhengst in Dressur auf L-Niveau zu trainieren.
      Heute ging es allerdings sowieso erst einmal darum, sich besser kennenzulernen und für mich war es auch eine gute Gelegenheit, um selbst zu erfahren, wo Mephistos Stärken und Schwächen lagen. Schnell kristallisierte sich heraus, dass er ein kleiner Träumer war. Eigentlich war er sehr vorbildlich unter dem Sattel und versuchte, mir alles recht zu machen, trotzdem war er ab und zu noch etwas unkonzentriert und ließ sich schnell ablenken. Er war aber eines dieser Pferde, das man dann schnell wieder zu sich holen konnte. Mephisto schaltete nicht auf Durchzug, sondern war wieder ganz bei der Sache, wenn man kurz auf sich aufmerksam machte. Alles in allem war er sehr angenehm zu arbeiten, weshalb ich mir nicht vorstellen konnte, dass das Training mit ihm große Probleme machen würde. Stattdessen glaubte ich daran, dass Mephisto, der ein sehr schneller und eifriger Lerner war, wahrscheinlich als erstes das Trainingsziel erreicht haben würde.
      Die nächsten Wochen beschäftigte ich mich zuerst viel mit der Festigung der Grundlagen, also besonders auch der Lektionen und Figuren der A-Dressur, damit diese wirklich einwandfrei saßen. Der Gypsy Vanner-Hengst aber machte mir schnell deutlich, dass das kaum von Nöten war. Bis auf einige kleine Ungereimtheiten lief alles wie am Schnürchen, deshalb konnten wir schnell auf die neuen Sachen, die es zu lernen galt, umsteigen.
      In der Klasse L kamen einige neue Figuren hinzu, dazu zählten acht Meter-Volten im Galopp, halbe Volte links und halbe Volte rechts, aus der Ecke kehrt mit ebenfalls acht Metern Durchmesser sowie der Wechsel durch die halbe Bahn und der Wechsel durch die Länge der Bahn. Außerdem sollten die Pferde ein einer L-Dressur den versammelten Trab und den versammelten Galopp beherrschen. Als Lektionen kamen der Außengalopp, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung hinzu.
      Wir begannen mit den Bahnfiguren, denn die waren meistens das, was am einfachsten zu erarbeiten war. Um durch die halbe oder die Länge der Bahn zu wechseln, war meistens nicht sonderlich viel notwendig. Stattdessen brauchte man nur ein Pferd, das gut mitarbeitete und das war dann bereits die halbe Miete. Ich hatte bisher kein Pferd erlebt, das nicht wusste, was ich von ihm wollte, wenn ich durch die halbe Bahn wechseln wollte. Dementsprechend waren die schnell abgehakt und wir fuhren mit den Voltenfiguren fort. Mephisto hatte den acht Meter Durchmesser bei den Volten im Galopp schnell raus. Obwohl wir uns langsam heranarbeiteten musste, war er doch recht wendig und schien kaum bis gar keine Probleme damit zu haben. Genauso verhielt es sich, wenn wir aus der Ecke kehrt machten. Auch das lief einwandfrei ab.
      Obwohl wir uns gerade zu Beginn auf die Figuren konzentrierten, baute ich doch schon immer mal wieder erste Anfänge für die Lektionen mit ein, gerade, um das Training abwechslungsreicher und nicht so eintönig zu gestalten. So übten wir die Hinterhandwendung, indem ich zwei Stangen im 90°-Winkel auf den Boden legte, die als Begrenzung dienen sollten. Dann ritt ich Mephisto auf die Mittellinie und wendete aus dem Schritt heraus, um danach in die Ecke hineinzureiten. Der Hengst sollte sich so um das innere Hinterbein drehen, was zwar anfangs ein paar Holprigkeiten mit sich brachte, aber nicht lange dauerte, bis der Palominoschecke das ganze Theater auch ohne Stangen beherrschte und die Hinterhandwendung einigermaßen saß. Natürlich vertieften wir alle Lektionen während des gesamten Trainings immer mal wieder, bis sie wirklich perfekt ausgeführt wurden, aber ein weiter Weg war das längst nicht mehr.
      Immer mal wieder brachten wir Anfänge für die beiden versammelten Gangarten ein. Im versammelten Trab sind erhabenere Tritte das Ziel, ohne dass das Pferd an Fleiß oder Schwung verliert. Hierzu war es notwendig, dass Mephisto die großen Gelenke der Hinterhand deutlicher beugte und den Raum der Tritte verkürzte, sodass die Hinterhand in die Spur der Vorhand fußte. Grundsätzlich konnte jedes Pferd das lernen, und auch Mephisto hatte den Dreh schnell raus.
      Je weiter das Training fortschritt, desto mehr brachten wir auch die Kurzkehrt und den Außengalopp mit ein. Wir machten relativ große Sprünge, was Mephistos Training betraf, dennoch war alles noch im Rahmen und ich achtete darauf, dass ich den Hengst nicht überforderte.

