Wolfszeit

LMR Royal Champion ♞

In meinem Besitz seit 29.04.2018 | Hengst|7 Punkte

LMR Royal Champion ♞
Wolfszeit, 29 Apr. 2018
    • Wolfszeit
      PFLEGEBERICHTE I
      06.03.2016 - 30.10.2016, Wolfszeit, Zion, Canyon & Occulta
      Lake Mountain Ranch
      Willkommen auf unserem Hof
      29.04.2015, 4.828 Zeichen, Wolfszeit

      Ich wachte auf durch das klingel meines Handys. Ich tastete nach dem Lichtschalter. Es war 4:30 Uhr, wer zu Hölle ruft mich jetzt an. Es war Colin der Nachtwache bei der trächtigen Stute hielt, da das Fohlen seit 2 Tagen erwartert wird. Ich ging an mein Handy: „ Ja“ murmelte ich verschlafen. Am anderen ende Sprach ein ganz aufgeregte Colin. „Luchy, ich glaub das Fohlen kommt“. „ich bin schon unterwegs“ sagte ich und sprang aus dem Bett. Ich legte auf und zog mich an. Ich weckte noch Rinnaja und zusammen gingen wir in den Stall. Dort angekommen erwarte Colin uns schon. Die Stute lag schon auf der Seite und schnaubte angesterngt. Nach einer weile kamen erst die Vorderbeine und dann der Rest des Fohlens. „Um Punkt 6:00 Uhr, ist das Fohlen zur Welt gekommen“ sagte ich feierlich. Colin und Ich gingen in die Box und rieben das Fohlen mit Stroh ab. „Wilkommen auf der Welt kleines Fohlen“ flüsterte ich dem Fohlen ins Ohr. „Wie soll das Fohlen heißen? „ fragte ich in die Stille. „Er sieht aus wie ein kleiner Campion“ sagte Rinnaja. „Wie wärs mit Royal Campion? „ fragte Colin. Alle waren einverstanden. Cassini´Girl stand inzwischen wieder und beschnuppete ihr Fohlen. Als es trockengeleck war begann es sich aufzurappeln und zu Trinken.“Ich glaube wir lassen die beiden jetzt mal allein“ sagte ich und lächelte. Nun gingen wir aus der Box und ließen die Stute und ihr Fohlen allein. „Colin, du solltes schlafen gehen“ sagte ich zu ihm. „Nein, jetzt kann ich nicht Schlafen ich fühle mich wacher als je zuvor“ sagte er glücklich und küsste mich. Ich ging nun in den Stall um meine Morgendliche Runde zu machen, währen Colin begann, die Pferde zu fütter. Heute begann ich bei All Hope Is Gone. Ich begrüßte den Hengst und merkte gleich das er heute gut drauf war weshalb ich beschloss heute mit ihm ein paar neue Lektionen Üben wollte also führte ich den Hengst auf den Putzplaz und holte sein Putzzeug. Er genoss es das die Sonne wieder schien und ließ sich ihn Ruhe putzen, da er momentan im Fellwechsel war dauerte es etwas länger als gewöhnlich weil es viele Haare waren die von ihm abfielen. Als er endlich sauber und Haar frei war holte ich sein Sattelzeug. Als ich an Lespoiere vorbei lief fiel mir ein das er heute Ruhetag hatte und somit auf die Weide kam. Also legte ich Hopes Sattelzeug beim putzplatz ab und brachte Lespoiere noch auf die Koppel wo er gleich begann sich auszutoben. Als ich zurück ging kam gerade Colin mit Carry on my Wayward Son und begann ihn fertig zu machen. Ich sattelte hingegen Hope und ging mit ihm auf den Platz. Ich stieg auf und begann im Schritt mit ein paar leichten Lektionen zum aufwärmen. Nach dem er war war wechselte Ich in den Trab und ritt ein paar schwiereigere Lektionen. Nach dem ich auch den Gallopp gemacht hatte ritt ich ihn ab. Ich machte ihn fertg und brachte ihn dann auf die Weide wo er sich mit Lespoiere ein Wettrennen lieferte. Nun war Slaughterhorse dran ich war gerade bei dem kleine Hengst in der box da kam Colin mir Carry on von seinem Ausritt zurück. Er brachte ihn auf die Koppel und kümmerte sich um Ramazotti. Mit Slaughter machte ich Langzügelarbeit und barchte ihn dann auf die Weide. Anschließend barchte ich auch noch Alvari und Djafur auf die Koppel wo sie sichtlich spaß hatten. Colin barchte gerade Acerado und Elf Dancer auf die Koppel als ein Auto mit Hänger vorfuhr. Das musste der neue Hengst sein dachte ich mir und ging auf das Auto zu. Ich öfnete die Hängerklappe und sah den wundeschönen Hengst.Er hieß Crystal Sky und war ein 4 Jähriger Holsteiner. Ich führte den Hengst aus dem Hänger und brachte ihn zum Freilaufen in die Halle damit er ersteinmal seine Energie loswerden konnte. Neugierig lief er durch die Halle und erkundete alles, bevor anfing sich auszutoben. Ich ließ den hengst allein und kümmerte mich währendessen um Little Buddy. Auch er hatte heute Rihetag weshalb ich ihn auf die Kopel brachte. Jezt fehlte nur noch Aschenflug und war es geschafft. Den Hengst brachte ich erstmal auf die Koppel a ich mit ihm später noch ausreiten wollte. Ich ging zurück zu Halle und beobachtete Sky beim toben. Als er ausgetobt war führte ich ihn auf die Hauskoppel damit er sich ihn Ruhe eingewöhnen konnte, außer dem hatte ich ihn so auch im Blick. Ich ging ins Haus um eine Kurze Pause einzulegen auf dem weg sah ich das Colin mit What´s Happen In the Dark trainierete. Ich schaute den beiden von der Terasse aus zu bevor ich in den Stall gingng um Aschenflug fertig zu machen. Ich puzte den hengst und anschließend sattelte ich ihn. Ich führet ihn auf denHof und steig auf. Wir ritten ca.1 Stunde. Als wir zurück kamen dämmerte es schon. Also brachte ich Ash zurück und holte auch die anderen Pferde rein. Bevor ich ins Haus ging schaute ich noch nach Gily und ihre Fohlen. Danach ließß ich mich müde und glücklich ins Bett fallen.

      Ranch Caballos Alma
      Unser zweites Zuchtfohlen ist nun in der Camargue!
      07.05.2015, 684 Zeichen, Zion

      Schon seit ein paar Tage bin ich in dem prachtvollem Besitz von Royal Campion unser zweites Zuchtfohlen. Er entwickelt sich prächtig und hat den Charakter seiner Eltern geerbt.
      Auch bei uns in der Camargue fühlt er sich gut. Mit Vignir und Bjartur versteht er sich ebenfalls. Heute wollte ich mit ihm wieder ein bisschen trainieren. An das Halfter hat er sich schon gewöhnt. Heute übten wir "Stop and Go", er machte sich sehr gut, außerdem ist er ein sehr menschenbezogenes Pferd und dazu noch aufmerksam. Da seine Mammi Cassini's Girl nicht da ist, kriegt er eine künstliche Milch, aber nur noch für zwei Wochen. Er genoss ebenfalls das putzen und streicheln. Ein wahrer Zuchterfolg!

      Ranch Caballos Alma
      Sammelbericht für die Hengste/Wallache
      10.07.2015, 2.104 Zeichen, Zion

      Nach langer Zeit, nahm ich mir mal wieder richtig Zeit für die männlcihen Bewohner der Ranch.
      Angie und ich hatten gemütlich gefrühstückt und machten uns jetzt an die Arbeit. Da wir im Moment 3 Fohlen haben, nahm ich die Zwei Isländer und Angie unser Zuchtfohlen.
      Erstmal durften sie sich auf dem Sandplatz welzen. Gleich auf dem Platz putzte ich Bjartur und gab ihm sein Futter, da natürlich die anderen Beiden auch ihrs haben wollten, hatte Angie schon die anderen Eimer geholt. sie aßen gemütlich ihre Möhrenschnitzel mit Kräutern und Obst während wir noch Vignir und Campion putzten. Draußen herrschte eine angenehme Temperatur und wir brachten die 3 Fohlen auf die Wiese. Nun gingen wir wieder in den Stall und holten jetzt die zwei Ponys Amigo und Hendersin, mit ihnen gingen wir im Meer eine Runde planschen. Wieder zurück, duschten wir sie mit klarem Wasser ab und ließen sie erstmal "Luft trocknen". In der Zwischenzeit, hatten wir schon Acapulco und Sisko geholt. Während die beiden froh und munter über den Sandplatz tobten, putzten wir die inzwischen trockenen Ponys und gaben ihnen ihr Futter. Amigo und Hendersin durften dann ebenfalls auf die Koppel zu den Fohlen. Wir schauten Sisko und Aca noch etwas beim spielen zu und schrubten ihnen danach ordentlch den Sand runter, auch die beiden genossen ihre Pellets und das Müsli. Langsam wurde es immer weniger Pferde die zu versorgen waren. Die 7 Pferde auf der Koppel spielten fröhlich miteinander, als Angie und ich unsere beiden Barockhengste Xinu und Tiago holten. Allmählich wurde es heißer und heißer, sodass wir die Beiden mit dem Schlauch abduschten. Während sie trockneten durften sie schonmal ihr Frühstück genießen und wir holten die letzten beiden männlichen Bewohner. Zum Schluss kamen unsere Vollblüter River und Hurricane. Auch die Beiden durften eine Dusche genießen und futtern, als wir Xinu und Tiago auf die Koppel brachten. Als endlich auch River und Cani getrocknet waren, putzen wir sie noch schnell und brachten sie anschließend zu den anderen auf die Koppel.

      Ranch Caballos Alma
      Erstes Kennenlernen
      28.07.2015, 1.204 Zeichen, Zion

      Ein paar tage nach Nours Ankunft, sollte er sich mit den anderen Fohlen bekannt machen. Zusammen mit Fleur, Angelo, Angie und Carlo holten wir Snowwhite, Bjatur, Vignir und Campion. Alle zusammen brachten wir sie auf die Weide. Zu erst schupperten sie aneinander, bis Nour einfach so anfing loszurennen und die anderen hinterher, Snow war logischer weise die Letzte. Wir schossen ein paar Bilder und schauten eine Weile zu...
      Anscheinend verstanden die Fohlen sich gut. Wir überlegen schon ob wir sie öfters zusammen auf die Weide lassen. Da Nour noch so neu war und noch gar nichts hier gesehen hatte, gingen wir mit ihm und den anderen Fohlen zum Meer. Jeder von uns hatte ein Fohlen am Strick. Alle zusammen trugen wir Badesachen und die Jungs wollten uns mit ihrem Körper imponieren, doch uns ließ das kalt, wir konzentrierten uns auf die Fohlen, die sichtlich Spaß im Wasser hatten...
      Zurück auf der Ranch, mussten wir die Fohlen abduschen, weil das Salzwasser nicht im Fell bleiben darf. Alle waren wir danach nass, jeder hatte jeden mit dem Schlauch abgesprizt. Nach diesem lustigen Badetag, versorgten wir die Fohlen und brachten sie in die Boxen zurück.

      Maplewood Stables
      Pflegebericht
      20.12.2015, 2.433 Zeichen, Canyon

      Da ich kurz vor Weihnachten nochmal eine ältere Freundin in Kanada besuchen wollte, machte ich auch heute wieder einen Abstecher auf das Gestüt von DisneyHorse und AngieMaus. Beide hatten in letzter Zeit viel um die Ohren und so nahm ich mir zwei Stunden frei, um ihnen etwas unter die Arme zu greifen.
      Disney begrüßte mich mehr als freudig, denn immerhin war es eher ein spontan Besuch gewesen, welcher mich auf das Gestüt gezogen hatte. Dann zeigte sie mir die Pferde, um die ich mich heute kümmern würde. Es war nicht viel zu tun und ich glaubte, dass ich das alles in den zwei Stunden schaffen würde. Nur auf die Koppeln bringen und die Boxen ausmisten, das klang leicht. Ich hoffte, dass ich alles von Disneys Erklärungen verstanden hatte und machte mich an die Arbeit. Ich entschied mich dafür, mit der männlichen Abteilung anzufangen, denn diese warteten schon ungeduldig auf ihren Koppelgang. Zu erst suchte ich mir die beiden jüngsten raus. Das waren Nour und LMR Royal Campion. Zwei überaus stattliche und vorallem süße Hengste mit viel Ausstrahlung. Ich nahm gleich beide mit und brachte sie auf ihre Koppel. Dann folgten, immer paarweise, die anderen Hengste. Erst Espana's Amigo, ein junger und vorallem anhänglicher Hengst, und Tiago, dann Hurricane und Xinu und zum Schluss der einzige Wallach Golden River. Als alle Hengste glücklich auf ihrer Koppel standen, nahm ich mir die Stuten vor, welche mittlerweile auch unbedingt nach draußen wollten. Auch hier fing ich mit dem jüngsten Mitglied an. Das war in dem Fall LMR Lady Luna, eine total hübsch gescheckte Stute, welche sofort mein Herz erwärmte. Ich führte sie zur Koppel und entließ sie dort als erste. Dann machte ich mit den anderen Stuten weiter. Erst nahm ich mir Jule und Acacia, dann Lady Moon und Fatinah, Fire Splash und Butterfly Effect, Mirabelle und Flocke und zum Schluss Midnight Dreamer und Smoke Cream. Bis alle auf den Weiden waren, dauerte es seine Zeit und so beeilte ich mich sehr mit Boxen ausmisten, da ich meinen Bus zurück zum Bahnhof unbedingt schaffen wollte.

      Innerhalb einer dreiviertel Stunde waren auch alle Boxen sauber und so schaffte ich es noch ohne größeren Stress Disney aufzusuchen und mich von ihr zu verabschieden. Dann rief ich mir ein Taxi und fuhr zum Bahnhof. Ich war stolz auf mich, immerhin hatte ich es trotz der knappen Zeit geschafft, Disney einen kurzen Besuch abzustatten.

      Lake Mountain Ranch
      3 Neuankömmlinge
      21.02.2016, 10.169 Zeichen, Wolfszeit

      Ich stand auch und schaute aus dem Fenster über Nacht hatte es kräftig geschneit, nachdem es im lenzten Jahr zwar kalt war ,aber nie geschneit hatte. Ich duschte und zog mich an. Zwischen drin weckte ich noch Colin der noch schlief. Nach dem Frühstück ging ich raus. Es war kalt und man konnte die Atemwölcken sehen. Ich ging zuerst zum „Shettyauslauf“ und schaute nach Ardehel, Violá und Delyx. Delyx tollte fröhlich im Schnee rum während Ardehel gemütlich im Offenstall ihr Heu knabberte. Viola, das Plüschtier unter den Drei, wälzte sich gerade glücklich im Schnee. Ich war froh das die kleinen sowieso ihre Weidedecken trugen sonst wären sie nämlich nass geworden. Als nächstes ging ich in den Zuchtstall der Stuten. Der warme Geruch von Pferden schlug mir entgegen. Nathalie erwartete mich schon und stecke mir ihren Kopf entgegen. Lächelt kraulte ich sie kurz bevor ich ihn der Futterkammer verschwand um das Futter vorzubereiten. Ich verteilte das Kraftfutter in den jeweiligen Eimer. Als in jedem Eimer die entsprechen Portion drin war verteilte ich erst alle Eimer vor den Boxen, bevor ich jedem Pferd sein Futter in den Trog kippte. Im Hengst- und Privatstall kümmerte Colin sich ums füttern. Als alle ihr Kraftfutter mapften verteilte ich noch das Heu. Kaum war ich damit fertig tauchte auch Jayden auf um die Boxen zu misten. Ich ging nun zu Nathalie nahm ihr Halfter vom Halter vor der Box und ging in die Box. Ich halfterte die Stute und kraulte sie noch kurz bevor ich sie zum Putzplatz führe. Dort angekommen band ich den Schecken an und holte ihre Putzbox aus der Sattelkammer. Ich deckte sie aus und begann die Braun-Weiße zu putzen. Die brave Stute stand gelassen da und genoss es. Als ich fertig war holte ich ihr Sattelzeug und eine Abschwitzdecke. Ich machte die Stute komplett fertig und führte sie dann in die Halle. Da es noch früh war war ich komplett alleine. Jayden und Colin waren mit dem misten beschäftigt und Anu ging Morgens am liebsten mit Flocke ausreiten. Ich ritt Nathalie war bevor ich die Abschwitzdecke über die Bande legte. Ich übte einige A Lektionen mit ihr da bald die Tuniersasoin wieder startete. Als ich fertig war legte ich ihr die decke auf und ritt noch etwas Schritt damit sie sich etwas abkühlen konnte. Ich brachte die braun-weiße Stute zurück in den Stall wo ich sie Absattelte und wieder Eindeckte. Da Colin, Anu und Jayden schon alle Pferde auf die Koppel gestellt hatten räumte ich auf und brachte auch Nathalie raus, wo wo Leika schon wartete, da Colin Fashion Girl schon zum tranig geholt hatte. Ich ging nun zum Shettyauslauf zurück um mit Ardehel zu arbeiten. Ich holte ihr Halfter aus der „Shettyhütte“ und holte sie aus dem kleinen Paddock. Da es draußen zu kalt war ging ich mit der kleinen Stute in den Stutenstall auf dem Putzplatz. Ich band sie an und holte ihr Putzzeug. Die kleine neugierige Stute fand alles interessanter als mich , dadurch dauerte das Putzen länger als geplant. Als ich fertig war sattelte ich die Stute was nicht gerade einfach war da sie immer in die Luft schnappte. Als ich sie auch getrenst hatte ging ich in die Halle wo Colin gerade Fashion Girl logierte. Die Stute machte sich schon sehr gut und würde bald schon geritten werden können. Ich machte mit Ardehel einige Western Übungen was heute gut klappte. Als ich fertig war sattelte ich sie ab und räumte alles auf. Gerade als ich sie gerade wegbrachte sah ich dass ein Auto vorfuhr.Das waren bestimmt Lina Valo und Samu Häkkinen,da Juan gegangen war und ein paar mehr Pferde eingezogen waren musste ich neue Stallkräfte einstellen. Die beiden Finnen waren vor kurzem hergezogen und hatte früher selbst eine Ranch die sie aus finanziellen gründen aufgeben mussten. Ich wartete bis sie ausgestiegen waren und begrüßte sie. Ich brachte Ardehel weg und zeigte ihnen erst die Ranch und dann ihre Zimmer. Als ich in den Stall kam sah ich das Anu gerade Ash geholt hatte und fragte sie ob wir ein Trainingsrennen machen sollten. Also holte ich Littel Buddy und stellte ihn neben Aschenflug. Wir putzen die beiden Hengste und sattelten sie. Als wir an den Koppel vorbei zur Rennbahn ritten sah ich wie Blue Heart und Royal Champion durch den Schnee sprangen. Auf der Rennbahn angekommen starteten wir unser Rennen und man sah das beide etwas außer Form waren da die Bahn in den letzten Wochen zugefroren waren. Ash war allerdings etwas besser in Form als Buddy. Ich beschloss noch etwas auszureiten um ihn etwas zu entspannen. Ich beschloss Blue Heart als Handpferd mitzunehmen. Also sattelte ich Buddy im Stall um und holte die kleine Quater Stute. Im Hof stieg ich auf und ritt los. Blue lief brav neben Buddy her. Ich nahm die stecke durch den Wald da diese am Kürzesten war. Als wir wieder kamen brachte ich erst Blue zurück auf die Koppel und dann sattelte ich Buddy ab und brachte auch ihn zurück. Als ich schon mal da war holte ich auch gleich Lady Swan von der Koppel. Im Stall warteten Lina und Samu. „Hi, Luchy wir wollten fragen ob wir helfen können.“. Während ich Lady anband antworte ich:“Klar gerne, ich zeig euch die Pferde für die ihr zuständig sein werdet. Lina du wirst Iliada in Galopp- und Distanzrennen trainieren, Ice Rain in Dressur, Darly Gone Mad in Galopprennen, Whats Happend in the Dark in Dressur, Colore Splash in Dressur, Dorn in Distanzrennen und Sisko in Trabrennen. Samu du wirst für Nathalie, British Gold, Promise Of Sundance, Keezenkoni, Legolas, Captain Morgan und Lady Swan in Dressur trainieren. Genaueres sage ich euch morgen oder gleich bei jedem Pferd. Heute müsst ihr euch nicht mehr um Lady Swan, Captain Morgan, Nathalie, Sisko, Dorn und Darly Gone Mad kümmern. Ich würde vorschlagen wir holen jetzt erstmal British Gold und Ice Rain.“ sagte ich zu den beiden. Ich ging zu den Boxen und zeigte Lina und Samu die Halfter die immer an den Boxen hingen da die Pferde bei uns ohne Halfter auf die Koppel kamen. Es gab zwar auch ein paar Ausnahme Pferde aber das waren wenige. Mit Halftern bewaffnet gingen wir hoch zu den Koppeln. Ich half den beiden British und Rain einzufangen bevor ich mit ihnen zurück zu Swan. Dort angekommen banden sie die Stuten an, bevor ich ihnen zeigte wo das Putz- und Sattelzeug hing. Wir putzen die Stuten und Als alle fertig waren zeigte ich ihnen die Halle damit sie dort trainieren konnten. Mit Swan ging ich etwas ausreiten da sie heute etwas angespannt war. Nach dem ausritt war die Stute deutlich entspannter und ich brachte sie zurück auf die Koppel, Wo sie sich mit Cassini´s Girl austobte. Als ich zurück zum Stall ging kam mir Jayden mit Leika entgegen. Gerade fuhr auch der Anhänger vor der ein neues Shetty brachte. Ich begrüßte Fiona, die den Hengst vorher besessen hatte. Wir luden den Hengst gemeinsam aus und ich zeigte Fiona wo der Hengst stehn würde. Ich ließ ihn erst von draußen gucken und Ardehel und Violá kamen neugierig an den Zaun. Die Ponys beschnupperten sich. Als Alle sich inspiziert hatten ließ ich den Hengst in den Paddock. Es gab ein kurzes Gerangel aber auch das legte sich schnell. Als Fiona sah das alles gut lief verabschiedeten wir uns und sie fuhr vom Hof. Ich blieb noch etwas am Shettypaddock und schaute aus der Ferne Colin zu der gerade mit Nabuko etwas Freispringen machte. Als ich sah das die Shettys ruhig waren, ging ich Uschi von der Koppel zu holen. Ich nahm auch All Hope mit da ich mit beiden ausfahren würde. Also machte ich die beiden am Putzplatz fertig und spannte sie draußen vor den Schlitten. Ich fuhr durch den verschneiten Wald. Die Pferde und ich genossen die Fahrt. Auf halbe Strecke begegnete ich Lina und Anu Die gerade mit Darky und Elf Dancer ausritten. Zurück am Hof kam gerade Samu mit Legolas aus dem Stall. Ich spannte die beiden Kaltblüter ab und brachte sie zurück auf die Koppel. Jayden holte gerade Elvish und Selection Zum Freilaufen von der Koppel. Ich holte mir Geiseldrama von der Koppel und ging mit ihr zum Roundpen, wo gerade Colin raus kam der mit Rosi trainiert hatte. Ich arbeite mit Rosi daran nicht alles zu beißen was ihr in die Nähe kam. Die Stute machte inzwischen Fortschritte da sie nicht mehr alles biss. Als ich fertig war beschloss ich sie noch eine Runde über den Hof zuführen. Colin trainiert gerade mit Sisko auf der Rennbahn und Anu ritt gerade Darly ab. Ich brachte nun Grisi auf die Koppel und holte mir Captain. Mit ihm arbeitete ich etwas an der Doppelloge da ich ihn auf die Kutscharbeit vorbereiten wollte. Als ich fertig war kam gerade Samu mit Keezenkohni um die Ecke. Ich sattelte Captain und brachte ihn zurück zur Koppel. Jayden war gerade mit Makotka auf dem Platz und trainierte sie und Colin holte Lamira von der Koppel. Lina, Smau, Anu und ich holten jetzt Illiada, Wo der Wolf heult, Worrior Of Light und Avicii von der Koppel. Als wir fertig waren gingen wir Auf die Rennbahn. Ich sah das Jayden gerade mit Crystal Sky auf dem Platz einige Lektionen machte. Als wir mit dem Training fertig waren brachten wir alle vier die Pferde zurück. Colin brachte gerade Citzien Fang zurück und die anderen drei holten Promise,Acerado, Colore und Dorn. Ich hingegen machte ein Pause und schaute nach Amigo und den anderen. Colin kam nach einer Weile zu mir und umarmte mich von hinten. „Na, Schatz wollen wir zusammen ausreiten?“ sagte er und gab mir einen Kuss. „ Ja, gerne.“ sagte ich und lächelte.“ Wie gefällt die eigentlich der keine Kerl hier?“ fragte ich ihn und Kraulte Amigo der gerade an den Zaun kam. Colin begann ihn auch zu kraulen und sagte, „Scheint ein netter kleiner Kerl zu sein“. Wir gingen nun Hand in Hand zurück zum Stall und machten Carry On und Abadon fertig. Wir ritten zu unserm Lieblings platz am See, wo wir uns auf den Steg setzen und den Sonnenuntergang genossen. Als wir dann schließlich am Stall zurück waren hatten sie anderen alle Pferde wieder rein geholt. Wir brachten auch die beide ihn ihre Box und gingen rein. Nach dem Abendessen fiel wir beide in Bett.“Der Ausritt heute war toll“ flüsterte Colin mir ins Ohr. „Ja, finde ich auch“ sagte ich, drehte mich um und lächelte ihn an. „Ich liebe dich“ flüsterte ich. „Ich liebe dich auch“ sagte er und gab mir einen Kuss. Wir kuschelten uns aneinander und schliefen ein.

      Lake Mountain Ranch
      A new Year Together
      27-05-2016, 7.405 Zeichen, Wolfszeit

      Heute stand ich besonders früh auf, da wir heute das erste Mal einen Teil des Reitschul Konzept testen. Heute war die Shettyschule dran. Um 10 Uhr würden die Ausritte starten. Also ging ich runter und fütterte erst alle Shettys und dann die Pferde. Da es erst 7 Uhr war beschloss ich mir Lady Swan zu nehmen und auszureiten. Ich ging in den Stall und kraulte die Weiße Stute, die mir ihren Kopf entgegen Streckte. Ich halfterte die Stute und brachte sie auf den Puztplatz, bevor ich ihre Putzbox holte. Ich putzte Swan und sie döste etwas vor sich hin. Als sie fertig gesattelt war begegnete ich auch Colin der gerade dran war die Pferde auf die Koppel zu führen. Im Hof stieg ich auf und ritt in den Wald. Da es heute Nacht geregnet hatte, roch es angenehm frisch und die Wassertropfen glitzerten an den Bäumen und Blätter. Swan genoss den gemütlichen Ausritt sehr und schnaubte ab und zu zufrieden. „Guten Morgen Jayden“ rief ich den jungen Mann zu als wir uns begegnet.
      Ich ritt gerade in den Wald, damit Selection sich noch etwas entspannte. Als wir ein Stück geritten waren traf ich Luchy, die gerade von ihrem Ausritt zurückkehrte. “Hi Luchy, auch schon auf“ rief ich ihr zu, bevor Ich l Selection ihren Weg selbst wählen ließ und zu meinem Erstaunen, wählte sie den Weg zum See. Dort angekommen ließ ich Stute trinken und auch bis zu den Fesseln hinein treten da es schon warm genug war.
      Um punkt halb 10 stand ich vor dem Shettyauslauf und wartete auf Luchy. Ich war sehr aufgeregt und war gespannt ob das klappen würde mit der „Shettyschule“. Als Luchy endlich kamen holten wir Amigo, Ardehel und Violá aus dem Paddock um sie zu putzen. „Lass Cremella l bei Delyx, sie ist noch nicht weit genug ausgebildet.“ Sagte Luchy. Außerdem sollte heute ein neues Fohlen aus England kommen. Luchy und ich deckten die Ponys aus, putzen sie und statteten sie mit Pad und Longiergurt aus. Die Kinder sollten erst einmal das Pony kennenlernen. Als wir gerade fertig waren kamen schon die Eltern mit ihren Kindern. Während Luchy mit den Eltern über das Konzept redete erklärte ich den Kinder Grundlagen zum Umgang mit dem Pony. Als alle Ponys nun auch mit Trense ausgestattet waren durften die Kinder auf die Ponys. Ein kleines Mädchen namens Ella ging auf die flauschige Violá, der kleine, blonde Ethan ging auf Ardehel und ein kleines braunhaariges Mädchen namens Cloe ging auf Amigo. Ich Erklärte den Eltern wie sie die Ponys führen müssen und dann ging es eine Runde ins Gelände.
      Als ich in den Stall ging kam mir Colin mit Rosedealer entgegen. „Hi Anu, wollen wir mit Avicii und Buddy ein trainigsrenne machen?“ fragte ich die junge Frau die gerade die braune Stute putze.“Ja, klar gerne“erwiederte sie und ich holte Ash aus der Box. Als wir zur Rennbahn rübergingen sah ich Samu mit British Gold auf dem Platz. Wir ritten die beiden Hengste warm bevor wir ein Trainigsrennen machte. Ich gewann mit Buddy mit knappen Vorsprung. Wir brachten die Hengste zurück und auf der Koppel begegnete mir Colin mit Nabuko. Er holte sie gerade von der Koppel. Ich holte mir Whats Happend in The Dark und ritt etwas mit ihr aus.
      Ich hatte gerade Uschi und Hope fertig geputzt. Ich spannte die beiden an und beschloss einen Runde durch den Wald zu fahren. Auf dem Weg begegnete ich Luchy die gerade mit Darky unterwegs war.
      Ich brachte Darky auf die Koppel und holte stattdessen Dorn und machte ich fertig fürs Distanz Training. Ich ging also mit ihm ins Gelände und er arbeite gut mit. Zurück am Hof begegnete Ich Colin der grade mit Lamira und Fashion Girl in die Halle ging. Ich brachte Dorn weg und holte Color Splash um sie zu longirern. Also ging ich mit ihr in die Halle und begann sie zu longieren damit sie die Gangarten besser lerne. Als ich sie zurück auf die Koppel führe begegnete ich Samu der gerade mit Nathalie und Promise Of Sundance in die Longierhalle ging. Ich hingegen holte Miss Griselda Braun und ging mit ihr auf den Platz. Momentan übte ich mit ihr noch vom Boden aus da wir festgestellt hatten das sie ihre Aggressionen durch einen eingeklemmte Nerv bekommen hatte. Das war zwar gelöst aber jetzt musste sie neues Vertauen gewinnen. Nachdem ich fertig war brachte ich die Stute auf die Koppel und holte den kleinen Neuzugang. Caillen ließ sich brav einfangen und ich nahm ihn mit zum Putzplatz wo ich den kleinen gründlich putze. Ich ging anschließend mit ihm in die Halle und longierte ihn ausgiebig. Anschließend brachte ich ihn zurück in den Paddock wo er fröhlich mit Delyx herrumsprang.
      Ich hatte gerade Citzien Fang gesattelt und ging mit ihm etwas auf dem Platz wo ich einen kleine Trail Parcours aufgestellt hatte. Citzien ging brav über jedes Hindernis drüber. Zum Abschluss machte ich etwas Bodenarbeit mit ihm. Auch hier arbeitete er brav mit und somit ließ ich am Ende zurück auf die Koppel. Da Lina heute viel zu tun hatte mit der Shetty Schule beschloss ich mir die kleine Quater Stute Blue Heart zu schnappen. Auch mit ihr ging ich auf den Platz ich wollte nämlich mit ihr üben über eine Plane zu laufen.
      Lina war gerade damit fertig geworden die Shettys aufzuräumen also fragte ich“ Wollen wir zusammen ausreiten gehen?“. „Gerne Jayden, ich hole nur schnell Illiada.“. Ich holte Cassini´s Girl und wir beide putzen die Stuten ausgiebig auf dem Putzplatz. Als wir beide fertig waren stiegen wir im Hof auf und ritten los. Wir ritten Richtung Feld damit die Stuten auch mal ordentlich Galoppieren konnten.
      Ich hatte gerade Wo der Wolf heult und Worrior fertig gemacht als Luchy mit Saturn in den Stall kam. „Uns wie liefs mit ihm?“ frage ich neugierig. “Es lief super Anu, er macht fortschritte“ Sie hatte gerade mit dem Hengst trainiert da er Schwierigkeiten mit der Koordination hatte. Ich schwang mich auf Wolf und nahm Worrior als Handpferd mit. Ich ritt durch den Wald da Wolf dort meistens entspannter war.
      Ich hatte Captain gerade von der Koppel geholt als mir einfiel das der Hengst heute frei hatte. Also brachte ich ihn zurück. Dafür holte ich Keez und Ice Rain. Ich ließ die beiden Stuten in der Großen Halle etwas laufen und beide wälzten sich erst einmal. Als beide sich etwas ausgepowert hatten ließ ich sie zurück auf die Koppel. Als letztes für heute war noch Legolas dran. Ich machte den Hengst fertig und ritt mit ihm ein paar Dressur Übungen.
      Ich kam gerade mit Jayden vom Ausritt zurück als er mich fragte ob ich nicht Sisko mit Crystal in di Halle packen wollte. Also sattelte ich Illa ab und brachte sie auf die Koppel. Anschließend schnappte ich mir Sisko und Crystal und ließ sie laufen. Die Hengste powerten sich erst aus bevor sie sich wälzten und anschließend sich noch etwas kraulten. Das nenn man echte Männerfreundschaft.
      Ich hole gerade mein letztes Pferd für heute da Floke und Elf Dancer heute frei hatten. Also Sattete ich Ace und wollte mit ihm in die kleine Halle doch da ließ Lina gerade Sisko und Sky laufen. Also gesellte ich mich zu Jayden und Legolas in die Große Halle.
      Nach dem Ausritt war ich fertig das Leika, Beauty und Masko heut frei hatten. Also begann ich damit die Pferde von der Koppel in den Stall zu holen.
      Da vor ein paar Tagen unser Jahrestag gewesen war, aber Luchy an dem Tag auf Fortbildung war hatten wir beschlossen das heut Nachzuholen als holten wir Abadon und Carry raus und machten sie für den Ausritt fertig. Wir beschlossen zu dem See zu reiten wo alles Begonnen hatte.

