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Eddi

Lila Wolken ♚

Isländer ♀ gekrönt

Lila Wolken ♚
Eddi, 4 Okt. 2016
Bracelet, Zion und Occulta gefällt das.
    • Eddi
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      Ehemalige Berichte
      Das Tanzen der Flammen

      Lila war zurück. Aus den Ferien, hätte ich fast gesagt, jedenfalls stand sie wieder in ihrer alten Box und genoss das Heu. Draussen war es sehr kalt, doch schneefrei. Bald ist Weihnachten… But if you’re still waiting for the snow to fall, it doesn’t really feel like Christmas at all… Ich rief Jacky, die schon wieder Katze Sushi hinterherjagte und lehnte mich erschöpft über Lilas Rücken. Die Wärme des Fells an meiner Wange tat gut, sie war wie eine tröstende Hand, die mich sanft berührte. Ich streichelte über Lilas Flanke und genoss diese Berührung einige Augenblicke, dann löste ich mich von ihr und fuhr fort mit dem entwirren ihrer Mähne. Das leicht gewellte Langhaar war zum Teil noch dreckverkrustet von der ausgiebigen Wälzpartie am Vortag. Als ich fertig war und den Hals von herausgerieselten Erdklümpchen befreit hatte, streifte ich der Stute ihr Zaumzeug über den Kopf und führte sie dann zur Halle. Dort angekommen, holte ich etwas Anlauf und schwang mich auf den blanken Rücken. Unter mir befand sich einer der mausgrauen Flecken ihrer Scheckung, der direkt auf der Sattelfläche lag. Wir hatten viel Spass, während draussen die Nacht Einzug hielt. Ich ritt um Pilonen, über ein paar Cavalettis und durch den selbstgebauten Flattervorhang. Ausserdem machte ich Dressurübungen mit ihr, vom Boden und vom Rücken aus. Gerade als ich aus der Halle reiten wollte, kam Rosie auf mich zu. “Hey Occu. Lewis, Elliot, Quinn, Oliver, Jonas, Lily and I make a little fire, do you want to join us?“ Wir hatten im Sommer eine Feuerstelle neben dem Haupthaus gebaut, damit man abends ein Lagerfeuer entfachen konnte. Dass sie auch im Winter benutzt werden würde, hatte ich jedoch nicht erwartet. Obwohl – warum eigentlich nicht? Ich lächelte und nickte. Rosie begleitete mich im Dunkeln zum Nebenstall zurück, wo ich Lila die Trense aus dem Maul nahm und ihr die Hufe auskratze. Während ich die Stute versorgte, plapperte ich mit Rosie. Es tat gut, ein fröhliches Gespräch zu führen, obwohl draussen immer noch ein Killer rumlief. “I must admit that I have a little crush on Elliot...”, vertraute mir die sonst eher verschlossene Pflegerin plötzlich an. “Oh, you’d certainly get on well together, I’m shure of it.” Sie lächelte erleichtert, als hätte sie verzweifelt auf eine Bestätigung gewartet. Dann meinte sie: “Just as Lisa and Jonas. They would be so cute together, don’t you think?“ Ich stockte, lächelte dann gezwungen und nickte abwesend. Selbst ihr ist es aufgefallen. Das heisst, es ist endgültig besiegelt; ich habe verloren. Ich wandte mich um, um zu verbergen, wie ich den Kloss in meinem Hals runterschluckte und meine juckenden Augen ignorierte. Sie wusste nicht, was sie mit dieser Aussage in mir zertrümmert hatte. Wie sollte sie auch. Still ertrug ich mein Leid, es ist besser so, es ist besser so, es ist… besser… so. Wir gesellten uns zu den anderen, die Flammen züngelten schon in den dunklen Himmel. Ich setzte mich neben Quinn und starrte in dieses rote Licht, hörte das leise Knistern, beobachtete die tanzenden Funken, die sich mit den ersten Schneeflocken des Tages vermischten. Ja, nun schneite es. Nun war es kälter als je zuvor.

      White Storm

      Sonnenstrahlen wärmten meinen Rücken, als ich mit Lila den Feldweg entlang töltete. Es war Sonntag, kurz nach dem Weihnachtsball. Ein Blick auf die Armbanduhr unterrichtete mich von der Tageszeit – zehn nach zwei Uhr. Es war ein vollgepackter Morgen gewesen. Zwei neue Pferde hatte ich begrüssen dürfen, und morgen würde nochmals eines folgen. Um fünf Uhr war ich aufgestanden, um beim Füttern zu helfen und anschliessend mit den Rennpferden und Jockeys ins Training zu gehen. Kaum war Cantastor wieder abgesattelt und versorgt gewesen, hatte ich Gini auf dem verschneiten Platz bewegt. Es waren sogar immer noch ein paar Flöckchen gefallen, während ich mit ihr Slaloms, Stops und Seitwärtsgänge geübt hatte. Richtig hübsch hatten die weissen Fetzen sich ihren Weg durch den nebligen Himmel getanzt. Danach hatte ich Amor Casdove vom Flughafen abgeholt. Der Pintoaraber hatte wohl einen echten Kulturschock gehabt, als er vom warmen Australien ins verschneite England verfrachtet worden war. Er hatte sich auch entsprechend verhalten und war trotz seiner Winterdecke extrem zappelig gewesen, als hätte es ihm an die Beine gefroren. Ich nahm es dem temperamentvollen Jungspund nicht allzu übel. Er hatte sich in der Box einige Male gedreht und gewiehert, danach war aber auch schon Ruhe eingekehrt. Ich hatte anschliessend Anubis bewegt, der zum Glück einiges ruhiger gewesen war. Nachdem ausserdem auch Donut und Hallu bewegt gewesen waren, hatte ich mich auf den Weg in den Süden gemacht, um meine neue Paint Stute abzuholen. Sie war ein interessantes Projekt, da sie vollkommen militärisch ausgebildet worden war. Ich hatte zwar gute zwei Stunden bis Bristol gehabt, doch die Fahrt hatte sich gelohnt: Echo war bereits mit einigen anderen Pferden angebunden auf dem Parkplatz gestanden, denn sie war nicht das einzige Pferd gewesen, das heute abgeholt worden war. Der alte Bauer, der aufgrund seiner Demenz seine Hobbyzucht aufgeben musste, war etwas verwirrt in Begleitung seiner Tochterzwischen den Pferden und Anhängern hindurch gewuselt und es war ihm sichtlich schwer gefallen zu verstehen, warum seine Pferde weg mussten. Als ich Echo endlich hatte die Rampe hochführen dürfen, hatte ich ihm versichern müssen, dass ich sie weiterhin kavallerietauglich ausbilden würde. Er hatte mir ihr Zaumzeug geschenkt, da sie dieses in der Ausbildung so gut angenommen hatte. Ich hatte beschlossen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und es für mich als Challenge zu betrachten. Nun war die Stute in ihrer neuen Box und lebte sich ein, während ich auf dem Ausritt mit Lila war.
      Mein Mopho summte, ich bremste die Islandstute. "Hey, bist du noch lange weg?", stand auf dem Display, darüber fand ich das Profilbild von Jonas. Ich verneinte und fragte warum, konzentrierte mich dann aber wieder auf Lila. Mein Pferdchen war fleissig heute: kaum nahm ich die Zügel wieder auf, spurtete sie auch schon im Trab los. Die wollige Mähne tanzte dabei im Takt auf und ab. Überhaupt war alles an ihr wollig. Ich hatte sie noch nicht geschoren, da es so schnell so kalt geworden war, doch nun schien es langsam Zeit zu werden. Sie wird sich sonst zu Tode schwitzen, wenn sie so Gas gibt. Der Schnee war bereits wieder am Schmelzen, doch er stand noch immer knöchelhoch. Und für die nächste Woche war ein Schneesturm angekündigt worden. Ich mochte den Schnee, sehr sogar. Und ich mochte es, gemütlich im warmen Wohnzimmer zu sitzen, während draussen der Wind heulte und der Schnee wirbelte. Alles um mich herum lag still und weiss da, nur hin und wieder lösten sich das schmelzende Pulver von einem Ast und hinterliess einen glitzernden Nebel aus Eiskristallen in der Luft. Irgendwo in der Ferne rief eine Krähe, als ich den Weg beim Flussufer erreichte. An einer steil abfallenden Stelle beim Ufer, dort wo Schmelzwasser in den Fluss lief, entdeckte ich einige wunderschöne Eiszapfen. Ich hielt Lila und liess mich zu Boden gleiten, um einen abzubrechen. Den muss ich unbedingt Lewis zeigen! Er behauptet immer noch, dass 'seiner' bei der Reithalle der grösste sei. Ich sah nochmal auf das Display meines Mophos, ehe ich wieder aufstieg. "Wir wollen Schlitteln gehen. Keine Angst - die Pferde sind schon alle versorgt." Ich lächelte kopfschüttelnd und lenkte mein Pferdchen auf den Heimweg.

      Vor dem Nebenstall stieg ich ab und führte Lila unter das Vordach zum Anbinden. Sie stützte entspannt den Huf auf, während ich den Sattel von ihrem Rücken nahm und das lange Winterfell kurz durchbürstete. Ich schäre sie später gegen Abend. Schon kamen Lewis und Jonas um die Ecke. "Ah, you're back! Okay, let's groom Lila and then go, while it's still sunny", rief Lewis freudig. Ich nickte und die beiden halfen mir kurz beim Hufe Auskratzen und Beine Bürsten. Dann brachten wir Lila rein und holten meinen Holzschlitten aus dem Keller. Rosie, Lisa, Elliot, Darren und Oliver standen schon bereit; Quinn war nicht dabei weil sie sich eine Grippe eingefangen hatte. Ajith fehlte ebenfalls, da er keinen Schlitten hatte und sich nicht so geeignet für den Schneesport fand. Die anderen hatten versucht, ihn zu überreden, doch Ajith bleibt hart Granit wenn er sich einmal entschieden hat. Wir liefen los in Richtung Galoppwiese, dann ein wenig südöstlich. Dort gab es, weit vom Hof entfernt, einen grossen Hügel, den ich letztens mit Numair hochgaloppiert war, um dessen Kondition zu verbessern. Es war mühsam, durch den bereits schmelzenden Schnee zu stapfen. Der Weg auf den Hügel kam mir ewig vor. Doch die Mühe lohnte sich: trotz des klebrigen Schnees fuhren die Schlitten schnell. Dumm nur, dass mein Schlitten bei der zweiten Abfahrt einige Meter neben der Piste eine unliebsame Begegnung mit ein paar Felsen erlitt, die hinterhältig unter der Schneedecke schlummerten. Ich landete unsanft im Tiefschnee und der Schlitten sah mitleidserregend aus. Ich sammelte die linke Kufe und das restliche Holzgestell ein und lief damit die Piste hinunter, wo die anderen halb besorgt, halb lachend warteten. Jonas bot mir an, auf seinem Schlitten mitzufahren, was ich nach einigem Zögern auch annahm. Dankbar hastete ich neben ihm den Hügel hinauf, während er den Schlitten zog. Ich setzte mich vorne hin, er sich hinten, da er so besser lenken konnte. Die Abfahrt war turbulent aber lief gut, bis Lewis uns hinauswarf, indem er den Schlitten hinten packte und herumriss. Wir machten ständig solche Spiele beim Schlittenfahren - das machte es um einiges spannender. Ich lag lachend neben dem Gefährt im Schnee und sah zu Jonas, der sich ärgerlich die Mütze ausschüttelte. Schon entdeckte ich das typische, herausfordernde Glitzern in seinen Augen und wir erklimmten den Hügel erneut. Noch einige Male landeten wir im Schnee, und oft revanchierten wir uns an diesem Nachmittag. Ich genoss es in vollen Zügen und das Beste war, dass Jonas und ich ein hervorragendes Team bildeten. Als der Spass schliesslich zu Ende ging, da es bereits dunkel wurde, liefen wir fröhlich lachend und schnatternd zurück zum Stall. Im Pflegerheim liess ich mich erschöpft aber glücklich mit einem warmen Punsch in der Hand auf die blaue Couch fallen. Jonas setze sich neben mich. Wir redeten eine Weile, ehe wir beschlossen, einen Film zu schauen. Doch zuerst mussten die Pferde versorgt werden. Ich trank aus und zog mich wetterfest an. Es war sechs Uhr und dunkel draussen, ausserdem kam ein starker Wind auf, der eisig durch meine Jacke zog.
      Ich stampfte durch den bloss noch knöchelhohen Schnee zu den Weiden, wo ich Pina und Indiana auf halfterte. Die beiden liefen zügig und aufgeregt schnaubend neben mir den Weg hinauf, offenbar spürten sie den herannahenden Sturm. Ich liess, im Hauptstall angekommen, Diana los, damit sie selber in ihre Box laufen konnte. Währenddessen brachte ich Pina in die ihrige. Auch Jonas kam gerade mit Caprice und Crack angelaufen. Beim Zurückgehen schob ich auch Dianas Tür zu und warf einen Blick in die Box von Cassy, die bereits nass, aber zufrieden am Heu knabberte, dann lief ich erneut los um zwei weitere Stuten zu holen. Beim Eingang wich ich Ajith aus, der Kierka und Blüte hineinführte. Auf dem Weg zu den Weiden hielt mich Lisa auf um zu fragen, wann die Pfleger füttern sollten. Sie schaffte es kaum, Paint und Gray ruhig zu halten. Paint stand breitbeinig da, den Kopf hoch erhoben, und sog hin und wieder geräuschvoll Luft ein. Gray stand mit gespitzten Ohren daneben. Ich beschloss, dass wir das Füttern und Misten gleich erledigen sollten und anschliessend um neun nochmals Heu geben und Kontrolle machen würden. Lewis hatte inzwischen auch Sumerian geholt. Ich kümmerte mich also noch um die letzten beiden, Shio und Pointless. Doch auf dem Weg schüttelte Point die ganze Zeit heftig den Kopf und riss am Strick. Ich massregelte sie mehrfach, Wirkung zeigte es bei der sensiblen Stute kaum. Im Gegenteil: kurz vor dem Hauptstall nahm sie einen gewaltigen Satz in meine Richtung und warf mich beinahe um, sodass ich sie loslassen musste, um nicht überrannt zu werden. Knapp gelang es mir, Shio zu halten. Die gepunktete Stute hingegen raste im gestreckten Galopp zurück in Richtung Weiden. "Spinnvieh!" Ich fluchte vor mich hin und brachte Shio schleunigst in die Box, um gleich darauf ein paar Pfleger zusammenzutrommeln und Pointless zu suchen. Mittlerweile stürmte es fast schon, und es schneite. "Na toll, sie haben den Sturm doch erst für Montag angesagt!", beschwerte sich Lisa. Ich beachtete sie nicht und kniff die Augen zusammen, damit keine Schneeflocke hineingeweht wurde. Ich lief zielstrebig in Richtung Fohlenweide, denn dort vermutete ich die ausgerissene Stute. Die anderen folgten mir. Tatsächlich stand Pointless beim Zaun und sah uns entgegen, doch als wir zu nahe kamen, drehte sie ab und bewegte sich im Stechtrab weiter den Weg hinab. "No chance, she'll run to the field if we try to chase her. We have to block the way down there", rief ich durch den Wind und deutete auf das Ende des Weges zwischen den letzten beiden Weiden. Lewis und ich rannten in einem Bogen über die Weiden nach unten, indem wir uns unter den massiven Holzzäunen hindurch zwängten. Point beobachtete uns hin und wieder misstrauisch, dann wiederum sah sie zu Lisa und Ajith hoch. Als wir unten ankamen, streckten Lewis und ich die Arme aus und blockierten den Weg, von Zaun zu Zaun. Dann trieben wir die aufgewühlte Stute langsam nach oben zu Ajith. Er schaffte es schliesslich, ihr noch immer am Halfter baumelndes Seil zu fassen und ihr zusätzlich einen Strick um den Hals zu legen. Gemeinsam führten wir Pointless in den Stall, was diesmal bis auf einige grunzende Seufzer ihrerseits ereignislos verlief. Als sie endlich in der Box war, atmete ich auf. Wir waren alle vier Total durchnässt und zerzaust vom Wind, der draussen gerade erst seine volle Kraft zu entwickeln schien.
      Wir fütterten die ungeduldig schnaubenden Pferde rasch und säuberten die Boxen, danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Pflegerheim. Kaum waren wir da, legte der Sturm richtig los. Es flitzten eine Menge weisser Flocken am Fenster vorbei und der Wind heulte durch die Spalten des Hauses. Drinnen war es dafür umso gemütlicher: die Heizung lief auf Hochtouren und es wurden bereits Decken und heisser Tee verteilt. Ich zog die Jacke aus und stellte fest, dass nicht nur meine Haare, sondern auch meine Hosen durchnässt waren. Ich wickelte mich daher rasch auf dem Sofa in eine der Decken ein und liebäugelte mit einer blauen Tasse auf dem Tisch vor mir. Mit einem federnden Aufschlag liess sich Jonas neben mich fallen, wie ich es mir insgeheim erhofft hatte. Wir starteten den Film und verdunkelten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fühlte ich eine Hand sich um meine Schulter legen, und eine sanfte Kraft zog mich weiter nach links. Ich liess es zu, bis ich mit dem Kopf an seine Schulter gelehnt war und wagte es nicht, aufzusehen. Als ich es doch tat, sah er mich mit solch einer Herzlichkeit an, dass ich mir ein glückliches Lächeln unmöglich hätte verkneifen können. Ich liebte seine tiefgründigen Augen, seine feinen und doch kantigen Gesichtszüge und das wollene Haar - alles an ihm war in diesem Moment wundervoll und ich vergass die schmerzenden Monate der Kälte und Nüchternheit. It's so silly, sagte ich zu mir selbst, but if this was a dream, I would never want to wake up. Die Zeit ging viel zu schnell vorüber. Und so kam das unweigerliche Ende der zärtlichen Liebkosungen. Still hatten wir unser Glück für ein paar Stunden gehabt, und ebenso schnell war es wieder vorüber. Das Licht ging an, unsere Wege trennten sich bei den Schlafzimmertüren. Ich lag noch lange wach, während draussen der Sturm an den Schindeln zerrte und alles in Dunkelheit tauchte. Wie wird es wohl morgen sein? Harmonischer Sonnenschein, oder Verwüstung?

