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Rose1

La Fée de la Neige

La Fée de la Neige
Rose1, 18 Feb. 2020
Cascar gefällt das.
    • Rose1
      276. Fohlenshow
      Nervös sah ich mich um. Das war meine erste Fohlenshow und ich war mir nicht sicher ob es eine gute Idee war hierhin zu kommen. Die Konkurrenz schien gut vorbereitet und hier tummelten sich interessante Scheckungen und hübsche Mixe.
      Auch Fee wirkte sichtlich aufgeregt und tänzelte herum.
      „Ruhig meine Kleine“, flüsterte ich und strich ihr über den Hals. Es war ungewohnt, keine Mähne unter den Fingern zu spüren, da ich sie für heute gezöpfelt hatte.
      Fee hatte dabei furchtbar gezappelt und ich hatte schon befürchtet, dass ich es gar nicht mehr zu der Fohlenshow schaffen würde.
      Nächstes Mal würde ich die Mähne am Tag zuvor flechten.
      „Jetzt sehen wir La Fée de la Neige“, dröhnte eine Stimme aus den Lautsprechern und ich dirigierte meine Stute in die Halle.
      Drinnen grüßte ich die Richter und lief mit Fee zum X.
      Diese bewerteten erst einmal das Exterieur meines Fohlens, bevor sie mir schließlich zulächelten und ich mit der Kür begann.
      Hoffentlich würde Fee sich benehmen. Entfernt nahm noch wahr, dass der Moderator über sie sprach, aber ich achtete nicht mehr darauf.
      Zuerst ließ ich das Fohlen in einem lockeren Schritt laufen und steuerte sie zum 1. Hufschlag.
      Als wir eine halbe Runde gelaufen waren, trieb ich Fee in einen schönen Trab.
      Ich jubelte innerlich schon auf, als plötzlich jemand im Publikum hustete.
      Zuerst spitzte mein Tier nur abwartend die Ohren, doch als der Zuschauer eine ganze Hustensalve losließ begann es zu buckeln und galoppierte schließlich an.
      Schockiert begann ich auch zu rennen und hoffte nur, dass meine Scheckstute nicht aus dem Hufschlag ausbrach, weil die Richter sonst einfach den Galopp bewerten würden und vielleicht sogar vermuteten, dass das so gewollt war.
      Endlich galoppierte sie etwas ruhiger und ich entspannte mich wieder.
      Als wir gegen Ende in Richtung Ausgang liefen und hinter uns tosender Applaus erklang atmete ich auf. Den Zuschauern schien Fees Vorstellung gefallen zu haben.
      Leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn das Geräusch erschreckte La Feé de la Neige und sie galoppierte schon wieder los.
      Ich hatte mehr das Gefühl, das die Stute sich austoben wollte, als das sie Angst hatte.
      Zum Glück blieb sie dann auch wenige Meter hinter der Halle stehen.
      Danach sah sie mich wie ein Unschuldslamm an und wirkte, als könnte sie kein Wässerchen trüben.
      „Fee! Du kleine Zicke!“ Augenrollend brachte ich das Fohlen wieder in den Hänger.
      Naja, die Kür hatte gut geklappt und die Richter bewerteten temperamentvolle Tiere meistens ganz gut, also hatten wir vielleicht doch eine Chance, überlegte ich mir.
      Schließlich steckte ich meinem Pferd noch ein Leckerli zu und kraulte es kurz.
    • Rose1
      Aufgeregt zappelte ich herum, als ich den Pferdehänger meines neuen Trakehnerhengstes auf den Hof fahren sah. Den ganzen Tag hatte ich mich gefreut wie ein kleines Kind und immer wieder aus dem Fenster gesehen. Leider waren ich und Sacred nicht im selben Wagen nach Deutschland gekommen und mein Auto war etwas früher da.
      Um genau zu sein waren es ganze zwei Tage Unterschied gewesen, da der Transporter noch in Schweden eine Panne hatte.
      Umso mehr juckte es mich jetzt in den Fingern endlich mit meinem HMJ Pferd zu arbeiten.
      „Er ist da!“, rief ich schließlich aufgeregt und rannte nach unten auf den Hof.
      Der schwedische Fahrer stieg bereits aus seiner Kabine und lief nach hinten um Sacred auch zu befreien. Leider sprach er kein Deutsch –das hatte ich bereits beim Telefonat wegen der Panne feststellen müssen- und ich kein Schwedisch, also konnte ich ihn nur auf Englisch warnen.
      Hoffentlich verstand er mich trotzdem.
      „Stop! The horse is dangerous. He is really scared of people!”, rief ich aufgeregt und rannte auf den großgewachsenen blonden Mann zu.
      Echt ein typischer Schwede, dachte ich mir still als ich er sich zu mir umdrehte.
      „Oh sorry, I didn’t know that. Can I help you take him out of the truck?“, fragte er freundlich.
      Mir wurde klar, dass ich mir darüber selbst noch nicht so viele Gedanken gemacht hatte.
      In meiner Vorstellung galoppierte Sacred erleichtert auf mich zu um mich dann liebevoll anzuknabbern. Leider waren wir davon noch meilenweit entfernt.
      „Can you drive your truck in front the gate there?“. Ich deutete in Richtung einer der größeren Koppeln, etwas vom Hof entfernt. Der Schwede nickte und setzte sich wieder in seinen Wagen.
      Hoffentlich wusste er welches Tor ich meinte. Hier gab es schließlich viele Weiden und noch viel mehr Tore. Englisch war mir damals in der Schule wirklich leichter gefallen musste ich zugeben.
      Früher hätte ich noch beschreiben können welches Tor es genau war und wie genau er den Wagen davor platzieren sollte.
      Genervt von meiner eigenen Unfähigkeit verdrehte ich die Augen bevor ich dem Pferdetransporter schließlich folgte. Der Fahrer schien sich denken zu können was ich vorhatte, denn er platzierte sich mit der Rampe in Richtung Tor.
      Anerkennend grinsend kam ich am Tor an. „Perfect. Thank you really much“, meinte ich zufrieden und öffnete das Koppeltor.
      Er nickte und grinste zurück. „You’r welcome.“
      Ich wurde langsam nervös als ich auf die Klappe des Transporters zulief.
      Hoffentlich stürmte Sacred nicht sofort nach draußen und überrannte mich.
      Langsam ließ ich die Rampe herunter und warf einen Blick auf den dunkelbraunen Hengst im Inneren des Lasters. Sein Fell war schweißverklebt und ich sah wie sich sein Brustkorb angestrengt hob und senkte. Dicht gedrängt in die hinterste Ecke musterte er mich aus seinen dunklen Augen.
      In mir wuchs der Wunsch etwas zu sagen, ihn zu beruhigen, aber ich wusste, dass das Einzige, das ihm in diesem Moment helfen würde, Ruhe war.
      Ich trat zur Seite und ließ dem Hengst freie Bahn.
      Kurz blieb er noch in seinem Hänger, doch dann galoppierte er fast schon panisch nach draußen, möglichst weit weg von den Menschen.
      Nachdenklich beobachtete ich sein Verhalten. Anders als die meisten Pferde brachte Sacred seine Freude über die wiedergewonnene Freiheit nicht in Bocksprüngen oder Kapriolen zum Ausdruck, sondern stellte sich möglichst weit von uns entfernt bewegungslos in eine Ecke.
      „Look’s like a hard job“, murmelte der Mann und schloss die Klappe wieder. „That will be a hard job“, erwiderte ich knapp und nickte ihm zu.
      „Bye and good luck with your horse!“, meinte der Fahrer noch zum Abschied und winkte mir kurz zu. Auch Sacred bekam ein strahlendes Lächeln geschenkt, was dieser jedoch nicht wirklich zur Kenntnis nahm. „Thank you. Goodbye.“ Der Schwede stieg wieder in das Fahrerhäuschen des Pferdetransportes und ließ mich bei meinem neuen Tier stehen.
      „Ach Sacred, was machen wir nur mit dir…“, murmelte ich leise und beobachtete das nervöse Ohrenspiel des jungen Hengstes.
      Nach einem abschließenden prüfenden Blick zu dem hübschen Brauen lief ich zurück zum Stall. Auch wenn Sacred aktuell mit Abstand das komplizierteste Pferd hier war, hatten Brown like Chocolate, La Fée de la Neige und Belmiro auch Aufmerksamkeit verdient.
      Jetzt war schließlich Fütterungszeit für sie und ich hörte schon genervtes Wiehern aus dem Aktivstall und auch vom Hengstpaddock.

      Als alle Pferde frisches Heu hatten und die Fohlen und Jährlinge auf einer, vom Aktivstall abgetrennten, Weide standen machte ich mich wieder an die unschöneren Arbeiten auf dem Hof. Das gehörte schließlich auch dazu.
      Die Untersuchungsräume mussten gereinigt werden und der Frühlingsputz im Stall war auch längst überfällig. Bei einem Aktivstall hatte man deutlich mehr zu putzen, aber trotzdem war ich unglaublich stolz auf das moderne Haltungskonzept meines Hofes.
      Ich hatte den alten Kuhstall für die Pferdehaltung umgebaut und jetzt bot er genug Platz für ungefähr dreißig Stuten und Wallache. Bald sollten jedoch noch zwei größere Weiden, eine Heuraufe und ein Offenstall zum ganzen Komplex hinzukommen, was dann für zehn weitere Tiere Platz bot.
      Für die Hengste arbeitete ich gerade noch ein Konzept aus.
      Auch die Reithalle war neugebaut und dadurch wesentlich luftiger und heller als der Durchschnitt.
      Ohne das sehr große Erbe meines Bruders hätte ich diese Kosten niemals stemmen können.
      Zwar war er wie ich auch in der Mittelschicht aufgewachsen und hatte später sogar den sehr schlecht bezahlten Beruf Landwirt ergriffen, doch Joe hatte einige Millionen mehr auf dem Konto gehabt als ich. Das lag daran, dass seine, tragischer Weise ebenfalls früh verstorbene, Frau Marina aus einer alten Adelsfamilie stammte und selbst ziemlich prominent war.
      Auch bei Lucy hatte ich entschieden, dass sie weiterhin einen Doppelnamen tragen sollte: Lucia von Schneebrunn-Beaulieu. Da ich denselben Namen wie mein Bruder trug war das möglich und Lucy musste sich nicht mühsam umgewöhnen.
      In Gedanken versunken kehrte ich weiter den Stallboden, als ich plötzlich eine Hand auf meinem Rücken spürte. „Buh!“, hörte ich eine mir gut bekannte Mädchenstimme sagen und drehte mich lachend um.
      „Oh Gott Lucy, ich hab mich furchtbar erschrocken“, murmelte ich und grinste dann.
      „Aber jetzt wo du schon mal da bist kannst du mir ja helfen.“
      Das kleine Mädchen verdrehte die Augen, schnappte sich dann aber einen Lappen und rieb den Dreck von den Stangen der Heuraufen.
      „Ist Sacred schon angekommen?“, fragte sie wenig später interessiert.
      „Ja, aber ich wollte ihm erstmal ein wenig Zeit zum Eingewöhnen lassen. Morgen oder übermorgen geh ich wieder zu ihm auf die Weide und danach möchte ich ihn mal röntgen. Vielleicht hat er durch zu frühes und zu intensives Training Spat oder Arthrose entwickelt.“
      Lucia nickte kurz und putze weiter.
      Seit sie sich regelmäßig mit den Pferden beschäftigte fand ich einen besseren Draht zu ihr und wir hatten endlich ein Gesprächsthema.
      „Kann ich einen kleinen Ausritt mit Belmiro machen?“, bat sie einige Minuten später als sie mit den Heuraufen fertig war.
      „Klar, er braucht schließlich auch wieder mal Bewegung.“
      Als auch der Boden wieder glänzte entschloss ich mich, Schoko und Fee einen kleinen Besuch abzustatten. Dann könnte ich auch nochmal bei Sacred vorbeischauen.
      Für die beiden Kleinen hatte ich spezielle Fohlenleckerlies dabei und für Sacred nahm ich eine große Karotte mit. Er würde mir sie zwar, anders als die beiden Stuten, nicht aus der Hand fressen, aber er hatte auch einen kleinen Nachmittagssnack verdient.
      Lächelnd ließ ich mir die Sonne ins Gesicht scheinen, als ich zur Weide der zwei Stuten lief.
      Ich hatte mich entschieden die Beiden die nächsten zwei Tage noch auf dieser Weide zu lassen um im Aktivstall ein wenig weiter zu putzen und zu werkeln.
      Wie es schien, hatten sie jedoch auch auf dieser Koppel ihren Spaß und spielten Fangen.
      Als ich einen leisen Pfiff ausstieß, trabten sie jedoch neugierig zum Zaum.
      „Hey ihr Süßen“, murmelte ich leise und kraulte Brown like Chocolate am Kopf.
      Genüsslich schloss die kleine Jährlingsstute die Augen und ließ die Unterlippe hängen, was mir ein kleines Schmunzeln entlockte. La Fée de la Neige forderte auch Streicheleinheiten und stieß mir mit ihrem kleinen Köpfchen gegen den Unterarm.
      Ich lachte nur und kraulte sie auch ein wenig.
      Den Beiden konnte man einfach nicht böse sein.
      Etwa zehn Minuten später gab ich Fee und Schoko noch je ein Leckerli und lief dann weiter zu Sacred.
      Aus der Ferne erkannte ich, dass der junge Hengst übermütig auf der Weide herumtollte und mir wurde klar, dass ich definitiv die richtige Entscheidung damit getroffen hatte, ihn nach Deutschland zu bringen. Leider hörte er auf, als ich mich der Weide näherte und sah vorsichtig zu mir.
      Wenigstens floh er nicht sofort. Als ihm dann aber endgültig klar wurde, dass ich zu ihm wollte rannte Sacred wieder mal in die hinterste Ecke der Koppel.
      Seufzend stellte ich mich an den Zaun und warf die Karotte hinein.
      Der Trakehner würde sie vermutlich erst fressen wenn ich weg war, aber so schnell ließ ich mich hier nicht vertreiben.
      Sacred musste sich daran gewöhnen, dass ich bei ihm war und ich hatte beschlossen, jede Gelegenheit dafür zu nutzen.
      Irgendwann fing er an zu grasen und ich setzte mich auf den Boden.
      Es entspannte mich immer Pferden beim Fressen zuzusehen und es war ein angenehmer Tagesausklang. Zum Glück war es inzwischen auch nicht mehr so heiß wie den ganzen Tag über und es ließ sich hier gut aushalten.
      Der Himmel rötete sich schon leicht und die Sonne stand sehr tief, was dem ganzen Moment ein fast schon magisches Ambiente verlieh. Auch, dass Sacreds Angst sich nicht zeigte freute mich sehr und fast zwangsläufig erschien ein breites Grinsen auf meinem Gesicht.
      Die Kirsche auf meinem ganz persönlichen Sahnehäupchen, war dann noch, dass der Hengst schließlich eine halbe Stunde später die Karotte fraß.
      Das war zwar mit einigen ängstlichen Blicken in meine Richtung verbunden, doch er schien sich immer mehr zuzutrauen.
      Morgen würde ich mich zu ihm auf die Weide setzen und ein neues Buch beginnen.
      Dann könnten wir bald auch mit dem richtigen Training beginnen.
      Zuerst wollte ich Sacred die Grundsachen beibringen oder herausfinden wie viel er noch konnte.
      Das bestand aus Führen, Hufe geben und Putzen.
      Es juckte mich in den Fingern den ganzen Dreck aus Sacred verklebten Fell zu bürsten und seine wahre Schönheit zu entdecken.
      Auch wenn er auch so schon wirklich hübsch war, ein anständiges Styling würde dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.
      Vielleicht könnte er dann auch Lucia kennen lernen.
      Oft hatte Kinder eine bessere Körpersprache als Erwachsene und kamen so manchmal besser mit vermeidlichen Problempferden zurecht.
      Es war sicher einen Versuch wert, auch wenn ich letztendlich natürlich den größten Teil der Arbeit übernehmen musste.
      Glücklich lief ich wieder in unser Haus.
      Aus Lucias Zimmer dudelte laut der Ton einer Fernsehserie, also war sie wohl bereits nach Hause gekommen. Ich fuhr meinen Laptop hoch und sah sofort in mein E-Mail Postfach.
      Erstaunt bemerkte ich, dass ich tatsächlich eine Nachricht erhalten hatte.