      Pine Forest Stable
      Ein langer Tag
      20-09-2016, 33.018 Zeichen, Occulta

      Es war ein sonniger Spätsommermorgen und die Natur schien verschlafen zu haben. Es lag viel Tau auf dem Gras, die Luft roch frisch und sauber. Das Gewitter vom Vortag hatte den ganzen Staub von den vergangenen heissen Tagen weggewaschen. Ich streckte mich genüsslich und genoss einen Moment die frühen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Vom morgendlichen Vollbluttraining herkommend befand ich mich gerade auf dem Weg zum Nordstall. Drinnen war es schön kühl. Die Pferde raschelten fleissig in ihrer Frühstücks-Heuportion und ich entdeckte ein paar Mäuse, die gerade den Boxenwänden entlang flüchteten. Jackie spitzte sofort aufgeregt die Ohren und flitzte hinterher, aber natürlich erwischte sie keine. „Wo sind diese verlausten Katzenviecher wenn man sie mal braucht?“, stellte ich sarkastisch an mein Hündin gewandt fest. Sie musterte mich Schwanzwedelnd und erwartungsvoll. „Heh sweetie? No treats until you catch one.“ Ich stellte mich vor Donuts Box und rief seinen Namen. Der Ponyhengst hob den Kopf, spitzte die Ohren und brummelte. Ich schmunzelte, weil seine Stimme wie immer höher als die eines Grosspferdes war und das Geräusch dadurch umso witziger klang. Geputzt und gesattelt hatte ich ihn schnell, denn er war noch sauber von gestern. Das Langhaar bearbeitete ich nochmal mit etwas Glanzspray, damit der Schweif schön fluffig und voluminös war. Dann führte ich Donut auf den Reitplatz, denn was gab es besseres, als die noch kühle Morgenstimmung für eine Dressurstunde zu nutzen? Ich wärmte Donut auf und trabte ihn dann erstmal in Dehnungshaltung auf mehreren Volten. Nach einer Weile nahm ich die Zügel auf und begann, den Hengst mit lockeren Seitengängen zu gymnastizieren. Er war heute fleissig und energiegeladen, was ich sehr mochte. Trotzdem entschleunigte ich ihn anschliessend mit ein paar kleinen Volten, damit er nicht auf die Vorhand kippte. Im Schritt versuchte er immer wieder anzutraben, wie ein ungeduldiges Kind. Doch ich nahm es gelassen und schätzte seinen Eifer. Ich beschloss, jetzt erstmal ein wenig Galopparbeit zu machen, bevor ich mich noch an Travers Lektionen wagte. Er galoppierte schwungvoll und in korrekter Haltung, leicht vor der Senkrechten und schön bergauf. Wie toll es doch war, einen so fein ausgebildeten Hengst zu reiten! Ich versammelte den Galopp und liess ihn auf der langen Seite wieder zulegen, dann wechselte ich durch die Diagonale und machte einen Galoppwechsel bei X. Kein Problem für Donut – als erfahrenes Springpony gehörte das zu seinen Spezialitäten. Nach dem versprochenen Travers machte ich noch ein wenig Schulterherein, dann liess ich es für heute gut sein und brachte Donut zurück in den Nordstall. Ich sattelte ab, bürstete das Fell glatt und kratzte die Hufe aus. Als ich fertig war, entliess ich ihn in seine Box und gab ihm drei Karotten, die er hastig runterschlang. Ich kraulte zum Abschied seinen Hals und den weissen Nasenrücken, wobei er genüsslich den Mund verzog. Er wollte mich gar nicht weggehen lassen, sondern sich gleich hinter mir wieder durch die Boxentür zwängen, was ihm natürlich nicht gelang. Enttäuscht brummelte er mir hinterher und ich bekam beinahe ein schlechtes Gewissen, einfach so davonzulaufen. Aber sein eigentlicher Beweggrund, so war ich mir fast sicher, war die vierte Karotte, die ich noch immer in der Hand hielt um sie nun Ljóski hinzustrecken. Herkir, der in derselben, besonders grossen Box stand, versuchte eifersüchtig seinen Kumpel wegzuekeln. Ich führte Loki in die Stallgasse und putzte ihn ausgiebig. An seinem wolligen Langhaar hatte ich besonders lange. Der Hengst war kitzlig und zuckte die ganze Zeit mit dem Widerrist, als ich mit der weichen Bürste nochmals über seinen Körper strich. Besonders am Bauch mochte er es gar nicht, sodass er vor und zurück zappelte. Ausserdem drehte er mehrfach den Kopf um sich mit der Schnauze an seiner Schulter zu kratzen. Das hibbelige Getue ging auch beim Aufsteigen weiter und ich fragte mich langsam, ob Herkir und er Persönlichkeiten getauscht hatten, denn normalerweise war der Fuchsschecke eher wie ein Sack voller Flöhe. Ich ging mit dem vor Energie überlaufenden Loki ins Gelände und machte ein paar gesunde Galopps, sodass ich ihn am Ende zufrieden und ausgepowert am langen Zügel nachhause reiten konnte. Als nächstes stand Longieren mit Moon Kiddy auf dem Programm, als Abwechslung für sie und mich. Nachdem sie am Sonntag an einem anspruchsvollen Gymkhana mit Darren gestartet war, hatte sie sich eine Pause verdient. Deshalb arbeitete ich mit ihr eine halbe Stunde lang locker im Roundpen, wobei ich nicht mehr als Übergänge und Seitenwechsel verlangte, um ihre Reaktion auf meine Körpersprache weiter zu schulen. Sie war sehr aufmerksam und liess sich gänzlich auf mich ein, was das Training sehr einfach machte. Andererseits kannten wir uns nun auch schon so lange, dass ich alles andere als bedenklich gewertet hätte. Meine hübsche Criollostute mit der mächtigen, schwarzen Mähne, ihr Markenzeichen, kam am Ende des Trainings zu mir in die Roundpen Mitte und holte sich ihre Karottenstückchen ab. Ausserdem wischte sie liebevoll mit der Oberlippe auf meinem Unterarm hin und her, als wollte sie mich kraulen. Ich tat es ihr gleich und massierte ihren Widerrist, dann führte ich sie am Halfter zurück in den Nebenstall. Inzwischen waren die Hengste alle auf die Weiden gelassen worden; die Stuten kamen am Nachmittag raus.

      Ich bekam pünktlich um zehn Uhr einen Anruf, dass mein neues Hengstfohlen, LMR Royal Champion, gesund und munter im Flughafen von Birmingham angekommen war. Der Jährling stammte von der Lake Mountain Ranch, einem noch eher unbekanntes Gestüt, doch seine Abstammung gefiel mir und sein Exterieur hatte mich überzeugt. Er war ein Mix, daher überlegte ich, ihn kastrieren zu lassen, doch das hatte noch Zeit. Erstmal holte ich ihn nun ab und brachte ihn zu seinen neuen Kumpels auf die Hengstfohlenweide. Es gab ein paar Rangeleien, wie das eben war, wenn ein Neuling in die Gruppe stiess. Ich beobachtete das Ganze, bereit, jederzeit mit schwingendem Führstrick einzugreifen. Doch es war wie erwartet nicht nötig: Royal wurde von allen Seiten neugierig beschnuppert und ein bisschen ‚angenagt‘, dann war die Rangfolge fürs erste geklärt und er wurde in Ruhe gelassen. Dass er sich so rasch in das soziale Gefüge eingelebt hatte, sprach für die Haltung des Züchters. Zufrieden widmete ich mich wieder den anderen Stallarbeiten.
      Lily war noch in der Schule, also traute ich mich nicht, etwas mit Thairu, unserem gestreiften ‚Pony‘ zu unternehmen. Sie wollte immer dabei sein wenn ich mit dem Zebra arbeitete, was leider im Moment nicht allzu oft geschah. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es auch besser für Thairu war, wenn sie nicht zu viel Trainiert wurde. Schliesslich war so intensiver Kontakt zu Menschen noch immer recht viel Stress für sie und ich wollte sie nicht überfordern. Ich beschloss, mir heute Abend eine Stunde für das Zebra freizuhalten.
      Es war nun 11 Uhr und mittlerweile ziemlich warm geworden, sodass ich nur noch im Trägertop rumlief. Zira und Sheela waren treu an meiner Seite, Jackie hingegen hatte sich aus dem Staub gemacht als ich aufgebrochen war um Royal abzuholen. Vermutlich überwachte sie mal wieder gewissenhaft ihr Territorium oder döste irgendwo im Schatten. Ich liess es mir nicht nehmen, rasch mit den beiden Hündinnen zu spielen, als ich unterwegs zur Stutenweide einen nahezu perfekten Stock dafür fand. Er wies schon ein paar Nagespuren auf, also hatten ihn die Hunde wohl von irgendwoher angeschleppt. Ich warf ihn soweit wie meine eher spährliche Armmuskulatur es erlaubte und sah dann belustigt zu, wie sich Sheela und Zira dynamisch darauf stürzten. Sheela, die ja ein wenig älter und deutlich massiger war als die schlaksige Zira, brauchte bloss einmal warnend zu knurren um ihrer jungen Spielgefährtin klarzumachen, dass sie alleine den Stock tragen durfte. Sie brachte ihn mit stolz aufgerichtetem Gang zu mir zurück. Zira trottete hinterher, wie eine hungrige Wölfin die auf eine Gelegenheit wartete, ihrer Rudelgenossin die Beute abzunehmen. Ich lobte beide und warf den Stock nochmal, dann lief ich zum Weidetor. Ich wollte vor dem Mittag noch mit Islah arbeiten. Die Araberstute hatte ihren Babybauch durch die ständige Bewegung auf der Weide und das Training unter dem Sattel vollständig abtrainiert und erfreute sich wieder bester Fitness, was bei ihrem Charakter nicht immer von Vorteil war. Ich mochte es aber, dass sie dieses feurige Temperament zeigte, das man oft als typisch für Araber empfand. Ich brachte sie zum Nebenstall und band sie dort ans Holzgestänge. Dann begann ich, ihr kurzes Fell zu striegeln. Noch während ich dabei war, kamen Ajith, Oliver und Jonas vorbei. „Hey Boss“, grüsste Jonas. „Ajith had an idea“, begann Oliver. „Since some of the thoroughbred stallions now live at Rosie’s farm, we could put the Arabians into the empty stalls inside the Hauptstall.” Ich verstand, worauf er hinauswollte; der Platz im Nordstall war begrenzt, hingegen im Hauptstall gab es eine ganze Reihe unbesetzter Gastboxen. Trotzdem war ich nicht so richtig zufrieden mit dem Vorschlag. Stattdessen überlegte ich laut: „What about we ask Rosie if she wants to take the Arabs in an give us our beloved English Tbs back?“ Ajiths Augen leuteten begeistert – er hing einfach an all seinen Pfleglingen und war ziemlich enttäuscht gewesen, dass die paar Hengste auf der Wilkinson Farm von anderen Pflegern versorgt werden würden. Oliver schien auch nicht abgeneigt von der Idee, nur Jonas war etwas zerknirscht, weil er dadurch künftig Numair und Anubis nicht mehr so oft sehen würde. Ich fragte ihn, ob es sehr schlimm sei, doch er verneinte glücklicherweise. „Solange du mir meinen Herkir dalässt, ist alles gut.“ Ich schmunzelte und schloss: „Dann rede ich nachher mit Rosie, ich wollte ihr sowieso einen Besuch abstatten.“ Die drei zogen zufrieden weiter und ich widmete mich wieder ganz meiner Islah. Ich arbeitete auf dem Sandviereck mit ihr, auf dem noch Stangen von Lisas Trail Training mit Shadow ausgelegt waren. Dies nutzte ich gleich, um die Stute zu gymnastizieren. Über den Stangen und Cavaletti musste sie ihre Beine heben und den Rücken wölben, ausserdem erforderte die Arbeit ein erhöhtes Mass an Konzentration, was bei ihrem Temperament gerade recht kam. Zu lange ritt ich sie aber so nicht, denn die Lektionen waren anspruchsvoll und führten im Übermass zu Muskelkater. Ich liess sie nach etwas mehr als einer intensiven halben Stunde ausgiebig austraben und brachte sie dann zurück auf die Weide. Nun meldete sich mein Magen zu Wort und erinnerte mich daran, dass es Mittag war. Lily kam aus der Schule zurück und half mir beim Kochen, verzog sich am Ende aber doch ins Wohnzimmer um mit den Hunden zu spielen. Ich war ihr nicht böse, denn das heutige Menü war nicht aufwendig – Spaghetti mit Tomatensauce und Salat. Ich fragte meine Nichte, ob sie Lust hatte am Abend mit Thairu zu trainieren. „Und das fragst du noch?“, kam die empörte Antwort. Ich grinste zufrieden und konzentrierte mich auf meine Spaghetti, um keine Tomatensauce zu verspritzen. Lily hatte am Nachmittag Schulfrei, also lud ich sie ein, Rosie mit mir zu besuchen. Nach dem Essen und wegräumen begaben wir uns also abermals zur Stutenweide. Ich fing mir Argenté Noir ein, Lily durfte Feline nehmen. Wir putzten die beiden Stuten direkt auf der Weide, indem wir sie an den Zaun banden und das Sattelzeug den ganzen Weg rüber trugen. Unter dem Zaumzeug liessen wir die Knotenhalfter, damit wir die beiden später auch anbinden konnten. Ich war schon ein Weilchen nicht mehr auf dem Welsh Pony gesessen, aber gewöhnte mich rasch wieder an Noirs Bewegungen. Wir ritten zusammen zur Ranch, machten aber einen Umweg durch den Fluss. Bei der Mittagshitze war es eine willkommene Abkühlung, als Feline verspielt im Wasser scharrte und uns beide nass spritzte. Noir zog wenig begeistert ihren Kopf weg und klappte ihre Ohren nach hinten, damit sie kein Wasser abbekamen. Wir wateten ans andere Ufer und trabten dem Waldrand entlang zur Ranch. Der einladende Schotterweg mit dem Kreis erinnerte mich an die Zufahrt zu einem noblen Schloss. Die Gebäude waren neu gestrichen und alles sauber aufgeräumt – von einer Baustelle war beinahe nichts mehr zu sehen. Auch die Zäune standen nun alle; sie waren hübsch weiss und ergänzten das ländliche aber zugleich edle Bild. Von weitem sah ich Cantastor und Muskat auf der Weide grasen. Sie wehrten friedlich mit den Schweifen Insekten ab und schüttelten ab und sahen auf, als sie uns entdeckten. Lily und ich stiegen ab und banden die Pferde an, dann begaben wir uns auf die Suche nach Rosie. Wir fanden sie im Wohnhaus, wo sie gerade Staubsaugte. Sie begrüsste uns herzlich und machte Tee, während Lily freiwillig fertig staubsaugte. Wir plauderten eine Weile bei Tee und Keksen, bevor ich wie versprochen die Idee mit den Arabern ansprach. „That’s funny“, meinte Rosie als ich fertig war, „I bought two Arabians recently, from a place named Fearie Hills. It’s a mare and a stallion, both precious breeding stock, but Fearie Hills is being closed and so their horses are all for sale. I was afraid that those two could end up with some dubious traders, so I kinda rescued them.” “That’s cool, I can’t wait to see them!”, rief Lily begeistert. Rosie meinte lachend: “You don’t have to – they’re arriving today.” “When exactly?”, wollte ich wissen. “I will pick them up at the airport in about an hour.” “So we’re gonna swap? You okay with that?”, hakte ich nach. Rosie überlegte kurz und nickte dann. “Though I’ll miss my little Fly around here, I think I would like to start breeding Arabs.“ Ich nickte zufrieden und wir schüttelten Hände – damit stand der Entschluss fest, dass meine drei Araber hierher ausgelagert werden würden und künftig in Rosies Zucht zum Einsatz kamen. Lily und ich beschlossen unseren Ausritt fortzusetzen und anschliessend gemeinsam mit den Pflegern den Pferdetausch zu vollziehen. Wir galoppierten über die beliebten alten Holzrücker Wege im Wald und waren wohl insgesamt über eine Stunde lang unterwegs. Noir liess ich am Ende am langen Zügel nachhause schlendern; die Stute war ausgepowert und wackelte zufrieden im Takt mit den Ohren. Wir brachten sie und Feline zurück auf die Weide und trommelten Jonas und Lisa als Helfer zusammen. Ich war zwar nicht gerade begeistert davon, mit beiden gleichzeitig zu tun zu haben, aber sie waren gerade als einzige zur Verfügung. Wir holten die drei Araber und sattelten sie. Islah verstand die Welt nicht mehr, als ich sie abermals von der Weide holte und ihr den Sattel auf den Rücken legte. „Don’t worry girl, you won’t have to work again“, murmelte ich liebevoll. Jonas schwang sich auf Numairs Rücken, Lisa übernahm Anubis und nahm Lily vorne mit drauf. Wir hatten auch noch zwei Führstricke dabei, weil drüben auf der Ranch fünf Pferde auf uns warteten. Die Putzsachen von den drei Arabern wollte ich später noch per Auto vorbeibringen.
      Rosie war längst losgefahren, um ihre zwei Neulinge abzuholen. Wir besprachen die Boxenordnung daher mit ihrem Chefpfleger, einem stämmigen, dunkelhaarigen Typen namens Lucas Gordon. Die Araber durften die frisch ausgemisteten Boxen beziehen. Dann holten wir die Englischen Vollblüter direkt von der Weide und sattelten Empire, Muskat und Canto. Fly und Fajir mussten als Handpferde mitkommen, weil ich meiner kleinen Nichte den Umgang mit den temperamentvollen Hengsten noch nicht ganz zutraute. Doch bevor wir loszogen bestand Lily darauf, auf Rosie und die neuen Araber zu warten. Ich willigte ein, weil ich selber auch gespannt auf die beiden war. Zwanzig Minuten Später fuhr der Selbstfahrer auf den Hof und wir halfen Rosie beim Ausladen. Als ich die Klappe mit Jonas zusammen öffnete, sah ich als erstes einen hübschen braunen Hengst, der uns misstrauisch entgegenschielte. Wir lösten die Trennwand und führten ihn ans Tageslicht. Er war nicht besonders gross, Araber eben, aber hatte einen ausdrucksstarken Körperbau mit einem äusserst hübschen Hechtkopf und kräftigem braunem Fell. Seine Beine waren ganz schwarz und er hatte am restlichen Körper zum Teil dunkle Stellen und leichte Dapples. Die lange schwarze Mähne fiel eher wild über seinen gebogenen Hals und den Schweif trug er aufgeregt erhoben. Er blähte die Nüstern und sah sich um. Dann wieherte er stolz, um anschliessend mit gespitzten Ohren auf eine Antwort zu warten. Die kam auch – vermutlich von einem der Hengste im Stall drüben. Bintu Al-Bahri schnaubte neben Lisa lautstark und scharrte ungeduldig auf dem Schotter, während Jonas und ich die Trennwände lösten, die den Weg zwischen ihm und dem zweiten Pferd gesichert hatten. Die Stute war ganz vorne angebunden, damit es keinen Ärger während der Fahrt hatte geben können. Schon jetzt erkannte ich, dass sie eine hübsche Rappstute war, die eine klar definierte, schneeweisse Blesse trug. Sie folgte mir zögernd die Rampe runter und sah sich ebenfalls um. Im besseren Licht erkannte ich, dass sie nicht gerade gut bemuskelt schien und ihre bisherige Zeit als Zuchtstute nicht spurenlos an ihr vorübergezogen war. Rosie bemerkte meinen skeptischen Blick. „She is 10 years old and had already 7 foals. I guess you can tell.” Mitleidig schaute ich in die dunklen, freundlichen Augen und streichelte die Nüstern der Stute. „Her name’s Farasha, it means butterfly. I’m not quite sure, but I even think that she’ll have another foal in spring. I will let the vet check her carefully.” Betroffen nickte ich. Rosie las die unausgesprochene Frage von meinem Gesicht ab und versprach: „I won’t breed her again. If she has another foal, then it will be her last, if not I’d say even better.“ Ich stimmte ihr nickend zu und war froh, dass meine ehemalige Pflegerin sich in erster Linie um das Wohlergehen von Farasha sorgte. „But doesn’t that mean that you still don’t have your own broodmare?” “That does not matter right now; I’m still building everything up.”
      Farasha und Bintu wurden von Rosie und Lucas in ihr neues Zuhause geführt und wir machten uns mitsamt Pferden auf den Heimweg. Canto schien zu spüren, dass es nachhause ging, denn er hatte einen zügigen Schritt drauf und wollte Empire die ganze Zeit überholen. Ich bremste ihn aber auch nicht zu sehr, sondern nahm die Zügel lediglich auf, wenn er antraben wollte. Auch Fly tänzelte ungeduldig nebenher, wobei er seinen Hals schön wölbte und richtig edel aussah. Wir waren um drei Uhr zurück auf dem Hof und brachten die fünf bei ihren alten Kumpels unter, dann ging alles seinen gewohnten Gang. Eigentlich hatte ich meine für diesen Monat zugeteilten Pferde nun schon alle bewegt, aber wie meistens übernahm ich für den restlichen Tag noch ein paar weitere. Die Pfleger konnten sich so den anderen Stallarbeiten widmen und ich hatte nichts dagegen, den ganzen Tag im Sattel zu sitzen – schliesslich waren es meine Pferde, und ich wollte jedem einzelnen von ihnen so viel Aufmerksamkeit schenken wie nur möglich. Ich überlegte rasch, dann suchte ich April und fragte sie, ob Rosenprinz schon bewegt worden war. „Yes Madam, I rode him in Training with Coulee this morning. As you requested in order to keep him fit for cross country.” Ich nickte zufrieden und suchte weiter. Auf dem Weg zum Nordstall begegnete ich Lewis. „Ahh Lewis! Did you already work with Unbroken Soul of a Rebel?“ “Yes Boss, all done. I practised for the horsemanship show on saturday.” “Is that so… Very well”, antwortete ich etwas enttäuscht, lief dann aber fröhlich weiter. Ich entdeckte Lisa beim Dressurviereck – sie räumte gerade die Stangen vom Morgen weg. „Hey Lisa, did you ride Piroschka?“ „Yes, Jonas and I took her and Adrenaline out for a ride today. Sorry, should I have waited until now?” Natürlich, die beiden waren wieder zusammen unterwegs – da hätt ich auch selbst drauf kommen können, stellte ich bitter fest. “Ahh… no, never mind.” Ich wollte schon davonhuschen, als sie mir hinterherrief: „Wait Occu, you could take Summertime! I would be glad, because I… Well I would like to spend some more time with Jonas…“ Ich hielt an ballte die Fäuste, aber nach kurzem Zögern seufzte ich leise, drehte mich dann lächelnd zu ihr um und meinte: „Sure. I’ll take her out for a ride as well.''
      Ich schlurfte zur Stutenweide und schnappte mir Summers Halfter vom Haken an der Wand des Offenstalls. Crap… I hate them both, dachte ich ärgerlich, das Bild von Lisas unschuldigem Grinsen im Kopf. Ich wanderte zu den Bäumen, wo die Paint-Stute stand und streifte ihr das Halfter über. Andererseits habe ich Ajith versprochen, dass ich mir Mühe gebe und sie nicht anders als vorher behandle. Das ist doch sowieso alles kindisch, ich sollte Jonas einfach vergessen und mich auf meine Tiere konzentrieren. Ich führte Summer zum Weidetor, zögerte dann aber und band sie an den Zaun. Ich wollte sie lieber in Ruhe hier unten putzen und ein Weilchen alleine sein. Ihre Ausrüstung musste ich trotzdem noch holen. Jonas war ebenfalls in der Sattelkammer. „Danke Occu, Lisa hat mir vorhin begeistert erzählt, dass du für die Summer bewegst.“ Ich nickte nur und nahm mir kommentarlos was ich brauchte. Du machst es nicht besser. Wenigstens hatte ich meinen Frieden bei den Pferden. Summer stand brav still und verscheuchte entspannt die Fliegen, wann immer sie ihr zu nervig wurden. Ich kratzte ihre Hufe gründlich aus, wobei ich bemerkte, dass sie ganz wenig Fäulnis hinten links hatte. Ich säuberte die Stelle gründlich und beschloss, nach dem Reiten ein Mittel dagegen aufzutragen. Ich sattelte sie und zog ihr das Bosal an, weil ich sie zum Ausreiten lieber damit zäumte. Dann führte ich sie aus der Weide und stieg auf. Gerade als ich durch die Tannen der Ostpassage reiten wollte, hörte ich eine Stimme. „Warte auf uns!“, rief meine kleine Nichte mit ihrem Tinker Areion. Sie schlossen im Trab zu uns auf. „Ich will mitkommen, ich hab den Teddy heute noch nicht bewegt!“ Ich lachte über den passenden Spitznamen des wolligen Tinkers und wir setzten uns in Bewegung. Areion hatte sich gut eingelebt und wurde täglich von Lily ‚bespasst‘, sodass die beiden schon in dieser kurzen Zeit ein Team geworden waren. Zwar hatten sie ab und zu noch Meinungsverschiedenheiten; so zum Beispiel bei der Holzbrücke, wo sich Lily durchsetzen musste, weil der Tinker einfach davor stehen blieb. Aber meine Nichte fand trotz ihres Flohgewichts immer wieder einen Weg ihr Ziel zu erreichen, denn was ihr an Kraft fehlte, machte sie mit austricksen wett. „Hey, du hast dem Teddy ja ein Zöpfchen gemacht! Das hab ich vorher gar nicht gesehen.“ Sie hatte den Zopf mitten in der Mähne gemacht, sodass er zeitweise von den umliegenden Haaren überdeckt wurde. Das muss sie noch etwas üben, dachte ich schmunzelnd, aber das sagte ich ihr natürlich nicht, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verletzen. Sie grinste stolz und meinte: „Er ist ja auch das perfekte Übungsobjekt!“ Wir ritten weiter Richtung Osten und nahmen dann die Südlich gelegenen Wege für den Heimweg. Das Highlight war die Galoppwiese, über die wir nochmal ordentlich drüber bretterten, bis fast zum Hofgelände. Summer und Areion waren beide ziemlich verschwitzt als wir zurückkamen, besonders der arme Tinker hatte natürlich mit seiner mächtigen Mähne einen grossen Nachteil bei der Hitze. Wir duschten die beiden daher rasch ab und führten sie dann trocken, wobei sie auch grasen durften.
      Es war nun fast fünf Uhr und begann zu spüren, dass ich wieder den ganzen Tag unterwegs gewesen war. „Tea time!“, rief ich durch den Hauptstall und schlenderte anschliessend zur Reiterstube in der Halle. Die ersten Pfleger folgten mir bereits eifrig, während einige noch die restlichen zusammentrommelten. Wenn wir eine solche ‚Tee Pause‘ machten, besprachen wir auch jeweils was es noch zu tun gab, beziehungsweise was bisher alles gemacht wurde. Ich legte grossen Wert darauf, dass meine Angestellten ehrlich waren und es mir mitteilten, wenn sie in irgendeiner Weise unzufrieden waren. Nur so gelang es dem Team von Pineforest Stable so eng zusammenzuarbeiten. Auch lockerten wir das Arbeitsklima regelmässig mit Grillabenden oder gemeinsamen Ausflügen auf. Bisher hatte ich jedenfalls durchwegs positive Rückmeldungen erhalten was die Zufriedenheit der Mitarbeiter anging. Und gerade weil sie sich hier so wohl fühlten, setzten sie sich so dafür ein, dass auf Pineforest Stable alles reibungslos klappte. Schliesslich hatten wir auch einen Ruf zu verteidigen, und es gehörte ein gewisser Stolz dazu, wenn man hier arbeitete. Als ich fragte, ob noch jemand ein Pferd an mich abtreten wollte, meldete sich David mit einem Räuspern. „I’d be glad if you take Ice Coffee today, because then I could quickly go to town later.” Ich nickte zufrieden und beschloss, etwas Pleasure mit der Stute zu üben. Doch vorher war wie versprochen das Zebra dran. Wir tranken fertig, danach kontrollierte ich rasch die Mini- und Fohlenweiden, ehe ich mich zu Thairu und Dante begab. Für den Esel wollte ich noch einen anderen Namen finden, da mir Dante so gar nicht gefiel. Ich suchte etwas Afrikanisches, aber hatte bisher noch nichts Passendes gefunden. Als ich zum Weidetor lief, spitzte Thairu ihre grossen, runden Ohren. Sie kam sogar auf mich und Lily zu (die mir hinterhergespurtet war) und stellte sich erwartungsvoll vor uns hin. Ihr Schwanz war stets in Bewegung – ein gutes Zeichen in Zebra Sprache. Ich zog ihr vorsichtig ihr breites Lederhalfter über die Ohren und befestigte den Führstrick daran. Sie hielt brav still und folgte mir dann ins Innere der Ovalbahn. Lily schnappte sich Dante und führte ihn hinter uns her. Das gab dem Zebratier zusätzlich Sicherheit. Wir banden die beiden an den Rails an und begannen, sie mit den mitgebrachten bürsten zu putzen. Dante genoss die Prozedur am Kopf besonders. Er verzog genüsslich die Lippe und legte den ganzen Schädel schief. Hufegeben wollte er hingegen erst nach eindringlicher Aufforderung meinerseits – Lily schaffte es nicht den sturen temporär-Wallach zu beeindrucken. Zebra gab ihre Hufe sogar ziemlich vorbildlich, worüber ich positiv überrascht war. Sonst war das mit ihr oft sehr mühsam, weil sie sich durch das auf drei Beinen stehen den Menschen auf eine gewisse Weise hilflos aussetzen musste. Aus ihrer Sicht war es wohl ein Risiko, vergleichbar damit einen festen Standpunkt aufzugeben und so leichter angreifbar zu sein. Ich kämmte die Stehmähne und das Büschel am Ende ihres Schwanzes, dann war ich fertig. Lily musste auf die beiden aufpassen, während ich den Sattel von Thairu holte. Wir hatten bis vor ein paar Wochen oft mit einem Pad und einem Longiergurt trainiert, aber dann war der Sattler gekommen um die Sättel von Bluebell und Sweets zu kontrollieren und ich hatte bei der Gelegenheit gleich noch einen alten Ponysattel aufpolstern lassen. Den legte ich nun entschlossen auf Thairus Rücken und gurtete sanft ins zweite Loch. Ganz angezogen war er so noch nicht, aber genug, dass der Sattel nicht gleich bei der ersten Bewegung verrutschte. So ein Zebrarücken war ziemlich suboptimal für Sättel: kein Widerrist und ziemlich rund, sodass fast kein Übergang zur Kruppe sichtbar war. Thairu hatte deshalb auch einen Schweifriemen und ein elastisches Vorgeschirr, die ich beide gewissenhaft befestigte. Das Zaumzeug war eher simpel gehalten – klassisch englisch ohne Sperrriemen. Es war jedes Mal wieder ein Abenteuer, es über die grossen Ohren zu bekommen. Nun waren wir startklar. Zuerst führte ich das gestreifte Tier warm, dann zog ich den Gurt etwas nach und half Lily hoch. Sie trug zur Sicherheit einen Rückenpanzer, da Thairu doch noch ab und zu etwas wild wurde. Doch ich hatte das Gefühl, dass unser Muskelaufbautraining besser mit Lily funktionierte, weil ihr Gewicht schonender für den Rücken der Zebras war als meines. Eingeritten hatte ich das Tier selbst, aber seit sie einigermassen brav lief war nur noch Lily oben gesessen. Erst sobald Thairu genug Muskeln hatte, wollte ich selber auch wieder auf ihr reiten. Ich liess die Zügel los, Lily ritt nun also frei. Wir übten auf der Ovalbahn Übergänge; die Basics des Gehorsams, damit das Zebra sicherer wurde. Es war auch eine gute Übung für Lily, denn ich gab ihr Unterricht und sie perfektionierte die korrekten Hilfen. Schritt-Trab Übergänge klappten zufriedenstellend, aber galoppiert waren wir noch fast gar nicht und anhalten liess sich das Zebra noch nicht wirklich gut. Genau das übten wir nun eine halbe Stunde lang intensiv; immer und immer wieder. Gegen Ende klappte es schon deutlich besser, jetzt konnte Lily sie immerhin nach spätestens fünf Schritten zum Stillstehen bringen. Wir arbeiteten fleissig mit Lob und Karottenstückchen um Thairu bei Laune zu halten. Denn wir wussten beide – es gab nichts Schlimmeres als ein ‚grumpy zebra‘. Bevor wir für heute Schluss machten, wollten wir noch etwas wagen: eine Runde im Galopp auf rechter Hand. Ich schloss mit Lily spielerisch eine Wette ab, um ihren Ehrgeiz zu entfachen, was bestens funktionierte. „Ich wette du schaffst keine ganze Runde.“ „Just you watch me!“ Sie trabte zuerst und bereitete Thairu sorgfältig vor, wie ich es ihr beigebracht hatte. Dann gab sie die Galopphilfen und trieb, bis das Zebra einsprang. Okay, falscher Galopp – aber immerhin, dachte ich vergnügt. Die beiden galoppierten um die Kurve, da drohte das Zebra bereits wieder durchzufallen. Doch Lily blieb hartnäckig und trieb es mit allem was sie hatte an. Thairu machte einen leichten Bocksprung, sodass Lily den einen Bügel verlor, blieb aber im Galopp und drückte nun ordentlich aufs Gas. Die beiden rasten im Hoppelgalopp an mir vorbei (es sah so witzig aus, wenn das Zebra galoppierte) und absolvierten tatsächlich eine ganze Runde. Lily klammerte sich tapfer am Sattel fest – ich konnte mir gut vorstellen wie schwierig es war, sich so auf dem Zebrarücken zu halten. Thairu bremste schliesslich von selber wieder in den Trab, sodass Lily wieder die Kontrolle übernehmen konnte und zu mir zurück ritt. Wir lobten das Zebra ausgiebig und sattelten sie ab.
      Nachdem Thairu und Dante wieder in Ruhe auf ihrer Weide standen, kümmerte ich mich um Coffee und Lily zog davon um mit Skydive zu spielen. Ich ritt die Paint Stute in der Halle und hörte dazu Musik aus den Lautsprechern. Draussen wurde es zunehmend dunkler und stiller, aber ich war zu konzentriert um viel aus der Fensterwand zu schauen. Das Pleasure Training war für uns beide anspruchsvoll, denn es erforderte Präzision und feines Zusammenspiel. Ich schickte Coffee mal in langsamem Lope, mal in zügigem Canter vorwärts, und parierte sie aus allen möglichen Gangarten und Geschwindigkeiten in den Schritt durch. So konnte ich sie lösen, bis sie vollkommen locker aber in Versammlung über den Rücken lief. Zufrieden beendete ich das Training um halb acht Uhr und versorgte die Stute. Ich verbrachte noch etwas Zeit bei den Miniature Horses, wobei ich dank der hellen Lampe im Offenstall genug Licht hatte um die kleinen Ponys zu putzen. Sie waren zwar schon von Lewis geputzt worden, aber ich tat das auch nicht um sie sauber zu bekommen, sondern um meine Beziehung zu ihnen aufrecht zu erhalten. Das Licht und die Motten, die darum kreisten sorgten für eine romantische Stimmung, während ich im sauberen Stroh zwischen der liegenden Chocolate Chip und Dakota sass. Gedankenversunken liess ich mich nach hinten fallen und lag eine Weile einfach so da, an die Balken der Decke starrend. „Wie soll es weitergehen?“, fragte ich mich leise. „Ich wäre ja gerne glücklich für die beiden, aber ich kann es nicht. Ich bin zu egoistisch…“ Ich seufzte. „Wenn er nur nicht so verdammt gut aussehen würde! Und seine humorvolle, aufgeweckte Art… So spannend und abenteuerlich. Dann wiederum seine ruhigen Momente, in denen er jede Faser meines Körpers zu verstehen scheint, jeden unausgesprochenen Gedanken hört. Wenn er nur nicht zwischendurch so ein Idiot wäre. Aber Lisa scheint das nichts auszumachen…“ Ich kam mir vor wie eine Figur in einem ziemlich komplizierten Film, unsicher, ob ich hier im Stroh auf der Stelle alles hinter mir lassen und glücklich sterben, oder doch eher melancholisch leben würde, bis ich alt und grau war. Vielleicht gab es ja doch eine goldene Mitte? Eine gefühlte Ewigkeit genoss ich mit geschlossenen Augen das Kitzeln des Strohs und stellte mir in meinem Kopf allerlei Zukunftsszenarien vor. Irgendwann schreckte ich hoch und stand auf, weil ich sonst wohl noch eingeschlafen wäre. Ich streckte mich und löschte das Licht, als ich den Offenstall verliess um ins Haus zurückzukehren. Lily sass vor dem Fernseher; ich gesellte mich zu ihr. Sie sah sich ‚der König der Löwen‘ an. Plötzlich meinte sie zu mir: „Occu, ich finde den Namen Zazou cool.“ „Ja, der ist hübsch.“ „Nein, ich meine für Dante! Das würde doch passen, oder?“ Ich überlegte laut: „Du hast recht, das wäre in der Tat hübsch für ihn.“ So war es also beschlossen. „Was würde ich nur ohne meine kleine Nichte machen?“, flüsterte ich liebevoll, als ich ihr einen Gutenachtkuss gab.

