Occulta

Lindwedel, Fellpony ♂

Wallach | Schimmel

Lindwedel, Fellpony ♂
Occulta, 23 Nov. 2017
Muemmi, Lye, Flair und 2 anderen gefällt das.
    • Occulta
      Alte Berichte:
      Elsaria
      1.Pflegebericht: der erste Wallach zieht ein

      „Hat der nicht was vergessen?!“ fragte mich Julian und sah dem Apfelschimmel bei seinem ankunft unter den Bauch. „ Was denn?“ fragte ich etwas verdutzt als ich dann schnallte das mein Freund bis jetzt nur Hengste kannte und die hatten bekanntlich noch ihre Kronjuwelen. „ Achsooo, das meinst Du, das ist ein Wallach, dem wurden seine Dinger rausoperiert!“ klärte ich ihn auf. „ Ah und wozu nützt er uns dann wenn er keine nachkommen zeugen kann?!“ fragte er weiter. „ Naja,Tuniererfolge. Wenn er bekannt wird,wird man über uns reden, er soll ein Tunierpony werden und evtentuell dann auch das Pony unserer kleinen maus, die ja bald kommen wird!“ sagte ich. Ich war im 4. Monat schwanger, und war froh, dass man mein Bauch noch nicht so sah und so konnte ich es einigen noch verheimlichen.
      Ich begutachtete das Fellpony und brachte ihn in seine Vorbereitende Box. In ca. 1h würde ich ihn erst
      Erstmal seine füße machen. Doch davor sollte er sich noch einwenig einleben.
      10 Sep. 2016

      Elsaria
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      Nach einer stunde nachdem Lindwedel bei mir ankam, beschloss ich seine hufe zu machen, denn sobald ich einen geeigneten Ausbildner für ihn fand, sollte die Ausbildung in Fahren beginnen und da sollte alles in ordnung sein. Ich war zwar im 4. Monat schwanger aber ich fühlte mich gut. Ich bereite ezuerst alles am Putzplatz vor. Als ich meine Untsielien bereitgelegt hatte holte ich nun Linldwedel aus seiner Box. Der Wallach schien sich schnell eingelebt zu haben. „ Na mein guter. Jetzt bekommst du neue Schuhe!“ sagte ich und strich ihm sanft über die Nüstern als ich ihn aufhalfterte. Als Ich mit Lindwedel am Putzplatz kam, stand Hunter da.

      „Na stimmt es also doch?!“ sagte er knapp. „ Hunter musst du nicht in England sein?!“ fragte ich und band Lindwedel an. „ Julian hat mich angerufen und mir alles erzählt!“ sagte er im ernsten ton. Was hat er erzählt was vom Wallach oder das ich schwanger war und die hufe machen wollte. Ich sah ihn mit fragenden Blick an. „ Wann wolltest du mir denn das sagen hmm?“ grinste dieser . „ Hunter was denn, ich weiß ja nicht mal von was du sprichst!“ sagte ich im leichter genervten unterton. „ Ja von dem Wallach! Oder verschweigst du mir was?“ sagte Hunter. „ Achso, Ja ne, äh doch, ich bin im 4. Monat!“ sagte ich dann. Er war mein Partner und er sollte es wissen. „ Im 4. Monat was?!“ fragte er mich. „ Wie verpeilt bist du, ich bin Schwanger. Ist sowas wie bei Pferden Tragend!“ zog ich ihn auf und bekomm dann nur ein oh achso. Ich hob nun den ersten Vorderhuf von Lindwedel und begann das überschüssige Horn wegzu knipsen. Hunter schaltete wie gewohnt den ofen ein. Nun hob ich sein hinterhuf an und stellte diesen gleich wieder ab weil es mir schwindlich wure. „ Geht’s dir gut? Soll ich machen?“ fragte mich hunter. „ ich bin schwanger nicht krank.“ Sagte ich trotzig ließ ihn aber gewähren, da ich merkt das es wirklich nicht ging. „ wie läuft der Betrieb in England?!“ erkundigte ich mich stattdessen. Hunter werkelte am Huf rum und teilte mir mit das es gut liefe . In witndeseile hatte hunter lindwedel´s hufen ausgeschnitten und gefeilt. Die eisen waren nun auch schon soweit das sie auf den Huf konnten. „ alle 4?!“ fragte er mich. „ ja, Lindwedels Horn ist zu weich, fürs ständige Beton laufen beim Kutsche fahren!“ erklärte ich ihm und zeigte ihm nochmal wie er das feststellen konnte. Zwar Hatte Hunter seine Lehre mit Bravour abgeschlossen, aber einige sachen müssten sich noch mehr in der Praxis festigen. Nach weiteren 15 minuten war Lindwedel fertig. Und brachte ihn in seine Box. „ Danke Hunter, willst du was trinken?!“ fragte ich ihn. „ Nein, ich muss auch schon wieder los, wollte nur dein neuankömmling sehen!“ sagte hunter und verschwand und ich chillte auf der couch, 10 Sep. 2016

      Elsaria
      Mounted Games Spiele

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      Monatelang hatten ich und Joicy uns zum trainieren getroffen. Nicht nur, um gut vorbereitet zu sein, sondern auch um die beiden Pferde aneinander zu gewöhnen. Waren die beiden am Anfang eher misstrauisch gewesen, so hatten sie sich in den letzten Wochen zu einem eingespielten Team entwickelt und freuten sich nun regelrecht, wenn sie sich sahen. „Bereit?“, fragte ich Joicy, während wir beide zum Platz ritten, um dort unsere Qualitäten unter Beweis zu stellen. Sie nickte und grinste mir zu. „Aber sowas von aufgeregt. Du auch?“
      „Und wie. Aufregung ist gar kein Ausdruck.“ Weder Girly noch Lindwedel ließen sich von unserer Aufregung anstecken. Deshalb hatten wir uns auch für die beiden entschieden. Sie waren ruhig und immer verlässlich. Außerdem wendig und obwohl beide vielleicht nicht mit der Schnelligkeit der anderen mithalten konnten, so waren sie enorm wendig, sodass sie diesen Makel wieder ausgleichen konnten. Zur Unterstützung hatte ich mein ganzes Team mitgebracht und auch Joicy hatte einige Unterstützung dabei. Grinsend winkte ich unserem Fanclub, als wir uns an den Start stellten und ließ dann meinen Blick über die anderen Teilnehmer gleiten. „Wird schwierig, aber wir können das schaffen.“
      „Klar können wir das schaffen. Wir sind gut vorbereitet und haben zwei super Ponys.“
      „Vielleicht hätten wir ihnen Superpony-Kostüme nähen sollen.“ Lachend sah ich Joicy an. Noch ein letzter aufmunternder Blick und dann ging es auch schon los. Beim Flaggenrennen hatten wir uns dafür entschieden, dass Lindwedel den Anfang machte. Der Startschuss ertönte und der Wallach setzte ein. Es sah gut für die beiden aus. Lindwedel galoppierte ruhig, dafür aber sehr eng an den Flaggen entlang, sodass Joicy keine Probleme hatte, die Flaggen einzusammeln, aber trotzdem noch die nötige Geschwindigkeit hatte, um mit den anderen Teilnehmern mitzuhalten. Sie klatschte mich ab und ich konnte starten. Wir lagen im guten Mittelfeld und Girly gab alles, um sich nach vorne zu arbeiten. Offensichtlich hatte sie der Ehrgeiz gepackt, denn ich hatte Mühe die Stute zu bremsen und gleichzeitig alle Flaggen einzusammeln. Geschafft. Auf zum nächsten Hindernis. Beim Slalom hatten wir den Vorteil, dass unsere Pferde enorm wendig waren. Wieder machte Lindwedel den Anfang, obwohl Girly schon tänzelnd in den Startlöchern stand. „Jetzt reichts aber.“ Ein kurzer Ruck an den Zügeln und die Stute stand still. Geschmeidig wie immer bahnte sich Lindwedel seinen Weg durch den Slalom und war dabei so wendig, dass Joicy keine Probleme damit hatten, den Wallach so eng wie möglich rum zu lenken. Lindwedel war durch und nun waren wir an der Reihe. Girly stand immer noch und wir verloren kostbare Sekunden. Einmal energisch getrieben und die Stute setzte wieder ein. Mehr oder weniger hakenschlagend schafften wir es dann doch noch den Slalom zu umrunden. Eine Stange wackelte gefährlich, als ich sie leicht mit dem Fuß berührte, blieb aber stehen und so hatten wir auch dieses Hindernis geschafft. Das letzte Hindernis war unser persönlicher Horror. Nicht von vorneherein, sondern gerade jetzt in dieser Situation. Beide Ponys waren enorm aufgeheizt durch die ersten beiden Aufgaben, sodass wir zunächst Probleme hatten, die beiden zu stoppen und beinahe sang-und klanglos auf die Nase gefallen wären. Lachend sah ich hinüber zu Joicy, die den Kopf schüttelte und mit Mühe ihren Wallach unter Kontrolle zu halten suchte. Irgendwie schafften wir es doch ohne Stürze ins Ziel. Lachend stieg ich aus dem Sack und lobte Girly sanft. „Hast du gut gemacht, du Wildfang.“ So kannte ich sie eigentlich gar nicht, aber in der Wettbewerbssituation hatte sie sich wohl angespornt gefühlt. Gelassen wie immer stand sie nun neben mir und ließ sich die Streicheleinheiten gerne gefallen. „Ist ja alles nochmal gut gegangen“, sagte ich zu Joicy, die grinste und meinte: „Fast wären wir ordentlich auf die Schnauze gefallen, aber es hat total viel Spaß gemacht.“
      „Ja, das finde ich auch. Wir sollten das öfter machen.“ Lächelnd umarmten wir einander, bevor wir die Pferde zum Anhänger brachten und versorgten. Nun mussten wir die Ergebnisse einfach abwarten. Spaß gemacht hatte es auf jeden Fall.
      4177 Zeichen - lettercount.com
      23 Dez. 2016

      sadasha
      12. Januar 2017
      Pflege aller Pferde von Elsaria
      Celebration of Dance, Iceflower, Princess Sansa, Schlumpfine, Dream of Linnea, Skadi, Belijana, Bifröst, Sacre Fleur, Jinx, Bolonya Joleen, Mystical Star, PetiteJayaprada, Horik, Lindwedel, Schwarzgold, Golden Jam, Sir Outlaw, Donnerschall, Connery

      Es war mal wieder an der Zeit Fleur einen Besuch abzustatten. Die Schwangere war noch immer ein wenig überfordert mit der Situation und zur Zeit fielen auch noch ein paar ihrer Mitarbeit wegen Krankheit aus. Für mich war es daher selbstverständlich ihr auszuhelfen. Gut einen Tag dauerte die Reise von England nach Deutschland, mit zwei großzügigen Pausen dazwischen.
      Voller Freude empfing mich meine Freundin. „Danke, dass du gekommen bist!“ ein wenig überschwänglich umarmte sie mich und schob mir dabei ihre Babykugel in den Bauch. Behutsam drückte ich sie von mir weg. „Das ist doch klar. Wie geht es dir denn?“ - „Im Moment ganz gut, meinst du du könntest damit anfangen die Hengste zu misten und auf die Weide zu bringen? Die kriegen langsam Langeweile...“ besorgt sah sie zu den Stallungen aus denen das muntere Gewieher und Klopfen der Pferde zu hören war. „Darf ich mich vorher irgendwo ablegen?“ Ich hob meine Tasche von der Schulter auf den Boden und streckte mich einmal komplett durch. So lange zu sitzen tut einfach niemandem gut.
      Nach einer viertelstunde Regenerationszeit stand ich halbwegs wach im Hengststall und brachte Horik, Lindwedel, Schwarzgold, Golden Jam, Sir Outlaw, Donnerschall und Connery nacheinander auf ihre Weiden, damit ich mit dem Misten anfangen konnte. Je länger ich arbeitete, umso müder wurde ich. Irgendwann kam jedoch die Routine zurück und ließ mich wie von alleine die Abläufe abarbeiten. Das verleitete mich dazu die Schubkarre ständig in die falsche Richtung zu fahren, bis ich merkte dass ich ja in Deutschland war und nicht auf meinem eigenen Hof. Nachdem die Hengste soweit wieder sauber standen machte ich bei den Stuten und Fohlen weiter. Celebration of Dance, Iceflower, Princess Sansa, Schlumpfine, Dream of Linnea, Skadi, Belijana, Bifröst, Sacre Fleur, Jinx, Bolonya Joleen, Mystical Star und PetiteJayaprada waren bereits gefüttert und standen glücklich und zufrieden im Herdenverband auf einer Weide. Als ich den Stall betrat sah ich endlich einen Mitarbeiter und grüßte ihn freudig. „Hey! Die Seite hab ich schon fertig, ich geh jetzt rüber zu den Hengsten -“ - „Die sind schon gemistet und stehen auf ihren Weiden.“ warf ich ein. „Gut, dann mach ich mit der Bewegung weiter.“ Wir nickten uns gegenseitig ab und liefen dann zu unserer Aufgabe. Als auch hier alle Boxen frisch gemistet und neu eingestreut waren kümmerte ich mich wieder um Fleur. Sie saß in ihrem Büro und brütete über einigen Papieren. Bemüht leise setzte ich mich neben sie. „Kann ich helfen?“ - „Du stinkst.“ Verwirrt sah ich sie an. „Ich hab deine Boxen gemistet, was erwartest du?“ - „Geh dich duschen.“ - „Yes, Madame.“ Ich salutierte ihr und machte dann auf dem Absatz kehrt und genoß die Dusche, die mich endlich weckte. Erfrischt und mit zwei Tassen Kaffee in der Hand kam ich zurück ins Büro und half Fleur endlich bei ihrem Papierkram. Erst als wir beide hungrig waren verließen wir den Raum und ließen den Abend mit Pizza und Fernsehen ausklingen.
      12 Jan. 2017

      Elsaria Seit einigen Tagen hatte ich meine Tochter Lucie geboren, destotroz musste ich weiter arbeiten, den ich war selbstständig und die Pferde wollten versogt werden. Nachdem ich Lucie gestillt hatte machte ich auf den weg in den stall heute musste ich die pferde selbst bewegen da mein Team heute mal frei bekommen hatte. Ich fing zuerst mit den ponys und Privatpferde an. Iceflower die scheckstute war eine geköhrte Drp stute heute wollte ich sie nur etwas longieren. Iceflower arbeitete sehr gut mit, sie wurde lockerer Nachdem ich ice wieder versorgt hatte holte ich Princess Sansa mit ihr wollte ich etwas im gelände rumdümpeln. Ich striegelte die junge stute über sattelte sie auf und trenste sie auf. Kate passte in der zwischenzeit auf lucie auf und ich ritt vom hof. Die kurze zeit wo ich alleine sein konnte genoss ich sehr. Nach einer halben stunde kehrte ich vom Ausritt zurück nachdem ich sansa wieder in die box gestellt hatte holte ich linea heraus die stute hatte bald einen umzug. Ich striegelte die falbstute und brachte sie auf die weide, heute durfte sie sich selbst die beine vertreten, Dann ging ich in den Trakehnerstall. Ich kontrollierte die Stuten die tragend waren wann ungefähr soweit sein würde. Fix the Flame war die Stute eines Freundes, die ich ausgeliehen hatte und die zeit wo sie tragend und das fohlen bei fuß hatte bei mir auf dem hof lebte. Die Fuchsstute versprach tolles Fohlen. Ich fing zuerst mit Mystical Star an. Ihr bauch war dick, wie ein wal, aber sie hatte noch nicht genug aufgeäutert, ein zeichen das sie noch nicht soweit war, also durfte sie auf die weide. Als nächstes kam meine Gaststute Fix the Fame, sie war von meinem Hengst Connery tragend, da könnte es heute nacht so weit sein könnte trozdem durfte sie heute noch auf die weide. Nun ging ich zu Bolonya Joleen, die Rappstute stand in ihrer box. Und wartete auf ihre entlassung zur weide sie kommt mit Petit Jayaprada und Jinx zusammen auf die weide, danach brachte ich noch die Hengste auf die entfernteste weide die mein hof zu bieten hatte. Connery stand zusammen mit Schwarzgold und Golden Jam sollte zusammen mit meinem neuen Trakehnerhengst Orpheo auf die weide. Donnerschall und Sir Outlaw waren als letzter an der reihe.
      9 Feb. 2017

      adoptedfox
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      12. März 2017 | 23713 Zeichen | written by adoptedfox

      5:30 Uhr. Mit müden Augen starrte ich auf den Display meines Smartphones und nach einigen Fehlgriffen konnte ich das dröhnende Klingeln endlich unterbrechen. Die Nacht war kurz und die harte Matratze des Hotelbett's brachte keinen sonderlich erholsamen Schlaf. Ich schlug die Bettdecke zurück, stand mühsam auf und ging in das kleine Badezimmer um mich für den mir bevorstehenden Tag vorzubereiten. Nachdem ich auch angezogen war packte ich meinen kleinen Koffer und ging, nach einem prüfenden Blick ins Zimmer, zur Rezeption um auszuchecken. Meinen Koffer beförderte ich auf die Rücksitzbank des Mietwagens , welchen ich im Flughafen buchte, stellte das Navigationsgerät ein und machte mich auf den Weg zu einer deutschen Kundin. Nach zirka einer Stunde Autofahrt erreichte ich den Hof meiner Kundin und stellte den Wagen auf dem Parkplatz ab. Ich war gerade ausgestiegen, da lief mir bereits eine junge Frau winkend entgegen. "Du musst Käthe sein! Ich bin Fleur, ich hatte Dir die E-Mail geschrieben. Schön dich zu sehen!" ich reichte Ihr die Hand, doch sie ignorierte sie und umarmte mich sofort. Es bereitete mir immer wieder eine Freude, wenn man von Kunden derart herzlich begrüßt wurde. "Ich hoffe es ist in Ordnung, das ich schon heute hier bin. Es war anders geplant aber..." Fleur winkte ab und fiel mir ins Wort "Das ist überhaupt kein Problem! Ich führe dich kurz herum, zeige Dir alles, stell Dir die Pferde vor und dann würde ich dich für ein paar Stunden allein lassen da ich in die Stadt muss" sagte sie und zeigte mir den Hof. Die Anlage war sehr gepflegt und passte perfekt in die Landschaft. Fleur erklärte mir, dass die Hengste einen Stalltrakt für sich alleine hatten und die Zuchtstuten sich einen Stalltrakt zusammen mit den Fohlen und Privatpferden teilten. Sie zeigte mir die Sattelkammer und die Nische in welcher sich Mistgabeln, Besen und Schubkarren befanden und erklärte mir mit welchen Pferden ich vorsichtig sein sollte. Gerade als sie mir den Charakter der Stute Bolonya Joleen erklärte kam ein Mann in den Stall. "Wie praktisch! Das ist Lasse, einer meiner Mitarbeiter! Sollte irgendwas sein kannst du ihn gern fragen" erklärte sie mir und entschuldigte sich, dass sie nun gehen müsse. Nachdem sie gegangen war stellte ich mich Lasse vor. "Pass auf, ich helfe Dir. Die Weiden sind bereits für die Pferde vorbereitet. Ich bringe die Pferde alle auf die Weide, dann kannst du die Boxen ausmisten. In Ordnung?" ich nickte dankbar, nahm eine Schubkarre, legte Mistgabel und Besen hinein und ging zum Stalltrakt der Hengste. Lasse brachte Pferd für Pferd aus seiner Box und verschwand dann. Ich stellte das Radio, welches ich gerade entdeckt hatte, an und begann die Boxen auszumisten. Bevor ich frisches Stroh holte wusch ich mithilfe eines Schwamm's die Selbsttränken aus. Ich brachte die Schubkarre zum Misthaufen um sie auszuleeren und ging zurück in den Stall, wo ich mithilfe der Mistgabel eine Lage Stroh vom Strohballen zog und in die erste Box schob. Mit gekonnten Handgriffen schüttelte ich das Stroh auf und verteilte es so in der Pferdebox. Als auch die letzte Box eingestreut war, stellte ich die Mistgabel neben den Schubkarren und nahm den Besen. Sorgfältig kehrte ich das Stroh, welches ich in der Stallgasse verteilt hatte, in die Pferdeboxen. Nachdem auch die Stallgasse fertig war legte ich Mistgabel und Besen wieder hinein in den Schubkarren und ging hinüber in die andere Stallgasse um die Boxen dort ebenfalls zu entmisten und neu einzustreuen. Als auch die Boxen der Fohlen, Stuten und Privatpferde frisch eingestreut waren kehrte ich die Stallgasse durch und räumte, nachdem ich fertig war, die Mistgabel und den Besen zurück in die Nische. Den Schubkarren brachte ich zum ausleeren zum Misthaufen und entschloss ihn vorerst dort stehen zu lassen. "Du bist schon fertig? Das misten geht Dir echt einfach von der Hand oder?" fragte Lasse und lachte. Er bot mir an, gemeinsam die Pferde zurück in Ihre Boxen zu bringen für die Fütterung. Ich holte einen Führstrick aus der Sattelkammer und folgte ihn zu den Weiden. Eine Box nach der anderen füllte sich und als sich auch die letzte Boxentür schloss, unterstützte ich Lasse bei der Fütterung. Ich bedankte mich bei Lasse für die Hilfe und ging zu den Boxen mit den Fohlen. Mystical Grey und Con Heartlife standen nebeneinander. Ich begrüßte beide Fohlen und öffnete die Boxentür von Con Heartlife. Das neugierige Stutfohlen kam sofort auf mich zu und ich streichelte ihren Hals. "Na, habt ihr beiden Lust auf einen Spaziergang?" fragte ich das neugierige Stutfohlen und hakte den Führstrick in das Halfter ein, welches das junge Fohlen noch vom Weidegang trug. Ich führte sie aus der Box und band sie vor dieser für einen Moment an. Ich öffnete die Boxentür von Mystical Grey und begrüßte sie, bevor ich den Führstrick einhakte und das hübsche Stutfohlen aus der Box führte. Ich löste den Knoten von Con Heartlife's Strick und verließ mit beiden Fohlen die Stallgasse. Con Heartlife und Mystical Grey nahmen ihre Umgebung neugierig auf und lauschten jedem Geräusch. Sei es das aufgeregte zwitschern der Vögel, der Wind in den Blättern der Bäume oder der arbeitende Traktorenmotor, welchen man von einem nahe gelegenen Feld her hörte. Wir liefen entlang einer großen Wiese, welche am Waldesrand entlang führte. Die beiden Fohlen waren vorbildlich und harmonierten miteinander. Nach einer Weile bogen wir auf einer Weggabelung ab und gingen zurück in Richtung des Hofes. Dort angekommen sah ich mir die Hufe der Fohlen an um sicherzustellen, dass sie sich kein Steinchen eingetreten hatten. Doch alles war in Ordnung und so brachte ich beide Fohlen zurück in ihre Boxen und verabschiedete mich von ihnen. Als nächstes wollte ich mich um die Privatpferde von Fleur kümmern. Ich ging in die Sattelkammer und nahm mir dort einen Hufkratzer, eine Bürste und einen Striegel aus der Putzbox und ging zurück zu den Pferden. Ich betrat die Box von Horik, einem schönen Fjordpferdhengst den ich sofort ausgiebig begrüßte. "Na mein hübscher? Dann wollen wir dich mal für die Ladys schön machen!" sagte ich und fuhr in langen Zügen mit dem Striegel durch sein Fell. Mit jedem Strich konnte ich mehr und mehr Winterfell entfernen. Als die Haarbüschel, die auf den Boxenboden fielen weniger wurden tauschte ich den Striegel gegen eine Bürste aus und bürstete so lose Haare und Staub aus. "Das sieht doch schon viel besser aus!" sagte ich und griff in meine Hosentasche, holte den Hufkratzer heraus und säuberte die Hufe von Horik. Als ich fertig war sammelte ich die Pferdehaarbüschel auf und warf sie in die Stallgasse. Die müsste ich später nochmal kehren, dachte ich und griff nach dem Halfter von Horik, welches an seiner Box hing. Ich zog es ihm an und führte ihn aus der Box. Als wir an der Sattelkammer vorbei gingen griff ich schnell eine der Longen, die gleich neben dem Eingang hingen, hakte sie in Horiks Halfter ein und ging mit ihm auf den kleinen Reitplatz des Hofes. Ich ging mit Horik auf den mittleren Zirkel des Platzes und als würde er wissen, was ich von ihm wollte wich er im Schritt von mir und ging so Runde für Runde auf dem Zirkel. Ich schnalzte mit der Zunge und trieb Horik vorwärts in den Trab. Er machte seine Sache gut und ich lobte ihn. Die Runden im Galopp nutzte Horik um seine Frühlingsgefühle auszuleben. Er buckelte, streckte den Kopf zu Boden und schnaubte laut. Ich parierte ihn nach einer Weile zum Stand und holte ihn zu mir. Lobend klopfte ich seinen Hals und gab ihm einen Bananenchip. Ich führte Horik zurück in den Stall und brachte ihn in seine Box. Dort bürstete ich seine Hufe nochmals ab und verließ die Box. Ich hängte sein Halfter an die Boxentür und wandte mich seinem Boxennachbarn Lindwedel zu. Fleur warnte mich davor, dass Lindwedel immer einen Weg fand dem Halfter zu entkommen und so entschied ich mich den Wallach lediglich zu putzen. Ich bot ihm das volle Programm, während er sich dem Heu hin gab welches Lasse zwischenzeitlich in die Heuraufe tat. Als auch Lindwedel vom gröbsten seines Winterfells befreit war, sammelte ich sorgfältig Strohhalme aus seinem Schweif und seiner Mähne. Nachdem auch die Hufe von Lindwedel ausgekratzt waren, verabschiedete ich mich von dem Ponywallach und verschloss die Boxentür hinter mir. Ich war gerade fertig geworden Belijana zu putzen, als eine mir unbekannte Frau an die Boxentür trat und mich begrüßte. "Hey, ich bin Franziska! Bist du neu hier?" frage sie mich und strahlte mich an. "Hallo, mehr oder weniger ja. Ich bin Käthe und helfe heute im Stall aus. Ich dachte ich nehme Belijana mit auf einen Spaziergang, denkst du das geht in Ordnung?" sagte ich, während ich der rappschwarzen Stute das Halfter anzog. "Nein, das ist sogar eine gute Idee! Das Wetter ist so schön heute, gestern hat es hier geregnet und gestürmt, ich dachte die Welt geht unter... Macht es Dir etwas aus wenn ich mitkomme?" - Ich verneinte, trat mit Belijana aus der Box und wartete auf dem Hof darauf, dass Franziska. Es dauerte nicht lange, da kam sie mit einem wundervollen Apfelschimmel aus einer der Boxen. "Ich nehme sie direkt mit, dann ist sie etwas entspannter wenn ich mit ihr trainiere!" sagte sie und meinte damit Jinx. Gemeinsam wählten wir den Weg am Waldrand, welchen ich bereits mit den beiden Fohlen erkundet hatte. Während des Spaziergangs unterhielten wir uns angeregt und ich schloss Franziska mit ihrer fröhlichen, direkten Art direkt ins Herz. Nach etwas über einer halben Stunde kehrten wir zum Stall zurück. Ich brachte Belijana zurück in Ihre Box wo ich ihre Hufe säuberte. Franziska führte die Stute Jinx an mir vorbei und band sie an der Boxentür an um sie zu putzen und zu satteln. Währenddessen begann ich Petite Jayaprada zu putzen. Die Stute schien dies merklich zu genießen. Sie war vollkommen entspannt und döste zeitweise sogar ein. Als ich fertig war sammelte ich die Putzintensilien ein und begab mich in die Box von Mystical Star. "Na, du bist wohl die Mutter von Mystical Grey? Ob du auch so brav bist?" fragte ich die Stute und kraulte ihre Stirn. Ich begann sie zu putzen und befreite auch sie vom noch übrigen Winterfell. Nachdem beide Stuten geputzt waren holte ich sie aus ihren Boxen und ging, vorbei an der Reithalle in der Franziska mit Jinx beschäftigt war, in Richtung Waldweg. Petite Jayaprada versuchte mich einige Male zu überholen, doch ich konnte sie erfolgreich davon abhalten und hielt sie auf gleicher Höhe wie Mystical Star. Mit der Zeit wurden beide Stuten ruhiger. Die Ruhe des Waldes und der Singsang der Wildvögel schienen ihr übriges zu tun. Absolut zufrieden und dankbar darüber, das keine der Stuten versuchte zu flüchten, kehrten wir um und gingen zurück in Richtung des Hof's. Nachdem ich beide Stuten zurück in Ihre Boxen gebracht hatte ging ich an die Boxentür von Bolonya Joleen. Gerade als ich die Boxentür öffnete erschien ein bekanntes Gesicht in der Stallgasse. "Käthe, wie läufts?" es war Fleur die aus der Stadt zurück war. "Super, denke ich. Ich wollte gerade zu Bolonya Joleen. Ich dachte ich gehe mit ihr in die Reithalle, da hat sie weniger Fluchtmöglichkeiten als auf dem Reitplatz." antwortete ich und sah an ihr herab. Hinter ihren Beinen versteckte sich jemand. Ich ging in die Hocke "Na wer bist du denn?" fragte ich und lächelte das kleine Mädchen an. "Lucy, sie ist Fremden gegenüber sehr unsicher." antwortete Fleur und streichelte dem Mädchen über die Haare. Ich betrat Bolonyas Box und ging summend auf die angespannte Stute zu. Mit dem summen hatte ich positive Erfahrungen bei Pferden sammeln können, welche unsicher und launisch waren. Ich streichelte den Hals der Stute und bot ihr einen Bananenchip zur Begrüßung an. Naja, vielleicht war es auch Bestechung. Sie nahm den Chip und zerkaute ihn. Ich hakte die Longe ins Halfter, welche ich mit in die Box gebracht hatte und führte sie zur Reithalle. Schon jetzt wusste ich, dass dies kein Zuckerschlecken werden würde da Bolonya bereits jetzt versuchte nach vorn auszubrechen und ich sie zurückhalten musste. In der Reithalle angekommen schloss ich das Tor und ging mit ihr in die Mitte der Halle. Bolonya wandte sich von mir ab und blieb einige Meter vor mir stehen und scharrte mit den Hufen im Sand. Es dauerte keine Minute, da lag sie bereits und wälzte sich. Zum Glück habe ich dich vorher nicht geputzt dachte ich und lächelte. Als sie wieder aufstand schüttelte sich die Stute den Sand ab und fiel sofort in den Trab. Sie riss an der Longe, doch ich hielt sie fest und brachte sie auf den Zirkel. Den Kopf hoch erhoben, drehte sie energisch ihre Runden und machte keine Andeutungen dies ändern zu wollen. Als ich die eigenwillige Stute in den Schritt parieren wollte brach sie nach vorn, galoppierte und buckelte ungehemmt. Mit jedem Kopfschlagen riss sie an der Longe und ich bereute es keine Handschuhe angezogen zu haben. "Jetzt gehts aber los!" sagte ich lauter, griff die Longe nach und verkürzte diese so. Bolonya fiel, je kürzer die Longe wurde, in den Trab und kam schließlich abrupt zum stehen. Die Nüstern aufgebläht, schnaubte die Stute aufgeregt. Ich baute mich vor der Stute auf und drängte sie rückwärts. Das ihr das nicht gefiel zeigte sie mir deutlich. Sie legte die Ohren an und versuchte mich zu beißen. "Pass mal auf mein Fräulein, dir zeig ich gleich wer von uns beiden das sagen hat!" sagte ich und trieb sie auf den Zirkel zurück. Ich ließ sie traben. Sobald sie sich versuchte zu verweigern und in den Schritt fiel, war ich mit meinem Longenende schneller und trieb sie wieder an. Nach ein paar Handwechseln hatte sich die Stute anscheinend beruhigt, das innere Ohr stellte sie zu mir und sie trabte nicht mehr angespannt, sondern weitaus raumgreifender und federnder. "Na das sieht doch schon eher nach Arbeit aus!" lobte ich sie und parierte sie in den Schritt durch. Bolonya hatte ordentlich geschwitzt und ich parierte sie zum Stand. Da ich die Stute nicht nassgeschwitzt in die Box bringen wollte lief ich mit ihr noch ein paar Runden durch die Halle. Zurück in der Box nahm ich die Longe ab und verließ diese kurz um aus der Sattelkammer eine leichte Abschwitzdecke zu holen. Zurück in der Box warf ich Bolonya die Decke mit geschickten Handgriffen über und verschloss die Gurte unter ihrem Bauch und an der Brust. Auch wenn die Stute sich weniger gut benahm, gab ich ihr ein Leckerchen zur Belohnung da sie am Ende ja doch kooperierte. Als ich die Boxentür hinter mir verschloß nahm ich meine Wasserflasche, welche ich auf dem Strohballen gestellt hatte und nahm einen großen Schluck.
      Nun, da die Pferde versorgt und bewegt waren, nahm ich mir erneut den Besen und kehrte die Stallgasse durch um die Pferdehaarbüschel zu entfernen. Als ich fertig war sammelte ich den Haufen bestehend aus Staub und Haaren mit einer Kehrschaufel auf und ging mit dieser hinaus um sie auf dem Misthaufen auszuschütten. Ich stellte die Kehrschaufel zurück in die Nische zu den anderen Stalluntensilien und ging hinüber zu den Hengsten. Im Stall traf ich Lasse. "Du, wenn ich mit den Hengsten spazieren gehen möchte... welche vertragen sich am ehesten miteinander?" fragte ich ihn. Er fettete gerade einen Sattel ein, sah dennoch kurz zu mir auf und überlegte. "Orpheo und Connery sollten zusammen keine Probleme geben. Die anderen sind eher weniger verträglich mit anderen Hengsten." antwortete er mir und lächelte. Ich bedankte mich und beschloss darauf zu hören. Nachdem Orpheo und Connery geputzt in ihrer Box standen, holte ich sie in die Stallgasse und verließ diese. Ich entschied mit beiden den Weg zu nehmen, welchen ich zusammen mit Franziska gegangen war. Der Wald schien Orpheo und Connery gut zu tun, denn beide waren entspannt und nahmen neugierig ihre Umgebung auf. An der Wiese vor dem Hof blieb ich kurz stehen und lies die beiden Hengste ein paar Grashalme zupfen. Orpheo riss ein Büschel heraus, kaute rieb seinen Kopf an meinem Bein. Ich wuschelte mit meinen Fingern durch seinen Schopf. "Du gefällst mir, am liebsten würde ich dich einpacken und mitnehmen!" sagte ich und kraulte seine Stirn. Nach einer virtel Stunde ging ich mit Orpheo und Connery zurück auf den Hof. Als wir am Hauptgebäude vorbei kamen öffnete Fleur das Küchenfenster und rief mir zu, das ich die Hengste nach der Arbeit wieder auf die Weide bringen sollte. Ich folgte ihrer Anweisung und ging mit den beiden am Stall vorbei zur Weide. Ich nahm die Stricke von den Halftern ab und entließ die beiden in ihren verdienten "Feierabend". Ich ging zurück in den Stall und begrüßte Sir Outlaw, der mit seinem Huf an der Boxentür scharrte. Ich begrüßte ihn und öffnete die Boxentür um hinein zu gehen. Der 5-jährige Hengst wich nicht mehr von meiner Seite und rieb seinen Kopf andauernd an meinem Rücken. Ich begann damit den Hengst zu putzen und strich mit langen Zügen über sein Fell. Man schien den großen Fuchs bereits einen Großteil des Winterfells ausgebürstet zu haben, denn viel bekam ich nicht mehr rausgebürstet. Mithilfe des Kamms kämmte ich Mähne und Schweif und zum Schluß kratzte ich die Hufe von Sir Outlaw aus. Ich griff nach der Longe, welche ich zuvor an die Boxentür gehängt hatte und hakte sie bei Outlaw ein. Nachdem ich die Boxentür geöffnet hatte führte ich den Hengst hinaus auf den Reitplatz wo ich die Longe ordnete und Sir Outlaw auf den Zirkel schickte. Er arbeitete sehr gut mit und präsentierte mir seine schwungvollen Gänge. Nach einigen Handwechseln parierte ich Sir Outlaw in den Schritt und ließ ihn noch ein paar Runden locker laufen. Zufrieden holte ich ihn zu mir und klopfte lobend seinen Hals. Nach ein paar Streicheleinheiten beschloss ich den Hengst auf die Weide zu bringen. Die Weiden der Hengste waren schön angelegt. Sie waren nebeneinander, damit die Hengste stets Kontakt halten konnten und über die Länge abgesteckt. So hatten die Hengste ausreichend Sozialkontakt und genügend Bewegungsfreiheit. Sobald ich die Longe von Sir Outlaws Halfter löste, verschwand sein Kopf nach unten. Seine weichen Nüstern stöberten durch das Gras und zupften hier und da eines aus. Ich beobachtete ihn ein paar Minuten bevor ich mich dazu entschied zurück in den Stall zu gehen um meine Arbeit fortzusetzen. Ich trat an die Box eines hübschen, dunklen Hengst. Auf dem Boxenschild stand sein Name und ich hielt meine Hand an die Stäbe der Boxentür um ihn daran schnuppern zu lassen. "Na Schwarzgold? Wie wäre es wenn wir uns ein bisschen um dich kümmern?" frage ich ihn und öffnete die Boxentür um in seine Box hinein zu gehen. Ich streichelte den Hengst am Hals und begann mit dem putzen. In langen Zügen führte ich den Striegel durch sein kurzes Fell um Schmutz und restliches Winterfell zu entfernen. Mithilfe der Bürste, welche ich mit in die Box genommen hatte, bürstete ich nun Staub, lose Haare und Schuppen aus dem Fell. Ich legte sowohl den Striegel als auch die Bürste vor die Box und griff nach der Longe, welche ich an die Boxentür gehängt hatte. Ich führte den Hengst aus seiner Box und ging mit ihm auf den Reitplatz, wo ich zuvor die anderen Pferde longiert hatte. Ich schickte den Hengst nach außen auf den Zirkel und ließ ihn im Schritt warm laufen. Der Hengst schien interessiert und sein Ohr war stets auf mich gerichtet. Außengeräusche schienen ihn nicht zu interessieren. Nach ein paar Runden gab ich ihm das Kommando in den Trab zu fallen und er folgte dem ohne zu zögern. Seine Schritte waren raumgreifend und seine Hinterhand arbeitete aktiv mit. Der Hengst gefiel mir. Nachdem er sich auch im Galopp präsentierte parierte ich den Hengst zum Stand durch und holte ihn zu mir. Ich klopfte seinen Hals und kraulte seine Stirn. "Du bist doch sicher nicht immer so brav, hm?" fragte ich ihn und gab ihm ein Leckerchen. Zurück in der Box kratzte ich seine Hufe aus und verschloss die Pferdebox als ich aus dieser getreten war. Da sich der Tag langsam dem Ende neigte entschloss ich mich Golden Jam mit auf einen Spaziergang zu nehmen. Ich putzte den Hengst in seiner Box und hakte den Führstrick ein. Zusammen verließen wir die Stallgasse und den Hof und gingen entlang der grünen Wiesen in Richtung Wald. Wir waren keine 10 Minuten unterwegs, da blieb Golden Jam stehen und rührte sich keinen Meter. Er verspannte sich deutlich, riss seinen Kopf hoch und lief rückwärts. Ich hielt den Strick fest und versuchte ihn zu beruhigen bis ich bemerkte, wovor er Angst hatte. Der Traktor, welchem ich heute schon einmal begegnet war. Ich entschied mich einen anderen Weg einzuschlagen da ich Golden Jam keinen Stress aussetzen wollte und der Hengst ganz klar voller Panik war. Ich sprach beruhigend auf ihn ein, kehrte um und ging quer durch die große Wiese. Nach und nach beruhigte sich der Hengst und es schien vergessen, was vor wenigen Minuten noch war. Wir gingen eine große Runde um den Hof herum und ich entschloss, Golden Jam zurück in die Weide zu bringen. Etwas Ruhe würde ihm nach dem Schrecken sicher gut tun. Bevor ich den Hengst auf die Weide brachte kratzte ich ihm in der Stallgasse die Hufe aus. Golden Jam lies sich brav auf die Weide bringen, doch sobald der Strick ab war legte er los und buckelte wild über die Weide. Nun wartete nur noch 1 Hengst auf mich, der Rappschecke Donnerschall dem ich heute schon öfter ein Leckerchen zugesteckt hatte weil er sein weiches Maul neugierig gegen die Boxenstangen drückte. Nachdem auch der Hengst geputzt war führte ich ihn die Stallgasse hinaus. Der Sonnenuntergang war wahnsinnig schön und auch wenn es langsam kühler wurde entschloss ich mich für einen Spaziergang durch den Wald. Donnerschall war sehr aufmerksam und anscheinend, wurde er von den Geräuschen des Waldes abgelenkt, denn er kam mit jedem Schritt näher zu mir und trat mir beinahe auf die Füße. "Na du bist ein typischer Mann, oder?" scherzte ich und brachte ihn wieder in die Mitte des Waldweges. Die Vögel zwitscherten in unterschiedlichsten Tönen und auf einer Waldlichtung konnte man eine kleine Gruppe Rehe erahnen. Ich führte Donnerschall an einer Weggabelung vorbei, sodass wir an der Rückseite des Hofes ankamen. Ich brachte Donnerschall direkt in die Stallbox, denn Lasse gab mir zu verstehen das die Pferde nun für Ihr Futter in den Stall gebracht werden würden. Ich schloss Donnerschalls Box und half Lasse und Franziska die Pferde in die Boxen zurück zu bringen. Ich hatte gerade die Boxentür von Belijana verschlossen, da hörte man Franziska über den Hof rufen "Bleibst du gefälligst stehen!" und als ich mich umdrehte sah ich auch wen sie meinte. Lindwedel! Er steuerte geradewegs an mir vorbei und meine Finger griffen nur knapp daneben, sonst hätte ich sein Halfter erwischt. Seine Flucht fand jedoch ein schnelles Ende denn als er die Futerkammer erreichte verschwand sein Kopf direkt in einem der Futtersäcke. Ich griff nach seinem Halfter und zog ihn heraus. "Störrischer kleiner Mann!" schimpfte ich ihn als er versuchte sich mir zu entreißen. Ich lief Franziska entgegen und sie hakte den Führstrick in sein Halfter ein, hielt das freche Pony aber gleichzeitig am Halfter fest. "Das schafft er immer wieder, nicht zu fassen!" fluchte Franziska und brachte den Ponywallach in seine Box. Gemeinsam richteten wir das Futter für die Pferde an, bevor Fleur in der Stallgasse erschien und uns zum Abendessen einlud. Sie hatte Pizza selbstgemacht und wir ließen uns, nachdem die Hände gewaschen waren, am Küchentisch nieder. Es war ein lustiger Tagesabschluß. Wir aßen, unterhielten uns und lachten, als würden wir uns alle schon Jahre kennen. Zugegeben, ich war etwas traurig als ich mich von allen verabschiedet hatte und in den Wagen setzte. Nun hieß es ab ins Hotel und ins warme, wenn auch harte, Bett. Am nächsten Morgen würde ich mich auf den Weg zu meinem Vater machen und darauf freute ich mich bereits sehr. 12 März 2017