      Jedes Mal, wenn ich mit Mephistos Training für den Tag fertig war, wandte ich mich Reverence zu. Der achtjährige Vollbluthengst sollte im Springen auf A-Niveau trainiert werden. Ich lernte schnell, was Hunter damit meinte, dass der Hengst unter dem Sattel nicht so gelassen war, denn der Schimmel wollte einfach nicht stillhalten. Ob er nun ein wenig zappelte, nicht auf der Stelle stehen konnte oder versuchte, auf den Zügeln zu kauen, wenn ich diese durchhingen ließ – irgendwas wollte er immer finden, mit dem er sich beschäftigen konnte. Deshalb musste ich seine Beschäftigung sein, sodass er gar nicht mehr auf die Idee kommen sollte, sich so viel auf Unbedeutendes zu konzentrieren. Im E-Parcours, den ich mit ihm durchgeritten war, hatte er sich beinahe voll und ganz auf die Sprünge konzentriert, weshalb ich fix verstanden hatte, dass ich ihn nur dazu bringen musste, seine Aufmerksamkeit auf die Arbeit zu lenken. Vielleicht würde sich immer noch etwas von seinem Zappeln im Training wiederfinden, aber irgendwo hatte ja jedes Pferd seine Macken. Wäre ja auch langweilig, wenn nicht.
      Genauso schnell merkte ich aber auch, dass Reverence im Springen wirklich Potenzial besaß. Er erinnerte mich insgeheim an Sterling, einen Schimmel aus der Vollblut-Serie, die ich damals gern gelesen hatte. Sterling war zwar von der Rennbahn gekommen, was bei Reverence nicht zutraf, aber sie beide machten sich ausgezeichnet im Parcours. Auch, wenn der Hengst manchmal etwas zu viel Motivation brauchte, um sich für das Training aufzuraffen, so machte er doch ganz gut mit.
      Mit ihm hatte ich, nachdem ich Hunter danach gefragt hatte, auch viel Zeit im Gelände verbracht. Springpferde brauchten Ausdauer, Kraft und allgemeine Kondition, die man besonders im unebenen Gelände gut trainieren konnte. Den ein oder anderen Natursprung nahmen wir dann natürlich auch mit.
      Trotzdem baute ich auch viele Cavalettisprünge in unsere Routine ein. Auch Trabstangen waren oft Teil unseres Trainings, bevor es wirklich an die höheren Sprünge ging. Im A-Springen durften die Hindernisse bis zu 110 Zentimeter hoch sein, in die Weite durften sie bis 125 Zentimeter gehen. Das war ein relativ großer Sprung im Vergleich zum E-Parcours. Aus diesem Grund legte ich viel Wert darauf, Reverences Kraft zu verbessern. Er wusste ja schon, worum es ging: Nämlich darum, die Hindernisse zu übersprüngen. Seine Bascule über dem Sprung war gut, er machte sich schön rund und zog nicht so komisch die Beine hinterher, wie ich es schon bei anderen Pferden gesehen hatte.
      Im Parcours im Freien würden ihn auf einem A-Turnier mindestens sieben Hindernisse erwarten; in der Halle lag das Minimum bei sechs Hindernissen pro Parcours. Darum brachte ich so früh wie möglich und nötig zumindest diese Hindernisse ein, häufig sogar noch ein oder zwei mehr, denn so konnte ich weiterhin die Ausdauer des Hengstes trainieren.
      Ab und zu war es wirklich anstrengend, mit Reverence zu arbeiten, wenn er wieder eine Extraportion Ansporn brauchte, um seine Leistung zu erbringen. Dennoch arbeitete er nicht gegen mich, wenn er dann arbeitete, sondern mit mir und das war ein ganz entscheidender Punkt. Grundsätzlich war auch er relativ pflegeleicht, wenn auch ein wenig speziell.
      Durch unsere häufigen Geländeritte stieg seine Kondition sehr schnell, er baute gut Muskeln auf und konnte dies auch im Parcours deutlich zeigen. Nach einer relativ kurzen Zeitspanne konnten wir problemlos einen A-Parcours durchspringen, ohne dass wir großen Herausforderungen gegenüberstanden. Dadurch, dass er zum Glück nicht zu heiß war, wenn er einen Sprung erblickte, ließ er sich gut kontrollieren und hatte man ihn erst einmal motiviert, war er ein Traum von Springpferd auf dem Platz.

