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Stelli

Laith | Holsteiner *

LaithRufname LettieGeburtsdatum *27.3.2005Stockmaß 1,73mFellfarbe PalominoAbzeichen keineCharakter zurückhaltend, treu, ausdauerndGesundheit gesund Hufzustand 4x beschlagen letzter Hufschmiedbesuch 4.12.2013 - Schmiede 'Tannenheide'letzter Tierarztbesuch 6.2.2014 - TÜV - Praxis 'Tannenheide' letzte Impfung 6.2.2014Aus der Fanjaaus der Finjavon FineVon Baceno aus der Temptation Ellyvon BrilliantoRasse HolsteinerGeschlecht StuteZur Zucht zugelassen ja[x] nein [ ]Zucht Hofgut TannenheideBesitzer StelliErsteller / Züchter HuhnVKR -Verkäuflich NeinReitbeteiligung -QualifikationenGalopprennen Klasse -Western Klasse -Spring Klasse LMilitary Klasse ADressur Klasse LDistanz Klasse AFahren Klasse EEignung Dressur, Springen, Military, DistanzTraining Dressur [A-L]; Springen [A-L]keine

Laith | Holsteiner *
Stelli, 17 Sep. 2013
    • Stelli
      Pflegebericht Laith

      Ich nahm mir schon lange vor auf die Pferdeauktion am Dienstag morgen zu fahren. Heute war es dann endlich soweit. Eigentlich wollte ich wie immer 'nur mal gucken', woraus dann doch wieder nichts wurde.
      Pünktlich traf ich auf dem Gelände ein und wartete gespannt auf die ersten Pferdchen. Die ersten interessierten mich nicht wirklich. Doch dann kam eine Palominostute hereingetrabt, die mich doch schon ansprach. Ich erfuhr, dass es sich um eine Holseinerstute, geboren 2005 handelte.
      Nach der Auktion ging ich zu Zasa, der Verkäuferin, die heute ein paar Pferde vorgestellt hatte. Schnell wurde mir klar, das ich Laith haben wollte. Für einen guten Preis bekam ich Laith.
      Am nächsten Tag streute ich früh die Box für den Neuankömmling ein und fuhr sie dann mit meinem Hänger holen. Laith war aufgeregt, aber dennoch sanftmütig. 2 Sunden später stand sie dann in ihrer Box und erkundete ihre neuen vier Wände und Nachbarin Kiss Me Quick. Als sie dann begann ihr heu zu knuspern, ließ ich sie in Ruhe.
    • Rajandra
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      04.12.2013 Hufschmiedbesuch bei Esperanza, Laith, Lago & Checkpoint

      Für meinen nächsten Auftrag brauchte ich nicht weit zu gehen, denn es handelte sich um vier von Stelli's Pferden, die auf dem Hufgut Tannenheide, also bei uns standen. Als erstes wollte ich die zwei Stuten neu beschlagen. Laith und Esperanza bekamen beide einen Vollbeschlag mit klassischen Stahleisen. Meine mobile Schmiede fuhr ich deswegen an den Stallgasseneingang und holte mir die Pferde selbst heraus, das Stelli im moment eines unserer Zuchtpferde ritt. Zuerst kam Laith an die Reihe, eine Holsteinerstute mit ungewöhnlicher Farbe. Bei der Palominostute hatte ich schnell das erste Eisen abgenommen, also schnitt ich mit dem Hufrinnmesser den Strahl und die Strahfurchen ab und entfernte überschüssiges Horn mit der Hufzange und der Hauklinge. Dabei begradigte ich auch und raspelte den Huf danach mit Hilfe des Hufbocks und der Hufraspel. Der erste Huf war nun wieder top in Schuss und so verfuhr ich auch mit den anderen dreien. Als alle Hufe von Laith korrigiert und ausgeschnitten waren fing ich an sie zu beschlagen. Der heißbeschlag gefiel ihr wie immer nicht so sehr, allerdings ließ sie es trotzdem ruhig über sich ergehen und bald waren ihre Hufe neu beschlagen. Als nächstes war Esperanza dran, auf die die gleiche Prozedur wartete. Ihre Hufeisen waren schon ziemlich locker so ging das abnehmen sehr schnell und auch beim Ausschneiden und Korrigieren hatte ich nicht übermäßig zutun. Beim beschlagen stand sie sehr ruhig und auch geduldig, denn bei ihr musste ich öfter die Form der Eisen bearbeiten bevor ich sie annagelte, als bei Laith. Die Scheckstute war aber auch kurze Zeit später mit vier frischen Eisen ausgestattet und durfte in die Box. Danach folgten noch die zwei Hengste Lago Puccini und Checkpoint, die nur vorne neu beschlagen wurden. Auch bei ihnen ging ich so vor wie bei den Stuten, jedoch beschlug ich sie nur an den Vorderhufen. Bei Lago musste ich einiges Ausschneiden, denn seine Hufe waren in nicht optimalem Zustand und ich beschloss das Beschlagsintervall doch wieder um zwei Wochen zu verkürzen, denn seine Hufe waren ziemlich lang und ich hatte viel zu Korrigieren und Auszuschneiden. Das Beschlagen ging bei ihm jedoch sehr schnell und er benahm sich auch sehr gut. Bei Checkpoint hatte ich an sich nicht zu viel zutun, denn seine Hufe waren in einem annehmbaren Zustand. Allerdings stellte er sich beim Brennen extrem an, weswegen ich dies sehr schnell machen musste um ihn so wenig wie möglich aufzuregen. Aber auch das bekamen wir hin und so hatte auch der Rappe nach kurzer Zeit wieder zwei neue Eisen. Danach entließ ich ihn zurück in die Box und kehrte die Stallgasse um dann zum nächsten Kunde zu fahren.
    • Ravenna
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      Dressurtraining A auf L
      4349 Zeichen (c) Ravenna
      Also lud ich Corvus und Cayden in mein kleines, aber feines Auto um schließlich vom Hof zu fahren in Richtung Tannenheide – das Gestüt der beiden war nicht weit weg. Nach nur einer halben Stunde trafen wir auf dem Hof ein – ich stellte Stelli Cayden vor und verkündete er würde mir mit dem Training der beiden Stuten helfen. . Dabei traf es sich gut, das Laith diejenige war die zwar etwas zurückhaltend war, jedoch dabei nicht ängstlich und die größere der beiden Stuten. Weswegen sich Cayden eher mit ihr beschäftigte. Gemeinsam sattelten wir die beiden, schritten über den mit Schnee bedeckten Hof hinüber zur geräumigen Halle. Unter Stelli hatte ich bereits gesehen, das Laith weit in der Ausbildung war – sie lief ordentlich am Zügel, ließ sich ohne weitere Probleme biegen und stellen und die Tempowechsel zeigten sich deutlich innerhalb einer Gangart, sodass es keine Probleme geben sollte einen versammelten Galopp oder Trab von beiden zu fordern. Vom Boden aus kannte die Stute bereits die Hinterhandwendung, wie ich im Round Pen festgestellt hatte. Also schwangen wir uns bald darauf in die Sättel, stellten uns die Bügel ein um erst einmal im Schritt neben einander durch die Halle zu gurken um zu besprechen worauf wir uns heute konzentrieren wollten. Laith kannte bereits die einfachen Galoppwechsel war also das stellen in einen anderen Galopp bereits gewohnt, deswegen wollten wir heute auf die verschiedenen Tempi innerhalb einer Gangart achten, also dem Arbeitstrab, dem Mitteltrab und dem versammelten Trab, wie auch im Galopp. Zusätzlich würden wir auch auf den Außengalopp ein wenig eingehen und schauen wie sie darauf reagierte. Gesagt getan, wir begannen mit den ersten richtigen Hufschlagfiguren, wärmten die beiden im Schritt und Trab erst einmal richtig auf ehe wir uns an die Galopparbeit machten. Laith bewies hier ihre Ausdauer – der Außengalopp klappte bei ihr nicht hundertprozentig, doch geduldig ließ sie sich von Cayden immer wieder durchparieren und von neuem angaloppieren.
      Die Volten hatten wir bereits etwas verkleinert, denn in einer L Dressur gab es nur noch 8 Meter Volten, doch für die erste Trainingsstunde hatten sich beide Stuten gut angestellt. Beim Absatteln brachten uns die Pfleger die Abschwitzdecken die wir auf die Pferde legen sollten, denn dank dem Plüschfell hatten sie ordentlich geschwitzt. Die Pfleger versicherten uns außerdem sie würden die Stuten später wieder entdecken.
      Am den folgenden Tagen wechselten wir uns ab, einmal war ich auf dem Boden, Cayden hockte auf Laith und wir übten die Hinterhandwende. So konnten wir vom Boden aus die ersten Kommandos geben um ihnen die Hilfegebungen des Reiters verständlicher zu machen. Die Kurzkehrt verlangte schon ein etwas intensiveres Training – zunächst absolvierten wir die Übung im Schritt. Die Hilfen die Cayden gab waren die für eine Volte, als Laith nun etwas seitwärts trat hielt ich ihre Vorwärtsbewegung auf indem ich Kreuz und Oberschenkel anspannte und gab am äußeren Zügel eine kurze Parade. Dabei sollte eine Art Halbkreis entstehen. Cayden ritt langsam jede Phase ab –Laith sollte zwar einen Schritt machen jedoch Seitwärts statt Vorwärts. Jedesmal wenn sie Seitwärts trat trieb er wieder von innen nach um den nächsten Schritt auszulösen und hielt jedesmal die Vorwärtsbewegung auf. Zunächst misslang beiden Stuten diese Übung immer wieder..manchmal blieb Laith auf dem inneren Hinterbein stehen, dann setzten wir die Wendung etwas größer an um uns danach darauf zu konzentrieren jeden Schritt gut auszureiten. Um Laith den Takt ein wenig zu vereinfachen tippte Cayden sie mit der Gerte ein paar Mal auf die Hinterhand. Nach ein paar Tagen banden Cayden und ich auch Stelli in das Training mit ein, denn schließlich sollte auch sie mit ihren Stuten klarkommen, aber darin bestand kein Zweifel schließlich kannte sie ihre Stuten besser und länger als wir es taten.
      Die darauffolgenden Tage probten wir das neu erlernte, bis der Tag der Prüfung anstand. Insgesamt präsentierten wir den Richtern jedoch ein in sich geschlossenes und wendiges Pferd, die es vermochte ordentlich am Zügel zu laufen, sich selbstverständlich schön aufrichtete und ihr bestes gab. Die verschiedenen Tempi innerhalb der Gangarten waren klar von einander zu unterscheiden – so war es nicht verwunderlich, dass Laith die Stufe mit Bravour wechseln durfte!
    • Stelli
      Pflegebericht Weststallung

      Nachdem ich mich um die Pferde im sogenannten 'Südstall' gekümmert hatte, durften die Pferde im 'Weststall' nicht zu kurz kommen. Ich begann in diesem Stalltrakt mit meinem Liebling Ben. Er gewann vor ein paar Tagen doch tatsächlich die Wallachschau der höchsten Klasse, worauf ich sehr stolz war. Ich holte den Dicken aus der Box, putzte ihn und sattelte ihn anschließend. In der Halle ritten wir ein wenig, denn er wurde vor 2 Tagen geimpft. nach einer halben Stunde brachte ich ihn nach dem Reiten auf ein freies Paddock. Als nächstes holte ich den Appaloosahengst Secret Sign aus seiner Box um ihn zu bewegen. Ich trug mich in die Liste für unser Roundpen ein, kritzelte also ein unschönes "Secret Sign" in die kleine Spalte und machte den Hengst schnell fertig. Secret Sign war heute etwas mürrisch und wollte wohl nicht richtig arbeiten, weswegen ich nach 30 Minuten aufhörte und den mies gelaunten Hengst nochmal aufs Paddock brachte. Bessere Laune hatte meine Trakehnerstute Minstrel. Die roanfarbige freute sich, als ich sie aus der Box holte. Schnell war die eingedeckte Stute geputzt und gesattelt. Ich flitzte in die Halle und baute rasch noch ein paar Gymnastikspünge auf, bevor ich mein Pferd mit in die Halle nahm. Sie war heute sehr motiviert und begeistert, als es zum Springen überging. Sie war heute echt super, deshalb ließ ich sie noch etwas v/a laufen bevor ich das Training beendete und sie mit einer Abschwitzdecke in die Box stellte. Dann holte ich Lago Puccini von draußen herein um ihn zu bewegen. Nachdem Lago's Fell wieder glänzte ließ ich ihn kurz stehen, um dann drei Pferde in die Führanlage zu stellen. Ich holte mir Never say Never, Esperanza und Jacarta und stellte die Stuten nacheinander in die Führmaschine. Das Programm wurde auf 40 Minuten Schritt und Trab gestellt. In der Zeit wollte ich mi Lago ein wenig Spazieren gehen. Der Oldenburgerhengst genoss den gemütlichen Spaziergang bei sonnenschein sichtlich. An einer Grasstelle durfte er sogar grasen, was ihn umso mehr freute. Als wir nach genau 35 Minuten zurück am Hof waren, beeilte ich mich mit Lago, um meine drei Grazien aus der Führanlage zu holen. Erst holte ich Never say Never und brachte sie aufs Paddock. Gefolgt von der Scheckstute Esperanza, die ebenfalls neben sie auf ein freies Paddock kam. Jacarta war die letzte, welche neben Esperanza Platz nahm. Nun hatte ich noch zwei Pferde in diesem Stalltrakt. Nachdem ich beschlossen habe, Kiss Me Quick zu reiten, holte ich sie aus der Box, putzte sie und machte sie reitfertig. Dann nahm ich mir Laith, meine Holsteinerstute und stellte sie für 40 Minuten aufs Laufband. Ich stellte das Programm mit Steigung ein und ließ sie dann alleine. Ich bat eine Einstellerin Laith dann auf ein Paddock zu stellen. Ich nahm mir meine Rappschimmelstute und ging auf den Außenplatz. Er sah gut aus und war dank Allwetterboden nicht gefroren. Heute machten wir bisschen Dressurtraining auf Kandare, wobei meine Stute sehr konzentriert und zielstrebig war. Nach über einer Stunde waren wir fertig und das Reitpony ziemlich geschwitzt, weswegen sie schnell in den warmen Stall mit Abschwitzdecke kam. Nun hatte ich 'nur'noch die Zuchtpferde vor mir..

      [3190 Zeichen (c) Stelli]
    • Stelli
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      Laith - TÜV, Komplettimpfung

      Meine Holsteinerstute Laith war nun endlich auch bereit, sich für die Stutbucheintragung zu qualifizieren. Es fehlte nur noch der nötige TÜV, damit sie für die Kür zugelassen werden konnte. Ich packte meine Tasche an meinem Auto mit den nötigen Utensilien. Nachdem ich das erste verstaut hatte, ging ich zum Stall, wo Laith ihre Box hatte. Ich holte sie heraus, zog ihr die Decke ab und fing an. Zuerst hörte ich ihr Herz und die Lunge ab, um raschelnde Geräusche ausschließen zu können. Alles hörte sich sehr gut an, die Herztöne waren ebenfalls regelmäßig und kräftig. Danach nahm ich die PAT-Werte meiner Holsteinerstute, die alle im Normalbereich lagen. Als nächstes überprüfte ich die Schleimhäute, Augen und Ohren der Palominostute, wo ich ebenfalls nichts feststellen konnte, das ein Grund der Besorgnis auslösen würde. Danach tastete ich die Beine und den Rücken meines Pferdes ab, ging dabei besonders auf Gelenke und empfindliche Knochen ein, drückte Sehnen und Bänder ab und konnte glücklicherweise nichts feststellen. Auch die anschließenden Beugeproben waren tadellos. Nun musste noch Blut abgenommen werden. Ich reinigte den Bereich der linken Halsvene gründlich mit einem Alkoholtupfer und legte die Kanüle. Ich fing das nötige Blut in Blutröhrchen auf und brachte die nach der Blutabnahme in die Kühlbox. Nun musste ich die PAT-Werte noch nach der Belastung nehmen. Dazu longierte ich Laith dreißig Minuten und nahm die Werte danach nochmal. Auch nach der Belastung schien alles in bester Ordnung zu sein. Als letztes musste ich meine Stute noch impfen. Mit sterilen Nadeln und Spritzen zog ich den Impfstoff auf, reinigte Haut und Haar des Brustmuskels, wo ich rasch die Impfung injiziert hatte. Zu guter letzt nahm ich noch eine Kotprobe aus Laiths Box und brachte die Stute danach aufs Paddock.
      Im Labor fing ich dann an das Blut und den Kot auszuwerten. Es waren keine Würmer oder andere Parasiten zu erkennen. Beim Blut war ebenfalls alles in ordnung, kein Wert war drastisch gesenkt oder zu hoch. Also war Laith kerngesund und konnte bei dem Stutbuchwettbewerb teilnehmen.