      Eddi Pflegebericht - März 2015
      Ein neuer Kauf

      Ich konnte es einfach nicht lassen, ab und an einen Blick in die Verkaufsanzeigen zu werfen und natürlich würde ich es auch diesmal wieder bereuen. Spontan stieß ich diesen Abend auf eine Anzeige von den Pine Forest Stables. Eigentlich war gar keine für mich passende Rasse dabei, aber dennoch verliebte ich mich sofort in den kleinen Caruso und die hübsche Lila Wolken. Also schrieb ich Occulta an und machte mit ihr am kommenden Nachmittag einen Termin aus, damit ich mir die beiden anschauen konnte.
      Dementsprechend war ich dann am nächsten Tag knapp nach 15 Uhr bei Occulta angekommen und wurde herzlich begrüßt. Als erstes schauten wir uns Caruso an, welcher fröhlich mit den anderen Fohlen über die Wiese tobte. Er war ein New Forest Pony und hatte eine gute Abstammung. Sein Vater, Caspar, stand im Stall einer guten Freundin und vererbte einerseits wunderbare Gänge, aber auch einen tollen Charakter. So stand schnell fest: Caruso würde ich kaufen.
      Als nächstes war Lila Wolken an der Reihe. Die Scheckstute war rassetechnisch so gar nicht mein Fall. Ich hatte mich noch nie für Isländer interessiert und fand ihre besonderen Gangarten eher gruselig als einzigartig. Aber Lila Wolken war anders, sie gefiel mir sofort und sie zeigte klar die drei Grundgangarten, ohne dabei ungewollt in Tölt oder Pass zu geraten. Das machte sie mir auf Anhieb noch sympathischer. Aus dem Grund ließ ich sie mir nochmals vorreiten und testete sie dann selber.
      Am Ende meines Besuches war der Kauf mit Handschlag besiegelt. Occulta leitete bereits die AKU ein und ich würde mich um den Transport kümmern, wenn alles schnell ging, würden die beiden bereits in den kommenden Tagen umziehen. Zu Hause wollte ich noch in Ruhe alles für die zwei vorbereiten und dann durfte ich mich auf zwei hübsche neue Vierbeiner vorbereiten.
      11 März 2015

      Eddi Pflegebericht - März 2015
      Reiterspiel für Gangpferde

      Etwas verwirrt las ich nun zum zweiten Mal die Aufgaben des Reiterspiels durch. „Hä? Und was hat das jetzt mit Gangpferden zu tun?“, fragte ich Elisa verwirrt und starrte meine Freundin an, ehe ich ihr den Zettel unter die Nase hielt. Elisa hatte sich bereit erklärt mich zu begleiten, da für uns beide sowieso ein weiteres Reiterspiel anstehen würde und ich mich so nicht alleine zum Ei machte. Außerdem brauchte ich dringend eine Auszeit von der plappernden Kat! Auch Elisa las sich die Aufgaben stirnrunzelnd durch. „Na ja, wenigstens sollst du tölten“, meinte sie lachend und ich verdrehte nur die Augen. „Super, genau das, was ich eh am wenigstens kann“, murmelte ich und gurtete noch einmal nach, ehe mir Elisa in den Sattel half. Was das Tölten betraf, würde ich mich vollkommen auf Lila Wolken verlassen müssen, denn ich war definitiv kein Fan davon und hatte auch kein sonderlich großes Talent dazu!
      Wir hatten uns gerade warmgeritten, wohl gemerkt in den normalen Gangarten, als wir auch schon aufgerufen wurden. Es waren nicht sonderlich viele Teilnehmer zugegen, was mich etwas wunderte, ich hatte die Reiterspiele wesentlich lebendiger und hitziger in Erinnerung. „Ich werde wohl alt…“, murmelte ich still in mich hinein und nahm die Zügel auf. Die erste Aufgabe grenzte meiner Meinung nach schon an Blödheit, aber ich schwieg still. Stattdessen ließ ich Lila Wolken antölten und fokussierte die Gerte im ersten Kegel. Schnell wurde mir bewusst, dass ich lieber meine Kontaktlinsen hätte reinmachen sollen, aber ich war eben stur. Und trotz der fehlenden Dioptrien bekam ich die Gerte zu packen und Lila Wolken jagte brav weiter im Tölt die 100 Meter entlang. Irgendwie war der zweite Kegel pures Glück, denn so richtig sehen konnte ich das Loch nicht und außerdem warf ich die Gerte eher und das viel zu früh. Anfangs wollte sie noch fallen, aber dann blieb sie stecken und wir hatten tatsächlich die erste Aufgabe geschafft!
      Die zweite Aufgabe war etwas entspannter und ich war mir sicher, dass wir sie problemlos schaffen würden. Ich parierte Lila Wolken zum Schritt durch und umrundete jede der vier Tonnen einmal. Dabei ließ ich mir viel Zeit und ließ auch etwas Abstand, so dass uns keine einzige Tonne umfiel. Nun konnte ich noch mehr entspannen, denn obwohl ich Lila Wolken noch nicht lange besaß, wusste ich um ihre Verlässlichkeit. Den Schreckparcours durchwanden wir im Tölt einwandfrei. Weder das Flattertor noch die Plane waren ein Problem. So konnten wir direkt zur nächsten und auch schon vorletzten Aufgabe reiten: dem Linienlauf. Ich trieb Lila Wolken wieder in ihren Tölt und wir durchquerten einwandfrei die Gasse. Einmal kamen wir etwas zu nah an eines der Seile, aber ich konnte das Unglück mit einer kleinen Zügelbewegung noch schnell abwenden.
      Die letzte Aufgabe war etwas kniffeliger und ohne Übung auch gar nicht so einfach. Ich besann mich einfach auf meine Ausbildung von Westernpferden und behandelte Lila Wolken mit der gleichen Ruhe und Konzentriertheit und so konnte ich jeden ihrer Schritte ohne Probleme steuern. Schneller als gedacht war das Tor offen, wir hindurch und konnten es ohne Probleme schließen. Freudig streckte ich die Faust in die Höhe und verließ den Parcours, um von einer lachenden Elisa entgegengenommen zu werden. „Euer Tölt sah echt bescheiden aus! Sei froh, dass das noch als eine andere Gangart durchging!“, erzählte sie lachend.
      22 März 2015

      BellaS Trainingsbericht - März 2015
      Gangtraining M → S

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      Heute ging es zu Eddi und ihrer Stute Lila Wolke. Sie hatte die Reiterspiele für Gangpferde, und damit einen Gutschein für eine Trainingseinheit gewonnen, heute war ich auf ihrem Hof um diesen zu erfüllen.
      Lila Wolke schien auf den ersten Blick eine ruhige, freundliche Stute zu sein. Während Eddi sie putzte und sattelte, erklärte ich kurz mein übliches Vorgehen.
      »Es wäre schön wenn sie sie mir erst einmal vorführen könnten, dann bekomme ich einen guten Eindruck von der Stute und ihrer üblichen Reitweise.«
      Eddi war einverstanden, gurtete nach, schwang sich in den Sattel und ritt in Richtung Bahn. Ich folgte ihr und ihrer Stute, gespannt auf das was mich erwartete.
      Lila Wolken entpuppte sich als Gehwillig und recht fleißig, kein schwerer Fall also. Schnell bedeutete ich Eddi, dass die Vorführung genügte. Sie übergab mir die Stute, deren Flecken mit etwas Fantasie tatsächlich einen Lilastich aufwiesen. Ich musste als erstes die Bügel verstellen, da Eddi etwas kleiner war als ich, außerdem gurtete ich sorgfältig nach und saß auf.
      Obwohl Eddi die Stute bereits vorgeführt hatte, begann ich noch einmal mit dem Aufwärmen. Da Beweglichkeit bei Isländern eine wichtige Rolle spiele, ritt ich vornehmlich Biegungen, also Volten und Zirkel. Lila ging entspannt und schritt zügig aus, sodass ich sie etwas bremsen musste um einen ordentlichen Tölt reiten zu können. Ich nahm die Zügel kürzer, legte mein Gewicht tiefer in den Sattel und trieb die Stute an. Sie fiel in einen ordentlichen Tölt, den sie auch ein gutes Stück beibehalten konnte bevor sie hektisch wurde und in den Trab fiel. Sofort parierte ich die Stute durch und versuchte das ganze noch einmal. Für den heutigen Tag hatte ich mir vorgenommen ihr die Hektik etwas abzugewöhnen.
      Ich begann mit dem verlangsamen des Schritts. Mein Ziel war das die Stute sehr langsam vorwärts ging, aber nicht stehen blieb. Es verging eine Weile bis Lila Wolken eingesehen hatte, dass sie gehen und nicht stehen bleiben sollte. Als nächstes ging es an den Tölt. Ich gab mir Mühe sie möglichst langsam gehen zu lassen. Als ich sie schließlich im Tölt hatte, achtete ich besonders auf das Tempo und hinderte die Stute daran schneller und schneller zu werden.
      Nach ungefähr zwei Stunden Training ging die Stute ruhig und flüssig, war aber sichtlich verschwitzt und erschöpft.
      Ich ritt zurück zu Eddi, die an der Bahn Umzäunung lehnte und saß ab.
      „Ich würde sagen dieses Training war erfolgreich und sie können wie Stute von nun an auf S Niveau reiten. Glückwunsch.“
      Die Verabschiedung erfolgte schnell und schon eine Viertelstunde später saß ich bereits im Auto nach Hause.
      2612 Zeichen || by BellaS
      28 März 2015

      Eddi Pflegebericht - April 2015
      Auf den Isländer gekommen

      Ein wenig sehr verwunderte mich diese Wandlung meiner selbst immer noch. Ich war nie großartig ein Fan von diesen zotteligen Ponys gewesen, die irgendwo im Meer auf einer kleinen Insel lebten. Aber dann trat Lila Wolken in mein Leben und belehrte mich eines Besseren. Anfangs war ich fest der Meinung, dass sie aber auch nicht dem typischen Isländercharakter entsprach und tat das Ganze somit schnell ab. Lila Wolken war eine Fünfgängerin, so beherrschte sie neben den Grundgangarten ebenso den Tölt und Pass und das für ihre Verhältnisse sehr gut. Ich hingegen war ein blutiger Anfänger und blieb immer lieber bei Schritt, Trab und Galopp. Von Anfang an nahm ich mir vor, dass die Stute so gesehen bilingual ausgebildet werden würde. Sie konnte ihr Talent gerne auf Gangturnieren zeigen, aber unter mir wurde klassische Dressur geritten. Für die Turniere hatte ich ein junges Mädchen gefunden, die die Chance sehr gerne ergriffen hatte, endlich wieder in einen isländischen Sattel zu steigen und zu zeigen, was sie konnte. Sie hieß Laurel und machte ihre Sache wirklich gut. Die beiden passten super zu einander und Lila Wolken blühte regelrecht auf. Heute stand für die Scheckstute aber mal wieder etwas Klassisches an und auch da war sie immer motiviert dabei, auch wenn wir uns erst einmal die Grundlagen erarbeiteten. Sie stand jetzt seit fast einem Monat in meinen Stall und hatte schon fleißig neue Schleifen gesammelt. Einmal hatte ich ein Reiterspiel für Gangpferde mit ihr bestreiten müssen, als Laurel der Grippewelle zum Fraß vorfiel und das Rückziehen der Meldung nicht mehr möglich war. Wir waren richtig schlecht gewesen, aber wir hatten trotzdem gewonnen. Dennoch war ich heute sehr glücklich, als ich den Dressursattel aus der Sattelkammer holte und auf Lilas Rücken schob. Nachdem wir mit Putzen und Satteln fertig waren, verließen wir den Stall und gingen direkt hinüber zur Halle. Momentan war ziemliches Aprilwetter und es konnte binnen einer halben Stunde viermal zwischen Regen und Sonne wechseln, klasse! Lila und ich kamen dafür heute recht weit. Wir übten fleißig an den Übergängen zwischen den Gangarten und den Handwechseln. Manchmal fiel es Lila schwer, sich sicher zu sein, welche Gangart ich jetzt von ihr wollte, aber für Tölt und Pass bekam sie andere Hilfen, welche Laurel mit ihr erarbeitete und wir arbeiteten mit den normalen. So kamen wir recht fix vorwärts und waren nach der Stunde beide fix und fertig. Ich war gerade dabei, Lila die Abschwitzdecke überzuwerfen und die rauskommende Sonne für eine Trockenrunde um den Hof zu nutzen, als mein Handy klingelte. Eine gute Freundin war dran und informierte mich wahrscheinlich über den momentan größten Skandal im Lande. Viele Pferde hatte der Tierschutzverein bei allerhand Höfen eingesackt und nun hatten diese über hundert neue Pferde. Ich erahnte bereits, dass es sicherlich auch Bekannte von mir getroffen hatte und so ritt ich Lila schnell ab, versorgte sie und huschte dann ins Büro an den PC. Die Seite mit den Steckbriefen erstreckte sich über halbe Ewigkeiten, doch ich scrollte sie geduldig herunter und schrieb mir parallel dazu allerhand Pferdenamen und Besitzer auf. Am Ende war meine Liste recht lang. Ich wollte zum einen einige Vorbesitzer darüber informieren, wo sich ihr Pferd befand, als auch das ein oder andere selber retten. Meine erste Anlaufstelle war deshalb Jani. Auf ihrem Gestüt lief es momentan nicht so gut, aber dennoch erklärte sie sich bereit, mir zu helfen. Fünf Pferde wollte ich gemeinsam mit ihr retten. Mit der Liste fuhren wir los und kamen mit einem vollen Trailer zurück. Die Auflagen des Tierschutzvereins waren klar: Die Pferde würden einen Monat bei der Züchterin bleiben müssen, ehe sie den Besitzer wechseln dürften, also an mich gingen. „Tut mir leid, dass du sie jetzt so lange an der Backe hast“, meinte ich entschuldigend, doch Jani winkte nur lachend ab und wir luden die Ponys aus. Zu meiner Überraschung hatte ich unbedingt Milka Luflee und Hýreygur (dessen Name mir ein Rätsel war) retten wollen. Nicht nur weil sie gekört waren, sondern tatsächlich, weil es Isländer waren! „Nicht gut!“, meinte ich kopfschüttelnd, denn eine neue Rasse hatte mein Herz erobert und das in Windeseile. Aber die beiden waren so hübsch und liebenswürdig! Selbst jetzt in ihrem Zustand konnte man sie nur toll finden. Milka war eine recht schlichte braune Stute, hatte aber dichtes Langhaar und einen wirklich lieben Blick und Hýreygur war einfach ein farblicher Hingucker. Ein Silver Dapple mit Sabino sah man selbst bei Isländern nicht oft und dann seine lange Mähne! Gut, die würden wir leider kürzen müssen, dann sie war sehr stark verfilzt, aber ich war mir sicher, dass sie genauso wieder nachwachsen würde. Erst einmal brachten wir die beiden auf einzelne Paddocks und luden dann noch die anderen drei Kandidaten aus. Es waren drei Shettys, erst vor einem knappen Jahr schon einmal von mir und Jani gerettet und dann an eine Zucht gegeben. Leider hatte die Zucht nicht so geklappt wie es sollte und so standen die drei nun wieder vor uns, aber hier würden sie auch für den Rest ihrer Tage bleiben. Es handelte sich um die Shettys Window, Mondscheinsonate und Werina. Ich war froh, dass ich mitbekommen hatte, wo die drei gelandet waren, sonst hätte es noch böser enden können. Auch die drei luden wir aus und brachten sie in ihre Boxen und dann machte ich mich an die Arbeit: Jedes Pferd wurde ordentlich geputzt, vom Winterfell und Filz befreit. Bei einigen musste ich den Behang als auch Mähne und Schweif kürzen, da es so verknotet war, dass es nicht anders ging, aber dann sahen die fünf wieder richtig ansehnlich aus. Sie bekamen alle einen Arm voll Heu und durften erst einmal ihre neuen Boxen erkunden.
      2 Apr. 2015

