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Loulou

Mørke | Norweger | ♂

Im Besitz von Lilith Gyllenhaal seit dem 9. Juli 2013. Im Besitz von Merlin Harris seit dem 16. Mai 2016.

Mørke | Norweger | ♂
Loulou, 16 Mai 2016
    • Loulou
      Alte Berichte
      Die Ankunft
      von Mørke ♥

      Schon seit geraumer Zeit suchte ich nach dem Pferd, das perfekt zu mir passte. Und schließlich fand ich es bei Roxy. Wie ich mir da so sicher sein kann? Es entspricht genau dem, was ich mir nie vorstellen konnte, dass es mein Traumpferd sein würde und doch habe ich mich auf Anhieb in den jungen Norweger verguckt.
      Nun befand ich mich mit dem Geländewagen und dem Pferdehänger auf dem Weg zu Roxy's Stall, um den Gelbfalben abzuholen. Nicht nur die außergewöhnliche Farbe hatte es mir angetan, sondern sein ganzes Wesen. Es würde wohl nicht immer einfach mit ihm werden, doch war er schon bei den beiden Besuchen, die ich ihm abgestattet hatte und auch beim Probereiten unheimlich liebenswert.
      Angekommen stieg ich aus und begrüßte die Hofbesitzerin, ehe wir gemeinsam zum Putzplatz gingen, wo Mørke geduldig in der Sonne döste und wartete. Als er jedoch die sich nähernden Schritte hörte, hob er den großen Kopf und sah uns entgegen. Kurz klopfte ich ihm den Hals und strich ihm über die Stirn, ehe ich den Strick löste und mit der Zunge schnalzte. Dass er bereits Transportgamaschen und Decke trug und der Ansatz des Schweifes bandagiert war, erleichterte das ganze und so musste ich ihn nur davon überzeugen, dass er in den Hänger gehen musste. Mit viel Geduld und ein wenig Bestechung gelang das auch und ich schloss die Verladerampe wieder, ehe ich mich verabschiedete und mich auf den Heimweg machte - mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht.
      Zurück in meinem Stall stieg ich aus und ließ die Rampe runter, ehe ich von vorne zu ihm stieg und den Strick löste. Die Fahrt über hatte er ruhig im Hänger gestanden und sah sich nun aufgeregt in der neuen Umgebung um, als ich ihn langsam rückwärts die Rampe herab schob. Mørke hob den Kopf und weitete die Nüstern, ehe er ein kräftiges Wiehern von sich gab. "Na komm, Dicker.", murmelte ich und führte ihn in den Stall. Neugierige Köpfe streckten sich über die Türen der anderen Boxen, als ich mit dem Fremden herein kam und ihn in die für ihn vorgesehene Box brachte. Dort nahm ich ihm die Gamaschen ab, löste die Bandage und befreite ihn letztendlich auch von Decke und Halfter. Die andere Hälfte der Möhre, mit der ich ihn beim Verladen bestochen hatte, bekam er nun und ich ließ ihn alleine in der Box zurück, damit er Zeit hatte, sich einzugewöhnen.
      2309 Zeichen © Loulou

      Ankunft in einer neuen Welt
      Pohjoispää, Finnland – 6:34 Uhr

      Noch lange denkt die Sonne nicht daran, hinterm Horizont zum Vorschein zu kommen und langsam werden meine Augenlider schwer. Nur der Kaffee vom letzten Rastplatz und die untrübliche Euphorie, die warm in meinem Körper liegt halten mich wach. 2.224 Kilometer liegen zwischen unserem alten zu Hause und dem Hof, dessen Auffahrt der Geländewagen gerade herauf rumpelt, im Gefolge den letzten Umzugswagen und der Spediteur, im LKW die vier mir verbliebenen Pferde. Mit dem Auto dauert die Route für gewöhnlich 29 Stunden, doch mit den vielen Pausen und der Übernachtung in Stockholm weitete sich das schnell aus und zerrte gewaltig an den Nerven. Nicht nur an meinen, sondern auch für die Tiere war es Stress pur. Ob ein Flug mit vorheriger Quarantäne besser gewesen wäre, wagte ich jedoch zu bezweifeln. Leise seufzte ich auf und parkte schließlich, ließ dabei jedoch noch genug Platz für die anderen Fahrzeuge. Billig war der Transport nicht gerade gewesen, doch war mir ein Spediteur, der sich auf Pferdetransporte spezialisiert hatte weitaus lieber, als ein Umzugsunternehmen, dass die vier halt auch noch irgendwie mitnehmen würde. Die beiden jungen Männer machten sich bereits ans abladen der vier Pferde, während ich für einen Moment den Blick über den Hof gleiten ließ, der noch in Dunkelheit getaucht war. Das komplette Gegenteil von dem Ort in Westdeutschland, wo wir her kamen. Alles war friedlich, nahezu unberührt und die nächsten Nachbarn lagen gut 8 Kilometer weit entfernt, dazwischen nichts als unberührte Natur, überwiegend Nadelwald. Dass ich mir den Traum einmal erfüllen würde, nach Finnland zu ziehen hätte ich nie erwartet und doch stand ich nun hier.
      Jedoch wurde ich roh aus meinen Gedanken gerissen, als ein paar Hufe gegen die Wähne des LKW's donnerten, gefolgt von einem schrillen wiehern und zwei Männerstimmen, die beruhigend auf Hell einredeten, welche unverkennbar die Nase gestrichen voll hatte. Das temperamentvolle Vollblut tänzelte zwischen den beiden jungen Männern die Rampe herab, die Ohren flach an den Hals angelegt, die Nüstern weit gebläht und den Kopf hochgerissen. Kurz biss ich mir auf die Lippe und ging auf das große Tier zu, ehe ich einem der Männer den Strick aus der Hand nahm und versuchte, Hell zu beruhigen. Sie ließ sich zwar überzeugen, ruhig neben mir herzugehen, doch wirklich besser wurde ihre Laune nicht. Ich brachte sie auf die große Wiese, die östlich vom Hof lag und entließ sie in die Freiheit, welche sie unverkennbar für sich zu nutzen wusste. Als ich mich umblickte sah ich Flips Kopf, welcher einem der beiden aus dem LKW folgte, jedoch ohne das Theater, dass Hell zuvor gemacht hatte. Der sanfte Hengst wurde auf die westliche, mittelgroße Weide geführt, wohin auch der Norweger seinen Weg fand. Er war zwar sichtlich genervt, aber dennoch umgänglich. Zwar waren die beiden ein schöner Anblick beim Toben, doch das Lusitanofohlen fehlte noch im Quartett. Xalsa wurde auf die kleine Weide in der Mitte geführt und so waren die vier zumindest für's erste versorgt, von Decken und Transportgamaschen befreit und ich konnte mich mir selbst widmen. Langsam leert sich der Hof wieder und nur zu gerne wäre ich nun unter die Dusche und ins Bett gegangen, doch warteten die Umzugskartons förmlich darauf, ins Haus getragen und ausgepackt zu werden. Das wurde schließlich auch zu meiner Beschäftigung, während die Pferde nach der langen Fahrt Gelegenheit hatten, sich auszutoben, sich zu wälzen und zu Grasen.
      Es war auffällig frisch, das Thermometer zeigte grade einmal 10° Celsius an, was eine ziemliche Umgewöhnung war, nachdem es in Deutschland noch eher spätsommerlich war. Doch diese niedrigen Temperaturen waren weitaus besser geeignet um mit den Tieren solch eine lange Reise anzutreten, als 30° im Schatten. Und auch nur deshalb hatte sich der Umzug um einige Wochen verzögert. Als auch die letzte Kiste im Haus war, begann ich sie auszupacken. Größtenteils bestand der Inhalt aus dem, was ich in Deutschland noch gebraucht hatte, sprich Kleidung und Küchengeräte, der Rest war schon vor drei Wochen hergebracht worden. In dem leeren Haus zu leben, war nicht grade das schönste gewesen, was ich mir hätte vorstellen können, doch nun war alles wieder beim Alten. Nein, noch besser!
      4297 Zeichen © Loulou

      Halloween in Kanada
      Manitoba, Kanada – 12:49 Uhr

      „Gwen? Wann kommen deine Freundinnen nochmal?“ fragte mich meine Mutti nun schon zum dritten Mal. Ich stöhnte leise auf, legte das Messer zur Seite und schaute zu ihr auf. „Immer noch kurz nach Mittag!“ knurrte ich unsanft und machte mich wieder daran das Obst für den Obstsalat zu schnippeln. Heute war Halloween und da ich gerne feierte und dieses Fest in Kanada sowieso recht weit verbreitet war, hatte ich Elii und Tikka eingeladen. Beide hatten sich einen weiten Weg vorgenommen, um uns extra auf der Nahanni Rivers Ranch zu besuchen und ich war ihnen dankbar dafür. Da sie auch ihre Pferde mitbrachten, sollten sie schon kurz nach Mittag kommen, damit sich die Vierbeiner erst einmal ausruhen würden können, das Gleiche galt natürlich für die Reiter. Ich war gerade dabei, Muffins zu backen, welche, sobald sie fertig wären durch Schokostäbchen und Smarties in Spinnen verwandelt werden würden. Sonst standen noch einige andere leckere Süßigkeiten zur Auswahl, dazu gab es natürlich auch etwas Gesundes, nämlich Obstsalat. Nachdem ich den fertig hatte, schob ich ihn in den Kühlschrank und machte mich an die Muffins.
      Die letzte Spinne verließ das Backblech, als plötzlich mein Handy summte. Es war eine SMS, welche mir sagte, dass Elii in einer Viertelstunde hier ankommen würde. „Kathy? Machst du das hier fertig? Ich mach derweil die Box für unsere Gäste fertig.“ lächelte ich und huschte raus in den Stall. Theoretisch standen auch zwei Weiden für die Hengste von Elii und Tikka bereit, aber ich war mir nicht sicher, wie aufgeregt die Kerle sein würden, also machte ich lieber auch eine Box fertig. In den Wäldern Kanadas fand man ein Pferd schließlich nicht so schnell wieder, erst recht nicht, wenn es sich hier nicht auskannte. Zu unserem Glück war heute noch einmal herrliches Wetter, die Sonne schien und die Sturmböen der letzten Tage hatten sich endlich gelegt. Als ich dann gerade aus dem Stall heraustrat, sah ich ein Auto langsam unsere Auffahrt entlang fahren. Ich winkte Elii und sie schien beruhigt zu sein, die richtige Ranch erwischt zu haben. „Hey!“ begrüßte ich sie herzlich und bot ihr direkt an, dass wir erst einmal ihren Hengst befreiten. „Box oder direkt Weide?“ fragte ich schnell, ehe wir den Hengst irgendwo hin lotsen müssten. „Box wäre besser, ich glaube Fekete ist nicht ganz so entspannt.“ Ich nickte und half ihr, die Rampe zu öffnen, dann ging ich aus dem Weg, damit Elii ihr Pferd hinausführen konnte. Ich war schon immer von ihren Furioso Northstar begeistert gewesen, aber Fekete war noch einmal ein Hengst der Extraklasse mit seinem rabenschwarzen Fell. Aufgeregt blähte er die Nüstern und sah sich um, ich lief voraus, um Elii den Weg zu zeigen und wir waren beide beruhigter, als der Hengst dann sicher in seiner geräumigen Box stand. Da er alleine im Stall war, blickte er sich nochmals aufgeregt um, ehe er sich seinem Heu zuwand. „So, jetzt fehlt nur noch Tikka.“ grinste ich, doch direkt hörte ich schon wieder ein Auto draußen. „Na holla...“ murmelte ich und schaute verwundert auf mein Handy, aber Tikka hatte mir gerade geschrieben gehabt, als ich Elii in Empfang genommen hatte. „Ich fahr flott das Auto auf euren Parkplatz.“ lächelte diese mich an und ich nickte nur zurück, um dann direkt Tikka zu begrüßen. Sie war extra für die zwei Tage aus Finnland hierher gekommen. „Hui, im Gegensatz zu Zuhause ist es bei euch ja noch richtig warm!“ lachte sie mich freudig an und wir luden ihren Norwegerhengst Mørke aus. Auch sie fragte ich bezüglich Weide oder Stall, doch sie nahm direkt die Koppel, allerdings war Mørke auch wesentlich ruhiger als Fekete. Ich nickte und zeigte ihr den Weg. Mørke schien seine neue Weide toll zu finden und begann sofort friedlich zu grasen. Wir ließen ihn in Ruhe und sammelten stattdessen Elii wieder ein. Gemeinsam gingen wir ins Haus, wo auch Kathy die beiden begrüßte. Ich präsentierte Muffins und Obstsalat und mit diesem Proviant setzten wir uns auf die Couch und schauten erst einmal einen Film zur Entspannung, denn sowohl Elii als auch Tikka hatten eine lange Fahrt hinter sich.
      Es war inzwischen 16 Uhr und ich erhob mich allmählich. „Wollen wir langsam los?“ lächelte ich, denn dank der Zeitumstellung würde es schon bald dunkel sein. Die anderen drei nickten freudig und wir machten uns daran, unsere Kostüme anzuziehen, immerhin war heute Halloween! Tikka war als erste fertig und brachte uns alle zum lachen, denn sie ging als Kürbis! Elii ihr Kostüm hatte aber auch Stil, denn sie war verkleidet als Skelett. Kathy hatte sich wochenlang damit beschäftigt, ihr Kostüm für einen Reiter anzupassen, denn sie hatte unbedingt als bleiche Marie Antoinette gehen wollen. Ich war nicht ganz so kreativ gewesen, denn meine Accessoires waren lediglich ein Hut und ein Besen, denn ich ging als Hexe. Natürlich hatte es dazu noch bunte Socken gegeben und ein kleidähnliches Oberteil, der Hut war aber eh das genialste. „Nun sind die Pferde dran.“ lachte ich fröhlich. Kathy und ich holten uns Magic und Ravi, während Elii und Tikka ihre beiden Hengste im Stall jeweils in einer Box anbanden. Wir putzten die vier ordentlich und machten sie dann fertig. Erst satteln und dann wurden auch sie verkleidet. Das beanspruchte viel Zeit, aber nach einer Stunden hatten wir auch das geschafft. Als wir die Pferde anbanden, kam meine Mutti in den Stall geflitzt und überreichte jeden einen Beutel und eine Kürbislaterne, welche natürlich am besten zu Tikkas Kostüm passte. Wir dankten ihr und führten dann die Pferde aus dem Stall, um dort aufzusteigen. Inzwischen dämmerte es auch schon, aber das war auch gewollt. Anfangs waren alle Pferde ein wenig aufgeregt, aber irgendwann entspannten sie sich, als wir im Schritt die Auffahrt hinausritten. Wir wollten nach Dauphin, der nächstgelegenen Kleinstadt, in welcher sicherlich die ein oder anderen Gruselgestalten unterwegs sein würden. Aber wir würden am meisten auffallen, immerhin waren wir berittene Gespenster. Die Straßen waren herrlich geschmückt, so dass wir schön im Hellen reiten konnten, was auch den Pferden die Angst nahm. Die waren inzwischen mehr neugierig als ängstlich und nachdem unser erstes Klingelopfer jedem Pferd einen Apfel spendiert hatte, schien ihnen unser Ausritt immer mehr zu gefallen. Tatsächlich sammelten wir viele Komplimente und natürlich Süßigkeiten, denn unsere Beutel füllten sich unablässig. Während unseres Ritten tauschten wir Neuigkeiten aus, so erfuhr ich, dass sowohl Fekete als auch Mørke bei der letzten Monatswahl für Hengste sehr erfolgreich gewesen waren! Ich gratulierte ihnen für ihren Sieg und berichtete, dass wir demnächst mit unserem Haflingerfohlen das erste Mal an einer Fohlenschau teilnehmen würden. Elii und Tikka konnte meine Aufregung nachvollziehen, denn auch bei ihnen hatte es einmal ein erstes Mal gegeben. Wir zogen noch ein Weilchen durch die Stadt, ehe es dann plötzlich schon 21 Uhr war. Also verabschiedeten wir uns von der kleinen Gruppe Gespenster, Hexen und Monster, welche uns vier begleitet hatten und ritten nach Hause. Dabei waren uns unsere Laternen eine große Hilfe, denn sie spendeten uns eine Menge Licht.
      Wieder auf der Ranch versorgten wir gründlich die Pferde und natürlich gab es für Fekete und Mørke direkt etwas zu schauen, denn plötzlich standen wesentlich mehr Pferde im Stall. Die beiden standen aber nebeneinander und neben Mørke stand unser Hengst Altair, so dass es keinen Stress gab, sondern alle in Ruhe ihr Abendheu futtern konnten. Gemeinsam mit Elii und Tikka bereiteten ich und meine Schwester das Abendbrot für die Pferde vor, fütterten einmal komplett durch und wünschten unseren Lieblingen dann eine gute Nacht. Als wir im Haus ankamen, zogen wir uns flott um und dann erwarteten uns auch schon unsere eingesammelten Süßigkeiten und ein angenehmer Abend im Wohnzimmer vor dem Fernseher und dem Kamin.

      Am nächsten Morgen standen wir alle etwas später auf, da der nächtliche Ritt gestern schon anstrengend gewesen war. Aber Mutti hatte sich zum Glück schon um die Pferde gekümmert und auch unsere beiden Gäste genossen ihre private Weide. Als wir dann hinunter in die Küche kamen, erwarteten uns köstliche Pancakes mit Vanillesoße und Blueberrys. Das war ein tolles Frühstück! Dabei besprachen wir, wann Elii und Tikka fahren wollten, doch ich ließ sie nicht gehen, bevor wir noch einen Ritt in den Riding Mountain Nationalpark gemacht hätten. Also ging es für uns nach dem Frühstück direkt in den Stall. Erst kümmerten wir uns um die Stallarbeit und misteten flott alle Boxen aus, dann holten Elii und Tikka ihre Hengste und ich schnappte mir meinen treuen Gefährten Altair. Er verstand sich am ehesten mit drei fremden Hengsten und mit ihm traute ich mich auch mit Fremden in den Nationalpark. Wir machten die drei flott fertig und schwangen uns dann auch schon die Sättel. Wir waren alle noch ein wenig müde, so dass wir es eher ruhiger angingen. Fekete und Mørke schienen die erneute Bewegung allerdings toll zu finden und ihre Besitzerinnen meinten auch, dass der Ritt vor dem langen Heimweg nicht schaden würde. Trotz des Schritttempos kamen wir auch schnell im Nationalpark an. Natürlich wusste ich schon, wen man wo zur Mittagszeit fand. Ich wählte dem Weg, welcher dem Bachverlauf folgte, der schon kurz später in einen Fluss mündete. Wir ich gehofft hatte, konnte ich Elii und Tikka meinen kleinen Elchbullen vorstellen, welchen ich schon kannte, seitdem er auf seinen wackeligen Beinchen das erste Mal gestanden hatte. Die beiden waren sofort fasziniert, nur die Pferde trauten dem fremden Getier nicht ganz. Also machten wir uns weiter und galoppierten den Hügel hinaus, von welchem aus man einen gigantischen Panoramablick auf den Park hatte. „Wow...“ murmelten Elii und Tikka nur, als sie unter uns die riesige Bisonherde entdeckten, welche dort friedlich graste. „Die sind ja riesig!“ stöhnte Tikka, welcher die haarigen Tiere nicht ganz geheuer waren. Auch Fekete schnaubte unruhig und blickte die Bisons misstrauisch an. Ich führte die beiden noch ein Stückchen weiter durch den Park und wir entdeckten sogar noch eine Coyotin mit ihren zwei Jungen, welche unseren Weg kreuzten. Auch wurden wir von zu neugierigen Eichhörnchen befallen, dabei war Feketes Blick einfach nur zu genial gewesen, als ein Eichhörnchen auf seinem Kopf gelandet war. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, weshalb wir uns auf den Heimweg machten. Dort durften sich Fekete und Mørke nochmals ausruhen, während ich ihre Besitzer zum Mittagessen entführte. Danach hieß es dann leider wirklich Abschied nehmen. Fast gleichzeitig verließen die beiden uns wieder und ich vermisste sie jetzt schon. Doch wir hatten schon beschlossen, dass öfter zu machen.
      10676 Zeichen © Gwen

      Gebrochenes Herz
      Pohjoispää, Finnland – 15:12 Uhr

      „Na mein Kleiner,“, murmelte ich leise und schob den Riegel von Mørkes Box zurück. Er hob ein Stück seinen schweren Kopf und blickte mich aus dunklen, vorwurfsvollen Augen an, sodass es mir beinahe das Herz zerriss. Seufzend schob ich mich in seine warme Box und langsam wich die Kälte Finnlands aus meinen Knochen. Hinter mir zog ich die Tür zu und strich dem Hengst vorsichtig über den Kopf. Er vermisste den kleinen Flip einfach unheimlich, obwohl sie sich bei ihrer ersten Begegnung mehr als nicht verstanden hatten. Er wandte den Kopf ab und ich setzte mich vor ihn ins Stroh. Nach einer gefühlten Ewigkeit wandte er sich mir wieder zu, senkte den Hals und ließ sich den Kopf kraulen. Sichtlich genießend schloss er seine Augen und ein leichtes Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Eine ganze Weile verharrten wir so, ehe ich mich aufrichtete und mir kurz den Staub von der Reithose klopfte. „Na komm.“, sagte ich und halfterte den Norweger auf, um ihn aus der Box zu führen und in der Stallgasse anzubinden. Ich verschwand in der Sattelkammer, um seinen Putzkasten zu holen und kehrte damit zu ihm zurück. Ich nahm Kardätsche und Striegel heraus, bevor ich begann sein falbfarbendes Fell mit raschen, gezielten Zügen zu säubern. Er ließ entspannt die Ohren baumeln und winkelte ein Hinterbein an, während ich ihn weiter putzte. Auch bei Langhaar und Hufen ließ ich mir Zeit und entwirrte es ausgiebig von Knoten. Der kleine Hengst entspannte sich immer mehr und ich klopfte ihm kurz den Hals, ehe ich die Putzbox einräumte und zurück in die Sattelkammer brachte. Ich kehrte zurück mit seinem Sattel und Trense, um ihn beides anzulegen und es folgt eine blaue Fleecedecke, da es draußen bereits sehr kalt war. „So Mørke.“, lächelte ich und klopfte ihm erneuert den Hals, ehe ich mit der Zunge schnalzte und einfach los ging. Einen Moment war es still und als ich schließlich das Klappern seiner Hufeisen hörte, wie er mir gnz ohne Verbindung folgte, machte mein Herz einen kleinen Hüpfer. Draußen drehte ich mich um und rieb ihm grinsend die Stirn, woraufhin er laut schnaubte. „Du bist mir einer.“, schmunzelte ich und ging herüber zum Haus. Kurz steckte ich den Kopf durch die Tür. „Veija?“, rief ich herein und wartete auf ein kurzes Lebenszeichen von meiner Mitbewohnerin. „Ich bin mit Mørke weg, vielleicht kommt er mal auf andere Gedanken.“, rief ich und erneuert kam Zustimmung von oben. Ich zog die Tür zu und gurtete noch einmal nach, ehe ich mich in den Sattel schwang und den Hengst vom Hof lenkte. Wir dehnten unseren Ausritt durch die finnischen Wälder aus, zockelten in einem gemütlichen Schritt durch die Landschaft und der Norweger schien es wirklich zu genießen. Entspannt kehrten wir zum Hof zurück, wo ich den kleinen absattelte, eindeckte und auf die Weide zu den anderen Hengsten stellte. Er vermisste Flip immer noch, ohne Frage, doch schien er wenigstens ein bisschen entspannter. Auch ich verschwand wieder ins Haus und schaltete die Kaffeemaschine ein, um meinen kalten Körper wieder zu wärmen und mit Veija mich über die Ereignisse der vergangenen Tage zu berichten, insbesondere von meinem Ausflug nach Kanada.
      3142 Zeichen © Loulou

