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Elii

Long Island Icetea* -- Deutsches Reitpony

*2011, im Besitz seit 18. Februar 2017

Long Island Icetea* -- Deutsches Reitpony
Elii, 18 Feb. 2017
Samarti, Zaii und Rhapsody gefällt das.
    • Elii
      Pflegeberichte auf La Fauconnerie
      von Eddi

      Morgendlicher Besuch - 10. August 2012
      „Hetze mich doch bitte nicht so!“ stöhnte ich genervt und entging knapp einem Sturz vom Heuboden. Ich hatte in der einen Hand mein Handy und mit der anderen warf ich schon Strohbündel herunter. „Ich beeile mich, aber die Pferde haben eben Vorrang.“. Es handelte sich um eine sinnlose Diskussion mit meinem Vater, der wollte, dass ich ja nicht den äußerst interessanten Auftritt meines Bruders verpasste, wobei den das sowieso nicht interessierte ob ich anwesend war. Kommen würde ich, dennoch musste erst der Stall fertig sein. „Ja, alles klar. Tschüss.“ eiskalt legte ich auf, sonst würde ich nie fertig werden. Genervt stieg ich die Leiter wieder herunter und schnappte mir schnell vier Halfter. Hintereinander halfterte ich Romance, Zarin, Summer und Altyn auf. Die vier Raufbolde brachte ich auf ihre Weide und ließ sie tobend davonrennen. Dadurch, dass Romance und Zarin Ponys waren, war der Jüngste, Altyn, dennoch der größte. Ich war gespannt wie sich mein Tekke entwickelte. Er war eine Eigenzucht aus Alazar und Sonja und hatte schon erfolgreiche seine erste Fohlenschau hinter sich gebracht. Ebenso wie es mit Summer weiterging. Erst einmal hatte ich ihn gründlich aufgepäppelt und nun würde das Training beginnen. In dem waren meine beiden Füchse schon mittendrin, welche langsam erwachsen wurden. Doch ich durfte mich nicht zu lange aufhalten! Flott marschierte ich zurück in den Stall und schnappte mir Mississle, Darling und Joyce. Die drei Stutfohlen brachte ich auch auf ihre Weide. Vom Charakter her waren sie sich alle sehr ähnlich und Darling ging es mit ihren beiden Freundinnen auch zunehmend besser. Nun waren Destiny, Fairy und Jeanie an der Reihe. Wie immer machte Destiny einen riesen Theater, und erschreckte sich vor jeder Kleinigkeit. Ich war froh, als ich sie auf der Weide hatte. Nun folgten nur noch Tiny Girl, Damn und Icetea. Als auch die drei Stuten auf ihrer Weide standen, begann ich flott mit der Stallarbeit. Ich mistete alle Fohlenboxen aus und verteilte dann die heruntergeworfenen Strohbündel in den Boxen. Nachdem ich mit einstreuen fertig war, verteilte ich schon das Abendheu und machte in der Sattelkammer auch schon das Futter für heute Abend fertig, da ich erst spät wieder kommen würde und Chrissi so kaum Arbeit hatte. Kurz kehrte ich noch die Stallgasse, besuchte nochmals die Fohlenweiden und fuhr dann direkt los.

      Spieltag - 27. Januar 2013
      Es war einer der üblichen Wintermorgen, welcher mich auch heute begrüßte, als ich aus dem Fenster blickte. Draußen war alles schneeweiß und mein Thermometer zeigte -10°C an. Ich stöhnte leise und kämpfte mich in meine Stallklamotten. Ich hatte schon sorgfältig gefrühstückt und die Morgenfütterung war auch schon längst durch. Als ich den Stall betrat, waren mein Team gerade dabei, die Pferde auf die Weiden zu bringen. Viele hatten dieses Jahr ihr Winterfell behalten dürfen, weil wir sowieso kaum Zeit hatten und uns in der kommenden Saison ein wenig zurücklehnen wollten, stattdessen hieß es diesen Winter Ausdauertraining und das wurde bevorzugt im Gelände gemacht und bei -10°C war ein Winterfell schon von Vorteil. Heute war Sonntag, dass hieß Ruhetag für die Großen und Spieltag für unsere Kindergarten-Zwerge. Also führte mein erster Weg in den Jungpferdetrakt, ich wollte erst einmal einen Kontrollgang starten, denn es konnte immer etwas passiert sein. Im Großen und Ganzen ging es allen Jungtieren super, nur die Kleine Quintesse litt immer noch unter ihrer Erkältung. Wir hatten sie als Rettungspferd aufgenommen und päppelten sie nun allmählich wieder auf. Doch bei den Temperaturen war das wahrlich schwer. Ich würde dennoch heute ein wenig mit ihr spielen, denn Bewegung war wichtig. Doch zuerst musste ich die Liste anfertigen. Momentan gab es hier nur Chrissi, Jake und mich. Es war ein wenig knapp bemessen, aber unsere letzte Praktikantin musste ihre Tätigkeit leider abbrechen, da es ihrer Mutter gesundheitlich nicht mehr gut ging. Nun waren wir also auf der neuen Suche und das würde ein wenig dauern. Wenigstens half uns Nicole so gut sie konnte an vielen Tagen mit aus und so auch heute. Diesmal hatte sie sogar David mit, ihren Freund und der schien doch sehr angetan von den Pferden zu sein. “Perfekt!” grinste ich. “Dann schnappt ihr beide euch Fee und Darling und dreht eine Runde im Gelände.” sagte ich zufrieden und nachdem Nicole mich so bittend ansah fügte ich noch hinzu: “Und danach könnt mit Altyn noch in die Halle.” Der junge Tekkenhengst war Nicoles absoluter Liebling. Jake sollte sich heute um unsere beiden Chaoten Romance und Zarin kümmern. Dazu durfte er noch mit Tiny und Missi spazieren gehen. Chrissi sollte heute Joyce, Destiny und Damn longieren. Die Großen brauchten dringend Beschäftigung. Ich würde mich um Icetea, Summer, Quinni und Limited kümmern. Als erstes schnappte ich mir den Rapphengst Summer und begann ihn grob zu putzen. Heute mussten wir schnell zu Rande kommen, denn ab Nachmittag wurde Schneeregen angesagt und der war hier draußen nicht gerade ohne, sodass die Pferde dringend davor wieder alle sicher im Stall stehen sollten. Summer longierte ich und band heute zum ersten Mal die Stangenarbeit mit ein, um den Hengst geistig mehr zu fordern. Die letzten Trainingseinheiten hatten wir uns nämlich nur auf die Grundlagen des Longierens konzentriert, doch diesmal wollten wir einen Schritt weiter gehen. Summer enttäuschte mich auch nicht und gab wahrlich sein bestes. Nach einer halben Stunde entließ ich ihn dann jedoch. Er durfte noch einmal durch die Halle fetzen und sich wälzen, eh ich ihn direkt auf die Weide zu den anderen brachte. Also nächstes standen Icetea und Limited auf dem Plan. Ich putzte beide Stutfohlen in Ruhe und ging dann mit den Zwergen spazieren. Es waren zwei ruhige Stuten, die es auch mal einfach genossen, dass man sich auch so mit ihnen beschäftigte. Das war wirklich angenehm, wenn man unter Zeitdruck stand und sie auch so zufrieden stellen konnte. Außerdem waren die beiden noch recht jung und dreimal die Woche longieren reichte eindeutig. Wir waren nur ziemlich lang unterwegs und so musste ich mich auf den Heimweg recht beeilen. Zuletzt stand Quinni auf dem Plan. Ich putzte das Fohlen gründlich und bearbeitete ihren Schweif und die Mähne mit Mähnespray und fettete auch wieder ihre Hufen ein, um Risse zu vermeiden. Das Fohlen litt noch sehr unter Eiweißmangel, doch unsere Tierärztin hatte gesagt, dass sich das in den kommenden Wochen einpegeln würde. Nachdem ich mit dem Putzen fertig war, ging ich mit Quin eine Runde über den Hof spazieren und dann noch einmal in die Halle. Dort packte ich einen großen Spielball aus und versuchte die Stute zum spielen zu motivieren. Das war leichter als gesagt, denn sie war immer noch sehr scheu und kam nur zögernd auf den Ball und mich zu. Doch nach einer Zeit fasste sie immer mehr Vertrauen und spielte richtig mit ihr. Nach unserer Spielstunde brachte ich sie wieder in ihre Box und deckte die Kleine ein. Dann mistete ich persönlich ihre Box, füllte das Heunetz auf und machte ihr warmes Mash fertig, damit die Kleine ihre Zwischenfütterung auch pünktlich bekam. Die anderen Leute waren dann in etwa so fertig wie ich, so dass wir uns daran machen konnten, gegen 15 Uhr schnell die Großen wieder reinzuholen, denn es begann schon zu schneien und es dauerte nicht lange, bis es anfing sich in Schneeregen umzuwandeln und irgendwann auch Hagel und Glätte eintrat, doch da standen schon alle Pferde im Stall und Nicole war mit ihrem Freund bereits zuhause. Zufrieden führte ich meinen Kontrollgang durch und verschwand dann erst einmal zum Aufwärmen ins Haus.
    • Elii
      Pflegeberichte auf der Last Base Ranch
      von Sosox3, Trostpferd, Unbekannt

      Ankunft - 05. Februar 2013
      Heute sollten meine ersten zwei Pferde auf meinem neuen Hof ankommen: Morrigan, ein schöner Appaloosa-Hengst, und Long Island Icetea, ein Deutsches Reitpony-Fohlen. Ich war schon früh wach und bereitete die beiden Boxen von den Pferden vor. Ich streute bei beiden extra schön und dick ein, damit sie es gemütlich hatten, füllte die Tröge und hing die vollen Heuraufen auf. Außerdem reinigte ich extra noch die schöne, große Halle und machte das Licht an, damit es etwas wärmer wurde, da die Lampen auch viel Wärme verstrahlten. Als ich das Geräusch von einem großen Auto hörte, lief ich eilig nach draußen. Ein großer Hänger rollte auf meinen Hof und nervös lief ich zu der Hängerklappe. Eine freundliche Dame half mir, diese zu öffnen und ich führte erst Morrigan heraus und band ihm beim nahe gelegenem Putzplatz an. Dann folgte Icetea und ich half schnell noch, die Hängerklappe zu schließen, dann verabschiedete ich mich kurz beim Fahrer und beobachtete das Auto mitsamt Hänger, wie es wieder vom Hof fuhr und mich ratlos mit den beiden Pferden alleine ließ. Ich machte mich mit den beiden erst einmal vertraut, indem ich sie beide liebevoll streichelte und lobend auf den Hals klopfte. Icetea schien besonders aufgeregt und zappelte neugierig herum. Sie beschnüffelte alles, was sie mit ihren Nüstern erreichen konnte, und schnappte so auch die kleine Karotte aus meiner Jackentasche. Ich klopfte dem jungen Fohlen auf den Hals und gab auch Morrigan seine Karotte, die ich extra frisch geerntet mitgebracht hatte. Dann führte ich die beiden erst einmal auf die Weide, damit sie miteinander Bekanntschaft machen konnten und den Hof erkunden konnten. Einige Minuten später rasten die beiden auch schon in einem Wettrennen an dem Zaun vorbei und ich beobachtete sie lange, ehe ich Morrigan wieder beim Putzplatz anband. Icetea stand lange beim Zaun und beobachtete, wie ich das Putzzeug holte und mit dem Striegel und der Kardätsche Morrigans Fell bürstete. Als der ganze Staub und Dreck entfernt war, nahm ich eine besonders weiche und kleine Bürste und putzte seinen Kopf. Er war ein wenig sensibel an den Nüstern, die ich später mit einem Schwamm reinigte, und auch an den Ohren, die ich mit meinem kleinen Stückchen Medizinerfahrung überprüfte. Ich lobte Morrigan und kratzte dann seine Hufe aus, die sehr dreckig vom Rennen auf der Weide waren. Als ich mit der Fell- und Hufpflege fertig war, entfernte ich noch das ganze Stroh aus seinem Langhaar und holte schließlich das Sattelzeug. Ich wollte vorerst nur in der Halle Englisch reiten, morgen sollte er dann auch in Western ein wenig gefördert werden, also holte ich den Englischen Sattel und die einfache Englische Trense. Ich sattelte ihn und erst recht das zugurten raubte meine Kräfte, da er seinen Bauch bei der Hängerfahrt ziemlich aufgeblasen hatte und der Sattelgurt nur knapp in das erste Loch passte. Dann trenste ich ihn auch auf und sah sofort, dass die Englischen Reitsachen kaum zu ihm passten und es auch für ihn ein wenig ungewohnt war. Ich lachte und klopfte ihm auf den Hals. Schon morgen würde er aber wieder einen Westernsattel tragen, sobald auch endlich der Sattler kommen würde und ihn anpassen würde. Ich führte ihn in die Halle, da es draußen nun ein wenig kälter wurde, und stieg dort auf. Ich ritt ihn warm und gurtete dann nach. Er war nun ziemlich schlanker und es war wesentlich leichter, den Gurt zuzumachen. Ich ließ ihn dann im Arbeitstempo traben und machte vorerst nur ganze Bahnen, damit er sich an den Englischen Sattel gewöhnen konnte. Dann ließ ich ihn auch ein wenig galoppieren, machte dann aber wieder im Trab weiter. Ich machte einige Bahnfiguren und nach einer knappen Stunde war ich mit ihm wieder draußen und sattelte ihn ab. Diesmal aber kam er in die Box, da es nun immer kälter wurde. Jetzt holte ich Icetea von der Weide und putzte auch sie. Sie war schon an das Putzzeug gewöhnt und genoss erst recht die weiche Bürste an ihrem zierlichen Kopf. Ich führte sie dann in die Halle und machte dort den Strick ab. Erst ließ ich sie austoben, dann holte ich einen orangenen Ball und rollte ihn in die Halle. Sofort war Icetea begeistert von dem runden "Ding" und machte allerlei Sachen mit ihm. Sie schmiss sich auf ihn drauf, rollte mit ihm umher und kickte ihn wie ein Fußball. Als sie sich schließlich vollkommen erschöpft nach ungefähr eineinhalb Stunden ergab und neben dem Ball lag, brachte ich den Ball wieder zurück und führte Icetea zum Longierzirkel. Ich machte den Strick lang und führte sie ein paar Runden im Kreis, ehe ich den Strick so lang hatte, dass ich in der Mitte stand und ich sie schon longieren konnte. Ich hielt sie erst einmal im Schritt, ehe ich sie mit einem leichten Schnalzen meiner Zunge in den Trab brachte. Ich war erstaunt von ihren Gängen, denn sie waren sehr schwungvoll und sogar schon elegant. Plötzlich rutschte sie auf einer kleinen, matschigen Stelle aus, verlor vollkommen die Kontrolle über ihre dünnen Beinchen und ließ sich irritiert auf den Rücken sinken. Ich näherte mich ihr und half ihr ein wenig auf. da sie sich aus dieser misslichen Lage kaum von selbst befreien konnte. Ich führte sie noch ein wenig über den Hof, dann putzte ich sie noch einmal, da sie sehr dreckig geworden war, und brachte sie in die Box, wo sie Morrigan direkt zuwieherte. Ich beobachtete beide noch ein bisschen, wie sie ihr Futter fraßen, dann ließ ich die beiden vorerst alleine.

      Westerntraining und Spaziergang - 06. Februar 2013
      Heute wollte ich wieder zu meinen beiden Pferden, Morrigan und Icetea. Ich war etwas später wach, da mein Wecker nicht klingelte, aber dafür war ich gut ausgeschlafen und nun fit. Ich zog mich an, machte mein Frühstück, packte meine Sachen ein und ging aus dem Haus. Ich wohnte in der nähe vom Hof, also brauchte ich kein Fahrrad oder Auto. Ich brauchte nur ein paar Minuten, um dort hin zu gelangen, und Morrigan und Icetea wieherten freundlich, als ich den Stall betrat. Erst wollte ich mit Morrigan ein bisschen Westerntraining machen, da der Sattler den Westernsattel angepasst hatte und auch die Westerntrense. Ich holte Morrigan aus seiner Box und band ihm im inneren Putzplatz an, da es draußen regnete. Ich war froh, das ich die beiden gestern in die Box gebracht hatte, denn sonst wären sie nun klatschnass. Ich putzte Morrigan und sattelte ihn dann. Er fühlte sich wesentlich wohler unter dem Westernsattel und es sah auch viel passender aus als mit dem kleinen Englischen Sattel. Ich führte ihn in die Halle und stieg auf. Ich hatte zwei kleine Fässer aufgebaut, denn ich wollte eine kleine Show vorbereiten, die wir irgendwann vielleicht vorführten. Ich ritt ihn erst im Trab warm und ging dann einige Runden im Galopp. Er tobte sich ein bisschen aus, aber das legte sich nach einigen Bahnen. Dann ließ ich ihn auf das erste Fass zugaloppieren. Als wir knapp davor waren, lenkte ich ihn geschickt um es herum und zeichnete eine große Acht um die beiden Fässer herum. Bei der zweiten Acht lenkte ich ihn, als wir bei der Mitte der beiden Fässer waren, nach rechts und gab ihm das Zeichen, eine Vollbremsung zu machen. Er schlitterte leicht über den sandigen Boden der Halle und kam schließlich zum stehen. Ich lobte ihn und wir wiederholten diese kleine Show ein paar mal, bis Morrigan schwitzte. Ich ritt ihn trocken und stieg dann ab. Ich führte zum Putzplatz, wo ich ihn absattelte und abtrenste, und führte ihn nach draußen zu der Koppel mit Unterstand. Heute sollten die beiden ein wenig draußen bleiben, damit ich nicht Abends noch einmal hierher kommen musste, um sie zu füttern, da sie hier das frische, hohe Gras hatten, das unbedingt gemäht werden musste, und einen Wassertrog, der sich automatisch nachfüllen ließ. Ich ging zurück in den Stall und halfterte Icetea auf. Ich putzte sie in der Box, da sie noch keine Kraft hatte, auszuschlagen, und brachte sie nach draußen. Ich kannte einen kleinen Weg, der wegen vielen, dichten Bäumen und Gebüsch kaum nass wurde, wenn es regnete. Ich wollte Icetea dort hin führen und einen kleinen Spaziergang machen. Dies tat ich auch und wir folgten einer kleinen Straße, die immer dünner wurde und schließlich gab es eine kleine Absperrung, die man jedoch mit dem Pferd umgehen konnte, denn auf der Absperrung stand nur: "Ab hier Reiterweg". Das sollte heißen, das hier keine Autos, Motorräder oder Fahrräder hinein durften. Ich führte sie den schmalen Waldweg entlang und wir bogen rechts ab in den Wald hinein. Irgendwann kamen wir bei einer kleinen Lichtung an, in dessen Mitte ein Baumstumpf war, und ein dünner Baum daneben. Dieser Platz war ungefähr wie ein Longierzirkel mit Stangen. Ich wollte heute testen, ob Icetea gut springen konnte, und band sie kurz beim Baumstumpf an. Dann entfernte ich alle Äste von dem Baum auf der Wiese, damit Icetea sich nicht darin verhängen konnte, und führte das Fohlen dann erst einmal im Schritt über den Baum. Icetea hob ihre zitternden Beinchen und setzte sie vorsichtig über den gefällten Baum hinüber, bis ihre Hinterbeine auch folgten. Ich lobte sie und gab ihr ein Leckerchen. Es dauerte nicht lange, bis Icetea verstand, und wir konnten nun auch im Galopp über den Baumstamm springen. Zwar musste ich immer noch mit drüber, aber Icetea schien es sehr viel Spaß zu machen. Nach einer Weile führte ich Icetea schon wieder zurück zum Hof und brachte auch sie auf die Koppel mit Unterstand. Morrigan war froh über die junge Gesellschaft und fing an, das Fohlen zu pflegen. Ich ging derweil nach Hause.

      Übung macht den Meister - unbekannt
      Ich schmunzelte als ich nochmal kurz nach hinten sah um zu sehen ob alles in Ordnung war, denn die Zwei rasten Los, stiegen und bockten aus purer Lebensfreude. Ich dachte kurz nach, ging dann aber zu unserem Aufgewecktesten Fohlen auf dem Hof, nämlich Long Island Icetea, kurz Ice. Ich ging den leicht bergab fallenden Weg zum Schul- und Jungpferde Stall, welcher genau gegenüber- hinter den Kirschbäumen liegenden Paddocks- lag. „Na Ice, wie geht’s dir so?“, begrüßte ich die neugierige 2-Jährige, die mir ihr Schnauze entgegenreckte.
      Ich nahm das Halfter vom Trensenhalter und öffnete die Box. Wie angewurzelt blieb sie vor mir stehen als ich die Box öffnete und ihr das Halfter überzog. Sie hatte es gelernt anzunehmen und das es nichts schlimmes war. Sie steckte ihren Kopf sogar freiwillig in ihr Halfter. Ich schloss es und führte sie hinter mir her zu den Stangen wo ich sie anband. Ab und zu reckte sie sich um ein paar Kirschblätter zu ergattern, doch durfte sie keine Davon fressen da die Kirschen gespritzt waren. Ich fing an ihr noch das Winterfell abzukratzen mit dem Striegel, das noch da war. Denn das Wetter war immer noch zu kalt und wechselhaft und kein Bisschen Sommer. Ich putzte die Stute bis sie anfing zu Glänzen und ging noch mal mit der Kardätsche drüber. Sie genoss die Pflegeeinheiten und freute sich sicherlich schon auf den Round Pen wo ich sie laufen lassen würde, mit ein paar Übungen zum Festigen des Schritt-Trab Übergangs und dem Schritt-Stand Übergang. Sie war ein fleißiges und lernwilliges Fohlen das gefördert werden wollte, und das zeigte sie mir immer wieder.
      Auch beim Hufe geben war die kleine Artig und gab sogar schon freiwillig die Vorderhufe. Ich band sie ab und führte sie den kleinen Weg zum tiefergelegenen Round Pen hin und führte sie dort hinein. Ich schloss die Tür und ließ sie vom Strick. Schon lief die dunkelbraune Schokokugel los und gab Vollgas. „Brrr“, sagte ich leise und schon fiel die Stute in einen leichten Trab und lief gleichmäßig im Kreis. „Scheritt“, sagte ich und die Stute sah mich fragend an. Es dauerte ein Weilchen bis sie in den Schritt fiel und langsam Ging, doch sie hatte es drin. Wir vertieften die Übungen und nach einer viertel Stunde Arbeiten ließ ich sie auf eines Der Paddocks. Zwischendurch hatte ich sie immer mal gelobt oder ihr ein Leckerli zugeschmissen. Jetzt durfte sie ein wenig Frei sein.

      Commander - unbekannt
      Die Ankunft meines kleinen Hengstes war gut verlaufen und er war nun schon seit fast 2 Monaten auf der Welt und turnte mit den anderen Fohlen welche wesentlich älter waren, auf der Fohlenwiese herum. Ich stellte mich an den weißen Holzzaun, welcher die Pferde eingezäunt behielt. Ich schnalzte kurz mit der Zunge und How We Do hob neugierig und aufmerksam den Kopf. Langsam kam er auf mich zu gestapft und nahm sich seine Streicheleinheiten. Ich hielt kurz das Halfter fest und klippte den Strick dran. Ich führte ihn von der Weide und putzte ihn. Meine Fohlen sollten heute alle Spazieren gehen und ich hatte sogar eine Helfende Hand. Meike, eine 5-klässlerin hatte davon erfahren das ich Pferde hatte und hatte mich auch gleich gefragt ob sie mir helfen könnte. Natürlich konnte ich jede Hilfe gebrauchen und so schnappte sie sich Ice Tea, welche ein gutes Stück größer war als sie. Ice Tea war brav und wurde nicht so schnell übermütig wie Sharon. Nein, sie liebte den Kontakt zu Menschen und folgte willig. Wir waren nicht lange unterwegs, aber lange genug um die Zwei auszupowern. Wir brachten sie wieder auf die Wiese und schnappten uns die nächsten, welche Itaque und Sharon waren. Auch mit ihr gingen wir eine kleine Runde um den Hof. Ich hatte Sharon, da sie schon ein wenig ängstlicher war als Ita und sie machte den Spaziergang zu einer Zumutung. Zu guter Letzt kamen Noch Commander (welchen ich nahm) und Nessi (welche Meike) nahm dran. Wir gingen ein wenig länger als mit den Anderen und unterhielten uns über Schule, Liebe und andere Themen. Zuhause angekommen versorgten wir die sechs noch und sie blieb mit Simon auf dem Hof.

      Die Kleinen - unbekannt
      Auch wenn die Sonne heute verhalten durch die Wolken strahlte, hatten wir in Colorado Springs gerade mal 10°C. Wie immer gut gelaunt hatte es mich heute wieder auf den Hof von Rachel verschlagen. Allerdings nicht als Tierärztin, sondern lediglich als Fohlenbespaßerin.
      Ich hatte noch nicht mal richtig den ersten Fuß auf dem Boden, da wurde ich schon stürmisch von ihr begrüßt und nur wenige Minuten später stand ich im Fohlenstall und half ihrem Bruder Simon beim Misten.
      „So – und du darfst heute die Kleinen beschäftigen?“, fragte mich Simon freundlich und strich sich einen Strohhalm aus dem Haar.
      „Ja, das mache ich.“, entgegnete ich lächelnd und machte mir einen groben Zopf.
      Karre für Karre landete auf dem Misthaufen und schließlich waren die Boxen fertig, das Futter für den Abend vorbereitet und ich mit Halftern bewaffnet auf der Weide. Als erstes wollte ich How We Do undItaque zusammen auf dem Reitplatz rennen lassen. Auf dem Weg dahin benahmen sich beide eigentlich vorbildlich. Nur die kleine Stute versuchte ein Mal sich einen Grasbüschel zu schnappen. Mit einer kleinen Zurechtweisung war das Thema aber auch geklärt. Auf dem Reitplatz angekommen scheuchte ich die beiden Halbwüchsigen dann eine knappe halbe Stunde lang, ehe ich die Beiden wieder auf die Weide brachte. Als nächstes holte ich Long Island Icetea und LMR Soundcloud die Beiden brachte ich ebenfalls auf den Reitplatz und scheuchte sie ein wenig. Beide waren neugierig und Soundcloud ließ wortwörtlich die Sau raus. Sie fetzte über den Sand wie ein tollwütiges Kaninchen, während Long Island Icetea einfach nur hinter ihr her rannte. Nachdem die Beiden dann auch wieder auf der Weide standen, schnappte ich mir Sharon und drehte mit ihr eine Runde über und um den Hof. Die Kleine war sehr aufgeweckt und wollte Alles untersuchen und probierte auch einmal sich auf einem kleinen Stück Wiese zu wälzen. Nach Sharon war KS‘ Commander an der Reihe. Das junge Pferd mit der außergewöhnlichen Scheckung ließ ich zusammen mit Chandra auf dem Reitplatz rennen. Beide gaben jedes Mal auf der langen Geraden Vollspeed und buckelten und ich bekam schon Angst, dass eines der Beiden gleich aus der Kurve flog. Gott sei Dank landeten danach Beide wieder heile auf der Weide und ich konnte mich beruhigt Libertés Nessajazuwenden. Die mittlerweile anderthalbjährige Stute war sehr interessiert an mir und beschnupperte mich erst einmal ausgiebig, ehe ich ihr das Halfter anlegen konnte und sie von der Weide führen konnte. Mit ihr ging ich dann ebenfalls eine Zeit lang spazieren und die Kleine erkundete aufmerksam ihre Umgebung. Auch wenn es heute nicht allzu warm war, waren es wirklich wunderschöne Bilder, die die Landschaft uns während des Nachmittages zeigte. Wieder auf dem Hof angekommen brachte ich sie wieder auf die Weide und räumte das Halfter weg.
      Da ich die Arbeit mit den Pferden beendet hatte, half ich noch Rachel’s Freund Chris dabei die Stallgasse zu fegen und die Tränken zu kontrollieren. Schließlich half ich abends noch dabei alle Pferde reinzuholen und das Futter in die Tröge zu geben.

