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Samarti

Liluye, DRP * -

*2007, im Besitz seit dem 31.05.2015

Liluye, DRP * -
Samarti, 31 März 2017
AliciaFarina und Occulta gefällt das.
    • Samarti
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      Ponyhandel
      31. Mai 2015, von Elii
      2130 Zeichen
      „Mhm. Ja. Ok. Ok. Alles klar. Ja. Ja, ich schau mal. Ok. Tschüss.“, gelangweilt rasselte ich immer wieder die gleichen Wörter herunter, da mir Elisa zum hundertsten Mal erzählte wie ihr neues Reitpony aussehen sollte. Da ich immer noch einige Züchterkontakte in Deutschland hatte, war ich DER Vermittler schlecht hin für sie. Es wäre nicht das erste Reitpony, dass so an sie geraten ist.
      Seit diesem Telefonat nervte sie mich täglich, manchmal sogar stündlich und wenn es ganz schlecht lief, setzte sie sich genau neben mich wenn ich mich via E-Mail mit anderen Züchter deswegen unterhielt.
      Drei Wochen und zwei abgekaute Ohren später konnte ich ihr endlich Fotos und Videos von einer Sabino Stute vorzeigen.
      „Und was sagst du?“, fragte ich vorsichtig, nachdem sie mich das letzte Mal angeschrien hatte, als es nicht genau das Pferd war, was sie sich optisch vorgestellt hatte.
      „Ist gekauft!“, sagte sie mit leuchtenden Augen. „Du machst dass dann oder? Tschüss.“
      Und so ließ sie mich einfach vor dem Pc stehen und tanzte aus der Haustür. Jedes Mal blieb die Arbeit an mir hängen, weshalb ich schon die Vermutung hatte, dass Elisa einfach zu blöd war, um Kaufverträge durchzulesen, Überweisungen zu tätigen und Transporte per Flugzeug zu buchen. Und obendrein war sie auch sehr faul.

      Gut einen Monat später kam die kleine Scheckenstute dann endlich an, leider musste sie wegen einer kleinen Erkältung länger als geplant in Deutschland bleiben. Da hätte mich fast den Hals gekostet, hätte sie Matthew nicht heldenhaft dazwischen geworfen. Ihm ging es mit Elisa nicht besser als mir, was uns so sehr verband, dass wir eine Freundschaft aufgebaut hatten. Die ging teilweise so weit, dass er sich bei mir versteckte, wenn Elisa wieder mal einen Anfall hatte und jemanden zum Abreagieren brauchte.
      „Nach dem Pony reicht es aber für eine Weile, oder?“, fragte ich zögernd, wollte ich die böse Frau nicht schon wieder einen Mordanschlag an mir planen lassen. Irritiert zog sie eine Augenbraue hoch und schüttelte dann langsam aber bestimmt den Kopf. Natürlich. Wie konnte ich nur davon ausgehen, dass Raupe Nimmersatt je zufrieden ist.
    • Samarti
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      Wannabe-Stalker
      05. Juni 2015
      11531 Zeichen
      „Eliiiisa! Lass uns shoppen gehen!“
      Es war Elena, die da mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf mich zugelaufen kam und schließlich dann vor mir stehen blieb. Dabei wedelte sie mit einem Zettel herum, den sie in der Hand hielt.
      „Was ist das?“, hakte ich zuerst nach, und noch bevor ich die Frage vollends gestellt hatte, begann Eli: „Das ist ein Gutschein für den neuen Reitsportladen in Dauphin, da müssen wir später auch nochmal hin!“ Sie holte tief Luft, um fortzufahren: „Aber erstmal gehen wir für uns shoppen! Wo ist Matthew? Er muss die Tüten mitnehmen!“
      Nur kurze Zeit später war sie abgetaucht, ließ mich an der Weide wieder alleine stehen und ich entschloss mich dazu, einfach weiter die Fohlen beim Spielen zu beobachten.
      Pamuya war inzwischen schon ein Jahr alt, ebenso wie Aponi. Die zwei waren stets gemeinsam anzutreffen und verstanden sich mindestens genauso gut wie ihre Mütter. Ständig tobten sie zusammen über die Weide; und während Aponi dann die ruhigere war, die das Spiel aber mitmachte, erklärte Pamuya ihr die Spielregeln und sagte, wo es lang ging. Allein das Beobachten machte immer wieder Spaß, denn vor den Menschen verhielt Pam (so nannte Joline sie ständig, und obwohl ich es nicht wollte, irgendwie hatte es sich auch bei mir eingebürgert) total anders: scheu, zurückhaltend und beinahe ängstlich trat sie dem Menschen gegenüber – wenn sie ihm überhaupt gegenübertrat.
      Nachdem ich die beiden Fohlen noch eine ganze Weile beobachtet hatte, ohne, dass sie mich überhaupt bemerkt hatten, ließ ich schließlich den Blick über das Gestüt wandern. Hie und da erspähte ich zwischen den Bäumen hinten am Horizont einen Pferdekörper, welchen ich als den vom Multivitaminsaft einordnen konnte. Die stand nämlich momentan wieder mitten im Geländetraining. Allerdings schien es eher, als wäre das einfach ein gemütlicher Schrittausritt, denn sonderlich schnell bewegte sich das Paar nicht vorwärts.

      Einige Zeit später traf ich wieder auf Elena und Matthew, die sich momentan wohl verbal bekämpften. Eli war dabei der Meinung, dass Matthew unbedingt mitkommen müsste; der Mann hingegen hielt von der Idee so ungefähr … rein gar nichts.
      „Und was soll ich da?“
      „Na ja, auch mal ein bisschen was Neues kaufen …“
      „Eure Tüten tragen? Eure Taschen halten, während ihr in den Umkleidekabinen verschwindet, um zwölf verschiedene Kleidungsstücke anzuprobieren?“
      „Eiiigentlich darf man in eine Kabine meistens maximal fünf Sachen mitnehmen, aber nein, darum geht es doch gar nicht!“
      „Worum dann? Darum, dass ihr dann jemanden habt, der euch herumkutschiert und schließlich wieder nach Hause bringt?“
      „Elisa möchte gerne mehr Zeit mit dir verbringen!“
      In dem Moment klappte mir die Kinnlade herunter und ich starrte Elena wutentbrannt an, jeden Moment dazu bereit, sie anzuspringen und zu erwürgen. Woher nahm sie solche Behauptungen?! Genau so entstanden Gerüchte! So und nicht anders!
      „Ja, klar. Das klingt total überzeugend. Aber okay, wenn ich das Ganze nicht nur mit dir ertragen muss, komme ich natürlich liebend gern mit“, spottete Matthew und es hörte sich beinahe an wie ein „Was, Elisa ist dabei? Da muss ich mitkommen!“, aber das konnte ich mir auch nur eingebildet haben.

      „Ich fühle mich, als wäre ich im Shopping-Himmel!“, schwärmte ich, als wir den nächsten Laden betraten – gefolgt von Matthew, der rund sieben Tüten mit sich schleppen musste. Letztendlich war der arme Kerl nämlich doch als Packesel benutzt worden. Aber selbst schuld, wer auch unbedingt mitkommen wollte, musste sich dann wenigstens nützlich machen!
      Ich fühle mich, als würde ich vorm Computer sitzen und auf asos herumstöbern“, antwortete Eli mir hingegen, völlig verliebt in die ganzen Läden in Dauphin, und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie ein schönes Oberteil nach dem anderen fand. Hin und wieder trauerte sie, dass es sooo viele schöne Kleider gab, sie aber keine Kleider trug – das konnte ich bei ihrer Figur absolut nicht nachvollziehen, aber Leute soll es ja schließlich geben!

      Irgendwann hatten wir unsere Shoppingtour beendet und saßen in einem Restaurant, das wirklich außerordentlich leer war. Nach einer Weile kam nur noch ein Mann hinzu, der aussah, als wäre er einer der Lkw-Fahrer, die ihre Wagen draußen vor der Tür parkten und auf dem Parkplatz hier nur einen Zwischenstopp einlegten.
      Auf unseren Tellern befanden sich dicke Burger; wahnsinnig lecker! Und während wir da so saßen, aßen und uns miteinander unterhielten, ging Elena irgendwann weg, um Servietten zu holen, da sie mal wieder gekleckert hatte. Kurz, nachdem sie aufgestanden und verschwunden war, sah ich es in unsere Richtung aufblitzen. Dezent unauffällig starrte ich in die Richtung, aus der der Blitz gekommen war und bemerkte den Lkw-Fahrer, der sein Handy verdächtig auffällig so hielt, dass die Kameralinse direkt auf mich deutete. Als er bemerkte, dass ich ihn ansah, wandte er schnell seinen Blick ab und aß weiter.
      „Matthew“, murmelte ich leise, „der Typ da hat mich gerade fotografiert, glaube ich.“
      Matthew zog als Antwort die Augenbrauen hoch, warf dem Typen einen beinahe bitterbösen Blick zu und für einen Moment schien es, als würde in seinen Augen pure Eifersucht aufflammen; dabei sah er aus wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde, und das jetzt wahnsinnig wütend war.
      Auch, als Elena wiederkam, hatte Matthew sich noch nicht vollends beruhigt. Kurz hatte ich Elena erklärt, dass der Typ mich gerade kaum merklich fotografiert hatte und er dabei in ein Fettnäpfchen getreten war, denn sein Blitz war nun mal eingeschaltet gewesen.
      Während des Essen spürte ich trotzdem immer wieder den Blick des Mannes auf mir ruhen und als ich aufsah, trafen meine Augen genau auf seine. Eigentlich wollte ich in dem Restaurant keine verdammte Szene schieben, dafür war ich einfach nicht der Typ, aber jetzt gerade ging es nicht anders. Also legte ich mein Besteck beiseite, schob den Stuhl zurück und bewegte mich langsam in die Richtung des Lkw-lers.
      „Wenn du mich weiter so anstarren willst, dann sieh doch bitte einfach auf dein Handydisplay. Aber hör auf, mich so dämlich zu beobachten!“ Mit den Händen in die Hüften gestemmt machte ich dem Kerl eine mehr oder weniger klare Ansage, machte dann auf dem Absatz kehrt und lief wieder zurück zu meinen Freunden. Elena grinste siegessicher, Matthew hingegen schaute noch in die Richtung des Typen.
      „Was ist?“, fragte ich ihn, als ich am Tisch stand und er mich noch immer keines Blickes gewürdigt hatte.
      „Der Widerling da starrt immer noch auf deinen Arsch“, brachte mein Freund zähneknirschend heraus und ich schüttelte ungläubig den Kopf, bevor ich mich rasch hinsetzte, um dem Perversling da drüben keine weitere Chance zu geben, mich auch nur irgendwie zu beobachten. Da war Matthew aber auch schon aufgestanden und hatte sich diesmal seinen Weg zum Tisch des Typen gebahnt.
      „Es wird ja wohl noch möglich sein, hier in Ruhe essen zu dürfen, ohne von irgendwelchen ekelhaften Leuten belästigt zu werden!“, hörte ich nur noch Matthews donnernde Stimme, dass der andere Gast, der noch im Lokal saß, ihn ebenfalls beobachtete, störte den Schwarzhaarigen nicht. „Schon unverschämt genug, von irgendwelchen Fremden Fotos zu machen, sich dabei erwischen zu lassen und dann noch dreckig grinsend auf den Arsch von der Freundin eines anderes zu starren!“ Es kam mir vor, als nahm Matthew jetzt erst richtig Fahrt auf, doch da wurde er von der Kellnerin unterbrochen: „Bitte beruhigen Sie sich!“
      Enden tat es nur, weil ich mir schließlich ein Herz fasste, bezahlte und mit Elena und Matthew den Laden verließ. Auf dem Weg zum Auto und während der Fahrt zum neuen Reitsportladen sagte keiner ein Wort, viel zu groß war die Angst, Matthew nur noch mehr aufzuregen. Und das wollte hier niemand.

