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Muemmi

Medivh | Zuchthengst

Holsteiner | Hengst | Linksseitig blind | Im Besitz seit: Dezember 2016 | Pfleger: Dave Menke | Bitte keine Kommentare!

Medivh | Zuchthengst
Muemmi, 1 Juli 2018
Wolfszeit, Rinnaja und Veija gefällt das.
    • Muemmi
      Pflegebericht Januar 2017

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 22. Januar 2017 | 12971 Zeichen

      Neubau für die Turnierpferde des Gestütes
      Lillifee, Bifröst, Skadi, Medivh, Reykja, Aquentino, Possy Pleasure Mainstream, Webster, Davina, Oak´s Lake Mountain, Mon Amie, Amber, Caja, Checkpoint, Meilenstein, Thor, Taciturn, Heros

      Hauptstall der Zucht
      Starlight Express II, Zarin, Elanor, Augen auf! Ich komme, Fleming, Dante, Aestas Amor, Zingara, Ehrengold, Ravallo, Seana, Red Diamond II, Weyganda, Lacura, Polarfuchs, Rasputin, Trink auf´s Leben, Little Sweetness, Butch, Tainted Love Toffifee

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Occani, Seidenfell, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Zimtmond´s Haselnuss, Love me Lara, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, Sweet Poison
      (Pferde sind seit Herbst 2016 offiziell im Besitz von kira)

      Dave´s Bewerbung

      Der Himmel war dunkel und das Schneegestöber zuckerte die ganze Landschaft innerhalb von Minuten noch weiter ein, als eh schon. Wir hatten heute morgen erst geräumt, aber es lag jetzt schon am frühen Nachmittag 5cm frischer Schnee und das, obwohl die Naundorfgegend nicht wirklich für solches Wetter bekannt ist. Idefix war die letzten Wochen nicht mehr aus dem Haupthaus gekommen, der Kleine war mittlerweile alt geworden und folgte mir mit seinen 12 Jahren nicht mehr wirklich überall hin. Ich war ziemlich traurig, als mir die Tierärztin beim letzten Besuch riet, ihn zu schonen und nicht mehr unbeaufsichtigt über den Hof rennen zu lassen, da er mittlerweile immer schlechter sah und hörte. Und zusätzlich kamen jetzt die kalten Temperaturen, die seine Gesundheit stark forderten. So beschränkten sich unsere gemeinsamen Stunden immer mehr auf den Abend, in denen er sich zu mir ins Bett kuschelte und neben mir schlafen durfte. Ich wischte mir bei den Gedanken die feuchten Augen, räumte den Rest des Schnees auf die Seite und klopfte mir die Stiefel ab, bevor ich in die Stallungen ging. Es hatte sich in den letzten Wochen einiges getan, ich hatte ganz spontan die Leitung der Fahrturniere übernommen, obwohl ich davon am allerwenigsten Ahnung hatte. Das Sportzentrum richtete sie seit sieben Wochen unter der Leitung eines Freundes von Tom, meinem Bereiter in der hohen Dressur, aus. Aber der hatte mir nach der Auswertung bekannt gegeben, dass er das schon ab nächster Woche nicht mehr machen würde. Noch ein Punkt, der mich in die Mangel nahm. Sofort schrieb ich die Stelle offiziell aus, denn auch Mia, Susan und Leo waren in anderen Disziplinen ausgebildet. „Naja, dann können wir auch offiziell Fahren ausbilden!“ „Falls jemand die Vollzeitstelle so schnell antritt!“ meinte ich zu Leo, der ganz begeistert vom Fahren war. Wir hatten auch darüber gesprochen, ihn neben der Military auch dort ausbilden zu lassen. Ich war wirklich stolz auf meine beiden Azubis, die sich hier schon wie zu Hause fühlten und wirklich verlässlich waren. Ich konnte allen alles anvertrauen und war wirklich glücklich, dass sich Naundorf so entwickelt hatte. Die Pläne, nach England zu gehen, hatten sich immer mehr auf Eis gelegt, obwohl die Welsh-Pferde schon verkauft waren. Kira hatte sie schon vor Wochen auf dem Papier erworben, dennoch standen sie bis zum Frühjahr noch hier auf dem SPZ. Ich ging deswegen so oft ich noch konnte hinüber und streichelte der hübschen Scheckenstute Nikita, der hellen Seidenfell und der munteren Teutonia über die süßen Köpfe. Ich wurde ihnen einfach nicht mehr gerecht und hatte mich entschieden, die Zucht im Ganzen abzugeben. Das umfasste damit auch Haselnuss, Occani, Lara, Miro, Erdbeere, Bow und den talentierten Poison. Lediglich Lillifee, ein Stutfohlen aus der Lara würde bei mir bleiben. Sie stand derzeit mit Taciturn und Bifröst in einer Box. Letzterer war erst vor kurzem unerwartet zurück auf meinen Hof gekommen. Ich fütterte die Stuten, mistete den abgetrennten Offenstall und füllte die Heuraufen. Den Hengsten gab ich ebenfalls mehr Heu zu fressen, damit sie es warm hatten und streute frisch ein. Gerade als ich mit dem Kehren fertig war, klingelte mein Handy. Auf der anderen Seite der Leitung eine tiefe Männerstimme, zwar jung aber erfahren und sehr sympathisch. Ich konnte gar nicht sagen, wie froh ich war, als es um die ausgeschriebene Stelle ging. Er hatte sie von einem Bekannten Tom´s erfahren, der ebenfalls seine ehemaligen Arbeitskollegen über unsere Situation unterrichtet hatte. Er würde noch heute nach Naundorf für ein Gespräch kommen, sofern das so zeitig möglich wäre. Ich sagte sofort zu und machte ein Treffen für den späten Nachmittag aus. Immer noch ziemlich platt steckte ich das Handy wieder ein, lief weiter zu Taciturns Box und gab auch ihr und den beiden Babys zu fressen. Bifröst war langsam etwas aufmüpfig, ich musste ihn also bald trennen oder legen lassen. „Das entscheide ich beim nächsten Mal!“ flüsterte ich und strich ihm über die kurze Mähne. Ich bürstete Taciturns dicke Mähne, flocht sie im Zopf zusammen und kratzte ihr die Hufe aus. Sie hatte ebenfalls wöchentlich Starts bei den Fahrturnieren und bezauberte mich immer wieder aufs Neue, weswegen ich ihr genauso viel Aufmerksamkeit zukommen ließ, wie meinen Sportlern. Sie war auch eine der Einzigen, die mit mir kuschelte und immer wenn ich mich nicht gut fühlte, kam ich zu ihr und den beiden Zwergen. Sie würde immer die gute Seele von Naundorf bleiben. Nach einer halben Stunde strich ich ihr nochmal durch den Schopf, verließ die Box und lief hinüber ins Haupthaus. „Mia! Rate mal, wer uns heute Nachmittag besuchen kommt!“ rief ich meiner Vertreterin und besten Freundin zu. Sie konnte es auch nicht glauben, stieß Tom sofort darauf an, der vom Dressurtraining mit Reykja und Webster kam und war genauso glücklich wie ich. „Na, hoffentlich passt der dann auch hier rein!“ meinte Willi, der ebenfalls ins Haupthaus gekommen war und sich gerade den Schnee abklopfte. Mit Leo und Susan aßen wir dann zusammen zu Mittag, ich knuddelte ein wenig mit Idefix, bevor ich mich als Letzte fertig machte für den Kontrollgang. Susan, meine zweite Azubi jetzt im zweiten Lehrjahr, begleitete mich auf die Koppeln. Alle Hengste waren heute draußen, da es durch den Schneefall nicht so kalt war wie sonst. Fleming und Dante, meine zwei jüngsten Körsieger lieferten sich am Zaun ein Wettrennen, als sie uns kommen sahen und scheuchten den Rest der Gruppe mit Amor, Ehrengold, Red Diamond, Socke, Flemings Vater Ravallo, Rasputin, Weyganda, Checkpoint, Polarfuchs, Säufer, Butch und Zarin auf. Zarin war der Einzige, der nur hochsah, kurz mittrabte und sich dann zurück zum Heu verzog. „Den holen wir nach unserer Kontrolle rein, ich möchte ihn langsam an die Koppel und die Anstrengung gewöhnen. Ich bin mir da noch nicht so sicher.“ Susan nickte und stieg mit mir durch den Zaun. Der Berberfuchs war deutlich schlanker, als ich ihn von meinem Verkauf viele Jahre zuvor in Erinnerung hatte. Er war seit zwei Wochen auf meinem Hof und machte sich gut, aber war wie Starlight Express, der ebenfalls vor vielen Jahren vom Gestüt Ammersee aus verkauft wurde, ein Pflegefall geworden. Verwahrlost und hungernd hatte ich die beiden aufgenommen und aufgepeppelt. Der anfängliche Eindruck war aber schlimmer als befürchtet, auch der seelische Schaden schien sich jetzt schon langsam abzubauen. Der Shettyhengst war für die große Gruppe zu klein, weswegen er einen großen eigenen Paddock besaß und bei Thor, meinem Friesenfohlen stand. Susan und ich liefen die Sportlerweide ab, kontrollierten die Zäune, die Leitungen und die Wassertröge. Brav folgte der Berber Susan, als diese ihn mit Möhren und Äpfeln zu sich brachte und ihm den Führstrick anlegte. „Ich werde mich um die Fohlen kümmern, wenn ich eh schon rüber gehe!“ meinte sie und ich nickte. Gemeint war neben Thor auch die hübsche Meilenstein, die jetzt schon Susans Liebling war. Ich ließ sie diese so oft es ging mitversorgen und sie dankte es mir, indem sie auch ihre anderen Pflichten ernst nahm. Willi fuhr den Misthaufen gerade zusammen, als ich um den Trakt lief und mich zu den Stuten aufmachte. Skadi war im Schnee schwer zu erkennen und löste sich erst kurz vor ihrem Stop bei mir aus ihrem Umfeld. „Nana, was bist du heute schnell unterwegs!“ Ich klopfte ihr den Hals und drückte Zingaras Nase auf die Seite, die wie Yin und Yang immer an Skadi hing. „Meine zwei schönen Friesen...“ murmelte ich, Zingara immer noch suchend nach Leckerchen ihre Nüstern an meinen Taschen. „Jetzt lass das doch mal!“ lachte ich und ging ohne zu Zögern durch das Grüppchen, zu dem sich Mainstream, Seana und Davina gesellt hatten. Mon Amie, Lake, Amber, Caja, Sweety und Augen auf standen paarweise oder vereinzelt über die Weide verteilt und suchten unter der Decke aus Schnee und Eis etwas Gras. Reykja war wohl wie Webster von Tom im Stall gelassen worden, nachdem er mit ihnen trainiert hatte. Da fiel mir Elanor ein, eine weitere Scheckenstute, die Seana sehr ähnlich sah. Ich blickte mich nach ihr um und sah sie dann doch neben Amber stehen. Auf die hatte ich es abgesehen und holte mir Halfter und Strick, nachdem auch auf der Stutenweide alles in Ordnung war. Etwas zögerlich folgte sie mir in den Stall, unentschieden, ob sie lieber bei ihren Freundinnen auf der Weide in der Kälte bleiben wollte oder ob sie mit mir im Warmen arbeiten wollte. Durch das Hufgeklapper rief ich den letzten Vierbeiner auf meinem Hof auf den Plan. Tainted Love Toffifee, mein einziger gekrönter Quarterhengst auf dem SPZ stand in seiner Box und wartete auf seine neue Besitzerin. Auch er würde uns noch heute verlassen, weswegen ich ihn geputzt und hergerichtet in seiner Box gelassen hatte. Er sah neugierig über die Türe und beobachtete mich dabei, wie ich Amber von Schnee und Dreck befreite und sie anschließend sattelte und trenste. Ich wollte mit ihr regelmäßig trainieren und forderte sie immer wieder in der größeren Halle, die wir über die Wintermonate fürs Springtraining eingerichtet hatten. Nach ungefähr einer Stunde ritt ich sie ab und sah auf die Uhr. Das Treffen! Ich war knapp dran, führte Amber zurück in die Stallungen und kam an unserer Hoflichtung vorbei. Zwischen den Ästen der Hecken sah ich ein fremdes Auto parken, ein schwarzer, älterer Geländewagen. Ich hatte noch 10 Minuten, sattelte Amber ab und warf ihr die Abschwitzdecke über. Gerade als ich den Sattel in die Kammer gebracht hatte und zurück kam, stand ein Mann bei ihr, streichelte ihr den Hals und sah sie sich genau an. Ich hielt inne, betrachtete die Szene kurz und trat dann auf die beiden zu. „Kann ich Ihnen helfen?“ Lächelnd trat ich neben ihn, legte den Kopf schief – und erstarrte. Er lächelte ebenfalls, als er mich mit seinen hellen blauen Augen ansah und mir die Hand hinstreckte. „Sie müssen Frau Goeke sein, mein Name ist Lange, wir haben vorhin telefoniert.“ Seine Stimme passte so gar nicht zu ihm, er machte auf mich einen gemischten Eindruck – wahnsinnig jung und wahnsinnig erfahren zugleich und das, obwohl er ungefähr 10 Jahre älter war als ich. Nun wieder bei Sinnen, ergriff ich seine Hand. „Ja, bin ich, aber nenn mich Luisa. Wir duzen uns hier alle auf dem Hof.“ meinte ich. „Dave.“ er lächelte immer noch. „Hübsche Stute. Deine?“ „Ja, ich bilde hier die Springer aus. Tom ist für Dressur zuständig und bildet die Azubis Susan und Leo aus, die im Springen gehen, Leo vertieft in Military. Mia macht derzeit schwerpunktmäßig Distanz, hat aber auch die Zulassung in Dressur, was eher ihr Steckenpferd ist. Leider fehlt uns jetzt jemand fürs Fahren.“ Ich lächle wieder. „Und da komme ich ins Spiel?“ fragt er und lächelt zurück. „Richtig. Wenn du mich Amber noch schnell weg bringen lässt, dann zeige ich dir den Hof und du kannst mir mal ein wenig erzählen, was du bis jetzt so gemacht hast.“ Er nickt und ich führte meine Warmblutstute den Gang hinunter, bevor wir eine kurze Runde über das SPZ drehen und dann ins Haupthaus einkehren. Mia ist ebenso erstaunt und wirft mir eine eindeutige Geste zu, als sie Dave begrüßt und dann zum Stalldienst der Hengste hinüber geht. Wir betreten die Küche, in deren Ecke sich Idefix eingerollt hat. Er knurrt kurz, als er den Mann sieht. „Alles gut Idefix, braver Hund.“ meine ich, kraule ihn kurz hinter den Ohren und biete Dave etwas zu trinken an. „Unser Hofhund. Ist allerdings schon sehr alt, begleitet mich seit er ein Welpe war. Er sieht nur nicht mehr so gut, weswegen er jetzt die Küche hütet.“ Dave nickt nur stumm, nimmt die heiße Tasse Kaffee dankend an und berichtet mir, dass er seit längerem eine feste Stelle als Trainer sucht. „Hauptsächlich bin ich ebenfalls im Military unterwegs, ich würde als einzige Prämisse meine Hengste Medivh und Heros mitbringen wollen. Allerdings war mein Vater viel im Fahrsport tätig, weswegen meine Ausbildung dort fast besser ist.“ „Wegen den Pferden wäre das kein Problem, das SPZ hat genug Platz und auch Möglichkeiten, falls du sie weiter ausbilden möchtest. Es wäre nur recht schnell die Organisation der Fahrturniere zu stemmen.“ Er freute sich sichtlich, anscheinend hatte er bis jetzt Probleme mit diesem Wunsch. Ich sprach mit ihm die Details durch und bot ihm eine Probezeit von zwei Wochen an, die Dave glücklicherweise sofort annahm. Sollte sich die Zusammenarbeit danach als gut herausstellen, würde der Vertrag dauerhaft gültig. Ich gab ihm die Papiere mit, vereinbarte den ersten Arbeitstag für übermorgen und verabschiedete mich von ihm. Als sein Auto den Hof verließ, kam Mia zurück, stupste mich an und lachte. „Luisa, wenn du den nicht nimmst...“ „Hab ich schon, hat die Papiere mitgenommen!“ unterbrach ich sie und zwinkerte. „Endlich mal ein heißer Typ auf dem Hof!“ „Das hab ich gehört!“ Willi warf uns einen gespielt bösen Blick vom Traktor zu, von dem er gerade abstieg und das Hallentor schloß. Mia und ich lachten laut, nahmen Willi in den Arm und gingen zusammen ins Haupthaus zurück.
    • Muemmi
      Pflegebericht Juli 2017

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 05. Juli 2017 | 15215 Zeichen

      Neubau für die Anwärter des Gestütes
      Aquentino, Skadi, Your Red Pleassure Mainstream, Solsikke, Valentine´s Candy Fireflies, Al Aasiyah ox, Caja, Checkpoint, Medivh, Oak´s Lake Mountain, Occani, Reykja, Webster, Taciturn

      Fohlenweide auf der Lichtung
      Aufgepasst, hier kommt Arcada!, Scamander, Painted Minimalistic Art, Elfenlied, Lillifee, Capona, CM´s Meilenstein, Symphonie de la Bryére, Thor, Picutre of a Ghost

      Hauptstall der Zucht
      Fleming, Amber, EBS Mon Amie, Heros, Zarin, Dante

      Westflügel der Naundorfer Welshzucht
      Seidenfell, Orchidee´s Nikita, Prima Teutonia, Zimtmond´s Haselnuss, Love me Lara, Miro, Landwein´s Erdbeerpflücker, Take a Bow, Sweet Poison
      Pferde befinden sich seit Oktober 2016 im Besitz von kira

