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BellaS

Layali | ♀ | Morgan Horse | Yasuara Ivardottir

Layalie | Stute | Morgan Horse | Besitzerin: Yasuara Ivardottir

Layali | ♀ | Morgan Horse | Yasuara Ivardottir
BellaS, 25 März 2017
Bracelet, Zion und Canyon gefällt das.
    • BellaS
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      26. April 2017

      Military E → A | 5543 Zeichen | © BellaS
      Wieder einmal hatte ich Gäste auf dem Hof. Vierbeinige Gäste. In meiner Funktion als Trainerin reiste ich inzwischen nicht mehr um die halbe Welt, sondern ließ die Pferde zu mir kommen. Das machte eine sorgfältiges Training für mich sehr viel einfacher, da ich neben den Pferden, die es zu trainieren galt, auch noch eine ganze Menge anderer Vierbeiner zu versorgen hatte. Außerdem hatte ich die idealen Trainingsbedingungen des norwegischen Frühlings und der Tyrifjord Ranch zur Verfügung, sowie die tatkräftige Hilfe meines gesamten Teams. Auf einmal war es mir möglich mehrere Pferde gleichzeitig zu trainieren, weil ich mich nicht mehr alle nacheinander reiten musste.

      Momentan hatte ich zwei Warmblüter im Training, die meine Bereiterin Tiffany Snow und ich in den Grundlagen der Vielseitigkeitsreiterei, auch Military genannt, trainierten. Während ich mir den Knabstrupper Mix Efeu ausgesucht hatte, die ein ausgesprochenes Springtalent sowie ein herrlich ausgeglichenes, aber doch vorhandenes, Temperament besaß. Tiffany dagegen kämpfte jeden Trainingstag wieder mit Lune de Miel, die Luna gerufen wurde. Die Stute war ein pures Energiebündel und zappelte dauerhaft, auch tänzeln und bocken waren ihr nicht fremd. Luna musste permanent beschäftigt werden, um ausgelastet zu sein und ihr unglaubliches Talent zu entfalten. Beide Stuten waren bisher eher springbetont geritten worden, daher verwendeten wir die ersten Tage ihres Aufenthalts in Norwegen zum Training in der ungeliebten Disziplin, der Dressur.

      Hier waren auf dem A-Niveau nur die Grundgangarten mit Mitteltempo und korrekter Haltung, sowie einige essenzielle Bahnfiguren gefordert, doch Luna genoss die Enge des Dressurvierecks und Steifheit der vorgegebenen Lektionen nicht wirklich. Beschäftigung war dieser Stute eher körperlich als geistig genehm. Sie wollte lieber wild drauf los galoppieren, als sich in gemäßigtem Tempo und schöner Haltung auf dem Hufschlag eines Dressurvierecks zu bewegen. Damit auch Efeu eine Chance auf etwas Fortschritt ohne Ablenkung hatte, schloss Yasuara sich mit ihrer Stute Layali an. Die Beiden waren ein eingespieltes Team und hatten bereits etwas Erfahrung in der Dressur, daher übernahmen sie immer wieder die Aufgabe Luna etwas zu erden, wenn sie auf unkluge Ideen kam. So schaffte es auch Tiffany nach drei Trainingstagen einen, zumindest halbwegs, schönen Mitteltrab und Mittelgalopp auf dem Zirkel zu zeigen. Efeu dagegen ritt sich angenehm und flüssig und lernte gerne und schnell. Ich saß gerne auf der hübschen Stute und wir hatten uns schnell zu einem guten Team zusammengerauft.

      Da es die letzten Tage regelmäßig geregnet hatte und die Geländestrecke stark aufgeweicht war, entschieden wir uns, immer noch zu dritt, das klassische Springtraining zuerst zu absolvieren. Vier glänzen sowohl Efeu, als auch Luna. Layali hatte mit ihren Langen Beinen und den bunten Hindernisstangen, die nur allzu leicht fielen, ihre Probleme. Luna dagegen jagte durch den Parcours als wären drei Teufel hinter ihr her und machte dabei nicht einen Fehler. Tiffany, die in den letzten Tagen zunehmend genervter geworden war, blühte regelrecht auf. noch beim Abendessen schwärmte sie von dem unglaublichen Willen und Vermögen der Stute, die am Hindernis auf einmal ein ganz anderes Pferd zu sein schien. Allerdings hatte auch ich das Training auf Efeu genossen, die eine grazile und wendige Springerin war. Mit ihr hatte man die Möglichkeit die Zeit nicht durch pures Tempo, sondern durch klug gewählten Weg und konsequentes Abkürzen zu verringern. Um auf Yasuaren Rücksicht zu nehmen, die uns bei der Dressur so gut geholfen hatte, sprangen wir am nächsten Tag noch einmal in klassischen Parcours. Heute allerdings auf dem Springplatz, den die Sonne, die am frühen Morgen endlich wieder aufgetaucht war, von einem Sumpf in einen Reitplatz zurück verwandelt hatte. Wenn sich das Wetter hielt, würde die Geländestrecke, die durch den Wald lief, spätestens morgen wieder ideal zu reiten sein.