      [2095 Zeichen (c) Stelli]
    • Mohikanerin
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      Wieder mal mache ich mich auf zu Stelli. Der Weg ist in letzter Zeit alltag geworden und ich habe mich an die lange Fahrt gewöhnt. Als ich dann ankomme hat sie bereits die Stute fertig gemacht, weil ich etwas zu Spät gekommen bin. Auf der Autobahn war ein Unfall. Ich packe meine Sachen ins Auto und den Schlüssel in meine Jackentasche. Gemeinsam gehen wir schnellen Schrittes auf den Springplatz. Ich gurte noch einmal nach und stelle mir die Steigbügel ein. Stelli hilft mir beim aufsteigen und ich reite die Stute warm. Laith ist heute etwas zickig, aber ich kann mich leicht durchsetzten. Trotz meiner Krankheit zur Zeit versuche ich mich zu konzentrieren.
      Noch mal gucke ich, ob ich nachgurten kann und trabe die Stute an. Es geht im zick-zack um die Hindernisse bzw. auf dem Zirkel. Ich wechsel auch öffter die Hand, dass Laith aufmerksam bleibt. Ab und zu trabe ich über die Cavalettis. Ich lasse die Stute wieder im Schritt laufen und lobe sie. Mit ihre reite ich ein paar Volten und dann geht es los mit den Hindernissen. Ich galoppiere die Holsteiner Stute an und reite auf den ersten Oxer zu. Dieser ist 110 cm hoch und ich lehne mich beim Springen anch vorn. Ohne zu reisen, überspringt sie das Hindernis. Ich reguliere ihr Tempi und reite auf das Rick zu. Es ist nich viel höher als der Oxer auch hier gehen wir mittig auf das Hindernis zu und ich setze mich rein. Als sie lospsirngt lasse ich mich mitziehen. Anschliessend stetze ich mich vorsichtig wieder rein uns reite einen halben Zirkel um zur zweifachen Kombination zu gelangen. In der Kurve lehne ich mich leicht nach ihnen, weil sie etwas eng ist. Schon kommt dasRick der Kombi auf und zu und ich bremse Laith etwas im Tempo. Sie wird schon wieder immer schneller. Doch sie soll die schönen Galoppsprünge nicht verlieren. Ich springe mit ihr nun auch über den Oxer von der Kombination, Sie reist erneut das Hindernis nicht. Leise lobe ich sie und streiche der Palomino über den Hals. Gemütlich galoppieren wir zum schwierigsten Hindernis. Oft habe ich Angst vor dem Wassergreben, weil ich schlechte Erfahrungen vom Turnieren habe auf denen ich immer Fotografiert habe. Doch mich packt der Mut ich setze mich in den Sattel und treibe noch einmal. Er kommt immer nähr. Weit ist er schon mit 270 cm. Scheinbar für die Stute zu weit. Sie bremst schlagartig und ich war nicht drauf vorbeireitet und falle vornewährts runter. Wie schon gedacht falle ich ins Wasser. Stelli kommt mir sofort helfen. Doch mir geht’s gut. Sie setzt sich auf ihre Stute und reitet etwas Schritt und Trab. Ich dagegen geh mich umziehen. Da immer was sein kann, habe ich stehts Wechselsachen mit. Als ich umgezogen bin geht es wieder aufs Pferd. Erneut mach ich nicht den Wassergraben. Doch Stelli hat eine andere Idee und baut ein Rick auf stellt da hinter ein paar Cavalettis. Aber so, dass nichts pasieren kann. In der Zeit überspringe ich noch ein paar mal die Futterkrippe.
      Auch Stellis Idee fand Laith ganz doof. Wieder verweigert sie sich und wir entscheiden uns dafür, dass wir es beim nächsten mal noch mal versuchen und diesmal andere Gamaschen ran. Ich reite die Holsteiner Stute noch ab und fahr dann nach Hause.
      Nach ein paar Tagen komme ich wieder und diesmal Pünktlich! Trotzdem hat Stelli ihre Stute schon gesattelt und sogar Martingal hat sie rangemacht. Ausserdem hat Laith dickere Gamaschen und auch Neopren Glocken um die Vorderbeine. Ich streiche ihr über den Hals. Am Platz gurte ich noch mal nach und Stelli hilft mir beimAufsteigen. Immer wieder kommen wir am Wassergraben vorbei und Laith drückt mich nach Aussen. Scheinbar hat sie Angst vor dem Teil, dass heisst Üben. Erst mal reite ich sie im Schritt und Trab warm. Immer wieder weichen wir am Schenkel oder auf dem Zirkel reite ich Schulterhinein. Es klappt super, auch wenn die große Stute unsicher ist. Trotzdem vertraut sie mir. Ich lasse sie halten und gucke noch mal, ob der Gurt fertgenug ist. Alles super und ich galoppiere die Palomino Stute. Im ruhigen Tempi bleibe ich erst einmal auf dem Zirkel und geh dann auf den Oxer zu. Problemlos springt sie über die 120 cm. Auch die Kombination reisst sie nicht. Heute springe ich auch über eine Tribelbarre. Das macht sie ohne Fehler. Erneut lobe ich sie und weiter. Ich reite mit ihr auf die Futterkrippe vor. Beim Abspringen lasse ich mich mit nach vorne ziehen. Auch wenn es nicht mein Pferd ist, fühle ich mich wohl bei jedem Galoppsprung. Laith ist ein gutes Springpferd. Auch düber die Kombination Springe ich noch mal bevor ich meine Idee mache. Ich reite die Stute noch ein wenig im Schritt und dann geh ich zu Stelli und erzähle ihr meine Idee, es gedarum, dass sie mit ihr in den nächsten Tagen etwas freitspringen über den Wassergraben machen soll. Dass Laith di Angst vor dem Sprung verliert. Sie ist einverstanden und wir verabreden uns für die nächste Woche.
      Eine Woche später komme ich wieder auf dem Gestüt Tannenheide an. Stelli ist nicht da. Ich laufe durch die Stallgasse, zum Büro doch überall ist niemand. Auch ans Telefon geht keiner. Merkwürdig. Daraufhin geh ich wieder ins Auto und warte auf sie. Doch da fällt mir ein, dass sie gesagt hat, dass sie nicht da ist. Bei WhatsApp hat Stelli mir geschrieben wo alles ist. Also hole ich die Stute von der Weide und putze sie. Immer wieder reibt sie ihren Kopf an der Stange und ich mach ihr das Halfter um den Hals. Dann geh ich in den Stall und hole zu ersten das Schutzzeug, die Trense und das Martingal. Ich lege alles auf den Boden und geh noch den Sattel mit der Schabbracke holen. Ich hebe es auf das Pferd. Da ich etwas klein bin, wird das komisch aussehen. Anschliessend mach ich das Halfter vom Hals ab und trense die Stute auf. Das Martingal habe ich bereits befässtigt genau wie das Schutzzeug. Also hol ich noch die Gerte und mach mir wieder die Schutzweste um. Doch mit Helm reite ich nicht.
      Am Reitplatz steige ich auf und nehme mir eine Aufstiegshilfe zur Hilfe. Nachgegurtet habe ich schon, also reite ich sie jetzt warm. Noch am lockeren Zügel reite ich um die Hindernisse und trabe auch manchmal über die Cavaletties. Aufmerksam arbeitet Laith mit und ich lobe sie immer wieder. Mein Handy klingelt. Ich habe es vergessen wegzutun. Trotzdem gucke ich wer Anruft, Unbekannter Teilnehmer. Ich lege auf und mache es auf Stumm. Weiter geht es. Nun muss ich mich wieder auf das Pferd konzentrieren. Hinter den Hindernissen trabe ich sie an. Ich trabe leicht und mache auch wieder Dehnungsübungen. Begeistert ist sie jetzt nicht, aber treu arbeitet sie mit. Erneut lobe ich sie und galoppiere die Holsteinerstute nach einer Schrittpause an. Als erstes Springen wir über ein Rick, dass 110 cm hoch ist. Ohne zu zicken oder sonst was. Nächste Woche sind wir fertig mit dem Training. Dann sind 4 Wochen vorbei. Innerlich freue ich mich. Doch nun geht es weiter. Voller eifer spriungen wir den Parcour. Doch nun kommt unsere Schwierigkeit, der Wassergraben. Ich bereite sie drauf vor und los geht es. Langsam galoppiere ich die Stute auf die Mitte des Hindernisses zu und bremse etwas vor dem Sprung. Laith springt ab. Langsam lasse ich mich nach vorne mitgehen. Beim landen setze ich mich harmonisch in den Sattel und treibe sie weiter. Die Stute wollte nämlich durchparieren. Doch das geht nicht. Ich springe noch über ein niedriges, 100 cm, Rick und bremse sie in den Schritt. Von mir bekommt sie ein Leckerlie und es geht weiter mit dem Training. Noch einmal überspirgen wir den Wassergraben und ich reite sie ab. In dem Moment kommt auch schon Stelli und wir reden noch etwas. Sie läuft neben uns her. Als wir dann auch fertig sind, sattel ich die Stute ab und fahr nach Hause. Diese Woche komme ich nicht mehr, aber nächste Woche dafür drei mal.
      Heute ist das Abschlusstraining. Stelli hat schon Laith gesattelt und wir gehen auf den Platz. Den Parcour, den ich ihr geschickt hatte, steht bereits. Also kann es los gehen. Ich reite die Stute als erstes warm und mache viele Dehnungsübungen, weil ein paar enge Kurven bei sind und ich nicht möchte, dass sie sich verletzt. Heute habe ich auch extra was besseres Angezogen, weil auch noch andere Leute auf dem Hof sind. Keine Ahnung warum, dass so besonders heute ist, aber ok. Ich gurte nocheinmal nach und reite dann die Stute an. Stelli fragt, ob es los gehen kann,. Ich nicke uns los geht es.
      Ich reite sozusagen auf und grüße. Stelli gibt mir ein zeichen und ich trabe die Stute leicht. Auf dem Zirkel galoppiere ich sie an und es fängt an. Ich habe 75 Sekungen. Als erstes kommt ein Rick in der Höhe von 115 cm. Wie vorgeschrieben lasse ich mich beim abspringen nach vornnehmen und setzte mich langsam beim landen in den Sattel. Erstes Hindernis geschaft, weiter geht es zu einer Tribbelbarre. Dafür muss ich eine etwas engere Kurve reiten. Vor dem hindernis treibe sie noch mal. Wieder reisst sie nicht. Nun kommt ein Handwechsel. Vorsichtig reite ich sie um die Ecke und die erste Kombination kommt. Sie hat 3 Galoppsprünge. Ohne Probleme überspirngen wir die beiden Elemente und es geht weiter zum fünften Hindernis. Als ich an der Ecke ankomme pariere ich sie in den Trab durch und reite so die ganze kurze Seite lang. Nun kommt die ander Kombination. Die ist schon viel enger gestelt und erfordert nur ein Galoppsprung. Laith kann ihre Beine grad noch sortieren, bevor das Hinderniss kam. Wir sind bereits wieder im Galopp. Nach einer Kurve kommt das achte Hindernis. Wieder überspingen wir es ohne Fehler. Noch einmal gebe ich gas, weil ich denke die Zeit ist gleich vorbei. Das neunte Hindernis ist auch geschaft und wir galoppieren zum Ziel.
      71,3 Sekunden. Völlig verschöpft reite ich sie ab. Stelli und ich reden noch. Sie ist stolz auf uns beide. Nach dem wir Laith wegebracht haben, bereden wir noch die Bezahlung im Büro und ich kann nach Hause fahren. Das nächste mal geht es mit einem anderen Pferd los. Ich hoffe, dass das Pferd genauso toll wie die Stute ist. Da fällt mir noch was ein und ich renne noch mal zum Büro. Ich wollte Laith noch was geben. Stelli erlaubt es mir. Ich habe für sie ein gesundes Mash gemacht. Das bekommt sie in der Box. Ich streichle ihren als und fahren dann Wirklich nach Hause.
      10'135 zeichen | mit Leerzeichen | © Vepr | 2014
    • Stelli
      Pflegebericht Laith
      - Stutkrönung


      Die Kür - für Falben, Palominos & Cremellos
      Lange hatte ich auf diesen Tag gewartet. An diesem wunderschön sonnigen Februartag wollte ich meine Palominostute Laith das erste mal auf einer Stutkrönung vorstellen. Die Palominostute war ordentlich herausgeputzt, akkurat eingeflochten und das Sattelzeug glänzte. Nachdem wir uns warmgemacht hatten, wurden wir recht schnell aufgerufen. Entspannt ritt ich auf meinem Pferd hinüber zu der Reithalle des Anwesens. Sie war riesengroß und dunkelhölzern. Ich setzte mich ordentlich in den Sattel, nahm die Zügel auf und trabte meine Stute locker an. Ich saß den Trab aus und ritt in die besagte Halle ein. Laith war anfangs etwas unsicher, entspannte sich aber schnell und wurde wieder locker und butterweich. Nachdem ich einmal ganze Bahn und ein paar Zirkel getrabt bin, bog ich vor A auf die Mittellinie ab und bereitete Laith mit halben Paraden zum Halten vor. Mit der ganzen Parade kamen wir dann schließlich zum geschlossenen Stehen. Ich grüßte mit einem Lächeln auf den Lippen die Richter und begann meine Kür. Ich trabte aus dem Stehen heraus an und ging auf die linke Hand. Direkt ritt ich auf den Mittelzirkel, den ich gleich verkleinerte und anschließend wieder langsam vergrößerte. Danach ging ich wieder ganze Bahn und wechselte bei F durch die halbe Bahn. Auf der neuen Hand trabte ich an der kurzen Seite eine Volte, aus der ich zur geschlossenen Seite hin angaloppierte. Ich ließ Laith schön gesetzt galoppieren, ich verstäkte den Galopp an der langen Seite. So zeigte ich versammelten und verstärkten Galopp, ließ sie dann aber normalen Arbeitsgalopp gehen, da dies ja teil der Pflichtaufgaben war. Nachdem ich nocheinmal den Mittelzirkel entlanggaloppiert bin, parierte ich aus dem Galopp zum Schritt durch. Ich ließ meine Stute schönen, gleichmäßigen Schritt gehen und wechselte die Hand, indem ich aus der zweiten Ecke kehrt ritt. Auf der neuen Hand ritt ich im Schritt bis zur nächsten kurzen Seite, wo ich angaloppierte. Laith sprang schön in den ersten Galoppsprung hinein. Ich galoppierte zwei Runden ganze Bahn, als es dann letzendlich zum Springen überging. Es waren kleine Sprünge, für Laith überhaupt kein Problem. Der erste Steilsprung war ein klacks, sie machte sich wunderbar rund und galoppierte ruhig und gleichmäßig zum nächsten Sprung weiter. Auch der Oxer und der andere Steilsprung übersprangen wir problemlos. Ich galoppierte im leichten Sitz aus und parierte zum Trab durch, um auzumaschieren. Bei X blieb ich stehen und verabschiedete mich glücklich von den Richtern. Ich lobte Laith und verließ am langen Zügel die Halle.

