Rhapsody

Medeia *

Connemara -- im Besitz seit 05/2015 -- Staatsprämienstute -- aa Ee Gg

Medeia *
Rhapsody, 16 Aug. 2016
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      Nachwuchs
      | 10. Mai 2015
      Schon vor Wochen (oder mehr noch: vor Monaten) hatte Elisa mich eingeladen. Eigentlich wollten wir ursprünglich Paccos ersten Geburtstag feiern, aber irgendwie hatte es sich immer verschoben. Und heute stand Elisa dann um zehn Uhr vor meiner Tür, mit den Händen in die Hüften gestemmt, und gab mir den keine-Widerrede-Blick.

      Ich wusste natürlich sofort, was sie meinte (ich war ein wahrer Ninja), und sah sie flehend an. „Heute ist schlecht, wirklich!“

      Elisa zog eine Augenbraue nach oben. „Was ist deine Ausrede heute?“

      „Heute Nachmittag kommt die neue Stute, okay, da hab ich –“

      Ohne mich ausreden zu lassen zog Elisa mich schließlich aus dem Haus, schlug die Tür hinter mir zu und steuerte auf die Straße zu. „Gwen und Elena warten schon, die sind deine Ausreden genauso leid.“

      ***

      Ja, Elena und Gwen warteten bereits auf Elisas „Terrasse“ (oder eher der Fläche, auf der ein paar Gartenstühle standen und man eben draußen war), aber sie sahen nicht einmal annähernd genervt aus. Elena hatte es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht und hob zum Gruß nur kurz zwei Finger, während Gwen sich an einer etwas älter aussehenden Trense zu schaffen machte.

      Elisa grummelte vor sich hin, dass ich ja eine der schlimmsten Fohlenmamas der Welt war und es wohl besser war, dass Pacco bei ihr stand. „Von dir hat er aber den Namen Pacco,“ konterte ich, während ich mir die Teekanne, die auf dem kleinen Beistelltisch stand, nahm.

      „Pacco klingt besser als Pax.“

      „Lügen,“ kam von Elena, die nicht mal den Kopf hab. Faules Stück.
      ***

      Nach einer Tasse Tee und Klatsch und Tratsch – wahrscheinlich würden wir in ein paar Jahren mit Tupperpartys anfangen und dann uns in Mitdreißiger verwandeln – besuchten Gwen und ich Pax (nicht Pacco. Pax.)

      Er würde noch eine Weile bei Elisa stehen bleiben – dort war er wenigstens in der Nähe und konnte trotzdem mit Artgenossen aufwachsen – bevor er mit etwa zwei Jahren zu mir übersiedeln sollte.

      „Ich bin ja gespannt, wie Para drauf reagiert,“ sagte ich, ohne wirklich zu bedenken, dass ich wahrscheinlich laut dachte.

      Gwen hmm-te nur und versuchte, Rozene anzulocken. Pax stand ein paar Meter weiter weg und beknabberte sich ausgiebig mit Chesmu, Cìolas Halbbruder. Für die zwei komischen Gestalten am Zaun interessierte er sich kaum, und dabei lief er mir sonst hinterher wie ein kleiner Hund.

      Und während wir so dastanden und den Kleinsten zuguckten, wie sie so unbeschwert und ohne Termine über die Weide jagten, klingelte mein Handy.

      „Das war’s dann wohl mit dem Geburtstag feiern,“ bemerkte Gwen grinsend.

      ***

      Medeia hieß die neue Stute, und sie kam direkt aus Irland. Total furchtlos stapfte sie die Rampe des Hängers hinunter, beschnupperte meine (und Elisas und Elenas und Gwens, weil man die drei nie loskriegte, wenn sie einen erstmal gesehen hatten, fast schon wie Zecken) Hand und ging, als ich sie in die Box brachte, schnurstracks auf den Paddock hinaus.

      „Na wenigstens weiß sie, was sie will,“ murmelte ich und sah dramatisch seufzend das liebevoll gestopfte Heunetz in der Ecke baumeln.
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      Die Neuen
      | 18. Mai 2015
      Der einzige Grund, warum der Mai nervte, war, dass ich nun offiziell viel zu früh von der Sonne geweckt wurde. Es war gerade einmal 10 vor 6, da kitzelten mich die ersten Sonnenstrahlen und ließen mich einfach partout nicht mehr einschlafen. Mit einem lauten Seufzer schlug ich die Bettdecke zurück und warf der Sonne, die durch mein Fenster lachte, einen bösen Blick zu. Ich war vor ein paar Tagen erst heimgekommen, was bedeutete, dass das Jetlag immer noch ein bisschen nervte. Deswegen war ich gestern Nacht erst um halb vier eingeschlafen.

      Und gerade einmal zweieinhalb Stunden wieder wach. Wie ein Zombie tappte ich in die Küche und machte mir erst einmal eine Tasse Tee – schwarz, mit ein bisschen Milch und reichlich Zucker, damit ich wenigstens ein bisschen wach wurde. Nebenbei nahm ich mir den Block aus dem Regal, der als Kalender diente. Und für heute standen allerlei Sachen darin.

      Zum einen war heute endlich der Tag, an dem Zoe und Adèle kommen würden. Die Zimmer waren gestern fertig geworden (irgendetwas muss man ja machen, wenn man um 2 Uhr nachts wach ist) und da das Flugzeug ziemlich früh kommen würde, hatten wir genug Zeit, einen Rundgang zu machen. Natürlich mit Besuchen auf Crown Hills, Sanssouci und der Nahanni Rivers Ranch. Das würde super werden. Dann mussten natürlich die Zäune geprüft werden, ehe die Pferde auf die Weide durften – das würde ich wohl gleich morgens machen, während sie ihr Frühstück futterten (man, ich sollte öfters weniger schlafen, da war ich ja glatt ein produktives Genie!).
      Weiter auf der Liste standen ein Spaziergang mit Symbolic Splash und Cìola, Training mit Newt (mal wieder) und ein entspannter Ausritt mit Medeia.

      Doch bevor ich das alles anging, fütterte ich die Pferde und brachte sie zusammen auf die Weiden. Zusammen mit Outside Girl, Bacia und Chepa kam Flea auf ihr Grasquadrat, während Medeia, Lashy, Cíola, Favorita und Star auf die andere Stutenweide durften.

      Bei den Hengsten gestaltete sich das dann schon schwieriger; Val war immer noch der Neue und sollte so auf eine Einzelkoppel. Muraco und Paramour waren beste Freunde, aber Newt sah Paramour als seinen großen Bruder an.
      Am Ende standen Muraco und Paramour, Newt und Attonito und schließlich Vaffanculo auf ihren Koppeln.

      Und dann bemerkte ich, dass ich fast schon zu spät war. Es war keine Zeit mehr, ein Schild mit Zoe & Adèle drauf zu basteln, aber ich hoffte einfach, sie würden mich erkennen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich dann, dass das Bett in einem Zimmer noch nicht überzogen war – super.
      Trotzdem sollten die beiden Mädels mich erkennen können, wir hatten in den letzten Wochen oft geskypet (teilweise um 3 Uhr nachts – verdammtes Australien).