      Hallo Nina,
      ich hoffe mal ich darf dich duzen.
      Ich bin Karolina Wittberg und ich denke, dass ich deinen Hengst Sacred erkannt habe. Früher hieß er aber noch Loverboy und stand in einem sehr erfolgreichen Turnierstall in Brandenburg.
      Mein eigenes Pferd El Amor steht schon seit einigen Jahren dort und ich habe bereits viele Pferde kommen und gehen sehen. Loverboy oder auch Lovely wird mir aber immer in Erinnerung bleiben.
      Zum ersten Mal habe ich ihn auf einer Auktion ganz in der Nähe meines Ortes gesehen.
      Er damals gerade fünf geworden und hatte noch nie einen Reiter auf seinem Rücken gespürt.
      Der Züchter wollte ihn schonend ausbilden und setzte große Hoffnung in das Fohlen seiner Lieblingsstute. Leider verstarb er und alle Pferde wurden versteigert. Dein Hengst gehörte mit zu Preisspitze. Er präsentierte sich selbstsicher und temperamentvoll. Viele der örtlichen Züchter zückten die Scheckhefte, doch schließlich machte Martin Gabler, ein ziemlich unseriös wirkender Pferdehändler, ein unschlagbares Gebot und kaufte den Hengst zu einem sehr hohen Preis.
      Er setzte anscheinend große Hoffnungen in das schöne Tier und ich glaubte schon, dass ich Loverboy nie wiedersehn würde.

      Doch überraschenderweise wurde er nach seiner „Ausbildung“ an ein junges Mädchen verkauft, ich denke sie war damals ungefähr fünfzehn oder sechzehn. Ihr altes Pferd war für die hohen Klassen nicht geeignet, also musste Nachschub her.
      Den fand sie auch in Loverboy. Leider hatte Olivia durch das ständige harte Training auch viel kaputtgemacht. Oft kamen unterschiedlichste Bereiter und Training zu dem jungen Hengst, die ihm zu Höchstleistungen verhelfen sollten. Der Dopingverdacht stand oft im Raum, aber nie hat jemand Nachforschungen angestellt. Vermutlich wurde die ganze Sache von ihrem Vater organisiert, der sich für seine Tochter anscheinend nichts sehnlicher wünschte als Ruhm und Erfolg.
      Ich hatte Mitleid mit dem Tier. Die noch nicht ganz verheilten Wunden an seinen Beinen deuteten auf Blistern und Barren hin, was vermutlich noch davor von Herr Gabler durchgeführt wurde.
      Ich denke Lovely ist wirklich immer an die schwärzesten Schafe geraten.
      Irgendwann wurde es ihm zu viel und er begann die Hindernisse zu verweigern.
      Einer der Trainer kam auf die Idee, ihn jedes Mal im letzten Moment über das Hindernis zu zwingen.
      Ich weiß noch heute, dass ich damals gerade von einem Ausritt zurückkam, als ich Schreie und schrilles Wiehern aus der Halle hörte.
      Loverboys Satz war nicht groß genug gewesen, er war mitten in das Hindernis gestürzt und hatte nicht nur sich, sondern auch seine Reiterin schwer verletzt.
      Olivia brach sich damals kompliziert das Handgelenk und einige Finger und Lovely hatte einen Haarriss. Er hat auch wirklich nur Pech in seinem Leben.
      Zum Glück hat sich ein kleines Mädchen auf dem Hof in ihn verliebt und kaufte ihn für wenig Geld.
      Sonst wäre er vermutlich zu Schlachter gegangen.


      Nach der langen Heilungsphase fing sie an ihn wieder anzutrainieren.
      Leider hatte sie auch große Probleme mit dem Hengst und stürzte mehrfach. Zum Glück trug sie nie größere Verletzungen davon. Schlussendlich schob ihr jedoch ihre Mutter den Riegel vor.
      Sie empfand Lovely, richtigerweise, als zu panisch und übergab ihm anonym dem Tierschutz.
      Dann muss er als Sacred zum HMJ gekommen sein und so schließlich zu dir.


      Ich freue mich sehr von dir zu hören und wünsche euch beiden Alles Gute für den Weg der euch bevorsteht. Loverboy mag kein einfaches Pferd sein, aber hättest du ihn auf der Auktion damals gesehen, würdest du wissen, dass es sich lohnen wird ihn gut und liebevoll auszubilden.
      Ich bitte dich darum, mich regelmäßig mit Fotos und Neuigkeiten von ihm zu versorgen, da ich ganz furchtbar gespannt auf den Kleinen heute bin.
      Gib ihm eine Möhre von mir!


      Ganz liebe Grüße,
      Karo


      Ich schluckte. Was Karolina da berichtete hatte war schlimmer als alles was mir vorschwebte.
      Sacreds Ängste waren bei dieser Vergangenheit wirklich verständlich.
      Obwohl er eingeritten war, mussten wir vermutlich bei null beginnen, denn eine wirkliche Ausbildung war diese Tierquälerei nicht.
      Vermutlich hatte Sacred große Angst vor Hindernissen und Stangen, was einige Übungen und besonders die spätere Ausbildung natürlich erschwerte.

      Hallo Karolina,
      um ehrlich zu sein bin ich ein wenig geschockt. Sacred oder Loverboy hat anscheinend schon wirklich viel durchmachen müssen. Er scheint auch Angst vor anderen Pferden zu haben, kennst du vielleicht den Grund?


      Sacred ist heute gerade auf dem Rosenhof angekommen. Davor waren wir ein wenig in Schweden und haben dort sogar kleine Fortschritte erzielt.
      Ich hatte gehofft Sacred als Springpferd auszubilden, aber bei dem Trauma, dass du da beschreibst wird das wohl sehr schwer.
      Bis jetzt akzeptiert er gerademal meine Gegenwart und kommt auch freiwillig in meine Nähe.
      Anfassen darf ich ihn jedoch noch nicht und von Führen oder gar Reiten wollen wir nicht sprechen.
      In einigen Tagen werde ich wohl versuchen ihn auf einen abgegrenzten Teil der Weide zu bringen und dort ein herumzuschicken und anzufassen.
      Erst wenn das funktioniert kann ich ein Halfter dazu nehmen.
      Hast du noch Kontakt zu seiner ehemaligen Besitzerin (also der Letzten)?
      Wenn sie zu Sacred immer nett war, hat er bestimmt ein wenig Vertrauen zu ihr gefasst, was bei der späteren Ausbildung sicher nützlich wäre.


      Natürlich halte ich dich gern auf dem Laufenden und in den Anhängen findest du einige Fotos von Sacred. Vielleicht kannst du ja auch mal nach alten Bildern Ausschau halten und sie mir dann schicken?

      Liebe Grüße,
      Nina


      P.S.: Natürlich bekommt er eine extra große Möhre von dir. J

      Mit gemischten Gefühlen drückte ich auf „Senden“. Einerseits schien Karolina wirklich nett und es freute mich sehr, dass jemand auf meine Anzeige reagiert hatte, andererseits schockte mich Sacreds Vergangenheit sehr. Er hatte wirklich viel erlebt und das alles in nur einem einzigen Lebensjahr.
      Das zeigte mal wieder wie schnell Menschen ein Pferd doch innerlich und äußerlich kaputt machen können.
      Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum, bevor ich schließlich herunter ging um Essen zu machen. Es war schon ein wenig spät geworden und Lucy hatte bestimmt schon großen Hunger.
      Heute würde es Reis mit Gemüsecurry aus unserem Garten geben.
      Vollkommen in Gedanken versunken säuberte ich Paprika, Tomaten und Kartoffeln und suchte die benötigten Gewürze heraus.
      „Lucia! Willst du mir beim Kochen helfen?“, rief ich fragend.
      „Ja ich komme sofort“, hörte ich als Antwort und wenig später hörte ich eilige Schritte auf der Treppe. „Du kannst schon mal die Kartoffeln schälen und die Paprika und die Tomaten klein schneiden, ok?“, meinte ich und drückte ihr das Gemüse in die Hand.

      Wenig später standen die dampfenden Teller auf dem Tisch und wir löffelten was das Zeug hielt.
      „Wirklich gut gekocht Mama“, mampfte Lucia mit vollem Mund und zeigte mir einen Daumen nach oben. „Das kann ich nur zurück geben“, schmunzelte ich.
      Meine Tochter hatte mich wirklich toll unterstützt und ohne ihre Hilfe wäre das Curry bestimmt nicht so gut geworden.
      „Steht morgen eigentlich etwas Bestimmtes bei dir an?“
      Lucia schielte überlegend nach oben. „Ja wir haben einen Mathetest“, meinte sie dann und zuckte mit den Schultern. Um die Noten musste ich mich bei Lucy zum Glück fast gar nicht kümmern.
      Sie war sehr gut in der Schule und wurde von ihrer Klassenlehrerin auch regelmäßig gelobt.
      „Ich hoffe du hast gelernt“, entgegnete ich dennoch.
      Lucia nickte. „Klar. Kann ich morgen ein bisschen mit Belmiro arbeiten? Ich würde mit ihm gern ein wenig im Gelände springen.“
      Auch ich nickte nun. „Ja kannst du. Bitte pass aber auf. Belmiro würde dich zwar nicht absichtlich verletzen, aber wenn du ihn über zu hohe Sprünge treib und er es nicht schafft…“
      Sorgenvoll sah ich sie an. Vermutlich war ich durch Joes Tod ein wenig übervorsichtig geworden, denn ich machte mir fast immer Sorgen um meine Tochter.
      Egal ob sie bei Freundinnen war oder einfach nur kurz alleine einkaufen, ich hatte furchtbare Angst um sie. Schon oft hatte ich überlegt ob ich vielleicht eine Therapie beginnen sollte oder mich zumindest beraten lassen, aber bis jetzt hatte mir dafür immer die Zeit und vor allem der Mut gefehlt.
      „Klar Mama, ich will ihm ja nicht wehtun“, antwortete Lucy lächelnd und begann schon mal damit den Tisch abzuräumen.
      Auch ich stellte meinen Teller in die Spülmaschine und schickte meine Tochter dann hoch in ihr Zimmer. Ausreichend Schlaf ist wichtig, pflegte mein Bruder immer zu sage und ich teilte seine Meinung in dieser Hinsicht.
      Außerdem konnte ich jetzt in Ruhe meine Lieblingsserie sehen.

      Am nächsten Morgen wachte ich erst auf als Lucy bereits in der Schule war.
      Es war wohl ein wenig spät geworden, aber das Staffelfinale hat mich einfach viel zu sehr gefesselt.
      Müde mischte ich mir ein Müsli zusammen und setzte mich nach draußen.
      Ich hatte einen Zettel und einen Stift mitgenommen um die heutigen Tagesaufgaben zu planen.

      1. Eier einsammeln
      2. Hühner, Ziegen, Pferde und Kühe füttern
      3. Mit Belmiro Platzarbeit machen
      4. Weiden abäppeln
      5. Mit den Fohlen halftern und führen wiederholen
      6. Sacred Karolinas Möhre vorbeibringen
      7. Buch auf Sacreds Koppel lesen


      Seufzend setzte ich auch noch „8. Aktivstall putzen“ auf die Liste.
      Putzen war wirklich eine meiner unbeliebtesten Arbeiten hier auf dem Hof.
      Aber ich konnte den Rosenhof ja auch nicht vollkommen verstauben und vermüllen lassen.
      Joe hatte damals immer viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung gelegt.
      Seine Tiere waren sein ganzer Stolz und nach Marinas Tod auch eine wichtige Stütze gewesen.
      Deshalb hatte ich es auch nicht übers Herz bringen können sie zu verkaufen.
      Die meisten Kühe hatte ich an verantwortungsvolle Privatzüchter geben können und den Rest, sowie die Hühner und Ziegen, hatte ich einfach hierbehalten.
      Leider waren sie ziemlich viel Arbeit und das Eiereinsammeln gestaltete sich auch als zeitaufwendig, da die Hühner ein sehr großes Gehege hatten und ihre Eier in alle möglichen Ecken legten.
      Als ich eine halbe Stunde später endlich alle Orte abgesucht hatte und auch gefüttert hatte machte ich mich direkt an die nächste Aufgabe. Die bestand darin, allen anderen Tieren auch ihr Futter zu geben und bei der Gelegenheit auch den Gesundheitszustand kurz zu kontrollieren.
      Die Weide der Kühe und Ziegen und ein kleiner Stall waren etwas entfernt und ich entschied umweltfreundlich mit dem Pferd zu kommen.
      Dafür musste ich Belmiro jedoch erstmal putzen und fertig machen.
      „Belmiro! Komm her Kleiner“, rief ich vom Zaun des Hengstpaddocks.
      Der Lusitanohengst trabte neugierig auf mich zu und schnüffelte mich erstmal ab.
      Ich zog ihm währenddessen das Halfter über und schwang mich auf seinen bloßen Rücken.
      Nur mit Gewichts- und Schenkelhilfen steuerte ich ihn vorsichtig zum Putzplatz.
      „Feiner Junge“, flüsterte ich und sprang von seinem Rücken.
      Das Putzzeug und Belmiros Ausrüstung hatte ich schon vorher bereitgestellt und somit war Belmiro sehr schnell fertig.
      Ich nahm noch einige Karotten und Äpfel mit und schwang mich in den Sattel.

