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Occulta

Lost in his Echo, Paint Horse

Stute | Braunschecke

Lost in his Echo, Paint Horse
Occulta, 30 Dez. 2014
AliciaFarina gefällt das.
    • Occulta
      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?
    • Occulta
      After the Rain

      "Àpres la Pluie, 2 years old, cremello, French Trotter." Sie war eine von einigen, und doch fiel sie mir ins Auge. Die hübsche, beinahe weisse Stute sah auf dem Foto in der Internet Anzeige zwar eher verstört und nervös aus, doch ihr Körperbau und die Abstammung schienen vielversprechend. Ist sie's wert? Schon seit einer Woche überlegte ich hin und her. Ich wollte schon immer einen Traber trainieren, und ein Cremello würde bestimmt ein Hingucker sein. Es war schwer, Entscheidungen alleine zu fällen, was ich seit Jacks Tod wieder viel häufiger tun musste. Wie schon so oft in den letzten Tagen klickte ich die Seite weg und sah aus dem Fenster. Ob sie bald gekauft wird? Dann ist meine Chance dahin... Ich klappte den Laptop seufzend zu und lief die Treppe runter zur Tür. Das Haus ist einfach zu gross für mich allein. Rasch hatte ich mich Wetterfest gekleidet und trat hinaus in den Schnee. Der Winter hatte ein erfolgreiches Comeback geliefert und hielt England nun schon zwei ganze Wochen im eisigen Griff. Beim Schneesturm vergangene Woche waren ein paar geringe Schäden am Dach des Nebenstalls entstanden und eine Regenrinne bei den Offenställen hatte dem Gewicht der weissen Masse nicht länger widerstehen können. Sonst war alles glimpflich verlaufen und bis auf ein paar Erkältungen ging es allen Pflegern und Pferden hervorragend. Ich half beim Füttern im Hauptstall und holte schliesslich um halb zwei Uhr Lychee aus ihrer Box. Ich befasste mich zügig mit dem vom Weidegang am Morgen noch etwas feuchten Fell, dann kratzte ich die noch immer eisenlosen Hufe aus und entwirrte das Langhaar so gut es ging. Die eisblauen Augen verfolgten meine Bewegungen neugierig, die Ohren waren freundlich nach vorne gerichtet und die Oberlippe zuckte vergnügt. Schliesslich führte ich die Dreijährige in die Halle, da auf dem Platz zu viel Schnee lag. Da sie geschoren war, liess ich ihre Fleecedecke noch über der Kruppe und wärmte sie so gemütlich im Schritt auf. Sie liess sich im Schritt und Trab mittlerweile schon ordentlich arbeiten, im Galopp hatte sie noch das eine oder andere Gleichgewichtsproblem und glich dies mit Geschwindigkeit aus. Da ihre Kondition aber erst im Aufbau war, fiel sie jeweils rasch in den Trab zurück. Daran wollte ich heute arbeiten. Ich trabte nach sechs Runden an und liess sie erstmal Volten laufen. Dann machte ich einige Tempowechsel. Schliesslich galoppierte ich ganze Bahn und liess sie in ihrem Tempo den Takt finden. Nach einigen Runden wurde sie schon deutlich ruhiger und fiel auch nicht schon in der nächsten Kurve wieder durch. Ich war ziemlich zufrieden mit ihren Fortschritten und beendete das Training mit dem lockeren Austraben am halblangen Zügel. Dann ging ich noch eine Runde raus in den Schnee und watete mit ihr um die Halle. Um sie nicht weiter zu quälen, brachte ich sie endlich zurück in den Nebenstall und gab ihr nach dem Absatteln eine wohl verdiente Karotte. Nun war es Zeit, mit Echo rauszugehen. Ich hatte noch immer keinen geeigneten Sattel für die Stute, daher ritt ich sie im Moment ohne. Auch sie putzte ich gründlich, wobei ich das ungeschorene Teddyfell wieder zum Glänzen brachte. Die Mähne lag schön ordentlich auf dem langen Hals, als ich mit ihr fertig war. Nun zog ich ihr das Zaumzeug mit den breiten Riemen an und führte sie hinaus. Ich ritt mit der Stute auf der Galoppbahn unter den Tannen hindurch um sie aufzuwärmen, anschliessend machte ich etwas Galopparbeit mit ihr. Ich ritt vor allem viele Übergänge und Tempowechsel. Nach einer dreiviertel Stunde rieb ich mir die kalten Hände und ritt zurück. Ich sah anschliessend um zehn nach drei Uhr Ajith beim Longieren von Sumerian im Roundpen zu. Er hatte noch nicht so oft Pferde longiert, daher gab ich ihm quasi Unterricht, doch er hatte es schon ganz ordentlich im Griff. Irgendwann während des Plauderns fragte ich ihn nach seiner Meinung bezüglich der Traberstute. Er schien begeistert von der Idee, also entschloss ich mich zum Kauf.

      Zwei Wochen später beobachtete ich Pluie gespannt durch die Gitterstäbe ihrer neuen Box im Hauptstall. Es lag noch immer Schnee draussen, und jetzt war der Boden häufig mit Eisfeldern überdeckt, sodass Pferde und Pfleger Gefahr liefen, auszurutschen und sich zu verletzen. Pluie schnupperte an Cassys Nüstern, die ihr durch die Stäbe entgegengestreckt wurden. Sie machte dabei einen runden, edlen Hals. Was für ein Prachttier! Ich hatte sie vorhin gebürstet und mit frischem Heu versorgt, welches Cassiopeia nun eifersüchtig beäugte. Ich freute mich schon jetzt auf das Einfahren der Stute im Frühling.
    • Veija
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      Western (Pleasure) E auf A

      -Platzhalter-
    • Occulta
      Training der etwas besonderen Art

      Es war Morgen, acht Uhr. Ich befand mich im neuen grossen Offenstall und putzte Echo, die entspannt und mit dem Seil über den Widerrist gelegt beim Tor stand. Ich fegte rasch mit der Bürste über ihr kurzes Fell, dann sattelte ich sie auch schon. Sie hatte einen Vielseitigkeitssattel der jenen der Kavallerie nachempfunden war. Ich hatte ihn günstig von einem befreundeten Sattler anfertigen lassen, das passende Zaumzeug besass die Stute ja schon. Ich zäumte sie nun mit ebendiesem und knotete danach den Strick um ihren Hals. Dann führte ich sie zum Viereck hoch. Ich wollte etwas Gelassenheitstraining mit ihr machen, denn dies war ein wichtiger Teil der Remonten Ausbildung. Ich hatte zuvor ein paar Trainingsgegenstände auf dem Platz bereitgestellt.

      Echo scharrte unsicher, als sie vor die blaue Blache zu ihren Füssen trat, doch dann legte sie die Ohren zurück und lief zügig darüber. Schon beim nächsten Versuch blieb sie schön ruhig. Ich nickte zufrieden und steuerte auf den grossen, roten Ball zu, der in der einen Ecke des Vierecks lag. Schwungvoll stieg ich ab und rollte den Ball auf Echo zu, die brav stehen blieb. Der Ball touchierte ihre Vorderbeine, dann auch die Hinterbeine, wobei sie ihn einmal genervt wegkickte. Ich blieb hartnäckig und rollte ihn wieder auf sie zu, diesmal sogar unter ihrem Bauch durch. Dann warf ich ihr den Ball gegen die Schulter. Sie wich etwas zur Seite, also wiederholte ich die Übung, bis sie stillstand. Als das klappte, kamen die Luftballons dran. Zunächst liess ich sie daran schnuppern. Dann zerplatzte ich unweit von ihr einen. Sie zuckte und hob den Kopf. Ich zerplatzte gleich noch einen. Sie sah mich glotzend an und blähte die Nüstern, doch blieb stehen. Ich ging etwas näher ran, bis ich die Ballons direkt neben ihrem Kopf zerplatzen konnte. Einen platzte sie sogar selber, indem sie ihn mit dem Huf erwischte, nachdem er heruntergefallen war. Es schien ihr sogar richtig Spass zu machen. Ich lobte sie immer wieder überschwänglich, gab ihr jedoch nur wenige Leckerlies, um sie nicht zu sehr zu verwöhnen. Im Verlaufe der Trainingsstunde durchquerten wir einen Flattervorhang (auch rückwärts), lernten Fussball mit dem roten Ball zu spielen, duldeten Plastiksäcke auf dem Rücken und an den Beinen (Kopf klappte noch nicht wirklich) und hatten keine Angst mehr vor einem Haufen schreiender Ferienkinder, die eigentlich zum Miniature Horses Pflegen zu Besuch waren. Gegen Ende der Lektion kam Jonas mit Lychee auf den Platz. Wir nutzten die Gelegenheit und machten auch sie mit dem Flattervorhang und dem Ball vertraut. Es dauerte allerdings etwas länger, da die Reitponystute nicht ganz so mutig war wie Echo. Ich verstand mich so gut mit Jonas wie schon lange nicht mehr. Wir lachten und machten Witze, warfen uns sogar gegenseitig den Ball an. Doch nach einer Viertelstunde liess ich ihn in Ruhe mit Lychee arbeiten und versorgte Echo.
    • Occulta
      Gesellschaft für Echo