      auf den nächsten Tag hatte ich mich besonders gefreut. Ich besaß kein Pferd, das in der Lage war die normale Geländestrecke zu springen und ich liebte den Adrenalinrausch, den das Fliegen über die massiven Hindernisse auslöste. Auch Yara und Tiffany, mit denen ich mich im Stall traf, grinsen bereits vor Vorfreude. Besonders Tiffany brannte darauf ihre unbändige Stute im Gelände an ihre Grenzen zu bringen.

      Gemeinsam sattelten wir die Stuten und machten uns auf den Weg zum Start. Tiffany, schon in der Vorfreude auf den Parcours gefangen, achtete gefährlich wenig auf ihre Stute. Das rächte sich sofort, denn Luna machte einen Satz, als aus dem Buch neben dem Weg eine Amsel aufflog. Die aschblonde Reiterin fand sich innerhalb eines Augenblicks halb auf dem Hals ihres Pferdes liegend wieder und besaß zum Glück die Geistesgegenwart mit der einen Hand in Lunas Mähne, mit der anderen in die Zügel zu greifen. So blieben Stute und Reiterin an ihrem angestammten Platz und der Ritt konnte fortgesetzt werden. Der kleine Zwischenfall hatte zur Folge, dass Tiffany nun aufmerksam genug war, um Lune de Miel unfallfrei aufzuwärmen und schließlich auch über die Strecke zu bringen. Alle drei Pferde erwiesen sich im Gelände als sichere Springer und zuverlässige Vielseitigkeitspferde, auch wenn die Zuverlässigkeit von Luna, wie auch von Layali stark vom Reiter abhing.

      Am nächsten Tag würden wir Robin als Zeitnehmer mitnehmen, doch ich wusste, alle drei Stuten hatten ihre Sache mehr als gut gemacht und konnten nun gut in der A-Vielseitigkeit, der CIC*, starten.
    • BellaS
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      Resumée
      7360 Zeichen © BellaS
      Liebe Bella der Vergangenheit, liebe Bella der Zukunft.

      Ich liege gerade hier auf meinem Bett und kann kaum fassen wie die Zeit vergeht. Bei Mama und Papa habe ich tatsächlich mein altes Tagebuch gefunden und die letzten Tage damit verbracht in den Erinnerungen an meine Teenagerzeit zu schwelgen. Leider ist das Buch schon lange vollgeschrieben und mit der letzten Seite brechen die Einträge ab, doch ich habe nun den Entschluss gefasst ein neues Buch zu kaufen und mit meinem Leben zu füllen. Ich habe keinen blassen Schimmer was die Zukunft bringt, aber meine turbulente Vergangenheit hat schon einiges zu bieten. Im Folgenden werde ich da anknüpfen, wo der letzte Eintrag endet. Ich werde hier meine ganze spektakulär-unspektakuläre Geschichte aufschreiben, bis zu dem Tag an dem ich im hier und jetzt ankomme. Aber die Vergangenheit endet nicht und damit die Erinnerung nicht endet, werde ich auch nicht aufhören zu schreiben. Hier also mein Memo an mich selbst: Meine Geschichte.


      Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines letzten Tagebucheintrags. Es war ein Tag, der mein ganzes Leben veränderte und mit dem ich mein Tagebuch abschloss. Mein Traum seit Kindertagen hatte sich erfüllt: Ich hatte mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich hatte schon immer Isländer geliebt und doch war es eine Tinkerstute, die ich mein erstes eigenes Pferd nennen durfte. Winter Cloud, eine Stute aus unbekannter Abstammung von unbekannten Besitzern. Irgendwo aufgegriffen, die einen Platz brauchte. Meine Eltern hatten sich damals gerade einen ewigen Traum erfüllt und zu unserem Stadthaus einiges an Grundstück dazugekauft. Mama hatte sich schon immer einen großen Garten gewünscht und Hühner hatte sie auch gewollt. So kam es, dass ich tatsächlich genug Platz hatte um ein Pferd zu halten. Zuhause. Eine völlig verrückte Idee. Ich war Studentin. Es war mein Plan gewesen IT zu studieren. Mein erstes eigenes Pferd hätte ich dann gekauft, wenn mein Verdienst entsprechend gewesen wäre und gehalten hätte ich es sicher auch nicht auf dem Hof meiner Eltern. Und doch, es kam wie immer alles anders als man denkt. Aus einem Pferd wurden schließlich vier. Innerhalb der restlichen Studienzeit hatten sich tatsächlich weitere Pferde in mein Leben geschlichen, von denen mich heute noch eins begleitet. Topar, mein kleiner Irrer ist noch immer ein Teil meines Hofes und er ist noch nichtmal wirklich alt. Als nur vierjähriger Hengst kam er zu mir und das ist nun 12 Jahre her. Zwölf Jahre, die völlig anders verliefen als ich jemals zu träumen gewagt hätte.

      Ich machte den Bachelor und beschloss dann, dass ich halbtags arbeiten und nebenbei die Ausbildung zur Trainerin und Reitlehrerin machen würde. Allerdings war ich den Pferden inzwischen so verfallen, dass der Hof meiner Eltern nicht mehr ausreichte. Ich zog an die Nordsee und gründete dort meinen ersten eigenen Hof. Das alte Gut Muschelsand, das schließlich zur Reitschule wurde, war aber nur für zwei Jahre mein Zuhause. Ich kaufte Pferde und verkaufte Pferde. Meine süße Vin, außerdem Koni und meine geliebte Fee stammen aus dieser Zeit. Ich entwickelte ambitionierte Pläne dazu, eine Isländerzucht zu gründen und kaufte Sólfari als Zuchthengst. Dieser ist inzwischen wirklich Vater einiger Fohlen. Ich hatte meine Liebe zu Isländern wieder entfacht, genau wie meine Liebe zu meinem damaligen Freund. Jonas war lange Zeit mein Freund. Er folgte mir sogar als mich mein Freiheitsdrang mitsamt meiner Pferde nach Schottland zog, wo wir uns schließlich trennten. Heute denke ich nicht mehr besonders gerne an ihn zurück.

      Woran ich mich aber gerne erinnere, ist die erste Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Linn. Mehrere Jahre züchteten und trainierten wir Seite an Seite unsere Isländer, bis es sie schließlich ins Land der Märchen zog. In die Heimat unserer Pferde, nach Island.

      Von Schottland aus, zog es Linn und mich nach Dänemark. Mein größter Erfolg als Züchterin und Trainerin stammt aus dieser Zeit. Isländer frá glæsileika eyjarinnar stehen mittlerweile in der halben Welt. Isländer aus meiner Zucht. Mein Name steht für erfolgreiches Training mit pferdegerechten Methoden, ich habe Freunde, Trainer und Züchter in der ganzen Welt und ich bin stolz darauf, was aus mir geworden ist.

      Auf Rømø lernte ich auch einen Menschen kennen, der eine zentrale Rolle in meinem Leben einnehmen sollte: Robin. Er kam als Bereiter auf meinen Hof und ich verliebte mich kompromisslos in den dunkelhaarigen Dänen. Mit einer zwischenzeitlichen Trennung sind wir bis heute beinahe acht Jahre zusammen.

      Als es Linn dann nach Island zog, stellte ich fest, dass ich keine Chance hatte den riesigen Hof auf der dänischen Insel alleine zu halten. Der Verkauf des liebgewonnenen Ortes machte mich unglaublich traurig, aber ich gab nicht auf. Es kostete mich viel Kraft, doch ich ließ meine Pferde einige Monate bei einer guten Freundin in Norwegen stehen und verkaufte von dort aus die meisten von ihren, bis ich schließlich einen Entschluss gefasst hatte. Ich hatte in meiner alten Heimat ein Grundstück gekauft. Auf dem riesigen Stück Land in der Region Hannover entstand nach und nach ein moderner Offenstall, voll und ganz von Robin und mir geplant.