      „Lilli braucht pink! Pink! P-I-N-K!“, maulte Eli herum, als ich für meine neue Reitponystute nicht zur pinken Schabracke griff, die dort auf den Bügeln hing. Stattdessen wollte ich mir eigentlich eine in lime besorgen, ich liebte die Farbe einfach!
      „Tja, Pech für dich, Elisa! Lime gibt es nicht mehr in Pony!“, triumphierte die doofe Blondine dann schadenfroh, als ich schmollend vor dem Regal hockte und verzweifelt nach der passenden Größe suchte.
      „Okay, versuchen wir es nochmal mit einem anderen Farbton. Bordeaux vielleicht? Aber wenn es keine in Bordeaux gibt, die auch die richtige Größe hat, dann nehmen wir die Pinke mit! Bitte! Lilli sähe in pink so süß und niedlich und herzig aus!“, bettelte Eli, machte aber gleichzeitig noch einen weiteren Farbvorschlag. Grummelnd stimmte ich zu und suchte dann nach einer bordeauxfarbenen Schabracke in Ponygröße.
      Tja, was ein Fehlschlag! Auch die Schabracke war nicht mehr in Pony vorhanden, sodass ich mich wohl oder übel geschlagen geben musste und wir für Liluye dann doch noch die pinke Schabracke mitnehmen mussten (die ihr letztendlich sogar richtig gut stand, danke Elena!). Dazu passend gab es dann noch eine braune Trense; den richtigen Sattel hatten wir zum Glück bereits daheim.

      Liluye hatte natürlich die neuen Sachen direkt anprobieren müssen, als wir wieder auf dem Gestüt angekommen waren, und während ich das Zeug nun direkt einweihte (Eli hatte mich nämlich auch noch zu einer pinken Reithose überreden können, die ja super zur Schabracke passte), standen am Zaun vier Weiber, die allesamt total verliebt in Lilli und ihr neues Zubehör waren. Die Herzchenaugen waren kaum zu übersehen! Aber ich musste es auch zugeben – Lilli sah süß aus. Sie war wohl das einzige Pferd auf meinem Gestüt, das in einem knallig pinken Farbton immer noch total klasse aussah.

      „Wisst ihr eigentlich, was mir heute passiert ist?“, machte ich Gwen, Jojo und Joline neugierig, als ich gerade nach einer weiteren Scheibe Brot griff. Wir saßen am Esstisch, aßen zu Abend und unterhielten uns darüber, wie unser heutiger Tag verlaufen war.
      „Nein, erzähl!“ Gwen kaute fleißig auf ihrem Brot herum. Allerdings hielt sie das nicht davon ab, zu reden.
      „Gwen! Mit vollem Mund spricht man nicht!“, mahnte Jojo und wedelte drohend mit dem Zeigefinger vor dem Gesicht besagter Person herum.
      „Wir waren ja heute in diesem Burgerladen in Dauphin essen. Und da saß ernsthaft ein Typ, der mich fotografiert hat!“, setzte ich an und machte eine kunstvolle Pause, um das eben Gesagte auf die anderen beiden einwirken zu lassen.
      „Du bist halt einfach zu geil, Elisa“, grinste Gwenny und verstummte dann aber, als sie in meinem Gesicht las, dass das noch nicht alles gewesen war.
      „Ihr fragt euch bestimmt, woran ich das gemerkt habe.“
      Jojo schüttelte den Kopf. „Eigentlich frage ich mich das nicht, aber ja?“
      „Er hatte den Blitz an.“
      Gwen brach so in Lachen aus, dass sie sich am Brot verschluckte und Tränen in den Augen stehen hatte, während sie sich noch nicht so ganz zwischen Lachen und Husten entscheiden konnte. Dabei kippte sie immer wieder zur Seite und somit fast vom Stuhl, was Elena nur dazu veranlasste, ihr den letzten Schubs zu geben, sodass Gwen wirklich seitlich vom Stuhl fiel und auf den Boden pumpste. „Hey!“, empörte sie sich, wurde jedoch von allen ignoriert.
      Währenddessen saß Jojo nur stocksteif auf ihrem Stuhl und verzog ihre Lippen zu einem gerade Strich, ohne auch nur etwas zu sagen. Man konnte genau sehen, wie sie innerlich den Kopf schüttelte, sich die Hand vor den Mund schlug, und sich nur noch fragte …
      „Wo hat er nur dieses Handy her?“, brachte Eli hervor und kringelte sich vor Lachen, weshalb ich letztendlich auch einfach einstimme. Ich hatte also meinen eigenen, persönlichen Wannabe-Stalker!
    • Samarti
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      Dressur E-A
      30. Juni 2015
      7467 Zeichen
      „Blub. Blub, blub, bluuub. Blub, blub!“
      „Nein“, stöhnte ich genervt auf und wandte Elena meinen Rücken zu, während die mit ihrem Mund blubbte – oder auch ploppte, wie man es nun mal nennen wollte; da stritten sich die Geister – und mir somit anscheinend etwas ziemlich Wichtiges vermitteln wollte. „Außerdem hörst du dich an wie ein gackerndes Huhn.“
      „Was“, setzte sie empört an, „was, bitte wie?“
      „Vergiss es. Was willst du schon wieder hier? Ah, ich vergaß – du bist ja immer hier. Also, hast du irgendetwas auf dem Herzen? Soll ich Poppy trainieren und deshalb blubbst du hier so rum?“
      „Bluuuub“, machte Elena nur als Antwort und ich seufzte auf.
      „Alles klar, aber das machen wir zusammen. Dann kann ich mich gleichzeitig noch um Liluye kümmern, die muss auch noch dran glauben.“

      Als wir Matthew auf dem Hof über den Weg liefen, wich ich ihm gekonnt aus. Seinen Blicken zufolge war anscheinend irgendetwas passiert, wovon ich keine Ahnung hatte – und zwar so wirklich gar keine Ahnung.
      „Elenaaa?“, hakte ich deshalb vorsichtig nach. „Wieso guckt Matthew mich so an?“ Den letzten Satz flüsterte ich nur noch, in der Angst, dass er es hören könnte.
      „Oh, das weißt du nicht? Also, ich weiß es von Joline, die weiß es von Domenic und der weiß es von Ma-“ – „Es wissen alle außer ich!“, stellte ich verzweifelt fest und blies lautstark die Luft aus meinen Lungen.
      „Tatsache“, bemerkte Eli staunend und formte den Mund zu einem O. „Mund zu, Nate ist noch nicht hier“, murmelte ich kaum hörbar und bekam gleich einen Ellbogen in die Rippen gestoßen. „Ey! Ist ja gut! Was ist denn jetzt passiert?“
      „Na ja, als du letztens so besoffen warst, musste er sich wohl um dich kümmern und du warst wohl erstens ziemlich niedlich dumm – was ja nichts Neues ist – und zweitens ziemlich anhänglich, weil du ihn nicht mehr gehen lassen wolltest und er sogar in deinem Bett schlafen musste. Obwohl ihn das wahrscheinlich eher weniger gestört hat“, grinste meine 'Freundin' schadenfroh und hüpfte gut gelaunt durch die Gegend.
      „Oh Goohooott“, machte ich nur und schlug mir die flache Hand gegen den Kopf.
      „Tja, und bei meinem Superstallburschen-Casting hast du dich an Nathan rangemacht … Aber naja, er konnte dir nicht lange böse sein und du bist dann sogar mit dem Kopf auf seinem Schoß eingeschlafen.“ Elena berichtete fleißig weiter, während ich mich nur noch für mein besoffenes Ich schämte und am liebsten im Boden versinken wollte.
      „Und wann werdet ihr nun eigentlich endlich ein Paar? Ich meine, man sieht doch, dass ihr beide euch total li-“, wollte Eli nun endlich wissen, doch bevor sie das letzte Wort aussprechen konnte, hielt ich ihr völlig verlegen den Mund zu. Elena hatte nämlich einen Ticken zu laut gesprochen und dafür gesorgt, dass Matthew nun die Augenbrauen hochzog und zu uns herübersah.
      „-efern lassen wollt!“, beendete Elena ihren Satz, als ich meine Hand von ihrem Mund nahm und ich sah sie nur verwirrt an. „Wir wollen uns liefern lassen?“
      „Jetzt halt die Klappe und sei mir dankbar, du blöde Kuh! Ich hab das L-Wort doch extra nicht laut ausgesprochen!“, zischte sie gereizt und ich schüttelte den Kopf: „Alter, Matthew ist nicht dumm. Der hat schon eins und eins zusammenzählen können.“
      „Sicher?“ Eli machte eine ernste Miene und ich schüttelte abermals mit dem Kopf. „Nein“, grinste ich dann und wir beide brachen in ein nervtötendes Kichern aus.