      Tank war der letzte in der Reihe, nicht nur aus dem Grund, dass ich mich erst einmal aufgewärmt haben wollte, um mich an so ein Koloss zu gewöhnen. Außerdem war er sanftmütig, fleißig und von allen dreien am angenehmsten zu sitzen, weshalb ich mich jedes Mal auf unsere Trainingseinheit freute. Es war eine Kunst, auf ihm aufzusteigen, hatte ich doch teilweise die Aufstiegshilfe vergessen und musste rumturnen, bis ich die Hoffnung aufgab und sie mir letztendlich doch holte. Mit meinen weniger als 170 Zentimetern Körpergröße konnte ich einfach nicht auf ein dreißig Zentimeter größeres Pferd aufsteigen. Immer, wenn ich neben dem Rapphengst stand, fühlte ich mich, als würde ich gegen eine schwarze Wand starren, weil ich es nicht gewohnt war, nicht über einen Pferderücken herübersehen zu können.
      Ich lernte den Hengst schnell zu schätzen und zu mögen. Er war wirklich brav, stets gehorsam und ich hatte keinerlei Ausfälle von ihm erleben dürfen. Auch Stuten schaute er zwar gern hinterher und wurde etwas unruhig, dennoch ließ er sich auch dann immer gut kontrollieren und händeln. Es wäre wohl auch mein Todesurteil gewesen, wenn dem nicht der Fall gewesen wäre.
      Aber darin lag auch die erste Schwierigkeit des Trainings: Aufgrund seiner Größe und des stämmigen Körperbaus hatte Tank oft Probleme mit engeren Wendungen. In der Klasse A gab es davon glücklicherweise noch nicht allzu viele, aber spätestens die Galoppvolten, die ich mit Mephisto geübt hatte, würden viel Training und Zeit in Anspruch nehmen. Denen mussten wir uns aber bisher noch nicht widmen, also konnte ich mich voll und ganz auf die jetzigen Aufgaben konzentrieren.
      Als Figuren kamen Schlangenlinien mit vier Bögen und zehn Meter-Volten im Trab hinzu. In der Klasse E musste das Pferd schon den Mittelschritt, Arbeitstrab und Arbeitsgalopp beherrschen – für A brauchte man dann ebenfalls den Mitteltrab, der häufig im Leichttrab durchgeführt wurde, und den Mittelgalopp.
      Es gab außerdem eine ganze Handvoll Lektionen dazu: das Viereck verkleinern und vergrößern, der einfache Galoppwechsel, die Zügel aus der Hand kauen lassen und das Rückwärtsrichten. All diese würden wir in der nächsten Zeit in Angriff nehmen. Zuerst allerdings konzentrierten wir uns auf das Training allgemein, um Tank ein wenig wendiger zu machen und die Schlangenlinien problemlos durchführen zu können. Dann liefen auch die zehn Meter-Volten völlig ohne Schwierigkeiten ab. Schon zu Beginn arbeiteten wir am Mitteltrab und am Mittelgalopp, also einfach den raumgreifenden Tempi. Der Shire Horse Hengst arbeitete ausgezeichnet mit und wollte es mir immer recht machen, auch wenn er hin und wieder Probleme damit hatte, etwas zu verstehen. Er brauchte bei einigen Dingen ein wenig länger als andere Pferde, um sie wirklich zu lernen, aber wir hatten ja auch alle Zeit der Welt und standen nicht unter Zeitdruck, irgendetwas möglichst schnell zu erledigen, weshalb ich Tank zu nichts drängte.
      Nach einer Weile nahm ich die ersten Lektionen mit ins Training, wir begannen mit dem einfachen Galoppwechsel. Hierzu galoppierte ich Tank an, parierte ihn dann in den Schritt durch und anschließend galoppierten wir nach drei bis vier Schritten wieder an. Während der Schrittphase stellte ich das Kaltblut um, indem ich eine halbe Parade gab und zeitgleich den äußeren Schenkel ein wenig zurücknahm. Außerdem schob ich meine Hüfte nach vorn, um das Gewicht zu verlagern, und gab mit dem neuen inneren Zügel nach, sodass Tank die Hand wechselte. Er verstand irgendwann, worauf ich hinauswollte und führte die Lektion mit den Schritten dazwischen fehlerfrei aus, weshalb wir die Anzahl der Schritte immer weiter verringern konnten, bis das Durchparieren komplett wegfiel.
      Um das Viereck zu verkleinern und zu vergrößern, musste Tank das Schenkelweichen beherrschen, was allerdings nicht zu einhundert Prozent saß, weshalb ich auch dies noch mit ihm erarbeitete. Dazu bat ich Hunter, mir vom Boden aus ein wenig Hilfe zu leisten, zumindest für den Anfang. Hunter tippte den Hengst dann mit der Gerte an, sodass er einen Schritt zur Seite ging. Sobald er das tat, wurde Tank ausgiebig gelobt. Wir verringerten Hunters Einfluss immer weiter, bis es schließlich reichte, dass ich den Rappen mit dem Schenkel antippte, damit er zur Seite ausweichte. Damit konnten wir dann auch die entsprechende Lektion ausführen und von der Liste abhaken.
      Zu guter Letzt ließ ich Tank die Zügel aus der Hand kauen. Dazu ließ ich den äußeren Zügel etwas strammer als den inneren, damit ich noch eine Verbindung zum Pferdemaul hatte, und gab immer wieder halbe Paraden, damit Tank sich fallen ließ. Sobald er verstanden hatte, was ich meinte, und das auch ausführte, gab ich meine Hände nach vorn, damit das Riesenpferd sich entsprechend dehnen konnte. Es war grundsätzlich keine sonderlich schwierige Lektion, wenn der Vierbeiner einmal verstanden hatte, was von ihm verlangt wurde, und obwohl der Hengst etwas Zeit brauchte, um das auszuarbeiten, so lief es danach doch wie geschmiert.

      Es war eine ganze Weile vergangen, seit ich auf dem Bear Brook EC angekommen war, aber irgendwann endete jede Zeit und so war es für mich Zeit, Abschied zu nehmen, als ich das Training der Pferde erfolgreich für beendet erklärt hatte. Alle drei waren relativ problemlos gewesen und hatten größtenteils gut mitgearbeitet, auch wenn gerade Reverence dabei ab und zu einige Schwierigkeiten gehabt hatte. Dennoch war ich mehr als zufrieden mit dem Endergebnis und konnte dem Gestütsinhaber dann stolz verkünden, dass der Auftrag erledigt war. Hunter wollte sich natürlich noch selbst überzeugen, deshalb hatte ich ihn zur letzten Trainingseinheit eines jeden seiner drei Schützlinge mitgenommen und nochmal im Detail erklärt, wie alles gelaufen war, was einige Hindernisse gewesen waren und was besonders gut geklappt hatte. Hunter schien zufrieden, was nach einigen Absprachen und dem Packen meines Koffers für mich die Heimreise bedeutete. Ich wurde genauso herzlich verabschiedet wie vor einiger Zeit begrüßt, und fast bedauerte ich es, das Gestüt verlassen zu müssen, aber ich freute mich mindestens doppelt so sehr auf Townsend Acres und meine kleinen Reitponys, für die ich zumindest keine Aufstiegshilfe benötigte.