      Wenig später war ich mit den meisten Aufgaben der Liste fertig, um genau zu sein mit allen bis Nr. 6, also schnappte ich mir eine extra große Möhre und mein Buch und lief zu Sacred.
      Es entspannte mich immer Zeit bei ihm zu verbringen.
      Lächelnd warf ich die Möhre auf die Koppel und kletterte über den Koppelzaun zu Sacred.
      Der hübsche Dunkelbraune floh wie üblich vor mir und ich begann zu lesen.
      Das Buch war sehr fesselnd geschrieben und klappte es erst wieder zu als es zu dunkel zum Lesen wurde.
      „Scheiße, ich hätte ja auch noch putzen müssen!“ Leise fluchend stand ich wieder auf und verließ die Weide. „Gute Nacht mein Kleiner“, rief ich dem Trakehnerhengst noch zu und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.
      Heute hatte ich keinen nennenswerten Fortschritt bemerkt, aber ich war trotzdem nicht enttäuscht.
      Sacred brauchte eben seine Zeit und das war auch vollkommen normal bei einem so traumatisieren Pferd.

      Als ich mein Haus betrat führte Lucia mich grinsend zum Esstisch.
      „Du warst so lange weg, da hab ich einfach schon mal gekocht“, erklärte sie und legte mir einen Pfannkuchen auf den Teller. „Mmmh, das sieht wirklich köstlich aus Schatz.“
      Ich umarmte sie und machte mich daran den Pfannkuchen zu vertilgen.
      Auch Lucy haute ordentlich rein, kein Wunder bei der ganzen Menge Marmelade, die sie auf ihren Pfannkuchen klatschte.
      Wenig später dösten wir beide kugelrund auf dem Sofa. „Wie ist eigentlich der Mathetest gelaufen?“, fragte ich misstrauisch. Vielleicht war das ganze nur ein Ablenkungsmanöver gewesen.
      „Gut“, meinte Lucy kurz und zuckte mit den Schultern.
      Ich zog eine Augenbraue hoch, ging jedoch nicht darauf ein.
      Im Falle eines Falles würde ich das Ergebnis ja in einigen Tagen sehen, wenn die Lehrerin den Test zurück gab und er unterschrieben von werden sollte.

      Einige Minuten später schickte ich Lucy ins Bett und schaltete meine Lieblingsserie ein, bei der ich wohl wieder einschlief, denn am nächsten Morgen wachte ich wiedermal auf der Couch auf.
      Ein Blick auf die Uhr zeigte: Lucia war bereits in der Schule.
      Ich stieß einen leisen Fluch aus. Eigentlich wollte ich ihr heute Pfannkuchen oder Spiegelei machen.
      Heute mussten fast dieselben Aufgaben wie gestern erledigt werden, aber diesmal war auch der Aktivstall dran. Als alle Tiere zufrieden mampften und auch die Weiden abgeäppelt waren begab ich mich in den Stall.
      Heute stand eine Hochdruckreinigung an.
      Das war ziemlich anstrengt, wie ich schon nach zwanzig Minuten merkte.
      Meine Arme schmerzten und der Schweiß lief mir aus allen Poren.
      Jetzt hatte ich mir definitiv eine Pause verdient.
      Grinsend holte ich mir einen Jogurt aus dem Kühlschrank und setzte mich nach draußen.
      Die Sonne schien mir warm ins Gesicht und am liebsten würde ich für immer hier sitzen, aber die Arbeit rief.
      Seufzend stand ich auf und brachte meinen Müll weg, bevor es wieder in den Aktivstall ging.
      Zum Glück hatte ich den Großteil schon fertig gesäubert und nach weiteren zehn Minuten glänzte der ganze Stall.
      Jetzt musste ich nur noch desinfizieren. Dafür musste ich Schutzkleidung tragen, denn die meisten Inhaltsstoffe der Mittel waren nicht gerade gesundheitsfördernd und konnten auch die Atemwege und Augen verätzen.
      Eine Maske, eine Schutzbrille, Handschuhe und der Schutzanzug waren Pflicht.
      Erst als ich alles übergestreift hatte, trug ich das Desinfektionsmittel überall auf.
      Danach war ich wegen den heißen Temperaturen vollkommen verschwitzt und entschied mich erstmal unter die Dusche zu springen.
      Erfrischt und nach Rosen und Lavendel riechend machte ich mich danach wieder an die Arbeit.
      Beziehungsweise ging ich zum Lesen auf Sacreds Koppel.
      Wie üblich packte ich davor noch eine Möhre ein.
      Dieses Mal lief Sacred nicht davon, sondern blieb etwas entfernt stehen.
      Ich warf die Karotte auf die Koppel und kletterte dann hinterher.
      Am liebsten würde ich direkt etwas mit dem jungen Hengst unternehmen, aber leider war diese Trainingsmethode ziemlich passiv, fast schon langweilig.
      Trotzdem war das für Sacreds Zukunft sehr wichtig und ich musste jeder Phase auch positives abgewinnen.
      Heute näherte er sich sogar ein wenig und als ich eine Stunde später wieder ging stand Sacred nur etwa sieben Meter entfernt.
      Zufrieden lief ich nach Hause.
      Leider folgte dort ein Schockmoment, denn Lucy war nicht aufzufinden.
      Als ich dann auch noch zehn verpasste Anrufe von ihr sah, begann mein Herz zu rasen.
      Was wenn… Ich wollte nicht weiterdenken.
      Mit zittrigen Fingern klickte ich auf den Chat.
      Lucia hatte mir geschrieben. Sie war diese Nacht bei einer Freundin.
      Erleichtert atmete ich auf. Ich kannte die kurzfristigen Aktionen meiner Tochter, doch dabei stand ich jedes Mal kurz vor einem Herzinfarkt.
      Erleichtert schrieb ich ihr zurück.

      Okay Schatz.
      Viel Spaß + ich hab dich ganz doll lieb


      Jetzt konnte ich wieder in Ruhe meine Lieblingsserie gucken und dabei eine fettige Tiefkühlpizza genießen. Auch wenn ich Lucy schrecklich vermisste, manchmal wünschte ich mir doch ein wenig kinderfreie Zeit. Eigentlich hatte ich Kinder erst geplant wenn ich eine eigene Praxis hatte und mindestens dreißig war.
      Außerdem wollte ich dafür eigentlich auch den Mann fürs Leben finden.
      Und jetzt saß ich hier, mit gerade einmal 27, hatte eine neunjährige Tochter und war Single.
      Eine wirklich lange Beziehung hatte ich nie geführt, die längste war nach ein und halb Jahren in die Brüche gegangen, und wirkliche Chancen hatte ich als Alleinerziehende auch nicht.
      Aber ich brauchte keinen Mann in meinem Leben, durch Joes großes Erbe hatte ich auch keine Geldprobleme. Also blieben die einzigen männlichen Wesen, die ich wirklich gut kannte Belmiro, drei
      Ziegen, ein Hahn und jetzt auch noch Sacred.
      Vor lauter Nachdenken hatte ich gar nicht auf die Serie geachtet und spulte nun leicht verärgert zurück.
      Vermutlich würde ich sowieso einschlafen und mich an fast nichts mehr erinnern können, aber versuchen könnte ich es doch.
      Dieses Mal waren die Folgen tatsächlich spannend genug um mich wachzuhalten und ich ging mal wieder viel zu spät ins Bett.
      Morgen würde ich definitiv einen Kaffee brauchen, dachte ich mir noch bevor ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.
    • Rose1
      Als ich alle meine normalen Aufgaben erledigt hatte gönnte ich mir erstmal ein verfrühtes Mittagessen.
      Das bestand heute aus den restlichen Brötchen und ein wenig Frischkäse.
      Währenddessen überflog ich meine Handynachrichten. Auch von Harry war eine dabei:

      Hey Nina.
      Leider habe ich erfahren, dass meine Stute Elsa wohl schon heute ankommen soll.
      Ich habe sie erst vor kurzem gekauft und sie stand noch bei ihrer alten Besitzerin in Österreich, wo sie wegen einer Hofauflösung aber nicht länger bleiben kann.
      Deshalb musst du sie nun alleine in Empfang nehmen.
      Hoffentlich schaffst du das alleine, denn Elsa ist… sagen wir mal nicht ganz einfach.
      Sie sollte gegen 18 Uhr ankommen.
      Liebe Grüße aus England,
      Harry


      P.S.: Es sind noch nicht alle Pferde vom Hof verkauft und du kannst ja mal auf die Website gucken. Du hast noch Zeit bis 13 Uhr um weitere Pferde auf den Hänger aufladen zu lassen.

      Ich verdrehte zuerst die Augen, setzte mich dann jedoch tatsächlich an meinen Laptop.
      Harry hatte ja Recht, auf meinem Hof gab es bis jetzt wirklich noch nicht viele Pferde.
      Neugierig durchstöberte ich die Anzeigen und klickte schließlich auf River´s Baghira. Die hübsche Stute hatte es mir angetan und mit ihrer Abstammung würde sie sich perfekt für die Welsh Partbred Zucht eignen.
      Außerdem wollte Lucia unbedingt ein eigenes Pony.
      Ich wollte mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen lassen, doch da fiel mein Blick auf die Uhr.
      12:52. Ich hatte nur noch wenige Minuten Zeit.
      Mit zittrigen Fingern wählte ich die Nummer des österreichischen Hofes.
      Ob das eine gute Idee war? Ich wusste es nicht.
      Doch bereits wenige Minuten später stand River´s Baghira auf dem Hänger und fuhr in Richtung Nordsee, um genau zu sein zu mir auf den Rosenhof.
      Ich freute mich schon jetzt darauf Lucys Gesicht zu sehen wenn sie wiederkam und ihr eigenes Pony im Stall entdeckte.
      Grinsend schrieb ich Harry zurück.

      Hallo Harry.
      Ich habe tatsächlich mal auf die Seite geguckt und auf schon ein kleines Pony gefunden, das sich perfekt für den Rosenhof eignen würde. Ihr Name ist River´s Baghira und sie ist eine wirklich hübsche Scheckstute, die bestimmt auch eine tolle Welsh-Partbredzuchtstute wird.
      Außerdem wird Lucia sich bestimmt freuen.
      Hoffentlich gefällt es den beiden Stuten hier.
      Liebe Grüße von der heimischen Nordsee,
      Nina


      Als ich absendete, bemerkte ich enttäuscht, dass nur ein einziger Haken erschien.
      Harry war wohl beschäftigt.
      Ob er in England wohl eine Freundin hatte?
      Kopfschüttelnd versuchte ich den Gedanken zu vertreiben.
      Wieso interessierte mich das überhaupt.
      Egal, ich musste sowieso wieder an die Arbeit. Heute wollte ich mit Belmiro ins Gelände gehen, BOS Feuerherz beim Springen ausprobieren und Sacred an ein Halfter gewöhnen.
      Die Zeit drängte also.
      Aufgeregt sprang ich auf und lief zu meinem Lusitanohengst. Auch wenn Belmiro eigentlich ein Verkaufspferd war, das noch keinen Besitzer gefunden hatte, hatte ich ihn doch liebgewonnen.
      Er war wirklich ein herzensgutes Schmusepferdchen.
      Auch beim Putzen, Satteln und Trensen verhielt sich der Dunkelbraune so brav wie üblich.
      Selbst als ich mich ein wenig zu unsanft in den Sattel schwang, blieb der Lusitano ruhig stehen.
      Er wäre wirklich ein perfektes Kinder- oder Schulpferd.
      Das bewies der Hengst auch im Gelände wieder und der Ausritt verlief gewohnt entspannt.
      Als wir zurückkehrten spritzte ich Belmiro erstmal ab und stellte ihn danach auf die Weide.
      Jetzt stand Platzarbeit mit Arthur an.
      Der junge Trakehnerhengst war, trotz seiner Ähnlichkeit in Rasse und Alter zu Sacred, fast genauso brav wie Belmiro.
      Ich könnte hier wirklich eine Reitschule aufbauen, dachte ich mir, als Feuerherz wieder leichtfüßig über ein Hindernis segelte.
      Obwohl das eigentlich nur witzig gemeint war, hörte ich eine kleine Stimme sofort ja schreien.
      Schließlich konnte ich mich mit einer Reitschule finanziell absichern und gleichzeitig meinen Sport Kindern und Jugendlichen näherbringen.
      Sicher lag dann viel Papierkram an, aber Harry würde mich ja unterstützen.
      Leider unterbrach ein gedanklicher Einwurf mein ganzes Kopfkino:
      Ich besaß gerade mal zwei brave, reitbare Pferde. Wenn ich River´s Baghira hinzurechnete waren es schon drei, aber bei der Ponystute konnte ich noch nicht sagen wie brav sie wirklich war.
      Nachdenklich stieg ich ab und spritzte auch Arthur noch kurz ab.
      Innerlich wuchs in mir jedoch schon eine weitere Idee heran: Ich musste noch mal auf die Seite dieser Hofauflösung nachschauen.
      Als ich meinen Laptop auf den Beinen hatte und das typische Brummen des Lüfters hörte, wurde ich jedoch nervös.
      Was wenn ich mich so nur in finanzielle Schwierigkeiten stürzte?
      Kurzentschlossen beschloss ich Harry zu schreiben.