      Poppysmic und Liluye waren schon für sich zwei sehr unterschiedliche Welten: Lilli war wahnsinnig lieb, Poppy hingegen war teilweise das Böse in Person.
      Dementsprechend würde ich das gesamte Training mit Elena abhalten, denn irgendwie hatte ich momentan nicht so Lust, mich auf ein bockendes, gemeines Pferd zu setzen, auch wenn ich wirklich in Diskutierlaune war. Ich meine, irgendwo musste man die angestaute Energie doch auch mal abbauen! Und wo staute sich mehr Energie an als unter Weibern?!
      Trotzdem sollte Eli Poppy lieber reiten, denn irgendwie fehlte mir auch einfach der Wille, mich auf ihren Rücken zu setzen und wahrscheinlich dann wieder auf den Boden befördern zu lassen.
      Deshalb trainierten wir nun gemeinsam; Eli auf Poppy und ich auf meiner kleinen, niedlichen Lilli, die einfach die perfekte Definition für „liebevoll“ war. Wenn man das Wort „liebevoll“ im Duden nachschlägt, sollte daneben als Bedeutung eigentlich „Liluye“ stehen.
      Poppy war Jahrgang 2008, Lilli 2009 – somit waren beide alt genug, um durch eine A-Dressur keine schwerwiegenden Probleme zu bekommen.
      Als Hufschlagfiguren kamen lediglich die Schlangenlinie mit vier Bögen und die 10 Meter-Volten im Trab hinzu, die wir einfach so ins Training integrierten, um für Abwechslung zu sorgen. So verhinderten wir, dass die zwei Stuten sich nicht langweilten und dann auf die Idee kamen, irgendwelchen Blödsinn zu veranstalten, denn das war das letzte, was wir uns für das Training wünschten.
      Zum Mittelschritt, dem Arbeitstrab und dem Arbeitsgalopp, welche in der Klasse E gefordert waren, wurden nun der Mitteltrab und der Mittelgalopp hinzugefügt.
      Die Lektionen einer A-Dressur waren das Viereck verkleinern und vergrößern, der einfache Galoppwechsel, das Zügel aus der Hand kauen lassen und das Rückwärtsrichten. Ersteres übten wir, indem wir mit dem Schenkelweichen das Viereck einfach verkleinerten und schließlich vergrößerten, es war eigentlich nur ein Seitwärtstreten, was für beide Stuten kein großes Problem darstellte.
      Beim einfachen Galoppwechsel galoppierten wir die zwei an, parierten in den Schritt durch und während der Schrittphase stellten wir die Ponys um, gaben eine halbe Parade und nahmen zeitgleich den äußeren Schenkel zurück. Dann schoben wir die Hüfte nach vorn und gaben mit dem neuen inneren Zügel nach, um dann nach drei bis vier Schritten wieder anzugaloppieren.
      Nach dem Zügel aus der Hand kauen lassen folgte nur noch das Rückwärtsrichten. Dazu saß jeweils eine auf dem Rücken des Pferdes, die andere unterstützte vom Boden aus.
      Ich entlastete mich im Sattel von Liluye (bei der wir begannen) ein wenig, legte mein Bein an und Elena tippte dabei mit einer Touchier-Gerte an die Vorderbeine der Stute. Anfangs war sie ziemlich verwirrt und wusste nicht, was sie machen sollte. Aus Reflex trat sie dann schließlich vorwärts und es dauerte eine Weile, bis ich sie davon überzeugen konnte, dies zu unterlassen. Immer, wenn sie also vorwärts treten wollte, parierte ich sie vorsichtig rückwärts durch und hielt sie somit vom Anlaufen ab. Sobald sie einen Schritt nach hinten gemacht hatte, stoppte ich die Lektion und lobte sie ausgiebig.
      Bei Poppysmic saß Elena nun oben und entlastete sich im Sattel, während sie das Bein anlegte und ich dann die Stute mit einer Gerte sanft an den Vorderbeinen touchierte. Selbes Spiel wie bei Lilli: Wenn sie vorwärts treten wollte, wurde sie davon abgehalten – wenn sie rückwärts getreten war, folgte eine Belohnung.
      Nachdem wir also alles durch hatten, konnten wir das Training für abgeschlossen und die beiden Stuten für A-fertig erklären.

      „Oh oh … Langsam verstehe ich“, meinte Elena wie aus dem Nichts, als wir nebeneinander über den Hof liefen.
      „Was verstehst du?“, hakte ich nach, weil ich keine Ahnung hatte, worauf sie anspielen wollte.
      „Das Gackern …“, erklärte sie monoton und meine Lippen verzogen sich zu einem Strich.
      „Aaaahaaaaaaa“, zog ich das Wort in die Länge und machte mich dann daran, schnellstmöglich aus ihrem Blickfeld zu verschwinden. Wer wusste schon, wie sie das verstanden hatte? Das konnte nichts Gutes bedeuten!
    • Samarti
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      Dressur A-L
      02. Juli 2015
      13795 Zeichen
      Gemächlichen Schrittes gingen Elena und ich auf den Stall zu. Es war zwar momentan nicht sonderlich warm hier, gerade hatten wir angenehme 20°C, aber hetzen musste ja jetzt trotzdem nicht sein.
      „Eddi ist ja schon süß“, kommentierte ich die WhatsApp-Nachricht, die ich gerade von meiner Freundin aus Wyoming erhalten hatte.
      Sofort horchte Elena auf: „Wie? Süßer als Jojo? Wie geht das denn?“
      Gekonnt ignorant, wie ich nun mal war, überhörte ich Elenas Fragen und fuhr fort: „Letztens habe ich ihr noch angeboten, sie könnte mir ja jetzt schon mal eine Liste mit den Pferden, die ich im Juli trainieren sollte, schicken. Da hieß es noch, sie würde uns diesen Monat ausnahmsweise in Ruhe lassen – gerade eben kriege ich eine Nachricht mit: 'Cover the Sun und Feuervogel würden sich über Training freuen.'“
      „Apropos Training, wen wollten wir denn jetzt trainieren?“, fragte Elena urplötzlich, ohne auf mein eben Gesagtes einzugehen und brachte mich somit auch zum Stocken. „Da fragst du was“, überlegte ich nachdenklich und schüttelte dann den Kopf.
      „Wen wollte ich denn jetzt trainieren?“, wiederholte ich die Frage noch einmal lauter und hörte in dem Moment von Jojo ein weit entferntes „Quixo!“. Zur selben Zeit rief Elena übereifrig: „Mich!“
      „Okay, ich scheuche also Elena über Hindernisse“, stellte ich fest und nickte bestätigend.
      „Eigentlich eher im Essen, aber ok.“
      „Was? Wieso? Wie meinst du das?“
      „Du sollst mich im Essen trainieren. Du kannst das gut. Also … dass das ansetzt, meine ich …“ Es schien, als hätte sie zum Schluss selbst gemerkt, was sie da gerade eben gesagt hatte, denn in dem Moment nahm Elena auch schon ihre Beine in die Hand und wollte losrennen. Wären wir in einem Cartoonfilm gewesen, wäre sie jetzt bereits eine Ewigkeit auf der Stelle gerannt, nur, um jeden Moment los zu sprinten und eine Staubwolke zu hinterlassen.
      So weit kam sie aber nicht.
      Ich hatte sie schon am Kragen gepackt, als sie gerade eben weglaufen wollte. Trotzdem hatte ich sie fest im Griff und wären wir jetzt noch immer in einem Zeichentrickfilm gewesen, dann wäre ich die große Heldin mit dem stolzen, erhobenen Blick, die den Bösewicht ganz locker mit einer Hand am Kragen festhielt, während der Bösewicht – in diesem Fall also Elena – versuchte, sich davon zu machen. Stattdessen sprintete sie nun auf der Stelle und wirbelte somit den ganzen Staub auf.
      Zumindest hätte das wohl so in einem Cartoon ausgesehen.
      In echt aber hatte ich Elena am Kragen gepackt und stand dort nun, die Füße in den Boden gestemmt, und lehnte mich mit meinem gesamten Gewicht dagegen. Elena bewegte sich nicht von der Stelle, versuchte aber alles, um es zu ermöglichen. So versuchte auch sie mit aller Kraft, sich von mir zu lösen und bemerkte aber schnell, dass ich mehr Kraft (in Gedanken hörte ich schon Elis böses „Nein, nur mehr Gewicht!“) aufweisen konnte und somit höhere Chancen hatte, diesen Zweikampf für mich zu gewinnen.
      Was ich dann auch tat.
      „Ich hasse dich“, knurrte ich beleidigt und ließ dann von Elena ab. Diese antwortete nur mit einem „Ich liebe dich auch“, warf mir eine provokante Kusshand zu und machte sich dann vom Acker.

      Nur wenige Sekunden später stand sie aber wieder vor mir: „Nur damit du es weißt, ich würde hier nicht stehen, wenn wir nicht eins meiner Pferde zu trainieren hätten!“
      „Ich hab allen Grund, beleidigt zu sein. Nicht du“, erinnerte ich das Weib vor mir und schüttelte den Kopf. „Wen wollen wir überhaupt trainieren?“
      Elena ploppte als Antwort nur mit den Lippen.
      „Aha. Ok. Also Poppy“, stellte ich fest. „In was?“
      Elena nahm die imaginären Zügel auf.
      „Toll. Im Reiten. Und weiter?“
      Jetzt war es an der Zeit, dass die Blondine mit den Zügeln schlug.
      „Schlagen?“
      Kopfschütteln.
      „Fahren?“
      Kopfschütteln von Elena.
      Ein Nicken von mir als Antwort.
      „Nein!“
      „Doch.“
      „Nein!“
      „Doch!“
      Handgemenge.

      Elena hatte ein letztes Mal ihren Willen gekriegt. Natürlich auch nur, weil sie mir sonst den Kontakt zu Cressi gänzlich verboten hätte – und der war mir wichtiger (als das Fahren natürlich, niemals wäre er mir wichtiger als Elena!). Man musste eben auch mal Prioritäten setzen können; die lag hier allerdings bei Cressi.
      Man konnte jetzt also eine supertolle Frau sehen, die mit ihrer besten Feindin in den Stall ging, um die zwei Reitponydamen Liluye und Poppysmic auf das Training vorzubereiten (kleine Anmerkung am Rande: Ich war die supertolle Frau. Wer Eli war, kann man dann ja mit ganz viel Fantasie erahnen). Poppy stand seit geraumer Zeit einfach in einer der Boxen auf meinem Hof, wieso auch immer. Wahrscheinlich, weil Elena genau wusste, dass sie ständig nur hier war und das Training dann viel leichter erreichbar war, denn so musste sie nicht immer erst herüber reiten und konnte bequem mit dem Auto hierherkommen. Es war dann auch kein Wunder, dass Elena tatsächlich immer mit Auto aufkreuzte, denn ein kleiner, erfrischender Spaziergang oder eine kurze Radtour stieß bei ihr so gut wie nie auf Anklang.