      01. November 2018 | von sadasha
      Schnelle Pflege für alle Pferde


      Nachdem ich endlich vom Arzt das Go bekommen habe meine Pferde wieder zum teil selbst zu versorgen, machte ich mich heute früh gleich auf in den Stall um bei der Fütterung auszuhelfen. Ich fing bei meinen Zuchtstuten an um sie als erste auf ihre Weide bringen zu können. LMR Lady Luna, PFS' Savory Blossom und Scarlet in Birth streckten schon neugierig die Köpfe aus der Box, als sie den Fuggerwagen hörte. Slap Happy kam erst zur Tür, als ich bereits vor ihr stand. Als Boxennachbarin wurde dann auch Mikado neugierig. Riven in a Dream war noch im Halbschlaf und musste erstmal aufstehen, als sie das Futter hörte. Ich versuchte noch ein Foto davon zu machen, wie sie in ihrer Box lag, doch ich war zu langsam und erwischte sie mitten in der Bewegung. Die Dunkelheit gab dann den Rest dazu, das Bild war komplett verschwommen. Als nächstes waren Moulan, Blütenzauber und Bear Totem's Denali an der Reihe. Die Vollblut Zuchtstuten waren damit fertig. Nach der Fütterung kamen sie auf ihre Weide. Jetzt waren Tainted Whiz Gun, Verdine und Happy Fantasy bereit für ihr Frühstück. Die bunte Truppe stand nicht mit den Zuchtstuten auf einer Weide. Sie hatte ein eigenes Weideplätzchen und war so harmonisch, dass ich sie gar nicht in die große Herde werfen wollte. Die "Youngsters" hingegen schon. CHH' Classic Spring, PFS' Storm Cat, Rouge Trap, Fantastic Sonata und Essence of Life konnten sich schonmal daran gewöhnen mit tragenden Stuten und Fohlen umzugehen. Sie waren meine Anwärter. Die Jährlingsstuten Little Miss Backyard, Stars of Magic und What Rainbow standen zusammen mit Hester auf einer Weide weiter weg von ihren Mutterstuten. Das Absetzen hatten sie bereits hinter sich, doch ehe sie wieder zu den Großen kommen, würde noch etwas Zeit versteichen. Framed in Fantasy, mein neuster Zuwachs stand zusammen mit Braddock 'The Parrot', Niffler und Benji auf einer Weide, da ich aktuell keine Hengstfohlen außer ihm auf dem Hof hatte. Als die Fütterung der Stuten durch war öffnete ich die Paddockboxen der Hengste. Dabei ließ ich zuerst die älteren Hengste raus. Ehrengold und Mr. Raw Depression und danach Reverence. Zuletzt kamen Raving Hope Slayer und PFS Strolch auf ihre Paddocks.
      Mirko hatte sich in der Zwischenzeit um den zweiten Stalltrakt gekümmert und Xana, Stonery, Venetia, Felan, Magical Touch, Delmara, Iseabail, Lady Lyneth Bowen und Uschi komplett versorgt. Beth war noch dabei die Kaltbluthengste raus zu bringen. Maeyr, Schneemann und Mister Blockhead hatte ich schon draußen gesehen. Tank, Buck or Two, Thomas, Vikar und Mephisto standen noch in ihren Boxen. Ich hatte noch zwanzig Minuten Zeit um eine Box fertig zu machen für den heutigen Neuankömmling. Ramira, eine Tinkerstute, die auch Kerry gut gefallen wird. Sie war charakterlich einwandfrei und genoß bislang ein sehr liebevolles zu Hause in dem sie ordentlich in der Freiarbeit gefördert wurde. Für ein Therapiepferd exzellente Voraussetzungen. Nach der langen Reise aus Deutschland würde sie erstmal Ruhe brauchen. Ich streute deshalb so ein, dass sie es gemütlich hatte. Futter würde sie Portionsweise mitbringen, sodass ich mir darum vorerst keine Gedanken machen musste. Futterumstellungen hatte ich nun schon zu genüge umgesetzt und auch Ramira wird damit sicher gut zurecht kommen, sobald ich damit beginne. Ich legte ein paar saftige Möhren in den Futterkrug und öffnete das Fenster zum Innenhof. Damit war ich mit meinem Tagesplan fertig.

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      23. Februar 2019 | von sadasha
      Hufschmiedbericht für CHH' Classic Spring und Mephisto

      Der Tag heute begann gut. Ich hatte mit Pitch die große Kontrollrunde gedreht und kam pünktlich zum Eintreffen der Mitarbeiter zurück. Wir frühstückten gemeinsam und gingen dann an die Arbeit. Für mich hieß das heute die Hufe zweier Pferde zu pflegen. Ich holte dazu zuerst meine Vollblutstute CHH' Classic Spring aus ihrer Box und putzte sie gründlich. Die intelligente Stute beobachtete neugierig jede meiner Bewegungen und musste jede Bürste einmal inspizieren, ehe ich ihren Körper damit berühren durfte. Nachdem sie sauber und glänzend vor mir stand räumte ich den Putzkoffer zurück in die Sattelkammer. Die Stute hatte sich für mich als erfolgreiches Galopprennpferd in ihrer Klasse erwiesen und durfte bald auf einer Zuchtzulassung vorgestellt werden. Ich hatte sie dafür bereits sowohl in der Dressur als auch im Springen ausbilden lassen. Sie kannte die Grundlagen und ließ sich ordentlich reiten, war nicht heiß oder zu übermütig. Ein angenehmes Reitpferd, das für meine Vielseitigkeitsziele unersetzbar geworden war. Ich führte sie in die Schmiede und ließ sie auch hier Alles beschnuppern, ehe ich damit begann die Hufe auszuschneiden. Ich wollte sie nicht beschlagen. Eines der wenigen Barhufer Pferde, trotz des Reitsports. Ich sah einfach keinen Bedarf bei ihr. Ich machte meine Arbeit gründlich wie immer und kraulte Classic Spring bei jedem Werkezugwechsel. Als ich mit dem Ausschneiden und korrigieren fertig war fettete ich die Hufe mit Huföl. Damit durfte sie zurück in ihre Box und ich holte mir den zweiten Kandidaten für heute. Mephisto war das Gegenteil von Classic Spring. Der Tinkerhengst war eher gemütlich veranlagt und ließ alles ohne Fragen über sich ergehen. Auch er lief Barhuf und brauchte auch heute keine Eisen. Ich band seinen Behang etwas hoch, damit ich die Hufe besser sehen konnte und begann dann damit die Hufe einen nach dem anderen auszuschneiden. Bei ihm trug ich am Ende Hufbalsam auf, da er den porösen Hufen des Tinkerhengstes bessere Pflege bringen würde. Als ich fertig war lobte ich meinen Schecken und kraulte ihn eine Weile am Mähnenansatz, sodass Mephisto den Hals langstreckte und genüsslich stöhnte. „Guter Junge.“, flüsterte ich, als ich den Strick von der Halterung löste. Folgsam trottete mir Mephisto hinterher. Als auch er wieder in seiner Box stand räumte ich die Schmiede auf. Zuerst packte ich das Werkzeug zurück an seinen vorgesehenen Platz und dann fegte ich die Überbleibsel alten Horns zusammen und warf sie fort. Da ich sowieso einmal da war überprüfte ich auch den Bestand an Eisen, Einlagen, Stollen und Nägeln und schrieb mir auf, was ich neu einkaufen musste. Erst als ich sicher war Alles erledigt zu haben verließ ich meine Schmiede, schloss sie ab und kümmerte mich wieder um den Stallaltag meines Hofes.

