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Veija

K(ein) Ranchpferd für Caleb - ein Bild vom Probereiten

Bewegung Zasa(?), HG sadasha, Reiter Rain, Sattel Lou, Trense und Satteldecke Veija

K(ein) Ranchpferd für Caleb - ein Bild vom Probereiten
Veija, 3 Okt. 2018
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  • Album:
    BRR Fotoalbum
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    3 Okt. 2018
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  • K(ein) Ranchpferd für Caleb
    Oktober 2018, by Ravenna & Veija
    Caleb
    Es war zwar einige Zeit vergangen, dass Bellamy mir den Auftrag gegeben hatte, mir neue Mitarbeiter anzuschauen, doch so richtig hatte mir keiner zugesagt. Es waren einige Cowboys und Pfleger gekommen, doch ich hatte bei Bellamy den Wunsch nach einem richtigen Cowboy geäußert und nicht nach einem weiteren Anfänger oder Stallburschen.
    Ich hatte mir zudem schon eine Weile Gedanken darüber gemacht, doch dann war ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich wieder mit dem Roping anfangen wollte. Vielleicht wollte ich auch wieder ganz ins Rodeo einsteigen, mal schauen. Setzte ich meinen Standard also bei dem oder den neuen Mitarbeitern zu hoch, weil ich mir einen Partner dafür wünschte? Team Roping war so viel toller, als diese Disziplin einzeln zu machen… und Louis würde ich wohl kaum überredet bekommen, nochmal mitzumachen.
    Doch dafür brauchte ich noch ein neues Pferd. Da hatte ich mich auch schon auf die Suche gemacht. Es wurden so viele Pferde angeboten. So viele gute Tiere, die ich mir allerdings mit meinem kargen Gehalt hier nicht leisten konnte. Ein Pferd hatte es mir jedoch angetan, obwohl ich mit diesem diese Diziplin nie laufen können würde. Nachdem ich ja nun Chocolate Dream als Einziger reiten konnte, irgendwie hatte er etwas gegen andere Menschen, besaß ich ja schon mehr oder weniger ein nicht-Westernpferd. Was machte da schon ein zweites? Wenn der Haflinger gut würde, dann hätte ich alles richtig gemacht. Im Geiste verfluchte ich Verena nochmals für ihre dummen Aussagen, dass auch andere Rassen gute Westernpferde sein könnten. Wäre sie und Choco nicht gewesen, käme ich auch nie auf die Idee, mir einen Haflinger zu kaufen, oder ihn zumindest einmal anschauen zu fahren.
    Ich ritt gerade Choco ab, ehe ich mit ihm in Richtung Stall ging. Dort traf ich auf Ylvi, die Inyan absattelte. “Hey, hast du Lust mit nach Irland, Luggala zu kommen und ein Pferd für mich anzuschauen?”, fragte ich sie geraderaus und hielt meinen Hengst an, um abzusteigen und auf ihre Antwort zu warten. “Hast du nicht schon genug Pferde?”, fragte sie mich, doch ich schüttelte nur den Kopf. “Ich besitze Smart Lil Vulture und mehr oder weniger Chocolate Dream. Das wars, mehr habe ich nicht.”, lachte ich und ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. “Was?”, fragte ich in einem leicht genervten Ton. “Dann habe ja sogar ich mehr Pferde als du.” “Jaja…”, murrte ich nur zurück. “Ich besitze die halbe Ranch und leite fast alles. Wenn man es so sieht, bin ich Ranchbesitzer.”, antwortete ich ihr doch sie zuckte nur mit den Schultern. “Auf dem Papier bist du es aber nicht.” Sie wusste genau, wie sie mich zur Weißglut bringen konnte. “Kommst du nun mit oder nicht?”, fragte ich sie noch einmal und hievte den Sattel von Choco runter, um ihn in die Sattelkammer zu bringen. “Ja okay. Wann geht es los?” “Morgen früh 9:00 Uhr fahren wir zum Flughafen. Bis dahin musst du deine Pferde alle versorgt haben.”, sagte ich zu ihr und machte dann relativ schweigend mein Pferd fertig.

    Ylvi
    Spontanität war Calebs Stichwort. Schon wieder eine Einladung zu einem Kurztrip verdammt kurzfristig. Natürlich hätte ich nein sagen können, aber Reisen machte mir nunmal Spaß. Ich huschte also hinein, zog mich um, stöpselte die Kameraakkus an den Strom und machte mich anschließend an den Paddocktrail meiner vier Schecken. Dieses Mal nahm ich mir jedoch vor Bellamy um Spontanurlaub zu bitten. Das Misten meiner Bande funktionierte eigentlich mittlerweile einwandfrei - ich hatte ein Areal eingerichtet das als Toilette diente. Wochenlang hatte ich dort einige Haufen liegen gelassen. Den Rest des Trails penibel frei gehalten. Jetzt hatte ich sie soweit das zumindest Inyan und auch Ravn nur die Toilette benutzen, auch Gweny schien das System zu nutzen. Mochte vielleicht an ihr Leben vorher in der Box liegen - an einem Ort ihr Geschäft erledigen war ihr daher nicht fremd. Nur Fylgia schien sich noch nicht allzu sehr daran gewöhnt zu haben. Ich strich Inyan über den gefleckten Kopf, küsste Ravns Nase der sich dazwischen schob. Gweny erhielt ihre extra Portion Futter. Ich hatte Louis geschrieben das wir für ein paar Tage weg sein würden, ihn gebeten ein Auge auf die anderen drei zu haben. Gweny würde er trainieren, Sunka und Zinkala-win würde er ebenfalls mitbringen.

    Nach meiner Arbeit erkundigte ich mich bei Murphy, der mir entgegen kam wo Bellamy zu finden sei. “Im Büro, über den Rechnungen.” sagte er grinsend. Oh weh, Bellamys Lieblingsbeschäftigung. Seitdem O nicht mehr auf der Ranch war, blieb diese Aufgabe an ihm hängen. Ich klopfte an die Tür seines Büros, ein knurrendes “Ja” erscholl. Seine Züge hellten sich jedoch auf als er mich durch die Tür kommen sah. “Ylvi. Die neuen Bilder für die Vollblüter sind wundervoll geworden.” “Dankeschön. Aber das gehört ja mit zum Job. Eigentlich bin ich aber hier um meinen Spontanurlaub bei dir anzumelden...besser als einfach wieder zu verschwinden.” ich setzte mich auf den Stuhl vor Bellamys Schreibtisch. So ganz konnte er seinen Unmut nicht verbergen. “Vor einer halben Stunde hat mich Caleb schon aufgesucht. Lass mich raten, du begleitest ihn auf der Reise nach Irland?” Er schien meine Antwort nicht abwarten zu wollen. “Natürlich...was frag ich eigentlich.” Ich lächelte nur. “Sei einfach vorsichtig mit ihm.” seufzte Bellamy. “Wieso seit ihr eigentlich alle der Meinung ich könne nicht selbst auf mich acht geben?” es sollte belustigt klingen, leichter Zorn schwang allerdings darin mit. Bellamy zuckte die Schultern, lehnte sich nach vorn und sah mir in die Augen. “Tut mir Leid, ich kenn ihn einfach schon eine ganze Weile.” “Bisher war er da, wenn seine Hilfe benötigt wurde. Er mag schwierig sein, aber Bellamy, es muss einen Grund haben wieso er dein Vorarbeiter ist.” damit erhob ich mich und ging hinaus. Ich konnte sehr gut auf mich acht geben.