      Gähnend verliess ich das Haus, wie immer um 5 Uhr morgens. Ich hatte eigentlich nie Schwierigkeiten um diese Uhrzeit schon wach zu sein, aber heute fühlte ich mich wie gerädert. Selbst der kurz gezogene Schwarztee hatte daran nichts geändert. Auf dem Weg traf ich auf Lisa, Darren, David, Quinn und Ajith, die sich pünktlich wie immer zu den Ställen begaben. Ich schloss mich Quinn und Ajith an. In der Sattelkammer des Hauptstalls besammelten sich alle Jockeys, wie jeden Morgen, um den Trainingsplan zu besprechen. Heute starteten in der Morgengruppe zuerst die Erfahrenen Pferde, denn in einer Woche war ein wichtiges Qualifikationsrennen in Doncaster für die drei und vierjährigen. Das Feld bestand aus Lily mit Sunday, April mit Spot, Quinn mit Campina, Rita mit Winter, Tom mit Fly, Oliver mit Yalata und mir mit Gleam of Light. Tom und Fly waren ein Experiment, denn der Pfleger war sehr ruhig und sorgfältig im Umgang mit den Pferden, hatte aber dennoch genug Kraft, was mich zuversichtlich stimmte, dass er mit Fly klarkommen würde. Wir putzten die Pferde und stiegen dann auf, um im Schritt zur Galoppbahn zu reiten. Der grosse schwarze Light tänzelte schon ungeduldig, obwohl er sich beim Bürsten absolut brav benommen hatte. Aber er war bekannt dafür, im Umgang ein Engel zu sein. Wir ritten schön hintereinander im Trab zum Aufwärmen. Ich musste Lights Zügel die ganze Zeit über kurz halten und tief in den kleinen Rennsattel sitzen, um ihn ruhig zu halten. Auch Spotted Timeout war geladen, aber Quinn hatte ihn im Griff. Smelyalata erschrak in der dritten Kurve vor einer Amsel und scheute zur Seite. Oliver ging geschickt mit der Bewegung mit und gab ihr eine Parade, um sie vor einem erneuten Sprung abzufangen. Schon waren die beiden wieder auf Kurs. Nach dem Einwärmen bogen wir auf die eigentliche Rennbahn. Es war jedes Mal ein tolles Gefühl hier zu sein, auf dieser grossen, neuen Strecke mit dem trotz der Sommerhitze saftigen, kurzen Gras. Die Hitze – die war so früh morgens zum Glück noch nicht zu spüren, aber frühestens am Nachmittag würde ich mich wieder nach einem Bad sehnen. Fly stieg wiedermal vor den Startboxen, also musste Ajith, der wiedermal Bodenassistent spielte, zu Hilfe eilen. Indem wir die Türen ganz öffneten und ich mit Light voraus ritt, schafften wir es schliesslich, den braunen Hengst hinein zu bugsieren. Ich schloss die Türen vorne, bevor er mir und Light gleich wieder hinterher traben konnte, während Ajith hinten zuzog. Flys Augen waren noch immer geweitet und seine Nüstern gebläht. Er hielt den Kopf aufgeregt oben und die Ohrenspitzen berührten sich fast. Kopfschüttelnd dachte ich, wann wird er endlich wieder normal in eine Startboxe gehen? Nun trieb ich Light ebenfalls in seine Box und wartete gespannt auf den Start. In Lights Körper kribbelte jede Faser; er war sowas von bereit. Ich machte mich gefasst auf seinen üblichen, gewaltigen Absprung und duckte mich tief nach unten – da krachte es und die Türen flogen auf. Light schoss wie erwartet nach vorne und war sofort an der Spitze. Ich hielt ihn energisch zurück, denn sonst würde er sich zu früh verausgaben. Heute war zwar keine besonders weite Distanz geplant („nur“ 1600 Meter) doch ich kannte den Hengst gut und wusste, dass er grössere Leistungen brachte, wenn er im letzten Viertel noch in der Mitte des Feldes lag. Wir trainierten etwas härter als sonst, um zu testen, ob die jungen Athleten fit für das Rennen waren. Dazu trieben wir die Vollblüter von Anfang an zu einer hohen Grundgeschwindigkeit an, die im Finish nochmals gesteigert wurde. Light hielt durch und ich konnte ihn auf der Zielgeraden an den anderen vorbei pilotieren, sodass wir mit einer Länge Abstand gewannen. Gleich hinter uns folgte Winter ins Ziel. Der weisse Hengst hatte im Moment eine Art Glücksphase, denn er war bei den letzten acht Trainingsrennen immer entweder auf dem ersten oder dem zweiten Platz gelandet. Ich tätschelte Light stolz den Hals und warf ein rebellierendes Büschel der sportlich geschnittenen, rabenschwarzen Mähne wieder auf die richtige Seite. Wir ritten zum Abkühlen in Richtung Pinienwald und dann denselben Weg wieder hoch. Dann versorgten wir die Pferde und die Pfleger gönnten sich in der Reiterstube der Halle einen Kaffee. Ich jedoch lief weiter zur grossen Stutenweide, um Echo zu holen. Ich wollte mit der Stute ins Gelände, ehe ein ganz besonderer Zuwachs ankommen würde. Heute würde nämlich endlich Unbroken Soul of a Rebel eintreffen. Sein Begleitpfleger hatte mir vorhin angerufen und mich informiert, wann genau er ankommen würde. Dem Hengst ging es soweit gut und er war anscheinend auch nicht allzu gestresst gewesen, aber das erstaunte mich auch nicht, denn er war für seine Nervenstärke bekannt. Auch für seine etwas sture und wählerische Art hatte er Bekanntheit erlangt, was mir jetzt schon ein mulmiges Gefühl in die Magengegend trieb. Würde er mich als Bezugsperson akzeptieren? Andererseits vertraute ich auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden. Grinsend beschloss ich im Stillen „Challenge accepted!“ und lief zügig durch das Weidetor.
      Das hübsche Lederhalfter von Echo, das an der Stallwand hing, legte ich mir um die Schulter. Dann lief ich zu den schattenspendenden Bäumen, unter denen sich die Pferde gesammelt hatten. Sie sahen mir alle entgegen, alle bis auf Noir. Denn die Stute war im Moment gar nicht hier, sondern bei Sarah McAlistair zur Ausbildung. So wie ich Sarah kannte, fühlte sich Noir dort bestimmt wie im Paradies. Bevor ich zu Echo vordringen konnte, musste ich an Feline vorbei, die mich fast auffrass. Ich schickte sie einige Schritte rückwärts, da sie zu aufdringlich war. Schmusen war gut und recht, aber sie durfte nicht zu unverschämt werden. Nachdem ich auch Moon ein wenig gestreichelt hatte, halfterte ich die Paint Stute auf. Sie zog zuerst den Kopf etwas hoch, aber ich schaffte es trotzdem das breite Lederhalfter über ihre Ohren zu streifen. Nun führte ich sie zum Offenstallgebäude und band sie an. Sie stand schön brav da während ich sie rasch bürstete und hübsch machte. Dann holte ich den Militärsattel aus dem abgetrennten Bereich im Inneren des Stalls und machte sie fertig zum Aufsteigen. Ich wollte ihr irgendwann noch einen Western-Kavalleriesattel besorgen, wegen Style und so, aber für den Moment fand ich den auf den ich jetzt aufstieg ganz bequem. Ich ritt im Schritt vom Hofgelände weg und trabte dann zügig einige Feldwege entlang. Dabei achtete ich darauf, dass sie das Tempo beibehielt, ohne dass ich treiben musste. Das Ziel war, dass sie erst langsamer wurde, wenn ich sie bremste. Ganz klappte es noch nicht, aber immerhin blieb sie im Trab. Ich galoppierte einen Hügel im Wald hinter der Whispering Creek Ranch hoch, machte eine grosse Schlaufe mit einigen weiteren Waldgalopps und ritt dann im Trab Richtung Fluss zurück. Ich trabte geradewegs auf das Wasser zu, denn der Fluss hatte einen rekordmässig tiefen Spiegel und ich wollte testen, ob sie einfach so hineintrabte. Schon spritzte das Wasser auf beiden Seiten hoch und wir befanden uns mitten im Flussbett. Ich lobte sie und parierte in den Schritt durch. Wir überquerten die mit ein paar Bäumen und Büschen bestückte Insel und ritten dann durch den zweiten Flussarm. Hier war der Boden sandig unter dem Wasser, sodass ich mich fast wie am Meer fühlte. Nun trieb ich sie aber zurück in Richtung Pineforest Stable.
      Wir wurden von Oliver empfangen. „Can you come and have a look at Muskat? He’s a bit lame I fear.” Ich nickte und stieg ab. Ich führte Echo mit zum Hauptstall, wo ich sie beim Waschplatz anband. Dann kam Oliver mit Muskat nach draussen und führte ihn mir auf dem Schotterweg vor den Weiden vor. Tatsächlich lief er vorne rechts nicht sauber. „Okay, I’ll call the Vet after I took care of Echo. It doesn’t look too bad, but save is better than sorry.” Ich streichelte Muskat liebevoll und kehrte zu Echo zurück. Die Stute hatte das Abspritzen nötig, denn es war immer noch unglaublich heiss und sie hatte geschwitzt. Sie zappelte etwas, als das kalte Wasser an ihre Beine kam. Als ich fertig war, kam mir Alan entgegen, einer der beiden neuen Pfleger. „Hi boss, Daydreaming Sorrow was lunged this morning, but I’d like to take him out again for a forest gallop…“ “Alright, he’ll like that”, antwortete ich lächelnd. Obwohl der junge Mann erst vor drei Tagen angefangen hatte, konnte man denken er sei schon Jahre hier und er kam ausgezeichnet mit den Hengsten des Nordstalls klar. Ich mochte seine stille, aufmerksame Art und war sicher, die richtige Entscheidung bei der Auswahl aus den vielen Bewerbungen getroffen zu haben. Auch das 19 jährige Mädchen, Linda, verstand sich schon hervorragend mit den anderen Pflegern. Sie hat aber auch einen Bonus durch Jason, dachte ich schmunzelnd. Die beiden waren gut befreundet. Er hatte ihr vor ein paar Wochen vorgeschlagen, sich bei mir zu bewerben. Natürlich waren aber schliesslich ihre Fähigkeiten ausschlaggebend für ihre Einstellung gewesen.
      Ich schob diese Gedanken beiseite, als ein Transporter auf den Parkplatz fuhr. Das muss er sein! Freudig beschleunigte ich meinen Schritt und kam gerade recht, um die Klappe zu öffnen. Da stand er, der wunderschöne Paint Hengst mit der weissen Hinterhand die aussah, als wäre er rückwärts in einen Farbtopf gefallen. Er war ein Traum, nicht nur von der Farbe her: Sein Körper war sehr gut bemuskelt und der Kopf mit den hübschen kleinen Ohren und nussbraunen Augen drehte sich mir aufmerksam zu. Ich streichelte ihm vorsichtig über die Stirn und gab ihm einen Moment Zeit, mich kennenzulernen, ehe ich ihn rückwärts aus dem Transporter schob. Im Sonnenlicht schimmerte sein kurzes Sommerfell wie eingeölt. Ich bedankte mich herzlich beim Begleitpfleger und führte Rebel geradewegs zum Nordstall, wo er sich einleben konnte, bis er am Abend erstmal neben den anderen Hengsten auf die Weide durfte. Es war mir zu riskant, ihn schon heute zu den anderen zu lassen, zumal ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Er drehte sich noch etwas in seiner neuen, geräumigen Box, dann begann er, sein Heu zu mampfen, wobei er zwischendurch wieder den Kopf hob und herumlief.

