Calypso

Löwenherz - Tinker

Wallach - Im Besitz seit November 2017

Löwenherz - Tinker
Calypso, 1 Nov. 2017
Friese, Eddi, Ofagwa und 2 anderen gefällt das.
    • Calypso
      Alte Pflegeberichte
      [​IMG]
      20. März 2017
      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat | 39 263 Zeichen | © Canyon & BellaS
      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.


      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.

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      Resumée
      7360 Zeichen © BellaS
      Liebe Bella der Vergangenheit, liebe Bella der Zukunft.

      Ich liege gerade hier auf meinem Bett und kann kaum fassen wie die Zeit vergeht. Bei Mama und Papa habe ich tatsächlich mein altes Tagebuch gefunden und die letzten Tage damit verbracht in den Erinnerungen an meine Teenagerzeit zu schwelgen. Leider ist das Buch schon lange vollgeschrieben und mit der letzten Seite brechen die Einträge ab, doch ich habe nun den Entschluss gefasst ein neues Buch zu kaufen und mit meinem Leben zu füllen. Ich habe keinen blassen Schimmer was die Zukunft bringt, aber meine turbulente Vergangenheit hat schon einiges zu bieten. Im Folgenden werde ich da anknüpfen, wo der letzte Eintrag endet. Ich werde hier meine ganze spektakulär-unspektakuläre Geschichte aufschreiben, bis zu dem Tag an dem ich im hier und jetzt ankomme. Aber die Vergangenheit endet nicht und damit die Erinnerung nicht endet, werde ich auch nicht aufhören zu schreiben. Hier also mein Memo an mich selbst: Meine Geschichte.


      Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines letzten Tagebucheintrags. Es war ein Tag, der mein ganzes Leben veränderte und mit dem ich mein Tagebuch abschloss. Mein Traum seit Kindertagen hatte sich erfüllt: Ich hatte mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich hatte schon immer Isländer geliebt und doch war es eine Tinkerstute, die ich mein erstes eigenes Pferd nennen durfte. Winter Cloud, eine Stute aus unbekannter Abstammung von unbekannten Besitzern. Irgendwo aufgegriffen, die einen Platz brauchte. Meine Eltern hatten sich damals gerade einen ewigen Traum erfüllt und zu unserem Stadthaus einiges an Grundstück dazugekauft. Mama hatte sich schon immer einen großen Garten gewünscht und Hühner hatte sie auch gewollt. So kam es, dass ich tatsächlich genug Platz hatte um ein Pferd zu halten. Zuhause. Eine völlig verrückte Idee. Ich war Studentin. Es war mein Plan gewesen IT zu studieren. Mein erstes eigenes Pferd hätte ich dann gekauft, wenn mein Verdienst entsprechend gewesen wäre und gehalten hätte ich es sicher auch nicht auf dem Hof meiner Eltern. Und doch, es kam wie immer alles anders als man denkt. Aus einem Pferd wurden schließlich vier. Innerhalb der restlichen Studienzeit hatten sich tatsächlich weitere Pferde in mein Leben geschlichen, von denen mich heute noch eins begleitet. Topar, mein kleiner Irrer ist noch immer ein Teil meines Hofes und er ist noch nichtmal wirklich alt. Als nur vierjähriger Hengst kam er zu mir und das ist nun 12 Jahre her. Zwölf Jahre, die völlig anders verliefen als ich jemals zu träumen gewagt hätte.

      Ich machte den Bachelor und beschloss dann, dass ich halbtags arbeiten und nebenbei die Ausbildung zur Trainerin und Reitlehrerin machen würde. Allerdings war ich den Pferden inzwischen so verfallen, dass der Hof meiner Eltern nicht mehr ausreichte. Ich zog an die Nordsee und gründete dort meinen ersten eigenen Hof. Das alte Gut Muschelsand, das schließlich zur Reitschule wurde, war aber nur für zwei Jahre mein Zuhause. Ich kaufte Pferde und verkaufte Pferde. Meine süße Vin, außerdem Koni und meine geliebte Fee stammen aus dieser Zeit. Ich entwickelte ambitionierte Pläne dazu, eine Isländerzucht zu gründen und kaufte Sólfari als Zuchthengst. Dieser ist inzwischen wirklich Vater einiger Fohlen. Ich hatte meine Liebe zu Isländern wieder entfacht, genau wie meine Liebe zu meinem damaligen Freund. Jonas war lange Zeit mein Freund. Er folgte mir sogar als mich mein Freiheitsdrang mitsamt meiner Pferde nach Schottland zog, wo wir uns schließlich trennten. Heute denke ich nicht mehr besonders gerne an ihn zurück.