      [2559 Zeichen m. Leerzeichen | © Stelli | lettercount.com]
    • Rasha
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      Müde stand ich in der Küche, eine große Tasse Kaffee in der Hand, als Stelli dem Raum betrat: „Guten Morgen! Du kannst dich heute um die Weststallung kümmern! Am besten beginnst du gleich mit dem Füttern!“

      Der Kaffee tat seinen Zweck, langsam wurde die Müdigkeit vertrieben. Ich zog meine Stiefel an und ging in Richtung Weststallung. Auf dem Weg dorthin schnappte ich mir Schubkarre und Gabel und lud die Karre voll Heu. Als ich den Stall öffnete, wurde ich brummelnd begrüßt – die Damen und Herren waren schon hungrig. Ich nahm eine große Gabel Heu und öffnete die erste Box. Ben, der bunte Hafimix schaute mir freudig entgegen und begann sofort, das Heu zu fressen. „Langsam, mein Guter! Lass es mich doch erst einmal ablegen!“, meinte ich grinsend.

      In der nächsten Box wartete Never Say Never auch schon auf ihr Frühstück. Die Stute war allerdings zurückhaltender und fraß erst, nachdem ich ihre Portion komplett in der Box abgelegt hatte.
      Zügig versorgte ich die restlichen Pferde des Stalltraktes. Anschließend räumte ich Schubkarre und Gabel zurück und nahm stattdessen die Mistkarre, sowie Mistgabel und Mistboy mit zum Stall. Während die Pferde genüsslich ihr Frühstück verspeisten, entfernte ich nasse Stellen und sammelte die Pferdeäpfel aus den Boxen.
      Bei Lavengo passte ich nicht gut genug auf und so stieß der neugierige Hengst die gesamte Schubkarre voller Mist an. Prompt kippte diese mitten auf die Stallgasse. „Na toll, das hast du ja super hinbekommen!“, meinte ich lachend zu ihm. Schnell holte ich Besen und Schaufel und beseitigte das Malheur. Nachdem ich die Karre geleert und an ihren Platz zurückgestellt hatte, sah ich nach, ob die Führanlage besetzt war.

      Dies war nicht der Fall und daher ging ich in die Sattelkammer und schnappte mir vier Halfter. Die Pferde hatten mittlerweile einen Teil ihres Frühstücks verspeist, sodass ich sie nun guten Gewissens aus den Boxen nehmen konnte. Zuerst ging ich zu Minstrel, einer ausgefallen gefärbten Stute und halfterte sie auf. Danach zog ich Esperanza ebenfalls ein Halfter über und befestigte daran einen Strick. Da beide Stuten sehr gut erzogen waren, traute ich es mir zu, mit beiden Stuten gleichzeitig zur Führanlage zu gehen. Dort angekommen stellte ich die Stuten jeweils in ein Abteil und programmierte erst einmal lockeren Schritt ein, denn ich wollte noch zwei weitere Pferde in die Anlage bringen.

      Schnell ging ich zurück zum Stall, nahm das Halfter, welches ich vorher an Laiths Box gehängt hatte und zog ihr das Halfter vorsichtig über. Die Stute war ein wenig missmutig, so wollte sie doch gerne noch fressen. „Später bekommst du noch etwas mehr. Erst die Arbeit – dann Futter!“, sagte ich zu ihr. Laith folgte mir aus der Box und ich band sie an einem Ring kurz an, um Jacarta aufzuhalftern. Dann führte ich beide Stuten langsam zur Führmaschine. Jacarta wollte lieber in Richtung Weide abbiegen, doch es reichte ein leichtes Zupfen am Führseil, um ihr den korrekten Weg zu zeigen. Um die Stuten in ihre Abteile zu stellen, musste ich die Maschine noch einmal kurz anhalten. Als die vier Damen an ihrem Platz waren, stellte ich ein lockeres Training mit Schritt und Trab auf beiden Händen mit einer Gesamtdauer von einer Stunde ein.

      Ben und Lavengo waren mittlerweile mit ihrer Heuportion fertig. Daher schnappte ich mir Bens Putzzeug und striegelte den freundlichen Hafimix gründlich. Diese Massage genoss er sehr und er döste dabei fast ein. Anschließend holte ich sein Sattelzeug aus der Sattelkammer und bereitete ihn für eine Trainingsstunde vor. Stelli kam währenddessen auch schon in den Stall, um Ben entgegenzunehmen. „Never Say Never und Lavengo kannst du auf die Weiden bringen“, meinte sie zu mir. Darauf holte ich auch ihre Halfter aus der Kammer, striegelte beide kurz mit der Wurzelbürste und brachte sie auf ihre entsprechenden Weiden.

      Nun stand noch Secret Sign, der Appaloosahengst, in seiner Box. Nachdem ich ihn gründlich geputzt hatte, nahm ich den schweren Westernsattel von seinem Halter und ging zu Sing. Ich legte ihm das Pad auf den Rücken und ließ dann behutsam den Sattel auf seinen Rücken sinken. Ich gurtete den Sattel locker fest und streifte dem Hengst seine Trense über. Einen Moment musste ich warten, bis der Hengst das Maul öffnete, um das Gebiss zu nehmen. Den linken Zügel legte ich locker über den Sattel und führte Sign an dem anderen in Richtung Round Pen. Vorsichtig stieg ich auf und ließ mich dann langsam in den Sattel gleiten. Ich legte die Schenkel leicht an und sofort schritt der Hengst zügig los. Nach ein paar Runden nahm ich die Zügel leicht auf, verlagerte mein Gewicht und auf eine leichte Schenkelhilfe trabte er schön an. Dann fing ich an, die Runden zu verkürzen und viele Wendungen durch den Zirkel zu fordern, damit der Hengst sich schön bog. Das klappte super und so stellte ich ihn in die Mitte des Round Pens, wo er ein paar Minuten verschnaufen durfte. Als ich die Zügel wieder annahm, war er sofort wach und arbeitsbereit. Ich verlagerte mein Gewicht nach hinten und trat die Steigbügel aus, um Sign das Signal zum Rückwärtsrichten zu geben. Das klappte gut, doch kamen wir ein wenig schief. Ich setzte mich noch einmal gerade hin und siehe da, es klappte wie auf Schienen – ich hatte wohl mal wieder etwas rechtslastig im Sattel gesessen. Nach ein paar weiteren Trabrunden schnalzte ich Sign zu und sofort galoppierte der auf M Niveau ausgebildete Appaloosa an. Nach ein paar Galopprunden auf beiden Händen klopfte ich Sign lobend und ritt ihn trocken. Danach stieg ich ab, führte ihn zurück zum Stall, wo ich ihn am Halfter anband. Schnell bereitet ich seine Portion Kraftfutter vor, die er während dem Absatteln genüsslich mampfte.
      Anschließend kratzte ich ihm noch die Hufe aus, legte ihm eine leichte Decke über, da er doch noch sehr geschwitzt war und brachte ihn auf die Weide.


      Danach musste ich mich auch schon beeilen, so war doch die Stunde in der Führmaschine schon fast vorüber. Ich nahm die Stuten wieder paarweise aus der Maschine und brachte sie ebenfalls auf die Weide, wo sich Jacarta sofort wälzte und Esperanza mit wilden Bocksprüngen herum jagte.
    • Samarti
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      1. Dressurlehrgang

      Ich kann mich noch heute ganz genau daran erinnern, dass noch nie eine Ankunft von Pferdemenschen auf unserem Gestüt stressiger war als jene, die im Juli 2014 stattfand, als die zwei- und vierbeinigen Teilnehmer des Dressurlehrgangs eintrafen.
      Es ging drunter und drüber, im wahrsten Sinne des Wortes: Irgendwie waren alle völlig unorganisiert, Matthew konnte mir dabei auch nicht helfen und von Domenic brauchte ich gar nicht erst anzufangen – der hatte sich sofort eine der Teilnehmerinnen, in diesem Falle die liebe Elena, geschnappt und versuchte nun, mit ihr zu flirten und setzte dabei seinen Charme gekonnt ein. Verfluchter Italiener!
      Maren, die gerade dabei war, die Rampe des Pferdetransporters herunterzulassen, beobachtete das Spektakel amüsiert, widmete sich aber nach einem empörten Schnauben, welches aus dem Hänger stammte, wieder ihrer Ponystute. Bereits kurze Zeit später stand das Deutsche Reitpony in Sonderlackierung auf festem Boden, betrachtete das Geschehen um sich herum mit einem desinteressierten Blick und brummelte gelangweilt. Während die anderen Reiter ihre Pferde ausluden, zog ich Dome zur Seite und ermahnte ihn, mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum wedelnd, dass er sich doch bitte einmal zusammenreißen und mir vernünftig helfen sollte. Und dass das nicht klappte, wenn er versuchte, eine der Teilnehmerinnen für sich zu gewinnen.
      In der Zwischenzeit trudelte dann auch Sammy auf dem Gestüt seelenruhig ein, öffnete die Autotür und legte beinahe einen filmreifen Abgang hin, als sie versehentlich aus dem Auto herausstolperte, statt auszutreten. Breit grinsend trat ich auf sie zu uns begrüßte sie erst einmal mit einem: „Augen auf, Sammy!“, woraufhin auch sie lachen musste. „Freut mich, dass du es heil geschafft hast“, fügte ich dann lächelnd hinzu und sie nickte erleichtert, während sie mir davon berichtete, dass ihr Flieger Verspätung hatte und sie deshalb erst jetzt angekommen war. Da so gut wie alle anderen mittlerweile dabei waren, sich einander vorzustellen – obwohl die meisten sich untereinander schon kannten –, half ich der Frau rasch dabei, ihren frisch gekörten New Forest Pony-Hengst Casanova auszuladen. Casanova, oder kurz auch einfach Nova, wie Sammy mir erzählte, machte seinem Namen her alle Ehre; zumindest wenn es um sein Aussehen ging.
      Nachdem dann die Pferde mehr oder weniger rasch versorgt worden waren, wurden die Koffer der Ankömmlinge erst einmal ins Haus verfrachtet und kurz darauf erwartete unsere Gäste eine Führung quer übers Gestüt.
      Bereits kurze Zeit später hatten alle ihre Gästezimmer bezogen und die Koffer die Treppe heraufgeschleppt, dann herrschte auch schon endgültige Stille.

      Während ich mich am nächsten Morgen mühselig von der Bettdecke befreite und es dabei irgendwie schaffte, seitwärts aus meinem Bett zu rollen – was wenigstens dafür sorgte, dass ich meine Augen öffnen konnte – hörte ich schon lautes Poltern aus der Küche, die am anderen Ende des Gebäudes war. Welcher dieser nutzlosen Kerle versuchte jetzt schon wieder, Frühstück zu machen?! Die letzten vier erfolglosen Versuche, bei denen einiges an Geschirr dran glauben musste, gingen völlig daneben und schienen dem Trottel dennoch nichts auszumachen.
      Der Tag fing also schon einmal grandios an.
      Es überraschte mich nicht, dass es Domenic war, der mich in der Küche erwartete. Seufzend gesellte ich mich zu ihm, reichte ihm wortlos einen Handfeger und deutete auf die Porzellanscherben, die wild durcheinander gewürfelt auf dem Boden herumlagen. Der schuldbewusste Blick des Mannes machte es auch nicht gerade besser, also beschloss ich, erst einmal das Rührei vorzubereiten und Matthew zu mir zu rufen, der den Tisch decken sollte.
      Nach einer Weile tapste auch Gwen langsam und verschlafen in die große, geräumige Küche des Hauses. Sie hatte mir glücklicherweise versprochen, mir mit der Versorgung der Gäste zu helfen – denn auch, wenn ich genügend Männer im Haus zu verzeichnen hatte, sind wir mal ehrlich: Die würden es sogar schaffen, Wasser anbrennen zu lassen. Das Risiko wollte ich ehrlich gesagt nicht ein weiteres Mal eingehen, zu was das führte, hatte man ja vor weniger als fünf Minuten sehen können.
      „Guten Morgen, Gwen“, begrüßte ich meine Nachbarin und lächelte leicht, als sie benommen ihre Augen rieb und nur leise murmelnd ein „Morgen“ erwiderte, was zur Folge hatte, dass mir ein beinahe unhörbares Lachen entfuhr. Gwen war am vorherigen Tag ebenso fertig gewesen wie wir es gewesen waren. Denn auch, wenn ihr Bodenarbeitskurs schon etwas länger beendet war, hatten wir uns erst gestern dem Vorbereiten der Gästezimmer für die Teilnehmer des Dressurlehrgangs gewidmet. Es waren, wie auch zuvor schon, Zweibettzimmer, wovon wir in eines allerdings ein drittes Bett hatten schleppen müssen, da es diesmal nur fünf Teilnehmer waren, keine sechs.
      Es hatte sich übrigens, wie erwartet, auch niemand darüber beschwert, sich ein Zimmer mit anderen Teilnehmern teilen zu müssen, was uns dann ziemlich erleichterte. Gwen hatte so getan, als würde sie sich den Schweiß von der Stirn wischen, als wir dann endlich mit dem Umstellen der Zimmer fertig waren, um die Aktion ein wenig ins Lächerliche zu ziehen; und genau in solchen Momenten war ich froh, mich dazu entschieden zu haben, neben sie zu ziehen.
      Auch bei der Vorbereitung hatte die junge Frau mir tatkräftig unter die Arme gegriffen; ohne sie wäre ich mit Sicherheit nicht so gut auf das, was kommen würde, vorbereitet.
      „Wie ist der Tag gestern verlaufen?“, unterbrach sie schließlich meine Gedankengänge und ich öffnete und schloss unsere gesamten Küchenschränke auf der Suche nach etwas Salz für das Rührei, zur gleichen Zeit betrat Matthew mit einer völlig verwuschelten Frisur die große Küche, in der es dennoch inzwischen ein wenig eng wurde, wenn man davon absah, dass wir nun zu viert hier herumturnten.
      „Wie soll ich es formulieren, ohne dass es klingt, als wäre es völlig stressig gewesen?“, erwiderte ich schmunzelnd, legte einen Finger ans Kinn und starrte in die Luft, um so zu tun, als wäre ich mir noch nicht sicher. Nachdem ich dann endlich das Salz gefunden hatte, fügte ich grinsend hinzu: „Es war einfach total chaotisch, aber wir haben es ja geschafft. Und nach der Führung über die Anlage sind alle in ihre Betten gekippt und haben seelenruhig geschlafen. Wir haben nicht einmal zu Abend gegessen, aber das scheint nicht gestört zu haben.“
      Gwen lachte leise, während sie den großen Esstisch deckte, an dem locker acht Personen hätten sitzen können. Glücklicherweise war der Großteil unseres Hauses ziemlich offen, sodass Küche und Esszimmer praktisch aus einem einzigen, großen Raum bestanden und wir uns weiterhin unterhalten konnten. „Wie kann man das Essen vergessen? Ich glaub', ich hätte nach so einer Reise einen Bärenhunger gehabt. Selbst, wenn es im Flugzeug etwas gegeben hätte.“
      Aufgrund ihrer Aussage stimmte ich in das Lachen mit ein, diese Aussage passte nicht nur zu Gwen; auch zu mir und allen anderen Leuten, die ich kannte, passte sie einfach wie die Faust aufs Auge. Niemand würde hier in der Umgebung irgendwann einmal ein Essen sausen lassen, nur weil er zu müde war.
      Stelli war die erste, die aus dem Gästezimmer austrat und sich in die Küche verlief, um nach dem Weg ins Badezimmer zu fragen. Sie schien noch völlig fertig zu sein – zumindest ließen die Haare, die in alle Berge abstanden, die noch halb geschlossenen Augen und der schlafwandelnde Gang darauf schließen. Schnell zeigte ich ihr den Weg ins Bad.
      Gerade, als ich auf dem Rückweg war und an den Türen der Gästezimmer vorbeiging, öffneten diese sich und zeitgleich traten Fynja und Elena heraus, die zumindest ein wenig wacher zu sein schienen.
      „Guten Morgen“, murmelte Elena, musste aber gähnen und so endete dieser einfache Satz in irgendeinem komischen Laut, den ich noch nie zuvor gehört hatte.
      Da das Badezimmer belegt war, führte ich die beiden Frauen in die Küche, wo sie zugleich freundlich fragten, ob sie helfen könnten. „Quatsch, ihr seid Gäste!“, winkte Gwen gespielt empört ab und bedeutete den beiden, sich schon einmal zu setzen, um dann die anderen wecken zu gehen. Es dauerte zwar noch einige Zeit, bis auch die drei, die noch vermisst worden waren, endlich am Frühstückstisch saßen und wir mit dem Essen beginnen konnten.
      Zunächst aßen alle ruhig ihr Frühstück, irgendwann nahmen die Konversationen dann aber doch noch ihren Lauf und eine angeregte Diskussion über die Frage, welche Farbe Schlümpfe wohl bekamen, wenn man sie würgte, fand urplötzlich statt. Während Gwen und ich uns noch darüber wunderten, waren Matthew und Domenic schon völlig darin vertieft, Argumente dafür zu finden, dass sie rot anlaufen würden – die Gegenseite, bestehend aus vier Frauen, vertrat hingegen die Meinung, dass sie blau bleiben würden. Einzig und allein Elena vertrat durchgehend die Meinung, sie würden orange werden.
      „Um halb 11 werden wir besprechen, wie das Ganze hier ablaufen wird. Dort bleibt dann auch die Zeit für Fragen und ähnliches, falls etwas in der Art bestehen sollte. Seid dann bitte fertig und kommt in das Wohnzimmer“, erklärte ich nach dem Frühstück und zeigte dabei mit der rechten Hand in Richtung des Wohnzimmers, welches sich hinter der zweiten Tür auf der linken Seite befand, Auf das allgemeine Nicken hin lächelte ich leicht und gab den Teilnehmern dann Bescheid, dass wir nun fürs Erste hier fertig wären, erinnerte sie nur ein weiteres Mal daran, um halb elf hier auf der Bildfläche zu erscheinen.