      Während Elena und ich nun auf den beiden Reitponystuten saßen, hatte sich auch noch Jojo am Zaun dazugesellt und kurzerhand war sogar Matthew dazu verdonnert worden, ihren Hengst Q (der eigentlich Quitoxicelixer oder Quixoticelixer oder auch einfach Quixoquaxo hieß) ebenfalls zu trainieren. Der Lewitzer sollte allerdings erst einmal in der Dressur auf das A-Niveau gebracht werden, sodass Matthew sich eher mit der Klasse beschäftigte und nicht, wie Eli und ich, mit dem L-Niveau.
      Für alle drei Pferde stellten die neuen Gangarten, die in der jeweils höheren Disziplin gefordert wurden, jedoch kaum Probleme da. Lediglich Poppysmic war vom versammelten Trab und dem Galopp im versammelten Tempo nicht ganz so begeistert, verstand es zwar anfangs auch nicht sonderlich, aber nach einer Menge Widerspruch und viel Gezicke zwischen Eli und Poppy klappte dann auch das irgendwann.
      Nachdem wir dann auch die Hufschlagfiguren, die meist aus engeren Wendungen bestanden, immer wieder mal ins Training eingebaut hatten und auch die Gangarten wirklich sicher und problemlos auf Abruf ausgeführt werden konnten, wandten wir uns den Lektionen zu.
      Für Quixoticelixer waren das das Viereck verkleinern und vergrößern, der einfache Galoppwechsel, das Zügel aus der Hand kauen lassen und das Rückwärtsrichten.
      Ersteres erreichte Matthew, indem er mithilfe des Schenkelweichens Q immer wieder seitwärts treten ließ, bis das Viereck verkleinert war, dann ging es wieder auf den Hufschlag zurück – auch wieder seitwärts. Beim einfachen Galoppwechsel ließ er Q galoppieren, dann forderte Matthew 3 bis 4 Schritte von ihm, während welcher der Hengst umgestellt wurde, dann sollte er wieder angaloppieren, diesmal dann auf der anderen Hand. Daraufhin folgte wieder das gleiche Spiel, sodass er schließlich wieder auf derselben Hand wie am Anfang der Übung galoppierte. Auch das Zügel aus der Hand kauen lassen war kein Problem. So war zumindest Quixoquaxos Training bereits nach wenigen Trainingseinheiten beendet.
      Erst beim Rückwärtsrichten griff er auf Jojos Hilfe zurück, die Q vom Boden aus mit einer Touchiergerte dazu brachte, rückwärts zu treten. Matthew saß währenddessen im Sattel. Sobald der Lewitzerhengst vorwärts treten wollte, parierte Matthew ihn durch und machte ihm dann klar, dass er sich zurück bewegen sollte, was nach einer Weile dann auch klappte.
      Poppy und Lilli hatten den Außengalopp, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung vor sich. Für die Hinterhandwendung legten Elena und ich uns ein L auf den Boden, bestehend aus zwei Stangen, die im rechten Winkel zueinander lagen. Dann ritten wir in die Ecke hinein und verlangten von den Ponys, dass sie sich um das innere Hinterbein drehten. Bei Poppy klappte es schon relativ früh, während Lilli ihre Zeit brauchte. Die Stute war zwar geduldig und ich war es auch mit ihr, aber so ganz verstehen tat sie es dann erst, nachdem wir es immer und immer wieder mit ihr geübt hatten.
      Danach waren allerdings die kleinen Hürden, die es bei den anderen beiden Lektionen gab, kaum noch der Rede wert und so konnten wir auch die beiden Ponystuten als L-fertig melden; obwohl Poppy mit dem Training bereits etwas früher fertig war und Lilli ein paar Trainingseinheiten mehr benötigte, waren wir beide doch mit dem Endergebnis mehr als zufrieden.

      Nachdem Elena sogar bei mir geduscht hatte („Wieso gehst du nicht rüber und duschst bei dir?“ – „Dein Wasser ist einfach besser!“), hatten wir uns für einen gemütlichen Abend zu zweit vor dem Fernseher entschieden. Das tat einfach gut, nachdem man so viel Arbeit gehabt hatte; zumindest ich hatte mich heute um das Training von drei ganzen Pferden gekümmert (innerlich hörte ich Elena schon fragen, was denn „halbe Pferde“ seien). Wo Jojo abgeblieben war, wusste ich nicht, aber seitdem das Training mit Q beendet war, hatte ich sie heute nicht mehr auffinden können.
      „Wo ist eigentlich Matthew?“, nuschelte Elena irgendwann und als ich einen Seitenblick zu ihr warf, wusste ich auch direkt, warum sie nicht mehr vernünftig sprechen konnte: Ihr Mund steckte voller Popcorn. Und wenn ich von voll sprach, dann meinte ich wirklich, wirklich ziemlich voll. Bis zum Rand voll.
      Ahnungslos zuckte ich mit den Schultern. „Keine Ahnung, hab ihn heute auch um sieben zum letzten Mal gesehen.“
      „Hm“, erwiderte Elena nur und griff dann wieder in den Popcorn-Eimer, um sich eine weitere Handvoll in den Mund zu stopfen. Als ich auch mal danach greifen wollte, zog Eli mir den Eimer vor der Nase weg. „Nichts da“, ermahnte sie mich und schlug mir mit der klebrigen Hand auf die Finger, „das ist alles meins!“
      Genervt seufzte ich auf und atmete dann tief durch, um nicht die Augen verdrehen zu müssen. Dann lehnte ich mich auf dem Sofa zurück und wollte mich gerade auf den Film konzentrieren, da polterte auch schon etwas im Eingangsbereich.
      „Äh?“, machte ich gerade noch und räusperte mich, um dem Übeltäter verständlich zu machen, dass er sich zeigen sollte. Zum Vorschein kamen Nathan und Colin, die ihn ihrer Mitte einen offensichtlich besoffenen Matthew stützten. Hinter ihnen dackelte Declan, Jojos heimlicher Verehrer, her und sorgte so dafür, dass keiner von ihnen umkippte.
      „So so, die vier Herren waren also auf Kneipentour in der Pampa“, erwähnte ich das Offensichtliche noch einmal und Elena gackerte dann lauthals vor sich hin. „Na ja, sonderlich lange haben die dank dem da“, sie deutete auf Matthew, „anscheinend nicht ausgehalten.“
      Nathan warf ihr einen kurzen Blick zu, weshalb sie sofort verstummte und wieder eine erste Miene auflegte, nur, um danach wieder breit zu grinsen. „Also ehrlich, da verträgt ja sogar Gwen mehr! Oder hatte er einfach so viel?“
      „Keine Ahnung, wir haben ihn einfach draußen aufgegabelt. Ursprünglich wollten wir wirklich weg, aber Matthew meinte nur, er würde schon einmal vorgehen und wir sollten doch nachkommen. Als wir angekommen waren, war er schon ganz dicht“, erklärte Colin – der süße, kleine, niedliche Colin mit dem Welpenblick – die Situation und versuchte allem Anschein nach selbst noch, sich aus dem Geschehen einen Reim zu machen.
      „Elisa“, grummelte Matthew dann vor sich hin. „Wo ist Elisa?“
      „Ich bin hier, du Dummkopf“, erwiderte ich nur. Es war schön, mal nicht die einzige zu sein, die ein bisschen zu viel intus hatte.
      Mein so-gut-wie-und-dann-doch-wieder-nicht-Freund sträubte sich gegen den festen Griff der anderen, sodass die sich via Blickkontakt austauschten und dann einfach nickten – die einfache Kommunikationsweise der Männer würde ich nur zu gern ebenfalls beherrschen.
      „Komm her“, säuselte ich und öffnete meine Arme für ihn, „und dann bringen wir dich erst einmal ins Bett.“
      Müde nickte Matthew nur, inzwischen zu schläfrig, um mir zu widersprechen und ich nahm ihn bei der Hand, um ihn dann hoch ins Bett zu bringen. Glücklicherweise war er nicht ganz so anhänglich wie ich und auch das Umziehen schaffte er noch allein, sodass ich direkt wieder zu den Anderen nach unten konnte. Die hatten es sich auf der Couch bequem gemacht. Colin saß ganz außen, neben ihm Declan, dann folgte Nate, der sich neben Elena niedergelassen hatte – und auf irgendeine unerdenkliche Art und Weise hatte er es geschafft, dass sie ihr Popcorn mit ihm teilte?! Hey! Das war unfair! Ich kannte sie viel länger als er und trotzdem war die Beziehung der beiden schon fortgeschrittener als unsere!
      Irgendwann hatte Elena aus meinem Schrank Alkohol hervorgekramt. „Nur, um den Film erträglicher zu machen und den Canada-Day nachträglich ein wenig zu feiern!“, hatte sie versprochen, aber es hielt sich keiner dran. (Meine Frage, was denn der Canada-Day sei, wurde gekonnt überhört. Oder, was wahrscheinlicher war: Elena wusste es selbst nicht.) Ich war ein wenig angeheitert, konnte aber noch ganze, vollkommen korrekte Sätze bilden. Colin hatte für heute auf Alkohol verzichtet, zumindest glaubte ich das. Nate und Eli kicherten wie doof und grinsten ständig, steckten die Köpfe ständig zusammen und murmelten sich irgendwas zu, woraufhin sie wieder lachten.
      Und Declan? Tja, der laberte mich mit irgendwas voll. Hin und wieder hörte ich Jojos Namen, wahrscheinlich fragte er mich über sie aus oder so.
      Wenn man vom Teufel sprach – aus den Augenwinkeln heraus konnte ich sehen, wie Jojo sich in dem Moment an der Tür vorbei schleichen wollte. Haha, vergeblich! Ich wäre nicht so eine gute Freundin, hätte ich sie nicht mit einem bösartigen Grinsen auf dem Gesicht zu mir gerufen und sie eingeladen, doch mitzutrinken. Sie rückte zwar anfangs etwas von Declan weg, aber nachdem ich sie einfach zwischen mich und ihn schubste, war das Eis fast schon gebrochen. Fast.
      Als ich mich so umblickte, merkte ich dann aber, dass Gwen fehlte. Es wunderte sowieso, dass sie nicht bei Colin war, aaaaber was sollte ich jetzt schon tun?
      Richtig, ich verabschiedete mich, tapste nach oben und ließ mich ins Bett fallen.
    • Samarti
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      Altmodische Nachbarn
      12. Juli 2015
      6897 Zeichen
      „Elisa! Tolles neues Spiel!“, begrüßte Gwen mich und zeigte mir dann gleich einige DIN A4-Seiten mit Screenshots.
      „Du hast ernsthaft … die Screens … ausgedruckt? Gwen? Wir leben im Zeitalter der modernen Technologie, es gibt so etwas wie Handys, die inzwischen auch Fotos darste- ach, egal“, winkte ich schließlich ab und betrachtete dann die Screens, die Gwen mir gerade ausgedruckt (!) und in nicht digitaler Form in die Hände gedrückt hatte. Beim Blättern sog meine Nachbarin bereits tief die Luft ein. „Pass bloß auf, das Papier ist teuer genug!“, „Nicht knicken!“ und „Sei gefälligst vorsichtig!“ waren wohl die drei Sätze, die ich heute am öftesten von der doofen Fast-Blondine zu hören bekam.
      „Alter, es sind nur ein paar Blätter Papier, die kosten absolut nichts“, seufzte ich nur und sah hoch, als von meiner Freundin keine Antwort kam, um besagter Person dann in ihr rot angelaufenes Gesicht zu schauen. „Oh, tut mir, äh, leid“, stammelte ich, „eigentlich w-weiß ich d-doch, dass die total teuer sind, ich, äh, muss weg!“
      Mit diesen Worten war ich dann auch schon so schnell wie möglich aus Gwens Sichtfeld verschwunden und während meines 1A Sprints fielen mir die ausgedruckten (ich kam nicht darüber hinweg!) Screens aus der Hand und segelten zu Boden. „Du dummes Stück!“, rief Doofkuh mir nur hinterher, doch ich ignorierte es geflissentlich und versteckte mich lieber auf der Weide bei Ace of Clubs, die mich zwar verwirrt ansah, aber es einfach dabei beließ.
      „Na du?“ Behutsam strich ich mit meiner Hand über das hellgraue Fell an Aces Hals. Ich fand ihre Fellfarbe noch immer faszinierend, ihr Gesicht war zwar inzwischen etwas heller geworden, doch der braune Kopf war noch immer da. Und irgendwie hoffte ich, dass das noch eine Weile so bleiben würde.