      Mach´s gut Kleiner

      Die letzten Gewitterwolken fingen an sich zu verziehen und die ersten Sonnenstrahlen blinzelten durch die Kronen der mittlerweile dicht bewachsenen Laubbäume. Die Wiesen schmatzen vor sich hin, während das Wasser im Boden versank, der sandige Schlamm klebte an Sockes Hufen, während ich ihn im Westernsattel den Weg an der Weide entlang ritt. Langsam, einen Schritt nach dem anderen setzte er einen Huf vor den nächsten. Die Luft war klar und kühl im Verhältnis zur schwülen Hitze, die die letzten Tage geherrscht hatte. Ich ließ die Zügel lang, wir hatten es nicht eilig. Die letzten Wochen und Tage waren ein einziges Auf und Ab gewesen. Allein darüber nachzudenken…
      Susan hatte den Ausbildungsplatz gewechselt und letztendlich mir die Schuld gegeben, dass sich ihre Situation so entwickelt hatte. Trotz der angespannten Lage ließ ich Tom unter der Hand einige Kontakte abfragen und der Wechsel ging geschäftlich gesehen für beide Seiten ohne weitere Blessuren aus. Sie würde ihre Prüfung zum selben Termin abschließen und nahe Leipzig, auf dem Hof, an den Tom sie vermittelt hatte, später weiter festangestellt arbeiten. Dave konnte mit der ganzen Situation, für die er sich irgendwie die Schuld gab, nicht umgehen und zog sich ebenfalls in Arbeit zurück. Mitte Mai reiste er für drei Wochen nach England und Schottland, was uns alle doch sehr überraschte. Als sich die Sache mit Susan merklich zuspitze, kam er zeitgleich in Kontakt mit einem führenden Kutschen-Hersteller und Züchter. Da die Verbindung nach England vor allem für unsere Sportpferdezucht sehr interessant sein könnte, willigten wir alle ein und ließen ihn fliegen. Die Verabschiedung zwischen ihm und mir war überraschend eisig. Von den Vertrautheiten seit seiner Einstellung mir gegenüber war nichts mehr übrig. Tom bemerkte es, blieb aber stumm.
      Und kaum war Dave weg, ging es auf dem Hof komplett drunter und drüber. Ohne seine Unterstützung war es für Leo und mich extrem schwer, die Fahrturniere ohne Probleme zu organisieren. Aber mit ein paar Blessuren schafften wir die Planung irgendwie, woran Leo auch weiter wuchs. Ich war stolz auf meinen Azubi, der jetzt so viele Aufgaben übernahm und das so kurz vor seiner Abschlussprüfung. Er muss gemerkt haben, wie sehr es mir zusetzte, dass ich als Betrieb einen Azubi verloren hatte, in den ich so viel Hoffnung gesetzt hatte. Ich ärgerte mich sogar eine ganze Zeit lang so dermaßen, dass ich verlauten ließ, erstmal keine Auszubildenen mehr aufzunehmen. Aber genau dann bewies sich Leo. Ich stellte ihn dann Nachmittags so gut es ging frei, damit er mit Webster für die Dressur und Springen üben konnte. Tom korrigierte ihn dabei, ich sah beim Springen immer wieder mal drüber, aber da dann nur noch Mia, Willi und ich für den Rest der anfallenden Arbeiten auf dem Hof waren, kam wirklich alles zu kurz. Da demnächst die Welshis vollständig vom Hof ziehen sollten und die Stallungen für Einsteller frei werden würden, richteten wir den Offenstall auf der alten Koppel her und stellten dort die Stuten unter, die Hengste kamen in einer Teilabtrennung zu den Zuchtpferden. Heros und Fleming machten sich Anfangs einen heiden Spaß daraus, die kleinen Ausgaben durch die Gegend zu scheuchen. Take a Bow, Miro, Landwein und Poison trabten den ganzen Nachmittag am Zaun entlang und buckelten vor sich hin, aber zum Abend hin waren die Jungs so erschöpft von der schwülen Hitze, die diese Tage in die Ebene drückte, dass sie am nächsten Tag müde vor sich hin dösten. Auch die Großen kamen tagsüber kaum auf die Koppel, erst Abends, als es deutlich milder war, standen sie am hinteren Ende des Geländes und grasten die zugesteckten Weideflächen ab. Als die Welshis aus dem Nebenstall ausgezogen waren, fingen wir an, die Sattelkammer dort auszumisten. Alle Schabracken, Sattel und Trensen, Putzkästen und sonstiges Zubehör, das an die neue Welshzüchterin gehen würde, putzten wir und lagerten wir im Haupthaus sorgfältig für den Umzug ein. Lediglich je drei Decken, Schabracken und gebrauchte Bandagensets für Taciturn, sowie das komplette Equipment für Occani zog in den Hauptstall um. Die Scheckstute würde als Gesellschafterin für Lillifee und die Fohlen doch vorerst auf dem Hof bleiben, aber auch im Ponyreitsport gefördert werden. Da sie auch noch sehr jung war, klappte die Eingliederung recht gut, sie behauptete sich aber als ehemaliges Herdenmitglied einer erfahrenen Pferdeherde aber gleich und mauserte sich recht fix an eine der höheren Ränge. Lediglich die resolute Meilenstein blieb davon unberührt und ließ sich nichts gefallen. Sie würde als fast Dreijährige bald unter den Sattel kommen und eingeritten werden. Ich hatte lange mit Tom und Mia geredet und unsere Zahlen überflogen. Wir standen durch die Pacht, Verkäufe und Trainingseinnahmen so gut da, dass wir uns mit zwei weiteren Mitarbeitern vergrößern könnten. Mia kümmerte sich diesmal um die Ausschreibung der Stellen, die Wohnungen wurden neu gestrichen und bezugsfertig gemacht, die im Haupthaus noch über waren. So ging der Mai um und es wurde Juni. In dieser Zeit arbeiteten wir uns alle schier zu Tode, ich war vier Tage auswärts und trainierte auf Abajo´s Hof ihre Pferde und übernahm dort ein Fohlen namens Picture of a Ghost. Allgemein vergrößerte sich nach der Auflösung der alten Zucht des Ammerseegestüts von damals die Zahl der Fohlen auf Naundorf deutlich. Der Decksprung von Mon Amie war geglückt, das Spektakel um Painted Blur war nach wie vor ein Highlight, das so schnell nicht vergessen werden würde. Ihr kugelrunder Bauch wurde immer dicker, bis sie in den letzten Maitagen einem kleinen Hengst das Leben schenkte. Er hatte von der Farbigkeit so gar nichts von seinem berühmten Uropa und auch Mon Amie behielt ihre Farbigkeitsvererbung für sich. Painted Minimalistic Art kam so vollkommen nach seinem Papa, war Schwarzbraun und hatte nur ganz wenige Abzeichen, was ihm seinen Namen verlieh. Und auch Mitte Juni kam ein lang ersehntes Wunschfohlen auf den Hof. Ein Hengst, auf den ich mich, neben Painted, ebenfalls besonders freute. Schwarzgold war sein Vater, ein Elitehengst, der auf Naundorf eine Zeit als Jungpferd verbracht hatte, bevor er an eine sehr alte Freundin von mir ging. Durch einen Verkauf eines Rasputin-Ravallo Fohlens, hatte ich eine Leihmutterschaft einer Co Pilot Tochter bekommen und Schwarzgold als Vater ergattern können. So bereicherte ab Mitte Juni Scamander unsere Babyherde und war mit seinem halben Jahr unglaublich niedlich anzusehen. Ich packte ihn mit Lillifee, Symphonie und Arcada auf eine Weide, die drei Mädels waren sehr lieb zu ihm und ließen seinen Trennungsschmerz von seiner Mama schnell vergessen. Mit der Zeit, wenn er kräftiger werden würde, würde ich die vier wieder zurück in die Gruppe der anderen Fohlen integrieren, die neben diesen aus Meilenstein, Capona, Thor und Elfenlied bestand. Painted blieb mit Mon Amie natürlich für die nächsten Monate erst einmal separat.
      Ich lächelte, als ich so an die Kleinen dachte, die mir meinen eigenen Kummer eine kurze Zeit lang nahmen und trieb Aquentino, der bei allen den Namen Socke trug und auch nie mehr anders gerufen wurde, in einen leichten Galopp. Freudig setzte er die Hufe voreinander und griff locker aus, schnaubte ab und spitzte die Ohren. Er hatte sichtlich Spaß und auch ich ließ einen Moment los. Nicht nur das Chaos und der Arbeitsstress auf dem Hof waren derzeit eine große, emotionale Belastung. Idefix hatte sich seit dem Winter erst noch sichtlich erholen können, allerdings wurde bei einigen Kontrollterminen, weil er mir sehr schlapp erschien, ein Tumor entdeckt, der zu unser aller Schreck nicht mehr operierbar war. Ich heulte mir an dem Abend schier die Augen aus dem Kopf, Mia war in dieser Zeit eine wahre Freundin und tröstete mich wie keine es hätte sonst können. Sie wusste, wie viel mir Idefix bedeutete und dass er der letzte, verbliebene Partner aus einer sehr alten Zeit war. Tom kümmerte sich ebenfalls liebevoll um mich und auch Leo und Willi erwiesen sich als echte Familie. Da Idefix nur oft müde war und sonst keine Schmerzen litt, bekam er vorerst Medikamente und würde noch eine ganze Weile unter uns bleiben, was den Schmerz, ihn zu verlieren, zwar nicht milderte, aber ertragbar machte. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit ihm, spielte mit ihm, streichelte ihn, hielt ihn im Arm. Er durfte auch ab diesem Tag auch in meinem Bett schlafen und wurde vom Rest auch sehr verwöhnt. Er schien seine Situation durchaus zu genießen und war recht glücklich – und so war ich es irgendwie auch.
      Ich parierte Socke durch und trabte am äußersten Rand unserer Weiden entlang. Der Dänenhengst streckte sich und verlangsamte immer mehr, bis ich ihn zum Schritt parierte und die Zügel wieder lang ließ. Nach einer guten Stunde war ich wieder auf dem Hof, sattelte den Hengst ab, striegelte Aquentino und führte ihn in seine Box. „Alles gut draußen?“ fragte Willi und ich nickte. Er schob die Mistkarre durch die Gasse und fing an bei Mainstream die Box zu säubern. Ich fing gegenüber an und kümmerte mich um Ambers Box. Mia gesellte sich dazu, Abendessen würde heute Tom machen, Leo war drüben bei den Welshis und kümmerte sich um die Stuten Seidenfell, Teutonia, Nikita, Lara und Haselnuss. „Ich würde nach dem Stalldienst gern noch eine Runde mit Aasiyah drehen.“ meinte sie und schwang in deren Box die Gabel. „Ich würd dich gern begleiten, wenn du nichts dagegen hast.“ tönte eine Stimme vom Gang her und wir drehten alle drei die Köpfe. Dave. Er stand einfach mitten im Stall, grinste und hielt sich für unwiderstehlich. Er hatte sich eigentlich erst für morgen Vormittag angekündigt. Der Satz, der mir durch den Kopf schoß war schneller draußen, als ich schauen konnte. Wegen ihm hatten wir die letzten Wochen so zu kämpfen, wegen ihm war alles drunter und drüber gegangen. „Nein, du übernimmst ihre Schicht. Du bist abgelöst Mia, sei so lieb und schau nach Leo, nimm ihn und Lake Mountain mit. Das hat er sich verdient.“ Dabei betonte ich ´übernimmt´ und sah dabei nur Dave an. Der war erstmal perplex, nahm dann aber die Mistgabel von Mia, die mittlerweile genauso verärgert war auf Dave und von dannen zog. Willi erklärte, dass er sich um die Hengste Medivh, Dante und Checkpoint kümmern würde. „Ich sehe später nach ihnen, danke Willi.“ meinte Dave jetzt kleinlaut, drehte sich von mir weg und mistete Cajas Box. Ich wechselte gegenüber zu der von Skadi und fragte dann in einem versucht weicheren Ton, während Dave direkt neben mir eine Gabel nach der anderen in die Karre warf, warum er heute schon hier sei und nicht, wie geplant, erst morgen. Er erzählte etwas von verbuchtem Flug und gewissen, privaten Geschehnissen in England. „Du scheinst dich ja nicht wirklich zu freuen.“ schloss er trocken, hielt inne und stütze sich auf die Gabel. „Wir sind in Arbeit abgesoffen, Dave.“ antwortete ich, sah ihn an und war jetzt wirklich verärgert. Was dachte er sich? Dass er sich nur 2x bei Tom meldet in den ganzen drei Wochen und dann einfach hier aufschlägt und alles völlig in Ordnung ist? Ich atmete durch und warf die letzte Gabel aus Skadis Box in die Karre. „Wir werden zur weiteren Unterstützung zwei weitere Angestellte einsetzen, Leo bekommt wegen seiner guten Leistungen eine Festanstellung und die Wohnung von Susan.“ Bei letzterem drehte ich mich um und sah ihn an. Er wirkte verletzt und merkte erst jetzt, wie sauer ich eigentlich war. „Wir sind in Arbeit abgesoffen, Dave.“Ich knallte ihm den Satz ohne große Emotion. Damit ging ich aus der Box, drehte die Karre und wollte los zum Misthaufen. „Das mit den Pferden hat geklappt.“ meinte er jetzt eisig. Natürlich. Er mauerte, zog sich zurück und war beleidigt. Ich hielt inne. „Wann sollen sie kommen?“ fragte ich jetzt, wieder die nüchterne Geschäftsfrau und Chefin, die ich eigentlich war. „Am Wochenende. Ich werde alles fertig machen, ich habe eben mit Tom gesprochen. Auch, was das Jubiläumsturnier angeht.“ Wenigstens darum musste ich mir keine Gedanken mehr machen. Eigentlich war Dave ganz in Ordnung und ein wahnsinnig guter Mitarbeiter. Wenn er denn kein Chaos gestiftet hätte, bei Susan – und mir. „Weiß er, dass du mitisst?“ fragte ich und rang mit doch ein leichtes Lächeln ab, streiten hasste ich wie die Pest und er würde dann viel eher wieder auf mich zukommen. Aber ich hatte mich geirrt. „Nein, ich werde heute auswärts essen. Ich bin morgen zum Frühdienst wieder da.“ Mir fror das Lächeln regelrecht ein, ich war aber recht schnell wieder Herr meiner Sinne und quittierte das nur mit einem „Ok, ist gut.“ Ich wollte die Karre gerade wieder anschieben, da meinte er, dass er von Tom auch das mit Idefix erfahren hatte. „Es tut mir ehrlich Leid, Luisa.“ „Lass gut sein. Ich will nicht drüber reden.“ So ließ ich ihn stehen.
      Es war still am Abendtisch, keiner sprach oder scherzte herum, wie es trotz dem ganzen Stress die letzten Tage der Fall war. Ruhig sprachen Tom und Mia mit uns anderen die Einstellung der neuen Leute ab und wir entschieden, dass wir alle zusammen die Leute sichtigen würden, damit sie auch auf den Hof passen würden. „Noch ein paar Frauen wären nett. Mia und Luisa seh ich ja kaum...“ witzelte Willi und lockerte damit dann doch die Stimmung. „Zarin geht’s übrigens wieder richtig gut, man sieht kaum mehr was, dass er mal kurz vorm Schlachter war.“ meinte er dann zu mir und ich nickte. Wenigstens dieses Sorgenkind hatte jetzt endlich die Kurve bekommen. „Wer weiß Willi, vielleicht geht er als Deckhengst doch noch auf Reisen. Aber jetzt peppeln wir ihn auch reiterlich erstmal wieder auf.“ „Wenn du magst, würde ich damit morgen gerne anfangen.“ Tom kam in letzter Zeit viel zu kurz, konnte kaum in den Sattel steigen und seiner Leidenschaft, der Dressur, nachgehen. „Ich glaube, das wäre das allerbeste, du hast ihn stärker unter Kontrolle. Und dann nimmst du dir den Rest des Tages frei, kümmer dich mal wieder um Reykja. Ich mag das morgen mit dem Büro. Brauch mal ne Pause.“ Er lächelte dankbar, er machte gerne Bürozeug, aber war auch gern draußen. Dann sprachen wir auch für die anderen die morgige Tagesplanung durch.
      Zwei Tage später wachte ich mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Es war noch dämmrig, ich konnte gerade die Umrisse meines Zimmers erkennen. Heute sollten die beiden Pferde Solsikke und Candy Fireflies ankommen. Erstere, eine Knabstrupperstute, war mir unbekannt, Fireflies allerdings hatte ich vor Jahren schon mal als Fohlen auf einer Schau gesehen und ich war wirklich überrascht, als ich seinen Namen auf den Papieren entdeckte. Ich drehte mich nun vorsichtig um, damit ich Idefix nicht versehentlich weckte. Es wurde langsam immer heller und meine Befürchtung wurde mit jedem Lichtstrahl mehr Realität. Er hatte sich mit dem Rücken zu mir an mich gekuschelt, sein Kopf lag auf den Vorderpfoten, er hatte sich eingerollt und die Augen geschlossen. Ich streichelte ihm das weiche Fell, sein Körper war noch warm, aber viel kühler, als ich ihn über all die Jahre kannte. Auch hob und senkte sich sein Brustkorb nicht mehr, er schnarchte nicht mehr leise vor sich hin und schien doch so zufrieden wie ewig lange nicht mehr. „Mach´s gut mein Kleiner.“ flüsterte ich, drückte mein Gesicht in sein Fell und fing leise an zu weinen.
    • Muemmi
      Tierarztbericht | August 2017
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      Tierarztbericht – Pferdeklinik & mobiler Tierarzt „Horse Heaven“ | Medivh
      |11.08.2017 ©Möhrchen ( 2.190 Zeichen, 368 Wörter)

      Ich rannte durch den Regen zu meinem Auto und schlug die Tür hinter mir zu. Es war echt zum Mäuse melken: Mitte August und immer noch kein richtiger Sommer in Sicht... Ich fuhr von meinem Hof und machte mich auf den Weg auf das Gestüt Naundorf zu Luisa Goeke und ihrem Hengst Medivh. Sie wollte ihn demnächst auf der Körung vorstellen und hatte mich gebeten, ihn vorab nochmal durchzuchecken.