      „In den nächsten drei Tagen wird es möglicherweise etwas stressig für uns alle sein, aber wir haben uns bei der Planung auch damit auseinandergesetzt und versucht, keinen Zeitplan zu erstellen, bei dem alle Termine dicht aufeinander folgen“, begann ich, „zuerst einmal habe ich euch in zwei Gruppen eingeteilt, je nach Leistungsstand von euch und euren Pferden. In der ersten Gruppe befinden sich Stelli und Maren, in der zweiten dementsprechend Fynja, Elena und Sammy.“
      Die Einteilung in die Gruppen war mir ziemlich leicht gefallen: Laith sowie Katniss befanden sich zum Zeitpunkt des Lehrgangs noch auf einem guten L-Niveau und sollten auf die nächsthöhere Stufe vorbereitet werden, während die drei verbleibenden Ponys Glymur, Casanova und Cresant Moon noch auf einem A-Niveau geritten wurden. Damit keine allzu großen Unterschiede aufgrund der Leistungsklassen entstanden, wurden die Gruppen nach diesen eingeteilt und glücklicherweise ließ dies auch einfach so machen.
      „Die Tagespläne habe ich für euch hier kopiert, jeder bekommt sein eigenes Exemplar.“ Rasch händigte ich ihnen die Pläne aus.

      Tag 1
      9:00: Frühstück
      10:00: Besprechung
      11:00: Theorieeinheit
      13:00: Gruppe 1
      15:00: Gruppe 2
      17:30: Videoanalysen
      19:00: Abendessen

      Tag 2
      8:00: Frühstück
      9:30: Einzeltraining
      13:00: Gruppe 2
      15:00: Gruppe 1
      19:00: Abendessen

      Tag 3
      8:00: Frühstück
      9:30: Einzeltraining
      13:00: Gruppe 1
      15:00: Gruppe 2
      16:30: Videoanalysen
      19:00: Abendessen

      Tag 4
      ab 7:00: Frühstück
      Abreise nach Belieben


      Es folgte noch eine Kurzinformation an die Teilnehmerinnen des Lehrgangs, dass heute die erste und einzige Theorie-Einheiten stattfinden würde, die es während des Lehrgangs gab, und dass diese am Dressurviereck stattfinden würden. Schließlich gab ich den jungen Frauen vor mir die Chance, Fragen zu stellen und Unklarheiten zu beseitigen.
      „Wie ist das mit dem Weidegang? Welche Pferde stehen beieinander?“, meldete sich Maren zu Wort, auch die anderen sahen bei der Frage hoch.
      Es hatte nicht lange gedauert, bis Matthew und ich die Weiden eingeteilt hatten. Glücklicherweise passten auch die Charaktere der Pferde so zusammen, dass keine Komplikationen auftreten sollten. Falls dem nicht so gewesen wäre, hätten wir unsere gesamte Planung noch einmal über den Haufen schmeißen müssen.
      „Wenn ihr nichts einzuwenden habt, stehen Katniss und Laith beisammen, die Hengste stehen entweder zu dritt oder, wenn es Probleme geben sollte, in Einzelhaft“, beantwortete ich die Frage und sah in die Runde, um mich zu vergewissern, dass jeder damit einverstanden war. Niemand erhob Einspruch und somit konnten wir die Weideneinteilung also fürs Erste dabei belassen.
      Beinahe direkt, nachdem ich diese Frage beantwortete, wollte Fynja wissen, wie es denn mit Einzeleinheiten wäre, falls ein besonderes Problem vorliegen würde.
      „Für alle ist eine Extrastunde vorgesehen, einmal wird es jedoch auch ein Paartraining geben, da es sich zeitlich besser einrichten lässt“, erklärte ich, „heute werden wir uns aber erst einmal ein grundlegendes Bild von euch machen müssen, um das bestmögliche Training für euch und eure Pferde zusammenstellen zu können. Deshalb gibt es heute nur eine Gruppenphase.“ Schnell fügte ich hinzu, dass all jene, die kein Einzeltraining hatten, während dieser Zeit die Chance hatten, dieses zu verfolgen oder die Trainingsangebote des Gestüts zu nutzen, womit auch alle einverstanden waren.
      Einige andere Fragen später – wie zum Beispiel die nach der Länge der Trainingseinheiten oder Freizeitmöglichkeiten hier in der Nähe (woraufhin ich nur spaßeshalber erwiderte, dass ihnen hier kaum Freizeit bleiben würde, was allerdings ein wenig zu ernst genommen und mit genervtem Stöhnen quittiert wurde) – erlöste ich unsere Gäste mit einem abschließenden: „Um elf Uhr treffen wir uns auf dem Hof!“

      Maren und ich unterhielten uns bereits angeregt über dies und jenes, als wir noch auf die anderen warteten, die, bis auf die Frau vor mir, mit einer etwa fünfminütigen Verspätung eintrudelten.
      „An eurer Pünktlichkeit müssen wir noch einmal arbeiten“, ermahnte ich die vier gespielt ernst, besann mich dann aber und begrüßte die fünf dann zur Theorieeinheit.
      „Wie ihr vielleicht wisst, ist es nicht immer die beste Methode, mit der Tür ins Haus zu fallen, und genau deshalb werden wir uns erst einmal ein wenig mit der Theorie beschäftigen, bevor die erste Gruppe mit ihrem Training an der Reihe ist. Wir werden uns heute ein wenig mit der Dressur allgemein und der Ausbildungsskala beschäftigen, was auch nicht allzu lange dauern dürfte, wenn ihr euch gut anstellt“, lächelte ich und bekam ein zustimmendes Nicken seitens der Teilnehmer zu sehen, um mir zu bestätigen, dass ich fortfahren sollte.
      „Da ich nicht weiß, inwiefern ihr mit dem Gebiet des Dressurreitens vertraut seid, werden wir mit den einfacheren Dingen beginnen und uns dann langsam vorarbeiten. Falls es irgendjemandem zu schnell gehen sollte oder Fragen auftreten, meldet euch einfach bitte.“
      Ein weiteres Mal bekam ich zustimmendes Nicken und lächelnde Gesichter zu sehen, weshalb ich dann direkt mit der ersten Frage begann, die so ziemlich alle hier beantworten können sollten: „Was denkt ihr denn, was das Ziel der Dressur ist?“
      „Ein durchlässiges Pferd“, schoss es aus Fynja heraus, weshalb ich zustimmend nickte. „Genau. Und damit das erreicht werden kann, braucht es mehrere wichtige Punkte, die in der sogenannten Ausbildungsskala gelistet werden. Kennt ihr die Punkte? Stelli?“, wandte ich mich an die brünette Frau, die einen kurzen Moment zu überlegen schien, daraufhin brachte sie aber schon die Worte „Losgelassenheit“, „Gleichgewicht“ und „Takt“ über die Lippen, was zwar korrekt, aber nicht ganz vollständig war.
      „Sonst noch jemand, der mehr weiß?“ Fragend blickte ich in die Runde, hob die Augenbrauen neugierig und sah dann der Reihe nach durch die Gesichter, auf eine weitere Antwort wartend.
      „Anlehnung, Schwung, Versammlung und Geraderichtung“, half Sammy, die selbst Ausbilderin war, dann nach und ich nickte erneut bestätigend. „Das ist vollkommen richtig. Für alle diejenigen unter euch, die sich mit dem Begriff noch nicht beschäftigt haben – auch, wenn ich mir sicher bin, dass ihr es trotzdem befolgt –, die Ausbildungsskala ist praktisch eine Übersicht der Punkte, die es bei der Ausbildung eines Pferdes zu berücksichtigen gilt, um ein durchlässiges Pferd hervorbringen zu können.“
      Matthew, der inzwischen ebenfalls neben uns stand, fuhr fort: „Ganz oben steht dabei übrigens als Grundbaustein die Zwanglosigkeit. Wenn ihr also versucht, mit Zwang etwas zu erreichen, ist die Chance, es zu schaffen, um ein Vielfaches niedriger. Deshalb möchten wir euch besonders hier darauf hinweisen, dass ihr nichts erzwingen solltet. Das tut weder euch, noch eurem Pferd oder dem Weg zum Ziel gut.“
      Nachdem die Frage nach der Ausbildungsskala geklärt worden war, bekamen die Teilnehmerinnen noch eine Einführung in die Dressur zu hören; was wichtig ist, was gewünscht ist und besonders auch, was die Arbeit behindert oder bestärkt.
      Schließlich hatten wir es dann geschafft und die Theoriestunde hinter uns gebracht, die sich als kürzer herausgestellt hatte, als wir es eingeplant hatten. Es war gerade mal zwölf Uhr, also hatten wir den Stoff ziemlich schnell durchgekriegt und den Reiterinnen vermittelt, sodass die erste Gruppe noch eine knappe Stunde Zeit hatte, um sich und ihre Pferde auf die bevorstehende Trainingseinheit vorzubereiten.

      Diesmal fanden die beiden Reiterinnen sich pünktlich in der Reithalle ein, wo wir mit der ersten Einheit beginnen würden. Es regnete draußen momentan in Strömen, weshalb wir dazu gezwungen waren, in der Reithalle zu trainieren – sehr zum Leidwesen Matthews, den es eigentlich zum Dressurviereck gezogen hatte. Da auch er sich bestens in der Dressur auskannte, hatten wir beschlossen, den Lehrgang gemeinsam zu leiten und bewältigen, was auch zur Folge hatte, dass wir vielfältiger waren, wenn es um die Trainingsmethoden ging. Wir hatten zwar größtenteils die gleichen Ansichten, doch manchmal fehlte mir einfach ein Gedanke, auf den Matthew dann schließen konnte – nur einer der wenigen Gründe, weshalb Matthew eine große Hilfe für mich war.
      „Steigt doch bitte schon einmal auf“, wies ich Maren und Stelli an, besprach dann mit Matthew noch kurz das nötigste und gab Sophia, einer weiteren Ausbilderin, die Anweisung zum Starten der Aufnahme.
      Bereits beim Aufsteigen zeigten sich große Unterschiede: Während Laith ruhig auf der Stelle stand und darauf wartete, dass ihre Besitzerin im Sattel saß und es weiterging, tänzelte Katniss bereits ungeduldig auf der Stelle herum und legte dabei mürrisch die Ohren an, machte aber keine Anstalten, sofort loszupreschen oder nach der Frau neben sich zu schnappen. Maren ließ sich zwar ablenken, ermahnte sie aber konsequent und streng, stellte den Fuß in den Steigbügel und schwang sich in den Sattel, landete sanft und sortierte sich dann erst einmal. Obgleich die Deutsche Reitponystute hin und wieder einen Schritt vor- oder rückwärts wagte, verhielt sie sich eher bedeckt und erwartete dann die Anweisungen.
      „Dann wollen wir mal beginnen“, verkündete ich, „bitte zum Aufwärmen erst einmal Schritt, rechte Hand.“
      Die erste Runde, die die beiden Paare hinter sich brachten, war noch ein wenig ungeordnet. Laith war noch etwas angespannt und stellte die Ohren nervös in die Richtung des anderen Pferdes auf, reagierte dennoch auf die Hilfen ihrer Reiterin – wenn auch etwas zaghaft und verzögert. Ebenso wie die Palominostute lief auch der Roan noch etwas unmotivert und schlürend, fasste sich aber nach einiger Zeit und schritt ruhig sowie mit tiefem Hals voran. Es dauerte zwar seine Zeit, bis ich mir sicher war, dass beide Pferde genügend aufgewärmt worden waren, doch irgendwann ließ ich die beiden noch einmal vorlaufen.
      Die erste Trainingseinheit dieser Gruppe wollte ich nutzen, um mir ein Bild der Teilnehmer machen zu können und zu erfahren, wie sie miteinander umgingen, wie sie sich untereinander verständigten und wie gut sie zusammen arbeiteten – auch sollte ein besonderes Augenmerk auf die Problematiken gelegt werden, doch diese würden wir erst einmal erarbeiten und in den nächsten Trainingseinheiten bearbeiten.
      Es kristallisierte sich schnell heraus, dass bei Laith und Stelli eigentlich kaum Probleme vorlagen, lediglich bei den Fliegenden Galoppwechseln und den Versammlungen schien es ein wenig Probleme zu geben, doch das war mir bereits zuvor mitgeteilt worden. Matthew wies mich mehrmals darauf hin, mal einen Blick auf Katniss zu werfen, mit der Maren einige Probleme hatte – nicht in dem Sinne, dass sie gegeneinander ankämpften, eher machte das Pony sehr deutlich klar, dass sie nicht ganz mit dem Kopf dabei war. Ihre Aufmerksamkeit befand sich überall in der Reithalle, nur nicht dort, wo sie sein sollte – bei Maren. Die Reiterin versuchte, sie mit einigen halben Paraden wieder auf sich aufmerksam zu machen und sie ein wenig zu motivieren, doch diese Versuche schlugen leider kläglich fehl oder die Aufmerksamkeitsspanne des Ponys war auf wenige Sekunden begrenzt.
      Des Weiteren fiel mir auf, dass die Besitzerin der Reitponystute ein wenig frustriert zu werden schien, als es nicht klappte, und ich nahm dies als Zeichen, die Einheit bald zu beenden. „Versuch am besten einmal, ihr mit etwas Unerwartetem zu begegnen, sie mit Stopps und Übergängen zu dir zu kriegen. Danach werden wir dann die Einheit vorerst beenden, ich habe eigentlich schon genug gesehen“, erklärte ich Maren, als ich sie kurz halten ließ, um mich besser mit ihr unterhalten zu können.
      Die Reiterin tat, wie ihr empfohlen, und ritt einige Übergänge, insbesondere zwischen dem Schritt und dem Trab, auch ließ sie Katniss manchmal anhalten – und momentan klappte das sogar ganz gut. Die Aufmerksamkeit benötigte das Pony, um das Geforderte umsetzen zu können. Schlussendlich war ich doch relativ zufrieden mit den Zwischenergebnissen, die wir sammeln konnten, und so entließen wir die erste Gruppe, die ihre Pferde schon einmal auf die Weide bringen konnte und gaben der zweiten die Anweisung, sich vorzubereiten.