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      03. März 2019 | 1516 Zeichen von Calypso
      Rook's Bay Stables Mobiler Tierarzt | Tierarztbericht
      „Guten Morgen Hunter!“ gut gelaunt stieg ich aus dem Auto und begrüßte ihn. „Wen hast du denn heute für mich?“ „Einen ganz lieben Tinker Hengst. Er steht schon für dich bereit.“ Ich lächelte und folgte Hunter in den Stall. Mephisto stand dösend am Putzplatz und auch meine Anwesenheit schien ihn nicht aus der Ruhe zu bringen. „Da freut sich aber einer mich zu sehen.“ scherzte ich und streichelte ihm über´s Fell. Nach kurzen Streicheleinheiten wurden meine Berührungen bewusster und ich tastete ihn gründlich ab. Dann nahm ich mein Stethoskop zur Hand und hörte Herz und Lunge ab. Immer wieder strich ich Mephisto mit einer Hand durch sein weiches plüschiges Fell. Ich nickte zufrieden und deutete nach draußen. Jetzt musste der Hengst mal aktiv werden. Hunter schnalzte energisch und brachte ihn schließlich für fünf Schritte zum traben. „Sonst ist er nicht so....faul!“ meinte Hunter mit einem Grinsen. Mir genügte was ich gesehen hatte. Der Hengst schien keine Einschränkungen oder Schmerzen in seinem Bewegungsablauf zu haben. Wieder zurück im Stall sah ich mir seinen Impfpass an und zog die benötigte Spritze auf. Hunter hielt ihn vorsichtshalber etwas fester am Strick und ich setzte die Nadel an. Mit beruhigenden Worten war es gleich geschafft. Schließlich fuhr ich mit dem Lesegerät über seinen Hals um den implantierten Chip zu kontrollieren und gab Hunter eine Wurmkur mit. Als ich alle Formalitäten notiert hatte und meinen Koffer wieder im Auto verstaut hatte verabschiedete ich mich von den beiden
    • sweetvelvetrose

        • 03. März 2019 | 4310 Zeichen von sadasha
          Hengstkörung

          Die ganze Fahrt zum Veranstaltungsgelände der Hengstkörung regnete es. Die Straßen waren teilweise so stark überflutet, dass man nur noch langsam fahren konnte ohne Aquaplaning zu riskieren, vor allem mit dem Hänger im Schlepptau eine nervenaufreibende Angelegenheit. Umso glücklicher war, dass Käthe heute mitgekommen war. Kerry hatte sich erkältet und so stellte ich den Tinkerhengst Mephisto vor. Der helle Schecke hatte bei uns eine grundsolide Ausbildung genossen und war endlich bereit in die Fußstapfen seiner Mutter zu treten und ein erfolgreiches und begehrtes Zuchtpferd zu werden. Endlich am Ort des Begehrens angekommen klang auch der Regen langsam ab. Wir hatten Mephisto zu Hause schon hergerichtet und die Showtrense vom Royal Peerage Shop mitgenommen. Wir luden Mephisto erst einmal ab und brachten ihn zu den Gastställen. Hier standen wir im Trockenen und konnten durch das Gebäude direkt in die Kürhalle eintreten, wenn es soweit war. Käthe schnappte sich wie selbstverständlich einen Striegel und half mir dabei dem Fell seinen letzten Glanz zu verpassen. Ich kümmerte mich dabei um Behang und Hufe des Hengstes. Mephisto stand seelenruhig da und beobachtete das rege Treiben um ihn herum. Hin und wieder nahmen wir uns die Zeit den Hengst zu loben und steckten ihm dabei auch das ein oder andere Leckerlie zu. Es war gut, wenn er wusste, dass er heute besonders belohnt wird für gutes, aufmerksames Verhalten. Das kommt mir bei der Vorführung später noch zugute. Wir wurden aufgerufen, noch während wir dabei waren das Langhaar zu verlesen. Hektisch lösten wir die letzten Knötchen und legten den schicken Leder-Führstrick an, der perfekt zur Trense passte. Nach dem Betreten der Halle grüßte ich die Richter, die in der Mitte bereits warteten. Etwa zwei Meter weiter lag eine Hindernisstange auf dem Boden, an der ich Mephisto anschließend aufstellte. Der Hengst stand herrlich geschlossen und hielt den Kopf in stolzer Manier. Glücklich ließ ich meinen Blick durchs Publikum schweifen und lächelte noch ein bisschen breiter als ich Käthe entdeckte, die mir zuzwinkerte als unsere Blicke sich trafen. Als nächstes führte ich Mephisto zuerst auf der linken und anschließend auf der rechten Hand in seinen Grundgangarten vor. Der Hengst lief dynamisch neben mir her und das wallende Langhaar unterstrich die gesamte Schönheit, die sich uns anbot. Nachdem wir unsere Runden gedreht hatten, kehrten wir zurück zu den Richtern. Ich bekam eine kurze Verschnaufpause, in der sich Mephisto abermals wunderbar erhaben präsentierte. Er schien die Aufmerksam zu genießen. Als die Richter damit fertig waren ein paar hektische Notizen auf ihre Blätter zu kritzeln, baten sie mich Mephisto vom Strick zu befreien. Der Hengst ließ sich nicht zwei mal sagen, dass er nun ohne Einschränkung durch die Halle laufen konnte. Sofort dampfte er ab und lief an den Rängen entlang, den Schweif leicht erhoben, was bei dieser Masse an Fell immer ein wenig seltsam aussah. Als er in den Trab überging wurde ich prompt an ein Fotoshooting mit ihm erinnert. Letzten Sommer hatte ich schon einmal das Vergnügen einen seiner aufblühenden Momente mitzuerleben. Er trug an diesem Tag genau die gleiche Trense und war ebenso herausgeputzt. Nur die Umgebung, die war etwas hübscher zur warmen Jahreszeit. Dennoch war die Atmosphäre gleich. Mephisto hatte etwas an sich, das einen in seinen Bann zog. Es entspannte einen sofort, wenn man ihn in seinem Verhalten beobachtete. Nach ein paar Minuten gaben mir die Richter das 'Okay' Mephisto wieder ranzurufen. Ich klickte den Strick ein und verabschiedete mich höflich. Im schnellen Schritt verließen wir die Halle. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Käthe sich parallel zu uns bewegte und als wir wieder auf der Stallgasse standen, kam sie um die Ecke auf uns zu. „Der hat ja richtig Energie!“, sagte sie erstaunt und flauschte durch die lange Mähne, die nun zu beiden Seiten vom Hals lag. Ich schmunzelte. „Unterschätze niemals einen Tinker.“ Lobend klopfte ich Mephistos Schulter und zog ein Leckerlie aus dem Beutel an meiner Seite. Das hatte er sich nun mehr als verdient. Den übrigen Tag studierten wir die Auftritte der anderen Teilnehmer und warteten auf die Ergebnisse am Abend, ehe wir Mephisto zufrieden wieder aufluden und durch den Regen zurück nach Hause fuhren.