      Woran ich mich aber gerne erinnere, ist die erste Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Linn. Mehrere Jahre züchteten und trainierten wir Seite an Seite unsere Isländer, bis es sie schließlich ins Land der Märchen zog. In die Heimat unserer Pferde, nach Island.

      Von Schottland aus, zog es Linn und mich nach Dänemark. Mein größter Erfolg als Züchterin und Trainerin stammt aus dieser Zeit. Isländer frá glæsileika eyjarinnar stehen mittlerweile in der halben Welt. Isländer aus meiner Zucht. Mein Name steht für erfolgreiches Training mit pferdegerechten Methoden, ich habe Freunde, Trainer und Züchter in der ganzen Welt und ich bin stolz darauf, was aus mir geworden ist.

      Auf Rømø lernte ich auch einen Menschen kennen, der eine zentrale Rolle in meinem Leben einnehmen sollte: Robin. Er kam als Bereiter auf meinen Hof und ich verliebte mich kompromisslos in den dunkelhaarigen Dänen. Mit einer zwischenzeitlichen Trennung sind wir bis heute beinahe acht Jahre zusammen.

      Als es Linn dann nach Island zog, stellte ich fest, dass ich keine Chance hatte den riesigen Hof auf der dänischen Insel alleine zu halten. Der Verkauf des liebgewonnenen Ortes machte mich unglaublich traurig, aber ich gab nicht auf. Es kostete mich viel Kraft, doch ich ließ meine Pferde einige Monate bei einer guten Freundin in Norwegen stehen und verkaufte von dort aus die meisten von ihren, bis ich schließlich einen Entschluss gefasst hatte. Ich hatte in meiner alten Heimat ein Grundstück gekauft. Auf dem riesigen Stück Land in der Region Hannover entstand nach und nach ein moderner Offenstall, voll und ganz von Robin und mir geplant.

      Ich habe mir insgeheim geschworen, dass dieser Hof mein letzter sein würde. Mein bisher nur 33 jähriges Leben hat genug Umzüge gesehen. Außerdem gibt es inzwischen Faktoren, die die Weltreisen für mich unmöglich machen. Nicht geplant, aber wunderbar kam am 08. September vor fünf Jahren meine erste Tochter zur Welt. Mit 28 Jahren, seit “nur” drei Jahren in einer Beziehung und im Stress mit dem Aufbau eines Stalls und der Versorgung einer ganzen Herde Pferde wurde ich schließlich auch noch Mutter.

      Heute kann ich sagen, meine Kinder sind das beste was mir je passiert ist. Zwei Jahre später, am 27. Mai kam dann meine zweite Tochter zur Welt. Die Schwangerschaft mit ihr war schrecklich, da mein Wildfang es mir nicht leicht gemacht hat… Dann auch noch meine Abneigung gegen Ärzte… Nein, wirklich keine schöne Erinnerung.

      Nike und Helena sind jetzt drei und fünf Jahre alt und ich stehe mitten im Leben, aber da es spät wird, möchte ich noch ein bisschen zu meinen Pferden schreiben und werde das hier dann morgen fortsetzen.

      Dreiundzwanzig Pferde gehören noch zu meiner Herde, aber es sind nicht nur Isländer. Ich habe mit Mayalie und ihrer Tochter Merida zum Beispiel zwei Shirehorses. Außerdem besitze ich seit kurzen auch zwei junge Hengste der selben Rasse, benannt nach Rittern der Tafelrunde. Sir Lancelot und Sir Gawain. Beide sollen Zuchthengste werden und einer Rasse bei der Verbreitung helfen, die hier sehr unbekannt ist. Meiner Trainerin Tiffany gehört eine Stute names Just like the Wind, mit der sie Military reitet. Außerdem gibt es noch Amelie, eine junge Physiotherapeutin für Pferde, die ihr Pony der Rasse Arravain mitgebracht hat. Cielo geht eine Gangart die sich sitzt wie der Tölt und fasziniert mich im allgemeinen sehr, da sein Charakter vorbildlich ist. Layalie, eine Morganhose Stute gehört einer anderen Trainerin meines Hofes, Yasuara und mit Löwenherz darf ich endlich wieder einen Tinker mein Eigenen nennen. Auch seine Geschichte ist sehr besonders und wir in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich schließe für heute mit der Nachricht, das inzwischen vier Fohlen den Nachsatz “vom Helstorfer Moor” tragen.