      Auf dem Gestüt angekommen zog ich mir die Kapuze tief ins Gesicht, schnappte mir meine Tasche und machte mich auf die Suche nach Luisa. Ich fand sie schließlich mit ihrem Schimmelhengst in der trockenen Stallgasse. Sie war gerade dabei, ihm eine Bürste aus dem Maul zu ziehen, die er sich wohl aus Langeweile geschnappt hatte. Ich begrüßte sie und sie erzählte mir ein wenig von Medivh. Er war ziemlich groß und sehr schick. Berührungsängste hatte er überhaupt nicht, neugierig schnupperte er an meiner Hand und ließ sich kraulen. Allerdings schien ihm auch schnell wieder langweilig zu werden und er machte sich an seinem Strick zu schaffen, den Luisa ihn sofort wieder aus dem Maul zog.

      Nu starte ich mit der Untersuchung und schaute mir seine Augen, Ohren, Nüstern und Zähne an. Es sah alles ganz normal aus, also tastete ich mich langsam über den Hals vor zum Rücken und tastete dabei jeden einzelnen Wirbel ab. Er zeigte keinerlei Schmerzen und alles fühlte sich locker und gleichmäßig bemuskelt an. Also machte ich mich an die Beine und hob jedes einzeln an. Seine Hufe waren hart und gerade ausgeschnitten, auch an den Gelenken konnte ich nichts Auffälliges finden. Zum Abschluss hörte ich sein Herz, seine Lunge und seinen Bauch ab. Auch hier: alles in bester Ordnung.

      „Das sieht alles sehr gut aus, ihr könnt beruhigt zur Körung fahren“, sagte ich und Luisa lächelte zufrieden. Gemeinsam brachten wir Medivh zurück in seine Box und ich stellte ihr eine Bescheinigung für die Körung aus. Dann machte ich mich auf den Weg zurück zu meinem Auto. „Ich wünsche euch viel Glück für die Körung!“, rief ich noch über die Schulter, bevor ich durch den Regen zu meinem Auto rannte.
    • Muemmi
      Pflegebericht August 2017

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      ~ Beschreibung der Protagonisten ~

      (c) Muemmi | 17300 Zeichen | 16. August 2017
      Aus der Sicht von: Luisa Goeke
      Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Mon Amie

      Gähnend drückte ich den Knopf am Automaten und hatte sofort den Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase. In schwarzer Reiterhose und dunklem Longshirt gekleidet stand ich relativ früh an diesem Morgen in der Küche und richtete das Frühstück für uns alle her. Dann ging ich hinaus in den Flur und nahm die Briefe von gestern mit ins Bürozimmer. Es war noch ziemlich dämmrig, die Sonne kam an diesem verregneten Augusttag nicht durch die Wolken. Sogar einige Nebelschwaden zogen über die etwas weiter entfernten Koppeln, die man vom Schreibtischfenster durch die Stallungen hindurch sehen konnte. „Ist ja wie im Herbst.“ jammerte ich und mir fuhr ein Stich durchs Herz. Fast hätte ich „Dein Lieblingswetter, Idefix“ drangehängt. Es war jetzt über einen Monat her, dass mein Kleiner friedlich eingeschlafen war und doch fehlte er mir immer noch, wie am ersten Tag.

      Plötzlich hörte ich es draußen rumpeln. Ich drehte mich um und ging zurück zur Haustür. „Zieh dir später was Warmes an, draußen ist es saukalt. Knappe 9 Grad.“ Willi hing seine Jacke an den Haken im Flur und rieb sich dann die Hände. „In der Küche ist frischer Kaffee“ murmlte ich und wir grinsen uns beide an. „Frischer Kaffee klingt super!“ Dave kam gerade die Treppe runter und wirkte erstaunlich gut gelaunt. „Du schon so früh wach?“ neckte ich ihn und gehe mit beiden in die Küche. Sein leicht verwunderter Blick, aber anschließendes Lächeln blieb von mir nicht unbemerkt. „Wann wollt ihr beiden starten?“ fragte ich ihn, der sich drei Tassen aus dem Hängeschrank nahm und diese dann für uns alle füllte. „Leo ist grade auf, in ungefähr einer Stunde wollen wir verladen haben und los.“ Heute stand für die beiden Jungs ein Militaryturnier an. Dave würde mit seinem Schimmelhengst Medivh starten, der in diesem Jahr die beste Saison der Pferde auf Naundorf hinlegte und Leo würde mit seinem Hengst Candy Fireflies teilnehmen. Er war mittlerweile ein sehr guter Reiter und mit Feuereifer dabei, sein eigenes Pferd zu trainieren und selbst besser zu werden. „Morgen!“ flötete dieser auch, als er 10 Minuten später in die Küche kam und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. „Hmmm, Kaffee...“ Er grinste und ich drückte ihm die Tasse in die Hand, die ich für ihn aus dem Hängeschrank genommen hatte. „Danke.“ Er schenkte sich ein und setzte sich dazu. „Wo sind Tom und Mia?“ Ich antwortete nicht auf Daves Frage und strich mir unbeteiligt eines der Brötchen. Auch die anderen schwiegen, Willi zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann zum Stalldienst. Dave hatte als Einziger noch nicht wirklich die Beziehung zwischen den beiden erkannt, da sich das Ganze langsam entwickelt hatte, als er in England war. Keiner der beiden hatte es bis jetzt offen zugegeben und sie achteten darauf, sich nicht von irgendjemanden eindeutig erwischen zu lassen, aber zwischen den beiden knisterte es gewaltig. Der Altersunterschied von knapp 20 Jahren war den beiden dabei vollkommen gleich. Mich freute das Glück, das Mia und Tom hatten und sagte nichts dazu. Ich kannte die beiden, sie würden nicht streiten, wenn es in die Binsen ging. Oder sich so anschweigen wie Dave und ich. Seit der Sache mit Susan gingen wir uns eigentlich aus dem Weg, redeten aber ganz normal miteinander, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ich fragte mich dabei immer wieder, was ich mir denn erhofft hatte, er hatte mir nichts versprochen oder mir gar eindeutig Avancen gemacht. Dennoch schien etwas zwischen uns zu schweben, dass wir beide nicht ansprechen wollten, uns aber belastete. Manchmal fragte ich mich, ob ich nicht wirklich Schuld am Abbruch von Susans Lehre bei uns auf dem Zentrum hatte.

      „Packt zusammen, sonst kommt ihr zu spät los, ich räum ab.“ meinte ich und wünschte den Jungs viel Erfolg. „Seid bitte vorsichtig, es hat heute Nacht ordentlich geregnet!“ warf ich noch hinterher, doch die zwei hörten bei sowas gern weg. Wenn Dave und Leo etwas zusammen machten, wurden beide zu verspielten, albernen Kindern. Dass bis jetzt noch nichts passiert war bei deren Blödsinn, schob ich nur auf deren unverschämtes Glück. Erst vor drei Wochen war ein Heuballen vom Speicher gestürzt und hätte Leo dabei fast überrollt, weil die beiden nicht bei der Sache waren. „Guten Morgen.“ murmelte Mia lächelnd, als sie kurz vor Tom in die Küche kam. „Guten Morgen“ Ich lächelte ebenfalls, Mia strahlte ein solches Glück aus, das einen sofort selbst ansteckte und die traurigen Gedanken meinerseits sofort auf die Seite schob. Sie schmierte sich nur schnell ein Nutellabrötchen und stürzte ihren Kaffee. „Ich hab Willi versprochen, heute auf den äußeren Koppel zu helfen.“ „Ich werde gleich nach dem Stalldienst dazu kommen, Tom ist ja heute unterwegs.“ Sie lächelte, bejahte und verließ dann die Küche. Ich fing an zu spülen, als dann auch Tom langsam eintrudelte. Er hatte heute nicht viel auf dem Hof zu tun, da er später zu einem Futterlieferanten fahren und sich anschließend zwei Pferde zum Trainieren ansehen würde. „Luisa… Ich muss was mit dir besprechen.“ fing er dann nach ein paar Minuten an und schien sich dabei sichtlich schwer zu tun. „Geht es um Mia?“ fragte ich ruhig und vorsichtig und sah ihn lächelnd an. Es schien sich ein großer Brocken bei ihm zu lösen, denn er nickte und wirkte niedergeschlagen. „Ist alles in Ordnung Tom?“ meinte ich und setzte mich ihm gegenüber. „Ja, es ist wirklich mehr als in Ordnung, ich habe nur Bedenken…“ „Was ich davon halten könnte?“ unterbrach ich ihn und er lächelte. „Ich kenne euch beide jetzt eine ganze Weile. Wie ihr miteinander umgeht, vor allem wenn es um die Dressur geht. Ich glaube nicht, dass es noch einmal zu so einer Situation wie mit Susan und Dave kommt.“ „Das hat mir am meisten Sorgen gemacht, dass wir eventuell auf Ablehnung stoßen, weil es dieses Jahr genug Trubel gegeben hat.“ „Mia ist anders Tom. Du bist anders. Selbst wenn es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht mehr sein soll, denke ich, macht ihr das um Weiten besser als jeder andere hier auf dem Hof. Natürlich wünsch ich euch das nicht!“ Ich lächelte immer noch und sah ihn direkt an. Er umfasste seine Kaffeetasse und wirkte jetzt so ausgelassen und glücklich wie Mia zuvor. „Genieß es einfach. Ich bin die Letzte, die was dagegen hat!“ meinte ich, stand auf und verräumte die restlichen Sachen. Das hatte ja lange gedauert, bis er es offen zugibt, dachte ich mir. „Und du? Habt ihr, Dave und du, mittlerweile miteinander geredet?“ fragte er dann vorsichtig, obwohl er das eigentlich nicht musste. Tom konnte sich nicht genauso einfühlen wie Mia, aber ich konnte Eins und Eins zusammen zählen, dass sie sich ihm anvertraut hatte, wie sehr es mich tatsächlich belastete. Böse war ich ihr nicht, die beiden waren jetzt meine Familie. „Nein.“ Tom schwieg. „Ich würde heute Abend gerne unser beider Pläne zur Teilhabe mit den anderen besprechen. Dabei nehme ich ihn mir auf die Seite. Ich denke, einen besseren Zeitpunkt über das Verhältnis in jeder Art zu reden gibt es nicht… Oder?“ fragte ich und sah ihn hilflos an. Das mit Dave schlauchte mich schon ganz schön. „Ja, ich denke, dass das wirklich eine gute Idee ist. Ich sag es Mia und nehme mir Leo auf die Seite, damit du da in Ruhe reden kannst.“ Er stand auf. „Danke.“ „Ich muss danke sagen.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, grinste und ging dann leichteren Schrittes hinaus. „Ich bin am frühen Nachmittag wieder hier, bis später!“ rief er noch vergnügt, dann hörte ich die Haustür gehen.

      Ich löschte ein paar Minuten danach das Licht in der Küche und warf mir meine Softshelljacke um. Es war wirklich frisch draußen, als ich über den Hof lief und den Stalldienst mit dem Misten begann. Die Pferde hatten eben fertig gefressen, Mia und Willi führten die ersten gerade hinaus auf den Sandplatz. Es hatte heute Nacht so geregnet, dass wir die Pferde nicht auf die Koppel lassen wollten, damit sie sich nicht verletzen konnten. Das schonte anbei auch die Grasnarbe und damit die gesamte Koppel. Kurz danach rumpelte hinten im Hof der Hänger, ein Motor wurde angelassen und es knirschten die Reifen, bis man schließlich nichts mehr hörte. Die Jungs waren jetzt also unterwegs. „Hoffentlich reiten sie heute mal etwas vorsichtiger, bei dem Boden…“ Dann schob ich die Mistkarre zur nächsten Box.

      Wir waren bis ca. 9 Uhr mit dem alltäglichen Dienst beschäftigt, die Pferde danach alle glücklich versorgt. Amber und Mon Amie durften ihre Runden in der Führanlage drehen, da sie diese Woche auf Turnier waren und wegen ihrer Muskelkater nur leicht bewegt werden sollten. Dann schwang ich mich auf das Stallmountainbike und radelte zu Willi und Mia hinaus auf die Koppeln. Wir hatten wieder mit einigen Gattern am Rand des Kiefernwaldes zu kämpfen, da alte Zweige herab gestürzt waren und einige Lattungen gebrochen hatten. Einfach zurechtschneiden durften wir die Bäume am Rande laut Gemeinde nicht ohne Weiteres. Zudem brauchten wir dafür ein spezielles Team, da die Kiefern teilweise mehrere Meter hoch waren. Tom hatte sich erst letztens wieder fürchterlich darüber aufgeregt, weil es uns jedes Mal Geld und Zeit kostete. „Ich kann das Gatter langsam nicht mehr sehen…“ fluchte Willi und wir hieften es zu dritt aus der Angel.

      Nach gut 2 Stunden waren wir endlich mit den nötigen Reparaturen und dem Kontrollgang fertig, Hände und Stiefel voller Schlamm und Dreck. Es fing nun leicht zu nieseln an und wir waren froh, als wir mit dem Abladen und Verräumen des Werkzeuges fertig waren. Willi fuhr den Traktor rückwärts unter den Unterstand und drehte dem gerade die Zündung ab, als wir einen Wagen schlittern hörten. Zeitgleich ertönte im Haupthaus das Telefon.

      „Das ist Tom!“ rief Mia. In ihrer Stimme schwang Panik mit, irgendetwas stimmte nicht. Willi sah mich ebenfalls geschockt an. Tom bretterte niemals mit seinem alten Audi, schon gar nicht bei schlechtem Wetter oder gar auf dem Hof. Er legte quasi mitten in der Einfahrt eine Vollbremsung hin, zog die Handbremse und nahm nur den Gang raus. „Luisa!“ brüllte er aus vollem Hals. Mir wurde ganz anders. Er war nicht wütend, seine Stimme überschlug sich zu sehr. „Hier, ich bin da!“ Mia und ich rannten auf ihn zu. Er war blass und kam uns entgegen. „Leon hat mich gerade angerufen. Dave. Er ist gestürzt.“ „Oh mein Gott.“ Mia schlug sich die Hand vor den Mund, während mir auf einmal komplett schwarz vor Augen wurde. Dave. „Ich war auf der Hauptstraße, da hat mich Leo per Handy erreicht, ich bin sofort hier her. Das muss die Turnierleitung sein.“ Er hörte das Telefon ebenfalls schrillen. Willi rannte sofort los ins Büro, Mia, Tom und ich rannten hinterher. „Ja. Sie ist hier. Wir kommen sofort.“ Willi legte auf. „Dave ist auf dem Weg ins Krankenhaus, Medivh ist schwer verletzt, kann aber wohl stehen. Wir sollen sofort kommen.“ Den ersten Schock überwindend sammelte ich mich und sah Tom an. „Ein Hänger ist auf dem Gelände, wir fahren mit einem weiteren hin, falls wir uns trennen müssen. Du und Willi übernehmt das. Mia und ich fahren jetzt sofort rüber, Mia, hol den Notfallkoffer, ich hole die Bandagen und noch eine Decke.“ Tom nickte und eilte davon, Willi erzählte mir kurz und knapp, was am Telefon noch gesagt wurde. „Dave war ansprechbar, als sie ihn verarztet haben, er ist gegen ein Hindernis aus Baumstämmen gekracht. Er muss sich aber einiges gebrochen haben.“ „Oh Gott…“ Ich kämpfte gegen das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. „Medivh steht und kann laufen, mehr haben sie mir nicht gesagt.“ „Danke Willi, versucht so schnell wie möglich nach zu kommen, baut mir aber nicht auch noch einen Unfall!“ Er nickte ernst und rannte dann los.

      „Oh Gott…“ Wie in Trance raffte ich einige Sachen zusammen, nach klares Wasser und Bandagen mit. Mia fuhr meinen Nissan auf den Hof und warf die Notfallkiste in den Kofferraum, als ich gerade zu ihr lief. „Und los!“ „Sicher, dass du fahren kannst?“ „Ja, steig ein.“ Jetzt war ich plötzlich klar im Kopf. „Es wird schon nicht so schlimm sein. Willi meinte, er wäre ansprechbar gewesen, stimmt das?“ „Ja, er muss aber einige Brüche haben…“ Mir fiel sofort sein Lächeln heute morgen ein, als er die Treppe herunter kam und mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Da klingelte mein Handy. „Geh für mich ran.“ „SPZ Naundorf, Andalik für Goeke? Ja. Sie sitzt neben mir. Ja. Gott sei Dank. Ja, ist in Ordnung. Ich werde sie sofort weiterschicken. Gut. Danke, auf Wiederhören!“ Sie legte auf und atmete ruhig durch. „Krieg jetzt keine Panik Luisa, es klang alles soweit gut. Das Krankenhaus, sie werden Dave gleich operieren. Er ist weiter ansprechbar geblieben. Mehr wollte Sie mir am Telefon nicht sagen. Nur, dass er nach dir verlangt hat.“ Ich atmete durch und versuchte ruhig zu bleiben. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Turnierplatz, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ich fuhr viel zu schnell auf den Platz und wurde sofort von einem Security-Menschen angehalten, der mir wild fuchtelnd entgegen kam. Durchs offene Fahrerfenster rief ich ihm zu, dass wir von Naundorf für den Unfall da waren. Er winkte mich sofort weiter in Richtung eines abgelegeneren Platzes. Ein Tierarzt war vor Ort und tastete gerade Medivhs Beine ab, als wir ungefähr 30m entfernt anhielten. „Oh mein Gott…Medivh…“ Mia und ich hatten so etwas noch nie gesehen. Medivh, der wunderschöne Holsteiner-Schimmel stand zitternd und mit gestrecktem Hals da und rührte sich kaum. Sein Hals, Kopf, Brust und die Flanke waren voller Schlamm- und Grasflecken vom Rutschkontakt mit dem Boden. Was uns aber so schockierte, als wir langsam auf die Gruppe zugingen, waren die Wunden am Kopf, der Brust und den Beinen, aus denen hellrot das Blut floß und sein weißes Fell einfärbte.

