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Veija

Lovely Summertime

Lovely Summertime
Veija, 7 Jan. 2023
sadasha und Mohikanerin gefällt das.
    • Veija
      Summer an der Sk 393 für Westernpferde
      23 okt. 2012

      Summer stampfte unruhig neben mir auf den Boden. Ihr gefielen die fremde Umgebung und die vielen Leute überhaupt nicht. Ich beruhigte sie durch sanftes Tätscheln auf den Hals. Dann konnten wir endlich die stille Halle betreten. Ich stieg auf und spürte sofort, wie sie sich entspannte, abseits von all der Aufregung. Ich rückte etwas den Westernsattel zurecht und zog den Gurt noch einmal nach. Wir liefen auf gerader Linie zu den Richtern, wo ich anhielt und sie grüsste. Summer drehte ein Ohr zu mir, als ich ihr den Impuls zum Schritt gab. Zuerst machten wir eine grosse Volte im Schritt, wobei ich darauf achtete, dass sie den Kopf schön tief hielt, aber meine Zügel locker waren und ich stetigen Kontakt mit ihrem Maul hatte. Sie liess sich wie schon im Training sehr fein lenken und ich kam mit minimalen Hilfen aus. Für eine drei Jährige war sie schon sehr gut reitbar. Nach der Volte wechselte ich diagonal durch die Bahn, wobei ich die Zügel kaum merklich aufnahm und sie prompt in einen schnelleren Schritt überging. Wieder drehten wir eine grosse Volte, die ich verkleinerte, bis sie sich, zwar noch etwas unsicher, auf der Stelle drehte. Dann liess ich sie geradeaus auf die Mittellinie gehen und bei X antraben. Anschliessend trabte ich mit ihr eine ganze Runde auf der Bahn und achtete darauf, dass sie ihren Takt behielt und im Gleichgewicht lief. Dies meisterte sie ohne Probleme. Ich hatte sie im Training auf feine Gewichtshilfen abgestimmt und so liess sie sich ohne Tempoverlust um die Kurve lenken, um aus der Ecke umgekehrt zu wechseln. Summer Trabte immer noch taktrein und völlig locker in leichter Anlehnung. Nachdem ich wiederum eine Runde auf dieser Seite gedreht hatte, gab ich den Impuls für den Galopp. Augenblicklich sprang sie ein und präsentierte ihren tollen, ausbalancierten Galopp. Ich lobte sie kaum merklich durch sanftes kraulen am Widerrist, denn im Training hatte sie meist noch etwas Mühe mit dem korrekten einspringen gehabt. Dann wechselte ich erneut die Seite mit einer Schlangenlinie, bei der sie immer wieder den Galopp wechseln musste. Anschliessend galoppierte ich sie auf der ganzen Bahn. Als High-Light liess ich eine Hand auf dem Oberschenkel und galoppierte sie einhändig auf die Mittellinie. Bei X richtete ich mich auf und sie stoppte sofort. Ich grüsste die Richter und wir trabten am lockeren Zügel und immer noch einhändig aus der Halle. Ich war unheimlich stolz auf sie, denn das mit dem Stopp, ein noch nicht ganz perfekter Sliding-Stop, hatten wir im Training nie so gut hinbekommen. Sie bekam ein paar saftige Äpfel und durfte noch etwas Gras fressen auf einem Feld in der Nähe.

      Sammelpflegebericht für alle Pferde: Ein typischer Arbeitstag.
      09.11.2012

      Heute war wiedermal ein purer Arbeitstag: zuerst eilte ich zu den Weiden um bei Daki, Sunset und Chip die Weideboxen auszumisten, ausserdem um Wasser und Raufutter nachzufüllen. Neben mir hüpfte meine neue Jack-Russel Hündin Jacky ungeduldig auf und ab. Ich hatte sie mit acht Wochen von der Züchterin abgeholt, was eher früh war, aber sie war jetzt mit 10 Wochen schon neugierig und in keiner Weise ängstlich. Sie hatte sich gut eingelebt und tapste mir brav hinterher. Allerdings hatte sie eine kurze Leine an, damit ich sie anbinden konnte, wenn ich zu den Pferden ging. Ich wollte ja nicht, dass sie getreten wurde. Die drei mini Stütchen bekamen noch etwas dünnere Decken, denn es war wieder etwas wärmer geworden (trotzdem wollte ich nicht, dass sie zu viel Fell bildeten). Als ich die Weide verliess, um zu den beiden mini Hengstchen zu gehen, wollte mir Daki schon hinterher laufen. Ich sagte amüsiert zu ihr: „Zu den Hengstchen kommst du besser nicht mit. Aber…“ nach kurzem Zögern gab ich ihrem treuen Blick nach und öffnete das Weidetor so weit, dass nur sie hinausschlüpfen konnte. Ich wusste genau: Miss Mini Daki kam überall mit mir mit wie ein Hund. Auch ohne Seil. Und wenn sie abhauen würde, dann eh in die Futterkammer. Ich band Jacky vom Weidepfosten los und sie beschnupperte Daki sofort neugierig. Als ich zu den Hengstchen reinging, begann Daki entspannt aussen am Zaun zu grasen, während Jacky ihr zwischen den Beinen hindurch flitzte. Ich machte mir keine Sorgen um sie, weil Daki ja klein war und die Hufe vorsichtig aufsetzte. Ich kümmerte mich nun um Blue und Prinz. Die beiden hatten sich seit Prinz‘ Ankunft prächtig verstanden und dösten oft entspannt nebeneinander. Ich mistete zuerst wieder die Box und streute neues Stroh rein, dann legte ich noch einen Heuhaufen hin und füllte die beiden Wassereimer wieder auf. Jeder hatte einen eigenen, damit sie auch sicher genug tranken. Dann zog ich auch ihnen die leichteren Decken an und lief anschliessend zu den Fohlen. Die sahen, weil es Winteranfang war, besonders pelzig aus. Ich hatte ihnen keine Decke angezogen, da sie diese bloss zerfleddert hätten. Ich lief an Campina vorbei, die mir kurz darauf gelangweilt hinterher lief. Ich wusste, dass sie meine Anwesenheit immer mit Spannung und Abwechslung verbanden, aber heute mussten sie ausnahmsweise verzichten. Auch Flower lief mir hinterher und kniff mir spielerisch ins Hosenbein. Ich packte ihr Ohr um ihr zu signalisieren, dass ich in Ruhe gelassen werden wollte. Währenddessen spielte Jacky mit Fake. Auch Daki fand schnell jemanden zum Zanken: Flower, die sich wieder von mir entfernt hatte. Winter stand auf der Weide nebenan und beobachtete die Anderen. Nach dem ich auch mit der Box der Fohlen fertig war, lief ich zu ihm und kraulte ihn ein wenig. Er taute sofort auf und begann mir frech in den Ärmel zu kneifen. Ich joggte etwas davon und forderte ihn auf, mir zu folgen. Nach einer Weile trabte und galoppierte er mir hinterher. Aber ich musste bald weiter und mich auch noch um die Anderen kümmern. Deshalb verliess ich die Weide und lief mit Jacky und Miss Mini Daki zum Nebenstall. Daki Blieb bei Goia stehen und leistete ihr etwas Gesellschaft, während ich bei der neuen Criollo-Stute Moon Kiddy anfing. Ich hatte sie, Goia, Flint, Summer, Pilot und Love in den Nebenstall umgesiedelt, damit der Hauptstall nun vollkommen für die Vollblüter genutzt werden konnte. Als ich in allen Nebenstallboxen die Einstreu gewechselt und frisches Heu hingelegt hatte, rief ich Daki und lief die kurze Strecke zum Hauptstall. Neugierig erkundeten Daki und Jacky das Gebäude, während ich mich der Reihe nach um Stromer, Sunday, Light und Spot kümmerte. Spot und Light waren ebenfalls neu. Nach ihrer Ankunft hatte ich beschlossen, dass die Stuten im südlichen Teil des Hauptstalles und die Hengste im nördlichen stehen sollten. Als ich mit den Hengsten fertig war, lief ich zu den Stuten wo Daki und Jacky schon warteten und mit Felicita schmusten. Iskierka, die kleine Diva, war etwas speziell und fand Daki anscheinend nicht besonders anziehend. Auch vor Jacky hatte sie eher Angst, weil ihr das kleine, wilde, bellende Ding nicht geheuer war. Ich mistete die Box des Sensibelchens und befasste mich zu guter Letzt mit Felicita. Am Nachmittag durften alle Pferde auf die Weiden.

      Alltag auf Pineforest Stable
      05.03.2013

      Wie jeden Samstag stand ich früh auf und schlang mein Müsli runter, bevor ich dann in den Hauptstall lief und den Stallburschen beim Füttern half. Alle Pferde warteten schon ungeduldig und besonders Spot klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür. Er bekam deshalb als Letzter sein Futter. Die Vollblüter im Hauptstall bekamen eine spezielle Futtermischung, die ihnen die nötigen Vitamine und Mineralstoffe für ihre Rennleistungen brachte. Diese Futtermischung schmeckte wohl auch besonders gut, denn wenn Pferde, die aus irgendeinem Grund gerade nicht im Rennsport tätig waren, stattdessen normales Futter, wie das der Nebenstall-Pferde bekamen, assen sie deutlich weniger und langsamer. Auch im Nebenstall wurde die Schubkarre mit dem Futter schon freudig erwartet und viele der Pferde „röchelten“ aufgeregt. Anschliessend brachten wir den Pferden auf den Weiden ihre Heu und Stroh Portionen, denn die bekamen wenn überhaupt nur wenig Getreidefutter. Es war schon recht warm an diesem Morgen und der Schnee war fast gänzlich geschmolzen. An manchen Stellen tauchten erste Frühlingsblumen auf und die Gräser begannen sich wieder aufzurichten. Auch die Luft roch nach Frühling und man hörte überall Vögel zwitschern. Da der geschmolzene Schnee die Weiden matschig werden liess, wurden Teile der Weiden zur Schonung des frischen Grases abgetrennt. Die Mini-Pferdchen waren immer süss anzusehen, wenn sie angerannt kamen, sobald der Futterwagen in Sicht war. Arco wieherte schon aufgeregt als wir die Weide betraten. Anschliessend liessen wir erstmal alle Pferde in Ruhe fressen, dann lief ich erneut zur Mini-Pferdchen Weide. Um neun Uhr kamen dann ein paar Kinder, die regelmässig am Wochenende mit den Mini-Pferdchen spielten und sie putzten. Ich blieb zuerst wie immer etwas dabei und half mit. Unsere Minis waren zwar allesamt super lieb im Umgang und sehr menschenbezogen, aber kommunizierten natürlich auch untereinander als Herde und dabei gab es öfter mal kleine Zankereien. Daki’s Nüstern durchstöberten schon wieder meine Hosentaschen nach Leckerlies und Chip versuchte gerade Goldy in den Hintern zu beissen. Ich packte sie am Ohr und ermahnte sie, denn solange die Kinder anwesend waren, hatte sie sich gefälligst zu benehmen. Arco und Prinz wurden separat geputzt, weil sie ja Hengstchen waren. Besonders an Diva’s knallrotem, flauschigen Winterfell hatten die Kids Freude. Die Minis sahen allgemein wie kleine Plüschkugeln aus. Bei Prinz kam man kaum noch durch den dichten Schweif; ein Frisör-Termin stand für alle an. Später am Morgen arbeitete ich mit Light und Stromer auf der Rennbahn, während mein Mann Spot und Sunday bewegte. Auch Felicita und Iskierka waren trainiert worden, allerdings schon am frühen Morgen. Am Mittag ritten ich und mein Mann gemeinsam mit Ronja und Burggraf aus. Der Boden war auf den Feldwegen recht gut, sodass wir auch viel galoppieren konnten. Auf den Feldern war es dafür allerdings zu matschig. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Mitte der Rennbahn trainierten wir anschliessend noch etwas für die kommenden Distanzprüfungen. Beim Mittagessen liessen wir uns etwas mehr Zeit. Wir assen wie eigentlich immer mit allen Lehrlingen und Stallhelfern gemeinsam im Restaurant in der Halle. Dort wurde über den Tagesplan und die bereits verrichteten Arbeiten geredet, oder auch über allerlei sonstige Themen.
      Danach ritt ich mit Julia und Jonny, zwei der Helfer, auf den Aussenreitplatz. Ich ritt auf Flint, Julia auf Shadow und Jonny auf Summer. Wir stellten ein paar Stangen auf und bereiteten einen kleinen Western-Parcours auf. Während 45 Minuten trainierten wir diverse Bahnfiguren, Stops, Spins und vieles mehr. Flint war langsam richtig gut im Stoppen, er reagierte auf die feinsten Gewichtshilfen. Auch Summer machte gute Fortschritte, sie hatte allerdings ordentlich Winterfell, was das Westernpferde-Image ein wenig verfälschte. Sie sah lustig aus, wie sie mit all dem Teddy-Fell umher galoppierte. Shadow hingegen hatte sehr feines Fell und fror schnell, wenn sie gerade nicht bewegt wurde. Etwa um 3 Uhr nachmittags ritt ich mit Pilot in der Springstunde mit, die immer Samstags auch offen für Leute aus der Nachbarschaft war. Es kamen oft andere Leute mit ihren Pferden um in der grossen Halle zu trainieren. Einer der Helfer, Freddy, ritt mit Costa mit. Wir machten wieder mal Witze und lachten viel, alle waren fröhlich aufgelegt weil der Frühling kam. Nach der Springstunde ritt ich Peace, den ich ebenfalls noch nicht lange hatte. Er war noch sehr schreckhaft und unkonzentriert, was das Training zur Herausforderung machte, allerdings war bereits eine deutliche Besserung bemerkbar. Trotzdem erschreckte er sich vor einer Taube, die vor seiner Nase durch die Halle flog. Der kräftige Dreijährige bockte mich beinahe runter. Als ich ihn wieder beruhigt hatte, war er dann auch ganz schön verschwitzt, obwohl er geschoren war. Ich beschloss noch ein wenig mit ihm Seitengänge zu üben, zum Abkühlen ritt ich ihn dann noch eine Runde auf der Galoppbahn im Schritt. Nun war ein wenig Spass und Abwechslung mit den Criollos geplant: Ich sattelte Moon, nachdem ich Peace zurück in die Box gebracht hatte, und mein Mann holte Feline. Moon zappelte ungeduldig während wir auf Feline und meinen Mann warteten. Als er endlich kam stiegen wir vor dem Nebenstall auf und ritten zur Galoppbahn. Dort wärmten wir die beiden erstmal im Schritt ein. Anschliessend trabten wir an und machten einige Tempowechsel. Auch Schulterherein übten wir ein wenig. Schliesslich galoppierten wir auch. Nun da es schon fast 6 Uhr war kam starker Wind auf und fegte durch die Tannen des Galoppweges. Es war aber trotzdem noch recht warm und die Abendstimmung mit dem rötlich gefärbten Himmel war wunderschön. Wir beschlossen ein kleines Rennen zu machen. Zuerst ritten wir zur Begrenzung der Rennbahn und zogen den Pferden die Sättel aus. Wir legten sie über den Zaun, dann stiegen wir wieder auf und begaben uns auf die Startposition. Auf sein Zeichen hin preschten wir los. Es war ein herrliches Gefühl gegen den Wind zu galoppieren und die Tannen links und rechts vorbeifliegen zu sehen. Am Anfang lag mein Mann in Führung, dann holten Moon und ich aber auf. Nach der halben Runde waren wir Kopf an Kopf, aber Moon wurde langsam etwas müde. Deshalb verloren wir am Ende knapp. Aber das machte nichts, schliesslich war es ein Spass-Rennen. Wir holten die Sättel wieder und versorgten Moon und Feline. Danach ging ich mit Bella in die Halle und mein Mann mit Sparrow ins Gelände. Ich arbeitete mit Bella an der Losgelassenheit und der Balance, dazu liess ich sie auch über Stangen traben. Um 9 Uhr abends lief ich dann erschöpft zum Haus zurück um das Abendessen zu geniessen. Danach schauten mein Mann und ich einen Horror-Film bevor wir um 11 Uhr nochmals zur Kontrolle durch die Stallgassen liefen. Alles war ruhig und viele Pferde schliefen schon. Pilot röchelte mir zu, als ich an seiner Box vorbei lief. Ich ging ein wenig zu ihm in die Box und kraulte ihn an der Stirn. Dann ging ich ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

      Ein nicht ganz so toller Sommertag
      03.06.2013

      Es hatte schon die ganze Woche heftig geregnet und mein Mann hatte schon gemeint, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Fluss über die Ufer treten würde. Heute Morgen passierte es dann. Als ich aufwachte hörte ich draussen das Rufen der Pfleger und jemand kam gerade die Treppe hochgerannt. Die Tür wurde aufgerissen: "Schnell Occu, der Nebenstall steht circa 10 Zentimeter tief unterwasser! Tendenz eher steigend..." Ich sprang auf, zog mich an und hüpfte die Treppe runter zur Haustür. Draussen schien auf den ersten Blick ein riesen Chaos zu herrschen. Vom Nordosten her kam eine braune Suppe durch die Tannen der Galoppbahn geflossen, zwar nicht sehr tief, dafür breitflächig. Die Hälfte des Reitplatzes war unterwasser und die Wassermasse floss weiter zum Nebenstall, der ebenfalls schön umspült wurde. Wenigstens ein paar der Weiden und der Hauptstall, sowie das Haupthaus und der Parkplatz waren einigermassen trocken. Ich schlüpfte schnell in meine Gummistiefel und zog im Rennen die blaue Regenjacke an. Beim Nebenstall waren die Helfer gerade dabei, die Pferde zu evakuieren und in den Hauptstall zu bringen. Dort hatte es noch genügend leere Boxen, in denen die Tiere provisorisch untergebracht werden konnten. Ich schnappte mir Halfter und Seil und schob die Boxentür von Moon auf, während Lewis und Lisa Co Pilot und Costa rüber brachten. Als ich mit Moon zum Hauptstall joggte, kamen uns Quinn und Rosie entgegen, die Feline, Silver und Risandro schon in eine Trockene Box gebracht hatten. Mein Mann hatte mit einem Nachbar, Ajith und Jonas ein paar Sandsäcke organisiert und versuchte nun den Strom aus Schlamm und Wasser vom Hauptstall fernzuhalten. Ich watete mit Moon weiter aus dem Wasser und führte sie durch eine Lücke im Schutzwall. Ich stellte sie in eine der freien Boxen und holte dann nacheinander Donut, Ocean und Dream. Als alle Pferde im Hauptstall waren und der Schutzwall stand, lief ich mit Quinn und Lisa zu den Weiden, um nach den Fohlen und Minis zu sehen. Dort schien zum Glück alles in Ordnung zu sein. Kaum hatten wir uns umgedreht, als wir auch schon wieder nach oben gerufen wurden. Oliver und Lily waren inzwischen auch eingetroffen und mein Mann wollte planen, was als nächstes getan werden musste. Also trommelten wir alle anwesenden zusammen. Ich stellte mich neben meinen Mann und strich mir die nassen Haare aus dem Gesicht, denn im Eifer des Gefechts hatte ich die Kapuze nicht hoch gezogen. "Okay, so weit so gut. Alle Pferde stehen wieder im Trockenen und das Wasser wird vom kleinen Schutzwall zurückgehalten. Im Verlauf des Nachmittages sollte der Regen aufhören, mit etwas Glück ist das Wasser heute Abend weg. Die Pferde bleiben aber ganz bestimmt über die Nacht hier im Hauptstall. Also müssen wir jetzt dafür sorgen, dass sie es für die Nacht schön bequem haben. Einstreuen der leeren Boxen währe zu verschwenderisch, aber wir können ihnen Heu und Wassereimer hinstellen, eine Nacht ohne zu liegen werden sie ja wohl überleben. Trocknet ausserdem die Beine derjenigen, die nass geworden sind." Alle murmelten zustimmend und machten sich an die Arbeit. Ich brachte Peace und Burggraf einen Wassereimer und zog Ronja, die am durchweichtesten von allen war, eine warme Fleece Decke an. Den drei Western Pferdchen Summer, Shadow und Flint ging es anscheinend auch gut, sie waren jedenfalls schon wieder am Heuhalme sortieren. Als alle Pferde genügend zu fressen hatten, bekamen auch die Menschen eine kleine Aufwärmung: Der freundliche Nachbar und Lewis hatten in der Zwischenzeit für alle warmen Kakao und trockene Handtücher hergezaubert. So sassen wir alle in der Stallgasse des Hauptstalls und trockneten uns gegenseitig. Am Nachmittag liess der Regen dann wie erhofft nach und auch die braune Suppe wurde weniger. Am Abend schliesslich war der Strom vollständig verschwunden, der Boden um den Hauptstall war aber noch sehr matschig. Ich sah bevor ich ins Bett ging nochmals nach den Pferden, dann fielen mir erschöpft die Augen zu. Was für ein Tag!

      Summer an der SK 410 für Westernpferde
      23 Aug. 2013

      Die Sonne hatte gerade ihren höchsten Stand erreicht und es war brennend heiss auf dem Abreitplatz. Zum Glück war ich heute mit Hut unterwegs – nicht wegen dem Wetter, sondern weil ich mit an einer Körung befand! Heute war nämlich Summer’s grosser Tag, auf den wir wochenlang hingearbeitet hatten. Es zahlte sich nun aus: die buckskin Stute trabte gelassen und locker unter mir. Bald schon war die Startnummer vor uns in der Halle und wir mussten uns bereit machen. Als die Hallentür aufging und meine Startnummer ausgerufen wurde, war ich bereits auf dem Weg. In der Halle war es, bis auf ein wenig Geflüster, still. Ich trabte vor die Richter und grüsste diese respektvoll, während ich im Kopf nochmal das Programm durchging. Dann trabte ich entschlossen an. Summer reagierte fein auf meine Hilfen und lief schwungvoll, aber taktrein. Ich lenkte Summer auf die Diagonale bei M und verstärkte den Trab. Sie ging weiterhin schön in tiefer Anlehnung und mit viel Hinterhandaktion. Ich stiess bei K ein leises "brrr" aus und schon waren wir im Schritt. Ich liess sie Starken Schritt machen, anschliessend trabte ich bei B wieder an. Nach einer Runde auf der Ganzen Bahn liess ich sie bei A angaloppieren und stoppte dann aus dem Galopp bei C. Dabei achtete ich jeweils darauf, genau beim Buchstaben zu sein. Dann vollführte ich eine Hinterhandwendung mit anschliessendem Schritt und Angaloppieren bei M. Summer spielte brav mit und folgte fein auf meine Hilfen. Wir galoppierten eine halbe Runde, dann parierte ich sie in den Trab und ritt zu dem kleinen Stangen-L dass bisher unbeachtet in einer Ecke lag. Ich bremste Summer in den Schritt und machte vor eingang des Stangengebildes eine 180° Schulterwendung, sodass wir rückwärts hindurchreiten konnten. Sie trat vorsichtig rückwärts, Schritt für Schritt. Wir schafften es ohne Berührung, denn wir hatten so ähnliche Aufgaben im Training geübt. Ich lobte sie mit einem leisen "good girl", schliesslich lag unser Gestüt in England und dort redeten wir auch aussschliesslich englisch. Als Letztes war das Überqueren einer kleinen Holzbrücke dran, die extra für die Körung in die Halle gebracht worden war. Ich ritt selbstsicher darauf zu und galoppierte kurz davor sogar an. “Klapp klapp, lapp klapp” tönte das Holz unter Summer’s Hufen. Sie zuckte nichteinmal, als die Zuschauer klatschten. Nun trabte ich zurück u den Richtern und stellte Summer kurz vor: "Meine Quarterstute Lovely Summertime ist trotz ihres zarten Alters schon weit fortgeschritten in der Ausbildung. Summer hat einen sehr typvollen Körperbau und eine gesunde, gerade Beinstellung. Sie ist sehr fleissig und lernt schnell, allerdings mag sie keine grösseren Veränderungen oder Reiterwechsel." Dann grüsste ich die Richter und verliess die Halle.

      Ein kleiner Spätsommerausflug
      14.09.2013

      Es war ein kühler Morgen, aber die ersten Sonnenstrahlen tauchten bereits hinter den Pinien in der Ferne auf. Ich war gerade auf dem Weg zum Parkplatz, um dort das Transportfahrzeug, ein Miet-Camion, für den Ausflug bereitzumachen: wir hatten vor, nach Waterloo (in der Nähe von Liverpool) an den Strand zu fahren und dort baden zu gehen. Ich brachte ein paar Bürsten und Heu, sowie Zaumzeuge verschiedener Art in die kleine Seitenkammer für das Zubehör. Wir konnten maximal 6 Pferde mitnehmen, waren uns aber noch nicht ganz einig welche. Als ich die Ausrüstung vorbereitet hatte, lief ich zum Nebenstall, wo sich Quinn, Lewis, Jonas, Lisa und mein Mann bereits versammelt hatten. „So, habt ihr euch schon entschieden, wen ihr mitnehmt?“ Die meisten nickten, nur Lisa schien unentschlossen. Mein Mann erklärte kurz: „Quinn nimmt Summer, Lewis möchte gerne Islah, Jonas schnappt sich Blüte. Lisa kann sich nicht entscheiden zwischen Peace und Dream…“ „Lisa, nimm doch Dream, mit der verstehst du dich sicher gut und sie ist nicht so gross, du bist dir ja eher kleine Pferde gewöhnt.“, schlug ich vor. Sie nickte zustimmend. „Und wen nimmst du Jack?“, fragte ich meinen Mann. „Shadow, die mag Wasser ja so gerne und dann fühlt sich Summer auch wohler.“ Die Westernpferde wurden meistens zusammen trainiert und waren zusammen deutlich ruhiger. „Gut, dann nehme ich Gray.“ Sagte ich, anschliessend holten wir die Pferde. Summer war etwas irritiert durch die Transportgamaschen, sie war noch nicht oft gereist. Islah machte wiedermal ihren Trippelschritt, denn auf dem Weg zum Parkplatz stiess Lewis ausversehen einen Eimer an, der laut scheppernd vor dem Nebenstall umfiel. Da die Stute sehr Lärmempfindlich war, hatte er seine liebe Mühe sie zu halten. Er fluchte gut hörbar, beruhigte sich aber schnell und lief zielgerichtet weiter. Islah tänzelte zwar noch etwas, aber liess sich führen. Blütenzauber und die restlichen liefen schön brav mit. Wir fuhren los, als alle eingestiegen waren. Jack kannte die Route, weshalb wir kein Navi brauchten. Die Fahrt war schnell vorbei, und Waterloo kam in Sicht. Wir hatten unterwegs gefrühstückt, die Pferde genossen ihr Heu. Wir parkierten auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Strandes und luden alle aus. Summer war etwas aufgeregt, sie blähte die Nüstern und hatte die Augen weit aufgerissen als sie rückwärts raus lief. Aber das hatte ich schon erwartet, denn die Stute mochte fremde Gegenden nicht wirklich. Sobald Shadow ganz relaxt ausgestiegen war, beruhigte sie sich aber doch ein wenig. Wir hörten ein paar Möwen schreien, und die Luft war feucht und salzig. Ich cremte mich kurz ein; als Rothaarige verbrannte man sich nunmal schnell. Auch Lewis musste aufpassen, seine Haare waren ja noch feuriger. Ich zäumte Gray mit einem einfachen Mexikanischen Zaum, zog das T-Shirt und die kurzen Hosen aus, denn ich hatte wie die anderen die Badekleider schon darunter an, und führte sie ein wenig abseits zu einem Grasstreifen, damit sie noch ein wenig fressen konnte, bis die anderen fertig waren. Es dauerte aber nicht lange, und schon machten wir uns auf den Weg zum Wasser. Die Sonne brannte schon jetzt auf meine Schultern. Vor mir lief Quinn barfuss und genoss den warmen Sand. Ich hatte noch meine Sandalen an, die ich später ausziehen wollte. Vorne beim Wasser half ich Quinn beim Aufsteigen und schwang mich dann selber auf den blanken Rücken von Gray. Fast wäre ich wieder heruntergerutscht, aber ich klammerte mich an der Mähne fest und schaffte es, mich hochzuziehen. Ich strich mir die von der feuchten Luft gekräuselten Haare aus dem Gesicht und tätschelte Grays Hals. Noch bevor alle oben waren, trabte Islah plötzlich an und wollte Richtung Parkplatz flüchten. Offensichtlich mochte sie das laute Rauschen der Wellen nicht. Auch Summer begann etwas zu tänzeln, aber Quinn hatte auf ihrem breiten Rücken guten Halt und nahm sie ihn einen kleinen Kreis, um sie zum Stehen zu bringen. Schliesslich schaffte es auch Jonas, sich auf Blütes Rücken zu schwingen. „Antraben?“, fragte Jack hoffnungsvoll. Ich blickte zu Lewis, der immer noch Islah in schach hielt. „Schon okay, ich bin froh, wenn ich die Zicke müde machen kann.“, rief er mir zu. Ich nickte und folgte Jonas im Trab, der vorausritt. Neben mir holte Quinn auf und sah fröhlich umher. Unter mir spannte sich Gray, sie war wie ein kleines Gummibällchen, schön locker und im Spicktrab hüpfte sie durch den Sand. Ich fühlte jede Bewegung der kräftigen Muskeln, die schön rhythmisch angespannt wurden. Islah lief zügig vorwärts, aber Lewis hielt die Araber-Pinto Stute schön zurück. Dennoch trug sie den Schweif aufgeregt hoch. Als Jonas Blüte angaloppierte, schoss Islah plötzlich buckelnd nach vorne und Lewis klammerte sich an ihren Hals. Er schafte es sich im Renngalopp zurück in den Sattel zu retten und zügelte die Stute ein wenig, bis wir aufgeholt hatten. "Alles okay?", fragte ich besorgt, er hatte ein vor Anstrengung rotes Gesicht und schnaufte fast so wie Islah. Aber er nickte und meinte mit ironischem Unterton: "Na klar, ist denn was passiert?" Dann grinste er und legte ein wenig zu im Galopp. Wir flogen eine Weile über den Sand, ab und zu steuerte ich auch ein Stück ins Wasser, wobei dieses bei jedem Galoppsprung bis zum Sattel hochspritzte. Gray schüttelte kurz den Kopf, weil ihr etwas Salzwasser ins Ohr gespritzt war, dann streckte sie sich und wir überholten Islah. Als der Strand wieder schmaler wurde und weiter vorne Kieselsteine in Sicht kamen, bremsten wir ab. "Das war toll!", rief Lisa aus. Dreamy war ganz nass, weil sie fast die ganze Zeit durch die heranschwappenden Wellen geritten war. "Au ja! Gehen wir jetzt noch richtig ins Wasser? Summer hat sich bisher noch nicht so getraut...", fragte Quinn hoffnungsvoll. Wir diskutierten kurz, wobei wir uns eigentlich sowieso einig waren: ab ins Wasser! Dann ritt ich mit Gray vorsichtig voraus. Wir achteten darauf, dass es keine Felsen unterwasser hatte und wateten bald schon Bauchtief im Wasser. Weiter gingen wir aber nicht, da die Pferde die Wellen nicht gewöhnt waren. Dream hielt den Kopf ganz hoch, um ja kein Wasser in die Nüstern zu bekommen. Sie war schliesslich auch die Kleinste. Gray scharrte ein wenig mit den Hufen im Sand. Wir ritten langsam schräg zum Strand zurück. Als der Boden anstieg und das Wasser flacher wurde, lief Gray wieder etwas schneller. Schliesslich verliessen wir das Wasser ganz und die Hufe der Pferde wurden nur noch von den sanften Wellen umspühlt. So ritten wir unter dem tosenden Wellengeräusch noch eine Weile weiter, zurück in Richtung Parkplatz. Dort banden wir die Pferde an einem alten Holzzaun an, lange genug, dass die grasen konnten. In der Zwischenzeit gingen wir Zweibeiner nochmal zum Wasser und badeten. Das Wasser war ziemlich kalt, schliesslich waren wir ja nicht in Spanien, sondern in England. Aber nach einer kurzen Überwindungszeit und nachdem Jack schonmal alle nassgespritzt hatte, waren alle im Meerwasser. Ich liess mich von den mässig hohen Wellen tragen und beobachtete, wie Lewis und Quinn sich nass spritzten. Aber spätestens als ich auch etwas abbekam, stürtze ich mich auf sie. Am Ende liessen wir uns wieder müde treiben. Als eine unerwartet grosse Welle kam wurde ich vor schreck kurz untergetaucht. "Woa, die war riesig!", rief Jonas aus. Ich stimmte zu und beobachtete, wie die Welle an den Strand rollte. Nach etwa einer Stunde liessen wir uns schliesslich müde in den Sand fallen und sonnten noch ein wenig. Es war immernoch recht kühl, aber die direkten Sonnenstrahlen wärmten mich. Ausserdem kam Jack schon wieder angeschlichen und umarmte mich. Nach einer weiteren halben Stunde stiess ich ihn spielerisch beiseite und stand auf. "Ich denke, wir sollten uns langsam etwas zu Essen suchen. Ich hab ordentlich Hunger.", schlug ich vor. Die anderen stimmten zu und wir ernannten Jonas zum Aufpasser. Einer sollte schliesslich bei den Pferden bleiben. Wir anderen machten uns auf in Richtung Stadt. Wir wurden schnell fündig und kauften in einem kleinen Supermarkt Zutaten für ein anständiges Sandwich. Ausserdem noch eine Wassermelone und genügend Getränke für alle. Zurück beim Parkplatz hatte es sogar Campingtische, an die wir uns setzten. Nach dem jeder sein eigenes Sandwich gamacht und gegessen hatte, teilten wir uns noch die Melone. Als alle satt waren und noch Melone übrig war, schnappten wir uns je ein Stück und gaben es den Pferden. Blüte schmazte gleich drauf los, Summer schnupperte zuerst daran und schleckte dann vorsichtig etwas dran rum, Shadow mochte ihr Stück nicht und Islah schnappte es sich liebend gerne auch noch. Gray war am Anfang auch etwas skeptisch, nahm ihr Stück dann aber mit Begeisterung. Danach verluden wir die Pferde auch schon wieder und machten uns auf den Heimweg. Zuhause durften die Sechs dann noch zu den anderen Stuten auf die Weide.

      Anschliessend trainierte ich Stromer, Winter und Paint, die übrigens ihre erste Körung gleich gewonnen hatte. Ich war unheimlich stolz auf sie. Mein Mann, Lily und Oliver trainierten mit mir, sie nahmen dabei nacheinander Spot, Sunday und Felicita; Iskierka und Light; Und Crack und Pina. Wir absolvierten ein paar Trainingsrennen und übten saubere Starts aus den Startboxen. Danach liessen wir sie austraben und brachten sie auf die Weiden, damit sie den Abend noch draussen geniessen konnten. Schliesslich war es bald Winter und dann würden sie früher in den Stall zurück müssen. Ich mochte den Winter trotzdem und freute mich schon auf den flockigen weissen Schnee und die Eiszapfen an den Dächern. Aber nun beobachtete ich erstmal noch die Stuten auf der Weide, mit einem Wassereis in der Hand und im schönen Schein der untergehenden Sonne.

      Der Bericht
      05.10.2013

      Es war Abend und ich hatte es mir gerade draussen auf der Hängematte bequem gemacht, bereit mein Erdbeer-Frappé zu schlürfen. Da kam Lily vom Nebenstall her angelaufen. "Guten Abend, ich dachte ich komm noch kurz vorbei und sag gute Nacht." Sie lächelte mir mit diesen Worten freundlich entgegen. "Das ist aber lieb. Musst du denn gleich gehen, oder bleibst du noch etwas hier?", erwiderte ich und stellte den Becher beiseite. "Nö, ich hab's nicht eilig.", kam die Antwort. Ich schlug vor, dass sie neben mir auf die Hängematte kommen solle und mir vom heutigen Tag erzählen könne. "Also gut", fing sie an und liess sich neben mir nieder. "Wie jeden Morgen haben wir zuerst alle hungrigen Mäuler gestopft. Dann habe ich Peace rausgenommen und mit ihm ein wenig Gelände Training gemacht. Währenddessen haben Lewis, Jonas, Lisa und Quinn mit Summer, Flint, Moon und Shadow auf dem Platz trainiert. Anschliessend haben wir die Hengste auf die Weiden gebracht, wie immer diejenigen zusammen, die auf der Liste standen. Die Stuten durften am Nachmittag raus. Die Mini Stuten haben wir ausserdem wieder freilaufen lassen. Nach dem Misten hab ich mir Pilot geschnappt und Oliver Sun; wir sind mit den beiden rausgegangen. Ich glaube Rosie hat in der Zwischenzeit mit Dream gearbeitet, ich weiss aber nicht was. Ach ja, Lewis hat zusammen mit Quinn Silver und Bella longiert. Nach dem Mittag bin ich nochmal raus gegangen, diesmal mit Ocean. Rosie ist mit Islah mitgekommen. Das ging ziemlich gut, Islah hat nur einmal bei der Brücke ein bisschen gezickt." "Ach ja, das kennen wir ja", unterbrach ich sie und rollte mit den Augen. "Jaaa, immer an derselben Stelle... Aber irgendwann kurieren wir auch das noch." "Und wie macht sich Bandit?", wollte ich wissen. "Ahh der Neue, ja, der ist ganz brav. Hat sich gegen Abend ohne Probleme von Jonas longieren lassen und am Schluss ist er mit ihm um die Galoppbahn geritten." "Das ist ja toll! Hatte er nicht Angst vor den Tannen?" "Ja, aber jetzt nicht mehr. Er ist brav wie ein Lamm. Vorhin hab ich noch Oliver und Lisa mit Donut und Anubis auf dem Platz gesehen. Schau, das Licht brennt noch." "Ahh ja", antwortete ich und beobachtete die beiden kurz. Lilys stimme riss mich aus meinen Gedanken. "Und wie war der Distanzritt?" "Toll, wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich wurde mit Ronja Dritte und mein Mann mit Burggraf Fünfter." "Echt gut! Ich will unbedingt auch mal mitkommen und zuschauen. Wann geht ihr das nächste Mal?" "Erst in ein paar Monaten, ich weiss das Datum gerade nicht. Aber ich sag's dir morgen.", antwortete ich. "Gut." Sie sah auf die Armbanduhr und meinte dann "Ich muss jetzt leider los, bis morgen also." Ich verabschiedete mich und schlürfte mein Frappé fertig. Es war ein herrlicher Abend.

      RS 34 Mounted Games mit Eddi und Maleen
      09 Okt. 2013

      Aufgeregt lief ich von den Anhängern mit Summer zum Treffpunkt. Ich hatte mich dort mit Edfriend und Maleen verabredet, denn wir wollten gemeinsam an den Mounted Games teilnehmen. Ich sah die beiden schon von weitem. Ich begrüsste sie und wir liefen anschliessend gleich zum Start, denn wir waren etwas spät dran. Ich hatte gleich die erste Aufgabe übernommen, weshalb ich schon aufstieg und zu einem Helfer ritt, der mir den Stab, ein Ei und einen Löffel überreichte. Den Stab nahm ich in die eine Hand, den Löffel in den Mund und das braune Ei legte vorsichtig darauf. Kurz darauf kam das ersehnte Startsignal und ich trieb Summer an. Beinahe wäre mir das Ei schon am Anfang runtergefallen, denn ich hatte Summer wohl etwas zu eifrig vorwärts getrieben und die empfindliche Westernstute war fast angetrabt, aber ich konnte den Ruck gerade noch ausgleichen. Ich ritt also in zügigem Schritt auf den Slalom zu und manövrierte Summer einhändig hindurch. Wir streiften ein paar Stangen, aber hatten sonst keine Probleme. Wir hatten das einhändige Slalomreiten schliesslich oft genug geübt. Beim nächsten Posten wartete schon Edfriend. Kurz bevor ich sie erreichte schwankte das Ei nochmals bedrohlich, aber ich übergab ihr schnell den Stab und nahm den Löffel mitsamt Ei in die Hand.

      Eddi:
      Occulta übergab mir lachend den Stab. Gerade hatte sie erfolgreich die erste Aufgabe hinter sich gebracht, nämlich mit einem Ei auf dem Löffel den Slalom bewältigt. Sie und ihr Pferd hatten sich super geschlagen und waren schneller vorwärts gekommen als gedacht. Nun waren Apache und ich an der Reihe. Es war das erste Mal, dass ich bei den Reiterspielen mitmachte und nun war mein erstes auch ausgerechnet noch ein Mounted Game! Aufgeregt wendete ich meine Stute und nahm die Lanze entgegen, welche mir ein Helfer reichte. Unsere Aufgabe bestand daraus, einen Ballon mit der Spitze der Lanze zu treffen, damit er platzte. Eigentlich kein Problem, doch dass Ganze sollte im Galopp gelingen und schon war die Aufgabe äußerst kompliziert. Aber deshalb hatte ich auch meine kleine Appaloosastute gewählt, denn Apache würde ihr Bestes geben, das wusste ich. Wir ritten eine Runde im Trab, damit Apache und ich uns an diese Lanze gewöhnten und ich verstand, wie ich sie am besten hielt. Als das geschafft war, gab ich Apache eine leichte Galopphilfe und sofort viel die Pünktchenstute in einen federweichen Galopp. Noch ein Grund, weshalb ich gerade sie gewählt hatte, denn sie war nicht nur mutig, sondern besaß auch wunderbare Gangarten. Nun bogen wir auf die Gerade ab und ich war aufgeregter denn je, denn wir würden nur einen Versuch haben! Da ich Linkshänder war, ritt ich den Ballon von der anderen Seite an, als das Team vor uns. Apache galoppierte schön gleichmäßig, so dass ich mich in aller Ruhe auf den Moment einstellen konnte, wenn die Spitze der Lanze den Ballon treffen sollte. Als ich mir sicher war, dass ich den Ballon treffen würde, durfte Apache noch ein wenig mehr Gas geben und kam zu einem ordentlichen Galopptempo. Da ich mir äußerst unsicher war, ob der Ballon wirklich durch den Druck der Lanze platzen würde, half ich noch ein wenig nach, indem ich noch ein bisschen nachdrückte. Doch die Bedenken waren grundlos gewesen, denn mit einem lauten Knall platzte unser blauer Ballon und fiel in kleinen Stückchen zum Boden. Apache zuckte leicht zusammen und der Knall bewirkte bei ihr einen Ausfallschritt, da sie damit ganz und gar nicht gerechnet hatte. Doch außer mir und ihr bekam das niemand weiter mit. Wir galoppierten noch bis zu dem anderen Ende der Strecke, wo ich meine Stute wieder leicht durch parierte und die Lanze zurückgab. Im Gegenzug bekam ich unseren Teamstab wieder. Flott ließ ich Apache antraben und machte mich auf den Weg zur letzten Aufgabe, wo schon Maleen und ihr Pferd ungeduldig auf unsere Ankunft warteten.

      Maleen:
      Nachdem Eddy so schnell es ging zu mir geritten kam, war ich an der Reihe, ich streckte ihr meine Hand entgegen und wir klatschten ab. Ich trieb Aritha an und ritt im flotten Trab zu dem Pfosten auf dem mein Becher mit Wasser stand. Da niemand ein Wort darüber verloren hatte wie ich auf dem Pferd zu sitzen hatte während ich den Becher transportierte hatte ich schon einen Plan. Am Pfosten angekommen schnappte ich mir den Becher stellte mich in die Steigbügel und federte jeden Schritt der Stute mit meinen Knien ab. Die Zügel in der rechten Hand und den Becher mit Wasser in der Linken direkt vor mir, da wo es in meinen Augen am wenigsten Erschütterungen gab. Aritha zeigte sich zum Glück von ihrer guten Seite und machte lange aber weiche Tritte die Stute war einfach wie gemacht für diese Aufgabe. Am anderen Pfosten angekommen zügelte ich Aritha ein wenig ich wollte nicht riskieren am Ende der Strecke das gesamte Wasser zu verlieren. Vorsichtig stellte ich den Becher ab und ritt durch die Ziellinie. Noch während Aritha anhielt rutschte ich aus dem Sattel und und schrie ihr beinahe aus Freude, dass kaum Wasser verloren gegangen war, in Gesicht. Letztendlich entschied ich mich aber dann doch für eine kleinen Kuss auf die Stirn und ausgiebiges Loben.

      Hufschmiedbericht Lovely Summertime
      Sosox3, 22.12.2013

      Die nächste war Lovely Summertime, eine Painthorse Stute mit einem freundlichen Gesicht. "Lovely ist ein wenig misstrauisch gegenüber fremden, also kann es sein das sie Zögert", erklärte Monsterflosse mir und deutete auf das mit den Ohren spielende Pferd neben sich. "Kein Problem. Hatten wir schon alles", sagte ich und lächelte freundlich. Ich nahm mir die Hufe und kontrollierte diese Sorgfältig. Einer ihrer Vorderhufe lief sich nicht gleichmäßig ab, doch das konnte sich noch ändern. Ich nahm mir mein Hufmesser und schnitt zunächst vorne und dann hinten die Hufe aus. Die Hufe waren eigentlich nicht wirklich zu 'lang', doch mussten sie begradigt werden, sonst käme es zu Komplikationen und sie hätte was schwerwiegenderes. Ich stellte den Huf der Stute auf dem Hufbock ab und raspelte dann auch ihre Anderen Hufe. Im Gesamten war sie brav und ließ es - auch wenn nur schwer- über sich ergehen. Der nächste war ein Hengstfohlen.

      Pflegebericht
      Monsterflosse, 20.02.2014

      Seufzend saß ich im Auto. Mir wurde alles zu viel, so schön diese Landschaft auch war, ich konnte sie einfach nicht mehr sehen. Es war ewig her, dass ich verreist war.
      An der Weide erwartete mich bereits Thomas, er hatte bereits einen Ausritt mit den seinen kleinsten Reitschülern auf Nevaeh, Gisela, Taciturn, Lady Gina, Rebellious Dots, Sternenblick und Avero gewagt und brachte gerade Goodbye Graceful auf die Weide. 'So spät heute?', neckte er mich. Ich nickte nur und wandte mich einer meiner Neuankömmlinge Ensnare The Sun zu. 'Wollen wir mal prüfem. pn Sunny und Lovely Summertime das Gelände hier gefällt? Wir könnten Outlaw Torn, Scream Aim Fire und Dakan El Assuad mitnehmen, dann lernen die drei auch gleich was kennen.' Mir gefiel sein Vorschlag und so schnappte ich mir Sunnys Halfter, putzte und sattelte sie, während Thomas das gleiche bei Summer tat, Danach legten wir Outlaw, Fire und Dakan die Halfter an, jedoch ohne Führstrick, sie würden wohl von sich aus folgen.
      Als wir uns in den Sattel schwangen, waren Sunny und Summer angesichts der neuen Umgebung noch etwas nervös, beruhigten sich aber schnell. Die beiden Stuten schienen sich prächtig zu verstehen und die Fohlen liefen uns brav hinterher, als wir unsere Runde durch den Wald und um den See drehten. Als wir wieder an der Weide ankamen, entließen wir die fünf wieder in die Freiheit. Ich schaute Thomas an. 'Plan für heute?', fragte ich. Er überlegte kurz. 'Ich habe bereits mit As War Fades und Aggressor gearbeitet, Samarti hat sich heute um Bloody Autumn gekümmert, er ist also auch schon gelaufen. Riverside und El Davino könnten einen Ruhetag gebrauchen, ebenso wie Peckinpah, er hat gestern gut mitgearbeitet. Blue Rag kränkelt ein wenig und Abigail hat einen schlechten Tag, sodass sie heute vielleicht auch besser auf der Weide bleibt. Bleiben also noch Kristy Killings, The Morticians Daughter und Ghost Of The Midwinter Fires. Du siehst heute nicht wirklich fit aus, also - ich kümmere mich um Mausi und Kristy und du arbeitest mit Ghosti und gönnst dir dann ein wenig Ruhe?' Sah man mir das so an? Ich willigte ein und schnappte mir das größte Halfter im Stall, um ein wenig mit Ghosti zu arbeiten. Der junge Hengt war noch komplett roh, er kannte zwar das Fohlen-ABC und folgte auch willig, die Arbeit auf dem Platz war ihm jedoch noch gänzlich fremd.
      Freundlich begrüßte mich der Hengst auf der Weide und ich legte ihm sein Halfter an, um ihn auf den Platz zu bringen. Dort hakte ich erst einmal den Führstrick aus und ließ ihn laufen, während ich eine Art Round Pen improvisierte. Ghosti schnupperte neugierig an der Longe, die ich mittlerweile als Untenrstützung zu uns geholt hatte. Ich hakte sie jedoch nicht in sein Halfter, sondern nutzte sie als Unterstützung, um ihn zum Laufen zu bewegen. Schnell hatte er verstanden was ich von ihm wollte, und lief unbeeindruckt im Schritt um mich herum. Ich baute ein wenig mehr Druck auf und rief 'Teeerab!' Ghosti war erst irritiert, fing dann aber an zu traben und senkte bald entspannd den Kopf. 'Braaav', lobte ich. Selbst den Richtungswechsel verstand er schnell - das sollte genug für heute sein. Ich hakte den Führstrick wieder in Ghostis Halfter und brachte ihn zurück auf die Weide.
      Dort begegnete ich Thomas mit Kristy. 'Sag mal Larissa, hast du schonmal an Urlaub gedacht? Irgendwo in ein anderes Land? Spanien vielleicht? Oder sogar Amerika, da kannst du gleich was über Paints erfahren?' Erstaunt sah ich ihn an. 'Sehe ich so fertig aus?' Er lachte ohne meine Frage zu beantworten. 'Geh nach Hause, gönn dir Zeit mit Coletto und Krümmel und informier dich mal ein bisschen, ich glaube, eine Reise täte dir mal gut, mal ein anderes Umfeld, weg von hier. Ich schmeiß das schon. Und wenn du wegfährst, kümmere ich mich schon um den Hof, die Pferde und gerne auch um Krümmel und Coletto. Ich hab ja jetzut notfalls auch Reitschüler, die ich versklaven kann.' Das brachte tatsächlich auch mich zum lachen. Ich verabschiedete mich und fuhr nach Hause.
      Nach einem ausgiebigen Waldspaziergang mit Coletto setzte ich mich vor meinen Computer. Coletto machte es sich neben mir, Krümel auf mir gemütlich. Ich startete meine Suche nach geeigneten Reisezielen, fand jedoch nur wenig Begeisterung für Spanien, Italien & Co. Amerika würde mich schon irgendwo interessieren - aber so ganz das Wahre war das auch nicht. Da kamen mir diese wunderschönen, goldglänzenden Pferde in den Kopf, die Achal Tekkiner, wie Edfriend einige besaß. Ihr Alazar war einfach wundervoll! Ich googlete ein wenig und fand einige Gestüte in Russland, Afghanistan und der Mongolei, bei denen mich ein Besuch reizen würde. Entscheiden wollte ich mich jedoch noch nicht. Da es mittlerweile spät geworden war, schaltete ich meinen Computer aus und legte mich ins Bett.

      Besuch bei Monsterflosse!
      Sammy, 18.07.2014

      Unbroken Soul of A Rebel, As War Fades, Dissident Aggressor, El Davino, Bloody Autumn, Riverside, Pekinpah, Sternenblick, Avero, Ghost of the Midwinter Fires

      Rebellious Dots, Outlaw Torn, The Morticians Daughter, Kristy Killings, Goodbye Graceful, Nevaeh, Gisela, Abigail, Blue Rag, Ensnare the Sun, Scream Aim Fire, Taciturn, Dakan el Assuad, Lovely Summertime, Lady Gina

      Leise vor mich hinsummend, fuhr ich auf Monsterflosse's Hof und stellte mein Auto ab. Ich hatte meiner Freundin versprochen, mich heute um ihre Pferde zu kümmern. Es war erst kurz nach sieben Uhr morgens. Da ich sehr viel vor mir hatte, hatte ich es für klüger gehalten, gleich morgens mit der Arbeit zu beginnen. Durch meine vielen Trainingseinheiten mit As War Fades kannte ich mich bereits gut auf dem Hof aus und steuerte zielstrebig auf den Hengststall zu. Dort wurde ich bereits mit ungeduldigem Scharren und hungrigem Wiehern begrüßt.
      "Ja, ja ist schon gut, bin ja schon dabei ihr Hübschen!", rief ich fröhlich und ging in die Futterkammer, wo ich anhand des Futterplans jedem Hengst sein Frühstück zusammen stellte.
      Dann stellte ich die Eimer übereinander in eine Schubkarre und lief die Stallgasse hinunter. Ich beschloss bei Monsters Neuzugang, dem Tinkerhengst Ghost of the Midwinter Fires anzufangen. Der wunderhübsche Schecke starrte mich auffordernd an und machte dann brav Platz, während ich sein Futter in die Krippe kippte. Während Ghost gierig zu fressen begann, wurden die anderen Hengste wieder unruhig. Ich blieb vor As War Fades' Box stehen und sah den Paint Horse Hengst tadelnd an. "Na na, was ist denn das für ein Benehmen, hm? Wenn die Jungspunde nicht warten können okay, aber du?"
      Dann lächelte ich, gab dem schönen Hengst sein Futter und strich ihm sanft den blonden Schopf aus der Stirn. Weiter ging es mit den beiden Shetland Ponies Avero und Sternenblick. Die Zwerge fielen regelrecht über ihr Futter her und beachteten mich nicht weiter. Auch Monster's Vollblut Hengste Bloody Autumn, Riverside und El Davino waren schnell versorgt. Letzterer war der Vater meines Rapphengstes El Racino und ich konnte es kaum glauben, wie ähnlich sich die beiden charakterlich waren.
      Zuletzt blieben nur noch Pekinpah, Dissident Aggressor und Unbroken Soul of A Rebel. Ich begann mit dem braun weiß gescheckten Paint Hengst Rebel und streichelte ihm sanft über die strahlend weiße Blesse. Der Grullo Tobiano Dissident Aggressor schmuste sogar ein wenig mit mir, bevor er sich würdevoll seinem Futter zuwandte und Pekinpah hatte es mir sowieso angetan. Der Porzellanschecke gehörte zu meinen Lieblingen unter Monster's Pferden und ich hoffte sehr, ihn eines Tages trainieren zu dürfen.
      Nachdem ich die Schubkarre wieder weggebracht hatte, ging ich hinüber in den Stutenstall, um auch den Damen des Hofes ihr Frühstück zuzubereiten.

      Hier bekamen als erstes die Shetlandpony Damen ihr Kraftfutter. Das waren die süße Rebellious Dots, Taciturn und Lady Gina. Die drei Zwerge machten sich genau wie ihre männlichen Freunde gierig über das Futter her, während die anderen Stuten lauthals protestierten. Als nächstes kümmerte ich mich um Monster's Quarter Ponies, Gisela, Nevaeh und Scream Aim Fire. Alle drei warteten brav ab, bis das Futter in ihren Krippen war und begannen erst zu fressen, als ich ihre Boxen wieder verlassen hatte. Danach war Kristy Killings an der Reihe. Die hübsche Stute hatte ich bereits im Western trainiert und sollte sie demnächst auch noch höher ausbilden. Nachdem nun auch die Fohlen Dakan El Assuad - ein Halbbruder meiner Ravenback - und der kleine Paint Hengst Outlaw Torn versorgt waren, kümmerte ich mich um die Englische Vollblut Stute Blue Rag und anschließend um ihre Boxennachbarin Lovely Summertime. Dann waren Ensnare the Sun und Abigail an der Reihe, bevor es zuletzt zu Goodbye Graceful und The Morticians Daughter ging. Nachdem ich auch hier Schubkarre und Eimer ausgewaschen hatte, war eine angenehme Ruhe eingekehrt, in der nur das beruhigende Kauen der Pferde zu hören war. Ich schnappte mir einen Besen und begann draußen den Hof zu fegen. Anschließend äppelte ich die weitläufigen Weiden ab.

      Nachdem auch das geschafft war, ging ich zurück in den Hengststall und stellte zufrieden fest, dass die schönen Tiere mittlerweile aufgegessen hatten. Also holte ich einen nach dem anderen aus seiner Box und stellte sie auf die Paddocks. Da ich nicht wusste, welche Hengste sich gut verstanden, ging ich lieber kein Risiko ein. Anschließend durften auch die Stuten nach draußen. Hier wählte ich eine der größten Koppeln und führte die Stuten immer zu zweit hinaus. Nachdem ich mich eine Weile lang vergewissert hatten, dass sie keinen Blödsinn anstellten, kehrte ich in den Stall zurück und machte mich daran, alle Boxen auszumisten.
      Zwischendurch gönnte ich mir immer wieder kleinere Pausen und als ich schließlich die letzte volle Schubkarre auf dem Misthaufen ausleerte, atmete ich erleichtert auf. Das war ganz schön anstrengend gewesen. Nun war es auch höchste Zeit, den Stall fertig zu richten, da ich die Pferde ja auch wieder hinein holen musste. Also schmiss ich in jede Box einen großen Haufen Heu, kontrollierte die Tränken und fegte anschließend die Stallgassen. Dann bewaffnete ich mich mit Putzzeug und begann die Stuten herein zu holen. Als ich alle bis auf Kristy Killings und Ensnare the Sun im Stall hatte, begann es bereits langsam zu dämmern. Ich gähnte, holte die beiden Stuten von der Koppel, putzte sie flott über und brachte sie dann in den Stall. Fehlten nur noch die zehn Hengste. Auch sie führte ich wieder einzeln zum Putzplatz, säuberte Hufe und Fell, verlas die Schweife und kämmte die Mähnen. Dann durften die Guten zu ihrem Abendessen in den erleuchteten Stall.

      Zum Abschluss kontrollierte ich noch einmal ob alle Boxen richtig verschlossen waren, löschte das Licht in den Ställen und machte mich auf den Heimweg. Demnächst würde ich wiederkommen, um das eine oder andere der Pferde ein wenig zu bewegen...

      Aaron, der Neuzugang
      Veija, 23 Okt. 2014
      Aus Verenas Sicht:

      Hektisch hüpfte ich aus dem Bett und mein Blick flog zur Uhr. Verdammt, dachte ich mir. Mein neuer Trainer und Stallbursche würde bald ankommen. Ich musste die Dusche heute bleiben lassen und lief einfach in Alexis' Zimme rein. "Aufstehn, Aaron ist fast da!", sagte ich und drehte mich um. Ich sah gerade noch, wie sie erschrocken aus dem Bett fiel und dumpf auf dem Boden aufkam. "Sorry!", sagte ich gerade noch so, da hüpfte ich schon die Treppe runter, während ich mir meine Stiefel anzog. Ich öffnete die Haustür und da stand er schon. "Ich..äh.. wollte gerade klopfen", sagte er und grinste verlegen. Da stand er nun, unser neuer Trainer und Stallbursche. Ich konnte wirklich Hilfe gebrauchen. Besonders wenn ich mal ein paar Wochen weg war um Pferde zu trainieren, beruhigte es mich ungemein, wenn ich neben meiner Cousine und Auszubildenden noch jemanden am Stall hatte, der Ahnung von Pferden hatte. Sein fragender Blick riss mich aus den Gedanken. "Äh, ja klar! Willkommen auf der Gips Reminder Ranch. Ich bin Verena, die Leiterin des Hofes. Und da ist Alexis, meine Cousine und Auszubildende", gerade hatte ich den Satz beendet, lief Alexis schon die Treppe runter und fiel beinahe noch hin, hätte ich sie nicht so halb aufgefangen. "Pass auf", zischte ich leise, während sie Aaron überschwänglich die Hand schüttelte.
      "Na dann wollen wir mal..", sagte ich nun wieder lächelnd zu dem Neuen und zeigte ihm zunächst sein Zimmer. Es lag zwischen meinem und dem von Alexis. Der Arme tat mir jetzt schon leid.
      "Alexis?", fragte ich und drehte mich um. Natürlich stand sie genau hinter mir. "Würdest du Frühstück machen, ich zeig Aaron den Hof." Missmutig willigte sie ein und Aaron und ich verliesen die obere Etage, um nach draußen zu gehen. "Wir sind gerade erst aufgestanden, deshalb stehen noch alle Pferde im Stall", sagte ich zu ihm und führte ihn ein wenig auf der Anlage herum, ehe wir in den Stall gingen. Er war begeisterter Springreiter und natürlich gefiel ihm unser Springplatz besonders gut. Nur fehlte uns leider noch ein Pferd für ihn. Doch das würde sich bald schon noch finden.
      Im Stall angekommen, gingen wir zu erst die Stuten der Westernstallung durch. Bella, Lena, Holly, Princess, Vice, Devil, Cherokee, Amarula, Dancing, Summer und Hope. Besonders gefielen ihm Cherokee und Wimpy, da die beiden ein wenig eigen waren, was ihren Charakter anging. Danach gingen wir zu den Hengsten der Westernstallung und ich zeigte ihm Gen, Spooky, Ready for Action, Pow, Dayli, King, Enjoy, Ali, Winny und Blue. Spooky fand er aufgrund seiner Farbe sehr interessant und auch Blue entlockte ihm ein Lächeln. Er war kein so großer Westernfan, doch er sagte, er würde die ganze Materie gerne erlernen.
      Die Englischen Volllbüter interessierten ihn auch sehr, und er konnte gar nicht sagen ob er Hell, Nova, Jagger, Faster oder Walker am tollsten fand.
      "Nun kommen wir zum letzen Teil, meinen Sportpferden", sagte ich und zeigte ihm die restlichen Pferde: Choco, Gipsy, Striga, Skrúður, Vin, Hængur, Maxi, Palimé, Gulrót, mein neues Fohlen Peppy und meine beiden DRP's Cuba und Spirit.
      "Der Tekke und die Reitponys machen etwas her", sagte er. "Springen die auch?", fragte er mich dann, was ich mit einem Nicken beantwortete. "Generell kannst du mit allen meinen Pferden springen, doch wir werden die noch ein richtiges Springpferd hier auf den Hof holen, versprochen", sagte ich lächelnd und konnte das Strahlen in seinen Augen erkennen.
      Nachdem wir mit der Inspektion fertig waren, gingen wir ins Haus, wo Alexis uns das Frühstück gemacht hatte. Während des Frühstücks erzählte Aaron uns einiges aus seinem Leben, und dass seine Familie früher einmal Pferde gehabt hatte, doch er war zu groß für sie geworden und ein richtiges Springpferd konnten sie sich nicht leisten. Nachdem dannd er Hog, wo er Springstunden nahm, bankrott gegangen ist, hatte er den Traum vom Springen aufgegeben. Meine Anzeige hatte ihm neuen Mut gemacht, weshalb er nun hier war, um wieder mit Pferden zu arbeiten. "Das höre ich gerne!", sagte ich. "Wie wärs denn mit einem kleinen Ausritt? Alexis?", fragte ich in die Runde und sah in das vor Glück grinsende Gesicht meiner Cousine, was wohl ein eindeutiges 'Ja' war. "Aaron?", fragte ich nun an ihn gewandt und er antwortete: "Na klar, warum nicht", antwortete er lächelnd und ich biss ein letzes Mal in mein Brötchen. "Alex, räumst du ab? Ich mach dein Pferd dann soweit fertig, bis du zu uns kommst", sagte ich und blickte nun in ein sehr, sehr verärgertes Gesicht. Doch ich hatte noch ein Attentat auf sie vor, dass sie nicht ausschlagen würde. Zusammen mir Aaron ging ich dann wieder die Pferde durch, bis er sich für eines entschieden hatte. Er wollte Choco näher kennenlernen und holte ihn schonmal aus der Box, band ihn an dieser an und fing an zu putzen. Ich war mir nicht ganz sicher, welches Pferd ich holen sollte und suchte deshalb zu erst das Pferd für Alexis aus. Sie hätte mich sicher umgebacht, hätte ich ihr einen der Isländer geholt, weshalb ich sie auf meinen gelehrigen, aber stütmischen Pow setzte.
      Ich war in der Versuchung, Devil zu reiten, doch damit hätte ich die beiden Hengste verrückt gemacht, weshalb ich mich für meinen Wallach Gipsy entschied. Ein wenig Abwechslung tat ihm sicherlich gut.
      Nachdem ich Gipsy und Pow geputzte hatte, kam Alexis in den Stall und steuerte sofort den Hengst an. Sie wusste genau, dass ich niemanden außer mir Gipsy reiten lies, da er mein ein und alles war.
      Aaron sah etwas unbeholfen mit dem Westernsattel aus, weshalb ich Alexis anwies ihm zu helfen. Etwas anderes erregte meine Neugierde. Peppy brummelte ein wenig unbeholfen und tapste um ihre Mutter herum. Ihre Vorderbeine standen ein wenig komisch, weshalb ich sofort meinen Tierarzt des Vertrauens anrief. "Hallo Dr. Canary, hier ist Verena. Wäre es möglich, dass Sie in den nächsten Tagen einmal vorbeikämen? Mein vor kurzem geborenes Stutfohlen läuft nicht klar und scheint Probleme mit den Vorderbeinen zu haben....Ja, ja ok. Gut. Es wird jemand hier sein", antwortete ich ihr und legte auf. "Was ist los?", Alexis hatte sich hinter mich gestellt und schaute Peppy zu, wie sie langsam in der Box umherging. Auch Aaron hatte sich zu uns gesellt. "Ich habe gerade den Tierarzt angerufen, Dr. Canary soll sich die Stute in den nächsten Tagen einmal ansehen." Damit war das Gespräch beendet und ich machte mich daran, Gipsy zu satteln. Alle drei Pferde hatten einfache Wassertrensen im Maul und ihre älteren Sättel. Auch die Pads waren ein wenig älter. Die neuen Sachen, die ich vor kurzem gekauft hatte, wurden nur für die Shows benutzt. Ich zog allen drei noch Bandagen an, ehe ich den Sattelgurt bei Gipsy nochmals nachzog und als erste auf den Hof ging. Dort schwang ich mich hoch und ging vor. Hinter mir Aaron, als Schlusslicht Alexis. Ich zeigte den Beiden, doch vor allem Aaron die Gegend. Wir ritten an einem Fluss vorbei, der in einen See mündete. "Hier kann man im Sommer sehr gut mit den Pferden schwimmen. Ist auch hier in der Gegend der einzige See, in den man mit Pferden rein darf", erklärte ich den beiden, ehe wir umdrehten und ein Stück galoppierten. Ich hatte mich neben Aaron gesellt, weil ich sehen wollte, ob er sich auf dem Tekken halten konnte- aber auch, weil Choco manchmal ganz schön abgehen konnte, wenn er wollte. Nach dem kurzen Galopp ging ich wieder nach vorne und dann waren wir auch schon wieder am Hof, sattelten die drei Pferde ab und brachten sie auf die Koppel. Nun waren die anderen Pferde dran und ich beauftragte Aaron, sich um die Englischen Vollblüter zu kümmern, während ich mich um die Hengste und Stuten der Westernstallung kümmerte und Alexis sich um die Turnierpferde.

      Aus Aarons Sicht:
      Ich hatte von meiner Chefin den Auftrag bekommen, mich um die Englischen Volllbüter zu kümmern. Auf Hell sollte ich besonders aufpassen, da sie wohl eine kleine Zicke war. Etwas unsicher betrachtete ich mir die Palominostute, aber ebenso die Braune in der Nachbarbox, die ständig ihren Kopf zu Hell neigte und sie anbrummelte. Die Beiden schienen sich wohl zu verstehen, weshalb ich sie ans Halfter nahm und sie zusammen nach draußen auf die Koppel brachte. Nova, wie an dem Schild der Braunen stand, war das Gegenteil der hellen Stute. Sie war ruhig und gelassen, aber auch etwas trotzig, wenn ich nicht den Weg ging, den sie gehen wollte. An der Koppel angekommen, zog ich zu erst ihr Halfter aus, was sich als großer Fehler bewies, denn als sie davon galoppierte, setzte Hell einfach nach, riss den Kopf hoch und galoppierte ebenfalls über die Koppel. "Mist..", fluchte ich und ging ihr nach. Etwas widerwillig kam sie dann doch auf mich zu und lies sich das Halfter ausziehen. Meine Chefin hatte zum Glück nichts davon mitbekommen, weshalb ich nun die anderen Pferde rausholte. Jagger und Faster brachte ich auch zusammen raus. Als letztes war dann der braune Hengst dran, der mich wohl besonders ins Herz zu schließen schien. "Mal ein Kerl unter den ganzen Weibern, nicht war mein Junge?", fragte ich den Hengst und streichelte seinen Kopf, den er mir sanft in die Hand schmiegte. Er musste leider alleine stehen, da er nicht mit den Stuten zusammendurfte. Doch er konnte über den Zaun hinweg mit ihnen schmusen- es sei denn, eine von ihnen kam zum schmusen zu ihm rüber. "Armer Junge..", flüsterte ich, ehe ich die Halfter an die Zaunpfähle hing, in den Stall ging und mit dem Ausmisten anfing. Meine Chefin hatte Recht gehabt: heute morgen war noch niemand im Stall gewesen, weshalb ich einiges zu tun hatte mit ausmisten, Wasser geben und füttern. Das Füttern war so eine Sache für sich, da jedes Pferd unterschiedliche Kraftfutteranteile bekam. Bis ich da drin war, würde es wohl eine ganze Weile dauern...

      Aus Alexis' Sicht:
      Murrend stiefelte ich zu den Turnierpferden rüber. Alexis mach dies, Alexis mach das, Alexis mach mach mach.. summte ich vor mich hin, ehe ich an den Boxen ankam. Choco und Gipsy waren schon draußen. Die nächsten die ich also rausbringen konnte waren Palimé und ihr Fohlen Peppy. Zu ihnen auf die Koppel stellte ich noch Gulrót und Striga, damit die Fohlen und Jungpferde ein wenig zusammen waren. Dann brachte ich Skrúdur, Maxi und Haengur auf die selbe Koppel. Ich überlegte kurz ob ich Spirit dazu stellen konnte. Aber sie hatten genug Platz um sich aus dem Weg zu gehen, weshalb ich ihn also zu den beiden Hengsten stellte. Dann waren nur noch Vin und Cuba da, die ich doch zu den Fohlen und Palimé stellte. Dann war meine Palominostute nicht ganz so überfordert mit den Kleinen. Kaum waren alle draußen, fing ich auch schon an die Boxen zu misten und ihnen Wasser und Futter zu geben...