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      30.11.2013 Hufschmiedbesuch bei Mørke und Wanderin

      Mein nächster Auftrag führte mich auf den Hof von Tikka, denn bei ihr sollte ich zwei Pferde neu beschlagen. Am Hof angekommen wurde ich von ihr bereits freundlich begrüßt und sie wies mich mit meiner mobilen Schmiede in eine Lücke neben die Stallgasse ein. Dann stieg ich aus und legte mein Werkzeug zurecht. Morke und Wandein sollten heute beide neue Stahleisen, jedoch diesmal mit Schneegrips bekommen. Ich startete mit dem Norwegerhengst Morke, den ich schon oft auf Turnieren gesehen hatte. Ersteinmal nahm ich seine Eisen vorne vorsichtig ab, und fing dann mit dem Ausschneiden und Korrigieren an. Mit dem Hufrinnmesser schnitt ich den Strahl und die Strahlfurchen an allen vier Hufen aus und entfernte auch überschüssiges Horn mit der Hauklinge. Als alle vier Hufe fertig ausgeschnitten waren nahm ich mit den Hufbock und meine Raspel und pfeilte Morkes Hufe von unten noch vorsichtig etwas und dann mithilfe des Bocks rundherum eben. Der Falbe ließ alles brav über sich ergehen und gab auch willig wieder und wieder die Hufe. Da wir nun soweit waren die Eisen anzupassen holte ich das erste mit der Zange aus dem Brenner und formte es auf dem Amboss soweit ich konnte, dann brannte ich es einmal an Morkes Huf um zu schauen ob es schon genau passte. Bei dem Brenngeräusch und dem Rauch wurde er etwas unrihig aber Tikka beruhigte ihn leise. Ein wenig musste ich noch an der Passform ändern, dann konnte es in den Wassereimer zum Abkühlen und ich passte das zweite Eisen ebenfalls an. Danach nahm ich das erste Eisen aus dem Wasser und schmiss das zweite zum Abkühlen hinein. Auf das erste setzte ich nun von unten die Schneegripeinlage herein, schnitt die überstehenden Enden noch etwas zurecht und klebte ihn leicht an. Dann nagelte das Eisen mit Schneegrip unter Morkes Vorderhuf und pfeilte danach nocheinmal die Feinheiten nach. So ging ich auch beim zweiten Vorderhuf vor. Als ich mit dem Norwegerhengst fertig war bekam er ein Leckerlie und konnte in die Box. Dann machte ich mit Wanderin weiter. Die Stute hatte sehr langen Behang und war ein echtes Schmuckstück. Sie ließ sich ebenfalls brav die Eisen abnehmen und die Hufe ausschneiden und korrigieren. Beim Pfeilen zog sie ab und an den Huf vom Bock, gab ihn aber danach brav wieder. Auch beim Eisen anpassen machte ihr der Rauch nichts aus und schnell waren auch ihre beiden Hufe beschlagen. Wanderin bekam ebenfalls ein Leckerlie und wurde von Tikka zurück in die Box entlassen während ich mein Werkzeug wieder einpackte und aufräumte. Danach unterhielt ich mich noch kurz mit Tikka, ließ ihr die Rechnung da und verabschiedete mich dann von ihr um zum nächsten Kunde aufzubrechen.
      2651 Zeichen © Rajandra

      Weltreise mit Norweger
      Pohjoispää, Finnland – 04:22 Uhr

      „Ganz ruhig Dicker.“, murmelte ich, als ich Mørke auf den Pferdehänger mit der Aufschrift des Gestüts Musta Kyyneleet verlud. Doch der einzige von uns beiden, der aufgeregt war, war wohl ich. Natürlich wusste ich, dass der Kleine kein Problem mit dem Reisen hatte und doch kribbelte es mir in den Fingern vor Vorfreude auf den Besuch bei Sarah und Amy auf dem Hof im Schwarzwald. Da Mørke zu den beiden sollte, um im Gelände und auf Schrecklosigkeit trainiert zu werden, konnten ich dies hervorragend mit einem „Kurzurlaub“ bei Sarah verbinden. Jedoch hatten wir erst einmal eine lang Reise vor uns, die zwei Übernachtungen beinhaltete, damit der Hengst nicht zu lange stillstehen musste und so erholt wie möglich bei Sarah ankam, damit sie mit ihm arbeiten konnte. Nachdem wir Finnland durchquert hatten und mit der großen Fähre nach Deutschland übersetzen würden, stand eine Übernachtung im Norden an, ehe wir am Abend des darauffolgenden Tages bei Monstaflosse im schönen Nordrhein Westfalen ankommen wollten, um ganz in der Nähe unseres alten zu Hause eine weitere Nacht vor der Ankunft im Schwarzwald zu verbringen. Die Sonne über Finnland war noch nicht einmal aufgegangen, als ich sein letztes nötiges Zubehör verlud, doch würden wir die Zeit brauchen. „Du hältst hier die Stellung, ja?“, grinste ich Veija an und drückte sie zum Abschied kurz. „Und wenn ich wieder komme, mache ich die Arbeit, die du mehr hattest wieder wett, versprochen.“, grinste ich und zwinkerte kurz, ehe ich mir die beiden Reisetaschen schnappte und auf die Rückbank des Jeeps stellte. Ich hörte ein leises Poltern im Hänger, gefolgt von einem mürrischen Wiehern, was mich leicht grinsen ließ. „Wir sind dann mal, tschüss Veija.“, sagte ich, winkte kurz und verschwand auf dem Fahrersitz. Kurz darauf startet ich den Motor und wir rollten vom Hof.

      Etappe 1 : der lange Weg nach Riley

      Als ich auf die Autobahn fuhr, diktierte ich dem Autotelefon, welches eigens für die Tierklinik eingebaut wurde eine sms an Riley, dass wir uns soeben auf den Weg gemacht hatten. Denn sie hatte sich bereit erklärt, uns beide für die Nacht aufzunehmen. Mit einem leichten Lächeln schaltet ich das Radio ein und verdrehte leicht die Augen, als Veijas Musik von ihrer letzten Fahrt ertönte, bei der ich ihr den Wagen geliehen hatte. Rasch schaltete ich um und die mir vertrauten, schnellen und doch melodischen Klänge meiner Lieblingsband begannen den Wagen zu füllen. Je näher wir dem Ziel rückten, desto mehr freute ich mich auf den Besuch, doch lagen noch 3ooo Kilometer zwischen uns. Bald schon hielten wir auf dem Rastplatz an, damit der Hengst sich kurz die Beine vertreten konnte. Die vorbei rauschenden Autos irritierten ihn doch ein wenig, doch war er auch die Ruhe des abgelegenen Hofes gewöhnt, zumal wir nun auch zum Schrecktraining unterwegs waren. Ich war bereits gespannt darauf, wie er den Trubel auf Monstas Hof hinnehmen würde, doch vertraute ich ihm eigentlich.
      Auch die weitere Fahrt zog sich in Etappen hin, mit etlichen Pausen und sie war der längste Abschnitt, den wir zu fahren hatten. Am späten Nachmittag kamen wir endlich auf Rileys Hof an, nachdem wir uns noch zwei mal verfahren hatten und ich im Begriff war, das Navigationsgerät unsanft zu entsorgen. „Aussteigen, Dicker.“, lächelte ich und schob den Hengst vorsichtig rückwärts aus dem Hänger, nachdem ich Riley begrüßt hatte. „Wirklich lieb, dass du uns eine Nacht aufnimmst. Das erspart dem Kleinen eine Menge Stress.“, lächelte ich und folgte ihr zu den Weiden, wo Mørke sich austoben durfte. Er genoss sichtlich die Freiheit und die junge Frau und ich unterhielten uns eine Weile, ehe wir schließlich ins Haus gingen. Sie hatte mir versichert, dass sich ihre beiden Angestellten gewissenhaft um den Hengst kümmern würden und ich mich darauf verlassen könnte, dass er in guten Händen ist. Wir betraten das Wohnhaus und mir schlug ein Schwall warmer Luft entgegen, mit ihm der angenehme Duft von warmen Essen. Nachdem ich rasch die Schuhe von den Füßen gestreift hatte und meine warme Jacke am Haken hing, führte Riley mich in die Stube und bat mich, mich zu setzen. Sie tat es mir gleich und ich blickte mich ein wenig in dem modernen und doch gemütlichem Haus um. Ich hatte immer gedacht, diese beiden Dinge schlossen einander aus, doch gerade sah ich den Gegenbeweis. Bis nach 23 Uhr saßen wir beieinander, aßen und ich erzählte Riley von Finnland und Mørkes und meiner kleinen Weltreise, ehe sie von ihren Hof berichtete. Es war ein angenehmer Abend, doch auch er ging vorüber. „Ich möchte nicht unhöflich sein, aber wenn es okay ist würde ich gerne schlafen gehen.“, lächelte ich und legte den Kopf leicht schief. „Die Fahrt war anstrengend und morgen muss ich bereits wieder früh los und mich den ganzen Tag konzentrieren.“, fügte ich erklärend bei und Riley zeigte mir Badezimmer sowie Gästezimmer, in dem ich die Nacht verbringen würde. Ich bedankte mich ein letztes Mal bei ihr, ehe ich rasch duschte und im Bett verschwand.

      Etappe 2 : Besuch bei Monstaflosse

      Nur ungern verließ ich am nächsten Morgen das Bett, doch der Wecker erinnerte mich daran, dass ich gegen Nachmittag bei Monsta ankommen wollte. So stand ich auf und zog ich mich an, ehe ich herab ging, wo Riley mich bereits erwartete. „Morgen.“, grinste ich und setzte mich zu ihr, um zu frühstücken. Die junge Frau erklärte, das Mørke bereits gefüttert war und Beck ihn grade für die Weiterfahrt vorbereitete. „Sehr gut. Ich hoffe, ich kann dir auf irgendeinem Weg danken.“, sagte ich freundlich und half ihr rasch den Tisch abzuräumen, ehe wir nach draußen gingen. Der junge Mann, der Beck sein musste, verlud Mørke gerade und ich dankte ihm, ehe ich mich herzlich von den dreien verabschiedete und mich wieder auf den Fahrersitz setzte. Dann wollen wir mal, schoss es mir durch den Kopf und ich winkte, während ich die Auffahrt des Hofes herabfuhr, das Radio einschaltete und Monsta benachrichtete, dass ich nun auf dem Weg war.
      Ich kannte die junge Frau nicht gut, doch hatte ich sie von Anfang an sympathisch gefunden und so freute ich mich nun auf den Zwischenstopp bei ihr. Wieder verlief die Fahrt rund, mit einigen Pausen, in denen der Hengst trinken und sich die Beine vertreten konnte, doch wurde er nun am zweiten Tag zusehens mürrischer, je länger wir auf den Straßen unterwegs waren. „Bald hast du es geschafft.“, murmelte ich und drückte dem Tier sanft einen Kuss auf die Nüstern, eh ich den Hänger durch die Seitentür verließ und weiter fuhr. Inzwischen war es später Nachmittag und wir würden bald bei Monsta ankommen. Im Hänger rumpelte es und ich warf einen Blick in den Rückspielgel, hoffend, dass es nicht mehr allzu weit war. Dieses mal lenkte uns das Navigationsgerät sicher an unser Ziel und langsam rollte ich auf den fremden Hof. Er war um einiges größer als Musta Kyyneleet es war und wirkte trotz der vielen Baustellen sehr beeindruckend. Als ich ausstieg kam eine junge Frau mit auffälligen Haaren und einem Grinsen auf den Lippen auf mich zu und ich lächelte. „Hallo.“, erwiderte ich ihren Gruß und blickte mich kurz um. Nun war ich nur noch 24 Stunden von Sarah entfernt und doch freute ich mich, diesen Tag länger eingebaut zu haben. „Dann wollen wir den Kleinen mal abladen.“ Ich stimmte Monsta zu und grinste. „Er war übrigens sehr enttäuscht, als ich ihm gesagt habe, dass er doch bei den Hengsten stehen wird.“ Sie hatte den Dicken anfänglich für eine Stute gehalten, was mich doch ein wenig belustigte und ihn sicher gefreut hätte. Wir lachten, während wir gemeinsam den Norweger ausluden und sie mir zeigte, wo ich ihn unterstellen konnte. Doch gingen wir nicht sofort ins Haus, sondern beobachteten erst einmal, ob er sich mit den anderen Hengsten verstand. Natürlich waren alle aufgeregt, als der Neue dazu kam, doch verlief alles ruhig. Anfänglich zumindest. Ich seufzte leise, als der Norweger einen auffälligen Black Splashed White ziemlich angiftete, doch bekamen die beiden sich schnell wieder ein. „Giftzwerg.“, murmelte ich und ging schmunzelnd mit Monsta zum Wagen. Sie wohnte nicht direkt bei den Stallungen, so fuhren wir mit ihrem Auto zu ihrem Haus, in dem ich heute übernachten würde. Sie war eine angenehme Gesprächspartnerin und der Abend wurde durchaus lustig. Bevor es schließlich ins Bett ging, sahen wir noch einmal auf dem Hof nach dem Rechten, doch standen die Hengste samt Mørke friedlich beieinander. „Gute Nacht.“, lächelte ich und verschwand in das Zimmer, dass Monsta mir zurecht gemacht hatte.

      Etappe 3 : endlich angekommen!

      Am heutigen Tag bestand uns die letzte Fahrt bevor, bis wir endlich Sarah begrüßen konnten. Monsta und ich saßen gerade beim Frühstück und unterhielten uns ein wenig, bevor ich ihr noch ein wenig half und wir gemeinsam zu ihrem Hof fuhren. „Vielen, lieben Dank.“, sagte ich zu der jungen Frau und beobachtete den Hengst beim fressen, ehe ich ihn kurz überputzte und ihm die Decke überwarf, ehe ich ihm zu guter Letzt die Transportgamaschen anlegte. Gemeinsam verluden wir ihn und ich verabschiedete mich von Monsta. „Einen schönen Tag dir noch.“, sagte ich freundlich und winkte kurz, ehe ich einstieg und auch von hier losfuhr. Auf der Autobahn wählte ich Sarahs Nummer über die Freisprechanlage und wartete, dass sie abnahm. „Ich bin so gut wie da.“, grinste ich und blickte kurz in den Rückspiegel. „Wir fahren gerade in Ostwestfalen los, wenn wir gut durchkommen dauert es circa 7 Stunden mit Pausen.“, erklärte ich. Doch meine Erwartung sollte herbe enttäuscht werden. Wir kamen in einen Stau und nun wurde nicht nur der Norweger nervös, sondern auch mir zerrte es ordentlich an den Nerven. Seufzend nahm ich das Stop and Go hin, was hätte ich auch tun sollen? Es war bereits später Abend, als wir endlich an unserem Ziel ankamen und ich den Wagen mit Hänger auf dem großen Hof parkte. Als ich ausstieg sah ich im Scheinwerferlicht bereits eine schemenhafte Gestalt auf mich zukommen. „Hallo Sarah!“ Grinsend umarmte ich die Freundin und ließ den Blick schweifen. „Ich freu' mich, endlich da zu sein!“
      10014 Zeichen © Loulou

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      Geländeritte mit Schrecktraining

      Die letzten Tage auf Heartland hatte ich mit einem Ausritt verbracht – Amy und ich übten schon seit geraumer Zeit mit Moon und Figaro für einen Distanzritt der bald stattfinden würde. Die Abende hatte ich zusammen mit Cayden verbracht..unsere Dates, die wir wohl nachholen mussten…Wir lernten uns einfach auch besser kennen, tief in der Nacht verabschiedeten wir uns von einander. Wenn ich mir auch manchmal wünschte er würde bleiben, doch diesen Wunsch zu äußern traute ich mich nicht. An diesem Abend würde eine Freundin aus Finnland – mit im Schlepptau ihr eigenes Pferd Morke, einen Norwegerhengst den ich trainieren wollte. Andererseits hatte sie die Reise auch getan um Heartland zu besuchen und am Weihnachtsball teilzunehmen.
      Am Abend fiel mir Laura in die Arme – eine sichtlich geschaffte Laure – wir machten uns Augenblicklich daran den kleinen Hengst in den Stall zu stellen. „Die nächsten Tage lassen wir ihn erstmal ankommen, dann können wir mit dem Training beginnen. Wenn du Hunger hast, ich hab schon etwas vorbereitet.“ Laure verstaute noch den Sattel von Morke blickte mich an „Für etwas zu Essen würde ich glatt sterben!“ Als wir gerade aus dem Stall kamen fuhr ein weiterer Transporter auf den Hof – ebenfalls ein Gast aus Finnland, die Trakehnerstute Calista, sie würde auf Heartland einen perfekten Start ins Leben erlangen und dann wieder zusammen mit Laura und ihrem Hengst zurück nach Finnland gehen. Ty nahm die junge Stute in Empfang, zusammen mit ihm hatte ich am Vormittag die Box vorbereitet. Nun schlenderten Laura und ich noch zu den kleinen Offenställen und ich stellte ihr meine Connemaraponys vor. Cayden hatte ich für diesen Abend gebeten für das Essen nach Haus zu gehen, wenn er auch beim Kochen geholfen hatte und ich ihm einiges mitgegeben hatte. „Da du ja Vegetarier bist und auch ich wenig Fleisch esse, hab ich Kartoffelbouletten gemacht. Die sind mit ein bisschen Joghurt, Zwiebeln, Knoblauch und Paprika – dazu dann eine Tomatensoße. Falls der Nachtisch noch passt, gibt es Mouse au Chocolat!“ verkündete ich fröhlicher Stimme. Das Abendbrot ging schneller hinter sich als wir beide erwartet hatten, doch gegen den Nachtisch wurden die Abstände zwischen den Gähnern Lauras immer weniger – „ Na, ich glaube den Nachtisch verschieben wir auf das Frühstück, sonst hast du alles in den Haaren. Ich hab dir eines der kleinen Gästezimmer bereit gemacht, wenn du also schlafen gehen möchtest?“ Laura entschuldigte sich mehrere Male, bis ich es ihr etwas ausgeredet hatte – die Zeitumstellung, die lange Fahrt damit war nunmal nicht zu scherzen. Also verzog sich Laura in mein Gästezimmer, in der Zwischenzeit räumte ich die Küche auf, setzte mich noch ein wenig vor den Fernseher – um dann davor einzuschlafen.

      Am nächsten Morgen hörte ich ein stetiges Piepen, hob den Kopf und spürte gleich darauf die Strafe…die Nacht auf der Couch hatte mir einen steifen Nacken beschert.Ein leichtes Frühstück aus Müsli – Laura schrieb ich auf einen Zettel sie könne sich im Kühlschrank bedienen und das ich im Stall war. Dort versorgte ich alle Pferde, machte die Boxen ein wenig klar Schiff und holte mir dann den kleinen Norweger aus der Box. Mit feinen Bürstenstrichen ging ich durch sein Fell, entfernte die Überreste des Heus in seiner Mähne und steckte ihm ab und an ein kleines Leckerli zu – der kleine hing noch ganz schön durch, seine Ohren schlackerten, seine Unterlippe hing etwas nach unten und seine Augen waren etwas glasig vor Müdigkeit. Calista machte einen etwas munteren Eindruck, doch auch sie war geschafft von den Strapazen. Als ich gegen Mittag zu Amy hinüber ging begrüßte mich Jack mit einem ganzen Blech voller Kekse – ein paar der Teile hortete ich mir um dann mit ihnen in den Taschen meiner Jacke Gwen am Round Pen bei der Arbeit mit Lakim zu beobachten. „Sieht schon gut aus bei euch beiden! Man könnte beinahe meinen du hast noch nie etwas anderes gemacht“ Gwen bot ich einen Keks, den sie dankend entgegen nahm – „Ich werde mal schauen ob mein Besuch derweil erwacht ist.“ Damit verabschiedete ich mich von Gwen und schlenderte vom Round Pen zu meinem Wohnhaus. Als ich im Flur meine Schuhe abstreifte hörte ich gerade Geklapper aus der Küche und eine noch etwas verpennte Laura kam aus ihr hinaus – „Gut geschlafen?“ fragte ich grinsend.