      sadasha
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      06. Juli 2017 | 29.947 Zeichen von adoptedfox und sadasha
      Pflege für Elsarias Pferde [17]
      Privatpferde [3] | Horik, Belijana, Lindwedel
      Fohlen [5] | Donnerschall’s Jubilee, Connery’s Brownie, Boulevard Showcaster, Mystical Grey, Con Heartlife
      Zuchtstuten [4] | Jinx, Bolonya Joleen, Mystical Star, Petite Jayaprada
      Deckhengste [5] | Orpheo, Schwarzgold, Golden Jam, Sir Outlaw, Connery

      Hunter | War das… War das Sonne? Da draußen? Heute Morgen? Ungläubig ging ich ans Fenster und stellte sicher, dass ich nicht noch schlief. Es hatte sich tatsächlich über Nacht aufgeklart. In der Küche redeten gleich drei Leute auf mich ein: “Wann fährst du los?” - “Fütterst du die Pferde noch?” - “Hast du einen Moment?” Gine, Isaac und meine Mutter. Müde sah ich vom einen zum nächsten, nahm mir in aller Ruhe meine Kaffeetasse, füllte sie und setzte mich anschließend hin. Die drei sahen mich weiterhin an. “Hunter?” hakte Gine nach. “Antwortest du bitte?” Ich nahm einen Schluck und erwiderte ihren Blick. “Guten Morgen. Ich fahre in einer Stunde los. Die Pferde füttere ich noch und nein, ich habe keine Zeit jetzt zu reden, weil ich noch nicht wach bin.” Isaac und meine Mutter verschwanden prompt. Doch Gine verharrte. Genervt sah ich sie an. “Wenn du mir bei der Fütterung hilfst, können wir dann reden.”
      Gine tat wie geheißen und half mir bei der Fütterung. Währenddessen textete sie mich zu und ließ mir keine Möglichkeit selbst zu Wort zu kommen. Als sie fertig war standen wir schon fünf Minuten mit leeren Futtereimern auf der Stallgasse. “Wir hatten das schon mal Gine und ich habe meine Meinung dazu noch nicht geändert. Wenn es dir zu viel ist hier zu arbeiten und damit meine ich nicht die Arbeit an sich, dann musst du gehen.” sagte ich hart und ging los um den Eimer, samt Futterkarren wegzubringen. Gine sagte jetzt keinen Ton mehr. Auch sie brachte den Eimer weg und ging anschließend zu den Weiden, soweit ich das beurteilen konnte.
      Um großartig darüber nachzudenken fehlte mir die Zeit. Ich hatte gestern Abend schon gepackt und räumte jetzt alles in den Wagen. “Wann bist du wieder da?” meine Mutter wollte das wissen. Ich antwortete ihr knapp, dass es sicher eine Woche werden würde. Sie wusste, dass ich mich sowieso zwischendurch meldete, also fragte sie nicht weiter sondern wünschte mir eine gute und sichere Fahrt nach Deutschland.

      20:00 Uhr auf dem Gestüt zur Lindweide von Fleur. Im Haus fand ich einen Zettel auf dem stand, dass die Pferde heute noch komplett versorgt wurden. Also hatte ich den Abend noch Ruhe. Trotz Allem machte ich eine Kontrollrunde durch den Stall. Die Weiden lief ich erst am nächsten Morgen ab. Gut eine Stunde war ich damit beschäftigt, sodass ich erst wieder in den Stall kam, als auf dem Parkplatz schon das erste Auto stand. Im Stall war jedoch niemand. Vermutlich erledigte er vorher noch andere Sachen und würde dann zur Arbeit kommen. Ich dachte mir nichts Weiter und ging in die Futterkammer und bereitete nach den Plänen die hier hingen alles vor.

      Käthe | 4:00 Uhr. In zwei Stunden würde ich bereits im Flugzeug nach Deutschland sitzen. Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Nachricht von Fleur in der sie mich um Hilfe bat und natürlich sicherte ich ihr diese zu. Nachdem ich mich im Badezimmer fertig gemacht hatte ging ich ins Schlafzimmer und packte eine kleine Tasche mit Kleidung für die kommenden Tage. In der Hoffnung dass es warm werden würde in Deutschland wählte ich ein knielanges schwarzes Kleid aus. Ich zog meine Pumps an und betrachtete mich vor dem Spiegel. “Auf das ich mir den Hals breche!” lachte ich und ging mitsamt meiner Tasche in den Hof. Bevor ich los fuhr verabschiedete ich mich von meinen beiden Fohlen. In meiner Abwesenheit würde Erin sich um die Pferde kümmern.
      In Deutschland angekommen holte ich meinen Mietwagen ab und fuhr zum Gestüt. Dort angekommen stellte ich den Wagen auf dem Parkplatz ab. Ich nahm meine Tasche aus dem Kofferraum und ging in Richtung des Hauses. Im Vorbeigehen musterte ich den Wagen neben dem ich geparkt hatte. Das ist doch Hunter? dachte ich, schüttelte den Kopf und ging zur Tür. Ich stellte meine Tasche ab und klingelte. Als auch niemand auf mein Klopfen reagierte beschloss ich im Stall nachzusehen. Ein Pferd brummelte nervös als ich die Stallgasse betrat und ich hörte, dass sich jemand in der Futterkammer befand. “Mr. Crowley welch Freude sie zu sehen!” sagte ich übertrieben laut und lachte. Als Hunter sich zu mir umdrehte blieb mir das Lachen jedoch im Hals stecken. Noch bevor er etwas sagen konnte fragte ich: “Was hast du getan?”.
      “Was machst du hier?”
      “Fleur schrieb mich vor ein paar Tagen an ob ich ihr helfen könne. Die gleiche Frage könnte ich dir aber auch stellen.” antwortete ich und sah ihn fragend an.
      “Bei mir verlief es ähnlich.” meinte ich knapp und grinste sie an. “Schön dass du da bist, wie kam sie auf dich?”
      Ich lächelte ihn an. “Ich war vor ein paar Monaten schon einmal hier, beruflich.”
      “Gut, dass du das ‘beruflich’ erwähnt hast, sonst hätte ich mir echt Gedanken machen müssen.” erwiderte ich lachend. “Die Pferde sind gefüttert, hinten ist eine Weide wo Jakobskreuzkraut steht, das muss raus. Traust du dir das zu oder willst du die Fohlen versorgen, während ich das Kraut raus mache?”
      “Ich würde mich gern erstmal umziehen wenn es recht wäre.” sagte ich lachend und sah ihn an. “Wie kommt es denn, dass du rasiert bist?”

      Hunter | Das klang so, als sähe es aus wie ein Unfall. “Wurde mal wieder Zeit.” sagte ich kurz angebunden. Ich hatte wieder viel zu viel geredet. “Fang dann einfach bei den Fohlen an, wenn du schon mal hier warst… Du weißt bescheid.” Gerade als ich merkte wieder zu viel zu erzählen hielt ich inne. Vermutlich klang es so, als würde ich noch weiter reden, aber ich nahm mir stattdessen ein paar Handschuhe, einen Eimer und eine Gartenschippe und ging damit zu der Weide wo das giftige Kraut stand.

      Käthe | Ich sah ihm nach und drehte mich dann um, um zum Haus zu gehen. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Tür nicht abgeschlossen war und ging mit meiner Tasche ins Haus. Da ich nicht wusste wo sich das Gästezimmer befand stellte ich die Tasche auf den Sessel im Wohnzimmer und beschloss mich dort auch umzuziehen. Ich steckte mein Telefon in die Tasche meiner Reithose und ging zurück in den Stall um mich den Fohlen zu widmen. “Wir haben uns aber lange nicht gesehen!” begrüßte ich Mystical Grey und kraulte der jungen Stute die Stirn. Ich zog ihr das Halfter an und führte sie in die Stallgasse um ihren Boxennachbar Con Heartlife ebenfalls aus der Box zu holen. Mit einem Fohlen links- und einem Fohlen rechts von mir verließ ich die Stallgasse und ging zu den Weiden. Hunter schien noch immer mit dem Jakobskreuzkraut beschäftigt und so brachte ich die Fohlen auf die nebenliegende Weide. Nachdem auch Connery’s Brownie und Boulevard Showcaster auf der Weide waren wartete ein Fohlen allein im Stall auf mich. Ich hatte die Boxentür noch nicht ganz geöffnet, da versuchte Donnerschall’s Jubilee sich bereits an mir vorbei zu drängen. Ich schob die Stute zurück und zog ihr das Halfter über. “Da kann es jemand aber gar nicht erwarten!” sagte ich lachend und brachte sie ebenfalls auf die Weide. Nachdem ich den Zaun geschlossen hatte ging ich zur Weide auf der Hunter war und stellte mich neben ihn: “Kann ich dir helfen?”

      Hunter | Das Kraut war zum Glück noch nicht allzu hoch gewachsen und so konnte ich es gut samt Wurzeln entfernen. Blöd war nur, dass es sich schon recht weit verteilt hatte. Immer wieder entdeckte ich noch einen Ableger. Ich richtete mich kurz auf und sah zu ihr hoch, da ich noch immer auf den Knien saß. “Nein ich komme zurecht. Bist du schon fertig mit den Fohlen?”
      “Ja deswegen bin ich ja hier!” antwortete sie und sah mich an.
      Ich maß sie spielerisch. “Ponys würden zu dir passen. Da hinten stehen drei.” sagte ich grinsend und zeigte auf den Nebenstall, wo Lindwedel, Belijana und Horik standen.
      “Weil ich klein bin oder was?” fragte sie lachend und sah zum Stall.
      Schmunzelnd wandte ich mich ab und schaufelte die nächste Pflanze samt Wurzeln aus der Erde. Sie hockte sich neben mich, riss ein Büschel Gras ab und sah mich provokant an. “Mit Bart hast du mir besser gefallen. Da hat man nicht alles gehört was du sagst.” sagte sie und hielt das Büschel Gras vor mein Gesicht.
      Ich lachte abfällig. “Ja genau.” antwortete ich und wandte mich wieder der Arbeit zu. Sie warf das Grasbüschel in den Eimer neben mir und legte ihre Arme um meinen Hals. “Dann geh ich mal zu meinen Ponyfreunden.” sagte sie leise und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
      Käthe verschwand anschließend in Richtung Ponys. Ich war nach einer Stunde endlich fertig mit dem Unkraut. Als ich sämtliche Utensilien weggebracht hatte, ging ich zu Schwarzgold und holte ihn aus seiner Box. Der Rappe war nicht sonderlich dreckig, trotzdem bürstete ich nochmal drüber bevor ich ihn sattelte und aufzäumte.
      Der Reitplatz war noch nass von den Regentagen zuvor, also entschied ich mich für die Reithalle. In der Mitte stieg ich auf und ritt den Hengst erstmal warm.

      Käthe | Nachdem ich Lindwedel geputzt hatte holte ich einen Kappzaum aus der Sattelkammer und legte ihn dem Ponywallach an. Ich führte ihn auf den Hof und ging zur Reithalle. “Kann ich mit rein kommen?” rief ich über die Bande. Hunter hielt Schwarzgold an und rief “Ja”, sodass ich ich das Tor öffnen konnte und mit Lindwedel eintrat. Ich schloss das Tor wieder und führte Lindwedel in die Mitte der Halle. Der Ponywallach wich brav auf den Zirkel und zog im Schritt seine Runden. Ich konzentrierte mich voll auf Lindwedel und ignorierte Hunter, der mit Schwarzgold auf dem anderen Zirkel blieb. Nach zwanzig Minuten beendete ich die Trainingseinheit und holte Lindwedel zu mir. Ich lobte den Wallach ausgiebig und warf Hunter einen flüchtigen Blick zu. Er schien zu verstehen und wechselte auf den unteren Zirkel. Ich führte Lindwedel aus der Halle und brachte ihn auf die Weide.
      Hunter arbeitete noch eine ganze Weile mit Schwarzgold, bis er ihn ebenfalls auf die Weide entließ und sich stattdessen Connery aus der Box holte. Ich ging zurück in den Stall und begann Belijana in ihrer Box zu putzen. Nachdem die Stute sauber vor mir stand fuhr ich mit meinen Fingern durch ihre dichte Mähne um diese aufzulockern. Ich verließ ihre Box und wandte mich ihrem Boxennachbarn zu, Horik. Der Norwegerhengst streckte sein Maul neugierig durch die Gitterstäbe seiner Box. Ich betrat sie und begrüßte ihn ausgiebig bevor ich mit dem Putzen begann. In der Zwischenzeit klopfte Belijana mit ihrem Huf gegen die Boxentür. “Geduld!” rief ich lachend und kratzte die Hufe von Horik aus. Ich hängte den Führstrick in das Halfter von Horik ein und führte den ruhigen Hengst in die Stallgasse. Ich entschloss mit dem Hengst eine Runde spazieren zu gehen und lief an der Reithalle vorbei um Hunter Bescheid geben zu können. Wir schlugen einen Pfad ein der uns genau in den Wald führen würde. Im Wald war es angenehm kühl und bis auf ein paar Bremsen kamen wir relativ glimpflich davon. Zurück auf dem Hof brachte ich Horik auf eine Weide abseits der Fohlen und ging in den Stall wo Belijana bereits auf mich wartete. Bevor ich die Stute aus der Box holte ging ich in die Sattelkammer um eine Longe zu holen. Ich hängte die Longe in das Halfter ein und führte Belijana zum Reitplatz um Hunter in der Halle nicht zu stören. Anscheinend hatte es die letzten Tage geregnet, denn mit jedem Schritt sanken wir etwas in den weichen Sand ein. Ich ging in der Mitte des Reitplatzes und schickte Belijana auf den Zirkel. Im Schritt ließ ich sie ein paar Runden warm laufen bevor ich ihr das Kommando gab anzutraben. Belijana folgte und ich hatte zu tun die Stute auf dem Zirkel zu halten. Auch wenn sie nicht besonders groß war hatte sie ordentlich Kraft! Ich ließ Belijana zum Abschluß ein paar Runden galoppieren bevor ich sie zum Stand parierte und betrachtete. Der nasse Sand klebte sowohl an den Beinen der Stute, als auch an ihrem Bauch. “Sieht so aus als müssten wir dich abduschen.” stellte ich fest und führte die Stute zum Waschplatz. Ich tauschte die Longe gegen einen Führstrick und band sie fest.

      Hunter | Connery arbeitete ein wenig besser mit als Schwarzgold. Der Braune war so motiviert, dass ich irgendwann abstieg und ein Hindernis aufbaute. Ich legte die Stange nicht allzu hoch, da ich keine Höchstleistungen am Sprung erwartete. Connery freute sich über diese Gelegenheit sich außerhalb der Dressur zu verausgaben. Nach einer guten Stunde ritt ich ihn ab und brachte ihn im Anschluss auf seine Weide. Aus ich wieder zum Stall kam sah ich, dass Käthe noch dabei war Belijana abzuwaschen. Ich nahm mir die Zeit um mich neben sie zu stellen. Eigentlich hätte ich jetzt gerne geraucht, aber das war ein Laster, das Käthe noch nicht von mir kannte und so lenkte ich mich ab. Die schwarze Stute genoss ihr Bad und Käthe versuchte gerade den wohl hartnäckig festsitzenden Sand aus dem Behang zu lösen. Sie hatte mich noch nicht bemerkt und da ich sie nicht unnötig erschrecken wollte… wir wissen ja wohin sowas führt… blieb ich ruhig stehen und verhielt mich leise.

      Käthe | Stöhnend stand ich aus der Hocke auf und begutachtete den Behang von Belijana der nun endlich von Sand befreit war. Zufrieden stellte ich das Wasser ab und hängte den Wasserschlauch über den Anbindebügel. Ich löste den Strick von Belijana und erschrak als ich Hunter hinter mir bemerkte. “Stehst du schon lange da?” fragte ich ihn und sah ihn forschend an. “Nur einen Moment lang. Kann man dir helfen?” antwortete er und schmunzelte. Ich sah an Belijana herab, antwortete knapp “Nein, bin schon fertig.” und ging an ihm vorbei um die Stute auf die Weide zu bringen. Als ich das Weidetor geschlossen hatte drehte ich mich um und wollte gerade zurück zum Stall gehen als ich sah dass Hunter sich eine Zigarette anzündete. “Hunter? Am Stall rauchen?” rief ich ihm zu und hob mahnend den Finger. Er nahm das Feuerzeug runter und nuschelte irgendwas von: “Hier ist ja direkt Wasser.” Er nickte zum Schlauch rüber. “Du willst also duschen?” fragte ich grinsend und griff nach dem Wasserschlauch. Langsam schüttelte er den Kopf, machte jedoch keine Anstalten die Zigarette zu löschen. “Dann geh wenigstens in den Hof, Hunter.” bat ich ihn und räumte den Waschplatz auf. “Aber… hier ist es eigentlich sicherer.” widersprach er und lehnte sich gegen den Anbindebügel. “Dann mach doch was du willst!” sagte ich gespielt wütend und ging in den Stall. Hunter rauchte seine Zigarette zu Ende und folgte mir dann. Ich war gerade dabei Petite Jayaprada zu putzen als Hunter den Stall betrat. Ich tat so als wäre ich noch wütend und ignorierte ihn.

      Hunter | Gleich neben Petite Jayaprada stand Mystical Star. Die Falbstute drängte sich so sehr an die Boxentür, dass ich sie kaum aufschieben konnte. Mit der einen Hand schob ich Mystical zurück und mit der anderen öffnete ich die Türe. Als die Stute endlich angebunden auf der Stallgasse stand, war Käthe schon so gut wie fertig. Sie kratzte die Hufe der Stute aus und sah nicht ein Mal zu mir. Ich brauchte gut zwanzig weitere Minuten bis ich endlich fertig war und Mystical Star aus dem Stall führte. Käthe gurtete Petite Jayaprada nach und schwang sich in den Sattel. Ich setzte den Helm auf und tat es ihr gleich. Eigentlich hatte ich vor Mystical Star in der Reithalle zu arbeiten, doch Käthe griff mir in den Zügel und führte mich neben ihr her “Wir haben noch einen Ausritt ausstehend.” sagte sie und lächelte mich an. “Redest du also wieder mit mir.” stellte ich fest und warf ihr einen provokanten Blick zu.
      “Soll ich nicht?” antwortete sie ohne mich anzusehen. Als sie den Zügel los ließ nahm ich ihn wieder auf und reihte mich hinter Petite Jayaprada ein.
      Die deutsche Eifel bot ein wunderschönes Reitgelände. Nach einer Stunde kamen wir wieder auf den Hof zurück und brachten die beiden Stuten auf ihre Weide. Nun waren Bolonya Joleen und Jinx an der Reihe.
      Wir beschlossen die beiden übrigen Stuten nur abzulongieren. “Drei Hengste haben wir noch, dann müssen wir nur noch die Ställe misten.” stellte Käthe fest und machte sich auf den Weg zu Sir Outlaw. Sie ging in die Box des Hengstes und begann damit ihn zu putzen. “Ich werde mit ihm in die Halle gehen wenn das ok geht?” fragte sie mich und sah durch die Gitterstangen hindurch. “Klar.” gab ich zurück und nahm Orpheo aus seiner Box. Als der Hengst gesattelt war führte ich ihn auf den Reitplatz und stieg auf.

      Käthe | Nachdem Sir Outlaw bewies dass er Temperament hatte arbeitete er fleißig mit. Nach einigen Gang- und Handwechseln parierte ich den Hengst in den Stand und holte ihn zu mir. Ich lobte ihn ausgiebig und brachte ihn auf die Weide. Auf dem Rückweg hielt ich am Reitplatz und sah Hunter und Orpheo zu. Die beiden schienen miteinander zu harmonieren. Hunter hielt den schönen Hengst auf meiner Höhe an und legte die Hände auf dem Zwiesel ab. “Kümmerst du dich um Golden Jam? Ich werde noch eine Weile brauchen.” sagte er und ich nickte zustimmend. “Das sah gut aus!” lobte ich ihn als er die Zügel wieder aufnahm und anritt. Ich ging in den Stall und begrüßte das letzte Pferd, Golden Jam, befestigte den Führstrick an seinem Halfter und führte ihn hinaus in die Stallgasse wo ich ihn vor seiner Box festband. Geduldig ließ er sich von mir putzen. Als wir fertig waren ging ich in die Sattelkammer und holte die Longe um sie an Golden Jams Halfter zu befestigen. Aufgeregt folgte der Hengst mir in die Reithalle und ließ sich auch beim longieren kaum beruhigen. Er war auf ganzer Linie unkonzentriert. Ich wechselte die Hand und versuchte es erneut doch ohne Erfolg. Nach einer gefühlten Viertelstunde gab ich es auf und holte Jam zu mir. “Du willst raus, oder?” fragte ich ihn und zupfte seinen Schopf zurecht. Auf dem Weg zur Weide hielt ich Golden Jam mehrfach an da er versuchte mich zu überholen. Hunter sah mich fragend an und ich zuckte die Schultern als Antwort. Ich konnte die Longe gerade abnehmen, da schoss der Hengst auch schon los und galoppierte ungestüm über die Weide. Da Hunter noch auf dem Reitplatz war begann ich damit die Stallgasse aufzuräumen und wusch die Tränken aus. Kurze Zeit später kam Hunter mit Sattel und Trense unter dem Arm in den Stall und ging in die Sattelkammer um die Sachen zu verstauen. Während er die Boxen der Pferde ausmistete folgte ich ihm und streute sie neu ein. Nun da die Arbeit erledigt war ging ich ins Haus und beseitigte meine Unordnung vom Vormittag. Wenige Minuten später öffnete Hunter die Tür und ging wortlos an mir vorbei ins Badezimmer.

      Hunter | Da nichts im Haus war bestellten wir uns etwas zum Essen. Satt und alle Arbeiten erledigt saßen wir im Wohnzimmer. Ich hatte nach langer Zeit wieder mein Skizzenbuch rausgeholt und kritzelte darin herum. “Was machst du da?” fragte Käthe die in der Küche stand und sich einen Kaffee machte. “Ich zeichne.” antwortete Hunter geistesabwesend. Sie goss sich eine Tasse ein und lehnte sich über meine Schulter. “Du kannst zeichnen?” fragte sie und sah mich fragend an. Ich hielt kurz inne und sah sie an. “Für meine Verhältnisse ist es ausreichend.” - “Ausreichend ist untertrieben Hunter!” sagte sie begeistert und schob meine Füße vom Sofa um sich selbst zu setzen. Ich brummte zustimmend und legte Stift und Buch auf den Wohnzimmertisch, da ich nicht weiter machen konnte, wenn ich mich beobachtet fühlte. “Hab ich was falsches gesagt?” - “Nein, ich… kann nur nicht zeichnen, wenn mir jemand dabei zusieht.” Zögernd nippte sie an ihrer Tasse: “Darf ich mal sehen?”.
      Ich nickte und gab ihr das Buch. Sie legte es auf ihre Beine und blätterte darin herum. “Das hätte ich dir nicht zugetraut, wirklich.” sagte sie und ich konnte nicht wirklich einschätzen ob es sich dabei um ein Lob handeln sollte. Sie lächelte und gab mir mein Skizzenbuch zurück. “Ich mach dann mal einen Rundgang.” sagte sie und stand auf. Während sie sich die Schuhe anzog fragte sie: “Wie lange bleibst du eigentlich hier?”.
      “Bis zum Ende der Woche. Dann kommt Fleur zurück.” antwortete ich und nahm mein Buch wieder auf den Schoß, in der Erwartung, dass Käthe gleich weg wäre.
      “Achso, na dann.” sagte sie und ging nach draußen.
      Nach einer halben Stunde kam sie zurück. “Weißt du wo wir schlafen sollen?” Doch bevor ich antworten konnte fügte sie “...oder wo ich schlafen soll.” hinzu. Einen Moment lang sah ich sie schweigend an, da ich selber nicht wusste wie der Plan war. “Es gibt ein Gästezimmer.” sagte ich irgendwann. “Fleurs Zimmer sind abgeschlossen, das macht sie immer so.” fügte ich noch hinzu. - “Soll ich auf dem Sofa schlafen? Dann weck ich dich morgen nicht wenn ich losfahre.” fragte sie und sah mich an. Überrascht sah ich sie an. “Du fährst morgen wieder?” fragte ich ohne auf ihre Frage einzugehen. “Ja, so war es geplant.” antwortete sie und griff nach ihrer Tasche, welche noch immer auf dem Sessel stand. “Okay.” meinte ich geknickt und dachte weiter über das Zimmerproblem nach. Sie nahm ein paar Sachen aus ihrer Tasche und ging ins Badezimmer. Als sie wieder kam hatte sie ihre Haare zusammen gebunden und trug ein längeres Shirt. “Wollen wir dann schlafen gehen? Nicht dass es zu spät wird.” fragte sie und lehnte sich gegen die Badezimmertür. “Oben steht ein Doppelbett in dem Gästezimmer.” erwähnte ich trocken, um zu sehen wie sie darauf reagieren würde. Sie sah auf den Boden und lächelte: “Hunter, wir sind zu Besuch.”.
      “Deshalb musst du ja nicht auf dem Sofa schlafen.”
      Sie zögerte und atmete hörbar aus. “Okay, aber ich gehe dann jetzt schon.” antwortete sie und räumte ihre Sachen in die Tasche. “Aber ich will morgen keine Beschwerden hören wenn du aufwachst!” fügte sie hinzu und warf mir einen frechen Blick zu.
      “Wann geht dein Flug?” fragte ich immer noch schmunzelnd über ihre vorige Bemerkung. “Um zehn Uhr. Und davor muss ich den Leihwagen noch abgeben.”
      “Ich könnte dich zum Flughafen bringen. Oder du bleibst hier.”
      Nachdenklich sah sie mich an. “Ich kann Erin doch heute nicht mehr anrufen und fragen, ob sie die Pferde die ganze Woche betreut.” sagte sie schließlich und wirkte traurig.
      “Wenn sie nein sagt, würde Isaac sicher einspringen. Er wohnt sowieso bei dir um die Ecke.”
      “Du willst dass ich hier bleibe?” fragte sie mich überrascht.
      “Wenn ich das nicht wollte, hätte ich es nicht als Option genannt.”
      Sie nahm ihre Tasche und brachte sie zur Treppe. “Dann bleibt mir ja nichts anderes übrig” sagte sie lächelnd.
      “Sag mir nur Bescheid, wenn ich Isaac anrufen soll.”
      Sie rollte mit den Augen und zog ihr Handy aus der Tasche. Das Gespräch dauerte keine fünf Minuten, doch es schien positiv verlaufen zu sein. “Erin wird mich ausfragen wenn ich wieder komme.” sagte sie und sah mich lachend an.
      “Wäre das ein Problem für dich?” meinte ich grinsend. “Ich weiß es nicht.” antwortete sie und zuckte mit den Schultern. Sie nahm ihre Tasche und ging die Treppe hinauf. “Welches der Zimmer ist das Gästezimmer?” rief sie durch das Haus und wartete meine Antwort ab.
      “Das, das nicht abgeschlossen ist.” rief ich zurück. Ich konnte ihr genervtes Stöhnen hören. “Ich versuche in einem fremden Haus nicht in jedes Zimmer zu schauen, Hunter!” rief sie.
      Ich lachte und rief dann: “Das kannst du auch nicht, wenn die privaten Räume der Besitzerin abgeschlossen sind.”. “Hast du das getestet?” fragte sie mahnend und setzte sich auf die oberste Treppenstufe. “Muss ich hoch kommen?” drohte ich noch immer lachend. “Vor dir hab ich keine Angst mehr.” sagte sie lachend und blieb sitzen.
      Ich seufzte schwer, legte mein Buch weg und stand auf um die Treppe hoch zu gehen. Käthe beobachtete mich, machte jedoch keine Anstalten aufzustehen.
      Hinter ihr blieb ich stehen. Da sie sich noch immer nicht rührte hob ich sie mit einem beherzten Griff unter die Arme hoch und schob sie zur Tür des Gästezimmers. “Ich geh ja schon!” rief sie lachend und sprang auf das Bett.
      “Gut, kommst du jetzt zurecht?” fragte ich lächelnd und wollte das Zimmer wieder verlassen.
      “Wann willst du denn schlafen gehen? Immerhin müssen wir morgen wieder in den Stall.” fragte sie und stützte ihren Kopf auf ihre Arme.
      “Gleich.” gab ich knapp zurück und schloss die Tür hinter mir um wieder ins Wohnzimmer zu gehen. Nachdem ich es mir gemütlich gemacht hatte nahm ich mein Skizzenbuch wieder auf. Eine Stunde lang kritzelte ich rum, bis es mir langweilig und ich ebenfalls müde wurde.
      Als ich ins Gästezimmer kam, schien Käthe bereits zu schlafen. Also versuchte ich mich so ruhig und unauffällig wie möglich zu verhalten und legte mich ebenfalls ins Bett. “Wie spät ist es?” fragte Käthe müde und erschreckte mich damit zu Tode. “Schlaf weiter.” antwortete ich ruhig. Sie drehte sich um und legte ihren Arm auf meinen Rücken.

      Käthe | Als ich aufwachte streckte ich mich genüsslich aus. Hunter schlief noch. Ich beobachtete ihn eine Weile um zu überlegen wie ich ihn wecken könnte, bevor ich mich auf ihn setzte und seine Arme fest hielt. “Aufwachen. Crowley!” rief ich und lachte ihn an.