      Aus Verenas Sicht:
      Ich musste mich um die meisten Pferde kümmern, doch das war kein Problem, denn mir gehörten sie ja auch alle. Ich hatte mich mit dem Handy schon auf die Suche nach einem Springpferd für Aaron gemacht, und mir waren auch schon ein paar ins Auge gesprungen, doch ich war mir noch nicht so sicher, ob ich sie holen würde, denn Aaron war erst einen Tag hier. Die Verkäuferin war mir jedoch sehr vertraut, und falls sie nichts für Aaron waren, würde sie die Pferde auch zurücknehmen.
      Am Westernstall brachte ich zu erst die Fohlen zusammen auf eine Koppel. Lena, Holly, Hope, Ready for Action, King, Enjoy und End waren glücklich nochmal miteinander draußen sein zu dürfen. Bald konnte ich sie nicht mehr zusammen auf die Koppel bringen, da einige eingeritten würden und ins Training kamen. Doch solange sie klein waren, konnten sie ihr Leben noch genießen. Gen und Spooky brachte ich zu Pow auf die Koppel, der bis dato alleine gestanden hatte. Ali, Blue und Winny kamen auch zusammen. Dann waren die Hengste auch schon alle draußen. Bei den Stuten brachte ich Devil und Amarula zu Palimé, Vin und Cuba. Da Palimé die Chefin dieser Herde war, würden Devil und Amarula sich unterordnen müssen.
      Bella brachte ich mit Vice und Cherokee auf die Koppel, ehe als letztes meine beiden neueren Pferde rausstellte: Summer und Moon, wie ich sie gerne nannte. Als alle draußen waren, mistete ich die Boxen und stattete sie alle mit Heu aus, ehe ich jedem der Pferde Kraftfutter rationierte, bevor ich Alexis und Aaron ins Haus schickte etwas zu kochen, denn es war schon Abend geworden in der wunderschönen Türkei und es war schon am Dämmern. Nun mussten alle Pferde wieder rein, was ich auch in einer dreiviertel Stunde geschafft hatte.
      Ich ging ins Haus, wo die beiden auf mich warteten und wir gemeinsam etwas aßen. "Und wie gefällt es dir bis jetzt hier, Aaron?", fragte ich ihn. "Ganz gut, wirklich!", antwortete er mir und grinste bis über beide Ohren. Ich lies es damit gut sein und lächelte kurz. "Morgen ist wieder viel zu tun, geht euch ausruhen, ich räum das hier auf", sagte ich und fing an die Spülmaschine einzuräumen. Die beiden gingen nach oben, während ich die Küche in Ordnung brachte und die Person anrief, von der ich die Springpferde kaufen wollte. Ich durfte mir die Tiere mal anschauen kommen.
      Voller Vorfreude ging ich noch einmal kurz durch den Stall, um zu schauen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Dann ging ich ins Bett. Morgen würde ich die Tiere gucken fahren.

      Pflegebericht und Western E auf A (Reining LK 5 - LK 4)
      Januar 205, von Veija

      Heute war wieder einer der Tage, an denen ich gar nicht aus dem Bett aufstehen wollte. Ich hatte mir so viel vorgenommen, was ich am Ende des Tages erledigt haben wollte, dass ich es jetzt schon für einen Fehler hielt und am morgigen Tag vor Muskelkater sterben würde.
      Seufzend erhob ich mich aus dem Bett und ging duschen, ehe ich mir meine Thermoreithose und einen warmen Pulli anzog. Dazu meine gefütterten Stiefel. Mit einer dicken Jacke bewaffnet ging ich nach unten, um etwas zu essen. Caleb und die anderen waren schon im Stall und machten ihre Pferde fertig. Natürlich war ich wieder die Letzte. Doch da ich die Chefin war, war das egal.
      Ich zog also meine dicke Jacke an und ging in den Stutentrakt, wo ich zunächst Bella auf die Koppel brachte. Sie brauchte heute nicht trainiert zu werden, weshalb sie ihr Leben heute im Schnee genießen durfte. Zwar stand sie alleine draußen, doch es kamen später noch andere Pferde dazu.
      Caleb hatte sich Lil Princess Gun geschnappt, Aaron machte Vice fertig, ich holte Devil aus der Box und Alexis sattelte gerade Cherokee Rose. Princess sollte in Western von der LK 5 auf die LK 4 in der Reining gebracht werden, Vice ebenfalls, Devil von der LK 4 auf die LK 3 und Rosy ebenfalls auf die Lk 4. Doch das war noch nicht alles. Ich wollte heute alle meine Pferde mit Hilfe meiner Angestellten weiterbilden. Also ans Werk:
      Devil zickte mal wieder rum wie sie es so oft tat, doch nach einer Weile war sie genau wie die anderen Pferde gesattelt und wir gingen in die Halle. Nach dem Nachgurten schwangen wir uns alle in die Sättel und ritten die Pferde warm. Während Caleb Alexis und Aaron erklärte, wie sie die Pferde zu trainieren hatten und anfingen erste Spins zu drehen, übte ich mit Devil das angaloppieren auf der richtigen Hand, das Stoppen und die Roll Backs. Immer wieder schaute ich zu meinen Angestellten rüber, wie sie die Pferde ritten. Doch mit Calebs Hilfe hatten sie die Tiere bald so weit, dass sie ordentliche Spins konnten, Back Ups kein Problem mehr waren, sie einfache Galoppwechsel ritten konnten und die Tiere langsame Roll Backs konnten. Zufrieden lächelte ich und klopfte Devil den Hals, ehe ich eine leichte Pattern durchritt und sie definitiv in der LK 3 starten konnte. Ich schwang mich vom Pferd, schnappte mir Vice und schwang mich auf ihren Rücken, während Aaron Devil wegbrachte. Auch mit Vice ritt ich eine einfache Pattern um zu schauen, ob sie in der LK 4 starten konnte. Ja, sie konnte. Ich stieg ab, übergab sie Alexis und setzte mich auf Cherokee, die natürlich total rumzickte und es nicht einsah, mit Sporen geritten zu werden. Doch sie fügte sich ihrem Schicksal und ritt Caleb und Princess genau hinterher, da wir die selbe Pattern ritten. Es war zwar etwas umständlich, doch es klappte. Sehr zufrieden lobten wir die Pferde und brachten sie wieder in den Stall, wo Aaron und Alexis schon Summer und Honey sattelten. Ich machte mein Pferd fertig und brachte sie mit Decke auf die Koppel zu den Anderen. Auch Princess kam auf die Koppel, ehe Caleb und ich uns Amarula und Moon fertig machten. Moon wurde mit Bosal geritten, weshalb ich sie lieber selber übernahm, als sie dem radikalen Caleb zu überlassen. Auch wenn es mir nicht gefiel, dass er meine Zicke Amarula ritt. Nach und nach waren wir fertig mit satteln und gingen in die Halle, wo wir uns nach dem Nachgurten in die Sättel schwangen. Da wir alle Pferde von der LK 5 in die LK 4 bringen mussten, war das Training klar: Caleb und ich machten vor, Aaron und Alexis machten nach. So dauerte es nicht lange, bis die Pferde langsame Spins beherrschten, Back Ups kein Problem mehr waren und die Roll Backs einigermaßen klappten. Alles musste heute etwas schneller gehen, weshalb wir die Pferde schon in den Stall brachten, sie absattelten, ihnen die Decken auflegten und sie auf die Koppel brachten.
      Die nächsten Pferde waren die neueren Pferde, mit denen wir etwas langsamer machen mussten. So waren wir sehr schnell mit Angelic Desolation, Born to Die, Goddess und Croatoan in der Halle und brachten ihnen die Grundlagen der Westernkunst bei. Jedoch dauerte es bei ihnen doch etwas länger, so dass wir Goddess, also das Pferd, das schneller lernte, gegen Sheza tauschten. Sheza war durch ihre Platzierungen sehr talentier, weshalb wir sie auch sehr schnell fertig hatten und alle Pferde absatteln und auf die Koppel bringen konnten. Nun folgten die Hengste.
      Genuine Lil Cut, Funky Powerbabe, Dead or Alive und What Lies Ahead waren die nächsten Kandidaten. Auch diese mussten in der Westernklasse von der LK 5 auf die LK 4 gebracht werden.
      Nach dem putzen und satteln waren wir erneut schnell in der Halle und ritten die Pferde warm, ehe die Übungen an der Reihe waren. Die 4 lernten schnell, weshalb wir nach knapp einer halben Stunde richtigem Training fertig waren und wir sie wieder in den Stall bringen konnten. Wir sattelten ab, legten die Decken auf und brachten sie auf die Koppel. Mittlerweile schneite es einzelne Flöckchen, weshalb die nächsten Pferde leider nicht mehr auf die Koppel kommen würden.
      Es folgten die letzten vier Pferde. Zues konnte man ja sowieso nicht anpacken- noch. So machten wir Gun and Slide, Flintstone, Sympathy for the Devil und Siku fertig. Auch sie waren alle relativ neue Pferde und brauchten lange zum warm werden mit uns. Doch es dauerte nicht lange, da liefen sie einzelne Figuren der Westernreitere beinahe perfekt, weshalb wir hier auch nach knapp einer Stunde fertig waren. Wir brachten sie zurück in den Stall und stellten sie dann doch auf die Koppel. Hengste waren nicht so empfindlich wie die Stuten oder unsere Fohlen.
      Draußen war es jetzt schon dunkel, doch die restlichen Pferde wollten auch noch trainiert werden. Doch nun wurde es kompliziert: Ich sollte Gipsy reiten und von der LK 4 in die LK 3 bringen, Aaron würde Emilio im Springen von E nach A bringen, Alexis würde Black Ops von E nach A im Springen bringen und Caleb würde Snuff in der Dressur weiterbringen. Das sah nach einem riesen Durcheinander in der Halle aus, als Caleb Trabstangen aufbaute, Alexis und Aaron die Hindernisse richteten und ich mittendrin mit Gipsy lief. Wir entschieden uns dann um, so dass Alexis und Aaron die Hälfte der Halle nutzen konnten, sowie Caleb und ich die Andere, da wir weniger Utensilien brauchten. Gipsy war wie immer leicht zu reiten und war sehr schnell in allen Lektionen sicher, weshalb ich ihn rasch gegen Steel Heart tauschte, die ich vor kurzem erst eingeritten hatte. Aber auch sie machte gut mit und wir hielten und sehr an Snuff und Caleb, da sie ja die selben Übungen machten wie wir. Aaron und Alexis waren schon vor uns aus der Halle verschwunden, da sie ja auch früher angefangen hatten. Auch Caleb ging irgendwann, so dass ich alleine mit Snuff in der Halle war. Lächelnd lobte ich die Stute, als sie sich schön bog, um die Kehrtvolte zu reiten. Sie war wirklich talentiert, weshalb ich es auch für heute gut sein lies.
      Als ich mit ihr in den Stall ging um sie abzusatteln, waren schon alle Boxen gemistet und alle Pferde wieder in ihren Boxen. Zufrieden sattelte ich die Stute ab und stellte sie weg, nachdem ich sie gelobt hatte. Nächsten Monat hatte ich mehr Zeit für die Pferde und würde sie alle ordentlich trainieren.
      30 Jan. 2015

      Tierarztbericht für alle Pferde
      Yumika, 02.02.2015

      Heute hatte ich wieder einen Großauftrag vor mir. Ich sollte alle Pferde von Verena behandeln. Von meiner Wohnung bis zu ihr war es nicht sehr weit, weshalb ich sehr schnell bei ihr war. Außerdem freute ich mich, da ich meine Beiden Pferde Snuff und Steel Heart besuchen konnte. Leider mussten mich meine Pferde verlassen, da ich beruflich bedingt umziehen musste und die Pferde nicht mitkommen konnten.
      Bei Verena angekommen verwickelte mich Caleb zunächst in ein Gespräch und wollte mich gar nicht mehr gehen lassen. Als ich mich dann endlich von ihm lösen konnte, kam mir Verena auch schon entgegen und umarmte mich lächelnd. Wir redeten eine Weile, bevor wir uns zu dem ersten Pferd begaben. Die erste war Drag me to Hell, die ihre alte Besitzerin sofort erkannte. Sie wiehrte mir freudig entgegen und streckte ihren Kopf aus der Box heraus, um gestreichelt zu werden. "Na mein Mädchen?", sagte ich und nahm sie raus. Es folgte eine allgemeine Untersuchung aller Vitalwerte, doch die waren top in Ordnung. Ich schaute mir ihren Pass an, ehe ich die nötigen Impfungen auffrischte und ihr die Wurmkur verpasste. Zum Schluss wurde sie gechippt, was ihr nicht so wirklich gefiel, aber das musste sein.
      Schon waren wir mit ihr fertig, ehe Verena schon das zweite Pferd holte. Es war Supernova, die mich auch noch erkannte. Lächelnd streichelte ich ihren Kopf und überprüfte ebenfalls ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie. Fertig war auch Nova.
      Nun kam Verena mit einer wunderschönen Red Roan Sabino Stute. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Als nächstes war Faster an der Reihe. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Nun war ein Hengst an der Reihe. Firewalker hies der Gute. Auch seine Vitalzeichen wurden überprüft, seine Imfpungen aufgefirscht, die Wurmkur verpasst und der Chip unter die Haut gesetzt. Das Selbe geschah auch mit dem kleinen Hengst Filly. Augen auf betrachtete ich nur durch die Box hindurch, ihr fehlte nichts, da der Tierarzt erst vor Kurzem nach ihr geschaut hatte.
      Wir waren fertig mit den Englischen Vollblütern und gingen zu den 3 Pferden der Angestellten. Der alte Wallach Emilio war der erste, um den ich mich kümmerte. Ich checkte seine Vitalzeichen, frischte Impfungen auf, gab ihm die Wurmkur und setzte den Chip unter seine Haut. Alles lies er brav über sich ergehen, ehe ich ihm ein Lekerli hinstreckte, welches er genüsslich fraß.
      Das nächste Pferd war Black Ops. Sie kannte ich auch noch, auch wenn sie sich nicht mehr an mich erinnern konnte. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Das letzte Pferd der drei war ein Isländer Mix, mit einer sehr schönen Farbe. Die Kleine war zunächst etwas zickig, doch auch hier klappte alles. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Der erste im Sportstall war Gipsy. Ihn kannte ich auch noch. Er war neben Bella Verenas Lieblingspferd. Ich konnte mir nicht vorstellen, was wohl geschehen würde, wenn einem der Beiden etwas zustoßen würde. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor seine Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihm eine Wurmkur und chippte ihn. Schon war der Wallach fertig.
      Die nächste war eine sehr ungewöhnliche Stute. Eine Kreuzung aus Quarter Horse und Andalusier. Doch auch ihre außergewöhnliche Rasse konnte sie nicht vor dem Tierarzt schützen. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Es folgten Skrúður, Vin, Hængur, Gulrót, Harley, Náttdís und Eldrian Antrax, deren Vitalzeichen alle in Ordnung waren, weshalb ich sie impfen konnte bzw die Impfungen auffrischen konnte. Allen verpasste ich eine Wurmkur und chippte die Pferde, die noch nicht gechippt waren.
      Bei Snuff und Steel Heart ging ich besonders gründlich vor, da die Beiden erst vor ein paar Tagen in Verenas Stall gewechselt hatten. Die beiden hatten etwas erhöhte Temperatur, doch das kam durch den Stress und die ganzen neuen Pferde. Dennoch konnte ich impfen, Wurmkur verpassen und chippen. Schon waren wir mit den Sportpferden fertig, weshalb Verena und ich zu den Westernpferden gingen. Zu erst waren die Hengste dran.
      Die ersten waren Genuine und Spooky. Es folgten Ready for Action und Stütchen. Mit Stütchen war natürlich Funky Powerbabe gemeint, doch für mich und Verena war er mehr weiblich, als männlich. Genau so stellte er sich auf an, als wir chippen wollten. Doch es sei ihm verziehen. Die nächsten waren King Bee, Enjoy und Ali. Gefolgt von What Lies Ahead, Gun and Slide und Charly. Bei ihnen klappte auch alles super, weshalb ich schnell bei Flintstone, Sympath und Siku war.
      Nun kam der schwierigste Kandidat: Zues. Impfen mussten wir mit dem Blasrohr, die Wurmkur mischten wir ihm in sein Futter. An chippen war nicht zu denken.
      Schon waren wir fertig mit den Hengsten, weshalb es zu den Stuten ging. Die erste war Bella, die mich neugierig beäugte. Sie kannte mich ja auch schon lange. Lächelnd klopfte ich ihren Hals, ehe ich ihre Vitalzeichen untersuchte, sie impfte, ihr die Wurmkur gab und schließlich chippte.
      Bei Snapper Little Lena war das Ganze etwas schwieriger. Die Stute war nämlich blind und reagierte auf alles ganz anders, als die anderen Pferde. Wir holten ihr Holly Golightly zur Hilfe, damit sie sich an ihr orientieren konnte. Ständig hatte sie ihre Nase an Hollys Fell, um sich zu vergewissern, dass sie noch da ist. Die Untersuchung verlief noch sehr gut. Das impfen und die Wurmkur ging auch noch, nur das chippen machte ihr und Holly ein wenig Probleme. Doch alles verlief gut, weshalb wir uns den restlichen Pferden widmen konnten.
      Princess Gun, Vice, Devil, Cherokee Rose, Amarula, Moonrise, Summertime, Dawn of Hope, Honey, Angelic Desolation, Born to Die, Comeback of a fallen Goddess, Croatoan, Raised from Hell, Sheza, Secret, Wusel und Crow. Mal verlief die Untersuchung sehr gut, mal hatten wir ein paar Probleme. Doch nun waren wir fertig und Verena zeigte mir noch voller Stolz ihr erstes Paint Horse Fohlen. Aquila. "Wirklich eine Schönheit", sagte ich und wir gingen noch ein wenig ins Haus, um zu reden. Schließlich verabschiedete ich mich von ihr und ihren Mitarbeitern, ehe ich nach Hause fuhr.

      Distanztraining E auf A
      Veija, 28.02.2015

      Im Moment war mal wieder gar keine Zeit für die Pferde. Ein Wunder, dass ich mit dem Trainieren nachkam. Doch heute würden wir uns um alle Tiere kümmern, schließlich sollten sie bald Kör- und Krönbereit sein!
      Ich schmiss Bellas Vielseitigkeitssattel auf ihren Rücken, Aliena kümmerte sich um Princess, Alexis kümmerte sich um Wimpy, Caleb um Amarula und Aaron um Shadow, die mit Abstand die bravste von allen war.
      Die Strecke war schnell ausgesucht: die selbe wie für alle anderen Pferde, die wir auf A bringen wollten. Also ging es nach dem satteln schon los. Zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim und konnten sagen, dass die Pferde mit ein wenig mehr Training fertig für die Klasse A waren. Fertig für ihre Box stellten wir die 5 Pferde weg, ehe 5 andere an der Reihe waren.
      Nun ging es um Summer, Honey, Ally, Bailey und Goddess. Wir entschieden uns spontan, wer wen reiten sollte, wobei ich mich für Goddess entschied. Schließlich konnte ich nicht immer die selben Pferde reiten- aber es gab welche, auf die ich niemand sonst lies; normalerweiße. Zu diesen Pferden gehörten Gipsy und Bella.
      Also ging es ans satteln. Wir brauchten ein wenig länger, als vorher, weil die 5 auf der Koppel gestanden hatten und dementsprechend aussahen. Doch endlich ging es los!
      Wir ritten die selbe Strecke wie eben: zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim. Leider dämmerte es nun, weshalb diese fünf die Letzten für heute waren. Nach dem absatteln kamen sie in die Box, wo sie reichlich Heu und Kraftfutter bekamen, damit das Training in den nächsten Tagen besser weitergehen konnte. Nun gingen alle ins Bett und freuten sich auf morgen- oder auch nicht. Denn es stand noch mehr Arbeit an.
      Schon am frühen Morgen waren wir alle auf den Beinen und machten Toy, Sheza, Grace, Gen und Spooky fertig.
      Nun standen wir vor der Frage, wer die Hengste reiten sollte. Zum Schluss entschieden wir uns dafür, dass ich meinen geliebten Spooky ritt und Caleb sich Gen schnappte. Aliena ritt Toy, Alexis Sheza und Aaron Grace. Nach dem satteln also ritten wir auf den Hof, wo wir uns nach dem nachgurten auf die Pferde setzten. Wir ritten die selbe Strecke wie am Tag zuvor und konnten am Ende des Trainings 5 erfolgreich in der Klasse A laufenden Pferde vorstellen. Etwas schneller als gestern machten wir die Tiere für die Koppel fertig, ehe neue fünf folgten. Funky, Ali, Winny, Blue und Flint. Auch mit ihnen waren wir ruck zuck auf der Strecke und wieder zurück. Für zehn Pferde hatten wir heute noch Zeit. Doch wir alle wollten Feierabend machen, weshalb wir uns doch sehr beeilten. Die nächsten waren: Dash, Suke, Sol, Gipsy und Emil.
      Hier waren die Reiter sofort klar- naja, zwei davon. Gipsy würde ich reiten und Emilio würde von keinem Anderen außer außer Aaron geritten werden. Nach dem satteln ging es auf die Pferde und auf die Strecke. Weil wir ein wenig auf den alten Wallach achten mussten, blieben Aaron und ich ein wenig zurück, während die anderen drei ihre Pferde ganz normal trainierten. In dieser Zeit verquatschten Aaron und ich uns, so dass wir viel zu spät am Hof ankamen, und es schon dunkel wurde. Da wir nichts riskieren wollten, beließen wir es für heute dabei und brachten alle Pferde weg.
      Am morgigen Tag waren alle ziemlich schlecht gelaunt. Sie hatten alle Muskelkater- verständlicherweise. Doch die Arbeit musste getan werden und wir waren fast fertig!
      Es fehlten nur noch: Skrudi, Vin, Hartmut, Letty, Ops, Snuff, Heart und Maracuja, die bald wieder zurück an Ofagwa gehen würde. Nichts desto trotz, trainierte ich sie mit.
      Wir mussten die Pferde zwar aufteilen, und mit Snuff, Heart und Cuja zu dritt gehen, doch es lohnte sich allemal.
      Am Ende des Tages waren alle Pferde in Distanz auf der Klasse A angelangt! Wir hatten zwar über einen Monat mit dem ganzen Training gebraucht, doch hauptsache wir konnten sie jetzt weiter fördern.

      Distanztraining A auf L
      Veija, 30.03.15

      Nun hatte ich mir wieder alle meine Mitarbeiter geschnappt, damit die Pferde ein wenig mehr Spaß beim Training hatten. Schnell sattelte ich Shadow, Caleb Summer, Aaron Honey, Alexis Angelic und Aliena Bailey.

      Als alle Pferde gesattelt waren, gurteten wir auf dem Hof nach und ritten nacheinander auf den Feldweg. Ich vorne, dann Caleb, Aaron, Alexis und zum Schluss Aliena, wobei ich die letzten Beiden dann doch noch tauschte, weil Aliena ganz hinten mir doch zu riskant war.
      Unsere kleine Truppe ritt den selben Weg, den ich gersten mit Amarula geritten war. Am See kamen uns wieder unsere Nachbarn entgegen. Es war ein älteres Ehepaar, die sich immer wieder über die Pferde freute, wenn wir ihnen entgegenkamen. Freudig tätschelte die ältere Frau den Hals meiner Shadow, ehe sie jedem Pferd ein kleines Stück Brot hinhielt, dass sie eigentlich dabei hatte, um die Enten im See zu füttern. Glücklich knabberten alle Pferde ihr das Brot aus der Hand, ehe wir uns weiter auf den Weg machten und ständig zwischen Schritt, Trab und Galopp wechselten, damit die Pferde Kondition aufbauten. Nach einer guten Stunde kamen wir wieder am Hof an, sprangen von den Pferden und stellten alle abgesattelt in ihre Boxen zurück.

      "Darling"
      Veija, 02.04.15

      Schon früh am Morgen waren meine Mitarbeiter und ich auf den Beinen. Schließlich stand heute eine Art "Frühlingsputz" an, in dem wir alle Pferde bewegen wollten und ihnen ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen.
      Wir begannen im Stutentrakt, wo Caleb, Aaron, Alexis, Aliena und ich nacheinander Bella, Princess, Devil Rosy, Amarula, Shadow, Summer und Like Honey and Milk in die Führanlage brachten, ehe wir uns um die Boxen kümmerten. Nach einer halben Stunde waren diese wieder sauber, so dass wir in jede Box einen Sack "Streupellets" schütteten, ehe wir die Heunetze auffüllten, das Wasser kontrollierten und jedem Pferd seine Ration Kraftfutter dosierten. Dann kamen die 8 Pferde wieder rein. An eine Pause war jedoch nicht zu denken, da wir nun Angelic Desolation, Bailey, Goddess, Croatoan, Sheza, Crow, Grace & Pluie in die Führanlage brachten, ehe wir auch deren Boxen ausmisteten. Raised from Hell und Annie blieben im Stall. Annie sollte sich noch ein wenig einleben, bevor es an die Arbeit ging. Raised from Hell bekamen wir nur mit Mühe ausgemistet, da sie noch nicht wirklich händelbar war. Seufzend schüttelte ich den Kopf. Sie war wohl ein Pferd, dass man brechen musste, um mit ihr arbeiten zu können. Caleb und ich würden uns in der nächsten Zeit wohl mit ihr beschäftigen müssen... Nun kamen die 8 wieder rein und stürzten sich auf ihr Kraftfutter.
      Weiter ging es zu den Hengsten. Gen, Spooky, Funky, Ali, Winny, Blue, Flint und Pathy kamen ebenfalls in die Führanlage. Siku stellten wir in den Round Pen, Sol kam kurz auf die Koppel. Zues stand noch immer in Penals eingezwängt auf einem Stück der Koppel, weshalb wir ihn nicht ausmisten mussten. Erneut waren wir nach einer guten halben Stunde fertig, so dass alle Pferde wieder in ihre Boxen zurück konnten- ganz zum Leidwesen von Sol, dem das bisschen Gras, was zur Zeit auf der Wiese war, sichtlich schmeckte.
      Weiter ging es zu den Vollblütern, wo wir in den letzten Tagen zwei Neuzugänge bekommen hatten.
      Erneut brachten wir die Pferde in die Führanlage. So waren Hell, Nova, Jagger, Faster, Abby, Zucker, Manni und April innerhalb 5 Minuten in Bewegung. Faster stellten wir in den Round Pen, da wir ihn nicht gerne mit den Stuten zusammenliesen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir soweit fertig, dass die Pferde wieder reinkonnten.
      Es war fast geschafft, denn es fehlten nur noch 2 Stallteile. Nun waren wir also bei den Sportpferden angelangt: Gipsy kam auf die Koppel, Skrudi, Vin, Haengur und Glaeta kamen zusammen mit Ops, Oca, Snuff und Heart in die Führanlage. Emilio, Antrax, Maracuja, Callus und Kunis stellte ich auf verschiedene Koppeln. Für die Pferde viel zu schnell waren wir fertig mit der Arbeit, denn sie wollten liebend gerne noch weiter grasen. Doch alles fanden wieder ihren Platz in ihren Boxen.
      Nun gingen wir zu den Jungpferden in den großen Offenstall. Lächelnd begrüßten wir Lil, Holly, Action, King, Enjoy, Striga, Gulrót, Peppy, Dawn, Wildfire, Harley, Charly, Secret, Wusel, Náttdís, Aquila, Nucu und Nani. Wir verbannten alle Fohlen aus dem überdachten Bereich des Stalls, so dass wir in Ruhe ausmisten konnten. Aliena und Alexis gingen zudem noch über die Koppel und äfpelten diese ab. Als wie fertig waren, konnten die Fohlen und Jungpferde wieder unter den überdachten Teil. Es fing nun ziemlich stark an zu regnen, weshalb alle unter Dach wollten. Natürlich spielte Wildfire wieder mit dem Stroh und schmiss alles durch den Stall. Lachend schauten wir den Tieren zu, ehe wir überlegten, ihnen beim nächsten Misten auch Pellets zu geben. Doch uns war es lieber, die Fohlen schliefen im warmen Stroh.
      Wieder im Hauptstall angekommen, zog mich Caleb zur Seite. "So... something changed", sagte er unerwartet zu mir und ich merkte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. "Something changed?", fragte ich ihn. "Yes, darling", sagte er in seinem charmanten Ton. In letzter Zeit hatte er mich immer öfter darling genannt, ohne dass er mir wirklich aufgefallen war- naja, jetzt viel es mir auf. "I'm sorry..", sagte er noch leise, ehe er seine Lippen auf die Meinen presste. Völlig verwirrt reagierte ich einfach gar nicht und stand stocksteif vor ihm, ehe ich den Kuss leicht erwiderte. Viel zu plötzlich löste er sich von mir und verschwand einfach in der regnerischen Nacht. "Wow..", sagte ich leise und strich mir über die Lippen, bevor ich ein unterdrücktes Lachen hörte. Aaron hatte uns gesehen. "Na was der Kerl vorhat...", sagte er unschuldig und zuckte mit den Schultern. Natürlich wusste er über Calebs Vorhaben bescheid, doch er wollte mir nichts verraten. Verwirrt ging dann also zurück ins Haus, wo ich mich nach dem Duschen sofort ins Bett legte.

      Western Trail LK 5 auf LK 4
      Veija, 27.04.2015

      Heute sowie die nächsten Tage hatten sich meine Mitarbeiter und ich viel vorgenommen. Alle Westernpferde sollten in Trail trainiert werden. Für Genuine und What Lies Ahead kam Catalina extra zu uns, diese beiden wären also schon raus. Cherokee Rose ebenfalls.
      Also blieben noch Gun and Slide, Flintstone, Sympathy for the Devil, Siku, Solitary, Lil Princess Gun, Wimpys Little Devil, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Like Honey and Milk, Goddess, Sheza bat cat, Marly's Pluie und Annie get your Gun. Alles sollen von LK 5 auf LK 4 trainiert werden, außer Annie. Diese war schon auf LK 4 und sollte auf LK 3 gebracht werden.
      Da dies nicht von heute auf morgen gehen konnte, teilten wir die Pferde in 3 Gruppen auf. Jedes Pferd würde dann jeden dritten Tag drei Wochen lang etwas arbeiten müssen.
      Wir fingen also am ersten Tag mit Gruppe 1 an. Nach fleißigem Aufwärmen der 5 Pferde ging es an die Basics: zunächst wurden also Schlangenlinien, Zirkel, ganze Bahnen und halbe Bahnen geritten, ehe es an die Stangenarbeit ging. Wir machten den ganzen Tag nichts anderes, außer über Stangen zu reiten, durch sie durch zu gehen, Drehungen in einem Viereck aus Stangen zu machen und rückwärts durch ein L zu gehen. Auch die nächsten zwei Tage passierte mit den anderen 9 Pferden nichts weltbewegendes.
      Bei der zweiten Einheit stellten wir zu den Stangen noch Pylonen auf, die uns bei den Schlangenlinien halfen. Auch das war noch nichts schweres. Nun kam auch eine Brücke hinzu, die jedoch bei keinem der Pferde für großes Aufsehen sorgte. Im Schritt, Trab und Galopp wurden die Tiere immer feiner, weshalb die Stunden nicht mehr so lange dauerten.
      Bei der dritten Trainingseinheit kam das Tor dazu, was einigen Pferden sehr große Probleme bereitete, weshalb das Training hier sehr lange dauerte.
      Wir hängten noch ein paar Tage dran, so dass die Pferde in der vierten Trainingseinheit alle einen Parcours laufen konnten, dieser lautete wie folgt:
      1. Walk through box and over bridge to gate.
      2. Ride hand gate.
      3. Jog over poles and through serpentine.
      4. Lope over poles and into chute on right lead.
      5. Back chude.
      6. Jog over poles.
      7. Lope over poles and to box on left lead.
      8. Walk into box, turn 360 degrees rifht and walk out over poles to finisch.

      Alle Pferde stellten sich mehr oder weniger gut an. Mit Annie ritt ich einen schwierigeren Parcours, so dass nun alle Pferde die gewünschte Leistungsklasse hatten.

      Western Reining LK 4 auf LK 3
      Veija, 23.05.15

      Kurz blickte ich auf die Uhr. Halb 6. Tja, heute und die nächsten Tage hatten meine Leute und ich viel vor. Genuine Lil Cut, Cherokee Rose, What Lies Ahead, Gun and Slide, Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, Sheza bat cat, Siku und Solitary mussten in der Reining von der LK 4 auf die LK 3 gebracht werden, Eldrian Antrax, Marly's Pluie, Cauldron und Annie get your Gun in Springen von E auf A, Hollywood's Silver Dream in Springen von A auf L, My Blue Gun, My Possible Pasts, Hot Smoking Chex und Wimpys Little Devil in Reining von LK 5 auf LK 4 und Lil Princess Gun in Reining von LK 3 auf 2. Dann waren endlich alle wichtigen Pferde trainiert und fertig für die Turniersaison.
      Nachdem ich also mein Team geweckt hatte, schnappte sich jeder eines der LK 4/3 Pferde und machte es fertig, ehe wir mit 5 Pferden in der Halle standen. Draußen war es noch zu kalt zum Training, weshalb auch die Vollblüter, die normalerweise früh am Morgen trainiert wurden, erst gegen 11 oder 12 Uhr auf die Bahn kamen.
      Insgesamt mussten wir 3 Teams "bilden". Das erste und zweite Team waren je 5 Pferde, im dritten Team dann nur 3 Pferde. Da wir genau wussten, was wir trainieren mussten, war die erste Trainingseinheit der ersten 5 Pferde auch schon rum. Nun war es schon 9 Uhr, eher gesagt halb 10, ehe wir die nächsten 5 in der Halle hatten. Und es waren 13 Uhr, bevor wir die letzten 3 Pferde der Truppe in der Halle waren. Sagenhafte 15 Uhr, bis wir verschnaufen konnten.
      Nun waren die 5 Springpferde dran. Heute ritten wir nur die E Hindernisse und einfache A Hindernisse, morgen würden wir das Niveau steigern.
      Also letztes waren die 5 Westernpferde dran. 4 davon mussten von LK 5 auf 4, eins von 3 auf 2. Also ritt ich letztere, welche übrigens Lil Princess Gun war und überlies den anderen die anderen 4 Pferde. Caleb hatte ständig ein Auge auf die 3 und auch Aliena machte ihre Sache gut, auch wenn My Blue Gun sie ab und an einfach verarschte. Nach eineinhalb Stündigem Training beendeten wir den Tag und brachten alle Pferde wieder auf die Koppel.
      Am nächsten Tag gönnten wir den Reinern eine Pause und arbeiteten nur mit den Springpferden. Am Tag darauf waren dann die Westernpferde wieder dran, die wir in Reining trainierten. Am Abend konnte man sagen, dass sie alle eine Stufe höher starten konnten.


      Thunderstorm? Are you kidding?!
      Juni 205, von Veija

      Benommen schaute ich auf die Uhr. Schon 12? Draußen krachte es einmal laut, was mich zusammenfahren lies. Der Wetterbericht hatte doch Recht behalten. Es schüttete wie aus Eimern und immer wieder zuckten Blitze vom Himmel, gefolgt von einem höllischen Lärm. Ich stand auf und blickte nach draußen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen! Da standen meine Pferde, im Gewitter!
      Sofort war ich hellwach und zog mich mehr schlecht als Recht an, ehe ich nach unten stürmte und meine Mitarbeiter zusammenrief: "WER von euch hat die Pferde raus gestellt?!", fragte ich die vier doch keiner wollte mir antworten. "Leute, Regenjacken an und ab! Guckt dass die alle zurück in den Stall kommen!", fauchte ich sie an und zog mir ebenfalls meine Regenjacke an, ehe ich zu den Zuchtstallungen stürmte. Bella, Amarula, Grace und Nova bekam ich alle zusammen in den Stall, ehe mir Brother, Spooky und Funky schnappte und sie in den Stall brachte. Eigentlich musste ich die Pferde nur von ihren Paddocks in den Stall scheuchen, doch das war leichter gesagt, als getan. Schließlich sahen alle Boxen aus wie Sau, weil sich noch niemand erbarmt hatte, diese zu misten. Kurz seufzte ich. Also musste ich nachher ran.
      Nun ging es weiter zu den Vollblütern. Hell, Jagger, Faster, Augen auf, Zucker und Wild Reflex waren von der Koppel schon wieder in ihrem Stall. Lamperd, Nyanda, Sacramento, Scoubidou, Seattle Slew, Pria und Horror brachten Caleb und ich noch zusammen in ihre Stallungen. Auch die beiden Stalltrakte der Vollblüter waren noch nicht gemacht. Seufzend verdrehte ich die Augen und machte mich nun mit Caleb und Aaron im Schlepptau auf zum Trainingsstall. Zum Glück hatten Aliena und Alexis schon fast die Hälfte der Pferde im Stall! So befanden sich Genuine, Gipsy, Lil Princess, Skrudi, Wimpy, Cherokee, What Lies Ahead, Gun and Slide, Moon, Summertime, Dawn of Hope, Emilio. Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Goddess, Sheza, Sweety und Siku schon im Stall. So holten wir zu fünft noch Náttdís, Eldrian, Solitary, Pluie, Cauldron, Annie, Silver, Blue Gun, Possible Pasts, Smoking Chex, King Gun, Sue und Ravi in den Stall. Auch ihre Boxen mussten alle noch gemacht werden, doch zunächst gingen wir zu den Jungpferden am Offenstall.
      Crescent Wolf, Crow, Holly, Harley, Ocarina, Raised from Hell, Lena, Striga, Aquila und Peppy Ann kamen in den Offenstall für die Stuten, dessen Stalltür ich schließen konnte, damit die Pferde für den Tag drin blieben. Zues musste leider in seinem provisorischen Paddock bleiben, so Leid es mir tat. Wildfire, Omira, Kunis und Gunna Whiz kamen in ihren Offenstall, wo ich ebenfalls die Tür schloss. Seufzend trug ich nun jedem auf, welche Pferde er zu misten und zu füttern hatte.
      Also ging ich in den Zuchtstall und kümmerte mich um die dortigen Pferde. Im Moment erwartete keines der Tiere Nachwuchs, was auch nicht so schlecht war, denn ich war ja gerade erst dabei, eine Zucht aufzubauen. Da konnten die Tiere ruhig noch ihr Leben genießen, fernab vom täglichen Training. Eigentlich hatten es die Zuchtpferde und die Jungpferde bei mir am Besten. Sie konnten den ganzen Tag fressen und ihr Leben genießen.
      Kurz lachte ich, ehe ich kopfschüttelnd den Stall verlies. Ich war schon fertig und bereitete nun das Mittagessen vor, was wir um geschlagene 17 Uhr essen würden. Tja, die Pferde gingen eben vor.
    • Veija
      Reining LK 3 auf LK 2
      Juni 2015, von Veija

      [...]Nun waren die Reiner dran, was wohl ein wenig mehr Arbeit geben würde. Da hatten wir Wimpys Little Devil, My Blue Gun, Your possible Pasts und Spooks Gotta Gun, die von LK 4 auf LK 3 gebracht werden mussten, Gun and Slide, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Flintstone, Sympathy for the Devil, Sheza bat Cat, Siku und Solitary die von LK 3 auf LK 2 gebracht werden mussten und Lil Princess Gun, die in den nächsten Tagen in der LK 1 laufen würde.
      Heute trainierten wir nur die 4 Pferde, die bald in LK 3 laufen sollten. Wir verfeinerten ihre Stops, beschleunigten die Spins, kontrollierten ihre Speed Controls und werkelten an ihren Flying Changes. Nach gut 2 Stunden hatten wir erschöpfte Pferde und Reiter, die sich auf eine Pause freuten. Den Pferden war diese gegönnt, doch die Reiter mussten noch arbeiten. Die ersten 5 Pferde der LK 2 Klasse waren in der Halle und wurden 2 Stunden bewegt, ehe die restlichen 3 und Princess dran waren. Princess ritt ich, auch wenn Caleb mir ständig Befehle zufauchte, wie ich die Stute zu reiten hatte. Ich seufzte. Er meinte es nur gut und im Endeffekt war er ein besserer Trainer als ich, doch das würde ich vor ihm nie zugeben.
      Am Ende des Tages hatten wir alle 13 Pferde fertig. Die nächsten 3 Tage arbeiteten wir kürzer, aber dennoch so, dass wir einen ordentlichen Erfolg erzielten und das Training nach 5 Tagen abschließen konnten.[...]

      Pflegebericht für alle Pferde
      Juli 2015, von Veija

      Langsam reckte ich mich in meinem Bett, ehe ich mich dann doch begannte und aufstand. Nach einer kurzen Dusche, die mal wieder sinnlos war, da ich in einer Stunde wieder nach Pferd riechen würde, zog ich mir eine Jeans und ein kurzes, kariertes Hemd an. Natürlich durfte mein Hut nicht fehlen, wobei ich heute einen schwarzen anzog. Meine Haare band ich davor noch zu einem tiefen Zopf, ehe ich in meine Boots schlüpfte und nach unten an den Frühstückstisch ging, den Aaron freundlicherweise schon gedeckt hatte. "Danke", sagte ich zu ihm, ehe ich mich an den ansonsten leeren Tisch setzte. "Wo ist der Rest?", fragte ich ihn dann, worauf er nur mit einem schulterzucken antwortete. Auch gut, dachte ich mir und schmierte mir mein Brot, ehe ich die neuste Post checkte, die seit neustens Nachts mit der Zeitung kam. Es war mir ganz recht, da ich Post sowie Zeitung dann schon am Frühstückstisch lesen konnte, allerdings tat mir der Postbote leid, da es nachts doch ein wenig ungemütlich hier draußen wurde- besonders im Winter.
      In letzter Zeit bekam ich vermehrt Bewerbungen zu Praktikas oder Ausbildungen, ja auch Jobanfragen! "Eigentlich könnten wir hier noch Unterstützung gebrauchen, oder Aaron? Besonders wenn wir bald auf das neue Gestüt ziehen.", sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihm, ehe ich ein Räuspern in der Tür vernahm. Da stand ein fremder junger Mann in Jeans und Karohemd, der bestohlen zu Boden sah. "Ja, bitte?", fragte ich ihn, ehe ich einen Blick hinter ihn warf. Dort stand Caleb und schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Mein Auto ist hier in der Nähe liegen geblieben, ich habe eine kleinen Isländerhengst dabei und wir wussten nicht wohin, leider habe ich hier mit meinem Handy keinen Empfang", erklärte er mir kleinlaut, ehe ich einen Blick mit Caleb tauschte und ihm zunickte. Das hieß, dass der Fremde wohl keine bösen Absichten vorhatte und ich mit Aaron zusammen wohl mit ihm klarkommen würde. "Wo ist dein Pferd denn?", fragte ich ihn dann, ehe ich ein fremdes Wiehren hörte und nach draußen sah, wo ich einen kleinen Red Dun farbenen Isländerhengst sah, der wie verrückt um Alexis herumtänzelte.
      "Gut, lass uns mal nach deinem Pferd schauen", sagte ich und stand auf. Er wollte zwar protestieren, ich stahl mich jedoch einfach an ihm vorbei und ging zu dem Hengst der sich panisch umsah. "Whoaaaa", sagte ich leise und beruhigend zu dem Tier und nahm ihn Alexis aus der Hand, ehe wir auf den Stall zugingen. "Ich stelle ihn gerade in eine Box, abseits meiner Pferde, dann kann er sich ein wenig beruhigen, ehe wir den Wagen holen und zu deinem Auto fahren, okay?", fragte ich ihn und wartete die Antwort nicht ab, vernahm jedoch aus dem Augenwinkel ein kurzes Nicken.
      "Wie heißt er denn?", fragte ich ihn beiläufig und nickte dann. "Dynur, ein schöner Name", erwiderte ich dann, ehe Caleb schon mit dem Pick Up auf dem Hof stand, in den der Fremde und ich einstiegen. "Wie heißt du eigentlich?", kam es mir dann in den Sinn, ehe ich einen Blick über die Schulter zu dem Mann warf, der auf der Rückbank des Pick Ups Platz genommen hatte. "Riley", sagte der junge Mann leise. "Riley Fortin." "Ein schöner Name.."murmelte ich noch, ehe auch ich mich vorstellte. "Ich bin Verena O'Connor und der Herr hier neben mit ist Caleb O'Dell."
      Nun waren wir auch an seinem Auto angekommen, welches sich Caleb sofort anschaute. In dieser Zeit unterhielt ich mich weiterhin mit Riley, da Caleb ihm unmissverständlich erklärt hatte, dass er niemanden brauchte, der ihm über die Schulter schaute. "Nimm's ihm nicht krumm, er ist eben so", erklärte ich ihm schulterzuckend, worauf hin er mich nur fragend ansah. "Wo wolltest du eigentlich hin?", fragte ich ihn dann. "Ach.. ich fahre ein wenig durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Job", antwortete er mir und Caleb blickte kurz mit einer hochgezogenern Augenbraue zu mir, ehe er sich die Hände an seiner Hose abklopfte und zu uns kam."Der hier fährt nirgendwo mehr hin, der Motor ist hin", erklärte er Riley, der die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "Und jetzt?", murmelte er eher zu sich selbst als zu uns, dennoch beantwortete ich seine Frage für ihn: "Da du ja ein Pferd hast, wirst du ja wohl reiten können. Wie wärs wenn du ein paar Tage bei uns bleibst und im Stall bei den Pferden hilfst, dafür brauchst du nichts zu bezahlen?", fragte ich ihn und er nickte dankend. "Gut, lass uns zurückfahren, wir rufen einen Abschleppdienst."
      Eine gute Stunde später waren wir samt seinem Auto und Hänger auf der Ranch. Riley ging natürlich sofort zu seinem Hensgt, der sich grummelnd an ihn schmiegte.
      Ich räusperte mich kurz. "Nichts da, an die Arbeit junger Mann!", sagte ich lachend und ging mit ihm zum Offenstall, wo die Jungpferde standen. Wir hatten vorher noch Kraftfutter gemischt, welches wir in die Futterraufen im Stall schütteten. Außerdem standen verteilt auf den Koppeln Eimer, damit auch die rangniedrigeren Pferde Energie bekamen. Viele verteufelten ja das Kraftfutter bei Jungpferden, da es nur in den Kopf gehen solle, doch ich war ein totaler Befürworter. Man sah es den Tieren an, dass sie allmählich immer kräftiger wurden.
      Zunächst ließ sich kein Pferd blicken, ehe ich laut nach ihnen rief.Zu erst kamen Crescent Wolf, Magnificient Crow und Natsu's Little Harley. DIcht dahinter Miss Holly Golightly und Snapper Little Lena, wobei diese nie bei der Gruppe waren sondern immer den Eimer nahmen, der am weitesten vom Stall weg war.
      Ocarina of Time kam auch noch zum Stall, während Raised from Hell nie zum Fressen kam. Das würde noch lustig werden mit der Stute, dachte ich mir seufzend und betrachtete Striga und Princess Peppy Ann, die sich immer mehr angefreundet hatten in letzter Zeit. Auch Aquila T Mistery und Bella'S Dun Gotta Gun standen immer zusammen und hielten sich auch ein wenig vom Stall weg, da sie zusammen mit Gunna Whiz die jüngsten Vertreter waren.
      Bei den Stuten fertig ging es zu den Hengsten. Wildfire kam sofort auf uns zugerannt und wollte seine Streicheleinheiten abholen, die Riley ihm auch gab. Kunis kam auch sofort zu uns, während Lil Nucu Omira sich ein wenig Zeit ließ, dann aber auch zu uns kam. Zues bekam kein Kraftfutter, der hatte genug Energie und zeigte sie uns jedes Mal aufs Neue, wenn wir zu ihm gingen. "Was ist denn mit dem passiert?", wollte Riley wissen. "Ich habe ihn vom Schlachter aus schlechter Haltung geholt, wurde leider viel zu früh von der Mutter getrennt und war immer Rangniedrigster. Aufgrund seiner Farbe, da ich ja auch auf Farbe züchte, konnte ich den Hengst nicht stehen lassen. Mal schauen, was aus ihm wird", erklärte ich ihm, ehe wir zu den Vollblütern gingen.
      Die Pferde waren auch aufgeteilt nach Stuten und Hengsten und standen bei dem schönen Wetter alle auf der Koppel. Die übliche Bande, also Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf ich komme, Zuckerschock und Wild Reflex, kamen sofort angelaufen, als sie uns mit den Eimern sahen. Rasch waren sie im Stall am Trog, um die ersten zu sein, die etwas zu fressen bekommen. Nyanda, Praimos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid und Deadly Ambition ließen sich deutlich mehr Zeit, ehe sie doch langsam in den Stall kamen. Gott sei Dank vertrugen sie sich alle super gut, weshalb es be ihnen nie Kämpfe oder ähnliches gab.
      Bei den Hengsten waren Firewalker und Lamperd recht schnell bei uns, ehe nach und nach Sacramento, Scoubidou und Seattle Slew kamen, die sich wohl nich nicht so wohl bei mir fühlten- leider. Nun schauten wir in der Zuchtstallung vorbei, wo alle Pferde auf ihren Paddocks standen. Lächelnd bekamen Bella Dun Del Cielo. Spooks Gotta Gun, Supernova, Funky Powerbabe, Amarula van Helsing, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Soul Sisters Brother of Time und Stormbringer, meiner neusten Ergänzung der bunten Truppe, ihr Futter. Im Trainingsstall trafen wir kein Pferd an, da diese alle auf der Koppel standen und sich den Bauch vollschlugen.
      Je nach Training bekamen dann Genuine Lil Cut, Cielos Double Dun It, Lil Princess Gun, Skrúður
      Wimpys Little Devil, Cherokee Rose, What Lies Ahead, Gun and Slide, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Crusing's Dawn of Hope, Emilio, Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, Sheza bat Cat, My sweet little Secret, Siku, Náttdís, Eldiran Antrax, Solitary, Marly's Pluie, Cauldron of Renascence, Annie get your Gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Hollywood's King Gun, Black Sue Dun It, Ravi, Blazing Flame, Snuff, HGT's Enjoy Nature, Ahyoka und schließlich die zwei neusten Woodstock Lady und Call of Pripyat ihr Futter. "Fertig", sagte ich und sah auf die Uhr. Ich war um 6 aufgestanden, um 18 Uhr waren wir jetzt fertig mit den Pferden. "Ach Dynur fehlt noch, oder?", fragte ich ihn und ging wieder in die Futterkammer, wo wir das Futter für den jungen Hengst vorbereiteten, dem Riley es dann auch gleich brachte.
      Nun gingen wir rein und setzten uns an den Küchentisch, wo meine anderen Mitarbeiter schon etwas gekocht hatten. Zusammen aßen wir zu Abend, ehe wir ins Büro gingen und ein wenig Papierkram regelten. "Ab sofort bist du auf Zeit hier eingestellt, Riley. So wie du heute mit den Pferden umgegangen bist, kannst du auch gerne länger bleiben, da wir hier dringend neue Unterstützung gebrauchen könnten!", erklärte ich ihm doch er nickte dankend ab. "Ich bleibe erstmal diesen Monat, dann können wir ja weiter sehen", erklärte er lächelnd, drückte mir die Hand und verließ mein Büro.
      Nach einem Blick auf den Kalender stockte mir fast der Atem. Morgen würden Catalina und Clarence kommen!
      Schnell schlich ich mich also ins Bett, um morgen ausgeruht früh aufzustehen.

      Springen E auf A
      Juli 2015, von Veija
      Seufzend strich ich ein paar Namen auf einer Liste durch, wo die Trainingspferde drauf standen. Es waren im Endeffekt einfach viel zu viele Pferde, die wir mit 6 Leuten trainieren mussten, weshalb ich wohl bald an Personal aufstocken müsste- schon wieder.
      Heute hatten wir uns My lovely Horror Kid, Eldrian Antrax, Cauldron, Hell, Zuckerschock und Wimpys Little Devil vorgenommen. Nach dem satteln fanden wir uns auch schon auf dem Platz wieder, wobei Horror, Antrac und Cauldron in der Halle trainiert wurden, da sie schon eine Stufe höher waren als die anderen 3 Pferde. Den ganzen Vormittag verbrachten wir damit, den Pferden die Hindernisse schmackhaft zu machen und ließen es dann gut sein, damit die nächsten 6 an die Reihe kommen konnten. Diesmal waren es Pluie, Annie, Blaze, Jagger, Faster und Genuine. Ich ritt die stürmische Blaze, die sich heute nicht kleinkriegen lassen wollte. Ständig verweigerte sie oder warf die Stangen ab. Ich seufzte kurz und legte die Stangen ein Stück nach unten, ehe ich das Ganze nochmal versuchte. Dann klappte es und ich legte sie wieder hoch. Siehe da, die Stute konnte also doch springen!
      Als die Pferde dann fertig waren aßen wir etwas zu mittag, ehe wir weitere 6 Pferde aus ihren Boxen holten. Princess, What Lies Ahead, Gun and Slide, Shadow, Summertime und Sympathy for the Devil. Mit ihnen waren wir sehr schnell fertig, da sie alle sehr schnell lernten, so dass wir uns nun den restlichen Pferden widmen konnten. Es fehlten uns noch My Blue Gun, Possible Pasts, Smoking Chex, Ravi, Snuff, Enjoy Nature, Woodstock Lady und Augen auf, wobei letztere in Dressur trainiert wurde. Ich selbst schnappte mir Abby, mit der ich alleine auf den Dressurplatz ging. Es dauerte eine ganze Weile bis ich so ordentlich aufgewärmt hatte und sie locker an meinen Hilfen ging. Doch nach einer guten Stunde hatte ich ein schön gelassenes, locker laufendes Pferd unter mir, mit der es Spaß machte, zu trainieren. Ich schaute nun bei den anderen 5 vorbei, die immer wieder die Pferde unter sich tauschten und fleißig am Springen waren. Ich lachte kurz und brachte Abby dann weg, ehe ich den anderen half.

      Springen A auf L
      August 2015, von Veija

      "Hopp, hopp, hopp!", sagte ich und schubste Alexis weiter den Flur entlang. "Pferde trainieren!" "Aber ich will nicht!" "Du musst aber" - seufzen. Nicht nur von Alexis, sondern auch von Riley, der mitllerweile bei uns ziemlich eingespannt wurde und anpacken musste, wo gerade Not am Mann war. "Ja, Riley, du auch", sagte ich etwas schnippisch zu ihm und schob auch ihn den Gang entlang. "Come on", sagte Caleb und schnippte seine Kippe weg. Seit neustem rauchte er, was mir gar nicht in den Kram passte. "Caleb!", fauchte ich ihn an und sofort zuckte er zusammen, hob die Zigarette auf und schmiss sie, als sie ganz aus war, in den Mülleimer. "You should stop smoking.. it smells terrible!", sagte ich ihm doch er rollte nur mit den Augen und ging dann auf den Stall zu, wo die Arbeit auf uns wartete. Ich nehme mir Skrúður und Trainiere ihn in Distanz von L auf M, Riley und Alexis ihr trainiert Eldrian Antrax und Cauldron of Renascence in Dressur von A auf L, Alexis, Aaron und Caleb ihr schnappt euch Snuff, Lovely Summertime und Sympathy for the Devil und trainiert sie in Springen von A auf L. Gebongt?", fragte ich alle und bekam ein nicken zur antwort. "Gut, an die Arbeit!", verkündete ich fröhlich und ging zur ox von Skrudi, um ihn mir fertig zu machen. Nach dem putzen schmiss ich ihm seine Decke und einen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken, ehe ich ihm die Trense anlegte und mit einem Helm auf dem Kopf den Hof verließ. Im Moment regnete es sehr viel hier in Kanada, weshalb ich für Training außerhalb der Halle immer passende Momente abwarten musste. Diesmal schien ich jedoch Glück zu haben und konnte mir ruhig Zeit lassen mit unserem Ritt. Als ich um die Ecke bog, sah ich schon wie Eldrian sich in der Dressur versuchte und an den neuen Übungen scheiterte. Kurz grinste ich. Der Hengst hatte sich so gut gemacht und war für meine Poloponyzucht so relevant, dass er das einfach hinbekommen musste, da glaubte ich fest an ihn. Skrudi war von seiner Kondition her schon sehr gut, weshalb ich sofort traben und galoppieren konnte, als wir aufgewärmt waren. Wir ritten eine Strecke, die er schon sehr gut kannte, aber diesmal zügiger und auch ein paar kleine Umwege, damit die Strecke länger wurde. Nach einer guten Stunde rief mich Alexis an, welche Pferde nun an der Reihe waren. "Schnappt euch Ravi, Blazing Flame, Lil Princess Gun, Wimpys Little Devil und What Lies Ahead. Trainiert sie in Military von E nach A. Wenn einer von euch früher fertig ist, holt der sich noch Woodstock Lady. Dann machen wir Schluss für heute.", gab ich Anweisungen und hörte, wie ALexis im Hintergrund die Pferde verteilte. Dann legte sie auf. Ich trieb Skrudi ein wenig an, damit er mir nicht unter dem Hintern einschlief. "Guter Junge", sagte ich und klopfte seinen Hals, der schon ordentlich nass vom Schwitzen war, weshalb ich mich entschied, umzudrehen. Schließlich wollte ich nicht, dass der Hengst krank wurde.

      Auf dem Rückweg begegnete ich Caleb, der mir mit Woodstock Lady entgegen kam. Wir nickten uns kurz zu, ehe ich auf dem Hof ankam, Skrudi schnell absattelte und ihm eine Decke auflegte. Dann machte brachte ich ihn in seine Box und gab ihm noch seine Kraftfutterportion. Da die anderen wohl noch lange nicht zurückkommen würden, entschied ich mich dazu, Like Honey and Milk zu satteln und in Hunter under Saddle von LK 3 auf LK 2 zu bringen. Gesagt getan. Nach 10 Minuten war ich mit ihr in der Halle und ging die Grundlagen nochmal alle durch. Honey fand es komischerweise heute gar nicht lustig, dass sie ständig Zug im Maul hatte, doch da musste sie durch, weil ich sie hier nicht mit durchängenden Zügeln reiten konnte. So stand mir eine ganze Stunde voller Diskussionen und Streitereien an, bis Honey einigermaßen ordentlich lief. Ich ließ sie dann aber auch in Ruhe, weil ich unser Training mit einem positiven Ergebnis abschließen wollte. Dann brachte ich sie wieder in ihre Box. Im Stall traf ich die anderen, weshalb wir nun ins Haus gingen und gemeinsam zu Abend aßen.

      Am nächsten Tag ging es wieder früh los. Naja, was hieß früh, es war 10 Uhr. Von 7 bis 10 hatten wir die Pferde gefüttert und auf die Koppeln gebracht, jetzt ging es ans Training. "Caleb, Aliena, Alexis, Aaron und Riley, ihr teilt euch folgende Pferde auf: Annie get your Gun Trail LK 2 auf LK 1, Hot Smoking Chex Trail LK 3 auf LK 2, My Blue Gun & Your possible Pasts Reining LK 3 auf LK 2 und Enjoy Nature Reining LK 5 auf LK 4. Ich fahre mit Hollywood King Gun und Black Sue DunIt zu unseren Nachbarn, um sie in Barrel Race und Pole Banding weiter zu bringen. Bis heut Abend dann!", verkündete ich die Tagesplanung. Alle nickten zufrieden, weshalb ich nun in den Stall ging und mir King und Sue schnappte, die ich sattelte und in den Hänger stellte. Hier war es üblich, dass die Tiere komplett gesattelt in den Hänger kamen. Natürlich trennte ich die beiden großräumig voneinander, doch ich hatte wenig Hengste, die ausgeprägte Hengstmanieren hatten, so dass ich mir da keine Sorgen machen musste. Bei der Halle angekommen kam mir der Besitzer entgegen der mir seinen Azubi vorstellte. "Oh gut, willst du reiten? Ich hab zwei Pferde dabei, kann jedoch nur eins davon reiten, gleichzeitig geht ja schlecht.. dann kannst du direkt mal andere Pferde kennen lernen.", schlug ich dem jungen Mann vor, der aufgeregt nickte. "Gut, komm mit", sagte ich und führte ihn zum Hänger, wo wir zu erst meine rabenschwarze Sue ausluden, die ich ihm in die Hand drückte, ehe ich meinen Hengst aus dem Henger holte. Er hatte kaum Zeit die Pferde zu bewundern, da war ich schon beinahe bei der Halle. "Kommst du?", fragte ich ihn und hielt ihm die Tür auf. Die Halle war so groß, dass wir gleichzeigt Barrel Race und Pole Banding trainieren konnten. Gemeinsam wärmten wir die Pferde also auf, ehe es losging. Mit King hatte ich gerade mehr zu kämpfen als der junge Mann mit Sue, bei denen es super klappte. King reagierte kaum auf meine Hilfen, wir fielen sogar bei der zweiten Tonne einmal hin. Da der Hengst jedoch sehr flink war, stand er kurze Zeit wieder auf den Beinen. Ich hatte mir natürlich aus Reflex am Sattelknauf festgehalten und konnte noch rechtzeigtig mein Bein wegziehen, bevor er auf es draufgefallen wäre.. Nach einer kurzen Pause machten wir jedoch weiter, da es langsam spät wurde und wir das Training heute noch abschließen mussten. Mittags hatten mich die anderen angerufen, wen sie noch trainieren sollten. Arbeit war ja genug da, weshalb ich ihnen noch Comeback of a fallen Goddess und Marly's Pluie aufs Auge drückte. Goddess musste in Cutting von LK 4 auf LK 3 gebracht werden. Pluie in der Pleasure von LK 3 auf LK 2.