      Die erste, die eintraf, war Fynja mit Glymur, der ein Problem mit dem Galoppieren hatte – statt im Galopp zu verweilen, fiel er ständig in den Pass und obwohl ich zugeben musste, dass ich diesbezüglich nicht sonderlich gut belesen war, hatte ich mir vorher einiges von anderen Trainern und Ausbildern erklären lassen. Und da mir auch Matthew beiseite stand, der eine Zeit lang mal mit Isländern gearbeitet hatte, bevor er zu uns gekommen war, sollte das alles machbar sein.
      Genau eine Minute vor dem Trainingsbeginn betraten dann auch Sammy und Casanova die Reithalle, gesellten sich zu uns in die Mitte und warteten darauf, dass Elena und ihr Reitponyhengst Cresant Moon ebenfalls ankommen würden, was jedoch noch weitere sechs Minuten dauerte.
      „Tut mir leid, ich hab', ich hab' die … Zeit falsch eingeschätzt“, rief sie uns völlig außer Puste zu, als sie das Hallentor hinter sich schloss und, Cressi hinter sich herziehend, auf uns zugestapft kam.
      „Hat sie nicht. Sie hat einfach nur getrödelt“, meinte Sammy ernst, zog eine Augenbraue hoch und belächelte die Aussage Elenas nur leicht, musste dann aber grinsen.
      „Hätte ich auch nicht anders von ihr erwartet, wenn ich ehrlich sein soll.“ Fynjas Gesicht wurde ebenfalls von einem Grinsen geziert.
      „Genug getrödelt, die Zeit bleibt nicht stehen!“, ermahnte ich die drei, „Steigt bitte auf, damit wir beginnen können.“
      Ich erhielt ein zustimmendes „Aye aye, Sir!“ von Elena sowie leises Gemurmel von den anderen beiden, die ihren Pferden die Zügel über den Hals legten und dann nach dem Sattel griffen, um noch einmal den Gurt festzuziehen, ehe sie aufstiegen. Alle drei Hengste benahmen sich genau gleich beim Aufsteigen – ruhig und sie bewegten sich keinen Millimeter von der Stelle, sondern warteten geduldig darauf, dass ihre Reiter in ihren Sätteln saßen.
      „Bitte aufwärmen. Schritt, rechte Hand in der Abteilung. Casanova vorne, danach Cresant Moon, Glymur zum Schluss“, gab ich die Anweisung und kontrollierte, ob Sophia auch den Verlauf des Trainings filmte, was glücklicherweise der Fall war – zumindest allem Anschein nach.
      Trotz des jungen Alters der Hengste liefen sie beinahe von Anfang an sehr locker, reagierten auf die Hilfen und trotteten nicht nur den anderen hinterher, da ich mehrmals die Anweisung gab, dass sie mal einzelne Wege reiten und sich von der Abteilung lösen sollten, um genau dies zu überprüfen. Im Großen und Ganzen war ich von der Arbeitsbereitschaft ziemlich überrascht, nicht zuletzt wegen der wenigen Erfahrung, die sie im Reitsport noch mit sich brachten.
      „Auf den Zirkel reiten und dann aus dem Zirkel wechseln, auf der linken Hand weiter!“, rief ich laut genug in die Reihe, dass alle es hören konnten und beobachtete dabei das Geschehen.
      Cresant Moon kannte ich bereits gut genug – er war schon mehrmals bei mir im Training gewesen, und auch heute stellte sich der junge Hengst an, als wäre er top ausgebildet. Als ich Elena bat, einmal Schulterherein vorzuführen, sah ich auch anfangs keine Probleme (abgesehen davon, dass es noch nicht perfektioniert war), doch nach einiger Zeit ließ sich feststellen, woran es mangelte: Cresant Moon fiel praktisch aus und hielt, einfach gesagt, nicht sonderlich lange aus.
      „Versuch mal, extremer mit der Hüfte mitzuschwingen“, empfahl ich ihr, als ich die Problematik bemerkte und sie zum Halten bat, „möglicherweise treibst du nicht genug mit und solltest einfach mehr mitschwingen. Achte auch beim Treiben dabei, hauptsächlich seitwärts zu treiben und nicht allzu viel mit deinen Händen zu machen. Wenn das seinen Gang verbessert, haben wir zumindest einen Anhaltspunkt.“
      Seufzend wandte Elena ihren Blick von mir ab und widmete sich Cresant Moon, der geduldig auf der Stelle stand und mit der unerwarteten Pause auch keinerlei Probleme zu haben schien.
      „Ich geb mein Bestes“, erwiderte sie dann nach einigen Sekunden Überlegen, ließ mich beiseite treten und trieb ihren Hengst zunächst in den Schrit, kurz darauf wieder in den Trab. Nachdem sie eine Bahn getrabt war, forderte sie von Cresant Moon das Schulterherein und ich achtete genau auf ihre sowie seine Bewegungen. Der junge Hengst machte das ganze Spektakel für sein Alter ausgesprochen gut mit, auch äußerliche Einflüsse ließen ihn kalt. Wie auch seine Reiterin konzentrierte er sich lediglich auf das Hier und Jetzt.
      Cresant Moon tat, was Elena wollte und zeigte ein überzeugendes Schulterherein vor und Eli verstärkte ihre Bewegungen, um ihren Vierbeiner somit im Takt zu halten, was besonders noch nicht ganz so erfahrenen Pferden unwahrscheinlich gut half.
      Glücklicherweise hielt Cresant Moon das Ganze inzwischen ausdauernd aus und bestätigte somit meinen Verdacht, dass es ihm einfach noch an Takt fehlte – das Problem würde sich aber bald schon beheben lassen.
      „Sammy, bring mal mehr Abwechslung rein. Dieses ständige Schritt, Trab, Galopp fordert ihn nicht, deshalb ist er so desinteressiert. Volten, Übergänge, unerwartetes Halten; mach irgendetwas, um seine Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen. Je aufmerksamer Nova ist, desto besser arbeitet er natürlich auch mit. An seiner Motivation scheint es nicht zu mangeln, er lässt sich ja nur schnell ablenken“, wies ich die junge Reiterin an, die mich sofort verstand und tat, was ich ihr empfohlen hatte.
      Hatte Casanova zuvor noch Löcher in die Luft gestarrt, seine Ohren in alle erdenklichen, nicht sonderlich hilfreichen Richtungen aufgestellt oder Sammys Anweisungen nur kaum bis gar nicht wahrgenommen, weil die Umwelt um ein Vielfaches interessanter zu sein schien, war es nun soweit, dass er aufpassen musste und ihm ein wahrer Denksport vor die Hufe gelegt wurde, bei dem er geistig stark gefördert wurde.
      Als ich bemerkte, dass Sammy Nova diese Aufgaben gab, wandte ich mich vorerst von dem Paar ab und drehte mich Fynja und Glymur zu. Noch trabten die beiden, weshalb ich die Reiterin anhalten ließ.
      Ich bat Elena und Sammy, noch etwas, was gut klappte, zu üben und dann die Halle zu verlassen, da ihr heutiges Training beendet war. Die beiden befolgten meine Bitte augenblicklich und im Nu standen Fynja, Matthew und ich allein auf dem Reithallensand.
      Die Besitzerin Glymurs war einverstanden, als ich sie bat, einmal vorzureiten und ritt dann wieder an, um bereits eine Runde später in den Galopp zu wechseln. Sofort fiel mir auf, dass der kurze Galopp, den der Fünfgänger vorlegte, ehe er in den Pass fiel, sehr „gelaufen“ war, sprich: Er zeigte wenig Hinterhandaktivität, rannte förmlich und galoppierte nicht in dem Sinne, dass er schwunghafte Bewegungen machte. Bereits nach wenigen Sekunden bekam ich einen Pass zu sehen, den Fynja jedoch sofort unterbrach und einen weiteren Versuch wagte, der wieder mit demselben Ergebnis endete.
      „Ihm fehlt einfach die Aktivität an der Hinterhand. Das zu beheben, dauert lange, und wir werden das auch während des Lehrgangs nicht schaffen, aber wir können mit der Fehlerbehebung anfangen. Reite bitte noch einige Abläufe, damit er das Training mit etwas Positivem beendet“, überlegte ich und wandte mich dann Matthew zu, der zustimmend nickte. „Ihm fehlt einfach die Hinterhandaktivität“, wiederholte er, zeitgleich wechselte Fynja mit Glymur aus dem Zirkel und forderte Schritt-Trab-Übergänge von ihm.

      „Matthew? Öffnest du schon mal das Video der ersten Gruppe, bitte?“, fragte ich und schenkte ihm einen Hundeblick, um ihn dazu zu bringen, mir diesen kleinen Gefallen zu tun. Schulterzuckend ging er zum Laptop, dessen Bildschirm per Beamer auf die weiße Wand vor uns übertragen wurde, und wählte schon einmal das Video aus.
      Zu sehen waren Maren mit Katniss und Stelli mit Laith, das Aufwärmen spulten wir diesmal vor, da wir uns hauptsächlich auf das Geschehen während des „richtigen“ Trainings konzentrieren wollten.
      Als die Kamera auf die Roanstute und ihre Besitzerin zeigte und die Szene dann beendet war, spulte ich zurück und ließ sie wiederholen. „Was seht ihr da?“, wandte ich mich an die anderen, als ich die Sequenz ein weiteres Mal abspielte.
      „Sie ist unkonzentriert“, erklärte Stelli, „es sieht aus, als hätte sie kein Interesse daran, was Maren von ihr will.“
      „Richtig. Wisst ihr, wie man solch ein Verhalten verhindern oder, falls es eintritt, beenden kann?“, hakte ich nach und drückte auf Pause, um die Frauen ansehen zu können.
      „Halbe Paraden geben, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?“ Es war mehr eine unsichere Frage als eine Antwort, die von Elena ausging, weshalb ich kurz zu ihr sah.
      „Auch, aber das hilft nicht dauerhaft.“ Kurz sah ich in die Runde und wartete eine weitere Antwort ab, doch als keine mehr kam, fuhr ich fort: „Abwechslung. Pferde brauchen Abwechslung, sonst wird es ihnen zu eintönig und sie verlieren Motivation, Interesse und Spaß. Deshalb wird Katniss' Training umgestellt, statt dem üblichen Trainingsprogramm musst du neues einbringen. Trainier im Gelände, auf der Weide oder gib ihr Aufgaben, bei denen sie sich anstrengen muss, dann wird sich das bald ändern.“
      Maren nickte kurz, erwiderte ein „Alles klar“ und ich ließ das Video wieder laufen, bis Stelli und Laith bei der Versammlung und den fliegenden Galoppwechseln zu sehen waren. „Könnt ihr euch vorstellen, was hier das Problem ist?“
      Diesmal war es Maren, die wie aus der Pistole geschossen antwortete: „Ja, die Versammlung. Laith macht den Rücken dicht und tritt kürzer, deshalb nickt sie auch so stark mit dem Kopf. Sie versucht, mit dem Hals schwung zu holen, weil ihr die Kraft in der Hinterhand fehlt.“
      „Sehr gut!“, lobte ich und bestätigte dann die Aussage. „Dass die Versammlung nicht gut genug ausgeführt wird, hat auch zur Folge, dass bei den Fliegenden Galoppwechseln das Problem mit dem Nachspringen entsteht. Seht ihr, dass sie hinten leicht verzögert springt?“ Ein allgemeines Nicken empfing mich, als ich die Frauen ansah. „Eben das gilt es zu verbessern, Laith wird in der nächsten Zeit hauptsächlich Kraft in der Hinterhand aufbauen müssen.“ Fragend warf Stelli ein „Wie genau werden wir das machen?“ ein, was ich mit einem „Kraft in der Hinterhand kann man am besten im Trab aufbauen, indem man auf Seitengänge, Zirkel in Außenstellung und viele Übergänge setzt. Ebenso solltest du mit ihr Abstecher ins hügelige Gelände unternehmen, die stärken ebenfalls.“
      Ich wechselte das Video und zeigte einen kurzen Ausschnitt von Sammy und Casanova, zu dem ich nur sagte, dass sie in etwa dasselbe Training wie Maren und Katniss zu erwarten hatten, da auch Novas Aufmerksamkeitsspanne vergrößert werden müsste, um stets Erfolge erzielen zu können. Daraufhin folgte noch das Problem von Elena und Cresant Moon.
      „Wie ihr mit Sicherheit seht, fällt Cresant Moon häufig aus, dass es aber geholfen hat, als Elena hier stärker mitgeschwungen ist. Ihm fehlt es besonders noch an Takt, weshalb wir die Intervalle verkürzen und ihn somit ein wenig mehr fördern werden, aber das dauert nicht allzu lange..“
      Zum Schluss sahen wir uns die Sequenz von Fynja und Glymur an, welche bei den anderen Reiterinnen verwirrte Blicke zur Folge hatte. Ich konnte mir denken, dass sie nicht gerade diejenigen waren, die sich viel mit Isländern auseinandersetzten.
      „Selbst, wenn ihr euch nicht sonderlich gut mit Isländern auskennt, ihr solltet das Problem erkennen können. Elena?“
      „Er fällt immer in den … äh, Pass, statt zu galoppieren“, erkannte sie korrekterweise und ich vervollständigte ihre Antwort: „Und genau das passiert, weil ihm die Kraft in der Hinterhand fehlt. Deshalb wird auch er Krafttraining benötigen, genau wie Laith. Stangenarbeit, viel lockere Arbeit, Übergänge – seine Hinterhand muss insgesamt aktiver werden.“ Mit diesen Worten – und, weil keine anderen Fragen oder Aussagen mehr kamen – beendete ich die Videoanalyse des ersten Tages und gab den Teilnehmern dann bis zum Abendessen um 19 Uhr frei. Es war ohnehin nur noch eine Stunde, bis jenes Essen auf dem Tisch stand, und genau deshalb begab ich mich bereits jetzt in die Küche, um mich nicht beeilen zu müssen.