        • 1. April 2019 | von sadasha
          Frühlingseinbruch
        • Den Kopf auf eine Hand gestützt, saß ich auf dem Hocker in der Sattelkammer. Ich starrte die offene Dose Lederfett an, die vor mir auf dem Boden stand, sah sie jedoch nicht. Ich war mit meinen Gedanken bei meinen Eltern, suchte Lösungen für das Dilemma, das sich um sie wob, wie ein giftiges Netz. Die Nachricht vom Schlaganfall meines Vaters hatte mich vor zwei Tagen aus der Bahn geworfen. Meine Mutter war vollkommen aufgelöst und lief herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, wenn man sie besuchte. Sie fand sich alleine nur schwer zurecht. Jahrzehnte lang hatte sie meinen Vater an ihrer Seite, ihr Ruhepol, ihr Anker. Jetzt war er im Krankenhaus und kämpfte mit den Folgen des Schlaganfalls. Die Ärzte wollten uns nicht zu viel versprechen, er würde vielleicht wieder gehen lernen, vielleicht wieder sprechen können, aber sein Geist war sehr mitgenommen. Ich hatte meine Mutter wegen ihrer ebenfalls schlechten Verfassung nach Hause geholt. Hier konnte ich immer ein Auge auf sie werfen, sie ablenken. Mein Team half mir dabei und es zeigte bereits Wirkung. Aber war das die Lösung? Sicher nicht. Ich musste mir für die Zukunft etwas anderes überlegen.
          Ich seufzte und riss mich aus meinem Gedankenkarussell. Jemand hatte die Tür hinter mir geöffnet. Als ich mich umwandte sah ich, dass es Kerry war. Sie brachte Sattel und Trense von Vikar nach ihrem Training zurück. „Vikar kam heute aus dem Schwitzen kaum noch raus. Auch die anderen Kaltblüter tun sich schwer mit dem plötzlichen Frühlingseinbruch. Kannst du mir helfen sie zu scheren? Ich bin mit der Maschine so unsicher.“, fragte sie, als sie das Zubehör fertig verstaut hatte und sich zum Gehen wandte. Ich nickte zum Sattel auf dem Bock vor mir. „Ich mach den noch fertig, dann komme ich.“
          Kerry hatte Tank auf die Stallgasse geholt und ihn gründlich geputzt. Der Shirehengst sah mich aufmerksam an, als ich mich mit der Schermaschine näherte. Er war meistens entspannt. Das Scheren kannte er und gerade ihm mit seinem schwarzen Fell, war es immer eine große Erleichterung, wenn wir ihm beim Fellwechsel halfen. „Ich hol schon mal den nächsten Kandidaten, dann kann ich Putzen, solange du Tank scherst.“ Abermals nickte ich und schloss die Maschine am Strom an. Ich stellte eine recht kurze Haarlänge ein und begann am Hals gegen den Strich zu scheren. Kerry hatte die Mähne fest eingeflochten, sodass sie mich jetzt nicht störte, selbst wenn sich Tank einmal schüttelte. Ich nahm mir die Zeit um langsam die Bahnen zu ziehen und auf Unebenheiten zu achten. Schließlich wollte ich den Hengst nicht verletzen. Immer wenn ich absetzte prüfte ich die Temperatur der Schermaschine. Wurde sie zu heiß, setzte ich für ein paar Minuten aus, damit sie sich abkühlen konnte. Nach Tank war Felan an der Reihe. Kerry brachte den Hengst weg und ich ging eine Stallgasse weiter um die Schimmelstute zu scheren. Felan war auch sehr ausgeglichen und ruhig. Der Krach der Schermaschine machte ihr nichts. Ihre dunkle Haut ließ das Fell grau erscheinen. Kerry half mir beim Po und hob den Schweif an, da Felan ihn nicht von selbst hochnahm, wenn ich in die Gegend kam. Dadurch dass die Stute deutlich kleiner war, als Tank war ich auch viel schneller mit dem Scheren fertig. Kerry hatte dennoch schon das nächste Pferd fertig geputzt. Schneemann war zwar auch weiß, hatte aber eine helle Haut, da er kein Schimmel war. Er bekam eher einen rosa Touch, wo die Haut durchschimmerte. Während ich ihn scherte, putzte Kerry Uschi, deren Dapples beim Schervorgang deutlicher zum Vorschein kamen. Eine Herausforderung stellte Maeyr dar. Der Hengst war mal wieder in Höchstform und schnappte immer wieder nach mir, wenn ihm eine Stelle nicht passte. Als ich seine Spinnereien satt hatte bat ich Kerry ihn abzulenken, damit ich den Schervogang in Ruhe abschließen konnte. Auch Mister Blockhead war nicht begeistert vom heutigen Tagesprogramm. Nach ihm legten wir erstmal eine Pause ein und aßen zu Mittag.