      Hunter | Noch halb im Schlaf spürte ich, wie mich etwas in die Kissen drückte und meine Arme dabei fest hielt. Unzufrieden knurrte ich und versuchte mich aus dem Griff zu lösen. Als ich es endlich schaffte, drehte ich mich auf den Rücken um Käthe anzusehen. “Was soll das?” - “Wir müssen aufstehen, die Pferde warten!” antwortete sie und blieb weiterhin sitzen. Wieder knurrte ich und drehte mich zur Seite, so gut es eben ging. Ich war nicht mal wach!
      “Wie möchtest du denn morgens geweckt werden? Mit einem Glas Wasser?” fragte sie frech, legte sich auf mich und spielte mit meinen Haaren. “Morgen… stellen wir den Wecker.” schlug ich vor. “Wie langweilig!” lachte sie und legte ihr Kinn auf meine Schulter.
      “Ich erinnere dich daran wie langweilig Wecker sind, wenn ich dich mal mit einem Glas Wasser wecke.” - “Sei kein Brummbär immerhin hab ich es nicht getan!” antwortete sie. Ich brummte abermals, konnte dabei aber nicht ernst bleiben. “Wenn du nicht aufstehst muss ich wohl zum Flughafen fahren.” sagte sie gespielt beleidigt und stand auf.
      “Ich steh ja auf!” murrte ich und kroch so langsam es mir möglich war aus dem Bett, streckte mich und zog mich dann an. “Na geht doch” sagte sie und ging die Treppe runter. Ich hörte wie sie ins Badezimmer ging und überlegte mich doch wieder hinzulegen. Mehr als nochmal geweckt zu werden, konnte nicht passieren. Also ließ ich mich rücklings aufs Bett fallen und schloss die Augen. “Das ist nicht dein Ernst!” rief Käthe, als sie das Zimmer betrat und rüttelte an meiner Schulter. “Ist ja gut!” nuschelte ich und sprang wieder auf um ins Bad zu gehen und mich fertig zu machen. Erst nach einer Tasse Kaffee war ich richtig wach. Käthe setzte sich zu mir an den Küchentisch. “Wir dürfen den Leihwagen nicht vergessen.” sagte sie und sah mich erwartungsvoll an. “Tun wir nicht. Teilen wir uns bei der Fütterung auf?” fragte ich und stand auf um in den Stall zu gehen und alles vorzubereiten. Wenig später folgte sie mir in den Stall und holte ein paar Eimer. Als ich den letzten Eimer im Trog von Sir Outlaw leerte holten wir die Pferde hinein. “Können wir dann los?” fragte Käthe und hielt den Autoschlüssel in die Luft. Ich nickte und ging ins Haus um meinen Wagenschlüssel zu holen.

      Käthe | Nachdem ich den Wagen abgegeben hatte, fuhren wir mit Hunters Wagen zurück zum Hof. Ich nutzte die Gelegenheit und kontrollierte meine Emails. “In einer Woche gibt es eine Pferdemesse in der Nähe.” sagte ich und öffnete die Mail. “Wann?” fragte er interessiert, konzentrierte sich jedoch weiter auf die Straße. “Am Wochenende, nächstes Wochenende.” antwortete ich leise und las weiterhin in der Mail. Hunter nickte nur und fuhr auf den Hof von Fleur. Ich stieg aus und ging zum Haus. Hunter folgte mir. Als wir drinnen waren fragte er, ob ich ihm die Mail weiterleiten würde. “Was krieg ich dafür?” fragte ich und zwinkerte ihm zu. “Was verlangst du denn?”. Ich beschloss ihm nicht zu antworten und sah lächelnd auf mein Telefon um ihm die Mail weiterzuleiten. Wenige Sekunden später klingelte sein Telefon. Er sah mich prüfend an und zog das Telefon aus der Tasche: “Hab ich damit jetzt einen Pakt mit dem Teufel geschlossen?”. “Das hast du bereits.” antwortete ich ihm und lachte. Er schluckte. “Achja?” - “Ja und jetzt lies deine Mail!” sagte ich und wusch die Tassen vom Morgen ab. Er traute der Sache noch immer nicht, ging aber raus und starrte dabei auf sein Telefon. Ich stellte die Tassen zum Trocknen auf ein Handtuch und folgte ihm nach draußen. “Du rauchst ganz schön viel in letzter Zeit.” bemerkte ich und sah ihn an. “Das kommt dir vielleicht nur so vor.” sagte er vorsichtig. “Gehst du hin?” fragte ich und nickte in Richtung des Telefons. Er nickte und machte die Zigarette aus. “Ja, klingt gut. Gine hätte vielleicht auch Interesse daran.” Ich sah ihn an: “Klingt gar nicht schlecht. Vielleicht bessert sich dann das Verhältnis zwischen euch beiden wieder.”. Er brummte nur irgendwas vor sich hin. “Wie machen wir heute die Pferde?” - “Es ist ziemlich warm. Lassen wir ihnen heute ihre Ruhe auf der Weide.” - “Na gut.”

      Der Rest der Woche verlief recht ereignislos. Am letzten Tag kam Fleur mit ihrer Tochter nach Hause. “Wie war die Show?” wollte Hunter wissen und fing an mit Fleur zu plaudern. “Hat dir die Cremellostute zugesagt, für die du dort warst?” Fleur erzählte ihm angeregt von ihren Erfahrungen. Ich hatte das Gästezimmer aufgeräumt und bekam von Fleurs Rückkehr nichts mit. Als alles fertig war ging ich die Treppe runter. Da Hunter offenbar nicht im Haus war wollte ich im Stall nach ihm sehen. “Fleur! Schön dich zu sehen!” rief ich als ich die Tür öffnete und sie mit Hunter im Hof entdeckte. Ich lief zu der kleinen Gruppe und begrüßte Fleur und ihre Tochter Lucy. Überrascht sah sie mich an: “Käthe! Du auch noch hier?” Peinlich berührt biss ich mir auf die Unterlippe. “Ich wurde… überredet zu bleiben.” sagte ich und warf Hunter einen Blick zu, der nur blöd grinste. Fleur fragte zum Glück nicht weiter nach.
      Ein paar Stunden später saßen Hunter und ich schon im Wagen und waren auf dem Weg nach Frankreich zur Fähre. “Das wird eine lange Fahrt werden.” sagte ich als wir im Stau standen. “Oh ja…” gab Hunter zurück und streckte sich soweit es ihm möglich war. Beinahe hätten wir die Fähre verpasst und auch in England erwarteten uns zwei schier endlose Staus, bis wir endlich auf unseren jeweiligen Höfen ankamen. 6 Juli 2017

      sadasha
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      23. September 2017 | 5.029 Zeichen von sadasha
      Bear Brook Farrier | Hufschmiedbesuch für Horik, Belijana, Lindwedel und Sir Outlaw

      Beim Packen meiner Tasche musste ich seit Langem wieder daran denken, dass es auch wieder kalt und nass werden konnte. Der Herbst war da und die warmen, sonnigen und windstillen Tage damit vorüber. Viele waren traurig darüber, doch ich genoss den kühlen Wind und den Anblick des Geländes am Morgen, gänzlich mit Nebelschwaden bedeckt. Auch jetzt war es draußen Grau, obwohl die Sonne sich schon seit zwei Stunden ihren Weg bahnen wollte. Mehrere Stufen überspringend hüpfte ich die Treppe runter und warf meine fertig gepackte Tasche in den Flur um gleich darauf in die Küche zu laufen. “Der ist ka-” fing Miss Clayton an, doch ich hatte schon zwei kräftige Schlücke des abgestandenen Kaffees getrunken. Entsetzt sah sie mich an. “Wieso so eilig Mr Crowley?” fragte sie einen Augenblick später. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich gut in der Zeit lag. “Man weiß nie wie der Verkehr ist. Wenn ich die Fähre verpasse verliere ich viel Zeit.” erklärte ich knapp und verabschiedete mich dann von meinem Team. Es war immer wieder schön die Reise nach Deutschland anzutreten. Es ist und bleibt meine zweite Heimat, egal ob ich dort wohne oder nicht. Außerdem ging es wieder nach Fleur, die ich schon lange nicht mehr besucht hatte.
      Als ich auf den Hof in der Eifel fuhr nieselte es, doch Fleur und ihre Tochter begrüßten mich mit strahlenden Lächeln. “Du könntest dich auch mal wieder rasieren, Hunter.” meinte Fleur lachend, nachdem sie mich aus ihrer Umarmung entlassen hatte. Schmunzelnd sah ich sie an und überging dieses Thema indem ich mit dem Wesentlichen anfing: “Sir Outlaw ist kürfertig?” wollte ich mich vergewissern. Stolz nickte sie. “Fast! Deshalb bist du ja hier.” Ich nickte verständnisvoll. “Ich fange mit den anderen Pferden an, danach kann ich mich voll und ganz auf ihn konzentrieren.”
      Als Erstes nahm ich mir den Fjordhengst Horik vor. Der Falbe war klatschnass vom Regen. Jedes normale Pferd hatte sich untergestellt, doch er schien die Nässe zu mögen. Bevor ich seinen Beschlag erneuern konnte säuberte ich alle vier Hufe. Anschließend nahm ich die zwei alten Hufeisen ab und schnitt das Horn darunter zurück um es auf die neuen Eisen vorzubereiten. Hier und da musste ich die Eisen noch anpassen bevor ich sie anschlagen konnte. Als ich mit den Vorderhufen durch war schnitt ich die beiden unbeschlagenen Hinterhufe aus. Immer wieder kontrollierte ich meine Arbeit. Als ich fertig war brachte ich den jungen Hengst zurück in seine Offenstallbox.
      Danach ging ich das ganze Prozedere auch mit Belijana und Lindwedel durch. Die beiden Fellponys verhielte sich wie Horik vor ihnen vorbildlich. “Die wurden heute erst gearbeitet, ganz so ruhig sind die eigentlich nicht.” erklärte Fleur stirnrunzelnd, als ich mich nach Lindwedels letzten Huf wieder aufrichtete und streckte. “Laufen die mittlerweile im Gespann?” fragte ich interessiert. Doch Fleur schüttelte gleich den Kopf. “So weit sind wir noch nicht.” meinte sie grinsend.
      “Wann sind eigentlich bei dir wieder Pferde kürfertig?” wollte Fleur auf dem Weg zu Sir Outlaws Box wissen. Ich lachte laut auf bei dieser Frage und schüttelte dann seufzend den Kopf, während ich die Boxentür aufschob. Entgeistert suchte Fleur meinen Blick. “Wieso lachst du jetzt?” fragte sie verwirrt. “Ach du meintest die Frage ernst!” bemerkte ich immer noch grinsend und striff Outlaw das Halfter über. “Meine ausgewachsenen Zuchtpferde sind alle fertig. Die nächsten müssen erstmal groß werden. Aber bei Raver und Blossom sollte es als nächstes so weit sein.” Hektisch versuchte Sir Outlaw sich an mir vorbeizudrängen. Mit einem gezielten Stoß nach hinten schob ich ihn wieder zurück in die Box und sah ihn bestimmt an. Ohne einen Kommentar versuchten wir das gesittete Boxverlassen noch einmal und siehe da: Es klappte gleich viel besser. Fleur verkniff sich ein Lachen. “Soll ich helfen?” fragte sie und strich ihrem Fuchshengst über den Rücken, während ich ihn zur Putzstelle führte. Sir Outlaw war heute sehr hengstig und so nickte ich Fleur dankbar zu. Während ich die Hufe bearbeitete lenkte sie den großen Fuchs ab. Immer wieder versuchte der Trakehner mir seinen Huf aus der Hand zu ziehen, doch mit geübten Griffen hielt ich ihn bei mir. Der Vorgang zog sich durch diese Ausbrüche ein wenig in die Länge und eine Arbeitszeit von üblicherweise zwanzig Minuten zog sich so auf knapp vierzig Minuten. “Tut mir leid, dass er heute so ist.” sagte Fleur mit besorgter Miene, als wir endlich fertig waren. Doch sowas gab es nunmal. Auch wir haben ab und an schlechte Tage. “Es gibt schlimmere als ihn.” kommentierte ich das etwas aufmüpfige Verhalten von Outlaw und brachte ihn zurück in seine Box.
      Der erst so leichte Regen hatte sich mittlerweile zu einem Sturm entwickelt. Vielsagend sah ich Fleur an. “Es ist alles abgesichert. Wir haben schon seit ein paar Tagen so wechselhaftes Wetter.” meinte sie schulterzuckend. Wir räumten den Putzplatz auf und brachten mein Werkzeug zurück in den Wagen, bevor wir uns ins Haus verkrochen und die nächsten Tage besprachen.
      23 Sep. 2017

      Elsaria Trakehnergestüt lindenweide


      Fleur /Lucie

      Julia

      Sonja

      Maikus



      Pferde: Horik, Beljana,Lindwedel,Donnerschall´s Jubilee, Connery´s Brownie, Boulevard Showcaster,Mystical Grey, Con Heartlife,Caramell, Jinx, Bolonya joleen,Mystical Star, Petite Jayaprada, Connery, schwarzgold, Sir Outlaw,Orpheo, Golden Jam,




      Die kälte naht


      Mit Donnerschall´s jubilee war meine Fohlensaison beendet und gleichzeitig verabschiedeten wir ihren erfolgreichen Vater Donnerschall in seine wohlverdiente Rente. Er durfte jetzt auf der Gnadenweide sein Restleben genießen während seine kleine Tochter auf ihr leben vorbereitet wurde.

      Es wurde merklich kalt und das erst ende oktober. Ich stand in der küche und kochte für alle Kaffe und richtete das Frühstück her. Lucie ist 7 geworden und lernte gerade auf Lindwedel das reiten. Sie machte es gut. Julia Sonja und Maikus und meine Tochter kamen etwas verschlafen in die Küche. „ Morgen!“ kam es aus jedem Mund. Gemeinsam frühstückten wir und ich vergab die heutigen aufgaben. „ Sonja macht heute die Stuten, julia die fohlen und Maikus die hengste und alle helfen bei reparaturen und Lucie kümmert sich um Lindwedel und Belijana und ich um horik, leider habe ich selbst kaum zeit, da ich heute noch zum arzt mus“ schloss ich ab und trank meinen kaffee. Julia begann mit Doonnerschall´s Jubilee, sie musste jetzt endlich am halfter gehen, sie war die einzigste die sich bis jetzt sträubte. Maikus und Sonja fuhren die weiden ab der sturm letzte nacht hat bestimmt einige schäden verursacht. Lucie und ich gingen in den Privat stall. Sie holte ihren Lindwedel aus der box und band ihn an., Ich kontrollierte ob er wirklich angebunden war, dann striegelte lucie lindwedel sauber. „wollen wir einen ausritt machen?!“ fragte ich sie und sie bejahte also machte ich Horik fertig. Gab meinen Mitarbeitern bescheid und machte mich mit horik und Lindwedel lucie auf den Weg in den Wald.

      Der Herbst war schon lange eingezogen mittlerweile haben alle Bäume ihre Farben der blätter auf Braun gelb und rötlich gewechselt.. lucie hatte lindwedel unter kontrolle.


      Julia war inzwischen bei Connery´s Brownie an der reihe, sie ließ ihn in der halle frei laufen Zu Connery holte sie noch showcaster hinzu die 2 fohlen tobten wie im Frühling. Man konnte ihre lebensfreude richtig erkennen. Showcaster hatte sich wirklich toll entwickelt der junge hengst ist der hingucker der hengste dieses Fohlenjahrgangs.


      „Da ist was kaputt Maikus!“ bemerkte Sonja. Inzwischen hatten sie alle 7 Weiden abgefahren und 5 Weiden mussten geflickt werden, 4 vom Sturm und 1 Weide mussten irgendwelche in nacht und nebel aktion aufgeschnitten haben weil sie meinten das da noch pferde drauf standen. Zum glück hatten wir alle wegen der Sturmwarnung reingeholt. „ Ob wir noch die Pferde schaffen!“ meinte Maikcus. „ Dann haben sie heute mal Frei!“ sagte sonja und begann mit der reparatur.


      Inwzischen kamen Lucie und ich an eine trabstrecke an und ich trieb meinen Fjordhengst in den Trab. Auch lucie gab den befehl lindwedel und trabte locker neben uns her.

      Wie lange ich mich lucie schon nicht mehr zusammen ausgeritten bin. Mir fehlte einfach die zeit und ich war froh das lucie sich auf dem hof einbringte und das mit ihen 7 jahren. Bald kommt die Galloppstrecke japste lucie freudig. Sie liebte es schnell zu sein.


      Nachdem Julia Connerys Brownie und Showcaster in ihre Boxen versorgt hatte holte sie Mystical Star. Die Graufalbe war die 2 älteste und echt eine schönheit, auch sie durfte zusammen mit con Heartlife in die Halle, da bekam sie einen anruf von sonja, die sie bat die stuten und hengste zu übernehmen da sie mit den reparaturen länger dauerten.


      „Ich hab jetzt Julia angerufen und gefragt ob sie die pferde macht!“ gab ich maikus zur info. Inwzischen hatten wir die pfähle neu gesetzt und die kaputten holzblanken ersetzt. Maikus schlug gerade den letzten Nagel rein. „ So erste weide Fertig!“ sagte er und wischte sich die Stirn fertig. Sonja kontrollierte noch die tränke. Dann fuhren sie wieder auf die 2 weide. Dort mussten sie nur die latten ersetzten.


      Inzwischen waren wir auf der Galloppstrecke angekommen und feuerte meinen Hengst an zu gallopieren, die ersten paar metern waren wir in führung doch lindwedel mit lucie holten uns schnell ein und bald hatten wir mühe mitzuhalten. 2 Jippiiii!“ rief lucie freudig und klopfte seinen Hals.


      Nachdem julia mit den Fohlen fertig war, holte sie Caramell und longierte diese. Caramell war eine Trakehnerstute der besonderen art ihre Farbe war selten bis gar untypisch.

      Die Stute kam direkt aus amerika . Caramell arbeitete gut mit nachdem diese wieder in der box war brachte julia Jinx, Bolonyja joleen, Mystical star und Petite jayaprada in die Führanlanlage.

      Danach ging sie zu den hengsten und holte den braunschecke orpheo aus seiner box.

      Sie wollte ihn longieren.


      „Nur noch 3 Weiden noch!“ seufzte sonja, inzwischen war es mittag, darum beschlossen die 2 auf der wiese zu essen und etwas ausruhen danach würden sie sofort weiter machen.



      Endlich hatte ich meine Tochter eingeholt und brachen zum umkehren auf, denn lucie musste sich noch um Beljana kümmern, wenn sich kein käufer findet würde sie auf die Gnadenweide kommen den sie mochte es nicht gearbeitet zu werden und nur in der box zu stehen und schön auszusehen geht einfach nicht. „ das war eine tolle idee mama! Hörte ich meine tochter sagen.


      Inzwischen war julia schon bei Golden Jam. Schwarzgold hatte nur eine putzaktion bekommen, da sie merkte das er etwas lahmte. Golden Jam war schon lange auf dem Hof, und nach Sir Outlaw wird er für die Körung vorbereitet. Golden Jam nahm alles gemütlich. Nachdem ich jam wieder in die box brachte holte ich den Fuchshengst, dieser durfte in die Halle, bei ihm warteten wir noch auf die entscheidung ob er nun gewonnen hatte oder nicht.


      Nachdem wir gegessen hatten waren wir bei der letzten weide angekommen, dieser sah wild aus, umgefallene bäume die wir entfernen mussten da sie eine gefahr für die pferde darstellte zäume repariert werden. Aber wir kamen gut voran, wir sahen wie unsere Chefin und ihe Tochter aus dem wald nachhause ritten.



      Auf dem hof angekommen versorgten wir Horik und Lindwedel mit abschwitzdecken in ihre boxen und schaute nach dem rechten, dann musste ich zum arzt. Lucie kümmerte sich um die rappstute. Beljana durte heute etwas auf das Paddock.


      Julia war mit Sir outlaw fertig und ritt Connery. Connery war ihr lieblingshengst, der ruhige 10 jährige nahm auch alles gelassen


      Gegen späten nachmittag trafen alle ein um den abenddienst einzuplanen und dann war der tag auch schon zu ende.
      30 Okt. 2017
    • Occulta
      Jungpferde und ältere Jungpferde
      PFS’ Sarabi, PFS’ Counterfire, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, Daedra, Nosferatu, Areion, Sika, Parányi, Vychahr, Bintu Al-Bahri, Farasha, Islah, Numair, Lindwedel, Circus Dancer, tc Herkir, Ljóski, Vai Alida, Cabinet of Caligari, scs Bluebell, PFS’ Dancin’ to Jazz

      Oliver und ich sassen zusammen in der Reiterstube und beobachteten die Reitstunde durch die grosse Glasscheibe. Lisa stand in der Mitte und dirigierte fremde, sowie unsere eigenen Leute durch verschiedenste Bahnfiguren. Mit einem Lächeln beobachtete ich die kleine Suri, Lilys neue Freundin, die auf Nosferatu leichttrabte. Sie bewegte sich noch etwas unbeholfen und hatte nicht immer ganz denselben Takt wie das Pony unter ihr, aber sie gab sich sichtlich Mühe und versuchte ihren Körper gerade zu halten. Lily, die mit ihrem Tinker Areion ein eingespieltes Team war, ritt ihr natürlich um die Ohren, aber dafür, dass Suri erst seit zwei Wochen im Sattel sass, schlug sie sich richtig gut. Pony Nossi benahm sich ebenfalls tadellos. Sie buckelte nicht, war nicht zu schnell und liess sich von Lisa per Stimmkommandos fast fernsteuern. Ich wandte mich wieder an Oliver, der mich fast gleichzeitig ansah. «So?», fragte ich mit erwartungsvollem Blick, denn der Trainer hatte mich hierherberufen, um über die jungen Vollblüter zu reden. «The Training this morning was okay. But I still worry, because your horses were started about 9 months later than all the others. They missed their complete two-year-old debut.» «And?» «Well, they sure have gained lots of muscles, but they had less time to build bone substance and gain experience.» «Yes, but instead they were able to grow unaffected by rider weight during these extra months. And they had more time to grow mentally aswell», rechtfertigte ich. «I just want to make a suggestion. You may want consider starting the yearlings from last spring, because they would be at an ideal age now.» «Mambo and the others? Isn’t that too early?», fragte ich mit einem mulmigen Gefühl. «Look, it is normal in the racing industry to start them at about 18 to 20 months of age. They are 20 months old right now, plus you don’t have any of your so called ‘more mature’ two-year-olds to train for the coming season. You know we treat them very gentle and Jockeys aren’t lightweight for no reason.» Ich runzelte nachdenklich die Stirn. Weil ich schwieg, fuhr er fort. «The reason why I didn’t complain last year or the year before that was because those two-year-olds had late brith dates and those dates were also too far apart. It would have been impossible to start them at a reasonable time for the racing season, considering their differences in age. I admit that I manipulated you into breeding at a convenient time so that the foals last year were mostly born in march, so this issue wouldn’t come up again. Early training is crucial so that their bone structure can adjust to the strains of racing.» «I don’t know… Not so long ago they were just little foals. I mean, I remember Dollys birth as if it had been yesterday.» «But look at them now. Thoroughbreds grow extremely fast, they were bred like that for exact that reason.» «Give me a little time to think about it.» Er nickte und stand auf. Ich blieb noch eine Weile sitzen und beobachtete die Reitschüler. Sie mussten sich gerade am Schulterherein versuchen. Darren ritt auf Sika, die deutlich dreispurig lief. Zufrieden lächelte ich bei dem Anblick. Darren bemerkte, dass ich ihn beobachtete, als er an der Scheibe vorbeiritt und lächelte verlegen zurück. Bei Lily klappte das Schulterherein noch nicht ganz, also holte Lisa sie zu sich in die Mitte und zeigte ihr, wie sie den Unterschenkel halten musste. Danach waren schon bessere Ansätze erkennbar, aber natürlich noch weit weg von den erfahreneren Reitern. Nosferatu lief zuverlässig zweispurig geradeaus, mit leichter Innenstellung. Aller Anfang war nun mal schwer, aber ich wettete, dass Lisa Suri auch gesagt hatte, dass sie es einfach versuchen solle und noch nicht beherrschen müsse. Für den Galopp nahm die Reitlehrerin ihre jüngste Schülerin dann auch an die Longe, während die anderen auf der A-Volte blieben. Suri musste sich im Moment nur am Sattel festhalten und sich an den Bewegungsablauf gewöhnen, die Zügel hatte Lisa für sie über dem Widerrist verknotet, damit das Mädchen die Hände frei hatte. Nossi war ziemlich gut ausbalanciert und lief zuverlässig im Kreis. Suri musste ihre Hände als Balanceübung vom Sattel lösen und frei nach aussen strecken. Einmal wurde Nossi dann doch etwas schnell, sodass Suri sich kurz erschrocken festhielt, danach aber gleich wieder mutig weiterübte.

      Als sie mit dem Austraben begannen, verliess ich die Reiterstube und begab mich in den Nebenstall. Es war drei Uhr, aber der Himmel war so düster, dass es mir vorkam wie Abend. Der Himmel war mit grossen, bauschigen Wolken bedeckt und ein kalter Wind schlich sich durch meine Jacke hindurch bis zur Haut. Die Stuten im Nebenstall kümmerte das sichtlich wenig. Sie raschelten gemütlich in ihrem Stroh und unterbrachen diese Tätigkeit höchstens, um zu sehen, ob ich ihnen etwas Besseres zu Fressen brachte. So auch Parányi, als ich ihre Boxentür entriegelte. Sie drückte mir erwartungsvoll ihre dunkle Schnauze ins Gesicht, typisch unsanft für ein junges Pferd, wie ich bemerkte. Weil es so windete, hatte die rappfarbene Stute auch wenig später beim Putzen viel zu glotzen. Vorbeiwehende Blätter, galoppierende Fohlen in der Ferne… Die Stute sah sich alles mit aufmerksam hochgestrecktem Kopf an und blendete mich sozusagen aus. Mir war das schnuppe, solange sie mich nicht irgendwie anrempelte oder mir auf die Füsse stand. Das schien sie auch zu wissen, denn trotz der Ablenkung gab sie ihre Hufe brav und stand schön still. Jedenfalls bis eine grosse, weisse Plastiktüte über den Schotterweg fegte. Da fielen ihr die Augen fast aus den Höhlen und sie musste laut rasselnd Luft einsaugen. Ich klopfte ihr beruhigend auf den Hals und stellte sicher, dass sie mich bemerkte. Trotzdem stand sie nach einem folgenden Zusammenzucken etwas breitbeiniger da als zuvor. «Schon gut, Glupschi. Es wird dich nicht auffressen», lachte ich bei dem Anblick. Insgeheim beschloss ich, dass die Stute wiedermal ein wenig Anti-Schrecktraining brauchte. Auch Jonas, der dem Plastiksack hinterherlief, um ihn in die Mülltonne zu schmeissen, bemerkte Parányi und mich. «Haha, freu dich auf nachher; so wie die heute drauf ist werdet ihr’s lustig haben», rief er mir entgegen. Ich meinte lachend, dass das auch meine Sorge sei. Nichts desto trotz sattelte ich Parányi kurz darauf und führte sie fertig gezäumt zum Aufsteigen auf den Kiesweg. Ich hatte tatsächlich einen Ausritt mit ihr vor, allerdings war mir zugegebenermassen unwohl, wenn ich mir den grossen, schwarzen Angsthasen neben mir ansah. Da kam mir Lewis gerade recht, der Vychahr auf den Sandplatz führen wollte. «Hey!», rief ich, «do you want to join me and Parányi instead?» Er hielt an und überlegte kurz, dann gab er mir ein Daumen-Hoch und schwang sich auf den Rücken des Fuchshengstes. Ich erklomm mein Reittier ebenfalls und schloss zu ihm auf. «Wanna visit Rosie?», fragte Lewis. «Sure.» Wir ritten zwischen den Tannen hindurch in Richtung Fluss, trabten nach der Brücke den ganzen Schotterweg bis zur Wilkinson Farm und spazierten auf den Hof. «Good day Mr. Gordon. Is Rosie at home?» Der stämmige Chefpfleger der Farm wischte gerade den Platz vor dem Stall, als wir ihn überraschten. «I will inform her, just a moment.» Er verschwand im Stallgebäude und brachte die dunkelrothaarige Ex-Pflegerin von Pineforest Stable mit raus. Verwundert begrüsste sie uns. «I didn’t expect you to come today, what brought you here?» «Nothing really, we were just passing by and thought we’d say hello», erklärte ich. Sie meinte daraufhin, dass wir eigentlich gerade recht kämen, weil sie uns etwas zeigen wolle. Gespannt stieg ich ab und band Parányi beim Putzplatz an, Lewis tat es mir mit Vychahr unter Einhaltung genügenden Abstands gleich. Wir folgten Rosie zu den Weiden und entdeckten nebst den beiden friedlich grasenden Araberstuten Farasha und Islah auch noch eine weitere, graue Figur unter den Bäumen. Im ersten Moment dachte ich aus lauter Gewohnheit an First Chant, verwarf die Idee aber augenrollend sofort wieder – das Stutfohlen stand ja inzwischen auf unserer eigenen Fohlenweide zuhause. «That over there is Lindwedel. He’s a Fell pony, I bought him last week. He looked very cute with his curly mane and tail, so I thought ‘why not?’» «He sure is stunning. How old is he?» «16 years» «Really? And still so dark grey?», meldete sich Lewis zu Wort. «Yep. Doesn’t look like he will get much lighter, too.» «Nice. Gelding, I guess?», riet ich mit einem Blick auf die Weide mit den beiden Stuten. Rosie antwortete lachend «Of course.» Wir plauderten noch eine Weile, dann machten Lewis und ich uns wieder auf den Weg. Allerdings verliess ich den Hof nicht, ohne Anubis und Numair ein Leckerli zu bringen – wenn ich schon nicht wegen ihnen hier war. Bintu bekam auch eins, damit er nicht eifersüchtig wurde.

      Als wir von unserem Ausritt zurück waren, musste ich Parányi die Abschwitzdecke anziehen – obwohl sie am Bauch geschoren war. Wir hatten ein paar lustige Galopps und Geisterbegegnungen hinter uns, aber im Grossen und Ganzen war der Ausritt schön gewesen. Vychahr hatte sich von der Rappstute natürlich auch etwas anstecken lassen, war aber längst nicht so verschwitzt. Während ich Die Stute in ihre Box versorgte, hörte ich David und Elliot mit dem Anhänger zurückkommen. Die beiden hatten mit Dancin’ to Jazz ein Trail-Anfänger-Turnier besucht. Gespannt wechselte ich zum Parkplatz, sobald ich die Boxentür geschlossen hatte. Liebevoll lief ich zu Jazz und streichelte die Stute zur Begrüssung. «Heyy my beauty. How was she?» Elliot antwortete verschwörerisch «make a guess.» «…Last?», fragte ich besorgt. «Far off. They were placed second», enthüllte Elliot grinsend, und wurde prompt von meinem fröhlichen «yes!» abgewürgt. Ich umarmte den Hals der Stute und klopfte David stolz auf die Schulter. Meine Freude war gross, denn diese erste Platzierung der Stute zeigte mir, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nun durfte Jazz aber erstmal zurück in den Offenstall und ihre Ruhe geniessen. Diese Woche war wirklich hervorragend gelaufen, denn es hatten auch gleich drei unserer Stuten ihre Körungen geschafft: Vai Alida, Cabinet of Caligari und meine kleine Bluebell.

      Mit bester Laune ging ich ins Haus und machte mir eine Tasse Tee. Nach der Kälte draussen war das eine weitere Wohltat. Kafka, der bunte Kater, sass draussen auf dem Fensterbrett bei der Küche. Ich beobachtete ihn durch die Scheibe. Er schien irgendwas zu sehen, jedenfalls blickte er tiefgründig in die Ferne. Ich konnte es nicht sein lassen, ihn zum Spass zu erschrecken, indem ich das Fenster aufmachte und «Buh!» rief. Er sprang runter und peitschte mit dem leicht gesträubten Schwanz, dann verschwand er um die Hausecke. «Du hast mich und die Pferde oft genug überrascht, geschieht dir absolut recht», murmelte ich rechtfertigend, hatte aber trotzdem einen Anflug von schlechtem Gewissen. Eine weitere Katze entdeckte ich unweit entfernt unter den Büschen die den Reitplatz säumten. Sie war nichts weiter als ein dunkler Schatten zwischen den Zweigen, nur die grünen Augen sah man deutlich. Es handelte sich um die scheuste der vier Katzen, Moya. Ich wollte sehen, ob Lisa schon Fortschritte dabei gemacht hatte, das wollige Tierchen zu zähmen. Ich öffnete die Haustür und stellte zunächst angewidert fest, dass Kafka mir mal wieder eine Kopflose Maus dagelassen hatte – das schlechte Gewissen von zuvor verflüchtigte sich augenblicklich. Ich schob die kleine Leiche mit dem Fuss von der Terrasse ins Gras und näherte mich dann vorsichtig meinem Ziel. Moya war schon im Begriff aufzustehen und zu flüchten, also kniete ich rasch runter und lockte sie mit allem, was mir einfiel. Sie sah mich mit grossen Augen an, die misstrauischer nicht hätten sein können. Aber sie blieb kauernd unter dem schützenden Gebüsch, und liess mich ganz langsam näherkommen. Ich konnte schon fast den Arm nach ihr ausstrecken, als plötzlich Jonas von hinten rief «Was machst du da, Occu?» Ich zuckte zusammen, und bevor ich es realisierte, erkannte ich nur noch knapp einen schwarzen Schatten bei den Paddocks des Nebenstalls verschwinden. Enttäuscht richtete ich mich auf und strich mir die feuchten Hände an den Hosen ab. «Na toll, ich war so nahe dran», schmollte ich vorwurfsvoll an Jonas gewandt. «Die schwarze Katze? Die kann doch niemand streicheln. Sogar Lisa hat aufgegeben.» «Lisa ist auch dauernd hyperaktiv, da würd ich auch abhauen.» Wir lachten und schlenderten über den Hof. Zira entdeckte mich und kam vom Parkplatz her angerannt, fast an ihrer eigenen Zunge erstickend. Ich knuddelte sie liebevoll durch. «Wenigstens die ist anhänglich», stellte ich fest. «Und was ist mit mir?», meinte Jonas empört und umarmte mich spielerisch. «Ja ja, schon gut. Du brauchst mich nicht gleich zu zerquetschen. Wie war überhaupt dein Tag? Ich hab dich heute kaum gesehen, ausser beim Mittagessen und Plastiksack-Jagen.» «Ich war auch dauernd im Gelände unterwegs. Am Morgen mit Herkir, in Begleitung Ljóski und Lewis –» «Haha, ich vorhin auch. Wir waren mit Vilou und Parányi draussen.» «Ach, ich hab mich schon gefragt wo er steckte; ich war, nachdem du weg warst, mit Dancer auf dem Sandplatz, um Dressurarbeit zu machen und hab seine Sprüche bezüglich meines Stuhlsitzes vermisst.» «Der ist doch schon viel besser geworden, nicht?» Er zuckte mit den Schultern. «Wir können ja heute Abend zusammen zu Elliot in die Stunde gehen, dann wird er’s dir schon sagen. Ach ja, ich muss noch was Wichtiges entscheiden – Oliver hat mir schon Dampf unter dem Hintern gemacht.» «Was denn?» «Ob wir Generation Mambo schon jetzt einreiten sollen.» «Eiiigentlich sehen die ja schon ganz ordentlich aus, da hat der alte Olly schon Recht.» Beim Begriff ‘alter Olly’ musste ich belustigt glucksen. «Lass ihn das nicht hören, ja? Der reisst dir den Kopf ab. Aber ernsthaft, meinst du die sind so weit?» «Komm mal mit.» Wir liefen zu den Weiden und beobachteten die Stutfohlen eine Weile. Ich unterbrach das Schweigen nachdenklich. «Weisst du, Oliver hat schon Recht, wenn er sagt, dass sich der Körper der Vollblüter so früh wie möglich an die Belastung anpassen und entsprechend Substanz bilden sollte. Mit zunehmendem Alter ist der Effekt einfach nicht mehr derselbe, und gerade wenn sie noch im Wachstum sind, können sich mit dem richtigem Training die optimalen Strukturen entwickeln, damit sie später trotz der Rennbelastung lange gesund bleiben.» Jonas sprach zuversichtlich: «Ich meine, wenn du merkst, dass sie überfordert sind, kannst du jederzeit abbrechen und sie wieder auf die Weide stellen. Da könnte auch ein Oliver nichts entgegenhalten. Ausserdem kannst du sie im Voraus und zwischendurch Tierärztlich abchecken lassen, wenn das dein Gewissen beruhigt. Und zuletzt könntest du ja auch einen Kompromiss machen, indem du dich einverstanden erklärst, dass sie zwar schonend trainiert werden, aber nicht an Rennen starten bis sie dreijährig sind. So wäre zumindest der Einwand wegen des Knochenwachstums vom Tisch.» «Die Idee mit dem Kompromiss ist genau das, was ich gebraucht habe», rief ich dankbar aus. «Das Training selber leuchtet mir nämlich wie gesagt gewissermassen ein, aber mir war es ein Dorn im Auge, schon an den Rennen für die Zweijährigen teilzunehmen. Ich finde das einfach zu früh. Aber diesen Vorschlag werde ich Oliver nachher mal unterbreiten. Und sonst zieh ich mit seinem Plan nicht mit, Vogel friss oder stirb.» Mit einem beruhigten Gewissen streichelte ich Thalia, die an den Zaun gekommen war. Die beinahe schneeweisse Stute untersuchte mit ihrer rosa Schnauze meine Hand und schleckte mir die kalten Finger ab. Hinter ihr tauchten auch Dolly und Sarabi auf. Nur Daedra und Counterfire blieben zusammen mit den jüngeren Fohlen in der Mitte der Weide und grasten weiter. Bei Daedra würde ich mit dem Training auf alle Fälle auch noch warten, denn sie war im Herbst geboren und damit ein halbes Jahr jünger als die anderen. Das sah man ihr auch deutlich an.