      Schlaf gut, Zukunftsbella. Bis morgen.
      13. August 2017
    • Calypso
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      November 2017 - 3763 Zeichen

      Bei uns in Wales zog langsam der Winter ein. Jetzt Ende November wurde es immer kühler und feuchter. Schnee gab es noch keinen, aber das war in unserer Region an der Küste eher selten der Fall das wirklich eine weiße Schneedecke zum Schneemann bauen einlud. Es war 7.30 Uhr und heute war ich mit dran zum ausmisten, da ein Pfleger aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Ich begann mit Mit meinen Hengsten und brachte sie auf ihre Winterkoppel. Die große Sommerkoppel war jetzt geschlossen und damit meine Jungs natürlich viel Bewegungsdrang hatten, bekamen sie eine extra Winterkoppel und den großen „Matsch“ Paddock gab es ja auch noch. Ich holte mir zuerst Companero und Fantasio und brachte die beiden nach draußen. Danach noch Kantarro, Fame, Chulo, Kajano und el Alba Ardiente. Ich war stolz darauf das ich meine Hengste zusammen in einer Junggesellen Herde halten konnte. Das Thema Hengsthaltung war immer noch sehr umstritten und ich hielt absolut nichts von Einzelhaft. Getrennt von den Stuten klappte das sehr gut und die Hengste hatten sowieso alle ein wunderbares Sozialverhalten, wie ich fand. Mein jüngster und neuester Hengst, PFS Dreaming of Revenge, wurde noch langsam an die anderen gewöhnt. Er stand im Nachbarpaddock während die anderen auf der Koppel waren und so konnten sie sich mit Sicherheitsabstand beschnuppern und kennenlernen. Aber auch das lief bis jetzt so gut das ich ihn wohl bald in die Herde lassen würde.