      Pine Forest Stable
      Weihnachtsvorbereitungen und ein abenteuerliches Vorhaben
      30. November 2016 , 15.691 Zeichen , Occulta

      Entspannt schlenderte ich durch den Nordstall und wartete auf Jonas, der nächstens vom Ausritt mit Unbroken Soul of a Rebel zurück sein sollte. Ich warf einen Blick in die Boxen und stellte fest, dass für den Mittag noch nicht ausgemistet worden war. Aber es war auch erst Viertel nach Elf, Darren und co hatten also noch etwas Zeit. Donut grunzte mir zu, also blieb ich bei ihm stehen und kraulte ihn an der Stirn. Der Reitponyhengst machte mir etwas Sorgen, denn in letzter Zeit zeigte er wieder vermehrt Headshaking, besonders im Trab. Allerdings kam mir das komisch vor, denn er zeigte das Verhalten nur beim Reiten. Auch hatte er weder Nasenausfluss, noch war er überempfindlich am Kopf. Ich konnte ohne Probleme seine Nüstern massieren und ihn überall anfassen. Er schien besonders das Massieren der Ohrenspitzen zu geniessen, denn er schloss fast die Augen und senkte den Kopf. Durch das viele Kraulen am Kopf hatten sich weisse Haare aus seiner Blesse gelöst und über das ganze Gesicht des Hengstes verteilt. „So siehst du irgendwie alt aus“, lachte ich und wischte die losen Haare weg. Mir kam ein Gedanke, als ich beobachtete, wie Donut mit dem Widerrist zuckte, weil seine Mähne ihn kitzelte. Vielleicht ist er ja einfach verspannt? Ich öffnete die Boxentür und begann, seinen Rücken abzutasten. Tatsächlich zuckte der Hengst kaum merklich mit den Ohren, wenn ich bestimmte Stellen berührte. Da war für mich der Fall klar. Ich zog mein Handy aus der Jackentasche und telefonierte mit dem Chiropraktiker meines Vertrauens, um einen Termin zu vereinbaren. Zu meiner Überraschung meinte der Herr, er könne schon heute Abend auf dem Nachhauseweg rasch vorbeikommen, denn er sei ohnehin einen Auftrag in der Gegend. Ich gab natürlich erfreut mein Okay. Donut knabberte gelangweilt an meiner Schulter. „Heute Abend geht’s dir besser, Süsser“, murmelte ich liebevoll, und streichelte ihn nochmal, bevor ich die Tür wieder schloss und zum Eingang ging, denn ich hatte Hufgeklapper gehört. „Endlich! Hast du dich verritten?“ Jonas lächelte schief. „Nicht ganz, aber Rebel und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit. Er wollte offenbar noch nicht nach Hause.“ „Was hat er angestellt?“, wollte ich stirnrunzelnd wissen. „Ach, das ist ne lange Geschichte. Aber es hatte mit einem Rübenhaufen zu tun. Den Rest kannst du dir denken.“ „Tze, du weisst doch – Rebel fordert nur diejenigen heraus, die mangelne Führungsqualität haben“, stichelte ich schelmisch. „Bei dir braucht er es also gar nicht zu versuchen, oder was?“ „Of course not“, sagte ich mit verschwörerischem Unterton und legte meine Arme um seinen Hals. „Du weisst doch – ich bin immer der Boss.“ Er grinste und gab mir einen Kuss, wonach ich ihm gnädigerweise beim Absatteln half. Wir versorgten Rebel, der durch die doppelte Aufmerksamkeit richtig übermütig wurde. Danach halfen wir den Pflegern beim Füttern und Misten, bevor wir selbst zu Mittag assen.
      Um halb Eins stand ich bereits wieder vor der Tür und machte mich auf den Weg zu Moon Kiddy. Die braune Criollostute sah in diesen Tagen aus wie ein übergrosses Plüschtier, denn sie war als eine der wenigen Pferde nicht geschoren. Doch das sollte sich heute ändern. Am Wochenende stand ein Westernturnier an, bei dem sie bestimmt ins Schwitzen kommen würde. Also fing ich sie ein, streckte ihr eine Karotte zur Begrüssung hin und führte sie zum Nebenstall. Jonas kümmerte sich unterdessen um Piroschka. Er band die Schimmelstute neben Moon an und begann, sie zu putzen. Ich holte die Akkuschermaschine und ging damit Moons Pelz an den Kragen. Die erfahrene Criollo Stute hielt einigermassen still und erlaubte es mir so, besonders gründlich vorzugehen. Ich war am Ende ziemlich zufrieden mit dem Resultat, denn es waren kaum noch Unregelmässigkeiten zu sehen. Auch am Kopf und an den Beinen hatte ich den Pelz vorsichtig gekürzt. Nun sahen die Kronränder wieder ordentlich aus und auch die Ohren hatten ihre elegante, geschwungene Form zurück – innen hatte ich das Fell aber selbstverständlich bleiben lassen, als Schutz vor Insekten und Schmutz. Es war auch wiedermal an der Zeit, Moons kräftigen Schweif zu kürzen; der hing nämlich schon fast bis zum Boden runter. Also säbelte ich ein gutes Stück ab und kämmte ihn gründlich durch. Dasselbe tat ich mit der Mähne, wobei ich darauf achtete, dass es immernoch möglichst wild und natürlich aussah. Das gehörte einfach zur Persönlichkeit von Moon. Als ich endlich ganz fertig wurde, waren Jonas und Piro längst in der Halle am üben. Ich gesellte mich mit Moon nach dem Satteln dazu. Wir übten einen Stangenparcours mit viel Rückwärtsgehen, denn es war wirklich nicht so leicht, die Pferde dabei gerade zu halten und nicht seitlich auszubrechen. Moon schaffte meist fünf Schritte, dann kippte sie nach Links weg. „Also für ein so gut ausgebildetes Westernpferd ist das schon etwas bescheiden“, neckte Jonas. „Das ist nicht ihre Schuld, ich begrenze sie einfach zu wenig. Aber genau deshalb übe ich ja.“ Er nickte ermutigend, und als es ihm mit Piro kein Bisschen besser gelang, brachen wir beide in Lachen aus. Am Ende des Trainings ritten wir Seite an Seite ein paar Runden Schritt am langen Zügel und lauschten den Nachrichten, die im Hallenradio liefen. Zu unserem Ärger kam gleich darauffolgend Werbung, also stiegen wir ab und führten die Pferde raus – sie waren nun ohnehin genug abgekühlt. Gerade als ich Moons Zügel über den Hals nahm, kam eine Werbeansage, die mich aufhorchen liess. Das Thema waren günstige Flüge nach Kanada und Amerika. „Hast du das gehört? Das klang wirklich viel billiger als die letzten paar Flüge, die wir genommen haben“, stellte ich an Jonas gewandt fest. „Willst du ein paar alte Freunde drüben in Kanada besuchen gehen?“, fragte er mit schiefgelegtem Kopf. „Hmm, wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich letztens so einen verrückten Gedanken…“ „Spuck es aus“, meinte er, ernsthaft interessiert. Ich schloss zu ihm auf und begann zu erklären. „Du kennst doch diese Pferdezeitschrift, die ich abonniert habe. Da stellen sie jeden Monat Leute vor, die besondere Ideen oder Erlebnisse mit ihren Pferden hatten. Diesmal war das Thema Abenteuer, und da gab es einen Bericht über eine, die mit ihrem Pferd wochenlang irgendwo in den Rocky Mountains unterwegs war! Sowas klingt schon wahnsinnig cool…“ Er wirkte einen Moment lang nachdenklich, dann meinte er: „Doch, ja. Ich bin sicher, auf so einem Ritt kommt man seinem Pferd ein ganzes Stück näher und erlebt eine Menge Abenteuer.“ Wir schwiegen und sahen uns an, beide genau wissend, was dem anderen gerade durch den Kopf ging. „Ich kann nicht mitkommen“, meinte Jonas schliesslich, während wir mit den Pferden zum Nebenstall schlenderten. „Wie, warum nicht?“ „Erstens muss jemand auf Lily aufpassen. Zweitens muss ich irgendwann vor Weihnachten dringend noch meinen Onkel besuchen gehen, schliesslich weiss ich nicht, ob er mit seinem Krebs das neue Jahr noch feiern können wird…“ „Oh… Das habe ich ganz vergessen, tut mir leid… War ja auch ne dumme Idee, wir können nächstes Jahr gehen, oder auch einfach garnicht – es wird sicher wieder eine Gelegenheit kommen, um nach Kanada zu reisen.“ „Nein Occu, das Angebot gilt nur bis Ende Dezember, und ich glaube, dass so eine Auszeit dir guttun wird. Ich habe doch gesehen, wie deine Augen geleuchtet haben, als du davon erzählt hast.“ „Kommt nicht in Frage, ich kann doch nicht einfach ohne dich gehen, und das jetzt, wo der ganze Weihnachtsstress bald beginnt!“ „Oh doch, gerade deswegen. Ich weiss doch, dass du Weihnachten nicht magst, das hast du in den letzten Jahren oft genug gesagt. Das ist deine Chance, dem zu entkommen“, sagte er lächelnd. „Das war früher… Jetzt habe ich eine richtige kleine Familie, mit der ich feiern kann. Ich freue mich auf Weihnachten mit Lily und dir!“ „Hach Occu…“ Wir banden Piro und Moon an die Holzstangen vor dem Nebenstall, dann umarmte er mich zärtlich. „Du bist pünktlich zu Weihnachten zurück. Such dir zwei deiner Distanzpferde aus, nutze das Angebot und geniess die Auszeit in der Natur, dann kommst du zurück und wir feiern zusammen. So kannst du dem Vorweihnachtsstress entkommen und hast eine Menge zu erzählen, wenn du zurück bist. Ich regle hier alles, du kannst dich auf mich verlassen. Und Lily passt schon auf, dass ich keinen Unsinn mache.“ Den letzten Teil murmelte er liebevoll in meine Haare. Ich seufzte und gab dann ein leises „okay“ als Antwort.
      Wenig später putzte ich Summertime. Die Stute war von oben bis unten Schlammverkrustet und mir spickten immer wieder Stückchen ins Auge – doch nichts konnte meine Laune trüben. USA! Welche beiden Pferde nehme ich nur mit? Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Während ich Summers Fell mit dem Federstriegel bearbeitete, summte ich fröhlich ‚Country Roads‘ vor mich hin. Eine gefühlte halbe Stunde dauerte alleine das Entkrusten, danach musste ich die buckskin Stute noch entstauben. Mit ihren grossen, schwarzen Augen und den im Winter so schön dunkel umrandeten Nüstern konnte sie jedoch jedem das Herz erweichen, egal was sie angestellt hatte. Ich sattelte die Stute und ging mit ihr auf einen einstündigen Ausritt in den Pinienwald. Begleitet wurde ich dabei von Lisa mit Ice Coffee und Lewis mit Moonrise Shadows. Es war bitterkalt, obwohl die Sonne schien. Zum Glück hatte ich meine warmen Handschuhe. Für die geschorene Summer hatte ich eine Nierendecke unter den Sattel geklemmt, sodass auch sie nicht zu kalt bekam. Als wir langsam zurück in Richtung Hof kamen, zog auch noch eine eisige Bise auf, die die Decken der Pferde immer wieder von der Kruppe zu wehen drohte. Shadow, Coffee und Summer trotzten dem Wind mit angelegten Ohren und tiefem Kopf.
      Nachdem auch Summer wieder im geschützten Offenstall stand, konnte ich mich gemeinsam mit Jonas um Herkir und Ljóski kümmern. Die beiden Flauschkugeln hatten weder Decken, noch waren sie geschoren; wie es sich für echte Isländer eben gehörte. Besonders Herkir hatte einen prächtigen Bart entwickelt und seine Orange Mähne wirkte wolliger denn jeh. Auch mit den beiden machten wir einen Ausritt, allerdings diesmal nach Norden, wo es mehr offene Felder gab. Ich zog den Kragen meiner Jacke immer wieder ganz hoch, aber der Wind fröstelte meinen Hals trotzdem. „Du brauchst wirklich endlich wieder einen anständigen Schal“, schimpfte Jonas, der mich offenbar beobachtet hatte. Meinen letzten Schal hatte ich leider zu Besuch bei meinen Eltern liegen gelassen, und ihn extra holen zu gehen wäre zu aufwendig gewesen. Ich gab mir Mühe, der Kälte fortan zu trotzen und nicht mehr so empfindlich zu wirken.
      Gegen Abend (auch wenn es erst etwas nach fünf Uhr war, der frühe Dunkelheitseinbruch liess es bereits sehr abendlich wirken) hatten wir eine kleine extra Springstunde mit Elliot in der Halle. Ich ritt Adrenaline, Lily machte mit Feline mit. Meine kleine Nichte war wie immer direkt nach der Schule zu den Weiden verschwunden, um nach Skydive zu sehen. Ich hatte sie regelrecht aus dem Offenstall zerren müssen, damit sie nicht zu spät zu unserer Stunde kam, denn Sky war ebenfalls schlammig gewesen, und Lily konnte es nicht leiden, wenn ‚ihr‘ Pony schmutzig war. „Du kannst ihn nachher immernoch fertig putzen gehen“, hatte ich ihr augenrollend versprochen, obwohl ich am liebsten eher „lass das Fohlen doch mal Fohlen sein“ gesagt hätte. Aber die Antwort wäre gewiss etwas in der Art von „das ist nicht fohlenhaft, sondern wie ein Schwein“ gewesen. Nun waren wir jedenfalls mitten in der Springstunde und wurden wie immer hart rangenommen von Elliot. Auch wenn Lily erst zehn war, so bestand Elliot darauf, dass sie einen korrekten leichten Sitz hatte und schön mit Felines bewegungen mitging. Sie sprang allerdings nur über Cavalettis, während ich selbstverständlich die richtigen Steilsprünge aufgetischt bekam. Bei Lily ging es im Moment noch mehr darum, dass sie lernte, das Tempo einzuschätzen und Feline schön gerade zu richten. Adrenaline hatte als Criollo keine besondere Begabung für’s Springen; sie war weder besonders geschickt, noch hatte sie grosse Sprungkraft, aber sie war mit Freude dabei und zog vor dem Sprung schön an. Beim Austraben und anschliessendem Trockenreiten im Schritt diskutierten Lily und ich über die Geschenke, die wir unseren Freunden und verwandten dieses Jahr besorgen wollten. Natürlich redeten wir mit keinem Wort über das, was wir uns gegenseitig geben wollten. Ich hatte Adrenalines Fleecedecke über ihre Kruppe gelegt und um meine Beine geschlungen, sodass ich auch etwas wärmer hatte. Lily machte es mir bei Feline nach. Sie lernte wie immer sehr schnell und kopierte vieles von dem, was ich vorzeigte. Dadurch wurde ich mir einmal mehr um meine Vorbildfunktion bewusst.
      Wir versorgten die beiden Criollos und Lily wollte schon wieder zu den Weiden abdampfen. Ich rief ihr noch hinterher, sie solle doch bitte auch Royal Champion schonmal etwas putzen, denn er ging am nächsten Tag auf eine Fohlenschau und es war gewiss einfacher, wenn er schon vorgeputzt war. Ich selbst lief zum Nordstall, denn bald sollte der Chiropraktiker auftauchen. Das tat er auch, pünktlich um halb Sieben. Ich band Donut in der Stallgasse an und beobachtete gespannt, wie der Mann ihn abtastete. Er stimmte mir zu, dass der Hengst recht verspannt sei und wohl schon seit ein paar Wochen mehr oder weniger starke Schmerzen im Rücken hatte. Ich fühlte mich etwas schlecht dafür, dass ich es nicht früher bemerkt hatte. Andererseits war Donut ein guter Schauspieler und man sah ihm kaum an, wenn etwas mit ihm nicht stimmte. Der Chiropraktiker löste die Blockaden im Rücken und in der Schulter. Er empfahl mir, den Sattler in nächster Zeit nochmal kommen zu lassen, um zu überprüfen, ob der Sattel noch passte oder aufgepolstert werden müsste. Damit war das Headshaking Problem wohl gelöst, das meinte jedenfalls auch er. Ich erzählte, dass auch die Vorbesitzer von Donut schon von diesem Problem gesprochen hatten. „It is very likely, that it was the same case back then and they just never realised. Sadly it is quite often, that people misunderstand such signs and fail to see their horse’s pain.” Ich stimmte zu und verabschiedete mich von ihm, nachdem ich Donut zurück in seine Box gebracht hatte. Ich meinte zu erkennen, dass der Ponyhengst schon viel entspannter und zufriedener wirkte.
      Es war Zeit für’s Abendessen, und für einen Anruf bei Rosie. Ich wollte sie auch noch über die geplante Reise nach Amerika informieren, denn als meine Geschäftspartnerin musste sie schliesslich über meine Abwesenheit informiert sein. Sie erzählte mir, dass sie heute mit Islah, Numair und Anubis auf dem Sandplatz Dressurlektionen geübt hatte. Auf meine Nachfrage hin bestätigte sie, dass alle drei gut gelaufen waren und sich benommen hatten. Ich war besonders in Islahs Fall froh darüber. Als ich wieder aufgelegt hatte, kam Jonas durch die Haustür. „Occu, wir brauchen noch einen Weihnachtsbaum! Den müssen wir aussuchen, bevor du gehst.“ „Du weisst doch, dass ich davon gar kein Fan bin… Ich habe Bäume lieber, wenn sie im Wald stehen.“ „Deshalb holen wir uns einen Plastikbaum, den wir jedes Jahr wieder benutzen können“, erklärte Jonas zwinkernd. Ich war skeptisch, ob das gut aussehen würde, doch Lily stürmte schon begeistert hinter ihm durch die Tür und rannte die Treppe hoch, um sich die Reitsachen auszuziehen. So kam es, dass wir alle drei wenig später im Auto in Richtung Birmingham fuhren und uns auf die Bäumchen-Jagd begaben. Was wir schliesslich nach Hause brachten, war auf den ersten Blick etwas dürftig, aber fertig dekoriert musste dann selbst ich zugeben, dass es besser aussah als erwartet.
    • Wolfszeit
      PFLEGEBERICHTE II
      06.03.2016 - 18.05.2017, Canyon & Occulta

      Pine Forest Stable
      Stille Nacht
      17.01.2017, 30.540 Zeichen, Occulta

      Es war der Morgen des 24. Dezembers – und noch immer kein Schnee in Sicht. Enttäuscht wandte ich meinen Blick vom Fenster ab und zog mich an. Jonas lag noch immer zusammengekugelt unter der Decke. Ich stupste ihn unsanft und drängte „aufstehen, du Siebenschläfer!“ „Wenn es wenigstens schon sieben Uhr wäre…“, grummelte er und drehte sich um. Ich lächelte verständnisvoll und ging schonmal voraus in die Küche. Lily liessen wir wie immer noch etwas länger schlafen. Ich machte Frühstück für Jonas und mich, in Form einer Tasse Breakfast Tea und einer Schüssel Müsli. Für ein wärmes Frühstück war ich zu faul; vielleicht am nächsten Morgen. Ich hörte Schritte auf der Treppe, offenbar hatte es Jonas auch aus dem Bett geschafft. Wir tranken unseren Tee und hörten leise Radio, um Lily nicht zu wecken. Ich fütterte noch die Hunde, dann begaben wir uns nach draussen zu den Ställen. Als erstes machte ich meine Morgenrunde im Hauptstall, während Jonas den Nordstall übernahm. Ich warf in jede Box einen Blick und stellte sicher, dass alle Pferde in Ordnung waren. Auch draussen bei Phantom sah ich vorbei. Für ihn begann heute ein neuer Alltag. Ich wollte endlich mit seinem Training anfangen, dass ich seit meiner Heimkehr vor zwei Tagen noch nicht in Angriff genommen hatte. Eigentlich hatte ich schon viel früher beginnen wollen, bevor er sich zu sehr eingewöhnen und in Sicherheit wägen konnte. Doch nun hatte es sich eben so ergeben. Noch ahnte er nichts und spitzte wie immer alarmiert die Ohren, als ich durchlief. Die Pfleger begannen mit dem Heufüttern und ich half bei den Offenställen mit. Auch hier warf ich ein prüfendes Auge auf sämtliche Vierbeiner. Die Hengstfohlen stürmten freudig nach draussen, als Lewis und ich das Tor aufschoben. Royal Champion schwebte dabei beinahe über die Wiese. Ich bewunderte die tollen Bewegungen des halbstarken in letzter Zeit immer mehr, denn er wuchs ja auch immer weiter und bekam mehr Ausdruck. Im Moment war er noch sehr schlaksig und hatte einen dünnen Hals, aber seine Beine sahen elegant und lang gefesselt aus, was mit seinem Gangbild zusammenpasste. Auch Skydive bewegte sich schön, ähnlich wie sein Vater. Nur hatte er nicht so viel Knieaktion wie Royal. Stop Making Sense hatte kaum Winterfell entwickelt, ganz anders als El Alba Ardienté, der im Moment einem Alpaka glich. Bei den Stuten gab es wiederum auch kaum Wolle, denn Counterfire, Subyndromal Symptomatic Depression, Sarabi, A Winter’s Tale und Shadows of the Past waren allesamt ziemlich heissblütig. Blossom Magic und Snap in Style würden uns bald wieder verlassen, denn ihre alten Besitzer hatten einen neuen Hof gefunden und konnte sie daher beide zurücknehmen. Daedra war noch immer bei ihrer Mama, wie es sich gehörte. Sarabi wurde gerade von Snowflake getrieben, die sich mit geplätteten Ohren zwischen sie und Fire schob. Die Rangfolge war offenbar noch immer nicht ganz geklärt, denn Sarabi war ja noch relativ neu in der Gruppe. Das hell cremefarbene Stutfohlen trottete missmutig ein paar Meter weiter in Richtung Bäume. Shira war im Moment das unangefochtene Leittier, obwohl Sarabi die Ponystute jetzt schon überragte. „Do you think the new Pony will fit in?“, fragte plötzlich Lewis. “New… Ah yes, Ljóski’s Daughter. Of course she will. She is already a bit older, so she will most likely not be bullied.” Die kleine rappfarbene Isländerstute hiess Ljúfa, passend zu ihrem bisherigen Charakter, der sich schon als Fohlen in Richtung brav und gut händelbar entwickelt hatte. Sie würde erst nach Weihnachten ankommen, aber ich freute mich schon unheimlich darauf. Sie war bisher mit anderen Isländern auf einer Weide gestanden.



      Während das Raufutter noch verzehrt wurde, folgte für die Sportpferde bereits eine kleine Portion Kraftfutter, über die sie sich gierig hermachten. Danach wurden die ersten Pferde aus ihren Boxen geholt. Training fand heute erst gegen Mittag statt, bis dahin durften die Pferde in Gruppen auf die Weiden. Zuerst kamen nur alle Stuten raus, damit es keine Probleme mit den Hengsten gab. Sie waren aufgeteilt in eine Gruppe Vollblutstuten, die Nebenstallstuten und diejenigen von der Stutenweide. Letztere durften ab und zu auch raus auf die grosse Weide, um das Gras auf der Stutenweide etwas zu schohnen. Oft liessen wir aber auch einfach eine der drei grossen Weiden übrig, sodass dort wieder Gras wachsen konnte. Ich durfte beim Raustreiben feststellen, dass unsere Strategie funktionierte und die Weiden grün und gesund aussahen. Die letzte Gruppe, die Nebenstallpferde, galoppierten freudig den abgezäunten Weg entlang und durch das Tor der Weide. Sie bewegten sich noch weiter bis zum Pinienwaldrand, sammelten sich dort und begannen zu fressen. Diese Gruppe war im Moment ziemlich einheitlich, anders als bei den Vollblütern und den Stutenweidepferden. Dort bildeten sich immer wieder kleinere Grüppchen, weil sich nicht alle Pferde verstanden und sie sich auf der grossen Weide aus dem Weg gehen konnten. In letzter Zeit hatte sich herauskristallisiert, dass zum Beispiel Mikke eine sehr dominante Leitstute war. Coulee, Cabinet of Caligari und Indiana hatten sich ihr angeschlossen und genossen die Sicherheit, die von der erfahrenen Fuchsstute ausging. Auch Cassiopeia beobachtete ich ab und zu in dieser Gruppe, meistens war sie jedoch alleine mit Primo Victoria unterwegs. Iskierka hatte ihre Halbschwester Shades of Gray auf ihre Seite gezogen, oder eher Gray hatte entschieden, nicht von der Seite ihrer Zickigen Schwester zu weichen. Die beiden hatten eine seltsame Beziehnung, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Einerseits war Kierka sehr abweisend und legte missmutig die Ohren platt, wenn Gray ihr zu nahe kam oder sie ärgerte, andererseits liess sie sich von ihr kraulen und röchelte ihr manchmal sehnsüchtig zu, wenn sie von einem Ausflug zurückkam. Ihr hatten sich auch noch Painting Shadows und deren Tochter Captured in Time angehängt. Paint war quasi der ruhige Gegenpol zu Kierka und Ciela eine pure Mitläuferin. Dann blieb noch die Gruppe von Sympathy of the Devil. Sie hatte Sumerian, Campina, Kaythara und Miss Moneypenny um sich geschahrt, wobei letztere zwei unzertrennlich waren und fast immer beieinander standen. Es machte mir Spass, die Gruppendynamik der Pferde zu beobachten. Es erinnerte mich immer daran, dass die natürlichen Instinkte eben doch noch vorhanden waren und auch gelebt wurden, wenn es die Möglichkeit dazu gab. So extrem wie bei den Wildpferden, die ich in den USA beobachtet hatte, war es aber bei weitem nicht. Meine domestizierten Vierbeiner waren verweichlichter und auf eine gewisse Weise gleichgültiger – die Herden waren eher lose zusammengewürfelt und die einzelnen Pferde hatten nicht gleich Todesangst, wenn sich die Gruppe ohne sie fortbewegte. Es gab immer wieder Nachzügler beim Reintreiben, oder Einzeltiere, die sich von den Gruppen absonderten und alleine in einer Ecke der Weide frassen. Aber eine gewisse Rangfolge und Zugehörigkeit war nicht abzustreiten. Ich war gespannt, ob Phantom etwas Bewegung in die Herde der Stutenweide bringen würde, denn ich plante, ihn dort dazuzustellen. Ich hielt es für geschickter, da er durch seine Wildinstinkte vielleicht eher Ärger mit den anderen Hengsten bekommen würde. Vielleicht würde ich aber bei diesem Unterfangen auch gleich die Stutenweidengruppe etwas verkleinern und die Painthorses in den Nebenstall wechseln, damit die restlichen etwas mehr Platz hatten.



      Wie auch immer; als nächstes stand ein Ausritt mit Burggraf und Artemis auf dem Plan. Ich überliess Artemis diesmal Robin, denn ich schuldete es Muffin, ihn wiedermal selbst auszureiten, nachdem ich so lange mit seinem Stallgenossen unterwegs gewesen war. Ich war gespannt auf den Ausritt, denn ich war noch nie alleine mit Robin unterwegs gewesen. Sie war noch nicht lange Pflegerin und meistens sehr still. Anfangs hatte ich sogar das Gefühl gehabt, dass sie mich nicht mochte, aber mittlerweile hatte mir Charly erklärt, dass sie einfach schüchtern war. Wir putzten und sattelten die beiden Achal Tekkiner. Für Muffin nahm ich den bequemen Stocksattel, den ich auch immer für’s Distanzreiten benutzte. Anstatt dem Biotan Zaum legte ich ihm aber diesmal Flints Bosal an, das ungefähr passte. Er kannte das gebisslose Reiten schon und reagierte brav auf die Hilfen, aber er war ja auch ohnehin unkompliziert und leichtrittig. Robin nahm gleich Artemis‘ ganze Distanzausrüstung. Die neue dunkel-beerenfarbene Satteldecke sah an ihm so schick aus, ich starrte immer wieder verliebt zu ihm rüber. Als wir beide fertig waren, stiegen wir draussen auf und ritten los in Richtung Galoppwiese. Zira begleitete uns und hüpfte durch das mit Reif bedeckte Gras. Es war zwar ausnahmsweise nicht neblig, dafür bitterkalt. Ich war einmal mehr froh um meinen Schal und meine Handschuhe. Robin schien ebenfalls etwas steif auf ihrem Schimmel zu sitzen. Wir ritten eine Weile wortlos, dann versuchte ich, ein Gespräch aufzubauen. Es war gar nicht so leicht, denn meistens gab die junge Pflegerin nur knappe Antworten und sah sich dann wieder in der Gegend um. Irgendwann gab ich auf und genoss das rascheln der trockenen Blätter am Boden. Burggraf lief freudig voran, er schien die Kälte trotz seines feinen Fells nicht zu spüren. Wir trabten über ein paar Feldwege und galoppierten auf einem Wanderweg durch den Wald, dann kehrten wir langsam in Richtung Hof zurück. Endlich machte Robin von selbst den Mund auf. „I think Artemis has a stone in his hoof…“ Tatsächlich lief der Hengst etwas lustig. Wir hielten und Robin stieg ab, um die Hufe zu checken. Sie fand den Stein und löste ihn heraus, dann kletterte sie wieder auf den Schimmelrücken. „Everything alright?“ Sie nickte, und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „My old pony, Merlin, once had a stone in his hoof, too. But I didn’t know, and I was afraid that he got somehow seriously injured. It was ridiculus, but I was so relieved, when Charly showed me the stone.” “You two really rely on eachother”, bemerkte ich. “Yes, I don’t know what I would do without him.” “I think it’s amazing that you have such a good relationship. I wish Lily had a brother or a sister to rely on…” “I think she has a very big family on Pineforest Stable. I’m sure she is very happy.” “I hope so… After all she went through…” Robin lächelte zuversichtlich und ich konnte nicht anders, als miteinzustimmen. Wir brauchten den restlichen Weg hindurch nicht mehr zu reden, denn es lag eine seltsam beruhigte Stimmung in der Luft, als wäre alles bereits gesagt. Nur Zira konnte es nicht lassen, eine freche Krähe am Waldrand anzubellen.



      Bis um neun Uhr longierte ich Cantastor im Roundpen, weil die Halle und der Reitplatz bereits besetzt waren. Der edle dunkelbraune Zuchthengst machte elastische und fleissige Bewegungen, wozu auch ein paar Bocksprünge zählten. Ich nahm es ihm nicht übel, denn das lockerte auf eine gewisse Weise auch den Rücken – dachte ich jedenfalls. Canto war etwas pummelig geworden. Während Ajith von harmlosem Winterspeck redete, wollte Oliver den Braunen schon auf Diät setzen… Ich sah das ähnlich wie Ajith – spätestens im Frühling, wenn die Pferdchen richtig lebendig wurden, würde sich das von selbst auflösen. Zufrieden mit Cantos Arbeit lobte ich ihn und brachte ihn anschliessend zurück in seine Box. Damit er mit seiner Schur nicht kalt hatte, legte ich ihm seine Fleecedecke über. Nachts kam dann die dickere Stalldecke drauf, aber tagsüber reichte diese. Ich klopfte ihm lächelnd auf die Kruppe und verliess sein Residium.



      Nun stand Dressur auf dem Plan, und zwar mit Diarado und Circus Dancer. Jonas und ich wollten eine Art Pas-De-Deux machen – „hach wie romatisch!“ Natürlich war das ein Kommentar, der von Augenrollen meinerseits begleitet wurde. Wir scherzten und lachten während dem Putzen. Ich genoss einfach jede Sekunde, die ich mit Jonas und den Pferden verbringen konnte. Im Moment schien mein Leben seit langem wiedermal vollkommen perfekt zu sein. Liebevoll kämmte ich Dancers lange Mähne und zupfte Strohstückchen daraus hervor. „Soll ich ihm ein Zöpfchen machen?“ „Warum nicht“, meinte Jonas, und fügte dazu: „Würdest du mir auch eines machen, wenn meine Haare lang genug wären?“ „Denk nichtmal dran, ich sorge persönlich dafür, dass die kurz bleiben!“ „Warte, von welchen Haaren reden wir?“ „Jonas!“ Wir brachen wieder in Lachen aus und beschlossen, das Thema lieber nicht weiter zu ziehen. Ich holte Dancers Dressursattel und legte ihn vorsichtig auf den Rücken des Hengstes. Dann gurtete ich ins zweite Loch, sodass der Sattel zwar nicht gleich verrutschte, aber trotzdem noch relativ locker drauf lag. Auch Dancer und Diarado waren geschoren, weshalb wir die Fleecedecken vorläufig auf den Popos der beiden liessen. Wir brachten sie in die Halle und wärmten sie zuerst zehn Minuten im Schritt auf, dann begannen wir mit der Trabarbeit. Wir nutzten dazu Cavaletti und Stangen, um den Raumgriff und den Schwung zu fördern. Dann folgte das eigentliche Pas-De-Deux, bei dem wir synchron höhere Lektionen abfragten. Die beiden Hengste waren ziemlich weit in Dressur und es war einfach toll sie zu reiten. Dancer war besonders in der Piaffe angenehm und leicht zu dirigieren. Die Musik, die dazu im Radio lief, schien ihn weiter anzuspornen. Auch Diarado machte geschmeidige Bewegungen, trotz dem er eher ein Springpferd war. Er kannte noch nicht so viele Lektionen wie Dancer, aber er war sehr intelligent und eifrig, sodass er schon nach wenigen Widerholungen neue Bewegungen verinnerlicht hatte. Genau diese Intelligenz kam ihm auch im Parcours zu Hilfe, und ich hoffte, dass er sie auch an seine Nachkommen weitergab. Natürlich brachte es nicht nur Vorteile, ein solch aktiv denkendes Exemplar von Pferd unter sich zu haben; denn so schnell wie Diarado lernte, so nachtragend war er auch bei reiterlichen Fehlern. Er hatte durchaus einen gewissen Stolz und brauchte daher eine sichere, konsequente Führung, sonst tanzte er seinem Reiter ganz schön auf der Nase herum. Er konnte sehr rasch erkennen, wie sein Reiter tickte und ob er sich Spässchen erlauben durfte. Trotzdem mochte ich diese Art von Pferd sehr und genoss das fordernde, aber erfolgreiche Training.