      Es war mittlerweile Abend geworden und ich stand beim robusten Holzzaun der grossen Weide beim Pinienwald. In einiger Entfernung grasten Co Pilot, Vychahr, Peace, Donut, Baccardi, Dancer, Sorrow und Burggraf. Die restlichen Hengste befanden sich auf der obersten Weide, damit es nicht zu viel Gruppendynamik gab. Rebel war alleine auf der Weide dazwischen, aber ihn trennte jeweils noch eine Strasse oder ein Feldweg von seinen zukünftigen Kumpels. Sie schienen ihn nicht gross zu verunsichern, jedenfalls liess er es sich nicht nehmen, direkt am Zaun zu fressen, da das Gras bekanntlich auf der anderen Seite des Zauns immer grüner wächst. Belustigt beobachtete ich einen harmlosen Spielkampf zwischen Dancer und Pilot. Es war toll den kraftvollen Hengsten beim Balgen zuzusehen, aber natürlich blieb ich im Stillen immer bereit, im Ernstfall einzugreifen. Die Hengste waren zwar sehr ausgeglichen und friedlich, doch in seltenen Fällen artete das Spiel aus und dann musste ein Schlichter dazwischen, bevor sich jemand verletzte. Viele befreundete Züchter konnten es nicht nachvollziehen, dass ich das Risiko auf mich nahm und die teuren Hochleistungssportler zusammen raus liess. Aber ich war der Ansicht, dass diese Pferde genau deswegen so ausgeglichen waren und ihr volles Potential zeigten. Pilot und Dancer bewiesen mir in ebendiesem Moment, dass ich Recht hatte und ein friedliches Spiel nicht nur möglich war, sondern auch von allen Beteiligten geschätzt wurde. Jedenfalls klappt es gut, solange keine Stuten in der Nähe sind. Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich um und stand direkt vor Jonas, der mich anlächelte. Ich antwortete ebenfalls mit einem herausfordernden Lächeln. Er schlang seinen Arm um mich und wir liefen gemeinsam zurück zum Haupthaus. Die Frage brannte mir die ganze Zeit über auf der Zunge, doch ich konnte mich erst vor der Tür überwinden, sie auszusprechen. „Willst du heute hier schlafen?“ „Okay“, war alles was ich zu hören bekam. In dieser Nacht lagen wir eng beieinander und ich genoss jede Sekunde, in der ich seinen rhythmischen Herzschlag hörte. Ich fühlte mich auf einmal so lebendig. Ich wusste weder, warum ich ihn überhaupt hereingelassen hatte, noch warum er sich auf mich einliess. Aber ich war glücklich, und er schien es auch zu sein.
    • Occulta
      Bunte Blätter

      Ich schlenderte vom Haus herkommend in Richtung Nordstall, mein Mittagessen in Form eines Sandwichs fertig geniessend. Normalerweise kochte ich mir schon etwas Warmes, aber heute hatte ich nicht genug Appetit und Lust gehabt. Die Pfleger waren auch alle noch in der Mittagspause, sodass ich den ganzen Stall für mich alleine hatte. Ich schaltete das Radio beim Eingang ein und drehte die Musik etwas lauter, dann holte ich summend Dancer aus seiner Box. Er hatte ordentlich Winterfell bekommen, also war er am Vortag geschoren worden. Nun stand er mit seiner schwarzen Fleecedecke da, ohne die er halbnackt war. Ich schnappte mir eine Bürste und faltete die Decke halb über seine Kruppe. Dann schrubbte ich den vorderen Bereich seines Körpers. Die flauschigen Ohren erinnerten an den Pelz, den er eigentlich gehabt hätte und wirkten nun umso grösser. Ich bürstete sanft seinen grossen Kopf, den er mir in die Jacke drückte, wobei er fast die tiefschwarzen Augen schloss. "Alter Geniesser du“, murmelte ich lächelnd und gönnte ihm die Streicheleinheit, indem ich extra lange an den Stirnhaaren herumfummelte. Sogar die Nüstern konnte ich mit der kleinen Bürste herausputzen, ohne dass er wegzog. Ich wollte heute nur einen Spaziergang mit ihm machen, da wir gestern lange und hart gearbeitet hatten. Ich war mir sicher, dass er auch nichts dagegen hatte, mal wieder entspannt ohne Reitergewicht durch die Gegend zu schlendern. Während dem Bürsten hörte ich Schritte näherkommen. Es war Jonas, der anscheinend schon wieder anpacken wollte. Verwundert fragte ich ihn, warum er nicht noch seine Pause geniessen wollte. "Ich hab gehört, dass du mit dem Dickerchen hier rauswillst, also dachte ich, ich könnte mich mit Sorrow gleich anhängen“, antwortete er knapp. „Aber ich geh nur Spazieren“, informierte ich ihn. „Passt schon.“ Ich zuckte mit den Schultern und fuhr fort mit dem Bürsten. Eigentlich hatte ich mich auf einen ruhigen, idyllischen Spaziergang gefreut, aber ich konnte damit leben, dass Bubi und ich nun doch Begleitung bekamen. Als ich auch die Schweifhaare erlesen hatte, schloss ich die Schnallen der Decke vorne wieder und zupfte das Fleece zurecht. Dann löste ich die Anbindeketten und führte den Hengst nach draussen. Sobald ihm die frische Herbstliche Brise an den stoppeligen Bauch zog, wachte er förmlich auf und wurde etwas zappeliger. Sorrow und Jonas folgten uns, denn Jonas hatte ihn zügiger geputzt und so aufgeholt. Wir liefen in ordentlichem Tempo zum Waldrand und weiter die Galoppwiese hinab. Am Anfang schwiegen wir beide, doch nach einer Weile begann er immer wieder neue Gesprächsthemen. Das ärgerte mich etwas, da er nach dem Anreissen eines Themas immer schwieg und mir das Reden überliess, sodass ich mir wie eine elende Plappertante vorkam. Deshalb gab ich gegen Mitte des Spaziergangs auch nur noch knappe Antworten und schwieg wieder mehrheitlich. Irgendwann waren nur noch das gelegentliche Schnauben der Pferde und das rhythmische Hufschlagen zu hören. Bei einem Flecken Wiese am Waldrand liess ich Dancer ein paar Halme grasen; Jonas tat es mir mit Sorrow gleich. Die lange Mähne des Welsh Ponys fiel ihm über die Augen und ich wunderte mich, ob er überhaupt noch sah, was er frass. Ich musste unbewusst geschmunzelt haben, denn Jonas fragte prompt, worüber ich mich so amüsierte. „Ach nichts“, meinte ich geheimnisvoll, und wollte mich wieder auf mein eigenes Begleittier konzentrieren, aber im nächsten Moment nahm mich der freche Pfleger in den Arm. Ich wehrte mich nicht, denn ein Teil von mir hatte insgeheim gehofft, dass das passieren würde. Wir standen eine gefühlte Ewigkeit da, Arm in Arm und umgeben von der nebligen Aura des Herbstes. Ich hatte den Kopf auf seine Schulter gelegt und genoss die Berührungen. Ich konnte ausserdem nicht wiederstehen, ihm mit der Hand durch die lockigen Haare zu fahren und ihm neckisch „Schäfchen“ ins Ohr zu flüstern. Nach einer Weile sah ich auf meine Armbanduhr, was er als Zeichen des Aufbruchs verstand. Wir liefen in gemütlichem Tempo zurück nach Pineforest Stable. Wir witzelten unterwegs über Lisas Kürbissuppe, die sie letztens für die Pfleger gekocht hatte. „Wer weiss ob wir überhaupt alle noch leben, oder ob wir dank dem Zeug längst Zombies sind“ „Na wenigstens war sie schaurig passend zu Halloween.“
      Im Nordstall angekommen befahl ich ihm, gefälligst Sorrow nochmal richtig zu putzen, half ihm aber dann doch dabei. Wir entwirrten die Schweifhaare, bis man das üppige Langhaar wieder ohne Probleme kämmen konnte. Dann flocht ich die Mähne zu einem französischen Zopf. Auch aus dem Schopf machte ich einen grossen Zopf, damit der Hengst sich endlich wieder richtig umsehen konnte. Zum Schluss gab es von Jonas eine Karotte; natürlich auch für Dancer, der schon eifersüchtig rüber schielte. Sorrow wollte uns gar nicht mehr gehen lassen: immer wenn wir von der Box wegwollten, grunzte er auffordernd und sah uns mit seinem Hundeblick hinterher, die kleinen Ohren gespitzt. Ich lachte bei dem Anblick und streichelte ihn ein letztes Mal, dann ging Jonas wieder seiner Arbeit nach und ich wechselte zu den Damen.
      Lost in his Echo wartete bereits auf der Weide. Zum Glück hatte sie ihre Regendecke an, denn sonst wäre sie wohl von Kopf bis Huf voll mit Matsch gewesen. Wenigstens waren die Weiden für die Jahreszeit noch in erstaunlich gutem Zustand. Doch mittlerweile musste ich geschickt einteilen um das Gras zu schonen. Wenn es zu nass war, durften die Pferde nicht raus, da sie sonst das ganze Feld umpflügten. Zudem war Herkir gerade letzte Woche vor meinen Augen auf dem feuchten Untergrund ausgerutscht, hatte sich aber glücklicherweise nicht verletzt. Er und Loki rannten aber sowieso immer wie von Hummeln gestochen auf die Weide, da war ein Ausrutscher nicht verwunderlich. Echo kam mir entgegen, als ich sie rief. Ich führte sie nur am Halfter zum Nebenstall und band sie zum Putzen an. Anschliessend zog ich ihr die Fleecedecke an, da auch sie geschoren war, zäumte sie und setzte mich ohne Sattel auf ihren Rücken, wobei ich den vorderen Teil der Decke um meine Beine schlang. So hatten wir beide schön warm. Ich ritt ins Gelände, in Richtung Fluss. Ich begann, ihren Militärzaum richtig zu mögen, da er bequeme Zügel hatte und auch sonst sehr praktisch war. Er konnte auch zu einem Halfter umgewandelt werden, den Strick knotete ich der Stute meistens um den Hals. Wir ritten durch das vom Nebel angefeuchtete Laub, das in den Laubwäldern fast den gesamten Weg bedeckte. Ich war insgesamt zwei Stunden unterwegs, denn ich ritt wiedermal die Strecke hinter das Nachbardorf, wo ich sonst nur selten war. Dort hatte es hervorragende Galoppstrecken, aber es war sehr weit weg, weshalb ich mit jungen Pferden sonst immer im eigentlichen Park blieb. Echo hielt ich aber für reif für dieses Abenteuer. Sie enttäuschte mich jedenfalls nicht – wir hatten unseren Spass auf den Trampelpfaden im Wald.