      Die nächsten zwei Tage beließen wir es beim putzten der beiden Pferde – dann begann ich am Wochenende mit Calista zu arbeiten. Lisa hatte mir per Mail geschrieben die ersten Übungen zu den einzelnen Kommandos war der Stute nicht unbekannt, die Longe an sich kannte sie eben noch nicht. Zum Wiederholen fanden Laura und ich uns dennoch am Round Pen ein, fragten die Kommandos der jungen Trakkistute ab – die klappten ziemlich gut, doch auch am Nachmittag erhielt sie noch eine kleine Trainingseinheit. Diese Übungen taten uns beiden gut, sie würden das Vertrauen steigern. Zur gleichen Zeit absolvierte ich auch einige Trainigseinheiten mit Morke im Round Pen, denn bei ihm galt das gleiche wie bei Calista. Am Nachmittag schwang sich Laura in seinen Sattel, ich mich in den von Wish – beide Hengste standen in den Boxen nebeneinander und ein Schrecktraining im gelände konnten beide gut gebrauchen. Auch wenn weder ich noch Laura Gerten benötigten – „Damit können wir gegen ein paar Büsche und Äste hauen, da sehen wir was geschieht. Auf einer Strecke hab ich bereits vor einer Woche Plastiktüten und ein paar Flaschen verteilt. Vögel und die Kühe auf den Weiden werden wohl den Rest machen.“ - „Oh..da werden die beiden ja etwas zu tun haben. Ich bin ja oft mit Morke unterwegs, aber ein kleines Training kann ja immer nicht schaden. Aber warum reitest du ihn nicht?“ Wir ritten bereits vom Hof, den langen Weg hinunter. „Klar, ich bin der Trainer, aber du kennst den Hengst besser als ich – zudem musst du ihn in einer Gefahrensituation kontrollieren können, nicht ich.“ – „Okey, macht Sinn!“ Das erste Training führte uns nicht an der von mir präparierten Strecke vorbei, ich wollte die beiden nicht gleich fordern. Bei der ersten Biegung – die Kühe kannte Wish bereits, da er weiter voran Schritt ließ sich auch Morke nicht lang bitten. Der erste Hüpfer war als ich *beiläufig* einen Ast streifte und die wenigen Blätter daran zu rascheln begannen, beide Hengst blieben verdutzt stehen beguckten sich einander, dann den wackelnden Ast ehe Morke entschied ihm würde nichts geschehen und fleißig weiter lief. Wish benötigte dabei etwas länger. Während unseres Ausrittes kümmerte sich Cayden um das Training mit Calista, heute würde sie das erste Mal in ihrem Leben eine Trense tragen, da auch er mit ihr die vergangenen Tage gearbeitet hatte stellte dies keine Probleme dar. Als wir von einem erfolgreichen Ritt zurückkehrten lief Calista mit Trense durch den Pen – gute Arbeit für alle von uns!
      Auch die weiteren Arbeiten mit beiden Pferden, drei wenn man Wish hinzu zählte. Calista lief bereits in der Halle an der Longe, brauchte ab und an noch einen der ihr beim einhalten des Hufschlages half, aber sie wurde immer besser dabei – ihr Temparament lies sich nutzten um sie auch ohne eine Peitsche allein mit der Stimme zu kontrollieren. Wobei ihr Antrieb besser war als ihr Wille zum halten. Morke und Wish schritten nun Mutig voran, wenn es um die Kühe ging, die Gertenschläge gegen einen Baum juckten sie selten und auch die Flatterstrecke hatten beide Jungpferde bereits mit Bravur hinter sich gebracht. Der Traktor mit dem Ty jeden morgen das Heu brachte war, Aufgrund der Tatsache das er Heu lieferte ebenso wenig zu fürchten wie in etwa ein Halfter – Pony und Futter – das klappte einfach immer! Jetzt blieben nicht mehr viele Tage bis zum Weihnachtsball – Laura und ich würden bald nach München fahren um uns da ein paar hübsche Kleider zu kaufen. Die Tage kochten auch Laura, Cayden, Amy und ich gemeinsam..manchmal waren wir nur zu dritt oder leisteten den anderen im Haupthaus Gesellschaft – im Grunde eine wunderschöne Vorweihnachtszeit und die erste Weihnacht die ich mal wieder mit Amy verbrachte! Laura und ich hatten ebenfalls unseren Spaß, dank demselben Musikgeschmack dröhnten oftmals die Klänge von Hammerfall, Trivium und Co. Durch das Haus und auch Cayden leistete uns bei diesen Aktionen Gesellschaft…jeden Tag arbeiteten wir immer mal wieder mit den Pferden, bis zum Sonntag hatte Calista ihr komplettes Anlongieren absolviert – jetzt würde sie auf Heartland in die Hände von Amy, Gwen und Ty übergehen um angeritten zu werden. Am dritten Advent fiel neuer Schnee – den Ausritt unternahmen wir an diesem Tag nicht, auch Calista wurde nicht trainiert. Der Schnee war zu viel, zudem hatten sie sich nach einer vollen Woche intensiv Training eine Pause verdient.
      8689 Zeichen © Ravenna

      Ein kurzer Besuch
      Pohjoispää, Finnland – 18:47 Uhr

      Schon lange spiele ich mit dem Gedanken, einfach alles aufzugeben. Alles, was ich mir nun in über zwei Jahren aufgebaut hatte. Den kleinen Hof in Finnland, die Klinik, die Pferde. Doch so recht trennen kann ich mich von keinem von ihnen. Es würde mir das Herz zerreißen, sie voneinander zu trennen. Ich stapfte in den Stall, kontrollierte die Tränken und füllte die Heunetze auf, ehe ich das Futter mischte und unter den Tieren verteilte. Ruhiges, gleichmäßiges Malmen und hin und wieder ein Schnauben durchtrennte die Stille und ich strich vorsichtig über den Hals meines geliebten Norwegers, während er fraß. "Na Dicker.", murmelte ich leise und das Tier spielte mit den Ohren, ehe er mich aus intelligenten Augen anblickte. "Morgen Dicker.", murmelte ich. "Ab Morgen nehme ich mir wieder Zeit für euch." Man sah dem Tier an, dass es nicht mehr im Training war. Bewegung hatten alle genug, frische Luft und Futter, doch lebten sie nur noch vor sich hin. Nicht unglücklich, im Gegenteil, doch bekamen sie nicht mehr die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten. "Morgen.", murmelte ich wieder, schloss den Stall ab und ging hinüber zum Haus.
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      Zu Besuch bei einer Freundin.
      Pohjoispää, Finnland – 17:33 Uhr

      Ich hatte extra den langen Weg nach Finnland auf mich genommen, um mal wieder nach Tikka zu schauen und inzwischen freute ich mich schon riesig auf meinen dreitägigen Aufenthalt! Von der Partie würde natürlich auch ihr Norweger Mørke sein und auch auf den freute ich mich schon. Damit aber nicht nur sie pferdige Untersützung besaß, sondern auch ich, war mein geliebter Altair mitgekommen. Mit ihm konnte man guten Gewissens so eine Reise machen. Tikka holte uns am Flughafen ab und wir traten den langen Weg zur Ranch an. Wir hatten uns schon während der Fahrt viel zu erzählen, aber ich war froh, als wir endlich da waren, weil ich wirklich müde war. Tikka zeigte mir erst einmal mein Gästezimmer und lud mich dann zum Abendessen ein. Es gab Spaghetti und die schmeckten wirklich köstlich! Dabei war ich gar nicht so der Nudelfan. Nach der Stärkung ging ich noch duschen und sprang dann direkt in das kuschelige Bett.
      Am nächsten Tag war ich schon kurz nach sieben hellwach und stand auf. Ich hatte ein kleines eigenes Bad für mich und das Gästezimmer war herrlich, was für ein Luxus! Auch Altair schien vollkommen zufrieden mit seiner Box neben Mørke gewesen zu sein, denn als ich zuerst bei ihm vorbeischaute, lag er noch dösend im Stroh und schien sich sichtlich wohl zu fühlen. Die beiden kannten sich noch von damals, dementsprechend herzlich war auch die Zusammenkunft der beiden Hengste ausgefallen. Ich schmuste ein wenig mit Altair und dann holte mich auch schon Tikka zum Frühstück. "Wie wäre es mit einem morgendlichen Ausritt?", fragte sie grinsend und ich nickte nur begeistert.
      Dementsprechend ging es direkt nach dem Frühstück in den Stall und wir sattelten unsere beiden Hengste. Nach einer halben Stunde waren wir aufbruchsbereit und Tikka konnte mir die herrliche Landschaft Finnlands zeigen. "Wie heißt die Gegend nochmal?", fragte ich Tikka wahrscheinlich schon zum gefühlten hundertsten Mal. "Pohjoispää", meinte sie lächelnd und ich versuchte dreimal, diesen seltsamen Namen auszusprechen, ehe ich es aufgab. "Merke ich mir nie", meinte ich grinsend, ehe Tikka uns zu einem längeren Trab einlud. Pohjoispää lag nahe eines Sees der laut Tikka Rääpysjärvi hieß. Oh Gott, wer hatte sich nur diese Namen ausgedacht?
      Wir waren gute zwei Stunden unterwegs, ehe wir wieder auf der Ranch ankamen und die Pferde versorgen konnten. Während die beiden Hengste sich bei herrlichem Sonnenschein auf der Weide vergnügten, half ich Tikka bei der Stallarbeit, ehe wir gemeinsam kochten. Den Tag gingen wir etwas ruhiger an, obwohl wir gegen Nachmittag dann sogar noch in die nahe gelegene Stadt fuhren und ich so einiges von Finnland sehen konnte. Es war ein herrliches Land und ich war direkt verliebt, es war fast so schön wie Kanada! Aber meine Heimat lag mir dann doch zu sehr am Herzen, als dass ich Finnland hätte vorziehen können.
      Am nächsten Tag hatte Tikka mit uns einen längeren Wanderritt mit Übernachtung geplant! Ich war natürlich total aufgeregt, denn in einem fremden Land einen Wanderritt zu machen und draußen zu übernachten war schon nicht ohne, aber ich freute mich total. Außerdem hatte ich Tikka und Mørke an meiner Seite, es würde schon nichts schiefgehen! Schon früh am Morgen machten wir die Pferde und unser Gepäck fertig und dann ging es los. Es würde einmal um den großen See gehen und es war toll! Zum Glück ritt ich tagtäglich, sonst hätte mir schon nach fünf Stunden im Sattel das Hinterteil wehgetan. Stattdessen waren Altair und ich motiviert bei der Sache.
      Ein gutes Stück nach der Hälfte der Strecke schlugen wir unser Lager auf, es wurde allmählich Abend und schon bald konnten wir einen herrlichen Sonnenuntergang sehen. Tikka hatte ihre Fischerkünste spielen lassen und uns zwei Forellen geangelt, welche jetzt über einem kleinen Lagerfeuer rösteten. "Ach, so könnte jeder Tag sein!", meinte ich grinsend und streckte meine Füße dem warmen Feuer entgegen. Noch wurde es nachts recht kühl, aber eigentlich war das im Gegensatz zu den warmen Tagen auch wirklich angenehm. Wir unterhielten uns noch lange, ehe wir uns schlafen legten.
      Am nächsten Tag schafften wir es schon nach der Hälfte des Tages nach Hause. Dort gab es für Altair und mich eine kleine Ruhepause, ehe es wieder Sachen packen hieß, denn wir mussten nach Hause. Dort warteten immerhin noch gut 18 andere Vierbeiner auf mich, die mich sicherlich schon vermissten! Dementsprechend konnte ich leider nicht so lange bei Tikka bleiben, wie ich es gerne gewollt hätte, aber es ging nun mal nicht alles. Dennoch waren die letzten drei Tage herrlich gewesen und ich bedankte mich noch einmal herzlich bei Tikka, nachdem sie uns zum Flughafen gebracht hatte und wir uns gerade verabschiedeten. "Hoffentlich bis bald!", rief ich ihr noch zu, ehe ich die Sicherheitskontrolle passierte und mich auf den Weg ins Flugzeug machte.
      4828 Zeichen © Gwen

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      Heute stand wieder mal ein Treffen mit Verena an. Dieses mal sollte es jedoch nicht in ihren Stall gehen sondern in den Stall einer Freundin. Ich freute mich schon auf diesen Termin, da sie ein paar Pferde hatte, welche ich mir schon lange anschauen wollte. Ich fuhr mit meinem Wagen die Hofauffahrt des Stalles nach oben. Ein wirklich hübscher, kleiner Hof. Die Fahrt war lang gewesen, aber nicht sonderlich anstrengend. Bei den Pferden würde es sich auch nur um einen kleinen Auftrag handeln. Ich begrüßte Verena nachdem ich aus meinem Auto ausgestiegen war und ging dann mit ihr zusammen in den kleinen Stall. Ich begrüßte dort einen großen, braunen Hengst. Ein hübsches Tier, welches mir sogleich als Classic Cinnamon vorgestellt wurde. Ich sah ihn mir kurz provisorisch an und ging dann an das Eingemachte. Als erste überprüfte ich seinen Kopf, welcher weder an Nüstern noch an anderen Stellen Schrammen oder Wunden aufwies. Kurz lobte ich und schaute mir dann seine rechte Seite an. Ich konnte keine Verletzungen feststellen und schaute mir dann sein rechtes Vorder- und Hinterbein an. Auch diese sahen sehr gut aus. Ich ging auf seine linke Seite und sah mir diese dann gründlich an. Ich klopfte seinen Hals und sah mir dann die zwei andren Beine an. Ich gähnte kurz und sagte dann „Entschuldigung. Ich bin ein bisschen müde.“ Dann hörte ich die Lunge und das Herz ab. Dies hörte sich auch sehr gut an und in der Lunge konnte ich auch kein Rauschen oder so feststellen. Ich tastete noch mal seinen Hals ab und fand die richtige Stelle für die Impfung. Als erstes zog ich die Spritzen gegen Tetanus, Herpes und Influenza auf. Diese setzte ich ihm dann auch gleich und zog die nächsten Spritzen auf. Die Tollwut- und Streptokokkenimpfungen standen auch noch für ihn an und so setzte ich die letzten Impfungen auch noch. Als letztes bekam der Friesenmix noch seine Wurmkur, welcher er wiederwillig schluckte. Das nächste Pferd was auf dem Plan stand war eine Stute. Sie hörte auf den Namen Bree und war ein wunderhübscher Traber. Ich grüßte sie und sah mir dann gleich ihren schöngeformten Kopf an. Dieser war genau wie ihr restlicher Körper, eingeschlossen der Beine, in einer sehr guten Verfassung und ich musste keine Verletzung bearbeiten. Ich hörte die Scheckenstute ab und lobte sie dann. Auch bei ihr standen alle Impfungen an und so zog ich diese gekonnt auf. Schnell setzte ich sie der Stute und lobte sie dann ausgiebig. Nachdem sie sich wieder ein bisschen beruhigt hatte, gab ich noch ihre Wurmkur. Als nächstes folgte noch der bekannte Morke. Ich freute mich schon sehr ihn zu sehen und auch mal persönlich kennenzulernen. Ich begrüßte den Norweger als er vor mir stand und schaute ihn mir dann an. Er sah von der Bemuskelung aus wie das typische Turnierpferd. Man sah ihm jedoch auch an, dass er ein glückliches Leben hatte. Auch sein Körper konnte keine Wunden hin weißen. Seine Beine waren weder geschwollen noch dick. Ich lobte den Hengst und hörte ihn dann ab. Wie bei seinen Vorgänger hörte sich auch seine Brustraum gut an und ich konnte beruhigt die Spritzen setzten. Ich gab dem Hengst ein Leckerlie und im gleichen Zug auch noch seine Wurmkur. Sie brachte Morke weg und brachte dann noch das Fohlen vorbei. „ Das ist Minaki“ stellte sie mir den Weißfalben vor. Ich schaute mir das Fohlen nach der Begrüßung an und konnte auch keine Verletzungen feststellen. Dann hörte ich sie ab und lobte die kleine Stute nochmal. Nun sollte es noch an das impfen gehen. Es war ihr erster Tierarztbesuch und sie musste noch nicht alle Spritzen bekommen. Als erstes impfte ich sie gegen Tetanus, Influenza und Herpes. Dies waren die ersten Impfungen, welche man ab vier Monaten durchführen durfte. Verena hatte mir erzählt, dass das Fohlen mittlerweile sechs Monate alt war. Ich gab der Stute noch die Wurmkur und lobte sie dann. „ Die kleine hat ja echt gut mitgemacht“ meinte ich und lobte sie dann ein weiteres Mal. Während ich meine letzten Sachen packte, brachte Verena das Fohlen wieder weg. Gemeinsam gingen wir zum Auto und ich verabschiedete mich von ihr. Dann fuhr ich bereits zu meinem nächsten Kunden.
      4125 Zeichen © Sevannie

      Hufschmiede
      Burning Spring


      Es war ein angenehmer, sonniger und herbstlicher Tag als ich auf Liliths Hof ankam. Ich parkte meinen Wagen, mit einer Erlaubnis einer Freundin der Inhaberin, direkt vor dem hübschen Stall. Lächelnd wartete Verena O'Connor auch schon auf mich und ich begrüßte sie freundlich. Sie war mir vom ersten Moment an sympathisch.
      Während sie mir nun etwas über die Pferde erzählte nahm ich meinen Hufschmiedkoffer aus dem Kofferraum und hing mir meine Schürze um. Dann gingen wir auch schon in den Stall. Ihre drei Pferdchen standen schon in der Stallgasse bereit, wo sie tip-top geputzt auf uns warteten.
      Mein erster Client war Classic Cinnamon, liebevoll Cinna genannt. Der 1.75m große Hengst richtete seine Ohren sofort neugierig in meine Richtung und schien sich ein Bild von mir machen zu wollen. Ich ging vorsichtig auf ihn zu, wobei er schnell den Kopf hoch in die Luft hob. Verena, die mir bereits das Du-Wort angeboten hatte, hat ihn mir als eher stürmisch aber lieb beschrieben, weshalb ich ihm nur sehr vorsichtig die Hand hin hielt um ihn schnuppern zu lassen, was er nach einiger Zeit auch tat. Erst gab er sich ruhig, dann wieherte er und zeigte sich hengstisch. ,,Alles ist gut, Großer.'',sagte ich beruhigend und er fand auch schnell wieder sein innerliches Gleichgewicht.
      ,,Nun. Dann sehen wir uns doch einmal deine Hufe an.'',meinte ich und bückte mich hinunter. Seine Hufe waren in einem guten Zustand und bedarfen nur wenig Korrektur. Dazu ließ ich mir den Huf von ihm geben, was er gehorsam tat. Dann nahm ich mein Hufmesser zur Hand und machte einen kleinen aber sinnvollen Probeschnitt in die weiße Substanz seines Hufes. Daran konnte ich erkennen wie viel Horn ich beim Ausschneiden wegnehmen musste. Es war nicht all zu viel aber unterschätzen sollte man dies auch nie, da schnell Taktunreinheiten auftreten konnten wenn mal etwas Horn zu viel oder an der falschen Stelle wucherte. Dies vermieden wir aber in diesem Moment. Als dies getan war brachte ich auch seinen Strahl etwas in Form.
      ,,Feein.'',sagte ich dann lobend und ließ ihn mir zu guter Letzt noch im Trab vorführen um den Bewegungsapparat zu überprüfen. Es war nichts negatives zu erkennen und Cina konnte wieder entlassen werden.
      Der nächste war Mørke, ein hübscher Norweger. Er hatte uns schon die ganze Zeit über beobachtet und wirkte nun etwas verwirrt. Dennoch gelang es mir schon nach kurzer Zeit ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Danach machte ich mich auch schon wieder an die Hufkontrolle. Dabei musste nun auch er mir seine Beine geben, immerhin musste ich mir diese ja auch von unten ansehen, also die Sohle, den Strahl und das Hufhorn kontrollieren. Dabei war er sehr brav. Erst als ich die alten Eisen herunter nahm wurde er etwas unrund, immerhin dauerte das etwas. Anschließend folgte auch bei ihm das Ausschneiden. Ebenso raspelte ich bei ihm etwas an der 'Unterlage' für den neuen Beschlag damit diese dann auch gut saßen.
      Danach gingen wir raus zu meinem Auto, wo ich alle möglichen Eisen lagerte. Es sollten spezielle Wintereisen werden, von mir persönlich für einen besseren Halt entwickelt und geschmiedet. Die Besonderheit war, neben der perfekten Form und dem Gummieinsatz, dass Stollen dabei waren, die aber herauszunehmen und wieder zu montieren waren. Dies war dann auch sehr gut wenn der Schnee dann zu schmelzen begann und die Böden feucht und rutschig waren.
      Ich suchte die richte Größe für den Süßen aus und erwärmte diese dann in meinem In-Auto-Ofen. Dann brannte ich sie auf Morkes Hufe auf, wobei er unsicher die Ohren anlegte. Dennoch blieb er gehorsam stehen. Die Eisen kamen dabei in ein Wasserbad um abzukühlen und wurden anschließend aufgenagelt. ,,Guuter Junge.'',lobte Verena dabei.
      Dann ließ ich mir auch ihn vorführen um zu sehen ob alles gut saß, was der Fall war.
      Danach, last but not least, gingen wir zu Bree, einer Traberstute. Sie gefiel mir vom ersten Moment an total gut, wie sie mich mit ihren großen, blauen Augen beäugte und mich von Anfang an akzeptierte. Auch ihre Hüfchen sollten untersucht werden.
      Dabei schien es ihr gefallen meine Aufmerksamkeit zu bekommen und stand ausgeglichen da während ich mit meinen prüfenden Augen jeden Zentimeter ihrer Hufe ansah. Natürlich waren sie sehr gepflegt, wie erwartet. Trotzdem schnitt ich auch die ihren Hufe aus und entfernte eine kleine Wucherung am Strahl, welche die Luftzufuhr unterbrach.
      Dann war die Hübsche auch schon fertig und meine Arbeit getan.
      Ich verabschiedet mich bei Verena und den Pferdchen und hoffte auch, dass die Besitzerin mit meiner Arbeit zufrieden sein würde. Danach verließ ich den Hof wieder.
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      Pflegebericht für Minaki, Classic Cinnamon, Bree, Morke und Gipsy
      Hallo Finnland!