      Um halb Elf waren wir mit den beiden fertig und ich konnte weiter zu Dod und Calico. Mit den zwei Jungs stand wieder ein Ausritt an, wobei ich Calico als Handpferd mitnehmen wollte. Auch die drei Hunde nahm ich diesmal mit, damit sie am Abend schön ausgepowert waren. Ich putzte und sattelte Dod, dann bürstete ich den zweiten im Bunde ebenfalls gründlich durch. Die beiden Hengste waren in den letzten paar Monaten ziemlich zusammengewachsen und auf der Weide immer gemeinsam unterwegs. Vermutlich hatte das damit zu tun, dass wir sie auch meistens zusammen trainierten. Jedenfalls hielt diese Freundschaft so sehr, dass Calico Dod zuverlässig folgte. So konnte ich es manchmal auf Ausritten wagen, den Schimmel frei neben uns laufen zu lassen – jedenfalls solange wir fern von Stuten waren. Wenn uns andere Reiter begegneten nahm ich ihn jeweils frühzeitig wieder ans Seil, um ganz sicher zu gehen. Das tat ich nun auch zu beginn des Ausritts, bis wir ein Stück vom Hof weg waren. Denn ich hatte das Gefühl, dass der Schimmel sonst einfach in die Futterkammer abgebogen wäre. Auf der Galoppwiese löste ich schliesslich den Haken und wir trabten ein Stück auf einem schmalen Trampelpfad. Calico hielt sich natürlich nicht so brav an den Weg und lief stattdessen neben uns durchs Feld. Manchmal ging er auch voraus und machte Schabernack, sehr zum Ärger von Dod, der eigentlich ranghöher war. Ich spürte förmlich, wie der erfahrenere Hengst unter mir brodelte, weil er den Jungspund während der Arbeit nicht korrigieren durfte. Calico nutzte das voll aus und streunerte um uns herum. Für den Fall, dass ich ihn nicht mehr zu fassen bekam, hatte ich übrigens noch ein Lasso am Westernsattel befestigt; auch wenn meine Wurfkünste bisher noch bescheiden waren und ich längst nicht jedesmal traf. Aber meistens war Calico sowieso gut abrufbar, weil er stets eine Belohnung erwartete. Fast besser als Sheela, die immer mal wieder zwischen den Büschen verschwand, wenn ich nicht aufpasste. Ich machte mir diesbezüglich Sorgen, weil es im Park auch immer wieder Wild gab und die Labrador Hündin einen ausgeprägten Jagdtrieb hatte. Daher behielt ich sie stets im Auge, bereit um sie bei einer Begegnung mit Wild rechtzeitig zurückzurufen. Ein kalter Wind stach unbarmherzig durch meine Handschuhe und ich hatte das Gefühl, dass mehr Wolken am Himmel waren als zuvor. Schnee?, überlegte ich hoffnungsvoll. Doch als ich mittags mit den beiden zurück auf dem Hof war, fiel noch immer kein einziges Flöckchen. Lily kam gerade von der Schule, als ich Dod versorgt hatte.



      Wir assen zu Mittag, dann war es endlich so weit. Nachdem die Hunde gefüttert waren, zog ich mich wieder warm an und holte aus der Sattelkammer ein stabiles, langes Führseil. Ich zog mir ein paar gute Handschuhe an, mit denen ich warm hatte und gleichzeitig genügend Grip. Ausserdem überlegte ich rasch, ob ich einen Rückenpanzer anziehen sollte, entschied mich dann aber dagegen, weil er mich womöglich in meiner Beweglichkeit eingeschränkt hätte. Ich nahm noch eine Hand voll Heu mit zu Phantom’s ‚Gehege‘, um mich ein wenig attraktiver zu machen. Zunächst betrat ich den Innenbereich der Führanlage und lehnte mich an die Wand, um zu beobachten, wie die Stimmung des Mustangs war. Er hatte bereits etwas Abstand zwischen uns gebracht und stand nun wie angewurzelt auf der gegenüberliegenden Seite, mich stets im Auge behaltend. Bisher waren hier nur Pfleger reingekommen, um ihm Futter zu bringen, weshalb er Zuversichtlich genug war, nach einigen Sekunden zögerlich ein paar Schritte näher zu kommen und abzuchecken, ob sich das Risiko für die Hand voll Heu lohnte. Ganz vorsichtig machte ich einen Schritt auf ihn zu. Er wandte den Kopf ab, bereit um abzudrehen, hielt aber inne, als ich mich nicht weiter bewegte. Ich drehte die Schulter ein, um mich möglichst einladend und harmlos aussehen zu lassen. Nach einer Weile tastete ich mich weiter vor, doch es wurde ihm rasch zu viel, also zog er sich einige Schritte zurück und trabte der Wand entlang. Ich schnitt ihm den Weg ab und liess ihn die Seite wechseln, bis er mich direkt ansah. In diesem Moment machte ich einen Schritt zurück und kreierte so einen draw. Er leckte sich die Lippen, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Also ging ich wieder ein wenig auf ihn zu, bis er sich erneut in Bewegung versetzte. Gleiches Spiel – sobald er sich mir zuwandte, machte ich einen Schritt zurück und gab ihm release. Er begriff schnell, dass es angenehmer war, sich mir zuzuwenden und sich mit mir zu beschäftigen, als wegzulaufen. Nach wenigen Minuten konnte ich auf ihn zugehen, und er machte sogar ein, zwei Schritte in meine Richtung. Schliesslich war ich nahe genug und berührte ich in vorsichtig einige Male, jeweils sofort wieder den Druck wegnehmend. Sein ganzer Körper war angespannt, jeder Muskel bereit, im Zweifelsfall eine Flucht einzuleiten. Er atmete auch etwas schwerer als zuvor und machte einen misstrauisch gebogenen Hals, aber seine Ohren und Augen drückten eine gewisse Neugier aus. Ich streckte ihm das Bisschen Heu hin, das ich dabeihatte. Er zupfte ein paar Halme daraus hervor und wurde sofort etwas zutraulicher und entspannter durch das Kauen. Ich nutzte den Moment, um das Führseil durch die Schlaufe seines Knotenhalfters zu ziehen. Er machte einige Ausweichschritte, aber ich hatte es bereits geschafft. Nun Begann ich, ihn am Hals zu kraulen. Ich arbeitete mich Stück für Stück weiter nach hinten, stets nach einer Stelle suchend, die er besonders mochte. Wenn es ihm zu viel wurde und er Anstalten machte sich zu bewegen, nahm ich den Druck etwas zurück und verschob meine Hand wieder Richtung Widerrist. Nach ein paar Sekunden machte ich einige Schritte rückwärts und zupfte am Seil. Sobald er einen Schritt auf mich zu machte, beendete ich den Zug. Immer wieder ging ich zu ihm hin, kraulte ihn, ging seitlich von ihm zurück und liess ihn sich zu mir drehen oder einen Schritt machen. Man merkte, dass er der Sache immer noch nicht ganz traute, aber er wurde immer mutiger und zuckte immer weniger zusammen, wenn ich ihn berührte. Ab und zu schickte ich ihn wieder etwas um mich herum, denn Bewegung half auch, Stress abzubauen. Ich machte Richtungswechsel mit ihm, indem ich mich vor seine Schulter verschob und liess ihn mit seiner Hinterhand weichen, wenn ich neben ihm stand. Immer wieder dazwischen beruhigte ich ihn mit Kraulen. Er begann langsam, es zu geniessen und die Oberlippe zu spitzen. Das ging so weit, dass er mich fragend ansah, wenn ich aufhörte. Ich redete beiläufig mit ihm, um ihn an meine Stimme zu gewöhnen. Nun wagte ich schon etwas mehr: Ich tastete mich an seine Beine heran, gab ihm sofort Lob und release wenn er sie hob und gewöhnte ihn an etwas schnellere Bewegungen meinerseits. Ich hüpfte etwas auf und ab, bückte mich oder klopfte ihm auf den Hals, sodass er sich an das Geräusch gewöhnen konnte. Das reichte mir auch schon für heute. Er hatte mit seinem dichten Winterfell bereits ein klein wenig geschwitzt und seine Konzentration liess etwas nach, ausserdem wollte ich es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben. Also löste ich das Führseil und verliess den Roundpen, wobei er mir sogar noch einige Schritte folgte. Ich brachte ihm noch mehr Heu, damit er das soeben gelernte mit dem Futter zusammen verdauen konnte.



      Es war nun halb zwei Uhr und ich hatte noch eine Menge vor. Zum Beispiel eine Springstunde mit Halluzination. Auch Anne war mit dabei, sie ritt auf Vychahr. Wir sattelten die beiden Pferde und trafen uns in der Halle, wo Lisa bereits wartete. Weiberreitstunde also, stellte ich schmunzelnd fest. Schon beim Aufwärmen stellte ich fest, dass Hallu fit war und mich heute wohl etwas fordern würde. Auch Vilou schien etwas guckig und hatte mehr Tempo drauf als sonst. Anne liess sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und befolgte Lisas Anweisungen. Wir machten viele Wendungen und Übergänge, ausserdem ein paar Biegeübungen in Form von Schulterherein und Traversalverschiebungen. Als beide Pferde schön locker und gelöst waren, begannen wir mit Gymnastiklinien. Hallu, die erfahrene S***-Springstute, machte es Youngster Vychahr vor. Sie konnte so leicht nichts mehr beeindrucken, daher übten wir auch nur ab und zu ein paar Hindernisse zur Aufrechterhaltung der Muskeln und der Gewohnheit. Sie wurde tatsächlich in letzter Zeit viel mehr Dressur geritten. Vychahr hingegen musste noch viel lernen und war noch am Anfang seiner Karriere. Er nahm daher regelmässig an Springstunden teil um Erfahrung zu sammeln. Die Theorie bestätigte sich kurz darauf wiedermal bei einem offenbar etwas unheimlich aussehenden Oxer. Ich entdeckte die Anzeichen schon, als Anna in die Kurve bog und auf das Hindernis zuritt: Sie hatte die Beine zu wenig dran und sah auf den Sprung hinab. Es kam wie es kommen musste; Vilou parkierte vor dem Hindernis und Anne flog prompt über seinen Hals nach vorne. Sie landete auf den Stangen, blieb aber dank dem Rückenpanzer bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt. Vilou drehte sich unsicher vom Hindernis weg und trabte ein paar Meter, dann liess er sich von Lisa einfangen. Anne stieg wieder auf und musste den Oxer erneut anreiten. Diesmal warnte Lisa sie vor und erklärte, dass sie Vilou gut einramen musste und nicht zu viel Schwung verlieren durfte. Anne machte im entscheidenden Moment nochmal etwas mehr Durck und es klappte. Sie lobte den Fuchs ausgiebig und wir beendeten die Stunde mit Austraben. Beim Trockenreiten diskutierte ich mit ihr über Stürze und meine eigenen Erfahrungen, während die Pferde am langen Zügel durch die Bahn schlenderten. Wir redeten auch über das kommende Neujahrsturnier auf dem Gestüt Wolfsgrund, für das wir schon eifrig trainierten. Da würde auch Hallu starten, diesmal unter Jonas.



      Nun kümmerte ich mich um Yoomee, die sich ganz schön eingelebt hatte. Mit ihr wollte ich am kommenden Glühweinritt teilnehmen, darauf musste ich sie natürlich zuerst vorbereiten. Wir übten deshalb heute im Gymkhana Stil über Blachen zu laufen, Slaloms zu machen oder Dinge hinterherzuziehen. Ich hatte Dosen an einem Seil befestigt und gewöhnte Yoomee zunächst an das Klappern, bevor ich sie hinter ihr her über den Boden zog. Am Anfang klappte sie etwas nervös die Ohren zurück und klemmte den Schweif zwischen die Pobacken, aber schon nach kurzer Zeit senkte sie den Kopf und merkte, dass ihr nichts böses passierte. Am Schluss konnten wir die schäppernden Dinger sogar im Galopp hinter uns herziehen. Auch die Blache hob ich auf und legte sie über ihre Kruppe. Sie streiffte beim Laufen über den Boden, aber das schien Yoomee nichts mehr auszumachen. Ich beschloss, die Übung zu beenden und belohnte die Connemarastute ausgiebig. „Wenn du dich so benimmst, dann wird das null problemo.“ Ich versorgte sie und brachte ihr ein paar Karotten.



      Ich sah auf die weisse Tafel in der Reiterstube. Ich hatte schon fast alles hinter mir, was ich heute geplant hatte, also wollte ich rasch nachsehen, was die Pfleger noch machen mussten. Heute wollten schliesslich alle rechtzeitig fertig sein, damit sie nach Hause zu ihren Familien konnten. Tja, Pferde kannten eben kein Weihnachten, und wollten genaugleich umsorgt werden, wie auch auch sonst immer. Ich beschloss, rasch beim Training von Coulee und Rosenprinz zuzusehen. Die beiden waren mit Quinn und Charly auf der Rennbahn, wobei eigentlich-Militarypferd-Rosenprinz genauso gefordert wurde wie Coulee. Beim Geländespringen war Geschwindigkeit schliesslich auch eintscheidend. Da er aber nicht jeden Tag auf der Bahn laufen musste, konnte er mit der Stute natürlich nicht wirklich mithalten. Zufrieden verfolgte ich das Training und genoss die Pause, bevor der eigentliche Weihnachtsstress anfing. Denn kurz darauf hiess es nochmal gründlich misten und alle Pferde füttern, damit für heute Abend ausgesorgt war. Die ersten Pfleger verabschiedeten sich um sechs Uhr, die die näher am Hof wohnten blieben noch etwas länger. Zuletzt waren nur noch Ajith, Quinn und Lisa da. Letztere zwei blieben heute Abend hier, weil sie nicht extra für einen Abend nach Irland und in Lisas Fall die Schweiz reisen wollten. Sie hatten dafür nächstens ein verlängertes Wochenende frei, während die anderen anpacken mussten. Die Pfleger hatten durch das Jahr hindurch ihre Ferien so aufteilen müssen, dass immer genug Leute auf dem Hof waren. An besonderen Tagen wie heute, mussten wir einfach sichergehen, dass die grösste Arbeit erledigt war, bevor alle verschwanden – für den Rest waren dann noch Jonas und ich zuständig. An Silvester würde es nochmals dasselbe Theater werden, aber ich machte mir deswegen keine Sorgen. Ajith blieb noch, weil er sowieso gleich im Nachbardorf wohnte und jeweils gar nicht im ‚Pflegeheim‘ schlief, sondern jeden Morgen mit dem Fahrrad hierherkam. Und natürlich, weil er Quinn noch etwas Gesellschaft leisten möchte, vermutete ich im Stillen. Ich hatte Quinn vor meinem Trip in die USA tatsächlich endlich gefragt, was denn nun mit ihrer Schwimmbad-Affäre lief. Sie hatte mir erklärt, dass das nie etwas Ernstes gewesen sei und auch nie etwas werden würde – tatsächlich sei der Typ bereits wieder in Schottland bei seinen Verwandten. Auch hatte ich sie gefragt, was sie denn von Ajith halte. Ihre Antwort war ausweichend gewesen und sie hatte versucht, darum herumzureden, aber ich war mir sicher, dass sie schon darüber nachgedacht hatte. Seit ich Ajith davon erzählt hatte, wie versprochen, hatte er wieder neuen Mut gefasst und bemühte sich darum, möglichst oft mit Quinn zu reden. Ich war gespannt, wie sich das ganze entwickelte und hoffte insgeheim, dass Ajith heute, an Weihnachten, einen ersten Schritt wagen würde. Wir sassen in der Reiterstube und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Jonas und Lisa gingen sich noch immer eher aus dem Weg, was gut verständlich war. Ich versuchte daher immer, Lisa möglichst in die Gespräche zu involvieren, dass sie nicht den Eindruck bekam, irgendwie fehl am Platz zu sein. Es polterte und Lily kam die Stufen zur Reiterstube hoch, in Begleitung von Sheela. Jacky und Zira lagen bereits zu meinen Füssen und hoben bloss müde den Kopf, als die Labradorhündin sich dazu gesellte. „Occu wann fangen wir mit dem Kochen an?“, fragte meine Nichte ungeduldig. Wir wollten zusammen ein etwas aufwändigeres Weihnachtsmenu zubereiten. „Gleich, ich trinke noch meinen Tee fertig. Du kannst aber schonmal den Tisch decken gehen.“ „Nö, ich warte auf dich“, meinte sie nur, setzte sich auf den Platz neben mir und lehnte sich an mich. „Du hast ja ganz kalte Finger. Gewöhn dir endlich an, Handschuhe anzuziehen“, stellte ich fest, als ich ihre Finger prüfend knetete. Sie grummelte nur etwas und ich hatte den Eindruck, dass sie, gleich wie die Hunde, ganz schön müde war. Sie war ja auch den ganzen Tag unterwegs gewesen; Schule, dann reiten, Ponys beschäftigen und nochmals reiten. An Bewegung mangelte es ihr jedenfalls nicht. Als ich endlich aufstand und vor die Halle trat, bemerkte ich ein paar feine, weisse Flöckchen, die den dunklen Himmel runter segelten und im gedämpften Licht der kleinen Lampe über dem Hallentor den Boden erreichten. Sofort war Lily wieder wach und hopserhüpfte begeistert zum Haus. Sie hatte wie ich die ganze Zeit auf den Schnee gewartet und gehofft, dass er noch vor Weihnachten kommen würde. Nun fühlte es sich richtig festlich an. Wir bereiteten alles für das Essen vor und schoben den Braten in den Ofen. Dann schmiss ich mich auf die Couch und legte mich ein wenig hin, denn nun packte die Müdigkeit auch mich. Lily spielte unterdessen in ihrem Zimmer. Jonas kam kurze Zeit später auch rein, mit ein paar Schneeflocken im Haar. „Schneit es schon so stark?“ „Schau aus dem Fenster“, meinte er und zog den Vorhang beiseite, dass ich es besser sehen konnte. Tatsächlich rieselte eine Flocke nach der anderen runter, und es wurden immer mehr. „Lily wird sich freuen. Das Essen ist bald fertig.“ Er legte sich spielerisch über mich und gab mir einen Kuss. „Oi, du bist schwer“, rief ich lachend aus. „Willst du damit sagen, dass ich dick bin?!“, antwortete er empört und rollte zur Seite, sodass er knapp nicht herunterfiel. Wir kuschelten, bis der Backofentimer zu piepsen begann. Unser Weihnachten vierlief ruhig und gemütlich. Wir sassen alle zusammen auf dem Sofa und schauten einen der alten Star Wars Filme. Ich genoss jede Sekunde.



      Tyrifjord Ranch

      Royaler Zuwachs

      09.04.2017, 5.257 Zeichen, Canyon



      »He Nico, schau mal was ich hier entdeckt habe.« Charly saß auf dem bequemen ausrangierten Sofa in der hinteren Ecke des Stalls. Es war übersät mit Heu und Stroh und jeder Menge Dreck, gab dem großen und kühlen Stall jedoch etwas behagliches. Es war moosgrün, Charlys Lieblingsfarbe. »Zwei Jahre alter Hengst, so nen Mix aus Holli, Hanno, EV und Pinto und dazu noch ein Bay Tobiano. Suchtest du nicht nach genau so einem Hengst?«

      Nico schlenderte von Marids Box zu seiner Freundin hinüber und lehnte sich auf die Lehne hinter ihr. Lässig las er über die Schulter die Anzeige durch, ließ sich viel Zeit zum Überlegen und nickte dann.

      »Klingt nicht schlecht. Wer ist denn der Anbieter?«

      »Occulta Smith, vom Pineforest Stable, du weißt schon, dort wo wir auch Sheba herhaben. Das Gestüt hat einen fantastischen Ruf und soll ziemlich professionell sein!« Charly schien begeistert. Sie legte ihren Kopf in den Nacken, um ihren Freund in die Augen blicken zu können. »Was meinst du?«

      Nico zuckte unentschlossen mit den Schultern. »Aus England-. Frage ist nur, warum Occulta ihn verkauft, das hat doch ‘nen Hacken.«

      »Nico manchmal bist du ein ganz schöner Pessimist! Malte fährt in zwei Tagen beruflich in die Nähe des Gestüts, ich frage ihn mal, ob er nicht einen Abstecher dorthin machen könnte.«

      Nicos Haltung versteifte sich etwas und er meinte ironisch: »Na klar, frage Malte, der macht sowieso alles für dich, der himmelt dich nahezu an.«

      Erstaunt zogen sich Charlys Augenbrauen in die Höhe und sie drehte sich nun vollständig zu ihrem Freund um. »Bist du etwa eifersüchtig?«



      Tatsächlich brauchte Charly kaum ihre gut ausgebildete Überredungskunst einzusetzen, um Malte auf das Pferd auf dem Pineforest Stable anzusetzen. Er nickte nur kurz und notierte sich die wichtigsten Daten, bevor er ein paar Tage später in den Flieger stieg und den Weg von Norwegen nach England antrat. Charly hatte bereits mit der Besitzerin des kleinen Hengstes einen Termin ausgemacht, sodass Malte nach getaner Arbeit in Nottingham noch einmal einen Abstecher nach Birmingham machte, wo er, wie geplant, von Occulta Smith höchstpersönlich begrüßt und zu dem Junghengst geführt wurde. Royal Champion stand mit einigen anderen Jungpferden in einem Offenstall. Er hielt sich etwas versteckt und Maltes Blick kroch einige Male umsonst über die Ansammlung von jungen Pferden. Erst als Occu den Hengst aufgehalftert und aus der Box geholt hatte, konnte Malte ihn vollständig bewundern. Malte hatte mittlerweile schon einige Jahre Erfahrung mit jungen Pferden sammeln können und stellte der offenen und freundlichen Occu einige Fragen zu Royal. Schlussendlich machte er mit einer altmodischen Kamera noch einige Bilder für Charly und verabschiedete sich dann wieder von Occulta, welche versprach, sich zu merken, dass auf jeden Fall Interesse da war. Dann brach Malte bereits wieder auf zum Flieger und landete wenige Stunden darauf in Oslo, von wo aus er von seinem Freund Petyr abgeholt und zurück nach Hause gebracht wurde.



      Erst zwei Abende später fanden Charly und Malte die Zeit, sich darüber auszutauschen, was Malte für Erfahrungen mit dem Junghengst machen durfte. Sie saßen zusammen vor der Veranda des Haupthauses an einer kleinen Feuertonne, beide in Decken gewickelt und mit einer dampfenden Tasse Tee auf dem Schoß. Auch wenn der Frühling so langsam Einzug hielt, war der kühle Wind vom Wasser noch immer nicht wärmer geworden.

      »Ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Hengst mit hübscher Scheckung, noch ziemlich schlacksig, dafür noch etwas klein. Seine Mutter ist ziemlich groß, während der Vater um einiges kleiner war. Kann also sein, dass der Gute im nächsten Jahr nochmal einen Schuss nach oben macht.«

      Interessiert hörte Charly Maltes Einschätzung zu und versuchte sich den kleinen Hengst vor Augen zu führen. »In der Anzeige stand, dass er sehr weiche Gänge aufweist, kannst du das bestätigen?« Im Dunkeln sah man nur das leicht vom Feuer erleuchtete Gesicht von Malte, Charly sah ihm an, dass er mit seinem guten Gedächtnis sich das Fohlen wiederholt anschaute.

      »Auf jeden Fall! Er hat sehr lange Beine und läuft ziemlich zielsicher. Occulta hat mir seine Bewegungen kurz präsentiert. Er scheint auch kerngesund, jedenfalls ist mir nichts Auffälliges ins Auge gesprungen. Wenn du meine Meinung wissen willst, dann würde ich an deiner Stelle schnell zugreifen. Ich sehe viel Potenzial und auch die Mischung wäre ziemlich interessant für eure Zucht.«

      »Danke!« Dankbar blickte Charly zu Malte hinüber. »Auf dich ist echt immer Verlass Malte, ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte.«



      Noch am gleichen Abend setzte sich Charly vor ihren Rechner, um ihr Interesse an Royal Champion per Mail Occu mitzuteilen. Mehr als eine Stunde saß sie vor dem hellen Bildschirm und nur wenige Unterbrechungen wegen eines schreienden Kleinkindes hielten sie davon ab, fleißig ein Bewerbungsschreiben zu tipseln. Sie wusste, dass es immer gut ankam, wenn man wirkliches Interesse zeigte und gab sich deswegen wie immer größte Mühe. Kurz vor Mitternacht war die Mail sendebereit und obwohl ihr die Augen zufielen, wusste sie, dass sie ihr Bestes gegeben hatte und hoffte aus vollem Herzen, dass auch Occulta sehen würde, dass der kleine Hengst in Norwegen gut aufgehoben war.



      Tyrifjord Ranch

      Das mysteriöse S

      01.05.2017, 2.210 Zeichen, Canyon



      Malte | »Haha Malte schau‘ dir das mal an!« Petyr verfiel ohne Vorwarnung in einen Lachanfall. »Les‘ dir mal die Namen der Stuten durch.« Meinte er, während er sich immer noch den Bauch hielt. Er reichte mir einen Zettel, auf welchen uns Charly gestern vor ihrer Abreise die Fütterungsmengen für Nicos Pferde notiert hatte. Als ob ich die nicht bereits kannte. Auf diese Liste warf ich nun einen Blick, verstand jedoch nicht ganz, was Petyr von mir wollte. Verständnislos blickte ich ihn an. »Ja und?«

      »Na ließ mal, du Pflaume!«

      »He! Nenne mich nicht Pflaume!« Wieder versuchte ich den Sinn von Petyrs Lachanfällen auf dem verschmutzten und zerknitterten Stück Papier zu finden. Ich zuckte mit den Schultern und reichte Petyr den Zettel zurück. »Kein Plan was du meinst.«

      Petyr atmete tief durch, verdrehte die Auge und setzte dann zu einem Erklärungsversuch an. »Wenn man Witze erklärt, sind sie nicht mehr witzig.« Meinte er genervt. Dann blickte er in mein verständnisloses Gesicht und gab sich geschlagen. »Schau her«, meinte er und deutete auf den ersten Namen. »Die neue Stute heißt Shyvana. Sharis Fohlen heißt Samarra. Sweet Prejudice und Seattle‘s Scarlett stehen genau darunter. Colour Splash nenne wir immer Splash und sollten mich meine Ohren nicht getäuscht haben, hat Nico letztens eine Stute namens Sawanna gekauft.« Er grinste mich breit an. »Meinst du, dass das Absicht ist?

      Ich zog meine verwirrt Augenbrauen nach oben. »Was meine ich, was Absicht ist?«

      »Alter Malte! Willst du mich verarschen oder ist deine Leitung wirklich so lang, wie du vorgibst?« Petyr mochte es gar nicht, wenn niemand verstand, warum er lachte. »Alle Stutennamen fangen mit „S“ an und viele klingen verdammt ähnlich! Shyvana – Sawanna – Samarra

      Ich verzog angewidert mein Gesicht. Und ich hasste es, wenn jemand mir so direkt ins Ohr schrie. »Und was ist daran dein Problem? Phenomenon, Volente und Bijou fangen ja nicht mit deinem mysteriösen „S“ an und der kleine Royal Champion auch nicht, welchen ich übrigens ziemlich niedlich finden würde, würde er nicht ausgerechnet Nico gehören.«

      »Argh!« Brüllte Nico und drückte mir das mittlerweile hoffnungslos zerknüllte ehemals genanntes Stück Papier in die Hände. »Ach vergiss‘ es!«



      Tyrifjord Ranch

      Ein Brief an Dich

      1.05.2017, 29.147 Zeichen, Canyon



      Charly | Liebste Mio

      Da du mittlerweile weder per Telefon, noch per Skype oder gar per E-Mail erreichbar bist, muss es nun also über den langen Weg gehen, nämlich per Post. Die Vorstellung ist witzig, dass dieser Brief einen weiteren Weg zurücklegen wird, als ich es je getan habe und das für wenige Euro.

      Seit mittlerweile mehreren Monaten herrscht Funkstille. Was ist nur passiert? Was ist mit der alten Zeit geschehen? All die Jahre, in denen du mir nie von der Seite gewichen bist, verweht vom Winde. Ich konnte dich gut verstehen, aber mittlerweile ist eine lange Zeit seit dem vergangen. Ich will meine beste Freundin nicht verlieren!

      Allerdings will ich dir nicht schreiben, um dich mit Vorwürfen zu bewerfen. Ich brauche dich, dich meine Freundin und ich hoffe, dass du mir die Ehre erweist und diesen Brief nicht ignorierst. Es ist mein letzter Versuch, das Alte zu erhalten und trotzdem neu zu beginnen.

      Bei uns auf der Tyrifjord Ranch hat sich in den letzten Monaten so einiges getan. Wir sind gewachsen und gewachsen, haben unsere Können bewiesen und erste Fohlen gezogen. Die Ranch würde dir gefallen, glaube mir. Ich weiß, dass du in Nevada glücklich bist, aber auch Norwegen ist etwas ganz besonderes.

      Bart kann mittlerweile von einer Box zu nächsten laufen und vor allem die Katzen haben es ihm angetan. Endlich kann er zu ihnen ins Heu krabbeln und sich auf die Kleinen stürzen. Capucine hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass auch Asuka einen Platz im Schlafzimmer hat, auch wenn alles auf dem Bett ihr gehört und sie dieses Gebiet agribisch verteidigt.

      Seit Weihnachten habe ich endlich einen Ersatz für meine geliebte Anaba gefunden. Es war ein Geschenk des ganzen Hofes und ich kann mich an kein Weihnachten erinnern, welches so überraschend für mich war. Striga ist noch jung und ziemlich unerfahren, jedoch habe ich endlich wieder ein Pferd gefunden, welches es mit meiner heiß geliebten Anaba aufnehmen kann.

      Auch Nico hat endlich etwas gefunden, was ihn antreibt. Mittlerweile beherbergen wir auf unseren Hof sechs Warmblüter für den Vielseitigkeitssport. Nicos Auswahl: Nur Pferd mit Macke ist Pferd. Vielleicht kennst du Bijou noch. Kurz vor Weihnachten zog seine Freundin Shari ein und kurz darauf auch schon Colour Splash. Beide Stuten sind nicht nur hübsch, sondern auch ziemlich zickig, zeigten jedoch von Anfang an Talent. Die Krönung wollen wir auch nicht mehr lange hinauszögern, nur fehlte uns bis jetzt die Zeit für die Reise. Shari ist mittlerweile trächtig und du glaubst es nicht, aber Nico sprüht nur so vor Vorfreude!

      Seit einigen Tagen kamen dann auch die letzten drei Sportpferde hinzu. Unsere gemeinsame Freundin Bracelet überließ Nico ihren Hengst Deo Volente und wir nutzten die Chance, sie gleich in Schweden zu besuchen. Nicos größtes Heiligtum: Ghostly Phenomenon. Du weißt gar nicht, wie er aus dem Häuschen war, als das Pferd seiner Träume dann endlich in unserem Stall stand. Meine Freude hielt sich etwas in Grenzen, so hübsch er auch ist, es wird eine Menge Arbeit kosten, ihn auszubilden. Über Sweet Prejudice kann ich dir leider noch nicht so viel erzählen, interessant ist das einzige, was mir zu ihr einfällt.

      Ach Mio, wie sehr vermisse ich deine Stimme und wie sehr hoffe ich, dass es dir gut geht! Irgendwann komme ich dich besuchen meine Kleine, irgendwann. Vielleicht nehme ich Malte mit, auch er wollte schon immer einmal Wildpferde sehen. Ich glaube, mit Malte würdest du dich gut verstehen, er ist ein guter Freund.

      Habe ich dir schon erzählt, dass Bella und ihr, mittlerweile Ex-Freund, Robin nach Norwegen gekommen sind? Es gab einige Komplikationen in Dänemark und ich glaube, mittlerweile ist auch Bella mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie hat ziemlich oft nach dir gefragt, sagen konnte ich ihr leider nicht sehr viel.

      Leider gibt es auch schlechte Neuigkeiten. Grenzfees Hufehe haben sich wieder bemerkbar gemacht, sodass sie nun wieder in der Box leben muss. Ich habe so gehofft, dass sie es für immer überstanden hat... Damit sie nicht alleine ist, steht nun auch Teufelstanz wieder im Stall. Ich hoffe jedoch auch, dass wir diesmal früh genug eingegriffen haben und der Tierarzt bis zum Beginn des Frühlings wieder grünes Licht für die Weide gibt.

      Außerdem ist vor wenigen Tagen Nicos Vater gestorben. Ein Autounfall, ich will nicht tiefer ins Detail gehen, es weckt zu viele Erinnerungen. Unerwartet hat Nico den Großteil des Vermögens geerbt und auch wenn noch nicht genau geklärt ist, wie viel es sein wird, kann dies ein weiterer Schritt für uns sein! Du weißt, von Nicos Vater habe ich nie viel gehalten und auch Nicos Verbindung war nie allzu tief, aber er trauert doch ganz schön. Gestern früh habe ich ihn nach Drammen zum Flughafen gebracht, mittlerweile sollte er gut gelandet sein. Er will sich bis zum Abend bei mir melden.

      Ich weiß nicht, was in Zukunft auf uns zukommen wird, aber ich bin mir sicher, dass es ziemlich spannend wird!

      Es tat gut dir zu schreiben, auch wenn ich nicht weiß, wann und wo er dich erreicht. Vielleicht sinkt das Schiff oder das Flugzeug stürzt ab, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich genau: Ich will dich nicht verlieren.

      Von ganzem Herzen,

      Deine Charly



      Mio | Liebe Charly,

      Ich empfing deinen Brief gestern Abend mit großer Verwunderung. Hast du jemals vorher einen Brief geschrieben?

      Du hattest Glück, dass ich ihn noch erhalten habe, denn mittlerweile sollte ich auf dem Weg nach Utah sein. Sei mir also nicht böse, wenn meine Antwort aus Zeitgründen ziemlich knapp ausfällt.

      Ich freue mich sehr von dir, deiner Familie und den Pferden zu hören und sobald ich die Zeit finde, werde auch ich dir berichten, weshalb ich in den letzten Monaten eine so unzuverlässige Freundin gewesen war. Ich hatte wichtige Gründe und ich bin mir sicher, dass du sie verstehen wirst.

      Fühle dich gedrückt,

      Mio



      Charly | Liebste Mio

      Es erwärmte mir dein Herz, das kleine Stück Papier von dir in den Händen halten zu dürfen. Dir geht es also gut, das ermöglicht mir meine erhoffte Erleichterung. Und ja, vor wenigen Jahren schrieb ich einen Brief an meine Großmutter, obwohl ich leider zugeben muss, dass dieser nie ankam.

      Viel verändert hat sich bei uns noch nichts. Noch nicht. Gestern kam Nico ziemlich erschöpft aus London wieder. Ich merkte jedoch sofort, dass ihn etwas anderes beschäftigte, was nicht mit seinem Vater zu tun hatte. Am Abend unterbreitete er mir dann seine Idee: Ein neues Gestüt. Diese Vorstellung passte gerade so überhaupt nicht in mein Leben. Ich bin hier doch glücklich? Unsere kleine verträumte Ranch mitten am See. Aber Nico schwärmte so sehr von einem internationalen Sportgestüt, einer kleinen Zucht und einer eigenen Reitschule, dass ich ihm nicht lange widersprechen konnte. Er meinte, dass wir jetzt das Geld und die Kraft hätten, dies zu tun und wer weiß, wann dies nochmal der Fall sein sollte.

      Ach Mio, so viel Veränderung, schon wieder! Bereits heute morgen ist er in seinen Wagen gestiegen und gen Norden gefahren. Zurückgekommen ist er noch nicht. Ich spüre die Entdeckungslust und die Vorfreude in mir. Es wäre wieder ein Umzug für die Pferde, aber diesmal ein endgültiger, das steht für mich fest!

      Aber was rede ich da. Erst einmal muss ein Ort gefunden werden und das Gestüt muss gebaut werden. Das wird dauern, ziemlich lange dauern.

      Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Malte hat sich in den letzten Tagen intensiv mit Prejudice beschäftigt und versucht, die eigenwillige Stute besser kennenzulernen. Ein bisschen mag ich sie mittlerweile ja auch, sie hat etwas besonnenes an sich, vor allem dann, wenn sie auf der Weide ist. Sie scheint das Leben abseits des Stalls zu lieben und plötzlich eine ganz andere zu sein.

      Rubina steht kurz vor der Geburt des Fohlens. Nico leidet darunter, dass er sie und seinen Marid in den nächsten Tagen unbedingt trennen muss, er hat es schon viel zu lang hinausgezögert.