      „Kann ich da auch Langhälse zähmen? Und reiten? ICH WILL EINEN LANGHALS HABEN! UND BABYLANGHÄLSE!“ Aufgeregt hüpfte ich auf dem Sofa herum, während Elena und Gwen gegenüber von mir saßen und mich mit weit aufgerissenen Augen und geöffnetem Mund anstarrten.
      „Hey, ich bin keine Zirkusattraktion! Also, kann ich Langhälse reiten?“, drängelte ich und beide nickten.
      „Jup.“
      „Aber du musst sie erst k.o. Boxen, nur damit du es weißt“, informierte Elena mich und ich verdrehte nur die Augen.
      „Danach gehören sie aber dir“, nickte Gwen, weshalb ich nochmal nachhakte. „Muss ich die echt boxen? Ich dachte, Eli will mich wieder verarschen!“
      „Ne, du musst die ohnmächtig schlagen.“ Ihre Antwort ließ meinen Kiefer nach unten fallen, weshalb ich langsam und erstaunt den Mund öffnete, ihn aber recht schnell wieder verschloss.
      „Über was redet ihr?“, kam es dann von Jojo, die sich schließlich neben mir auf das Sofa sinken ließ.
      „ARK“, klärte ich sie auf, „ein Survival Game mit Dinos.“
      „Oh, ich will auch!“
      „Es kostet dreißig Euro.“
      „Oh … Ich will nicht.“ Enttäuscht ließ sie sich noch ein wenig weiter in die Polster des Sofas sinken.
      „So geht es mir auch“, stimmte Elena zu, „dafür, dass es noch nicht fertig ist.“
      Auf einmal setzte sich Jojo wieder auf. „Gibt es da auch Raptoren?“
      „Es gibt alles“, nickte ich. „Es gibt auch Megalodons.“
      „Jap“, bekräftigte mich Gwen.
      „Also den Riesenhai“, fuhr ich unbeirrt fort, dann überrumpelte mich fast eine gewisse Erkenntnis. „KANN MAN DEN AUCH ZÄHMEN? ICH WILL EINEN MEGALODON!“
      „Jap.“ Gwen wiederholte sich und lachte dann kurz. „Es gibt auch diese kleinen Viecher, die giftigen Speichel spucken.“
      „VON JURASSIC PARK!“, rief Elena dazwischen.
      Völlig überfordert mit den vielen Informationen sprang ich auf. „ICH GEHE JETZT MEINEN EIGENEN LANGHALS REITEN! Na ja, okay, ähm … eigentlich meinte ich nur Namida, weil die ihren Kopf manchmal so hoch trägt wie eine Giraffe und die haben ja auch lange Hälse, also sind sie in gewisser Wei-“
      „Halt die Klappe, Elisa“, ertönte es im Kanon von drei Seiten und ich zuckte nur mit den Schultern, verschwand dann um die Ecke und ließ die drei Weiber alleine in meinem (!) Haus sitzen.

      Ich hatte mich tatsächlich zu einer kurzen Runde im Gelände mit Namida entschlossen, nahm aber Ocean Water dann noch als Handpferd mit. Die alte Dame übte einen gewissen ruhigen Einfluss auf meine schwarze Stute aus, sodass diese auch gleich viel gelassener und nicht ganz so hibbelig war.
      Dafür, dass sie mir zuvor als „gemeingefährlich“ und „unbrauchbar“ beschrieben worden war, hatte sich aus Namida teilweise doch schon ein zuverlässiger Gefährte entwickelt. Sie war zwar noch immer sehr ausgelassen, manchmal sogar respektlos und irgendwie kam sie teils sogar etwas böse rüber, aber von Grund auf gemein war sie dann nun doch nicht. Und inzwischen wusste sie oft schon, wo die Grenzen lagen, auch wenn sie sie noch viel öfter unbedingt ausprobieren musste.
      Es war wirklich schön, einfach mal wieder alleine ins Gelände zu gehen und nur das rhythmische Auftreten der acht Hufe auf dem Waldboden zu hören. Es hatte Namida im Übrigen auch geholfen, vor die Kutsche gespannt zu werden – anfangs hätte sie niemals Rücksicht darauf genommen, dass der andere Vierbeiner oder auch Zweibeiner einfach nicht so schnell und hastig laufen wollte wie sie es gerne hätte.
      Ocean hatte den Kopf gesenkt und betrachtete zwar eingehend die Umgebung, als würde sie sich diese einprägen wollen, doch sonderlich eilig hatte sie es definitiv nicht. Stattdessen ließ sie sich Zeit damit, lief gemächlichen Schrittes neben uns her und taute nur etwas auf, als wir ein Stückchen trabten. Das Galoppieren mit Handpferd traute ich mir dann doch noch nicht ganz zu.

      Am Abend führte mein Weg mich dann doch nochmal in den Stutenstall und dort blieb ich noch eine ganze Weile auf einer der Boxentüren sitzen – zum Glück waren diese so gut wie gar nicht hoch vergittert. Es war Liluyes Box, vor der ich saß, und drinnen stand die Stute und zermalmte fröhlich ihre Portion Heu, die sie heute Morgen nicht ganz aufgefressen hatte.
      Meine Vorahnung hatte sich übrigens befürwortet: Lilli war der Liebling aller Kinder, die hie und da mal auf dem Hof auftauchten. Momentan war der Ferienbetrieb noch stillgelegt, aber sobald die Sommerferien einsetzen würden, würde auch der Betrieb wieder geöffnet werden. Nur hatten wir uns erst einmal darüber klar werden müssen, wen wir da denn überhaupt einsetzen würden. Unsere Wahl war unter anderem auf Lilli gefallen: klein, ruhig und liebevoll. Sie war ein absolutes Verlasspferd und genau aus dem Grund würden die Kinder sich auf ihr ziemlich wohl fühlen.
      Nachdem ich mich von Lilli verabschiedet hatte, wollte ich gerade den Stall verlassen, da ging ich nochmal an Romanticas Box vorbei und wurde von einem zierlichen, braunen Kopf aufgehalten, der sich über die Boxentür streckte. Rozene war gerade erst abgesetzt worden, und hin und wieder machte sich bemerkbar, dass Romantica sich suchend umsah. Sie wusste zwar genau, was hier geschah, hatte sie doch schon einige Fohlen zur Welt gebracht, aber so ganz würde sich dies wahrscheinlich nie legen.
    • Samarti
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      Dressur L-M
      01. August 2015
      6988 Zeichen
      Sie woll'n mich alle zerr'n, woll'n mich reißen, woll'n mich zieh'n, doch ich bleib hier sitzen, hier am Ende von Beerliiin.“

      „Wir sind in Kanada.“
      „Danke, ich weiß, wo wir sind“, winkte ich ab und starrte Elena mit einem bitterbösen Blick an. Entweder Blicke konnten nicht töten oder dieser konnte es nicht. Denn Elena blieb quicklebendig auf der Stelle stehen und grinste mich breit an.
      „Anscheinend ja nicht“, setzte sie korrigierend an, „denn du hast gerade gesagt, dass du am Ende von Berlin sitzen bleibst und Berlin ist in Deutschland. Also, ich glaube ja, du hättest damals Geographie nicht abwählen sollen.“
      „Ach komm, halt die Fresse.“
      Beleidigt schob Eli die Unterlippe vor und machte dann auf dem Absatz kehrt, um einfach zu verschwinden, als wäre sie eine bockige Leberwurst. Das würde sie aber nie hinkriegen, allein schon aus dem Grund, dass dafür viel zu wenig Fleisch an ihrem Körper war. Ein Kannibale würde sie wahrscheinlich übersehen; selbst, wenn er am Verhungern wäre.
      Als sie sich gerade sieben Schritte von mir entfernt hatte, drehte sie allerdings wieder um und kam beschämt zu mir zurück getapst. „Ja, Elisa, sei ruhig. Ich weiß, dass ich hier bin, damit wir“, sie ploppte mit den Lippen, „trainieren können …“
      Siegessicher verschränkte ich die Arme vor der Brust, wartete eine Weile und zog die Augenbrauen in die Höhe.