      Am nächsten Morgen verlief alles ein wenig gesitteter als den Tag zuvor. Pünktlich um acht Uhr erschienen alle am Frühstückstisch. Zwar trugen sie alle lockere Sachen und sahen noch ein wenig verschlafen aus, dennoch waren sie alle putzmunter und die Konversationen am Frühstückstisch schienen keinerlei Ende nehmen zu wollen. Diesmal wurden sogar sinnlose Diskussionen ausgelassen, was nur ein weiterer Beweis dafür war, dass sie sich inzwischen alle ausgeruht hatten und bereit für das anstehende Training waren.
      Gwen stupste mich in die Seite, weshalb ich fragend meinen Kopf zu ihr drehte.
      „Wie war der Tag gestern?“, wollte sie wissen und ich grinste nur. „Weniger chaotisch als die Ankunft. Nein, es lief ziemlich gut.“
      Leise lachend drehte sie sich weg, um sich ein Spiegelei auf den Teller zu legen. „Dann kann es ja nur noch schiefgehen.“

      Nach dem Frühstück schwärmten unsere Gäste in alle Richtungen aus, nur Stelli und Fynja strebten zielgerichtet das Gästezimmer an, um sich für ihr Einzeltraining vorzubereiten, welches in einer Stunde anstand.
      „Wir werden mit der Versammlung beginnen“, erklärte ich Stelli, als sie Laith aufgewärmt hatte und gerade auf mich zugeritten kam. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dadurch auch ihr Problem bei dem fliegenden Wechsel entsteht, wie ich es bereits gestern erklärt habe.“
      „Ja, das weiß noch“, grinste Stelli belustigt, wurde dann aber sofort wieder ernst. „Wie werden wir anfangen?“
      „Für euch beide gilt folgendes: Wir werden die Kraft in der Hinterhand aufbauen müssen, das wird einige Zeit in Anspruch nehmen und ist mit Sicherheit nicht vollendet, wenn du die Heimreise antrittst“, mahnte ich, „deshalb werden wir uns langsam steigern und erstmal mit Seitengängen und vielen Übergängen im Trab arbeiten. Das fördert die Aktivität der Hinterhand und verleitet somit auch zu mehr Kraft, was dann die Versammlung und auch die Wechsel ermöglicht.“
      „Also sollen wir mit ihnen jetzt erst einmal die Übergänge üben, richtig? Seitengänge einbringen und das Ganze somit fördern?“, hakte Fynja nach.
      „Genau, vorerst werden wir es bei solchen Übungen belassen. Später solltest du auch viel in unebenem Gelände arbeiten, das hilft ebenfalls.“
      Die beiden Frauen nickten, um mir zu verdeutlichen, dass sie verstanden hatten und wandten sich dann von mir ab, um mit dem eigentlichen Training beginnen zu können.
      Die Palominostute zeigte auch bei den Seitengängen keine Probleme, obwohl Stelli betonte, dass diese ein wenig vernachlässigt worden wären. Dennoch schlug das Warmblut sich ausgezeichnet und ich war fasziniert von der Ruhe, die das Pferd während der gesamten Einheit aufbrachte, obwohl es eigentlich immer nur das gleiche Programm war: Seitengänge, Übergänge und ein wenig unerwartete „Special Effects“, um der Langeweile entgegenzuwirken. Stelli achtete wirklich auf das, was ich gerade bei Katniss und Casanova stark unterstrichen hatte, um es nicht zu provozieren, dass Laith irgendwann einmal genauso werden würde.
      Auch bei Fynja fand ich in etwa das gleiche Trainingsprogramm wieder, weshalb ich die beiden gemeinsam in eine Extrastunde eingeladen hatte. Da beide Pferde Probleme mit der Hinterhand hatten, war dies kein Problem und aufgrund von Matthews Anwesenheit kam auch keiner der zwei Paare zu kurz. Fynja reagierte wirklich gelassen und sie harmonierte gut mit Glymur. Besonders bei der Arbeit fiel auf, dass die Frau zu dem Pony passte wie die Faust aufs Auge.
      Natürlich konnte man nicht direkt nach der ersten Trainingseinheit direkt eine Verbesserung erwarten, doch allem Anschein nach fühlten die Reiterinnen sich nach dem Training sehr viel besser als zuvor: Sie strahlten wie Honigkuchenpferde, weil sie sich darüber freuten, wie toll Laith und Glymur mitgearbeitet hatten und wie gut alles andere geklappt hatte.

      Beinahe direkt, nachdem ich mit der Einheit fertig war, erwartete mich die Traininseinheit der zweiten Gruppe. Zufrieden stellte ich fest, dass die Reiterinnen ihre Hengste bereits ausrüsteten, als ich einen Rundgang durch den Stall machte und nachsah, wie weit sie waren. Da sie alle so gut wie fertig waren, begab ich mich schon einmal in die Reithalle und bedeutete ihnen, es mir nachzutun, sobald sie fertig waren.
      Nach einer etwaigen Dauer von zehn Minuten, in denen ich mich mit Matthew auf das Training vorbereitete, setzten die zwei- und vierbeinigen Teilnehmer ebenfalls ihre Füße beziehungsweise Hufe auf den Boden der Reithalle und die Zweibeiner setzten sich schon einmal in die Sättel ihrer Ponys. Lediglich Fynja und Glymur trudelten erst später ein, da sie zuvor noch eine Trainingseinheit gehabt hatten und sich somit eine kurze Pause gönnen sollten.
      „Ich möchte euch nur kurz vor dem Training darauf hinweisen, dass die Videoanalysen für heute nicht vorgesehen sind. Stattdessen könnt ihr eine Runde im Gelände drehen oder auch mal den Springparcours nutzen, damit euch und euren Pferden nicht zu viel Dressur im Kopf herumschwirrt“, lächelte ich und die drei Reiterinnen nickten, doch dann beließen wir es dabei und erwähnten das Thema nicht mehr.
      Prompt wurde mit dem Aufwärmtraining begonnen, sodass wir keine Zeit verloren, die wir möglicherweise bei den Problemen benötigten.
      Nachdem das Warmreiten also vonstatten gegangen war und die Hengste auf das anstehende Training vorbereitet worden waren, widmete ich mich zunächst einmal Elena und Cresant Moon, während Matthew sich um Sammy und Casanova kümmerte und der Reiterin die nächsten Vorgänge erklärte.
      Zuerst einmal wollten sie mit der Stangenarbeit und gebogenen Linien arbeiten, um Casanova weiterhin aufmerksam zu halten und ihn auch psychisch zu fordern und zu fördern. Auch Tempowechsel wurden in das Training mit eingebracht und fanden ihren Zweck, was den jungen New Forest Ponyhengst auch ziemlich bei Laune hielt. Die ersten Fortschritte waren schon leicht zu erkennen: Gehorsam befolgte der junge Hengst die Anweisungen seiner Reiterin und schenkte ihr mehr Achtung, was Sammy dazu brachte, fast die gesamte halbe Stunde, die für sie zunächst für diese Gruppenphase eingeplant war – das Training sollte kurz und knackig, aber effektiv sein – mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht hinter sich zu bringen.
      Da bei Sammy auch der Wunsch bestand, Casanova auf die nächsthöhere Leistungsklasse zu trainieren, wurden auch schon die Tempi, die in einer L-Dressur gefragt waren, ein wenig geübt. Natürlich wäre es damit noch nicht getan, doch im Großen und Ganzen würden die Gangarten für Nova und Glymur, den Fynja ebenfalls eine Stufe höher trainiert haben wollte, keine sonderliche Schwierigkeit darstellen, da es lediglich der versammelte Trab sowie der versammelte Galopp waren. Bei Glymur ließen wir den versammelten Galopp erst einmal weg, da er erst einmal vernünftig galoppieren lernen sollte, doch bei Casanova wurde er schon gefordert.
      Nachdem Nova das Prinzip der Schritt-Trab-Übergänge verstanden hatte, wurde er automatisch langsamer und trabte nicht mehr so eilig, da er wusste, dass er sofort wieder durchpariert werden würde. Selbstverständlich war das Ganze noch ausbaufähig, doch der Hengst zeigte bereits gute Ansätze. Das Ziel war es, dass er in seiner Silhouette kürzer wurde, die Hinterhand ein wenig senkte und auch im Hals kürzer wurde, die Vorhand samt Hals und Kopf aufrichtete. Das brauchte Sammy nicht erklärt werden, da sie selbst Ausbilderin war, weshalb sie auch beim Training sehr selbstständig vorging und darauf achtete, wie Casanova reagierte. Für die wenige Zeit, in der er darauf trainiert wurde, machte er das schon relativ gut und man merkte, dass er schon darauf vorbereitet worden war. Da er das Prinzip beim Trab verstanden hatte, wurde auch der versammelte Galopp nicht allzu schwierig, klappte sogar noch besser. Ebenso bekam er einen Crash-Kurs in Sachen Hufschlagfiguren in einer L-Dressur verpasst, die Sammy jedoch auch noch weiter ausführen musste – wir trainierten hier nur kurz, um die Pferde nicht zu überfordern und nur einen kurzen Einblick zu geben, dennoch müssten die Besitzer nur noch das hier Begonnene fortführen und ihr Pferd oder Pony wäre einsatzbereit. Die 8 Meter-Volte im Trab schien ihm kaum Probleme zu bereiten, genauso wenig die Lektion Halbe Volte links, halbe Volte rechts. Das Pony war schon jetzt ziemlich wendig und wusste das zu seinem Vorteil zu nutzen.
      Nachdem die Trainingszeit für die beiden vorbei war, schickte Matthew Sammy zu Gwen, damit die beiden zum Abschluss der Einheit noch einmal eine kurze Runde um die Koppel drehten, um Casanovas Verhalten zu belohnen.
      Währenddessen hatte ich Elena weitere Anweisungen gegeben. Sie sollte von nun an etwas langsamer vorgehen und dem Pony die Zeit lassen, die es für das Schulterherein benötigte. Dazu wurde sie aufgefordert, zunächst einmal eine Volte zu reiten, sodass eine leichte Innenstellung vorhanden war. Danach sollte sie Cresant Moon um den inneren Schenkel biegen und beim Erreichen des Hufschlags in das Schulterherein übergehen – nach wenigen Pferdelängen Schulterherein sollte sie das Ganze wiederholen, um den Splashed White wieder im Tempo regulieren zu können, falls er an Tempo zulegte, und somit ebenfalls verhindern, dass ihr Vierbeiner wieder ausfiel. „Und vergiss nicht, dass du bei ihm des Taktes wegen noch stärker mitschwingen musst als normalerweise“, erinnerte ich sie grinsend.
      Fynja und Glymur benötigten natürlich auch ihr Training und so kam es, dass sich Matthew zwischendurch immer mal wieder zu ihnen gesellte, wenn Sammy und Casanova gerade beschäftigt waren. Als sie dann die Halle ganz verließen, widmete er sich dem Paar komplett.
      Sie waren gerade dabei, den Isländer zu lockern und Fynja ließ ihn einige Übergänge gehen, um seine Hinterhandaktivität zu verbessern. Vieles fand im Trab statt, eher weniger im Galopp – zunächst einmal sollte Glymur an Kraft und Gleichgewicht gewinnen, damit sein Galopp irgendwann nicht mehr im Pass endete.
      Auch er durfte natürlich den versammelten Trab ein wenig üben, doch Fynja musste noch erläutert werden, wie wir beginnen würden. „Eigentlich ist das ganz simpel“, teilte Matthew ihr mit, „du reitest Schritt-Trab-Übergänge, irgendwann wird Glymur von allein nicht mehr so schnell traben und das Ganze wird ruhiger. Immer nur drei bis vier Tritte, dann wieder durchparieren. Wir werden es vorerst beim Trab belassen, wenn Glymur vernünftig galoppiert, wiederholst du es mit Schritt-Galopp-Übergängen und strebst somit den versammelten Galopp an.“
      Wenn ich anfangs einen Blick herüber warf, wirkte das Gesamtbild noch sehr gewöhnungsbedürftig, doch auch Glymur hatte den Sinn hinter den Übergängen irgendwann durchblickt und verlangsamte sein Tempo, zeigte also schon gute Ansätze für das folgende Training.
      Im Gegensatz zu Casanova stellte Glymur sich bei den Hufschlagfiguren jedoch noch etwas tollpatschiger an, da er einfach zu sehr an Tempo gewann, wenn er trabte und somit zu Beginn keine engeren Wendungen hinbekam. Nach viel üben verbesserte es sich ein wenig, doch hier würde Fynja noch ein wenig mehr Zeit reinstecken müssen. Irgendwann hatte Matthew Fynja verdeutlicht, abzusteigen und das Training erst einmal zu beenden, da Glymur bereits zuvor trainiert worden war und er nicht überfordert werden sollte.
      „Das hat heute schon ziemlich gut geklappt! Ihr seid dann jetzt auch entlassen, bis später“, verabschiedete ich mich noch von Elena, die ein „Bis später“ erwiderte und dann abstieg, um mit dem Pony die Reithalle zu verlassen und ihn wieder zu verpflegen und später auf die Weide zu den anderen beiden Hengsten zu lassen.
      [...]
    • Samarti
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      1. Dressurlehrgang (Fortsetzung)