          „Holt ihr die anderen? Wir haben für Alle gekocht.“, bat meine Mutter, als wir die Küche betraten. Sie sah glücklich aus. Mrs. Clayton deckte im Hintergrund den Tisch. Es roch köstlich nach gebratenem Fleisch und Rosmarin. Kerry und ich teilten uns auf und holten den Rest des Teams. Ein so üppiges Essen hatten wir selten. Meistens gab es Eintöpfe, Suppen, irgendwas, das sich schnell für eine große Truppe anrichten ließ. Jetzt wo Mrs. Clayton jedoch die Hilfe von meiner Mutter hatte tischten sie gemeinsam auf. Sie waren ein ausgezeichnetes Team. „Als nächstes scheren wir Mephisto und Buck or Two. Dann sind es nur noch die übrigen Stuten.“, erklärte Kerry. Liz sah auf. „Das macht ihr also den ganzen Tag! Vielleicht könnte man bei der Gelegenheit die Fohlen an das Geräusch gewöhnen?“, schlug sie vor. Ein zustimmendes Murren ging durch die Reihe, da niemand den Mund leer hatte um in Worten zu antworten. Den Rest des Essens diskutierten wir aus wie dir das Fohlentraining am besten einbringen konnten ohne die Kleinen komplett zu verschrecken. Am besten ging das mit den sehr routinierten Stuten. Xana, Venetia, Ramira und Sovereign boten sich an.
          Nach dem Essen ging es dann an die Umsetzung. Ich begann damit die Stuten zu scheren und Kerry sah immer mal wieder mit einem der Fohlen vorbei. Zuerst mit Hester, die das Alles recht wenig interessierte. Gut für sie, denn als Tinker würde die später öfter in den Genuss kommen zum Fellwechsel geschoren zu werden. Aber auch die Vollblutfohlen Little Miss Backyard, What Rainbow und Framed in Fantasy konnten sich mit dem Geräusch und dem Vorgang etwas vertraut machen. Als die vier Stuten unseres Vertrauens durch waren mit Scheren, fehlte nur noch Stonery. Auch sie wurde heute von überschüssigem Winterfell befreit und anschließend mit einer leichten Decke eingedeckt.
          Der nächste Tag begann ganz standardmäßig. Es war für mich schon so normal, meine Mutter im Haus zu haben, dass es sich unnatürlich anfühlte, sie demnächst wieder wegzuschicken, damit sie weiter mit meinem Vater leben konnte. Doch für den Moment genoss ich ihre Anwesenheit und ihre Hilfsbereitschaft im Haushalt. Sie hatte sogar Pitch raus gelassen, sodass ich sofort an die Arbeit mit den Pferden gehen konnte. Ich schnappte mir zuerst Ehrengold und Sunday Morning und steckte sie in die Führanlage, die beiden braunen Hengste verstanden sich erstaunlich gut und so konnte man sie halbwegs unbeaufsichtigt ihre Runden drehen lassen. Von der Reithalle aus konnte ich sie beobachten. Ich machte mir Riven in a Dream fertig und wärmte sie zuerst einmal gründlich auf. Als ich damit fertig war betrat Isaac mit Mikado in die Halle. „Keine Stangen aufgebaut? Bist du krank?“ Ich lachte. „Kein Bedarf. Aber nur zu, wenn du Stangenarbeit machen möchtest: Fühl dich frei.“, gab ich zurück und trabte Riven an. Isaac beließ es für seine erste Trainingseinheit des Tages dabei und baute erst nachdem er Mikado weggebracht hatte ein paar Stangenlektionen auf. Ich hatte nun PFS Strolch unter mir und nutzte die Stangen ebenfalls. Da Isaac jetzt den Halbbruder PFS' Straight Alignment ritt kamen wir mit den Abständen in etwa hin, wenngleich Ally ein Stückchen kleiner war. Die Schrittlänge war erstaunlicher Weise recht ähnlich. Nach dem Mittag schnappte ich mir zuerst Golden Sugar und später Reverence und machte ihn für den Geländeparcours fertig, der sich endlich wieder bereiten ließ, nach all den nassen Tagen. Die Hofeigene Strecke hatte ich für mich alleine, da heute nur Isaac als Trainer auf dem Hof war. Er blieb jedoch den Tag über in der Halle. Die Stuten PFS' Savory Blossom und Essence of Life würde das freuen, da sie sonst gleich gewaschen werden müssten, was keine von ihnen sonderlich mochte. In der Führanlage liefen, als ich von meiner Geländesession zurück kam, Rouge Trap, PFS' Storm Cat, Tainted Whiz Gun und CHH' Classic Spring. Damit waren die Vollblüter für heute bewegt. Frei war mein Nachmittag jedoch trotzdem nicht, da ich noch ein paar Besorgungen für die Schmiede machen musste. Erst als ich spät Abends wieder nach Hause kam, hatte ich endlich frei und konnte mit Pitch die Ruhe genießen.