      Hi Harry malwieder.
      Ich überlege gerade ob es klug wäre einen Reitschulbetrieb auf dem Hof aufzubauen.
      Was hältst du von meiner Idee?
      Grüße, Nina


      Nervös wartete ich auf eine Antwort.
      Dieses Mal erschien auch ein zweiter Haken und bald färbten sich beide blau.
      Harry hatte meine Nachrichten gelesen.

      Wow, du scheinst es ja kaum ohne mich auszuhalten xD
      Also, River´s Baghira ist wirklich süß und sie würde gut zu Lucia passen.
      Bei deiner Idee mit dem Reitschulbetrieb bin ich mir noch nicht ganz sicher, da wir dafür mehr Personal, Pferde und auch eine Menge Geld benötigen würden.
      Wenn das kein Problem wäre, dann spräche nichts mehr dagegen. Auch meine Pferde könnten im Betrieb mitlaufen.
      Hast du denn schon mehr Ideen?
      Wenn du dir bei dieser Hofauflösung mehr Pferde kaufen willst hätte ich da ein paar Ideen. Wie wäre es denn mit Glenny Hope, Greased Lightning und Darkness Lord für die erfahrenen Reiter?
      Mit BOS Feuerherz und Belmiro hast du ja schon Anfängerpferde und auch wenn du davon noch mehr brauchst ist es ja ein Anfang oder nicht?


      Als ich Harrys Nachricht fertig gelesen hatte, fing ich an zu grinsen.
      Der junge Brite hatte meine Idee wirklich gut verstanden.
      Mit ihm konnte ich das definitiv umsetzen.

      Danke für den Zuspruch. Du hast definitiv Recht bei den Pferden und Überraschung: Ich hab kurzentschlossen alle gekauft!

      Dieses Mal musste ich nicht lange auf eine Antwort warten.

      Scheiße Nina, bist du eigentlich bekloppt?! Ich bin doch nur der neue Stallbursche! Vielleicht sind meine Ideen super schlecht und du setzt sie einfach um?
      Entschuldige meinen Anfall von Unhöflichkeit, aber ich bin leicht verwirrt und bestürzt.
      Wieso vertraust du mir bei so etwas so schnell?


      Ich runzelte die Stirn. Mir war nicht ganz klar was Harry damit aussagen wollte. Fand er mich nur dumm oder war er einfach besorgt und fragte sich, ich immer so unüberlegt handeln würde?

      Keine Sorge, natürlich habe ich darüber nachgedacht und dir nicht einfach blind vertraut, aber deine Argumentation schien schlüssig und ich weiß, dass du dich gut mit dem Pferdegeschäft auskennst.
      Außerdem ist der Rosenhof finanziell gut versorgt und jetzt wünsche ich mir nur noch einen ein wenig höheren Bekanntheitsgrad und Erfolg für den Reiterhof.


      Nachdenklich sendete ich die Nachricht ab und sah direkt ein „Schreibt…“ erscheinen.

      Ich verstehe dich und denke auch, dass ein Schulbetrieb gut auf den Rosenhof passen würde.
      Hoffentlich bürdest du dir damit nur nicht zu viel Last auf, denn die Tierklinik fällt natürlich auch zeitlich ins Gewicht.


      Ich lächelte. Jetzt ergab Harrys vorherige Aussage tatsächlich mehr Sinn.
      Der junge Pferdepfleger hatte sich einfach Sorgen gemacht.
      Wesentlich zufriedener verabschiedete ich mich nun von ihm, da ich wieder an die Arbeit musste.
      Ich hatte nur noch Zeit Sacred das Halfter kurz vorzuführen und ihn kurz zu kraulen bevor Baghira und Elsa ankommen würden.
      Eilig lief ich zur Weide des Trakehnerhengstes. Auf dem Weg schaute ich auch bei Brown like Chocolate und La Fée de la Neige vorbei. Denn beiden Stutfohlen schien es wie immer ziemlich gut zu gehen und so ging ich weiter zu Sacred.
      Der hübsche Dunkelbraune trabte neugierig auf mich zu und ich schmiss, wie üblich, seine Möhre auf die Koppel.
      Während Sacred noch fraß, kletterte ich dann über den Zaun.
      „Hey Kleiner“, flüsterte ich und ließ mich auf dem staubigen Boden nieder.
      Der junge Hengst machte einige Schritte auf mich zu und stupste mich schließlich vorsichtig an.
      „Und? Wie geht’s dir heute?“, fragte ich mit sanfter Stimme und kraulte den Dunkelbrauen an der Stirn. „Guck doch mal was ich dir mitgebracht habe.“
      Ich zog das Halfter aus der Tasche und ließ Sacred daran schnuppern.
      Der junge Trakehner schien zwar keine Vorbehalte gegen die paar Stricke zuhaben, doch er blieb zögerlich.
      Kurzentschlossen holte ich einige Leckerlies aus meiner Hosentasche und gab Sacred eines.
      Dagegen schien der Dunkelbraune nichts zu haben und wagte sich nun auch selbstbewusster an das Halfter heran. Vorsichtig begann ich ihn damit am Kopf zu berühren und auch das ertrug er problemlos. „Braves Pferd“, murmelte ich und ließ ihn mit dem Halfter alleine auf der Weide.
      Leider musste ich schon los, denn Elsa und Baghira würde gleich ankommen.
      Mit eiligen Schritten lief ich nach unten auf den Hof und hielt nach einem Pferdetransporter Ausschau.
      Eigentlich war es bereits 18:02, aber Pünktlichkeit auf die Minute war bei einem Tiertransport einfach unmöglich.
      Die nächsten fünf Minuten trat ich ungeduldig von einem Fuß auf den anderen.
      Um 18:07 schließlich bog der Transporter auf den Hof und eine leicht übergewichtige, platinblonde Frau stieg aus dem Wagen.
      „Sind sie Nina Beaulieu?“, rief sie mit kratziger Stimme, die sofort verriet, dass sie einer Kettenraucherin gehörte.
      Nervös nickte ich. „Darf ich zu ihnen?“
      Leicht genervt bejahte die Fahrerin und ich öffnete sofort die Klappe.
      „Hallo meine Schätze“, murmelte ich sanft und stieg in den Hänger.
      Es war das erste Mal, dass ich eines von Harrys Tieren sah und ich war sofort geflasht.
      Der junge Mann schien entweder Geld oder Pferdeverstand zu Hauf zu haben.
      Elsa war eine wunderschöne dunkelbrauen Stute und ihr wacher Blick ließ zugleich große Intelligenz und Temperament erkennen.
      Die Muskulatur schien tadellos und auch das Exterieur gehörte ohne Zweifel zu einem großartigen Sportpferd. „Elsa“, flüsterte ich und strich der Stute über die Nüstern.
      Sanft zog ich ihr ein Halfter über und führte die Stute auf eine eigene Weide.
      Ich hatte kurzfristig entschieden, dass ich die beiden Stuten auf eine Koppel stellen würde, da sie sich schon vermutlich kannten.
      Baghira folgte ihr wenig später.
      Von der kleinen Ponystute war ich nicht weniger überrascht.
      Die volle Mähne und besonders die Flecken waren auf den Bildern weitaus weniger schön ausgeprägt gewesen. Ohne Zweifel würde Baghira wundervolle Welsh Partbred Fohlen zur Welt bringen und auch als Turnierpony eine tolle Figur machen.
      Leider konnte ich die Zwei nicht länger bestaunen, da es langsam dunkel wurde und ich noch einen Text für das Horse Makeover posten wollte.
      Heute wollte ich schließlich Sacreds Geschichte publik machen und erzählen, welche grausame Vergangenheit die brauen Kulleraugen verbargen.
      Zu guter Letzt gab ich den zwei Stuten noch je eine Karotte und ging dann schließlich nach drinnen, wo ich mir direkt einen Tee kochte und den Laptop hochfuhr.
      Ich musste mich jetzt wirklich beeilen, denn heute wollte ich rechtzeitig ins Bett.
      Bereits als der Bildschirm bunt wurde legte ich meine Finger auf die Tastatur.
      Ich stand förmlich in den Startlöchern.
      Tatsächlich konnte ich bald lostippen und wenig später stand da wirklich ein relativ langer Text:

      Sacred hat in seinem noch jungen Leben bereits viel durchlitten.
      Bis er fünf Jahre alt war stand er noch bei seinem Züchter.
      Dort hatte der junge Trakehner eine gute Zeit, eine Helferin brachte ihm einige Tricks bei und auch der alte Züchter liebte das Fohlen seiner Lieblingsstute.
      Dann verstarb der Mann jedoch ganz plötzlich und der gesamte Bestand wurde versteigert. Auch Sacred. Damals hieß er noch Loverboy und zog mit seiner temperamentvollen Ausstrahlung auf der Auktion alle Blicke auf sich.
      Leider auch die eines ganz bestimmten Züchters: Martin Gabler, der den Junghengst schließlich kaufte und einritt. Leider war er für Rollkur, Blistern und Barren bekannt und auch Sacred blieb nicht verschont.
      Schließlich kam der Hengst als Springpferd einer reichen Jugendlichen auf einen Hof in Brandenburg. Leider blieb ihm auch hier nichts erspart. Doping und grausame Trainingsmethoden waren Alltag.
      Doch dann hatte der junge Trakehner einen verhängnisvollen Unfall:
      Er zog sich einen Haarriss zu und brach seiner Reiterin den Arm.
      Bevor der Schlachter ihn bekam, kaufte ihn schließlich ein junges, nettes Mädchen, das mit dem inzwischen panischen Hengst jedoch nicht zu Recht kam.
      Die Mutter gab das hübsche Tier schließlich anonym zum Tierschutz und dort kam er als Sacred zum HMJ.


      Erschöpft schüttelte ich meine Hände aus.
      Ich war wirklich nicht mehr an das viele Tippen gewohnt.
      Früher, zu Studienzeiten, hatte ich über 100 Anschläge in der Minute geschafft, doch nun waren es vermutlich nicht über 70.
      Das summierte sich bei diesem Text doch bald und ich wünschte, dass ich meine alte Geschwindigkeit wieder hätte.
      Seufzend trank ich den letzten Schluck meines Tees aus.
      Jetzt noch eine kleine Folge meiner Lieblingsserie und dann ging es ab ins Bett.
      Zugegebenermaßen spürte ich die Müdigkeit jetzt schon, doch ich versuchte die bleierne Schwere in meinen Gliedern zu vertreiben und blinzelte einige Male.
      Doch trotzdem war ich sicher, dass ich auch dieses Mal wieder vor dem Fernseher einschlafen würde und machte mich sicherheitshalber vorherfertig.

      Mitten in der Nacht wachte ich auf.
      Der Fernseher war ausgegangen und nur der Vollmond beleuchtete das Zimmer notdürftig.
      Ich tastete nach meinem Handy und versuchte die Taschenlampe anzuschalten.
      Das bleiche Licht erhellte den Raum nur wenig und ich fluchte als ich über den Couchtisch stolperte.
      „Warum steht dieses Scheißteil hier?“, schrie ich wütend und rieb mir das Handgelenk.
      Als ich meinen Sturz abgefangen hatte, habe ich es mir wohl verstaucht, denn der starke Schmerz war eindeutig nicht mehr gesund.
      Mit grimmigem Gesichtsausdruck ging ich in mein Zimmer.
      Morgen würde ich das Erlebnis vielleicht mit mehr Abstand betrachten können.

      Leider war dem nicht so.
      Am nächsten Morgen war der Schmerz in meinem Handgelenk fast noch stärker und ich entschied, dass ich wohl wirklich beim Arzt vorbeischauen musste.
      Seufzend kramte ich mein Handy hervor und tippte die Nummer meines Hausarztes ein.
      Da ich etwas länger geschlafen hatte, war bereits jemand an der Leitung und ich schilderte sofort meine Beschwerden.
      Der junge Mann gab mir einen Termin für dreizehn Uhr und ich willigte ein.
      Davor konnte ich auch noch schnell die Pferde füttern.
      So gut das mit meinem schmerzenden Handgelenk eben ging.
      Ich war erleichtert als die Uhr endlich auf elf stand und ich mich nun einfach schnell abduschen konnte. Danach musste ich direkt zum Arzt.