      „Also, wollen wir?“, fragte ich dann nach gefühlt zwei Minuten Schweigen und zur Antwort nickte Eli nur. „Gut. Dann mach Poppy schon mal fertig, ich hole Lilli dann.“

      „Der Mafiaboss auf dem Mafiapferd. Welch ein Bild“, kommentierte Gwen, als sie am Zaun vorbeilief, den Anblick von Elena und Poppysmic. Die beiden widmeten sich gerade dem Travers, zumindest hatte Eli das vor. Während Elena jetzt allerdings auf dem Buckskin saß und sie sich mal wieder einen ihrer typischen Machtkämpfe lieferten, schmunzelte Gwen nur. Poppy hatte nämlich so ungefähr gar keinen Bock darauf, zu arbeiten und das ließ sie ihre Reiterin auch wissen – der wiederum gefiel es nicht, dass jemand sich über ihre Befehle stellte und ihr widersprach. So gerieten die zwei Dickköpfe ständig aneinander, und das war nicht das erste Mal heute. Definitiv nicht.
      Es hatte schon beim versammelten Schritt so ausgesehen. Und beim starken Trab. Und beim starken Galopp. Und beim fliegenden Galoppwechsel.
      Gut, zugegeben, sie arbeiteten nicht ständig gegeneinander an. Ich meine, hey! Die Schrittpirouetten hatten sie nach anfänglichem „Kein Bock“-Syndrom von Poppy dann doch gut hingekriegt.
      Liluye, die ich stattdessen unter mir hatte, schien sich deshalb teilweise schon ziemlich zu langweilen. Sie war ruhig, gelassen, und machte alles einfach so mit – praktisch das genaue Gegenteil von Poppy. Lilli lernte schnell, setzte alles daran, das Geforderte auch perfekt in die Tat umzusetzen (oh ja, sie war eine kleine Perfektionistin) und ihren Reiter, also mich, zufriedenzustellen.
      Wenn ich Elis Gesicht beim Training mal so beobachtete, wechselte es von „beinahe schon zu euphorisch“ über frustriert zu „Leckt mich alle am Arsch“. Kein gutes Zeichen. Trotzdem wusste auch Eli, dass sie das Training immer mit einer guten Erfahrung beenden musste, damit Poppys Motivation nicht schon zu Beginn des Trainings gegen null strebte. Zumindest die ersten fünf Minuten des Aufwärmens machte sie nämlich noch ganz fleißig mit.

      Mit Liluye war ich schon ein ganzes Stück weiter. Lilli hatte es bereits verstanden, den Trab und den Galopp zu versammeln – auch im Schritt zeigte sie eine ordentliche und saubere Versammlung, bei der ich nicht einmal mehr sonderlich viel korrigieren musste, nachdem wir sie erst mal in Angriff genommen hatten.
      Die Verstärkung im Trab und im Galopp hatten wir ebenfalls schon bald erarbeitet. Meine vorbildliche Stute trat vermehrt über, es erfolgte eine Rahmenserweiterung und ihre Tritte beziehungsweise Galoppsprünge wurden raumgreifender, ohne dass sie in der Bewegung eiliger wurde. Und immer, wenn ich bemerkte, dass Elis Augen unsere Bewegungen verfolgten, übersah ich auch den irgendwie neidischen Blick in ihnen nicht. Das war schon mehr als befriedigend!
      Nach einigen Trainingseinheiten konnte ich mit Lilli also schon mit den Seitengängen beginnen, während Eli noch mit dem starken Trab haderte. Dennoch bat sie mich nicht um Hilfe, ich glaube, dazu war ihr Ego noch lange nicht angekratzt genug.
      Anfangen taten wir mit dem Travers – dabei sollte Liluye mit der Vorderhand auf dem Hufschlag bleiben, die Hinterhand sollte sie allerdings ins Bahninnere führen. Im Gegensatz dazu stand dann das Renvers, das praktisch genau spiegelverkehrt funktionierte: Die Hinterhand sollte Lilli auf dem Hufschlag behalten, die Vorderhand wurde ins Bahninnere geführt.
      Hatten wir das Travers erst einmal erfolgreich hinter uns gebracht, so knüpften wie das Renvers gleich daran an und führten das Training so weiter. Beide Lektionen dienten der Vorbereitung auf die Traversalen, die wir auch noch erarbeiten mussten. Als wir das allerdings auch erfolgreich bewältigt hatten, hatten wir auch das Training zur M-Dressur abgeschlossen.

      So stand ich also irgendwann auf beiden Beinen ̶i̶̶m̶ ̶l̶̶e̶̶b̶̶e̶̶n̶ in der Mitte des Dressurplatzes und saß mal nicht auf Lilli, während ich Elena und Poppy beobachtete. Erstere hatte mich nämlich irgendwann tatsächlich um Hilfe gebeten. Okay, ich geb’s zu: Vielleicht hatte sie mich nichtgebeten, sondern nur wieder mit Cressi-Verbot gedroht. Aber immerhin wollte (brauchte) sie meine Hilfe! (Dringend.)
      Deshalb bestand das Training von Poppy jetzt aus einem Mix aus Anweisungen meinerseits, die Elena zu befolgen hatte.
      „Alter, Elena! Jetzt mach doch endlich mal, was ich dir sage, sonst wird das nie was!“, meckerte ich dann aber an einem Tag und mir war schon fast zum Heulen. Da war man einmal so weit, dass Eli dir gehorchte, und dann spielte sie das ganze Theater nur und hörte in Wirklichkeit gar nicht auf dich!
      Gwen hatte meine Bitte, meinen Platz zu übernehmen, nicht einmal mehr abgeschlagen. Stattdessen fiel sie mir um den Hals, dankte mir für diese große Möglichkeit, die ich ihr gerade gegeben hatte und sah sich anscheinend schon, wie sie Elena alles heimzahlte, was diese ihr jemals im Bezug auf Fagy angetan hatte. Da hatte es nämlich schon ganz schön oft Reibereien gegeben.
      Gwen schaffte es aber auch nicht.
      Und Matthew auch nicht.
      Und der Rest auch nicht.

      Bis auf Charles. Also standen wir irgendwann zu dritt (Gwen, Charles und ich) in der Mitte des Platzes und während Gwen und ich dem alten Mann die Anweisungen zuflüsterten, donnerte er sie dann in Elenas Richtung. Anscheinend war er angsteinflößend genug, dass es auch bei ihr klappte. Irgendwann hatte nämlich auch Poppy begriffen, dass sie mit Elena arbeiten müsste, damit das Grauen vorbei war. So dauerte es zwar eine gefühlte Ewigkeit, aber auch die Buckskinstute war dann irgendwann M-fertig. Elena war auch fertig, denn Charles war ihr eindeutig zu ungnädig.
      Vielleicht würden wir ja schon bald einen neuen Mafiaboss haben?
    • Samarti
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      My little Tawny
      20. August 2015
      3491 Zeichen
      „Nein“ – „Doch!“ – „Verdammt nein“ – „Doch!“ – „Jojo. Es ist sowieso schon so eingetragen und nichts in der Welt wird mich dazu veranlassen es zu ändern!“, und genau mit dem Satz hatte ich den Salat. Denn am nächsten Tag stand Jojo früh um sechs vor meinem Haus. Mit einem Pappschild in der Hand und rief „Tawny Hawk! Tawny Hawk!“ und auf dem Schild stand „Für einen artgerechten Namen! Gegen Tierquälerei!“
      Leicht entnervt suchte ich irgendwas zum Werfen und fand dann auch meine halbleere Colaflasche, welche ich Jojo eiskalt gegen den Kopf warf. Die quittierte das mit einem lautstarken „Au!“ und machte trotzdem weiter. Zum Glück besaß ich Ohropax und konnte so erfolgreich bis um acht durchschlafen.
      Als ich dann aber frisch geduscht und motiviert das Haus verließ, war es zu spät zum Flüchten. Vor mir standen Jojo, Elena und Elisa. Die waren sich ja eh schon immer einig gewesen, was den Namen betraf. Irgendwas hatte aber Elena falsch verstanden, denn sie trällerte fröhlich ein „My little taaaawny, my little tawny“ und bekam dabei fast eine Ohrfeige von Jojo, aber eben nur fast, war halt Elena, an die legte keiner so schnell Hand an.
      Ehrlich gesagt war ich etwas ahnungslos, was ich machen sollte. Dementsprechend entschied ich mich einfach dazu, mir das eigentliche Opfer dieses Aufstandes aus der Box zu holen, zu putzen und zu satteln. „Sie heißt: T.A.W.N.Y.B.A.W.N.Y.“, buchstabierte ich es den Rebellen noch, ehe ich ihnen davonritt. Ich erahnte bereits, dass das nicht lange währen würde, aber die Zeit, in der ich meine Ruhe hatte, ja die wollte ich gerne genießen.
      Sie beschränkte sich leider nur auf zehn Minuten und dann kamen die drei anderen auch schon wie bei Bibi und Tina im Galopp angebraust. Da Elena heute in SingSang-Stimmung war, sang sie auch ein „Das sind Jojo, Elena und Elisa! Auf Tavasz, Lilly und Flea. Sie reiten geschwind! Sie jagen den Wind! Weil sie Freunde sind! Weil sie Freunde sind!“ – davon abgesehen, dass die Reihenfolgen Käse waren und die Melodie leider anfangs so gar nicht passte, machte Elena ihren Job doch besser als gedacht. Zumindest legte Tawny nur die Ohren an und flüchtete nicht direkt.
      Was an sich übrigens doof war, denn so war ich zwei Sekunden später von einer Staubwolke und drei Id- tollen Menschen eingekreist und konnte gar nicht mehr entkommen. Doof gelaufen. „Na und wer feiert jetzt, hm?“, meinte Elisa lachend und merkte erst zu spät, dass der Spruch nicht so kam, wie sie wollte. „Doof gelaufen“, wiederholte ich dieses Mal laut und quetschte mich mit Tawny durch Cressi und Flea. „Frag dich lieber mal, warum Cressi immer noch nicht dir gehört“, meinte ich grinsend und entfachte so eine neue Episode der Cressi-Diskussion („Auf TSA wäre er wenigstens unter Artgenossen!“ – „Bei mir hat er auch Weidepartner!“ – „Jaaah, aber keine DRPS!“)
      Eigentlich hätte ich das zum Flüchten nutzen sollen, aber so eine Diskussion war immer wieder zu interessant und der Ausritt danach war auch nicht ganz so schlecht. „Wann will Zai endlich mal hierher ziehen?“, fragte ich nach und Elena schüttelte den Kopf, „Bin mir nicht sicher, ob sie das jemals schafft“.
      Durch ein Absurdum kamen wir wieder mal auf Filme zu sprechen und kurzerhand waren Elena und Elisa für einen neuen Horrorfilm. Ich bekam derweil schon nur bei dem Wort am helllichten Tag Gänsehaut und weigerte mich. „Ich schau mit euch erst wieder einen Horrorfilm, wenn Cressi Elisa gehört“ und damit war hoffentlich geklärt, dass das nie und niemals passieren würde.
    • Samarti
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      Hufkontrolle
      05. September 2015, von Rhapsody
      8905 Zeichen
      „Jojo. Jojo, es ist ein Notfall.“

      „Definiere Notfall,“ brummelte ich ins Telefon. Es war gerade einmal fünf vor sechs Uhr morgens und Elisa war schon wach und so kohärent, dass sie mich bequasseln konnte. Und das an meinem mehr oder minder freien Tag.