      Als ich dann spät am Abend heim kam, waren alle Pferde versorgt in ihren Boxen. King und Sue stellte ich noch dazu, gab ihnen Kraftfutter und ging dann erschöpft ins Bett.

      the prisoners
      Oktober 2015, von Veija

      Es war Anfang Oktober, 5 Uhr morgens. Das Wetter war bescheiden- eher schlecht als recht, denn es regnete. Ab und zu donnerte es auch, aber es war ja auch Gewitter gemeldet- schon wieder. Heute würden wir die Sonne wohl nicht zu Gesicht bekommen, doch das brauchten wir auch nicht, denn wir würden heute mit der gesamten Mannschaft ins Gefängnis fahren. Warum? Tja, das wussten die anderen auch noch nicht. Zu erst mussten wir jedoch die Pferde füttern, weshalb wir alle ja auch schon um 5 Uhr aufstehen mussten. Alexis übernahm den Verkaufsstall, Caleb kümmerte sich um die Zuchtstallung, Aliena übernahm die Vollblüter und Aaron später die Jungpferde. Zu guter Letzt übernahm ich die Trainingspferde.
      Als wir damit fertig waren, sprangen wir alle schnell unter dich Dusche, packten etwas zu essen ein und machten uns mit dem 7-Sitzer und dem Pick Up auf den Weg zum Gefängnis, wo wir eine Aktion unterstützen wollten, die jugendlichen Kriminellen half, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es dauerte gute 2 Stunden, ehe wir am Gefängnis ankamen, die Autos am Parkplatz parkten und erstmal alle Sachen im Auto ließen, die wir wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen hätten. So blieben alle Handys im Auto und auch Caleb ließ, wenn auch wiederwillig, sein Messer im Wagen. So gingen wir also "unbewaffnet" zum Eingang und wurden sofort in eine große Mensa geführt, wo die Gefangenen schon auf uns und andere Rancharbeiter warteten. Ich hatte eine Präsentation vorbereitet, so wie die anderen auch, die wir den Gefangenen zeigen würden, damit sie eine Ahnung davon hatten, was sie auf den Höfen erwartete. Beim Rundumblick fielen mir sofort 4 Personen ins Auge, drei Jungs und ein Mädchen, die zusammen an einem Tisch saßen, wovon zwei Jungs den dritten argwöhnisch ansahen. Dieser grinste sie jedoch nur süffisant an und das Mädchen legte ihm eine Hand auf den Arm, sagte ihm etwas und schon wandte er den Blick wieder nach vorne, während die anderen beiden Jungs ihn noch seltsam anschauten. "Schaut euch die vier da hinten mal an", sagte ich zu meinen Mitarbeitern und sie nickten. Caleb setzte ebenfalls sein süffisantes Grinsen auf und schaute damit das Mädchen der vier an. Von dem Jungen rechts von ihr, der ihr sehr ähnlich sah, bekam er einen ziemlich eindeutigen Blick ab, so dass Caleb den Blick abwendete. Nun erhob der Chef des Gefängnisses das Wort.
      "Da nun alle eingeladenen Personen angekommen sind, herzlich willkommen Ihnen allen. Sie wissen hoffentlich alle warum Sie hier sind", begann er seine Rede und uns wurde etwas zu trinken gebracht. "Von einem Gefängnis in Colorado wissen wir, dass die Arbeit mit Pferden Jugendliche stark verändern kann. Sie alle", sagte er und zeigte zu erst auf die Gefangenen, dann auf uns: "haben ein besseres Leben bei diesen Leuten verdient. Sie werden die Chance haben, auf einer Ranch zu leben und zu arbeiten, wieder zur Schule zu gehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Arbeit auf der Ranch wird so lange dauern, wie sie Ihre Gefängnisstrafe hier eigentlich absitzen müssten. Wenn sie dann Fuß gefasst haben, können sie selbst entscheiden, ob sie weiterhin auf der Ranch bleiben wollen, oder ob Sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Ich wiederhole es nur gerne noch einmal, es ist eine riesen Chance für Sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ruinieren Sie sich das nicht. Over and out.", sagte der stämmige Mann zum Schluss noch und gab das Wort an die erste Ranch. Insgesammt standen 7 Ranches zur Auswahl, wovon wir die letzte waren, die sich vorstellte. Ich schmiss meinen Stick in den Laptop, startete die Präsentation und wandte mich den Jugendlichen zu.
      "Hallo und herzlich willkommen auch noch einmal von mir und meinen Mitarbeitern. Ich bin Verena O'Connor, das ist meine Cousine Alexis O'Connor, das Aaron Felhorn, Caleb O'Dell, Aliena O'Dell und unser neusterZugang Riley Fortin. Wir kommen von der Gips Reminder Ranch in Kanada und möchten Sie heute aufmerksam auf unseren Hof machen.", sagte ich und atmete einmal tief durch. Es waren doch viele Augen die mich anstarrten und wissbegierig zwischen der Leinwand und meinen Mitarbeitern hin und her sahen. Nun ergriff Caleb das Wort, der nicht so nervös war und mir einfach nur unter die Arme greifen wollte, obwohl er keine Ahnung von der Präsentation hatte. "An erster Stelle steht das Wohl der Pferde auf unserer Ranch. Ich sag es Ihnen sofort klipp und klar wie es ist. Sehen wir einen von euch, der die Pferde misshandelt, seinen es unverdiente Schläge, Tritte oder Sonstiges, sei es mutwillig falsch gemischtes Futter...", sagte er und merkte, wie das Mädchen, welches sich als Octavia herausstellte große Augen machte. "Ja Octavia, man kann ein Pferd umbringen, wenn man sein Futter falsch mischt. Das ist so. Also wo war ich.. ach ja.. wenn ihr den Pferden Leid antut, geht es für euch zurück ins Gefängnis. Es kommt jedoch auf die Schwere des Vergehens an, wir werden da jedoch nicht zimperlich sein. Wenn ihr jedoch meint, euch gegenseitig an die Gurgel zu gehen, dann schön. Wir schicken euch nicht zurück, aber ihr müsst mir Konsequenzen rechnen..", erklärte er und ich räusperte mich, damit ich wieder die schönen Seiten des Ranchlebens erläutern konnte. "Zur Zeit besitzen wir um die 60-70 Pferde. Es kommen und gehen immer andere Pferde, so dass ihr nie mit den Selben arbeiten werdet. Wenn ihr also mit uns auf den Hof kommt, sollte euch bewusst sein, dass wir euch zunächst einen Monat beobachten, wie ihr füttert, mistet, Pferde auf die Koppel bringt, im Haushalt helft und und und.. Bemerken wir besonderes Interesse an den Pferden, bringen wir euch das Reiten bei und ihr dürft uns auf Turniere und Ausritte begleiten.", erklärte ich und setzte dann zu meiner ersten Frage an. "Wer von euch ist denn schon einmal geritten?", fragte ich die jungen Menschen und sah zu meiner Erleichterung, dass Octavia aufzeigte. Ich schenkte ihr ein kurzer Lächeln und sah dann in die Runde. Es sah relativ karg aus. "Wer von euch möchte denn reiten lernen?", zaghafte Hände hier und da, Octavias Hand ganz weit nach oben gestreckt. Die anderen 3 an ihrem Tisch hoben ebenfalls kurz die Hände. "Gut", sagte ich. "Sehr gut. Wisst ihr warum ihr auf der Gips Reminder Ranch besonders gut aufgehoben seit? Wir haben viele Pferde der Westernsparte, Quarter und Paint Horses. Wir haben jedoch auch zwei Missouri Foxtrotter, die es nicht so oft gibts. Zudem haben wir eine ganze handvoll Englische Vollblüter, wir haben Dressur, Spring, Distanz und Military Pferde. Eininge sind auch im Fahrsport tätig. Isländer und Ponies gibt es auch!", erklärte ich ihnen freundlich und sah, wie Octavia sich zu dem Mann an ihrer rechten wandte und ihm freudenstrahlend etwas erzählte. Er strich ihr sanft über den Arm und bewegte sie dazu, wieder nach vorne zu schauen. "Ihr werdet also eine riesige Auswahl an Pferden haben, mit denen ihr täglich arbeiten könnt. An Wochenenden gilt es auch früh aufstehen, auch wenn ihr abends mal raus feiern wart.. ja, das dürft ihr bei uns auch. Jedoch kommt immer einer oder ein paar von uns mit. Wir sind schließlich auch noch jung und möchten das Leben genießen.", sagte ich und lachte kurz, als Caleb mir einen vorwurfsvollen Seitenblick zuwarf. "Ich denke das war alles, wenn ihr noch fragen habt kommt gerne hier zu uns rüber. Danke für eure Aufmerksamkeit!", beendete ich meine Rede und setzte mich unter Applaus wieder an unseren Tisch. Wir redeten eine ganze Weile mit den jungen Leuten, erklärten ihnen noch mehr über den Hof und verließen dann mit den anderen Arbeitern den Raum. Wir bekamen Mappen vorgelegt und sollten uns die Jugendlichen näher anschauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe wir alle Mappen durch hatten und uns wirklich für die 4 entschieden, die ich mir am Anfang schon ausgesucht hatte. Zu meiner Freude hatte jeder der 35 Jugendlichen einen Platz auf einer Ranch gefunden... Voraussetzung war, dass sie dort hin wollten. Auf einer Liste die uns vorgelegt wurde, standen die Namen derer drauf, die auf unsere Ranch wollten. Es waren 7 Leute, von denen wir vier sicher mitnehmen würden, die anderen 3 waren unsicher, weshalb wir zunächst die sicheren Kandidaten verkündeten. "Bellamy Blake, Octavia Blake, Finn Collins und Jonathan Murphy, wenn ihr möchtet, könnt ihr mit zu uns", sagte ich ihnen und die vier nickten. Sie durften aufstehen und ihre Sachen zusammenpacken. Nun standen noch 3 Leute auf unserer Liste.
      Emily, Grace und Ethan. Ich schaute meine Mitarbeiter kurz an. Wir hatten im Auto keine Plätze mehr frei, da im Pick Up nur 3 Sitze waren. Sie schüttelten bedrückt den Kopf. "Leider können wir im Moment nur 4 neue Arbeiter aufnehmen, doch ich weiß welche Ranches euch gerne hätten, da werdet ihr es auch sehr gut haben!", erklärte ich Emily, Grace und Ethan. Ich schüttelte ihnen die Hand und wir 6 machten uns dann zu unseren vier auf. Sie stellten sich uns nochmal einzeln vor und Jonathan wollte einfach nur John oder Murphy genannt werden.
      "Finn und Murphy zu mir, Bellamy und Octavia zu Caleb", sagte ich freundlich und hielt Finn und Murphy die Tür auf, so dass sie in den 7-Sitzer steigen konnten. Bellamy und Octavia gingen zusammen mit Caleb in den Pick Up. Die restlichen Mitarbeiter kamen mit zu mir, so dass es auch gleich losgehen konnte. Die Fahrt dauerte nicht allzulange, so dass wir recht schnell am Hof ankamen und Octavia ohne zu warten aus dem Auto raussprang, um sich umzusehen. Ich wollte ihr noch nachrufen, da nickte mir ihr Bruder, wie ich erfahren hatte, zu und sprang ihr hinterher, um sie am Arm fest zu halten. "O, warte doch", sagte er leise und schaute etwas eingeschüchtert zu mir rüber. Finn und Murphy waren auch schon ausgestiegen und schauten sich mit großen Augen um. "Willkommen in eurem neuen Zuhause!", sagte ich freundlich und blickte in 4 endlos zufriedene Gesichter. "Ich habe euch 2 Zimmer fertig gemacht, eins mit 3 Betten, eins mit 2. Wenn es für dich, Octavia jedoch oke ist, können du und dein Bruder zusammen in einem Zimmer schlafen, anstatt du alleine und die drei Jungs zusammen?", fragte ich sie und sah, wie sie fragend zu ihrem Bruder sah. "Okay, dann das Einzelzimmer. Die Zimmer liegen ja nebeneinander", sagte ich und zeigte auf ihr Gepäck. "Holt euer Zeug, ich zeig euch die Zimmer. Und ihr anderen, ab an die Arbeit!", frügte ich mit Nachdruck an, weil ich sah, wie Caleb mich wieder angaffte. "Caleb, now", sagte ich lachend und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. Entschied mich dann jedoch, Caleb mitzunehmen. Ich traute John und Bellamy noch nicht so wirklich über den Weg, vor allem da sie sich die ganze Zeit herablassend anschauten. "Das klappt ja mit euch 3 auf einem Zimmer, oder?", fragte ich skeptisch und schaute zwsichen den 3 Jungs hin und her. "Ja..", sagte Bellamy dann und setzte ein Lächeln auf, ehe er seiner Schwester einen Arm um die Schultern legte und sie zu sich heran zog. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, ehe sie zu strahlen anfing und sich umschaute. "Ich glaube, ich habe genau das richtige Pferd für dich, Octavia", sagte ich und zauberte ihr ein noch größeres Lächeln ins Gesicht. Unterwegs kam uns Amy Lee entgegen, die auch erst seit kurzem hier war. "Amy hat zur Zeit ein Einzelzimmer, aber falls du dich mit ihr verstehst, Ocativa, könnte ihr gerne zusammen in eins", erklärte ich lächelnd, nachdem ich Amy vorgestellt hatte. Dann waren wir an den Zimmern angekommen und ich ließ die 4 in Ruhe auspacken. In der Zwischenzeit ging ich runter in die Küche und bereitete einen kleinen Snack vor, da die vier bestimmt Hunger hatten. Zwischendruch kam Amy in die Küche, um zu fragen, was sie arbeiten solle. In der letzten Zeit ging leider alles etwas drunter und drüber, weshalb die Arbeitspläne natürlich auch hinterher hingen. "Geh die anderen fragen welche Pferde noch übrig sind, die kannst du dann arbeiten", sagte ich lachend. "Spätestens in zwei Tagen sind die neuen Pläne fertig, dann hast du fest zugeteilte Pferde", erklärte ich ihr und fing Octavia ab, die schon fertig mit auspacken war. Sie setzte sich an den Tisch und aß meine Snacks mit Freude, während sie etwas über ihr bisheriges Leben erzählte. Auch Bellamy, Finn und Murphy kamen nach einer Weile in die Küche, um sich zu uns zu gesellen.
      Dann gingen wir zum Offenstall, wo die Jungpferde der Gips Reminder Ranch standen. Nach und nach stellte ich ihnen die Pferde vor. Snapper Little Lena, Miss Holly Golightly, Striga, Natu's Little Harley, Raised from Hell, Ocarina of Time, VK Aquila T Mistery, Magnificient Crow, Crescent Wolf, Blossom Magic, Invest in Enterprise, VK Funky's Wild Berry, Day Gone By, das namenlose Fohlen, welches wir Bellamy 'O tauften, Dynur fra Frelsi, Call of Pripyat, VK Bella's Dun Gotta Gun, Kunis, VK Gunna Whiz, Lil Nucu Omira, Wildfire xx und Zues. Octavia war sofort von den Fohlen begeistert, während Murphy sich besonders für Zues interessierte. Na das konnte ja was werden, dachte ich mir lachend und ging dann mit den vier in den Stall. Zu erst waren die Zuchpferde dran: Amarula van Helsing, Bella Dun Del Cielo, Cherokee Rose, Funky Powerbabe, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Souls Sisters Brother of Time, Sacramento xx, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Supernova, Wimpys Little Devil und Yoomee. Anscheinend war kein Pferd dabei, was den vier gefiel. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie sowieso nicht mit ihnen arbeiten durften. Dann ging es weiter zu den Vollblütern: Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf! Ich komme, Zuckerschock, Wild Reflex, Nyanda, Scoubidou, Seattle Slew, Priamos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid, Deadly Ambition, HGT's Massacre Boy, Chocolate Dream und Versatilely Gold. Hier war Octavia nun Feuer und Flamme. Sie wusste gar nicht, welches Pferd sie als nächstes Steicheln sollte. Kurz lachte ich. "Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis du eines von diesen reiten darfst, Octavia.", entmutigte ich sie und sah ihr an, wie enttäuscht sie war. "Naja, vllt darfst du dich bald mal auf Chocolate Dream setzen", sagte ich lächelnd und zeigte ihr den Hengst, der ihr brummelnd die Nase entgegenstreckte. "Der ist wunderschön", sagte sie leise und streichelte über seine Nase. "Ja, das ist er."
      Flink klapperten wir nun die Pferde im Trainingsstall ab: Siku, Firewalker, Solitary, Skrúður, Eldrian Antrax, Cauldron of Renascence, Ravi, Blazing Flame, Snuff, Ahyoka, Horror Halloween, Nojrsodsch, Maracuja Limes, Bijou, Náttdís van Ghosts, Genuine Lil Cut, What Lies Ahead, Gun and Slide, Lovely Summertime, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, My sweet little Secret, Marly's Pluie, Crusing's Dawn of Hope, Annie get your gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Sheza bat cat, HGT's Enjoy Nature, Woodstock Lady, Ciel.os Double Dun It und Lucy never say goodbye.
      Spätestens jetzt war mindestens ein Pferd dabei, wofür sich die vier begeistern konnten. Außer natürlich Octavia, denn sie war für jedes Pferd zu begeistern. "Ich hoffe, euch hat der kleine Rundgang gefallen und ihr habt ein Pferd gefunden, das ihr später mal arbeiten möchtet.", erklärte ich ihnen fröhlich. "Doch bis da hin, ab an die Arbeit", fügte ich nun lachend bei und drückte jedem eine Mistgabel in die Hand, mit denen ich sie in die Boxen schickte, wo die Pferde schon auf der Koppel standen.

      Jolympia!
      Oktober 2015, von Veija
      "Jolympia.... Jooooolympia.... olympia.", murmelte ich und blätterte in der Zeitung weiter, ehe ich nochmal zurückblätterte. "Okay, du hast mich", murmelte ich und sammelte meine Angestellten zusammen, die mich in meinem Vorhaben bestärkten. Auch, wenn sie nicht so begeistert von der Pferdeauswahl waren. Mitkommen sollten nämlich Lovely Summertime, Ravi und Bella Dun Del Cielo.
      *******
      "Du bist doch verrückt, Verena. Warum willst du alle drei Pferde selbst reiten?", fragte Alexis mich und schüttelte den Kopf, während sie Summers Mähne einflocht. "Na, so kann ich die Gips Reminder Ranch am besten präsentieren", erklärte ich und zupfte an Bellas Mähne herum. "Auf die Dressur habe ich ja überhaupt keine Lust.. aber auf das Geländespringen freue ich mich wahnsinnig", sagte ich lachend und sattelte Bella, ehe ich mich mit Alexis um Summer kümmerte. Gott sei Dank waren es doch einige Teilnehmer, weshalb ich nicht alle drei Pferde hintereinander in den Prüfungen reiten musste. Ich schaute mich verträumt um, ehe Ravi mich wieder in die Realität zurückholte, da sie plötzlich einen Satz nach hinten machte. "Hey!", sagte ich einmal laut und stemmte mich gegen ihren Hintern. Sie war am Hänger angebunden, zusammen mit zwei anderen Pferden. Das konnte schonmal ins Auge gehen, wenn plötzlich alle drei nach hinten sprangen. "Hast du gesehen, was jetzt war Alexis?", fragte ich meine Cousine doch sie schüttelte nur den Kopf. "Seltsam..", murmelte ich, ehe Aliena, Aaron und Caleb zurückkamen. "Die Konkurrenz ist stark", murmelte Aliena und machte Bella los, um sie für mich warm zu reiten. Ich selbst schnappte mir Ravi und Alexis holte sich Summer, um sie warm zu reiten.
      Dann ging auch alles ganz schnell. Mit Ravi fing die Dressur an, dann war ein anderes Pferd an der Reihe, dann kam Bella und nach zwei weiteren Pferden Summer. Alle ritten andere Figuren, weshalb ich mich fragte, wie die Richter da bewerten würden. Doch ich hatte gar nicht so viel Zeit zum denken, da schon das Springen angesagt war. Ravi sprang den gesamten Parcours wunderbar, Summer riss einmal fast eine Stange, fing sich aber wieder und hob ihre Beinchen beim nächsten Sprung höher. Nur Bella zickte rum und sprang einmal nach einem Sprung im Kreuzgalopp an, was ich so eigentlich gar nicht von ihr kannte. Fast unbekmerkt konnte ich jedoch einen Galoppwechsel reiten, weshalb es dann wieder munter weiter ging. Die Geländestrecke war etwas für sich. Nachdem alle Pferde wieder umgesattelt waren, wurde uns erlaubt, die Strecke einmal abzureiten, jedoch nur im Schritt. Da ich genau wusste, dass Bella im Gelände ein Angsthase sein konnte, ritt ich die Strecke mit ihr ab. "Bella, jetzt komm schon!", sagte ich mittlerweile wütend und haute ihr einmal meine Fersen in den Bauch, als sie erneut vor einem der Hindernisse zur Seite sprang und meinte, sie müsste Todesangst davor haben. Später, als ich wieder bei den anderen ankam, erfuhr ich, dass auch die anderen beiden Pferde die Strecke abgeritten waren, was mir Alexis kleinlaut gestand. "Schon in Ordnung, waren die denn auch so schreckhaft wie Bella?", fragte ich und bekam zwei nein zurück. "Gut.. Dann kanns ja losgehen. Mal schauen, wie wir abschneiden.", sagte ich und trieb Bella vorwärts. Sie war das erste Pferd von mir, was starten musste.
      "Und jetzt benimm dich", sagte ich streng und galoppierte sie an. Nervös war ich jetzt schon, da sie eben so viel gescheut hatte. Doch ich hielt sie fest zwischen meinen Beinen, so dass sie gar keine Chance hatte, zur Seite zu springen. Gott sei Dank klappte auch alles, was ich von Ravi und Summer auch behaupten konnte. Summer war, wider meiner Erwartungen, sogar die schnellste!
      "Siehst du, ging doch alles ganz easy", sagte Alexis und klopfte Summers Hals, ehe sie sie auch absattelte und wieder in den Hänger stellte. "Ja.. aber jetzt heißt es abwarten.. Will wer Kuchen? Die haben auch an alles gedacht!", sagte ich lachend und unter freudiger Zustimmung, gingen wir ein Stück Kuchen essen, während wir den anderen Startern zusahen, wie sie ins Ziel galoppierten.

      Tierarztbericht
      Nachbehandlung und ein neuer Patient
      Oktober 2015, von Loulou
      Wieder einmal befand ich mich im Flugzeug, neben mir Alexander. Ich hatte schon ganz vergessen, welchen Stress der Job als Tierarzt mit sich bringen konnte. Es ging heute erneuert zu Verna, um nach drein ihrer Pferde zu sehen. Sie hatte groß umschrieben, was auf dem Plan stand und so hatte ich beschlossen, mir dieses Mal Alex als Hilfe zu schnappen, damit er auch diesen Teil seines Jobs kennen lernte. Seine Begeisterung hielt sich eher in grenzen, doch schien das Angebot verlockender, als seine erste Reitstunde, die heute fällig gewesen wäre. Bei dem Gedanken an Alex auf einem Pferd, konnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. "Was?", kam von der Seite. Ich zuckte nur die Schultern. "Nichts."
      Es dauerte nicht mehr lange, bis der Flieger landete und wir uns mit Gepäck und dem gemieteten Wagen auf zur Gips Reminder Ranch machen konnten. "Hallo Venchen!", begrüßte ich sie freudig, als Alexander den Wagen geparkt hatte und wir ausstiegen. "Wie geht es dir?", fragte ich mit einem Lächeln und umarmte sie. Als auch Alex sie knapp begrüßt hatte, holte ich meine Tasche von der Rückbank und wir gingen in die Stallungen der großen Ranch. "Das ist Winny.", stellte Verena uns einen schicken Hengst in ihrem Trainingsstall vor. Ich betrachtete den Missouri Foxtrotter mit der interessanten Fellfarbe, ein Silver Buckskin Tobiano, wie sie uns erklärte. "Gut, er soll nur geimpft und entwurmt werden, richtig?", überzeugte ich mich noch einmal und begann dann mit meiner Arbeit, als Vena bestätigend genickt hatte. "Alex hältst du ihn bitte?", wies ich den jungen Mann an und sogleich übernahm er den Strick des Hengstes. "Na du.", begrüßte ich ihn leise und er reckte mir den Hals entgegen, um sich seine Streicheleinheit abzuholen. Verena hatte ihn als unglaublich verschmust beschrieben, was ich auch schnell bemerkte. Die ganze Zeit über, während ich seine Lunge und sein herz abhörte, untersuchte er mit einem weichen Maul vorsichtig meine Weste nach etwas Essbarem. "Lass das Kleiner.", schmunzelte ich und schob den feinen Kopf von mir weg. Ich konnte nicht ungewöhnliches bei der Untersuchung feststellen, Lunge, Herz und Temperatur waren in Ordnung. Also griff ich nach dem Impfstoff und einer Einwegspritze. Rasch zog ich die klare Flüssigkeit auf und strich sanft über den Hals des Tieres, ehe ich ihm die Impfung injizierte. "So, seine Impfungen sind nun aufgefrischt, jetzt entwurmen wir noch und dann können wir weiter.", lächelte ich und klopfte Winny den Hals. "Du hattest recht, er ist wirklich ein feines Tier.", lächelte ich und schnappte mir dann die Apfel Zimt Paste. "Zumindest bis jetzt:", fügte ich grinsend hinzu und schnappte mir seinen Kopf um ihm die Wurmkur auf die Zunge zu streichen. Freude sah anders aus und er legte kurz die Ohren an, schluckte jedoch alles brav runter. "Siehst du, bisher hat das noch jedes Pferd überlebt.", sagte ich und beendete meine Arbeit hier.
      Als nächstes ging ich zu Gipsy, um mir noch einmal seine Augen anzusehen. "Hast du ihm immer die Tropfen gegeben?", fragte ich Verena auf dem Weg zu ihrem geliebten Wallach und sie nickte. "Sehr gut.", sagte ich und begann seine Augen zu untersuchen, als Alex sich wieder an den Kopf gestellt hatte, um ihn festzuhalten. Mit wenig Begeisterung ließ er das über sich ergehen, doch so konnte ich feststellen, dass er wieder wohl auf war. Um sicher zu gehen, hörte ich trotzdem noch einmal seine Lunge und das Herz ab, ehe ich Fieber maß. "Ihm geht's wieder gut.", bestätigte ich dann und klopfte ihm den Hals. Also konnte er bei diesem Besuch endlich geimpft werden. Rasch griff ich wieder in meine Arzttasche und nahm alles nötige heraus. "Wo ist eigentlich Octavia? Wollte sie nicht zusehen?", fragte ich Vena nach der jungen Frau. In diesem Moment hörte ich Schritte auf der Stallgasse und eine bekannte Stimme begrüßte mich. "Hallo. Wir haben gerade über dich gesprochen.", sagte ich freundlich, während ich Gips den Impfstoff injizierte und kurz den Hals klopfte. Sie erkundigte sich nach ihm und auch ihr konnte ich noch einmal sagen, dass Gips wieder ganz gesund war.
      Somit ging es zum letzten Patienten für heute in Verenas Stall. "Vierte seid ihr zwei also geworden?", fragte ich neugierig. "Ja, in der Dressur und im Springen.", bestätigte Verena und ich lächelte. "Und das mit gerade mal drei Jahren. Ihr kommt sicher noch weit. Lass das Westernreiten am besten einfach hinter dir.", neckte ich sie, als wir zu den Stuten gingen. "Na du.", begrüßte ich sie und wies Alex an, sie aufzuhalftern und einmal die Stallgasse auf und ab zu führen. Schnell sah ich, dass sie auf einem der Hinterläufe lahmte und nickte leicht. "Bring sie wieder her.", sagte ich und begann mit der allgemeinen Untersuchung. "Ihre Vitalfunktionen sind in Ordnung, ebenso ihre Temperatur. Impfen und Entwurmen sollte also kein Problem sein.", sagte ich. "Nur das hintere Sprunggelenk müssen wir uns mal genauer ansehen.", sagte ich und strich der Stute über den Hals, welche mich misstrauisch beäugte. Sie war von dem ganzen Trubel nicht begeistert, doch musste sie dies jetzt einmal über sich ergehen lassen. Ich begann mit der Impfung, welche sie mürrisch über sich ergehen ließ und auch die Wurmkur brauchte viel Überzeugungskraft, um in ihrem Maul zu verschwinden. Doch mit Alex' Hilfe, welcher den Kopf festhielt, sodass ich das Maul öffnen konnte, war alles schnell erledigt. Nun trat ich neben sie, um ihre Gelenke zu überprüfen. Ohne Probleme ließen sich die ersten drei Beine anwinkeln und bewegen, wie es vorgesehen war, auch mit begrenzter Begeisterung auf Seiten der Stute. Doch das vierte Bein riss sie mir aus der hand und legte schnaubend die Ohren an, als ich das untere gelenk versuchte zu biegen. Kurz tastete ich ihr Bein ab und richtete mich dann wieder auf. "Sie scheint die Sehnen entzündet zu haben, das gelenk ist ein wenig geschwollen und warm. Ihre Reaktion hast du ja auch gesehen. Ich vermute erst einmal, dass es nicht allzu dramatisch ist. Am besten kühlst du es mehrmals am Tag, bandagierst sie und vor allem: ruhig halten. Erst einmal sollte sie in der Box bleiben. Wenn du eine Besserung merkst, kannst du sie ein wenig im Schritt führen, damit sie dir hier nicht am Rad dreht. Bei einer Verschlechterung rufst du sofort an!", erklärte ich und lobte die Stute dann. "Ich lass die ein Gel hier, was auch ein wenig kühlt.", sagte ich, ehe ich die Tube aus meiner Tasche kramte und dann mit Octavias Hilfe das Bein bandagierte. Begeistert schaute sie mir zu und wickelte den Rest der Bandage dann selbst das Bein hinauf. Damit war meine Arbeit bei Verena getan.
      "Also dann.", ich umarmte sie und lächelte. "Bei unserem nächsten Besuch kommt mein Dickerchen wieder mit und ich bleibe ein paar Tage!", versprach ich, in Gedanken an ihre Einladung über Halloween. "Macht's gut."

      Western Pleasure LK 5 auf LK 4
      November 2015, by Veija

      "Wer steht denn heute auf dem Plan?", fragte mich Caleb und ich warf einen Blick auf mein Handy. "Heute nur Lovely Summertime, in Pleasure LK 5 auf 4", antwortete ich ihm und er nickte nur. "Du oder ich?" "Lassen wir Amy Lee", sagte ich lächelnd und stand vom Frühstückstisch auf, um Amy im Stall zu suchen. Schnell fand ich sie auch schon: "Hey Amy, magst du Summer trainieren?", fragte ich sie und sie nickte nur freudig. Mal wieder hatte sie eine Herausforderung! "Alles klar, ich miste deine Box hier weiter, schnapp dir Summer. Putzen, Satteln, ablongieren. Du weißt ja wie es geht", sagte ich und lachte kurz, ehe Amy auch schon um die Ecke flitzte.
      Es dauerte eine Weile bis ich die Box gemistet und neu eingestreut hatte, weshalb Amy schon am Reiten war. Kurz schüttelte ich den Kopf. "Lass die Zügel länger und mach die Beine näher ran", sagte ich und merkte, wie sie kurz zusammenzuckte. "Alles gut, ich bins nur", sagte ich lachend und stellte mich an die Wand. "Jetzt nimm ganz kurz die Zügel an und treib sie in den Trab", gab ich die nächste Anweisung und sogleich trabte Summer an. Da sie ein sehr gemütliches Pferd war, war ihr Trab auch sehr langsam und schwungvoll, weshalb Amy bei ihr keine Sorge haben musste, dass die Stute ihr unterm Hintern wegrannte. "Beim Angaloppieren genau das Selbe, kurz Zügel annehmen und dann sofort treiben", riet ich ihr und nach einer Weile Trab auf beiden Seiten galoppierte sie auch an. "Guuuut!", lobte ich die beiden begeistert und schaute Summer zu, wie sie langsam ganze Bahn galoppierte. Der Galoppwechsel an X war etwas holprig, aber das war Amy's Schuld und in der Pleasure brauchte Summer das ja nicht zu machen. Auch auf der anderen Hand galoppierten sie ganze Bahnen. "Trab sie nochmal, dann gesht du Schritt", sagte ich dann, ehe sie Summer durchparierte und schließlich Schritt gehen ließ. "Reverse your horse, please reverse", sagte ich dann und schaute zu einer total verwirrten Amy. "Das Pferd umdrehen und in die andere Richtung Schritt gehen", lachte ich und ließ sie dann wieder alleine. Unsere talentierte Summer konnte beim nächsten Turnier in der LK 4 starten.

      Hufschmiedbericht
      ~Briar Cliff Farrier~
      November 2015, von Sosox3
      Mein Weg erschwerte zur Gips Reminder Ranch, doch ich meisterte mich durch den ganzen Schnee und war echt froh, dass wir nicht im Schneegestöber feststeckten. „Rae? Ich muss mich noch mal bedanken...“ Smetti konnte es nicht lassen. „Hör mal, es ist kein Problem, das hab ich gern gemacht. Simon dreht gerne mal am Rädchen. So ist mein Bruder einfach.“ „Ja, ich wollte ihn aber nicht verärgern“, murmelte Smetti und ich schmiss die Fahrertür auf. „Komm, wir sind schon spät dran, während ich mich um Abby kümmere, machst du Lovely Summertime fertig und sind dann etwa zeitgleich fertig“, erklärte ich den heutigen Vorgang und setzte einen Fuß auf den Neuschnee unter uns. Auf dem Weg zum Stall knackte der Schnee und ich kuschelte mich immer mehr in meinen dicken karierten Schal ein. Wir klopften am Haupthaus, jedoch öffnete uns niemand. „Verenaaaa?“ rief ich quer über den Hof und ein mir unbekanntes Gesicht kam aus der Stallgasse auf uns zu. „Verena ist grade in der Halle mit Supernova, sie müsste aber gleich fertig sein.“ Sie kam mir so unbekannt vor. „Wer sind sie eigentlich?“, fragte sie uns und schaute uns skeptisch an. „Wir sind die Hufschmiede Wincox und das ist mein Azubi“, stellte ich uns vor und sie nickte nur. Smetti richtete sich grad seine Brille ehe wir die Reithalle betraten, in welcher Verena ihre Vollblutstute trocken ritt. „Ich hab schon auf euch gewartet. Gebt mir einen Moment, ich bring Supernova grad weg und dann zeig ich euch die zwei“, sagte sie zu uns und gemeinsam gingen wir mit ihr zum Stall, in dem auch Abby zu finden war. Verena nahm sie auch gleich raus und kratzte für uns noch die Hufe aus. Auf den ersten Blick sah ich das Abby zu kurze Hufe hatte. Ich brauchte sie also nur zu raspeln und zu feilen. Doch erst kontrollierte ich die Hufe auf sonstige Fehlstellungen, was nicht der Fall war. Ab und zu merkte ich das Abby ein wenig aufgepusht war und zappelte beim Raspeln öfter mals. Den Hufbock beäugte sie sehr neugierig, aber zeigte sich nicht ängstlich. Während ich mit Abby zu tun hatte, machte Smetti Lovely Summertime, kurz genannt Summer, die Hufe. Ganz im Gegenteil zu Abby hatte sie einen schnellen Hornwuchs und er hatte mehr zu tun als ich. Einer der Gründe war ganz einfach die zu langen Hufe und ein weiterer Grund war, dass Summer Fremden gegenüber misstrauisch war. So hatte ich Abby früher fertig und sah ihn noch Summer’s Hufe feilen, dann waren wir fertig und gingen mit Verena noch ins Haus und unterhielten uns ein wenig ehe wir nach Hause fuhren.

      Summer an der SK 437 für Westerngerittene Pferde
      Veija, 2 Feb. 2016

      "Go, go, go!", sagte Caleb zu mir und schob mich zu Summer rüber. Wir waren spät dran und hatten den vorletzten Teilnehmer verpasst, weshalb wir jetzt wirklich schnell satteln mussten, damit wir unseren Start nicht verpassten. Geputzt war Summer schon, so dass Caleb und ich Pad und Sattel auf ihren Rücken legen konnten. Alexis kümmerte sich derweil um die Trense, so dass ich noch schnell meine Chaps und den Hut aufsetzen konnte, ehe ich schon meinen Namen hörte. "Mist!", fluchte ich und schwang mich in Summers Sattel. Im flotten Trab ging es zur Halle. Schon jetzt merkte ich, dass die Stute heute wieder Feuer unterm Hintern hatte, was bestimmt nicht lustig werden würde.
      Zunächst ritten wir im Schritt zu X, um dort stehen zu bleiben und die Richter zu grüßen. Summer tänzelte herum, so dass es ewig dauerte, bis ich grüßen konnte. Dann gab ich Hilfen zum Spin, die die Stute natürlich falsch verstand, einen Hopser nach vorne machte, dann aber anfing sich zu drehen. Als ich bei der dritten Runde angekommen war rief Caleb einmal laut "Three!" von außen, was durchaus erlaubt war. So wusste ich genau, wann ich Summer stoppen musste. Ich atmete einmal tief durch, ehe ich der Stute die Hilfen zum Galopp gab. Schwungvoll sprang sie an und in meiner Aufregung merkte ich gar nicht, dass wir im Kreuzgalopp waren, bis Alexis mir von der Bande aus "Kreuz!" zurief. Ich war jedoch schon wieder an X angekommen und brauchte gar nicht mehr zu wechseln, was die Stute zum Glück auch nicht versuchte, denn dann wäre ich wieder im Kreuzgalopp gewesen. Frustriert galoppierte ich sie auf der anderen Hand, ehe ich unseren zweiten Zirkel nur halb ritt und in einer Geraden den Galopp beschleunigte, ehe ich sie mit einem Sliding Stop stoppte. Den konnte sie sagenhaft gut, weshalb ich auch so stolz auf die Stute war. Mit einem Rollback drehten wir uns um, machten einen Galoppsprung und trabten dann auf dem Zirkel weiter, ehe ich sie in den Schritt durchparierte und zunächst ganze Bahnen auf beiden Händen ging, während ein Helfer ein kleines Hindernis aufbaute, das wir überspringen mussten. Dann trabte ich an und zeigte Traversalen, die ich ebenfalls auf beiden Händen ritt, ehe ich sie angaloppierte, wir das Hindernis übersprangen und dann wieder bei X landeten und zum Stehen kamen. Ich verabschiedete die Richter und ritt frustriert raus, nachdem ich ihnen das Gebiss zeigen musste und beinahe disqualifiziert wurde, weil sie sich nicht mit Westernreiten auskannten. "Ich hasse die Aufgaben bei diesen Shows", sagte ich zu Alexis. "Wieso sollte ich springen und ganze Bahn zeigen? Das findet man außer in der Pleasure nirgendwo", ließ ich meinen Frust ab und bekam nur ein Schulterzucken zurück. "Reg dich nicht auf, Verena. Warte einfach ab und schau, was du mit Blue bald alles machen kannst."
      Als ich an Caleb vorbei ritt, zuckte er nur mit den Schultern, was hieß, dass mein Ritt wirklich nicht gut war. Na wenigstens schrie er mich nicht an.

      Pflege und Ausritt
      Canyon, April 2016

      Ich hätte nie gedacht, dass die Gips Reminder Ranch so viele Pferde beherbergte, jedoch waren immer noch welche zu versorgen, nachdem ich bereits bei den Jungpferden und einigen Trainingspferden gewesen war.
      Die ganze Mannschaft versammelte sich sogleich vor den nächsten Pferden, welche auf die Weide gebracht werden sollten. Wieder gab Verena die Anweisungen, was nun genau passieren sollte. Natürlich hatten auch alle anderen bereits den täglichen Ablauf verinnerlicht, jedoch war es lieb von ihr, dass sie es für mich nochmal erklärte.
      »Wie immer kommen alle Pferde auf ihre Weiden, oder wartet, was haltet ihr von einem gemeinsamen Ausritt, nachdem die Arbeit im Stall erledigt ist?«, fragte sie in die Runde. Darauf gab es viel Genicke und zustimmendes Gemurmel, was wohl bedeuten sollte, dass alle damit einverstanden waren.
      »Gut, dann sucht euch jeder ein passendes Pferd aus und sagt mir Bescheid, welches ihr nehmen wollt, nicht, dass es ausversehen mit nach draußen gebracht wird.« fügte sich noch hinzu und wandte sich dann an mich, als alle auseinander wuselten, um ein Pferd zu wählen und mit der Arbeit zu beginnen. »Möchtest du denn mitkommen? Es würde mich sehr freuen und außerdem hättest du gleich noch ein kleines Dankeschön.« fragte Verena mich freundlich.
      Klar freute ich mich auch und wollte gerade zu einem Dankeschön ansetzen, als ein junger Mann den Stall betrat. Natürlich erkannte ich ihn sofort wieder, ich hatte ja erst vor kurzem ein Pferd von ihm gekauft und würde sogar bald zu Besuch auf seiner Ranch sein, um ein Pferd zu trainieren, aber hier hätte ich ihn jetzt nicht unbedingt erwartet.
      Svejn hielt mir freundlich seine Hand zu einer Begrüßung entgegen und drückte Verena kurz, welche ihm auch so gleich erklärte, dass ein kleiner gemeinsamer Ausritt anstand. Svejn zögerte kurz, ließ sich aber dann doch dazu überreden, sich uns anzuschließen.
      »Verena, welches Pferd würdest du mir denn zutrauen?«, fragte ich sie, nachdem die Diskussion mit Svejn beendet schien. Sie überlegte kurz und ich sah ihr deutlich an, wie sie all ihre Pferdenamen durchging, bevor sie sagte: »Amarula, die ist echt geländesicher und mit ihr auszureiten macht echt viel Spaß. Das ist die hübsche Paint Stute, gleich am Anfang des Stalls.«
      Ich bedankte mich bei ihr und folgte den anderen dann in den Stall, wo sie bereits dabei waren, die Pferde aufzuteilen.
      Zu erst waren natürlich wieder die Hengste an der Reihe. Immer diese Männer, welche einfach keine Geduld hatten! Zum Glück waren es nur acht, sodass sich vier zusammen fanden, welche sie nach draußen bringen würden.
      Darunter war auch eine weitere Aushilfe, welche Samuel hieß und hier für etwas Geld ab und zu auch mal mit anpackte, wie mir Aaron erklärte. Ich merkte ihm jedoch an, dass er Samuel nicht ganz so mochte, wie er zu gab und als ich nochmal etwas tiefer nachhackte, erzählte er mir auch seine Gründe. »Er ist einfach anstrengend und weiß ständig alles besser und dazu hat er noch Ähnlichkeiten mit Caleb-« Hier beendete er seine Erklärung und wandte sich von mir ab.
      Samuel schien sich das Sagen etwas an sich gerissen zu haben, obwohl er nicht zum Team gehörte, denn er verteilte an Octavia, Aaron und mich die Pferde. Ich war trotzdem recht zufrieden mit meinen Beiden: Stormbringer und Abraham van Helsing. Samuel teilte sich selbst Soul Sisters Brother of Time und Genuine Lil Cut, sodass für Octavia und Aarin nur noch What Lies Ahead, Willo' the Wisp und Cauldron of Renascence und Race is Hope übrig blieben. Zu viert führten wir die Hengste auf die Weiden, während die anderen im Stall bereits die Stuten fertig machten und auf die Weiden brachten.
      Als wir zurück kamen, sah ich gerade noch, wie Svejn und Verena zu zweit die fünf restlichen Stuten auf die Weide brachten und sich dabei genüsslich über etwas lustiges zu unterhalten schienen.
      Ich stupste Octavia leicht an und fragte sie dann nach den Pferdenamen, denn ich wollte so schnell wie möglich all diese ganzen Namen lernen.
      »Das große Vollblut was Verena führt heißt Drag Me To Hell und daneben ist Supernova. Beide stehen zur Zeit auch zum Verkauf. Dieser Svejn führt KS' Steel Heart, Snuff und Yoomee, für die sucht Verena wahrscheinlich auch einen neuen Besitzer. Also falls du Interesse hast - «
      Ich schüttelte schnell den Kopf, musste aber trotzdem lachen. »Ne du, ich habe genügend bei mir zu Hause stehen!«
      Octavia zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann im Stallgebäude – Ein interessantes Mädchen.
      Da gerade alle anderen bereits dabei waren ihre Pferde für den Ausritt fertig zu machen, schloss ich mich ihnen an und machte erste Bekanntschaft mit Amarula van Helsing, einer hübschen Paint Horse Stute, welche sich darüber zu freuen schien, dass es wieder hinaus in die Natur ging.
      Wie auch alle anderen putzte ich sie ausgiebig und gründlich, jedoch mit einem Blick auf die anderen, und ließ mir dann von der jungen Amy ihr Sattelzeug zeigen.
      Interessanterweise war ich doch genauso schnell wie die ganze Mannschaft, welche sich vor dem Stall versammelte und nur noch auf Verena und Svejn wartete, welche natürlich etwas länger gebraucht hatten.
      So lange wie ich noch Zeit hatte, versuchte ich die Namen der Pferde zu lernen, welche mit auf den Ausritt kommen würden. Wenn ich einen Namen nicht wusste, benahm ich mich etwas kindisch und fragte den nächstbesten, bis ich ihm Kopf eine kleine Liste von allen hatte.
      Octavia würde den hübschen Argo reiten, Alexis die Cherokee Rose, Aaron den großen Sacramento XX, Amy Lovely Summertime, Samuel Funky Powerbabe, Aliena den hübschen Spooks Gotta Gun und Riley Wimpys Little Devil.
      Als auch Verena und Svejn mit gesattelten Pferden aus dem Stall kamen, hatte ich die Namen schnell erfragt und ärgerte mich darüber, dass ich nicht selbst erkannt hatte, dass das Pferd an Verenas Seite niemand anderes als Bella Dun Del Cielo war, eine der bekanntesten Pferde der Ranch. Den Namen des Hengstes neben Svejn hörte ich jedoch das erste Mal: Hollywood's Silver Dream. Trotzdem gefiel er mir und passte dazu noch perfekt zu Bella.
      Ich schwang meiner Amarula nun die Zügel über den Hals und suchte mir einen etwas größeren Stein, von welchem aus ich mich in den bequemen Westernsattel der Stute zog. Um ich herum taten es mir neun Leute gleich, sodass wenige Sekunden später ein kleiner Tross das Gelände verließ.
      Schon nach wenigen hundert Metern hatten sich kleine Grüppchen gebildet, je nachdem wie schnell ein Pferd ging un natürlich auch, welches Pferd und welcher Reiter sich mit wem gut verstand.
      Ich ritt zusammen mit Svejn und Verena an der Spitze, fühlte mich jedoch etwas unwohl, als die beiden über Geschichten erzählten, welche ich nicht verstehen konnte. Ich ließ mich deswegen bald etwas zurück fallen und fand mich neben Samuel und seinem Funky wieder, welche uns gekonnt ignorierten.
      Mich störte es nicht weiter, so hatte ich jedenfalls genügend Zeit mich umzusehen und mich mit meiner Amarula zu beschäftigen.
      Auch als wir gemeinsam das Tempo erhöhten, schienen Funky und Amarula nebeneinander bleiben zu wollen, was ich extrem knuffig fand.
      Wir waren nicht lange unterwegs und trotzdem hatte ich das Gefühl, jede Menge von der Landschaft gesehen zu haben und dazu war ich noch mit Amarula fast perfekt zurecht gekommen, aber das war ja auch von einer Trainerin zu erwarten!
      Insgesamt war das Tempo recht langsam gewesen, doch das war kaum aufgefallen, da vorallem viel erzählt und gelacht wurde, auch wenn einige, vorallem Samuel, sich aus den meisten Gesprächen heraus hielten.
      Zurück auf dem Gestüt ließ sich jeder aus dem Sattel gleiten und putzte sein Pferd etwas über, bevor auch diese zu den anderen auf die Weide kamen.
      Es war bereits Nachmittag und bis ich heute Abend bereits wieder nach Hause fahren würde, wartete noch einige Stallarbeit auf uns. Nicht nur Ställe mussten ausgemistet werden, sondern auch Heunetze aufgefüllen, Weiden abgeäppeln und Futter vorbereiten stand auf dem Plan, sodass jeder alle Hände voll zu tun hatte.
      Ich half vorallem im Stall, wo ich die Hinterlassenschaften der Pferde, Box für Box in die Schubkarre und dann auf den Misthaufen beförderte.
      Die Sonne ging bereits unter, als ich meinen Rucksack aus dem Haus holte und mich von allen verabschiedete, denn auch ich musste wieder nach Hause, wo genauso viel Arbeit auf mich wartete. Ich war mir sicher, dass es nicht mein letzter Besuch auf der Gips Reminder Ranch gewesen war!

      Koppelbesuch & erschreckende Entdeckung
      Juni 2016, by Veija

      Nachdem Bellamy und ich die Hengst neu vergesellschaftet hatten, wollten wir den gekrönten Stuten einen Besuch abstatten, die ihr Leben als Zuchtpferde auf einer weiten Weide verbachten. Einige von ihren würden bald zurück in den Sport kommen, andere würden ihr restliches Leben Zuchtstute sein, sie hatten schon genug gearbeitet. Auch einige Fohlen sprangen auf der Koppel herum. Zu erst hielt ich Ausschau nach der Leitstute Amarula van Helsing und ihrem wunderschönen Fohlen A Gun Colored Rose, auf das ich wahnsinnig stolz war. Der Vater war niemand anderes als der berühmte Dissident Aggressor. Aus dem Fohlen konnte eigentlich nur ein Spitzensportler werden!
      Dann trabte Augen auf! Ich komme mit ihrem Hengstfohlen Golden Redstar in mein Blickfeld. Der junge Hengst war ein Sohn von Golden Ebano.
      Bella Dun Del Cielo und Cherokee Rose grasten zusammen, Drag me to Hell und ihr Fohlen Drags Solo Queen von Pawaneeh standen zusammen mit Like Twist and Gun, ein Fohlen von Genuine Lil Cut aus der Like Honey and Milk, welche sich leider nicht mehr in meinem Besitz befand.
      Lovely Summertime und Snuff standen wie immer etwas abseits und grasten. Ebenfalls standen Supernova und Yoomee am Waldrand. Nur Wimpys Little Devil mit ihrem dicken Babybauch bereitete mir ein wenig Sorgen. "Schau mal Devil.", sagte ich zu Bellamy. "Ich glaube das Fohlen kommt bald, wir holen sie besser mit in den Stall." Bellamy nickte. Wir hatten immer ein Halfter versteckt an den Koppeln liegen, da es doch ein gutes Stück zurück zur Ranch war. Angst vor einem Pferdeklau hatten wir nicht, seit neustem hatten wir Kameras überall auf der Ranch installiert, die die Videos sofort ins Haus sandten.
      "Komm, mein Schatz...", sagte ich und ging vorsichtig auf die Stute zu. Sie brummelte mir nur leise entgegen und legte nichtmal die Ohren an. "Irgendwas stimmt hier überhaupt nicht.", sagte ich besorgt zu Bellamy. "Ruf sofort Scott an!", sagte ich höchst besorgt. "Komm dann mit dem Trailer hier hin, sie soll nicht bis zum Stall laufen müssen." Bellamy nickte und lief, ja er lief, zu meinem Erstaunen so schnell er konnte in Richtung Stall. "Ist gut, Mädchen", versuchte ich sie zu beruigen und ging langsam mit ihr über die Koppel bis zum Ausgang, wo wir auf den Weg gehen konnten. Dort wartete Bellamy schon. Er hatte sogar Caleb im Schlepptau, welcher sich Devil sofort ansah. "Vielleicht liegt das Fohlen ja falsch...", schlussfolgerte er. "Hast du Scott angerufen?", fragte er dann Bellamy, welcher nickte. "Er kommt so schnell er kann." "Hast du auch gesagt, dass Scott kommen soll? Keiner seiner lächerlichen Auszubildenden, die gehen mir nicht an dieses Pferd.", sagte er harsch. "Caleb...", meinte ich nur und ließ ihn dann meckern, die Stute war mir nun wichtiger.
      Wir luden Devil ein und fuhren sie auf den Hof, wo wir sie ausluden und in eine der großen Boxen stellten, die wir zum Fohlen gebaut hatten. "Wann kommt er denn?", fragte ich Bellamy nervös. Devil schien es von Minute zu Minute schlechter zu gehen. "Er müsste gleich kommen..", meinte Bellamy nun auch sichtlich nervös und lief andauernd nach draußen, um auf Scott zu warten. "Hallo Scott, hier ist Verena O'Connor. Der Stute scheint es von Minute zu Minute schlechter zu gehen, sollen wir in die Klinik kommen?", fragte ich ihn und wartete auf eine Antwort.
      ... to be continued...

      Hengstparade
      August 2016, von Occulta
      Heute war mal wieder viel los auf Pineforest Stable. Wir waren am Nachmittag zu einem Züchtertreffen in London eingeladen, bei dem wir auch ein paar unserer Hengste vorstellen durften. Dazu mussten die Jungs aber erstmal schick gemacht werden. Ich hatte vergangene Nacht erfolgreich gebetet, dass es keinen Regen geben würde, sodass wir die Gruppe am Morgen ohne Bedenken – und ohne Schlammmonster zu züchten - auf die Weide stellen konnten. Wir holten die ganze Bande also kurz vor Mittag wieder rein und begannen mit dem Putzen der ausgewählten Vertreter unseres Gestüts. Ich kümmerte mich darum, den Staub aus Donuts eigentlich schwarzem Fell zu bekommen. Jonas übernahm Baccardi und Skyrim wurde von Lisa umsorgt. Ausserdem waren Darren und David beauftragt Vychahr und Diarado herauszuputzen. Zu guter Letzt waren noch Sorrow und Dod, um die wir uns zuletzt alle gemeinsam kümmerten. Ich glaube Sorrow gefiel es, von so vielen Leuten umsorgt zu werden. Dod hingegen wirkte etwas ‚grumpy‘. Wir sprühten das Langhaar ein und kämmten alle Knoten vorsichtig raus, ohne die Haare auszuzupfen. Auch beim Fell wurde mit etwas Glanzspray und Lammfellhandschuhen nachgeholfen. Ich putzte Donuts Kopf besonders sorgfältig. Wir stutzten noch den Fesselbehang wo nötig und flochten bei Donut, Diarado und Vychahr die Mähnen. Dann zogen wir allen die frisch gefetteten Lederhalfter an und führten sie in Transportgamaschen zum Camion. Mittagessen gab es für die Pfleger und mich unterwegs; dazu stoppten wir kurz bei einem Asian-Take-Away. Ich mochte zwar Fastfood normalerweise nicht, aber die Gemüsenudeln die ich bekam waren gar nicht so schlecht wie erwartet. Die Pferde nibbelten unterdessen relaxt an ihren Heunetzen. In London angekommen, sahen wir uns zunächst etwas auf dem Veranstaltungsplatz um. Ich traf einige bekannte Züchter und plapperte ein wenig, war aber froh, als wir uns so langsam Richtung Camion zurückbegeben konnten, um die Pferde zu holen. Wie auch manch andere Züchter stellten wir unsere sieben Hengste kurz vor und zeigten sie im Freispringen und Vortraben dem Publikum. Alles in allem war der Nachmittag ein voller Erfolg und bescherte uns ein paar neue zukünftige Interessenten.

      Wieder zuhause ging dann alles seinen gewohnten Gang: Misten, füttern, Pferde bewegen. Ich verblieb gleich bei den Hengsten im Nordstall und kümmerte mich als nächstes um Circus Dancer. Mein eifriger Barockschüler zeigte nun Ansätze zu einer sehr korrekten Passage und lief unter dem Sattel im Allgemeinen wie ein Uhrwerk. Heute waren Galopppirouetten an der Reihe, die ich nun schon seit zwei Wochen immer wieder etwas einbaute. Ich schrubbte die Mistflecken so gut es ging aus dem weissen Fell und kämmte die lange, gewellte Mähne, bis sie wieder ordentlich auf einer Seite des Halses lag. Dann erlas ich den Schweif und kratzte die Hufe aus. Nun holte ich den Sattel und legte ihn vorne auf den Widerrist, um ihn anschliessend etwas nach hinten zu ziehen, damit das Fell unter der Schabracke schön glatt war. Ich zog den Gurt an, wobei Bubi etwas mit dem Vorderbein scharrte („Ist schon gut Bubi, ich zieh noch nicht fest an.“) und zäumte das Pippi-Langstrumpf-Pferd, dem die Punkte fehlten. Jonas huschte unter der Anbindekette durch zurück zu Calico. „Viereck?“, rief ich ihm zu. „Jap, Trail.“ Ich überlegte, dass ich Bubi eigentlich auch eine kleine Abwechslung bieten könnte, wo Jonas doch bestimmt schon einen spannenden Stangenparcours vorbereitet hatte. Ich teilte dem Pfleger meinen Gedankengang mit und er grinste, als hätte er es bereits im Voraus geahnt. Just in diesem Moment klingelte mein Handy. Ich nahm ab und erkannte erstaunt Verena O’Connors Stimme. Sie erklärte, dass sie bald umziehen werde und daher eine Vielzahl ihrer Pferde loswerden müsse, da das ganze sonst zu einem finanziell unmöglichen Unterfangen ausarten würde. Mein Herz machte bereits einen Hüpfer und ich fiel ihr ins Wort. „Du möchtest Lovely Summertime verkaufen?“ Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still, dann kam ein trauriges „Ja“. Es war witzig, da ich gerade am Vortag noch an die Stute gedacht hatte, weil ja Flint vor einer Weile ebenfalls nach Pineforest zurückgekehrt war. Somit würde mein ursprüngliches Westerntrio tatsächlich wieder komplett werden. Wir verhandelten kurz über den Preis, wobei ich feststellen musste, dass Summer durch das viele Training ganz schön an Wert zugelegt hatte. Sogar gekrönt war mittlerweile! Umso mehr freute ich mich darauf, die fein ausgebildete Stute zu reiten. Jonas hörte die ganze Zeit über still mit und meinte, sobald ich aufgelegt hatte: „Ich hab mich schon gefragt, wann du Summer auch zurückholst. Echt toll, dass die drei wieder zusammenkommen!“ „Ich hatte gar nie damit gerechnet, dass sie nochmal hierher zurückkehren werden – aber offenbar soll es einfach so sein“, antwortete ich glücklich.

      Nach dieser guten Nachricht wärmten wir motiviert Calico und Bubi auf. Anschliessend ritten wir durch den Stangenparcours, wobei es zum Teil rückwärts durch enge Labyrinthe und seitwärts den Stangen entlang ging – beides hervorragende Übungen für ein Dressurpferd wie Bubi. Das gerade Rückwärtsrichten und die Seitwärtsgänge waren bisher nicht gerade seine Stärken gewesen. Calico hatte noch deutlich mehr Mühe mit den Aufgaben, obwohl er das eigentliche Westernpferd auf Platz war. Aber mit seinen zarten vier Jahren war er auch noch nicht hundertprozentig ausbalanciert und konnte sich nicht allzu lange konzentrieren. Wir beendeten das Training daher gemeinsam nach einer intensiven halben Stunde; aufgrund der Nachmittagshitze wollte ich Bubi (und mir selbst) ebenfalls nicht mehr zumuten.

      Ljóski und Herkir hatten morgen beide ein wichtiges Turnier, wobei Loki in einer Fünfgangprüfung startete und Herkir in einem Passrennen. Wir hatten mit Herkir in letzter Zeit viel dafür trainiert, da ihm der Pass zunächst schwergefallen war. Aber seine grosse Liebe für die Geschwindigkeit hielt ihn motiviert, denn er entdeckte schnell, dass er in dieser Gangart „die Sau rauslassen“ durfte. Die beiden wurden wegen des anstehenden Turniers heute nur kurz auf der Ovalbahn vorbereitet, ohne sie grossartig zum Schwitzen zu bringen.

      Burggraf, Artemis, Numair und Anubis durften mit Jonas, Elliot, Jason und Anne ins Gelände auf ein paar ausgiebige Galopps. Ich wäre zu gerne mitgegangen, aber ich musste mit Empire heute mal wieder etwas Dressurarbeit machen. Ich konnte dem Ex-Rennpferd nicht dauernd freigeben und wie die letzten drei Tage ausreiten gehen; etwas Gymnastik musste doch noch sein. Immerhin war ich nicht alleine auf dem Platz: Alan longierte den Jungspund Caruso über ein paar Stangen und Linda ritt Cantastor. Caruso wollten wir jetzt schon ein wenig an die Ausrüstung gewöhnen und dann sobald er dreijährig war schonend einreiten. Er erinnerte mich daran, wie schnell die Zeit verging – es kam mir so vor, als wäre er erst letzte Woche ausgezogen, dabei waren schon zwei Jahre vergangen. Ich hatte ihn so früh von den anderen Jungpferden getrennt, weil er sich nicht mehr richtig in die Herde hatte einleben können. Ich wollte aber weiterhin versuchen, ihn bis dreijährig wieder mit den Fohlen auf die Weide zu bringen.

      Eigentlich wollte ich heute Fajirs Freispring-Künste testen, aber Quinn und Parker hatten ihn und Muskat auf einen langen Abendausritt entführt, und so musste ich meinen Plan vertagen. Selber schuld, wenn du verpennst deine Mitarbeiter zu informieren, stellte ich fest. Ich seufzte und machte einen raschen Stallrundgang, um zu sehen ob nach dem Misten noch alle Pferde genug Stroh in ihrer Box hatten. Die Pfleger hatten ihren Job gewissenhaft erledigt, denn ich fand keinen Makel. Zufrieden verzog och mich in mein Arbeitszimmer und erledigte etwas Papierkram: Nennungen für kommende Turniere und Rennen, Deckanfragen, Finanzielles und die Einfuhrbewilligung von Summertime. Ich musste ziemlich viel herumtelefonieren, bis der Transport geregelt war, aber das war ich mir mittlerweile gewohnt. Schliesslich zog die Stute aus dem sonnigen Kanada hierher, was nicht gerade ein Katzensprung war. Ich überprüfte, als ich mit dem Rest fertig war, gleich noch die Eintragungen über die Turniersiege meiner Pferde. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich nochmal Parányis bisher kurze, aber deftige Erfolgsliste sah. Zweimal hatten wir an einem Springturnier teilgenommen, und beide Male hatte die Jungstute gewonnen! Klar, es war noch nicht allzu hoch gewesen, bloss bis 80 Zentimeter, aber ihre gute Abstammung kam ganz klar zum Vorschein. Auch Calico hatte letztens einen Durchbruch geschafft: der Vierjährige war bisher, egal in welchem Turnier er gestartet war, immer höchstens auf dem dritten Platz gelandet. Aber dieses Wochenende hatte er sich zum ersten Mal auf den zweiten Platz kämpfen können, und das in einem komplizierten Trail Parcours. Er nimmt’s eben gemütlich mit den Erfolgen, dachte ich schmunzelnd. Zum Schmunzeln brachte mich diese Tage auch Adrenaline. Die Stute wurde nicht nur immer hübscher, seit sie wieder anständige Muskeln und genug Futter hatte, sondern auch immer besser. Angefangen mit einem dritten Platz im Synchronspringen hatte sie es in kürzester Zeit noch in einem Amateur-Distanzturnier und erneut im Springen aufs Treppchen geschafft, und als Tüpfelchen auf dem i auch noch ein Barrel-Race gewonnen. Die letzten paar Erfolge hatte sie unter der hervorragenden Betreuung von Petyr Holmqvist geholt, der sie im Moment immer wieder etwas betreute, wenn er gerade in England war. Ebenfalls erwähnenswert war Satine, die kurz nach unserem intensiven Militarytraining in einer Distanzprüfung knapp den Sieg verpasst hatte. Das Turnier war ähnlich aufgebaut wie eine Jagd gewesen, und der Stute hatte es grossen Spass bereitet – jedenfalls ihrem Tempo nach zu urteilen.

      Ich streckte mich und stand auf, um wieder zu den Pferden zu gehen. Es war noch lange nicht neun Uhr und es gab noch einiges zu tun, wie immer auf solch einem grossen Gestüt wie Pineforest es war.

      Barrel Racing LK 5 - LK 4
      August 2016, von Occulta
      Heute wollten wir uns mal wieder ein Abenteuer erlauben und für Barrel Racing trainieren. Viele solcher Events gab es zwar hierzulande nicht, aber es machte Spass und war eine gute Balanceübung für Pferd und Reiter. Ich selbst sattelte Flinstone, Lisa übernahm Shadow, Jonas Lovely Summertime, Darren Lost in his Echo und David Unbroken Soul of a Rebel. Wir hatten alle Pferde bereits sauber geputzt und mit Gamaschen ausgerüstet, damit sie sich nicht verletzen konnten. Als alle fertig waren, trafen wir uns auf dem Sandviereck, wo die drei Fässer bereits aufgestellt waren. Doch zuerst mussten die fünf Pferde gründlich aufgewärmt werden. Das taten wir in allen drei Gangarten, und nahmen uns dabei genug Zeit. Dann ging es erstmal darum, die Pferde mit den Fässern vertraut zu machen. Lisa und Shadow waren schon erfahrener als wir anderen, denn sie waren sogar schon mal erfolgreich auf einem richtigen Turnier gewesen, auch wenn die Leistung natürlich bei weitem noch nicht vergleichbar mit den hochtrainierten Barrel-Racern aus Amerika war. Ich ritt Flint in einem enger werdenden Kreis um eines der Fässer, damit er ein Gefühl für die enge Kurve bekam. Vorerst machte ich alles noch im Schritt. David und Rebel gesellten sich zu uns und wir liessen die beiden Pferde wie in einem Karussell rundherum gehen, wobei wir auf die Biegung achteten. Nach einer Weile ritt ich das Fass in einem grossen Bogen an und bremste deutlich, bevor ich in einem engen Kreis darum herum zirkelte, um dem Hengst zu vermitteln, dass er das Tempo vor den Fässern jeweils reduzieren musste. Diesen Schritt wiederholte ich einige Male, auch im Trab. Die anderen taten es uns gleich, aus den Augenwinkeln beobachtete ich sie hin und wieder prüfend. Als ich das Gefühl hatte, dass Flint das Prinzip verstanden hatte, begann ich, das ganze ‚Kleeblatt‘ zu reiten. Wir mussten alle aufeinander achtgeben, die Situation war schlimmer als auf einem Abreitplatz. Irgendwie schaffte ich es, ohne Unterbruch ein paarmal um alle Fässer zu zirkeln, noch immer im Trab. Zwischen den einzelnen Fässern versuchte ich bereits, den Hengst etwas anzuspornen. Nun versuchte ich es zum ersten Mal im Galopp, wieder zuerst an einem einzelnen Fass. Flint, der bekannt für seine Feinfühligkeit und Sensibilität war, reagierte auf das sanfteste Zupfen meinerseits und liess sich problemlos um das Fass steuern. Bei Summertime sah es etwas anders aus; die Stute wurde bereits heiss und Jonas hatte Mühe, mit seinen Hilfen zu ihr durchzudringen. Als alle soweit waren, stellten wir uns in einer Reihe auf, denn nun mussten wir das Kleeblatt einzeln durchreiten, um Unfälle zu vermeiden. Shadow und Lisa machten es vor: Lisa steuerte im Galopp auf das linke Fass zu, bremste ab, machte eine gekonnte Kurve und Shadow beschleunigte kraftvoll um zum nächsten Fass zu gelangen. Nur beim letzten Fass verschätzte sich die Stute etwas und streifte den Plastik mit ihrer Schulter (wir benutzten klassische blaue Regentonnen anstelle von Metallfässern). Wir klatschten beeindruckt und versuchten nun einer nach dem anderen, es ihr nachzumachen. Als ich mit Flint an der Reihe war, galoppierte ich zuversichtlich auf das erste Fass zu. Ich liess ihn nicht wie wild laufen, sondern ritt in kontrolliertem, ruhigem Galopp und bremste zum Teil vor den Fässern sogar in den Trab. Ich achtete darauf, das Kleeblatt sauber zu reiten, denn dadurch konnte ich auch schon viel Zeit gewinnen. Ausserdem ging es ja darum, Flint die Grundlagen beizubringen – nicht, ihn in halsbrecherischem Tempo durch die Aufgabe hindurchzujagen und dabei sämtliche Fässer abzuräumen. Genau das schienen aber Darren und Echo vorzuhaben. Zwar blieben alle Fässer stehen, aber dafür musste Echo wegen des überhöhten Tempos viel zu weit ausholen, um die Kurven zu erwischen. Am Ende waren die beiden etwas langsamer als Flint und ich. Lisa tadelte Darren streng und liess ihn das ganze nochmal im Trab widerholen. Diesmal gab er sich Mühe und führte alle Kommandos von Lisa genau aus. Wir waren zufrieden mit den Ergebnissen dieser ersten Trainingsstunde und planten bereits weitere. Den Pferden schien es auch gefallen zu haben – beim Austraben waren sie jedenfalls locker und pendelten schön mit dem Schweif im Takt. Flint war gegen Ende sogar ein wenig erwacht und hatte angefangen, zwischen den Barrels richtig aufzudrehen. Und Summer hatte sowieso begonnen, vor lauter Energie auf der Stelle zu tänzeln. Wir versorgten die fünf Westernpferde und belohnten sie mit Karotten.
    • Veija
      Ein langer Tag
      September 2016, von Occulta
      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.

      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.

      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.

      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide.

      Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.

      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”

      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.“

      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.

      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.

      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.

      Neues Jahr, wie wunderbar
      Januar 2017, von Occulta
      Es war der Morgen des 31. Dezembers. Ich war sofort hellwach, als ich die Augen aufschlug. Es gab noch so viel zu tun heute, bevor das neue Jahr beginnen konnte! Jonas war ausnahmsweise ebenfalls rasch auf den Beinen; normalerweise war er ein echter Siebenschläfer. Ich ass ein Honigbrot, fütterte die Hunde und zog die Reitsachen an. Als ich die Haustür aufmachte, erschrak ich beinahe. So viel Schnee! Es musste die ganze Nacht hindurch geschneit haben, denn die Schicht von den letzten paar Tagen hatte sich verdoppelt. Hinter mir hörte ich Jonas, also hüpfte ich die Veranda runter und lauerte ihm mit einem Schneeball auf. Natürlich verfehlte ich. „Muss ich dich in den Schnee legen?“, rief Jonas herausfordernd. Ich rannte lachend davon, zum Hauptstall. Es war draussen noch dunkel, aber im Stall brannte bereits Licht und die Pfleger begannen gerade mit dem Füttern. „Good morning everyone!“, rief ich fröhlich durch die Stallgasse. Als erstes stand eine Dressurstunde mit Sunday, Caspian und Cool Cat an. Heute war nur für die unerfahreneren Vollblüter Galopptraining auf dem Plan – die etwas älteren mussten anderweitig arbeiten und morgen war für alle Ruhetag. Ich ritt in der Stunde auf Caspian. Der Schimmelhengst war ziemlich geladen und ich musste ihn dauernd mit kleinen Volten und engen Wendungen bremsen. Der nette Nebeneffekt war, dass er wunderschön ans Gebiss trat, weil ihn die Biegung löste.

      Nach uns hatten Parker, Charly und Anne ebenfalls Dressurstunde, und zwar mit Gleam of Light, Chiccory und Spotted Timeout. In der Zwischenzeit begaben Jonas und ich uns mit Fly Fast und Framed in History auf einen Ausritt, um die beiden geländetauglicher zu machen. Beide waren noch sehr guckig und fanden immer wieder eine Ausrede um einen Seitensprung ins Feld zu machen. Um den beiden Nervenbündeln etwas Sicherheit zu geben, kamen auch Flint und Rebel mit, geritten von Lisa und Darren. Von den erfahrenen Westernpferden konnten sich die beiden Vollblüter viel abschauen. Wir waren länger unterwegs als geplant, weil Fly bei einem mit Planen abgedeckten Holzhaufen partout nicht vorbeiwollte. Wir nahmen uns daher viel Zeit um ihm den unheimlichen Haufen zu zeigen – bis er beim Durchreiten bloss noch das Ohr dorthin drehte. Ich fand es immer besser, solche Dinge auszudiskutieren, besonders bei Fly. Ansonsten neigte er dazu, sich bei kleinen Dingen immer weiter aufzuschaukeln, bis man kaum mehr anständig reiten konnte. Deshalb erklärten wir ihm immer alles doppelt, damit er keine Zweifel mehr hatte. Das brauchte Zeit, und genau diese Zeit hatten wohl seine alten Besitzer, bei denen er sich am Ende komplett verweigerte, nie gehabt. Er war eben von Natur aus ein sensibles Pferd und war schnell überfordert. Seit er auf Pineforest war, hatten wir uns grosse Mühe gegeben, dass er nie wieder eine seiner Ausraster hatte, bei denen er alles um sich herum vergass und wie mit Scheuklappen davonpreschte. Ich hatte einmal ein altes Video gesehen, von einem seiner letzten Rennen, bei dem er vor Verwirrung in die Rails gekracht war. Mittlerweile war er meistens ziemlich gut händelbar, aber sicherlich kein Anfängerpferd. Frame war ebenfalls nicht ganz einfach, aber er war einfach ein Angsthase. Er lernte jeweils schnell, doch fragte vorher lieber einmal zu viel nach, ob er nicht doch abdrehen sollte. Wenigstens glaubte der Schecke mir nach kurzer Zeit, dass der Haufen ungefährlich war. Und einmal begriffen, testete er es auch nicht erneut aus. Da war Fly hartnäckiger. Aber Frame vertraute mir sowieso aussergewöhnlich stark. Es kam mir manchmal fast so vor, als sähe er mich wegen seines üblen Weideunfalls immernoch als seine Retterin an. Jedenfalls war er bei mir viel mutiger als bei anderen, weshalb ich ihn noch immer fast ausschliesslich selbst ritt.

      Als wir vom Ausritt zurückkamen, machten sich gerade die Jockeys für das Training mit den jüngsten Vollblütern fertig. Die fünf kannten noch nicht viel und waren entsprechend hibbelig, als sie hintereinander zur Bahn ritten, während die Pfleger mit anderen Pferden an ihnen vorbeiliefen. Merino und Primo Victoria waren für mich immernoch etwas ganz Besonderes, mit ihren weissen Birdcatcher-Spots auf dem dunklen Fell, das so sehr dem ihrer Mutter ähnelte. Punkte hatte auch Cryptic Spots, und zwar nicht zu knapp. Aber mein heimlicher Liebling dieser Gruppe war immernoch Simba Twist, mit seinem aussergewöhnlich hellen, fuchsfarbenen Fell. Besonders wenn die Sonne darauf fiel schillerte es wie richtiges Gold. Ob er auch in Sachen Gewinne ein Goldjunge war, musste sich noch zeigen. Im Moment dominierte Miss Moneypenny die Trainingsrennen der Gruppe.

      Sobald ich Frame versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Ich fand es eine reizvolle Idee, am Jahresabschluss mit ihr einen etwas längeren Ausritt zu machen. Mit der Stute hatte ich schon so viel erlebt und sie war einfach ein absoluter Schatz im Umgang. Nach der wilden Runde mit Fly und Frame war das nun genau das Richtige für mich. Ich striegelte und bürstete Moons weiches Winterfell. Dann entwirrte ich ihr dichtes Langhaar. Es war eher etwas dratig und robust im Vergleich zu dem feinen Haar eines Vollblüters, ausserdem hatte es hartnäckige Wellen, die es noch voluminöser wirken liessen. Ohne etwas Glanzspray war es fast unmöglich durchzukommen, ohne Haare auszureissen. Doch als ich fertig war, fiel es schön locker und war frei von Strohstückchen. Auch die Hufe kontrollierte ich, aber die Stute war barhuf und vom Schnee auf der Weide waren die Sohlen saubergewaschen, also gab es nichts auszukratzen. Mit der etwas kleineren Bürste nahm ich mir noch den Kopf vor, dann waren wir ready. Ich packte den Westernsattel auf ihren Rücken und zäumte sie mit ihrem Bosal. Der Ausritt führte uns durch das Nachbardorf und auf dessen anderer Seite durch ein Waldstück, in das ich bisher nur selten vorgestossen war. Hier gab es viele befestigte Wanderwege, auf denen wir wunderbar galoppieren konnten. Ich begegnete auch ein paar Spaziergängern, die mir jeweils einen guten Rutsch wünschten – was ich natürlich dankend erwiderte. Ein kleines Mädchen, dem wir unterwegs mit seiner Familie ebenfalls begegneten, war ganz begeistert von Moon und wollte die Stute streicheln. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich lud sie ein, einmal auf Pineforest vorbeizuschauen und vielleicht eine Reitstunde zu nehmen. So macht man Werbung, dachte ich schmunzelnd, als ich weiterritt. Ich war sicher, dass ich das Mädchen namens Emilia nicht zum letzten Mal gesehen hatte. Überhaupt wollte ich mich im kommenden Jahr wieder etwas mehr den Ferienkindern widmen, die jeweils in den Sommerferien bei uns waren. Ich musste mir neue Spassturniere ausdenken und das Programm möglichst vielseitig machen. Aber das hatte alles noch Zeit. Im Moment genoss ich die stille, gefrorene Winternatur mit Moon. Auf dem Heimweg begann es sogar wieder zu schneien. Ich liess es mir nicht nehmen, mit Moon noch ein letztes Mal über ein Feld zu galoppieren, bevor wir zuhause waren. Im Tiefschnee wurde die Stute rasch müde, dafür machte es uns beiden umso mehr Spass.

      Um elf Uhr hatte ich Moon versorgt und gönnte mir eine Teepause, bevor ich weiter zu Lily mit Areion ging. Dank der Weihnachtsferien konnte ich ihr jetzt wieder vormittags eine Reitstunde geben und nicht erst abends, wenn es schon dunkel wurde. Die anderen Pfleger hatten schon um zehn Uhr Pause gemacht, deshalb sass ich alleine in der Reiterstube und beobachtete das Springtraining von Baccardi, Bluebell, Sugar and Sweets, White Dream und Donut. Die fünf Ponys galoppierten geschickt um die Kurven und schienen ganz schön fit. Zufrieden bemerkte ich, dass Bluebell fast jedes Mal im richtigen Galopp landete und abgesehen von ein wenig Zögern beim Plankensprung flüssig über alle Hindernisse drüberging. Sweets hatte da noch mehr Mühe, David musste sie jeweils neu angaloppieren wenn sie im Aussengalopp war. Baccardi und Donut waren sowieso erfahrener und beherrschten die fliegenden Wechsel; sie landeten aber ohnehin meist richtig. Mit Dream war es dasselbe, aber heute war sie etwas zu hastig und räumte dann doch ein paar Stangen ab.

