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Rhapsody

* Mania

Holsteiner -- im Besitz seit 02/2020 -- AA ee

* Mania
Rhapsody, 17 Feb. 2020
Gwen, Zion, Canyon und 2 anderen gefällt das.
    • Rhapsody
      Steenhof, 17. Februar
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch of Peace, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cassiopeia Z, Mania, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Während Jette alle Hände voll mit ihrem Ausbildungsbetrieb zu tun hatte – vier Pferde waren zur dauerhaften Ausbildung hier, zwischendurch immer mal wieder kurzfristige Aufträge und dann wollten ja auch die eigenen Pferde ordentlich ausgebildet werden – hatte ich Arbeit über Arbeit mit den Stuten. Während auf anderen Höfen die Fohlensaison schon im vollen Gang war, dauerte es auf dem Steenhof immer noch ein paar Wochen. Trotzdem saß ich wie auf heißen Kohlen – ich hatte das Gefühl, es waren noch Tonnen an Arbeit zu tun. Die Kameras im und am Laufstall mussten installiert werden, es mussten noch ein paar Geburtshelfer besorgt werden, ich wollte mich schon mal auf ein paar Namen beschränken, damit die Fohlen so schnell wie möglich registriert werden konnten, wenn sie dann mal da waren.

      Zusätzlich zu meinen eigenen Stuten hatte ich dieses Jahr auch noch ein paar Stuten von befreundeten Züchtern im Stall stehen. Die vier neuen Warmblutstuten hatten sich mehr oder minder schnell in die Gruppe integriert. Vor allem Colored Belle hatte den anderen Pferden schnell gezeigt, wie viel sie von ihnen hielt (nicht viel) – sobald ihr eine Stute zu nah kam, die sie gerade nicht dudelte, wurde der Stute das deutlich zu verstehen gegeben. Auch das menschliche Personal hatte schnell gemerkt, dass mit der dunklen Schönheit vorsichtig umgegangen werden musste – mittlerweile war ich die einzige, die die Stute kontrollierte und auch mal putzte. Am Anfang hatte es ihr auch nicht gepasst, jetzt zum Ende der Trächtigkeit ließ sie es mit angelegten Ohren über sich ergehen. Ich hoffte nur, dass das Fohlen nicht ganz nach ihr kam – trotzdem weigerte ich mich, an der Anpaarung aus Barney und Belle zu zweifeln. Barney war ja auch nicht der Ausgeglichenste und es bestand die Möglichkeit, dass ich da Dynamit gezüchtet hatte – aber Alfred Nobel war ja auch sehr erfolgreich gewesen.
      Glücklicherweise war es mit den anderen Stuten – Dark Rubin, Golden Lights und Minstrel – weniger nervenaufreibend gewesen.

      Es war zwar noch ein paar Wochen hin, aber trotzdem wollte ich heute schon einmal die Abfohlboxen vorbereiten. Nach meinen Morgenrunden um den Hof ging es also ans Putzen; der Stutenstall verfügte neben dem Laufstall, in dem alle Stuten noch vor sich hin kugelten, über eine Handvoll normaler Boxen. Zwei davon waren ein paar Quadratmeter größer und eigneten sich deswegen gut zum Abfohlen. Nachdem die meisten Stuten das Jahr über auch im Laufstall blieben, brauchten die Boxen ein bisschen Liebe, bevor ich hier die neuen Mitbewohner des Steenhofs begrüßen wollte. Und während ich die Tröge auswischte und die Boxen zusammenkehrte – das Stroh würde erst ein paar Tage vor der Geburt reinkommen, wenn dann auch die werdende Mama hier wohnte – freute ich mich fast schon ein bisschen auf die schlaflosen Nächte. Vielleicht bekam ich mit diesem Jahrgang auch eine schöne Herde zusammen und konnte die Aufzucht dann selbst übernehmen. Balboa und Bohéme waren zwar in der näheren Umgebung, aber die Fahrt zu Charons Aufzucht nahm dann doch viel Zeit in Anspruch, die man auch anders nutzen könnte.

      Denn die Arbeit ließ nicht nach. Jette hatte, wie schon gesagt, genug Arbeit mit ihren Berittpferden: ein wunderschöner Palominohengst namens Hallelujah, eine Schimmelstute namens Cassiopeia, einem Fuchs der auf den Namen Mania hörte und einem Halbblut, das den weiten Weg aus Kanada angetreten hatte. Prias Colourful Soul war erst seit kurzem unterm Sattel und brauchte noch viel Sicherheit von ihrem Reiter, sodass sie wohl ein paar Monate auf dem Steenhof verbringen würde. Hallelujah und Cassiopeia waren beide schon einen Ticken erfahrener, aber dadurch nicht unbedingt leichter händelbar; was ich von der Stute so gesehen hatte, erfüllte sie jegliche Stutenklischees, und der Hengst war auch ziemlich blütig. Bis jetzt hatte ich mich aus dem Training raushalten können und alles nur peripher mitgekriegt. Levi, der nach etwas Murren ein weiteres Pferd neben Barney angenommen hatte, hörte man öfters Mal aus der Reithalle fluchen. Aber Barney war auch nicht immer das leichteste Pferd gewesen – wenn er sich mit dem Palomino zusammengerauft hatte, würde das auch noch funktionieren.

      Und dann gab es noch ein paar Neuzugänge – auch, wenn Hauke es anders behauptete, handelte es sich dabei um keine Impulskäufe. Mit Dark Innuendo hatte ich mir noch eine Jungstute geholt – und noch eine, die am liebsten den lieben langen Tag alles hinterfragte. Schlau war sie, das war nicht zu leugnen – aber das konnte auch schnell nervig werden. Sobald sie sich eingelebt hatte, hatte ich das erste Longentraining übernommen. Mit fünf Jahren durfte man langsam ans Einreiten denken, und auch psychisch machte sie einen ziemlich gefestigten Eindruck. Ich hatte eigentlich gehofft, dass sie alles aufsaugen würde wie ein Schwamm – stattdessen war sie häufig das Äquivalent zu einem Kind, das jede Handlung mit einem „Aber warum?“ hinterfragte. Ich war nicht dafür bekannt, gut mit Kindern umgehen zu können; dementsprechend musste ich so einige Male mit den Augen rollen, wenn ich mit Uno zusammenarbeitete. Jette war aber ganz angetan von der Stute – sie war eine Bucky-Tochter und ihr Vater, Dark Intention, hatte zahlreiche Preise eingeheimst. Uno war außerdem eine Halbschwester zu Dark Rubin, und die hatte mich in der kurzen Zeit, die sie hier war, schon überzeugt.

      Der zweite Neuzugang war ein echtes englisches Vollblut. Seattle Slew war auch recht erfolgreich auf der Rennbahn gewesen – glücklicherweise aber schon komplett auf Reitpferdmodus umgestellt, sodass er nach seiner Eingewöhnungsphase eigentlich sofort ins Training einsteigen konnte. Außerdem war er zum Glück ziemlich sozialisiert; schon wenige Tage nach seiner Ankunft hatte Hauke ihn mit Ironic aufs Paddock gebracht und es hatte auch nicht lange gedauert, bis die beiden Jungs sich gegenseitig den Mähnenkamm beknabbert hatten.

      Nachdem die Arbeit im Stutenstall getan war und ich mir ein kleines Mittagessen gegönnt hatte, stand noch Arbeit mit den Jungpferden auf dem Plan. Nach Dantes Anlongieren war ich der selbsternannte Longierprofi und Contia Socks hatte das gleich einmal am eigenen Leib erfahren dürfen. Sie entpuppte sich aber als schneller Lerner und war schnell auch auf Dantes Niveau; Taloubet tat sich da ein bisschen schwerer. Spätestens im Sommer sollten aber dann alle mehr oder weniger unterm Sattel sein. Und auch für Simply und Bowie waren die entspannten Jahre auf der Koppel Geschichte, sobald alle Fohlen gesund und munter auf der Welt waren und ich mich dem intensiv widmen konnte.
      Contia, Dante und auch Taloubet machten ihre Sache heute gut und hatten sich danach eine Auszeit auf den Paddocks verdient. Und auch auf meinem Plan stand nur noch eine kurze Runde durch die Ställe, mit dem Laufstall als Letztes. Noch einen kurzen Besuch bei den werdenden Mamas – noch zeigte keine irgendwelche Anzeichen, dass es in nächster Zeit losgehen könnte, und darüber war ich froh. Alle Stuten hatten bis zum erwarteten Termin noch gut Zeit; würde jetzt schon ein Fohlen kommen, wäre das wohl ein Todesurteil.

      Meine Runde endete bei Bucky. Sie war zwar nicht die erste Stute, die Termin hatte, aber ich hatte das Gefühl, dass sie nochmal einen ganzen Ticken runder war als die anderen Damen. „Du lässt dir besonders Zeit,“ flüsterte ich ihr ins Ohr, während sie die Krauleinheiten mit halb geschlossenen Augen genoss. Wenn dieses Fohlen nach Buckys anderen Nachzuchten kam, dann brütete sie gerade einen kleinen Champion aus – und der sollte natürlich so gesund wie nur irgendwie möglich auf die Welt kommen. Mit einem Klaps auf den Hals verabschiedete ich mich dann auch von der braunen Stute, kletterte aus dem Laufstall und löschte das Licht.

      Geposted am: 17.02.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 31. März
      Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Hallelujah
      Dressur E-A

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      Während ich mich auf die Fohlen vorbereit und sichergestellt hatte, dass sie sich in den ersten Tagen auch gut entwickelten, ging Jettes Ausbildungsbetrieb natürlich weiter – auch, wenn ich ihr ab und zu mal die Halle stibitzte, um da die Fohlen laufen zu lassen.

      Die Arbeit ging also weiter, und neben den Pferden des Steenhofs hatte sie mittlerweile vier Berittpferde zu trainieren – plus einer vielversprechenden Stute, die sich Jette spontan vor ein paar Wochen gekauft hatte. Spontane Pferdekäufe, wer kannte sie nicht. Glücklicherweise hatte Jette ein tolles Team zusammengestellt, dass ihr tatkräftig unter die Arme griff.