    Caleb
    Den restlichen Tag und auch den restlichen Abend bis in die Nacht hinein verbrachte ich mit Vorbereitungen, Pferdetraining und… Bier trinken. Irgendwie war es mir heute danach, mich mit ein oder zwei… oder drei… Bier vor den Fernseher zu setzen und die Füße auf den Tisch zu legen. Ylvi hatte ich bis jetzt nicht mehr gesehen. Keine Ahnung wo sie abgeblieben war, doch irgendwie stand mir der Sinn heute nicht mehr nach ihr.
    Am frühen Nachmittag war ich bei Bellamy gewesen und hatte ihm Rede und Antwort stehen müssen, wo wir denn jetzt schon wieder hinfahren würden und was wir nun wieder trieben. Dass ich mir einen Haflinger zulegte, da traf ich bei ihm auch nicht so richtig auf offene Ohren. Irgendwann war mir dann der Kragen geplatzt. “Wenn dir hier nichts passt dann geh doch wieder.”, hatte Bellamy mir an den Kopf geworfen. “Wenn dir das alles zu viel ist, warum hast du die Pferde dann überhaupt übernommen und dir was neues aufgebaut?!”, hatte ich ihn angekeift. Wir hatten uns eine lange Zeit schweigend angesehen. “Weil ich verdammt nochmal dachte, dass du auch tot seist, du Dummkopf!”, hatte Bell die Stille gebrochen und mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Seine schön sortierten, und auf Stapel aufgeteilten Blätter waren durcheinander geflogen, doch das hatte ihn nicht gestört. Stattdessen war er sogar aufgestanden und hatte sich mit beiden Fäusten auf dem Tisch abgestützt. “Ich dachte die ganze verdammte Ranch sei in die Luft geflogen! O und ich waren unterwegs gewesen, als das passiert ist… und wir waren Verena etwas schuldig.” “Und nun? Soll ich Mitgefühl mit dir haben? Meinst du ich hatte es leicht? Mit den Schuldgefühlen und meinem verbrannten Gesicht? Wäre Louis nicht gewesen, würde es mich bestimmt nicht mehr geben!”, hatte ich zurück geschrien. Wir beide hatten mittlerweile die Stimme deutlich gehoben und waren ziemlich in Fahrt.. “Und außerdem war Verena mehr Familie, als du es je für mich sein kannst!”, ging es weiter. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis wir uns alle Anschuldigungen und Beleidigungen an den Kopf geworfen hatten, und wir uns wieder etwas beruhigt hatten. “Du bist ein Idiot, Caleb. Und trotzdem lege ich dir meine Welt zu Füßen, da ich es auch dir schuldig bin.”, hatte Bellamy zu mir gesagt und das Thema war gegessen. “Ich bin es dir einfach schuldig.”, hatte er nochmals wiederholt und mich nun aus freundlichen und mitfühlenden Augen angesehen. “Unser gemeinsamer Weg war weiß Gott nicht einfach und wir haben Verena, Svejn und die Anderen alle verloren, nicht nur du alleine. Wir alle müssen mit dem Verlust klar kommen. Und wenn es dir hilft mich anzuschreien, gut. Schrei mich an. Solange es dir danach besser geht.”, hatte er zu mir gesagt. Der einzige versöhnliche Satz seit einer ganzen Weile. Nun war es wieder fast Oktober, zwei Jahre sind seit dem Unfall vergangen und dieses Jahr schien noch schlimmer zu werden als letztes Jahr. Denn im letzten Jahr war alles noch so frisch gewesen. Nun fing man an zu vergessen- und das machte uns allen zu schaffen.
    Gerade hatte ich mein viertes Bier geleert, da tauchte Ylvi doch noch auf, setzte sich neben mich und schaute fragend zu mir rüber. “Harter Tag, hm?” “Harter Tag.”, antwortete ich und hielt ihr ein Bier hin.

    Ylvi
    Ich hatte von seinem Streit mit Bellamy erfahren kurz nachdem ich das Büro verlassen hatte. Welchem genauen Wortlaut der Streit entsprochen hatte wollte ich gar nicht so genau wissen. Murphy hatte ich nur davon sprechen hören. Ich roch deutlich das Bier an ihm, sah die drei leeren Flaschen auf dem Tisch. Ich ließ mich einfach nach hinten auf die Couch fallen, griff dabei nach dem Bier das er mir hin hielt. Es bedurfte keiner Worte. Wozu auch. Ich sah auf das Bier, lächelte. Vor einigen Wochen hatte ich einen Hilferuf nach deutschem Bier zu meinem Vater geschickt. Dieser hatte mir einige Flaschen zugesendet, außerdem hatte ich einen Lieferanten ausfindig gemacht der uns nun mit einigen Kisten belieferte. Darunter schwarzer Abt und Gessner. Gerade Gessner schien es Caleb angetan zu haben denn ich hielt es gerade in der Hand, die leeren Flaschen entstammten ebenfalls dieser Sorte. Ich nahm einen tiefen Schluck. Ich hatte Durst, sollte ihn wohl eher mit Wasser stillen, doch war ich deutlich zu faul, um wieder aufzustehen. Zur Abwechslung lief tatsächlich mal der TV, der setzte bei uns sonst eher nur Staub an. Richtig fesselnd war die Sendung die lief allerdings nicht. Daher verzog ich mich doch kurz in die Küche, machte ein paar Sandwiches, füllte Wasser in eine Karaffe, Snacks, ein Buch und stellte auch ein paar neue Biere auf das Tablett. Eine gute Viertelstunde später betrat ich das Wohnzimmer wieder. Calebs Blick hob sich, ein kurzes Zucken seiner Lippen verriet mir seine Freude. Ich stellte meine Last ab, schnappte mir das Buch, ein Sandwich und kringelte mich in der Ecke der Couch zusammen um zu lesen. Auch Caleb nahm sich ein neues Bier, ein Sandwich. “Dankeschön.” In der nächsten Stunde las ich, während er der Sendung lauschte ohne ihr wirklich zu folgen. Ich war einfach nur da.. er sollte wissen, das bei was auch immer, ich für ihn da war. In den wenigen Monaten war er mir als Freund wichtig geworden.