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      (c) Muemmi

      Eine Helferin säuberte gerade vorsichtig eine Wunde am Kopf, ich merkte sofort, dass Medivh ein Sedativum bekommen hatte, da er keinen Mucks mehr machte. „Er sieht im Ganzen viel schlimmer aus, als es ist, er hat sich nichts gebrochen, nur gezerrt. Meindl mein Name, Sie sind die Leiterin des Hofes?“ Er gab mir nicht die Hand, sondern redete weiter, während er mich kurz ansah und sich dann weiter um Medivh kümmerte. „Allerdings muss er trotzdem schnell in die Klinik…“ Er nickte zu dessen Kopf und mein Blick folgte seiner Aufforderung. Medivh hatte Glück gehabt, er hätte sich auch das Genick brechen können. Später sollte ich erfahren, dass neben dem Hindernis ein Hang mit Kieselsteinen abgegangen war, den Medivh hinunter gestürzt war. Dabei war er mit der linken Seite aufgeschlagen und hatte sich dabei die linke Augenhöhle gebrochen. Er hielt das Lid geschlossen, das nicht mehr ganz an seinem Platz zu hängen schien und einen guten Zentimeter nach unten ging.

      Mia konnte den Anblick ähnlich wie ich nicht länger ertragen und ihr rollten die ersten Tränen über die Wangen. „Danke Doc, wir fahren ihn sofort zu Eddi Canary…Da kommt auch schon der Rest meines Teams.“ stotterte ich. Tom und Willi fuhren langsam mit dem zweiten Hänger im Schlepptau auf uns zu, hielten neben dem Xtrail und kamen dann zu uns. Da hörten wir Leo. „Luisa? Mia?“ Wir drehten uns beide um und sahen in dessen verheultes Gesicht. Eine Sanitäterin begleitete ihn, vermutlich wegen des Schocks. „Gott sei Dank, ist dir was passiert? Alles gut Leo, bleib jetzt ganz ruhig, ich fahre jetzt ins Krankenhaus. Willi nimmt dich mit auf den Hof zurück, ihr zwei werdet Candy Fireflies verladen und in eurem Hänger mitnehmen, in Ordnung? Ich rufe dich an, wenn ich mehr weiß.“ Willi stand neben mir, als ich Leo in den Arm nahm und schickte ihn dann mit ihm mit. „Es muss jemand auf dem Hof sein, kümmer dich um ihn! Ich ruf an!“ nickte ich Willi zu und die beiden eilten davon. Tom hatte währenddessen sein Handy gezückt und telefonierte schon mit Eddi, während Mia dem Tierarzt half und Medivh beruhigte. Der registierte erleichtert, dass bekannte Menschen um ihn herum waren und schien jetzt trotz Schmerzen weniger zu zittern und gelassener da zu stehen. Tom legte auf, Mia und er sahen sich an. „Wir werden ihn rüber fahren, sie hat gerade noch einen anderen Notfall, macht aber den OP bereit.“ „Gut, Luisa, fahr ins Krankenhaus, wir kümmern uns um alles!“ sagte Mia, jetzt gefasst und sich die Tränen aus den Augen wischend. „Ja, fahr zu.“ Ich nickte, sah noch einmal auf Medivh und hatte plötzlich schiere Panik davor, was mich dort erwarten würde. Ich atmete noch einmal kurz durch und ließ dann die Zündung des Geländewagens an.

      Das Krankenhaus lag in Cottbus, von Naundorf aus auf direktem Weg weiter vom Turnier weg. Ich brauchte trotzdem eine halbe Stunde, bis ich auf dem Parkplatz hielt und sah erst da an mir runter. Ich hatte immer noch die schlammigen Schuhe, die Reitsachen und die Softschelljacke an. Ich suchte im Kofferraum auf gut Glück ein paar Ersatzschuhe und wurde tatsächlich mit ein paar Stiefeletten fündig, die ich beim letzten Turnier im Auto vergessen hatte. Ich schlüpfte schnell hinein, warf die Tür zu und atmete durch. Ich konnte es jetzt nicht länger schieben, ich wollte so schnell wie möglich zu Dave, hatte aber auch solche Angst davor.

      An der Info wurde ich sofort weitergeschickt und fand mich dann in einem Wartezimmer auf der Intensivstation wieder. Dort klärte mich eine junge Krankenschwester auf, dass Dave noch immer im OP lag und kümmerte sich darum, dass der behandelnde Arzt von meiner Anwesenheit erfuhr. Und dann begann das Warten, ohne Genaueres zu wissen.
    • Muemmi
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      Tierarztbericht August 2017

      Heute war kein ruhiger Tag. Und umso froher war ich um meine Angestellten, denn während ich noch mitten im OP stand, ging bereits der nächste Notruf ein. Es war nicht unüblich, dass zu dieser Zeit unsere Klinik voll belegt war, die Sommerzeit brachte die Geländezeit mit sich und dort kam es leider öfter als nötig zu Unfällen.
      Ich gab meinen Patienten in die schützenden Hände meiner Helferin, welche ihn in seiner Aufwachbox beobachten würde, während ich meine Hände desinfizierte, einen neuen Kittel überzog und mich schon auf den Weg zum nächsten Patienten machte.
      Im Laufen nahm ich die Akte an mich und begrüßte knapp die Betreuer Mia Andalik und Tom Ludwig des Hengstes. Es handelte sich um einen sechsjährigen Holsteinerhengst. Ich überflog fix den Text von Medivh und warf dann einen Blick in die Box.
      Zwei meiner Arzthelfer hatten den Hengst bereits fest im Griff. Einer hielt ihn fest, während der andere die Wunden säuberte und die Blutungen stoppte. So wurde mir schon einiges an Arbeit abgenommen, so dass ich direkt das Beruhigungsmittel für den Hengst vorbereiten konnte, denn er machte momentan den Assistenten ziemlich zu schaffen.
      Nachdem er ein wenig ruhiger wurde, machte ich mich daran, ihn zu untersuchen. Er hatte starke Abschürfungen und Verletzungen im Bereich des Kopfes und der Brust, aber auch seine Beine waren betroffen. Ein Großteil der Wunden war nicht tief, sondern oberflächlich und blutete nach dem Saubermachen und Verarzten auch nicht mehr besonders.
      Die Wunde an der Brust war schon wesentlicher tiefer und musste deshalb direkt genäht werden, ehe sie sich entschloss, noch weiter aufzureißen. Medivh stand inzwischen vollkommen unter dem Einfluss der Beruhigungsmittel, so dass er nicht einmal mehr mit der Wimper zuckte, als ich die Wunde nähte, mit Silberspray einsprühte und einen Verband befestigte.
      Das viel größere Problem erwartete mich nun beim genaueren Hinschauen beim Kopf. Ich hatte nur mit Abschürfungen gerechnet, doch Medivhs linkes Auge war sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Es war blutunterlaufen und nach einem Blick mit Licht ins Auge, sah es für Medivh nicht gut aus.
      Die Hornhaut war aufs Ärgste verletzt und vermutlich war das Auge keineswegs mehr funktionsfähig. „Sarah? Bereite bitte den OP vor“, meinte ich knapp zu meiner Assistentin, welche knapp nickte und dann entschwand.
      Ich tupfte mir geduldig erneut das Auge frei und untersuchte es noch einmal, doch um die Operation würden wir nicht umhinkommen. Ich nahm mit Mia und Tom zur Seite und erklärte ihnen kurz und knapp sie Lage. Da Tom zweiter Teilhaber des Sportzentrums war, gab er sein Ok für die OP und ich bereitete alles Notwendige vor.
      Wir mussten relativ schnell handeln, damit es nicht zu einer Blutsepsis kommen würde. Dementsprechend stand ich eine Viertelstunde später erneut im OP, vor mir lag Medivh, komplett abgedeckt, nur der Bereich um das Auge war freigelegt und bereits desinfiziert.
      Die Operation war im Großen und Ganzen kein Hexenwerk, nur würde es dauern, denn ein Auge zu entfernen, war nicht gerade eine kurzweilige Aufgabe. Wie erwartet verlief jedoch alles problemlos und ich konnte die Haut am Auge zusammennähen. So wäre die Gefahr einer Infektion am geringsten.
      Noch einmal desinfizierte ich alles ausgiebig und legte Medivh über das Auge einen Verband an, um zu vermeiden, dass etwas an die frische Wunde kommen würde. Danach wurde auch Medivh in eine Aufwachbox gebracht.
      Diesmal blieb ich selbst direkt da, um ihn beim Aufwachen zu helfen. Medivh brauchte ein Weilchen, um auf die Beine zu kommen, ließ sich aber durch Mia sehr gut beruhigen und stand so ruhig auf. Momentan sah der arme Schimmel sehr zerschunden aus, ich konnte seinen Betreuern aber guten Gewissens sagen, dass er wieder auf die Beine kommen würde.
      „Ich würde ihn jetzt noch circa drei Tage hierbehalten. Das Auge muss täglich zweimal gespült werden, damit sich keine Infektionen einnisten können und auch die tiefe Wunde an der Brust würde ich gerne beobachten. Um den Rest kümmern wir uns natürlich auch“, meinte ich lächelnd und versuchte die beiden so gut wie möglich zu beruhigen.
      Wir klärten noch den gesamten schriftlichen Kram, ehe ich Mia und Tom entließ. Wie ich erfuhr, lag der Reiter von Medivh im Krankenhaus und die beiden machten sich sichtliche Sorgen. Da Medivh für seine Verhältnisse jetzt in einem stabilen Zustand war, konnten sie guten Gewissens fahren.
    • Muemmi
      Pflegebericht November 2017

      Es ist Deins

      ~ Beschreibung der Protagonisten ~

      (c) Muemmi | 16317 Zeichen | 31. August 2017 (am 17. Oktober veröffentlicht)
      Aus der Sicht von: Luisa Goeke
      Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Fleming, Dante, Aquentino, Heros, Checkpoint, Solsikke

      Sportpferdezentrum Naundorf - Brandenburg – bewölkt/teils regnerisch - 9 Grad
      31. August 2017


      Ich zog die Jacke enger und sah die Baumreihe entlang. Die Spitzen der vereinzelten Birken zwischen den Kiefern färbten sich teilweise schon gelb und bestätigten, was sich alle seit dem Temperatursturz im August dachten - der Herbst hielt Einzug.

      Die letzten Wochen waren für uns alle wahnsinnig anstrengend gewesen, wir kamen der Arbeit kaum hinterher und nahmen auch nicht mehr wirklich an Turnieren teil, damit wir die Aufträge nicht vernachlässigten. Die Militarysaison ging langsam dem Ende zu und Leo traute sich seit dem Vorfall nicht mehr wirklich, Candy ans Äußerste zu reiten oder gar mit ihm wieder regelmäßig auf Turniere zu fahren. Er war einmal mit mir zusammen noch auf ein kleineres Springturnier gefahren, doch nur ich nahm eine Schleife mit seiner Zweitstute Solsikke mit. Ich konnte ihn verstehen, auch ich hatte schon viele schwere Stürze miterlebt und war nach einigen genauso "gelähmt". Da Candy dann nicht so ausgelastet war, ließ er sich von Medivh in der Nebenbox mit Dummheiten anstecken und entwickelte eine leichte Zerstörungswut. Ich ließ ihn deshalb lieber mit Fleming, Dante, Checkpoint und Aquentino auf die große Weide, damit er sich austoben konnte. Aber bei Medivh ging das leider immer noch nicht. Er war eineinhalb Wochen nach dem Unfall von Eddis Klinik entlassen worden und kam selbst mit dem Umstand seiner linksseitigen Blindheit erstaunlich gut zurecht. Wir mussten nur darauf achten, dass wir ihn vorsichtig ansprachen, wenn wir uns von seiner blinden Seite aus näherten und er sich nicht unabsichtlich die verheilende Augenhöhle irgendwo anstieß. Denn die bräuchte wie jeder Knochen um die sechs Wochen. Er war dazu anfangs angebunden und auch wegen der Schmerzen leicht sediert. Trotz allem kaute er uns vor Langeweile drei Stricke kaputt und riss seine Bürsten an der Boxenwand ab. Einmal pfriemelte er auch die obersten Riegel der Tür auf und wäre uns stiften gegangen, wenn er nicht angebunden gewesen wäre. Als er die Phase überstanden hatte, montierte Willi am Fuß der Tür zwei weitere Riegel, um Medivh am Freigang zu hindern. Wir hatten schon Angst, dass er uns das Weben anfangen würde, aber Leo führte ihn regelmäßig über den Hof und kümmerte sich so gut es ging. Dann nahm sich ihm auch Tom an. Der Schimmel blühte recht schnell auf, als er von Tom regelmäßig vom Boden aus gearbeitet wurde. Er musste sich jetzt nur daran gewöhnen, dass ihm trotz der Blindheit auf einer Seite nichts passieren würde und er mehr auf die Hilfen achten musste, als vorher. Im Militaryspringsport würde er dennoch vermutlich nie wieder gehen können.

      Und das hatte auch Dave erkannt.

      Er lag wegen dem komplizierten Bruch der Schulter und zur weiteren Beobachtung zwei Wochen im Krankenhaus. Er hatte eine Platte eingesetzt bekommen und kurz nach dem Unfall mit Reha anfangen müssen, damit sich die Beweglichkeit nicht weiter einschränkte. Er hatte Glück im Unglück gehabt, er würde wieder reiten können und mit viel Physio und Übung auch wieder Springen. Ganz der Alte allerdings würde auch er nicht mehr. Und auch das hatte er mittlerweile begriffen.

      Das Krankenpersonal ließ mich nach dem Unfall erst mehrere Stunden nach der OP zu Dave, da ich keine Angehörige war und unter dem Trubel unterging, dass Dave nach mir verlangt und einem Besuch zugestimmt hatte. Er trug einen dicken Verband um die rechte Schulter, hatte Abschürfungen im Gesicht und am linken Arm. Hinzu kam eine Gehirnerschütterung. Der Rest des Körpers war von der weißen Bettdecke des Krankenbettes verdeckt. Mit der Zeit sollten sich Prellungen und blaue Flecken zeigen, aber keiner seiner Wirbel oder anderes war verletzt worden. Ich musste mich zusammenreißen, nicht zu heulen, es zerriss mir fast das Herz, als ich ihn da so liegen sah, die Augen geschlossen, mit eingefallen wirkendem Gesicht und zwei Infusionen im Arm.

      Ich stand auf der linken Seite des Bettes und musste den Impuls unterdrücken, ihm seine längeren, dunkelblonden Haare aus der Stirn zu streichen. Sie waren vom Ritt noch ganz verklebt und fielen ungewohnt in wilden Strähnen um seinen Kopf.

      In dem Moment ging die Tür auf und hinter der Krankenschwester, die regelmäßig nach Dave sah, kam Tom mit ins Zimmer. Wir sagten nichts, wir sahen uns nur an. Ich blickte zurück zu Dave, der sich nicht rührte. Tom sprach ein paar Worte mit der Krankenschwester, wie es um Dave stand. Mehr würde der Arzt morgen wissen. "Komm Luisa. Lass uns heimfahren." Ich nickte, konnte mich aber kaum lösen. Die Schwester verließ das Zimmer und kurz darauf auch wir. Tom legte den Arm um mich und langsam merkte ich, wie erschöpft ich eigentlich war. In der Nacht heulte ich mich das erste Mal seit der Sache mit Susan und dem Bruch zwischen ihm und mir in den Schlaf.