      Wie beschlossen, redete ich gegen sieben Uhr mit Oliver, den ich in einer der Sattelkammern im Hauptstall erwischt hatte. Er war nicht nur einverstanden mit meinem Vorschlag, sondern wirkte damit sogar sehr zufrieden. Wir beschlossen, die Youngster morgen in den Hauptstall zu verschieben und mit der Gewöhnung an die Ausrüstung zu beginnen. In den nächsten Wochen würden sie noch vollkommen ohne Reitergewicht, an der Longe oder Doppellonge, trainiert werden. Erst dann wollten wir langsam die leichtesten der Jockeys auf ihre Rücken setzen und viel Schritt im Gelände reiten. Wenn alles gut lief, konnten wir danach mit der Trabarbeit beginnen. Ich bestand ausserdem auf die Tierärztlichen Untersuchungen. So konnte ich einigermassen entspannt zu Bett gehen.
    • Occulta
      Wir üben Geschick
      Silverangel, River’s Lychee, PFS‘ Shadows of the Past, Yoomee, tc Miss Moneypenny, Simba Twist, PFS’ Merino, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Ljúfa, Tigrotto, PFS’ Kicks-a-Lot, Tayr al Diyari, Numair, Anubis, Lindwedel, Glenns Caress, Beck’s Experience, Chocolate Chip, Papillon d’Obscurité, Parányi

      "Der schöne Schnee...", jammerte Lily traurig, als sie an diesem Morgen aus dem Haus kam. Jonas und ich waren wie immer schon viel früher draussen gewesen - Ausschlafen war für uns auch am Wochenende keine Option. Der Schnee, der vergangene Woche noch flächendeckend gelegen hatte, war weitgehend verschwunden; bloss ein paar vereinzelte weisse Stellen im Schatten erinnerten noch daran. Die Sonne wärmte meinen Rücken, als ich mit Lychee in Richtung Baumalee losritt, gefolgt von Quinn und Parker mit Silver und Shira. Ich rief Lily über die Schulter zur Erinnerung, dass wir um elf Uhr weg wollten und sie pünktlich zürück sein musste; dann wandte ich meinen Blick nach vorne und genoss unseren Ausritt. Der Boden trocknete immer mehr und das vom Gewicht der letzten Wochen müde Gras richtete sich auf, um Energie zu tanken. Man bekam richtige Frühlingsgefühle, obwohl es gut möglich war, dass es nochmal kalt werden würde. Auch die Pferde spürten den Temperaturwechsel und das Erwachen der Natur. Sie waren hibbelig und geladen, wollten am liebsten die ganze Strecke im Galopp bewältigen. Ein Grund dafür war vielleicht auch, dass sie aufgund der Schneeschmelze nicht auf die Weiden gedurft hatten, da diese sonst in Windeseile Schlammlöcher verwandelt worden wären. Ich hatte entsprechend Verständnis für mein Reittier, das beim Angaloppieren übermütig buckelte. Solange sie mich nicht ernsthaft runterbocken wollte, ignorierte ich es einfach und sass die grösseren Sprünge gekonnt aus. Wir hatten unseren Spass und pauderten ausgiebig, sodass wir am Ende tatsächlich fast selbst zu spät zurückkamen. Schliesslich musste ich noch eine ganze Menge vorbereiten, bevor wir losfahren konnten. Ich versorgte Lychee, stellte die Transporter bereit, half Ajith Gamaschen, Sättel und Knotenhalfter einzupacken. Die Reise ging zu einem Extreme Trail, etwas mehr als eine Stunde entfernt. Ich hatte schon lange vorgehabt, dort einmal hinzufahren, denn der Park war letzten Frühling neu eröffnet worden und beinhaltete viele spannende Hindernisse - ein perfektes, Mut förderndes Training für die jungen Vollblüter. Wir wollten daher gleich die ganze Gruppe der vierjährigen mitnehmen - und natürlich Goldy, die da gewissermassen auch dazuzählte. Primo und sie stiegen brav ein, Penny brauchte etwas länger, und die Jungs zögerten auch einige Augenblicke, ehe alle drin waren. Jungpferde eben. Wir fuhren mit zehn Minuten Verspätung los, das war aber kein Problem.
      Wir wurden kurz eingewiesen und bekamen ein paar Tipps zu den Hindernissen, dann durften wir selbstständig den Trail erkunden. Ich ritt auf Simba. Unser erstes Hindernis war eine einfache Reihe von dünnen Baumstämmen, die unterschiedlich schräg dalagen. Simba sah sich die Stangen an und stakste dann zügig hindurch. Ich lobte ihn und durchritt das Hindernis gleich nochmal, diesmal langsamer. Ähnlich lief es mit den anderen Aufgaben. Er zögerte zwar manchmal etwas und versuchte dann hastig weiterzukommen, aber spätestens beim zweiten oder dritten Versuch machte er es ordentlich. Ich beobachtete, wie Quinn und Merino sich an der Wippe versuchten, einer der schwersten Aufgaben. Merino ging zwar vertrauensvoll mit allen vier Beinen auf das massive, breite Holzbrett, erschrak sich aber, als es sich bewegte und sprang blitzschnell runter. Ich lachte und ritt zu Quinn rüber - sie grinste auch. "Nice try, next try..." "Maybe lead him over it first?", schlug ich vor. Sie nickte und stieg ab, um Merino die Rampe vom Boden aus zu zeigen. Diesmal zögerte der junge Hengst schon vor dem Brett, weil er wusste, dass es beweglich war. Quinn stand selbst darauf und demonstrierte ihm, wie es von Seite zu Seite kippte. Als er auch durch sanftes aber bestimmtes Einladen nicht draufstehen wollte, bewegte sie seine Hinterhand und liess ihn ein wenig arbeiten, bis er einen Fuss auf das unheimliche Ding setzte. Sie lobte ihn und nahm den Druck sofort weg, ehe sie ihn nach einer kurzen Pause zu weiteren Schritten ermutigte. Er begriff, dass es keinen anderen weg für ihn gab, also stellte er sich mit allen vier Füssen darauf und untersuchte das Brett mit der Nase. Er scharrte, um den Boden zu prüfen und zuckte zusammen, als dieser sich abermals bewegte. Er wollte schon wieder seitwärts runter, aber Quinn begrenzte ihn geschickt, sodass er sich mit der Situation auseinandersetzen musste. Er zuckte noch ein paarmal und schnaufte laut, dann konnte Quinn ihn schon deutlich besser drüberführen. Nun stieg sie wieder auf und versuchte es auch im Sattel. Diesmal ging er rasch mit allen vier Hufen auf das Brett, zögerte kurz, als es sich zu bewegen begann, machte dann noch einen Schritt, sodass es ganz kippte und hopste dann zügig runter. Quinn lobte ihn zufrieden. Nun war auch Simba an der Reihe, der das ganze ja hatte beobachten können. Er setzte zögerlich einen Huf auf die Wippe, dann den zweiten, und schliesslich auch die Hinterbeine. Ich hielt ihn an Ort und Stelle, um ihn zu loben, dann liess ich ihn rückwärts wieder vom Brett runtergehen, um ihm zu zeigen, dass er nichts zu befürchten hatte. Danach stellte ich ihn wieder auf die Wippe, kurz vor der Mitte. Von dort aus, liess ich ihn einen weiteren Schritt machen, sobald er ruhig und aufmerksam war, sodass das Brett sich langsam bewegte. Simba wurde unsicher und stand breitbeinig da, blieb aber bei mir. Ich schickte ihn noch einen weiteren Schritt voran, damit die Wippe vollständig kippte. Er wartete brav, bis ich beschloss, runterzugehen. Das war mir wichtig, damit er nicht einfach darüber hastete. Ich wollte jeden Schritt kontrollieren, sodass uns nichts passieren konnte. Ich lobte ihn ausgiebig und grinste an Quinn gewandt. Wir ritten gemeinsam zu einer Steintreppe, die die Pferde hochklettern mussten. Ganz in der Nähe war Cryptic mal wieder doppelt so schnell unterwegs, als es nötig gewesen wäre: er trabte kurzerhand die Steintreppen hoch, anstelle im Schritt wie alle anderen gesitteten Vierbeiner hochzuklettern. Natürlich wurde er von seinem Jockey gleich nochmal an den Anfang geritten und musste erneut auf die Stufen steigen, diesmal in der tieferen Gangart.
      Nach einer untensiven Dreiviertelstunde war die Konzentration der jungen Vierbeiner aufgebraucht und es war Zeit, zurück nach Hause zu fahren. Der Trail war die Reise definitiv wert gewesen, und wir wollten schon bald mit anderen Pferden wiederkommen.

      Zuhause angekommen, versorgten wir alles und alle. Ich wollte nun Yoomee bewegen, aber auf Dressur oder Springen hatte ich gerade keine Lust. Also schwang ich mich wiedermal ohne Sattel auf ihren Rücken und nutzte das herrliche Wetter für einen Ausritt. Zira begleitete mich - wie sie es auf Ausritten oft und gerne tat. Sie trottete voraus und schnupperte gelegentlich an einem Gebüsch, dann wiederum wartete sie wieder auf uns. Ich durfte sie nur freilaufen lassen, weil sie so gut erzogen war; bei dem ganzen Wild im Park hätte ich sonst längst Ärger gehabt. Yoomee war gut gelaunt und fit, aber auch sehr brav und anständig. Wir konnten auch ohne Mätzchen galoppieren. Nur einmal scheute sie im Wald ein wenig vor einem vorbeifahrenden Dirt-Bike, das uns von hinten überholte. Zira bellte dabei zweimal, weil sie merkte, dass der Fremde uns zu nahe gekommen war und mich dadurch aus der Ruhe gebracht hatte. Der Fahrer kümmerte sich nicht darum und fuhr einfach gleichschnell weiter, aber ich hatte mein Gleichgewicht rasch wieser gefunden und setzte den Ritt unbekümmert fort, wodurch sich auch die Malinois Hündin, mit ihrem ausgeprägten Beschützerinstinkt, wieder beruhigte. Es gab viele rücksichtsvolle Fahrer in der Gegend, die uns und die Pferde nach unzähligen Begegnungen kannten und respektierten. Aber natürlich gab es auch solche, die am liebsten Reitverbote für den grössten Teil des Parks erwirken und uns mit rüpelhaftem Verhalten vertreiben wollten. Im Park war das Dirt-Bike Fahren sehr beliebt, und besonders im Sommer gab es viele Touristen, die die Strecken durch den Pinienwald zu schätzen wussten. Aber das war noch nicht lange so; erst seit den letzten paar Jahren waren auffällig mehr Bikes unterwegs. Der Pinien Park war sozusagen vom Geheimtipp zum beliebten Ausflugsziel geworden. Das brachte natürlich auch eben erlebte Konflikte mit sich. Wenn ich mit jungen Pferden unterwegs war, horchte ich daher immer nach herannahenden Bikes und sorgte im Voraus für genügend Abstand, ohne auf die Vernunft der Leute zu hoffen. Andererseits verstand ich auch die Fahrer teilweise, denn es gab tatsächlich Reiter in der Gegend, die die Wege förmlich blockierten und ebensowenig Rücksicht nahmen. Jedenfalls blieb Yoomee auch den restlichen Ritt über entspannt und wir genossen die frühlingshaften Temperaturen. Ich musste mir sogar die Jacke ausziehen, weil ich in der Sonne so warm bekam.

      Es war nun halb fünf Uhr. Ich musste nur noch Ljùfa beschäftigen, aber die wollte ich an der Doppellonge arbeiten lassen, um ihren Rücken zu stärken. Etwas anderes schwebte mir für den Moment vor: ich suchte schon seit fast einer Woche die Gelegenheit, um zu Rosie rüber zu schleichen und deren neuen Araberhengst zu besuchen. Jacky hatte sich zu mir und Zira gesellt. Die beiden sassen nun entspannt neben mir, nachdem ich sie vorhin durchgeknuddelt hatte. Ich beschloss, aus meinem Vorhaben einen Spaziergang zu machen und nahm die Hunde gleich mit. Sheela war wiedermal nirgends - vermutlich begleitete sie wie so oft Jonas. Sie war schon immer eher sein Hund gewesen, oder eher gesagt ein Familienhund, denn sie verstand sich einfach mit allen gut. Aber Jonas konnte man wohl ihren Lieblingsmenschen nennen. Er alberte eben einfach mehr mit ihr herum, was ihn automatisch spannender machte. Zira war aber immernoch mir am treusten, obwohl sie ja auch jung und energievoll war. Sie hatte einfach einen ganz anderen Charakter und wich Leuten ausser mir aus, sogar wenn diese tagtäglich mit ihr zu tun hatten. Entweder klebte sie an meinen Fersen, oder streunerte irgendwo abseits vom Trubel alleine herum. Jacky war immer dort, wo es gerade Action gab (am liebsten kam sie mit auf Turniere und sonstige Ausflüge), oder jagte Mäuse. Darin bot sie übigens mancher Katze Konkurrenz. Abends lag sie dann jeweils ausgepowert auf meinem Schoss oder neben mir auf dem Sofa.
      Jedenfalls freute ich mich innterlich schon darauf, endlich Zeit für den Besuch auf der Wilkinson Farm gefunden zu haben und meine Neugierde zu sättigen. Lewis fing mich jedoch ab, bevor ich überhaupt die richtige Richtung einschlagen konnte. "What now? Well, maybe I'll get to visit her in the next life...", murmelte ich. "Occu, are you going to visit Rosie?" Ich nickte. "Can I come with you? I wanted to take a walk with the young Miniature Horses, and that would be quite the perfect route..." "Yes, you may. I'd like to have some company." Erleichtert, dass mein Plan doch nicht ein weiteres Mal aufgeschoben wurde, folgte ich ihm zu den Weiden. Er streichelte die Ministuten, als sie neugierig auf uns zukamen. Wir holten zwei Halfter, denn ich hatte beschlossen auch gleich ein Pony mitzunehmen, wenn ich schon mal hier war. Ich suchte mir Tigrotto aus, während Lewis Kiwi aufhalfterte. Dann spazierten wir los, mitsamt Ponys und Hunden. Es sah total niedlich aus, wie Tigrottos Mähne mit ihren Schritten mitwackelte. Sie hatte leichte Wellen, die das Haar umso wuscheliger wirken liessen. Hin und wieder, wenn ich gerade mit Lewis plauderte, anstatt aufzupassen, versuchte sie zum Gras am Wegrand zu ziehen. Bei Rosie bekamen wir einen aufwärmenden Tee; die Minis banden wir rasch bei einem Weidepfosten an. Danach durfte ich mir Tayr al Diyari ansehen. Der Fuchs mit den Rabicano-Stichelhaaren hatte wirklich einen bildschönen Kopf und grosse, schwarze Augen. Ich streichelte seine Nüstern und liess ihn an meiner Hand schnuppern. Rosie strich ihm liebevoll den Schopf gerade. "But of course I miss Bintu... And I’m not the only one, Anubis and Numair miss him as well. It was hard to sell him, but it's best for him." Bintu war von einer Züchterin gekauft worden, die so begeistert von ihm gewesen war. Ich fand es auch schade, aber er hatte weiterhin ein tolles Zuhause. Lindwedel schaute schon die ganze Zeit neugierig zu uns rüber. Also kraulte ich ihn auch noch eine Runde unter seiner dicken Mähne und auf der Stirn. "How is he doin'?", fragte Lewis, auf den Grauen deutend. "He is such a little sweetie. He would be a perfect pony for kids or beginners."
      Wir blieben nicht lange. Noch bevor es richtig dunkel wurde, machten wir uns auf den Heimweg. Tigrotto und Kiwi durften wieder in den Offenstall, nachdem sie lautstark von Caresse und Becks begrüsst worden waren; die meisten Minis waren bereits drinnen und kauten gemütlich an der abendlichen Heuration herum. Lewis trieb Papillon und Chip, die beiden letzten Wildfänge, auch noch rein und schloss dann das Tor. Im Sommer durften sie auch nachts raus, aber im Winter liessen wir sie im schützenden Stall. Ich kümmerte mich wie geplant um Ljúfa, danach half ich noch ein wenig den Pflegern beim Aufräumen, sah in der Dressurstunde zu, wie Jonas mit Parányi zurecht kam, ging kurz bei Thairu und Dante vorbei, um die beiden etwas zu putzen und legte mich schliesslich erschöpft aber glücklich ins Bett.
    • Occulta
      Reunion
      Painting Shadows, Lindwedel, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, White Dream, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Feline, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Farasha, Islah, Glenns Caress, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Après la Pluie

      Es war ein gemütlicher Morgen. Zwar frohr ich mir in der eisig kalten Luft beinahe die Finger ab, obwohl ich Handschuhe trug, aber es hatte keine Wolken am Himmel und die Wettervorhersage kündigte einen sonnigen Tag an. Der Himmel färbte sich langsam hellblau, als ich zum Nordstall schlenderte, um Diarado zu bewegen. Sobald ich durch die Tür kam, grunzten mir aus allen Ecken des Stalls her Pferde zu. Sie warteten auf ihre Frühstücksration. "Man könnte meinen, ihr verhungert gleich!", lachte ich, und streichelte im Vorbeigehen Pilot. Auch Diarado streckte mir schon die Schnauze entgegen, sobald ich bei seiner Boxentür angelangte. Ich gab ihm ein Stück Karotte zur Begrüssung und streifte ihm sein Lederhalfter über. In der Stallgasse angebunden, striegelte und bürstete ich ihn, währed er mit der Anbindekette spielte. Bein Hufeauskratzen bemerkte ich, dass seine Eisen etwas locker waren und der Schmied bald wieder draufschauen musste. Eigentlich war ich ja Barhuf-Fan, aber die Sportpferde in den höheren Klassen, gerade auch Military, musste ich auf Gras stollen können, damit sie nicht rutschen konnten. Ich achtete aber immer darauf, fass die Hufe richtig bearbeitet wurden, denn ich hatte mir selbst mit Kursen und Büchern ein Wissen angeeignet, das mir erlaubte, eine gute Bearbeitung zu erkennen. Jedenfalls machte ich mit dem Putzen weiter und kämmte das dichte, rabenschwarze Langhaar des Hengstes durch, ehe ich ihn sattelte. Heute war wiedermal Dressur auf dem Programm, denn wir hatten bald die ersten Frühlingsturniere. Ich schwang ihm eine dunkelbraune Abschwitzdecke mit blauem Rand über den Rücken und führte ihn in die Halle, weil es mir auf dem Reitplatz zu kalt war mit der leichten Bise, welche die Tannen auf dem Galoppweg bewegte. Diarado war motiviert und marschierte schon beim Warmlaufen fleissig vorwärts. Einmal hielt er trotzdem von selbst an; musste er ein paar an der Wand aufgehängte Stangen untersuchen, als hätte er sie erst jetzt bemerkt. "Die sind schon seit immer da oben, du Dummerchen", bemerkte ich liebevoll. Wenig später waren wir bereits im Trab und übten Seitengänge. Diarado wich vor meinem Schenkel und kreuzte die Beine deutlich, wie es sich gehörte. Er hatte zwar nicht so schöne Schwebegänge und Knieaktion wie zum Beispiel Vychahr, denn er war eher auf Springen ausgelegt, aber er hatte trotzdem viel Gang und vor allem Schub von hinten. Ich feilte an unserem Tempo, bis es mir passte und er seine Beine optimal sortieren konnte. Im Verlaufe des Trainings machte ich viele lockernde Übergänge und auch Tempowechsel - besonders im Galopp war mir das sehr wichtig, damit ich ihn vor Hindernissen optimal dirigieren konnte. Ich verlangte von ihm, dass er auf meinen Schenkeldruck hin sofort zulegte, aber auch ebenso schnell wieder zurückkam. Wir arbeiteten eine gute Dreiviertelstunde an abwechslungsreichen Lektionen, dann liess ich ihn austraben. Er hatte schliesslich gut mitgemacht und es brachte nichts, ihn stundenlang alles widerholen zu lassen. Ich klopfte ihm beim Absteigen zufrieden auf den Hals und führte ihn zurück in den Stall.

      Es war halb zehn Uhr, als ich von einem Ausritt mit Painting Shadows zurückkehrte und sie versorgt hatte; beinahe Zeit für die Ankunft eines besonderen Neulings. Mustangstute Matinée war in diesem Moment unterwegs vom Flughafen hierher - so hoffte ich zumindest. Sie hatte eine lange Reise als Preis für ihr Neues Zuhause und (um es unverblümt auszudrücken) für ihre Rettung erdulden müssen. Ich hatte einen Anruf bekommen, dass sie sicher in England angekommen war, aber ob auch das Umladen geklappt hatte, wusste ich nicht. Jonas fuhr den Transporter, also vertraute ich einfach darauf, dass er alles im Griff hatte. Um mich etwas abzuenken, sah ich bei den Minis vorbei. Die Herde hatte ordentlich Zuwachs bekommen: zum einen ja Silver Lining, aber ich hatte auch noch ein paar Nachkommen meiner Pferdchen eingekauft, beziehungsweise zurückgekauft. Ich wollte meine Minizucht ausbauen, und zwar mit den Linien, mit denen ich bisher gute Erfahrungen gemacht hatte. Daher hatten wir vor einigen Tagen Glenn's Dare to Shine und British Oreo Rascal begrüssen dürfen. Ausserdem war noch ein weiteres Mini unterwegs; eine Tochter von Arco. Die Ponys sahen einfach wunderschön aus, wenn auch im Moment noch etwas wollig. Für die kommenden Shows musste ich sie komplett scheren, damit man überhaupt ihr Exterieur richtig erkannte.
      Eine Bewegung neben dem Offenstall der Stuten fiel mir ins Auge. Ich erkannte Lewis, der an die Wand gelehnt um die Ecke schaute und anscheinend die Pferde beobachtete. Er bemerkte mich, als ich, die Hände lässig in den Hosenaschen versorgt, zu ihm rüberlief. "Come here Occu, watch this", flüsterte er übers ganze Gesicht grinsend, auf eine selbstgebastelte Vogelscheuche deutend, die mitten in der Weide stand. "What the...", begann ich, dann sah ich Phantoms Ausdruck, als er aus dem Inneren des Stalls kam und das fremde Ding entdeckte - und musste loslachen. Der Rappe frohr sofort in an Ort und Stelle ein, machte grosse Augen und prustete laut Luft aus. Er senkte und hob seinen Kopf immer wieder, um den unheimlichen Eindringling einzuschätzen. Dann bewegte er sich in gleichbleibender Entfernung zur Seite, indem er den schönsten Bluff-Trab auspackte und sich mit gehobenem Schweif aufplusterte. "Seriously, what's the plan behind this?", hakte ich nach, den Rappen und die mittlerweile dazugestossenen, ebenfalls aufgeregt die Ohren spitzenden Stuten weiterhin beobachtend. "I just wanted to see their reaction", meinte er Schulterzuckend. "It's a great way to keep them busy." Ich sah ihn skeptisch an, aber schaden tat es den Pferdchen gewiss nicht, also sparte ich mir die Zurechtweisung. So langsam trauten sich die ersten Pferde näher ran. Wie ich jetzt erst erkannte, hatte Lewis einen Heuhaufen in der Nähe der Vogelscheuche platziert, der bestechend füllig aussah. Den Pferden war er nicht entgangen, und sie rangen förmlich mit sich selber. Ich war gespannt was siegte; Appetit oder Fluchttrieb. Nach etwas unsicherem Hin und Her, entschied sich Moon schliesslich als erste, das Vogelscheuchending zu ignorieren. Summer, Shadow und Feline folgten ihr zögerlich. In der Gruppe fühlten sie sich stark, und das Ungeheuer war nach kurzer Zeit vergessen. Feline berührte es sogar mit der Schnauze und rupfte etwas Stroh aus einem der Ärmel. "Knock it off, that was a lot of work!", rief Lewis bei dem Anblick empört. Die Pferde bemerkten uns und sahen kurz rüber. Nun traute sich endlich auch Phantom näher und inspizierte die Strohfigur. Selbst beim Fressen beäugte er sie noch misstrauisch, blieb aber standhaft. Plötlich hob er den Kopf und wieherte ohrenbetäubend laut in unsere Richtung. Ich sah Lewis ratlos an, dann warf ich einen Blick über die Schulter und entdeckte Jonas, der eine auferegt wirkende, graue Stute im Schlepptau hatte. "I believe he remembers his childhood friend", lachte ich, als der schwarze Mustang an den Zaun getrabt kam und Matinée zubrummelte. Jonas hatte auch so schon Mühe, den Wildfang zu halten. Er liess sie um sich kreisen, wenn sie versuchte im Trab davonzuschiessen - mit dem Knotenhalfter konnte sie nirgendwo hin, aber dennoch versuchte sie kopfschlagend zu entkommen. "Oi, you adopted a little monster right there", bemerkte Jonas, als er nahe genug bei uns war. "And you didn't even help me to get her here." "Aww, sorry - Lewis had one of his crazy Ideas so... Oh right! Put it away!" Ich gestikulierte an Lewis gerichtet mit den Armen, bis er davonhastete, um die Vogelscheuche abzubauen. Wir wollten Matinée ja nicht gleich zu Tode schocken. Sie war ohnehin schon ausser sich, machte Telleraugen und schnaufte, als wäre sie soeben einen Marathon gerannt. Ich betrachtete die Stute, während wir warteten. Sie war ziemlich dünn und ihr Winterfell glich einem zerfressenen Mottenteppich. Aber abgesehen davon schien sie gesund zu sein. Musste ja – sie hatte wochenlange Quarantäne hinter sich und vor dem Flug war sie auch nochmals gründlich durchgecheckt worden. Ich berührte ihren Hals und kraulte sie vorsichtig mit den Fingerspitzen. Sie zuckte, spannte sich an und versuchte schliesslich, Jonas wegzudrängen. Phantom streckte seinen hübschen Kopf über den Zaun. Wir liessen die beiden rasch schnuppern, um die Reaktion abzuschätzen. Phantom berührte Matinées Nüstern zärtlich mit seinen eigenen und die beiden tauschten ein paar Atemzüge aus. Matinée schien nun eher ruhiger als vorher, also machte ich mir keine Sorgen um die Integration der kleinen Grullo Stute. In der Herde waren auch keine übermässig dominanten Stuten, also erwartete ich keine allzu grosse Dynamik. Lewis gab uns, mit der Scheuche unter dem Arm, endlich einen Daumen hoch und wir konnten Matinée in die Weide reinlassen. Jonas löste das Knotenhalfter. Die Stute trabte selbstbewusst, aber mit eingeklemmtem Schweif ein paar Meter weg von uns und sah sich mit hoch erhobenem Kopf um. Phantom lief ihr natürlich sofort hinterher und die beiden steckten abermals ihre Schnauzen zusammen. Jonas äusserte seine Skepsis, ob sie nicht zuerst noch etwas mehr Gewicht sammeln sollte, ehe wir die Herde auf sie loslassen konnten. Matinée quietschte aufgeregt, aber es wirkte auf mich nicht ablehnend, sondern freudig. Ich konnte nicht anders, als die ganze Zeit zu lächeln. Es war einfach wundervoll, die Pferde so miteinander interagieren zu sehen und zu erraten, was wohl in ihren Köpfen vorgehen musste. Nach so langer Zeit waren sie wieder vereint, und das obwohl es unter normalen Umständen wohl beinahe unmöglich gewesen wäre und nur durch eine Reihe von Zufällen überhaupt zustande gekommen war. Auf unerklärliche Weise hatte ich das Gefühl, dass jetzt gar nichts mehr schief gehen konnte. Es war einfach wie in einem Film, kitschig und surreal. Ich beobachtete den Rappen, der nun in ganz anderem Glanz dastand und energievoller denn je wirkte. Mir war, seit ich ihn kannte, nie so sehr aufgefallen, wie wild und stolz der Mustang eigentlich war. Vielleicht lag es daran, dass die grossen, dunklen Augen bisher immer den Eindruck in mir erweckt hatten, dass etwas fehlte. Anfänglich hatte ich vermutet, dass es die riesigen Weidegründe waren, die Berge und das Gefühl der Freiheit. Aber nun wurde mir klar, dass es mehr als das war. Was Phantom wirklich gefehlt hatte, war ein Stück Familie gewesen. Egal, wie sehr ich mir Mühe gegeben hatte, um ihm sein neues Leben schmackhaft zu machen; egal, wie sehr ich ihn zu Spiel und Abenteuer ermutigt hatte – am Ende hatte ich nie seinen ganzen Charakter bewundern dürfen. Aber die Zuversicht machte sich in mir breit, dass sich das nun ändern würde. Mit Matinée hatte er ein Stück seines alten Lebens zurückgewonnen und er zeigte seine Freude darüber schon jetzt. Gefühle von Erleichterung und Glück machten sich in mir breit; es fühlte sich an, als hätte ich etwas längst Verlorenes wiedergefunden. "Occu? Hey, are you awake?" Lewis' Stimme drängte an mein Ohr. "Sorry, I got carried away", antwortete ich leicht durcheinander. "Jedenfalls sollten wir uns jetzt aufwärmen gehen, meinst du nicht? Meine Finger sind schon ganz taub", drängte Jonas, symbolisch die Hände reibend. Ich warf nochmals einen Blick auf die Weide. Die anderen Stuten waren dazugekommen und beschnüffelten Matinée. Sie schienen aber friedlich eingestellt und Phantom blieb schützend an der Seite der mausgrauen Stute. Also stimmte ich zu und folgte den beiden jungen Herren in die Reiterstube. Wir sassen bis halb elf in der Wärme und plauderten über den Neuzugang. Jonas berichtete, wie das Umladen der Mustangstute vonstattengegangen war; offenbar ähnlich unkompliziert wie bei Phantom. Ich hörte erleichtert zu. "But you're gonna have some trouble with her. She already tried to bite me several times when I took her out of the trailer." "I'm sure she was just terrified after the flight and all. Imagine all the stress she must have gone through. So it's understandable that she would try to defend herself." Jonas schüttelte den Kopf. "Phantom was also afraid and stressed, but he never once tried to charge at you. I'm tellin' you, this horse has, for some reason, switched from defending herself to offensive behaviour. That is probably the reason why she was returned to the BLM." Nachdenklich nippte ich an meinem Tee. Ich werde sie schon wieder hinbekommen; schlimmer als bei Pointless kann es ja wohl nicht werden. Ausserdem ist sie ein ehemaliges Wildpferd, also sollte sie genauso fein auf Körpersprache reagieren wie Phantom. Wenn sie merkt, dass ich ihr nichts tun will, wird sie schon auftauen. Entschlossen stand ich auf und stellte meine Tasse in die Abwaschmaschine. "Was hast du als nächstes vor?", erkundigte sich Jonas. Ich lächelte verschmitzt. "Ausreiten mit Rebel, aber das weisst du ja. Warum fragst du also?" "Ich frage, damit ich weiss, wie ich garantiert einem Ausritt mit dir entgehe." "Oi, da musst du dich aber ganz schön anstrengen, ich hab nämlich schon fest mit dir gerechnet." Ich zwinkerte ihm zu, woraufhin er meinte: "Na schön, ich gebe mich geschlagen, ich weiss ja, dass ich keine Chance habe." Er war inzwischen ebenfalls aufgestanden und gab mir einen flüchtigen Kuss, dann wandten wir uns in Richtung Tür. Lewis rief empört hinterher: "Hey, wait for me!"

      Eine halbe Stunde später sassen wir auf Rebel und Flint, Pineforest Stable dem Fluss entgegen verlassend. "Schauen wir bei Rosie vorbei?", schlug ich vor. Er nickte, also überquerten wir die Brücke und folgten dem Kiesweg bis zur kleinen Wilkinson Farm. "Huch, das gibt's doch nicht! Siehst du das helle Pferd da? Das ist Peach!" Ich deutete auf die Weide neben uns, auf der, abgesehen von eben jenem Tier auch noch Islah, Farasha und Lindwedel grasten. "Tatsache! Seit wann hat Rosie denn Interesse an Trabern?" "Let's find out, da drüben steht sie." Wir lenkten die Pferde zu der dunkelrothaarigen jungen Frau rüber und begrüssten sie. Wir plauderten zunächst über die allgemeinen Neuigkeiten auf dem Hof, aber ich drängte rasch zu dem Thema, das mich davon am meisten interessierte. “And what about Après la Pluie? How come she’s here now?” “Hah, so you recognised her. I found her on the internet and was thinking ‘well, why not’. She looks gorgeous, don’t you think? A little round, tough. She obviously didn’t get much training and is a bit out of shape, but I’m sure she’ll do great once she’s back on track.“ Ich stimmte lachend zu. Dass Peach etwas pummelig war, stimmte sehr wohl, aber abgesehen davon sah sie wirklich gut aus. Und laut Rosie verstand sie sich auch ausgezeichnet mit Farasha und Islah. Wir blieben, unseren ungeduldig scharrenden Reittieren zuliebe, diesmal nicht zum Tee. Rosie wünschte uns einen guten Ritt und wir setzten unseren Weg in Richtung Wald fort.