      "Hey Backfisch", trällerte ich ins Telefon und ruckte einmal am Führstrick von Gipsy, dem die ganze Flughafenatmosphäre nicht so geläufig war wie mir. "Backfisch? Was geht denn mit dir ab?", bekam ich zurück und schüttelte den Kopf. "Egal, erzähl ich dir wenn ich da bin..", sagte ich und lachte dann kurz. "Achso, bin mit Gipsy am Flughafen, wir kommen dich besucheeeen!" "Oh man, Venchen hier sieht es aus! Ich hab noch nichtmals eine Box fertig und muss gleich schon wieder weg", sagte sie mir doch ich schüttelte erneut lachend den Kopf. "Ich mach mir die selbst fertig, kein Problem." "Hm.. na gut, dann bis gleich. Wehe du erzählst mir dann nicht, warum du mich Backfisch genannt hast!" Erneut lachte ich und legte dann auf. Nun führte ich Gipsy auf den Flieger zu, wurde dabei aber von einem Mitarbeiter wütend angesehen, der auf mich zukam und mir den Strick aus der Hand reißen wollte. Gipsy, der ein wenig Angst vor Männern hatte, legte die Ohren an, machte einen Satz zurück und kam sogleich wieder drohend nach vorne geschossen. "Was meinen Sie, warum ich ihn selbst führe?!", fragte ich den Herrn recht wütend und blickte zu meinem "Stammverlader". Es war nicht grade selten, dass ich auf dem Flughafen mit Pferden herumlief. "Gehen sie zurück zum Gepäck Sir, ich helfe der Dame", erklärte er dem Mann und gab ihm einen Schubs, damit er endlich von hier verschwand. "Hallo Gipsy", sagte Frank zu meinem Wallach, welcher ihm die Nase entgegenstreckte. Die zwei kannten sich schon eine Weile, so dass Gipsy hier bei ihm absolut keine Angst zeigte. "Wo gehts denn heute hin?", fragte er mich und ich erzählte ihm knapp, dass ich für ein paar Tage nach Finnland fliegen würde, um einer Freundin von mir unter die Arme zu greifen. Er nickte daraufhin freundlich, ehe er Gipsy ein Leckerchen gab, die er wohl immer mit sich herumtrug. Kein Wunder, wenn man fast täglich mit Pferden zu tun hatte. "Du kannst ihn mir geben, ich gehe noch mit ihm zum TA und lass ihn sedieren, du kannst dich schon in den Flieger setzen", erklärte er mir und ich nickte freundlich, ehe ich Gipsy noch einen Kuss auf die Nase drückte und mich dann in den Flieger begab. Da ich doch recht müde war, schlief ich sofort ein und wachte erst wieder auf, als mich der unfreundliche Mann, der mir Gipsy aus den Händen reißen wollte, unsanft gegen die Schulter haute. Grummelnd schaute ich ihn an und stand dann auf, um den Flieger zu verlassen und Gipsy in Empfang zu nehmen. Da ich Daavid schon in mein Vorhaben eingespannt hatte, holte er den Wallach und mich ab und so kam es, dass wir recht schnell bei Lou ankamen und siehe da, Daavid hatte es doch noch geschafft, eine Box herzurichten. Freudig sah ich, dass auch Minaki in Lous Abwesenheit ihren Weg zu ihrem Hof gefunden hatte. "Da wird sie sich freuen", sagte er junge Mann lachend und ließ mich dann alleine auspacken, da er noch die Pferde zu füttern hatte. Also lud ich Gipsy aus und stellte ihn in eine Box, neben die kleine Norwegerstute Minaki. Man sah die Kleine von der Stallgasse aus nicht, weshalb sich Lou bestimmt fragen würde, warum ich Gipsy nicht direkt neben Bree stellte. Bald kam Lou auch zurück und stolperte in den Stall. Kurz lachte ich. "Leg dich nicht noch auf die Fresse, Lou. Ich fahr dich nicht ins Krankenhaus!", sagte ich scherzhaft und umarmte sie einmal. "Lange nicht gesehen, was?", fragte ich dann und sah, wie Lou zu Gipsy rüber schaute. "Ach bevor ich es vergesse, alles gute zum Geburtstag!!", sagte ich und umarmte sie nochmal, dabei etwas fester. "Dankeschön", sagte ich lächelnd. "Ich hab ein Geschenk für dich", sagte ich dann knapp und bekam einen Schlag gegen die Schulter. "Du sollst mir doch nichts schenken, Venchen!", sagte sie dann vorwurfsvoll und schüttelte den Kopf. "Sag mal, warum steht Gipsy so weit da hinten?", fragte sie mich dann. "Geh doch gucken..", sagte ich und grinste von einem auf das andere Ohr. Auch Daavid musste grinsen, was Lou mit einem fiesen Blick quittierte, woraufhin der Junge das Grinsen sein ließ. Jaja, er hatte es nicht immer einfach.
      Schließlich ging Lou jetzt zu Gipsy rüber und blieb vor der Box von Minaki stehen, die ihr freundlich entgegenwiehrte. Gott sei Dank hatte sie bis jetzt den Mund gehalten, weshalb Daavid und ich synchron in Lachen ausbrachen. "Spinnst du Venchen?!", sagte sie geschockt und sah zu erst mich, dann Daavid an, der, so wie ich, noch immer am lachen war. "Wusstest du davon?!", fragte sie ihn überrascht. "Klar, ich war sie doch holen!", sagte er und schaute zu mir rüber, so in der Art, ich solle schnell etwas sagen, damit er keinen Ärger bekam. "Es war aber alles meine Idee!", versuchte ich den jungen Mann aus der Situation zu retten, was auch sehr gut klappte, denn Lou richtete ihre ganze Aufmerksamkeit zu erst auf mich, dann auf die kleine Stute. "Sie ist übrigens Morkes erste Tochter", sagte ich lächelnd und sah nun endlich die Freudenstrahlen auf Lous Gesicht. Sie öffnete die Boxentür und umarmte die Stute, ehe sie mich und auch Daavid umarmte. "Aber jetzt gibts endlich was zu essen, ich sterbe vor Hunger!", sagte ich lachend und schob Lou aus dem Stall raus, die die Augen gar nicht von dem kleinen Weißfalben lassen konnte.
      Der Abend klang super locker aus, denn wie man sah, konnte man auch ohne Alkohol Spaß haben. Wir erzählten uns alte Geschichten, und ich erklärte Lou auch, warum ich sie Backfisch genannt hatte. Das hatte nämlich... ach, sie weiß es ja selbst ( :p).
      Der nächste Morgen kam rascher als gedacht und so kam es, dass ich erst um 10 Uhr auf den Beinen war. Lou ging es da nicht anders, lediglich Daavid hatte sich schon um die Pferde gekümmert und auch Gipsy auf die Koppel getan. In Finnland war es doch ein wenig kälter als in Kanda, weshalb Daavid Gipsy eine Decke von Morke angezogen hatte, die glücklicherweise passte. Da er aber schon seit 6 Uhr auf der Koppel stand, holte ich ihn und Morke nun in den Stall, um sie für einen Ausritt fertig zu machen. Es war schon eine Weile her, seit ich aus Finnland weggezogen war, so dass ich die Gegend hier kaum noch kannte. Endlich kam Lou und gesellte sich zu mir, um ihren Morke zu putzen und zu satteln. "Schön, dass Gipsy und Morke sich so gut verstehen", sagte Daavid dann und schien doch ziemlich traurig zu sein, nicht mit ausreiten zu dürfen. "Ich bin ja noch ein paar Tage hier, Daavid, Kopf hoch", sagte ich lächelnd und zurrte den Sattelgurt fest, ehe ich meine Sporen anzog und mich dann auf dem Hof in Gipsys Sattel schwang. "Warum reitest du ihn mit Sporen?", wollte Lou wissen und schaute mich ungläubig an. "Sind ja einfache Kugelsporen, Gipsy ist ziemlich fett geworden, komm so besser an seinen Bauch dran", sagte ich lachend und legte meine Hände auf den Sattelknauf. "So, Lou, zeig mir mal wo es lang geht", sagte ich lachend und setzte mich in Bewegung, als sie sich auch in Bewegung setzte. Zunächst ritten wir einen schmalen Weg entlang, ehe es auf eine grade Wiese ging, wo wir die beiden Dickerchen mal ordentlich laufen lassen konnten. Morke hatte ganz schön zu kämpfen, um mit meinem wendigen Reiningpferdchen Schritt zu halten, vor allem, da er durch sein Training sehr schnell vom Schritt angaloppieren konnte. Viel zu schnell waren wir jedoch am Ende der Wiese angekommen und mussten durchparieren. Schnaufend strich ich mir meine Haare aus dem Gesicht, ehe ich zu Lou rüber sah, die das Selbe machen musste. "Nächstes Mal machen wir nen Zopf", sagte ich lachend und klatschte einmal mit Lou ein, ehe wir uns auf den Heimweg machten, da es anfing zu regnen. Halb durchnässt kamen wir wieder am Hof an und drückten Daavid die beiden Pferde in die Hand, da wir uns umziehen gingen, ehe Lou sich Bree schnappte und eine Runde auf den Platz ging. Da ich Trainer war, konnte ich ihr noch ein paar hilfreiche Tipps geben. Nervös zappelte die wunderschöne Stute hin und her. "Keine Ahnung, was sie heute hat", sagte Lou mir verständnislos. "Versuch sie mal mit der Stimme zu beruhigen. Achte aber drauf, dass sie dir auch zuhört. Wenn nicht, ruck einmal an der Longe. Nicht zu hart, aber auch nicht zu leicht. Sie soll merken, dass sie dir zuhören soll", erklärte ich und schaute zum Himmel, der gerade mal dicht hielt. Doch nach wenigen Minuten fing es wieder an zu regnen. Genau dann, als Bree locker im Trab vor sich hin lief und nicht wie von einer Biene gestochen den Arsch in die Luft warf. "Mist..", murmelte ich und so gingen Lou, Bree und ich in den Stall. "Du brauchst hier unbedingt ne Halle, Lou. Oder wenigstens ein Dach über dem Reitplatz", tadelte ich sie und streichelte Bree kurz über die Nase. "Morgen ist ja auch noch ein Tag, dann probieren wir was mit Bree aus", sagte ich Lou und half ihr alles wegzuräumen, ehe wir ins Haus gingen und uns was zu essen machten. Der Tag neigte sich schnell dem Ende zu, und schon war der dritte und vorletzte Tag angebrochen, den ich in Finnland verbringen würde. "Ich muss wirklich öfter mal zu dir kommen", sagte ich traurig und streichelte Bree, mit der wir heute anfangen würden. "Longier sie nochmal ganz locker auf dem Platz, dann bring ich ne Decke und den Longiergurt mit", erklärte ich ihr und sah schon leichte Panik in ihren Augen. Ich kannte Bree ja schon vom Hören Sagen, doch sie konnte ja auch nicht ewig unreitbar bleiben. Kurz seufzte Lou und ging mit der Stute auf den Platz. Heute hatten wir Glück, denn die Sonne schien.
      Nach einer guten halben Stunde, bei der ich Lou immer wieder Tipps zu der Stute gegeben hatte, war ich nun an der Reihe. Als Verstärkung hatte ich mir Daavid geholt, da er doch etwas mehr Kraft hatte als Lou. "Du hälst die Longe am Ende fest. Sollte sie wegspringen, lass die Leine durch deine Finger rutschen, aber lass das Ende um Himmels willen nicht los!", erklärte ich ihm mit Nachdruck und sah ein Nicken. "Gut", erwiderte ich trocken und ließ Bree zunächst einmal an der Satteldecke schnuppern, ehe ich sie ein wenig damit berührte. Ich strich über Hals, Brust, Beine, Bauch, Rücken und Kruppe. Sie legte zwar die Ohren an, sah aber kein Problem darin. Nun tat ich immer wieder so, als würde ich die Satteldecke auf ihren Rücken nehmen. Legte sie aber immer nur kurz darauf, ehe ich sie sofort wieder runternahm. Zu erst wollte die Stute zur Seite springen, blieb dann aber nervös stehen und schaute mir beängstigt zu. Ich hatte eine ganz alte Satteldecke geholt, bei der es nicht schlimm war, wenn sie im Matsch landete. So kam es dann auch. Nachdem sich Bree ein wenig entspannt hatte, weil ich die Decke immer wieder runter nahm, machte seinen umso größeren Satz zur Seite, als die Decke plötzlich auf ihrem Rücken lag. "Halt fest", fauchte ich Daavid an und sah, wie er sich abmühte, die Stute festzuhalten. "Und jetzt lass sie um die herum in kleinen Kreisen laufen, sie soll nachdenken. Hopp, hopp!" sagte ich und scheuchte Bree vorwärts. Nach ein paar Runden schnaubte sie ab und ließ das hektische Gehopse sein, ehe sie wieder locker trabte. "Braaaav", lobte ich sie und wies Daavid an, sie wieder zum Stand durch zu parieren, um dann erneut mit der Decke anzufangen. Promt, lag sie auf dem Boden. Doch das war nicht schlimm, wir hatten Zeit. Bree musste noch einen ganzen haufen Runden um Daavid laufen, ehe die Decke auf ihrem Rücken liegen blieb."Braaav", lobte ich sie wieder und machte dann für heute Schluss. "Das ist schon ein guter Anfang!", sagte ich stolz und ging dann zu Gipsy, um ihn noch ein wenig zu reiten. Eigentlich wollte ich auf den Platz, doch Lou überredete mich und Daavid zu einem Ausritt. Da Daavid Cinna jedoch nicht reiten konnte, da er von der Ausbildung her noch nicht so weit war, bot ich ihm Gipsy an. "Wehe du reißt ihm am Zügel", warnte ich den jungen Mann und machte mir Cinna fertig, der so stürmisch war, dass es eine Ewigkeit dauerte, bis wir loskamen. Ich hatte ihn nämlich noch ablongier, da ich keine Lust hatte mit meinem Hintern im Matsch zu landen.
      Leider sah es die ersten Meter jedoch genau danach aus, denn nur mit Mühe konnte ich mich im Sattel halten, als der Friesenmix loslegte. "Man, man, Lou. Wann wurde der denn das letzte Mal geritten?!", fragte ich sie vorwurfsvoll und sah, dass sie beschämt mit den Schultern zuckte. "Das musst du echt aufarbeiten", sagte ich lachend und klopfte Cinnas Hals. Viel zu früh für meinen Geschmack waren wir wieder zurück, versorgten die Pferde und stellten sie in die Boxen.
      Am Abend redeten wir nochmal sehr lange miteinander, ehe wir am nächsten Morgen ganz früh mit Bree weitermachten, da mein Flieger um 11 Uhr ging. Dementsprechend waren es gerade 8 Uhr morgens. Die Decke konnten wir nach einer guten halbe Stunde wieder rauflegen. Zwar passte Bree das gar nicht, sie blieb aber stehen. Dann kam der Longiergurt, der mindestens dreimal samt Decke im Sand landete. Doch genau wie gestern war ich die Ruhe selbst und versuchte es immer und immer wieder, bis ich ihn zumachen konnte. Dann war es mir auch herzlich egal, als Bree mit einem riesen Satz von uns wegsprang und buckelte. Da sie jedoch merkte, dass das Ding auf ihrem Rücken nicht wegging und wir mittlerweile angefangen hatten, sie voran zu treiben, musste sich sich wohl oder übel langsam damit abfinden. "Gib mir die Longe mal", sagte ich zu Daavid und holte Bree nun immer näher an mich heran, so dass sie keine Chance mehr zum galoppieren hatte, sondern im Trab und schließlich im Schritt gehen musste. Sie beruhigte sich auch ganz langsam wieder, ehe ich den Erfolg der Einheit deutlich sah und sie wieder von ihrer Last befreite. "Und genau so macht ihr weiter. Ist klar, dass sie wegspringt.. aber mit Küsschen hier, Schmuseeinheit da kommt man bei ihr nicht mehr weiter, da ist schon was vorgefallen, was zu tief drin steckt.. das muss man dann schon aggresiv angehen, damit sie wieder aus ihrem Loch rauskommt.", erklärte ich ihr und verabschiedete mich dann von Bree, Morke, Classic Cinnamon und Minaki, ehe ich mir Gipsy schnappte und ihn einlud, alles in das Auto quetschte und wir auf den Flughafen fuhren. Die Verabschiedung ging leider ziemlich schnell, da das Flugzeug früher starten musste, aus Gründen, die mir nicht bekannt waren. Im Flieger schlief ich wieder ziemlich schnell ein und wachte erst auf, als Frank mich unsanft aufweckte. "Aufstehen, Madame. Gipsy wartet."
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      Das neue Leben.
      Pohjoispää, Finnland – 4:49 Uhr

      "Daavid!", nörgelte ich, während ich dabei war einen beigen Strickpullover in meine Reisetasche zu stopfen. Der junge Mann stand im Türrahmen angelehnt und grinste mich nur an. "Schön, dass es dich amüsiert, aber ich möchte nur ungern die Nacht im Jeep verbringen!", sagte ich mit Nachdruck und der blonde Finne wandte sich augenrollend, jedoch immer noch mit einem Grinsen von mir ab und ging, hoffentlich, in den Stall um die Pferde für die Fahrt vorzubereiten. "Ich weiß gar nicht, was es gegen eine Nacht mit mir im Auto einzuwenden gibt.", hörte ich seine Sticheleien durch den Flur klingen und ich murrte leise, doch entlockte es mir ein kleines Grinsen. Rasch packte ich zu Ende und blickte kurz aus dem Fenster, wo Daavid grade Minaki aus dem Stall führte, ehe mein Blick durch den ausladenden Raum wanderte. Alles war voller Kartons und die meisten Möbel fehlten bereits. Ich schnappte mir mit einem leisen Seufzen meine beiden Taschen, schlüpfte in meine Schuhe und trat vor die Tür des Wohnhauses. Ein kalter Wind schlug mir entgegen und ich fröstelte kurz. Mein Blick wanderte zu den Stallungen herüber, welche Daavid und ich bald zurücklassen würden. Momentan waren die Stuten nur provisorisch von den Hengsten getrennt, was im Stall oft zu Unruhe führte. Doch auch wenn ich diesen Ort hier liebte, so freute ich mich unheimlich auf den neuen Hof. Der Stallkomplex bot viel mehr Platz als der jetzige und war in der Form eines L's gebaut, im Knick befanden sich Futter- und Sattelkammer. So waren die Stuten endlich auch räumlich von den Hengsten getrennt und es würde hoffentlich etwas Ruhe einkehren. Zudem war vor jeder Box ein kleiner Paddock umzäunt und alles wirkte moderner und nobler. Auch das neue Haus, in dem wir leben würden war größer, doch hatte der Hof nichts von seiner Gemütlichkeit verloren. Der Mix aus der modernen Einrichtung und Gestaltung war der perfekte Kontrast zu dem alten Baustil. Von Anfang an, hatte ich es geliebt. Doch würde dies auch bedeuten, dass wir Finnland wieder verließen. Es zog mich wieder in einen deutschsprachigen Raum, doch wollte ich die herrliche Landschaft nicht missen. So kam es, dass wir uns nun auf den langen Weg von Finnland in die italienischen Alpen machen würden. In unser neues zu Hause in den Dolomiten. Als Kind war ich oft dort gewesen, gemeinsam mit meinen Eltern. Doch hätte ich es mir kaum träumen lassen, einmal dort zu leben. Umso größer war die Freude.
      Mit einem Ruck beförderte ich die beiden Reisetaschen auf den Rücksitz des Jeeps. Die Möbel, welche wir auch in Italien nicht missen wollten, waren bereits mit einer Spedition dorthin verbracht wurden, ebenso das meiste der kleineren Gegenstände. Nun galt es nur noch die restliche Kleidung, die Ausrüstung aus dem Stall und natürlich Daavid und die Pferde in den Jeep mit dem großen Anhänger zu verfrachten. "Ruhig mein Mädchen.", hörte ich meinen Mitbewohner auf die kleine Stute einreden. Ruckartig kehrte ich aus meinen Gedanken zurück und kam ihm zur Hilfe. Der Hänger war dem jungen Fohlen alles andere als geheuer, doch folgte sie schließlich zögernd, als ihre große Gefährtin Bree gelangweilt die Rampe herauf trottete. "So ist's gut.", lächelte ich und strich den beiden kurz über die Stirn. Auch Daavid warf ich ein Lächeln zu, welcher mich grinsend gegen den Arm boxte. Ich war wirklich froh, einen so guten Freund in dem jungen Mann gefunden zu haben, welcher ursprünglich nur als Aushilfe in meiner Arztpraxis gearbeitet hatte. Schließlich hatte er immer mehr Aufgaben auch in meinem Privatleben übernommen, bis er als feste Arbeitskraft und als guter Freund schließlich auch auf meinem Hof lebte. Er hatte das Reiten gelernt, oder genauer gesagt, er war immer noch dabei, es zu lernen. Und in Italien wäre nun endlich genug Platz, damit auch Daavid sich einen vierbeinigen Freund zulegen konnte. Und ich würde endlich wieder meiner Arbeit als Tierarzt nachgehen.
      Schließlich verluden wir auch noch Daavids Hab und Gut, dessen Rest erheute früh noch aus seiner alten Wohnung bei seinen Eltern geholt hatte und als die Ausrüstung aus dem Stall, die noch verblieben war und auch Morke und Cinna ihren Weg auf den Hänger gefunden hatten, schlossen wir die Rampe und rollten vom Hof. Nun lagen 2.983 Kilometer Strecke mit etlichen Pausen vor uns. Stress für Daavid und mich, die sich mit dem Fahren und Schlafen abwechseln mussten und auch Stress für die Pferde. 40 Stunden.
      "Aufwachen." Ich versuchte mich zu orientieren und blinzelte vorsichtig. "Hey, Lilith!" Ich blickte zur Seite, in Daavids grinsendes Gesicht. "Bin ich wieder dran?", murrte ich leise und richtete mich im Sitz wieder auf. "Nein du Pfeife, wir sind da!", widersprach mir der Finne und meine Miene hellte sich schlagartig auf, als ich die weißen Spitzen der Latemargruppe ausmachen konnte. Ich liebte den Ausblick. Die begrünten Hänge und die weiße Felsspitze, die aus dem Gras und Geröll herausragte, der Blick auf den Zanggenberg und dahinter bei guter Sicht das Weiß- und das Schwarzhorn. Freudig quiekte ich auf und umarmte Daavid von der Seite. "Was ist denn mit dir los? So kennt man dich ja gar nicht!", lachte er auf und ich schob gespielt beleidigt die Unterlippe vor. "Was genau möchtest du mir damit sagen, Daavid Forsman?", fragte ich in scharfem Tonfall, doch musste dann selbst lachen. Ich war nunmal 'nicht immer einfach', wie Verena es nett verpackt. Mit Schrecken übermannte mich das schlechte Gewissen. Mein Kontakt zu meiner guten Freundin war einfach viel zu gering. Ich hatte ihr nicht einmal von dem Umzug erzählt. Eilig kramte ich mein Handy hervor, doch steckte es wieder weg. Ein Anruf müsste wohl warten, bis das gröbste Chaos vorüber wäre. Also sprang ich aus dem Jeep und lies meinen Blick über das ehemalige Skigebiet gleiten. Seit meinem letzten Besuch hatte sich viel verändert. Der Tourismus war stark zurückgegangen und die Lifte existieren nicht mehr, ebenso das Hotel. Nun ragte das Wohnhaus mit dem Stallkomplex aus den Wiesen hervor und einige Koppelzäune umgrenzten unsere neue Heimat. Das Lächeln auf meinen Lippen war nicht mehr zu schmälern, doch riss ich mich von dem Anblick los und begann mit der nun anstehenden Arbeit. Die Pferde mussten in den Stall gebracht werden, die Sattel- und Futterkammer sollten ihre alte Fülle erhalten und das Haus musste bis zum Abend bewohnbar sein. Es lagen nun einige lange Tage vor uns.
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      Kehrtwende.
      Predazzo, Italien - 07.45 Uhr