      Eddi Pflegebericht - Juli 2015

      Es war mal wieder schön, ausschlafen zu können und nicht wegen der Hitze schon so früh am Morgen draußen rumturnen zu müssen. Momentan zogen die Sommergewitter nur so über Wyoming und dementsprechend runtergekühlt war es nun auch, man konnte eigentlich schon wieder lange Sachen anziehen, beziehungsweise sollte es sogar, denn wenn man so stur blieb wie ich, sah man auch so aus wie ich diesen Morgen: blass und total verschnupft.
      Seufzend entschwand ich ins Bad um mich dort zumindest einigermaßen ansehnlich zu machen. Draußen war der Himmel grau, aber es regnete wenigstens nicht, also würde ich zumindest nicht noch einmal vollkommen nass werden. Unten in der Küche war auch bereits Kat unterwegs und bot mir direkt ein Glas Wasser und ein Aspirin an. „Danke“, murmelte ich knapp, schluckte die Tablette und frühstückte dann. Zumindest das, was ich herunterbekam.
      Trotz Erkältung musste die Pferde bewegt werden und besonders die Zuchtanwärter. Eine unerwartete Pause im Training von meinen Vierbeinern konnte ich mir schlichtweg nicht leisten. Also schlüpfte ich nach der Fütterung in meine Reitsachen und es ging direkt los. Wie dankbar ich war, den Stall nicht als reinen Stall gelassen zu haben, sondern aus ihm zumindest eine kleinere Halle zu machen. Bei dem regnerischen Wetter würde ich heute öfter dorthin ausweichen müssen.
      Erst einmal wollte ich die Körungskandidaten abarbeiten, denn diese hatten momentan schlichtweg Vorrang. Deshalb holte ich mir Classic Gold aus der Box, band sie direkt davor an und nahm ihr die Stalldecke ab. Classic Gold war das typische Vollblut, nicht nur einen typischen Namen hatte sie, nein, sie sah auch ziemlich genau so aus, wie sich jeder ein Vollblut vorstellte. Nur, dass sie nicht mehr sonderlich oft auf der Rennbahn zugegen war. Eine sehr gute Karriere hatte sie da dennoch hingelegt, aber wir widmeten uns inzwischen bevorzugt der Distanz und als erfrischende Abwechslung dazu auch dem Geländereiten.
      Für ein Vollblut war Classic Gold sehr ruhig und entspannt und auch heute ließ sie sich wunderbar von mir longieren. Wir waren inzwischen auf M-Niveau was die Distanz betraf, dementsprechende Ausdauer besaß die Stute auch. Ebenso strotzte sie nur so vor Muskeln und war eigentlich so gut wie bereit für die Krönung. Wir hatten sogar schon eine rausgesucht und gemeldet, nur hinfahren mussten wir noch.
      Nach der lockeren Trainingseinheit deckte ich Classic ein und führte sie noch zum Abtrocknen eine Runde über den Hof. Classic war bei dem Wetter genauso empfindlich wie ich und deshalb ging ich lieber auf Nummer sicher. Außerdem bekam sie wieder ihre Stalldecke drauf und dann ging es zurück in die Box. Eigentlich Ironie, wenn man sein Pferd Ende Juli eindecken musste, aber was solls. Ich war ja das beste Beispiel dafür, was passierte, wenn man es ignorierte.
      Nach Classic Gold war die zweite Krönungskandidatin an der Reihe. CH’s Sun is Shining hatte sich inzwischen gut bei uns eingelebt und war auch momentan im Training. Dass sah man der jungen Araberstute an und wie immer war sie ein wenig aufgeregt, als ich sie von der Weide in den Stall holte und sie fertig machte. Da sie demnächst noch zum Trainer kommen würde, wollte ich sie nur locker vorwärts-abwärts reiten und es dann für heute dabei belassen.
      Sunny lief sehr fleißig vorwärts und es war immer ein pures Vergnügen die Stute zu reiten, ehrlich. So war auch dieser Ritt wieder sehr angenehm und ich konnte das Training zufrieden beenden. Nachdem Sunny versorgt war, holte ich Hollybrook’s Zarin. Ich liebte den Hengst ja abgöttisch, aber zwischenzeitlich waren wir echt einfach nicht vorwärts gekommen. Es hatte kein vor und kein zurück gegeben, schrecklich.
      Seit kurzem trainierte ich nun wieder mit ihm und ritt ihn auch regelmäßig auf Turnieren. Der Witz war, der Hengst liebte das Fahren. Davon war ich nun gar kein Fan, aber Zarin zu liebe hatte ich mein Wissen erneut aufgefrischt und motiviert zeigte sich der Hengst nun auch vor der Kutsche. Ich hoffte ja inständig, dass ich mit diesem Argument Elisa überzeugen könnte, den Hengst auch zu trainieren, sie mochte das Fahren doch genauso sehr wie er.
      Heute longierten wir aber nur, denn sowohl fürs Reiten als auch fürs Fahren waren starke Rückenmuskeln wichtig und da fehlte es Zarin gerne mal noch. Also mussten wir das aufarbeiten. Zarin machte fleißig mit und während er so seine Runden um mich drehte, musste ich daran denken, wie er als kleines Fohlen noch mit der Mama über die Weide getrippelt war. Zu süß!
      Nach Zarin schwang ich mich in den Sattel von Leitz. Zuvor hatte ich draußen auf dem Platz eine gute halbe Stunde damit verbracht, einen Springparcours aufzubauen. Keine spaßige Sache. Leitz war wie immer motiviert, beinahe zu motiviert und ich hatte ab und an zu tun, den großen Holsteiner wirklich unter Kontrolle zu haben. Aber ihm machte es Spaß und so arbeiten wir eben auch an unseren Problemchen. Damit ich den Parcours nicht nur für ein Pferd aufgebaut hatte, schwang ich mich fast direkt von einem Palomino auf den nächsten. Kat hatte angeboten, Leitz zu versorgen und so hatte ich mir direkt Allelujah geschnappt.
      Der aufmüpfige Kerl konnte ruhig mal wieder arbeiten. Da hatte ich mir von Elisa auch einen Chaoten andrehen lassen. Allelujah hatte sich inzwischen echt gebessert, aber manches Mal war er einfach noch anstrengend und genauso schrecklich wie am Anfang seiner Tage. Da seine größte Leidenschaft das Springen war, arbeitete er heute auch wunderbar mit und ich konnte mich wirklich nicht beklagen. Motiviert nahm er die Hindernisse, blieb dabei aber dennoch bei mir und reagierte sensibel auf meine Hilfen. Als Belohnungen gingen wir dann noch eine kleine Runde im Schritt ins Gelände, ehe er zurück auf die Weide durfte.
      Eigentlich war ich mit meiner Erkältung jetzt schon an meinen Grenzen, aber ich hatte nicht einmal die Hälfte der Pferde geschafft. Nachdem mich Laurel, die Reitbeteiligung von Lila Wolken, beinahe ewig angebettelt hatte, hatte sie es nun tatsächlich geschafft, dass wir mit den beiden Isländern zu einem Kurs fürs Gangreiten fahren würden. Laurel auf Lila Wolken und ich auf Hákur. Ganz so überzeugt war ich von der Idee ja noch nicht wirklich, aber als Besitzerin von inzwischen vier Isländern blieb mir nicht sonderlich viel übrig.
      Deshalb hatten Laurel und ich uns für heute auch zum Training verabredet. Motiviert sattelte das junge Mädchen die Scheckstute, während ich mir meinen hübschen Falben fertig machte. Gemeinsam wärmten wir die beiden dann auf und schon ging es los. Lila Wolken und Laurel waren ein klasse Team und was die da teilweise auf der Bahn zeigten, war beeindruckend! Da konnten Hákur und ich noch nicht wirklich mithalten, aber gut, irgendwie würden wir das auch noch hinbekommen, da war ich mir sicher. Zum Glück war Hákur heute auch nicht allzu motiviert, so dass ich heimlich einiges auf ihn schob.
      Nachdem die Isländer geschafft waren, fragte Laurel, ob sie mir noch helfen könnte. Ich grinste sie fröhlich an. „Wenn du genügend Lust und Zeit hast, hier gibt es noch genug zu tun“, meinte ich lachend und sie nickte begeistert. Sicherlich würde ich eine RB nicht auf alle meine Pferde lassen, aber Laurel war talentiert und vor allem verantwortungsbewusst. Bei ihr waren Pferde wirklich gut aufgehoben, aber den Ruf hatte sie sich natürlich auch erst einmal erarbeiten müssen. Nun sammelte sie dafür aber auch das Lob und den Lohn.
      „Du kannst gerne Morning Sun reiten und danach noch Animby longieren“, meinte ich und schon war Laurel verschwunden, auch nicht schlecht, wenn man eine Aushilfe hatte, zwei Pferde weniger. Ich machte mir stattdessen Ice Coffee fertig. Seit neustem plante ich, auch die Paint Stute langsam in Richtung Körung zu bekommen, sie wäre das ideale Gegenstück zu Twist und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Außerdem baute Jani sich im Moment wieder eine aktive Westernzucht auf und als Leihpferde gab ich meine Vierbeiner dort nur zu gerne hin.
      Nach der Westernstute ritt ich auch noch Dr. Insektor. Mit ihm war es das gleiche Spiel wie mit Zarin, momentan kamen wir einfach nicht voran. Aber ich hoffte einfach, dass der Hengst nur Zeit brauchte und dann würde das klappen. Stattdessen machte ich dann noch ein wenig Bodenarbeit mit Schneeleopard und ging eine Runde mit Absinth spazieren. Beide Hengste waren motiviert mit dabei und dementsprechend klappte auch alles gut. Als nächstes beschäftigte ich mich mit Feuervogel. Wir ritten heute nur ein wenig ohne Sattel in der Halle, denn so wirklich Lust hatte ich nicht mehr und Feuervogel hatte sich sowieso ein Päuschen verdient. Grinsend musste ich immer an Elisa denken, wenn ich ihn ritt.
      Danach lud ich Laurel noch zu einem Ausritt ein. Für den setzte ich sie auf Sika und ich machte mir Cual Maniaca fertig. Wir erfrischten eine lange Trockenphase zwischen den Regengüssen und konnten den Ausritt sogar richtig genießen. Zu guter Letzt versorgten wir die beiden Pferde und ich musste nur noch zwei Chaoten bewegen, dann hätte auch ich es endlich geschafft.
      Scheherazade longierte ich heute nur und Cover the Sun ritt ich dressurmäßig, der junge Hengst sollte auch langsam ins Training. Ich war mir aber sicher, dass er das mit Bravour schaffen würde. Zufrieden versorgte ich auch noch ihn und dann gönnte ich mir eine heiße Dusche, um mich danach in eine Decke auf dem Sofa einzumümmeln.
      28 Juli 2015

      Eddi Pflegebericht - August 2015

      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.
      27 Aug. 2015

      Seimure
      Trainingsbericht - September 2015
      Gangtraining S* → S**

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      Die Silver Creek Ranch lag ruhig da, als ich den Platz, an dem mehrere Häuser lagen, betrat. Ich brauchte allerdings nicht lange zu warten, bis eine Frau aus einem der Gebäude auf mich zu kam. "Guten Tag, du musst Linn sein. Ich bin Eddi Canary, die Besitzerin der Ranch." Ich schüttelte ihr die Hand und stellte mich auch vor. "Ich habe Lila schon fertig gemacht. Ich gehe kurz und hole sie." Eddi verschwand in dem Gebäude, aus dem sie auch gekommen war und tauchte kurze Zeit später mit einem Mausfalbschecken wieder auf. "Das ist Lila Wolken", stellte Eddi die Stute vor. "Komm, ich zeige dir den Reitplatz." Während wir zu Reitplatz gingen, erklärte ich Eddi meine übliche Vorgehensweise. "Viel Spaß", sagte Eddi, als wir am Platz angekommen waren, und überließ uns das Feld.

      Ich führte Lila Wolken in die Mitte des Platzes, gurtete nach, stellte die Bügel ein und saß auf. Die Stute schien zu wissen, was Sache war, denn als ich die Zügel aufnahm, fing sie an zu kauen und machte den Hals rund. Zum Aufwärmen ritt ich sie auf dem ersten Hufschlag im Schritt und machte viele Bahnfiguren, wobei ich darauf achtete, dass ich sie, in Vorbereitung auf Tölt, gut bog. Nach etwa fünfzehn Minuten gründlichen Aufwärmens begann ich mit der Töltarbeit. Ich nahm die Zügel kurz und trieb sie in einen langsamen, aber ordentlichen Tölt. Lila Wolken ging taktklar und war gut zu sitzen. Nach zwei Runden machte ich einen Handwechsel. Auf der rechten Hand war die Stute erst etwas unsicher, fand aber schnell wieder den Rhythmus. Dann begann ich, Zirkel Schlangenlinien und andere Bahnfiguren zu reiten, was die Stute aber kein bisschen irritierte. Nach ein paar Wiederholungen der Übung auf beiden Händen gönnte ich Lila Wolken eine kleine Verschnaufpause, bevor ich mich dem schnelleren Tölt widmete. Dort wiederholte ich die Übungen: zwei Runden linke Hand, zwei Runden rechte Hand, einfache Bahnfiguren auf beiden Händen abwechselnd. Ich war zufrieden Lila Wolkens Leistung, weshalb ich sie lobte, mir die Zügel aus der Hand kauen ließ und schließlich absaß. Ich lobte die Stute noch einmal ausgiebig, bevor ich die Steigbügel hochzog und mich auf die Suche nach Eddi machte. Sie kam gerade mit einem Pferd aus dem Stall. "Seid ihr fertig?", fragte sie "Sei doch so nett und binde Lila an, ich komme gleich." Als Eddi wiederkam, war ich gerade beim Absatteln. "Sie ist super gelaufen", informierte ich Eddi "du kannst sie jetzt auf S**-Niveau reiten" Eddi bedankte sich und nahm mir den Sattel ab. "Den Rest erledige ich", sagte sie. Dann verabschiedeten wir uns voneinander und ich verließ die Silver Creek Ranch.
      1 Sep. 2015

      BellaS Trainingsbericht - Oktober 2015
      Viergangtraining (Gangreiten S**→S***)

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      Das erste was ich feststellte als ich bei Eddi Canary auf den Hof einbog war die Tatsache, dass ich erst vor kurzem hier gewesen, aber die Stute Lila Wolken trotzdem lange nicht gesehen hatte. Es war ja nicht so, dass Eddi sie nicht mehr hatte trainieren lassen, nein, Linn hatte einfach den letzten Auftrag übernommen, ohne das ich etwas davon mitbekommen hatte. „Hi, schön dich zu sehen.“ Eddi begrüßte mich. „Du wieder du und nicht deine Kollegin?“ „Heute wieder ich. Ich hoffe Lila erinnert sich noch an mich!“ „Ach, das Wölkchen ist gerade ganz fleißig drauf. Eine richtige Freunde mit ihr zu arbeiten.“ Ich nickte beifällig. „War es letztes Mal ja auch schon. Ich denke, ich mache heute Viergang. Wollen wir loslegen?“ Zusammen schritten wir zu Tat und holten die Stute von ihrem Paddock. Dank des herbstlichen Wetters hatte dieser sich in ein hübsches Schlammparadies verwandelt und wir benötigten eine geraume Weile um das, mehrheitlich weiße, Fell der Stute wieder in einen passabelen Zusand zu versetzen. Schließlich kam Eddi mit dem Sattelzeug. Während sie ihre Stute sattelte, holte ich Helm und Handschuhe, dann stellte ich die Bügel auf eine, für mich passende, Länge ein und machte mich mit Lila auf den Weg zur Ovalbahn. Da Eddi noch anderweitig zu tun hatte verschwand sie, allerdings nicht ohne das Versprechen abzugeben, dass sie später noch einmal zu uns stoßen würde. Ich gurtete noch einmal nach und schwang mich dann in den Sattel. Erfahrungsgemäß war Lila Wolken rittig, gehwillig und einfach zu führen, wenn auch hin und wieder reichlich faul. Mit einigen Runden Schritt und großzügigen Volten sowie vielen Handwechseln bereitete ich die Stute auf das kommende Training vor und gab ihr Zeit ihre Muskeln und Bänder gründlich aufzuwärmen, ehe wir richtig begannen. Die bewährte Reihenfolge beibehaltend begann ich mit dem Tölt, der Gangart für die die meisten Pferde die meiste Konzentration benötigten. Lila hingegen war eine bequem Viergängerin die dieses Trainingsprozedere gut kannte und einfach über die Bahn töltete. Sie neigte nicht einmal zu überhöhtem Tempo, geschweige denn zu trablastigem Tölt. Passig gehen konnte sie auch nicht, da sie den Pass überhaupt nicht beherrschte. Kurz und gut, sie töltete butterweich und war ganz wunderbar zu sitzen. Ich legte eine Schrittpause ein und wechselte die Hand, doch auch hier zeigten sich keine Probleme. Als ich jedoch zum Trab übergehen wollte, brauchte Lila zwei Aufforderungen um zu verstehen was ich wollte. Beim ersten Versuch war sie einfach in Erwartung eines einfachen Tölttrainings angetöltet. Um ihrere Reaktion zu schulen und ihr beizubringen mehr auf den Reiter zu achten und sich nicht von Gewohnheiten und Erwartungen lenken zu lassen, ritt ich mehrmals und ohne erkennbares Muster Tölt und Trab. Schließlich hatte sie es verstanden und ich legte eine Runde Schritt mit dem Fokus auf 'ordentlich' ein, kein Problem für Lila. Schließlich kamen wir ans Ende des Trainings. Ich schloss mit etwas Galopp und bemerkte erst als ich der Stute die Zügel hinggegeben hatte, dass Eddi an der Bahnbegrenzung stand und uns zu sah. Wie lange schon, konnte ich nicht sagen aber ich sah an ihrem zufriedenen Blick, dass sie, nun ja, zufrieden war. „Deine Stute geht ganz wunderbar und auf höchsten Niveau. Hast du schon mal über einen Viergang oder Töltpreis mit ihr nachgedacht?“ Eddi verneinte und nahm den Sattel vom Rücken ihrer Stute. „Könntest du aber tun, sie ist jetzt in jedem Fall bei S*** angekommen.“ Bald drauf verabschiedete ich mich und machte mich auf den Heimweg, schon etwas traurig über die Tatsache, dass ich Lila Wolken nun nicht mehr in Gang würde trainieren können.
      3666 Zeichen | © BellaS
      31 Okt. 2015

      Vhioti Trainingsbericht - November 2015
      Dressurtraining E→A

      Schonungslos schob ich Dani und Oscar in den Trainingsstall. Der Geruch war nicht mehr erträglich. „Habe ich euch nicht gestern gesagt, dass ihr den Stall sauber machen sollt? Na los, hopp hopp! Denkt an euer Taschengeld!“, rief ich und lief sogleich aus dem Gebäude heraus. So konnte ich die beiden Ponys von Eddi nicht aufnehmen; ansonsten mussten sie halt im Zuchtstall stehen. Die beiden älteren Kinder von Max würden bestimmt eine Stunde und ein bisschen mehr damit verbringen, die Boxen, Gänge und den Putzplatz sauber zu machen. Murrend machten sich die Geschwister an die Arbeit.
      -
      Die beiden jungen Stuten schauten sich neugierig auf dem Gelände um. Ihre Besitzerin Eddi half mir, sie auf die Weide zu stellen. „Bei Lila Wolken musst du darauf achten, dass sie etwas aktiver mitarbeitet. Sie denkt, sie wäre 20 und nicht 5.“, sie klärte mich noch über weitere Besonderheiten auf und wünschte mir viel Spaß beim Training. Lila Wolken und Autumn Leave in the Sky grasten erst einmal die Weide ab und beschnupperten sich mit meinen Stuten. Derweil, solange sie ihre Kräfte schonten inspizierte ich den Trainingsstall. Ein Haufen altes Einstreu und Äpfel türmten sich auf dem Vorplatz, und Oscar schob eine volle Schubkarre zum Misthaufen. Da die beiden voll beschäftigt waren, konnte ich selber im Büro etwas Kram abarbeiten. Heute war Montag. Die Stuten blieben bis einschließlich Donnerstag Nachmittag, am Mittwoch kam Samantas Demba Diadem – und anschließend kam Butterblümchen. Nachdenklich füllte ich ein Bestellformular für Einstreu, Hafer und Pellets aus, unterschrieb es und zog das nächste Bestellformular aus einem Stapel Papier heraus. Ach, Bürokratie und so'n Zeugs...
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      Beim Mittagessen bat mir Maxine ihre Hilfe an. „Wenn wir die beiden zu zweit trainieren, kriegen sie mehr in ihrer Dressurausbildung mit.“ Dani schaute ihre Mutter entsetzt traurig an und kratzte mit ihrem Messer über den Teller. „Hrmpf.“ Wir ignorierten das junge Mädchen. Schon seit etwa einer Woche war sie schlecht auf mich zu sprechen. Das lag wohl daran, dass ich die beiden POAs nicht gekauft hatte. Sei's drum. Ich war da eher kalt wie ein Fisch. Ich hatte derzeit einfach viel zu tun und konnte daher keine Pferde neukaufen. Nicht zuletzt deshalb, weil Steels erstes Fohlen Eismärchen derzeit auf dem Wasserlaufband trainiert wurde und ich keinen weiteren Stressfaktor gebrauchen konnte.
      Abschließend half ich Maxine beim Abwasch und wir gingen zum Stall. Die Geschwister – sogar Mick war dabei - schaufelten weiterhin Mist. Ich entschloss mich dazu, ihnen zum Dank (obwohl ich ihnen ja nichts versprochen hatte) Pizza zu bestellen. Ja, wir lebten sehr gesund, und da die Eltern ja heute Abend im Theater waren, durften wir uns eine Pizza einverleiben. Maxine schnappte sich die Palominostute von der Weide, die zaghaft hinter ihr her trippelte. Lila Wolken folgte mir auch, hielt sich aber bedeckt. Da die lieben Stuten recht sauber waren begrenzte sich die Putzerei auf jeweils drei oder vier Minuten. Maxine schnubbelte noch eine Weile mit der scheuen deutschen Ponystute, damit die sich auch auftrensen ließ und folgte mir in die Halle. „Glaubst du, man kann mit den beiden auch Abteilungsreiten machen?“, wollte Maxine wissen, als sie noch nachgurtete und dann antrabte. Ich brauchte nicht lange überlegen. Lila Wolken wurde von mir einige Male angetickt, damit auch sie antrabte. Man könnte meinen, dass die lauffreudige Isländerin sehr Spaß am Reiten hatte zumal der Einstieg in die Dresur sich vor allem auf die Tempowechsel stützte. Satz mit X – die Stute war schwer zu begeistern.