      Unwetter - August 2014
      Die Sonne ging langsam unter und dunkle Wolken Zogen auf. Endlich wieder ein Gewitter, freute sich mein Innerstes und ich legte meinen Kopf auf Manu’s Schulter. „Schatz, sind die Pferde drinnen?“, fragte mich Manu. Ich konnte kaum Emotionen in seiner Stimme erkennen und dachte kurz nach. „Alle bis auf die Fohlen“, sagte ich und sah mir das dunkle Wolkengemisch an. Ruckartig stand er auf und war aus der Tür. Ließ mich perplex stehen und schon sah ich ihn draußen über den Hof zu den Jungpferden laufen. Sein Telefon dabei dicht am Ohr. Wen ruft der grad an?Als ich bemerkte das es in den Hinteren Teilen unserer Felder schon Schüttete und Blitze fegten über den Himmel. Ich packte meinen Mantel und nahm für Manuel auch einen mit. Die Wolken bewegten sich Rasend schnell und ich wusste ich konnte nicht mithalten. Ich kramte den Schlüssel unseres Pferdetransporters indem jeweils 3 Pferde Platz hatten, wenn die Wände ‚ausgefahren‘ waren, wenn man sie wegmachte, hatte man mehr Platz. Ich stieg in das Auto und fuhr Los. Circa einen Kilometer später gabelte ich einen durchnässten Manu auf und überreichte ihm die Jacke. „Danke Schatz“, sagte er und legte seine Hand auf meine, während ich einhändig fuhr. Glücklicherweise waren die Feldwege gerade und ich konnte etwas schneller fahren. Bei den Jungpferden angekommen, nahm ich mir Triumph und Palla und Manu nahm sich den herumwirbelnden Schimmel Unitato und die Cremellostute Chandra, welche wir alle zusammen eingepfercht in unserem Transporter Quetschten. Platz hatten wir noch für eines der Jungtiere. Wir entschieden uns für mein Kleines Stütchen Soundcloud, die panisch herumtänzelte und den Kopf hochriss. „Ist gut meine Kleine“, sprach ich auf sie ein. Gerade als ich die Stute einlud, sah ich Manuel’s Kumpel Raf mit einem anderen Transporter. Ich warf Manu einen Fragenden Blick zu. „Er war der einzigste der sich gemeldet hat herzukommen. Elena hatte keine Zeit und Verena musste ihre eigenen Reinbringen“, sagte er. „Dan und Linda hatten grade ein Date“, zwinkerte er mir zu. Ich klappte die Klappe zu und lief zu Raf. „Danke, ehrlich jetzt“, sagte ich und wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen. „Kein Problem“, lächelte er mich an. „Interessante Farben“, sagte er und stieg aus. „Manu! Fahr schonmal los, dann lad ich mit Raf die Tiere ein!“, rief ich ihm zu und er nickte. Einige Sekunden später brummte der Motor und er fuhr los. „Dann hol du dir die Roanstute da, heißt Sharon, und die Fuchsstute da, Nessi. Sind beide lieb“, rief ich ihm zu während ich mir Commander, Itaque und die Letzte: Icetea schnappte. How We Do war zum Glück schon im Stall und kaute sicherlich grad an seinem Heunetz. Fertig eingeladen fuhren wir die kleinen Fort. Manu hatte ganze Arbeit geleistet und kam uns schon entgegen als ein heftiges Donnergrollen uns erschütterte. Ich stieg aus und lief Manu um den Hals und gab ihm einen Leidenschaftlichen Kuss. „Danke“, hauchte ich ihm ins Ohr und zu dritt machten wir uns an die Arbeit die restlichen 5 auszuladen und in die Jeweilige Box zu stellen. Manu fuhr den Transporter weg, während wir die großen Türen des Stalles zuzogen damit der Eisige Wind nicht in den Stall kam. Ab jetzt hieß es nur abwarten.

      Advent - Dezember 2015
      Es war nun schon der Dritte Advent, die Wohnung war weihnachtlich geschmückt, Manu und ich wieder relativ gut miteinander und wir hatten einen Neuzugang für meinen Bruder auf dem Hof.
      Ich seufzte auf denn die Temperaturen waren in die Minusgrade gerutscht und ich hatte meine Jungstute Long Island Icetea schon eingedeckt. Im Grunde genommen hatte sie genügend Winterfell, aber mit -10°C wollte ich kein Risiko eingehen. Ich stapfte durch die Schneemasse rüber in den Stall und sah nach meiner Jungstute. Genüsslich knusperte sie an ihrem Heunetz und sah nur kurz zu mir rüber, ehe sie weiter fraß. „Du kleines Müffelstück“, grinste ich und öffnete die Massive Holzbox. Lange würden wir hier nicht mehr wohnen. Ich schnappte mir ihr Halfter und zog es ihr über den Kopf, nahm sie dann raus und begann mit dem ausgiebigen Putzen. Icetea gefiel es immer wieder gestriegelt und gebürstet zu werden. Zwischendurch kuschelte ich immer wieder mal mit ihr und nahm mir dann eine Abschwitzdecke aus der Sattelkammer mit zu ihr. „Ach Maus, gleich kannst du ein wenig Laufen“, flüsterte ich und strich ihr über den Nasenrücken. Rasch hatte ich sie abgebunden und nahm sie mit in die Halle. Dort löste ich dann ihren Strick und schon sah ich sie sich wälzen. „Du Sau“, rief ich ihr zu und mein Pferd schenkte mir einen ‚Dein-Ernst‘-Blick. Ich kicherte leise und nahm mir dann die Peitsche in die Hand und scheuchte Icetea ein wenig. Freudig lief sie los, den Schweif erhoben und die Beine im Imponiertrab. Immerwieder schnalzte ich mit der Zunge und ließ sie öfter mal angaloppieren, wobei sie mehrmals bockte und die Beine in die Luft warf. „Brrrr“, machte ich und schon kam Icetea auf mich zu, langsam und erledigt von dem Bisschen Arbeit was sie verrichtet hat. Wir waren fertig und das verschwitzte Stütchen bekam ihre Abschwitzdecke drüber bis sie nach einer halben Stunde in der Box trocken war und sie ihre Stalldecke anbekam.
    • Elii
      Pflegeberichte auf der Silver Creek Ranch
      von Eddi

      Ein Neuankömmling - 22. Juni 2015
      Gähnend watschelte ich Richtung Bad, so müde wie heute war ich schon lange nicht mehr, aber wenn der Tag versprach heiß zu werden, lohnte es sich eben doch, etwas eher aufzustehen, gerade wenn man einen Neuankömmling erwartete.
      Kat sprang wie immer quietschvergnügt in der Küche herum und reichte mir direkt eine Tasse Kaffee. „Danke“, murmelte ich und setzte mich an den Tisch, um mein Getränk zu schlürfen. „Wer kommt heute?“, fragte Kat neugierig und ich erzählte ihr von Long Island Icetea. Ein Reitponyfohlen, was bereits schon einmal in meinem Besitz gewesen war und es nun bald wieder sein sollte.
      „Nessaja wird sich freuen, ihre alte Freundin wiederzutreffen“, meinte ich grinsend. Dann ging es nach dem Frühstück auch direkt nach draußen – die Pferde wollten gefüttert werden. Danach säuberte ich die Offenställe der Jungpferde, ehe ich mir Nessaja holte, sie putzte und ein wenig beschäftigte, bis Icetea kommen würde.
      Als es dann so weit war, brachte ich die beiden Jungstuten gemeinsam auf eine der kleineren Weiden, damit sie sich „kennenlernen“ konnten. Tatsächlich erkannten sie sich recht schnell und tobten gemeinsam über die Weide. Ich ließ sie den Vormittag noch extra und kümmerte mich um die älteren Jungpferde, denn dort ging langsam die Ausbildung los.
      Hollybrook’s Fairy Bluebird und Joyce wurden inzwischen regelmäßig longiert und sollten demnächst an Sattel und Trense gewöhnt werden. „Bald zieht ihr beiden um“, meinte ich lachend, nachdem ich beide Stuten aufgehalftert und von der Weide geführt hatte. Ich putzte sie gründlich und gab Joyce dann an Ethan ab, der mit ihr ein wenig Bodenarbeit auf dem Platz machte, während ich Fee longierte.
      Die Foreststute machte sich wunderbar und würde das perfekte Gegenstück zu Zarin sein, ich freute mich schon darauf, sollte ich die beiden irgendwann doch mal endlich gekört bekommen. Auch von Joyce hörte ich nur Gute. Der interessante Mix aus Criollo und Tinker machte sich sehr gut, eine Kreuzung die man eindeutig ausbauen könnte.
      Nach den beiden kümmerte ich mich um die kleine Tiny Girl. Inzwischen war sie für ihre Rasse schon groß, aber trotzdem der Zwerg auf der Weide, selbst Occani übertrumpfte mein AMH inzwischen. Aber an Arbeitsmotivation war die kleine Scheckung wiederum nicht zu schlagen und so machte sie auch heute bei der Bodenarbeit wieder gut mit. Mein Ziel war ja, sie bald anzufahren, damit wir in Zukunft in diese Richtung gehen würden.
      Raunchy’s Limited trat ich heute an Kat ab. Die liebte die kleine Reitponystute, welche auch immer mehr nach ihrem Vater kam, mir ging es nicht anders. Quintesse of Xaras arbeitete ich selber noch einmal, aber dann mussten auch erstmal die restlichen Offenställe gemacht werden. In der Zeit kümmerte sich Ethan um Prazzy’s Goldbell und Painted Blur. Kat putzte noch Destiny Horror, ehe sie das Mittagessen machte.
      Danach ging es auch direkt weiter. Ich gewöhnte Altyn allmählich an den Sattel, denn der Achal Tekkiner war auch allmählich für mehr als nur Bodenarbeit bereit. Shawnée hatte heute frei und wurde nur ein bisschen von Kat betüddelt, genauso wie Fantasio.
      Mon petit écrou hingegen wurde von Ethan beschäftigt und die beiden hatten auch sichtlich Spaß. Mit Outlaw Torn unternahm ich einen Spaziergang, ehe wir gemeinsam mit Ironic und Ruffian’s Daughter ein wenig Anti-Schrecktraining machten. Outlaw war total entspannt, Ironic erschrak sich ab und an, lernte aber schnell, aber bei Ruffian hatten wir echt noch allerhand zu tun.
      Mellow Billow ließ ich heute auf der Weide, sie hatte ich erst gestern longiert, da musste sie nicht schon wieder dran glauben. Nessaja hatte heute sowieso frei und wurde stattdessen gemeinsam mit Icetea wieder in die kleine Herde gebracht. Das Anfangstheater war groß und daran interessierte sich kaum noch jemand für den Neuankömmling. Alles lief nach Plan.
      Never look back und Dead Memories waren noch recht neu bei uns und so hatten sie immer noch etwas Schonfrist. Nicht anders verfuhr ich bei Paddington, der sowieso noch recht jung war und einfach das Fohlen-ABC lernen sollte.
      Als Abschluss gingen Kat und ich noch mit Caruso und Cruel Twist of Fate ein Ründchen spazieren und ließen die beiden auch im Wasser plantschen. Dann wurde es auch schon Zeit für die zweite Fütterung und das ein oder andere Pferd wollte auch noch geritten werden, ach hätte der Tag nur mehr Stunden.
    • Elii
      Pflegeberichte auf Townsend Acres
      von Samarti, Gwen, Rhapsody, Elii

      Eine Cocktailbar in Form eines Hofes - 10. Juli 2015
      „Wie viele Getränke willst du noch kaufen?“ Elena stemmte abwartend die Hände in die Hüften und zog skeptisch die Augenbrauen in die Höhe. Dabei schenkte sie mir einen dieser „Ich erwarte eine Antwort, sonst überrumple ich dich bald im Schlaf – mit einem Messer“-Blicke.
      Auch Gwen gesellte sich dazu. „Echt jetzt! Multivitaminsaft, Sambuca, Cardillac, der eigentlich ohne R geschrieben werden sollte, um ein Getränk zu sein, und Bacardi, jetzt sogar das hier … Was haben wir denn da noch zu befürchten?!“
      „Ach“, winkte Jojo nur ab, „Elisa hat die letzten Alkoholiker auch schnell wieder abgeschoben. Die hier wird bestimmt auch nicht lange bleiben.“ Zweifelnd wackelte sie mit ihren Augenbrauen und brachte uns somit dazu, ihr Augenbrauenspiel fasziniert zu beobachten, ehe wir uns davon losreißen konnten.
      „LONG ISLAND ICE TEA IST ALKOHOLISCH?!“, kreischte Gwen plötzlich auf und warf mir einen dieser Blicke zu, mit denen sie mich schon ständig strafte, wenn ich mit einer Flasche Tequila vor ihrem Gesicht herumwedelte.
      „Ja, Gwen. Da ist Rum, Wodka, Gin, Triple Sec Curacacacacaoaco und sogar Tequila drin! Also dir sollte es schmecken“, erklang es dann von Elena und ihre Stimme war ausnahmsweise sogar nur ein leises Piepsen, fast ängstlich, Gwen würde ihr gleich an die Kehle springen. So abwegig war die Vorstellung allerdings gar nicht.

      Long Island Icetea und Liberté's Nessaja hatten heute tatsächlich auf mein Gestüt gefunden. Es handelte sich hierbei um zwei junge Reitponydamen, die eine vier-, die andere dreijährig. Icetea würde ich zunächst einmal einreiten müssen, bevor wir irgendetwas mit ihr in Angriff nahmen. Eddi hatte zwar berichtet, dass damit angefangen worden war, allerdings war sie in der Ausbildung noch nicht sonderlich weit fortgeschritten und so hatten wir noch einen langen Weg vor uns.
      Nessaja hingegen war im Juni erst drei Jahre alt geworden, demnach hatte das Pony noch eine ganze Weile Pause vor sich, ehe wir mit dem Beritt wirklich beginnen würden. Die kleine hatte noch jede Menge Zeit, die wir ihr auch liebend gern lassen würden.
      Es war jedoch nicht zu übersehen, mit welchen Herzchenaugen Jojo die beiden schon betrachtete. Kein Wunder – sie kannte sowohl Nessi, die aus ihrer ehemaligen Zucht stammte, als auch Icetea noch von früher. Und immer, wenn sie solche Vierbeiner wiedersah, kam sie nicht mehr aus dem Staunen heraus. Genau, wie es bei Vendetta der Fall war. Ich glaube noch immer, dass sie sie manchmal gern behalten hätte, aber hey, manchmal wünschte ich mir auch Capulet zurück – trotzdem war ich für meinen Teil mit dem Tausch mehr als zufrieden. Mit Vendetta könnte es nämlich momentan nicht besser laufen, die Fuchsstute stand gut im Training, konnte Fortschritte aufweisen und arbeitete vorbildlich mit.

      Allerdings waren die zwei Ponystuten nicht die einzigen Vierbeiner, die heute in Kanada antrafen. Ally hatte mich darum gebeten, ihr ihren neu erworbenen Reitponyhengst PFS' Heart of Ocean mitzubringen, da ich sowieso auf dem Weg zum Flughafen war. Auch er stammte von Eddis Ranch in Wyoming, weshalb alle drei gemeinsam den Flug angetreten hatten.
      Momentan stand der bunte Hengst also neben mir und begutachtete das Gestüt. Die zwei Stuten hatte er kaum beachtet, stattdessen betrachtete er eher mich und den Anhänger, aus dem er zwar vorhin herausgeführt worden war, in den er aber gleich wieder einsteigen müsste.
      Ich war erleichtert, als er das tat, ohne großartig zu murren.

      „ALLYYY“, rief ich lautstark durchs Haus, nachdem ich Heart of Ocean in die erstbeste freie, eingestreute Box verfrachtet hatte und mich nun auf die Suche nach besagter Person begab.
      „Allyyyhyhyhyhyyyy“, säuselte ich und streunte durch die verschiedenen Räume, nur um Ally dann auf dem Sofa vorzufinden: schnarchend, sabbernd und mit allen Vieren von sich gestreckt. Auf dem Tisch standen einige 0,33 Liter Flaschen Cola, einige leer, andere weniger leer. Der Fernseher war an und am Laptop angeschlossen, dessen Monitor allerdings schwarz war. Auf dem Bildschirm des Fernsehers sah man gerade einen Hai, der von einem Wasserdino zerfleischt wurde. Jurassic World.
      Ich seufzte auf, griff nach einer ungeöffneten Flasche und bewältigte dieses Problem mithilfe eines Flaschenöffners, ehe ich mich auf das Sofa fallen ließ und mich zurücklehnte. „Ach Ally“, setzte ich an, „du sollst deine Filme doch nicht immer illegal online schauen.“ Trotzdem ließ ich mich noch tiefer in die Sitzpolster des Sofas sinken und nahm hin und wieder einen Schluck aus der Colaflasche, ehe ich mich voll und ganz dem Bild auf dem Fernseher widmete.

      Vielversprechende Enttäuschungen - 12. Juli 2015
      „OH MEIN GOTT! ELISA! LAUERST DU MIR AUF?!“ Gwens Geschreie war kaum viel mehr als ein kehliges Quieken, weshalb sie sich gleich einen Schlag in den Nacken von Elena einfing.
      „Nein, aber ich sehe das doch, wenn du auf meinen Ho-“
      Elena unterbrach mich: „Sie lauert dir auf.“
      Mit den Augen rollend brachte ich nur ein gemurmeltes „Jaja“ heraus und drückte dann beiden Frauen jeweils ein Halfter in die Hand. Das eine schwarz, das andere dunkelbraun.
      „Wessen sind das?“, fragte Elena argwöhnisch und betrachtete das schwarze Halfter in ihrer Hand genauestens. „Sacramentos“, ich deutete auf das in Elenas Hand, „und Azraels.“ Diesmal zeigte meine Hand auf das Halfter, welches Gwen sich über die Schulter geworfen hatte. „Und das hier, weil ihr fragt, ist Avantis.“ Demonstrant hielt ich das gelbe Halfter in die Höhe.
      „Haha, ihr werdet genötigt!“, unterbrach Jojo meine Showeinlage, die in dem Moment mit Pacco (oder wie sie ihn noch immer hartnäckig nannte: Pax) daherlief und mich provokant ansah. „Elisa, du solltest doch was mit dem armen Pac-, äh, Pax machen! Der ist so einsam, jetzt musste ich was mit dem machen!“
      „Jojo, es ist dein Fohlen“, entgegnete ich, verdrehte die Augen und stemmte die Hände in die Hüften.
      „Ja, ja. Bla, bla, blaaaaaa“, machte Jojo nur und streckte mir die Zunge raus. „Wir gehen jetzt spazieren. Tschüss! Leb mit deinem schlechten Gewissen!“ Schon war sie wieder von der Bildfläche verschwunden.
      „Und wir hier“, nun deutete ich erst auf Elena, dann auf Gwen und schließlich auf mich, „gehen jetzt ausreiten!“

      Meine drei Hengste hatten wir bald von der Weide geholt, auf der sie zuvor gestanden hatten. Sacramento war direkt auf uns zugekommen und hatte seinen Kopf sogar schon in das Halfter in meiner Hand stecken wollen, also hatte Eli ihn erst davon überzeugen müssen, seine Nase in das in ihrer Hand zu stecken.
      Azrael war zwar nicht davon begeistert, jetzt dieses Ding über den Kopf gestreift zu kriegen, dennoch blieb er auf der Stelle stehen und ließ es ohne zu murren über sich ergehen.
      Avanti hingegen machte sich einen Spaß daraus, vor mir wegzulaufen, dann stehen zu bleiben, auf mich zu warten, und schließlich wieder auf dem Absatz kehrt zu machen. Immer wieder drehte er sich vor mir, galoppierte mit hoch erhobenem Schweif wieder einige Meter weit weg und spielte dieses Spiel eine gefühlte Ewigkeit mit mir. Elena und Gwen, die ihre Hengste inzwischen schon aufgehalftert und neben sich stehen hatten, lachten mich lauthals aus, feuerten Avanti noch mit einem ironischen „Vorwärts, Avanti, vorwärts!“ an und schienen das Schauspiel köstlich zu genießen.

      „Ich hab heute Morgen mal in meiner Steam Bibliothek geguckt und irgendwie … habe ich da ein Survival Game mit Haien drin? Ich weiß nicht, wieso, aber … es ist mit Haien! Und es heißt Depth. Kennt ihr das?“, plapperte ich munter drauf los, während wir auf den Rücken der drei Reitponyhengste saßen und durch die kanadischen Wälder streiften. Wir waren bereits eine knappe halbe Stunde unterwegs und hatten dennoch noch nicht viel zu sehen gekriegt. Irgendwie verkrochen sich die Waldbewohner momentan und versteckten sich vor uns. Aber gut, bei 18 Beinen würde ich das wahrscheinlich auch tun. Und in dem Moment überkam mich die Vorstellung eines Tausendfüßers – angeekelt schüttelte ich mich, erntete deshalb verwunderte Blicke und zuckte nur mit den Schultern. „Was?“, fuhr ich die beiden anderen Reiterinnen an und wandte dann meinen Blick ab, was sie mir gleich taten.
      „Elisa“, setzte Elena an, „wenn du deine Klappe mal halten würdest, würde man sogar das Hufgetrappel der Pferde hören, aber so … nope, is' nich'.“
      Gwen hingegen ließ sich von mir mitreißen: „Das klingt ja cool! Vielleicht können wir das ja später mal zusammen spielen!“ Ihre Augen glänzten begeistert auf und ich wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. „JA!“ Dann drehte ich mich zu Elena: „Und du?“
      „Nee. Die Anforderungen erfüllt mein PC bestimmt nicht.“
      „Langweiler“, seufzte ich und wir alle blieben für einen Moment still. „Ich kann dir aber mal den Trailer zeigen, ich hab den auf dem Handy!“, schlug ich ihr dann begeistert vor und Elena sah mich zwar erst skeptisch und mit einer gewissen Portion Misstrauen an, nickte dann aber. „Okay.“
      Nachdem sie den Trailer gesehen hatte, kam nur ein „Oh Gott, kämpfen. Kämpfen kann ich nur bei Lego“ zurück, weshalb ich erwiderte: „Aber du kannst sogar einen Hai spielen.“
      „WAAAAS? Oha, wie cool! OHA!“, empörte sich Elena, änderte aber ihre Meinung nicht, dass sie nicht mitspielen würde. Aufgrund ihrer beleidigten Aussage bekam sie es als letzte mit, dass wir anderen bereits angaloppiert waren und den breiten Sandweg nutzten, um den Hengsten die Möglichkeit zu geben, sich mal wieder richtig auszutoben.

      Nach unserem Ausritt kamen wir alle ziemlich fertig auf dem Hof wieder an, ließen die Hengste wieder auf die Weide und begaben uns dann nochmal in Richtung der anderen Weide – der Weide, auf der Nessaja, der Eistee, Pina und Beverly momentan standen. Icetea und Nessi waren jetzt weitere zwei Stuten, die in die Ausbildung einsteigen würden. Icetea war zwar schon etwas weiter fortgeschritten, aber auch Nessi war inzwischen dreijährig und würde in einiger Zeit dann zumindest an Sattel und Trense gewöhnt werden können. Als ich gehört hatte, dass Nessi sowohl eingeritten als auch eingefahren sein sollte, war mir nichts weiter als ein Kopfschütteln eingefallen. Eddi hatte es mir so erzählt, anscheinend von den Vorbesitzern erfahren, dennoch glaubte und hoffte ich das noch nicht so ganz. Obwohl die Stute schon ziemlich reif und vor allem erfahren für ihr Alter war, war es definitiv noch nicht an der Zeit, sie bereits vollständig eingeritten zu haben.
      Mit Bee könnte es momentan eigentlich kaum besser laufen. Langsam wurde sie inzwischen angeritten, nachdem sie sich endlich an das Sattelzeug gewöhnt hatte und sogar damit an der Longe gelaufen war. Auch die Stimmkommandos saßen inzwischen einwandfrei und stellten kaum noch Probleme dar, sodass wir bald mit dem Reitergewicht einsteigen würden.
      Pina war … Pina. Noch immer ziemlich misstrauisch, wenn es darum ging, mit jemand Anderem als Gwen oder mir zu arbeiten, weshalb wir beide es waren, die sich mit der Ausbildung der Stute auseinandersetzten. Dennoch hatten wir noch einen ziemlich weiten Weg vor mir, weshalb wir uns besonders bei ihr größtenteils auf die Bodenarbeit und die wesentlichen Aspekte des Vertrauensaufbaus beschränkten. Zwar war die kleine Stute nun seit fast einem Jahr bei uns, trotzdem wollten wir nichts überstürzen; gerade wegen ihrer schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.
      Auch Icetea würde bald wieder ins Training einsteigen können. Obwohl sie zuvor bereits angeritten worden war, so hatten wir noch jede Menge Arbeit vor uns, bis sie wirklich so weit war.
      „Wann wollen wir mit ihr einsteigen?“, fragte Matthew, der neben mir stand, in dem Moment und deutete dann mit dem Kopf in Richtung der dunklen Ponydame.
      Ich zuckte nur mit den Schultern. Eigentlich war Icetea mehr als bereit, aber ich wollte ihr die Zeit lassen, die sie brauchte, besonders wenn es die Umgewöhnung von der Hitze Wyomings zur Kühle Kanadas betraf. Laut Eddi war es die letzte Zeit in Wyoming brechend heiß gewesen und der Umschwung zum vergleichsweise doch ziemlich erfrischenden Kanada war dann vielleicht nicht so das Wahre, um direkt zu beginnen. Das würde wahrscheinlich weder Icetea noch uns zugute kommen.
      „Ich weiß nicht“, erwiderte ich deshalb nur. „Wir werden dann anfangen, wenn sie sich an ihr neues Zuhause gewöhnt hat. Auch, wenn ich noch nicht einmal weiß, wie lange wir noch etwas von ihr haben werden.“ Gleichgültig winkte ich ab, drehte mich dann um und ging zurück ins Haus, um mir nun endlich das langersehnte Haispiel zu downloaden, von welchem wir nur noch knapp drei Stunden haben würden, es war schließlich nur ein Testwochenende! Und Wochenenden endeten nun mal sonntagabends!