      Für Barney ging nach der erfolgreichen Körung das Training weiter – nicht mehr so extrem intensiv, aber da war noch viel ungenutztes Potenzial. Blöd gelaufen für den Hengst, denn Jette hatte ihm Dressurarbeit verschrieben, woran sich Levi auch hielt – widerwillig, aber immer wieder traf ich ihn in der Halle oder an schönen Tagen auch auf dem Platz, mit hochrotem Gesicht und Konzentrationsfalte zwischen den Augen. Der spürbarste Schritt in den Lektionen der Dressur war der Sprung von L auf M – hier kamen Traversalen und fliegende Galoppwechsel dazu. Überraschenderweise schien Barney das Training aufzusaugen wie ein Schwamm, wodurch Levi intensiver mit dem Hengst arbeiten konnte – die Wechsel waren klar, die Traversalen flott aber doch ordentlich. Ein bisschen mehr Arbeit gab es bei den Verstärkungen; wenn Jette die Zeit hatte, unterstützte sie Levi dabei auch. Denn mit einfach nur schneller gehen war es ja nicht getan, auch, wenn Barney das gerne so gehabt hätte. Dafür brauchte das Halten aus dem Mittelgalopp nur wenige Wiederholungen.

      Ähnlich lief es bei Callisto ab, denn auch er bekam die M*-Lektionen aufgebrummt. Marieke hatte mit ihm aber deutlich mehr zu tun, auch, nachdem seine Zähne generalüberholt wurden. Danach war zwar nicht mehr ganz so mäkelig, aber doch noch schnell maulig. Bei ihm würden die Lektionen also noch eine Weile brauchen, bis sie gefestigt waren, aber keiner setzte ihn da unter Druck, denn: was lange währt, wird schon irgendwann gut. Komischerweise machten vor allem die Traversalen Schwierigkeiten, obwohl Seitengänge ein gängiger Teil des Aufwärmtrainings waren, egal ob für eine Dressur- oder Springeinheit. Ich machte mir also eine gedankliche Notiz, da mal einen Physio oder Osteo draufschauen zu lassen. Die fliegenden Wechsel und auch die Verstärkung der drei Grundgangarten liefen relativ gut – mit ein bisschen Training sollte man in ein paar Wochen noch einmal deutliche Verbesserungen sehen.

      Allgemein fokussierte sich Jette vermehrt auf die Dressur; zur Bespaßung wurden die Pferde natürlich alle abwechslungsreich geritten, doch die Dressureinheiten hatten auf jeden Fall die Überhand. Die Berittpferde Hallelujah, Cassiopeia Z und Mania sowie Jettes neue Stute Shotgun wurden die letzten Wochen nur locker gearbeitet und die Lektionen der Klassen E und A wiederholt. Konkret bedeutete das: viele Übergänge, Schritt-Trab, Trab-Steh, Trab-Galopp und Schritt-Galopp, viele Tempiwechsel, damit der Mitteltrab und -galopp auch saß, und erste Aufrichtung und Versammlung, damit das Überstreichen und das Zügel aus der Hand kauen lassen auch aussah wie aus dem Bilderbuch.

      Und auch für die Nachwuchsstars HGT’s Saevitia und Dark Royale ging es langsam an die wirklichen Dressur-Lektionen. Die erste Versammlung und die ersten Galoppwechsel standen auf dem Plan, neben bekannteren Lektionen wie der Kehrtwendung auf der Hinterhand und dem Außengalopp. Dark Royales Ausbildung übernahm Jette größtenteils selbst – und für Saevitia war häufig die neue Praktikantin Hazel zuständig. Hazel hatte sich durch ihr großes Pferdeverständnis schon bald in Jettes Herz gearbeitet, auch wenn diese das nie zugeben würde. Unter Hazel lief Saevitia wie eine kleine Göttin, schön locker und doch sehr konzentriert. So waren die L-Lektionen sowohl für die Stute als auch für den Rapphengst kein Problem. Aber auch unser neuer Vollbluthengst, Seattle Slew, machte sich gut im Dressursattel; er hatte eine beachtliche Karriere auf der Rennbahn hingelegt, doch er war gut umgeschult geworden und nach einer kleinen Findungsphase mit Conni machte der Hengst auch in der Dressur tolle Fortschritte. Für Conni war es auch eine ziemliche Umstellung, war sie doch das letzte halbe Jahr selbst nicht im Sattel gesessen. Mit genug Unterstützung aus dem Team und der ein oder anderen Reitstunde lief aber auch Seattle Slew die L-Figuren mit einer gewissen Grazie, die – da musste ich einfach ehrlich sein – so manchem Warmblut schon fehlten.

      Das Non Plus Ultra war aber Jettes Arbeit mit Quarterback – der Hengst verzauberte einen schon im Stehen, doch wenn er dann Lektionen der schweren Dressurklasse zeigte, war ich völlig aus dem Häuschen. Und da sollte noch einer sagen, Farbzucht geht mit Qualitätsverlust einher. Zur Vorbereitung der Passage und Piaffe arbeitete Jette viel vom Boden aus und festigte vor allem die Piaffe erst einmal so – draufsetzen konnte sie sich später immer noch, wenn Quarterback die Lektion ordentlich machte. Vom Sattel aus arbeitete sie dann schon früh an den Galopppirouetten und den Traversalverschiebungen im Galopp. Bis April feilte Jette immer noch am Feinschliff, aber die Grundlage war da. In ein paar Wochen würde auch der letzte Knoten aufgehen, da war ich mir sicher.

      Aber auch, wenn das Dressurtraining während der Zeit im Vordergrund stand, wurde das Springen natürlich nicht vernachlässigt. Equinox II und Greta arbeiteten weiter daran, ihren Rhythmus zu finden und vorm Sprung zu einem gemeinsamen Konsens zu kommen – hier übernahm Equinox gerne die Führung, anstatt auf seinen Reiter zu hören. Er sprang auch wirklich ordentlich – M*-Höhe war absolut kein Problem, der Hengst wirkte eher, als würde er dann erst loslegen wollen – doch seiner Reiterin fehlte ein Stück weit die Kontrolle über das Endergebnis. Da mussten sowohl Greta als auch der Hengst sich mit der Situation arrangieren: Equinox damit, dass er den Parcours nicht komplett selbstbestimmt durchreiten konnte, und Greta damit, dass sie intensiv mit dem Hengst daran arbeiten musste. Trotzdem sahen die Sprünge der beiden schon wirklich gut aus – die kommende Turniersaison konnte also kommen.

      Und zu guter Letzt stand auch noch Prias Colourful Soul zum Beritt auf dem Steenhof. Das übernahm Jette höchstpersönlich, hatte sie doch mit der Stute schon von Anfang an zusammengearbeitet. Für Soul waren es mit die ersten Sprünge unterm Reiter, es galt also, ihr viel Sicherheit zu geben. Jette begann also mit Trab- und Galoppstangen, dann kam das erste kleine Kreuz. Alles wurde Schritt für Schritt aufgebaut – und hier griff auch wieder das vorangegangene Dressurtraining. Denn um später mal erfolgreichen einen Parcours zu absolvieren, musste Soul in einer ordentlichen Versammlung galoppieren können. Mit jeder Einheit klappte das aber besser; Soul spielte mit den Ohren, spitzte sie nach vorne, als das nächste Kreuz anvisiert wurde, und klappte dann eines zur Seite, um auf Jette zu hören.
      Wichtig war auch, dass Soul gleich von Anfang die richtige Springtechnik entwickelte und nicht wie ein steifes Brett über die Stangen segelte. Als sie erste Sicherheit am Sprung hatte und nicht mehr komplett kopflos drauf los jagte, wagte sich Jette an die ersten In-Outs; erst nur mit zwei Sprüngen, dann mit einem Cavaletti zwischen den zwei Hindernissen, bis dann auch schon eine kleine dreifache Kombination auf dem Springplatz stand. Die ersten Male verzettelte sich die junge Stute wie erwartet; dann merkte sie aber, dass sie am besten drüber kam, wenn sie sich etwas runder über dem Sprung machte.
      Zwischendurch baute Jette auch gerne einen wirklichen Parcours auf, um zu testen, wie viel Springvermögen in den Pferden steckte. Dabei zeigte Soul unheimliches Talent – schon nach wenigen Tagen erhöhte Jette die Höhe der Hindernisse auf eine ordentliche A-Höhe.
      Und auch im Dressurtraining, das parallel weiterlief, blühte Soul langsam auf; das Überstreichen baute Jette auch während des Springtrainings gerne mit ein und langsam verstand die junge Stute, wie das alles funktionierte.

      Das bedeutete aber auch, dass die gemeinsame Zeit mit Soul langsam aber sicher zu Ende ging. Ein paar letzte Sprünge, dann wartete das Flugzeug schon auf das Halbblut. „Ich weiß echt nicht wie du das immer machst,“ gestand ich, als Jette und ich dem Transporter, der Soul zum Flughafen brachte, hinterhersahen. „Wochen oder Monate mit einem Pferd zu arbeiten, um es dann am Ende gehen zu sehen.“

      Jette seufzte. „Ganz ehrlich – ich weiß es auch nicht.“

      Geposted am: 31.03.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 27. April
      Mania
      Military E-A

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      Mitten im Fohlentrubel konnte man schon mal ein paar E-Mails überlesen. Oder Gespräche vergessen – so komplett, dass man nicht mal ansatzweise wusste, dass man mit jemanden über genau das Thema geredet hatte.

      Manchmal glaubte ich, dass das pregnancy brain, das meinen Stuten fehlte, einfach auf mich überging.

      Schon Anfang März, kurz vor Kobiks Geburt, hatte Jette mir in einer Mail einen Link zu einem Geländetraining in Elmenhorst geschickt. Angeblich – laut Jette und Hauke – hatten wir darüber auch schon geredet und angeblich hatte ich mich selbst als Reiter angeboten. Davon wusste ich aber nichts mehr, als Jette Anfang April die Logistik besprechen wollte.

      „Wohin willst du denn fahren?“ fragte ich sie, während ich gedankenverloren in meinem Kaffee rührte. Eigentlich war ich kein Fan von Kaffee, aber in der Fohlenzeit war das leider unumgänglich und wechselte sich über den Tag verteilt mit Mate-Eistee ab, um irgendwie auf den Beinen bleiben zu können.

      „Ich will nach Elmenhorst? Das Geländetraining?“ meinte Jette nach einer kurzen Pause. Wir teilten uns jetzt, da Jettes Ausbildungsbetrieb an Fahrt aufnahm, mein Büro um Gutshaus – zumindest für die erste Zeit. Längerfristig sollte Jette natürlich ihr eigenes Reich kriegen; die Frage war nur noch, wo das Ganze hin sollte. Theoretisch war das Gutshaus drei Stockwerke hoch: im Erdgeschoss war meine kleine Wohnung, mein Büro in der ersten Etage – und viel mehr war da auch noch nicht ausgebaut, ebenso der Dachboden. Die Zimmer hier waren für Mitarbeiter gedacht und früher auch als solche genutzt worden, als der Steenhof noch weitaus mehr Mitarbeiter hatte. Man müsste ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um die Räume ordentlich zu renovieren, aber nachdem Jettes Ausbildungsbetrieb brummte, sollte das kein Problem sein.