      Am nächsten Vormittag fuhren Leo, Mia, Tom und ich nach dem Stalldienst ins Krankenhaus, Willi würde auf dem Hof die Stellung halten. Dave hatte gerade den Arzt bei sich, als wir eintrafen. Leo ging als Erster ins Zimmer, Tom und Mia folgten. Ich schloss als Letzte die Türe, mein Herz schlug mir dabei bis zum Hals. Wir kamen gerade so an, dass der Arzt mit seinem Bericht fertig war. "Ah, sie kriegen Besuch. Wer von Ihnen ist denn Frau Goeke?" "Das bin ich. Hallo." Ich lächelte den Arzt milde an, als ich aus dem kleinen Gang heraus in Daves Sichtweite trat. Der Arzt kam auf mich zu und entschuldigte sich für das Chaos gestern, die Schwester hätte ihm heute morgen beim Schichtwechsel erzählt, dass ich erst Stunden nach der OP zu Dave konnte und noch später nach Hause gefahren wäre. Dave richtete sich in dem Moment etwas auf. Ich nickte und meinte, dass das vollkommen in Ordnung wäre und bedankte mich bei ihm und seinem Team. Er freute sich und verabschiedete sich dann von uns. Als er die Tür schloss, trat kurzes Schweigen ein. Ich drehte mich zu Dave um und sah ihn jetzt direkt an. "Du siehst noch übler aus als gestern." Ich ging auf ihn zu und lächelte. "Als ich morgens die Treppe runter kam oder nach der OP?" antwortete er matt, lächelte dann aber doch. Wir alle lachten verhalten und Tom meinte, wenn er solche Scherze machen könne, hätten wir uns ja ganz umsonst solche Sorgen gemacht. Leo allerdings nahm das alles ziemlich mit. Er konnte nicht in die Witzelei mit einsteigen. Dave berührte ihn am Arm und meinte dann, dass er ohne ihn gestern aufgeschmissen gewesen wäre. Er könne sich nur an wenig erinnern, aber er hätte mitbekommen, dass Leo uns sofort alarmiert und sich um Medivh gekümmert hätte. Leo nickte und lächelte dann doch. Als Dave Medivh erwähnte, brach er ab und sah Tom und mich schweigend an. Seine Frage, ob sein Hengst in Ordnung war, stand ihm im Gesicht geschrieben. "Er lebt, es geht ihm gut. Eddi kümmert sich derzeit um ihn, ich hab gestern nochmals mit ihr telefoniert. Mia und ich fahren mit Leo gleich weiter und sehen nach ihm." Er nickte erleichtert. Keiner von uns würde jetzt erwähnen, dass der Hengst sein linkes Auge verloren hatte. Tom hatte uns allen an dem Morgen erzählt, dass es nicht mehr zu retten war. Mia und er hatten sich beraten und sich auf Eddis Drängen für die Entfernung entschieden. Gemeinsam haben wir beschlossen, es Dave erst zu sagen, wenn er aus dem Krankenhaus entlassen werden würde und es ihm deutlich besser ginge. Da Dave noch sehr mit der Gehirnerschütterung zu kämpfen hatte, ließen die anderen ihn recht schnell mit mir alleine und fuhren weiter zur Tierklinik. Als sich die Tür schloss und wir nur noch zu zweit waren, wurde mir ziemlich mulmig. Dave sah mich schweigend an und wirkte auf einen Schlag so unsagbar unglücklich. „Hast du Schmerzen?“ fragte ich sanft, meine Stimme deutlich gesenkt, um ihn nicht weiter zu belasten. „Kopf und die Prellungen. Aber es geht schon.“ murmelte er. Er versuchte sich weiter aufzusetzen. „Warte, ich helf dir.“ Ich richtete das Kissen im Rücken, ohne seinen Verband zu berühren, ihm näher als je zuvor. Mich wieder aus der geringen Distanz zu lösen fiel mir wahnsinnig schwer. Er saß jetzt aufrecht im Bett, geschafft, aber soweit in Ordnung. „Ich hab heute morgen mit Tom ein paar Sachen für dich zusammen gerichtet.“ Ich nickte in Richtung der Tasche an der Wandseite gegenüber. „Danke Luisa.“ Er hatte die Augen kurz geschlossen, neigte dann den Kopf nach links und sah mich wieder an. „Was ist passiert?“ fragte ich leise. „Ich Idiot war zu schnell.“ gab er kurz und knapp zu. Er traute sich dabei nicht, mich anzusehen. Dave, der, der immer alles besser wusste und sich immer so sicher war, in dem, was er tat, gab einen Fehler zu. „Wie sehr hast du dir den Kopf gestoßen? Als wenn du jemals zu schnell unterwegs bist…“ scherzte ich. Ich hatte ihn schon tausendmal wissen lassen, dass er mir persönlich zu halsbrecherisch ritt und ich es nicht gerade gut fand, dass Leo ihm in dem Punkt nacheiferte. Wir hatten uns seit Susans Abbruch auf Naundorf mitunter deswegen immer häufiger in den Haaren gehabt, was uns immer weiter auseinander rücken ließ. Er lächelte über die Ironie, aber irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er schien fast gebrochen. „Ich hätte dabei draufgehen können.“ stellte er trocken fest. „Als Medivh wegrutschte und ich abflog, ist mir nur eins durch den Kopf geschossen.“ Er sah mich erst nicht an, dann schluckte er. „Etwas, was ich ewig vor mir hergeschoben habe…“ Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich sah, dass er seine linke Hand auf dem Bett öffnete und mir zudrehte. Vorsichtig nahm ich sie und hielt sie fest. Wir sagten beide lange nichts. Draußen fing es an zu regnen. „Wie lang warst du gestern hier?“ fragte er nach ein paar Minuten. „Bis nach Mitternacht. Du warst kurz wach nach der OP, aber daran wirst du dich vermutlich nicht erinnern. Sie haben mich erst gut zwei Stunden danach zu Dir gelassen, als ich ewig lange erklärt habe, wer ich bin. Es war zwischenzeitlich Schichtwechsel, vermutlich ist da dein Wunsch untergegangen.“ Er sagte nichts, schüttelte nur leicht den Kopf. „Ich dachte, du wachst nochmal auf. Aber dann hat mich Tom irgendwann abgeholt.“ Er sagte wieder nichts, drückte einfach nur meine Hand. „Was ist mit Medivh passiert?“ seine Stimme zitterte, er hatte sichtlich Angst, mir diese Frage zu stellen. „Er sah schlimm aus, ist die Böschung hinabgestürzt. Er ist aber ein zäher Brocken, wie sein Besitzer nicht kaputt zu kriegen. Als wir ankamen, hat sich der Tierarzt vor Ort schon um ihn gekümmert, du bist gerade mit dem Krankenwagen weggebracht worden. Er hat ebenfalls viele Prellungen und eine ziemlich große Wunde an der Brust. Aber die Beine sind heil, nichts gebrochen.“ Letzteres war irgendwie gelogen, aber Medivh würde ja wieder vollkommen gesund werden. Er atmete auf und entspannte sich etwas. Ich blieb an dem Tag noch so lange bei ihm, bis er einschlief und hinterließ ihm eine Notiz, dass ich morgen wieder kommen würde und er mir jederzeit eine Whatsapp schreiben könne, falls er etwas brauche. Ich versuchte fortan, jeden Tag ins Krankenhaus zu fahren und neben dem sowieso schon anstrengenden Alltag auf dem Hof Zeit für Dave zu finden. Unser „Streit“, den wir ja eigentlich nie hatten, war wie weggeblasen, es war wieder wie vorher zwischen uns. Er hasste die Physiotermine, weil er ziemliche Schmerzen dabei hatte, aber die Wunde heilte gut und er es schien mir, als würden ihn meine Besuche deutlich aufmuntern.


      Er kam drei Tage nach Medivh zurück nach Naundorf. Ich fuhr ihn alleine abholen, nachdem ich meinen Rundgang von heute morgen beendet hatte. Tom und Mia hatten zu viel mit dem Beritt zu tun und Leo kümmerte sich mit Willi um die Pferde. Mir war nicht besonders gut, als ich auf dem Parkplatz des Krankenhauses hielt. Ich hatte Dave am Vorabend erzählt, dass Medivh erblindet war. Er war geschockt und wütend, aber er registrierte schnell, dass der Unfall nicht nur ihn stark mitgenommen hatte, sondern auch Medivh. Er liebte seine zwei Pferde. Wir redeten lange miteinander, was Eddi dazu gesagt hatte und er stellte viele Fragen. Dennoch war er wahnsinnig geknickt und war dann dementsprechend down. Ihm brach mit Medivh sein stärkster Partner im Military weg. Heros hatte auch viele Erfolge, allerdings war der nicht so mutig und verweigerte deutlich öfter mal im Gelände. Das Springreiten hatte sich jetzt aber für diese Saison sowieso für Dave erledigt. Als ich ins Zimmer kam, erklärte ihm der Arzt gerade die letzten Details und entließ ihn. „Soll ich dir beim Zusammenpacken helfen?“ „Ja, einhändig wird das alles etwas schwer…“ meinte er trocken. Ich musste ihm auch in den Pullover helfen, die Jacke warf er sich auf der einen Seite nur über die Schulter. „Die Tasche kann ich selbst tragen.“ „Ok, dann lass uns nach Hause fahren.“


      Willi winkte uns, als der Wagen auf den Hof rollte. Dave grinste und freute sich sichtlich, wieder auf dem Hof zu sein. Mia hatte für alle gekocht, es tat gut, wieder vollständig am Tisch zu sitzen und miteinander zu reden. Die anderen erzählten wild durcheinander, was alles auf dem Hof passiert war und Dave blühte richtig auf. „Freu dich nicht zu sehr Dave, da du jetzt wieder hier bist, wirst du ab sofort meinen Bürokram übernehmen. Das wird wie Urlaub!“ lachte Tom und Dave schüttelte ebenfalls lachend den Kopf. „Ja, die Arbeit, dachte mir schon, dass ihr mich nicht verschonen werdet.“ Wir lachten und waren richtig gut drauf. Dann löste sich die Gruppe langsam auf.


      Als nur noch Dave, Tom und ich am Tisch saßen kippte die Stimmung allerdings. „Ich spüle ab. Geht ruhig.“ Wir standen auf und liefen schweigend hinüber in den Stall. „Hey mein Großer!“ begrüßte Dave erst Heros, der den Kopf über die Tür streckte und ihm entgegen wieherte. Er streichelte seine Stirn und beide freuten sich sichtlich sich zu sehen. Dann raschelte es in der Nebenbox. Medivh hatte immer noch den blauen Schutzverband am Kopf, solange die Fäden noch nicht gezogen worden waren. Dave sah zuerst dessen rechte Seite und ging langsam auf ihn zu. „Oh Medivh….“ Er streichelte den Hengst vorsichtig am Hals und Kopf. „Eddi wird entweder heute oder morgen die Fäden ziehen. Sie weiß noch nicht, ob sie vorbeikommen kann, sie hat ne schwierige Fohlengeburt.“ murmelte ich und beobachtete die beiden weiter. Dave schwieg und wirkte auf einmal so unfassbar traurig. „Ich lass dich allein, wenn du das willst.“ „Nein, bitte bleib.“ seine Stimme klang gebrochen. Wir schwiegen weiter und standen eine ganze Weile bei Medivh, der sich nach den Streicheleinheiten wieder seinem Heu zuwendete. „Er kommt erstaunlich gut zurecht.“ Stellte er trocken fest und wirkte dann doch beruhigt. „Es geht ihm sonst ausgezeichnet Dave. Du hättest ihn nach dem Sturz sehen sollen… Ich dachte, ich müsste ihn einschläfern lassen.“ Er nickte, wir starrten beide weiter in die Box des Schimmels. „Luisa! Der Tierarzt ist da!“ rief Willi uns plötzlich zu und wir drehten uns beide in seine Richtung. „Ging wohl doch gut…“ meinte ich und wir liefen zusammen nach draußen. Bei der Untersuchung ließ ich Dave mit Eddi allein und kümmerte mich stattdessen um Amber. Sie sollte ebenfalls untersucht werden. Ich kam mit der Cremellostute nach einer guten halben Stunde auf den Innenhof, als Eddi mit Dave zusammen aus dem Stalltrakt der Hengste heraustrat. Die beiden waren in ein Gespräch vertieft, Eddi erklärte Dave auf den letzten Metern zu mir, wie er sich jetzt am besten um Medivh kümmern müsse. „Pass nur auf, dass er sich nicht wetzt, das juckt ziemlich, wenn die neue Haut ganz schließt und das Fell nachwächst. So, hallo Luisa! Na, dann wollen wir mal gleich weiter machen…“ Eddi ging um Amber herum, nachdem sie mir kurz die Hand gereicht hatte und untersuchte die Stute gründlich, tastete sie ab und lächelte dabei. Sie liebte ihre Arbeit und das sah man ihr an. Ich ging ein Stück weg von den beiden zu Dave, der die Stirn runzelte und mich dann doch besorgt fragte, ob mit Amber alles ok sei. Er hatte an ihr einen Narren gefressen, seit er sie bei der Bewerbung damals das erste Mal gesehen hatte. Manchmal zogen die Jungs ihn sogar deswegen auf, selbst ich konnte mir manche Eifersucht auf meine springbegabte Stute nicht verkneifen. „Ja.“ Ich grinste und legte den Kopf schief, als ich ihn ansah. „Nein…“ flüsterte er einen kleinen Augenblick verzögert, er verstand und totale Freude erfasste ihn. Aber was ich dann anhing, als Eddi bestätigend nickte, machte ihn dann zu meiner ganzen Freude komplett sprachlos. „Von Heros… und es gehört dir.“

      Credits: Beschreibung Umgebung zu Beginn (c) Jackie
    • Muemmi
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      Hufschmiedbericht November 2017

      Der erste Beschlag

      von sadasha | 5948 Zeichen | 26. November 2017
      Aus der Sicht von Hunter Crowley
      Bericht gilt für Medivh

      Das Sportpferdezentrum Naundorf in Deutschland lag heute im sanften Herbstlicht. Die Blätter an den Bäumen hatten sich bunt verfärbt und es wehte ein kräftiger Wind, der immer wieder an der Kleidung zog, als wolle er einen tragen. Ich nahm einen tiefen Atemzug der klaren Luft und begann dann damit meine mobile Schmiede aufzubauen. Das Pferd, für das ich heute da war, sollte neu beschlagen werden. Bevor ich es mir jedoch ansah, wollte ich alles fertig haben. Man sagte mir bereits im Voraus, dass der Hengst linksseitig blind sei und so wollte ich die Aufregung so gering wie möglich halten. Medivh sollte gleich sehen wohin er geführt wird, ohne dass ich die Sachen erst im Nachhinein um ihn herum platziere und er sich möglicherweise vor etwas erschreckt. Gerade als ich den Laderaum öffnete in dem sich die Schmiede befand, wurde ich von einer freundlichen Stimme begrüßt. „Guten Tag. Sie sind Mr. Crowley?“ wollte der dunkelblonde Mann wissen, der mich offen anlächelte. Ich nickte, woraufhin er mir die Hand reichte und sich als Dave Menke vorstellte. „Kann ich irgendwie helfen?“ fragte er, als ich den Hufbock aus dem Wagen hievte. „Ich komme zurecht. Aber falls Sie das nicht bereits getan haben, können Sie Ihren Hengst vorbereiten, putzen und dann herbringen. Bis dahin bin ich sicher fertig.“

      Einige Minuten später heizte die Schmiede ordentlich ein. Herr Menke führte mir Medivh vor, damit ich mir ein besseres Bild machen konnte. Er hatte sehr korrekt gewachsene Hufe, die ich nur kürzen müsste, bevor der Beschlag aufgenagelt würde. Medivh sah sich meinen Hocker, den Hufbock und den Werkzeugkasten aufmerksam an, bevor ich mich näherte und ihm erst mal eine Hand hinstreckte. Aufmerksam stellte er die Ohren auf und ließ mich ohne weiteres an seine Beine und Hufe. „Darf ich fragen wie er zu dem Verlust des Auges kam?“ fragte ich höflich, während ich den ersten Huf in Augenschein nahm. Auch von unten sah der Huf absolut in Ordnung aus. Keine Anzeichen einer Verletzung, Krankheit oder Infektion. Herr Menke erklärte mir, dass Medivh sein Auge wegen eines Unfalls auf einem Militaryturnier verlor. Er hatte sich die Augenhöhle gebrochen und man konnte sein Auge leider nicht mehr retten.
      Mit der einseitigen Sicht kam der Schimmel aber gut zurecht, wie ich schnell erkannte. Meine anfängliche Vorsicht war im Grunde unnötig. Herr Menke wusste sie dennoch zu schätzen und erzählte mir mehr vom Tag des Unfalls und der Behandlung danach, während ich den ersten Huf ausschnitt. „Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber sie waren sich noch nicht sicher, ob sie Ballenschoner für ihren Hengst haben möchten oder nicht. Tritt er sich denn oft hinten ein? Die Ballen sehen soweit in Ordnung aus und er macht mir den Eindruck eines athletischen Hengstes, der den Umgang mit Eisen schnell lernen wird.“ Nach einem kurzen Für und Wider entschieden wir uns es bei den Snow Grip Einlagen zu belassen. Sollte sich Medivh wider aller Erwartungen trotzdem hinten eintreten könnte Herr Menke externe Ballenschoner nutzen und bei der nächsten Beschlagsperiode feste einsetzen lassen. Ich hielt es für ratsamer es für den Erstbeschlag so schlicht wie möglich zu halten. Ich begann nach dem kompletten Ausschneiden damit das Eisen für den jeweiligen Huf in der Schmiede zu bearbeiten. Immer wieder prüfte ich die Passform. Als das Eisen fertig war schnitt ich die Snow Grip Einlagen zurecht. Mit ein paar Nägeln schlug ich das Eisen samt Einlage an. Medivh nahm das alles relativ gelassen. Es war zwar ein neues Gefühl für ihn, aber er vertraute den Menschen so sehr, dass er wohl nichts Böses erwartete. Herr Menke lobte seinen Hengst ausgiebig, während ich zum nächsten Huf überging. Auch diesen schneidete ich sorgfältig aus, knipste dann den Hufrand zurück und raspelte alles samt Tragwand plan. Wieder bearbeitete ich das Eisen mit Hilfe der Hitze aus dem Schmiedeofen und gezielten Schlägen auf dem kleinen Amboss bis es passte. Wieder schnitt ich die SnowGrip Einlage zurecht und nagelte schließlich beides auf. Auch die übrigen Hufe bearbeitete ich nach diesem Verfahren, bis alle vier beschlagen waren.