      Depth war eine richtige Enttäuschung. Also, so wirklich. Wir hatten uns ausnahmsweise mal bei Gwen verabredet, also hatte ich bald mit meinem Laptop in der Hand in ihrem Wohnzimmer gestanden, alle Anwesenden begrüßt und war dann schon wieder in Gwens Zimmer verschwunden, wo ich sie glücklicherweise angetroffen hatte. Wir beide hatten uns das Spiel schon installiert, aber so wirklich verstehen taten wir es nicht.
      Deshalb hatten wir von den 19 Spielminuten, die uns bei Steam angezeigt wurden, nicht eine einzige gespielt, sondern nur in irgendwelchen öffentlichen Lobbys gegammelt, weil die dämlichen Leiter nie anwesend waren.
      „Deinstallation?“, fragte ich Gwen nach endlos vielen missglückten Versuchen und sah sie abwartend an.
      „Deinstallation“, besiegelte sie es und ich seufzte nur erleichtert auf. Zum Glück.

      Bodenarbeit a la Gwen - 29. August 2015
      „Neee oder? Boah Leute, so war das nicht gemeint!“
      Frustriert schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen. Ich hatte Elisa angeboten, dass ich ihr gerne das ein oder andere Jungpferd abnahm und mit ihm ein wenig vom Boden aus arbeitete. Im Gegensatz zu ihr machte ich das nämlich wirklich gerne. Das Angebot hatte Elisa auch sofort angenommen und mir heute Morgen angekündigt, dass sie jemanden vorbeibringen würde. Dementsprechend hatte ich mich schon ein wenig vorbereitet, damit ich nicht vollkommen überrascht sein würde.
      Überrascht war ich dann trotzdem, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass Elisa nun mit Pina, Eistee, Nessi und Dajun bei mir aufkreuzen würde und sie mir eiskalt auf eine Weide stellte, um dann wieder klang heimlich im Wald Richtung Townsend Acres zu verschwinden. Sie glaube doch nicht im Ernst, dass ich nicht wusste, wo ich sie im Notfall finden würde? Ich war kurz davor, ihr hinterher zulaufen und sie zurück zu schleifen, aber da kam auch schon Jojo angetappelt. Links Cíola und rechts Symbolic Splash und stellte die beiden ganz unschuldig mit auf die Weide, ehe sie auch wieder verschwand.
      „Ich habe euch gesehen!“, rief ich ihnen wütend hinterher und ich war mir ziemlich sicher, dass sie das auch noch gehört hatten. Unfassbar diese Menschen und mit diesen wohnte ich zusammen in einem Nationalpark! Warum hatte ich mir das nur noch einmal angetan? Nun war aus dem einen oder anderen Jungpferd eine gesamte Herde aus sechs Jungpferden geworden. Mehr Arbeit für mich. Juche.
      Da mir gar nichts anderes übrig blieb, warf ich Kathy aus den Federn und bat sie auf die übliche äußerst liebe und schwesterliche Art und Weise darum, dass sie mir bei den Jungpferden half. Sie konnte das Training genauso gebrauchen wie die Jungpferde und sie schuldete mir sowieso noch was für die ganzen Boxen, die ich in letzter Zeit für sie übernommen hatte. Nur weil ich die Studentin in der Familie war, hieß das ja nicht, dass ich meine freie Zeit gerne mit ihren Aufgaben vergeudete.

      „Such dir jemanden aus“, meinte ich eine Viertelstunde später zu Kathy und warf ihr eines unserer Knotenhalfter zu. Auch ich machte mich auf den Weg und stand vor den Stuten, um dann mit „Ene meine muh“ mein Pferdchen auszusuchen. Raus bist du war dann Eistee, also sammelte ich mir die braune Stute ein und halfterte sie. Dabei folgte sie mir auch treuherzig zum Weidegatter.
      Dort trafen wir auf Kathy, welche sich Cíola ausgesucht hatte, na das würde lustig werden. Cíola war alles: frech, aufgeweckt, intelligent, aber definitiv nicht einfach. Aber es war Kathys Wahl und dementsprechend überließ ich das auch ihr. Sollte sie ihre eigenen Erfahrungen machen.
      Elisa und Jojo hatten uns zumindest den Gefallen getan, alle Pferde zu putzen, so dass wir uns nämlich direkt auf den Weg zum Reitplatz machen konnten. Dort begannen wir mit den einfachen Übungen. Diese beinhalteten das Stillstehen, egal in welcher Position sich der Mensch befand, dass Hufe geben und allerhand Dehnübungen.
      Zum einen förderte das die Aufmerksamkeit, aber natürlich auch die Gelenkigkeit der Pferde und diese würden sie brauchen, wenn es dann bald in Richtung Reiten ging. Deshalb ging es dann auch direkt weiter mit den Führpositionen und den Stimmkommandos. Eistee machte dabei keine Probleme, anscheinend kannte sie schon so gut wie alles. Cíola hingegen… Na ja, sie testete Kathy fleißig aus und meine kleine Schwester hatte mit der jungen Stute sehr zu kämpfen.
      Mit ein paar Tipps meinerseits bekamen aber auch sie ein ansehnliches Ergebnis zu Stande und die Ergebnisse unserer ersten Einheit konnten sich doch sehen lassen. Dementsprechend wurden Cíola und Eistee auch oft gelobt und am Ende durften sie sogar zur Belohnung jeweils einen Apfel verspeisen, ehe sie wieder zurück auf die Weide kamen. Die Weide, auf welcher noch vier weitere Pferde auf mich warteten.
      Ich konnte gar nicht anders, als Jojo und Elisa eine Hass-Nachricht in den Gruppchat zu schicken, antworten tat aber nur Elena und die schrieb ein: „Und warum hat mir niemand Bescheid gesagt?!“ in die Gruppe und schon war ich noch bedienter von meinen Freunden.
      Seufzend nahm ich also Eistee das Halfter ab und fing direkt Pina ein. Und das war wirklich ein Einfangen, denn Pinas Bezugsperson war eigentlich Elisa. Von allen anderen Menschen hielt die junge Stute nicht sonderlich viel, eigentlich gar nichts, aber heute würde sie wohl oder übel mit mir Vorlieb nehmen.
      Kathy wies ich Nessi zu, damit sie auch mal noch etwas Liebes bekam und dann ging das ganze Spektakel von vorne los. Wir waren wieder auf dem Reitplatz und übten das Stillstehen, überall Anfassen lassen und Hufe heben. Nessi konnte alles und Kathy war mit der hübschen Stute schon schnell bei den nächsten Übungen angelangt. Pina hingegen machte mir das Leben nicht sonderlich leicht. Hufe geben? Niemals. Anfassen? Erst recht nicht. Stillstehen? So einen naiven Menschen wie dich kannte ich vorher noch nicht.
      Irgendwann klappte alles einigermaßen, so dass ich zu den nächsten Übungen weitergehen konnte. Da Pina aber noch nicht so weit war, fand ich es wichtig mit ihr auch noch einmal das Schrecktraining durchzugehen. Nessi kannte es bereits, also bat ich Kathy, ihre Stute wegzubringen und mir stattdessen bei Pina zu helfen. Immerhin brauchte ich nun jemanden, der die Regenschirme hielt, bunte Fahnen hin und her schwenkte und was weiß ich nicht alles.
      Ich glaube Pina drehte schon komplett durch, als sie das alles nur von weitem sah. Es dauerte auch lange, bis sie annähernd in die Nähe von etwas ging und selbst dann zitterte sie am ganzen Leib. Deshalb wurde Dajun auf den Reitplatz zitiert und als Kathy mit dem selbstbewussten Hengst voran ging, bekam auch Pina es allmählich auf die Reihe, ihre paar Nerven zusammenzunehmen und an Hütchen, Schirmen und Tonnen vorbei zu gehen.
      Anfangs huschte sie noch schreckhaft vorbei, aber am Ende sah es beinahe so entspannt und locker aus wie bei Dajun. Dementsprechend lobte ich sie auch ausgiebig und daran fand Pina besonders schnell gefallen. Ein Tipp, den ich an Elisa weitergeben sollte, denn ein Pferd, was so gut auf Stimmenlob reagierte, war Gold wert.
      Pina durfte mich nun verlassen, musste aber von Kathy noch ein wenig trocken geführt werden, denn sie hatte teilweise so einen Stress gemacht, dass sie nun relativ nass gewesen war. In der Zeit beschäftigte ich mich lieber noch ein bisschen mit Dajun. Der wohl mit Abstand am weitesten und das trotz seines jungen Alters.
      Deshalb war er heute der erste, der Hallo zum Longiergurt und zum Sattel sagen durfte. Beides legte ich nur testweise auf und führte ihn maximal eine Runde damit. Danach widmeten wir uns lieber noch ein wenig der Bodenarbeit und verfeinerten seine Reaktionen auf Körpersignale meinerseits. Das schien Dajun sichtlich Spaß zu machen und er verstand wirklich schnell den Sinn dahinter. Wenn ich dann mal wieder gut auf Elisa zu sprechen sein würde, würde ich sie sicherlich auch darüber informieren. Vorerst würde ich das aber wohl maximal Matthew oder sogar eher noch Joline anvertrauen.
      Nachdem dann auch der hübsche Roan wieder auf der Weide stand, war nur noch Symbolic Splash an der Reihe. Kathy hatte sich derweil schon feierlich verkrümelt, also würde ich alleine mit der Stute arbeiten müssen. Und was soll ich sagen? Ich konnte Lashy von Anfang an nicht leiden. Sie war todschick, keine Frage, aber sie war auch aufmüpfig, stur, zickig und für ihr Alter schon verdammt selbstsicher. Alle grauenvollen Charakterzüge in einem Pferd gepaart. Warum um Himmels Willen hatte sich Jojo denn dieses Pferd andrehen lassen? Und woher hatte die überhaupt ihren Charakter? So viel ich wusste, waren ihre Eltern und selbst die Großeltern eigentlich ganz annehmbare Pferde. Immerhin handelte es sich bei diesen um die einzigartigen DRPs von Elisa. Aber Lashy schlug in eine vollkommen andere Richtung...
      Dementsprechend wenig hielt sie dann auch von unserer Boden- und vor allem der Zusammenarbeit und ich musste sie ziemlich fordern, bis Lashy einsah, dass sie weniger arbeiten musste, wenn sie einfach mal mitmachte. Erst ab den Punkt konnten wir wirklich mit dem Training beginnen. Ich ging einmal das Fohlen-ABC durch a la Stehen bleiben, Hufe heben und Berühren lassen und wechselte dann auch schon zum Schrecktraining. Eine Sache, die Lashy ausnahmsweise mal ein wenig ihres Egos raubte.
      Nachdem sie aber bemerkt hatte, dass Regenschirme sie nicht auffraßen, war sie wieder ganz die Alte: nervtötend und egozentrisch. Dennoch gab ich nicht auf, sondern widmete mich weiterhin stur den Aufgaben. Ja, stur konnte auch ich sein und das schien Lashy zumindest so zu beeindrucken, dass sie noch bei den Führaufgaben mitmachte und wir sogar leichte Ansätze zum Longieren hinbekamen. Was für ein Fortschritt! Das würde mir Jojo doch garantiert nicht glauben.
      „Du kannst froh sein, ein Pferd zu sein. Wenn du ein Mensch wärst, würde ich mich keine zwei Sekunden mit dir rumschlagen“, murmelte ich ihr am Ende leicht genervt zu und ich war echt dankbar, dass ich auch das Training mit Lashy hinter mich gebracht hatte. Dementsprechend durfte dann auch Lashy zurück auf die Weide. Dort machte sie direkt wieder klar, wer hier die Oberzicke war und ging den anderen ebenso auf den Keks wie mir vor ein paar Minuten. Die anderen tangierte das aber relativ wenig und so stand Lashy auch irgendwann grasend, und eventuell auch ein wenig bockend, auf der Weide.
      Ich konnte nun stattdessen Elisa und Jojo die beruhigende Nachricht schicken, dass ihre Vierbeiner versorgt und fertig waren. Und siehe da! Kurz nachdem sie Nachricht abgeschickt war, kamen sie aus ihren Löchern gekrochen und standen wieder auf meinem Hof herum. Elena hatten sie dooferweise auch noch mitgebracht und diese echauffierte sich nun darüber, dass ich ihr nicht Bescheid gegeben hatte. "Wenn man schon so einen Freundschaftsdienst anbietet, dann bitte für alle!", durfte ich mir anhören und als ich mit "Aber..." ansetzte, kam nur noch ein: "Ach, papperlapapp. Du brauchst dich gar nicht erst versuchen, rauszureden."

      Eine gegen Alle - 25. September 2015
      Gebannt starrte Elisa auf das Spielbrett und zählte Jojos Züge begeistert mit. „HA! Schlossallee! 8000 DM FÜR MICH!“ Begeistert sprang sie auf und ab um danach 4000 DM und Jojos Museeumsstraße abzuzocken. Danach kauerte der Zwerg teilnahmslos in der Ecke, mitmachen konnte sie nicht mehr, nachdem ihre letzte Straße gehen musste. „Du hättest ihr Rabatt geben sollen“, warf Gwen ein, „Schließlich ist sie zum dritten Mal draufgekommen.“ Elisa wedelte ihren Finger hinterher un brachte ein bestimmtes ‚Nö‘ heraus, um anschließend endlich ihren Zug durchzuführen. „Da ich jetzt endlich die Museeumstraße hab, kann ich endlich Häuser bauen. Ich mach gleich vier, ihr sollt es schön haben, wenn ihr drauf kommt.“, sagte sie und fühlte sich wie Mutter Theresa. Was wollte man mehr als ein Häuschen auf der Straße, die einen in den Ruin zwingt.
      Zwei Runden nach Jojos Ableben, zog es auch mich in die Knie. Elisa, aka. der Monopoly Mann, machte es einen Heiden Spaß, auch wenn nur noch Gwen und sechs Straßen ihrer endgültigen Macht im Weg standen. Tapfer umfuhr Gwen die von Hotels und Häusern belagerten Straßen und landete mit viel Glück auf ihren eigenen Feldern. Wahrscheinlich wollte auch eine höhere Macht nicht, dass Elisa gewann. Gut, gegen die 40 Millionen des Monopoly Manns kam irgendwann keiner mehr an. Jojo hatte es sich mittlerweile aufs Sofa gelegt und stopfte aus Frust Chips in sich rein. Die sahen so köstlich aus, dass ich sie bei der nächsten Gelegenheit aus ihrer Hand stibitzte und nach drei Runden um den Esstisch auch für mich gewinnen konnte. Jojo resignierte, nicht nur das Spiel hatte sie verloren, sondern auch ihr Essen. Nun saß sie in einer Ecke, die Beine angewinkelt und starrte geistesabwesend gegen die Wand. Meine Beschwichtigungsversuche brachten rein gar nichts, laut ihr stand ich wegen meiner Aktion nur noch ganz knapp unter dem Monopoly Mann auf ihrer Mordliste.
      „HA. VERLOREN DU OPFER!“
      Eine grausame Stimme hallte durch den Raum, der Sekunden später der Klang eines runtergeworfenen Spielbrettes mitsamt Figuren folgte. „Du bist so ein schlechter Verlierer, Gwen. Ich weiß, du bist traurig, weil du nicht so reich und toll bist wie ich, aber ich bin ein Gewinnertyp und das musst du einsehen.“ Der arroganter Vortrag des Monopoly Manns sorgte dafür, dass Gwen missmutig aus dem Haus stapfte und sich auf die Terrasse setzte, um zu schmollen. Als ich mich neben sie setzte und ihr großzügig die letzten Krümel aus der Chipstüte anbot, war die Welt schon wieder fast in Ordnung.
      Wir, Jojo, Gwen und ich, schworen uns, nie wieder auch nur irgend etwas ähnliches wie Monopoly mit dem Monopoly Mann zu spielen. Man musste das Ego nicht noch weiter pushen.
      Etwas übel gelaunt schwangen wir uns auf unsere Pferde, um unseren Ausritt kamen wir auch heute nicht drum rum. Während ich mich auf Ostaras Rücken gleiten ließ, fiel Jojo aus lauter Selbstmitleid fast von ihrer geliehenen Nessaja und auch Gwen kam nur schwer in Wishs Sattel. Nur der Monopoly Mann hüpfte glücklich auf Icetea, auch wenn diese es mit einem Buckler beantwortete.
      „Los gehts, Freunde! Es ist so ein schöner Tag!“
      Der Geldsack führte uns gut gelaunt an, während sich unsere Münder synchron in einen Strich verwandelten.

      Geburtstagsfreuden - 05. Oktober 2015
      Eigentlich war es nichts Neues, dass Elisa mich zu irgendwelchen Schandtaten verpflichtete, aber heute war wohl die Krönung der gesamten Jahre, die ich schon auf Townsend Acres arbeitete.
      Es war mein Geburtstag und gerade heute konnte sie es sich einfach nicht nehmen lassen, mir den Tag wohl vollends zu versauen. Stattdessen hockte ich jetzt auf dem ziemlich unbequemen Fahrersitz des Treckers und durfte den Pferdemist irgendwie entsorgen. Wohin, das wusste sie aber selber nicht und so fuhr ich hier schon knapp zwei Stunden durch den kanadischen Wald. Deshalb hatte ich sie auch schon mindestens zweimal angerufen, aber wie Elisa nun einmal war, wurde ich eiskalt weggedrückt. Die einfachste Methode wäre wahrscheinlich den Trecker stehen zu lassen und zu flüchten. Doch Elisa hatte rundherum ihre Bande als Wachen postiert, irgendwie fühlte ich mich permanent unter Beobachtung. Die kanadische NSA war nicht zu unterschätzen, schon gar nicht wenn Elisa der Präsident war.
      Mal wieder war ich am überlegen, warum um Himmels Willen ich damals diesen Job angenommen hatte. War ich wirklich so naiv und dumm gewesen? Oder einfach blind? Das Kleingedruckte, das mich zu 25 Jahren Sklaverei verpflichtete, hatte ich schließlich auch übersehen. Dabei könnte ich jetzt auch in einem Stall ohne verrückte Nachbarn und mit einer normalen Chefin sein. Die würde sich dann vielleicht auch mal entscheiden können, ob sie mich nun wollte oder nicht. Da ich nicht kündigen konnte und auch nicht in der Lage war zu flüchten, würde ich wenigstens den Mist wieder mit nach Hause bringen. Elisa würde schon sehen, was sie davon hatte, mich an meinem Geburtstag ackern zu lassen.

      Ich hasste Kanada. Oder zumindest hasste ich an Kanada, dass überall nur Wald war und alles absolut gleich aussah. Das führte nämlich dazu, dass ich auf meinem bockigen Rückweg noch einige Schlenker und Umwege einbaute, was wiederum dafür sorgte, dass ich viel später daheim ankam als eigentlich nötig gewesen war.
      Viel, viel später.
      Es war leider viel zu einfach, sich hier zu verfahren oder zu verirren.

      Als ich auf dem Gestüt ankam, entdeckte ich mitten auf dem Hof eine liegende Person. Eigentlich wollte ich in dem Moment schon wieder umdrehen, aber mein „Erste-Hilfe-Reflex“ regte sich und so sprang ich vom Trecker und eilte zu dem sich nicht bewegenden Etwas. „BUH!“, machte es plötzlich, als ich etwas näher kam und Jojo sprang kichernd auf, um dann in Richtung Stall zu verschwinden. Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht nur von einer dominanten Chefin, sondern auch von verrückten Nachbarn umgeben war? Der einzige Lichtblick waren zwei, ebenfalls Versklavte, vom Nachbarstall. Jedoch durften die beiden ihren Stall nur unter Aufsicht verlassen, wenigstens mussten sie keine Halsbänder tragen. Eigentlich hatte ich Colin und Nate zu meinem Geburtstag einladen wollen. So ein Abend unter Kerlen wäre sicherlich einmal angenehm gewesen, allerdings konnten die beiden heute nicht: Ausgehverbot.
      Da ich ungern die Höhle des Drachen betreten wollte, entschied ich mich stattdessen für den Stall. Dort wurde ich aber auch nicht in Ruhe gelassen, denn an der Stalltür hing ein Zettel mit dicken roten Buchstaben: „Kümmere dich um die, auf die ich keine Lust habe!“, stand darauf, natürlich ohne bitte, da wusste ich wenigstens sofort, von wem er stammte. Klar war auch, um welche ihrer wertvollen Anschaffungen ich mich kümmern durfte: Don Johnson, Refren und Kronjuwel. Da ich Angst um mein Abendessen hatte, folgte ich brav ihren Anweisungen, auch wenn ich besseres zu tun hatte, als an meinem Geburtstag zu schuften. Vielleicht würde ich wenigstens danach dann meine Ruhe haben, also lieber jetzt die Arbeit hinter sich gebracht, als eine Furie zum Abendessen. Wobei diese so oder so anwesend sein würde. Aus dem Grunde machte ich mir gar nicht großartig die Mühe, etwas mit den Pferden zu tun, die freuten sich schließlich auch mal über eine Karotte und einen freien Tag - was ja aber eigentlich nichts Neues für die war. Elisa wollte es zwar nicht einsehen, aber wenn es nach mir ging, dann platzten unsere Ställe (mal/schon wieder) aus allen Nähten und trotzdem konnte sie es nicht lassen, sich immer wieder neue Ponys hierhin zu bestellen. Koste es, was es wolle. Davon abbringen konnte man sie nicht. Ob diese Krankheit erblich war? Man konnte nur hoffen, dass Elisa sich niemals liieren würde. Wobei das sowieso nicht von Nöten war, man brauchte Elisa nur den ein oder anderen Drink auszugeben und man hatte sie dort, wo man sie haben wollte. Sturzbesoffen im Bett. Unter der Bettdecke. W-/billig.
      Aber das würde ich natürlich niemals ausnutzen, deswegen war es mir auch eigentlich egal. Relativ. (Aber „relativ“ ist ja zum Glück objektiv.)

      Da weit und breit nichts von meinem Hausdrachen zu sehen war, schlich ich mich in das Haus und geradewegs die Treppe nach oben ins Badezimmer. Eilig riss ich mir die Klamotten vom Körper, schmiss diese auf den Boden und schob dann den Duschvorhang zur Seite. Heute war definitiv mein Glückstag, denn in der Dusche standen sowohl die vier bescheuerten Weiber, als auch Nate und werkelten an der Duschbrause herum. Nun ja, Nate werkelte, der Rest stand wie eine Horde Cheerleader dahinter und erwartete Großes.
      „Hi Matthew… OH GOTT, ZIEH DIR WAS AN!“, schrie mir Elena entsetzt entgegen und zog den Duschvorhang wieder zu.
      Im nächsten Moment ging der aber wieder auf und Elisas Gesicht starrte durch den kleinen Spalt zwischen Vorhang und Wand. „Ach, wieso denn, das ist doch völlig in Ordnung so?“, erklärte sie dann, sah mich an und zwinkerte mir süffisant zu. Ich verstand die Welt nicht mehr.
      Als ich dann auch mal schaltete und bemerkte, was ich gerade abging, riss ich den Duschvorhang an mich, zog ihn so schnell es eben möglich war zu und griff nach dem nächstbesten Handtuch. Dass das pink und mit rosa Einhörnern auf Regenbögen verziert war, realisierte ich im ersten Moment gar nicht. Mein nächster Gedanke widmete sich wohl Elena und ich fragte mich innerlich, wieso die Barbie schon wieder bei uns geduscht und ihr Zeug hier liegengelassen hatte. Das Handtuch konnte nämlich nur von ihr kommen.
      „Hat er das Regenbogen-Einhorn Handtuch?“, flüsterte irgendjemand hinter dem Vorhang und drückte den Finger dagegen. Eine schreckliche, ohrenbetäubende Stimme hallte durch das gesamte Bad und die verantwortliche Person sorgte dafür, dass der Vorhang von der Stange riss. „BAH! REIB DICH NICHT NOCH DARAN, DU PERVERSLING!“
      Während mir das Handtuch von der Hüfte gerissen wurde, flogen neben Elena, die das Ganze verursachte, auch Gwen, Jojo und schließlich Elisa aus der Dusche. Der Haufen lag nun äußert anmutig vor mir, und Elisa stand meiner unteren Region Auge in Auge gegenüber. „Na Mensch! Bei Tageslicht sieht der ja gar nicht so schlecht aus!“, staunte sie und öffnete (vor Schock natürlich) den Mund.
      „Irgendwie komme ich mir gerade vor wie in einem schlechten Erwachsenenfilmchen“, umschrieb Elena das böse Wort gekonnt und hielt sich dann die Augen zu. “Elena! Der korrekte Begriff ist Soft-Po…”
      „Warum liegt hier eigentlich Stroh?“, war das Einzige, das Jojo dazu zu sagen hatte und Nate machte selbstverständlich direkt mit: „Warum hast du ‘ne Maske auf?“
      „Ihr macht das falschrum…“, stellte Matthew trocken fest und deutete dann mit dem Arm in Richtung Tür. „WÜRDET IHR JETZT BITTE ENDLICH AUS MEINEM BADEZIMMER VERSCHWINDEN?“
      „Die anderen gehen wohl, aber mich kannst du nicht aus einem Zimmer in meinem Haus schmeißen.“
      „Dann schieb ich dich halt raus, wenn es unbedingt sein muss und nicht anders geht.“
      Nate hingegen warf mir einen mitleidigen Blick zu und zeigte dann Erbarmen. Wenigstens auf ihn konnte ich mich gerade insofern verlassen, als dass er Elisa kommentarlos aus dem Badezimmer zog und sie schließlich vor der Tür absetzte. Wie Entenkinder watschelten die anderen drei Damen dann noch hinterher (Elena hielt ihr Regenbogen-Einhorn-Handtuch fest umschlungen) und schon war die Tür endlich zu, weshalb ich sie erleichtert abschließen konnte und laut seufzte.
      Was. War. Das?!
      Und vor allem: Wieso?!
      Nicht einmal an meinem Geburtstag wurde ich von dem Quartett in Ruhe gelassen und dass sie jetzt auch noch Nate mit hinein zogen, war die Höhe. Er durfte nicht mit ein paar Bierchen trinken, aber für ihre Schandtaten war er gut genug. Colin war bestimmt auch zu solchen Übelkeiten gezwungen worden, wahrscheinlich musste er für neuen Tequila sorgen, damit die vier Freundinnen ihren Spaß haben konnten. An meinem Geburtstag.
      Aber gut, wenigstens hatte ich jetzt vorläufig meine Ruhe. Obwohl das auch nicht wirklich wahr war, man hörte die vier Hühner immer noch gackern. Und es gehörte nicht gerade auf meine Sachen-die-für-eine-ruhige-Dusche-benötigt-werden-Liste, dass im Becken überall Konfetti lag. Oder, dass beim Versuch, die bunten Papierfetzen wegzuspülen, noch mehr Konfetti auf mich herab regnete. Nasses Konfetti, das sofort überall kleben blieb - auch in meinen Haaren.
      Na, das war ja ein super Tag. Fast so schön wie die dreihundertvierundsechzig anderen Tage im Jahr. Schaltjahre waren da nochmal einen Tag schlimmer.

      Vorsichtig sah ich mich um, als ich aus dem Badezimmer trat und sprintete in mein gegenüberliegendes Zimmer. Dass mich dort die nächste Überraschung erwartete, wusste ich erst, als ich die Schranktür öffnete. Gwen und Elisa sprangen mir entgegen. Gwen hatte eine Fliegenklatsche in der Hand, von welcher sie direkt Gebrauch machte und Elisa stülpte mir kurzerhand einen Sack über den Kopf.
      Durfte ich die eigentlich wegen Entführung anzeigen? Vermutlich stand dazu auch etwas im Kleingedruckten. Aber wer wäre Elisa schon, wenn sie nicht an alles gedacht hätte?