    Caleb
    Den restlichen Abend über verlor niemand von uns viele Worte, womit ich durchaus zufrieden war. Ich weiß nicht wie lange ich noch in den Fernseher geschaut hatte und eine Sendung über Auktionshäuser gesehen hatte. Ylvi hatte mir irgendwann statt einem neuen Bier Wasserflaschen gereicht, die ich zunächst murrend, dann aber dankend annahm. Ich musste um fünf aufstehen und um neun mussten wir zum Flughafen fahren. Meine Sachen waren noch nicht gepackt und ich hatte morgens noch eine Menge Arbeit vor mir. Ich leerte glaube ich eine Wasserflasche und eine halbe und schien dann irgendwie eingenickt zu sein, denn als ich aufwachte, lag auch Ylvi noch immer irgendwie zusammengerollt auf der Couch. Sie hatte das Buch auf den Boden fallen lassen und der Fernseher quasselte noch immer vor sich hin. Ich schaute auf mein Handy auf dem Tisch. 4:30 Uhr. Es lohnte sich nicht mehr für eine halbe Stunde wieder auf der Couch einzuschlafen. Und nach oben in mein Bett brauchte ich auch nicht mehr zu gehen, weshalb ich leise aufstand und meine Beine mich wie von selbst in die Küche trugen, wo ich eine Aspirin mit einem Glas Wasser trank. Dämlicher Alkohol. Keine Ahnung wie viele Flaschen Bier es letztendlich geworden waren, ich hatte eben im Wohnzimmer nicht nachgeschaut.
    Ich ging hoch in mein Zimmer, packte schnell eine Tasche und holte diese dann mit runter in den Flur. Dort zog ich meinen Hut und meine Stiefel an und verschwand nach draußen. Pferde misten, Pferde füttern und Pferde auf die Koppeln oder die Paddocks bringen. Ich hatte Murphy und Laurence damit beauftragt, meine Pferde die nächsten Tage mit zu machen und alles andere, was ich sonst erledigte, auf einen Zettel zu schreiben und liegen zu lassen. Vorausgesetzt es war nicht so wichtig. Ich verabschiedete mich noch von meinem Hengst und ging dann wieder nach drinnen, wo ich mich duschte, umzog und dann unten in der Küche anfing das Frühstück zu machen. Ylvi war noch draußen unterwegs, weshalb ich heute ausnahmsweise einmal etwas mehr zu essen machte als Brot mit etwas essbarem drauf. Stattdessen machte ich eine Pfanne Eier und Speck und stopfte den Toast in den Toaster, damit er etwas knackiger wurde. Gerade als alles auf dem Tisch stand hörte ich es oben poltern. Das konnte ja wohl nur Ylvi sein, dachte ich und setzte mich grinsend auf den Stuhl, hob meine Tasse Kaffee zum Mund und nahm einen großen Schluck.

    Ylvi
    Gegen 6 Uhr erwachte ich mit Nackenschmerzen und kribbelnden Beinen. Blöde Position zum Schlafen. Trotzdem hatte ich mich aufgerafft, dem Quartett ihre Heunetze hingegangen, Wasser kontrolliert und nochmal schnell abgeäppelt. Da ich noch packen musste es bereits auf 8 Uhr zuging machte ich mich wieder auf den Weg ins Haus. Dort begrüßte mich der Geruch nach Speck… und Eiern. Caleb sah ich durch den Spalt der Küchentür am Herd stehen. Ich huschte hinauf. Etwas ratlos stand ich da, griff nach dem Wanderrucksack, stopfte warme Klamotten hinein - es wurde immerhin langsam Herbst, zumindest an unserem Reiseziel. Wanderschuhe zog ich ohnehin an. Nach der Arbeit gönnte ich mir eine fixe Dusche, ließ dabei allerdings die Haare aus.
    Auf dem obersten Treppenabsatz verlor dann mein Gleichgewicht, griff nach dem Geländer ließ den Rucksack fallen der sich polternd seinen Weg die Treppe runter suchte. Ich versuchte mich zu fangen, fiel. jedoch zumindest zwei Treppenstufen rutschend auf den Po. Zusätzlich zum Nacken, ging mir ein Schmerz durch mein Steißbein. Ich sog die Luft ein. Guter Start in den Morgen. Definitiv. Am rauhen Teppich auf der Treppe hatte ich mir den Hacken leicht aufgeschürft. Tollpatsch. Ich rappelte mich auf,sammelte den Rucksack ein und stellte ihn in den Flur. Dort befand sich bereits Calebs Tasche. Wir reisten beide offensichtlich mit kleinem Gepäck. Dann hinkte ich langsam in die Küche. Es war schön wenn der Schmerz nachließ. Caleb trank gerade an seinem Kaffee, stellte den Pott ab. “Schon wieder die Treppe? “ die Belustigung triefte aus jeder Pore. “Ich sags dir, irgendwas hat die gegen mich! “ Ich sah auf die zwei Dreiecke aus Toast und den Haufen Eier mit Speck - letzteres schien irgendwie zu unserem Standardfrühstück mutiert zu sein. Auch vor mir stand ein Pott Kaffee, sowie Zucker. Caleb schmierte sich gerade Butter auf das Toast. “Wie hast du damals nur die Alpen überquert?“ “Ganz einfach, ich bin Treppen aus dem Weg gegangen.” frohlockte ich, schnappte mir die Butter und strich sie auf das noch warme Toast. Wir beeilten uns mit dem Frühstück, wuschen gemeinsam ab. Anschließend schauten wir ob alle Geräte im Haus aus waren, dann erst ging es in Richtung von Calebs Wagen. “Ist der Stall in Luggala eigentlich auch eine Ranch?”

    Caleb
    Auf dem Weg nach draußen hatte ich beide Taschen vom Boden aufgehoben. Ylvis Protest, dass sie die schon alleine tragen konnte, winkte ich einfach ab und legte das Gepäck auf die Ladefläche des Pick Ups. “Ich bezeichne eigentlich fast immer nur Höfe in und um Amerika als Ranch, deshalb keine Ahnung. Ich war selbst noch nie da, wir sehen die Anlage also heute Beide zum ersten Mal.”, beantwortete ich ihre Frage. An der Autotür tat ich so, als würde ich sie ihr öffnen, drehte mich jedoch dann galant weg und bekam prompt einen Schlag auf den Arm. “Ey, aua.”, sagte ich lachend und stieg dann selbst in mein Auto ein. Ich startete den Motor und fuhr in Richtung Straße. Wir wanken Bellamy noch kurz, als er rauskam und ebenfalls seinen Arm hob, ehe wir auch schon unterwegs in die Stadt waren. Die Fahrt verlief relativ ruhig. Ylvi fragte mich zwar, was wir uns für ein Pferd anschauen würden, doch eine genaue Antwort bekam sie nicht. “Einen hellen Fuchshengst mit guter Abstammung. Nicht unbedingt Reining gezogen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Linie ist körperlich dafür auf jeden Fall geeignet.”, hatte ich ihr gesagt.
    Am Flughafen angekommen parkte ich den Wagen, wir checkten ein, warteten kurz und flogen dann nach Irland. Genauer gesagt nach Dublin. Verena hatte auch eine kurze Zeit in Irland gewohnt, doch von dieser Zeit wusste ich so gut wie nichts. Sie hatte scheinbar schon fast überall auf der Welt gewohnt. Sie und ihre Pferde.
    Während des Fluges schliefen wir fast die ganze Zeit, wir hatten beide noch einiges nachzuholen. Froh waren wir dennoch, als der Flug zu Ende war, wir unser Handgepäck sofort mitholen konnten und nicht auf lästige Koffer warten mussten. Wir hielten uns ein Taxi an, stiegen ein und fuhren dann los zu den Ställen von Luggala und zu Nachtschwärmer, meinem hoffentlich bald neuen Pferd.