      Natürlich hatte an einem Tag wie diesem der Flug Verspätung. Das bedeutete, dass es dann nochmal eine extra Stunde dauerte, bis der erste Flug angekündigt wurde. Ich stand keine fünf Minuten in der Halle bis mir auf einmal ein feuerroter Lockenkopf entgegensprang und mich sofort umarmte, als würden wir uns schon ewig kennen.
      Trotz des langen Flugs war Zoe immer noch voller Energie und plapperte ununterbrochen. Dabei strahlten ihre grünen Augen –wieso hatten Rothaarige immer grüne Augen? Das war so fies! – fast so sehr, wie ein ganzer Sternenhimmel. Ja, wir würden wohl gut auskommen.

      Als Adèle dann ankam – Zoe hatte sich gerade einen Kaffee in der kleinen Starbucksfiliale geholt und vibrierte nun scheinbar – wirkte sie abgeschlafft und müde. Sie war hochgewachsen, bestimmt 10+ Zentimeter größer als ich, hatte dunkelblondes, langes Haar, große Augen mit vollen Lippen.

      „Man, du erfüllst das ganze wunderschöne-Französin-Klischee,“ bemerkte Zoe mit einem Grinsen, was Adèles Wangen nur so aufflammen ließ. Trotzdem sah sie aus, als würde sie gleich im Stehen einschlafen, also schlug ich vor, langsam aufzubrechen. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Zeit, bis das ganze Gepäck verstaut war und wir endlich auf dem Highway waren. Selbst Zoe wurde langsam ruhiger, kommentierte nur alle paar Minuten die Landschaft. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass Adèle eingeschlafen war.

      Zurück auf dem Hof wollten die beiden Mädels am liebsten einen Einführungsausritt (okay, Zoe wollte einen Einführungsausritt), aber mit den Worten „Die Pferde sind auch noch da, wenn ihr euren Jetlag ausgeschlafen habt“ zeigte ich den beiden ihre Zimmer und half Zoe noch, ihr Bett zu überziehen.

      Dann waren die beiden verstaut und ich brauchte selbst erstmal eine Pause.
      ***

      Als ich mit Lashy und Cíola zurück kam, sah ich, dass die beiden Mädels immer noch tief schliefen – die Rolläden waren nach wie vor fest verschlossen. Auch nach einem Besuch bei Elisa und einer Spielstunde mit Pax, einer Bodenarbeitsübung mit Bacia (langsam klappte es immer mehr – hoffentlich waren wir bald soweit, dass wir uns an das erste Training unterm Sattel wagen konnten) und einer dreiviertel Stunde Training mit Newt regte sich noch nichts hinter den Fenstern der Gästezimmer.

      Erst, als ich nach einem weiteren Ausritt mit Medeia zurück kam, waren die Rolläden des linken Zimmers oben und ich traf Adèle dann bei den Weiden. Sie wirkte nicht wirklich wacher, sondern eher noch müder – wenn das überhaupt möglich war. Mit einem Leckerli auf der Handfläche versuchte sie, eine der Stuten anzulocken, doch keine der Pferde interessierte sich für viel mehr als das Gras direkt vor ihren Nasen.

      Als sie mich bemerkte, lächelte sie. „Ich hoffe das ist okay, dass ich mich ein bisschen umgeguckt hatte,“ sagte sie. Ihre Stimme war leise, weich, akzentfrei. Ich war ein wenig überrascht, dass sie keine Karriere als Synchronsprecherin verfolgte, sondern mir helfen wollte, Pferdehufe instand zu halten.

      Lächelnd zuckte ich mit den Schultern. „Natürlich, immerhin lebst du hier ja jetzt.“

      Sie sah auf den Boden, fast ein wenig beschämt. Als sie mich wieder ansah, sah sie fast ein wenig … geschockt? aus. „Sollten wir irgendwie nerven, darfst du uns das ruhig sagen, ja? Das ist wohl das letzte, was ich erreichen will.“

      Jetzt musste ich mit den Augen rollen. „Bist du immer so neurotisch?“ Und das brachte ein Lächeln auf Adèles Lippen. Dann bemerkte sie die Connemarastute neben mir und bot Medi das vergessene Leckerli an. Während die Stute es genüsslich zerkaute, wurde ich ins Kreuzverhör genommen; wie lang ich schon hier lebte, wie viele der Pferde vom alten Hof kamen, wo meine ganzen Freunde hier wohnten, etc. Viele Fragen drehten sich aber vor allem über Medeia und, als Adèle langsam wieder ruhiger wurde, drückte ich ihr kurzerhand den Strick in Hand. Erst wusste sie nicht, was sie damit anstellen sollte, doch als ich ihr das Tor öffnete, führte sie die Stute mit einem Grinsen hinein. Danach entschuldigte sie sich da sie sich wieder hinlegen wollte – das war wohl das Beste. Unausgeschlafen konnte man nicht gut misten, und je öfter sie schlief, desto schneller war sie ihren Jetlag los.

      Also machte ich mich mit Schubkarre und Mistgabel bepackt auf den Weg in den Stall.
      ***

      Das nächste Mal sah ich die zwei Mädels, als ich vom Stall hereinkam, weil ich einen Bärenhunger hatte. Draußen war es immer noch wunderschön und warm – danke, Mai! – also wollte ich mir nur noch schnell eine Pizza in den Ofen schieben, duschen und essen.

      Als ich jedoch die Tür aufschloss, saßen Adèle und Zoe in der Küche, schnatterten über Gott und die Welt während auf dem Herd ein Topf vor sich hin köchelte.

      Ein wenig verdutzt blieb ich in der Tür stehen, blieb jedoch nicht lang unentdeckt. Ella, die neben Zoes Stuhl auf dem Boden gelegen war, sprang nämlich lauthals bellend auf und rannte mir entgegen.

      Zoe grinste mich ein wenig beschämt an. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen weil wir dir nicht geholfen haben. Und Adèle kennt so ein tolles Rezept für Spargelcremesuppe –“

      „Sorry für’s Verwüsten?“ sagte Adèle und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich mich in der Küche um; das Waffelessen zur Feier meines neuen Hengstes hatte meine Küche verwüstet, aber von den „Kocheskapaden“ meiner neuen Mitbewohner war rein gar nichts zu sehen.

      „Also,“ sagte ich und löste mich vom Türrahmen, um an den Herd zu gehen. Die Suppe roch genial – ganz anders, als ich sie von daheim gewohnt war, irgendwie … nach anderen, fremderen Gewürzen (was jetzt aber nicht gerade schlecht war, im Gegenteil). „Wenn eure Definition von Verwüstung so aussieht, dürft ihr gern öfters meine Küche verwüsten.“ Mit einem breiten Grinsen drehte ich mich zu den beiden Mädels um und holte dann drei Suppenteller aus dem Schrank.

      „Und zur Feier des Tages essen wir draußen. Hopp hopp!“
      ***

      Nach dem Abendessen hätten Zoe und Adèle mir zwar gern beim Reinholen und Füttern geholfen, doch ich scheuchte sie nur wieder in ihr Zimmer. Diesen Elan durften sie sich für morgen aufheben, da wurden sie dann ordentlich herumgeführt.