      Die Frage war, wo mich das monströse Gespann hinbringen würde, in der Hölle war ich ja schon. Und das nur in Boxershorts.
      Hatten die eigentlich einen neuen Fetisch entwickelt? Fehlte ja nur noch, dass sie mir einen Knebel in den Mund stecken würden, damit ich auch ja nichts mehr sagen könnte.
      Irgendwann fand ich mich in einem dunklen Raum wieder, soweit ich erkennen konnte, war es das Wohnzimmer. So ganz sicher war ich mir jedoch nicht, denn das Licht war ausgeschaltet und so konnte ich nur schwach einige Silhouetten erkennen. Vorsorglich hatten die Weiber wohl die Rolladen runtergelassen, damit auch kein Sonnenlicht mehr in das Zimmer kam und ich sowieso so ungefähr gar nichts mehr sehen konnte.
      Natürlich dachten sie wie immer an jedes noch so kleine Detail, verdammt.
      Und dann wich die unberuhigende Stille einem noch unberuhigenderen Kreischen, welches sich nach einigen Sekunden als ein „Happy Birthday!“ herausstellte. Jetzt besangen diese Weibsen auch noch meinen Tod, na danke auch! Zur gleichen Zeit ging auch die Beleuchtung an und ich war nicht nur taub sondern auch blind.
      „Du musst die Piñata treffen!“, quietschte Gwen aufgeregt und schob mich so nah zu diesem Teil, dass ich es erst einmal gegen den Kopf bekam. Den dazugehörigen Schläger erhielt ich von Elisa, welche ihn gefährlich nahe an eine gewisse Region brachte, so dass ich ihr schnell die „Waffe“ aus der Hand nahm, was sie nur mit einem Zwinkern zur Kenntnis nahm.
      Noch dazu kam eine Konfettikanone, die Nate mit einem beschämenden Blick auslöste, während Elena aufgeregt in eine Tröte pustete. Elisa hätte sicherlich besser blasen können - da war ich mir ganz sicher. Um den Damen ihre Freude nicht zu verderben, schlug ich auf die Piñata ein. Heraus kamen… Kondome. Und Penis-Lollis. Klasse. „Ich hoffe die reichen für die Nacht!“, quietschte Elena, klatschte ihre Hand mit voller Wucht auf meinen Arsch und zwinkerte anschließend Elisa zu.
      „Ich schwöre, davon wusste selbst ich nichts …“, murmelte Elisa nur, grinste dann aber. „Aber du kannst ja Nate und Elena auch welche abgeben!“
      Nate sah daraufhin Elena an, die wieder einmal versuchte eine Augenbraue hochzuziehen - und es ausnahmsweise sogar schaffte. Antworten konnte ich nichts darauf, da bereits Colin in Begleitung von Jojo vor mir stand und mir etwas zu Trinken in die Hand drückte. Das einzige, was half, diesen Albtraum zu stoppen, war sich so schnell zu betrinken wie möglich. Also exte ich das Glas mit Long Island Icetea. Jetzt waren die Pferde also auch schon im Wohnzimmer angekommen, farblich passte der Cocktail perfekt zu der Reitponystute.
      Als wäre es nicht sowieso schon schlimm genug, dass der einzige Ausweg aus dieser mehr als peinlichen Situation für mich Alkohol war, stattdessen wurden mir nun von allen Seiten überraschte Blicke geschenkt. Nur Gwen und Colin machten noch mit, die hatten sich allerdings mit Tequila an den Wohnzimmertisch gesetzt. Colin versuchte gerade, Gwen beizubringen, wie man Tequila richtig trank, denn die hatte es die letzte Zeit tatsächlich ohne Salz und Zitrone gemacht. Es war also für sie praktisch das erste Mal (dass sie das Getränk so wirklich richtig trank).
      Während ich den beiden zusah, bemerkte ich zuerst gar nicht, dass Elisa sich vor mich kniete und an der Boxershorts herumzupfte. „Die saß schief“, kommentierte sie eiskalt und stand dann so auf, dass sie nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt war. Es war sehr einschüchternd. Und irgendwie auch ziemlich beängstigend, aber davon würde ich mir nun nichts anmerken lassen dürfen.
      Dass Jojo nun mit einem was-tut-ihr-da-Blick hinter mir stand, machte es nicht besser; eher im Gegenteil. „Keinen Dreier im Wohnzimmer!“, kam es dann von Elena, die dicht neben Nate auf dem Sofa saß. Wie gewohnt hatte sie etwas zu essen in der Hand und auch der Alkohol war dicht bei ihr.
      Sehr dicht.
      Zu dicht.
      Ich war mir jedoch nicht ganz sicher, ob ich in diesem Moment den Alkohol meinte, weil der zu dicht an Elena war, oder ob es mir gerade um Elenas Zustand ging. Nach dem, was die vier Weiber sich heute schon erlaubt hatten, war ich nämlich der festen Überzeugung, dass sie definitiv schon vorgeglüht hatten. Die Beweislage dafür stand gut.
      Nate hatte aus Verzweiflung mitgetrunken, wer konnte es ihm verübeln. Ein Nachmittag mit allen Vieren konnte einen Mann zerstören. Und an manchen Tagen sogar die Menschheit.
      Elisas geschickte 180 Grad Drehung und das anschließende herunterbücken, sorgte dafür, dass Jojo ein angeekeltes „Nehmt euch ein Zimmer!” heraus brachte und sich schließlich von uns abwandte, um Declan ins Haus zu lassen.
      Elisa stöhnte, als sie nicht aufpasste; zum Glück hatte es niemand gemerkt. Nur Elena sah mich abschätzig an und schüttelte ihren Kopf. Als Nate langsam ihrem Blick folgte, ging ich schnell einige Schritte rückwärts und lief in mein Zimmer. Ich konnte schließlich nicht ewig in Boxershorts auf dieser tollen Überraschungsparty rumlaufen.
      In Shirt und Jeans kam ich wieder die Treppe herunter und anscheinend musste in diesen fünf Minuten irgendetwas passiert sein. Die gesamte Gruppe saß auf dem Boden um ein Spielbrett herum und beobachtete wie Elisa würfelte.
      „Hab ‘ne 2 gewürfelt“, stellte sie fest, sah dann auf das Spielbrett und klatschte begeistert in die Hände. „Ha! Gehe auf das Feld 32! Ich bin super!“, freute sie sich.
      „Trinke 3 und küsse eine Person des anderen Geschlechts“, las Colin laut vor und blickte dann zu Elisa hoch, deren Gesicht wie versteinert war.
      „Du musst Matthew küssen!“, rief dann plötzlich Gwen und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft herum. Elisa hingegen kippte drei Shots hinunter, überlegte, schüttelte dann aber den Kopf.
      „Sorry, dazu bin ich noch nicht voll genug“, protestierte sie lautstark und verschränkte die Arme vor der Brust.
      Nach einer schier endlosen Diskussion zwischen den beiden Parteien, ob Elisa die Aufgabe nun machen musste oder nicht (Elisa und Colin, der wohl Mitleid hatte, waren dagegen, der Rest schrie laut und begeistert, dass sie die Aufgabe nun machen müsste), zog ich meine Augenbrauen hoch und sagte nur: „Lasst sie halt drei weitere als Joker trinken, dann hat sich das.“
      Und wer wäre Elisa nur, wenn sie nicht tatsächlich direkt zum Glas gegriffen und die drei Shots runterspült hätte?
      Und wer wäre Elisa nur, wenn sie mich nicht in diese verrückte Spiel hinein ziehen würde? Sie schubste mich auf den Boden und drückte mir die Würfel in die Hand, auch wenn bestimmt jemand Anderes dran gewesen wäre. Es störte aber niemanden, stattdessen wurde ich angefeuert und es wurde darauf gewettet, auf welches Feld ich wohl gelangen würde.
      Ich würfelte dann eine Drei - Feld 35. „Gehe auf das Feld 6.“
      Und Feld 6 besagte dann, dass ich „endlich“ wieder trinken dürfte. Dafür bekam ich ein empörtes „Du Penner, ich hab uns gerade auf 32 gebracht und du springst so weit zurück!“ von Elisa und einen Schlag in den Nacken von Gwen, die das Spiel mit Tequila trank …
      Wir anderen hatten uns auf Berentzen geeinigt, womit ich auch relativ gut leben konnte. Solange es kein Roter war, mit dem wir Trinkspiele tranken, müsste ich auch keine Angst davor haben, dass Elisa hier im Strahl kotzen würde.
      Es passierte eine Zeit lang nichts, außer, dass einige oder alle hin und wieder trinken mussten, bis ich mal kurz wegsah und durch ein Jubeln wieder zurückgeholt wurde. „Trinke 1 und ziehe ein Kleidungsstück aus!“, grinste Elena Elisa an und ich wandte meinen Blick noch zu ihr. Während sie mir immer wieder, mehr schlecht als recht, zuzwinkerte, zog sie ihr Oberteil über ihren Kopf und präsentierte stolz ihren BH. Gwens Frage, ob sie auch untenrum passend angezogen war, war kaum zu überhören und Elisa beantwortete sie mit einem fröhlichen „JA!“.
      Elisa hatte also schon ordentlich intus, das war allerdings auch kaum zu übersehen. Sie kicherte die ganze Zeit, musste über alles lachen und lehnte sich schon die ganze Zeit entweder an meiner oder an Colins Schulter an, weil sie weder eine Lehne im Rücken noch an der Seite hatte und sich wohl so schon selbst nicht mehr alleine halten konnte. Gwen quittierte das zwar mit einem nicht so begeisterten Blick, schien dann aber immer wieder zu bemerken, dass sie sich auch an mir anlehnte und in diesem Moment wechselte ihr Gesichtsausdruck zu einem wissenden.
      „Warum darf nur Elisa ihre Unterwäsche präsentieren”, nörgelte Elena und schüttelte Nates Arm unentwegt, „das ist unfaaaaaair.” Versteh einer die Frauen - Sonst passten alle immer aufs Peinlichste auf, damit man ihnen nicht zu nahe kam, wenn sie auch nur im Bikini waren. Wenn es so weiterging, würden sie noch nackt auf den Tischen tanzen.
      „Ich hab auch extra passende angezogen!“, meckerte sie weiter, drehte dann ihren Kopf in Richtung Nate und schenkte ihm einen verführerischen Blick. Gott, die war ja jetzt schon hackedicht. Als sie würfelte, verfehlte sie um ein Feld das Ausziehen, landete zu ihrem bedauern auf dem „Deine beiden Nebensitzer trinken“ und durfte nicht zum Glas greifen. Sie tat es trotzdem und auch Elisa war mit Freude dabei, mittlerweile waren die Regeln nicht mehr wichtig, solange es Alkohol in Massen gab.
      Was dazwischen passierte, war eigentlich nicht viel. Nur Jojo und Declan rutschten mit der Zeit immer näher aneinander und steckten ständig ihre Köpfe zusammen, daraufhin folgte stets leises Kichern und/oder Grinsen. Irgendwann hatte Juli ihren Kopf auf Declans Schulter ruhen und die Augen halb geschossen. Elena und Nate hatten das Trinkspiel ebenfalls aufgegeben, die spielten ständig Schere-Stein-Papier oder drehten Däumchen, warum auch immer.
      Nur Gwen und Colin tranken noch immer ihre Tequila-Shots und waren noch „munter“ dabei. Die wollten wohl erst aufhören, wenn sie festgestellt hatten, wer von den beiden mehr vertrug, obwohl Gwen inzwischen schon mehr als fertig aussah und Colin hingegen noch ziemlich gesund.
      Elisa hing mit ihrem Kopf derweil auf meinem Schoß und war nach einer Weile einfach eingeschlafen.

      Als ich am Morgen danach auf dem Sofa aufwachte, lag mein Arm um Elisas Hüfte, die ruhig und gleichmäßig atmete, also noch am Schlafen war. Dennoch stand ich auf, nachdem ich einen Blick auf die Uhr geworfen hatte, und quälte mich mühsam vom Sofa; bedacht darauf, Elisa nicht aufzuwecken, denn sonst würde sie wahrscheinlich zur Furie mutieren.
      „Ey, Matthew?“ … „Pssst, Matthew!“ Es war Juli, die da meinen Namen so leise wie möglich wisperte und anscheinend versuchte, sonst niemanden aufzuwecken.
      „Hm?“, wollte ich wissen und durchsuchte den Raum nach ihr.
      „Kannst du den … irgendwie … mitnehmen?“
      Nachdem ich einen kurzen Blick auf Jojo und Declan geworfen hatte, schmunzelte ich und nickte nur. Kurzerhand stupste ich Declan mit dem Fuß an bis er aufwachte und zog ihn dann am Arm nach oben. Dank meinem grandiosen Überredungstalent konnte ich ihn davon überzeugen, dass es besser wäre, wenn er aufstehen würde.
      Da die Mädels, bis auf Jojo, noch immer tief und fest schliefen, schnappte ich mir die anderen Kerle und zwang sie zu einem Ausritt. Die Tradition musste gewahrt werden, auch wenn es sonst der Job der Frauen war.
      Während Nate nun also auf Wolke sieben schwebte (ob das daran lag, dass er auf Cloud Nine saß oder vielleicht auch wegen Elena, konnte ich nicht so recht beurteilen), hatten wir Colin auf Kedves und Declan auf Jojos Holsteinerhengst Painted Blur verfrachtet. Ich hatte mit Audio Delite at Low Fidelity die einzige Stute unter mir, doch glücklicherweise verlief alles relativ gut - irgendwelche Hengste, die sich einfach zu sehr aufspielten, wären wohl das Letzte gewesen, was wir hätten gebrauchen können. So war wenigstens der Ausritt keine völlige Katastrophe geworden und wir kamen alle wieder heil auf dem Townsend Acres an.

      Vom Babyhai und Tentakelschatz - 30. November 2015
      „Long Island Iced Tea haut aber mega rein. Die Jungs kommen da bestimmt immer noch nicht drüber hinweg“, erzählte ich Jojo diesmal beim Skypen und sie zog (weil sie es so gut konnte) eine Augenbraue hoch.
      „Der haut nicht rein.“
      „Ja, doch.“
      „Also mich hat der nicht umgehauen.“
      „Reinhauen! Nicht umhauen.“
      „Bei mir hat der auch nicht reingehauen.“
      „Doch, schon. Also das war bei denen wohl krass.“
      Stille. Dann wechselte ich das Thema. „Aber der Person, die meinen Killercocktail so genannt hat, bin ich immer noch böse.“
      „Wieso? Das war ich.“
      „Ja, wegen des Fehlers im Namen.“
      „Weil es 'Iced Tea' heißt?“
      „Nein, weil es 'Long Island Ice Tea' heißt. Nicht 'Long Island Icetea'.“
      „Jetzt wirst du aber pingelig.“ Eine Diskussion mit Pro- und Kontra-Argumenten, warum ich denn pingelig wäre (oder eben nicht) entstand und so schweiften wir immer weiter vom Thema ab.

      Nachdem ich mich mit Jojo darauf geeinigt hatte, dass ich es ein bisschen war, aber die anderen auch, wurde es irgendwann Zeit, sich zu verabschieden. Natürlich platzten Gwen und Elena in dem Moment in den Raum und laberten Jojo voll, sodass ich dieser einen entschuldigenden Blick schenkte und die zwei gackernden Hühnchen aufscheuchte. „Wir müssen noch mit den Pferden raus, also beruhigt euch!“
      Schmollend ließen die beiden sich von mir aus dem Haus schmeißen und zum Stall schicken. Elena setzte ich auf Never look back, Gwen bekam Raunchy's Limited zugeteilt. Und ich? Ich schnappte mir Ocean Water und nahm Valentine's Vendetta als Handpferd mit, damit die junge Fuchsstute auch mal wieder etwas Bewegung bekam.
      Dank des Schnees drehten wir keine sonderlich große Runde – hatten uns aber trotzdem allesamt auf dem Kieker. Oder zumindest hatten Elena und Gwen mich auf dem Kieker, weil ich sie von Jojo getrennt hatte. Genau das war auch der Grund, weshalb ich ständig Schneebälle in den Rücken, ins Gesicht oder an so ziemlich jede andere Stelle meines Körpers bekam. Dass es mir irgendwann eiskalt den Rücken herunterlief, war dann wohl auch vollkommen nachvollziehbar.

      Als wir wieder auf dem Townsend Acres ankamen, war es schon fast wieder dunkel. Die Dämmerung setzte gerade ein (es war noch nicht mal fünf!) und so hatten wir es recht eilig damit, die Pferde wieder in den Stall zu bringen und uns selbst ins warme Haus zu schaffen. Vielleicht schlief Jojo noch nicht. Die Zeitverschiebung hatte ich noch immer nicht ganz drauf, aber in Deutschland sollte es wohl auch noch nicht Mitternacht sein.
      „Wie geht es eigentlich meinem Babyshark?“, wollte Elena wissen und stopfte sich eine weitere Handvoll Popcorn in den Mund, während sie den Film, der gerade auf dem Fernsehbildschirm abgespielt wurde, mit den Augen verfolgte. Jojo hatten wir tatsächlich auch an Bord – aber per Skype.
      „Der heißt Shakoor.“
      „Nein, Babyshark.“
      „Geh doch gucken.“
      „Später.“
      Kopfschüttelnd widmete ich mich wieder dem Geschehen auf dem TV.

      Um Mitternacht waren wir alle mehr als fertig. Jojo war schon lange schlafen gegangen, wir drei hingegen lagen noch immer auf dem Sofa und kuschelten uns in die Decken. „Ich will nur noch schlafen“, nuschelte ich, doch Gwen hatte ganz andere Pläne.
      „Elena nimmt Rapsoul, ich Dark Memories und Elisa Cardillac!“
      „Wieso?“, fragten Elena und ich zeitgleich und betrachteten Gwen kritisch.
      „Mitternachtsausritt!“
      „Yaaaaay …“ Sonderlich begeistert sahen wir beide nicht aus, aber als Gwen uns so niedlich anstrahlte, konnten wir nicht anders, als Ja zu sagen.

      Zott Monte von Danone verfolgte uns mit seinem Blick skeptisch, als wir durch die Stallgasse schlürften. Auch Burnin' Unbridled Dreams und Capriciasso sahen nicht so aus, als wären sie von der Störung sonderlich angetan. Tenacious schlief einfach weiter, auch, als Gwen vor seiner Box stand und laut „Tentakelschatz!“ rief.
      Und die drei Vierbeiner, die mit uns ins Gelände sollten? Die starrten mehr als mürrisch Löcher in die Luft, aber sie waren anscheinend zu müde, um irgendwas zu realisieren.
      Und so schliefen wir fast zu sechst auf dem Ritt ein, aber hey, das war schon okay.
    • Elii
      Pflegebericht auf dem Pine Grove Stud
      von Rhapsody, Elii

      Honey, I'm home! - 23. Januar 2016
      Gut, es war vielleicht ein wenig fies, niemanden Bescheid zu sagen, dass ich wieder kommen würde. Aber Zoe, Adèle und Declan waren auf dem neusten Stand der neuen Stände, sie hätten also damit rechnen müssen.
      Womit sie nicht rechnen würden, war mein Begleiter.
      Die letzten Monate waren vielleicht nicht so super gewesen, aber ich hatte in Deutschland schnell wieder Freunde gefunden – unter anderem eben Lesja, der sich schon schnell zu einem meiner engsten Vertrauten gemausert hatte und sogar mit nach Kanada gekommen war. Er hatte zwar schon zuvor vorgehabt, ein paar Wochen (jetzt wohl Monate) mit Rucksack durch die kanadische Walachei zu ziehen – jetzt durfte er Mistgabel schwingen und beim Trainieren der Pferde helfen (dank einer kleinen, hartnäckigen Schwester war er wohl ein ganz guter Reiter gewesen).
      Eines führte zum anderen und er hatte sich bereit erklärt, als Aushilfe mit nach Kanada zu kommen. Zwar hatten wir ein bisschen abgespeckt was die Pferdeanzahl anging – alles natürlich unter meiner Supervision, wenn auch aus Deutschland – aber das bedeutete nicht, dass es deswegen weniger Arbeit gab.
      Womit ich natürlich nicht rechnete, war, dass mehr Boxen belegt waren als ich angenommen hatte. Mit Lesja war ich durch den Stall gegangen, um ihm in Ruhe alle Ponys vorzustellen, ehe Zoe, Adèle und Declan uns wieder voll beanspruchten. Wir hatten gerade mit dem Stutenstall begonnen, ich hatte gerade angefangen, Sikari, Cíola, Medeia, Parvati und Tautou vorzustellen, als sich ein sehr dunkelbrauner, zarter Kopf über die Boxentür neben Fleas Box schob.
      „Und sie?“ fragte Lesja sofort und hielt dem Pony, welches ich nur zu gut kannte, die Hand zum beschnuppern hin.
      „Das ist Long Island Icetea und eigentlich gehört sie in den Stall gegenüber,“ antwortete ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sowohl meine Crew als auch Elisa würden so schnell wie möglich meine Meinung davon erfahren.
      Lesja sah mich nur fragend an. Und da er ungefähr genauso stur war wie ich, kam ich wohl nicht aus der Sache raus. „Eigentlich gehört sie Elisa, die, die direkt gegenüber wohnt. Eigentlich. Aber anscheinend vorerst nicht mehr.“ Daraufhin zogen sich Lesjas dunkle Augenbrauen noch mehr zusammen aber damit musste er jetzt leben – mehr wusste ich auch nicht.
      „Hey, du hast Chepa noch gar nicht kennengelernt! Und Bucky!“ meinte ich daraufhin und versuchte mich an einem nahtlosen Übergang, der jedoch nicht unentdeckt blieb. Lesja rollte die Augen, doch drehte sich dann trotzdem zu der Lewitzerstute um, die ihm gerade den Jackenzipfel zerkaute.
      ***
      Nachdem wir auch Painted Blur, Quixoticelixer, Vaffanculo, Capulet (den Lesja sofort ins Herz schloss, das sah man ihm einfach an), Muraco und Paramour kennengelernt hatten und ich ihm versprach, morgen mit ihm Pacco zu besuchen, lief Lesja entschlossenen Schrittes in Richtung Wohnhaus.
      „Sicher, dass du bereit bist?“ fragte ich ihn zweifelnd. Es würde wohl kaum zu vermeiden sein, dass Zoe und Adèle ein bisschen die Fassung verlieren würden. Doch mit gewohnter Lässigkeit zuckte Lesja mit den Schultern und drückte schließlich auf die Klingel. Sofort fingen Ella und Khaleesi im Haus an zu bellen.
      Dann öffnete sich die Tür.
      ***
      Manchmal fällt einem erst auf, wie sehr man jemanden vermisst, wenn man diese Person wieder trifft. Aber gut, dass wir jetzt wieder im Land waren – auch, wenn es kalt war und der kanadische Winter eine absolute Sau war. Lesja hatte sogar geschafft, sich selbst vorzustellen und wurde natürlich von Zoe ausgequetscht. Declan saß daneben, hielt die Klappe aber hörte aufmerksam zu, während Adèle unsere Wiederkehr mit Kochen feierte. Meine Mutter hatte zwar sichergestellt, dass ich ja nicht verhungerte und deswegen hätte ich wohl auf die Pasta verzichten sollen, die gerade auf dem Herd köchelte.
      Aber ich war schon immer schlecht gewesen im Nein sagen.

      Übermut tut selten gut - 27. Februar 2016
      Ich hatte mich an die etwas ruhigeren Tage schon gewohnt. Wie es sich herausstellte, passierte im Winter im Kanada nämlich null komma nichts. Also wirklich gar nichts. Überhaupt nichts. Die Wege sind teilweise zu vereist, um schöne, lange Ausritte zu unternehmen und von den Temperaturen her zieht es einen auch nicht so ganz in die Welt hinaus. Wie ich von den anderen erfahren hatte, gab es auch hier Flauten – also eigentlich nur bei Elena, Gwen war auf Hundesuche. Oder war gewesen, so ganz war ich da nicht auf dem neusten Stand.

      Long story short: es war kalt, es wurde schnell dunkel und keiner hatte Bock, viel zu machen. Die Grundarbeit wurde gemacht, natürlich, aber wirklich jeder auf dem Pine Grove Stud sehnte den Frühling herbei. Ende Februar war er dann zwar noch nicht angekommen, aber die ersten Frühlingsboten zeigten sich auch bei -3°C Kälte und so hatte man dann doch etwas mehr Lust auf Arbeit.

      Oder wohl eher: ich hatte etwas mehr Lust auf Arbeit. Und ich hätte das beim Frühstück nicht so laut sagen sollen, denn prompt schob jeder, der konnte, seine täglichen Pflichten auf mich ab. So war meine erste Handlung des Tages (nach dem Frühstück, aber das gilt nicht. Immerhin wird man erst während des Frühstücks richtig wach), zusammen mit Zoe die Boxen auszumisten. Als Australierin sah man sie sogar bei doch relativ milden Minusgraden plus Sonne, die versuchte, den Schnee (der immer noch fast jede Nacht fiel) ein wenig wegzuschmelzen, nie ohne mindestens zwei Pullis, einem Hoodie und drei paar Strümpfen außerhalb des Hauses. Aber, trotz klirrender Kälte und klappernden Zähnen, hatten wir beide Ställe im Nu gemistet und während Zoe sich im Haus aufwärmen durfte, hatte ich schon mein nächste Date.

      Mein Date hatte aber vier Beine, eine Scheckung und kam schon an den Zaun getrabt, als ich noch mit gefrorenen Fingern den Strick vom Gatter löste. Seelenruhig wartete Paramour, bis ich den lockeren Knoten endlich aufbekommen hatte und das Tor öffnete.

      Wie das Kinderpony, dass er bestimmt geworden wäre, hätte er nicht schon von Anfang an in die Zucht gesollt, folgte mir der Hengst in die Stallgasse. Aufgrund der Farbe meiner Finger (rot. Knallrot.) hatte ich die Hände in die Ärmel meines Pullis versteckt und, damit er nicht so rumbaumelte, den Strick über Paramours Hals gelegt. Und so liefen wir von seiner Koppel mit Blurry in den Stall.

      Bevor ich mit dem Putzen begann, musste ich mir aber Handschuhe holen. 3 Grad minus waren zwar milder als die letzten Wochen, doch trotzdem einfach noch unter Null.
      Das Fell gestriegelt, die Mähne und der Schweif gebürstet (Flechten mit Handschuhen war, pardon, beschissen), die Hufe ausgekratzt und den Dressursattel Marke Eli auf dem Rücken machten wir uns dann eine gute halbe Stunde später auf in die Reithalle. Der Platz war mittlerweile dauergefroren, genauso wie der Roundpen, weswegen uns nur ein Stündchen in der Halle zur Verfügung stand. Also schwang ich mich so schnell wie möglich in den Sattel und los konnte es gehen.
      Das Training in den letzten Wochen hatte sich fast ausschließlich auf unsere Generation II konzentriert – Parvati und Tautou. Deswegen war ich fast überrascht, dass der Hengst trotzdem ohne Murren an den Hilfen stand und mir wieder einmal zeigte, dass Dressur eigentlich auch ganz gut war. Mittlerweile hatten wir zwar mehr Dressur- als Spring- oder gar Vielseitigkeitspferde im Stall stehen, doch für das Dressurtraining war fast ausschließlich Declan, mithilfe von Adèle, zuständig. Dementsprechend hatte ich es selbst schleifen lassen und es zur Aufgabe gemacht, Lesja die Freuden der Reiterei beizubringen.