      Gerade erst vom Ausritt zurückgekommen, versorgten wir Rebel und Flint, verstauten die Ausrüstung und bereiteten das Mittagessen vor. Lily kam irgendwann geräuschvoll durch die Haustüre und warf ihren Rucksack an die Wand. "Hoppla, was hat denn der Rucksack böses getan?", fragte ich, verwundert die Augenbrauen hebend. "Heute war ein scheiss Tag." "Junge Dame, erstens kann der Rucksack nichts dafür, zweitens ist der Tag noch nicht vorbeibund drittens sagt man 'scheiss' nicht", meinte ich leicht amüsiert. "Sorry, heute hatte ich einen von gründlich verdauter Nahrung geprägten Morgen." Jonas prustete los und Lilys eigene Laune schien sich aufzuhellen. "Iss erstmal was, dann kannst du uns erzählen, was denn so zum Runterspülen war." "Es hat schon beim Aufstehen angefangen", begann sie wenig später am Tisch, "ich hab mir den Fuss an der Tür angeschlagen und das hat wahnsinnig wehgetan." "Ach, das war dieses dumpfe Geräusch heute Morgen." "Jup, meine kleine Zehe ist jetzt blau-grün." "Zeig mir die später, dann machen wir etwas Salbe drauf." "Jedenfalls hatte ich meinen Rucksack noch im Büro, also wollte ich ihn holen gehen, aber deine doofe Katze ist mir förmlich entgegengesprungen!" "Oh, ist sie noch drin?" "Nein! Sie ist davongerannt, bevor ich überhaupt reagieren konnte." Ich liess den Blick durch die Wohnung schweifen, aber natürlich sah ich vom Tisch aus keine Spur der schwarzen Langhaarkatze, die ich ursprünglich im Badezimmer, und dann aus praktischen Gründen im Büro zu zähmen versucht hatte. "Wenigstens haben wir wegen der Kälte noch kein Fenster aufgemacht, also muss sie noch irgendwo im Haus sein...", stellte ich fest. Moya war in den vergangenen Tagen zwar ein wenig aufgetaut und hatte sich sogar freiwillig von mir bürsten lassen, aber sie war immernoch ziemlich scheu und liess sich leicht erschrecken. "Also, keiner öffnet ein Fenster, bis ich sie gefunden habe. Und passt auf beim Rein- und Rausgehen." Die beiden nickten belustigt. Jonas meinte ausserdem scherzhaft: "Wehe das Tier taucht in unserem Bett auf!" "Jedenfalls bin ich dann zur Schule gegangen und auf dem Weg dahin bin ich mit dem Fahrrad zweimal auf dem Glatteis ausgerutscht." "Ohweh, die blauen Flecken zeigst du mir nachher auch." "Schule war eh langweilig, und in der Pause hat Fiona meine Leuchtstifte versteckt. Ich hab's zwar der Lehrerin gesagt, aber die meinte nur, ich solle sie eben wieder suchen. Zwei davon hab ich immernoch nicht wieder." Jonas mischte sich ein. "Was ist denn das für eine Lehrerin? Ich glaube, mit der müssen wir mal ein Wörtchen reden Occu." Ich nickte zustimmend, aber etwas anderes beschäftigte mich mehr. "Diese Fiona, macht die sowas öfter?" Lily antwortete wie erwartet ausweichend. "...Manchmal. Wir vertragen uns nicht so gut." Jonas rief aus: "Aber du revanchierst dich und versteckst ihre Sachen hoffentlich auch, oder?" "Jonas!" Ich sah ihn lachend und zugleich tadelnd an. Lily zuckte mit den Schultern. "Ich hab ihr mal eine Spinne in die Haare gesetzt. Sie ist mitten im Unterricht schreiend aufgestanden." Auf meinen überraschten Blick hin fügte sie an: "Keine Angst Occu, der Spinne ist nichts passiert." Jonas war begeistert und lobte das Mädchen, ich selbst war skeptisch, konnte mir ein Grinsen aber nicht verkneifen. "Nein aber ernsthaft, wenn es Probleme gibt in der Schule, egal ob mit Lehrern oder anderen Schülern, dann gib uns frühzeitig Bescheid, okay?" Lily nickte. Jonas beugte sich zu ihr und kitzelte sie plötzlich aus, während er lachend rief: "Wirklich, versprich es, wir machen uns solche Sorgen um unser kleines Mädchen!" Danach war Lily wieder aufgemuntert und ging fröhlich mit den Hunden raus in die Kälte. Jonas half mir beim Suchen der Katze. Ich sah unter den Sofas nach, hinter Kisten und zwischen Regalen. Schliesslich fand Jonas das sich sträubende Tier unter der Treppe. Ich nahm sie ihm ab und hielt sie auf meinem Arm fest. Nach einer Weile beruhigte sie sich etwas und steckte mir zumindest nichtmehr die Krallen durch den Pullover. "Sperrst du sie jetzt wieder ins Büro?", fragte Jonas, sich die feinen Haare abwischend. "Jup, mir bleibt nichts anderes übrig. Sie ist immernoch zu scheu." Ich brachte Moya zurück in das Bürozimmer, füllte ihr etwas Wasser nach und schloss die Tür.

      Am Nachmittag machte ich einen Spaziergang mit Thairu dem Zebra - sie war mir etwas zu fit für's Reiten. Ich kannte das Streifentier langsam gut genug um zu spüren, wann sie motiviert wirkte und wann eher nicht mit ihrer Kooperation zu rechnen war. Sie hatte eben ganz schön viel Persönlichkeit. Anschliessend folgte eine Ausfahrt mit Lenny und um circa halb vier putzte ich Vychahr für die Dressurstunde. Zwischendurch sah ich ausserdem wieder auf der Stutenweide vorbei, ob noch alles in Ordnung war. Auch Lily ritt in der Stunde mit, diesmal auf ihrer geliebten White Dream. Die Ponystute mit den eisblauen Augen war sanft und rücksichtsvoll, sodass meine Nichte sie problemlos händeln konnte. Die Stunde bei Elliot war wiedermal besonders intensiv. Er hatte für jedes Pferd-Reiter-Paar die richtigen Aufgaben parat und wusste genau, wo es noch haperte. Bei Vilou und mir waren es die Seitengänge nach rechts, die noch nicht ganz so gelangen, wie gewünscht. Natürlich war das auch gegen Ende der Stunde noch nicht perfekt, aber er war ein paarmal schön weich vom Schenkel gewichen, also war ich ziemlich zufrieden mit ihm. Abgesehen davon lief Vilou heute in verstärkten Trab einfach traumhaft. Wir schwebten durch die Halle, und mir wurde einmal mehr bestätigt, dass er eher Dressurbegabt war und nicht vor allem im Springen glänzte, wie ich das zuerst gedacht hatte.
      Nach der Stunde versorgte ich den Fuchshengst und nahm mir Zeit, den Sattel und das Zaumzeug zu putzen. Ich säuberte alle Riemen und Lederflächen mit Sattelseife, dann fettete ich alles gründlich ein, bis es schön geschmeidig glänzte. Gerade als ich mit dem Wegräumen begann, kam Jonas herbeigelaufen. "Hey, kannst du mir rasch helfen?" "Kommt drauf an wobei", neckte ich. "Ich muss eine der Lampen im Hauptstall austauschen, die seit heute morgen nicht mehr funktioniert." Ich nickte, brachte Vilous Zeug in den Schrank und folgte ihm. Unterwegs holten wir eine Leiter, denn die Lampe hing ja direkt unter dem Dachgebälk. "Ich hätte ja Ajith gefragt, aber den hat Oliver losgeschickt, um die bestellten Futterergänzungsmittel abzuholen", erklärte Jonas im Laufen. Wir stellten die Leiter auf. "Willst du, oder soll ich?", fragte ich. "Du bist besser im Klettern. Ich geb dir die Sachen hoch und sichere die Leiter." Ich kletterte hoch und schraubte die alte Lampe ab, dann über gab ich sie Jonas und erhielt von ihm die neue. Beim Runterklettern schaffte ich es irgendwie, einen Misstritt zu machen. "Hoppla, nicht dass du noch runterfällst!", rief Jonas und stützte mich. "... Du würdest mich auffangen, nicht war?", murmelte ich leise, den Worten insgeheim mehr Bedeutung zumessend. Er antwortete lachend "Klar", und pflückte mich auf den letzten Stufen von der Leiter. Ich umschlang seinen Nacken und gab ihm einen Kuss, dann lehnte ich meinen Kopf an seine Schulter und genoss den Moment.
    • Occulta
      Aus dem Leben eines kleinen Mädchens
      PFS’ Merino, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Lindwedel, Burggraf, Areion, Circus Dancer, Estragon Sky, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Nosferatu, Halluzination, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Phantom, Matinée, Islah, Lindwedel, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Chocolate Chip, Papillon d’Obscurité, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS‘ Skydive, tc Herkir, Ljóski, Daedra, Chanda, PFS‘ British Oreo Rascal, PFS‘ Arctic Silver Lining, PFS’ Reverie, Brendtwood, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, PFS’ Challenging Time, PFS’ Call it Karma, PFS’ Whirlwind, Moon Kiddy, Feline

      Mein Wecker klingelte hartnäckig, und gab keine Ruhe, bis ich meinen Arm ausstreckte, um den kleinen roten Knopf an der Seite zu drücken. Auf dem Display stand eine Acht mit zwei Nullen dahinter - ich kannte die Bedeutung dieser Ziffer nur zu gut. Ich wollte mich schon stöhnend wieder umdrehen, doch dann fiel mir ein, dass ich heute ja keine Schule hatte, weil die Lehrer eine Weiterbildung machen mussten. Sofort fühlte ich mich wacher und fand sogar die Kraft, vom Bett zu rutschen, um mich anzuziehen. Ich lief runter in die Küche, wo eine Schüssel Müsli auf dem Tisch für mich bereitstand. Ich kippte etwas Milch dazu und sortierte wie immer die einzelnen Müsliflocken während dem Essen. Ich fand es lustiger, die verschiedenen Flocken nacheinander zu essen, anstatt einfach alle miteinander in den Mund zu stopfen. Tante Occu hatte zwar schon irgendwie recht, wenn sie sagte, dass dann ja die letzten Flocken schon total aufgeweicht seien, aber ich ass einfach schnell genug, damit das nicht passierte. Occu und Jonas waren wie immer schon draussen bei den Pferden. Sie konnten nicht so lange schlafen, weil sie ja arbeiten mussten. Das fand ich zwar ein bisschen doof, weil wir so am Morgen nicht zusammen essen konnten, aber ich hatte mich daran gewöhnt und auf früher aufstehen hatte ich keine Lust. Am Anfang war ich da noch energievoller gewesen und hatte versucht, auch um halb sechs aufzustehen, aber mit der Zeit war es mir zu anstrengend geworden. Nach dem Essen zog ich mir die Jacke an (weil Occu mich sonst wieder reinschicken würde, obwohl ich eigentlich nicht kalt habe) und ging als erstes zu Areion rüber. Es ist schon cool, auf einem Hof zu leben. Früher, als ich noch bei Mum wohnte, musste ich immer mit dem Fahrrad zwanzig Minuten zum Stall fahren, um Paulchen zu besuchen. Hach Paulchen... Wie es ihm wohl geht? Die Tür und die Fenster zum Nordstall waren offen und die meisten der Pferde streckten entspannt ihre Köpfe raus, um die Morgensonne zu geniessen. Auch mein Teddy hatte die Augen halb geschlossen, zumindest bis er mich hörte. Er spitzte die Ohren und streckte mir den Kopf entgegen. Ich streichelte ihn zur Begrüssung. Im Stall lief Musik, denn die Pfleger waren gerade am Ausmisten und Wischen. Ich summte mit der Musik und sang ab und zu den Refrain mit, wenn ich ihn kannte. Ich merkte einmal gar nicht, dass Jonas hinter mir durchlief, bis er plötzlich auch mitträllerte. Lachend zog ich an Teddys Bein, damit er es mir zum Auskratzen gab. Ich konnte gut in seinen langen Behang greifen, um den Huf oben zu halten. Seine Barhufe waren vorne runder als hinten; das hatte mit der Verteilung des Körpergewichts zu tun, hatte mir Occu erklärt. Ich stellte sicher, dass wirklich kein Dreck mehr in den Furchen neben dem Strahl war, bevor ich den Huf wieder absetzte und Teddy lobend auf die Schulter klopfte. Er war wirklich ein tolles Pferd und ich vertraute ihm mittlerweile total. Und seit er den Stuten nicht mehr hinterhersah, war er auch super zum Reiten. Ich kämpfte mich noch mit dem Kamm durch seine Dicke Mähne und den Schweif, dann holte ich den Sattel. Ich führte ihn in die Halle und kletterte auf seinen Rücken. Zuerst musste ich ihn warmreiten, wie wir es auch immer in der Reitstunde machten. Wir waren nicht alleine in der Halle, auch Lisa und David waren mit Aristo und Artemis da. Artemis lief besonders toll. Er sah mit seinem feinen Hals und dem weissen Fell total schick aus, und David hatte ihm eine Hellblaue Schabracke mit silbernem Rand unter den Sattel gelegt. Mein Tinker trug heute seine rot-schwarze Schabracke, auf der sein Name aufgestickt war. Die hatte ich ihm mit meinem Taschengeld gekauft, als ich mit Occu auf einer Messe gewesen war. Ich trabte Teddy an und versuchte, möglichst gerade zu sitzen, die Absätze runter zu lassen und die Hände schön ruhig zu halten. Es war schwer, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren und dann auch noch das Pferd zu steuern. Aber ich hatte Elliots und Occus Stimmen von den Reitstunden im Kopf. Im Galopp hielt ich mich manchmal ein bisschen an der Mähne fest, damit ich nicht das Gleichgewicht verlor. Ohne Sattel machte ich das auch immer. Ich machte eine kurze Pause und beobachtete neidisch, wie Lisa mit Burggraf Trabverstärkungen übte. Burggraf hob zwar die Beine nicht so schön wie zum Beispiel Vilou, aber er lief dynamisch und kraftvoll über die Diagonale. Teddy konnte das sowieso nicht so toll, weil er einfach anders gebaut war. Aber wenn Occu ihn ritt sah man wenigstens schon einen Unterschied zwischen normalem und verstärktem Trab. Irgendwann wollte ich das auch so gut können, aber ich musste zuerst noch längere Beine bekommen, damit ich besser treiben konnte. Skydive wird bestimmt auch so tolle Gänge haben wie Vilou, war ich mir sicher. Er trabt immer so schön über die Weide, und sein Galopp sieht total weich zu sitzen aus. Ich kann es kaum erwarten bis er eingeritten ist, aber das dauert leider noch ein Jahr. Ich kraulte Teddys Hals liebevoll und sagte ihm "Du bist aber auch super Teddy." Ich alberte noch ein bisschen herum, indem ich Teddy im Schritt nur mit Gewichtsverlagerung zu steuern versuchte. Es klappte nicht immer ganz so, wie ich das wollte und wir waren ein paarmal auf Kollisionskurs mit den aderen. Aber es machte Spass. Nachdem Teddy seine Karotten runtergschlungen hatte, führte ich ihn zu seinen Stallgenossen auf die grosse Weide am Pinienwaldrand. Er konnte es kaum erwarten und zog mich zugegebenermassen ein wenig durch die Gegend - er spürte mein Fliegengewicht eben kaum am anderen Seilende. Ich wusste zwar von Occu, dass ich seine Hinterhand bewegen musste, wenn er mir vorne zu stark wurde, aber das war auch leichter gesagt als getan, weil er mit seinem dicken Winterfell kaum was spürte. Wir kamen jedenfalls rasch beim Weidetor an, und ich hängte einfach den Strick aus, ohne grosses Drumherum. Teddy trabte zu seinen Kumpels - Herkir liess sich sofort auf ein kleines Renn-Spiel ein und auch Loki setzte sich in Bewegung, um die beiden zu verfolgen. Ich sah noch ein bisschen zu, dann lief ich zurück, wobei ich auf Sheela und Jacky stiess, die herumstreunerten. Ich fand beim Galoppweg einen Stock, den ich Sheela warf. Aber Jacky war schneller und kam stolz mit dem langen Ast im Maul zu mir getrottet. Sie gab ihn mir nicht sofort, sondern zog noch ein wenig daran. Ich bewegte ihn lachend hin und her, bis sie losliess. Sie wartete schon mit aufgerichteten Ohren auf den nächsten Wurf, die eine Vorderpfote anwinkelnd und bereit um loszuschiessen. Nach gefühlten 100 Würfen hatte ich keine Lust mehr, aber wäre es nach der Jack Russel Terrier Hündin gegangen, hätten wir noch den ganzen Morgen weiterspielen können. Sie wurde einfach nie müde und brachte das Stöckchen jedes mal zuverlässig zurück, während Sheela abgelenkt zwischen den Bäumen schnupperte.

      Ich lief zum Hauptstall und suchte von dort aus Tante Occu. Ich fand sie ziemlich schnell - nämlich in Shiras Box. Sie legte der jungen Ponystute gerade das Knotenhalfter an und führte sie raus zum Putzen. Ich half ihr dabei, indem ich das Stroh aus Shiras Schweif erlas. Als ich damit fertig war, sprayte Occu den Schweif ein bisschen ein, sodass er ganz seidig und weich wurde. Auch beim Hufe auskratzen durfte ich helfen, aber Occu stand daneben und passte auf, weil Shira manchmal noch etwas zappelig war. Nach dem Putzen führte Occu das Pony zum Roundpen. Sie hatte ein paar Gegenstände vorbereitet, an die sie Shira gewöhnen wollte. Ich nahm sofort den Regenschirm in die Finger und wollte ihn aufspannen, aber Occu meinte, ich solle damit noch warten. Zuerst liess sie Shira nämlich ein paar Runden im Kreis warmtraben. Dann durfte ich den Schirm immer wieder auf und zu tun und krach damit machen, zuerst weit weg, dann nahe bei ihr. Ich rannte mit dem Schirm um Shira herum, je nachdem was Occu mir sagte. Ich fand das super; Shira am Anfang nicht so. Aber sie gewönte sich schnell daran und wurde immer ruhiger. Wir übten auch mit einem Ball und mit Blachen. Als Occu Shira wieder zurück in die Box brachte, bog ich stattdessen zu den Miniweiden ab. Ich wollte mit Silver Lining spielen. Das Miniature Horse war nicht nur niedlich, sondern auch total intelligent und konnte über zwanzig verschiedene Tricks. Er hatte vorher einer Frau gehört, die nichts sehen konnte. Also war er sozusagen ihr Ersatzauge gewesen, hatte mir Occu erklärt. Ich fand das ziemlich cool, weil das ja auch für die Frau dann viel spannender als ein Blindenstock oder so sein musste. Sie hatte so gleichzeitig auch einen Freund gehabt. Aber jetzt lag sie im Spital und konnte nicht mehr so viel machen, also hatte sie für Lining ein schönes Zuhause gesucht. Das war echt lieb von ihr. Der graue miniatur Hengst kam neugierig zu mir und schleckte meine Hand ab. Er war ganz vorsichtig und nicht so frech wie Oreo, der mir in den Ärmel zwickte, weil er ein Leckerli wollte. Ich fand es einfach schade, dass Arctic Blue und Rapunzel jetzt nicht mehr hier waren, sondern mit Alufolie und Echo auf einer grossen Weide lebten. Die Beiden waren frühzeitig in Rente gegangen, damit Occu die Jungpferde problemlos unterbringen konnte. Arco ist immer so süss gewesen mit seiner grossen Blesse... Aber die Jungen Hengste waren auch süss, besonders Oreo hatte einen hübschen Kopf und war seiner Mutter ziemlich ähnlich. Ich wusste, dass Occu noch ein paar Nachkommen von Nachtfalke irgendwo auf einer Fohlenweide versteckt hatte, die sie erst hierherholen wollte, wenn der kleine schwarze Hengst gekört war, weil sie erst dann richtig mit ihnen auf Shows gehen konnte. Anscheinend war es günstiger und einfacher, sie bis dahin auswärts zu halten. Ich war gespannt, wie die Fohlen aussehen würden, denn ich hatte nur ein paar Babybilder gesehen. Ich zog meine Schuhe aus, denn ich hatte Lust, barfuss zu laufen. Ich wusste, dass ich vorsichtig sein musste und es gefährlich war, um die Pferde herum ohne Schuhe zu sein, aber ich war ja nicht mehr sooo klein und konnte gut auf meine Füsse aufpassen. Ich wusste auch, dass Occu kein Mitleid haben würde, wenn etwas passierte - weil sie mir gesagt hatte, dass ich dann selber schuld wäre. Deshalb war ich umso sorgsamer bedacht, keine Fehler zu machen. Das vom Morgen noch kühle Gras kitzelte meine Knöchel und ich liebte einfach das Gefühl, die Wiese unter meinen Sohlen zu spüren. Ich warf meinen rechten Schuh ein paar Meter weg und gab Lining das Kommando, ihn zu holen. Er brachte ihn mir zuverlässiger als ein Hund zurück, und ich kraulte ihn begeistert am Widerrist. Dann klopfte ich mit der flachen Hand auf den Boden, das Zeichen, dass er abliegen solle. Er liess sich neben mich ins Gras plumpsen und ich konnte halb auf ihn drauf liegen. Eine Weile beobachtete ich verträumt die vorbeiziehenden Wolken, während er einfach im Liegen weitergraste. Bis mir Lenny von oben seine Schnauze ins Gesicht drückte und an meiner Nase knabbern wollte. Ich lachte erschrocken los und Lining sah sich zu mir um, blieb aber ruhig liegen. Es war so süss, fast, als wollte er sichergehen, dass alles in Ordnung war. Ich stand auf und erlöste das silbergraue Hengstchen von seinem "Dienst". Meine Schuhe hätte ich fast vergessen, als ich unter dem Zaun durch zu den Ministuten rüberging. Und Becks wäre fast darüber getrampelt. Ich ging zu Peppy, die vom grasen aufsah und mir ein Stück entgegen kam. „Denkst du etwa, wir gehen schon wieder trainieren?“, fragte ich sie amüsiert. Manchmal kam es mir fast so vor, als freue sie sich richtig auf das Renntraining. Jedenfalls schien sie es zu lieben, über die für ihre Verhältnisse übergrosse Rennbahn zu flitzen, denn ich musste sie nie zweimal auffordern. Ich knuddelte die Shettystute; ihre Mähne war so schön weich. Ich zupfte etwas loses Fell aus einer Stelle an ihrem Bauch, die der Schermaschine entkommen war. Dort sah man, dass sie eigentlich immernoch einen Rest Winterfell gehabt hätte, wenn wir sie wegen des vielen Galoppierens nicht geschoren hätten. Ich legte mich über ihren Widerrist und schwang mein Bein über ihren kurzen Rücken. Noch konnte ich sie reiten, aber irgendwann würde ich zu gross für sie sein. Ich fand das schade, aber ich wollte ihr ja nicht schaden, also machte ich schon jetzt pläne, was ich alles mit ihr tun wollte, wenn es so weit war. Einfahren stand ganz oben auf dem Plan. Vielleicht konnten wir ja bei Sulky-Rennen mitmachen? Ich ritt ein wenig planlos über die Weide, so gut steuernd, wie es ganz ohne Ausrüstung nunmal ging. Einmal wurde Peppy etwas übermütig und begann zu traben, nach einer Weile sogar zu galoppieren. Ich griff in ihre Mähne und hielt mich gut fest, Angst hatte ich keine. Ich hatte das Gefühl, dass Peppy gleich wieder bremsen würde, und so war es auch. Sie trug mich neben Papillon und Chip, den Kopf wieder zum Grasen senkend. Um sie nicht weiter zu belästigen, rutschte ich vom Ponyrücken runter und entfernte mich. Ich kletterte auf einen der Bäume und legte mich auf einen dicken, waagrechten Ast, von dem aus man einen guten Blick über die Weide hatte. Ich zählte die Ameisen, die vor mir über die Rinde krabbelten und sich in keinster Weise von ihrer Arbeit ablenken liessen. Manche trugen Ästchen oder Blattstücke, die viel grösser waren als sie selbst. Unter dem Baum stand Kiwi, und sah neugierig zu mir hoch. Sie verlor das Interesse aber schnell wieder, denn Tiki lief unweit von ihr entfernt zielstrebig zum Offenstall. Ich erkannte Lewis, der wohl gerade die Vormittagsration Heu vorbeibrachte. Dakis halb quietschendes Brummeln war sogar von hier aus zu hören. Ich beobachtete belustigt, wie Chip und sie sich unterwegs rasch mit einer eindeutigen Geste angifteten, um zu klären, wer zuerst zum Heu durfte. Natürlich gewann Daki. Ich pfiff laut, sodass der Lewis sich umsah. Dann lachte ich laut, weil er mich auf dem Baum nicht sehen konnte. Durch das Lachen verriet ich mich, und er kam zum Baum gelaufen. "Little Miss, you shouldn't distract people from Work!" Ich grinste frech. "Since when are YOU working? Is Jonas ill or what?" "Ha! Just you wait, I'm gonna get you down here!" Er hängte sich an die untersten Äste, die er natürlich viel besser erreichte als ich. Der ganze Baum zitterte, als er sich etwas mühevoll hochhievte. "Ugh, it seems I'm a bit out of practice..." Gerade in diesem Moment kam Occu den Weg zu den Weiden runter. "What in the World are you doing?!", rief sie mit leicht strengem Unterton. Lewis sah mich erschrocken an, dann lachten wir herzhaft und kletterten runter. Papillon, die erst jetzt auf dem Weg zum Heu war, zuckte erschrocken zusammen, als Lewis sich runterfallen liess. "Hey ihr Kindsköpfe... Die Mini Hengstchen verzweifeln fast, weil ihre Heuration auf dieser Seite des Zauns feststeckt." Tatsächlich standen alle fünf ungeduldig am Zaun und glotzten mit gespitzen Ohren zu uns rüber. Ich hatte einen mittleren Lachanfall bei dem Anblick – es sah einfach zu süss aus. „Aber ernsthaft, ihr könnt nach dem Mittag wieder rumalbern. Jetzt gehen die Pferde erstmal vor.“ Ich sah unschuldig in die Wolken und Lewis stupste mich, so wie es auch Jonas dauernd tat. Dann machte er sich mit einem entschuldigenden „right away, boss“ zurück an die Arbeit und ich holte meine Schuhe, ehe ich Occu folgte. "Ab hier ziehst du die wider an", befahl sie, auf die Schuhe deutend, als wir in den Hauptstall abbogen. Ich gehorchte und wir machten uns auf die Suche nach Ajith. Wir fanden ihn mit Gabel und Mistschubkarre bei Khiaras Box. "I see, you're finished soon?" "Yea, April is doin' the boys." "Good. Can you prepare the babies afterwards?" Mit "babies" meinte Occu die jüngste Gruppe der Vollblüter, die gerade angeritten wurden. Soweit ich wusste, wollten sie vor dem mittag noch rasch ein wenig Dressur mit der Gruppe üben. Daedra war jetzt auch im Hauptstall und wurde mittrainiert, sie hatte aber noch einen kleinen Rückstand, weil sie ja ein bisschen jünger war. Occu fragte mich, ob ich nach dem Mittag noch rasch Thairu und Zazou mit ausreiten wollte, ehe Suri vorbeikam. Erstaunt fragte ich „kommt sie heute auch?“, weil ich davon gar nichts wusste. „Jap, sie hat vorhin angerufen und gefragt, ob du da bist. Ich hab ihr gesagt, dass du nichts vorhast am Nachmittag – ich hoffe das stimmt?“ „Klar!“, rief ich freudig. Es machte mir total Spass, mit Suri Reiten zu üben und wir waren mittlerweile beste Freundinnen. „Und ja, ich will mit Thairu raus. Darf ich sie diesmal wieder reiten?“ Occu nickte und ich machte einen kleinen Hüpfer. „Ich will noch schnell schauen, wie’s Chanda geht. Kommst du?“ Wir schlenderten zum Nebenstall und warfen einen Blick in die Box der neuen Criollostute. Sie war vorgestern angekommen und stand noch unter Quarantäne hier, weil sie etwas Nasenausfluss hatte. „Vielleicht ist sie auch auf Pollen allergisch, wie Elliot?“, fragte ich rätselnd. „Kann schon sein, aber ich denke eher, dass sie sich erkältet hat, weil sie beim Verladen vor Stress geschwitzt hat und es abends dann doch recht kühl war.“ Occu wollte sie später zu Moon und Feline auf die Stutenweide stellen, aber sie wollte erst sichergehen, dass die hübsche grullo-Scheckstute ganz gesund war. Sie kräftig aus und hatte schon sämtliches Winterfell verloren; so sah es jedenfalls aus. Chanda streckte neugierig ihre rosa Schnauze über die Boxentür und ich berührte sie mit meinen Fingern. Die Stute spielte mit ihren Lippen, um meine Finger in den Mund zu nehmen, aber ich passte auf und zog sie jedesmal lachend weg. „Ich geh jetzt zu den Youngsters, wenn du willst, kannst du natürlich zusehen kommen“, meinte Occu, sich zum Gehen wendend. Ich machte nur „nops, keine Lust“ und lief stattdessen wieder zum Nordstall. Ich hatte gestern eine Maus gesehen, die bei Vychahrs Box herumgeklettert war. Ich schlich mich vorsichtig an, aber es regte sich nichts ausser Circus Dancer und Vilous Mäulern, die eifrig im Stroh nach Heuhalmen suchten. Royal Champion war übergangsweise auch wieder hiergewesen. Occu hatte ihn ohne zu Zögern zurückgekauft, als sie seine Verkaufsanzeige gesehen hatte, aber der Platz im Nordstall war begrenzt und irgendwann würden ja Skydive, Clooney, Solas und Woody auch noch umziehen. Also hatte sie nun eine definitive Lösung für den jungen Schecken gesucht und ihn schliesslich zurück an seinen Geburtort gebracht, der Lake Mountain Ranch. Ich kannte den Hengst nicht so gut, aber es war natürlich immer schade, wenn ein Pferd vielleicht nicht hierbleiben konnte. Ich war jedenfalls froh, dass Occu Skydive ganz sicher behalten wollte.

      Beim Mittagessen erzählte Occu, dass Dolly diesmal schon viel entspannter gewesen sei und anfing, den Rücken loszulassen. Die junge Vollblutstute war momentan der Angsthase der Gruppe und brauchte einen Tick länger als die anderen, um sich in ihrer Aufgabe zu entspannen. Sogar Daedra war schon gelassener, wenn auch sehr temperamentvoll und lauffreudig. „Ach und Mambo hat wiedermal Eckenmonster gezählt. Ich hab ihn an der Reiterstuben-Seite kaum vorbeigebracht, ohne gleichzeitig Seitengänge zu üben. Aber sonst war er toll, er hat Fortschritte im Angaloppieren gemacht. Fire ist immernoch etwas zu heiss und kriegt dauernd einen Beinsalat, weil sie noch kaum Gleichgewicht hat. Wenn ich einen rauspicken müsste, wäre Snowflake im Moment mein Favorit. Sie ist schon so erwachsen und einfach nur praktisch im Umgang. Sarabi lässt sich zu leicht ablenken und testet schon jetzt ihre Grenzen, das wird bestimmt noch lustig mit der.“ Jonas stimmte nickend zu. Mit halb vollem Mund setzte er an „Wann denkst du –“, schluckte auf Occus strengen Blick hin runter und fügte hinzu „sorry, wann fangt ihr mit dem intensiveren Galopptraining an?“ „Oliver will mit dem schnelleren Intervalltraining Anfang Mai beginnen. Sie sind dann knapp drei Monate unter dem Sattel und haben mehr als genug Basisarbeit hinter sich. Unser Ziel ist es, ein erstes Renn-Debut im Spätsommer zu machen. Wenn das gut läuft, wollen wir die restliche Saison noch fleissig ausnutzen; wenn nicht, verlegen wir das Ganze auf nächsten Frühling und trainieren intensiv für die Dreijährigen-Saison.“ „Wann bringst du eigentlich Merino an ne Körung? Ich hab ihn heute mit Charly laufen gesehen und er macht sich in letzter Zeit wirklich gut. Ich bin sicher, er wird auch mal ein beliebter Zuchthengst.“ „Ja, er hat sich wirklich sehr verbessert. Das ist wohl auch Rachel Wincox Zu verdanken, die ihn an den letzten paar Rennen hervorragend geritten hat, als unsere eigenen Jockeys ausgebucht waren. Es war eine gute Entscheidung, sie zu engagieren.“ Jonas nickte zustimmend. Wir assen fertig und verräumten das Geschirr, dann rannte ich schonmal voraus zur Zebraweide. Thairu und Zazou chillten bei ihrem Unterstand. Thairu hatte ein Hinterbein aufgestützt und machte sich nicht mal ansatzweise die Mühe, ihr Gewicht zu verlagern als ich kam. Ich duckte mich zwischen dem Zaun durch und lief geradewegs auf sie zu. Occu brachte ihr und Zazous Knotenhalfter mit. Wir führten beide zum Nebenstall. Occu liess mich Thairu selber putzen, während sie Halluzination holte. Ich fand es so cool, dass Thairu bei ihrem Popo braune Streifenzwischenräume hatte, anstelle von weissen. Am Anfang hatte ich gedacht, dass es nur Dreck sei, aber ihr Fell hatte tatsächlich diese Farbe. Man sah auch ein paar verbleichte Streifen in den grösseren Lücken. Als ich Thairus wieder kurzes Sommerfell entstaubt hatte, kratzte ich ihre Hufe aus. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie Occu mich, bzw. Thairu dabei beobachtete, damit sie eingreifen konnte, falls das Zebra rumzickte. Aber ich hatte das voll im Griff. Thairu gab sogar ihre Hinterhufe brav. Ich klopfte ihr lobend auf den Hals und nahm die nächste Bürste aus der Box. Ich durchfuhr die Stehmähne des Zebras damit und kraulte es dabei hinter den grossen, runden Ohren. Thairu mochte das besonders im Fellwechsel, aber auch, wenn es draussen ganz warm war. Ich bürstete auch den Zebraschweif, auch wenn es nicht sonderlich viel zu bürsten gab. Der ‚Fliegenwedel‘ wollte dauernd hin- und herschwingen, obwohl es noch kaum Insekten hatte – das war nicht gerade praktisch zum Putzen. Occu meinte aber, solange der Schweif schön ruhig wedelte, war alles in Ordnung. Ein stillstehender Schweif wäre wohl ein Zeichen von Anspannung gewesen. Ich hielt ihn trotzdem irgendwie fest und bürstete so schnell ich konnte. Dann half mir Occu beim Satteln. Sie war mit Hallu auch schon fast so weit, und während sie noch rasch fertig putzte, kümmerte ich mich auch rasch um Zazous Fell. Dann zäumte Occu Hallu und ich band einfach den Strick als Zügel ans Knotenhalfter. Wir ritten Thairu eigentlich fast immer nur mit Halfter, weil sie das lieber mochte und damit braver war. Occu nahm Zazou als Handesel mit. Wir stiegen auf und ritten zur Galoppwiese. Allerdings galoppierten wir heute mit Thairu nicht, weil sie etwas fit war. Auch Hallu spielte sich ein paarmal auf, den Kopf verwerfend und mit den Vorderbeinen stampfend. Sie war wohl etwas grantig, weil sie nicht gasgeben durfte. Occu ritt die eigenwillige Fuchsstute trotzdem gelassen einhändig, denn sie kannte sie ganz genau und hatte keine Angst vor dem aufmüpfigen Verhalten. Und Hallu wusste, dass sie nicht mehr als so herumzicken durfte. Zazou wollte manchmal lieber am Wegrand anhalten um zu fressen. Occu musste ihn dann jeweils sanft mit der Gerte zum Weiterlaufen ermutigen. Wir hatten es ziemlich lustig unterwegs, und Thairu schien es auch zu gefallen.

      Als wir zurückkamen, war Suri schon da. Sie half mir beim Wegräumen von Thairu und Zazou, danach gingen wir zu Nosferatu und Fake. Wir machten zusammen einen Ausritt über den Fluss in Richtung Wilkinson Farm und plauderten ausgelassen über Peppy und mein erstes Rennen vor ein paar Tagen. „But this stupid cow Fiona… Only because she won in her group she thinks she’s the best. It really pisses me off.” “Don’t worry, you’re gonna show ’em”, meinte Suri zuversichtlich. “After all you’ve got Peppy. She’s a super-unicorn-pony!” Ich fiel vor lachen fast von Fakes Rücken. Wir kamen an den Weiden der Wilkinson Farm vorbei und Suri bemerkte „Oh, there’s a grey pony I haven’t seen before.“ „That’s right, you have not come here for a while, huh? He’s called Lindwedel.“ „Lindwedel? What a funny name! I kinda like it.“ “How about we go pay him a visit?” Suri nickte begeistert. Wir ritten auf den Hof und banden unsere Ponys beim Waschplatz an. Rosie bemerkte uns und kam zur Begrüssung rüber. „Hey Ladies. What’s up?“ „Hi Rosie. Can I show Suri Lindwedel?“ „Sure.“ Wir liefen über die Weide und ich streichelte unterwegs Islah, die uns neugierig ein paar Schritte entgegengekommen war. Auch Lindwedel hob den Kopf und kam auf uns zu. Suri war sofort verzaubert von seiner langen Mähne und dem dunkelgrauen Fell. „He is really, really cute. I’m sure he would be fun to ride”, meinte sie verträumt. “That’s the first time I hear you talk like that. Usually it’s always been me, craving to ride other people’s ponies.” Suri lächelte verlegen. “You can just ask Rosie, you know. I’m sure she’d allow you to ride him.” Suri schüttelte eifrig den Kopf. “No no, it’s fine. I’m very happy with riding Nossi!” Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern. Wir blieben noch einen Moment auf der Wilkinson Farm, dann machten wir uns wieder auf den Weg.