      „Fritzi?“

      Warte, hatte Jette weiter geredet? Ich war so vollkommen in Gedanken gewesen, dass ich sie nur als Hintergrunddröhnen wahrgenommen hatte.

      „Ich bin wach,“ murmelte ich und nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Kalt. Ekelhaft. „Was war das jetzt mit Elmenhorst?“

      „Geländetraining,“ sagte Jette und betonte dabei jede Silbe, als würde sie mit einer Dreijährigen sprechen. „Nächstes Wochenende. Und das Wochenende darauf. Und ich fahre mit ein paar Pferden hin. Okay?“

      „Äh, bestimmt,“ sagte ich und blinzelte ein paar Mal. „Solange du mich nicht brauchst.“

      „Fritzi, ich hab dich vor drei Wochen schon gefragt und da hast du gesagt, dass du liebend gerne dabei wärst. Zumindest, wenn wir mit den unerfahrenen Pferden fahren.“

      Ich wühlte in meinem Gehirn nach einer solchen Information, bekam aber nur einen 404-Error: Information nicht gefunden. „Das hab ich? Bist du dir sicher?“

      Jette zog eine Augenbraue nach oben. „Ziemlich sicher. Und du bist auch fest eingeplant.“ Sie klickte ein paar Mal auf ihrem Laptop herum und meinte dann, die Augen auf den Bildschirm fixiert: „Ich würde dich gern auf Equinox setzen, auf dem warst du ja selbst schon das ein oder andere mal gesessen.“

      Sie scrollte die Seite oder was auch immer sie sich anschaute hinunter und ich kämpfte dagegen an, mich in dem Scroll-Geräusch zu verlieren und wieder nicht zuzuhören. „Equinox. Alles klar. Wer fährt noch mit?“

      „Cassiopeia, Shotgun, Mania. Saevitia tut die Erfahrung bestimmt auch keinen Abbruch. Oh, und Touch of Peace. Die paar Probehindernisse, die sie gesprungen ist, sahen ja super aus und nachdem Olli das Okay gegeben hat, brauchen wir nicht nochmal ein Jahr warten, bis wir sie ins Training schicken.“ Wieder scrollte sie ein paar Mal. „Und für die erste Tour soll auch Dark Royale mit. Dem tut das auch nicht weh.“

      „Das sind viele Pferde,“ flüsterte ich in meinen Kaffee hinein. Kalt oder nicht, das Koffein würde schon beim Wachwerden helfen. „Haben wir überhaupt genug Reiter?“

      Wieder scrollen. „Du auf Equinox, ich mach Dark Royale und wahrscheinlich auch Shotgun. Levi kommt mit und setzt sich auf Cassiopeia. Und dann hab ich noch Greta, Hazel und Thorben. Die werden sich schon einig, wer welches Pferd nimmt.“ Ein Klick auf der Mouse, dann wandte sich Jette wieder mir zu – auch, wenn ich das nur peripher mitbekam, denn der Kaffeesatz am Boden meiner Tasse war gerade wirklich spannend.

      „Fritzi.“

      „Ja, ich bin wach.“ Entschlossen stellte ich die Kaffeetasse auf meinen Schreibtisch ab. „Thorben, Greta, Hazel. Alles klar. Gut.“

      „Dann können wir nächstes Wochenende fahren?“

      „Wenn keine der Stuten meint, sie muss in der Nacht davor fohlen und wir müssen das Baby mit Ketten auf die Welt bringen – ja, dann schon.“

      Jette verdrehte die Augen – und das bekam ich dieses Mal mit, denn ich schenkte ihr zum ersten Mal meine volle Aufmerksamkeit. „Ich werds mit den Mädels absprechen,“ murmelte Jette, klickte wieder auf ihrem Laptop rum und schlug ihn dann entschieden zu. „Und vielleicht schaffst du es, dass du mit Nox nochmal ein, zweimal raus gehst.“

      Statt einer Antwort hob ich die rechte Hand zum Salut an die Stirn.


      Wenn man Probleme hatte, die Wochentage auseinanderzuhalten, dann kam so ein Wochenende recht schnell auf einen zu. Ehe man sich versah waren wir schon am Verladen – für die Stuten hatten wir uns einen Transporter von einem Nachbarsgestüt geliehen, die beiden Hengste kamen zusammen in einen Hänger. Hauke nutzte die Gunst der Stunde und hatte sich gleich die Schlüssel für den Transporter geschnappt, also würde ich mit dem Auto und dem Hänger fahren müssen. Nachdem sich dann auch die Reiter alle aufgeteilt hatten – wobei die meisten den Transporter bevorzugten, komplett unverständlich – ging es los nach Elmenhorst.

      Alle gleichzeitig konnten wir eh nicht reiten – eine Gruppe kümmerte sich also um die zurückgebliebenen Pferde, während die andere Gruppe auf dem Platz war. Die erste Reitergruppe bestand aus Levi auf Cassiopeia, Jette auf Dark Royale, ihre neue Praktikantin Hazel auf Mania und Thorben auf Saevitia. Somit blieben Hauke, Greta und ich am Transporter und ließen die Pferde grasen.

      Was Jette mir später vom Training erzählte, stellte sich keines der Pferde dumm an – alle hatten ja schon erste Sprungerfahrungen, und nachdem sie einmal ihren Mut gefunden hatten, sprangen auch alle zuverlässig über die Naturhindernisse und nahmen auch das erste Wasser mit Fassung. Alle vier Reiter kamen mit einem breiten Grinsen nach etwas mehr als eineinhalb Stunden zurück. Fliegender Wechsel, dann saß ich auch schon auf Nox‘ Rücken und machte mich gemeinsam mit Jette auf Shotgun und Greta auf Touch of Peace auf in Richtung Geländeplatz.

      Nach dem Aufwärmen ging es dann an die ersten Sprünge. Nox zog ordentlich an, sodass ich zunächst bei den einfacheren Hindernissen blieb und an der Durchlässigkeit arbeitete. Touch of Peace und auch Shotgun machten sich derweil schon mal mit dem Wasser bekannt; erst nur im Schritt und im Trab, um sich an das Gefühl zu gewöhnen.

      Langsam wurde Nox aufmerksamer und hörte mir zu, also traute ich mich an die ersten Spezialhindernisse. Zum Einstieg ignorierte ich das Eulenloch komplett – das war etwas für spätere Trainingsstunden. Die Trakehnergräben waren ihm zu Anfangs noch skeptisch, dafür flog er über die Hecken, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Die andere Umgebung und das andere Aussehen der Hindernisse waren zunächst eine große Ablenkung, doch Nox gewöhnte sich schnell an neue Gegebenheiten und sprang dann zuverlässig.

      Als ich dann das Gefühl hatte, dass Nox Gefallen an den Geländehindernissen fand, nahm ich die ersten technischen Hindernisse dazu. Schmale Hindernisse wie Ecken erforderten ein aufmerksames, gut versammeltes Pferd und einen Reiter, der sein Pferd genau kannte. Auch uns passierte es, dass der Hengst unter mir mehr als einmal am Hindernis vorbei rannte, weil von mir zu wenig Vorbereitung kam. Mit höchster Konzentration ritt ich an die Ecke heran und hielt Equinox mit aller Kraft auf einer Linie – dann sprang er auch zuverlässig ab. Eine kleine Hinführung an schmale Elemente war im täglichen Training schon abgeschlossen, aber im normalen Springparcours fand man kaum Hindernisse, die so schmal waren wie hier auf dem Geländeplatz.

      Nach einer dreivertel Stunde fing der helle Hengst dann langsam an, ins Schwitzen zu kommen, und das erste Geländetraining wollte ich nicht gleich übertreiben. Jetzt lief er jedoch auf Hochtouren, also wagte ich mich noch an eine Bank – die würde ihm noch einmal ein bisschen Kraft abverlangen und danach sollte dann auch Schluss sein.

      Während ich den Hengst abritt, sah ich den anderen beiden noch ein bisschen zu. Während des Trainings hatte ich immer mal wieder beobachtet, was Greta und Jette taten; nachdem die beiden Stuten mit dem Wasser vertraut waren, hatten auch sie sich erst an ein paar leichtere Hindernisse gewagt. Vor allem Touch of Peace war noch recht unsicher und haute vor so einigen Hindernissen eine Vollbremsung hin. Somit blieb Greta bei den Einsteigerhindernissen, nahm hier und da noch einen Trakehnergraben mit und sprang zum Schluss auch nochmal ins und aus dem Wasser, bevor auch sie Schluss für heute machte. Während die anderen Pferde schon gut im Training standen und so eine gute Grundkondition hatte, mussten wir mit Peace noch ein bisschen aufpassen – doch heute konnte sie schon einmal erste Geländeluft schnuppern, in der Hoffnung, dass es ihr auch zukünftig Spaß machte.

      Shotgun war da schon ein bisschen routinierter; sie war zwar auch noch nicht wirklich viel im Gelände gesprungen, aber die Vorbesitzer hatten zumindest schon gute Grundarbeit geleistet. Routiniert galoppierte sie durchs Wasser, störte sich nicht an den Naturhindernissen und auch schmale Hindernisse juckten sie nicht die Bohne. Jette arbeitete mit ihr vermehrt an den Gräben – was ich so sah, ging Shotgun die gerne etwas schnell an. Die Stute war aber sehr lernwillig, sodass auch die beiden mit einer guten letzten Runde abschlossen.

      Nach dem Abreiten ging es dann wieder ans Verladen und zurück nach Hause – und für mich zurück zum Fohlenwarten.

      Die Woche darauf fuhr Jette noch einmal mit fünf Hengsten auf den Platz; dieses Mal aber ohne mich. Unterstützung bekam sie wieder von Levi, Hazel, Thorben und dieses Mal von Marieke. Glücklicherweise konnten wir den Transporter vom Nachbarn wieder leihen, sodass wir nicht zu dritt zum Geländeplatz fahren mussten.

      Im Gepäck hatten sie dieses Mal Pferde, die das Geländespringen schon einigermaßen kannten. Callisto, Hallelujah und Seattle Slew waren schon teilweise erfolgreich in der Vielseitigkeit gewesen, doch ohne Fleiß kein Preis. Zusätzlich kamen dann noch Ballroom Blitz und Quarterback dazu. Letzterer war ja fast schon ein alter Hase auf der Strecke, sodass Jette sich ein tolles Training mit ihm erhoffte. Auch Barney war schon die ein oder andere Prüfung gegangen, auch erfolgreich; die Routine fehlte ihm aber, sodass Jette ihn kurzerhand auch noch mitnahm.