      Nach einer Stunde ging es dann an die Rück“reise“ in den Stall und, nachdem er wieder trocken war und in einer Winterdecke eingemummelt, für Paramour wieder auf die Koppel. Mit einem herzzerreißenden Wiehern wurde er von Blurry begrüßt, als hätte der Holsteiner ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte anstelle von eineinhalb Stunden.
      Eine kleine Mittagspause gönnte ich mir, dann war das zweite Pferd des Tages dran. Vaffanculo hatte heute eigentlich ein bisschen mit Declan trainieren sollen, aber dank meiner großen Klappe saß ich etwa eine dreiviertel Stunde nach meinem Mittagssandwich schon im Sattel des Dunkelfuchses und versuchte, ihn wenigstens ein wenig zu zügeln. Val hatte mit am schlimmsten auf die Kälte reagiert – die ersten Tage war er nur am Bocken, jetzt äußerte sich das nur durch eine gewisse Spritzigkeit. Trotzdem alles andere als spaßig, denn ich wäre gerne sicher, dass ich nicht gleich über die Bande purzeln würde. Mit vielen Volten versuchte ich, den Hengst ein wenig runterzubekommen und auch mit vielen Übergängen wollte ich ein bisschen mehr Konzentration fordern. Es dauerte, doch mit jeder Minute wurde Val ein wenig ruhiger, konzentrierter, entspannter, sodass er am Schluss auch mal den Kopf runter und den Rücken hoch bekam. Durchaus zufrieden beendete ich das Training (wirklich Dressur war das nicht, aber für ein bisschen Lösungsarbeit war ich definitiv zu verschwitzt) und brachte auch die Rennwaffel zurück auf die Koppel.

      Die nächsten Stunden waren vollgestopft mit „Juli, könntest du mal -?“ und „ich brauch dich hier mal kurz“ und ich hatte wohl noch nie so sehr etwas bereut wie meine Aussage morgen früh. Um halb fünf, als die mittlerweile hinter den Wolken verschwundene Sonne sich langsam in den Wald hinter dem Hengsttrakt versteckte, wäre ich am liebsten ins Bett gefallen und erst morgen Mittag wieder aufgewacht. Stattdessen standen noch zwei Pferde auf meiner Liste und naja, meine Stunden waren begrenzt.
      Während ich gerade überlegte, ob ich Medeia und Long Island Icetea wohl problemlos zusammen in die Halle schmeißen und sie dort ein wenig laufen lassen konnte, setzte sich Lesja neben mich in Reitattire.

      „Ich bin bereit,“ sagte er nur und grinste mich dann breit an.

      Auf die Frage, ob er denn mit einem schreckhaften oder sturen Pferd besser klar kommen würde, riss er die Augen weit auf. Und etwa eine Stunde später trabte er ohne vorherige Angstzustände wie bei unserer letzten Runde um den Hof weit vor mir auf der grauen Connemarastute. Icetea hatte schwer zu tun, um Medi hinterher zu kommen, doch letzten Endes war es die Nase der braunen Stute, die den Hof schneller wieder erreichte. Das lag aber eher daran, dass Medeia auf der Zielgeraden ihren Ponydickkopf zeigte und einfach stehen geblieben war. Wie der gute Gewinner, der ich war, wartete ich auf die Nachzügler und begann erst dann, Lesja die Zunge rauszustrecken.

      Für die Abendfütterung waren dann Zoe und Declan dran, während Adèle, Lesja und ich es uns auf dem Sofa mit einer warmen Suppe und den Hunden bequem machen konnten.

      Frühlingsgefühle - 30. März 2016
      „Lesja, wir brauchen keinen dritten Hund.“

      „Aber guck, der hat so einen süßen Punkt auf der Nase!“

      „Ein Windhund auf einem Gestüt ist doch ziemlich fehl am Platz, meinst du nicht auch?“

      „Wir müssen einfach nur das Grundstück einzäunen und … ihm beibringen die Pferde nicht anzugehen?“

      „Nein.“

      „Aber jetzt guck doch mal –“ sprachs und schob mir das Tablet über die Frühstückstheke. Auf dem Bildschirm tollte eine Horde vor allem weißer Welpen (die trotzdem wohl fast eineinhalb mal so groß waren wie Ella oder Khaleesi) mit komischen Schnauzen über ein Areal, dass wohl so groß war wie eine unserer Stutenweiden. Selbst für tapsige Welpen sahen die Tiere doch schon mehr als anmutig aus, wenn auch etwas seltsam und … pferdeähnlich.

      „Die wurden gezüchtet für den russischen Hochadel,“ begann Lesja wieder und ich wusste, dass es in einem halbstündigen Wikipedia-Seiten-Vortrag enden würde, deswegen schloss ich das Video mit einem Seufzen und sperrte das Tablet. „Wir sind weder in Russland noch sind wir Hochadel.“

      „Aber wir würden so aussehen.“

      „Sag mal, hast du eigentlich nichts anderes zu tun?“ fragte ich. Abrupte Themenwechsel waren meine Spezialität. Und ich konnte Lesja damit immer ein schlechtes Gewissen einreden; zum einen, weil er mich von der Arbeit abhielt und zum anderen, weil er selbst nichts machte außer Hundevideos anzuschauen.
      Grummelnd rutschte er vom Barhocker und machte sich, Khaleesi an seinen Füßen hängend, auf den Weg nach draußen.

      ***

      Mittlerweile war Lesja nämlich soweit, dass ich ihn guten Gewissens auf Painted Blur ließ. Es hätte eigentlich von Anfang an sein sollen, aber Blurry war mein Baby und Bucky war absolut ungeeignet für einen Anfänger. Nach langem Überlegen arbeiteten jetzt sowohl Lesja als auch Declan mit dem Hengst, damit ersterer sicher wurde und letzterer Turniere mit ihm starten konnte. Durch die Doppelbelastung war auch der Winterspeck schneller geschmolzen und das Winterfell war schneller verschwunden.

      Apropos Winterfell – ich würde gerne sagen, dass der Frühling langsam einkehrte, aber im Vergleich zu anderen, etwas südlicher gelegeneren Ländern, war es doch noch ziemlich frisch mit knapp 7°C. Das einzige, woran man erkannte, dass es (Zitat Mama) „nauswärts“ ging, war das Verhalten der Pferde. Erst gestern waren Chepa und Parvati wie zwei Osterhasen über die Koppel gehüpft, und Tautou war davon fast kirre geworden. Das Ergebnis waren zwei Osterhasen und ein aufgebrachtes Pony, das mit aufgestelltem Schweif und langen Schritten am Zaun auf und ab trabte. Die restliche Herde ließ sich davon nicht beirren, aber ich hatte eigentlich darauf gewartet, dass Tatze ein Loch im Zaun suchen würde und wir dann auf Pferdesuche in der Dämmerung gehen hätten müssen. Stattdessen war das Spektakel nach etwa einer halben Stunde vorbei – zum Glück.

      Zoe, die mit Tautou in letzter Zeit vermehrt auf Turnieren gestartet war, hatte das Verhalten auch im Training gemerkt. Mittlerweile war jeden Tag der Longierzirkel vor, weil jemand sein Pferd vor dem Reiten lieber ein paar Runden rennen ließ, ehe man sich darauf wagte. Selbst Medeia, deren Sturkopf in den letzten Monaten gar nicht so durchgekommen war, war wieder ihr altes Selbst, weswegen Zoe vor wenigen Tagen einen ungraziösen Abgang vor einem Naturhindernis auf der Geländestrecke gemacht hatte. Glücklicherweise war nichts passiert bis auf ein paar Schürfwunden und hartnäckigen Matschflecken, und auch Medi war seelenruhig stehen geblieben und hatte nach Gras gesucht – aber es war doch ein bisschen unerwartet gekommen.

      Bei den Hengsten war es schwer zu sagen, ob sich das Wetter auf ihre Gemütslage auswirkte. Paramour und Quixoticelixer waren die gewohnten Ruhepole, vielleicht bei der Arbeit einen Ticken unkonzentrierter aber längst nicht so auffällig wie Vaffanculo, Muraco und Capulet. Vor allem bei Cap hatten wir gehofft, dass er vielleicht ein bisschen ruhiger werden würde, doch letztes Wochenende hatte er es sogar geschafft, Joline mehrmals während einer Trainingseinheit in den Sand zu setzen. Nach dem dritten Mal verließ diese dann die Lust und stattdessen ließ sie ihn noch ein wenig beim Freilaufen ausspinnen. Mit Val hatte ich mehr als alle Hände voll zu tun; trotz dass er zusammen mit Quixo auf der Koppel stand kam er mir als besonders unausgelastet vor. Also musste ich zusammen mit Zoe und Declan einen Trainingsplan erstellen, bei dem der Dunkelfuchs keine Chance hatte, sich zu langweilen. Täglich ging es jetzt entweder ins Gelände – meist mit Lesja oder Adèle – oder in die Halle, selten auch auf den Platz. Dressur, Springen, Bodenarbeit, Zirkustricks, alles Mögliche wurde mit ihm unternommen.

      Zu den hormongebeutelten „großen“ Pferden kamen dann noch die Youngsters dazu, wobei ich das Gefühl hatte, dass die gar nicht so schrecklich waren. Von Gwen kam noch keine Beschwerde über Paccos Verhalten in meiner Abwesenheit, und auch Cíola und Long Island Icetea hatten sich noch keine Macken von den Lewitzern in der Herde abgeguckt. Eistee befand sich im Aufbautraining mit Declan. Zwar sollte sie später auch gut und gern Turniere gehen, aber die Grundausbildung war in erster Linie wichtiger. Eine gute Dehnungshaltung, keine Flausen im Kopf – sie war durchaus vielversprechend. Auch mit Cíola ging es langsam los. Einfache Kommandos hatten wir ihr schon beigebracht, jetzt ging es darum, die Kommandos auch umzusetzen. Mit Adèle zusammen hatte die junge Stute schon die ein oder andere Longiereinheit hinter sich und zeigte, dass sie ein schneller Lerner war.

      Und dann wäre da noch Bucky. Von ihr hatte ich eigentlich erwartet, dass sie noch viel mehr … mehr sein würde. Schon vor dem Frühling war öfters mal der ein oder andere Buckler dabei, der manchmal aber auch auf meine Kappe ging. Trotzdem hatte ich gedacht, dass der Frühling sie noch bockiger machen würde, doch irgendwie schien das genaue Gegenteil eingetreten zu sein. Die Ohren waren die meiste Zeit nach wie vor nach hinten gestellt, aber anstatt gleich dicht zu machen, als ich ihr die Beine bandagierte und in die Halle führte – man könnte ja von ihr erwarten, dass man ein bisschen Dressur macht! – kaute sie gleich von Anfang an schön ab und streckte sich nach vorne unten. Declan, der Parvati gerade auf dem dritten Hufschlag abritt, pfiff anerkennend durch die Zähne.

      „Wenn ich sie nicht kennen würde...“ scherzte er.

      „Als ob,“ murmelte ich und verdrehte die Augen. Kurz darauf verließ Declan aber die Halle und ich konnte das Training ungestört fortsetzen. So war mir das eh lieber.

      ***

      Die Abendfütterung fiel auf Adèle und Declan, also saßen wir zu dritt an der Frühstückstheke. Lesja, der anscheinend kein anderes Thema mehr hatte außer Hund und Hochadel (Zaren, Jojo. Nicht nur Hochadel, sondern Zaren!), war drauf und dran, auch Zoe für ein pferdeähnliches Hundegetier zu begeistern. Während ich trotzig in meinen Rigatoni stocherte, sahen die anderen beiden sich Videos über Videos an. Auf mein „Eure Nudeln werden kalt, die muss ich leider essen,“ reagierten sie gar nicht, also schob ich meinen leeren Teller von mir und nahm mir Zoes vor. Solang die beiden auch noch in den Tiefen Youtubes verschwunden waren, nutzte ich die Zeit und das heiße Wasser, ehe ich in aller Ruhe meinen Schrank neu sortierte.

      Laut, vor allem durch Ellas Bellen und Winseln, kamen dann auch Adèle und Declan zum Abendessen. Ich hatte gerade mit den Oberteilen angefangen (und davor hatte ich meinen Schrank angestarrt), aber das konnte ja bis morgen warten.

      Doch als ich in die Küche kam, schien es, als würde Lesja seine Mission weiterführen. Zoe stand am Kühlschrank mit einem breiten Grinsen und verschränkten Armen und sowohl Adèle als auch Declan waren mit staunenden Gesichtern über den Bildschirm gebeugt. Sogar Declan sah begeistert aus.

      „Leute,“ jammerte ich, „wir können uns doch keinen Windhund holen.“

      Als Antwort bekam ich ein lautes „PSCH!“ im Chor und Lesja, der mich triumphierend angrinste.

      Wenigstens ließ sich nicht leugnen, dass wir ein gutes Gemeinschaftsgefühl entwickelt hatten.

      Slice of Live - 30. April 2016
      Wackeln. Erst gleißendes Licht; eine weiße Fläche wird schließlich zu einer Herdplatte, daneben liegengebliebenes Geschirr, eine Pfanne, Besteck. Geklappere im Hintergrund.

      Die Kamera schwenkt, zeigt plötzlich drei Figuren an einer Frühstückstheke, zwei junge Frauen, ein junger Mann. Der Mann sieht in die Kamera mit zusammengezogenen Augenbrauen, schließlich visiert er einen Punkt hinter dem Objektiv an.

      „Zoe, was soll das werden?“ fragt er schließlich.

      Die Kamera wackelt leicht, dann eine weibliche Stimme aus dem Off: „Ein Video für unseren Channel!“

      Die Blondie sieht nun ebenfalls in die Richtung, in die der Mann eben geguckt hat. „Welcher Channel?“ kommt von ihr, doch ihr Gesichtsausdruck bleibt freundlich, fast schon neutral. Die Brünette, die ein Telefon an ihr Ohr hält, schickt nur einen genervten Blick in Richtung Kamera, dann steht sie auf und läuft aus der offenen Küche in ein kleines Zimmer und knallt die Tür zu.

      Sowohl der Mann als auch die Blondine sehen ihr nach, dann wenden sie sich wieder der Kamera zu. Die Stimme aus dem Off seufzt, ignoriert die vorher gestellte Frage aber komplett. „Ihr seid langweilig. Das soll Entertainment sein! Ein slice of life!“

      Der Mann zieht eine Augenbraue hoch. „Ein Leben auf einem Gestüt ist vielleicht einfach nicht spannend?“ sagt er trocken, worauf die Blondine etwas lächelt. „Vor allem nicht um halb acht morgens,“ fügt sie hinzu.

      Noch ein Seufzer aus dem Off, diesmal ein wenig wehleidiger. „Dann such ich lieber die Hunde. Die sehen vor der Kamera wenigstens gut aus.“

      Schnitt.

      xxx

      Strahlend blauer Himmel, mit ein paar Schäfchenwolken, ist zu sehen. Langsam schwenkt die Kamera nach unten, zeigt Gebäude mit Paddocks, weiße Zäune. Man hört ein Schnuffeln, ein kleines Wuff, dann kommen zwei Hunde in Sicht; ein weißgrauer, etwas zotteliger, und schließlich eine kleine, gefleckte Bulldogge.

      Der Zottel steht einige Meter entfernt auf Pflaster, wackelt mit dem Schwanz. Im Maul trägt er einen gelben Tennisball, und sobald jemand hinter der Kamera mit der Zunge schnalzt, kommt er angerannt und lässt den Tennisball fallen. Die Bulldogge hingegen liegt quer über ein Paar Beine in dunklen Jeans, lässt sich den Bauch kraulen und grunzt dabei.
      Nach ein paar Mal Hin- und Her rennen lässt sich auch der Zottel neben den Beinen nieder und hechelt.

      Schließlich hört man ein Knirschgeräusch, wie Schuhe auf Kies. Eine tiefe Stimme räuspert sich. „Sag mal, hast du nichts zu tun?“

      Blende.

      xxx

      Das Bild ist stabil, an beiden Seiten sieht man einen Zaun, der ein Grasstück umgibt. Im Vordergrund grasen zwei gescheckte Ponys, im Hintergrund sieht man einen Mist Boy.
      Von links kommt ein rundliches Gesicht ins Bild, den Blick schräg über die Kamera gerichtet. Rote Locken stehen in alle Richtungen ab, die Wangen sind gerötet. Schließlich sieht die Frau in die Kamera, winkt kurz. „So,“ sagt sie schließlich, etwas leise, und räuspert sich. „Hier sind wir auf der Koppel von Paramour,“ sie dreht sich kurz um, zeigt auf den Braunschecken, der in ihre Richtung sieht, „uund Muraco.“ Das andere Pony, der Rappschecke, lässt sich nicht vom Grasen abbringen, nicht einmal, wenn die Frau auf ihn einredet. Nur kurz hebt er den Kopf, zeigt ein stahlblaues Auge und angelegte Ohren.

      „Zoe, pack die Kamera weg und mach deine Arbeit!“ kommt die tiefe Stimme aus der letzten Szene, diesmal weiter weg. Die Frau lässt schließlich von dem weniger interessierten Pony ab und stiefelt zurück zur Kamera, immer näher kommend. Die Kamera wackelt kurz, dann wird das Bild schwarz.

      Schnitt.

      xxx

      Man sieht eine Stallgasse, hell, mit Boxen auf beiden Seiten und einer rostroten Schubkarre vor einer offenen Box geparkt. Im Hintergrund läuft leise Musik.
      Die Kamera bewegt sich auf die Schubkarre zu, jemand summt das Lied mit. Die Schritte hallen laut und es ist erst ruhig, als die Kamera plötzlich stehen bleibt und das Innenleben einer Box zeigt. Der Mann von der Frühstückstheke stößt die Mistgabel in das alte Stroh und bemerkt die Kamera erst, als er aufsieht.
      „Lesja, sag hallo!“ hört man schließlich die Kamerafrau sagen.

      Der Mann guckt erschrocken auf, dann verdreht er seine eben noch weit aufgerissenen Augen. „Langsam denke ich, du bist als Paparazzi in L.A. besser aufgehoben als hier,“ murmelt er schließlich, aber er grinst ein wenig und marschiert unbeirrt auf die Schubkarre zu. Dabei kommt er nahe an die Kamera, für wenige Momente sieht man nur ein Close Up seines Gesichtes, ehe er wieder in die Box geht.

      „Komm schon, sag hallo,“ quengelt die Stimme im Off.

      Mit einem gespielt genervten Gesichtsausdruck sieht der Mann wieder von seiner Arbeit auf, setzt ein gefaktes Lächeln auf und visiert einen Punkt direkt über der Kamera an. Dabei hebt er die Hand und kurz darauf ist seine Hand nur noch verpixelt.

      „Ach komm schon, jetzt muss ich das zensieren,“ jammert es hinter der Kamera.

      Der Mann sticht wieder ins Stroh, transportiert es zur Schubkarre und geht zurück. Noch während sein Rücken der Kamera zugewandt ist, fragt er: „Hast du eigentlich so viel Freizeit, dass du uns alle stalken kannst?“

      „Oh gott,“ kommt es schließlich wieder von hinter der Kamera. „Sag es nicht Declan, okay?“
      Der Mann dreht sich wieder um, mimt einen Reißverschluss vor seinen Lippen und wendet sich seiner Arbeit wieder zu.

      Schnitt.

      xxx

      Das Bild wackelt, man sieht je eine Stiefelspitze auf Sand, während der Kameramann läuft. Von etwas weiter weg hört man Zungenschnalzen, laut, mehrfach hintereinander. Die Kamera wackelt noch mehr, schließlich sieht man die Frau mit den roten Haaren, hinter ihr ein weißer Zaun mit Buchstaben auf Schildern und eine Hecke.

      „So –“ beginnt sie, wird daraufhin aber sofort wieder von der anderen Stimme unterbrochen.
      „Komm! Auf, los –“ Daraufhin wieder Zungenschnalzen. Die Frau mit den roten Haaren beobachtet etwas, was sich hinter der Kamera abspielt, dann grinst sie. Man hört das dumpfe Geräusch von Huf auf Körper.

      „Das hast du jetzt nicht gefilmt oder was?“ fragt die Stimme, etwas genervt. „Das glaubt uns doch keiner!“

      Die Frau seufzt daraufhin, sieht aber wieder direkt in die Kamera. „Wir lassen gerade Capulet und Quixoticelixer ein bisschen laufen und –“

      „Kriegst du Geld dafür wenn du jedes Pferd mit seinem Zuchtnamen anredest? Zahlt Youtube da extra?!“

      Kurz sieht die Frau etwas verwirrt, dann fährt sie fort. „Cap und Q dann eben, Jeez – wir lassen sie ein bisschen Stress abbauen und –“ Das Bild wackelt, schließlich sieht man zwei Ponys im Trab über einen Platz flitzen. Das helle Pony hängt dem Fuchs dicht an den Fersen, wagt es, ab und an in die Flanken zu beißen und kassiert davor angedeutetes Ausschlagen und auch mal den ein oder anderen Tritt. Ab und zu sieht man die Brünette vom Frühstücken ins Bild rennen, wie sie den beiden Ponys hinterher rennt und dabei in die Hände klatscht. Nach ein paar Galoppphasen fallen beide Pferde in den Schritt und laufen nebeneinander her, als wäre nichts gewesen.

      „So hab ich Cap schon lange nicht mehr gesehen,“ sagt die Brünette, die Hände in die Hüften gestemmt.

      „Und ich hab dich schon lang nicht mehr so außer Atem gesehen,“ kommentiert die Stimme hinter der Kamera. „Ich glaub, dir tut ein bisschen Fitness etwas gut.“ Währenddessen kam das Bild der Brünetten immer näher, bis sie mit einer einfachen Handbewegung das Objektiv abdeckt. Die Kamera wackelt kurz.

      Schnitt.

      xxx

      Ein schwarzweißes Pferd trabt locker flockig in einem Kreis. Am Kopf trägt es einen Kappzaum, daran ist eine Longe eingehängt. In der Mitte des Zirkels steht die Blondine und läuft ihren eigenen kleinen Zirkel. Dann ändert sie ihre Körperstellung, stellt sich fast quer zum Pferd, woraufhin dieses in den Schritt fällt.

      Der Blick der Blondine fällt schließlich kurz in Richtung der Kamera, dann konzentriert sie sich wieder auf ihren Schützling. „Das musst du rausschneiden,“ scherzt sie, „wir können nicht einfach unsere Geheimwaffe im Internet zeigen.“

      Die Kamera zoomt auf den Kopf des Scheckens, der ruhig blinzelt und schließlich stehen bleibt. „Adèle, du musst den Namen sagen. Sonst weiß niemand, wie unsere Geheimwaffe heißt!“
      „Sag’s doch selber,“ kommt darauf und das Pony tritt wieder an. Daraufhin wackelt das Bild, man sieht die Frau mit den roten Haaren. Sie guckt ein wenig irritiert, dann grinst sie. „Das war Cíola und wenn wir ihr noch ein paar Jahre geben, dann wird sie jedes Warmblut aus dem Rennen schicken.“ Die Kamera schwenkt wieder auf das Pony, das sich jetzt im Schritt nach unten streckt.

      Vom Inneren des Zirkels hört man: „Aus dem Rennen schicken? Wirklich?“

      Schnitt.

      xxx

      Die Kamera befindet sich auf einer Tribüne einer Reithalle. In der Bahn sieht man ein dunkles Pferd mit federnden Schritten unter seinem blonden Reiter. Man erkennt nicht viel, die Kamera schwenkt auf den Mensch hinter ihr um.

      Die Frau mit den roten Haaren sitzt allein auf der Tribüne mit vollgestopften Backen. Eine Weile kaut sie, sieht dabei neben der Kamera vorbei, ehe sie zum sprechen kommt.
      „Während andere Menschen Mittag machen,“ meint sie und schluckt dann hinunter, „machen Declan und Vaffanculo Dressur.“ In einem Fakeflüstern schließlich: „Bunch’a workaholics, wenn ihr mich fragt.“

      Es ertönt ein dünnes, kaum hörbares „Das hab ich gehört!“, dann grinst die Frau und das Bild wird schwarz.

      Schnitt.


      Das Bild ist durch und durch grün; dann stellt sich der Fokus ein und man erkennt einzelne Grashalme. Während die Kamera richtig positioniert wird, sieht man wieder einen weißen Zaun, der sich diesmal bis außerhalb des Bildausschnittes erstreckt. Auf die Kamera zu kommen zwei Ponys, einmal weiß, einmal weiß-braun gescheckt.

      „Hier haben wir Chepa und Medeia, oder, wie ich sie nenne, die Bosses,“ sagt die Stimme im Off, fast ein wenig stolz. Die beiden Ponys bleiben in sicherer Entfernung stehen und erinnern doch ein wenig an Kühe, die neugierige Zuschauer am Zaun aus sicherer Distanz beobachten.

      Das Bild wird dunkler.

      Blende.

      xxx

      Die Sonne ist längst nicht mehr ganz so gleißend, doch das Bild muss sich erst einmal abdunkeln, während man die Landschaft erahnen kann.
      Man sieht in der Ferne ein Reiter-Pferd-Gespann über ein Naturhindernis springen, ehe sie näher kommen. Das Pferd ist dunkelbraun und, als es mit einer kleinen Reiterin mit rötlichen Locken vorbeirauscht, extrem fokussiert, ehe es ohne zu Zögern über einen kleinen Bach springt.

      Das Bild wackelt. „Äh – meine Güte, wie macht Zoe das – also das war auf jeden Fall Tautou,“, sagt eine andere Stimme, dann schwenkt die Kamera nach unten und zeigt ein hellbraun-weißes Pferd, das entspannt mit den Ohren spielt, obwohl gerade ein Artgenosse in einem Affenzahn an ihm vorbeigerauscht war. „Und das hier ist Parvati, die nicht so gern über Hindernisse geht aber –“ Räuspern. „Einer muss ja am Rand stehen und filmen, nicht wahr?“ Eine Hand mit schwarzen Handschuhen tätschelt den gescheckten Hals, das Pony schnaubt gelassen.
      Schnitt.

      xxx

      Die Reithalle, diesmal auf gleicher Ebene wie die Bahn. In der Mitte steht ein Mann mit blonden Haaren, während der Mann vom Frühstück auf einem großen Rappen sitzt und ein wenig verloren aussieht. Von dem Blonden kommen Anweisungen, die jedoch nicht auszumachen sind.
      Außer eine. „Zoe, weg mit der Kamera.“

      Daraufhin, unter gegrummelten Protest, wird die Kamera gesenkt und man sieht nun zwei Stiefelspitzen. „Lesja kriegt Reitstunden auf Painted Blur,“ flüstert die Stimme aus dem Off. „Aber das darf man nicht filmen weil Declan mir sonst die Kamera mit seiner bloßen Hand zerquetschen könnte.“

      Die Kamera dreht sich, man hört und sieht Schritte. „Gucken wir mal lieber, was Adèle macht.“

      Schnitt.

      xxx

      „Das ist mein absoluter Lieblingspart,“ sagt die Frau mit den roten Haaren, während sie auf etwas kaut. Sie guckt ernst in die Kamera, dann schließlich darüber hinweg. Hinter ihr sieht man die Szene der Küche des Morgens. „Adèle kocht und da keiner da ist, bin ich die einzige, die probieren darf,“ vollendet sie schließlich den Satz, dann schwenkt die Kamera und man sieht die Blondine von hinten beim Salat putzen.