      Weißt du, ich glaube Excelsior und Jeanie vermissen dich immer noch. Ich habe eine gute Reitbeteiligung für beide gefunden und Vuyo tut sein bestes, die beiden zu beschäftigen. Er gibt jetzt hin und wieder Reitunterricht und scheint voll in seinem Element gelandet zu sein. Den Pferden scheint es zu gefallen und auch von den Schülern bekommen wir nur positive Rückmeldungen. In der Hinsicht wäre es gar nicht so schlecht, auch die Reitschule zu erweitern. Allerdings bräuchten wir dazu noch einige weitere Pferde. Nur Abs, Milosch, Jeanie und Exel sind einfach zu wenig. Zum Glück haben wir die Befugnis, auch noch Elliot ab und zu einzusetzen und der junge Braum macht immer größere Schritte in Richtung Schulpferd. Trotz seines unerfahrenen Alters fliegen dem Süßen die Mädchenherzen nur so zu! Er suhlt sich richtig in der Aufmerksamkeit. Aber ich muss wirklich zugeben, dass er ein hübscher Kerl geworden ist.

      Du glaubst es nicht, aber letztens hat Nico tatsächlich nach dem Verkauf eines Pferdes geweint. Das Pferd hieß Eik und auch ich habe den großen Kerl geliebt. Allerdings mussten wir einsehen, dass wir uns etwas überschätzt hatten, was ihn betraf. Er war echt ein guter Kerl, jedoch brauchte viel Aufmerksamkeit und die konnten wir ihm leider nicht geben. Immerhin haben wir mit Worgait, Marid und Co bereits so einige Pferde, welche es nicht scheuen, ihre Meinung offen kundzutun. Aber natürlich gibt es auch andere Kunden. Unsere drei Vollbluthengste Golden Ebano, Valentines Alysheba und Osgiliath haben sich gesucht und gefunden. Die drei bleiben mittlerweile auch über Nacht, wenn die Temperaturen nicht in den Minusbereich sinken, auf der Weide und verstehen sich trotz ihrer Hengstmanieren prächtig. Ach Mio, wie sehr wünschte ich dich zu mir. Bei einem Glas Wein auf der Veranda könnten wir uns unsere Geschichten austauschen, lachen und das Leben genießen. Es fällt mir schwer, ohne eine Freundin wie dich, das Leben vollkommen zu lieben. Klar, mit Tuva verstehe ich mich sehr gut und es hat nicht lang gedauert, bis wir bemerkten, dass wir den selben Alkoholgeschmack teilen, aber sie ist nur eine Freundin.

      Ich will deine Zeit nicht allzu sehr verbrauchen, aber es freut mich, dass wir nun einen Weg gefunden haben, unsere Freundschaft aufrechtzuerhalten.

      Die wärmsten Grüße,

      Deine Charly



      Mio | Liebe Charly,

      Wieder habe ich dich warten lassen. Allerdings sind wir erst vor wenigen Tagen aus Utah zurückgekehrt und wie du dir vorstellen kannst, ist der Weg nach Vegas zum nächsten Briefkasten nicht der kürzeste. Da ich heute morgen jedoch für uns einkaufen war, habe ich gleich die Chance genutzt und den Brief auf die Reise geschickt.

      Irgendwo in deinen Worten versteckt sehe ich noch die alte Ranch, welche wir beide zusammen entstehen lassen. Saint Gorge, wenige Boxen, nur ein alter Reitplatz, dafür das Meer gleich vor den Füßen. Warum ist es euch beiden so wichtig geworden, alles immer größer werden zu lassen? Gibt es nicht bessere Möglichkeiten so viel Geld einzusetzen?

      Es freut mich allerdings zu hören, dass auch meine liebste Bella den Weg zu euch gefunden hat. Richte ihr die liebsten Grüße aus! Vielleicht werde ich mich in den nächsten Tagen mal bei ihr melden. Hast du auch etwas von Linn gehört? Wie geht es ihr auf Island?

      Addison versucht mich ständig dazu zu überreden, dass wir euch mal besuchen kommen. Er möchte dich und natürlich auch die Pferde selbst einmal kennenlernen. Ich bin noch nicht soweit Charly, noch nicht. Lass mir die Zeit, lass mich abschalten, lass mich wer anders sein. Nevada und die Mustangs geben mir all das, was ich so lange gesucht habe. So lang. Ich will es noch nicht hergeben oder teilen, erst wenn ich all das schöne hier in mir aufgesogen habe. Verstehe mich bitte.

      Der kleine Kuckunniwi entwickelt sich prächtig. Endlich hat Anaba ihn freigegeben. Ich merke die Veränderung die er gerade durchlebt, merke, wie er sich und seine Freiheit findet und wie sehr Anaba ihn liebt. Fast schmerzt es mich, dass sie mich nicht an ihn heranlässt, aber wir wollten es ja so. Er sollte so aufwachsen, wie es die Pferde auf den weiten Weiden Amerikas tun sollten.

      Für Hidalgo, Morrigans Hidalgo, und Chosposi tut es mir Leid, dass sie aufgrund ihres Hengststatus nicht mit zu den anderen Pferden dürfen. Dafür haben sie sich beide und die Verbindung zu ihnen hat sich in letzter Zeit um einiges verstärkt.

      Du glaubst es nicht, aber Varys und Imagine There's No Heaven sind mittlerweile, du wirst es nicht glauben, ausgewachsen. Zusammen mit Triumph genießen sie die Jugend, auch wenn Addi vor hat, im Sommer anzufangen sie jedenfalls etwas auszubilden.

      Ach ja, Addi, er ist ein guter Freund für mich geworden. Wir sind uns näher, als ich mich jemals bei einem Menschen gefühlt habe, näher als Shadow mir je gewesen war und doch sind wir kein Paar. Wir sind Gefährten, welche zusammen das tun, was sie für richtig erhalten. Wir wollen die Wildpferde erhalten und die Menschheit davon abhalten, diese wunderbaren Tiere wie Müll zusammenzutreiben, wieder auseinanderzureisen und dann auf dem ganzen Erdball zu verteilen.

      Wenn wir einmal bei diesem Thema sind, so werde ich dir gleich erzählen, was ich in Utah zu suchen hatte. Eine Freundin von Addi rief an. Sie meinte, dass sie ein komisches Paar entdeckt hatte. Ein weißer Hengst und eine junge braune Stute, verletzt. Amy, seine Freundin, erzählte, dass die beiden neu in der Gegend sind und es so schien, als wären sie extra so nah an die Auffangstation gekommen, um Hilfe zu suchen. Anfänglich wusste ich nicht, was Addi so in Aufregung versetzte. Ich sollte ihm vertrauen und da ich das sowieso tat, vertraute ich ihm. Erst im Nachhinein, nachdem Hengst und Stute mithilfe von Addi eingefangen wurden, erzählte er mir die ganze Geschichte. Vielleicht werde ich dir die Geschichte auch irgendwann erzählen können, heute würde der Brief jedoch zu lang werden. Es war ein Abenteuer pur und auch jetzt, nachdem beide Pferde wohlbehalten auf einer Weide bei uns stehen, fühle ich immer noch das Adrenalin der Freiheit in meinen Adern pochen. Für dich wird es unverständlich sein, für mich war es das Beste, was mir je passiert ist. Der Hengst heißt Cloud, während seine hübsche Freundin den Namen Zonta trägt. Ihre Beine schienen von einem Zaun verletzt wurden zu sein, in welchem sie sich verfangen hatte. Obwohl sie viel Blut verloren haben muss, steht sie immer noch sicher auf allen Vieren und lässt sich nichts anmerken. Anbei schicke ich dir ein Bild von den Beiden, damit du die Schönheit verstehen kannst, welche sie ausstrahlen.

      Ich habe dir auch noch nicht erzählt, dass seit einiger Zeit ein Paint Horse bei uns wohnt. Vielleicht hast du schonmal von ihr gehört. Sie stand lange bei Rachel und später bei Verena, welche ja auch... du weißt es ja, ich muss es nicht erwähnen. Raised from Hell steht deswegen zusammen mit Addis My Canyon und Battle Cry auf einer Weide und auch wenn Canyon oft genervt von Raised ist, hat sie sich hier doch ganz gut eingelebt. Ich bin gespannt, wie sie allerdings im Sommer mit den Temperaturen zurecht kommen wird.

      Ansonsten gibt es auch hier nicht allzu viel neues. Chill und Buck sind von der Schule genervt und Heather ist immer noch eine bemerkenswerte Frau. Sie hat es uns ermöglicht nach Utah fahren zu können und hat Tag für Tag alleine die Pferde versorgt. Zum Glück sind unsere drei Jüngsten, Dawn, Time In A Bottle und Kwatoko, mittlerweile soweit, auch einige Tage alleine überleben zu können. Das hätte ich mir nie erträumt. Sie waren unsere Sorgenkinder und mittlerweile benehmen sie sich genauso wie Kuckunniwi.

      Nun bist auch du auf dem neuesten Stand, was die Triple R Ranch angeht. Ich erwarte bereits jetzt deinen nächsten Brief und auch wenn ich es nur ungern zugebe, so hat es doch seinen Reiz, per Brief eine Konversation zu führen.

      Mit aller Liebe,

      Mio



      Charly | Liebste Mio

      Was für eine Geschichte und vielleicht ist es dir ja schon bald möglich, mir die Vollversion davon anzuhören! Clouds und Zontas Bild hat mich tief berührt. Diese Anmut und Wildheit, sie steckt den beiden in allem Knochen. Aber was habt ihr nun mit ihnen vor? Cloud ist ein Wildpferd, Zonta ebenso. Wollt ihr gegen euer Ziel arbeiten und die beiden eingesperrt lassen?

      Da du mir Bilder geschickt hast, muss auch ich dich mit welchen von unseren Pferden erfreuen. Rubina hat vor zwei Tagen erfolgreich ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Ich hätte Nico filmen müssen, als er ihn das erste Mal gesehen hat! Er war begeistert und begeistert, aber das war ich auch, denn der kleine ähnelt nicht nur stark seiner hübschen Mutter, sondern hat auch interessante Markierungen an Kopf und Flanke, welche auch Marid im Gesicht trägt. Der kleine Mytos ist ein wahrer Prachtkerl geworden und ein guter Start in die Fohlensaison dieses Jahr!

      Auch hat sich wegen des neuen Gestüts einiges ergeben. Sicher war, dass wir am Tyrifjord bleiben wollen. Wir lieben ihn und es wäre sinnlos, diese Heimat bereits aufzugeben. Drei Tage dauerte es nur, bis Nico mit einer faszinierenden Idee zurück kam. Im nördlichen Teil vom Tyrifjord liegt eine recht große Insel namens Sorøya. 1.7qkm groß und nahezu unbewohnt. Nur ein paar wenige Bauernhäuser stehen dort, der Rest ist Wald, Wiese und Feld. Nico schaffte es, genau diese Insel für uns zu gewinnen! Es tut mir fast Leid um dieses Paradies, aber noch mehr freue ich mich darauf, eine eigene kleine Welt nur für uns und unsere Pferde.

      Die Verhandlungsgespräche laufen bereits und ich bin, wie du dir sicherlich vorstellen kannst, ziemlich gespannt, was das betrifft.

      Das Training mit den Pferden läuft nun langsam wieder an. Einen Großteil übernimmt natürlich Malte, da Petyr nun öfter wieder in der Welt unterwegs ist. Ihn zieht es hinaus, während Malte das ruhige und stetige Leben auf dem Gestüt genießt. Ich bin ganz erstaunt, dass Nico mittlerweile ordentlich zupackt und auch wenn sein Fokus nur auf seinen eigenen Pferden liegt, so ist seine Aufenthaltszeit im Stall in den letzten Wochen um einiges gestiegen.

      Am Wochenende war uns meine Schwester besuchen. Sie wohnt, wie du ja weißt, in Oslo und hat leider mit Pferden nichts am Hut. Dafür konnte ich ihren neuen Freund, sowie ihren Adoptivsohn endlich kennenlernen. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass Alexandra so lange gebraucht hat, mich hier zu besuchen, der Weg ist ja nicht unendlich weit! Trotzdem ist sie meine Schwester und man liebt seine Schwester. Dimitri schien ganz fasziniert von dem Gestüt, während Alex natürlich nicht begeistert war. Ich kann das gar nicht verstehen, dass es Menschen geben kann, die diese fantastischen Geschöpfe nicht mögen. Wie kann man in einem Pferd nichts weiter sehen als ein Pferd?

      Ansonsten nimmt hier alles seinen gewohnten Lauf. Die Sonne geht auf, und sie geht wieder unter. Genauso wie es immer war.

      Ich vermisse dich!

      Deine Charly



      Mio | Liebe Charly

      Der kleine Mytos berührt mir mein Herz, denn in ihm sehe ich seinen Vater. Auch wenn ich mich nie mit Marid verstanden habe, so ist es doch ein Stück Erinnerung und ein Teil meiner Vergangenheit.

      Wieder habe ich länger gebraucht, um dir zu antworten. Aber bei uns wird die Arbeit wieder mehr, denn die Winterpause ist vorbei und schon bald beginnt wieder die Zeit des Einfangens und da müssen wir bereit sein.

      Cloud und Zonta werden so lange bei uns bleiben, bis Zontas Wunden verheilt sind. Addi hat sich die größte Mühe gegeben und auch wenn es nicht immer einfach war ein Wildpferd zu versorgen, schien auch Zonta mit der Zeit zu bemerken, dass wir nur helfen wollen.

      Addi ist seit Clouds Ankunft anders. Oft liegt er draußen auf der Weide und beobachtet den Hengst. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein und in Erinnerungen zu schwelgen. Er erzählte mir, dass er Cloud bereits kannte. Es verwunderte ihn, wie der Hengst nach Utah kam, da er Cloud hier in Nevada kennengelernt hatte. Er meinte, dass Cloud es gewesen war, welcher ihm nach dem Tod seiner Frau wieder Kraft gegeben hatte. Er selbst konnte es nicht erklären, aber er erzählte mir von dem Bild eines leuchtenden weißen Pferdes, so anmutig und edel, so ehrlich und voller Hoffnung, dass ich nicht daran zweifelte, dass es so gewesen war. Cloud bedeutet für Addi alles und vielleicht ist es ein Zeichen, dass genau dieser Hengst jetzt wieder aufgetaucht ist.

      Natürlich forschten wir weiter, denn Addi hatte Fragen. Wie kam Cloud nach Utah? Wo war seine Herde? Es dauerte nicht lange und wir fanden beim BLM unsere Antwort. Mittlerweile haben wir dort einige Kontakte, mit welchen wir wegen der Mustangs in Verbindung stehen und mit der Hilfe einer Freundin, fanden wir heraus, dass Cloud und eine braune Stute, vermutlich Zonta, die Flucht geschafft hatten, kurz nachdem sie transportiert worden waren.

      Vielleicht hat Addi gar nicht so unrecht. Vielleicht ist dieser Hengst wirklich ein Zeichen der Hoffnung und wahrscheinlich ist es Absicht, dass er bei uns gelandet ist. Cloud scheint sich nicht unwohl zu fühlen, obwohl er von den Zäunen umgeben ist. Trotzdem ist er noch ein freies Pferd und sobald der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir uns von ihm verabschieden müssen.

      Allerdings muss ich dir dringend noch etwas erzählen! Heather hat, du glaubst es kaum, ihren Neffen aufgenommen. Das ist nicht irgendein Neffe, nein, dass ist ein entlassener Häftling mit einigen Vorstrafen und hinzu kommt, dass er genauso alt ist wie ich. Problem des Ganzen: Er sieht ziemlich gut aus und ist natürlich ein riesiges Arsch. Heather meint, dass die Ranch die beste Möglichkeit sei, Jacob wieder auf die Bahn zu bringen, auch wenn ich mich frage, ob das bei ihm überhaupt noch möglich ist. Er ist ein Angeber und ein ziemlich fauler Idiot. Chill und Buck freuten sich natürlich über „ihren großen Bruder“ und dank Jacob ist die Aufmüpfigkeit der beiden nochmals gestiegen.

      Addi freute sich gar nicht über den plötzlichen Einzug. Verständlich. Er kennt Jac nicht und hat Angst um seine Pferde. Jedoch konnte er Heather den Gefallen nicht abschlagen, immerhin ist auch Jac sein Neffe und auch wenn Addi lange keinen Kontakt mehr zu seiner zweiten Schwester hatte, sind sie trotzdem miteinander verwandt.

      Ich selbst weiß noch nicht genau, wie ich zu Jac stehe. Bis jetzt hat er mich meist ignoriert und etwas enttäuscht bin ich schon, dass solch nette Menschen wie Addi und Heather solche unhöflichen Verwandte haben.

      Jedenfalls versucht Addi nun, Jac mit in die tägliche Arbeit einzugliedern. Etwas Erfahrung mit Pferden hat er bereits, da auch seine Mutter Pferdebesitzerin gewesen ist. Anscheinend liegt das in der Familie. Bis jetzt hat er sich nur meistens um die Arbeit gedrückt, ob er selbst auch Pferde mag, weiß ich also noch nicht so genau.

      Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Immerhin ist Jac der erste Fremde seit meiner Ankunft auf der Ranch und das birgt für uns alle ein Gefahrenrisiko. Jacob Moore, ich bin ziemlich gespannt, ob das gut ausgehen wird.

      Mit den besten Grüßen,

      Mio



      Charly | Liebste Mio!

      Oho! Ein junger, gut aussehender Mann, welcher total unhöflich ist? Na wenn das kein Anfang einer Liebesgeschichte sein kann! Auch ich habe daran nie geglaubt, bis es mir selbst widerfahren ist. Und schau, wo ich jetzt gelandet bin. An meiner Seite ein Mann, der genauso ein Idiot ist wie die Jungs, die mich früher in der Schule immer bloßgestellt haben und mit so einem habe ich auch noch ein Kind. Pass‘ also ja auf dich auf! Aber ich meine das wirklich ernst. Solche Männer sind meist so von sich überzeugt, dass sie nicht auf eventuelle Opfer achten. Die Geschichte mit Cloud, puh, da musste ich mir die Tränen von der Wange wischen. Das Ganze hat sich fast wie ein Film vor meinen Augen abgespielt. Ich stelle mir das wahrhaftig vor, wie ein weißer und reiner Hengst, einem zerstörten jungen Mann wieder ein Ziel zum Leben gibt. Fast könnte ich darüber ein Buch schreiben, oder, warum schreibst du kein Buch darüber? Grüße Addi von mir, ich mag ihn, er scheint ein anständiger Kerl zu sein und er scheint dafür verantwortlich, dass du wieder so lächeln und nach vorne schauen kannst!

      Vuyo hat sich nun auch endlich wieder ein Pferd gekauft und erstaunter hätte ich nicht sein können, als er da mit einer zierlichen Edelhaffi Stute stand, welche auch noch den Namen Curly Lure trägt und als ob das noch nicht genug wäre, ist sie auch noch ziemlich eigensinnig und zickig. Aber er hat vor, sie mit in die Reitschule zu nehmen und sie dort vielleicht zu einem anständigen Reitpferd ausbilden.

      Mittlerweile haben auch die Planungen für das neue Gestüt begonnen. Die Insel ist bereits vermessen und wir machen uns zur Zeit auf die Suche nach Pferdebesitzern, welche mit auf die Insel ziehen wollen und uns so unterstützen. Nico hat einen Freund in der Türkei, welcher mit einer Freundin zusammen ein kleines Arabergestüt leitet. Sie scheint ziemlich still und einzelgängerisch zu sein, jedoch will sie wegen der Unruhen in ein sicheres Land und wird wahrscheinlich zu uns nach Norwegen ziehen. Ihre Forderungen waren jedoch, dass sie ein eigenes und beheiztes Stallgebäude für ihre Araber bekommt, in welchem sie auch wohnen kann. Das wird sie jetzt wohl auch bekommen. Nico meint, dass sie dem Gestüt gut tun wird und ich bin gespannt, wie er das meint.

      Auch kommt Fiona mit ihren Pferden aus den USA zurück zu uns. Petyr freut sich natürlich höllisch auf sie und auch ich bin froh, wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wir werden so viel Hilfe wie möglich gebrauchen, wenn es soweit ist.

      Nicos angehende Zucht nimmt zur Zeit krasse Ausmaße an. Anstatt es bei ein paar wenigen Pferden zu belassen, ist die Anzahl seiner Stuten mittlerweile auf sechs gewachsen, wobei jedoch eine weitere bereits gekauft ist. Zum Glück sind es bis jetzt nur drei Hengste und ein Jungpferd, welche tatsächlich auch alle mal recht anständig sind.

      Ich freue mich auf deinen nächsten Brief!

      Deine Charly



      Mio | Liebe Charly,

      Bei uns wird es wieder wärmer und im Sonnenuntergang kann man wunderbare Bilder der Pferde schießen. Ich habe leider nicht viel Zeit, deswegen wird dies ein sehr kurzer Brief. Ich hoffe trotzdem, dass du dich über die Bilder freust!

      Anbei natürlich noch kleine Erklärungen zu den hübschen Pferden, welche du siehst.

      » Varys und Imagine There‘s No Heaven kennst du natürlich noch. Hier endlich mal ein aktuelles Bild von ihnen. Der gefleckte Popo gehört natürlich zu Triumph.

      » Unsere Jüngsten: Time In A Bottle, Dawn und Kwatoko. Seit einigen Tagen dürfen sie mit auf die große Weide, es ist erstaunlich, wie schnell sie sich an ihre Herde gewöhnt haben.

      » Es ist das erste Bild von Anaba und Kuckunniwi, dass ich dieses Jahr schießen konnte. Immer noch hält Anaba Abstand zur Herde und selbst Addi ist so langsam verwundert. Dafür geht es dem kleinen Kucku blendend und so langsam sieht man auch den Vater in ihm.

      » Raised from hell zusammen mit Aquena. Na? Kennst du Raised noch? Sie ist ein tolles Pferd und selbst ich sehe kaum, dass sie eigentlich kein Wildpferd ist. Zusammen mit Flotten von Mutanten erobert sie die Wildnis, wie ich es anfangs nicht für möglich gehalten hatte.

      » Hier eine kleine Hengstherde im Sonnenuntergang. Silent Bay sieht man nur sehr schlecht hinter dem Strauch, dafür steht Imoad, oder eigentlich In the Middle of a Dream gut sichtbar im Vordergrund, wie immer. Daneben siehst du Frekur und etwas weiterhinten Quisquilloso, obwohl du den wahrscheinlich schon von meinen letzten Bildern kennst, er ist ziemlich fotogen.

      » Auf dem letzten Bild sind, von links nach rechts, die drei restlichen Stuten zu sehen. Valhalla, Quicksilver und Atius Tirawa.

      Ich hoffe, du freust dich über die Bilder!

      Mio



      Charly | Liebste aller Mios!

      Die Bilder sind der Hammer! Ich vermisse deine fotografischen Künste auf unserer Ranch, auch wenn Tjarda auch ziemlich gute Bilder schießt, malt sie trotzdem besser.

      Da auch meine Zeit wegen Umzug ziemlich knapp ist, habe ich es dir gleichgetan und in den Umschlag einfach einige Bilder gesteckt, in der Hoffnung, dass sie dir gefallen.

      » Na, erkennst du, wer hier auf der Weide abgebildet ist? Charelle und April Rain müsstest du erkennen, bei den anderen habe ich Nachsehen mit dir. Die Namen sind auch nicht leicht zu merken. Himmawallajugaga, Devrienterreuth, Sysahlreuth, Zuckerschock und Raja, sie bilden unsere Vollblutherde und zeigen auch mit aller Macht, wie viel Energie sie besitzen.

      » Malte. Anfangs wehrte er sich gegen ein Foto, aber als er hörte, dass es für dich ist, konnte ich ihn endlich umstimmen. Das wunderhübsche Tier auf dem er sitzt heißt Angus, ein Suffolk Punch und der neue Liebling aller. Am Strick sind natürlich seine Schätze Félagi und Óslogi. Jeden Sonntag macht er einen Ausritt mit ihnen. Du würdest ihn wirklich mögen.

      » Und schon wieder Malte. Diesmal jedoch heimlich geschossen, wie man an der schlechten Qualität unschwer erkennen kann. Zu seiner rechten siehst du Black Lemontree, während das junge Mädchen, eine Reitschülerin, seinen Junghengst Dynur hält.

      » Hier nochmal unsere Jungpferde Aspantau, Abe‘s Aelfric und Mios Jelda, sowie ein hübsches Portrait von I‘ve got a blue soul.

      » Und zum Schluss nochmal ein unbekanntes und ein bekanntes Gesicht für dich. Einmal Abraham van Helsing, sowie natürlich deine Ocarina of Time, welche bei den Bildern nicht fehlen durfte. Auch sie entwickelt sich so langsam prächtig!
      Ich hoffe, dass wir beide endlich mal wieder mehr Zeit für einander finden!
      Deine Charly!

      Mio | Charly, ich komme! Ich komme zu dir! Ich habe es getan, ein Flugticket ist gekauft, erwarte mich...

      Tyrifjord Ranch
      Inselwind

      18.05.2017,10.251 Zeichen, Canyon
      Malte | "Leute!" Wenn Charly so anfängt, dann hat sie eine Ankündigung zu machen, denke ich und löse meinen Blick von dem Häufchen Pferdeäpfel vor mir, welche Óslogi mir hinterlassen hatte. "Ich habe eine Ankündigung zu machen!" Aha, denke ich, habe ich es doch gewusst. "Ihr wisst ja, dass ich schon seit längerem auf der Suche nach Stallhilfe bin und ich denke, dass ich nun jemanden gefunden habe. Darf ich vorstellen? Eyvind Engh!" Ihre Stimme schallt durch den Stall und an ihrem Grinsen erkenne ich, dass sie wirklich zufrieden ist mit der Wahl. Hinter ihrem Rücken tritt jedoch ein Junge hervor, welchen ich am allerwenigsten einem Stallgebäude zugeordnet hätte. Er schiebt sich die runde schwarze Sonnenbrille auf seinen hellweißen Schopf und blickt die versammelte Stallgenossenschaft mit unverändertem Ausdruck an. Mein Blick tastet ihn vorsichtig ab und auch Petyr, einige Meter neben mir, scheint noch etwas verdutzt. Einen Nasenpiercing, dann noch einige an den Ohren und ziemlich unbequem aussehende Kleidung in schwarz. Sein Gesicht ist zart und weich, seine Augen stechen jedoch wieder hervor wie Zitronen unter einer Herde Erdbeeren. Vuyo ist der sozialste von uns und tritt mit ausgestreckter Hand auf ihn zu. "Vuyo, herzlich willkommen auf der Tyrifjord Ranch!" Das restliche Gespräch verpasse ich, weil Petyr mir in die Rippen boxt und so meine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Ich stöhne und schlage Petyr aus Rache gegen die Schulter. Er hält nun also seine Schulter mit der einen Hand und ich meine Rippen.

      "Was'n dat für nen Kerl?" Fragt er mich und nickt in Richtung Eyvind. Ich zucke nur mit den Schultern.

      "Keine Ahnung, sieht doch ganz nett aus." Allerdings habe ich mir selbst noch keine wirkliche Meinung gebildet, versuche jedoch so offen wie möglich zu sein.

      Charly kommt nun auf uns zu, oder eher auf mich. Vuyo hat sich wieder seiner Arbeit zugewandt und als ob ich nicht wüsste, was jetzt kommt, stellt Charly die erwartete Frage. "Hey Malte, du, hast du zufällig Lust Eyvind die nächsten Tage etwas einzuarbeiten? Petyr ist ja leider wieder unterwegs und Vuyo hat mit der Reitschule so viel um die Ohren." Praktisch, dachte ich, mir bleibt dann nämlich der komplette Stall plus Eyvind. Ich lächle jedoch und sage: "Klar Charly, mache ich gerne!"

      "Auf dich ist immer Verlass!" Meint sie, klopft mir auf die Schulter und verschwindet dann mit einem kurzen Nicken zu Eyvind in Richtung Ausgang.

      "Dich scheint etwas daran zu stören?" Eyvind blickt mich fragend an. Er scheint wirklich nett, aber auf mein Gefühl verlasse ich mich schon lange nicht mehr. Ich zucke mit den Schultern und weiß noch nicht genau, was ich sagen soll. Er kommt mir jedoch zuvor. "Kann ich verstehen, Charly hat mir schon erzählt, dass du hier als treibendes Rad ständig etwas zu tun hast. Aber ich denke, ich kann dir ganz gut unter die Arme greifen." Beim näheren Hinsehen erkenne ich die dicken Ringe um seine Augen, sehe einige Sorgenfalten in seinem Gesicht und die ungewaschene Kleidung. Ich blinzle.

      "Danke", sage ich nur. Wie viel zu oft habe ich ein Loch im Kopf, wenn es darum geht, die passenden Wörter zu finden.

      "Also, was kann ich tun?" Fragt Eyvind mich und ein Lächelnd erscheint auf seinen Lippen. Er scheint wirklich begeistert von dem Gedanken, hier arbeiten zu können.

      "Äh", sage ich wieder wenig produktiv und stelle die Mistgabel zur Seite. "Du kannst mich zu den Weiden begleiten, ich will das Wasser kontrollieren." Meine ich und zeige in Richtung Ausgang. Eyvind nickt nur. Ich ziehe ihn also mit mir aus dem Stall, nicke im Vorbeigehen Petyr kurz zu und schlage dann den Weg in Richtung Weiden ein. Es ist ein kalter Frühlingstag. Wie gefühlt immer. Der Nebel liegt noch an den Ufern des Fjords und bedeckt die eigentlich schon grünenden Wiesen mit einer Schicht aus grau. Die erste Weide, die wir erreichen, ist die kleine Hengstweide. Unsere vier verbliebenden Vollblüter stehen hier. Vollblüter waren nie mein Spezialgebiet und trotzdem habe ich (fast) alle ins Herz geschlossen. Ich passiere den Zaun geschickt und winke Eyvind dann zu, er solle mir folgen.

      "Osgiliath", sage ich und zeige auf den Hengst, der uns am nächsten steht. "Bei ihm, wie fast bei jedem anderen Pferd welches Nicolaus angeschleppt hat, würde ich etwas Abstand halten. Das gleiche kannst du bei Worgait", ich zeige auf den hellen Tekkiner Hengst, "Und natürlich auch bei Marid beachten." Diesmal nicke ich nur in Richtung Marid, welcher mit gespitzten Ohren am Offenstall steht. Ich spüre seinen Blick auf mir, seinen hinterlistigen Blick. Er weiß genau, dass ich über ihn red. Dann stelle ich ihm noch Valentines Alysheba vor und mache mich an die Arbeit. Während ich frisches Wasser nachfülle, fallen mir endlich einige wenige Frage ein. "Sage mal, Eyvind, was ist so deine Vorliebe bei Pferden? Reitest du selbst?"

      "Vorliebe?" Er erscheint einen Moment verwirrt und runzelt die Stirn. "Du meinst, was ich für Rassen mag und so?" Ich nicke. "Ich bin da offen, ich habe keine Vorlieben." Meint er nur. Aha. Denke ich und fühle mich nicht schlauer als zuvor. Das Wasser ist auch fertig und so sehe ich die Möglichkeit, das kleine Gespräch schnellstmöglich zu beenden. Nachdem wir noch Grenzfee und Teufelstanz auf ihren Weiden besucht haben, geht es zurück in den Stall. Ich bin erstaunt Petyr noch anzutreffen, meist verdrückt er sich bei der erstbesten Möglichkeit. Mir zusammengekniffenen Augen verfolgt er jede Bewegung Eyvinds und auch als ich in böse anstarre, lässt er nicht von ihm ab. Ich seufze. Eyvind dreht sich erstaunt zu mir um und blickt mich fragend an. "Alles ok?" Ich nicke schnell und erzwinge mir ein kleines Lächeln. "Ok, wohin geht es als nächstes?"

      "Ich muss eine unserer Stuten versorgen. Sie hat vor zwei Tagen ein Fohlen zur Welt gebracht und ist - etwas eigensinnig seit dem." Was jedoch für mich nicht verwunderlich ist, wenn man einen Besitzer namens Nicolaus du Martin hat, denke ich, spreche es jedoch nicht laut aus. Colour Splash steht mit angelegten Ohren in ihrer großzügigen Box. Nicht nur das, wir haben ihr sogar eine Trennwand entfernen lassen, sodass die beiden Stuten genügend Platz haben. Zu ihren Füßen liegt der neue Stern des Gestüts und bereits am Namen kann man die Spuren Nicos erkennen. "Simplicity of Sophistical, oder einfach nur Simple." Sage ich zu Eyvind gewandt und etwas kann ich den Stolz in meiner Stimme nicht verstecken. Auch ich bin froh, dass Splash es endlich geschafft hat. "Ihre Mutter heißt Colour Splash." Ich deute auf Splash, welche die Ohren nach hinten legt und mit einem Huf scharrt.

      "Sie scheint unruhig." Meint Eyvind und betrachtet die Stute fasziniert. "Ist sie immer so?"

      Ich schüttle den Kopf. "Nein, nicht immer. Aber sie mag das Boxenleben nicht." Ich nicke in Richtung Nachbarbox. "Seit dem wir jedoch halbtags ihre Freundin Shari drinnen lassen, geht es schon besser."

      Ich bin recht froh, als ich wenig später Eyvind eine Mistgabel in die Hand drücke, mit der Aufgabe, in den Offenställen der Jungpferde etwas Ordnung zu machen. Ich atme erleichtert auf, als sich eine Hand auf meine Schulter legt. Erschrocken fahr eich herum und blicke in das Gesicht Petyrs. "Gott!" Rufe ich und funkle diesen böse an. "Du sollst das lassen!"

      Petyr grinst. Dass ich ihn Gott genannt hatte, schien ihm zu gefallen. "He Malte, du, sag' mal, wie ist denn dieser Eyvind so? Is' er nett?"

      "Petyr, weißt du, dass du durchgängig die Endungen von Wörtern verschluckst?" Sage ich nur und greife nach meiner Mistgabel.

      "Jaja, weiß ich. Aber los sag' mal, ich muss doch wissen, wer hier so auf dem Hof unterwegs ist." Er lässt wie immer nicht locker.

      "Da habe ich eine Idee." Sage ich und drücke Petyr die Gabel in die Hand. "Hilf ihm doch einfach bei den Offenställen." Ich grinse ihn an und als er sich nicht von der Stelle rührt, nicke ich mit meinem Kopf in Richtung Ausgang. "Los, du Faulpelz!"