        • Duke of Darkness / Ginnies Casanova/ Mephisto/ Rainy Afternoon/ Kukuniniwi ( Wölfchen) /Sunshine Shadow/ Arcane/ Venetia/ Zwßs Moschi
          PflegeBericht 01.05.2019
        Des einen Freud des anderen ...

        " Drei neue ? wirklich ich dachte du wolltest dich verkleinern und etwas kürzer treten ? " augen Rollend schaute May mich an " Ja ich konnte ncht anderes udn schau dir mal Arcane an kommt sie dir bekannt vor ? Die Stämmige noch kleinen Stute schaute sich schüchtern und etwas ängstlich in der großen Box um . Wir hatten ihre Mutter vor Jahren hier angebunden gefunden sie war auch immer etwas schüchtern fast ängstlich gewesen hatte aber viel Potzenzial und durfte im Nachbarstall ihrenen Ruhestand auf der Koppel verbringen hier war sie sehr ausgeglichen - ich hörte nur ein Quitschen von May - das hatte ich erwartet verschmitzt grinste ich " na ch dneeke mal neben Moschi fällt sie erst mal nicht auf oder ? " " Wie sie ... mir ... ich - Oh Gott " und schon war May zu der Stute in die Box gesclüpft und kuschelte mit ihr . neben ihr hatten noch 2 Tinker den weg in meinen stall gefunden sie waren klasse für die Kinder und würden sicher viel spass hier haben udn irgendwann vielleicht auch für nachwunchs sorgen. Venetia und Mephisto - und Mephsto war von der Sanftesten Stute die ich kannte die Nachzucht und auch er war Ruhig gechillt und aufmerksam etwas Fualer als seine Mum aber immernoch ein Traum
        Nach dem die neuen Versorgt waren Mephisto schon mit Rainy auf der Koppelt stand und zufrieden graßte und von Casanvoa angekanbbert wurde ihn das aber nicht im geringsten störte schüttelte ich nu dne Kopf machte ein Bild mit dem Handy und ging zu meinem Jungspund und Duke Wölfchen war ein noch shclacksiker Junghengst mit viel unsinn im Kopf aber eigentlich umgänglich heut würde ich mit Duke und Wölfchen als Handpferd und Julie auf Sunshine Shadow eine Runde ans meer gehen und ihn im Wasser traineren.
        May würde sich wärend dessen um zwßs Moschi und Arcane kümmern und beide in der Halle laufen lassen die Große Shirer stute gab der noch jeungen barockpinto stute die sicherheit die sie brauchte.
    • sweetvelvetrose
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      Duke of Darkness / Ginnies Casanova/ Mephisto/ Rainy Afternoon/ Kukuniniwi ( Wölfchen) /Sunshine Shadow/ Arcane/ Venetia/ Zwßs Moschi

      Arcane , Venetia und Moschi standen zusammen auf der kleinen Weide alle 3 hatten schon ordentlich Winterfell produziert und wenn ich nicht scheren wollte bzw May das nicht machen wollte musste ich nun langsam ein Decken, bei den ausgewachsenen beiden war das kein Thema aber bei Arcane die gefühlt jeden Tag um 10 cm wuchs war das etwas schwiriger May hatte Moschi damals nicht eingedeckt doch kam mir Arcane so zart vor das ich darüber nachdachte.
      Bei den Hengsten würde ich erst später anfangen wobei die beiden Tinker Rainy Afternoon und Mephisto auch schon Plüschig aussahen Ginnies Casanvoa würde ich eh wieder Scheren müssen seit seiner fiesen Erkältung war das besser.
      DUke of Darkness und auch Kukuniniwi ( wölfchen) hatten schon seit ein paar Wochen die Decke auf Duke da Weichei und nun such schon älter und Wölfchen da er im voll im Training stand und die Muskeln da besser wärmer blieben grade wenn es so windig war wie die Tage. Sunshine Shadow war typisch Hafi Robuster hatte aber auch schon Fell geschoben aber das machte nichts er würde den Rest des Jahres nur zum Decken kommen und sonst nur leicht bewegt werden.
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  • Album:
    Zum Fuchsbau
    Hochgeladen von:
    sweetvelvetrose
    Datum:
    9 Juli 2019
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    EXIF Data

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    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • Hengst

    7 Jahre
    Rasse Gypsy Vanner


    Stockmaß/Endmaß 159cm

    Fellfarbe Palominoschecke

    Geno ee AA nCr nTo xx


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    Charaktereigenschaften

    Ausgeglichen, Nervenstark, Ruhig
    Beschreibung

    Mephisto ist ein verträumter kleiner Tinkerhengst der es wohl geniest in der Sonne zu stehen und den Vögeln zu zu schauen. Er hat auch mal seine 5 Minuten dann reicht es aber auch wieder.
    Er wird mal ein sehr wesensfestes und ruhiges Pferd vielleicht für Therapie arbeiten?

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    Trainingsplan

    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren x

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen
    Dressur E A L M

    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M
    Doma Classica: WE WA WL WM
    Alta Escuela: WE WA WL WM
    Doma Vaquera: WE WA WL WM
    Springen E A

    Show Jumping: E A*
    Military E A

    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100
    Western E A L M

    Western Pleasure: LK5 LK4 LK3
    Reining: LK5 LK4 LK3 LK2
    Trail: LK5 LK4 LK3 LK2
    Cutting: LK5 LK4
    Fahren E A L M S

    Dressurprüfung: CAI-A1 CAI-A2 CAI-A4
    Ausdauerprüfung: CAI-M-A1 CAI-M-A2 CAI-M-A4
    Hindernisfahren: CAI-C-A1 CAI-C-A2 CAI-CA4

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    Offiziell

    502. Dressurturnier | 506. Dressurturnier | 511. Dressurturnier | 516. Dressurturnier | 517. Dressurturnier
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    518. Dressurturnier | 522. Dressurturnier | 423. Fahrturnier | 489. Westernturnier | 426. Fahrturnier
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    543. Dressurturnier
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    Inoffiziell

    keine

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    Von unbekannt
    Aus der Magical Touch


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    Körpunkte

    Abstammung 1
    Schleifen 11
    HS 2
    TA 2
    Trainer 2
    Zubehör 2
    Gesamt 20
    Schleife

    HK
    HK 502 für alle Hengste gewonnen.
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    Eingetragene Zucht Bear Brook EC

    Züchter/Herkunft Echo Forest Stable

    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)

    VKR/Ersteller sweetvelvetrose

    Information zur Genetik

    To ist an e gekuppert. Das heißt Tobiano Nachzucht erbt von Mephisto xe xTo.

    x steht hierbei für den Genpool der Mutter, der natürlich variieren kann.
    Er steht geigenten Stuten zum decken zu verfügung Decktaxe 400Joellen
    Nachkommen
    keine

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    Letzter Tierarztbesuch 03. März 2019

    Gesamteindruck gut

    Letzte Zahnpflege überfällig

    Letzte Wurmkur 03. März 2019

    Letzte Impfung 03. März 2019

    Letzter Hufschmiedbesuch 23. Februar 2019

    Ausgeschnitten/Korrigiert 23. Februar 2019

    Beschlag vorne keiner

    Beschlag hinten keiner


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