      [...]
      Das zweite Gruppentraining verlief ähnlich vielversprechend wie das erste, auch wenn man bei Laith noch nicht sehr viel beurteilen konnte. Während ich mich mit Maren und Katniss beschäftigte, die ebenfalls heute einiges an neuen Aufgaben zu bewältigen hatten, die man nur irgendwie gemeinsam lösen konnte und die auch nur auf Vertrauensbasis existieren konnten, kam Laith das Krafttraining zugute. Matthew hatte sich mit mir darauf geeinigt, dass er in die Einheiten viel Trabarbeit einbringen sowie auf Seiten- und Übergänge und besonders auch Zirkel in Außenstellung viel wert zu legen, um die Hinterhand zu stärken. Dabei erklärte er Stelli, dass sie auf den Galopp dennoch auf keinen Fall verzichten sollte, sondern sich vielmehr auf den Galopp in Dehnungshaltung konzentrieren, da Laith sich dort bereits anbot. An die versammelte Arbeit im Galopp sollte sie erst denken, wenn ihr Pferd sich im Trab versammeln ließ, ohne sich entziehen zu wollen – dann war der richtige Zeitpunkt, um sich diesem Problem zu widmen. Durch die korrekte Versammlung sollten dann auch die fliegenden Wechsel wieder flüssig und nicht mehr verzögert durchzuführen sein.
      Das Krafttraining würde einige Zeit beanspruchen, und obgleich man keine direkten Fortschritte in der ersten Zeit sah oder sehen würde, sollte Stelli definitiv nicht die Geduld verlieren, denn irgendwann würden die ersten Erfolge sichtbar werden und von dort an sollte es eigentlich nur noch bergauf gehen. Das Kopfnicken, das momentan noch ziemlich stark ausgeprägt beim Galopp war, würde nachlassen und Laith sich bei der Versammlung mehr anbieten, was dann auch dazu führen sollte, dass das Gesamtpaket harmonischer wirken würde.
      In der Zeit, in der Matthew Stelli dieses Vorgehen erklärte, besprach ich das weitere Training mit Maren. „In der zusätzlichen Trainingsstunde werden wir uns besonders mit etwas Bodenarbeit beschäftigen, das ist richtiger Denksport für Katniss. Das sollte sie nicht nur bei Laune, sondern auch aufmerksam halten. Heute wirst du allerdings erst einmal im Sattel sitzen bleiben. Wir werden uns heute besonders mit Übergängen und ähnlichem beschäftigen und mit der M-Dressur ein wenig anfangen, wie du es gewünscht hast.“
      Hin und wieder nickte Maren bestätigend, unterbrach mich jedoch kein einziges Mal und ließ mich ausreden und schien auch keine Frage mehr zu haben, weshalb wir den theoretischen Teil hinter uns ließen und mit dem praktischen begannen.
      Da die Stangenarbeit zuvor schon bei Casanova angewandt worden war und die Stangen somit noch auf dem Hallenboden lagen, konnten wir auch mit dem Stangentraining fortfahren. Damit Laith beim Training nicht beirrt wurde, wurde die Halle in zwei Teile eingeteilt. Im ersten Teil hatten wir kurz vor der zweiten Gruppenphase noch Pylonen, weitere Stangen und auch das altbekannte L, das ebenfalls aus Stangen bestand, aufgebaut. Dennoch sollte dies nicht den Mittelpunkt des Trainings darstellen, sondern vielmehr einfach nur etwas zur Abwechslung dienen – in der Einzeleinheit würden wir uns später mehr damit beschäftigen und auch weiter darauf eingehen.
      Katniss' Aufmerksamkeit war bereits zu Anfang der Stunde schon höher als sie es zuvor gewesen war. Besonders die Hilfsmittel, die sich auf dem Hallenboden befanden, zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Maren ermahnte sie konsequent, sobald die Stute Anstalten machte, an Desinteresse zu gewinnen und bekam sie dann mithilfe einiger verschiedener, plötzlicher Änderungen im Tempo oder der Richtung wieder zu sich, generell wurde das Training schon etwas flotter, unerwarteter und sehr viel ansehnlicher.
      Da beide Reiterinnen sich gewünscht hatten, während der kurzen Zeit hier noch mit der M-Dressur beginnen zu können, um ihre Pferde darauf vorzubereiten, widmeten wir uns heute ebenfalls erst den neuen Tempi und würden einen kurzen Schnupperkurs beginnen, denn es war unmöglich, diese in einer Stunde zu beherrschen – kommen doch der versammelte Schritt, der starke Trab und der starke Galopp hinzu. Besonders der versammelte Schritt gehört nur in die Hände von erfahrenen Reitern, dennoch traute ich den beiden das zumindest schon unter meiner Aufsicht zu.
      Der starke Trab sowie der starke Galopp folgten aus der Versammlung der Pferde. Sobald Katniss losgelassen und versammelt ging, versuchte Maren, sie verstärkt nach vorn zu treiben. Dabei musste sie beachten, dass ihr Pony nicht einfach nur schneller wurde, sondern die Tritte verlängerte, weshalb sie dementsprechend mehr Platz am Zügel lassen, die Verbindung zum Pferdemaul aber stets aufrechterhalten musste. Bei Laith klappte es natürlich nicht ganz so, da sie Probleme bei der Versammlung hatte, doch ich erklärte Stelli den Vorgang anhand von Maren und Katniss, da das Paar das Ganze schon relativ gut aussehen ließ.
      Zum Ende der Stunde hin fasste ich nochmal alles kurz zusammen, was mir aufgefallen war, damit die Reiterinnen ein kurzes Fazit zu hören bekamen und nicht völlig „leer“ aus der Stunde herausgingen. Zu sagen gab es lediglich, dass Lösungsansätze vorhanden waren und ich besonders begeistert von Marens großem Durchsetzungsvermögen war, obwohl Katniss einige Male dennoch versucht hatte, sich durchzusetzen, was allerdings sehr selten vorgekommen war. Die beiden arbeiteten noch ein wenig gegeneinander an, zumindest das Pony schien eine Rangordnung anzustreben, bei der sie höher gestellt war als ihre Besitzerin, doch auf eine Teamarbeit wurde bereits hingearbeitet und auch bei der Bodenarbeit würden die beiden noch lernen, sich gegenseitig vertrauen zu müssen und dass die Beziehung auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basieren müsste, damit sie solche „Dominanzprobleme“ verhindern konnten.
      „Übrigens habt ihr jetzt bis zum Abendessen die Chance, die Trainingsmöglichkeiten des Gestüts zu nutzen, da die Videoanalysen für heute wegfallen. Falls ihr also zur Abwechslung mal kurz die Geländestrecke nutzen wollt, könnt ihr das gerne machen. Es sollte jedoch zumindest eine andere Person dabei sein – ob das nun ein anderer Teilnehmer ist oder jemand vom Gestüt ist dabei völlig egal. Das dient nur der Vorsorge“, informierte ich die zwei Paare und entließ sie dann ebenfalls, damit sie ihre Pferde ebenfalls versorgen konnten.

      Diesmal trafen alle zum Abendessen etwas später ein – abgesehen von Gwen und mir, wir hatten es zuvor bereits zubereitet. Heute gab es einfach nur Pfannkuchen, zu mehr waren wir leider nicht gekommen, hatten wir doch zuvor selbst zwei Pferde trainiert, die momentan bei uns auf dem Hof untergestellt waren und dies hatte sich ein wenig länger gezogen, als wir es zu Beginn erwartet hatten.
      Noch mit nassen Haaren betraten die Reiterinnen der Reihe nach das Esszimmer und ließen sich auf die Stühle sinken. Ich spürte selbst, wie mir der Bauch grummelte und ich Hunger bekam. Das Mittagessen vor beziehungsweise nach dem Training, das die Anderen immer zu sich nahmen, um sich eine Stärkung abzuholen, war für mich leider heute ausgefallen und so war es kein Wunder, dass ich völlig schlapp war.
      Kurze Zeit später saßen wir am Tisch, bissen in unsere Pfannkuchen und unterhielten uns darüber, was während der letzten Stunden alles passiert war – Elena und Maren waren zum Geländeparcours geritten und hatten es wohl ab und zu ertragen müssen, dass ihre beiden Deutschen Reitponys sich ankeiften, weil Katniss mal wieder das Oberhaupt sein wollte, Cresant Moon sich jedoch nicht so einfach „ergeben“ wollte. Zeitgleich hatten die verbleibenden Drei sich zusammengeschlossen und hatten sich vom Gestüt entfernt, waren über die Hügel und durch Wälder geritten. Und dies nicht zuletzt mit der Absicht, dass Laith und Glymur eine lockere, nicht allzu lange Trainingseinheit im Gelände genießen durften und Sammy sich mit Casanova einfach ein wenig Abwechslung gönnte.
      Joline hatte die drei dann auf Nacro begleitet, damit sie auch den Weg zurückfanden und so kam es, dass sie nicht einmal verloren gingen. Obwohl wir erst seit knappen fünf Monaten hier wohnten, kannte die Westerntrainerin die Umgebung wie ihre Jackentasche, weil sie ständig außerhalb trainierte.
      Nach dem Abendessen setzten wir uns alle gemeinsam wieder ins Wohnzimmer, schmissen den Fernseher an und sahen uns – natürlich ganz legal! – verschiedene Filme an, ganz vorn dabei: „Bibi und Tina – der Film“. Da ihn bisher noch keiner gesehen oder, falls es doch der Fall war, nichts dagegen hatte, ihn ein weiteres Mal zu schauen, beschlossen wir, ihn uns anzuschauen und noch zwei Stunden nach dem Ende des Films sangen wir lauthals „Mädchen auf dem Pferd“. Alles in allem konnte man also sagen, dass wir es geschafft hatten, den ziemlich stressigen Tag doch noch entspannt ausklingen zu lassen.

      Am nächsten Tag war ich bereits um sechs Uhr auf den Beinen und kümmerte mich mit Gwen darum, die Boxen auszumisten, in denen die Pferde der Teilnehmer standen. Nachts wurden sie dann doch wieder in den Stall geholt, da besonders die Wälde Kanadas vielleicht doch die ein oder andere Gefahr boten, die woanders nicht gegeben war.
      Wir wurden vom angenehmen Geruch der Pferdemist empfangen – zumindest bei Glymurs Box, der direkt vor der Boxentür sein Geschäft verrichtet hatte.
      „Vielleicht sollte Fynja nochmal daran arbeiten, ihn irgendwie … stubenrein zu machen?“, rümpfte Gwen die Nase, öffnete dann aber den Durchgang zur Koppel und schickte den Isländerhengst raus, ehe sie sich die Mistgabel schnappte und der Mist in die Schubkarre wanderte.
      „Endlich“, atmete ich erleichtert aus, als wir die letzte Box hinter uns gebracht hatten und somit fürs Erste fertig mit dem Ausmisten waren.
      „Ich hab noch nie erlebt, dass fünf Pferd in einer Nacht so viel Dreck machen“, stimmte Gwen mir zu, doch dann hellte sich ihr Gesicht wieder auf. „Dann wollen wir doch jetzt mal rein und lecker Frühstück machen!“
      Gesagt, getan – bereits anderthalb Stunden später saßen wir allesamt am Frühstückstisch und hauten uns unsere Bäuche voll. Für Sammy und Maren stand gleich eine weitere Trainingseinheit auf dem Plan und dementsprechend beeilen mussten die beiden sich, denn beim Essen hatten wir alle ein wenig getrödelt und waren aus dem Zeitplan geraten.
      „Denkt dran, heute machen wir erstmal nur Bodenarbeit“, erinnerte ich die zwei ein weiteres Mal und bekam nur ein „Ja“ erwidert, denn sie waren schon auf dem Weg in ihre Zimmer, um sich vorzubereiten. Kopfschüttelnd stand ich auf, als alle anderen gegangen waren und räumte dann mithilfe von Matthew den Tisch ab, bevor auch wir uns daran machten, uns für die Trainingseinheit fertigzumachen.

      „Maren, überstürz es nicht. Wenn sie unter Stress oder Druck steht, wird das nicht.“ Kritisch beobachtete ich, wie sie versuchte, Katniss rückwärts durch das Stangen L zu dirigieren, was diese gar nicht so prickelnd fand und dementsprechend schnell versuchte, Maren zum Aufgeben zu zwingen. Zuvor hatte das Training ziemlich gut geklappt – abgesehen von einigen Zickereien seitens Katniss, die aber schnell von ihrer Besitzerin unterbunden worden waren.
      Scheinbar verlor Maren langsam die Geduld, da sie schon einige Zeit an der Station verbrachte, weshalb sie seufzte und leise mit den Zähnen knirschte.
      „Versuch es noch einmal, aber diesmal geh es bitte langsamer an und erwarte nicht so viel von ihr“, schlug ich vor, um sie zu besänftigen und ihr somit wieder ein wenig Motivation zu schenken, was nur bedingt klappte. Dennoch atmete sie einmal tief durch, ließ auch Katniss einmal zu Atem kommen und ging dann erneut vor wie zuvor, diesmal nur etwas langsamer und ruhiger.
      Tatsächlich trat ihre Scheckstute einen Tritt zurück und zeigte so, dass sie Maren doch irgendwie vertraute, doch man merkte, dass dem Pony das Nachgeben schwerfiel. Dennoch würde sie sich wohl oder übel irgendwann auf etwas Hilfe einlassen müssen und ihrer Besitzerin so weit vertrauen, dass sie sich rückwärts von ihr leiten ließ.
      „Loben“, wies ich Maren sofort an, als Katniss das L rückwärts verlassen hatte und innerhalb von einem Sekundenbruchteil wurde das Pony kräftig gelobt, was es mit einem Schnauben quittierte.
      „Fahrt mal mit dem Labyrinth fort“, empfahl ich der jungen Frau noch, dann drehte ich mich zu Sammy und Casanova um, die gerade im Slalom durch eine Reihe aufgestellter Pylonen schritten, um Casanovas Wendungen etwas enger gestalten zu können. Der Hengst fand sichtlich Spaß daran und machte die ganzen „Spielereien“ vorbildlich mit. Er verlor beinahe kein einziges Mal das Interesse oder ließ sich ablenken, viel mehr konzentrierte er sich auf das, was ihm vorbestand.
      Die beiden könnte man wohl noch ewig mit dem Slalom beschäftigen, dennoch schickte ich sie weiter zu der Aufgabe mit dem Namen „Mikado“, welches an das Spiel erinnerte: Auf dem Boden waren einige Stangen kreuz und quer verteilt und das Pferd musste sehen, wie es dort durch gelang, ohne die Stangen umzuschmeißen.
      Sammy fand es sichtlich amüsant, wie Casanova den bunten Haufen Stangen mit aufgeblähten Nüstern ansah und erst einmal daran roch, bevor er ein Bein nach vorn setzte und danach einen Schritt ging. Bereits beim ersten Mal ertönte ein „Klock!“ und die Besitzerin des Silver Dapples musste sich ein Grinsen verkneifen, als sie sah, wie ihr Hengst mit den Ohren zuckte, kurz nach unten blickte und dann darauf wartete, dass es weiterging.
      Zwar sah der Haufen am Ende der Übung nicht mehr ganz so aus, wie er zuvor ausgesehen hatte, doch sowohl Sammy als auch Nova hatten großen Spaß bei der Sache und nicht ein einziges Mal die Konzentration verloren – nach einer gewissen Weile hatte er das Spiel sogar verstanden und versucht, vernünftig zwischen die Stangen zu treten.
      Die letzte Aufgabe benötigte lediglich eine einzige Stange, die zumindest Maren schon vom Bodenarbeitskurs kennen sollte, denn Gwen hatte diese Übung ebenfalls benutzt und ihr „Musterpferd“ Altair gehen lassen, indem sie immer nur ein Bein kontrolliert hatte. Maren wusste dementsprechend, wie sie vorzugehen hatte. Katniss reagierte zwar misstrauisch, aber irgendwann ließ sie sich auf die Übung ein und versuchte, es so zu machen, wie Maren es ihr vorführte. Nachdem eine zweite Stange für die Übung an eine andere Stelle in der Halle gelegt worden war, probierten sich auch Sammy und Nova daran.
      „Danke, das war’s erstmal.“ Die Einheit war schon um, obwohl es mir vorgekommen war, als wären wir gerade erst fünf Minuten am Üben gewesen; den beiden Anderen schien es genauso zu gehen. „Ihr könnt euch übrigens um 11 Uhr ’ne kleine Stärkung abholen, heute gibt’s das ausnahmsweise mal zu einer festen Zeit“, grinste ich noch, ehe wir die Halle verließen.

      Nach dem Mittagessen hatten wir uns dazu entschieden, gemeinsam einen kleinen Ausritt auf den Gestütspferden zu unternehmen, da wir noch ziemlich viel Freizeit hatten und auch die Pferde mal eine Pause bekommen sollten, damit es für sie nicht zu hektisch wurde.
      Als wir dann also jedem ein Pferd zugewiesen hatten, was dann doch nicht ganz so einfach war, wie wir es zu Anfang erwartet hatten, ritten Gwen und ich auf Altair und Audio Delite at Low Fidelity an der Spitze und zeigten den anderen einige kleine „Eigenarten“ Kanadas, trafen auf unsere „eigene“ Bisonherde, die sich nie all zu weit aus unserer Gegend entfernte, Schwarzbären auf Bäumen wurden bestaunt und auch eine Elchkuh mit Kalb bekamen wir zu sehen, bei der wir aber nur liebend gern wieder umdrehten und uns auf den Weg zurück machten.