      "Du wirst was?!" Entgeistert starrte ich Daavid an. "Ich muss, Lilith.", seufzte der junge Mann. Natürlich konnte ich ihn verstehen, trotzdem versetzte es mir einen Schlag. "Und was mach ich jetzt? Ich verliere meinen Arzthelfer, Pfleger und meinen besten Freund!", sagte ich traurig. "Versteh mich doch!", entgegnete er. "Meine Mutter ist krank in Köln und ich sitze hier in Italien. In einem Leben, als gäbe es keine Probleme." Zwiegespalten seufzte ich auf. "Natürlich verstehe ich das.", sagte ich leise und blickte zu Boden. Ich merkte, wie Daavid mir tröstend über den Arm strich. Außerdem habe ich dort die Möglichkeit auf mein Studium. Und wenn alles wieder in den richtigen Bahnen ist, hat die Klinik zwei Ärzte. Wir könnten uns richtig vergrößern.", sagte er. Doch in seiner Stimme hörte man, dass sich unsere Wege nun wohl endgültig trennen würden. Ich schwieg. "Lilith, bitte. Meine Mutter war mein Leben lang für sie da, ich kann sie jetzt nicht damit alleine lassen.", sagte er sichtlich verzweifelt. "Ist ja in Ordnung." Mit diesen Worten kehrte ich mich um und verschwand im Stall. Ich schnappte mir eine Mistgabel und begann mit hastigen Bewegungen die leere Box meines Hengstes zu misten, welcher sich auf der Weide mit den anderen Pferden vergnügte. Ich hörte Schritte hinter mir. "Wann reist du ab?", fragte ich abgehackt. "Morgen.", kam es lese zurück und ich seufzte auf. "Na schön." Ohne ihn anzusehen fuhr ich mit meiner Arbeit fort. Ich hörte ihn laut Luft holen, doch es folgte kein weiteres Wort. So schwiegen wir uns an, ehe ich in der Bewegung inne hielt und ihn ansah. "Ich werde dich vermissen.", sagte ich traurig. "Ich dich doch auch.", seufzte Daavid und umarmte mich kurz. "Ich habe übrigens nach einem Nachfolger gesucht. Damit du nicht ganz alleine hier stehst. Er kommt heute Nachmittag vorbei um sich vorzustellen.", erklärte er und ich blickte ihn wütend an. "Danke Daavid, aber die Menschen, die mit mir und den Pferden arbeiten, suche ich mir lieber selbst aus!", entgegnete ich barsch. "Red wenigstens mal mit ihm.", entgegnete er, doch ich schüttelte genervt den Kopf. Daavid seufzte auf und verließ die Gasse des Traktes, in dem die Hengste standen und verschwand, um sich wieder an die Arbeit zu machen.
      Erst als ich am Nachmittag Motorengeräusche auf dem Hof vernahm, wagte ich mich aus dem Stall heraus. Die Boxen waren auf Hochglanz gebracht, ebenso lag weder in der Stallgasse, noch in der Futter- oder Sattelkammer auch nur ein Körnchen Staub. Misstrauisch blickte ich zu dem Motorradfahrer, welcher sein Gefährt in der Auffahrt abstellte und den Helm abnahm. "Da hast du ja großartige Arbeit geleistet.", murrte ich leise, als Daavid sich neben mich gesellte. Unerwartet stieß er mich mit dem Ellbogen an. "Gib ihm wenigstens die Chance, sich vorzustellen.", knurrte er zurück. Misstrauisch blickte ich zu dem jungen Mann, welcher seinen Helm abnahm und sich umblickte. Schließlich blieben seine dunklen Augen an uns hängen und er kam herüber. "Hi.", begrüßte er uns knapp und Daavid reichte ihm höflich die Hand, während ich die Arme vor der Brust verschränkte. Daavid seufzte. "Das ist Lilith, ihr gehören der Hof und die Praxis. Ich bin Daavid, wir hatten telefoniert.", sagte er dann freundlich. "Alexander.", stellte sich der Fremde vor. Ein Wort. Mehr nicht. "Sie scheinen ja großes Interesse zu haben.", stellte ich trocken fest und warf ihm einen bissigen Blick zu. Schnell begann Daavid wieder zu reden. "Also, deine Aufgaben bestünden darin, den Hof in dem Zustand zu halten, in dem er sich jetzt befindet. Dazu gehört alles, vom Reparieren der Zäune, über das Misten der Boxen bis zum fegen der Anlage." Der blonde Mann nickte und blickte sich um. "Du hast eine Lehre zum Schreiner gemacht, richtig?" Wieder nickte er. Bevor Daavid weiter reden konnte, fiel ich ihm ins Wort. "Und was verstehen sie von Pferden? Das sind schließlich Lebewesen und kein Holz.", bemerkte ich knapp. "Nichts." Mich überraschte die ehrliche Antwort und vor allem sein Tonfall. Ich runzelte die Stirn und zuckte die Schultern, fasste innerlich jedoch einen Entschluss. "Schön, dann sind sie hoffentlich bereit, viel zu lernen." Ich konnte mir selbst nicht erklären, warum ich dies sagte, doch irgendetwas in mir wollte dem Fremden eine Chance geben. Zwar konnte ich ihn schon vom ersten Moment an nicht ausstehen, doch weckte etwas an ihm mein Interesse. Beide blickten mich überrascht an, doch ich sagte nichts weiter.
      Der Papierkram war schnell erledigt und da Daavid noch einiges zu packen hatte, blieb es an mir hängen, Alexander herumzuführen. "Bisher besteht der Hof aus einem großen Stall, das L förmige Gebäude dort.", begann ich und wies auf die Stallungen. "Rechts die Stuten und links die Hengste, dazwischen Sattel- und Futterkammer. Über den Behältern mit den verschiedenen 'Zutaten' hängt eine Tabelle, da steht genau, wie viel welches Pferd von was und wann bekommt." Er nickte. "Dort ist das Wohnhaus, im Erdgeschoss befinden sich die Praxis, mein Büro und eine kleine Küche, sowie ein Bad. Darüber wohne ich und im Dach ist - war - Daavids Wohnung. Mein Stallbursche hat immer im Haus gelebt, das steht auch dir frei. Hast du eine eigene Wohnung?" Ich sah ihn an, nachdem ich meine knappen Ausführungen beendet hatte. Er schüttelte den Kopf. "Nein.", kam als Antwort. "Und wo wohnst du dann?" Er zuckte nur mit den Schultern. Worauf hatte ich mich da eingelassen?! Ein Wildfremder, ohne Kenntnisse von Pferden und ohne eigenen Wohnsitz. Ich seufzte. "Gut, du kannst morgen deinen Kram her bringen." Ich machte eine Pause. "Es weder im Stall, noch in dem Haus geraucht, auch nicht, wenn das Fenster offen ist. Schon gar nicht im Stall. Jedes Pferd wird mit Respekt behandelt und es wird alles erledigt, was ansteht. Wenn du Mist baust, kannst du gleich wieder mit deinem ganzen Gerödel abhauen! Verstanden?", fasste ich abschließend zusammen und sah ihn eindringlich an. Er verzog kaum merklich das Gesicht, nickte dann aber, jedoch ohne ein Wort. "Gut." Ich seufzte und entspannte mich ein wenig. "Also dann. Morgen kannst du erst einmal deine Sachen her schaffen und ich zeig dir genauer, was du tun musst. Ab übermorgen fängt der Tag dann um sechs an.", erklärte ich, ein bisschen weniger unfreundlich. "Gut." Seit langem gab er wieder ein Wort von sich. "Dann bis morgen." Er machte Kehrt und schon bald hörte ich das Motorrad vom Hof rollen.
      Ich ging in den Stall, um meine Nachtrunde zu machen und die Pferde zu füttern. Zunächst ging ich in den Hengststall und gab Morke und Cinna das frisch gemischte Futter, füllte ihre Heunetze und kontrollierte die Tränken. Die selbe Prozedur auch noch bei Minaki und Bree und nachdem alle Türen verschlossen waren, ging ich zurück ins Haus, um zu Abend zu essen.
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      Reitunterricht mit Sturkopf
      Predazzo, Italien - 14.30 Uhr

      "Ich werde mich nicht auf dieses Pferd setzten!" Alex verschränkte die Arme vor der Brust und musterte mich kritisch, als ich mit Mørke aus dem Stall kam. "Alex, jetzt sei doch nihct so stur.", erwiderte ich und betrachtete ihn. "Wir fahren doch über Halloween nach Verena und du brauchst zumindest einen Crashkurs, damit du nicht gleich vom Pferd fällst.", erklärte ich. "Wer sagt, dass ich mich überhaupt auf ein Pferd setzten werde, wenn wir da sind?", entgegnete er. Ich merkte, diese Diskussion führte zu nichts. Kurz seufzte ich auf und bedachte ihm mit einem mitleidigen Lächeln. "Ist schon in Ordnung, wenn du Angst hast.". sagte ich dann und sogleich verzog er das Gesicht. "Du brauchst es so gar nicht erst zu versuchen.", murrte er und ich zuckte die Schultern. "Was versuchen? Ich habe nur gesagt, dass es okay ist, wenn du Angst vorm Reiten hast, Alex. Es gibt viele Menschen, die sich nicht trauen, sich auf so ein großes Tier zu setzten. Obwohl Mørke..", ich tätschelte belustigt den Hals des Norwegers. "..noch der Kleinste hier ist." Genervt nahm er mir die Zügel aus der Hand. "Na gib schon her.", knurrte er und schnalzte dann mit der Zunge, ehe die beiden in Richtung der Reithalle trotteten. Natürlich brauchte ich es 'so' gar nicht erst zu versuchen. Grinsend rollte ich mit den Augen und folgte ihnen. Als ich die Halle betrat, standen die beiden bereits in der Bahn und er kraulte dem Tier die Stirn, welches genüsslich den Kopf senkte und die Augen schloss. Alex überraschte mich immer wieder, denn so grob er auch mit anderen Menschen umging, so entspannt und feinfühlig war er mit den Pferden. Noch nie hatte der kleine Hengst so schnell vertrauen gefasst, wie zu ihm. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht und ich schloss hinter mir das Tor in der Bande. "Komm ich helf' dir.", sagte ich und widerwillig sah der junge Mann ein, dass er ohne Sattel nicht alleine aufsitzen konnte. Misstrauisch blickte er herunter, als er sich auf Mørkes Rücken wieder fand und nahm die Zügel auf. "Genau so.", sagte ich und korrigierte seinen Griff noch ein klein wenig, ehe ich zurück trat. "Klammer nicht so.", schmunzelte ich und ging in die Mitte der Halle. "Jetzt gib mit den Händen etwas nach und üb vorsichtig Druck mit den Schenkeln aus.", rief ich und sogleich setzte sich der Norweger in Bewegung. "Gut so.", sagte ich lächelnd. "Du musst in seiner Bewegung mitgehen, halt die Hände ruhig und nimm die Ellbogen ran.", korrigierte ich seinen Sitz. Ich beobachtete, wie er zunächst wenig begeistert war, als mein Pony sich in Bewegung setzte, doch schon bald huschte ein Lächeln auf seine Lippen. Also schien er die Reitstunde wohl zu überleben. Und wieder schaffte er, dass ich erstaunt war, wie schnell er lernte. Schon bald konnte er einfache Bahnfiguren reiten und es schien ihm auch nicht mehr allzu schwer zu fallen, das Gleichgewicht ohne Sattel zu halten. "Ist fast wie Motorrad fahren.", grinste er und blickte zu mir. "Ja. Fast.", entgegnete ich ironisch und lachte. "Treib ihn noch einmal ein wenig vorwärts.", befahl ich ihm und er trieb Mørke wieder vorsichtig voran. Der Hengst spitzte die Ohren und schnaubte, ehe er locker anfing zu traben. "Hey, nicht so schnell!", rief Alex überrascht und krallte sich mit einer Hand in die Mähne des Tieres. Ein Grinsen legte sich auf meine Lippen, als ich ihn da sah, vollkommen krumm und unbeholfen hopste er auf dem Tier hin und her. "Setz dich wieder grade hin und spann dich an. Und nimm vor allem die Zügel wieder auf!", lachte ich und nach kurzem Zögern machte er, was ich sagte. "Besser.", kommentierte ich und nachdem er zunächst total verkrampft da gesessen hatte, entspannte er sich ein wenig. "Du musst mein deinen Beinen das Gleichgewicht halten, aber übertreib es nicht, sonst sitzt du gleich im Sand.", erklärte ich belustigt und schaute mit verschränkten Armen zu, wie er um mich herum trabte. "Jetzt lehn dich ein klein wenig zurück und zieh die Zügel an.", rief ich und sogleich fiel Mørke wieder in einen langsamen Schritt. "Gut!" Auch Alex lächelte wieder leicht, doch war es jetzt schon klar, dass er abstreiten würde, wie viel Spaß er hatte. Natürlich gab es noch einiges an seinem Sitz zu korrigieren und auch seine Hilfen waren manchmal etwas gröber, als der Norweger es gewohnt war, doch konnten wir nach einer Stunde relativ erfolgreich aufhören. "Und, war es so schlimm?", fragte ich ihn, als ich den Hengst hielt, während er sich von seinem Rücken gleiten ließ. "Mir tut alles weh.", kommentierte er nur trocken und ich legte bemitleidend den Kopf schief. "Armes Alex, wirst du es überleben?", fragte ich ironisch und streichelte den Hals meines Norwegers. "Sehr witzig Lilith.", er verdrehte die Augen und nahm mir die Zügel aus der Hand. "Ich bring ihn wieder in den Stall.", sagte er trocken und verschwand mit dem Hengst aus der Halle, um ihn zu versorgen. Sturkopf.
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      Die Ruhe vor dem Sturm
      Predazzo, Italien - 11.43 Uhr

      Müde nippte ich an meinem Kaffee und stopfte mir den Rest meines Brötchens in den Mund, während mir ein grinsender Alex gegenüber saß. "Du traust mir also zu, dass ich irgendwann mit Zues klar komme, aber lässt mich nicht einmal auf Mørke reiten?", fragte er halb belustigt, halb gekränkt. Desinteressiert, doch mit einem leichten Schmunzeln zuckte ich die Schultern. "Gib es einfach auf.", sagte ich knapp und nahm den letzten Schluck, äugte misstrauisch in die Tasse und stellte sie ab. "Wir sollten ihm ein wenig Bewegung nach der langen Reise gönnen." Mit diesen Worten stand ich auf und ging aus der warmen Küche hinaus. Auch mir steckte der lange Flug noch in den Knochen, doch viel mehr beschäftigten mich die Geschehnisse auf dem Hof von Venchen. Kurz verzog ich das Gesicht und biss mir auf die Lippe, als ich ein lautes Rumpeln im Stall hörte, gefolgt von einem schrillen Wiehern, das eindeutig von meinem kleinen Norweger stammte. Rasch huschte ich durch die Tür in die Wärme und erblickte einen verängstigten Zues, welcher in der hintersten Ecke seiner Box kauerte, während Mørke mit angelegten Ohren zu ihm herüber schielte und missmutig an seinem Strohnetz zupfte. Mit gerunzelter Stirn ging ich zu ihm und öffnete die Boxentür. "So kenn' ich dich ja gar nicht.", sagte ich tadelnd und halfterte ihn auf. Als ich neben ihm stand, war aller Ärger der Freude gewichen und er stupste mich sanft an. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich rieb dem hübschen Tier die Stirn, was er sichtlich genoss. Zues hatte sich inzwischen auch ein wenig beruhigt, stand jedoch immer noch an die hintere Wand seiner Box gedrückt und betrachtete misstrauisch das Geschehen. Seufzend schnappte ich mir Mørkes Strick und führte ihn aus der Box. Er folgte mir brav auf die Stallgasse hinaus und auch Zues schien sichtlich interessiert daran, aus dem Stall zu kommen. Doch genau in dem Moment, als er sich ein wenig aus seinem Versteck hervor wagte, legte Mørke die Ohren an und kickte scheppernd gegen die Boxentür, hinter der sich der Apfelschimmel verbarg. "Spinnst du?!", fuhr ich ihn an und ruppte unsanft am Strick, woraufhin er sich wieder beruhigte, jedoch weiter mit angelegten Ohren zu dem neuen Hengst sah. Nicht nur, dass Zues kein Vertrauen in niemanden hatte, mein Pferd musste mir auch noch das Leben schwer machen. Und ihm. Verängstigt stand er da und ich verließ rasch den Stall, als Alex mir auch schon entgegen kam. "Was ist denn hier los?", fragte er und beäugte und kritisch. " Mørke kann ihn wohl nicht leiden.", murrte ich und blickte zu dem Falben, welcher vorsichtig an meinem Ärmel zupfte. Er merkte nur zu gut, dass ich sauer auf ihn war, doch liebte ich ihn zu sehr, um es ihm lange zu verübeln. "Na komm dicker.", murmelte ich und brachte ihn auf die Weide hinterm Stall. Eigentlich hatte ich Zues zu ihm stellen wollen, damit er wenigstens einen hatte, an dem er sich in der fremden Umgebung orientieren konnte, doch machte Mørke mir einen Strich durch die Rechnung.
      "Ich verstehe das nicht, seit wann hat er so einen Hass auf andere Hengste?", murmelte ich wenig später, als ich Bree aus der Box führte. Alex zuckte mit den Schultern. "Er kann ihn wohl einfach nicht leiden." Ich wusste, damit hatte sich das Thema für ihn erledigt und so beließ ich es dabei. Rasch putzte ich die Traberstute und holte ihren Sattel. Kritisch sah sie mir entgegen, ließ sich jedoch ohne Widerstand aufsatteln. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mich gar nicht mit dem Ding nähern brauchen. Doch inzwischen ließ sie es sich gefallen und duldete nicht nur mich, sondern auch einen fremden Reiter auf sich. Das zu üben war der eigentliche Grund, warum ich sie von Bella hatte trainieren lassen. Sie hatte ihre Arbeit jedoch hervorragend gemacht und Bree zeigte tatsächlich ein wenig Tölt unterm Sattel. "Braves Mädchen.", lobte ich die Stute und führte sie aus dem Stall. Auch Alex hatte sich gebessert, was das Reiten anging und so hatte er sich Bijou geschnappt und wir würden das erste mal ins Gelände gehen. Es war für Bree das erste Mal außerhalb der Halle und auch für den jungen Mann. "Bereit?", fragte ich grinsend und musterte ihn, wie er nachgurtete und misstrauisch den Sitz seines Helmes überprüfte. "Er wird dich schon nicht umbringen.", lachte ich und schwang mich in den Sattel der Stute. "Du hast gut Reden.", entgegnete er, doch schon um einiges entspannter, nachdem er auch aufgesessen hatte.
      Gut anderthalb Stunden verbrachten wir im Gelände, auf den von Schnee gezierten, schmalen Wegen der Dolomiten. Erstaunt stellte ich fest, dass Bree tatsächlich Spaß zu haben schien, was ich bei ihr unterm Sattel noch nie beobachten konnte. Zufrieden lobte ich die Stute und sie schnaubte entspannt, während Alex und Bijou neben uns her trotteten. Bei dem Anblick der Berge und der frischen Luft verflogen die Kopfschmerzen, welche mir die letzten Tage bereitet hatten und auch die Gedanken, die bei Verena geblieben waren, lösten sich für einen Moment.
      Mit einem Lächeln brachte ich schließlich den Sattel des Trabers zurück auf seinen Bock und deckte die Beiden ein, ehe Alex und ich uns an die Stallarbeit machten.
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    • Loulou
      Ein neuer Abschnitt
      Wisconsin - 11.30 Uhr

      Glasige Augen blickten mich an, ohne mich jedoch wahrzunehmen. Leblos sah die braune Stute durch mich hindurch. Ich betrachtete ihre hervorstehenden Rippen und die Narben auf der Kruppe, die eine lange und traurige Geschichte erzählten. Trotzdem musste sie einmal ein wunderschönes Tier gewesen sein. Ihr Fell war stumpf und ihre Ohren baumelten lustlos herab, doch war sie sportlich gebaut und das Vollblut in ihr konnte man kaum verkennen. Sie musste kaum älter als acht Jahre sein. Immer noch wusste ich nicht, was mich an diesen Ort verschlagen hatte und warum ich mir diese gequälten Seelen ansah. "Merlin schau mal!", riss mich eine helle, vertraute Stimme aus meinen Gedanken und ich wusste wieder, wer mich hierher verschleppt hatte. Neugierig folgte ich ihrem Blick und betrachtete den Rappen. Sie schien auch seine Aufmerksamkeit erlangt zu haben, ebenso die des Händlers, welcher ihr von seiner hervorragenden Abstammung berichtete. Mein Interesse hingegen erlosch rasch wieder. "Eve komm.", murmelte ich. Eve war der liebevollste Mensch, der mir je begegnet war und vermutlich hätte sie am liebsten jedes der erbärmlichen Geschöpfe gerettet. Sie liebte den Pferdemarkt trotz des traurigen Anblicks und so verschleppte sie mich jeden Monat hier her. Seufzend wandte sie sich ab und ging mir nach. Kurz sah ich in ihre blauen Augen, welche suchend über den Platz wanderten. Sie hatte wunderschöne, eisige Augen, lange blonde Haare und ein schmales Gesicht. Ich seufzte, als es sie zu einem weiteren Händler zog, anstatt nach Hause. Sie beugte sich über den hohen Zaun und betrachtete die beiden Ponys dahinter. Widerwillig folgte ich ihr und sah in ein paar dunkle Augen. Der Schimmel hatte den Kopf hoch erhoben und die Ohren angelegt. Seine Flanken waren eingefallen und das Fell stumpf und verschmutzt, doch hatte nichts ihm seinen Stolz nehmen können. Hinter ihm stand eine gescheckte Stute, den mageren Hals gesenkt prustete sie auf den Boden und wirbelte Staub auf. Ich schnalzte leise und sie zuckte zusammen, riss den Kopf hoch und sah mich ängstlich an. "Komm Eve." Ich schüttelte den Kopf, machte kehrt und wir verließen den Markt wieder.