      Nach den Hengsten waren die Criollo Stuten an der Reihe. Auch sie hatten ein Winterdomizil bekommen und liefen zu viert brav am Strick neben mir her. Ashitaka, Caresse, Fermina und Sabandija warteten geduldig bis ich alle Stricke entfernt hatte und trotteten los um sich ein schönes Plätzchen zu suchen. Ashitaka fing gleich an sich zu wälzen und in kürzester Zeit war nicht mehr viel von der Rappstute zu erkennen. Ich hätte ihnen gerne länger zugesehen, aber die Arbeit machte sich nicht von alleine. Um kurz vor 10 Uhr war ich fertig mit ausmisten und neu einstreuen und musste jetzt nur noch zu meinen Offenstallpferden. Als ich an den Zaun heran trat und nach den Pferden pfiff, kam der kleine Maverick sofort angetrabt und reckte mir seinen Kopf entgegen. „Na du kleine Maus!“ ich kraulte ihn hinter den Ohren und da kam auch schon seine Mama Argo mit an den Zaun. Ich holte dann die Schubkarre und begann auch den Offenstall abzumisten. Löwenherz, auch ein Neuankömmling bei uns, stand etwas abseits und beobachtete mich interessiert. Er wurde gut aufgenommen in der kleinen Herde und machte sich gut. Aber trotzdem blieb er noch auf sicheren Abstand, er hatte schon viel mitgemacht in seinem Leben. Die Noriker Stute Rhoda lag im Unterstand im Stroh und machte keinerlei Anstalten sich zu bewegen, sodass ich misten konnte. „Auf geht’s Fräulein, hoch mit dir!“ spornte ich sie an und tippte sie etwas energischer am Po an. Irgendwann stand sie dann auch auf, schüttelte sich und lief von Dannen. Als ich auch hier endlich fertig war und noch eine ordentliche Portion Heu verteilt hatte, versuchte ich mich ein wenig Löwenherz zu nähern. Ich bedrängte ihn nicht, hielt meine Hand ihm entgegen und wartete darauf das er einen Schritt auf mich zu machte. Er war schon sehr interessiert und ließ sich dann auch von mir streicheln, aber auf schnellere unbedachte Bewegungen meinerseits reagierte er schreckhaft und ergriff die Flucht. Ich ließ es für heute sein und war sowieso schon sehr stolz das er sich in der kurzen Zeit doch sichtlich wohl hier fühlte, in seiner neuen Herde. Bevor ich ging kuschelte ich noch ein wenig mit Norisk, der es sichtlich genoss! Im Kopf ging ich schon wieder ein paar Termine durch und plante den Tag. Vielleicht hätte ich heute auch endlich mal wieder Zeit für einen Ausritt. Mal sehen.
    • Calypso
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      3898 Zeichen by Calypso - 24.03.2018
      So langsam zog auch bei uns der Frühling ein. An ein paar Tagen hatten wir schon richtig schöne 13 Grad erreicht und trocken war es auch endlich. Es war Mittag und ich gab gerade zwei Mädchen auf Argo und Rhoda Reitunterricht. Beide zogen, unabhängig voneinander, im Trab ihre Runden. „Rhoda darf ruhig flotter laufen, musst nicht so zaghaft mit ihr sein! Und Argo nicht zu fest halten. Auch mal locker lassen......ja und wieder annehmen, locker lassen. Ich weiß heute ist sie spritzig, aber du machst das gut!“ Nach weiteren 15 Minuten war die Stunde beendet und die beiden ließen die Pferde noch am langen Zügel über den Platz schreiten. „Ihr zwei kommt ja jetzt allein zurecht oder? Ihr könnt dann absatteln, den beiden noch Futter geben und einfach wieder in den Offenstall stellen.“ Die Mädchen nickten und ich verließ zufrieden den Reitplatz, da kamen schon die nächsten um die Ecke die was von mir wollten. „Hey Veronica!“ grüßte mich mein Stallhelfer Harry und hatte seine Tochter Lilly im Schlepptau „Harry! Hallo Lilly“ grüßte ich sie zurück und lächelte. „Lilly ist heute zu Besuch und da wollten wir fragen ob wir uns eins der Pferde ausleihen dürfen für einen Spazierritt?“ fragte Harry. Ich musste nicht lange überlegen, Harry war sehr verantwortungsbewusst und ich vertraute ihm meine Pferde gerne an. „Natürlich, nehmt euch einfach Sabandija.“ Harry nickte und bedankte sich bei mir, Lilly strahlte übers ganze Gesicht, sodass ich auch grinsen musste. Nun machte ich mich daran den Pferden ihr Mittagessen zu geben, mein Verlobter Luke und Emilia halfen mit. Ich war beim Offenstall und hiefte das Heu aus dem Schubkarren und verteilte alles im Unterstand. Dawn und Time in a Bottle kamen sofort angetrabt und inspizierten alles. Es machte mich so glücklich das die beiden von Tag zu Tag zutraulicher wurden und ihren Platz hier gefunden hatten. Maverick und Horik kamen auch dazu und Norisk und Löwenherz blieben erst noch in ihrer Ecke stehen und beobachteten alles. Die zwei waren, seit Löwenherz bei uns eingezogen ist, fast unzertrennlich und ich hatte das Gefühl das Norisk dem Tinker eine gewisse Sicherheit gab. Nach ein paar Streicheleinheiten mit jedem machte ich mich weiter an die Arbeit. Ich brachte die Stuten Fermina und Ashitaka noch für ein paar Stunden auf die Weide und machte das selbe dann mit den Hengsten Chulo, Fantasio, Companero, PFS Dreaming of Revenge, El alba Ardiente und Kantarro. Als Luke mich dabei sah rief er mir zu „Vroni, Fame kannst du drinnen lassen, den nehme ich gleich für´s Training!“ ich nickte und setzte meinen Weg fort. Nachdem ich die Wassertröge auf den Weiden kontrolliert und aufgefüllt hatte, ging ich ins Haus und setzte mich an den PC. Ich war seit einiger Zeit in Kontakt mit einer jungen Dame, Mareth Lindström aus Schweden. Ich war auf sie aufmerksam geworden da sie eine Anzeige nach einem robusten Freizeitpony geschaltet hatte. Ich musste sofort an Horik denken, auch wenn ich ihn selbst erst wieder seit ein paar Monaten besaß, aber bei mir war seine Zukunft recht ungewiss. Es stellte sich schon die Frage ob er Hengst bleiben konnte oder wo ich ihn einsetzen sollte. Ich hatte viel zu tun mit der Criollo Zucht und einige Jungpferde deren Ausbildung im Vordergrund stand. Ich konnte mir Horik sehr gut im wilden Skandinavien vorstellen und vorallem das er ein treuer Freizeitkumpel werden könnte. Ich hatte der Familie Lindström schon einige Bilder und Videos von ihm geschickt und bald wollte Mareth nach Wales kommen um ihn sich anzusehen. Ich war gespannt und schrieb ihr eine E-Mail mit möglichen Terminen. Gegen Nachmittag sah ich Luke dann beim Training mit Fame zu, bis Jasmine kam und mich daran erinnerte das gleich eine kleine Gruppe von Kindern kommen würde und sie die zwei Fohlen El alba Ardiente und PFS Dreaming of Revenge bräuchte. Ich willigte ein und ging im Kopf schon wieder weitere Planungen durch.