      Als wir zurück auf dem Hof kamen, waren meine Haare und ihre Mähne noch gewellter als sonst und ganz feucht. Ich versorgte die Stute und wechselte zu Argenté Noir, die seit kurzem zurück auf dem Hof war. Sie hatte ein hervorragendes Training bei Sarah genossen und es so sogar durch die Körung geschafft. Ich hatte sie mit Begeisterung das erste Mal nach ihrer Rückkehr geritten und seither wurde sie vor allem von Elliot weiter in Military gefördert. Nach Jolympia hatte sie wahrlich Freude an dieser Form des Hindernisspringens gefunden und war jeweils kaum zu halten. Ich war froh endlich etwas gefunden zu haben, was die Stute so hervorragend konnte. Bisher war sie immer ein Allrounder gewesen, und eher für die Freizeitreiterei eingesetzt worden. Jolympia – das war übrigens ein voller Erfolg gewesen. Feline und besonders Indiana hatten ein paar Schleifen abgeräumt. An den Gesamtsieger waren wir dann doch nicht herangekommen, aber viel hatte bei Indiana nicht gefehlt. Ich war unglaublich stolz auf die Talentierte Vollblutstute. Auch Noir hatte sich ein Schleifchen verdient, worüber ich positiv erstaunt gewesen war. Ich holte meine Gedanken zurück in den Augenblick und sattelte das zweite Welsh Pony des Hofs. Dann ritt ich eine halbe Stunde intensiv Dressur, denn auch das gehörte hin und wieder dazu. Ich wollte, dass sie nichts von dem Gelernten vergass und trimmte sie auf feine Hilfen. Sie war heute etwas zu hastig unterwegs, und ich konnte sie erst gegen Schluss für die Seitengänge begeistern. Aber dennoch war ich zufrieden, denn ich hatte lieber fleissigere Pferde.
      Fleissig – das war auch Parányi. Naja, bei ihr lag es zumindest im Moment eher am mangelnden Gleichgewicht. Sie war kaum unter dem Sattel, lief aber heute schon das erste Mal in der Stunde mit. Ich selber ritt Calico, die Stute wurde von Lisa bewegt. Wir hatten heute nur zu zweit Stunde bei Elliot. Draussen wurde es schon dunkel, aber in der Halle war es schön hell und sogar einigermassen warm. Elliot hatte die Musik etwas aufgedreht und so wärmten wir uns in zu ‚Riva‘ von Klingande ein. Wir hatten unseren Spass, wie in beinahe jeder von Elliots Reitstunden. Er gab immer viele hilfreiche Tipps und wies uns auf Fehler hin, sodass sogar ich noch etwas lernen konnte. Aber ausgelernt hatte man ja ohnehin nie. Calico hatte heute ebenfalls einen fleissigen Schritt drauf, und beim Angaloppieren buckelte er einige Male. Ich sass die Hopser geschickt aus, denn ich hatte schon ganz andere Rodeo-Einlagen miterleben müssen. Vom Restaurant her sah ich Rita das Gesicht verziehen. Ich konnte mir gut denken, was im Kopf der jungen Pflegerin vorging. Schliesslich ritt ich ihr ehemaliges Pferd. Sie hatte im Moment noch ziemlich Angst, wenn die Pferde unter ihr wild wurden, aber ich war zuversichtlich, dass auch sie es eines Tages mit den bockigeren Kandidaten aufnehmen konnte. Sie lächelte schon mehr, als ich Calico versammelte und auf der Diagonalen spicken liess. Auch Elliot lobte ihn, denn er hob brav die Beinchen. Ich murmelte nur liebevoll: „Siehst du, so musst du deine Energie verpuffen.“ Parányi lief natürlich noch nicht ganz so sicher, aber sie bockte immerhin auch nicht, dafür hatte sie wohl noch zu wenig Kraft. Hin und wieder waren sie und Lisa sich nicht ganz einer Meinung, sodass die Stute den Kopf hochnahm und in eine andere Richtung zog. Aber im Grossen und Ganzen lief sie entspannt; das sah man an ihrem Pendelschweif. Nach der Stunde versorgen wir die beiden Pferde und wischten die Stallgassen der Gebäude. Danach ging alles seinen gewohnten abendlichen Ablauf.
    • Occulta
      Endlich Schnee!

      Feine Flocken rieselten mir ins Genick, als ich mich Bückte, um meine Chaps zu schliessen. Es war ein herrlicher Donnerstagmorgen und endlich zeigte der Winter sein wahres Gesicht. Hinter mir stolperte Lily aus dem Haus und konnte gerade noch verhindern, dass Zira auch rausflitzte. Die Hunde wollten wir erstmal noch im Haus lassen, denn Lily und ich wagten uns heute ans erste offizielle Zebra Training. Meine Nichte hatte mich überzeugt, dass ich Thairu nicht einfach so rumstehen lassen konnte, ohne nicht wenigstens zu versuchen, ihr ein paar Dinge beizubringen. Ich hatte daraufhin gestern Abend eine Menge Recherche betrieben und festgestellt, dass das Projekt ‚Zebra Einreiten‘ gar nicht so abwegig war wie anfangs gedacht. Wir machten uns also auf den Weg zu Thairu und Dantes Weide. Damit sich das Zebratier wohler fühlte, musste Lily sich um Dante kümmern und ihn ebenfalls mitnehmen, während ich Thairu aufhalfterte und zum Nebenstall brachte. Sie kannte es schon von ihrer Fohlenzeit her, angebunden und geführt zu werden, was vieles erleichterte. Das Hufegeben war allerdings etwas eingerostet. Ich blieb hartnäckig und zog und stupste sie, bis sie reagierte und den Huf hob. Dann kratzte ich nur rasch über die Sole, um sie gleich ausgiebig zu loben, indem ich sie am Widerrist kraulte. Lily hatte Dante ebenfalls angebunden. Sie stellte sich neben Thairu und kramte in ihrer Jackentasche, dann zauberte sie ein Karottenstück daraus hervor. Die Zebrastute beschnupperte es misstrauisch und frass es dann zögernd, wobei sie übertriebene Kaubewegungen machte. Doch anscheinend mochte sie das orange Gewächs, denn schon schnupperte sie wieder an Lilys Händen. „Gut, so haben wir etwas, um sie zu bestechen. Aber ich denke es ist besser, wenn wir sparsam mit Futter umgehen, weil sie sonst vielleicht zu frech wird“, meinte ich. Lily war einverstanden und schnappte sich den Striegel für Dante. Ich kümmerte mich um das gestreifte Fell. Es war ziemlich verschieden vom Fell eines Pferdes; irgendwie weicher und zugleich borstiger. Ausserdem war es trotz der Kälte ziemlich kurz, aber Thairus Körper fühlte sich schön warm an, also nahm ich an, dass ihr die Temperaturen nichts ausmachten. Den Zebraschwanz zu bürsten fühlte sich auch speziell an, besonders, weil er nur unten lange Haare hatte, fast wie bei einer Kuh. Ich achtete darauf, nicht zu viele Haare auszuzupfen, da ich nicht wusste, wie schnell Zebra Haar nachwuchs. Die Mähne hingegen war Pflegeleicht. Sie war kurz und buschig, und die Stehmähnen Frisur war unzerstörbar. Bei den Ohren stiess ich auf Widerstand: Thairu schlug wütend mit dem Kopf, sobald ich mich ihnen mit der Bürste näherte. Ich beschloss also, das Ohren Bürsten erstmal noch zu unterlassen. Nun brachten wir die beiden in die Halle und liessen sie erstmal frei laufen. Ich hatte diverse Gegenstände aufgestellt: Einen grossen, blauen Ball, eine Blache, ein Cavaletti, ein paar Stangen und Pylonen. Die beiden durften diese Objekte nun auf eigene Faust genauer inspizieren. Thairu war durchaus interessiert, was sie durch moderates Schweifwedeln verdeutlichte. Sie schnüffelte an den Gegenständen und zupfte sogar an der Blache, nur um gleich darauf erschrocken abzudrehen. Ich studierte ihr Verhalten genau und versuchte, das Zebra zu verstehen. Ich wusste, dass Zebras sehr aggressiv werden konnten, wenn sie missverstanden wurden. Aber auch, dass sie sehr enge Freundschaften knüpften. Also musste ich solch eine starke Beziehung zu ihr aufbauen, damit sie mich mit ihr arbeiten lassen würde. Nach einer Weile, genauer gesagt als Thairu begann, sich nicht mehr für die Objekte zu interessieren, holte ich sie zurück an den Strick. Dann führte ich sie auf die Stangen zu. Sie zögerte und senkte den Kopf, doch folgte mir gemächlich. Ich lobte sie wieder durch Kraulen. Bei der Blache zeigte sich aber schon bald das wahre Gesicht des gestreiften Tiers: Sie stampfte drohend in den Sand und weigerte sich, einen weiteren Schritt in die gewünschte Richtung zu gehen. Als ich darauf beharren wollte, und den Druck auf das Seil erhöhte, schüttelte sie widerwillig den Kopf und klappte die Ohren böse nach hinten. Der Schweif wischte nun in raschen und heftigen Bewegungen. Ich beschloss, dass es so keinen Sinn hatte, und versuchte stattdessen, sie zu bestechen. Ich entfernte den Druck, indem ich meine Position an ihre Seite wechselte und ihr so ermöglichte, gefahrenfrei zu mir zu kommen. So bestand ich wenigstens noch darauf, dass sie zu mir laufen musste, und nicht umgekehrt. Tatsächlich war sie einverstanden, dem Seilzug zu folgen, solange es nicht auf die Blache zuging. Ich kraulte sie dafür wieder. Dann lud ich sie ein, mir auf eine kleine Volte um die Blache herum zu folgen, indem ich bloss ein wenig auffordernd zupfte. Dabei verringerte ich den Abstand zur Blache immer etwas mehr, während ich sie eifrig am Hals streichelte. Die Ohren waren alarmbereit, aber der Schweif war nun vollkommen still, was ich zunächst als gutes Zeichen wertete. Doch ich hatte für einen Moment vergessen, dass dies trotz allem kein Pferd war, und so folgten auf die vermeintlich ruhige, tatsächlich aber völlig angespannte Geste ein paar kleinere Buckler, bei denen sie abermals ihren Widerwillen demonstrierte. Wenigstens zielte sie nicht gegen mich, sondern versuchte wohl eher, mich zu beeindrucken. Ich führte Thairu nichts desto trotz wieder auf eine grössere Volte und startete einen neuen Versuch, diesmal mit Geduld. Durch Dominanz und Überlistung war ich nicht zum Ziel gekommen, aber vielleicht konnte ich mit etwas Geduld das Überqueren der Blache zu ihrer eigenen Idee werden lassen. Ich ging also mit ihr bis an die ‚Schmerzensgrenze‘ und liess sie dann einfach dort verharren. Das unwillige Schweifschlagen wurde zwar mit der Zeit wieder ruhiger, doch das Zebra war eine harte Nuss und hatte anscheinend alle Zeit der Welt. Nachdem sich eine Viertelstunde lang nichts gerührt hatte, mir langsam der Arm vom konstanten Zupfen schmerzte und Lily allmählich ungeduldig wurde, weil sie mit Dante schon so gut wie alle Objekte durchgegangen war, machte Thairu endlich den entscheidenden Schritt. Sie senkte den Kopf und schnupperte an der Blache. Ich lief ein Stück weiter und klopfte mit dem Fuss darauf, um ihr zu zeigen, dass darunter fester und sicherer Boden war. Plötzlich kam sie zu mir und stand mit allen vier Beinen auf dem blauen Untergrund. Ich kraulte sie sofort eifrig. Ich zupfte etwas am Strick und konnte sie problemlos wieder von der Blache herunter Führen. „Gut, das war’s für heute, ich möchte sie das erstmal verarbeiten lassen.“ Lily verstand das nicht und äusserte ihre Enttäuschung, sobald wir die beiden zurück gebracht hatten. „Wir haben doch gar nichts richtig mit ihr gemacht. Warum wolltest du schon aufhören?“, fragte sie frustriert. „Wir haben keinesfalls ‚nichts‘ gemacht. Es war eine schwierige Lektion für Thairu, über diese Blache zu gehen. Ich glaube sie hat vorhin die ersten Ansätze gezeigt, mir zu vertrauen. Das wollte ich sofort belohnen, indem ich sämtlichen Druck wegnehme. Und nun kann sie in aller Ruhe darüber nachdenken, bis wir das nächste Mal mit ihr arbeiten.“ Lily schien immer noch etwas skeptisch. „Du bist viel zu ehrgeizig. Lass ihr Zeit, dann kann sie lernen, dass ihr bei uns nichts passiert. Das Ziel ist, dass sie Spass an den Übungen bekommt; nicht, dass wir sie zwingen müssen. Denn ein Zebra kannst du zu nichts zwingen – das habe ich heute gelernt.“ „Hmm, ja, hast recht… Ich hoffe nur, dass sie bald Spass dran bekommt, weil ich ja in zwei Wochen schon wieder gehen muss“, erklärte Lily. Ich lächelte und legte den Arm um ihre Schulter. „Wir kriegen das hin, keine Angst. Und wenn nicht, dann kommst du mich in den nächsten Ferien wieder besuchen.“