      Fürs erste führte ich aber alle Pferde erstmal selbst in ihre Boxen zurück und füllte die Futtertraufen auf.
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      | 24. Juni 2015
      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
    • Rhapsody
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      Home sweet ... home?
      | 09. Juli 2015
      Als Zoe eines Nachmittages – es war ein wenig abgekühlt und man konnte wieder draußen sitzen, ohne das Gefühl zu haben, zu brutzeln – fragte, ob ich nicht Lust auf einen kleinen Ausritt hätte, sagte ich natürlich nicht nein. Die Pferde grasten ruhig auf der Weide, der Himmel war blau mit vereinzelten Wolken – ein perfekter Tag für einen faulen Ritt also.

      Innerhalb von wenigen Minuten standen dann Medeia und Flea am Putzplatz. Aus irgendeinem Grund hatte Zoe sich total in die Scheckstute verknallt und eiferte somit Juli nach (die hatte zwar nur einen allgemein Lewitzer-Batscher, aber Flea war eine ihrer Liebsten). Für mich musste es nicht immer eine ausgefallene Scheckung sein oder sonst was. Aus Frankreich kannte ich mich mit Schimmeln jeglicher Art aus und schreckte somit nicht vor Medeias Farbe zurück. Im Nu waren beide Stuten geputzt, sauber und gesattelt und es konnte los gehen.

      Die Umgebung war immer noch recht neu, und das würde wohl noch ein wenig so bleiben. Mein ganzes Leben hatte ich auf einem Fleck gewohnt, da war die Umstellung ein wenig schwerer. Aber mit einem Verlasspferd wie Medeia würde das wohl kein Problem werden.

      Ein Stück ging es erst an der Straße entlang, dann auf einen Feldweg, auf dem wir erst einmal antrabten. Beide Stuten waren allein schon sehr flott unterwegs, doch wenn sie zusammen gelassen wurden, haute das Leichttraben nicht mehr ganz so hin. Deswegen stellte ich mich einfach in die Steigbügel und ließ mir den Wind durch die Haare fahren.

      Kanada war schön, doch ein Teil von mir würde wohl für immer in Frankreich bleiben. Das warme Wetter, die traumhafte Landschaft, die reinweißen Ponys … Doch Kanada war natürlich nicht schlechter – nur … anders. Weniger stechende Sonne, gedämpfte Geräusche, das Kreischen eines Habichts anstelle des Rufs einer Möwe. Anders, aber durchaus nett und freundlich.

      Nach einer kurzen Schrittpause – wir kamen an einen kleinen Bach, den wir durchqueren mussten – ging es dann in einem großen Bogen um Elisas Gestüt. Ich selbst war noch nicht so oft dort gewesen im Gegensatz zu Zoe und, natürlich, Juli, die dort wahrscheinlich schon halb eingezogen war. Ich hielt mich da gerne im Hintergrund; Alkohol war noch nie mein Lieblingsgetränk gewesen und ich brauchte einige Zeit, um bei Fremden aufzutauen. Das einzige Mal, dass ich das Gefühl hatte, sofort mit einem fremden Menschen zu klicken war, als ich Zoe das erste Mal traf. Wahrscheinlich weil wir beide so grundverschieden waren. Zoe die Extrovertierte, die durch ihre sonnige Art sofort gute Laune versprühte und ich, die etwas Schüchterne, die sich gern im Hintergrund aufhielt.

      Eigentlich lustig, dass wir uns jetzt so gut verstanden. Denn es brauchte nur ein kurzes Nicken seitens Zoe, da ließ ich die Zügel ein wenig lockerer, drückte Medeia kurz die Schenkel in die Seiten und dann jagten wir zusammen mit Flea und Zoe dem Wind hinterher. Ja, Kanada war toll.

      ***

      Eine knappe halbe Stunde später waren wir wieder auf dem Hof angelangt. Unterwegs hatten wir Juli aufgegabelt, die anscheinend von Elisas Hof (wo sonst?) kam. Zoe musste sie natürlich gleich wieder aufziehen, immerhin war es nicht einmal mir entgangen, dass irgendein Besitzer eines Ausbildungspferd wohl irgendwie versuchte, sie dazu zu bringen, wenigstens einmal auf einen Kaffee in die Stadt mit ihm zu fahren. Aber, eine gute Freundin wie ich war, ließ ich sie natürlich in Ruhe und drückte ihr nur wortlos die Zügel in die Hand, als ich abstieg. Juli sah mir ein wenig verdutzt hinterher, brachte Medeia dann aber schließlich zum Putz- und danach zum Waschplatz (solche Aktionen hatte es in den ersten Tagen oft gegeben – Juli war faul und wir waren neu gewesen), während ich mich zurück in die Hängematte hinterm Haus legte. Home sweet Home.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen E-A - © Gwen
      | 29. Juli 2015
      „Trainieren macht so durstig!“ – „Du hast heute noch gar niemanden trainiert?“ – „Danke, du bist auch eine Spielverderberin“, meinte ich knapp zu Elisa und entriss ihr die Flasche, welche sie tapfer vor mir verteidigen wollte. Ein „Schau mal, Matthew kommt!“ reichte, damit sie sich erschrocken umdrehte und ich meine Chance nutzen konnte. „Das lernt sie nie“, kommentierte Elena knapp, die zufrieden auf dem Sofa kauerte und durch die Kanäle zippte.
      „Wehe du schaust dir wieder RTL Aktuell an, das schadet deinem Gehirn!“, warnte ich Elena, doch die war bereits anderswertig beschäftigt, nämlich Elisa für ihr „Welches Gehirn?“ durch das gesamte Haus zu jagen, bis diese sich im Bad einschloss, kicherte und Elena ihr Lager mit Stuhl und Popcorn vor der Tür aufbaute. „Ich helfe dir nicht durchs Fenster!“, meinte ich noch und verließ dann das Haus.
      „Oh nein“, rutschte mir raus und ich wollte schon auf den Fersen kehrt machen, als Jojo meinen Arm packte und mich genau daran hinderte. Ungeachtet meiner Abwehrversuche schleifte sie mich in Richtung Stall. „Medeia liebt das Springen! Eigentlich mehr das im Gelände, aber gut, sie braucht erst einmal eine Grundlage. Deshalb sollst du sie im Springen trainieren!“, meinte sie begeistert. Ich versuchte es mit „Lalalalala“, klappte aber nicht.
      „Das ist sie“, erklärte Jojo und schob mich in die Box, um schnell hinter mir die Tür zu schließen. „Ich lass dich wieder raus, wenn sie geputzt und gesattelt ist“ – „BOAH JOJO!“