      Ich habe mir insgeheim geschworen, dass dieser Hof mein letzter sein würde. Mein bisher nur 33 jähriges Leben hat genug Umzüge gesehen. Außerdem gibt es inzwischen Faktoren, die die Weltreisen für mich unmöglich machen. Nicht geplant, aber wunderbar kam am 08. September vor fünf Jahren meine erste Tochter zur Welt. Mit 28 Jahren, seit “nur” drei Jahren in einer Beziehung und im Stress mit dem Aufbau eines Stalls und der Versorgung einer ganzen Herde Pferde wurde ich schließlich auch noch Mutter.

      Heute kann ich sagen, meine Kinder sind das beste was mir je passiert ist. Zwei Jahre später, am 27. Mai kam dann meine zweite Tochter zur Welt. Die Schwangerschaft mit ihr war schrecklich, da mein Wildfang es mir nicht leicht gemacht hat… Dann auch noch meine Abneigung gegen Ärzte… Nein, wirklich keine schöne Erinnerung.

      Nike und Helena sind jetzt drei und fünf Jahre alt und ich stehe mitten im Leben, aber da es spät wird, möchte ich noch ein bisschen zu meinen Pferden schreiben und werde das hier dann morgen fortsetzen.

      Dreiundzwanzig Pferde gehören noch zu meiner Herde, aber es sind nicht nur Isländer. Ich habe mit Mayalie und ihrer Tochter Merida zum Beispiel zwei Shirehorses. Außerdem besitze ich seit kurzen auch zwei junge Hengste der selben Rasse, benannt nach Rittern der Tafelrunde. Sir Lancelot und Sir Gawain. Beide sollen Zuchthengste werden und einer Rasse bei der Verbreitung helfen, die hier sehr unbekannt ist. Meiner Trainerin Tiffany gehört eine Stute names Just like the Wind, mit der sie Military reitet. Außerdem gibt es noch Amelie, eine junge Physiotherapeutin für Pferde, die ihr Pony der Rasse Arravain mitgebracht hat. Cielo geht eine Gangart die sich sitzt wie der Tölt und fasziniert mich im allgemeinen sehr, da sein Charakter vorbildlich ist. Layalie, eine Morganhose Stute gehört einer anderen Trainerin meines Hofes, Yasuara und mit Löwenherz darf ich endlich wieder einen Tinker mein Eigenen nennen. Auch seine Geschichte ist sehr besonders und wir in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich schließe für heute mit der Nachricht, das inzwischen vier Fohlen den Nachsatz “vom Helstorfer Moor” tragen.

      Schlaf gut, Zukunftsbella. Bis morgen.
    • BellaS
      03. Januar 2018
      Und so ging es weiter...

      12036 Zeichen © BellaS
      Meine Geschichte ist lang, und genauso langweilig wie lang. Zumindest in meinen Augen. Das Problem dabei ist nur, dass ich sie selbst erlebt habe. Kein Wunder also, dass sie mir langweilig erscheint.
      Ich habe meine Freizeit der letzten Tage genutzt und ein bisschen in meinen Sachen gekramt, auch in denen, die Erinnerungen bergen. Darunter fand ich mein Tagebuch, in das ich seit Jahren nicht mehr eingetragen hatte. Ich war um die dreißig, als ich den letzten Eintrag verfasste. Über zehn lange Jahre ist das nun her und so beschloss ich, dass es an der Zeit war, wieder einen Eintrag zu verfassen. Hier ist sie also, die kleine Fortsetzung meiner Geschichte
      Dass ich eigentlich Informatik studiert hatte, war kaum bekannt. Genausowenig wie die Tatsache, dass ich meine “Trainerkarriere” als Hobbyreiterin begonnen hatte. Keine Kindheit auf einem Gestüt, keine Eltern, die Pferde besessen hatten, nichts. Und dann kam mein erstes Pferd. Und das Zweite, und das Dritte.
      Eine ganze Geschichte voller Umzüge, Liebe, Dramen und Meilensteine, von denen ich mir niemals hätte träumen lassen. Beinahe filmreif, würde ich sagen.
      Und dann kam endlich alles so, wie ich sein sollte. Zumindest glaube ich das heute. Ich wurde schwanger, bekam Kinder und begann sie groß zu ziehen. Und schließlich einen Großteil meiner Pferde zu verkaufen, den Hof zum Offenstallbetrieb auszubauen und meinen eigentlichen. Beruf wieder aufzunehmen. Inzwischen ist das Leben im Helstorfer Moor eingezogen.