      Am Nachmittag lief ich zu den Weiden und holte den Hufauskratzer aus dem verschliessbaren Wandfach im Offenstall der Hengste, um Alyshebas Hufe auszukratzen. Heute war sein grosser Tag; er würde zusammen mit Kaythara, Dublin und Ciela definitiv in den Hauptstall umziehen. Ajith bereitete gerade noch die Boxen vor, während Quinn, Rosie und ich schon mal den grössten Matsch aus den Hufen der Fohlen entfernten. Es hatte seit dem Morgen durchgehend geschneit. Auch der Wetterbericht versprach endlich bleibenden Schnee. Das hatte meine Laune an diesem Morgen ziemlich angehoben. Ich rutschte und stolperte durch den Matsch vor dem Offenstall auf der Hengstweide und kämpfte mich zum Weidetor, um Quinn meine geliebte Ciela abzunehmen. Alysheba wollte ich als letztes hochbringen. Wir führten die drei Stutfohlen aus der Weide, was zum Glück (noch) kein grosses Gequietsche verursachte, da die Gruppe die Prozedur vom Jungpferdetraining her gewohnt war. Aber spätestens heute Abend, malte ich mir aus, wird die Ruferei losgehen. Penny, Primo, Riven und Prada beobachteten uns, bis wir mit ihren Gefährten im Hauptstall verschwanden. Ich beschloss, ihnen später zur Beruhigung noch ein wenig Heu zu bringen. Als wir die drei auftrennten und in ihre neuen Boxen brachten, schienen sie zu begreifen, dass diesmal etwas anders war. Kaythara begann prompt damit, in der Box zu drehen und nach den anderen zu rufen, obwohl sie auf Sichtkontakt nebenan standen. Ciela stimmte mit ein und gab mir fast eine Kopfnuss. Ich beschloss, dass es das Beste war, die Box zu verlassen und die kleine erstmal in Ruhe zu lassen. Wir kümmerten uns also erstmal um die restlichen Vollblüter. Lily half uns beim Misten, indem sie die Schubkarren auf dem Mist leerte, sobald sie voll waren und dann im Renntempo zurück karrte. Ich lachte über ihre Energie und Motivation, denn meine Finger schmerzten schon wieder vor Kälte, obwohl wir uns im Stallgebäude befanden. Wenig später schickte ich sie los, um Gianna für ihre Reitstunde vorzubereiten. Sie bekam diesmal nicht Privatunterricht von mir, sondern wurde gemeinsam mit den fremden Reitschülern aus der Umgebung von Elliot unterrichtet. Nachdem ich mich einmal mehr geärgert hatte, weil die Leute mit den Transportern den ganzen Parkplatz zugestellt hatten, obwohl es eigentlich genug Platz hatte, wenn man sich schön aufreihte, setzte ich mich in die kleine Reiterstube in der Halle, um den Anfang der Stunde mitzuverfolgen. Lily sah etwas verloren aus zwischen all den Fremden, und ein Mädchen auf einem schwarzen Pony ritt ihr ganz schön nahe auf, aber sie hatte Gini im Griff. Sie nutzte die nächste Gelegenheit um auf eine Volte zu biegen und so der unangenehmen ‚Verfolgerin‘ zu entkommen. Ich nickte ihr durch das Glas ermutigend sie lächelte zurück. Dann konzentrierte sie sich auf die Schlangenlinie, die sie anführen musste. Ich beobachtete die beiden eine Viertelstunde lang, bevor ich zur Stutenweide wechselte und Echo mitnahm. Die Paint Horse Stute folgte mir gehorsam zum Nebenstall, wo ich sie anband, um sie zu putzen. Beim Kopfbürsten senkte sie den Kopf und rieb kurz die Stirn an meiner Schulter, doch sobald ich sie kraulen wollte, drehte sie sich weg. Sie war nicht kopfscheu, sondern mochte es einfach nicht, wenn man sie mehr als nötig anfasste. Ich akzeptierte das und holte ihren Sattel. Zum Glück war das Kavalleriezaumzeug, das ich von ihrem ehemaligen Besitzer geerbt hatte, so praktisch und einfach zu verschnallen. Echo mochte es auch gar nicht, mit anderen Zäumungen zu laufen. Dann sperrte sie jeweils den Mund auf oder schüttelte dauernd mit dem Kopf. Die breiten Lederriemen dieses Reithalfters und die eher dicke Schenkeltrense schien sie hingegen bequem zu finden. Auch mit einer simplen Westernkandare hatte ich es einmal versucht, mit dem Resultat, dass sie kaum mehr vorwärts ging. Mittlerweile hatte ich es definitiv aufgegeben, die Stute auf irgendeine andere Art als die Gewohnte zu reiten. Dafür lief sie mit ‚ihrer‘ Ausrüstung mustergültig. Als ich den Baumwollführstrick fertig um ihren Hals geknotet hatte, führte ich sie auf den Schotterweg und stieg auf. Dann lenkte ich sie in Richtung Süden zur Galoppwiese. Während wir den ganzen Weg ins nächstgelegene Dorf einschlugen, trabte ich viel und achtete dabei darauf, dass sie ein angenehmes, zügiges Tempo und einen sauberen Takt hielt. Sie sollte lernen, auch über lange Strecken schön konstant zu traben und erst in eine andere Gangart zu wechseln, wenn ich es verlangte. Man merkte auch, dass sie sich Mühe gab und ihrem Reiter gefallen wollte. Wir ritten durch die Siedlungen am Dorfrand und kamen zu einem kleinen Dorfladen – meinem eigentlichen Ziel. Ich stieg ab und löste den Strick. Nachdem ich sie an einem massiven Zaunpfosten festgebunden hatte, stellte ich sicher, dass die Zügel nicht über den Hals fallen konnten. Erst dann liess ich die Stute kurz alleine, um im Laden zwei Flaschen Met und ein Körnerbrot, das in diesem Dorf eine Spezialität war, zu kaufen. Der Ladenbesitzer, ein älterer Herr, kannte mich gut, denn ich kam immer mal wieder zu hoch zu Ross vorbei. Er kam sogar mit nach draussen und betrachtete Echo bewundernd. Er erzählte mir, dass er früher selber noch in der Kavallerie geritten sei, auf einem Pferd namens ‚Rover‘. Ich hörte ihm interessiert zu, denn so konnte ich noch ein paar Dinge von ihm lernen und Tipps bekommen. Er meinte aber, Echo sähe jetzt schon wie ein Kraftprotz aus. Ich lachte und beteuerte, dass dies der Paint Horse Einfluss sei. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns und ich machte mich mit Echo auf den Heimweg. Sie hatte brav gewartet und zur Belohnung eine Karotte bekommen, dementsprechend gut gelaunt wackelte sie nun mit den Ohren während dem Laufen. Es wurde langsam dunkel, doch der Schnee hatte nicht nachgelassen und die Felder waren bereits alle weiss überdeckt. Ich liess die beliebte Galoppstrecke durch den Pinienwald nicht aus und kam so sogar noch etwas früher zurück als erwartet. Dafür liess ich mir Zeit beim Versorgen der Stute und befreite ihre Fesseln gründlich von den letzten Schlammkrusten und Schneeknötchen, die ich zuvor zugegebenermassen gekonnt ignoriert hatte. Dann war Echo endlich erlöst und durfte zurück auf die Weide zu ihren Gefährtinnen. Sie war auch nach diesem langen Ritt nicht erschöpft und brauste rutschend und stolpernd durch den Schnee auf die anderen Stuten zu. Ich stapfte ebenfalls zurück zum Nebenstall, wo noch nirgends geschaufelt worden war. Ich entdeckte Ajith und Quinn nebenan und stellte sicher, dass es gleich nach dem Abendessen erledigt wurde.