      Nach dem Ritt machten wir uns auf die Suche nach den Katzen, denn Suri hatte noch gar nie alle gesehen. Moya war inzwischen leicht zu finden. Sie lag am liebsten im Wohnzimmer auf der Couch zusammengerollt. Sie mochte es nicht, wenn man sie streichelte (ausser bei Occu), also versuchte ich es gar nicht erst. Sonst hätte sie wohl eh gleich wieder die Flucht ergriffen. Jonas hatte eine Katzenklappe in die Tür eingebaut und Moya durfte rein und raus, wann immer sie wollte. Aber sie benutzte lieber das Küchenfenster, anders als Kafka, der die Klappe voll ausnutzte und dauernd Occu in ihrem Büro nerven kam. Wir fanden Gismo in einer der Sattelkammern, auf einer Schabracke schlafend. Er blinzelte müde, als Suri ihn streichelte und streckte sich anschliessend ausgiebig, ehe er sich wieder auf die Seite legte und einfach weiterschlief. Um Shiva zu finden, brauchten wir deutlich länger. Sie kletterte ausnahmsweise mal nicht auf dem Heuboden herum, sondern jagte auf dem Feld hinter der Rennbahn Mäuse. Von Kafka war keine Spur zu finden, aber ich wettete, dass er auch irgendwo am Jagen war. Wir spielten auch nochmal eine Runde mit Jackie und Sheela im Garten hinter dem Haus. Lisa und David winkten uns zu, als sie vom Ausritt mit Sweets und Bluebell zurückkamen. Später hängten wir ein wenig auf den Bäumen auf den Weiden herum. Der Apfelbaum auf der Stutfohlenweide hatte ein paar coole Astgabelungen, in die man sitzen konnte. Die Fohlen beobachteten uns dabei neugierig. First Chant wurde immer hellgrauer. Occu meinte, sie werde vermutlich ganz weiss, wenn sie gross ist. Am Anfang hatte ich das gar nicht glauben können. Ich verstand vor allem nicht, warum Lindwedel dann nicht auch weiss war, mit seinem Alter. Darauf hatte auch Occu keine ausreichende Antwort gewusst, nur „ist halt manchmal unterschiedlich“. Ich fand Chime so süss (da war es wieder, mein Flair für ganz helle Pferde). Die kleine Stute war dünner als die anderen, aber genauso verspielt und agil. Die kraulte sich mit Karma am Widerrist, dann frassen beide Kopf an Kopf. Richtig Idyllisch. Suri war vom Baum geklettert und machte eine Blumenkette aus Löwenzahn. Sie kam aber nicht weit, bevor Reverie angetrampelt kam und die Kette auffressen wollte. Ich lachte amüsiert und half Suri, ihr Kunstwerk vor den gierigen Fohlen zu verteidigen. Es war ja nicht so, als hätte es rund um uns herum nicht noch mehr Blumen gehabt. Aber wie immer waren die frechen jungen Pferde besonders an denen interessiert, die wir in der Hand hielten. Nur Cranberry und Indy waren abseits und grasten friedlich. Irgendwann überliessen wir den Fohlen die Kette und wechselten die Weide. Am liebsten kletterte ich nämlcih immernoch auf die Bäume der Stutenweide, denn die waren schön gross und hatten trotzdem praktische Äste für den Aufstieg. Suri blieb lieber auf den unteren Ästen, während ich zum bluffen gerne bis in die Baumkrone kletterte. Die Pferde kümmerten sich nicht sonderlich um uns. Wir ernteten höchstens manchmal einen skeptischen Blick von Phantom. Aber plötzlich spitzte die Herde die Ohren, denn Occu kam zum Weidetor. Ich liess mich vom Baum ins Gras fallen und rannte zu ihr rüber. „Schon wieder barfuss?“, meinte sie streng, sagte aber nichts weiter, ausser „passt einfach auf, okay.“ „Was machst du?“, fragte ich neugierig, als ich das Knotenhalfter und den Strick in ihrer Hand sah. Suri gesellte sich nun auch neben uns und streichelte Zira, die sich aber nach wenigen Berührungen wegduckte und auf Occus andere Seite auswich. „Ich will noch ein wenig mit Matinée arbeiten.“ „Können wir zusehen?“, fragte ich sofort aufgeregt. „Aber nur, wenn ihr nicht stört.“ Wir liefen zurück zum Baum und holten unsere Schuhe, dann folgten wir Occu, die inzwischen die Mustangstute eingefangen hatte. Es klappte jetzt wirklich schon gut, ganz anders als am Anfang, als Occu sie noch jedes Mal 10 Minuten hatte jagen müssen. Wir begaben uns in die Halle, weil die Sonne unbarmherzig auf den Sandplatz runterbrannte. Occu führte die Stute in der Halle herum und liess sie immer wieder ein wenig weichen. Dadurch wurde sie aufmerksam und weich im Umgang. Sie führte Matinée über eine am Boden liegende Stange und liess sie mitten darüber anhalten. Dann schickte sie die Stute seitwärts der Stange entlang. Am Anfang hatte Matinée das nicht gemocht. Ich hatte es einmal beobachtet; sie war immer wieder erschrocken, als sie die Stange berührt hatte und Occu war es kaum gelungen, sie anständig über der Stange anzuhalten. Inzwischen konnte Occu sich sogar über den Rücken der Stute lehnen, ohne dass diese ausflippte. „Soll ich aufsitzen?“, fragte Occu plötzlich. Ich war etwas unsicher, ob das schlau war. Denn ich hatte schon gesehen, wie Matinée bocken und ausschlagen konnte. „Weiss nicht… Ist das nicht gefährlich ohne Sattel?“ „Ohne Sattel ist es viel weniger riskant, glaub mir. Man fällt vielleicht schneller runter, aber man kann dafür nirgens hängen bleiben. Es gibt nichts schlimmeres, als vom Pferd nachgeschleift zu werden.“ Das verstand ich. Occu sprang an Matinées Seite auf und ab, um zu testen, ob sie sich nachhaltig an die Bewegung gewöhnt hatte. Dann sprang sie hoch und lehnte sich über den Rücken der Stute, das angespannte Seil in der linken Hand haltend, damit sie sofort den Kopf kontrollieren konnte, wenn die Stute Mätzchen machte. Als Matinée ruhig blieb, wagte sie es, das rechte Bein auf die andere Seite zu legen und sich aufzurichten. Sie kraulte Matinée ausgiebig am Hals, bewegte die Beine ein wenig, und liess sich dann wieder runtergleiten. „So, das war’s. Ich bin das erste Mal auf ihr gesessen.“ Suri und Ich klatschten begeistert, auch wenn das ganze etwas unspektakulär ausgesehen hatte. Matinée spitzte die Ohren und zuckte zusammen, als sie das Geräusch unserer Hände hörte, blieb aber neben Occu stehen. „Ich mache jetzt noch ein wenig longenarbeit mit ihr. Lily, kannst du mir die blaue Longe holen?“ Ich nickte und brachte sie ihr. Wir legten ein paar Cavaletti auf die Mittelvolte, damit Occu die Stute darüberschicken konnte. Das sei gutes Rückentraining, erklärte sie mir und Suri. „I don’t want to ride her until she’s got more back muscles.” Sie sah aber schon viel besser aus als bei ihrer Ankunft, wie ich feststellte, als ich sie beim Stangentraben beobachtete. Als sie angekommen war, hatte man die Rippen zählen können und der Rücken war total eingefallen gewesen. Occu hatte auch eine Tierärztin hiergehabt, die bestätigt hatte, dass Matinée unter Rückenschmerzen litt, die aber zum Glück nur von Verspannungen herrührten, nicht von irgendwelchen bleibenden Schäden. Die Stute war inzwischen von einem Chiropraktiker gelockert worden, und Occu konzentrierte sich nun auf den korrekten Muskelaufbau, damit die Stute in Zukunft keine Probleme mehr haben würde. Matinée trug den Kopf schön tief und schnaubte ab. Man merkte, dass es noch anstrengend für sie war, die verschieden hohen Cavaletti auf der Kurve zu überwinden. Aber das Training zeigte seine Wirkung und die Stute schwang mit dem Rücken schön mit, wie Occu uns zeigte. Am Ende bekam sie ein Leckerli und durfte zurück zu Phantom auf die Weide. Obwohl sie heute so brav gewesen war, sah man doch deutlich, dass sie immernoch am allerliebsten einfach bei ihren Kumpels auf der Weide stand, weit weg von Menschen, Seilen und unheimlichen Gegenständen. Irgendwie verstand ich sie gut. Ich war schliesslich auch lieber hier auf dem Hof bei den Tieren, als in der Schule. Aber um später klarzukommen, musste ich nunmal alles Nötige lernen, und so war das auch bei Matinée.
    • Occulta
      Der grösste Backofen der Welt
      Vai Alida, PFS’ Colours of Life, Lindwedel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, Drømmer om Død, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Nosferatu, Halluzination, Cambria, Ronja Räubertochter, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Farasha, Numair, Islah, Tayr al-Diyari, Brendtwood

      Ich betrachtete den rissigen Boden unter mir. Das kurze Gras darauf war an manchen Stellen braun, und jedes Fleckchen Erde, das ich sehen konnte staubtrocken. Schon allein vom Betrachten dieses Trauerspiels lief mir der Schweiss runter. Wir waren seit Tagen am Wässern und versuchten, den englischen Rasen wieder einigermassen grün werden zu lassen . Und noch war kein Regen in Aussicht, ausser vielleicht ein kurzes Gewitter. Es war so heiss, dass wir den Pferden zum Teil Hitzefrei gaben und wenn dann erst abends oder früh morgens ritten. Das Vollbluttraining fand noch etwas früher als sonst statt, dafür konnten die Pferde den ganzen Tag durch verschlafen. Es hatte vor ein paar Wochen geregnet, und zwar gar nicht mal wenig. Aber danach war der Sommer nochmals zurückgekehrt, um uns ein letztes Mal daran zu erinnern, warum wir uns auf den Herbst freuten. Im Moment war Nachmittag, und ich chillte in meiner Hängematte hinter dem Haus. Wir machten wirklich nur das nötigste Tagsüber, wie Misten und Füttern. Aufgeräumt und gewischt wurde auch erst abends. Ich beobachete die Blätter über mir, auf denen Ameisen emsig umherkrabbelten. Es kam mir bewundernswert vor, wie fleissig sie trotz der Temperaturen waren. Ein Bellen liess mich über den Stoffrand blicken. Jonas war zurück vom Einkaufen und wurde von einer übermütigen schwarzen Labradorhündin begrüsst. Auch Zira stand von ihrem Platz im kühlen Gras neben der Hängematte auf und spitzte die Ohren. "Sheela! Come here girl", rief ich. Sie liess von Jonas ab und kam hechelnd zu mir gerannt. "See? It's far too hot to freak out like that." Sie legte sich zu Zira in den Schatten. Jonas brachte die Einkäufe uns Haus, dann kam er mit zwei Wasserglacen raus und streckte mir eine hin. Ich nahm sie dankbar. "Wann wollen wir die Pfleger zurück in den Stall holen?" "5 Uhr? Ein paar sind mit Lewis ins Schwimmbad gefahren." "Dann hätten wir noch etwas Zeit übrig... Ich hatte da so eine Idee", überlegte er laut. "Erzähl?" "Hab in der Zeitung gesehen, dass heute ne Sportpferdeauktion nahe London ist. Lust da vorbeizusehen?" "Wofür denn? Ich brauch kein weiteres Pferd im Moment..." "Wir müssen ja nix kaufen. Ich dachte, man könnte sich so vielleicht ein Bild davon machen, welche der aktuell im Trend stehenden Hengste etwas taugen. Da sieht man deren Nachwuchs mal live und das wäre vielleicht nützlich." "Stimmt. Ist die Halle klimatisiert?" Er lachte. "Also ob." Ich stöhnte symbolisch und legte mich noch mal in die Hängematte zurück, dann stand ich auf. "Okay. Gehen wir, sonst wird es zu spät." Jonas hatte die Autoschlüssel noch in der Hosentasche, also mussten wir nichteinmal ins Haus gehen. Lily war mit Suri unterwegs im Pinienwald - die beiden hatten sich aus Ästen und Steinen ein Lager gebaut und die halben Ferien darin verbracht. Einmal hatten sie sogar darin übernachtet. Manchmal ritten sie mit Nossi und Fake rüber, aber das erlaubte ich nur, wenn sie nicht länger als zwei Stunden blieben - den Ponys zuliebe. Jonas und ich fuhren also über die Autobahn Richtung London und erreichten den Vorort mit der Auktionshalle. Der Parkplatz war voll, also mussten wir den Wagen an einem Strassenrand abstellen und ein Stück zu Fuss gehen. Es hatte reichlich Leute, zu meinem Bedauern. Ich mochte keine Menschenmengen, erst recht nicht, wenn es heiss war. Jonas wusste das und steuerte von Anfang an auf eine Stelle am Rand der Tribüne zu, an der nicht so viele Leute sassen. Von dort aus sah man zwar nicht ganz so viel, aber dafür hatte ich meinen Frieden. Die Auktion war bereits in vollem Gange, als wir uns setzten. Jonas hatte unterwegs ein Infoheft geschnappt und studierte es nun. "Der da ist ein Saphir Royal Sohn. Von denen sieht man in letzter Zeit viele, nicht wahr?" "Jup. Aber der ist rein dressurgezogen. Ich interessiere mich mehr für Springpferde." "Was ist dann mit dem da? Raloubet du Bouqet aus einer Erdbeercornet Obolenski-Mutter?" "Das wäre schon eher mein Fall. Aber der Kopf gefällt mir nicht, und der hat Bockhufe hinten." In diesem Stil nahmen wir die nächsten zwanzig Jungpferde, die vorgestellt wurden kritisch unter die Lupe. Die meisten hatten eine Sache gemeinsam: sie wurden schon mit ihren zarten drei Jahren rund geritten und mussten Trabverstärkungen und imposante Knieaktion zeigen. Deshalb mochte ich solche Auktionen nicht sonderlich. Denn die Jungpferde hatten noch gar nicht genug Muskeln, um in solcher Versammlung und Aufrichtung zu laufen. Die Hinterhand wurde so schon früh abgehängt und schaufelte hinten raus, die weichen, raumgreifenden Gänge (besonders der Schritt) wurden förmlich kaputtgeritten. Die unschuldigen Grünschnäbel taten mir leid, denn viele hatten eigentlich alles in die Wiege gelegt bekommen, um federleicht durch die Bahn zu schweben - sobald sie die Kraft dazu hatten, auch mit dem Reiter. Aber hier an der Versteigerung mussten sie natürlich 'hübsch laufen', damit sie einen möglichst hohen Preis erzielten.

      Ich fand viele der Jungpferde süss und gut, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas, um mir wirklich aufzufallen. Bis eine Stute hineingeführt wurde, auf die ich insgeheim gewartet hatte. Im Infoheft hatte die Abstammung mein Interesse geweckt. Nun, mir war bekannt gewesen, dass der Grossvater, Cadoc, oft Schecken hervorbrachte. Aber diese Stute hatte eine solch harmonische, angenehm anzusehende Verteilung von weissen Flecken im hinteren Körperbereich, dass ich einfach sofort begeistert war. "Aber das ist Tobiano, oder Tovero - nicht Sabino, oder?", fragte ich Jonas verwundert, wissend, dass Cadoc ein Sabinoschecke war. Jonas zuckte mit den Schultern. "Du bist hier die Farbexpertin. Aber ja, ich hätte auch gesagt, dass es mehr nach Plattenschecke aussieht." "Ach stimmt ja! Der Papa ist Pajero, der ist ein Tobiano. Also hat sie's von ihm." "Gefällt sie dir?", fragte er verschwörerisch. "Darfst dreimal raten." "Gibt aber nur 2 mögliche Antworten. Ausser du zählst 'ich weiss nicht' dazu." "Tüpflischisser." Ich beobachtete das Gangbild der Stute. Cambria hiess sie, und ein reiner Holsteiner war sie, obwohl gescheckt. Je länger ich sie betrachtete, desto besser sah sie aus. Zwar lief auch sie bereits leicht hinter der Senkrechten und strampelte sich ihren Weg durch die Halle, aber sie wirkte konzentriert und arbeitswillig, trotz der vielen Leute auf den Tribünen. "Wie gross ist unser Budget?", fragte Jonas verheissungsvoll. "Eigentlich hatte ich nichts eingeplant..." Er sah mich tadelnd an. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass dir hier kein einziger Blickfang begegnen könnte? Aussserdem hab ich dein Gespräch mit Elliot schon mitgehört. Von wegen du wollest dich irgendwann nach einem weiteren Springpferd umsehen, um Robin zu fördern." Es stimmte. Ich hatte Elliot darauf angesprochen, was er davon halte, Charlys Schwester, die offensichtliches Talent zeigte, entsprechend zu fördern. Mit ihr selbst hatte ich darüber allerdings noch nicht gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, schlug er vor: "Wenn die beiden nicht zusammenpassen, kannst du sie ja selber reiten und Robin Satine überlassen. Oder du verkaufst sie eben wieder..." "Na gut", gab ich nach. " 12'000, höher gehe ich für das gerade erst ausgebildete Jungpferd nicht." Jonas grinste verschmitzt, "Wusst ich's doch" stand ihm wie mit Edding quer über's Gesicht geschrieben. Ich überliess ihm den Sieg für heute und wartete erstmal ab, wie viel die Leute für Cambria boten. Meiner Erwartung entsprechend war sie nicht nur mir aufgefallen, und ihr Preis stieg rasch auf 11'000. Als es einen Moment ruhiger wurde, hob ich das Infoheft deutlich hoch. Sofort wurde ich wieder überboten. Ich sah Jonas schulterzuckend an, "Kann man nix machen." "Du gibst so schnell auf?" Entschlossen nahm er mir das Heft ab und streckte es abermals hoch. Als ihr Preis schliesslich auf 13'000 anstieg, bat ich ihn aufzuhören. "Ich möchte wirklich nicht mehr ausgeben. Für den Preis kann ich längst auch selbst ein Fohlen züchten und ausbilden. Dann hätte das eben kein neues Blut, ist doch egal." Etwas enttäuscht war ich trotzdem. Wir sahen noch eine Weile zu, dann tippte ich auf meine Armbanduhr und wir verliessen die Tribüne, denn es war schon halb fünf. Wir nahmen den Umweg durch die Stallungen, um zum Parkplatz zu gelangen. So konnten wir uns die Pferde nochmal flüchtig aus der Nähe ansehen. "Hey, rate mal wer da vorne steht." Ich wandte meinen Blick durch die Stallgasse und sah ein weisses Hinterteil. "Schade, jetzt sehe ich sie auch noch von Nahem und ich wette, sie wird mir so noch viel besser gefallen... Hoffentlich hat sie einen Makel, irgendeine Warze oder einen Bockhuf, den man vorhin nicht so gut sah", murmelte ich zu Jonas. Wir liefen stumm vorbei und schnappten ein paar Worte des Gesprächs der Anwesenden auf, die mich aufhorchen liessen. "A pity. She's really my type. But it's absolutely shameful to try and sell her like this." Die Neugier packte mich. "Excuse me Sir, what's the matter?" Der bärtige Typ drehte sich zu mir um und hob erstaunt die Augenbrauen. "Occulta?" Ich brauchte einen Moment länger, ehe ich realisierte, dass es sich um Fabrizio Martell handelte, einen bekannten Züchter aus Oxford, den ich noch vom Studium her kannte. Mit Bart sah er ganz anders aus, als ich es in Erinnerung gehabt hatte. "Long time no see, everything's fine at your place?", fragte ich nach einem kräftigen Händedruck. "Yes yes, I can't complain. The foals are growing and the fools still going, what else can we wish for?" Ich lachte bei seinem Wortspiel ernsthaft und vergass fast, dass Jonas noch hinter mir stand. "Ah yeah, this is Jonas, he's my... Boyfriend, I guess? I'm sorry, it feels more like we've been married for years, even though we aren't." "Ahh, nice to meet you. When I heard about Jack's death, I honestly didn't expect Occu to ever be in a relationship again. She was such a reserved, cold girl at university, ya know." "Hey!" Diesmal lachte Jonas laut, während ich empörte Blicke mit beiden austauschte. "Alright, alright now. So what's the matter with this beauty here?" "She's been drugged with painkillers to hide a sore foot. Look at this hoof. It already looks painful. My vet Bob confirmed it for me." Bob nickte mir bestätigend zu. Ich warf einen Blick zu dem Mann, der offenbar Besitzer der Stute war. Er stand etwas abseits und diskutierte mit einem der Auktions- Organisatoren. Vermutlich versuchte er sich irgendwie herauszureden. "So what now?" "I obviously won't buy her like this. And surely not for that price. I guess he will take her back home and try to sell her on the internet." Ich hakte bei Bob nach: "Do you think that hoof is treatable? It's not something genetic or chronic, right?" Er erklärte, dass es nach einem Abzess aussehe, der eine Weile brauchen würde um herauszuwachsen, aber um sicher zu sein, müsse man weitere Abklärungen treffen. Ich kniff nachdenklich die Lippen zusammen. Cambria stand ruhig da und zuckte mit dem Widerrist, um ein paar Fliegen zu verscheuchen. Ihre dunklen Augen blickten eher sorgenvoll und müde, nicht, wie es sich für ein Jungpferd gehörte, aufmerksam und neugierig. Ahh, jetzt ist es geschehen. Ich habe Mitleid mit ihr... Es hatte keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, ich wusste genau, wie das hier ausgehen würde. Ich sah sie mir wenigstens nocheinmal ganz genau an, bevor ich zu ihrem Besitzer lief und die entscheidenden Fragen stellte. Ihre Kruppe hätte deutlich bemuskelter sein sollen für ihren angeblichen Ausbildungsstand und der Rücken zeigte Anfänge von leichten Kuhlen, dort wo die Sattelkissen normalerweise lagen. Aber ihre Schulter und der Hals sahen okay aus, und das wichtigste: ihre Beine waren trocken und hatten weder Klümpchen noch schwammige Bereiche. Nichts also, was ich mit anständiger Hinterhandaktivierung und einem passenden Masssattel nicht beheben konnte. "Excuse me Mr?" Er drehte sich zu mir herum. Ich stellte mich rasch vor und verkündete mein Interesse an der Stute, wobei ich jedoch möglichst gleichgültig zu klingen versuchte. Ich wollte den Preis ihrem Momentanen Zustand entsprechend runterhandeln, da durfte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie auch für mehr nehmen würde - was tatsächlich auch so stimmte. Nicht, dass ich sparen musste, aber ich war nicht gewillt, dem Typen auch nur einen Penny unnötigerweise zu überlassen. Zu meinem Glück ging mein Plan auf und ich bekam Cambria unter ihrem eigentlichen Wert. Die Veranstalter waren zwar nicht begeistert, dass ich die Stute kaufte, obwohl der Typ gegen die Vorschriften verstossen hatte, aber sie gaben ihr okay. Mein Gefühl sagte mir, dass wir den Huf mit etwas Pflege wieder hinbekommen würden. Wenn ich Recht hatte, bekam Robin ein klasse Sportpferd zu einem Schnäppchenpreis. Wenn nicht - nun, darüber dachte ich lieber nicht nach. Aber so hatte ich wenigstens nicht ganz so viel Geld in den Sand gesetzt im Falle eines Falles. Wir einigten uns darauf, dass ich Cambria in ein paar Tagen abholen kommen würde. Fabrizio sah nachdenklich aus, als ich zurück zu den Männern stiess. "Did I make a mistake? If Occu buys her, then there must be something about her", meinte er scherzhaft. "Nah, I just like her colour, that's all", spielte ich meine Entscheidung herunter. Das war nicht die volle Wahrheit, denn ich sah ausserdem Potential in der seltenen Blutlinienkombination. Aber das brauchte er vorerst nicht zu wissen, jedenfalls nicht, bis sich abzeichnete, ob ich richtig lag oder nicht. "Alright, we've got to be on our way now. It was nice to see you again; I hope we'll meet more often at competitions from now on. My Daughter has only just started her career as a show jumper." "Good to hear, Rachels Daughter Lily is also quite ready to go to shows more frequently. So there's a good chance we'll meet at some lower class competitions next year." Wir verabschiedeten uns mit einem herausfordernden Händedruck und gingen getrennte Wege zum Parkplatz. Ich spürte Jonas' schelmischen Seitenblick während dem Laufen. "Ist ja gut, bist du jetzt zufrieden? Wir haben sie." "Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst zufrieden sein." Ich antwortete lächelnd "das bin ich" und gab ihm einen Kuss.


      Natürlich waren wir später zurück auf dem Hof als ursprünglich geplant. Ich war in letzter Zeit ohnehin schlecht darin, pünktlich irgendwo zu sein. Selbst an Turniere fuhren wir regelmässig 'last minute'. Das hatte aber nichts daran geändert, dass meine beiden jungen Reitpony-Hengste auf ihren allerersten Turnieren gleich beide in mehreren Disziplinen auf den ersten drei Plätzen klassiert gewesen waren. Bacardi Limited zum Beispiel, machte seiner Abstammung alle Ehre und gewann sowohl in seinem ersten Synchronspringen, als auch im kurz darauffolgenden Dressurturnier und räumte zwei Wochen später, um das Resultat zu bekräftigen, auch gleich noch den zweiten Platz im Militaryturnier ab. Trotz der anhaltenden Hitze, beziehungsweise des hartnäckigen Regens während letzterem. Und Sniper hatte überraschenderweise in einem Fahrturnier den Sieg geholt, obwohl wir ihn nur mit der Doppellonge und später zum Spass mit einem Sulky eingefahren hatten, weil ich es für gutes Aufbautraining hielt. Jedenfalls hatte er so als Nebeneffekt wohl auch gleich seine Ausdauer mittrainiert, denn sogar bei einem Einsteiger-Distanzturnier schaffte er es aufs Treppchen. In der Dressur und im Springen war er schlichtweg noch nicht so weit wie Bacardi, der schon ein paar Monate mehr unter dem Sattel lief. Er musste zuerst noch lernen, ruhiger und taktvoller zu gehen; mehr Balance entwickeln. Dann würde ohne Zweifel auch er erste Erfolge im Springen verzeichnen können, so war ich mir sicher.

      Ich machte mich auf den Weg zu Circus Dancers Box. Der beinahe ganz weisse Knabstrupper sah gerade mit tiefgründigem Blick zu seinem Boxenfenster hinaus, als ich die Tür aufschob. Er hatte mich wohl nicht kommen sehen, denn er drehte sich beim Geräusch der Tür um und sah mich mit grossen, schwarzen Augen an. Dann brummelte er freudig und kam näher. Ich streichelte seinen Nasenrücken und gab ihm ein Karottenstück zur Begrüssung. Als nächstes streifte ich ihm das Halfter über und band ihn im Stallgang an. Allein vom in-der-Box-stehen hatte er eine schweiss-feuchte Brust. "Du armer. Keine Angst, wir machen nichts verrücktes heute, mir geht's ja genau gleich wie dir." Ich bürstete ihn nur rasch mit der normalen Bürste durch, denn dreckig war er sowieso nicht - höchstens staubig. Auch seine Hufe waren so gut wie sauber, dafür nahm ich mir die übrige Zeit um seine Mähne mal wieder gründlich zu entwirren und zu flechten. Die weissen Haare waren noch leicht gewellt vom letzten Mal, aber wiedermal reichlich verknotet. Ich sattelte den Knabstrupper und ging mit ihm auf einen Ausritt im Schatten der Pinien - das einzige halbwegs angenehme, was man im Moment tun konnte.

      Anschliessend war es bereits sieben Uhr und endlich kräuselte ein erlösendes Lüftchen meine unter dem hochgebundenen Dutt vorstehenden Nackenhaare. Ich holte Artemis raus, um mit ihm ein Intervalltraining zu machen, bevor die Vollblüter ihr Abendtraining starteten. Er war trotz der warm-feuchten Luft am Ende gar nicht so verschwitzt, wie ich gedacht hätte. Das zeigte mir, dass er mittlerweile eine ziemlich gute Kondition haben musste. Der Schimmel lief brav neben mir her, während ich ihn zum Abspritzplatz führte. Ich hatte seit seinem Einzug auf Pineforest Stable schon einiges mit ihm erlebt - unsere Amerika-Reise war gewiss ein Highlight gewesen, das ich nie vergessen würde. Der Schimmel hatte dabei gelernt, mir zu vertrauen und war seither zu einen treuen Verlasspferd geworden. Er hatte zwar wie jeder andere auch mal etwas schlechtere Tage, aber die waren selten, und es konnte schliesslich nicht immer alles perfekt laufen. Ich wusch ihn mit einem grossen Schwamm und einem Eimer Wasser ab - mehr war gar nicht nötig. Dann brachte ich ihn zurück in den Nordstall. Auch mein zweiter Achal Tekkiner Hengst, Burggraf, war unterdessen bewegt worden. Lisa hatte sich um ihn gekümmert. Ich liess den Blick durch die Boxen schweifen, bis er auf die beiden Isländern fiel. Als hätte er meine Gedanken laut gehört, betrat Jonas den Nordstall und deutete fragend auf Herkir. Ich nickte grinsend, also holten wir die beiden raus und begannen mit dem Putzen. "Unsere Telepathie wird immer besser", meinte Jonas während dem Bürsten auf meine Bemerkung hin, dass ich gerade ans Ausreiten gedacht hatte, bevor er reingekommen war. "Telepathie? Du meinst wohl meine unausgesprochenen Befehle." "Hmm, okay. Das musst du mir dann aber auch noch beibringen, jetzt wo ich offiziell dein Stellvertreter bin." Ich nickte belustigt. Letzte Woche hatte ich wiedermal einen der weniger vollgepackten Tage genutzt, um eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen und die Pläne für Ende 2018 bekanntzugeben. Dabei hatte ich auch gleich ein paar Umstrukturierungen vorgenommen. Jonas war zum stellvertretenden Gestütsleiter ernannt worden, Elliot war jetzt vollzeitmässig Reitlehrer und Ansprechpartner für die Vermietung unserer Infrastruktur. Er kümmerte sich um sämtliche Reitstunden für Auswärtige und Clubs, die unsere Halle oder die Galoppbahn nutzen wollten. Lisa verwaltete die Trainingsaufträge für Berittpferde und organisierte zudem kleinere Events wie Gymkhanas und Geländeritte auf Pineforest. Dies nahm mir etwas Arbeit ab und erlaubte es mir, mich noch mehr auf die Pferde selbst zu konzentrieren. Bezüglich Pferde hatte sich auch noch etwas getan: ich hatte Vai Alida symbolisch an Oliver verkauft. Sie blieb natürlich hier auf Pineforest und diente in Zukunft auch unserer Zucht, aber der Cheftrainer hatte solch einen Gefallen an der braunen Stute gefunden, dass er mich darum gebeten hatte. Er war in den letzten paar Jahren nicht mehr so viel selbst in den Sattel gestiegen. Nach eigener Aussage gab ihm Alidas Kauf die Motivation, wieder mehr dergleichen zu tun, erst recht, wenn sie irgendwann von ihrer Rennkarriere pensioniert wurde. Ich hatte nicht lange überlegen müssen - das passte einfach und brachte für beide Seiten nur Vorteile. PFS‘ Bring me to Life, der eigentlich bereits verkauft war und nur noch bis zur Abholung auf Pineforest stehen sollte, gehörte nun offiziell den beiden Fox-Brüdern. Die ursprüngliche Käuferin hatte mich mehrfach wegen des Geldes für den ihn vertröstet und auch nie mehr Anstalten gemacht, ihn abzuholen. Also hatte ich den Vertrag aufgelöst. David und Darren hatten mich daraufhin angesprochen und ihr Interesse an dem Hengst geäussert, als ihr erstes eigenes Pferd. Sie teilten sich ihn und kümmerten sich liebevoll um Life, später wollten sie sogar mit ihm im Militarybereich starten. Auch einen neuen Namen hatte der Hengst mit meinem Einverständnis bekommen: Colours of Life, was ich sehr passend fand. Und dann waren da noch meine beiden Haflinger, die ich an Lisa verkauft hatte. Sie war offensichtlicher Hafi-Fan, und zwar seit sie ein kleines Mädchen war. Die Blonden Mähnen und herzförmigen Popos hatten es ihr einfach angetan. Auch wenn Nim und Woody etwas schlankere Typen waren, so war Lisa doch von Anfang an begeistert von den beiden gewesen und da ich selbst keine Haflingerzucht anfangen wollte, geschweigedenn viel mit den beiden Anfangen konnte, wollte sie sie als vielseitige Sport und Freizeitpferde ausbilden und sogar hin und wieder für Sommer-Reitcamps einsetzen.

      Wir hatten einen Traumhaften Ausritt in der Dämmerung. Man hörte nebst dem dumpfen Geräusch der Hufe auf den Feldwegen kaum etwas, höchstens ab und zu ein leise entferntes Brummen von Autos, je nachdem wie nahe wir dem Dorf kamen und wie die kühle Brise wehte. Irgendwann begann auch noch ein Käuzchen die Stille mit seinen Rufen zu durchbrechen, und eine Weile lang lauschten wir nur, ohne zu reden. Herkir und Loki schienen dasselbe zu tun. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und ihre Köpfe nickten leicht mit ihren Schritten mit. Sie machten einen zufriedenen, ruhigen Eindruck, auch wenn sie sich teilweise wieder ein übermütiges Schrittrennen lieferten, bis Jonas und ich sie daran erinnerten, dass wir auch noch da waren. Wir kamen im Dunkeln nach Hause, aber im Nordstall brannte Licht und als wir reinkamen, war Darren gerade dabei, Dods Hufe auszukratzen. Er hatte den Criollo an der Doppellonge unter Lisas Aufsicht durch einen Trail Parcours gelenkt, zusammen mit zwei weiteren Pflegern, mit Moon und Chanda. Wir sattelten die beiden Isländer ab und gaben ihnen Karotten aus einer Kiste beim Eingang, zur Belohnung. "Hast du Fake heute eigentlich schon bewegt?", fragte ich Jonas beiläufig. "Nö, Lily hat das für mich gemacht." "Faulpelz." "Du bewegst deine Pferde ja auch nicht alle selber." "Ich hab aber auch..." Ich brauchte gar nicht fertig zu reden, denn er grinste nur schelmisch und legte einen Arm über meine Schultern. Wir schlenderten zusammen zum Nebenstall, denn ich musste als allerletztes noch Halluzination bespassen, bevor der Tag 'zuende' war. Im Nebenstall waren Blue's und Sweets' Boxen leer, also vermutete ich, dass beide entweder in der Halle oder auf einem Abendausritt waren. Jonas liess mich in Ruhe machen und ging schonmal ins Haus, um mit Lily zusammen das Abendessen vorzubereiten und Hausaufgaben zu machen. Ich war sehr dankbar dafür, dass er so verlässlich war und sich um meine Nichte kümmerte. Die beiden kamen so gut zusammen aus, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass das Mädchen gar nicht seine Tochter war. Ich fragte mich insgeheim trotzdem immer wieder, wie sehr Lily ihre richtigen Eltern vermisste. Sie machte eigentlich immer einen glücklichen, unbesorgten Eindruck, aber ich wusste auch, dass sie eine sehr gute kleine Schauspielerin sein konnte, und oft nicht verriet, was sie wirklich beschäftigte. So gedankenversunken bürstete ich Hallus Fuchsfell im Schein der Lampen unter dem Dach des Nebenstalls. Während der Dressurarbeit danach lief sie wiedermal etwas eigenwillig und sah in jeder Ecke Monster. Es war anstrengend, sie so zu beschäftigen, dass sie keine Zeit für Mätzchen fand. Wir galoppierten viel, um Energie abzulassen und als das auch nicht weiterhalf, stieg ich rasch ab und legte ein paar Stangen aus. Über diese ritten wir anschliessend im Trab und Galopp aus verschiedenen Winkeln und Kurven, sodass sie auf ihre Füsse achten und einen besseren Takt finden musste. Sie versuchte zwar trotzdem, zwischendurch einfach über die Stangen drüber zu rennen, aber im Grossen und Ganzen ging mein Plan auf und wir hatten eine halbwegs anständige halbe Stunde. Ich liess sie ausgiebig austraben, um sie weiter zu beruhigen, damit wir mit einem lockeren vorwärts-abwärts Trab aufhören konnten. Die Stute war manchmal einfach launisch und hatte ihre eigenen Vorstellungen von Arbeit. Aber an Turnieren war sie meistens kooperativ, sodass ich darüber hinwegsehen konnte.