      Der nächste Satz begann mit A. Aha, die Stute konnte also doch vernünftig laufen! Sonderlich viele Bahnfiguren wurden nicht gefordert, aber vor allem durch die großen und weichen Wendungen wie etwa Zirkel oder Volten konnte ich sehen, dass die Stute überhaupt nicht die Neigung hatte, anzutölten. Dabei war sie doch mindestens Viergänger. Da kannte ich mich aber nicht so aus, wollte abends aber mit Bella sprechen. Auch Maxine konnte nur die Schulter zucken und bereitete Autumn für das Angaloppieren vor. Solange sie in der dritten Gangart war blieb ich im Leichttrab auf dem zweiten Hufschlag. Schon nach anderthalb Runden parierten sie durch, Maxine trabte noch eine Runde. Die hübsche Palominostute schnaubte und wollte weiterlaufen. Ich fand ihre Einstellung super, so ehrgeizig zu sein, aber wir wollten ja kein Risiko eingehen; so jung und talentiert wie sie war wollte ich ja nicht dafür verantwortlich sein, dass man sie verritt. Doch ich kannte Maxine nur zu gut; eher hörte sie früher auf als dass sie noch eine Schüppe drauf haute. Lila Wolken schüttelte den Kopf, als ich sie in die Ecke ritt, aussaß und die Zügel vorgab. Als das nicht half wendeten wir auf den Zirkel ab und konnten dann anspringen. Die Isländerstute gab die Vorderhand sehr vor und wirkte recht staksig. Oder angespannt. Ich hatte meine liebe Müh' aufrecht im Sattel zu bleiben und die Hüften im Takt mitschwingen zu lassen, aber war nach einer Runde stolz auf die Ponystute, die heute mal nicht auf 20 machte. Weiterhin übten die verlangten Bahnfiguren wie Bahnwechsel, Schlangenlinien, Volten und Zirkel im Schritt und Trab. Schlangenlinien im Galopp waren vor allem bei Autumn etwas schwieriger; klar zeigte sie ihr sanftes und doch elegantes Exterieur, aber ich – als Proberichter – konnte keinerlei Schlangenlinie erkennen, sondern eher etwas Zigzackiges. Ein Glück wurde das Aufführen dieser Figuren im Galopp erst ab L und M verlangt (so hatte ich das bei den meisten Turnieren jedenfalls machen sollen).

      Mittwoch Vormittag. Die Kinder wurden zur Schule gebracht – mit der Kutsche natürlich – und kurz darauf konnte ich mit Autumn vom Boden aus arbeiten. Maxine fühlte sich nicht so wohl, daher übernahm ich das Training der Stuten. Heute gab es keine Unauffälligkeiten bei dem ungleichen Paar. Erst jetzt bemerkte ich, wie schön die beiden Ponys laufen konnten und den Kopf dabei gehoben hielten. In gut vier Stunden kam Demba an, und ab dann hieß es Pause für die 5-jährigen.
      1 Nov. 2015

      Rhapsody Hufschmiedbericht - November 2015

      Da Eddi ohne unser Wissen einfach nach Holland (NIEDERLANDE! SOLL ICH’S DIR BUCHSTABIEREN?! schrie mich eine Stimme, die täuschend echt nach Elisa klang, an) gezogen war und ich einfach näher dran war als Adèle und Zoe, packte ich eines schönen Sonntags mein Zeug und fuhr nach Holland. Das an sich war wohl für einen Mensch meines Alters nicht gerade ungewöhnlich, aber andere Menschen meines Alters auf den Weg nach Holland hatten bestimmt kein Hufmesser, Raspel oder ähnliches dabei.
      Wobei – manchmal machten Menschen komische Dinge.
      Trotz einem ziemlich alten Auto, aus dem die Beastie Boys grölten, durfte ich ohne große Probleme in Holland einreisen und war dann war ich auf dem schnellsten Weg in Richtung Eddis Hof (ich war mir nicht mehr sicher, ob der unangekündigte Umzug auch zu einer Umbenennung geführt hatte, deswegen war es ab jetzt einfach nur ‚Eddis Hof‘).
      Dort wartete besagte Eddi dann schon, natürlich mit Tee und selbstgebackenen Keksen, die mich hoffentlich nicht vergifteten. Und weil ich meine Klappe nicht halten konnte, bekam ich dafür von Eddi einen Schlag auf den Hinterkopf, der irgendwie verdient war.
      „Mit wem möchtest du anfangen?“ fragte mich Eddi, als wir nach einer halben Stunde auf dem Weg zum Stall waren. „Barhuf oder Beschlag?“
      „Och, wenn du so fragst …“ murmelte ich und überlegte kurz. „Nein, ich mach das Beschlagen gleich.“ Daraufhin verließ Eddi mich, um Schneeleopard zu holen. Das Vorführen verlief ohne Zwischenfälle und ich konnte mich an die eigentliche Arbeit machen. Bevor ich mit dem Ausschneiden und Raspeln beginnen konnte, mussten jedoch erst einmal die alten Eisen runter.
      Nachdem dann alle vier Hufe gekürzt waren und zu meiner Zufriedenheit plan auf dem Boden auflagen, konnte es an das Beschlagen gehen. Für Schneeleopard sollten es wieder Aluminiumeisen werden, weswegen ich den portablen Ofen gar nicht mehr dabei hatte. „Wenn’s so weiter geht, verlerne ich, wie man heißt beschlägt,“ scherzte ich, während ich den letzten Nagel vernietete. Immerhin hatten sowohl ich als auch mein Gefolge in Kanada in den letzten Wochen nur Aluminiumeisen benutzt, da wir es meistens mit Sportpferden zu tun gehabt hatten – wie auch jetzt Schneeleopard.
      Nach einer letzten Kontrolle war der Criollo dann auch schon fertig und mein nächster Kunde ging barhuf. Lila Wolken hieß die hübsche Isländerstute, die Eddi von ihrem Kurztrip in den Stall mitbrachte. Auch bei ihr konnte ich keine Auffälligkeiten, Lahmheiten oder Fehlstellungen erkennen, und im Gegensatz zu Schneeleopard hatte sie keine Eisen – ich konnte also gleich mit dem Ausschneiden beginnen.
      Wie ich es von Eddi gewohnt war, waren Lila Wolkens Hufe in makellosem Zustand. Die Stute würde nach wie vor barhuf gehen können, ohne Probleme zu kriegen. Nach der Behandlung holte ich dann noch meinen Pott Huffett, mit dem ich ihr noch die Hufe einpinselte.
      Und weil Eddi klasse war, durfte ich die Nacht bei ihr verbringen, ehe es am nächsten Morgen zurück nach Deutschland ging.
      1 Nov. 2015

      Eddi Tierarztbericht - November 2015

      Es war bereits 18 Uhr und draußen war es schon dunkel, als ich nach meinen anderen Terminen endlich zu meinen eigenen Pferden kam. Diese wollte ich heute gerne noch einmal schnell abchecken, ehe es für den ein oder anderen dieses Wochenende wieder auf die Turniere gehen würde. Ich begann mit Schneeleopard, der zufrieden Heu mümmelnd in seiner Box stand. Seine Impfungen waren noch frisch und dementsprechend ließ ich ihn mir nur einmal vorführen, hörte ihn dann ab und tastete noch die Wirbelsäule und Beine entlang.
      Wie erwartet war der Criollo kerngesund. Er bekam heute nur noch seine Wurmkur und war dann fertig. An seine Boxentür hing ich den Vermerk zur Wurmkur und ging dann weiter zu Flintstone. Auch bei dem Hengst stand nicht viel an. Vor einer Woche hatte ich ihn geimpft und entwurmt, dementsprechend wusste ich eigentlich wie es ihm ging, denn schaute ich mir den Hengst noch einmal von oben bis unten an, ehe ich ihn wieder entließ.
      Bei Lila Wolken war stattdessen mehr zu tun. Meine Isländerstute benötigte wieder ihre Influenza- und Herpesimpfung. Zum Glück ein Kombipräparat, welches auch fix gesetzt war. Danach untersuchte ich sie noch einmal eingehen, ehe ich sie für die Nacht in Ruhe ließ und zur letzten Kandidatin marschierte. Das war Like Honey and Milk und sie nahm ich noch einmal besonders unter die Lupe, denn kommendes Wochenende stand für sie ihre Stutenkrönung an.
      Geimpft war sie deshalb schon seit zwei Wochen und ebenso entwurmt, denn für die Krönungen mussten wir die Fristen einhalten. Heute sah ich mir nur noch einmal ihren Gesamtzustand an und tastete vor allem ihre Gelenke und Sehnen ab, aber alles war in Ordnung und ich konnte auch sie zufrieden zu ihrem Abendbrot entlassen.
      4 Nov. 2015
    • Eddi
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      Ehemalige Berichte
      Eddi Pflegebericht - Dezember 2015
      Weihnachten!

      Pünktlich sieben Uhr morgens trällerte mein Wecker „Shake up the happiness, wake up the happiness…“ und versetzte mich zurück in das Gefühl der letzten Tage. Vor kurzem waren wir umgezogen und hatten es Anfang Dezember dann endlich geschafft, dass alle Pferde auf das neue Gestüt zogen und nun stand mir ein Neubeginn vor. Nochmal von vorne, aber es fühlte sich richtig und gut an.
      Seit Tagen verbrachten nun ich und die Pfleger vor allem auch Zeit damit, alles weihnachtlich zu schmücken, denn am 23. Dezember würden wir unsere Weihnachtsfeier haben und bis da waren es nun nur noch knapp vierundzwanzig Stunden, in denen allerhand geschafft werden musste. Die Pferde hatten zwischenzeitlich ein wenig Pause gehabt, denn ich hatte mich erst einmal ordnen müssen.
      Da das Gestüt aber über genügend Weiden verfügte, verbrachten sie ihre freie Zeit eben dort. Da der Winter momentan auch gar kein Winter war, konnten sie auch ungestört über die fast schon zu grünen Wiesen toben und ich musste ein wenig aufpassen, dass sie mir nichts zerstörten, aber so lange es trocken blieb, war alles gut. Tatsächlich war es dieses Jahr wirklich kein Winter. Stattdessen hatten wir täglich um die 15 Grad und Sonnenschein, es war eher wie Frühling.
      Dementsprechend fiel es alle Beteiligten schwer, sich wirklich in ein Winterfeeling zu versetzen, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, wenn in zwei Tagen Weihnachten sein würde. An sich hatte ich an dem Tag meinem ganzen Personal frei geben wollen, aber sie wollten zumindest bis Mittag noch ihren Dienst verrichten und mich bei der großen Anzahl an Pferden unterstützen. Dafür dankte ich ihnen sehr und am morgigen Abend würde jeder noch eine kleine Überraschung von mir erhalten.
      Doch nun musste ich mich erst einmal aus dem Bett schälen und mich allmählich fertig machen, denn die Pferde warteten schon auf ihr Frühstück und dann wollten sie auch schon hinaus auf die Weide. Bisher hatte ich nicht viel Personal, weshalb ich selbst noch kräftig mit anpackte. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe verteilt bekommen, weshalb sie Pferde schon gefüttert waren, als ich angezogen und gefrühstückt in den Stall trat. Stattdessen ging es nun auf die Weide. Immer mit zwei Pferden verließ ich den Stall und brachte sie auf ihre bestimmte Weide. Um dem Personal einen Leitfaden zu geben, hing zum einen im Stall ein großer Plan und zum anderen stand sowohl an den Boxen als auch an den Weiden, wer wo hingehörte. So konnte ich mir sicher sein, dass alle Pferde dorthin kamen, wo hin sie sollten.
      Die Fohlen waren heute wieder besonders aufgeregt, für sie konnte es nie schnell genug nach draußen gehen. Besonders Hidden Flyer und Exciting Force waren immer sehr stürmisch. Die beiden Vollblutfohlen waren noch nicht sonderlich lange in meinem Besitz, weshalb ich sie bisher nur schwer einschätzen konnte, aber ich gab mir Mühe und so langsam kam ich dahinter. Zumindest rissen sie sich inzwischen nicht mehr samt Halfter und Strick los, sondern warteten, bis ich diese entfernt hatten.
      Heute sollte ein normaler Alltag anstehen, trotz der Tatsache, dass der 22. Dezember war, hatten wir noch genügend Anmeldungen für unsere heutigen Reitstunden. Eine würde ich halten, die andere würde auf das Konto einer mobilen Reitlehrerin gehen. Doch vorher wollte ich das sonnige Wetter für einen Ausritt nutzen. Leider fand sich spontan kein Mitreiter, weshalb ich entschied, mich selbst auf Deep Silent Complete zu schwingen und Come Whatever May als Handpferd zu nehmen.
      Die beiden Warmblutstuten kannten sich schon lange und kamen sehr gut miteinander aus, es würde also ein ruhiger und entspannter Ausritt werden, so etwas hatte mir gefehlt! Danach konnte ich dann guten Gewissens in den Tag starten. Tatsächlich waren wir auch nur eineinhalb Stunden unterwegs und nachdem beide Stuten gut versorgt wieder auf der Weide standen, erwarteten mich schon die Reitstunden.
      Die erste Reitstunde hatte etwas eher begonnen, da die Reitlehrerin heute Nachmittag noch woanders hin musste. In ihr liefen nur Herbsttraum und Hugo Boss. Beide unter sehr erfahrenen und talentierten Nachwuchsreitern, welche eine wirklich gute Figur auf den Ponys machten und den Unterricht der Reitlehrerin befürwortete ich auch sehr. Meine Reitstunde würde für fünf Reiter sein, es war ausnahmsweise Abteilungsreiten, was ich ungern machte, aber es konnte auch Spaß machen.
      Ich muss ehrlich sein, die Lewitzer setzte ich an liebsten in den Reitstunden ein. Immerhin züchtete ich sie als talentierte Sportponys für Kinder und Jugendliche. Dementsprechend besaßen sie auch einen ruhigen und rücksichtsvollen Charakter, waren aber denn wirklich talentiert. Das war auch der Grund, weshalb ich für meine Reitstunde Donatella, Elliot, They call her Fiorina, Talya und Carachillo ausgesucht hatte. Schnell waren die Pferde verteilt und die Reiter damit beschäftigt, sie vorzubereiten, denn das musste man bei uns noch alleine machen. Sie hatten dafür gut eine halbe Stunde, je nachdem ob sie eher oder später kamen. Pünktlich um zwölf startete dann meine Reitstunde. Ich ließ sie die Pferde erst einmal aufwärmen und gab den ein oder anderen schon ein paar Tipps. Wir wechselten immer zwischen Abteilungsreiten und freiem Reiten, bei zweiteren nahm ich sie mir auch gerne mal einzeln auf dem Zirkel vor. Es lief wirklich gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, danach schon heiser zu sein, aber was tat man nicht für die Jugend!
      Auch das Versorgen der Pferde beobachtete ich aufmerksam und war erst zufrieden, als es sowohl den Pferden als auch der Ausrüstung wirklich gut ging. Einer meiner Reiter schien gerade im Stress zu sein, denn ich fing ihm auf den Hof ab, wo er im fliegenden Wechsel von einem Pferd aufs andere sprang. Gerade kam er mit Scheherazade vom Distanztraining zurück und war nun schon auf halben Weg, um mit Cual Maniaca die nächste Runde anzutreten. Deshalb nahm ich ihm ein wenig Arbeit ab und führte meine braune Araberstute trocken, ehe ich sie noch abbürstete und dann auf die Weide brachte. Scheherazade barg sehr viel Potenzial, doch bisher hatte es sich noch nicht wirklich entfaltet. Leider.
      Da der morgige Tag gefüllt sein würde mit dem Programm unseres Weihnachtsfestes, hatte ich spontan eine Longenstunde doch noch auf heute geschoben. Das Pferd dafür war Kürbis, sie war ideal für die kleine Sechsjährige, welche uns hoffentlich öfters besuchen würde. Gemeinsam machten wir das Pferd fertig. Das Mädchen war sehr wissbegierig und scheute sich auch nicht, direkt nachzufragen. Heute machten wir an der Longe nur leichte Übungen, um ihre Balance und Konzentration zu stärken. Abschließend durfte sie noch ein paar Runden traben, ehe ich sie noch eine Runde um den Hof führte und dann war auch schon Schluss. Ohne Protest ging das zwar auch nicht, aber kommende Woche würde sie ja schon wieder da sein.
      Das Reitschulgeschäft konnte ganz lukrativ sein und ohne würde ich kurz über lang nicht auskommen, wiederum war mir aber das Wohl meiner Pferde wichtig und so basierte mein Prinzip darauf, dass auf jede Reitstunde mindestens zwei Korrekturstunden kamen und ein Pferd nie wirklich öfters als ein bis zweimal in der Woche lief. So dringend nötig hatten wir das Geld dann auch wieder nicht.
      Für den heutigen Nachmittag stand aber noch allerhand an. Ich wollte zumindest auch ein wenig mit helfen und es gab das ein oder andere Pferd, was wirklich nur ich ritt. Das war aus Prinzip Pajero. Den Schecken hatte ich schon, seitdem er ein Fohlen war, weshalb wir eine enge Bindung zueinander hatten. Für heute hatte ich mal wieder ein wenig Geländetraining eingeplant, das liebte er ja abgöttisch und besonders talentiert war er auch.
      Nach Pajero wartete schon mein zweiter Liebling: Thorondor. Jahrelang war ich seine Reitbeteiligung gewesen, dann war er in meinen Besitz gewandert und nun stand der wunderschöne Rappe bei mir im Stall und ging meinem Personal auf den Keks, denn er hatte einen sehr speziellen Charakter. Doch die Freiarbeit machte mit ihm tierisch Spaß und jeder bewunderte den Ausdruck und die Motivation des Pferdes, während wir über den Reitplatz tobten, es war wie immer sehr erleichternd.
      Für den heutigen Tag stand noch ein Springtraining mit Classic Gold an und eine Kutschfahrt mit Little Chocolate Chip. Danach telefonierte ich noch mit Occulta, welche momentan Naimibia als Leihstute für ein Fohlen besaß, schon bald würde meine hübsche Stute zurückkehren, da Occulta gerade dabei war, das Fohlen abzusetzen. Es war ein Traum von Reitpony geworden und wurde schon jetzt (zurecht) bewundert.