      Wenig später stand ich bei Parányi und putzte den Jungspund direkt in ihrer Box. Dort war es etwas wärmer und nicht so windig wie draussen. Das samtige, schwarze Fell war seit langem wiedermal bereits sauber und nicht dreckverkrustet. Allerdings waren die Haare an manchen Stellen gekräuselt, sodass ich mir zusammenreimte, dass sie sich auf der Weide im Schnee gewälzt hatte. Auch die Hufe waren schön ausgewaschen – hach, wie ich den Schnee liebe! Da ich mit Parányi die letzten zwei Tage geritten war, wollte ich heute nur an der Doppellonge mit ihr arbeiten, und morgen würde sie ganz frei bekommen. Ich wollte die frisch eingerittene Stute noch nicht überfordern und ritt sie deshalb höchstens dreimal pro Woche, je zwanzig Minuten lang. Lily war übrigens längst mit der Reitstunde fertig und tollte im Schnee mit den Hunden herum. Ich sah ihr durch den geöffneten, oberen Teil der Boxentür lächelnd beim Schneeballwerfen zu, während ich Parányis Mähne kämmte. Schliesslich holte ich den Doppellongengurt und legte ihn ihr an. In der Halle ritten Darren und April auf Halluzination und Vychahr, nun da die Reitschüler endlich verschwunden waren. Ich beobachtete beiden Füchse aus dem Augenwinkel, während ich Parányi alle vier Hallenecken zeigte. Ich tat das immer, damit sie keinen Grund hatte, sich zu erschrecken. Danach zog ich die Leinen durch die Ringe am Gurt und hängte sie beim Kappzaum ein. Es handelte sich um einen mit Trensenstück kombinierten Zaum. Parányi blieb geduldig stehen, als ich die Leinen um ihren Po und über die Hinterbeine schwang, um sie wieder daran zu gewöhnen. Daraus schloss ich, dass sie seit dem letzten Training nichts verlernt hatte. Ich schnalzte und nahm die halblange Fahrpeitsche in die rechte Hand, um sie anzutreiben. Dann schickte ich sie raus auf die Volte und begann, sie im Schritt mit aufnehmen und wieder loslassen zum Dehnen zu bringen. Als nächstes Trabte ich sie an und spielte ein wenig mit der Temporegulation. Auch Übergänge übten wir, besonders aus dem Schritt in den Trab, da sie dabei zunächst immer gleich anhalten wollte. Ich war erstaunt, wie kooperativ die Stute heute gelaunt war. Die letzten paar Tage war ich beim Reiten jeweils eher enttäuscht gewesen, aber heute schienen wir einen Fortschritt nach dem anderen zu machen. Ich hörte daher auch etwas früher auf und lobte sie ausgiebig. Ich führte sie noch ein wenig in der Halle herum, dann brachte ich sie in ihre Box und zog ihr die Abschwitzdecke an, falls sie doch noch nachschwitzen sollte. Zufrieden warf ich einen letzen Blick in die Box und stellte fest, dass Parányi bereits wieder döste.
    • Occulta
      Geschäftiger Dienstag - Teil 2

      Eigentlich hatte ich für diesen Monat und damit für den heutigen Nachmittag nur noch Rebel, Echo und Paluche auf dem Plan. Aber ich wollte in der übrigen Zeit die Miniature Horses für ein paar kommende Frühjahrsshows vorbereiten. Dazu gehörte auch, sie zu scheren und gründlich zu waschen. Ich wollte das ganze bei Tageslicht abschliessen, auch deshalb, weil sie so besser trocknen konnten. Also schlenderte ich gegen ein Uhr gemütlich zu den Offenställen. Zuerst waren die Hengste dran. Lewis, der ja einer der Pfleger für die Offenställe war (auch wenn er genauso oft in den anderen Gebäuden des Hofs herumstreunte) half mir bei meinem Unterfangen. Wir fingen Lenny und Arco ein, was gar nicht mal so leicht war, und nahmen auch gleich den Jungspund Caillean mit, damit er nicht ganz alleine warten musste. Zunächst banden wir sie im Innenhof des Hauptstalls an, um sie von ihrem wolligen Winterpelz zu befreien. Arctic Blue war schon Anfangs Winter einmal für eine Show geschoren worden, daher hatte er nicht so viel Pelz wie Caillean und Caresse. Ich mochte es, die kleinen Pferdchen zu scheren – man war so schnell fertig! Zwei oder drei Striche mit dem Akku Scherer und das halbe Pferd war nackig; naja, wenigstens ging’s wirklich zügig voran. Da wir mit dem grauen Hengst schon als Fohlen geübt hatten, liess er die ganze Prozedur geduldig über sich ergehen und hielt auch still, als ich die empfindlichen Ohren bearbeitete. Caillean sah interessiert dabei zu, wie Caresse ebenfalls seinen rötlichen Pelz verlor. Ob er wohl weiss, dass der Hengst sein Vater ist? Ich lächelte amüsiert über den Gedanken und entfernte das letzte überstehende Fellbüschelchen von Arcos Bauch. Nun war er einheitlich mit hellsilbernen Stoppeln überzogen. Die Dapples sah man trotzdem noch ein wenig. Ich trimmte mit der Schere ein wenig den Übergang zu Mähne und Schweif, sodass alles perfekt war. Lewis tat dasselbe mit Lenny. Dann nahmen wir uns gemeinsam Caillean vor. Lewis kraulte das Hengstfohlen, während ich mich mit dem Scherer vorsichtig voran arbeitete. Er trampelte zwar ein wenig herum, aber ich konnte trotzdem alles einigermassen showtauglich präparieren. Wir waren zufrieden mit dem Resultat, also ging’s nun ans waschen. Wir schamponierten das ganze Stoppelfell mit einer Wurzelbürste bewaffnet. Auch das Langhaar und die Schweife wurden eingeschäumt. Beim Shampoo handelte es sich um ein speziell hautverträgliches, das auf Enzymbasis wirkte und so den Schmutz zuverlässig entfernte. Als wir fertig waren, trockneten wir die drei gründlich mit Frottiertüchern vor und packten sie dann in Abschwitzdecken ein, damit sie sich nicht erkälteten. Dann brachten wir die Hengste zurück auf die Weide.
      Als nächstes waren die Stuten dran. Wir konnten sie diesmal in zweiergruppen hochbringen, was das Unterfangen vereinfachte, weil wir nicht noch auf ein drittes Tier achten mussten. Zuerst holten wir Papillon, die kleine Allegra und Mami Daki, dann Lady und Chip, Tigrotto und Alufolie, anschliessend Queeny und Kiwi. Zuletzt waren dann noch Tiki und Rose dran. Miss Allegra wurde natürlich nicht geschoren, dafür war das erst ein paar Wochen alte Fohlen noch viel zu jung. Aber sie konnte gleich zusehen, wie brav ihre Mutter stillhielt und sich an das Geräusch gewöhnen. Daki war schon wieder gut in Form, man sah ihr die Trächtigkeit kaum mehr an. Demnächst wollte ich mit den beiden an ein paar Fohlenschauen teilnehmen, wobei ich mir grosse Hoffnungen machte. Allegra hatte die elegante Bauweise ihres Vaters (er hatte als Fohlen fast genau gleich ausgesehen wie sie) und den neugierigen, frechen Charakter ihrer Mutter. Ausserdem hatte sie eine sehr ansprechende, dunkelsilberne Farbe, die am Bauch in ganz helles Fell überging und den Richtern bestimmt gefallen würde. Um Ladys feuerrotes Fell trauerte ich wohl am meisten, denn die Stoppeln waren nun matt und gräulich. Aber schon in wenigen Tagen würden sie wieder oranger sein, das wusste ich aus Erfahrung. Tiki wollte kaum stillhalten, sodass Lewis sie förmlich in den Arm nehmen musste. Als wir sie zurückbrachten, flitzte sie im Galopp buckelnd in die hinterste Ecke des Offenstalls, kam aber kurz darauf wieder angetrabt, weil ihre Belohnungskarotte lockte.
      Gegen fünf Uhr waren wir mit allen Minis durch, sodass ich mich endlich Rebel widmen konnte. Der Paint Hengst hatte gerade gestern eine Körung bestanden, auf die wir lange hingearbeitet hatten. Entsprechend stolz war ich. Nun stand den ersten Paintfohlen von Pineforest Stable nichts mehr im Weg. Aber das würde noch etwas warten müssen. Ich holte den Hengst aus seiner Box im Nordstall und begann ihn zu putzen. Dazu hörte ich wiedermal Radio. Jonas putzte weiter hinten gerade Skyrim zusammen mit Lily. Die beiden schienen viel Spass miteinander zu haben; das freute mich sehr. Als Lily zu mir kam, um zu fragen, ob sie anstelle von Jonas Skyrim reiten dürfe (dieser habe sein Okay gegeben) nickte ich. Rachel wäre zwar skeptisch gewesen, aber ich hatte in den letzten Wochen gesehen, wie viele Fortschritte Lily gemacht hatte, also hatte ich keine Bedenken, dass sie mit dem umgänglichen Pony klarkommen würde. Als einzige Bedingung nannte ich jedoch, dass Jonas stattdessen mit Majandro mitreiten müsse und ein Auge auf sie haben solle. Ich informierte Lisa später auf dem Weg zur Galoppbahn, dass Mano schon bewegt wurde. Mir Rebel machte ich Trot-Übungen auf dem Galoppweg. Dabei ging es vor allem um die Temporegulierung, die mit feinsten Hilfen möglich sein sollte. So wechselte ich immer wieder von zügigem Arbeitstrab zum langsamen Jog. Dasselbe galt für den Galopp. Rebel durfte selbst bei den langsamen Gangarten nicht auf die Vorhand kippen und musste sich jederzeit im Gleichgewicht befinden. Überprüfen konnte ich seine Haltung mit Galopppirouetten, für die er sehr gesetzt laufen musste. Es lief wiedermal nicht alles ganz so gut, wie ich es gerne gehabt hätte. Zweimal versuchte der Hengst nach vorne zu schiessen und sein eigenes Tempo durchzusetzen, und die Pirouetten klappten auch erst gegen Ende der Trainingseinheit wirklich gut, obwohl er sie eigentlich schon beherrschte. Ich lobte Rebel trotzdem mit einem Apfel, als ich ihn versorgte.
      Als nächstes ging ich zu Echo, mit der ich kürzlich ein neues Projekt angefangen hatte: hunter under saddle. Ich wollte nicht an HUS-Wettbewerben mit ihr teilnehmen, aber ich fand es eine nette Disziplin für sie, da sie ja sowieso ein Mischmasch aus Western und Englisch war. Ich zog auch nicht alle Inhalte des HUS konsequent durch, sondern brachte ihr einfach die Grundlagen bei. Zum Beispiel versammelte ich sie eher auf die englische Art in aufgerichteter Manier, anstatt sie mit waagrechtem Hals voranzuschicken. Den ruhigen, konstanten Gang und die Leichtigkeit der HUS Pferde wollte ich ihr aber sehr wohl antrainieren. Mit dem konstanten Gang klappte es noch nicht so ganz. Ich konnte zwar schöne Übergänge mit der jungen Stute reiten, aber sie hatte noch Mühe mit dem Takt und der Konzentration. Kaum sah sie etwas Ungewöhnliches jenseits der kniehohen Hecke, die das Dressurviereck umgab, verlangsamte sie, oder blieb gar plötzlich stehen. Wenigstens lief sie mit ihrem breiten Kavalleriezaum entspannt und losgelassen. Ich beendete das Training nach einer Dreiviertelstunde und sah geschockt auf die Uhr. „Schon fast acht!“, rief ich aus und führte Echo zügig zur Stutenweide zurück. Ich musste unbedingt noch mit Paluche raus ins Gelände, das hatte ich dem Hengst versprochen. Er hatte vergangene Woche kein einziges Mal raus gedurft, weil es entweder zu stark gestürmt hatte oder er mir zu wild gewesen war. Ich wollte nicht riskieren, dass ich mit dem frisch eingerittenen Pferd kämpfen musste, also passte ich das Training seiner Stimmungslage an. Er kannte noch nicht viel unter dem Sattel, aber die drei Gangarten klappten ganz gut. Als ich den langen Feldweg zum Dorf entlangritt merkte ich deutlich, wie sehr er noch schwankte. Wir ritten eher eine Schlangenlinie, weil er sich an der Gegend fast die Augen ausstarrte. Ich schmunzelte, weil ich ihn nur zu gut verstand. Für einen Jungspund gab es hier draussen ganz schön viel zu entdecken, und ich war froh, dass er eher neugierig und nicht ängstlich reagierte. Nur vor einem Fahrrad erschreckte er sich, weil er es nicht gesehen hatte und der Fahrer plötzlich klingelte um uns, eigentlich nett gemeint, zu warnen. Dies äusserte sich zum Glück nur in einem Vorwärtssprung und einem lauten grunzen. Ich kraulte den Hengst, als er sich wieder beruhigt hatte und setzte meinen Ritt wie zuvor fort. Als ich wieder unter den Tannen hindurch auf das Hofgelände ritt, sah ich Lisa und Thomas mit Shadow und Noir auf dem Viereck. Neugierig, was bei ihnen heute auf dem Programm stand, versorgte ich Paluche rasch und stellte mich dann zum Eingang, um den beiden zuzusehen. Lisa übte den Spin mit Shadow. Sie hatte letztens berichtet, dass die Stute immer noch ab und zu ein durcheinander mit den Beinen bekam und aufgrund dessen nicht ganz taktrein drehte. Ich sah kurz darauf, was sie meinte: Shadow stolperte beim Drehen ab und zu über ihre eigenen Vorderbeine, fing sich aber jeweils geschickt auf, sodass man fast nichts davon bemerkte. Trotzdem musste auch dieser Fehler noch ausgebügelt werden. Und das funktionierte nur durch Training, bei dem die Stute ihre Füsse besser zu kontrollieren lernte. Wie erwartet klappte es auch am Ende dieser Trainingseinheit noch nicht, aber die beiden waren auf gutem Wege. Ich wollte Lisas Ansatz auch nächsten Monat weiterverfolgen, falls ich die Stute dann wieder selbst übernahm. Aber genau hatte ich für den kommenden Monat noch nicht vorausgeplant, der jetzige hatte schliesslich auch erst begonnen. Noir und Thomas übten Seitengänge – jap, in dieser Reihenfolge. Noir glotzte nämlich so ziemlich jede der vier Gebüsch Ecken an und überkreuzte jeweils Bilderbuchmässig, während Thomas erfolglos versuchte, sie geradezurichten. Ich schlug ihm vor, kleine Volten mit konsequenter Innenstellung zu reiten. Ausserdem sollte er Noir mit vielen Seitenwechseln und Übergängen beschäftigen, sodass sie die Ecken vergass. Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass das klappte. Die Stute kam mir manchmal vor wie ein Goldfisch, aber das hatte auch seine Vorteile. Immerhin war ziemlich treudoof, wenn alles stimmte und das machte sie zu einem angenehmen Rietpferd. Ich mochte die etwas pummelige Stute, die auch immer gut genährt war, wenn sie nicht gerade ein Fohlen erwartete. Ab nächsten Monat wurde sie nicht mehr geritten, bis das Fohlen da war.
    • Occulta
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      Nun da das Galopptraining vorbei war, konnte ich mich der Jungpferdeausbildung widmen. Für Parányi, Bluebell, Sweets und Echo stand eine Springstunde an. Lisa, Jonas, Darren und ich Sattelten die vier Pferde, dann führten wir alle in die Halle, wo David und Elliot uns einen kleinen Parcours gestellt hatten. Zunächst wurde eingewärmt in allen drei Gangarten. Anschliessend übersprangen wir ein paar einzelne Hindernisse, darunter auch einen für die Pferde anscheinend sehr bedrohlichen Oxer. Später stellten wir fest, dass nicht der Oxer das Problem war, sondern die Babymaus, die davor im Sand umhertapste; unschlüssig, wo sie sich in der grossen Halle verstecken sollte. Ich grummelte „Where are the damn cats if you need them?“ Darren sah mich entsetzt an und meinte „Occu you’re cruel! Look at these cute little ears!“ Ich rollte seufzend meine Augen. “It may be cute, but it obviously scared Echo to death, so there must be something evil about this little creature, right?” “Well you know – horses don’t need a reason”, mischte sich Elliot lachend ein.