      Eine halbe Stunde später saß ich auf einer schimmeligen Connemarastute, die sich aber sogar recht angenehm reiten ließ. Medeia lief fleißig vorwärts, ließ sich gut an die Hilfen stellen und war Feuer und Flamme, was das Springen betraf. Das erhöhte meine Hoffnungen, dass das Training nicht allzu anstrengend ausfallen würde. Hoffentlich.
      Außerdem musste ich die Zeit nutzen, in welcher nur Jojo am Zaun stand. Also ritt ich Medeia ordentlich warm und dann nahm ich Trabstangen und Cavaletti dazu. Viel konnte Medeia noch nicht, also würden wir mit den Grundlagen beginnen müssen. Ihre Springtechnik musste auf jeden Fall noch ausgefeilt werden, momentan sprang sie eher wie ein Querfeldein-Pony, nämlich Hauptsache drüber.
      Außerdem war es ihr so ziemlich egal, wann sie absprang. Sie sprang, wenn sie lustig war. Also musste ich ihr auch erst einmal beibringen, dass es da sehr wohl einen Unterschied gab. Alle das erarbeiteten wir uns in der ersten Stunde unter den äußerst hilfreichen Kommentaren von Elena und Elisa. Danach war ich fertig mit den Nerven und Medeia brauchte auch eine Pause.
      Am nächsten Tag machten wir da weiter, wo wir aufgehört hatten und übten durch auf dem Boden liegende Stangen, den Abstand zum Hindernis korrekt einzuhalten. Das war bei Medeia gar nicht so einfach, denn manchmal sprang sie über die Stange und dann direkt in das Hindernis herein. Juche.
      Aber auch das bekamen wir nach ein paar Übungsstunden in den Griff und so langsam kamen wir den echten Hindernissen immer näher. Auch wenn ich die bunten Stangen erst einmal las ungefährlich erklären musste, denn anfangs verweigerte Medeia schlichtweg aus dem Grund, dass ihr die Hindernisse zu seltsam aussahen.

      Zwei Wochen später sprang sie dann fast über alles, was ich ihr vor die Nase stellte. Sie hatte ihre Leidenschaft wieder und ignorierte Blumentöpfe und schillernde Farben. All das war ihr egal, Hauptsache Springen. Und so mussten wir noch an ihrem etwas zu starken Vorwärtsdrang arbeiten, den sie ein wenig zurückschrauben sollte, denn sonst riss sie nur noch.
      Eine Woche später sprang der Schimmel in ordentlicher Manier über A-Höhe und ich war der Meinung, dass ich meine Aufgabe gut gemacht hatte. Als Test setzte ich auch Matthew einmal aufs Pferd (Elisa hatte sich geweigert, warum, das wusste ich bis heute noch nicht) und auch er akzeptierte die Stute als A-fertig.
      Zufrieden wollte ich Jojo anrufen, bis mir einfiel, dass die ja sowieso am Zaun stand. Also ritt ich Medeia ab, schwang mich aus dem Zügel und drückte Jojo zufrieden die Zügel in die Hand. „Nummer drei fertig, nur für dich“
    • Rhapsody
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      Realismus nervt
      | 07. September 2015
      „Medeia! Medeia wäre perf-“

      „Zum letzten Mal, Zoe, wir nehmen nicht teil,“ sagte ich geistesabwesend, während ich in den Unterlagen von irgendeinem Tierarzt blätterte, die mir aufgrund eines Rehefalls geschickt worden waren. Das Problem war nur, dass ich die Schrift kaum entziffern konnte.

      „Aber wieso nicht?“ Zoe hörte sich an wie ein kleines, schmollendes Kind. Das hätte ich ihr gerne gesagt, aber im Grunde genommen schob sie auf meine Bitte jetzt Überstunden, anstatt im bestimmt warmen, sonnigen Australien am Strand zu liegen, nur, weil uns ein paar Gastpferde erwarteten.

      Frustriert legte ich den Bericht auf den Schreibtisch ab und drehte mich dann meiner Freundin zu. „Willst du wirklich noch an einem mehrtägigen Turnier teilnehmen, während bei uns auch so schon die Hölle los ist? Denn ich bin ehrlich gesagt froh, wenigstens den Stress nicht zu haben.“ Ich drehte mich wieder zu meinem Schreibtisch um und sortierte lose Blätter, auf die irgendetwas gekritzelt waren. „Außerdem ist Medeia kein Vielseitigkeitspferd.“

      „Reden wir von demselben Pferd?“

      Mit einem skeptischen Blick sah ich Zoe an. Ihre Augen waren weit geöffnet, Gesichtsausdruck zurückhaltend neutral.

      „Hast du schon mal versucht, mit Medeia eine Dressurprüfung durchzureiten?“ fragte ich schließlich und stand auf. „Medi ist was fürs Zeitspringen, für Stil ist sie zu hektisch.“

      „Ist das eine Herausforderung?“ In Zoes Augen blitzte etwas auf, was mir sagte, dass sie gerade eine Idee ausbrütete.

      ***

      Eine halbe Stunde später stand ich, mit einem Aufgabenbuch bewaffnet, am Rande des Reitplatzes, während Zoe die Connemarastute aufwärmte. Als sie mir das Signal gab, blätterte ich in dem Buch zu einer E-Dressur und begann, laut vorzulesen.

      Gut, das einreiten und durchparieren klappte schon mal. Doch während Zoe grüßte, tänzelte die Schimmelstute unter ihr pausenlos.

      Das Arbeitstempo Trab war dann auch nicht so ganz ihre Stärke, denn Arbeitstempo war für Medeia ein Fremdwort. Entweder ganz oder gar nicht. So wurden die Bahnfiguren ein wenig schlampig, obwohl Zoe sich wirklich viel Mühe gab, Medeia zusammen zu halten. Das quittierte die Stute aber mit einem heftigen Bocksprung.

      Als Zoe nach dem Abreiten den Platz verließ, verdrehte sie nur die Augen. „Ich will’s nicht hören. Aber beim Springen wäre Medeia bestimmt vorne mit dabei!“

      „Natürlich. Wenn so ein Vollblut mit seinen langen Beinen kommt, dann ist Medeia vorne mit dabei.“

      „Hast du überhaupt Vertrauen in dein eigenes Pferd?“ fragte Zoe empört. Kurz sah ich die Connemarastute neben ihr an; gespitzte Ohren, trotzdem entlastete sie den Hinterhuf.