      Hatte unser Ausritt doch knapp anderthalb Stunden gedauert, war es nun Zeit für die erste Gruppenphase des heutigen Tages. Es traf sich wieder die erste Gruppe in der Reithalle und während Stelli sich weiterhin mit dem Kraftaufbau beschäftigte, war Katniss insgesamt schon sehr viel aufmerksamer als sie es sonst war. Das Paar wirkte um ein Vielfaches harmonischer und wenn Maren merkte, dass Katniss unaufmerksam wurde oder damit drohte, gleich das Interesse zu verlieren, wurde kurz etwas Unerwartetes eingebaut, weshalb der Red Roan sich sofort wieder auf das Geschehen konzentrieren musste.
      Obwohl man nach erst zwei Tagen Training noch nicht allzu große Fortschritte an Laiths Hinterhandaktivität festmachen konnte, war auch sie mehr „bei der Sache“ als zuvor, da auch Stelli inzwischen viel mehr das nutzte, was ihr zur Verfügung stand, beispielsweise die Seitengänge. Es hatte sich in den wenigen Tagen, in denen sie hier waren, ziemlich viel zum Positiven gewendet und wenn es so weitergehen würde, sah ich besonders bei der Holsteinerstute zukünftig keine Probleme mehr bei den Versammlungen – wichtig war nur, dass man das Training nicht schleifen ließ.
      Auch wurden bei dem Training hin und wieder schon einmal Lektionen aus der M-Dressur eingebaut, sodass ich ihnen die fliegenden Galoppwechsel, Schrittpirouetten und die „echten“ Seitengänge, also Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen näher brachte. Zum Üben ließ ich Maren und Katniss zunächst einmal die fliegenden Galoppwechsel probieren und da der Red Roan Schecke inzwischen sehr viel interessierter an der Arbeit war, funktionierte dies auch schon relativ gut. Natürlich konnte man es noch nicht als fliegenden Galoppwechsel bezeichnen, doch der Ansatz war bereits vorhanden und ich empfand ihn als vielversprechend.
      Die Schrittpirouette behandelte ich mit beiden Pferden nur kurz, da ich hauptsächlich die Seitengänge noch einmal durchgehen wollte. Zwar kamen die erst wirklich in einer M-Dressur dran, dennoch übten viele Pferdebesitzer sie schon vorher, um ihre Pferde richtig biegen zu können und so war es auch mit Katniss und Laith getan worden. Die Seitengänge schienen zumindest kurz einmal angeschnitten worden zu sein. Zuerst einmal kam die Traversale an die Reihe, bei welcher das Gewicht nach innen verlagert wird. Die Pferde sollen so unter das Gewicht laufen. Während der innere Schenkel für die Biegung und die Aktivität des inneren Hinterbeins zuständig ist, wirkt der äußere Schenkel verwahrend und seitwärts treibend, was die Seitwärts-Bewegung hervorrufen soll.
      Beide Paare schafften dies zwar etwas zögerlich, aber dennoch schon sehr gut, weshalb wir uns an das Renvers heranwagten, was wir aus dem Schulterherein erarbeiteten. Stelli ließ Laith einige Schritte im Schulterherein gehen, blieb dann stehen und stellte Laith nach außen – danach ließ sie sie wieder antreten, sodass die Hinterhand weiterkreuzte. Anfangs ließ ich sie eine geringere Stellung wählen, um das Kreuzen der Hinterbeine zu erhalten.
      Für das Travers lief ich neben Katniss an der Bandenseite mit, während Maren auf dem Rücken des Ponys saß. Ich brachte Katniss nun in Außenstellung und zeigte ihr über eine Handarbeitsgerte, dass sie hinten übertreten sollte, was zwar erst nach einigen Versuchen irgendwie einen Ansatz zeigte, aber immer hin verstand das Pony, was ich von ihm wollte. Das Gleiche wiederholte ich noch einmal mit Stelli und Laith, sodass auch sie das Geforderte verstanden.

      Auch bei der zweiten Gruppe ließen sich einige Veränderungen erkennen: Cresant Moon lief geschmeidiger und taktvoller; Elena musste zwar noch immer verstärkt mitschwingen, doch das war noch nicht unvermeidbar, da der Hengst einfach noch zu jung war und viele junge Pferde damit Probleme hatten. Mit etwas Übung sollte das Taktgefühl jedoch noch verbessert werden und irgendwann würde es auch vernünftig klappen – es war nur eine Frage der Zeit und der Geduld.
      Bei Casanova verhielt es sich ähnlich wie bei Katniss Everdeen. Auch, wenn die Stute ihre Unlust noch etwas „extremer“ ausgedrückt hatte, war es doch insgesamt bei beiden das gleiche Problem, dass sie gehabt hatten und auch Nova sah heute schon viel entspannter und beinahe befreiter aus, seit er die Bodenarbeit hinter sich hatte. Man musste nur abwarten, ob er sich nicht vielleicht irgendetwas Anderes einfallen lassen würde, doch das bezweifelte ich zu der Zeit.
      Glymur war ähnlich zu beurteilen wie Laith: Das Training würde noch seine Zeit dauern, und das war gut so. Wir hatten Fynja bereits zuvor empfohlen, das Training erst einmal wie gehabt und ohne Galopp fortzuführen sowie viele Übungen einzubringen, die die Hinterhand stärkten und förderten.
      Das ließ sich nicht nur durch Stangenarbeit, sondern auch dadurch, ihn hin und wieder mal Sprünge gehen zu lassen, gern auch Kombinationen.
      Wie auch bei der ersten Gruppe erhielt auch die zweite Gruppe eine kurze Einführung in die Lektionen der Klasse L; zumindest Casanova und Glymur. Cresant Moon sollte auf Wunsch von Elena noch nicht auf die nächsthöhere Klasse vorbereitet werden. Deshalb übten Sammy und Fynja mit ihren beiden Hengsten zum Ende der Trainingseinheit hin noch den Außengalopp, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung. Der Außengalopp fiel für Fynja jedoch leider weg, da Glymur seinen Galopp erst einmal „finden“ sollte und ihn das sonst schnell überfordern könnte.
      Beginnend mit dem Außengalopp für Casanova sorgte ich dafür, dass Sammy ihren Hengst gerade richtete, was sie schaffte, indem sie auch im Galopp viele Wendungen und Handwechsel ritt.
      Da wir noch am Beginn des Trainings standen, setzten wir Casanova vermehrt im Galopp, wozu sich viele Trab-Galopp-Übergänge, Tempowechsel innerhalb des Galopps und viele Wendungen gut eigneten.
      Zunächst einmal sollten die beiden einfache Schlangenlinien im Galopp reiten, bei welchen der Bogen im Laufe der Zeit immer weiter ausgeritten wurde, damit Nova sich an die Wendungen gewöhnte. Damit Casanova im Rechtsgalopp galoppierte, ließ Sammy ihren Hengst leicht nach rechts gestellt, behielt das Gewicht ebenfalls auf der rechten Seite und führte den linken Schenkel etwa eine Handbreit hinter den Gurt.
      Ich erklärte ihr noch, dass sie, falls es bei den Schlangenlinien gut klappte, noch andere Hufschlagfiguren zu ihrem Vorteil nutzen sollte, damit es auch nicht von eben jenen Schlangenlinien abhängig und das Team variabler im Außengalopp gehen konnte.
      Auf die Kurzkehrt mussten wir gar nicht weiter eingehen, da dies eigentlich schnell erledigt war, weshalb wir uns schlussendlich noch der Hinterhandwendung widmeten und diese ausprobierten.
      Hierbei begannen wir dann mit einer großen Kurzkehrt und ich erklärte den beiden, dass sie mit einem steigenden Leistungsgrad des Pferdes auch immer enger werden sollten – dennoch mussten sie darauf achten, dass ihre Pferde sich nicht einfach drehten, sondern wirklich mittraten. Nach der Erläuterung ließ ich die zwei Reiterinnen dies mit ihren Pferden noch etwas üben, ehe ich ihnen sagte, dass das Ende der Einheit bevorstand und sie ihre Pferde trocken reiten sollten, da beide etwas verschwitzt waren, danach wären sie vollständig entlassen.

      Um 18:30 Uhr standen uns dann noch die Videoanalysen bevor, bei denen ich kaum noch etwas zu meckern hatte, sondern viel mehr Wert darauf legte, wie die Paare sich in der Zwischenzeit gemacht hatten.
      Nachdem wir uns zunächst das Video von dem Extratraining Marens und Sammys angesehen hatten und einige Lacher dabei waren, besonders, als es um das Mikado-Spiel ging, schauten wir uns zunächst einmal das Video der ersten Gruppe an. Ich ließ eine Szene von Maren und Katniss durchlaufen, dann wiederholte ich sie und erklärte dabei, dass das Problem niemals ganz aus der Welt geschaffen werden würde, wenn man Katniss keine Abwechslung bot und dass ihr das ziemlich wichtig war. Wenn sie die nicht bekam, wurde sie zickig und langweilte sich schnell, was dazu führte, dass ihre Aufmerksamkeit nachließ.
      Zu Laith gab es leider noch nicht viel zu sagen, doch hier hob ich besonders hervor, wie viel lockerer das Paar insgesamt wirkte und dass das bereits ein guter Weg zum Ziel war. Sie wirkten viel zwangloser als zu Beginn des Lehrgangs, anscheinend hatten sie doch etwas aus dem „Theorieunterricht“ mitnehmen können.
      Als nächstes folgte eine Aufnahme von Fynja und Glymur, bei denen ich mich eigentlich nur wiederholte und ihr empfahl, auch mal Sprünge einzubauen, in etwa an der Longe oder den Hengst auch einfach mal Freispringen zu lassen, damit er seine Hinterhand aktiver einsetzte. „Und lass den Galopp vorerst am besten ganz aus dem Training“, waren meine letzten Worte bei der Videoanalyse zu der Szene und ich ließ das Band weiterlaufen, bis wir bei Elena und Cresant Moon ankamen.
      „Er wirkt schon viel lockerer und gelassener, wenn ihr die Seitengänge geht. Denk immer an die Volten, hier sieht man sehr schön, wie ihr das macht. Und vergiss das Mitschwingen nicht, er hat einfach noch nicht so viel Taktgefühl“, erklärte ich der Frau zum ungefähr hundertsten Mal.
      Zu guter Letzt verlor ich dann einige Worte über Sammy und Casanova, die in etwa aus demselben bestanden, was ich zu den beiden sagte. „Vergiss niemals, dass du konsequent mit ihm umgehen musst und ihn nicht alles machen lässt, das wird er sich sonst schnell merken und dich nicht mehr respektieren. Noch hast du die Chance, dass sich eben dieses Problem nicht bildet. Sei einfach strenger.“
      Schließlich wandte ich mich dann nochmal explizit an Maren, Fynja, Sammy und Stelli und ermahnte sie noch einmal, dass sie auch nicht vergessen sollten, die Anforderungen für die nächsthöhere Leistungsklasse zu verbessern und zu üben. „Für den Anfang war alles schon ganz gut und es sollte auch nicht allzu lange dauern, bis ihr eine Stufe 'aufsteigt'“, begann ich, „aber vergessen solltet ihr es wirklich nicht, das ist wichtig. Fynja, du kannst besonders mit allem, was irgendwie mit Galopp zu tun hat und benötigt wird, erst später anfangen, wenn Glymurs Galopp gut genug ist. Das überfordert ihn sonst nur, tu dir und ihm damit einen Gefallen und lasst euch Zeit.“
      Zustimmend und mit Engelsblicken nickten die vier mir zu, weshalb ich grinste und aufstand, um mit ihnen in das Esszimmer zu gehen, wo der Tisch schon gedeckt worden war – Gwen war so nett gewesen und hatte mir diese Aufgabe abgenommen, weil ich noch die Videoanalyse dazwischenquetschen musste.
      Und während wir unser letztes gemeinsames Abendessen verdrückten, dachte ich noch einmal kurz an die Zeit zurück und ließ sie mir durch den Kopf gehen. Ich musste später noch dringend die Skripte beenden, die ich für die Teilnehmer bereits angefangen hatte, damit ich ihnen diese morgen bei der Abreise in die Hand drücken konnte.

      Maren war die erste, die unser Gestüt verlassen musste. Ihr Weg führte sie zurück nach Polen und ihr Flug ging schon etwas früher, weshalb ich sie als zuerst verabschieden musste. Nachdem wir es irgendwie geschafft hatten, Katniss in den Pferdehänger zu verfrachten, drückte ich ihr noch ihr Skript und eine Lunchbox in die Hand und bot ihr an, ihr Pony nochmal unter meine Obhut zu nehmen, falls sie doch noch Hilfe bei dem Training bis zur Klasse M benötigte. „Das Skript solltest du ja schon kennen“, meinte ich und die Frau vor mir nickte kurz, ehe sie sich auch schon verabschiedete und vom Gestüt fuhr.
      Danach folgten Sammy, Stelli und Elena, die denselben Flug nehmen mussten, weshalb ich mich gleich von allen Dreien gleichzeitig verabschiedete und ihnen dasselbe sagte, wie ich es schon bei Maren tat, nur erklärte ich ihnen noch die Sache mit dem Skript. Dann überreichte ich auch ihnen ihre Skripte und die Lunchboxen für den langen Weg, bevor auch sie mitsamt der drei Pferde vom Gestüt verschwanden.
      Als Fynja dann eine gute Stunde später auch auf dem Weg zum Flughafen war, kam mir schon Gwen entgegen und grinste mich an. „Anstrengend, was?“, fragte sie neckend und ich verdrehte nur die Augen, streckte ihr die Zunge raus und schubste sie dann in Richtung Boxen, damit sie mir half, diese zu säubern.


      Skript - Stelli und Laith
      Dieses Skript ist speziell auf dich und dein Pferd zugeschnitten und ist aus der Arbeit der letzten drei Tage entstanden, während welcher ich mir einen groben Überblick über eure gemeinsame Arbeit und auch über eure Beziehung zueinander verschaffen konnte. Manches ist möglicherweise etwas ungenau, da drei Tage ziemlich kurz sind, dennoch beinhaltet es alles, was mir aufgefallen ist.
      Liebe Grüße,
      Elisa Cranfield

      Positiv aufgefallene Aspekte:
      Besonders positiv fiel mir zugleich deine gute Laune auf und deine Neugier, neues kennen zu lernen und auszuprobieren. Du gehst mit Freude an die Sachen heran und genau diese Motivation überträgt sich auf Laith, wo wir beim nächsten Punkt wären: Sie ist dir unheimlich treu und man merkt, dass sie sich bei dir gleich viel wohler und sicherer fühlt.

      Negativ aufgefallene Aspekte:
      Laith ist teilweise etwas zu zurückhaltend. Es mag an ihrem Charakter liegen, doch sie traut sich selbst nicht so viel zu und daraus können möglicherweise Probleme entstehen, da es ihr an Selbstbewusstsein fehlt. Du ergänzt sie zwar ganz gut, doch sie muss auch mal alleine da stehen können, ohne sich ständig unterwerfen oder an ihren Fähigkeiten zweifeln zu müssen.
      Außerdem solltest du sie generell mehr fordern, denn sie kann viel mehr - sonst wird es ihr schnell langweilig.

      Fokus für das weitere Training:
      Da es bei ihr noch an der Versammlung hapert, springt sie auch beim fliegenden Wechsel hinten etwas verzögert nach. Außerdem wippt Laith mit dem Hals sehr kräftig mit, um den Schwung zu holen, der ihr aufgrund mangelnder Hinterhandaktivität fehlt.
      Dementsprechend solltest du mit ihr auf jeden Fall Übungen machen, um die Hinterhand zu stärken und somit die Versammlung zu ermöglichen. Hierbei eignet sich am besten viel Trab- sowie Stangenarbeit, auch kannst du auch öfter Abstecher ins hügelige Gelände unternehmen - hier wird die Hinterhand ebenfalls gestärkt. Bringe außerdem Seiten- sowie Übergänge und Zirkel in Außenstellung in das Training mit hinein. Dennoch solltest du geduldig sein, denn so etwas geschieht nicht von heute auf morgen und bedarf seiner Zeit.

      Mögliche Übungen:
      Für das eigentliche Problem liegen keine notwendigen, weiteren Übungen vor als die, die oben bereits angeführt wurden.
      Trotzdem würde ich dich bitten, ein wenig mehr wert auf die Bodenarbeit zu legen, denn sie ist eine gute Bereicherung für Laith. Indem du mit ihr über Planen gehst oder auch auf ein Podest steigt, gewinnt sie an Selbstvertrauen und ist nicht mehr so unsicher.

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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    Stelli
    Datum:
    17 Sep. 2013
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