      45 Minuten später saß ich im Bus.
      Autofahren ging mit meinem Handgelenk nun nicht mehr und ich hatte Glück, dass der Bus hier sehr regelmäßig kam.
      Es war relativ voll hier drinnen, da es seit einigen Stunden ununterbrochen regnete.
      Dicke Tropfen schlugen an die Scheibe und auch im Innenraum des Fahrzeugs bildeten sich Pfützen, in denen sich das Dreckwasser aus den Klamotten der Passagiere sammelte.
      Auch von meiner Jacke ran Regenwasser.
      Nachdenklich beobachte ich die Dreckspur, die die auf dem hellen Stoff verblieb, bis mich plötzlich eine blecherne Stimme aufschreckte.
      „Küstenweg“, dröhnte es aus dem Lautsprecher und ich sprang auf.
      Hier war meine Arztpraxis.
      Ich war noch nicht wirklich oft hier gewesen, nur für eine Impfung und einmal wegen einer starken Grippe, also kannte ich mich bei den vielen kleinen Häuschen nicht wirklich aus.
      Bevor ich jedoch nachdenken konnte, wurde ich auch schon von der Menschenmenge nach draußen geschoben.
      Zum Glück tröpfelte es nur noch, doch der kalte Seewind ließ mich trotzdem frösteln.
      Man merkte doch, dass das Meer direkt hinter den Häusern lag und auch das Wetter beeinflusste.
      Ich suchte nach dem Schild meiner Arztpraxis.
      Da! Ich beschleunigte meine Schritte und steuerte auf die kleine Tür zu.
      Direkt dahinter befand sich die Rezeption, wo mich eine schon etwas ältere Frau freundlich begrüßte.
      „Sie sind dann wohl Nina Beaulieu oder?“, fragte sie und ich nickte.
      Dadurch dass die Praxis nur sehr klein war, gab es hier nur wenige Patienten und die Behandlung war viel persönlicher als in meiner alten Großstadt.
      Vielleicht lag es auch an der netten Ärztin hier, ich wusste es nicht.
      „Sie können direkt ins Zimmer 2 gehen“, erklärte mir die Arzthelferin und ich setzte mich in Bewegung.
      Die Einrichtung wurde von einem sterilen Weiß beherrscht, doch es fanden sich einige maritime Details darin. Das Wandbild, das den Nordseestrand und einige Muscheln zeigte, war zum Beispiel ein echter Blickfänger.
      Gedankenverloren betrachtete ich die feinen Details, die der Künstler hinzugefügt hatte, als sich plötzlich die Tür öffnete und eine junge Frau hereintrat.
      Sie strich sich die auffälligen roten Haare hinters Ohr und reichte mir die Hand.
      „Debby McDulligan“, stellte sie sich vor und ich bemerkte sofort den starken Akzent.
      Irgendetwas Britisches wenn ich schätzen musste, aber bei ihr kam er stärker hervor als bei Harry.
      „Nina Beaulieu.“ Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht.
      „Sie sind wegen Ihrem Handgelenk hier oder? Was ist den vorgefallen?“, fragte die junge Frau nun und sah mich mit leicht schiefgelegtem Kopf an.
      „Also, gestern Abend bin ich auf der Couch eingeschlafen und dann mitten in der Nacht aufgestanden. Als ich ins Bett gehen wollte, fiel ich über den Couchtisch und fing mich noch gerade so mit der Hand ab. Mein Handgelenk hat stark geschmerzt, aber ich bin erstmal normal ins Bett gegangen. Am nächsten Morgen war der Schmerz jedoch fast noch schlimmer“, erzählte ich ausführlich. Die Ärztin nickte nur einige Male und tippte etwas auf ihren Laptop.
      „Können Sie ihr Handgelenk noch beugen und strecken?“, fragte sie schließlich und ich versuchte es mit schmerzverzehrtem Gesicht.
      „Es ist schmerzhaft, aber ja“, keuchte ich schließlich und die junge Frau tippte wieder.
      „Hatten Sie schon vorher Probleme mit ihrem Handgelenk? Eine Verrenkung zum Beispiel? Oder wurde bei ihnen jemals Arthrose oder Osteoporose festgestellt?“
      Ich schüttelte den Kopf.
      „So, ich werde das Gelenk jetzt schnell mal abtasten, aber vermutlich kommen sie um das Röntgen nicht herum“, erklärte die Ärztin und schob meinen Stuhl zu mir herüber.
      „Wenn es Ihnen sehr wehtut, sagen sie Bescheid.“
      Ich nickte wieder und reichte der Ärztin meine schmerzende Hand.
      Sie drückte ein wenig an den Knochen herum und ich versuchte verzweifelt ein Quietschen zu unterdrücken.
      Es tat wirklich weh.
      „Naja, die Knochen scheinen nicht verschoben zu sein, aber um zu beurteilen ob sie gebrochen sind, muss ich röntgen. Sind Sie schwanger oder könnten Sie schwanger sein?“, fragte mich die junge Frau und ich riss die Augen auf.
      „Entschuldigung, ich muss das fragen.“
      Mein Gesichtsausdruck beruhigte sich wieder und ich schüttelte den Kopf.
      „Nein, ich kann nicht schwanger sein.“
      „Gut, dann würde ich Ihnen jetzt eine Überweisung ins Krankenhaus schreiben und Sie dort röntgen lassen“, erklärte mir die Ärztin und tippte auf ihrem Gerät herum.
      Ich nickte wieder und verabschiedete mich noch.
      Die ältere Frau von der Anmeldung reichte mir noch einen Zettel mit der Überweisung und winkte mir noch freundlich zu.

      Als ich einige Stunden später wieder im Bus saß konnte ich es immer noch nicht ganz glauben.
      Mein Arm steckte in einem Gips. Das Handgelenk war gebrochen.
      Wie sollte ich die tägliche Arbeit bei den Pferden nur schaffen?
      Mit sorgenvollem Blick zog ich mein Handy hervor.
      Erstmal musste Harry davon erfahren, denn sobald er wieder zurück war, würde er den Löwenanteil der Arbeit bewältigen müssen.

      Hi Harry.
      Ich bin leider gestern ziemlich unglücklich über den Couchtisch gefallen und als ich heute im Krankenhaus war kam heraus, dass mein Handgelenk gebrochen ist.
      Die nächsten vier bis fünf Wochen muss ich einen Gips tragen.
      Ich wollte dir es einfach schnell erzählen, weil du dann vermutlich fast alleine arbeiten musst wenn du wieder da bist.


      Seufzend schickte ich die Nachricht ab.
      Hoffentlich machte Harry sich keine zu großen Sorgen.
      Ein bisschen Mitleid war in Ordnung, aber Harry übertrieb es immer ein wenig.
      Auch dieses Mal kam seine Antwort sofort.

      Scheiße, was machst du eigentlich wenn ich nicht da bin Nina.
      Wie geht es dir? Hast du Schmerzen?
      Wie willst du dich denn jetzt um die Pferde kümmern?
      Wenn du es nicht schaffst, komm ich jetzt schon zurück nach Deutschland.
      Ich fahr sowieso bald los.
      Gute Besserung <3


      Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen als ich das kleine Herz entdeckte.
      Ich musste zugeben, dass Harrys übertriebene Sorge schon irgendwie ganz süß war.

      Mir geht es soweit ganz gut.
      Es tut ein bisschen weh, aber das ist wirklich aushaltbar.
      Das mit den Pferden krieg ich schon gebacken, genieß du jetzt deinen Urlaub.
      Mach dir keine Sorgen <3


      Ein wenig nachdenklich starrte ich noch auf das Herz, doch ich sendete ab.
      Was soll’s.

      Du weißt, dass ich mir jetzt fast noch mehr Sorgen mache?
      Denk dran – wenn was ist ruf an oder schreib mir.
      Ich will schließlich nicht, dass ich Elsa in einigen Tagen verhungert vorfinde!
      Aber gut, ich werde dir jetzt mal vertrauen, dass du das schaffst.
      Leider muss ich jetzt mit auf einen „Familienausflug“ und dort habe ich kein Internet.
      Mach’s gut <3


      Ich verabschiedete mich von Harry und legte mein Handy wieder weg.
      Offensichtlich schien er durch meine Nachricht doch ein wenig beruhigt zu sein.
      Ich gab ja zu, dass ich mir noch nicht ganz sicher war wie ich das mit den Pferden lösen wollte und auch meine Schmerzen waren doch ein wenig schlimmer als beschrieben.
      Aber Harry würde vermutlich vor Sorge tatsächlich wieder zurück nach Deutschland kommen und das wollte ich nun auch nicht.
      Seufzend stand ich auf und lief nach draußen.
      Belmiro und BOS Feuerherz würde ich longieren und bei den anderen fehlten mir noch die Ideen.
      Vielleicht ein kleiner Waldspaziergang?
      Mein Lusitanohengst trabte auf mich zu, als ich zu seiner Weide kam und nahm mir zumindest eine Aufgabe ab.
      Leider gestaltete sich das Halftern und Putzen nun auch deutlich schwieriger und ich kam erst eine halbe Stunde später völlig verschwitzt in die Reithalle.
      Zum Glück war Belmiro ein sehr ruhiges Pferd und machte mir keine Schwierigkeiten im Umgang.
      Als sich der erste Schweiß auf seinem dunkelbraunem Fell zeigte, brachte ich den jungen Hengst wieder auf seine Koppel.
      Nun war schließlich Arthur dran.
      Der hübsche Trakehnerhengst war zum Glück ähnlich brav und ich konnte auch mit ihm gut arbeiten.
      Doch leider konnte ich heute nicht alle Pferde longieren.
      Ich kratzte mich nachdenklich am Kopf.
      Was sollte ich nur mit Elsa tun? Die Stute war bestimmt ziemlich spritzig und dazu kam auch noch der gestrige Stehtag. Wenn ihre Besitzerin schon davor nicht mehr mit ihr gearbeitet hatte, würde die Dunkelbraune nur noch explosiver sein.
      Ich entschied die Stute einfach ein wenig im Roundpen umher zuschicken.
      Dort konnte sie sich auch austoben.
      Ich merkte bereits, dass das die richtige Entscheidung war, als ich die Dunkelbraune von der Weide holte. Sie tänzelte aufgeregt herum und an Putzen war kaum zu denken.
      Ich konnte nur den gröbsten Dreck entfernen.
      Als ich der jungen Stute schließlich im Roundpen das Halfter abzog wieherte sie schrill und galoppierte einige Runden, natürlich nicht ohne ausgiebig zu buckeln.
      „Hey, du stehst die ganze Zeit auf der Weide, aber im Roundpen fällt dir dann auf, dass du doch noch Energie übrig hast?“, meinte ich lachend und beobachtete den eleganten Trab der Stute.
      Mit einem leisen Schnalzen trieb ich sie wieder in den Galopp, der dieses Mal auch um einiges ruhiger war.
      Als Elsa danach wieder durchparieren durfte, erkannte ich auch im Schritt ihr großes Potential.
      Die Gänge der Stute waren raumgreifen und locker, doch dabei bewahrten sie sich doch eine unbeschreibliche Eleganz und viel Temperament.
      Harry hatte mit Elsa wirklich einen Glücksgriff gelandet.

      Als ich mit Elsa und wenig später auch mit River’s Baghira fertig war ging ich noch schnell zu Sacred.
      Der junge Hengst kannte das Halfter inzwischen und ich nutzte die paar Minuten, die ich noch hatte bevor ich zu den Fohlen musste, noch dafür, ihn ein wenig herumzuführen.
      Das klappte trotz anfänglicher Schwierigkeiten inzwischen auch ganz gut und ich war sehr stolz auf den hübschen Trakehner.
      Sehr bald würde wir auch am Meer spazieren gehen können.
      Das Wetter war aktuell sehr gut, nicht zu heiß und nicht zu kalt, und ich freute mich schon sehr darauf mit Sacred an den Strand zu gehen.
      Ich war mir sicher, dass es auch ihm gefallen würde.
      Wie als könnte er Gedanken lesen, prustete mir der junge Hengst zu.
      Er war in den letzten Wochen tatsächlich viel zutraulicher geworden und ich hatte das Gefühl, dass wir langsam eine Bindung aufbauten.
      Leider konnte ich sein gutes Benehmen heute nicht lange genießen, denn schließlich wollten auch die Fohlen angemessen gepflegt werden.
      „Tschüss mein Dicker“, murmelte ich noch und kraulte Sacred noch einmal durch das weiche Fell.
      Brown like Chocolate und La Fée de la Neige warteten bestimmt schon auf mich.
      Tatsächlich standen die beiden Fohlen am Zaum und brummelten leise als ich kam.
      Sie warteten vermutlich auf eine Karotte.
      Lachend hielt ich beiden je eine hin und spürte die kratzigen Tasthaare auf meiner Haut.
      Es ging doch nichts über Fohlen.
      Die Beiden waren wirklich zuckersüß.
      Ich genoss noch den Sonnenuntergang mit den Zwei, bevor wieder ins Haus ging.
      Harry erwartete bestimmt einen kleinen Tagesbericht.
      Er wollte schließlich auch wissen wie es seiner Stute so erging und die anderen Pferde interessierten ihn ja auch. Besonders die zwei Stutfohlen, dachte ich mich grinsend und zog mein Handy hervor.

      Hey Harry.
      Und wie war dein Tag? Hoffentlich hattest du nicht zu viel Stress mit deiner Familie (bei uns sind Familientreffen immer super stressig) und hast keinen Herzinfarkt erlitten.
      Wir brauchen dich hier nämlich ganz dringend!
      Außerdem habe ich das Gefühl, dass Schoko und Fee dich schon ziemlich vermissen.
      Die Beiden haben auch als ich da war die ganze Zeit über den Zaun geschaut und nach dir gesucht.
      Echt süß <3
      Hoffe bei dir läuft es auch gut.


      Leider antwortete Harry dieses Mal nicht direkt und ich entschied schon mal neues Pferdefutter zu bestellen. Ich verfütterte eigentlich fast nur Rau- und Saftfutter, doch ab und zu gab es auch mal Kraftfutter und Zusätze.
      Dafür hatte ich mir einen meiner Meinung nach ziemlich kompetenten Händler herausgesucht, der eigentlich alles im Pferdebereicht anbot.
      Sogar Pferde selbst vermittelte er.
      Natürlich ließ ich mir es nicht nehmen mal durch die Angebote zu stöbern.
      Es standen viele Dressurpferde zu Verkauf, vermutlich wegen einer Hofauflösung.
      Sogar zwei gekörte Springhengste bot eine Züchterin an.
      Neugierig klickte ich auf den Link.
      Magic Chrismas, ein Schimmel, zog sofort meine Blicke auf sich, doch auch Lamborghini, ein Dunkelbrauner mit vier weißen Fesseln, hatte seinen Charme.
      Bei beiden saßen die Muskeln an den richtigen Stellen und das Fell glänzte.
      Leider fiel mein Blick erst dann auf den Preis.
      Doch sobald ich die fünf Nullen und die Eins davor bemerkte drückte ich bei beiden auf das Kreuz.
      Ja, ich war finanziell unabhängig und eine Insolvenz war noch lange nicht in Sicht, doch 200.000 Euro konnte ich nicht mal eben aus der Portokasse zahlen.
      Ich suchte trotzdem weiter.
      Eine hübsche Andalusierstute zog als nächstes die Aufmerksamkeit auf sich.
      Ihr Blick wirkte traurig und es war fast das Mitleid, das mich auf die Anzeige klicken ließ.
      Doch die Qualitäten der Stute überzeugten mich und ich ließ den Tab offen.
      Direkt darunter wurde mir nämlich eine andere, ebenfalls sehr interessante Stute.
      Sie war ein Welsh-Haflinger-Mix und würde sich gut für die Welsh Partbred Zucht eignen.
      Fast ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden tippte ich die unten abgebildete Nummer in mein Handy.
      Wenig später hörte ich eine Frauenstimme, die mich mit einem lockerem „Hey, worum geht’s?“ begrüßte.
      „Hier ist Nina Beaulieu“, erwiderte ich, „Ich interessiere mich für ihre beiden Stuten, Sacarina und California Dream.“ „Ah“, ertönte es so gleich aus der Leitung.
      „Ich würde einfach sagen, dass du die beiden Mal ausprobierst. Wie wäre es mit übermorgen Nachmittag. Wenn du willst kannst du direkt mit Hänger kommen“, erklärte mir die junge Frau.
      „Mein Handgelenk ist gebrochen. Ist das ein Problem?“, unterbrach ich sofort und eine kurze Pause trat ein. „Nein ich denke nicht. Dann freue ich mich übermorgen auf dich. Tschüss.“
      „Bis Bald“, meinte ich noch und drückte auf den roten Knopf.
      Ein wenig fassungslos starrte ich auf meinen Laptop.
      Ich hatte doch eigentlich nur ein wenig Futter bestellen wollen…
      Und jetzt war ich vermutlich um einige tausend Euro ärmer und besaß zwei neue Pferde.
      Je nachdem wie der Termin übermorgen lief.
      Aufgeregt berichtete ich Harry von meiner weiteren Kurzschlussentscheidung.