      Als ich fertig war rappelte ich mich ächzend hoch und steckte den Hammer zurück in meinen Gürtel. „Vielen Dank, Mr. Crowley.“ sagte Herr Menke und betrachtete meine Arbeit. Auch ich prüfte noch einmal das Gesamtbild, bevor ich das Huffett aus meinem Werkzeugkoffer holte und alle vier Hufe damit einstrich. Prüfend führte Herr Menke den sechsjährigen Holsteiner über den Hof. Medivh hob seine Hufe nun ein bisschen mehr als zuvor, was wohl dem Gewicht der Stahleisen zuzuschreiben war. Durch die Einlagen rutschte er trotz Eisen genauso wenig, als wäre er Barfuß geblieben. Zufrieden wurde der Schimmel weggebracht und ich räumte mein Werkzeug zurück in den Wagen. Die Schmiede hatte ich bereits ausgestellt und sie kühlte im rasanten Tempo ab. Der Herbstwind trug hier seinen Teil bei. Auch ich kühlte mich recht schnell wieder ab, wo es doch zuvor noch so schön warm war durch die Hitze der Schmiede und die handwerkliche Arbeit.
      Herr Menke kam mit noch immer zufrieden leuchtenden Augen zurück und klärte das Übrige. Wie es sich für einen ordentlichen Arbeiter gehörte, verließ ich meinen Arbeitsplatz nicht unaufgeräumt. Ich fragte nach Besen und Kehrblech und beseitigte noch die Überreste des alten Horns und der überschüssigen Teile der Einlagen. Noch einmal erklärte ich Herrn Menke worauf er zwecks Ballenschoner achten sollte. Er wusste schon von selbst Bescheid und ich ahnte, dass es nerven musste wenn ich weiter erklärte. Natürlich blieb der groß gewachsene Mann trotzdem freundlich und unterbrach mich vor leichter Frustration lachend. Wissend nickte ich und wir gingen zum Abschied über. „Falls Sie doch noch Fragen haben …“ begann ich und grinste schelmisch, während ich in den Wagen stieg. Herr Menke lachte und winkte ab, während er sich zum Gehen abwandte. Schmunzelnd ließ ich den Wagen an und machte mich auf den Heimweg.
    • Muemmi
      Pflegebericht Januar 2018

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 04. Januar 2017 | 15647 Zeichen


      Neubau für die Anwärter des Gestüts
      Uranium Fever | Occani | tc Annakiya | Orchidee´s Nikita | Take a Bow | Chocolate Chip Cookie | CM´s Meilenstein | Valentine´s Candy Fireflies | Al Aasiyah ox | Aquentino | Caja | Checkpoint | Reykja | Solsikke | Taciturn | Webster

      Hauptstall der Zucht
      Cadoc´s Rohdiamant | Amber | EBS Mon Amie | Heros | Medivh | Dante | Fleming | Zarin

      Fohlenweide auf der Lichtung
      SPN Harvey | Thor | Scamander | Painted Minimalistic Art | Elfenlied | Lillifee | Capona | Aufgepasst, hier kommt Arcada | Symphonie de la Bryére

      Gnadenweide
      Efeumond | Oline

      "Hallo Cleo"

      „Du hast was?“ Dave starrte erst mich an und dann auf die Papiere, die ich ihm unter die Nase hielt. „Viel Spaß mit ihr.“ „Luisa, ich…“ „Gern geschehen!“ Ich lachte und ließ ihn gar nicht mehr zu Wort kommen. Unser Verhältnis zueinander hatte sich nach seiner Rückkehr zwar etwas abgekühlt, weil Dave zu mir wieder etwas auf Distanz ging. Aber es war deutlich besser als vor dem Unfall, wir hatten uns seitdem kein einziges Mal mehr gestritten. Ich stand im Büro und ging nachdenklich ein paar Briefe durch, während Dave in der Tür stand und auf die Papiere in seiner Hand starrte. Er lehnte sich mit seiner gesunden Schulter leicht an den Türrahmen und runzelte die Stirn. Von meinem Platz aus sah ich ihm heimlich dabei zu und konnte den Blick kaum abwenden. Was er da studierte war der Kaufvertrag und die Eintragungen, sowie Tierarztbescheinigungen von Uranium Fever. Die Stute war meiner Meinung nach eine unserer besten Errungenschaften in diesem Jahr, die auch ein stolzes Sümmchen gekostet hatte. Aber da sich Dave langsam vom aktiven Reitsport zurückziehen wollte und mehr und mehr Interesse an einer Sportzuchtlinie entwickelte, hatte ich zugeschlagen. Ich wollte ihn unterstützen, wo ich nur konnte. Nach dem Unfall, als er zurück auf den Hof kam, hatte sich eine ganze Weile eine leichte Depression bei Dave eingestellt. Er kämpfte verbittert in der Physiotherapie, hielt sich an die Ratschläge, übte fleißig und brachte sich in das Hofleben ein, wo er nur konnte. Doch obwohl er Tom und mir so viel Arbeit abnahm, irgendwann war auch die erschöpft, während wir anderen mit dem Training der Pferde, dem Misten und den restlichen Arbeiten auf dem Hof schier absoffen. Dave fühlte sich also nach drei Wochen zurück auf Naundorf nutzlos. Er ließ sich dann die ersten Oktoberwochen hängen. Seine Arbeit erledigte er natürlich immer noch und auch zur Physiotherapie ging er regelmäßig, doch jeder von uns sah ihm an, dass es ihm nicht gut ging. Seine Haare wurden immer länger und er ließ sich immer öfter einen Drei-Tage-Bart wachsen. Von mir ließ er sich in dieser Zeit nur bedingt helfen, so richtig ließ er mich nicht an sich heran. Bis Tom die brillante Idee hatte, eine eigene Zuchtlinie aufzubauen.

      Dave und ich saßen an einem Novemberabend zusammen im Büro, während ich das Hoftagebuch für den Tag ausfüllte, als Tom zu uns ins Zimmer kam. Er hatte das Auktionsheft dabei und warf es Dave zu. Dann eröffnete er uns seine Idee, wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und unterhielten uns. Ich war glücklich zu sehen, dass diese neue Veränderung Dave wieder ein Leuchten in die Augen zauberte. Er blieb an dem Abend zwar sehr rational und blätterte scheinbar uninteressiert das Heft durch, aber schon am nächsten Tag zeigte er mir eine Stute und fragte, was ich von ihr halten würde. „Die hat keine belegte Abstammung, ist wohl eine gefundene Stute. Aber scheint in Topform zu sein. Als Basis wäre sie vom Exterieur ja genau das, was du und Tom suchen würdet. Aber sie hat damit auch einen sauberen Startpreis“ Er diskutierte noch eine Weile mit mir das für und wider, als er sich dann aufrappelte und an die Büroarbeit machen wollte. Im Flur blieb er am Spiegel stehen und sah sich einen Moment erschrocken an. „Wie seh ich denn aus?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen und musste lachen. „Ich fahr später zum Friseur.“ Damit war er aus dem Haupthaus. Ich zog das Heft an mich heran, wählte die Nummer und hatte den Besitzer an der Leitung. Ich sollte an dem Tag das Höchstgebot abgeben und die Stute zwei Tage später unser Eigen nennen.

      Und nicht nur Uranium Fever zog mit zu uns auf den Hof. Anfang Dezember erhielten wir einen Anruf, nachdem ausgerechnet Cadoc´s Rohdiamant aus einer nachlässigen Haltung gerettet wurde. Also fuhren Willi und Tom am selben Tag zu dem einen Hof, an dem Dave und ich Fever holten. Allgemein hatten wir jetzt viele neue Pferde auf Naundorf. Kurz bevor Dave mit Medivh im Sommer gestürzt war, hatte er Chocolate Chip Cookie zu uns geholt. Das Sportpony mit seiner hübschen Färbung wurde jetzt von Leo übernommen und ausgebildet, der mit Candy Fireflies weiterhin unfassbar viele Schleifen und Erfolge sammelte. Die Beiden waren zu einem unglaublich guten Team geworden. Zum Einkreuzen von Vollblut wollten wir uns neben Aasiyah noch eine zweite Vollblutstute holen. Wir hatten jetzt nur noch Interesse an Stuten, da wir mit unseren Hengsten Fleming, Dante, Checkpoint, Aquentino, Webster und Heros genügend Starter hatten, um unseren Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch unsere Newcomer wie Painted und Scamander würden auf dem Hof bleiben. Wir überlegten auch, Efeumond zurück auf den Zuchtplan zu holen, um einen Engländer mit einfließen zu lassen. Jedenfalls freuten wir uns, als wir eine zweite Chance erhielten und Anfang Dezember auch Annakiya nach Naundorf holten. Die hübsche Scheckstute war ein wahrer Traum und zeigte sich mit ihrem liebevollen Wesen und ihrem ansprechenden Exterieur von ihrer besten Seite. Mia war ganz hingerissen, die sich um unsere Araber und Vollblüter kümmerte. Tom bildete weiter Reykja und Webster aus, die diese Saison so ihre Probleme mit Erfolgen hatten. Wir konnten uns das nur mit einer sehr starken Konkurrenz in der Dressur erklären, die uns aber nicht daran hinderte, stehts weiter zu machen und weiter auszubilden. Denn die Bestätigung in unseren Leistungen erhielten wir durch die Rückmeldung unserer Kunden und durch den Durchbruch im Springreitsport. Dort hatten wir uns 2017 einen Namen gemacht. Vor den Boxen hingen teilweise so viele Schleifen, dass wir kaum mehr zählen konnten. Vor allem an der von Medivh. Der Hengst hatte in den letzten Tagen seiner Genesung Anzeichen fürs Weben gezeigt. Auch er war wohl vor einer Depression nicht gefeit. Da Dave noch immer in Behandlung war und noch bis ins Frühjahr „Reitverbot“ hatte, übernahm ich Medivhs Beritt. Ich hatte mit einer Freundin lange Telefonate geführt, deren Friesenhengst vor vielen Jahren wegen einer Krankheit erblindet war. Mir ihrer Hilfe drang ich recht schnell zu Medivh durch. Erst vom Boden, dann aus dem Sattel gab ich ihm nach und nach sein Selbstwertgefühl und seinen Mut zurück. Er vertraute darauf, dass er mit seinen Sinnen die einseitige Blindheit ausgleichen konnte und ihm nichts geschah. Er war dennoch etwas schreckhafter seitdem und brauchte viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ab dem Moment, als er seit dem Unfall das erste Mal wieder unter dem Sattel ging, stellten sich die Anzeichen des Webens sofort ein. Dave fiel ein Stein vom Herzen.

      In all dem Trubel, brachte Amber still und leise etwas früher als erwartet ihr erstes Fohlen zur Welt. Es war das schönste Zeichen für uns alle, dass es jetzt wieder bergauf ging. Leo hatte den dunklen Hengst, den wir später mit unserem Kürzel SPN Harvey nennen sollten, entdeckt. Er kam in die Küche gelaufen, hechelte und grinste übers ganze Gesicht. „Amber hat gefohlt, es steht grad!“ Dave und ich sahen uns erschrocken an, dann sprangen wir alle auf und liefen hinüber. Willi kam auf dem Weg dorthin auf uns zu. „Wasn hier für ne Hektik?“

      „Oh ist der niedlich!“ flüsterte Mia, die rechts neben mir stand. Links von mir Dave, der lächelnd die halbe Portion in der Box betrachtete. Amber schleckte ihn immer noch sauber, während Tom vorsichtig auf Amber zuging und sie kurz durchcheckte. „Wir sollten später noch einen Tierarzt holen lassen. Aber es sieht alles gut aus.“ „Auch im Abfohlen ist sie ein Naturtalent. Hast du schon nen Namen Dave?“ fragte Leo. Zusammen liefen wir zurück zum Frühstücken, bevor sich Dave um den Tierarzt für Amber und Harvey kümmerte und der Rest von uns den Stalldienst verrichtete. Dabei hatte ich mich an dem Morgen endlich mal wieder für die Fohlen eingetragen. Ich bekam von den Kleinen viel zu wenig mit und sie wuchsen auch viel zu schnell. Scamander hatte schon seine erste Fohlenschauschleife an der Box hängen, Thor war mittlerweile auch zu einem Riesen geworden, Symphonie und Arcada waren mittlerweile auch keine Babys mehr. Die hübschen Stuten würden ebenfalls auf dem Hof bleiben und bald in ihre Grundausbildung starten. Ebenso wie Lillifee, Elfenlied und Capona. Ihr streichelte alle gefühlt stundenlang, putzte ihr Fell, mistete ihre großen Gemeinschaftsboxen und ging die Weiden ab. Es hatte die Tage immer mal wieder geschneit, aber wirklich lange liegen geblieben ist davon nichts. Wir hatten diesen Winter noch nicht wirklich Probleme mit eingefrorenen Wasserleitungen oder Eisschollen auf den Weiden zu tun.

      Als ich bei den Fohlen fertig war, holte ich mir Meilenstein. Die schwarze Stute machte gute Fortschritte bei ihrer Ausbildung. Ich longierte sie am frühen Nachmittag, als Dave wieder aus dem Haupthaus kam. Er hatte einen ziemlich geknickten Gesichtsausdruck. Ich gab Meilenstein ein kurzes Kommando, auf dem sie zu mir herkam, dann liefen wir gemeinsam zum Zaun, an dem Dave jetzt stand und lehnte. „Was ist los?“ „Die Stute, von der ich dir erzählt habe, erinnerst du dich?“ „Ja. Wieso?“ „Sie wurde am selben Tag verkauft. Ich hätte nicht warten sollen.“ „Ach Dave, dann hat es nicht sein sollen.“ Ich war froh, dass er mich in dem Moment nicht ansah, weil ich mich sonst verraten hätte. Willi, Tom und Mia wussten Bescheid, Leo weihten wir noch nicht ein, weil er sich gerne mal verplapperte. Wir sollten sie am nächsten Tag abholen und ich ihm die Papiere in die Hand drücken. „Danke Luisa.“ Dave kam plötzlich auf mich zu und umarmte mich. Als er mich losließ, sahen wir uns kurz in die Augen. Es war eine spontane Umarmung, die so gar nicht zu Dave passte. Er war zwar immer gern auf „Kuschelkurs“, wie es Mia gern nannte, aber eine Umarmung hatte er sich mir gegenüber noch nie getraut. Ich löste das Ganze, indem ich lachte und ihn fragte, was er sich zum Mittagessen überlegt hätte. Er grinste, aber er war dankbar für die Vorlage.

      Mitte Dezember hatten wir endlich wieder Luft für einen gemeinsamen Ausritt. Normalerweise machten wir das immer an einem Sonntagvormittag nach dem Stalldienst im Monat, aber wir hatten einfach zu viel zu tun. Leo ritt auf seiner Solsikke, die sich immer besser mit ihm machte. Tom hatte sich Zarin genommen, Mia auf Mon Amie und ich auf Fleming. Die beiden Hengste waren trotz ihres Deckeinsatzes sehr umgänglich und ließen sich gut führen. Fleming war unter mir sowieso ein kleines Schäfchen. Dave lag in der Woche nach Leo flach. Willi ritt sowieso nicht mit und da er auf dem Hof blieb, hustete Dave so lange, dass wir Spaß haben sollten, bis wir alle aufbrachen. Er fehlte trotzdem, obwohl ihn Leo nacheiferte. „Bis zur Tanne!“ rief er, da stob Tom mit Zarin schon an ihm vorbei. Ich hatte lange nicht mehr über so einen verdutzten Blick gelacht. Als wir zurückkamen, trabte Take a Box einmal quer über den Hof. Dann Willi direkt hinterher. Tom schnitt ihm mit Zarin gleich den Weg ab und packte sich den Hengst. Wir anderen mussten nochmal herzlich lachen. Er hatte sich gerade um Taciturn und den wilden Ausreißer gekümmert. „Wie geht’s Dave?“ „Der hat sich vorhin hingelegt.“ meinte Willi, schnaufte schwer und kam dann mit uns zurück zum Stall, Take im Schlepptau.

      Und natürlich feierten wir dann auch Weihnachten. Wir machten ein richtig fettes Raclette, jeder hatte eine Kleinigkeit für jeden und wir stießen zusammen an. Tom und Mia zogen sich im Laufe des Abends dann irgendwann zurück, Willi hatte zu unser aller Überraschung eine geheimnisvolle Verabredung und Leo fuhr hinüber zu seinen Eltern. Dave und ich blieben dann natürlich als Einzige in der Küche zurück. Es war das erste Weihnachten ohne Idefix, der mir in den letzten Tagen so unglaublich fehlte. „Sollen wir nochmal eine Runde über den Hof gehen?“ fragte er und so liefen wir nebeneinander über den dunklen Weg der Weide zu den Fohlenställen. Wir sahen auch noch einmal nach Harvey. Doch die Lücke schloss sich einfach nicht. „Luisa…“ Mir kullerte eine Träne über die Wange, die ich sofort wegwischte. Jetzt kam er gewollt auf mich zu und nahm mich fest in den Arm. „Danke.“ murmelte ich. Gemeinsam gingen wir zurück zum Hof.

      „Luisa!“ Es war Silvester und ich saß gerade im Büro, als Leos Ruf vom Hof schallte. „Ist was passiert?“ rief ich aus dem Fenster. „Schau mal!“ Im selben Moment fuhr Dave in einer kleinen Kutsche um die Ecke. Über die letzten zwei Nächte hat es richtig ordentlich geschneit. Er hatte Occani und Nikita angespannt. „Komm raus aus dem Büro, wir machen ne Spritztour!“ Tom kam im selben Moment hinter mir rein. „Raus mit dir.“ Er lächelte. „Also keine Wahl?“ „Nö“ Ich zog mir meine warme Jacke und die Lammfellstiefel an. Dave grinste übers ganze Gesicht, als ich mich zu ihm setzte und mit der Zunge schnalzte. Die Kleinen hatten ziemlichen Spaß dran, uns hinter sich her zu ziehen und sahen auch echt knuffig aus. „Wo hast du bitte die Welsh-Kutsche her? Sowas hatten wir zu Hochzeiten der Zucht nicht.“ „Ach, hab da ein wenig telefoniert.“ feixte er. „Gehört der dir jetzt?“ „Ja, kann man so sagen. Müssen wir leider öfter fahren jetzt.“ „Was für eine Schande.“ Wir sahen uns an und lachten.