      „Doch, natürlich,“ antwortete ich dann und nahm Zoe die Zügel aus der Hand. „Aber ich bin Realist.“
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen A-L - © Gwen
      | 30. September 2015
      Nachdem sie sich eingewöhnt hatte, begannen wir auch sogleich damit, uns in den ersten Trainingseinheiten der fundamentalen Springausbildung zu widmen. Es dauerte eine Weile, bis Medeia willig und vertrauensvoll über die ersten, kleinen Hindernisse sprang. Hierbei achtete ich darauf, ihr das Training auch schmackhaft zu machen; wollte ich doch nicht, dass sie „sauer“ (also durch falsches Training oder eine unkorrekte Reittechnik springunfreudig) gemacht wurde.
      Zugleich gehörte eine gewisse Springausbildung einfach zu einer ausgewogenen Grundausbildung eines Pferdes, weshalb man dies nicht vernachlässigen durfte, egal, welche Qualifikation das Pferd besaß. Hierbei spielen zum Beispiel Stangenarbeit, Cavalettiarbeit, Trabsprünge, Freispringen und sogenannte Gymnastikreihen eine bedeutende Rolle, die Medeia dazu verleiten sollten, eine gute Bascule – also das Aufwölben des Rückens über dem Sprung – aufzubauen. Zwar brauchte es auch hier seine Zeit, bis ich mit dem Endergebnis zufrieden war, doch irgendwann konnten wir tatsächlich mit den ersten E-Sprüngen beginnen.
      Diese hatten lediglich eine Höhe von 80 bis maximal 90 Zentimetern, die erlaubte Weite lag bei 75 bis 105 Zentimetern. Dies war nach einigen Trainingsstunden bereits erreicht und somit konnten wir uns dann schlussendlich den L-Sprüngen widmen.
      Medeia schien nach und nach Freude daran zu finden, Hindernisse zu überwinden. Zwar waren ihre Gänge ganz und gar nicht sicher und strahlten die nötige Ausstrahlung aus, doch dies hatte sich im Laufe der Zeit ebenfalls verbessert und entwickelt, sodass ich inzwischen ganz gut mit der Dame zufrieden war. Medeia muckte nicht herum, unterließ es sogar, Unsinn zu bauen – was mich zugegebenermaßen ziemlich überraschte. Sie war dennoch ganz gut in Form und kurz nach dem Aufwärmen hatten wir einen letzten, kurzen E-Parcours hinter uns gebracht, den wir fehlerfrei bewältigt hatten.
      Zwar riss die Connemarastute anfangs einige Stangen von den Hindernisständern, die dann polternd auf den Boden fielen, weshalb sie kurz zusammenzuckte und sich anspannte, dennoch merkte man, dass sie sich beim Training wirklich Mühe gab und versuchte, ihr Bestes zu geben. Hin und wieder legte sie einen kurzen Buckler ein, auf die ich mich jedoch schon vorbereitet hatte, sodass ich nicht im Sand landete und weiterhin auf ihrem Rücken verweilte. Insgesamt war sie allerdings lernwillig und auch lernfähig, denn nach einigen Versuchen hatten wir die L-Höhe von 90 Zentimetern mehrmals hinter uns gebracht.
      Jedes Mal stieß sich Medeia kraftvoll vom Boden ab, was dazu führte, dass wir beinahe über den Sprung zu schweben schienen und kam nach einigen Verbesserungen und Korrekturen der Springtechnik kam sie wieder sanft und nicht allzu ruckartig auf dem Boden auf.
      Durch die weitere Verfeinerung ihrer Sprungtechnik konnten wir die Höhen und Weiten maximieren, sprich bis zu 110 Zentimetern Höhe und 125 Zentimetern Weite überwand Medeia nach vielem Üben fehlerfrei und war somit auf dem L-Niveau.
    • Rhapsody
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      Jolympia
      | 04. Oktober 2015
      Es ist ein unglaublich schöner Tag – draußen ist es warm, er i-

      „Oh Gott, ich hab gerade Cro in meinem Kopf gesungen.“

      Elena, die mit mir auf Markierungsrundgang war und gerade eine rote Fahne in den aufgeweichten Boden steckte, sah mich skeptisch und zugleich ausdruckslos an.

      „Wir sind in Kanada. Keiner kennt Cro.“

      „Ich weiß!“ sagte ich und stützte mich theatralisch auf den Wall, den wir gerade mit den letzten Fähnchen ausgestattet hatten.

      „Wenn du jetzt anfängst zu singen, hast du so eine Fahne an Stellen, an denen du keine Fahne stecken haben möchtest.“

      Seufzend hob ich beide Hände und stellte mich wieder gerade hin. „Von mir aus. Aber es ist ein unglaublich schöner –“

      Okay, Elenas Drohung war als nicht nur so daher gesagt. Kurzerhand hatte sie die Fahne wieder aus dem Boden geholt und bedrohte mich jetzt damit.

      Zum Glück kam mir mein Prinz auf dem weißen Ross zur Hilfe – oder wohl eher Gwen, die uns Bescheid sagte, dass wir vor ungefähr einer halben Stunde hätten fertig sein sollen, schließlich wartete auf uns noch mehr Arbeit.

      ***

      Es war noch eine Woche bis Jolympia, die seriöse Sportveranstaltung mit dem blöden Namen, aber die ersten Teilnehmer waren schon angereist. Noch waren sie alle bei Elisa untergebracht, aber das würde sich in den nächsten Tagen auch ändern. Dann war wohl mein aufgestelltes Stallzelt voll, genauso wie Elenas (Gwen hatte sich rausreden können, die Glückliche).

      So begegneten wir ein paar Unbekannten, als wir zum Lagebericht auf Townsend Acres zurückkamen. Elena entschied sich aber, dass sie nicht so wirklich Lust auf Lagebericht hatte und verschwand in irgendeinem Gebüsch – um ehrlich zu sein hatte ich nicht wirklich aufgepasst, nur bemerkt, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt fehlte.

      „Bericht?“ kam mir von Elisa sofort entgegen geschleudert, keine zwei Sekunden, nachdem ich das Haus betreten hatte (in meinen Matschschuhen. Absichtlich.). Eigentlich hätte sie bestimmt gute Karrierechancen bei der Armee; den beherrschenden Ton hatte sie auf jeden Fall drauf.

      „Strecke ist markiert, Elena ist verloren,“ antwortete ich und konnte mich nur schwer zurückhalten, nicht zu salutieren. Immerhin fühlte ich mich wie ein Soldat; matschverschmiert, verfroren und müde. So fühlten sich Soldaten bestimmt.

      „Stangen?“

      „Sind am trocknen. Nicht so wie ich.“

      „Dann macht es dir ja bestimmt nichts aus, wenn du die Strecke nochmal testest.“

      „Aye, sir!“ Und diesmal konnte ich mir das Salutieren nicht verkneifen. Dafür bekam ich auch ein Kissen an den Hinterkopf, als ich am Gehen war, was vielleicht berechtigt gewesen war.

      ***

      Es tat mir fast weh, Flea von der Weide zu holen und wissentlich ihre weißen Beine zu riskieren – wobei die auch nicht wirklich weiß waren, sondern eher ein Gemisch aus braun und grau. Jetzt im Herbst wünschte ich mir fast die harmlosen Grasflecken auf meinen Schecken zurück – ich wollte gar nicht wissen, wie Medeia aussah! Zum Glück hatte ich Medeia-Dienst heute an Adèle abtreten können, die mit der Connemarastute in der Reithalle am Werkeln war. Zoe hatte dafür netterweise Star übernommen – ich war ja bei Sergeant Elisa eingeteilt. Und Flea jetzt auch.

      Nach einer kurzen Aufwärmrunde durch die Wälder um uns herum steuerte ich die Stute in Richtung Geländestrecke. Unter Elisas Argusaugen ließ ich sie dann auf beiden Händen in großen Zirkeln galoppieren, ehe ich das Gefühl hatte, dass sie soweit war.

      „Stopp nicht die Zeit,“ warnte ich Elisa. Die stand natürlich trotzdem mit Stoppuhr da und tippte ein paarmal auf dem Ding herum, bevor sie mich an den Start bat. Als wäre das ein richtiges Turnier – Übertreibung pur.