      Hallo nochmal…
      Ich habe einen klitze-mini-baby-kleinen Fehler gemacht – aber auch nur ganz, ganz vielleicht…


      Ich entschied die Spannung beizubehalten und nicht näher auf meinen Fehler einzugehen.
      Irgendwie musste ich Harrys Neugier ja wecken, denn unüberlegte Pferdekäufe war er schon von mir gewohnt.
      Ich zuckte mit den Schultern und legte das Handy beiseite.
      Es war schon spät geworden und ich würde mich jetzt fertig fürs Bett machen.

      Am nächsten Morgen weckte mich das Vibrieren meines Handys.
      Mit einem Blick wurde mir klar, dass Harry endlich zurückgeschrieben hatte und plötzlich war ich hellwach.

      Hey Nina.
      Tut mir leid, dass ich erst jetzt zurückschreiben konnte.
      Ich musste meiner Oma bei der Renovierung ihres Kellers helfen… Naja, wenigstens weiß ich jetzt, dass ich als Handwerker keinerlei Kreativität besitze. Das Teil sieht aus wie aus einer Ikeazeitschrift geklaut – also wirklich 1:1. Ich habe dir mal ein Bild angefügt, dass auch du es mir glaubst.


      Ich muss ehrlich zugeben, dass ich echt geschockt war, als ich deine Nachrichten gelesen habe.
      Was verzapfst du eigentlich ohne mich für Scheiße?
      Entschuldige die Ausdrucksweise.
      Wie geht es deinem Handgelenk? Tut es arg weh? Ich habe das Glück mir noch nie etwas gebrochen zu haben und weiß deshalb so gar nicht wie schlimm es für dich ist.
      Wenn ich wieder da bin wirst du ordentlich betüddelt. Meine Oma will dir tatsächlich ihr „Rundum-Care-Packet“ machen. Das tut sie sonst eigentlich nur für Familienmitglieder. Naja, sie hält dich auch für ihre zukünftige Schwiegerenkelin (falls es das Wort überhaupt gibt).
      Das ist bei meiner Familie leider bei allen Frauen so, die sich in meine Nähe wagen…
      Also ist es trotzdem selten.


      Über die zwei neuen Pferde werde ich jetzt einfach gar nichts sagen. Ich kenn deine Kurzschlussentscheidungen ja. Und die Kleinen sahen bestimmt sooooo zuckersüß aus.
      Ich bin trotzdem gespannt wie sie so sind.
      Wie lief es eigentlich mit Elsa? Ich kenn sie leider ja noch fast gar nicht.
      Gute Besserung und ein wenig mehr Hirnmasse wünscht dir von Herzen,
      Harry <3


      Bei dieser Nachricht kamen mir wirklich die Lachtränen.
      Harrys respektlose und doch so charmante Art war wirklich einzigartig.
      Leider spürte ich dennoch ein leichtes Stechen in meinem Herzen, denn schließlich war Harry gerade einige hundert Kilometer entfernt. Das Meer trennte uns.
      Wie romantisch... Leider (wenn man das so verwenden konnte) waren wir kein Paar und da der junge Brite ein Angestellter von mir war, lag die Hemmschwelle wohl auch relativ hoch.
      Würde ich tatsächlich mit Harry zusammenkommen, würden Lucias Eltern mütterlicherseits den Kontakt wohl ganz abbrechen. Sie fanden es ja schon nicht gut, dass ihre einzige Tochter einen Bauern geheiratet hatte, doch eine Liebesbeziehung zwischen Chefin und Angestelltem würden sie wohl niemals befürworten.
      Doch Lucia brauchte ihre Großeltern, besonders da mein Vater durch die ganze Welt tourte und meine Mutter, wenn sie nicht gerade mitkam, Leistungsturntrainerin war.
      Manchmal konnte ich selbst kaum glauben, dass die Beiden schon Großeltern sein sollten.
      Leider kamen sie sich wohl auch selbst zu jung für diese Aufgabe vor, denn außer den Geschenken zum Geburtstag und zu Weihnachten und einigen Postkarten ließen sie nie von sich hören.
      Das letzte Treffen war mindestens zwei Jahre her.
      Damals lebte Lucia noch bei ihrem Vater und ich in einer Großstadt, weit weg vom Familienleben.
      Und nun? Nun war das kleine Mädchen offiziell meine Tochter und auch ohne Vater waren wir zu einer echten Familie zusammengewachsen.
      Ein glücksseliges Lächeln breitete sich bei diesem Gedanken auf meinem Gesicht aus.
      Erst ein weiteres Vibrieren meines Handys zog meine Aufmerksamkeit wieder in die reale Welt.
      Harrys Foto war angekommen.
      Der junge Mann saß auf einer gemütlich wirkenden Couch und grinste in die Kamera.
      Darunter las ich „Irgendwie könnte das Ganze noch etwas weiblichen Charme vertragen, findest du nicht?“
      Unwillkürlich fing ich an zu lachen.
      Tatsächlich hatte der Raum etwas klinisches, ja er wirkte fast schon steril.
      Die Möbel waren in einem schlichten Weißton gehalten und nach Dekoration suchte man vergeblich.
      Ich erspähte nicht ein einziges Bild und das war bei weißen Wänden wirklich eine Schande.
      Noch nicht mal Pflanzen schienen in dieser Atmosphäre zu überleben.
      Grinsend fing ich an zu tippen.

      Na ja, es ist etwas sehr… sagen wir steril.
      Wie wäre es denn mit ein paar Pflanzen oder farbigen Kissen für die Couch?
      Goldakzente würden bestimmt gut passen.
      Dann könntest du eine goldene Uhr an die Wand hängen und vielleicht auch ein wenig Deko aufstellen oder sogar selber machen.


      Um nun zum Hof zu kommen: Ja Elsa geht es gut. Mir soweit auch (natürlich freue ich mich trotzdem auf das Care-Paket deiner Oma). Die zwei „Kleine“ sind tatsächlich zuckersüß.
      Sie heißen Sacarina und California Dream. Siehst du, selbst ihre Namen sind toll.
      Du wirst sie mögen. Und so wie Stuten bis jetzt auf dich abfahren, sie auch dich… Was mich sehr, sehr neidisch machen wird.


      Bereits fünf Minuten nachdem ich die Nachricht abgesendet hatte, kam Harry auch schon online und ich sah ein „Schreibt…“ auftauchten.
      Genau das war eins der Dinge, die ich so an ihm mochte. Harry würde nie auf die Idee kommen dumme Spielchen zu spielen oder ein Mädchen warten zu lassen.
      Er war wirklich freundlich.
      Vielleicht hatte aber auch die englische Erziehung Wirkung gezeigt.
      Ich musste mir davon definitiv etwas abschauen, denn Lucia wurde auch bei Fremden gerne aufmüpfig und stellte die Geduld aller Beteiligten auf die Probe.

      Gute Ideen, ich schlag sie meiner Oma mal vor. Aber pass auf, sie wird mit dir telefonieren wollen und dich dann auf Englisch über jede vergangene Beziehung, dein Lieblingsessen und jedes ehemalige Haustier ausquetschen.
      Da mussten alle Freudinnen meiner Brüder schon durch.
      Und alle meiner Bekanntschaften auch... Wenigstens ist jetzt offiziell, dass ich kein Playboy bin.


      Diese Nachricht zauberte mir, wie alle anderen davor auch, ein breites Grinsen auf die Lippen.

      Du hast Brüder?

      Fragte ich nur kurz und musste nicht lange auf Harrys Antwort warten.

      Ja, drei Brüder (Jamie, 21, Jackson, 23 und Aiden, 27), zwei Schwestern (Cara, 17 und Mia, 25).
      Und ja, ich bin der Älteste. Irgendwie fühle ich mich mit meinen zarten 28 schon wie ein Rentner.
      Großer Bruder zu sein ist anstrengend…
      Außerdem bin ich sogar schon Onkel. Aiden und seine Freundin Debby haben Zwillinge. Sie heißen tatsächlich Terry und Tom. Ich denke bei den zwei immer an Tom und Jerry.
      Naja, sie verstehen als 1-jährige meine dummen Witze nicht.
      Noch nicht…
      Dann wäre da noch meine Cousins (Ron, 19 und Cato, 21).
      Außerdem habe ich noch Halb- und Stiefgeschwister. Eine Halbschwester (Sarah, 15), einen Halbbruder (Antony, 14) und einen Halbbruder (Eric, 29). Eric ist wie du siehst sogar noch ein wenig älter als ich.
      Ziemlich große Familie, ich weiß. Die Familientreffen sind deshalb immer ziemlich anstrengend, besonders da jeder noch seinen jeweiligen Partner mitschleppt.
      Ich bin so ziemlich als einiger Solo unterwegs – selbst Antony hat eine Freundin!
      Natürlich ist keiner auch nur ansatzweise so attraktiv wie ich (nur das du nicht denkst ich wäre einfach nur unattraktiv und deshalb Single).
      Vermutlich werde ich dich irgendwann mit nach England schleppen und dich ihnen vorstellen.


      Wow. Das waren wirklich viele Verwandte. Außer meinen Eltern hatte ich niemanden und bei Lucias mütterlicher Seite gab es niemanden außer ihren Großeltern.

      Respekt. Meine gesamte Familie zu der ich noch ansatzweise Kontakt habe besteht aus meinen Eltern, Lucia und ihren Großeltern mütterlicherseits.
      Früher habe ich mir immer ein kleine Geschwisterchen gewünscht, am liebsten ein Mädchen.
      Inzwischen hätte ich einfach gerne meinen Bruder zurück.


      Tränen tropften auf den Bildschirm, als ich absendete.
      Wenig später krampfte ich mich panisch zusammen.
      Flashbacks stürmten auf mich ein.
      Der Polizist, der damals vor meiner Haustür stand.
      Das ausgebrannte Wrack, aus dem Joes geborgen worden war.
      Die Beerdigung.
      Joe im Sarg. Joe. Joe.
      Das Handy rutschte aus meiner Hand.
      Ich sah nicht mehr wie Harry immer mehr Fragezeichen und Nachrichten sendete.

      Ich habe so etwas zum Glück nie erleben müssen und kann deinen Schmerz deshalb noch nicht mal in Ansätzen nachempfinden. Joe war bestimmt ein toller Typ.

      Habe ich dir irgendwie verletzt?

      Nina? Alles in Ordnung? Wieso antwortetest du nicht mehr?

      ???

      Ein Klingeln durchdrang mein lautes Schluchzen.
      Harry rief mich an.
      Ohne dem Handy wirklich einen Blick zu widmen wischte ich den grünen Hörer nach oben.
      „Nina? Ist alles okay? Wenn du einfach deine Ruhe brauchst leg ich wieder auf“, vernahm ich sofort Harrys Stimme. „Nein“, stieß ich mit erstickter Stimme aus, „bitte bleib.“
      Jetzt erkannte der Brite vermutlich auch mein Schluchzen, denn er flüsterte ein leises „Hey“ in sein Handy. „Kann ich dich irgendwie unterstützen? Oder soll ich einfach dranbleiben“, fragte er immer noch im selben Flüsterton.
      „Gib mir… gib mir einfach ein wenig Zeit“, schluchzte ich und fuhr mir mit meinen bereits feuchten Ärmeln über die Augen.
      „Atme Nina“, fügte Harry noch hinzu und ich versuchte meinen hektischen Atemrhythmus zu durchbrechen.
      Einige Minuten hörte man bis auf mein Schluchzen nichts mehr.
      „Er war alles für mich“, flüsterte ich schließlich mit brüchiger Stimme.
      „Wir waren nicht nur Geschwister sondern beste Freunde. Als Marina starb hielten wir zusammen. Ich wünschte ich hätte ihn öfter getroffen. Immer meinte ich nur, dass ich lernen müsse und verschob das Treffen auf die Zeit nach dem Studium. Woher sollte ich denn auch wissen, dass Joe dann tot wäre? Woher?“, schluchzte ich und neue Tränen flossen meine Wangen herunter.
      „Er ist gestorben und hat vermutlich nie gewusst wie wichtig er mir wirklich ist. Es war viel zu früh. Viel zu früh.“ Meine Stimme brach ab und mein Körper wurde von einzelnen Schluchzern geschüttelt.
      Alle Gefühle, die ich jahrelang vor meinen Eltern, Lucia und vor allem vor mir selbst versteckt hatte kamen wieder hervor.
      Es fühlte sich an als würde der Unfall nochmal geschehen. Nur war mir dieses Mal klar, dass Joe nicht auf wundersame Weise wieder aus dem Grab auferstehen würde.
      „Ich wollte ihm doch noch so viel sagen. Dass ich ihn liebe. Dass er ein wundervoller Vater ist. Dass er mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.
      Joe war damals wohl der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich wünschte nur er hätte es gewusst.“
      Still starrte ich auf das Hörersymbol. Harry hatte mir die ganze Zeit ruhig zugehört und mich kein einziges Mal unterbrochen, doch langsam überlegte ich, ob es ihn nicht doch einfach nur genervt hatte.
      „Ich wünschte ich hätte ihn kennengelernt“, durchbrach er schließlich die Stille.
      „Er war der Beste“, fügte ich leise hinzu.
      „Das glaube ich dir. Wirklich. Und ich bin mir sicher, dass er gewusst hat, dass du ihn liebst.“
      Ich schluchzte wieder, doch ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.
      „Wenn ich könnte würde ich dich jetzt ganz fest drücken“, murmelte Harry und mein Grinsen wurde um einiges breiter. „Danke für alles.“ Meine Stimme war leise, doch fester als zuvor.
      „Ich schätze ich sollte jetzt wirklich ins Bett. Und du auch“, meinte ich wenige Sekunden später.
      „Du hast Recht. Gute Nacht Nina. Aber denk dran, wenn du mich brauchst ruf an.“
      Dieser eine Satz strahlte ein unglaubliches Sicherheitsgefühl aus und ich wischte mir die restlichen Tränen aus dem Gesicht. „Danke. Gute Nacht Harry“, murmelte ich noch bevor ich auf den roten Knopf drückte. Müde kuschelte ich mich unter meine Decke.
      Zum Glück hatte ich mich nach meinem emotionalen Ausbruch wieder ein wenig beruhigt.
      Nach einigen Minuten voller Herumgewälze schlief ich tatsächlich ein.