      "Wolltest du nicht ein Sportpferd kaufen?", hakte sie nach, als wir über die Autobahn fuhren. Ich nickte und sah aus den Augenwinkeln, wie sie die Stirn runzelte. "Stattdessen schauen wir uns jetzt zwei Norweger an.", stellte sie fest und ich zuckte die Schultern. "Platz habe ich ja genug", schmunzelte ich. Eve würde bald ihr Studium abschließen und ich hatte meinen Job in der Klinik gekündigt, um eine eigene Praxis zu eröffnen. Wir kannten uns aus der Uni und hatten Jahre lang zusammen in einer Wg gelebt. Auch als ich als Arzt gutes Geld verdiente, bin ich nicht ausgezogen, denn wir waren gute Freunde geworden. Jetzt jedoch brauchte ich Platz und hatte mich entschieden, meine Praxis und meine Wohnung zusammen zu legen. "Es gab bisher einfach niemanden, der Jack das Wasser reichen konnte.", fügte ich hinzu. In Gedanken sah ich den großen Fuchs vor mir, welcher mich seit meiner Jugend begleitete - und vor knapp einem halben Jahr verstarb. Wir hatten unzählige Schleifen geholt und ich hatte beinahe jede freie Minute bei ihm verbracht. Die Stimme des Navigationsgerätes riss mich wieder aus meinen Gedanken, als ich beinahe die Abfahrt verpasste. "Träumer.", grinste Eve, als ich zusammen zuckte und etwas barsch bremsen musste. Es war nicht besonders schwierig den Verkaufsstall zu finden, wo sich einige Menschen mit ihren großen Autos und den teuren Anhängern tummelten. Ein paar schicke Pferde wurden auf dem Platz vorgeritten und die Verkäufer priesen sie an, wie Händler in der Türkei ihre Ware den Touristen. Eve runzelte neben mir die Stirn und ich konnte ihre Gedanken beinahe hören. Es war einfach das komplette Gegenteil des Pferdemarktes in dem kleinen Vorort der Stadt. "Guten Tag!", begrüßte uns eine viel zu freundliche Stimme. "Sie müssen Merlin sein, richtig?" Ich nickte. Wie folgten der jungen Frau in den Stall, während sie unentwegt redete. "Sie haben sich für zwei wunderbare Pferde entschieden. Beide eine außergewöhnliche Farbe, der Hengst ist gekört und ein begabter Springer. Die Stute ist seine Tochter, gerade alt genug um angeritten zu werden." Wieder nickte ich und wir hielten vor den beiden Boxen. Es bat sich ein wunderschöner Anblick. "Die Besitzerin ist bei einem Unfall verstorben, wir haben die beiden von ihrer Mutter übernommen. Zwei weitere Pferde aus dem Stall sind schon untergekommen, ein anderes steht außerhalb.", erklärte die junge Frau, während ich die beiden begutachtete. Die Stute blickte neugierig zu uns und reckte den schlanken Hals, sodass ich ihr über die Stirn streichen konnte. Sie schien es sichtlich zu genießen und ich lächelte leicht. Der Hengst hingegen stand teilnahmslos da, die Ohren baumelten an seinem Kopf herab und er hielt den Kopf gesenkt. Er war sichtlich dünner als die Stute, dennoch sah man ihm seinen guten Trainingszustand an. "Er trauert.", flüsterte Eve mitleidig und steckte vorsichtig die Hand durch die Gitter der Box, doch der Falbe schenkte ihr keinerlei Beachtung. "Ich würde mir die beiden gerne näher ansehen.", sagte ich und die junge Frau nickte. Lassen sie sich Zeit und melden sie sich, wenn sie sich entschieden haben.", sagte sie freundlich ehe sie verschwand. Wir gingen in die Box der Stute und ich begann sie zu untersuchen. Ich sah ihr in Augen und Maul, hörte Herz und Lunge ab, maß Fieber und bewegte jedes ihrer Gelenke. Sie schien in einem super Zustand zu sein und ließ sich überall bereitwillig berühren. Dennoch wurde sie ein wenig nervös, als ihr die Prozedur zu lange dauerte, was man ihr in dem Alter jedoch kaum verdenken konnte. "Braves Mädchen." Ich klopfte ihr den Hals und wir gingen zu dem Hengst. Müde hob er den Kopf, als die Tür aufgeschoben wurde, wandte sich dann jedoch ab. Anstaltslos ließ er die Prozedur über sich ergehen und ich seufzte. "Er ist soweit gesund, du hast wohl recht.", sagte ich und sah zu der jungen Frau. "Mann kann es ihm kaum verdenken." Sie zuckte die Schultern und kraulte ihm sanft die Stirn. Ich nickte. "Also dann." Wir verließen den Stall und suchten die Mitarbeiterin auf, welche sich freute uns die beiden überlassen zu können. "Sie sprachen von einem dritten Pferd, wo steht das?", fragte Eve neugierig, bevor ich mich verabschieden konnte und ich seufzte innerlich auf. "Ich zeig sie ihnen gerne.", erwiderte die Dame und wir folgten ihr gezwungener Weise. Kurz knuffte ich Eve, musste jedoch grinsen. "Hier entlang." Anscheinend waren wir bei den Sportpferden angelangt und einige hübsche Köpfe sahen uns entgegen, als wir die Stallgasse betraten. Schließlich machten wir vor einer Traberstute halt, welche uns misstrauisch anblickte. "Sie ist eingeritten und ein talentiertes Pferd, nur setzte sie jeden ab, der sich in den Sattel setzt.", erklärte sie und ich musterte den Schecken. "Wie viel wollen sie für sie?", fragte ich und Eves Blick nach zu urteilen war sie über meine Worte ebenso überrascht, wie ich es war. "4.000.", sagte die junge Frau knapp und ich lachte auf. Scheinbar hatte ich sie verunsichert, denn sie blickte mich irritiert an. Es war nicht besonders schwierig sie auf einen akzeptablen Preis herabzuhandeln und so hatten wir drei Tiere zu verladen.
      "Was war das denn eben?", fragte Eve belustigt, als wir wieder auf dem Heimweg waren. "Kennst du etwa meine spontane Art noch nicht?", grinste ich und lenkte den Wagen sicher zurück zum Hof. Es war ein wunderschöner Anblick und ich war doch glücklich, zumindest ein paar der Boxen mit Leben füllen zu können. Wir brachten die Tiere in den Stall, räumten auf und beschlossen ihnen etwas Zeit zu geben. "Na komm, lass uns noch einen Kaffee trinken.", lud ich Eve ein und wir gingen in die Küche.

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    • Loulou
      Neue alte Bekanntschaften
      Wisconsin - 15.48 Uhr


      Merlin Harris
      "Braves Mädchen.", lobte ich die Traberstute und strich ihr über den verschwitzen Hals. Rasch zog ich ihr die Zügel über den Kopf, lockerte den Sattelgurt und begann damit, sie trocken zu führen. Entspannt folgte sie mir und schnaubte zufrieden. Sie schien sich von den Dreien am schnellsten einzuleben und genoss es sichtlich arbeiten zu dürfen. Mørke hingegen machte mir die meisten Sorgen. Er verweigerte immer noch sein Futter und schien von Tag zu Tag weiter abzubauen. Minaki schien recht aufgeweckt, jedoch versuchte ich mir erst einmal ihr Vertrauen mit Spaziergängen und ein wenig Bodenarbeit zu erarbeiten, ehe ich mit dem Anlongieren beginnen wollte. Dennoch merkte man allen Dreien an, dass sie ihre Besitzerin vermissten. Kein Wunder, wenn sie von dem einen auf den anderen Tag verschwunden war. Bree riss mich neben mir aus meinen Gedanken und ich strich kurz über ihr Fell. Inzwischen war sie halbwegs trocken und ich ging vom Reitplatz über den Hof zu den Stallungen. Es war ein altes Anwesen, welches jedoch modern renoviert worden war. Der Stall umschloss einen gepflasterten Platz und ein breiter Torbogen führte hinaus auf die Zufahrt. Das Gelände war umgeben von weiten Wiesen, auch wenn weder der Stall noch das Wohnhaus in dem typischen Stil von Wisconsin gebaut waren. Als die Eisen der Stute auf dem Stein gegen die Wände hallten, hob sich ein großer, weißer Kopf über eine der Boxentüren. Leise wieherte die Norwegerstute Bree entgegen. Der Traber spitze die Ohren und antwortete. Nur Mørke rührte sich nicht. Leise seufzte ich und klopft Bree den schlanken Hals. Es war offensichtlich, dass ihre Vorbesitzerin sie kaum trainiert hatte, vermutlich wegen ihrer Scheu vor dem Sattel.
      Vorsichtig sattelte ich Bree ab und strich ihr sanft über den Rücken, ehe ich sie eindeckte. Zufrieden begann sie das Heu aus dem Netz zu zupfen und kaute genüsslich darauf herum. Ich verließ die Box, blieb jedoch noch einige Zeit im Stall. Es war schwierig, denn ich konnte weder von der Vorbesitzerin etwas über die Pferde erfahren, noch von ihrer Mutter. Zwar hatten sowohl sie als auch ich unsere Daten in dem Verkaufsstall hinterlassen müssen, dennoch hatte niemand von uns Kontakt aufgenommen. Vermutlich hätte das Ganze es ihr auch nicht viel einfacher gemacht, welche Mutter möchte schon ihr Kind überleben? Seufzend stützte ich meinen Kopf in den Händen ab und betrachtete die beiden Stuten beim Fressen.
      Zwar fürchtete der Traber immer noch den Sattel, doch liebte sie die Arbeit. Und mit ein wenig Geduld ließ sie sich auch vom Sattel überzeugen. Minaki hingegen war das komplette Gegenteil. Sie fürchtete sich vor nichts, begegnete allem mit Neugier und liebte es, mich aus zu testen. Dennoch war es mir inzwischen gelungen, die junge Stute zumindest im Schritt über den Platz zu reiten. Mit einem Seufzen stieß ich mich von der Boxentür ab und wanderte hinüber zum Wohnhaus. Es war noch nicht fertig eingerichtet und die obere Etage musste immer noch renoviert werden, dennoch war es jetzt schon unglaublich gemütlich. Ich setzte mich an den Küchentisch und kramte den Laptop hervor. Eine Weile sah ich mich nach Trainern um, ehe ich den richtigen gefunden zu haben schien. Gips Reminder Ranch. Kurz runzelte ich die Stirn und betrachtete die Seite, mit vielen Bildern von Pferden und einer lächelnden jungen Frau. Natürlich käme ich auch ohne Trainer mit den Dreien klar, doch war es mir wichtig, dass sie weiter Fortschritte machten und neue Erfahrungen sammelten. Zwar ließ Bree sich inzwischen von mir satteln und reiten, doch war ich mir nicht sicher, wie sie auf Fremde reagierte. Ich hätte Eve bitten können, doch erhoffte ich mir eine Meinung von einer erfahrenen Ausbilderin. Rasch erklärte ich mein Anliegen und sendete die E Mail.

      Guten Abend Ms O’Connor,
      ich bin im Besitz einer jungen Traberstute, mit Scheu vor dem Sattel. Mit etwas Geduld lässt sie sich satteln und reiten, jedoch nur widerwillig und ausschließlich von mir. Es würde mich freuen, könnten sie sie einmal ansehen und auch an einen fremden Reiter gewöhnen.
      Gerne können sie mich anrufen und wir vereinbaren einen Termin.

      mit freundlichen Grüßen
      Merlin Harris, Blakes Creek Stables Wisconsin

      Verena O’Connor

      Es war wieder einer der schwülen, gewittrigen Tage in Calgary, bei denen man am liebsten im Bett blieb und nichts machte, doch die Pferde wollten versorgt werden. Zu meinem Glück hatte ich einen ganzen Haufen Mitarbeiter, denen ich alle möglichen Aufgaben in die Schuhe schieben konnte, wenn ich mal meine Lust auf Arbeit hatte.
      So besprechen wir beim Frühstück, dass ich mich heute um den Papierkram kümmern würde und der Rest die Pferde bespaßte. Gesagt, getan. Nach dem Frühstück räumte ich die Küche auf, putzte einmal schnell durch und ging dann in mein Büro, wo sich der Papierkram nur so stapelte, weil ich meinen Tag lieber im Sattel als auf einem Stuhl verbrachte, aber heute könnte man weder ausreiten, noch etwas anderes mit den Pferden machen, weil sie sich kaputt schwitzen würden. Also wurde nichts anderes gemacht, als Pferde füttern und misten. Normalerweise kamen die Tiere auch raus, aber bei Gewitter blieben sie alle im Stall. Auch die Offenställe der Jungpferde machten wir zu, so dass sie nicht auf die Koppel konnten.
      Endlich hatte ich einen Teil des Papierkrams aufgefüllt und in Umschläge gesteckt, so dass ich sie bei der nächsten Gelegenheit in einen Briefkasten schmeißen konnte. Mein Laptop war nun auch hochgefahren und ich checkte meine E-Mails. Ein neuer Auftrag von Hunter Crowley aus England. Ich soll zwei seiner Pferde trainieren kommen, eins in der Pleasure und eins im Springen. Ein wenig freute ich mich schon, den Engländer wieder zu sehen, denn sein Hof und seine Pferde gefielen mir sehr gut. Vor allem seine Erziehung der Pferde hatte mich bei meinem letzten Besuch begeistert.
      Das war jedoch noch nicht alles, denn auch ein Auftrag eines “Merlin Harris aus Wisconsin”. Eine Weile überlegte ich, ehe ich zu dem Entschluss kam, dass ich ihn nicht kannte. Er brauchte Hilfe bei einer Traberstute, die Scheu vor dem Sattel besaß. Da ich Hunter hinten dran schieben konnte, schnappte ich das Telefon und rief den jungen Herrn Harris an.
      “Ja?”
      “Guten Tag, hier sprich Verena O’Connor, bin ich da richtig bei einem Merlin Harris?”, fragte ich in den Hörer.
      “Ja, das sind sie. Guten Tag.”
      “Sie haben mir eine E-mail geschrieben wegen ihrer Traberstute, die Scheu vor dem Sattel hat. Wenn es ihnen recht wäre, würde ich mich gleich schon auf den Weg zu ihnen machen.”, erklärte ich ihm.
      “So früh schon?”, fragte der Mann am anderen Ende der Leitung. Das kam jetzt so rüber, als hätte ich sonst nichts zu tun.
      “Ja, meinen Kunden in England werde ich nach ihrem Besuch aufsuchen, weshalb ich heute schon zu ihnen fliegen könnte.”
      “Mir ist das recht, dann sehen wir uns in ein paar Stunden, die genaue Adresse maile ich ihnen noch.”
      “Super.”, sagte ich. “Auf Wiedersehen.”

      Nun war es also soweit. In Windeseile packte ich meinen Koffer und verabschiedete mich von Svejn, der es noch immer etwas doof fand, dass ich so viel ohne ihn reiste.
      Am Flughafen angekommen checkte ich ein, und wartete auf meinen Flug. Ich hasste fliegen ja noch immer, aber was muss, das muss. So kam es, dass ich nach etwa einer Stunde im Flieger saß und meinen Blick nach unten schweifen ließ, wo ich die Schönheit Kanadas erblicken konnte, ehe wir nach Amerika einflogen. Ab dann schlief ich ein und wachte erst wieder auf, als eine Stewardess mich weckte.
      Müde stand ich auf, verließ das Flugzeug und wartete auf meine Koffer. Hier war es gerade 13:00 Uhr und die Sonne schien. Kurz lächelte ich. Es war fast wie Urlaub, nur mit dem Unterschied, dass ich ja leider zum Arbeiten hier war. Mein Leihwagen stand schon bereit, so dass ich meinen Koffer darin verstaute und mich auf den Weg zu Merlin machte. Schnell kam ich auf seiner kleinen Ranch an, auf der ich mein Auto auf dem Parkplatz parkte und zum Haus ging, wo ich klingelte. Es öffnete niemand, so dass ich in den Stall ging und ihn mit der Traberstute sah. “Hallo ich bin…. “, fing ich an und blieb dann stocksteif stehen. “Bree?”, fragte ich und schaute mich im Stall um. Aus einer der Boxen steckte eine weiße Norwegerstute ihren Kopf. “Minaki?”, fragte ich unsicher und ging weiter die Stallgasse entlang. Ungeachtet dessen, dass Merlin mir, sichtlich stinkig, dass ich ihn einfach ignoriert hatte, etwas hinterherrief. “Mørke! Himmel, was ist mit dir passiert?”, sagte ich laut und riss die Box zu dem Hengst auf. Sichtlich geschockt riss der Hengst den Kopf hoch und wiehrte dann einmal laut. “Mørke…”, murmelte ich dann und blendete den Rotschopf hinter mit einfach aus. Was jetzt zählte war, dass ich meine Hände in Mørkes Mähne vergraben konnte.

      Merlin Harris
      Ich war überrascht, dass die angesehene Trainerin es so schnell zu mir schaffen konnte. Jedoch sollte es mir Recht sein. Sie wollte gegen Mittag eintreffen und so machte ich mich rasch auf den Weg in den Stall. Ich brachte die Tiere auf die Weide und begann damit zu misten. Nachdem auch der letzte Apfel den Stall verlassen hatte widmete ich mich dem Besen, um die Überreste aus der Gasse zu kehren. Als ich wieder nach draußen trat zuckte ich leicht zusammen, als es kräftigt donnerte. Anscheinend mussten wir das Training in die Halle verlegen, auch wenn nur eine Hälfte frei war. Die andere war noch nicht vollständig mit Sand aufgekippt, was mich reichlich ärgerte. Rasch huschte ich zur Weide und fing die beiden Stuten ein. Minaki kam leise wiehernd zu mir herüber getrabt, als sie mich aus der Ferne sah. Auch Bree hob den Kopf. Nur der kleine Hengst strafte mich mit Verachtung. Ebenso wie der kaum das Gras anrührte, geschweige denn seinen Futtertrog. Er machte mir Sorgen und würde er nicht bald fressen, müsste ich nachhelfen. Seufzend brachte ich die beiden in ihre Boxen, ehe ich den Gelbfalben von der Weide holte. Inzwischen regnete es in strömen und sein stumpfes Fell klebte an seinem mageren Körper. Seine Augen waren glanzlos und es tat weh, das Tier so zu sehen. “Du bist ein armer kleiner Kerl.”, seufzte ich und kraulte ihm die Stirn. Mørke ließ es über sich ergehen, regte sich jedoch kaum. Mit bedrückter Stimmung schnappte ich mir die Traberstute und band sie in der Stallgasse an. Neugierig begutachtete sie den Putzkasten und ich begann sie mit langen, kräftigen Zügen zu bürsten. Ihr Fell glänzte, sie war in einem guten Zustand und wir hatten es inzwischen geschafft einige Muskeln aufzubauen. Sie drückte kaum mehr den Rücken weg, wenn ich sie ritt, hegte jedoch immer noch Scheu vor dem Sattel. “Gutes Mädchen.”, lobte ich sie und begann ihre Hufe auszukratzen, als ich das Geräusch von Rädern auf dem Hof hörte. Es war bereits ein Uhr und ich war mir sicher, dass es Miss O’Connor war. Schließlich näherten sich Schritte und ich beendete meine Arbeit, als eine junge Frau den Stall betrat. Gerade wollte sie sich vorstellen, als sie Inne hielt. Verdutzt blickte ich sie an, denn sie schien die Stute zu kennen. Nicht nur sie, auch die beiden Norweger. Ich folgte ihr verwirrt, als sie sich in die Box stürzte. Zum ersten mal sah ich in Mørkes Augen Leben aufblitzen. Offensichtlich kannte er die junge Frau auch. “Was zum…”, murmelte ich leise und stellte mich in die Boxentür, fasziniert und irritiert zu gleich von dem Bild, welches sich mir bat.

      Verena
      Langsam verarbeitete ich den ersten Schock und drehte mich zu Merlin herum. “Wo hast du die her?”, fragte ich ihn harsch und verschwand hinter Fetti, der diesen Namen nicht mehr tragen konnte, denn er war nur noch Haut und Knochen. Ich kontrollierte seinen Schweif und tastete seine Beine ab. Lilith hatte mir einiges beigebracht, was ich als Pferdehalter und Trainer wissen musste. Als ich gerade das Vorderbein abtasten wollte, räusperte sich Merlin. Auf meine vorherige Frage hatte er bis jetzt nicht geantwortet, jetzt wollte er meine Aufmerksamkeit jedoch auf sie ziehen. Ich drehte mich um, stemmte meine Arme in die Hüften und sah ihn fragend an.

      Merlin
      Ich sah ihr zu, wie sie den Hengst inspizierte und runzelte kurz die Stirn, dennoch hielt ich mich zurück. Mich überraschte ihr barscher Ton und ihr Entsetzen, denn sie hatte auf mich trotz ihres jungen Alters seriös und erfahren gewirkt. Rasch vergaß ich die patzige Antwort, die mir auf der Zunge lag. Es passte nicht zu mir übereilt und ungehalten zu antworten, meist war ich ruhig und geduldig. “Die beiden Norweger standen in einem Auktionsstall nicht weit von hier. Sie waren wohl schon bei mehreren Händlern, ebenso wie Bree. Sie galt jedoch als unreitbar.” Ich betrachtete ihre Reaktion, konnte jedoch keine Rührung feststellen. Weiterhin musterte ich sie und legte den Kopf leicht schief. “Woher kennst du sie, ist die spannendere Frage.” Es war tatsächlich beeindruckend, wie der kleine Hengst bei ihrem Anblick zum Leben erwachte.

      Verena
      “In einem Auktionsstall…”, murmelte ich und schüttelte den Kopf. Kurz klopfte ich auf Fettis Hals, ehe ich die Box verließ. Wohl ganz zu Merlins Staunen machte der Hengst einen Satz nach vorne und wiehrte mir aufgeregt nach. “Ist gut, Fetti. Ich schau nur nach deiner Tochter.”, erklärte ich und knuffte dem Hengst in die Nase. “Du bist groß geworden, Mädchen…”, murmelte ich und streichelte ihr über die Strin, ehe ich zu Bree ging. “Und du bist noch immer eine Zicke.”, meinte ich abfällig und ignorierte ihre angelegten Ohren und ihren arroganten Blick. Erst nachdem ich auch Bree gründlich inspiziert hatte, wandte ich mich wieder an Merlin. “Ich.. sollte mich vielleicht doch mal vorstellen.”, sagte ich und reichte ihm meine Hand, die er zögernd annahm und schüttelte. “Verena O’Connor, freut mich.” Auch er stellte sich vor. Seufzend ging ich wieder zu Fetti zurück, der noch immer wie ein Bekloppter versuchte, aus seiner Box zu mir zu kommen. “Mørke, Minaki, Bree, Bijou und Zues, die beiden letzten haben es wieder zu mir geschafft, gehörten einer alten Freundin von mir, die auf tragische Weise ihr Leben lassen musste. Ich habe, weshalb ich noch immer stinkwütend auf Lilith Mutter bin, erst sehr spät von ihrem Tod erfahren. Sofort habe ich mich auf die Suche nach den Pferden gemacht und noch Bijou und Zues aus den ekligen Klauen der Händler retten können, doch Mørke, Minaki und Bree waren wie vom Erdboden verschwunden. Die Händler konnten mir keine Auskunft geben und ich war einfach zu stolz, bei Lilith Mutter um Hilfe zu fragen. Ich hätte alles gegeben, auch diese drei Pferde bei mir zu wissen, aber wie ich sehe geht es den beiden Stuten super hier. Und Mørke scheint, seit er mich eben gesehen hat, auch wieder aufzuleben.”, erklärte ich ihm und lehnte mich an Mørkes Kopf, ehe dieser leise brummelte. “Alles ist gut.”