      ***

      “Sie kommen!!” Ich lächelte und freute mich innerlich über die Freude und Aufregung meiner jüngsten Tochter. Zwar waren vor einigen Wochen bereits einmal neue Einsteller angekommen, aber die Aufregung über ein weiteres neues Pferd waren gleichwohl stark wie eh und je. Mit der Mustangstute, die in wenigen Minuten ankommen würde, waren dann alle Offenstallplätze für Externe belegt.
      Der Anhänger hielt auf dem Hof und ein etwa dreißigjähriger, resolut und sympathisch wirkender Amerikaner stieg aus dem Auto. Sin Bishop hieß er. Ich hatte ihn bereits kennen gelernt, als er sich unseren Hof anschaute. Mein Mann Robin hatte sich auf Anhieb gut mit ihm verstanden und ich war mir recht sicher, dass er sich über etwas männlichen Beistand mit weniger als vier Beinen freute. Immerhin musste Robin jeden Tag mit einem Haus voll Frauen und allen weiblichen Einstellerinnen klar kommen. Da kam Sin gerade recht. Eigentlich hatte ich mir für die Herde eher einen weiteren Wallach gewünscht, da die Rangfolge momentan rein stutendominiert war und die Kerle ein wenig untergebuttert wurden, doch damit das nicht auch bei den Menschen der Fall war, kam Sin gerade recht. Havana Girl war ihm auf Umwege in die Hände gefallen. Er hatte angefangen sie zu trainieren und schließlich hatte ihr alter Besitzer ihm die Stute überlassen. Der Grund war etwas kurios, aber solange das Pferd einen eingetragenen Besitzer hatte, umgänglich, gesund und auf vernünftige Art und Weise trainiert war, sah ich keine Probleme.
      Probleme entstanden momentan viel mehr in der Herde. Seit einigen Tagen floss Blut im großen Offenstall. Unsere letzte neuer Einstellerin, Ylvi Seidel, hatte ein Gespann aus Wallach und Stute mitgebracht. Während der Wallach Valravn zunächst vorsichtig gewesen war, aber keiner Fliege etwas zur Leide tat, war die Stute dazu ein soziales Biest. Fylgia war dominant und hatte noch nicht ganz begriffen, dass es durchaus noch dominantere Stuten gab. Bisher hatten sich meine Stuten Laufey und Vin den Kampf und die erste Position geliefert. Jetzt war Vion tatsächlich zurück getreten und hatte Fee das Feld überlassen. Das war mir lieb, denn Vin war wertvoll, doch Laufey frá Sólin als isländischer Import ebenso. Ihr Fohlen Ljóma von Atomic, welches aus einem meiner ehemaligen Spitzenhengste gezogen worden war, zeigte bereits jetzt fantastische Anlagen. Davon das Fee mein Lieblings- und Herzenspferd war, wollte ich zudem gar nicht erst anfangen. Da die Stuten aber ihre Rangfolge regeln mussten, gab ich mich damit zufrieden jeden Tag schuterzuckend kleine Platzwunden zu versorgen und mich darüber zu freuen, dass bisher noch kein Tierarzt von nöten gewesen war.
      Valravn hatten außerdem langsam begonnen sich etwas von Flygia zu lösen. Er neigte zwar immernoch zum kleben, doch war Trickling Snow sein neustes Opfer. Die zwei Lewitzer teilte die Neigung zu Unfug. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie gemeinsam begannen Dinge zu zerlegen, Tore zu öffnen und ähnliches anzustellen. Im Prinzip alles, was die Fantasie eines Pferdes zuließ.
      Ich drehte mich um um unseren neuen Einsteller zu begrüßen und sah von der anderen Seite Robin auf uns zu kommen. Er führte Vákur frá glaesileika eyjarinnar am Zügel. Einen jungen Hengst, der noch aus den Resten unserer gemeinsamen dänischen Zucht stammte und für den noch Körungsambitionen vorhanden waren. Immerhin besaß der Hof noch drei Padockboxen für Hengste, die auch alle drei belegt waren. Die Junghengste Vákur und Glanni frá glaesileika eyjarinnar und natürlich mein heimlicher Liebling Sólfari. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht den umgänglichen und so gar nicht hengstigen Hengst zu verkaufen. Zwar hatte ich meine Zucht eigentlich auflösen wollen, doch bewegten trotzdem ein paar Fohlen “vom Hestorfer Moor” die Szene. Mit Vordís vom Hestorfer Moor, Vinkonas erstem Fohlen und einziger Nachkomme des Traumhengstes Óslogi, hatte ich vor kurzem erst eine Fohlenschau aufgemischt. Das Stütchen hatte bereits Talent und Temperament en masse.
      Die Männer begrüßten sich mit Handschlag und grinsten sich an, dann ging es ans Ausladen. Havana Girl hatte ruhig im Hönger gestanden und sah es auch nicht wirklich ein ihr Heunetz für einen unbekannten Offenstall herzugeben. Erst als Sin das Netz durch die fordere Hängertür entwendete, ließ sich die Stute aus dem Hänger bugsieren. Da es bereits herbstlich war, musste die dünne Stalldecke, die sich während des Transportes getragen hatte noch gegen ein etwas dickeres Exemplar getauscht werden, dann ging es in den eigens für sie abgetrennten Bereich des Offenstalls. Mit gespitzen Ohren stand die Stute am Zaun und beschnupperte die langsam ankommenden Mitglieder der Herde. Allen voran Laufey suchte Kontakt zum Neuankömmling, schließlich musste sie das fremde Pferd überprüfen um ihre Herde im Zweifelsfall zu warnen und zu schützen. Die angelegten Ohren stellten sich jedoch schon nach wenigen Sekunden auf und nun durfte auch der Rest der Pferde an die neue Stute heran. Zumindest so lange, bis es Havana zu viel wurde und sie sich in eine weiter entfernte Ecke verzog. Der Einzug schien ohne Stress zu verlaufen. Immer ein gutes Zeichen.
      Gemeinsam mit Robin lud Sid nun auch seinen Sattelschrank aus und begann sich häuslich einzurichten, zumindest was Pferdedinge anging. Bei seinem ersten Besuch hatte ich den Amerikaner bereits über unsere Stallordnung aufgeklärt. Zu meiner großen Freude hatte er alles in erinnerung behalten und räumte seine Dinge genau so weg, wie ich es angedacht hatte. Wenn ein Einzug so unkompliziert verlief, konnte das nichts Schlechtes bedeuten.