      „Sag mal,“ kommt die Stimme hinter der Kamera, „was hast du eigentlich gemacht?“

      „Mich von dir versteckt,“ antwortet die Blondine und zerrupft einzelne Blätter. Eine Pause, dann seufzt sie und dreht sich schließlich zur Kamera um, sieht darüber hinweg. „Cìola hast du ja mitgekriegt, danach war ich mit Icetea –“

      „Voller Name, bitte.“

      Die Blondie ignoriert das. „Danach war ich mit Icetea eine Runde um die Höfe und jetzt werde ich von dir belagert.“

      Man hört ein Geräusch hinter der Kamera, ein Mix aus Seufzen und Quengeln. „Komm schon, wir müssen doch wissen, von wem du redest!“

      „Wenn’s dir so wichtig ist, sag’s doch selber.“ Die Blondine dreht sich wieder um und widmet sich dem Salat.

      „Aber wie blöd kommt das denn, wenn ich aus dem Nichts jetzt Long Island Icetea sage,“ murmelt die Kamerafrau.

      „Du hast es gerade getan,“ ist die monotone Antwort, dann sieht die Blondine über ihre Schulter. „Komm schon, du kannst mir wenigstens helfen.“


      Geringelte Socken, dann ein gedeckter Tisch mit Schalen in sämtlichen Größen. Aus manchen steigt Dampf auf. Als die Kamera ein wenig hinauszoomt, sieht man schließlich Menschen um den Tisch sitzen, die sich angeregt miteinander unterhalten und lachen. Keinen interessiert die Kamera.

      Schwarz. Schnitt.


      Man hört Hufgeklapper und knirschende Schritte bevor man etwas sieht. Das Licht ist dämmrig und man erkennt erst wirklich etwas, als die Kamera im Stall angelangt ist. Vor der Kamera läuft ein großes, braunes Pferd, davor die Brünette.

      „Juli, du musst Bucky noch vorstellen,“ hört man aus dem Off.

      „Das sollte mittlerweile dein Spezialgebiet sein,“ kommt es daraufhin trocken von der Brünetten. Seufzen hinter der Kamera; der Braune wird in seine Box geführt und stürzt sich daraufhin auf das Futter im Trog. Die Brünette hängt das Halfter an die Boxentür.

      „Juli –“ quengelt es hinter der Kamera. Die Brünette streckt als Antwort nur ihre linke Hand nach oben, und kurz darauf ist sie verpixelt.
      „Hör auf dich mit Lesja abzusprechen, das ist uncool. Ihr macht mir unnötige Arbeit!“

      Die Brünette senkt die Hand wieder, rollt mit den Augen. „Das war Bucky und das war es jetzt mit diesem Video. Okay?“

      „Aber –“

      Schwarz. Schnitt.

      Hängertraining - 11. Juni 2016
      Wochenlang war ich daran erinnert worden – nicht nur in meinem Handy war eine Veranstaltung namens Hängertraining immer wieder nach hinten geschoben wurden, auch den Klebezettel am Laptop positionierte ich immer so, dass er mich nicht nerven würde, wenn ich arbeitete – aber als Meisterin der Prokrastination … stand das Hängertraining immer noch in den Sternen.

      Aber hey, ich hatte viel zu tun! Und es war auch nicht so, als würde es drängen – Ironic sollte sich erst einmal einleben, bevor ich von ihm irgendetwas verlangen wollte, Pacco war eh nicht da (und für einen Tag aus der Herde rausreißen, jetzt, wo er sich so gut mit Andvari und den anderen Junghengsten verstand!) und außer Cíola war wohl jedes andere Jungpferd schon wenigstens einmal mit dem Hänger gefahren. Man sieht – ich hatte keinerlei Eile.

      Doch ich hasste es trotzdem, wenn sich etwas anstaute. Ich nahm mir also fest vor, das Training zu starten, sobald ich die Aufträge hinter mir hatte. Und sobald ein Tag nicht mit Turniertraining vorgesehen war. Und sobald ich einen Nachmittag nicht mit Vorbereitungen fürs nächste Jolympia beschäftigt war. Und, und, und.

      Es dauerte ganz schon, bis ich von der Idee zur Ausführung kam. Und eigentlich fand das Training dann auch nur statt, weil Lesja mich zwang. Und weil Elena mich zwang. Und weil ich einen Motivationsspurt hatte.

      Man sieht, es muss ziemlich viel zusammen kommen, um mich mal an meine Wünsche und Träume zu erinnern.

      ***

      Achtung, Ironie.

      An einem wunderwunderwunderwunderschönen Junitag, der mit bedecktem Himmel begann und ab dem Vormittag wieder und wieder wundervolle Schauer brachte, schob mich Lesja unter Protest vor die Stutenweide. Weit und breit war keine Stute zu sehen; so, wie ich meine Ladys kannte, huddelten die sich alle (ALLE!) unter den Unterstand am anderen Ende der Koppel. Das endete dann wahrscheinlich wieder mit Bissen und Tritten.

      Danke, Wetter.

      Die Kapuze meiner Regenjacke war ein wenig zu kurz – nie wieder Secondhand! – und so regnete es beständig in mein Gesicht und auf die Hälfte meiner Haare. Am Rande meines Sehbereiches erkannte ich schon, wie sich die ersten Strähnen kräuselten.

      Doppeltes Danke, Wetter!

      Wenigstens war ich so schlau gewesen und hatte meine Gummistiefel angezogen, denn kaum machte ich, mit Long Island Iceteas Halfter bewaffnet, den ersten Schritt auf die Koppel, versank ich. Das bestätigte dann wohl meinen Verdacht, dass es nachts auch schon geregnet hatte (genauso wie das nasse Gras, der nasse Hof und die nassen Pferde. Mal ehrlich, es wies eigentlich alles daraufhin, dass es nachts geregnet hatte, ich log nur gerne und hasste es, den Tatsachen ins Auge zu sehen) und die Koppel sich in eine große Matschpfütze verwandeln würde.

      Und ich verfluchte die Anzahl von Schecken, die mir gehörten. Und, dass ich Medeia gekauft hatte. Nie nie nie nie nie wieder Schimmel.

      Es war ein Kampf, aber nach einer gefühlten Stunde erreichte ich den Unterstand, und wirklich: die Stuten standen dicht aneinander gedrängt unter dem kleinen Dach, damit sie ja nicht nass wurden. Ich hingegen war völlig durchnässt (bis auf ab dem Knie abwärts – wenigstens dafür waren die Gummistiefel gut), freute mich aber trotzdem, dass die weißen Parts der meisten Stuten bis jetzt nur nass waren.

      Bis auf Queen Cíola. Sie war die einzige, die sich nicht untergestellt hatte und auch wohl die einzige, die die Schlammpfütze direkt daneben ausgenutzt hatte. Beidseitig schlammverschmiert, die sonst weißen Beine nur ein dreckiges Matschbraun und sogar mehr braun als weiß am Kopf – zum Glück hatte ich mir Icetea schon zugesichert und Lesja musste Cíola übernehmen.

      Schachmatt. Es kann eben nicht nur regnen (Lesja dachte gerade wohl an when it rains it pours, aber Schadenfreude war eine meiner Lieblingsemotionen).

      ***

      Icetea war, bis auf ein paar Schlammbeinchen, relativ sauber. Es war zwar ein Kraftakt, die Mähne zu kämmen – Wasser vertrug sich nicht nur mit Menschenhaar schlecht. Letztendlich hatte ich aber doch noch so viel Zeit (oder Lesja lag so weit zurück), dass ich Icetea in Ruhe komplett fertig machen konnte. Neben einer Regendecke flocht ich ihr die Mähne noch etwas ein und bandagierte ihr die Beine dick. Als Lesja und Cíola dann startklar waren, sah Icetea aus, als würde sie gleich auf ein Turnier fahren – einen Kommentar bekam ich von Lesja jedoch nicht, nur ein kurzes Augenrollen, ehe er mit der Splashstute im Schlepptau den Stall verließ.

      Gut, so musste ich wenigstens nicht den Anfang machen. Und vom Stalltor konnte man das Geschehen gut beobachten.

      Die sonst so toughe Cìola ging nur zögerlich auf den geöffneten Transporter zu, verkürzte die Schritte, bis sie schließlich stehen blieb. Ihr Gesicht konnte ich nicht sehen, aber ihre Körpersprache verriet, dass sie wohl so schnell keinen Schritt auf die Rampe zumachen würde. Doch hier überraschte mich Lesja; mit ein paar Streicheleinheiten brachte er Cíola wieder ins das Hier und Jetzt und erarbeite (mit Leckerlis natürlich) jeden einzelnen Schritt auf den Transporter zu. Das ging dann relativ gut, bis Cíola den ersten Schritt auf die Rampe machen sollte und sich von dem Geräusch so erschrak, dass sie drei Schritte zurück rannte. Ich sah sie schon sich auf den Hintern setzen – mit der Grazie einer unausgewachsenen Vierjährigen natürlich. Sie fing sich jedoch noch im letzten Moment und stand dann wie angewurzelt da.

      „Ich werd‘ dann mal einen Tee aufsetzen,“ rief ich Lesja zu.

      ***

      Mit Minischritten bekamen wir Cíola dann doch noch in den Transporter – mehrere Minuten Pausen zwischen jedem Schritt zogen das ganze so sehr in die Länge, dass ich wirklich problemlos Tee trinken konnte und auch schon das Kraftfutter für die Stuten zusammenstellte, dass sie erst in ein paar Stunden bekommen würden.

      Triumphierend kam Lesja wieder zurück in den Stall. Ich war ungern der Spaßverderber, aber ich musste ihn trotzdem warnen. „Du weißt, dass wir das jetzt den ganzen Sommer üben werden? Und auch Probefahrten machen werden?“

      Sein Gesicht fiel. „Den ganzen Sommer über?“

      Cíola bekam eine kurze Graspause, in der ich Icetea abband und mit ruhigen und gelassenen Schritten auf den Hänger zu ging. Die Stute neben mir machte keinerlei Anstalten, auf dem Weg zur Rampe stehen zu bleiben, erschrak sich nicht, als sie ihre Hufe auf der Rampe hörte, und blieb auch souverän und wie eine Eins im Hänger stehen, ehe sie gelassen wie eh und je die Rampe wieder rückwärts (und vor allem gerade!) hinunterstieg. Aus dem Stall tönte nur ein „Streber!“, aber mit dem Erfolg kamen die Neider wie von allein.

      Auch Iceteas Mühen wurden natürlich belohnt; das war für sie und ihr Selbstvertrauen vital. Und von einem Leckerli zu viel würde sie auch nicht gleich platzen, oder?

      Während ich Icetea die Bandagen wieder abnahm und das Langhaar wieder in seinen natürlichen Aggregatszustand brachte, versuchte Lesja sein Glück noch einmal mit Cíola – ohne viel Erfolg. Ein klein wenig schneller kletterte sie zwar in den Hänger, aber nicht so, dass ich sie für verladefromm abstempeln würde. Nach dem Versuch war sie unter der leichten Regendecke dann auch verschwitzt, weswegen wir sie erst einmal mit ein bisschen Stroh abrieben und warteten, bis sie sich ein wenig beruhigt hatte, ehe die beiden Stuten zurück auf die Regenmatschkoppel durften.

      ***

      Und eigentlich … war es das auch schon. Von den Youngsters hatten wir nur noch Ironic übrig – Pacco war auf einer Koppel mit Gleichaltrigen und Gambit in England. Ansonsten hatten wir wohl chronischen Babymangel.

      Während Lesja also mit größter Hingabe jeden einzelnen Regentropfen aus Ironics Fell bürstete und mit großer Sorgfalt überprüfte, ob die Regendecke auch wirklich richtig saß, machte ich mich an das Futter für die Hengste – man hat ja sonst nichts zu tun, nicht wahr?

      Als ich aber dann zurück zum Stutenstall lief, vor dem der Transporter geparkt war – easy access und so – sah ich schon meine zwei Lieblingsblondinen (mal abgesehen von dem Fakt, dass Gwen dunkle Haare hatte). Und einen Braunen und zwei Schimmel.

      Gwen entdeckte mich zuerst und winkte mir fröhlich zu. Die braune Stute – Fagy? Meine Güte, Elena und ihre ungarischen Namen, unmöglich – riss sofort den Kopf aus dem Gras. Ob sie jetzt Gwens Winken oder mein Auftreten aus ihrer Fressreverie gerissen hatte war uns beiden unbekannt; Gwen sah erst die Stute, dann mich fragend an.

      „Ein Vögelchen hat uns gezwitschert, dass hier ein Hängertraining veranstaltet wird,“ schaltete sich daraufhin Elena ein. Sowohl Weltwunder als auch Dajeen hatten die Stricke locker über den Rücken gelegt und machten keine Anstalten sich vom Gras wegzubewegen. Während ich das Futter vorbereitet hatte, hatte der Regen etwas aufgehört, aber auch das leichte Nieseln – der Großteil meiner Stuten wäre ausgerastet und abgehauen – machte den beiden Jungstuten scheinbar wenig aus (Neid).

      Es dauerte ein paar Momente, bis Elenas Stimme von meinen Ohren registriert wurde. „Vögelchen?!“ hakte ich nach. „Wer zur Hölle ist hier ein Maulwurf?“

      ***

      Sie wollten mir nicht sagen, wer es ihnen erzählt hatte, aber jetzt waren die beiden da – da konnte ich sie ja nicht wieder heimschicken. Im Regen! Wer war ich denn? (Außerdem waren beide besser ausgerüstet als ich es je sein könnte; Transportdecken und Stallgamaschen unter den Armen, einen ausgefeilten Plan im Hinterkopf – was konnte ich mir anderes wünschen?)

      Bevor aber die beiden zeigen mussten, was ihre Babys draufhatten, war Lesja dran. Auch, wenn er felsenfest behauptete, Ironic wäre noch nicht einmal annähernd sauber (Elena nannte ihn eine Memme und band den Hengst kurzerhand selbst ab – selbst ist die Frau) – er wurde ins kalte Wasser geschmissen. Vor allem, weil er seinen Hengst erst mal überreden musste, die Stuten nicht zu beachten.

      Relativ schnell konzentrierte sich Ironic dann aber auch auf die Aufgabe, und machte Lesja stolz wie Oskar, als er mit großen Schritten in die Rampe hinaufging. Genauso profimäßig ging es dann auch wieder runter und, als Gwen nach einer Zugabe rief, wurde das Ganze noch einmal wiederholt. Als dann auch noch Elena forderte, dass er das noch mal zeigte („Ich hab geblinzelt!“), wurde Ironic wortlos wieder weggeführt. Mit großen Augen schauten mich Gwen und Elena an, aber ich zuckte nur mit den Schultern. „Dann zeigt mal, was ihr könnt!“

      Gwen machte den Anfang (weil Elena ihre Nägel inspizieren musste) und lief mit entschlossenen Schritten auf den geöffneten Transporter zu. Fagy folgte ihr nur zögerlich; dabei war die Stute schon auf mehreren Turnieren erfolgreich vorgestellt worden, dementsprechend sollte sie das eigentlich gewöhnt seien. Trotzdem blieb sie erst einmal mit geblähten Nüstern vor der Rampe stehen und, als sie dann den ersten Schritt darauf machte, rannte förmlich in den Hänger hinein. Gwen musste wohl damit gerechnet haben – geschmeidig wie eh und je sprang sie zur Seite, sodass sie weder von der Furioso-Stute umgerannt, noch eingeklemmt wurde. Von Elena gab es dafür Applaus.

      Kaum waren Fagy und Gwen dann wieder auf festem Boden, drückte Elena mir Dajeens Strick in die Hand und machte sich selbst auf den Weg. Weltwunder war wohl noch kaum mit einem Hänger in Berührung gekommen, aber ganz abgeneigt schien sie auch nicht; während Elena seelenruhig auf der Rampe stand, beschnupperte die Schimmelstute die Rampe, die Seitenwände und das Gras nebendran, ehe sie zögerliche erste Schritte machte. Fast wie ein Schaukelpferd stand sie dann gestreckt da: die Hinterhufe noch fest auf dem Boden, die Vorderhufe schon am anderen Ende der Rampe. Elena hingegen war fast im Inneren des Transporters verschwunden.

      Dann plötzlich schien es, als würde Weltwunder all ihren Mut zusammennehmen und sprang fast ins Innere. Ein paar Momente sahen wir nur das Hinterteil der Jungstute, ehe sie mich großen, staksigen Schritten wieder rückwärts die Rampe hinunter kam. Elena stellte sich schließlich vor uns hin und verbeugte sich. Wortlos hielt ich ihr Dajeens Strick entgegen.

      „Dajeen kann das. Dajeen war auf Fohlenschauen.“

      „Weltwunder hat doch sogar schon eine gewonnen …?“ hakte Gwen nach, aber Eli war nicht von ihrer Meinung abzubringen. Aber das waren wir ja mittlerweile gewohnt.

      ***

      Als sich beide wieder auf den Weg zu ihren eigenen Höfen machten, machte ich mich wieder an die normale Arbeit. Der Transporter musste zurück an seinen Platz, dann wollten die Ponys – trotz Regen – noch ein bisschen bewegt werden.

      Und dank des Wolkenbruches wusste ich auch schon, was in den nächsten Wochen unbedingt auf das Gestüt einziehen musste (kein Hund. Egal wie sehr Lesja bettelte, kein Hund.): Regenponchos, anständige Regenjacken und hautenge Gummistiefel, in die es nicht rein regnen konnte.

      Hundshitze - 02. August 2016
      Es hatte wohl ein wenig gedauert, aber jetzt hatte auch uns der richtige Sommer erwartet. Komplett mit unregelmäßigen Mahlzeiten, chronischer Müdigkeit und Unlust für irgendwas. Die Pferde fanden das aber nicht so cool, weswegen sich der allgemeine Tagesablauf komplett geändert hatte. Die Boxen waren leer, die Tiere verbrachten die Tage 24 Stunden täglich auf den Weiden. Schatten spendeten Bäume und Unterstände, für Abkühlung sorgte zudem noch ein Fußbad und, vor allem bei den Ponys, hochgeflochtene Mähnen und Schopfe. Die größte Arbeit wurde in den frühen Morgenstunden verrichtet, ab und zu auch noch abends. Jeder kühlere Tag wurde aufs äußerste strapaziert.
      Und hey, es funktionierte!
      An das etwas frühere Aufstehen hatte man sich schnell gewöhnt. Dementsprechend fit stand ich um halb sechs mit Long Island Ice Tea am Putzplatz. Die Stute war zwar nicht ganz so motiviert und döste noch vor sich hin, aber ich konnte die Motivation kaum zurückhalten. Mit langsamen Schritten hatten wir zwei uns jetzt an die richtige Dressurarbeit gewagt. Die Balance und Sicherheit waren bei ihr ein wenig schleppend gekommen, aber mittlerweile hatte auch das sich eingependelt. Vom Kopf her schien sie mir mittlerweile auch recht reif, sodass es mit gutem Gewissen auf den Reitplatz ging.
      Noch hielt sich die Sonne versteckt. Sobald sie in einer etwa halben Stunde aufgehen würde, musste man für die restliche Arbeit wohl oder übel in die Reithalle oder ins Gelände ausweichen - deswegen wollte ich es heute mit Eistee auch relativ kurz und locker halten. Nach unserer Aufwärmphase ging es noch eine Weile um die gewollte Durchlässigkeit, ehe ich zur etwas verkürzten Galopparbeit kam. Wie viele junge Pferde war das auch bei der dunklen Stute eine konstante Baustelle, weswegen ich mich kaum traute, die Phase einfach zu überspringen. Das richtige Anspringen war ein kleiner Kampf gewesen, das Durchgaloppieren ebenso, aber dafür hatte Ice Tea mit dem vorwärts-abwärts absolut kein Problem. Mit aufgewölbtem Rücken und einer schön mitgenommenen Hinterhand drehten wir unsere Runden, versuchten uns zum Schluss auch noch an einen etwas gesetzteren Galopp. Von Natur aus hatte die Stute ein ziemlich fleißiges Grundtempo, überschätzte aber teilweise ihre eigene Geschwindigkeit und wäre wohl schon das ein oder andere Mal in den Zaun gekracht, hätte man sie nicht rechtzeitig abgefangen.
      Trotz der noch relativ milden Temperaturen von ungefähr 17°C war die Stute nach dem kurzen Training ziemlich verschwitzt. Das Abspritzen war jetzt nicht wirklich etwas, was ihr wirklich gefiel (und sie stieg auch das ein oder andere Mal auf den Schlauch, yay), aber tapfer ließ sie es über sich ergehen. Dafür durfte sie dann so schnell wie möglich wieder auf die Koppel – und wälzte sich dort erst einmal im Staub.
      ***
      Der Rest des Tages wurde faul im kühlen Haus oder auf der Terrasse verbracht. Faulenzen war aber auch nicht drin; im Laufe dieses Monats würden so einige Neuankömmlinge einziehen, für die es natürlich galt, Flüge zu organisieren. Außerdem würden Gwen und ich unsere Junghengste wohl endgültig nach Hause holen – und das musste natürlich akribisch über WhatsApp geplant werden. Declans Kommentar, dass man das ja planen könnte wenn es wirklich soweit wäre, wurde von Gwen mit „??? Spinnt der???“ und von mir mit einem Augenrollen quittiert. Natürlich musste man das jetzt schon planen.
      Selbst nach dem Abendessen war es noch zu warm. Erst gegen neun konnte man wirklich noch einmal an Arbeit denken. Declan und Lesja waren zur Futter- und Wasserrunde verdonnert worden, Zoe und ich würden noch Tautou und Chepa bespaßen. Vor allem Tautou konnte ein bisschen Dressurarbeit vertragen; Papa Muraco schlug bei ihr ziemlich durch, und auch wenn das in den Geländespringprüfungen wohl von Vorteil war, war bei ihr regelmäßiges Dressurtraining extrem wichtig. Wirklich graziös sah sie dabei zwar nicht aus, aber dafür konnte man sie dann im Parcours besser kontrollieren. Und das konnte einem manchmal schon das Leben retten.
      Auch jetzt hielten wir uns aber relativ kurz. Die Hitze hatte auf die Pferde eine ähnliche Wirkung, sie waren vom Nichtstun eigentlich schon bedient – und da musste man sie nicht noch zusätzlich trietzen. Nach einer kurzen Dusche bekamen beide Stuten noch schnell ihr Futter – MiFu für Chepa, für Tautou dann noch etwas KraFu dazu – und dann ging es auf die mittlerweile angenehm kühle Weide.

      Das Glück der Iren - 28. September 2016
      Wach wurde ich an diesem Morgen, weil der Regen sanft gegen mein Fenster prasselte. Sanft war dabei objektiv – es klang eher, als würde jemand ununterbrochen mit langen Acryl-Fingernägeln an mein Fensterglas tappen. Morgen war auch objektiv; mein Wecker zeigte an, dass es zehn vor fünf war. Dank des Wolkenbruches war aber nicht mehr an Schlaf zu denken, dementsprechend schlug ich die Bettdecke zurück (weckte dabei Khaleesi auf, die mit einem lauten Grunzen aufschreckte und vom Bett sprang) und schlüpfte schnell in eine Jogginghose. Für Frühstück war es noch zu früh, also machte ich mir nur eine Tasse Kaffee und startete den Laptop.

      Wie ein normaler Erwachsener, der um fünf Uhr von Regen geweckt wurde, checkte ich dann erst einmal meine E-Mails. Zum einen hatte mir Svejn Álfarsson spätnachts noch einmal die genauen Details des Pferdetransports von einem kleinen Connemarahengst geschickt; vor ein paar Wochen hatte ich Rising of Storm von ihm erstanden, jetzt machte er sich auf den Weg von Calgary. Das waren – bei wenig Verkehr – schon zehn Stunden Fahrt. Damit das alles reibungslos klappte, war fast alles schon vorbereitet worden. Declan und Lesja würden nachmittags Gambit von der Weide holen, damit er zusammen mit dem Neuen den Winter über zuhause stehen konnte. Zumindest hatte ich mir das bis jetzt so ausgemalt; das Leben kam ja oft dazwischen und sollten sich die zwei aus irgendwelchen Gründen nicht verstehen, musste eine Notlösung her.

      Über Notlösungen philosophierte man aber nicht um kurz nach fünf, weswegen ich das erstmal in den hintersten Winkel meines Gehirns schob. Später. Auch, dass neben Storm auch noch Peggy samt ihrem Corgi – von dem jeder bis auf Lesja wusste; der Diskussion wollten wir so lang wie möglich aus dem Weg gehen – heute hier offiziell einziehen wollte (und sich täglich 1,5 Stunden Pendeln aussetzen wollte) rutschte mehr oder weniger weit nach unten auf meiner To Do Liste. Irgendjemand würde schon hier sein und irgendjemand würde ihr schon Adèles altes Zimmer zeigen. Irgendjemand. Vielleicht Zoe, vielleicht auch nicht. Das würde man sehen.

      Die Spam-Mails verschob ich in den Papierkorb, von Svejns E-Mail schrieb ich mir alle Daten raus, dann leerte ich die Kaffeetasse in einem Zug und beschloss, dass man mit einem angeheilten, aber doch noch gebrochenem Handgelenk ruhig das Ausmisten schon mal probieren konnte.

      ***

      Eigentlich war der Plan gewesen, dass die Pferde noch ein paar Tage länger ganztägig auf die Weide durften, aber jetzt hatte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachts wurde es schon ziemlich kalt und gepaart mit dem Regen war das, vor allem für die Warmblüter, die für so teilweise raue Wetterbedingungen (noch) nicht genug Winterfell schoben, eine kleine Zumutung. Also war der Herbst ein paar Tage früher als geplant losgegangen und die Pferde kamen mit Regendecken tagsüber auf die Weide und abends in den Stall.
      Und um ehrlich zu sein, das machte vieles so viel einfacher. Zwar war jetzt wieder täglich misten dran, aber man musste das Pferd nicht erst von der Weide holen, um es zu füttern. Und die Angst vor herumstreunenden Bären war mir auch langsam genommen.

      Nach etwa zwei Versuchen entschied ich mich, dass das Misten jemand anderes übernehmen sollte. Glücklicherweise war Tautou auf dem Paddock gestanden und hatte sich so wenig dafür interessiert, dass die Boxentür sperrangelweit aufstand, aber eine volle (oder, seien wir mal ehrlich, auch eine leere) Schubkarre mit einer Hand zu schieben war, zumindest für mich, utopisch. Viel mehr konzentrierte ich mich dann darauf, erst den Stuten und dann den Hengsten das Frühstück zusammen zu mischen. Wenigstens für etwas war ich noch gut genug.