      Merlin
      Fetti. Erneuert runzelte ich die Stirn, sagte jedoch nichts. Als die junge Frau mir schließlich die Hand reichte lächelte ich leicht und drückte sie kurz. “Merlin Harris.”, sagte ich und machte wieder einen Schritt zurück. Aufmerksam lauschte ich ihren Worten und seufzte leise. “Das tut mir leid.”, sagte ich schließlich und klopfte Brees Hals. Bei ihren Worten nickte ich und sah zu den Pferden. “Bree geht inzwischen besser unterm Sattel, sie fürchtet sich aber immer noch. Und Minaki ist auch schon angeritten, die Feinheiten fehlen aber noch. Sie ist der größte Dickkopf, der mir je begegnet ist.” Ich schmunzelte bei dem Gedanken an meinen störrischen Esel. “Nur Mørke macht mir Sorgen, er trauert.”, fügte ich etwas bedrückt hinzu. “Aber er scheint dich wirklich zu kennen.” Ich lächelte und betrachtete den Hengst, welcher zum ersten Mal seit seiner Ankunft zufrieden zu sein schien. “Kanntest du sie gut?”, fragte ich schließlich. Eine unhöfliche Frage gegenüber einer völlig Fremden und dennoch war ich auf die Vergangenheit der Drei neugierig. Sie schienen es gut gehabt zu haben, zumindest zeigte keiner von ihnen Scheu vor dem Menschen. Nur Bree war etwas eigen, was sich aber bestimmt auf ihr früheres Leben zurückführen ließ.

      Verena
      Betrübt sah ich ihn an, als er mir sein Beileid aussprach, nickte dann jedoch, als er mir erklärte, welche Fortschritte die Tiere gemacht hatten. Als er erzählte, dass Minaki einen Dickkopf hatte, musste ich lachen. “Das hat sie wahrlich von ihrem Vater, diesen Dickschädel.”, erklärte ich ihm und hörte ihm weiter zu. “Ja, so ist Mørke. Er hat sehr an Lilith und auch an Daavid und Alex gehangen. Daavid hatte den Hof schon lange verlassen, Alex war bis zum Schluss dabei.” Dann wandte ich mich wieder an Fetti. “Darf ich?”, fragte ich Merlin und zeigte ihm die Möhre, die ich in meiner Jackentasche hatte. Er nickte, auch wenn er mich fragend ansah. Vermutete er, dass Mørke die Möhre gar nicht wollte? Gierig streckte der Hengst mir seinen Hals entgegen und konnte es kaum erwarten, die Möhre endlich zu bekommen. Lachend ließ ich sie los, als er sie gepackt hatte und sah ihm dabei zu, wie mehr als die Hälfte auf dem Boden landete. “Och Mørke, pass doch auf.”, lachte ich, sammelte die Möhrenstücke auf und hielt sie ihm mit der flachen Hand hin. Dann sah ich zu Merlin, der mir eine Frage gestellt hatte. “Ja.. ja ich kannte Lilith und ihre Pferde gut. Erst im November hat sie Mørke in ein Flugzeug gepackt, damit sie und auch der Hengst zusammen mit mir meinen Geburtstag feiern konnten.”, erklärte ich ihm. “Minaki hier…”, fügte ich an. “... war ein Geburtstagsgeschenk von mir an sie. Und Zues hatte ich ihr auch geschenkt. Zum Glück ist er wieder bei mir, er ist sehr schwierig und lässt sich kaum anfassen. Er wäre sofort beim Metzger gelandet.”, alles in mir sträubte sich, den letzten Satz auszusprechen, doch leider war es nunmal so. Zues hätte keinerlei Chancen auf ein normales Leben gehabt. Lou hatte schon einige Fortschritte mit ihm erreicht, doch durch das Trauma, welches er in der Zeit zwischen Lous Tod und meiner Ranch erlebt hatte, ließ alte Wunden ihn ihm aufreisen. Er war nun noch schlimmer als zuvor. Aber aufgeben? Niemals. Er war das letzte Andenken an Lilith.

      Merlin
      Ich verarbeitete alles, was sie mir sagte und betrachtete Mørke, wie er mit Gier die Möhre fraß. “Er hat kaum noch gefressen, seit er hier ist.”, sagte ich und seufzte. “Du siehst ja, wie er ausschaut. Von Fetti, wie du ihn nennst hat er gar nichts mehr. Aber du tust ihm gut.” Lächelnd betrachtete ich die beiden, wie Mørke förmlich an ihr klebte und ihr kaum noch von der Seite weichen wollte. “Vielleicht fängt er sich ja wieder.” Zumindest hoffte ich das. Ich machte ein paar Schritte nach vorn und streichelte den schicken Hengst, während Verena mir von Lilith erzählte. Es schien, als wären sie wirklich gute Freunde gewesen und es muss schwierig gewesen sein, nicht einmal sicher gehen zu können, wie es ihren Pferden ergangen ist. Just in diesem Moment ruckte Bree ungedulig an dem Strick und wieherte schrill. “Ich glaube, da will jemand nicht mehr warten.” Schmunzelnd sah ich zu dem Schecken, der mit angelegten Ohren mit dem Huf die Boxenwand bearbeitete. “Bree!”, fauchte ich, machte ein paar Schritte zu ihr herüber und sogleich hörte sie auf. “Lass das Madame.”, ermahnte ich sie und blickte in ein stures Augenpaar, welches mich unverwandt ansah. “Scheint, als hätte sie heute einen schlechten Tag.”, stellte ich fest und seufzte. Auch diese Tage kamen immer noch vor. “Du wirst sicher Spaß mit ihr haben.”, sagte ich und wies in Richtung Sattelkammer. “Ich hol rasch ihre Sachen und wenn du möchtest, können wir anfangen.”, schlug ich vor und verschwand auch sogleich. Rasch kam ich mit dem Vielseitigkeitssattel und ihrer Trense wieder. Schon von weitem sah sie mir misstrauisch entgegen und riss verärgert den Kopf hoch, als ich, oder eher der Sattel, ihr zu nahe kamen. Doch die Explosion blieb aus und so stand sie nur verärgert da.

      Verena
      “Oh man…”, meinte ich, als er mir erzählte, dass er kaum gefressen hatte. “Vielleicht bekommt er sich ja jetzt wieder ein und frisst wieder etwas.”, erklärte ich und sah dann zeitgleich mit Merlin zu Bree. Sie hörte gut auf ihn, die kleine Ziege. Zu gern hätte ich ihm erzählt, dass ich schon einmal bei ihr versagt hatte. Doch ich wollte der Stute eine neue Chance geben, mit einem ganz anderen Trainingsansatz wie zuvor. Vielleicht brauchte man bei ihr einfach nur die Ruhe selbst zu sein, damit sie nicht bei der kleinsten Bewegung zum Pulverfass wurde.
      Während Merlin also in die Sattelkammer ging, und mit der Ausrüstung zurückkam, ging ich ins Auto und schrieb Svejn eine Sms: Du glaubst nicht wen ich hier getroffen habe, die alten Pferde von Lou! Morke, Minaki und Bree.
      Schnell packte ich das Handy weg, nahm Helm und Schutzweste und ging wieder in den Stall. Dort erwartete mich eine fertig gesattelte Bree, die gar nicht begeistert schaute. Da ich ehrlich mit meinen Kunden sein wollte, erzählte ich Merlin von meinem letzten Treffen mit Bree und meinen Trainingsansätzen, die alles andere als gut geklappt hatten. “Ich habe mir jedoch jetzt etwas anderes ausgedacht, ich weiß ja jetzt mit was ich es zu tun habe.”, meinte ich lächelnd und hoffte, dass er mich trotzdem noch an sein Pferd ließ.

      Merlin
      Verena war verschwunden, vermutlich holte sie ihre Sachen aus dem Auto. Mit etwas Geduldig ließ sich die Stute satteln, die Trense hingegen war wie immer kein Problem. Mürrisch sah sie zur Tür, als eine Gestalt sich aus dem Regen näherte. Als sie mir von ihrem letzten Treffen mit Bree berichtete, musste ich lachen. “Das passt richtig zu ihr. Sie ist eine kleine Diva, das hat sie mich schnell merken lassen. Aber mit Geduld kommt man einfach weiter als mit Strafe, kein Wunder, dass sie als unreitbar durchging. Es nimmt sich doch kaum jemand Zeit in diesen Ställen. Und wenn man ihr den Sattel auf den Rücken klatscht, dreht sie einfach durch.” Mit einem Lächeln übergab ich der jungen Frau die Zügel. “Sie wirkt launisch heute, ab und an hat sie aber Tage, wo sie unfassbar schön läuft.”, erklärte ich. Wir machten uns gemeinsam auf den Weg durch den strömenden Regen zur Halle. “Wir haben leider nur die eine Hälfte, die andere..naja.” Kritisch betrachtete ich die halb fertige Reithalle. Bisher waren nur der Stall, der Platz und die Ovalbahn vollständig umgebaut und renoviert. Die Halle war in Arbeit und an das Wohnhaus mochte ich gar nicht denken. Der Teil, der einmal meine Praxis werden sollte, glich einem Schlachtfeld und auch die Wohnung war alles andere als einladend. Ich schloss hinter Bree und Verena die Bande, ehe ich mich gegen diese lehnte und die beiden betrachtete.

      Verena
      Ich hörte ihm zu, als er über seine Ziege sprach. “Ja, da hast du recht.”, lachte ich. “Okay, ich versuche mein Bestes.”, antwortete ich dann, als er mir erklärte, dass sie heute sehr launisch sei, aber dennoch super laufen konnte. Wir gingen zusammen in die Halle und mich traf zu erst der Schlag. “Es ist alles schwer und kompliziert, wenn man alles zunächst umbauen und nach seinen Vorstellungen formen will.”, meinte ich und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Eigentlich war mir das Chaos egal, ich hatte mich nur ein wenig erschreckt und hoffte innig, dass Bree mich nicht in dem Sandhaufen absetzen würde. “Ich will sie zunächst ein wenig führen, damit sie ein wenig lockerer wird.”, erklärte ich und fing an, die Stute durch die Halle zu führen. Da sie das nicht kannte, zuckte sie verdattert mit den Ohren. Sie zeigte jedoch keine Scheu von Angst, sondern eher von Aufmerksamkeit. “Erzähl mal Merlin, was hast du bis jetzt so mit ihr gemacht?”, fragte ich und wechselte die Seite, um die Stute auch auf der anderen Hand zu führen, ehe ich zu ihm rüber schaute und geduldig auf eine Antwort wartete.

      Merlin
      Mir entging ihr misstrauischer Blick auf den Sandhaufen nicht. Zumindest würde sie weich fallen. Mit einem Schmunzeln blickte ich durch die Hallentür nach draußen. Inzwischen war der Himmel tief schwarz und es war ziemlich finster geworden. Rasch schaltete ich das Licht ein und schob das große Tor der Halle zu, damit der Wind nicht mehr so hindruch fegen konnte. Ich hoffte nur, dass es nicht wieder zu gewittern begann, da ich nicht wusste, wie Bree darauf reagieren würde. Ich sah den beiden zu, wie sie ihre Runden in der Halle drehten. “Wir haben bisher nur im Schritt und Trab gearbeitet. Und sie zeigt ein paar Ansätze zu tölten, anscheinend wurde sie auch in die Richtung ein wenig trainiert.”, beantwortete ich dann ihre Frage und sah den beiden weiter zu. “Sag, wenn ich dir rauf helfen soll.”

      Verena
      Ich schaute ihn grinsend an. “Tölten? Davon hatte mir Lilith nie was erzählt.”, meinte ich belustigt und ging weiter im Kreis. “Baust du mir ein paar Stangen auf? Schrittstangen”, erklärte ich ihm und sah ihm zu, wie er die Stangen platzierte. “Jetzt würde ich sie gerne longieren, aber heute wir es auch so gehen. Morgen jedoch kommt kein Sattel drauf”, sagte ich und ging mit der Stute über die Stangen. Mittlerweile zuckte sie wirklich nervös mit den Ohren, richtete immer mal wieder eins auf mich, und wenn Merlin sprach, eins auf ihn. “Ich glaube ich werde sie heute nicht reiten.”, erklärte ich ihm und er sah mich verdattert an. “Einfach aus dem Grund, dass sie merken soll, dass ein Sattel nicht immer bedeutete, dass sie jemand auf ihren Rücken setzte. Hast du den übrigens mal kontrollieren lassen?”, fragte ich dann und schob die Stangen mit dem Fuß ein wenig weiter auseinander, ehe ich mit Bree antrabte. Erschrocken riss sie den Kopf hoch, trabte jedoch locker neben mir her.

      Merlin
      Rasch legte ich ihr die Stangen hin,wie sie es mir erklärte und hörte mir interessiert ihren Plan an. “Das klingt wirklich nicht schlecht.”, sagte ich anerkennend und sah den beiden zu. “Sicher, der Sattler war da und hat bei alles dreien die Sättel angepasst. Minaki brauchte ja ohnehin ihren ersten eigenen.” Ich dachte an die intelligente Stute, die es mir nicht immer leicht gemacht hatte. Zu Anfang haben wir eine alte Decke und einen abgenutzen Sattel benutzt und beides war oft genug im Dreck gelandet oder wurde von ihren Zähnen maltretiert. So wie sie mich vermutlich auch noch absetzten würde. Ich schüttelte den Kopf und schenkte meine Aufmerksamkeit wieder Verena und Bree, welche inzwischen angetrabt waren. Bree schien ein wenig irritiert von den neuen Aufgaben, doch schienen sie sie zu fordern, was ihr gefiel.

      Verena
      “Wie schnell sie doch groß werden… Als ich Minaki das letzte Mal gesehen hab, war an reiten nicht zu denken.”, sagte ich schmunzelnd und trabte nun mit Bree auf der anderen Hand über die Stangen trabte. Ich lächelte. “Siehst du? Sie hat zwar den Kopf hochgerissen beim Antraben aber sie denkt nach. Ich glaub ich lass es gut sein für heute.”, erklärte ich Merlin dann und ging noch einige Runden im Schritt, ehe ich vor ihm anhielt. “Willst du heute noch was mit Minaki und dem Dickerchen.. naja, Morke machen? Würde dir gerne dabei zuschauen.”, erklärte ich und wartete auf eine Antwort, ehe wir zum Stall gingen, um Bree zusammen abzusatteln.

      Merlin
      Verena musste die drei tatsächlich lange gekannt haben und sich freuen, sie wiederzusehen. Auf ihre Frage hin nickte ich. “Gern. Mit Mørke habe ich bisher kaum gearbeitet, er konnte sich gerade mal von ein paar Spaziergängen überzeugen lassen. Aber laut Verkäufer soll er wohl recht gut springen, vor allem für einen Norweger. Stimmt das?” Neugierig sah ich sie an, als sie auf mich zukam. Kurz klopfte ich der Stute den Hals, welche mich kritisch musterte, mir dann jedoch den Kopf entgegen reckte um sich die Stirn kraulen zu lassen. Mit einem leichten Lächeln verließen wir die Halle und huschten durch den Regen zum Stall herüber. Eine angenehme Wärme kam uns entgegen, als ich die Stalltür aufzog. “Mistwetter.”, murmelte ich und folgte Verena, ehe wir Bree versorgten.

      Verena
      Ich lächelte. “Ja, Mørke kann gut springen. Lilith und ich sind mit ihm und meinem Pferd Funky Powerbabe auch einige Synchronspringen gegangen, wo wir uns ein paar Schleifen geholt haben.”, erklärte ich und kramte dann ein Bild der Tunte aus. “Das ist unsere Tunte, Lilith hat ihn geliebt.”, erklärte ich und zeigte ihm auch ein Bild von einem Synchronspringturnier, wo die beiden alles andere als synchron sprangen und sich lieber anzickten, als gleich laufen zu wollen. “Da waren sie nicht so gut gelaunt.”, meinte ich dann lachend und packte mein Handy weg.
      Im Stall angekommen fragte ich ihn: “Darf ich Mørke schon fertig machen?” “Klar.” Freudig ging ich in die Sattelkammer, schnappte mir sein Putzzeug und fing an, ihn in der Box zu putzen. Ich band ihn nicht an und ließ die Tür auf, weglaufen würde er eh nicht, ich hatte Möhrenstückchen in der Hosentasche, welche er mir beim Hufekratzen stibitzte. “Ey!”, sagte ich laut und griff mir an den Hintern, um die restlichen Möhren vor ihm zu retten. “Das war so klar.”, lachte ich und stopfte den Rest in meine Jackentasche, während Fetti genüsslich vor sich hin schmatzte.

      Merlin
      Beeindruckt sah ich zu dem Falben, welcher in seiner Box stand und Verena nicht aus den Augen ließ. “Na hoffentlich erholt er sich bald.”, sagte ich und streichelte Bree, ehe ich die Box verließ. Ich zeigte Verena die Sattelkammer und nahm selbst Minakis Putzkoffer und ihr Sattelzeug mit. Rasch putze ich die weiße Stute, welche heute alles über sich ergehen ließ. Ich dachte an die vielen Male, die sie versucht hatte mir das Leben schwer zu machen. Wenn Verena sagte, sie käme ganz nach ihrem Vater, hätte ich bald wohl doppelt so viel Spaß. Ich grinste leicht, als ich den Sattel auf ihren Rücken hiefte. Unübersehbar blähte sie sich auf, als ich den Gurt zumachte. “Ewig kannst du das auch nicht.”, sagte ich unbeeindruckt und schob ihr das gebiss der Trense ins Maul, ehe ich das Vorderzeug an den Sattel bastelte und ihr die Beine bandagierte. “Seid ihr so weit?”, fragte ich lächelnd an Verena und Mørke gewandt.

      Verena
      “Oh, ich darf Mørke reiten?”, fragte ich begeistert und strahlte Merlin an. Der junge Mann wurde mir immer sympatischer. Er nickte und zeigte mir wo alles war. So sattelte ich das Schnöselpony. Er legte die Ohren an, was er sonst noch nie gemacht hatte. Ich nahm den Sattel und die Decke wieder ab und schaute mir seinen Rücken und seinen Bauch an, da war jedoch nichts. “Was hast du denn?”, fragte ich und legte die Satteldecke wieder drauf. Noch waren die Ohren vorne, doch als ich den Sattel hochnahm lagen sie wieder flach auf seinem Kopf. “Och Mørke…”, sagte ich seufzend und strich ihm über den Hals. Was ist ihm wohl beim Händler widerfahren?- fragte ich mich und legte dennoch den Sattel auf seinen Rücken, ehe ich den Sattelgurt zuzog. Mørke deutete einen Tritt mit dem Hinterbein in meine Richtung an, doch ich kam ihm zuvor und klatschte meine Hand gegen seinen Bauch. “Versuch das erst gar nicht.”, murrte ich ihn an und legte ihm die Trense an. “Ist er schon so seit du ihn bekommen hast?”, fragte ich Merlin und nickte auf seine Frage hin, dass ich fertig sei.

      Merlin
      “Bitte, er wäre von mir wohl kaum so begeistert.”, schmunzelte ich. Mit gerunzelter Stirn beobachtete ich die beiden. Auf ihre Frage hin schüttelte ich den Kopf und offensichtlich war er auch bei Lilith anders gewesen. “Ich habe bisher wie gesagt nicht mit ihm gearbeitet. Mit dem Halfter macht er keine Probleme und auch beim Führen ist er brav.”, sagte ich. “Er frisst ja nicht einmal, also bin ich mit dem Sattel fern geblieben.”, sagte ich und betrachtete den kleinen Hengst. “Vielleicht tut ihm auch etwas weh, hast du den Sattel nochmal überprüft?”, fragte ich sie dann, ehe ich mit der Zunge schnalzte und in Richtung Stalltür ging. Inzwischen hatte sich der Regen gelegt, die Sonne verbarg sich jedoch immer noch hinter tief schwarzen Wolken. Ein kalter Wind wehte und Minaki legte leicht die Ohren an, als wir nach draußen traten. Ich hingegen nutzte die Gelegenheit und gurtete rasch nach, was sie mit einem empörten Biss in die Luft quittierte. “Lass das Madame.”, zischte ich, erntete jedoch nur einen unbeeindruckten Blick.

      Verena
      “Oh, okay.”, sagte ich nachdenklich. “Ja, ich hab mir eben Rücken, Bauch und Sattel angesehen.”, - ich bin ja nicht doof. Den letzten Teil des Satzes sagte ich nicht laut aus, während ich Merlin einfach anlächelte.
      Schließlich folgte ich den beiden und zog meine Jacke mehr zu. Es war wirklich kalt hier, auch wenn es eigentlich Sommer sein sollte. In Kanada war es zur Zeit viel besser, Temperaturen um die 20-25°C. Als Merlin mit der Stute schimpfte, schaute ich zu den beiden rüber. “Das ist aber auch eine Zicke.”, lachte ich und folgte Merlin dann in die Halle. Er ging vor mir, so dass ich mit Morke zusammen die Tür schloss. Der Hengst tänzelte an meiner Hand, was ich gar nicht von ihm kannte. “Schluss.”, sagte ich scharf und ruckte einmal an den Zügeln. Genervt schaute er mich an und trottete nun lustlos hinter mir her. “Ich frag mich wirklich was er hat…”, murmelte ich, mehr für meine, als für Merlins Ohren bestimmt. Ich gurtete nochmal nach und wollte dann aufsteigen, ehe Morke einen riesen Satz von mir weg machte. “Schön.”, sagte ich und packte ihm in die Zügel, ehe ich ihn mit Fursch von mir wegschickte, so dass er in kleinen Kreisen um mich herumtraben musste. Er hätte sich den Stress auch sparen können, wenn er stehengeblieben wäre. Schließlich ließ ich ihn wieder stehen und nachdenken. “Der hat heute ganz schön Hummeln im Hintern.”, sagte ich dann zu Merlin und fing an, Morke ersteinmal in der Halle herum zu führen.