    • Calypso
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      2883 Zeichen by Calypso - 16.09.2018
      „Was für ein schöner Herbsttag“ „Ja, da haben wir wirklich Glück gehabt mit dem Wetter.“ entgegnete Jasmine und führte Löwenherz und Argo zum Putzplatz. Ich hatte Rhoda und Sabandija am Strick und führte sie zu den anderen. Jasmine übernahm heute für mich den Sonntagsausritt mit drei Kindern aus dem Dorf. Das veranstalteten wir fast jeden Sonntag wenn das Wetter passte. „Okay ich glaube die Kinder kommen gerade, du kommst jetzt alleine klar oder?“ Jasmine nickte und nahm die Kinder in Empfang. Ich vertraute ihr voll und ganz und konnte mich so meiner Arbeit widmen. Ich holte mit der Schubkarre Heu und verteilte dieses im Offenstall. Sogleich kam Maverick angelaufen und ich guckte mich nach Dawn um. Sie war weit und breit nicht zu sehen, hm komisch ich hatte gar nicht mitbekommen das sie jemand heraus geholt hatte. Das ließ mir keine Ruhe und ich sah mich auf dem Hof um. Jasmine sattelte gerade, mit den Kindern, die Pferde und Harrison kam aus dem Hengststall heraus. „Hey Harry, hast du Dawn gesehen? Sie war nicht im Offenstall.“ den Kopf schüttelnd kratzte Harry sich am Kopf „Nein, ich war die ganze Zeit beim ausmisten.“ „Okay, trotzdem danke.“ ich lief weiter meine Runde und kam zum Roundpen, wo ich eine mir wohl bekannte Stimme vernahm. Ich sah Luke mit der Mustangstute und war erleichtert. Er stand in der Mitte, seinen rechten Arm ausgestreckt und etwas in geduckter Haltung. Dawn kam langsam auf ihn zu und stupste ihn mit den Nüstern an der Hand an. Das war ihre Erlaubnis sie streicheln zu dürfen, und das tat Luke auch. Danach zogen die beiden ihre Kreise und Wendungen und Dawn folgte ihm, ohne Seil oder Hilfsmittel. Sie machte sich von Tag zu Tag besser, vertraute immer mehr und ich war guter Dinge das dieses Pferd ein treuer Wegbegleiter werden konnte. Ich ließ sie weiter arbeiten und beschloss mit Fermina zu arbeiten. Die Criollo Stute stand mit den anderen Stuten bereits auf der Koppel. Nachdem ich sie geputzt und gesattelt hatte, ging ich mit ihr in die Halle und wir trainierten gute 40 Minuten. Fermina war gut drauf und arbeite super mit. Ich war stolz auf meine junge Stute. Als sie versorgt war, ging ich ins Haus und machte etwas Büroarbeit. Kurze Zeit später sah ich durchs Fenster Jasmine mit der Ausreitgruppe zurück kommen. Alle sahen zufrieden aus, die Pferde, die Kinder und Jasmine auch. Ich ging derweil alle E-Mails durch, schaute nach zukünftigen Turnierstarts und organisierte alles was in nächster Zeit anstand.
      Gegen späten Nachmittag holten wir dann die Pferde von den Koppeln. Luke und Harry gingen zu den Hengsten und holten Companero, Kantarro, Fantasio, Fame, Norisk, Time in a Bottle, Colorido, El Alba Ardiente, Chulo und PFS Dreaming of Revenge. Ich holte inzwischen noch Ashitaka und Rovina. Dann machten wir zusammen das Futter fertig und gaben es allen Pferden. Somit ging wieder ein Tag auf unserem Hof zuende.
    • Calypso
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      5637 Zeichen by Calypso - 20.01.2019
      Veronika & Luke
      Ein ganz gewöhnlicher Tag auf dem Rook´s Bay Stable. Es war Mittag und wir hatten das morgendliche Ausmisten und Füttern schon hinter uns. Die Pferde waren alle auf ihren Weiden und es kehrte etwas Ruhe ein. Ich war noch am überlegen mit welchem Pferd ich heute trainieren sollte und ging im Kopf den Tagesablauf durch. Jasmine hatte heute glaub ich eine Reitstunde und ich müsste Luke noch fragen was er heute vor hatte. Das Wetter war heute beständig, kalt aber immerhin nicht mehr so stürmisch wie in den letzten Tagen. Vielleicht könnte ich auch ausreiten gehen. „Hallo Veronika“ der gute alte Frank kam aus seinem Truck gestiegen.“Hallo Frank, ich habe heute gar nicht mit dir gerechnet.“ entgegnete ich. Frank kratzte sich am Kopf „Ach ich wollte nochmal nach der einen Boxentür schauen die klemmt und außerdem hat Elizabeth mir einen Rumkuchen für euch mitgegeben.“ Dankend nahm ich ihn entgegen und lächelte „Sag ihr vielen lieben Dank, wir alle lieben diesen Kuchen! Gut, ich bringe ihn mal ins Haus, wenn du irgendwas brauchst sag bescheid, ja?“ Frank nickte und machte sich an die Arbeit. Ich brachte den Kuchen in die Küche und schrieb eine kleine Notiz dazu, das sich jeder gerne nehmen dürfte. Draußen auf dem Hof traf ich auf Luke und er machte den Vorschlag ausreiten zu gehen. Ich überlegte erst hin und her, eigentlich wollte ich doch mit dem Training von Kantarro anfangen. „Nehmen wir ihn doch einfach als Handpferd mit.“ schlug Luke vor. Gar keine schlecht Idee, dachte ich und gemeinsam holten wir die Pferde. Mein Mann holte sich Norikerhengst Thorin und ich nahm Chulo und Kantarro mit. Wir mussten nur ein wenig über ihr Fell striegeln und konnten sogleich aufsatteln. Wir waren zwei Stunden unterwegs. Sogar eine kurze Galoppstrecke konnten wir bewältigen, Kantarro war sehr brav als Handpferd und auch Chulo war äußerst artig, wie immer im Gelände. Luke war auch ganz begeistert von Thorin. Er hatte ihn bis jetzt noch nie geritten.