      Langsam aber sicherte näherten sich die Zeiger meiner Armbanduhr einer humanen Aufstehzeit. Nachdem auch der letzte im Bunde, nämlich Vaffanculo, zufrieden auf Mineralfutter und Äpfel mampfte, erklärte ich meine Mission für hashtag accomplished und stapfte im Regen zurück ins Haus. Wirklich wach war noch immer keiner. In der Küche traf ich nur auf Ella, die geräuschvoll ihren Futternapf quer durch den Raum schob und dann schwanzwedelnd auf mich zukam; die Türen zu den Zimmern waren alle noch verschlossen. Dann war es also an mir, Frühstück zu machen.

      Frühstück und Meeting-das-kein-Meeting-war-aber-so-viel-professioneller-als-Arbeitsverteilung-klingt verliefen mehr oder weniger still; ich war anscheinend nicht die einzige, die vom Regen und Wind geweckt wurde, aber im Gegensatz zu mir hatten die anderen den Fehler gemacht und waren wieder eingeschlafen. Ein wenig mürrisch räumten sie dann das Geschirr weg und auch das auf die Weide bringen verlief eher schweigsam als lebendig (aber gut, hätte irgendjemand den Mund aufgemacht, hätte er den Mund voll kaltem Regenwasser. Dem Schicksal entging man dann am liebsten). Die Pferde hingegen trotzen dem Wetter; als würden wir gerade nicht vor einer neuen Sintflut stehen, rannte vor allem Bucky wie von der Tarantel gestochen über die Weide, zwickte hier mal Medeia , da mal Long Island Icetea oder auch Parvati – im Gegensatz zu mir konnte man an der Holsteinerstute nicht mehr erkennen, dass wir erst vor wenigen Wochen einen kleinen Unfall hatten. Das Bein, mit dem sie gelahmt war, hatte eine kurze Ruhepause von einem Tag Boxenhaft gebraucht und dann war alles wieder in Butter gewesen. Und ich rannte immer noch mit einem lädierten Arm herum.

      Als dann auch die Hengste mit Regendecke auf ihren Koppeln standen, begann die eigentliche Arbeit. Für die anderen. Ich tat derweil mein bestes, das Haus ein wenig in Schuss zu halten, versuchte mich am Staubsaugen und Abwaschen (oder auch: Spülmaschine einräumen). Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich zugebe, dass ich den halben Tag nur herumsaß und wartete, bis der Gips abkam und ich wieder aufs Pferd steigen durfte.

      Unzähliges Rumscrollen auf Rezeptseiten, Ausprobieren von etlichen Sandwiches (die von Lesja, der gerade Zeit fürs Mittagessen hatte, nur mit einer Grimasse gegessen wurden) und fünf Folgen New Girl später erreichten mich dann zwei Notifs auf dem Handy – Peggy sagte kurz Bescheid, dass sie sich jetzt auf den Weg machen würde und auch Svejn und Rising of Storm waren außerhalb von Melville, SK und noch etwa eineinhalb Stunden entfernt. Mit meinem Glück würden beide auch etwa gleichzeitig ankommen. Aber hey, dann ging mein Plan ja irgendwie doch auf!

      Zoe, die heute ursprünglich mit Medeia auf die Geländestrecke wollte aber aufgrund der sintflutartigen Wolkenbrüche, unter denen wir heute leiden mussten, beließ sie es bei einer kleinen Longeneinheit. Das bedeutete, dass sie früher Zeit hatte als erwartet und, dass sie mit mir Adèles altes Zimmer für Peggy herrichtete. Es fühlte sich ein klein wenig komisch an; Adèle hatte wieder einen Job auf dem Gestüt ihres Vaters angenommen und sich ihre Sachen nachschicken lassen. Das Zimmer war also bis auf ein Bett, einen Tisch und eine Kommode relativ leer, aber trotzdem war es jetzt eineinhalb Jahre Adèles Zimmer gewesen. Und da sollte jetzt einfach jemand wieder wohnen? „Gib dem ganzen erst einmal ein paar Wochen Zeit,“ murmelte Zoe, während sie das Bett frisch überzog und mir bei meinem Rumgejammere überraschenderweise geduldig zuhörte. „Spätestens Weihnachten ist alles wieder im Normalen und keiner denkt sich was.“

      Grummelnd machte ich mich wieder daran, den Schrank mit einem feuchten Lappen zu putzen. „Hör auf so rational zu denken.“

      „Das ist mein Charakter.“

      „Haha.“

      ***

      Lesja und Declan waren noch unterwegs, um Gambit abzuholen, da klopfte es um halb vier an die Haustür. Zoe und ich hatten gerade eine Kaffee- und Teepause eingelegt und sahen uns jetzt mit großen Augen an. Ein paar Momente vergingen, dann atmete Zoe tief durch, verdrehte die Augen und setzte ihre Tasse ab. „Na gut, wenn du lieber kindisch sein willst.“

      Als wäre nichts passiert sippte ich dann an meinem Pfefferminztee weiter, ignorierte das Hallo und Wie war die Fahrt und das restliche Blabla, das vom Flur in die Küche drang. Lieber checkte ich noch einmal die letzte SMS von Svejn, räumte ein bisschen auf. Herauszögern? Herauszögern war ein Wort welches man nicht in meinem Vokabular fand weil ich nie im Leben etwas herauszögern würde.
      Früher oder später musste ich mich also doch meinem Schicksal stellen. Die Stimmen waren leiser geworden; Zoe hatte Peggy wohl gerade in ihr Zimmer geführt und machte jetzt ein bisschen Smalltalk, um Sympathiepunkte zu sichern und zu überspielen, dass ihre eigentliche Vorgesetzte in der Küche Zeit schinderte. Ein letztes Mal atmete ich durch, dann schlich ich mich auf leisen Sohlen in den hinteren Teil des Hauses.

      „– frühstücken meistens so bis halb sieben, sieben Uhr, aber eigentlich ist die Küche jederzeit geöffnet und hey, guck mal wer da kommt,“ kündigte mich Zoe mit einem breiten Grinsen an. Neben ihr stand das Mädchen, das ich in den letzten Tagen treffenderweise als Ab-und-zu-für-drei-Stunden-beste-Freundin betitelt hatte, und lächelte mich unsicher an.

      Das letzte Mal, als ich Peggy gesehen hatte, war sie einen halben Kopf kleiner als ich, hatte dunkelbraune Haare und eine kaum bemerkbare, rote Blocksträhne. Dazu eine Zahnspange, ein bisschen übrig gebliebener Babyspeck und schwarze Fingernägel, die sie mit Edding angemalt hatte. Klar veränderten sich Leute und sahen selten Anfang zwanzig so aus, wie sie in ihren Tweens ausgesehen hatten, aber um ehrlich zu sein war ich ein wenig geschockt. Die Peggy hatte einen braunen Ansatz, in den Längen ging die Farbe in ein schönes (aber auch nicht natürliches) Blond über; die Zahnspange war weg, der Babyspeck hatte sich verwachsen. Etwa meine Größe, aber mehr Kurven. Und vor allem trug die Jetzt-Peggy einen kleinen, stockigen Hund auf dem Arm, der mich anzulächeln schien.

      Ohne groß nachzudenken verlagerte Peggy den Hund auf ihren anderen Arm und streckte mir dann – zugegeben, ein wenig formal und gestellt – die Hand entgegen. „Danke nochmal, dass es so kurzfristig funktioniert hat,“ sagte sie mit einem leichten aber gezwungenem Lächeln. „Aber ich hätte es nicht mehr ausgehalten.“

      Ein paar Sekunden verstrichen, ehe ich mich daran erinnerte, dass ich jetzt eigentlich reden sollte. Und aufhören sollte, ihre Hand zu schütteln. „Äh – kein Problem? Also. Natürlich musst du dich jetzt damit abfinden, dass wir alle nach Pferde stinken und irgendwie kaum da sind aber – äh.“

      Hinter Peggy sah ich Zoe die Augen verdrehen. „Was sie sagen will, ist, dass wir dich herzlich willkommen heißen und dir erst mal ein wenig Zeit lassen, um dich ein wenig einzurichten.“ Dann zog sie vielsagend die Augenbrauen hoch, hakte sich bei mir unter und schleifte mich wieder zurück.

      „Du bist schlimm, das weißt du aber?“ zischte sie mir ins Ohr.

      „Tut mir leid, ich hab gerade meine Ab-und-zu-für-drei-Stunden-beste-Freundin nach zehn Jahren wieder getroffen, darf ich da nicht ein bisschen komisch sein?“ murmelte ich und schob meine Unterlippe heraus. Zoe warf mir nur einen langen Seitenblick zu, der so viel bedeutete wie Bitte, reiß dich einmal zusammen.

      ***

      Ich hatte beschlossen, dass es sich am besten auf ein Pferd warten ließ, wenn man auf dem Sofa lag. Nach meinem „Gespräch“ mit Peggy und dann mit Zoe hatte ich mich deswegen sofort ins Wohnzimmer bugsieren lassen und zappte jetzt durch das Spätnachmittagsfernsehprogramm. Khaleesi, die lieber hungern würde als bei Regen und Sturm draußen zu sein, hatte sich auf meinen Beinen zusammen gerollt und döste vor sich hin. Mein Handgelenk juckte gerade nicht, und dank Hund und Decke war mir sogar wohlig warm – und so ließ es sich auch leben, beschloss ich in dem Moment.
      Ein wenig in Gedanken versunken kraulte ich die Bulldogge auf meinen Beinen mit der linken Hand. Wahrscheinlich deswegen hörte ich das Klicken von Krallen nicht, als ein kleines, hellbraunes Etwa an den Fingern meiner herunterhängenden Hand nibbelte. Aus Reflex zog ich die Hand zurück; die Bewegung weckte Khaleesi auf, aber anstatt von meinen Beinen auf den Boden oder den Rest des Sofas zu springen, hatte ich plötzlich 10 Kilo Bulldogge auf dem Bauch stehen, die mir auch noch in die inneren Organe geknetet wurden. Am Boden stand Peggys kleiner Hund, Augen total fixiert auf Khaleesi. Hätte er einen Schwanz gehabt, hätte er damit bestimmt gewedelt; so, wie es war, wackelte er nur mit dem Hintern.

      Kurzerhand hob ich die Bulldogge auf mir hoch und setzte sie behutsam vor den Corgi. Beide standen erst wie angewurzelt da, dann bellte Khaleesi kurz und dann rannten sie auch schon davon. Hund müsste man sein.

      Die zwei mit den kurzen Beinen verschwanden im Flur, der zu den Zimmern führte, zeitgleich vibrierte mein Handy. Svejn und Storm waren da.

      ***

      Mit Hoodie und Windbreaker sah ich mich ganz gut gegen den immer noch anhaltenden Regen gewappnet. Trotzdem peitschte mir das Wasser geradezu ins Gesicht, als die Haustür hinter mir ins Schloss fiel. Auf dem Weg zum Parkplatz wurde ich so ziemlich ganz durchgeweicht, aber das war fast vergessen, als ich den großen Transporter stehen sah.
      Als ich in Sicht kam, öffnete sich die Fahrertür und eine Frau stieg aus – das war dann also schon mal nicht Svejn. Trotzdem begrüßte ich sie mit meinem breitesten Lächeln, als sie sich mit Verena O’Connor vorstellte. Dann schlug noch eine Tür zu und ein großer Hüne, der am Gehstock ging, kam herum und streckte mir auch sofort seine Hand entgegen. „Svejn Álfarsson, wir haben miteinander gesprochen.“
      Zu gerne hätte ich ihn auch noch begrüßt und beide herzlich willkommen geheißen, aber gerade, als ich den Mund öffnete, kam noch ein Transporter auf den Parkplatz gefahren. „Das nenn‘ ich mal Timing,“ grinste ich.

      Declan machte sich an der Rampe unseres Transporters zu schaffen, Lesja – ganz Gentleman – begrüßte erst einmal die Gäste mit einem festen Händedruck (Verena verzog kurz das Gesicht. Dafür würde Lesja heute Abend ein paar Ellenbogen in die Seite bekommen). Ein wenig Smalltalk hin und her, dann klapperte es auf der geöffneten Rampe und Baby Nummer Eins war angekommen. Stolz wie eh und je folgte Gambit Declan, schnupperte an unseren Händen und zog dann in Richtung Hof von dannen. Ellbogen Nummer Eins fand seinen Platz zwischen Lesjas fünfter und sechster Rippe. „Die Box muss noch gemacht werden, das machst du, oder?“ fragte ich zuckersüß und lächelte ihn dann auch noch breit an. Als Antwort bekam ich ein Augendrehen, aber das war für Lesja ein nonverbales Okay, ja, alles was du willst. Man, hatte ich den gut im Griff.

      Jetzt, da alles Wichtige getan war oder gerade getan wurde, konnte Storm endlich ausgeladen werden. Ein wenig staksig folgte der kleine Hengst Verena aus dem Hänger mit gespitzten Ohren. Ein wenig verliebt war ich ja in seinen kleinen weißen Ring ums Auge; der würde zwar bis in ein paar Jahren komplett verschwunden sein, aber wenigstens hatten wir die paar Jahre.

      Etwas steif ging es dann in Richtung Reitplatz – einmal zum Kennenlernen mit Gambit, einmal natürlich, um die Steifheit aus den Beinen zu bekommen. Schon allein auf dem Weg dahin schien der Jährling ein bisschen agiler zu werden, aber noch bevor er das braune Etwas, welches im Regen auf dem Reitplatz herumstöberte, wahrnahm, ging es für Storm erstmal im Schweinsgalopp ans andere Ende. Gambit, aufgeschreckt von der Horde Menschen und dem wildgewordenem Pony, sprang kurz zur Seite und suchte dann erst einmal Schutz am Zaun. Nach ein paar Runden hatte sich Storm ein wenig beruhigt und wandte sich jetzt Gambit zu. Die beiden Hengstfohlen tanzten ein wenig um einander herum, dann beschnupperten sie sich ausgiebig und beschlossen einstimmig, dass sie ja jetzt auch zusammen rumrennen konnten. Mir fiel fast ein Stein vom Herzen – es war noch nichts fest, aber das waren schon einmal gute Voraussetzungen für einen guten Winter.

      Nach ein paar Runden beruhigten sich die beiden und fingen schließlich an, sich in der Mitte der Bahn im strömenden Regen zu beknabbern. Svejn stieß einen kurzen Pfiff aus. „Hätte nicht gedacht, dass das so schnell gehen kann.“

      Mit einem Pfiff kam Gambit an den Zaun, Storm hinterher. „Ich würde sagen, wir bringen sie jetzt erst mal in ihre Box,“ schlug ich vor. „Dann dürfen sie die ein wenig auseinander geben und spätestens morgen dürfen sie sich dann bei den Großen beweisen.“

      ***

      Fürs Vertrag unterzeichnen gingen wir dann lieber ins Haus. Nach einer Tasse Tee war dann auch das meiste geregelt und die zwei Gäste fuhren in Richtung Melville zurück, um dort in einem kleinen Hotel unterzukommen. Kaum waren die Rücklichter hinter den Bäumen verschwunden, sackte ich ein wenig innerlich zusammen. Zu gerne hätte ich mich jetzt in mein Bett verkrochen und wäre erst morgen früh um sechs wieder herausgekrabbelt, aber die Pferde wollten noch Futter und aus dem Regen raus. Also ignorierte ich meine durchgeweichten Schuhe und stapfte zurück auf den Hof.

      Überraschenderweise traf ich im Hengststall auf Peggy. Überraschend aber auch nur, weil sie mit dem Trubel um die zwei Babys ein wenig in Vergessenheit geraten war – eigentlich war es ja vorhersehbar, dass ein Neuling sich erst einmal umsah. Aber zu meiner Verteidigung: sie sah genauso ertappt und überrascht aus, mich triefend in der Stallgasse zu sehen.

      „Ich hab mich nur ein wenig umgesehen,“ sagte sie und hörte ich da eine Spur Trotz? „Und dann hab ich Lesja getroffen und er meinte ich kann helfen –“

      Beschwichtigend hielt ich die Hände hoch und versuchte mich an einem nicht-gezwungenem Lächeln. Das konnte ich eigentlich gut, aber irgendwie fühlte ich mich plötzlich wie eine tollpatschige Elfjährige. „Kein Stress – äh, Lesja?“

      „Bringt gerade die letzten Pferde rein.“

      „Oh.“

      „Ja.“

      Ja, es war genauso unangenehm und peinlich wie es sich gerade lesen lässt. Zum Glück kam mein Retter in verschlammten Stiefeln und nassen Haaren mit Capulet und Quixoticelixer an beiden Händen genau in dem Moment in den Stall und … rettete mich. Indem er mir den Grullohengst in die Hand drückte und mit Cap zu dessen Box durchging. Ein wenig steif brachte ich Quixo in seine eigenen vier (Halb)Wände, nahm ihm die nasse Decke ab und schob die neugierigen Nasen, die von der Box nebenan kamen, wieder über die Trennwand. Q würde ein guter Boxennachbar für zwei freche Jährlinge sein, da war ich mir sicher – für die Koppel war er zwar ein wenig undominant und zurückhalten, aber auch da würden wir eine Lösung finden.

      Ehe ich mich versah, war ich wieder alleine im Stall. Ein wenig zögerlich – und wirklich, wieso fühlte ich mich nochmal komisch auf meinem eigenen Grundstück? – öffnete ich die Tür zur Stallkammer und hing Quixos Decke zum Trocknen auf. Dann hörte man Lachen und Hufe auf der Stallgasse und wirklich Lesja, jetzt schon?

      Der Weg zur Futterkammer wurde ein wenig länger als gedacht, aber so sah ich, dass Lesja und Peggy gerade Painted Blur und Waffel zurück gebracht hatten und, anhand seiner Handbewegungen, Lesja gerade das August-Spaghettidesaster im kleinsten Detail erläuterte. Verräter. Zum Glück konnte ich beim Futter mischen nicht wirklich etwas kaputt machen. Aber auch das war irgendwann abgehakt und getan und aus der Stallgasse kam immer noch leises Murren und Murmeln, das nicht von den Pferden kam. Ein klein wenig arg energisch schob ich die erste Futterschale in den Stall hinein; die Stimmen verstummten, kurz darauf tauchte Lesja in der Tür zur Futterkammer auf, mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Alles klar bei dir?“

      Ich formte mit meinen Zeigefinger und Daumen einen Kreis und, um nochmal extra zu betonen, dass es mir A-Okay ging, spreizte ich die restlichen drei Finger so weit wie möglich ab. „Super,“ flüsterte ich, schob ihm die nächste Futterschale zu. „Glaube nur, die Pferde haben Hunger.“

      Immer noch reichlich irritiert – das konnte man bei Lesja immer so gut am Gesicht ablesen, das war schön – hob er die beiden Schalen auf und verschwand dann wieder. Ich seufzte leise und unterdrückte das Bedürfnis, meinen Kopf gegen irgendetwas zu schlagen. Das würde nur unnötig laut werden und dann hätte niemand etwas davon.

      ***

      Eigentlich war ich so gut wie eingeschlafen, da riss jemand meine Tür auf. Und wie das so war, wenn man aus dem Halbschlaf gerissen wurde, saß ich plötzlich aufrecht im Bett und – hatte wieder Khaleesi aufgescheucht. Die Hündin nahm dieses Mal den direkten Weg aus meinem Zimmer und huschte an der dunklen Figur im Türrahmen vorbei.

      „Was zur –“ setzte ich an, doch dann schloss die Figur die Tür hinter sich wieder – und ja, ich wusste, dass das Lesja war, aber das klingt einfach besser und bedrohlicher und ich hatte mich wirklich sehr bedroht gefühlt – und kam in großen Schritten auf mich zu. Mein Gehirn war noch im Halbschlaf, deswegen rutschte ich sofort mit dem Rücken an die Wand, rein aus Reflex; so weit wie möglich weg aus der Gefahrenzone. Dann erkannte auch ich, dass das Lesja war und kein Dieb oder Mörder, denn die Figur hob die Bettdecke und krabbelte darunter.

      „Lesja, das ist nicht dein Bett,“ sagte ich warnend.

      „Es ist kalt, ich bleib da nicht einfach mitten im Zimmer stehen,“ zischte er zurück. Dann streifte etwas meine Wade und ich musste kurz nach Luft schnappen, so kalt war das.

      „Hast du keine Socken an?“ – „Wer schläft denn bitte mit Socken?“ – „Willst du mich jetzt für meine Schlafentscheidungen kritisieren? Um halb zwölf? Wirklich?“

      Lesja wurde plötzlich still, und so langsam gewöhnten sich meine Augen auch wieder an die Dunkelheit. Er lag ausgestreckt auf einer Hälfte des Bettes (in dem eigentlich nicht wirklich Platz war um zwei Menschen zu beherbergen, vor allem nicht, wenn sich einer davon ausbreitete, als wäre er hier zuhause) und sah mich mit ernsten Augen lange an.

      „Was?“ fragte ich leise. Eigentlich wusste ich, was jetzt kommen würde, aber Herauszögern war meine neue Lieblingstaktik.

      „Was ist dein Problem?“ Und das war das Ding mit Lesja. Zwar konnte er rau sein, sarkastisch und vielleicht auch ein bisschen ruppig. Aber wenn es darauf ankam, war er doch ein kleiner Softie, der Fragen stellen konnte, die ohne Kontext vielleicht mehr als provozierend klangen, aber unverstellt und ernsthaft gemeint waren. Was ist dein Problem bedeutete nicht, dass er mich attackierte, kritisierte – er wollte mich einfach nur zum Reden bringen.

      Eine Zeit lang war es still. Im Laufe des Abends hatte der Regen ein wenig abgenommen und peitschte nun nicht mehr ganz so arg gegen mein Fenster, Khaleesis Geschnuffe war gegangen – es fühlte sich an, als würde die Welt um mich herum die Luft anhalten. Nur, damit ich mit den Schultern zucken konnte. Lesja ließ aber nicht locker, blieb still liegen und sah mich nur an, bis ich schließlich nachgab. Es würde ja eh nur zwischen uns bleiben.

      „Es ist komisch,“ gab ich zu, senkte den Blick und zog die Decke ein wenig enger um meine Taille.

      „Wieso?“ kam da wieder von Lesja. Mit einem wütenden Schnauben funkelte ich an; wie viel er davon sah wusste ich nicht, aber es musste sein.

      „Hatten wir das Gespräch nicht schon mal?“

      Jetzt zuckte Lesja mit den Schultern. „Vielleicht. Aber gebracht hat's anscheinend ja nichts.“

      Wieder waren ein paar Augenblicke Stille, dann ließ ich meinen Kopf gegen die Wand fallen. „Weil ich es komisch mache?“

      Uund wieder Stille. Langsam fühlte ich mich unwohl, als würde ich nur mit mir selbst reden, während Lesja zusah. Denn das war alles, was er machte. Selbst, als ich „Bitte hör auf mich anzuschauen“ murmelte, grinste er nur ein bisschen, und als ich ihm drohte, ihn und seine kalten Füße hochkant rauszuschmeißen, schnaubte er nur ein kleines Lachen.

      „Bist du morgen ein bisschen besser?“ fragte er schließlich.

      „Wenn ich jetzt schlafen darf,“ grummelte ich ihn an, schob meinen Fuß in seinen Bauch und versuchte, ihn somit zum gehen zu bewegen. So einfach ließ er sich zwar nicht abschütteln, aber schließlich rollte er sich von meiner Matratze auf und machte sich auf den Weg in sein eigenes Bett. Gerade hatte ich es mir wieder gemütlich gemacht, mit dem Rücken zum Rest des Raumes, da hörte ich das sanfte //Whoosh// der öffnenden Tür, dann eine kurze Pause und schließlich ein leises „Schlaf gut“, dann wurde die Tür endgültig geschlossen.

      Liebevoll Wecken für Dummies - 21. Oktober 2016
      Es war wieder einer dieser Tage an dem man nichts zu tun hatte. Die Pferde genossen momentan zwei Wochen Auszeit nach der langen Turniersaison und bei dem eklig grauen Wetter, das uns momentan beglückte, wollte ich einfach nur im Bett liegen bleiben. Praktischerweise hatte ich das Rausstellen der Pferde an meine Mitarbeiter abgetreten, sodass ich um kurz vor zehn immer noch im Halbschlaf war.

      Kurz darauf hörte ich jemand die Treppe hochtrampeln, gefolgt von einem Fluchen und einem Aufreißen meiner Tür. „Mein Gott, du liegst ja immer noch im Bett! Los jetzt, Eistee wartet nicht gerne und wenn die anderen noch länger allein sind, drehen die durch.“, schrie mich eine nervig quietischige Stimme an. Ich zog die Bettdecke über den Kopf, doch so entkam ich dem kalten Griff an meinem Bein nicht und wurde aus dem Bett gezogen. Ein letzter Versuch mich am Bettkasten festzukrallen wurde brutal unterbrochen und so landete ich unsanft auf dem Parkettboden. „Auaa“, schluchzte ich und kugelte mich sofort zusammen, als der schlechte Mensch mit der Quietscheentenstimme von meinem Bein abließ. „Ich mach dir hier alles dreckig, wenn du dich nicht sofort anziehst.“, kommandierte mich die Stimme herum und ein kurzer Blick nach oben verriet, dass es sich um Jojo handelte. „Du bist so gemein zu mir“, wimmerte ich, während ich Reithose und Pulli aus dem Schrank zog. Stolz, dass sie ihre Aufgabe erfüllt hatte verschwand sie aus dem Zimmer, während ich mich anzog und schnell die Zähne putzte. Unten war die Haustür sperrangelweit offen und ein braunes Ponygesicht schaute herein. Long Island Icetea gierte ununterbrochen nach der Karotte, die Jojo in der Hand hielt und war schon versucht den ersten Schritt ins Haus zu tun. „Beeil dich oder sie galoppiert einmal durch die Wohnung.“

      In Panik versetzt zog ich mir auf einem Bein hüpfend die Strümpfe an und zog meine Jacke von der Garderobe während ich Jojo und Eistee nach draußen drückte. Mit hektischem Winken wurde ich von Zai und Gwen begrüßt, die ebenfalls Pferde mitgebracht hatten. Gwen stand neben dem Barbiepony Tawny Bawny und Zai hatte Zairina mit hierher verschleppt. Allem Anschein nach machten wir einen Ponystutenausritt. Meine Ausrede, dass momentan alle Pferde frei hätten nach ihrer Turniersaison, wurde mit sofortiger Wirkung abgelehnt, was dazu führte, dass ich wenig später auf Poppysmics Rücken saß. Colin hatte sie vorbereitet und ritt die ersten paar Meter auf Cresant Moon mit, bevor er mit dem Hengst eine andere Route einschlug und endlich die Ruhe Kanadas genießen konnte.