      „Notfall in Form von einer prämierungsfertigen Yuki die noch gerne einmal eine Maniküre haben wollen würde, damit das auch ganz sicher klappt.“

      Ich drückte mein Gesicht ins Kissen, hoffte, dass ich mich irgendwie selbst ersticken konnte, und seufzte dann, als das nicht funktionierte. „Alles klar. Sag mir nochmal Bescheid, wenn sie angemeldet ist.“ Ich war schon kurz davor, einfach wieder aufzulegen, damit ich endlich wieder schlafen konnte, doch natürlich wurde dieser Plan vereitelt. Nämlich durch Elisas ziemlich intelligentes „Äääh,“, das mir verriet, dass es wohl noch eine Kleinigkeit gab, die sie mir verschwiegen hatte. Wundervoll.

      „Du hast genau zwanzig Sekunden um mir alles zu erzählen, sonst hänge ich auf und starte meinen Tag erst in drei Stunden,“ drohte ich, obwohl ich langsam doch wacher wurde. Verdammt.

      „Äääh, sie ist schon angemeldet. Schon … ein bisschen. Eine Weile. Und … äh, die Prämierung ist … vielleicht schon nächste Woche?“

      Mich überkam das plötzliche Gefühl, mein Handy an die Wand zu schmeißen, zu Townsend Acres rüberzustapfen und Elisa zu würgen. Stattdessen gröhnte ich noch einmal ins Kissen. Aus dem Hörer kam noch ein bisschen Gemurmel, dann das Freizeichen. Jetzt hatte sie auch noch einfach aufgelegt.

      Und somit war dann wohl meine Nachtruhe zu Ende.

      ***

      Wenigstens hatte ich Elisa dazu gebracht, Yuki rüberzubringen. Neben Training mit Bacia, Siddy und Val hatte ich mir nämlich auch noch vorgenommen, Flea die Hufe ein wenig zu richten.

      Tja, mal gucken, wie das mit dem Training dann hinhauen würde.

      Ich war gerade dabei, Fleas linken Vorderhuf abzubocken, um die Hufwand wieder anzugleichen, da hörte ich schon das bekannte Geräusch von Hufen, erst auf Asphalt, dann auf Kopfsteinpflaster und schließlich auf normalem Boden, das mir verriet, dass Elisa da war.

      Als sie schließlich vor mir stand, die weiße Stute mit gespitzten Ohren neben ihr, funkelte ich sie nur an und schlug unbeirrt weiter Nägel in Fleas rechten Vorderhuf. Elisa hielt den Mund – sie beschwerte sich nicht mal über den Gestank nach verbranntem Horn oder riss Witze über meine Schürze („die macht dich noch kleiner. Irgendwie. Keine Ahnung wie – vielleicht, weil sie ungefähr deine ganzen Beine verdeckt. In der siehst du echt aus wie ein Zwerg.“), also hatte sie hoffentlich ein schlechtes Gewissen.

      Erst, als ich bei Flea noch den letzten Nagel vernietet hatte und alles abschließend kontrolliert hatte, sah ich sie länger als zwei Sekunden an. Mit verschränkten Armen und hochgezogener Augenbraue, ganz professionell böse also.

      „Zeitmanagement, davon schon gehört?“ fragte ich Elisa. Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen. Elisas Anfragen kamen immer kurzfristig und mussten irgendwie reingeschoben werden – und diesmal hatte sie sich natürlich die Woche ausgesucht, die sowohl Adèle und Zoe weg waren und ich somit den Hof ganz alleine schmeißen musste.

      Elisa sagte nichts, versuchte nur, mich versöhnen anzulächeln und hielt mir dann Yukis Strick entgegen. „Ich mach das gut, versprochen!“

      Grummelnd übernahm ich die Schimmelstute, band sie neben der dösenden Flea an und machte mich stumm ans Werk.

      Ich hatte gerade mit dem Ausschneiden begonnen, die alten Eisen lagen schon auf einem Haufen ein paar Meter entfernt, da fing Elisa wieder an, herumzudrucksen. „Also, äh … ich hab noch ein Pferd, das wohl Eisen braucht.“

      Also fand ich mich damit ab, dass mein Nachmittag wohl ausgebucht war. „Du schuldest mir so hart was,“ stellte ich klar, nahm die Zange und machte mich an den Tragrand.

      „Ich weiß, ich weiß. Aber ich hab gute Neuigkeiten! Doppelt gute Neuigkeiten!“

      Laut Elisa waren gute Neuigkeiten ihr derzeitiger Stand bei agar.io, ein gut gelaunter Matthew und neue Pferde – keine Dinge, die ich als gut oder auch nur relevant sah.

      Aber gut, es war eh schon zu spät. Elisa machte sich auf den Weg, um das zweite Pferd zu holen, und ich beschäftigte mich weiter mit Yukis Hufen.

      ***

      Elisa kam genau dann zurück, als ich gerade das erste Eisen auf Yukis Huf legte. Sie hustete gekünstelt, verfluchte den Gestank – auf einmal – und band dann auf Fleas anderer Seite noch ein Pferd an. Erst, als zumindest das erste Eisen fest war, sah ich auf und sah, dass sie Lil- Lilli mitgebracht hatte.

      Wirklich, Elisa konnte Quixoticelixer nicht aussprechen aber Liluye?! Heuchler.

      Jedenfalls war das wohl meine dritte Patientin des Tages. In kompletter Stille machte ich Yuki soweit fertig, ignorierte Elisas Kommentare und setzte mich dann erst einmal für fünf Minuten hin; mein Rücken dankte mir. Elisas schlechtes Gewissen kickte wieder ein und sie bot sofort an, Kaffee (pfui Teufel) zu kochen oder sonst etwas zu machen, doch mit einem bösen Blick von mir verstummte sie wieder.

      Nach einer kurzen Pause machte ich mich also an Lillis Hufe. Ausschneiden, Tragrand entfernen, Hufwand begradigen, Hufsohle begradigen, viermal.

      Als ich ein weiteres Mal den Ofen anfeuerte – wehe, es macht jetzt einer einen blöden Blondinenwitz – hoffte ich nur, dass er jetzt nicht schlapp machte. Das war wohl das letzte, was ich jetzt brauchte. Doch er erhitzte brav das erste Eisen, bis es rot glühte, obwohl er dabei ein paar komische Geräusche von sich gab. Elisas Versuch, eine Augenbraue hochzuziehen, ignorierte ich. Stattdessen ging ich samt heißem Eisen rüber zu Lilli.

      „Kein Kommentar mehr zu dem Gestank, okay?“ warnte ich Elisa und wartete erst, bis sie mit großen Augen nickte, bevor ich mich daran machte, das Eisen an Lillis Hufform anzupassen. Lilli bekam die gleichen Hufeisen wie Flea, nämlich die, bei denen man bei Bedarf Stollen reindrehen konnte. Ich wusste zwar nicht den genauen Hintergrund für die Entscheidung, doch Elisa traute ich so viel Wissen zu, dass sie wusste, für was sie Stollen brauchte. Schon alleine, weil Elena uns das wohl alle paar Wochen einbläute.

      Als ich dann zu Lillis letztem Huf kam, begann ich, nachzuhaken. „Ich glaub, du kannst mir die guten Neuigkeiten schon mal verraten.“

      Es zischte laut, als das heiße Eisen auf das Horn gepresst wurde, und durch den Rauch erkannte ich, wie Elisa das Gesicht verzog. Doch sie blieb brav ruhig, schüttelte nur den Kopf. „Später,“ sagte sie.

      Doch auch, als ich das fertig geformte, abgekühlte Eisen auf den Huf schlug, wollte sie mir es nicht verraten. „Du musst da sitzen, sonst fällst du um,“ meinte sie – als ob. Doch auch mein skeptischer Blick brachte sie nicht davon ab.

      Also musste ich, als Lilli endlich fertig war, erst Flea wegbringen und dann mit Elisa zurück zu Townsend Acres laufen, wo sie mich dann aufs Sofa verfrachtete und sich mit wichtiger Miene vor mich setzte.

      „Spuck’s aus.“

      „Äh – okay. Also, ich weiß nicht, aber weißt du noch, als ich mich für dieses große Turnier beworben habe? Mit dem Hof?“

      „… Vielleicht.“

      „Naja, auf jeden Fall bin ich genommen worden,“ sie grinste mich breit an. „In ein paar Tagen kommen irgendwelche wichtigen Menschen, aber das wird alles hier veranstaltet.“

      „Mit ‚hier‘ meinst du natürlich nicht nur deinen Hof?“ sagte ich. Es war mehr eine Aussage als eine Frage, aber ich wollte ihr wenigstens das noch lassen.

      „Gwen und Eli haben schon gesagt, dass sie helfen. Und du gehörst doch da auch dazu!“ Das nahm ich also als Ja.

      Ich seufzte, wusste jedoch, dass ich wohl kaum nein sagen könnte. „Und das zweite?“

      Ein paar Augenblicke sah sie mich verwirrt an, dann dämmerte es Elisa. „Oh! Oh, ja, also ich brauch extra Helfer für das Turnier natürlich. Ich mein, meine Crew ist super und ihr seid super und ich denke, eure Crews helfen auch gerne aber ich hab noch Verstärkung zusammengetrommelt.“ Dann grinste sie mich wieder an. „Declan zum Beispiel!“

      Für ein paar Sekunden sagte ich nichts – sie hätte es doch irgendwie wieder falsch aufgefasst. Dann zuckte ich mit den Schultern. „Ich hab’s mir gedacht.“

      „Du – was?!“

      „Er hat mir gesagt, dass er wieder kommt.“

      „Wann!?“

      Ich musste mir ein Lachen verkneifen – Elisas Empörung war einfach zu lustig. Dabei war es nicht mal ganz wahr; Declan hatte mir nur vor ein paar Tagen erzählt, dass er hoffentlich vor Ende des Jahres nochmal nach Kanada kommen würde, mehr nicht. Aber das musste meine Freundin ja nicht wissen.

      „Vor ein paar Tagen oder so? Das letzte Mal, dass wir telefoniert haben auf jeden Fall,“ sagte ich. Daraufhin verengte Elisa ihre Augen, als wüsste sie, dass ich nicht die ganze Wahrheit sagen würde.

      „Du hasst telefonieren,“ warf sie ein. Okay, da hatte sie wohl Recht. Trotzdem zuckte ich mit der Schulter und grinste sie weiter an.