      ***

      “Hey, aufstehen.”, sanft streichelte ich Helena über die Wange, die noch im Traum versunken war. Egal wie meine Töchter morgens murrten, wenn ich sie um sechs Uhr morgens aus dem Bett holte, ich freute mich, dass ich sie noch wecken durfte. Ich hatte erwartet, dass die sechzehnjährige Helena irgendwann in die “Eltern sind scheiße”-Phase verfallen würde, doch ich hatte mich getäuscht. Die Pubertät war bisher zwar nicht spurlos, doch recht milde an ihr vorüber gegangen. Ganz anders Nieke. Obwohl erst dreizehn Jahre alt, hatte der schwarzhaarige Wirbelsturm immer einen ganz eigenen Kopf. Streit oder schlecht gelaunte Eltern waren ihr relativ egal, sofern es nicht allzu erst wurde. Trotzdem verzichtete auch sie noch jeden Morgen auf die Nutzung eines Weckers, sondern vertraute voll und ganz auf Mamas morgendlichen Weckservice. Auf den beschränkte es sich jedoch, da ich mich beim besten Will nie in die Küche stellen würde, um meinen Kindern ihr Pausenbrot hinterher zu tragen und mir anzuhören was sie alles nicht mochten. Kinder, die nicht zur Selbstständigkeit erzogen wurden, waren mir schon immer ein Graus gewesen. Außerdem waren die Pferde an der Reihe, ehe ich selbst zur Arbeit musste.
      Um sechs Uhr klingelte mein Wecker, um neun Uhr hatte ich an meinem Schreibtisch zu sitzen und mir anzuhören was wieder alles “kaputt” war. Drei Tage die Woche zu Hause, zwei in der Firma.
      Während ich einer Arbeit außerhalb des Hofes nachging, war der Hof die Arbeit meines Mannes. Instandhaltung des Hofes, Training und Pflege der Pferde die keinen Einstellern gehörten füllten seinen Tag.
      Ich klaubte einen Arm voll Heu von der überladenen Schubkarre und stopfte es in das vor mir ausgebreitete Heunetze. Sieben über den gesamten Paddockbereich verteilte Futterstellen bedeuteten sieben Futterstellen die es galt jeden Morgen aufzufüllen. Vor der Arbeit versteht sich. Das Auffüllen am Abend übernahm mein Mann, der sich grundsätzlich den Luxus gönnte bis acht Uhr zu schlafen. Allerdings beneidete ich Robin nicht um die Arbeit, die jeden Tag auf unserem Hof anfiel. Kleinigkeiten, wie ein kaputter Strahler auf dem Reitplatz, eine lose Tür an Excelsiors altem Sattelschrank, ein undichtes Dach an einem Unterstand oder eine gebrochene Zaunlatte gehörten nicht zu meiner Lieblingsarbeit, auch wenn ich Handwerklich durchaus versiert war. Allerdings schaffen es die Mitarbeiter meiner Firma ebenfalls regelmäßig mich mich Kleinkram in den Wahnsinn zu treiben. Ich meine: Wie ich aller Welt wollte ein Rechner laufen, wenn der Stecker nicht eingesteckt war? Dass studierte Architekten oft nicht in der Lage waren nach den einfachsten Fehlerursachen an Computern zu suchen, raubte mir hin und wieder den letzten Nerv. Da war mir die Betreuung der Betriebssoftware lieber. Die zickte war auch, aber nie so wie ein Kollege, der den Fehler ausschließlich am Gerät suchte und nicht an ihm selbst.
      Mein Ausgleich waren die Pferde in deren Mitte ich inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht hatte. Ausritte auf Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Mayalie oder Vinkona, gemeinsam mit meinen Töchtern, meinem Mann oder Einstellern entpuppten sich als das, was ich mir immer gewünscht hatte. Weg vom dere großen Zucht und dem Verdienen meines Lebensunterhalts mit den Pferden, hin zum Partner Freizeitpferd war ein großer Schritt gewesen. Und einer, den ich noch nie bereut hatte.