      Wie so oft hatte ich mir im Traum wieder die Umstände von Joes Tod ausgemalt und war nun ziemlich müde.
      Das ging leider denn ganzen Tag lang nicht vorbei.
      Im Großen und Ganzen tat ich dasselbe wie gestern, doch meine Gedanken drehten sich ununterbrochen um Joe und meinen emotionalen Ausbruch vor Harry.
      Auch wenn ich mich nun besser fühlte war es falsch gewesen.
      Harry war ein Angestellter und wir kannten uns noch nicht sehr lang.
      Außerdem wollte ich mich gar nicht öffnen. Jedes Mal wenn das passierte ging es mir danach einige Tage wirklich schlecht und ich hatte mir einen guten Freund vergrault.
      Das war mir schon oft bei meinen Freunden passiert.
      Sie schienen sich zwar Sorgen zu machen und zuerst viele Nachrichten zu schreiben, doch wenig später hörte ich nichts mehr von ihnen.
      Auch von Harry war etwas angekommen:

      Wie geht’s dir? <3

      Bei dem kleinen Herzchen hatte ich heute Morgen kurz schlucken müssen und dann ein kurzes „Ganz gut“ zurückgeschickt. Ohne Herz. Harry war schließlich auch nur ein Angestellter.
      Trotzdem geisterte mir die Nachricht ständig im Kopf herum.
      Auch als ich ins Bett ging klopfte mein Herz noch immer ein wenig schneller.
      Morgen würde Harry wiederzurückkommen.

      Das hatte ich zumindest gedacht.
      Doch wie ich am nächsten Morgen erfuhr, war der Zug aufgrund eines technischen Defekts ausgefallen.
      Harry würde erst morgen früh wieder ankommen.
      Ich versuchte den Gedanken an ihn und das kleine Herzchen zu vertreiben und mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren.
      Es gelang mir sogar einigermaßen.

      Doch am nächsten Tag war alle Aufregung wieder da.
      Das Gedankenkarussell lief auf höchster Stufe.
      Harry würde gegen Nachmittag ankommen und davor hatte ich noch Zeit meine Aufgaben zu erledigen.
      Ich hatte mir vorgenommen einen kleinen Ausritt mit Belmiro zu machen und sattelte ihn voller Vorfreude. Die wenigen Tage ohne Reiten hatten bereits ein hungriges Loch in meinem Herzen hinterlassen. Zwar würde ich heute nur Schritt reiten, doch Belmiro war niemals spritzig oder gar widerspenstig.
      Deshalb hatte ich ihn auch ausgewählt.
      Der junge Hengst knabberte an meinem Ärmel und mir wurde bewusst wie goldrichtig meine Entscheidung doch war.
      Belmiro war ein Schatz.
      Der kleine Braune ertrug geduldig meine vielen Versuche den Sattel auf seinen Rücken zu hieven und blieb ruhig stehen.
      Als ich es endlich geschafft hatte und ihn trensen wollte, riss der Lusitano noch nicht mal wie üblich den Kopf hoch.
      Er merkte, dass es mir nicht gut ging.
      Ein gerührtes Lächeln zog sich über mein Gesicht, als der junge Hengst sogar ganz selbstverständlich zur Aufstiegshilfe lief.
      „Feiner Junge“, flüsterte ich und schwang mich ein wenig mühselig auf seinen Rücken.
      Heute würde ich mit einer Hand reiten müssen.
      Leider gehörte das nicht zu meinen Talenten, doch Belmiro war ein fein ausgebildetes Dressurpferd und reagierte gut auf Schenkeldruck.
      Ich vertraute ihm.
      Zum Glück enttäuschte der junge Hengst mich auch dieses Mal nicht und ich hängte sogar einen kleinen Trab an. Das klappte besser als ich erwartet hätte und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
      „Feiner Junger“, meinte ich wieder und klopfte den muskulösen Hals des Lusitanos.
      Der Muskel unter meiner Hand erfüllte mich wieder mit Stolz, denn als Belmiro ankam, hatte er keinerlei Muskulatur und sah mehr nach einem fetten Rentner, als nach einem Dressurcrack aus.
      Es war viel Arbeit gewesen den Speck durch Muskelmasse zu ersetzen, aber es hatte sich offensichtlich gelohnt.
      Und wow, jetzt sah Belmiro plötzlich doch wieder wie ein altportugiesisches Kraftpaket aus.
      Leider war unser kleiner Ausritt auch schon wieder vorbei und ich brachte den Dunkelbraunen wieder auf die Weide.
      „Komm geh toben, Kleiner“, rief ich ihm noch zu und holte dann BOS Feuerherz um mit meiner neuen Longier-Routine weiterzumachen.

      Am Nachmittag war ich schließlich fast mit meinen Aufgaben fertig.
      Lediglich die zwei neuen Pferde musste ich mir noch ansehen und vielleicht direkt mitnehmen.
      Doch jetzt würde ich erstmal Harry in Empfang nehmen.
      Das Auto des jungen Britens fuhr bereits auf den Hof und ich machte mich eilig auf den Weg nach unten.
      Als ich die Tür öffnete stand Harry bereits davor und schloss mich in die Arme.
      Die Umarmung dauerte länger, als ich es von ihm gewohnt war und ich war mir sicher, dass er mich auch vermisst hatte.
      „Wie geht’s dir?“, flüsterte er schließlich in meine Haare.
      Sein warmer Atem prallte gegen meinen Hals.
      „Besser“, murmelte ich nur und trat einen Schritt zurück um meine Gedanken wieder zu sammeln.
      „Und wie war es in England?“, fragte ich schließlich deutlich gefasster und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.
      Zunächst starrte mich der junge Mann noch verwirrt an, doch dann fing auch er an zu grinsen.
      „Wie Familienfeiern in Großfamilien halt so sind. Vor allem sehr stressig.“
      Er lachte.
      „Wollen wir uns direkt die Neuen ansehen?“, fragte ich – zugegebenermaßen um vom vorherigen Thema abzulenken.
      „Bitte. Ich bin schon ganz gespannt wie Elsa wohl in Natura aussieht“, antwortete Harry nur grinsend und wir liefen zur Weide der Stuten.
      Während Baghira jedoch schon am Zaun nach Futter bettelte, war Elsa nirgendwo zu sehen.
      Gut, die Weide war sehr weitläufig.
      „Ich will die neuen Stuten ja bald mit den Fohlen vergesellschaften, aber bis jetzt konnte ich ja nichts wirklich tun“, erklärte ich und wedelte mit meinem Gipsarm herum.
      Harry nickte lachend und schwang sich über den Zaun.
      „Ich geh dann mal meine Kleine suchen, in Ordnung?“, fragte er noch und bevor ich überhaupt antworten konnte, lief er auch zum hinteren Bereich der Weide.
      Leicht genervt verdrehte ich die Augen und ließ mich auf dem Boden nieder.
      „Na Baghira?“, murmelte ich und strich der hübschen Ponystute über die Nüstern.
      „Warte, warte, du bekommst ja schon eine Karotte“, lachte ich, als sie mir ungeduldig mit Schnauze an die Rippen stupste.
      Erst als ich das Leckerli hervorkramte beruhige sich die Stute wieder.
      „Bitteschön“, murmelte ich und hob ihr auf der flachen Hand die Karotte hin, die sie dann vorsichtig nahm und zermalmte.
      „Hoffentlich findet Harry Elsa bald.“ Der Satz war mehr an mich selbst gerichtet, als an das Tier vor mir. Ich hatte schließlich noch einen wichtigen Termin, doch kommentarlos stehen lassen wollte ich den jungen Mann auch nicht.
      Zum Glück sah ich wenig später auch schon Harry auftauchen und an seiner Seite lief eine mir wohlbekannte braune Warmblutstute.
      „Du hast sie endlich“, meinte ich erleichtert und Harry konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. „Das war gar nicht so einfach. Elsa ist ein ziemlich harter Brocken.“
      „Hab ich auch schon gemerkt“, meinte ich schmunzelt.
      „Leider hab ich jetzt einen Termin und muss die zwei Ponys ausprobieren und vielleicht auch abholen. Du kannst dich währenddessen mit Elsa beschäftigen, die heutigen Aufgaben sind schon erledigt“, fügte ich hinzu und sprang auf.
      Jetzt musste ich mich wirklich beeilen, denn der Termin war auf fünf gelegt und jetzt hatten wir bereits halb fünf.
      Zu dem Hof, auf dem Sacarina und California Dream standen, brauchte ich etwa zwanzig Minuten, doch ich musste noch den Hänger ankoppeln und zwei Halfter einpacken, da ich nicht wusste ob die junge Frau das Zubehör mit abgab.

      Zum Glück hatte beides nicht besonders lange gedauert und ich schaffte es noch pünktlich zum Hof der jungen Frau.
      Um genau zu sein war ich sogar zwei Minuten zu früh.
      Das kam bei mir eher selten vor, es hatte schon Tage gegeben, an denen ich überhaupt nicht ankam.
      Verfahren, Uhrzeit vergessen, Autopanne… - kurzum, ich war kein wirklich pünktlicher Mensch.
      Umso stolzer war ich darauf, dass die junge Frau mich heute zeitgerecht in Empfang nehmen durfte.
      Wir gingen direkt zu den Pferden, um genau zu sein zu Sacarina.
      Die hübsche Andalusierstute sah neugierig zu mir, als könnte sie es gar nicht erwarten zu mir auf den Hof zu kommen. „Ihr Putzzeug ist dort drüben, ich geh schon mal California Dream holen, in Ordnung?“, meinte die Besitzerin und ich nickte lächelnd.
      „Hey meine Hübsche“, wand ich mich nun an das Pferd vor mir.
      Vorsichtig zog ich ihr das Halfter über und brachte Sacarina zum Putzplatz.

      Wenig später war die junge Stute auch schon fertig gesattelt und getrenst.
      Sie hatte alles ruhig über sich ergehen lassen und ich war mir sicher, dass sie ein tolles Schulpferd abgeben würde. Nur noch ein finaler Test stand aus.
      Ich würde ein wenig Arbeit auf dem Platz mit der Stute machen.

      Da die Besitzerin inzwischen wieder da war und California Dream in der Nähe angebunden hatte, begann ich direkt.
      „Hey Kleine“, murmelte ich und schwang mich auf den Rücken. Vom Stockmaß war Sacarina ungefähr so groß wie Belmiro, doch sie war deutlich schlanker.
      Ob das nun an den noch fehlenden Muskeln lag oder ob mein Lusitano einfach ein wenig zu fett war, konnte ich nicht sagen.
      Fest stand nach meiner kleinen Reitstunde auf jeden Fall, dass Sacarina ein braves Reitpferd war.
      Wenig später konnte ich mich auch bei California Dreams von ihrem Talent überzeugen.

      Selbstverständlich unterzeichnete ich den Kaufvertrag und nahm die beiden Tiere sofort mit.
      Naja eigentlich war es nicht selbstverständlich, aber wenn man mich kannte war es das eben doch.
      Selbst Harry hatte sich inzwischen an meine extreme Impulsivität gewöhnt, denn er führte die zwei Tiere nur klaglos auf eine leere Weide und gab keinen Kommentar zu dem eiligen Kauf ab.
      Ich musste jetzt noch schnell zu Sacred und ihm wiedermal das Halfter präsentieren.