      Ich fragte Lily, was sie heute mit ihrem flauschigen Tinker machen wollte. Sie beschloss, dass sie mit ihm zum ersten Mal ohne Sattel Cavaletti springen wollte. Ich nickte schmunzelnd und dachte mir, dass ich die Gelegenheit auch gleich nutzen könnte, um mit Adrenaline etwas Spass zu haben. Wir putzten die beiden, wobei ich meiner Nichte etwas half, denn Line war praktisch sauber, während Areion mit seinem langen Winterfell mehr Pflege brauchte. Besonders die dichten Puschel an den Beinen waren mühsam, denn darin verfingen sich dutzende Strohstückchen. Ausserdem musste ich die Fesselbeugen auf Mauke kontrollieren, denn unter dem ganzen Behang staute sich Feuchtigkeit. Vorsorglich salbte ich deshalb ein wenig und erklärte währenddessen Lily worauf sie achten musste. Meine Nichte kümmerte sich gewissenhaft und ausdauernd um ihren Tinker. Sie machte jeden Tag etwas mit ihm, und wenn es nur Spazieren war. Die beiden wurden immer mehr zu einem Team, wie ich es mir bei seinem Kauf erhofft hatte. Areion war ein gutmütiger, ausgeglichener Hengst. Und wenn es doch mal Probleme gab, konnte ich ihr rasch helfen. Zur Sicherheit setzte ich mich trotz allem sowieso einmal pro Woche selbst drauf; auch, damit der Hengst richtig gymnastiziert wurde. Tinker neigten ja dazu, einen weichen Rücken zu haben. Mit Lilys Fliegengewicht war das im Moment kein Thema, aber ich wollte auch in Zukunft sicherstellen, dass Areion die nötigen Muskeln hatte und gesund blieb. Als wir die beiden fertig vorbereitet hatten, gingen wir zusammen in die Halle. Die Ponygruppe hatte die Hindernisse stehengelassen, also stellten wir sie einfach etwas tiefer und benutzten sie anstelle der Cavaletti. Zuerst wärmten wir die beiden Pferde vom Boden aus auf. Zum Aufsteigen schwang ich mich einfach vom Boden aus auf Lines Rücken, während Lily ihren Tinker von der Aufstiegshilfe aus bekletterte. „Irgendwann musst du mir das auch noch beibringen Occu“, meinte sie etwas frustriert, als sie mich beobachtete. „Es sieht einfacher aus, als es ist. Ich brauchte auch lange, bis ich es endlich beherrschte“, ermunterte ich sie. Wir galoppierten zuerst ein wenig, dann sprang ich mit Line das erste Hindernis vor. Lily und Areion taten es uns gleich. Lily rutschte zwar auf Areions Hals, rückte aber schnell wieder in die richtige Position zurück und grinste ünbers ganze Gesicht. „Gut gemacht für den ersten Versuch“, lobte ich anerkennend. Ich riet ihr noch etwas besser in die Mähne zu greifen, denn „dafür ist seine dicke Wolle ja geradezu perfekt“. Schon nach wenigen Versuchen hielt sie das Gleichgewicht deutlich besser und wurde mutiger. Einmal mehr war ich froh, dass Areion so gutmütig und geduldig war. Wenn es nicht passte, dann stoppte er zwar, aber dann musste Lily einfach neu anreiten und schon klappte es. Adrenaline hoppste übrigens auch brav über die Sprünge.

      Nach dieser kurzen Spass Lektion gingen wir mittagessen. Um ein Uhr begab ich mich einmal mehr zu Phantom, meinem original USA Mustang, mit dem ich die letzten Tage intensiv gearbeitet hatte. Seit einer ganzen Woche ging ich nun schon jeden Tag zu ihm und gewöhnte ihn Stück für Stück an alles, was er in der Menschenwelt kennen musste. Am zweiten Tag hatte ich ihn weiter an Berührungen gewöhnt, auch an den Beinen, und sogar schon erste Versuche gemacht, die vorderen zu hochzuheben. Ausserdem hatte ich angefangen, ihn ein wenig zu longieren und unsere gemeinsame Sprache zu finden. Ich hatte ihm die Peitsche gezeigt und ihn dagegen desensibilisiert, und zu guter Letzt hatte ich bereits begonnen, neben ihm zu hüpfen und ihn an schnellere Bewegungen zu gewöhnen. Tag drei nutzte ich bereits dazu, zum ersten Mal auf seinem Rücken zu sitzen. Dazu kraulte ich ihn wieder ausgiebig und verstärkte das Hüpfen neben ihm immer weiter, bis ich mich schliesslich über seinen Widerrist legte. Anfangs machte er immer wieder Ausweichschritte, aber mit der Zeit blieb er stehen und so konnte ich fortfahren, bis ich ganz oben sass. Mehr als das verlangte ich noch nicht. Nebenbei gewöhnte er sich auch an das Führseil, dass er meistens einfach lose hinterherzog. Er lernte, dass er darauf stehen konnte und dass es sich um seine Beine wickeln konnte, ohne dass ihm etwas schlimmes passierte. Tag vier verbrachten wir damit, ein paar erste Schritte mit mir auf seinem Rücken zu gehen. Anfangs noch in einer kleinen Volte, dann schon etwas selbstsicherer. Er erschreckte sich zunächst noch, wenn ich wieder runtersprang, also übten wir das auch ausgiebig. Ausserdem zeigte ich ihm schon die wichtigsten Hilfen, nämlich Lenkung und Bremsen, bzw. Rückwärtsgang. Er war sehr aufmerksam und lernte schnell, aber seine Körpersprache verriet mir, dass er immernoch sehr angespannt und unsicher war. Am Abend von Tag vier führte ich ihn dann auch zum ersten Mal aus dem überdachten Roundpen in den Hauptstall. Wir machten eine Runde durch den Stallgang und ich liess ihn an allem schnuppern, was ihm unheimlich vorkam. Die Pfleger sahen begeistert zu. Am darauffolgenden Tag nahm ich ihn zum ersten Mal mit in die Halle und longiere ihn dort. Am ende liess ich ihn freilaufen und stellte ihm den grossen blauen Gymnastikball vor, den wir im Lagerraum hatten. Er schubste ihn sogar etwas herum. Tag sechs nutzte ich, um den ganzen Schweiss und Dreck von seinem Körper zu waschen. Auch das nahm wieder viel Zeit in Anspruch; zunächst gewöhnte ich ihn an den Schlauch, dann Schritt für Schritt an den Wasserstrahl. Ich benutzte ganz wenig Shampoo am Körper und genug beim Langhaar, um es zu entknoten und ganz sauber zu bekommen. Danach stellte ich ihn, weil es Winter war und draussen Schnee lag, unters Solarium im Hauptstall. Auch dabei musste ich ihn zuerst überzeugen, dass das rot leuchtende Ding keinen Appetit auf Pferde hatte. Aber als er es einmal begriffen hatte, stand er brav still und ich konnte nebenbei das trocknende Langhaar ein wenig frisieren. Gestern Nachmittag schliesslich hatte ich mit ihm Schrecktraining in der Halle gemacht und ihm ein paar neue, wichtige Alltagsdinge wie Klettverschluss und Blachen gezeigt. Ausserdem hatte ich den Morgen dafür genutzt, zum ersten Mal auf ihm zu traben und ihn bereits etwas ausgiebiger zu reiten. Heute wollte ich daran anknüpfen und ihn draussen auf der Ovalbahn reiten. Wenn alles gutging, konnte ich einen ersten Galopp wagen. Die Ovalbahn war aussenherum durchgehend mit Rails abgegrenzt, was ihn im schlimmsten Fall daran hindern würde, einfach auszubüxen. Trotzdem hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ich ihn noch nie zuvor draussen geritten hatte. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich betrat den überdachten Roundpen und rief den Mustang zu mir. Er reagierte darauf jeweils sofort und kam zügig angelaufen, was mich immer wieder von neuem freute. Er hatte sich also schon weitgehend auf mich eingelassen und begann, mir wirklich zu vertrauen. Das merkte ich auch beim anschliessenden Bürsten, denn er stand still obwohl ich das Seil nur über die Wand der Führanlage gelegt hatte und genoss das Striegeln mit gespitzter Oberlippe. Er war im Umgang sehr respektvoll (vermutlich war auch noch ein Rest Unsicherheit im Spiel) und wurde von Tag zu Tag neugieriger. Ich versuchte, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Daher war ich in den letzten Tagen auch immer wieder zwischendurch zu ihm gegangen – bloss um ihn zu kraulen oder ihm eine Karotte zu bringen. So verknüpfte er mich sehr positiv und deshalb kam er auf Rufen auch sofort zu mir. Bürsten am Kopf klappte mittlerweile auch ganz gut; am Anfang hatte er die Bürste in seinem Gesicht ganz und gar nicht gemocht. Das Hufeauskratzen mussten wir noch weiter üben, denn im Moment zog er den Huf nach kurzer Zeit wieder weg. Als ich fertig war, führte ich ihn zur Ovalbahn. Er folgte mir brav und sah sich neugierig um, als wir das fremde Gelände betraten. Natürlich hatte er es von der Halle her auch schon gesehen, aber ich liess ihm dennoch Zeit, die Umgebung etwas zu erkunden. Dann knotete ich das Führseil als Zügel an das Knotenhalfter und schwang mich auf seinen Rücken. Zunächst machte ich eine Schrittrunde und überprüfte die Hilfen indem ich kleine Volten und Seitenwechsel machte, oder ihn rückwärtstreten liess. Dann trabte ich an und machte auch dabei immer mal wieder eine kleine Volte. Ich begann damit, ihn ein wenig Schulter vor zu reiten – auch um sein Tempo etwas besser zu kontrollieren. Endlich war es so weit und ich konnte angaloppieren. Sein Galopp war bequemer als erwartet und er blieb in einem angenehmen Tempo. Beim zweiten Angaloppieren machte er einen kleinen Buckler, den ich aber ohne weiteres aussitzen konnte. Ich machte zwei Runden auf jede Seite, dann parierte ich ihn durch und hüpfte von seinem Rücken. Ich lobte ihn ausgiebig mit Kraulen und brachte ihn zurück ins Roundpen. „Und, wie lief’s?“, wollte Jonas wissen, als er mich dabei entdeckte, wie ich den Rappen noch ein wenig beobachtete. „Richtig gut, wir konnten problemlos galoppieren“, antwortete ich stolz. „Das ist toll, wenn es so weiter geht ist er bald so sicher wie die Criollos“, stellte Jonas etwas übertrieben fest. „Meinst du, wir könnten einen Versuch wagen und ihn morgen mit ein, zwei anderen Jungs auf die Weide bringen? Ich möchte ihn nächstens etwas intensiver reiten und da wäre es gut, wenn er ausgeglichen ist…“ Er stimmte zu, dass es an der Zeit wäre, das auszuprobieren. Ich konnte nicht wirklich einschätzen, wie gut er sich mit den anderen verstehen würde, aber ich drückte die Daumen, dass alles gut ging. Irgendwann wollte ich ihn auf die Stutenweide umsiedeln, aber zuerst wollte ich sichergehen, dass er den grössten Teil seines Hengstverhaltens abgelegt hatte.

      Um halb drei bewegte ich Co Pilot in der Halle, während Ljóski und Herkir draussen auf der Ovalbahn von Jonas und Darren geritten wurden. Ich sah ihnen während der Dressurarbeit immer mal wieder zu und suchte nach Fehlerchen, mit denen ich Jonas später aufziehen konnte. Aber es war schon ganz schön schwer bei ihm und Herkir noch etwas zum motzen zu finden – die beiden waren ein sehr eingespieltes Team. Pilot liess sich den Winter nicht anmerken, er lief heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Trotzdem war er bei der Sache und gab sich Mühe, alle meine Hilfen umzusetzen. Ich galoppierte mit ihm viel, wobei ich vorallem immer wieder angaloppierte; mal aus dem Schritt, mal aus dem Stehen. Denn das gab den besten Muskelzuwachs. Beim Anspringen musste er viel Kraft mit der Hinterhand aufnehmen, was ihm wiederum dabei half, sich zu versammeln. Ausserdem feilte ich weiter an den Galopppirouetten, die er noch nicht perfekt beherrschte.

      Eine gute Stunde Später wünschte ich Lisa, Elliot, Lewis, Linda und David einen schönen Ausritt. Die fünf ritten mit Dancing Moonrise Shadows, Piroschka, Ice Coffee, Ronja Räubertochter und Lovely Summertime vom Hof weg in Richtung Fluss. Ausserdem erwischte ich Jonas dabei, wie er Lily auf Fake Reitstunde gab. Still schmunzelnd beobachtete ich die beiden einen Moment, dann schlich ich davon, um sie nicht abzulenken. Ich beschloss, mit der frisch gekörten Feline ein wenig Bodenarbeit im Roundpen zu machen. Die Criollostute hatte es tatsächlich endlich geschafft – noch vor zwei Jahren hatte niemand daran geglaubt. Sie war so ein unscheinbares Fohlen gewesen, nie besonders hübsch, immer etwas schmal – sozusagen ein graues Entlein. Auch als Jungstute hatte sie nicht überzeugen können, doch nun endlich hatte sie sich zu einer hübschen Schimmelstute mit einem grossen Herzen entwickelt. Sie war eines der liebsten, gutmütigsten Pferde die ich kannte und dankte uns jeden Tag von neuem die Zeit und die Arbeit, die wir in sie gesteckt hatten. Ich putzte das jetzt im Winter beinahe weisse Fell der Stute gründlich, ehe ich sie zum Roundpen brachte. Dort angekommen spielte ich einfach ein bisschen mit ihr herum. Ich schickte sie weg und liess sie wieder zu mir kommen, motivierte sie zu einem frischen Galopp auf dem schneebedeckten Sandboden und machte ein paar Seitenwechsel, bei denen ich sie spielerisch anstachelte. Ich fand es auch eine gute Gelegenheit, um das Steigen mit ihr zu üben. Als wir fertig waren, zeigte sie tatsächlich gute Ansätze. Zufrieden warf ich das Führseil über ihren Hals und öffnete das Tor des Rounpens. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Seil wieder in die Finger zu nehmen; die Stute folgte mir auch so zurück zur Stutenweide. Als ich danach beim Nebenstall durchschlenderte, sah ich, dass Satine und Parányi nicht da waren. Ich warf einen Blick in die Halle, wo Lily und Fake gerade am Trockenreiten waren. Auch nicht, hmm… Auf dem Viereck war ebenfalls keine Spur von den beiden. Sind sie ausreiten gegangen?, wunderte ich mich. Doch kurz darauf entdeckte ich die beiden mit Jason und Rita auf dem Galoppweg. Sie trabten nebeneinander unter den Tannen hindurch und schienen Spass zu haben. Zufrieden schlenderte ich zum Haus und machte mir eine Tasse Tee, denn ich brauchte auch mal eine Pause.

      Wenig später kam Lily durch die Tür gepoltert. „Und? Wie war deine Reitstunde?“, fragte ich grinsend. „Toll! Jonas gibt besser Unterricht als du!“ Sie streckte mir die Zunge raus und ich meinte empört: „Na dann brauche ich dir in Zukunft ja keinen mehr zu geben.“ „Doooch!“ Sie setzte sich auf meinen Schoss und forderte: „Ich brauche von euch beiden Reitunterricht, damit ich noch viel besser werde. Ich will schliesslich im Frühling mit Areion auf Turniere gehen!“ „Pass auf, dass du nicht zu ehrgeizig wirst und dich selbst überforderst. Ich bin sicher, du wirst nächstes Jahr ein paar Schleifen sammeln.“ „Nächstes Jahr, pah!“ „Das ist aber doch schon bald, also so viel Geduld wirst du wohl noch haben müssen.“ „Nächstes Jahr ist… Ach ja, mähh Occu du bist doof“, machte sie, als ihr wieder einfiel, dass heute Abend Silvester war. „Wer ist hier doof?“, erwiederte ich lachend und schloss sie in den Arm. Ihre Stimme drang gedämpft durch meinen Ärmel. „Jenny hat ihrem weissen Pony zu Weihnachten eine Mütze aufgesetzt. Das sah echt cool aus! Sie hat mir das Bild gestern gezeigt.“ „Echt? Das kann ich mir gut vorstellen. Wir haben Empire auch mal ne Mütze aufgesetzt, aber das ist schon zwei Jahre her.“ Sie befreite sich aus meinem Griff und meinte: „Wir könnten ja ein paar von unseren weissen Pferden für Silvester schmücken! Dann kann ich Jenny auch ein Foto zeigen, wenn wir wieder in die Schule müssen.“ „Könnten wir, ja.“ „Tun wir?“, fragte sie nocheinmal mit hoffnungsvollem Nachdruck. „Tun wir.“, versicherte ich kopfnickend. „Dann los!“ Sie rutschte von meinem Schoss runter und wollte schon zur Tür stürmen. „Warte, womit willst du sie schmücken?“ „Ehhh… Keine Ahnung…“ „Komm hier, wir nehmen die Girlande vom Weihnachtsbaum und irgendwo in meinem Schrank habe ich noch zwei Mützen. Ich hole sie rasch.“ Wir kramten ein paar Dinge zusammen, dann liefen wir zum Hauptstall. Die drei perfekten Pferde für das Unterfangen waren Empire State of Mind, A Winter’s Day und Captured in Time. Wir holten alle drei raus und putzten sie. Ich rief Ajith, damit er Lily mit Ciela helfen konnte, während ich Winter und Empire gleichzeitig putzte. Ajith half auch beim Dekorieren mit, weil er die Idee lustig fand. Als wir fertig waren, stellten wir die drei auf dem Parkplatz draussen auf und schossen ein Foto. Es sah wirklich hübsch aus und Lily freute sich wahnsinnig darauf, es ihrer Kollegin zu zeigen.

      Am Abend Machten Jonas, Lily und ich uns Pizza. Diejenigen Pfleger, die nicht nachhause gingen, schmissen im Pflegeheim ihre eigene Party. Um Mitternacht gingen wir zu ihnen rüber und stiessen alle zusammen auf’s neue Jahr an – für Lily gab es natürlich nur Traubensaft. Lewis zeigte mir und Lily bei der Gelegenheit gleich noch stolz, welche Wörter die Papageien schon kannten. Spätestens als Africa zu fluchen begann, fand ich dass es Zeit war, ins Bett zu gehen. So starteten wir lachend und gut gelaunt ins neue Jahr. Als ich mich schliesslich in meine Bettdecke kuschelte, versuchte ich mir vorzustellen, was dieses Jahr alles mit sich bringen würde. Ich freute mich schon darauf weiter mit Phantom zu arbeiten, aber auch mit allen anderen Pferde lag ein weiteres Jahr voller Abenteuer und Spass voraus.

      Stets auf der Suche
      April 2017, von Occulta
      Ein Bellen weckte mich. „Morgen Occu. Hast du überhaupt ein Auge zugetan?“ Jonas vertraute Stimme drang durch das Tor des Offenstalls. Ich blinzelte verschlafen, richtete mich auf und zupfte etwas Heu aus meinem Schlafsack. Ich hatte die Nacht auf dem Heuboden des Stutenstalls verbracht, weil ich die Geburt von Moon Kiddys Fohlen unbedingt mitverfolgen wollte. „Ein hübscher kleiner Kerl ist das geworden, glaubst du er hat das Splash Gen von Dod?“ Sofort war ich hellwach. „Wie? Was?! Ist er etwa schon da??!“ „Ach du hast es also doch verpasst? Komm schau“, lachte Jonas. Meine Labrador Hündin Sheela stand an seiner Seite und wedelte auch schon fleissig mit dem Schwanz, um mich runterzulocken. „Das gibt es doch nicht! Ich war bis um drei Uhr wach, und sie hat überhaupt keine Anstalten gemacht!“ „Sie hat sicher extra gewartet bis du schläfst“, schmunzelte er. Ich befreite mich aus dem Schlafsack und schielte vorsichtig nach unten, bis zum letzten Moment gespannt, was mich erwartete. Ich war ganz entzückt, als ich das braune Fohlen erblickte. Es hatte auf den ersten Blick grosse Ähnlichkeit mit seiner Mutter, nur das auffällige Kopfabzeichen und zwei weisse Fesseln hinten wich von diesem Eindruck ab. „Täuscht mich meine Sicht oder ist das linke Auge blau?“ „Jup, ist es. Und schau dir die hübsch geschwungenen Ohren an.“ Ich kletterte die Leiter runter und ging zu Moon hin. Ich streichelte sie liebevoll und checkte rasch, ob mit ihr alles in Ordnung war. Dann wandte ich mich dem Hengstfohlen zu und untersuchte es mit prüfendem Blick. Es musterte mich skeptisch, aber da seine Mutter keine Versuche unternahm, sich zwischen uns zu stellen, kam es nach kurzer Zeit neugierig einen Schritt näher gewackelt. Es war noch sehr unsicher auf den langen Stelzen, die sich Beine nannten, aber es machte einen wachen, fitten Eindruck. „Es hat jetzt schon mehr Langhaar als alle bisherigen Fohlen“, bemerkte ich augenrollend, mit einem Seitenblick auf Moons lange Locken. „Was hast du erwartet?“ Spielerisch frustriert steckte ich meine Hände in die Hosentaschen. „Dass ich dabei sein darf, das hab ich erwartet!“ Jonas gluckste amüsiert. Mein Handy fiel mir fast aus der Tasche, also gab ich es Jonas, bevor es noch im Stroh landete. Ich warf einen Blick zu Feline und deren Fohlen, das schon seit zehn Tagen durch die Welt stakste. Es handelte sich ebenfalls um ein Hengstchen, einen wunderschönen, angehenden Schimmel, der das Splash Gen von Papa Drømmer om Død höchstwahrscheinlich bekommen hatte – jedenfalls hatte er viermal hochweiss und eine breite Blesse, was schonmal dafür sprach. Ich hatte bei seiner Geburt beschlossen, dass er einer der Kandidaten sein würde, die ich behalten wollte. Einen passenden Namen hatte der kleine Kerl auch schon: Disparo de Fiasco. Daran hatte ich ganz schön lange herumüberlegt. Feline liess mich wie immer freundlich an ihr Fohlen heran und wartete in respektvollem Abstand, beobachtete uns aber genau. Ich war froh, dass sich die Stute schon bei ihrem ersten Fohlen als zuverlässige, unkomplizierte Mutter herausgestellt hatte. Ich streichelte sie nochmal zum Zeichen, dass ich sie jetzt in Ruhe liess und verliess den Offenstall, Jonas folgend. „Das war wohl vorläufig das letzte, was? Die nächsten Fohlen kommen erst später.“ „Noch mehr von den Dingern?“, scherzte Jonas mit vorgetäuschter Überraschung. „Also auf das von Moonrise Shadows bist du ja wohl auch noch gespannt, oder etwa nicht?“ „Klar. Ich hoffe es wird ein Rappe.“ „Nähh, das wär ja langweilig! Ich hoffe es wird ein Fuchs, schliesslich haben wir noch keinen Paint Horse Fuchs.“ „Bestimmt nicht. Ist das bei den Eltern überhaupt möglich? Ich glaube nicht. Und wenn dann ist die Wahrscheinlichkeit seeehr gering. Ich sage das wird nix mit deinem Fuchs - black for the win.“ „Pfft.“ Er zwinkerte mir zu und ich streckte ihm die Zunge raus, dann bog ich in den Hauptstall ab. Sechs Vollblutfohlen hatte es dieses Jahr für Pineforest gegeben – jedoch war keines davon im Hauptstall zu finden. Die ‚Mütter‘ Campina, Iskierka, Shades of Gray, Sympathy for the Devil, Captured in Time und Cassiopeia mümmelten unbekümmert an ihrer morgendlichen Heuration. Wie das möglich war? Embryotransfer. Ich hatte letztes Jahr passend zur Zuchtsaison ein vergünstigtes Angebot von einem meiner Tierärzte bekommen, und nach Rücksprache mit Oliver hatten wir beschlossen, gleich den kompletten Jahrgang so heranzuziehen. Das hatte den grossen Vorteil, dass wir bereits Fohlen von den Stuten bekommen konnten, die noch aktiv Rennen liefen; ohne deren Karriere zu opfern. Die Fohlen wuchsen auf dem Gestüt auf, auf dem auch die Leihmütter zuhause waren. Im Absetzalter wollten wir die Truppe dann nach Pineforest auf die eigene Fohlenweide holen. In der Vergangenheit hatten wir dasselbe Prozedere auch schon mit Painting Shadows gemacht, und bisher nur positive Erfahrungen gesammelt. Ich prüfte, ob das morgendliche Vollbluttraining voranging, dann setzte ich meinen Rundgang in Richtung Weiden fort. Unterwegs fiel mir auf, dass sich mein Handy nicht mehr in der Hosentasche befand, wo ich es platziert hatte. Also lief ich nochmal zurück zum Offenstall, fest davon überzeugt, es im Heu zu finden. Doch auch nach zehn Minuten Suche blieb es verschollen. „Es muss doch irgendwo sein“, murmelte ich verärgert vor mich hin. Von unten beobachtete mich Lovely Summertime erwartungsvoll mit ihren freundlichen, dunklen Augen. Hinter ihr versteckten sich zwei paar züsätzliche Beine, die jedoch schon ziemlich kräftig aussahen. Immerhin war das dazugehörige Hengstfohlen namens Unclouded Summer Skies auch schon über zwei Wochen alt, doch am ältesten war das Fohlen von Ice Coffee. Die kleine Icy Rebel Soul war am zweiten April zur Welt gekommen, als erstes Fohlen dieses Jahrgangs. Entsprechend mutig und verspielt war sie bereits. Beide Fohlen waren übrigens von Unbroken Soul of a Rebel und hatten von ihm wie erhofft viel Farbe mitbekommen. Ich hoffte, dass er auch ebensoviel von seinem Talent mitgegeben hatte.

      Ich gab die Suche vorläufig auf und überlegte, ob ich das Handy auch irgendwo anders hätte verlieren können. Doch auch auf dem Weg zum Hauptstall war es nirgens zu finden. Ich beschloss, später nochmal mit Jonas zusammen zu suchen, und machte mich nun definitiv auf, um nach den Miniature Horses zu sehen. Auch dort hatte es gleich dreifach Nachwuchs gegegben. Und wie durch ein Wunder waren auch noch alle drei Fohlen am selben Tag geboren worden! Dakotas Fohlen Beck’s Daisy Orchid hatte schon um zwei Uhr morgens auf wackeligen Beinchen gestanden. Wie unschwer zu erraten, war es eine hübsche, erdfarbene Tochter von Beck’s Experience. Auch das zweite Fohlen war vom selben Vater. Es hörte (noch nicht) auf den Namen Beck’s Little Diva und war das erste Fohlen von meiner leuchtend fuchsfarbenen Stute Lady Diva from the Sky. Das Fuchsfell hatte sie von beiden Elternteilen übernommen, wie es anders auch gar nicht möglich gewesen wäre. In einem grauen Kleid präsentierte sich der letzte Fellkäuel, der neben Tigrotto im Stroh lag und erst spät in der Nacht vom 23. zur Welt gekommen war. Offenbar hatte Tigrotto beschlossen, dass sie den kleinen Arctic Tiger nun ebenfalls genug lange mit sich herumgetragen hatte und war deshalb kurzerhand dem Beispiel der anderen beiden Stuten gefolgt. Ich war jedenfalls sehr froh, dass alles so gut vonstatten gegangen war. Auch Chocolate Chip erwartete noch ein Fohlen, allerdings erst später im Jahr. Allegra, die mittlerweile ja zu einem stattlichen Jährling geworden war, freute sich über die neuen Spielkameraden. Auch wenn diese im Moment noch nicht so wild waren wie sie selbst und erstmal vor allem an zwei Dinge dachten: Trinken und Schlafen. Miss Mini Daki hielt Allegra seit Daisys Geburt etwas auf Abstand, aber ich war sicher, dass sich die kleine Familie bald organisiert haben würde. Übrigens war von klein Daisy gerade keine Spur zu entdecken. Ich traute meinen Augen nicht und sah mich gründlich um, doch das Fohlen war weder bei seiner Mutter, noch sonst wo zu entdecken. Alarmiert ging ich zum Stalltor zurück und sah mich draussen um. Das kann doch nicht sein – ist sie unter dem Zaun durch? Fieberhaft suchte ich nach der kleinen. Ich rief Lewis, der bei den Fohlenweiden ausmistete rüber. „Are you sure? She was still there wehen I came to feed them half an hour ago“, meinte er stirnrunzelnd. Wir betraten den Offenstall und ich zeigte ihm, was ich meinte. Doch der Pfleger schüttelte nur amüsiert den Kopf und meinte: „Theres she is. You sure that you’re awake, Occu?“ Tatsächlich, Daisy lag neben Daki im Stroh. Offenbar hatte ich sie zwischen den Halmen glatt übersehen. Beschämt liess ich ihn wieder seiner Arbeit nachgehen und kniete mich neben Daki, um Daisy anzulocken. Stattdessen wurde ich natürlich sofort von Allegra beknabbert, die meine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Ich ignorierte sie und streckte die Hand aus, damit Daisy daran schnuppern konnte. Die Miniatur-Fohlenschnauze berührte unsicher zuckend meine Finger, die anschliessend natürlich erstmal zwischen den weichen Lippen verschwanden. Zähne hatte das Tierchen zum Glück noch keine. Ich konnte mich kaum loslösen von dieser Niedlichkeit, besonders, als Tiger sich doch noch aufraffte und an ein paar Bocksprüngen versuchte, stattdessen aber ungelenk durch das Stroh stolperte. Als ich mich doch zum Gehen überwinden konnte, sah ich noch rasch bei den Hengsten vorbei. Arctic Blue und Glenns Caress dösten, der eine jeweils mit dem Kopf zum Popo des anderen. Das war eine Art natürlicher Instinkt, der es ihnen ermöglichte, potentielle Gefahren von allen Seiten her frühzeitig zu entdecken. So blieb auch ich nicht lange unentdeckt; Arco hob aufmerksam den Kopf und brummelte mir zu. Die Motivation zum Zaun zu kommen hatte er dann aber doch nicht. Nachtfalke hingegen kam rüber und prüfte, ob ich nicht vielleicht etwas hartes Brot oder eine Karotte dabei hatte. ‚Red‘, wie ich Becks gerne nannte, bediente sich weiter entfernt noch immer an dem Heuhaufen, den Lewis gebracht hatte.

      Mir fiel auf, dass ich Jacky und Zira diesen Morgen noch nicht gesehen hatte. Wo sie wohl stecken? Ich hielt die Augen offen und Pfiff, machte mir aber nicht die Mühe, nach den beiden zu suchen. Sheela hatte meinen Pfiff gehört und kam im galopp angerannt. Ich lobte sie und machte mich auf zum Nebenstall. Zwei Fohlen warteten noch auf mich: Cranberry und Cloony. Die beiden waren von Halluzination und Satine, Väter waren mein Liebling Co Pilot und dessen Halbbruder Costa de la Bryére. Ich hatte förmlich Freudensprünge gemacht, als ich die Deckanzeige von Costa gesehen hatte – schliesslich hatte ich den Hengst für kurze Zeit auch bei mir im Stall gehabt und er führte dieselben wertvollen Blutlinien weiter wie Pilot. Deshalb wollte ich beide Fohlen auch auf alle Fälle behalten. Registriert waren sie beide als British Warmblood, das hatte ich schon im Voraus so geplant. Als ich so mit verliebtem Blick über die Tür von Hallus Box lehnte, kam gerade eine Gruppe Vollblüter vom Training zurück. Normalerweise ritt ich ja selbst auch sehr gerne mit, aber in den letzten Tagen war ich durch das ständige Wachbleiben und Aufpassen so gerädert gewesen, dass ich freiwillig verzichtet hatte. Meistens hatte ich das Training sowieso verschlafen. Ich lächelte stolz, als ich Coulee beobachtete, die von April geritten den anderen folgte. Die Stute sah grossartig aus. Sie hatte ihre alte Form zurück und war auch psychisch wieder beinahe normal – das hatte sie letztens beim Handicap mit dem 3. Platz und einer hervorragenden Zeit bewiesen. Jetzt konnte ihr Comeback also so richtig losgehen. Auch wenn es immernoch Problemzonen mit der Stute gab; wenn man ihr genug Sicherheit vermitteln konnte, gab sie sich wirklich Mühe. Ebenfalls zu erwähnen war, dass Miss Moneypenny am selben Tag in einem anderen Rennen überlegen gewonnen hatte.

      Doch nicht alles lief so toll: mein Sorgenkind hiess Areion. Ich traf ihn und Lily wie immer am Nachmittag im Nordstall an. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele, doch in letzter Zeit verhielt sich der Tinker zunehmend rüpelig und hengstig – offenbar spürte er den Frühling. Meine zehnjährige Nichte hatte einfach nicht genug Kraft, um gegen das grosse Plüschtier anzukommen, weshalb ihn im Moment meist Lisa ritt. Bei ihr lief er natürlich toll, aber letztendlich war er Lilys Pony. Ich zerbrach mir deswegen aber schon seit Wochen den Kopf, denn so konnte es einfach nicht weitergehen. Beide, er und Lily, waren frustriert und unglücklich mit der Situation. Als einzige rasche und zugleich nachhaltige Lösung sah ich eine Kastration. Doch wir alle taten uns etwas schwer mit dieser radikalen Massnahme. Leise seufzend machte ich mich daran, Lily beim Putzen zu helfen. Sie war auch heute etwas missmutig und bestrafte Areion schon für kleinste Fehltritte. Ich redete ihr ins Gewissen, dass Areion ja nichts dafür könne und nicht absichtlich so unartig war. „Er weiss es einfach nicht besser, und da du eben noch etwas zu wenig Kraft hast, um ihm den richtigen Weg zu zeigen…“ „Er soll aber auch auf mich hören, wenn ich nicht so viel Kraft einsetze! Du sagst schliesslich auch immer, dass ich ihm feine Kommandos geben soll!“ „Ja, aber manchmal reicht das eben doch nicht ganz – manchmal muss man zuerst etwas deutlich sein und kann erst danach wieder sanft werden, dafür dann umso besser.“ „Und du meinst, es wäre wirklich besser, wenn er kein Hengst mehr wäre?“, fragte sie halb murmelnd. „Ja. Dann könnte er sich nämlich wieder auf dich konzentrieren, und müsste nicht all den hübschen Frauen nachsehen.“ Sie schwieg nachdenklich, denn sie war eigentlich bis anhin absolut dagegen gewesen, ihn kastrieren zu lassen. Ich vermutete, dass sie einfach nicht wollte, dass der Tierarzt an ihrem Pony herumschnipselte, wenn es nicht lebenswichtig war. Doch der richtige Beweggrund für ihr Zögern offenbarte sich in ihrer nächsten Frage: „Glaubst du, dass Teddy nach dem Ka…strieren? irgendwie anders sein wird als vorher? Ich habe Angst, dass er dann ganz faul und verfressen wird…“ Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Wer hat dir das erzählt? Janine?“ Sie nickte. „Janine hat gesagt, dass ihr altes Pony nach dem… du weisst schon, ganz anders war als vorher und sie es deshalb nicht mehr haben wollte. Ich behalte Teddy auf jeden Fall! Aber ich will auch nicht, dass er sich verändert…“ „Keine Angst, er wird höchstens etwas ruhiger und braver werden. Ich mein, sieh dir mal Phantom an – ist der etwa faul und verfressen?“ Wir lachten beide bei der Erinnerung an den letzten Ausritt, auf dem er mir beinahe durchgebrannt war. Sein Training ging stets voran, wenn auch nicht mehr in ganz so grossen Schritten wie zu Beginn, aber trotzdem gab es immer wieder Rückschläge und Momente, in denen er wieder auf seine Instinkte zurückgriff und mich ausblendete. Es war eben nicht leicht, vier Jahre Wildnis und Überlebenskampf zu überspielen.

      Lily und ich einigten uns darauf, das ganze beim Abendessen zusammen mit Jonas nochmal durchzudenken und jetzt erstmal auf einen Spaziergang mit Areion zu gehen. Ich begleitete die beiden mit Ljóski, der nach dem gestrigen Tölt-Training auswärts eine wohlverdiente Pause bekam. Der kleine Ausflug verlief relativ entspannt, jedenfalls sobald wir vom Hof weg waren und Areion sich auf Lily konzentrieren konnte. Loki hatte bereits beinahe vollständig sein Fell gewechselt und sah prächtig aus. Mit dem kurzen Fell sah man seine Muskeln viel besser, und auch die Scheckung kam besser zur Geltung. Areion war noch etwas plüschiger, aber auch er hatte schon ganz schön viel Fell verloren. Doof nur, dass es in den letzten paar Tagen wieder ganz schön kalt geworden war. Die meisten Pferde froren trotzdem nicht, und den Geschorenen legten wir eben die Decken vorsichtshalber nochmal an. Als wir fast wieder Zuhause waren, fing es tatsächlich ein wenig zu schneien an, auch wenn es eher Schneeregen war. Wir retteten uns in den Nordstall und rubbelten die Rücken der beiden Jungs rasch mit Tüchern trocken, dann brachten wir sie in ihre Boxen und gaben ihnen je eine Karotte, wobei Herkir natürlich auch eifersüchtig an meinem Ärmel nippte. „Du kommst später dran, ich hab gehört Jonas plant einen anstrengenden Ausritt im Schneeregen“, sagte ich übertrieben laut, damit Jonas, der gerade hinter mir zu Circus Dancers Box schlenderte, hörte. Empört rümpfte er die Nase und antwortete: „Wer hat denn sowas behauptet? Als ob ich bei dem Hundewetter rausgehen würde…“ „Schön-Wetter-Reiter.“ „Und wie!“ Lily lachte beim Verlassen des Nordstalls über unseren Dialog und verschwand dann in Richtung Nebenstall – ich wusste auch genau, was sie dort vorhatte. White Dream war nämlich heute noch nicht bewegt worden, und Lisa hatte mir am Morgen verraten, dass sie wiedermal mit meiner Nichte abgetauscht hatte. Ich schmunzelte bei dem Gedanken und fand es schön, dass Lily die Ponystute so liebhatte.

      Ich selbst musste nun erstmal weiter zu Empire State of Mind. Auf den Schimmel wartete eine Dressurstunde, in der ich an den Seitengängen feilen wollte, um ihn zu lockern. Ich betrat seine Box und er streckte mir bereits freundlich seine graue Schnauze entgegen. Sein Halfter hing leider nicht wie üblich an seiner Boxentür, und ich hatte keinen Schimmer, wer es entfürt haben könnte. Aber ich wollte es eigentlich schon an seinem rechtmässigen Platz sehen, denn ich mochte es überhaupt nicht, wenn durch Unachtsamkeit Zubehör verloren ging. Also machte ich mich auf die Suche danach. Schliesslich wurde ich in der Führmaschine fündig, wo Cantastor es fälschlicherweise trug. Ich tauschte die Halfter aus und ging zurück zu Empire, um ihn aufzuhalftern und zu einer der Anbindestellen zu führen, wo ich mit dem Putzen begann – oder beginnen wollte, denn die Putzbox war auch weg. „Ajith! Where ist hat damn…“ Ich unterbrach mich selbst, als ich Anne entdeckte, die in der Sattelkammer drüben stöberte. „What are you looking for?“, fragte ich sie verwundert. „Darren told me to help him with the retired thoroughbreds today. I was so excited! I sat on Catastor for the first time!”, berichtete sie stolz.” “Now I’m just looking for some leg wraps.” “Why does he need leg wraps? You didn’t sprint a marathon, did you?“ „No…“ „So he doesn’t need any. Thoroughbreds are not that sensible, don’t worry.“ Daraufhin verschwand sie, um den dunkelbraunen Hengst aus der Führmaschine zu holen und in seine Box zu bringen. Als sie vor mir um die Ecke bog, bemerkte sie stirnrunzelnd „Just now I thought he had a yellow halter on… How strange.“ Ich schmunzelte kopfschüttelnd und erkannte, was los war. „I swaped them ‘cause you took Empire’s halter.” „Oh, I’m sorry, I didn’t know…“ „No problem.“ Mir war es zwar ein Rätsel, wie sie sie hatte vertauschen können, wo doch die Halfter aller Pferde an den jeweiligen Boxentüren hingen, doch ich sagte nichts weiter und kümmerte mich um Empires Putzbox. Nach einigem Suchen fand ich sie neben Sunday’s Spind. Leicht verärgert schnappte ich sie mir und putzte mit ihrem Inhalt meinen mittlerweile etwas ungeduldigen Schimmel. Da seine Beine etwas schlammig waren, stellte ich ihn vor dem Aufsteigen noch beim Waschplatz hin, um sie rasch abzuspritzen. Mir fiel auf, dass seine Vorderhufe schon wieder ein wenig ausbrachen, also beschloss ich, sie nach dem Reiten noch rasch zu feilen, denn natürlich fand ich heute auch die Feile nicht an ihrem angestammten Platz vor. Der Hengst war barhuf, denn er lief ja keine Rennen mehr und war momentan auch nicht im sonstigen Spitzensport tätig. Wir hatten uns mit ihm bisher auf Grundlagen beschränkt, damit er diese nach seinem Karriereende in aller Ruhe hatte erlernen können. Ausserdem waren wir mit ihm immer viel im Gelände gewesen, sodass er mittlerweile äusserst verlässlich geworden war. Also eigentlich hatte er bisher einfach sein Leben nach der Rennbahn geniessen dürfen und war langsam und schonend umgeschult worden. Wie gut er die Grundlagen in der Dressur mittlerweile beherrschte, zeigte sich auch heute. Fleissig und bemüht, alles richtig zu machen, kreuzte er die Beine. Nur das Tempo war noch ein wenig zu hoch. Ich versuchte schon seit einem Weilchen ihn immer mehr zu versammeln und die Lektionen ruhiger zu reiten, aber es dauerte bei ihm halt etwas länger, da er doch eine ordentliche Portion Temperament hatte. Ich war aber ganz schön zufrieden mit unseren heutigen Anstrengungen und lobte ihn entsprechend ausgiebig beim Trockenreiten. Als ich zum Fenster raus sah, entdeckte ich zufällig die beiden seit dem Morgen vermissten Hunde, die auf der Ovalbahn mit einem Ball von Lily spielten.

      Um vier Uhr hatte ich Empire versorgt und putzte bereits den nächsten Kandidaten, nämlich Ronja Räubertochter. Auch für sie stand gewöhnliche, langweilige Grundlagen Dressur auf dem Plan, was einzig dazu diente, sie zu beschäftigen und an Feinheiten zu feilen. Sie war heute etwas stur und aufmüpfig, vermutlich wegen des frischen Wetters. Trotzdem schafften wir eine halbwegs produktive Dreiviertelstunde. Beim Versorgen tastete ich noch ihren Rücken ab, um zu sehen, ob sie irgendwo verspannt war. Im Rücken fand ich nichts, aber bei der Schulter zeigte sie mir mit Scharren ein wenig Unwohlsein. Ich massierte die betroffene Stelle und dehnte die Vorderbeine durch ausstrecken. Sie gähnte vor Entspannung und schüttelte sich, als wäre sie gerade im Staub gelegen. Ich lachte über den treudoofen Blick, den sie danach aufsetzte und dessen Bedeutung ich längst kannte: „Darf ich jetzt bitte meine Karotten haben?“ Ich streckte sie ihr selbstverständlich hin, sobald ich ihr in der Box das Halfter ausgezogen hatte. Linda kam auf mich zu und fragte mich, ob ich ihr helfen könne Darren zu finden. Ich antwortete etwas gereizt, dass ich heute am liebsten nichts und niemanden mehr suchen wollte, gab ihr aber den Tipp, im Strohlager nachzusehen.

      Es war nun fast halb sechs und ich nutzte die Zeit vor dem Abendessen noch, um ein wenig Schrecktraining mit Phantom zu machen. Mir gingen langsam die Ideen aus, weil ich schon so viel mit dem ehemaligen Mustang gemacht hatte und er extrem schnell lernte. Das hing wohl damit zusammen, dass in der Wildnis rasches Anpassungsvermögen überlebenswichtig war. Mit ihm und seinen ausgeprägten Instinkten war es ganz anders zu arbeiten als mit einem Jungpferd das in Menschlicher Obhut aufgewachsen war. Weder einfacher noch schwieriger – einfach anders. Einerseits fiel uns die Kommunikation leicht, weil er ausgezeichnet auf meine Körpersprache reagierte; andererseits wurde alles erschwert durch sein Misstrauen gegenüber neuen Dingen. Aber mit Menschen an sich hatte er mittlerweile keine Probleme mehr. Mittlerweile stand Phantom ja im Offenstall mit den Criollo und Paint Horse Stuten (mit denen er sich übrigens bestens verstand). Als ich auf den Zaun zukam, spitzte er die Ohren und kam einige Schritte auf mich zu. Auch machte er keine Anstalten mehr auszuweichen, wenn ich ihn unerwartet anfassen wollte. Im Moment hatten die Fohlen eine Art Beschützerinstinkt in ihm geweckt, sodass er besonders aggressiv den Hunden gegenüber war. Er mochte sie auch sonst nicht, aber jetzt war es besonders schlimm. Sheela traute sich schon gar nicht mehr auf die Weide, und die anderen beiden blieben einfach in gesundem Abstand zu dem Rappen. Er war zwar nun schon seit Monaten Kastriert, aber sein Hengstverhalten hatte er dennoch nicht ganz verloren. Zum Beispiel erwischte ich ihn manchmal dabei, wie er die Stuten mit der typisch tiefen Kopfhaltung umhertrieb oder sich gegen einen Wallach auf der Nachbarsweide aufspielte. Den Damen schien das zu gefallen, jedenfalls wurde er von ‚seiner Herde‘ immer gleich begrüsst, wenn er vom Arbeiten zurückkam. Wenn ich ihn so beobachtete, hatte ich den Eindruck, dass er sich hier ganz wohl fühlte und sich immer mehr mit seinem neuen Leben anfreunden konnte. Trotzdem sah ich mir manchmal nachdenklich die Fotos an, die ich im Internet von ihm gefunden hatte. Ich fragte mich, was mit all den anderen Pferden darauf geschehen war, oder wie Phantoms Leben ausgesehen hätte, wenn er nicht eingefangen worden wäre. Herausfinden würde ich es nie.

      Jonas hatte bereits angefangen, das Gemüse für unser Abendessen zu rüsten, als ich ins Haus zurückkam. Wir assen meist am Mittag ein Sandwich oder sonst etwas Schnelles, dafür gab es am Abend eine anständige, warme Malzeit. Beim Essen erzählten wir uns von den heutigen Erlebnissen. „Ach ja, ich habe am Morgen mein Handy irgendwo verloren und finde es nicht mehr… Ich muss nachher nochmal suchen gehen, bevor es dunkel wird“, fiel mir wieder ein. Jonas setzte plötzlich ein breites Grinsen auf. „Meinst du das hier?“ Er fasste sich in die Hosentasche und zog auf wundersame Weise besagtes Gerät daraus hervor. „Warum…?“ „Du hast es mir heute Morgen in die Finger gedrückt, weisst du nicht mehr?“ Ich schlug mir symbolisch mit der Hand an die Stirn und lachte ungläubig. „Manchmal ist mein Gehirn einfach ein Löcherbecken…“ Wir schmunzelten und plauderten weiter. Irgendwann kamen wir wieder auf das leidige Thema Areion zurück. „Irgendwas müssen wir machen. Lily, wäre es wirklich so schlimm ihn zu Kastrieren?“ „Ja wäre es!“, rief Jonas empört. „Schon mal den Dicken selbst gefragt, was er davon hält?“ „Still, sonst lasse ich den Tierarzt nächstes Mal wegen dir kommen.“ „Das willst du nicht wirklich…“, murmelte er verheissungsvoll. Ich streckte ihm die Zunge raus und meinte: „Unterschätz mich nicht.“ Lily mischte sich mit einem Räuspern ein. „Wenn du versprichst, dass Teddy danach immernoch derselbe ist…“ „Das kann ich leider nicht versprechen, aber meiner Erfahrung gemäss verändert sich nicht wahnsinnig viel. Denk auch an ihn; er darf danach endlich mit seinen geliebten Mädels auf die Weide und wird nicht mehr von den anderen Hengsten gemobbt.“ Sie zögerte, dann nickte sie. „Na gut. Wenn ihn das wirklich glücklicher macht.“ Jonas verschränkte gespielt trotzig die Arme. Lily und ich mussten bei dem Anblick loslachen, und beim Wegräumen stichelten wir ihn immer wieder zum Spass.

      „Was machst du jetzt noch?“, fragte Jonas, während er sich schon wieder die Jacke anzog. „Ich fahr schnell rüber nach Shatterford und sehe nach unseren Vollblutfohlen.“ „Wann bist du zurück? Wir wollten doch Rosie noch einen Besuch abstatten, weil wir die nächsten Tage keine Zeit dazu haben werden.“ „Ich weiss, ich schaue, dass ich spätestens um neun Uhr zurück bin. Die Fahrt dauert ja zum Glück nur 20 Minuten, und ich nehme an, dass Ella mich nicht lange aufhalten wird, weil sie selbst noch genug zu tun hat.“ Ella Yorke war die Besitzerin des Hofs, auf dem unsere diesjährigen Nachwuchsrenner geboren worden waren. Ich wollte meine Autoschlüssel von der Kommode schnappen, doch sie waren weg. Verärgert rief ich aus: „Das gibt’s doch nicht, vorhin hatte ich sie doch noch in den Fingern!“ Jonas meinte im Gehen gerade noch: „Hast du in deiner Jacke nachgesehen?“ „In meiner Jacke? Das hätte ich gespürt.“ Doch tatsächlich, da waren sie, brav in meiner rechten Tasche. Augenrollend lief ich zum Parkplatz. Wie abgemacht beeilte ich mich und trödelte nicht lange herum, als ich auf dem kleinen Gestüt ankam. Ich klingelte an der Haustüre und wurde von Ellas Mann Steve in Empfang genommen. Er erklärte, dass Ella bereits im Stall hinten sei und führte mich zu ihr, damit ich sie nicht auch noch suchen musste. Wir sahen uns zusammen die sechs Vollblutfohlen an. Ich nahm jedes einzelne genau unter die Lupe und stellte zufrieden fest, dass sie alle vom Exterieur her den Erwartungen entsprachen. Allerdings fiel mir auf, dass eines der dominant weissen Fohlen ein wenig schlapp wirkte und selbst als wir den Offenstall betraten mit aufgestütztem Kopf im Stroh liegen blieb. Ella klärte mich sogleich auf: „Die kleine hatte eine schwierige Geburt, das ist die, von der ich dir auch schon am Telefon erzählt hatte. Sie ist auch etwas kleiner als die anderen und trinkt leider nicht ganz so viel, weshalb wir ihr zusätzlich zweimal am Tag etwas mit der Flasche anbieten.“ „Das das genetische Fohlen von Ciela… Denkst du, es liegt vielleicht daran, dass Ciela selbst noch so jung ist?“ „Gut möglich; es wäre jedenfalls schön wenn es nur das ist.“ Ich nickte zustimmend und sah das beinahe ganz weisse Fohlen nachdenklich an. Sie sah hübsch aus, mit den braunen Ohren und ihren dunklen Augen. Aber eben diese wirkten ungewöhnlich müde und lustlos, was mich wirklich besorgte. „Der Tierarzt war schon da?“ „Nein, kommt demnächst. Ich habe aber schon mit ihm telefoniert und er meinte, wir sollen so fortfahren wie bisher und die kleine gut beobachten.“

      Den ganzen Heimweg über zerbrach ich mir den Kopf, was das weisse Fohlen wohl plagte. Schliesslich wurde ich von meinen Sorgen abgelenkt, als wir auf der Wilkinson Farm von Rosie begrüsst wurden. Jonas und Lily liefen bereits voller Erwartung zum Stall, denn sie waren genau wie ich wahnsinnig gespannt auf Islahs und Farashas Fohlen. „Awww! Es ist ja ganz schwarz!“, kam wenig später der Ausruf von Lily. „Nicht ganz“, ergänzte Rosie, „Sieh dir die hell umrandeten Augen an – es wird ein Schimmel wie sein Vater.“ Entzückt betrachtete ich das Tierchen mit dem edlen Hechtkopf. Die krause Fohlenmähne war etwas dürftig im Vergleich zu der meiner Criollo Fohlen, aber das verlieh ihr schon jetzt ein elegantes Gesamtbild. Die grossen, hübsch geschwungenen Ohren waren neugierig nach vorne gerichtet, als es sich näher zu Lily hin traute und an ihrer Hand schnupperte. Kurz darauf erschreckte sich das Fohlen aber, weil Lily sich zu schnell zu uns umdrehte. Es machte einen übermütigen Seitensprung und verschwand im staksenden Trab hinter Farasha. Wir lachten über die kleine Show und gingen weiter zu Islah. Die kleine Isis, wie ich sie genannt hatte, sah aufgeweckt und munter aus. Sie war eine Schecke, wie ihre Mutter – allerdings hatte sie eine seltsame, grau gestichelte Stelle an der Flanke. Daher fragte ich mich, ob sie nicht doch noch ausschimmeln würde. Eine Schimmelbrille wie Farashas Fohlen hat sie zwar nicht, aber vielleicht ist das ja irgendein Sonderfall, überlegte ich. Jonas fragte Rosie: „Wie hast du nun eigentlich das schwarze Fohlen genannt?“ „First Chant, weil sie das erste Fohlen ist, das auf meiner eigenen Farm auf die Welt kam.“ „Ein toller Name“, bemerkte ich schwärmerisch. „Sie wird zum Verkauf stehen Occu, also wenn du Interesse hast…“, lachte die rothaarige, junge Frau. „Ich überleg’s mir, okay? Ich muss sowieso noch planen, welche unserer eigenen Fohlen ich behalten will. Das wird echt nicht leicht…“ „Doch eigentlich schon“, bemerkte Jonas verheissungsvoll. „Es wird damit enden, dass du alle behälst weil du keines loslassen kannst – und falls doch wirst du wieder jeden Tag hoffen, dass sie aus irgendeinem Grund zurückgegeben werden.“ „Du weisst genau, dass das nicht geht, auch wenn es toll wäre. Dafür haben wir einfach zu wenig Platz.“ Lily sah ich förmlich an, dass sie etwas dazu sagen wollte, aber sie hielt sich zurück und beobachtete nur nachdenklich Isis. Ich ahnte, was in ihr vorgehen musste. Sie konnte sich genau wie ich nicht entscheiden, welches der Fohlen sie am liebsten hatte.

      Wir verabschiedeten uns von Rosie, nachdem wir auch bei Anubis, Numair und Bintu Al-Bahri reingesehen hatten. Es war schon spät und wir mussten morgen wieder früh aufstehen, deshalb hatte es auch nicht für einen Tee bei Rosie gereicht. Den gönnten Jonas und ich uns dafür zuhause noch rasch, während Lily bereits ins Bett kriechen musste. Ich sass auf dem Sofa, streichelte Jacky und starrte nachdenklich an die Wand. Plötzlich überlegte ich laut: „Also bei den Criollos wäre es ja naheliegend, wenn wir Fiasco behalten würden. Er wird später sicher interessant für die Farbzucht.“ „Aber ich sehe dir an der Nasenspitze an, dass du trotzdem lieber Moon’s Fohlen hättest. Oder liege ich da falsch?“, meinte Jonas zwinkernd. Ich seufzte und nickte langsam. „Dann behälst du eben den. Wir haben eh schon Dod für die Farbe, also spielt es keine Rolle.“ „Meinst du wirklich? Also gut, dann bleibt Moon’s Fohlen. Wir brauchen aber noch einen guten Namen für ihn.“ „Dod’s Daydream?“ „Nähh, ich finde etwas Spanisches wie bei Fiasco würde einfach besser passen…“ „Uff… Sueño del Muerte oder sowas? Ich kann kein Spanisch…” “Ich auch nicht wirklich, aber zum Glück gibt es das Internet.” Ich gab in diversen Wörterbüchern Vorschläge ein, die etwas mit der Bedeutung von Dods Namen zu tun hatten. Irgendwann stiess ich zufällig auf das Wort ‚solas‘, so viel wie „alleine“ bedeutend. Ich fand den Klang davon toll, und überlegte, womit man es kombinieren konnte, damit es passte. „Etwas mit träumen wär schon nicht schlecht“, meinte Jonas, „denn sonst hätte es ja doch keinen Zusammenhang mit Dod.“ So wurde es „Soñando Solas“ – ‚alleine träumend‘. Ich war zufrieden mit dem Klang, auch wenn die Bedeutung etwas fragwürdig war. Wir verräumten unsere Tassen und gingen die Treppe hoch ins Schlafzimmer, denn mittlerweile veranstalteten wir fast schon ein Wettgähnen. Als ich mich unter die Decke gekuschelt hatte, konnte ich es doch nicht lassen, weiter über die Fohlen nachzudenken. Ich stellte fest: „Ich glaube ich kann nicht schlafen, bis ich mich entschieden habe…“ „Welches von den Minis gefällt dir am besten?“, fragte Jonas leise. „Ich glaube Orchid. Wir haben ja noch kein buckskin Mini, und ich kann doch keine Tochter von Daki weggeben…“ „Siehst du? Und schon bist du wieder etwas weiter. Was ist mit den Warmblutfohlen?“ „Die behalten wir!“, meinte ich sofort, wie ein trotziges Kind. „Dieser Meinung bin ich auch!“, kam eine Mädchenstimme aus dem Zimmer nebenan. „Horchst du etwa? Ab ins Bett jetzt! Du musst morgen in die Schule.“ „Aber du behälst die beiden definitiv, ja?“ „Ja.“ „Gute Nacht.“ Daraufhin blieb es definitiv still aus dieser Richtung. „…Vollblüter?“, murmelte Jonas. „Cupid. Cupid bleibt, der hat Potential. Er hat sogar schon Oliver auf seiner Seite. Und Simply Priceless gefällt mir einfach wahnsinnig gut, ich möchte sehen, was aus ihm wird.“ „Ich finde Call it Karma süss. Die hat was besonderes, mit ihrem gutmütigen Blick und dem hübschen Bauchfleck.“ „Die beiden Schimmelfohlen von Iskierka und Shades of Gray sind auch vielversprechend… Wir können aber einfach nicht alle behalten…“ „Was ist mit dem zweiten dominant weissen?“ „Ich weiss nicht… Es wirkt so schwächlich und lustlos. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass es nicht durchkommt…“ „…Aber wenn doch würdest du es auch behalten wollen?“ „Es hat eine tolle Farbe, aber ich weiss nicht, ob es überhaupt zum Rennen geeignet sein wird, wenn es so schwach ist…“ „Naja, verkaufen kannst du es sowieso nicht, wenn es nicht fit ist. Also bleibt dir fast nichts anderes übrig als es zu behalten.“ „Aber zwei müssen definitiv weg. Vier behalten wäre okay, aber alle sechs sind zu viele.“ „Wenn du meine Meinung hören willst: Ich finde, du solltest die beiden Schimmel Snap Cat und Storm Cat abtreten. Ich weiss, du wolltest besonders das Fohlen von Iskierka aufwachsen sehen und trainieren, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir die anderen vier behalten sollten, und nicht diese beiden.“ „Ich hoffe dein Gefühl ist verlässlicher als meines damals beim Kauf von Cool Cat. Er war ja ursprünglich nur meine zweite Wahl gewesen, aber er hat sich zu einem echten Glückstreffer gemausert. Glaub mir, die Pferde aus dieser Blutlinie sind vielleicht am Anfang unscheinbar, aber entwickeln sich später zu unerwarteten Talenten.“ „Tja, du musst dich entscheiden. Du hast dir das vier-Vollblüter-Limit selbst gesetzt, nun musst du damit umgehen.“ „Ich weiss… Na gut. Die Schimmel gehen. Aber wehe das war die falsche Entscheidung!“ „So so, das ist natürlich bequem, im Falle eines Falles mir die Schuld zuzuschieben. Aber okay, ich übernehme die Verantwortung.“ Ich gab ihm glücklich einen Kuss und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich murmelte: „Hunter Crowley hat auch schon Interesse an den beiden gezeigt. Wenn er tatsächlich eines davon nimmt, wären sie wenigstens noch in der Nähe von uns.“ „Ich bin sicher, dass er bei den süssen Ohren nicht wiederstehen kann“, gluckste Jonas. „Bleiben noch die Paint Fohlen. Behalten oder weggeben?“ „Unclouded ist schon ein richtiger Pachtskerl…“, meinte Jonas zögernd. „Wirklich. Aber irgendwie… Hach ich weiss nicht, wenn wir Shadows Fohlen dann auch noch behalten wollen… Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade noch so von den beiden trennen könnte.“ „Da stimme ich dir zu.“ Ich horchte noch eine Weile seinem ruhigen Atem, dann fielen mit die Augen zu. Endlich fand ich auch den Schlaf, jetzt wo alles beschlossen war.
    • Veija
      Pineforest Stable Zuchtfohlenauktion 2017
      Eigentlich hatte ich mich ja schon vor einer ganzen Weile entschieden, welche der diesjährigen Fohlen ich verkaufen wollte und welche nicht – aber wie ich nunmal war, hatte ich bis zum Tag der Zuchtfohlenauktion immer wieder Zweifel und wollte am liebsten alle behalten. Deshalb war ich irgendwie froh, dass der Tag nun gekommen war, an dem die Fohlen definitiv neue Besitzer fanden. Die Pfleger waren schon emsig am vorbereiten: nebst der täglichen Routine musste ein kleines Festzelt mit Bänken und Tischen aufgestellt, Schilder montiert, alles sauber geputzt und aufgeräumt werden. Wir erwarteten mehr Besucher als im letzten Jahr, denn die letztjährige Auktion hatte sich herumgesprochen und diesmal standen zudem mehr Fohlen zur Auswahl. Für den heutigen Tag hatten alle Pfleger ausnahmslos anrücken müssen, denn wir brauchten alle helfenden Hände die wir bekommen konnten. So ein Event war schliesslich auch wie eine grosse Werbeaktion, bei der das Gestüt in vollstem Glanz präsentiert werden musste. Ich selbst half natürlich auch fleissig mit. Schon um fünf Uhr war ich auf den Beinen und machte den ersten Stallrundgang. Nach der morgentlichen Kraftfutterration putzten und sattelten wir die Vollblüter der ersten Trainingsgruppe, denn trotz des ganzen Trubels heute brauchten sie ihr gewohntes Work-out. „Occu will you train with us today?“, rief Quinn quer durch die Stallgasse. „Nah, don’t think so – I still have to help with all the other stuff…” “Come oon, I’m sure Rita would be glad to skip out Oliver’s comments on her riding for once. And as I recall Sumerian is on your list, not on her’s!” Ich sah Rita, die gerade den Trainingssattel brachte und die Unterhaltung zweifellos mitbekommen hatte, mit gehobenen Augenbrauen an. Sie nickte lächelnd; die Antwort die ich mir insgeheim doch erhofft hatte. „Thanks so much“, bedankte ich mich und nahm ihr den Sattel ab. Ich zog den Fellgurt ins noch relativ lockere zweite Loch und klopfte Sumerian auf den Hals, weil sie so schön stillhielt. Die Stute war meistens gut drauf und arbeitsfreudig, aber gestern hatte sie mal wieder einen schlechten Tag gehabt. Das äusserte sich jeweils dadurch, dass sie dann beim Putzen ein ‚Grumpy-Face‘ aufsetzte und auch sonst im Umgang missmutig mit den Ohren spielte, besonders wenn ihr ein anderes Pferd über den Weg lief. Heute zeigte sie zum Glück wieder ihre gewohnte Neugier und Zufriedenheit. „So bist du viel hübscher, als wenn du eine Schrumpelschnauze ziehst“, murmelte ich lächelnd, während ich ihr die Trense in den Mund schob. Wir führten die sechs Pferde nach draussen und Oliver half uns beim Aufsteigen. Im Moment liefen in dieser Gruppe PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari und eben Sumerian. Die Gruppen waren unter Berücksichtigung der Rennleistung und des Alters gebildet worden, aber es gab trotzdem noch grosse Zeitunterschiede zwischen den Pferden; das sah man auch heute. Cool Cat war wie immer in Top Form und zog mühelos an den anderen vorbei. Allerdings war das Training auch nicht wie ein Rennen gestaltet. Viel mehr trainierten die sechs Vollblüter jeder für sich. Kopf-an-Kopf Sprints gab es nur zweimal pro Woche und unmittelbar vor Rennen. Trotzdem war Oliver sehr zufrieden mit der Zeit des italienischen Charmeurs. Frame hingegen war heute wieder etwas zu abgelenkt und liess sich immer wieder durch auffliegende Vögel oder sonstige Bewegungen aus dem Konzept bringen. Er driftete dann jeweils in Richtung Rails und zwang Quinn dazu, abzubremsen. Der Schecke war einfach ein Sonderfall, der mehr Geduld und Verständnis brauchte als die anderen. Trotzdem war es natürlich ärgerlich, und ich verstand Quinns Frustration nach dem Training. „Don’t worry, tomorrow will be better, as usual“, beschwichtigte ich sie. Die Antwort war ein Schulterzucken, gefolgt von einem verlegenen Lächeln. Wir brachten die Rennpferde zum Auskühlen auf die Führmaschine. Während die anderen Jockeys bereits die nächsten Pferde zu Putzen begannen, machte ich mich auf den Weg zum Sandplatz, wo Lisa, Jonas, Lewis, Darren, Lily und, zu meiner Überraschung, Hunter Crowley gerade das Festzelt aufstellten. Mr. Crowley Senior stand daneben und musste beurteilen, ob die Teile richtig zusammengesetzt wurden. Erst jetzt fiel mir wieder ein, dass Hunter ja angeboten hatte, beim Aufstellen mitzuhelfen. Ich konnte es nicht lassen, ihn ein wenig über Savory Blossom, Strolch, Riven und Heart of Ocean auszufragen. Schliesslich war in letzter Zeit so viel los gewesen mit den ganzen Fohlengeburten und Wettbewerben, dass ich kaum Zeit für Besuche gehabt hatte. Um die Auktion brauchte Hunter sich keine Gedanken zu machen, denn ich hatte ihm die kleine PFS‘ Storm Cat bereits im Voraus versprochen. Er hatte sie meines Wissens nach auch schon ein paarmal besucht – sie stand ja mit den anderen Vollblutfohlen des Jahrgangs auf dem Hof von dem die Leihstuten kamen. Wir alberten während dem Aufstellen ein wenig herum – wie konnte es auch anders sein, wenn Jonas und Lewis im Umkreis von 10 Metern zueinander standen? Die beiden neckten immer wieder Darren, weil dieser tatsächlich eine ganze Minute lang angestrengt versucht hatte, die Zeltstangen verkehrt herum zusammenzustecken. Auch ich konnte mir dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen, doch das Karma schlug wiedermal gnadenlos zu und liess mich, tollpatschig wie gewohnt, wenig später über eben diese Stangen stolpern. Natürlich fiel ich ausgestreckt in den Sand und war danach schön paniert. Wenigstens erbarmte sich Jonas während dem Lachen dazu, mir wieder aufzuhelfen und mir die Sandkörner abzuklopfen.

      Bereits um halb 11 Uhr fuhren die ersten Autos auf den Parkplatz und so langsam sammelten sich die Besucher. Ich plauderte ein wenig mit den Anwesenden bis es Zeit für den Rundgang war. Freudig erkannte ich einige bekannte Gesichter, wie zum Beispiel das von Stefanie Westside. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen und war entsprechend biegierig darauf zu erfahren, wie es ihrer Vollblutstute Mikado ging. Tassila sah ich ebenfalls irgendwo umherschleichen, ich wurde aber zu oft von anderen Leuten abgefangen, um etwas anderes als ein „Hallo“ zu rufen. Auch ein paar neue Leute lernte ich kennen, wie zum Beispiel Leticia Weidner, Fleur Mccain oder Luna Crown. Und dann waren da noch einige, von denen ich schon durch meine Bekannten gehört, oder in Zeitungen gelesen hatte. Dazu gehörten unter anderen Fiona O'Brien, Skye Winterbottom und Alicia Grey. Doch lange konnten wir nicht reden, denn ich musste langsam aber sicher die Führung auf dem Hofgelände starten. Im Getümmel entdeckte ich auch bereits Samantha O'Neill, der ich fröhlich zulächelte, zum Zeichen dass ich unter normalen Umständen gerne zu ihr gegangen wäre, um auch mit ihr Neuigkeiten auszutauschen. Ich begrüsste aber nun stattdessen alle Anwesenden und bedankte mich für das zahlreiche Erscheinen. Zunächst besichtigten wir den Nordstall – war ja auch das naheliegendste, wo er doch gleich neben dem Parkplatz zu finden war. Die Besucher waren sichtlich beeindruckt von der Anlage und den herausgeputzten Pferden. Nur meine lieben Freunde aus Kanada, Elisa Cranfield und Gwendolyn Campbell bekamen mal wieder nicht viel mit, weil sie emsig mit Samantha Neuigkeiten austauschen mussten. Das brachte mich ein paarmal zum Schmunzeln, sodass ich einmal beinahe den Faden verlor. Noch mehr aus dem Konzept brachte mich aber schliesslich meine freche Reitponystute River’s Blue Lady Liquor, die mich überraschte, indem sie von hinten unbemerkt den Kopf aus ihrer Boxentür streckte und sich an meinen Haaren zu schaffen machte. Wenigstens hatten die Besucher so nochmal eine amüsante Auflockerung, bevor es bei der Auktion wieder ernst werden würde. Während das Mittagsbuffet eröffnet wurde und die Gäste sich frei auf dem Gelände umsehen konnten, huschte ich zwischen den Stallgebäuden herum und kontrollierte nochmals, ob alles bereit war. Ausserdem empfing ich noch Rosie auf dem Parkplatz, die Islah, PFS‘ Isis und Anubis extra mit dem Anhänger von der Wilkinson Farm rübergebracht hatte. Wir luden die drei aus (Anubis war von Lucas Gordon separat gefahren worden, aus Sicherheitsgründen) und banden sie im Hauptstall an. Dann gesellte ich mich zu Jonas, Hunter, Crowley Senior und den Pflegern, um mir ebenfalls ein rasches Mittagessen zur Stärkung zu gönnen.