      Am kommenden Tag stand die Weihnachtsfeier an. Da diese pünktlich 13 Uhr beginnen sollte hieß es, den restlichen Kram schon vorher fertig zu machen und das war allerhand. Zum einen ritt ich vorher noch Allelujah, denn der hatte sich inzwischen seinen Ruf bei meinen Reitern gemacht und wurde tunlichst gemieden, weshalb ich die einzige war, die ihn vor allem gerne ritt. Danach longierte ich noch meinen Zwerg Hoppla, damit der kleine Kerl über den Winter weg nicht zu kräftig wurde und als letztes ließ ich noch einmal allen Stress von mir abfallen, während ich mit Albertino eine gemütliche Runde ins Gelände ging.
      Und dann ging schon unser Programm los! Beginnen tat das Ganze mit einem Führzügelwettbewerb. Endlich hatten wir eine Beschäftigung für unsere Zwerge gefunden. Werina und Mondscheinsonate liefen auch öfters als Gespann vor der Kutsche, aber Window blieb da immer ein wenig alleine im Nichtstun. Führzügelwettbewerbe und das Training mit den Zwergen machte ihm hingegen riesigen Spaß und unsere kleine Flauschkugel nahm tatsächlich ein wenig ab!
      Occani und Heartbreaker brauchten ein wenig mehr Beschäftigung. Zwar waren beide super kinderlieb und sehr geduldig, aber man sah ihnen doch an, dass es ihnen wesentlich mehr Spaß machte, gefordert zu werden. Sei es nun in der Dressur, im Springen oder im Gelände. Die beiden Welshs waren einfach für alles zu haben.
      Aus diesem Grunde hatten wir angeboten, die ein oder anderen kleinen Reiterinnen darauf vorzubereiten und alle waren wie verrückt gewesen. Es gab natürlich Schleifchen zu gewinnen und für jeden einen Nikolausstiefel mit Leckereien, so dass niemand leer ausging. Das Publikum hatte auch sichtlich Spaß! Danach sollten die Großen zeigen, was sie konnten, denn nun kam eine Hengstquadrille!
      „Bei der Auswahl der Pferde für die Hengstquadrille hatte ich lange mit mir gehapert, denn diese Pferde repräsentierten das Gestüt und sollten auch potenzielle Züchter anlocken. Also hatte ich versucht, so viel wie möglich mit einzubringen: Pawaneeh als Vertreter unserer Vollblüter, Cover the Sun lief als Sportpferd mit, Aristo zeigte die barocke Seite des Gestüts und zu guter hatte ich mich noch für Dissident Aggressor entschieden.
      Ich hatte alles dabei haben wollen und es war mir gelungen! Ich selbst saß auf Dissident Aggressor und jedes Pferd zeigte eine besondere Lektion, so dass Dissi und ich einen Spin zeigten, Aristo die Piaffe, Cover the Sun eine Pirouette und Pawaneeh überzeugte mit seinen Seitengängen. Der Applaus sprach auf jeden Fall für sich!
      Da ich wusste, wie beliebt es bei kleinen Kindern war, boten wir eine Art Ponyreiten an. Es waren immer größere Spaziergänge in das umliegende Gelände, circa eine Viertelstunde, bei welcher die Kinder geführt wurden. Dafür hatte ich Milka Luflee, Hyreygur, Varulv und Cheveyo ausgewählt, allesamt waren Hingucker aber totenbrav und das war das Wichtigste.
      Die Weihnachtsfeier war toll und alle hatten viel Spaß. Gegen 18 Uhr verließen allmählich alle das Gestüt und mit meinen engsten Leuten machte ich noch einen nächtlichen Ausritt bei Vollmond. Gut, nächtlich war übertrieben, aber 19 Uhr war es eben schon stockduster. Wir waren zu viert unterwegs und ritten unsere ruhigen Westernstuten: Kisshimbye, Like Honey and Milk, Ice Coffee und Apache’s Tomahawk. Schöner konnte man es nicht haben. Der Abend endete mit einer Weihnachtsfeier mit einem reichen Büffet und einer Dankesrede samt Geschenken für alle. Dann rückte auch der 24. Schon näher und ich würde allerhand zu tun haben.

      Wirklich viel Zeit hatte ich nicht, ich wollte alles schaffen, aber auch pünktlich 18 Uhr zu Hause sein, das hieß, dass spätestens halb fünf alles geschafft sein musste. Aus diesem Grund stand ich heute wesentlich eher auf, um nach der Fütterung direkt Khiara El Assuad, Golden Ebano und CH’S Sun is Shining in die Führmaschine zu packen.
      Während die drei beschäftigt waren, longierte ich meinen Junghengst Altyn, welcher sich momentan mehr als gut machte und mit dem ich wirklich zufrieden war. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit meinem Neuzugang Cola, welcher immer noch ein wenig in sich gekehrt war, was ich versuchte, mit Bodenarbeit aufzulockern. Wir machten Fortschritte, allerdings eben nur kleine. Da ich heute noch meinen Pferden etwas Gutes tun wollte, ritt ich noch Feuervogel und Morning Sun. Ich wusste, dass die beiden Reitponys sonst vor Langeweile vergingen.
      Da ich noch ein wenig Hilfe von meinem Personal am Morgen hatte, waren auch Lila Wolken, Possy Pleasure Mainstream und Sika bereits bewegt. Für Autumn Leave in the Sky und Dr. Insektor hatte sich auch noch jemand gefunden und so hatte ich doch schon fast meine Liste geschafft. Es war bereits früher Nachmittag, als ich noch zu einem Ausritt mit Flintstone und Schneeleopard aufbrach.
      Danach machte ich alles für den Abend bereit, denn die Pferde bekamen jeweils eine Extraportion Möhren, weil Weihnachten war. Dann ging ich zu meiner Kontrollrunde in den Fohlenstall. Amadahy, Frozen Bubble, Korah, Nabiri, Panta Rhei und Roswell vertraten stolz meine Lewitzerzucht. Es waren allesamt herrliche Nachkommen, auf welche ich mehr als stolz sein konnte.
      Auch über meine Welshponys konnte ich mich nicht beklagen. Acariya wurde von Tag zu Tag schöner, Sacre Fleur langsam immer selbstbewusster und zu Herbstmond brauchte ich nichts sagen, die wurde eh von alles und jedem geliebt und das zurecht! Shawnée und Siberia waren ja damals mehr Zufall gewesen, dennoch wollte ich die beiden Welsh Ds nicht mehr missen und auch heute bekamen sie wieder ihre Portion Knuddeln.
      Vor den Boxen von CH’s Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird blieb ich etwas länger stehen. Beide waren nun langsam bereit für den nächsten Schritt in ihr Dasein als Reitpferd, nur ich zögerte noch ein wenig, ich wollte ihnen so viel Zeit wie möglich geben. Das Gleiche galt für Tiny Girl, doch mein AMH unterschätzte ich zu gerne und wenn ich das tat, zeigte sie es mir auch deutlich.
      Der Tag neigte sich dem Ende und halb fünf standen alle Pferde in frisch gemachten Boxen, mit ihrer Ladung Heu für die Nacht. So konnte ich guten Gewissens duschen und mich umziehen, um dann pünktlich auf den Familienfest zu erscheinen.

      Von meiner Familie konnte kaum einer nachvollziehen, dass ich meine Feiertage mit den Pferden verbrachte, statt mit der Familie, obwohl ich zu jeder Feier trotzdem pünktlich kam, dennoch standen die Vierbeiner an erster Stelle. Diesen Morgen arbeitete ich ein wenig mit den Junghengst Abendprinz und Cruel Twist of Fate. Danach war HGT’s Unitato an der Reihe und dann noch Outlaw Torn. Die Jungpferde brauchten allerhand Beschäftigung, doch ich kam momentan kaum hinterher.
      Deshalb hatte Prazzy’s Goldbell allerhand Flausen im Kopf, genauso wie Paddington und gemeinsam machten sie nur Unsinn! War ich da immer froh über Caruso, der sich nichts anmerken ließ und ein Engel war. Am Ende meines Fohlenrundgangs betüddelte ich noch ein wenig Mon petit écrou, ehe ich mich an die richtige Arbeit machte.
      Vertigo, Caillou und Piccolos Blaze mussten geritten werden. Calimero II sollte noch longiert werden und dann wollte ich zumindest noch mit Joyce oder Sika eine Runde ins Gelände, für die Jungstuten war diese Erfahrung mehr als wichtig. Die restlichen würde ich auf die kommenden Feiertage schieben müssen, denn heute Nachmittag stand bereits die nächste Familienbevölkerung statt.
      Während dieser plante ich aber nur die kommenden Tage. Am morgigen Tag sah ich mich früh mit Amazed Marlin ausreiten, ehe ich gemeinsam mit Hákur neue Lektionen in Angriff nahm. Dann würde ich HGT’s End of Day longieren und an seinen Rückenmuskeln arbeiten, ehe ich etwas bodenarbeitstechnisches mit Fandango machen wollte.
      Am 27. Dezember ging es dann gemeinsam mit drei Freundinnen ins Gelände. Ich selbst ritt Quintesse, während ich den Rest auf Caribic Sue, Freeway und Walking in the Air verfrachtet hatte und dann stand tatsächlich schon fast 2016 vor der Tür! Ich würde Zarin und Golden Ebano ihre homöopathischen Tropfen am 31. Geben müssen, damit sie nicht vollkommen explodierten, wenn dann überall das Feuerwerk losging.
      Zum Glück bestand mein Stall größtenteils aus Pferden, denen das egal war .Call me a Twist und Bandit war das schnuppe, die würde auch neben einem Feuerwerk herlaufen. Morrigan war da nicht viel anders, nur He’s called Trüffel konnte ich da nicht so gut einschätzen, aber das würde sich noch zeigen, nun musste ich erst einmal diese Familienfeier hinter mich bringen!
      30 Dez. 2015

      Eddi
      Gestüt Sapala
      Frühjahrsputz

      02. April 2016

      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.

      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.

      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.
      2 Apr. 2016
    • Eddi
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      Ehemalige Berichte
      Fly Away

      Tschilp, tschilp, tschilp – das hörte ich mir nun schon den ganzen Tag an. Ursprung davon war ein kleiner Piepmatz, der hungrig in seiner Müslischüssel auf dem Fensterbrett sass und auf einen Snack wartete. Ich hatte ihn am Morgen in der Halle gefunden, vermutlich war er aus dem Nest gefallen und hatte sich dabei den einen Flügel gebrochen, denn dieser hing etwas schief. Ich machte mir Sorgen um den kleinen Federball, denn er frass zwar, war aber dauernd etwas aufgeplustert. Lisa hingegen war optimistisch: „Der wird schon Occu, solange er frisst und kackt ist alles in Ordnung.“ Ich war etwas genervt über ihre saloppe Ausdrucksweise, zuckte dann aber mit den Schultern und fing noch ein paar Heuschrecken, die ich ihm später in den Schnabel stopfen wollte. Sie versuchten mit aller Kraft mir zu entkommen, dem ein oder anderen gelang es auch, aber die meisten landeten trotz der Strapazen in der kleinen Schachtel mit dem Löcherdeckel. Gefühlte 100 Jagdversuche später stellte ich den Behälter zufrieden neben das improvisierte Nest und machte mich auf den Weg zur Stutenweide. Auf dem Plan stand ein Ausritt mit Lily, Rosie und Lewis. Nein, eigentlich standen auf dem Plan nur in Olivers Handschrift „Moon Kiddy“ und die Namen der weiteren Pferde, die ich diesen Monat persönlich betreute. Aber da es wundervolles Spätsommerwetter war und wir nach den Regenfällen letzte Woche endlich wieder baden gehen wollten, war etwas anderes als Ausreiten gar nie in Frage gekommen. Um mich herum zirpten die Heuschrecken, als ich auf dem Trampelpfad zum Weidetor lief. Piroschka und Feline sahen mir entgegen, senkten dann aber wieder die Köpfe zum Grasen. Sie hatten das einzig Vernünftige gemacht und unter den Bäumen Schatten gesucht. Ich hatte schon heiss vom blossen laufen. Umso mehr freute ich mich auf die Abkühlung. Ich pfiff als ich die Weide betrat, sodass sich die kleine Herde in meine Richtung bewegte. Allen voran kam Islah, nur um kurz vor mir anzuhalten und anschliessend demonstrativ wieder in den Schatten zu schlendern. Sie war die unangefochtene Leitstute, aber die anderen blieben zum Glück erstmal bei mir, sodass ich Moon und Feline zu fassen bekam. Rosie und Lewis können sich Adrenaline und Piroschka nachher selber einfangen, beschloss ich. Ich führte sie beiden Stuten zum Nebenstall, ohne mir die Mühe des Halfterschliessens zu machen. Die gingen sowieso nirgends sonst hin. Ich band beide unter dem Dach an und begann sie zu putzen. Hier hatte ich wenigstens auch etwas Schatten, sodass ich während des Bürstens nicht in meinem eigenen Schweiss ertrank. Trotzdem liefen mir die Tropfen schon nach kurzer Zeit die Stirn runter. Ausserdem hatte ich beim Knoten meines Bikini Oberteils wohl ein paar Haare erwischt, die nun die ganze Zeit unangenehm zwickten. Lily hatte ihre Badesachen auch endlich angezogen (und vermutlich den Piepmatz endlich fertig gestreichelt, obwohl ich sie gebeten hatte, ihn in Ruhe zu lassen). Sie setzte ihr unschuldiges Grinsen auf und striegelte Feline. Kurze Zeit später waren Lewis und Rosie mit ihren beiden Reittieren bei uns. Weil es seit drei Tagen wieder trocken war, hatten es die Pferde auch geschafft, abgesehen von etwas Staub sauber zu bleiben. Ausserdem putzen wir sie sowieso nicht allzu gründlich, weil wir nachher ins Wasser wollten. Daher sassen wir bald schon ohne Sattel und in Badesachen oben und ritten in Richtung Fluss vom Hofgebiet weg.

      Das Ufer war bei der Übergangsstelle zur Insel schön flach, sodass wir über den Trampelpfad ohne Schwierigkeiten ins Wasser kamen. Linn wollte nicht sofort rein, aber als sie sah, dass Moon und Feline ohne zu zögern vorausgingen, folgte sie mit einem zögerlichen Satz. Piroschka begann sofort zu scharren, als sie den ersten Huf im Wasser spürte. Lewis musste sie sogar energisch antreiben, dass sie sich nicht ablegte, als die beiden tiefer drin waren. Wir wateten zu einer tieferen Stelle, sodass die Stuten sogar ein wenig schwimmen mussten. Moon strecke Ohren und Nüstern so weit in die Höhe wie es ging, damit kein Tröpfchen Wasser rein kam. Ich klammerte mich an ihre dichte Mähne, damit ich mich auf dem schwimmenden Nilpferd halten konnte und nicht unter die Paddelhufe kam. Lily tat es mir gleich, sie war diesen Sommer schon ein paarmal mitgekommen und wusste, dass sie aufpassen musste. Am Ende kletterten wir tropfend wieder an Land und die Pferde schüttelten sich erstmal kräftig, sodass wir allesamt fast von den Rücken runtergerutscht wären. Dann machten wir uns erfrischt auf den Heimweg, aber nicht ohne am Wegrand einen kleinen Galopp zu wagen. Ich fragte Lily vorher, ob sie sich traue, doch sie verdrehte als Antwort nur die Augen und galoppierte bereits an. Wobei sie sich dann doch ziemlich gut festhalten musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

      Zuhause versorgten wir die vier Criollos und kümmerten uns um die nächsten Kandidaten. Islah, Echo, Coffee, Shadow und Noir waren bereits bewegt worden – erstere drei ebenfalls auf einem Ausritt mit Jonas, Elliot und Lisa. Shadow und Noir waren am Morgen an der Longe gequält worden. Ich machte nun die Sachen von Lila Wolken bereit. Ja, die Stute war wieder Zuhause. Sie war bei Eddi in besten Händen gewesen und hervorragend trainiert worden, aber Eddi hatte einfach nicht mehr genug Zeit für zu viele Pferde, deshalb hatte sie ihren Bestand ziemlich reduziert. Auch Caruso und Flintstone waren aus diesem Grund zurückgekehrt. Alle drei hatten die Reise gut überstanden und sich schnell wieder eingelebt – das war nun auch schon wieder ein paar Wochen her. Ich war besonders froh dass ich Flint wieder hatte, denn so hatte ich nun schon zwei meiner ursprünglichen drei Westernpferde aus der Anfangszeit von Pineforest zurück. Wenn ich mir den Hengst ansah, kamen mir sofort Erinnerungen in den Sinn und ich fragte mich, wie es wohl Lovely Summertime ging. Ich wusste wenigstens, dass sie noch lebte, denn ich hatte sie kürzlich auf einem Foto eines Kanadischen Turniers wiedererkannt. Doch nun zurück zu Lila, die mittlerweile gesattelt vor dem Nebenstall angebunden stand. Ich zog ihr das Halfter aus und schob ihr die Trense in den Mund. Sie nahm sie willig an und kaute darauf herum, während ich versuchte, die drahtige Wuschelmähne unter dem Genickband zurecht zu zupfen. Als ich es geschafft hatte, kam mir Jonas entgegen. „Hey Boss, soll ich mit Ronja raus gehen oder im Roundpen Seitengänge üben?“ „Was weiss ich? Du bist kein Kind mehr, entscheide selbst“, antwortete ich gereizt. „Was hab ich jetzt schon wieder verbrochen?“, wollte er daraufhin gerechtfertigter Weise wissen. Ich sah ihm nicht in die Augen, aber murmelte entschuldigend: „Okay tut mir Leid, du kennst mich doch - ich hab immer viel um die Ohren.“ „Schon gut, ich verzeihe dir nochmal“, beschwichtigte er grinsend. „Wobei ich wünschte, du hättest mehr Zeit.“ „Mehr Zeit wofür?“ Er schien überrascht, dass ich seine Worte gehört hatte und meinte rasch: „Ach, für Ausritte oder Filmabende...“ Ich sah ihn stirnrunzelnd an und überlegte. „Wenn du unbedingt willst, können wir heute Abend zusammen mit Lily einen Film schauen.“ „Ich meinte eher, nur wir zwei“, murmelte er, fügte dann aber auf meinen allessagenden Blick hin rasch hinzu: „aber mit Lily ist natürlich auch vollkommen okay, ich würde mich freuen.“ Ich wandte mich kopfschüttelnd wieder Lila zu und dachte laut: „Diese Männer, immer nur das eine im Kopf.“ Er rief im Weggehen lachend: „Was denn? Ich hab nicht mal im Entferntesten an sowas gedacht, wenn du das reininterpretierst ist das nicht meine Schuld.“ Meine Ohren wurden heiss, aber ich liess es gut sein und kümmerte mich um mein Pferd, anstatt nochmal etwas anzufügen.