      Nachdem das Maus-Problem beseitigt (eingefangen und aus Mitleid vor die Hallentür gesetzt) war, konnte die Stunde normal fortgesetzt werden. Wir ritten nun mehrere Hindernisse nacheinander und schliesslich den gesamten Parcours. Bluebell musste zweimal antreten, weil sie beim ersten mal zwei Stangen runterschmiss. Elliot lehrte Darren, dass er sie besser zusammenhalten musste, damit sie nicht nachlässig wurde, danach klappte es. Parányi war mal wieder etwas eigenwillig. Sie erinnerte mich in solchen Momenten stark an ihren Vater, dessen Sportkarriere ich stets interessiert verfolgt hatte. Auch er war nicht gerade für super Mitarbeit und Gehorsam bekannt, aber dafür für seine Leistung. Wenn sie wenigstens genauso viel davon geerbt hatte, war ich ganz zufrieden. Das schwarze Fell hatte sie jedenfalls auch bekommen. Sie stand immer mal wieder hin oder zog am Hindernis vorbei, bis Jonas die Beine auf Elliots Anweisung hin besser dran behielt und die Stute so mehr einrahmte. Sweets war zuckersüss wie immer. Sie machte ohne zu mucken ihren Job, trug Lisa zuverlässig durch den Parcours und bereitete ihrer Reiterin grosse Freude. So unterschiedlich sie auch waren – ich war mit allen Jungspunden zufrieden und freute mich auf die Zukunft mit ihnen.
    • Occulta
      Fly Away

      Tschilp, tschilp, tschilp – das hörte ich mir nun schon den ganzen Tag an. Ursprung davon war ein kleiner Piepmatz, der hungrig in seiner Müslischüssel auf dem Fensterbrett sass und auf einen Snack wartete. Ich hatte ihn am Morgen in der Halle gefunden, vermutlich war er aus dem Nest gefallen und hatte sich dabei den einen Flügel gebrochen, denn dieser hing etwas schief. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Federball, denn er frass zwar, war aber dauernd etwas aufgeplustert. Lisa hingegen war optimistisch: „Der wird schon Occu, solange er frisst und kackt ist alles in Ordnung.“ Ich war etwas genervt über ihre saloppe Ausdrucksweise, zuckte dann aber mit den Schultern und fing noch ein paar Heuschrecken, die ich ihm später in den Schnabel stopfen wollte. Sie versuchten mit aller Kraft mir zu entkommen, dem ein oder anderen gelang es auch, aber die meisten landeten trotz der Strapazen in der kleinen Schachtel mit dem Löcherdeckel. Gefühlte 100 Jagdversuche später stellte ich den Behälter zufrieden neben das improvisierte Nest und machte mich auf den Weg zur Stutenweide. Auf dem Plan stand ein Ausritt mit Lily, Rosie und Lewis. Nein, eigentlich standen auf dem Plan nur in Olivers Handschrift „Moon Kiddy“ und die Namen der weiteren Pferde, die ich diesen Monat persönlich betreute. Aber da es wundervolles Spätsommerwetter war und wir nach den Regenfällen letzte Woche endlich wieder baden gehen wollten, war etwas anderes als Ausreiten gar nie in Frage gekommen. Um mich herum zirpten die Heuschrecken, als ich auf dem Trampelpfad zum Weidetor lief. Piroschka und Feline sahen mir entgegen, senkten dann aber wieder die Köpfe zum Grasen. Sie hatten das einzig Vernünftige gemacht und unter den Bäumen Schatten gesucht. Ich hatte schon heiss vom blossen laufen. Umso mehr freute ich mich auf die Abkühlung. Ich pfiff als ich die Weide betrat, sodass sich die kleine Herde in meine Richtung bewegte. Allen voran kam Islah, nur um kurz vor mir anzuhalten und anschliessend demonstrativ wieder in den Schatten zu schlendern. Sie war die unangefochtene Leitstute, aber die anderen blieben zum Glück erstmal bei mir, sodass ich Moon und Feline zu fassen bekam. Rosie und Lewis können sich Adrenaline und Piroschka nachher selber einfangen, beschloss ich. Ich führte sie beiden Stuten zum Nebenstall, ohne mir die Mühe des Halfterschliessens zu machen. Die gingen sowieso nirgends sonst hin. Ich band beide unter dem Dach an und begann sie zu putzen. Hier hatte ich wenigstens auch etwas Schatten, sodass ich während des Bürstens nicht in meinem eigenen Schweiss ertrank. Trotzdem liefen mir die Tropfen schon nach kurzer Zeit die Stirn runter. Ausserdem hatte ich beim Knoten meines Bikini Oberteils wohl ein paar Haare erwischt, die nun die ganze Zeit unangenehm zwickten. Lily hatte ihre Badesachen auch endlich angezogen (und vermutlich den Piepmatz endlich fertig gestreichelt, obwohl ich sie gebeten hatte, ihn in Ruhe zu lassen). Sie setzte ihr unschuldiges Grinsen auf und striegelte Feline. Kurze Zeit später waren Lewis und Rosie mit ihren beiden Reittieren bei uns. Weil es seit drei Tagen wieder trocken war, hatten es die Pferde auch geschafft, abgesehen von etwas Staub sauber zu bleiben. Ausserdem putzen wir sie sowieso nicht allzu gründlich, weil wir nachher ins Wasser wollten. Daher sassen wir bald schon ohne Sattel und in Badesachen oben und ritten in Richtung Fluss vom Hofgebiet weg.