      „Where is Lisa?? Ah, I’m sorry – okay, let’s go.“ Ich führte mehr oder weniger Selbstgespräche, um mich etwas zu beruhigen und den Überblick zu behalten. Glücklicherweise standen tatsächlich alle Hengste sauber herausgeputzt bereit, so wie ich mir das vorgestellt hatte. Mit einem zufriedenen Nicken bedeutete ich Jonas, der mit Anubis den Anfang machte, das Viereck zu betreten. Ich kommentierte den Auftritt und erzählte ein wenig von dem Araberhengst und seinen Besonderheiten. Der sonst eher ruhige Anubis präsentierte sich mit rassetypischem Temperament vor den begeisterten Zuschauern – in ihm steckte eben doch ein Showpferd. Nachdem die beiden eine Runde auf dem Hufschlag gedreht hatten, folgten Darren und Drømmer Om Død. Die anderen Hengste betraten das Viereck ebenfalls immer dann, wenn ihr Vorgänger eine Runde absolviert hatte, sodass am Ende alle zusammen in der Mitte auf dem Platz standen. Dass auch Miniature Hengste nicht zu unterschätzen waren, bewies uns zuletzt Arctic Blue, der anscheinend ausgerechnet heute eine Flegelphase durchmachte und zwei, drei Mal steigen musste um zwischen all den anderen Hengsten zu beweisen wie ‚gross‘ er war. Lisa massregelte ihn etwas, aber das Publikum schien mit der Showeinlage gut unterhalten und so beschränkte sie sich auf halbherzige Korrekturen um ihn zumindest anständig neben sich zu halten. Ich erklärte zusätzlich, dass der kleine Hengst normalerweise sehr umgänglich und lieb war. Als Beck’s Experience dann auch noch ungeduldig zu scharren begann, weil sein Kumpel Glenns Caress nirgens in Sichtweite war, wusste ich, dass es Zeit war für die eigentliche Auktion. One Cool Cat verliess den Platz zuletzt, und draussen übernahm ihn gleich Ajith, um ihn wieder in den Hauptstall zu bringen. Oliver, der den imposanten Rappen geführt hatte, musste nun nämlich die etwas eigenwillige, genetische Mutter dessen Sohnes übernehmen. Da Iskierka noch aktiv Rennen lief, hatten wir uns für ihr Fohlen wie bei den meisten anderen Vollblutstuten kurzerhand eine Leihstute gesucht. Doch PFS‘ Snap Cat war erst als letzter an der Reihe; zuerst betrat Lady Diva from the Sky zusammen mit PFS‘ Beck’s Little Diva den Platz. Ich war erfreut zu sehen, dass Samantha den Zuschlag bekam – auch wenn sie anscheinend zuerst gar nicht wirklich den Überblick über den Stand der Dinge zu haben schien. Gut, ein Fohlen ist schonmal wunderbar versorgt, sagte ich mir glücklich schmunzelnd. Elisa und eine weitere Kanadierin zückten die Kellen, als es um PFS‘ Arctic Tiger ging, der aufgeregt neben seiner Mutter Tigrotto herhüpfte. Luchy Montrose erhielt schliesslich den Zuschlag und ich war gespannt, die neue Besitzerin des silbergrauen Hengstchens näher kennenzulernen. Als nächstes war auch schon Isis dran, wobei sich besonders Samantha und Rin Simboly duellierten, sodass die Gebote rasch in die Höhe schossen. Schliesslich kam Samantha abermals mit dem Hochstgebot davon und es war unschwer zu erkennen, wie sehr sie sich darüber freute. Isis war aber auch ein echter Blickfang mit ihrer besonderen Scheckung und ihrem hübschen Kopf – ich hatte von Anfang an erwartet, dass sie beliebt sein würde. Etwas weniger spannend ging es leider bei PFS‘ Icy Rebel Soul zu und her. Ich konnte mir nicht wirklich erklären, woran das lag, schätzte aber, dass die meisten Bieter sich eher auf ihren Halbbruder konzentrieren wollten. Rachel Wincox, ebenfalls ein mir bekanntes Gesicht, war die Glückliche, die das fast weisse Stutfohlen von nun an ihr Eigen nennen durfte. Icy trabte nichts ahnend neben ihrer Mutter Ice Coffee aus dem Viereck und hatte nur eines im Kopf: schnell zurück zur Weide und dann bei Mama um Milch betteln. Nun war die Nummer fünf an der Reihe. PFS‘ Unclouded Summer Skies löste wie erwartet einen Hagel an Geboten aus, und sein Preis kletterte immer weiter in die Höhe. Das Höchstgebot war ordentlich, überraschte mich aber nicht, denn mir war ja von Anfang an klar gewesen, dass Unbroken Soul of a Rebels Sohn beliebt sein würde. Nicht nur hatte seine Mutter Lovely Summertime einen tollen Körperbau, sondern auch er selbst bestach mit einer aussergewöhnlichen Farbe und einem bereits sehr kräftigen Hinterteil. Bei ihm war es mir auch sehr schwer gefallen, mich für den Verkauf zu entscheiden. Aber bei Bellamy und Octavia Blake hatte er einen guten Platz gefunden, wo er auch sicherlich in den verschiedenen Westerndisziplinen vielseitig gefördert werden würde.

      Unclouded war keine Überraschung gewesen – umso mehr war es dafür PFS‘ Disparo de Fiasco. Niemals hatte ich erwartet, dass Felines erstes Fohlen solch einen Ansturm auslösen würde. Mehrere Bieter kämpften entschlossen um den Zuschlag, sodass es bis zum Schluss spannend blieb. Gwen zeigte am meisten Durchhaltevermögen und ergatterte sich den Criollo Hengst schliesslich. Ich gönnte es ihr umso mehr, als ich ihr begeistertes Gesicht sah. Es ging dem Ende zu, nun fehlte nur noch Snap Cat. Zunächst wurde Iskierka rasch hineingeführt und vorgestellt, wobei sie Oliver besonders in der Nähe des Festzeltes ganz schön forderte; dann erst folgten das Hengstfohlen und die Leihmutter. Ich war noch am Kopfschütteln und rechnete bereits damit, dass nach diesem vielsagenden Auftritt der Mutter kein einziges Gebot eingehen würde, doch ich wurde abermals überrascht und das Hengstfohlen brachte doch noch eine beachtliche Summe zusammen. Elena Delgardo strahlte über’s ganze Gesicht und ich verstand, dass sie sich wahrlich in den kleinen verliebt hatte. Ich sagte noch ein paar Dankesworte zum Abschluss, dann hiess es Papierkram erledigen und mit den Käufern zusammensitzen. Die restlichen Besucher waren herzlich eingeladen, sich ebenfalls noch einen Kaffee, Tee oder Kuchen im Festzelt zu genehmigen, was einige auch wahrnahmen. Viele mussten allerdings bereits wieder abreisen, um ihre Flüge nicht zu verpassen.

      Am Abend, als alle Gäste weg und der Hof wieder in seinem normalen Zustand waren, setzte ich mich zum Dank mit den Pflegern zusammen und spendierte allen ein Eis. Auch Hunter und Mr. Crowley Senior waren noch geblieben um beim Aufräumen zu helfen, was ich sehr zu schätzen wusste. Snap Cat und Isis waren mit ihren Müttern wieder verladen und auf die jeweiligen Höfe zurückverfrachtet worden, während die restlichen Fohlen sich in den Boxen auf Pineforest von den Strapazen der Auktion erholten. Vorhin beim Stallrundgang hatten die meisten ausgestreckt im Stroh geschlafen. Ich war froh, dass die Auktion nun vorbei war und die Fohlen verkauft, denn jetzt musste ich mir keine Sorgen mehr machen: alle hatten gute Plätze gefunden, an denen sie sich wohlfühlen würden, da war ich mir sicher.

      Elena Delgardo's Sicht:

      Als ich den Newsletter erhalten hatte, dass auf Pineforest Stable wieder eine Fohlenauktion stattfinden würde, war mir klar, dass ich dieses Mal auf jeden Fall dabei sein wollte. Aber nur zum Zuschauen. Eigentlich hatten wir ja genug Pferde auf Jasmund und vor allem entsprachen die Rassen auch nicht meiner Vorstellung der Rassen, welche ich auf Jasmund brauchte für die Zucht. Ich und Simon packten also wenige Tage später schon unsere Sachen. Wir hatten mit den anderen vom Team ausgemacht, dass wir zwei Tage vor der Auktion bereits nach England fliegen würden und zwei Tage später wieder nach Hause. Wir hatten also für die Zeit ein Hotel gebraucht und auch das war schnell gefunden. Heute war bereits der zweite Tag in England und morgen würde die Auktion anstehen. Auch wenn ich beschlossen hatte, dass ich nichts kaufen wollen würde, so war ich dennoch mehr wie nur ein bisschen aufgeregt. Wir gingen abends sehr zeitig schlafen und am nächsten Morgen ging es auch schon früh los.

      Noch im Morgengrauen packte ich meine Sachen und kurz darauf fuhren wir los. Als wir auf Pineforest ankamen, war schon relativ viel los auf dem Gestüt. Ich war mehr wie nur begeistert von allem und grinste wie ein Honigkuchen Pferd. Dieses würde später noch viel breiter werden, aber von meinem Glück wusste ich jetzt natürlich noch nichts. Nachdem ich mich ein bisschen umgesehen hatte, lief ich Bellamy und Octavia in Arme. Beide freuten sich genauso wie ich über unser Treffen und sie hatte mir gesagt, dass sie schon einen Blick auf ein Fohlen geworfen hatten. Welches war mir auch gleich klar, denn ich hatte es schon im Newsletter gesehen und war auch echt angetan. Dennoch war mein Blick besonders auf die Nummer 8 gefallen. Der kleine Hengst trug den Namen PFS‘ Snap Cat und war ein kleines Englisches Vollblut. Nachdem wir uns überall umgesehen hatten ertönte auch schon die Durchsage, dass man sich bitte am Dressurviereck einfinden solle, denn das Programm würde nun weitergehen. Wir hatten bereits eine Führung über das Gestüt bekommen und ein wirklich leckeres Mittagessen, somit waren alle für das was nun kommen würde gerüstet. Als erstes würden die Hengst nach der Reihe in das Viereck geführt oder geritten, damit man sich ein Bild von ihnen machen konnte. Wie immer gefielen mir einige der Pferde wirklich gut und ich war jetzt schon auf die Fohlen gespannt. Klar man hatte sie im Katalog gesehen, aber in Echt war das alles nochmal was anderes. Nun begann der eigentlich Teil der Auktion. Die erste Stute wurde mit ihrem Fohlen in das Viereck getrabt. Dies passierte alles an der Hand und während sie ihre Runden drehten wurden die Gebote abgeben. Am Ende erhielt Samantha O‘Neill den Zuschlag für das kleine, süße Pony. Ein weiteres folgte. Im Gegensatz zum ersten war sein Fell grau und hatte keine Abzeichen. Der Hengst namens PFS‘ Artic Tiger sah wahnsinnig flauschig aus und ich überlegte kurz, oh ich mitbieten sollte. Jedoch würde das Pony bei uns sehr untergehen. Am Ende bekam Luchy Montrose den Zuschlag für den kleinen Hengst. Ichfreute mich für die neuen zwei Besitzer und wartete gespannt auf das nächste Fohlen. Simon hatte in der Zwischenzeit bereits Popcorn geholt und ich schob eins nach dem anderen in mich rein. Ich war wirklich sichtbar nervös, obwohl ich eigentlich gar kein Fohlen kaufen wollte. Nun wurde ein Araberfohlen in das Viereck geführt. Es hatte eine hübsche Scheckung und war somit nicht typisch Araberfarben, aber das kam wahrscheinlich von der Mutter, welche auch gefleckt war. Bei der Stute ging das Bieten wie wild los und schließlich bekam wieder Samantha O’Neill den Zuschlag. Sie würde heute also zwei Fohlen mit nach Hause nehmen, also bis jetzt. Nun würden zwei Kandidaten kommen, welche Bellamy und Octavia mit Sicherheit gefallen würden. Als erstes ein fast weißes Fohlen mit einem braunen Kopfabzeichen und danach ein fast braunes Fohlen. Sie stammten beide von Unbroken Soul of a Rebel ab und ich konnte es mir nicht nehmen bei dem zweiten Fohlen einmal mitzubieten, jedoch gingen mir die Preise schlussendlich viel zu hoch. Fohlen Nummer 4, das fast weiße Paint Horse, ging an meine Bekannte Rachel Wincox. Ihr würde ich später zu ihrem Schnäppchen gratulieren, denn sie hatte das Fohlen für nur 550 Joellen erworben. Im Vergleich dazu hatte Bellamy bei 3500 Joellen erst den Zuschlag bekommen. Nun würden nur noch zwei Fohlen folgen. Eines davon war ein Criollohengst namens PFS' Disparo de Fiasco. Bei ihm ging auch das Bieten relativ schnell in die Höhe und schlussendlich erhielt Gwendolyn Campbell erhielt am Ende den Zuschlag. Nun würde mein Liebling drankommen. In ihn hatte ich mich schon verliebt als ich den Katalog durchgeblättert hatte. Nun in Echt gefiel er mir noch um einiges besser und ich konnte mich nicht zurück halten. Ich hob mein Schild und schon wurde das Gebot registriert. Simon sah mich nur kopfschüttelnd an. „ Ich hab mich einfach verliebt“ meinte ich und zuckte mit den Schultern. Nachdem noch andere Bieter mitboten gingen die Gebote rasant nach oben und ich überschritt mein eigentlich geplantes Gebot. Nun ja dies war auch nicht geplant gewesen, denn eigentlich hatte ich ja kein neues Pferd kaufen wollen. Aber ich konnte einfach nicht nein sagen. Er würde so toll zu Vic passen. Widererwarten erhielt ich am Ende auch den Zuschlag für 3000 Joellen. Simon schüttelte nur den Kopf und ich wusste genau, dass ich einiges zu erklären hatte auf der Heimreise, aber nun war ich mehr wie froh, denn ich hatte das kleine Fohlen erhalten, in welches ich mich von Anfang an verliebt hatte. Die Auktion war somit auch beendet und nach und nach fanden sich Käufer nach Käufer am Hauptgebäude ein. Einer nach dem anderen wurde ins Büro gerufen und ich durfte als letztes die Papiere für meinen Hengst unterschreiben. Danach ging ich nochmal in den Stall und begrüßte meinen neues Gestütsmitglied, auch wenn er erst in ein paar Monaten zu uns ziehen dürfte. Ich klopfte ihm den Hals und war schon sichtbar gespannt wie er sich bei uns machen würde. Natürlich würden wir versuchen den Hengst in der Zeit bis zu seiner Ausreise nochmal zu besuchen, aber jetzt hieß es zurück ins Hotel. Die nächsten zwei Tage waren auch noch vollgestopft, weil wir uns ein bisschen was noch ansehen wollten, aber wir hatten mit Occulta abgesprochen, dass wir aber morgen oder übermorgen Abend nochmal ein bisschen vorbeikommen würden. Sie hatte natürlich zugestimmt und so verabschiedeten wir uns nun vorab von ihr.

      Samantha O'Neill's Sicht:

      "Endlich ist es soweit! Meinst du, du schaffst es ein Fohlen zu ersteigern? Hoffentlich klappt das mit Isis und Diva, die sind so hübsch... Aber da wird es bestimmt viele Gebote geben. Hach ich bin so aufgeregt...", plapperte Meg neben mir ununterbrochen. Das ging schon so, seit wir von meinem Gestüt Hollybrook Stud aufgebrochen waren und so langsam machte sie mich ebenfalls nervös. Also grinste ich meine Freundin mit hochgezogenen Augenbrauen an und drehte die Musik auf. Sie verstand den Wink mit dem Zaunpfahl - oder vielleicht eher dem ganzen Zaun? - und schmetterte stattdessen lauthals "Holiday" von Greenday mit. Dagegen konnte ich nichts einwenden, immerhin sang ich genauso schief. Heute war der Tag der Zuchtfohlenauktion auf Pineforest Stable und wir waren mit unseren zweieinhalb Stunden Fahrzeit wohl noch unter jenen Besuchern mit der kürzesten Anreise. Ich freute mich schon wahnsinnig auf das Spektakel und natürlich vor allem auch darauf meine beiden Favoriten unter den Fohlen - Isis und Diva - endlich einmal live zu sehen.

      Als wir viertel vor elf auf dem Gestüt ankamen, war der Parkplatz bereits rammelvoll. "Mensch, hier ist sogar noch mehr los als letztes Jahr", murmelte ich wenig begeistert. Nicht, dass ich Occulta den Erfolg nicht gönnte, aber je mehr Bieter hier waren, desto schwieriger würde es werden ein Fohlen zu ersteigern. Ich stellte mein Auto ab und stieg hinaus in die heiße Luft. Meg und ich hatten uns für dieses Event extra in Schale geworfen - sie mehr oder weniger unfreiwillig, aber das spielte ja keine Rolle. Ich trug ein fließendes, knielanges royal blaues Kleid mit goldenen Ornamenten darauf. Das waren nämlich die neuen Hollybrook-Farben und ich hatte mein Glück kaum fassen können, als ich besagtes Kleid gefunden hatte. Gwen dagegen trug einen ebenfalls royal blauen Rock und dazu eine weiße Bluse. Im Gegensatz zu mir fühlte sie sich in den Klamotten jedoch nicht wirklich wohl. Ich knuffte sie spielerisch in die Seite. "Du siehst super aus, hör auf die ganze Zeit an dir herumzuzupfen. Da schauen die Leute dann besonders genau hin.", zog ich sie auf. Man könnte meinen, Meg wäre in Stallklamotten geboren worden - wenn man sie mal nicht in Reithosen sah, trug sie abgewetzte Jeans und ein T-Shirt. Schwarz oder weiß natürlich, alles andere war ihr zu kitschig. Für unseren Ausflug zur Auktion hatte ich die unnachgiebige Chefin raushängen lassen und hatte Meg schließlich gedroht, dass ich ansonsten jemand anderen mitnehmen würde. Das war natürlich nicht ernst gemeint gewesen, aber immerhin repräsentierten wir hier mein Gestüt vor extrem vielen Menschen. So hatte Meg sich murrend mit mir in ein Kaufhaus begeben und sich heute morgen sogar von mir schminken und die Nägel lackieren lassen. Sie hatten - selbstverständlich - die gleiche Farbe wie ihr nagelneuer Rock. "Du bist ein Diktator, nur dass du es weißt. Dieses ganze Freundschaftsgetue ist doch nur aufgesetzt, damit niemand dein wahres Ich erkennt.", murrte Meg, während sie schon wieder an ihrer Bluse zupfte. Ich lachte nur und führte sie zu der Traube an Menschen, die sich auf dem Hof versammelt hatte. In deren Mitte stand Occulta Smith und lächelte uns zu, als wir uns hinter die anderen stellten. Ich entdeckte bereits einige bekannte Gesichter und freute mich schon sehr auf das Mittagessen, da ich einige von ihnen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Als es schließlich elf Uhr war, sprach Occulta ein paar nette Worte und führte uns dann über das Gestüt. Wir waren keine zehn Schritte weit gegangen, da beklagte sich Meg auch schon über ihre hohen Schuhe. Das änderte sich jedoch schlagartig, als wir die Koppeln erreichten und sie nur dank der Absätze etwas sehen konnte. Im Gegensatz zu mir war Meg nämlich ziemlich klein. "Wusste ich doch, dass ich dich Riesin nicht verwechseln kann!", ertönte in dem Moment eine mir wohlbekannte Stimme. Ich drehte mich um und sah mich Elisa, Matthew und Gwen aus Kanada gegenüber. "Oh ihr auch hier? Das hätte ich mir ja denken können!", erwiderte ich grinsend. Erst kürzlich war ich selbst in Kanada gewesen, um mich um das Training einiger Pferde zu kümmern, darunter auch eine von Elisa's Stuten. Irgendwie war die Auktion dabei wohl durch unsere Gesprächsthemen gerutscht. Vom Rest der Führung bekamen wir nicht allzu viel mit, da wir Neuigkeiten austauschten und uns über die Zuchtfohlen unterhielten. Auch das Mittagessen verging auf diese Weise im Flug. Ich grüßte immer wieder alt bekannte Gesichter und amüsierte mich prächtig. Als es dann am frühen Nachmittag zum Dressurviereck ging, wurde die Stimmung deutlich angespannter. Auch Meg begann wieder zu zappeln, doch ich war momentan genauso schlimm. Tja, aus einem schönen Pokerface wurde wohl auch dieses Jahr nichts. Ich nahm neben Elisa in der dritten Reihe Platz und blickte gespannt auf den Dressurplatz vor uns. Bevor es ans Eingemachte ging, war jedoch die Hengstparade an der Reihe. Anubis, der Vater von Isis war mir schon auf einigen Turnieren begegnet, doch es war immer wieder schön den schicken Hengst in Aktion zu sehen. Auch Drømmer Om Død und Unbroken Soul of a Rebel waren mir bereits bekannt. Ersterer weil er der Vater meiner süßen Prada war und Rebel hatte ich schon gepflegt. Beck's Experience zog trotz seiner Größe die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, als er stolz durch den Ring trabte. Toll, nun wollte ich Diva nur noch mehr haben. Das war doch wirklich verhext. Occulta betrat den Platz und verkündete uns strahlend, dass nun die Auktion bekam. Jeder Interessent hatte eine Bieterkelle erhalten und ich umschloss meine mit zittrigen Fingern. Vier Fohlen hatten meine Aufmerksamkeit geweckt und zwei von ihnen wollte ich unbedingt ersteigern. Fohlen Nummer 1 war Beck's Little Diva und ich sog die Luft ein, als ein Gebot auf das andere folgte. Diva dagegen trabte dicht an ihre Mama gedrängt durch die Bahn und schielte immer wieder zu uns hinüber. Irgendetwas an der Art des Fohlens schlug mich sofort in den Bann. Als ich gerade meine Kelle heben wollte, streckte Elisa neben mir ihre in die Luft. "Du? Was? Nein!", stammelte ich und reckte dann entschlossen meine Kelle in die Luft. "Oh oh, den Gesichtsausdruck kenne ich. Du würdest mich wahrscheinlich überbieten bis wir beide pleite sind oder?", grinste Elisa. In diesem Moment fiel der Hammer und Diva ging an die Nummer 50. Enttäuscht zog ich einen Flunsch, bis ich netterweise von Meg darauf hingewiesen wurde, dass ich Nummer 50 war. Nun entwich mir ein ersticktes Quieken und Elisa hielt sich vor Lachen den Bauch. "Schon gut, ich gönne sie dir, mische ich eben bei der Nummer 2 mit!", meinte sie dann schulterzuckend. Das hatte ich mir zwar auch überlegt, änderte meine Meinung jedoch beinahe sofort wieder, als die Gebote für den kleinen Hengst immer höher kletterten. Der Zuschlag ging schließlich an eine junge Frau die ich nicht kannte und Elisa murrte nur: "Kein Glück heute, also wirklich." Ich wollte gerade etwas erwidern, als meine Aufmerksamkeit zurück auf das Viereck gelenkt wurde. Isis trabte soeben mit ihrer Mutter herein. Das interessant gefärbte Scheckfohlen reckte seinen kleinen Kopf in die Luft und stolzierte mit langen Tritten neben seiner Mama her. Sie sah absolut nicht eingeschüchtert aus, als sie an der Menschenmenge vorbeikam und ich war einfach hingerissen. Schon kurze Zeit später kletterten die Gebote weit über meine selbst gesteckte Höchstgrenze, doch ich musste das Araberstütchen einfach haben und bekam schließlich bei einer Summe den Zuschlag, von dem ich zu Hause niemandem erzählen durfte. Zumindest solange nicht, bis sie Isis mit eigenen Augen gesehen hatten. Zufrieden lehnte ich mich zurück und genoss den Rest der Auktion. Dank Isis stand Fohlen Nummer 4, für das ich mich auch interessiert hatte, nun nicht mehr zur Debatte. Die anderen Fohlen gingen alle für gute Preise weg, vor allem um den Criollohengst Disparo de Fiasco brach ein regelrechter Kampf aus. Als schließlich das letzte Fohlen - ein hübscher kleiner Vollbluthengst - aus dem Viereck geführt wurde, kam Occulta wieder in die Mitte, bedankte sich für die rege Beteiligung und rief dann die neuen Fohlenbesitzer zu sich. In ihrem Büro wurden sodann auch fleißig Schecks ausgestellt und Papiere übergeben. Sorgfältig verstaute ich die von Diva und Isis in meiner Handtasche. Mit einem recht dümmlichen Grinsen verließ ich das Büro. Wir setzten uns nun alle zum Tee zusammen, dann wurde es auch langsam Zeit für die Heimfahrt. Diva und Isis würden bis August auf Pineforest Stable bei ihren Müttern bleiben, doch wir durften sie jederzeit besuchen und das würde ich sicherlich auch wahrnehmen.

      Die Sache mit Areion und Fohlentraining
      von Occulta
      PFS‘ Soñando Solas, PFS’ Cloony, PFS‘ Cranberry, Moon Kiddy, Phantom, Halluzination, Satine, Feline, Ice Coffee, PFS' Ljúfa, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Dancin’ to Jazz, Lovely Summertime, PFS‘ Disparo de Fiasco, PFS‘ Unclouded Summer Skies, PFS‘ Icy Rebel Soul, Areion

      „Was hast du heute im Sinn?“, fragte Jonas, während wir zu den Weiden schlenderten. „Halftern, Hufegeben, und vielleicht ein wenig Führen.“ Die Rede war von den Fohlen auf der Stutenweide. Sie waren nun einige Monate alt und kräftig gewachsen. Besonders mein kleiner Solas hatte einen wunderbar kräftigen Popo bekommen, der erahnen liess, dass er auch später ein echtes Kraftpaket werden würde. Moon kümmerte sich liebevoll um ihren Sohn und blieb stets in seiner Nähe. Vielleicht hing er aber auch einfach selbst so sehr an seiner Mama – es war schwer zu sagen. Fakt war, dass ich die beiden noch eine ganze Weile zusammen bleiben lassen wollte, ebenso wie die anderen Fohlen. Ich suchte schon seit Wochen nach einer passenden Fohlenschau für Solas, aber bisher war alles zu weit weg gewesen und unsere Zeit war auch ganz schön knapp mit all den anderen Turnieren. Jonas und ich kamen bei der Stutenweide an und betraten sie durch das Weidetor. Phantom hatte uns schon von weitem kommen sehen und kam nun allen voran zügig auf mich zu marschiert, um mich zu begrüssen. Das machte er mittlerweile immer so; ich schätzte, dass er damit auch immer gleich unsere Absichten checkte. Er schien zu wissen, dass von mir keine Bedrohung ausging, aber bei Fremden beobachtete er jeweils aus sicherem Abstand und entschied erst dann, ob er näherkommen oder die Stuten wegtreiben wollte. Er war stets wachsam und vorsichtig. Beim Reiten war er inzwischen ziemlich zuverlässig und mutig geowrden. Nur eines machte ihm immernoch Mühe – verständlicherweise, wie ich fand: Flugzeuge und Helikopter mochte er überhaupt nicht leiden. Flugzeuge gingen noch knapp, die schielte er nur skeptisch an. Aber bei Helikoptern begann er zu tänzeln und sich furchtbar aufzuregen. Ich hatte herausgefunden, dass es in so einer Situation am besten war, wenn ich ihn nicht zu bremsen versuchte, sondern stattdessen kontrolliert trabte oder so; hauptsache Bewegung. Ich konnte es ihm nicht verübeln, dass er sich vor den lärmenden Flugmonstern fürchtete, also unterstützte ich ihn einfach so gut es ging dabei, mit seiner Angst umzugehen. Ich streichelte seine dunkle Stirn und zupfte den langen Schopf zurecht. Er liess es ohne zu zucken zu und senkte den Kopf. „Good boy, Phantom. But this time I’m not here for you”, murmelte ich lächelnd. Auch Moon begrüsste mich mit ihrer weichen Schnauze, Solas wie immer bei Fuss, und die anderen Stuten kamen nach und nach zu uns gewandert. Jazz stand seit geraumer Zeit auch auf der Stutenweide bei ihrer Mutter. Die beiden sahen sich vom Körperbau und Kopf her ganz schön ähnlich. Sie hatten sich aber nicht sonderlich begrüsst, als sie wiedervereint worden waren. Mir kam es trotzdem so vor, als ob Jazz insgeheim die Nähe zu Shadow suchte und immer nur wenige Meter entfernt von ihr anzutreffen war. Jedenfalls war ich froh, dass sich alle so gut verstanden. Phantom hatte natürlich auch nicht nein gesagt zu dem Zuwachs in seiner Herde, und so war sie rasch von allen akzeptiert worden. Ein etwas grösseres Theater hatte es gegeben, als die verkauften Fohlen vor kurzem ausgezogen waren. Fiasco, Icy Rebel Soul und Summer Skies waren von ihren Müttern getrennt und von ihren Besitzern abgeholt worden. Feline, Summer Time und Ice Coffee hatten sich aber schnell wieder beruhigt und in ihren alten Alltag eingelebt. Sie halfen jetzt stattdessen manchmal auf die anderen Fohlen aufzupassen, oder so sah es zumindest aus. Halluzination und Satine würden nun auch nicht mehr lange auf der Stutenweide stehen, denn wir wollten sie langsam aber sicher wieder in ihre Boxen im Nebenstall umsiedeln. Für Cranberry und Clooney bedeutete das den baldigen ‚Abschied‘ und die Eingliederung in die Jungpferdeherden. Dafür wollten wir sie nun etwas vorbereiten, indem wir die Basics des Umgangs übten. Jonas begann mit Clooney, ich nahm Berry. Wir näherten uns den Fohlen gemächlich aber bestimmt und streichelten sie zuerst am Hals. Dann zeigte ich Berry das Halfter und liess sie daran schnuppern. Sie sah es nicht zum ersten Mal, aber ich liess ihr jetzt am Anfang noch mehr als genug Zeit und wollte sie keinesfalls überrumpeln, damit sie alles positiv abspeichern konnte. Ich schob das Halfter vorsichtig über ihre Nase und schloss es. Dann kraulte ich die kleine Stute wieder ausgiebig. Als nächstes tastete ich mich an ihren langen Beinen runter. So sah ich auch gleich, ob sie sich überall berühren liess. Ich lehnte mich etwas gegen sie und drückte sanft mit den Fingern mitte Röhrbein, bis sie den Huf selbstständig hob. Ich wollte ihn nicht hochnehmen, sondern ihr von Anfang an beibringen, dass sie ihn selbst anheben musste. Ich hielt ihn kurz fest, dann setzte ich ihn ab und lobte sie, bevor ich den zweiten Vorderhuf verlangte. Auch das klappte schon ganz anständig. Nur bei den Hinterbeinen war Berry anderer Meinung und trat sogar halbwegs gegen mich aus. Ich blieb geduldig und liess mich davon nicht beirren. Am Ende hob sie auch die Hinterhufe kurz an, und mehr verlangte ich heute auch noch nicht. Ich versuchte noch, sie am Halfter ein paar Schritte vorwärts zu locken und spielerisch zu führen, was sie sich wiederum gut gefallen liess. Dann zog ich das Halfter aus und entliess sie zu ihrer grasenden Mutter, die uns stets mit einem Auge beobachtet hatte. Sie hob kurz den Kopf, als ihre Tochter zu ihr lief und schüttelte sich schnaubend die Fliegen ab, dann frass sie entspannt weiter. Ich machte mit Solas weiter, im selben Stil. Er verstand es wohl als Spiel und wurde beim Führen etwas übermütig. Er drängelte und probierte aus, ob er mich herumschubsen konnte. Ich bewies ihm, dass das nicht funktionierte und liess ihn stattdessen mit der Hinterhand weichen. Ich war nicht grob, aber bestimmt; ganz nach dem Credo „was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr“. Jonas putzte inzwischen Ljúfa ein wenig. Die Ljóski-Tochter war mit ihren vier Jahren ganz leicht angeritten für einfache Green Horse Class Gangturniere, aber sie konnte wirklich nur die Grundlagen und wir wollten sie auch erst nächstes Jahr weiter ausbilden.

      Gegen Abend kam der Tierarzt vorbei, um nach den dreijährigen Vollblütern zu sehen. Ich nutzte die Gelegenheit und entführte ihn nach den Routineuntersuchungen zu Areions Box im Nordstall. Dort wartete auch schon Lily. Es ging um die mögliche Kastration des plüschigen Tinkers und um die Frage, ob sie überhaupt sinnvoll wäre. Denn Areion war zwar über den Frühsommer hinweg etwas zu stark für Lily gewesen, sodass ihn mehrheitlich Parker und ich geritten hatten, doch mittlerweile benahm er sich wieder anständig und liess sich von meiner Nichte mehr oder weniger problemlos händeln. Der Tierarzt meinte ebenfalls, dass wir mit der Kastration auf jeden Fall noch ein wenig warten könnten, um zu sehen, ob er im nächsten Jahr wieder so eine Phase hatte oder durch zusätzliche Erfahrung ruhiger blieb. Ausserdem hatte auch Lily diesen Sommer sehr viel dazugelernt und wurde immer besser. Ich hörte schon Jonas‘ Triumphgejubel in meinem Hinterkopf, als wir bei der Entscheidung es hinauszuzögern verblieben. Lily schien glücklich und streichelte Teddy die ganze Zeit liebevoll. Sie hatte ihr ‚Plüschtier‘ eben doch am allerliebsten so wie er war.

      Tanzen lernen
      Oktober 2017, von Occulta
      PFS‘ Dancin‘ to Jazz, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Ice Coffee, PFS’ Challenging Time, Estragon Sky, Ronja Räubertochter, Burggraf, tc Herkir, Ljóski, Painting Shadows, Cassiopeia, Campina, Sympathy of the Devil, Coulee, Shades of Gray, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Diarado, Bintu Al-Bahri, Numair, Anubis, Islah, Farasha, First Chant, Dakota S, Chocolate Chip, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Dressy Miss Allegra, PFS’ Beck’s Daisy Orchid, Silverangel

      Fröhlich pfeifend lief ich an den Ställen vorbei zur Stutenweide. Es war ein sonniger, warmer Tag und eine angenehme Brise versüsste die sonst schon tolle Stimmung. Es war einer dieser Tage, an denen nichts schiefgehen konnte. Am Morgen hatte ich erfahren, dass es der kleinen Chime wieder besser ging. Meinem kleinen Sorgenkind hatte die letzten zwei Wochen zusätzlich zu ihrer sonst schon schwachen Konstitution eine Erkältung zu schaffen gemacht. Der plötzliche Wetterwechsel war wohl hauptsächlich schuld daran gewesen. Mit dem herbstlichen Kälteeinbruch war die Temperatur um mehr als zehn Grad gesunken und es hatte lange geregnet. Chime trug nun vorsorglich eine warme Fohlendecke und bekam ab und zu ein durch den Tierarzt empfohlenes, spezielles Mash zu fressen, das ihre Verdauung unterstützte. Wir hofften, dass sich dadurch ihr Gewicht, das noch immer auf der leichten Seite war, weiter normalisierte. Jedenfalls war ich jetzt erstmal unglaublich erleichtert, dass sie laut Ella nicht mehr hustete und keinen Nasenausfluss mehr hatte. Zusätzlich zu dieser erfreulichen Nachricht hatte mich auch ein lang erwarteter Anruf von einem neuen Mitarbeiter erreicht. Wir hatten nach jemandem für ein Praktikum über den Herbst hinweg gesucht, da Jason für ein paar Monate nach Amerika reisen und dort auf einer Ranch bei Verwandten aushelfen wollte. Der Neue hiess Tobias Leech, wohnte nur zwanzig Auto-Minuten von Pineforest entfernt und hatte laut eigener Aussage schon einige Erfahrung mit Pferden. Wir hatten am Telefon ausgemacht, dass er ab heute nach dem Mittag bis Samstag schnuppern kommen konnte und wir dann alles weitere beschliessen würden. Ich war gespannt, wie er sich anstellen würde und hoffte natürlich, dass alles passte. Bevor ich das herausfinden konnte, gab es aber noch ein paar andere Dinge zu erledigen. Zum einen wollte ich vor dem Mittag noch Artemis longieren, zum anderen stand ein ‚Gelassenheitstraining‘ mit Dancin‘ to Jazz an. Wir hatten die Stute seit ihrer Ankunft vor ein paar Wochen noch nicht oft geritten, aber es hatte sich schnell herauskristallisiert, dass sie sich alles andere als wohl fühlte unter dem Reiter. Sie war zwar gehorsam und konnte schon relativ viel, aber sie klemmte dauernd den Schweif ein, hatte kaum Vorwärtsdrang und teilte die Neugier der anderen Jungpferde überhaupt nicht. Es kam mir so vor, als hätte sie am liebsten rein gar nichts mit Menschen zu tun, ausser vielleicht wenn sie das Futter brachten. Deshalb wollte ich heute mit ihr Ausreiten und ihr zeigen, dass Arbeit auch Spass machen konnte. Dazu gingen wir mit der Gruppe bestehend aus ihrer Mama Shadow, Summer und Coffee mit.

      Ich holte Jazz von der Weide ab und brachte sie, gefolgt von den anderen, zum Nebenstall. Dort banden wir die Stuten am Holzgeländer fest und begannen mit dem Putzen. Es war einfacher, die Pferde hier oben zu putzen, da wir so die Sättel nicht zur Weide runter schleppen mussten. Jazz war nur ein wenig staubig, trotzdem nahm ich mir genug Zeit für die Fellpflege und kraulte sie dabei auch immer mal wieder. Ich vermutete nämlich, dass man sich früher nie so viel Zeit für sie genommen hatte und alles immer hatte rasch von statten gehen müssen. Beim Satteln legte die junge Appaloosa Stute die Ohren an und senkte zugleich den Kopf mit einem missmutigen Blick. Ich versuchte das Gurten daher so angenehm wie möglich zu machen und massierte zuerst die Gurtregion hinter ihrer Schulter. Am Anfang wurde sie dabei etwas unruhig und ihr Schweif wurde aktiv, doch sie beruhigte sich rasch und begann es zu geniessen. Anschliessend gurtete ich sanft ins erste Loch und verschlaufte den Rest des Westerngurtes. Ich zäumte Jazz, wobei es zuerst ein wenig Überzeugung brauchte, bis sie die Trense in den Mund nahm. Ich beschloss insgeheim, sie in Zukunft vorläufig mit Bosal zu reiten, doch für heute musste sie mit den vorhandenen Mitteln klarkommen. Ich vergewisserte mich, dass die anderen auch soweit waren, dann führten wir die Pferde auf den Kiesweg und stiegen auf. Wir ritten in Richtung Galoppwiese, an den Miniature Horses und den Fohlen vorbei. Die Jungpferde folgten uns beim Durchreiten am Zaun entlang, die Minis hingegen interessierten sich zu wenig und sahen uns nur von weitem zu. Jazz folgte brav Shadow und Coffee, Summer war rechts neben uns. Lisa, Darren, Jonas und ich unterhielten uns über die neue Ausgabe der Rennpferdezeitschrift, während die vier Pferde den Ausritt genossen. Als Jazz aber selbst nach einer halben Stunde Trab und Schritt noch nicht aufgewacht war, sondern weiterhin stumm ihr Pflichtprogramm abspulte, beschloss ich, das Ganze etwas spannender zu gestalten. Wir befanden uns auf einem der gewöhnlichen Waldwege, doch etwas weiter vor uns entdeckte ich einen Trampelpfad, der sich nach links durch das spährliche Unterholz schlängelte und sich dann tiefer zwischen den Bäumen verlor. Mit einem Blick zu meinen Reitgefährten deutete ich auf den Pfad und zog fragend die Augenbrauen hoch. Sie nickten einverstanden, also bogen wir alle brav hintereinander auf die neue Strecke. Jazz schien etwas überrascht und drehte unsicher die Ohren zu mir nach hinten. Ich kraulte sie kurz vor dem Sattel an der Schulter, um ihr zu bedeuten, dass alles in Ordnung war und wir wussten, was wir taten. Je weiter wir kamen, desto aufmerksamer und konzentrierter wurde sie, denn es hatte viele Wurzeln und Äste auf dem Boden, über die sie ihre schlanken Beine heben musste. Wir duckten uns unter tiefhängenden Ästen durch, ritten durch Büsche und machten Slaloms um die Stämme. Ich kam mir ein wenig vor wie auf einer Safari, denn wir begegneten tatsächlich auch einer Gruppe Rothirsche, die Summertime und Jazz ganz aus dem Konzept brachten. Die beiden waren extrem guckig und tänzelten, bis das Wild ausser Sichtweite war. Doch ich war nicht sauer, im Gegenteil; so langsam hatte ich das Gefühl, ein Pferd unter mir zu haben und keinen abgestumpften Roboter. Tatsächlich: Jazz war endlich aufgewacht. Auch auf dem restlichen Ausritt blieb sie wachsam, hatte einen zügigeren Gang und liess sich schneller für neue Aufgaben begeistern, wie zum Beispiel ein rasches Füsse-Baden im Fluss. Sie scharrte und spritzte sogar, als wir im Wasser standen. Ich liess sie die meiste Zeit am langen Zügel laufen, sodass sie sich umsehen und strecken konnte – und sich nicht in irgendeine Form gezwängt fühlte. Irgendwann zwischendrin schüttelte sie ihren Hals, schnaubte laut, kaute und schleckte rasch. Ab diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass sie sich wirklich entspannte. Ihre Ohren wackelten zufrieden mit und sie lief mit einem gesunden Vorwärtsdrang, den Schweif leicht angehoben. Wenn wir trabten, so war es nicht der vorherige, zurückhaltende, schwunglose Trab, sondern ein gehobener, stolzer und ausdrucksstärkerer Gang. Das ist es, mein Mädchen – so tanzt man richtig, dachte ich als Anspielung auf ihren Namen. Ich kam nicht umhin den ganzen Rückweg glücklich zu grinsen. Ziel erreicht. Zumindest den ersten Teil davon. Als ich auf dem Hof abstieg, rieb Jazz ‚frech‘ ihren Kopf an meiner Schulter. Ich liess sie machen und kraulte sie am Hals. Manche hätten das als ‚respektlos‘ abgestempelt, doch das war mir egal. Sie hatte nunmal etwas warm bekommen und wollte sich den vom Schweiss juckenden Kopf reiben – das verstand ich nur zu gut. Ich wollte sie dazu ermutigen, sich mehr solche Dinge zu trauen und offener zu werden, denn ich mochte meine Pferde mit einem gewissen Witz und ein paar Flausen am allerliebsten. Das machte sie einzigartig und spannend; zeigte mir, dass sie fühlende Lebewesen waren, genau wie ich selbst.

      Wir sattelten die Pferde ab, wuschen mit einem nassen Schwamm rasch die Sattellage - mit dem sich entwickelnden Winterplüsch hatten die vier etwas warm bekommen - und brachten sie wieder auf die Weide. Jazz lief zügig in Richtung der anderen Stuten, als ich sie laufen liess. Nicht wie Shadow und Summer, die noch einen Moment bei uns stehen blieben um zu sehen, ob wir vielleicht noch ein Leckerli rausrückten. Als sie sich ein paar Pferdelängen entfernt hatte, hielt sie jedoch nochmal inne und sah zurück. Ich konnte nicht definieren, ob sie einfach auf ihre zurückgebliebenen Weidegenossen wartete, oder ob sie sich überlegte, nochmal zurückzukommen. Aber es gab mir das Gefühl, dass wir heute einen grossen Schritt vorangekommen waren. Wir liessen die Stuten in Ruhe und ich begab mich zum Nordstall, wo ein gewisser Achal Tekkiner auf mich wartete. Artemis hatte sich wiedermal einen hübschen Mistfleck zugezogen und röchelte mir schamlos entgegen. Seufzend warf ich einen beschuldigenden Blick zu Darren, der gerade die Boxen mistete; ich überlegte es mir aber dann doch anders und liess einen scherzhaften Kommentar von wegen ‚nicht schnell/gründlich genug ausgemistet‘ bleiben, weil ich genau wusste, dass der Pfleger seine Arbeit gewissenhaft erledigte. Manchmal waren die Pferde eben einfach schneller, aber ich schätzte die Arbeit meiner Angestellten sehr und war mir sehr wohl bewusst, dass ich ohne solch ein gutes Pflegerteam niemals ein Gestüt wie Pineforest Stable führen könnte. Ich holte Artemis aus seiner Box und begann, den Schimmel wieder grau-weiss zu bekommen, während ich dazu mit dem Stallradio mitsummte. Jacky kam nach einer Weile hereingetrottet und legte sich neben die Putzbox auf den kühlen Stallboden. „Ist dir langweilig geworden?“, fragte ich sie lächelnd, ohne eine Antwort zu erwarten. Normalerweise war sie fast den ganzen Tag damit beschäftigt, den Katzen beim Mäusejagen Konkurrenz zu machen. Die anderen beiden Hunde, Sheela und Zira, streunerten meistens auf dem Hof herum, lagen irgendwo im Schatten oder begleiteten mich auf Schritt und Tritt – je nach dem, wie sie aufgelegt waren. Sheela kam immer gerne mit auf Ausritte, denn sie hatte Power ohne Ende. Sie blieb aber auch ganz gerne bei Jonas, sodass ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie eher sein Hund war. Zira klebte an mir, und daran liess sie keine Zweifel aufkommen. Meistens war sie mein Schatten, egal ob auf dem Hof oder ausserhalb. Manchmal vergass ich fast, dass sie da war, denn sie war anders als Jacky und Sheela nicht aufdringlich oder aufmerksamkeitssüchtig. Sie gab sich damit zufrieden, wenn ich von mir aus abends mit ihr spielte und schmuste. Tagsüber war sie ‚on duty‘, hielt Ausschau nach fremden Personen und Tieren, oder war einfach mein stiller Begleiter, vornehm zurückhaltend. Jonas hatte schon ein paarmal angedeutet, dass wir wohl ohne es zu bemerken einen Wachhund angeschafft hatten. Jedenfalls war sie jetzt im Moment nicht bei mir, was mir erst gerade auffiel. Stirnrunzelnd putzte ich weiter, kratzte die Hufe von Artemis aus, kämmte seinen Schweif und zog ihm das Knotenhalfter an. Dann führte ich in an der Longe raus und wollte zum Roundpen laufen. Doch ich hörte Gebell und ein Blick zum Parkplatz verriet mir, woher es stammte. Der potentielle neue Praktikant stand dort, mit hilfesuchendem Blick zu mir, während Zira ihm bellend den Weg versperrte. „Zira, stop!“ Die Hündin drehte sich um, kam zu mir getrottet und stellte sich ruhig neben mich. Ich lobte sie rasch, dann begrüsste ich den jungen Mann. „You are a bit early, I thought we agreed that you come here after lunch?“ “I know, I’m sorry, I can leave again if it’s a problem…” “No, no, it’s fine. You can either go around and see if any of the stablehands have a moment to show you around or accompany me.” Er entschied sich für letzteres und folgte Artemis, Jacky und mir zum Roundpen. Zira trottete uns ebenfalls hinterher, immernoch misstrauische Blicke auf Tobias werfend. „I’m afraid she doesn’t like me…“, meinte dieser nach einer Weile, wohl auch, um ein neues Gesprächsthema aufzugleisen. „Nah, don’t worry – she’s always like this when someone new appears in her territory.”

      Ich longierte Artemis ganz normal eine halbe Stunde lang. Dabei verlangte ich viele Seitenwechsel und Übergänge, damit dem Schimmel nicht langweilig wurde. Er lief willig vorwärts und dehnte immer wieder ausgiebig den Rücken. Am Ende liess ich auch Tobias kurz ans Seil, einfach um zu sehen, wie er mit dem sensiblen Achal Tekkiner klarkam. Artemis war wie erwartet skeptisch und erhöhte sein Tempo, weil Tobias allein mit seiner Präsenz mehr Druck auf den Hengst ausübte. Er beruhigte sich auch nach einer Weile nicht, weshalb ich wieder übernahm und ihn austraben liess. „It’s not because of you, he’s just sceptical with people he doesn’t know – kinda like Zira…“ Ich verzog etwas die Lippen bei dem Gedanken, wie das auf den Neuling wirken musste; gleich zwei Tiere die sich so ungewöhnlich verhielten. Ich hoffte, dass er dadurch nicht zu sehr verunsichert wurde. Aber ich machte mir wohl einfach zu viele Sorgen, denn Tobias machte trotz allem einen fröhlichen Eindruck. Wir versorgten Artemis und ich zeigte Tobias dabei gleich schonmal den Nordstall. „…And here we have Herkir and Ljóski, our two Icelandic stallions. Have you ever ridden tölt?” “Nope…” “It’s really cool, you’ll see – well if it all works out of course.” Ich war etwas erleichtert, als der verspielte Herkir Tobias sofort seine Schnauze ins Gesicht streckte und so gar nicht fremdelte.

      Tobias hatte sein eigenes Mittagessen in Form eines Sandwichs mitgebracht. Ich bot ihm dennoch eine Portion Spaghetti an, die er aber dankend ablehnte. Lily war etwas schüchtern und redete während dem Essen nicht so viel wie sonst. Jonas plauderte mit Tobias über dessen vorherige Jobs. Nach dem Essen begaben wir uns zum Nebenstall. Ich zeigte Tobias die Pferde dort und wir holten Ronja zum Putzen raus. Ich wollte den Praktikanten reiten sehen und mir so ein Bild von seinen Erfahrungen machen. Auch beim Vorbereiten hielt ich mich selbst zurück und beobachtete den Neuen stattdessen genau. Er schien etwas nervös, schien aber zu wissen, was er zu tun hatte und ging auch nicht irgendwie grob mit Ronja um. Er interessierte sich sehr für das besondere Fell der Stute und kam selbst auf die Idee, dass sie mit Burggraf, den wir zuvor im Nordstall gesehen und gestreichelt hatten, verwandt sein könnte. Ich erklärte ihm, dass die beiden Halbgeschwister waren, ihr mittlerweile verstorbener Vater aber leider nicht so bekannt und auch nicht gekört gewesen war. Trotzdem hatten sie ein paar anständige Blutlinien und eben die besondere Farbe. Tobias schien fasziniert und bemerkte, dass wir hier allgemein viele besondere und auch scheinbar wertvolle Pferde hatten. Ich meinte leicht verlegen, dass ich aussergewöhnliche Farben sehr gerne mochte und von meiner Tante anscheinend ein Auge für gute Pferde geerbt hatte. Wir diskutierten noch ein wenig über moderne Stammbäume und berühmte Hengste, während wir Ronja sattelten und zäumten. Anschliessend führten wir die Stute auf den Sandplatz und Tobias stieg auf. Er wärmte Ronja ein, dann gab ich ihm eine Art Reitstunde. Er schlug sich ganz gut; zwar war er offensichtlich kein Profireiter, aber er konnte sich zumindest gut oben halten und kannte die wichtigsten Lektionen. Ronja benahm sich rücksichtsvoll und liess sich quasi von mir fernsteuern – manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie eher auf meine Stimme hörte, als auf Tobias‘ Hilfen. Jedenfalls liess er sie nach einer Dreiviertelstunde austraben und lobte sie ausgiebig. Wir versorgten sie und gingen weiter zum Hauptstall. Dort war Misten angesagt. Eine Ideale Gelegenheit für Tobias, sich in Durchhaltevermögen zu beweisen, denn es gab immerhin allein hier 33 Pferde zu versorgen. Ich half auch mit, ausserdem waren Ajith, Parker und Thomas dabei. Charly schlich sich davon, als er merkte, dass schon genug Leute da waren zum Misten. Ich ertappte ihn beim um-die-Ecke-verschwinden und hob schmunzelnd die Augenbrauen, woraufhin er ein Unschuldsgesicht aufsetzte. Ich schickte ihn zu den Weiden, damit er wenigstens Lewis beim abäppeln helfen konnte. Tobias und ich begannen bei den Stuten. Ich schob Cassys Boxentür auf und durchsuchte das Stroh gründlich. Tobias begann direkt bei Shades of Gray. Als er bei Sympathy ankam, fragte er mich nach wenigen Minuten um Hilfe, weil die freche Stute ihn dauernd belagerte und ihn nicht richtig arbeiten liess. Ich erklärte ihm, dass sie sehr schnell die Schwächen von Leuten herausfand und man deshalb sehr konsequent mit ihr umgehen musste. Ich demonstrierte ihm rasch, wie er sie mit deutlicher Körpersprache fernhalten konnte, ohne dabei irgendwie grob werden zu müssen. Etwas Druck in Form von einem entschlossenen Schritt in ihre Richtung reichte bei mir schon, bei ihm brauchte es dann doch noch etwas mehr Einsatz, bis sie überzeugt war. Es schien ihm ziemlich peinlich zu sein, dass er nicht auf anhieb alleine klargekommen war, aber ich fand das nicht schlimm und war froh, dass er gefragt hatte, anstatt einfach irgendwas zu machen. Ich fuhr direkt bei Campina und Paint fort, weil ich bei den anderen vier Boxen schon fertig war. Bei Coulee entdeckte ich eine kleine Wunde auf der Kruppe; vermutlich hatte sie wieder mit Iskierka gezankt. Ich desinfizierte es nach dem Misten rasch, wobei ich Tobias auch gleich zeigen konnte, wo die Medizinischen Hilfsmittel waren.

      Nach dem Misten besuchten wir noch die Miniweiden. Dort halfen wir Linda beim täglichen Bürsten der Minis.Besonders jetzt im Fellwechsel genossen die kleinen Pferdchen das Prozedere und konnten gar nicht genug vom Striegeln bekommen. Auch meine kleine Daki spitzte genüsslich die Lippen, als ich sie am Hals putzte. Bald mussten sie auch wieder geschoren werden, jedenfalls diejenigen, die an Shows teilnehmen würden. Im Kopf hatte ich gerade Falke und Chip, die in zwei Monaten für ein Show Springen gemeldet waren. Aber auch die Fohlen Allegra und Orchid kamen nicht umhin geschoren zu werden, weil sie an Fohlenshows teilnehmen und fleissig Bewertungen sammeln mussten. Tobias war erstaunt als er hörte, dass wir mit den Minis wirklich so aktiv an Shows teilnahmen und sie richtig arbeiteten. Als wir beim Thema Shows waren, fragte er, ob wir denn auch Vollblut Araber auf dem Hof hatten, denn er habe schon oft Shows für Araber besucht. Ich erklärte, dass ich drei Araber besass, diese aber auf der Wilkinson Farm bei Rosie untergebracht waren. Ich hielt rasch inne und liess mir den Zeitplan durch den Kopf gehen, dann schlug ich vor: „We can go and visit them, if you like. I wanted to pay Rosie a visit anyway.“ Er nickte begeistert, also machten wir uns auf den Weg, sobald wir mit den Minis fertig waren. Wir fuhren rasch mit dem Auto rüber, weil das für solch einen kurzen Besuch mehr Sinn machte als extra zwei Pferde zu satteln. Rosie war freudig überrascht mich zu sehen und zeigte uns die Araber. Numair und Anubis sahen prächtig aus; sie waren gut genährt, aber nicht zu dick, hatten ordentliche Muskeln (offenbar machte Rosie ordentliches Distanztraining und Dressur mit ihnen) und waren sofort aufmerksam und motiviert, als wir zu ihnen kamen. „I’m sorry boys, we’re just here to look at you. I’m sure you’ve had a good ride in the morning though”, murmelte ich, als ich Numairs Stirn streichelte. Auch Bintu sah uns gebannt entgegen und seine hübschen, dunkel umrandeten Augen beobachteten erwartungsvoll unsere Bewegungen. Der Hengst war durch und durch stolz; ein richtig prachtvoller Vertreter seiner Rasse. Manchmal beneidete ich Rosie ein wenig, wenn ich ihn beim Ausreiten auf der Weide sah. Wir gingen weiter zu den Stuten. Islah und Farasha röchelten freundlich, als wir in ihre Nähe kamen. First Chant stand in der Box neben Farasha, denn sie war vor kurzem entwöhnt worden. Rosie wollte sie bald zu uns rüber schicken, damit sie auf Pineforest mit den anderen Fohlen in der Gruppe groswerden konnte. Die kleine hatte schon hellere Stichelhaare, die auf das beginnende ausschimmeln hindeuteten, war aber im Grossen und Ganzen noch ziemlich dunkel. Man sah schon jetzt deutlich, dass sie einen wunderschönen Kopf bekommen würde. Als ich sie so schwärmerisch ansah, fragte Rosie „Well, about Chia – did you think about my offer?” “Yes… I think I’d like to take her, as long as she can live here with the other arabs? I mean, I really really like her, she is just gorgeous… Even though I didn’t want to buy more horses.” “I’m glad to hear it. Then the Price is okay, too?“ „Yep. U sure you don’t want more either?“ Sie nickte und murmelte etwas vonwegen ‚Freundschaftspreis‘. Mit First Chants Kauf sponsorte ich Rosie quasi, weil sie die Stute später immernoch für den Sport zur Verfügung haben würde, ich jedoch alle Kosten übernahm. Eigentlich hatte Rosie das ja gar nicht nötig, denn Geld besass sie durch ihre Familie mehr als genug. Aber die junge Frau hatte es sich zum Ziel gesetzt, sich ihr eigenes Vermögen zu verdienen und nicht einfach das ihrer Eltern zu verprassen. Tobias und ich verliessen die Wilkinson Farm bald darauf wieder und kehrten zurück nach Pineforest. Während der Praktikant von den Pflegern eingearbeitet wurde, gingen Jonas, Lily, Alan und ich mit Diarado, Silver, Dancer und Pilot auf einen schönen langen Nachmittagsausritt.

      Distanz L-M
      Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Lovely Summertime, Feline, PFS’ Ljúfa
      Oktober 2017, von Occulta
      Vor uns lag ein ausgiebiges Distanztraining in herbstlichen Temperaturen und mit voraussichtlich dem ein oder anderen Regenschauer. Ich packte deshalb vernünftigerweise eine Regenjacke mit in die Satteltaschen von Rebel. Der gescheckte Hengst war bereits sauber geputzt, mit Gamaschen ausgerüstet und mit einer Kombination aus Knotenhalfter und darüberliegendem gewöhnlichem Snaffle Bit gezäumt. So konnte ich ihn unterwegs anbinden, wenn es sein musste. Das Führseil hatte ich um das Sattelhorn seines Westernsattels gelegt. Ich checkte noch einmal den Sitz der Gamaschen, ehe ich aufstieg. Ich wollte, dass sie nicht zu eng waren, aber sie durften ja auch nicht verrutschen während des Ritts. Jonas schien auch fertig zu sein. Er führte Flint zu uns herüber. „Ready?“ „Jup.“ „Almost!“, kam es von weiter hinten aus dem Nordstall gerufen. Die Stimme gehörte zu Linda, die Dod gerade noch das Knotenhalfter anzog und die Zügel aus dem langen Führseil knotete. „Now we’re good to go“, erklärte sie, als sie kurz darauf zu uns stiess. Wir führten die drei Hengste raus und trafen uns vor den Weiden mit Jason, Lewis und Lisa. Feline, Summer und Ljúfa sahen ebenfalls sauber und fit aus. „Everyone got a rain jacket? It’s probably gonna pour down on us halfway to Llanandras.” “How lucky that not all of us have to go all the way there”, bemerkte Lewis schelmisch. “Well, I’m sure it’s gonna rain enough on the way to Burford already, so you’ll get your share, too.” Wir hatten verschiedene Etappen vor uns, denn nicht alle sechs Pferde waren auf dem gleichen Trainingsstand. Es war so aufgeteilt, dass wir drei Zweiergruppen hatten, die ungefähr 50 km, 70 km und 90 km absolvierten. Ich war mit Rebel in der Gruppe, die nur bis zur ersten Etappe ritt. Uns begleiteten Ljúfa und Lisa. „Okay guys, let’s start. It is 8 o’clock, our target is to reach Llanandras at around ten.” Wir setzten uns in Bewegung. Der Weg führte uns durch den Pinienwald nach Westen. Irgendwann ging der Nadelige Wald in den Wyre Forest über, dann stiessen wir schliesslich auf offene Wiesen, in einer relativ flachen Landschaft. Wir mieden Strassen so gut es ging und hielten uns an Feldwege oder sogar Wanderwege. An manchen Stellen konnte man auch einfach über Felder reiten, aber selbstverständlich nur, wenn diese nicht angesäht waren. Die Pferde waren am Anfang etwas angespannt, als wir bekanntes Ausreitgebiet verliessen. Mit der Zeit entspannten sie sich aber wieder – das lag wohl auch daran, dass sie so viel Bewegung bekamen und in waiser voraussicht ihre Energie nicht allzu verschwenderisch einsetzen wollten. Bis Bickley hielt das Wetter und es war bloss bewölkt dunstig; doch dann begann es zu tropfen und wenig später waren wir durchnässt. Das dämpfte die Stimmung natürlich etwas, aber wir setzten den Ritt nichts desto trotz fort. „I’ll need a good piece of chocolate after this“, motzte Jonas mürrisch. Die Pferde störte das Wetter weniger. Sie behielten die Ohren aufmerksam nach vorne Gerichtet und genossen die Landschaft. Rebels nasses Fell kräuselte sich bei seinem Mähnenansatz. Ich betrachtete die dunklen Haare nachdenklich und kraulte kurz seinen nassen Hals. Es war herrlich still und man hörte nur das Rauschen der Regentropfen auf den Gräsern, oder das gelegentliche Vorbeifahren eines Autos auf einer der Strassen in der Nähe. Ich kam nicht umhin zu lächeln – irgendwie fühlte ich mich trotz des Regens richtig wohl. Jonas ritt direkt neben mir. Flint wirkte zufrieden. Er schritt fleissig vorwärts, obwohl wir schon über zwanzig Kilometer hinter uns hatten. Er war aber auch den ganzen Sommer hindurch auf ausgiebigen Trail Rides gewesen und hatte genug Gelegenheit bekommen, seine Ausdauer zu trainieren. Rebel dagegen war mehr im Reining gefördert worden, sodass er zwar viel Kraft, aber weniger Kondition hatte. Jonas bemerkte mein gedankenversunkenes Lächeln und sah mich liebevoll schief an. Wir tauschten einen Blick aus, dann unterbrach Lewis die Stille. „I can see Burford. We’ve made it to our first stage. And on time, too.” Ich warf einen Blick auf mein eigenes Smartphone. Es war fünf nach zehn. „Nice.“ Wir ritten noch ein Stück weiter, dann trennten sich unsere Wege. Lisa und ich ritten zurück, während die übrigen kurz pausierten und dann ihren Weg fortsetzten. Ich lehnte mich zu Jonas für einen flüchtigen Abschiedskuss. Flint fand die Nähe zu Rebel nicht ganz so toll und legte die Ohren an, aber bevor etwas passieren konnte, gingen Rebel und ich schon wieder auf Abstand. „Have a safe ride.“ „You too.“

      Der Rückweg kam mir irgendwie länger vor, obwohl wir beinahe dieselbe Route nahmen. Damit es nicht zu langweilig wurde, wichen wir natürlich auf andere Wege aus, aber laut Google Maps war die Distanz in Kilometern etwa dieselbe. Ljúfa schien froh, als Pineforest in Sichtweite kam. Die Isistute dampfte im kalten Regen. Für sie war es doch noch ein anstrengendes Stück Arbeit gewesen. Wir sattelten die beiden ab und zogen ihnen Fleecedecken an. Als ich mit Rebel im Nordstall fertig war, ging ich zu den Weiden, um zu sehen wie weit Lisa war. Es regnete noch immer unbarmherzig, also zogen wir uns ins Pflegerheim zurück und gönnten uns eine Tasse Tee. Ich sah zwischendurch auf mein Smartphone, denn Jonas hatte versprochen zu schreiben, wenn sie die nächste Etappe erreichten. An Orleton waren sie schon vorbei, das bedeutete, dass sich auch Dod und Summer mittlerweile auf dem Heimweg befanden. Jonas schickte mir eine Dreiviertelstunde später ein Selfie von Jason und sich, mit der Überschrift „We arrived in Wales, wet and sound“. Gegen zwei Uhr kamen Lewis und Linda auf Pineforest an und wir halfen ihnen, die durchnässten Pferde und Ausrüstungsgegenstände zu versorgen. Danach kümmerten wir uns um die üblichen Stallarbeiten, bis auch die letzten beiden Abenteurer um halb vier Uhr zurück waren. Ich empfing die beiden und half abermals beim Versorgen der Pferde mit. Flint schien noch immer fit und munter. Auch Feline sah man den langen Ritt kaum an – naja, man konnte wegen des regennassen Fells auch kaum erkennen, ob und wie viel sie geschwitzt hatte. Aber etwas feucht war die Sattellage schon, als wir ihr den Westernsattel abnahmen. Die Pferde bekamen wie auch die vorherigen vier ihre Belohnungsäpfel, die sie genüsslich zu Brei zermantschten. Und den Reitern wurde selbstverständlich auch eine wärmende Tasse Tee serviert. Für Jonas gab es sogar ein Stückchen Schokolade dazu.

      Aftermath
      Satine, Dancing Moonrise Shadows, Ronja Räubertochter, PFS’ Dancin’ to Jazz, Moon Kiddy, Phantom, Fake xx, PFS’ Ljúfa, Estragon Sky, Areion, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, tc Herkir, PFS’ Ljóski, Drømmer om Død, Circus Dancer, Feline, Unbreaking Soul of a Rebel, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Bacardi Limited, Lovely Summertime, Burggraf, Cantastor, Chiccory ox, Sunday Morning, Rosenprinz, Empire State of Mind, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Spotted Timeout, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS‘ Cryptic Spots, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Campina, Sumerian, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Nosferatu, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire
      Februar 2018, von Occulta

      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.

      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.

      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.
    • Veija
      Badewetter
      August 2018, von Occulta
      Empire State of Mind, Mikke, Indiana, PFS’ Sarabi, PFS’ Stop Making Sense, Unbroken Soul of a Rebel, Areion, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, Nosferatu, White Dream, Yoomee, Ronja Räubertochter, River’s Lychee, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Nera, Dancing Moonrise Shadows, Feline, Lovely Summertime, Farasha, Après la Pluie, Antarktik, Dakota S, Tigrotto, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Skydive, PFS’ Cupid, PFS’ Simply Priceless

      Es war herrliches Wetter draussen - behaupteten die einen, für die anderen (mich eingeschlossen) war die Hitze ein Graus. Ich wollte mich am Morgen kaum aus dem Haus bewegen, weil ich genau wusste, dass mir der Schweiss auch heute wieder nur so runterlaufen würde. Nichts desto trotz stand wie immer zuerst das Vollbluttraining an, und noch war die Luft angenehm kühl. Ich ritt auf Indiana mit, aber nicht zum Rennen, sondern um Trackpony zu spielen. Naja, ein bisschen rennen sollte die Stute schon, denn sie wurde ja mittlerweile im Military trainiert und da war so ein Renntraining zwischendurch ganz gut. Wir holten heute die Trackponys schon so früh raus, weil wir die jüngsten Vollblüter zuerst trainierten. Die der normalerweise ersten, erfahrendsten Gruppe waren vor kurzem fast alle ein Rennen gelaufen, also hatten sie heute noch frei, um sich vollständig zu erholen, und nahmen das Training erst morgen wieder auf. Für die Arbeit mit den Jungpferden war das "Ponying" ideal, weil die ruhigen Begleitpferde (wenn sie sich denn tatsächlich ruhig benahmen) ihnen Sicherheit vermittelten. Weil sie aber später an den Rennen kein Begleitpferd hatten (ponying war ja in England und allgemein Europa nicht üblich) trainierten wir so oder so beides. Nach einer Viertelstunde Vorbereitung, gingen die Jockeys und Pferde raus zum Aufsteigen. Ich kletterte selbstständig auf Indianas Rücken, während die Jockeys von Ajith und Oliver hinaufbefördert wurden. Iniana trug eben einen normalen Springsattel - da war das Aufsteigen kein Problem im Vergleich zu den kleinen Rennsätteln. Indiana und ich führten die Sechsergruppe auf dem Marsch zur Bahn an. Die weiteren Track Ponys waren heute Feline, Summertime, Caprice, Shadow und Flint, wobei letzterer Mambo begleitete. Wir trabten zuerst ausgiebig und ritten danach im leichten Sitz einen lockeren Galopp. Wie zuvor mit Oliver abgesprochen arbeiteten heute alle einzeln (nachdem die Track Ponys sie losliessen) und dem entsprechenden Pferd angepasst. Mit Indiana machte ich einen erfrischenden, etwas zügigeren Galopp bis zum 500-Meter-Pfosten und legte von dort an über 400 Meter etwas zu. April machte es mit Mambo ähnlich. Indiana und ich überholten die beiden unterwegs, denn er lief noch längst kein Finish-Tempo, aber der Hengst war gefordert und seine Nüstern weit geöffnet. Erst mit zunehmender Kraft würde er schneller werden und länger durchhalten. Nach dem Sprint nahm ich Indiana zurück und liess sie wieder im selben Tempo wie zuvor galoppieren, was ich mit meiner Armbanduhr überprüfte. Sie wehrte sich etwas gegen die Einschränkung und kaute missmutig auf ihrer Wassertrense herum. Ihre Nase war jetzt wieder auf der Senkrechten und ihre Galoppsprünge versammelt. Ich liess sie noch ein zweites Mal strecken, was sie freudig annahm. Oliver prüfte unterdessen die Geschwindigkeit der Jungpferde. Er sagte nichts, nickte aber zufrieden, als er die Zeit stoppte. Quinn klopfte Sarabi im leichten Sitz in den Bügeln stehend auf den Hals und liess sie langsam ausgaloppieren. Die anderen taten es ihr gleich. Ich arbeitete mit Indiana noch etwas weiter, bis ich das Gefühl hatte, dass sie genug ausgepowert war. Auch Caprice lief noch mit uns mit, die anderen waren schon mit den Jungpferden zurück zum Stall gelaufen. Als Darren und ich schliesslich auch zurückritten, sahen wir in der Ferne, dass Lisa, Jason und David mit den drei Westernpferden auf einen kurzen Ausritt zum Entspannen gegangen waren. Feline wurde gebadet, weil sie morgen mit Robin für ein 80er Springturnier gemeldet war. Die junge Frau machte den Schimmel-Criollo schick und wollte ihr sogar den Schweif einflechten. Auch Lily nahm an dem Turnier morgen teil, allerdings in der 60er Höhe und mit White Dream. Ich musste ihr höchstwarscheinlich später auch noch beim Einshamponieren helfen. Ich versorgte Indiana und half beim Vorbereiten der zweiten Rennpferdegruppe mit, dann brachte ich mit Ajith zusammen die Jungspunde aus dem Freilauftrainer, wo sie zum Abkühlen gewesen waren, zurück in ihre Boxen. Ich sah bei den Fohlen vorbei, quatschte mit Lewis, während Skydive mit meinem T-Shirt Ärmel spielte und beobachtete eine eher halbherzige Rauferei zwischen Simply Priceless und Cupid, ehe ich weiter zu Thairu ging.