      Merlin
      “Das kannst du wohl laut sagen.” Ich betrachtete kopfschüttelnd, jedoch mit einem Grinsen die Stute. Gemütlich trottete sie mir hinterher und wir betraten schließlich die Halle. Verena wollte sogleich aufsitzen, doch war Mørke da anderer Meinung. Ich runzelte die Stirn. “Und er war vorher nie so?”, fragte ich, während ich immer wieder etwas von meinem Gewicht auf den Sattel der Stute lehnte, welche zu meiner Überraschung ruhig stehen blieb. Doch konnte ich mir kaum vorstellen, dass das Pferd von einem auf den anderen Tag sich so veränderte. Auch nicht, wenn er seine Besitzerin verloren hatte. “Wie lange hatte sie ihn eigentlich schon?”, fragte ich dann, ehe ich mich in den Sattel schwang und seicht nach unten gleiten ließ. Kurz klopfte ich Minaki den Hals, nahm die Zügel auf und trieb sie im Schritt vorwärts.

      Verena
      “Nein, vorher war er nie so.”, sagte ich und führte den Hengst weiter durch die halbe Halle, da der andere Teil ja nicht fertig war. Ich trabte an und ein schlecht gelaunter Hengst trabte hinter mir her, ehe Merlin mich fragte, wie lange Lilith den Hengst schon hatte. Ich parierte wieder zum Schritt durch, gurtete nach und drehte mich dann zu ihm um. “Puuuh, keine Ahnung.”, sagte ich und überlegte. “Ich kann es dir echt nicht sagen, schon eine ganze Weile. 3 oder 4 Jahre, glaube ich.”, antwortete ich dann und wagte einen neuen Versuch, aufzusitzen. Diesmal blieb er stehen, so dass ich mich in den Sattel sanft in den Sattel gleiten lassen konnte. “So ist brav, Dickerchen.”, sagte ich lächelnd und trieb ihn an dann. So weit so gut.

      Merlin
      Ich hörte ihr zu und nickte leicht. Inzwischen hatte Verena es geschafft aufzusitzen und ich hatte Minaki im Schritt warm geritten. “Vielleicht hat sie ja etwas von seinem Springtalent geerbt.”, murmelte ich und klopfte der weißen Stute den Hals. “Kennst du die Mutter?”, fragte ich sie und ließ Minaki antraben. Missmutig riss sie den Kopf hoch und drückte den Rücken unter mir weg, ließ sich jedoch auf den Mittelzirkel reiten. Alle drei waren das komplette Gegenteil von Jack. Der riesige Fuchs war unendlich gutmütig, fleißig und liebte es zu arbeiten. Vielleicht hatte Mørke sein Talent, doch konnte ich mir kaum vorstellen, dass der kleine Hengst bei einem großen Warmblut mithalten könnte. So spielte ich immer noch mit dem Gedanken, mir wieder ein Sportpferd zuzulegen. Doch hatte ich bisher kaum zeit gefunden, nach dem passenden Tier zu suchen. Nun war erst einmal wichtig, dass Mørkes Zustand sich besserte und er schien offensichtlich aufzuleben.
      Minaki lief nun etwas runder und hörte auf sich gegen meine Hilfen zu sperren. “Du läufst ja fast schon schön, Eselchen.”, grinste ich und trieb sie an der langen Seite entlang.

      Verena
      “Nein.”, sagte ich und schüttelte den Kopf. “Die Mutter ist leider unbekannt.”, erklärte ich ihm und ging im Schritt ganze Bahn, ehe ich Fetti antrabte und ebenfalls auf den Zirkel lenkte. Immer wenn wir an Minaki vorbei kamen, wölbte er den Hals und imponierte ihr. “Lass den Quatsch”, grummelte ich einmal und haute ihm ein mal mein Bein gegen den Bauch. “Wieso hast du eigentlich mich als Trainer ausgewählt?”, fragte ich Merlin dann und parierte den Hengst wieder in den Schritt durch. “Himmel, ich bin froh, dass ich hier bin. Ist ja ein riesen Zufall!”

      Merlin
      Belustigt beobachtete ich die Spielchen des Hengstes und schüttelte den Kopf. Minaki hingegen schien wenig interessiert daran. Sie konzentrierte sich das erste Mal wirklich auf mich und es entlockte mir ein Lächeln, wie schön sie mitarbeitete, anstatt mir wieder das Leben schwer zu machen. “Stimmt, das war wirklich Zufall.”, antwortete ich dann Verena. “Ein befreundeter Turnierreiter hat mir von dir berichtet, als ich mit meinem alten Pferd noch auf Turnieren geritten bin.”, erklärte ich dann. “Eigentlich hätte ich dich für zu jung und unerfahren eingeschätzt, aber du hast einen sehr guten Ruf. Und als ich im Internet nach Trainern gestöbert habe, ist mir dein Name wieder begegnet.”

      Verena
      Ich lachte nur. “Dann bin ich ja froh, dass ich dich doch besuchen kommen durfte. Ich glaube Morke tut mein Besuch auch ganz gut.”, erklärte ich ihm und galoppierte dann ein paar Runden mit dem Hengst, ehe ich ihn im Schritt trocken ritt. “Sollen wir die Pferde mal tauschen? Ich würde mich wahnsinnig freuen, einmal auf Minaki sitzen zu dürfen.”, erklärte ich ihm und sah ihn lächelnd an. Gleich würde er zum ersten Mal Morke reiten, mal schauen wie er sich benehmen würde- vorausgesetzt er sagte zu.

      Merlin
      “Auf jeden Fall, ich hätte nicht gedacht, dass es etwas gibt, was seinen Zustand so schnell verändert. Er ist ja wie ausgewechselt.” Lächelnd parierte ich Minaki durch und saß ab, ehe ich Verena die Zügel entgegen hielt. “Bitte. Sie hat heute wohl einen guten Tag, nicht wahr Eselchen?” Ich klopfte der Stute den Hals und sie stupste mich wie zur Bestätigung gegen meinen Arm. Stirnrunzelnd betrachtete ich sie, wie sie vollkommen entspannt und friedlich da stand. Man sah ihr kaum an, was sie für ein Monster sein konnte. Dennoch liebte ich sie und war gespannt, wie sie sich in Zukunft machen würde.

      Verena
      “Ja, so wie er aussah war ich auch verwundert. Aber ihm hat glaube ich einfach jemand gefehlt, der ihn kennt.”, meinte ich und parierte Morke durch, ehe ich abstieg und mir die Zügel von Minaki geben ließ. Merlin gab ich die Zügel von Morke.
      Kurz tätschelte ich den Hals der Stute, ehe ich mir die Steigbügel einstellte und mich in den Sattel schwang. Kurz ließ ich sie stehen, ehe wir im Schritt ganze Bahnen gingen.

      Merlin
      Verena hatte bereits aufgesessen, während ich den Hengst kurz streichelte. Rasch stellte auch ich die Steigbügel länger und saß dann auf. Minaki war schon jetzt größer als er und auch um einiges kräftiger. Das schmale Tier unter mir wirkte nahezu schon zerbrechlich, was aber wohl eher an seinem Allgemeinzustand lag. Aufmerksam spitze er die Ohren, als ich die Zügel aufnahm. Es war gefühlt das erste mal, dass er mich überhaupt zu beachten schien. Man merkte gleich, dass er um einiges mehr Erfahrung hatte als Minaki und ganz anders auf die Hilfen reagierte. Nach kurzer Zeit im Schritt trabten wir an und ich grinste leicht, während ich Verena kurz einen Blick zuwarf. "Er scheint tatsächlich ein wunderbares Pferd zu sein."

      Verena
      Ich ritt Minaki nur eben im Schritt und Trab, bei dem sie sich wirklich grandios anstellte, ehe ich anhielt und abstieg. "Ich bring Minaki eben weg, dann gehen wir zusammen raus auf den Platz, ok? Ich würde dir gerne ein bisschen Unterricht auf Morke geben, das Wetter hat sich auch gebessert, so dass wir raus gehen können.", schlug ich vor und wartete gar keine richtige Antwort ab, sondern ging meines Weges. Es dauerte eine ganze Weile, ehe ich Minaki endlich fertig für die Box hatte und zu Merlin und Morke auf den Platz gehen konnte. Grade hatte ich diesen betreten, als Morke losbuckelte. Mit einer Hand fasste ich mir an die Stirn, was war denn jetzt in ihn gefahren?! Als ich dann bereit war etwas zu sagen, galoppierte der Hengst einfach weiter, als wäre nichts gewesen. "Was war denn grade los?", fragte ich Merlin lachend und setzte mich auf den Zaun.

      Merlin
      Verena schien mit der Arbeit zufrieden, die ich bisher mit Minaki geleistet hatte. Auf ihre Frage hin nickte ich nur, doch sie wartete gar keine Antwort ab. Unterricht? Sie mochte ein guter Trainer sein, jedoch für Pferde und nicht für mich. Kurz rollte ich mit den Augen, gab dann nach und saß rasch ab, um den Hengst auf den Platz zu führen. Dort saß ich wieder auf, nachdem ich das Tor geschlossen hatte. "Na komm, mein Junge." Der Falbe spielte mit den Ohren und ich ließ ihn aus dem Stand antraben. "Dann wollen wir mal sehen, ob du wirklich das Wunderpferd bist, als das dich Verena beschreibt.", murmelte ich und ritt ihn weiter vorwärts. Verena kehrte lange nicht zurück, jedoch merkte ich kaum, wie die Zeit verstrich. Auch Morke begann bereits mächtig zu schwitzen. "Du bist wohl etwas aus der Übung, hm?" Belustigt ritt ich ihn weiter und obwohl er bisher nur auf Dressurturnieren der Klasse E gestartet war, so war er weiter im Training. Um Längen. Doch Morke schien langsam der Spaß zu vergehen, als ich ihn immer anspruchsvollere Lektionen ritt. Von einem Moment auf den anderen legte er die Ohren an, preschte los und buckelte ein paar mal kräftig. "Wohaa!" Grinsend saß ich seine Sprünge aus und brachte ihn wieder in einen ruhigen Galopp. Als ich mich umsah, bemerkte ich Verena, welche fassungslos zu uns sah. "Du hast nichts gesehen." Schelmisch grinste ich sie an und parierte ihn schließlich zum Schritt durch, gab die Zügel nach und lobte ihn kräftig. "Wieso ist sie nur auf so kleinen Turnieren gestartet? Sie muss ihn bis M Dressur trainiert haben!" Er war tatsächlich brillant, kaum zu glauben, für einen Norweger.

      Verena
      "Das hab ich gesehen.", sagte ich grinsend. "Der hat Potenzial, nicht nur in der Dressur, sondern auch im Springen. Wenn der wieder bisschen mehr auf den Rippen hat, musst du den unbedingt mal springen!", sagte ich begeistert und klopfte mir die Beine ab. "Auf Unterricht hat der bestimmt keinen Bock mehr.", sagte ich dann und zuckte mit den Schultern. "Reicht ja auch für heute, oder?", sagte ich dann und ging auf die beiden zu, um Fetti durch die Mähne zu wuscheln.

      Merlin
      "Nicht, wenn wir nicht mehr darüber reden.", lachte ich, brachte den Hengst zum Stehen und ließ mich aus dem Sattel gleiten, als sie zu uns herüber kam. "Wenn er springt wie er läuft, ist er einfach unglaublich. Wie kann dieses dicke Pony sowas schaffen?", fragte ich begeistert. Zwar war er alles andere als dick, jedoch betraf das ja nur den Moment. Nach Unterricht sah er nun wirklich nicht mehr aus, er schien vollkommen erledigt.

      Verena
      "Er ist unglaublich.", sagte ich und musste an Lilith denken. "Gott sei Dank ist er noch an dich gekommen und an niemanden, der ihn schändet. Du scheinst wirklich ein Händchen für Pferde zu haben, sonst hättest du Morke und auch Bree und Minaki sicher längst nicht mehr.", erklärte ich und ging dann mit ihm in den Stall. "Also, was hast du morgen mit Bree vor?", fragte ich ihn dann und half ihm, Morke abzusatteln und für die Box fertig zu machen. Auch wurde jetzt Heu und Kraftfutter verteilt, wobei ich das Heu übernahm, da ich nicht wusste, wer wie viel Kraftfutter bekam.

      Merlin
      "Ich habe ein Händchen für Problempferde.", korrigierte ich sie belustigt. "Da kauft man sich drei Tiere und eines ist verkorkster als das andere." Nun, wir arbeiteten ja daran. Minaki war bloß ein sturer Esel, Bree gewöhnte sich immer mehr an mich und Morke hat wohl nichts außer ein vertrautes Gesicht gebraucht. Es war auch das erste mal, dass er ohne zu zögern fraß. Er war von jetzt auf gleich wie ausgewechselt und mehr als Futter und Training würde er wohl kaum brauchen. "Ich bin nicht sicher. Sie lässt sich inzwischen ungefähr so gut satteln und reiten wie ein genervtes Schulpferd. Ich bin allerdings nicht sicher, ob sie über- oder unterfordert ist.", gab ich zu bedenken. "Vielleicht können wir morgen mit zwei Pferden ins Gelände. Morke scheint ja sehr gelassen zu sein, vielleicht läuft sie gut mit ihm. Oder wir nehmen sie etwas mehr ran. Was meinst du?", zweifelnd sah ich über den Rand der Box zu Verena.

      Verena
      "Ja, kenn ich.", sagte ich lachend und überlegte dann, während ich ihm zuhörte. "Hast du eigentlich mal andere Gebisse, Trensen oder Sättel ausprobiert? Gebisslos, oder einfach mal ein Reitpad?", fragte ich ihn dann. "Oder sogar einfach nur ein anderes Gebissstück dran gemacht, damit sie mal ein anderes Gefühl bekommt?", fragte ich ihn dann. "Vielleicht stellt sie deshalb auch auf stur, weil unterfordert ist sie glaube ich nicht, überfordert, naja.. viel machst du ja nicht mit ihr.", lachte ich und kratzte mich fragend am Kopf.


      Merlin
      "Du bist genial.", stellte ich fest und schüttelte den Kopf. "Es passt zwar alles perfekt, aber einfach an anderes? Daran hatte ich nicht gedacht." Ich kam mir reichlich dämlich vor, doch nahm ich ihren Vorschlag lieber an, anstatt ihn aus Trotz oder Eitelkeit abzulehnen. "Mal sehen, was sie davon hält." Rasch beendeten wir unsere Arbeit und ich verriegelte den Stall, als wir ihn verlassen hatten. "Es gibt ja häufig Pferde, die mit winzigen Änderungen ein anderes Tier sind. Ich hoffe, du hast recht."

      Verena
      "Danke.", sagte ich und klopfte mir auf die Schulter, ehe ich noch Minaki ihre Ration Heu gab. Dann verließen wir den Stall.
      "Ja, das stimmt. Ich hoffe es hilft.", wiederholte ich, bevor wir in Richtung Haus gingen. Wir hatten noch gar nicht wirklich geklärt wo ich schlafen sollte, da ich einfach sofort in den Stall gegangen war, als ich hier angekommen war. Etwas betreten stand ich also vor der Tür und sah vor mich auf den Boden.

      Merlin
      Gemeinsam gingen wir zum Haus hinüber und ich drückte die Tür auf, welche meist nur angelehnt war. "Sind deine Sachen noch im Auto?", fragte ich Verena und als die bejahte begleitete ich sie rasch zu ihrem Wagen und trug die Reisetasche herüber ins Haupthaus und die enge Treppe hinauf in die erste Etage. Ich liebte das alte Haus, frisch renoviert jedoch immer noch im originalen Stil. "Es ist noch ein wenig chaotisch, ich bin ja gerade erst her gezogen.", erklärte ich und wies auf eine Zimmertür. Da ist das Gästezimmer, ein kleines Bad ist direkt daneben, du kommst über das Zimmer hinein.", sagte ich und stellte ihre Tasche ab.

      Verena
      Merlin zeigte mir alles und entschuldigte sich für seine Unordnung. "Ach, kein Problem.", meinte ich nur beiläufig und sah auf mein Handy. 10 Anrufe in Abwesenheit von Caleb? "Ich muss mal kurz telefonieren..", sagte ich und ging nach draußen, ehe ich Caleb anrief, der mich zu erst zur Schnecke machte, warum ich nicht an mein Handy gehen würde. "Hier ist die Hölle los, die blöden Rinder haben den ganzen Hof zertrampelt, Goddess ist abgehauen und ach, guck dass du hier hin kommst!", fluchte er und legte auf.
      Gestresst und leicht panisch ging ich zu Merlin. "Geht heute Abend noch ein Flug? Ich muss dringend nach Hause. Die Ranch wurde von einer Herde kühen überrannt und ein paar meiner Pferde sind weg, ich muss ganz dringend heim...", stotterte ich und sah mich nach meinen Sachen um.

      Merlin
      Ich runzelte die Stirn, als sie den Anruf entgegen nahm und schließlich sichtlich aufgeregt wieder kam. "Kühe? Oh je, na los, ich bring dich zum Flughafen." Rasch nahm ich ihre Tasche für den unerwarteten Aufbruch und wir gingen gemeinsam zum Auto. "Schade, dass du schon wieder aufbrechen musst. Ich glaube du hast Morke wirklich gut getan." Ich seufzte und wir brachten die Fahrt hinter uns. "Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal wieder." Grinsend verabschiedete ich die junge Frau, welche noch ein Ticket in der Economy Class ergattern konnte, ehe auch ich mich auf den Heimweg machte.

      48063 Zeichen © Veija & Loulou
    • Loulou
      Alles endet.
      Wisconsin - 23.58 Uhr

      Vorsichtig strich ich dem kleinen Hengst über seinen verschwitzen Hals und schüttelte den Kopf. Es ging ihm so viel besser, als Verena zu Besuch gewesen war. Und so viel schlechter als sie wieder fort war. Er schnaufte kurz, ehe seine Atmung wieder flach wurde und mit jedem Zug, den er tat brodelte. „Er will nicht mehr kämpfen.“, hörte ich die vertraute Stimme meines Tierarztes. Seufzend stand ich auf und betrachtete den Norweger, ehe ich nickte. Er hatte zu sehr abgebaut um gegen den Infekt, den er sich eingefangen hatte bestehen zu können. „Was ist mit den anderen?“, mit gerunzelter Stirn sah ich zu dem jungen Mann. „Um die brauchst du dir keine Sorgen machen. Er ist abgemagert und der Wille fehlt ihm, jedes gesunde Pferd würde das mit medizinischer Hilfe wegstecken. Er aber nicht.“ Fragend, mit einem vielsagenden Blick sah er mich an. Kurz zögerte ich, ehe ich nickte. Der junge Arzt verschwand und kurze Zeit später hörte ich seinen Wagen vom Hof fahren. Stumm setzte ich mich ins Stroh neben Morke und kraulte seine Stirn, während ich mit der anderen Hand und einem alten Tuch den Schleim aus seinen Nüstern wischte. „Kein Mensch kann ein so guter Freund sein, wie du es bist.“ Seine Ohren regten sich kaum bei dem leisen Klang meiner Stimme und meine Gedanken schweiften zu Jack ab. Meinem Jack, der für mich gewesen war, wie Morke es für seine alte Herrin sein musste. Es hatte mir einen kleinen Stich versetzt, dass der Vollblüter beinahe hieß wie er. Morke holte mich aus meinen Gedanken zurück in die Realität. Wortlos strich ich ihm weiter über die Stirn. Sein Atem wurde flacher, das Brodeln leiser und schließlich verstummte es ganz. „Jetzt bist du wieder bei ihr.“

      I couldn't face a life without your lights
      But all of that was ripped apart when you refused to fight

      1690 Zeichen © Loulou
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Loulou
    Datum:
    16 Mai 2016
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    EXIF Data

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  • Exterieur
    Name: Mørke
    Spitzname: Schnöselpony, Fetti
    Geburtsdatum: 26.03.
    Alter: 10 Jahre
    Geburtsort: Norwegen
    Geschlecht: Hengst
    Stockmaß: 143cm
    Rasse: Norwegisches Fjordpferd
    Fellfarbe: Gelbfalbe
    Abzeichen: -

    Stammbaum
    Hengst: Sporentritt
    Hengst: Lausejunge
    Stute: Novalis

    Stute: unbekannt
    Hengst: unbekannt
    Stute: unbekannt


    Geschwister: Yuki Shiro | RPSissi Di Royal Peerage

    Interieur
    Mørke ist ein liebenswerter Hengst, wenn auch ein ziemlicher Dickkopf. Wenn er etwas nicht möchte, oder sich ungerecht behandelt fühlt, wird er das deutlich machen und es braucht viel Geduld und vor allem eine ruhige Hand, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Er ist durchaus intelligent und Menschen bezogen. Zwar braucht er lange, bis er jemanden voll ins Herz schließt und auch nur wenige finden ihren Zutritt doch vertraut er seinem Menschen, hängt er sehr an ihm und wird dies auch zeigen. Der junge Hengst ist absolut nicht für Anfänger geeignet, denn auch erfahrene Reiter setzte er gerne einmal in den Sand und testet seine Grenzen aus.

    Zucht
    Zuchtzulassung: [x] ja | [ ] nein
    Decktaxe: auf Nachfrage
    Nachkommen: Minaki

    Besitzer: Merlin Harris
    Vorbesitzer: Lilith Gyllenhaal
    Züchter: RoBabeRo
    VKR: RoBabeRo
    Kaufpreis: 35.ooo Joelle
    Zu Verkaufen: [ ] ja | [x] nein
    Verkaufspreis: unbezahlbar

    Pferdesport
    Eingeritten: [x] ja | [ ] nein
    Eingefahren: [x] ja | [ ] nein
    Trainer: Veija - Gips Reminder Ranch
    Letzter Besuch: -

    Eignung
    Dressur: E A L LM M S
    Springen: E A* A** L M* M** S* S** S*** S****
    Geländereiten: CIC/CCI1* CIC/CCI2* CIC/CCI3* CIC/CCI4*
    Fahren: E A L M S
    Distanz: EDR KDR MDR LDR
    Wendigkeit: E A L M S

    Western
    Rennen


    Schleifen und Pokale
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    HK 445 Fjordpferde & Norweger
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    43. Synchronspringen
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    184. Fahrturnier
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    55. HdM Wahl
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    RS 35 Voltigieren
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    64. Synchronspringen
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    75. Synchronspringen
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    86. Synchronspringen
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    2. Auslosung 300. Westernturnier (Reining)
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    92. Synchronspringen
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    99. Synchronspringen

    Gesundheit
    Gesundheitszustand: [x] gesund | [ ] krank
    Tierarzt: -
    Letzter Besuch: 26.09.2015
    Hufschmied: -
    Letzter Besuch: 26.09.2015
    Beschlag: Hufeisen mit Grips