      Jasmine
      „Serena du holst dir heute
      Rhoda, Will du hast Löwenherz und Phoebe Lamiro.“ die drei Kinder wuselten umher, holten Putzsachen und Halfter und gingen zum Offenstall um die Pferde zu holen, die ich ihnen zugeteilt hatte. Dies war schon meine Fortgeschrittene Gruppe und so musste ich nicht mehr all zu viel helfen. Wir gingen auf den Reitplatz und die Kinder stiegen auf. Die ersten 15 Minuten wurden zum aufwärmen genutzt und ich baute einen kleinen Trailparcour auf. Ich brachte viel Abwechslung in meine Reitstunden, das war mir wichtig. Nach ein paar Trabrunden erklärte ich ihnen den Parcour und jeder durfte ihn nacheinander absolvieren. Dabei gab ich Hilfestellungen und Tipps. Rhoda war wieder sehr faul heute, aber Serena wurde immer besser im sich durchsetzen und ich hatte das Gefühl das die beiden gut zusammen passten. Nach 60 Minuten war die Stunde vorbei und meine Reitschüler sattelten ihre Pferde ab und versorgten sie. Als sie später von ihren Eltern abgeholt wurden, beschloss ich noch etwas mit Zenja zu arbeiten. Die Stute sollte auch mal im Schulbetrieb und vielleicht sogar zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Ich holte sie, putzte sie und ging mit ihr in den Roundpen. Dort machte ich Freiarbeit mit ihr, die grundlegenden Dinge, Vertrauen aufbauen. Sie sollte das arbeiten mit dem Menschen als spaßig empfinden und freiwillig mitarbeiten. Nach 25 Minuten ließ ich es gut sein und war sehr stolz auf die Stute.