      Trotzdem schossen Flea und ich los, sobald wir das Startsignal bekamen. Das Geländespringen war in letzter Zeit ein wenig zu kurz gekommen, da sie nach ihrer Stutenleistungsprüfung erst einmal eine kleine Pause genießen durfte, also war ich nicht überrascht, dass wir im Schweinsgalopp auf die erste Ansammlung von Baumstämmen zurasten. Es war mehr Glück, dass wir problemlos drüberkamen, doch danach konnte ich sie soweit versammeln, dass wir in perfekter Turniermanier über die restlichen Hindernisse kamen.

      Als Elisa uns am Ende der Runde wieder empfing, hatte sie einen leicht säuerlichen Gesichtsausdruck angenommen. „Naja, zum Glück nehmt ihr nicht teil.“

      „Das war die erste Runde seit Wochen!“ verteidigte ich die Fuchsstute, die mittlerweile komplett verschwitzt war.

      „Das ist keine Ausrede,“ konterte Elisa, steckte die Stoppuhr weg und sah mich immer noch säuerlich an.

      „Ich trainiere im Moment ausschließlich mit Quixo, Val und Newt weil die mir sonst die Wände raufsteigen,“ versuchte ich es weiter. Das ließ Elisa dann wohl gelten; sie rollte nur mit den Augen und drehte sich um.

      „Du wirst Matthew immer ähnlicher!“ rief ich ihr noch hinterher, dann ritt ich mit Flea an meiner Freundin vorbei in Richtung Pine Grove Stud.

      ***

      Das Wetter war typisch Oktober, meiner Meinung nach; wolkenverhangen, etwas nebelig, kalt und irgendwie hatte man immer Angst, dass es gleich anfangen würde zu regnen. Das war für mich also Grund genug, mir, nachdem Flea wieder auf der Weide war und sich natürlich gleich in den Matsch gestellt hatte, Bacia zu schnappen und mit ihr an dem ganzen Reiten-Zeug zu arbeiten.

      Zwar war Bacia wirklich nicht das Problempferd, dass man mir damals angeblich verkauft hatte, aber das ganze Sattelzeug fand sie doch doof. Eigentlich sollte ich stolz sein, dass sie somit in der Zucht später die Fahrlinie mitbegründen würde, aber der perfekte Lewitzer war für mich sowohl Kutsch- als auch Reitpferd. Was für Bacia bedeutete, dass sie sich einer kleinen Trainingsstunde mit mir unterziehen musste.

      Mehr als missmutig stand sie also in ihrem absolut schicken Dressursattel, den Elenas Kontakte natürlich für mich besorgt hatten, und der neuen Schabracke da und wartete, bis ich meinen Helm aufgesetzt hatte. Mehr als missmutig trat sie dann auch an, als ich saß und ihr die Waden kurz in die Seiten drückte. Doch je länger wir zusammen arbeiteten, desto mehr Spaß bekam sie – zumindest kam es mir so vor. Und langsam wich der Missmut der Freude auch immer schneller.

      Trotzdem würde sie sich wohl mehr freuen, wenn ich sie morgen wieder anspannen würde. „Das werden wir mal sehen, Lady,“ murmelte ich als ich am Ende den Sattelgurt lockerte und sie aus der Halle führte.

      ***

      Der Tag neigte sich schon langsam dem Ende zu, und da es jetzt leider Gottes immer früher dunkler wurde, machte ich mich miesgelaunt an die blöden Aufgaben wie Sattelkammer ausfegen, Spinde ausräumen, Sättel putzen und einfetten.

      Das Fegen hatte ich gerade abgeschlossen, da schickte ich ein kurzes Stoßgebet an den Himmel – bitte, nur irgendwas, das mir einen guten Grund geben würde, hier endlich zu verschwinden, aber nicht mit dem Buchstaben E anfangen sollte!

      Anscheinend hatte Gott Mitleid mit mir, denn er schickte mir Hilfe. Zwar erst eine halbe Stunde später, als ich mit den Spinden bereits begonnen hatte und mitten in der Arbeit war, aber ich war nicht undankbar. Rettung kam nämlich in Form von Declan, der zwei Halfter in der Hand hielt und sagte: „Mir hat Zoe die einfach in die Hand gedrückt, ich hab keine Ahnung, was das heißen soll.“

      Dann konnte er aber eh erst mal nichts mehr sagen weil er keine Luft mehr bekam. Ich hatte Superarme.

      ***

      Die Halfter gehörten Paramour und Muraco, also machten wir beide fertig für einen Abendausritt. Nichts Großes, nur eine kleine Schrittrunde ums Gestüt. Muraco und Para kam das wohl auch gerade recht; in der Dunkelheit zu reiten gefiel keinem von uns vieren.

      Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, die Ponys gemütlich laufen zu lassen, denn wir hatten eindeutig Sachen zu besprechen. Natürlich ließ ich ihm erst einmal den Vortritt, ehe dann meine Neuigkeiten kamen.

      „Ich hab einen neuen Hund, Khaleesi, und sie ist die Queen.“

      „Oh! Blurry ist wieder da. Den hatte ich mal als Fohlen und dann war er mein Geburtstagsgeschenk.“

      „Elisa ist zum Militäroberoffizier mutiert, weil sie sich ganz wichtig findet weil sie so ein Turnier mit so ‘nem blöden Namen austragen darf und da ihr ja eh schon sämtliche Seelen von uns gehören sind wir verpflichtet, ihr da zu helfen.“

      „Ich … ähm … mir fällt nichts mehr ein. Tada?“ Daraufhin musste Declan grinsen „Jetzt weiß ich wenigstens, was ich nicht vermisst habe.“

      „Na vielen Dank,“ motzte ich zurück. „Darfst dich gleich wieder in die Klauen des Militäroberoffiziers begeben und da bleiben.“

      Daraufhin rollte Declan mit den Augen. „Ich hab schon fast vergessen, wie dramatisch du sein kannst.“

      ***

      Früher oder später musste er dann doch zurück zu Elisas Hof, weil er da „seine Sachen hatte“ oder so. Ich hatte ihn schon davor gewarnt, dass Elisa ihn bestimmt bei der nächsten Gelegenheit ausquartieren würde, aber er winkte nur ab. „Sollte das passieren, weiß ich ja, wer mich aufnimmt.“

      „Da wäre ich mir nicht mehr so sicher,“ grummelte ich und verdonnerte ihn dann noch dazu, die Pferde in den Stall mit mir zu bringen. In Blurry hatte er sich sofort verliebt, auch, wenn er das nicht zugab („Geb es doch zu.“ – „Nein.“ – „Ist deine Maskulinität wirklich so leicht zerschmetterbar, dass du nicht einmal zugeben kannst, dass ein männliches Pferd toll ist? … Na, hab ich einen wunden Punkt getroffen?“)