      Mitten auf der Lichtung hinter halb der Rennbahn hielten wir kurz an. „Magst du ne Tasse Tee?“ Dave drehte sich um und deckte die Ablage ab. Darunter kam ein kleiner Korb mit einer Thermoskanne und einer Schachtel meiner Lieblingskekse zum Vorschein. „Oh, was für ein Luxus! Jetzt mal ehrlich, was hast du ausgefressen.“ Ich lachte, weil er mich verdutzt ansah. „Du kennst mich langsam etwas zu gut, befürchte ich.“ „Kann sein ja.“ Ich grinste immer noch. „Naja, ich dachte, ich räche mich mal für die Aktion mit Uranium Fever.“ „Rächen, ja?“ „Ja, das war echt gemein!“ „Stell dir vor, du hättest es viel eher erfahren und wärst viel länger geknickt gewesen, war ja nur ein Tag.“ „Trotzdem, ihr wusstet alle Bescheid!“ „Na dann… Jetzt bin ich gespannt.“ Da tauchte hinter uns plötzlich ein schwarzer Geländewagen auf und hielt mit einigen Metern Abstand. Eine Frau stieg aus, die ich von irgendwoher kannte, aber mir fiel nicht sofort ein, woher. „Warte hier.“ Er drückte mir die Zügel in die Hand und lief auf die Frau zu. In mir machte sich ein komisches Gefühl breit. Die Frau lief hinter den Wagen und holte etwas aus dem Wagen. Sie drückte das Packet in Decken gewickelt in Daves Arme, schloss die Klappe und verabschiedete sich wieder. Langsam ging Dave auf mich zu und erst nur noch einige Meter von mir entfernt begriff ich, was er da trug. Ein hübscher, hellbrauner Hundekopf sah aus der Decke heraus und da legte mir Dave die Jack Russel Hündin schon in den Schoß. Die sah erst Dave an, dann mich und versuchte mir das Gesicht abzuschlecken. „Ihh, lass das doch, du Süße! Hi! Wer bist du denn?“ Ich sah Dave verwirrt an, der sich jetzt wieder neben mich gesetzt hatte. „Ihr Name ist Cleo. Eigentlich müsste sie einen mit „I“ tragen, wie ihre Mama… Ida.“ „Verarsch mich.“ „Nein, ist so.“ Ida war im letzten Wurf von Idefix Welpen die einzige Tochter. Sie hatte ihrem Papa sehr ähnlich gesehen. Nach seinem Tod musste ich immer wieder an sie denken und hatte es sehr bereut, keinen seiner ganzen Welpen für mich behalten zu haben. Jetzt erkannte ich auch im Nachhinein die Frau, sie hatte Ida damals gekauft. „Oh Dave…“ Ich streichelte Cleos Fell und wischte mir die Freudentränen aus den Augen. Die Kleine war herzzerreißend niedlich. „Dankeschön.“ flüsterte ich und sah ihn an. „Damit du 2018 wieder mehr lächelst. Ich hab gemerkt, wie sehr dir Idefix fehlte an Weihnachten. Cleo ist kein Ersatz, das weiß ich, aber…“ Weiter kam er nicht. Ich hatte mich zu ihm rüber gelehnt und ihn auf die Backe geküsst. „Danke, wirklich.“ Er wurde rot, sah mich direkt an – und küsste mich dann richtig.
    • Muemmi
      Pflegebericht Juli 2018

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 02. Juli 2018 | 12894 Zeichen


      Hengstweide
      Take a Bow | Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Checkpoint | Webster | Heros | Medivh | Dante | Fleming | Zarin

      Stutenweide
      Amber | EBS Mon Amie | Uranium Fever | Occani | tc Annakiya | Orchidee´s Nikita | CM´s Meilenstein | Al Aasiyah ox | Caja | Reykja | Solsikke | Taciturn | Chocolate Chip Cookie | Oline | Forever Yours | Cara Mia

      Fohlenweide
      SPN Harvey | Thor | Scamander | Painted Minimalistic Art | Elfenlied | Lillifee | Capona | Aufgepasst, hier kommt Arcada | Symphonie de la Bryére | Efeumond


      "Morgendliche Stoppelfelder"

      Vermutlich hörte man schon von Weitem das Donnern der Hufe auf dem trockenen Feldboden. Es war in den frühen Morgenstunden, als wir unsere Pferde fertig machten und direkt nach dem ersten Füttern in den Wald aufbrachen. Morgens war es noch kühl, was man vom Rest des Tages nicht behaupten konnte. Leo hatte einen richtigen Sonnenbrand beim Heumachen davongetragen und auch Dave und ich waren deutlich dunkler geworden die letzten Wochen. Dafür war er jetzt fast schon hellblond und machte damit Mia ziemlich Konkurrenz.
      Wir hatten uns die letzten Monate ganz schön abgerackert. Der Hof wurde ja teilweise immer noch umgebaut und saniert, Dave und ich sind in meine Wohnung zusammen gezogen und Leo hatte die größere Zwei-Zimmer Wohnung von ihm übernommen. Dort war also auch einiges neu gemacht worden, Wände wurden gestrichen, Koppelzäune erneuert, Wege neu gezogen und der Eingangsbereich des SPN neu bepflanzt. Überall gab es neue Baustellen. Und dann natürlich die verdammte Heuernte. Wir hatten immer noch niemanden neu einstellen können und waren wirklich unterbesetzt. Aber irgendwie hatten wir es auch dieses Mal wieder geschafft. Im Zuge dessen haben wir aber nach langem Überlegen die Betreuung der Fahrturniere abgegeben. Dave war etwas weh zumute, denn es war ja auch seine absolute Leidenschaft neben dem Militaryreiten. Letzteres traute er sich auch nach fast einem Jahr nach dem Unfall nicht wieder so wie früher. Doch er ging in den neuen Aufgaben total auf. Und auch die Beziehung zu mir gab ihm den Halt, den er gebraucht hatte. Er war endlich in einem Zuhause angekommen.
      Tom hatte erst mich und dann Dave lachend umarmt, als wir im Januar von unserem Schlittenausflug zurückkamen. Er hatte als Einziger natürlich vorher von Cleo gewusst, Dave hatte ihn um Rat gefragt und Tom für ihn den Kontakt mit der Züchterin hergestellt. Und dass wir uns gegenseitig heimlich lieben war durch unsere offenen Zankereien sowieso kein Geheimnis mehr. Leo klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und zwinkerte mir ganz frech zu, was auf dem Hof plötzlich zu einer Schneeballschlacht führte. Die letzten Anspannungen, die noch aus dem Horror im Sommer 2017 übrig waren, waren auf einmal wie weggeblasen. Ich war seit diesem Tag so sorglos wie schon lange nicht mehr.
      Und so hatten wir die Kraft, alles anzupacken, was wir uns für dieses Jahr bis hierhin vorgenommen hatten. Wir zogen alle so gut an einem Strang, dass wir sogar mit unserem Trainingsprogramm allein schwarze Zahlen schrieben und auch unser Zuchtprogramm als zweites Standbein weiter ausbauen konnten. Wir strukturierten unsere Organisation der Pferdepflege um und fingen langsam damit an, die Fohlen aus den letzten Jahrgängen auszubilden. Scamander und Painted Minimalistic Art sollten später als Springpferde Karriere machen bzw. dort ihre Hauptspezialisierung besitzen. Deswegen wurden diese beiden speziell mir zugewiesen. Außer leichter Bodenarbeit und einigen Tricks, sowie den allerersten Standartdingen wie Halftern, Putzen, Hufe geben und auf den Hänger gehen wurde aber noch nichts gemacht. Ich merkte bei beiden schnell, dass sie sehr spritzig und eifrig waren, manchmal aber natürlich auch noch etwas ungehalten. Es würde viel Arbeit werden, aber wir hatten hier zwei tolle Fohlen mit gutem Stammbaum. Tom, Mia und Dave hatten ebenfalls jeweils zwei Fohlen in die Ausbildung übernommen. Tom würde sich um Symphonie de la Bryére und Capona kümmern. Die hübschen Mädels würden dann natürlich weiter im Dressursport gehen. Und dafür war Tom unser erster Mann. Dave durfte sich natürlich um sein Amberfohlen Harvey kümmern. Was wir mit ihm machen würden, wussten wir eigentlich noch nicht genau. Er war noch so klein und verspielt, dass dafür noch genügend Zeit blieb. Bis dahin hatte Dave auch die Chance, sich weiter zu erholen, denn ich hoffte doch, dass er in Daves Spezialgebiet des Military oder je nach Körperbau in die Distanz gehen könnte. Da Harvey noch so klein war und erst nur das Halftern lernte, bekam Dave zusätzlich Thor an die Hand. Der war mittlerweile zu einem stattlichen Jugendlichen herangewachsen und machte ordentlich Eindruck, auch wenn er noch sehr schlaksig war für einen Friesenmix. Doch sein Wesen war des eines liebevollen, friedlichen Kuschelbärs. Er hatte schon auch seine fünf Minuten, doch er schien anscheinend zu merken, dass Dave aus Reflex seine Schulter noch immer wegdrehte oder nicht ganz belastete, obwohl der Physiotherapeut die Behandlung schon vor drei Monaten erfolgreich abgeschlossen hatte. Jetzt war Thor eben sein neuer Therapeut. Der schwarze Hengst mit den blauen Augen lernte schnell und verdiente sich damit eine Karotte oder Apfelschnitze nach der anderen und forderte seinen Ausbilder so, dass der irgendwann gar nicht mehr an die Auswirkungen des Unfalls dachte. Eines Abends kam er pfeifend in unsere Wohnung, drückte mir grinsend einen Kuss auf die Stirn und zog sich ohne jede Mühe das T-Shirt über den Kopf, um dann weiter pfeifend unter der Dusche zu verschwinden. Ich kann nicht sagen, was mich in dem Moment mehr umhaute – der Anblick an sich oder die Tatsache, dass es jetzt alles gut war.
      Und weil alles gut war, alles so wunderbar lief und es uns so gut ging wie noch nie auf dem SPZ Naundorf, jagten wir jetzt mit einem Affenzahn über das frisch abgemähte Weizenfeld am nördlichen Waldrand. Dave saß auf Heros, der ein absolutes Verlasspferd im Gelände war, dicht gefolgt von Leo auf seinem Fireflies, der noch dieses Jahr zur Körung gemeldet werden würde. Mia hatte sich ihren Checkpoint ausgesucht, da wir ohne große Reibereien nur mit Hengsten reiten wollten. Tom nahm sich Webster, dem etwas Geländeerfahrung nicht schaden konnte. Der Erfolgshengst unseres Zentrums in Sachen Dressur hatte schon einige Schleifen gesammelt und würde wohl auch bald in unser Zuchtprogramm überwechseln. Mia und Tom galoppierten auch über das Feld, allerdings nicht so schnell wie wir anderen drei. Ich klopfte Dante den immer heller werdenden Hals, als wir am unteren Rand des Feldes ankamen. Im Trab ritten wir weiter, bis Tom und Mia aufgeschlossen hatten.
      Die beiden waren natürlich auch noch ein wahnsinnig glückliches Paar und wir saßen oft abends noch nach dem gemeinsamen Abendessen zusammen draußen auf der Veranda. Dort trugen wir wichtige Daten und Ereignisse des Tages zusammen, besprachen bevorstehende Termine und alberten nach getaner Arbeit miteinander herum. Während der Heuernte waren wir aber oft auch so platt, dass es nur dabei blieb, ab und an eine Flasche Rotwein miteinander zu trinken und dem Hof zuzuhören, wie es nach dem Tag langsam ruhiger wurde. Denn Mia hat mit Tom und mir die meisten Pferde zu betreuen. Neben den beiden Fohlen Efeumond und Arcada, waren in ihrer Obhut neben Checkpoint bei den Hengsten vier Stuten: Annakiya, Mon Amie, Al Aasiyah und Caja. Mit Mon Amie arbeitete sie derzeit nicht wirklich, außer einige Dehnarbeiten. Sie war wieder tragend von Dante. Daher lag ihre Aufgabe hauptsächlich auf die Ausbildung der Distanz. Annakiya und Aasiyah vertrugen sich so gut, dass sie abwechselnd auf einer der beiden ritt und die andere angebunden mitführte. So drehte sie um den Hof ihre Runden, wenn sie alleine unterwegs war, alternativ kam ich mit Aquentino mit. Dieser, sowie meine Hengste Fleming und Dante, die Stuten Cara Mia und Amber und die beiden Fohlen Scamander und Painted waren meiner Betreuung zugefallen. Daher hatten wir nach dem Stalldienst am Vormittag bis zum Mittagessen, bei dem wir uns alle abwechselten, immer genug zu tun. Wir hatten uns auch die freien Tage, die jedes Pferd hatte, auch so eingeteilt, dass Mia und ich dann gegebenenfalls anfallende Arbeiten im Haupthaus oder ähnliches zusammen machen können oder unsere Trainigseinheiten eben aufeinander abgestimmt waren. Tom und Dave fanden das gut und holten Willi und Leo mit ins Boot. Willi kümmerte sich um die Kurzen auf dem Hof und hatte daher bei den Fohlen die kleine Lillifee, den charmanten aber manchmal etwas eigensinnigen Take a Bow und die drei Süßen Nikita, Occani und Taciturn übernommen. Letztere war neben Lillifee als Welshfohlen die Kleinste auf dem Hof und unsere Herzensdame. Neben Cleo, die gerne mit ihr auf der Weide spielte, war sie sozusagen unser „Maskottchen“. Unsere Besucher liebten sie und regelmäßig wurde sie mit Leckerchen und Streicheleinheiten überhäuft. Mittlerweile war sie ja auch schon 17 Jahre und wurde zu allen anderen Pferden auf dem Hof wenn nur spazieren geführt. Auf die Gnadenweide wollten wir sie aber noch nicht stellen, da der Ausbau für die Kleineren noch nicht fertig war und wir sie doch gerne im Stutenstall sahen, wie sie neugierig den süßen Kopf gerade so über die Tür streckte.
      Hier standen natürlich auch noch die Stuten, die Tom und Leo betreuten. Neben seiner Solsikke, die neben Fireflies Leos absolute Turnierpferdchen geworden waren, kümmerte sich Leo auch noch um die hübsche Lewitzerstute Chocolate Chip Cookie, sowie um die Dänin Oline. Er hatte an diesen ebenfalls einen besonderen Narren gefressen und arbeitete regelmäßig und fleißig mit ihnen. Cookie war etwas spritziger als Oline, aber genau das hatte meiner Meinung nach nur Vorteile für Leo. Er sollte mit verschiedenen Charakteren arbeiten und sich nicht zu sehr auf eine Verhaltensart spezialisieren. Neben den erwachsenen Stuten hatte er deshalb auch Elfenlied als Fohlen bekommen. Wir unterstützen ihn dabei natürlich, bis jetzt macht er seine Sache wirklich sehr sehr gut. Neben den bereits genannten betreut Tom mit insgesamt sieben Pferden zusätzlich im Stutenstall Forever Yours, Meilenstein und seine Reykja. Erstere haben wir lange nicht so gefordert, da wir sie ja aus schlechter Haltung übernommen haben. Sie soll höchstens noch zwei Fohlen tragen, bevor wir sie wohl doch auf die Gnadenweide entlassen. Dagegen machen Meilenstein und Reykja von Tag zu Tag weiter Fortschritte. Meilenstein wird mittlerweile geritten, Anfangs saßen hauptsächlich Mia, Leo und ich auf ihr, da wir vom Gewicht her etwas leichter sind als Tom. Doch mit dem richtigen Training konnte sich Meilenstein bald so gut ausbalancieren, dass sich Tom mittlerweile von unten in den Sattel ziehen kann und sie sauber unter ihm austritt. Reykja ist parallel dazu mit Webster unser Dressurass geworden. Ich liebe es, Tom und ihr in der Halle zuzusehen. Er hat dafür einfach das richtige Gespür und gibt uns allen immer noch Korrekturunterricht oder reitet unsere anderen Pferde zur Kontrolle regelmäßig auf dem Platz. Der Rest von uns will immer nur über Hindernisse oder ins Gelände, worauf ja unser Zentrum hauptsächlich ausgelegt ist, aber die Dressur ist eben die Basis und darauf achtet Tom zum Glück.
      So hat er auch Dave unterstützt, der mit der Arbeit mit Thor und Zarin langsam auch wieder vermehrt Zugang zu Medivh bekam. Bei beiden waren die körperlichen Wunden verhältnismäßig schnell verheilt, aber was blieb ist, dass die beiden jetzt nicht mehr genau wussten, auf was sie ausweichen sollen. Military würde vermutlich nie wieder gehen, obwohl Medivh im Gelände ein erstaunlich gelassenes Verhalten zeigt. Auch vor den Hindernissen hat er an sich keine Angst, aber verweigert doch deutlich häufiger bei den ersten kleinen Versuchen auf dem Sandplatz, wenn er es durch Drehen des Kopfes nicht ganz sieht. Wir haben angefangen uns durch die Turnierwelt zu fragen und auch zwei Fälle gefunden, in denen einseitig blinde Pferde wieder springen. Ein Versuch mit dem Abdecken des blinden Auges durch eine Maske zeigte erste Erfolge. Vielleicht brauchte er einfach die Bestätigung, dass er das jetzt ganz sicher einseitig blind machen wird und deshalb auf seinen Reiter vertrauen muss. Oder aber es ist die Angst, sich erneut zu verletzen. Wir können es uns nicht erklären, aber mit zunehmendem Training fasste Medivh mehr und mehr Vertrauen. Viel über Stimmtraining, Toms Erfahrungsschatz und gute Bodenarbeit hörte Medivh nach einigen Wochen wieder auf zu Weben. Wir entließen ihn auf Anraten von den Besitzern der anderen blinden Pferde voll und ganz in den Herdenverband der Hengste. Anfangs rumpelte er noch ein bis zweimal an andere an, aber irgendwann bemerkte man nichts mehr. Dennoch überlegten wir uns, ihn eher in die Distanz und ins Fahren zu bringen. Dort hatte er mittlerweile auch Erfolge eingeheimst und ging dort genauso auf. Ein weiterer Grund, warum der pfeifende Dave nicht wieder verschwand hinter jemandem, der keine Perspektive mehr für sich sah. Und mit Harvey, sowie der flinken Uranium Fever hatte er zwei weitere Pferde, mit denen er nach meiner Einschätzung das Military eben nicht verlieren würde. Ich denke, das weiß Dave für sich auch und fand mit dem Unfall seinen Frieden.
      So ritten wir also nebeneinander her, alle fünf außer Willi und Cleo, die wie immer den Hof hüteten- ausgelassen, zufrieden, den Sommer genießend. Die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht und die dampfenden Pferde unter uns.
    • Muemmi
      Pflegebericht Dezember 2018

      Großer Pflegebericht für alle Pferde des Gestütes Naundorf
      © Muemmi | 02. Dezember 2018 | 9910 Zeichen


      Hengstweide
      Valentine´s Candy Fireflies | Aquentino | Webster | Checkpoint | Take a Bow | Joschi | Medivh | Heros | Dante | Zarin | Fleming

      Stutenweide
      Caja | Reykja | CM´s Meilenstein | Uranium Fever | Chocolate Chip Cookie | Solsikke | Occani | Cara Mia | Orchidee´s Nikita | Al Aasiyah ox | tc Annakiya | Taciturn | Tassila | Oline | Forever Yours | EBS Mon Amie | Ambie

      Fohlenweide
      Efeumond | Thor | Lillifee | Painted Minimalistic Art | Symphonie de la Bryére | Aufgepasst, hier kommt Arcada! | Elfenlied | Capona | Scamander | SPN Harvey


      "Glück pur"

      „Luisa! Wir müssen los!“ Daves Stimme schallte durch den Flur und das Treppenhaus hinauf in unsere Wohnung. Er stand unten in der Eingangstüre und blickte zu mir hinauf, als ich eben diese Treppe hinunterstolperte. „Sorry, bin schon fertig.“ Er grinste, während ich in meine Jacke schlüpfte und die Stiefel anzog.