      Das Zebratiergraste zufrieden mitten an der Sonne und zuckte weitaus weniger wegen der Fliegen als Zazou. Für die beiden war die Sommerhitze ideal, denn sie waren dafür ausgelegt, bei hohen Temperaturen in den Savannen Afrikas zu weiden. Die grossen, runden Ohren richteten sich interessiert nach vorne, als ich die Weide betrat. Thairu wusste mittlerweile, dass ich Abwechslung brachte, und natürlich auch immer etwas Essbares dabei hatte. Ich ging zu ihr und streichelte über ihre schwarze Schnauze, was sie sich stillhaltend gefallen liess. Dann fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, das Halfter mitzubringen. Also probierte ich aus, ob die Zebrastute mir auch ohne Ausrüstung folgte. Ich lud sie mit eingedrehter Schulter ein und versuchte sie zu rufen. Doch Thairu sah mich nur einen Moment lang blöd an und graste dann friedlich weiter. Ich seufzte und holte das Lederhalfter des Zebras. Am Führstrick folgte sie mir brav und ohne Zögern sodass ich mich leicht veralbert vorkam. In solchen Momenten war ich froh, dass mir niemand zusah. Nichts desto trotz bürstete ich das gestreifte Fell durch und kämmte, was an der Stehmähne und dem dünnen Fliegenwedel zu kämmen war. Zazou belagerte uns hartnäckig. Er schien ebenfalls auf eine Massage zu hoffen, denn er stand immer wieder direkt neben mich und schleckte an meinem Arm. Die warme Zunge war etwas unanenehm bei dem Wetter. Thairu spitzte die Lippe, wenn ich sie vorne an der Brust kraulte. Vermutlich schwitzte sie dort besonders viel, und der getrocknete Schweiss juckte. Es war mittlerweile viertelvorzehn und die Sonne heizte die Atmosphäre immer weiter auf. Ich musste mit dem Zebra in den Schatten der Reithalle wechseln. Dort kratzte ich noch rasch die Hufe aus. Danach 'sattelte' ich das gestreifte Tier mit einem Bareback-Pad - der einzige Sattel, der auf den beinahe widerristlosen Rücken wirklich passte. Ich zog ihr ein Kopfstück mit Trense an, das nur einen Kinnriemen hatte. Sie mochte es, den Kopf möglichst frei zu haben und lief damit williger als mit einem komplett verschnallten englischen Zaum. Am liebsten mochte sie immer noch das Knotenhalfter, aber ich wollte heute etwas Dressur mit ihr machen und testen, wie gut sie sich an den Zügel anlehnen konnte. Es war auch mit Trense schwer genug, denn das Tier hatte mehr Unterhals als sonst was. Das war einfach Köperbau bedingt, denn Zebras waren nunmal nicht fürs Reiten gezüchtet. Ich führte Thairu auf den Sandplatz und stieg auf, indem ich an ihrer Seite hochsprang. Ich konnte das Aufsteigen ohne Sattel mittlerweile schon viel besser, aber manchmal brauchte ich trotzdem mehrere Versuche. Ich ritt Thairu im Schritt warm (wobei mir 'Warmreiten' heute etwas ironisch vorkam) und übte dabei schonmal an der Biegung der kurzen Reittiers. Gar nicht so leicht, wenn sich der Hals beliebig in einen starren Balken verwandeln konnte. Ich gab jedes Mal sofort nach, wenn sie sich darauf einliess und nachgiebig wurde, aber wir würden das sicherlich noch oft üben müssen. Wann immer ich zu viel verlangte, begann der Schwanz unwillig zu schlagen und die Ohren klappten nach hinten. Darauf musste ich hören, weil ich sonst Gefahr lief, in die Ungunst des Zebras zu fallen - was gewiss grenzenlose Sturheit nach sich ziehen würde. Ziel war es nicht, das Zebra zu dominieren, sondern es mit Abwechslung bei Laune zu halten und zur Mitarbeit zu ermuntern. Lily und ich waren ja schon ziemlich weit mit Thairu gekommen. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und sie liess inzwischen sehr viel mit sich machen. Aber wir mussten das gute Verhältnis bewahren und uns dem Tempo des Zebras anpassen. So kamen wir am Ende am besten voran. Heute bot mir Thairu zum Beispiel auf meine Hilfen hin einen schönen, fleissigen Trab an, den ich dankend annahm. Ich übte nun auch im Trab kleine Volten und Schlangenlinien um die vom Vortag noch aufgebauten Hindernisse herum. Später galoppierte ich sogar an und schaffte es, ein paar grosse Volten zu drehen, ehe Thairu wieder in den Trab fiel. Sie hatte einfach noch nicht genug Gleichgewicht unter dem Reiter, was es für sie umso anstrengender machte. Das verstand ich auch; ich war schon froh um die paar Runden, in denen sie sich echt bemüht hatte. Diese Leistungsbereitschaft, die bei ihr alles andere als selbstverständlich war, galt es zu fördern. Am Ende war sie zwar nie so am Zügel gelaufen, wie man es von Pferden kannte. Aber Elliot, der uns kurz zugesehen hatte, meinte, dass sie zumindest schön aktiv hinten gefusst hatte und einigermassen über den Rücken gelaufen war - sofern er das beurteilen konnte. Ich führte das Zebra zum Nebenstall und nahm ihr die Ausrüstung ab. Dann führte ich sie am Knotenhalfter in den Innenhof des Hauptstalls und parkierte sie bei den aus der Wand ragenden Anbinderingen. Ich schnappte mir den Schlauch und drehte den Wasserhahn auf, bis es in einer angenehmen Stärke aus dem Duschkopf floss. Thairu genoss das Bad mehr als ich dachte. Sie stand entspannt da und ihre Maulspalte wirkte zufrieden. Auch der Schwanz bewegte sich ruhig, was immer ein gutes Zeichen war. Ich entfernte das meiste Wasser mit dem Schweissmesser und nutzte danach die Gelegenheit, um die Hufe des Zebras ein wenig zu kürzen. Wenn das Horn feucht war, ging das deutlich leichter. Um halb Elf durfte das Tier zurück auf die Weide zu Zazou, der schon sehnsüchtig gewartet hatte.

      Vor dem Mittag wollte ich nun noch mit Empire ein paar Naturhindernisse springen. Es ging mir nicht darum, ihn total ins Schwitzen zu bringen, sondern eher ein wenig Gymnastik zu machen und seine Geschicklichkeit in Sachen Distanzen zu schulen. Oft verschätzte er sich nämlich und sprang noch etwas unpassend, wenn ich nicht ganz genau aufpasste. Das endete jeweils in lustigen Hasensprüngen oder eben mit fallenden Stangen. Auch heute hatten wir wieder ein paar Startschwierigkeiten, besonders, weil er den einen Kastensprung (obwohl schon gefühlte 1000 mal gesprungen) unheimlich fand. Vielleicht war das Licht heute anders, oder er sah eine Heuschrecke darauf sitzen - ich konnte wiedermal nur raten, was im Kopf des Schimmelhengstes vorging. Aber nach ein paar zögernden, grotesken Sprüngen glaubte er mir schliesslich, dass der Kasten keinen Appetit auf Pferdefleisch hatte. Und wenn Empire sich mal entschloss zu gehen, dann war er ein Traum. Wir hüpften mit Leichtigkeit über die Hindernisse, und selbst beim Wasser bremste er nicht, sodass es nur so um uns hochspritzte, als wir hindurchrasten. Deshalb lachte Jonas auch laut, als ich an der Halle vorbei zurück zum Hauptstall ritt. "Bist du runtergefallen?" "Nö", sagte ich, "Empire wollte einfach testen, ob man im Wasser genauso gut rennen kann." Er half mir schmunzelnd und übernahm den Hengst, als ich abstieg. Wir liefen gemeinsam zu Empires Box und versorgten den Schimmel, der zufrieden auf seinen Karotten herumkaute.

      Lily kam am Mittag pünktlich nachhause. Am Nachmittag hatte sie frei, also wollten wir zusammen zum Fluss reiten. Sie war schon eifrig am Badesachen bereitlegen. "Willst du wirklich ganz rein?", fragte ich, denn eigentlich hatte ich nur ein rasches Beine-Annässen im Sinn gehabt. "Klar! Es ist mehr als heiss genug!" Ich sah Jonas fragend an und er meinte schulterzuckend: "Lewis und ich waren gestern kurz mit Summer und Shadow am Ufer - das Wasser war jedenfalls gar nicht so kalt wie ich dachte." "Okay..." Ich überlegte kurz, dann holte ich mein eigenes Bikinioberteil und die Badeshorts. Nach dem Essen zog ich die Badesachen an und darüber ein Trägertop, nachdem Lily und ich uns gegenseitig eingecremt hatten. Wir mussten uns noch entscheiden, welche Pferde wir nehmen wollten. "Teddy will ich heute Abend in der Dressurstunde reiten, er hat das nötig", überlegte Lily laut. "Aber Nossi wäre bestimmt froh um ne Abkühlung - mit ihrem schwarzen Fell..." Ich nickte und beschloss: "Dann nehme ich Yoomee, die geht gut und gerne ins Wasser." Wir liessen Jonas mit den abzuwaschenden Pfannen in der Küche zurück und schlenderten zum Nebenstall. "Die Pfleger kommen nicht mit, oder?", fragte Lily. "Nö, die haben genug zu tun." "Gut." Sie grinste zufrieden, weil sie gerne ab und zu etwas mit mir alleine unternahm - das hatte sie mir jedenfalls mal so erklärt. Mir war es auch recht, keine grosse Sache daraus zu machen, sondern das Baden einfach unkompliziert zu zweit mit den Pferden zu geniessen. Wir putzten die beiden Ponystuten nur rasch, schliesslich gingen wir ja ganz ohne Sattel oder Pad. Als Zaumzeug reichten uns Knotenhalfter; so konnten wir auch nicht ausversehen im Maul herumziehen, falls wir das Gleichgewicht verloren. Sheela schlich gelangweilt um den Nebenstall herum, also beschloss ich, die Labradorhündin auch mitzunehmen. Sie mochte Wasser ohnehin sehr gerne. Auf mein Rufen hin kam sie sofort freudig angerannt und wollte gestreichelt werden. Zira wurde prompt eifersüchtig und drängte sich ziwschen mich und Sheela, sich auf meine Füsse setzend. Ich kraulte beide, lachend, weil das so typisch war. Kurz darauf führte ich Yoomee auf den Kiesweg und schwang mich auf ihren angenehm breiten Rücken. Lily kletterte ebenfalls bei Nossi hoch und rückte sich zurecht, dann warf sie einen bestätigenden Blick zu mir und wir konnten losreiten. Nosferatus Fell glänzte in der Nachmittagssonne und die rotbraunen Stellen wirkten besonders kontrastreich. Sie war einfach schick anzusehen, mit ihrem typischen, edlen Welsh-Kopf und der sportlich geschnittenen Mähne. Wenn ich nach hinten sah, konnte ich Yoomees Popo gemütlich auf und ab wippen sehen, ihr Schweif war leicht angehoben und wischte manchmal ein paar Fliegen von ihrer Flanke. Die beiden Vierbeiner spürten wohl ganz genau, dass sie heute nicht arbeiten mussten, sondern nur Spielereien auf dem Plan standen. Beim Wasser angekommen, forderten wir Nossi und Yoomee auf, ein paar erste Schritte hineinzugehen. Sheela machte es vor und sprang auf mein Handzeichen hin übermütig hinein. Zira trank erstmal ein paar Schlücke, ehe sie weitaus vornehmer hineinwatete. Die Pferde sahen sich zuerst den Flussboden an, bevor sie sich entschieden, hineinzusteigen. Yoomee fand, einmal drinnen, sofort Gefallen an der Abkühlung und scharrte kraftvoll. Nossi und Lily gingen nach kurzem eingwöhnen ‚all-in‘ und schwammen tatsächlich einen kleinen Bogen. Es war herrlich hier, wo das Flussbett über Jahrzehnte eine Art Mulde gebildet hatte, in der das Wasser langsamer floss und tief genug zum schwimmen war. Auch Yoomee und ich spielten eine Runde Flusspferd, wobei sie typischerweise die Oberlippe hochzog und ihre Zähne zeigte. Das war immer so lustig anzusehen. Lily fragte auch lachend, ob Nossi saubere Zähne habe, als die beiden auf uns zuschwammen. Später liessen wir die Pferde am Flussufer grasen und badeten alleine noch weiter, damit es ihnen nicht verleidete. Ums Abhauen machte ich mir keine Sorgen. Pineforest war in Sichtweite, also würden die beiden ohnehin als erstes dorthin zurückkehren. Und das tolle am Pineforest Park war, dass es hier kaum Strassen gab, und die paar wenigen waren kaum befahren. Aber Yoomee und Nossi entschieden sich am Ende sowieso wie erwartet dazu, das saftige Gras im Schatten der Bäume zu geniessen, anstatt stiften zu gehen. Die Zügel hatten wir natürlich abgenommen, damit sie sich nirgens verheddern konnten.

      Der Badespass hielt knapp eine Stunde an. Weil der Fluss heute etwas mehr Strömung hatte als die letzten Tage, und kurz darauf auch noch ein angenehmer, aber rauer Wind aufzog, wurde ich misstrauisch. Tatsächlich entdeckte ich daraufhin ein paar mächtig aufgebauschte Wolken am Horizont. Ich rief Lily zurück und wir machten uns, nass aber glücklich, auf dem Heimweg. Nachdem wir die Ponys versorgt hatten, begann es bereits zu tropfen. Ein typisches Sommergewitter, das in einer halben Stunde oder so bestimmt schon weitergezogen sein würde, vermutete ich. Lily fand es lustig, in den Badesachen unter dem bald darauf herunterprasselnden Platzregen herumzurennen. Ich joggte, erwachsen wie ich war, einfach zurück ins Haus und zog mich um. Obwohl ich meine Nichte insgeheim um ihre Sorglosigkeit und Freiheit beneidete. Waren wir nicht irgendwann alle so gewesen? Ich streichelte Moya, die mir schon wieder um die Beine schlich. Die schlaue Langhaarkatze hatte im Haus Schutz vor dem Regen gesucht - ein bisschen feucht war sie trotzdem. Ein lautes, eher krächzendes Miauen ertönte plötzlich, als Reaktion auf das Streicheln; aber es konnte nicht Moya gewesen sein, denn sie hatte eine hohe, niedliche Stimme. Die Quelle stand hinter mir, und schaute mich mit senkrecht aufgestelltem Schwanz, blinzelnd an. "Kafka, ich mach dich zu einem Sitzpolster, ich schwör's!" Der Kater erkannte, dass ich nicht so erfreut war ihn zu sehen, wie es umgekehrt der Fall sein musste. Er nahm reissaus, sobald ich aufstand. Vielleicht hatte er mich auch absichtlich provoziert, das traute ich ihm sehr wohl zu. Ich hatte ihn schon so oft aus dem Haus rausgeschmissen, dass er doch mittlerweile wissen musste, dass er hier nicht reingehörte. Moya durfte auch nur drinnen wohnen, weil sie noch nie tote Tiere reingebracht hatte und mittlerweile stubenrein war - ganz im Gegenzug zu dem Schildpattkater. Kafka flitzte durch die Katzenklappe, bevor ich ihn zu fassen bekam. Und ich fragte mich einmal mehr, ob sich die Investition in eine Chip-Erkennungs-Klappe nicht lohnen würde. Die restlichen beiden Katzen, Gismo und Shiva, probierten es gar nie. Sie waren im Hauptstall zuhause, wo die Pfleger sie fütterten und sie auf den alten Fleece-Decken schliefen. Kafka schien höhere Ansprüche zu haben, aber dann musste er zuerst lernen, sich zu benehmen. Ich hatte das Gefühl, dass Moya es einfach mehr in ihren Genen hatte, Hauskatze zu sein. So wie sie auch das Langhaar im Gegenzug zu den anderen geerbt hatte. Aber ich konnte wiedermal nur spekulieren.

      Draussen schüttete es wie aus Kübeln. Ein wunder, dass ich keine Hagelkörner sehe, dachte ich bei dem Krach den die schweren Tropfen machten. Aber bereits nach zehn Minuten liess die Intensität nach. Lily kam rein, den ganzen Boden volltropfend. "Ab ins Bad! Du machst mir den ganzen Parkett feucht", tadelte ich. Ich rubbelte ihre Haare mit dem Handtuch trocken. Danach zogen wir uns wieder richtige Reitsachen an und verliessen das Haus. Es roch nach nassem Asphalt und Gras - ein Geruch den ich liebte. Die Luft war durch den Schauer leider kaum abgekühlt, sondern bloss etwas feuchter geworden. Trotzdem gab es noch ein paar Vierbeiner zu beschäftigen. Während ich Vilou putzte, bekam ich eine SMS von Rosie. Sie fragte, ob ich einen Sonnenuntergangsritt mit ihr machen wolle. Ich willigte sofort ein, denn ich konnte es kaum erwarten, wiedermal mit ihr zu plaudern. Vilou scharrte ungeduldig, weil ich dem Smartphone anstelle von ihm meine Aufmerksamkeit widmete. Ich beeilte mich und striegelte den Fuchshengst dann eifrig weiter. Er genoss die kreisenden Bewegungen und wippte je nach dem mit dem Kopf mit. Es schien ihm aber auch widermal zu viele Fliegen zu haben, weshalb er nicht immer schön still stand, sondern mit dem Schweif wischte und sich zu kratzen versuchte. Er zeigte mir manchmal mit einer Kopfbewegung, wo es ihn juckte, damit ich ihn dort besonders intensiv striegeln konnte. "Faulpelz", murmelte ich, als er wieder so eine Stelle anzeigte, bei der er sich hätte verbiegen müssen, um sie zu erreichen. Ich entfernte den Staub aus seinem Fell mit der Bürste und säuberte mit dem Schwamm seinen eigentlich weissen Nasenrücken und die Nasenlöcher. Manchmal, wenn die Sonne besonders stark schien, cremten wir ihn sogar mit Sonnenschutz ein. Bei Winter, Ciela und den anderen Pferden mit viel rosa Haut musste das sogar noch gründlicher gemacht werden. Sie alle waren im Hochsommer gefärdet für Sonnenbrand und wir bemühten uns, sie jeweils erst gegen Abend oder die Nacht hindurch auf die Weide zu lassen. Nur, wenn sie früh morgens Renntraining hatten, dann mussten sie erholt sein und konnten nicht die ganze Nacht lang spielen.

      Vilou war wegen der Hitze verständlicherweise etwas träge. Ich motivierte ihn trotzdem zu einem anständigen Schritt, beschränkte die Lektionen aber auf leichte Trabarbeit und ein paar Seitengänge, ohne viel Galopp. Er war trotzdem ziemlich verschwitzt am Ende unserer Übungseinheit, genauso wie ich. Man könnte nicht meinen, dass ich vorher im Wasser war, stellte ich seufzend fest. Ich klebe schon wieder. Ich duschte Vilou gründlich ab und wusch mein Gesicht bei der Gelegenheit auch gleich nochmal. Eine fette Pferdebremse kam angebraust und wollte sich auf das Hinterteil des Fuchshengstes setzen. Ich zielte vorsichtig und erwischte sie mit der flachen Hand. Vilou, der beim Surren des dicken Brummers bereits angespannt die Ohren zurückgeklappt hatte, schien erleichtert und verscheuchte stattdessen mit seinem Maul ein paar Fliegen an der Brust. Jetzt gerade schwirrten besonders viele Viecher um ihn herum, weil er nass war. Also zog ich ihn rasch mit dem Schweissmesser ab und brachte ihn dann im Nordstall in Sicherheit. Es war schon halb fünf, aber ich war zu faul, um mich zu hetzen. Ich beschloss, Co Pilot bloss an die Longe zu hängen. Geputzt war der Rappschecke schnell, denn er war überhaupt nicht schmutzig. Auch in den Hufen war fast nichts drin – der Boden auf der Weide war zu trocken, um sich in den Strahlfurchen zu verfangen. Pilot folgte mir brav wie ein Lamm zum Roundpen und war trotz der unbarmherzigen Sonne motiviert. Ich achtete darauf, dass er schön untertrat und vorwärts-abwärts lief, um den Rücken zu heben. Ich fand jedoch, dass er hinten links nicht ganz taktklar ging und tastete besorgt sein Bein ab. Erfühlen konnte ich nichts, und warm war es auch nicht. Trotzdem liess ich ihn sicherheitshalber Schritt gehen und versorgte ihn nach zwanzig Minuten. Ich beschloss, am Abend nochmal mit ihm Spazieren zu gehen, damit er trotzdem genug Bewegung bekam. Vorläufig rief ich den Tierarzt nicht, denn es war gut möglich, dass er einfach verspannt war, oder eine unvorteilhafte Bewegung auf der Weide gemacht hatte. Ich erkannte auch, dass er nach der leichten Longenarbeit schon etwas besser lief, also sah ich meine Vermutung bestätigt.

      Ich hörte ein Auto auf den Parkplatz fahren, während ich Pilot zurück in seine Box brachte. Als ich aus dem Nordstall in die heissen Sonnenstrahlen trat, sah ich Angelina Moore aussteigen. „Good afternoon Angie“, grüsste ich die Pensionärin freundlich. Sie erwiederte es und öffnete die Autotür für ihre Kinder, Alec und Susan. Die beiden waren heute zum ersten Mal dabei. „Hey you two. Are you going to ride today, too?“, fragte ich lässig. Alec sah seine Mutter kurz an, dann meinte er: „We only watch and help grooming Nera, until she’s a bit older and not so wild.“ “Ahh, I see. But you did ride before, didn’t you?” “Yes. With Barney. A lot”, antwortete die kleine Susan. Angie fügte rasch hinzu: “…Our old horse. He was very gentle and sweet tempered, and, at his age, no longer feeling the need for speed. It was too cute how he paid attention tho the kids.” “Hmm, if your Mum is okay with it, we have some very gentle ponies here aswell, so you don’t have to wait and watch only.” Ich schmunzelte, als Alecs Augen zu leuchten begannen, und er sich abermals begeistert umsah. Angie nickte, und Susan quetschte erfreut. Gerade, als ich mich fragte, wo sie sich schon wieder herumtrieb, hörte ich Lilys Stimme hinter mir. „Occu, do you want me to look after them? I’d like to show them around.“ Meine zwölfjährige Nichte versuchte erwachsen zu klingen, ich wusste aber genau, dass sie sich darauf freute, Unsinn mit den beiden auszuhecken. „Alright, you can take over for me later, since I still have to take care of some four-legged friends after that.” Auch Angie kam mit, als wir zum Nebenstall liefen. Wir hatten hier kürzlich etwas umstrukturiert und Ronja auf die Stutenweide umgesiedelt. Die Ponys standen nun alle zuvorderst, die Warmblut Stuten näher bei den Weiden. Susan kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „So many pretty ponies!“, rief sie aus, während sie bei einem nach dem anderen auf Zehenspitzen über die Boxentür spähte. Von Lychee bekam sie sogar einen etwas groben ‚Kuss‘, sodass sie fast rückwärts umfiel. Alec und Lily lachten laut, und Susan selbst fand es nach einem kurzen Schrecken auch lustig. Lily verkündete entschlossen: „Alec can take Nimué. I would have gone on a hack with her later, but that doesn’t matter. She’s a very nice pony, don’t worry.“ Alec reagierte auf den letzten Teil mit Empörung. „I wouldn’t mind even if she was bucky. I ride pretty well.“ “That so?”, entgegnete Lily schulterzuckend. Ich schlug vor, dass wir für Susan entweder Peppy oder eines der Miniature Horses satteln konnten. „Ich bleibe mit Alec hier, wir putzen Nim schonmal“, beschloss Lily. Der rothaarige Junge sah sie verwundert an, als hätte sie gerade Chinesisch gesprochen. „You speak german?“ Lily grinste nur stolz. Wir liessen die beiden zurück und begaben uns zu den Weiden. Angie nannte Susan schon von weitem die Namen der Ponys, die man sah – jedenfalls so weit sie sie selbst schon wusste. „That beautiful silver gray one over there is Silver Lining. The black one is Nachtfalke, I think”, mit einem fragenden Blick zu mir. Ich nickte. „The black and white one is easy to remember – he’s called Oreo, just like the cookies you like so much.“ “And the white one?“, wollte Susan wissen, mit dem Finger deutend. „She’s not white, she has creamy fur. Her name’s Daki, and she’s the big boss out here”, antwortete dismal ich. Wir betraten die Weide und ich musste auch alle restlichen Ponys noch nennen, ehe die Sechsjährige zufriedengestellt war. Dann führte ich sie zu Tigrotto, die ich am geeignetsten hielt. Gemeinsam putzten wir das braune Stütchen, und Susan durfte sogar selbst den kleinen, baumlosen Sattel auf ihren Rücken legen. Beim Führen verlangte das Mädchen meine Hilfe, weil sie sich noch nicht ganz selbst getraute und ihr ihre Mutter dabei sonst auch immer geholfen hatte, wie sie mir erklärte. Ich versprach ihr aber unterwegs schonmal, dass Tio ganz lieb war. „Sometimes, the ponies at the other barn tried to bite me…“, erzählte sie schüchtern. Angie bestätigte: “Yeah, they got a bit naughty when the kids brought carrots.” Alec und Lily waren schon auf dem Sandplatz. Alec stieg gerade mit Hilfe von Lilys Räuberleiter in Nims Sattel. „Willst du selbst nicht auch reiten?“, fragte ich meine Nichte. „Nö, ich hab ja später noch Reitstunde.“ Angie sah noch zu, wie ihre beiden Kinder die ersten paar Runden drehten, dann wandte sie sich ab, um Nera putzen zu gehen. Weil ich kein Risiko eingehen wollte, pfiff ich Lisa zu uns rüber, die gerade zum Pflegerheim unterwegs war, und fragte sie, ob sie ein Auge auf die Kinder haben könne. Bei der Gelegenheit begann sie auch gleich wieder zu plaudern, sodass ich am Ende doch noch fast eine Viertelstunde vertrödelte. „… And then Diarado saw that deer, just a few meters away, and the deer stared back at him – you should have seen his face, it was hilarious!“ “Yea, I’m sure it was… I really need to get going now”, drängte ich, mit einem symbolischen Blick auf die Uhr. Ich entkam ihren Fängen und schaffte es, mich bis halb neun Uhr mit Shira, und nochmals mit Pilot zu beschäftigen. Letzteren führte ich wie versprochen ein wenig auf den Feldwegen in der Nähe des Hofs herum und liess ihn immer mal wieder ein paar Grashalme knabbern, während Zira und Jacky nebenher liefen und durch das hohe Maisfeld streiften. Langsam wurde es ein wenig kühler, worüber ich sehr dankbar war.

      Um neun Uhr brachte ich schliesslich Rebel zum Aufsteigen auf den Kiesweg und ritt dann Richtung Wilkinson Farm. Die Familie Moore war längst wieder nachhause gefahren, und Lily ritt wie angekündigt mit Teddy in Elliots Abenddressurstunde mit. Ich musste noch rasch auf Rosie warten, als ich bei der Farm angelangte. Sie ritt auf Farasha, hatte aber Antarktik zusätzlich als Handpferd dabei. Rebel brummelte beim Anblick der beiden Araberstuten zur Begrüssung. Bei den hübschen Damen verstand ich das nur zu gut. Bei dem liebevollen Grunzen blieb es aber, und er benahm sich während des ganzen Ausritts tadellos. Sobald die Sonne untergegangen war, schwirrten und sirrten die Mücken um uns herum, was ziemlich nervig war. Ich versuchte, sie so gut es ging zu ignorieren, aber selbst Rosie schlug immer mal wieder genervt um sich. Wir lachten herzhaft darüber und unterhielten uns über die letzten paar Tage. „Pluie gives me a bit of concern these days. She is very thin, but the vet is unsure why…” “Ahh, it did not yet get better? Maybe she still hasn’t adapted to her new home?” “I can’t tell if she’s unhappy, she doesn’t really look like it. Tough she is full of beans and very jumpy at the moment. I feel like she just uses up way too much energy and that might be the reason.” “Did you try giving her magnesium? I heard that if they’ve got a lack of it, they act all nervous and stressed.” “I think I’ll try that. If it doesn’t help, it won’t hurt either, I guess.” Wir kehrten erst gegen halb elf Uhr zurück und verabschiedeten uns. Ich ritt alleine im Dunkeln mit Rebel zurück nach Pineforest Stable. Die Hengste aus dem Nordstall waren auf der Weide – sie durften im Sommer über Nacht raus. Ich sattelte Rebel ab, bürstete ihn durch und brachte ihn dann ebenfalls dorthin, wo seine Kumpels bereits friedlich grasten.

      Reitsportlager auf Pineforest Stable
      Januar 2019, von Occulta
      PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Drømmer om Død, Vychahr, tc Herkir, Ljóski, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Cinnemont’s History, All Pride, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Flintstone, PFS‘ Beck’s Daisy Orchid, Silhouette of a Rose

      Seit ich beschlossen hatte, ein Reitlager durchzuführen, hatte sich einiges getan, allerdings bei weitem nicht schnell genug. Aus dem Herbstlager war ein Winterlager geworden, weil es nebst den ganzen Turnieren einfach nicht für anständige Planung gereicht hatte. Lisa und Elliot hatten ihre Reitschüler mobilisiert und auch im Internet und in der lokalen Zeitung hatten wir es ausgeschrieben. Allerdings hatten wir nirgendwo erwähnt, dass ich auf der Suche nach Turnierreitern war. Das war Teil meines Plans – ich wollte sehen, wie die Jugendlichen sich natürlicherweise benahmen, nicht wie sie sich verstellten, um den ‘Job’ zu bekommen. Ausserdem war so sicher niemand enttäuscht, denn ich konnte die Kids später privat anfragen, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Das Lager würde in wenigen Tagen stattfinden und im Moment liefen noch die letzten Vorbereitungen. Aber vom Lager abgesehen, war die wohl grösste Veränderung seit langem der geplante Neubau eines weiteren Stallgebäudes. In Grobplanung war es schon länger gewesen, aber ich hatte zuerst die nötigen Bewilligungen einholen müssen. Es war sozusagen eine Erweiterung des Nordstalls, denn dort wurde langsam der Platz knapp, die Nachwuchshengste eingerechnet, die ich noch auf der Fohlenweide hatte. Wie ich die so geschaffenen vier grossen Boxen in dem halboffenen Gebäude verplanen wollte, wusste ich noch nicht genau. Aber ich hatte eine Idee im Kopf, daraus eine Art Ponystall zu machen, für die kleineren Sportponys. Das wäre auch praktisch für zukünftige Ferien-Reitlager, und so konnte ich die Boxen im Nord- und Nebenstall vollständig für die grösseren Pferde nutzen, so meine Überlegung. Ich hatte im Sinn, erstmal Herkir, Loki, Fake und Nossi dorthin umzusiedeln. Es würde aber noch eine Weile dauern, denn der Stall sollte erst im Frühling gebaut werden.

      Schliesslich war es so weit, der erste Tag des Lagers stand vor der Tür. An diesem Morgen fand ich England in einer dicken Nebeldecke eingehüllt vor. Die Luft war so feucht, dass sich Tautropfen an Jonas’ Augenbrauen bildeten, die zudem zu gefrieren drohten, als wir auf unserem morgentlichen Rundgang zu den Weiden liefen. Und das obwohl es seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Es war irgendwie komisch zu sehen, dass der Boden im Licht der Lampen an den Stallungen schon wieder trocken und rissig war, während die Luft und das Gras sich so feucht anfühlten. Es war bitterkalt. Ich schob das Tor des Stutenoffenstalls auf und begrüsste die Pferde. Moon und Phantom kamen sofort näher und besonders der Rappe machte auf mich einen eifrigen Eindruck, als wartete er nur darauf, dass ich ein Halfter zückte und ihm eine Aufgabe gab. Moon hingegen war noch etwas verschlafen und rieb erstmal ihre Stirn gegen meine Hand, als ich sie unter ihrem langen Schopf streichelte. Die Stute war eben im Vergleich zu Phantom und besonders Matinée immer noch viel zutraulicher, aber auch frecher zu mir. Sie kannte den Umgang mit Menschen wie die meisten domestizierten Pferde seit dem Fohlenalter, vermutlich seit ihren ersten paar Minuten in dieser Welt. Die anderen Stuten belagerten mich nun ebenfalls neugierig, in der Hoffnung, ich hätte etwas Leckeres dabei. «Später Ladies, später», versprach ich. «You will all get your carrots.» «Das ist so süss, wie du mit ihnen sprichst», bemerkte Jonas kichernd. «Machst du doch auch.» «Ja klar, hab ja nicht gesagt, dass es schlecht ist. Ich find’s toll. Sie verstehen zwar kein Wort, aber ich bin sicher, dass sie die Aufmerksamkeit geniessen.» «Ich glaube schon, dass sie was verstehen. Zum Beispiel spitzen die meisten ihre Ohren, wenn ich ‘apple’ sage.» Just in diesem Moment kam Summer einen Schritt näher und verdrehte bettelnd ihren Kopf, als wollte sie meine Theorie untermauern. Wir lachten beide los. Manche der Pferde machten die lustigsten Grimassen, wenn sie etwas zu Fressen erwarteten. Summer verdrehte ihren Kopf und streckte ihre Lippen, weil ich ihr vor einiger Zeit das Lächeln beigebracht hatte, und sie es nun manchmal einfach so anfing, zum Betteln eben. Ich hatte nichts dagegen, wenn die Pferde so verspielt und erwartungsvoll waren, solange es nicht in ein Scharren oder aggressives Verhalten ausartete. Mit Cambria hatten wir deswegen etwas Ärger, denn die Scheckstute scharrte in der Stallgasse dauernd, sobald jemand durchlief. Es war gar nicht so leicht, ihr das abzugewöhnen, und es gab meines Wissens nach auch keinen Spezial-Trick dafür. Alles, was ich tun konnte war, sie möglichst anderweitig zu beschäftigen und ihr gezielt Tricks beizubringen, als Ersatz für das Scharren. Wenn sie nie etwas dafür bekam, dann gab sie es vielleicht irgendwann auf. Jonas und ich machten uns auf den Weg um die Runde zu beenden. Ich sah noch bei Zebra Thairu und Zazou dem Esel rein. Soweit ich durch die Dunkelheit und den Nebel hindurch erkannte, standen sie beide unter ihrem Unterstand und dösten noch, also liess ich sie gleich wieder in Ruhe. Es war nun sowieso Zeit, in den Hauptstall zu gehen und dem Vollbluttraining beizuwohnen. Dort war man bereits emsig dabei, die Pferde zu putzen. Ich beeilte mich damit, Dolly aus ihrer Box zu holen und in der Stallgasse anzubinden. Die junge, roanfarbene Stute war in Spiellaune und nahm die Anbindeketten ins Maul, während ich sie Bürstete. Als ich ihren Bauch säubern wollte, schlug sie missmutig mit dem Schweif, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. «Hey, reiss dich zusammen – ich bin schneller fertig wenn du mich machen lässt», schimpfte ich. Sie runzelte ihre Nüstern und trampelte weiterhin ungeduldig herum. Ich wollte sie nicht zu sehr provozieren, aber ich musste weitermachen, bis sie stillhielt, damit sie nicht mit der Unart Erfolg hatte. Als sie endlich einen Moment ruhig war, hörte ich auf und machte mit einer Stelle am Hals weiter, die sie mochte. Danach wandte ich mich dem Langhaar zu, und natürlich den Hufen. Bei den Hinterhufen brauchten wir heute drei Versuche, bis ich sie wirklich hochnehmen konnte. Da war es auch nicht sonderlich hilfreich, dass wir heute allen Rennpferden Stollen eindrehen mussten, weil der Rasen im Gegensatz zum Boden selbst nebelfeucht war. Sie wollte kaum stillhalten, als ich mir Eisen für Eisen vornahm. Ich fragte mich langsam, ob die Stute schlecht gelaunt war, aber wenn ich ihren Blick richtig deutete, so schien das nicht der Fall zu sein. Ausserdem genoss sie es wie immer, wenn ich sie an ihrem Unterhals kraulte. «Der muss noch etwas weniger kräftig werden», bemerkte ich dabei liebevoll murmelnd. Als das gestichelte Fell sauber war, holte ich die Trainingsausrüstung. Ich legte eine Anti-Rutsch Unterlage, dann eine gut gepolsterte Satteldecke auf Dollys Rücken und zuletzt den Trainingssattel. Den Gurt schlaufte ich durch eine Lammfellpolsterung, bevor ich den Sattel damit befestigte. Ein Vorgeschirr brauchte die Stute nicht, denn bisher war der Sattel bei ihr noch nie wirklich nach hinten gerutscht. Ich legte ihr ein Kopfstück mit gewöhnlicher, einfach gebrochener Trense an und führte sie anschliessend nach draussen. Die Jockeys bekamen von Oliver und Ajith ein leg-up. Wir ritten alle hintereinander zum Galoppweg, vorbei an ein paar Transportern, die auf dem Parkplatz standen. Für heute hatte sich wiedermal ein auswärtiger Trainer angemeldet, der die Bahn nutzen wollten, um seine Jungpferde an fremde Situationen zu gewöhnen. Sie würden mit uns trainieren – eine gute Gelegenheit, um die unsrigen mit dem fremden Nachwuchs zu vergleichen. Wir wärmten die Gruppe ganz normal ein und ritten dann auf den kurz gemähten, sorgfältig gepflegten Rasen. Die Startmaschine liessen wir weg, weil es mit den fremden Pferden ohnehin zu wenig Plätze für alle hatte. Stattdessen machten wir einen freien Start und liessen die Pferde auf eine nicht ganz so ernste Weise gegeneinander antreten. Es ging nicht darum, Höchstgeschwindigkeiten herauszulocken, sondern viel eher, ein anstrengendes, ertragreiches Training durchzuführen und am Ende zu sehen, welche Pferde noch fit waren. Trotzdem stachelten sich die Jockeys gegenseitig etwas an, und Oliver musste sie ein paarmal mit strengen Rufen daran erinnern, die Pferde nicht zu überfordern. Besonders Parker liess sich provozieren, von einem Typen mit einer ebenfalls schwarzen Stute, die man angesichts der Wetterlage und der Tageszeit kaum von Daedra unterscheiden konnte. Ich sah nur, dass die beiden die längste Zeit Kopf-an-Kopf liefen, und alle anderen hinter sich gelassen hatten. Mambo und Sarabi liefen dicht bei mir und Dolly, sodass ich sie gut im Blick hatte. Ihre Bewegungen schienen kraftvoll und raumgreifend, soweit sah also alles richtig aus. Counterfire schien aber irgendwie nicht so richtig in Fahrt zu kommen, und auch Thalia war weiter hinten; ich hörte Oliver einmal rufen, dass Charly sie endlich vorwärtsschicken solle. Ich fragte mich, was da los war, denn normalerweise waren beide Pferde eigentlich ziemlich fleissig und eher vorne mit dabei. Zurückschauen konnte ich aber nicht gut, weil ich mich auf Dolly konzentrieren musste, die schon wieder ein Ungeheuer im Gebüsch zu sehen glaubte und nach links drängeln wollte. Dann liess sich Mambo auch noch von dem Getue anstecken und begann, sich gegen Quinns Zügel zu wehren. «Was ist denn heute nur los!», rief ich aus und richtete Dolly so gut es ging wieder gerade. Die fremden Pferde liefen weiter, als wäre nichts gewesen. Sie spulten einfach ihr Programm ab, ohne den Kopf zu heben. Später sah ich Oliver nach dem Training den Kopf schütteln und seinen typischen, unzufriedenen Ausdruck präsentieren. Ich seufzte nur, denn es brachte sowieso nichts, etwas zu sagen. «What the hell was wrong with you guys? That was a perfect disaster! I’m sure the others will have a lot to laugh about on their way home.” “Oliver.” Ich sah ihn mahnend an. Es war nicht förderlich für die Motivation der Jockeys, wenn er solche Sprüche von sich gab, auch wenn wir uns das einigermassen gewohnt von ihm waren. Alle schwiegen, die Stimmung war nicht gerade auf dem Höhepunkt. «Look, we train our horses differently, so that was to be expected. They don’t have to run with their Heads tied down, they don’t have to blindly follow stupid orders and don’t get a beating if they misbehave only a little. You could say that they are spoiled and sassy. In the end however, we won’t have broken machines that only work because they have to, but horses that want to win and still have their personality and pride. That is exactly the difference between a champion and an ordinary racehorse, that gets sorted out after a few races because it has no more will to please. If anyone is unhappy with the way we work, then please say so and start looking for a new racing stable.” Meine kleine Rede zeigte Wirkung. Die Jockeys nickten zustimmend, und Oliver wirkte nachdenklich, als sei ihm bewusst geworden, dass er womöglich überreagiert hatte. Damals, als ich Oliver eingestellt hatte und ins Renngeschäft eingestiegen war, hatte ich von Anfang an ganz klare Forderungen an den Trainer und die Jockeys gestellt. Pineforest hatte eine lange Tradition als Rennpferdegestüt, aber ich hatte es nach meinen Vorstellungen umstrukturiert und damit begonnen, die Pferde auf meine Weise auszubilden; mit der skrupellosen Geldmacherei der Rennindustrie wollte ich nichts zu tun haben. Mir ging es nur um die Freude am Rennsport selbst. Mir genügte es, meine athletischen, gesunden und vor allem psychisch zufriedenen Rennpferde über die Bahn fliegen zu sehen, völlig gleich, ob sie nun als erste oder als letzte ins Ziel kamen. Aber ich brauchte mir gar keine Sorgen um die Reputation des Gestüts zu machen, denn die Pferde gewannen regelmässig und konnten gut mit den ‘auf die herkömmliche Weise’ Trainierten mithalten. Das war auch Oliver, der mich anfangs noch belächelt hatte, über all die Jahre bewusst geworden, und deshalb hatte der ehrgeizige Trainer nicht längst zusammengepackt. Nur musste ich ihn gelegentlich daran erinnern. Weil ich irgendwodurch eine sehr sture und selbstsichere Persönlichkeit hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, dem fremden Trainer mit einem zufriedenen Lächeln gegenüberzustehen und zum Abschied die Hand zu schütteln. In meinen Augen hatten wir alles richtig gemacht. Und nur so nebenbei hatte Daedra gegen den anderen Rappen gewonnen, aber das Gefühl dieses süssen Triumphs behielt ich für mich.

      Wir brachten es auf die Reihe, ziemlich gut gelaunt mit der zweiten Gruppe ein Kopf-an-Kopf Training durchzuführen. Die Stimmung schwappte auf Primo, Merino, Simba, Cryptic, Penny und Ciela über und sie liefen hervorragende Zeiten für uns. Nun hatte sich auch Olivers Stimmung wieder aufgehellt. Er trank, nach dem die Pferde zum Trocknen in den Freilauftrainer gebracht worden waren, mit uns Tee und gab wieder sachliche, nützliche Tipps anstelle von gehässigen Sprüchen. Als er fertig geredet hatte, sah er mich einen kurzen Moment an, und ich nickte lächelnd. So machte das Rennpferdetraining Spass.

      Während Oliver und die Jockeys nun die älteren Gruppen trainierten, machten Lily und ich in der Halle Dressur mit Areion und Circus Dancer. Wir übten spielerisch ein ausgedachtes Pas-de-Deux ein, das wir im Verlaufe der Woche auch mit den Lagerkindern einstudieren wollten. Es war eine hervorragende Übung für meine Nichte, weil sie zu jeder Zeit schauen musste, was ich gerade tat und sich gleichzeitig darum kümmern musste, selbst exakt zu reiten. Areion war dabei wiedermal ein richtiger Schatz. Er half Lily immer wieder aus, wenn sie einen Patzer machte und es war so süss wie er sich Mühe gab, um seiner jungen Reiterin zu gefallen. Dafür bekam er am Ende auch eine Extraportion Karotten (nunja, die Portion war eigentlich mittlerweile gar nicht mehr ‘extra’, weil er sie eh fast immer bekam). Auch Dancer sah mich mit einem perfekten Hundeblick an, als ich vom Schrank zurückkehrte und seine Karotten hinter meinem Rücken versteckte. «Hast du dir die verdient?», fragte ich schmunzelnd, woraufhin er seinen Kopf einmal ruckartig auf und ab bewegte, was fast schon einem Nicken glich. Ich erlöste ihn und hielt die Karotten hin, damit er sie aus meiner Hand ziehen konnte. Er kaute geräuschvoll darauf herum. Pilot und Vychahr in den Nachbarsboxen streckten ihre Köpfe natürlich ebenfalls in meine Richtung, aber sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Als nächstes holte ich Dod aus seiner Box. Der Criollo stand beim Putzen schön still, zeigte aber wiedermal seine sture Seite, als es darum ging, die Hufe hochzunehmen. Ich schaffte es trotzdem und kratzte alle vier gründlich aus. Mir blieb nicht mehr viel Zeit, denn um zehn Uhr wollte ich die Kids offiziell empfangen. Daher longierte ich ihn eine halbe Stunde in der Halle, sorgte aber dafür, dass er während dieser Zeit trotzdem ordentlich arbeiten musste und sogar ein bisschen ins Schwitzen kam. Ich liess ihn nämlich viele Galoppübergänge machen, was gutes Training für die Hinterhand war. Lisa und Darren waren mit Rebel und Flint ebenfalls in der Halle. Die beiden Schecken liefen fleissig vorwärts, wobei Flint jedoch zwischendurch mit einem Blick durch die Fensterwand abschweifte. Der Nebel war draussen nachwievor hartnäckig. Als ich Dod zurück zum Nebenstall führte, waren bereits die ersten Eltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Ich beeilte mich damit, den Criollo Hengst zu versorgen – seine Karotten bekam er natürlich trotzdem. Ich hörte schon ein paar Stimmen, sowohl von Kindern als auch von Eltern schwärmen, was denn das für ein hübscher Rappe sei und musste dabei stolz schmunzeln. Im Norstall fand ich auch gleich Jonas vor, der Diarado für einen Ausritt putzte. Wir planten noch rasch das Mittagessen, dann versorgte ich hastig Dods Ausrüstung. Schliesslich trat ich vor die Anwesenden und begrüsste sie. Zira war wie immer brav an meiner Seite und musterte die Leute mit wachsamem Blick. Shira und Jacky schnupperten schon an der ein- oder anderen Hand und liessen sich streicheln, sehr zur Begeisterung der Kinder. Nachdem ich rasch den Tagesablauf erklärt hatte, erlöste ich ich die Kinder und Eltern von der beissenden Kälte und bat sie ins Pflegerheim. Dort hatten die Pfleger einen Raum für die Kids freigeräumt, sodass diese sich nun gleich einquartieren konnten. Die Pfleger hatten eingewilligt, für die eine Woche etwas näher zusammenzurücken – sonst hätten wir das Lager im Winter gar nicht durchführen können. Im Sommer war sowas kein Problem, weil man dann auch gut im Strohlager oder in Zelten draussen übernachten konnte. Aber bei minus fünf Grad war beides nicht das Wahre. Die Eltern blieben noch einen Moment, um sich umzusehen. Danach verschwanden sie endlich und wir konnten mit dem Programm starten. Es waren insgesamt neun Kinder gekommen, allesamt Mädchen. Darüber war ich ein kleines Bisschen enttäuscht, denn ich hatte gehofft, auch ein paar Jungs für das Lager zu begeistern. Auch Lea, die Lily an der International Horse Show kennengelernt hatte, war wie versprochen mit dabei. Die beiden kicherten jetzt schon die ganze Zeit und warfen sich vielsagende Blicke zu. Wir machten ein paar Kennenlernspiele zum Aufwärmen. Es stellte sich heraus, dass manche der Mädchen sich auch schon aus der Schule kannten. Zudem hatte es einige dabei, die schon oft mit ihren eigenen Ponys in die Reitstunde gekommen waren. Aber zumindest drei Mädchen waren ganz neu, und auch Lea war noch nie hier auf dem Hof gewesen. Als wir unsere Namen schon ein bisschen kannten, führte ich die Gruppe zu den Ponys in den Nebenstall. Spätestens da war das Eis gebrochen. Die Mädchen begannen sofort damit, die neugierig über die Boxentür spähenden Ponys zu streicheln und sich begeistert zu unterhalten. Ich stellte Cinni, Silver, Sweets, Blue, Lychee, Shira, Dream, Yoomee, Nim (die Lisa freundlicherweise zur Verfügung stellte) und Fake vor und genoss dabei aufmerksame Zuhörer. Die wichtigste aller Fragen stand allen förmlich ins Gesicht geschrieben: Welches Pony darf ich reiten? Ich hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass jedes Kind sich die ganze Woche um dasselbe Pony kümmern würde, damit ich genau sehen konnte, welche Fortschritte gemacht wurden. Ich erlöste die Kids, indem ich die teils ausgeloste, teils den mir mitgeteilten Reitkünsten angepasste Liste hervorkramte und herunterlas. „Gina will take Shira, since you seem to be the one with the most experience. She’s only four years old, so riding her will be a bit more demanding. But she has a nice temper, so you should be fine. Just keep in mind that she does not know everything yet. Fiona, your pony will be Silver. Rachel takes Cinni, Emma will have to deal with Yoomee, Mariana can ride Sweets. Sheridan, you take Dream. Ruth takes Nim. Where was I? Ah yes, Lea takes Bluebell and Aliyah can have Lychee. Lily, you are stuck with Fake, as always.” Den letzten Teil fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Ich war erleichtert, als ich keine wirklich enttäuschten Gesichter sah – alle schienen mit ihren zugeteilten Partnern zufrieden zu sein. So weit so gut. „What about we start right now and see how good you are?“, schlug ich vor, und bekam begeisterte Rückmeldung. “Fine. Go and get your riding clothes, we’ll meet right here in fifteen minutes.” Ein paar trugen ihre Reitsachen schon und sahen mich fragend an. „You can help me get the grooming stuff here.“ Ich führte sie zu den Sattelkammern im Hauptstall und drückte jedem zwei Kisten in die Finger. Sie waren alle beschriftet – dafür hatten Lily und ich im Vorfeld gesorgt. Als auch die anderen wieder da waren, holten wir die Ponys raus und begannen mit dem Putzen. Ich sah zu und half zwischendurch, aber sie waren natürlich alle ziemlich selbstständig. Lily und Lea plauderten ausgelassen, und auch die anderen begannen immer mehr damit, sich gegenseitig auszutauschen. Nur Ruth putzte schüchtern schweigend ihre Haflingerstute. Ich gesellte mich beiläufig zu ihr und fragte sie ein wenig aus, wobei sie auch etwas auftaute. Ich erfuhr, dass sie kein eigenes Pony hatte, aber manchmal das einer Bekannten reiten durfte. Meine Erwartungen in ihre Reitkünste sanken damit etwas, denn offenbar hatte sie ja noch nicht viel Erfahrung sammeln können. Trotzdem liess ich mich natürlich gerne überraschen. Als die Ponys zufriedenstellend sauber waren, sattelten und zäumten wir sie. Anschliessend liefen wir alle zusammen zur Halle, wo wir eine erste, klassische Reitstunde abhielten. Ich wollte nicht zu wild starten; natürlich hatte ich noch einige weitaus interessantere Pläne für die nächsten Tage. Die Reitstunde kam aber auch schon nicht schlecht an. Ruth überraschte mich tatsächlich: sie hatte einen erstaunlich guten Sitz und schien gut mit Nim klarzukommen. Bei Aliyah haperte es dagegen am Anfang etwas, weil Lychee heute recht feurig war. Sie galoppierte einmal sogar mit ein paar übermütigen Buckelsprüngen an, was Aliyah dann doch gleich etwas Respekt einflösste. Sie blieb zwar oben, war aber deutlich angespannt und unsicher. Ich beruhigte sie so gut es ging und zeigte ihr, wie sie Lychee mit Schulterherein und kleinen Volten so beschäftigen konnte, dass sie nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das funktionierte dann zum Glück auch. Shira machte, sich Lychee als Vorbild nehmend, ebenfalls Anstalten zum Buckeln. Gina konnte das aber gut aussitzen und hatte die junge Stute rasch wieder konzentriert bei der Arbeit. Die anderen Ponys benahmen sich zu meiner Erleichterung vorbildlicher. Ich hätte sie alle gestern nochmal richtig durchkneten sollen, überlegte ich kopfschüttelnd. Aber manchmal hing es auch einfach von der Tageseinstellung ab. Jedenfalls konnten wir nach der ersten Stunde ein durchaus positives Fazit ziehen und die Kids sahen nicht minder begeistert aus – mit Ausnahme von Aliyah vielleicht. Ich beschloss, Lily darauf anzusetzten, ihr später ein wenig gut zu zureden. Wir versorgten die Ponys, wobei Rachel etwas voreilig war und ich sie darauf hinweisen musste, dass Cinni noch nicht genug durchgebürstet sei, um schon die Decke auf ihren Rücken zu packen. Die korrekte Pflege der Ponys war mir sehr wichtig, wichtiger noch als das Reiten selbst. Reitkünste liessen sich schnell verbessern, aber eine persönliche, vielleicht eher bequeme Einstellung in die richtige Richtung zu formen war weitaus schwieriger. Wir assen alle gemeinsam in der Reiterstube zu Mittag. Ich hatte mit Jonas im Vorfeld abgemacht, dass er einen grossen Topf Nudeln kochte und dazu etwas Tomaten- und Pestosauce vorbereitete. Den Salat machten Lily, Lea und ich noch schnell. Am Nachmittag folgte dann eine Theorielektion über den allgemeinen Umgang mit Pferden. Ich versuchte dabei, möglichst bildlich und spannend, immer wieder auch mal lustig zu erzählen, und brachte viele Beispiele, die ich selbst schon erlebt oder beobachtet hatte. Das kam gut an bei den Kids. Nur Lily musste ich ab und zu ermahnen, dass sie nicht zu viel schwatzte. Ich fragte mich schmunzelnd, ob sie in der Schule auch so gesprächig war. Irgendwann machten wir eine Pause mit Tee und Baumnüssen zum selberknacken, dann ging es weiter mit einer Bodenarbeitseinheit. Die Ponys waren etwas erstaunt, dass sie ein zweites Mal arbeiten mussten. Aber das tat ihnen gut, besonders der wilden Lychee, die jetzt schon deutlich ruhiger war als zuvor. Wir stellten Pylonen auf und machten Führünungen. Ausserdem zeigte ich den Mädchen, wie man Pferde an einer Körung oder sonstigen Schau vorstellen würde. Gegen Abend mussten die Kids dann etwas im Stall mithelfen, bis es wieder Essen gab. Auch das fand ich als Einblick in den Alltag mit Pferden eine wertvolle Lektion. Nach dem Abendessen liess ich der Gruppe Freizeit, sodass sie sich ohne mein Einmischen besser Kennenlernen konnten. Ich brachte ihnen aber noch ein paar Kartenspiele, um ihnen einen Anstoss zu geben. Jonas war froh darüber, denn so hatte er mich endlich allein für sich.

      Die folgenden Tage vergingen so schnell, dass es fast schon unheimlich war. Wir studierten die ersten Elemente der geplanten Quadrille ein, machten ein Gymkhana, gingen auf Ausritte im Pinienwald, standen einmal schon früh morgens auf, um das Renntraining mitzuverfolgen und befassten uns sogar mit einfacher Pferdeanatomie. Ich hatte das Gefühl, dass die Kids mächtig Spass dabei hatten. Sie waren jedenfalls längst nicht mehr schüchtern, sondern ein bunter, schnatternder Haufen und zum Teil schon ganz schön frech. Lily schlief ab Mitte Lager nicht mehr bei uns im Haus, sondern bei Lea und den anderen. Ich ahnte schon, dass sie nachts länger aufblieben als geplant, um sich noch Räubergeschichten zu erzählen, oder zu spielen. Ich drückte natürlich beide Augen zu – ich war ja auch mal in dem Alter gewesen, und das gehörte einfach zu einem guten Lager dazu. Tagsüber, wenn wir nicht gerade Programm führten, verbrachten die Kids gerne Zeit bei den Miniature Horses. Sie nahmen Lewis und Lisa sozusagen das Bürsten der Fellkugeln ab. Die Ponys mochten daran wohl besonders, dass jeweils ein paar extra Karotten für sie heraussprangen. Am beliebtesten bei den Mädchen waren Orchid und Rose; das süsse Fohlen überzeugte mit seinem Fohlen-Flausch, und Röschen mit ihrer bestechlichen Schönheit. Die Papageien im Pflegerheim waren übrigens auch so eine kleine Attraktion. Fast in jeder Pause wurden Africa und Blue von der Horde Mädchen bespasst. Ich hatte die beiden dazwischen noch nie so friedlich in ihrem Käfig schlafen sehen; Sie schienen richtig ausgelastet. Auch die Katzen kamen in den Genuss vieler Streicheleinheiten – besonders Gismo. Die anderen liessen sich ja bei weitem nicht so oft blicken, und Moya blieb der Gruppe sowieso vollkommen fern. Und natürlich war auch das Zebra eine der Hauptattraktionen, die regelmässig besucht wurden. Die Mädchen waren eine coole Truppe. Sie kamen gut miteinander aus und machten eigentlich alle super mit. Es kristallisierte sich bald heraus, welche meine Favoriten waren, was die Zukünftige Turnierreiterei anging. Ins Auge gefasst hatte ich insbesondere Gina, Ruth und Sheridan. Und natürlich Lea, aber die war sowieso schon so gut wie dabei, jedenfalls wenn es nach Lily ging. Die hatte sie auch schon darauf angesprochen, sodass Lea bereits Bescheid wusste und es nur noch mit ihren Eltern abklären musste. Aliyah wurde leider auch bis zum Ende des Lagers nicht so richtig warm mit Lychee. Ich schätzte, dass die beiden einfach irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge waren.

      Der letzte Tag rückte näher und wir konzentrierten uns noch etwas mehr auf die Quadrille. Wir brauchten besonders lange, um das Timing bei den diagonalen Wechseln mit dem Kreuzen zwischeneinander hindurch hinzukriegen. Auch das reissverschlussartige Einreihen auf der Mittellinie verlangte volle Konzentration von allen. Am letzten Abend blieben die Mädchen besonders lange auf, um nochmal ausgiebig die Zeit miteinander zu geniessen. Ich erlaubte ihnen, einen Film zu schauen und dazu Popcorn in der Mikrowelle zu machen. Gismo blieb dabei den ganzen Abend mit ihnen auf der Couch und liess sich verwöhnen. Am nächsten Morgen folgte dann die Generalprobe. Wir mussten noch ein paar Widerholungen machen und Kleinigkeiten anpacken, dann passte alles. Die Musik zur Quadrille hatten die Kids natürlich selbst ausgesucht (mit meiner lenkenden Beratung). Als die Eltern kamen, herrschte einen Moment lang Chaos, weil alle aufgeregt erzählten und ihre Ponys zeigten. Dann ordneten wir uns und lotsten die Eltern in die Halle, wo wir einen Teil mit Absperrband abgegrenzt hatten. Ich sorgte dafür, dass die Eltern alle warmen Tee oder Kaffee bekamen, weil es wiedermal ziemlich kalt war. Die Mädchen bereiteten sich inzwischen zusammen mit Lisa vor. Dann kamen sie alle hintereinander in die Halle geritten. Alle Ponys trugen weisse Schabracken und Bandagen, die Mähnen waren den ganzen Morgen mühsam eingeflochten worden. Es sah richtig schick aus. Die Quadrille formierte sich und die Musik startete. Es war ein voller Erfolg. Zwar klappten nicht alle Figuren perfekt synchron, und auch beim Kreuzen gerieten die letzten zwei Paare wieder etwas aus dem Takt, aber den Eltern fiel das gar nicht richtig auf und sie klatschten sowieso begeistert, als die jungen Reiterinnen fertig waren. Die strahlten alle stolz und lobten ihre Ponys. Wir liessen uns Zeit mit dem verräumen der Ponys und die meisten der Mädchen liefen sie gemeinsam mit ihren Eltern im Schritt trocken. Dann packten alle noch ihre restlichen Sachen und verabschiedeten sich von ihren Vierbeinigen Partnern. Für die Ponystuten gab es einige Abschiedskarotten und –Äpfel, worüber sie sich natürlich brummelnd und zufrieden kauend freuten.

      Ein paar Tage nach dem Lager fragte ich wie geplant bei Gina, Ruth und Sheridan nach, ob Interesse daran bestünde, die Ponys auch zukünftig zu reiten. Gina lehnte leider ab, da ihre Familie selbst einen kleinen Stall führte und sie bald die eignenen Nachwuchsponys reiten würde. Die anderen beiden nahmen das Angebot aber begeistert an, und so konnten wir Lea Reed, Ruth Crawford und Sheridan Langley neu in unserem Team begrüssen. Eine Überraschung gab es noch: Lea brachte ihren Welsh Pony Hengst All Pride mit nach Pineforest. Das hatten wir in der Vereinbarung so ausgemacht, damit Lea die Infrastruktur nutzen und den Racker auch gleich optimal trainieren konnte. Der kleine braune Hengst war ein hübsches Kerlchen – er gefiel sogar mir. Ich hatte das Gefühl, dass Lily, Suri, Lea, Ruth, Sheridan und die Ponys noch jede Menge Spass zusammen haben würden.

      Ein gewöhnlicher Sommertag?
      September 2019, von Occulta
      Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Vai Alida, Coulee, Rosenprinz, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, PFS' Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Primo Victoria, Simba Twist, PFS’ Colours of Life, PFS’ Cryptic Spots, Compliment, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Stop Making Sense, Co Pilot de la Bryére, Thomas, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Lovely Summertime, Lindwedel, Burggraf, Estragon Sky, Circus Dancer, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Tayr al-Diyari, Après la Pluie, Mansur, Halluzination, PFS’ Ravissante, Ronja Räubertochter, Feline

      Ich sattelte gerade Khiara im Hauptstall, als Jacky durch die Stallgasse geschossen kam. Vor ihr sprintete eine grosse Maus um ihr Leben. Ich ertappte mich dabei, wie ich leise mit dem pelzigen Tierchen mitfieberte, als es ihm gelang, flink unter einer Boxentür zu verschwinden. Eigentlich war es ja gut, wenn die Nager etwas in Schach gehalten wurden, damit sie sich nicht zu sehr vermehrten. Aber irgendwie taten sie mir doch jeweils leid, wenn ich sie aus dem Maul von einer der vier Katzen hängen sah. Und für Jacky war es ohnehin nicht besonders gut, wenn sie die gelegentlich auch verwurmten Viecher frass. Die beste Mäusejägerin war übrigens immer noch Shiva. Sie fing beinahe jeden Tag irgendwas, und ich durfte dann jeweils die Reste davon aus der Sattelkammer entfernen. Sie hatte auch schon Tauben gefangen und sogar einmal eine Ringelnatter angeschleppt, die ich zum Glück gerade noch hatte retten und in der Nähe des Flusses wieder aussetzen können. Ich war nicht zimperlich, wenn es darum ging, irgendwelche Tierchen anzufassen. Lisa war da schon etwas heikler – sie hätte auf keinen Fall nach der sich verzweifelt windenden Schlange gegriffen, auch wenn diese ungiftig war. Jedenfalls zäumte ich die samtig cremefarbene Stute, auf die ich mich eigentlich konzentrieren wollte, mit deren gewöhnlicher Trainings-Wassertrense. Anschliessend streichelte ich ihre Stirn und führte sie zur Halle. Es regnete draussen in Strömen – eine Kaltfront war vergangene Nacht vom Meer her über England gezogen. Es war jedoch trotz schlechten Wetters immer noch warm, sodass man unter jeder gewöhnlichen Regenjacke sofort schwitzte; eine Kombination, die ich nicht besonders mochte. Auch die Pferde bekamen beim Trainieren rasch ein feuchtes Fell, sodass wir sie fast immer danach abduschen mussten. Drinnen in der Halle drehten unter anderem Lisa und Jazz, David mit Artemis und Alan mit dem stattlichen Thomas ihre Runden. Khiara wärmte ich zunächst wie es sich gehörte im Schritt und im Trab am längeren Zügel auf. Dann begann ich damit, an den Seitengängen der Stute zu arbeiten. Ab und zu beobachtete ich durch die grosse Fensterwand, wie Jonas im strömenden Regen mit Herkir auf der Ovalbahn töltete. Die beiden schienen sich von den gelegentlichen Windböen nicht beeindrucken zu lassen und trotzten dem unbarmherzigen Wetter. Jonas hätte natürlich auch in die Halle kommen können, aber er fand, wie er mir erklärt hatte, dass der begrenzte Platz bei Schlechtwetter auch ohne ihn schon knapp wurde. Ich fand es einerseits unheimlich toll, dass er in letzter Zeit so viel Rücksicht auf die anderen nahm, aber andererseits machte ich mir manchmal Sorgen, dass er sich selbst dabei vernachlässigte. Ich wollte schliesslich nicht, dass mein Geliebter sich erkältete und dann mit tropfender Nase oder kratziger Stimme herumschlich. Aber es stimmte schon. Gerade kam noch Darren mit Burggraf rein, damit waren wir nun schon wieder acht Reiter in der Halle. Zwar begannen Anne und Circus Dancer wenige Minuten später mit dem Trockenreiten, um kurz darauf durch den Regen zum Nordstall zu joggen, doch die nächsten waren schon am Pferdeputzen, wie ich zu gut wusste. Irgendwie machte es aber auch Spass, mit so vielen Leuten gleichzeitig zu Reiten. Die Stimmung war ausgezeichnet und gelegentlich fielen lustige Kommentare. Ich beschloss, mit einem Blick auf die noch immer getränkt werdende Ovalbahn, Jonas in der nächsten Pause einen warmen Tee zu machen. Khiara wurde durch die vielen Pferde etwas übermütig und ich musste sie für unsere Kruppe-Herein-Versuche ziemlich zurückhalten. Wenn sie zu viel Schwung hatte, bekam sie ein Durcheinander mit ihren Beinen und nahm nicht richtig Gewicht mit der Hinterhand auf. Khiara lief zu meiner Freude trotz ihres geladenen Gemüts ziemlich locker und konstant in Anlehnung. Man erkannte leicht, dass sie ein erfahrenes Reitpferd war und gelernt hatte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich lobte sie ausgiebig, als wir zum Abschluss einen ziemlich perfekten Galoppwechsel hinbekamen. Sie konnte die Wechsel natürlich schon längst, aber sie hatte diesen wirklich besonders schön leichtfüssig und flüssig gemacht, sodass ich zur Belohnung die Trainingseinheit beendete und die Stute austraben liess. Während dem Ausschreiten plauderte ich ein wenig mit Robin, die mit Ravissante ebenfalls fertig war. «How did it go?», fragte ich neugierig; ich war zu sehr auf Khiara fokussiert gewesen, um mitzubekommen, was die beiden gemacht hatten. «As usual… She just keeps avoiding those corners and sometimes she spooks without any kind of reason. But other than that, we managed some smooth transitions.” “Don’t worry, she is still very green and has to learn a lot at once. I think you do a great job with her and she seems to like you. I’m glad – it would be great if you two fit together, regarding your show jumping career. You need a second horse in case Cymru has to take a break for some reason.” “Yeah, I also like her a lot, despite her rather difficult attitude.” “[…]”

      Khiara schob mit ihrem Maul zufrieden den Heuhaufen in ihrer Box herum, nachdem sie ihre Karotten alle zerkaut hatte. Ich widmete mich nun Painting Shadows. Die intelligente Stute begrüsste mich freundlich und streckte mir ihre Rosa Schnauze entgegen, um sich das Karottenstück in meiner Hand zu erschleichen. Ich überliess es ihr schmunzelnd und halfterte sie auf, danach führte ich sie in eine der Putzstände. Die Ohren der Stute waren ganz nass, weil sie offenbar den ganzen bisherigen Morgen aus dem Fenster geschaut hatte. «Come here, silly», murmelte ich liebevoll, als ich mit einem Frottee Handtuch zurückkam und sie ihr trocknete. Sie drehte den Kopf zuerst weg, genoss die Ohrenmassage dann aber doch und hielt schön still. Auch die Stirn rieb ich ab, wobei Paint genüsslich ihre Augen schloss. Mit ihr machte ich ein paar Trainingssprünge, um sie fit zu halten und ein wenig an der Kontrolle zwischen den Hindernissen zu feilen. Auch sie war etwas fit und war nicht ganz so glücklich über den langsamen Schaukelgalopp, den ich von ihr verlangte. Aber sie nahm sich zusammen und konzentrierte sich (mehrheitlich). Während ich mit ihr in der Halle war, nutzten auch gleich Lisa, die nun zu Bacardi gewechselt hatte, und Linda mit Sniper den von mir aufgestellten Parcours. Die beiden Ponyhengste hatten sich unter dem Sattel prächtig entwickelt und man sah einen deutlichen Unterschied in ihrer Muskulatur. Besonders Bacardi lief ruhig am Zügel und zeigte sogar beim Springen einen schönen Aufwärts-Galopp. Sniper wehrte sich hin und wieder gegen die Hand, wenn er das Gefühl bekam, zu wenig Schwung zu haben. Er wollte die Hindernisse lieber mit genügend Geschwindigkeit bezwingen, weil er noch unsicher war. Linda gab ihr Bestes, um ihn davon zu überzeugen, dass er auch mit weniger Tempo und dafür wenig mehr Kraftaufwand drüber kam. David und Darren gaben sich Mühe, um uns dreien nicht in die Quere zu kommen. Sie bewegten Ronja und Pilot mit lockeren Dressurlektionen zwischen den Hindernissen hindurch und schafften es, durch vorausschauendes Reiten, trotz des «Gegenverkehrs» anständig zu arbeiten. Ich lächelte zufrieden, als ich Paints Zügel lang liess und dabei beobachtete, wie sich Pilot elegant um die Hindernisse bog. Er schäumte ganz leicht und schien Darrens leichte Hand zu mögen. Ich war froh, denn das Sensibelchen brauchte wirklich feine Einwirkung, um sich unter dem Sattel zu entspannen. Als ich Paint fertig trockengeritten hatte, kam gerade die letzte Gruppe der Vollblüter von der Bahn zurück – natürlich alle pitschnass. Sie trugen Regendecken über ihren Kruppen, so war wenigstens die Lendengegend trocken geblieben. Die Jockeys sahen so aus, als wollten sie nur noch rein und sich abtrocknen, verständlicherweise. Ich öffnete ihnen schonmal das Tor zum Stutentrakt und lief mit Paint voraus. Sie ritten dankbar direkt rein und stiegen drinnen ab. Ajith öffnete gegenüber das andere Tor, damit die Hengste auch schneller ins Trockene kamen. Primo scharrte ungeduldig. Ich riet Rita, sich zu beeilen, weil die Stute vermutlich in die Box zum pinkeln wollte – was sich als richtig herausstellte. Die übrigen, Penny, Ciela, Goldy, Merino, Simba und Cryptic mussten brav warten, bis sie abgesattelt waren. Es ging jedoch alles sehr rasch vonstatten, sodass niemand verhungern musste und auch sie sich bald auf ihr Kraftfutter Stürzen konnten. Die durchnässten Jockeys hatten sich ihre Pause mehr als verdient, also sammelten sie sich, frisch umgezogen, in der Reiterstube zu einer Tasse Tee. Ich drückte auch Jonas den insgeheim versprochenen Becher in die Finger. Er nahm ihn überrascht dankend an und gab mir einen Kuss. «Die beiden Isis sind nass und glücklich», verkündete er stolz nach ein paar Schlücken. «Loki war auch brav?» «Jap, er hatte heute einen guten Tag. Ich glaube beinahe er mag es, wenn es draussen garstig ist. Weisst du noch, als wir einmal im Sturm ausreiten waren?» «Ja! Als ich dir noch gesagt hab dass da was kommt, und man hat es ja auch schon am Horizont gesehen, aber du hast es mir ja wiedermal nicht geglaubt.» «Hat ja trotzdem Spass gemacht, oder?» Ich grinste. «Irgendwie schon. So schnell sind wir mit den beiden glaube ich noch nie getöltet. Und sie haben sich richtig vom Wind aufheizen lassen.» Quer durch den Raum rief Charly «can you guys stop talkin’ german? I can’t focus on what Rita tries to tell me, because my silly brain tries to translate your words instead!” “It is hard to focus on Ritas speech anyway, since she hardly ever finishes one topic before she starts with the next”, bemerkte Lewis frech, der sich gerade reingeschlichen hatte. “Lewis, you old wet dog!”, rief Jonas freudig, als er den Offenstallpfleger erblickte. Lewis hatte ganze drei Wochen Ferien in Portugal genossen und sah ungewohnt braungebrannt aus – aber auch er war auf dem Weg vom Parkplatz her ein Opfer des Regens geworden. Tom krähte belustigt “aww, look at the way they hug. Are they not like an old couple?” Jonas stieg extra darauf ein. «I missed you darling.” Nun rief ich empört “Careful! I might get jealous!” “Yeah, don’t you dare steal him from her, Lewis!”, drohte Parker. Wir amüsierten uns prächtig, bis Oliver reinkam und durch den Lärm hindurch mit strengem Tonfall bemerkte, dass Ajith alleine die Stallgasse im Hauptstall wische. Wir packten schuldbewusst unsere Tassen weg und zerstreuten uns wieder in Richtung Arbeit. Ich lief Quinn hinterher zum Hauptstall. Die dunkelrothaarige Pflegerin schnappte sich den nächstbesten Besen und begann vom Eingang her mit dem Wischen. Ich klopfte Ajith beim Durchgehen anerkennend auf die Schulter. Der Pfleger war wirklich einer der tüchtigsten hier, und ich musste immer aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf ihn verliess. «Oh yeah, before I forget it – the new Stallion arrives today”, fiel mir gerade noch ein. Der Pfleger grinste und meinte bloss: “The box is ready, already.» Ich seufzte zufrieden und bedankte mich bei ihm. Das ist genau das, was ich meine.