      Veronika & Luke
      Wir kamen zum Hof zurück und brachten unsere drei Hengste zurück auf die Weiden. Ein zwei Stunden konnten sie noch draußen herum tollen. Ich sah Jasmine mit
      Zenja aus dem Roundpen kommen „Jasmine, wenn du fertig bist komm doch mit ins Haus, dann trinken wir bisschen Kaffee und essen Kuchen.“ „Ja gerne, ich komme gleich.“ antwortete die junge Frau und Luke und Ich gingen schon mal rein. Emilia war auch wieder Zuhause und gemeinsam genossen wir den Rumkuchen von Frank´s Frau. Wir erzählten uns Neuigkeiten, planten die nächsten Tage durch und ließen es uns gut gehen. Gegen 17 Uhr machten wir uns wieder an die Arbeit. Die Pferde mussten rein geholt werden. Harry war nun auch da, er hatte heute den halben Tag frei um bei seiner Tochter zu sein. Jasmine und Ich gingen zu den Stutenweiden und nahmen jeweils zwei Pferde. Jasmine nahm Fermina und Ashitaka ans Halfter und ich Sabandija und die kleine Rovina. Als nächstes holten wir noch Adrenaline und Princess Mononoke, die noch abgetrennt von den anderen standen und langsam aneinander gewöhnt wurden. Zum Glück gab es auch keine Zickereien in den Boxen. Die beiden Männer hatten sich in der Zwischenzeit um die Hengste gekümmert. Diese rein zu holen war etwas einfacher, da die Weiden direkt am Stallgebäude grenzten. Man musste nur den Weg zu den Koppeln absperren mit einem E-Zaun Band, die große Stalltür öffnen und schauen das sonst alle geschlossen sind. Dann die Weidezäune öffnen und die Hengste rein treiben. Sie wussten von selbst schon gut genug wo ihre Boxen waren und gingen sofort hinein um zu fressen. Thorin, Norisk und Fame waren meistens die ersten die sich sofort in Bewegung setzten. Gefolgt von Kantarro, Fantasio, Chulo und Companéro. El Alba Ardiente, PFS Dreaming of Revenge, Maverick, Colorido und Time in a Bottle ließen sich immer etwas Zeit bis der erste Ansturm vorbei war. Schließlich verschlossen wir alle Boxentüren und Harry ging nochmal zum Offenstall um dort zu gucken ob alles in Ordnung war. Dort war es bereits ruhig. Dawn, Lamiro und Zenja knabberten am Heu, Löwenherz lag im Unterstand und auch Rhoda war völlig entspannt. So neigte sich ein weiterer Tag, auf dem Rook´s Bay Stable, dem Ende zu.
    • Calypso
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      Juni 2019 - 4026 Zeichen von Calypso
      16.30 Uhr, ich war spät dran und hastete zum Reitplatz. Ich hatte total vergessen das ich heute die fortgeschrittenen Reitstunde hatte. Zum Glück waren die drei Mädels selbständig und kannten sich auf dem Hof aus. Die Pferde waren im Vorfeld schon eingeteilt worden und so standen sie schon fertig auf dem Reitplatz, gurteten nach und stiegen auf. „Tschuldige Mädels, ich bin spät dran. Also rauf auf die Pferde und warm reiten.“ meinte ich und schnappte mir einen Hocker. Meine Reitstunden waren keine typischen Gruppenstunden. Ich hielt nichts von Abteilungsreiten, bei mir ritt jeder für sich und ich nahm mir für jeden meiner Reitschüler Zeit und schaute was wir verbessern konnten. „Lisa, vergiss nicht Lamiro von Anfang an ordentlich zu treiben, sonst zieht sich das die ganze Stunde lang so durch.“ Ich widmete mich zuerst Lindsey die auf der jungen Lewitzer Stute Zenja saß. Ich hatte ihr bewusst die Stute gegeben, da ich wusste das Lindsey eine gute und vor allem ruhige und konsequente Reiterin war. Genau das was Zenja brauchte. Ich erklärte ihr nochmal kurz auf was sie achten sollte. Die Stute fand noch nicht so leicht in die Anlehnung. Sie sollte immer leichten Kontakt am Zügel halten und bei der kleinsten Kopfbewegung Richtung Boden nachlassen. Viele Zirkel, Volten und Biegungen reiten und dann das gleiche im Trab. Dann lief ich über den Reitplatz zu Elena die auf der anderen Lewitzer Stute Cerry Blossom saß. Sie ritt sie schon des öfteren und langsam waren sie gut eingespielt. Sie trabten bereits auf dem Zirkel und ich gab Anweisungen und Hilfestellung zum Schulterherein. „Ja so ist gut, nicht zu weit abstellen. Wenn du an der langen Seite wieder angekommen bist gehst du ins Konter Schulterherein.“ Ich beobachtete es ein paar Minuten lang und ließ sie dann wieder selbst daran arbeiten. Mein Kaltblut Wallach Lamiro drehte auch schon im Trab seine Runden, und das nicht einmal langsam „Lisa wenn du eine Pause brauchst dann pariere mal durch.“ rief ich mit einem Lächeln rüber. Ich wusste wie anstrengend es war ihn in Bewegung zu setzen.