      Als ich bei dem jungen Hengst auf der Weide stand, fiel mir auf, dass meine Pechsträhne wohl andauerte.
      Sacred hatte ein dick geschwollenes Bein. Es schien ihm zwar nicht sehr wehzutun, doch ein Einschuss konnte gefährlich werden. Eine Phlegmone war bei Pferden eine sehr gefürchtete Krankheit.
      Sie wurde von Bakterien verursacht, die durch Kleinstverletzungen in den Körper eindrangen und das Gewebe entzündeten.
      Ein Einschuss war zwar relativ häufig, doch er konnte zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung führen oder chronisch werden.
      „Scheiße“, murmelte ich leise.
      Meine Pechsträhne wurde immer länger und länger.
    • Rose1
      Die Sonne ging gerade erst auf, als ich mich früh auf den Weg zu Sacred machte.
      Heute wollte ich wieder auf den Reitplatz gehen und mit Sattel und Trense trainieren.
      Vermutlich würde der junge Hengst nicht sehr erfreut sein, aber irgendwann musste ich mit der richtigen Arbeit beginnen.
      Ich bahnte mir den Weg durch das hohe Dühnengras, das auf den Wegen wucherte, hoch zu Sacreds Weide. Bald würde ich hier wieder mähen müssen.
      Oder Schnee würde das für mich erledigen, bemerkte ich mit einem misstrauischen Blick zur Wolkendecke. Der Himmel war grauschwarz und ein kalter Wind wehte.
      Fröstelnd schlug ich meinen Kragen hoch und steckte meine Hände in die Taschen.
      Sacred schien nicht zu frieren und war gemütlich am Grasen.
      Als er mich sah, lief der junge Hengst zum Zaun.
      Süß, wenn man die Karotte in meiner Tasche vergaß.
      Ich verdrehte nur die Augen, während Sacred den Leckerbissen vertilgte.
      Vorsichtig zog ich ihm ein Halfter über und führte ihn herunter zum Reitplatz.
      Zugebenermaßen war ich etwas nervös, denn ich hatte schon oft ruhige Pferde beim Training mit der Trense völlig durchdrehen sehen.
      Häufig war ein Trauma schuld. Und Sacred hatte in seinem jungen Leben schon viel erlebt.
      Die Narben in seinem Maul zeugte noch heute von seinen Erfahrungen mit der Trense.
      Ich würde zuerst nur gebissloses Zaumzeug verwenden und vielleicht sogar dabei bleiben.
      Für Sacred war schließlich keine Dressurkarriere geplant.
      Ob wir je zum Springen kommen würden, wusste ich jedoch nicht.
      Nachdenklich betrachtete ich den dunkelbraunen Trakehner.
      Der Hengst hatte inzwischen etwas abgespeckt und sah nun wieder mehr nach Sportpferd aus.
      Er schien sich sogar aufs Training zu freuen und schnaubte als wir auf dem Reitplatz ankamen.
      Ich führte den Hengst einige Runden und nahm dann den Kappzaum, den ich auf den Zaun gelegt hatte. Sacred verspannte sich merklich.
      Die Ohren zuckten zurück und ich sah, wie sich seine Augen plötzlich erweiterten.
      Vermutlich kamen gerade einige ungute Erinnerungen an seine Zeit als erfolgreiches Springpferd zurück.
      Ich ließ den Kappzaum etwas sinken und sah betont ruhig zu Boden.
      Sacred sollte erst einmal zur Ruhe kommen, bevor ich mit dem Training beginnen konnte.
      Und das hieß nun mal warten.
      Gelegentlich versuchte ich einen Blick auf den jungen Hengst zu erhaschen um zu schauen ob er sich beruhigt hatte. Nach einigen Minuten senkte er tatsächlich den Kopf und schnaubte sogar leise.
      Daraufhin legte ich den Kappzaum auf den Boden und gab dem Trakehner ein Stück Möhre, dass er erfreut zerkaute.
      Ich versuchte den orangenen Brei, der auf den Boden tropfte, zu ignorieren und den Termin für die Zahnbehandlung in meinem Kopf etwas vorzuverlegen.
      Jetzt, wo Sacred ruhiger war, wollte ich die Übungen der letzten Stunden noch einmal wiederholen.
      Vorsichtig strich ich seinen Rücken entlang bis zu Hinterhand und tastete schließlich sanft seine Beine ab.
      Das wiederholte ich auch bei seinen Vorderbeinen und schließlich hob ich jeden Huf kurz an und kratzte ihn mit dem Hufkratzer aus meiner Tasche aus.
      Zum Glück hatte ich heute daran gedacht, denn beim letzten Mal musste ich die Hufe dreckig wieder absetzten.
      Als ich fertig war, rieb ich mir kurz den Rücken und lobte Sacred schließlich ausgiebig.
      Er bekam ein weiteres Stück Möhre für sein entspanntes Prusten. Auch dieses Mal landete die Hälfte auf dem Boden.
      Ohne das zu beachten griff ich wieder nach dem Kappzaum.
      Dieses Mal schien Sacred jedoch zu wissen, dass ich die Trense nicht verwenden würde und reagierte ruhiger. Nur seine Ohren zuckten weiterhin nervös.
      „Feiner Junge“, murmelte ich leise, immer noch ohne mich zu bewegen.
      Der Hengst senkte seinen Kopf, woraufhin ich den Kappzaum in den Sand fallen ließ.
      Zum Glück war es ein älteres, schon etwas kaputtes Teil.
      Bald wollte ich jedoch für Sacred einen schöneren, neuen Kappzaum zu kaufen, denn bei seinem Ladendruck war an eine echte Trense noch lange nicht zu denken.
      Der junge Hengst schien sich aktuell auch in Gegenwart des Zaumzeugs wohlzufühlen und kratze sich grunzend an mir.
      Grinsend kraulte ich die juckende Stelle und steckte Sacred eine Möhre zu.
      Der Dicke war mir echt ans Herz gewachsen.
      Wobei, so dick war er gar nicht mehr.
      Das magere norddeutsche Gras und die Bewegung hatten den dicken Bauch tatsächlich zum Schrumpfen gebracht. Fast konnte man Sacreds Figur schon normal nennen.
      Ich wiederholte die Übung mit dem Kappzaum noch einige Male und brachte Sacred dann wieder auf seine Koppel. Er war offensichtlich noch nicht bereit für Experimente mit dem Sattel, also ließ ich es für heute gut sein.
      Die anderen Pferde wollten schließlich auch versorgt werden.

      Zum Glück hatte Harry Brown like Chocolate und La Fée de la Neige schon versorgt, also stattete ich den zwei Fohlen nur einen kurzen Besuch ab und lief dann weiter zu Greased Lightning.
      Der Vollblüter war erst vor wenigen Tagen angekommen und da er sich sehr aggressiv präsentierte, hatte ich ihn zunächst auf die Weide gestellt.
      Bald würde ich auch hier mit der Arbeit beginnen, doch das würde wohl noch dauern.
      Ich seufzte leise und lief weiter zu BOS Feuerherz. Der junge Hengst stand aktuell mit Belmiro auf einem Paddock, da Greased Lightning die Hengstweide für sich beanspruchte und sich Darkness Lord noch nicht vergesellschaften ließ.
      In naher Zukunft wollte ich alle Hengste zusammenhalten, wie es bereits viele große Gestüte taten.
      Nur bei Sacred war ich mir nicht ganz sicher, wie ich sein Problem mit anderen Pferden lösen sollte.
      Ich vertrieb die trüben Gedanken und holte BOS Feuerherz von der Koppel.
      Früher war der hübsche Hengst meine Reitbeteiligung gewesen und meine Beziehung zu ihm war noch heute deutlich besser, als die zu manch anderen Pferden hier.
      Inzwischen war der Trakehner bereit für Turniere und bereits für das nächste Wochenende hatte ich eines geplant. Es war nicht sein erster Wettkampf, aber trotzdem wollte ich heute einen ganzen Parcours durcharbeiten, um die letzten Ängste zu zerstreuen.
      Da mir die anstehende Geländeprüfung mehr Sorgen bereitete, hatte ich mich entschieden die Vielseitigkeitsstrecke zu nutzen und wollte Arthur schnell fertig machen.
      Der Hengst genoss das Bürsten jedoch und so steckte ich doch mehr Zeit hinein, als ich geplant hatte.
      Es war inzwischen Mittag und die Sonne hatte sich ihren Weg durch die Wolkendecke gebahnt.
      Ich fing an in meiner Winterjacke und der Sicherheitsweste zu schwitzen.
      Arthur dagegen war leistungsfähig wie immer.
      Ohne zu zögern sprang er über Baumstämme und Büsche, nur der in der Sonne glitzernde Wassergraben schien dem sonst so abgeklärten Hengst noch Schrecken einzujagen.
      Er bremste ab und schien mich fragen zu wollen, ob er wirklich über dieses Ungetüm springen musste. Doch ich schnalzte nur auffordernd und schließlich gab sich Arthur geschlagen.
      Mit einem riesigen Satz überwand er das vorletzte Hindernis.
      Jetzt kam nur noch das Eulenloch. Das war zweifelsohne eine Herausforderung, aber BOS Feuerherz schien nicht einmal zu blinzeln.
      Ich hatte die Zeit gestoppt und war ziemlich zufrieden. BOS Feuerherz würde vermutlich nie das schnellste Pferd in meinem Stall werden, aber für ihn war sein Ergebnis nicht schlecht.
      Als wir fertig waren, lobte ich den Hengst zufrieden und trieb ihn in einem gemütlichen Schritt zurück zum Haus und seinem Paddock.

      Einige Minuten später stand der Hengst bei Belmiro und ich war in der Küche, wo ich eilig einige Sandwiches vertilgte.
      Heute hatte ich nur wenig Zeit, denn am Abend wollte ich heute mit Lucia ins Kino gehen.
      Deshalb hatte Harry heute versprochen mir die meiste Arbeit abzunehmen und ritt gerade mit Belmiro etwas Dressur auf dem Reitplatz. Später wollte er mit River’s Baghira ins Gelände gehen und Sacarina als Handpferd mitnehmen. Seine eigene Stute Elsa hatte er bereits am Morgen versorgt und trainiert.
      Sie macht sich immer besser als Springpferd, hatte er noch zu mir gesagt.
      Auch Lucy würde mir etwas abnehmen und California Dream reiten. Die Ponystute war sowieso eigentlich zu klein für mich.
      Das bedeutete, dass ich mich nur noch um Darkness Lord kümmern musste und nochmal zu Sacred konnte.
      Dafür musste ich mich jetzt aber beeilen, stellte ich mit einem kurzen Blick auf die Uhr fest.
      Es war bereits früher Nachmittag.
      „Scheiße“, entfuhr es mir, als ich die Treppen hinunter raste und mich eilig auf den Weg zu Darkness Lord machte. Der Rappe war kaum von mir geritten worden, aber longieren und Bodenarbeit klappte bereits. Deshalb hatte ich heute vorgehabt ins Gelände zu gehen um das Warmblut dort austesten zu können.
      Erst danach würde die richtige Dressurarbeit beginnen und später würde ich dann auch Darkness Lords Springtalent testen.
      „My Lord!“, rief ich schmunzelnd in Richtung einer kleineren, abgelegenen Weide.
      Wie so oft, kam von dem schwarzen Warmblut keine Reaktion.
      Ich schüttelte seufzend den Kopf.
      „Unhöflich, besonders für einen Lord“, murmelte ich, während ich mich über den Zaun schwang.

      Das Fertigmachen hatte zum Glück gut geklappt, aber als ich auf Darkness Lords Rücken steigen wollte, biss der Hengst nach mir und drückte den Rücken weg.
      Ich nahm die Zügel etwas weiter auf und schwang mich dennoch auf ihn.
      Vielleicht sollte ich jedoch bald seinen Rücken untersuchen, denn seine Aggressivität konnte auch auf Schmerzen hindeuten.
      Tatsächlich fiel mir im Laufe des Ausritts auf, dass Darks Rücken unbeweglich und hart wie ein Brett war und er außerdem steif zu gehen schien.
      Das war erschreckend ausgeprägt für ein so junges Pferd.
      Darkness Lord war gerade einmal dreieinhalb Jahre alt.
      Ich hoffte, dass nur eine Blockade oder Verspannung dahinter steckte und kürzte die Runde ab, denn ich wollte Darkness Lord nicht noch länger quälen.
      Leider kamen mir dann auch die schlimmeren Diagnosen in den Kopf.
      Arthrose, Ataxien, Nierenentzündungen, Kreuzverschlag, Spat, Kissing Spines, PSSM, RER, Magengeschwüre… es gab viele Möglichkeiten.
      Ich konnte nur hoffen, dass Darkness Lord Glück im Unglück hatte.

      Obwohl ich einen Kreuzverschlag für unwahrscheinlich hielt, wies ich Harry an, den ganzen Abend über nach dem Patienten zu sehen und ihn ins Solarium zu stellen.
      Die Wärme tat verspannten Muskeln gut und schadete auch bei einer Gelenkserkrankung nicht.
      Mit sorgenvollem Blick betrachtete ich den Hengst, der im Solarium döste.
      Hoffentlich war seine Erkrankung gut heilbar, dachte ich nur als ich hoch zu Sacred lief.
      Darks Versorgung hatte mich viel Zeit gekostet, also konnte ich dem Trakehner nur einen kurzen Besuch abstatten. Dieses Mal kam Sacred sofort zum Zaun und holte sich einen halben Apfel ab.
      Dark hatte bereits die andere Hälfte bekommen.
      Doch Sacred schien das gar nicht zu bemerken und ging nach einer kurzen Streicheleinheit bald wieder zum Grasen über.
      Es war Zeit für mich zu gehen.
      Ich lief eilig zum Haupthaus und sprang unter die Dusche.
      Zum Glück hatte ich mir bereits Kleidung herausgesucht und musste meine Haare nur kurz hochbinden. Fünfzehn Minuten später stand ich nachdenklich vor dem Spiegel.
      Der hübsche weiß-gelbe Sweater wollte irgendwie nicht zu meiner Jeans passen.
      Ich entschied mich kurzerhand für eine schwarze Hose, die mir deutlich besser gefiel.
      Nur noch ein wenig Make-up und schon war ich fertig.
      Auch Lucia hatte sich umgezogen und trug statt ihrer Reitklamotten nun eine schwarze Leggings und einen weinroten Pulli. „Hier, zieh dir eine Jacke über“, murmelte ich nur und gab ihr eine dicke Winterjacke.
      Der eiskalte Wind in dieser Gegend war nicht zu unterschätzen, auch wenn der Herbst gerade erst begonnen hatte.
      Auch ich trug Winterkleidung und dicke Wollsocken, die man in meinen Stiefeln zum Glück nicht sah.
      Doch als wir das Haus verließen, begann ich trotzdem bald zu frieren und freute mich schon auf den beheizten Kinosaal.

      Der Film hatte etwas über zwei Stunden gedauert und nun waren wir auf dem Weg nach Hause.
      Ausnahmsweise war ich mit Lucia zu einem Imbiss gegangen, was man an dem Knoblauchgeruch im Auto gut erkennen konnte.
      Meine Tochter hatte ein Faible für Knoblauchsauce und starke Gewürze.
      Ich hatte nur Pommes bestellt, was den Geruch nur umso heftiger für mich machte. Vermutlich hätte ich mir doch etwas von Lucy klauen sollen.
      Wenigsten waren wir jetzt da.
      Ich schaltete das Auto ab und stieg aus der Tür um erstmal durchatmen zu können.
      „Puhh, also nächstes Mal nimmst du was ohne Knoblauch“, lachte ich, als wir hochgingen.
      Als Lucia im Bett lag, schreib ich Harry eine Nachricht um nach Darkness Lords Gesundheitszustand zu fragen. Die Antwort kam nur wenige Sekunden später.
      Zum Glück hatte sich der Zustand des Rappens nicht verschlechtert.
      Erleichtert ging ich ins Bett. Morgen schließlich würde ein harter Tag werden.
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  • Album:
    Meine Pferde
    Hochgeladen von:
    Rose1
    Datum:
    18 Feb. 2020
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  • La Fée de la Neige
    Spitzname: Fee
    Geschlecht: Stute
    Rasse: Pinto Trakehner
    Geburtsdatum: 17.02.2020
    Alter: wenige Tage


    Charakter
    Fee ist eine kleine Draufgängerin. Sie ist neugierig, sehr temperamentvoll und aufgeschlossen.

    Obwohl die kleine Stute immer wieder Unsinn anstellt, ist sie eine große Hoffnungsträgerin besonders im Bereich Springen und Vielseitigkeit.


    Besitzer und Zücher
    Besitzer: Rose1

    Ersteller: Elsaria