      Declan entschied dann, dass er keine Lust mehr auf mich hatte, umarmte mich aber zum Abschied trotzdem nochmal. „Mir fällt bestimmt noch was ein, was du verpasst hast!“ rief ich ihm hinterher, dann öffnete ich die Eingangstür und machte mich auf den Weg zu meiner wohlverdienten warmen Dusche. Dass mein Handy mit Nachrichten von Elisa brummte, ignorierte ich – ich hatte Feierabend.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen L-M - © Gwen
      | 31. Oktober 2015
      „Die letzten für diesen Monat, versprochen“, meinte Jojo lächelnd und drückte mir den Strick von Medeia in die Hand. „Die letzten?!“, fragte ich etwas verwirrt, denn zu meiner Freude, sah ich hier eigentlich nur ein Pferd. „Jaja, Blurry steht schon bei Elisa im Stall.“
      Eigentlich hatte ich mich auf das Ende von Oktober gefreut und auf Halloween, aber so war ich immer noch voll in der Arbeit drin und das würde sich auch nicht ändern, denn kommenden Monat würde alles wieder von vorne anfangen. So ein Pech aber auch, dass Jojo direkt neben uns wohnte und so die Vierbeiner mit Leichtigkeit zu uns bringen konnte.
      Medeia sollte im Springen von L zu M trainiert werden und das hatte ich eigentlich gerne Elisa überlassen wollen, aber die riss sich direkt den Warmbluthengst unter den Nagel. Blurry war charakterlich auch ein Sonnenschein, ganz im Gegensatz zu Medeia, die ein typischer Ponydickkopf war, da hatte ich ja wieder den Hauptpreis gezogen.
      Seufzend machte ich mich mit Medeia auf den Weg in den Stall, putzte und sattelte sie. Ich hoffte inständig, dass sie im Training stand und ich nicht großartig Kondition oder dergleichen aufbauen musste, ehe wir mit dem richtigen Training anfangen konnten. Heute wollte ich mir deshalb vor allem anschauen, wie es denn überhaupt aussah.
      Wir wärmten uns in aller Ruhe dressurmäßig auf, gingen dann über Trabstangen, Cavaletti und kleine Kreuze. Dann wechselten wir auf die E-Höhe und danach auf A-Höhe. Beim Wassergraben wollte mir Medeia nach links ausbrechen, genauso wie bei dem breiteren Oxer. Mit einigen Paraden und einer sehr überzeugenden Art brachte ich sie aber trotzdem dazu, auf ihrem Kurs zu bleiben.
      Medeia war kein sonderlicher Fan vom normalen Springen. Medeia wollte normalerweise am liebsten raus in den Wald und ins Gelände und dort über Natursprünge fegen, aber dafür musste nun einmal auch die Technik stimmen und die trainierte man auf dem Platz, Punkt.
      Heute widmete ich mich auch nur dem Anreiten der Hindernisse, um die Reaktionsfähigkeit von Medeia zu verbessern und ihr ein Gefühl für den Abstand zu geben, denn je höher die Hindernisse wurden, desto eher würde sie abspringen müssen. Deshalb war es besser, wenn sie bei den niedrigen Hindernissen schon vermehrt Luft dazwischen hatte, das würde das weitere Training dann wesentlich leichter machen. Für heute beendete ich jedoch das Training und ritt die Stute trocken.
      Nachdem ich Medeia auf ihre Weide gebracht hatte, schaute ich in der Halle vorbei. Dort ritt Elisa gerade Blurry. Der Hengst war erst sechs Jahre alt, weshalb es Elisa ruhiger angehen ließ. Gerade ging sie mit Blurry auf den Zirkel und verkleinerte diesen zuerst, ehe sie ihn wieder vergrößerte. Diese kleine Übung bewirkte bei dem Hengst große Wunder, denn man sah förmlich, wie er im Genick nachgab und an den Zügel herantrat.
      Elisa wechselte aus dem Zirkel und ritt darauf noch einige Bahnfiguren, besonderen Fokus legte sie auf die in der A-Dressur geforderten Volten und Schlangenlinien. Mit dem gelösten Blurry sah das sehr leicht und locker aus, während die beiden durchs Viereck ritten. Blurry hatte allgemein auch einen schönen Vorwärtsdrang und ohne großartig ständig mit dem Bein hinterher sein zu müssen, behielt er von selbst ein angenehmes Grundtempo.
      Ich beobachtete die beiden noch bei den Anfängen des Schritt-Galopp-Übergangs, ehe ich mich auch schon von Elisa verabschiedete. Zu Hause warteten auf mich schließlich auch noch meine eigenen Pferde, die ich schlichtweg nicht vernachlässigen konnte, immerhin standen diese auch im Training.
      Jeden Tag kreuzte ich bei Elisa auf und bewegte Medeia. Wir hatten die Grundlagen im Springen noch ein wenig ausgebessert, vor allem ihre Springmanier war manchmal mehr in Richtung Buschspringen angehaucht und das mussten wir rausbekommen. Von Tag zu Tag wurde es besser und nachdem Medeia jedes Hindernis gerade anritt und sauber sprang, begann ich mit dem Erhöhen der Hindernisse, um auf M-Niveau zu kommen, das war ein ziemlich großer Schritt, besonders für ein Connemara, aber Medeia hatte eindeutig das Talent dazu.
      Zur Abwechslung longierte ich sie auch oder ritt mit ihr auch. Das trug zu ihrer Konzentration und Ausdauer bei, was uns im Training wirklich sehr gut half. Am Abend besprach ich mich immer mit Elisa und wir tauschten die Fortschritte aus. Blurry schien sich klasse zu machen. Elisa schwärmte von seinen Gängen und seiner Leistungsbereitschaft, anscheinend hatten sie die angeforderten Lektionen auch ziemlich schnell auf die Reihe bekommen.
      Am letzten Tag schaute ich mir noch einmal das Training des Hengstes an. Am besten gefielen mir ja seine Seitengänge, denn während des Vierecks verkleinern/vergrößern trat er vor allem auch hinten wirklich sauber über, man konnte sich eindeutig nicht beklagen. So konnten wir Jojo am Ende des Monats auch die letzten beiden Pferde trainiert zurückgeben.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen M-S - © Gwen
      | 30. November 2015
      Seufzend schlürfte ich an meiner Tasse Tee. Die Kopfschmerzen wollten einfach nicht weggehen, es war kaum noch auszuhalten! Normalerweise wirkte Kräutertee da bei mir Wunder, aber irgendwie klappte diesmal gar nichts. Also griff ich irgendwann seufzend zu den Kopfschmerztabletten. Im Hintergrund hörte ich Elenas "Man soll erst Tabletten nehmen, wenn es wirklich unabdingbar ist!" - guten Gewissens stufte ich das hier als Notfall ein und schluckte die Tablette.
      Eine Viertelstunde später war ich umgezogen und auf den Weg zu Jojo. Ich hatte ihr versprochen noch allerhand ihrer Pferde diesen Monat zu trainieren. Seit zwei Wochen arbeitete ich mit Medeia, der springwütigen Connemarastute. Wir hatten anfangs viel Zeit in das Grundlagentraining gesteckt und auch viel Dressurarbeit betrieben, auch wenn Medeia das abgrundtief hasste. Selbst das Springreiten in der Halle war nicht Medis Lieblingsdisziplin, stattdessen trieb es die Stute immer hinaus in die Natur.
      Da ich aber erst einmal die Grundlage in der Halle festigen wollte, ehe es ins Gelände ging, musste Medi da durch. Gut. Das stimmte nicht ganz, eigentlich wollte ich bei der eisigen Kälte und dem Schnee nur nicht ins Gelände und hatte auch keine Lust, die Geländesprünge in die Halle zu holen. Zumindest wollte ich das noch bis zum Dezembertraining oder vielleicht auch bis nächstes Jahr hinauszögern.
      Jojo war es relativ egal, was ich mit ihrer Stute trieb, so lange es der Stute gut tat. Und da man Medi auch fürs Springen motivieren konnte, hatte ich alle Punkte abgehakt. Heute wollten wir uns nun zum ersten Mal an die S-Höhe wagen. Noch mit einem einfacheren Parcours, denn dessen Schwierigkeit wollte ich erst erhöhen, wenn Medeia sich der neuen Höhe bewusst war.
      Also holte ich den kleinen Schimmel von der Weide und putzte sie erst einmal gründlich. Noch immer gehörte ich nicht zu den Trainern, die Helferlinge hatten, die brav die Pferde vorbereiteten. Stattdessen machte ich das alleine, also musste ich Medeia auch selber satteln. Zum Glück ging das mit der Ponystute ganz problemlos und so waren wir schon eine halbe Stunde später in der Halle unterwegs und ritten uns warm.
      Dort begegnete uns auch kurz Zoe, welche momentan gemeinsam mit Adèle, auf das Gestüt aufpasste, während Jojo in der Welt herumirrte. Aus diesem Grunde hatte ich nämlich auch zugesagt, die Pferde bei ihr zu trainieren, damit Zoe nicht das ständige Hin und Her von Hof zu Hof hatte. Für mich war der Weg ja nun auch nicht so weit. Während ich gedanklich abschweifte, nutzte Medeia das direkt aus, um Unsinn zu treiben.
      Die Stute mochte es einfach nicht, wenn man nicht aufmerksam war, also kam ich ziemlich schnell in die Realität zurück und widmete mich nur noch ihrem Training. Wir wärmten uns mit Stangenarbeit auf und sprangen den ein oder anderen kleinen Sprung. Je höher die Sprünge, desto länger dauerte das Aufwärmen. Medeia wurde auch langsam schon ganz unruhig, sie wollte endlich ihrer Power freien Lauf lassen.
      Also ließ ich es zu. Wir sprangen testweise erst einmal einen S-Sprung. Medeia riss ihn, weil sie sich überschätzt hatte. Bei dem zweiten Sprung war sie schon wesentlich aufmerksamer und achtsamer, so dass sie die Höhe ziemlich genau abpasste. Nachdem beim dritten Mal dann wirklich alles passte, versuchte ich den Parcours. Wir kamen nicht direkt fehlerfrei durch, aber es war durchaus ausbaufähig - Das Potenzial besaß Medeia zumindest, dementsprechend würde ich es auch nutzen.
      Wir gingen den Parcours heute jedoch nur noch zweimal durch, weil ich Medeia nicht überfordern wollte. Beim letzten Durchgang riss sie auch noch ein Hindernis, aber dennoch ritt ich sie ab. Sie hatte sich gut geschlagen, weshalb ich eigentlich sehr zufrieden mit ihr war. Im Stall führte ich sie noch trocken, ehe es für die Stute in die Box ging und ich schon unseren nächsten Tag plante.
      Der kam schneller als gedacht, genauso wie die Tage darauf und nach einer weiteren Woche sah unser S-Parcours schon wesentlich passabler aus als am Anfang. Dementsprechend heimsten wir auch ein großes Lob von Zoe ein, die begeistert war, wie gut die kleine Stute doch springen konnte. Ich hing noch eine Trainingswoche bezüglich der Perfektion hinten rann, aber dann konnte ich eigentlich sicher sein, dass Medeia gut auf S-Niveau lief.
      Deshalb erhielt sie auch ihr Zertifikat und hatte nun ein wenig Ruhe vor mir, ehe es kommenden Monat weiter gehen würde. "Vielleicht trainieren wir ja doch Military", tröstete ich sie lachend und machte mich dann an die Planung der restlichen acht Pferde von Jojo, die diesen Monat auch noch trainiert werden wollten.
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  • Album:
    2 | Tullamore Creek
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    16 Aug. 2016
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    Medeia
    Medi
    Gestalt aus der griechischen Mythologie