      Plötzlich sah ich Jasmine mit der Mustang Stute Dawn über den Hof laufen. „Hey Jasmine, arbeitest du wieder mit ihr?“ als Antwort bekam ich ein lächelndes Nicken und die beiden gingen zum Roundpen rüber. Jasmine war bei uns in Ausbildung zur Reittherapeutin und ich hatte ihr jetzt Dawn für Übungszwecke überlassen. Die Stute war jetzt gefestigt genug im Umgang und ich konnte mir auch vorstellen das die Stute ein gutes Therapiepferd werden könnte. Eben wegen ihrer sehr sensiblen und vorsichtigen Seite. Und Jasmine arbeitete sehr gut mit ihr und konnte so auch selbst üben.

      Nach 45 Minuten beendeten wir die Reitstunde und ich ließ sie im Schritt abreiten. „Super gemacht heute ihr Drei. Ihr wisst, Futter für die Pferde herrichten und dann können sie wieder auf ihre Koppeln.“erklärte ich und verließ den Sandplatz. Die Mädchen waren alt genug und brauchten mich nicht mehr an ihrer Seite, soweit vertraute ich ihnen. Ich sah dann schnell bei Löwenherz vorbei. Der Gute lahmte seit zwei Tagen ein bisschen. Als ich ankam stand er im Offenstall und döste vor sich hin, aber die Möhre die ich ihm mitgebracht hatte erregte seine Aufmerksamkeit. Nach genügend Kuscheleinheiten tastete ich sein Bein ab, warm war es nicht mehr und er schien keine großen Schmerzen zu haben. Vermutlich hatte er sich nur blöd vertreten. Zufrieden ließ ich ihn wieder in Ruhe Dann schaute ich bei Jasmine und Dawn vorbei, guckte ihnen noch ein wenig zu und ging dann zu meinem selbstgezogenen, kleinen Hengst Maverick. Okay, klein war er nun nicht mehr, er war immerhin schon fast 3 Jahre alt. Ich freute mich schon auf die Zeit ihn einzureiten, aber er sollte soviel Zeit wie nötig erhalten. Ich war bei ihm auf der Koppel und machte dort meine kleinen Übungen mit ihm. Er war sehr begeistert von Freiarbeit, folgte mir auf Schritt und Tritt und der spanische Gruß hatte es ihm sehr angetan.
      Nach den Spielereien machte ich meinen Rundgang auf dem Hof und ging dann ins Büro.
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  • Album:
    Rook´s Bay Stable - Privatpferde
    Hochgeladen von:
    Calypso
    Datum:
    1 Nov. 2017
    Klicks:
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    Kommentare:
    6
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    Löwenherz

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    Rufname: Dicker
    Geburtsdatum/Alter: 19. Mai 2009, 9 Jahre
    Geschlecht: Wallach


    Stammbaum
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    aus der: ✗ ~ von: ✗
    aus der: ✗ ~ von: ✗ | aus der: ✗ ~ von: ✗


    Exterieur
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    Größe: 153 cm
    Rasse: Tinker
    Fellfarbe: Brauner Tobiano
    Gencode: EEAA Toto
    Abzeichen: /



    Interieur
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    Charakter
    treu, personenbezogen, ruhig und gelassen

    Beschreibung
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    Löwenherz hat sich zu einem echten Verlasspferd entwickelt. Es hat lange gedauert bis er wieder Vertrauen zum Menschen hatte, er war misstrauisch und man musste nochmal ganz von vorne anfangen. Bis wir gemerkt haben das er einen ganz besonderen Zugang zu Kindern hatte. Kinder die auch, wie Löwenherz, ängstlich und unsicher waren. Als hätte er seine Bestimmung gefunden konnte er den Kindern und die Kinder ihm helfen. Er ist ein zuverlässiges Schulpony, eine Lebensversicherung im Gelände und tot ehrlich. Trotzdem fühlt er sich bei ganz fremden Menschen noch unsicher. Am sichersten fühlt er sich mit unserer Reittherapeuthin Jasmine.

    Vorgeschichte
    Der Hengst kam misshandelt und verstört aus dem Tierschutz und ließ keinen Menschen auf mehr als zwei Meter an sich heran. Seine Vorbesitzerin, Bella, trat jedoch an den Paddock ohne etwas davon zu wissen und der Wallach kam an den Zaun und ließ sich von ihr sogar streicheln. Dann erst hörte sie seine Geschichte und nahm ihn sofort zu sich, um ihm wieder Vertrauen bei zu bringen.

    Zuchtinfos
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    Gekört/Gekrönt: ✘
    Vorgesehen für die Zucht: nein
    Leihmutterschaft/Deckaxe: /

    Nachkommen


    ✗/✗

    Besitzer: Calypso
    Vorbesitzer: BellaS
    VKR/Ersteller: Sadasha (verfallen)
    Aktueller Wert: 400 Joellen

    Trainingsstände
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    Fohlen ABC ✓| Eingeritten ✓ | Eingefahren ✓


    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✓ | Rückwärtsrichten ✓ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✗
    Abstand halten ✓ | Wenden + Handwechsel ✗ | Abruf ✗

    Freiheitsdressur/Zirzensik
    Kompliment ✗ | Knien ✗ | Spanischer Schritt ✗ | Spanischer Gruß ✗| Plié ✗|
    Piaffe ✗| Passage ✗ | Steigen ✗ | Sitzen ✗ | Liegen ✗


    Reitpferde-Ausbildung
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    Dressur: E A L M
    Galopprennen: E
    Springen: E
    Military: E
    Fahren: E A L M
    Distanz: E
    Western: LK5 (E), LK4 (A)

    PotentialAufstieg durch Turnier | Training • nicht weiter gefördert


    Erfolge
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    Gesundheit
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    Gesundheitszustand

    Letzter Tierarztbesuch:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Gesamteindruck:
    Akute Krankheit/en: ✗
    Chronische Krankheit/en: ✗
    Erbkrankheit/en: ✗



    Hufe/Beschlag

    Beschlag Vorne: Rehebeschlag
    Beschlag Hinten: Rehebeschlag

    Hufbeschaffenheit:
    Hufkrankheit/en: Rehe