      Ich tätschelte Hallu nochmal auf die Kruppe, dann liess ich sie in Ruhe in ihrem Stroh herumstöbern und ging ins Haus zum Abendessen. Lily und Jonas sassen bereits am Tisch und diskutierten eifrig über Arabische Pferde. "Ich glaube die sind schneller als unsere englischen. So wie Diyari heute abgegangen ist!..." Ich unterbrach Lily interessiert. "Wie ist er denn 'abgegangen'?" Sie erzählte es mir natürlich eifrig. "Ich war heute ja mit Suri unterwegs, wir haben Fake und Nossi genommen. Bei der Verzweigung mit dem Galoppweg, der mit dem breiten Grasstreifen am Waldrand-" "Jup, ich weiss welchen du meinst." "...Ist uns Rosie begegnet. Sie war eben mit Diyari unterwegs und wir haben eine kurze Strecke gemeinsam gemacht - nunja, bis eines dieser Dirtbikes kam." Mir dämmerte bereits, was passiert sein musste. "Diyari hat sich erschrocken und ist durchgebrannt. Rosie hatte keine Chance den zu halten, wir haben nur noch den Fahnenschweif gesehen." "Hat sie sich verletzt?", fragte ich wie aus der Pistole geschossen. "Nö, sie ist sogar oben geblieben. Wir sind ihnen langsam hinterhergeritten und haben sie ein paar Felder weiter eingeholt. Rosie konnte ihn bremsen, indem sie ihn auf eine Kurve gelenkt hat, so Schneckenhaus-mässig." Ein komisches, grunzendes Geräusch kam von Jonas. Wir wandten uns ihm fragend zu. "Ach nichts, nur... Schneckenhaus - um dein Pferd zur Schnecke zu machen?" Ich sah ihn mit meinem "ernsthaft?"-Blick an und Lily stöhnte entnervt, aber doch leicht belustigt. "...Jedenfalls hat sie dem Dirtbike-Fahrer alle Schande gewünscht, denn der hat es lustig gefunden, extra mit dem Gas zu spielen. Deshalb ist Diyari ja überhaupt erst geflüchtet. Wir sind dann noch mit ihr bis zur Wilkinson Farm geritten, weil sie uns auf eine Tasse Tee und Cookies eingeladen hat. Suri durfte sogar ein bisschen Bodenarbeit mit Lindwedel versuchen. Und ich hab deine alte Zicke Islah besänftigt, als Farasha sie zurechtgewiesen hat." "Du bist aber nicht etwa dazwischengegangen, oder??" "Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht doof." "Das hoffe ich sehr." "Numair kommt übrigens ans selbe Distanzturnier wie Ronja nächste Woche!" "Ich weiss, ich hab ihn auf der Startliste gesehen" "Warum hast du die Araber jetzt ganz an Rosie verkauft? Die waren doch so hübsch...", motzte sie. "Sie sind ja nicht weg, bleiben auf der Wilkinson Farm. Es ist nur etwas praktischer für Rosie auf diese Weise, wegen Papierkram und so. Ich kann sie immernoch ab und zu reiten gehen, wenn ich Lust habe. Und ganz alle hab ich ja nicht verkauft; ich hab noch first Chant, und die geb ich nicht mehr her", meinte ich lächelnd. "Zum Glück!" In der Kraft dieser Aussage zeigte sich einmal mehr, dass meine Nichte Schimmel-Fan war, oder eher von hellen Pferden im Allgemeinen. Jonas schenkte uns einen "ich-bin-jetzt-müde-und-geh-ins-Bett"-Blick und stand auf. "Du gibst schon auf?", fragte ich triezend. Er winkte nur symbolisch mit der Hand und gähnte dazu. Das löste bei Lily und mir eine Kettenreaktion aus, sodass wir am Ende alle gähnend im Badezimmer standen und uns die Zähne putzten. Es war eben schön, das Leben auf dem 'Ponyhof', aber auch anstrengend.
    • Occulta
      Das Grosse Rennen der kleinen Pferde
      PFS’ Captured in Time, Snottles Peppermint, Lindwedel, All Pride, Nosferatu, Après la Pluie, Antarktik, Mikke

      Es war Freitag, der Tag vor Beginn der International Horse Show in London. Ich sass im Moment noch in der Schule, überlegte aber längst wieder, wie es morgen ablaufen musste und was ich heute mit Peppy noch last-minute Zuhause trainieren sollte. "Lily, hast du deinen Kopf schon wieder anderswo?" Ich schreckte hoch und bedeuerte der Lehrerin, dass ich mich auch die letzte Stunde hindurch noch konzentrieren wollte. Es gab nichts Schlimmeres für mich als Mathematik. Ich sah keinen Sinn darin, sich selbst neue Probleme zu schaffen, um sie dann stundenlang auf Übungsblättern lösen zu können. Besonders dann nicht, wenn sie so einfach waren und ich die dazugehörige Theorie längst begriffen hatte. So musste sich ein Springpferd fühlen, dass in einer Reitstunde fünfmal denselben Sprung machen musste, obwohl es ja schon beim ersten Versuch drübergekommen war. "Dann muss es aber trotzdem noch trainieren und Muskeln aufbauen, oder zumindest erhalten", geisterte Occus Stimme in meinem Kopf. Ja ja, mag schon sein. Ich war jedenfalls unglaublich froh, als das Läuten der Glocke die Winterferien ankündigte. "Lily, hurry up!" "Just a moment." Ich stopfte mein Heft in den Rucksack, dann folgte ich Suri und den anderen nach draussen. "Are you comin' to Pineforest today aswell? I wanna practise one last time with Peppy for tomorrow", fragte ich Suri. "Of course!" In dem Moment wurden wir von Victoria und ihren beiden Kolleginnen angehalten. "Awww, you want to train one last time today. Do you think that's gonna change anything for you?", stichelte sie. Ich blieb unbeeindruckt und zuckte mit den Schultern. "Even if we don't win, I wont mind it." Sie sah mich verwundert an. "Really now? You have such low ambitions? I always thought you were so full of yourself." "I do have ambition. But it will be sufficient to beat you." Leicht verärgert erwiderte sie "we'll see about that" und wandte sich ab. Ich kam mir vor wie in einer stereotypischen Teenager TV-Serie. Suri lachte nur, als ich meine Gedanken aussprach.
      Schon eine halbe Stunde später stiegen wir auf dem Parkplatz Zuhause von unseren Fahrrädern und brachten die Schulsäcke ins Haus. Suri kam manchmal auf diese Weise direkt nach der Schule vorbei, weil Pineforest sozusagen auf ihrem Nachhauseweg lag, jedenfalls wenn sie einen kleinen Umweg machte. Aufgeregt diskutierten wir über ein paar Gerüchte, die in der Schule kursierten, nach denen ein Lehrer am Wochenende betrunken Fahrrad gefahren und dabei gestürzt war (es war kein besonders beliebter Lehrer). Da er sich dabei die rechte Schulter angeknackst hatte, war heute der Werkunterricht von einem anderen Lehrer durchgeführt worden (und es hatte viel mehr Spass gemacht als sonst). Im Nebenstall angekommen, öffnete Suri die Boxentür von Nossi und halfterte sie, dann brachte sie sie nach draussen vor das Holzgeländer und band das Pony an. Sie machte das mittlerweile, als wäre es selbstverständlich; am Anfang hatte sie noch grossen Respekt vor Pferden und Ponys gehabt. Ich hastete weiter zur Mini-Weide und fing Peppy ein. Wobei 'einfangen' übertrieben gesagt war - besser passte 'einsammeln'. Das Shetty war nämlich am grasen gewesen und hatte mich bloss kauend angesehen, als ich mit dem Halfter gekommen war. Sie lief brav mit mir mit, aber traben wollte sie nicht, als ich sie auf den letzten paar Metern dazu ermunterte. Ich band sie neben Nossi an und striegelte ihr gesticheltes Fell gründlich durch. Ihr Winterfell war so dicht und wollig wie das eines Alpackas, deshalb hatten wir sie für die Rennen auch geschoren. Als ich den rasierten Bauch schrubbte, spitzte sie genüsslich die Oberlippe, weil es sie wohl juckte. Suri fand das lustig und versuchte auch bei Nossi eine Stelle zu finden, die diese mochte. Ich zeigte ihr, dass sie es nur lange genug beim Hals versuchen musste. Ich bürstete Peppys Mähne und trauerte über jedes verlorene Schweifhaar, das sie sich wieder weggescheuert hatte. Manchmal rieb sie ihren Popo am Holzzaun, das hatte ich schon ein paarmal beobachtet. Ich rannte dann jeweils hin und schimpfte mit ihr, aber natürlich half das kein bisschen. Occu meinte einfach, ich solle sie lassen und dass es ganz normal sei, solange sie es nicht die ganze Zeit mache. Ich mochte es trotzdem nicht, wenn ihr Schweifansatz danach wieder so zerzaust war. Es wurde Zeit für die Sättel. Wir holten sie zusammen in der Sattelkammer und ich sah Suri über die Schulter, um zu sehen, ob sie alles richtig machte. Sie legte ihn zuerst über den Widerrist und zog ihn dann nach hinten, wie Occu es ihr gezeigt hatte. Sie schaute, dass es keine Rümpfe in der Schabracke hatte und zog den Gurt vorsichtig unter Nossis Bauch durch. Sie gurtete ins erste Loch ubd sah mich dann erwartungsvoll an. Ich gab ihr ein 'Daumen-hoch'. Auch das Zäumen klappte schon viel besser, auch wenn Suri noch ein Durcheinander mit Nossis schwarzer Stirnfranse veranstaltete. Als wir fertig waren, führten wir sie auf den Weg und stiegen auf. Als Suri ihren Fuss in den Steigbügel stellte, hielt ich sie an. "Didn't you forget something?" "What?" Ich deutete auf den losen Gurt. "Oops!" Sie gurtete rasch ins vierte Loch, dann stieg sie, rückversichert durch mein Nicken, auf. Wir ritten wie so oft zuerst zur Wilkinson Farm, um Lindwedel einen Besuch abzustatten. Suri gab mittlerweile offen zu, dass das Schimmelpony ihr gefiel. Als wir heute auf die Weide liefen, um ihn zu streicheln, war er total mit Schlamm verkrustet. Es hatte letzte Nacht ein wenig geregnet und heute Morgen war der Boden wohl gerade feucht genug für ein ausgiebiges Schlamm-Bad gewesen. Er graste friedlich Kopf an Kopf mit Peach, die ebenfalls paniert aussah. Wir gingen Rosie fragen, ob wir ihn putzen durften. Sie arbeitete gerade mit Antarktik auf dem Reitplatz, hatte uns aber längst herumschleichen sehen. Nossi und Peppy hatten wir unterdessen abgesattelt auf eine kleinere Weide gestellt, damit ihnen nicht langweilig wurde. Beim Striegeln des Bleistiftgrauen Fells gab es regelrechte Staubwolken, sodass Suri den Wallach lachend auf den neuen Namen 'Staubwedel' taufte (ich verriet ihr den passenden deutschen Ausdruck). Wir brauchten eine halbe Ewigkeit, um die mit üppigem Behang geschmückten Beine des Fellponys sauber zu bekommen. "Are you finished girls?", klang Rosies Stimme bald einmal durch die Stallgasse. Zu diesem Zeitpunkt löste Suri gerade noch die letzten Krümel aus Lindwedels Schweif. "Yeah Rosie, look how handsome he is now." "Perfect. What would I do without you guys?" Suri und ich lächelten stolz. "You've been visiting him very often these days and helped me a lot. I want to give you a little reward for that, so what would the two of you like?" Ich sah Suri an, die schüchtern ihre Hände betrachtete, und beschloss: "Suri would very much like to ride Lindwedel." Sie sah mich schockiert an und stupste mir in die Seite. Rosie kicherte amüsiert. "That so? Well, that's no problem. I was planning on asking if you'd like to do that anyways." Suris Augen strahlten begeistert und sie nickte eifrig, als Rosie meinte: "Just come over anytime, I only ride him a few times a week at the moment, so he is in dear need of some more work." Wir plauderten den ganzen folgenden Waldweg entlang über nichts anderes mehr. "But seriously Lily, just deciding that without asking me first..." "Why ask you? The answer was written all over your face!" Wir lachten herzhaft. Am Waldrand fanden wir einen kleinen Trampelpfad vor, der dem Feld entlang führte und hervorragend geeignet zum Galoppieren war. Ich musste ja noch ein bisschen mit Peppy trainieren, also kam der gerade gelegen. Weil Suri aber noch nicht so oft frei galoppiert war, und erst einmal draussen im Gelände, beschränkten wir uns auf ein langsames, kontrolliertes Tempo. Auch das war ein gutes Training, denn beim langsamen Galoppieren konnte man manchmal sogar noch mehr Muskeln aufbauen, hatte mir Occu erklärt. Peppy war zwar ziemlich enttäuscht darüber, dass sie nicht gasgeben durfte, aber ich hielt sie erfolgreich zurück. Nossi war eh brav, die blieb schön hinter uns und Suri musste sich nur festhalten. "Well done!", rief ich am Ende des Pfades nach hinten - Suri hatte ein zufriedenes Grinsen aufgesetzt. "It is much easier than I thought. And it's fun!" Ich stimmte ihr zu, wobei ich insgeheim korrigierte, dass es nur bei braven Ponys wie Nossi für einen Anfänger so einfach war. Aber ich brauchte sie ja nicht unnötig zu verunsichern. Wir ritten nach dem Galopp nach Hause, damit ich noch auf der Grasbahn ein paar Starts üben konnte. Occu hatte zwar gemeint, dass wir gut genug vorbereitet waren, und ich nicht mehr zu viel mit Peppy machen solle, damit sie morgen top fit war; aber ich musste einfach noch etwas üben, um mit gutem Gewissen an den nächsten Tag denken zu können. Ich gab Peppy beim Wegräumen eine Karotte extra, sozusagen als Bestechung. Dass es nicht viel bringen würde wusste ich schon, aber vielleicht war sie dann besonders gut gelaunt. Sie genoss die Karotte jedenfalls unter geräuschvollem Kauen. Suri hatte Nossi bereits versorgt und half mir beim Verstauen der Ausrüstung. Jonas hatte uns bemerkt und kam zum Eingang der Sattelkammer. Er stellte sich in vorwurfsvoller Haltung in den Türrahmen und tadelte: "Mit der Ausrüstung willst du morgen ans grosse Rennen? Das Zeug wird noch geputzt und eingefettet, Madame." "Kann ich auch später noch machen, wenn Suri weg ist", murmelte ich, aber er bestand darauf, dass ich es jetzt tun solle. "Fine!" Ich streckte ihm die Zunge raus und motzte: "Dann must du mir aber die Lederseife vom Schrank runtergeben!" "Du bist doch sonst so gut im Klettern?", bekam ich aks Antwort, aber er drückte mir die blaue Verpackung kurz darauf in die Hand. Suri half mit, obwohl ich ihr gesagt hatte, dass sie das nicht müsse. Weil wir zu zweit so schnell fertig wurden, und es doch ein bisschen Spass machte, putzten wir Nossis Zeug auch gleich. Danach sah alles wieder schön schwarz und wie neu aus.

      Suri ging pünktlich zum Abendessen Nachhause, wie sie es ihrer Mutter versprochen hatte. Ich wünschte ihr schöne Weihnachten und sie mir viel Glück. Occu, Jonas und ich assen Spaghetti mit handgemachter Pesto-Sauce von einem unserer freundlichen Nachbarhöfe. Ich blieb auf Occus Befehl hin nicht mehr allzu lange wach, damit ich für Morgen nicht müde war. Wir mussten zwar nicht wahnsinnig früh aufstehen, aber ich widersprach nicht. Als ich jedoch im Dunkeln in meinem Bett lag, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob wir wirklich ausreichend vorbereitet waren. Ich grübelte bis spät in die Nacht und fürchtete mich davor, mich vor allen zu blamieren. Besonders schlimm war der Gedanke daran, gegen Victoria zu verlieren. Sie würden mich gewiss die nächsten paar Jahre auslachen und damit aufziehen, wenn das passierte. Ich schaffte es mit diesen Befürchtungen einfach nicht einzuschlafen. Als ich um zwei Uhr morgens immernoch wach war, liess ich mich aus dem Bett gleiten und ging in die Küche runter, um mir ein Glas Wasser zu füllen. Jacky hob den Kopf, als ich an ihrem Korb vorbeilief. Die Jack Russel Hündin stand auf und folgte mir in die Küche. Sie sah mich fragend an, also streichelte ich sie rasch, um ihr zu zeigen, dass alles okay war. Sie setzte sich hin und ihr Blick folgte mir aufmerksam, als ich den Kühlschrank öffnete. Ich legte einen Eiswürfel in mein Wasserglas, weil ich viel zu heiss hatte, obwohl es draussen eisig kalt sein musste. Durch das Küchenfenster sah ich, dass der Mond ziemlich hell schien. Auf einmal hatte ich Lust kurz nach draussen zu gehen. Schlafen konnte ich ja sowieso nicht, und vielleicht half die kühle, frische Luft ein wenig. Ich zog mir also Socken und Schuhe an, schlüpfte mitsamt Pyjama in meine Winterjacke, schlich durch die Tür raus und lief zu den Weiden. Jacky quetschte sich ebenfalls noch durch den Türspalt, bevor ich es verhindern konnte. Sie folgte mir, als wollte sie mich beschützen. Bei den Offenställen angekommen, schlich ich mich zu Peppy rein, während die Hündin draussen im Gras herumstreunerte und wohl Pipi machte. Die Ministuten sahen auf, als ich mich durch das Stroh tastete. Sie blieben aber dort, wo sie gerade waren. Manche standen, manche lagen. Peppy lag, und knabberte sofort an meiner Hand, als ich sie ihr vor die Nase hielt, damit sie am Geruch erkannte, dass ich es war. Ich streichelte ganz vorsichtig ihren Hals unter der wolligen Mähne und setzte mich neben sie. "Wir zeigen's ihnen am Finale, nicht wahr?", murmelte ich leise. Ich erkannte im Dunkeln Peppys Augen, weil ich das Tor einen Spalt offengelassen hatte. Ich sah sie an, und sie schien zum Tor raus zu starren. "Bitte bitte, gib in den nächsten drei Tagen alles. Ich geb dir so viele Karotten wie du fressen kannst, versprochen. Nur bitte sei schneller als Victoria's Pony. Ich kann mich in der Schule nicht mehr blicken lassen, wenn sie gewinnt." Peppy's Unterlippe hing entspannt ein wenig lose und sie strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Als hätte sie keinerlei Sorgen auf dieser Welt. Ich blieb noch einen Moment länger, um mich von dieser tiefen, inneren Ruhe anstecken zu lassen. Es war doch ziemlich kalt, also kuschelte ich mich ein wenig mehr an Peppys Winterfell. Als mir schliesslich die Zehen fast abfrohren, schlich ich zurück ins Bett, wobei mir Jacky wieder brav ins Haus hinterherlief, und schlief tatsächlich kurze Zeit später ein.

      Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um Punkt 8 Uhr und ich war hellwach, trotz dem ich nicht so viel geschlafen hatte. Sofort stand ich auf und ging in die Küche runter. Occu und Jonas waren natürlich schon draussen bei den Pferden, also ass ich rasch eine Schüssel Müsli und folgte ihnen dann. "Mornin' little Miss", grüsste mich Ajith freundlich; ich erwiderte es grinsend. Occu fand ich in der vorderen Sattelkammer im Stutenbereich. "Ahh, fit und wach?", fragte sie, als sie mich sah. Ich nickte und half ihr, Winter's Trainingssattel wieder mit der Schutzhülle zu überdecken. "Ich denke wir fangen langsam damit an, Peppy hübsch zu machen und die Ausrüstung einzupacken - du hast ja alles schön geputzt gestern, oder?" Sie kam mit, als ich zur Weide ging um Peppy zu holen. Es war neblig und kühl heute, man merkte, dass der Herbst nun wirklich gekommen war. Das Shetty schien etwas verwirrt, weil wir es schon am frühen Morgen belästigen kamen. Trotzdem liess sie sich brav weg von ihrer kleinen Herde führen. Sie hatte einen zackigen Schritt und ihr Hinterteil wippte locker mit, als ich sie zum Nebenstall führte. "Willst du sie nicht im Hauptstall bereitmachen? Schliesslich bist du in den nächsten Tagen auch Jockey. Ich muss nachher noch rasch zu Caprice und ihr den Hustensaft geben, den die Tierärztin mir vorgeschlagen hat." Ich nickte eifrig und bog ab. Wir stellten Peppy in eines der Putzabteile für die Rennpferde und ich begann, sie gründlich mit dem Gummistriegel zu bearbeiten. Alle Pfleger die durchkamen, grinsten amüsiert wenn sie uns so sahen. Ich kämpfte, um Peppys Schweif komplett zu entwirren - was mir am Ende auch gelang. Ich war froh, dass Occu genug Zeit eigeplant hatte... Peppy stiess ein kurzes, begrüssendes Grunz-Wiehern aus, als die Jockeys mit einer Gruppe Rennpferde zurück von der Bahn kamen und an uns vorbeiliefen. Es war total süss, als wollte sie ihnen sagen, dass sie jetzt auch dazu gehörte. Ciela drehte sogar neugierig den Kopf zu ihr, aber Parker merkte es nicht und lief weiter, sodass Ciela keine Zeit hatte, die Nase zu Peppy hinzustrecken. Ich kratzte noch die kleinen Shettyhufe aus, dann waren wir ready. Occu und ich luden die Ausrüstung ein, Ajith bestand darauf, Peppy in den Anhänger zu führen. "That will bring you good luck", beteuerte er als Begründung. "Ask Occu. Whenever I lead a horse into the trailer, it wins the race." Ich sah stirnrunzelnd meine Tante an, und sie lächelte schief. Ich zuckte mit den Schultern und liess den Pfleger machen. Jonas belud einen zweiten PW mit der Dekoration für Peppys 'Olympia-Box'. Es war so eine Art Tradition, die Boxen der Ponys möglichst weihnachtlich zu schmücken. Das Namensschild mit goldenen Sternen und Kunstschnee drauf hatte ich ganz alleine gemacht.
      Die Fahrt verlief ziemlich ruhig - fast schon zu ruhig. Ich wurde dadurch nur noch nervöser, weil ich so optimal Zeit hatte darüber nachzudenken, was passieren würde, wenn ich verlöre. Bis zum finalen Rennen dauerte es zwar noch zwei Tage, aber davor hatten wir immer wieder Trainingsrennen vor Publikum. Ich war froh, als ich endlich aus dem Auto steigen und ins Gras stehen konnte. Die Parkplätze waren auf einem Feld angelegt worden. Es standen schon viele Anhänger da, denn schliesslich war das hier eine der grössten Internationalen Pferdeshows. Mal abgesehen vom Grand National war ich entsprechend aufgeregt, die vielen berühmten Pferde aus vielen verschiedenen Ländern zu sehen. Ich öffnete die Klappe zusammen mit Jonas und lief dann hinein, um Peppys Seil zu lösen. "Heyy meine Süsse, alles klar bei dir?", fragte ich sie, mehr, um mich selbst zu beruhigen. Sie nahm sehr gerne die Karotte an, die ich ihr hinstreckte. Anschliessend lud ich sie aus und brachte sie, begleitet von Occu und Jacky, in das Stallzelt für die Shettys. Es war bereits voll mit anderen Leuten und Ponys, die meisten waren dabei, emsig ihre Boxen zu dekorieren. Wir stellten Peppy erstmal rein, damit ich die Hände frei hatte um Ausrüstung zu tragen. Nachdem alles sauber in einem kleinen Holzschrank verstaut war, begannen wir ebenfalls mit dem Boxenschmücken. Occu half mir, ein paar Girlanden aufzuhängen, weil ich dafür zu klein war. Da sie aber selbst nicht so gut herankam, musste es am Ende doch Jonas machen. Stolz befestigte ich das selbstgebastelte Namensschild und rundherum noch ein paar ausgeschnittene Sterne aus Holz. Als ich fertig war, sah ich mich gespannt um und stellte ernüchtert fest, dass unsere Box fast schon kahl aussah, im Vergleich zu den anderen. Occu und ich hatten gedacht, wir würden mehr als genug vorbereiten - aber offenbar waren alle anderen noch viel fleissiger gewesen. Weil ich zum ersten Mal dabei war, hatte ich keine Ahnung gehabt, was normal sein würde. Und dass das Dekorieren als SO wichtig erachtet wurde, hatte ich nicht erwartet. Etwas beschämt schlich ich umher und betrachtete die vielen farbigen Schilder, Girlanden, ja sogar Vorhänge und Tannenbäumchen hatte es. Jemand hatte sogar seinem Pony ein Kostüm angezogen - das wiederum fand ich doof. Rentiergeweih und Weihnachtsmütze waren zwar lustig anzusehen beim Ausreiten durchs Dorf, aber in der Box fand ich es übertrieben. Trotzdem war ich etwas neidisch auf die Mäschen und Jungs, die so tolle Ideen gehabt hatten. Bei einer Box mit einem riesigen roten Socken davor hielt ich einen Moment und bewunderte das Werk. Ein Mädchen öffnete die Boxentür und kam heraus; ich hatte gar nicht bemerkt, dass jemand dort drin gewesen war. Sie lächelte freundlich und sprach mich an. Ich kannte das Mädchen nicht, hatte sie aber schon ein paarmal gesehen. "Hi. You've been at Rutland County and Worcestershire too, right?" Ich nickte. "So we seem to be from the same region..." Sie schien trotzdem sie mich sofort angesprochen hatte leicht schüchtern. Sie war etwas grösser als ich, hatte hellbraune, leicht gelockte, hochgebundene Haare und war schlank. Sie stellte sich mir als Lea vor, das graue Pony in der Box hinter ihr nannte sie Flora. "Are you excited?" Ich hielt einen Moment inne, dann antwortete ich "yeah, very." Vor ihr brauchte ich mich ja nicht zu verstellen. "Me too. Flora here is pretty chilled, but my pulse is pretty high all the time. Even tough I already know we'll not win." Ich sah sie schief an. "Why not?" "We're not fast enough, it's as simple as that. We've only once won a race, and it was pure luck - enough to be qualified in the end, but basically we're just happy to be here and came to enjoy it all." Ich wollte nicht so recht glauben, dass sie ihre Ziele nicht höher steckte. Doch bevor ich etwas bemerken konnte, fügte sie hinzu: "Well, of course I wouldn't mind winning it. I just don't want get my hopes up." Sie lächelte schief. "How about you?" "...I would very much like to win. But I'm not sure if we can..." "Is your pony fast then?" "She - Peppermint - is fast, yes. At least at home. We trained very hard for this." Ich merkte noch während ich sprach, dass es etwas lächerlich klang - schliesslich musste vermutlich jeder hier so hart trainiert haben, und vermutlich dachten die meisten, ihr Pony sei das schnellste. Aber Lea lächelte ermutigend und stellte fest: "Then you seem to be very prepared and ready. Just try and believe in your pony." Ich nickte und verzog den Mund ebenfalls zu einem Lächeln - wenn es doch nur so einfach wäre. Aber sie hatte schon Recht. Ich konnte jetzt nichts mehr tun, ausser in den kommenden Rennen alles zu geben und die Zeit hier zu geniessen. Bei dieser Erkenntnis entspannte ich mich etwas. "Can you show me your Peppermint? I want to meet as many ponies as possible while I'm here!" Ich nickte. "Sure, follow me." Als wir vor Peppys Box hielten, bemerkte ich schüchtern: "Well - our decoration is not thaaat good..." "No, it is! I like the name plate very much. Did you write that? You have a really nice handwriting! Mine looks so childish compared to it." "Nah, I think it's very pretty, too! And that giant sock of yours is so cool!", rief ich aus. Wir lachten beide und Lea streichelte Peppy vorsichtig zur Begrüssung. Die Shettystute rieb sogleich die Stirn an ihrer Hand, weil es sie wohl unter ihrem Schopf juckte. "Oh, what a cutie. Flora doesn't like it when I touch her head. But Pride does." "Who is Pride?", hakte ich nach, neugierig mehr über Lea zu erfahren. "He's a Welsh Stallion - and he's mine", erklärte sie stolz. "I bought him a few months ago, my first own pony." "What about Flora?" "I just ride her for the races, she belongs to some folks that my parents know." "Ah..." Ich verstummte, weil ich in diesem Moment Victoria und ihre Begleiterin, vermutlich ihre Mutter, sah. Lea folgte meinem Blick und fragte beiläufig: "Someone you know?" "...Yeah", antwortete ich zögernd, während ich beobachtete, wie sie vermutlich ihre Box öffnete; "I don't like her..." Lea konnte nicht wirklich etwas dazu sagen, also schwieg sie und wartete, bis ich mich wieder ihr zuwandte. Um den Unterbruch zu überspielen, schlug ich vor, dass wir uns ein wenig umsehen konnten - jedenfalls, wenn sie nichts anderes vorhatte. Sie stimmte begeistert zu. Ich informierte Occu, die gerade vom Auto zurückkam und stellte sie so nebenbei Lea vor. Jonas war verschwunden, um Peppys Pass und die anderen nötigen Unterlagen beim Sekretariat zu zeigen. Dafür war Leas Begleitperson inzwischen wieder bei Floras Box aufzufinden - sie stellte sich als älteste Tochter der Besitzerin von Flora vor. Lea sagte auch ihr Bescheid, dann zogen wir los. Wir kannten uns zwar gerade erst ein paar Minuten, aber irgendwie verstanden wir uns auf Anhieb wie alte Kolleginnen. Während dem wir durch die Stallungen liefen und die grossen Sportpferde bewunderten, verging die Zeit wie im Flug. Wir sahen auch tatsächlich ein paar berühmte Reiter, wie zum Beispiel Charlotte von Garten, Ellen Wintaker, oder den Springreiter Ben Mäher. Aber ihre Pferde interessierten uns beide mehr. Wir ergatterten auch einen sneak-peak in die grosse Halle, in der unsere Rennen stattfinden würden. "Woaa, I bet there will be thousands of people watching on these seats while we race. It makes me kind of nervous", meinte Lea ehrfürchtig. "Don't worry. They will focus on the ponies, 'cause they're all fluffy and cute." “Do you think the Queen will be up there, too?” “Nah, probably not. But who knows…”
      Irgendwann liefen wir zurück zu den Shettys und gingen eigene Wege. Occu bemerkte grinsend, als ich zurückkam: "Schon neue Freunde gefunden? Das ging ja schnell." Ich streichelte Peppy und checkte, ob bei ihr alles in Ordnung war. Sie wühlte zufrieden in ihrem Heu und schien von dem ganzen Trubel relativ unbeeindruckt zu bleiben. Nur ab und zu hob sie ruckartig den Kopf und spitzte die Ohren, manchmal ging sie dabei sogar zur Tür und reckte ihren Kopf darüber; nämlich immer dann, wenn ein fremdes Pony vorbeilief.

      Am Abend schlief ich in dem Gruppenschlafraum für die Jockeys, zusammen mit den anderen Mädchen. Die Jungs waren im Zimmer nebenan. Occu und Jonas übernachteten in einem Hotel ganz in der Nähe. Unsere Betten waren gewöhnliche mehrstöckige, die Matratzen ziemlich dünn. Aber das machte mir nichts aus, ich war bequem in meinen Schlafsack eingekuschelt. Lea hatte sich gleich unter mir einquartiert, sodass wir noch ein wenig plaudern konnten. Irgendwann fielen uns aber die Augen zu, und das war auch gut so.