      Vor dem Mittag bewegte ich Rosenprinz, Hallu und Feline, wobei ich leider nachwievor mit allen in die Halle musste. Wenigstens liess der Regen am Nachmittag so weit nach, dass ich mich mit der Regenjacke auf einen Ausritt traute. Dafür sattelte ich Summertime, deren Name mir fast schon ein wenig ironisch vorkam. Besonders, als auf halbem Weg dann doch wieder eine Welle des Niederschlags auf uns prasselte, als stünden wir unter einer grossen Dusche. Summer schien das nicht viel auszumachen, sie folgte unbeirrt weiter dem Feldweg. Auf der Wilkinson Farm standen tatsächlich Mansur, Anubis und Tayr draussen auf einer kleineren Paddockweide. Die drei Jungs schienen gelangweilt zu sein und kamen sofort an den Zaun getrabt, als ich durchritt. Als Summer und ich aus dem Wald kamen und ich zwischen den Gebäuden hindurchsah, beobachtete ich gerade noch, wie Rosie mit einem sehr hellen Pferd – vermutlich Après la Pluie – aus ihrer eigenen kleinen Halle kam. Ich verzichtete darauf, ihr zu rufen und trabte stattdessen an, um rascher ins Trockene zu kommen. Die Holzbrücke war ein wenig rutschig, sodass ich Summer langsam ihre Schritte suchen liess. Gute Trailübung, stellte ich innerlich fest. Ich lobte die buckskin Stute, als wir sicher am anderen Ende waren und trabte auch den Rest zu den Ställen noch. Jonas sah uns kommen und half mir nach dem Absteigen beim Satteltrocknen.

      Am späteren Nachmittag, als Lily von der Schule kam und wiedermal Suri mitbrachte, kümmerten wir uns alle drei um die Minis. Die waren natürlich auch den ganzen Tag im Regen gestanden, obwohl sie Bäume und einen trockenen Offenstall zum unterstehen hatten. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus den Vierbeinern. Lily hatte ein grosses Badetuch mitgebracht und wickelte nun Orchid darin ein. Für das arme Stutfohlen gab es gar kein Entkommen. Ich behielt ein wachsames Auge auf Daki, nicht dass die Mutter der Halbstarken plötzlich ihre Beschützerinstinkte auspackte. Und natürlich war ich bereit, einzugreifen, falls Lily nicht vorsichtig genug mit Orchid spielte. Suri und ich bürsteten die übrigen Stuten, angefangen bei Rose und Darling. Die feuchten Mähnen und Schweife waren besonders schwer zu kämmen, aber mit etwas Glanzspray klappte es ohne grosse Verluste. Einmal schnappte Papillon nach Lily. Meine Nichte reagierte aber schon selber richtig, indem sie mit der schokofarbenen Stute schimpfte und ihr einen Klaps auf die freche Nase gab. So süss die Minis auch waren; man musste trotzdem konsequent mit ihnen sein und durfte ihnen nicht alle Unarten durchgehen lassen. Besonders, wenn Kinder mit ihnen umgehen wollten musste ich dafür sorgen, dass sie gut erzogen waren. Ich horchte beim Putzen dem Geplauder der beiden Mädchen. «Are you going to ride Lindwedel tomorrow?», fragte Lily ihre Kollegin. «No, Rosie said someone is coming to try him out...” “You think they will buy him?» «I hope not… I heard they come all the way from Liverpool. I will not be able to visit if he ends up there.” Suri tat mir leid, denn für ihre Eltern kam es nicht in Frage, das Pony zu kaufen. Sie fanden, dass ihre Tochter zu jung dafür sei und noch nicht lange genug reite. Ausserdem war es natürlich auch eine finanzielle Frage. Ich mischte mich ein und tröstete Suri mit der Bemerkung: «You will be busy riding our ponies here at Pineforest.» Während wir mit den kleinen Pferdchen beschäftigt waren, bekam ich einen Anruf vom Flughafen, dass Compliment bereit zur Abholung sei. Freudig joggte ich zum Haus und holte die Autoschlüssel, klebte Jonas einen Zettel an die Haustür, auf dem stand, dass ich kurz weg sei. Ich wählte den Selbstfahrer, weil der sowieso noch getankt werden musste. Nach einem kurzen Stop bei der Tankselle, gabelte ich den Rappen am Flughafen auf und chauffierte ihn Nachhause. Compliment war ein Nachkomme von Indiana, und als Geschenk in Zusammenarbeit mit Hunter Crowley zu meiner Kollegin Käthe gegangen. Sie schickte ihn nun aus Zeitgründen zurück nach Pineforest und vertraute darauf, dass er hier gut aufgehoben sein würde – was ich ihr auch versprochen hatte. Der Rappe sah seiner Mutter sehr ähnlich mit seinem dunklen Fell und der unregelmässigen Blesse. Sein Vater war Cantastor, der ja ebenfalls eine ganze Weile auf Pineforest gelebt hatte. Er war schlaksig und langbeinig, und hatte einen liebevollen Charakter, sodass es mir sehr leichtfiel, ihm sofort mit Begeisterung zu begegnen. Ajith machte grosse Augen, als ich Compliment in den Hauptstall führte. Ich hatte ihm nicht gesagt, dass es sich bei dem «Neuen» um dieses Tier handelte. Offenbar erkannte der Pfleger das ehemalige Fohlen sofort, auch wenn es nur kurz auf Pineforest selbst gewesen war, und strahlte übers ganze Gesicht, als er das nun grossgewachsene Pferd übernehmen und in seine neue Box bringen durfte. Darren, der gerade Life putzte, liess die beiden durch und pfiff bewundernd, als er dem Rappen hinterher sah.

      Als am Abend der Regen endlich nachliess, brachten wir die Vollblüter raus auf die kleinen Weiden. Die grossen wollten wir schonen, schliesslich lag noch der ganze, gewöhnlich verregnete Herbst vor uns. Vai Alida, Coulee, Gray, Campina, Sarabi, Thalia, Dolly und Caligari wurden in zwei gleiche Gruppen aufgeteilt und durften die beiden Weiden neben den Offenställen der Minis beziehen. Rosenprinz, Light, Caspian, Spot, Winter, Mambo und Life brachten wir alle zusammen auf die unterste, langgezogene Weide. Der Offenstall der Stuten lag zwar direkt darüber, aber die Zäune waren aus massivem Holz gefertigt und hoch genug, ausserdem lagen gleich zwei Zaunreihen dazwischen. Die Hengste bewegten sich geschmeidig in ihrem schönsten Bluff-Trab vom Eingang der Weide davon, einzelne galoppierten auch. Bevor sie mit dem Grasen begannen, gab es kurz ein provokantes Gequietsche zwischen Rosenprinz und Winter, dann kehrte Ruhe ein. Bei den Stuten herrschten von Anfang an Harmonie und Frieden – wobei das längst nicht immer so war. Aber weil gewisse eigenwillige Schimmelstuten erst später mit den nächsten Gruppen rausdurften, fehlte wunderlicherweise der Anreiz zu Streitigkeiten. Ich verschränkte die Arme, an den dunklen Holzzaun gelehnt, und genoss einen Moment lang die frische Luft nach dem Regen, kombiniert mit der spätnachmittäglichen Stimmung.

      Neujahr ohne Schnee – oh jehmineh
      Januar 2020, von Occulta
      Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Coulee, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Compliment, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Snap in Style, Thomas, Co Pilot de la Bryére, Circus Dancer, Estragon Sky, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cinnemont’s History, Eismärchen, Moon Kiddy, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Maekja van Ghosts, PFS‘ Dahu

      Die Festtage waren auf Pineforest stressig wie immer gewesen. Wir mussten auch an Weihnachten jeweils die Versorgung der Pferde gewährleisten und trotzdem den Pflegern irgendwie die verdiente Auszeit mit ihren Familien gönnen. Dies erforderte gründliche Planung. Zum Glück war niemand kurzfristig krank geworden, sonst wäre alles durcheinander geraten. Irgendwie hatten wir die besinnliche Zeit überlebt, und der Start ins neue Jahr war ebenfalls gelungen. Schade war nur, dass es die ganze Zeit über nicht geschneit hatte, weder an Weihnachten noch zu Silvester. Ich vermisste die Galopps im weissen Pulver und das Schlitteln inzwischen so sehr, dass ich mir überlegte, einen Trip irgendwo in den Norden zu machen. Aber dazu fehlte mir schlichtweg die Zeit. Inzwischen ging alles wieder seinen gewohnten Gang - zumindest fast. Ein paar Pferde mussten das Gestüt in nächster Zeit verlassen, um Platz zu schaffen für den im Frühling erwarteten Nachwuchs. Ich hatte mich lange mit der Entscheidung gequält, wen das betreffen würde. Sie sind ja nicht von der Welt, erinnerte ich mich immer wieder, doch es tröstete nur bedingt. Schliesslich hatte ich mich dazu entschlossen, dass Felicita, Deadly Ambition, Campina und Savory Blossom nach dem Absetzen ihrer Fohlen an Bekannte von mir verkauft werden würden. Dort erwartete sie ein toller Endplatz mit viel Weidegang und langen Ausritten. Bauchschmerzen bereitete mir, dass ich Lily irgendwie beibringen musste, dass ich White Dream verkauft hatte. Eine Verwandte von Lisa war auf der Suche nach einem Pony für ihre Tochter gewesen, und Dream war einfach perfekt dafür. Aber ich befürchtete, dass Lily alles andere als erfreut darüber sein würde, denn sie hing sehr an Skydives Mama. Merino und Simba sollten kastriert und an ambitionierte Nachwuchsreiter geliehen werden. Bei den beiden schmerzte es besonders, denn ich hatte sie hier aufwachsen sehen und sie lagen mir sehr am Herzen. Aber ich konnte nunmal einfach nicht unbegrenzt viele Pferde unterbringen, und aus züchterischer Sicht war es sinnvoller, Deckhengste anderer Blutlinien einzusetzen. Trost fand ich in der Vorfreude auf das Fohlen von Merino - einen Nachkommen von ihm hatte ich trotz allem gewollt, damit das ganze Theater mit der Körung nicht umsonst gewesen war. Zuerst wurde aber die Geburt von Ronjas Nachwuchs erwartet, und zwar schon in wenigen Tagen. Es handelte sich dabei zugegebenermassen um ein kleines Experiment, denn ich hatte schon seit Jahren überlegt, ein Fohlen aus ihr und Burggraf zu Züchten. Das machte Sinn, um die seltene Farbe der beiden womöglich reinzuzüchten – oder zumindest weiter zu erhalten. Wenn ich Pech hatte, konnte das Fohlen aber auch gewöhnlich braun oder schwarz werden; ausserdem brachte Inzucht natürlich immer ein gewisses Risiko mit sich. Wir hatten die beiden Achal Tekkiner zwar im Voraus zur Sicherheit auf häufige Erbkrankheiten getestet, aber ein Restrisiko blieb immer. Ich war aber zuversichtlich, dass das Fohlen gesund zur Welt kommen würde. Weiteren Nachwuchs erwarteten wir übrigens auch bei den Reitponys: Cinni war tragend von einem schicken Palominohengst namens Feuervogel. Ich war gespannt, welche Farbe das Fohlen bekommen würde. Auch Lily war schon ganz ungeduldig. Und dann erwarteten wir auch noch Nachwuchs von unserer neuen Stute Eismärchen. Der Vater war Navy Sniper, es würde für beide Elternteile das erste Fohlen werden. Ich machte mir aber keine Sorgen, dass die halbblinde Stute eine gute Mutter werden würde - schliesslich hatte sie solch einen goldigen Charakter. Und zuletzt erwartete ich gespannt das Fohlen meiner neuen Isländerstute Maekja, die ich erst vor kurzem erworben hatte. Sie war eine Tochter des bekannten Fuchshengstes Mellamo, dessen heimlicher Fan ich schon seit langem war.

      Ich machte mich an diesem Morgen wie immer zuerst auf den Weg in den Hauptstall, wo ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Allerdings ritt ich nur in einer Gruppe mit, nämlich auf meinem geliebten Winter. Shades of Gray überholte uns beim Kopf-an-Kopf Sprint gnadenlos – offenbar war der schneeweisse Vollbluthengst heute nicht in Bestform. Ich verwöhnte ihn nach der Arbeit trotzdem mit Karotten und brachte ihn mit einer kuscheligen Fleece-Decke in den Freilauftrainer, wo er trocknen konnte. In der kalten Morgenluft dampften die frisch trainierten Pferde richtiggehend. Spotted Timeout und Gleam of Light trieben etwas Blödsinn im Karussell: Spot lief absichtlich langsam und liess sein Hinterteil das Trenngitter berühren, während Light ihn durch das Metallgeflecht angiftete. „Er provoziert ihn regelrecht“, meinte auch Parker augenrollend. Ich lief eine Runde mit und trieb Spot mit fuchtelnden Armen vorwärts, danach benahmen sich die beiden einigermassen. Als ich zurück in die Stallgasse schlenderte, um die Putzsachen von Winter zu verräumen, hätte Zira, die mir seit dem Absteigen wieder wie ein Schatten folgte, beinahe eine Maus erwischt, die sich jedoch gerade noch in die Sattelkammer retten konnte. „Von denen hat es auch wieder zu viele, was meine Süsse?“, murmelte ich an die Malinois Hündin gewandt. Sie sah mich erwartungsvoll an, also knuddelte ich sie rasch. Die nächste Gruppe wurde bereits in der Stallgasse gesattelt. Ich lief an Mambo vorbei direkt zu einem altbekannten Neuling: Snap in Style. Erneut hatte ich ihn von einer Kollegin zurückgekauft, und diesmal hatte ich nicht vor, ihn wieder herzugeben. Er hatte sich inzwischen von dem schlaksigen Jungtier, dessen Bild ich noch klar im Kopf hatte, zu einem kräftigen Rennpferd gemausert. Mambo war jetzt in dieser Gruppe also nicht mehr der einzige Hahn im Korb. A Winter’s Tale, Counterfire, Sarabi und Dolly standen bereits draussen bereit, als ich den Hauptstall verliess, um zum Nebenstall zu laufen. Ich wechselte noch kurz ein Wort mit Oliver, dann öffnete ich Halluzinations Boxentür. Die Fuchsstute schien nicht allzu begeistert von meinem frühen Besuch. Sie rümpfte die Nase und bewegte sich kein Bisschen auf mich zu. „Was ist denn das für eine Begrüssung?“, motzte ich liebevoll. Wenigstens dreht sie sich nicht gleich weg. Ich lief zu ihr hin und bot ihr ein Karottenstück an. Dadurch taute sie sofort auf und liess sich brav aufhalftern. Ich putzte sie im Eilgang durch – das kurz geschorene Fell unter ihrer Decke war ohnehin sauber – und sattelte sie mit ihrem Dressursattel. In der Halle war bereits Lisa mit Artemis. Sie hatte zwei Cavaletti auf der Mittellinie platziert und übte mit dem Schimmel Galoppwechsel. Wenig später stiessen auch Jonas mit Loki und Darren mit Circus Dancer dazu. Eine Weile ritten wir alle stumm und konzentriert, möglichst ohne einander in den Weg zukommen. Man hörte nur die Huftritte im Hallensand und das gelegentliche schnauben eines Pferdes. Beim Ausschreiten plauderten wir dann wieder ausgelassen miteinander, während die Pferde sich strecken durften. Als David mit Thomas reinkam, kratzte ich gerade Hallus Hufe aus. „Ahh, good Timing – we’re already finished, so you have enough space”, scherzte ich als Andeutung auf die Grösse des Scheckhengstes. Hallu bekam ihre Belohnung und eine kurze Rückenmassage. Es wurde langsam hell, als ich mich auf den Weg zum Offenstall der Stuten machte. Offenbar war ich die erste, die die Weide heute betrat, denn das Stalltor war noch geschlossen. Ich schob es auf und liess die Stuten raus auf das spährliche Wintergras. Jazz schob sich vor allen anderen als erste an mir vorbei in die Freiheit und der Stall leerte sich langsam; als letzte Nachzügler folgten Feline und Summer. Nur eine Stute blieb zurück – oder auf den zweiten Blick doch zwei. „Oh my! I didn’t expect to see you already today. Hello little sweetheart!” Neugierig näherte ich mich der schlaksigen kleinen Gestalt, die neben Ronja im Stroh lag. Das Fohlen sah zu meinem Entzücken genau gleich aus wie seine Eltern: es hatte dieselbe seltsame, zweifarbige Scheckung. Der Kopf erinnerte mich sehr an den seiner Mutter, denn er hatte ebenfalls einen hohen Weissanteil und nur ein paar Flecken an Nüstern und Augen. Die kleine war wohl noch nicht aufgestanden, machte aber einen gesunden ersten Eindruck. Begeistert beobachtete ich sie eine Weile, ohne zu nahe heranzugehen. Ich durfte die ersten Momente von Mutter und Tochter nicht stören. Ronja beschnupperte das Fohlen immer wieder, als wollte sie sichergehen, dass es noch da war. Die kleine machte kurz darauf Aufstehversuche – vermutlich hatte sie zuvor schon damit begonnen, war aber durch mein Eintreten unterbrochen worden. Jedenfalls stand sie bereits nach wenigen Minuten auf ihren wackeligen Beinen. Ich hätte den ganzen Tag zusehen können, aber die Arbeit rief, und ich erinnerte mich, weshalb ich eigentlich hergekommen war. „Moon!“ Die Stute wandte mir draussen sofort den Kopf zu, als sie ihren Namen hörte, und kam auf mich zu. Ich streichelte sie und führte sie am Halfter zum Stall. Dort band ich sie an einem der Halteringe and der Wand an und machte sie startklar für einen ausgiebigen Ausritt mit Jonas und Co Pilot. Wir entkamen dabei gerade noch einer ganzen Horde von Pflegern, nämlich Lisa, Anne, Darren, Alan und Jason, die allesamt mit Bacardi, Khiara, Life, Indiana und Sniper auch gerade raus in den Wald wollten. Da sowohl Jonas als auch mir aber gerade eher nach einem entspannten Ausritt zu zweit zumute war, schlichen wir uns vor ihnen weg. Wir kehrten vor dem Mittag zurück und ich kümmerte mich anschliessend noch um Ravissante, ehe ich kochen ging. Die Stute musste ein ausgiebiges Training mit Cavaletti über sich ergehen lassen, dass ihr vielleicht sogar ein wenig Muskelkater beschehren würde. Aber es war wichtig, dass sie ihre Koordination verbesserte und ihre vier Beine in den Griff bekam. Die Cavaletti halfen dabei, ihr einen Takt vorzugeben und ihren (und auch meinen) Sinn für die Abstände zu schulen. Sie wurde im Verlauf des Trainings etwas heftig - ich vermutete, dass ihre Konzentration nachliess. Deshalb wählte ich als letzte Übung nur noch eine Art Slalom mit Seitwärtsverschiebungen im Schritt, damit wir positiv abschliessen konnten. Es war eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

      Nach dem Mittag brachte ich Caspian, Compliment und Cryptic zusammen auf eine der kleineren Weiden. Auf der grossen unteren Weide, die neben dem Stutenoffenstall, durften zuerst Goldy, Ciela, Caligari, Penny und Primo sich austoben. Das war ein wenig zum Problem geworden in letzter Zeit: besonders viel Gras hatte es nicht mehr, dadurch wurde den Pferden rasch langweilig. Sie rannten häufiger herum und spielten ruppig miteinander, nebenbei pflügten sie das letzte bisschen intakten Weideboden um. Wenigstens hatten wir für den Frühling die ganz grossen Weiden ausserhalb. Womöglich würden wir sie dieses Jahr aufteilen müssen, bis die kleineren sich erholt hatten. Als ich summend von den Weiden zurück zum Hauptstall lief, sah ich gerade Oliver mit Vai Alida losreiten. Ich wünschte ihm einen schönen Ausritt. Dann streckte ich mich genüsslich, um mich für die restlichen Aufgaben des Tages zu wappnen. Am Horizont meinte ich, ein paar verdächtig aussehende Wolken zu sichten. Vielleicht endlich der erste Schnee im neuen Jahr?
    • Veija
      Leben und Tod
      Februar 2020, von Occulta
      PFS' Pinot Noir, PFS' Baila, Moon Kiddy, PFS' Dahu, Feline, Piroschka, PFS' Ljúfa, PFS' Dancin' to Jazz, Vychahr, Diarado, Phantom, Lovely Summertime, Dancing Moonrise Shadows, Matinée, Cinnemont's History, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS' Ravissante, Chanda, Halluzination, Dakota S, Chocolate Chip

      Occu
      "Und?" "Wie und?" "Na wie nennst du ihn nun?" "Keine Ahnung." "My my, du bist doch sonst nicht so einfallslos wenn es um Namen geht. Und es kann doch nicht sein, dass das jüngere Fohlen schon einen Namen hat." Ich zuckte mit den Schultern. "Es war einfach bei Baila, weil ich mir so viele Stutennamen ausgedacht hatte - die ich am Ende bis auf einen gar nicht brauchen konnte." "Natur geht eben ihre eigenen Wege. Aber sieh es positiv: das sind gleich drei vielversprechende zukünftige Zuchthengste, allesamt mit interessanten Blutlinien." "Ist so." "Aber ernsthaft, das Schwarze braucht einen Namen. Wenn du es bis Ende diese Woche nicht benennst, dann heisst es einfach Blacky." "Nichteinmal vielleicht! Es gibt keinen schlimmeren Namen für Rappen!" "Dann eben Toothless." "Ich kenne schon ein Pferd das so heisst. Und auch wenn der Drache süss ist, der Name ist trotzdem bescheuert." "Iskierka hast du auch nach einem Drachen benannt." "Ja, aber das klingt schön." "Dann eben Nightfury" "Weisst du was? Lassen wir das. Ich muss jetzt raus zu den Pferden." Ich gab Jonas einen vertröstenden Kuss, verräumte meine Müslischüssel und schnappte meine Jacke. Den ersten Stopp machte ich bei Mikado und ihrer neuen Tochter Baila. Ich hatte mich wahnsinnig gefreut, dass wir doch noch ein Stutfohlen bekommen hatten. Und ein wunderschönes noch dazu. Die kleine war über und über mit weissen Haaren gesprenkelt, ganz wie bei Mama, aber die Grundfarbe ein kräftiger Fuchston. Grosse Abzeichen hatte das Tierchen auch - ich fragte mich woher. Das Fohlen lag im Stroh und döste mit halb geschlossenen Augen. Hin und wieder zuckte die Unterlippe oder eines der flauschigen Ohren, wenn Mikados Schweifhaare sie streiften. Ich wäre zu gerne in die Box reingegangen um Baila zu knuddeln, so weich wie ihr Fohlenfell aussah. Aber ich wollte sie nicht wecken, wenn sie so friedlich schlummerte. Das Leben war eben anstrengend, besonders, wenn man noch so viel zu entdecken hatte. Ich löste mich von dem idyllischen Bild des schlafenden Fohlens mit den gekrümmten Tasthaaren und lief in Begleitung von Zira der Malinois Hündin zu Moon Kiddy. Die Criollostute stand bereits am Zaun, als sie mich kommen sah. Lewis hatte die Stuten also gleich als erstes rausgelassen. Ich streichelte ihre Blesse zur Begrüssung, dann duckte ich mich zwischen dem massiven Holzzaun durch und holte ihr Halfter beim Offenstall ab, wobei sie mir hinterherlief. Auch Phantom, Jazz, Summer und Shadow kamen uns im Dunkeln neugierig hinterher. "You guys seem to be bored, huh? I know. Spring grass will come soon", murmelte ich liebevoll, Phantoms kräftigen Hals rasch kraulend. Der Rappe war feucht-matschig bemalt, was mich bei den aktuellen Bodenverhältnissen kein bisschen verwunderte. Mit einem prüfenden Blick und der Hilfe der Lampe beim Eingang des Stalls, stellte ich fest, dass auch Matinée, Piro und Feline sich eingesaut hatten - die beiden Schimmelstuten natürlich mit der grössten Sorgfalt von allen. Ich rollte die Augen und klinkte das Führseil bei Moon ein. Wir liefen zum Nebenstall, wo ich sie putzte und Sattelte. Die Beine musste ich abspülen, da brachte mich die Bürste nicht weiter. Die Mähne flocht ich rasch zu einem französischen Zopf, damit sie nicht in den Weg kam. Ich ritt Moon, wie auch die anderen "Westernpferde" grundsätzlich mit Bosal oder Knotenhalfter, heute mit letzterem. Ein Gebiss hatte sie nur zwischendurch zur Abwechslung im Maul, wenn ich mit ihr in der Halle arbeitete. Es machte eigentlich längst keinen Unterschied mehr, womit ich Moon ritt - sie reagierte mit allen Zäumungen gleich fein und hörte vor allem auf Sitzhilfen. Es war eine wahre Freude, auf der gründlich ausgebildeten Stute die Winterlandschaft zu geniessen, wenn man sonst vor allem mit frechen Jungpferden oder hibbeligen Vollblütern klarkommen musste. Im Winter war es bekanntlich nochmals interssanter... Jedenfalls genossen Moon und ich die Ruhe dieses kalten, beinahe unbewölkten Morgens. Es wurde immer heller, während wir unterwegs waren, und die Natur rund um uns herum wachte langsam auf. Ich war erstaunt, frühlingshaftes Vogelgezwitscher zu hören. "Really, it's supposed to be still winter...", murmelte ich kopfschüttelnd. Moon schnaubte zufällig, fast als würde sie mir zustimmen. Ich schmunzelte und genoss die ersten Sonnenstrahlen, die es durch die Pinienwedel bis auf mein Gesicht schafften. Zira trottete glücklich durch das spärliche Unterholz und patroullierte ihr Revier.
      Eine Stunde später kamen Moon und ich zurück von unserem Ausflug. Ich verräumte den Westernsattel der Criollostute und bürstete die Sattellage gründlich, ehe ich Moon zurück auf die Weide brachte. Sie schüttelte zufrieden ihre dichte Mähne und bewegte sich mit waagrecht gehaltenem Hals zu Ljúfa und Chanda unter die Bäume. Ich streichelte rasch die kleine Dahu, die schon wieder selbstsicher durch die Begleitung ihrer Mama nähergekommen war, schloss dann das Weidetor und spazierte zum Nebenstall zurück. Dort fand ich auch Jacky vor, die mit nach hinten ausgestreckten Froschbeinen auf dem Beton lag und sich sonnte. Sie öffnete ihre zusammengekniffenen Augen erst, als ich im Vorbeilaufen ihren Hinterkopf knetete. "Faulpelz." Ich sah bei Bluebell in die Box und pfiff. Das Pony war im Auslauf, drehte aber aufmerksam den Kopf und kam zu mir an die mittlerweile geöffnete Tür. "Hello", murmelte ich mit liebevoll verzogener Stimme. Ich zog ihr das Halfter über, führte sie raus und band sie am Holzgeländer an. Während ich sie gemütlich putzte, lief Jonas mit Diarado durch. "Oi, da ist noch ein wenig Stroh im Schweif", tadelte ich kopfschüttelnd. Er sah unschuldig nach hinten. "Tatsächlich. Wie peinlich." Ich nickte grinsend. "Es soll dir vergeben sein. Was machst du nachher?" "Weiss noch nicht, aber wir können ausreiten gehen. Ich könnte Ravissante nehmen." "Klingt gut, ich komme mit Hallu mit. Wir könnten gleich noch zwei der Minis als Handpferde mitnehmen, dann muss Lewis zwei weniger bespassen." "Wollen wir ihm den Gefallen wirklich tun?", meinte Jonas schelmisch. Mein Blick genügte, dass er weiterlief. Ich kämmte schmunzelnd Bluebells rote Mähne.
      Nachdem ich mit der Ponystute ein paar Seitengänge in der Halle geübt hatte, wollte ich mit Matinée arbeiten. Vor zwei Wochen hatte ich einen neuen Bestechungstrick gefunden, um ihr die Zusammenarbeit mit mir buchstäblich zu versüssen. Die Tierärztin war wegen einer Blutegeltherapie bei Gleam of Light hier gewesen (er hatte ein geschwollenes Sprunggelenk nach einer Keilerei mit Raving Hope Slayer gehabt) und hatte mir ein paar Zuckerwürfel in die Tasche gegeben, um ihn dabei von den kleinen Beisserchen abzulenken. Später am selben Tag hatte ich versucht, die Mustangstute von der Weide zu holen - was wiedermal in ein Fangspiel ausgeartet war. Als sie sich dann endlich hatte aufhalftern lassen, war mir beim Angeln nach einer Belohnung ein verbleibender Zuckerwürfel in die Hand gekommen, also hatte ich ihr den anstelle des Karottenstücks gegeben. Sie hatte zunächst skeptisch darauf herumgebissen, dann aber sofort meine Hand nach mehr abgesucht. Eigentlich war ich ja kein Fan von Zucker als Belohnung, denn es war für die Zähne natürlich milde gesagt suboptimal. Aber es war bisher unmöglich gewesen, die wilde Stute für irgendeine Futterbelohnung derartig zu begeistern. Und in Massen konnte es nicht so wahnsinnig schädlich sein, schliesslich hatten es die alten Meister früher wie selbstverständlich eingesetzt. Seit dem köderte ich die Mustangstute beim Einfangen also mit einem einzigen Zuckerwürfel. Natürlich war mein langfristiges Ziel, eine ausreichende Beziehung zu ihr aufzubauen, sodass ich den Zucker nicht mehr brauchen würde. Aber wenn uns das den Anfang erleichterte und ihr half, sich auf mich einzulassen - warum nicht? Es klappte jedenfalls auch diesmal. Matinée wandte sich mir zu, hielt inne um den Inhalt meiner Hand aus der Entfernung zu beäugen, dann wagte sie die letzten Schritte zu mir hin. Ich überliess ihr den Würfel und umfasste sanft ihren Hals, um ihr das Knotenhalfter anzulegen. Dann führte ich sie zum Nebenstall, wobei sie mir in respektvollem Abstand folgte. Beim Putzen achtete ich wie immer darauf, sie überall anzufassen, damit sie sich daran gewöhnte. Sie tolerierte es mittlerweile, wenn auch manchmal mit angelegten Ohren. Abgesehen von unserem Einfang-Problem war sie inzwischen sowieso eigentlich fast wie ein normales Reitpferd. Wenn Phantom dabei war erst recht - dann liess sie sich auch ohne Zucker fangen.
      Es wurde fast zehn Uhr bis ich die Mustangstute wieder verräumt hatte. Wir hatten nichts Spezielles gemacht, nur weiter an den Grundlagen gefeilt; ein wenig Galopparbeit, Schlangenlinien, Übergänge. Vor dem Mittag begab ich mich auf den versprochenen Ausritt mit Jonas (wir nahmen tatsächlich Daki und Chip als Handponys mit) und longierte danach noch rasch Sweets.
      Am Nachmittag waren Cinni und Vychahr dran. Mit Cinni machte ich einen Ausritt, wobei ich besorgt die regenverheissenden Wolken im Auge behielt, die sich nach und nach über uns sammelten. Muss das denn schon wieder sein? Es hat doch schon die ganze Woche geregnet. Und es ist erst noch zu warm als dass es wenigstens schneien könnte... Wir schafften es trocken nachhause und ich versorgte Cinni mit ein paar wohlverdienten Karotten, die die Ponystute dankend zermürbte. Auch Vilou war heute gut gelaunt und arbeitete konzentriert mit, als ich von ihm mehrere fliegende Galoppwechsel hintereinander verlangte. Am Anfang sprang er nach den ersten beiden Wechseln noch jeweils in den Kreuzgalopp, weil er verwirrt wurde. Aber nach einer Weile hatte er den Dreh raus und verlagerte mehr Gewicht nach hinten, um für die Wechsel bereit zu sein.
      Gegen Abend fuhr ich mit Jacky in die Stadt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Der Kühlschrank füllte sich leider trotz gutem Zureden nicht von selber. Es hatte glücklicherweise nicht so viele Leute wie sonst um diese Uhrzeit, sodass ich rasch vorankam. Die Regenwolken, die sich den ganzen Nachmittag über aufgeplustert hatten, begannen nun ihren Inhalt auf die sonst schon grüne Landschaft zu ergiessen. Ich hatte keinen Schirm dabei, also rannten Jacky und ich die Strecke vom Auto zum Laden. Auf der Rückfahrt drehte ich den Radio ein wenig auf und beobachtete gedankenversunken die vorbeiziehenden Lichter, während ich das Innere Birminghams verliess. Jacky lag vermutlich zusammengerollt auf ihrer Decke im Kofferraum, wie sie es immer tat, wenn wir fuhren. Das regelmässige Geräusch des Scheibenwischers war beinahe hytpnotisierend. Es ist schon seltsam, wie sich mein Leben bisher entwickelt hat. Eigentlich habe ich alles, was ich mir je gewünscht habe bekommen. Ein grosses Gestüt, Erfolg im Rennsport, einen gutaussehenden, humorvollen Partner (bei dem Gedanken kam ich nicht umhin zu schmunzeln), viele tolle Pferde und eine coole Truppe von Angestellten, auf die ich mich verlassen konnte - sowohl bei der Arbeit, als auch als Freunde. Mein Leben ist sozusagen perfekt. Ich glaube, wenn ich heute sterben würde, könnte ich behaupten, all meine Ziele erreicht zu haben. Die Gedanken stimmten mich nostalgisch und ich dachte an meine Anfänge auf Pineforest. Wie ich zu Beginn schier überfordert mit der grösse des Gestüts gewesen war. Nur um später festzustellen, dass es doch beinahe nicht austeichend Platz bot. Wie ich zum ersten Mal mit Stromer auf der Rennbahn gearbeitet hatte. Und dann sein erstes Rennen. Die ganzen Turniere mit Pilot, und mein Einstieg in die Welt der Miniature Horses mit Daki. Es war so viel passiert seither. So viel hatte sich verändert, aber vieles war immernoch gleich geblieben. Ich summte zu dem Lied, das gerade lief - ... won't ever be alone, wait for me to come home... Mittlerweile war ich auf einer Landstrasse und es hatte keine Strassenlaternen mehr. Auf der einen Seite erstreckte sich eine niedrige Steinmauer, auf der anderen reihte sich ein Gebüsch nach dem anderen, einen kleinen Bach säumend. Gerade als die Mauer aufhörte und ein grosser Acker begann, sprang plötzlich ein Rehbock vor mir aus dem Ufergebüsch. Erschrocken trat ich voll auf die Bremse und versuchte auszuweichen. Es ging alles viel zu schnell; auf der Regennassen Strasse geriet mein Wagen ins Schlittern und ich realisierte noch, wie es wortwörtlich "bachab" ging, ehe alles dunkel wurde.

      Jonas
      Es ist schon seltsam, wie wir Dinge, die uns alltäglich bebegnen, irgendwann nicht mehr wertschätzen. Man hält sie einfach für selbstverständlich. Erst, wenn sie fehlen, wird einem bewusst, wie sehr man sie braucht. Und dass man sie von einem Tag auf den anderen verlieren könnte, daran denkt man oft gar nicht. Lily kam reingeplatzt. "Jonas, Jacky winselt schon wieder die ganze Zeit. Ich kann mich so nicht auf Mathe konzentrieren!" "Sie vermisst eben Occu... Ich komme sie holen." Ich lief mit zum Haus und rief die Jack-Russel Terrier Dame zu mir. Ich kraulte sie tröstend beim Halsband. "Come on, sweetheart. I miss her too. But whining is not gonna bring her back. You are lucky you survived. That damn deer was lucky, too." Zira lag in ihrem Körbchen und beobachtete aufmerksam das Geschehen. Als sie sah, dass nichts Erwähnenswertes passierte, legte sie den Kopf wieder auf ihre Vorderpfoten. Jacky folgte mir auf mein Kommando hin und begleitete mich zurück zu den Ställen. Ich hatte zu viel zu tun, um mir über den Unfall noch mehr den Kopf zu zerbrechen. Schliesslich musste ich alle von Occus Aufgaben zusätzlich übernehmen. Lisa hatte zwar angeboten, mir vorläufig unter die Arme zu greifen, aber ich wollte die Verantwortung nicht abgeben. Ich ritt den ganzen Tag ein Pferd nach dem anderen, erledigte bis acht Uhr jede Menge Papierkram und kochte für Lily. Danach stieg ich mit Jacky ins Auto und fuhr in Richtung Birmingham. Es war fast schon gespenstisch hell draussen, denn der Mond wurde ausnahmsweise von keiner einzigen Wolke gestört. Der Himmel war sternenklar und die Luft bitterkalt. Es hatte nach dem Regen der vergangenen Tage einen Temperatursturz gegeben, sodass der Winter nun quasi ein Comeback feierte. Gerade mal drei Tage waren seit dem Unfall vergangen, aber es kam mir bereits vor wie eine Ewigkeit. Pineforest war einfach nicht dasselbe ohne Occu, wie ich einmal mehr feststellte. Jacky wurde schon ganz ungeduldig, als ich auf den grossen Parkplatz fuhr. Sie winselte und kratzte an ihrem Drahtkäfig im Kofferraum. Ich vertröstete sie und stieg alleine aus - sie durfte ohnehin nicht mit rein. Ich meldete mich beim Empfang, dann lief ich den langen Korridor entlang, unterwegs verschiedenste Leute kreuzend. Mit einem Klicken öffnete sich die Tür zu einem sauberen, mit tiefgründigen Bildern dekorierten Zimmer. "Das hat aber gedauert. Ich dachte schon, du kommst heute nicht mehr." Beim Klang der Stimme drängte sich automatisch ein Lächeln auf mein Gesicht. "I'm sorry, I kinda had to work for two today." Ich beugte mich über das Bett und gab Occu, die auf der Kante sass, einen Kuss. "Good to see you", flüsterte ich. "Yeah", hauchte sie zurück. "How's Jacky?" "She misses you, of course. But other than that she's fine. She doesn't seem to mind getting into the car either. In fact, she seemed quite eager to get in and meet you." "Let's not keep her waiting then." Occu war längst umgezogen und bereit, nachhause zu fahren. Sie stand auf und pflückte ihre Jacke vom Haken hinter der Tür. "By the way, why are you talking English?" "Habit. Ich musste in den letzten drei Tagen mit soo vielen englischsprachigen sprechen - many of them verrry British." Sie gluckste belustigt über meine übertriebene Aussprache und folgte mir nach draussen. Sie hatten Occu vor allem zur Sicherheit im Krankenhaus behalten, falls sie doch noch ein Schädeltrauma davongetragen haben sollte - sie hatte nämlich über leichte Kopfschmerzen geklagt. Aber erstaunlicherweise schien sie mit ein paar blauen Flecken davongekommen zu sein. Draussen gab es eine stürmische Begrüssung von Jacky, die rausgehechtet kam, bevor ich die Autotür überhaupt ganz öffnen konnte. Bei der Heimfahrt redeten wir nicht viel, aber eine tiefe Zufriedenheit lag in der Luft: es war ein Moment, den ich einfach nur genoss, glücklich, dass alles so war und blieb, wie es war.
      Zuhause bestand Occu darauf, zuallererst eine Stallrunde zu machen. Ich hatte nichts geringeres von meiner Partnerin erwartet. Ich war erleichtert, als sie ein zufriedenes Lächeln aufsetzte. Ich hatte meine - ihre - Arbeit also gut gemacht. Endlich begaben wir uns ins warme Haus und ich befahl Occu, es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen. In der Küche hatte ich eine Flasche Wein vorbereitet. Als wir aneinandergekuschelt dasassen und an unseren Gläsern sippten, sagte Occu plötzlich "Pinot." Ich runzelte die Stirn. "Ja. Was ist damit? Den hast du übrigens rausgesucht, als wir zusammen in London waren." "Der Name, für das Rappfohlen. Pinot Noir. Hat doch was elegantes, findest du nicht?" Ich schmunzelte und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.

      Unter Vierbeinern
      Juni 2020, von Occulta
      Compliment, PFS’ Captured in Time, tc Miss Moneypenny, Primo Victoria, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Areion, Diarado, Vychahr, Flintstone, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, Yoomee, Cinnemont’s History, Silverangel, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Chanda, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Ljúfa, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, HMJ Honesty

      Der Morgen begann vielversprechend. Das Training der ersten Vollblüter brachte einen neuen Bahnrekord bei den Vierjährigen, natürlich wie erwartet von Couterfire. Die Fuchsstute hatte ihre eigene Bestzeit von vor zwei Wochen geknackt und gleichzeitig auch die aller unserer bisherigen Vierjährigen auf der hauseigenen Grasbahn. Ich war unglaublich stolz, als sie, noch immer schnaufend, zurück zum Hauptstall kam. Sofort half ich Quinn, indem ich die Stute hielt, während sie vom Rücken sprang, den Gurt löste und die Bügel hochschob. Sobald der Sattel weg war, führte ich Counterfire noch einen Moment herum, bis sich ihre Atmung normalisiert hatte. Dann brachte ich sie zum Waschplatz und spülte den ganzen Schweiss ab. Anschliessend kam sie mit einer Abschwitzdecke in die Führmaschine. Dasselbe machten wir auch mit Dolly, Compliment und den anderen Vierjährigen. Compliment war beim Waschen zappeliger als sonst. Ajith beeilte sich deshalb, damit der junge Hengst nicht zu lange stillstehen musste. Es hatte keinen Sinn, ihn zu massregeln, denn er war nunmal noch aufgedreht vom Training. In der Führmaschine beruhigte er sich aber rasch und lief nach wenigen Augenblicken brav mit dem Gitter vor ihm mit. Ich hatte während des Trainings der Vierjährigen noch Primo verräumt, die ich zuvor selber galoppiert hatte. Die Ikarus-Tochter war gut in Form und zeigte eine stabile Leistung im Training, nicht wie Ciela, die im Moment sehr Launisch schien. Penny war in letzter Zeit ebenfalls nicht ganz auf der Höhe gewesen, aber das hatte damit zu tun, dass sie auf der Weide einen Tritt von Primo kassiert hatte. Ihr Sprunggelenk hinten war ein paar Tage geschwollen gewesen, aber der Tierarzt hatte Entwarnung gegeben und sie war nie Lahm gelaufen. Ich wollte Primo demnächst wieder an ein Rennen anmelden, aber im Moment konzentrierte ich mich ganz besonders auf den dreijährigen Nachwuchs. Karma, Indy und Saphi hatten dieses Wochenende Renntag; heute stand deshalb ein letztes Mal vor dem Rennen intensives Kopf-an-Kopf Training auf dem Plan. Ich übernahm Karma, gleich nachdem wir uns um Counterfire gekümmert hatten. Die grossgewachsene Stute war schon beim Satteln ungeduldig, und auch beim Aufsteigen wurde es nicht besser. Ajith musste mir quasi im Mitlaufen hoch helfen. Ich führte die Gruppe zum Galoppweg an und gab somit auch das Trabtempo unter den Tannen an. Erst nach einer ganzen Runde Trab wechselten wir auf die Grasbahn. Damit der empflindliche Rasen nicht immer an denselben Stellen beansprucht wurde, achteten wir stets darauf, uns gut zu verteilen. Trotzdem war so eine Grasbahn natürlich ziemlich aufwändig instand zu halten. Wir mussten andauernd Löcher Flicken und besonders im Sommer darauf achten, dass das Gras genügend bewässert wurde. Bei anhaltendem Regen oder Bodenfrost im Winter konnten wir die Bahn nicht benutzen und mussten die Pferde entweder anderweitig trainieren oder auswärts auf eine Sandbahn ausweichen. Trotzdem war ich zufrieden mit der Grasbahn, denn sie war schonender für die Pferdebeine und die Vierbeiner mochten sie auch lieber als Sand. Ausserdem waren ohnehin viele der Rennen in England auf Turf. Ich hielt Karma am Anfang zurück, sodass sie gespannt wie eine Bogensehne wurde und zwischendurch frustriert grunzte. Ich ignorierte ihr Getue und wartete, bis die anderen beiden uns eingeholt hatten. Dann liessen wir die drei Stuten ausstrecken. Sie bretterten rhythmisch über den Rasen, bis wir die 1000 Meter Markierung erreicht hatten und uns in den Sätteln aufrichteten. Karma hatte die Nase vorne gehabt. Die Stute hatte durch ihre Grösse einen Vorteil. Oliver und ich waren aber mit der Leistung aller drei Stuten zufrieden. Ich liess Karma austraben, ritt sie gründlich Schritt zum auskühlen und duschte sie anschliessend wiederum ab. Oliver kam auf mich zu, als ich sie in die Führanlage brachte. „I talked to Rick yesterday; he raved over his new water treadmill. Many trainers use them these days.” “Yeah, I read about it, too. Sound pretty darn cool, for sure…”, meinte ich nachdenklich. “You think it is worth considering?“, fragte er unauffällig. „I’d have to create a budget, and think of a place to build such a thing.” “It depends whether you want a round version, like the walker, or just a small treadmill - or a straigt channel.” “I think it would be best to have something straight, where they don’t have to bend. But I don’t like the treadmills, they make even me claustrophobic. I think I’d prefer a channel, then we could also use it for several horses at the same time.” “Good thought. Should I ask around what the other trainers have in their backyards?” “That would be helpful, yes.” Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Art Aquatrainer zu bauen. Natürlich war es eher ein Luxus und keine Notwendigkeit, aber ich fand es eine nette Abwechslung für die Pferde, und richtig eingesetzt war ich sicher, dass es auch durchaus seinen Nutzen haben konnte.

      Nach einer kleinen Teepause kümmerte ich mich um die Ausbildung von Karat. Der Fuchshengst machte sich hervorragend unter dem Sattel. Er war ein fleissiger Schüler, und abgesehen von ein paar schlechten Tagen auch sehr angenehm zu reiten. Nur zwischendurch hatte er seinen eigenen Kopf und konnte dann auch ein wenig ‚bockig‘ werden. Er war wie ein kleines Kind, das eigentlich alles richtig machen wollte, aber sich manchmal selber im Weg stand. Alles in allem machte es grossen Spass, ihm die Welt zu erklären. Beim Putzen spielte er heute gelangweilt mit dem Anbindeseil und verscheuchte zwischendurch überdeutlich all jene Fliegen, die es wagten, sich an seinen fuchsfarbenen Bauch zu verirren. „Vonwegen Bauch – der ist ganz schön rund. Du musst deinen Babyspeck loswerden“, murmelte ich liebevoll, während ich seinen Hals entstaubte. Die kleinen Staubwolken, die sich dabei bildeten, drohten gleich wieder auf seinem Fell zu landen, denn die Fenster des Nordstalls waren alle offen und draussen windete es zunehmend. Ich drehte Karat daher kurzerhand um, sodass der Wind den Staub wegblies. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt hatte, sattelte ich ihn und führte ihn anschliessend auf den Reitplatz. Es war erst neun Uhr morgens, aber am Horizont zogen dunkle Wolken auf, so dass fast schon eine Art Abendstimmung aufkam. Ich betrachtete die Wolken skeptisch, beschloss aber, dass wir rechtzeitig vor dem Regen fertig sein würden. Durch den Wind war Karat etwas aufgeregter als sonst. Er schritt zügig über den Sand und glotzte in der Gegen herum. Solange wir beim Aufwärmen waren, liess ich ihn machen. Aber sobald ich die Zügel aufnahm, verlangte ich Konzentration von ihm. Karat lief diesmal auch in den höheren Gangarten etwas spannig und übereifrig. Verständlich, nach dem erneuten Temperatursturz von letzter Nacht. Ich machte das Beste daraus und verlangte vorwiegend Lektionen und Figuren, die bremsend wirkten. So zum Beispiel kleine Volten in korrekter Biegung. Am Ende schnaubte Karat jedenfalls zufrieden ab und hob den Rücken schön an. Es begann zu tropfen, also beeilte ich mich mit dem Austraben und ritt dann direkt zum Nordstall zurück. Wir konnten uns gerade noch rechtzeitig unter das Dach zwischen dem Nordstall und dem Neubau retten, dann begann es wie aus Eimern zu schütten. Ich klopfte Karat beruhigend auf die Schulter, als er wegen des lauten Prasselns des Regens auf dem Dach laut schnaufte und den Hals aufrichtete. Lisa und Jason kamen mit den beiden Reitponys Bacardi und Sniper angejoggt. Ich machte ihnen Platz. Sie hatten Pech gehabt und waren nun tropfnass. Bacardi und Karat streckten unbemerkt die Köpfe zusammen und quietschten scharf auf. Ich stellte mich so nebenbei dazwischen und fragte Jason, ob er mit Sniper auch Galoppwechsel geübt hatte. Er bejahte und ich gab ihm ein zufriedenes Daumen-Hoch. Wir warteten ein paar Sekunden, dann hasteten wir ins Innere des Nordstalls. Dort versorgte ich Karat und reichte den beiden Pflegern dann zwei Frottéetücher aus dem Schrank, damit sie sich selbst und die Sättel abtrocknen konnten. „You think they need a rug?“, fragte Jason. „No, it‘s warm enough. No need to pamper them unnecessarily.” Der Regen liess nicht nach, inzwischen hagelte es sogar zeitweise. Ich beschloss, mit Flint weiterzumachen, anstatt in den Nebenstall zu wechseln. Ich hatte die Hoffnung, dass das Gröbste vorüber sein würde, wenn ich ihn fertig geputzt hatte. Der Paint Hengst begrüsste mich mit einem leisen Brummeln. Ich streifte das Halfter über seine rosa Schnauze und band ihn in der Stallgasse an. Lisa hatte das Licht angelassen, weil es draussen so apokalyptisch dunkel war. Ich begann mit dem Gummistriegel und arbeitete mich mit kreisförmigen Bewegungen über den gesamten Rücken und Hals des Hengstes. Er spitzte genüsslich die Lippen und lehnte sein Hinterteil leicht gegen mich. Sein kurzes Sommerfell war pflegeleicht. Den wenigen Staub, der sich darin gesammelt hatte, konnte ich einfach mit der Bürste wegwischen. Danach schimmerten die wenigen dunklen Flecken des Hengstes wieder, und die weissen glänzten ebenfalls ein wenig im Licht der Lampen. Ich holte einen feuchten Schwamm und wusch dem Hengst die Nüstern – Zeit hatte ich mehr als genug, denn der Sturm wütete noch immer. Im Anschluss ölte ich noch gleich die Hufe ein, schnipselte ein wenig an Flints Mäne herum und massierte den Paint Hengst. Ich hatte keine Massage-Ausbildung oder so, aber ich beobachtete sehr genau, wie er auf die verschiedenen Druckpunkte reagierte und passte meine Bewegungen entsprechend an. Jedenfalls machte ich irgendetwas richtig, denn schon nach wenigen Griffen senkte er den Kopf und hing entspannt in den Anbindeseilen. Endlich wurde das Trommeln auf dem Dach sanfter und auch das gelegentliche Donnern von zuvor immer seltener. Ich wagte zusammen mit Lisa einen hoffnungsvollen Blick aus dem Tor. Wir waren uns einig und holten die Pferde; sie hatte nämlich inzwischen Vychahr geputzt. „Mit Woody hätte es gar keinen Sinn, jetzt vernünftig arbeiten zu wollen. Der könnte sich sowieso nicht konzentrieren bei dem Wetter. Ich will heute unbedingt an den Galoppübergängen arbeiten, er braucht dafür immernoch zu lange“, erklärte sie mir beim Zäumen. Wir führten die beiden Hengste zum Tor, zählten bis drei und joggten dann durch den nachlassenden Regen zur Halle. Ich ritt mit Flint diverse Reining-Lektionen, einfach zum Spass und als Abwechslung von den strengen Pleasure- und Horsemanship-Patterns, die wir sonst übten. Ihm machte es anscheinend auch Spass, denn er wurde mit der Zeit etwas übermütig, sodass ich wieder ruhigere Lektionen abfragte und am Ende besonders Schulterherein übte. Vor dem Mittag bewegte ich anschliessend noch Halluzination. Ich liess sie einen einfachen Trainingsparcours springen – just for fun. Sie war so erfahren im Springen, dass es keinen Sinn machte, noch regelmässig mit ihr an der Technik zu feilen. Stattdessen konzentrierten wir uns auf die Motivation und die Erhaltung ihrer Muskulatur. Ich war zufrieden mit ihrer Leistung und sie schien eifrig mitzumachen, obwohl sie beim Putzen etwas herumgezickt hatte. Darren und Diarado übernahmen den Parcours gleich nach uns in ähnlicher Manier, während ich Hallu verräumte und anschliessend Mittagessen kochen ging. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also konnten wir gleich nach dem Essen zusammen ausreiten gehen. Wir nahmen mit Areion und Reverie die Route zum Fluss. Der jungen Stute tat es gut, so viel wie möglich rauszukommen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie mich etwas veräppelte. Zum Beispiel scheute sie auch diesmal wieder vor der Holzbrücke, obwohl wir diese mittlerweile bestimmt schon zwanzig Mal überquert hatten, und es die letzten Dreimal kein Problem gewesen war. Ich begegnete der jungen Stute jedoch trotz allem mit der nötigen Geduld und erklärte ihr erneut, dass die Planken stabil genug waren. Am Ende glaubte sie es mir unter anderem Dank Areion, der brav vorausging. Lily und ich plauderten über die letzten paar Turniere, besonders aber über Ravissantes hervorragenden zweiten Platz im Synchronspringen mit einer Warmblutstute namens Maleficient. Sie machte sich langsam wirklich gut als Springpferd, wobei unser Hauptziel aber noch immer Military war. „Und wann reitest du Solas, Clooney und Chia endlich ein?“, fragte Lily frech. „Bald. Im Moment habe ich zu viel andere Baustellen, ausserdem eilt es nicht. Es reicht, dass wir Chime dieses Wochenende in den Hauptstall bringen. Bin gespannt, wie sie sich unter dem Sattel machen wird.“ „Ich auch.“ Chime sah so gut aus wie noch nie. Sie war nachwievor dünn, aber sie hatte einen Wachstumsschub hinter sich und besonders ihre Brust war etwas breiter geworden. Es sprach auch laut Tierärztlicher Abcheckung nichts dagegen, sie nun schohnend auszubilden. Ob ich sie auf die Rennbahn lassen wollte, wusste ich jedoch noch nicht so genau. Es kam ganz darauf an, wie sie die ersten Trainings vertrug.

      Nachdem wir zurück auf dem Hof waren, ging ich gleich erneut mit einer Gruppe auf einen Ausritt – diesmal eine ganze Horde Reitponys. Lea, Ruth, Sheridan und Alec, Angelinas Sohn, kamen mit Silver, Sweets, Bluebell und Cinni mit. Ausserdem waren Lily und Suri mit Skydive und Scoot dabei. Ich selber ritt Shira. Scoot zockelte brav neben Skydive her, doch der Schein trügte: das Pony hatte es faustdick hinter den Ohren. Während sie in der Halle meistens willig mitmachte und sich benahm, zeigte sie draussen oft etwas mehr Leben und war im Galopp mit Suri sogar schon zweimal durchgebrannt. Deshalb trug Suri mittlerweile auch einen Rückenprotektor – Anweisung ihres Vaters. Ich war zuversichtlich, dass das Mädchen bald lernen würde, ihr Pony besser zu kontrollieren. Die beiden mussten sich nur zuerst finden und zu einem Team werden. Angst schien Suri nicht zu haben, oder sie liess es sich nicht anmerken. Lily unterstützte sie tatkräftig; die beiden verbrachten oft ganze Abende nach der Schule bei den Ponys und ich hatte sie sogar schon bei zusätzlichen Balanceübungen, zum Beispiel über Trabstangen, erwischt. Ich musste dann jeweils über den jugendlichen Enthusiasmus schmunzeln. Wir liessen es uns nicht nehmen, die Pferde zum Flussufer zu reiten und kurz bis zu den Karpalgelenken ins Wasser zu waten. In der Gruppe gingen auch alle ohne übermässiges Zögern mit hinein. Sweets stampfte und spritzte alle um sie herum nass. Nach unserer Rückkehr kümmerte ich mich noch um Yoomee. Ich longierte die Stute im Roundpen, wobei ich versuchte, unsere gemeinsame Körpersprache weiter zu verfeinern. Lisa ritt mit Nimué vorbei – sie war auf dem Weg zur Galoppwiese. Ich wünschte ihr einen schönen Ritt. Mir fiel auf, dass bei den Fohlen Unruhe herrschte, also unterbrach ich die Arbeit mit Yoomee kurz, um Lewis zu holen. Erst, als wir bei den Weiden ankamen, wurde klar, was die Ursache war: Lyskra war ausgebüxt. Die Jährlingsstute hatte wohl irgendwie das Weidetor geöffnet, oder jemand hatte es offengelassen – jedenfalls war sie auf der falschen Seite des Zauns. Erstaunlicherweise hatten Chime, Charivari und Chia ihre Chance nicht gepackt und waren im Inneren der Weide geblieben. Die Junghengste sahen gespannt zu, wie wir die Isländerstute wieder einfingen – zuvorderst Louvi, der sogar einmal laut wieherte. Drüben auf der Stutenweide schien die Vorführung ebenfalls Anklang zu finden. Viele neugierige Pferdeköpfe drängten sich an den Zaun. „Man könnte meinen, euch allen sei langweilig“, murmelte ich kopfschüttelnd. Die jungen Fohlen schienen weniger interessiert. Baila, Pinot, Riot und Rune lagen allesamt im Gras und dösten. Einzig Dahu stand neben ihrer Mutter glotzend am Zaun. Murphy konnte ich auf den ersten Blick gar nicht sehen, aber dann bemerkte ich einen fuchsfarbenen Fohlenschweif und ein paar lange Stelzenbeine hinter Chanda. Seine eigentliche Mama graste etwas abseits. Faro und Feline waren im hintersten Teil der Weide mit Grasen beschäftigt. Sobald Lyskra wieder sicher hinter dem Zaun war, konnte ich mich wieder Yoomee widmen, die inzwischen ein Sandbad im Roundpen genommen hatte.

      HMJ Honesty war heute ein kleiner Wildfang. Wir hatten den ersten schlechten Tag seit langem, und es ging so weit, dass sie mich herunterbockte. Ich liess mich davon nicht entmutigen, denn Rückschritte gehörten nunmal mit zum Training. Aber ich beschloss, die nächsten paar Tage wieder etwas mehr an den Grundlagen zu arbeiten, denn ich vermutete, sie mit der heutigen Aufgabe ein wenig überfordert zu haben. Ich hatte ein paar Gymkhana Gegenstände aufgestellt, darunter die Blache, die sie so schrecklich unheimlich fand. Ich führte sie nach meinem Sturz vom Boden aus darüber, ehe ich noch einmal aufstieg und sie darüberritt. Danach liess ich es gutsein und lobte sie. Ich wollte mit einem guten Erlebnis aufhören.

      Gegen Abend gab ich Lily, Robin und Lea Reitstunde, auf Fake, Cambria und Ljúfa. Danach musste ich nur noch Summertime bewegen, bevor ich für heute Feierabend hatte. Für sie holte ich tatsächlich nochmal ein paar Trabstangen und Cavaletti hervor, damit wir ein paar Trail Übungen machen konnten. Am Ende des Tages liess ich mich erschöpft aber glücklich in meine Hängematte im Garten fallen. Jonas kam zu mir und gab mir einen Kuss. Ich zog ihn näher heran, bis er sich ebenfalls vorsichtig in die Hängematte setzte. Zum Glück hielt sie, sodass wir ungestört kuscheln und den Abend geniessen konnten, während Lily mit Kafka auf dem Rasen ein Feder-Angelruten-Spiel spielte.