      Ich saß am offenen Fenster und erledigte meine Arbeit von zu Hause aus, als Theresas Wagen auf dem Hof parkte. Sie schien heute frei zu haben, denn es war noch Vormittags. Lächelnd winkte ich ihr zu, während sie mit Silfurtoppas Halfter in der Hand den Paddock betrat. Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar stammte ebenfalls aus meiner alten Zucht, doch als es zwischen ihr und Theresa gefunkt hatte, hatte ich die Stute mit Freude verkauft. Obwohl ich immer wieder gehört hatte, dass es nicht gut sei ein eigenes Pferd zu verkaufen, wenn es auf dem Hof blieb, war ich bisher immer zufrieden gewesen. Ob ich nun ein gutes Händchen hatte oder unverschämtes Glück, beides sollte mir recht sein.
      Mein Nachmittag bestand darin Reitunterricht zu geben. Josephine Silber, Tochter von Katrin Silber, der Besitzerin von Soul Dance, bekam jeden Montag Reitunterricht von mir. Dass ich einmal Trainerin gewesen war, kam mir hin und wieder doch noch zur Gute. Nicht selten schlossen sich dann Nieke auf Crime Time oder unser Skywalker, Luke, an, der Cielo von Amelie entwedet hatte. Meiner Meinung nach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden funkte. Der blonde und heitere Casanova tat der ernsten und rationalen Amelie nur gut. Zumindest sah ich das so. Und wenn ich dann Abends in den letzten Strahlen der Herbstsonne neben meinem Mann auf der Bank vor der Eingangstür sitzen und Yasuara zuschauen konnte, wie sie mit ihrer Stute Layali Freiheitsdressur übte, kam ich mir zwar vor als währe ich bereits achtzig Jahre alt, doch ich war glücklich und das war die Hauptsache.
    • BellaS
      Vergessen? | 3164 Zeichen | © BellaS
      Manchmal vergisst man Dinge, die einem einst wichtig waren und manchmal fallen sie einem ein, wenn es längst zu spät ist. Zum Glück nicht in diesem Fall.
      Als ich erwachte, hatte ich das komische Gefühl etwas vergessen zu haben, obwohl der Tag kaum begonnen hatte. Grübelnd was auch immer dies sein konnte, machte ich mich auf dem Weg zum Stall um meine übliche morgendliche Futterrunde zu machen. Die Schubkarre mit Heu hatte ich am Abend schon beladen und die Hengste Vákur frá glaesileika eyjarinnar, Topar und Sólfari steckten bereits hungrig ihre Nasen aus den Türen ihrer Padockboxen, um das erwartete Frühstück in Empfang zu nehmen. Kraftfutter gab es bei mir traditionellerweise erst nach der Arbeit, da es mir alleine kaum möglich war alle meine Pferde täglich zu bewegen und ich keine aufgedrehten Hengste haben wollte, die aufgrund eines Energieüberschusses der Hafer stach. Die vierte Box war im Moment noch leer. Dort würde Jährlingshengst Glanni frá glaesileika eyjarinnar einziehen, wenn sein Spielkumpanee Fáfnir frá glaesileika ejarinnar alt genug war um zu verstehen, dass er ein Hengst war. AB diesem Zeitpunkt würde ich die Kleinen trennen müssen, um Verletzungen zu vermeiden.