      Er sieht ein, dass er aus mir nichts rausbekommt und funkelt mich böse an, macht sich aber trotzdem auf den Weg zu Eyvind. Mein Weg führt mich jedoch in die andere Richtung zu unseren Paddocks. Seit einigen Tagen steht hier zur Eingewöhnung Sawanna. Ihre Reise hier her ist lang und anstrengend gewesen und ich sehe ihr an, dass sie erschöpft ist. Hinzu kamen ihre Vertrauensprobleme und auch wenn Nico und auch ich tagtäglich mit ihr arbeiten, ist es noch nicht viel besser geworden. Ich nehme das Halfter vom Hacken, stehe jedoch noch einige Minuten unbeteiligt hinterm Zaun, bevor ich mich auf ihr Territorium getraue. Sawanna wird ihrem Namen ziemlich gerecht. Nicht nur der hübsche helle Fuchston, auch der hitzige und stürmische Charakter passten dazu. Ziel war es, sie innerhalb der nächsten Tage an Shyvana und Samarra zu gewöhnen und so wie Petyr es letztens deutlich erwähnt hatte, passten die jungen Stuten nicht nur vom Namen zusammen. Während ich schließlich mit Sawanna den Weg in Richtung Wald einschlage, versuche ich krampfhaft einen Spitznamen für sie zu finden. Samarra hat von mir bereits den Namen Sammy erhalten und Shyvana heißt meist nur Shyva. Es muss also etwas genauso schönes her. Obwohl Sawanna schreckhaft ist, scheinen sie die Hengstweiden nicht zu stören. Weder Bijou, noch Volente oder Phenomenon schenkt sie einen Blick und auch den neuen Brego, welcher genauso wie sie noch einzeln gehalten wird, beachtet sie nicht. Auch von mir hält sie durchgängig einen gewissen Abstand, scheint sich jedoch jedenfalls ein bisschen an mich gewöhnt zu haben. Das Ziel von Sawanna und mir ist eine kleine Weide in der Nähe der Zackelschafe und Bellas Pferden. Auch sie habe ich schon länger nicht gesehen, sodass ich die Chance ergreife und meine Schritte zu den Isländern lenke, nachdem ich Sawanna auf ihre Weide entlassen habe. In der Hoffnung, Bella bei ihren Pferden zu entdecken, schlage ich mich durch die rasant gewachsenen grünen Äste, rechts und links des Weges. Bellas Weiden lagen etwas abseits. Ihre Isländer standen durchgängig auf der Weide und so verwundert es mich nicht, dass ich auch dieses Mal die versammelte Mannschaft erblicke. Den jungen Fafnir am Zaun erkenne ich sofort und das niedliche Jungpferd daneben enttarne ich als Litfari. Von Bella ist jedoch keine Spur zu sehen. so gebe ich mich geschlagen und mache mich zurück auf dem Weg zum Hof.
    • Wolfszeit
      PFLEGEBERICHTE III
      08.06.2017 - 29.12.2017, Canyon & Occulta
      Tyrifjord Ranch
      Rakkaus Ja Epätoivo
      08.06.2017, 23.781 Zeichen, Canyon

      Mio | Zwei Jahre später stand ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich mir nie hätte denken können zu stehen. Die Zweifel plagten mich, Nächte lag ich wach und blickte in das stets friedlich ruhende Gesicht von Jacob. Die Mondstrahlen spiegelten sich auf seiner Haut wider und brachten seine dunklen Locken zum teuflischen Glänzen. Ich lag im tiefen Schatten.
      Als die ersten Sonnenstrahlen einige unruhige Stunden später den Weg durch die Vorhänge suchten, war ich längst munter. Ich stand im T-Shirt in der Küche und rührte in einem Topf umher, welcher eigentlich so etwas wie Schokopudding enthalten sollte. Es sah jedoch eher nach aufgeweichten Pferdeäpfeln aus. Der Schneebesen in meiner Hand wollte einfach nicht verstehen, dass ich keine Klumpen in meinem Essen haben wollte. Ich biss die Zähne zusammen, um für Jacob jedenfalls so etwas ähnliches wie ein Frühstück auf die Beine zu stellen. Mein Blick fiel auf den Garten hinter dem Fenster. Jacob hatte sich wunderbar darum gekümmert und fast konnte ich mit Stolz sagen, dass unsere blühenden Blumen die prächtigsten waren. Hinter dem Garten erstreckte sich die trübe See. Dunkles Wasser schwappte immer wieder gegen die Brandung und hielt das Geschehen in Bewegung. Es war so anders, so vollkommen anders und doch fühlte ich mich wohl.
      Mein Gedanke fiel auf Addi. Er war nicht glücklich gewesen, aber er hatte es getan. Er hatte es für mich getan. Aber sein Leben war nun gezielter geworden. Er lebte nicht nur noch von Spenden, sondern verdiente sich mit seiner Arbeit viel Geld. Er hatte seine Prinzipien geändert, hatte sie den meinen angepasst und da waren wir nun. Familie Moore und Mio mitten auf einer Insel im norwegischen Fjord.
      Ich hatte gerade die Schokoklumpensoße in eine Schüssel gefüllt und auf den Tisch gestellt, als Jacob unsere Küche betrat. Er gähnte ausgiebig und schlurfte dann zu seinem Stuhl, wo er sich erschöpft niedersinken ließ.
      "Guten Morgen, Jac." Meinte ich liebevoll und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Dieser brummte nur zustimmend, schnappte sich seinen Löffel und begann wild zu essen. Nach den ersten Bissen hielt er jedoch inne und blickte zu mir hoch, denn ich stand immer noch neben ihm.
      "Willst du denn nichts essen?"
      Ich schüttelte den Kopf. "Mag keinen Schokopudding."
      "Mio", meinte er warnend, "du isst zu wenig."
      "Tue ich nicht!" Wehrte ich mich. "Und außerdem mag ich wirklich keinen Schokopudding." Ich setzte mich gegenüber von ihm nieder. Jac zuckte nur kurz mit den Schultern und begann dann weiterzuessen.

      Addison | "He Chill! Das ist mein T-Shirt!" Erfolglos versuchte Buck seinem Bruder das Badmanshirt aus den Händen zu reisen.
      "Das stimmt nicht! Das ist meins!" Chill stemmte beide Füße in den Boden, um seinem Bruder standzuhalten.
      "Daaad! Chill will mir nicht mein T-Shirt wiedergeben!" Rief Buck laut.
      Addison steckte den Kopf durch die Tür. Er war in den letzten Monaten stark gealtert. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen und die Haare hatten erste graue Strähnen. Er schien kraftlos, als er beschwichtigend nach dem T-Shirt griff, trotzdem zog er es seinen Kindern ohne Probleme aus den Händen. Er suchte den kleinen Zettel im Nacken heraus, laß den Namen und gab es dann Buck. "Dein Bruder hat Recht, Chill, das T-Shirt gehört Buck. Schaue mal in deinem Schrank, wo sich deins versteckt haben könnte." Meinte er liebevoll und klopfte Chill aufmunternd auf die Schulter. "Beeilt ihr euch bitte? Ich will nicht, dass ihr den Bus verpasst."

      Charly | "Warum schreit Bart denn schon wieder?" Mit grimmigen Gesicht steckte Nico seinen Kopf durch die Küchentür und versuchte verschlafen etwas zu erkennen.
      "Guten Morgen, Nico. Gut, dass du dich auch endlich dazu bereit erklärt hast, aufzustehen." Gestresst blickte Charly über die Schulter zu ihm hin.
      "Was ist denn jetzt schon wieder los?" Meinte dieser genervt und betrat den Raum.
      "Ach nichts!" Lachte Charly hölzern und warf sich dann ihr wildes Haar über die Schulter. "Es ist ja nur Montagmorgen, die Arbeit wartet und dein Sohn wehrt sich krampfhaft gegen alles, was ich ihm aufs Brot schmiere und was kein Lolligeschmack hat, also gegen alles!" Wütend ließ sie das Messer fallen, drehte Barts Stuhl zu sich herum und hob den immer noch schreienden und nun auch strampelnden Jungen heraus. "Dann geht er heute ohne Frühstück in den Kindergarten!"
      "Charly, hey", Nico war an sie heran getreten und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. "Komm', gib ihn mir."
      Grob reichte Charly ihren Sohn an Nico weiter, welcher sich von ihr abwendete und versuchte sein Kind zu beruhigen. Charly ließ sich erschöpft aufs Sofa fallen und verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen.
      Zwei Minuten später hatte Bartholomäus sich beruhigt und Nico setzte sich neben Charly, auf seinem Schoß Bart sitzend. "He Charly," meinte er sanft. "Du bist ganz schön fertig. Ich kümmere mich heute um Bart, mache du mal einen ruhigen, das hast du dir verdient."
      Als Charly nicht antwortete, stand Nico auf und verließ mit Bart den Raum.

      Malte | Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, nicht allzu hastig aufstehen zu können. Die Decke meines kleinen Zuhauses war nur wenige Zentimeter über meinem Kopf. Langsam rollte ich mich deswegen aus dem großen Bett und lief leicht gebückt bis zur Holzleiter. Gery nahm es mir übel, dass er alleine unten schlafen musste, dafür hatte er auch in unserem neuen Zuhause seinen geliebten Kamin bekommen. Obwohl dieser nicht brannte, schlief der große Rüde jede Nacht davor, als würde dieser ihm die Wärme geben, die er zu brauchen glaubte. Der schwerhörige alte Hund hob erst den Kopf, als ich auf den Knopf meines Radios drückte und dieses mit einigen Startproblemen ansprang. Er murrte jedoch nur kurz und ließ seinem Kopf dann wieder zurück auf die Pfoten sinken. Ich betrachtete den alten Herren einige Sekunden, während aus dem Radio "Keep on the sunny side" erklang. Gute Einstellung, dachte ich, während ich im Takt den Abwasch der letzten Tage machte. Leise summte ich die Melodie mit, richtete meinen Blick aus dem Fenster und betrachtete die Natur vor meiner Haustür. Ich hatte den hübschesten Platz erwischt. Der Wald um mich herum bot mir jede Menge Schutz vor der Sonne und vorm Wind, welcher an manchen Tag recht frisch vom Fjord zu uns herüber wehte.
      Nachdem der Abwasch erledigt war, zog ich mich an und machte mich auf den Weg zum Stall. Gery ließ ich im Haus zurück. Seit ein paar Wochen schon, begleitete er mich nicht mehr täglich, seine Kraft schien zu schwinden. Ich hatte damit gerechnet und es war in Ordnung, so wie es war.

      Mio | Ich stand pünktlich wie immer am Weidezaun, den Hut trotz der fehlenden Sonnenstrahlen auf meinem Kopf und eine dicke Jacke über mein helles Hemd gezogen. Auch die Pferde hatten ihre Zeit gebraucht, um sich von vierzig Grad täglich auf eine Durchschnittstemperatur von 17 Grad umzugewöhnen. Im Gegenteil zu Addison, welcher sich komplett den Klimaverhältnissen angepasst hatte, hielt ich meinen Stil aus vergangenen Zeiten so gut wie möglich bei. So schnell würde ich nicht alles aufgeben.
      Addison kam wie immer zu spät. Chill und Buck forderten, seitdem wir in Norwegen wohnten, durchgängig seine Aufmerksamkeit. Heather half ihm so sehr wie möglich bei der Erziehung der Zwillinge, jedoch hatte auch sie noch ihr eigenes Leben.
      Abgehetzt und mit grimmigem Blick, kam Addi auf mich zu, er nickte mir kurz zu, ich nickte zurück und gemeinsam machten wir uns an die tägliche Arbeit. Unsere Mustangs hatten einen schönen Platz bekommen. Sie hatten ihren eigenen Teil der Insel. Zwei weitläufige Weiden, mit Bäumen, Sträuchern und kleinen Hügeln waren so natürlich angelegt wie nur möglich und viele der Pferde hatten sich schnell daran gewöhnt.
      Während wir zusammen neues Heu schleppten, merkte ich, wie Addi mir immer wieder Blicke zuwarf. Er schien mich zu begutachten und seine Skepsis war nicht zu übersehen. "Mio", er legte einen Arm auf meine Hand, als ich gerade einen Wassereimer anheben wollte, "Mio, seit wann hast du schon nichts mehr gegessen?"
      Ich ließ den Eimer los und richtete mich auf. "Seit wann, macht sich jeder darum Gedanken, dass ich zu wenig esse?! Ich bin erwachsen und kann selbst gut genug einschätzen, wann und was ich esse!" Ich zog meine Hand aus seinem Griff und blickte Addi in die Augen. Ich sah den Schmerz in ihnen, den Verlust, die Angst. Ich sah seine grauen und mageren Haare, die Falten auf seiner Stirn und die knorrigen Hände. "Du solltest lieber selbst einmal in den Spiegel schauen, du siehst nicht besser aus." Meinte ich schwach und hob den Eimer ein weiteres Mal. "Warum machst du dir zu erst um mich Sorgen, anstatt um dich selbst?" Sagte ich, bevor ich mich von ihm abwendete.
      "Das weißt du Mio." Flüsterte Addi zerschlagen. "Du wärst dumm, wenn du es nicht sehen würdest."

      Petyr | "Saga Glasberg, was soll bitte dieses eklige Gummiband auf meinem Schreibtisch?" Grinsend hob Petyr ein breites Band in die Höhe und hielt es seiner Freundin vor die Augen. "Bitte nicht schon wieder ein neues Hobby!"
      "Ach quatsch!" Saga riss ihm das himmelblaue Band aus der Hand. "Das ist mein neues Stretchband. Das haben seit neuestem alle in meiner Balettgruppe und ich finde es auch ziemlich hilfreich!"
      Petyr verzog angeekelt den Mund und ließ das Band fallen. Bevor es auf dem Boden aufkam, hatte Saga es aufgefangen und sich mit einem dramatischen Nebeneffekt in die Arme von Petyr geworfen. Dieser hielt sie fest umschlungen und drückte ihr dann einen Kuss auf den Mund. Als sie sich wieder von einander lösten, lag auf beiden Gesichtern ein rötlicher Schleier und sie lächelten verliebt.
      "Malte wartet bestimmt schon im Stall auf mich. Du weißt, dass er es nicht leiden kann, wenn ich zu spät komme."
      "Jaja, renne nur zu deinem Malte." Saga dreht sich eingeschnappt und mit verschränkten Armen um, sodass Petyr sie noch einmal zu sich ziehen musste und sie innig küsste. Dann schnappte er sich eilig seine Jacke und verließ die Dachbodenwohnung, ohne noch einmal zurückzublicken.

      Eyvind | Während alle anderen noch schliefen, war Eyvind wie immer der erste im Stall. Ihn trieb nichts anderes an, als die Pferde. Die tägliche Arbeit, beginnend beim Morgengrauen, hielt ihn in Bewegung. Er brauchte den Ausgleich zu den Stunden in der Nacht, die er im Bett verbrachte und selbst diese wurden in manchen Nächten von Spaziergängen durchbrochen. Er war der stille Nachtwächter, welcher mit seinem wachen Auge jede Regung genau auffasste. Er war so unauffällig, wie sonst keiner auf dem Gestüt. Jeder hatte seine Probleme zu tragen und jeder trug dies offensichtlich als Rucksack. Nur Eyvind schien seine Sorgen in dem Platz vor den Zehen in den Schuhen zu verstauen und hatte sogar noch Freiraum für die seiner Freunde.
      Die Pferde waren bereits gefüttert, als Malte und Petyr zu ihm hinzu stießen. Die letzten kauten friedlich an den restlichen Körnern. Der Hauptstall war riesig, mit neuester Technik ausgestattet und perfekt an die Wünsche der Sportpferde angepasst, welche hier ihr Zuhause gefunden hatten. Die Boxen besaßen allesamt ein kleines Paddock, welches die Pferde ganztägig benutzen durften.
      "Wie du nur immer so früh wach sein kannst..." Petyr gähnte ausgiebig und blieb vor Eyvind stehen.
      Malte währenddessen klopfte Eyvind auf die Schulter. "Danke man, was würden wir nur ohne dich tun." Dankbar schaute er seinem Freund an und lächelte. Es hatte seine Zeit gedauert, bis die drei sich als Team verstanden hatten, denn vor allem Malte war es schwer gefallen, einen weiteren Arbeiter zwischen ihm und seinem langjährigen Freund Petyr zu akzeptieren.
      Die drei Männer wollten sich gerade an die Arbeit machen, als Heather in den Stall gehetzt kam. Die junge und auffällige Frau mit den blonden Locken hatte keine Probleme gehabt, sich in der Stallgesellschaft einzufinden. Sie war offen, warmherzig und stets voller Energie.
      "Leute!" Trällerte sie lauthals und hastete auf die kleine Versammlung zu. "Los, los! Ihr habt eine Minute Zeit mir zu sagen, was ihr aus der Stadt braucht!" Sie kramte einen Notizblock samt Stift aus ihrer Tasche und schaute die drei Männer erwartungsvoll an.
      Malte schüttelte bloß den Kopf. "Danke, ich brauche nichts."
      Heathers Blick schwankte weiter zu Petyr. "Und was ist mit dir, du Faulpelz?"
      "Öh", überfordert zuckte Petyr mit den Schultern. "Kein Plan. Ruf' aber mal Saga an, die hat bestimmt was für dich."
      Auch Eyvind lehnte dankend Heathers Angebot ab, sodass diese ihren Stift einsteckte und seufzte. "Ich bin jetzt extra wegen euch zum Stall gerannt. Den Weg hätte ich mir ja dann auch sparen können." Sie boxte Eyvind gegen die Schulter und zwinkerte Malte kurz zu. "So bis dänne, ihr Pappnasen!" Rief sie, als sie sich bereits wieder umgedreht und mit großen Schritten den Stall verließ.

      Tjarda | Tjarda liebte diesen hochgewachsenen Mann mit dem kantigen und doch so weichen Gesicht und viel mehr liebte sie jedoch die hellen Augen, welche sich so von seinem dunklen Körper abhoben. Es war ihre liebste Zeit, wenn sie nebeneinander im Bett lagen, er noch schlief und sie am frühen Morgen die Erste war, die in diese Augen blicken durfte. Vuyo schlief jede Nacht friedlich, während Tjarda oft stundenlang wach lag. Es war diese Gegenteiligkeit, an welcher beide Gefallen gefunden hatten.
      Als Tjarda wenig später das gemeinsame Haus verließ und sich auf den Weg zum Haupthaus machte, stieß sie auf Heather. Stürmisch umarmte diese ihre Freundin, erzählte ihr dann von dem geplanten Einkauf und bot Tjarda an, sie in die Stadt mitzunehmen.
      Die Wälder und Berge, Seen und kleine Dörfer zogen nun an ihr vorbei, während sie verträumt aus dem Fenster blickte. Heather am Steuer erzählte ununterbrochen, lachte über ihre eigenen Witze und fand zu jedem Thema ein weiteres Thema, welches damit in Verbindung stand. Heather erzählte immer. Egal ob es ihr gut ging oder nicht. Tjarda mochte diese offene Art, sie selbst war eher das Gegenteil. Verschlossen und ruhig. Sie wollte nicht hoch hinaus, der ihr angebotene Modeljob hätte das erbracht, sondern ihr reichte das stille Kunstmuseum in der Innenstadt. Menschen zu beobachten und zu zeichnen war ihre große Stärke und seit einigen Jahren war sie mit dem bisschen Einkommen schon zufrieden.
      Heather parkte ihren kleinen Flitzer genau im Parkverbot vor dem Museum, schaffte es, ihre Freundin schwungvoll im Auto zu umarmen und sie mit reichlich Worten zu verabschieden. Tjarda winkte ihr noch lächelnd zu, bevor Heather Gas gab und um die nächste Ecke brauste. Lächelnd betrat Tjarda die schmuckvolle Eingangshalle und begann ihren Arbeitstag.

      Mio | Ich schaffte es, Addi die nächsten Stunden aus dem Weg zu gehen. Erst kurz nach Mittag traf ich in der kleinen Reithalle auf ihn. Quisquilloso lief erst seit einigen Wochen unter dem Sattel und so musste ich einen Moment bewundert stehen bleiben, als ich Addi mit dem Hengst arbeiten sah. Quisquis Start war nicht einfach gewesen. Er hatte immer wieder Rückenprobleme und leichte Verletzungen gehabt, obwohl er sein Bestes tat sich schnell anzupassen. In Gedanken versunken lehnte ich an der halboffenen Tür. Addis Arbeit begeisterte mich immer wieder und obwohl ich seit drei Jahren Tag für Tag mit ihm verbrachte, hatte ich mir noch längst nicht alles abschauen können. Hinzu kam, dass die Beziehung zwischen uns schon seit längerer Zeit abgekühlt war, seit genau dem Tag, an dem ich Jacob lieben gelernt hatte. Addison mochte seinen Cousin nicht.
      Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht merkte, wie Addi vor mir zum Stehen kam, leichtfüßig aus dem Sattel rutschte und dann vor mir landete. Er hatte geweint, ich erkannte einen leichten roten Rand um seine Augen und mittlerweile kannte ich ihn so gut, dass ich wusste, dass es ihm nicht gut ging.
      "Hallo Mio."

      Malte | "Was sind das denn für fette Brocken?" Sagas tiefe Lache schallte durch die Stallgasse, als sie die beiden Irish Draughts sah. Ich schaute sie wütend an. Man merkte, dass sie von Pferden nicht allzu viel Ahnung hatte, denn ihre Lautstärke schaffte sie nicht zu zügeln.
      "Der eine davon heißt sogar Brock." Flüsterte ihr Petyr ins Ohr und sie brach wieder in Gelächter aus.
      "Petyr, musste das sein?" Mein wütender Blick galt nun Petyr, welcher sich kindisch hinter Saga versteckte und so tat, als wäre er dort sicher vor mir. Ich hatte mir immer erhofft, dass er in einer Beziehung endlich seine reife Seite finden würde, aber genau das Gegenteil war geschehen. "Saga, was machst du eigentlich hier? Musst du nicht arbeiten?"
      "Nö, erst heute Nachmittag." Sie grinste. "Aber Malte, jetzt mal ehrlich, die beiden kenne ich noch nicht, oder? An den Namen Brock würde ich mich sonst erinnern." Vergnügt gluckste sie und stieß Petyr an.
      Ich ließ Saga mit einer Antwort warten, bis ich erst Belmonts Brock und dann Belmonts Beo in ihre Boxen gebracht und beide Türen verschlossen hatte. "Beo und Brock. Nein kennst du noch nicht, sind erst seit ein paar Tagen hier und es wird hoffentlich auch nur eine Übergangslösung." Antwortete ich ihr knapp, während ich meine stets verdreckten Hände an meiner Hose abzuwischen versuchte. "Noch mehr Pferde und ich erwarte von Charly eine Gehaltserhöhung."
      Charly | Unruhig stieß Charly immer wieder mit dem Bleistift auf den Tisch. Hunderte von kleinen Einkerbungen hatten sich bereits angesammelt, diese schien sie jedoch nicht zu merken. Der helle Bildschirm zeigte Dokumente, Tabellen und Internetseiten, mehrere leere Kaffeetassen standen neben ihr und Briefe aller Art stapelten sich auf dem ganzen Tisch. Charly hatte Nico seit heute Morgen nicht mehr gesehen, aber auch das schien sie verdrängt zu haben. Auch Charly hatte schon bessere Zeiten gesehen. Sie hatte zugenommen und ihre sonst so makellose Haut sah unrein aus. Auch der Konsum an Zigaretten war wieder gestiegen und das, obwohl sie genau wusste, dass sie das Geld nicht hatten. Viele Jahre lang hatte sie drauf verzichtet, aber mit ihren entstandenen Problemen war sie wieder in alte Gefilde gefallen.
      Es klopfte. Es klopfte selten jemand an ihre Tür, die meisten spazierten herein wie sie wollten und es erstaunte sie noch mehr, als Nico den Kopf zur Tür herein steckte. "Charly?"
      Sie drehte sich zu ihm um, wusste einen Moment nicht, was sie sagen sollte und meinte dann: "Ja? Alles gut?"
      Nico nickte und trat ganz ein. "Hast du kurz Zeit? Ich würde dir gerne jemanden vorstellen." Aufgewühlt blickte Charly zu ihm auf. Nico verwirrte sie. Er schien fast unsicher in seiner Art, als wüsste er selbst nicht so genau, was er gerade tat. Es versetzte ihr einen Stich, ihn leiden zu sehen. Sie hatten sich mal geliebt und vielleicht liebten sie sich immer noch.
      "Nico?"
      "Ja?"
      "Wirklich alles in Ordnung? Geht es Bart gut?"
      Nico nickte hastig. Charly stand auf und ging durch die offene Tür, welche Nico ihr aufhielt.
      "Was ist das?" Erschrocken blieb Charly stehen, als sie einen Transportkorb im Wohnzimmer stehen sah. "Nico!"
      "Bitte sei mir nicht böse!" Flehentlich presste er die Hände zusammen. "Bitte, gib ihr eine Chance."
      "Wem eine Chance?" Charly blieb ruhig, ihre Augen funkelten jedoch. "Nico, wem soll ich eine Chance geben?"
      Nico zögerte, dann ging er zum Transportkorb, öffnete ihn und drehte sich dann zu Charly um. Auf seinem Arm saß ein kleiner Welpe, einige Wochen alt. Nur ein Fleck am Ohr, ein blaues und ein braunes Auge.
      "Nico was soll das?! Ich habe dafür keine Zeit!" Charly hielt sich die Hand an die Stirn. "Nico..."
      "Charly, es tut mir Leid, bitte, ich wollte dir einen Gefallen tun. Wir können uns zusammen um sie kümmern, als Familie. Du weißt, wie sehr Bart Hunde mag."
      "Sind wir überhaupt noch eine Familie, Nico?"
      "Charly", schmerzhaft verzog Nico das Gesicht. Er trat einen Schritt auf sie zu, den ängstlich schauenden Welpen immer noch auf dem Arm. "Sage so etwas nicht, ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr, du hast mich verzaubert und ich sehe nun, dass ich so viele Fehler begangen habe. Bitte, gib mich nicht auf!"
      "Woher weiß ich, dass du dich wirklich verändert hast? Warum sollte ich dir glauben, dass du nun wahrhaftig auf meiner Seite bist? Es ist so viel passiert."
      "Ich liebe dich", verzweifelt flüsterte Nico die magischen Worte. "Ich liebe dich." Seine Stimme versagte.
      "Ich liebe dich doch auch." Charly flüsterte ebenfalls und trat einen Schritt auf ihn zu. Zärtlich streichelte sie den weichen Kopf des Hundes und blickte dann ins Nicos Gesicht. Er lächelte vorsichtig, zog eine Hand unter dem Bauch des Hundes hervor und strich sanft eine dunkle Strähne aus Charlys Gesicht.
      "Also gut." Charly seufzte und trat einen Schritt zurück. "Wie soll unsere neue Mitbewohnerin denn heißen?"

      Mio | Addison schwang die Zügel über den Kopf des Pferdes und trat dann noch einen Schritt auf mich zu. "Schön dich zu sehen." Ich blinzelte. Wie meinte er das? Er verhielt sich komisch. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als ragte Addison bedrohlich vor mir auf und mit einem Mal spürte ich so etwas wie Angst vor ihm. Seine hochgewachsene Gestalt drängte mich zurück, doch konnte ich nicht weichen, nur wenige Zentimeter hinter fühlte ich das schwere Tor. Er streckte eine Hand nach mir aus, legte sie an meine Hüfte und zog sich zu mir heran.
      "Addi," mein Atem stockte. "Addison!" keuchte ich und versuchte ihn von mir wegzuschieben. "Addison, was soll das?"
      "Mio, ich kann nicht mehr, du kannst mir das nicht mehr antun." Er beugte seinen Kopf zu mir herunter, kam meinen Lippen bedrohlich nahe, während ich mit aller Macht versuchte, mich seinen starken Armen zu entwinden. "Vielleicht muss ich dich dazu zwingen, damit du siehst, was du verpasst." Die Zeit schien still zu stehen. Ich presste meinen Mund zusammen, doch Addison legte den seinen erstaunlich sanft auf den meinen, um dann mit jeder Menge Energie seinen Mund mit meinem zu verbinden.
      Mit einem befreienden Stoß stieß jemand das Tor auf und drückte Addisons Körper von mir weg. Helles Licht flutete ihn die Halle und erleuchtete Eyvind, welcher sich schützend vor mir aufgebaut hatte. Addison stolperte zurück, ich sah den Schock und die Verständnislosigkeit in seinen Augen, bevor er sich auf Quisquilloso stürzte und mit dem erschrockenen Hengst im Galopp die Halle verließ.
      Ich stand unter Schock. Die Tränen flossen, ich merkte sie kaum. Nur Eyvinds Arme, welche sich um mich schlossen und an sich zogen. Stumm weinte ich, während die ruhige Stimme von Eyvind ein Lied summte. Er hielt mich fest, bewahrte mich davor zu versinken und auch ich krallte mich an ihn, verkrampfte mich, während immer wieder Schüttelanfälle über mich hereinbrachen.
      Ich sah Addison nicht mehr. Nicht an diesem Tag und auch am nächsten nicht. Ich trocknete meine Tränen, Eyvind brachte mich zu meinem Haus und nachdem ich ihm versichert hatte, dass alles gut war, ließ er mich alleine. Jacob erzählte ich nichts. Er merkte, dass es mir nicht gut ging, hackte jedoch nicht weiter nach. Ich versank am Abend in seinen Armen und tauchte ab in einen unruhigen Schlaf.

      Eyvind | Nachdem Addison spurlos verschwunden war und nur Eyvind und Mio die Geschichte wussten, zog Heather für eine Nacht zu Chill und Buck ins Haus. Beide waren verwirrt, erwarteten eine klare Antwort von ihrer Tante und erfuhren jedoch nur noch mehr neblige Ausreden.
      Als Addi kurz nach um zehn noch immer samt Quisquilloso verschwunden war, stiegen Nico und Vuyo, sowie Malte und Tjarda in ihre Autos und machten sich auf dem Festland auf die Suche nach dem verschwundenen Addison. Als auch nach Mitternacht noch keine Spur von ihm zu finden war, gaben die vier es auf und kehrten zurück auf die Insel. Nach einer kurzen Besprechung im Haupthaus, verteilten sich alle auf der Insel und wenig später lag diese von einem stummen Tuch umhüllt, unruhig schlafend da. Nur ein Schatten, wachend, schlich am südlichen Ufer entlang. Seinen wachen Blick über dunkle Wasser in die Ferne gerichtet
      "Rakkaus ja epätoivo." Flüsterte Eyvind in seiner Sprache und wendete seinen Blick dann zum Himmel. "Wer braucht das schon?"

      Tyrifjord Ranch
      Jeder hat jemanden, den er nicht hat
      30. Juli 2017, 8.623 Zeichen, Canyon

      Malte | "Ich spreche nun ganz offen meine von Misstrauen geprägte Abneigung zu Paul aus!"
      "Wer ist Paul?"
      "Anscheinend der LKW-Fahrer da vorne, an dessen Scheibe ein Schild mit dem Namen "Paul" klebt. Er kann natürlich auch Erwin heißen und trotzdem dieses Schild dort hängen haben, ist ja jedem selbst überlassen. Ich will ja auch nicht so schnell solche subjektiven Vorurteile verstreuen, aber mir scheint er verdächtig."
      "Was hast du denn gegen Paul?"
      "Was ich gegen Paul habe? Das fragst du noch?!"
      "Ja."
      "Mhm. Keine Ahnung. Wahrscheinlich nichts. Ich habe nur gerade Langeweile."
      "Du bist komisch."
      "Ich weiß."
      "Das ist doch schonmal ein Anfang."
      Petyr und ich sitzen vor dem Stallgebäude wie üblich auf der roten Bank und genießen wohl die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres. Es ist Mittag, die Pferde stehen gemütlich auf den Weiden und die wichtigste Arbeit im Stall haben wir auch schon hinter uns. Petyr neben mir kaut nachdenklich an einem Strohhalm, während ich gedankenlos das Geschehen auf dem Parkplatz vor uns betrachte. Charlys Haare sind in den letzten Monaten lang geworden, mittlerweile kräuseln sie sich nach unten hin. Das gefällt mir. Nico neben ihr trägt seit kurzem einen Zopf. Ich gebe es ungerne zu, aber dieser lässt ihn noch attraktiver aussehen und das mag ich nicht.
      "Malte?"
      "Mpf?"
      "Du starrst sie schon wieder an."
      "Was?" Verwundert blicke ich zu Petyr, welcher mich mit zusammengekniffenen Augen betrachtet.
      "Charly, dein Blick liegt ununterbrochen auf ihr." Meint Petyr. Ich sehe ihm an, dass er mit aller Macht versucht sein Grinsen zu verbergen. "Sag' mal, merkst du das wirklich nicht? Dann wärst du bestimmt der perfekte Stalker."
      "Haha." Lache ich trocken. "Sehr witzig." Mehr fällt mir zu meiner Verteidigung nicht ein. Zum Glück brauche ich das auch gar nicht, Petyr wechselt von ganz alleine das Thema.
      "Was machen die da eigentlich? Ich will endlich sehen, wer oder was da im Hänger ist!"
      Pause. Wir schweigen. "Malte, normale Menschen würden jetzt etwas sagen. Das nennt man Kommunikation."
      "Du sagst doch etwas." Sage ich abwesend und betrachte weiter die kleine Gruppierung. Was für schöne Finger, denke ich, als Charly mit fließender Handbewegung eine Unterschrift auf das Klemmbrett gibt, welches ihr Paul entgegen hält. Was für geschmeidige Bewegungen...
      "Du brauchst dringend eine Freundin und damit meine ich nicht Charly." Petyr boxt mich gegen die Schulter. "He! Aufwachen! Zu wenig Kaffee getrunken oder was? Das ist ja unaushaltbar!" Klagt Petyr genervt. "Ich gehe da jetzt hin und finde es heraus!"
      "Gute Idee." Murmle ich, als Petyr aufsteht und mit großen Schritten auf den LKW zugeht. Er ist noch nicht ganz angekommen, da lässt Paul die Klappe herunter und kommt wenige Sekunden später mit einem Pferd heraus. Ich seufze. Warum muss auf der Welt nur alles so schön sein? Charly ist schön, Nicos Haare sind schön, dieses Pferd ist schön. Jetzt merke ich es selbst. Komisch. Gut möglich, dass Petyr ausnahmsweise Recht hatte. Heute stimmt mit mir wirklich etwas nicht.
      Ich stehe auf, bleibe einen Moment unschlüssig stehen, mache mich dann aber schlussendlich auf den Weg zurück nach Hause. Meine Haustür ist kaum aufgeschlossen, da kommt Petyr angehetzt, drängelt sich an mir vorbei und lässt sich auf mein kleines Sofa fallen. Ich bleibe verwirrt stehen - Genau da hatte ich mich hinsetzen wollen. Jetzt war ich überfordert. Unschlüssig blickte ich mich im Raum um. Petyr machte es sich reichlich bequem, legte die Beine auf den kleinen Tisch davor und beobachtete mich aus zusammengekniffenen Augen. "Ich weiß jetzt übrigens, was das für ein Pferd da war."
      "Ein neues", murmle ich.
      "Was?"
      "Nichts, nichts."
      Petyr murrt verwirrt. "Auf jeden Fall ist das endlich die lang ersehnte Stute. Für Nico, versteht sich. A Touch Of Peace, geniale Abstammung und die besten Voraussetzungen für gigantische Siege."
      "Ich muss wohl doch eine Gehaltserhöhung verlangen."
      "Was?"
      "Nichts nichts."
      "Malte, du bist heute komisch."
      "Ich weiß."
      "Na das ist doch schonmal ein Anfang."
      "Gut gekontert, du Pflaume."
      Petyr richtet sich auf. "Ach Malte, hätte ich fast vergessen, ich habe gerade Charly versprochen, dass wir heute anfangen die neuen Boxenschilder im Südstall anzunageln. Deswegen bin ich ja eigentlich hier."
      Sagte ich doch, denke ich, Gehaltserhöhung.