      Das Ufer war bei der Übergangsstelle zur Insel schön flach, sodass wir über den Trampelpfad ohne Schwierigkeiten ins Wasser kamen. Linn wollte nicht sofort rein, aber als sie sah, dass Moon und Feline ohne zu zögern vorausgingen, folgte sie mit einem zögerlichen Satz. Piroschka begann sofort zu scharren, als sie den ersten Huf im Wasser spürte. Lewis musste sie sogar energisch antreiben, dass sie sich nicht ablegte, als die beiden tiefer drin waren. Wir wateten zu einer tieferen Stelle, sodass die Stuten sogar ein wenig schwimmen mussten. Moon strecke Ohren und Nüstern so weit in die Höhe wie es ging, damit kein Tröpfchen Wasser rein kam. Ich klammerte mich an ihre dichte Mähne, damit ich mich auf dem schwimmenden Nilpferd halten konnte und nicht unter die Paddelhufe kam. Lily tat es mir gleich, sie war diesen Sommer schon ein paarmal mitgekommen und wusste, dass sie aufpassen musste. Am Ende kletterten wir tropfend wieder an Land und die Pferde schüttelten sich erstmal kräftig, sodass wir allesamt fast von den Rücken runtergerutscht wären. Dann machten wir uns erfrischt auf den Heimweg, aber nicht ohne am Wegrand einen kleinen Galopp zu wagen. Ich fragte Lily vorher, ob sie sich traue, doch sie verdrehte als Antwort nur die Augen und galoppierte bereits an. Wobei sie sich dann doch ziemlich gut festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

      Zuhause versorgten wir die vier Criollos und kümmerten uns um die nächsten Kandidaten. Islah, Echo, Coffee, Shadow und Noir waren bereits bewegt worden – erstere drei ebenfalls auf einem Ausritt mit Jonas, Elliot und Lisa. Shadow und Noir waren am Morgen an der Longe gequält worden. Ich machte nun die Sachen von Lila Wolken bereit. Ja, die Stute war wieder Zuhause. Sie war bei Eddi in besten Händen gewesen und hervorragend trainiert worden, aber Eddi hatte einfach nicht mehr genug Zeit für zu viele Pferde, deshalb hatte sie ihren Bestand ziemlich reduziert. Auch Caruso und Flintstone waren aus diesem Grund zurückgekehrt. Alle drei hatten die Reise gut überstanden und sich schnell wieder eingelebt – das war nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Ich war besonders froh dass ich Flint wieder hatte, denn so hatte ich nun schon zwei meiner ursprünglichen drei Westernpferde aus der Anfangszeit von Pineforest zurück. Wenn ich mir den Hengst ansah, kamen mir sofort Erinnerungen in den Sinn und ich fragte mich, wie es wohl Lovely Summertime ging. Ich wusste wenigstens, dass sie noch lebte, denn ich hatte sie kürzlich auf einem Foto eines Kanadischen Turniers wiedererkannt. Doch nun zurück zu Lila, die mittlerweile gesattelt vor dem Nebenstall angebunden stand. Ich zog ihr das Halfter aus und schob ihr die Trense in den Mund. Sie nahm sie willig an und kaute darauf herum, während ich versuchte, die drahtige Wuschelmähne unter dem Genickband zurecht zu zupfen. Als ich es geschafft hatte, kam mir Jonas entgegen. „Hey Boss, soll ich mit Ronja raus gehen oder im Roundpen Seitengänge üben?“ „Was weiss ich? Du bist kein Kind mehr, entscheide selbst“, antwortete ich gereizt. „Was hab ich jetzt schon wieder verbrochen?“, wollte er daraufhin gerechtfertigter Weise wissen. Ich sah ihm nicht in die Augen, aber murmelte entschuldigend: „Okay tut mir Leid, du kennst mich doch - ich hab immer viel um die Ohren.“ „Schon gut, ich verzeihe dir nochmal“, beschwichtigte er grinsend. „Wobei ich wünschte, du hättest mehr Zeit.“ „Mehr Zeit wofür?“ Er schien überrascht, dass ich seine Worte gehört hatte und meinte rasch: „Ach, für Ausritte oder Filmabende...“ Ich sah ihn stirnrunzelnd an und überlegte. „Wenn du unbedingt willst, können wir heute Abend zusammen mit Lily einen Film schauen.“ „Ich meinte eher, nur wir zwei“, murmelte er, fügte dann aber auf meinen allessagenden Blick hin rasch hinzu: „aber mit Lily ist natürlich auch vollkommen okay, ich würde mich freuen.“ Ich wandte mich kopfschüttelnd wieder Lila zu und dachte laut: „Diese Männer, immer nur das eine im Kopf.“ Er rief im Weggehen lachend: „Was denn? Ich hab nicht mal im Entferntesten an sowas gedacht, wenn du das reininterpretierst ist das nicht meine Schuld.“ Meine Ohren wurden heiss, aber ich liess es gut sein und kümmerte mich um mein Pferd, anstatt nochmal etwas anzufügen.

      Lila lief brav auf der Ovalbahn, wie ich es mir von ihr gewohnt war. Sie beherrschte mittlerweile sogar Renntölt und war sehr fein an den Hilfen. Sie hatte auch schon ein paar entscheidende Turniere bei Eddi gewonnen und war nun in die Höchstklasse aufgestiegen, also hatte ich mit ihr nun drei Gang-Cracks im Stall. Zufrieden liess ich sie nach einer halben Stunde austraben und führte sie nach dem Absteigen im Schatten der Tannen trocken. Ich musste bis zum Abend noch Satine, Rebel und Pilot bewegen, ausserdem La Bella Goia in Empfang nehmen. Die Siebzehnjährige Stute durfte in ihr altes Zuhause zurückkehren und hier ihren Lebensabend geniessen. Aber im Moment war sie noch äusserst gut in Form und würde als erfahrenes Turnierpony für Lily dienen – und als Freizeitpartner für mich. Sie wurde pünktlich um sechs Uhr von Hans gebracht und ich führte sie sogleich in ihre neue Box im Nebenstall. Mit Pilot ging ich zuvor nochmal raus ins Gelände, denn der Hengst hatte gestern eine anstrengende Dressurstunde gehabt. Satine bewegte ich auf dem Sandplatz, ebenso Rebel. Wobei ich mit letzterem noch etwas an unseren Pleasure-Fertigkeiten feilte. Um acht Uhr war ich endlich mit allen fertig und half noch rasch Lily beim Verräumen von Areion, mit dem sie fleissig Gymkhana Übungen gemacht hatte. Dann wollte ich gemeinsam mit ihr nach dem Piepmatz sehen, den ich zuletzt um sieben Uhr gefüttert hatte. Lily rannte voraus durch die Haustür. Als ich hinterherkam, stand sie geschockt da. „Occu, es bewegt sich nicht mehr!“ Ich ahnte schon, was los war; ein Blick in die Schale bestätigte meine Vermutung. „Er hat’s nicht geschafft… Da war wohl doch etwas nicht mehr ganz in Ordnung mit seinen Organen.“ Lilys Augen füllten sich mit Tränen und sie schluchzte leise: „Er war ein Vogel, aber durfte in seinem kurzen Leben nicht einmal fliegen… Dabei haben wir uns so Mühe gegeben! Das ist einfach ungerecht.“ „Manchmal reicht Mühe allein nicht aus, und die Natur ist erbarmungslos. Aber da wo er jetzt ist, kann er sicher fliegen und ist schmerzfrei. Komm, wir begraben ihn im Garten.“ Mir bildete sich zugegebenermassen auch ein Kloss im Hals, als ich beobachtete, wie meine Nichte das tote Vögelchen schluchzend in ihre kleinen Hände hob und hinaustrug. Wir buddelten ein Loch und Lily sammelte ein paar Blümchen, die sie hineinlegte, um dem Piepmatz ein hübsches Blumennest zu machen. Dann legten wir ihn hinein und schoben die Erde langsam zurück ins Loch. Wir standen noch einen Moment da, dann legte ich den Arm um Lilys Schulter und führte sie ins Haus.

      Wir schauten wie versprochen mit Jonas einen Film, was meine Nichte auf andere Gedanken brachte. Ich war an diesem Abend froh und dankbar, Jonas bei uns zu haben. Denn auch mich brachte der gemeinsame Abend auf andere Gedanken. Trotzdem träumte ich in dieser Nacht von einem hüpfend-flatternden Federball, der mich vorwurfsvoll ansah, laut tschilpte und dann über eine Wiese mit vielen Grashüpfern hinweg flog. RIP Piepmatz…
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  • Album:
    Gnadenweide
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    Occulta
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    30 Dez. 2014
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  • Offizieller HG

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    Rufname: Echo
    Geburtstag: 04. 08.
    Alter: 4 Jahre
    Stockmaß: 1.55 m
    Rasse: Paint Horse
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: Bay
    Tobiano
    (Ee,Aa,ToTo)
    Abzeichen: unregelmässige Blesse
    Gesundheit:
    sehr gut


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    Treu, mutig, nicht verschmust, robust, manchmal etwas zickig, ehrgeizig


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    Echo stammt aus der bescheidenen, aber qualitätvollen Hobbyzucht eines Bauern im Süden Englands. Besagter Bauer war bereits ein älterer Herr und nie ganz über das verletzungsbedingte Ende seiner Militärkarriere hinweggekommen, weshalb er sich auf seinen Hof zurückzog und sich der Zucht und Ausbildung von Kavalleriepferden widmete. Echo war als Paint Horse ein Exot in seiner Sammlung gewesen, da er sonst vorwiegend einfarbige Irländer trainierte. Die dreijährige Stute wurde als Remonte gut ausgebildet und hatte auch von Anfang an hervorragende Charakterzüge. Der Bauer wurde jedoch noch während ihrer Ausbildung ernsthaft dement und so mussten seine Pferde verkauft werden.


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: Salera
    VKR: Salera
    Verkäuflich: Nein



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    Gekört: Nein
    Nachkommen: -
    Decktaxe: -



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    Galopprennen Klasse: A
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: A
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: E
    Wendigkeit: A

    Eignung: Trail, Hunter under Saddle
    Eingeritten: Ja



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    [RS 58]
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    Echo's Spind