      Was sie mir am nächsten Tag vom Training erzählte, war das allerdings nicht ganz so reibungslos abgelaufen, wie sie sich das erhofft hatte.

      „Hallelujah fand alles super aufregend,“ erzählte sie mir, als wir mittags zusammen in meinem Wohnzimmer Pause machten. „Und was Hallelujah aufregend fand, das fand Callisto plötzlich auch ganz aufregend. Und du kennst Barney, der kann sowas natürlich nicht ignorieren. Schlussendlich hatten wir dann drei Hengste, die sich auf dem Platz zum Deppen gemacht haben. Zum Glück waren wir fast alleine und haben deinen guten Ruf nicht durch den Dreck gezogen.“

      Ganz ehrlich, ich konnte es mir gut vorstellen – Hallelujah hatte sich als kleine Dramaqueen herausgestellt, der, wenn er wollte, sogar vor einem zu grellen Shirt scheute. Und auch Callisto konnte ziemlich explosiv werden.

      „Das weiß Marieke ja,“ erwiderte Jette, als ich diesen Gedanken mit ihr teilte. „Wenn ich da Hazel draufgesetzt hätte – die wär mir voll im Matsch gelandet.“

      Jettes neue Praktikantin aus Kanada hatte sich zwar in den paar Wochen, in denen sie hier war, schon als Granate im Sattel entpuppt – doch gegen einen plötzlich bockenden Callisto wäre sie im ersten Moment vielleicht auch hilflos gewesen.

      „Hallelujah mussten wir dann erst mal irgendwie ablenken. Ich hab Thorben nochmal kurz rausgeschickt, damit er noch ein paar Übergänge mit ihm reitet und dann plötzlich lief auch Callisto wieder, als wäre nie etwas gewesen.“ Sie seufzte. „Der Hengst macht mich noch wahnsinnig. Ich freu mich schon, wenn der einfach Deckhengst sein darf.“

      Ich schüttelte den Kopf. „Callisto und einfach Deckhengst funktioniert nicht. Wenn der nicht weiter ausgelastet wird, wird das so ein Hengst, den dann keiner mehr halten kann.“

      „Mhm, touché. Hast du dir da schon Gedanken gemacht?“

      Ich wiegte dieses Mal meinen Kopf hin und her. „Ich würde ihn jemandem zur Verfügung stellen. Aber dafür muss man erstmal den passenden Menschen finden.“

      „Marieke?“

      Jetzt verzog ich das Gesicht. „Marieke will sich, wenn möglich, nur auf ein Pferd fokussieren. Sollte sie Callisto übernehmen, brauchen wir Ersatz für Marieke.“

      Ein paar Augenblicke waren wir ruhig. Marieke war eine der ersten Reiter gewesen, die wir auf dem Steenhof gehabt hatten, und sie hatte uns viele Erfolge eingeheimst. Würde sie Callisto übernehmen, wäre sie uns natürlich noch erhalten – aber nicht mehr in dem Maß, in dem wir sie brauchen.

      „Mhm,“ machte Jette schließlich. „Ich hab dir doch erzählt, dass ich eine neue Bereiterin bekomme. Die haben wir also eh zusätzlich.“

      „Aber ob sie eine Marieke ersetzt…“ gab ich zu Bedenken. Jette antwortete nur mit einem Schulterzucken.

      „Das wird die Zeit zeigen.“

      „Wann kommt sie denn?“

      „Der Vierte ist ihr erster Tag. Ich bin mir aber sicher, dass sie sich davor noch vorstellen will. Sie ist wirklich nicht schlecht, sowohl im Sattel als auch im Umgang mit den Pferden. Du wirst sie mögen.“

      „Mhm. Mal sehen.“

      Peanut, die auf meinem Schoß lag, rappelte sich auf einmal hoch; keine Sekunde später wurde die Haustür geöffnet und Hauke streckte seinen Kopf ins Wohnzimmer.

      „Ach, die Damen haben sich also ein Kaffeekränzchen verdient?“ Er kam einen Schritt herein, stemmte die Hände in die Hüften. „Kein Wunder, dass hier nichts passiert, wenn ich der einzige bin, der seinen Job ernst nimmt.“

      Jette verdrehte die Augen, ich streckte ihm die Zunge heraus. Aber er hatte Recht; wir sollten langsam zurück an die Arbeit gehen – denn auch sonntags gab es immer was zu tun.

      Geposted am: 27.04.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 30. Mai
      Mania
      Springen E-A

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      Die Grundlage eines guten Springpferds war die Dressurarbeit – das betonte Jette immer wieder. Deswegen war das Training, auch mit Schwerpunkt Springen, immer wieder mit Dressureinheiten abgewechselt. Und es machte sich bezahlt: ein gut gerittenes und versammeltes Pferd war im Parcours einfach viel stärker als eines, das mit durchgedrücktem Rücken über die Stangen sprang. Im Mai lag der Fokus bei A Touch of Peace, Shotgun, Hallelujah, Equinox, Ballroom Blitz und auch unserem frisch zum Deckhengst ernannten Callisto auf der Dressur, auch wenn das dem ein oder anderen Pferd nicht ganz so passte. Nur Shotgun, die sich als wahres Schleifenpferd herausgestellt hatte, schien auch viel Gefallen an der Dressurarbeit gefunden zu haben. Mit der großrahmigen Stute sahen die Lektionen der L-Dressur auch super elegant aus. Nox und Hallelujah verweigerten da öfter mal den Dienst, wenn ihnen die Lektionen zu blöd wurden; hier musste Jette eine präzise Balance finden, um vor allem den Palomino bei Laune zu halten. Aber eine L-Dressur sollte eigentlich ein jedes Turnierpferd noch ausführen können, immerhin waren die hohen Lektionen erst ab Klasse M* vorzufinden. Einfache Galoppwechsel, eine Außengalopptour und die ersten Versammlungen in Trab und Galopp – nichts, was ein ordentlich ausgebildetes Pferd nicht kann.
      Bei Barney und Callisto konnte man mit den M**-Lektionen dann doch auch mal das ein oder andere Auge zudrücken. Hier kamen Traversalverschiebungen und eine erste Schrittpirouette hinzu. Mit Smooth Gravity arbeitete vor allem Jette auch schon an Piaffe und Passage – und man musste sagen, die schlanke Schimmelstute stellte sich da gar nicht so blöd an. Mittlerweile schien sie auch Gefallen am Springen gefunden zu haben, und da machte sie auch keine schlechte Figur. Insgeheim träumte ich also schon von einem blütigem Fohlen an ihrer Seite, das sich im Sport einmal einen großen Namen machen würde.

      Auch ich kam im Mai nicht drum herum, im Ausbildungsbetrieb zu helfen – allerdings mit leichten Aufgaben. A Touch of Peace stieg jetzt langsam, aber sicher ins Training ein; um ihr einen geregelten Alltag zu geben, arbeitete ich abwechselnd mit Stangen und im normalen Viereck. Tempiwechsel, Übergänge und ein ordentliches Überstreichen standen hier auf der Tagesliste – dann konnten wir schon bald auch an L-Lektionen denken. Alles mit der Zeit natürlich.

      Außerdem durfte ich auch wieder beim Springtraining helfen – auch hier war genug zu tun. Cassiopeia und Mania, Jettes Ausbildungsstuten, fehlte noch ein bisschen die Routine am Sprung – sie waren keine kompletten Debütanten, aber es hatte schon seinen Grund, warum ihre Besitzer sie in den Beritt gegeben hatte. Vor allem Cassiopeia hatte den Hang zum Drängeln. Das war aber nichts, an was man mit ein paar Trabstangen nicht arbeiten konnte.

      Mit Seattle Slew arbeitete Marieke weiterhin; der Hengst hatte sich toll eingelebt und blühte richtig auf. Nachdem die Dressurgrundlage in den letzten Monaten gelegt wurde, durfte auch der Vollbluthengst in den Parcours. Unter Marieke holte er sich schon ziemlich schnell ein paar Schleifen. Allerdings wurde er schnell recht ungestüm, wenn er Hindernisse sah und flog dann nur so über die bunten Stangen. Toll für ein Zeitspringen, nicht so toll für den Reiter, der noch irgendwie Kontrolle behalten wollte. Mit ein bisschen Training konnte man das aber auch schnell in den Griff kriegen.

      Und dann fand Jette auch noch Zeit, gemeinsam mit Quarterback und Dark Royale Turniere zu bestreiten. Royale schnupperte nur mal die erste Turnierluft – aber mit Quarterback war sie ziemlich erfolgreich. Die beiden hatten das Geländespringen ein bisschen für sich gefunden; der Trakehner war dafür geschaffen und Jette hatte mit ihrem Geländewochenende letzten Monat anscheinend Blut geleckt. Fast jedes Wochenende brachte sie auch eine neue Schleife mit nach Hause.

      Geposted am: 16.05.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 30. Juni
      Ballroom Blitz, Equinox II, Hallelujah, Seattle Slew, Shotgun, Mania, Cassiopeia Z
      Springen A-L

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      Neben den Criollostuten und dem Geländetraining blieb es auf dem Steenhof natürlich nicht ruhig. Equinox II, Hallelujah, Seattle und Shotgun hatten vor allem Dressur auf ihrem Trainingsplan stehen – und für alle waren jetzt die ersten „richtigen“ Dressurlektionen dran. Verstärkungen in allen Gangarten, Traversalen, fliegende Galoppwechsel; vor allem beim letzten machte sich die gute Springausbildung der Pferde bezahlt – jetzt musste nur daran gearbeitet werden, dass diese fliegenden Wechsel nach zwei bis drei Galoppsprüngen passierten. Um die Pferde alle bei Laune zu halten und die Lektionen auch ordentlich zu vertiefen, hatten sie immer wieder freie Tage oder gingen auch nur ins Gelände.

      Dann hatten wir noch den anderen Schlag, die Springer. Theoretisch zählte da auch Ballroom Blitz dazu; gemeinsam mit Levi war der Hengst diesen Monat sein erstes S-Springen gegangen. Und sie hatten sich gleich platzieren können – Platz 8 für das erste S-Springen war durchaus annehmbar. Cassiopeia Z und Mania kamen langsam in die Routine als Springpferde hinein – mittlerweile war auch L-Höhe absolut kein Problem und die Springmanier der beiden Stuten war wirklich toll anzusehen. Sie waren eindeutig auf einem guten Weg – und zum Glück würden uns beide Stuten noch eine Weile bleiben. Ich konnte sie mir gut im Sport sowie in einer Zucht vorstellen. Und wer weiß – vielleicht fanden sie ja einen langfristigen Platz auf dem Steenhof.