      Nach den Hengsten legte ich einen Zwischenstop in der Scheune ein, füllte die Karre auf und begann die Heunetze im ersten Offenstall zu putzen. Hier standen alle Nicht-Isländer in einer bunten Herdengemeinschaft zusammen. Morgan Horse Layali, Ponywallach Excelsior, das kleine Exmoor Pony Soul Dance und Trickling Snow, ein Lewitzer. Letzterer war frisch kastriert und noch nicht lange in der Herde, sodass er sich gerne mit Barockpinto Gawain anlegte. Ich schaute kurz nach akuten Wunden die meiner Aufmerksamkeit bedurften und widmete mich, nachdem ich nichts beachtenswertes fand, wieder dem Füttern.
      Zu guter Letzt war der Stutenpaddock an der Reihe. Kaum hatte ich das Schiebetor geöffnet, drängten sich schon hungrige Mäuler um mich, um sich am Inhalt der Karre gütlich zu tun.
      Einzig meine Turnierstute Laufey frá Sólin kanbberte an meiner Jacke herum und interessierte sich eher für Streicheleinheiten meinerseits, als für ads Futter. Als Ranghöchste würde sie ihren Teil noch früh genug bekommen. Hinter ihr trippelte Vordís vom Helstorfer Moor, die Fee, aus einem mir unbekannten Grund, adoptiert zu haben schien.
      Ich ließ meinen Blick über die bunte Versammlung schweifen. Die Fohlen Nóra vom Helstorfer Moor und Ljóma von Atomic schauten sich die Futterszenerie mit neugierigen Augen an, während sich die restlichen Stuten an der Karre drängten. Allen voran die Jüngsten. Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar und Hlín frá gleasileika eyjarinnar, Stuten aus meiner eigenen Zucht, auf die ich mehr als stolz sein konnte. Neben ihnen bedienten sich Tilviljun, Meyja und Fenja, die Überbleibsel meiner treuen Zuchtstuten.
      Gedankenverloren kraulte ich Fee und lehnte mich an den Zaun. Meinen Weg durch die Fressenden würde ich mir noch früh genug bahnen. Was hatte ich vergessen? Oder hatte ich etwas verloren?
      Wenn ich etwas verloren hatte, dann war es mein Herz. Das schlug für meine Pferde, wie es das schon immer getan hatte.
    • Friese
      Verschoben am 31.01.2020
      Grund:
      6 Monate lang keine Pflege.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    BellaS
    Datum:
    25 März 2017
    Klicks:
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    Kommentare:
    5
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    Layali

    Yali


    Unbekannt x Unbekannt

    Unbekannt x Unbekannt | Unbekannt x Unbekannt



    29. März

    1,55 m

    Brauner

    EEAa


    [treu] [mutig] [personenbezogen]

    Layali ist Yasuaras treuste Freundin. Die Stute hört auf ihren Namen und etliche Kommandos, geht mutig mit ihrer Besitzerin durch dick und dünn und manchmal scheint es, als könne sie Yaras, und Yara ihre Gedanken lesen. Zu zweit sind Mädchen und Pferd ein unschlagbares Team, andere Menschen schaut Layali jedoch nichteinmal mit dem Hinterteil an. Respekt vor dem Menschen oder etwas, das sie nicht will, kann niemand anderes als Yasuara von der Stute erwarten.


    unbeschlagen | nicht geimpft

    Führen | Fohlen ABC | Sattel & Zaumzeug | eingeritten


    Schritt | weit ausgreifend, locker

    Trab | weite Tritte, recht flott

    Galopp | flach gesprungen, sehr sehr schnell


    Dressur E (M)

    Fahren E (M)



    -



    [Schleife]

    [HK]

    als Leihmutter verfügbar

    keine Nachkommen


    BellaS

    /

    Canyon + VKR