      Das war für sie wohl nur ein Grund, aufzuspringen und „Ich habs gewusst!“ zu singen. Und für mich war das ein Grund, zu gehen. Meine Arbeit war schließlich getan.
    • Samarti
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      SK 433
      06. September 2015
      5261 Zeichen
      Momentan konnte man sogar wirklich, tatsächlich und so richtig ehrlich von Stress sprechen.
      Nicht, dass ich irgendwie aufgeregt oder hibbelig oder gar nervös war – all das war nicht der Fall. Dennoch stand ich ein wenig unter Druck, als ich Liluyes Mähne noch einmal kontrollierte und über ihr Fell strich, um es nochmals zu glätten. Meine Hände zitterten ein wenig, mein Bauch grummelte und mein Hals schien auszutrocknen. Am liebsten hätte ich meinen Mund geöffnet gen Himmel gestreckt, um ein paar der Regentropfen einzufangen, die so verlockend auf den Erdboden tröpfelten, aber damit hätte ich mich wohl nur lächerlich gemacht und sonst nichts davon gehabt. Zwei Prüfungen an einem Tag gingen auch an mir nicht spurlos vorbei; besonders, wenn die dann noch an anderen Orten stattfanden. Zum Glück hatte ich es zeitlich noch irgendwie managen können, dass ich bei beiden Prüfungen selbst antreten konnte - wie ich das geschafft hatte, wusste ich selbst auch nicht.
      Also musste ich mich wohl noch ein wenig zusammenreißen, die fünf Minuten würde ich hoffentlich noch überleben, ohne vom Pferderücken zu kippen.
      Ganz im Gegenteil zu Elena, die erlitt schon wieder tausend Nervenzusammenbrüche, seit sie die Starterliste gesehen und sich die Stuten alle angesehen hatte. Hier hätte der Sattel nicht gepasst, da wäre die Trense falsch verschnallt gewesen und dort kreuzte man mit Bandagen auf einem Turnier auf. Alles Punkte, die Elena dazu veranlassten, laut „PUNKTABZUG! PUNKTABZUG!“ über das gesamte Veranstaltungsgelände zu schreien und hätten wir sie nicht zurückgehalten, wäre sie wohl Hals über Kopf zu den Richtern gestürmt und hätte sich lautstark beschwert (oder, auf gut Deutsch: die Richter zur Sau gemacht).
      Jojo hatte sich mit dem Rücken an die nächstgelegene Wand gelehnt, das rechte Bein angewinkelt und … feilte sich die Fingernägel. Kritisch begutachtete sie deren Form immer wieder, hob nicht einmal den Blick und war völlig darauf konzentriert. Gwen stand währenddessen vor ihr und wollte ihr wohl schon wieder mehrere Backpfeifen und Ohrfeigen verpassen, weil sie neidisch auf Jojos Lidstrich war. Besagter Person war nämlich mal wieder ein perfekter Wing gelungen; einer dieser Art, von denen Gwen und Elena nachts nur träumten.

      Erst, als die Boxen rauschten und schließlich Liluye und mich aufriefen, horchten die drei Frauen auf, kamen nochmal auf mich zu gestürmt und liefen sogar die vier Schritte bis in die Halle noch neben mir her, murmelten dann nur diskutierend Sätze wie „Ihr schafft das schon!“ (Gwen), „Haha, das glaubst du doch selbst nicht?“ (Eli) und „Ich hoffe, du brichst dir alle Knochen“ (Jojo) und verstummten, als Liluye und ich den Sand betraten.

      Obwohl ich vollkommen ruhig war, was sich auch spürbar auf Lilli übertrug (vielleicht war es auch eher andersrum), atmete ich noch einmal tief durch, als ich meine Reitponystute schließlich im Trab auf die Mittellinie dirigierte und wir uns geradewegs auf den Bahnpunkt X in der Mitte des Platzes zu bewegten. Als ich das Pony kurz davor durchparierte und wir fast punktgenau zum Stehen kamen, stellten sich die vier Beine des Schecken schon automatisch geschlossen und gerade hin. Ruhig und geduldig wartete Lilli dann darauf, dass es weiterging, während ich die Richter grüßte. Nicht selten hatten wir das geübt, denn obwohl das Reitpony sehr gelassen und lernwillig war, hatte es doch eine Weile gedauert, bis sie ihr Bein nicht mehr entlastet hatte – hingekriegt hatten wir es trotzdem.
      Nachdem wir die Richter gegrüßt hatten, ging es im Schritt direkt weiter auf die linke Hand. Dort zeigten wir sowohl den Schritt, als auch den darauffolgenden Trab. Obwohl Lilli zum Großteil weiß war, konnte man doch an den Stellen, an denen ihr Fell braun war, die Muskeln unter ihrer Haut spielen sehen, während sich sich den Weg über den sandigen Hallenboden bahnte. Mit schwungvollen, elastischen Sprünge galoppierten wir schließlich noch auf der linken Hand, ehe wir weiterhin im Galopp auf den Zirkel wechselten. Kurz darauf wechselten wir wieder aus dem Zirkel und präsentierten dann nochmal die drei Grundgangarten der Reitponystute auf der rechten Hand, bevor wir durch die Länge der Bahn wechselten.
      Nun ging es daran, drei Kreuze mit einer Höhe von etwa fünfzig Zentimetern fehlerfrei zu überwinden, was für Liluye jedoch kein Problem war. Mühelos brachte sie auch die Aufgabe hinter sich und schien stolz wie Oskar zu sein, als wir uns schließlich wieder auf den Weg zu X machten und dort erneut hielten. Diesmal verabschiedeten wir die Richter – wieder stand Lilli geschlossen, hielt ruhig und zeigte Interesse an ihrer Umgebung, ohne jedoch unruhig zu wirken.

      Erleichterung überkam mich, als wir im Schritt und am langen Zügel auf den Ausgang der Reithalle zusteuerten. Weder Lilli noch ich hatten uns sonderlich verausgabt und auch, wenn es vielleicht anstrengend gewesen war, war ich mir sicher, dass Liluye später noch für einen Ausritt zu begeistern war. Wenn man sich schon einmal in neue Gegenden befand und Pferde dabei hatte, sollte man die auch nutzen.

      Elena, Jojo und Gwen standen schon vor dem Tor zur Reithalle und wackelten allesamt mit ihren Augenbrauen. Dabei schauten sie mich mit einem so breiten Grinsen an, dass mir irgendwie unwohl wurde.
    • Samarti
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      Tierarztbesuch
      06. September 2015, von Eddi
      2062 Zeichen
      Da Elisa der Meinung war, ich war viel zu selten bei ihr, rief sie mich erst gestern wieder an und bat mich, mal fix bei ihrer Stute Liluye vorbeizuschauen. Da es sowieso mein Beruf war und ich damit mein Geld verdiente, blieb mir eigentlich gar nichts anderes übrig. Also sagte ich zu und so kam es, dass ich heute schon kurz nach neun auf dem Gestüt Townsend Acres stand.
      Dort war allerhand los und nachdem ich Elisa einmal fragend angeschaut hatte, erklärte sie mir aufgeregt und wild gestikulierend, dass hier im Oktober die Jolympia stattfinden würde. Ich fragte gar nicht weiter nach, denn alles weitere erfuhr ich, während wir zum Stall liefen. Elisa war total begeistert davon und schien alles schon in ihren kleinen Köpfchen vor sich zu sehen. "Vielleicht nehme ich ja auch teil", grübelte ich und wechselte dann das Thema zu ihrer Stute, immerhin sollte die heute das Hauptthema sein.
      Lilli schaute uns aufmerksam entgegen als wir vor ihrer Box stehen blieben. Elisa holte ihre Stute aus der Box und führte sie mir einmal fix im Schritt und Trab die Stallgasse entlang. Eigentlich war mir klar, dass Lilli in bester Verfassung war. Dennoch tat ich den üblichen Blick in Ohren, Augen und Maul. Flott hörte ich Lilli einmal komplett ab und widmete mich dann noch dem Abtasten und Temperatur messen.
      Nach etwa zehn Minuten war ich mit der Untersuchung fertig und sicher, dass Lilli kerngesund war. Nur die Impfungen mussten aufgefrischt werden und das galt für alle. Also gab es heute vier Spritzen: Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut. Alle vier hielt Lilli tapfer aus, während Elisa neben ihrer Stute stand und anscheinend mehr litt als das Pferd selbst.
      Zum Schluss gab es noch die Wurmkur zu schlucken und dann war Lilli auch schon fertig. Elisa atmete hörbar aus und ich verdrehte nur die Augen und ließ mir den Impfpass reichen. Dort klebte ich flott alle Impfungen ein und kritzelte meine Unterschrift drunter. "Fertig", meinte ich zufrieden und ließ den zweiten Jolympia-Vortrag über mich ergehen, während Elisa mich zurück zum Auto begleitete.
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  • Album:
    2.1 - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    31 März 2017
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    Rufname: Lilli
    geboren: Februar 2007 | Alter: 11 Jahre


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    Rapsoul x Goldherz


    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Liver Chestnut Sabino
    Stockmaß: 146 cm

    Beschreibung:

    Liluye, kurz Lilli, ist eine Stute sondergleichen. Sie ist so gutmütig und liebevoll, dass man gerne einmal vergisst, dass sie noch recht jung ist. Man könnte auf ihrem Rücken Kunststückchen vollführen oder tanzen und Lilli würde dort stehen bleiben, wo man sie dazu gebeten hat.
    Wenn man das Kinderpony sucht, dann wäre Lilli die perfekte Wahl. Da sie aber nicht nur über einen wundervollen Charakter aufweist, sondern nebenbei auch noch tolle Gänge besitzt (wenn man sie nur aus ihr herauskitzelt), ist ihr eine Karriere als Turnierpony auf jeden Fall sicher. Wahrscheinlich als eines der liebsten Turnierponys in Kanada.

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    eingeritten [] | eingefahren []
    Reitstil: Englisch


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    Dressur S | Springen A| Fahren A

    SK 433
    SW 425
    217. Militaryturnier
    322. Dressurturnier
    300. Westernturnier
    90. Synchronspringen
    220. Militaryturnier
    303. Westernturnier

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    zur Zucht zugelassen []
    steht als Leihmutter zur Verfügung []
    Erreichte Punktzahl: 22 Punkte

    Gencode: ee Ata nSb nSty
    Carenté-Pferd []
    Decktaxe: n. v.


    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Elii

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    gechippt []
    Letzte Kontrolle: 09/2015
    Letzte Impfung: 09/2015 | Letzte Wurmkur: 09/2015


    beschlagen []
    Letzte Kontrolle: 09/2015

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    Offizieller Hintergrund


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    // TO DO: Rapsoul x Goldherz
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