      Geposted am: 30.06.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 15. Juli
      Quintessenz, Blitzkrieg Bop, Quantensprung, Dark Necessities, Antares, Painted Gold, Amalthea, Kobik, Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, PFS' Gamble Away, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch Of Peace, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cover the Stars, Cobain, Buchanan, Cobie, Rosewood, Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Als Besitzer eines Reitstalls verbrachte man leider viel zu wenig Zeit bei den Pferden – vor allem im ersten Halbjahr. War die Decksaison erst einmal abgeschlossen, konnte ich es schon eher mal vertreten, mir einen halben Zeit Büroauszeit zu nehmen. Und selbst dann warteten unzählige Arbeiten auf mich, die ich aber wesentlich lieber machte, als von früh bis spät am Laptop zu sitzen.

      Neben Vorbereitungen auf Fohlenschauen, Turnieren und dem ganz normalen Trainingsalltag gab es auch ein paar Neuzuwächse. Während ich mit Manias Besitzerin immer noch am Überlegen war, wie wir die Stute am besten dauerhaft auf dem Steenhof behalten konnten, war Cassiopeia Z schon so gut wie in meinem Besitz – es fehlten lediglich noch die Formalien. Dazu kamen dann noch Jettes neue Trainingspferde, zwei braune Vollblüter aus England. Cobain und Gambit – eigentlich Gamble Away aber wer hatte schon Zeit für den kompletten Namen? Ich ganz sicherlich nicht – sollten in Deutschland als Reitpferde verkauft werden und von Jette jetzt zu genau dem gemacht werden; beides waren Ex-Galopper, die aber eine fundierte Grundausbildung genossen hatten. Beide gefielen mir aber so gut, dass ich überlegte, ob wir sie nicht selbst behalten sollten.

      Zu diesen beiden Herren gesellte sich auch noch ein dritter: ein Sohn von Bucky aus einem wundervollen Dominant-White-Hengst. Ein Palomino names Buchanan, der wundervoll in der Sonne glänzte und hoffentlich ganz viele Schleifen in der gleichen Farbe wie sein Fell mit heimbringen würde. Sechsjährig kannte er schon die Grundlagen – jetzt würden wir ihm beibringen, wie er auch toll übers Hindernis kam. Die Veranlagung dafür war auf jeden Fall da.

      Und damit ich irgendwann nicht nur noch Hengste hatte, würden auch drei neue Stuten einziehen dürfen: zwei Trakehner und ein Holsteiner. Neben einer noch recht unerfahrenen Schimmelstute names Rosewood kam auch die Tochter eines bekannten Trakehnervererbers dazu; Rosewood und Cover the Stars würden später hoffentlich mal die kleine Trakehnerzucht bereichern. Rosewood musste sich da noch mehr unter Beweis stellen; bis jetzt war die Stute nur auf wenigen Turnieren vorgestellt worden, was Jette und ich aber ändern wollten. Und Cover the Venus, die Zweite im Bunde, war noch frisch unterm Sattel. Die dritte Stute, ebenfalls ein Schimmel, hatte schon Einiges mehr an Erfahrung. Cobie hatte ich schon selbst im Parcours erleben können - dementsprechend fackelte ich gar nicht lange, als ich ihre Verkaufsanzeige fand.

      Und apropos Zucht: drei unserer Hengste waren auch langsam für ihre Leistungsprüfung bereit. Seattle Slew unter Marieke hatte sich toll auf dem Hof gemacht und das auch auf den Turnieren gezeigt. Ebenso wie Equinox – während Seattle vor allem in Vielseitigkeiten glänzte, war Equinox Springer durch und durch. Ich freute mich also schon auf die ersten Fohlen aus dem schicken Smoky Cream – die würden dann mit Farbe und Können auftrumpfen. Auch Jette und Shotgun hatten die Saison die ein oder andere Springschleife mitgebracht. Auch bei der Stute träumte ich schon von den kleinen Flugzeugen, die mal von ihr abstammen sollten – Jette war mit ihr auch in der schweren Klasse erfolgreich gewesen, und Shotgun sprang über die 1,60m hohen Stangen, als wäre es das leichteste auf der Welt.

      Insgeheim freute ich mich auf den restlichen Sommer und den Rest des Jahres – jetzt würde es wieder ein bisschen entspannter werden. Ich konnte mich mit Hingabe um die neuen Pferde kümmern, Jette wieder mehr beim Training unterstützen und auch die Jungpferde in der Aufzucht mehr besuchen – das kam in den letzten Wochen leider ein bisschen zu kurz.

      Geposted am: 06.07.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 30. September
      Equinox II, Hallelujah, Seattle Slew, Shotgun, Mania, Cassiopeia Z, Rosewood, Cobie, Buchanan,
      Dressur E-A, Dressur A-L, Dressur M*-M**, Springen L-M*, Springen M*-M**

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      Der September brachte die ersten wirklich kalten Nächte, und so manches Pferd bekam auch schon das erste Winterfell. Jette ließ sich vom Raureif auf den Weiden aber nicht davon abhalten, ihren Trainingsplan weiterzuführen. „Zum Glück haben wir eine Reithalle,“ bibberte Cat mir eines Morgens die Ohren voll. Sie kam gerade vom ersten Training des Morgens zurück, an ihrer Hand führte sie Equinox II. „Dann muss ich mir beim Reiten nicht anschauen, wie alles stirbt.“
      Ich teilte Cats Ansichten nicht so ganz; für mich waren die ersten Blätter, die sich färbten, wunderschön. Und auch der Nebel, der noch über den Koppeln lag, erwärmte mir das Herz. „So viel Nihilismus schon vor acht Uhr, Cat?“ scherzte ich. Gemeinsam liefen wir Richtung Hengststall; ich mit einer Schubkarre voller Mist, Cat mit dem hellen Hengst an ihrer Seite. Sie erzählte mir, dass Nox sich toll in der Dressur machte, auch wenn man merkte, dass er nicht ganz so dafür brannte. Trotzdem war er schön durchlässig gewesen, sodass sie sich heute an die ersten M**-Lektionen gewagt hatte. Und die hatten überraschend gut geklappt; Travers und Renvers waren für Nox keine Neuheiten, und war er zuvor gut gelöst worden, machte er diese auch eigentlich fleißig mit.
      Anders, so erzählte mir Cat, war es da bei Shotgun. Jette hatte ihr erlaubt, ihre eigene künftige Zuchtstute teils auszubilden, aber Shotgun war dann doch eben eine Stute. Während Cat Nox nur freundlich zur Mitarbeit bitten musste, musste sie das bei der Holsteinerstute immer und immer wieder machen; zwischendurch folgte dann auch eine größere Diskussion, sodass Cat hoffte, dass Jette ihre eigene Stute bald selbst übernehmen würde. Trotzdem führte sie auch Shotgun an diesem Morgen in Richtung Reithalle; die braune Stute spielte schon nervös mit den Ohren, ich rechnete also damit, dass Cat mir in etwa einer Stunde von einer weiteren Diskussion zwischen den beiden berichten würde.
      Ich hatte eigentlich auch besseres zu tun, wurde aber mal wieder von Jette eingespannt. Mania und Cassiopeia Z hatten diese Trainingsperiode eine kleine Springauszeit – was ihnen gar nicht gefiel, und was ich natürlich ausbaden musste – und sollten sich vermehrt auf L-Lektionen konzentrieren. Dazu gehörten eine erste Außengalopptour, die beide Stuten mehr als verabscheuten. Balance hatten sie eigentlich genug, aber die blöde Versammlung, die dafür gebraucht wurde, fanden beide absolut doof. Nur leider hatten sie das Vergnügen, mit mir darüber zu diskutieren; das endete meist darin, dass sie den Außengalopp machten, mich dafür komplett ignorierten, sobald ich abgestiegen war. Abwechslung bat dann die Kurzkehrt und die ersten einfachen Galoppwechsel. Tempowechsel machten ihnen viel Spaß, und das Angaloppieren fiel dementsprechend häufig ein bisschen heftig aus – vor allem bei Cass – aber solange Jette nicht zusah, war das für mich in Ordnung. Mit ein bisschen Übung wurde das schon besser, da war ich mir sicher.
      Für drei der vier Neuzugänge gab es noch Schonprogramm; so konnte man sich erst einmal kennenlernen und dabei schon die ersten Erfolgserlebnisse einheimsen. Rosewood und Cobie, die zwei Schimmelstuten, waren da schon etwas erfahrener als der Palominohengst Buchanan; er war gerade einmal angeritten und musste daher auch erst einmal die alltägliche Arbeit kennenlernen. Glücklicherweise war er ein ziemlicher Schnellchecker, der mit neuen Aufgaben absolut kein Problem hatte. Als wir ein gewisses Grundlevel an Durchlässigkeit erreicht hatten, waren Schritt-Galopp-Übergänge kein Problem, genauso wenig wie das erste Zügel aus der Hand kauen lassen. Diese Lektionen einer A-Dressur hatte der Hengst zwar schnell raus, seine zwei weiblichen Kollegen waren da aber natürlich schon ein paar Schritte weiter; sowohl mit Rosewood als auch Cobie trainierte ich schon am Verkleinern und Vergrößern des Vierecks – was nicht immer so toll klappte, aber auch hier würde Übung wohl oder übel den Meister machen.
      Neben diesem ganzen Dressurtraining fand natürlich auch Springtraining statt; dieses Mal vor allem für Hallelujah und Seattle Slew. Beide Hengste hatten Spaß und Begabung; das führte gerne mal dazu, dass sie im Parcours etwas ungestüm wurden, vor allem Hallelujah. Bei ihm half es, ihm immer wieder neue Aufgaben zu stellen, damit er sich nicht in einer Routine festbiss. Auch Seattle Slew schien ab einem gewissen Punkt einen Tunnelblick zu haben. Doch Mareike, die mit ihm schon seit seinen Beginnen auf dem Steenhof zusammenarbeitete, hatte dafür bereits ein Händchen und schaffte es, das Vollblut wieder ins Hier und Jetzt zurückzubringen. Das war vor allem im Gelände wirklich Gold wert, dass die beiden ein so gutes Team waren.