    Ylvi
    Halb geblendet von dem ganzen Grün brachte uns das Taxi raus aus Dublin weiter aufs Land. Die Vegetation war hier um so vieles anders als in meiner momentanen Heimat. Ich spürte einen kleinen Anflug von Wehmut in mir aufsteigen. Auch eine wunderschöne Gegend hier! Aber hier wohnen wollte ich auch nicht. Mein Herz hatte ich mittlerweile an die Ranch und ihre Umgebung verloren. Vielleicht sollte ich trotzdem mal wieder bei meiner Familie vorbei schauen? “Ich bin gespannt auf den Fuchs. Nach welchen Kriterien du ein Pferd aussuchst.” Caleb saß neben mir blieb mir die Antwort schuldig, lächelte jedoch versonnen. Das glich in etwa einem “das wirst du schon noch sehen”. Ein tiefes Gähnen kam mir über die Lippen, also lehnte ich mich zurück und legte die Stirn an die kühle Scheibe. Wir würden zu den Wicklow Mountains eine gute Stunde brauchen. Irgendwie hatte ich entweder mit dem Jetlag zu tun, oder einfach nur so Kopfschmerzen. Daher genoss ich die kalte Scheibe auf meiner Haut. Ich zog die Weste enger zusammen. Ich holte mir doch nicht etwa eine Erkältung? Allerdings fühlte ich mich generell schlapp. Als das Taxi wegen einer Herde Schafe anhalten musste, versank ich bereits in den Schlaf, bekam kaum mit als wir weiter fuhren.


    Caleb
    Auch ich schaute mir die Gegend immer mal wieder an, unterhielt mich aber sehr viel mit dem Taxifahrer. Wo wir herkamen, wo wir hin wollten und was wir dort taten. Als ich ihm erklärte, dass wir oder zumindest ich ein richtiger Cowboy sei und ich hier ein neues Pferd für mich suchen würde, fing er an zu lachen und fragte, ob es von Cowboypferden in Amerika denn nicht genug geben würde. Da Ylvi fest zu schlafen schien, erzählte ich ihm ein wenig von Verena und ihren verrückten Plänen, und dass ich einen Achal Tekkiner erfolgreich in der Reining showte und dass ich mir jetzt einen Haflinger anschauen wollte, mit dem ich das Gleiche vorhatte. “Haflinger sind im Amiland nicht so vertreten, oder?”, fragte er mich und bog auf eine andere Straße ab. “Mir sind noch nicht viele unter die Augen gekommen. Criollos zum Beispiel ja, aber Haflinger gibt es auch eher in Europa, glaube ich.”, antwortete ich ihm und er nickte. “Wohl war.”, antwortete er mir und bog dann auf unsere Zielstraße ab. Dort hielt er an und gab mir etwas Zeit, Ylvi zu wecken. “Ylvi, aufstehen. Wir sind auf Luggala.”

    Ylvi
    Ich schien wirklich fest weg genickt zu sein, meinem ohnehin steifen Nacken hatte diese Position nicht unbedingt gut getan. Außerdem tat mein Kinn weh vom Liegen am harten Plastik. Ich blinzelte, unterdrückte nur knapp ein Murren und drehte meinen Kopf leicht in Richtung Caleb. Der hatte sich vom Gurt befreit näher zu mir gerückt und strich mir über die Wange. Als ich ihn anblinzelte klopfte er sanft darauf, lächelte. “Wir sind da.”
    Etwas mühsam kam ich aus dem Wagen, hielt mich kurz an der Tür fest. So ganz sicher war ich irgendwie nicht auf den Beinen. Blöder Jetlag. Mir tanzten schwarze Motten vor den Augen - zu schnell aufgestanden. Dann sah ich mich um, die Natur raubte mir beinahe den Atem. Eine gute Mischung aus traditionell und restaurierten Hof, hübsche Weidezäune und darauf Pferde die wenig Interessiert an uns schienen. Deshalb liebte ich es zu Reisen! Ich musste später unbedingt noch ein paar Bilder mit der Kamera machen, bevor wir wieder nach Hause mussten. Luggala schien keine direkte Zucht zu haben, denn die Pferde auf der Weide entsprachen verschiedenen Rassen, aller Größen. Mich beschlich langsam der Verdacht das Celeb hier vielleicht gar kein Ranchpferd kaufen würde. Ich schwieg darüber jedoch still. Wir verabschiedeten uns vom Taxifahrer, dann ging es die Auffahrt des Stalles hinauf. Mit seinen Stiefeln, dem Huf passte er in etwa so gut hier her wie Crocodile Dundee nach New York. Fehlte eigentlich nur die Machette oder der Revolver am Gürtel. Dabei dachte ich an meinen Leatherman, der sicher verwahrt zwischen meinen Brüsten am BH angebracht war. Ich fühlte mich sonst nackt ohne ihn, irgendwie. Während des Fluges war er in meinem Rucksack gewesen.

    Caleb
    Ich hatte mich natürlich sofort auf den Koppeln umgesehen, nachdem ich dem Taxifahrer sein Geld gegeben und mich für die nette Unterhaltung bedankt hatte. Bei der Ansprache mit der Unterhaltung hatte Ylvi fragend zu mir rüber geschaut, doch ich hatte nur zurück gegrinst und mit den Schultern gezuckt. “Du hast geschlafen.”
    Als wir mit dem Gepäck weiter gingen fiel mir auf, dass Ylvi nicht wirklich fit war. Ich bot an, ihre Tasche zu tragen, doch sie winkte ab und meinte, dass sie das wohl noch gerade so selbst schaffte. Als wir fast beim Haus angekommen waren, schaute ich nach links auf eine Koppel mit zwei schwarzen Pferden, das eine mit Sicherheit ein Friese, einem großen, wolligen Etwas, einem Pferd, dass von der Statur her Choco sehr nahe kam und einem Haflinger. “Da steht er.”, sagte ich zu Ylvi und zeigte auf die Koppel mit der bunt gemischten Truppe. “Da?”, fragte sie ungläubig und hielt sich den Arm vors Gesicht, um besser gegen die Sonne sehen zu können. Von weitem sah Nachtschwärmer noch ein bisschen wie ein Quarter aus, doch später würde man den Haflinger erkennen. “Welches?”, fragte Ylvi nochmals interessiert, doch ich schüttelte nur den Kopf. “Lass dich überraschen.”, antwortete ich ihr und ging in Richtung Haupthaus, wo uns bestimmt Zasa empfangen und erst einmal reinbitten würde.