      Die nächsten paar Tage vergingen wie im Flug. Wir waren so beschäftigt damit, die vielen tollen Sportpferde und ihre Reiter zu bewundern, nach der Queen Ausschau zu halten, und natürlich unsere Trainingsrennen zu absolvieren, dass wir kaum einmal stillsassen. Ich war häufig mit Lea und ein paar anderen meiner Mitstreiterinnen unterwegs, manchmal aber auch nur mit Occu und Jonas. An einem der Verkaufsstände kaufte ich für Peppy ein schickes neues Lederhalfter das blau unterlegt war. Das war aber abgesehen von einem Sack Bananenleckerlis auch schon alles, was ich einkaufte. Schabracken und so hatte ich ja schon genug. Ausserdem reichte mein Taschengeld auch nicht viel weiter. In den Trainingsrennen waren Peppy und ich ziemlich gut. Wir gewannen zweimal und waren in den anderen auch vorne dabei. Für das Publikum sah es aus, als wären die Rennen jedes mal ernst, aber die Resultate zählten nur bedingt zur finalen Rangliste. Das wichtigste Rennen kam am letzten Tag der London International Horse Show.
      In aller Ruhe sattelten Occu und Jonas Peppy, ich zog mir unterdessen meinen Helm und den Rückenpanzer an. Als alles montiert war, führten wir Peppy ein wenig herum. Sie war inzwischen überhaupt nicht mehr ängstlich oder aufgeregt in den grossen Hallen mit all dem Trubel, weil sie so gut eingewöhnt war. Trotzdem drängelte sie etwas, aber mehr im Stil von "Ich kann's kaum erwarten". Wir liefen an den anderen Teilnehmern und Ponys vorbei, hinaus unter freien Himmel, um zur Eventhalle zu gelangen. Ich verhielt mich mittlerweile fest entschlossen, und versuchte so meine eigenen, leider immernoch vorhandenen Zweifel zu verdrängen. Vielleicht merkte Peppy ja nichts davon. Kurz vor dem Eingang der Halle trafen wir dann auch noch auf Victoria. Sie band ihrem Pony gerade ein rotes Schleifchen in den Schweif. Ich war ihr in den vergangenen Tagen so gut wie möglich aus dem Weg gegangen. Zeitweise hatte ich mit Lea sogar eine Art Versteckspiel daraus gemacht. Auch jetzt versuchte ich, unbemerkt an ihr vorbeizuschlendern, aber natürlich hob sie genau in diesem Moment ihren Kopf. Und prompt meinte sie, in einem Versuch mich zu verunsichern: "Pass auf, mein Pony ist ein bisschen zickig heute. Aber ich denke du wirst eh nicht in unsere Reichweite kommen." Ich zuckte mit den Schultern und meinte: "Sofern dein Pony nicht nach vorne ausschlagen kann, ja." Es war äusserst befriedigend zu sehen, wie sie nach einem passenden Konter suchte, ihn aber nicht fand. Ich lief weiter, und kreuzte mit zu einer schmalen Linie verengten Lippen einmal mehr die Finger, dass sich meine coolen Sprüche auch bewahrheiteten. "Ach Peppy, siehst du, was ich meine?" Die Shettystute sah mich an, weil sie dachte, ich hätte ihr gerade ein Leckerli angekündigt. Ich kraulte sie lächelnd und versprach: "Nach dem Rennen - du weisst ja, wenn du gewinnst umso mehr." Wir liefen weiter, bis uns jemand winkte.
      Ich betrat mit Peppy den Eingangsbereich der Halle. Hier mussten wir quasi backstage warten bis der Kommentator uns ankündigte. Lea und deren Begleiterin kamen kurz nach uns rein, und mit ihnen auch gleich Occu und Jonas. Die Erwachsenen unterhielten sich, während Lea und ich unsere Konkurrenz ein letztes Mal musterten und zu bewerten versuchten, wer uns heute wie gefährlich werden konnte. "I think Emmy and her black Pony could be a serious problem. What was it's name again?", bemerkte Lea. "Fairytale's Zorro", antwortete ich knapp. Ich kannte die Namen der meisten meiner Konkurrenten. Ich hatte sie auch die ganzen letzten Tage im Auge behalten, aber am Ende war es trotzdem schwierig, eine genaue Einschätzung zu machen. Es waren zum Beispiel zwei Jungs dabei, die beide behaupteten, sie hätten in den Trainingsrennen ihre Ponys absichtlich zurückgehalten. Ob ich das glauben durfte oder nicht, wusste ich nicht. Aber so langsam wurde es ernst. Bevor wir zum Start durften, mussten wir die Ponys nochmal durchchecken lassen. Peppy und Flora kamen beide ohne Probleme durch die Kontrolle. Überhaupt sah ich niemanden, der herausgewunken worden wäre. Die Ponys waren ja schon am ersten Tag einmal unter die Lupe genommen worden. Eine der Veranstaltungshelferinnen, die auch bei fast jedem meiner Quali Rennen und beim allerersten offiziellen Training dabei gewesen war, sammelte uns um sich. Sie erklärte uns nochmal rasch den Ablauf und bat uns dann, für das Einreiten des grossen Finales eine Zweierkolonne zu bilden, wie es geplant war. Jonas und alle anderen, die nicht offizielle Begleitpersonen waren, verliessen uns nun. Occu übernahm den Führstrick und ich stieg auf Peppys Rücken. Wir wurden in dieser Zweierformation am Publikum vorbei geführt und machten ein paar einfache Bahnfiguren, auch im Trab. Als die Ponys bereit waren, und die Helferin das Zeichen gab, reihten wir uns in eine lange Linie auf der Bahn auf, alle auf gleicher Höhe. Die Führstricke wurden ausgeklinkt und die Begleiter stellten sich bei den Hindernissen auf, damit man schnell eingreifen konnte, falls etwas passierte. Ich biss die Zähne zusammen und fasste Peppys Zügel nochmal etwas nach. Den Kopf wollte ich lieber nicht drehen; ich brauchte die vielen Gesichter nicht zu sehen. Stattdessen richtete ich meinen Blick nach vorne und spannte meinen Körper an, bereit, um Peppy das Startsignal weiterzugeben. Ich hielt beinahe die Luft an, bis der Starthelfer das Tuch fallen liess. Die Kinder begannen alle gleichzeitig zu rufen und ihre Ponys anzufeuern - Reitgerten waren in den Shettyrennen nicht erlaubt. Peppy schoss gleichzeitig mit den anderen los. Wir waren gleich von Anfang am im vorderen Teil des Feldes dabei, und der Galopp meines Shettys fühlte sich extrem gut an. Irgendwie locker und mühelos, trotz des Tempos. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Ich hatte das Gefühl, jederzeit gasgeben und Peppy an die Spitze schicken zu können. Angst hatte ich keine mehr - ich wusste, dass alles nur davon abhing, wie gut ich Peppy dirigierte. Ich sah mich um und erkannte, dass Flora ein paar Ponys hinter uns war. Mein Blick sprang wieder nach vorne, denn das nächste Hindernis kam. Mit jedem weiteren fielen die anderen ein bisschen zurück. Irgendwann waren Peppy und ich alleine, und vor uns lagen nur die Hindernisse. Erst jetzt hörte ich, wie das Publikum uns Jockeys anfeuerte, und irgendwo mittendrin meinte ich auch Occu und Jonas zu hören. Vor uns lagen nur noch wenige Hindernisse, als Peppy plötzlich bei der Landung etwas rutschte und kurz vorne einknickte, sich aber geschickt rettete und weitergaloppierte. Nur hatte ich durch die Ruckartige Bewegung den Bügel verloren und war ein wenig in Seitenlage geraten. Ich klammerte mich in Peppys Mähne fest und versuchte, mich wieder aufzurichten, aber die nächste Hürde kam bereits. Auch das Publikum stockte kurz, als Peppy sprang - offenbar sahen sie mich alle bereits ins Gras fallen und überrannt werden. Aber irgendwie schaffte ich es, mich oben zu halten. Mich trieb nur ein Gedanke: Nicht jetzt! Wenn ich jetzt falle, war alles umsonst! Ich richtete mich gleich nach der Landung auf, die mit dem Sprung verbundenen Kräfte nutzend, und brachte Peppy wieder auf Kurs. Für sie war es sicherlich auch schwierig gewesen, mit meinem verschobenen Gewicht klarzukommen. Die anderen hatten den Abstand zu uns durch den Patzer etwas verringert, aber bis zum Ziel konnte es noch reichen. Ich rief "go Peppy, GO!" und das Shetty, beflügelt von meinen Rufen, bretterte über die letzte Hürde und passierte als erste das Ziel. Ich hätte sie auf der Stelle umarmen und in Freudentränen ausbrechen können. Sie hatte es allen gezeigt. Ich fasste mich jedoch zu einem simplen, aber äusserst breiten Grinsen und bremste Peppy in den Trab. Lea und Flora schlossen zu uns auf und sie gab mir ein high five. "Congratulations, and well done Peppy!" Wir liessen die Ponys kurz ein wenig austraben, dann wurde ich zu der Dame mit dem Mikrofon gerufen. Stolz liessen mein Pony und ich uns fotografieren und Peppy bekam einen hübschen Kranz umgelegt. Sobald der Trubel etwas vorbei war, brachten wir sie zurück zu ihrer Box. Occu nahm ihr unterwegs schon den Sattel ab und ich löste die Riemen am Zaumzeug. "Sah es schlimm aus, als Peppy gerutscht ist?", fragte ich besorgt. "Nö, man hat kaum was gesehen. Sie ist eigentlich nur kurz aus dem Takt gefallen", meinte Occu zu meiner Überraschung. "Echt? Das hat sich angefühlt, als wäre sie in die Knie gegangen!" "Ich glaube das hat sich für dich ziemlich viel schlimmer angefühlt als es war, wegen der Geschwindigkeit und der damit verbundenen Kräfte." "Wie lange hat das Rennen eigentlich gedauert? Es kam mir ewig lang vor, obwohl wir so schnell waren..." "Weiss nicht wie lange genau, aber nicht länger als sonst. Die Fellkugeln waren wie immer total süss anzusehen", schwärmte Occu, und zwinkerte mir zu. Für sie hatte sich das Rennen längst nicht so ernst angefühlt wie für mich. Ich zuckte mit den Schultern und beschloss für mich selbst, dass ich eifach nur froh war, gewonnen zu haben. Bei der Box tauschten wir das Zaumzeug zu einem Halfter um. Während Occu es zu schliessen versuchte, streckte Peppy mir den Kopf entgegen, weil ich mit der versprochenen, extra grossen Ladung Äpfel in den Armen auf sie zukam. An ihrem zufriedenen Blick erkannte ich, dass sie die Aufmerksamkeit genoss und wusste, wie gut sie gerade eben gewesen war. Wir führten sie nach draussen und liessen sie grasen, während ihr Fell trocknete. Ich wunderte mich nach einer Weile, ob Lea schon am packen war, und fragte Occu, ob ich nachsehen könne. Sie übernahm Peppy für mich. Jetzt wo das Final vorbei war, begannen die ersten bereits, ihre Boxen zu ent-schmücken und die Heimreise anzutreten. Lea fand ich aber ebenfalls noch draussen, sie liess Flora auch noch ein wenig trocken-grasen. Occu hatte mir erzählt, dass die beiden fünfte geworden waren. "Hey... I was wondering if we could exchange numbers or a mail adress?", fragte ich vorsichtig. Sie strahlte über meine Frage und meinte: "Of course! Maybe we can meet again and go on a hack or something." Ich gab ihr unsere Haustelefonnummer, denn ein Handy hatte ich noch nicht. Ich bekam ihre Nummer im Gegenzug. Ich kraulte Flora kurz, ehe ich zurück zu Peppy und Occu hopserhüpfte. "Wollen wir langsam?", rief mir Jonas entgegen. Ich gab ein Daumen Hoch und nahm Peppys Strick wieder entgegen. Wir brachten sie ein letztes Mal zur Box zurück und räumten alles zusammen. Occu meinte, ich könne das Namensschild ja zuhause am Offenstall annageln; das fand ich eine tolle Idee. Als wir die ganze Deko weggenommen und die Ausrüstung in den Anhänger gebracht hatten, mussten wir nur noch Peppy verladen. Sie stieg brav ein und frass drinnen sofort an ihrem Heunetz weiter. Offenbar war sie ganz schön hungrig vom Galoppieren und freute sich darauf, endlich wieder Nachhause zu kommen. Wir sagten Lea und ihrer Begleiterin auf Wiedersehen, dann fuhren wir los. Ich sah etwas traurig aus dem Fenster - der Event war viel zu schnell vorbeigegangen. Aber ich freute mich auch darauf, Skydive und Areion wiederzusehen.

      Am Abend sah ich mir stolz nochmal die Resultate an, die nun Online zu finden waren. Da standen mein und Peppys Namen, ganz zuoberst auf der Liste. Aus Neugier sah ich gleich noch nach, wie Lea mit Nachnamen hiess. "Occu!", als ich den Namen sah, hüpfte ich aufgeregt die Treppe runter. "Lea heisst mit Nachnamen Reed, du kennst doch Leute die so heissen, nicht wahr?" "Ja, die Reeds bei denen ich meistens Kürbisse für Halloween hole. Aber ich weiss nicht, ob die eine Tochter haben. Die Frau die als Begleitperson dabei war, kenne ich jedenfalls nicht..." Ein wenig Enttäuschung schlich sich in meine Miene, aber so schnell gab ich nicht auf. Ich zückte das Telefon und tippte Leas Nummer ein, die ich mir auf einem kleinen Zettel notiert hatte. Occu sah mir dabei gespannt über die Schulter und meinte nach wenigen Sekunden: "Brauchst gar nicht weiterzumachen. Das ist dieselbe Nummer." Entzückt sah ich zu ihr auf und beschloss: "Das ist kaum mehr als eine halbe Stunde zu Pferd - morgen gehe ich sie besuchen. Ich wette, sie wird überrascht sein!" Occu lächelte nickend. „Du könntest sie auch gleich zum Winterlager nächste Woche einladen. Vielleicht hat sie ja spontan Zeit - wir hätten jedenfalls noch ein Plätzchen frei.“ „Awesome!“ Wir sahen noch etwas fern, dann knuddelte ich Sheela durch, die mich anscheinend vermisst hatte, und kuschelte mich schliesslich in mein eigenes, weiches Bett, auf das ich mich genauso gefreut hatte, wie auf alles andere hier. Es war eben doch schön, nach einem Abenteuer wieder Nachhause zu kommen. Und ich hatte die allerbesten Träume, von springenden Ponys und seidigen Schleifen.
    • Occulta
      Some Sell, others Buy
      Iskierka, Gleam of Light, A Winter's Day, Spotted Timeout, Painting Shadows, Shades of Gray, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time, Kaythara El Assuad, Coulee, Campina, Caspian of the Moonlightvalley, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Stromer’s Painting Gold, PFS’ Stop Making Sense, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, Daedra, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Anubis, Numair, Islah, Lindwedel, Après la Pluie, Mansur, Tayr al-Diyari, Farasha, Ljóski, PFS’ Ljúfa, Feline, Lovely Summertime, PFS’ Dancin’ to Jazz, Dancing Moonrise Shadows, Chanda, Raving Hope Slayer, Stars of Magic, Louvré, Thomas

      Wie jeden Morgen war es bitterkalt, und auch heute benahm sich Jacky etwas zögerlich, als ich sie beim Rausgehen vorgehen lassen wollte. Sie sah, sich rückversichernd, zu mir hoch als wollte sie sagen: «Bist du absolut sicher, dass das sein muss?» Ich seufzte und strubbelte rasch mit beiden Händen ermutigend ihr Fell durch, dann liefen wir zwei und natürlich auch Zira zusammen zum Hauptstall. Sheela würde dann wohl mit Jonas folgen – sie bevorzugte vorerst noch die Wärme ihres Körbchens. Beim Gehen bemerkte ich, dass ein paar wenige Schneeflocken vom dunklen Himmel segelten. Der Wetterbericht hatte eigentlich bis nächste Woche keinen Schnee gemeldet, also würde es wohl gleich wieder aufhören und England grün belassen. Ganz gab ich die Hoffnung aber nicht auf. Zira schnupperte pflichtbewusst an den Ecken ihres Territoriums und prüfte, ob irgendwelche unbekannten Kreaturen den Hof nachts überquert hatten. Jacky hingegen trottete einfach hinter mir her bis zum Tor und bog dann in Richtung Weiden ab. Ich betrat den Hauptstall und machte das Licht an – offenbar war ich wiedermal die erste. Die Pfleger, angeführt von Ajith, folgten aber kurz darauf, sodass wir den heutigen Trainingsablauf für die Vollblüter besprechen konnten. Oliver lag mit einer hartnäckigen Grippe im Bett, also musste ich alles selbst in die Hand nehmen. Er hatte mir sogar einen Spickzettel geschrieben, damit ich genau seinem Plan folgte. Ich las ihn mir rasch durch, dann stopfte ich ihn schmunzelnd zurück in meine Jackentasche und beschloss: «Wir machen heute Ausritte. Etwas Abwechslung tut gut.» Die Jockeys jubelten erfreut und zerstreuten sich dann zu den Boxen. Bei dem kalten Wetter war Ausreiten allen lieber als die unbarmherzige, sämtliche Jacken durchdringende Zugluft beim Renntraining zu spüren. Ausserdem fand ich es auch besser für die Pferde, wenn sie ihre Lungen nicht übermässig mit der kalten Luft strapazieren mussten. Die Pferde bekamen zuerst eine kleine Ration Heu, damit sie nicht mit ganz leerem Magen starten mussten. Ich holte inzwischen die Ausrüstung aus der Sattelkammer und begrüsste dann liebevoll Spotted Timeout. Der gesprenkelte Hengst fiel gerade gierig über seine Heuration her, also liess ich ihn am Anfang zum Putzen in der Box. Sein Rücken war unter der Decke schön sauber geblieben, aber sein Hals war dafür umso gründlicher verkrustet. Ajith hatte gestern etwas viel zu tun gehabt und es so wohl nicht mehr geschafft, alle besonderen Dreckspatzen vorzuputzen, wie er es sonst häufig tat, um uns am frühen Morgen die Arbeit zu ersparen. Heute hatten wir es aber sowieso nicht eilig, also war es kein Problem. Spot interessierte es wenig, dass ich seine Backe ebenfalls noch entkrusten musste. Er wollte nur ungestört sein Frühstück geniessen und machte deshalb keine Anstalten, für mich den Kopf zu heben. Ich kniete mich ins Stroh und massierte seinen Kopf mit dem Gummistriegel, während er rhythmische Kaubewegungen ausführte. Seine Mähne und der Schweif waren staubig und verklebt. Ich brach die Dreckrastas auf und zerzupfte liebevoll die weissen Strähnchen, die darunter zum Teil hervorkamen. Dann kratzte ich noch die Hufe aus, wobei ich auch aussenherum den Kronrand «ausgraben» musste. Schliesslich war er zwar immer noch staubig, aber sauber genug für die Ausrüstung. Ich zog ihm seinen Springsattel an – der war bedeutend bequemer als der Trainingssattel fürs Rennen. Die Glücklichen, deren Pferde schon sauber gewesen waren, standen natürlich inzwischen bereits draussen und warteten, fröhlich plaudernd. Offenbar waren die Leute auch früh morgens motiviert, was mich freute. Andererseits waren sie das ja auch gewohnt. Spot und ich gesellten uns dazu und alle stiegen auf. Wir ritten an den Weiden vorbei zur Galoppwiese, wobei die Miniature Horses, die von Lewis gerade rausgelassen wurden, übermütig dem Zaun entlang über das gefrorene Gras flitzten. Spot tänzelte etwas, als hätte er sich von dem Getue anstecken lassen. Ich hielt ihn schmunzelnd im Schritt und liess dann die Zügel wieder lang, sobald er sich beruhigt hatte. Auch die anderen Pferde wachten dank der Minis etwas auf; die Jockeys waren darauf vorbereitet, weil sie ihre Reittiere mittlerweile zur Genüge kannten. Quinn wusste zum Beispiel genau, dass sie Iskierka gar nicht erst zu kurz aufnehmen durfte, weil diese das nur als weiteres Signal zum Durchstarten verstand. Sie blieb aber auch einigermassen ruhig – ausser, dass sie Gray neben ihr anzickte, weil diese sie zu überholen drohte. Das konnte sie auch sonst im Training nicht leiden. Wir verliessen den Hof durch die offenen Rails der Galoppbahn (Lisa öffnete sie für uns und lief dann zurück zu den Offenställen) und folgten dem Waldrand. Die Natur wachte langsam immer mehr auf. Inzwischen war es auch schon hell geworden, was nun jeweils wieder deutlich früher passierte. Es war neblig und die Sonne wirkte am Horizont leicht rötlich gefärbt. Man sah nicht besonders weit voraus, also blieben wir besonders wachsam, als wir antrabten, damit wir rechtzeitig bremsen konnten, falls wir auf andere Reiter oder sonstige Vorkommnisse trafen. Wobei die Gefahr dazu so früh morgens eher gering war. Die Pferde brachten deutlich zum Ausdruck, dass sie mehr als bereit für ein anständiges Training gewesen wären. Wir mussten die ganze Gruppe gut beisammenhalten und sie schnauften alle übermütig, besonders, wenn sie Gras unter die Füsse bekamen. Winter lief direkt neben Spot und mir, geritten von Charly. Sein Atem formte weitere Nebelstückchen, die sich aber gleich wieder auflösten. Wir drehten eine grosse Runde, waren aber trotzdem etwas früher zurück als geplant. Das war den Pferden zu verdanken, die so fleissig vorwärts gezogen hatten. Wir beschlossen, mit der nächsten Gruppe eine etwas andere Route zu nehmen. Ich versorgte Spot, der kaum geschwitzt hatte, und holte die Ausrüstung des nächsten Vierbeiners hervor. April und Parker stellten Gleam of Light und Painting Shadows noch einen Moment zum Trocknen unter die Solarien. Die nächste Gruppe war etwas schneller bereit, weil wir jetzt quasi eingewärmt waren. Diesmal nahmen wir Cool Cat, Caligari, Ciela, Kaythara, Coulee, Campina und Caspian mit. Die Gruppen waren neu organisiert worden nach dem Unfall mit Frame und Sumerian. Es waren ja auch sonst in letzter Zeit ein paar Pferde aus dem Rennsport verabschiedet worden, so zum Beispiel auch Sunday. Ich hatte ihn schweren Herzens in Rente geschickt und Hunter Crowley zur Verfügung gestellt. Seine Rennleistung hatte etwas abgenommen und ich fand, dass es an der Zeit war ihn umzuschulen, damit er anderweitig eine neue Karriere beginnen konnte. Natürlich war mir die Entscheidung, ihn nicht mehr Rennen zu lassen, nach dem Unfall deutlich leichter gefallen. Mittlerweile war es mir gelungen, die Bilder grösstenteils zu verdrängen und einigermassen normal weiter zu machen. Aber ich ertappte mich selbst immer wieder dabei, wie ich das Renntraining mied – so auch heute. Es würde wohl noch etwas länger dauern, bis ich die Krise gänzlich überwunden hatte. Diesmal kümmerte ich mich um Coulee. Wenn ich zurückblickte, bekam ich bei ihr auch irgendwie Gewissensbisse; Ich hatte sie trotz der Strapazen, die sie erlitten hatte, stur wieder aufgebaut und zurück auf die Bahn geschickt. Wäre es nicht fairer gewesen, sie zu einem normalen Reitpferd umzuschulen? Ist sie wirklich glücklich im Rennalltag? Ich suchte förmlich nach Anzeichen, die mir Grund gaben, sie davon zu befreien. Aber wenn ich sie beobachtete, während ich sie putzte und auch später beim Aufsteigen, machte sie eigentlich einen zufriedenen Eindruck. Ihre Augen leuchteten, ihre Nasenfalten waren entspannt und den Schweif trug sie locker angehoben. Im Vergleich zu der Zeit kurz nach ihrem Rückkauf war sie wieder ein völlig anderes Pferd. Auch ihre Muskeln hatten sich erholt und neu definiert. Nur die Kopfscheue war ihr geblieben: sie mochte es einfach nach wie vor nicht, wenn man in einer unvorbereiteten Geste ihr Gesicht oder die Ohren berühren wollte. Das fand ich schade, denn als Zweijährige war sie richtig verschmust gewesen und hatte jeweils neugierig mit der Schnauze die Welt erkundet. Es führte einem wieder vor Augen, wie sehr der Umgang mit einem Lebewesen dieses verändern konnte – zum Guten und zum Schlechten.

      Wir ritten diesmal bei der Wilkinson Farm durch, wobei mir ein geschecktes Pferd auffiel, dass ich noch nie gesehen hatte. “Don’t wait for me, I’m just going to chat for a second”, informierte ich die Gruppe, und bog neugierig ab um Rosie zu suchen. Coulee war etwas rückhaltig, denn sie hatte eigentlich kein Interesse daran, sich von den anderen weg zu bewegen. Ich trieb sie konsequent vorwärts, bis wir den Anbindeplatz erreichten. «Rosie?» Gerade als ich dachte, ich müsse absteigen und sie suchen gehen, kam sie mit Farasha aus der Halle. «Occulta! I didn’t expect you to come by so early.” “Oliver is still bedridden, so we changed the plan a bit and headed out.” “I see. Coulee seems to be in good shape.” “Yeah, she’s doing fine. That chestnut piebald on your pasture seems to be quite handsome as well.” “Ahh, so you already saw him. He is a Son of Antarktik, his name is Mansur. He will be a new breeding stallion.” “That’s great to hear. From what I saw he looks stunning.” “Yes, I’m very proud to have him. He’s also quite the character – a bit goofy, sometimes.” “I’m looking forward to meeting him up close. How is his mother doing?” “…I sold her.” “Oh.” “There was a young woman who seemed to be very fond of her. I still have her bloodlines through Mansur, so it was fine to let her go. I couldn’t quite connect with her anyway. She’s in a super nice place now, and getting lots of love and attention, too.” “Okay, I understand. I’m sure she will be fine. How about the others?” “Tayr is in training for his first race, coming up in spring. He had a little break to get used to our climate, but now he’s doing great and I’m very positive that he will shake our British Arabian racing society. Anubis is also waiting for spring, to compete in the upcoming endurance season. Numair and Islah will be retiring from breeding and we will have to talk about what to do with them, since I need some space for the youngsters who will be arriving in the beginning of summer...” “Yeah… You had already mentioned something. I would like to take them to Malvern Hills, where my other retired horses are.” “I’m fine with that. They will have a beautiful life there. I’m also going to sell Lindwedel, so if you know someone who is looking for a nice riding pony…” “I’ll keep my ears open.” “Thank you.” “But you’re going to keep Peach, right?” “Yes! Of course. She is such a sweet darling, I could never give her away again.” Ich lachte und war froh, das zu hören. “I think I need to catch up to the others now – or they will come home without me. Thanks for the update – see ya!” “Come by again soon, we can go on a hack with Mansur and Tayr.” “Sure!”, rief ich, bereits im Gehen. Ich trabte mit Coulee durch den Wald und nahm eine Abkürzung im Galopp über einen Holzrückerweg. Coulee hatte es ebenfalls eilig, wieder zur Gruppe zurück zu kommen. Wir holten sie auf einem Feldweg ein – sie warteten auch kurz, als sie uns kommen sahen. «Welcome back», begrüsste mich Quinn. Wir trabten noch ein Stück, dann bogen wir in Richtung Pineforest ab. Mit Penny, Merino, Simba, Cryptic, Primo und Goldy gingen wir eher in Richtung Dorf, um die Gruppe in Sachen Strassenverkehr zu schulen. Die Quartierstrassen waren dazu sehr gut geeignet, denn es gab nur wenige Begegnungen mit Autos, dafür viele Fahrradfahrer und Stoppschilder zum Üben.

      Es war nun fast zehn Uhr und wir hatten mit Mambo, Sarabi, Thalia, Daedra, Dolly und Counterfire noch die letzte Gruppe vor uns. Wir machten die Runde zu den grossen Hecken, dem Fluss entlang. Die Sonne hatte es geschafft, durch den Nebel zu drücken und unsere Jacken mit ihren Strahlen zu wärmen. Trotzdem war die Luft eisig und ich war wiedermal froh um Handschuhe und Schal. Am gegen Mittag zogen bereits wieder Wolken auf, und um halb Eins begann es sogar wieder zu schneien. Ich hatte nach den Ausritten ein wenig mit der flauschigen Summertime auf dem Platz gearbeitet und anschliessend den noch viel wolligeren Ljóski rasch auf die Ovalbahn mitgenommen. Die beiden hatten zumindest keine Mühe mit der Kälte. Ljúfa war im Moment nicht nur wollig, sondern auch kugelig. Sie erwartete diesen Frühling ihr erstes Fohlen, von einem Hengst namens Blossi. Bisher hatte man davon nicht sehr viel gesehen, aber in den letzten Wochen hatte sie ordentlich zugelegt. Wir ritten sie bereits jetzt nicht mehr, um sie zu schonen, auch wenn es noch ein Weilchen dauern würde. Ich hoffte, dass das Fohlen das Dun Gen von seinem Vater erbte, und nicht nur ein gewöhnlicher Brauner werden würde – aber das konnte ich mir nun mal nicht aussuchen. Ausserdem hoffte ich auf ein Stutfohlen, denn ich hatte beschlossen, es in dem Fall zu behalten. Einen weiteren Hengst konnte ich nicht wirklich gebrauchen, es sei denn, er hätte einen aussergewöhnlich schicken Körperbau. Schlussendlich musste ich mich wie immer überraschen lassen und abwarten.

      Jonas, Lily und ich assen wie immer gemeinsam zu Mittag und machten dann noch eine kurze Pause, ehe wir uns um halb Zwei Uhr wieder raus in die Kälte wagten. Lily hatte am Nachmittag keine Schule, also half sie im Stall mit. Wir holten die Hengste aus dem Nordstall von der Weide und brachten stattdessen die Stuten des Haupt- und Nebenstalls raus. Am späteren Nachmittag beziehungsweise Abend waren dann noch die Vollbluthengste an der Reihe. Lisa hatte Jazz und Shadow bereits bewegt, also pickte ich mir Chanda von der Stutenweide. Mit ihr übte ich im Moment hartnäckig an den Basics, damit sie endlich lernte, ihre vier Füsse geschickter zu koordinieren und besser auf meinen Schenkeldruck hin zu weichen. Sie hatte nämlich etwas Mühe mit dem Kreuzen. Ich arbeitete an diesem Problem auch oft vom Boden aus mit ihr, und es zeigte auch tatsächlich langsam Wirkung. Immerhin wich sie jetzt überhaupt irgendwie, wenn ich Druck machte. Am Anfang war sie dabei ziemlich sturköpfig gewesen. Aber vermutlich hatte sie auch gar nicht verstanden, was ich von ihr wollte und musste zuerst lernen, meine Hilfen zu verstehen. Als ich für heute mit ihr zufrieden war, brachte ich sie zurück und holte stattdessen Feline. Sie fühlte sich so herrlich einfach und fein zu reiten an, im direkten Vergleich mit der unerfahrenen Chanda. Bei ihr brauchte ich kaum das Gewicht zu verlagern, und schon bewegte sie sich in die gewünschte Richtung. Aber auch sie war einmal jung und ‘grün’ gewesen; auch sie hatte zuerst ihr Gleichgewicht und einen sicheren Takt finden müssen. Nun übten wir Galopppirouetten und ganz gesetztes Galoppieren, denn nun war bei ihr das oberste Thema die Versammlung. Gerade als ich erneut bei A angaloppieren wollte, klingelte mein Smartphone. Ich parierte Feline überrascht in den Schritt und liess die Zügel lang, um den Anruf entgegen zu nehmen. Ich mochte es eigentlich nicht, während dem Reiten zu telefonieren, aber als ich Hunter Crowleys Nummer auf dem Display sah, nahm ich ab. «Hallo!.. Gut, danke – selber?.. Du würdest WAS? Aber er ist doch einer deiner top Zuchthengste, und so ein schicker noch dazu! Bist du wirklich sicher? Ich meine, nicht dass ich so ein Angebot jemals ablehnen würde, aber… Also wenn du das wirklich willst, dann komme ich nachher schnell vorbei – sofern du gerade Zeit hast. Ja, klar. Also dann, bis nachher, und danke schonmal!» Perplex legte ich auf und stopfte das Smartphone in meine Reithosentasche zurück. Hunter hatte mir gerade seinen Vollblut Hengst Raving Hope Slayer angeboten. Ich konnte mein Glück kaum fassen; der Hengst hatte bei mir schon immer Eifersuchtsattacken ausgelöst, wenn ich ihm auf Hunters Gestüt oder auf Turnieren begegnet war. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie Hunter ihn verkaufen konnte, wo er doch so wunderschön und talentiert war. Aber das brauchte ich eigentlich gar nicht weiter zu hinterfragen, für mich zählte nur, dass ich soeben eine äusserst wertvolle Ergänzung zu meinem Gestüt angeboten bekommen hatte. Die Nachricht gab mir einen gewaltigen Energieschub, den sogar Feline zu spüren schien. Sie gab sich nämlich bei den folgenden Pirouetten besonders Mühe, wie ich fand. Ich liess sie nach getaner Arbeit am langen Zügel austraben und -schreiten. Beim Absteigen lobte ich sie überschwänglich.

      Eine halbe Stunde später war Feline versorgt und kaute zufrieden mit den anderen Stuten an einer Portion Heu herum. Ich war unterdessen auf dem Weg zum Auto, um Hunter wie versprochen einen Besuch abzustatten und dem aussergewöhnlichen Angebot nachzugehen. Ich wunderte mich unterwegs, ob ich ihn am Telefon vielleicht doch falsch verstanden hatte, und er mir den Hengst nur irgendwie ausleihen wollte. Gespannt stieg ich auf dem Parkplatz aus und suchte Hunter im Stallgebäude. Als wir uns begrüsst hatten, fragte ich zweifelnd: «Habe ich dich richtig verstanden? Du willst ihn doch sicher nicht verkaufen, oder?» Hunter meinte nur locker, dass ich schon richtig verstanden hätte. Er wolle etwas umstrukturieren, und da sei er auf die Idee gekommen, mich wegen ‘Raver’, wie er ihn gerne nannte, anzusprechen – zumal ich ihm ja auch gerade erst Sunday Morning anvertraut hatte. Ich fühlte mich geehrt und fragte mich trotz allem, wie ich das verdient hatte. Hunter zeigte mir Raver in seiner Box und ich musterte ihn bewundernd. «Er ist wirklich ein Bild von einem Vollblut. So schön bemuskelt und exterieurmässig auf den ersten Blick makellos. Ich weiss gar nicht, was ich noch gross sagen soll, ausser danke! Ich schätze, beim Preis werde ich dafür wohl leer schlucken können..?» Er schüttelte den Kopf und machte mir einen freundschaftlichen Preisvorschlag, bei dem ich schon fast ein schlechtes Gewissen bekam. «Du spinnst doch… Der ist mindestens doppelt so viel wert!» Hunter winkte ab und meinte, der Platz sei ihm wichtiger als der Preis. Nebenbei erwähnte er auch gleich, dass er noch andere Pferde habe, die einen neuen Platz suchten. Ich hatte zwar vorläufig nicht geplant, weitere Pferde anzuschaffen, aber ich liess mich dennoch aus Neugier herumführen. Ich wusste ja bereits, dass Hunter einige schicke Pferde besass, aber da war einer, der jedem wohl sofort aufgefallen wäre. «Woaa, ist das ein Shire?», rief ich beeindruckt aus, als wir vor der Box eines grossen Schecken hielten. Er musste mindestens 1.80 Stockmass haben, schätzte ich. Später erfuhr ich, dass ich damit voll ins Schwarze getroffen hatte. «Das ist Thomas. Du hättest nicht zufällig noch eine Box frei für ihn?» Ich runzelte die Stirn. «Naja, er ist ja schon richtig toll, versteh mich nicht falsch – ich bin hier gerade schockverliebt. Das Problem ist nur, dass ich tatsächlich nicht mehr besonders viel Kapazität habe…» «Dann wird er wohl gelegt werden und in Frührente gehen müssen. An jemand fremden möchte ich ihn lieber nicht verkaufen.» Gequält murmelte ich «aber das wäre einfach nur schade, so ein hübscher…» Hunter sah mich fragend an, weil ich zu leise war. Ich kräuselte die Lippen und überlegte angestrengt, dann beschloss ich: «Irgendwie schaffe ich Platz für den Grossen. Ich weiss zwar noch nicht genau wie, aber ich finde sicher eine Lösung. Improvisation ist meine Königsdisziplin.» Ich wusste, dass ich mir damit ein wortwörtlich ordentliches Stück Zusatzarbeit einbrockte, aber die freundlichen, dunklen Augen und der imposante Bau des Vierbeiners gefielen mir zu gut. «Fohlen habe ich auch noch», meinte Hunter, beinahe scherzhaft. Wir spazierten zur Fohlenweide des Gestüts und ich warf einen Blick auf die Gruppe. Der langbeinige Nachwuchs graste unweit vom Zaun, sodass man sie wunderbar betrachten konnte. Ich erkannte schnell, dass es gefährlich war, genauer hinzusehen. Die Jungpferde waren wirklich bestechend schön. Eines entsprach genau meinem berüchtigten Beuteschema: ein fast ganz weisser Hengst. «Der hat leopard Gene?», fragte ich verwundert. «Ja, das ist Louvré, ein Warmblüter. Bei den Vollblütern haben wir übrigens auch ein paar mit leopard – zum Beispiel den da.» Er deutete auf einen gesprenkelten Fuchs mit heller Mähne. «Der sieht ja lustig aus. Aber ich glaube, Oliver, Pineforests Renntrainer, täte mir den Hals umdrehen wenn ich noch so ein buntes Pferd anschleppen würde.» «Die da ist etwas dezenter gesprenkelt.» Ich brauchte Hunters Handbewegung gar nicht zu folgen; die Stute fiel mir gleich von selbst auf. Sie war ein Rappe mit einer kontrastreich leuchtenden Schabrackenscheckung auf der Kruppe. Aber nicht ihre Farbe überzeugte mich, sondern die Art, wie sie sich über das kurzgefressene Gras bewegte. Ihr Schritt war raumgreifend und die Hinterhand schwang tief unter den Schwerpunkt, ohne dass ihr Gang wackelig aussah. «Welche Abstammung?», wollte ich neugierig wissen. «Von Magic Attack, aus einer unserer Zuchtstuten – Scarlet, hast du sicher auch schon gesehen.» «Hah! War ja klar, bei der Farbe. Ganz der Papa.» «Gefällt sie dir? Sie heisst Stars of Magic.» «Pah, gefallen tun sie mir alle! Aber die ist schon besonders, ja. Ich hab noch kein Blut aus diesen Linien in meiner Zucht. Und Louvré wäre sicherlich auch interessant, sowohl für Sport als auch für die Farbzucht.» «Du brauchst nur zu sagen, dass du sie haben willst.» «Du wärst ein verdammt guter Verkäufer, für Immobilien oder besser noch; Haushaltsgeräte – weisst du das?» Wir lachten, dann machten wir Geschäfte. Vier neue Pferde, murmelte ich kopfschüttelnd, als ich zurück zum Auto lief. Aber gleichzeitig freute ich mich wie ein kleines Kind, das bunte Quartett auf Pineforest willkommen zu heissen.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
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    Occulta
    Datum:
    23 Nov. 2017
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  • Offizieller HG


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    Rufname:
    Geburtstag: unbekannt
    Alter: 16 Jahre
    Stockmaß: 1,35 m
    Rasse: Fellpony
    Geschlecht: Wallach
    Fellfarbe: bay tobiano
    (Ee,Aa,Toto)
    Abzeichen: -
    Gesundheit: sehr gut


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    freundlich, leistungsstark


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    Lindwedel ist ein wunderschöner Fellpony Wallach, der mit 3 Jahren gelegt wurde.
    Durch die Kastration wurde er ruhiger und wedelte nicht mehr so bedrohlich mit dem Schweif. Da er als Fohlen wohl gerne unter einem Lindenbaum stand und jeden anwedelte, der ihm zu nahe kam wenn er mal keine Lust darauf hatte, bekam er den Namen Lindwedel. Seine Talente liegen beim Fahren, Military und Distanz. Lindwedel besitzt nicht nur schöne, kraftvolle und taktklare Gänge, sondern auch Ausdauer zählt zu seinen Stärken.
    Seit Lindwedel Wallach ist, können Kinder auf ihm reiten und er ist verschmust geworden.
    Er liebt es betüddelt zu werden und man könnte auch meinen, dass er erfolggeil ist.
    Er ist sehr verfressen und findet immer einen Weg von seiner Box in die Futterkammer!


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    Besitzer: Occulta
    Ersteller: sadasha
    VKR: sadasha
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Nein
    Nachkommen: -
    Decktaxe: -


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: E
    Military Klasse: E
    Dressur Klasse: E
    Distanz Klasse: E
    Fahren Klasse: E

    Eignung: Fahren, Freizeit
    Eingeritten: Ja


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    55. Wallachschau (grün)
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    Lindwedel's Spind​