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    Exterieur & Interieur

    Connemara
    Stute
    12 Jahre

    146cm
    Schimmel (Rappe)

    Auf den weiten Weiden der grünen Insel ist sie aufgewachsen, kannte die Box nur aus den frühen Kindertagen und konnte sich so zu einem robusten, zähen aber doch feinfühligen Pony entwickeln. Ihre Eltern waren beide exzellente Springer, was natürlich an Medeia weitervererbt wurde. Doch anstatt in einem abgezäunten Parcours zu springen, will die kleine Schimmelstute raus in die Welt - oder eben in den Wald. Sie ist unerschrocken und man könnte meinen, sie würde um jeden Preis gewinnen wollen. Sie liebt wahrscheinlich nur die ganze Atmosphäre eines Turniers, aber schon ihr Züchter war fest davon überzeugt, dass Medi den gleichen Ehrgeiz besitzt wie ein menschlicher Athlet bei den olympischen Spielen.
    "Leider" besitzt sie auch den typischen Ponysturkopf. Wenn sie gerade eben nicht geradeaus gehen will, sondern rechts abbiegen, dann lässt sie sich nicht davon abbringen - nun ja, zumindest, wenn jemand Unerfahrenes auf ihr sitzt. Ist sie in den richtigen Händen, kann Medeia ein super Turnierpony werden.


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    Pedigree

    von: Murdaigean
    v: unbk.
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    a.d. unbk.
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    aus der: Osla
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    a.d. unbk.
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    Training

    Englisch geritten
    Fohlen ABC – Eingeritten

    Dressur
    E A L M*

    Springen
    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M*

    Distanz

    E A L M* M**



    Erfolge

    Offiziell

    112. Synchronspringen
    113. Synchronspringen
    347. Springturnier
    117. Synchronspringen
    118. Synchronspringen
    238. Militaryturnier
    333. Galopprennen


    Inoffiziell

    -


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    Stallintern

    Besitzer: (Rhapsody)
    Ersteller/VKR: Elii


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    Zucht

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    SK 444 - Stuten ohne Abstammung


    aa Ee Gg
    Leihmutterschaft: 109.-
    Aus der Zucht: privat (County Tipperary, IRL)
    Nachkommen:

    Mánas (v. Moon's Wishing Well)


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    Gesundheit

    372 4 88 451849176
    Erkrankungen: -
    Letzter Tierarztbesuch:
    12.02.17, Klinik Caen


    Fehlstellungen: -
    Beschlag: Barhuf
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    16.10.16, Hufschmiede Pine Grove Stud


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    Spind – Offiziell