    Ylvi
    Ich spähte hinüber zu den Pferden, ein Fuchs..oder eher Palomino(?) stand am hinteren Rand einer Koppel. Mein starren in diese Richtung ließ mich fast verpassen das Caleb Richtung Haupthaus ging. Ich zog die Schnüre des Wanderrucksacks enger um meine Schultern.
    Eine Frau die etwa in meinem Alter sein musste öffnete uns die Tür, der Grund für die Verkleinerung ihres Bestandes trug sie auf dem Arm. Ein Baby, kaum älter als drei Monate ruhte in einem Tuch um ihren Oberkörper, ihr anderer Arm stützte das ganze Gebilde. Sie stellte sich als Zasa vor, bat uns herein. Bei den folgenden Gesprächen um die Abstammung des Hengstes, des Trainings und der zukünftigen Unterbringung hörte ich kaum richtig zu. Besah mir die Einrichtung, versuchte meine Müdigkeit zu verbergen. Literally könnte ich auf dem Tisch direkt einschlafen.
    Keine Ahnung wann, aber irgendwann hatte Zasa das Kind an den Vater abgegeben, anschließend führte sie uns auf die Koppeln damit Caleb sich den Hengst aus nächster Nähe anschauen konnte. Mit jedem Meter den wir näher kamen sah ich den Hengst genauer. Ich war mit diesen Pferden aufgewachsen, hatte auf ihrem Rücken das Reiten erlernt. Ich blieb stehen, grinste deutete auf Nachtschwärmer…”Das ist aber kein Ranchpferd.”

    Caleb
    Zasa schien einiges zu besprechen zu haben. Sie erzählte uns ein wenig über ihren Hof, über ihre Arbeit, das Baby und schließlich auch über Heartland, wo sie Nachtschwärmer her hatte. Der Verkauf fiel ihr weiß Gott nicht leicht, doch mit dem Baby waren es einfach viel zu viele Pferde, um die sie sich kümmern musste. Deshalb mussten ein paar gehen. “Dass sich jemand von so weit weg für eines meiner Pferde interessiert, damit hätte ich nicht gerechnet.”, sagte sie irgendwann und schob mir die Papiere rüber, die ich sorgsam betrachtete. “Papa ist L’ombre de la Figaro, von Jargo aus der Little Baby. Mutter ist Nachtigall.”, erklärte Zasa mir, was ich da sah. “Figaro hab ich schon mal gehört, auf Heartland war ich auch schon mal mit meiner alten Chefin.”, sagte ich ihr und stand dann auf, als ich alles gelesen hatte. “Dann wollen wir uns den Kerl mal anschauen.”, sagte ich und wir gingen gemeinsam nach draußen. Beim Näherkommen erkannte man genau, dass es sich bei diesem Pferd um kein Quarter handelte.
    Auf Ylvis Aussage fing ich an zu lachen. “Nein, das ist weder ein Ranchpferd noch ein Ropingpferd. Aber der hats mir angetan.”, sagte ich zu ihr und nahm das Halfter von Zasa entgegen, mit dem ich den Hengst einfingen ging. Der Hengst ließ sich sofort aufhalftern und aus der Koppel führen. “Natürlich kaufe ich kein Pferd, ohne es einmal Probegeritten zu haben.”, sagte ich zu Zasa und sie nickte. “Aku liegt vor, nehme ich an?” “Ja genau, kann ich dir gleich zeigen.”, sagte sie und ich nickte. Wir gingen zusammen zum Stall, wo Ylvi und ich den Hengst putzten und ihn genauer unter die Lupe nahmen. “Du hast nicht zufällig einen Westernsattel hier, der ihm passt?”, fragte ich Zasa dann. “Nein, leider nicht. Du musst ihn wohl mit seinem Springsattel reiten.”, sagte sie entschuldigend und Ylvi kicherte leise im Hintergrund. “Du im Springsattel, mal was ganz neues.”, sagte sie keck und ich warf ihr einen bösen Blick zu.
    Der Blonde wurde also mit seiner Ausrüstung gesattelt, ehe wir auf den Platz gingen. Dort gurtete ich nach und stieg dann auf. Die Steigbügel waren doch um einiges kürzer, als ich es gewohnt war- viel kürzer. Ich wärmte den Hengst ein wenig auf und fing dann an ihn zu traben und schließlich zu galoppieren. Dabei hielt ich ihn ausschließlich auf dem Zirkel. Große und Kleine im gemäßigten Tempo. Im Trab hielt ich ihn dann einmal an. Er benutzte seine Hinterhand wirklich gut und hatte damit schön gebremst. “Ausbaufähig.”, sagte ich zu Zasa und Ylvi und klopfte dem Hengst den Hals. “Galoppwechsel müsste er vom Springen kennen, oder?”, fragte ich die Besitzerin und sie nickte. Ich galoppierte ihn also wieder auf dem Zirkel an und gab an X Hilfen zum Galoppwechsel. Den sprang er wirklich sauber um, so dass ich das auch auf der anderen Hand versuchte. Hier tat er sich etwas schwerer, doch es war im ertragbaren Rahmen. Ich hielt ihn an, testete das Rückwärtsgehen und auch das drehen auf der Stelle. Er lief zwar mit allen vier Beinen vorwärts, drehte sich jedoch im Kreis. “Ylvi willst du auch mal?”, fragte ich Ylvi dann und ritt zu den beiden an den Zaun.

    Ylvi
    Obwohl jeder Muskel brannte, meine Müdigkeit wich einen Moment der Begeisterung. “Oh ja! “ Ich nahm nicht etwa die Tür, sondern kletterte zwischen dem Holzzaun durch. Auf der Ranch hatte ich die schlechte Angewohnheit entwickelt ohne Helm zu reiten, zum ersten Mal wollte ich nun einen aufsetzen. Da allerdings Caleb den Ritt überlebt hatte, machte ich mir weniger Gedanken darum. Caleb hielt den Hengst an den Zügeln, ich schwang mich in den Sattel und begann erst von oben meine Bügel einzustellen. Caleb half mir dabei, dann nahm ich die Zügel auf. Ich probierte den Hengst zunächst nur im Schritt, er war unfassbar fein an den Hilfen. Stellte ich die Hände zu weit auf rollte sich Nachtschwärmer direkt ein, schien seine Brust essen zu wollen. Ließ ich ihm die Zügel lang, streckte er sich nach vorn. Für die Umschulung auf Western war dies eine gute Voraussetzung. Nach einigen Runden im Trab, parierte ich den Hengst durch. Caleb sah mich etwas skeptisch an. “Jetlag hat mich ganz schön erwischt. Aber ich denke mit ihm machst du nichts falsch. Er sucht von sich aus das V/A, steht fein an den Hilfen. So viel Ahnung hab ich ja nicht, aber in der Reining könnte er eine gute Figur machen?” Ich führte mein Bein über den Hals des Hengstes, saß quer und ließ mich aus dem Sattel rutschen. Ich ging ein wenig in die Knie, meine Füße taten weh vom Aufprall, außerdem tauchten die Motten wieder auf. Ich war froh über den Hengst in meinem Rücken, an dem ich mich anlehnte. Ich hatte zu wenig getrunken in den letzten Stunden, ich sollte das nicht ständig vergessen.