      Geposted am: 30.10.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 31. Oktober
      Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Equinox II
      Military A-L

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      Zum vorläufigen Ende der Geländesaison fuhr der Steenhof noch einmal geschlossen auf den Geländeplatz. Zum einen mit wahren Profis – Seattle, zum Beispiel, aber auch Hallelujah, der sich als wahrer Geländecrack herausgestellt hatte – aber zum anderen auch mit noch kompletten Novizen; so kannte Buchanan bis jetzt noch nicht viel an Geländehindernissen, aber auch Cobie und Rosewood waren wohl noch nicht oft auf einem Geländeplatz.

      Mit insgesamt neun Pferden teilten wir uns auf zwei Termine auf – fünf Pferde an einem Wochenende, vier am anderen. Das erste Wochenende fuhren wir mit Buchanan, Cobie, Rosewood, Hallelujah und Seattle Slew – also auch bunt durchgewürfelt. Während Marieke und Levi mit Seattle und Hallelujah ihr eigenes Ding machten und sich nur ab und zu zur Besprechung mit Jette, die heute am Boden blieb, trafen, hatten Cat, Conni und ich die Aufgabe, den Greenhorns den Geländeplatz ein bisschen näherzubringen.

      Ich selbst saß auf Cobie, während Cat den doch noch etwas unsicheren Buchanan übernahm; Conni ritt hinter uns auf Rosewood hinterher. Zunächst ging es ein paar Runden im Schritt über das Gelände; die zwei Stuten sahen sich zwar alles neugierig an, blieben dabei aber tiefenentspannt, während Buchanan aus dem aufgeregten Schnorcheln kaum noch herauskam. Dementsprechend lösten die zwei Schimmel die ersten Aufgaben – einfaches Galoppieren auf einen kleinen Hügel hinauf und wieder runter – ohne groß mit der Wimper zu zucken; Buchanan fokussierte sich auf andere Dinge, sodass es zwei, drei Anläufe brauchte, bis er das ohne Zwischenfälle mitmachte.

      So steigerten wir uns immer mehr: erste einfache Naturhindernisse, erste Hindernisse mit Borsten, die auch die sonst so abgeklärt wirkende Cobie zeitweise ein bisschen in Stutzen brachten, das erste Wasser. Dabei standen die Stuten dann auch schon längst mit allen vieren im Wasser, bis Cat Boo (was für ein passender Spitzname!) hineinbrachte. Ein paar Minuten blieben wir noch stehen; um den Lerneffekt zu erhöhen, probierte Cat das Reinlaufen noch ein paar Mal, bis auch Boo das einigermaßen flüssig machte. Dann drehte sie noch ein paar Runden im Trab – Aquatraining sollte man mitnehmen wo’s ging, und das Plantschen war auch eine neue Erfahrung. Nachdem Boo dann auch einigermaßen tapfer ins Wasser rein- und rausgaloppierte, erklärte Cat das Training für den jungen Hengst als beendet; er hatte heute genug gelernt und sollte nicht gleich überfordert werden. Rosewood und Cobie hingegen sollten noch ein bisschen arbeiten; auch sie sollten ruhig ins Wasser reingaloppieren und rausgaloppieren, anschließend folgte der erste Aussprung – erst im Trab, dann später im Galopp – und auch das erste Kantenklettern stand noch auf dem Plan. Je nachdem, wie lange der Geländeplatz noch befahrbar war, sollten die drei Youngster auf jeden Fall noch einmal hinfahren, damit sie das Gelernte noch ein bisschen festigen konnten, bevor es in die Winterpause ging.

      Hallelujah und Seattle Slew waren auf dem Geländeplatz voll in ihrem Element und hatten, wenn man ihre wachen Augen beobachtete, die zuckenden Ohren und natürlich das breite Grinsen im Gesicht ihrer Reiter, ein gutes Training hinter sich, als wir uns kurz darauf alle wieder an den Hängern trafen.

      Die Woche drauf nahm Jette fast eine reine Mädelsrunde mit; ihre eigene Stute Shotgun, die zwei Ausbildungsstuten Cassiopeia und Mania und dazu noch den Trakehnerhengst Equinox. Ich wäre zwar gerne mitgefahren, hatte allerdings auf dem Hof noch genug zu tun, sodass ich Conni den Vortritt ließ. Die Pferde der zweiten Runde hatten allesamt etwa gleich viel Erfahrung und machten, bis auf ein paar Aussetzer auf Seiten der Stuten, auf Jette auch einen guten Eindruck. Auch die sollten, wenn das Wetter mitspielte, noch einmal auf den Platz fahren und auch den Winter über an einigen Indoor Cross Country Turnieren teilnehmen.

      Geposted am: 31.10.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 10. November
      Молотов, Quintessenz, Blitzkrieg Bop, Quantensprung, Dark Necessities, Antares, Painted Gold, Amalthea, Kobik, Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, PFS' Gamble Away, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch of Peace, Cover the Venus, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cobain, Buchanan, Cobie, Rosewood, Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Irgendwann war auch leider die schönste Weidezeit vorbei. Die Hengste tummelten sich in Kleingruppen auf den Paddocks und veranstalteten Wettbewerbe, wer sich am schnellsten und effektivsten dreckig machen konnte; die Stuten hingegen wurde noch ein kleines Stück Gras gegönnt. Das Winterfell war fleißig am Wachsen, die ersten Pferde wurden geschert, die Ställe hingen wieder voll Abschwitz- und, nach dem Mistwetter der letzten Tage, auch Regendecken.

      In diesem grauen und regnerischen Novemberwetter fiel das Absetzen der Fohlen. Ein halbes Jahr oder mehr hatten sie mit ihren Müttern in der großen Gemeinschaft verbracht, jetzt ging es in das erste eigene Abenteuer. Und dieses Jahr würde ich sogar teilweise die Aufzucht übernehmen; mit fünf Stutfohlen hatte ich eine schöne kleine Gruppe beisammen. Die drei Hengstfohlen Quantensprung, Antares und Blitzkrieg Bop, hatte ich in der gleichen Aufzucht untergebracht, in der auch schon Charon vor zwei Jahren einen Platz gefunden hatte.

      Die größeren Fohlen, also Kobik, Painted Gold und auch Amalthea, hatten sich schon länger ein bisschen von den Müttern abgekapselt; sie waren sieben, fast acht Monate alt und gingen größtenteils ihren eigenen Weg. Mit ihnen hatte ich das allein bleiben auch schon intensiver geübt, sodass sie kaum noch mit der Wimper zuckten, als ich Bucky, Andromeda oder Golden Lights aus dem Stall führte. Als ich also Anfang November die drei Fohlen aufhalfterte und zum Übergang in eine umgebaute Box im Ausbildungsstall führte, war da wenig Abschiedsschmerz; die Fohlen folgten mir gespannt über den Hof, die Mütter riefen einmal kurz nach ihnen, aber dann war das Ganze auch schon vorbei.

      Bei anderen Fohlen lief das schon ein bisschen anders ab. Benihana, die ja eigentlich schon eine mehr oder weniger erfahrene Zuchtstute war und nicht zum ersten Mal durch das ganze Absetzen ging, stellte sich als wahre Glucke heraus. Das bedeutete, dass auch Antares das alles nicht so mitmachte, wie ich es mir erhoff hatte – im Endeffekt gab es dann nur viel Aufregung im Offenstall, weil sich natürlich alle anderen Stuten davon anstecken ließen und wie kopflose Hühner über den Paddock rannten. Da war also besondere Vorsicht geboten; Antares war eigentlich ein sehr neugieriges und aufgeschlossenes Fohlen, was wir uns zu Nutze machen konnten. Während Benihana am Putzplatz blieb und dort von Jette oder Cat betüddelt wurde, lenkten Hauke und ich Antares so gut wie möglich ab, damit er gar nicht größer mitbekam, wenn seine Mutter wieder in den Stall verschwand. Mit viel Übung wurde dann die Zeit, die er alleine verbrachte, immer länger, und auch an diesem Novembermorgen gab es nur ein kurzes Abschiedskonzert, ehe die Neugierde überwog und er mir mehr oder weniger freudig in die Box im Ausbildungsstall folgte. Quantensprung und auch Bobby folgten kurz darauf; die Hengstgruppe war also schon einmal fertig zusammengestellt. Alle drei würden heute Nachmittag dann zum Aufzuchtstall gefahren werden – erst, wenn das passiert war, würde ich entspannen können.

      Zu den Stutfohlen gesellten sich dann auch noch Quintessenz und Dark Necessities mit mehr oder weniger Problemen; kurz darauf ging es dann – noch am Halfter, damit kein Fohlen noch schnell auf Weltreise ging – Richtung Weide. Die Stutfohlen würden eine der Weiden beziehen, die an der Auffahrt zum Steenhof lag; dort war genug Platz für die fünf zum Rennen und Toben, bei komplettem Mistwetter konnten sie sich unterstellen und Heu würde auch zu gefüttert werden. Ein kleines Paradies für Jungspunde. Ein paar herzzerreißende Wieherer gingen noch in Richtung Hof; nach einer halben Stunde hatten sich dann aber alle Stutfohlen mit der neuen Situation angefreundet; immerhin kannten sie sich ja untereinander schon und hörten dort auf, wo sie vor einer Stunde im Laufstall aufgehört hatten.

      Ich beschloss, dass ich mir eine kleine Mittagspause verdient hatte. Und nach dem Lärmpegel, der mir bei Betreten meines Hauses entgegenschlug, zu urteilen, hatten sich auch die anderen eine kleine Auszeit gegönnt. In der Küche saßen Cat, Jette, Hauke und Levi, in der Mitte vom Tisch lagen Pizzaschachteln; vier davon bereits aufgeklappt und halb leer, einer noch komplett unangetastet – zielstrebig schnappte ich ihn mir, ließ mich auf einen leeren Stuhl fallen und inhalierte das erste Stück.

      Die anderen diskutierten über das letzte Geländetraining des Jahres, das vor zwei Wochen stattgefunden hatte, und welche Pferde vielleicht von Indoor-Training profitieren könnte – denn natürlich blieb in der Mittagspause das Trainings-Thema nicht aus. Ich klinkte mich da ein bisschen aus und konzentrierte mich lieber auf die Pizza; immerhin musste ich schauen, wie ich ohne großen Schaden drei übermütige Hengstfohlen transportieren sollte. Hänger fahren hatten wir natürlich bereits den ganzen Sommer über geübt, allerdings hatte das nur einwandfrei geklappt, wenn die Muttis dabei waren.

      Während ich noch abwägte, ob ich lieber drei Fahrten machen sollte oder im großen Hänger alle drei Fohlen packen konnte, ohne dass sie sich auf der Fahrt zerfleischten, merkte ich gar nicht, wie die Konversation am Tisch verstummte. Erst, als mir Hauke aufs Schienbein kickte, merkte ich, wie mich vier Gesichter hoffnungsvoll anstarrten.