      Lila lief brav auf der Ovalbahn, wie ich es mir von ihr gewohnt war. Sie beherrschte mittlerweile sogar Renntölt und war sehr fein an den Hilfen. Sie hatte auch schon ein paar entscheidende Turniere bei Eddi gewonnen und war nun in die Höchstklasse aufgestiegen, also hatte ich mit ihr nun drei Gang-Cracks im Stall. Zufrieden liess ich sie nach einer halben Stunde austraben und führte sie nach dem Absteigen im Schatten der Tannen trocken. Ich musste bis zum Abend noch Satine, Rebel und Pilot bewegen, ausserdem La Bella Goia in Empfang nehmen. Die Siebzehnjährige Stute durfte in ihr altes Zuhause zurückkehren und hier ihren Lebensabend geniessen. Aber im Moment war sie noch äusserst gut in Form und würde als erfahrenes Turnierpony für Lily dienen – und als Freizeitpartner für mich. Sie wurde pünktlich um sechs Uhr von Hans gebracht und ich führte sie sogleich in ihre neue Box im Nebenstall. Mit Pilot ging ich zuvor nochmal raus ins Gelände, denn der Hengst hatte gestern eine anstrengende Dressurstunde gehabt. Satine bewegte ich auf dem Sandplatz, ebenso Rebel. Wobei ich mit letzterem noch etwas an unseren Pleasure-Fertigkeiten feilte. Um acht Uhr war ich endlich mit allen fertig und half noch rasch Lily beim Verräumen von Areion, mit dem sie fleissig Gymkhana Übungen gemacht hatte. Dann wollte ich gemeinsam mit ihr nach dem Piepmatz sehen, den ich zuletzt um sieben Uhr gefüttert hatte. Lily rannte voraus durch die Haustür. Als ich hinterherkam, stand sie geschockt da. „Occu, es bewegt sich nicht mehr!“ Ich ahnte schon, was los war; ein Blick in die Schale bestätigte meine Vermutung. „Er hat’s nicht geschafft… Da war wohl doch etwas nicht mehr ganz in Ordnung mit seinen Organen.“ Lilys Augen füllten sich mit Tränen und sie schluchzte leise: „Er war ein Vogel, aber durfte in seinem kurzen Leben nicht einmal fliegen… Dabei haben wir uns so Mühe gegeben! Das ist einfach ungerecht.“ „Manchmal reicht Mühe allein nicht aus, und die Natur ist erbarmungslos. Aber da wo er jetzt ist, kann er sicher fliegen und ist schmerzfrei. Komm, wir begraben ihn im Garten.“ Mir bildete sich zugegebenermassen auch ein Kloss im Hals, als ich beobachtete, wie meine Nichte das tote Vögelchen schluchzend in ihre kleinen Hände hob und hinaustrug. Wir buddelten ein Loch und Lily sammelte ein paar Blümchen, die sie hineinlegte, um dem Piepmatz ein hübsches Blumennest zu machen. Dann legten wir ihn hinein und schoben die Erde langsam zurück ins Loch. Wir standen noch einen Moment da, dann legte ich den Arm um Lilys Schulter und führte sie ins Haus.

      Wir schauten wie versprochen mit Jonas einen Film, was meine Nichte auf andere Gedanken brachte. Ich war an diesem Abend froh und dankbar, Jonas bei uns zu haben. Denn auch mich brachte der gemeinsame Abend auf andere Gedanken. Trotzdem träumte ich in dieser Nacht von einem hüpfend-flatternden Federball, der mich vorwurfsvoll ansah, laut tschilpte und dann über eine Wiese mit vielen Grashüpfern hinweg flog. RIP Piepmatz…


      Sich die Seele frei reden

      Ich stand mit Satine unter dem Dach des Nebenstall und bürstete die Stute. Der August war beinahe vorbei und somit würde ich nächsten Monat auch wieder andere Pferde zugeteilt bekommen, wie jedes Mal. Ich wollte die restlichen Tage nun aber noch geniessen, an denen ich Satine und meine anderen Augustpferde so intensiv betreute. Natürlich hatte ich jeden Tag irgendwie mit allen Pferden zutun, aber die zugeteilten Pferde waren jeweils die, die ich ritt und persönlich umsorgte. Mit Satine war ich für heute aber schon fertig – ich bürstete nur noch die feuchten Haare ordentlich, die vom Schweiss-Abwaschen mit dem Schwamm übrig waren. Das feuerrote Fell der Stute schimmerte in allen Orangetönen die das Sonnenlicht wecken konnte. Die mittellange, gewellte Mähne fiel aufgrund des staubigen, heissen Wetters nicht ganz so seidig über den wohlgebogenen Hals, sondern fühlte sich eher etwas klebrig an, wenn man mit den Fingern hindurchfuhr. Aber ohne genaueres Hinsehen fiel das nicht auf. Ich kontrollierte nochmals die Hufe, dann löste ich den Strick und führte die Stute in ihr Strohbett. Ich achtete beim Halfterausziehen darauf, dass sie nicht den Kopf wegzog und zu den Äpfeln stürmte, die in der Krippe warteten, sondern geduldig stillhielt. Dann klopfte ich ihr zufrieden zum Abschied auf die Kruppe und schloss die Boxentür hinter mir. Draussen packte ich die Putzbox, um sie in die Sattelkammer zurück zu bringen. „Hey Boss!“ Ich drehte mich um, wohlwissend wem diese Stimme gehören musste. „Was läuft Jonas?“ „Alles was nicht angebunden ist.“ Ich rollte die Augen, zum Zeichen, dass ich keine Zeit für doofe Scherze hatte. „Schon gut. Ich wollte fragen, ob du mit auf einen Ausritt kommen würdest.“ „Hat Lisa keine Zeit?“, fragte ich abweisend. „Doch, aber ich will heute wiedermal mit dir ausreiten.“ „Und womit habe ich die Ehre verdient?“, fragte ich leicht sarkastisch. Seine Antwort war verschwörerisch: „Ich muss mit dir reden.“ „Willst du die Kündigung einreichen?“ „Nein, natürlich nicht!“, versicherte er. „…Ist es denn sehr wichtig? Kann es nicht bis morgen warten? Ich wollte eigentlich mit Bluebell in die Halle“, versuchte ich als Ausrede, natürlich nicht gut genug. „Ja, es ist wichtig. Es geht um etwas Persönliches.“ Irgendetwas an dieser Aussage liess mich aufhorchen. Was könnte das wohl sein? Er wird doch nicht… Ich verwarf den Gedanken nicht ganz, auch wenn es mir lächerlich schien. Aber in letzter Zeit lief es gar nicht schlecht, wir haben wieder mehr zusammen geredet und auch öfter als mir lieb war etwas zusammen unternommen – meist zwar durch Zufall, aber er wirkte immer sehr glücklich… Und ich war es doch irgendwie auch. Entschlossen verkündete ich: „Na wenn es dir so wichtig ist, dann komme ich eben mit.“ Er machte eine triumphierende Geste und lief mit dem Satz „Ich mach dann mal Lila Wolken bereit“ davon. Kaum war er im Hauptstall verschwunden, um das Putzzeug zu holen, atmete ich tief durch. Auf was hab ich mich da wieder eingelassen? Dann fiel mir ein, dass ich ja auch in die Sattelkammer wollte.

      Als ich reinkam, redete Jonas gerade mit Darren und David. Die beiden lachten laut und ich fragte, alle drei überraschend, was denn so lustig sei. „Ach Darren hat gerade erzählt, dass Halluzination wiedermal nicht ins Wasser wollte. Vermutlich war ihr Name Programm und sie sah Krokodile im Fluss.“ „Aber sonst lief sie gut?“ Ein bisschen zickig und faul sei sie gewesen, aber ganz okay im Vergleich zu gestern, meinte der Pfleger. „Und wie lief’s mit Parányi?“, hakte ich bei seinem Zwillingsbruder nach. Er klagte über die üblichen Jungpferde Herausforderungen, aber das war ja nichts Ungewöhnliches. Zufrieden holte ich die Pony-Putzbox. Darren und David machten sich auf den Weg um Sugar and Sweets und La Bella Goia von der Weide zu holen.

      Während dem Putzen diskutierten Jonas und ich fröhlich über die Amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Aus irgendeinem Grund war ich total locker und freute mich mittlerweile sogar auf den Ausritt. Ich gebe ja zu, dass mir der Gedanke gefällt, alleine mit ihm unterwegs zu sein, dachte ich insgeheim. Bluebell spürte, dass ich gute Laune hatte und versuchte, das auszunutzen um Blödsinn zu machen. Zum Beispiel während dem Hufauskratzen an meinen Unterhosen ziehen, oder dauernd den Huf zum Betteln heben. Ich fand das nicht ganz so toll und ermahnte sie ein paarmal, ohne dabei wirklich streng zu werden. Junges Pferd eben. Ich sattelte und zäumte, Jonas war ebenfalls soweit. Dann führten wir die Pferde auf den Kiesweg, stiegen auf und ritten in Richtung Fluss vom Hofgelände runter. Blue war entspannt und mutig, weil Lila dabei war und ihr Sicherheit gab. Sonst gingen wir oft alleine mit den jungen Pferden raus, damit sie lernten unabhängig von der Gruppe auf den Reiter zu hören. Wir überquerten den Fluss per Holzbrücke und ritten dann im Trab dem Flussbett entlang bis zur Mündung des kleineren Seitenbaches, der von der Wilkinson Ranch her floss. Wir nutzten eine flache Uferstelle, die durch die Mäandrierung des Flusses entstanden war und wateten durch das Wasser auf die andere Seite der Bachmündung, dann folgten wir dem Verlauf weiter bis zu den Büschen am Uferrand. Wir gelangten zur Feuerstelle, die wir vor langer Zeit einmal auf einem Halloweenausflug gebaut und seither ab und zu auch wieder benutzt hatten. Wir ritten heute aber daran vorbei und folgten weiterhin dem Trampelpfad, der sich zwischen Fluss und Büschen durch das halbhohe Gras schlängelte. Es hatte viele Mücken, aber die Landschaft war herrlich und ich genoss den Schatten, den die Bäume und Büsche lieferten. „So, what was it that you wanted to talk about?“, fragte ich schliesslich, nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit dem Vogelgezwitscher gelauscht hatten. „Nun… ich weiss nicht wie ich anfangen soll… Ach was soll’s. Occu, vielleicht hast du es gemerkt, aber da ist jemand, den ich mag“, begann er ausweichend. Mein Herz pochte mir bis in den Hals, aber ich sah ihn nicht an. „Oder anders gesagt, sie mag mich, und ich sie irgendwie doch auch, weil ich sie schon sehr lange kenne und weiss, dass sie ein guter Mensch ist.“ Es wird immer schlimmer. Ich hatte Angst, dass ich rot anlaufen könnte, also drehte ich den Kopf in Richtung andere Uferseite, so tuend, als würde ich beiläufig die Natur beobachten. Als er nicht fortfuhr, fragte ich zögernd: „Und woher bist du dir so sicher, dass sie dich auch mag?“ Doch die Antwort war alles andere als erwartet. „Sie hat es mir gestern gesagt.“ Ich fühlte mich gerade ziemlich geohrfeigt. Nun war jedenfalls bestimmt keine Farbe mehr in meinem Gesicht. Stirnrunzelnd drehte ich mich zu ihm um, so ruhig wie möglich. „Von wem reden wir?“ „Lisa.“ Ein Kloss bildete sich in meinem Hals, und selbst Schlucken brachte nichts. „Aha… Nein, ich hatte nichts davon bemerkt.“ „Du hast vermutlich keine Zeit für so Kleinigkeiten, aber wir haben jetzt schon oft zusammen geredet und…“ „Ja ja schon gut“, unterbrach ich harsch, denn ich hatte keine Lust mir anzuhören wie er Kuscheln oder Spasshaben sagte. Ich fügte schnell hinzu, um keinen Verdacht zu wecken: „Was ist das Problem? Warum willst du darüber reden?“ „Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Ich kenne sie schon so lange, und habe eigentlich nie mehr für sie empfunden – das fing erst an, als sie auf mich zukam. Daher weiss ich nicht, ob ich mehr Ärger als nötig provoziere, wenn wir zusammenkommen…“ Ich war kurz davor zu sagen: Klar gibt das Ärger! Tu das bloss nicht! Doch ich konnte nicht. Das wäre unfair. Ich darf mich da nicht dazwischen stellen, wenn ich mir selbst unsicher bin, was ich empfinde. So sehr ich das auch möchte. Deshalb sagte ich neutral: „Ich glaube nicht, dass das grosse Probleme geben würde. So wie ich die anderen kenne, würden sie euch bestimmt auch unterstützen.“ „Und du? Was haltest du davon?“ „Spielt das eine Rolle? Ist doch mir egal, was du tust. Ist dein Leben, nicht meins“, blaffte ich, aufgebrachter als gewollt. Er schwieg einen Moment, dann meinte er: „Schätze du hast Recht. Danke, ich werde es versuchen. Ich denke, das ist es wert.“ Ich nickte, doch mein Magen verzog sich und ich wäre am liebsten einfach weit weg geritten. Ich habe ihn noch ermutigt! Aber das war das Richtige… Oder? Den ganzen Heimweg über wechselten wir kaum noch ein Wort, weil alles gesagt schien – jedenfalls für ihn. Meine Gedanken verwirrten sich so sehr, dass ich wohl ein Buch hätte schreiben können. Die Hauptsätze wären dabei wohl gewesen: Hätte ich früher die Initiative ergreifen sollen? Habe ich meine Chance verpasst? Oder hatte ich gar nie eine?

      Ich konnte meine geknickte Laune kaum verbergen, sodass mich Ajith beim Füttern fragte, was mich denn so beschäftige. Die anderen waren weiter vorne, sodass niemand auf uns achtete und ich zögernd beschloss, mich dem dunkelhäutigen Pfleger zu öffnen. Jedenfalls Ansatzweise. Ich fragte ihn: „You know how it feels, if someone you love asks you about going out with someone else?“ Er zögerte überrascht, dann nickte er. “Wanna talk about it?” Ich war dankbar, dass er mich nicht auf der Stelle ausfragte, den die anderen näherten sich schon wieder. „Okay. I think I need that…“ Ajith nickte verständnisvoll und schlug vor: „Nine o’clock, straw storage?“ „Yep.“ Er lächelte und verschwand in der nächsten Box, um dem Hungrigen Insassen sein Abendessen zu überreichen. Ich fühlte mich seltsam erleichtert, nun da ich wusste, dass ich jemandem von meinen Gefühlen erzählen konnte. Ich war zwar noch immer erstaunt über mich selbst, dass ich dem Pfleger überhaupt etwas davon gesagt hatte. Doch andererseits kannte ich Ajith schon seit den Anfängen von Pineforest, und ich vertraute dem Pfleger mehr als jedem sonst. Wenn es jemanden gab, der mich verstehen konnte, dann war es Ajith, der mit seinen Worten und Taten das Beste in den Menschen um ihn herum weckte und es immer wieder schaffte, sie zum Lachen zu bringen.

      Wie versprochen kletterte ich um Neun Uhr die Leiter zum Strohlager im Hauptstall hoch. Das Stroh war direkt über den Boxen gelagert, und man sah hinunter in die Stallgasse. Ich setzte mich auf einen Ballen und wartete nachdenklich. Lange dauerte es nicht. Ajith setzte sich neben mich und begann: „I know very well how this feels. And I guess you know to whom I refer. So wouldn’t it be fair to tell me about your grief, too?” Ich seufzte und erklärte ihm die Situation. Alles. Ich erzählte von all den Jahren, die ich still gewartet und mitgespielt hatte. Ich erzählte, wie er in mir immer wieder Hoffnung geweckt hatte, nur um sie dann, Tage oder gar Augenblicke später wieder zunichte zu machen. Wie ich mich dabei gefühlt hatte und was meine Bedenken oder Gründe für mein Zögern gewesen waren. Und dann schliesslich, was heute passiert war. Er hörte die ganze Zeit über aufmerksam zu und unterbrach mich nie. Am Ende kamen mir dann doch ein paar Tränen, die ich nicht länger unterdrücken konnte. Da nahm er mich in den Arm und wartete, bis ich mich gefasst hatte. Dann erzählte er mir von Quinn, und wie sie einen hübschen jungen Mann beim Schwimmen kennengelernt hatte. Und wie er selbst daneben gestanden war, als sie sich rücksichtslos umarmt und liebkost hatten. Doch bei ihm war es dasselbe Dilemma: Quinn wusste nicht, was er wirklich fühlte, und er war zu scheu und unsicher, um es ihr zu sagen. Besonders jetzt, da sie anscheinend jemand anderen gefunden hatte. Es tat so unglaublich gut, mit ihm über diese Dinge zu reden. Ich fühlte mich danach erholt und mit neuer Kraft gestärkt. Wir versprachen uns nämlich gegenseitig, dass wir unser Bestes tun würden, um dem jeweils anderen zu helfen. Ich nahm mir fest vor, Quinn einmal auszuhorchen und nach ihren wahren Gefühlen für diesen ‚Pool Boy‘ zu fragen. Was Ajith vorhatte, konnte ich nur erahnen – doch ich hoffte, dass er nicht zu eilig an die Sache ranging. Ich war mir schliesslich nicht sicher, ob Jonas überhaupt je etwas für mich empfunden hatte. Bei Quinn hingegen hatte ich das Gefühl, dass sie Ajith durchaus sehr mochte.