    Caleb
    Es war gut den Hengst auch aus der Entfernung beobachten zu können, Zasa hatte nicht reiten wollen, sie war auch etwas aus der Übung. Doch er hatte seinen Job bei mir gut gemacht und lieferte bei Ylvi nun auch ab. “Ich denke auch.”, antwortete ich ihr und strich dem Hengst über die Stirn. “Mal schauen wie du im Westernset aussiehst, kleiner Mann.”
    “Kommt wir gehen nochmal zum Stall, dann könnt ihr absatteln und ich geh die Papiere von der Aku holen.”, schlug Zasa vor und wir nickten beide zustimmend. Am Stall sattelten wir ab, legten ihm eine Abschwitzdecke auf und brachten ihn in eine Box. Zasa brachte die Papiere, ich schaute mir alles gründlich an und nickte dann zustimmend. Wir handelten noch den Preis aus. 1000 Joellen. Das war nicht gerade günstig, aber Platz nach oben gab es immer. “Gekauft.”, sagte ich dann und schlug ein. Im Büro regelten wir den restlichen Papierkram und buchten einen Flug. Morgen früh würde er mit nach Amerika kommen. Zasa bot mir seinen Springsattel und die Trense noch zum Kauf an, doch ich lehnte dankend ab. “Das würde bei uns eh nur verstauben.”, sagte ich schulterzuckend. “Vielleicht passt es ja noch einem anderen Pferd hier von dir, wenn du die Sachen ein bisschen anpasst.”, schlug ich ihr vor und sie nickte. “Wir kommen dann morgen früh und holen ihn ab. Ich hab in der Nähe ein Hotelzimmer gebucht. Dann fahren wir jetzt da hin.”, verabschiedete ich mich von ihr und ging mit einer verwunderten Ylvi nach draußen. “Davon hast du mir ja gar nichts erzählt.”, sagte ich. “Ja, war auch eher eine super spontane Sache. Wusste ja nicht, ob Zasa hier Platz für uns hat.”, gab ich ihr als Antwort und zusammen warteten wir auf unser Taxi, welches uns ins Hotel bringen sollte.

    Ylvi
    Das Auto fuhr nur etwa 20 Minuten ehe wir in einem der Vororte von Dublin hielten. Nicht ganz die Innenstadt aber im Grunde war ich das auch gar nicht gewöhnt. Ein kleines Schild über der Tür nannte uns den Namen des Hotels “The Farmers Inn” darunter “Pub, Restaurant and Hotel”. Natürlich, ähnlich wie in England gab es auf der Insel ebenfalls einen Haufen von Pubs. “Ich werd mir direkt einen Irish Coffee geben lassen, vielleicht vertreib ich so die Jetlag Müdigkeit.” verkündete ich als das Taxi hinter uns die Straße verließ.
    “Klingt nach einem Plan, aber lass uns die Taschen erst nach oben bringen.” Das einchecken lief ohne Probleme ab.. was mich jedoch etwas verlegen machte war die Anrede die uns zuteil wurde. “Kommen sie Mr. und Mrs. O’Dell, ich bringe sie zu ihrem Zimmer.” Ich sagte jedoch nichts. Klar wir reisten zusammen, hatten ein gemeinsames Zimmer - da konnte man schonmal davon ausgehen das man zusammen war… oder wie hier verheiratet. Ich zuckte innerlich die Schultern, lächelte und folgte der rundlichen Frau die Treppen hoch, Caleb direkt hinter mir. Im Zimmer entledigten wir uns der Taschen, der dicken Jacke und ich konnte nicht anders als mich rückwärts auf das Bett zu werfen.. es knarzte leise, ich seufzte. “Ich glaube du hast mit Nachtschwärmer kein schlechtes Geschäft gemacht. Falls du aus ihm ein ebenso verlässliches Pferd machst wie aus Choco oder Ravn. Verlässlich ist er ja im Grunde auch schon, aber ich denke du machst was feines aus dem Kerlchen. Wenn ich dran denke was du in den paar Monaten aus Ravn und mir gemacht hast.” Ich konnte nur halb ein Gähnen zwischendurch verstecken. Ich war müde, mein Rücken spannte und ganz wohl auf den Füßen war ich auch nicht. “Ich weiß nicht ob ich es jetzt noch runter in den Pub schaffe.” meinte ich halb im Ernst, halb im Spaß. Ich spürte Calebs Gewicht auf dem Bett, im nächsten Moment landete er neben mir.. seine Füße noch außerhalb des Bettes, seine Schulter berührte meine.

    Caleb
    “Mrs. O’Dell Sie sehen wirklich fertig aus.”, sagte ich scherzend zu Ylvi, zog halb liegend, halb sitzend meine Stiefel aus und ließ sie achtlos auf den Boden fallen. Dann legte ich mich wieder aufs Bett zurück und berührte Ylvi wieder mit der Schulter. Eine ganze Weile lagen wir so da und starrten die Decke an, bis ich mich aufrichtete und mich zu ihr rüber drehte. “Bist du sicher, dass alles ok ist? Nach Jetlag alleine sieht das da wirklich nicht aus…”, sagte ich zu ihr und Besorgtheit schwang in meiner Stimme mit. Ich war auch müde und kaputt, ja. Aber so fertig war ich nicht. Statt auf meine Frage zu antworten stellte sie mir eine Gegenfrage: “Wollten sie mir den Kaffee nicht hoch bringen?” “Ich geh ihn dir holen.” Also Stiefel wieder an, Hut auf die verschwitzten Haare und dann verließ ich das Zimmer. Im Rausgehen hatte ich noch den Schlüssel eingesteckt, da ich nicht sicher war, ob die Tür automatisch verriegelt sein würde. Unten bestellte ich den Irish Coffee und hoffte, dass ich den Namen noch richtig in Erinnerung hatte. Außerdem ließ ich mir ein irisches Bier geben. Damit bewaffnet ging ich wieder nach oben und öffnete die Tür. Ylvi lag noch immer auf dem Bett, hatte sich aber anders hingelegt. Sie schien aufgestanden zu sein und war dann wohl wieder ins Bett gefallen. “Hier, dein Kaffee.”, sagte ich und reichte ihn ihr rüber.