      „Äh. Was?“

      Cat räusperte sich und blickte mich unsicher an. „Ich hab gerade von meinem Bruder erzählt. Und dass er sich ein Fohlen gekauft hat.“

      „Oh,“ machte ich. Cats Bruder … da klingelte etwas. „Der, der dich hergebracht hat? Mit dem großen Hund? Meintest du nicht, dass er absolut nichts mit Pferden am Hut hat?“

      „Bis vor ein paar Jahren zumindest,“ gab sie zu.

      „Hat ihn nicht davon abgehalten, sich mal eben ein Pferd zu holen,“ kommentierte Levi mit hochgezogenen Augenbrauen, was von Cat mit einem Blick quittiert wurde, der soviel wie „Ich stimme dir zwar zu aber sag bloß nichts Böses mehr über meinen Bruder sonst knallt’s“ sagte. Das schien bei Levi auch soweit anzukommen; er hob beschwichtigend beide Hände in die Höhe.

      „Auf jeden Fall hat Lesja jetzt dieses Hengstfohlen in Mecklenburg stehen, aber er sucht noch einen Aufzuchtsplatz.“ Cat machte eine kleine Pause, sah mich mit großen, runden Augen an. „Und da dachte ich sofort an dich, Fritzi.“


      Ich blinzelte ein paar Mal. „Mich? Ich fahr meine Hengstfohlen doch selber später weg zur Aufzucht.“

      „Und da wäre kein Platz mehr frei?“ bohrte Cat nach.

      „Äh, ich kann höchstens mal anrufen…?“

      Jetzt hatte Hauke die Stirn gerunzelt. „Hast du nicht noch ‘ne Weide frei? Im Wald hinter den Hengsten?“

      „…Theoretisch. Auf was wollt ihr hinaus?“ fragte ich schließlich; langsam beschlich mich das Gefühl, dass da noch mehr dahintersteckte. Hauke schlug sich daraufhin die flache Hand auf die Stirn, Cat und Jette lachten nervös.

      „Was?“ meinte ich, etwas indigniert. „Was habt ihr da schon wieder ausgemacht?“

      Hauke lehnte sich nach vorne und sah mich an, als wäre ich ein kleines Kind, dem er gerade erklären musste, warum man keinen Dreck essen sollte. „Du hast Platz. Du hast vier Hengstfohlen.“

      Jetzt runzelte ich die Stirn. „Ihr wollt, dass ich mich selber um die Aufzucht kümmere?“

      Jette zuckte mit den Schultern. „Warum nicht? Dann sind sie trotzdem unter deinem wachsamen Auge, du bist sofort da, falls was ist, die Babys haben genug Spielkameraden,“ Jette breitete die Arme in einer Voilà-Geste aus. „Es wäre dumm, wenn du es nicht machen würdest.“

      Das musste ich jetzt erst einmal gründlichst überlegen. Klar, Platz war da, und ich hatte selbst die Hand über die weitere Erziehung meiner Hengste; allerdings war mir bei Hengsten vor allem die Sozialisation in einer großen Gruppe wichtig, damit aus den Fohlen später einmal normal funktionierende Pferde würden. Vier waren zumindest schon einmal mehr als drei (wow, Mathegenie coming through!), aber im Aufzuchtstall waren etwa acht bis zehn Fohlen in einer Herde.

      Nach dem Mittagessen gingen alle wieder an ihre Arbeit zurück; für mich bedeutete das erst einmal ein bisschen rumtelefonieren. Zum einen mit dem Besitzer des Stalls, in den ich meine drei Fohlen fahren wollte; der konnte das Fohlen von Cats Bruder definitv nicht noch mit aufnehmen. Und weil ich eine so soziale Person war, setzte ich mich an den Laptop und postete eine Anzeige in diversen Facebookgruppen und Foren, dass ich ein paar Plätze zur Fohlenaufzucht frei hatte.

      Toll. Jetzt durfte ich mich auch noch mit anderen Pferdebesitzern rumschlagen. Danke dafür, Team.

      Als ich Cat davon erzählte, fiel sie mir quietschend um den Hals und rannte dann zurück ins Haus, um sofort ihren Bruder anzurufen. Ich hingegen machte mich auf die Suche nach Hauke; immerhin hatten wir eine Weide auf Vordermann zu bringen.

      Quantensprung, Antares und Bobby kamen für die nächsten Tage doch noch einmal zurück zu den Stuten, bis alles fertig war. Auf die Anzeige meldeten sich tatsächlich eine ganze Handvoll Leute, sodass gegen Ende der Woche sowohl die Stut- als auch die Hengstfohlen auf eine Gruppe von jeweils rund zehn Fohlen angewachsen war. Für die ich jetzt alle die Verantwortung trug. Na klasse.

      Der Tag der Tage kam am Wochenende; Hauke und Cat fuhren früh samt Hänger los, um das Fohlen ihres Bruders in Mecklenburg abzuholen. Jette wäre gerne mit Quarterback ausreiten gegangen, wurde von mir aber dafür verdonnert, mir bei der Ankunft der restlichen Fohlen zu helfen. Ein zweites Mal wurden die drei restlichen Hengstfohlen aus dem Laufstall geholt; dieses Mal ging es sofort auf die Weide. Ich hoffte ja nur, dass sie auch noch so kleine Engel waren, wenn auch die restlichen Fohlen dazu stoßen würden.

      Gegen Nachmittag waren dann auch fast alle Neuzugänge verräumt; gegen 15 Uhr rollten dann auch Hauke und Cat samt vollem Transporter auf den Hof. Sie hatten auch Cats Bruder gleich mitgebracht, der motiviert aus seinem eigenen Auto sprang, sobald dieses hinter dem Hänger zum Stillstand kam. Nach ihm kletterte auch ein langbeiniger Hund mit zotteligem Fell und langer, schmaler Nase hinterher; er blieb jedoch am Wagen stehen und beobachtete sein Herrchen mit einem fast schon entnervten Blick.

      Cat half ihrem Bruder beim Ausladen eines feuerroten Fohlens, das sich neugierig auf dem Hof umguckte und gleich einmal laut alles zusammenschrie; Antwort kam aus dem Laufstall und dem Ausbildungsstall, und auch von dort nicht zu leise.

      Cats Bruder hatte mich entdeckt und stellte sich wie ein Riese vor einem Zwerg vor mich hin. „Hi, du musst Fritzi sein? Vielen Dank nochmal für die schnelle Hilfe.“ Dabei schüttelte er mir die Hand so stürmisch, dass ich fast das Gleichgewicht verlor.

      „Da kannst du deiner Schwester danken,“ meinte ich. „Dank ihr bin ich jetzt Kindergärtnerin.“

      Cats Bruder runzelte die Stirn, aber Cat, die meine mit Sarkasmus und Desinteresse maskierte Nervösität schon von Anfang an als solche erkannt hatte, winkte ab. „Hör nicht auf sie, sie liebt es. Und sie wird den kleinen Molotov genauso mögen.“

      „…Molotov?“ hakte ich nach, das Grinsen stark zurückhaltend. „Wirklich? Molotov?“

      „Passt zumindest von der Farbe gut,“ meinte Hauke, der jetzt dazu gekommen war, ebenfalls mit einem leichten Schmunzeln.

      Cats Bruder ignorierte das entweder oder bekam es gar nicht mit; stolz zeigte er auf das Hengstfohlen, das sich an Cats Hand vor allem schon einmal mit dem Gras am Wegrand bekannt machte, dann auf den langbeinigen Hund, der mittlerweile zu seinen Füßen lag, und anschließend auf sich selbst: „Molotov, Misha, Jelisej. Die rote Gefahr.“

      „Gott, du bist ungefähr genauso ein Jelisej wie ich eine Jekaterina. Fritzi, Hauke, das ist Lesja,“ schaltete sich schließlich Cat ein, mit einem leicht entnervten Tonfall. „Lesja, das sind Fritzi und Hauke.“

      „Freut mich dich kennenzulernen,“ meinte ich trocken. „Sollen wir noch länger hier dumm rumstehen oder wollen wir dein Fohlen aufräumen?“

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      Molotov etablierte sich schnell als Anführer der kleinen Truppe, auch wenn sich Bobby davon erst noch ein bisschen überzeugen lassen musste. Auf dieser Weide, die halb im Wald lag, hatten die acht Hengstfohlen viel Platz zum Spielen und konnten sich auch einmal aus dem Weg gehen. Zum Unterstellen hatten Hauke und ich noch schnell in den letzten Tagen einen kleinen Unterschlupf zusammengezimmert, sodass die Hengstfohlen auch bei Wind und Wetter trocken bleiben konnten.

      Während Cat ihrem Bruder noch den restlichen Hof zeigte und Hauke neugierig hinterherschlappte, machte ich mich noch auf den Weg zur kleinen Stutenherde. Auch hier war die größte Aufregung der Neuzugänge mittlerweile abgeebbt. Auf der großen Weide konnte ich vom Zaun aus nur ein paar der Fohlen in der Distanz erkennen, die nebeneinander grasten; zwei erkannte ich noch an der kleinen Hütte. Kurzerhand kletterte ich unter dem Zaun hindurch und machte einen kleinen Rundgang, um mir sicher zu sein, dass alle Stutfohlen auch noch da waren, wo sie hingehörten. Neben meinen eigenen fünf Fohlen hatten sich noch fünf weitere junge Stuten dazugesellt; drei Warmblüter, ein Reitpony und eine junge Schleswigerstute. Viele der neuen Fohlen waren mir gegenüber noch ein bisschen skeptisch, aber die würden schon auch noch herausfinden, wer die Möhrchen verteilte.
      Nach meiner kurzen Zählrunde – alle Stutfohlen waren an Ort und Stelle – fand ich Hauke, Cat und ihren Bruder Lesja an der Reithalle, in der Jette gerade mit Hallelujah trainierte. Cat gestikulierte wild, während Lesja anscheinend aufmerksam zuhörte. Hauke hingegen war der erste, der mich entdeckte und mir entgegenkam.

      „Cat hat gerade vorgeschlagen, dass wir alle noch eine kleine Runde um den Hof machen. Damit ihr Bruder alles nochmal besser kennenlernt. Bist du dabei?“

      Ich guckte auf die Uhr, dann kritisch zum Himmel hinauf. Noch keine Anzeichen von aufsteigender Dunkelheit, aber die Tage wurden immer kürzer. „‘ne kurze Runde bin ich dabei. Jette auch?“

      Hauke sah kurz in die Halle hinein, in der Jette gerade Galoppwechsel übte. Hallelujah, der für ein Warmblut ziemlich gut Winterfell geschoben hatte, war bestimmt schon ziemlich nassgeschwitzt. „Wenn wir noch kurz warten, ist Jette bestimmt zum abreiten dabei.“

      „Na dann los,“ sagte ich.