      Wir wünschten uns eine gute, erholsame Nacht und gingen getrennte Wege. Ich starrte im Bett liegend lange die Decke an, weil es einfach zu heiss zum Einschlafen war. Vielleicht drehte sich aber auch einfach mein Kopf noch zu viel. Ich konnte es, nun da ich alleine war, nicht so recht fassen, dass ich tatsächlich mit Ajith darüber geredet hatte. Ich fragte mich langsam, ob das nicht nur wieder irgendein dummer Traum gewesen war. Doch am nächsten Morgen lächelte mir der Pfleger schief entgegen, und ich wusste sofort, dass wir nun eine spezielle Verbindung hatten. Ich lächelte zurück und war froh, einen so guten Freund zu haben. Aber Kummer blieb mir nicht ganz erspart, denn kurz darauf beobachtete ich Jonas und Lisa, Arm in Arm zu den Weiden schlendernd.
    • Eddi
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      Ankunft
      05. Oktober 2016
      „Aaaah, wer hat Eddi nur das Wlan-Passwort gegeben!“, jammerte Alexa theatralisch auf und fing an zu lachen. Auch Tami und Tassilo stimmten in das Gelächter mit ein und ich verdrehte nur grinsend die Augen. „Also ich habe die ja nun nicht am gleichen Tag gekauft! Und es war Zufall!“, versuchte ich mich zu verteidigen, aber das war wohl zwecklos, nachdem ich die Ankunft von fünf neuen Pferden angekündigt hatte. Meiner Meinung nach konnte man ja davon zwei zusammenfassen, also nur vier Pferde.
      Alexa mischte fröhlich das Futter für die Turnierpferde, während ich die Eimer für unseren Nachwuchs vorbereitete. „Ich bin gespannt“, meinte sie ehrlich und lächelte mich an. „Neue Pferde sind gut, die bringen Abwechslung rein – nicht, dass uns noch langweilig wird!“, lachte sie fröhlich und entschwand dann mit der Schubkarre voller Eimer. Ich tat es ihr einige Minuten später gleich und schon bald waren alle Pferde gefüttert.
      Danach fanden wir uns alle erst einmal im Esszimmer am Frühstückstisch ein, denn die Pferde waren versorgt und standen nun auf den Weiden. Tassilo blickte stirnrunzelnd aus dem Fenster. Der Himmel war grau und bewölkt, es sah sehr nach Regen aus. „Vielleicht haben wir Glück und es regnet nicht den ganzen Tag“, warf Tami ein, unsere kleine Optimistin.
      Ja, der Herbst war offiziell da und mit ihm die wundervollen Regentage. An sich machte uns das kaum etwas aus. Dann kamen die Pferde mit Regendecke auf die Weide und das Training wurde zum großen Teil in die Halle verlegt. Mehr machte es uns nicht aus, wir waren alle stets bestens auf das Matschwetter vorbereitet.
      „Ok, nun erzähl mal wer alles kommt!“, meinte Tassilo neugierig und schon wurde ich von drei Seiten erwartungsvoll angeschaut. „Äääh“, murmelte ich nur, denn ich wusste gar nicht wo ich anfangen sollten. „Okay. Mein Favorit ist Sarabi. Eine Trakehnerstute mit traumhafter Abstammung. Leider noch recht jung, aber das ideale Gegenstück für Cover the Sun. Ein Fohlen aus den beiden wird der Burner“, stellte ich Pferd Nummer eins vor und alle spitzten die Ohren, denn so eine Trakehnerstute ließ sich niemand entgehen.
      „Pferd Nummer zwei ist eigentlich Nummer eins gewesen: Shattered Glass. Eine Paint Horse Stute. Jaaa, keine Ahnung was mich geritten hat, aber ich liebe sie“, erklärte ich entschuldigend. „Und dann ziehen Batida de Coco und Polka Dot ein. Zwei Shettys!“ – und ich hatte das Gefühl meinem Team fiel gleichzeitig die Kinnlade herunter…
      „Ich dachte für unseren Kinderreitunterricht wären sie toll und stellt euch die beiden mal an der Kutsche vor!“, guut, dieser Kauf war vielleicht nicht der klügste gewesen, aber ich bereute es nicht. Trotzdem machte ich schnell weiter. „Letzte ist Lila Wolken. War schon einmal in meinem Besitz und ist es deshalb jetzt wieder. Ich habe sie als Schulpferd eingeplant, ich denke da wird sie uns gute Dienste erweisen“, ihre Rasse verschwieg ich geflissentlich, denn niemand hier mochte Isländer.
      Der Tag verlief ganz normal, bis ich mit Tassilo losfuhr, um die ersten beiden Pferde persönlich abzuholen. Es ging zu Occulta Smith, wo wir Sarabi und Lila Wolken abholen würden. Beide Pferde stammten aus ihrer Zucht und ich war mehr als dankbar, dass ich beide nun mein Eigen nennen durfte.
      „Guter Kauf“, meinte er knapp, lobte mich dann aber besonders für Sarabi. Beide Pferde hatten sich problemlos aufladen lassen und so waren wir schon schnell wieder auf dem Heimweg. Dort wurde insbesondere Sarabi schon sehnsüchtig erwartet. „Awr, die ist schön!“, quietschte Tami begeistert, als wir die Stute ausluden, weshalb ich sie ihr auch direkt in die Hand drückte.
      Auch Lila Wolken bekam allerhand Komplimente, besonders in Richtung „Also für einen Isländer ist sie echt toll!“. Ach, mein Team war schon liebreizend. Beide Stuten durften für heute jeweils auf einen der größeren Paddocks, um erst einmal anzukommen. Bei der Eingliederung in die Herden wollte ich mir Zeit lassen.
      Die beiden kleinen Ponys würden gebracht werden, so dass es nun für mich Warten hieß, beziehungsweise konnte ich in der Zeit gut meine Büroarbeit erledigen. Und dann kamen sie: Polka Dot und Batida de Coco. Beide mehr als süß und beide sofort geliebt und umtüddelt von meinem Team.
      „Ja ja, aber erst grummeln“, lachte ich und überließ die beiden kleinen Stuten meinen Mädels, die waren nämlich total hin und weg. Nun fehlte also nur noch Shattered Glass. Laut Verena O’Connor sollte sie bald samt Pfleger hier eintreffen und tatsächlich: Eine halbe Stunde später als erwartet kamen sie.
      Alle betrachteten die Porzellanschecke neugierig und schienen sichtlich begeistert. „Zwar ein Westernpferd, aber ein tolles!“, rief Alexa fröhlich und lobte mich für den Kauf. „Solltest öfters das Wlan nutzen dürfen“, neckte sie mich fröhlich und ich verdrehte nur erneut die Augen, ehe ich sie lachend in die Seite knuffte. „Für die nächsten Jahre reichen die aber erstmal!“, meinte ich warnend (an mich selbst).
    • Eddi
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      Weihnachtsfeier
      24. Dezember 2016
      Heute war ich schon seit fünf Uhr morgens auf den Beinen und im Stall unterwegs. Unser großes Weihnachtsfest stand an und obwohl wir schon alle Vorbereitungen auf die letzten Tage geschoben hatten, gab es heute noch einiges zu tun. Nebenbei mussten natürlich auch unsere Pferde versorgt werden, weshalb mein Team ausnahmsweise auch schon eher in den Tag startete.
      Nach der Fütterung widmeten wir uns direkt dem Misten, ehe dann schon die ersten Leute eintrafen. Wir veranstalteten ein kleines Turnier, sowieso eine Quadrille und einige Showeinlagen. Deshalb kamen auch einige Leute von außerhalb, welche sich bei uns einquartierten. Das Organisatorische hierfür übernahm Alexa und wies alle Neuankömmlinge ein. Sie hatte auch direkt ein Blatt gemacht, wo alle wichtigen Informationen und Regelungen standen – sehr gut mitgedacht.
      Ich kümmerte mich hingegen um unsere Schüler, welche heute auch dabei sein würden. Diese waren natürlich wesentlich aufgeregter als die alten Hasen, die schon oft bei Turnieren und Shows mitgemacht hatten. Mila und Jilly, zwei unserer jüngsten, würden heute eine kleine Vorstellung mit den beiden Shettystuten machen. Deshalb waren sie schon tatkräftig bei Batida de Coco und Polka Dot am Werk, um die beiden einzuflechten.
      Tami kümmerte sich um die Pferde für das Ponyreiten. Dafür hatte sie ihre arme Schwester mit angeschleppt und die beiden machten gerade Lila Wolken und Shattered Glass fertig. Ponyreiten war eventuell übertrieben oder falsch ausgedrückt. Aber wir gaben Kindern gerne die Chance, sich für einen kleinen Spaziergang um das Gestüt in den Sattel zu schwingen.
      Dafür nahmen wir natürlich unsere liebsten Pferde und ehrlich gesagt hatten wir heute gar nicht so viel Auswahl, da viele Pferde bei dem Turnier oder der Quadrille teilnahmen. Raunchy’s Limited, Feuervogel und He’s called Trüffel liefen alle drei unter vielversprechenden Reitern bei dem Turnier mit.
      Unsere Quadrille wurde nur von uns Teamleuten geritten, denn da sah ich ungern andere auf den Pferden. Mein Reittier war natürlich Pajero. Tassilo ritt Thorondor, Alexa saß auf Aristo und Tami schwang sich in den Sattel von Cover the Sun. Wir waren eine sehr bunte Truppe, aber genau das machte die Weihnachtsquadrille dann auch so lustig.
      Danach folgten die Showeinlagen und dann war auch schon das Turnier an der Reihe. Während sich unsere Zuschauer also aufteilten, konnten wir nun auch das Ponyreiten anbieten, ebenso wie kleine Kutschfahrten. Dafür liefen Erutan Wishes und What does the Fox say vor unserer kleinen Kutsche und wurden von Tassilo geführt.
      Natürlich gab es auch einige Pferde, denen ich solchen Stress noch nicht zutraute. Das war zum einen unsere junge Stute Sarabi, welche noch gar nicht lange bei uns war und deshalb heute frei hatte, weit abseits auf einer ruhigen Weide und auch Dr. Insektor blieb außen vor, denn mein Rapphengst sollte demnächst bei einer Hengstkörung antreten und konnte keine Ablenkung gebrauchen.
      Auch Dissident Aggressor ließ ich dieses Jahr außen vor. Er war der totale Liebling von allen Besuchern und deshalb auch immer argen Stress ausgesetzt. Deshalb hatte er heute schlichtweg frei und genoss das auch sichtlich auf seiner Weide.
      Der heutige Tag neigte sich dann auch alsbald dem Ende. Die Auswertung und Siegerehrung des Turnieres fand statt und als es 16 Uhr begann zu dämmern, luden wir alle noch zum großen Lagerfeuer und Punsch ein. Der Tag war zwar stressig und anstrengend gewesen, aber trotzdem schön!
    • Eddi
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      Winterroutine
      07. Februar 2017
      Wenn der Winter Einzug hielt, veränderte sich auch das Leben auf dem Gestüt. Die Turniersaison war im Herbst beendet und in den Wintermonaten gab es nur hier und da ein paar kleinere Hallenturniere. Ich nutzte diese Zeit dann gerne, um unsere Youngster an die neue Atmosphäre heranzuführen und generell auf die neue Turniersaison vorzubereiten. Das galt natürlich auch für die Turnierpferde, für welche ab Oktober meist das Wintertraining begann.
      Natürlich wurden unsere Pferde allumfassend trainiert, so dass für alle der Muskelaufbau und die Verbesserung der Techniken auf dem Plan stand. Trotz der allgemeinen Einheiten gab es aber auch diejenigen, bei welchen wir uns auf die individuellen Stärken und Schwächen unserer Pferde konzentrierten und auch deren Hauptdisziplin in den Fokus nahmen.
      Über Weihnachten und Neujahr war viel los gewesen auf dem Gestüt, immerhin musste man sich auch repräsentieren, wenn man wahrgenommen werden wollte. Bei uns war das wirklich erfolgreich gewesen und danach waren wir entspannt in das neue Jahr gerutscht. Momentan lief alles routiniert und ruhig ab, auch heute war wieder einer der Tage, an denen ich mir keine Gedanken machen brauchte.
      Mein Team war fit und motiviert, alle drei waren anwesend und bei bester Laune. Aber immerhin hatten wir auch einen wunderschönen Wintertag mit Schnee und Sonnenschein erwischt. Das war hier in Deutschland ja dann doch nicht der Normalfall für einen Winter, also musste es auch wirklich genossen werden.
      Die Pläne für heute standen und nachdem alle Pferde gefüttert waren, wurde eingedeckt und dann auf die Weiden hinausgebracht. Auch im Winter durften unsere Vierbeiner den gesamten Tag draußen verbringen und es tat ihnen sichtlich gut. Wir mühten uns dann stattdessen mit den Stallarbeiten ab und bereiteten schon alles für den Abend vor, um da dann schneller zu sein.
      Und dann ging es mit der ernsten Arbeit los. Momentan standen für mich Sarabi und Shattered Glass im Fokus. Bei den beiden Stuten nutzte ich die Wintermonate, um sie auf ihre Prämierungen vorzubereiten. Hierzu war Sarabi erst kürzlich wieder bei einer Trainerin gewesen und hatte sich im Springen fortgebildet. Die junge Stute entwickelte sich prächtig und zeigte auch auf Turnieren eine tolle Präsenz. Heute ritt Alexa sie in der Halle Dressur und feilte an den Lektionen.
      Shattered Glass ließ ich hingegen noch etwas in Ruhe, hatte sie dennoch immer im Auge. Fleißig ging auch sie hier und da auf Turniere und zeigte sich von ihrer besten Seite. Ihr Training war hingegen entspannt, da ich noch nicht recht wusste, in welche Richtung ich mit der Stute gehen wollte. Für sie stand heute ein wenig lockere Arbeit unter Tami an. Unsere Auszubildende hatte sich ja in die Scheckstute ein bisschen verliebt.
      „Bringst du sie in die Führanlage?“, fragte ich Tami, die gerade mit Shattered Glass durch die Stallgasse lief. Sie bejahte und ich drückte ihr gleich noch Teasie und Walking in the Air in die Hand, um sie mit in die Führanlage zu packen. Die beiden Scheckstuten würden sich nur eine Viertelstunde warmlaufen, aber Wita wollte ich danach noch etwas traben lassen und dann war sie für heute auch schon fertig.
      Mit zwanzig Jahren musste man es in der Wintersaison auch nicht übertreiben und meistens ging sie im Unterricht mit, so dass sie sehr gut ausgelastet war. Ich schnappte mir stattdessen heute Teasie. Schnell geputzt und gesattelt, ging es für uns beide in die Halle, wo Alexa bereits Sarabi abritt und Tami hingegen Shattered Glass warmritt.
      Wir gesellten uns dazu und ich wärmte Teasie in aller Ruhe auf. Teasie war immer vor allem eine Zuchtstute gewesen und hatte nie viel mit Turnieren am Hut gehabt. Das wollte ich ab kommenden Frühjahr aber ändern, da ich merkte, wie viel Spaß ihr das machte und sie diese Aktion auch brauchte. Also arbeiteten wir heuten an den grundlegenden Lektionen, Tempiunterschieden und Bahnfiguren.
      Teasie war für einen Araber ausgesprochen schön zu reiten und ich war wirklich zufrieden, als ich mit ihr dann fertig war und sie abritt. Im Stall durfte die verschwitzte Stute dann für ein Viertelstündchen unter das Solarium, ehe sie eingedeckt wieder auf die Schneeweide hinausdurfte. In der Zeit traf Lynn im Stall ein. Sie war die Reitbeteiligung von Lila Wolken.
      Tendenziell vergab ich keine Reitbeteiligungen, es sei denn, sie konnten etwas, was ich nicht konnte, nämlich einen Fünfgänger reiten. Lynn konnte das und umsorgte Lila Wolken schon gefühlt seit immer. Sie war sehr zuverlässig, ritt gut und hatte eine tolle Art mit Pferden umzugehen. Dementsprechend war sie bei uns stets willkommen.
      „Eddi, kurze Absprache?“, fragte Tassilo und riss mich so aus meinen Gedanken. Ich nickte nur kurz und folgte ihn raus zu der Weide unserer Youngster. Ich ahnte, worauf er hinauswollte. „Jaaa, die beiden sind diesen Winter an der Reihe. Willst du das machen?“, fragte ich ihn grinsend und Tassilo nickte begeistert. Es ging um die Junghengste HGT’s Unitato und Outlaw Torn.
      Junghengste war wohl untertrieben, denn beide waren nun eigentlich schon erwachsen, aber für mich waren sie immer noch Babys. Nichtsdestotrotz stand für sie diesen Winter das Einreiten an und ich wusste, dass Tassilo indirekt darauf brannte, die beiden selbst auszubilden. Ich vertraute ihm da und überließ ihm meine beiden Schätze. Es wurde auch langsam echt Zeit für die zwei.
      Paddington und Amadahy hatten da noch ein Jahr Zeit, würden dieses dann aber auch schon anlongiert werden und vom Boden aus in aller Ruhe vorbereitet werden. Das ersparte dann später viele Mühen. Fraglich für mich war hingegen Korah. Sie wurde dieses Jahr bereits vier, nur konnte ich sie noch gar nicht einschätzen, ob sie noch etwas brauchte oder bereit war. Ich würde wohl bis zum Frühjahr warten, ehe eine Entscheidung gefällt wurde.
      Calimero II war da auch so ein fraglicher Kandidat, aber auch ihm ließ ich noch ein wenig Zeit. Stattdessen widmete ich mich lieber noch den großen Sportponys. Raunchy’s Limited wurde gerade von Alexa geritten und Feuervogel hatte heute frei. Schon öfters war ich gefragt wurden, wann ich denn ein Fohlen aus beiden ziehen wöllte, aber ehrlich gesagt, wusste ich das noch nicht. Vielleicht nächstes Jahr.
      „Acariya wird auch vier“, meinte Tami mahnend, als sie einen Blick über meine Schulter warf und die Liste durchlas. Kurz wollte ich ihr widersprechen, dann rechnete ich aber nach und seufzte. „Ja stimmt“, murmelte ich nur und schrieb sie auch zu den Vierjährigen. Wenigstens hatten Maelis und Herbstmond noch Zeit!
      Die jüngeren beschäftigten wir nur regelmäßig mit den Grundlagen des Fohlen ABC und sonst durften sie ihre freie Zeit genießen und Fohlen beziehungsweise Pferd sein. Like Honey and Milk lief gerade seelenruhig hinter einer Reitschülerin her. Sie war heute zu einer Probestunde da und wurde von Alexa unterrichtet.
      Ich war mir sicher, dass sie begeistert sein würde, auch wenn ich das Pferd wohl anders gewählt hätte, aber das musste Alexa wissen. So viel ich weiß, ritt das Mädchen schon länger und da wären Aristo oder sogar He’s called Trüffel auch eine sehr gute Wahl gewesen. Wobei zweiterer eventuell etwas zu klein hätte sein können, das wäre dann doch nicht so stimmig gewesen.
      „Ausritt?“, fragte ich Tami und sie nickte begeistert. Ich holte mir Thorondor von der Weide und sie sich Call me a Twist. Wir machten beide Hengste fertig und entschwanden dann für zwei Stunden in unser Winter Wonderland und genossen einfach die Sonne.
      Danach war ich wirklich motiviert und hatte Kraft getankt, weshalb ich mir Pajero schnappte und für ein Springtraining vorbereitete. Tassilo war auch sofort dabei und sattelte sich Cover the Sun. Die beiden Hengste liebten das Springen und die heutige Stunde machte auch wirklich Spaß. Alexa nahm sich sogar kurz Zeit, um uns beide noch etwas zu korrigieren und so war die Stunde ein voller Erfolg.
      Während Pajero dann unter dem Solarium döste, brachte ich Dr. Insektor und Dissident Aggressor in die Führanlage. Sie sollten sich heute bewegen, aber ruhig und kontrolliert, dementsprechend war die Führanlage ideal. In der Zeit besprach ich mit Alexa, wie unsere heutige Ponystunde aussehen würde und wen wir nehmen wollten.
      „Ich bin für Polka Dot und Batida de Coco“, meinte Alexa und ich stimmte ihr zu. „Übrigens hab ich gestern in der Zeitung etwas von einer neueröffneten Zirkusschule gehört, vielleicht könnte man die gute Frau mal zu uns einladen, um den Kindern das zu zeigen?“, gab Alexa als Vorschlag und ich meinte, dass ich darüber nachdenken würde. Es klang gut, nur musste ich eben erst wissen, um wen es ging.
      Da nun die beiden Ponystuten heute im Einsatz waren, mussten unsere Hengste noch versorgt werden. Erutan Wishes nahm ich für eine halbe Stunde an die Longe und mit What does the Fox say machte ich Bodenarbeit. Shetland Ponys waren bald anstrengender als Großpferde, denn die Zwerge mussten täglich beschäftigt werden. Sie wurden sonst erstens dick und zweitens maulig.
      Für uns stand heute dann nur noch 17 Uhr die Reitstunde an und dann kehrte auch langsam Ruhe auf dem Gestüt ein. 18 Uhr ging es für alle Pferde in den Stall, es gab Futter und dann wurde noch der letzte Abendrundgang gemacht, ehe wir uns alle in unsere eigenen vier Wände zurückzogen.
    • Eddi
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      Weidezeit
      06. Mai 2017
      Es war der 6. Mai. Eigentlich kein besonderes Datum, aber ich hatte mich dafür entschieden, dass nun endgültig die Weidesaison für unsere Pferde losgehen sollte. Den gesamten April über hatten wir sie in aller Ruhe angeweidet und nun sollte es auf die ersten großen Sommerweiden gehen. Ich machte daraus immer gerne ein kleines Event, weil es doch was Anderes war und uns endlich von unserer Winterroutine löste.
      An diesem Morgen wurden dennoch alle Pferde noch einmal im Stall gefüttert. Meine Truppe war auch schon früh gemeinsam zugegen, denn alle wollten es miterleben. Gestern Abend hatte ich mir noch einmal Gedanken über unsere Weideaufteilungen gemacht. Die Hengste hatten wir in zwei Gruppen geteilt und die Stuten ließen wir aber zusammen.
      Auch heute fühlte sich das noch gut an, so dass wir guten Gewissens die Pferde nacheinander rausschaffen würden. Ich hatte die Hengstgruppen so aufgeteilt, dass sie gut ausbalanciert waren. Es gab in jeder Gruppe sowohl jüngere als auch ältere Hengste, denn ich erachtete das für die Sozialisation als sehr wichtig.
      So durften die drei „Oldies“ Call me a Twist, Pajero und Dissident Aggressor mit Cover the Sun, HGT’s Unitato, Outlaw Torn, Altyn und Calimero II auf die Weide. In der zweiten Gruppe waren somit Thorondor, Aristo, Dr. Insektor, Erutan Wishes, What does the Fox say, Nochnoi Dozor, Feuervogel und He’s called Trüffel. Generell erschien mir die erstere Gruppe definitiv die aktivere, aber das war ja nicht schlimm.
      Die Sommerweiden boten den Pferden genügend Platz und frisches Gras. Zusätzlich gab es einen geräumigen Unterstand, wo wir jetzt zu Anfang auch noch Heu anbieten würden. Dort ließ sich auch eine von zwei vorhandenen Tränken finden.
      Die älteren Hengste wussten bereits genau, worum es heute ging. Unsere beiden Neulinge Altyn und Nochnoi Dozor hatten sich auch schon sehr gut eingefunden und nun null Probleme, mit ihren neuen Freunden auf die Weiden zu jagen. Es war wirklich schön anzusehen, wie da jeweils die Gruppen aus acht Pferden über die Wiese preschten.
      Als nächstes machten wir direkt mit den Stuten weiter. Insgesamt beherbergte das Gestüt momentan zehn Stuten und im Gesamten waren das alles sehr ruhige und liebe Zeitgenossen. Aus dem Grund wollte ich die Gruppe auch nicht teilen.
      Walking In The Air und Teasie waren die ältesten, aber auch gleichzeitig ranghöchsten. Danach folgte Sarabi, welche schon gerne einmal den Besitzanspruch der beiden älteren anfechtete und danach ergab sich der Rest ein bisschen von alleine. Lila Wolken zog sich vorzugsweise immer etwas zurück und genoss ihre Ruhe.
      Batida de Coco und Polka Dot waren generell auch sehr gern für sich. Zumindest wenn sie nicht ihre fünf Minuten hatten und den Großen auf den Keks gehen wollten. Sie waren aber auch gerne in der Nähe von den zwei absoluten Ruhepolen Shattered Glass und Like Honey and Milk. Die beiden machten ihrem Westernpferde-Dasein nämlich alle Ehre.
      Raunchy’s Limited und Amadahy waren irgendwie die Küken der Gruppe und waren sich dementsprechend bezüglich ihres Platzes noch nicht so sicher. Aber sie hielten sich auch gerne eher im Hintergrund auf. Außerdem hatte Raunchy im Moment auch noch Feuerdrache bei Fuß, aber das lief erstaunlich gut und er würde ja schon bald abgesetzt werden. Bei den Stuten ging es auch ruhiger zu und der Großteil begann sehr schnell zu grasen.
      Nun fehlten nur noch unsere Jungpferde. Dahingehend hatten wir momentan gar nicht viele und da wir auch die Hengste von den Stuten trennten, bekamen die jeweiligen Gruppen auch kleinere Areale. Also verhältnismäßig kleiner, für die Dreiergrüppchen waren sie dennoch riesig, aber den vollen Platz hätten sie nie nutzen können.
      So zunächst Applaus und Paddington alleine eine Gruppe, ehe Ende Sommer noch Feuerdrache dazu stoßen würde. Die Stuten bestanden hingegen aus Maelis, Acariya, Herbstmond und Korah. Alle bereits halbwüchsig und auch sehr aufgeweckt.
      Nachdem nun alle Pferde die Stallungen verlassen hatten, begann für uns erst der wahre Akt. Über den Sommer würden die Boxen nicht wirklich in Benutzung sein, also wurden sie komplett ausgemistet, ausgekehrt und auch direkt einmal mit dem Wasserschlauch ausgespritzt.
      Außerdem putzten wir die Tränken und Tröge, säuberten grob die restlichen Oberflächen und die Fenster. Auch die Paddocks mussten abgeäppelt werden.
      Am Ende hatten wir aber einen blitzeblanken Stall und waren wirklich zufrieden mit uns. Der Tag war jedoch noch längst nicht rum, denn immerhin sollte ein Großteil der Pferde heute auch bewegt werden. Besonders die momentanen Anwärter standen unter Beobachtung.
      Dazu zählten insbesondere Altyn und Nochnoi Dozor, die beiden neuen Achal Tekkiner, in welche ich große Hoffnungen legte. Aber auch Calimero II sollte langsam aus sich herauskommen, genauso wie HGT’s Unitato. Die vier hatten momentan einen strengen Trainingsplan einzuhalten.
      Ich kümmerte mich hingegen um Outlaw Torn, der war zwar bereits zur Zucht zugelassen, aber unter dem Sattel musste er dennoch noch viel lernen. Alexa nahm sich da lieber unsere Shettys zu Hand, denn daran hatte sie besonders viel Spaß. Die Shettyhengste fuhr sie heute und mit den Stuten machte sie Freiarbeit.
      Ich gönnte mir heute dann noch einen Ausritt mit der jungen Amadahy, die zu meinen geheimen Lieblingen gehörte. Und außerdem schaute ich noch einmal bei Sarabi vorbei, von welcher ich nämlich diesen Monat noch ein Fohlen erwartete. Das Treiben auf dem Gestüt war dementsprechend in vollem Gange und so hatten wir alle Hände voll zu tun.
    • Eddi
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      Gestütsbetrieb
      07. Oktober 2017
      Tatsächlich gehörte der Samstag mit zu meinen liebsten Tagen. An diesem Tag war besonders viel auf dem Gestüt los, da samstags immer die Reitvorschule stattfand. Dementsprechend wuselten Kinder von drei bis sechs Jahren im Stall herum. Es waren zwei Gruppen von je vier Kindern.
      Der einen Gruppe gehörten Batida de Coco und Polka Dot als Schulponys und der anderen Gruppe gehörten Erutan Wishes und What does the Fox say. In der Reitvorschule ging es vor allem noch viel um den Umgang und die Pflege der Pferde. Gerne fragten wir die Kleinen ab und beantworteten auch alle aufkommenden Fragen.
      Natürlich kamen die Kinder auch noch näher mit den Pferden in Kontakt, aber neben dem Reiten lernten sie auch schon Grundlagen der Bodenarbeit und des Longierens, je nachdem wie fortgeschritten sie schon waren. Da heute aber unglaublich schönes Herbstwetter war, entschieden sich Tami und Alexa dafür, mit den Kindern nach der Theorieeinheit einen Ausritt zu machen.
      Während die Gruppen unterwegs waren, richtete ich im Reiterstübchen schon einmal die Obstteller und den Tee her. Generell trafen sich die Gruppen danach noch einmal und nebenbei gab es ein paar Kleinigkeiten. Gerade im Winter war es dann ganz gut, wenn sich die Kinder aufwärmen konnten.
      Lange trödeln konnte ich jedoch nicht, denn ich übernahm heute den Unterricht von Alexas einer Schülerin. Sie hatte diese Woche nicht so kommen können wie sonst und dementsprechend musste sie sich mit einem anderen Reitlehrer zufrieden geben.
      Als ich in den Stall kam, war Aristo bereits geputzt und gesattelt. Lara schien auch schon so gut wie fertig zu sein, so dass wir uns auf den Weg in die Halle machten. Die Reitschülerin war 17 Jahre alt und eine sehr begabte Reiterin, sie bevorzugte aber die klassische Reitkunst und war umso dankbarer, Aristo gefunden zu haben.
      Der Barockpinto war dahingehend ja einwandfrei ausgebildet und konnte ihr so wirklich viel lehren. Heute arbeiteten wir an Travers und Renvers, teils auch schon im Trab. Danach arbeiten wir im Galopp noch an der richtigen Versammlung, so dass die beiden heute dem Pirouettengalopp schon sehr nahe kamen.
      Das Input war heute glaube auch genug für Lara, aber sie ging sehr zufrieden aus der Reitstunde. Nachdem sie vorbildlich Aristo versorgt hatte, verabschiedete sie sich auch schon. Ich war froh, mich für die Reitschüler entschieden zu haben. Natürlich wählten wir alle mit bedacht und hatten so neben den acht kleinen Kindern auch nur sechs größere Reitschüler.
      Alexa organisierte die „Reitschule“ zum Großteil selber und war auch die aktive Lehrerin. Bei dem kleinen Maßstab benötigte es da auch nicht mehr und ich glaube niemand hätte gerne Tassilo als Lehrer gehabt. Er war fair, aber er war sehr streng. Und auch ich war keine Lehrernatur, dementsprechend war ich froh, dass wiederum Tami gerne einsprang, wenn sich ihr die Möglichkeit bot.
      Für kommendes Wochenende plante Alexa zum Beispiel einen größeren Ausritt ans Meer mit den älteren Schülern. Dafür plante sie Aristo, Like Honey and Milk, Lila Wolken, Teasie, Walking in the Air und Call me a Twist ein. Sie selbst würde wohl Shattered Glass reiten, somit waren die Pferde für den Tag auch schon versorgt.
      Ich schaute noch kurz auf dem Springplatz vorbei, wo Tassilo gerade Cover the Sun ritt. Vorhin hatte ich ihn schon mit Feuervogel beobachtet und war sehr zufrieden mit dem Training gewesen. Ich wollte heute Abend noch einen Ausritt mit Thorondor machen, doch vorher musste ich die anstehende Arbeit im Büro erledigen.
    • Eddi
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      Weihnachten!
      24. Dezember 2017
      Wieder war ein Jahr vorüber und Weihnachten stand vor der Tür. Da sowohl Alex, als auch Tami und ich total weihnachtsbegeistert waren, war das gesamte Gestüt rundum geschmückt. Zu unserer Freude hatten wir aktuell auch Schnee, so dass alles weiß und verschneit war. Heute war der 24. Dezember und wir hatten unseren alltäglichen Betrieb auf das Minimum runtergeschraubt, denn natürlich wollte ich meinem Team auch freie Tage gönnen. Aber wie es bei Pferdemenschen so war, tauchten sie trotzdem alle morgens im Stall auf und halfen bei den täglichen Arbeiten.
      Das bedeutete, alle Pferde wurden gefüttert, dann ging es raus auf die Weiden und die Boxen wurden gemistet. Abschließend wurde schon Futter und Heu für den Abend vorbereitet, ehe wir gemeinsam noch unseren weihnachtlichen Rundgang über die Weiden gingen und den Pferden Möhren vorbeibrachten, die wir auf den Weiden verteilten.
      Gerade im Schnee war es immer relativ amüsant, den Pferden bei der Suche zuzuschauen. Wir begannen bei den Jungpferden und dort hatte besonders Tassilo seinen Spaß. Paddington hatte schnell verstanden, dass Tassilo die Möhren etwas weiter warf und war schon ein Stück weiter getrabt, bevor die nächste Möhre durch die Luft flog. Unsere jüngsten, Cover the Moon und Feuerdrache, hielten sich da lieber etwas bedeckt und erschlichen sich durch Süßheit bei Tami ihre Möhren.
      Bei Alex sammelten sich auch bereits einige Jungpferde. Darunter auch unser noch recht frischer Neuzugang Merida, die sich aber schon bestens eingelebt hatte und sichtlich zufrieden mit ihrer Herde zu sein schien. Besonders gerne spielte sie mit Maelis und Acariya. Ich wurde gerade von Lady Fox angestupst, die Korah und Herbstmond zur Seite schob, um nun auch an ihre Möhren zu kommen. Die beiden Welshs Acariya und Applaus hielten sich etwas zurück und warteten einfach geduldig, bis Tassilo ihnen die Möhren vorbeibrachte.
      Bei den Hengsten war aktuell wesentlich mehr los. Calimero II und BonnyBoy jagten sich gerade gemeinsam über die Weide und stießen dabei beinahe mit Call me a Twist und Aristo zusammen, die eigentlich gerade im Schnee nach Gras stöberten und die jungen Hengste direkt zurechtwiesen. Den restlichen Teil ließ das bisher kalt, bis wir dazu kamen. Sofort hoben Pajero, Thorondor und Dr. Insektor den Kopf als sie mein Pfeifen hörten und kamen angetrabt. Man merkte, wer schon lange hier lebte.
      Cover the Sun, Altyn und Fiebertraum ließen sich direkt anstecken und kamen mit angerauscht. Durch die trabende Gruppe wurden auch die anderen aufmerksam und warum auch immer preschten Feuervogel und Outlaw Torn nebeneinander los und buckelten erst einmal wild über die verschneite Weide. Das waren eindeutig die Wintergefühle und die ergriffen auch HGT's Unitato und die beiden Shettys What does the Fox say und Erutan Wishes. Die waren ja sowieso für jeden Quatsch zu haben.
      Bis dann die Hengste bemerkten, dass es bei uns Möhren gab und schon standen sie in einem großen Kreis um uns herum und warteten ungeduldig auf das weihnachtliche Geschenk. Das war eigentlich vor allem dafür da, um bei allen Pferden nach den Rechten zu sehen. Aber anscheinend waren alle bei bester Gesundheit. Für die Möhren rissen sich dann sogar Auftakt und Dissident Aggressor von den Heunetzen los und kamen herübergeschlendert. Fürst der Finsternis und He's called Trüffel schlossen sich an. Die beiden hatten bisher relativ weit hinten gestanden und das Theater hier vorne geflissentlich ignoriert.
      Fehlte nur noch Single Malt, aber der kam nach einem Rufen auch sofort an und schon waren alle Hengste beisammen. Sie waren alle fit und dementsprechend konnten wir uns dann schon bald verabschiedeten und nun ging es nur noch zu den Stuten. Dort wurden wir schon von Walking in the Air, Sally und Teasie erwartet. Die ruhigeren Damen hielten sich gerne am Eingang auf, um auch ja alles mitzubekommen.
      Auch hier reichte ein Rufen und schon kamen Sarabi, Raunchy's Limited und Polka Dot um die Ecke gesaust. Und da sich die Gruppe in Bewegung setzte, kamen auch nach und nach die anderen. Erst Possy Pleasure Mainstream und Shattered Glass, dann aber auch noch Nesquik und Nandalee. Für den Rest mussten wir uns auf den hinteren Teil der Weide bewegen. Lila Wolken und Like Honey and Milk fanden das Heunetz zu nett, als dass sie sich bewegt hätten. Außerdem stromerte hier hinten auch noch Batida de Coco herum und Alice von Landwein und Amadahy spielten gerade miteinander, während Razita sich genüsslich wälzte.
      Auch sie war wie Merida noch relativ neu bei uns, hatte sich aber wirklich problemlos eingliedern lassen.
      Allen Pferden ging es bestens und so schickte ich mit etwas Nachdruck mein Team dann nach Hause zu ihren Familien. Vorher gab es für jeden von ihnen noch ein kleines Geschenk von mir, ehe ich sie dann endgültig verabschiedete und ihnen frohe Weihnachten und schöne Feiertage wünschte. Die hatten sie sich definitiv verdient und die Pferde konnten auch mal ein paar Tage entspannen.
    • Eddi
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      Sommerweiden
      07. Juni 2018
      Hengste: Altyn, Aristo, Auftakt, BonnyBoy, Calimero II, Call me a Twist, Cover the Sun, Dissident Aggressor, Dr. Insektor, Erutan Wishes, Feuervogel, Fiebertraum, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, HGT's Unitato, Namour, Nochnoi Dozor, Outlaw Torn, Pajero, Single Malt, Thorondor, Varulv, Vertigo, What does the Fox say
      Stuten: Alice von Landwein, Amadahy, Batida de Coco, Das Kürbisvieh, Herbsttraum, Like Honey and Milk, Lila Wolken, Naimibia, Nandalee, Nesquik, Polka Dot, Possy Pleasure Mainstream, Raunchy's Limited, Razita, Sally, Sarabi, Shattered Glass, Teasie, Walking in the Air
      Fohlen: Acariya, Applaus, Cover the Moon, Feuerdrache, Herbstmond, Korah, Lady Fox, Maelis, Merida, Paddington