    Ylvi
    Das er diesen Ehefrau Quatsch auch noch Aufgriff. Während Caleb aus dem Raum verschwand um den Kaffee zu holen, verzog ich mich ins Bad. Besah mir mein blaßes Gesicht im Spiegel, warf mir ein wenig heißes Wasser ins Gesicht und trocknete mich ab. Vielleicht hatte mein Körper mal wieder mit irgendeiner Infektion zu kämpfen? In der Vergangenheit war das oft der Fall gewesen.
    Ich atmete tief durch, besuchte die Toilette und stiefelte zum Bett zurück. Ließ den Tag nochmal Revue passieren. Caleb der einen Haflinger kaufte. Wieder die Erwähnung von Verena. Ich hätte sie gern kennengelernt. Sie schien einen nachhaltigen Eindruck bei diesem Bullen hinterlassen zu haben. Louis schrieb mir das Training mit Gweny sei gut gelaufen und das er einen Ausritt mit Ravn unternommen hatte. “Hopefully you aren´t capturing that horse from me too?” Es kam ein Smiley zurück der die Zunge rausstreckte. “Not as long as your my friend.” ich schickte ein lächelnden Smiley zurück. Ließ dann das Handy irgendwo im Rucksack verschwinden, streifte mir die Stiefeletten von den Füßen. Dann kringelte ich mich in Embryostellung auf dem Bett zusammen, den Kopf auf der Jacke von Caleb. Nur einen Augenblick später öffnete sich jedoch die Tür wieder, er reichte mir den dampfenden Irish Coffee, ließ sich auch auf das Bett sinken. Ich nippte an meinem Getränk, verkohlte mir die Oberlippe, pustete dann lieber doch. “Du siehst ein wenig besser aus.” “Ich denke ich brüte einen Infekt aus.” seufzte ich. “Nach der Hitze von New Mexico schein ich das Wetter nicht mehr zu vertragen, das hier herrscht.” vielsagend sah ich aus dem Fenster. Dort war es bereits dunkel, Tränen aus Regen an der Fensterscheibe, dort klebte sogar ein Blatt vom Wind dort fast festgeklebt. “Mhm.” kam es von Caleb, nicht ganz überzeugt. Mir wärmte nicht nur der Irish Coffee meinen Brustkorb. Er schien sich tatsächlich Sorgen um mich zu machen. Ich rutschte zu ihm auf an das Headboard des Bettes, streckte meine Beine aus. “Weißt du..ich habe jetzt schon von vielen Seiten Sachen über Verena erfahren. Möchtest du mir nicht mehr von ihr berichten? Sie klingt nach einer Person die ich gern gekannt hätte..so nachhaltig wie sie dich beeinflusst hat.” Ich hoffte inständig nicht zu neugierig zu klingen, aber ich wusste so wenig über sie.

    Caleb
    Ich hatte mir mein Bier schon unten aufmachen lassen, so dass ich es nun in vollen Zügen genießen konnte, ohne mir wie Ylvi die Zunge zu verbrennen. Als sie mir die Frage über Verena stellte, verschluckte ich mich fast an meinem Bier und hustete erst einmal eine Weile vor mich hin. “Okay, damit hab ich jetzt nicht gerechnet.”, sagte ich lachend. “Ich glaub Verena war von Anfang an die große und wahre Liebe in meinem Leben. Es kam jedoch nie zu mehr als einem Kuss.”, antwortete ich Ylvi und sah in ihrem Blick, dass ihr das nicht reichte. “Okay, okay.. Also von Anfang an… Nach meinem Unfall beim Rodeo musste ich eine lange Zeit aussetzen, was das Reiten anging und auch was mein Leben anging. Dazu aber ein anderes Mal. Irgendwann hatte ich mich wieder aufgerappelt und musste mir eine neue Arbeit suchen. Das Bullenreiten konnte ich vergessen und Ropen konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Die Gips Reminder Ranch suchte noch Stallburschen und Trainer. Ich bewarb mich und wurde sofort eingestellt. Am Anfang habe ich Verena zur Weißglut getrieben, ich war einfach besser als sie und wusste mehr, weshalb ich ihr immer wieder Tipps und Anweisungen gab und sie nicht nur einmal zusammenfaltete, was sie denn da für einen Mist auf dem Pferd machte… und irgendwie entwickelte sich im Laufe der Zeit etwas zwischen uns. Dumm wie ich damals war, hab ich sie natürlich nicht nur einmal betrogen, kam auch nie an sie ran. Bis auf einen Kuss ist nie etwas passiert, obwohl es geknistert hat. Sie war schließlich immer noch meine Chefin. Und ihre liebsten Pferde waren Gipsy, Bella und Choco. Ihr war es absolut egal, dass Choco kein Westernpferd war. Er war gut, in dem was sie mit ihm tat. Und die beiden waren zusammen gut. Umso stolzer macht es mich natürlich nun, dass die drei Pferde doch wohlauf sind und Choco sogar bald zur Körung geht. Sie hat an die Pferde geglaubt. Und wenn sie eben in der einen Sache nicht gut waren, dann hat sie herausgefunden, was die Pferde konnten und sie nicht dazu gezwungen, Dinge zu machen, die sie gar nicht konnten. Ich habe sie auch für ihre humorvolle Art geliebt… ach ja, nicht zu vergessen Zues, der… dämliche Gaul. Der steht immer noch halb wild bei uns rum und keiner weiß wirklich etwas mit ihm anzufangen. Den hat sie mit zwei Jahren vom Schlachter gerettet.. Ich hatte ihr damals schon gesagt, dass dieses Pferd unberechenbar ist. Sie sagte mit etwas Zeit würde das schon werden. Daraufhin hatte ich sie gefragt, was etwas Zeit denn heißen würde. Einen Monat? Ein Jahr? Zwei Jahre? Ich hatte ihr gesagt, dass er niemals ein gutes Pferd werden würde. Einige Zeit später hat sie mich vom Hof geschmissen, weil ich mit ihr wegen ihm eine sehr große Meinungsverschiedenheit hatte. Und mir eine Ohrfeige geben.. ich kam jedoch zurück und siehe da, sie hatte Wunder vollbracht. Das Pferd ließ sich zumindest anfassen… naja, und dann kam die Explosion und alles änderte sich…”, erzählte ich ihr und leerte mein Bier dann in einem Zug. Ich hasste es, mich an diese Zeit zu erinnern.