      Huch, schon 2021...
      Januar 2021, von Occulta
      Vai Alida, Gleam of Light, Spotted Timeout, A Winter’s Day, Areion, Colour Paint, Circus Dancer, Estragon Sky, PFS’ Bacardi Limited, Halluzination, PFS’ Shadows of the Past, Chanda, Lovely Summertime, Matinée, Scooter, Louvré, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Charivari, PFS’ Otello di Verdi, HMJ Honesty, PFS’ Móinn, Lando di Royal Peerage, Naimibia, Raunchy's Limited

      Bald war es wieder so Weit: die Weihnachtszeit. Während Lisa und einige der Pfleger bereits vollkommen in Stimmung waren und gefühlt in jeder freien Minute Dekoration installierten, hielt sich die Vorfreude bei mir noch in Grenzen - es hatte ja noch nichtmal Schnee auf den Wiesen. Ausserdem war ich sowieso etwas weniger euphorisch auf Weihnachten eingestellt als gewisse andere. Obwohl ich dieses Jahr vielleicht tatsächlich Grund dazu gehabt hätte: meine Kollegin Eddi rief nämlich an diesem Morgen völlig unerwartet an und informierte mich, dass sie unter anderem Bacardis Mama Raunchy's Limited verkaufen wollte. Sofort war ich Feuer und Flamme für das Angebot, denn ich hatte damals nicht umsonst ebendiese Stute als Mama für meinen Nachwuchszuchthengst ausgesucht. Sie stand genau in dem sportlich-eleganten Typ den ich bevorzugte und ihre Abstammung suchte ihresgleichen. Eine limitierte Auflage, wahrlich. Obendrein war die Stute erst zehnjährig und damit im besten Alter für den Sport. Für mich gab es also nur eine logische Antwort - ich wollte sie haben. Laut Eddi gab es auch schon andere Interessenten, aber sie war bereit, mir das hübsche Stutentier zu überlassen. Ausserdem hatte sie noch eine weitere Ponystute im Angebot, ebenfalls eine alte Bekannte: Naimibia. Sie war die Mutter meiner hübschen Scheckstute Shira, und ich konnte mir gut vorstellen ihre Blutlinien weiterhin in meine Zucht miteinfliessen zu lassen. Zudem hatte auch sie erst knapp die Hälfte ihres Lebens hinter sich, also war ebenfalls noch reichlich Potential für Turniere vorhanden. Es war wahrlich eine perfekte Überraschung, zumal ich mich erst kürzlich hatte überreden lassen, mich von meiner geliebten Bluebell zu trennen. Sie wechselte in den Stall von meiner anderen Kollegin Stelli, die ihre Zucht gerade erst aufbaute und auf der Suche nach qalitativ hochwertigen Gründertieren war. Da machte die Aussicht auf die beiden Neuzugänge den Abschied wenigstens geringfügig leichter.
      Nachdem ich mit Eddi alles Nötige (und Unnötige) besprochen hatte, wagte ich mich wieder nach draussen in die Kälte. Es war ein gewöhnlicher Arbeitstag, der wie so oft in der Frühe mit dem Vollbluttraining begonnen hatte. Mittlerweile war es aber schon neun Uhr und ich hatte meinen zweiten Schwarztee mit Milch intus. Jonas folgte mir aus dem Haus - er hatte sich ebenfalls rasch aufgewärmt. Nun musste er nach Móinn sehen, denn das Hengstfohlen hatte bestimmt schon wieder Hunger. Er wurde immer gieriger, je mehr er wuchs. Ich hatte bereits nach meinem Fuchs gesehen - nach dem Wahrhaftigen. Der hatte sich in den letzten Tagen weitgehend erholt und seine Wunden waren verkrustet, soweit ich das beurteilen konnte. Um sie irgendwie kontrollieren zu können, hatte ich ihn mit Geflügelfleischstückchen anlocken müssen. Nach einer Weile hatte das so gut geklappt, dass ich das Fell sogar rasch anfassen und zur Seite streichen konnte um die Wunden besser zu sehen, solange er durch das Futter abgelenkt war. Eigentlich sprach nun nichts mehr dagegen, ihn in die Freiheit zu entlassen, denn entzünden würde sich bestimmt nichts mehr und er machte auch wieder einen ganz munteren Eindruck. Ich beschloss, ihn am Abend aussetzen zu gehen, zurück in den Laubwald wo er hingehörte.
      Den Vormittag verbrachte ich damit, Thairu das Zebra zu schrubben, mit HMJ Honesty Bodenarbeit und Zirkuslektionen zu machen, Areion für Lily zu schären und mit den Fohlen Hufeauskratzen zu üben. Ich liebte es, Zeit mit den flauschigen Junghengsten zu verbringen - Pinot hatte besonders viele 'Barthaare' an der Unterseite seines Kopfes. Riot war etwas weniger behaart. Die Jungs waren besonders witzig und frech, es gab immer irgendas zu lachen, wenn ich bei ihnen vorbeisah. Schon jetzt richtige kleine Charmeure, die einem die Jackentaschen durchsuchten oder die Schnauze in den Schal vergruben. Murphy schien ganz fasziniert zu sein von dem weichen Stoff und den Fransen. Ich stiess ihn schmunzelnd weg, als er eine Kostprobe nehmen wollte. Die Stuten hatten etwas mehr Mühe mit dem Hufegeben; besonders bei den Hinterbeinen schienen sie heikel. Baila trat gar nach hinten aus mit dem Bein das ich heben wollte, oder schlug drohend mit dem Schweif. Ich blieb geduldig, musste jedoch durchgreifen wenn das Stutfohlen zu sehr drohte - sonst würde es später gefährlich werden. Charivari war schon weiter im Umgang, sie gab alle vier Hufe brav und hielt sie erfreulich lange oben, ohne dabei ungeduldig zu stampfen. Sie sah auch körperlich fast fertig aus, aber die Kruppe war noch höher als der Widerrist und verrieht, dass sie wohl trotzdem noch ein gutes Stück wachsen würde. Im Moment war an ihrem Hals fast nichts dran - ich hoffte, dass sich das ebenfalls noch entwickeln würde. Sie gefiel mir sonst sehr gut, ihr Braunton war schlicht aber dennoch speziell durch die hellen Beine, und ihr Schweif war durchzogen von hellen Strähnchen. Als Fohlen hatte sie eher wie ein Fuchs ausgesehen. Aber so deutlich rot wie Rune war sie nie gewesen. Das Ponyfohlen spielte gerade mit Dahu und hatte so gar kein Interesse am Hufegeben. Sie lief einfach davon, als ich sie holen wollte. Ich liess mich jedoch nicht abschütteln und fing sie dank meiner Erfahrungen mit Matinée problemlos ein. Auch Verdi hatte versucht das Training zu meiden, ebenfalls erfolglos. Nach dem Training ersetzte ich noch rasch das Halfter von Lando, denn mir war aufgefallen, dass es ihm etwas zu gross war. Die Fohlen trugen auf der Weide keine Halfter, aber für das gelegentliche Training wie heute brauchten sie eines. Louvré schlich mir hinterher. "Still haven't got enough?", fragte ich schmunzelnd, stellte dann aber fest, dass er gar nicht an mir interessiert war. Er bedrängte nämlich gerade Zira, die sich hinter mir versteckte und den Schwanz einzog mit seiner rosa Schnauze. Bevor der freche Jungspund ein Stück aus meiner armen Malinois Hündin beissen konnte, verliessen wir die Weide. Zira trottete erleichtert voraus und begrüsste Lewis mit einem halbherzigen Schwanzwedeln. "What are you making for lunch today?", fragte er im Vorbeigehen. "Spaghetti." "Bon appetit! Lisa is trying some asian stuff, but it has ginger in it. I don't like the taste." "That's a shame. But you can't possibly work all afternoon without proper lunch, Lewis." "I've had a banana." "Nah, that ain't enough. Come on, if you help me prepare, you can have some spaghetti, too." Seine Augen verrieten Begeisterung und er machte kehrt um mir zu folgen. "Kiwi can wait a little longer", bemerkte er noch, fröhlich grinsend.
      Wir assen alle gemeinsam. Lily und Lewis hielten einen Wettbewerb ab, wer die Teigwaren am schönsten aufwickeln konnte - Jonas musste Schiedsrichter spielen. Nach einer Weile erzählte Lily von ihrem aktuellen Schulprojekt; sie und ihre Klassenkameraden mussten ein Theatetstück zu Weihnachten aufführen. "We thought about making a donkey costume, but it's turning out quite horrible..." Wir lachten herzhaft über ihre Ausdrucksweise. "Why do you need a donkey?", fragte Jonas neugierig. "It is part of our plot. The donkey has to eat the bread that was meant as a gift for Maria." Lewis zuckte mit den Schultern, als wäre die Lösung offensichtlich. "Just take the real thing then. As I recall, we have one standing around, eating all day." "Zazou?" Lewis nickte selbstzufrieden. Ich warf ein "he's not exactly used to be around many children, though. Besides, he is piebald. Isn't the donkey in the stories just gray?" "We're not sticking to the original version anyway. So he might as well be piebald or white or whatever. We'd have to train him a little, of course", beharrte Lily. Ich überlegte, dann beschloss ich, um keine Spassverderberin zu sein: "Hmm, actually I don't see a problem, as long as we prepare him carefully. Can you invite your classmates over to help get him used to crowds?" "Sure." "Alright. Tomorrow after school." Lily nickte zufrieden und Lewis grinste triumphierend.
      Am Nachmittag zogen immer mehr Wolken auf, und gerade als ich mit Summertime auf den Sandplatz wollte, begann es zu tropfen. Zuerst ignorierte ich es, aber der kalte Schnee-Regen war alles andere als angenehm, weshalb ich schliesslich aufgab und mich mit der Painthorse Stute in die Halle zurückzog. Dort waren wir so frech und nutzten gleich den Stangenparcours mit, den Lisa für Chanda aufgebaut hatte. Wir blieben nicht die einzigen; nach und nach kamen weitere Pfleger rein, die eigentlich Ausritte geplant, oder ebenfalls auf den Reitplatz gewollt hatten. Darren und Dancer, David und Hallu, Anne und Colour Paint. Zuletzt kam sogar noch Oliver mit Vai Alida rein. Es herrschte Abreitplatz-Atmosphäre, man musste aufpassen, wo man hinritt und die Augen auf allen Seiten offen halten. Aber es machte mir nichts aus, im Gegenteil. Ich mochte es, die Pfleger zwischendurch beim Reiten zu beobachten und zu sehen wie meine Pferdchen liefen - von aussen. Wenn man selber obendrauf sass, ging das nicht so gut. Wir hatten zwar Spiegel in der Halle, aber es war trotzdem nicht dasselbe. Summertime fühlte sich gut an. Sie lief schön im Takt und liess sich leicht versammeln. Die Galoppübergänge waren prompt und sie rollte schön vorwärts. Scheinbar hatte ihr das Stangentraining am Vortag mit Lisa gutgetan und sie gelockert. Ich genoss die Dreiviertelstunde leichter Arbeit mit ihr und liess sie im Anschluss ausgiebig austraben.
      Bis zum Feierabend verbrachte ich noch viel Zeit mit den Miniature Horses, ging auf einen Ausritt mit Artemis und den Mädels (inklusive Suri und Scoot); und schmuste vor dem Lichterlöschen mit Winter, Spot und Light. Ich hätte den ganzen Abend mit ihnen verbringen können - sie konnten nicht genug Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen. Wie kleine Kinder waren sie voller Flausen und wollten Beschäftigung. Ich liebte es, manchmal einfach nur bei ihnen zu stehen und mit ihnen herumzualbern oder ihnen dabei zuzusehen, wie sie miteinander auf der Weide rauften.

      Die Festtage rückten unaufhaltsam näher. Lily und ich trainierten fleissig für Zazous grossen Auftritt - und der Aufwand lohnte sich. Das bescheidene Theaterstück wurde ein voller Erfolg, und sogar der Schulleiter wohnte ihm bei. Natürlich war unser Scheckesel der heimliche Star der Aufführung, aber auch die Kids bekamen grossen Applaus für ihre Darbietung. Es war ein gelungener Abschluss für das Schuljahr. Lily schmiss zuhause als erstes ihren Rucksack in die abgelegenste Ecke ihres Zimmers, und verbrachte von da an den grössten Teil ihrer Ferien bei den Ponys, zusammen mit Suri. Weihnachten kam und ging wieder vorüber, dann das neue Jahr und mit ihm meine beiden neuen Ponystuten. Ich war gespannt darauf, was dieses Jahr mit sich bringen würde. Aber egal wie die Zukunft für uns aussah - hier und jetzt war ich glücklich, und lebte jeden Augenblick.

      Ponyclub
      März 2021, von Occulta
      Areion, Colour Paint, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Lindwedel, Scooter, PFS’ Lyskra, Þota von Atomic, PFS’ Caillean, Raunchy’s Limited, Naimibia

      Ich streckte mich und blinzelte verschlafen die Decke an. Es war Samstag - ein guter Tag, weil kein Schultag. Glücklich rollte ich mich aus dem Bett und zog mich an. Occu und Jonas waren längst draussen bei den Pferden. Ich holte mir ein Stück Brot und klemmte es zwischen die Zähne, während ich mir Jacke und Schuhe anzog. Mein erstes Ziel war der Nordstall. Dort brummelte mir Areion bereits zu, weshalb ich ihn rasch begrüsste und kraulte. Natürlich war seine eigentliche Absicht gewesen, ein Leckerli zu erhaschen. Aber ohne Fleiss keinen Preis; zuerst musste er es sich verdienen. Auch Skydive war erfreut mich zu sehen, aber mit ihm wollte ich erst später reiten, wenn Lea und die anderen hier waren. Zuerst holte ich deshalb die Putzsachen von meinem Teddy. Als ich ihn rausholte und vor der Box anband, brummelte auch Scooter. Das ehemals schlaksige, schmutzige Schimmelpony hatte sich zu einem kleinen Schwan genausert. Jetzt hatte sie ein paar Muskeln bekommen und ihr Fell sah gepflegt aus. Der Rücken musste laut Occu noch etwas breiter werden, aber das dauerte nunmal. Ihren edlen Kopf besass sie nachwievor, ebenso wie die grossen, schwarzen Augen mit dem perfekten Bettelblick und den süssen, kurzen Ohren. Ich musste immer über die hohe Stimme des Stütchens lachen - sie klang fast wie eines der Miniature Horses. Und sie war ziemlich Aufmerksamkeitssüchtig. Dauernd wollte sie Menschenkontakt, womöglich um die Jahre wettzumachen, in denen sie vernachlässigt worden war. Der verwöhnte Teddy hingegen spielte gelangweilt mit dem Anbindestrick und seufzte fast schon, als ich den Sattel brachte. "We have to keep you fit, you lazy Grizzly." Immerhin senkte er brav den Kopf, als ich ihm sein Side-Pull anziehen wollte. Ich brachte ihn zum Sandplatz, denn dort sah ich Occu mit Ljúfa. Die schwarze Isländer Stute war noch flauschiger als Areion, obwohl Occu ihr eine Teilschur verpasst hatte. Die beiden trabten auf der grossen Volte am langen Zügel, wobei Ljúfa zwischendurch abschnaubte. Dann nahm Occu sie wieder auf und galoppierte an. Ich hatte gehört, dass Isländer manchmal Schwierigkeiten mit dem Galopp oder mit normalem Trab hatten. Bei der Rappstute sah es einfach etwas hastig aus, aber sonst schien sie ihre Beine gut genug zu sortieren. Ich wärmte Areion auf, dann übte ich mit ihm kleine Volten, Tempowechsel und Anhalten aus dem Trab. Er war heute fleissig aufgelegt und machte alles, was ich von ihm wollte. Nur kam er nicht so schön an den Zügel wie Ljúfa. Ich musste also noch weiter an meiner Technik feilen. Occu meinte immer, dass man irgendwann einfach 'spüre', wie man die Pferde am besten anpacken musste. Ich hoffte, dass mir das auch bald gelingen würde. Lea, Ruth und Sheridan konnten es schon, was mich ein wenig frustrierte. Allerdings hatten sie alle längere Beine als ich - wäre ich doch nur ein wenig grösser. Aber dann könnte ich gar nicht mehr auf Peppy reiten... Man hatte es nicht leicht als kleines Mädchen.

      Nachdem Areion wieder in seiner Box Halme kaute, widmete ich meine Aufmerksamkeit Yoomee. Occu hatte gefragt, ob ich das Connemara Pony für sie bewegen könne. Ich mochte die braune Stute eigentlich ganz gerne, denn sie war lieb und mutig. Da ich keine Lust hatte, nochmal auf den Sandplatz zu gehen, ritt ich sie stattdessen zur Ovalbahn, beziehungsweise zu den Naturhindernissen in deren Innerem. Am Anfang trabte ich rundherum, zwischen den Büschen hindurch und unter den tiefhängenden Ästen. Es machte Spass, absichtlich die etwas verwilderten Stellen auszusuchen. Yoomee war dafür zu haben und lief freudig vorwärts. Besonders, wenn wir einen Hügel hochtrabten wollte sie am liebsten gleich in den Galopp wechseln. Nach einer Weile liess ich sie auch ein paar Hindernisse hüpfen, aber nur die kleinen. Ich durfte nämlich eigentlich nur Geländespringen, wenn jemand dabei war und ich eine Schutzweste trug, was gerade beides nicht der Fall war. Aber ich passte schon auf, schliesslich war ich langsam alt genug. Yoomee war so brav, dass ich ihr am Ende eine Extra-Karotte brachte. Sie hatte auch kaum geschwitzt, trotz Winterpelz.

      Als nächstes spielte ich eine Runde mit Jacky - wir jagten Mäuse. Ich öffnete ihr dabei Türen, oder hob sie hoch und liess sie so überall dort hin, wo sie normalerweise nicht hinkam. Als Occu zum Mittagessen rief, waren wir gerade bei den Offenställen angelangt und mussten deshalb den ganzen Weg zurück zum Haus rennen. Jacky war natürlich schneller als ich. Es gab wiedermal Spaghetti - die mochte ich nicht so sehr, weil ich sie irgendwie nie richtig aufwickeln konnte. Aber Jonas liebte sie, deshalb gab es sie oft. Naja, man konnte sie ja auch zerschneiden; auch wenn mir das böse Blicke von Jonas einbrachte.

      Nach dem Mittag kamen endlich meine Kolleginnen auf den Hof, um die Deutschen Reitponys zu bewegen. Suri hatte erst später Zeit, gegen drei Uhr, also waren wir in Elliots Frühnachmittags-Reitstunde nur zu viert. Lea ritt auf Sweets, Ruth hatte Eismärchen, Sheridan Cinni und ich unser neustes Pony, Naimibia. Ich glaubte, dass Lea etwas eifersüchtig war deswegen. Sie beobachtete mich jedenfalls dauernd und von Ruth wusste ich, dass sie die Stute besonders Schön fand. Aber Occu hatte nunmal gesagt, dass sie sie in erster Linie für mich gekauft hätte. Ausserdem durfte Lea oft auf Raunchy's Limited reiten, dem zweiten neuen Pony, was mindestens genauso cool war. Ich fand Naimibia natürlich trotzdem schöner, weil sie so viel Weiss hatte. Umso mehr Weiss, desto mehr gab es aber auch zu putzen. Das Pony hatte sich glücklicherweise bisher nicht als aussergewöhnlichen Dreckspatz herausgestellt. Wir durften heute wieder Quadrillen-Reiten. Ich mochte das besonders, weil es mehr Action gab als in einer gewöhnlichen Dressurstunde, und weil wir passend zu Musik ritten. Elliot spielte fetzige Elvis Presley Songs ab und wir hatten jede Menge Spass. Zeitweise fiel ich vor Lachen fast vom Pony, zum Beispiel, wenn Ruth zum fünften Mal falsch abbog.

      Nach der Stunde wollten wir zusammen ausreiten gehen, also holte ich wie geplant Sky aus seiner Box und stellte ihn direkt hinter Bacardi in die Stallgasse. Alle drei Hengste kamen mit, also wurde auch Sniper kurz darauf angebunden und geputzt. Lea und Ruth diskutierten die ganze Zeit über abgesagte Festivals - wegen der Pandemie fiel im Sommer praktisch alles aus. Ich fand es irgendwie halb so wild, solange wir weiterhin auf Turniere konnten. Gerade als in in Gedanken versunken Skys Fell aufrauhte, platzte Suri herein, wie eine Art Wirbelwind. „I’m comin‘ too!“, rief sie nur, und verschwand dann wieder durch’s Tor. Ruth und ich lachten laut, aber Lea hatte gar nichts mitbekommen, weil sie gerade Bacardis Hufe auskratzte. Wir hätten so oder so vorgehabt, auf Suri zu warten. Sheridan kam übrigens nicht mit, weil sie gleich nochmal eine Reitstunde hatte – diesmal aber nicht mit einem Pony sondern mit der Anglo-Araber Stute Ravissante. Sie und Robin mit Cambria hatten eine Doppel-Privatstunde bei Elliot. Wir putzten die Ponymänner zuende und trafen uns dann draussen mit Suri, die Gas gegeben hatte und mit Lindwedel bereitstand. Als wir losritten, sah ich auch gerade Occu, Lisa und Anne losreiten, auf First Chant, Chanda und Jazz. Prompt schlug ich vor, dass wir in die andere Richtung losreiten sollten, damit wir sie irgendwo in der Mitte kreuzten. So war es dann auch; wir trafen sie im Pinienwald wieder und grüssten die Gruppe grinsend im Vorbeireiten.

      Als wir auch vom Ausritt heimgekehrt waren und uns alle mit einer Tasse Punch aufgewärmt hatten, hockten wir uns ins Strohlager unter dem Dach des Nordstalls über den Boxen der Hengste und diskutierten, was wir als nächstes tun wollten. Sheridan, die ihren Punch noch nicht ganz ausgetrunken hatte und noch immer gelegentlich daran sippte, schlug vor, dass wir mit den restlichen zu bewegenden Ponys auf die Rennbahn könnten. Ich hatte zunächst Bedenken wegen des feuchten Bodens, aber dann fiel mir ein, dass die Vollblüter am Morgen seit langem auch wieder darauf trainiert hatten. Also war es beschlossene Sache. Wir holten uns Shira, Lychee, Fake und natürlich Scooter, putzten sie alle und zogen ihnen Gamaschen zum Schutz der dünnen Beine an. „Without saddle?“, fragte Lea herausfordernd in die Runde. „Of course“, meinte Ruth schelmisch grinsend, und ich schlug begeistert die Hände zusammen. Nur Suri schien ein etwas mulmiges Bauchgefühl zu haben, jedenfalls warf sie Scoot einen skeptischen Seitenblick zu. Dann zäumte sie das Pony jedoch seufzend, zog sich die Schutzweste an und schwang sich auf den blanken, hellgrauen Rücken. Ich ritt den anderen auf Fake hinterher auf die Bahn. Sobald die Ponys den Rasen unter den Füssen spürten, wollten sie sofort loslegen – es war schliesslich nicht das erste Mal, dass wir hier die „Sau rausliessen“. Occu hatte uns gewarnt vorsichtig zu sein, damit sich weder Vier- noch Zweibeiner verletzten. Deshalb auch die Schutzwesten und Gamaschen. Ich hielt Fake so gut ich konnte im Schritt und dann in einem langsamen Trab zum Aufwärmen. Aber es war gar nicht so einfach, denn die Hackneystute tänzelte und wollte ihren Hals aufrollen, um unter der Hand wegzulaufen. Ohne Sattel schüttelte es mich ordentlich durch, sodass ich zeitweise fast die Balance verlor. Ich erinnerte mich daran was Occu mir dauernd gesagt hatte, wenn Peppy sich beim Rennen kaum hatte halten lassen: Ich stellte Fake schräg und liess sie schenkelweichen, dadurch verpuffte die ganze Energie in die Seitwärtsbewegung und ich konnte die Zügel etwas loslassen. Suri hatte mit Scooter ähnliche Probleme – auch das graue Pony verwarf den Kopf und wollte dauernd davonpreschen. Lea half ihr, indem sie mit Lychee direkt vor den beiden ritt und das freche Pony so ausbremste. Lychee war zum Glück nicht zickig und schlug nicht. Nach fünf Minuten tänzelnden, piaffierenden Trabs hatten wir alle genug und fanden, dass die Ponys warm genug aussahen. Also reihten wir uns einigermassen gerade auf. Wir zählten alle von drei runter und liessen die Ponys dann auf den Rasen los. Sie liessen sich nicht bitten; alle vier galoppierten sofort an. Sofort setzten Fake und ich uns an die Spitze und holten auch gleich einen anständigen Abstand raus. Aber Scooter hängte uns an den Fersen. Das Welsh-Partbred Pony hatte richtig viel Power, und inzwischen auch genug Ausdauer, beziehungsweise Kraft zum Beschleunigen. Trotzdem war sie noch nicht so trainiert wie die Deutschen Reitponys oder Fake, weshalb sie am Ende auch schon nach 800 Metern schlapp machte. Lea, Ruth und ich setzten nun hingegen zum Final an und trieben unsere Ponys nochmal an. Es war fast wie fliegen; ich hatte mich in Fakes dunkler Mähne festgekrallt und hielt die Schenkel schön an ihren schlanken Bauch, damit ich nicht runterrutschte. Die Ohren der Stute waren die ganze Zeit über nach vorne fixiert und sie hätte wohl auch die ganze Runde auf der Bahn durchgaloppiert, wenn ich sie nicht nach 1100 Metern zusammen mit den anderen abgebremst hätte. Shira war zweite geworden. Wir parierten in den Trab und verlangsamten, bis Suri uns einholte. Scoot schnaufte schwer, also machten wir ausgiebig Schritt am langen Zügel bis sie sich beruhigte, wobei Suri schon abstieg und den Gurt löste. Dann erst ritten wir zurück zum Stall, zogen unseren Ponys die ganze Ausrüstung ab und gingen anschliessend eine Runde mit ihnen grasen. Ich liess mich neben Fake ins frische Frühlingsgras fallen und löste den Führstrick, damit sie nicht darauftrat. Sie ging sowieso nirgens mehr hin – sie war jetzt zufrieden und müde. Mir fiel auf wie warm die Sonne inzwischen schien. Es war richtig angenehm und machte mich fast schläfrig. „I’ll send Jacky to wake you when supper is ready“, hörte ich plötzlich Occus belustigte Stimme. Ich blinzelte und stellte fest, dass sie von Matinée aus auf mich heruntersah. „I’m only taking a little break“, stellte ich klar. „Good thing to have friends who watch your pony meanwhile.” Sie deutete hinter mich, wo Fake gerade die Stutfohlen über den Zaun begrüssen wollte, und Ruth sie dabei streng im Auge behielt, damit es keine Zankerei gab.

      Wir genossen die Sonnenstrahlen noch ein wenig, dann versorgten wir die Ponys und verabschiedeten uns. Ich wartete bei den Stutfohlen darauf, dass Occu vom Ausritt zurückkam und alberte ein wenig mit Lyskra und Thota herum. Die beiden Isländerfohlen fanden den Reissverschluss an meinem Faserpelz unheimlich interessant und rupften die ganze Zeit daran. Schliesslich kam die Gruppe in Sicht. Occu war diesmal mit Lisa, Jason, Darren, Linda und Thomas draussen gewesen. Ich erkannte von weitem abgesehen von der Mausgrauen Matinée noch Nimué, Phantom, Shadow, Summer und Piroschka. Mittlerweile war ich ganz schön hungrig, also half ich Occu beim Wegräumen der Mustangstute und drängte sie dann ins Haus zurück. „Du kannst mir helfen“, befahl sie motzend, weil ich sie stresste. „Ich mache Tee“, beschloss ich daraufhin.

      Nach dem Essen sahen wir Jonas dabei zu, wie er Colour Paint im Halbdunkeln auf dem Sandplatz bewegte. Im Schein der untergehenden Sonne wirkte das Fell des Fuchses noch röter. Occu schwärmte von ihren „two handsome boys“, was bei mir nur Augenrollen auslöste. Wir warteten eigentlich noch auf die Ankunft von Caillean, dem Miniature Hengstchen das nach langer Zeit wieder nachhause kam. Occu hatte ihn von seiner Besitzerin zurückgekauft. Er war eines der ersten Zuchtfohlen bei den Minis gewesen und Occu hing sehr an ihm, auch weil sie seine Mutter Alu vermisste. Umso erfreuter war sie, als das Geräusch von Reifen die Ankunft des Hengstchens ankündigte. Wir sprangen auf, wobei Jonas ein eifersüchtiges „He!“ ausstiess. Caillean war nochmal kräftiger geworden, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Er sah nun wie ein richtiges Mini-Hengstchen aus. Seine weissen Flecken auf dem Po fand ich cool, die machten den sonst gewöhnlichen Braunen etwas Besonderes. Ausserdem hatte er einen unglaublich süssen Kopf mit frechen Augen. Ich fragte sofort, ob ich ihn führen durfte. Wir brachten ihn nicht direkt zu den anderen Hengstchen, sondern zunächst in eine leere Box im Hauptstall, zur Quarantäne. Im Moment ging nämlich auch wieder ein Pferdevirus um, das wir auf keinen Fall einschleppen wollten. Aber er sah fit aus und würde sicher spätestens in einer Woche zu den anderen dürfen.

      Sommerzeit ist Badezeit
      September 2021, von Occulta
      Thomas, Areion, Diarado, Vychahr, Co Pilot de la Bryére, Colour Paint, Circus Dancer, Estragon Sky, Unbroken Soul of a Rebel, Flintstone, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Bayou, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, PFS’ Shadows of the Past, Naimibia, Raunchy’s Limited, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Lindwedel, Scooter, PFS’ Reverie, PFS’ Soñando Solas, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Cabaret, Louvré, PFS’ Lyskra, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo, PFS’ Otello di Verdi, PFS’ Braemble, HMJ Honesty, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Þota von Atomic, Lando di Royal Peerage, RBS‘ Cubanito

      Lily und Suri hingen schlaff in der Hängematte im Schatten der Bäume hinter dem Haus. Es herrschten unglaubliche 34 Grad und dazu war es auch noch schwül. So langsam bekam ich das Gefühl dass England zum Äquator abgedriftet sein musste. Die beiden Mädchen warteten auf ihre Kolleginnen Lea, Ruth, Sheridan und Angelinas Sohn Alec. Sie wollten mit den Ponys zum Fluss baden gehen – was auch sonst bei diesen Bedingungen. Ich selbst war noch unschlüssig, wie meine Pläne für den Nachmittag aussahen. Am Morgen hatte ich mich bereits durch eine Dressurstunde mit Vychahr gequält, wobei Elliot kein Erbarmen mit uns gehabt hatte. Ausserdem war ich mit Pilot auf dem Natur-Parcours bei der Ovalbahn gewesen, zusammen mit Jonas und Diarado, Lisa und Colour Paint und Darren mit Artemis. Das hatte natürlich so oder so Spass gemacht. Besonders, weil Pilot mal wieder besonders federfüssig unterwegs gewesen war. Ich hatte ihn am Wochenende massiert – vielleicht war das ja der Grund. Jedenfalls hätte ich mit dem Hengst wohl Häuser springen können, so gut hatte er sich angefühlt. Vor dem Mittag war ich dann noch mit Rebel draussen gewesen, wiederum begleitet von Lisa mit Brendtwood, und diesmal ausserdem Robin auf Ravissante. Wir hatten uns ein paar tolle Galoppstrecken ausgesucht, selbstverständlich in den kühlen Waldstücken des Parks. Trotzdem waren die Pferde so verschwitzt zurückgekommen, dass wir alle drei hatten von Kopf bis Huf duschen müssen. Rebels Schweif hatte ich dabei auch gleich wiedermal shamponiert. Weisses Langhaar war „a pain in the butt“, auch wenn es schick aussah.

      Die Kids trudelten kurz nach zwei Uhr auf dem Hof ein. Die Mädchen kamen alle zusammen mit dem Fahrrad; sie hatten sich wohl abgesprochen. Nur Alec wurde von seiner Mutter hergefahren, denn die wollte ohnehin mit Halluzination für ein kommendes Dressurturnier trainieren. Plötzlich kam wieder Leben in Suri und Lily. Ich beobachtete vergnügt, wie die beiden sich aufrafften und ihre Freunde begrüssten. Dann verschwand die ganze Gruppe beim Nordstall. Ich schlürfte meinen gekühlten Eistee fertig und machte mich dann ebenfalls auf den Weg zurück an die Arbeit. Zunächst wollte ich Phantom longieren. Nichts wildes, nur lockerer Trab über den Rücken. Das tat dem armen Rappen ohnehin gut, denn letztens hatte ich recht viel von ihm verlangt. Er hatte sich so schön entwickelt, seit er unter dem Sattel war. Er war ja schon bei seiner Ankunft ein hübsches Kerlchen gewesen, aber inzwischen hatte er noch mehr Muskeln bekommen und richtig volles Langhaar. Er sah fast aus wie ein kleiner, sportlicher Friese. Und er hatte ein wenig Talent fürs Springen, wie ich fand. Jedenfalls zeigte er sich geschickt und ging im Moment bis zu einem Meter Höhe. Matinée klebte noch immer so sehr an ihm. Die beiden waren einfach unzertrennlich. Die graue Stute war ebenfalls etwas ruhiger geworden. Zwar blieb sie weit davon entfernt, ein „Verlasspferd“ zu werden, aber sie liess sich wenigstens alleine ausreiten und anständig in der Halle arbeiten. Ich war vielleicht auch zu nachsichtig mit ihr; Elliot hatte schon ein paar mal erwähnt, dass ich sie wie ein rohes Ei behandelte. Aber sie schien mir endlich zu vertrauen, und dieses Vertrauen wollte ich auf keinen Fall wieder verlieren. Bevor ich sie kennengelernt hatte, war ich überzeugt gewesen, dass Wildpferde genau gleich wie jedes andere Pferd trainierbar sein mussten. Mittlerweile hatte ich eingesehen, dass sie, kombiniert mit einem unnachgiebigen Charakter, echte Knacknüsse sein konnten. Blieb nur noch festzustellen, dass steter Tropfen selbst den härtesten Stein höhlte. Phantom schnaubte brav ab und streckte sich schön in die Tiefe. Ich beschloss nach einer halben Stunde, dass es genug war, bevor er zu sehr schwitzte. Als ich vom Roundpen mit ihm zurücklief, bemerkte ich bereits, dass sich etwas zusammenbraute auf dem Hofgelände. Aussergewöhnlich viele Leute hatten sich vor dem Nebenstall gesammelt und plauderten lachend. Ich versorgte den Mustang und stellte mich dann skeptisch dazu. „What’s up?“ Anne klärte mich auf: „We’re all going to take a bath together.“ “It was Lilys idea”, fügte Jason hinzu. “That so…” Ich schmunzelte und schloss mich dem Vorhaben selbstverständlich an. Wir planten rasch, welche Vierbeiner wir mitnehmen wollten, damit es kein Durcheinander gab. Die Mädchen und Alec nahmen selbstverständlich Ponys – Naimibia, Raunchy, Cinni, Silver, Scoot und Sweets. Sie hatten sogar Badezeug dabei. Anne, Jason, Lisa, Darren, David, Lewis und Robin nahmen First Chant, Reverie, Nimué, Summertime, Shadow, Chanda und Cambria. Für Jonas und mich blieben noch Piro und Jazz. Wir waren eine riesige, bunte Gruppe. Die Pferde fanden daran sichtlich gefallen, denn sie liefen allesamt motiviert und locker – so wie die Stimmung ihrer Reiter eben. Wir waren ohne Sattel unterwegs, denn zum Baden hätten wir ohnehin alles ablegen müssen. Als wir auf dem Kiesweg neben dem Fluss zu einer geeigneten Stelle ritten, begegneten wir ein paar Spaziergängern, die ihr Erstaunen über die Gruppe kaum verbergen konnten. Es war auch eine Familie mit Kindern dabei, denen man das „ich will auch!“ sofort ansah. Ich meinte zu bemerkten, dass Lily ein wenig bluffte und absichtlich einhändig ‚cool‘ vorbeiritt.

      Als wir das Wasser schliesslich erreichten, gingen alle schön gestaffelt und mit genug Abstand hinein. Manche liessen ihre Reittiere ganz schwimmen, andere blieben am nahen Ufer und kühlten nur die Beine. Viele der Pferde scharrten und spritzten, denn auch sie empfanden das kühle Nass als eine Wohltat. Ich kam mir vor wie inmitten einer Herde Zebras an einem Wasserloch. Vonwegen Zebras: Thairu fühlte sich richtig schön wohl im Moment, und auch Zazou schienen die Temperaturen nichts auszumachen. Mit den beiden war ich diese Woche auch schon dem Wasser entlang unterwegs gewesen. Besonders Thairu war eine richtige Wasserratte. Jazz lief ohne das geringste Zögern ins Wasser, wie ich es nicht anders von ihr erwartet hatte. Allerdings brauchte sie eine ganze Weile, bis sie sich entspannte und zu scharren begann. Sie war eben doch noch immer ein kleiner Angsthase, auch wenn sie alles mit sich machen liess. Wir planschten sicher eine halbe Stunde lang, ehe die ersten den Rückweg einschlagen wollten. Lily und die anderen Kids blieben noch einen Moment länger; sie hatten angefangen, von den Ponyrücken aus ins Wasser zu springen. Zum Glück waren die Reitponystuten geduldig genug. Ich ermahnte sie, trotzdem vorsichtig zu sein und auch den Ponys zuliebe nicht zu wild zu spielen. Genau in diesem Augenblick wollte Suri von Scoot runterhopsen, wobei die Stute davonlief, sodass ihre Besitzerin etwas gar ungeschickt ins Bachbett fiel. „Nichts passiert“, rief sie um Glück kurz darauf gurgelnd. Ich rollte die Augen – manchmal durfte man nicht zu genau hinsehen… Wir restlichen versorgten die Pferde zuhause gemütlich und teilten uns dann in unsere jeweiligen Tatigkeitsfelder auf. Jazz mümmelte zufrieden in ihrem Stroh und ich betrachtete die Appaloosa Stute noch eine Weile liebevoll. Sie hatte so schöne Sprenkel, auf roanfarbenem Hintergrund. Sowohl weisse, als auch schwarze. Ich wollte unbedingt irgendwann auch ein Fohlen von ihr aufziehen, aber zuerst musste klein Wherigo noch ein wenig älter werden.

      Bei dem Gedankenspiel bekam ich prompt Lust, den Fohlen einen Besuch abzustatten. Im Moment waren die Weiden gut besetzt – wir hatten fünf vielversprechende zukünftige Rennpferde, nämlich Otello di Verdi, Global Riot, Pinot Noir, Baila und Murphy’s Law. Ausserdem meinen süssen kleinen Faro, der nun mit Cubanito auch noch einen etwa gleichaltrigen Spielgefährten bekommen hatte. Reitponys hatte es auch ein Grüppchen; Cabaret, Braemble, Nemo und Rune. Und fast ebensoviele Isländer, worüber ich selbst immernoch etwas erstaunt war, denn eigentlich hatte ich das gar nicht so gepant. Aber Lyskra, Þota und Móinn gedeihten prächtig, und ich wollte keine der Flauschkugeln abgeben. Auf die kleine Dahu war ich sehr gespannt, denn sie war natürlich etwas ganz Besonderes mit ihrer seltsamen Farbe. Und dann waren da noch die Halbstarken. Lando kam an den Zaun, um meine Hand abzulecken. Der schicke schwarze Italiener war Angelinas Nachwuchs-Dressurpferd. Er glich seiner Mama Nera, die ja auch eine Weile bei uns gewesen war, auf’s Haar. Charivari und Louvré waren momentan die Anführer der beiden Weiden, denn sie hatten auch das ausgereifteste Stockmass. Während Louvi noch etwas schlaksig daherkam, wirkte Charivari schon fast fertig, aber das täuschte. Auch sie war noch im Wachstum und ich wollte noch abwarten, bevor ich sie das erste Mal unter den Sattel nahm.

      Wenig später fand ich mich im Nordstall wieder, denn ich wollte als nächstes ein wenig Dressurarbeit mit Sniper machen. Der Reitponyhengst erwartete mich freudig und senkte brav den Kopf, damit ich das Halfter besser darüberstreifen konnte. Als wollte er mich zu Eile bewegen, weil er es kaum erwarten konnte. In der Stallgasse stellte sich dann aber der wahre Grund heraus, denn der freche Ponyhengst wollte einfach so schnell wie möglich in die Reichweite seines Kumpels Skydive kommen, um mit ihm durchs Boxenfenster hindurch herumzualbern. „Komm schon, du kannst doch sonst schon die ganze Zeit mit Bacardi rumzanken“, stellte ich augenrollend fest. Ich zog ihn weg von dem weissgesichtigen Pony und befestigte die Seile an seinem Halfter, sodass er nirgends mehr Ärger machen konnte. Gesattelt und geputzt war der Roan schnell (man sah zum Glück kaum Dreck auf dem gestichelten Fell). In der Halle übte ich vor allem an der Biegung des quadratischen Hengstes. Weil er so kompakt gebaut war, fiel es ihm schwerer sich anständig um den Schenkel zu bewegen. Snipy war wie immer fit und ich bremste ihn mehrheitlich, ausser beim Schulterherein. Da musste ich ihn treiben, weil er die Bewegung nicht mochte und seine Beine noch nicht ausreichend im Griff hatte. „Ja ja, da staunst du. Sobald du mit Stellung laufen musst, bist du nicht mehr so ein Ferrari“, murmelte ich belustigt. Jonas und Loki, die nach uns hineinkamen, hatten ähnliche Probleme, denn auch der Isländer Hengst mochte es nicht sonderlich, Lektionen mit Biegung oder Seitwärtsbewegungen auszuführen. Er wollte am liebsten immer nur auf der Ovalbahn seine Runden rennen. Wir waren übrigens in die Halle gegangen, weil draussen auf dem Platz gerade eine Reitstunde stattfand. Die Pensionäre Anna und ihre Mutter hatten einen Trainer angeheuert, der dem Mädchen zweimal pro Woche Springstunden erteilte. Ihr Pony Bayou lief meist brav, stoppte zwischendurch aber abrupt vor einem Hindernis und liess sich dann kaum mehr vorwärts treiben. Mit der Mutter Sybille konnte ich nicht viel anfangen. Ich war zwar immer professionell freundlich und zuvorkommend, ging längeren Gesprächen mit ihr aber möglichst aus dem Weg. Schlichtweg weil sie mich mit ihrer Art nervte. Ich mochte einfach Menschen nicht, die das Gefühl hatten, sich dauernd mit anderen vergleichen zu müssen, oder insgeheim über andere herzogen. Und nach dem, was ich bisher mitbekommen hatte, war sie genau so jemand. Lewis nannte es liebevoll eine seltsame Abwandlung eines ‚Inferiority-Complex‘, in dem sie andere irgendwie schlechtreden musste, um sich selbst besser zu fühlen. So hatte sie zum beispiel fälschlicherweise geglaubt, sie könne mit Anne über Ajiths Herkunft lästern, und dass die dabei auch noch mitmachen würde. Stattdessen war die Pflegerin, die früher vielleicht in das Schema gepasst hätte, mittlerweile aber einiges dazugelernt hatte, ihr mehr oder weniger höflich davongelaufen und hatte uns anschliessend davon erzählt. Ich glaubte jedoch nicht, dass Sybille den „hint“ bemerkt hatte, denn sie war nachwievor bemüht, mit den Pflegern Geschichten auszutauschen. Allein darüber nachzudenken ermüdete mich, also liess ich Snipy strecken und versorgte ihn dann. Schliesslich waren wir jetzt eine Dreiviertelstunde lang schön in Stellung herumgezirkelt. Ich wusch seinen Rücken mit einem Schwamm, um ihn nicht komplett nass zu machen. Dann ging ich weiter zu Solas. Der Criollo hatte sich in letzter Zeit extrem etwickelt und war nun beinahe reif für seine Körung. Er lief für einen Grünling sehr schön in Anlehnung und ging in allen drei Gangarten ruhig unter dem Sattel. Ausserdem konnte man mit ihm problemlos alleine Ausreiten gehen, auch wenn wir meist zu dritt mit den beiden anderen Jungpferden Clooney und Karat unterwegs waren. Allerdings hatte er auch gelegentlich ganz schöne Flausen im Kopf und war längst nicht so lieb wie seine Mama Moon. In dieser Hinsicht schlug mehr der Vater durch, mit einer gewissen Unberechenbarkeit. Solange sein Reiter sich selbstbewusst und konsequent verhielt, war der junge Hengst gehorsam. Doch wenn ein unsicherer Reiter sich auf seinen Rücken verirrte, hatte er kein Erbarmen. Einmal war er mit Rita im Galopp völlig durchgebrannt und alleine von der Gruppe weg nachhause gestürmt – quer über alle Felder. Ein anderes Mal hatte er Linda verarscht, indem er partout nicht an einem Holzhaufen vorbeigehen wollte. Das war so weit gegangen, dass sie hatte aufgeben müssen, um nicht runterzufallen. Ich war anschliessend am selben Tag nochmal mit ihm dorthingeritten und hatte die Angelegenheit geklärt, aber bei mir war er längst nicht so stur gewesen. Ich mochte den Criollo trotzdem wahnsinnig gerne, wie ich auch schon seine Eltern gemocht hatte.

      Gegen Abend waren die Kids mit den Ponys längst zurückgekommen und hatten sich, nach einer längeren Pause, zu einer Reitstunde mit Lisa aufgerafft. Ich hatte sie mit einem Eis am Stiel bestochen, to be fair. Lily bereitete gerade Fake vor, und ich half ihr ein wenig. „Wann reitest du Areion?“, fragte ich sie beiläufig. „Wenn es dunkel wird. Der arme Teddy schwitzt sonst nur wie verrückt.“ Ich nickte einverstanden und holte den Sattel der Hackneypony Stute. Der Tinker besass zwar auch kurzes Sommerfell, aber es hatte eine ganz andere Struktur als das seidige, dünne Fell von Fake. Und seine dichte Mähne blieb auch im Sommer bestehen. Abschneiden war keine Option, und Einflechten dauerte immer seine Zeit. Ähnliche Probleme hatte auch der grosse Thomas. Der Behang an den Beinen der beiden war auch nicht hilfreich, auch wenn es gut aussah. Wer schön sein will, muss wohl leiden, schoss es mir durch den Kopf. Thomas wurde neuerdings übrigens wieder öfter gefahren; wir waren mit einem älteren Herren in Kontakt, den wir von einer Show her kannten. Dort war man ins Gespräch gekommen, weil ihm der Schecke so gefiel. Der Herr hatte eine Kutsche auf seinem Hof gehabt, aber nach dem Ableben seines alten Shire-Wallachs kein passendes Pferd mehr dazu. Nun kam er zwischendurch vorbei, um das Drum Horse für eine Sonntags-Ausfahrt zu entführen. Er putzte ihn dabei auch immer stundenlang und kämmte sorgfältig den Behang, sodass Thomas problemlos auf einer Hochzeit mitlaufen könnte. Der Rentner hatte eben mehr als genug Zeit übrig, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er ein wenig einsam gewesen war, bevor er hier zwischendurch mit dem Schecken Zeit hatte verbringen dürfen. Manchmal hörte ich ihn auch zu Thomas sprechen, wenn die beiden scheinbar alleine waren. Es war herzerwärmend mitanzusehen. Nun aber lief ich mit den Ponystuten mit zum Sandplatz, wo Lisa uns bereits erwartete. Ich wollte nur rasch den Anfang sehen, dann musste ich noch Flintstone bewegen. Yoomee, Eismärchen, Lychee und Shira waren nebst Lindwedel und Fake dabei – Alec ritt auch mit. Der Junge verbrachte immer mehr Zeit hier im Stall und schien grossen Spass daran zu haben, die Mädchengruppe aufzumischen. Angelina hatte erzählt, dass er ansonsten auch oft mit Kollegen vor dem Computer sass, aber sich jederzeit für Pineforest davor wegholen liess. Jonas ritt mit Ljúfa an uns vorbei zur Ovalbahn. Ich sah ihnen hinterher und beobachtete, wie die Isländer Dame lief. Sie war am Wochenende vorne links ein wenig unsauber gelaufen, vielleicht war es aber auch nur Muskelkater gewesen, denn heute war davon nichts mehr zu sehen. Erleichtert machte ich mich abermals auf zum Nordstall und holte den Paint Hengst raus. Darren putzte auch gerade Circus Dancer, also gingen wir spontan noch auf einen Abendausritt zusammen. Dabei begegneten wir auch Rosie wiedermal, die uns scheinbar schon am Nachmittag beim Fluss gesehen hatte. „Why didn’t you join us then?“, fragte ich enttäuscht. „I only saw you from a distance. I had to hurry back home because Murray came for a visit”, erklärte sie. “His visits became more scarce, since he’s now got a house in the Highland.” Sie wirkte fast schon etwas betrübt, als sie darüber sprach. „Did you visit him once, too?“ Sie schwieg einen Moment nachdenklich, dann schüttelte sie den Kopf. „Maybe you should.“ „Maybe I should“, wiederholte sie nickend. „But, do you remember the guy I told you about? The one from London.” Ich nickte mit zusammengekniffenen Augen. „We’re kind of… Dating.“ Ich lachte über die Ausdrucksweise, gratulierte ihr aber herzhaft. „That’s great! I’m happy for you.“ „Yeah… He’s perfect“, schwärmte sie mit schelmischem Grinsen. Wir tratschten noch eine ganze Weile, wobei ich sie nebst Männergeschichten auch über Namuna, Mansur, Fay, Farasha, Bintu und Tayr ausfragte.

      Ein vollgepackter Frühlingstag
      März 2022, von Occulta
      Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Coulee, Iskierka, Gleam of Light, Raving Hope Slayer, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, A Winter’s Day, Compliment, PFS’ Northern Dancer, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, Odyn, PFS‘ Straight Alignment, PFS’ Strolch, PFS’ Captured in Time, PFS‘ Phaeleh, tc Miss Moneypenny, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, Daedra, PFS’ Snap in Style, PFS’ Snap Cat, PFS’ Cupid, PFS’ Sciaphobia, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Stars of Magic, Black Powder War, Thomas, Areion, Diarado, Vychahr, Colour Paint, PFS’ Clooney, PFS’ Karat, Circus Dancer, Estragon Sky, Unbroken Soul of a Rebel, Flintstone, PFS’ Soñando Solas, PFS‘ Dreaming of Revenge, Ljóski, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Skydive, Brendtwood, Bayou, Lindwedel, Scooter, Halluzination, PFS’ Ravissante, Cambria, PFS’ Reverie, PFS’ First Chant, Yoomee, Cinnemont’s History, Eismärchen, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, Naimibia, Raunchy’s Limited, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Lady Diva from the Sky, Chocolate Chip, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS‘ Caillean, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Beck’s Daisy Orchid, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, Cabaret, Louvré, PFS’ Charivari, PFS’ Lyskra, Þota von Atomic, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Otello di Verdi, PFS‘ Pokergame, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Nemo, PFS’ Braemble, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Lando di Royal Peerage, RBS‘ Cubanito, PFS’ Faro, WHC‘ Zaunkönig

      Die Sonne brannte warm auf meinen Rücken. Ich hatte schon heute morgen früh ungläubig auf die Temperaturanzeige in meinem Auto gestarrt. Exakt 10 Grad war darauf gestanden. Und das an einem frühen März Morgen! Im Verlaufe des Tages waren aus den 10 Grad ganze 17 geworden. Eigentlich freute ich mich über das warme Wetter. Aber für die Weiden war die gleichzeitig anhaltende Trockenheit alles andere als gut. Die Böden waren jetzt schon ausgetrocknet und rissig von der hartnäckigen Sonne. Wenigstens den Pferden gefiel das Wetter genauso gut wie den Menschen. Sie waren alle richtig in Frühlingslaune, wieherten und quiekten und machten jeweils Bocksprünge, sobald man die Führstricke löste. Besonders die Hengste zeigten unter diesen Bedingungen ihre Qualität. Natürlich hatten sie nur eines im Kopf. Arbeit war es gewiss nicht. Aber dennoch liefen sie in der Dressur schöner denn je und zeigten imposante Bewegungen. Nur halt eben nicht auf das Kommando des Reiters hin, sondern ganz von selbst, zum Ärger von manch einem Zweibeiner. Auch den Rennpferden fiel es außergewöhnlich schwer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Sie waren viel zu beschäftigt mit sich selber und ihren Kollegen. Das ging so weit, dass wir die Gruppen für kurze Zeit neu organisieren mussten. In der frühesten Gruppe waren neu Stars of Magic, Riptide, Sciaphobia, Karma, Whirlwind, Challenging Time, Thalia und Dolly. Die zweite Gruppe bestand aus Counterfire, Daedra, Caligari, Ciela, Miss Moneypenny, Primo, Goldy, Iskierka und Coulee. "Zum Glück" war Phaeleh noch nicht wieder fit genug um schon am Renntraining teilnehmen zu können. Sonst wären beide Stuten Gruppen zu neunt gewesen. So oder so ging es nur knapp auf mit den Jockeys. Die Stuten liefen immer in den ersten beiden Gruppen. Erst anschließend kamen die Hengste dran. So konnten wir die Stuten schon früh morgens auf die Weide bringen, dann in Ruhe mit den Hengsten trainieren, und diese schließlich am Nachmittag zeitgleich mit den Hengsten des Nordstalls auch noch rausbringen. In den Hengst Gruppen war die Aufteilung übergangsweise wie folgt: Gruppe drei; Cupid, Capoeira, Mambo, Snap in Style, Strolch, Cryptic und Compliment. Gruppe vier; Winter, Spot, Light, Raver, Odyn, Spy und Snap Cat. Normalerweise wären mittlerweile in jeder Gruppe genau acht Pferde gewesen. Aber besondere Umstände verlangten nun mal besondere Maßnahmen. Es war mir wichtig, dass wir weiterhin eine ruhige, konzentrierte und angenehme Atmosphäre während des Trainings aufrechterhalten konnten. Denn nur so lernten die Pferde auch etwas dabei. Man könnte auch argumentieren, dass die Rennpferde an einem richtigen Rennen sich auch trotz aller Ablenkung konzentrieren müssten. Dem würde ich auch beipflichten. Nur würde ich sämtliche meiner Jockeys vergraulen, wenn sie das Theater jeden Tag aufs Neue durchspielen müssten. Es war ja nicht so, dass die Pferde völlig unkontrollierbar wurden. Wir hatten nicht umsonst mit jedem einzelnen von ihnen schon seit den ersten Paar Trainingseinheiten ein besonderes Augenmerk auf den Gehorsam und die Zuverlässigkeit gelegt. Von daher konnte ich über solche hormonbedingten Flausen ruhigen Gewissens hinwegsehen. Man erkannte auch deutlich den Altersunterschied zwischen den Rennpferden. Die Erfahreneren blieben viel gelassener, auch wenn die hübschen Stuten auf den Weiden hinter den Tannen grasten und friedlich mit ihren Schweifen die ersten aufgetauten fliegen wegwischten. Die Jüngeren hingegen hatten den Bauch voller Schmetterlinge. Sogar der dunkle Hengst Black Powder War brummelte seiner Herzensdame Ciela noch öfter als sonst zu. Ich musste immer schmunzeln, wenn ich so eine Szene beobachten konnte. Ich fragte mich insgeheim, wann der hübsche Rappe endlich an eine Körung geschickt werden würde. Mit Ciela würde er das Vergnügen zwar nicht bekommen, aber dafür vielleicht mit der ebenfalls sehr hellen Penny. Ich konnte mir gut vorstellen die beiden Blutlinien zu vereinen. Das daraus resultierende Fohlen hätte beste Voraussetzungen für die Rennbahn. Außerdem würde vielleicht sogar eine interessante Farbe dabei zustandekommen. Ich war nun mal trotz der Leistungszucht noch immer ein Fan von bunten Fellfarben. Und Porzellan-Schecken hatten es mir in letzter Zeit besonders angetan. Aber genug davon. Das training lief trotz der diversen Ablenkungen in zufriedenstellender Manier. Zwar wurden wieder einmal keine Rekorde aufgestellt, dafür zeigten die Pferde ihre Leistung auf stabile Art und Weise. Sie erfüllten die Erwartungen von Oliver, und auch meine, was die Gehorsamkeit betraf. Am Ende mussten wir fast alle Pferde abduschen, so warm war es schon.
      Als nächstes wollte ich mit Northern Dancer für deren bevorstehende Körung üben. Ich holte die Stute aus ihrer Box, putzte sie gründlich, zäumte sie und brachte sie anschließend auf den Sandplatz. Dort übte ich das korrekte Aufstellen vor den Richtern, das Stillstehen und das brave Traben an der Hand. Sie musste auf meine Körpersprache reagieren und sofort anhalten wenn ich es tat. Die Stute arbeitete sehr konzentriert mit, was das training sehr angenehm gestaltete. Nicht einmal musste ich sie zurechtweisen. Am Ende bekam sie dafür eine Karotte mehr als sonst. Sie zerkaute die Belohnung genüsslich. Während ich mit Northy arbeitete, gingen Quinn, Charly, und Thomas mit Khiara, Indiana und Vai Alida auf einen Erholungsausritt vom anstrengenden Renntraining. Die Jockeys liebten ihren Beruf so sehr, dass sie sich sogar zum Entspannen auf den Pferderücken schwangen. Naja zugegeben; die restlichen Jockeys hatten es sich inzwischen bei einer Tasse Tee in der Reiterstube gemütlich gemacht und sahen der Dressurstunde von Elliot zu. In der Stunde liefen Ravissante, Cambria, Reverie und Halluzination, während First Chant heute mit Rosie Wilkinson auf einem Enduranceritt Begleitpony spielte, um dabei Turniererfahrung zu sammeln. Eigentlich startete sie mit ihrer eigenen Schimmelstute Fay. Weil sie und ihr Pfleger Gordon den ganzen Nachmittag abwesend sein würden, hatte sie mich gefragt, ob ich vielleicht zwischendurch einmal rasch bei ihren Pferden vorbeischauen könnte, noch alles in Ordnung sei. Selbstverständlich hatte ich eingewilligt. Aber vorher musste ich auch noch mit Diarado springen, und mit Karat ein gymnastizierendes Stangentraining absolvieren; und danach gab es erstmal noch Mittagessen. Manchmal fragte ich mich, wie ich das ganze jeden Tag auf die Reihe bekam. So viele Pferde, und nur so wenig Zeit. Aber irgendwie ging es und ich wollte keines von ihnen missen. Sie alle waren ganz besonders, mit ihrem eigenen Charakter und ihren eigenen Flausen. Jedes einzelne bereicherte mein Leben und schenkte mir jeden Tag ein Lächeln. Ein Leben ohne sie konnte ich mir nicht vorstellen. Und ich glaube, dass es vielen der Pfleger genauso ging wie mir. Sie griffen mir unter die Arme, wo sie auch konnten. Manchmal sprangen sie auch an Wochenenden ein wenn etwas Unerwartetes passierte, obwohl sie eigentlich gar nicht an der Reihe gewesen wären mit der Schicht, oder arbeiteten abends länger, damit wirklich auch das hinterletzte Pferd noch auf seine Kosten kam. Darren, Anne und Alan ritten Estragon Sky, Vychahr und Clooney in der Halle, während David, Robin und die Ponyreiterinnen Sheridan, Lea und Ruth zuerst die Ponys Sniper, Bacardi, Cinnemont, Eismärchen und Silverangel bewegten. Danach machten sie gleich nahtlos weiter mit Lychee, Yoomee, Shira, Sweets und Limited. Lisa hatte zuerst in aller Frühe ihre eigenen zwei Pferde, Brendtwood und Nimué, bewegt. Nun kümmerte sie sich vor dem Mittag noch um Piroschka und Flintstone. Die Offenstall Pfleger Lewis, Jason und Linda, hatten bis zum Mittag nebst dem Misten und Füttern noch Chanda, Shadow, Summer, Ljúfa, Jazz und das bespaßen der Fohlen auf dem Plan. Am Nachmittag wollten wir außerdem endlich den Umzug von Charivari, Cabaret, Louvré und Wherigo in Angriff nehmen. Angelina Moore hatte beschlossen, Lando, der ebenfalls alt genug wäre, noch ein Weilchen auf der Weide zu lassen. Wherigo wollte ich schon so früh anreiten, damit ich ihn möglichst rasch an eine Körung schicken konnte. Auch mit Areion wollten Lily und ich schon längst an eine Körung, aber sie wollte unbedingt dabei sein und da viele Körungen morgens oder Nachmittags unter der Woche stattfanden, mussten wir auf einen passenden Termin warten. Lily hatte mit ihren inzwischen vier Ponys, Skydive, Areion, Fake und Naimibia auch schon alle Hände voll. Aber sie bestand darauf, das Quartett fast jeden Tag selber zu bewegen. Ihre Kollegin Suri war mit ihren zweien, Lindwedel und Scooter, völlig zufrieden. Ich war froh, dass die beiden einander hatten zum Ausreiten und Spielen. Das Mädchen dem der Ponywallach Bayou gehörte, war da nicht so glücklich. Sie ging meistens mit ihrer Mutter zusammen ins Gelände, alleine durfte sie gar nicht. Sonst trainierten sie quasi täglich in der Halle oder auf dem Sandplatz. Ich fragte mich, wie lange das wohl gut gehen würde, denn das Pony zeigte seinen Missmut über die mangelnde Abwechslung immer öfter.
      Nach dem Mittag ging es im selben Stil weiter. Wir fütterten, misteten, und dazwischen bewegten wir die übrigen Vierbeiner. Auch meine Hunde waren wie immer begeistert dabei und huschten durch den Stallgang auf der Suche nach Mäusen oder heruntergefallenen Pferdeleckerlis. Ersteres galt vor allem für Jacky, letzteres für Sheela. Zira blieb brav bei Fuss. Ich nahm sie mit auf den Ausritt mit Rebel, den ich auch gleich nutzte, um bei Rosies Pferden Mansur, Tayr, Namuna, Bintu und Farasha vorbeizuschauen. Sie waren alle friedlich auf den Weiden und sahen Rebel und mich nur von weitem an. Ich machte mir nicht die Mühe, extra näher hinzugehen, denn offensichtlich war alles in bester Ordnung. Zufrieden setzte ich den Ritt fort. Unterwegs begegneten wir noch Jonas und Lewis, die mit Colour Paint und Co Pilot ausritten. Zira bellte freudig, als sie Jonas sah. Co Pilot nahm's gelassen, aber Cloud wurde etwas nervös von dem Lärm. Sie waren gerade erst losgeritten, also liess ich sie weiterziehen und machte mich alleine auf den Rückweg. Ich liess mir dabei einen frischen Galopp unter den zart knospenden Laubbäumen nicht entgehen. Zuhause versorgte ich Rebel und holte als nächstes Dreamy. Der hellgesichtige Buckskin war zu einem echten eye-catcher herangewachsen. Wir hatten ihn in den letzten Monaten intensiv gefördert, um ihn bald an eine Körung schicken zu können. Hunter Crowley und sein Team waren dabei äusserst hilfreich gewesen. Sie hatten meinen jungen Criollo auf Turniere mitgenommen wenn mir dazu die Zeit gefehlt hatte. Auch mit Solas hatten sie das gemacht, und vor allem deswegen war er nun schon gekört. Sonst hätte es wohl noch eine ganze Weile länger gedauert... Während ich Dreamy schrubbte, um ihn von seinem juckenden Winterfell zu befreien, lief Rita mit Straight Alignment durch. Sie hielt rasch, um mich zu fragen, ob sie später noch bei den Fohlen mithelfen könnte. Ich willigte selbstverständlich ein. Zufrieden zog sie mit ihrem Reittier weiter, wobei mir auffiel, dass Ally vorne links ein loses Eisen hatte. Ich rief ihr nach und wies sie darauf hin. Sie sah es sich bestürzt an und fragte mich unsicher, ob sie denn damit reiten könne. Nach kurzem Überlegen gab ich mein Okay, sie solle einfach nicht zu arg galoppieren.
      Dreamy war heute sehr abgelenkt. Er hatte seine hübsch umrandeten Ohren ihrgenwo, aber nicht geradeaus. Dauernd zuckte er zusammen und erschreckte sich scheinbar, wobei ich mir ziemlich sicher war, dass er eigentlich bloss viel zu viel Energie hatte. Ich machte deswegen absichtlich viel Galopparbeit mit ihm, sodass er am Ende richtig schön gelöst war und abschnaubte. Ein Blick auf die Uhr liess mich allerdings leer schlucken, denn ich hatte über eine Stunde mit dem Criollo trainiert. Ich liess ihn trotzdem lange genug im Schritt trocknen, ehe ich ihn versorgte und ihm seine Karotten brachte. Der Arme hatte sie sich verdient. Nun musste ich noch Matinée bewegen, ehe ich zu den Fohlen ging. Die mausgraue Stute sah mich von weitem und - zu meiner grossen Überraschung - kam mir ausnahmsweise entgegen. Ich streichelte sie vorsichtig, ungläubig. "Having a good day? Were you actually waiting for me?" Sie liess sich brav aufhalftern, und ich fasste die sonst so eigenwillige Stute mit Samthandschuhen an. Beim Putzen versuchte ich extra ihre Lieblingsstellen zu treffen und die unliebsamen Flecken, wie die Innenseite der Hinterbeine, zu vermeiden. Sie schien wirklich gut drauf zu sein, denn sie blieb sogar ruhig, als Phantom von Lisa an uns vorbei zum Roundpen geführt wurde. Ich brachte Matinée zur Ovalbahn und übte ein paar Naturhindernisse mit ihr, um ihre Konzentration aufrecht zu erhalten.
      Nachdem auch die Mustangstute wieder zufrieden auf der Weide stand, war es endlich soweit. Lewis und Jason waren bereits mit Halftern und Stricken ausgerüstet; Lewis gab mir ein Paar davon ab. "Which one do you want?", fragte er mich. "I'll take Cabaret." "That was foreseeable, of course you take the easiest one!", warf er mir vor. Ich lachte und meinte "it makes sense to leave the strong ones to the equally strong Men, doesn't it?" Lewis stiess ein lautes "Pffft" aus und krempelte die Ärmel hoch. "I've heard that hidden compliment, just so you know." Dann lief er entschlossen auf Louvré zu. Der ahnungslose Junghengst liess sich treuherzig aufhalftern und wie ein Musterschüler zum Tor führen. "Hurry up, before he notices that the others won't come", rief ich ihm zu, während ich Cabaret ebenfalls einfing. Jason kümmerte sich um den letzten, Wherigo. Murphy und Pinot folgten ihm verwirrt - sie wollten ihren älteren Gefährten wie immer folgen. Als wir die beiden und auch Riot, Nemo und Cubanito, die inzwischen auch aufgeholt hatten, beim Tor wegscheuchten und es hinter uns schlossen, ging das Drama erst los. Wherigo spürte wohl Jasons Anspannung und wieherte nervös, dann drehte er sich und wollte zurück auf die Weide. Jason schwang das Seilende und nutzte sein ganzes Kampfgewicht, um den Appaloosa zurück auf die richtige Bahn zu lenken. Klein Móinn antwortete Wherigo schrill, was die Situation nicht besserte. Wir beeilten uns und brachten die drei Hengste in den Nordstall, wo David bereits die Boxen hergerichtet hatte. Wir liessen sie in Ruhe akklimatisieren, nur David blieb bei ihnen um sie im Auge zu behalten. Auf dem Weg zurück kam uns Linda mit Charivari entgegen. "Do you need help or...?", fragte ich, doch die Pflegerin wirkte entspannt und verneinte. "She is pretty chill." Tatsächlich schien Corona eher neugierig als ängstlich. Allerdings trug sie den Kopf in den Sternen und zuckte immer mal wieder zusammen. Besonders, als auch noch Kater Kafka wie bestellt um die Ecke geschossen kam. Ich wäre fast über ihn drüber gestolpert. Augenrollend folgte ich den anderen zur Weide zurück und beobachtete die aufgebrachten Fohlengruppen. Nun hatten auch Verdi, Faro, Zaunkönig und Braemble bemerkt, dass ihre Kumpanen fehlten. Es wurde noch ein paar mal gewiehert, auch von den Stutfohlen her, dann legte sich das Adrenalin langsam. Lyskra und Þota waren die ersten, die wieder normal zu grasen begannen. Die beiden Isistuten bildeten ein eingeschworenes Zweiergrüppchen und liessen sich von der ganzen Dynamik um sie herum nicht sonderlich beeindrucken. Pogi brauchte deutlich länger, um wieder runterzukommen. Sie und Baila standen noch lange am Zaun und blickten dorthin, wo ihre Kollegin verschwunden war. Am liebsten wäre ich hingegangen und hätte sie getröstet, doch das nützte eh nichts. Stattdessen kraulte ich Dahu, die dem Spektakel nun ebenfalls den Rücken kehrte und an meine Seite des Zauns kam. Sie schleckte meine Finger ab, ohne auch nur einmal ihre Zähne zu gebrauchen. Sie verhielt sich so lieb und verschmust, wenn sie in der passenden Laune dazu war. Schon jetzt eine typische Stute. Reitponyfohlen Rune kam ebenfalls zu uns rüber, doch sie streichelte ich nur kurz - ich musste noch weiter zu den Minis.
      Anne und Lisa hatten gleich nach dem Bewegen von Circus Dancer und Phantom mit dem Training der kleinsten Equiden des Hofs begonnen. Ich gesellte mich dazu und schnappte mir Nachtfalke. Anne war mit Lenny gerade dabei ein paar Zirkuslektionen abzufragen, während Lisa noch damit beschäftigt war, Oreo sauber zu bekommen. Plötzlich hörte ich ein lautes Schnaufen näher kommen. Ich sah von Falkes kleinen Hufen auf und erkannte Rita. "I'm too late... I still had to lunge Thomas, and he was so, so dusty!" Sie wirkte ganz zerstreut und enttäuscht. "Don't worry, you didn't miss much. Just the boys having some massive drama, while the girls were all chill." "Nothing new, is it." Wir lachten alle herzhaft. "May I help with the minis instead? Since I'm already here..." "Of course", antwortete ich. Sie suchte sich Lining aus und band ihn am Zaun an. Während dem Putzen plauderten wir ein wenig. Ich fragte sie über ihren neuen Freund aus, den sie vor zwei Wochen an einem Konzert kennengelernt hatte. Wir hatten einen amüsanten Abend, und mir fiel irgendwann erst recht auf, wie lange es mittlerweile schon hell blieb. Sonst hätten wir es nämlich nicht geschafft, auch noch Becks, Caillean, Tic Tac, Kiwi, Acira, Tigrotto, Orchid, Darling, Rose, Papillon, Chip und last but not least meinen Liebling Daki anständlich zu bespassen. Irgendwann war Lily noch dazugestossen, um Peppy zu longieren. Wobei sie eher herumalberte, als anständig mit dem Shetty zu arbeiten. Sie war mittlerweile eigentlich zu gross um auf dem Pony zu reiten, aber gelegentlich setzte sie sich trotzdem noch für einen Ausritt ohne Sattel auf den Rücken von Peppy.
      Als ich zuletzt im Dunkeln den Weg hinauf schlenderte und den anderen schonmal eine gute Nacht wünschte, schlichen sich Jonas und Ljóski von hinten an mich heran. Na gut, ich hatte sie schon längst kommen gehört, aber tat trotzdem so, als ob ich überrascht wäre. Jonas beugte sich im Vorbeireiten und gab mir vom Rücken des Isis aus einen Kuss. Wir trafen uns beim Nordstall wieder, wo ich ihm noch half, Loki ins Strohbett zu bringen.
    • Veija
      Ankunft von Summertime und Quiet Move
      13.08.2022, von Gwen

      Momentan war es sehr ruhig bei uns und doch passierten hier und da ein paar Dinge. So zogen diesen Monat zwei neue Vierbeiner ein. Einmal durften wir Lovely Summertime von den Pineforest Stables begrüßen. Eine wunderschöne American Paint Horse Stute mit fantastischem Charakter und wirklich schöner Färbung. Als zweiter Einzug kam WHC' Quiet Move zu uns. Ein junges Zuchtfohlen, ein Hannoveranerhengst in wirklich schicker Lackierung. Er war ein tolles Gegenstück zu Feverdream und ich war schon sehr gespannt, wie er sich entwickeln würde. Die beiden durften in Ruhe ankommen und wurden liebevoll betüddelt. In den nächsten Tagen würde ich sie allmählich in unseren Alltag und die Herden integrieren, aber grundlegend hatten sie dafür noch alle Zeit der Welt.

      Aktuelle Belegungen
      Oststall: Caspian, Ohnegleichen, Prismatic, Bartholomäus, Ohnezahn, Altair, Neelix, Dead Memories, Feuerdrache
      Südstall: Chocolate Flavor di Royal Peerage, Hollybrook's Arce, Nuriya, Chatana, Snow White Cassedy, Tawny Bawny, Ameya, Nuriya, Moon's Gealach
      Weststall: Lovely Summertime, Stolen Dance, PFS' Disparo de Fiasco, Carino di Royal Peerage, PFS' Scion D'Or, PFS' Sarabi, Aspantau, Smoky Cream, Shenandoah, Panino, Pinero, Sinfonie, Valentine's Candy Fireflies, Ceredwen, Kedves, Fagy
      Nachwuchs: WHC' Quiet Move, PV Noodle in Love, Flavor's Feverdream
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  • Album:
    BRR Zuchtstuten
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    7 Jan. 2023
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    EXIF Data

    File Size:
    168,5 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

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  • Exterieur
    Name: Lovely Summertime
    Rufname: Summer
    Alter: 2012, 13 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,55m
    Rasse: American Paint Horse
    Fellfarbe: Sooty Buckskin Sabino (EeAACrcrStyStySbsb)


    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    Charakter & Beschreibung:
    Summer ist etwas misstrauisch gegenüber Fremden und mag keine großen Veränderungen wie Stall-/Boxenwechsel oder Futterumstellung. Ansonsten ist sie aber brav und ein Verlasspferd. Im Winter bekommt sie richtiges Teddyfell, während es im Sommer seidig und glänzend ist.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
    [​IMG]

    [SK 437] Westerngerittene- und Gangpferde

    Nachkommen:
    - PFS' Unclouded Summer Skies
    - PFS' Unclouded Summernoon


    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell, später Betsy Dell)
    Vorbesitzer: Gwen
    Gezüchtet bei/Zucht: -

    VKR: Occulta

    Kaufpreis: ♥ Joellen
    Zu Verkaufen: nein


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E
    Springen L
    Military E
    Distanz M
    Galopprennen E

    Western
    Reining LK 2
    Trail LK 4
    Pleasure LK 4
    Barrel Racing LK 4




    Erfolge:
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    2. Platz 421. Westernturnier

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    3. Platz 309. Westernturnier

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    Gewinnerin RS 34 Mounted Games


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    1. Platz 228. Distanzturnier

    5. Platz Dressur bei Jolympia 2015

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand: gesund
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Hufzustand: gut
    Letzter Besuch: 12.2013
    Beschlag: Barhuf