      In der Sattelkammer begegne ich Tjarda. Sie schließt gerade ihre Tür und obwohl das dämmrige Licht in dem kleinen Raum kaum den Boden berührt, leuchten Tjardas Augen in der Dunkelheit. Tjarda war auch schön, sehr schön sogar. Ich bleibe stehen. Mein Blick liegt auf ihr, auf ihren dunklen Haaren, der zarten Figur und den bunt gemixten Klamotten, welche ihr so gut stehen. Ich wollte sie nicht erschrecken, aber sie erschreckt sich trotzdem, als sie sich zu mir herum dreht und mich hier stehen sieht. Ich Malte, klein, trostlos und unschön. Sie keucht auf und legt sich die beruhigend Hand auf die Brust.
      "Malte! Erschrecke mich nicht so!" Schnell hat sie sich wieder beruhigt und lächelt mich an. Ihr Lächeln ist auch schön. Und die Lippen, aus ihnen entspringt dieses Lächeln, welches ich immer wieder erkennen würde. Ich lächle nicht. Seit einem Jahr lächle ich bereits nicht mehr, wenn ich Tjarda begegne, ich kann es nicht und dazu zwingen will ich mich auch nicht. Erst als sie sich an mir vorbei gedrängt hat, kann ich wieder atmen. Was wollte sie in der Sattelkammer? Frage ich mich noch, bevor ich meinen Weg fortsetze. Klick. Mit dem Lichtschalter zu meiner Linken erhelle ich den Raum. Ich hätte erstaunt sein sollen, bin es jedoch nicht, als ich Vuyo auf einer der Kisten sitzen sehe. Der dunkelhäutige Afrikaner lächelt beschämt und sammelt hektisch die weit verstreuten Klamotten zusammen, bevor er hastig tippelnd, ohne etwas zu mir zu sagen, sich auch an mir vorbei drängt. Ich bleibe einen Moment stehen. Die Gedankenwelt ohne Gedanken erscheint mir so friedlich.
      "Aaaah Malte, da steckst du ja, du Gnom." Petyr betritt den Raum, bleibt neben mir stehen und stützt sich die Arme in die Seite. "Du, war das gerade Vuyo, der ohne Shirt zur anderen Seite raus ist? Also so warm ist es nun heute auch nicht."
      "Ihm war es wahrscheinlich in der Sattelkammer etwas warm." Sage ich trocken.
      Petyr blickt sich fragend um. "Also ich habe jetzt keinen Unterschied zu draußen gemerkt."
      "Mensch Petyr", sage ich seufzend und erwache aus meiner Starre. "Ich bin Tjarda begegnet, als ich die Tür geöffnet habe."
      "Achsooo!" Petyrs Augen hellen sich begeistert auf. "Du meinst, die beiden haben es heimlich im Dunkeln in der Sattelkammer-"
      Ich unterbreche ihn. "Du musst nicht immer alles in Worte fassen. Manchmal sollte man es dabei belassen."
      Petyr grinst glücklich. "Du musst es mal anders sehen. Ich finde es super, dass hier mal ein bisschen Liebe ins Spiel kommt."
      "Da bist du aber auch der Einzige", flüstere ich und sage dann laut zu Petyr gewandt: "Wo sind nun diese blöden Dinger, die wir annageln sollen?"

      Die Boxenschilder anzunageln ist schwerer als gedacht. Zweimal muss ich die Nägel wieder aus dem Holz ziehen, weil Petyr durch sein unaufmerksames Arbeiten schräg oder das komplett falsche Schild angehalten hat.
      "Das ist Sasanchos Box, nicht Deo Volentes", murre ich und reiche Petyr das Schild zurück.
      "Hä?" Fragt Petyr entsetzt. "Seit wann das denn? Da stand doch immer Volente."
      "Seit dem Tag, an dem Sancho zu uns zog, eben weil das die einzige Möglichkeit ist, dass er neben Brego II stehen kann und nun gib mir dieses verdammte Schild!"
      "Nicht so ungeduldig!" Sagt Petyr und kramt in der Tüte. Bevor er das richtige Schild gefunden hat, hält er inne. "Aber wo steht dann Volente?"
      "Petyr", sage ich warnend. "Gib mir sofort das Schild."
      "Achso!" Er schlägt sich an den Kopf. "Bijou und Ghostly Phenomenon stehen ja nun ganz vorne. Ich Schlaukopf."
      Ich schaffe es, Petyr zu ignorieren und mit ihm auch noch die Boxenschilder für die Stuten anzubringen. Shari, Colour Splash, Seattle's Scarlett, Sweet Prejudice, Samarra, Shyvanna, Sawanna und Fannie Mae anzunageln, bevor noch die drei Fohlen an die Reihe kamen.
      "Und was sollen wir mit Picturesque Dio
      va machen? Aufheben?" Fragt Petyr wenig später und hält eine weiteres Boxenschild in die Höhe. Ich kann die Dinger langsam nicht mehr sehen. Augenkrebs.

      "Das machen wir unten drunter. Und das von Simplicity of Sophistication auch." Sage ich bestimmend. "Mir egal, wer die dann abnagelt."
      "Tz Tz", macht Petyr. "Malte mein Freund, das ist heute nicht dein Tag."
      "Habe ich auch nie behauptet", knurre ich und schlage einen weiteren Nagel ins Holz. Noch eins, denke ich, als Petyr mir das von Royal Champion reicht. Noch eins, dann habe ich es geschafft.

      Wenn der Phönix singt
      29.12.2017, 41.148 Zeichen, Canyon

      „Flieg, Flugzeug flieg, flieg hinauf in die Wolken und fliiieg!“
      „Kommt das nur mir komisch vor, oder warum spielt mein Sohn in einem Flugzeug mit einem Flugzeug?“, sagte ich zu mir selbst, während ich Bart beobachtete, wie er sein kleines Flugzeug immer wieder in die Höhe hob und mit Spucktropfen die Motorengeräusche nachmachte.
      „Ihr Sohn?“ Ich drehte meinen Kopf zur Seite und blickte in die freundlichen Augen einer jungen Frau. Sie war groß und schlank, hatte eine gebräunte Hautfarbe und naturbraunes Haar.
      Ich nickte. „Bart“, sagte ich und deutete auf meinen Sohn.
      „Was ist mit mir?“ Bart blickte fragend auf, während sein Flugzeug unsanft auf seinem Schoß abstürzte. „Ich habe nichts getan!“, verteidigte er sich, ohne zu wissen, worum es ging. Die Frau lachte wohlwollend auf und um ihre Augen bildeten sich Lachfalten.
      „Nico“, sagte ich und reichte ihr in der Enge der Sitze die Hand.
      „Vicky, Vicky Riley“, sagte sie und griff nach meiner Hand.
      „Wie das Hustenbonbon?“
      „Nein, nicht ganz, das heißt mit Nachname nicht Riley“, sagte sie und lachte schon wieder. „Sie sind ja ein Scherzkeks!“
      Ich nahm das als Lob und schenkte ihr auch ein Lächeln. „Erzählen Sie, wie sind Sie in diesen Flieger gekommen, der so hoch über dem weiten Ozean in die Unendlichkeit flieht?“
      „Ich bin auf dem Weg nach Hause, ich war beruflich unterwegs“, sagte sie. „Und Sie?“
      „Ich weiß noch nicht“, antwortete ich wahrheitsgetreu und blicke zu Bart. „Vielleicht fliege ich gerade in meine neue Heimat.“
      „Sie wollen nach Kalifornien ziehen?“, fragte sie mich erstaunt. „Sie kommen wohl nicht aus den Staaten?“
      Ich schüttelte den Kopf. „Nein, zur Zeit wohne ich noch in Norwegen, ursprünglich komme ich jedoch aus Frankreich.“
      Sie lachte wieder. „So viel haben Sie schon hinter sich, in ihrem Alter?“
      „So jung bin ich nicht“, verteidigte ich mich. „Das macht nur die Antiagecreme, Sie wissen schon, früh genug an die Zukunft denken.“
      Sie lachte wieder und wir blickten uns einen Moment intensiv in die Augen, bevor Bart an meiner Jacke zog und meine Aufmerksamkeit wieder zu ihm lenkte. „Papa“, meckerte er. „Wann sind wir endlich da?“
      „Bald“, sagte ich und wandte meinen Blick abwesend aus dem Fenster. „Die neue Heimat ist nicht mehr weit.“
      Ich beobachtete Bart beim Spielen und als ich mich wieder der jungen Frau neben mir zuwenden wollte, sah ich, dass sie mit Kopfhörern in den Ohren die Augen geschlossen hatte.

      Viele Stunden später war ich froh endlich das Flugzeug verlassen zu können. Bart hatte sich vollkommen mit den Resten des Essens eingeschmiert und zwischen seinen Beinen klebte der Rest der geschmolzenen Schokolade, die er sich aufheben wollte. Trotz der paar Stunden Schlaf war er unausgeglichen und auch mein Feingefühl reichte nach der Anstrengung nicht aus, um seine Laune über Wasser zu halten.
      Doch Bart musste sich daran gewöhnen. Charly würde sich nicht damit zufrieden geben, wenn sie unseren Sohn nicht regelmäßig sehen würde. Sie würde nicht kommen wollen, das hatte sie zu oft gesagt, und Charly hielt sich an ihre Versprechen.
      Nach dem Check Out und dem Warten auf unser Gepäck, standen Bart und ich endlich am Hauptausgang des riesigen Flughafens. Bart hatte sich trotzig auf seinen Kinderkoffer gesetzt, während ich hektisch versuchte, die Telefonnummer für die nächste Taxistation zu finden.
      Wie hatte ich sie vermisst, diese Wärme und die Sonne weit über mir, die mir an diesem Tag besonders nah erschien. Es war Zeit geworden, endlich die Kälte Norwegens nach einer so langen Zeit zu verlassen. Doch musste ich zugeben, dass es auch hier nicht warm war. Es war früher Morgen, der Himmel war leicht bewölkt, doch zumindest war keine dunkle Regenwolke zu sehen. 4 Grad waren nicht viel und ich fror mit meinen dünnen Turnschuhen und dem einfachen Pullover. Ich würde wohl einkaufen fahren müssen, denn auch Bart hatte seine winterliche Kleidung in Norwegen gelassen.
      Im richtigen Moment nörgelte Bart neben mir und ich blickte von meinem Handy auf. „Mir ist kalt“, sagte er trotzig und verschränkte die Arme vor der mit Erdnussbutter beschmierten Brust.
      „Ich bin doch schon auf der Suche nach einem Taxi“, murmelte ich genervt.
      „Soll ich Sie und Ihren Sohn vielleicht ein Stück mitnehmen?“ Die junge Frau aus dem Flugzeug stand wieder neben mir. Auch sie hatte ihren zierlichen Koffer gefunden und sich zum Schutz gegen die Kälte einen dicken Mantel um die Schultern gelegt.
      „Vielen Dank“, sagte ich. „Aber diese Umstände müssen Sie sich nicht machen. Ich bestelle uns einfach ein Taxi.“
      „Blödsinn“, lachte sie. „Los, sagen Sie, wo müssen Sie hin?“
      Ich gebe mich geschlagen. „Modoc National Forest, kurz vor der Grenze zu Oregon“, sagte ich. „Bestimmt die komplett andere Richtung.“

      ... später, genau um ...., wie das Navi preisgab, winkte ich Vicky hinterher. Sie hatte uns auf dem Parkplatz, meinem Parkplatz, abgesetzt. Bart war während der Fahrt eingeschlafen und von mir nun unsanft aus dem Schlaf gerissen worden, als ich ihn aus dem Auto ziehen musste. „Sind wir da?“, hatte er verschlafen gefragt, während ich Vicky noch ein paar Euro als Dankeschön in die Hand drückte. Das war das mindeste gewesen, dass ich für sie tun konnte.
      Auf der Fahrt hatte ich mir einen ersten Eindruck von Kalifornien machen können, doch hätte ich nie gedacht, dass einer der berühmtesten und beliebtesten Staaten der USA so trostlos erscheinen konnte. Trockener Boden, viele vereinzelte Bäume und elend lange, benummerte Highways, die kein Ende zu nehmen schienen. Der Norden Kaliforniens war etwas anderes, als der dicht besiedelte Süden.
      Ich blickte auf den Zettel in meinen Händen. „Falls du Hilfe brauchst, ruf meinen Bruder an“, hatte Vicky mir zum Abschied geraten. „Du würdest mit ihm bestimmt zurecht kommen.“ Mir kam der Gedanke, dass sie mir die Nummer nur gegeben hatte, damit ich sie erreichen konnte. Wofür sonst, sollte ich ihren Bruder brauchen? Ich würde das schon schaffen.
      „Daaad“, nörgelte Bart neben mir. „Können wir jetzt endlich ins Haus?“
      Auf den ersten Blick erkannte ich das Gestüt nicht wieder - ich sah ein großes Gebäude mit rotem Dach, ein paar Bäume und einen übersehbaren Zaun, der mir erst zum Schluss ins Auge fiel.
      „Komm Bart“, sagte ich, hob unser beider Gepäck auf und marschierte selbstsicher auf das Gebäude zu. Das Gelände war weitläufiger als erwartet. Die Bilder im Internet hatten vor allem die einzelnen Gebäude gezeigt und nun sah ich, dass die Reithalle ein gutes Stück entfernt von meinem Wohnhaus und auch vom Hauptstall lag. Den Hauptstall konnte ich erst erkennen, als ich einen kleine Bauminsel umrundet hatte und nun auch die andere Hälfte des Gestüts sah.
      Ich blieb einen Moment stehen, um das Gestüt auf mich wirken zu lassen. Ich sah den hellen Boden und die kahlen Bäume, das rote Dach des Stalls und die geschwungenen und weißen Bögen des Mauerwerks, die mich an meine Heimat erinnerten. Und dann sah ich die verwelkten Blumen rund um den von Moos bedeckten Reitplatz, ein paar durchnässte Heuballen daneben und die kaputten Ziegel des Wohnhauses, durch deren Lücken Wasser tropfen musste.
      „Daaad“, sagte Bart wieder. „Ich bin müde, ich will in mein Bett.“
      „Gleich“, murmelte ich und ließ meinen Blick noch einmal über die romantische Baustelle schweifen. Als Bart ungeduldig an meiner Jacke zerrte, drehte ich mich schlussendlich doch zu ihm um und folgte ihm in Richtung Wohnhaus.

      Nachdem ich für Bart im Wohnzimmer das Sofa hergerichtet hatte, er sich zusammenrollte und erschöpft die Augen schloss, zog ich Jacke und Schuhe wieder an und verließ das Wohnhaus. Auch davon hatte ich nur wenig gesehen, doch hatten mich auch hier die weißen Wände der Fassade getäuscht. Ich wusste, dass hier vorher zwei Brüder gewohnt hatten und so verwunderte es mich nicht, dass die kurz besichtigte Küche und das kleine Bad, sowie das Zimmer für Bart nicht im besten Zustand waren. Aber es reichte, es musste reichen. Genauso wie der kahle Boden für die Pferde, ohne dem fehlenden Gras. Doch hatte ich Glück, der Großteil der Pferde war die Trockenheit aus Frankreich gewöhnt und der Rest hatte sich nun in Norwegen daran anpassen müssen. Auch dort bestand das Weideland vorrangig aus Stein und von der Kälte erfrorenem Boden.
      Bis zum Abend erkundete ich auch den Rest des Geländes. Zwischendurch sah ich nach Bart, der jedoch bis zum frühen Abend schlief. Zwölf Stunden Flugzeug und viele zu überwindenden Zeitzonen waren nicht einfach. Auch ich spürte die Müdigkeit in meinen Beinen, doch die Angst vor dem leeren Bett mit der kalten Bettdecke hielt mich auf.

      Nach vier Tagen wählte ich die Nummer auf dem zerknitternden Zettel in meiner Hosentasche. Ich hatte es versucht, doch die Gartenarbeit machte mich mehr fertig, als dass sie mir den Kopf freimachte. Die Farbe für den Zaun, neue Ziegel für das Dach und neuer Sand für den Reitplatz waren bestellt, doch würde ich die Arbeit nicht alleine schaffen.
      Hinzu kam noch Bart. Am Tag folgte er mir auf Schritt und Tritt und auch wenn die nervige und ständige Anwesenheit sich nach ein paar Tagen in Freude gewandelt hatte, es tat gut, jemanden zum Unterhalten zu haben, konnte ich ihm nicht die Aufmerksamkeit schenken, die er verdiente.
      Mein Telefon klingelte lange, es schien keinen Anrufbeantworter zu haben, bis sich eine verschlafene Stimme meldete. „Riley?“
      „Nicolaus du Martin“, sagte ich steif und fragte mich, ob das wirklich eine gute Idee war. „Ihre Schwester hat mir Ihre Nummer gegeben.“
      „Der gesprächige und charmante Franzose mit den goldenen Locken, die ihm bei Schlafen in den Mund fallen — meine Schwester meinte bereits, dass Sie anrufen werden.“
      Ich blieb einen Moment still und doch begann ich zu verstehen, warum Vicky gemeint hatte, ich würde mit ihm zurecht kommen. „Wollen Sie einen Arbeitsplatz oder wollen sie sich diese Chance auch wieder entgehen lassen?“
      „Ich will jetzt nicht sagen, dass es mir Leid tut, aber das Jobangebot würde ich trotzdem gerne annehmen. Wie viel bekomme ich?“, fragte Riley.
      „So viel, wie Ihre Arbeit wert ist“, sagte ich. „Wann kommen Sie vorbei?“
      „Gerade feile ich mir noch meine Fußnägel und heute Abend habe ich ein heißes Date, mit der ich danach hoffentlich im Bett landen werde. Die verzögerte Aufstehreaktion durch die nächtlichen Aktivitäten mit einberechnet, wäre ich morgen gegen Mittag fit genug, um in meinen Wagen zu steigen und zu Ihrer Bruchbude zu fahren.“
      „Machen Sie das“, sagte ich nur. „Ich werde Sie erwarten.“
      „Ach so“, sagte er noch vor dem Auflegen. „Ich habe kein Interesse daran, als Babysitter zu arbeiten.“

      Ich hatte nie vor etwas Angst. Das Schlimmste war die Furcht, die in mir hochkroch, wenn ich an den plötzlichen Tod in der Mitte des Lebens dachte. Vor allem vor meinem eigenen, der kommen konnte, bevor ich leben würde. Ich hatte zu viel verloren und mit jedem Verlust war auch ein Stück von mir abgebrochen. Der Schmerz verging und mit ihm auch wieder ein Teil des Ichs, der ich einmal war.
      Der leere Stall rief in in mir ein ähnliches Gefühl hervor. Nicht so stark und nicht so vernichtend, jedoch zumindest annähernd so ergreifend. Es war, als hätte ich alles verloren. Jedes Zuhause, jede Heimat und jeden Freund.
      Doch war der Stall schön. Geschwungene, weiße Bögen, mit leichtem Gold verzierte Boxen und ein Fenster in jeder. Ich hatte das flackernde Licht bereits repariert, das alte Stroh aus den Boxen geholt und die Spinnenweben entfernt. Für einen Moment kam mir der Gedanke, dass der Stall geputzt noch trostloser erschien. Verlassen und vergessen, genau wie ich.
      Mein Telefon klingelte und für einen Moment war ich erstaunt, dass ich anscheinend doch nicht der einzige Mensch auf Erden war. Ich war zu langsam. Als ich das klingelnde Smartphone aus meiner Innentasche gekramt hatte, war es bereits wieder verstummt. Zwei Anrufe in Abwesenheit, den erste hatte ich bereits verpasst. Hinzukam noch, dass die beiden Anrufe von den zwei Frauen auf der Welt waren, denen ich gerade jetzt nicht ins Auge sehen, oder besser gesagt, ins Ohr sprechen wollte; meiner Exfreundin und meiner Mutter. Ich steckte das Handy wieder ein und verdrängte den Gedanken, dass ich mich schon längst bei beiden hätte melden müssen.
      Noch am gleichen Tag bekam ich die Nachricht, dass er unterwegs war. Endlich. Er würde kommen. Meine am Boden liegende Welt würde auferstehen, erst wankend und dann immer kräftiger - ich wäre nicht mehr allein, ich würde es nie wieder sein wollen.
      Marid war mein Freund, der einzige, der je zu mir gehalten hatte. Sie sagten, sie würden Pferde verstehen, aber nur ich verstand Marid.
      Als Marid ankam, stellte ich ihn in die Box gleich am Haus. Des Nachts hörte ich seine Schritte und das laute Schnauben. Auch rief er mir zu und gab erst in den frühen Morgenstunden Ruhe. Ich hatte ihm Unrecht getan, ihn alleine nach Amerika verschiffen zu lassen. Ihm ging es nun wie mir, nur waren wir ab sofort nicht mehr allein. „Nie wieder“, versprach ich ihm jedes Mal aufs Neue.
      Genau zur gleichen Zeit wie Marid ankam, lernte ich auch Eli Riley kennen. Er war in meinem Alter, sportlicher als ich, aber mindestens genauso gut aussehend. Seine dunklen Locken glichen den meinen, nur waren sie um einiges kürzer und braun. Er war nett und hilfsbereit und vor allem hatte er ein schönes Lächeln. Sein größtes Problem war jedoch der ständige Zwang, seine Gedanken laut auszusprechen und somit jeder Zeit die Wahrheit zu sagen. Ich nahm mir gleich beim ersten Treffen vor, ihm nicht meine Geheimnisse anzuvertrauen, sie würden nicht lange sicher sein.
      Er beschwerte sich nicht über die ihm aufgetragenen Aufgaben, doch als er am zweiten Tag den Stall weihnachtlich mit Lichterketten und Sternen schmückte, merkte ich, dass es ihm nicht schwer fiel, seine eigenen Ideen ohne meine Zustimmung in die Tat umzusetzen. Auch kam er gut mit Marid aus und da war er wohl einer der ersten.
      Am dritten Tag nahm Riley mich und Bart mit in die Stadt. Ich hatte noch kein Auto, der Grund dafür war wohl das fehlende Geld und ein Stück vielleicht auch meine hohen Ansprüche.
      Canby war genauso verlassen, wie die restliche Gegend. Viele kleine und verstaubte Häuser, umgeben von den leeren Ebenen, über die der kalte Wind pfiff. Die Stadt war nicht weit, doch außer einer Tankstelle und einem Supermarkt gab es nicht viel und das trübte meine Aussicht auf etwas Zivilisation. Die ältere Generation saß zumeist zu zweit auf den weißen Plastestühlen vor ihren Flachbauten in hellem gelb und sobald wir an ihnen vorbeifuhren, blickten sie kritisch dem Transporter von Riley hinterher. Früher mochte er wohl rot gewesen sein, nun war er ausgeblichen und mit rostenden Stellen bedeckt.
      Ein Junge, ein paar Jahre älter als Bart, hielt mit seinem klapprigen Rad am Straßenrand an und blickte uns auch noch hinterher, als wir bereits am Horizont verschwanden. Ansonsten sahen wir niemanden.
      Bart saß auf der Rückbank und drückte sein Gesicht an der verstaubten Scheibe platt. Er war die letzten Tage ungewöhnlich stumm gewesen. Charly hatte einmal zu mir gemeint, dass Bart mehr von mir hatte, als von ihr. Dass er sogar mein Ebenbild war und wenn ich schwieg, schwieg auch er.
      Riley hingegen war locker wie immer. Er hatte das Radio aufgedreht und summte über die Nachrichten hinweg eine Melodie. Wir hatten uns stillschweigend darauf geeinigt, dass die Vergangenheit kein Redethema sein sollte. Er fragte nicht und ich fragte nicht.
      Der Vorteil an Rileys Wagen, war die große Ladefläche hintendrauf. Wir kauften gemeinsam für die nächsten Wochen ein, einigten uns auf das Essen und das, obwohl Riley deutlich sagte, was er gerne aß. Auch ich hatte meine Vorstellungen, sodass wir unsere Ausbeute schlussendlich auf nur wenige verschiedene Gerichte festlegten.
      „Sieben verschiedene Gerichte müssten reichen — nur einmal die Woche das gleiche“, sagte Riley gutgelaunt, während er einen weiterem Sack Kartoffeln in den Einkaufswagen legte. „Das sichert zumindest unser Überleben.“
      Auf der Rückfahrt hielten wir am Kindergarten in Canby an. Ich hatte Angst davor, auch Bart von mir wegzuschicken. Er war, von den Pferden abgesehen, das Einzige, das ich aus Norwegen mit in meine neue Heimat nehmen wollte. Der Kindergarten jedoch war ein einfaches Gebäude mit Papierblumen an den Fenstern und einem vergilbten Namen über der Tür. Die Fassade war verstaubt und das Dach reparaturbedürftig und ich nahm mir vor, Bart so lange wie möglich bei mir zu behalten.
      „Gründen Sie doch einfach ihren eigenen Kindergarten“, sagte Riley herausfordernd.
      „Wenn Sie der Kindergärtner werden, Riley“, sagte ich wenig erfreut. Daraufhin lachte er nur, wir stiegen wieder ein und fuhren zurück nach Phoenix Valley.

      Phoenix Valley war ein prachtvoller Name für solch einen entlegenen und einsamen Ort. Und doch wurde mir bewusst, dass er passte, als wir an dem Findling mit dem eingemeißeltem Namen an der Einfahrt vorbeifuhren. Bart war mittlerweile eingeschlafen und auch die Nachmittagssonne hing gewohnt träge am Rand des Himmels.
      „Ich versorge noch schnell Marid, ich komme gleich nach“, sagte ich und verließ das Auto. Riley parkte seinen Laster vor dem Wohnhaus und fing an, die ersten Taschen auszuräumen.
      Marid stand den Tag über auf einer der Weiden. Selbst im Vergleich zu Norwegen war es auch hier nicht besonders einfach für die Pferde, auf dem kargen Weideland ihre Bedürfnisse zu stillen. Der Heubedarf würde im Winter sehr hoch ausfallen und im Kopf zählte ich bereits das Geld, dass noch übrig bleiben würde, wenn dieser vorbei war.
      Marid wartete bereits am Zaun auf mich. Er hatte gelassen den Kopf gesenkt und spitzte die Ohren als ich näher trat. Ich bückte mich unter dem einfachen Zaun hindurch und legte ihm, das Halfter um. Er knabberte sacht an meiner Jacke und meine Hand streichelte ihm beruhigend den Hals. Ich musste nichts sagen, Marid wusste, dass es mir ähnlich ging wie ihm.
      Nachdem ich Marid in die Box am Haus gebracht hatte, ging ich ins geheizte Wohnhaus. Die Wärme schlug mir entgegen und so erdrückend wie sie im ersten Moment war, genauso genoss ich das Gefühl eines Zuhauses.
      Riley hatte bereits die Einkaufstaschen in die Küche gestellt und Bart fand ich in seinem Bett friedlich schlafend. Riley selbst stand im Wohnzimmer vor dem altertümlichen Kamin, den ich die letzten Tage häufiger entfacht hatte. Er tippte auf seinem Handy und blickte auch nicht auf, als ich den Raum betrat.
      „Willst du nicht langsam gehen?“, fragte ich und ging weiter in die Küche.
      „Ich wollte erst noch auf das ‚Danke‘ warten“, rief er mir hinterher. „Aber ich schätze, dass ich da lange bleiben könnte, oder?“
      „Hau einfach ab“, murmelte ich erschöpft und stellte die Kaffeemaschine an, bevor ich mich auf dem Küchenstuhl niederließ.
      Als ich wenig später wieder das Wohnzimmer betrat, war Riley tatsächlich verschwunden und für einen Moment wünschte ich mir, dass er nicht gegangen wäre.

      Zwei Tage später kamen auch die anderen Pferde auf dem Gestüt an. Sie waren allesamt vollkommen erschöpft und ausgelaugt und auch wenn ich eines der teuersten Transportunternehmen angeheuert hatte, steckte bei einigen die pure Anstrengung noch tief in ihren Körpern. Marid war nie ein Herdentier und doch wieherte er den Neuankömmlingen etliche Begrüßungen zu und galoppierte am Zaun auf und ab. Doch nicht nur bei Marid, auch auf dem restlichen Gelände war endlich Bewegung eingekehrt. Ich hatte sie vermisst, fast so sehr, dass ich bei der Ankunft zu weinen begann. Die Anspannung der letzten Tage würde sich nun endgültig legen. Ich hatte mich dafür entschieden, dass nur die Stuten in den Hauptstall ziehen und die Hengste den etwas kleineren Nebenstall bewohnen würden. Wenn der Winter mit all seiner Macht einzog und auch die großzügigen Paddockboxen von Wind und Schnee durchweht wurden, dann würde auch für die Hengste noch genügend Platz im Hauptstall sein. Durch die Trennung erhoffte ich mir jedoch eine möglichst ausgeglichene Atmosphäre.
      Ich hatte Mytos verkauft. Kurz vor unserem Umzug war er ausgezogen, auf ein anderes Gestüt, wo er seinen Fähigkeiten entsprechend versorgt und trainiert werden würde. Ich hatte Marid nichts angemerkt und auch wenn es sein Sohn gewesen war, so schien er ihn nicht zu vermissen. Ich vergöttere ihn dafür, ich hätte Bart nicht weggeben können. Dafür war Rubina geblieben. Sie würde einen Platz ganz vorne im Stall bekommen. Sie liebte die frische Luft und der Trubel am Stalltor störte sie nicht im geringsten. Ja, ich hatte darüber nachgedacht, Marid seiner Manneskraft zu berauben, um ihn und Rubina für immer zusammenhalten zu können, aber ich hatte den Gedanken erstmal verschoben. Es gab wichtigeres.
      Neben Rubina zogen die restlichen Stuten ein. Lady Gweny, Grenzfee, Teufelstanz, Sawanna, Oak‘s Lake Mountain, Raja und auch Fanny Mae, die wir lange versucht hatten zu verkaufen. Nun würde ich ihr doch noch eine Chance geben.
      Auch die Jungpferde würden den Winter über in den Hauptstall ziehen. Sobald der Frühling in Kalifornien einzog, würde ein neuer Offenstall ihr Zuhause sein. Picturesque Diova, Weltfriede und auch LMR Royal Champion, ein mittlerweile fast ausgewachsener Hengst, der im nächsten Sommer eingeritten werden konnte. Den Winter durfte er das Fohlenleben noch genießen.
      Der Nebenstall hatte viel weniger Bewohner. Zusammen mit Marid hatten wir gerade mal sechs Hengste; ZM‘s Zanaro, Osgiliath, Valentines Alysheba, Aspantau und Ghostly Phenomenon. Eine sehr ausgeglichene Herde, wenn auch wohl verantwortlich für Sieg oder Niederlage.
      Mein Geld würde mich bis zum Frühling über Wasser halten, danach waren es die Pferde, die über Shows und Turniere die Einnahmen hochhalten mussten. Würden sie verlieren, dann würde ich es auch. Ich wollte mir diese Niederlage nicht eingestehen müssen, ich wollte nicht als Niemand im Abspann eines Films untergehen. Ich wollte mehr.

      Nach ein paar Tagen wurde ich krank. Riley meinte, dass das psychisch bedingt sei, ich schob es auf das unveränderte Wetter und die eintönige Arbeit im Stall. Ich wollte das Riley nicht sagen, aber ich war es nicht gewöhnt. Riley hatte die letzten Tage häufiger gesagt, dass ich Hilfe brauchte. „Ich habe doch mich und dich“, hatte ich geantwortet. „Reicht das nicht?“
      „Sie werden schon sehen.“ Ja, genau das sah ich jetzt. Ich war krank und ich wusste selbst gut genug, dass der Verantwortliche nicht nur das Wetter war.
      Am Nachmittag kam Riley in mein Zimmer. Er klopfte zwar, öffnete jedoch nach wenigen Sekunden die Tür, sodass ich mich gezwungen fühlte, ihn wieder die Treppen hinabzuschicken. Vollkommen erschöpft, mit tropfender Nase und einer kalten Tasse Tee in der Hand schlürfte ich wenig später zu ihm und Bart herab, der schon den ganzen Tag fernsehen schaute. Charly würde mich eigenhändig in die Hölle schleppen, wüsste sie das.
      „Ich habe hier einen Artikel über ein Turnier gefunden. Sie wollen ja immer nur die Besten hier im Stall — dort werden Sie bestimmt den Besten finden“, begann Riley, sobald ich die letzte Treppenstufe erklommen hatte.
      „Riley, sehen Sie nicht, dass ich krank bin?“
      „Ja, warum?“, fragte er scheinheilig und blickte von der Zeitung auf.
      „Dann sprechen Sie nicht in Rätseln, Sie Idiot“, sagte ich und nahm ihm die Zeitung aus der Hand. „Ich brauche kein neues Pferd.“
      „Nein, nein — Sir“, fügte er noch hinzu. „Kein Pferd, davon gibt es hier wirklich genug. Ein weiterer Helfer. Ich sage Ihnen, ich habe Ahnung von Leuten, die von dem Turnierquatsch die Nase voll haben und bestimmt nicht ablehnen würden.“
      „Sie wollen fremde Leute anquatschen, ob sie für mich arbeiten würden?“, fragte ich zweifelnd. „Sind Sie nun vollkommen übergeschnappt? Woher soll ich denn wissen, ob die wirklich so gut sind?“
      „Sie unterschätzen mich“, sagte er und nahm mir die Zeitung wieder aus der Hand. „Warten Sie nur ab, wenn wir am Wochenende dorthin fahren, werde ich Ihnen die besten Reiter Kaliforniens vorführen und mindestens einer von denen wird für Sie arbeiten wollen. Nur an Ihrer verwelkten Charme müssen Sie noch arbeiten, Kalifornien scheint Ihnen noch nicht so gut zu tun.“
      Riley faltete die Zeitung, wuschelte Bart durch die Haare und verließ die Tür. „He, warten Sie! Riley!“, brüllte ich ihm mit kratziger Stimme hinterher, er antwortete jedoch nicht und ließ mich kopfschüttelnd zurück.
      „Was meint Eli mit verwelkter Scham, Dad?“, fragte Bart und schaute mich mit großen Augen an.

      Ich fuhr am nächsten Wochenende wirklich mit Bart und Riley zu dem Turnier. Das einzige gute daran war, dass auch Vicky uns begleitete. Sie hatte wie immer gute Laune, auch wenn sie es diesmal nicht schaffte, mir meine zu retten. Ich war immer noch krank. Weniger als vor wenigen Tagen, aber in dem Maße, dass ich eigentlich zu Hause im Bett bleiben würde. Riley hatte jedoch kein Mitleid.
      Das Turnier fand in Richtung Küste statt. Es war windig, doch zumindest brach die Sonne hin und wieder die dunkle Wolkendecke auf. „Haben wir zumindest überdeckte Plätze?“, fragte ich während der Fahrt. Riley lachte jedoch nur und meinte, dass wir das nicht brauchen werden, unsere Beute lauert davor. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, gab mich schlussendlich jedoch mit meinem Schicksal zufrieden und versuchte nur noch, den Tag hinter mich zu bringen.
      Rileys Plan war auf den ersten Blick unverständlich und sinnlos. Nachdem wir auf dem viel zu überfüllten Parkplatz angekommen waren und uns in der Masse einen freien Platz gesucht hatten, standen wir zu viert am Eingang des Bereiches für die Reiter und ihre Pferde. Meine Hände waren kalt und selbst wenn ich sie tief in der Jackentasche vergrub, wurde es nicht besser. Bart versuchte eine Laterne hinaufzuklettern und Vicky telefonierte einen Meter weiter. Ich warf Riley einen wütenden Blick zu, er ignorierte mich jedoch seit einer gewissen Zeit und beobachtete angestrengt das Treiben auf dem Platz dahinter.
      „Riley“, sagte ich warnend, erntete jedoch nur eine unwirsche Geste von Riley. „Eli Riley!“, sagte ich nochmals und versuchte bedrohlich zu klingen, was jedoch aufgrund der klappernden Zähne nicht gelang.
      „Ich arbeite“, sagte Riley, ohne mich anzuschauen.
      „Das sehe ich nicht.“
      „Das habe ich nicht erwartet“, murmelte er. Ich wollte gerade etwas erwidern, als er sagte: „Die da, die ist es. Die ist nicht nur unheimlich scharf sondern auch talentiert.“ ich wollte ihn davon abhalten, er streckte jedoch seinen Arm über die Absperrung hinweg, pfiff einmal laut und schrie dann: „He du junges Mädchen mit den schokobraunen Haaren und dem ausgeprägten Gesäß! Ich will mit dir sprechen!“
      „Der ist nicht gefährlich!“, rief Vicky hinterher, die nun aufgehört hatte zu telefonieren. Ich schlug nur mit der Hand gegen die Stirn und hielt mich im Hintergrund. Wie konnte ich nur an diese Menschen geraten.