    Ylvi
    Es blieb danach eine Weile still, während jeder den Gedanken nachhing. Wie ich vermutet hatte, Verena hatte ihn beeinflusst auf eine Weise wie es vielleicht keiner getan hatte. In einigen ihrer Worte erkannte ich mich selbst wieder, auch ich presse die Pferde nicht in eine Rolle die ihnen nicht gefiel. Trotzdem war ich getroffen, ich konnte wohl nie nachvollziehen können wie es war Menschen die einem lieb waren so plötzlich aus dem Leben scheiden zu sehen. Ein Schauer ging mir über den Rücken dabei. “Sie lebt in dem weiter was ihr alle tut um ihre Erinnerung wach zu halten. Ich habe sie nie kennengelernt, aber ich glaube sie hätte mir gut gefallen.” Was sollte ich auch anderes sagen dazu? Ich gab es mir selbst in dem Moment nicht zu, doch seine Aussage mit der einzigen Liebe versetzte meinem Herz einen Stich. Dabei überging mein Verstand den Fakt das er nicht einzige Liebe gesagt hatte. Die Liebe war tückisch und obwohl ich mir selbst nur zu oft einredete ihr nicht zu verfallen so bohrte sich Caleb mit einer Art in mein Herz wie ich es bisher nicht gefühlt hatte. Wir hatten es schon einmal gehabt das Thema, wir beide nicht geeignet eine wirkliche Beziehung zu führen. Damals hatte er selbst zugegeben sich aus diesem Grund von ihr fern gehalten zu haben. Und ich war mir sicher oft genug bereute er diese Entscheidung auch. Doch im Grunde war der Drops jetzt gelutscht… sich über das alte den Kopf zu zerbrechen tat nur weh. Ich griff nach seiner Hand “Tut mir Leid. Ich hätte nicht fragen sollen.” es tat ihm offenbar noch immer weh. Es waren lediglich zwei Jahre seither vergangen. Louis hatte ihn damals im Krankenhaus ausfindig gemacht, die beiden musste eine sehr tiefe Freundschaft miteinander pflegen.

    Caleb
    “Ja, sie hätte dir gefallen.”, antwortete ich noch und drückte ihre Hand. “Ich habe mich hier vor unserer Abreise mit Bellamy gestritten. Er hat dann seit einer ganzen Weile etwas wirklich nettes zu mir gesagt gehabt. Nämlich, dass wir unsere geliebten Menschen alle verloren hatten und nicht nur ich. Und ich solle ihn, wenn es mir hilft damit fertig zu werden, so viel anschreien wie es nötig ist.”, erklärte ich ihr und sie horschte auf. “Letztes Jahr war der Verlust schlimm, ein Jahr war vergangen und man wurde sich schmerzlich bewusst, was passiert war. Jetzt, fast zwei Jahre nach dem Unfall, verschwimmen die Erinnerungen schon und man wird wütend auf sich, weil man anfängt, zu vergessen.”, sagte ich ihr und sie schaute mich aus traurigen Augen an. Viel dazu sagen konnte sie nicht. So legten wir uns einfach wieder aufs Bett, denn Kaffee und Bier waren leer, und starrten die Decke an. Irgendwann war ich eingeschlafen, denn als ich wieder aufwachte, lag Ylvi unter der Decke und hatte mir auch ein Stück drüber geworfen.

    Ylvi
    Caleb schlief, das Licht war bereits aus doch ich selbst kam nicht genug zur Ruhe. In seinem Shirt stellte ich mich auf den kleinen Balkon. Es war nun windstill, es roch nach Regen und Schaf. Von dort drehte ich mich um sah in Richtung Bett, dann hinauf zum Himmel. Essenz blieb, in der Erinnerung der Menschen selbst. Ich hatte ihm empfohlen aufzuschreiben… dann würde er nicht vergessen, solange er es nicht wollte.
    Als es mir zu kalt wurde schloss ich die Tür hinter mir, breitete eine Decke über Caleb aus und schlüpfte ebenfalls darunter. Mein letzter Gedanke richtete sich irgendwie an Verena selbst. Das ihr Vermächtnis fortgetragen wurde.. und das Versprechen auf Caleb acht zu geben. Ich fühlte mich ihr auf eine Art verbunden die ich nicht verstehen konnte, als würde ich in ihrer Schuld stehen dies zu tun. Dann schlief ich ein.
    Es war Caleb der mich sanft weckte, wie lange er bereits wach war wusste ich nicht zu sagen. “Morgen. Heute geht es zurück mit Nachtschwärmer? Wie lange muss er in die Quarantäne?” ich erinnerte mich an Ravn und Fylgja die dort knapp 4 Wochen bleiben mussten.

    Caleb
    “Es gibt einen Weg die Quarantäne zu umgehen. Er muss in Amerika ein paar Tests über sich ergehen lassen und klar als Sportpferd deklariert werden. Dann darf er zu uns auf die Ranch, und kann da seine vier Wochen rumstehen.”, erklärte ich ihr und zog mich während meiner Erzählung um. “Oh, sowas wusste ich gar nicht.”, sagte sie zu mir und ich lachte. “Ja, da muss man schon ein paar Leute kennen, die jemanden kennen.. die jemanden.. ach du weißt schon.”, sagte ich und lachte. Ylvi stieg kurz in mein Lachen ein und zog sich dann um. Ich tat es ihr gleich und stopfte alles in meine Tasche, lief noch einmal durch das Zimmer, ob wir auch nichts vergessen hatten, ehe wir beide nach unten gingen und auscheckten. Im Taxi sagte ich dann zu Ylvi: “Du siehst heute aber ein bisschen besser aus.” Sie zuckte jedoch nur mit den Schultern und schaute sich die schöne Landschaft an.
    Auf dem Hof ging alles ganz schnell. Was ich sehr wohl noch mitkaufte war seine Decke und die Transportgamaschen. Zasa verabschiedete sich herzlich von ihrem Pferd, ich übergab ihr noch das Geld und bekam Nachtschwärmers Papiere. “Ich schicke auf jeden Fall Fotos und Berichte, wie er sich macht.”, sagte ich lächelnd zu Zasa und sah in ihren Augen eine kleine Träne, die sie jedoch gekonnt versteckte.
    Auch am Flughafen ging alles sehr schnell. Der Hengst wurde sediert, aufgeladen und auch wir nahmen unsere Plätze ein. “Bist du auch so müde wie ich?”, fragte ich Ylvi irgendwann während des Fluges. Sie nickte und wir schafften es mal wieder, beide einzuschlafen. So bekamen wir die schöne Landschaft unter uns ein weiteres Mal nicht mit und wachten erst auf, als der Landeanflug gestartet wurde. Endlich am Boden angekommen holten wir unser Gepäck aus dem Flieger mit, warteten auf unser Pferd und hielten dann Ausschau nach Bellamy, denn er wollte uns mitsamt Hänger abholen. Wir erblickten ihn irgendwann, was gar nicht so einfach im Dunkeln war, luden den Hengst auf und setzten uns ins Auto.
    “Das ist aber kein Westernpferd.”, tadelte Bellamy mich prompt, als ich den Hengst auf dem Blakes Crow Meadow auslud und auf seinen Paddock brachte. Ich stand nun doch etwas abseits der Beiden und nahm die Decke vom Rücken des Hengstes runter. Bellamy und Ylvi unterhielten sich und ich schnappte einen Wortfetzen auf, den Bellamy wohl so oder so ähnlich zu Ylvi sagte: “Ich hoffe er findet bald endlich, wonach er schon so lange sucht…”​