      Wie gerne wäre ich mit ihm gegangen, doch meine Freundinnen hatten mich in ihre Mitte genommen und quatschten ununterbrochen. „Wir sollten unbedingt mal wieder zusammen Tequila trinken!“, quietschte Zai urplötzlich und strahlte uns an. „Du warst noch nie dabei… Das willst du nicht..“, murmelte Jojo und brachte Zais Grinsen zum Verebben. „Außerdem ist es jetzt wieder Zeit für Punsch!“, ergänzte Gwen und hob mahnend den Finger. „Glühwein folgt dann ab Ende November.“

      Ich versuchte nicht in die Konversation integriert zu werden, da ansonsten wieder mein Haus für die Eskapaden meiner Freundinnen genutzt wurden. Und jetzt wo es auf den Winter zuging, konnte ich mir besseres vorstellen, als mein Haus aufzuräumen. Unglaublicher Weise gelang es mir sogar ganz gut und wir verabredeten uns für Samstag bei Zai. Sie hatte uns noch immer nicht in ihrem Haus rumgeführt, obwohl sie schon so lange in Kanada lebte. Vielleicht lag es daran, dass sie immer im Urlaub war. Vielleicht war sie auch einfach zu faul zum Aufräumen und wollte nicht, dass wir ihr Chaos sehen.

      Nie wieder Schimmel - 05. November 2016
      „Nie wieder,“ grummelte ich vor mich hin. „Nie wieder einen Schimmel.“

      Als hätte sie mich gehört, drehte sich Medeia zu mir herum und stupste (wohl eher schubste) mich an. Als würde sie sich beschweren, dass ich sie zu grob anging. Als würde sie sich beschweren, dass ich sie saubermachen und nicht in ihrem Dreck gammeln lassen wollte. Wie konnte ich es wagen?

      Mit zusammengezogenen Augenbrauen zog ich meine Weste aus und machte mich dann wieder an den großen Matschfleck an der Flanke der Connemarastute. Weiß war Medi schon seit ein paar Wochen nicht mehr, sie glich langsam eher einem Cremello. Einem glanzlosen, dreckigen Cremello. Ins das lange Winterfell hängte sich natürlich allerlei Matsch, vor allem, wenn sich das Pferd in die größte Matschpfütze schmiss. Ich überlegte schon seit längerem, ob man die Schimmelstute nicht auch scheren und eindecken sollte, einfach, um sie ein wenig sauber zu halten. Die ersten paar Wochen war ihr Winterfell wirklich niedlich gewesen und man musste bei jeder Gelegenheit seine Finger darin vergraben.

      Jetzt, Anfang November, wollte man es nur noch weghaben.

      Für weitere zehn Minuten schrubbte ich an dem Fleck an der Flanke herum, ehe ich das Handtuch warf und den Dreck einfach Dreck sein ließ. Die Sattellage war zumindest soweit sauber, dass nichts reiben würde, als griff ich nach der Mähnenbürste und kämmte lieber da den noch halbfeuchten Matsch heraus.

      Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr Medeia das genoss. Nämlich gar nicht. Die Ohren waren angelegt und immer wieder drehte sie sich vorwurfsvoll blickend zu mir um. Ich streckte ihr nur die Zunge entgegen, schob ihren Dickkopf wieder nach vorne und machte unbeirrt weiter.

      ***

      Der Ausritt hielt sich kurz; ich hatte das Gefühl, als würde der Wind durch jedes kleinste Loch zwischen den Fasern meiner Reithose dringen und so machte galoppieren dann doch weniger Spaß als erwartet. Am langen Zügel kam ich nach etwa einer halben Stunde wieder auf den Putzplatz vor den Stutenstall und macht Medi soweit fertig, dass sie zurück auf die Koppel konnte. Dabei sah ich, dass sowohl Long Island Icetea’s Halfter auf einem Anbindering hing, daneben Bucky’s. Ein wenig wunderlich, aber jetzt war erst einmal Medeia dran.

      Nachdem das MiFu samt Äpfeln aus der Schüssel und in ihrem Magen verschwunden war, brachte ich die Stute zurück auf die Weide und ignorierte es einfach vollkommen, dass sie sich sofort wieder in die nächstbeste Matschecke schmiss. Das war ein Problem für einen anderen Tag.

      Neugierig lief ich dann in Richtung Reithalle. Draußen im Gelände war mir keiner begegnet, also konnten die Übeltäter bei diesem garstigen Wetter eigentlich nur im Trockenen sein. Das Licht brannte und schon von weitem hörte ich jemanden in der Bahn Anweisungen geben. Grinsend stellte ich mich ans Gatter auf die Zehenspitzen, um besser sehen zu können.

      In der Bahn lagen ein paar Cavalettis und ein kleiner Kreuzsprung, den gerade Zoe mit Eistee in einem lockeren Galopp anritt. Auf der Mittellinie wartete Bucky mit Lesja auf ihrem Rücken, nebendran Declan, der etwas erklärte. Kurzerhand beschloss ich, den Zuschauer zu spielen und, als die Reitponystute am Gatter vorbei war, schlüpfte selbst in die Halle. „Ihr macht eine Springstunde ohne mich?“
      Mit einem Schlag drehten sich drei Köpfe in meine Richtung, doch jeder ging kurz darauf wieder seiner Tätigkeit nach: Zoe ließ Eistee in einem lockeren Trab am Sprung vorbei und kam dabei an Lesja und Bucky vorbei, die sich jetzt wieder an die Arbeit machten. Mit den Händen unter den Achseln sah ich zu, wie die Warmblutstute federnd auf dem Hufschlag trabte und den Reiter, der auf ihrem Rücken versuchte, einen ordentlichen leichten Sitz hinzukriegen ohne auf einer Seite herunterzupurzeln, ignorierte. Als Declan sein Okay gab, ritten die beiden dann auf die Reihe Cavaletti zu und nahmen sie ohne große Hürden. Zoe hingegen hatte sich ebenfalls neben uns gestellt und sah über ihre Schulter zu, während sie Eistees Sattelgurt lockerte und die Steigbügel hochschnallte. Nach einer kleinen Runde Galopp beendete Declan schließlich das Training und stieß mir den Ellenbogen zwischen die Rippen. Erst rollte ich mit den Augen, half ihm dann aber doch, die Cavaletti und den kleinen Sprung wieder aufzuräumen. Währenddessen ritt Lesja Bucky trocken.

      Als eine vierköpfige Einheit ging es dann aus der Halle und zurück zum Putzplatz. Das Grinsen auf Lesjas Gesicht ließ nicht einmal nach, als ihm die Holsteinerstute auf den Fuß stieg; er schob sie nur wieder herunter und legte ihr unbeirrt die Decke auf den Rücken. Als ich anbot, Bucky wieder zurück auf die Koppel zu bringen und Lesja den Strick schier an sich riss, dämmerte mir etwas.

      „Das ist immer noch meine!“ rief ich ihm hinterher. Ohne sich umzudrehen hob er die Hand und winkte mir beschwichtigend zu. Na toll.
    • Elii
      Hufschmiedbericht 14. Dezember 2016
      4003 Zeichen, von Rhapsody

      Missmutig starrte ich aus meinem Schlafzimmerfenster. Seit ein paar Tagen schneite es jetzt, fast schon ununterbrochen, und fast mit einem Schlag war es auch kalt geworden. Kanada-kalt, nicht Deutschland-kalt. Fast-25-Grad-Minus-kalt.

      Man kann sich meine Begeisterung, aufzustehen und draußen zu arbeiten, dementsprechend vorstellen. Trotzdem war es allerhöchste Zeit; mit Füttern und Misten waren heute Lesja und Declan schon beschäftigt gewesen, dafür übernahmen Zoe und ich das Sammelschneegripevent. Nach der ersten schneereichen Nacht hatten wir schon einmal die Pferde, die täglich gearbeitet wurden, neu beschlagen und mit Schneegrip ausgestattet; jetzt waren die anderen dran. Und wenn ich mir die so durch den Kopf gehen ließ, dann waren das ganz schön viele. Es nützte also nichts, noch weiter im Bett zu gammeln. Mit saurem Gesichtsausdruck schlug ich die Decke zurück und tapste von meinem Zimmer erst einmal in Richtung Bad.

      Zoe Frühaufsteher Wilson wartete dann schon geduldig auf mich im Stall. Sie war wohl ebenso angetan von Schnee, Eis und Kälte wie ich. Deswegen stand sie auch mit dicker Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhen vor dem bereits aufgeheizten Ofen und sah mich unbeeindruckt an. Ich selbst fühlte mich wie ein Pinguin in Schneejacke, Stiefeln und einer alten Skijacke, die es nur dank Zufall mit nach Kanada gemacht hatte. Jedes bisschen Haut, das der Luft aufgesetzt war, war auf dem kurzen Weg von Haustür zum Stutenstall komplett gefühlslos geworden. Das konnte ja ein heiterer Winter werden.
      Bis auf ein kurzes Grummeln blieben Zoe und ich erst einmal still und bereiteten alles vor. Für den Vormittag waren erst einmal Bucky, Tautou, Parvati und Cìola vorgemerkt, nach dem kleinen Lunch machten wir dann erst bei den Hengsten weiter. Tief in meinen Schal gekuschelt holte ich dann die Holsteinerstute als erstes aus der Box und befreite sie noch von der leichten Decke, ehe ich mir die Zange griff. Zu allererstes ging es den alten Eisen an den Kragen, dann ein kleines bisschen kürzen und dann wurde es tricky.

      Naja, nicht wirklich tricky. Ganz normal wurden die neuen Eisen erhitzt, auf die Form zugehämmert. Bevor es dann aber an den Huf durfte, kam der Schneegrips zum Einsatz. Ebenfalls an die Hufform angepasst wurstelte ich es dazwischen, holte kurzentschlossen Zoe dazu (vier Hände sind besser als zwei) – erst dann war es an der Zeit, die Nägel ins Horn zu schlagen und anschließend zu vernieten. Mit den Handschuhen war das Ganze vielleicht nicht ganz so leicht, aber immerhin konnte ich Bucky so mit gutem Gewissen zurück in ihre Paddockbox bringen. Jetzt im Winter fiel der Weidegang bei uns weg, dafür teilten sich die Stuten jeweils zu zweit einen Paddock – zum Rumtoben und Rennen zwar zu klein, aber im Frühjahr war schon die erste Umbaumaßnahme geplant. So lange musste das gezwungenermaßen reichen.

      Während ich Bucky weggebracht hatte, hatte Zoe mit Tautous Hufen angefangen. In den letzten Wochen der Turniersaison hatte sie eine kleine Pause genossen – genauso wie Parvati – und war deshalb barhuf. Bis jetzt hatten wir auch noch kein Problem mit Aufstollen bei beiden gehabt; vor Ausritten kam ein bisschen Fett auf die Sohle, und damit fuhren wir ganz gut. Dementsprechend waren beide Lewitzerstuten schnell fertig: etwas kürzen und schon standen beide auch schon auf dem Paddock.

      Die Uhr kroch nun immer weiter in Richtung Mittag, aber glücklicherweise stand nur noch Cìola und Long Island Icetea auf unserem Morgenplan. Da gab es aber erst einmal eine kleine Diskussion: ich war dafür, beide noch eisenlos zu lassen – Icetea startete 2017 zwar voll ins Turniergeschehen ein, das erste Turnier war aber erst in ein paar Monaten. Noch genug Zeit, um ihr bei Bedarf Eisen aufzunageln, genauso wie bei Cìola. Zoe schlug das kalte Wetter aber wohl ordentlich aufs Gemüt; ihre Stille verriet mir, dass sie mir zustimmte aber nicht zustimmen wollte. Im Endeffekt blieben beide barhuf und so waren wir pünktlich zum Mittagessen fertig.
    • Elii
      Pflegebericht 27. April 2017 - Ponyalarm
      3112 Zeichen

      Gut gelaunt und pfeifend führte ich Eistee und Poppysmic über den Hof, denn sie sollten nach ihrem Training auf die Koppel. Die beiden Stuten schritten brav neben mir her und waren entspannt wie immer. Als die Koppel in Reichweite kam, spitzten sich ihre Ohren und die Aufregung stieg. Als das Tor offen und die Halfter ab waren, ging alles ganz schnell. Mit einem Kaltstart sprinteten Poppy und das Alkoholgetränk los. Der Dreck flog nach hinten und ich konnte mich nur mit einer geschickten Bewegung à la Matrix vor dem Matsch retten.
      Mega stolz über meinen Move hüpfte ich zurück zum Stall und kümmerte mich um meine dritte Reitpony Stute. Colour GH's Baila Conmigo wartete bereits am Putzplatz, neben ihr Nate. „Als du gestern von Long Island Icetea gesprochen hast, dachte ich an was richtiges und nicht an das Pony.“, nörgelte er, während er Baila über den Rücken striegelte. Ich antwortete einfach nicht, sondern begab mich gleich in die Sattelkammer und holte die Ausrüstung der Fuchsstute. Als ich wieder zurück war, stand Colin mit Cressi bei Nate und unterhielt sich mit ihm. Der Liebling der gesamten Gegend brummelte mich an und ging auf mich zu, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Colin obendrauf ließ ihn machen und unterhielt sich weiter mit seinem Kollegen.
      Liberté’s Cresant Moon, ein unglaublich königlicher Name für ein Pony, wurde nun von mir übernommen. Colin hatte ihn für mich aufgewärmt, sodass ich gleich auf dem Reitplatz durchstarten konnte. Neben der gewohnten Arbeit an den Übergängen, feilte ich auch noch an den Seitengängen, die für den kleinen Hengst eine Leichtigkeit waren. Locker flockig wechselten wir so im Trab die Hand, verkleinerten und vergrößerten das Viereck und starteten auch die ersten Schritte im Galopp. Im Galopp fiel es Cressi immer noch schwer die Beine zu sortieren, weshalb es für ihn nicht leichter wurde, diese nun auch zu kreuzen. Seine Anstrengungen belohnte ich mit einer Schrittpause und ein paar Leckerlies.
      Auch Tempounterschiede wollte ich heute reiten, hauptsächlich um auszutesten wie weit Colin schon voran gekommen war. Schritt und Trab waren unproblematisch, im Galopp war es deutlich schwerer ihn wieder zurückzunehmen. Doch Cressi begriff schnell was ich von ihm wollte und gab sich große Mühe.
      Schließlich beendete ich das Training, ging eine Runde ins Gelände und sattelte anschließend ab. Da Colin mal wieder einen Anfall von Faulheit - oder wie er es nannte Einfachheit - hatte, trug der Hengst nur Gamaschen, sodass er in Nullkommanix auf die Koppel verabschiedet werden konnte.
      Nun musste ich mich doch noch etwas sputen, denn in zehn Minuten hatte ich einen Termin mit Jojo. Zwar nur zum Ausreiten, aber wenn ich zu spät komme, würde sie mich blitzschnell einen Kopf kürzer machen. Ich spurtete also zurück zum Haus, sprang ins Auto und düste los. Angekommen wurde ich auch schon von Jojo erwartet. Die sah zugegebenermaßen schon etwas genervt aus und tippte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden. Während ich ausstieg, setzte ich mir den Helm auf den Kopf, zog die Handschuhe an und sah dann Jojo an.
      „Können wir gehen?“
      Tautou und Parvati waren zum Glück schon komplett fertig, sodass wir nur wenige Minuten später aufbrechen konnten.
    • Elii
      Trainingsbericht 31. Mai 2017

      Platzhalter
    • Elii
      Trainingsbericht 19. Juni 2017 - Dressur E - A
      6369 Zeichen

      Wieder einmal durfte ich mich auf den Weg zu Elena Redling nach Gut Sanssouci machen. Nachdem ich für einige Zeit pausiert hatte, um mehr Zeit für meinen Hof und meine Angestellten zu haben, hatte ich mit Elena den ersten Auftrag seit Monaten angenommen und freute mich schon darauf wieder unterwegs zu sein. Nachdem ich alles zu Hause organisiert hatte, konnte ich losstarten und mich auf den Weg nach Kanada machen. Ich hatte für das Training im Voraus 8 Wochen angesetzt, aber das konnte sich je nach Pferd und Trainingsverhalten natürlich stark verändern und ich nahm mir lieber mehr Zeit, um hinterher einen guten Job und die Kunden zufrieden gemacht zu haben. Nach der 12 stündigen Reise kam ich schließlich auf Gut Sanssouci an und wurde dort bereits von Elena erwartet. Wie eigentlich fast immer in Reitklamotten, die im Gegensatz zu meinen viel Stil und Modebewusstsein aufwiesen. Freundlich umarmten wir einander und nachdem ich mich in meinem Zimmer eingerichtet hatte, ließ ich mir von Elena gleich meine neue Trainingspartnerin vorstellen. Die junge Stute sah uns aufmerksam entgegen und ließ sich brav kraulen, als ich an ihre Box trat und ihr die Hand hinstreckte. Sie schien entspannt zu sein und Elena bestätigte, dass sie eine sehr gelassene Stute war. "Mit dem Galopp haperts allerdings", sagte sie und lächelte leicht verlegen. "Irgendwie will das nicht so richtig klappen." Ich lächelte und klopfte der Stute sanft den Hals. "Das werden wir schon hinbekommen, nicht wahr, meine Süße?" Die Stute ließ sich noch ein bisschen weiter kraulen, bevor sie sich wieder ihrem Futter zuwendete. Heute wollte ich die Stute erstmal in Ruhe lassen, denn ich war ziemlich kaputt von der Reise und mit wenig Energie hatte es keinen Sinn das Training schon zu beginnen. Nach dem Abendessen ging ich sofort zu Bett, um am nächsten Tag früh wieder aufstehen zu können. Noch leicht geplättet machte ich mich aber am nächsten Morgen auf den Weg zu Long Island Icetea. Die Stute war bereits in ihrer Box, sodass ich sie aufhalfterte und dann begann sie gründlich zu puzten. Schon beim Putzen bestätigte sich noch einmal, dass die Stute recht gelassen war und keine Unarten zeigte. Satteln und Trensen war auch kein Problem. Ich beschloss sie zunächst jedoch erstmal zu longieren, um mir anzuschauen, wie sie sich so im Galopp machte. Schnell merkte ich, dass es ihr an Gleichgewicht fehlte, um sich an der Longe wirklich auszubalancieren. Wir würden in den kommenden Wochen daran arbeiten, sodass meine Planung von acht Wochen wohl hinfällig geworden war. Ich würde wohl eher 12 Wochen oder länger brauchen, was aber nicht weiter schlimm war, denn zu Hause waren alle versorgt und nach diesem Auftrag hatte ich erstmal wieder keine Aufträge mehr. Bisher zumindest. Nachdem ich sie kurz longiert hatte, um mir anzusehen, wie sie lief und woran wir arbeiten mussten, wagte ich den ersten Ritt. Im Schritt und im Trab machte sich Eistee schon wirklich gut. Sie hielt das Tempo und ließ sich mit weichen Hilfen gut kontrollieren. Auch äußere Eindrücke schreckten sie nicht ab und es war sehr angenehm die Stute zu reiten. Während ich in den nächsten Wochen bereits an den Schritt- und Trablektionen der A-Dressur arbeitete, konzentrierte ich mich aber hauptsächlich auf die Galopparbeit. Ich begann damit, dass ich sie erst einmal ohne Longe in der Halle galoppieren ließ und Elena schließlich bat mit mir ins Gelände zu gehen, damit sie dort erst einmal das Angaloppieren auf gerader Linie versuchen konnte. Ich merkte bald, dass es ihr leichter fiel, aber es lag noch ein ganzes Stück vor uns. Täglich arbeitete ich mit der Stute, legte aber auch immer wieder Pausentage ein, damit sich das gelernte setzen konnte. Gegen Ende der sechsten Woche konnte Eistee mittlerweile das Halten aus dem Trab, Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern und vergrößern sowie die Kehrtwendung auf der Vorderhand. Mit dem Galopp hatten wir immer noch so unsere Problemchen, aber es wurde von Mal zu Mal besser. An der Longe machte sie ihre Sache mittlerweile schon sehr gut, nur unter dem Reiter hatte sie noch ihre Probleme, sodass ich mich nun vermehrt darauf konzentrierte und erst einmal versuchte sie ganze Bahn zu galoppieren. Ich galoppierte sie also immer wieder aus einer Ecke heraus an und ließ sie ein paar Sprünge an der langen Seite gehen, bevor ich sie vor der Kurve wieder durchparieren ließ, damit sie sich erst einmal an den Reiter auf gerader Strecke gewöhnen konnte. Nach und nach verlängerte ich die Galoppeinheiten, solange bis sie zum ersten Mal durch eine der Ecken hindurchgaloppierte. Ich parierte sofort durch und lobte sie, beendete das Training an diesem Tag und setzte es erst am nächsten Tag wieder fort. Nach und nach gelang es mir und Eistee ganze Bahn auch durch die Ecken hindurchzugaloppieren, sodass wir uns schließlich nur noch dem Galoppieren auf dem Zirkel zuwenden konnten. Insgesamt 12 Wochen trainierte ich mit der jungen Stute und war am Ende des Trainings wirklich zufrieden mit ihrer Leistung. Sie hatte sich gut gemacht. Das Galoppieren auf dem Zirkel klappte nun schon viel besser. Elena musste natürlich weiter dran bleiben, denn komplett gefestigt war es einfach noch nicht, aber doch soweit, dass Elena und Eistee das sehr gut alleine hinbekommen würden. "Du solltest nicht jeden Tag den Galopp mit rein nehmen, damit sie nicht verunsichert wird. Lass sie auch mal an ein oder zwei Tagen nur im Schritt oder Trab gehen, longiere sie auch immer mal und fordere sie trotzdem auch dazu auf, zu galoppieren. Du wirst selbst merken, ob sie an dem Tag bereit ist oder nicht. Lass dich einfach ein bisschen auf sie ein und schau wie sie an den Tagen drauf ist. Irgendwann wird sie das Galoppieren ganz von selbst beherrschen. Momentan musst du sie noch unterstützen und am Training dran bleiben, sie aber auch nicht überfordern." Ich gab ihr abschließend noch ein paar Tipps mit auf den Weg, bevor ich mich wieder auf den langen Weg nach Hause machte und ehrlich gesagt ganz froh war, wieder heimfahren zu können. Es war schön gewesen, aber auf zu Hause freute ich mich trotzdem sehr. Ich verabschiedete mich von Elena und Eistee und fuhr dann in Richtung Flughafen. 13 Stunden später war ich wieder zu Hause und nachdem ich nach den Pferden und nach meinen Angestellten gesehen hatte, ging ich erstmal zu Bett. Es war schön wieder zu Hause zu sein.
    • Elii
      Pflegebericht 25. Juli 2017 - Büroarbeit
      2753 Zeichen

      Der Sommer war immer besonders stressig. Jedes Wochenende standen Turniere an, denn fast alle Pferde liefen in den unterschiedlichsten Klassen, was ein besonders gutes Zeitmanagment erforderte.
      Auch heute reichte es nur für einen kurzen Durchgang, da einiges an Bürokram anstand. Colin und Nate konzentrierten sich dafür auf das Training und waren gerade mit Coloured Belle und Golden Lights auf dem Springplatz. Danach sollten auch Dark Rubin, Colour GH’s Baila Conmigo und Long Island Icetea auf den Platz gehen. Der etwas mildere Tag heute sollte genutzt werden für Springgymnastik und Parcourspringen, je nachdem wie weit das jeweilige Pferd war.
      Poppysmic, Ékes und Tavasz hatten heute frei, genauso Kiss me Quick und Liscalina. Beides neue Stuten, die ich aus einer Insolvenz übernommen hatte. Auch Minstrel und Jacarta kamen auf diesem Weg zu uns, sowie Back to Business und die zwei Vierjährigen Dark Prince und Déchante. Da ich nicht alle behalten wollte und konnte, wurden die Pferde auf meine Freundinnen verteilt. Nur Jacarta und Minstrel würden letzten Endes bleiben.
      Da ich doch noch etwas Zeit hatte, drehte ich noch eine Runde bei den Koppeln. Am Morgen war alles noch etwas aufregender für die Pferde. Obwohl sie jeden Tag draußen standen, mussten vor allem die Hengste ihre Energie rauslassen. Cloud Nine und Clouded Sky galoppierten Seite an Seite über die Koppel, während Flavor of the Month und Flavor of the Weak bereits fertig waren mit Toben und sich eine schöne, braune Schicht aufgetragen haben. Mit dabei von der Vater-Sohn Partie waren auch Liberté’s Cresant Moon und Crescent Jewel und auch Csíny und Kalzifer standen in ihrer Nähe. Die vier grasten und sahen nur kurz hoch, als ich vorbei stiefelte.
      Die Büroarbeit sorgte nach drei Stunden doch für Kopfschmerzen, weshalb ich eine erneute Pause einlegte. Mittlerweile waren Colin und Nate mit Couleur du Deuil und Dark Chocolate aus dem Gelände zurück und berieten sich, welche Pferde als nächstes kamen. Die Wahl fiel schließlich auf Paint it Black und Császári. Für beide stand die Dressur heute an.
      Später würde wohl auch noch Romerico an die Longe kommen und ich reservierte mir Weltwunder für einen Ausritt. Dajeen hatte Glück und durfte heute freimachen.
      Bei meiner jetzigen Runde schaute ich noch bei den Kleinen vorbei. Millennium Falcon, Éllovas und Golden Cascade standen friedlich in ihrem Offenstall. Cover the Stars würde ich heute nicht besuchen. Da er momentan der einzige Junghengst war, stand er nicht am Hof.
      Seufzend schlappte ich schließlich zurück zum Haupthaus, um mich dort erneut vor meinen PC zu setzen. „Geh endlich! Du kannst morgen wieder mitmachen!“, rief mir Nate noch hinterher, was ich allerdings nur mit einem bösen Blick kommentierte.
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  • Album:
    1.8 Stuten in der Zucht
    Hochgeladen von:
    Elii
    Datum:
    18 Feb. 2017
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    Rufname: Eistee
    geboren: Mai 2011

    von: Dancer in the Moonlight – Deutsches Reitpony
    aus: Little Sweetness – Deutsches Reitpony

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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Brauner
    Stockmaß: 147 cm

    Besitzer: Elii
    Ersteller: Elii
    Vorkaufsrecht: Elii

    Beschreibung
    Long Island Icetea ist eine sehr ruhige Stute, auch wenn ihr Name einen einschlagenden Alkoholmix verspricht. Auch wenn sie jung ist, hat sie keine typischen Flausen im Kopf und war bis jetzt immer äußerst brav.
    Die Arbeit mit ihr ist einfach und macht Spaß, da sie es einem immer Recht machen will und auch bei schwereren Aufgaben ihr Bestes gibt. Bis auf die Galopparbeit ist die junge Stute schon weit vorangeschritten und wird in der nächsten Saison das erste Mal Turnierluft schnuppern.

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    Erfolge

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    [SK 471] Alle Stuten

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    3. Platz 141. Synchronspringen

    1. Platz 324. Fahrturnier
    3. Platz 326. Fahrturnier
    3. Platz 327. Fahrturnier
    1. Platz 335. Fahrturnier
    1. Platz 337. Fahrturnier
    1. Platz 338. Fahrturnier
    2. Platz 458. Fahrturnier
    3. Platz 462. Fahrturnier
    3. Platz 469. Fahrturnier
    3. Platz 470. Fahrturnier
    2. Platz 473. Fahrturnier
    1. Platz 475. Fahrturnier
    1. Platz 478. Fahrturnier

    Fahren E – Dressur M

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    Decktaxe: 220 Joellen
    Zuchtverleih: //
    Nachkommen: //

    offizieller Hintergrund

    Zubehör