      Wenig später war Weihnachten. Wir hatten die Kerzen angezündet und saßen nach der Stallarbeit zum gemeinsamen Abendessen beisammen. Die Tagen waren stressig, aber Eli hatte recht behalten und Mary Ann war schnell unersetzbar geworden. Sie war selbstsicher und talentiert und wohnte die Woche über auf dem Hof, während sie die Wochenenden an der Küste bei ihrer Familie verbrachte. Sie war gekommen, einfach so, weil Riley sie gefragt hatte. Erst nicht, doch zwei Tage später hatte ein Taxi sie auf dem Hof abgesetzt und sie war nicht wieder gegangen.
      Im Hintergrund lief amerikanische Weihnachtsmusik aus dem Radio, das einzige, woran ich mich niemals gewöhnen würde. Der Weihnachtsbaum bestand aus einem Stück Holz mit Nägeln und daran hängenden verblassten Christbaumkugeln, doch hatte Bart das sonderbare Stück nicht weniger enthusiastisch geschmückt als die riesige Tanne vom letzten Jahr. Die Kerzen auf dem Tisch hüllten den Raum in einen heterotopischen Ort und es war das erste Mal, dass ich Weihnachten wirklich fühlte. Ich spürte die Sehnsucht, die das vergangene und das kommende Jahr versprach und all die Emotionen, die die Zeit gebracht hatte. Vielleicht lag es ein bisschen daran, dass vor wenigen Tagen ein Paket gekommen war. Der Absender stammte aus Deutschland, doch die Handschrift der aufgeklebten Notiz kam nicht von Charly, sondern von Malte. Wie gefordert hatte ich das Paket erst heute morgen geöffnet. Die Sonne war gerade aufgegangen, Bart ließ ich noch schlafen und zu einer Zigarette am Küchenfenster hatte ich das unscheinbare Paket erst länger betrachtet, bevor ich es zu mir holte. Ich wollte es nicht öffnen. Ich wollte alles hinter mir lassen und egal was es war, es bereitete mir Angst. Schließlich griff ich nach dem Messer in meiner Hosentasche und stach in die Pappe. Ich besiegte meine Angst, indem ich mehrere tiefe Schnitte in die braune Hülle stach, bis die Verpackung vollkommen zerstört vor mir lag. Nun blieb mir keine andere Chance mehr, der Inhalt lang unverpackt da, die Hülle war zerstört und meine Angst gebrochen. Jetzt war sowieso alles egal.
      Es war ein Fotoalbum, mit schwarzem Umschlag und schmucklosen Seiten. Dafür jedoch gefüllt mit bunten Bildern deren Flut und Lebendigkeit mich wahrlich überrollte. Ich schloss das Buch einige Sekunde und erst als ich wieder Luft den Raum betrat, öffnete ich es ein weiteres Mal. Diesmal jedoch vorsichtiger. Malte hatte viele Bilder gemacht. Vor allem von den Pferden, von der Natur und den Menschen, meinen Freunden. Ich sah Charly, Bart wuchs von Bild zu Bild, neue Pferde, neue Freunde, neuer Schritt.
      Die zweite Hälfte des Albums war leer. Ein Zettel klebte in einem der Fächer: „Für das Kommende, wenn die Vergangenheit später deine Stütze sein muss.“
      Eli betrat das Zimmer so eilig, dass ich das Album aus Reflex zuklappte und unter dem Sofa verstaute. „Sie kommt“, hatte er gesagt und ich war ihm nach draußen gefolgt.
      „Weinst du etwa?“ Eli holte mich ruckartig zurück in die Gegenwart.
      „Ich habe Vergangenheit ins Auge bekommen“, brummte ich und wandte mich wieder dem Teller zu. Die Musik drang mit einem Schlag wieder in mein Bewusstsein ein und es fiel mir schwer, entspannt zu bleiben. Als Eli den Blick von mir abwandte, wischte ich mir mit einer schnellen Bewegung über die Augen. Ich hatte nie geweint.

      „Du hast früher nicht geraucht, stimmt‘s?“ Eli hatte sich neben mich gestellt, doch mein Blick war auf die Einöde vor mir gerichtet gewesen, während ich tief den umnebelnden Rauch eingezogen hatte.
      „Möglich“, sagte ich, ohne Eli zu beachten, der sich neben mich auf den Stein mit dem Namen des Gestüts setzte.
      „Das ist ein falscher Weg“, sagte er tonlos und ich merkte, dass er gar nicht versuchen wollte, mich vom Gegenteil zu überzeugen.
      „Egal, Charly ist nicht mehr da.“
      „Liebe ist schon etwas kompliziertes“, sagte er und seufzte.
      Mein Kopf zuckte in seine Richtung. „Ich liebe sie nicht mehr“, sagte ich.
      Eli schüttelte jedoch den Kopf und grinste mich breit an. „Doch das tust du und je mehr du versuchst es dir auszureden, desto schlimmer wird es.“
      Mein Kopf wurde heiß. Die Zigarette landete vor mir auf dem steinigen Boden, wo sie auch liegen blieb. „Wolltest du irgendwas? Wenn nicht, dann lass mich einfach in Ruhe und mach deine Arbeit. Für etwas anderes bezahle ich dich nicht.“ Ich stand und ging mit großen Schritten zurück zum Gestüt.
      „Du liebst sie! Heute — morgen, egal wann, dein Leben lang. Ich weiß wovon ich spreche.“
      Ich blieb ruckartig stehen. „Lügner!“, brüllte ich zurück. „Du weißt gar nichts, GAR NICHTS!“ Meine Finger vibrierten und meine Gedanken setzten aus. Nur die angesammelte Wut sprach aus mir. Nicht die Wut über die Welt, sondern über mich. Ich wusste, dass ich niemanden hassen konnte, so sehr wie ich es versuchte, ich hasste nicht sie, sondern mich. Mich, einen niemand. Ich hasste niemand.
      Ein Lied erklang. Es tönte aus dem Stall, durchdrang das alte Bauwerk; den Stein und das Holz. Das Gestüt war gefangen im Klang der Melodie, die sich verzaubernd über es breitete und alles je gesehene mit ihrer zarten Kraft umhüllend, beschützend um sich schloss. Der Hof versank in diesem Lied und es wurde Frieden. Nur für einen Moment, aber dieser genügte, damit auch ich Frieden schließen konnte. Es war das Lied der friedlichen Weihnacht. Das unbekannte bekam seinen Namen, erhielt doch einen Platz in meiner neuen Welt und ich taufte sie „Song of Peace“, in der Hoffnung, dass sie es mir auf ewig spielen würde. In Gedanken klebte ich das erste Foto auf die erste leere Seite und es war das Bild des Weihnachtspferdes, das Frieden mit sich brachte.
      Als Barts singende Stimme die Melodie übertönte, wurde ich jäh aus meinem Gedanken gerissen und für einen Moment war ich fassungslos, wie sehr mich dieses Lied ergriffen hatte. Das Gefühl war verschwunden, der Gedanke des Friedens mit mir selbst verblasst und die Macht des Schicksals prasselte wieder auf mich ein. Doch eines sollte bleiben. Ich drehte mich zu Eli um, der noch immer einige Schritte hinter mir stand. „Das neue Pferd wird „Song of Peace“ heißen!“, rief ich bestimmend. Dann drehte ich mich um und lief in Richtung Haupthaus, weg von der Musik, weg von Erinnerung und Streit.

      Eli hatte das Pferd ausfindig gemacht gehabt. Als Teil einer Weihnachtsverlosung eines Jahrmarktes zwei Städte weiter, war es an einen unqualifizierten Mann mittleren Alter mit sichtbaren Alkoholproblemen gekommen. Sie war ungestüm und ihre nächsten Schritte nicht vorherzusehen. Eli hatte nachgeforscht und herausgefunden, dass die Stute keine Hengste an sich heranließ, jedoch nur zu diesem Zweck gekauft wurde. Es war ein ewiger Teufelskreis und diese Stute war versank immer mehr in der Rolle eines Problempferdes.
      Ich hatte es erst nicht haben wollen, der neue Besitzer verlangte einen unanständigen Preis, aber nachdem ich mit dem Tierschutz drohte, bekam ich das Pferd für läppische 500$. Es hatte keinen Namen, keine Abstammung, keinen Ausweis und keine Tierarztkontrolle. Wenige Stunden später war es bei uns und noch am selben Tag hatte ich einen Tierarzt gefunden, der sie untersuchte, impfte und uns sagte, dass alles in Ordnung sei. »Mit etwas Glück und Geduld kann sie vielleicht später auch zur Zuchtstute werden, aber ich will nichts versprechen«, sagte der in die Jahre gekommene Mann, während er sich ächzend vom Boden erhob. »Ein hübsches Pferd haben sie da.«
      Ich war an diesem Tag nicht fair zu Eli gewesen. Ich rang ihm das Versprechen ab, alle Kosten, die nicht geplant waren, für das Pferd bezahlen zu müssen und ließ ihn am Abend noch lange den Stall aufräumen. Ein Stück weit bereute ich die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt und Eli war wieder das Opfer, das meine Launen aushalten musste.
      Als ich jedoch am Abend eigenständig noch einmal nach dem gemeinsamen Essen in den Stall ging und in die Augen des "Christmas Horse", wie sie Bart zu nennen pflegte, blickte, wusste ich, dass sie hier glücklich werden würde und einen Moment dachte ich auch das gleiche von mir.

      Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr war eine sehr entspannte Zeit. Ich hatte mich damit abgefunden. Es würde zu Ende gehen, egal was ich tun würde und damit meinte ich nicht nur das Jahr. Doch danach, danach würde ein neues beginnen. So wie jedes Mal und ich würde wieder versuchen aufzublicken und nicht im Augenblick zu verweilen.
      »Lust auf einen letzten Ausritt dieses Jahr?«
      Ich blickte von dem Kalender mit der gesamten Planung für das nächste Jahr auf. Ich stand im Hauptstall und hatte mir bis eben Notizen gemacht, welche Dinge verändert werden mussten und wann das geschehen konnte. Mary Ann stand nun vor mir. Sie war um einiges kleiner als ich und mit ihrer offenen Art sofort zu allen zugänglich. Sie ließ sich von nichts einschüchtern, weder von mir, noch von der vielen Arbeit, die im neuen Jahr auf sie warten würden.
      Ich zuckte mit den Schultern. »Ich habe zu tun«, sagte ich.
      »Das können Sie auch auch noch danach tun«, sagte sie und griff meinen Arm. »Nun los! Das schöne Wetter wird nicht auf uns warten und Eli wartet schon.«
      Ich ließ mich widerstandslos mitziehen. Ich war müde und erschöpft und das seit vielen Tagen und Wochen. Immer nur müde. Ich konnte nicht mehr, die Last der richtigen und falschen Entscheidung lag festgebunden auf mir und ich bereute das vergangene und hatte Angst vor dem Kommenden. Ich fühlte mich in die Enge gedrängt; von mir, der Zeit und den Fehlern, die immer wieder vor meinem Auge auftauchten.
      »Was ist mit Bart?«, fragte ich Mary Ann. Sie hatte mich mittlerweile losgelassen und ich lief ihr nun freiwillig hinterher.
      »Der putzt gerade mit Eli Gweny.«
      »Und die soll er wohl alleine reiten, oder was?«, fragte ich und zog die Augenbrauen hoch.
      »Nein, Sie dummerchen!«, lachte Mary Ann und boxte mir gegen die Schulter. »Ich reite sie natürlich mit ihm zusammen!« Sie grinste mich breit an und drückte mir dann ein Halfter in die Hand. »So und nun los, holen Sie sich ein Pferd. In einer viertel Stunde soll es losgehen.«
      Sie winkte mir zu, verschnellerte ihre Schritte und verschwand zwischen den kahlen Bäumen, hinter denen der Nebenstall lag. Ich blieb einen Moment unentschlossen stehen und blickte auf das Halfter in meinen Händen.
      Eine viertel Stunde später stand ich mit der geputzten und getrensten Grenzfee vor dem Nebenstall. Mary Ann hob gerade Bart in den Sattel von Gweny, während Eli - Grenzfee wich erschrocken einen Schritt zurück, als ich sie mit zwei großen Schritten bis zu Eli zog und ihm die Trense aus der Hand schlug. »Spinnst du?«, schrie ich ihn an. »Nimm gefälligst ein anderes Pferd.«
      »He, Nico!«, sagte Eli abwehrend, schob mich ein Stück von sich weg und hob die Trense wieder auf. »Diese Stute ist zwar neu, aber nicht blöd.« Vollkommen entspannt versuchte er den Staub von dem Leder zu wischen, eine Spur blieb jedoch zurück.
      »Bring das Pferd zurück und hole dir eins, was deinem Niveau entspricht, Eli«, knurrte ich.
      Die Bemerkung traf ihn und ich merkte, wie er ein Stück von seiner hohen Position herabkletterte.
      »Ich kann das genau so gut!«, verteidigte er sich und trenste die Stute demonstrativ auf.
      Ich wollte gerade erneut anfangen Eli zurechtzuweisen, als Mary Ann dazwischen kam. »Nun ist aber gut Nico. Eli schafft das, er hat die letzen Tage fleißig mit Song gearbeitet und mir zugeschaut. Vertrauen Sie ihm.«, sagte sie und drückte mir mit einem letzten Blick einen Helm in die Hand.
      »Den brauche ich nicht!«, rief ich. »Ich kann reiten.«
      »Das weiß ich, trotzdem setzten Sie ihn auf!«, rief Mary Ann zurück und kletterte hinter Bart auf den Sattel.
      Ich knurrte und blickte dann wieder Eli an. »Das ist die einzige Chance, die ich dir gebe«, sagte ich und stieg dann selbst in den Sattel.
      Eli war in meinen Augen kein geschickter Reiter. Er übte viel und versuchte sein Bestes, aber Mary Ann war einfach ein Naturtalent und das musste er endlich einsehen. Sie war jung und einfühlend, mit dem richtigen Maß an Schärfe, dass bei den schwierigen Pferden auf dem Hof von Nutzen war. Sie konnte es einfach, lernte ohne es zu wollen und erzielte die besten Erfolge auf dem Rücken der Pferde.
      Der Ausritt blieb trotzdem gemütlich. Eli hatte die hübsche Wunderstute Song of Peace mit der ständigen Hilfe von Mary Ann gut im Griff. Immer wieder sah ich, wie Mary Ann versuchte, Eli Tipps zu geben und immer wieder verstohlene Blicke zu mir warf. Ich ließ mich etwas zurücktreiben und Grenzfee unter mir genoss den langsamen Spaziergang sichtlich. Entspannt hatte sie den Kopf gesenkt und roch links und rechts immer wieder an Baum und Strauch. Bart lachte laut auf und auch Eli und Mary Ann stimmten mit ein. Grenzfee zuckte nur kurz mit den Ohren, doch Song machte einen Ausweichschritt zur Seite und blieb mit überkreuzten Beinen am Wegesrand stehen. Das Lachen hörte schlagartig auf, Eli warf einen Blick zu mir und brachte die Stute dann jedoch wieder zurück auf den Pfad. Von da an ließ auch er sich etwas zurückfallen und konzentrierte sich mehr aufs Pferd, als auf die Geschichten, die Mary Ann Bart zu erzählen wusste.
      Wenig später hatte sich die Konstellation geändert. Ich hatte mit Grenzfee zu Mary Ann, Bart und Gweny aufgeholt, während Eli und Song hinter uns ritten. »Ich werde wohl nach ein paar guten Reitbeteiligungen Ausschau halten müssen. Die Pferde brauchen mehr Bewegung«, sagte ich zu Mary Ann.
      Sie nickte zustimmen. »Wenn ich über das Wochenende nach Hause fahre, kann ich mich dort mal umhören. Ich kenne noch ein paar Freunde von früher, vielleicht haben die Interesse.«
      »Ich möchte nur die besten«, sagte ich. »Ich vertraue dir.«
      »Natürlich«, sagte Mary Ann. Bart begann zu kichern und wir schauten beide auf ihn herab. »Was ist denn daran so witzig?«, fragte Mary Ann lachend.
      »Du klingst wie der Auftraggeber Dad und Mary wie ein Auftragskiller!«, wieder lachte er und Mary Ann musste ihn festhalten, damit er nicht vom Pferd fiel.

      Als es Abend wurde, Mary Ann war bereits nach Hause gefahren, auch Eli würde das Wochenende bei seiner Schwester verbringen und Bart lag im Bett, ließ ich mich erschöpft in den Sessel fallen. Ich schloss meine Augen und dachte an das vergangene Jahr.
      Als ich die Augen jedoch wieder öffnete, fiel mein Blick auf den leuchtende n Knopf des Festnetztelefon, das in dieser Einöde nötig war, da hier ansonsten kaum Möglichkeiten von Empfang bestanden. Ich streckte meinen Arm aus, drückte eine Taste und ließ mich wieder in den Sessel gleiten. »Sie haben eine neue Nachricht«, sagte das Gerät, dann piepte es einmal laut und eine mir bekannte Stimme sagte: »Hey Nico. Ich konnte dich vorhin leider nicht erreichen, aber rufe mich doch einfach mal zurück. Viele Grüße und schonmal ein schönes neues Jahr, falls wir uns nicht nochmal hören.«

    • Wolfszeit
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      ALTE BEKANNTE, TEMPRAMENTVOLLE GÖTTER & PFEFFERMINZE
      24.05.2018, Wolfszeit

      Luchy| Ich schrecke auf, weil es sehr laut klingelte neben meinem Ohr. Ich tastete nach meinem Handy und schaute darauf. „Götter mit Pfeffer abholen <3“. Etwas verwirrt wischte ich über das Display und der Wecker verstummte. „Was ist den Schatz?“ ertönte eine verschlafene Stimme neben mir. Ich drehte mich zu ihm und küsste ihn. „Ich muss gleich los die vier neuen Pferde abholen“. Colin zog mich an sich heran. „Und was ist, wenn ich dich nicht gehen lasse?“ raunte er mir mit seiner herrlich rauen Stimme ins Ohr. „Dann wird Jamie wohl sehr enttäuscht sein, das sein Pferd nicht auf den Hof kommt“ Ich küsste ihn noch einmal „Nutz die Zeit solang Aleen noch schläft“. Ich schälte mich aus dem Bett und nahm die Kleider vom Stuhl die ich gestern dort schon bereitgelegt hatte und ging ins Bad um mich zu duschen. Als ich angezogen und fertig gestylt war ging ich rüber zum Unterhaus um Jamie zu holen. Der Schotte war schon seit ca. einer Woche auf der Ranch und hatte sich mit dem Araber Hengst What’s Happen In The Dark angefreundet. Heute wollten wir allerdings seine Highlandponystute Ursel- Dei Bäringötting und noch 3 Hengste abholen.Es dauerte nicht lange bis wir im Auto saßen den Hänger hatten wir gestern schon fertig gemacht und angehängt.
      „Was sind das eigentlich für Pferde die wir noch abholen?“ fragte Jamie. „Einmal wäre da ein super schicker Hannoveraner Hengst. Er heißt Lancasters Peppermint, ein Balck Apaloosa, 3 Jahre jung und noch Roh. Großmutter ist meine Cassini’s Girl und Mutter ist Code of Mystic Girl. Er kommt aus hier aus Kanada.“. „Das kling ja interessant. Wer hat die ehre ihn einzureiten?“, fragte Jamie amüsiert. „Na ich natürlich“. Dann haben wir noch einen naja man könnte sagen alten Bekannten. Royal Champion stammt ursprünglich aus unserer Zucht. Der kleine Mann ist inzwischen 4 Jahre alt und noch hübscher als er als Fohlen war. Und der dritte im Bunde ist Zanaro. Ein wunderschöner Vollblut Hengst. 7 Jahre alt super Stammbaum einfach ein Traum.“ Ich begann über die Hengste zu schwärmen und nach 5 Stunden waren wir dann auch am Flughafen angekommen. Wir mussten noch circa eine Stunde warten in der wir erst einmal frühstückten. Als dann endlich die Pferde kamen verluden wir die vier und machten uns auf den Rückweg.
      Um 3 Uhr nachmittags waren wir wieder auf der Ranch. Dort luden wir erst Champion und Zarano aus und ließen sie zusammen auf die kleine Hauskoppel. Peppermint bekam ein abgetrennten teil der Hauskoppel da er die anderen beiden Hengste noch nicht kannte. Da Cassi, Voilá und Cremella und die Esel gerade auf der Koppel standen durfte Ursel gleich erst einmal in Ruhe ihren Auslauf erkunden. Die Stute wälzte sich erst einmal im Sand und erkundete dann den Auslauf. Als ich sah das die Hengste friedlich nebeneinander grasten holte ich Little Buddy von der Koppel.
      Ich packte ihm das Sidepull drauf und schwang mich auf seine Rücken, was bei einem 170 m großem Hengst nicht gerade einfach ist. Ich ritt mit ihm eine gemütliche Runde im Schritt zum Campingplatz wo Vicky uns begeistert begrüßte. Am Campground machten wir eine kurze Pause wo Vicky sich begeistert um Buddy kümmerte. Nach unserer Rückkehr entließ ich den Hengst wieder auf die Koppel und begab mich ins Haus.
      Dort wurde ich schon von Colin mit Aleen erwartet. „Na meine süßen? „sagte ich und küsste Colin bevor ich Aleen nah die mir freudig ihre Ärmchen entgegen reckte. Während Colin in den Stall verschwand setzte ich mich mit Aleen auf die Terrasse von der aus man die Hengste auf der Koppel sah. Als Aleen eingeschlafen war, war es auch Zeit die Pferde wieder reinzuholen. Ich brachte Aleen in ihr Bettchen und begann mit den anderen die Pferde von der Koppel zu holen. Als alle Pferde in ihren Boxen und Ausläufen standen schaute ich noch kurz beim Hallenauslauf vorbei. Ursel, oder von Jamie auch liebevoll Bärin genannt, stand mit den anderen Pferden, Ponys und Eseln am Heu und fraß zufrieden. Zurück im Haus aßen Colin, Sheena und ich zusammen zu Abend. Vor dem zu Bett gehen sahen Colin und ich noch einmal gemeinsam nach Aleen, die friedlich schlief. Im Bett redeten wir noch kurz über unseren Tag. „Ich liebe dich Luchy“ raunte mir Colin zu. „Ich liebe dich auch „flüsterte ich und küsste ihn. „Träume süß meine Liebste“. Danach kuschelte ich mich in Colins arme und begleitet von seinem leisen regelmäßigem atmen schlief ich ein.

      740 Wörter
    • Wolfszeit
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      DER ERSTE HERBSTMORGEN
      27.09.2018, Wolfszeit

      Luchy|Ich trat nach draußen und sah schon direkt die Atemwölkchen vor mir aufsteigen. Ich ging zum Hauptstall hinüber und machte zuerst meinen Kontrollgang. Das ein oder andere Pferd schlief noch während andere fröhlich an ihrem Heu mümmelten. Um das Pferdefrühstück würde sich Elias gleich kümmern. Ich setze als erstes den Kamillen Tee auf, denn heute war Sunny Empires Spezial „Waschtag“. Einmal in der Woche wusch ich ihr Auge mit Kamillen Tee aus da dieser entzündungshemmend wirkt und antibakteriell ist. Zusätzlich entspannt das warme Wasser auch die Augen, der kleinen Stute. Dies lindert Empires Beschwerden gerade, wenn sie einen Schub hat. Danach holte ich die blinde Stute mit Mas‘uda zusammen aus ihrer Gemeinschaftsbox und ging mit ihnen zum Putzplatz. Ich putze als erstes Empires Gesicht. Mit einer weichen Bürste wischte ich ihr die getrockneten Rinnsale aus dem Fell. Die Stute genoss das Wellnessprogramm und schnaubte genüsslich. Inzwischen hate der Tee etwas gezogen und war nur noch lau warm. Damit wusch ich mit einem frischen Einweg Tuch, ihre Augen zweimal aus. Anschließen durften beide Stuten noch etwas von dem Tee trinken. Das war definitiv ihr lieblingsteil der Prozedur. Da die Palominostute aktuell wieder einen Schub hat bekommt sie nicht wie sonst die Bepanthen – Salbe, sondern die vom Tierarzt verschriebene Dexa-Gentamincin Salbe ins Auge. Wie immer lässt die Stute die Prozedur brav über sich ergehen wofür sie auch mit einer Möhre belohnt wird. Masu die ein bisschen döst bekommt ebenfalls eine Möhre. Danach nahm ich ihr die rosa beige karierte Stalldecke ab. Ich putze auch den Rest der Stute gründlich, bevor ich ihr die Winterdecke draufpackte. Obwohl es noch nicht so kalt war, brauchte sie diese, da sie recht kälteanfällig ist. Nachdem Empire sauber war putze ich auch noch Masu. Die temperamentvolle Stute zappelte ein wenig, da sie recht kitzelig war. Nachdem auch sie sauber war bekam auch sie eine Decke drauf. Allerdings eine deutlich dünnere als Empire. Bevor es raus ging gab es noch Futter für die beiden Stuten. Ich führte die beiden Stuten aus dem Stall hinaus und ging noch zwei Runden um den Stall bevor ich sie auf die Hauskoppel stellte. Als nächstes ging ich zurück in den Stall und widmete mich der Mutter von Empire. Walking On Sunshine wieherte mir freundlich entgegen. Sie war schon fertig mit ihrem Frühstück sodass ich sie zum Putzplatz brachte. Dort begann ich sie zu putzen, da sie sich gestern im Matsch gewälzt hatte war das gar nicht so leicht. Also packte ich die Wonder Brush und den harten Striegel aus und kratzte Stück für Stück den Matsch von der Stute runter. Nachdem der Körper der Stute wieder cremefarben war widmete ich mich ihren Beinen. Hier dauerte es länger da ich nicht mit den harten Bürsten ran könnte. Nachdem auch das überwunden war nahm ich noch mit der Kardätsche und der Wurzelbürste die Überreste aus ihrem Fell. Danach gab es noch eine Schmuseeinheit mit Schmusebürste und Lamfellhandschu. Zum Schluss ging es mit Bürste und Mähnenspray bewaffnet an ihr Langhaar, das voller Kletten hing. Ich fegte auch noch den Putzplatz bevor ich die Stute mit Springsattel, Vorzeug und Trense ausstattete. Ich ging mit ihr vor den Stall wo ich aufstieg und zum Springplatz ritt. Das Aufwärmprogramm dehnte ich heute etwas aus, da es doch recht frisch war. Insgesamt war Sunny heute gut drauf es war alles gut bis auf 2 oder 3 verpatzte Absprünge. Zur Entspannung ritt ich noch ein Kontrollrunde über die Koppeln. Zurück im Stall sattelte ich sie ab und brachte sie anschließend auf die Koppel. Als nächstes war die Hannoveraner Stute Keks dran. Ich holte sie schon mit Knotenhalfter aus der Box und ging mit ihr in die Halle um ein wenig Bodenarbeit zu machen. Keks arbeitete gut mit weshalb ich es auch bei einer kurzen Lektion beließ und sie dann auf die Koppel entließ. Little Buddy war nun der nächste Kandidat. Auch diesen Hengst putzte ich ausgiebig bevor ich ihn sattelte. Ich ritt mit ihm heute nur kurz da er etwas steif lief. Auch er wurde danach auf die Koppel entlassen. Royal Champion und Lancasters Peppermint erwarteten den Hengst bereits. Fröhlich galoppierten sie zum Tor. Champion, Pepper und Buddy spielten gemeinsam. Ich sah ihnen noch eine Weile zu bevor ich mich anderen Aufgaben widmete.
    • Wolfszeit
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      EIN GITZERNDER CHAMPION

      24.04.2019, Wolfszeit
      Luchy| Ich hatte gerade schon Little Buddy versorgt und nun ging ich zu LMR Royal Champion, der schon auf der Koppel stand. Ich stand am Tor und rief den Hengst. What’s Happen In The Dark, Lancasters Peppermint und Champ kamen angelaufen. "na ihr drei“, sagte ich zu den drei Hengsten. Natürlich hatte ich immer Leckerlis in der Tasche, sodass jeder eins bekam. Darky flehmte, da es seine Lieblingsleckerlis mit Bananengeschmack waren. Ich ging auf die Koppel und hängte Champ an. Pepper, der sehr häufig an Champ klebte, versuchte mit raus zu kommen. „Du musst hierbleiben Pepper“, sagte ich schmunzelnd zu dem jungen Hengst und schob ihn zurück und schloss das Tor vor ihm. Er wieherte Champ hinterher. Dieser blieb allerdings sehr gelassen und ließ sich nicht davon stören, das Peppermint uns bis zu Zaun ende hinterher trabte. „So wie der Hengst sich aufregt muss ich Lina dringend sagen, dass sie ihm das abgewöhnen muss.“ Sagte ich so vor mich hin. „Champ gut, dass du das nicht machst“, sagte ich zu ihm und steckte dem gescheckten Hengst ein Leckerli zu. Heute war das Freispringen dran. Colin und Jayden hatten heute Morgen schon die Hindernisse aufgebaut und hatten schon die ersten Pferde springen lassen. Am Stall angekommen parkte ich den Hengst auf dem Putzplatz zwischen, damit ich ihm seine Gamaschen anlegen konnte. Danach ging es in die Longierhalle, damit ich ihn ab longieren konnte. Nach 20 min ging es dann in die kleine Reithalle wo Alec in der Halle und sein Freund Magnus an der Bande wartete. „Wow, was ein hübsches Pferd“, rief Magnus als ich die Halle Betrag... Wie als hätte Champ das verstanden wieherte er. Alec schloss die Tür und ich ließe den Hengst laufen. „Ich muss schon sagen Geschmack hat dein Freund“, sagte ich Alec. „Das ist unser ganzer Stolz unser zweites selbstbezogenes Fohlen, Royal Champion. Er ist der letzte Nachkomme von unserer bekannten Zuchtstute Cassini’s Girl“, sagte ich zu Magnus. Champion hatte inzwischen die Hindernisse inspiziert. Der Schecke kannte das Bereits. Ich führte ihn an den Anfang der Gasse. Er begann direkt seine schönen schwungvollen Gänge zu präsentieren galoppierte an und sprang gekonnt über das Hindernis. Ich bewunderte immer wieder, was für ein hübsches Fohlen ich da gezüchtet hatte. Allerdings zeigt sich das Temperament, was er von seinem Vater geerbt hatte auch direkt. Satt sich am Ende der Gassen von Alec einfangen zu lassen galoppierte er fröhlich an ihm vorbei und lief vor uns Weg. Nach zwei Runden, die wir versucht hatten ihn einzufangen, beschloss er, dann doch jetzt könne man ihn einfangen. „Der Kerl gefällt mir Alec, vielleicht solltest du eifersüchtige werden“ spottete Magnus. „Jaja gerade auf diesen jungen Mann sollte ich eifersüchtig werden“, erwiderte Alec reichlich ironisch und lächelte breit. Es war schön zu sehen, wie er aufblühte, seit Magnus zu Besuch war. Ich kann gar nicht verstehen, warum er ihn nicht früher schonmal mitgebracht hatte. Er brachte so viel Leben auf die Ranch. In der Hoffnung das es dieses Mal besser Klappen wird, führte Alec den Hengst an den Anfang. Auch dieses Mal meisterte er gekonnt die Hindernisse, er lief zwar auch dieses mal an mir vorbei aber, statt ein paar Runden zu drehen, blieb er dort stehen wo Magnus an der Bande stand und beschnupperte ihn. „Er scheint dich zu mögen, vielleicht sollte ich wirklich Eifersüchtig werden“ scherzte Alec. Magnus ließ den Hengst schnuppern und streichelte ihn über die Stirn. „Ich bin mir sicher, ein wenig Glitzer würde ihn bestimmt gutstehen und bestimmt würde er sich nicht beschweren, dass er albern aussieht“, sagte Magnus. „Da muss ich dir Recht geben. Er hat tatsächlich ein Glitzer Halfter und beschwert hat er sich noch nicht“ sagte ich und musste grinsen. Wir setzten unser Freispringen noch etwa 10 min fort was definitiv mehr Sport für uns bedeutet als für den jung Hengst. Danach beschloss er sich noch einmal gründlich zu wälzen, ließ sich dafür aber brav einfangen. Da der Hengst nur wieder auf die Koppel kam, beschloss ich ihn nicht noch einmal zu putzen. Ich machte mich auf den Weg das Koppel während Alec sich das nächste Pferd zum Freispringen holte. Peppermint wieherte uns schon von weitem entgegen und wartete schon am Tor. Als ich Champ entlassen hatte und beide noch ein Leckerli abgestaubt hatten, fetzten sie im Galopp zu den anderen Hengsten auf der Koppel.


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  • Album:
    Outside boxes
    Hochgeladen von:
    Wolfszeit
    Datum:
    29 Apr. 2018
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  • LMR Royal Champion
    Portrain Folgt
    BESCHREIBUNG

    Name: LMR Royal Champion
    Rufname: Royal, Champ
    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Veredeltes Warmblut
    (50% Hannoveraner, 25% Englisches Vollblut 12.5% Holsteiner 12.5% Pinto)

    Geburtstag: 17.04 /4 Jahre
    Geburtsort: Lake Mountain Ranch, Kanada
    Stockmaß: 164 cm
    Gewicht: 0 Kg

    STAMMBAUM

    von: Lughnasadh
    von: Pharlap aus der: Elanor(SK)
    von: Night Raid aus der: Entreaty von: Eltara Bravo aus der: Chica

    aus der: Cassini's Girl
    von: Cassini II aus der: Gulietta
    von: Unbekannt aus der: Unbekannt von: Unbekannt aus der: Unbekannt

    MERKMALE
    Deckhaar: Brauner
    Langhaar: Schwarz/Weiß
    Abzeichen: v.l;v.r;h.l;h.r. Hochweiß, Schmale Laterne (Scheckungsbedingt)

    Scheckung: Keine
    Gencode: Ee Aa,Toto

    Letzter Tierarztbesuch: 00.00.0000
    Chipnummer: folgt

    Gesamteindruck: Gesund
    Akute Krankheit/en: keine
    Chronische Krankheit/en: keine
    Erbkrankheit/en: Keine

    Letzter Hufschmiedbesuch: 00.00.0000
    Ausgeschnitten/Korrigiert: nie
    Hufbeschaffenheit: Gut
    Hufkrankheit/en: Keine
    Beschlag: Keinen


    AUSBILDUNG
    Eignungen: Dressur, Springen, Military

    Springen: E
    Military: A
    Dressur: E
    Distanzrennen: E
    Western:E
    Galopprennen:E
    Fahren: E

    TRAININGS - INFOS
    Fohlen ABC
    Jungpferdeausbildung

    SIEGE

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    3. Platz
    363. Militarytunier

    503.Dressurtunier
    CHARAKTER

    mutig, ausdauernd, arbeitswillig

    LMR Royal Champion ist ein mutiger Hengst, der gerne auch mal seine schönen GGA zeigt. Er hat viel Ausdauer, Ehrgeiz und Arbeitswille, was ihn zu einem guten Geländepferd macht. Da er aber auch temperamentvoll ist, sollten nur erfahrene Reiter mit ihm umgehen. Der freundliche kleine Kerl zeigt jetzt schon sein gutes Potential.
    Royal Champion stammt von der Lake Mountain Ranch.


    Weide: Koppel 7
    Unterbringung: B0x 6, Hauptstall
    Einstreu: Stroh

    ZUCHT - INFOS
    Gekörnt: Nein
    Schleife:
    Gewinnerthema: X
    Eingetragene Zucht: Lake Mountain
    Decktaxe: 000 Joellen
    Nachzucht: 0/0
    Zu verkaufen: Nein
    Kaufpreis:/



    BESITZERLEGENDE
    Besitzer/Besitzerin: Wolfszeit
    Vorbesitzer/Vorbesitzerin: Occulta
    Verkaufsrecht/Erstelller: Wolfszeit,großgemalt by Occulta

    Spind/Pferdepass/PNG/Puzzel PNG