      Für Cats großen Bruder ein passendes Pferd zu finden, war gar nicht so leicht. Kurzerhand setzten wir ihn – mit Jettes Einverständnis – auf Shotgun. Recht viel größer ging es nicht, und im Gegensatz zu Cassiopeia war Shotgun durchaus verlässlicher. Hauke sattelte sich Dark Royale, Cat wartete mit Saevitia schon auf dem Hof; sie würde Shotgun locker als Handpferd nehmen, für alle Fälle. Lesja hatte nach eigenen Angaben zwar schon die ein oder andere Reitstunde genommen (was Cat wie ein Honigkuchenpferd grinsen ließ vor lauter Stolz), aber sicher war sicher.

      Ich selbst hatte mich für Contia Socks entschieden; die junge Stute hatte tolle Fortschritte gemacht. Mittlerweile konnte man sie schon in der großen Halle reiten und erste leichte Trainingseinheiten üben. Im Gelände war sie noch etwas schreckhaft, aber das wurde von Mal zu Mal besser.

      Nach dem Ausritt beanspruchte Cat noch einen gemeinsamen Filmabend mit Burger und Horrorfilmen. Da zeigte sich, dass sie ihren Bruder komplett um den Finger gewickelt hatte; während Jette und Hauke sich durchaus für die Idee aussprachen, sah man Lesja deutlich an, dass er sich eigentlich auf den Weg machen sollte.

      Kurzerhand schritt ich ein. „Ich glaub, der Tag war aufregend genug. Und Lesja muss ja auch noch heimfahren.“ Über Cats Kopf warf mir Lesja einen dankbaren Blick zu. „Das holen wir wann anders nach.“

      Kurz schob Cat ihre Unterlippe vor und war auch kurz davor, die kleine-Schwester-Karte auszuspielen; dann seufzte sie aber und zuckte mit den Schultern. „Ja, Fritzi hat Recht. Ich bring dich noch zum Auto.“

      Wir verabschiedeten uns kurz, ich versicherte Lesja nochmals, dass ich mich um seinen Molotov kümmern würde wie um meine eigenen und er natürlich so oft zum Besuch kommen durfte, wie er wollte (was Cat dann noch einmal unterstrich, indem sie ihm anordnete, innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder aufzukreuzen). Während Cat ihren Bruder also zum Auto begleitete, gingen Hauke, Jette und ich zurück zu den Ställen; für Jette standen noch mindestens zwei Pferde auf dem Plan für heute, Hauke war dafür zuständig, die Pferde auf den Paddocks langsam einzusammeln und ich wollte noch mit Dark Innuendo eine kleine Trainingseinheit starten. Ähnlich wie Contia wurde auch Uno immer sicherer unter dem Sattel und wir arbeiteten schon fleißig an der Losgelassenheit. Wenn das noch etwas mehr gefestigt war, dann sollte auch die ersten kleineren Cavaletti-Sprünge mal dazu genommen werden.

      Nach dem Reiten mit Uno, dem Füttern der Pferde und dann dem Füttern der Menschen (wir holten uns doch noch Burger und machten einen Mini-Filmabend, sorry Lesja), machte ich mich nachts noch einmal zu einer letzten Runde über den Hof auf. Jelly war mir bereitwillig aus dem Haus gefolgt; bei der Abendrunde konnte ich Peanut nur selten dazu überreden, mit rauszukommen; Jelly hingegen schien jetzt erst richtig wach zu werden. Die Nase fest auf den Boden gedrückt, rannte sie gute zehn Meter vor mir umher, einmal in die Büsche, dann wieder zurück zu mir. Gemeinsam gingen wir kurz durch den Ausbildungsstall, Laufstall und den Hengststall, deckten das ein oder andere Pferd noch ein und kontrollierten, ob auch alles in Ordnung war. Auf dem Weg zur Waldweide blieb Jelly dicht bei mir; das war ihr auch nicht so ganz geheuer. Der Weg war nicht ausgeleuchtet, die Bäume wurden immer größer und blockten den Großteil des Mondlichts ab. Mit der Handytaschenlampe kletterte ich durch den Zaun und machte eine mentale Notiz, Hauke morgen mit der Beleuchtung der Weiden zu beauftragen. Das Licht der Taschenlampe reichte nicht weit, also ging es noch einmal quer über die Weide – aber alle Hengstfohlen, die hier sein sollten, waren es auch. Kurz kontrollierte ich noch einmal, ob sie noch genug Heu hatten und ob die Tränken auch funktionierten, dann ging es wieder zurück Richtung Hof, am Haupthaus vorbei, zu den Stutfohlen. Auch hier war alles ruhig und die Fohlen vollständig; das ließ sich schnell zählen, weil sie sich alle schon in die kleine Hütte in einen Kreis gestellt hatten. Auch hier war es nicht besonders hell, auch wenn vom Straßenrand ein kleines bisschen an Straßenlicht ankam. Mentale Notiz Nummer 2: auch hier wegen Beleuchtung anfragen.

      Langsam stieg Nebel auf und umhüllte den Hof. Ich zog meine Jacke enger um mich herum, ignorierte meinen sichtbaren Atem und pfiff nach Jelly, die auch schon kurz darauf angerannt kam. Dann ging es zurück ins Haus – Schluss für heute.

      Geposted am: 07.11.2020
      Von: Rhapsody
    • Eddi
      Steenhof, 07. Januar
      Cassiopeia Z, Mania
      Tierarztbericht: Routineuntersuchung

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      Heute machte ich mich auf den Weg zu Hauke Thiel, welcher mir zwei seiner zukünftigen Zuchtstuten vorstellen wollte. Der Steenhof war ein wunderbares Anwesen und ich wurde auch direkt herzlich von einer jungen Frau in Empfang genommen, welche mich in den Stall führte. Dort beschäftigte sich Hauke bereits mit der ersten Patientin und band den Rappschimmel am Putzplatz an. Ich begrüßte ihn und ließ mir erstmal kurz erzählen, wen ich vor mir hatte. "Das ist Cassiopeia Z. Holsteinerstute und 10 Jahre alt, manchmal etwas zickig, aber ich denke, wir bekommen das hin", meinte er lächelnd. Ich nickte ihm freundlich zu und machte mich dann direkt daran, die Stute zu untersuchen.
      Zunächst hörte ich Herz und Lunge ab, ebenso die Darmgegend. Dann warf ich einen Blick in Ohren, Augen und Maul, wo alles zufriedenstellend aussah. Danach tastete ich noch nach den Lymphknoten und überprüfte die Beine. Kurz darauf bat ich Hauke, die Stute einmal im Schritt und Trab vorzuführen. Das Gangbild war sauber und taktrein. Zufrieden hielt er sie fest, während ich die erste Impfung aufzog. Cassiopeia Z bekam heute die volle Ladung: Das Kombi-Präparat gegen Influenza und Herpes und danach noch die Tollwutimpfung. Abschließend schob ich ihr auch noch die Wurmkurpaste ins Maul, wobei die Stute da sehr giftete.
      Danach konnte Hauke sie auch schon wieder in die Box bringen und ich erneuerte in der Zeit den Impfpass. Kurz darauf stand die nächste Patientin vor mir. Hauke stellte mir Mania als 14-jährige Holsteinerstute vor. Die Fuchsstute war wesentlich entspannter als ihre Vorgängerin, so dass das Abhören und Abtasten absolut kein Problem war. Auch beim Vorführen murrte sie nicht und ihre Gänge waren ebenso taktrein wie die der Vorgängerin. Zufrieden zog ich die Impfungen auf, setzte die zwei Nadeln nacheinander an, schob dann auch Mania noch die Wurmkur ins Maul und entließ auch diese Dame wieder in die Box.
      Fix füllte ich noch den zweiten Impfpass aus, so dass beide Stuten nun bestens vorbereitet waren für die nächsten Wettbewerbe. Hauke dankte mir für das schnelle Kommen und den problemlosen Ablauf und ich grinste ihn nur an: "Wenn man solche gut erzogenen Patienten hat, ist das auch kein Problem". Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zurück in die Klinik.

      Geposted am: 07.01.2021
      Von: Eddi
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    17 Feb. 2020
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    16

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    Mania
    engl. "Wahn, Manie"


    PEDIGREE
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    von: Galileo Galilei OLD

    von: Gratification T

    von: Grand Master
    aus der: Queen Sorry

    aus der: Salt & Pepper OLD

    von: Samico B
    aus der: Contessa OLD

    aus der: Maiglöckchen

    von: Icono

    von: Ragtime Boy
    aus der: Iara

    aus der: LF Mayflower

    von: Ma Belle
    aus der: M


    EXTERIEUR & INTERIEUR

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    Stute
    Holsteiner
    14 Jahre

    162 cm
    Fuchs
    unterbrochene Blesse | v.l. weiße Fessel, v.r. weißer Kronrand, h.r. weiße Fessel

    Mania ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Neben ihr könnte eine Bombe hochgehen, sie würde nicht mit der Wimper zucken. In manchen Situationen wünscht man sich, die Stute hätte doch ein bisschen mehr Temperament – dafür ist sie eine absolute Lebensversicherung und trägt auch Kinder und Jugendliche sicher durch den Parcours. Zudem ist die Stute unheimlich menschenbezogen; sie braucht dabei nicht eine feste Bezugsperson, sondern läuft jedem hinterher, der sich länger als fünf Minuten mit ihr beschäftigt.


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten


    Dressur
    E A L M* M**

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M* M**


    ERFOLGE

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    Dressur: -, Springen: 2x M**-Platziert, Military: 1x L-platziert


    Turniere
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    610. Springturnier – 612. Springturnier – 613. Springturnier – 346. Synchronspringen – 622. Springturnier – 351. Synchronspringen
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    458. Militaryturnier

    Andere


    ZUCHTINFORMATIONEN

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    SK 474 – Alle Stuten


    Decktaxe/Leihmutterschaft:
    Genotyp: AA ee
    Aus der Zucht: Gestüt Spielberger (Göttingen, DE)
    Nachkommen:


    GESUNDHEITSZUSTAND

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    Chronische Krankheiten:
    Letzter Tierarztbesuch:

    Fehlstellungen:
    Beschlagen:
    Letzter Hufschmiedbesuch:


    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Rhapsody
    VKR: Rhapsody

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    Offizieller Hintergrund