      Der Sommer hatte uns mittlerweile vollständig erreicht. Nach einer längeren Anweidezeit dieses Jahr, waren nun seit kurzem die Sommerweiden eröffnet. Den Mai über hatten uns noch allerhand Unwetter und Stürme geplagt, doch mit denen schien endlich Schluss zu sein. In aller Ruhe hatten mein Team und ich die Sommerweiden vorbereitet und vorgestern die jeweiligen Herden auf die großen Stücke gelassen. Die ersten Tage hatten sie auch alle heil überstanden. Für uns hatte das bedeutet, die Ställe komplett zu misten und auch einmal ordentlich durchzuspülen. Nun fiel für uns viel Arbeit weg. Das Futter bekamen die Pferde nach der täglichen Arbeit und Heu stand ihnen trotz der Weiden permanent zur Verfügung. Jeden Morgen kontrollierte ich auf dem Pferderücken alle Zäune, ehe ich den Pferden auch einen Besuch abstattete und schaute, ob alles in Ordnung war.
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  • Album:
    Verkauf
    Hochgeladen von:
    Eddi
    Datum:
    4 Okt. 2016
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  • Name: Lila Wolken
    geboren: 2009

    __________________

    Von: Branda Phönix
    Aus der: unb.

    __________________

    Rasse: Isländer
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Mausfalbschecke
    Stockmaß: 137cm

    Beschreibung:
    Lila ist eine aktive Stute, die doch manchmal denkt, dass sie uralt sei und deshalb geschohnt werden müsse.
    Sie ist auf der Weide eine Ruhige und fängt nur selten Streit an. Auch im Umgang ist sie einfach zu führen, dabei zeigt sie sich genügsam und besitzt einen guten Gehwillen.

    Ersteller: Occulta
    Besitzer: Eddi
    Vorkaufsrecht: Occulta

    Gangreiten S*** - Wendigkeit A

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    1. Platz 4. Gangturnier
    1. Platz 77. Gangturnier
    1. Platz 85. Gangturnier
    1. Platz 87. Gangturnier

    1. Platz 109. Gangturnier
    1. Platz 202. Gangturnier

    2. Platz 36. Gangturnier
    3. Platz 12. Gangturnier
    3. Platz 16. Gangturnier
    3. Platz 79. Gangturnier
    [RS 42] Gangpferde

    __________________

    Gekört: ja, [SK 437] Westerngerittene- und Gangpferde

    [​IMG]

    Nachkommen:
    Hlín frá glaesileika eyjarinnar