      Der Sommer war so schnell vorbei gegangen, dass ich mich jetzt gefühlt unvorbereitet im Dezember mit nasskaltem Wetter wiederfand. Wir hatten einen superschönen Herbst gehabt, mit vielen bunten Blättern und sonnigen Ausreittagen. Dave und ich hatten uns nach der stressigen Zeit der Heuernten und der Tuniersaison, die außer für Dave und Willi für uns alle noch im vollen Gang war, Zeit für uns genommen. Medivh hatte sich mittlerweile vollständig erholt und wir uns alle an den etwas seltsamen Anblick seines linken, blinden Auges gewöhnt. Er ging jetzt vermehrt in der Dressur und Dave hatte Heros mehr in die Ausbildung des Springens genommen. Aber wir hatten gemeinsam beschlossen, dass er diese Saison noch nicht wieder im Turniersport mitmischen würde. Dave ging jetzt dafür eher in der Aufgabe auf, mich und den Hof bei allem zu unterstützen. Ich war richtig beeindruckt von seinen Ausbilderfähigkeiten, die er bei den Kutschpferden, den Springern und den Militärygängern zeigte. Die Sportpferde unseres Zentrums blühten regelrecht auf und unsere Kunden lobten Dave zufrieden für seine Arbeit. Allgemein bemerkte ich, dass ihm das Leben hier auf Naundorf richtig guttat. Es gab im Frühsommer ein kurzes, unschönes Aufeinandertreffen mit seinem Vater auf einem der Trabrennen, die wir uns in Zusammenhang mit Uranium Fever ansahen. Er hatte sie zur Probe mal vor einen Sulky gespannt und war auf der Sandbahn oben im Wald eine kurze Runde gefahren. Auch an ihr hatte Dave ganze Arbeit geleistet und wir wollten sie daher in der Saison 2019 in ein paar Fahrturnieren laufen lassen. Die hatten wir bereits vor einigen Monaten schon als Organisatoren aufgegeben und erst da gemerkt, wie sehr uns das eigentlich belastet hatte, auch wenn es eine Leidenschaft für uns alle war. Kaum war das vorbei, kam mit der Tatsache, dass Dave jetzt mit mir, Eine der Teilhaber Naundorfs zusammen war, Stunk von Seiten seiner Verwandschaft. Daves Dad war schon immer schwierig gewesen und hatte sich schon früh einen guten Ruf im Fahrsport gemacht. Er war aber auch für sein Cholerisch-Sein bekannt und konnte es sich mit dem zunehmenden Erfolg Naundorfs, das ihm mitunter den ein oder anderen Kunden abgeworben hatte, nicht verkneifen auf Dave zu zielen. Dieser ließ sich das nach außen hin nicht anmerken, aber mir gegenüber gab er zu, dass es ihn immer noch schwer traf, wenn sein Vater ihn als „Nichtsnutz“ und „Schnorrer“ hinstellte. Da konnte auch seine wundervolle Mutter, mit der ich mittlerweile gut befreundet war und regelmäßig Kontakt hatte, nichts ändern. Es führte sogar zu noch mehr Ärgernis, da wir sie natürlich auf Naundorf immer willkommen geheißen hatten – seinen Vater allerdings auf Daves Wunsch nicht. Ich mischte mich da nicht ein, da das Daves Sache war. Ich konnte ihn nur unterstützen und für ihn da sein. Um uns also zusätzlich eine Auszeit zu gönnen, waren Dave und ich eine Woche nach London und zu Freunden, die Sportpferde in Großbritannien züchteten gefahren. Es war einfach nur wunderschön dort und wir haben diese eine Woche in vollen Zügen genossen. Ich hatte schon immer eine Schwäche für das satte Grün der Weiden und die alten Gemäuer der Herrenhäuser gehabt. Doch nichts würde mir je so viel bedeuten, wie unser Naunhofer Gestüt, bei dem ich mich mittlerweile so viel mehr zu Hause fühlte, als ich es damals im alten jemals getan hatte. Und das galt eben auch für Dave.

      So stürzten wir uns mit neuer Energie wieder in die Arbeit und in die Ausbildung unserer Jungpferde. Thor war mittlerweile so groß, dass man ihn langsam unter den Sattel nehmen konnte. Der Gute wurde im Januar jetzt 3 Jahre alt und würde demnächst auf die große Hengstweide wechseln. Auch Efeumond hatte seine Ausbildung hinter sich und kam jetzt zum Beritt in Mias Hände. Der spritzige Hengst sollte aufgrund seines höheren Alters nicht mehr in anderweitigen Rennen, als denen im Amateursport laufen und uns als guter Springer und Vererber in der Zucht dienen. Auch Painted nahmen wir in der Fohlenausbildung weiter in Beschlag, er war mittlerweile ein Jahr von seiner Mutter abgesetzt und ordentlich gewachsen. Wir würden ihm aber noch mindestens ein Jahr geben, bevor wir mehr mit ihm trainieren würden, als über das Absolvieren einer Fohlenschau hinausgehen würde. Auch die Stutfohlen Symphonie de la Bryére, Arcada, Capona und Lillifee durften noch ganz Fohlen sein. Sie standen alle zusammen auf einer Weide und hatten bei dem matschigen Wetter bis zum ordentlichen Bodenfrost erstmal nur Ausgang auf den großen Sandpaddock. Auch Scamander und Harvey waren noch etwas zu jung und tollten um mich herum, als ich zum Misten kam. Elfenlied allerdings war ähnlich wie Thor langsam groß genug, um auf die Stutenweide zu wechseln und in eine reiterliche Ausbildung über zu gehen. Den Sattel nahm sie schon gut an und lief auch unter ihm an der Longe recht gut. Nur mit einem reiterlichen Gewicht hatte sie noch Schwierigkeiten, was wir regelmäßig mit Sandsäcken und kurzen Ritten an Muskulatur aufbauten.

      Aber nicht nur unsere Fohlen veränderten sich, indem sie immer größer wurden. Auch unser Team hatte sich vor kurzem geändert. Lange hatten wir gesucht und wussten nicht, wie wir die nächste Saison überwinden sollten, ohne jetzt langsam jemanden einzustellen. Und gerade Leo hatte dann die Lösung. Nach dem Unfall auf Medivh kamen einige Artikel dazu heraus und die Erblindung eines Sportpferdes war wieder mehr im Gespräch in der Reiterwelt der Region. Da Leo damals direkt mitten im Geschehen war, hatte eine junge Reiterin, die schon länger für ihn geschwärmt hatte, die Möglichkeit, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Denn sie hatte sich bisher nicht getraut, ihn anzusprechen. Sie meinte später, dass Dave immer mit Leo rumhing und das deshalb unmöglich für sie war. Leo war nach dem Unfall selbstverständlich länger nicht im Turniersport aktiv gewesen und Sophie, die ebenfalls als junge Reiterin viele Erfolge gefeiert hatte, hatte seinen Namen in einem der Artikel gesehen. Über Facebook hatte sie ihn dann angeschrieben und die beiden sich getroffen. Dass sie ihn über die Berichte gefunden hatte, erzählte sie natürlich erst sehr viel später, aber da waren die beiden schon einige Wochen zusammen. Wir auf dem Hof bekamen das offiziell erst im Sommer mit. Da brachte Leo Sophie das erste Mal mit. Die junge Reiterin war mit ihrem Deutschen Reitpony Tassila uns voher schon etwas bekannt, aber je öfter sie hier war, desto mehr gehörte sie mit zum Hof. Sie war eine hübsche, schlanke Frau mit schwarzen Haaren und seltenen grünen Augen, die für ihre gerade mal 19 Jahre einen sehr erwachsenen und reifen Eindruck machte. Sie hatte ihr Abitur abgeschlossen und war ein paar Monate im Ausland gewesen, bevor sie sich entschied, ihr Hobby doch zum Beruf zu machen. Nur der richtige Betrieb fehlte noch. Und da waren wir als Betrieb richtig dankbar. Dave und ich erklärten ihr aber, was damals mit Susan, die sich mit Dave überworfen hatte passiert war. Und dass wir sie gerne auf dem Hof mit ihren beiden Ponys Tassila und Joschi willkommen heißen würden, sofern es keine Streitigkeiten geben würde. Doch als wir alle sahen, wie die beiden zusammen arbeiteten und sich Sophie machte, verschwanden unsere Zweifel. So zog Sophie erstmal in ihr eigenes Zimmer im Haupthaus. Denn mittlerweile lebten auch Mia und Tom zusammen. Die beiden waren fast noch glücklicher als Dave und ich und nach allem, was uns auf Naundorf passiert war, konnten wir das Glück zwar kaum fassen, aber vollends genießen.

      So steuerten wir also mit dem ersten Advent auf die Weihnachtszeit zu, während langsam eine gemütliche Routine auf Naundorf einkehrte. Wir hatten genügend Zeit unsere Pferde zu trainieren und auch die von Kunden zu betreuen, den Hof an einigen Stellen zu sanieren und endlich die gesamten Zäune auf Vordermann zu bringen. So kamen bei Tom, Webster, Reykja, Forever Yours und Meilenstein ordentlich voran und zeigten in der Dressur erstaunliche Fortschritte. Auch Tom lebte jetzt nach dem ganzen Stress auf und hatte richtig Spaß an der Arbeit. Auch Mia konnte ordentlich trainieren und sich um ihre Schützlinge Checkpoint, Annakiya, Mon Amie, Aasiyah und Caja kümmern. Sophie half Leo mit Oline, die wir ihr bei der Einstellung fest zuteilten. Sie sollte mit einem Großpferd arbeiten, da sich Willi um Joschi kümmern würde. Der Beistellshetty hatte jetzt mit Occani, Taciturn, Nikita und Take a Bow neue Weidengenossen und verstand sich vor allem mit Bow sehr gut. Leo hatte also mehr Zeit, sich auf seine Solsikke und auf Cookie zu konzentrieren. Die beiden Damen hatten sich auf dem Hof wirklich gut gemacht und so langsam konnte es auch bei ihnen in die Turniere gehen. Candy allerdings hatte sich wirklich super gemacht und einige Schleifen eingeheimst. Er würde demnächst mit Aquentino zur Körung eingeschrieben werden. Auch meine Pferde machten sich gut. Ich hatte endlich wieder genügend Zeit, um mit Fleming und Dante richtig lange Ausritte zu machen und eine Parcour abzureiten. Auch Cara Mia und Amber kamen wieder zum Zuge, vor allem Amber hatte nach Harvey wieder ihre alte Form und sprang besser denn je. Dave sah immer mal wieder neidisch rüber, als er gerade mit Zarin trainierte.

      Und wie gesagt, konnten wir uns endlich wieder auf andere konzentrieren. Um unsere Zuchtpläne weiter zu verfolgen, hatte Dave einen Großverkauf entdeckt und auch zum Trainieren und Pflegen der Pferde dort brachen wir heute auf. Dave grinste immer noch, als er vorne ums Auto herumlief und einstieg, während ich mich auf dem Beifahrersitz niederließ. „Bis später!“ rief uns Tom zu und winkte zum Abschluss.
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  • Album:
    Sportpferde Naundorf - Hengstweide
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    Muemmi
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    1 Juli 2018
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  • Abstammung
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Von Midnight Dancer
    Von Moniet Aus der Facility

    Von Mephisto Aus der Quiney | Von Kincsem Aus der Feingold

    Aus der Pretoria
    Von Tejano Aus der Phienna

    Von Tonic Aus der Ariane | Von Allegro Aus der Pepita


    Exterieur
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    Hengst
    18.04.2011 | 6 Jahre

    Rasse: Holsteiner
    Stockmaß/Endmaß: 174cm
    Gewicht: 590kg
    Fellfarbe: Schimmel
    Geno: x


    Interieur + Beschreibung
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    Verhalten in der Box: Gelangweilt
    Verhalten auf der Weide: Neutral


    Charaktereigenschaften:

    Mutig, Zielstrebig, Verlässlich, Lernwillig, Sensibel, Treu, Ehrgeizig

    Medivh ist das zweite Privatpferd von Dave und kam mit ihm auf den Hof des Gestüts Naundorf.
    Er geht hauptsächlich im Military, ist ein exzellenter Springer und ein Verlasspferd ohne Gleichen.
    Manchmal scheint er schreckhaft und zögerlich, doch unter einem erfahrenen Reiter wie Dave nimmt Medivh jede Hürde ohne Widerrede.
    Allein sein schnelles Gelangweiltsein und damit erfinderische Zerstörungswut,
    wie sein doch sensibles, leicht nachtragendes Wesen sprechen nicht immer ganz so für ihn.

    Mitte August 2017 stürzte Medivh bei einem Militaryturnier mit seinem Reiter Dave und brach sich dabei die linke Augenhöhle.
    Dabei waren die Verletzungen so schwer, dass das Auge nicht gerettet werden konnte,
    weshalb er seitdem linksseitig blind ist.


    Weide: Hengstweide
    Unterbringung: Box/Weide

    Einstreu: Sägespäne
    Futtersorte: Kraftfutter, Saftfutter, Heu
    Fütterungszeiten: morgens und abends


    Besitzer: Muemmi
    VKR/Ersteller: Zambi


    Qualifizierungen + Erfolge
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    Schleifenaufstieg Trainingsaufstieg Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Qualifikation durch TB's

    Dressur E A L M S
    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M S

    Doma Classica: WE WA WL WM WS
    Alta Escuela: WE WA WL WM WS
    Doma Vaquera: WE WA WL WM WS

    Springen E A L M S
    Show Jumping: E A* A** L M* M** S*

    Military E A L M S
    Geländestrecke: CIC/CCI* CIC/CCI** CIC/CCI*** CIC/CCI****
    Eventing (British Eventing, national): BE80(T) BE90 BE100 BE100Plus Novice Intermediate Advanced Intermediate Advanced

    Distanz E A L M S
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN** CEN***

    Fahren E A L M S S* S** S***

    Dressurprüfung: CAI-A1 CAI-A2 CAI-A4
    Ausdauerprüfung: CAI-M-A1 CAI-M-A2 CAI-M-A4
    Hindernisfahren: CAI-C-A1 CAI-C-A2 CAI-CA4
    Trabrennen: 800m 1000m 1600m 1760m 1900m 2100m 2300m

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    Offiziell
    293. Militaryturnier | 295. Militaryturnier | 307. Fahrturnier | 191. Synchronspringen | 320. Fahrturnier | 195. Synchronspringen | 330. Fahrturnier
    200. Synchronspringen | 432. Springturnier | 201. Synchronspringen | 324. Militaryturnier | 202. Synchronspringen | 334. Fahrturnier | 326. Militaryturnier
    366. Fahrturnier | 437. Springturnier | 438. Springturnier

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    Inoffiziell
    -


    Ausbildung + Zuchtdaten
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    Trainingsplan
    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren ✔

    Springpferdeausbildung (ab 3 Jahre)
    Einreiten ✔ | Hindernisgewöhnung ✔ | Stangenarbeit ✔ | Gelassenheitstraining ✔

    Dressurpferdeausbildung (ab 3 Jahre)
    Einreiten ✔ | Stangenarbeit ✔| Gelassenheitstraining ✔

    1 = Sehr gelassen, 6 = schlechtes / unsicheres Verhalten
    ● Angeboren
    Antrainiert Prüfung Abgeschlossen


    Fremde Umgebungen: 6 5 4 3 2 1
    Platz/Halle: 6 5 4 3 2 1 ✪
    Hufschmied: 6 5 4 3 2 1
    Tierarzt: 6 5 4 3 2 1
    Wasser: 6 5 4 3 2 1
    Gelände: 6 5 4 3 2 1
    Straßen: 6 5 4 3 2 1

    Stangenarbeit: 3 2 1 ✪
    Longenarbeit: 3 2 1 ✪
    Verladefromm: 3 2 1 ✪

    Schrecktraining: 3 2 1

    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✔ | Rückwärtsrichten ✔ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✔
    Abstand halten ✔ | Wenden + Handwechsel ✔ | Abruf ✔

    Freiheitsdressur / Zirzensik
    Kompliment x | Knien x | Liegen x | Sitzen x | Stehen x
    Rückwärtsrichten ✔ | Spanischer Schritt ✔ | Spanischer Trab x
    Passage x | Piaffe x | Seitengänge ✔ | Traversalen x | Fliegender Wechsel ✔ | Pirouette x
    Steigen (undefiniert) x | Levade x | Pesade x | Ballotade x | Croupade x
    Kapriole x | Courbette x | Lancade x


    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Pferdepass

    Schleife

    HK 497
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    Zur Zucht zugelassen: ja
    Eingetragene Zucht: Sportpferdezentrum Naundorf
    Züchter/Herkunft: Zambi

    Nachkommen
    0


    Gesundheitszustand
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    Letzter Tierarztbesuch: August 2017

    Letzte Zahnpflege (jedes Jahr) Februar 2017

    Wurmkur (jedes Jahr) Juni 2017
    Tollwut Impfung (jedes Jahr) Juni 2017
    Tetanus Impfung (alle 2 Jahre) Dezember 2016
    Influenza Impfung
    (alle 6 Monate) August 2017
    EHV-1 + EHV-4 (alle 6 Monate) August 2017


    Gesamteindruck: sehr gut
    Aktue Krankheit/en: keine
    Chronische Krankheit/en: keine
    Erbkrankheit/en: keine


    Letzter Hufschmiedbesuch: überfällig!
    Ausgeschnitten/Korrigiert: Ausgeschnitten
    Hufbeschaffenheit: sehr gut
    Hufkrankheit/en: keine

    Beschlag vorne: Springeisen
    Beschlag hinten: Barfuss


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    PNG | Puzzel PNG | Offizieller Hintergrund
    Blinde Version:
    PNG | Puzzle PNG | Offizieller Hintergrund